BERLIN Wtwoch s.Zmmar 1930 10 Pf. 31r.l2 B6 47. Jahrgang Srscheiut ti glich auter G»a«t«s<. Zugleich Abcudaukgabe des.Vorwärts. Bep-gjpreii beide Ausgaben 8SPf. pro Woche, SFNM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW öS, LindenKr.s „Ibwarfa' i otetgenpreiS: Di« einspaltig« Noiipartillejcil« So Vf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. oftscheckkoato: DorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Heimwehrdämmerung. Korifchreitende Auflösung.— Gründet Geipel eine neue Partei? Wie«. S. Zcmnar. Das JXeut wiener Exkrablati'. das Vlaki des Landbundes. bringt in größter Aufmachung die Ilachrichi. daß Dr. Seipel die Absicht habe, die Christlichsoziale Partei fallen zu lassen und an deren Stelle eine.Stoatspartei der Stände" zu gründen. Das Blatt erklärt: Die Siloesterrede Dr. Seipeis enthielt einen be- »merkenswert eu Abschnitt über die Notwendigkeit einer Reform der Ehristlichsozialen Partei. Aus Grund zuverlässiger Zuformo- lionen können wir mitteilen, daß Dr. Seipel den Plan hat. ein« Staälsparlei der Staude zu gründen, die an Stelle der Ehristlich- fazialen Partei eine neue Einheitsllste für die kommenden Wahlen darstellen soll. Zn diesem Zusammenhang erscheint auch die Rede. die Dr. Steldle in Klagenfurt gehalten hat. in einem neuen Licht. Dr. Steidle sprach von der Möglichkeit, daß flch der Heimat- schuh über feine Stellung bei den künftigen Wahlen ins klare kam- wen müsse und daß er vielleicht gezwungen sein werde, eine eigene Partei zu bilden. Die Silvesterredc Dr. Seip�s hat auch auf großdeutscher Seite ein lebhaftes Echo gefunden. Am Dienstag fand«m auherordent« Iichor Sreieporunlag der Großdeutschen Lolksparrei für den Wahr- kreis Wieb statt, auf dem«. a. der Obmann dieser Partei, Dr. Wo- taipa, �o« Wort ergriff. Er erklärt«, die Großdeutsche Partei pelle sich restlos hinter iü« Regierung Schober und werde sie gegen.Err fchütterungsversuch«. von welcher Seite sie immer kommen wögen, stützend » Der früher« Bundeskanzler Prälat Sguaz Seipel betätigt sich wieder öffentlich. Er hat mit' einem Bortrag in Luxemburg an- gefangen, wo sich die Witwe des letzten Kaffers von AMfterreich. Frau Zita.Hobsburg-Bourbon, aufhält. Seipel hat einem sofort cufgetrctenen Verdacht die Ertlärung entgegengejtcllt, daß er ,.3t)re Majestät"— so spricht der ehemalig« Kanzler der Republik— nicht besucht habe, und zwar deshalb nicht, weil im Nationalrat Partei- genossen von ihm di« Rz-rkgabe des enteigneten Habsburger Besitzes „angeregt" haben und er nicht den Anschein erwecken wolle, daß man darüber mit der Houptinteressentln verhandele. Kaum war er wieder in Wien, als er schon gegen di« Parole loszog, das Land brauche vor ollem Ruhe: im gleiche« Atemzug predigte dieser Priester der Liebe, setzt müsse der Kampf erst recht oulgenomwe« werden. Aber am vergangenen �Sonnobertf» hat die Pavteileitung des Lanbbundez den Trennungsstrich gegen die Heimwehrfaschisten gezogen und den Willen der Bauern verkündet, an der Demo- k ra t i« s e stz u h a l t e n und jede Gewaltanwendung zu oerwerf««. Am gleichen Tage hat der populäre christlichsozial- Arbeiter- führer, Abgeordnete und Gemeinderat K u n s ch a k in der„Kontrollversammlung des Freiheitsbundes" daran erinnert, daß man vor einigen Wochen nies, Kunschak dürfe in Wien nicht mehr reden Die „Bolschewisten". als welche man die Wiener Sozialdemokraten ja auch den Lesern reichsdeuffcher Blat'er hinstellt, haben niemals ein solches drohendes Redeverbot ausgesprochen— das tat vielmehr ein Heimwehrprostssor Otte. Mit vielen anderen Heimwehrführern ist auch Otte jüngst ausgeschlossen worden, teils wegen Unehr- crbetrgleit gegen die Päbstlichen. teils wegen Aufdeckung von Unter- schlagungen gewisser Vorstandsstützen usw. Die„Arbeiter-Zeiwng" hak soeben ganze Aktenreihen darüber oerössentlicht. Kunschak aber hat m der gleichen Rede erklärt, wenn man sich gegen die(christlich- sozialen) Arbeiter wende, werde man aus Granit beißen. Bang« "lachen gelte nicht. Dvin�Wiener Heimatbund sagt« er: „Da» stolze Heer, das ausgezogen ist, um;« dikklcren. und as ich gleich als das bezeichnet habe, was sie sind— als Diaro- .eure—. geht in Gestank aureloander." Zu den entspreche>ü>en Erscheinungen in den Bundesländern tommt jetzt auch eine Gärung im Wehrbund, der christlich. sozialen G-genprganffation gegen die freie Soldatengew.'rkschast des Militärverbandes. Di« Osstzicre fühlen sich durch das Vorgehen einzelner maßgebender Wehrbündler verletzt, was Anlaß war. daß stch vor ewiger Zeit aus einer Wchrbundversammlung sämtliche an- wej enden Offiziere demonstrativ entfernten. Der Wehrbund hat daraufhin ein Flugblatt herausgegeben mit der Usbertchrift:„Ein Wort an die Offiziere", m welchem er an die Worte des Vizekanzlers Baugoin erinnert, der gesagt hat. daß der Wehrbund der S e sun dh e its b az i llu s im Bundcsheer sei. tßüder mm 3)raM. rn'--— M? döstmi» isom ue 7/1 iRbs. sozx SWMO. Am Dienstag ngchmütag wurde die öffentliche Bild« telegraphie zwischen Loichon und Berlin eröffnet. Der deutsche Reichspostminister Dr. Schätzet und der englische Generalpostmelster Lees-Smith tauschten ihre Bilder mit Begrüßungen aus. Dann ergoß sich auf dem Bildtabcl ein Strom von Pressebildern hinüber und herüber. In London mußte bei dem starken Andrang die Reihenfolge der zu versendenden Bilder ausgelegt werden. Als cmes der ersten kam das Bildnis Macdonalds(links) zur Versendung. das der Korrespondent des„Soz. Pressedienstes" an sein Berliner Bureau(Sopodienst) richtete. Zwischen dem Tageblatt der Labour Party, dem ,�Ooily Herato" und dem„Vorwärts" wurden die Bilder der Chefredakteure aus- getauscht. Unser Bild rechts zeigt den Herausgeber(Editor) des „Daily.Herald". William Mellor, wie der Bildtelegraph es uns in der Nacht zum Mittwoch übermittelte. Die Klarheit der Wiedergabe zeigt den enormen technischen Fortschritt, den die Bild- telegraphie in den letzten Iahren gemacht hat. Weiter heißt es, daß der Großteil der Offiziere, von denen zirka WS im Wehrbund eingeschrieben sind, nach ziemlich authentischen Mitteilungen infolge eines Beschlusses des neugegründcten Heeresosfi ziersverbandes mit Januar IWll aus dem Wehrbund austreten oder höchstens darin als Förderer, Ehrenmitglieder, unterstützende Mitglieder und dergleichen verbleiben wolle. Untersuchung gegen Gchutzbuudfommandant eingestelt. Nach den Borsällen in St. Lorenzen wurde der Kommandant des Republikanischen Schutzbundes, Wlhelm Mo sauer, mehrere Wochen lang in Untersuchungshaft gehalten. Mosauer wurde von dem Zimiriermeistcr Schädl in Bruck beschuldigt, daß er mit einer Pistol« auf chn geschossen und ihn am Unterschenkel verletzt habe. Wiewphl schon die erste gerich särztüche Untersuchung ergab, daß die Verletzung keine Schußwunde war, wurde Mosauer verhaftet. well einige Hcimwchrler die Behauptung des Schädl.bestätigten". Immer wieder erklärte Mosauer, daß er gor keine Waffe bei sich gehabt habe und daß er von Schädl.zu weit entfernt ge- wesen sei, als daß er ihm die Verletzung hätte zufügen können. Im Verlauf der Untersuchung wurde diese Verantwortung als richtig erwiesen und auch die Veloswngszeu� konnten bei der mehrmaligen Gegenüberstellung ihre Beschuldiguitg nicht aufrechterhalten. Nun hat das Kreisgericht Leoben auf Antrag der Staats- anwaltschaft das Verfahren gegen Mosauer eingestellt. Vergebliche Attentätersuche. Rur die französische Polizei nimmt weiter fest. , Gens. 5. Januar.(Eigenbericht.) Das AtientatSgersde ist w nichts zerronnen. Auch der Te l der Presse, der stch besonders eijrig mit den phantosievollcn Schilde rizngen der italiemschen Zei tingen über dos.Hauptnest der nitli faschistischen Verschwörer" beschäftigte, muß jetzt zurückstecken. Weder in Paris noch in Genf konnte eine Spur von Attentats planen gegen Personen, die an der nächsten Völkerbundsratstagmn, teilnehmen, entdeckt werden. Paris, 8. Januar.(Eigenbericht.) Di« Untersuchung des angeblichen Antifaschistenkomplotts in Frankreich hat am Dienstag zu der Verhaftung des Italieners Ehodisi in Marseille geführt, ohne daß jedoch der Grund zu tzieser Maßnahme bekannt geworden ist. Eine.Haussuchung bei einem gewissen Toccakond! in Marseille ist ergebnislos verlaufen. Der Verdächtige Hot übrigens die Stadt verlassen. Kommunistische„Arbeit". Die Krawalle in der Stadtverordnetenversammlung. Die Krawallszenen, die die Kommrmisten gestern abend in der Berliner Stadtverordnetenversammlung aufführten, sind nicht von ungefähr. Sie sind keine„spontane Kundgebung der Empörung" einer vergewaltigten, ungerecht behandelten Fraktion, sie sind viel- mehr die raffiniert ausgeklügelte, vorher festge- legte Aktion einer Partei, die sich Arbeiterpartei nennt und vorgibt, ganz allein>m Rathause Arbeiterinteressen zu vertreten. Die unheilvolle Wirksamkeit der Kommunisten hat ihre Borge- schichte. In der alten Stadtverordnetenversammlung war die kommu- nistische Fraktion innerlich zerfallen. Sie hatte Stalin-Treue, rechte und linke Oppositionelle in ihren Reihen; dah das in der Oeffent- lichkeit nickt gar zu arg in die Erscheinung trat, war wohl auf die räumlich'« Nähe der KPD.-Zentrale zurückzuführen. Aber der innere Zerfall lähmte die Aktionsfähigkeit— soweit wenigstens das äußer- lich« Austreten, genauer gesagt, das Krawallmachen in Frage kam. Herr Lange- Neukölln, der hier die unbestrittene Führung hatte, fühlte sich nicht ganz sicher: Er hatte zwar 42 Mann hinter sich, ober auf die war kein Verlaß Vor allem tonnt« er mit ihnen nicht umspringen wie er und die Zentrale es wollten. Bei der Aus- wähl der neuen Fraktionsmitglieder ist dem ja denn auch in so weitgehendem Maße Rechnung getrogen worden, daß nur noch sieben alte wiederkehrten. Herr Lang« war ganz offensichtlich der Hausknecht und der Aufpasser der Zentrale, aber er stand bei der Arbeit ohne Hilfe da. Das ist jetzt in der neuen Fraktion anders geworden. Man hat nur wahrhaft zentralergebene Elemente aufgestellt, die man noch dazu ans den jüngsten Mitgliedern nahm. Man l)at dem Lange in Herrn Pieck und dem früher deutschnationalen Handlungsgehilfen Caspar in Stimmen und Gewissen gleich robuste Genossen an die Seite gestellt und so eine Führerparniwr geschaffen, die aus Gedeih und Verderb kam- munistische Zenirolenpolitik macht. Die wirkt sich natürlich nur in der Massenfabrikation von Anträgen und Anfragen aus und— was die Hauptsache ist— im Krack.machen mit dem Hintergedanken, die Arbeiten des Stadtparlaments unmöglich z» machen. In dieser Hinsicht leistet das Trifolium Pieck, Lange, Caspar Außerordentliches, sie finden unbestrittene Gefolgschaft bei ihrer Fraktion, die nur noch vorn auf die Führerbank achtet, um bei dem geringsten Signal mitzuheulen, mitzuschreien, mitzutoben. Herr Lange insbesondere ist der agovt provocateur, der in feiner nur pathologisch zu erklärenden Gc- Wissensfreiheit jeden, aber auch jeden Anlaß benutzt, um gemeinste Schimpswort« gegen einzelne Stadt- verordnete und ganze Fraktionen zu schleudern, um dem Vorsteher die Handhabung der Geschäfte oder die Geschäfts- Ordnung überhaupt zu bestreiten, um jedenfalls seinen politischen Auftraggebern auf alle Fälle seine Befähigung für den Posten zu beweisen. Das ist ihm bisher restlos gelungen, daß dies« seine Tätigkeit allerd-ings völlig unproduktiv ist und die Arbeiterschaft Berlins auch nicht einen Schritt weiter bringt, das kümmert' weder Herrn Lange noch seine Partei. Gestern hak die Stadtverordnetenversammlung auch wieder alle Arbeiten zum besten für die Erwerbklosea liegen lassen müssen, selbst die bereits in den Ausschüssen behandelten Erwerbslosen. antrüge konnten nicht-erledigt werden,«eil dl« Kommunisten e« vorzogen. Krach zu machen und die Sitzung damit sprengte». Es muß denjenigen Berliner Wahlern. die am 17. November den Kommunisten die Stimm« gaben, jetzt, wo Ihre Erklärten prak- tische Arbeit leisten müßten, immer wieder gezeigt werden, wen sie gewöblt haben! Ksin Wahllistenräuber verhastet. Auf der Suche nach den kommunistischen Revolverhelden In der Silvesternacht wurde in der Wiclefftraße in Moabit der Parteigenosse Ernst S u b e von kommunistischen Rowdys überfallen und niedergeschossen. Sub«, der tagelang in größter Lebens- g e s a h r schwebte, besindet sich jetzt im Moabiter Krankenhaus auf dem Wege der Besserung. Dieser Vorfall und der Wahl- l i st e n r a u b am Tage des Bolksentscheids in der Turnhalle Rostocker Straße 32 gaben der politischen Polizei Veranlassung, zur Ermittlung der Täter die Aushebung mehrerer berüchtigte» Moabiter Kommunistenlokale vorzunehmen. Während es leider noch nicht ge- lungen ist, den feigen Revoloerschützen zu ermitteln, konnte' einer der Wahllistenräuber, es handelt sich um einen gewissen Schlosser Franz Schenk, bei einer Razzia verhaftet werden. Wie erinnerlich erschienen in der Turnhalle Rostocker Str. 32 am 22. Dezember, dem Tage des Dolksentscherds, gegen 17.40 Uhr zwei jüngere Männer, die scheinbar wählen wollten. Plötzlich zogen beide Pistolen hervor und riefen den Anwesenden zu:.Hände h o ch." Einer der Burschen feuerte einen Schuß gegen die Decke ab. Dann ergriffen sie die Wahlliste und flüchteten, nachdem einer der Täter im Vorraum nochmals einen Schuß abgegeben hatte, auf die Straße. Sie liefen zur Sickingenstratze, wo sie«ine bereitstehende Autodrojchke bestiegen und flüchteten. Der Chauffeur tonnte noch am selben Abend ermittell werden. Obgleich Schenk zunächst noch bestreitet, ist er von mehreren Zeugen als einer der beiden Täter mit Bestimmtheit wiedererkannt worden. Die Suche nach dem zweiten Täter geht weiter.— Die Durchsuchung der kommunistischen Lokal« durch die Polizei hat also bereits einen Erfolg gehabt. Wr wissen nun, aus welchem Grund« die„Rote Fahne" in wütende Aufregung geriet, als die Polizei mit den Nochsofschunr»«» begann. Hoffentlich ge- lingt es recht bald, den Burschen zu fasten, der die Reoolvertat, die unserem Genossen Sub« beinah« dos Leben gekostet hätte, auf dem Gewissen hat. Wider die Hochschulreaktion! Zum zweiten Gtudenientag des �Deutschen Gtudentenverbandes." Die Eisenbahnkatastrophe bei Tunis. Bereits 21 Tote gezählt. Paris, 8. Januar. lieber das Eisenbahnunglück in Algerien in der Nähe von Buelma werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Danach ist die Katastrophe weit gräßer. als es nach- den ersten Berichten angenommen wurde. Zehn Tote konnte» bereits aus de« Trümmern der beide» Personenwage« geborgen werden. Weitere 11 Leiche« liege»«och unter den Trümmern der abgestürzte« Wage« eingeklemmt, so dah sich die Zahl der Todesopfer auf insgesamt S1 belauft. Daneben wurde« etwa SU Personen zum Teil schwer verletzt. Ein neuer Sowjelgesaudler in Warschau. Antonow Owseenko wurde zum Gesandten der Sowjewnipn in Warschau ernannt. Der Deutsche Studentenverband, die Spitzenorganisation aller republikanischen Studenten des deutschen Sprachgebiets, hält vom 9. bis 12 Januar 1333 seinen zweiten Studententag in Berlin ab. Der D-uische Studentenverband wurde por.bald 2 Iahren nach der Auflösung der staallich anerkannten Studentenschaften in Preußen gegründet. Die sozialistischen Studenten erkannten von Ansang an. wie wichtig es sei. der reaktionären Studentenmeheheit«ine geschlossene Front entgegenzustellen. Sie haben daher stcts aktiv und führend im DStV. nütgsarbeitet, und der letzte Dsrbands- tag der Sozialistischen Studentenschaft Deutsch- lands und Oesterreichs hat beschlossen, weiterhin den DStA. tatkräftig zu unterstützen. Die„Deutsch« Studentenschaft", der nach Entziehung der staat- lichen Anerkennung lediglich noch die rechten Gruppen ang.hören, versuchte zunächst der alten Weise als Slllgemeinvertretung aller Studenten aufzutreten. Sie fand in ihrem Kampf gegen die R> publik vielfach offene Unterstützung der Hochfchulbe- Hörden, die diesen völkischen Privatverein weiter so bchandcllen als umfaste er alle Studenten. Der Deutsche Studentenperband nahm den Kampf gegen die„Deutsche Studentenschaft" aus. Heute, vor dem zweiten Studententag des DStV., kann festgestellt werden. daß dieser Kampf abgeschlossen ist. Selbst Bayern, die letzte Stütze der hochfchulreaklionäre. sperrte dlr Zwangsbeitröge der„Deutschen Sludentenschost". Die örtlichen Mitglieder der DSt. befinden sich in Auflösung. Di« Nationalsozialisten gewinnen mehr und mehr Einfluß, dafür schei- den die gemäßigten Elemente, wie z. B. die Hochschulgruppen der Deutschen Bolkepartei, aus. Die studentischen Mittelgruppen(Iurgdo und einige katholische Korporationen) stehen in schärfster Opposiiion gegen den heutigen Kurs. Die im DStV. vereinigten Studenten, die republikanische Oeffentlichkeit, können der Auflösungrkrise in der DSt. mit Ruhe zusehen. Die Geister in der Studentenschaft schei- den sich. Dieser Prozeß, im wesentlichen«in Werk des Deutschen Studentenverbandes, muß sich vollenden Es gibt nur eine Gefahr: die Gefahr, dah dieser Scheidungsprozeh unterbrochen wird ourch eine zu frühe Wiedereinführung der studentischen S e l b st v e r- w a l t u n g der staatlichen Anerkennung. Auch die sozialistischen Stichenten stehen auf dem Boden der studentischen Selbstverwaltung. Sie fordern ein modifiziertes Studentenrecht, das von vornherein ein Abgleiten der Selbstoerwallung in völkisches Phrasen- tum ausschließt. Sie glauben, daß zu frühe Einführung des neuen Studentenrechts den Gesundungsprozeß in der Studentenschaft aufhalten würde. Der zweit« Studententag wird sich mtt den Fragen der studentischen Selbstverwaltung gründlich zu befassen haben. V el. wesenllicher jedoch als diese Frage ist für die sozialistische Studenten- schaft, ist sür die zukünftige Entwicklung überhaupt die Frage der Hochschulreform. Verbreiterung des Zugangs zur Hochschule. Aenderung der sozialen Zusammensetzung der Student.'nschaft, Heranziehung der Ardeiter- schaft zum Hochschulstudium, Scheidung von Berufsausbildung ui.d Forschung auf den Hochschulen, all« diese Fragen werden aus dem zweiten Studententag des DStV. zur Diskusston steh n. Eng ver- bunden mit der Ho' schul- und Studienreform ist das Gebiet der studentischen Wirtschaftsarbeit. Um die Wichtigkeit dieser Arbeit aufzuzeigen, brauchen nur zwei Forderungen, die die sozialistischen Studenten als erste erhoben und die heute alle Kreise im DStV. unterstützen, genannt zu werden: Verstaatlichung des„Deutschen Studentcnwerks"(Wirtschaftshilfe) und Ausbau der Studien st ist ung. Die Vertreter von 20 030 deutschen Studenten, die nicht eut schwundenen Idealen nachtrauern, sondern die Ausgaben der Gegenwart erkennen. werden die Forderungen der freiheillichen studentischen Jugend zu den brennendsten Problemen von Volk und Hochschule formulieren Während auf dem Studententag der„Deutschen Studentenschait" in Hannooer Protestresolutionen gegen den Boung-Plan geiaht, i c Beteiligung an Verfassungefe ern abgelehnt und über die Sperrung des Hochschulstudiums für Juden und Ausländer beraten wurden, wird der zweite Studententcrg des Deutschen Studentenverbandes den Beweis erbringen, daß daneben auf den Hochschulen auch eine Studentenschaft heranwächst, die das Vertrauen der Volksmchchut, die das Vertrauen �er Arbeiterschaft verdient! Martin Böucdcr. 27 Monate in Lintersuchungshast. Neue Zwifchenfätte im Tscherwonzenprozeß. Zu Beginn der heutigen ZNorgeusihung kam es zu schweren Z u- sammenstößen zwischen dem Vorsitzende n und dem Ver- t e i d i g e r de» Angcklagken Weber. Rechtsanwoll Dr. TRenz, der die Unabhängigkeit des Gerichts anzwelseln zu müssen glaubte. Rechtsanwalt Dr. vär beantragte die haslenklassuug Sadathlera- fchwiiis. ver Angeklagte Dr. Becker, naliirllch gleichfalls ein Vor- kämpfer gegen den Bolschewismus, erzählte, wi« er in Berlin die falschen Tscherwonzen an den Mann zu bringen versuchte und was alles daraus entstanden ist. Die Verhandlung begann mtt einer ziemlichen Verspätung. Rechtsanwalt Bär bat ums Wort. Er erklärte, daß er in diesem Stadium der Hauptverhandlung sich veranlaßt sehe, den Antrag auf Hostentlassung seines Mandanten zu stellen. Er begründet« den Antrag folgendermaßen: Sadathieraschwili ist am 11. August 1327 in München verhaftet worden. Laut Be- schluß der Berliner Ferienstrafkammer vom 23. August 132S ist das Verfahren gegen ihn auf Grund der Amnestieverordnung für poli- tische Vergehen eingestellt und der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben worden. Auf Grund der Beschwerde der Staatsanwallschaft hat das Kammergericht die Richtanwendbarkeit der Amnestieverordnung für diesen Fall erklärt und erneut Verhaftung angeordnet. Sadathieraschwili ist darauf am ö. Ottober in Haft genommen worden. Am 3. November hat aber das Landgericht im Haftprüfungsverfohren seine Frellassung angeordnet. Auf Veranlassung des Innenmmiste- riums sei sein Mandant jedoch als Ausländer in Ausweisungshast genommen worden. Seine Beschwerden seien ohne Bescheid ge- blieben. Das Kammergericht hat auf die Beschwerde des Justiz- Ministeriums die Untersuchungshaft erneut angeoldnet, dos Land- gericht am 10. Juli 1929 seine Freilassung angeordnet, worauf jene Ausweis, mgshaft erfolgte. Schließlich hat das Kammergericht am 26. Juli sich bereitertlärt. Sadathieraschwili gegen eine Sicherheits- Hinterlegung m Höhe von 5000 M. aus der Host zu entlassen. Diese Sicherh»!: konnte nicht gestellt werden, somtt hat der Angeklagte 27 Monate in Untersuchungshaft verbracht. Der Verteidiger ist der Ansicht, daß bereit« früher jeder Fluchtverdacht noch die Schwere der zu erwartenden Strafe die Untersuchung»- hast rechtfertigt hätte und daß diese nachdem, was die Hauptver- Handlung bereits jetzt ergeben hat, unter keinen Umständen ausrecht- erhalten werden könne. Als auch der Verteidiger des Angeklagten Weber, der Rechts- anwalt Menz, für die Haftentlassung Sadathieraschwili plädieren will, wird er vom Vorsitzenden unterbrochen, mit der Begründung, daß er ihn ja nicht verteidige. Rechtsanwall Dr. Menz erklärt darauf, daß ihn die Angelegenheit insoweit angehe, als er allen Grund habe, die Unabhängigkeit des Gerichts anzuzweifeln. Vorsitzender: Das Gericht hat keinen Grund, von Ihnen Vorträge über die Unabhängigkett des Gerichts entgegenzunehmen. Rechtsanwall Menz in höchster Erregung: Ist etwa dem Gericht nicht bekannt, daß zwischen dem auswärtigen Ministerium und der Sowsetregierung ein Briefwechsel stattgefunden hat, in dem dieses die Derhängung einer hohen Strafe verlangt habe. Vorsitzender: Das Gericht weiß selbst, wie es seine Unabhängigkeit zu wahren hat. Endlich kann m die eigentlichen Verhandlungen eingetreten werden. Oer Angeklagte Or. Becker äußert sich zu der ihm zur Last gelegten Anklage. Er hat in Berlin die technische Hochschule besucht, war in verschiedenen Stel- lungen beschäfttzt. hat am Krieg teilgenommen und sich im Jahr« 1323/24 nach verschiedenen wirtschaftlichen tRijrffckfäocn in München als Letter«ine» technischen Bureau? niedergelassen. Cr hall den internationalen Bolschewismus für den größten Krebsschaden de? heutigen Zelt und fft bereit, bis zur Einsetzung seiner Persönlichkeit gegen denselben anzukämpfen. Auch er interessiert sich ganz außer- ordentlich für die kaukasischen Fragen. Den Angeklagten Bell. der in dem gleichen technischen Bureau als Ingenisur tätig war lernte er als„aufrechten, treudeutschcn Mann" kennen, der sich de- politischen Tätigkett und insbesondere auch der georgischen Frechst» bewegung aus reinsten ideellen Motiven widmete. Vorsitzender: Der Angeklagt« Bell erhlell bei Ihrer Firma 300 bis 400 M inonallich. Als er plötzlich, ohne seinem Chef Bescheid zu sagen nach dem Orient abreiste, wovon hoffte er zu leben. Die Ftave bleibt unbeantwortet. Bell war es. der sich eines Tages mtt dem Ersuchen an ihn wandte, ihm für die kaukasische Bewegung zu einem Darlehen in Höhe von 15 000 bis 20 000 M. zu verhelscr. Becker suchte seinen Gesinnungsgenossen Thyralla auf. gleich- falls ein Kaukasusfreund. Dieser vermillell« d!« Zusammenkunft mit einem dritten Kaukasusfreund, einem Herrn Wunnbach. He>r Wurmbach erklärte sich bereit, 15 000 M.. zahlbar in drei Monatm, vorzustrecken; allerdings nur unter der Bedingung, daß Thyralla und Becker je ein Akzept in Höh« van 5000 M. in Depot geben weichen. Das schien den Beiden bedenklich. Was nun, sagten sie wenn der Ausbau der kaukasischen Organisation fehlschlägt und das Geld nicht zurückgezahlt werden kann. Bell bat Sadathier, schwill Tscherwonzen als Sicherheit zu hinterlegen. So wurden 1000 Tscherwonzen dem Bankhaus Soeßstrobel lombardiert. A» ihre Echtheit will Becker keinen Augenblick gezweifelt haben. Das Gericht lehnte die Haftentlassung des An- geklagten Sadathieraschwili wegen vorliegenden Fluchtverdacht» ab und tritt in die Vernehmung des An- geklagien Döhle ein. BauaussteNung Sie kommt, trotz der Sparmaßnahmen. Zn seiner heutigen Sitzung beschästtgle sich der Magistrat abschließend mit der Frage des Messegeländes und der Bauausstellung. Zu der Sitzung vom 4. Januar hatte der Magistrat bekanntlich beschlossen, alle Arbcileu aus dem Ausstellungsgelände außerhalb des schou zu Ende des Mouals fertiggestellten Funk- Hallenvierecks einzustellen. Der Magistrat hat seflgeftellt. daß die Abhaltung der Bauaurftellung unter Benutzung der vorhandenen Anlagen möglich ist. ohne daß neue Znvestlon für Irgend welche Lauten erforderlich ist. Da andererseits die Auenühung vorhandener Anlagen für Ausstellungszwecke ein Gebot wirtschaftlicher Roiwendigkeit ist, hat der Magistrat in seiner heutigen Sitzung festgestellt, daß seine jüngst gesaßien Beschlüsse keine Stellungnahme gegen die Abhaltung der Bauausstellung ISZl in Ihrer neuen Form bedeute. Diese Beschlüsse fußen vielmehr auf den(Entschließungen der an der Ausstellung mitwirkenden wirtschaftlichen, künstlerischen und wissen. schofttlchen Organisationen vom 4. und 5. Dezember v. I., die be. konullich unter Verzicht aus weitere hallenneubauten und die Er- schlleßung weiteren Freigeländes die Vorschläge zur Durchführung der Ausstellung im Zahre 1331 Im Rahmen der beide» Auto- h o l l e a. der ferllgea sechs Funklvrmhalleu und des vor. handenen Freigeländes elnstlmmlg gebilligt haben. Aus dieser Grundlage gehen daher die vorbereiiungsarbeilen zur Bauausstellung Berlin 1331 welter. Ausgewiesen- zurückgeschicki. Slns Westasrika nach Frankreich und w eder zurück. Pari». S. Januar. In Bordeaux sind 170 au« Französisch-Westofrika ausgewiesene Indochinesen hier angekommen, aus aerschie�enen Gründen, teils wegen kommunistischer..Propagandagefahr", teils wegen anstecken- der Krankheiten, teils wogen gegen sie bestehender Ausweisungsbefehle unter Militärischer Bedeckung wieder an Bord eines nach H ai f o n g abgehenden Dampfers gebracht worden. I�ttheltnGchiüter| In d«r Nacht zum Mittwoch ist im Hedwigs-Krantenhaus in Berlin der sozialdemokratisch« Reichstagsabgeordnete Wilhelm Schlüter an den Folgen eines schweren Schlaganfalls gestor» den. Aus einem Leben voller Arbeit, das nur dem Dienst des Proletariats gewidmet war. hat der Tod unseren Genossen Schlüter herausgerissen. Er hotte noch an der Sitzung des Reichstags am Sonnabend, dem 21 Dezember, teilgenommen. Aber schon in der darauf folgenden Nachtsitzung sohlte er; in der Zwischenzeit war er aufs Krankenlager geworfen worden, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Wilhelm Schlüter wurde am 28. August 1871 in einem kleinen Weserort geboren. Er erlernt« dos Zigarrenmacherhandwerk: schon mit 17 Jahren, also noch unter dem Sozialistengesetz, schloß er sich der Arbeiterbewegung an und bald kam er in die vorderste Reihe des gewerkschaftlichen und politischen Kampfes. Seit 1905 war er Gauleiter des Deutschen Tabakarbeiter-Ver- b a n d e s für Westfalen und Lippe. Durch das Vertrauen der Amo-Holz-Erinnerungen. Von Vaenfch-Tuebben und Or. Schuche. Arbeiter� chaft wurden ihm die wich.igftcn politischen Aemter über- tragen. Seit 1916 war er Stadtverordneter in seinem Wohnort Herford. 1919 wurde er zum Mitglied der deutschen National- Versammlung gewählt, von 1921 bis 1924 gehörte«r dem Preußi- schen Landtag und seit Dezember 1924 dem Deutschen Reichstag an. Im Reichstag war die Tätigkeit Schlüters vor allem den Fragen sozialer Natur gewidmet. Besonders lagen ihm die Inter- essen der ihm gewerkschaftlich nahestehenden Tabakarbeiter am Herzen, und wenn immer das Problem der Besteuerung des Tabaks erörtert wurde, so sorgte die Sachkunde Wilhelm Schlüters dafür. daß die sozialdemokratische Fraktion den richtigen Weg in der Gesetzgebung fand. Aber er war kein«inseitiger Intercstenoertreter. das Wohl der gesamten Arbeiterklasse war ihm immer der Leitstern seines Handelns. Schlüter ist rednerisch nur bei besonderen Gelegen- heilen hervorgetreten, um so mehr ober wurde seine hingebend«, wenn auch stille Arbeit von jenen gewürdigt, die mit Ihm in Aus- schüssen und anderen Körperschaften zu tun hatten. Schlüter gehörte zu jenen Naturen, die nur an die Sache und niemals an sich sell-st denken, denen es nur darum zu tun ist, im Kampfe der Arbeiterklasse für ein« höhere Gesellschaftsordnung ihr Bestes zu leisten. Sein Andenken wird nicht vergesten weichen! * Der Abgeordnete Schlüter wurde im Wahlkreis 17(Westfalen- Nord) gewählt. Seine Nachfolgerin ist Frau Karoline Dett- me.r in Mischen in Westfalen paraffinsabrik m Flammen. ?wei Arbeiter schwer verleht, einer vermißt. •/ Prag.$. Januar. Ja d«r parafftnabteUung der Vdersurter Mineralöl- rass inerte brach ein Großseuer aus. dessen Ursache noch nnge- När« ist. Der Lokomolivsührer eines vorübersahrenden Personen- Zuges bemerkte den verdachtigen cichlscheiu in dem Gebäude und gab ein onhallende» Sirenengeheul als Aeueralarmzelcheu ab. Als die Feuerwehr erschien, schlugen bereits dichte Rauchwolken aus den Dächern. Die Feuerwehr konnte sich, da die große Hitze ein vor. dringen zum Brandherd unmöglich machte, nur aus den Schuh der umliegenden Gebäude beschränken, w denen sich große Vorräke von veofto und Terpentin besanden. Fünf Gebäude der Rafslnerie sind völlig ausgebrannt. Jnegesaml sind rund 200 Waggons Paraffin dem Brande zum Opfer gefallen. Der Molerlalschaden geht in die Millionen. Zu dem Grohfeuer sind noch folgende Einzelheiten zu melden: Der Brand wurde durch die Unvorsichtigkeit eines Mannes hervor- gerufen, der sich eine Zigarette anzündete, wobei Benzindämpfe in Brand genelen Dieser Arbeiter liegt mit schweren Brandwunden Im Ostrauer Krankenhaus. Das Feuer fand in den mit Teer getränkten Dächern und Mauern so reiche Nahrung, daß sofort drei Gebäude der Abteilung in hellen Flammen standen. Den Feuerwehren, die sofort aus dem Brandplatz erschienen, gelang «s nicht, sämtliche Nebengebäude zu retten. Zwei weitere Gebäude wurden daher von den Flammen Wnichtet. Das in den unterirdischen Behältern eingelagerte Paraffin schmolz, und es entstanden um die brennenden Gebäude förmlich« Feuerseen. Häufig erfolgten Explosionen. Zwei Arbeiter wurden la den Morgenstunden mit schweren Brandwunden geborgen. Ein Arbeiter wird vermißt. Das Feuer wütet noch immer. Man hofft, di« Gefahr von der nahege- legenen Petroleumrassinerie und drei gräßen Petroleumbehältern abwenden zu können, da der Wind günstig weht. Tausende von Zu- schauern belagern di« Brandstelle. In den niedergebrannten Fabrik. gebäuden wurde von 22 hydraillichen Presien Paraffin verarbeitet. Oie Cxistenz einer Gtadt bedroht! Gemeinschädlichkeit der kapitalistischen Wirtschast. Wien. S. Januar. Dem Magistrat Steyr«st mitgclellt worden, daß die Steyr- Werke, mit deren Schicksal auch da, Schicksal der Stadt untrennbar verkaüpst ist. die Absicht haben. Heu Bettleb stark eiazuschränkea. wenn nicht ganz einzustellen Schon heute werden leite des Betriebes abgestoßen, was mi« Rücksicht aus den gesamten Organismus des v-iriebeo nur als ein, Einleitung zur gänzlichen Stillegung zu betrachten ist. Der erste Schritt dazu ist bereit» durch die Sündigimg des Chefkonstrukteur« Vr. Porsche getan worden. Wenn dies«» Plan zur Tat würde, s» "k do» d-"«t-dt �ndnüttla besieget». i.v iuv-i ip-�üiuüiöt.'jrmchmi, sonst wenig Aenderung-—- Für Peulschland: In Nordwest- und Miitel, Heuischland.zeltweis« stärker bewölkt. Im übrigen R«iche keine wesent, lich« Aenderung. Erste Rekanntschast mit Arno Hol,. Ein lauer Sommerabertd. Glyzinenzweig« ranken tief in di« Loggia hinein. Ihre blauen Blüten duften. Leichte Befangenheit liegt hemmend über«wem kleinen Kretz von Menschen, die eben Arno Holz unerwartet kennen lernen. Er ist gekommen, die ge- liebte Frau abzuholen. Man hatte es sich eben fti weichen Sesseln bequem gemacht. Holz lehnt ritterlich seden Aufstand ab,«rwtscht ein entsetzlich unbequemes Holzklappstühlchen und schon sitzt er und plaudert herzgewinnend und frisch darauf los. Verweht sind Scheu und Befangenheit. An ihrer Stelle tritt herzlichste Ber- ehvung des Meisters. Sein Arbeitszimmer. Stübbenstraße 5! Ein Besuch! Andacht glüht aus— zuckender Schmerz über soviel rastlos arbeitende Größe, di« sich der Weit schenken möchte und einsam ist. Diel Zigarrenasche, sehr, sehr piel trockene Brötchen. Manu. sknpte. Bücher, Bücher, Bücher— eine riesige Blei stifts pitzmas chine, notwendig für die stichfein« Handschrift des Meisters— eine Papier-' scher«.„Ich Hab« fast«ine Schwiele am Daumen vom Auefchnechen der Ättlen*. sagt Holz lqchend. Ein paar b«qu«m« Sessel— leise streichelt die Hand über abgeschabt« Stellen—- ein Bettsofa— js könnt« elegant sein, wenn es nicht gar so verbraucht war«— auf dem Bilde steht man's nicht so genau. Ein Riesens chreibtlsch— und daneben«in seltsamer Aufbau— eine Schwinge, daraus em Brett— die wahre Arbeitsstätte, die Geburtsstätt« der„Bleck)- schmiede", des„Phontasus", von„Igrtorabimus* usw. Unendlich viel Schaffensglück leuchtet über all der Bedürfnis- lostgkeit. Andererseits— wie sehr genießerisch wußte Holz die Schönheit einer Wohnung zu schätzen— Blumen! Wehe, wenn Bqs« und Blumen nicht zusammenstimmen wollten! Mit un- beirrbarer Sicherheit wurden Geschmacksverstöße beim ersten Ein- tritt ins Zimmer festgestellt. Holz und die Schule. Arno Holz läßt sich von der modernen Schule erzählen. Sein« Erfahrungen auf„schulischem" Gebiet sind nicht di« besten. Er wurde von der Schule verwiesen, weil er sich weigerte, tagtäglich sämtliche, auch nicht benötigte Bücher zur Schule zu schleppen. Er sah den Sinn dieser Maßnahme nicht ein. Folgerichtig weigerte er sich auch, dl« zudiktierte Strafe abzubüßen und nochmals am Nachmittag mit der gesamten Bücherlast anzutreten. Der.Linauswurf" hat ihm nicht geschadet. Holz besaß ein geradezu staunenswertes Wissen aus allen möglichen Gebieten. Tempora mutavtur! Bei der Totenfeier nannte ihn dieselbe Schul« gleichsam abbittend„ihren größten Schüler!". „Di« Ausgabe der Schule scheint mir darin zu bestehen, die Lehrer überflüssig zu machen." Ist das nicht wirklich das Ziel der heutigen Schule, den Schüler selbständig zu machen, ihn auf eigene Füße zu stellen, so daß er allein weiter arbeitm kann? Und den an alles Gut« glauben wollende und könnende Lehrer, besten wenn auch mißbrauchte Güte tausendmal mehr wert ist als untadlig« Korrekthett— hat er ihn uns nicht im„Traumulus" geschenkt— die Idealgestalt eines 2ehr«rs—„nehmt alles nur in allem!" TkächkHche Vorlesung. Es ist Mitternacht. Arno Holz ist heute sehr schweigsam. Plötzlich erwacht er. In wundervoller Ausführung liegt„hl TAI PE* vor un». Er liest selbst vor— er kann's. Seine Stimm« ist dunkel, weich, volltönend— man muß an Orgelklang denken. Mit feinem Federmesterchen verfolgt er Zelle um Zell«, hält es nicht unter seiner Würde, schlichten Menschen, die mir den guten Mllen haben, ihn zu verstehen, einzuführen in die kristallenen Ge- setz« seiner neuen Lyrik. Es schlägt 3! Niemand hat gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Wie Hol, kondoliert. Arno Holz fügt sich nicht der Konventton. der Förmlichkeit, dem Zeremoniell. Er kondoliert nicht. Aber wie kein anderer weiß er zu trösten und auszurichten. Ein unerwarteier, schwer empfundener Trouersall im Freundeskreis. Da setzt er sich hin„kupfersticht" eines seiner herrlichsten Gedicht«: Einst! «einst... Verde ich und...«jnst wirst du nicht sein. Gib mir die Hand! Die Holz-Vüsie. „Wer sich nicht fekst zum besten haben kann, der ist gewlß nicht einer von den Besten." Die Holz- Büste, geschaffen von Jsenstein. Wunderbar ist es dem Künstler gelungen, den schönen Charakterkops wiederzugeben in seinem schwermütigen tiesen Ernst. Wie fröhlich lacht Arno Holz, wenn sein Tochtercheu Fee in tollem Uebermut Rosinen in die Seheraugen steckt und allerhand Allotria mit dem uns so heiligen Bildnis treibt I Die Totenmaske. Die Totenmaske! Ueberwunden alle Rot, alle Sehnsucht, olle Hoffnung. Hohnooll hat die Parze den Lebensfaden zerschnitten, kurz, ehe ihn, den vielleicht Berufensten, der Robel-Preis für Literatur erreichen konnte. 479 Stimmen waren bereit, ihn zu nennen. Zu spät■.- Ein geheimnisvolles Lächeln spielt um den toten Mund... Dies« Welt kann ihm nichts mehr geben... Arno-Holz-Gedenkfeier. Ein« würdige Arno-Holz-Gedenkstunde oeranstaSete die Volksbühne un ehemaligen Herrenhause. Das Podium war von feierlichem Grün umrahmt und von einer Büste des Dichters und seiner Totenmaske gekrönt. Dr. Hans W. Fischer verstand es. Wesentliches über den oft Verkannten zu sagen. Holz, so führte er aus, wurde entdeckt, als feine ersten Werk« erschienen. Er sah den Erfolg schon als Zweiundzwanzigjähriger. Wie kam es, daß er mit jedem neuen Werk mehr vereinsamte? Sein erster Schritt führt« m neues Land. Das Ziel des Dichters war: künstlerische Wiedergabe der Wirklichkeit. Aber Holz macht« keine Konzesstonen. Er schuf nicht, was er auch schassen konnte— er schuf, was er schaffen mußte. So weichen seine Werke vom Zettge- schmack ab, obwohl sie im tiefsten Sinn Werke unserer Zeit smd, erfüllt von ihrem Rhythmus. Günther Hadank sprach aus dem Wert des Dichters, das dieser selbst als sein Lebenswert betrachtete und an dem er bis zuletzt feilte: aus dem„Phantasus". Hadank fühlte sich eins mit der sprachlichen Gewalt der Dichtungen, di« er meisterhaft vortrug— wenn er auch gelegentlich, vom Sturz der Verse hingerissen, in ein etwas zu beschleunigtes Tempo geriet. Edith Maahberg sang Vertonungen Arno Hotzscher Dichtungen, vom Komponisten Georg Stolzenberg am Flügel be- gleitet. Besonders die etwas spielerischen Töne der Daphnis- Lieder waren in Komposition und Vortrag gut getroffen. Tes. Oer Schöpfer des erstenArbeiterkampfgefanges Zum 100. Geburtstag von Hans von Lütow. Die Dokumente, die uns aus den frühesten Anfängen der Ar- beitersängerbewegung überliefert wurden, sind nicht zahlreich. Wir wissen, daß ein Arbeiterchor, der offen Farbe bekennt, am 19. April 1865 in Leipzig in die Oeffenllichkeit tritt. An diesem Tage teilte August Bebel dem Leipziger Rat mit—- Leipziger Rats- archiv EX II/V. 20—, daß der„Gewerbliche Bildungsverein", der bereit» am 19. Februar 1801 gegründet wurde, fortan den Namen „Arbeiterbildungsverein" führe. Dem„Gewerblichen Blldungsvere-ln" sehen wir neben einer Turnabteilung auch ein Ge- jangsabteilung angegliedert, der August Bebel als aktives Mitglied angehörte. Bebel sang„ersten Baß, den bekanntlich scher singt, der keine Stimme hat"(August Bebel:„Aus meinem Leben"). Auf Anregung von Ferdinand L a s f a l l», der im Mai 1863 in Leipzig den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein gegründet hatte. riefen noch im gleichen Jahre Mitglieder dieses Vereins in Frank- fürt a.!vt. einen Arbeitergefangverein ins Leben, der sich den Namen „Sängerbund" zulegte. Dieser Verein besitzt in einer Quittung vom 28. Nooember 1864 über die Abschrift eines„Bundesliedes" von Solinger das älteste Dokument, das uns von einem Arbeitergesang- verein überkommen ist. Unter dem Pseudonym„Sollnger" verbarg sich der Meisterdirigent Hans von Bülow, dessen Ge- burtstag sich am 8. Januar zum Hundertsten Male jährt. Mit dem Bmrdeslied„33 c t und arbeit!" schenkt« Hans von Bülow den deutschen Arbortersängern den ersten Arbeiterkampfge- fang. Das Gedicht stammt von H e r w e g h, der es auf Voran- lassung von Ferdinand Lassalle geschrieben hatte. Franz Mehring berichtet darüber in setner Geschichte der deutschen Sozialdemokratie: .Mit Mühe und Not eiste Lassalle nach halbjährigem Drängen von Herwegh ein Bmiteslied los, dessen Melodie von dem Zukunft»- musiker Hans von Bülow, einem persönlichen Freunde von Lassalle, stammt." Als Lassalle auf einer Reis« nach der Schweiz in Fvankfurt übernachtet«, sangen ihm die zwölf Mitglieder de« Arbettergcsang. Vereins„Sängerbund" in ihrem Probelokal, das in einer„finsteren, dumpfigen Ncbenstube des Gasthauses„Zum Rebstock" in der Krug- gaste lag", den Chor als Ständchen vor. Eine Veröffentlichung dieses„Bundesliedes" finden wir in der gemischten Chorsammlung des„Deutschen, Arbeitersängerbundes". Walter Hänel. Sin echter Franz Hals entdeckt. Bei einem französstchen Kaufmann in Lille wurde«in alter- tümliches Gemätd« entdeckt, das die Signatur von Franz Hals trögt. Ein belgischer Sachverständiger hat die Echtheit festgestellt. Da» Werk befand sich seit 50 Jahnen rm Besitz der Familie, dl« von deni Wert kein« Ahnung hatte und das Bild auf den Speicher gestellt hatte. Gymnastik im Bewegungschor. Der Bewegungschor der Freien Turnenschaft Groß-Berlin lädt alle Freund« neuzeitlicher Gymnastik ein, seine Uebungsabende, die jeden Freitag'n der oberen Turn- halle, Mariendorser Wog 73, in Neukölln stattsinden, zu besucke». Diese beginnen am 10. Januar, 20 Uhr, mit einem neuen Kursus. Die Leitung hat S e n t a H i l l s r t von der Palucca-Schule, Berlin, übernommen, Interessenten sind willkommen und erhalten dort nähere Auskunft. Die kunbhondlung Victor Kartberg. Tckönederger Ufer 4t. zeigt vom l0. Januar bis s, Februar neue Werte von Glich Klofsowsli. Mary wigmars Ittzlrr Z.bci>b. ker tZ, Januar, bringt im Back, ja et eine drin« Wlederboluug der. H ch w l n g e n d e n L o n d I ch o s t'. an*«r»«a# bMIg» ist die Vevis, b'S bckannle» Sr-i.r-tait. Lchah'okal Debrnbt. MiliuHx. IS, Im tzna-nturoa-serkauf. DI» g rwa M! g ,Iir gnwalNg-s Lager rSr-men. am Vlab sllr siMjadr-mare»u soaffrn und hat deetmld rielw» Tollen guter Schuhe fUt Tomen, Km-» und Rinder radikal h-radgesibt. Sn d-» SJ Lchauftngern und Staulüften kann man lich ein BNd vau d u gcradcsu unglaublich billigen Dreisen machen. Neeantworti,'llr dl» Redaktion: Wollgong Schwär,. Verlin: An,«igen: Tb. klock». Berlin Verlag: ivarwärto Berlgg IS. m d Ä Berlin druck: Lonvärio Buch- druckmi und Lerlagoaustalt Daul Singer&£o. Berlin SW W. Linden ftrait« t Bier,» 1 BeUaa«. Betrug ohne Grenzen! Llralzeff, Raiffeisenban? und ein schlafender Gtaatsanwali. Raiffeissn- Untersuchungsausschuß des Preußischen Land- �>gs kam es nach einer ziemlich eintönigen Vernehmung der Ab- tcilungsdirektoren Dr. Pilger und Geheimrat Gloeser van der Preu- s?isch?n Zentral-Genossenschajislaile gegen Schluß der Sitzung zu einer unvermutete» Sensation. Es wurde der Zeuge Albert ver- nommen, der Ende des Jahres 1925 von der Preußenkasse in das Direktorium der damals schon tatsächlich verkrachten Raiifeisen-Bank entsandt wurde, tun zu retten, was noch zu retten mar. Unter steigender Spannung und Empörung gab Direktor Albert einen Bericht van seiner Tätigkeit. Ans Bitten und Drängen seines Jugendfreundes, des verstorbenen Staotssinanzrots Böhnisch, sei er dem Direktorium der Raiffeisen-Bank beigetreten, nachdem Böhnisch ihm erklärt hatte, daß er zu den damaligen Direktoren, namentlich zu de» Abteilimgsleitern Lange und Krause, keinerlei' Vertrauen mehr haben köime. Die Zustände, die All'ert in der Raiifeisen- Bank antraf, spotteten jeder Beschreibung und waren derart, daß sie nach Ansicht des Zeugen mit dem Betrieb einer geordneten Bank überhaupt nicht in Vergleich gestellt werden koimten. Statt der Direktoren, denen es an banktechnischer Kenntnis fehlte, herrscht« unum- schränkt die„zweite Garnitur* der Prokuristen. Währeiid bei großen Banken Kredite und ihre Sicherheiten bis Urs kleinste so- wohl nach der materiellen wie noch der juristischen Seite hin vor- geprüft werden, so daß jeder Irrtum ausgeschlossen ist. konnte es bei der Raiffeifen-Bonk vorkommen. daß statt ein« als Sicherheit versprochenen ersten Hypothek laksöchlich eine zweite Hypothek vom Schuldner gegeben wurde! Nach Auszählung einer Menge Unregelmäßigkeiten kommt der Zeug« zum Thema Urahzeff. Seelmann und Schwarz hasten Ural- zeff noch im September und Oktober für einen anständigen A a u f m a nn gehalteir.— Zwischenruf: Und Sie?— Zeuge: Für einen Gauner und Schwindler!(Um das Verholten der Direktoren Seelinann und Schwarz zu ermessen, muß man wissen, daß bereits im Juli 1925 Uralzeff unter Vorlegung von Dokmnen- ten, die stch als gefälscht erwiesen, der Raisfeisen-Bank eine bevor- stehende Zahlung der russischen Handelsdelegation von 5 Millionen Mark vorgegaukelt hatte, die natürlich ausblieb. Trotzdem noch im September fester Glaube an Uralzeff!) Als Generaldirektor Dietrich schließlich doch eiiwial gegen Uralzeff heftig wurde, beschwerte sich dieser mit den Worten:„So jährt er mich nun an, wo ich doch der größle Schuldner der Bank bin.* Der Zeuge kommt nun auf das Verzeichnis zu sprechen, das Uralzeff in, September 1925 über den angeblichen Bestand seines Lagers bei der Speditionsfirma Koch aufgestellt haste, das der Raiff- eifen-Bant als Sicherheit oerpfändet war, und aus dem er einen Wert von 6,8 Millionen Mark errechnete. Der Zeuge hat dies Verzeichnis der Lagerbestände, die in erster Linie aus hochwertigen Edelchemikalien bestehen sollten, dem Sochoerstäirdigen Apotheker Sauer vorgelegt, der bereits noch flüchtiger Durchsicht von werngen Sekunden sagte:„Diese Liste ist Schwindel. Am soviel Morphium. Nowokaiu usw. aus Lager zu haben. mußte Uralzeff die ganze deuksche Jahresproduktion an diesen Medikamenten mehrere Jahre lang ausgekauft haben.* Uralzeff hatte Zehntausende von Kilogrammen als vpr, handene Menge» bei Medikamenten angegeben, als deren ärztliche Marinioldosis tausend st el Gramme vorgeschrieben sind. Mit seinem angeblichen Adorphiümvorrat Höste man die g e- samten Armeen des Weltkrieges einschläfern können! Eine Revision des Hagers. die der Zeuge zusammen mit dem Angestellten Zcrbel vornahm, brachte den ganzen Schwin- del heraus: Gerade die Kisten mik den werkvollen Edelchewikalieu fehlten! Die Kisten, die Morphium enthasten sollten, enthielten in Wirklichkeit Ampullen mtt im Kriege hergestellter ganz dünner Mar- phiumlösung von 9,0002 Prozent Stärke! Zmn Test war die Ware bereits übergegangen. Für Deutschland war sie auf alle Fälle un- verwertbar, weil sie den heutigen Dorschristen nicht entsprach. Auch die übrige Ware stimmte weder der Meng« noch der Beschaffenheit »ach. vi« von Uralzeff mit 4,50 Mark pro Stück eingesetzt«» Strähnengurte erwiesen stch als werllos, da sie aus Papier« ersahst off angefertigte Kriegsware waren. Ebenso werllos waren die verpfändeten Pumpen, Blechemballagen usw. Der Zeuge Zerbel ergänzt« diese Angaben. Er Hot dos Lager aufgenommen. Statt des von Uralzeff einmal mit 4,68 Millionen, dann sogar mit 6,8 Millionen angegebenen Wertes fand der Zeuge nur Werte por, die bei bester Verwertung höchstens 126 909 Mark, bei sofortiger Abstoßung kaum die Hälft« ergeben konnten. Uralzeff hatte den wert etwa um das Zwanzig- bis vreißigfache zu hoch m, gegeben. Verkauft wurde das Lager schließlich für ganze 39 99«? Mark. Interessant ist, daß der AbteilungZleiter Lieber von der Raiffeisen-Bank in seinen Prüfungsberichten bereits im Januar 1923 darauf hingewiesen hatte, daß er den wertvollsten Teil des Logers die angeblichen Edelchemikalien, nicht Hobe nachprüfen kpnnen und daß er sein Urteil vorbehaltlich der Richtig- k e i t der Angaben Uralzeffs hierüber abgeben müsse. Auch diese Fassung des Berichts hat den alten Vorstand der Roiffeis?n- Bank nicht zu einer Nachprüfung veranlassen können. Bei Kenntnisnahme der unerhörten Betrügereien, die hier nur in gröbsten Umrissen wiedergegeben werden können, erhob sich immer wieder im Ausschuß die Frage: Und der Staatsanwalt? Fast fünf Jahre sind seit diesen Betrügereien vergongen. Trotz- dem ist der Zeugc Alberl bis heule noch nicht vom Slaalsauwalk ver- nommen worden.* ebensowenig der Apotheker Sauer. Der Zeuge Zerbel hat e r st vor vier Woche'», also offenlbor unter dem Eindruck der da- moligen Verhandlungen des Untersuchungsausschusses, von der Staatsanwaltschaft den Aufstag erhalten, Nachprüfungen zu ver° anstalten, deren Royltatc er jetzt dem Ausschuß vortrug. Es ist unerfindlich, daß vier Jahre lang zur Sühne solcher Rjesenbetrüge- reien nichts Ernsthaftes unternommen worden ist. Es bleibt nur ein« Annohme: daß nämlich gewisse Herren von der Raisseisen- vank Uralzeff vor den Anklagebehörden gedeckt haben, weil sie selber vor den Enthüllungen dieses Strasverfahren» zitterten! Es ist bereits ein deusticher Erfolg des Untersuchungsausschusses sichtbar, daß er nämlich im fünften und letzten Jahr vor der Verjährung die Staatsanwaltschaft zum Vorgehen zwingt! .„nsereM aW** xVqA (\ OB! weSi «p«Ü LW Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch. 8. 1. Staats-Oper Unterr. Robert Kiels Deatscbes Kanstler-Tbeat Barbarossa 3937 8-/. Uhr „Eir, zwä', die" Regie: Gustav Härtung. IcrVr»iri jr�rho: Souper vpp Franz Molnai liäis lihn iiilni Ssriiner IDeaier Oönhofl 170 <.8 Uhr Ende II" Seltsames Zwlsflienssilel OperettenhaDS Alte Jabobstr. 20/32 ( Zentral'Theater) Täglich 8-/4 Uhr Der Soldat der Marie (iusiar Matrner, Don Urach. Erich Borchert, der König des Jiiz. Met 1 WutEDi Täglich 8U. Uhr: Höfel Slam Lemberg Musik von Gilbert KAihe Oorscfa Leo Sdhfiizendorf Wallne " Wallnarl ir-Tlieater WallinrthuhntnhlS. Alex. 4.892. Täglich SVi Uhr Revolte Im Erziehungshaus. Kleines Theat. Merkur 1624 räglich 8-/4 Uhr Max Adalbert m Das Parntm meiner Frap Lustep v. Leo Lenz Metropoi-Tb. 8-/4 Uhr Das Land des Lletaelns Vera Schwarz. Richard Tanker Musik von Franz Lebär, Renaissance-Theater Täglich 8-/4 Uhr PARISER LEBEN Oparette von Offenbach. Regie: Gustav Härtung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. — Steinelatz C I. 0301 0. 2983/84.— 78831. 3. Rottt.Tar Kottb, Sir. 6 Tägl. 8 Uhj auchSonnt. nachm. 3 U.; i eilte» Skngei lanuar- Programm Lacbschlager Ole Boxe der Pandoro. Pianetarlom »am am Zoe■! firliei..'«diimtttale Slnli B.ä Barbarossa 9878 16-/4 Uhr Diu Wintar- tlernbllder 18- 4 Uhr Our Flauet Jupiter. 20-/4 Uh' MerkwOrdlge 3 erno(Hicu liiwiqel Eintritt l Mark. Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise ■ wo«peist man gm und billig r Nur fiross- Berlin AlmacandTplat« Fheater I. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926 927 8-/« Uhr ... Vsterseitt.dsflMDselir Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr-) »v.uhr CASINO-THEATER Lothringer Sirahe 37 Nur noch wenige Auiführungenl Familie Hannemann BBd du neue Junaar. Programm I Jutschctn tür 1—4 Personen Fauteull nur 1�5 M� SessN 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0l80 M Reichshallen-Theater Abends GlI sonn ag nadim. dl Das grobe lanuar-Progr. ner Slemner- sanger BillftOmtzlingiii Zratno II 2£3 Oönhoff-Brottl; 'NDI 935 PamOlen-VarUM 18 llannnem, Konzen. Tanz üaraowsky-äBhnen Itieatur n eui Clnigprätzar Stn e Täglich 8-» Uht Die erste mrs. selby mit fisxzj massarv Komödlanhaus tlülich m Uhr Oer LQcmer und d.e Nonne mit CUPt BötZ ■yütORDwiLT? U-Balu flenn annplah tnold StfloU' Hasenhetle 108 14 1 PMWV Zu noch nie»MH dagewesenen Preisen bringe« wir Stores, eardinsn BettdecKen KOnstier-Oardinen in besteo Qualitäten von...... 2.25 an Halbstores jn allen U'ebe- a'ten vpn Bettdecken von Dekorstio .- 1,75, ........?»>„ vekotationsstolle von... 3.—, Ernzelverkaul von 9—7 Uhr Zjiezizj-liäi'lliiien.WMM 8. Itrutzer. NenltSIlv. De- g-Strahe A7 2. Stock am Ringbahnhof ■(ein Laden! Berliner Hllk-TrlO Maukölln. W Labnitr 74 78 3 Es ist ersdüenen: Der sozialdemokratische AbreißkalenderlSSO Eli'etagi Grosses Bochbierlest in den bayr. Alpen [ 7 Rapeto.— Km MuintuiMa.— SB luzmdu BadliL j Dannsretag: 6r. ScöwelneschlacWen. Pinla« 6 Uhr. In KopferfieMrndc herpesfeül. 768 Seiten Mark. Er bringt liistorisdje Daten aus der Ar- beiterbewegunf.as rönomisdie .Angaben(bonnenaut- u. hinter- e8n?e. Mondphasen, Plam tea- bewegung usw.). Gute Bilder beleben den Kalender, so dait er in jedem Haushalt, in jedem Büro eine Zierde darstellt Der palender kostet 2- R.i. Zu beziehen durch dieBoteufranen und Ausgabestellen des„Vorwärts" 2,0 wie direkt vom Verlag. föefVage Mütwodi, S. Januar 1930 SwAbniD . Shniau±aa&- J** Änbeifer ohne Arbeit derf Wr�ejyb�I&reiM ZAährend die Arbeitslosigkelt m erschreck eirdem Maße wächst, verknappen sich die Mittel, die Arbestsbeschafsung ermöglichen lvnnten. immer mehr. Die Angriffe der Soziolreaktisn gegen die Crwerbslofsnuntcrftütznng sind zwar vorläufig abgeschlagen, ober niemand, der mit dem Elend der Erwerbslosen onch nur flüchtig in Berührung gekommen ist. wird leugnen, daß die Erwerbslosen- Unterstützung den Arbeitslosen und seine Familie vor mehr als dem Verhungern schützt. Ueber 2 Millionen Erwerbsloserl Wer wollte behaupten, daß die menschliche Gesellschaft, die Volksgemeinschaft. ihnen gegenüber ihre Pflicht erfüllt hat, wenn sie ihnen mit Ach und Kroch ein paar Pfennige bewilligt hat, die zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel sind? In der Reichsversasiung wird fedem Volksgenossen dos Recht auf Arbeit verbürgt Daraus ergibt sich für die Volksgemeinschaft die Pflicht, für den schuldlos außer Arbeit Stehenden zu sorgen. Diese Verpflichtung, die auch eine moralische ist, kann mit der staatlichen Erwerbslosen- Unterstützung nicht erschöpft sein. Aber wie helfen? Das ist die Frage, die hier zur Dis- kussion gestellt werden soll. Die chils« müßte zu gleicher Isit eine praktische und eine seelische sein(die seelische Zermllrbung des Er- werbslossn und seiner Familie ist ja keine geringere Qual als die körperliche). Umschulung, produktive Fürsorge, Weiterbildung lugendlicher Erwerbsloser— das sind Anfänge, sehr magere An- fange und Anfänge voller Problematik. Läßt sich darüber hinaus nicht noch etwas tun? Können sich die Erwerbs- lmen nicht selbst helfen? Es wäre zum Beispiel denkbar, daß sich die Erwerbslosen bezirksweise zu produktiven Kooperativen zusammenschlössen, daß die Schneider, Schuster und welches Hand- werk es immer sei, ihre eigenen Werkstätten aufmachten, um, wo Rot am Mann ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Es wäre denk- bar, daß der erwerbslose Junglehrer, der erwerbslose Künstler, der erwerbslos« Gelehrte innerhalb dieser Wcrkgemeinschaft Arbeitsloser einen Kreis bildet, dem er sein Wissen in lebendiger Arbeitsgemein- schast wsitervermittelt. Mit einem Artikel, der die Situation beleuchtet(ein zweiter über die der Erwerbslosigkeit dienenden öffentlichen Institute wird folgen) eröffnen wir die Diskussion, an der sich zu beteiligen jedem, der zur Klärung beitragen oder praktische Vorfchläge machen zu können glaubt, freisteht. rtns große£os. Ende Roventber 1029 waren 2 100-910 Arbeitsuchende bei den öffentlichen Arboitsnachwciscn in Deujschsmrd eingetragen. 2 100 910, die immer wieder die Arbeitsämter belagerten und auf das groß« Los warteten, das Arbeit heißt. Denn ist eine 'Arbeitsstelle hier etwas anderes, als das große Los? Für diese 2 100 910 Arbeitsuchende waren genau 11 977 offene'Arbeitsstellen angeboten: es kam auf l47 Arbeitsuchende einc Arbeitsstelle. Ein Maschinenschlosser war unter die Röder geraten. Ein Arm war ihm abgerissen worden. Die Stelle eines Maschinen- jchlosscrs war vakant. E i n e r zog das große Los. Und 146 zogen wieder heim, den Racken noch tiefer gebeugt. Ein Kellner war ins Krankenliaus geschafft worden: kam- pliziertcr Oberschcnkelbruch. E i n Ersatzmani, wurde ocrlonat. Und 146 gingen heim, wieder um eine Hoffnung ärmer. Eine?ln gestellte wurde für das Weihnachtsgeschäft von einer Sllßwarenhandstmg verlangt. Eine'. Aber 146 gingen fröstelnd in ehren ungefütterten Wintermänteln zurück in die um- geheizte Stube, mit dünnem Lächeln und scheuem Blick. M o r- gen...? Und die Flut der Arbeitsuchenden steigt. 2 100910 waren es Ende November. Zweieinhalb Millionen zwischen Weihnachken und Neujahr. Und die Flut schwillt weiter an. Was geschieht, um sie einzudämmen? Der.Ma- pisirat hat beschlossen, alle Bauten, auch wenn sie begonnen sind, einzustellen, sofern ihr« Fei-tigstcllung größere Summen erfordert. So sollen allein in Berlin 200 Millionen„eingespart" werden. Denn Herr Schacht hat seine fixe Idee, wie die Wirtschaft saniert werden muß. Untergrundbahn, Schulbauten, Badeanstalten sind Luxus. Kraftwerke müssen aus„laufenden" Einnahmen ge- baut werden. Kein« Anleihe mehr! Hinaus mit den Tarisen! Sparen! Stillegung der Bauten! Keine Winterbeihilfe für Arbeits- lose! Herr Schacht befiehlt, der Oberpräsrdent verordnet, der Mo- gistrat„beschließt". Und die Regierung? Und die O e f f e n t- lichkeit? Und die Wirtschaftsführcr? 3)er fflerr Direktor. Zwei Mammutbanken fusionierten sich. Resultat: 8000 An- gestellte sollten entlassen werden. In der Generalversammlung, die die Fusion beschließt, beantragt der Vertreter des Allgemeinen Vor- b arides der Bcmkan gestellten, die Arbeitszeit zu verkur-� ze». um die Entlassungen überflüssig zu machen. Er beantrag!. da doch gespart werden soll, die Einkünflr oer Direk- Loren auf 120 000 Mark jährlich zu begrenzen. 120 000 Mark im Jahr, 10 000 Mark im Monat, 833 Mark jeden Tag. Jeden Tag soviel wie ein„gutbezahster", verheirateter Bank-' angestellter für den ganzen Monat bekommt. Wenn er Arbeil Hot, das heißt, wenn er außer den acht Stunden normaler Arbestszeit zwei, drei, vier Ueberftunden. zweimal acht Stunden in«wem Tag« machen muß. wenn die Börscnoiiftrngc drängen, wenn Ultima kommt, wenn verdient wird. Mit einer überlegenen Geste wird der Vertreter der Angestellten abgefertigt. Wie kann man au 6, van einem Bankdirektor vor- langen, sich mit 10 000 Mark im Monal zu bescheiden. da sein Einkommen das Fünf- bis Zehnfache beträgt? Im übrigen will man für die Eistlassenen etwas tun. Man wird ein Rund- schreiben an andere Firmen erlassen, auf daß diese die Entlossencn berücksichtigen... Aber die anderen Firmen entlassen auch! Nun, das ist gewiß bedauerlich. Aber die Not der Wirtschaft... Und im übrigen werden ja auch„Abfindungen" gezahlt: 500 Mark, 1000 Mark und selbst noch mehr. Das Reichsorbeitsnünisterium hat vor Iahren eine Einrich- tung geschaffen für ältere, arbeitslose Angestellte. Gegen 5 Prozent Zinsen, Bürgschaft, Rückzahlungspflicht usw. kann man 1000 oder 2000 Mark geliehen bekommen, um sich selbständig zu machen. Wahrscheinlich ging man dabei von dem Gcdanten aus, daß der Kleinhandel noch nicht genügend übersetzt ist.- Van hundert älteren arbeitslosen Angestellten zieht einer diesen„Trcs- fer". Und die anderen neunundneunzig? Ja, wenn es noch ein Direktor wäre, wie scner, der einc bekannte Textilfirma in den Konkurs wirtschaftete und dafür die bescheidene Abfindungssumme von 2 40 000 Mark bekam. Di« freien Gewerkschaften haben in Berlin allein an ihre arbeitslosen Mitglieder als Sondervnterstützung für Weih- nachten rund 500 000 Mark verteilt. Die Bankongestelsten, diese elend bezahlten Stehkragenproletarier, haben, soweit sie frei- gewerkschaftlich organisiert sind, für ihre arbeitslosen Kollegen ge- sammelt, so daß jeder Arbjsttslofe zu Weihnachten eine Sonderunter- stützung von 30 bis 150 Mark bekam. Die Direktoren der Mamnnit- danken hingegen verschicken ein cmpschlendcs Rundschreiben, der Rcichsbankdirektor sperrt die Auslandskredite, auf daß die Finanzen saniert werden durch Einsparungen... Und mit dem Heer der Arbeitslosen schwillt die Verzweiflung! t's gcfchiehl manches... Gewiß, es geschieht manches für die Arbeitslosen. Die Wirt- schastssührer, die einen Menschen nicht für ganz normal halten, wenn er von ihnen verlangt, sie sollten im Interesse der Masse der Arbeiter ihr Jahreseinkommen auf 120.000 Mark beschränken, die- selben Wirtschaftssührer verlangten den Abbau der Arbeits- 1 o s e n v e r si ch e fini g! Nur wer nicht oder ganz selten arbeitslos ist, soll Anrecht aus auskömmliche Unterstützung haben. Je mehr einer arbeitslos ist, desto weniger soll er bekommen. Wer, statt Bankdirektor oder Direktor einer Industrie- A.-G.. Maurer, Zimmermann oder Pflasterer wurde, der sollte wegen zu häusiger Arbeitslosigkeit überhaupt nichts bekommen. Das waren— unib sind— die F o r d c ru n g e n der Wirtschaftsführcr zur Beseitigung der Arbeitslosigkest. Immerhin, den Gefallen hat ihnen der Reichstag nicht getan. Und als dis Flut der Arbeitslosen zum Herbst anschwoll und die Reichsanstalt an den leeren Reichssäckol um Vorschuß appellierte, kamen unsere Wirtschaftssührer wieder mit ihrem Allheilmittel: 'Abbau der Unterstützungen. Der Reichstag hat statt dessen die Bei> träge erhöht.'Zwischendurch muß wieder das Reich einspringen. Für die Ausgesteuerten, die mehr als 26 Wackzen lang Unterstützung bezogen, gibt es— unter gewissen Voraussetzungen— die Krisenfürsorge aus ösfentliäfen Mitteln. Und wer auch da ausgesteuert ist oder die Bedingungen der Krisen- sürsorge nicht erfüllt, oder wer nicht 26 Wochen lang gearbeitet und Beiträge gezahlt Hot che er arbeitslos wurde, wird von. der Wohl- fohrts pflege unterstützt. Natürlich auch nur unter ganz bestimmten Voraussetzfingcn. Und wer gewerkschaftlich organisiert ist, bekommt außerdem die Artz�itslosenunicrstütznng seiner Gcwcrk- schast. ... aber! Das ist alles gut»nd schön. Aber diese Unterstützungen schützen den Arbeitslosen wohl vor dem akuten Verhungern, nicht vor der Verelendung. Am wenigsten schützen sie ihn vor dem m o- ralischen Elend, das abgenutzte Kleider und Schuhe, brüchige Wäsche erzeugen, die nicht ersetzt werden können, weil die Unter- stützungssätze dazu nicht ausreichen. Gewiß, in den schlimmsten Fällen greift das Wolflsahrtsamt ein. Aber nur in den f ch l i m m- stcn, i» den scheinbar schlimmsten Fällen. Denn was ist ein kaufmännischer Angestellter ohne einen guten und gutsitzenden Anzug, ohne einen weißen Kragen und ungeflickten Schuhe? Was ist«in Kellner ohne Gentlemankluft als Arbeits- anzug? Was ist eine Verkäuferin ohne Scidenstrümpse, dauer- gewelltes Haar und Modeschuhc? An«i was Ijfl ein Jlngeftelller, der US Sahre und dai-übcr all und arbeitslos ifl? Soviel Briefpapier gibt es gar nicht, das er mit Bewerbimgs- schreiben nebst Zeugnisabschriften beschreiben könnte, ohne jemals einen günstigen Bescheid zu bekommen. Mit 45 Jahren laugt man noch zum Bank�irektor. zum Aussichlsrolsvorstheoden, zum mehr- und vielfachen Vorstandsmitglied großer Industrie- und handele- konzerne. mit einem Wort zum Wirllchastssührer(mau kann dabei sogar sehr all und verlrottelL werden), abe-- nicht wehr zum Buch- Halter. Sorrespoadenlen. Expedienten usw. Dann bekommt man die Bewerbungsschreiben— wenn überhaupt—„mit Bedauern" zurück.-, Wag geschieht für dies« Abgestoßenen, Ausgestoßenen? Der Reichstag hat«in Gesetz erlassen, das, wie alle Gesetze, unvollkommen ist. Dieses Gesetz bestimmt, daß alle Angestellten, die arbeitslos mid über 60 Jahre alt sind, losern sie 60 Monat« (statt bisher 120) Beiträge gezahlt hoben,'Anspruch haben aus I n- validenunterslützung. Ein anderes Gesetz stellt die älteren Angestellten unter einen erhöhten Kündigungsschutz. Aber es gibt Zehntausend« zwischen 40 und 60 Iahren, die fast hoffnungslos ans der Straße liegen. Die Rotionoli» sicrung hat sie„ausgekämmt", die Dampfwalze der Uenemimdeir hat sie erdrückt. Heberhaupl die Heber Hunden! Sie sind dos bequemste Aushilfsmittel für Betriebsleiter. „Grundsätzlich" haben wir in Industrie und Handel die Achtnnd- Vierzigstundenwoche. Die Praxis, besonders bei den Angestellten, sieht aber anders aus. Und nicht nur das. Die Intenswierung der Arbest erfordert eine erhöhte Freizeit. Wie steht es aber mit den Ferien? Der Arbeiter, der Angestellte würde mit 50 und 60 Iahren sicher noch ebenso leistungsfähig fein wie der Betriebsleiter, wenn auch er. wie dieser, Jahr für Jahr auf einige Wochen ausspamie» könitte. Da gäbe es Arbeit für Aushilfen und weniger Verzweiflung der Alten. Die Behörden sollen laut ministeriellem Rundschreiben diese älteren?lii gestellten vorzugsweise einstellen. In der Praxis aber blüht dos Ilebcrstundcnschinden gerade bei Behörden. Bei der R e i chs b o h n gibt es Dieustschichtcn von 14 und 16 Stunden. Bei der R c i ch s p o st sieht es nicht viel besser aus. Bei den Finanzämtern müssen die Angestellten noch Arbest mst heim nehmen. Und da, wo die Frage für die Arbeitslosen der eigentliche Daseinszweck ist, bei den Arbeitsämtern, hören die Ueber- stunden nicht mehr auf. Heißt das wirtschaften, heißt das sparen, wenn man Menschen so auspumpt, daß sie mst vierzig oder fünfzig Iahren verbraucht sind, wenn man Ueberstiinden über Ueberftunden anordnet, genehmigt, um dann jahran-, jahrein Milliarden an Brotlose, Ver- zwcisette zu zahlen in Form von Arbeitslosen-, Krisen- und Wohl- fahrtsuntcrstützung? Und dann die fugend! Und die Arbeitslosigkeit der Jugend? Da? ist ein langes, schmerzvoUcs Kapüel voll sozialer Abgründe. In den ganz großen Städten, in den Jndustrstzentren versuckt man es mst der Umschulung und Fortbildung, damit diese wie keine on- lere gefährdete Jugend von der Straße wegkommt, nicht aus?ll'- wegc gerät. Immer wieder liest mm mit Staunen und Schaudern, laß Sechzehn- bis Zwanzigjährige R a u b ii b e r sä l! e ausführen. . Wie fall man aber umschulen in einem. Bezirk, wo die Berufs- mahl auf«inen Beruf, vielleicht auf zwei oder drei beschränkt ist?-' Denn die Wohmmgsnot hat praktisch die Freizügigkeit— besonders der Verheirateten— aufgehoben. Wohnungsnot und Stillegung der Bauten! Wahnungsnot, während selbst im Hochsammer von 100 Bauarbeitern zehn orbests- los sind. Wohnungsnot, während der preußische Wohlsahrts- minister den für Minderbemittelte bauenden gemeinnützigen Bau- g-iellschasten da? Bauen erschwert, unter dem Barwand einer er- höhten Kapitalsichcrheit.(Was nicht ein Mittel zur Verhindcrunz der Bankenziisammcnbrüchc ist.) Gesunde Finanzen sind die Voraussetzung jeder Sozialpolitik. Wenn die Gegner der Sozialpolitik noch dem Steucrobbou schreien, so lzat das seinen guten Grund. Steuerabbau bedeutet Abbau der Sozialpolitik, bedeutet Einstellung des Wohnungsbaues, bedeutet Abbau der öffentlichen Wirtichaf'. Für die Regelung des Arbeitsmarktes ist eine starke öffentlichc Wirtschait ein natweridiger Regulator. Die öifentlichc Wirtschaft ist äut den öifentlichen Bedarf eingestellr. Sie kennt also nicht diese Lohnschwankiingcn der Priyat- wirtschost. die aus den Pront eingestellt ist! Wer eine gesunde Arbcitsmarllpolitik treiben will, muß also in erster Linie ciistreien für die Stärkung der öffentlichen Finanzen. Wir hoben in diesem Jahr einen selten milden Winter. Wie haben außerhalb Deutschlands einc gute Wirtschaitskonjunktur, die den deutschen Export begünstigt. W-r haben traizdcm ein« katastrophale Lage aus dem Arbeitsmarkt. Wir haben jetzt in Berlin eine stärkere Arbeitslosigkeit, als wir sie vorigen Winter hotten, der an Strenge alles übertraf, was man seit Menschengedenken kannte. Diese Arbcitslasenkatastrophe ist einzig die Folge der ö s s e n t l i ch e n F i n a n z in i s e r e. Ohne die zwangsweise Einstellung der öfsentlichen Bauten und Zlrbcttcn der Stadt Berlin, ohne die Verknappung der Kredite, ohne die Unterbindung der Zlnleihe wären heute in Berlin nicht nur die Zlrbeiter beschäftigt, die direkt on den Bauten bciciligt sind. Diese Arbeiter würden als kaufkräftiges Publikum auf den Arbeitsmarkt belebend zurückwirten. Di? Ersparnisse, die man mit der Stillegung der Bauten zu machen glaubt, sind auch, rein volkswirtschaftlich gesehen, in Wirklichkeit eine Verschwendungs- Politik. Es ist einc unerträgliche Verschwendung nicht nur mit den östentlichen Finanzen, sondern vpr allem mit dem Schlcksal und dem Glück der Menschen. Eine gesunde Nationalökonomie ist immer gegründet ans einer gesunden Menschenökono-mie. tlnas mehr fosEiales Verfliindnis? Wie oft ist diese Forderung erhoben worden! Wie oft standen beredte Prediger in der Wüste auf und ermahnten alle, die es an- ging, sich ihrer Wichten gegenüber der Allgemeinheit bewußt»u sein. Das Resultat: Zweieinhalb Millionen Arbeitsuchender, derart niedrige Löhn« und Gehälter, dqß die Frauen, junge und alt«, kinderlose und kinderreiche, zur Erwerbsarbeit gezwungen sind und daß Hunderttausende als„Doppelverdiener"— die ja zu allermesst nur H a l b p e r d i e n e r sind— anderen das Brot w-'g> nehmen. Mst Ermahnungen sst es nicht getan. Manches ist geschaffen worden. Es ist unvollkommen, ungewlgend. Sonst wäre die Riesen» not der Arbeitslosen nicht zu ihren heutigen Dimensionen ange- wachsen. �s. Steincr-JniÜen, iwm (6. Fortsetzung.) 83. Bild: Die Fähr« auf der«ine Laterne brennt, in Fahrt über dem nächtlichen Wasser. überblenden; 81 Bild: SSluf der Fähr«, im Licht der Laterne. Drei alte Weiber und Höfer werden von dem Fährmann Übergesetzt. Di« Weiber sitzen auf der Bant. Höfer geht in großer Unruhe und Ungeduld auf und ab: es geht ihm zu langsam. Der Alt« zuckt plötzlich, während er di« Fähr« bedient, schmerzhaft zusammen, ist nicht mehr imstande, sein« Arbeit zu verrichten. Höser übernimmt die Arbeit. SS. Bild: Das andere Ufer. Die Fähr« stößt ans Ufer. Der Fährmann, der zusammengekrümmt dahockt. bedeutet Höfer, er möge das Fährgeld für ihn«insammelit. Höfcr nimmt die schon bereitgehaltenen Groschen den Weibern ab, legt sie dem Fährmann in die Hand. Der Fährmann gibt ihm davon einen Groschen zurück. Höfer behält ihn in der Hand, rast von der Fähre herunter und verschwindet im Dunkeln. SS. Bild: Das Innere eines kleinen K ol on i a l w a r e n lad e n s in der Bor st ad t. Aus dem Ladentisch hockt eine Katze und putzt sich. Hinter dem Ladentisch hockt eine strickende Alt«. .Herein stürzt Höfer, den Groschen vorgehalten, schreit: ,Ocir Die Katz- saust vom Ladentisch herunter. Die Alte blickt gemütlich auf: st« hat Zeit. Höfcr knallt seinen Groschen aus den Tisch, packt eine von den kleinen Oelflaschen, die auf dem Ladentisch stehen, und stürzt wieder hinaus. Das verdutzte Gesicht der Alten, die reglos wie ein« Erzstotu« einer Strumpfstrickerin dasitzt. Di« Katze springt wieder auf den Ladentisch. 8 7. Bild: Arbeitszimmer In der P r i v at w o h n u n g des I u st I z r a t s. aufblenden; Der Rechtsanwalt klappt einen Akt zu', steht auf. Der Anwalt der Familie von Holl. Dem Anwalt gegenüber, zerlumpt wie früher, sitzt der Baron, der sich gleichfalls erhebt. Der Anwalt geht auf ihn zu, reicht ihm die Hand zum Abschied und sagt dabei lächelnd: „Ihr Erbrecht ist unanfechtbar. Sie sind ein reicher Mann." Cr geleitet ihn zur Tür. 8«. Bild: 2 m Stall. Marie, am Boden sitzend, gießt Oel aus der Flasche in ihre Hand- fläche, zieht den Rockrand so hoch wie möglich und streicht das Oel mit größter Vorsicht Über die Brandwund« auf ihrem Oberschenkel. 89. Bild:' 2m P l a tz w i r t. Voller Abendbetrieb. 2n einer Eck«, abseits, steht Höfer bei einem etwas besser geklei- deten, verdächtig aussehenden Individuum, das den steifen Hut im Nacken sitzen hat, und zeigt ihm den Ring. Der Mann wirst einen Blick in» Lokal, dann lehnt er brüsk den Kauf ab. Der Apparat wawdert zu einem unauffällig dasitzenden Mann, der die Beiden scharf beobachtet, jetzt aufsteht, auf die Verden zugeht. Mit zwei gleichzeitigen Handbewegungen öffnet er den Rockauf- schlag, zeigt seine Kriminalmarke und hebt mit der anderen Hand den Revolver. Höfer erstarrt und läßt sich wehrlos die Handfesieln anlegen und abführen. 90. Bild: Zell«. Nacht. Der Mörder wird von zwei Wärtern gestsielt und abgeführt. 91. Bild: Beim Untersuch ungsrichter. Nacht. Höfer wird vernommen. Der Beamte spricht«indringlich auf ihn ein. Höser gibt keine Antwort. Daraus sagt der Beamte: „Aber Sit müssen mir doch sagen können, wer Ihnen den Ring gegeben half" Höfer schüttelt den Kopf. Der Untersuchungsrichter sielst ihn mit triinnphierendem Lächeln on, droht ihm mit dem Zeigefinger, als sagt« er: Dir werden wir schon hinter die Schliche kommen. In diesem Moment wird der Mörder zur Konfrontation herein- gefühn Wenn der Mörder Höfer erblickt, überlegt»r und«rzieht ganz kurz den Mund zu einem rachsüchtigen Lächeln. Jetzt deutet der Untersuchungsrichter auf Hßfer und fragt ihn: „Kennen Sie diesen Mann?" Der Mörder sieht Höfer an und bejaht. Höfcr steht ganz ruhig, unzugänglich da, erstschlpsien, Marie nicht zu belasten. Der Richter hebt den Ring hoch und fragt den Mörder: „Haben Sie ihm den Ring gegeben?" Der Mörder winkt mit dem Kopf seitswärts aus Höfer zu und sagt pclasien: „Natürlich! Er und ich— wir haben ja die ganze Sache zusammen gemacht!" Der Untersuchungsrichter lehnt sich triumphierend zurück. Sein Mund öffnet sich, als sagte er: aha! So ist die Sache! Höfer steht mit gesenktem Kopf. Der Untersuchungsrichter schaukelt sich wieder vor, gibt dem Proto- tollführer das Zeichen zum Diktat, beginnt zu diktieren. Der Schreiber beginnt zu schreiben. abblenden. 92. Bild: Bor der Tiergartenvillo der Familie von Holl. Tag. Der zerlumpte Baron geht durch den Borgarten und läutet. Em livrierter junger Diener steckt den Kopf zur Haustür heraus, macht ein« unwirsche, abweisende Handbewegung, will die Tür schließen. Der Baron klemmt den Fuß dazwischen. Wütend reißt der Diener die Tür ganz auf, will dem Baron an den Kragen gehen. Da kommt ein allersgelieugter, weißhaariger Diener dazu, der den Baron erkennt, ihm in großer Freude di« Hand küßt. Der Baron, sehr gerührt, tätschelt dem Alten den Rücken und wird unter dem maßlosen Erstaunen des Dieners ins Innere geleitet. 93. Bild: Empsangsraum in der Villa. Der Baron kommt mit dcm alten Diener herein, deutet lächelnd an sich herunter auf feine Lumpen. Der Diener weist in großer Freude diensteifrig nach rückwärts und geht mit ihm in dieser Richtung ob. abblenden. 9 4. Bild: Herren-Ankleidczimmer. aufblenden; Der Diener legt aus den geöffneten Schränken Leibwäsche und«inen Anzug zurecht, klopft horchend on eine Tür. 95. Bild: Badezimmer. Der Baron in der Badewanne, beide Hände wühlen im Haar, das voll Seifenschaum ist. Er wendet froh lächelnd den Kopf zur Tür. Di« Tür wird ein wenig geöfsnet und die Hand des Dieners legt Wäsche auf den Stuhl neben der Tür. abblenden, 96. Bild: Offener Warteraum im Gerichtsgebäude Moabit. Mari« kommt zu dem Diener, sagt gelösten und ruhig: „Ich möchte den Untersuchungsrichter sprechen. Ich habe eine Aussage zu machen!" Der Amtsdiener sieht an ihrem zerschlissenen und verbrannten Kleid herunter, trotzt sich gutmütig am Hinterkopf, zweiselnd, ob er ei.ie so heruntergekommene Person in diesem Aufzug vorführen kann. Dann entschließt er sich und geht in den Korridor, auf ein« der Türen zu. 97. Bild: Dag Zimmer des Untersuchungsrichters. Dem Untersuchungsrichter gegenüber sitzt der Baron in einem ele- ganten Cut(nicht komisch elegant, sondern wirklich dezent und sehr gut angezogen). Der Amtsdiener meldet Marie. Der Baron horcht auf. Er deutet dem Richter an, daß er Mario kennt. Der Richter läßt Marie hereinkommen. Der Diener geht ab. Der Richter spricht ein paar Worte zum Baron, als ob er sich über Marie rasch orientreren würde- Der Baron schüttelt auf eine Frage ablehnend den Kopf, er ist offenbar anderir Meinung als der Richter. Worauf der Richter ungläubig den Kopf schüttelt. Marie wird hereingeführt. Der Baron steht aus, streckt ihr die Hand entgegen, die Mari«, ohne über di« Verwandlung de» Barons erstaunt zu sein, ruhig und ge- lasten nimmt. Marie setzt sich auf den Stuhl, auf dem der Baron gescsten hat, und beginnt nach Aufforderung des Richters zu erzählen(nicht ein- dringlich, sondern ganz ruhig und gelassen): .Jiöler ist unschuldig..." Der Baron, der auf einem Stuhl on der Wand sitzt, beugt sich interessiert vor und hört ernst und aufmerksam zu. Der Kopf Maries. Sie erzählt weiter. Der Richter, der ohne Stellungnahme zuhört. Marie beendet ihre Aussage: „... und am Morgen fand ich den Ring im Stroh." Skeptisches Lächeln des Richters: er glaubt ihr nicht. Der Blick des Barons geht vom Richter zu Marie und wieder auf den Richter zurück. Er erhebt sich halb vom Stuhl und will, hilfs- bereit, etwas zugunsten der Giaubwürdigkeil Maries sagen. Aber der Richter streckt abwehrend die Hand aus. Marie fragt: ,Xann ich Höfer sprechen?" Der Untersuchungsrichter macht eine loyal zustimmende Bewegung und spricht ms Telephon. 98. Bild: Hösers Zell«. Höfer sitzt, schwer bedrückt, vollkommen reglos. Auch beim Eintritt des Wärters, der ihn abholt, schaut er nicht einmal auf. Der Wärter mutz ihn leicht an der Schulter schütteln. Auch setzt schrickt er nicht empor, sondern erhebt sich mit demselben Gesichts- ausdruck und geht vor dem Wärter aus der Zelle. (Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". cnniiniiiiiiiiniiiniiiiiiiiiKiiiininuininiiinmiiiuinaiimRtnN Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Angehöriger eines germanischen Stammes; 4. Vogel; 7. Werkzeug: 9. Vogel; 11. Rordseeinsel; 13 Schwär« öHttvoeb. 8. Januar., B« c l I n. 16.05 Theodor Kappstein: f. C. LauckharcU, der Bummclmajlster. 16.30 Hfirspiel vom braven Kasperl and dem schonen Annerl nach Clemens Brentano von Wolleane Hoffmann-Harnisch. 17.30 Unterhaltungsmusik. 15.30 Oartendirektor Ludwig Lessar: Oesprhcb mit einem Gartenfreund. 19,00 Original Tagernseer Tflo. 19 30 Ed. Heilfron; Rechtsfragen des Tages. 30.00 Sendespiele:„Idomenco". Oper von Mozart virig: Qeoeraimasikdlrek- tor Prof. Bruno Walter. stach dee Abendmeldnngen; Trocken-Sfci-Uebangen. AnachlleÜend: Sportnachrichten. Anspbiietend bis 0.30; Tanzmusik. Kanlgswnsterhaasen. 16.00 Prof. End Eader: Richtiges Sehen der Landschaft. 1630 stachmittagskoDzect von Hamburg. 1730 Stembard, Prag: Andreas Hammersebmldt. 18.00 Dr. Arthur Dir: Afrika im Weltverkehr. 18.30 Spanisch für Anfinger. 18.35 Dr. Jahnke: Gutes Deutsch. 30-00 Programm der Aktuellen Abteilung. 30.30 Ven Köln: Abendmusik. 21.00 Von Köln: Der heitere Mittwoch:„Hinterm Kachelofen". uawimiingiimminniuniimiiiimiuninnmiiimHUumnimimininnimtraiinnimnnii» merei; 15. Stadt in Sachsen; 17. griechische Göttin: 19 weiblicher Vorname; 21. Fächergestell: 24. Dickhäuter; 28. Stadt am Brenner; 29. Fisch; 21. Stadt in Schleswig-Holstein; 32. weiblicher Vorname; 35. deutscher Dichter; 39. tierisches Fett; 40. Frauengestalt aus Peer Gynt; 41. Stadl in Afrika; 42. Maß.— Senkrecht: 1, Wüste; 2. Fluß; 3. weiblicher Vorname; 4. Nahrungsmittel: 5. weiblicher Vorname; 6. Blum«; 8. Fluh im Harz; 10. Hafen auf den Samoa- inseln; 12. Tierwohming; 14. Eingang: 16 Teil des Schiffes; 18. Ostseeinsel; 20. römische Göttin; 22. germanischer Gott; 23. weiblicher Vorname; 25. Nebenfluß des Rheins; 26. Note; 27. Bereich- nung: 28. spanischer Feldherr; 30. griechische Sagengestall; 32. Aus- drucksform: 33. Fluß in Italien; 34. weiblicher Vorname; 38. Vogel; 37. Haustier; 38. Vortrag. Z. Scharade. Die ersten haben einen Bart, Doch wird er nie geschoren. Was man mit diesem Bart verwahrt, Das geht nicht leicht verloren. Die letzten nimmt im Wein man wahr! Wenn's gill, sich fein zu zeigen. So sprechen wir durch dieses Paar Mit höflichem Verneigen. Zieht neu ins Land der Frühfing ein, So sehn wir auf den Wiesen, Geküßt vom goldenen Sonnenschein, Gins, zwei, drei, vier ersprießen. Silbenrätsel. Aus den nachstehenden Silben sind 17 Wörter zu bilden, welche bedeuten: 1. Clastlsches Gewebe; 2. Ausweispapier; 3. Ausdruck sür Morgenland: 4. Stadt in Serbien; 5. Biblische Figur: 6. Titel; V.Einlagearbeit; 8. Strafpredigt; 9 Betäubung; 10. Bekanntsr Geigenbauer; 11. Edelpilz: 12. Blume; 13. Frucht; 14. Wort sür Süßigkeit; 15. Schmalz: 16. Rentenempfänger; 17. Vogel.— Die Silben lauten: a band bee cel cham de di««l eist erd ex fest gall gum hy ik in se ko lenz li mi mo mu naib nar nä ne ö paß pi pig ro re rei rei ri ri sa sa se f« se siel stra sche schw:. che ti oa va wo zin.— Die Anfangs- und Endbuchstaben der Wörter ergeben von oben nach unten gelesen ein Sprichwort. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Senkrecht: 1. Bug: 2. Krvmmets- vogel; 3. Riesengebirge: 4. Odin; 5. Else; 6 Frau Holle; 8. Rosi- nante; 10. Akkon; 11. Adolf; 12. Dom; 13. Eos; 15 Orb; 21 Iiis; 22. Knie. 27. Reh.— Waagerecht: 2. Kur; 4. Orgie: 6. Fulda; 7. Cller; 9 R mesie; 12. Duke; 14. ein; 15 Odin; 16. Rohkost; 17. Saronn«: 18 Moos; 19. sie; 20. blau; 23 Provinz; 24. Estig: 25. Rinde; 26. Serge; 28. le«. Vielseitig: Taube— taub— tau Au. Buchstabenrätsel: Revue, Leiter. Pforte. Lagune. Zeug. Rubin, Paket, Taug. Stempel. Spatz, Strumpf. Seevilla. Leder, Pailcnt. Tiger. Motor. Rausch, Menage. Silat, Korolle, Remise, Kanone. Maid. Miliz, Lied Gakgen, Leoben, Anfeuchtung, Meter, Leist«. Themse, Brauch. Nacht. Dahme. Reif Ertarr, Barste Lende. Meteor. Celle, Sohle. Pfand. Kairo, Rache. Mahler, Rosten, Dosse. Route.— Vergebens predigt Salomo, die Leute machen? doch nicht so! zJhor/Lno/c//ZLBl Wer ist Amateur? Man schreibt uns: Der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübun- gen hat in seiner Vertreterversammlung einen Ausschuß eingesetzt, der die Redigierung der Bestimmungen für Amaieure zur Aufgab« hatte. Der Ausschuß hat sein« ArbeUen beendet und legt nun einen Entwurf zum deutschen Amateurgesetz vor. Danach gilt als Amateur, wer.Leibesübungen um ihrer selbst willen, aus eigenen Mitteln, ihrer gesundheitlichen und sittlichen Werte halber in ritterlicher Weise treibt". Wie wenig diese Umschreibung den tatsächlichen Verhältnissen »der Bedürfnissen— man kann es nennen wie man will— gerecht wird, sei an einem Beispiel gezeigt. Einer meiner nahen Ver- wandten ist Anwärter auf den Titel eines deutschen Meisters im Eisschnellauf. Dos Training für die Kämpfe um diesen Titel hat mit dem Ringen um gesundheitliche Werte des Sportes nichts mehr zu tun, und auch von sittlichen Werten kann nach meinem Empfinden nicht mehr gesprochen weredn, da sich ja die ganze Sporttätigkeit nur darauf konzentriert, deutscher Meister im Einzelschnellausen zu werden. Ist in diesem Falle— und zahlreiche andere Fälle sind gleich gelagert— der Amateurbegriss noch anzuwenden oder nicht? — Nach den„klaren" Bestimmungen des Entwurfes wcht, denn zu dem Amateurbegriff gehört doch das Ausüben der Sporttätigkeit um seiner gesundheitlichen und sittlichen Werte wegen! Aber auch zu den Berufssportlern oder mit den Worten des Entwurfes zu den „Nichtamateuren" kann man ihn nicht rechnen, denn:„Amateur ist dagegen nicht, wer aus sportlicher Betätigung Bermögensvorteile ziehen will, zieht oder gezogen hat, oder seinen Unterhalt ganz oder teilweise zu schaffen sucht. Als unzulässig wird jeder geld« liche oder wirtschaftliche Vorteil angesehen, aut den der Amateur keinen andersgearteten rechtlichen Anspruch hat." Da weder die Umreißung des Amateurbegriffes noch diejenige des Nichtamateurs in dem geschilderten Falle zutrifft, mutz der Entwurf doch wohl eine Lücke haben. Und diese Lücke ist auch da! Es fehlte die nötige Zivilcourage, um einmal grundsätzlich die Frag« aufzurollen, obderAmateur- sportdasRekordwesen oder-unwesen nochweiter- hin mitmachen soll und darf, wenn er seine auf dem Papier stehend« Ziel« und Ausgaben ernst nehmen will. Wettkämpfe zwischen einzelnen Vereinen sind nötig, das sei gar nicht in Frage gestellt. Sie sind mit den gesundheitlichen und sittlichen Werten des Sportes auch vereinbar. Wie weit es aber das Rekordsystem ist, das auch dem Amateursport seinen Stempel aufgedrückt hat, das zu prüfen, wäre Aufgab« des Redaktionsausschusscs gewesen. Es ist nicht anzunehmen, daß das vergesien wurde, wahrscheinlich wollte sich niemand an diesem heißen Eisen die Finger verbrennen. Und noch ein« Lücke ist da. der Satz:„Als unzulässig wird jeder geld> liche oder wirtschaftlich« Vortell angesehen, auf den der Amateur keinen andersgearteten rechtlichen Anspruch hat." Mir will scheinen, als lieg« darin die Achillesferse des ganzen Entwurfes.„Anders. geartete rechtliche Ansprüche" lasten sich leicht konstruieren, sei es auf dem Weg« Wer«in« Verdienstausfallentschädigung, sei es die Pauschale für Unkostcnerjatz oder eine, andere Formulierung. Das englische olympische Komitee verlangt im Gegensatz zu dieser Zu» stimmung sogar, daß sede Gewährung von Verdienst» ausfall unterbleibt und es wird dadurch den zweifelhasten Bräuchen im Amateurwesen am ehesten beikommen. Auf dem olym» pischen Kongreß im Mai d. I. in Berlin wird diese Frag« von den englischen Delegierten angeschnitten werden, und dann wird wohl auch der Reichsausschuß für Leibesübungen nicht umhin können, stch damit und mit den„andersgearteten rechtlichen Ansprüchen" erneut zu beschästigen._ Doch noch Eis und Schnee! Dculsdic Wintcrkarnpfspielc. Die Wettervevhältniss« im Riesengebirg« sind verhältnismäßig günstig, so daß die 3. deutschen Winterkampfspiele in K r u m m h ü b« l in der Zeit vom 11. bis 19. Januar vor stch gehen rönnen. Die Schneedeck« reicht bis oberhalb Brückenberg, langt also für Skiläufe völlig aus. Das Springen findet an der Koppenschanze statt. Hier ist der sehlende Schnee ergänzt worden. Bob- und Rodelbahn sind bis Krmmnhübel herunter in gutem Zustand«, ledig- lich die Eisfläche an der Talsperre hat durch die starke Sonnen- bestrahlung der legten Tage gelitten. Sollt« diese Eisfläche durch die Nachtfröste nicht mehr in guten Zustand gebracht werden können, so finden die Eishockey- und Eiskunstlaufweitbewerbe ebenfalls auf dem Kleinen Teich statt, auf dem auch die Eisschnelläufen vor- gesehen sind und der zurzeit eine Eisstärke von 33 Zentimeter hat. LuKodeezk-dteutersdiatt.— Spielcintcilang. Um den Titel deutscher Cishockeymsister bewerben sich sechs Mannschaften. Die Kämpfe nehmen am Freitag Im Sportpalast ihren Anfang und werden Sonnabend, Sonntag und Montag fort- gesetzt. Die sechs Mannschaften sind in zwei Gruppen geteilt, in denen jede gegen jeden spielt. Es ergibt sich folgende Spiel- eiateilung: Freitag: Berliner Schlittschuh-Elub gegen Verein für Bewegungsspiele Königsberg und Turn- und Sport- verein Brandenburg gegen Verein für Leibesübungen Rastenburg. Sonnabend: Sportclub Rießerfee gegen Turn- und Sport- verein Brandenburg und Eissporwerein Füssen gegen Derein für Bewegungsspiele Königsberg. Sonntag: Eissportverein Füssen gegen Berliner Schliitschuh-Tlub und Sportclub Rießerfee gegen Verein für Leibesübungen Rastenburg. Am Montag fallen die Entscheidungen. Auf Grund der bei den deutschen Meisterschaften gezeigten Leistungen wird vom Wettspielausschuß des Deutschen Eislaufverbandes die deutsche Nationalmannschaft. die unsere Farben bei der Weltmeisterschaft in Chamonix zu ver- treten hat, aufgestellt. Es ist nicht ausgeschlosien, daß die deutsche Auswahlmannschaft noch vor chrer Wrsis« nach Chamonix gegen die japanischen Eishockeyspieler, die bereits am Sonn- abend vormittag in Berlin eintreffen, antreten werden. kükrertagung Berlin. Als Abschluß der bisher geleisteten Schulungsarbeiten fand in Berlin eine Führertagung der Arbeitersportler statt. In den einlettenden Ausführungen stellte der Vertreter des Kreises Berlin-Brandenburg. R e i che r t- Spandau, die Aufbauarbeit der bisher abgehaltenen Kurse fest und zeigt« die schon begonnen« Aus- Wirkung. In einem inhaltlich hochstehenden Referat schilderte der SanbesjugenbleUcj Drees- Bremen die Erziehungsaufgaben und Arbeiten des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes und gab wertvolle Aufschlüsse und Fingerzeig« für die pädagogischen ArbeUen und stellte die Erfolge sozialistischer Erziehungsarbeit heraus, lieber die Beteiligung der Vereine des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes an staatlichen und behördlichen Veranstaltungen sprach der Bundes- Vorsitzende Geliert- Leipzig. Die lebhaft« Diskussion, die sich daran anschloß, unterstrich die Notwendigkeit der Teilnahme an staat- lichen Veranstaltungen unter Ablehnung jeder Zusammenarbeit mU bürgerlichen Vereinen und Verbänden. Von dem in Köln statt- findenden Bundestag erhofft die Führertagung die endgültige Be- schlußfasiung im Sinne ihrer Auffassung. Artistik nach der Tagesfron. Eine Stunde bei den Krafisportlern. von einem Uebungsabend des Srasksporivsreins „Einig teil 1926", der dem Arbeiter-Athleten-Vund an- geschloffen ist, gibt uns unsere Mitarbeiterin E. k. eine an- schauliche Schilderung. Unsere wackeren Amateure der Matte und des Ringes, die den Sport als ausgleichendes, belebendes Moment ihrer schweren, ewig gleichförmigen Tagesarbeit betreiben, treffen sich zweimal wöchent- li'ch in einer Turnholle zur abendlichen, gemeinsamen Uebungsstund«. In einer Ecke, wohlverpackt, steht die neun Zentner schwere Matte, ein wahres Riesentier.„Alle Mann an Bord", an Seilen wird das Monstrum heruntcrgelaffen, nach der Saalmitte geschleppt und aufgelegt. Jetzt schnell das Arbeitsgewand mit dem Trikot und dem Sportkittel vertauscht und los gehts. Da gibt es gleich drei improvisierte„Bühncnschauen" auf einmal zu sehen. In der einen Ecke macht die Iiu-Jitsu-Mannschast mit ihrem Trainer vorbereitende Freiübungen, nachher die verschiedenen Abwehrgriffe im Verteidi- gungskampf: auf der Matte wird gerungen, wobei sich ein Fünf- zehnjähriger als ganz besonders gewandt und kräftig zeigt: immer wieder gelingt es ihm, sich durch eine geschickte Brücke, durch behenden Stellungswechsel oder blitzschnelle Umdrehung aus den verzwicktesten Situationen zu befreien. Am anderen Ende des Saales werden akrobatische Trickse ausgeprobt, und es wird da wirklich beste artistische Arbeit geleistet: die Kanone, die doppel- fettige Fahne, die Doppellage und wie die verschiedenen akrobatischen Bezeichnungen heißen mögen, erfordern neben einer gut durch- trainierten Körperkraft größte Geschicklichkeit, Ausdauer und Freude zur Arbeit. Dort klettert einer die Leiter hoch bis zur letzten Sprosse und liefert hoch oben in schwindelnder Höhe einen prächtigen ein- fettigen Hcmdftond. hier erprobt einer am Expander sein« Muskel- stärk« und zwar hat er sich hierzu eine besonders schwierige Apparatur, das Spannschloß eines Flugzeuges, erwählt, deffen Spannstärke ein« ungeheure ist und ganz schwer zu meistern geht. In fröhlicher, gefunder Bewegung entspannen sich all die Körper nach ihrer zwar schweren, aber doch meist einseitig« Kräfte ersor- derndw. Arbeit und man merkt, wie vorteilhast und anregend diese sportliche Betätigung auf den ganzen Organismus, auf den ganzen Menschen überhaupt, einwirkt. Unter der vorwiegend jugendlichen Mannschaft befindet sich aber auch ein Vater mit zwei erwachsenen Söhnen und auch die Tochter ist mich mit in der weiblichen Sport- Mannschaft tätig. Lust und Liebe zum Sport, ein gesunder, widerstandsfähiger Körper, bieten die Gewähr für ein kräftiges an Leib und Seele gesundes Geschlecht. Erweiterter Ucbungsbctrieb in Britz! Der F T G B. Bezirk Rcukölln-Briß hat in Britz neue Uebungsmöglichkeiten geschaffen. In der Barackenschul«(O roßsied- lung) wurde eine Abteilung für Frauen über 23 Jahre eröffnet, die Donnerstag, 9. Januar, 29 Uhr, den Betrieb ausnimmt. Am gleichen Tage beginnt auch wieder der Uebungsbetrieb der Mäd- chenabteilung in der Turnhalle Chausseestraße(am Teich) um 18 Uhr, während die Jugendlichen und Männer am selben Tage von 29 bis 22 Uhr üben. Di« Jungmädchen beginnen Momag, 13. Januar, 29 Uhr. und vorher die Knabenabteilung ebenfalls am 13. Januar um 18 Uhr. Di« Eröffnung einer Kleinkinderabtsilung(Knaben und Mädchen von 6 bis 9 Jahren) steht bevor. Partei- und Gewerk- schastsfreunde können schon jetzt ihre Kinder bei allen Funktionären oder in den Uebungsftunden anmelde' Arbeiter-Haliensport; t».. Wer sich einen guten Platz im Vorverkauf sichern wM, muß sich in den nächsten Tagen zu den Hauptstellen für den Vor- verkauf begeben und zwar:„Sportzentrale", Königsberger Straße 5/6, Geschäftsstelle FTGB., Lichtenberger Straße 3 und Wegners Vereinshaus, Frantfurer Allee 23«. Eintrittskarten(im Vorverkauf) 1,50 M.(Kaste 2 M.). 75 Pf.(1 M.) und 59 Pf.(75 Pf.) sind noch zu haben. Erete Sport- und Musikvereinigung Berlin. Arn Freitag, 19. Januar, findet die erste Uebungsstund« dieses Jahres im„Sporthaus", Dircksenstr. 1, an der Jannowitzbrücke, statt. Da die Abteilung der Spielleute beim Einmarsch zum Hallensport- fest am 19. Januar im Sportpalast(Bundeskleidung und Instrumente) teilnimmt, so darf keiner fehlen. Ausgab« der Karten zun, Hallensportfest findet ebenfalls am Freitag statt. Beginn der Uebungsfwnde pünktlich 29 Uhr. Reue Mitglieder werden ausgenommen. Gäste willkommen. Oehlschläger. kinderturnwarte 1. Bezirk I. Gruppe. 19. Januar 19.39 Uhr findet in der Wildau-Schule eine Lehrstunde und 12. Januar 8'/) Uhr im Restaurant„Wedhorn" Mustkturnen statt. »ctlincr Zuhbai alub.Sotnärt«*. Vonncrstag, S. Januar, 20 Uhr, Iahrcssrneraluersaimnluug bei Erunewald, Üanucuirn Strobc. Xaniiftenscnia„die iRattitftciir.be". SfpccantsabieUima ladet alle Mii «lieber und Interessenten zum Ansänacrlursus der WeUiprochc Esperant» ein am Mittwoch, 8. Januar, Ä> Uhr, im Jugendheim Tirlfftrake. ssTSB,, Spactbczicl Oftting. Donnrrstag,!>. Januar Winicrbeginn des Sallentrainings um 20 Uhr Turnhalle Parkanc, unweit Mblletiborsstrahc.— Montags ab tSlh Uhr ebenda.— Zwecks Informationen zum7 hallenf portfeit am J9. Januar muh jeder erscheinen.— Zinberbeziel. Sonntag, 12. Januar, 14 Uhr, Generalversammlung im Bootshaus Siieberfchbnrweibe. Berliner Str. 97-!V-. Jeden Montag, 19 Uhr, Bafstnrudern im Bootshaus Vorwärts.—»anubezitf. Donnerstag, 9 Januar, 20 Uhr, Bezirtsjahresversammlung im„ssalkenstein", Ialkensteiner Str. 40. ssteie flona-Unlo« Sroh-Berlw, e.®.«lbt. Tegel: Bootshaus in Tegel. Spandauer Str. 8. Bootsstiinbe find noch frei. Eihung Donnerstag. 9. Januar. 20 Uhr, bei Zillmer, Seeflr. 17. grnoenmen. Freie Faltbootfahrer Betlin (Stifte wlllkommen. Mitglieder werden onf» ■..____ Sonntag, 12. Januar, Wanderung Bernau- Hellfe», Abfahrt 8.08 Uhr Etettiner Vorortbahnhof, 8,09 Uhr Bahnhof Gefunb- brnnnen. Führer: Sennlg. Gässe willkommen. Sanddallfpieler: 8'- Uhr Sportplah Äehberge. Spiel- und Spotiabenb jeden Dienstag Turnhalle Müller,(icke Triftlirahe. Bade abend: Mittwochs Ciadtbad ssreuzbirg. Sonnabends Stadtbad Bedding, jeweils 19 Uhr.«i Sporttiereia Moabit. Turnabend der Zungmädchen Donnerstag. 9. Januar, Menzel- Realschule. Schleswiger Ufer. Tennisspieler am 9, Januar Hallen. tralning Siemensstrahe, amchliehend Sihung bei»rüger. Putlitzstr. 10. Bor- oerkauf skarirn für das Hallenfyortfest auf den Turnabenbrn. AS«., Hockey. Sigung Donnerstag, 0. Januar, 20 Uhr, bei Iufchlai, Hohenlohe-(icke GohlernraKe. Genossen, welche Interesse am Hockepfpiel haben. ssnb zu feder Siftung der Abteilung willkommen.' Freie Schwimmer Groh-Beriio. Gruppe RettlSH«: Generaiperlammlung Sonntag, 12. Januar. 15 Uhr. fm VrpheiNn, Hafenheide.— Gruppe vbeefpree: Generalversammlung Sonntag, 12. Januar, 10 Uhr, im Glfeneck, Elsen- Ecke Kiefholzstraße.— Gruppe Friedrichs Hain: Generalversammlung Mittwoch. 1Z. Januar. 20 Uhr, bei Lehnigk, Mühlenssr. ö8.— Frauen«rrfammlu»g des Vereins Donnerstag, Ift. Januar, 20 Uhr, fm Gewerkschaftshaus, Saal 3. Freier ftscpcrkuUurftci« fteeuzbetg. Donnerstag. 9. Januar, 20 Uhr, erster Ltiinabenb Wassertorstr, 0. Sonnabend, 11, Januar, 19H Uhr. grmeinfchaft. liche Besprechung der alten und neuen Funktionäre ln der Schule Manleuffel. straste 7. Sportverein Moabit, Tennisspieler! Training Donnerstag, 9. Januar, wie bisher, Eiemcnsstr. 20. Borverkaufstarten zum Hallenfportfest in der Salle. kische sterben im Wasser! Ein«Reidiskampfbund für Gcwässersdiutz?" Vpm Arbeiter-Anglerbund wird uns geschrieben: Fisch st erben! Steckt nicht noch mehr als der Tod von Tieren, als der Verlust von Fischfleisch dahinter? Sind nicht die Waffer, in denen sich diese Tragödien abspielen, vollkommen ver- feucht, verpestet? Die Natur vereinsamt, all« möglichen Lebewesen oerlassen die ungastlichen Stätten, wo früher jedermann Natui- frieden suchte und fand, wo Millionen Erholungsuchende stch für die kommende Fronwoch« stärkten, ist heute dos große Sterben! Hunderttausende toter Fischletber treiben auf dem Waffer, Nemmen stch in Wasserturbinen, werden von Wellen ans Land ge- spült, um auch dort den bekarmtcn pesttlenziokischen Gestank zu ver- Abgestorbene Fische. breiten. Dieser Gestank zwingt oft zur Schließung von Badeanstal- ten an solchen Wasserläufen. Tote Fische werden von den Aermsten der Armen aus dem Master gefischt werden gesammelt, wie in großstädtischen Markthallen faulende Obstreste und Gemüserest« ge- sammelt werden, um dann oft den Hungrigen den Vergiftungstod zu bringen. Tiere, Pflanzen, Menschen werden verpestet. Das Studium von nur drei Fischerei-Zeftungen des Jahres 1928 bracht« schon die Zahl von über 7 9 Fisch st erben an eben- soviel Wasserläufen zur Meldung, womit auch nicht annähernd der ganze Umfang des großen volkswirtschaftlichen Verlustes zum Aus- druck gebracht wind. Das Ministerium für Landwirtschaft, Domä- nen und Forsten in Preußen sowie die außcrpreußischen daran interessierten Behörden sollten doch einmal ihre Archive össnen und den tatsächlichen Umfang dieser Tragödien zahlenmäßig belegen. Anschließend daran müßten die Gutachten der verschiedenen Landes- anstalten für Fifchercikunde und biologischen Institute bekannt- gegeben werden. An dt« Gutachten p r i v a t e r Sachverständiger, die meistens im Sold der Tod und Verderben speienden Industrie stehen, liegt uns weniger. Ausgabe der deutschen Parlamen tarier sollt« es fein, im Interesse der Volkswirtschaft, im In teresse des Naturschlitzes diese Angaben anzufordern. Ein wenig wundern muß man sich allerdings darüber, oaß wohl in den verschiedenen Fischerel-Zeitungen Aufsähe erscheinen. die sich gutachtlich darüber äußern, welche Abwässer schädlich für den Fischbestand sein können, aber die Berichte über das Fisch- sterben sind so dürftig, daß der Gedanke ersteht, ein tieferes Ein gehen auf den einzelnen Fall sei nicht angebracht. Wohl wissen wir, daß verschiedene Berufsflscher bereits so stark mit den verschiedenen industriellen Unternehmungen alliiert sind, daß sie schwerlich sich zu einer Opposition gegen die ihr Gewässer verschmutzende Industrie auffchwingen werden. Ebenso ist es bekannt, daß Sportangler- Vereinigungen bei Neuoerpachtungen von Gewässer den daran in- teressterten Industriellen den Vorrang ließen, um dann später kostenlose Benutzung zu genießen. Den Industriellen kommen derartige Auchpächter natürlich sehr gelegen, weil sie erstens eine günstige Legitimation sind und dann, weil keine Kon- trolle des Fischwaffers zu befürchten Ist. Solche Abhängigk.'itc verhältniffe aber sind unerträglich Reuervings ist aus dieser Rot ein„R e i ch s t a m p s b u n d für Gewässerschutz" gegründet worden. Er hat einen Pro- grammentwurf veröffentlicht, dem, ohne damit dieser neuen Orga- nisation eine Existenzberechtigung zubilligen zu wollen, mir Arbeitcrangler uns anschließen. Das Programin gipfelt in den drei Punkten: 1. Errichtung von Flußwasser-Untersuchungsämtern in ausreichendem Maße durch die Länderregierungen. 2. Stellung der Mffe in bezug auf Reinheit und Erhaltung landschaftlicher Uferschönhett unter Naturschutz. Kampf den Begradigungsfanati- lern. 3. Umgestaltung der Einleitungsparagraphen im Wassergesetz auf einer Grundlage, die den veränderten Zeitverhältnissen Rech- nung trägt.— Zu dieser Organisationsgründung müssen wir sagen. daß in Deutschland doch wahrlich genügend Organisationen cxistie- ren, die stch um die Reinhaltung der deutschen Wasserläuse zu kümmern hätten. Auch der„Reichsiampfbund" wird zunächst nur mit Resolutionen und Antragen kämpfen, die er den Fischerei- .Zeitungen entliehen hat. Di« Wahrnehmung der Interessen der Allgemeinheit liegt letzten Endes in der Zusammensetzung der Parlamente und der Machtposition, die sich der Naturfreund in diesen Parlamenten geschaffen hat. Bau! Bfakfenschiairer. �(fafdiäfis-Jlnsmer fäezirfo fliden-lVefien. weeeeeeeeweeeeeewemmeeeeeees i GLASERHUTTE Gesellschaft mit beschrinkter Haftung ladattrle- u. 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HI Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuoh QostsläHe rorntal«„Zum Wache sp edil" Inhaber: Mathias Schröder Itlouerslr.«7 8tt Ze ntrum 8964 ä)as Maus der guten Jiüdie Eigene Haussehlaehterei Rungestr. 30 jr. 12 Nene Bewirtung E, Philipp i Vereinszimmer noch einige Tage frei Haupt- Geschüftsstell Berlin N. 4, invalidenstr. 110 Fanrwf«ordeo 3IS5— U. 5044 y DamDlwdscherei Urania Carl Gottszhalk FermprtAert Moritiplai» Nr.«1550 BethaoteButcr 8- waldemantr. 87 , wascht billig and gut,, Bandagen.Müller PrinzenttraBe 43, am Heritzplalz r- Künstliche Glieder, Gummistrümpfe, Ptattfußeinlagen Etgeme WerkiUil Lieferant für sämtliche Krankenkassen Beiden- Fiftrsi Greif(amemberi die lülirende Marke Erh<ltch Ib allen Leben». mittel- and Feinkostgesch&tten RESTAURANT MÜNZHOF 5,----------« Münzstr. Ecke Dragonerstr. 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