Morgenausgabe Nr. 11 A 6 47. Jahrgang Wöchenwch 85$t, monatLch 3�0 TL im voraus zahllxir. Postbezug 4�8 M. ewschließNch 60 Pfg.PoftzeituoLS- und 72 Pfg. Postbestellgeb ühreu. Tluslanbs- abormement 6.— M. pro Monat. Der �Vorwärts* erscheint wochentZg- kich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Boll und Zeit" und„Ainderfreund". Ferner �Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme".„TechnU".„Blick in die Bücherwelt" und.Jugend-Lorwärts" p> Berliner Voltsbla« Mittwoch 8 Januar 1930 Groß-Äerlin 1U Pf. Auswärts 45 pf. Die einspaltige Nonpareillezelle 80 Pfennig. Reklame eile 5.— Reichs» mark.„Kleine Anzeige»'»las ettae. druckte WoN 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wott 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. WoNe über 15 Buchstaben ählen für zwei Worte. Arbeitsmaikt 'eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.!e ) Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt» gefchäft Lindenftraße 3. wochentäglich von SVa bis 17 Uhr. Jeutsawssan der SoziaSdemoKratifOe« Vartei Deutschlands Redaktion und Verlage Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprechern Tönboii 292—297 Telegramm-Adr; Soualdeinokra« Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin Z7S3S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter Anacstellten und Beamten. Wallstr öä Dt B u Tisr-Gel. Dcposttenkaste Lindcnstr g. Das neue J�eichsbankstatut. Ungenügende Vorschläge des Organisationskomitees. Die deutsche Oefsentlichteit kennt bis zur Stunde noch nicht die Vorschläge, die das Organisationskomitee für die Neuregelung des Reichsbank st atuts ausgearbeitet hat. Diese Geheim- Haltung gegenüber der deutschen Oessentlichkeit ist um so unnötiger, als diese Vorschläge in anderen Ländern bereits bekannt sind. Im wesentlichen erstrecken sich diese Vorschläge auf Artikel II! des Reichsbankgesetzes vom 30. August 1924. Dieser Artikel regelt' die Organisation der Reschsbank. 8 6 Absatz 4 des Gesetzes sah bisher vor, daß der Präsiden: vom Generalrat rgit einer Mehrheit von neun �Stimmen gewählt werden mutz. Seme Ernennungsurkunde bedurfte bisher der Unter- schrist des Rcichspräfidenien, jedoch stand dem Reichspräsidenten nur ein aufschiebendes Vetorecht zu. Nach den Vorschlägen des Organisationskomitees heißt die Vor- schrift nunmehr: „Der Präsident wird vom Generalrat nach Anhörung des Reichsbankdirektoriums in der weise gewöhll, dos, eine Mehrheit von sieben SUmmea vorhanden sein muh. Die Wahl bedarf der Leslätiguug des Reichspräsidenten, der die Ernennungsurkunde unlerzelchoel." Danach ist ans dem aufschiebenden ein absolutes Veto- recht des Reichspräsidenten geworden. Auch die Ernennung dar Mitglieder dcs'Dlrektorinms, die nach Zustimmung des Generalrats durch den Präsidenten erfolgt, bedarf in Zutunft der Bestätigung des Reichspräsidenten. Der entscheidende letzte Absatz des Z 6 jedoch, der die Frage der Abberufung des Präsidenten oder eines Mitgliedes des Direktoriums'regest, ist unverändert geblieben. Danach kann die Abberufung nach wie vor nur durch den Gencralrat ersolgen, ein« Einwirkung der Reichsregierung oder des Reichs- Präsidenten ist nicht vorgesehen. Im§ 14 und den folgenden Paragraphen, die die Zu- sammensetzung des Generalrats regeln, sind die Aenda- rungen vorgenommen worden, die durch das Ausscheiden der ausländischen Mitglieder notwendig sind. Die Zahl der Mitglieder des Gsneralrats wird von 14 auf 10 herabgc- jetzt, die Mitglieder müssen sämtlich deuischc Reichsangehörsge sein. Eine. Einwirkung der Regierung oder des Reichspräsidenten auf die Zusammensetzung des Generalrats ist ebenfalls nicht vorgesehen. Der§ 16, der die Wahl der Mitglieder des Gencralrats regelt, soll nach den Vorschlägen folgende Fassung erhallen: „Die Mitglieder des Genera'raks— mit Ausnahme des prö- sidenlen— werden auf dem Wege der Kooptation durch die jeweilig Im Amt bcfindlichea Mitgticder des Generalrats gc- wählt, vorbehaltlich der Bestätigung durch die die deuljdjc Rclchsangehörigkeit besitzenden Anteilseigner. Bor der Wahl findet durch den Vorsitzenden des Generalrals oder seinen Stellvertreter eine Fühlungnahme mit der R eich sr cg ieru ng statt" Der 8 17 lautete bisher:„Zu Mitgliedern des Generalrot- dürfen nicht bestellt werden a) unmittelbare Staatsbeamte des Deutschen Reichs oder eines deutschen Landes, b) Personen, die vom Deutschen Reiche oder einem deutschen Lande eine Bezahlung er- halten." In diesen Paragraphen soll eingefügt werden nach der Be- stiiniming a)' der folgende Satz:„es sei denn, daß sie sich m- dauern- dem Ruhestand befinden", nach der Bestimmung b) der Satz:„als Bezahlung gist nicht eine Vergütung für frühere Dienstleistungen". RPh allen diesen Vorschlägen wird die Souveränität des Deutschen Reiches nur in sehr geringem Maße wiederher- .g e st e l Ii. Die Grundlagen, die das Bankgesetz von 1324 der diktatorischen Macht des Reichsbankpräsidcnten gegeben hat, werden nicht, berührt. Nach wie vor würden weder Reichsrcgic- r u n g noch R e i ch s p r ä s i d e n t die Möglichkeit zu einer Ab- bernhrng des Reichsbankpräsidcnten besitzen.' Die Vorgänge der letzten Zeit lasten es angezeigt erscheinen, daß über die Vorschläge des Organisationskomitees hinaus eine Aenderung des letzten Absatzes des 8 6 erfolgt. Die Re'.chsgewast mutz ein Ein- wirkungsrecht gegenüber dem Reichsbankpräsidenten besitzen. Die Bestimmung, daß vor der Wahl der Mitglieder des Genera?. rats eine Fühlungnahme mit der Reichsregierung stattfindet, besagt sehr wenig. So, wie die Vorschläge des Organisationskomitees jetzt sind, sind sie durchaus ungenügend. Schacht bleibt fern? Scheut er die Verantwortung für fein pariser Werk? London. 7. Januar.(Eigenbericht.) Ter Haager Tonderkorrespondent des„Tailp Herald", der feit der erst,» Haager Konferenz als ein Sprachrohr des Schatzkanzlers Snowden betrachtet werden kann, be- spricht die Weigerung Schachts, der Aufforderung der deutschen Regierung gemäß, sofort nach dem Haag zu kommen. Der Korrespondent sagt, daß Schacht wieder ans arrogante Weise seiner Unabhängigkeit nnd seiner Feindseligkeit gegenüber dem Haager Abkommen Ausdruck verliehen habe.„Es ist eine eigentümliche Tat- fache," so fährt der„Tally Herald" fort.'„daß die Herrlich- kell des Reichsbankpräsidenten von den Alliierten selbst stammt. Seine Stellung und Freiheit ist in den Ga- rantien niedergelegt, welche die alliierten Regierungen im Jahre 4324 Teutschland aufgezwungen haben. Tie alliierte« Regierungen haben Schacht gemacht, und sie enüsse» der Rückgängigmachung seiner Stellung zu- stimmen, wenn die Lage der deutschen Regierung und der Erfolg des Boung-Plans nicht gefährdet werde» sollen." * Französische und englische Zeitungen berichten aus dem Haag, daß Dr. Schacht der deutschen Delegation auf die Aus- forderung. zur Rücksprache über die Zahlungstermine nach ' dem Haag zu kommen, eine Absage erteilt habe. Eine Be- stätigung aus deutscher Quelle liegt bisher nicht vor. Die Zahlungstermine. V. Sch. Haag, 7. Januar, nachm.(Eigenbericht.) Die strittige Frage der Zahlungstermine— ob am 15. oder am letzten eines Monats— bleibt in der Schwebe, bis Dr. K a st l eingetroffen sein wird. Auch Dr. Schacht ist gebeten worden, möglichst schnell brieflich oder telephonisch seine Auslegung der damaligen Verhandlungen über diesen' Punkt zu übermitteln. In- zwischen werden allerhand rein technisch-finanzielle Fragen weiter- beraten. So wünschen die Gläubiger eine schärfere Formulierung jener Stellen im Poung-Plan, die sich auf die ehemals verpfändeten d e u t s ch en E i n n a h m en bezichen. Nach dem Noung-Plan sollen diese Einnahmen nur noch mit der Skrpflichiung belastet werden. daß Deutschland sie nicht anderweitig verpfänden dars. Die Gläubiger erstreben nun eine Auslegung, die ihnen gestattet, im Fall deutscher Zahlungsverweigerung direkt diese Beträge zu ergmfeii. In der Frage des Moratoriums Handell es sich darum, daß Deutschland die Uebertragung(Transfer) bis zu zwei Jahren, die Zahlungen selbst aber nur bis zur Höhe eines Halbjahresbeitrages aufjchieben darf. Es soll dann entschieden werden, wie nach Ablauf eines Moratoriums dieser Rückstand zv begleichen wäre. ZurJFrage der Sanktionen sollen schriftliche Vorschläge der Franzosen in Aussicht stehen. Die voraussichtlichc Dauer der Konferenz wird auf acht bis zehn Tage geschätzt. Als letzte Frage soll das Statut der Rcparatious- bayk behandelt werden. B r i a n d ist entschlossen, spätestens am Freitagabend noch Genf zu fhhren, Montag beginnt ja die Rats- tagung. Dr. C u r t> u s, der größten Wert daraus legt, mit dem. polnischen Außenminister Zalesli die noch ungeklärten Punkte des deutsch-polnifchen Abkommens zu bereinigen, wird ebenfalls nach Genf reisen und möglicherweise noch zum Slbschluß der Haager Kon- ferenz wieder hier zu sein. (Siehe auch 2 Seite.) Ein Ralhenau-Mörder entlasten. Der im Zusammenhang mit dem Mord an Raihenau seinerzeit verurteilt- Ernst Werner X t cbo m ist am Dienktop nickmittag nach 7)-jährig«r Hast aus den: Strafgesängnis Holle entlasten worden. International-Koalition. Die neue Regierung der Tschechoslowakei. Von Ruckolt IllOTy. Prag. 7. Januar. Erstarken der Sozialdemokratie, Zurückweichen der Bourgeoisie von ihren arbeiterfeindlichen Plänen, Abflauen des Chauvinismus und des Klerikalismus, Zusammenbruch des Kommunismus und Verschwinden des Faschismus, Zer- setzung der bürgerlichen Koalition, Sieg des Sozialismus bei den Parlamentswahlen, Bildung und Festigung des sozia- listischen Plocks, schließlich Eintritt der deutschen SozialdemokratieindieRegierung— das sind lauter Aktivposten, die das politische Leben in der Tschecho- slowakei im abgelaufenen Jahre aufzuweisen hat. Insbe- londere das freundschaftliche Zusammengehen der deutschen Sozialdemokratie mit der tschechischen ist ein hoher Gewinn. der auch vom Standpunkt der internationalen Arbeiterbewe? gung gewertet zu werden verdient. Bei den langwierigen Verhandlungen um die Regie- rungsbildung stellte sich heraus, daß so gut wie alle Par- teien— mit Ausnahme der Kommunisten und der deutschen Hakenkreuzler— an der Regierung teilnehmen wollten! bei- nahe wären sogar die Horthy-Madjaren eingesprungen, um einer bürgerlichen Koalition Gefolgschaft zu leisten. Die tschechische Sozialdemokratie sieht in dieser aktioistischen Ein- stellung sämtlicher Parteien den Beweis der bereits vollzöge- neu Konsolidierung der Republik. Der Minister für Vvlksverpflegung, Genosse' B e ch y n j e. schrieb deshalb in einem Leitartikel des„Prüvo Lidu", die Sozialdemokratie brauche nun keine Staatspolitik wie im Jahre 1920 mehr zü machen, die der Partei um zwei Drittel ihrer Mitglieder ge- kpstet habe. Sie werde vielmehr jetzt auf die Festigung der Demokratie und auf die Besserung der Lage der Arbeiter» klaffe hinarbeiten. Es gilt jetzt, alles wettzumachen, was die„Herren- koalition" während ihres unseligen Regimes verbrochen hatte. Man bedenke nur, daß es die erste Tat der bürgerlichen Re- gierung nach den Wahlen im Jahre 1925 war, an die V e r.» fchlechterung der Sozialversicherung zu schrei- ten. Die Wirtschaftskrise, die man für das Jahr 1930 prophe- zeit— falls sie überhaupt eintrifft und nicht etwa ein Schreck- gefpenft der Industriellen ist, um auf die Arbeiter bei den in diesem Jahre abzuschließenden Kollektivverträgen emcn Druck auszuüben— wird die jetzige geringfügige Zahlder Arbeitslosen— rund 30 000 Personen in der ganzen Tschechoslowakei— um ein Vielfaches erhöhen, was neue Vor- kehrungen sozialvolitiicher Natur erfordern wird. Der neue Minister für soziale Fürsorge, der deutsche So- zialdemokrat Genosse Dr. C z e ch, hat während der bisherigen kurzen Dauer seiner Amtstätigkeit gezeigt, daß er die Jntcr- essen der arbeitenden Klasse energisch zu wahren versteht. Er verhalf den Arbeitslosen zu einer außerordentlichen Beihilfe und künd'qte für dieses Jahr verschiedene soziale Reformen an. Die Solidarität der tschechischen und d e u t- s ch e n Sozialdemokratie bewährt sich auch im Parla- ment. Der Obmann der tschechstcken sozialdemokratischen Partei. Genosse Hampl, hat im Abgeordnetenhaus erklärt, daß die Wüniche der deutschen Sozialdemokratie in kultur- volitisck>er Hinsicht erfüllbar seien und daß ihre Erfüllung einen Vorteil für den Staat bedeuten werde. Gleichzeitig sprach er den Wunsch aus, die Sozialdemokratie beider Nationen möge auck in Zukunft nach einheitlichem Programm zu handeln wissen. Abgesehen von den sozialen Problemen wird die Sozial- demokratie auch an der Beseitigung jener vom Bürgerblock beschlossenen Gesetze zu arbeiten haben, durch welche ein un- demokratischer Zug in die Staatsverwaltung gebracht wurde. Das wird zu Kämpfen innerhalb der jetzigen Koalition führen. Ueberhaunt hängt die ganze Zukunft der Koalition von der Haltung der bürgerlichen Parteien ab, die sich noch immer nicht in die geänderte Lage finden wollen. Die bürgerliche Presse zieht nach wie vor in grober Weise gegen die sozia- listischen Parteien los. während sie von ihnen Lonalität für sicb selber verlangt. Dieser Zustand ist auf die Dauer un- haltbar. Die Agrarier haben jetzt etwas unternommen, was große Erbitterung gegen sie unter der Landbevölkerung her- vorgerufen hat. Sie haben aus eigenem verfügt, daß die ohnehin schon sehr geringen Löhne' der l a n d w i r t- schaftlichen Arbeiter in Böhmen..mit Rücksicht auf die landwirtschaftliche Krise" noch um ein Viertel herabgesetzt werden. Dieses Diktat hat den landwirtschaftlichen Arbeitern und Kleinbauern, die bei den Wahlen für die Agrarier ge- stammt haben, die Augen geöffnet und den Einfluß der Agrarier aufs scbwerste erschüttert. Der sozialistische Block wird ungeachtet der kommunisti- scheu Bubenstücke im Parlament die välkerrechtlicbe An- ertennunq Sowjetrußlands durch die Tichecho- slowake! oerlangen. Der jetzige, durch den Einfluß des zaristisch orientierten Führers der Nationaldemokraten Dr. K r a m a r f ch verschuldete vertragslose Zustand beein- trächtigt den Export tschecheflowakischer Fabrikate nach Ruß- lanfc. Auch derHandelsvertragmitDeutschland mu| endlich /iunt Abschluß gelangen, lieber das Verhältnis zu Ungarn äußerte sich im Parlament der tschechische sozial- demokratische Abgeordnete Genosse Dr. Winter dahin, daß freundschaftliche Beziehungen zu den jetzigen Machthabem in Ungarn nicht möglich seiea und daß an ihre Herstellung erst nach Einführung eines demokratischen Regimes in Ungarn gedacht Merden könne. Der tschechische Staatspräsident Dt- T. G. Masaryk ylird am 7. März dieses Jahres 80 Jahre alt. Seit langem werden in Prag von nationalistischer Seite Gerüchte ver- hreitet� Masaryk gedenke an diesem Tage zurückzutreten und den jetzigen Außenminister Dr. B e n e s ch als seinen Nachfolger'zu empfehlen. Entgegen diesem unsinnigen faschistl- schen Gerede erklärte Masaryk in einem Interview, er habe nichts dergleichen beabsichtigt und er würde dergleichen auch nicht ohne Zustimmung der ersten Funktionäre der Staats- Verwaltung und der Politik unternehmen. Zu diesem seinen ausdrücklichen Dementi fügte er noch hinzu, er würde sein Amt ohne Zaudern und sofort seinem Nachfolger übergeben. wenn ihm ein Staatsmann präsentiert werden würde, dessen politische Fähigkeiten und Charakter garantieren würden, daß die Republik im Geiste jener Politik geleitet werde, die sich nicht nur während der elf Jahre nach dem Umsturz, sondern auch während der vier Kriegsjahre bewährt habe. Er würde aber die Burg nicht verlassen, um sich zur Ruhe zu setzen, sondern nur, um zur Publizistik und zur Freiheit eines einfachen Bürgers zurückzukehren. Obgleich nun Masa�hk durch diese Erklärung deutlich gesagt hat, daß er auch nach seinem achtzigsten Geburtstage Präsidend der Tschechoslowakischen Republik zu bleiben gedenkt, tun die Nationaldemokraten und Agrarier schon sehr aufgeregt und behaupten, Masaryk könne mit seinen Worten auf keinen anderen gezielt haben, als auf den ihnen so sehr verhaßten Benesch. Der Kandidat der Bürgerlichen für die Präsidentschaft ist noch immer Kramarsch, doch die Trauben hängen jetzt nach dem Ausfall der Parlamentsmahlen für ihn zu hoch. Glück licherweise wixd die Präsidentschaftsfrage angesichts der körperlichen und geistigen Frische Masaryk? noch lange nicht akut werden!_____ Oer Ausschuß am Hakenkreuz. Die Hugenberger ergänzen sich. Nach dem Ausscheiden der Landbündler aus dem Augenberg-Ausschuß ist dort eine gähnende Leere eingetreten Hugenberg zappelt mit seinem Ausschuß jetzt völlig am Hakenl kreuz des Herrn Hitler, und nur die Stahlhelmer' leisten ihm vorläufig noch einige Gesellschaft. Aber sie fürchten sich in der Einsamkeit und haben deshalb einige„nationale" Agrarier und andere zuverlässige Leute., zugewählt". Das sind, nach den offiziellen Mitteilungen der Hugenberg- Trümmerpartei, folgende Personen: Gutsbesitzer Wege (Grenzmark). Rittergutsbesitzer v. Eoldacker(Provinz Sachsen). Klostergutsbesitzer Heine(Halberstadt), Gutsbesitzer Klötzer-(Sachs«n), Rittergutsbesitzer y. Kleist(Schmenzln. Pommern). Frau Dr. Ilse NeuwOnn (Eharlottenburg), Dr. Oberfohren(Kiel). M. d. R.. und'ver hrandenburgische Stahlhelmführer v. Morozowicz. Um wenigstens etwas für die Osffentlichkeft zu tun, hat der Ausschuß beschlossen, an den Reichskanzler ein Schreiben zu richten, in dem er aufgefordert wird, das so- genannte..Freiheitsgesetz" als angenommenes Reichsgesetz zu ..verkünden, und ihm gleichzeitig mitgeteilt wird, daß er— die Verantwortung für die Politik der Regierung zu tragen habe! Daß er sich mit einem solchen Schreiben lächerlich macht, kommt dem Hugenberg wahrscheinlich nicht einmal zum Bewußtsein. Von einigem Interesse aber ist der folgende Satz aus der offiziellen„Verlautbarung": Zur A b ip e h r des zunehmenden Blutterrors der Linken gegen Angehörige der natilmalen Bewegung wurde« besondere Mohnahmen befchlosien. Da der sonst so gesprächige Ausschuß am Hakenkreuz hier die Art dieser„besonderen Maßnahmen" verschweigt, hat die Oeffentlichke-t«in um so größeres Recht zu fragen, yb die politische Blutrache jetzt zum Parteiprogramm des„Reichsausfchufles" gemacht werden soll. Lanßerwirifchast. Sächsisch-bayerische Schildbürgereien. Dex Hguptausschuß desSächsischenLandtagshat ein« Deputation nach Berlin gesandt, um an Ort und Stelle die Frage zu prüfen, ob die s ä ch s i f ch e Gesandtschaft M Berlin notwendig sei. Die sächsisch- Gesandschast in Berlin besteht aus einem Gesandten, vier Ministerialdirektoren und entsprechendem Personal. Dem Umfang der Gesandtschaft entsprach der Umfang der Deputation: 21 Mann unter Füh- rung dos Landtagsdirektors. Nach einer Meldung der ..Frankfurter Zettung" soll sich die Deputation überzeugt haben, daß die Gesandtschast notwendig sei. Die„Snaraktion" endet alio damit, daß der sächsische Staat zu den Kosten der Gelanhtschast noch die Kosten dieser Massendeputatipn be» zahlen muß. Die bayerische Regierung hat den Rittmeister a. D. Kurt P l e s s i n g in Lübeck»um— bayerischen Konsul in Lübeck ernannt. Wird der Herr bayerische Einreisevisen für Lübecker ausstellen? Oder sollte eine Neu- auflag? des bayerischen Titelhdndeks vorliegen? Schwierige Konferenzarbeit. Kein Fortschritt in der Moraioriumftage. Deutscher Adel. Verkauf Liechtenstein schen Forstbesitzes an Ausländer.- Älelwih, 7. Januar. Di«..Oberichsestsche Bclkssturnn«" meldet, haß der Fürst Liechten- steinsch« Fpr st besitz Charlottendorf ugh Markt-Trü- bau in tschechische Häud« übergeaangen fei Der Besitz umsetzt Hektar und wurde von der mähnschen Kolonisationsgesell- schalt erworben. Es handelt sich um«in sehr wichtiges Fprstreruer, um beflen Erwerbung sich vergebens auch deutsche Käufer bemühten. Der Welsenschah b«z Herzogs van Braunfchweig, dessen Wert«ttpa )0 Millionen Wart beträgt, ist von drei Frankfurter Kunst' Händlern gemeinsam erworben worden. Damit ist der Berkauf der 82 einzigartigen Kunstwerke an Amerika vorläufig vermieden warten. Der Schatz soll der breitesten Oesfentlichkeii in einer Aus- st-llung gezeigt werden. V.5eh. Haag. 7. Januar, abends. �Eigenbericht. Das Tagespsnsum der Grotzmächteoertteter betraf am Bor- mittag zunächst lediglich die Frage, was noch Ablauf eines Mora- toriums des aufschiebbaren Teils der Jahreszahlungen geschehen soll: wie, wann und unter Hinzuziehung welcher Organe Deutschland in einem solchen Falle die rückständigen Zahlungen würde begleichen Müssen. Darüber wurde während der ganzen Vormittogssitzung nicht nur eifrig, sondern sogar heftig und schließlich ergebnislos die- kutiert. Deutschland, dessen Interessen vor allem durch den Reichs- finanz minister Moldsnhauer vertreten wurden, stellte sich auf den Standpunkt, daß es widersinnig wäre, von ihm zu verlangen. daß es sofort nach Ablauf des Moratoriums nicht nur die regulären Zahlungen, sondern obendrein sofort auch noch die rück- ständigen Zahlungen leiste. Der Hauptredner der Gläubig ermücht«, der französische Ministerpräsident Dar die« blieb fest dabei, daß das gerade der Sinn des Mora- korlums fei. daß aufgeschobene Zahlunze««ach Ablauf des Zahlungsaufschubs wieder gcleistek werde«. Moldenhauer erwiderte, daß der Siuu de» Moralorlum» doch der fei. daß Deukschlaud eine Erholungspause gewährt werde, falls es in Schwierigkeilen gerate, wenn nun Deutschland gerade nach Ablauf dieser Alex pause sogleich doppelle Zahlungen leisten muffe— die regulären und die rückständigen—. dann gefährde man de« eigentlichen Zweck der Erholung. Tarbieu entgegnete, daß jede andere Lösung als die sofortige Nachzahlung der geschuldeten Summen den ganzen Doung-Plan mit seinem Annuitätensystem über den Haufen w-sen würbe! Die Diskussion wurde immer lebhafter und leidenschastlicher. Als die Gegenseite einmal Moldenhauer die Zähigkeit vorwarf, mit der Br auf seinem Standpunkt verharre, griff C u r i i u s ein und betonte, daß die deutsche Delegation gerade dazu da sei. die deut» schen Jntereffen zu vertreten und sich gegen neue Forderungen zur Wehr zu setzen. Snowden wurde ungeduldig und schlug Ver- tagung vor, da man nicht vorwärts komm«. So wurde die Ange- legenhett an die Experten und Juristen zurückverwiesen und es trat die Mittagspause«in. Dieser Streit ist wieder emmal typisch für die Leicht» fertigkeit und Lückenhaftigkeit, in der die Konserenz der Sachverständigen in Paris ihren Bericht seinerzeii versaßt hat. Sie haben zwar den Fall eines Moratoriums für den geschützten Toil der Annuitäten vorgesehen, sich aber keine Gedanken darüber ge- macht, was nach einem solchen Moratorium mit den rückständigen Summen geschehen soll. Zehl müssen die deutschen Delegierten aßt diese von Herrn Schacht versehentlich oder absichtlich offen gelassenen Fragen ausfcchteni Am Nachmittag ging e« nicht viel besser. In siernen Punkten kam man zwar zur Einigung, aber ungelöst blieb die wichtige Streitfrage des sogenannten negativen Pfandrechts. Die Gläubiger hatten neuerdings ein«„Aktivierung� des Pfandrechts aus die un Dmves-Plan verpfändeten Einnahmen—- Zölle, Biersteuer usw.— gefordert, diese Forderung jedoch bald wieder fallen lassen. Sie verlangen seht, daß die verpfänchmg der Einnahmen der Reichsbahn in irgendeiner pofillueu Farm weilerbestehcn bleiben soll. Dies wurde aber vo« der deulschen Delegation eol- {(hieben abgelehnt, weil es über dl« Vorschriften des Zoimg- Planes hinausgehe» würde. Darauf schlug die Gegenseite die Einsetzung eine» Iaristenauv- schusses zur Prüfung dieser Frage vor, aber auch dos lehnte Dr. Eurtius aus dem gleichen Grunde ab. So blieb auch dieser Streitpunkt in der Schwebe. Schließlich warf Snowden noch die Frage auf, welche Nicht- limen das oorgejehene Schiedsgericht für die Eurnchmen der Reichsbahn zu befolgen haben würde, usid er wünschte eine nähere Interpretation des künftigen Reichsbahngesetz««, das im Entwurf vorliegt. Dies« Frage wurde an die im Haag anwesenden Mit- gtieder jenes Organifationskomitees zurückverwiesen, da» seinerzeit dos Reichsbahngefetz ausgearbeitet hat. Mit dem heutigen Tage ist gewissermaßen die erste Lesung der finanziellen Streitfrage beendet worden, die zweite Lesung fall am Donnerstagvormittag 11 Uhr beginnen. Man darf sich aber nicht darüber täuschen, daß die Verhandlungen in ein schwierige» Stadium gekreie« sind und daß die erste Lesung die Einigung nur über einige Neben- fragen gebracht hat, während die wichtigsten Streitpunkte bisher nicht beigelegt werden konnten. In der Frage der S a n k t i o n e n ist bisher noch kein weiterer Schritt erfolgt, die deutsche Delegation erwartet ein von den Fran- zosen in Aussicht gestelltes Schriftstück, in dem bestimmt« Vorschläge formuitert sein werden. Das Problem der Ostreparationen macht weiter befriedigende Fortschritte. Mit den Bulgaren nähert man sich zur Einigung. Bulgarien soll ein« Durchschnittsjahres- zahlung von etwa 11 Rüllionen durch 36 Jahr« leisten. Ursprünglich waren 12'/i Millionen gefordert, d!« Bulgaren haben Ii) Millionen angeboten. Durch den Verzicht auf di« Rückzahlung der ehe- maiigen Besatzungs kosten soll diese Summe auf 11� Millionen ermäßigt werden. Mit 0« st erreich wird noch über die letzten kleinen Drjfe- renzpunkte verhandelt, doch niemand zweifelt daran, daß die Einigung mit Schober bald kommen wird. Dagegen«st das schwierigst« Stück der Ostreparattvnen, die ungarische Frage, noch gar nicht offiziell in Angriff genommen worden. Oer völkische Retter. Vom Zreischarführer zum Banknoiensä!scher. Sni Prozeß gegen die Ruf sengeldfälfcher wurde gestern »ach der Pause der völlijäte Agitator Dr. Weder aus München vernommen. Schon die Einleitung zu feiner Aussage gab einen Vorgeschmack von dem Kommenden. Die Tfcherwonzerfälfchung be- deute für ihn, sagte er. nur«ine kleine Episode inner- halb der großen polltischen Aktien. Um jene ver- ständlich zu machen, müsse er aber seine Entwicklung zur aktiven Arbeit für den Osten darlegen. Und er tat es ungehindert, bis ein Zwischenfall ihm ein« gewisse Selbstbefchränkung auferlegte. Der Angeklagte ging von der Oberrealschule aus als Freiwilliger in den Krieg, befand sich bis Kriegsende an der Westfront, studierte später Chemie in München, nahm im Jahre 1919 als Kom. pagniesührer eines Freikorps an der Niederwerfung der Münchener Räterepublik teil, setzte seine Studien fort. Promo- vierte, um im Jahre 1923. wie er behauptet, von offiziöser Seite" ur Teilnahm« am Ruhrtampf ausgefordert zu werden. r gelangte dabei zur Überzeugung, daß ha» menschlich« Leben eine göttliche Aufgabe sei, und daß„das deutsche Boll eine göttliche Sendung" habe. Sollte Deutschland, ja selbst di« ganze Welt nicht im Chor»« untergehen, so mußte nach seiner Me!- nung der Bolschewismus vernichtet werden. Sein« Bekanntschaft mit den Ausländsdeutschen rief sein Interesse für den Osten wach, Georgien, in dem sich die internationalen Interessen schneiden, wurde für ihn das Land, in dem der Hebel zur Befreiung der Welt vom Bolschewismus angesetzt werden mußte. So empfing «r mit offenen Armen K a r u m i b s«. als dieser au» Pari» mit einem Empfehlungsschreiben des Vorfitzenden der Nationaldsma- kratischen Partei. Kedija, erschien. In dem Schreiben hieß es; Das Interesse der nationalen Deutschen und die Bestrebungen der nationalen Georgier fallen zusammen und mach-n praktisch« Per? einbarungen unabwendbar notwendig." Er wußte, daß Sarumldse in ein« wichtigen Mission mährend des Kriege, von Stockholm aus mit Amerika verhandelt hat upd auf einem deutschen Unterseeboote durch den Allantik und da» Mittelländische Me«»ach Latum zurücktranspprtiert worden war. Dr. Weber suchte im Auswärtigen Amt Herrn v. Dirks«» auf in der Absicht, ihn für. den Plan zu gewinnen, politische internationale Beziehungen mit Hilfe von Privatleuten anzuknüpfen. Herr von Dirtsen zeigte aber dem neugebackenen Diplomaten die kalte Schuller. Dr. Weder war überzeugt, daß, wenn da» Chaos kommen stvürdt, Deutschland unbedingt neue Bündnisse schließen müsse. So bereitete er getrosten Mute» auf eigen« Faust eine Konferenz in London vor. Cr macht« dem General Hofsn�rnn klar, daß von einer Intervention von außen h« in Sowjetrußland keine Rede mehr sein könne, daß es einzig und allein darum gehe, einzelne Teile der Sowjetunion loszulösen und die Sowjetregierung auf diese Weise in sinanziell« Schwierigkellen zu bringen. DI« Konferenz in London kam zustand«. Es sehlten nur noch die Unter- christen allgemein bekannter englischer Politiker, um d«n Vertrag perfekt zu machen. Es sollt« ein K�m> t e e. au»«-nem Engländer, einem Deutschen und zwei Georgiern bestehend, gegründet«erden mit dem Ziel«, die militärische und finanzielle Seit« eine» Auf- lande» in Georgien vorzubereiten. Durch«in« In« diskret wn. die ein rätselhaftes Ereignis zur Folge hotte, ghig afl» in die Brüch«. Dt« Londoner Konferenz war gescheitert und Weber erneut be. schäftigungslos. Er oersuchte zwar mit englischen und italienischen Peifonlichkellen zu verhandeln, aber daraus wurde nichts. Da kam Karumibse» rettender Plan, Tfcherwonzen zu fälschen. Weber zau- derte keinen Augenblick. Weshalb auch nicht Geld fälschen? Haben nicht etwa di« Bolschewtstcn. sagt er, auch ihrerseits während der Inflation deutsches Geld gedruckt, und hat nicht Deutschland während des Ruhrkampfes das Geld der französischen Regie nachgemachl? Da« Mittel war nicht neu. und seine moralische Rechtfertigung trug es in den Besonderheiten der Sowjetherrschaft. Ein« ganz tieine Gruppe übt hier diktatorische Macht aus,«ine Regierung, die durch millionenfachen Raub und Mord zur Herrschaft gelangt ist. Der Vorsitzende unterbricht den Angeklagten und bittet chn. sich zu mäßigen— im Gerichtssaal sind Vertreter der Sowjelbolfchafi anwesend. Rechtsonwall Dr. Jung und Rechtsanwall Dr. Menz legen sich für ihr« Mandanten ms Zeug: es fei richtig, die politischen Beweg- gründe des Angeklagten kennenzulernen: man dürfe nicht in diesem Falle Rücksichten auf Gowjetrußland nehmen.> Der Vorsitzende versucht zu beschwichtigen: Ich kann doch hier keine strafbaren Handlungen dulden: ich kann doch nicht zu- lassen, daß Mitglieder der Sowjetregierung beschimpft werden. Das, Gericht will gern unterstellen, daß der Angeklagte dank dm Verhällnissen in Sowjetrußland«In grimmiger Feind der Sowjet- regierung geworden ist. Der Verteidiger Dr. Jung: Das genügt uns. Dr. Weber kann fortfahren. Cr will dem Gericht Tat- sachenmateriol über die Greueltaten der Sowjets vorlegen. Er er- wähnt, daß Litwinow, der als Botschafter nach Berlin kommen falls «inen Geldkransporl im Kaukasus überschien Hab«. Die letzte Bemerkung ruft den Oberstaatsanwall Tetz la ff auf den Plan. Dr. Weber erklärt noch, daß seiner Ansicht n:ch d«r Bolschewismus nicht mit den Mitteln, die sonst in zivilisierten Ländern üblich sind, bekämpft werden könne. Aus diesem Grunde habe«r«s für angängig gehalten, sich mtt den Fälschungen von Ischerwonzen einverstanden zu erklären. Vors.: Nun kommen wir endlich zu den Tschenvanez- fälschungen. Wußten Sie, daß st« in Deutschland gedruckt werden sollten, Dr. Weber: Nein. Es war nur vom Orient die Red«. Schneider, den ich Karumibse empfohlen habe, sollte als erste Ciappe Wien benutzen und sich dann weiter noch dem Orient bewegen. Wir waren der Ansicht, daß man eine Regierung finden wü de. die gegen den Druck falscher Tfcherwonzen nichts haben würde. .Glauben Tis, daß eine solche Regierung zu finden gewesen wäre?" fragt ironisch der Oberstaatsanwalt. Angeklagter Bell springt aus:„Hit denn die deutsch« Regierung nicht mit solchen Plänen sympathisiert?" Und Weber fügt hinzu:„Ich habe schon einmal gesagt, daß Deutschland während des Ruhrauf- standes Regiesranken gedruckt h.tt." Hinterher merkte Weber da» außerordentlich große Interesse Karumidse» für Schneider und erfuhr schließlich, daß in München Oer Abgesandte. > ' »Im Namen der überwältigenden Minderheit des deutschen Volkes erkläre ich ' alles, was hier verhandelt w.rd, für ungültig!" Die Leßner-Krise. Das Schicksal des Schauspielhauses. Die schon seit Iahren schleichende Ießner-Kris« ist über Nacht akut geworden. Der Durchfall des Siloesterstückes, an sich eine belanglos« Affäre, hat mit«inemmal die ganzen Fragen, die seit langem um das Schicksal unseres staatlichen Schauspielhaufes schweben, zur Entscheidung gestellt. Es ist kein Zweifel mehr, dost Iehner gehen wird— wenigstens als Intendant dar Staats- theater. Die Erörterungen im Kultusministerium sind noch nicht abgeschlossen, man versucht dort«ine Lösung zu finden, die den berechtigten objettipen Anforderungen und andererseits den Rück- sichten auf den Künstler Ießner, dessen Vertrag ja zudem noch vier Jahre läuft, gUichzestig gerecht werde. Wenn Ietzner jetzt lein« Machtstellung als republikanischer Theaterleiter aufgeben muh, so ist er schließlich doch noch im gewissen Sinne«in Opfer der deutsch- nationalen Angriff«, die..ihm fest Jahren sein« Arbest erschwert haben. Der Frontalangriff wurde zwar im Sommer zurück- geschlagen, der Kultusminister kuschte nicht, aber Iestner wurde in seiner Taktik unsicher. Man kann ein Theater nicht im Stil« einer Koalitivnspolitit führen, die allen Anstoß vermeiden will und darüber Ziel und Plan aus den Augen verliert. Als d«r Hamburger Schrnispieldirettor Leopold Ießner zum Beginn der neuen republikanischen Aera nach Berlin geholt wurde, wußte man in der Neichshauptstadt noch nicht viel Von ihm. An, konnten und Lebten eigentlich nur die Schaufpieler, die an der Spitze des ersten preußischen Theaters einen Mann sehen wollten. dessen künstlerischer und moralischer Ehrgeiz sich da, Gleichgewicht hielten. In den beteiligten Kreisen wußte man, daß Leopold Jeßner als praktischer Theaterlester die Seele des Schauspielers. stets wundervoll perstanden hatte. Mst allen Nerven gehörte er zum neuen politischen Kurs. Durch Ned« und gestaltende Tat hatte er schon lange, bevor es Mode geworden war, gegen die bombasiischc Aufgeblasenheit de, Hostheator? protestiert. Er kam nach Berlin. er hielt, was er veriprochen hatte. Er verwandelt« da» preußische Staatscheater aus einer byzantinischen Erziehungsanstalt in ein« bürgerliche Kunstheimat— für die Künstler und sür die Theaterbesucher. Dos Je, zunächst festgestellt in diesem Augenblicke, da hie Pro- pheten, die NU? Äugen im Rücken haben, behaupten, daß sie alles Ilnhell der Ießner-Aera schon im Winter fsslL nqrousgeohnt und vorausgesagt hätten. Wer das.Königliche Schauspielhaus der wll- Helm misch«, Zeit kennt, der weiß, daß dort elend Theater gespiest wurde. Einige Genies glänzt«» durch die U«der füll« ihrer Gaben, doch alles übrige war hohl, kasernenmäßig«inexerziert und meilen- fern von dem Geist de? modernen Theater». Aber das Ießnersche Geistessystem war mehr einer rayolsttip- nären Übergangszeit als einer stabilisterten Erholungszeit angepaßt. Er wählte unter den Klassikern die problematischen, die aus- regenden, die empörenden Dramen. Er zeigte ustd vertieft« zum Beispiel das Kötset„Richard? II.*, der königlichen Bestie. Er zer- gliederte das genial« Napol«ondrama Grabbe« so, daß der rsnolutio- nären Masse ihr politisches und moralisches und darum auch ihr künstlerisches Recht wurde. Er entzündete neue? Leben durch das alte Drama, und überall, wo dies« politisch« Flamme heraukzu- spüren und zu perstärktem Leben anzusachen war, bewährt« sich oer Instinkt des Dramturgen und Regisseur« Jeßner ganz votrefslich. Dabei vernachlässigte er in den ersten Zeiten seiner Tätigkeit auch die lebendige Dichtung durchaus nichl. Hier versuchte er den schlichten, den wirtlich seelischen Dichter, und er fand ihn In Barlach, dem Bildschnitzer und innerlichsten Dramenarchitekten. Dann allerdmgs wollte er seinen bis zur ätzenden Nüchternheit und grübelnden Klügelei gesteigerten Scharfsinn auch an dem Theater üben, das solch« politisierte, solche im höchsten Sinn zur Tendenz hinstrebeiche Szenenlozik istcht vertrug. Er nahm dem Jhanllct"' und auch dem„Othello" das phantastische Blut,«r liebt« die Romantik nicht und vergaß über dieser Abneigung, daß es seit Ewigkeit zum einträglichen Theaterspiel gehört, auch die großen Gefühlstiroden des klassischen Dräwas in all ihrer Ueppigkest und zitatenreichsn Pachetik und Pracht aufblühen zu lassen. . Jeßner. wcgltc immer nur-vsrsinfachen, ünmcr nur das Ideen- gerüst seiner Aassiker sk�ettieren tünd beseitigt« daher..alles, was der naive Theaterbesucher v«:langt. imd. auch verlangen darf, sind er vorrannte sich in diese kahle, auch herzlos»- und im tiefsten Sinn unmusikalische Theatertunst. In den Notzeiten de» politischen und geistigen Uebergang? brauchte man in Berlin einen solchen Thealer- puritaner. In den stabilisierten Zeiten- wünschte man aber»inen prunkvolleren R«giss»ür und Dramaturgen. Und man fing an, vor dem allzu nüchternen Mann zu warnen. Plötzlich erkannt« man: Er ist zu sehr er selbst. Cr kann nicht aus sich heraus. Er kann nicht über sich hinau». Di« sachlichen Tragödien,„Die Weber", den„Florion Geyer", meisterte er. Aber er tötete, wo? nicht zu diesem Puritanertrieb paßte, mochte es der „Don Carlos", mochte es der„Cgmont" fein Und Jeßner. der sich Müh« gab, diese Starrheit, die eine Zelt- lang seine Stärk« war. zu überwinden, versagte Cr versagte sowohl in der Auswohl feiner Stuck« wie in der Auswahl Istner Schau- spieler. Cr verfogt« schließlich auch in seinen Regismitteln. Er fördert« nur noch kurlose HalbkaleMo, die er mst schwersten Aus- gaben überlastete und bau ich bis zur Lächerlichkeit kompromittierte. Doch es reichten wohl seine Energien nicht mehr aus. damst er ans diesen Lieblingen die geheimen Kräfte herausholte. Denn die Zeit hatte es gesordert, daß auch aus dem Stach«- theater«in Geschäststheoler werde. Jeßner tonnt« aber alles sein. nur nicht Führer»ine« Kunstbetriebe», der sparen und lavier«» sollt«. Was er aus diesem Gehiet versuchte, mißlang klaglich, mochte es um den Erwerb eines lustigen Supesterstückes oder um einen reißerischen Kassenmagnaien gehen. Jeßner, der so gerade zu gehe» vermocht«, wenn man ihm seinen Willen Netz, schwankt« und strauchelte nach ollen Seiten, da er versucht«, sich fremden Ein- slüssen und Einflüsterungen zu unterwerfen. Der seelische Kompaß in Jeßner steuert» nur auf das problematische Zeittheater. Da er ander» sollte und wollt«, versiel er einer vollkommenen Kompaß- lostgkeit. Ob körperliches Leiden dies« Charakterschwäche schus,'st schwer zu entscheiden. Man mochte nur wünschen, daß«» so wifre. Denn dann bestände die Hofinuvg. daß dieser Mann, der uns so pieke Anregungen, sowohl Freuhen w'« Enttäuschungen gab, sich SZt erholen und nach einiger Zeit die alten Krqst« ipiebejr erlangen nnte. Daruiv nahmen wir jetzt dankbar von ihm Abschied. Wir wollen den Tag grüßen, da er wieder schöpferisch arbeiten kann, ohne Rücksicht auf die äußeren Intrigen, hie ihn zu Fall brachten, und aych ohne Rücksicht aus die inneren Hemmungen, die ihn niederdrückt««. Mtx Hcchdorl. selbst Probe-Teildrucke ausgeführt werden sollten. Daß Tscherwon-. zen fertiggestellt geworden wären, will er nicht gewußt haben. Er muß ober zugeben, daß Schneider ihm eines Tages einen Brief für Karumidse hinterlassen Hab« und daß, als dieser den Umschlag in seiner Gegenwart öffnet«, er bunte Schein« sah. Auch hatte Karumidse bei ihni ein Paket abgegeben, das von Schneider ab- geholt wurde; daß es WasierzÜCrrs!all Kompottclier Bonbonniere 1.90 reich geseblif en ''rescbHIfan 4 95 »«Ich geschliffen nrjr ▼ a5CIl Vw-rsc'iledvnc Formen Tra benspü crR„,f1?len4.95 Kompottschale o-'öfiln 4.95 Porsellan veih, mü Fehlern Teller Uefolacb..... 0.28 Dessertteller...... 0.18 Bratenplatten.v°° 0.65-m Salatsdialen w o.175. o.4s 0.35 dtkorlerl TaSSC bunt Dekor, mit Unf-rf.-sse 0.�5 Salat schalen 2 25 Puddindsatz uunt,? 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Die A c m- m u n i st, n hoben gestern Wieder dafür gesorgt, daß die Stadt- verordnetenoersammlung zu keiner Arbeit kam. Bei der Wahl de, Vorstand«» detemden sie auf ZettelWahl, obwohl das Ergebnis nicht anders fein konnte als ein paar Wochen früher beim Zusammentritt der neuen Stadtverordnetenversammlung. Die Hauptsache ist, daß die Z e i t o« r t r ö d« l u n g erreicht wird, die ihnen in den Kram paht. Nachher gelang ihnen auch die Sitzung»- s p r e n g u n g, aus di« sie es abgesehen hatten. Sie tobten andauernd darüber, daß Polizei im Rathaus war, um Störungen zu verhüten. Alle Versuche des Vorstehers, die Schreier zu beruhigen, blieben erfolglos. Auch die schliehliche Mitteilung, haß die Polizei inzivi scheu das Rathaus verlassen haste, half nichts. Da der Lärm immer wieder losbrach, blieb dem Dorsteher nur übrig. Schluß zu machen. Jetzt können die Kommunisten wieder erzählen, die Stadtoerordneten- Versammlung habe die von ihnen eingebrachten Anträge„v e r- schleppt", * Der Vorsteher Genosse haß eröffnete die Sitzung mit Glück- w ü n s ch e n an den Genossen h« i m a n n. der bekanntlich 30 Jahr« Stadtverordneter ist. Der Vorsteher erwähnte, daß der Jubilar sich vom Handlungsgehilfen zum Ehrenbürger der Stadt Berlin emporgearbeitet habe. In den achtzehn Jahren, in denen er Vor- fixender der Sozialdemokratischen Fraktion war. habe er bewiesen. daß er«tne große Fraktion erfolgreich leiten kann. Bevor der Borsteher-Stelloertreter Dr. Caspari die alljährlich zum Jahresanfang vorgenommenen Dahlen für den vorstand der Stadtverordneten oersanmrlung einleiten konnte, fordert« der Kommunist vieck in einem Antrag die Entfernung der Po- lizei aus dem Rathause. In die Forderung stimmten die Mitglieder der kommunistischen Fraktion im Sprechchor«in. so daß minutenlang die Verhandlungen miterbrochen waren. Als dem Genossen /slalau das Wort zu dein Vorschlag für den Vorsteher erteilt war. konnte er sich längere Zeit hindurch nicht verständlich machen, weil die Kommunisten, an ihrer Spitze die Stadtverordneten Kaspar und Lange, fortgesetzt riefen:„Polizei au» dem Haus! Volizei aus dem Haus!" AU Dr. Caspar! um Ruhe hat. rief der Kommunist Lange provozierend zum Vomehertisch hinauf:„Sie sind gerade der richtige Borsteher!" D« Svektakel ging noch«ine Weile weiter, schließlich setzt» sich aber Genosse g l a t a u doch durch und er tonnt« den Genossen haß zur Wiederwahl vorschlagen. Dann betrat d« Oberkommunlst Pieck die Rednertribüne, und a l« i»d nicht« gewesen wäre, gab er eine ellenlange Erklärung ' fein« Fraktion zur Vorsteherwahl ab. ZMt einem Male warm die Ruse nach der Entfernung der JJolhei vcrsluwml. "vi«S verla« einen Leitartikel, und niemand hört» zu. Rur als«r J«, Kommunistische Partei als die..einzig« Arbaiterpariei" bezo'ch- nete. erhob ssch b«i den Sozialdemokraten stürmisch» Heiterkeit. Pieck lehnt« leb« verständiaung mit den anderen Fraktionen bei der Bor- ueberwahl ab und kündigt« an, daß seine Fraktion zu ollen Aemtern ewene Kandidaten aufstellen weide. Sladtoerordneter WUnewsti ( fmmt.) schlug Pieck vor. Die Zettelwahl ergab die Mederwahl d«« Genosseu haß m ISO Stimmen gegen 32 Stimmen, die aus Pieck, und n Stirn- wen. die auf Dr. Liepert(Nat.-Soz.) entfielen. Gegen die Wahl der Vorttederstelloertretsr durch Zurvi- ein einsache». schnelle» V«r. t-hnm—«chobm die-mal die Nationalsozial sten Ein. spruch an Stelle d« Kommunist«, die stch sonst imuwr diesen Scherz«lauben. Es mußte also mit der Äettelwahl viel kostbar« Zest vertrödest werden, die für die Veramng der Cnv«rb?lo en. anträge sehr nötig gewesen wäre. Zu l«d«m Kandidaten prasem rierten die Kommunisten Gegenkandidaten, nur beim dritten Stell- I? vertrestr unterließen ste e». so daß also dar Vorsteher eine Wohl durch Zuruf(bei nur eineiu Kandidaten� feststelle könnt«. Erster Norstcherstellv-rtseter wurde der Deutfätziationale S ra. paß. zweiter Dr. ll a s p a r i von der Vclkspoxtei, dritter Dr. Meyer sDem.). Die Beisitzer wurden nach einer Liste durch Zuruf gewählt. Nach beendeter Wahl forderten die Kommunisten erneut die Evlsernunq der Volizei ans deni Hause. Der Varsteher rnachl« dara»t aufmerksam, daß Stadtrat Richter tDnot.s, der hau»- gewaltig«, erklärt habe, außer dem Stadtverordnetensitzungssaal und dem Lorsaal, die der Obhut des Vorstehers unterstehen, sei Im Rathause noch mehr zu schützen. Er, Richter, w«rfüllt« Antrags- wünsche, die sie zum Krachmachen peranlaßten. So ging es fc-n ganzen Abend über, ohn« daß wo Versammlung zur praktischen Arbeit kam. Darüber vergaßen di« Kommunisten vollkommen ihr« Erwerbolosenanträge. Aber auf deren Erledigung lern«? ihnen gar nicht an. Di« Hauptsache war der Kroch, mit dem sie der Tribüne imponieren wollten.': Neuerössnung der Ausstellung„lob und Terrae in Zugo- slawivy". Die Ausstellung ist his zum 12. Januar im Leckal „Sänzerheim" WeMngstraß« 0 täglich pon 11 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen- Oiebesjagd im fahrenden Zug. Oer Räuber des„Tuchzuges" vor Gericht. Mit einer aufregenden D i« b e s j a g.d hofie sich dos Erweiterte SchSfsengericht Berlin, JleuföOn zu beschäftigen. Unter der AnNoge des schweren Diebstahls im Bücksalle halte sich der 37jährlge Friedrich G e n s i ck e zu veranlworken. der vor einigen Monaten der Schrecken des sogenannten„I u ch- ZUges" war, der täglich regelmäßig zwischen S o t t b u s und Berlin verkehrte. Der Eisenbohnüberwachunzsdienst hatte Meldung erhalten, daß im herbst o. I. der Kottbusser„Tuchzug" regelmäßig beraubt in Berlin«intresse, und daß mitunter bis zu zehn Ballen aus dem verschlossenen und plombierten Güterwogen gestohlen worden wären. Man stand zunächst vor einein R ä t s e l, da der Zug noch den Erfahrungen früherer Jahre zwischen den beiden Etädien nichr mehr hält, um zu verhindern, daß Einbrecher die Waggons plünderten. Nachdem nun immer wieder Meldungen von Diebstählen aus dem fahrenden Zug«inliefen, begleiteten drei Beamte des SHen- bahnüberwachungsdienstes den„Tuchzug". In der Nacht vom to.' zum 20. Oktober sahen sie, daß in der Nähe van Groß-Köris, wo der Zug wegen einer Umleitung langsam sichren muß, ein Mann aus dem Walde eilte und auf den letzten wagen aussprang. Die Beamten, die sich auf dem ersten Wagen hinter der Lokomotive befanden, kletterten nun auf das Dach des Wagens und bevbach- teten. wie der Dieb, der stch ebenfalls auf dos Dach des letzten Wagen» geschwungen hatte, iimner weiter nach vorn kam. bis er mit außerordentlicher Gewandtheit auf einem Wagen' halt machte und von ohen, sich tief herabbeugend, das Schloß des Güterwagens aufsprengte und die Tür zurückschob. Borsichtig Näherten sich die Beamten dem Einbrecher, der bereits anfing, die ihm passenden Ballen in einen Sock zu stecken. Plötzlich traf ihn in dem Dunkel der Strahl einer Taschenlaterne, und mit einem Riescnsatz sprang der Dieb trotz 7 0-K il o>N e te r- T e m p o des Zuges auf die Schienen. Die drei Beamten folgten ihm, ungeachtet des rasende» Tempo», das der Zug hott«, und nun begann«ine wilde Hetzjagd im Dunkel, bei der es jedoch den Beamten gelang, den Räuber kurz vor einem Walde zu fassen, Genficke, der schon früher, als er noch bei der Eisenbahn be- schästigt war, Einbrüche in Waggons begangen und mehrere Zucht- Hausstrofen erhalten hatte, wurde in der gestrigen Verhaiidluug zu weiteren drei Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre verurteilt, obwohl der Staatsanwalt nur zwei Jahr« beantragt hatte, LteberfaU im Arbeiisnachweißk Auf d«m Arbeitsnachweis für Londwirtschoft in der Kasselstraße kam es am Dienstag zu einem aufregenden Zwischenfall. Ei» gewisser Josef D-, dem bereit» wiederheO durch den Acheitsnachwcis Stellungen vermittelt worden sind UN'.I der schon einmal am 30. Oktober v. I. wegen Bedrohung der Ang:, steMen mit P o l i z e 1 g e w a l t au? den Diensträvinen entfernt.. werden mußte, erschien heute vormittag abermals dort. Nach einer erregten Auseinandersetzung mit einem Angestellten des Arbeitsnach- weises drang fxr Bursche mit einem Metall st ückinderchqnd � auf den Angestellten«in und bracht« ihm durch Schläge über den Kopf drei klaffende Wunde» bei- In d«r erst»» Aufregung gelang es dem Täter zu entkommen. Der Verletzte, der für einige Zeit dienstunfähig ist, wurde von einem in der Nähe wohnenden Arzt verbunden. Der Täter war zuletzt aus dem Gut in Buch beschäftigt und ist dort am 24. Oktober v. J. unbekannt abgemeldet worden. Do er heut« vormittag aus dem Arbeitsnachweis ein« neu»' Anmeldung vorgelegt hat, dem Einwohnermeldeamt aber über den Wohnort D.'» nichts bekannt ist. glaubt man, daß die Anmeldung gefälscht ist. JUuiw A%£*€4pl Während der zwei folgenden Jahre blühte die fjUdluirg auf und wurde stündig beuebter und bevölkerter. Miranda fauchte und ächzte hinter sainor Mauer und konnte sich nicht mit dem sprießenden Wohlstand und dem regen Leben und Treiben unter seinen Fenstern befreunden. Es kam ihm vor wie«in ungeheure», schädliches Unkraut, dessen giftige Dämpfe ihm ins Gesicht gehaucht wurden, während sich seine Wurzeln wie tödliche Schlangen unter ihm ringelten und sich jeden Augenblick vom Boden aufrecken tonnten, um ihn zu vernichten. Seine eigenen Geschäfte gediehen in normaler Welse. ab«r da» skandalöse Glück mit ansehen zu müssen, das jedes Unternehmen feines knickrigen Nachbarn krönte, war eine bittere Pille.„Soviel Glück für ein schmutziges, barfuhtges Schwein, da» noch nie einen Rock getragen hat und Tisch und Bett mit einer Negerin teilt!" Abend» und Sonntags erreichte sein Aerger den ftohe- punkt. Dann streckte er sich, müde von des Tages Arbeit. träge neben dem Eßtisch aus. und sein Schlaf wurde regel- mäßig von dem wirren Lärm gestört, der aus der Micts- kaserne drang und an das Grunzen und Stöhnen müder Last- tiere gemahnte. Nie konnte er an sein Fenster treten, ohne den warmen, eklen Geruch wahrzunehmen, den die Masse nicht astmi sauberer und in Herden zusommengescharter Menschheit ausströmte..... Und später, wenn er stch m sem Schlafzimmer zurückgezogen hatte, mar es der Wohlstand feines Nachbarn, der seinen Geist verbitterte und sein« Seele mit wildem Groll«rfüllte, den nichts zu besänftigen vermöchte.„..- � Cr beneidete 3oao Nomao. den anderen Portugiesen, der erfolgreich war. ohne sich geduckt zu haben; der viel reicher war al» Miranda und nie durch die Heirat mit der Tochter seines Brotherrn oder mit dem unehelichen Abkömmling eines reichen Kunden gefördert worden war. Mirimda hatte sich immer für sehr schlau gehalten, wenn es stch um geschickte GeschSfte und um praktischen Sinn hon- belle. Kurz nach seiner Heirat hatte er in einer Antwort auf einen Glückwunschbrief nach Portugal hochmütig erklärt, Brasilien müsse als goldbeladener und von einem imelligenten Mann leicht zu zügelndsr und zu zähmender Maulesel be- trachtet werden. Cr hatte sich geschmeichelt, diese Eigenschaft zu besitzen, aber setzt, im Licht des Erfolges seines Nachbars. mußt« er sich voll Bitterkeit eingesteben. daß er nur ein mittel- mäßiger Stümper sei. Er hatte sich als brasilianischen Mag- naten geträumt und hatte als Sklave einer schlecht erzogenen Frau ohne moralische Skrupel geendet. Cr hat« sich alz Er- oberer im Kampf mit seinen Konkurrenten gesehen und jetzt war er ihr verachtetes Opfer und Gegenstand ihres Gelächters. Wa» hotte er letzten Ende» vollbracht? Er war zu etwas Geld gekommen, allerdings: aber wie und unter welchen Opfern? Sich selbst hatte er einer Teufeltn nerschrieben. die ihm achtzigtausend..Milrei«" und unberechenbare Schande und Demütigung gebracht hatte. Sein Leben war nicht schwer. aber er war ewig an eine Frau gebunden, die er verabscheut«. Und was hatte er von alledem—- was hatte dos Leben für ihn zu bedeuten? Bon der Hölle daheim zum Fegefeuer ins Bureau und dann wieder zurück zur Hölle daheim. Wahrlich, ein rasiger Pfad. Die grausame Ungewißheit über seine Beziehung zu Zul- Mira beraubte die arme Seele auch noch des Trostes der Baterschaft. Wäre sie ein Adoptivkind gewesen, statt Estellas Tochter zu sein, hätte er seine Liebe an sie verschwenden und damit etwas Freude in sein Leben bringen können. Aber so wie er sie betrachtete, konnte er in ihr nur den lebenden, ab- schreckenden Beweis von der Schuld ihrer Mutter erblicken. und Miranda übertrug einen Teil des gesamen Hasses, den er für feine Frau empfand, auf das Mädchen. Ein Höllendasein, überlegte er bitter. „Was für«in Narr bin ich gewesen," murmelte er und sprang aus dem Bett, wo er keinen Schlaf fand. Dann lief er durchs Zimmer, blieb schließlich vorm Fenster stehen und machte dem Neid, der in seinem Herzen brannte, Luft. „Ein glücklicher Hund ist Ioao Romao: der weiß, wie man in dieser Welt vorwärts kommt. Gott, was gäb' ich nicht drum, so frei zu sein wie am ersten Tag. al» ich hier ohne einen Cent tn der Tasche landete: jung zu sein und ein frohes Leben vor mir zu haben. Ah. wenn ich es noch einmal leben dürfte und das Pech hätte, eine Frau zu heiraten, die sich so entpuppen würde wi« Estella, würde ich sie hinaus- werfen— so weit hinauswerfen, daß sie nie mehr zurück- fände. Lch hätte«s tun können, aber ich habe«s nicht getan. Das hat Brasiliaa aus mir gamacht." „Ich bin ein Narr gewesen." wiederholte er. während er den Besitz des Budikers anstarrte,„ein gräßlicher Narr- Was habe ich am Ende? Ein Geschäft, dem ich mich nicht entziehen kann, ohne das meiste aufs Spiel zu setzen, was darin steckt, mein Kapital liegt in einem trostlosen Irrgarten von Trans- aktionen fest, und meine Sinne werden von diesem ver- fluchten, unnützen Land, wo ich bestimmt einmal begraben werde, immer mehr abgestumpft. Was gehört denn eigentlich mir. wenn mein Kredit bis auf den heutigen Tag van dem verfluchten Geld abhängt, daß dieses schamlose Geschöpf wir gebracht hat und das mir Hände und Füße bindet?" Nach solch einer Periode der Selbstprüfung entstand und wuchs in Mirandas leerem Herzen ein neues Ideal— ein Titel. Ihm fehlte das Temperament, das ihn zu Lastern hätte verleiten können, denen andere Männer verfallen, ihm fehlt« die Phantasie, um in Ausschweifungen für das mangelnde Familienglück Trost zu suchen. Wie ein Ertrinkender sich an einen Strohhalm klammert, wärmte er sich und ging er aus in dem Gedanken, einen Titel zu tragen. Estellas Eitelkeit und ihr Anspruch auf vornehme Geburt hatten ihn gereizt und geärgert, jetzt wollte er ihr zeigen, daß das. was sie ohne Verdienst oder eigene Anstrengung besaß, auch für Ihn er- reichbar war und durch die Eigenschaften, über die er ver. fügte, gewonnen werden konnte. Von dem Augenblick an be- gann er von der Freiherrnwürde zu träumen, und der Titel Baron wurde das Ziel seines Ehrgeizes und sollte sein Dasein krönen. Es würde Geld kosten: aber endlich hatte er eil! Mittel entdeckt, sein Geld so anzulegen, daß er es seiner Frau nicht zurückerstatten noch seinem Bastard würde hinterlassen müssen. Diese fabelhafte neue Idee verwandelte sein Leben und seine Sitten vollständig. Er wurde ein Sklave d.'r Konpen- tion, nahm eine Miene bewußter lieberlegenheit an und ver- barg seinen Neid auf Joao Romao hinter freundlicher sizerab- lassung. Jeden Tag, wenn er an der Bar vorbeiging, begrüßte er deren Besitzer mit gnädigem Lächeln, das rasch ver- schwand—: die Beflissenheit einer großen und wichtigen Per- sönlichkeit, sich den Niederen und Unbedeutenden wohlwollend und liebenswürdig zu erweisen. Nachdem er den Erwerb seines Titels eingeleitet hatte, wurde Miranda gesellschaftlich unternehinend und ver- anstaltete in seinem Haus üppige Feste. Seine Frau freute sich au» privaten Gründen über diese unerwarteten Lust- barkeiten. lFvrtschlMg folgt.) Die Epidemie im Ruffenlager. Gutachten des!Reich6gesundheit6amts. hommersteiu. 7. Januar. Der vom Reichsgesundhcitsamt antsandte Ausschutz grbt aus grund seiner. Untersuchungen und Ermittlungen ein vorläusiges Gutachten über den Gesundheitszustand im Lager Hammerstein ab. in dem es u. a. heitzt: Der Kräftczustand der rund 3200 Köps« zahlenden Belegschaft'ist infolge der in Rutzlond erlittenen Strapazen, Entbehrungen und sonstigen Ausregungen stark ver. mindert. Die hierdurch bedingte Herabsetzung der Widerstandskraft gegen Krankheitserreger bezieht sich auf Erwachsene wie auf Kinder. Die Masern wurden aus Rußland ins Lager eingeschleppt. Schon vor der Abreise waren 250 Kinder an Masern erkrankt. Durch die unterwegs erfolgten Ansteckungen entstand eine E p i d s m i e, die sich trotz aller Jsolierungsmatznahmen stark ausbreitete, weil vielsach kranke Kinder van den Eltern versteckt wurden. Im ganzen sind von den 57 Todesfällen unter Kindern 39 auf Masern, 3 auf Kinderatrophie, 2 auf Diphtherie, lauf Scharlach und 7 auf kruppöse Lungenentzündungen zurückzuführen. Der bösartige Charakter aller vorgekommenen gewöhnlichen Erkrankungen und Infoktionskrank heiten ist auf die stark verminderte Widerstandsfähigkeit infolge der vor Eintreffen im Lager qualitativ und quantitativ un- zureichenden Ernährung zurückzuführen. Daher wurde der Er nährung von vornherein das Hauptaugenmerk zugewandt. Be- sonder« Küchen versorge« die Kinder, die täglich durchschnittlich ein- einhalb Liter Vollmilch erhalten. Es wird darauf geachtet, daß die übrige. Nahrung befand er svit am i n r e i ch ist. Biel« Kinder haben leider diese vitaminreiche Nahrung nicht mehr vertragen können. Die ärztliche Behandlung und die Pflegetätigkeit der Krankenschwestern entsprechen jeder Anforderung. Wenn in den Lagern Prenzlau und Mölln günstigere gesund heilliche Vorhältnisse obwalten, ist das daher zu erklären, doh die dortige Belegschaft aus dem gesundheillich bester gestellten Menschen Material der. ersten Tranzportc besteht. Ihre-124.(Strafe. Die �erbergsmutter der Berliner Einbrecher. Den in Moabit noch nicht dagewesenen Rekord an vor st rasen konnte gestern die Zimmervertnieterin Anna Sch. aufstellen. Sie ist nicht weniger als IZOmal vorbestraft. Die Angeklagte kann als die Herbergswirtin der Einbrecher Berlins bezeichnct werden. Vor einem Jahre war sie in dem Pro zsh gegen den Einbrecherköntg Bergemann, genannt«Dr. Ma buje", mitocrwickclt. Gestern erschien sie auf der Anklagebank mit zwei neuen Mietern, Rudolph und Bahn, zwei schweren Jun- gen, die von Cindrüchc» lebten. Diese beiden Angeklagten waren nachts in eine große Anzahl von Gastwirtschaften eingebrochen und batten Spirituosen, Zigaretten. Lebensmittel und all« möglichen Einrichtungsgegenständo gestohlen. Ihrer Wirtin gaben sie an Stelle der Miete einen Teil ihres Diebesgutes ab. Das Schöffen- gericht verurteilte Rudolph zu 2 Jahren 6 Monaten und Bahn zu t Jahr 6 Monaten Zuchthaus und beide zu je 3 Jahren Ehrverlust. Die Vermieterin erhielt ihr« 121. Strafe mit 1 Jähr Gefäng- n is und 5 Jahren. Ehroerlust wegen fortgesetzter. Hehlerei. Sie wurde auch sofort im Gerichtsfaal verhaftet und mußte trotz he f» l s.g e n S t r ä irb« n s �n. Justizwachtmeistepn in dje. Zelle folgen- Rettung aus höchster(Seenot. Ein Schoner trieb zwei Wochen hilflos umher. Oslo, 7. Januar. Ein deutscher Schleppdampfer traf gestern den deutsche« Schoner «Olga", der sich in höchster Seenot befand, in der Nähe der norwegischen Küste nnd schleppte ihn in den Hafen von U a l e f n n d. Die„Olga" hatte eine furchtbare Fahrt hinter sich.� Sie trieb feit über zwei Bochen auf der Fahrt von den Shetland-Zufeln nach Norwegen hilflos anf den Bellen. Der Kapitän war bereits am 23. Dezember, nachdem er vier Rächt« nicht geschlafen hall«, oötlifl erschöpft über Bord gespült worden und ertrunken. Dos Schilf Halle Bauholz geladen und hielt sich auf der Ladung fchw-immenö über Wasser. Seine Kabinen waren, als man es auf- fand, vollständig, zertrümmert. Ein Fingerabdruck mit Hindernissen. Ilmer der Anklage des Betruges und der schweren Urkunden- lälschnng in mehreren Fällen stand der 30jährige„Stodtsekrctär" An- dreas'Müller vor dem Erweiterten Schöffengericht Neukölln. Zwanzigmal ist der Angeklagte bereits vorbestraft. Unter den verschiedensten R a in e n ist er bei vielen deutschen Gerichten be- kanill. Auf das Entschiedenste bestritt er. Andreas Müller zu fein. «? heiß« Wichestii Müller-Eichoff und fei Stadtfekretär in Düsseldorf gewesen. Die?tachforschungen ergaben aber, daß der Angeklagt« kein anderer als Andreas Müller ist. ------ Dem- Gericht standen ein« Reihe von F i n g e r a b d r ück c n öur Verfügung, di« von«incm Müller mit verschiedenen Aornamen stammten, aber all« gleich waren. Roch innner bestrill der An- geklagte, Andreas Müller zu fein. Um die Identität nochzuweisen, ordnete der Vorsitzende die sofortige Abnahme des Fingerabdruckes durch einen anwesenden Sachverständigen an. Da der Angeklagte sich für„sachverständig genug" hielt, einen Abdruck ohne Kommunistenkrawalle in Berlin O. 52 Festnahmen.- 2 Polizeibeamte leicht verleht. Zwei literarische Veranstaltungen stehen im Mittelpunkt des Programms. Map H o ch d o r f spricht in der Stunde mit Büchern uber„Fomilicnschicksale im Roman". Er behairdelt hauptsächlich Werke, die den Zusammenstoß östlicher und westlicher Kultur in Ainerita schildern. Es bleibt nichi bei einer Analyse der Werke bei einer genauen Beschreibung des Dichters und seines Schaffens. sondern Hochdors sucht darüber hinaus zu einer allgemeingültigen Formulierung über beftinmito Kultursragen zu kommen Das gc- lingt ihm auch durchaus. Friedrich Biirschell diskutiert in seiner Abendveranstaltung„Dorf man schon wieder?" den Kitsch, die Sensation, die psychologische Analyse und die Spannung, und kommt zu dem Resultat, daß eine Mixtur von all diesen Elementen die richtige Mischung für dos Publikum ist. Wege ins Nevland weisen beide Vortragende nicht. Aber eine elng'hznde B sichtuug dar augenblicklichen Situation van einem objektiven Gesichlepunkt aus beoeutei heute bereit» ein Verdienst. Lotte Walter singt, von Ihrem berühmte» Vater, Bruno Walter, am Klovier be- gleitet, Lieder' von Schubert und Mchler. Man hat schon bester« Stimmen im„ Berliner Rundfunk. gehört. Eine eingehende Aus- e'nandersetzung sei der Musikkritik überlasten.?. Zeh. Ilm Ost«» und Südosten Berlins ist es gestern am frühe» Nachmittag anläßlich der Ueberführnng des von Nationalsozialisten tödlich verlebte« kommunistische» Arbeiters Nenman««nd des im Virchowkrankenhans verstorbenen Kommunisten Kobitsch-Meher«ach dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde z« ernsten Zn- sammen stoßen zwischen kommunistischen Demo»- stranten nnd der Polizei gekommen. 52 Personen wurden dabei zwangsgestellt und dem Polizeipräsidium zu- geführt. Ein Polizeihauptmann und mehrere Baamte wurden im Handgemenge durch Schläge leicht verlebt. » Die Zusammenstöße begannen am Lausitzer Platz, wo Polizeibeanll« gegen die Mitsührung eines Plakates einschrellen wollten. Dabei wurde der Reviervorsteher. Hauptmann Krampe, vom 108. Polizeirevier, als er mit einem Beamten die Beschlag- nähme des Bildes vornehmen wollte, von der Menge sofort unter lautem Gejohle umringt. Es entstand ein Handgemenge, dabei wurde der Polizeioftizier nnd der Vamle durch hiebe mii Harle« Gegenständen am Kopf blutig geschlagen. Angesichts der bedrohlichen Situation feuerte herbeieilende Polizeioerslärkung mehrere Schreckschüsse ab, worauf fast im gletchen Augenblick auch aus den Reihen der Demonstranten Schüsse sielen. Em am Wachtmeister wurde von mehreren Burschen seine Dienstwafte ent- rissen, die später jedoch einem der Rädelsführer wieder abgenommen werden konnte. Unter Anwendung des Gummiknüpels gelang es schließlich, den Lausitzer Platz zu räumen. Dabei wurden zunächst sieben Krakeeler festgenommen. Bei dem Versuch, noch weitere Rädelsführer festzunehmen, kam es_ dann einige Straßenzüge weiter, in der W r a n ge l- und später in der Oppelner Straße, abermals zu Koawollen, da die anfangs flüchtende Menge erneut versuchte, sich wieder zu sammeln und tätlich gegen die Beamten vorzugehen. Ueberall tauchten plötzlich Mitglieder des verbotenen Rot-Frontkämpfer-Bundes auf, und zwar in voller Aus- rüftung. Jsdem Versuch, die Rot-Fronlleute festzunehmen, wurde von den Demonstranten Widerstand entgegengesetzt, so daß wieder- holt Schreckschüsse abgefeuert werden mußten. Besonders bedrohlich wurden die Ausschreitungen in der Umgebung des Küstriuer Platzes, wo gleich ganze Trupps uniformierter Rot-Frontler auf- traten. Aus den Häusern an der Ecke P o s e n e r und Rüders- d o rf e r Straße wurde ein regelrechtes Bombardement auf die Polizei eröffnet. Alles, was nicht niei- und nagelfest war, flog auf die Straße. Sogar Preßkohlen, Steine und Flaschen wurden als Burs- gefchosse benutz«. Insgesamt wurden bei diesen Ausschreitunzen 52 Sistierungen vorgenommen. Nachdem die Ruhe in der Umgebung des Küftriner Platzes völlig wiederhergestellt war, konnte der Leichenzug selbst ohne wettere Störung den Friedhof in Friedrichsfelde erreichen. Nach der Beisetzung ist es zu weiteren Zwischenfällen nicht gekommen. Noch den bisher bekanntgewordenen Meldungen ist aus seilen der Demonstranten niemand verletzt worden. Die Verletzungen der Polizeibeamten erwiesen sich glücklicherweise als nicht gs- fährlich, so daß sie nach Anlegung von Notverbänden im Dienste verbleiben konnten.— Vom Polizeipräsidenten wird zu diesen Vorgängen noch erklärt, daß zwar mehrere Schreckschüsse ab- gefeuert werden mußten, daß jedoch niemand verletzt� worden ist. Aus der Menge heraus sind nach übereinstimmenden Feststellungen vier Schüsse abgegeben worden. Die 52 Festgenommenen wurden der Abteilung IA im Polizeipräsidium zugeführt. * Zu dem Tode des Kommunisten Äobitsch- Meyer wird von der Justizverwaltung noch mttgeteilt, daß dieser in Brandenburg eine Gesamkzuchlhansstrafe von 11 Zahren wegen schweren Raubes nnd anderer Skrastalen verbüßte und daß er ferner vom Schwurgericht Magdeburg wegen versuchten schweren Diebstahls und Tot- f ch l a g s zu einer weiteren langjährigen Zuchthausstrafe rechts- kräftig verurteilt worden war. Im November 1020 wurde Kobitfch- Meyer wegen eines inneren Leidens in das Lazarett des Unter. suchungsgefängnisies Moabit eingeliefert, wo trotz sorgsamster ärzt- licher Bebandlung plötzlich noch euw Lungenentzündung hinzutrat. die die Ueberführnng in das Virchow- Krankenhaus notwendig machte. Hier ist Kobttsch-Mcyer dann gestorben. den Sachverständigen zu liesern, verordnete der Vorsitzende die zwangsweise Abnahme. Bit Hllse von drei Bachtmeistern gelang es dem Sachverständigen dann, einen Fingerabdruck zu erhalten. der schon bei oberflächlicher Betrachtung in 10 Punkten mit den vorhandenen Fingerabdrücken übereinstimmte. Der Angeklagte ließ sich in der Maske eines Steucrbeamten von kleinen Geschäftsleuten„Steuernachzahlungen" erstatten und quittierte mit falschem Namen. Das Urteil gegen ihn lautete auf eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 10 Monaten. Verlin sott sparen - aber der Kstvs. zwingt zu unnühen Ausgaben. Die i S t'a d t Berlin hat bekanntlich vom preußischen FiNantzm ittiste. i uttt.' d.- h. von der Lau- und Finanzdirektion, das Ma r'stall g e bäudc am Schloßplatz gepachtet, in dem die Stadtbibllothet lind die Räumlichketten des Bcrliuer Anschaffung s a m t e s untergebracht sind. Dieser Bertrag ist der Swdt Zum Frühjahr 1950 gekündigt worden, und aus diesem Grunde war von der städtischen Verwaltung der Neubau der Stadtbibliothek am Bülowplotz unmittelbar neben der Volksbühne projektiert worden. Im Marstastgebäud« soll das neugeschaffene Amerikanische Institut Unterkunft finden, zu dem eine Bücherei von 80 000 Bänden gehört. Die Stadt ist natürlich, angesichts ihrer Finanzkalmnität, nicht in der Lage, den kostspieligen Neubau der Stadtbibliothek am Bülowplötz durchzuführen, nnd es haben deshalb vor einigen Tagen zwischen dem Magistrat, und zwar der Rathaus- Verwaltung und dem preußischen Fiskus Verhandlungen auf Ver- längerung des Mietvertrages stattgefunden, damit die Stadt die kostspieligen Umzugs-- und Mietkosten sparen kann. Diese Bor- Handlungen haben aber nur zu einem geringen Teil zu einem Er- gebnis geführt, da der preußische Fiskus für das neue Amerika« Institut, das kaum eine allzu groß« Frequenz aufweiscn dürste, die meisten Räume des Marslallgebäudes für sich in Anspruch nimint und aus Räumung durch die dort untergebrachten städtischen Dienst- stellen besteht. Der Stadt ist lediglich dos Zugeständnis gemacht worden, daß sie einen Seitenflügel auf wettere drei bis vier Jahre behatten darf, der aber auch bei allen räumlichen Ein- schräntungen nicht zur Unterbriirgung der bislzerigen Bureaus usw. ausreicht. Die Stadt muß also einen Teil des Anschaffungsamtes in andere städtische»der Privatgebäude verlegen, wodurch Um- zugskosten in Höhe von 20 000 bis 30 000 Mark e n t st e h« n, die eigentlich nutzlos ausgegeben werden müssen. Diese Borgänge sind ein Beweis dafür, daß auch innerhalb der Landesoccwaltung eine ausgesprochene Ressortpollltk getrieben wird und ein« Behörde die Anordnungen, in diesem Falle des Ober- Präsidenten, ins Gegenteil verkehrt. Berlins Schulen reichen nicht aus. Die Erhöhung der Berliner Geburtenziffer in den ersten Nach- kriegsjahren macht sich jetzt auch bei den höheren Schulen bemerk- bar, die zu Ostern d. I. einen gegenüber den Vorjahren wesentlich gesteigerten Zuzug von den Grundschulen erhallen sollen. Die Tatsache, daß man an den zuständigen Stellen bisher noch nicht weiß, wie man diesen Zustrom zur Sexta bewältigen soll, gibt die Veranlassung zu Bsrhandlungen, die heute.zwischen der Stadt Berlin und dem Provinzialschulkollegium stattfinden allen. Die s i n a n z i e l l c Lage der Stadt, die bereits die Zurückstellung einer Reihe von Schulbauplänen verursacht hat. erlaubt keine Bereitstellung neuer Räume für die von dar Uebersüllung be- drohten Unterstufen. Man wird sich wohl in der einen oder an- deren Schule hinsichtlich der Klassenz nnmer etwas beheffen können, im wesentlichen wird es sich aber darum handeln, die Besetzung»- Ziffer der Sexten heraufzusetzen, um alle diejenigen Schüler auf- nehmen zu können, die selbst bei Anwendung der vorgeschriebenen verschärften Aust'.ahmedcdiirgmigen zu den höherrn Schulen zu- gelassen werden müßten. Man wird mit den gleichen Erscheinungen auch noch für die nächsten Jahr«, und zwar dann auch' für dl« wetteren Klassen bis zu der Mittelstufe, zu rechnen chabett. ftelbst. wenn man etwaigen Ab- gang durch Umschulung usw. m Betracht zieht. Festtage leeren die Krankenhäuser. Die Weihnacht-feiertage haben den vorher dauernd stark in Anspruch genommenen städtischen Krankenhäusern eine erfreuliche E n t l a st u n g gebracht. Während in diesen Anstalten die Zahl der nicht belegten Betten im allgemeinen nur etwa 10 Proz. beträgt, war am zweiten Feiertag fast ein Viertel aller Betten (23,8 Proz.) frei. Die Entlastung der Krankenhäuser wird regelmäßig, wenn auch nicht in dem erwähnten Umfange, bei allen Festen beobachtet. Sie beruht darauf, daß zahlreiche Kranke vor dem völligen Abschluß der stationären Behandlung das Krankenhaus verlassen, nm zu Hause im Kreise ihret Angehörigen das. Fest verleben zu können... Aus dem gleichen Grunde verschieben viele die Aufnahme in das Krankenhaus. Groh'Variet6 im Zirkus Busch? Wie dem„Deutschen Verkehrsdienst" aus Breslau gemeldet wird, soll die Direktion des Zirkus Busch, die ihr Breslauer Zirkus. gebäude nach dem Muster der Berliner„Plaza" zu einem Bolls- Darietä für 3000 Personen umbaut, die Absicht hasten, auch das Berliner Zirkusgebäude am Bahnhof Börse zu einem neuen Groß-Varieti umzugestalten. Es soll ein vollständiger Um- bau des alten Gebäudes geplant fein. Mtt dem Lreslauer Variete und dem im vergangenen Jahr in Hamburg ins Leben gerufenen Zirkus-Variete wird dann ein Künstleraustausch geplant. Scala im Januar. Wie es sich zum Jahresbeginn gehört, dominiert im Jaimar- Programm der Humor. Green Wood und Vi ölet unterhatten durch witzige, gutdurchdachte Clownerien, der Grotesktänzer Mae Wall zeigt, wie man Arme, Beine und Gesichtsmuskeln in den Dienst der Komik stellt, und C o r t i n i zaubert geschickt aus dem Nichts unzählige Dollars: warum wird der Mann nicht Finanzminister? Der Tanz ist bei Flor« nee u. Grip und bei den Foster-Girls in den besten Beinen: Anstel u. Arthur verbinden akrobatische Geschicklichkeit mtt Humor. Dann amüsiert man sich köstlich bei den prächtigen Puppenspielen Schichtl-Charton. Nicht ver- gessen sei d e Marls, der Kontorsionist am Trapez, der qtem- raubende, erstklassige Trickse vorführt und die Willi Schenk Co., die eine cquilibristische Nummer von hohem Rang zu sahen gibt. Der diesjährige Rull der oesterreicher findet unter dem Pro- tettorat-des österreichischen Gesandten Dr. Frank stall. linier anderem gehören dem Protektorenkomitee all' Reichstags präsidc nt Lobe und Reichsinnenminister Severin g. Im Rahmen des Balles wird gegen Mittermnht xine musikalische Akademie ver. anstattct- für welche sich in Anbetracht des wohltätigen Zweckes Frau Kammersängerin Vera Schwarz und Kammersänger Richard Tauber unter persönlicher Leitung Franz Lahors zur Ver- ftigung gestellt haben. Der Komponist hat für den Ball auch eine eigene Kompositton geschaffen, die er petsö rrlich dirigieren wird. Aus der Partei. Bax Binler b0 Jahre. Noch Karl Seitz, Karl Leuthner und manch anderem führenden Wiener Genossen rückt min auch Max Winter in die Reihe der Sechzigjährigen. Sein Name ist be- sonders bekannt als der des Obmannes der„Arbeiier-Kindenreunde" in dem Lande, von wo sich diese Bewegung so verbreitet hat, daß Winter auch der Führer der sozialistischen Erziehungs-Jnternationale und ein Vorkämpfer des Antialkr-hc-lismus geworden ist. Aber Jahrzehnte vorher hat er das geschaffen was man in den letzten Jahren überall als„soziale Reportage bett«bt— aber kaum irgendwo so meisterhaft wie Max Winter in der„Arbetter-Zeitung". Cs war nur logisch, daß als die Roten die Verwaltung des rer- schuldeten Wien übernehmen mußten, Winter als Vizestürgerm« ister das große Hilfswerk bexann. Später schickte Wien ihn in den Bundesrat. Da hat er jüngst noch die SerfchanMuiig de« Prefj- gefetzes gekennzeichnet. Den Glückwünschen zu seinem Sechziger schließen sich viele tausend Reichsdeutsche an, von denen ihn so manch« aus Kinderfreundetaaungen und aus Wahlversammlungen kennen, denn Winter läßt keine nachbarliche Wahlfchlacht ms. ohne ontzu kämpfen. g, Soziale Leistungen. Die Sozialversicherung-1925:29. Die Beitragseimiahmen der Träger der Sozialversiche- r u n g— mit Ausnahm« der Arbeitslosenversicherung— ! Es kommt in diesen Zahlen sowohl sür das Jahr 1928 als auch für das Jahr 1929 indessen nicht zum Ausdruck, daß auch dos Reich eine Reihe von Aufwendungen für die soziale Versicherung zu trogen hat. Der Gesamtwert der Sozial- Versicherungsleistung läßt sich nicht in Z i.f s e r n umsetzen. Ihr nicht in Zahlen zu berechnender Wert für das Polksgcmze liegt in der planmäßigen Arbeit stn Dienste der Gesundheit, in der Stärkung und Erhebung der Arbeitskraft. Wie sähe es in der deutschen Volkswirtschaft aus ohne die Leistungen der Sozial- Versicherung! aus den Gewerkschaften ausgeschlosien«erden, ist an sich von unter. geordneter Bedeutung So oder so führt der Befehl Lafcwskis zur Ausschaltung des Einslulfts der KPD. innerhalb der Gewerkschaften. Darüber kann sich jeder ehrliche Gewerkschafter mir freuen. Denn damit wird die„Opposition" um der Opposition willen, der ewige Krakeel ohne Absicht und Vermögen, es besser zu machen, endlich aufhören. Man wird wieder sachlich arbeiten können. Kritik üben, wenn Kritik notwendig und angebrocht ist. Gemeinsam den besten Weg und die besten Mittel suchen zur Verwirklichung des gemeinsamen Zieles. Was können wir uns besseres wünschen? Und deshalb gaben wir am Sonntag unserer Befriedigung darüber Ausdruck, daß Lo- scwiki bei seiner Parole bleibt. Daraus macht nun die„Rote Fahne" das Gegenteil unserer doch wohl klar genug zum Ausdruck gebrachten Meinung. Wir wären mit Losowski und seinem Berliner Handlanger„unzu- sri eben"! Wir wären wirklich sehr undankbar, wenn wir jetzt mit Lo- sowski unzufrieden sein würden. Im Gegenteil! Losowski will, daß die KPD.«ine scharfe Trennung zwischen sich und den Gewerkschaften vornimmt. Darüber freuen wir uns. Um nun unsere angebliche Unzufriedenheit zu beweisen, bringt das Berliner Stalin-Blatt unter Anführungszeichen ein angebliches Zitat aus dem„Vorwärts", das weder der Form noch dem Inhalt nach jemals im„Vorwärts" veröffentlicht wurde. Das Blatt de- hauptet weiter,„die nüchternen Zahlen der Strcikstatistik im Jahre 1929" veröffentlicht zu haben, sogar mehrmals! Wir wissen, daß es bei den Bolschewiki Mode geworden ist, phantasievolle Schilderungen von dem herrlichen Leben des russischen Arbeiters im Jahre 1969 oder 2969 zu geben. Warum sollen sie also nicht im Sommer 1929 bereits die„nüchternen Zahlen" der Streiks vom letzten Quartal desselben Jahres veröftenllichen? Oder sollte das Blatt damit die Uebcrsicht meinen, die es von der„rernv lutionären Streikwelle" gab? Jene von uns wörtlich zitierten„Er- gebnisie", die ohne Ausnahme so aussahen:„Erreicht nichts, gemaßregelt viele." Das waren allerdings„nüchterne" Zahlen. Sie waren sogar sehr stark ernüchternd. Wir haben nur den«inen Wunsch, das Lo- sowski seine eigene Parole auch konsequent einhalte. Die imporiierte Künstagewoche. General Motors in Belgien. Brüssel, 7. Januar.(Eigenbericht.) Der Betrieb der General Motors ist völlig neu organisiert worden und nunmehr wieder im Gang, nachdem die Arbeit eine Zeitlang völlig geruht hatte. Im Lutomobilbau io«rden zur Zeit 6999 Personen beschäftigt. Sic arbeiten an fünf Wochenkogen in achtstündiger Arbeits zeit. BVG., Abteiluyfl A.®. Stra�cnbabn! Am Sounab«nd, dem H 11. Januar, im Lokal Nustbaum". Zud Rcwhold Last. Plo�evf,-, t] I. i Straße 12, Bersammluag sämtlicher Genossen der Kanp�werZst�tte. f j g Zeder Hevossc mvß erscheinen. Ritgliedsdnch ist mtzubrinaev. Der FraMoasvorstaud. H Bezirksamt ZaihreskiaupiversammIunH der betrieb£3 m ftöltion Donnerstag. 20 Uh«, im Restomran? Ewald, Skalitier Str. 125. tfi g Tagesordnung: 1. �cdccsferrichf. 2. itteumahT des Larstandeo und der£3 � Obleute. 8. Verschiedenes. Pünktliches und voflaSAli?� Erscheinen cÜcr fü Genossen erwartet Der �raktiovevorstaod.'p U' öz S- Achtum,..ZzlbiHurteU«: D-nn,rstaa. I8\Z llfit. im Saat 1 d-s Qe, N K»«rkschattshaul«, Euselulsr Z4— A. V-rsammluna aller Kollrainnrn-Z IM unt> ftoBegai der Amstcrdamrr Richtung. Tagesarsuung: Die««ML- g? -Z mstischen lZerftLrungstendeirztu. � t�reieGewerkschafts-Iuaend Verlin Seut«. Mittwoch. 1SZ4 Ulir. tagen die Gruvvcv: Süden. AAdw-ii.iB: chrunvelch-im, Städt. Srqcniiteüa, florckftc. 11 ilsabrikg�biiud-). Aktw- besprechung.— Rcutällr. Iugendd.im Rctstgr. 2S(Host. lö«im» besprechung— Liederabend.— 2a>önbauier Tot: Zugendbeim ptbten'rtft Straße 25—26. Scimbcsprechung.— Weißeuic«! Gruvpenbeim Weisi:nsee,"Park- groß« Z«. Leimbesprechuus.— Aordriug: Jugendheim. Schule Sonnenbiiraer Straße 20. Haimbesprechung. Berhanb-ihuchrgntrelle. Unsere MSdel» berichten über die Rurs«.— Baumschnlenweg: gugrndheim Baunrschulcnwea. Ernst- slraß« 16. Äeinwesurechung.— Karten für ir« nächsten?ug«ndo«istclluuge» der BellxbAine am 12. und 26. Januar 1SZ0 lind noch in der Zugendzentrale »u haben. ®Iuoendantvve des?enverdandeS der AnaefteNten Heut«, Mittwoch, knlgende Verunstaltungen.: Scinudbruu»«»» Jugend» heiw GchLafteidlftr. l lLsdigeicheioe). 5 Trepven. Borirag:„Kerussfchul- fragen". Referent: Artur Rochow.— Rordzst: Jugendheim Dantiger Str. 62 lVaracke S>. Bortrag:»Die lsrau und der Sinialismus". Roferentin: Brigitte Schneider.— vsteu: Jugendheim der Schule Litauer Str. Z8. Liederabend.— Stralau: Zugendheim der Schule|>a gute feinffidige Wore,. Meter jetzt*W,"T Pf* Dimlti ca. 120 cm breit 80 cm breit erprobte Ware TyO. Bii.. «r Bettwäsche Jetzt Mtr. g mß Pf, Mtr. cW»U Pf. 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Kartelle ist sehr viel von„Verbandsinüdigkeit" die Rede gewesen. Die Konzerngewaltigen der Schwerindustrie brachten unverhohlen ihre Unzufriedenheit mit dem bisherigen Verbandssystem zum Aus- druck, priesen mit viel schönen Reden die frei« Unternehmerinitiative, verlangten Beseitigung oder wenigstens- Lockerung der organisatori- schen Fesseln und begeisterten sich für den freien Wettbewerb auf den deutschen Eisenmärkten. So erklärte z. B. Paul R e u s ch, der -führende Mann im chanixl-Konzern(Gute-chofsnungs-chütte), daß er einem Wiederaufleben der freien Konkurrenz, selbst mit der un- ausbleiblichen Folgewirkung neueinsetzeirder Preiskämpfe unbedenklich gegenüber der jetzigen Kartellwirtschast den Vorzug gehe. Diese und ähnliche Erklärungen schwerindustrieller Führer waren aber nichts mehr als das üblich« Wortgeplänkel, das Kar'ellcrneueruiigs- und Quotenkämpfen voranzugehen pflegt. Trotz aller Drohungen. die Eisenkartelle auffliegen zu lassen, sind die Kartell« wieder- erstanden, und zwar nicht etwa in einer gelockerten, sondern in einer bedeutend gefestigteren Form. In dem neuen Kartellgefüge ist die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit der einzelnen Unternehmung noch viel stärker eingeengt als bisher. Die Festigung des Kartellkörpers der Eisenindustrie ist vor allem durch drej Maß n ahmen«reicht worden: durch die lange Dauer der neuen Kartellverträge, durch die nahezu hundertprozen'ige Kartellierung mittels Aufkauf der Außensaiterwerke und durch die Einführung des sogenannten Gruppenschutzes, der praktisch auf eine Verhinderung der Erweiterung der Anlagen hinausläuft. Die neuen Eisenkartell« haben durchweg mit Ausnahme des Röhrenoerbandes, der erst im Jahre 1332 abläuft und dessen Der- längerung noch nicht mtt zur Debatte stand, eine Laufzeit von zehn Jahren. Durch dies« für Kariellverträg« außerordentlich lange Befristung— die allen Verbände hatten nur eine drei, bis fünfjährige Laufzeit— Ist die Stabilttät der Eisenkartelle bedeutend verstärkt. Das Kräfteverhältnis der einzelnen schwer- industriellen Gruppen ist durch diese lange Vertragsdaucr gleichfalls einigermaßen festgelegt: Konzernkämpfe, wie sie in den letzten Jahren in der Eisenindustrie auf der Tagesordnung waren, werden infolge der langen Laufzeit der Kartelle und der starken Bindungen. die die Vereinbarungen den einzelnen Werken auferlegen, wohl wenigstens in den nächsten Jahren in den Hintergrund treten. Die Auhenscilerfragc wurde auf die radikalste Weise gelöst: haupMächlich vom Stahlvernn, dem die Eristenz von Nichtoerbands- werken besonders unangenehm und unsympathisch war. Die Außen- seiter wurden einfach ausgekauft. Die wenigen noch außer- halb der Verbände stehenden Werke— so das früher heiß um- stritt ene, setzt dem Michel-Konzern gehörige Stahlwert Becker. jerne? der eisenindustrielle Besitz des R»h �«.--K»«-z e t-n s: die- Rheinisch-Westfälischen Stahl- und Walzwerke(Stahlrewag) und das Sächsische Gußstahlwerk Döhlen sowie das Stahl- und Wal.;- werk Hcnningsdors und einige kleinere Werke—, sie alle sind von 'einem unter Führung des Stahlvereins dazu gebildeten Konsortium erworben worden. Die Austäus« scheinen noch nicht beendet Zu sein: hierauf deutet die später erfolgte Angliederung der Heinrichs- Hütte nom Henfchel-Konzern an den Stahlverein hin sowie die Mitteilung, daß auch die Buderusschen Eisenwerke in Wetzlar von den Großkonzernen übernommen werden sollen. Di« Konzerne haben sich die Befestigung der lästigen Außen- fester etwas tosten lassen. Der Erwerb der Aktienpakete, der zuerst genannten Unternehmungen soll allein 6 0 Millionen Mark beansprucht haben. Dieser Betrag soll durch Verwertung der Produt'ionsquoten der aufgekauften Werke eingebracht werden: soweit die Kosten aus den Ouvtcnerlöfcn nicht voll gedeckt werden. wird der Rest auf die Vcrbandsmitglieder umgelegt. Die Quoten- Übertragungen sind zum Test schon vollzogen. So wird der Quoten- anspruch der Max.Hütte größtenteils durch Uebertragung einer ent- sprechenden Produkfawsmenge von Döhlen erfüllt und im Pro- duktenverbond erhält sie 30 000 Tonnen neu. Einzelne Be'rieb« der aufgekauften Stahlrewag. so die Bremer Hütte und die Abteilung Hagen sollen stillgelegt werden: diese Quoten wird aller Bor- aussicht nach Krupp erwerben. Im übrigen haben sich der Stahl- verein und Mannesmonn verpflichtet, jährlich von Krupp je S0 000 Tonnen Halbzeug zu festgesetzten Preisen zu übernehmen, wodurch auch d« Konflikt mit Krupp beigelegt worden ist. Der mit der Derbandserneueruaq einsehende Konzen- lrationsprozeh bedeutet an sich«nen organisatorischen Fortschritt, da die Produktion von kleineren und mittleren Anlagen auf die größten und modernsten Werke oerlegt, durch Stillegung einzelner Bettiebe die Uebererzeugung in der Eisenindustrie vermindert wird und die arbeitenden Werk« zur besseren Ausnutzung ihrer Aistagen gelangen. Diese Entwicklung ist jedoch mit großen Kapitalopfern oer- bunden, die freilich durch die Preispolitlk der Eisenindustrie selbst oerschuldet sind. Die Produktion der Eisenindustrie wird im Jahre 1323 insge- samt das Niveau des Hochkonjunktursahres 1327 erreichen. Im Jahre 1327 ssnd. wie Generaldirektor Vogler vor der Enquete aussagt«, die Stahl- und Walzwerksonlagen mst 30 bis 95 Proz. ihrer Kapazität ausgenutzt worden. Wenn dagegen die Eisenindustrie heute bereits bei fast annähernd gleich hohem Pro- duktionsnioeau wie 1927 über völlig unzureichende Aus- Nutzung ihrer Leistungsfähigkeit klagt, so geht daraus hervor, wie umfangreich die in der Zwischenzeit vorgenommenen Wcrkserweite- rungen sein müssen. Durch die überhöhten Jnlandscisenpreise, durch die E i s e n st e u e r, die die Schwerindustrie dank ihrer durch die ausländischen Kartellvereinbarungen und die hohen Eisenzölle ge- sicherten Monopolmacht den inländischen Abnehmern auferlegen kann, ist der Anreiz zur Erweiterung der Werke— besonders für verfeinerte Walzwerkserzeugnisse— offenbar außerordentlich stark gewesen. Zu welcher Sapikn'oerschwcnduna die Karlellpolitik der Eisenindustrie führt, sei. nur an einem Beispiel demonstriert. Das sächsische Gußstahl- werk Döhlen hat im letzten Jahr umfangreiche Erweiterungen, unter anderem den Bau neuer Wal-enstraßen voroenommen, und viele Millionen in diese Neubauten bineingesteckt. Das Werk weist für dos letzte Jahr einen VerOistabschluß aus. und es sind An- sichten laut geworden, daß Döhlen sich verrationalisiert habe. Bevor aber noch die neuen Anlagen in Betrieb genommen wurden, wird das Werk aufgekauft und zum größeren Teil st i l l- gelegt! Für den Rohde-Koniern, den Besitzer von Döhlen, ist der Verkauf bestimmt kein schlechtes Geschäft. Die großen Konzerne, die die Quoten übernehmen, verdienen trotz teurer Bezahlung für die Quote(etwa 5 Mark pro Tonne Staheisen) noch immer gut, aber gesamtwirtschaftlich gesehen liegt hier eine ausgesprochene Fehlinvestition vor und«ine Kapitalverschwendung, die in Anbetracht der Kapitolknoppheit Deutschlands unverantwortlich ist. Gcuppenfchutz als Neubauverbok. Reben dem Aufkauf der Außenseiterwerke und der langen Be». fristung spielt in den. neuen Kartelloertragen noch der sogenannte Gruppenschutz eine Roll«. Die einzelnen Werksgruppen sichern sich ihr jetziges Produkttonsprogramm-u und verzichten auf die Aufnahme neuer Produktionsgebiete. Das bedeutet praktisch, daß Werksgruppen, die sich bisher auf die Halbzeugproduktwn be- schrän'en, nicht neue Berfeinerungswerke errichten dürien. oder daß zum Beispiel keine neuen Blechwalzwerke oder Röhrenwerk« von Gruppen«richtet werden- chiirssn, die solche bisher nicht.betrieben haben. Wenn auch in den neuen Kartelloertragen ein Neubau- verbot ausdrücklich dicht?NkhMen ckst7 fck'kl'setzk'dsr Gruppenschutz doch nahezu ein solches Verbot. Es wäre noch zu erwähnen, daß auch die bisherigen „K a r t el l v e n t i l e' verstopft worden sind. Di« Produktton von Qucstitätsstabeisen, Edelstahlen uttd andere, die zum .größten Test bisher nicht kartelliert waren, wird weitgehend in die Kartellierung und einheitliche Prei-sestfetzung mit einbezogen. Es ergibt sich also auf der ganzen Linie«ine Abdichlung des karlellgefüoes und eine wesentliche Der- slärkung der Alonopolmachl der Eisenindustrie. Die Eisenwirtschoft wird in Zukunft noch| stärker als bisher von den Leiterik der verbliebenen Grohkonzerne! (Stahlvercin, Krupp, Höich, Ho Niel, Klöckner) beherrscht werden, Daran ändern auch nichts die demokratischen Bestimmungen über dos Stimmrecht der kleinen Werke, die ja doch für die Kartell- Politik bedeutungslos sind und nur noch«ine Attrappe darstellen. Gegenüber diesem in seiner Stoßkraft und Monopolmacht stark gefestigten Kortellkörper wird es in Zukunft nicht leichter, sondern wahrscheinlich noch schwerer sei», die gesomtwirtschaft- lichen Interessen wahrzunehmen. Die Eisenindustrie fühlte sich stark genug, um'sich über die öffentliche Meinung und jede wirtschaftlich« Kontrolle der staatlichen Instanzen, fa sogar über bindendes soziales Recht hinwegzusetzen. Die privalmonopolistische Mrlschaftsführuug in der Eisenindustrie hak bereits schwere Schädigungen der Gesamkwiilschasl zur Folge gehabt: die Gefahren habe» sich durch die letzte Ent- Wicklung noch verstärkt. Eine wirksame Kontrolle über die Eisen- Wirtschaft wird nur durch einen mit weitgehenden B e s n g a i s s e o ausgestatteten Selbstverwallungskörper zu er- reichen fein, dessen Schaffung Im Znlerrsse der Gesamtwirtschafl somit zur dringenden wlrlschastspolilischen Ausgabe wird 33 Proz. bei Zigarren, um 44 Proz. bezZigaretten und um 14 Proz. bei Tabak gestiegen. Gegenüber der Vorkriegs- zeit ist der Zigarettenkonsum je Kopf und Jahr von 200 auf 500 Stück gestiegen, dagegen der Zigarrentonsum von 120 auf 105 zurückgegangen. Das Anwachsen der Ein- nahmen auf Tabak, Bier und Branntwein rührte aber nur zum Test von einer Verbrauchssteigerung her. So war das kräftig erhöhte Aufkommen aus der Tabaksteuer um 33 Proz. im dritten Reparotionsjahr lg26.'27 in erster Linie auf die neue Besteuerung der Zigaretten zurückzuführen. Das gleiche lasie sich von dem erhöhten Aufkommen aus der Biersteuer sagen. Allerdings sei im Bierkonsum eine ständige Steigerung festzustellen. Insgesamt kommt der Kommissar zu dem Ergebnis, daß sich aus dem höheren Der- brauch an Tobak, Bier und Branntwein eine Steigerung der Kauf- kraft in Deutschland folgern lasie. Oawes-Auskehr. Oer Schwanengesang der Oawes« Kommissare In diesen Tagen wird im Haag die endgültige Ent- scheidung über den Houng-Plon sollen. Mst seiner Annahme durch Regierungen und Parlamente wird unter einen fünsjährigen Abschnitt Reparotionsgeschichte, den Dawes-Plan, der Schluß- strich gezogen. Ein besonderes Merkmal des Dawes-Plans war die Abhängigtest des Deutschen Reiches von den ausländischen Kontroll- kommissaren. Diese Kommissare, die für die R e i ch s b a n t, R e i ch s b a h n, für die verpfändeten Einnahmen(Bier, Tobak, Zucker und Zölle) und für die In d u str i e b e l ast u n g«ingesetzt waren, veröffentlichen jetzt ihre Berichte zum Ende des fünften Reparations- jahres, dem 31. August 1323. Wird der Noung-Plon, was kaum zu bezweifeln ist, im Haag jetzt endgültig unter Dach und Fach ge- bracht, so sind diese Kommissionsberichte die letzten ihrer Art gewesen. Den Bericht des Kommissars bei der R e i ch s b a n t haben wir berests besprochen. Der Eisenbahntommissar bestätigt in seinen Ausführungen die günstige DerkehrsentwicNung bei der Reichsbahn, die höher« Einnahmen gegenüber 132« erwarten lasse. Im Jahre 132« war bei der Reichsbahn eine Einnohmesteigerung von 2.4 Proz. eingetreten. Nach den Schätzungen des Kommissars dürfte» die Ettmahmen der Reichsbahn 5,37 Milliarden Mark erreichen, also um rund 211 Millionen Mark oder um 4 Proz. über den Ergebnisian des Vorjahres liegen. Be! den Ausgaben weist der Bericht darauf hin, daß im ganzen der'Betriebsüberschuß zu den gesetzlich vorgesehenen Leistungen und Rücklagen der Bahn ausreiche, daß aber die Lage der Reichsbahn im Jahre 1330 als schwierig angesehen werden müsse, da höhere Aysgoben für Erneuerung uvd Unterhaltung notwendig seien. Der Kommissar tritt daher auch für eine Tariferhöhung ein, da die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt für eine Anleihe zu ungünstig lägen. Uns scheint, daß der Eisenbahn- kommisiar die ungünstigen Wirkungen einer nochmaligen Tariferhöhung aus die Wirtschaft erheblich unterschätzt, was auch in seiner Feststellung über die Folgen der Tariferhöhung von 1328 zum Ausdruck kommt. Jedenfalls zeigen die Ergebnisse im Personenverkehr deutlich, daß die Reichsbahn mit ihrer Tarif- erhöhung Schiffbruch erlitten hat. Zu der bevorstehenden Neuorganisation aus Grund des Poung- Planes beschränkt sich der Kommissar auf den Hinweis, daß die Kontrollrechte der Reichsregierung und ihr Elniluß auf dl« Reichsbahn v e r st ä r k t sein werden. Auch auf die Ein- nahmen und Ausgaben der Gesellschaft wird die Regierung Ein- fluß nehmen. Gleichzestig übergibt der Kommissar f ü r die verpfändeten Einnahmen seinen Bericht der Oesfentlichkst. Nach seinen Be- rechnungen ist der Tabatoerbrauch in Deutschland fest 1324 um Konsumvereine und Zündholzmonopol. Jetzt protestiert der Industrie- und Hondelstag gegen an- gebliche Bevorzugung. Dem Sturmlauf der Wirtschastspartei, des Einzelhandels und der Industrie- und Handelskammern gegen die angebliche Bevor» zugung der Konsumvereine im Zündholzmvnopolgeietz hat sich jetzt auch der Industrie- und Handelstag, die Spitzenorganifation der Industrie und Handelskammern, angef'chlvssen. An die Reichs» rcgierung ist eine Eingabe gerichtet worden, in der dagegen aufs schärfste protestiert wird, daß die Konsumvereine, der zentrale Hamburger und der christliche Kölner, selbständig ihren Bedarf decken dürfen, nicht an Monopolpreise gebunden sind und gor noch— es ist zum Erschrecken— für den Eigenbedarf der Äons-imvereine die Prr»- duktion ausdehnen dürfen. Well sich daraus— nach der Auffassung des Industrie- und Handelstages— ein ungerechtfertigter Vorsprung im Wettbewerb mit dem Einzelhandel ergebe, fordert der Industrie, und Handelstag— neben seinem schärfsten grundsätzlichen Wider» fpruch—, daß die vorgesehenen Höchstpreise von 30 Pf. in Fe st preise umgewandelt werden, die auch von den Konsum» vereinen nicht unterschritten werden dürfen. Wir sehen hier von der lieblichen Tatsache ab, daß der Industrie- und Handelstag unter allen Umständen«in« möglichst teure Ver» sorgung für die Bevölkerung will. Es ist nämlich selbstverständliche daß der Höchstpreis von 30 Ps. beim Einzelhandel sofort auch der Winde st preis sein wird. Rur deshalb nämlich iit die schwindel» hafte Behauptung von dem„ungerechtfertigten Vorsprung" der Konsumvereine gegenüber dem Einzelhandel möglich Der Kern des Protestes ist natürlich überhaupt nicht die Wieder» Herstellung einer angeblich verletzten Gerechtigkeit, sondern der Wunsch, gesetzliche undvertroglicheRechte der Konsum» verein« zur Versorgung ihrer Mitglieder zu hintertreiben und eine Bresche in das Prinzip der Selbstversorgung der Konsumverein« zu schlagen. Daran können noch so so'-gfältig frisierte Eingaben, selbst des hochmögenden Industrie- und Hairdelstages, nichts ändern. Die Vertreter der Arbeiterschaft in Regierungen und Parlamenten müssen gegettüber diesem Ansturm fest bleiben auf der ganzen Ljni«., N ____ v- W>' Ii V*' Wann kommt die Kreditverbilligüng? Die �«'chSboirf will stbembor noch warten. Die„Konjunktur-Korreipondenz" bringt zu der dringenden Frag« einer deutschen Diskontermäßigung eine Information, deren Quelle wahrsckeinlich bei der Reichsbank selbst zu suchen ist. Danach scheint dort die Auffassunq zu herrschen, daß die augenblicklicke Verfassung des Berliner Geldmarktes für die Frage der Diskom. ermäßigung allein nicht ausscklagpebend sein könne. Also auch bei der Reichsbank wird demnach die Lage des Geldmarktes als günstig für eine Distontermößigung angesehen. Freilich wird die ungc- wöhnliche Leichtigkeit des deutschen Geldmarktes damit zu erklären versucht, daß die privaten Banken wegen der Beteiligung an den Krediten für das Reich und für Berlin sich besonders vorsorglich zum Jahresschluß eingedeckt hätten, so daß die tetzige Erlei�ternnz nur einen automatischen Ausgleich dieigz: Vorsorge darstelle Wir halten diese Ausfasiung nicht für stichh �kig. da der letzte Reicks- bankausweis deutlich gezeigt hak, daß Immerhin' ein beträchtlicher Teil der öffentlichen Iahresschlußkredite bei der Reichsbank gedeckt worden ist. Die riesig steigende Arbeitsloügkcit spri-' t auch daiür, daß der Geldmarkt wegen?es Geldmarktzuflusies aus) den die Arbeit einstellenden Betrieben— also aus konjunktürellen Gründen— so leicht ist. Immerhin, ist bemerkenswert, daß man scheinbar von dem Ver- halten der Bank von England es abhängig machen will, ob man:n Deutschland mit einer Diskontermäßigung folgt. Jedenfalls sei eine Diskontermäßigung nicht vor Mttte Januar zu erwarten, wenn sie überhaupt in diesem Monat körnme. Wir hoffen, daß die Haager Verhandlungen kein Anlaß sind, mit der Diskontermäßigung. die zweifellos auf die Wirtschaftslage belebend einwirken würde, zu zögern. Der wert der deusichen Automobilproduttion. Im Jahre 1323 stellte sich der Wert der Gesamtproduktion in der deist� Ich sn Automobittndustrie' auf rund 116 Milliarden gegenüber 10« Milliarden am Vorjahre und 30« Millionen im Jahre 1327. D>« Zahl der gebauten Personenwagen erhöhte sich im Berichts» fahre von 108 143 auf 116 700. Dagegen, ging die Zahl der Last- wagen von 41 000 aus 39 300 Stück zurück. Auch die Produktions- Ziffer der G r o ß k r o s t r ä de r weist einen Rückgang von 100 70« auf 30 300 Räder aus. Dagegen hat die Produktion der Klein- krafträder eine ganz hedeutenden Aufschwung genommen, denn mit fast 36 000 Stück ist gegenüber dem Vorjahre eine S'clgerung von 56 Proz. und gegenüber 1327 eine um das Neunfache er- höhte Produttionslelftunq zu verzeichnen. Bemerkenswert sind die Fortschritte der Konzentration in der Automobil- Industrie. So ist die Zahl der Fabriken, die Personenwagen bauen, von 27 auf 17 und ihre Typenzahl von 67 aus 40 zusammengeschrumpft. Auch die Zahl der Lastkrastwogensabriken ist bei einer Verringerung ihrer Typen,zahl von 56 auf 41 auf 14 gegen 22 Werke im Lorjahr zusammengeschmolzen. Das Ccsundhelfs- wassar? Fichinger Ttistndsielle, Stnln SV II ßcbdncberger Str. 16*. Tel. LQtxow 8460-61 CtaftBbnaan für bitfe ütaürif ffab ««»II»«W<8. 8lnb«n;iro8t 3. parieinachnchien für Groß-Verlin stet« an bat B e)(rl«f elnterla] 2. Hos, 2 Trrvve» rcdjt», jn richten i. Kult �tnOaun«er«, ssreitaa, 10.?anuI tos Äietb- »bmanne». Jede Abteilung muh vertreten sein. 13. Krell Ternvelhas. Freitag, 10 Januar snicht am Donnerstag). 20 llbr, in Tcmv-Iboi. Torlstr. 42. Zimmer I, Titzuss des«reisvorstanbcz mit ber neugcwiibltin Bezirkevcrorbnetenfrak'ion. 17. kr«>» kitten ber». Si�una ber Zeitungokommifion am Sonnerstaa. dem 9. Januar. 19% Ubr, in ber Bibliothek, Weichielstr. 23. Erscheinen br'ngrnb notnienb�g. >>euie. Mittwoch, S. Januar: 5. obt. 10% Uhr Ritoliebttversammlung im Nosenthaler Hof, Siosenthal« L�rahe 11—12. Geschäftsbericht. Neuwahl her Abteilungsleituna. 45. Abt. 19% Uhr Eruppenverfammlungen. Gruvv« Vubcn im Lakal Hörster Straße 2. N-ser-nt! Genosse Srommann. Gruvv« Lohlstein in ber ssriebenshiltte, Wiener Str. 57,. Referent: Genosse Siwert. Gruppe Hoch bei Wienzier». Reichenberger Str. 104. Referent: Genosse Gritn. Gruvv' Kinski bei Mih'ch, Lausthrr Str. 46. Referent: Genosse Wal' er. 72.«6t. Wilmer-dZtl. 20 Uhr Zahlabenb bei Rosenau. Barziner Ecke Lau- batrei Straße. Jahresbericht. Neuwahl. B«rsch'cb»n«o. 83.«bt. Littevrobe. Mttgiiebcrversammlung um 10% Uhr in ber Schule Roonstraße. Tageeorbnung: Neuwahl. ZaukSlo. 90. Abt. 20 Uhr Mtgli-berversammlungen?» folg ruhen Lokalen: 16.. 26. und 27. Bezirk bei Lehmann, Tellstr. 3. 24. Bezirk bei Klemt. Berliner Str. 100. 25., 34.. 35. unb 43. Bezirk bei Schabe.ko, Weichsel- straße 5. 23. unb 32. Bezirk hei Braun, Weichsilsir, 15. 29. Bezirk bei Sfiüiiget, Lohmlihlenllr. Z6. SO. unb 81, Bezirk bei Zahn, ffuldastr. 45. 33. unh 50. Bezirk im Zdealkasino, Weichelltr. 8. 49. unb 61. Bezirk bei Ramm. Eristr. 10.— 94. Abt. 19% Uhr Zadlabenb«. 40. unb SS. Bezirk bei Suhfelb. Lichtenraber Str. 58. 42. und 66. Bezirk bei Senk. Selchower Str. 6. 70..»3. unb 96. Bezirk bei Sell. Sch'llerpromenabc 11. Der Rohflegerstrtik. Reierent: Genosse Werner. 67. und 68. Bezirk bei Mllrtier Sch'llervromcnabe 39 71., 94. und 95. Bezirk bei Schicber. Steinmeß- ilraße 52.»7. und 93. Bezirk bei Kwella, Okerslr. 15.— 95. Abt. Wichtiges Materiak ist heut- in ber ffunltmnSrs-hvng in Empfang zu ncbmen bei Griegtr. LeMn'ftr. 9. Auch bie sVunktionärinnen können daran teilnehmen. 99. Fdt. Brie-Buckow, flahlabende in asten Bezirken. 147. und 148. Bezirk bei ?hvmas. Ehausseestr. 10. 149.. 150. unb 151. K«z>k im Lokal Buschkrug, Rudow«! Str. 4.9. 152. und 1.53. Bez'ri bei Benisch. Rubower Str. 35 154. unb 155. Bezirk bei Belker. Ehausseestr. 97. 156.. 157., 158. und 159 Bezirk bei T? stram, BUraerstr. 48—49. 160. Bezirk Buckow.W'st bei Discker. Buckow. Ehausteeftr. 11. 161. unb 162. Bezirk Buckow. Ost bei Meskat.«ubower S'r. 11 lgegenüber dem Reuköllner Krankenhaus). 124.«bt. Zlahled-rf. Zahlabende finden diesmal erst am Mittwoch, dem 15. Januar, statt. 125. Abt. Beihense«.?6 Uhr ssahlabende. 1. Unterabteilung: Galla«. Lehder. stran« 122. 2. Mtinge. Lothringenftroße. 3. Ezetn'ewski, Roelckcstr. 173. 4. Stärke. Tbarlottenburger Straß« Ecke Tassostraße. 5. Andrea«. Falken. berqer Str. 34. 127. Abt. Kobe-lchanhausen. 2» Uhr Eeveraloersammluug im Lokal Starchneft, Hauptstraße. 137. Abt. Retuickendors-Sest. Die Zahlabende fllr alle Bezirk« fallen heute aus. Moraea. Donnerstag. 9. Januar: 46. Abt. 20 Uhr Funktionätstßung bei Äeufner, Hagelb erger Str. 20a. Er. scheinen aller ist Pflicht. Arouenveravstaltung. 7t. Abt. Fehlen borf. Donnerstag. 9. Zanuar. 1» Uhr, im großen SSerei«»» zimmer des Linden parks, Berliner Str. 8. Frattenäbenb. Zungsozialisten. Die Abrechnung der Betträg« für 192« sowie dl««-»gab« der snxgsozia. listischen Blätter sür Zauuar stubet statt am Mittwoch, de« 8.,»od Dauacr«. tag, dem 9. Zanuar, oo» 16"" 1*" Bartz, R. 65,«utwerpenrr zumchuco, sowie die Delco icoteaausrreise.. 19. Zauuar tmo jirb in Empfaug zu nehme». Jede Sr»»»e muß die Ad« toi findet statt am Mimooa. Bern nns aiouncr«. 16% bis 19% Uhr, in ber Wohnung de, fieuosse» er Str. 46. Slerchzeitig ist bie Schriftewreihe ab. gicrteuauoweis« sür bie Generaloersammlung am rechnuug vornehmen. --- ,,5-- _ 1® IT&t, im fiolol debcziÄtlelter fiad dazu «rbeitsauoschußsihung am Douuerstag. de» 9. de»«b'tioentcobuudc». Marheiuekeploß 3—4. Di« eingelobea. Geburlslage. Jubiläen usw. 19. Abt. Unserem Genossen Hermann Span»»od seiner Ehefrau die beste» Slückn Lasche zur Silberhochzeit...._■ 45. Abt. Unserem altbcwährie» Genosse» Willi stahl. Reicheuberger Str. 64, die besten Glückwünsche zum 25!ähr!geo Partei subilänm. Eterbetofrl der Groß- Berliner Partei- Organisation J 96. Abt. Neukölln. Unser Seilossi Mar«eilig ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerbigung am Donnerstag, dem 9. Zanuar, 12% Uhr. auf dem Frilbhof Neukölln, Eottlieb-Dunkel.Llraße. Reg« B«teiliguna w'rd erwartet. 119.«bt. Lichtenterg. Am 5. Zanuar verstarb unser Genosse Rudolf AndrS. Rittergutstr. 107. Ehre seinem Andenken. Beerdigung am Donners ag, b:m 9. Zanuar. 15 Uhr. auf dem Fentralsrlebhof fti Friebrichsselbe. Wir bitten um rege Beteiligung. 26 Ui" Baume(md Liebe 74,1. 3 Vonlall. B»»<>«Vi VUn Buberoiw 9236. IPrInI'SM. Voduotg.; 5ILSOPL-3M. le FongUf.airticopiini,, Sbim*■* PtAZA I Ugu S u.«U Sannt. 2. 1 n» , i J A 03. 8066 llNTERNAT. VARIETfe GROSSES SCHAUdPlCLHAUä 8 Uhr c 3 Musketiere Regle: ERIK CHARElt 3 sacatna nadim. nnuk. halte Pr. VolUsDUlme hästir 8 Uhr Altäre Dreylus Schauspiel von H. J. Rehfisch und W. Herzog Regle. H. D. Kernet. 5taall 5chillet-Tli. 8 Uhr WleD-llebe naauapnriin mu dar(opttMIk 7", Uhr Dis fleilerniios Thutnr an sambnurlann "-'/« Uhr Kleines Theat. Merkur 1624 rigllch 6»/, Uhr Max Adalbert in DasParrom■ meiner Frau Lustso v l*o Lenz Lesslog-Mr Norden 10346 Tlstl. ÄV« Uhr m«9 Roter Adler Schzuipiel Anserm«: von An sermayer BSTWERRE ÄKTIESfiESELLSCHAFT _ BMnnn am 31. Aagast 1929. Ve rxo ö$»tu Beichstuark Invantar............. 1,— Hypothpkanlordanuigeu...... 1568113,— BÖelrtao............ 46 525 758.42 Botetligunff«!».......... 4SI 320,— BanVgntbaoen, Lar.rtjxs Schuldner. Kaeee. Weohael sowje Guthaben bei dar Reiohsbinlt upd beim Boit» soheftkumt........... z« 865 S78.12 78 �40 970,54 Verpflioljtan ge» u»d Räcßlegren. Keiohsmark StatpraeHien.......... 44 000 000,— Vorzuroaktien.......... 1 500 000,— GeMteliehe BSoklage....... 15 200000,— •"Obligationen.......... M 0iS,6l Kjoht«jnteiaet« Dmdendenscheijie. JÖ(to,— topktchnldan und sonotige Oläubiger 11 603 884,50 earipp J 928/29 eipscbl. vortrac vom Vorjabye........... 5 605 159.13 '78 240 970.54 Oewlnn. and Verlustkonto am II. August 1929. Ve r 1 a» fc. Bei6b,»ark Jandlnnsreuniooten«insebl. Steuam. 545002,78 JeinpreHm 1938/29 einsehl Vomax vosti Vorjebro......... 5605159.13 6 150 161.86 Vertrag vem Verjähre BinttHio—"--------' eOWlpn»insabl- TünSen Oowinn. Boiebamark 48 330,09 •. 6 lOt 641.77 0(.Vi 181,86 Pia Pjvidepde fstj-t Weilar urrlwn. Flink Bahmer. Wenck Lustspielhaus Friedriohstr. 235 Bergreaas 2922/25, Täglich 8'r. Uhr Uusispiel ras Ladialaas Fedar Kitba Haack, Man Gngot Pul Heidemann, Barlacb, Martha M. Kowu, Oo-dl. Storm. Plktan, Baeroiann. Fueha Vorvefkauf In oelden Hdosem»o 10 Uhr dnuntarb'Oehen. CASINO-THEATEfi*** LeOthvinicr Sirake S7. Nur noch wenige Autführungen I Familie Hannemann aack du uetee J«ooar-Progr«n»i* I iuiscnern lOr 1—4 Personen Fauteuli nur IJ5 M.. Sessel 1.75 M, sonstige Preise; Parkett u. Rang fuso M öiotsdi« Ttieam 0.1 Norden 12311 ragi.mtUhi Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg! Mar Reinhardt Kammerspiele 0.1 Norden 12 310 Täglich SV, Utw D6sir6 Komödie von Sascha Gultry Regle: Leo Mittler. Die Komödie Jt BIsmek. 241 4/7516 Täglich SV« Uhr Tom 7i»lel geboll von Knut Hamsun Regie Max Reinhardt Direktion >r. Robert Kielr Deolsehes Kansller-Theal Barbarossa 3937 SV, Uhr Jl'. ZW?', dfE Regie: Gustav Härtung. VNiiu«lilgi9ibeg; Souper r/bn FramMoInar tegii: BiiizHUMn Serliner Theater Dönhoff wo '48 Uhr Ende II» Seltsames Zvisdienspie n i Thadlar in dar EBniggrätrar StraBa Täglich 8»-, Uhr Die erste mrs. ssiay mit Frttzl fflauary Komödienhaus Täglich&k Uhr Der Lügner und d e Rönne mit CUPI Uütz Ib. a. holleBilDrfplati Vorvk. 10-2 Kf. 2001 Täglich 8i/. Uhr BBSISDlSl DBS Dccisdisn Tceaifis iBgie; Mai Belnhanlt. Operettenbaus Alte Jabobstr.'0/32 (Zentral• Theater) Täglich 8» Uhr Sonnrags 5.13 und 9 Uhr Sie GzardasiMn Groü« Cjmtt« voo Enaariiii UiniL Jeden Mittwoch nachm. 5 Uhr „Max und Moritz" und dar Walhnooh'toroann Jeden Sannabend nachm 5 Uhr , Sonntag, 230„ Der oestiefelte Kater Das Wlrtsbans u Zum Prälaten in den Stadtbahnbogen am Alexanderplatz wird Donnerstag, 9. Jannar, 12 Dbr mittags wieder eröffnet! Dar neut ,pr&laiu ist eint Sehenswürdigkeit in Berlin. Die Mannigfaltigkeit der Räume in entsprechender Beschreibung aasgumalen würde zu weit gehen. Deshalb heute nur ein kurzer Führer, der nicht ungereimt sein solL Also, wohin nun? In di« Stehbier hatte„AU-Berltn", wenn du e»«üig hast, In der LUcfirstobe„PTÄl«ten!<1an*e" vergißt du der Sorgen Last, Im Bolandabögca, gleich daneben, fühlst du da« Zentrum im Reichsbauptetadtlehen, Gambrlnutbogen labt Kehle und Magen, Im Derolto«bogen umfingt dioh AJt-Berliner Behagen, In derWeinetube kredewt Bacohu» goMenen Wein, Haber tu sbogeo ist Jügerbeim— mit und ohne l-atein. Der Kenxertbogen schließlich mit Stimmunge- Kapelle— ein Jungbrunnen, euch für ganz veraltete FSUe. So bietet der neue„PiÄlaf" allemal jedem da« Richtige nach seiner WehJ! Und Köche und Keller nicht*i) vergossen; für wenig fteld gibt', gute» Ksse»! Kin Berliner Schloßbräu dann noch daneben, so bi»t du wieder versöhnt mit dem Leben! Als«: Hin jum neuen„Pr&Ufeo"-» und sieh! Pas Wiederkommen vergißt du dann nie! SpeziaUAussdumk der Berliner Sdilo�brauerct TUEaler 1 Mm Täglich 8'!. Uhr: Hotel Stadl Lem&erg Musik von Gilbert Käthe Oondi Leo ScbtUzendori Melropol-Tb. SV, Uhr Das Land des Lächelns > Vera Scfawerr, Richard Tauber Musik von Franz Lehär, Totat o. Koitfi.TDr Kottb. Str. 6 Tägt S Uhr outhSonnt. nachm.SÜ: Ulto. aüngor. lanuar- Proiramm LachsChUger Die Stixe der Pahdora, Am Dienstag, dem 7. Januar, ist plötzlich und unerwartet unser Hauptkassierer Otto Zehms im 61 Lebensjahre verschieden. 25 Janre bat er in dieser Stellung treu und redlich seinen Berufsgenossen gedient. Mühe und Arbeit waren die Losungen seines Wirkens. Sein Andenken wird von uns stets in Ehren gehalten werden. Die Trauerfeier findet Sonnabend, den II. Januar. nachmittags 6 Uhr, im Krematorium Gerichts traße statt Deutscher Tcxtilarbcitcrvcrband Oer Verbands vorstand: Karl Schräder Heute morgen 7'/, Uhr entriß uns der unerbittliche Tod nach schwerem Leiden meinen innigstgeliebten Mann, unseren lieben Bruder, Schwager und Onkel Otto Zehms im Alter von 60 Jahren. In tiefer Trauer Alma SEehme geb. Berrmaon. Ulartha Harth geb. Zehms. Cnstav Barth als Schwager. Gertrad Arendt geb. Borth. Charlotte Barth. Familie Arendt. Die Einäscherung findet Sonnabend, den 11. Januar, nachmittags 6 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt y/mim-nm WilliurttiitentrilalS Alex. 4592. Täglich W, Uhr Reuoite im Erziehungtimus. Planefarium • am Zoo fvSii. hzeimidi!» SWS) B.5 Barbarossa 5578 16V, Uhr Die Wintor stornbilder. 18' 4 Uhr Oer Planet Jupiter. 20V« Uhl KerkwOrdigc Same(i6«Ba cimrji) Eintritt I Mark. Kinder SO Pf. Mittwochs halbe Kassenprelse. >«o ipew man I gut und onus? Nur Bpou-Boriin Alaaaadorplatz Homiscßa Opor Friedflcbstt. IV4. Merkur 1 401/4330. Allabendlich 8>/.U. 9olla di Bnlla Sdnmtng Innld utBidi. Lsutspisihaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922 23. Allabendlich SVs U Wiegenlied LutlsgUi r« Ladnlan Fader. Am 5 Januar erlöste, der Tod unseren hoft-' I nungsvollen Sohn und Bruder, den Handlnngs- j ' gehilfen Rudolf Andrec | im blühenden Alter Von 20 Jahren. In tiefem Schmerz: Famlife Georg Andrde Borlin-Lich tenberg, den 6. Januar 1930 Rittergutstraße 107 vie Beerdigung erfolgt am Vonnerstag. dem I t. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des| Zentralfrledhofes Friedrichsfelde aus t bester LOelirenstr. 53-54 A 4 Zentrum 924 927 8-.'« Uhr ... Vsler Seln.lZsgegen zelir Sonnlag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) Rsdekskallsn-Theater ADenös di sonn os naüim. CD Dasoro&elanuar-Proar.aer Sletflner- Sänger BUMththUingn Zanircm 1 1 ZU Dönhoff-Brettl; Das FaisOlsn-VarlstO 1t Summen, Rsuert Tins ü-Sb!» fcniaiiiipläb lnioU Sdialz Elitetag; Eginleiilf IM, U Brosses BocKbieriest In den bayr. Alpen 7 ItpeHcä.— Hae Dstantioiito.— iE bayrisd* MuDn. j Daanenias: 8r. Schuuslnesctilachten. Einlaß 6 Uhr. Dectidier MetallärlBiter-VHliaDil Verwaltunpssteile Berlin Tedesanzeigaa Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Rollege, der«ernmacher Karl �Villau geb. 5. Dezember 1371, am 3. Zanuar gestorben lit Dt« Beerbigung findet am Witt- woch, dem 3 Zanuar, 15 Uhr, von der Leichenball« de« Neuen NazaretH. AirchHoie» m Retnickenbors. Tegeler Slraß«, aus statt. Am 5 Zanuar starb unser Kollege. der Schlosser Otto Winklcr geb. 9. Juni>370. Die Beertnaun« findet am Donnert. lag. dem 0. Januar, IoVj Uhr. von der Letchenball« de» ftitchhofes I» Sichwatde au» statt Rege Beteiligung wird erwartet Nachruf Am 30 Dezember 1929 starb unser Kollege, der Einrichter Otto Böhm g-b 10. April 1975. Die Beerdigung hat bereit» statt, gesunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortoverwallun« I n\s ö r* t vj r- in fdut allen Abteilungen Preise teilweise bis zu RftOI Berlin, Leipzlgerstr. 122 125. Mittwoch S. Januar �930 Unterhaltung und Wissen Beilage des Vorwärts Zchluh.Z Oofeph•Dehuoni: 3)t*, Plötzlich knocken unten die Zweig«. Ein Rhinozeros tritt aus dem Waid, kommt Schritt für Schritt zu dem Tümpel unter meinem Baum. Don den Bäumen zetern die Äffen, einige, deren Hände und Aesicht mit Leim verschmiert sind, fallen von den Äesten und wälzen sich im nasien Grase. Der Drang hat seinen Hautsock am Hals« gebläht und brüllt das Rhino an, dann geht er. noch den Zorn im Leib«, direkt auf die Falle zu, bleibt auf einem Ast davor, sich wiegend, sitzen und schnüffelt. Weit vor streckt er den Kops. Dos Gemisch der Gerüche von Durian und Zwiebel— die ich extra ihres srarten Dustes halber in die Fallen neben der Durian gehängt hatte— tut seine Wirkung. Nur noch kurze Zell überlegt Herr Drang, dann versucht«r in die Falle zu äugen. Der lange Arm langt tastend in die Oeffnung, greift umher. Wieder sitzt er da und denkt, dann, nach kurzem Entschluß, siegen Neugier und Genäschigkeit, und er kriecht in die Falle. In mir ist das Sportblut rege geworden, ich zittere vor Aufregung und Malaria. Da ertönt das Aufschlagen der zu- schnappenden Klappen der Falle. Die Freud« ist groß. Nun war es sicher, daß auch in den anderen Fallen Drangs stecken muhten. Unter mir schlürfte das Rhinozeros aus dem Tümpel. Es klang wie mancher Menschen Suppenesien.„Auch du, mein Lieb, wirst daran glauben müssen," flüstert« ich.„Morgen in der Frühe findest du ein nettes Grübchen auf deinem Pfad, in das du dich ruhig betten wirst, hernach werde ich dich, was nicht sehr leicht ist, aus dem Himmelbett holen, in einen Käfig locken und nach Melbourne expedieren, wo man dir ein schönes Plätzchen im Zoo bereit hält. Drei Orang-Utans, zwei Männchen, darunter der Prachtkerl, den ich Tags zuvor beobachtet hatte, ein Weibchen, zwei Meerkatzen und, für mich ein unerhört wertvoller Fang, ein Nasenaffe, eines der merkwürdigsten und am schwersten einzufongenden T'ere— waren die Beute qiner einzigen Nacht. Ich war mit dem Resultat äußerst zufrieden. Im Zeitraum von zwei Wochen zählte ich fünf Prachtexemplare von Drangs, das Rhinozeros, den Nasenaffen und«ine Menge kleineren Viehzeugs als Fangergebnis. Auf drei Flößen und elf großen Booten brachte Ich mein« Beute zur Küste. Unterwegs ging der Nasenaffe leider ein. In meinem Tierhaus ließ ich die Orang-Utans m einem großen Hof, der hoch eingezäunt und mit Netzen überspannt war, frei herumlaufen. Ich gab ihnen noch drei Tapir« und ein« Menge kleinerer Affen, einen Koboldmati,«inen ganz jungen malaiischen Bären und einen Zwergmoschushirsch zur Gesellschaft. Der große Drang war der Zahmste von allen. Er hatte— weiß Gott warum— die besondere Vorliebe, alles zu betasten, zu beschnüffeln und zu beäugen. Die Tckpir« und Wildschweine vcrbaten sich dies ganz qnergisch, der Zwerghirsch ließ es sich ruhig gefallen. auch der junge Bär schien nichts dagegen einzuwenden, und die anderen Kleinoisen wurden einfach nicht gefragt. D'e holte sich der stark«.Herr, und während er sie mit den kurzen Knjerhänden fest- hielt, sich um ihr Kreischen«'.cht im geringsten kümmernd, unter. sucht««r das Fell, die Ohren. Rase und Mirnd der Gequälte». Besonders intaressierte ihn, was die anderen in den Backentaschen hatten und wonach sie au» dem Munde rochen. Er riß ihnen dabei die Kiefer auseinander und steckte fein« Nase nahe an die Oeffnung. Biß ibn einer der kleinen Asfen. dann setzte es mächtig« Backpfeifen. Mit den Pflegern wurde„Dick'— so hatte ich den Orang-Utan getauft— sehr freundschastl'ch und untersuchte auch sie gründlich. «enn sie den Ticrhos betraten. ä-.aes Morgens lockt« mich ein mächtiger Radau in den Hof. Dick war mit einem Tapir zusammengeraten, d« es sich nickst gefallen lassen wollte, daß der Afsc ihm mit einem seiner Finger tiei in, Ohr faßt«. Der Kampf breitete sich au», und bald waren die Asien, ob . groß oder klein, untereinander und mit den anderen Bestien im Tierhof in eine allgemeine Beißerei verwickeit. Peitsch« und Wasserstrahlen stisteten bald Frieden, und die Kämpfer waren danach mit dem Belecken ihrer mehr oder weniger großen Wunden beschäftigt. Zuerst war e, notwendig, unsere eigenen Finger zu verbinden. dann ging ich daran, mein« Pfleglinge zu untersuchen. Ein kleiner Gibbon hatte derart fchwer« Wunden erlitten, daß ich ihn töten mußte. Die großen Affen hattbn sich gehörig das Fell zerfetzt und ich war gezwungen, einige der Herrschaften zu fesseln, da sie niemals ihr« Einwilligung zum Nohen der Wunden gegeben hätten. Auch die Tapir« und das andere Viehzeug hotten etwas abbekommen, nur der Mosckmshirsch war unoerletzt geblieben. Beim Vernähen und Verbinden der Wunden war Dick nicht von meiner Seite gawich«n. Er macht, sich äußerst wichtig, griff mix oitmal» aus die Hände, runzelt« die saltigen Lippen noch mehr, als sie es schon waren, und hielt mir einen Vortrag, wie ich die Sache handhaben müßt«. Dick trieb es so arg. daß ich nah« daran war, ihn einsperren zu lassen. Der groß« Orong hatte durch den Tapir und wahrscheinlich auch von seinen Kameraden einige Bisse in seinem Fell erhalten. Nachdem ich Dick des öfteren auf die Finger geklopft und ge- schrien hott«, verzog er sich Hintor meinen Rücken und verhielt sich anscheinend ruhig. Heftiges Geschrei ließ mich nach rückwärts blicken, und da f-h ich, daß sich 2)>ck eine Meerkatze vorgenommen hatte. Er hielt den quäfenden und sich heftig wehrenden Affen zwischen den Hinter- bänden, hatte ihm den Verband abgerissen und stopft« nassen Lehm von dem Hofboden in die eben gereinigten Wunden. Mit Gewalt mußten wir den Patienten dem Assendoktor entreißen. Iii den nun folgenden Tagen war Dick außerordentlich'beschäftigt. Die großen Affen wehrten sich, von ihm behandelt zu werden. Immer wieder mußte man Dick zurechtwessen. Wie genau auch die Pfleger darauf achteten, der Orang-Utan fand oft Gelegenheit, einen Asfen zu erhaschen, um Doktor zu spielen. Sogar an den kleinen Bären wagte er sstb heran. Vermeinte ich zuerst, dcß die» npr Spiel ober Nachahmungstrieb sei. so sollte ich bald eines Besseren bekehrt w-rden. Dick ging bei seinen Kuk«" ganz snssematifch vor. Er wusch die Wunden mit seiner Zung« und nassen Blättern von der Betelnuß. palmq. Es wuckssen rund um den Hof noch ander. Bäume, auch Sträucher und Gräser,»der niemals nahm Dick Blätter anderer Pflon-en. Es ist selbstverständlich nicht anzunehniei,, daß dieser Menschen- äff« Kenntnis von Heilkräutern belaß, daß er von der Wirkung der Betelnußpalmblätter auf Wunden etwas wußte. ab«r so genau ich Dick beobachtete, er nabm niemals sin anderes Blatt oder Gras. Welch gut«- Arzt Dick durch seinen Instinkt war. zeigt folgender Vorgang: Ich merkt« eines Tages, daß der Orang-Utan traurig auf seinem großen Klotz saß und den Kopf traurig geneigt hielt. Dick war krank. Ich fühlte seinen Puls. Die Hand war heiß, der Puls schlug sehr unregelmäßig. „Was fehlt dir. Dick?' fragte ich, und als ob er verstanden hätte— ober es war sicherlich reiner Zufall— öffnete er den Mund Es war nichts zu sehen. Dick bekam Suppe, Rizinusöl und Kodein. Als ich abends die Runde machte, hatte sich des Affen Zustano nicht gebessert. Ich ließ ihn ins Haus bringen, da die Nächte im Hofe kühl waren. Am nächsten Morgen war Dick aus dem Zimmer verschwunden. Er saß draußen im Hof, sonnte sich und hielt beide Hände auf die linke Gesichtehälste. Als ich näher trat, bemerkte ich zu meinem Erstaunen, daß Dick die linke Gesichtehälflc mit nasiem Lehm de- schmiert hatte, mit beiden Händen einen großen Klumpen Lehm gegen den linken Unterkiefer gepreßt hielt, und auch der Mund mit Lehm gefüllt war. Er bl'ckte mich traurig an, sah suchend auf meine Hände und begann zu sprechen, wobei ihm der Lehm über die Unter- kippe glitt. Jetzt erkannt« ich, daß des Orangs linke Gesichtshälste geschwollen war. Dick hatte ein arges Zahngeschwür und kurierte sich ganz allein mit kaltem Lehm. Drei Tag« später zog er sich selbst den tranken Zahn und brachfe ihn mir freudestrahlend. Dick vertrieb sich stets die Zsft damit, die Gebrechen der anderen Tiere zu erkunden. Dann bemühte er sich um den Patienten und suchte, wenn er nichts zum doktern fand, den Kronken durch allerlei Scherze zu erheitern. Merkwürdigerweise erriet Dick es auch, wenn einer der Pfteger oder ich erkrankte. Er war dann derart aufmerk- sam, daß man ihn gewaltsam wegbringen mußte. Ein wenig anaenebmer Gast, ein belgischer Händler, gab Dick einst versteckt«in Literflasche Arrak. Der Asse betrank sich, wurde krank, stürzt« mit einer schweren Tonschüs'el von einem' Treppen- podest und verletzt« sich sehr. Wochenlang schwebte Dick in Lebens- ge'ahr. Die tiefe Wunde in der Brust, die auch die Rippen in Mit. leidenschaft gezogen hatte, wollte nicht heilen. Geradem pathetisch war es anzuleben. wenn Dick verbunden wurde. Er half mit. so gut er konnte. Mit seinen braunen Finvarn hielt er' die Wundränder auseinander, ließ sich die Wunde ruhig reinigen, versuchte nie zu beißen, und war dankbar sür die Behandlung. Als er vollkommen bcrgestellt war, beschäftigte er sich sroleich w'eder mit den andere» Tieren und suchte allen Kranken dienlich zu sein. Dick kam in den Zoo von Ria de Iovciro. Ich schrieb dem Direktor des Gartens, er möge dem Orang-Utan viel Freib-it geben und ihm mit anderen Tieren zusammen sein lassen. da Dr Dick unbe- dinat für jedes Tierhaus dadurch werlooll sei, daß er stets darauf aufmerksam mach«, wenn ein Tier erkranke. Mein gutaeineinter Rat wurde leider nicht befolgt. Man iverrte Dick in einen Kstftnwd ließ ibn alle'». Schon nach einigen Wochen wurde Dick melancholisch, veskümenvie peistig vollkommen, da sich'. niemand mit ihm abgab, und starb noch drei Monaten, angeblich air einem Dnemkr-tarrh. Ich aber bebaupt«, er starb an Metanchöli??' An Dicks Käfig pronot««in Schssd: „Vorsichtig! Sehr bissig!' Armer Dr. Dick, der du auch nie den Versuch gemacht hottest, jemanden zu beißen!! 3)ie Qelahr der lleberhilzung „Die Leute sterben Im Winter nicht an der Kälte, sondern an der Hitze', diese nicht ganz neue, aber nicht immer beachtete Erfahrung veranlaßt einen amerikanischen Arzt, Dr. John Herney Kellogg, in einer wissenschaftlichen Zeitung zu beherzigenswerten Ausführungen. Die kalte Jahreszeit hat zweifellos ihre großen Ge° fahren für viele Tausende von Männern und Frauen im Geioige, deren Gesundheit durch schlechte LebeiisnewohnheiteVi geschädigt wird. Aber nicht die niedrige Temperatur, die jmsongemäßc Kälte. ist gefährlich, sondern die Ueberhitzung, der sich die Leute in dieser Perwdc des kalten Wetters selbst aussetzen. Wenige Personen er- landen es der Kälte, an sie heranzukommen. Warme Sachen, wir- kungskräftigc Heizoorrichiungen, hermetisch abgeschlossene Häuser, ja, selbst geheizte Verkehrsmittel müssen dies eich Zweck dienen. Unglück- licherweise aber verfallen die Menschen im Durchschnitt bei ihren Maßnahmen gegen die Kälte in das andere'Extrem. Nicht jel.en trifft man in Wohnräumen init Zentralheizung Temperatiiren an, die über denen eines heißen Sommertages liege». Es sind vielmehr in Wohnhäusern, Fabriken, Kirchen und Konzerijölen Temperaturen gang und gäbe, die zwischen 25 und 30 Grad Erksius schwanken. Die Hitze ist oft so groß, daß der Körper transpiriert. Ist ab.'r die Haut erst in e'nem solchen Grad erhitzt, daß es zur SchlMßabsonde- rung kommt, die durch die Verdunstung des Wassers die Haust, ab- kühlt, so bedeutet der Kontakt mit der kalten Auhenluft eine hohe Gefahr. Minder ividerstmidsfähige Personen, die sich erhitzt dem Lnfizug aussetzen, könne» sich dabei leicht«ine Lungenentzimdung. eine Gripps oder einen akuten Bronchialkatarrh holen. Die lieber- hitzung fetzt überdies die natürliche Widerstandsfähigkeit des Körpers weiter herab und bahnt den Angriffen der furchtbaren Feind« den Weg. die unser Leben und Wohlbefinden bedrohen und stets an- griffebercit auf der Lauer liegen. Wir haben es so gur gelernt, uns gegen die Kälte zu schützen. daß wir selten unmittelbar unter den» Frost zu leiden haben, aber die Schädigung durch die Ueberhitzung bleibt ei» Uebsl, das uns überall bedroht und gegen das wir uns nicht zu schützen verst. h-n. In öffentlichen Lokalen, in denen sich zahlreich' Menschen zu vor- sammeln pflegen, bildet die Ucberhitzung in den kcststn Monaten des Jahres die Regel und ist zweifellos als die Hauptursache der Krankheiten und Todesfälle anzüsehni, die in dieser Jahreszeit zu usr* zeichnen sind. Dabei ist uiibestrstten, daß die Winlersaison große Vorteile bietet, von denen wir erheblich profitieren könnten, wenn wir sie nur erkennen und ausnutzen wollten. Hier fei nur auf ein paar der wichtigsten Vorzüge des Winters h ngeu iesen: Die Mintcr- luit ist frei von Staub, Unsaubcrkeit und Keimen. Sie bssd't das wirtnirgsvollstc Stärkungsmittel. Wen» wir die kalt« Lusi in volle» Zügen«inatinen, so weilen sich die Lunge» und die Sauerstosfzilführ verdoppelt sich. Durch diese vermehrte Säuerstoffzusuhr wird rdcs Organ des Körpers belebt und seine Leistungsfähigkeit geste'gert. Statt uns bei der Kälte in überhitzten Räumen einzuschließen, soll- . Kn wir vielmehr bestrebt fein, die Temperatur der Wc>hnräiime ja niedrig zu hallen, wie e? ghsie Ptärtztzg der Behagkichlekr' mögl'ch ist. In England, hält sich die Tempörc.kur der Wohnräusi e aui etwa 13,5 Grad und in einem Sanatorium jür Lungenlranke tonnte ich sogar eine noch niedrigere Temperatur feststellen. Trotzdem schien keiner der Patienion ein Unbehagen zu verspüren. Es genügt, eine den Körper warmha.ste?>de Kleidung zu tragen und besonders darauf zu achten, daß die Extremitäten kein Frostgefühl empfind». fflans von ffiiitows WUm S£ii feinem hunderlfien Qeburising am 8, Januar .sthons von Schwankenreich" hat Richard Wagner den jungen Hans von Bülow genannt, in.dem er solang« den„Neuesten der Getreuen' finden fallt«, und dieser geniale Geist, dessen Bedeutung für die deutsch« Musik aus Anlaß seines 100. Geburtstags jetzt überall gefeiert wird, ist stets unelschö-pslich gewesen an witzigen Bemerkungen, geistreichen Einfällen und tollen Geschichten. Frei- lich wurde sein Witz im Laus, eines tragischen Lebens volltr Eni- täuschungen und Kämpfe gegen d>« Dunnnheit und Niedertracht der Well immer beißender, immer schärfer und greller, und überhaupt erwuchs der Humor dieses dämonischen Menschen, der immer wie- der mit den dunklen Möchten der Zerrissenheit und des Trübsinns in seinem Innern zu kämpfen hatte, wie jeder groß- Huinvr aus tiefen Schmerzen. Früh begann die Befreiung des hochbegabten Edelmannes au» den Vorurteilen, in die ihn Zeit und Derhältnissc verstrickten.„Lassen Sie doch den„Freiherrn' fort— ich gebe nur etwa« auf die erworbenen Titel, röcht auf die ererbten,' meint« er und freute sich deshalb besonder? über den Ehrendoktor, den ihm die Universität Jena verlieh. Welche« Vorurteil er als Baron zu hegognen hotte, das zeigt eine Ablehnung des Königs von Würt. temberg, der gegen ein Auftrete» Bülow s bei Hos« als Grund an- führt«,„ein Aristokrat als Künstler sei ihm fatal". Bülow ist über- Haupt gegen alle morschen Schranken überlebter Einrichtungen Sturm gelausen und hat sich durch sein tchomingslojes Urteil eine Meute von Feinden geschossen. Als«r infolge seines Austalls gegen den„Zirkus Hülfen" in Berlin einen Skandal entjesselie, machte ihm der Herzog von Mciningcn, dessen Hosorchcjier er leitete, ernst« Vorhaltungen. Auf der folgenden Probe des Orchesters er- lchien Bülow. bevor er den„Römischen Karneval' von Berlioz spielen ließ, m einem spanischen Mäntelchen und mit einer— Naic pon piesiyem Ausmaß. Die über den Auszug verblüsstcn Musik« ersucht« er, sich über sein« ebsn-so sinngemäße wie wohlverdient« Auszeichnung nicht zu wundern. Sein« Musiker wußte er zur höchsten Entjaltung ihrer Kräfte anzufeuern, konnte aber auch recht bissig werben Sa beionden sich bei der Meininger Kapell« zwei ältere Mitglieder aus früherer Zeit nennen wir sie Müller und Schulze— die er oern lo» geworden wäre, die aber litdenslänglich angestellt waren. Ais er bei Beginn der Saison einmal sein« Mannen begrüßt«, da meldete ihm der erst« Konzertmeister, daß Herr Müller gestorben sei. Worauf Bit- law ln«mer unnachahmlichen Mischung von Staunen und Neugier erwiderte:„Do, wirklich? Und Schulze?" Seine Urteil« waren ebenso gerecht wi« scharf. So sagte gr z. B. über Mascagn»:„Er bat in seinem Vorlaufer Verdi einen Nachiolaer.»er ihn lange überlesen wird.' Don dem Sänger Schott, der Referoeoffizier der Artillerie war. meint« er:„Wie merkwürdig, früher war er Ar- tillcrist, und setzt singt er unter oller Kanone.' Wäh-nd seiner Zeit in Hannover klopft« er bei einer Opernorehesterprob« ab und sagte mit höflicher Verbeugung gegen die Primadonna:„Würden Sie die Güte haben, uns Ihr A anzugeben?' Damms örgcrte er sich über die schlechte Aussprache eines Tenors, der gewisse Konsonanten undeutlich wiedergab. Als er in einer Loheiigniipiobe abklopfen mußte, um etwas zu verbessern, rief er:„Meine Herren, wir be- ginnen drei Takt« vor der Stelle, wo der Tenor singt:„Aus Knanz und Wolle komm« ich her." Nichts war ihm verhaßter ois eine Gesinnung, d�e den materiellen Gewinn über die Kunst stellte. So wußte er von der berühmten Kcnzerrjängerin Hermine Spieß, daß sie aus jede Weise groß« Honorar« lxrauszupresjen sucht« und rücksichtslos eine» Konzerkabend abjagte, wenn sie wo anders mehr bekam. Als sie sich mit einem Rechtsanwalt, der zugleich Weln- Züchter war, verlobt hott«, beglückwünschte sie Bülow und meint-, ihr künftiger Gemahl sei ja als Jurist fein Kollege, denn auch-r halle einmal Iura studiert.„Jawohl." erwiderte die Sängerin, „aber wenn es einmal mit der Juristerei nicht mehr gebr. dann bleibt uns ja immer noch der Wein." Worguf Bülow mit d-m liebenswürdigsten Gesicht:„Allerdings, dann werden' Sie auch r«ich- lich Gelegenheit habest-, sich mit Etikettefragen zu beschäftigen." Sprach? und ließ fi« stehen. Obgleich«r sich gelcgenlliä' rühmte, daß er an einem Klavierabend„ganz verflucht bei Tafte" geweien sei, wies er doch jede Bewunderung feiner Technik zurück, als sich eine Dome beklagt«� sie hätte bei einem Konzert keinen guten Platz gehabt, so daß sie seilte Hände nicht s-'ien konnte, ontworiete er: „Das schadet nichts, ich spiele nicht mit den Händen." Unerschöpflich war er in geistreichen Wortspielen, so, wenn er von einer preis- gekrönten Oper, die vor der Aufführung gewaltig gelobt wurde, a» einem der Lobredner meinte:„Merken Sie sich eins, lieber Freund! Je preiier ein« Oper gekrönt ist, um so dureber fällt sie": oder Frifcderiie Goßmcmn, die sehr von der hannoverschen Königs- iamili« ausgezeichnet wurde, ins Stammbuch schrieb:„Mit den Walsen muß man heulen." Ein Breivallsschreiben für eine Zriedensstnmne. Von der amen- konischen Hymnen-Gesellschaft ist ein Preis für«in« Friedenshymne ausgeschrieben worden: es handelt sich zunächst um einen Text in englischer Sprache. Ein späterer Preis soll dann sür die Melodie ausoesetzt werden. Es ist der drille Westhymnenwettbewerb, den die Gesellschaft veranstal'et. Der erste aalt einer Hymne für Flieger, der zweite einer neuen Hymne sür Missionare. Eine Million Verbrecher in den Verciniglen floaten. Nach ein« sorgiältiqen Schätzung erfrört der Präsident des amerikanischen Nationaloerbandes der Polizessnivektoren,'August Vollmer, daß sich die Zahl der Verbrecher in den Vereinigten Staaten auf mindestens eine Million beläuft. 1 I Sozialistische Arbeiterjugend Gr.-Verlm o?l*fnibirai 2»Ii»* fflr diese Subtil nur«■ da« Jujenbfefrtimioi >, anbenfhafe S OTt Mi Bulkubiilinen.Zuflenbuurslelunn cm lommcitbett Sonnfeg.Apoll» Btimncttsttaie". Solfsftüd mit MusU und Gesang, lind noch einige Karten tu 90 Pf. erhiiltlich. AebeitOgemeinschnft zllenham tagt ad morgen. Donnerstag. 1914 Ilde, in »er Schule Kochsir. Ig. Thema:.Marxistisch« Wirtschaftslchre". Interessierte Genossen lönnen noch teilnehmen. Jahresmikgliederversammlungen heute. Mittwoch. ISi* Uhr: Moabit ITIt Heim Lehrter Str. 18—19.— Gesundbrunnen Ii! Heim ehrlstioniastr. 38.— Weddina: Heim Turiner Ecke Secstrahe.— Frantfurtee Viertel: Heim Zsrankfurter Allee S07.— Peterobueger viertel: Heim Tilsttcr Straße 4— 3.— Sharlottenburg-Rord: Heim Olbersstraße.— Wanusee: Schule Gharlottenstraße.— Trieb rich« Hägen: Hei» TriebriStstr.»7.— Karlahorsl! «nmnasium Trezchowallee.— Lichtinberg. Mitte: He!» Scharnweberstr. 29. GSG. Wedding: Schul,«otrndurger Str. 2, 18 llhr. Artouaplaßi Schul« Glisebethkirchstr. 19. Bortrog:.Arbeitersport und vstr- «arllcher Sport�.— Hahenschönhausen: Seim Dingclstedter Straße. Bortrag: .Da» Recht des lungen Arbeiters im Betrieb'.- Rcichenberger Biertel: Keim Brißer Str. 27—30. Iv-Minuten-Relerate.— Lanlwiß: Gemcindeschule Schulstraße. Bortrag: Einser« Zeitung".— Tempelhof: Lniieum Germania» N raste 4— 6. Politischer Jahresbericht.— Tolkeubera: Heim auf dem Gutshot. Borrrag:.Unser« Gegner rrchtz und links".— Lichtenberg-Rarb: Iahrcsmit. stliederoerlammlung am 10. Zanuar. Heute Besuch der Zahlabende de: Partei. — Ren-Lichteuberg: Heim Hauffstraße. Vortrag: Einführung in den Sozia- llsunis". SSS. Reukbln: Helm Bergstr. 21. RjtgNederversoimnliing oder Bortraq: »Psnchoanalns«". 19 Uhr. Werbe bezirk P-enzlaue, Berg: Bolkstanzabend. Turnhall« Wehlauer Sirast« 7. Hallenschuh« nicht«ergeisen. schaff). Thema: Vorträge, Vereine und Verfammsungen. Reichsbanner �Schwarz-Roi-Gold". Gefchäktsstell»: Berlin S 14. Sebastianstr 87—38, Hol 2. Tr Mittwoch, 8. Januar. Ritte. Irden Mittwoch, nou 20 bis 22 llhr. Turnstunde in der Turnhalle Gartenstr. l07o. Treptow.Kamerad- Zungbanner. Zusammenkunft im Jugendheim Wildenbruchstrgße. ..Unser« Werbung". Erscheinen Pflicht.— Donneroiag. 9. Januar. . ibneberg-Ariedenau. Kameradschaft Rubens. 20 Uhr Generaloersammlung in der Menzel, Klause. Menzel- Eck- Thorwaldsenstraße.— Treitag, Ib. Januar. Triedrichahaln. Kameradschaft Bllschiug. 1914 Uhr wichtige Kameeabschafts- Versammlung bei Blawcrt. Weberstr. 24o. Bortrag: Referent vom.Sturm- vogel". Vorbesprechung zur Generalversammlng. Delegicrtenwahl. Erscheinen Pflicht. Eharlottenbnrg. Kameradschaft Rathaus. Jahresversammlung bei Ger- lach, Spreestr. 12. Rrlnickendros-Vst lKameradschaft). 20 Uhr Generalversammlung bei Kichne, Residcn-str. 9. Neuwahl dos Porftaudes. Vorstandsmitglieder eine Stunde früher. Erscheinen sämtlicher Kameraden Pflicht.— Neukölln- Beiß. Mustkkorps. Sonntag, 12.. Januar, 17 Uhr. in Kliems Testsälen. Hasen. Heide. Tomilionbockbiertrubel. Eintritt Mr Kameraden und Angehörige ZO Pf. Kameraden anderer Ortsvcrcinc willkommen. Sluemnogel. Bezirksgruppe Berlln-Weißenfee. Sißung der Ortsgruppe Weißensee am Freitag, dem 10. Januar, und Freitag, dem 24. Januar. 20 Uhr. im Bereinsloal �um SUdwrstafriianer". Lichtenberger Str. 22. Gäste will- kommen. Deutscher vstbnnb, Ortsgruppe Witte. Hauptversammlung am Mittwoch. dem 8. Januar, 20 Uhr. im Easo Gärtner, Berlin, kolstciner Ufer 27—28 sam Stadtbahnhof Dellcvue), verbunden mit einem Filmvortrag des Ufa-Films: .Vorsorge schiißt vor Sorge". Landsleute herzlichst willkommen. Kurzschristverein zu Eharlottenburg, Einheitskurzschrist. Ein neuer An- fängerkurlus beginnt am Freitag, dorn 10. Zanuar, 20 llhr. in der Siemens- Obcrrealschul«. Schloßstr. 27, 1 Treppe. lvellerbericht der öffentlichen Wetterdienststelle lZ erlin and Umgegend sNnchdr. vcrb.i. Zeitweise nibelig, sonst trocken und ziemlich heiler, Tem- peraturen wenig verändert.— jflt Ocuischland: Jim Süden vorwiegend nebelig, Temperaturen um Null, tm Norden meist heiler, nachts Frost, TagcStemperaiuren über Stull. Bockbierrummel m der Hasenheide. In jedem Januar pausiert der Bock die Erde. Ob biete Bs» geemung mit der astronomischen Formel unseres Kosmos übereilt» stimmt, sei dahingestellt. Hier handelt es sich um einen spezielle» Bock im engeren binnc; um einen mahagonisaroenen süsligen Slettar, der einem kleinen Zipfelchen der großen Welt— wir nennen sie die „Neue Welt"— entfließt. 2IIs aufmunterndes Lebenselixier soll «s� den Bruder des kühleren Nordens— in der Umgangssprache „Saupreiß" genannt— erguicken und erlaben. Und willig folgt nran diesem freundlichen Ruf... Inmitten boyerrscher Gletscher- Pracht und Alpenalüben. derb-fröhlicher Heben. Radi und Enzian, vor sich das wohlgefüllt« MaßkrLogl, wird nun In„Münchener OitoberwicsenstinTmung" pentacht. Regie ist gut, das Bier ist noch viel, viel besser, aber ine Publikumsstatisterie taugt nix. Die wartet nämlich immer, was denn nun eigentlich kommt, und vergißt dabei ganz, daß sie selbst ja das humorig« Festprogramm zu bestreiten lM. Die Rolle, die man uns zugedacht, ist gar nicht jchwer; ein bisserl schreien, juhujen, saufen und noch arrwl saufen, bis all das Holl- drioho von ganz alleine kommt. So richtig, wie es se'n soll, wird es aber nie, obzwar doch jedes Jahr wieder aufs Reu« geprobt wird. Uns fehlt wobl jene kindhaste, die gonae Welt umarmend« Daseins- freude, die wienerisch«„verkaufts-mei-Gwand-Stimmung". die be- iagter edler Gerstensaft erzeugen soll. Und dabe- ist so viel los: Es blitzt und donnert— und bloß uns zu Ehren— Madsrln und Bunin drehen sich im Tanz. Ms tänzerische Apotheose steigt dann der leben- bejahende Watichentanz, eine Art gelangtes Duell, bei dem der Sieger auf scmes Gegners hartem Schädel Kleinholz fpaUel und diesen darob zur weichen Birne macht. Schworst und Schießstand, Würfetbude und Photograph sind da, ein begabter Chaplin macht unermüdlich seine Honneurs und Kletterübungen, auf der Rutsch, bahn treischen die Schönen und eine nie rastend« Musik setzt das Ganze unter den richtigen Spqktakel. 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