BERLIN Somerstag S. Januar 1930 tOPf. Nr. 44 B2 47. Jahrgang Zugleich Ab«lld«ittgabe de«.Vorwärts'. Bezilgsoreis beide Ausgaben SS Pf.»ro Woche, S�n M. pro Monat. Redaktion nnd Eroedition-, Berlin SW 68, Lindenjir. 3 SfialaicLgaße Job- uielgeaorei«:®« et«,»altige NonpareklleteN« W Pf.. Keklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. «Sfcheekkont»: Denvärts-Verlag S. m.b.H.. Berlin Nr. S7SZS. Fernforecher: Dinboff sss di« ss» Während Rom tanzt... streitet man im Haag über Sanktionen. potemkin-Llralzeff. Oer Gefthastsfreund deutschnationaler Bankleute. Vor dem Vrenhilchen Unteefuchungsausschuß über die Rolfs. e i f e n b a n k usw. wurde heute als Zeuge der Rufs« Uralzeff vernommen, der bekanntllch mit nicht weniger als 20 EtiO. Mark oo dem Ziasko der Ralffelfenbonk beteilig» Ist. Vach den bisherigen Untersuchungen steht fest, daß die Roisseisenbant diesem u n b e. konnten Abenteurer in leichlsertigster Weise Millionen über Millionen in den hol» geworfen ho», deren angebliche Kicherheilen sich bei der Realisierung ol» nahezu wertlos erwiesen. Die Vernehmung Urolzeifs nollzieh» sich im ausfälligen Gegen. satz etwa zu der Sklaoek-Bernshmung unter völliger Teil- nah m s to sl g kei t der O e s s e n t l i ch k e it. Der Auhärcrraum Ist fast leer,.auch die Presse ist nur ganz schwach vertreten. Uraszefs selber, der gleich zu Ansang hereingerusen wird, ist ein mittelgroßer, schlanker Mann mit auffällig hohem klahlem Scheitel, dessen dunkle Augen unter gewölbten Brauen einen eigenartigen Ausdruck von Berfchlagenheit aufweisen. Den„hnpnotischen Einfluß', den er aus die Direktoren der Roisfeisenbank ausgeübt Hot. vermag man aller- dings nicht zu ermesien. Er spricht ziemlich sließend deutsch mit leicht russischem Akzent, sich nur zuweilen durch falsche Soßstellunz als Ausländer verratend. Uralzeff schildert ziemlich temperamentvoll seine Beziehungen zur Raifseisenbank. Er behauptet, daß nickt er die Raiffeisenbank, sondern die Raiffeisenbank ihn hineingelegt Hobe. Er ist zur Raifs- eisenbonk durch den Prokuristen Krause gekommen, den er im Deinhaus Pfuhl kennengelernt hat und der fein Duzfreund war. Seine Geschoste mit der Raifseisenbank, die der Abteilungs- direktor Longe abschloß, seien so lang« normal verlausen, bis die Raifseisenbank ihm da» bekannte Ostmollepaket für 6.8 Mill. angehängt Hab«. Das Objekt fei für ihn zu groß gewesen, er Hab« das Pake: an holländische Freunde vermitteln wollen, ober selber das Obligo für dies Geschäft übernommen. In.Holland habe dos Paket ein Herr Kößler erworben und auch Z7 000 englische Pfund daraus angezahlt. Als Uralzeff Kößler wiederum besuchte, war dieser sehr aufgeregt und erklärte, dos ganze Geschäft sei ein ausgelegter Betrug. Das O st w o lle p a k e t sei in Wirklichkeit nichts wert. Er drohte mit Polizei und sosortigcr VerHaiti, ng, wenn er sein Geld nicht wieder bekäme.„Meine Herren, mit der holländischen Polizei ist nicht zu spaßen.'((Broßc Heiterkeit.) Uralzeff will Köhler das Geld aus eigenen Mitteln rückerftattet haben, weil er als Ausländer sich schutzlos gefühlt habe. Ural.zeft geht nunmehr auf d!« L ö g e r ein, die er der Raisseisen- bank verpfändet Hobe. Es seien olles hochwertige Waren gewesen, ober die Raifseisenbank habe sie zu lächerlichen Schiindpreiscn ver- schleudert. Ebenso habe man es mit feiner Villa gen, acht, die mit ilnventor einen Wert von anderthalb Millionen gelzobt habe. Echie Gemälde alter Meister seien im Auktionskatalag einfach als„Bilder' aufgeführt»nd für 100 bis"200 Mark verschleudert worden. Seine wertvolle Sammlung echter Perlerteppiche fei inirfchmunden, obwohl sie in einem Limmer eingeschloiien war, zu dem nur Generaldirektor Dietrich den Schlüssel gehabt habe. Ebenso seien aus dem berühmte!, huwelenköstlein, dos er der Bank als Sicherheit gegeben Hab«, alle raertvollen Stücke abhanden gekommen. - Borich!e>"sthung zur ersten Beratung vor. B e- f cht ü ffe wurden noch nicht gefaßt. Der Bachlragsetal enthüll eine Gesamlsorderung in höhe von fast 70 Millionen Mark, die sowohl durch ungünstigere Einnahmen als durch vermehrte Ausgaben eulstanden ist. Einem Mehr an Einnahmen in höhe von 4.207 Mill. steht eine Mindereinnahme von 27.142 Mill. gegen- über, wovon etwa 26 Millionen auf die Betriebe entfallen. 3.7 Mit- liouen Mark Verluste find durch die Herabsetzung der Beiträge für die Slraßenreinigung von 95 Pro;, aus 75 Pro;, der Ausgaben entstanden.(Auf Grund der Entscheidung des Oberverwallungs- gerichles.) Die Ausgaben des Hausholles haben sich wsgesamt aus rund 47 Millionen vennehrl. hiervon entfallen aus die Wohl- fahrt rund 29 Mill., auf das G c f u n d h e i t s w e i e n 2.9 Mit- Honen, auf das Schulwesen I�Z Millionen Einen sehr erheblichen Anteil an den Ausgaben des Rachtragshaushalts hat die unerwartet hohe endgültig« Jestsetzung der Polizcikosten für die Jahre 1920 bis 19LS und die voraussichtliche Erhöhung für das Jahr 13Z9. Im Etat standen an Resten früherer Jahre nur 13.6 Millionen, im Dezember 1929 sind aber die Gesamt- kosten für die Jahre 1926 bis 1926 vom Staate auf 18254 Millionen festgesetzt worden. Der haushaltsausatz für das Jahr 1929 betrug 15 Millionen. Es werden nunmehr aber voraussichtlich 21 Millionen zu zahlen sein. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die ganz außergewöhnliche Verspätung der Fest- seizung der Polizeikosten durch das Land eine exalle Etatsfestsetzung nahezu unmöglich macht. Das unerwartete Mehr an Polizeikosten, das in diesem Nachtragsetat angefordert werden muh. beträgt ins- gesamt 19,7 Millionen Mark. Auf dem Gebiete des ScWulwesens sind über 669 999 M. Mindereinnahme durch die Herabsetzung des staatlichen Beschulungsgeldes von monatlich 4 M. auf 3,89 M. für jedes schulpflichtige Kind eitstanden. Im Berufs- und Fachschul- wefen zeigt sich die Auswirkung des Besoldungsgesetzes in einer Mehrausgabe von 1,35 Millionen. Den größten Posten lin Nach- tragsetat mach«» mit ungefähr 29 Millionen Mark Ausgaben der Stadtverwaltung für die Wohlfahrt aus. Auch auf diesem Gebiete waren diese Ausgaben Zwangs- läufig. Die Stadl Berlin mußt« nicht mir der Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage, sondern vor allem auch den reichs- und landesgesetzlichen Vorschriften R«chnung tragen. Für das Unter st ützungsw«scn werden insolgcdesien im Nachtrags- etat insgesamt 16 Millionen Mark angefordert. Die Zahl der laufend Unterstützten war seit dem 1. April 1929 bis zum Ende des Jahres um 7 Proz. gestiegen, das bedeutet eine Steigerung der Ausgaben um 4,5 Millionen Mark. Außerdem mußten im Lauf« des letzten Jahres wegen der Steigerung der Reichsindex- Ziffer die UiZterstützungsrichtsätze erl)öht werden, um den gesetzlichen Vorschriften, sie den jeweiligen wirtschasilichen Verhältnissen anzu- passen, nachzukommen. Dies bedeutet eine Erhöhung von ungefähr 2 Millionen Mark. Da auch die Unterstützungssätze für die st ä d t i- fchen Pflegekinder erhöht werden muhten und die Zahl dieser Kinder erheblich gestiegen ist, entstehen hierdurch Mehraus- gaben von ungefähr 3,2 Millionen Mark. Dazu kommt die herauf- setzung der Drgessätze in den nichtstädii schen An stalten, in denen sich städtische Pfleglinge befinden, was ungefähr 2 Millionen Mark aus- macht. Für den Posten Allgemeine Wohlfahrt werden 9P9 Millionen nachgefordert. Diese Nachforderung betrifft vor ollem die U n t e r st ü tz u n g d« r E r w e r b s l o s e n. Die Zahl der in der Noistandsaklion der Stadt Berlin zu betreuenden Erwerbslosen war vom 1. April bis Ende Oktober 1929 bereits um 31 Proz. ge- � stiegen und hat sich seitdem wieder erhöht. Dicszs Ansteigen der Erwerbslosenziffer, serner die hcraussetzung der Unterftütziingsricht- fätze für diese Erwerbslosen um 3 M im Monat hat«ne Mehr- belastung von über 8 Millionen Mark gebracht. Oer Geldgeber der Notenfälscher. Nationale poliiik und Geschäst.m Tscherwonzenprozeß. Die heutige Morgensitzung brachte eine Ueberraschung. Der .kleine" Vuchdruckereibesiher Schmidt ossenbarte sich als äußerst klarer Kops, der sich iu der Politik als einem einträglichen Geschäft vorzüglich zurecht findet: noch besser versteht er sich in der ver- «zuickung von Geschäft und Politik. Er uoler stützte Herrn Bell mit großen Geldsummen, als dieser angeblich im Auftrage des kaukasische« Komitees nach dem Orient ging. Er tat das iu der spekulativen hossnung auf Gewinn. Auch Herr Bell ist eine ganz famose Figur. Er erklärt zum Vergnügen der Anwesenden. daß er eigentlich Sozialdemokrat sei, nur habe das mit dieser Angelegenheit nichts zu tun. Herr Schmidt kam als erster zu Wort. Sein Pater ist Fabrikbesitzer in Nürnberg, er selbst hat das Gymnasium besucht, ging als Freiwilliger in den Krieg, brachte es bis zum Hukroff'zler, schloß sich der Freikorpebewegung an und erheelt hier sein« erst« Er- Ziehung zum Antikommunismus. Irr Jahre 1924 trat er mit General hoffmann in Verbindung. Er macht« sich dessen Bestrebungen zu e'gea. es galt, den Süden Rußlands von der Sowjetunion loszureißen, ihn wirtschaftlich zu«rschließen und garischen Konsuls besorgen könnte. Der Zeuge Dorn behauptet übrigens, daß Schmidt cm ihn mit dein Anerbieten herangetreten sei. Besonders amüsant entwickelt sich die Konsul- Tragödie einer Mutter. Aus Verzweiflung erwürgte sie ihr Kind. Die erschütternde Tragödie einer jungen Mutter. die ihr 5 Wochen altes Kind, dem sie eine unheilbare Krankheit vererbt hatte, tötete, beschäftigte heute da» Schwurgericht I. Di« Anklage gegen die Lljährige Frau Ilse G. lautet auf Tot- schlag. Di« Angeklagte, die vor ihrer Heirat meiere Stellen ol» Laus- oder Dienstmädchen innehatte, lernt« vor Iii- Jah'.en in Berlin den Schriftsetzer G kennen. Als sie ein Kind von ihm er- wartete, heirateten sie Die junge Frau wohnte aber noch bei ihrer Mutler, da sie noch keine eigene Wohnung hatte. Am 23. April wurde das Kind geboren, das zuerst gesund und kräfiig war. Aber noch im Krankenhaus erfuhr die Angeklagte, daß sie selbst an einer schweren Blutkronkheit leid«. Einige Wochen später ze'g!« sich auch bei dem Kinde die Krankheitserscheinung. Die Kleine schei« Tag und Nacht und erhielt einen bösa- rigen Ausschlag. Di« Mutter ging mit ihm zum Arzt und zur Säuglingsfürsorgestelle und entnahm aus dem Krankenschein, daß die Krankheit ihres K n- des wohl kaum noch hoilbae sei. In den nächsten Tagen verschlim- inerte sich der Zustand des Kindes, so daß die Mutter ganz verzweifelte und beschloß, gemclusam mit dem Kinde au» dem Leben zu scheiden. Am 27. Mai erwürgte sie das Kind und versuchte, sich selbst die Pulsadern aufzuschneiden. Als ihr dies nicht gelang, knüpft« sie eine Wäscheleine, um sich aufzuhängen. Inzwischen klingelte aber ihr Mann, dem sie ösfnct«, um ihn an die Leiche des Kindes zu führen. Diese Angaben machte die Angeklagte in, der Verhandlung nur nach langem Zögern und mck kargen Worten. Der Verteidiger macht« darauf aufmerksam, bah der Mann dle Tat seiner Frau zuerst auf sich nehmen wollt«. Als die Angeklagte aber diese Absicht merkte, legte sie selbst sofort ein umfassend«; Geständnis vor dem Kriminalbeamten ob. heute lebt die Angeklagte in glück- l'Aer Che mit ihrem Mann weiter (Schutz der Republik. Das Schuhgefth im Bechtsausschuß. Der Rechtsausschuß des Reichstags begann heut« die Weiter- b-ratyng des Republikschutzgesetzes. Roch kurzer Debaite inurde 8 4 in folgender Form angenommen: Wer gegen den Reichspräsidenten oder gegen ein Mitglied der Reichsregierung oder Läuderregierung» neu A n- griff aus Leib oder Leben tGewalttätigleit) begeht, wird, 'awsit nicht andere Vorschriften eine schwerere Straf« androhen, - Gefängnis nicht unter drei Monaten bestrast. "er eine solche Gewaluätlgkeit mit einem anderen ver» Die Angeklagten Sadath ierasch wiii(stehend) und Karumidse(an der Brüstung). ihn für den deutschen Markt zugänglich zu machen Mit der Tscher- Wanzenangelegenheit, sagt der Angeklagte, habe er eigeilllich nichts zu tun. Erst später sei er mit dem Kaukasischen Komitee in Paris in Verbindung getreten, habe es auch mehrmals aufgesucht und ver- sucht, sein Jnteresie für die Ukraine mit den Interessen des Kaukasus zu vereinen. Karumidse lernte er vor etwa vier Iahren anläßlich einer Aussprache in München kennen. Don General haffmann und von den Kreisen um Herrn von Dirchsen vom Auswärt'g.n Amt weiß er. daß K a r u m> d s e eine äußerst ernst zu nehmende Persönlichkeit sei; während des Krieges habe er durch Sabotage im Kaukasus der deutschen Sache die größten Dienste geleistet. Vors.: Woher kennen Sie den Angeklagten Bell, Angekl.: Bell kenne ich von Nürnberg aus, ich war mit ihm zusammen m der Freikorpsbewegung tätig. Während er das kaukasische Problem bearbeitet«, bearbeitete ich die ukrainische Sache. Es war ihm klar, daß im Balkan Politik mit Geschäft eng verknüpft sei; daß man unmöglich Politik machen könne, wenn man nicht irgendwie in geschäftlichen Dingen tätig sei. Bell erzählte ihm eines Tages, daß er eine Summe in höhe von 19999 bis 15 999 M. benötig«, um auf dem Balkan die in Frage kommenden Stellen zu inter- «fsieren. Natürlich wurde bei dieser Gelegenheit der Gesamtkomplex der kaukasischen Probleme ausgerollt. Da er zu Bell volles Ber- trauen hatte, stellte er ihm 5000 M. zur Verfügung und veranlaßt« seinen Ve- kannten Dr. Zörs und eiueo Berliner Großkausmanu Rieger, ihrerseits je 5000 M. zur Spekulation zur Verfügung zu stellen. Vors.: Dr. Jörs behauptet, daß er immer gewartet habe, daß er dos Geld mit Prozenten zurückerhalten würde, und auch Rieger soll sehr ungehalten gewesen sein, daß Dells geschäftliche Tätigleit auf dem Balkan so wenig einbringend war. Der Angeklagte Schmidt bestreitet das und erklärt, daß die Geldgeber von vornherein ge- wüßt hatten, worum es sich gehandelt habe. Er macht verschieden« gewundene Redensarten, um klar zu machen, in welcher Weis« Bell als tommerz'-ller Agent gleichzeitig pol i» tisch tätig setn sollte. Man merkt, wie sein Verteidiger auf ihn energisch«inspricht und ihn schließlich gewissermaßen per» anlaßt, zu sogen: Für mich persönlich war natürlich das Wichtigste die politische Seite der Sache. Während aber Bell sich in Sofia befand, und— wie sich der Borsitzcnde auedrückt— herumsumpfte, traten an den Angeklagten Schmidt verschiedene Leute mit dem Er, suchen heran, ob er ihnen nicht den Posten eines bul- Der Angeklagte Bell. offöre des Berliner„Großkaufmannes" Rieger. Er erhielt von Bell ein Telegramm, in dem es unter anderem hieß: Soarad genehmig!. Da» sollte heißen: konsulalsposteu erworben. In einer zweiten Depesche wurden 3999 Rt. Spesen gefordert. Ein drittes Telegramm besagte: Kommen Sie nach Sofia, um sich dem König vorzustellen. Rieger fuhr nicht nach Sofia zum König, Bell drückte chm nach der Rücklehr aus Bulgarien fein Beileid über den Mißerfolg aus und erhielt trotzdem seine 3999 M., wovon Schmidt 1999 in seine Tasche stecken durfte. Er habe, so meinte er, wenigstens einen Teil der großen Spesen, die er stets aus seiner Tasche gedeckt habe. Bell erzählt. Run soll sich Bell zu dieser bulgarischen Angelegenheit äußern. Karumidse» Verteidiger. Rechtsanwalt Baer, beantragt aber den Ausschluß der Oefsentlichkeit, um ein Dokument ver- lesen zu können, das für die Beurteilung der politischen Persönlichkeit seines Mandanten von höchster Wichtigkeit sei. Eine öffent- liche Verlesung dieses Dokumentes würde die Staatssicherheit ge- fähoden. Das Gericht beschließt den Ausschluß der Oefsentlichkeit', um Rechtsanwalt Vaer die Möglichkeit zu geben, seinen Antrag zu begründen. Die Geheimsitzung hat ein ganz unerwartetes Ergebnis: Nach Wiederherstellung der Oefsent- lichtest erklärt Rechtsanwall Baer, daß er von der Derlesung der Dokumente Abstand nehmen wolle. Die Reihe ist an dem Ange- klagten Bell Vors.: Wie war es eigentlich mst dem Geld, das Sie von- Schmidt bezogen haben? Wieviel haben Sie im ganzen erhalten? Angeklagter: Es werden ungefähr 29 999 M. ge- wefen sein. Schmidt hat mir immer wieder Geld angelboten. Cr wollte im palstifchen Leben unbedingt eine Rolle spielen. Vors.: Generalfeldmarschall einer Inslationsermee wollte er doch nickst werden Angekl.: Er war in die Politik gewissermaßen verliebt da macht man schon verschiedene Sachen. Vors.: Was machten Sie also in Bulgarien? Angekl.: Bulgarien war gewissermaßen die erste Etappe beim Vordringen in den Orient. Es war das erste Land, in dem ich auf Grund von Karumidse? Beziehungen zu bul- Der Pressecbet der Sowjetbotschatt Stem und sein Kollege, die amtlich dem Prozeß beiwohnen, garischen Wirtschaftsleuten und Politikern für Deutschland werben und für die Lösung des Dölkerprablems um das Schwarze Meer yeruin tätig sein sollte. Die Vulgaren bellazten sich, daß ins deutsche Auswärtig« Amt für sie kein Verständnis habe. Da» Geld. da» ich von Schmidt zur Verfügung bekommen halte, galt meiner polltischen Mission. Ich war überzeugt, daß es aus seiner Tasche kam. Bell» Vernehmung ist noch lange nicht abgeschlossen. abredet oder nachdem sie begangen worden ist, belohnt, wird mit G-fcingnis bis zu drei Jahren, jedoch nicht unter einen Monat, bestraft. Alsdann trat der Ausschuß in die Beratung des Z 5 des Entwurfes ein, noch welchem mit Gefängnis nicht unter drei Monaten derjenige bestraft werden soll, der an einer Geheim- oder staats- feindlichen Derbindung, die die Bestrebung verfolgt, die verfassirngsmäßig festgestellte republikanische Staatsform des Reiches oder eines Landes zu untergraben, teilnimmt, oder wer eine solch« Derbindung unterstützt oder wer sich an«inex geheimen und staatsfeindlichen Verbindung anschließt, die selbst oder deren Mitglieder unbefugt Waffen besitzen. Die Beratung dauert, b« Schluß der Redaktjon noch fart. Welier für Berlin: Wechselnde Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge, milde N�cht. sonst irerip Aender rv. südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Südosten und Süden noch ver- breitete Nachtfröste, nn übrigen Deutschland weckstelnd wolkig, im Norden vereinzell etwas Regen. Verlin erhält ein Lust'ahrimufeum. Eröffnung Ende Februar. Die Stadt Berlin hat bekanntlich den Beschluß gefaßt, im Flughasen Tempelhos ein vorläufig noch kleines, später weiterzuentwickelndes Luftfahrtmuseum zu schassen, dessen Leitung Hauptmann a. D. Krupp, der bisherige Geschäftsführer der Wissenschastlichen Gesellschaft für Luftfahrt, übernimmt. Zur Unterbringung dieser Schau werden an der Nordostecke des Platzes zwei Holzhallen errichtet, von denen die eine bereits fertig' gestellt ist und die Ausschrift trägt.Lustfahrtsammlung der Stadt Berlin". Mit der Sammlung des zur Ausstellung kommenden Luft- sahrtmaterials ist ebenfalls schon begonnen worden. Das Museum dürsts, wenn keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten eintreten, etwa Ende des nächsten Monats der Oefsentlichkeit übergeben werden. „Es»st Zeit, die Akten zu kloueu." In Prag sind die Akten des Belcidigurgsprozesfcs G o j d a- Krato.1oil- Solowjew ver- schwunden: es handelt sich um Spionagebeschuldigungen gegen den gewesenen Generalstabschef Gajda. Das Berliner Opernproblem. Nie Republikoper. Gleichsam über Nacht ist das Opernproblem Berliner Stadt. gespräch geworden. Ein interner Zwischenfall— die Entlassung eines kontraktbrüchigen Sängers— hat den Anstoß gegeben in den Lärm. den die Zeitungen(daraus) geschlagen haben, platzte die Faschings- botschaft der Brüder Rotter. Eine vierte Oper in Berlin, die Brüder Rotter als„Retter"? Sie haben, um die Sensation ihres angeblichen Gründungsprojektes wirkungsvoll zu lancieren, die Stunde glücklich gewählt: den Boden, auf dem die unsinnigsten Opernphantasten ge- deihen konnten, hat die Entwicklung von Jahren bereitet. „Es gilt zu erproben, ob im ganzen und in allen Tellen das Gebilde lebensfähig sein wird, das aus Revolution und Inslation, aus den sozialen Wandlungen und wirtschafllichen Nöten dieses Nach- kriegsjahrzehntes hervorgegangen ist, das unsymmetrische Gebilde der staatlich, städtischen Operngemeinschaft. Monate, Iahre'des Ueberganges und der Vorbereitung liegen hinter uns: vor uns: Entscheidung der Berliner Opernzukunft. Eni- scheidung auf Jahre hinaus: dies Jahr 1928/29 muß ste bringen." Das stand am i. September 1928 im„Vorwärts". Entscheidung— das Opernjahr 1928/29 hat kein«, oder richtiger, es hat ein« negative Entscheidung gebracht: künstlerisch ein durchaus unbefriedigendes, ent. täuschendes Gesamtergebnis, doppelt unbefriedigend angesichts der immer schwereren, immer schwerer zu tragenden finanziellen Lasten: doppelt enttäuschend für jene, die von der Organisationsform der großen Arbeitsgemeinschaft das Heil erwartet hatten. Im Zeichen dreifacher Unzulänglichkeit hat die Spielzeit, deren erster Abschnitt heute hinter uns liegt, eingesetzt. Di« Erkenntnis, daß es so nicht weitergeht, nicht weiter gehen kann noch darf, läßt sich weder ver- schleiern, noch durch taktische Erwägungen entkräften. Mit taktischen Maßnahmen, kleinen Ausbesserungen. Umstellungen ist nichts auszu- richten: nicht mehr als mit Hoffnungen und Verheißungen. Funda- mentale Neugestaltung der Verhältnisie, Umbau und Abbau tun not. Wo und wi« soll dl« Erneuerung sich vollziehen? fragen wir zunächst, an welchen Punkten grundsätzlich kein« Aenderung zu wünschen ist. Unser erstes Interesse gilt der Republikoper, der neuen Berliner Voltsoper, Arbeiteroper, die sie in zwei Jahren geworden. Unser erstes Interesse— und, fügen wir zum Ueberfluß hinzu, unsere Zustimmung und unser Vertrauen. Sie soll bleiben. was und wie ste ist: sie darf und wird uns nicht genommen werden. Erste und einzige Theaterschöpfung des republikanischen Staates: stellen wir summarisch fest, daß sie in einem Jahrzehnt staatlicher Theaterpoiitik das stärkste Aktioum bedeutet. Kein Wunder� daß ihre Leistungen und Erfolge den Gegnern des neuen Regimes auf die Nerven gehen: kein Wunder, daß, aus den Quellen politischer Oppo- ! sition gespeist, alle Kritik, die an den Berliner Opernverhältnissen mit Recht zu üben ist, sich einseitig-unsachlich gegen die Republikoper zu wenden sucht. Stärkster Aktivposten in der staatlich-städtsschen Opernbilanz: die Republikoper ist es gewissermaßen auch in finanzieller Hinsicht: an der Riesensumme der jährlichen Gesamtausgaben, an der erschrecken- den Höhe der Zuschüsse hat sie unter den drei Berliner Opern den bescheidensten Anteil. Ihr Ausgabenetat ist nicht halb so hoch wie jener der Lindenoper. Was die Einnahmen betrifft, so kann für das laufend« Rechnungsjahr(das erst mit dem 31. März abschließt) das Endergebnis noch nicht vorliegen: es wird aller Voraussicht nach für die Repubsikoper— absolut und im Derhältuis zur Lindenoper— noch günstiger ausfallen als das vorjährig«, das in der oppositionellen Presse einen Sturm verlegenen Schweigens ausgelöst hat. Etwa 2,8 Millionen Mark sind im vorigen Jahr der Lindenoper an staatlichen Zuschüssen gewährt worden, 1.1 Millionen der Republik- oper. Stellen wir in Rechnung, daß die Lindenoper rund 1899, die Republikoper rund 2999 Plätze faßt, daß jene also jährlich— das Spieljahr mit 399 Tagen eingesetzt— 549 999, dies« 699 999 Besucher aufzunehmen vermag, so ergibt sich pro Platz und Vorstellung in der Lindenoper eine durchschnittliche Subventionierung von mehr als 5 Mark, in der Republikoper von weniger als 2 Mark. Mit anderen Worten, der Besucher der Lindenoper kostet dem Staat beinahe drei- mal so viel wie der Besucher der Republikoper. Dieser genießt nur ein Drittel der finanziellen Vergünstigung, die jenem zufließt, und in dieses Drittel ist auch schon der Vorteil der Preisermäßigung ein- geschlossen, deren sich di« in der Volksbühne organisierten Opern- besucher erfreuen. Die eindeutige Sprache dieser Zahlen zu wider- legen dürfte den geheimsten Räten der Oberrechnungskammer nicht gelingen. Es'ist nichts weiter als absurdes Geschwätz, wenn immer wieder behauptet wird, an der Desizitwirtschaft der Berliner Opern sei vor ollem der Betrieb der Republikoper schuld:»der, wenn immer wieder versucht wird, den beschcideneren Eintrittspreis, den die Volksbühne ihren Mitgliedern durch Vertrag gesichert hat, als unmäßige Be- lastung der Staatskasse hinzustellen, gar a(s ungerechte Ueberoortei- lung jener Armen, di« die teueren Plätze im Opernhaus Unter den Linden bezahlen. Nicht minder haltlos ist die Unterstellung, durch den Anreiz der billigeren Plätze, den die Volksbühne biete, werde der Lindenoper ein Teil ihrer legitimen Besucher entzogen— noch einmal also der Versuch, nun indirekt, für die insgesamt unbefriedigende Geschäftslage der Berliner Opern die Republikoper verantwortlich zu machen. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß die Volksbühne. ihre Mitglieder nicht just aus den Kreisen gewinnt, in denen Opern- besuch zu den alten Lebensgewohnheiten und gewohnten Lebens- bedürfnissen zählt. Darin besteht ja gerade ihre positive, kulturell furchtbare Organisationsleistung, daß sie die breiten Massen, denen bislang das Theater verschlossen war, Heranholl und als Theater- Publikum heranblldet. Auf dieser Voraussetzung beruht di« künstle- rische, kunsterzieherische Arbeit der Republikoper, nur unter dieser Voraussetzung kann ste. wie wir es erleben, von Erfolg gekrönt werden. Ueber die Arbeit, die hier unter Klemperers und Legats Führung vollbracht wird, sind unsere Leser informiert: nicht nur, was ihren Wert angeht, auch über Richtung, Ziel und Art. Dieses Operntheater, zugleich Stätte des sozialen und des künstlerischen Fort- schritts, ist in Berlin das einzige, in dem ein klar erkanntes Programm klar und konsequent durchgeführt wird. Das drückt sich im Spielplan aus, wie im Gesicht jeder einzelnen Aufführung. Hier gibt und gab es von Anfang an keine„stehenden", nämlich schlecht sitzenden Repertoirevorstellungen, nichts von Routine, nichts von der Trägheit. geistigen Bequemlichkeit, traditionellen Gedankenlosigkeit des typischen Rcpertoirebetriebs. Und der Spielplan?„Fidelio",„Don Gio- vanni".Lauberflöte",„Holländer".„Cardillac",..Oedipus'-'..., die größten Werke der Vergangenheit, die stärksten der Gegenwart. Was sind heute in Deutschland die meistgespielten Opern?„Madame Butterfly",„Tosca". Sie geben, so erklären sie entschuldigend, das gemeine Sensationestück, den sentimentalen Kllsch, weil das„Publi- kum" danach verlangt. Nun, so ist die Republikoper, zu ihrer Ehre sei es ausgesprochen, die einzige in Berlin, die einzige in Deutsch- land beinahe, deren Publikum auf solchen Konzessionen an den söge- nannten Pubstkumsgeschmack nicht besteht. Und trotzdem unter, den Berliner Opernhäusern, das bei weitem bestbesuckte. Abend für Abend nahezu ausverkauft bei solcbem Spielplan: Abend für Abend solche Aufführungen, wie sie hier Regel sind, vor diesem Publikum: mit allen Teilen haben wir guten Grund, zufrieden zu sein.(„Die Krolloper steht als Konzert- und Kongreßraum einer gewinnbringen- den Zukunft entgegen," schrieb neulich Hugenbergs„Lokal-Anzeigsr") Idlsui?ringa1>cim. Zehn Jahre für Bessedowski. Degen Unterschlagung- bereits zum Tode verurteilt. Moskau, 9. Januar. Am Mittwoch fand vor dem Obersten Genchtshof der Sowjet- union der Prozeß gegen den ehemaligen Botschaftsrat der Sowjet- union in Paris, Bessedowski, statt. Die Anklageschrift wirft Bessedowski vor, Staatsgelder in Höhe von 15 279 Dollar o e r u n- treut und sich auf die Selle der Feind« der Sowjetunion geschlagen zu haben. Nach ber Vernehmung mehrerer Zeugen, darunter Roisenmann, der in Paris die Untersuchung gegen Bessedowski geführt hatte, beantragte der Staatsanwall gegen Bessedowski wegen Veruntreuung von Staatsgeldern zehn Jahr« Gefängnis mit ver- schärfter Einzelhaft. Das Oberste Gericht schloß sich in seipem Urteil dem Antrag des Staatsanwalls an. Roisenmann bekundete, Bessedowski hätte in einer Unter- redung mit ihm kein« Erklärung abgeben können, zu welchem Zweck er die 15 999 Dollar verausgabt hätte. Bessedowski hätte unter dem Dorwande von Kopfschmerzen gebeten, die Unterredung auf den nächsten Morgen zu verschieben, wäre jedoch am selben Abend in Begleitung französischer Polizisten im Vestibül der Botschaft er- schienen, hätte durch den Portier seine Frau rufen lassen und dann die Botschaft verlassen. Roisenmann bezeichnete die Version. Bessedowski sei aus der Sowjetbotschaft über einen Zaun geflüchtet, als Erfindung. Bessedowski hätte gar nicht zu flüchten brauchen, da es ihm jederzeit freigestanden hätte, das Botschafts- gebärrd« zu verlassen. Die Verlesung der Aussagen von Angestellten der Sowjetbotschaft wie von französischen Bürgern ergab, daß Bessedowski eine verschwenderische Lebensweise ge- führt hätte, und daß seine Ausgaben sein Gehall mehrfach über- stiegen hätten. Sekretäre und Angestellte der Botschaft erklärten entschieden, daß Bessedowski weder schrifllich noch mündlich jemals von politischen Meinungsverschledenheiten mll der Sowjetregierung gesprochen, sich vielmehr stets zur Politik der Sowjetregierung bekannt hätte. Zu bemerken ist, daß Bessedowski außer der in dem Prozeß verhängten Strafe bereits gemäß einem Beschluß des Präsidiums des Vollzugsausschusses der Sowjetunion zum Tod« ver- urteilt worden ist, noch dem jeder Sowjetbeamte, der sich im Ausland« befindet und es ablehnt, nach Moskau zurückzukehren, automatisch durch die OGPU. zum Tode verurtestt wird. fremde Votschaster sprechen durch Radio Eine Neuerung in Amerika.— Fremd? Negierung sprich direkt zum eigenen Volk. Washington, 9. Zanuar. Der britische Votschafter Sir E-me Howard, der im Februar von feinem Posten scheidet, wird am 21. Zanuar persönlich durch Rundfunk eine Abschiedebotschast au das amerikanische Volk richten. Eine von den Radiobehörden bekanntgegeben« neue Verordnung ermöglicht es in Zukunft ausländischen Diplomaleu In den Vereinig- ten Staaten sich und ihre Länder mit Hilfe des Rundfunks dem amerikanischen Volke besser bekanatzumachen. Es Ist eine Serie von allwöchentlichen laternatiooolea votschasleu guten willen» vorgesehen._ Bloß Derkehrsbeziehungen 7 Das Schätzet bei Eröffnung des DildiunkS hätte sagen so len. Der britische Generalpostmeister hat in den Zeilen, mit denen er di« Bildlelegraphi« zwischen Deutschland und Engiand eröftnete, davon geschrieben, daß der Dienst ein neues Band zwischen den beiden Ländern jchafie und er hoff«, daß es d,e znnjchen dem britischen und dem deutschen Volk bereits bestehenden guten Be- ziehungen wefter sördern werde" Der Reichspostminister Schätze! hingegen hat nur von einer Förderung und Veriiefung der„Ber- kehrsbeziehungen" gesprochen. Dieser Ausdruck hat in London wie«in« lalle Dusche auf die Engländer gewirkt, die an der Erösfnungsfeler teilnahmen. Es wurde viel diskutiert und dahin ausgelegt, daß dem deutschen Post- minister an der Ausgestallung der sonstigen Beziehungen zwischen den beiden Völkern nichts gelegen sei. Wir nehmen nun keineswegs an, daß sich Herr Schätzel der der Bedeutung seiner Formulierung bewußt gewesen ist. Als aller Postbeamter hat er einfach den fachlichen Ausdruck„Verkehrs» beziehungen" gebraucht, ohne daran zu denken daß er als ein ausdrücklicher Verzicht auf den Ausbau politischer und menschlicher Beziehungen ausgefaßt werden könnte. Die Weliagrarkrise. Senfer OiStufflon zwischen Suropa und Amerika. Gens. 9. Januar. Di« landwirtschaftlichen Sachverständigen, die aus deutsch« An- regung zu einer ersten Aussprache über die Wellagrarkrise in Gens zusammengekommen sind, haben vor Wschluß ihrer Tagung«in« össentlich« Sitzung abgehalten. In dieser sind von«inigen Mit- gliedern des Wirtschaftskomllees Fragen über Mittel und Wege einer internationalen Aktion zur Linderung der Agrar- krise zur Diskussion gestellt worden. Aus dem Verlaus der Sitzung ergibt sich, daß di« überseeischen Sachverständigen, vor allem die der Vereinigten Staaten, Kanadas und Australiens, die Frage unter einem wesentlich anderen Gesichtswinkel betrechien als die meisten europäischen Sachverständigen, unter denen die Getreide- exportländer Osteuropos wiederum von anderen Erwägungen aus- gehen, als di« europäischen Industriestaaten. In den überseeischen Ländern, so Australien, erwartet man ein« Besserung von einer internationalen P r ei s sta b il i s i eru n g, in anderen, wie den ZJereinigten Staaten, von einer HeradsetzungderGetreide- anbausläche. Die europäischen Sachverständigen empfehlen den überseeischen Getretdeproduzenten eine teilweise Umstellung ihrer Landwirtschaft auf Viehzucht und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse und weisen darauf hin, daß di« Aufnahmesähigkell Europas gegenüber der überseeischen Gelreideüberproduktion immer nur eine sehr beschränkte bleiben wird, da auch die Industriestaaten ihre eigene Landwirtschaft brauchen und kaufkräftig erhalten müssen Die Sachverständigen stellen in ihrer heutigen Schlußsitzung ihren Bericht an da» Wirtschaftskomitee fertig, der die praktische Weller- arbell an dem Studium der internationalen Agrarkrise sichert und fördert. Man darf annehmen, daß in dem Bericht auch der Forde- rung de» deutschen Vertreters Dr. Hermes besondere Beachtung ge- schenkt wird. Dieser sieht in der straffen genos'entchastlichen Organisierung von Produktion und Absatz lendwirischastlicher Produkte auf den einzelnen nationalen Märkten e-ne notwendige und wichtige Voraussetzung für ein« spätere internationale Ver- pändiguug. �Aschenbrödel." Theater in der Klosterstraße. In veralleten, aber durch eine dreiteilig« Bühne außerordent- lich geschickt ausgenutzten Dekorationen, erstand„Aschenbrödel" mal wieder zu einem Bühnenleben. Das wurde ihr von Oskar Lange-Lüderitz eingehaucht, der das Märchen der Gebrüder Grimm zum Bühnenspiel formte. Er konnte natürlich nicht d:? Brutalitäten mildern, die in diesem, wie in den meisten allen deul- schen Märchen stecken und von denen wohl auch erst die übernächsten Generationen sich freimachen werden. Oskar Lange-Lüderitz war zudem noch der Darsteller des Barons Hampel und der Regisseur. Als solcher forderte er oft die Stellung- nahm« der Kinder heraus, fteilich ohne ihre persönliche Mitwirkung zu beanspruchen, wie es das moderne Kindertheater tut. Die Regie- anordnungen waren sehr nett und namentlich entzückt« zum Schluß ein aus einfachen Mitteln geschaffenes Schattenspiel das aufnähme- bereite Kinderpublikum ungemein. Ingeborg Möller war ein schöner Märchenpvinz und Aenne v o n A st e r entzückt« als Aschenbrödel. BennoWünfch aber spielle die Rolle des Königs mll größter Freud« an der G-> stalwngskraft find der Kunst des Berspollens. Wie er als sächseln- der Monarch sich über einen verflossenen König im Besonderen und durch dos ungeschickte Hantieren mft Reichsapfel, Zepter und Krone sich über dos Berufskönigstum im ganzen lustig machte, das war für manchen Erwachsenen ein Genuß. Und die Kinder erzieht eine derariige Rollenauffassung ganz bestimmt nicht zu Monarchisten. e. d. „Revotte im Erziehunqshaus." Um P. M. Lampels gleichnamiges Bühnenstück entbrannte seinerzell ein heftiger Kamps. Es wurde mit Recht gefragt, od es aus reinen Motiven entstanden sei und nur ethischen Zwecken dienen soll«, da- Los der Fürsorgezögf.ing« zu bessern, oder ob auch Ten- sationslusi und angemaßtes Apvsteltum dabei eine Rolle spiele. Heut« sind wohl die Akten über diesen wie über die anderen Lampel-Fölle geschlossen, und es ist an sich kein Anlaß, dies« Frage neu auszurühren. Auch die Verfilmung des Dramas stand im Mittel- punkt sensationellen Interesses, long« bevor sie jetzt in einer Nacht- Vorstellung des Copitols an die OeffentlichkeA gelangte. Der FLm hat vier- oder fünfmal die Zensur passiert und wurde immer wieder abgelehnt, bis es schließlich gelang, eine Form zu finden, die di« Zustimmung der Zensur ftmd. Auch beim Film mußte wieder untersucht werden, ob er wirklich nur im Interesse der Fürsorgezöglinge entstanden ist oder ob auch hier nicht spekulative Tendenzen Mgrund« liegen. Da er jetzt seine öffentliche Wrkpng antritt, kann man wenigsten« hoffen, daß er dazu dienen möge, die längst begonnen« Reform der Zwangserziehung Jugendlicher zu beschleunigen. Da» Bühnenstück war geschlossener, der Film kann mehr in die Breit« gehen: der Regie des Georg Asagaroff ist nachzurühmen, daß er die Russenfilme aus sich hat wirken lassen. Möge« di« Fälle, die hier zur Erörterung kommen, noch so kraß und einsellig gewählt sein und trotz der wiederholt vorgenommenen Abschwächungen besonders in der Wirtschafterin des Hanfes und den „Erziehern" zu noch so gesuchten Uebertreibungcn führen, als künstlerische Leistung ist der Film trotzdem anzuerkennen. Vor allem ist in der Vcsetzung Außerordentliches geleistet worden. Vera L a- r a n o w f k a j a. Toni von E y ck Renate Müller, Ilse S t o b r a w a und besonders auch Wolsgang Zilz« r(um nur die Hauptdarsteller zu nennen) geben echt« Menschen, und in den Massen- szenen der Reooltanten pulst starkes dramatisches Leben. ld. „Ner Erzieher meiner Tochier." Atrium. Harry Liedtte ist von seinem Ausflug ins Väterliche zurückgekehrt in fein« angestammt« Roll« als Herzensknickxr. Diesmal muß er als verkrachte deutsch« Ejistenz der etivas verrückten Tochter eines reich gewordenen Amerikaners aus der Kon- fektionsgegend ihre Schwärmerei für das Adlige abgewöhnen. Er spielt selber den Grafen, bezaubert das Mädchen und bringt sie dann in Deutschland in sein angebliches Adelsschloß. Hier wallet Adel« S a n d r o ck als Vertreterin guter aller Sitte und oerleidet der Amerikanerin in kurzer Zeit ihren Spleen für Stammbäume und Wappen. Manuskript und Regie(Geza»on B o l v a r y) schwelgen hier in der Parodie: ganze Jahrgänge der„Fliegenden Blätter" sind hier kondensiert. Sogar eine wahrhafte Folterkammer wird ausgezogen. Die Kur wird so gründlich besorgt, daß die Miß ausreißt und ein Ekel von Amerikaner heiraten will, nur um dem deutschen Adel zu entgehen. Harry hat große Arbeit, um noch zur rechten Zell den Ozeandampfer zu erreichen, wo er als blinder Passagier als Heizer Dienst tun muß. Aber schließlich siegt die Liebe usw. Das schmucke Filmchen— so wird man bald lesen— erheitert Herz und Gemüt, und wenn es vor 59 Iahren schon«Inen Film gegeben hätte, so wäre er schon damals antiquiert gewesen. Zlber das deutsche Lustspiel und der nach ihm geschaffene Film sind ja wahrhaft unsterblich und über Raum und Zeit erhaben. Und so wird auch Harry Liedtke noch viel« Mädchen durch sein Lächeln und Schmunzeln berücken— der ewige Liebhaber. Karl H u s z o r- Pussy, A. E. L i ch o. Fritz G r e i n e r leisten ihm gute Gesellschaft dabei. r. Alimenie. prlmos-palost. Der Regisseur Carl Böse fleht in dem Versuch. Leben zu formen, seine Ausgab«. Daher verschmäht er stets den bewußten Kintoppreißer. Er macht dafür lieber ein abwegiges Thema oder ein unbedeutendes Alltagsgeschehen filmgerecht Diesmal geriet er an«ine Novelle von Dr. Waller Gottfried Lohmeyer, nach der Sernot Bock-Stieber und Ada von Roon das Drehbuch schrieben. Im Film zieht man Vergleiche. Zwei junge Mädchen werden Mütter. WSHrenS die eine, die vm ihr Ztind rührend desorgt«, an einen g«vissenlosen Mann geraten ist, kann die andere die Ober. flächliche, sich noch eigener Wahl den reichsten Dater aussuchen. Skrupellos betrachtet sie das Kind als ausgiebig« Verdienstquelle. Doch ist sie zu ihrem Pech an sehr kinderliebe Väter geraten und in dem nun«insetzenden Kamps um das Kind siegt zuletzt der anne Dater mit 12S M. Monatseinkominen. Daß auch die verlassene Mutter noch einen besorgten Vater für ihr Kind findet, versteht sich bei dem üblichen guten Allmende von selbst. Der Text ist weniger fein als die Regie. Böse ist wieder der saubere, geschmackvolle Kunstgewerbler im Film. Er ist frohlaunig, erfaßt nichts tragisch und erzielt wieder den sogenannten großen Publikumsersolg. Eine nachhallige Wirkung hat dieses Werk freilich gang bestimmt nicht. Gespiell wurde zurückhollend, sicher und gut. Anita Doris schafft in der müllerlich besorgten Frau ein« recht sympathische Figur und Lu c i e Englisch ist völlig am Platz als kefles Mädel. Vera S ch m i t t c r l ö w hingegen braucht nur elegant gekleidet und blond zu fein. Margarete Kupfer und Gerhard D a m m a n n find ein handfestes Portier-Chepaar. Der in hohem Maß« film- geeignete Harry Nestor ist der lebensgierige, leichtfiitnige Mann und Robert Thiem, Fritz Schulz und Kurt Vesper- ma n n gefallen sich und anhern in der Rolle der kinderlieben Männer. e. tz. Viltna Mönckeberg spricht Hölderlin. Das war ein« Feierstunde im Bürgersaal des Rat» Hauses, in der Äilma Mönckeberg für die Volksbühne Hölderlin sprach. Eine begnadete Sprecherin drang ohne Effekt- hascherei in das Tiefste der Hölderkinschen Verse ein und brachte sie so zu Gehör, daß sie alle Herzen zwang, mitzuschwingen. Wie nah ist dieser große deutsche Dichter, der mit an der Enge feiner Zeit zerbrach, uns heute noch. Vielleicht näher als je, denn seine Gesänge an die Deutschen rütteln auf und erschüttern, als wären sie chen jetzt aus helligster und besorgter Webe für dos neue Deutschland gedichtet, das seine Besten ersehnen. Als erstes sprach Vilm« Mönckeberg persönliche Gedichte Holder- kins, die vom großen Erleben der Natur getragen waren. Hymnen wie„Gcnymed",„An den Zlether",„Hehnkehr" und„Den Eichbäumen"'wurden zu einem sakralen Erlebnis. Hier sprach eine Rezitatorin, die dem Dichter keine Gewalt antat, die so im Dicht- werk aufging, daß der Dichter selbst zu uns zu sprechen schien. In zwei anderen Zyklen brachte sie den Dichter Hölderlln, der über den Kreis seines persönlichen Leides und Erlebens hinaus die Well umspannte. Welch schmerzliche Liebe für Deutschland, dos ihn so verkannte, klang aus seinem Fragment, das er im Irrenhaus schrieb. Welch« Anklage in den bitteren Worte»„An die Deutschen". Donk der Volksbühne, die uns diese große Sprecherin hören ließ! llrnno LeKänlanK. Ltmgestaliung der Luryfreien. Neue kunflpolitische Ziele. Di«„Arbeitegemeinschaft der Iuryfreie»" veranstaltete in der Deutschen Gefells chost«inen T?e, bei dem Pros. Hermann Saud- kühl über die Umgestaltung der Juryfreien und neu« kunstpoli- tische Ziele sprach. Der Vortragende wies darauf hin. daß die JJtiryfreien" nun bereits auf 20 Jahre erfolgreichen Wirkens zur Pflege der jungen ringenden.Kunst zurückzublicken vermag und daß die von der Jury- j freien veranstalteten Kunstausstellungen von Jahr zu Jahr im künstlerischen Leben der Reichshauptstadt und Deutschlands stärkere Bc- achtung gefunden haben. Vor zwei Jahre» sei zum erstenmal der versuch gemacht worden,«in« Tettung der ron der Suryfreton«v. anstalteten Kunstausstellungen vorzunehmen, und zwar dergestalt, daß das juryfreie Prinzip noch eindeutiger als bisher sich durchsetze in einer vollkommen unabhängigen und allgemeinen Kunstschcw, bei der weder eine Jury in irgendeiner Art besteht noch eine Hänge- kommission tätig sei, daß aber andererseits eine Art Auswahltunst- schau veranstallet werde, an der die Beteiligung nur aus Einladung erfolge. Im Rohmen dieser Veranstaltungen seien auch Kollektiv- ausstellungen bereits erfolgt und für die kommenden Jahre vorge- sehen. Der Vortragende wies inst sthr eindringlichen Worten auf den Wirrwarr hin, der im deutschen Kunstteben herrsche und sor- „prolstsriseks Dichtung u Heule, Donneistag, IK'/j Uhr. im Lehrer- Verr tu»hon» (Alexandra platz) spricht Dr. Karl Schröder Ober.Proletarische Dichtung*. Musi- Kailschc Umrahmung: Vo:kschor uch'enberg. Eintrittsharten noch an der Abendkasse zu haben. BOdnp gm SPD. Berlin. Fraaenackretariai. derte in längeren Ausführungen eine Rationalisierung der Kunst- pflege und des Ausstellungswesens. Eine gemeinsam« Forderung aller Verbände der bildenden Kunst sei die Errichtung eines K u o st- Hauses für Berlin, in dem endlich deutsche Kunstausstellungen «ine würdige Stätte finden. Ein« große deutsche Kunstausstellung solle im nächsten Jahr« veranstallet werden und in der Orangerie in Potsdam ihre Unterkunft finden. Eine wettere Forderung aller Künstlerverbände sei es, daß endlich ein wirtschaftlicher Pflichtverband der bildenden Künstler Deutsch- lands geschaffen werde, der auf dem beretts besteheichen Reichs- oerband bildender Künstler aufgebaut werden könne und dessen Auf- gäbe es fein würde, alle wirffchosttichen Fragen der bildenden Kunst pfleglich in die.Hand zu nehmen. Zur Zeßner-Krise. Leopold Ießner wird auf leine Stellung als Generali ittendant verzichten und sich mit Regietätigkett uwb der Leitung der Staat- üchen Schauspteffchuile begnügen,— das ist das Resultat der Ver- Handlungen, die zwischen ihm und dem Kultusministerium statt- gefunden haben, lieber den Nachfolger Icßners ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. Möglicherweise wird Tietjen zum alleinigen Generolintendaitten für fümtticho Staatsbühnen bestellt. Reinhardt-Gastspiel in Paris. Im Mai dieses Jahres wird im Theätr« Pigalle, Paris,«ine ausländische Stagione stattfinden, m der jedes Land durch feine prominentesten Regisseure vertreten sein wird. Max Reinhardt wird im Rahmen dieser Veranstaltung mit seinen Schauspielern ein deutsches Stück inszenieren. Rußland wird durch Toiroff und Meyerhold, Italien durch Ruggero Ruggieri und Amerika durch das berühmte Theater Guild. das damit zum erstenmal in Europa gastiert, vertreten sein.___ Entdeckung altdeutscher Kunstschätze in Schweden. Bei der Katalogisierimg der in schwedischen Kirchen enthaltenen Kunstschätzc wurden historisch und künstlerisch wertvoll« Entdeckungen alldeutlcher und initteldeutschcr Kunstwerke gemacht. Neben Altar- stücken und Malereien fand man ein« große Anzahl holzschn'itzerifcher und handarbeitlicher Werke, die von schwedischen Edelmännern im ZOjährigen Krieg in Deutschland erbeutet und den schwedischen Kirchen geschenkt wurden. Tanz statt predigt. Der Prediger der Universalistischen Kirche von Los Angeles hat i» seinen Gottesdiensten eins so starke Beteiligung gewonnen, wie sie noch niemals in einer Kirche von Los Angeles beobachtet worden ist. Das Geheimnis der Anziehungskraft deruht darin, daß er statt der Predigt, Tanzvoriüh rungen veranstaltet.„Der Tanz ist die älteste Form des Gottesdienstes", erklärte der Geistliche Dr. Sheldpir Shepord und berief sich auf die Bibslstelle:.Lobe den Herrn mit Tanzen." Auch David führte er als Muster einer solche» fröhlichen Bezeugung der Frömmigkeit an. Von einer Tanzakodemi« werden an Stelle der Predigt sechs Tanznummern vorgeführt, und �zwor auf einer Bühne, die durch besonder« Be leuchfung s es fette die Tanzgruppen in das gehörige Licht stellt. Unter den Tänzen befindet sich eine Nachahmung der klastischen Choreographie, ein„Weihrauch- tanz", em„indianischer Korntanz" und ein« Vorführung„Die plastische Girlande". Zum vireklor der SlaaNicheu guuflschule. als Nachfolger deK« be» Rub-itand tretenden Prof. Philipp Franck. ist Prof. Heinrich KampS ernannt worden. Zulivs Lad Ipricht ani 12., 20 Mr. auf Einladung derAoliSbübne E. V. im Bürgel iaal des Ratbanses. Eingang Königstrahe. über das Tbema .Das englische Drama in der Gegenwart*. Einlaßkarten 0,60 Ak am Saaleingäng. .Die entlesielle Mose* nennt sich ei» Kostümfest, das die B o lks» Bühne S. B. zusammen mit dem Personal ihres TbeaterS am Bülowplatz am Sonnabend, dem t. Februar, in allen Räumen des Sport» p a I a lt e s veranstallet. Das Fest wird u. a. auch ein- Reihe bmnoristischer lünstleriicher B-ranstallungen bringen, für die teilweise Sarl-Hein, Marlin die Regie übernommen hat. Einlohkarten(2,50 M.) in den Äerkanfsflellea der Volksbühne Donnerstag, 9. Januar, B e 1 1 J«. 16-05 F. M, Michel«:„Eissport and Wintericamplspiele". 16. ,10 1. Reeer: Sonatine D-Dar. op. 89. Hr. 2.(Maria ProetB«at nogel.) — 2 Schumann: Lieder.(Alice Schiffer-Knzoitiky, Sopran.)— 1 Delins: Lieder(Maria Proelß.)— 4. Brahras: Lieder.(Alice Schäffo-Kaznitzkr.) — 5, Reger: Rhapsodie, op. Z4. Nr. 6.(Maria ProelS; an, Fi>l; Willy Jäger.) 17.30 iugcndstnnde(Sagen nnd Abea teuer). Sprech«: Dr. Woll Zucker. ISUD Dr. frist Cohn-Wien«:Das Gesicht der StraBe. iSJO Unterhaltungsmusik. 19.00 Betriebsräte mzchen eine Reise nach England.(Gesprfeh zwüschee dem Reiselelt« V. Hartig nnd zsrei Telinehmdrn.) 19J0 Chorgesänge.(Berlin« Lendvai-Chor. Mitglied de» DAS. Dirigent! (i. 0. Schumann.) 30.00 Wovon man spricht 30.30„Wann wir Stadtbahn fahren." Hörfolge von Viktor Heinz Puchs. Regie« Mar Bing. 22.30 Funk-Tanz-Unterricht für Fortgeachrittene. AnschiieBend bis 0.30: Tanzmusik. KSnigswusteTbansep._ 16-00 Wilhelm Qaedc und Kurt Teachert: Wahlfach denn AbäturieoteeexameTt, 17.30 Otto Bnchmaup liest ans eigenen Werken. 18.00 Maximilian M0I1«-Jabusch: Weltpolitische Stande. Ü30 Spanisch für Fortgeschrittene. 18-83 Schäfercidirektor Larras: Schafzucht. 19-20 O.-Reg.-Rat Lach: Keramische Erzeugnisse an täglichen Leben, X)J0 Von Leipzig; Hsas-voo-Bulow-Oedichtnisieicr 21.00 Sinfoniekonzert. Dir.: Alfred Szendrei. I. Fr. liszt: Prometheus.' 2. Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5. Es-Dur, op. 73(Prof. Max Pau«, Leipzig).— 3- H. vor Bülow: Ouv. zu„Julius Cäsar", op. 10.— 4. J. Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn.(Die Dresdener _ Philharmonie).__ Betcntmocll.'ür die Seboftion: Snliq-ng ethaan, Berlin: Anzeigen: Zt. Siede. Berlin Verlag: Dorwörts Verlag G. m. h. H., Berlin. Druck: Vorworts Bad». drackerei anh Berlagsanftalt Paul Einger& Co., Berlin S38 68. Linden Krake 3. Kierzn 1 Beilege. lß Iß auch in B%Jf �MONATSRATEN | Präal-SIL Vodiutg.; SUStH-lH. 1 6 ropaiar-nris. cortmi, 3 swras m«. Tftgi. S g. 8» Snnm. 2. 5 n B" Alex. SOÖ6 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr- 3 Musketier« Regie: ERIK CHÄREll. A Sonntag safta. nagek. aaUe Pr. Dono«St.. 9. Stoats-Oper Unter d. Linden A.-V. 9 20 Uhr Sdiwanda. der Dodelsadtpfeifer Turnus IV 19 Ubr laihan Staats-Oper Am Pl-d-Renubl. R.-S. 2m 20 Übt Die ZaibsH Staat!. Sdiaaspli. am Sendarmeomarld A-V. S 20 Uhr Harte Bandagen SlaatlSeliiller-Theater.Chapltij. 20 Uhr SooDd so. so M dar Wnd Renaissance- Theater TäMIch SV« Uhr PARISER LEBEN Operette von OtlonbecK. Regie: fiustav.iartuns- Mua'kajische Leitung: Theo.Maekeben. — SMapliHCI. 0901 u. 2M3/8).— WWW Direktion Or. Martin Zickal WWW Komische Oper Fnedrlchttt.l 04 Merkur 1401 4330. Nach vollständii'tm Umbau Täglich hv. 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Januar 1930 Bnfßbmi Sn'.irutln�ßr Art—"■ Frau Meier bekehrt sich Der Besuch einer wettliche« Schule hat sie umgestimmt Frau Meier hat es Mar niemandem verroten, aber«er sie «jmkw rennt, hat es doch gemerkt. Die Zuschriften im„Abend" sind ihr auf ihre sonst so robusten Nerven gefallen. Erst hat sie die Zeitung ärgerlich in die Ecke geworfen und geschworen, nie wieder so ein LlaU in die chand zu nehmen. Drei Tage Hot sie es ausgeholten— nicht einmal die Geschichte hat sie angeguckt. Ihr Mann hat geschmunzelt. Nun bekam er die Zeitung wenigstens zuerst. Aber am vierton Tage hör Frau Meier doch wieder danach gegriffen und wie zur Entschuldigung gemurmelt:„Muß doch mal sehen, ob mein ehrlicher Name schon wieder abgedruckt ist." Und sie suchte sehr lange. Ihr Mann behauptete allerdings, er hätte gesehen, daß sie den Bericht über die Clternfeier einer weltlichen Schule zweimal gelesen hat. Doch da wurde Frau Meier böse. Solchen Unsinn lese sie überhaupt nicht. Noch dazu von einer weltlichen Schule, wo die Kinder ganz„wild" auf- wüchsen. Dann kam Wechnachten und Neujahr. An so einem Ruhetage hat Frau Meier oll« Erwiderungen auf ihnen Brief im„Abend" mit rotem Kopf noch einmal gelesen. Gesprochen hat sie nicht mehr darüber, doch ihrem Mann« kam ihre Schweigsamkelt beinahe un- heimlich vor. Ganz verdutzt aber lpar er, als seine Frau sich bei einer Kundin erkundigte, wenn die Schule nach den Ferien wjeder anfange. Trotzdem ihm nicht ganz wohl dabei war, wollte er schon fragen, was sie denn vorhabe, als sie ihm plötzlich am Abend erklärte:„Du mußt am Mittwoch allein verkaufen. Ich fahre noch Britz. Ich will mir mal die Schule ansehen, in die Frau Schulze, die mal bei uns hier im dritten Stock gewohnt hat. jetzt ihre Kinder schickt." Da war Herr Meier doch fasiungslos..La... aber... ist denn das nicht eine weltliche Schule?" wollte er einweichen. Aber mit einem energischen.Laste was dagegen?!" schnitt Frau Meier jede weitere Diskussion ab. Und so fuhr sie denn noch Britz. £tau Meier macht sich auf öie Socke« Neben dem Gutspark umgeben sechs schmucke hellgelbe Holzhäuser einen großen tiesbelegten Pwtz. Das ist die weltliche Schule in Britz, In die Frau Schulze ihren Besuch führt«. Kritisch flogen Frau Weiers Augen umher Das sah ja eigentlich sehr ordentlich aus. Di« Fensterscheiben waren alle ganz. Nicht einmal Papier log auf dem Schulhos herum. Und als sie«in Kind fragten, wo der Schulleiter sei, bekamen sie ein freundliches „Kommen Sie bitte mit" zur Antwort. Der Schulleiter war auch sofort bereit, Frau Meier und „Frau S.chulzc durch die Schul« zu. jühren. Ja. u? schien über Frau Meiers Besuch besonders erfreut, trotzdem er doch ihren Brief im„Abend" gelesen hatte.„Sehen Sie, Frau Meier," sagte ex.„so ist«2 richtig. Wenn man die Kinder gerecht beurteilen will, muß man sich bemühen, sie kennenzirlernen." Zuerst kam Frau Meier in eine Klasse, in der etwa Ä Jungen und Mädel sie mochten wohl 12 Jahr« alt sein— in Gruppen an Tischen saßen und losen. Und da hatte Frau Meier ihr erstes Aergernis. Es stand kein Kind bei ihrem Eintritt auf, ja, mau schien sie gar nicht zu beachten. Na, das bötte zu Frau Meiers Zeiten nicht passieren dürfen. Ein Lehrer war über- Haupt nicht zu sehen. Erst später sah ihn Frau Meier bei einer Gruppe sitzen und leise mit den Kindern sprechen. Und plötzlich stand ein Madchen ohne zu fragen aus und schrieb etwas an die Tafel. Ein Junge malt« daneben, scheinbar wurde das eine Landkarte. Dann los ein Kind etwas van einem Zettel ob. ein anderes wallte es scheinbar verbessern Da hals dann der Lehrer. Es wurde Frau Meier nicht recht klar, was das eigentlich sür eine Unterrichtsstunde war. Da war es ihr ganz angenehm, daß ihnen ihr Führer«in Zeichen gab, ihm zu jolgen Und wieder stand kein Kind auf... «Ein Twtfcheuruk Draußen macht« sie ihrem Herzen dann aber Luft: ,.N ein. was heute die Kinder doch unhöflich sind! Gor keinen Respekt vor den Erwachsenen und den Lehrern haben sie mehr."« „Das ist«in Isrtnm, Frau Meier." unterbrach sie der Schulleiter.„Zu uns kommen beinahe täglich Eltern, um dem Unterricht beizuwohnen und die Arbeitsweise unserer Schicke kennen,ztilcrnen. Wenn die Kinder ihre Arbeit min immer durch Aufstehen unterbrechen wollten, würde diese darunter leiden. Wir bemühen uns, die Kinder erkennen zu lasten, daß der Ar- beitend« Rücksicht beanspruchen k an n. Da die Kinder bei der Arbeit waren, hoben wir Erwachsene auf jede Höslichteits- bezeugung zu verzichten. Durch dieses Vorbild werden die Kinder zu einer gleichen Rücksicht gegenüber der Arbeit anderer Menschen kommen. Doch nun wollen wir einmal hier hineingehen." Das Klastcnzimmer, das Frau Meier nun betrat, war rings- herum mit Zeichnungen ausgeschmückt.„Bilder aus Briese- lang" stand darüber. Die Kinder saßen auch hier an Tischen zu- samnien, meistens vier, manchmal aber auch jünf und sechs Mädel und Jungen. Ein Kind las gerode einen Aussag vor, der van den Erlebnisten in Brieselang erzählte. Die anderen Kinder notierten sich hin und wieder etwas auf einen Zettel. Als der Aussatz zu Ende war, nannten sie die Fehler und unterhielten sich darüber, wie man es bester machen könnte. Daim sollte ein Mädchen einen Bericht von d«r Rückjahrt nach Parlin vorlesen, aber «s war damit noch nicht fertig und erklärte, es würde die Arbeit erst morgen mitbringen. Der Lehrer sagte nichts dazu, und «in andere» Kind las seine Arbeit vor. Da ärgert« sich Frau Meier zum zweiten Mole Fr«« Me er wird aufgeklärt Ab« der Lehrer erklärte ihr danc in der Pause, daß Strafen für nicht gemachte Arbeiten nicht nötig, ja sogar schädlich sind. Arbeit darf nie«Ine Strafe s e> n Nur die srettdig geleistete Arbeil ist wirklich«rsolgreich. „Und was machen Sie mit den foulen Kindern." fragte Frau Meier mißtrauisch � �Faul« Kind« gibt&' war d-e Antwort. JSa gibt Kinder, die geistig oder körperlich nicht fähig such, an der Kloflen- arbeit teilzunehmen. Wer das körperlich und seelisch gesunde Kind arbeitet gern und fühlt sich unwohl, wenn es ohne Be- schäftigung ist." „Na ja, spielen und toben wollen sie den ganzen Tag," brummt« Frau Meier unwirsch. Wer der Lehrer lächelte nur ein wenig und sagte:„Dieses Spielen und Toben in«ine Arbeit umzuwandeln, die dem Kinde die Kenntiiiste und Kräfte für den späteren Lebenskampf vermittelt, ist die Kunst, um die sich unsere Schule bemühl" Noch der Pause führte der Schilleiter Frau Meier und Frau Schulze noch in eine A n f ö n g e r k l o s s e. An der Wand waren viele Zeichnungen vom Winter. Schneemänner. Schiiten, Tannen- bäume usw. Dorn, auf einem großen Tisch, standen die ver- schiedcnsten winterlichen Gegenstände aus Plastilin. Und im Sand- kosten war eine große Rodelbahn aus Watte aufgebaut, auf der richige kleine Schitten und Schneeschuhläufer hetunterfuhren. Klein« Pappschilder standen daneben: A.CHTüdir;i RODELBAHN"! VORSICHT! usw. In einer anderen Ecke des Klassenzimmers waren in einem kleinen Häuschen zwei richtig« lebendige Tan.zmäuse.„Zum Zoo" stand darauf, und an der Tür„Piep und Schluckt". Die Kinder ober standen alle um den Lehrer herum, zeigten ihre Mol- bücher und erzählten von Weihnochen, trotzdem es schon längst geläutet halte. Da hätte sich Frau Meier beinahe zum dritten Male geärgert, aber sie kam gor nich dazu. Denn die kleinen Mädel und Jungen wollten, daß auch sie sich alle Bilder ansah und olle Fragen beantwortete. Und als Frau Meier die vielen leuchtenden Äinderougen sah, konnte sie nicht anders, sie mußte lächeln und lobte und bewunderte alles, was die kleinen, un- geschickten Kinderhände geschrieben, gemalt und geklebt hotten. Währenddessen war der Lehrer mit einer Kindergruppe an die Tafel gegoiigen. Die Kinder schrieben aus ihrem Heft olle Dingwörter, die in ihren Geschichten vorkamen, in großen Driickbuch- stoben an die Tafel. Der Lehrer hals ihnen dabei. Immer mehr Kinder sahen zu. Ein Teil hoste sich schließlich aus dem Schrank Scheren, Korton und ein Buch. Daraus schnitten sie Buchstoben aus und klebten sie aus den Karton. Die übrigen Kinder aber malten das, was an der Tafel angeschrieben stand, mit bunter Kreide aus ein großes Blatt Papier. Frau Meier wußte selbst nicht recht, wie es zugegangen war. S!« stand plötzlich allein und alle Kinder orbeiteteii.„Sehen Sie, Frau Meier," sagte da der Lehrer,„so kann dos Spiel zur Arbeit werden— zur freudig geleisteten Arbeit." Frau Meier ist recht nachdenklich nach Haufe gefahren Als aber am Nochmittag ein kleiner, dicker Bengel mit einem Bleistift an ihrem Schaufeitster malte, rief sie ihn freundlich herein:„Willst du malen? Komm', hier host du Papier." Und dann strich sie ihm über das Haar und fragte'„Gehst du auch zur weltlichen Schule?" Da leuchteten die Augen des Jungen auf:„Natürlich, Frau Meier, da macht ja das Lernen Spaß!" Student, Arbeiter, Partei! €%»* Entgegnung Die Ausführungen beider Genossen aus der Bereinigung sozial- demokratischer Studierender in Nr. 1 des..Wend" vom 2- Januar d. I. dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Die Mehrzahl der jo. zialistischen Studenten wird zum erstenmal von einem Gegensatz zwischen Arbeiterstudenten und solchen, die Lie Erkenntnis zum Sozialisten gemacht hat", hören. Wenn der Genosse Arbeiterstudent meint, dos Ziel der Arbeiterstudenten sei„praktische Betätigung in der Gesellschaft im Dienste der Arbeiterschaft", so muß man ihm entgegnen, daß dies das Ziel jedes sozialistischen Studenten ist. Die Arbeiterstudenten als Kerntruppe int Gesämirahmen der sozialistischen Sindelckenarbeii zu bezeichnen, geht in dieser Form nicht an. Die sozialistische Ttudcntenschast ist Glied der sozio- l i st i s ch e n K u lt u r b e w« g u n g, die von der sozialistischen Jugend getrogen wird. Das Streben, der herrschenden bürger- lichen ein neues, vom sozialistischen Geist geprägtes Wollen cni- gegenzustellen, findet sich in großen Teck«» der sozialistischen In- gend. Wie in der gesamten sozialistischen Bewegung ein Gegensatz beinerkt werden kann zwischen denen, die sich um die Heraus- bildirng eines sozialistischen Kulturwollens bemühen, und solchen, deren kulturelles Streben sich in der Nachahmung bürgerlicher Formen erschöpft, so ist dieser Gegensatz auch in der sozialistischen Studentenschast zu bemerken. Er deckt sich aber keineswegs mit dem Unterschied hie Arbeiterstudent, hie bürger- licher Student. Biel« unserer Genosicn, die aus dem Bürgertum kommen, die die Hohlheit der heutigen bürgerlichen Geistigkeit er- könnt haben, bemühen sich viel ernster um die Herausbildung und Pflege aller Ansätze in der Arbeiterschost zur geisi'gen Lösung nvm Bürgertum. Manche der sogenannten Arbeiterstudenten kommen vielfach über das Streben, der bürgerlichen Kulturgü'er teilhaftig zu werden, nicht hinaus. Dieser hier aufgezeigte Gegensatz ist viel tiefer, als der in der Praxis nicht bestehende zwischen Arbeiter- und bürgerlichen Studenten. Vor allen Dingen ist der Gegensatz zwischen Arbeiter- und bürgerlichen Studenten in der Bereinigung sazialdemokrotischer Studierender nicht ollgemein gültig, weil er gar nicht all« Mitglieder der DSS. umfaßt. Die Genossen, die aus den Aufbauschulen kommen, die Genosien, die zwar aus dem Bürgertum stammen, aber die Bindungen mit ihren Familien ge- löst haben und wirtschaftlich genau so kämpfen müssen, wie die Ar- beiterstudenten, werden nicht erfaßt. Noch jchörser muß jedoch den Ausführungen des zweiten Ge- nojsen widersprachen werden, da seine Darlegungen geeignet sind, dic.LSS. in der Pariciöffentlichkeit in ein völlig saljches Licht zu setzen. Aus meiner Funktionärtätigkeit bestreite ich, daß sich das Leben In der VSS. in der Weise abspielt, wie ec dieser Genesie schildert. Es ist in unserer Arbeit bisher noch incht z» dem„emanzipierte» Gegeneinander" gekommen. Ein„g r u n o s ä tz l i ch e r Unterschied zwischen denen, die unbedingt a»e Fragen des So- zialismus theoretisch durchzuarbeiten bestrebt sind, und denen, die sich damit begnügen, ohne umfassende theoretische Vorarbeit mehr praktische Mitarbeit zu leisten", besteht nicht Es gibt wohl einige,, die über dos reine Theoretisieren den Baden der realen Tot- fachen nicht mehr zu sehen vermögen, aber diese wenigen muß man — Gott sei Donk!— in der BS«, mit der Laterne suchen. „Hier aber und später im Leben verlangt man van uns, die geistigen Zentren der Bewegung zu stellen". Dieser Satz zeigt ein« ileberheblichkeit, die in der sozialistischen Studentenbe» wegung absolut nicht Allgemeingut ist. Wir sozialistischen Studenten— ich sage absichtlich„wir", denn hier gibt es keine Gegensätze bei uns— bilden uns nicht ein, etwa die späteren Führer der Bewegung zu sein. Di« ipöteren„geistigen Zentren" der Bewegung werde» nicht in einer soziot'ftiichen Studentenorganl- sation gezüchtet! Die sozialistische SiudentenschoH muß sich in ihrem eigenen Interesse davor schützen, daß der Eindruck entsteht, als gäbe es in ihren Reihen einen intellektuellen Snobismus! Martin Böttcher. Memesi Mißverstanöms Genosse Aevermann hatte in seiner Antwort an Frau Meier („Raum für alle hat die Erde— nur nicht für die Kinder!") scherz- Haft klagend gesagt: .Hunde haben es besser. Eigentlich gehören sie sa nicht in die Großstadt. Wer Tiere so sehr liebt, daß er sie außerhalb des Zoologischen Gartens um sich haben muß, soll ouss Land ziehen, um seiner Tiere willen. Aber die Hunde dürfen doch wenigstens auf die Straße, dürfen dort bellen, sich balgen und sonst noch etwas. Und merkwürdig: die Mitbürger, die ihre Hunde auf die Straße schicken und bei Klagen über Belästigungen, die ihre geliebten Tiere Derursochen, taub zu sein scheinen, sind gegen spielende Kinder am unerbittlichsten." Das hat uns den Zoni einiger Hunde» und Tierlicbhaber zu- gezogen,«o meint ein Genosie, dem 12 Jahre lang ein Hund soviel wie ein Kind gewesen ist, daß ein Mensch, der schon den Tieren das Leben nicht gönnt, für den Menschen, am wenigsten für die Kinder etwas übrig hat. Eine Hundebesitzerin gar. deren Mann seit 21 Iahren den„Bnrwärts" liest und die bisher, im 42. Lebensjahre stehend, die Gesinnung ihres Mannes vertreten hat, rindet die Aeußc- rung des Genossen Älve'rmann so empörend, daß sie sich überlegen will, wem sie bei den nächsten Wahlen ihre Stimme gibt. Hier gilt es, ein k l e i n e s Mißverständnis auszuklären. Genosse Aevermann ist ebenso tier- wie tinderliebenb Seine Zwischenbemerkung entsprang ja gerade der Tierliebe. Sie ist außer- dem nicht wörtlich aufzufasien. Gewiß wird ein vernünftiger Mensch Nicht leugnen können, daß ein Tier sich auf dem freien Lande wohler fühlt als in der Großstadt. Wer dasselbe gilt sa auch nom Wen- schon, der, je größer die Stadt ist. desto mehr von der Na'ur abgesperrt wivd. Ebensowenig wie man deshalb die Forderung aus- stellen konnte, olle Menschen sollen hinaus ausz Land ziehen, kann man von jedem einzelnen verlangen, sich von feinem Tier zu trennen. Aber darauf kam es Aevermann bei seinem Beroloich init den Hunden auch gar nicht an. Er wollte durch das Beispiel lediglich zeigen, wieuuger.echt es ist, dem Linde ohne zwingenden Grund die Sixaße zu nerbieten. Das ist ihm, wie gerade die Zuschriften beweisen, tatsächlich gelungen. Findet man es schon empörend, gegen die Rauf-, Bell- und sonstige Freiheit unserer vierbeinigen Freunde. der Hund e, eine Lippe zu riskieren feiner, der das ernstlich täte. würde überdies bei der Mehrzahl nur Spott und Gelächter ernten), um wieviel empörender muß es sein, unseren zweibeinigen Freunden. den Kindern, die Straße zu verbieten! Kinderreichtum in der Großttaöt Die Zahl der in den 4ä deutschen Großsiöhien existierenden Familien mit mindestens vier Kindern unter l8 Iahren beträgt etwas über 280 000. Den größten Prazenisatz bestreiten davon die Städte im Rheinisch-Westsälischen Indusirierevier mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Auf je 100 Familien kamen kinderreiche in Dortmund IIP, Münster I3P, Duisburg 13P. Bochum 16. Außerordentlich hohe Prozentsätze werden auch in Oberschlesien erreicht, und zwar beispielsweise in Hitidenburg 1!),9. Wesentlich niedriger sind dl« Prozentjätze in den Städten mit überwiegend evangelischer Bevölkerung, hier kommen auf l00 Familien tinder- reiche in Berlin 3.1, Homburg 4,3, Leipzig 5, Frankfurt 5,2 Dresden 4,4, Hannover 4,4, Bremen 6, Magdeburg 4,4, Broun- schweig 3P. Das traurigste an dteser Statistik ist, daß von den be- stehenden 280 000 kinderreichen Familien über 171 000 in unzu- reichenden Wohnungen, bis höchstens vier Räumen Lücke inft. gezählt, wohnen. Lutifahrtunterricht tu der vchtrn Bom preußischen.Kultusministerium und dem Ministerium für Handel und Gewerb« ist ein Erlaß herausgegeben worden, nach dem die Jugend während des Schulunterrichts planmäßig in die Pro- lckeme der Luftfahrt einzuführen ist. Der Unterricht soll sich nicht nur die theoretrsäf« Betrachtung äronaurischor Fragen beschränken, sondern soll ouckf praktisch den Bau von Modell-, Gleit- und Segel- slugzeugen durch die Jugend fördern. P0M (7. Fortsetzung.) 9 9. Bild: Das Zimmer de» Untersuchungsrichters. Der Richter füllt die Wartepause mit Arbeit aus, blättert in Akten, notiert sich etwas. Der Baron spricht besorgt aus Mari« ein. die verschlossen bleibt und kaum antwortet. chöfer wird hereingeführt. Das Wiedersehen der beiden ist voll innerer Spannung und starker Lebendigkeit, die sich nicht in Testen ausdrückt, sondern nur in Blick und Haltung. Man muß fühlen, daß das Wiedersehen freudiger ausfallen würde, wenn die Beiden allein wären. Der Untersuchungsrichter spricht zu Höfer, indem er gleichzeitig öfter auf Marie deutet. Er erzählt offenbar, was Marie ausgesagr bat, und fragt schließlich, schon mit einem leisen Anflug seines ungläubigen Lächelns: „Stimmt das?" Höfer schweigt, blick! keusch Marie an. dann gerade und fest den Richter und schüttelt den Kopf. Der Richter blickt auf Marie, zeigt die Hand, fragt etwas, als sagrs er: nun, was sagen Sie dazu? Marie blickt das erstemal groß und ratlos vor sich hin. Der Richter hebt sozusagen bedauernd dl« Schultern und gibt dem op-irter das Zeichen, Höfer wieder abzuführen. Während Marie sich langsam vom Stuhl erhebt und auf Höfer zu- geht, nähert sich auch Höfer einen Schritt(wichtig ist diese Gleich- zeitigkeit). Sie blicken einander an, stumm und gesühlsgespannt. Plötzlich— und gleichsam unerwartet für sie selbst— umarmen sie einander in tiefer Verbundenheit.(Der Impuls zu Umarmung und Äuß ging von beiden ganz gleichzeitig aus.) Das gerührte Gesicht das Barons während der Umarmung der beiden. Nach der Umarmung: Maries weiches, aufgelöstes, liebevolles Ge- ficht, wie sie ihm nachsieht. Höfers Gesicht und Haltung ist ganz und gar verwandelt vor Glück, wie bei einem Menschen, der überhaupt das erstemal in seinem Da- sein sich selbst und sein eigenes Leben empfindet. So läßt er sich abführen. Gleichzeitig spricht der Untersuchungsrichter ins Telephon. 100. Bild: Gewundener Gang im Untersuchungsgefängnis. Der von dem Wärter begleitet« Höfer begegnet auf dem Wege zu» rück in seine Zell« dem gefesselten Mörder, der von zwei Wärtern transportiert wird. Das haß- und triumpherfüllte Gesicht des Mörders, wie er dem ganz seiner inneren Freude hingegebenen Höfer nachsieht. 101. Bild: Die Zelle Höfers. (Die Verwandlung Höfers, die in diesem und allen folgenden Bil- dem zum Ausdruck kommt, ist vom Schauspieler folgendermaßen aufzusasien: Höfer hat in seinem ganzen bisherigen Dasein als Mensch überhaupt nie gelebt. Er hat in sejnem früheren Leben nie Empfindungen eines kämpfenden, leidenden und glücklichen Menschen gekannt: er war ein Automat. Wenn er jetzt durch die Bezieliungen zwischen ihm und Mark den Zusammenbruch über- windet und ausersteht, so kann es bei ihm nicht im allergeringsten eine Auferstehung sein in sein früheres Scheindasein, sondern: er wird sozusagen erst fetzt als Mensch geboren. Er hat zum ersten Male menschliche Empfindungen, er ist ein Kind von vierzig Jahren, das min erst zu leben beginnt: ein moderner Kaspar Hauser.) Höfer steht im Türrahmen, hinter ihm der Wärter. Da das Glück in ihm sich äußern muß und er eine andere Ge- legenheit nicht hat, umarmt er plötzlich den Wärter, dann legt er ihm beide Hände auf die Schultern, schüttelt den verblüfften Wärter, dreht ihn um und schiebt ihn zur Tür hinaus. Höfer geht strahlend hin und her, feinem inneren Glücke nach- hängend, dann betrachtet er, Hände in den Hosentaschen, üheraus glücklich das vevgitterte Fenster und die leeren Wände, als ob das Kostbarkeiten wären. Er hockt sich auf den Fußboden, die Ellenbogen auf die Knie ge- ltlltzt, den Kopf in den Handschalen. Er steht auf, rennt in der Zelle umher, ergreift im Laufen den Hocker, setzt ihn sich auf wie einen Hut. stellt den Hocker schließlich auf den Tisch, springt auf den Tisch, setzt sich auf den Hocker, sitzt regungslos und strahlt. 10 2. Bild: Das Zimmer des Untersuchungsrichters. Der Untersuchungsrichter ist jetzt allein. Cr hebt den Kopf, als ge- rade die zweite Tür geöffnet wird. Der Mörder mit den beiden Wärtern tritt ein. Fragen des Untersuchungsrichters, die vom Mörder mit verbissener Entlchlollcnheit verneint werden. Er sagt: . Ich war überhaupt niemals in dem Stall, in dem Marie schläft." Der Untersuchungsrichter fragt etwas. Der Mörder antwortet: „Höfer hat unten vor dem Haus Sehmiere gestanden, und dafür kab ich ihm den Ring gegeben." Der Untersuchungsrichter macht eine Bewegung, indem er beide Hände auf die Schreibtischplatte stemmt, als sagte er: ja, da steht Aussage gegen Aussag«. Cr erhebt sich, geht zur dritten Tür, öslnet sie. rust hinaus. Marie kommt herein., bis zum Schreibtisch. Das Gesicht des Mörder- verändert sich. Er duckt sich gleichsam jetzt schon unter der Macht Maries zu« lammen, blickt, halb schielend, von unten auf. Der Untersuchungsrichter spricht zu Marie, deutet zwischendurch auf den Mörder, wiederholt dessen Aussage, blickt fragend Marie an. Marie bleibt vollkommen ruhig, blickt den Mörder an. tritt vor ihn hin, zwingt ihn mit ihrem Blick, sie anzusehen. Ohne daß sich ihre Hände oder sonst etwas an ihrem Körper bewegen, spricht sie, scharfen und starken Gesichts, zu ihm. Der Mörder senkt den Kopf, antwortet nicht. Der Unterfuchungs- richter, der äußerst gespannt beobachtet. Jetzt packt sie den Mörder ganz kurz mit verhaltener MIdheit an Arm. zwingt ihn, sie wieder anzuifehen, spricht noch einen kurzen Satz zu ihm, wie einen zwingenden Befehl: ,JDie Wahrheit!... Ist es so, wie ich sage?" Der Mörder sinkt in sich zusammen und sagt: Ja!" (Es muß bei diesem Spiel herauskommen, daß Marie ganz allein durch die Kraft ihrer Persönlichkeit den Mörder zur Aussage der Wahrheit zu zwingen oermochte. Dies« Kraft ist klar optisch exponiert bereits in der ersten Szene ihrer Begegnung mit dein Mörder beim„Plctzwiri".) Während Marie sich kuhig, als wenn nichts Besonderes geschehen wäre, auf ihren Stuhl setzt, drückt der Richter auf einen Klingel- knöpf. Aus dem Nebenzimmer(3. Tür) kommt der Protokollführer herein und setzt sich auf einen Wink des Richters an die Schreibmaschine, worauf der Richter zu diktieren beginnt. abblenden. 103. Bild: Speisesaal in der Tiergartenvilla des Baron Holl. aufblenden über der prunkvoll gedeckten Tafel. Lüster und Kandelaber leuchten. In weißen Porzellanleuchtern auf der Tafel werden eben von livrierten Dienern weiß« Wachskerzen angezündet. Alles unter der Oberleitung des alten, weihhaarigen Dieners. 104. Bild: Halle der T i« r ga r t e n oilla. Der Baron in tadellos sitzendem Frack empfängt seine Gäste. Es sind die Genossen seiner Armut vom„Platzwirt". Zwei Diener nehmen den Ankommenden, die vom Baron fröhlich und achtungsvoll begrüßt werden, die Hüte und Stöcke ab, binden einen Schäferhund, mit dem ein Blinder ankommt, hinter dem Borhang in der Garderobendiele an, wo ein eleganter Mantel des Barons über einem Bügel hängt und sein eleganter Hut, der von den Hüten, die fetzt von den Dienern abgelegt«erden. d«Mch absticht. Die Diener sind gezwungen, ihren Unwillen und ihr« Fassungs- lostgkeit zu verbergen und sich vollkommen korrekt zu verhalten. Hin und wieder wechseln sie entsprechende Blicke miteinander und er- starren sofort wieder zur Korrektheit, wenn sie befürchten, von dem Baron gesehen zu werden. Ein Platzwirtgenosse kämmt sich mit dem Kamm und der Bürste, die vor dem großen Spiegel liegen, eine Haarsträhne mit elegantem Schwung in die Stirn, indem er sie. vorher mit Speichel anfeuchtet. Ein Platzwirtmädchen zeigt einer anderen die wundervolle Puder- dose mit der großen Quaste und pudert ihrer Genossin heiter das Gesicht. Die Platzwirtleute benehmen sie genau so wie in ihrem Milieu, absolut genau so wie immer, nur mit dem Unterschied, den die augenblickliche Situation bedingt.(Also keinerlei Mätzchen!) Die Stimmung ist trotz ihrer Pittoreskheit von einer ganz natür- lichen Freudigkeit. Ein Platzwirtkriippel, dessen Körper zwischen zwei Krücken baumelt, kommt Das Gesicht des Barons wird ernst und mitfühlend. Er hilft dem Krüppel mit Vorsorglichkeit in den Fahrstuhl. Auf dies« Weife werden ungefähr 18 Personen empfangen, darunter das Mundharmonikaquartett. Einigen sieht man doch an, daß sie sich für diesen Abend schön ge- macht haben(auch hier keine Uebertreibungen, denn die ganze Situation ist an sich ergiebig genug). 105. Bild: Am Stall. Scheinwerfer, von einer Lichtmaschine gespeist, sind aufgestellt und beleuchten Maries Stall. Eine große Anzahl Arbeiter sind in Tätigkeit, alle in fieberhaftem Tempo. Drei Dachdecker liegen auf dem Dach, reichen einander Schieferplaitcn zu und decken neu das Dach. Fenfterlöcher werden eingebrochen. An einem Fensterloch fetzt der Glafcr bereits den Fensterrahmen «in. Em Schlosser arbeitet schon am Einsetzen des Schlosses der neuen Haustür, unter Beihilfe feines Lehrjungen. Erdarbeiter und ein Gärtner ebnen den Boden vor dem Haus. Ein Gärtnerwagen mit Sträuchern, deren Wurzelknollen zu sehen sind, steht bereit. Maurer bewerfen die Fassade mit Verputz. Noch herrscht ein großes Durcheinander. Alle arbeiten fieberhaft. 106. Bild: Das Zimmer des Untersuchungsrichters. Der Beleuchtungskörper brennt. Höfer wird voin Wörter ans der Tür des Untersuchungsgefängnisses hereingeführt. Der Richter bittet den Fröhlichen herzlich, Platz zu nehmen, reicht ihm einen Zettel aus dem Aktenstück und sagt: ,Jch habe soeben Ihre sofortige Entlassung ans der Untersuchungshaft verfügt." Höfer nimmt den Entlassungsschein, bedankt sich, verabschiedet sich, lebensfroh lächelnd, ein ganz verwandelter Mensch Der Wärter führt ihn zuvorkommend durch die Tür auf den Korridor hinaus. Höser legt dem Wärter heiter die Hand auf die Schulter.(Schluß folgt.) «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. iinininniiniiiiiininiiimnnnmniiiiniiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiraminniumniinnnniuai«aiiiuuiiiumiiiiiiiiiimiiuiiiimiiiiuiniuiuiiiinniiuiiiiuuiunuiiiiiiiiniuiiuii«iniiiiiimnimuinmminB Kleintierhaliung im Januar. Der Januar ist für das Vieh der schlimmste Monat im Winter. Der Tierhalter wird daher gut tun, wenn er in den Ställen eine stärker« Kontrolle alz sonst ausübt. Sind bereits kranke Tiere in den Ställen festgestellt worden, so muß man geeignete Maßnahmen ergreifen, um eine Ausbreitung der betreffenden Krankheiten nach Möglichkeit zu verhindern.(Isolierung usw.). Ist man sich nicht ganz genau über den Charakter der Krank- heiten im klaren, so lasse man das Selbstbehandeln lieber sein und befrage einen Tierarzt: denn er kostet immerhin niemals soviel wie ein an verkehrter Behandlung gefallenes oder verendetes Tier. Bei der Betreuung der erkrankten Tiere halte man sich selbst stets peinlich sauber und vermeide unnötige Berührungen mit ihnen. Nach erfolgter Betreuung der kranken Tiere sind die Hände und alle Körperteile, die mit den Tieren in Berührung gekommen sind, stets sorgfältig mit desinfizierender Seife zu waschen. Lappen, die mit Schleim, Eiter oder Blut eines erkrankten Tieres besudelt sind, verbrenne man sofort. Selbstverständlich muß man auch bei gesunden Tieren alles tun, um sie vor Krankheiten zu schützen. Man sorge daher für häufige Lüftung der einzelnen Ställe und verschaffe den Tieren ausreichende Bewegung. Am besten ist es, wenn mön sein Vieh bei gutem Wetter während der Mittagszeit ins Freie treiben und die Ställe inzwischen gut lüften laßt. Nach der Rückkehr in den Stall müssen die Tiere etwas Futter erhalten. Im Gänsestall müssen jetzt die Lcgenester, die nachher auch als Vrutnester dien.,1, hergerichtet werden. Sie sollten gut mit Stroh ge- polstert werden und 80 Zentimeter im Geviert groß sein. Jede Gans muß ihr eigenes Rest haben: im übrigen empfiehlt es sich außerdem noch sehr, die einzelnen Nester durch dünne Scheidewände von- einander zu trennen: denn dadurch oerhindert man unliebsame Beißereien. Von den gelegten Eiern sollte man eines immer im Nest zurücklassen. Bei der Fütterung des Geflügels bedenke man, daß z. B. die Hühner im Winter auch Pflanzenkost sehr nötig haben. Durch sie wird das Fleisch der Tiere wesentlich verbessert und die Legetätigkeii günstig beinflußt. Es empfiehlt sich daher, Haushaltsabfälle, wie z B. auch kleingeschnittene Apfel- und Kartosselschalen, zu füttern. Sehr wesentlich ist es ferner, daß stets reines und frisches Trink- wasser vorhanden ist: denn die häufigsten Geflügelkrankheiten: Diph- theriti», Ruhr und Cholera entstehen oft durch Verunreinigung des Trinkwasser». Am besten sind die automatischen GeslügeUränken, bei denen eine Verunreinigung des Trinkwassers nahezu unmöglich ist. G. B. Rigolen, Das deutsche Wort„Umschichten" kennzeibnet recht gut die meist in den Wintermonaten, auch noch bei leichtem Frost, ausführ. bar« Bearbeitung des Bodens, bei der es sich darum handelt, den Boden ln der Tiefe zu lockern. Vielfach ist man des Glaubens, daß man nur dann rigolen soll, wenn der Acker so recht„verpeZet* ist. Man geht dann auf elnea Meter Tiefe herunter bringt dann wohl zwar ausgeruhten, aber sterilen Boden nach oben, den m Kulturland zu verwandeln es großer Mühe bedarf. Das R i g o- len als Kulturmahregel bezweckt die Verbesserung der physikalischen Beschaffenheit des nahen Untergrundes, in den die Wurzeln noch hineingehe». Dieses Rigolen ist eine Um- schichtung durch zwei Spatenstiche: der jetzige gute obere Baden kommt um einen Spatenstich nach unten und der jetzt unten liegende kommt nach oben. Es findet also eine Umschichtung Innerhalb von 50 Zentimetern statt. Rur bei sehr schweren Böden kann eine Locke- rung auf 75 Zentimeter Tiefe von Nutzen sein. Hinsichtlich des unten liegenden Lodens sei bemerkt, daß steiniger Untergrund und «ine fest« Tonschicht der Mühe des Rigalens nicht wert sind. In diesen Füssen muß man die Verstärkung der Kulturschicht durch Auf- bringen von Kompost und guter Erde sowie Dung herbeiführen, falls man überhaupt Wert darauf legt,«inen solchen Boden für Gemüsebau zu benutzen. Die Ausführung des Rigolens erfolgt so: man teilt das Land in Streifen von 1 bis 2 Meter Breit« ein, wirft nun die Erde aus der Anfangsfläche des ersten Streifens(die man am besten quad- ratisch, also ebenfalls 1 bis 2 Meter lang nimmt) zwei Spatenstiche tief heraus. Meist wird der Weg sich als Lagerplatz passeich er- weisen. In die entstehende quadratische Grub« wirft man nun die obere Erde, also die mit einem Spatenstich herausgenommene, des sich anschließenden zweiten Quadrats und danach die durch den zweiten Spatenstich herausbeförderte Erde, die also jetzt im ersten Quadrat oben zu liegen kommt. Wird diese.ausgeruhte", aber der Bodenbakterien entbehrende Erde nun mit Mist oersorgt, was am besten bei einem zweiten leichten Graben erfolgt, so finden die Pflanzen«inen gegen früher doppelt so tiefen Kulturboden vor, der zudem durch seine lockere Beschaffenheit Lust und Wasser aufs beste einwirken läßt. Wer aber mit Naturdünger sparsam umgehen muß. also die obere Erdschicht behalten möchte, kann sich lrotz- dem den Vorteil der Bodenlockerung durch die beschriebene Aus- führung de» Rigolens sicher». Er verfährt rmiin so, daß er auch die gute(obere) Erde des zweiten Quadrats beiseite bringt, dann die untere Erde von 2 nach unten in 1 bringt und schließlich die obere Erde von 3 über 2 hinweg nach 1 wirft. Diese Arbeit ist anstrengend und man wird daher das Längenmaß der ersten Aushebung nicht zu groß annehmen. Die beiseite gesetzte Erde dient schließlich zur Ausfüllung der letzten Aushebung.?. V. Ausnutzung der Nordwand. Die Schattenmorelle, in den Katalogen der Baumschulen als „große lange Lotkirsche" bezeichnet, ist zur Verwendung an der sonst für Obstkulturen nicht geeigneten Nordseite brauchbar. Ihre besondere Sicherheit im Ertrage rührt von der späten Blüte her— die Frühjahrsfröste hoben wenig für sie zu bedeuten. Um zu erkennen, daß der Baum die echte Schattenmorelle ist, hat man nur nötig, die Knospen zu betrachten: sie haben eine mehr rundliche Gestalt und die einjährigen Triebe weisen wenig Verzweigungen auf. Sauer- kirschen, die vielfach auch unter dem Namen Schattenmorellen gehen, haben spitze Knospen, und die einjährigen Triebe haben viele Per- zweigungen. Der Wuchs der Schattenmorellen ist stark— bei Spalierpflanzung wähle man 3 Meter Entfernung Man sehe, daß inän jüngere Bäume erhält: ältere wachsen schwerer an. Gut ist, wenn als Unterlage Prunus Mahaleb genommen wird und nicht der Sauerkirschensänrling. P. D. Kalk im Boden, \ Auf die Bedeutung der Rolle, die der Kalk im Boden spielt, ist hier schon hingewiesen worden. Will man feststellen, ob ein be- stimfftter Acker genügend Kalt hat. so bringt man etwas von der Erde in ein Glas und übergießt sie mit einer Mischung von einem Teil konzentrierter Salzsäure und zwei Teilen Wasser. Stellt sich Aufbrausen und Entwicklung von Gasblasen ein, so hat der Boden genügend Kalb. P. D. Es geht auch Unser Mitarbeiter und eifriger Gegner P a u l ch c a äußert sich hier über den Sport im neuen Zahr. Mit dem Wintersport ist es dieses Mal anscheinend Esiig. Erst war wochenlang Regen und Schnee, und jetzt sind am Tage fünf bis zehn Grad über Null; es ist das schönste Vorfrühlingswetter. Da haben die Damen lange vorher an ihrem Wintersportdreß ge- arbeitet. Denn der ist doch die Hauptsache beim Wintersport. Da gibt es bunt gehäkelte Hand-, Knöchel- und Gelenkfchlltzer und die niedlichen, kleinen Handschuhe. Gott, sind die süß. Und dazu ein« mächtige, bunte Pudelmütze mit einem riesengroßen Pompon oben drauf. Neulich sah ich so ein Ding im Schaufenster. Ich glaubte, es wäre ein Kaffeewärmer. Als wenn es gleich bis nach Grönland ginge, so mummen sie sich ein. Sind ja auch sonderbare Menschen. diese Wintersportler. Statt nach dem Norden, nach Schweden und Norwegen zu fahren, wo der Wintersport zu Hause ist. fahren sie nach dem Süden, dem Harz, ins Riesengebirg« und nach Tirol. Ein Kollege, der diesen faulen Zauber auch immer mitmachen muß. schrieb uns neulich eine Ansichtstart« aus dem Riesengebirg«: Wunderbare Landschaft, die Berge voller Eis und Schnee! Sah direkt verlockend aus, wie lauter Kristallzucker. Man kann sich das gar nicht denken, daß über der Erde so viel Schnee liegt. Ich bin daher gestern extra auf den Kreuzberg geklettert, der ja auch seine S600 Zentimeter über dem Meeresspiegel liegt, habe aber da oben kein« Spur von Eis und Schnee entdecken können. Meinem Kollegen aber habe ich nun einen Brief geschrieben und ihm gesagt, er soll uns gefälligst ein« neue Aufnahme schicken und nicht eine vom vorigen Winter! Da wollen sich die Wintersportler immer dicke tun. aber nun sitzen sie da mit ihrem Talent. Die Angler werden sich ja über das warme Wetter nicht ärgern. Da brauchen sie wenigstens kein« Lächer ins Eis zu hauen, wie im vorigen Jahre. SUoester habe ich gesehen, wie sie aus der Spree am Mühlendamm aus großen Bottichen die dicken, fetten Karpsen mit Netzen fischten. Ich glaubte immer, alle Fische werden geangelt, weil man doch Sonntags immer so viele Angler sieht. Jetzt weiß ich erst, daß nur die ganz kleinen Fische geangelt werden, die dicken, großen Karpfen werden dagegen gefischt, und die ganz großen Fische mit der Harpune geschossen. Während man die kleinen Fische mit dem Messer schlachtet, habe ich gesehen, wie die Fisch- frauen ein Pfundgewicht nahmen und damit den Karpfen eins auf den Deetz gaben, daß es nur so bullerte. Dann schlössen sie die Augen für immer, die Karpfen. In unserem Ruderoerein war kürzlich Generalversamm- lung. Natürlich gingen die Wogen hoch, wie das ja beim Wasser- spart unvermeidlich ist. Ein Teil des Vorstandes hatte nämlich einen Antrag eingebracht, einen Grundstücksteil Hinzuzukausen, um dort für den Ergänzungssport eine Kegelbahn zu errichten. Die Gegenseite war auch für den Grundstückskauf, nur wollte sie darauf ein Kinderheim anlegen. Sie meinten, für die Kinder, die da kommen könnten, denn in letzter Zeit hätten sich fo viele Ruderer verlobt(bei den Verheirateten ist das nicht so schlimm!). Obwohl ich sonst nichts gegen Kinderspielplätze habe, stimmte ich doch für die Kegelbahn. Denn schon in unserem alten Bootshaus war«Ine, und die hat sich prächtig bewährt, trotzdem damals dos Wort.Er- gänzungssport' noch völlig unbekannt war. ohne Spprt! Ein Segler wollte den dicken Wilhelm markieren und baute sich in seinen alten Kasten einen Sechszylindermotor«in. Eine Weile ging bei dein schönen Wetter jetzt auch alles ganz gut. Plötz- lich bricht mitten auf der breiten Havel ein Vergaserbrand aus. In seiner Bestürzung springt der Motorsegler über Bord und erreicht schwimmend das rettende Ufer. Das Boot brannte bis auf die Grundmauern nieder. Da lob' ich mir«inen Autler, den ich neu- lich auf der Landstraße sah, und dem auch der Vergaser brannte. Mit größter Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart, die die Autler nun einmal besitzen, führ er im SO-Kilometer-T«mpo gegen«inen Baum und brachte dadurch seinen Wagen zum Stehen. Der Kühler, die Scheiben und verschiedenes andere gingen allerdings in Trümmer. Dann schmiß er Sand gegen den Vergaser und der Brand war gelöscht. Der Mann wußte sich doch wenigstens zu helfen! lind dann überhaupt die Wanderer! Es war in der Sil- vesternacht, da wanderte so ein Dutzend nach Eichhorst, und da sie unter sich und sonst strenge Antialkoholiker waren, aber Silvester nun wohl doch nicht so ohne Alkohol ein rechtes Silvester ist, so nippten sie ein bißchen an einer Pulle. Gewiß, sie nippten nur, aber dieweil sie sonst sehr zurückhaltend gegenüber dem Alka-. hol waren, so geschah etwas Seltsames. Wie es geschah, weiß niemand. Jedenfalls was es am Ende so, daß sie mitten in der Nacht die gastliche Herberge verlassen mußten. Auch die Abstinenz hat halt ihre Schattenseiten. Die Nacktsportler hatten ja vor kurzem auch ihre große Tagung. Ich kann mir nicht helfen, ich kann der Sache keinen Ge- schmack abgewinnen. Was hat das überhaupt mit Sport zu tun. Da laufen sie dauernd zum Arzt, lassen sich beobachten, untersuchen und mit Höhensonne bestrahlen, hopsen nackend im Saal herum. sprechen vom unerhört durchtrainierten Körper und sehen schließlich doch blaß wie weißer Käse aus. Ich würde das nicht sagen, wenn ich nicht auch unter diesen Sportlern einige Bekannte hätte, von denen ich alles weiß. Im Sommer ließ ich mich einmal verleiten und suchte sie am Motzener See auf. Prüde, wie ich nun einmal bin, hatte ich eine Badehose an. Da kam ich aber schön an. Am Eingang rief mir einer höhnisch zu:„Runter mit dem Kulturfetzen'" Man ließ mich nicht hinein, ich mußte umkehren. Wohin soll das überhaupt führen, wenn die Ziele der Nackt- sportler verwirklicht werden? Wo bleibt z. B. die Disziplin beim Heere, Lvenn alles nackend exerziert? Und woran erkennt man den Unterschied zwischen einem Feldwebel und einem Gefreiten; wohin soll der Feldwebel sein dickes Notizbuch stecken und woran der Unter- offizer sein«„Gurkenschalen" und der Gefreite seine Knöpfe be- festigen? Einfach schrecklich. Wohin stecken die Damen ihre Par- süms, ihr« Taschentücher und der Ehemann seinen Hausschlüssel? Und haben wir nicht schon genug Pleiten? Ohne Hut und Kragen, ohne Krawatte und Oberhemd, ohne Schlüpfer und Hemdhöschen nur mit Sandalen— das bedeutet den vollständigen Ruin der schon jetzt nach Subventionen schreienden Wirtschaft. Die Nackedeis sollten das alles bedenken. Aber trotzdem allen Sportstollegen ein Frei Hell, All Heil, Frei weg, Petri Heil, Berg frei, Gode Wind Ahoi zum neuen Jahr! I Euer Paulchen. -ARBEilEH TUSSBALL Wer wird Kreismcisler? Die diesjährige Kreis Meisterschaft ist lediglich eine Angelegenheit des Luckenwalder Bezirks, das Endspiel findet da- her auch in Luckenwalde statt. Zwei Abteilung«» der Luckenwalder Turnerschaft. die 1. und die 2., haben sich bis zur Endrunde durch- gesetzt. Wer von beiden die größten Aussichten hat, ist, schwer zu sagen. Luckenwald« 1 hat sich trotz schärfster Konkurrenz an der Spitze behaupten können. Die beiden ernsthaftesten Gegner Bran- denburg und Lichtenberg 1 hatten zu sehr mit Formschwankungen zu kämpfen. Die zweite Abteilung, dix auch im Spieljahr 1328/29 den Kreismeister stellen konnte, hatte es in dieser Beziehung leichter. In der Abteilung B nahmen sich die übrigen Anwärter auf die Führung gegenwärtig die Punkte ab, während Luckenwalde ohne Puiiktverlust die Führung übernahm und auch hielt. Wohl hat die erst« Abteilung die technisch etwas bessere Mannschaft, während in der zweiten Abteilung ein Torwart das Tor hütet, d«r so leicht nicht zu schlagen ist. Er wird auch ausschlaggebend für den Ausgang des Spiels sein. Deshalb rechnen wir mit einem knappen Sieg der zweiten Abteilung. Das Spiel findet in Luckenwalde auf der Sport- platzanlage in der Hetzheide um 14 Uhr statt. Vorher stehen sich noch folgende Mannschaften auf derselben Anlage gegenüber: Lucken- walde V gegen Niemegk(11 Uhr); Hertha 11 gegen Treucnbrietzen (11 Uhr); Luckenwalde III 2 gegen Potsdam 2(11 Uhr); Lucken- walde V 2 gegen Niemegk 2(9.30 Uhr); Hertha 2 gegen Treuen- brietzen 2(9.39 Uhr); Luckenwalde II Jugend gegen Jüterbog Iu- gend(12.30 Uhx). Weitere Spiele: Havelberg gegen Jüterbog in Havelberg: Karow gegen Weißensee in Karow; Lichtenberg I gegen Eiche-Köpe- nick in Lichtenberg. Haufsstraß«; Schönow gegen Eintracht: Pankow gegen Freie Scholle: Dorwärts-Wedding gegen Wansdorf. Zweite Mannschaften: Germania gegen Weißensee; Karow gegen Saxonia; Vorwärts gegen Wansdorf. Jugend: Rathenow gegen Eiche-Köpe- nick; Neukölln gegen Saxonia: Lichtenberg I gegen Werder 77: Ketzin gegen Vorwärts 2: Vorwärts 1 gegen Weißensee: Spandau gegen Saxonia 2: Wansdorf gegen Schöneberg: Brandenburg gegen Lichtenberg II: Lichtenberg II 2 gegen Eiche 2. Beginn d-r Spiele: 1. Mannschaften 14 Uhr; 2. Mannschaften 12.15 Uhr; Iugendmannschaftcn 11 Uhr. tforrx Stein im„Ständigen Ring". Der„Ständige Ring" in den Spichernsälen bi«t«t bei seiner nächsten Veranstaltung am F eitag 10. Januar, einen Federg«- wichtskampf zwischen Harry S l e i n- Berlin und dem Belgier van P a e m e l, der gegen die ausgezeichneten Engländer Teddy Baldock und Kid Pattenden große Kämpfe geliefert hat. Auch die Be- gegnung zwischen Eder-Dortmund und Pötsch-Prag verspricht großen Sport. Ferner wurden Bartneck-Berlau gegen Mehner- Köln. Tobeck-Nreelau gegen Trollmann-Hannover und Ahrens-Berlin gegen Schnndthaber-Berlin verpflichtet. Vfohockex Deutschland-Lettland. In Königsberg sind d>e Vorbereitungen für den 1. Eis» Hockey. Länderwetttampf des Arbeiter-Tunn und Sport- bundes Deutschland mit dem Sport- und(. Hutzbund Lettland am LS. Januar im vollsten Sange. Die Eisvechältniss« in Königs- berg sich» günstig. Die deutsche Auswahlmannschaft, die sich zum größten Teil aus Spielern von Königsberg zusammensetzt, hat bereits mehrere Uebungsspiele hinter sich. Auch die lettischen Spieler befinden sich bei zielbewußter Schulungsarbeit. Em Vergleich. Was leistet die Republik für den Sport? Es gehört zu den Gepflogenheiten des bürgerlichen Sports, zum Jahreswechsel mit seinen Wünschen an Regierung und Parlament an die Oeffentlichkeit zu treten. Dagegen ist an sich nichts zu sagen, denn es geschieht in sehr verbindlicher Form und init den notwendi- gen Verbeugungen vor d«in republikanischen Staate und seinen Ein- richtungen. Der Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, Dr. Lewald, liebt es, bei solchen Gelegenheiten ein bewegliches Klagelied über die Not des deutschen Sports an- zustimmen und die Regierungen und Volksvertretungen zu mahnen, in Zukunft mehr Verständnis für dies« Nöte aufzubringen. Wir wollen nicht darüber streiten, ob der bürgerliche Sport wirklich so notleidend ist wie es Herr Lewald behauptet, möchten aber einmal die Förderung, die dem Sport in her Republik zuteil wird, mit den Leistungen des Kaiser reichs in Vergleich st eilen. Unserem Wissen nach hat der bürgerliche Sport unter dem früheren Regiin« nur ein- mal eine Beihilfe von 200 000 M. für die Durchführung der für 1916 in Berlin geplanten und durch den Weltkrieg verhinderten Olympiade bekommen. Dieses Geld hat dem jetzigen Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen als Gründungskapital gedient, denn er ist der Erbe des Ausschusses für die damalige Olympiade und hat dessen Einrichtungen übernonimen. Im übrigen glaubte der wilhelminische Staat durch den Kommiß genügend für die Ge- sunderhaltung des männlichen Nachwuchses zu leisten. Daß dabei die .in ihrer Gesundheit am meisten bedrohten Volksteil« überhaupt nicht erfaßt wurden, auch das weibliche Geschlecht ganz unberücksichtigt blieb, darüber pflegt noch heute des bürgerlichen Sängers Höflich- keit zu schweigen. Die Republik hal dagegen selbst in ihren schwersten Zeiten verhältnismäßig viel für den Sport getan, wenn auch aus Gründen der Volksgesundheit noch weit mehr getan wer- den müßte. Neben dem Reich, dem ja immer noch die Zuständigkeit für dieses Gebiet bestritten wird, hat Preußen in seinem Etat etwa S Millionen für Zugendpflege und Leibesübungen stehen. Die preu- �Ischen Provinze?, wenden für den gleichen Zweck etwa Z Millionen auf und die mehr als 400 Landkreise dürften eine ebenso hohe Summ« in ihren Haushalten ausweisen. Die anderen deutschen Länder wenden größtenteils relativ noch höhere Summen auf, gar nicht zu reden von den hohen Auswendungen der Gemeinden für Splelplaßbau und sonstige Uebungs- und Erholungsstätten. Im ganzen gesehen kann sich die deutsche Republik in ihren Leistungen für den Sport neben anderen europäischen Ländern sehr mahl sehen lassen. Dennach stimmen auch wir der Ansicht zu, daß durch eine noch roeiter gehendere Förderung der Leibesübungen die Soziallasten herabgedrückt werden könnten, nur meinen wir, daß in erster Linie die Arbeitersporlbewegung eine Förderung verdiente. Sie betreut nicht nur die Jugend, die es am meisten nötig hat, sondern betreibt auch den Sport vornehmlich zu dem Zwecke, die Volksgesundheit in den arbeitenden Massen zu heben. Und das scheint uns' in der Tot die vornehmste Aufgabe des Sports zu sein. Arbeilerradsahrerocrein Groß-Jerlin. Sonntag, 12. Januar, 13 Uhr, Eichwalde, Restaurant Witte. Start Waldemarstraß« Eck: Mariannenplatz. Gäste willkommen. wird aus der DHL.? Im Grunewald ist Klarheit nötig. Unsere Leser«rinnern sich der unliebsamen Vorkommnisse in der dem privaten bürgerlichen Deutschen Reichsausschuß für Leibes- Übungen unterstehenden Deutschen Hochschule für Leibesülungen, die draußen im Grunewald untergebracht ist. Es sind an der Schule gegen 300„Studenten" eingeschrieben, darunter em hoher Prozentsatz weiblicher Mitglieder, die in 6 Semestern, also einem dreijährigen Studium, als Turn- und Sport- lehrer wissenschaftlich ausgebildet werden solle»,. Die Anstalt ist, wie schon bemerkt, eine private und kann sogenannte Berechti- gungen nicht erteilen, was ja an sich kein Verlust ist. Aber sie erhält vom Reiche namhafte Unterstützungen, von dem jetzt 1 Million Mark betragenden Reichssportfonds mehr als«in Viertel, nämlich 275 000 Mark. Man kann wohl behaupten, daß das Reich neben Preußen der alleinige finanziell« Träger der Schule ist, ohne bisher die Möglichkeit auch nur der geringsten Einflußnahme zu haben. Der vor etwa 2 Iahren in der Schule ausgebrochene S t:> deuten st reik hat seinerzeit viel Aufsehen in der Oeffentlichkeit erregt und auch die Reichs- und Staatsbehörden veranlaßt, sich etwas näher mit dem Institut zu befassen. Seit Jahren schweben nun die Verhandlungen zwischen dein Reichsausschuß für Leibesübungen und den zuständigen Ministerien des Reiches und Preußens, ohne daß bekannt geworden wäre, wie denn nun in Zukunft die Sache geordnet werden soll. Wir hören, daß ein« lveit- gehende Staatsaufsicht eingeführt roerden soll, nur über das Besitzrecht ist noch keine Uebereinftimmung erzielt. Das Gelände des Sportforums, auf dem die Hochschule steht, gehört Preußen und ist in Erbpacht an den Deutschen Reichsausschuß gegeben worden. Das Gelände und die Gebäude sind aus Reichsmittein hergestellt worden: das Schwimmbecken hat der preußisch« Wohlfahrtsminister, ein Wohngebäude für die Studentinnen hat Oberbürgermeister Böß aus Stiftungsmitteln errichten lassen. Die Betriebskosten trägt mit ge- ringen Ausnahmen das Reich. Was liegt also näher, als die lieber- nähme der gesamten Einrichtung durch das Reich? Aber hier stoßen sich im engen Raum die Sachen: Das Reich hat keine Schul- Hoheit und kann daher auch nicht der Träger dieses Instituts sein. Da die bisherige Rechtsform unserem Erachten nach unmöglich be- stehen bleiben kann, so müßte an ihrer Stelle eine öffentlich- rechtliche Körperschaft treten, in der Reichsregierung, Preußenregierung und sämtliche Sportoerbände einschließlich der Arbeitersportverbände oertreten sein müßten. Dem Reichsrat, dem Reichstag und dem Preußischen Landtag müßte eben- falls eine Vertretung zugebilligt werden, damit auch die parlamen- tarische Kontrolle bei der Eigenartigkeit des Unternehmens gesichert ist. Es dürste an der Zeit sein, baß die Beteiligten sich darüber äußern. Etwas auch für Deutschland. «Freunde des Arbeitersports" in Belgien. Wie die„S p o r t p o l i t i s ch e Rundschau" der Zentral- kommission für Arbeitersport und Körperpflege in Deutschland mit- teilt, ist in Brüssel eine„Gesellschaft der Freunde des Arbeitersports" gegründet worden, die sich zur Aufgabe macht, materiell und ideell die Arbeitersportbewegung zu fördern. Sie bemüht sich, von der Regierung die Anerkennung als gemein- nützige Gesellschaft zu bekommen. In ideeller Hinsicht will sie den Arbeitersport unterstützen durch Kundgebungen in der Oeffentlichkeit und Artikel in der Presse, mit dem Zweck, die Allgemeinheit aus die Notwendigkeit ausreichender Sport- uird Spielplatz anlagen hinzuweisen. Die erste größere Kundgebung der Gesellschaft wird den Film vom 1. Arbeiter-Olympia 1925 in Frankfurt a. M.„Die neue Großmacht" zeigen. Die belgischen Arbeitersportler versprechen sich von dieser Propagandatätigkeit namentlich in den Kreisen der sozialistischen Arbeiterpartei sehr viel. Immer weiter vorwärts( Wi« die sür dag 3. Quartal 1929 für die deutschen Kreis« des Arbeiter-Turn- und Sportbundes abgeschlossenen statistische» Er- Hebungen ergeben, ist trotz der Abgänge von kommlimstischen Spalteranhängern kein Mitgliederrückgang eingetre- t e n. Der Mitgliederbestand ist gehalten und um 218 erhöht worden. Angaben in der kommunistischen Presse, nach denen über 100 000 Mitglieder aus dem Bunds ausgeschlossen seien,(!) ent- Kehren völlig der Wahrheit. Wenn dem so wäre, wie die KPD.- Presse angibt, wäre im Vergleich dazu, daß die Mitgliederstärke gehalten wurde, der Gesundungsprozeß im Arbeiter-Turn- und Sportbund nur noch höher zu bewerten. Der Wunsch ist lediglich der Vater der kommunistischen Meldungen. Wo sind aber die Zahlen der Spalter-Jnteressengemeinschast? Ärbeiterschadb. Die Abteilung Mitte der Freien Arbeiter-Schachoereinignrig, Groß-Berlin, tagt von jetzt ab jeden Freitag im neuen Vereinslokal Zionskirchplatz 15, 20 ilhr. Die Vorträge finden wieder regelmäßig y statt. Morgen, Freitag, Vortrag des Theoretikers E. Martert am Demonstrationsbrett über„Miniaturpartien". Jeden Sonntag findet im gleichen Lokal von 10 bis 13 Uhr freier Schachoerkehr statt. Alle Veranstaltungen der Abteilung sind für Gäste und Interessenten frei und unverbindlich. Unterricht kostenlos. Eine Abfuhr in der Pfalz. Aus dem Arbeiterfußballtag des Bezirks Worn»s-Kaiserslautern erhielten die kommunistischen Sportspalter eine ganz eindeutige Ab- sag«. Der kommunistische Landtagsabgcordnete Herbert Müller war eigens nach Worms geeilt, um den Laden zu schmeißen. In Ermangelung sportlicher Kenntnisse hielt er eine komnnmistische Agitationsrede und siel unten durch. Mit 31: 1 Stimmen wurde in einer Resolution dem Bundesvorstand das vollste Vertrauen aus- gesprochen! „Proles" Bundesmitglied. Der aus ehemaligen Mitgliedern des kommunistischen Sportvereins„Fichte", die den parteipolitischen Zauber im Verein nicht mehr mitmachen wollten, gebildete Arbeiter- sportverein„Prolcs" ist im Arbeiter-Turn- und Sportbund aufge- nommen worden. Frei, Schwimm«» Sellin'Sit. Skncralversammlunq Sonntaz. 15 Uhr. Albrccht-boi, AIbr«chtftr. 1«. Neuwahl stimtlicher ffunltwnäre. Arbeiter. Schwimm. I!uh.Neptuu", e. ZSeißeuIee. Generalversammlung Sonnta>», 12. Januar. 15 Uhr, im Wirtehaus Veerdemarlt, Cchönstraße. Nach der Versammluna armlltliches Behommenseiu mit Tanz.(Säfte wiltkamuien. Ätele Turnerschaft Groß Berlin, Be,jrl Pankow, ffreitag, 10. Januar. Sailenturnen, Mittelschule lFernheizwert), Einsang Nene Schau Holser Strage. Gäste willlominen. �(fafchäfts-Jbtseigtr (Bezirk Jlorden-Csten. Unsere Retormschuhe befreien den fuoi Landsgemeindehaus Ber,,n-M,tte' Neue Schönhauser Str.8 Berlin-Spandau, Potsdamer Str. 38-39 Kaufhaus Max Cohn (Inhaber Georg Hirschfeld) Grdnstr. 33-24 KÖPENICK am SchloBplatz Das Haus der guten Qualitäten ii Roggenmehl jiuoii garaniteri TCrmahltn ans bestem, grsnndem, mXrkbcbcsn Roggen, back- nad lagerfähig Zn beziehen dnreh(eden Großhändler Berliner Hermannmiihle Berthold Rothholz Berlin SO»•, KSpenicker Straße 10-17— Telephon! Morltzplatz 10*10-21 Musiker-Festsäle inh.; P. Schönherr, Kaiser-Wilhelm-Str. 31 Empfehle meine Lokalitäten sämtlichen Organisationen und Vereinen ff rtidiiblunie go«. gesch.[163 Feinste Frlsch-Obst-Kenfltüren aus reinen Früchten u. Kristallzucker Zu haben In allen Konsum-Verkeufeotellen. Fleisch| pai)| 7war3 I Wurst Berlin NO 18. 1 i Landsberger Allee 136 i billig j_ Tel.: Alex. SOSl[160| QUt J. Andermann Ges. to. b. 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