BERLIN Mntag 13. Zanoar 1930 10 Pf. Nr. 20 BIO 47. Jahrgang Crf AeiRt ti Sie bezeichneten die Aktienhausse der letzten Woche bereits als die vorwog gepflückte Frucht der Kreditverbilligung. Die Pessimisten dagegen, die sich im letzten Jahr oft genug die Finger verbrannt hatten und der Börse nicht mehr den ihr sonst onhasterchen„guten Riecher" zutrauen, wiesen auf die bereits am Sonntag erfolgte Abreise Dr. Schachts nach dem Haag hin. Allerdings ließ die Reif« des Reichsbankpräsidenten eine nochmalige Verschiebung der Diskontsenkung durchaus möglich erscheinen. Die Börse war durchaus sest gestimmt. Wenn grötzere Kurs- steigerungen gegenüber den letzten Tagen nicht eintraten, so liegt das offenbar an der abwartenden Haltung der deutschen Finanzwelt gegenüber den Beschlüssen der Bank von England. Wird auch in London die sür Donnerstag erwartete Diskontsenkung durch- geführt, so dürfte mit ziemlich starker Rückwirkung auf die internationalen Börsen zu rechnen sein. Er„enthüllt" im Tscherwonzenprozeß— sagt aber nichts. Der Magistrat in Sorgen. Verabschiedung ohne Schaffung neuer Einnahmequellen unmöglich? Immer wieder mutz es in der Oefsenkllchkeil betont werden: Die Fiuanznol. ta der sich der gröhle Teil der deutscheu Städte, und insbesondere die Reichshauptstadt befindet, ist die Folge einer kurz. sichtigen Z n» e r e s s e n p o l i» i k. für die in erster Linie Herr Schacht verantwortlich zu machen ist. Diese Politik, die stet» daraus bedacht gewesen ist. die Kommunen systematisch vom ans- ländischen Anleihemarkt fernzuhalten, ist»on der Sozialdemo. lrotie stet» energisch bekämpft worden. Der Berliner M a g i st r a t ist heute wieder zu einer außer- ordentlichen Sitzung zusammengetreten, um sich über die Deckung der 7l> Millionen schlüssig zu werden, die der Nachtrags- Haushalt, auf dessen baldig« Verabschiedung der Oberpräsident drängt, als Gesamtanforderung aufweist. Schon in der letzten Ma- gistratssitzung, in der keinerlei Beschlüsse gesaßt wurden, ergab sich. daß eine Balanzierung des Etats ohne Schaffung neuer Ein- nahmequellen kaum möglich fein wird. Der Magistrat trägt sich daher mit dem Gedanten. sowohl die Gewerbesteuer als auch die Grundvermögens sie uer zu erhöhen, um wenigstens die notwendigsten Anforderungen erfüllen zu können. Die sozial- demokratischen Vertreter dürsten sich mit einer neuen einseitigen Be- lastung der arbeitenden Bevölkerung kaum einverstanden erklären, und daher ihre Zustimmung zu einer Erhöhung der Grundver- mögenssteuer von einer gleichzeitigen Erhöhung der Gewerbesteuer abhängig machen. Gegen die Erhöhung der Grundvermögenssteuer bestehen in den Kreisen der Sozialdemokratie die st ä r k st e n B e. denken, weil sie automatisch ein« Erhöhung der Mieten nach sich ziehen würde. Wie aber auch heute die Entscheidung de« Magistrats fallen wird, sie muß gewertet werden als der Borschlag der obersten Der- «altungstörperschast, die gewillt ist, unter allen Umständen von sich aus ein« Ueberwindung der Finanzschwierigkeiten zu erreichen. Die Entscheidung über die Erhöhung der Steuern liegt bei de? Stadtverordnetenversammlung. Di« Tagesordnung für die nächste Sitzung am Donnerstag ist bereits abgeschlossen, so daß der Nachtragshaushalt nur behandelt werden könnte, wenn der Magisteat«ine D ri ngl ich t ei t s o o rl a ge einbringt. I« der (Fartje tzung aus der 2. Seite.) heute morgen sollten Sarumidse und Sadathierasch. will ihre Verbindungen mit der Oelgruppe und General Hofs mann darlegen. Die Sensation siel ober aus. Als kurz vor der pause Sodalhieraschwlli aus einem sorgfältig verfertigten Manuskript eine lange wirtschostsvorlesung hallen wollte, wurde er vom Vorsitzenden unterbrochen und stellte seinen Vortrag schließlich ganz ein. gerade in dem Augenblick, wo er auf Röbel zu sprechen kam. Eine pikante Einzelheit erfuhr man dafür aus einem Antrag des Staatsanwalts aus Verlesung eines Briefes des Angeklagten Bell an Schmidt, aus dem hervorgehen sollte, daß dieser seinen jetzigen Mitangeklagten wegen Nötigung angezeigt hatte. Bell war nämlich an Schmidt mit dem Ersuchen herangetreten, dieser möge 6000 Mark an den Großkausmann Rieger zahlen, damit auch die peinliche Konsularangelegenheit ins politische Gebiet hin- übergeschoben werde. Der Bri« Organisation der Landesbühnen; ihr« Rot ist groß, und sie sind durchaus auf staatliche Hilf« angewiesen. Aber—: in Berlin haben wir ja auch noch die Städtisch« Oper, die im vorigen Jahr insgesamt etwa 2,7 Millionen als tatsächlichen Zuschuß in Am spruch genommen hat. Das ist an sich nicht viel mehr, als groß« Städte wie Frankfurt oder Köln für ihre Oper ausgeben; immerhin, weitere 2,7 Millionen aus öffentlichen Mitteln— ob aus städtischen oder staatlichen, das bleibt für die Gesamtsumme und für die Gesamt- hest am Ende gleichgültig... Nun gewiß, wer will so„kulturfeind- lich' erscheinen, sich gegen Auswendungen zu ereifern, durch die künstlerisch ideal« Zwecke gefördert werden sollen? Aber es ist eine kurzsichtige, schlechte Kulturpoliht, durch unnötig« Ausgaben die Kritik kulturfeindlicher Kreis« herauszufordern. Von den Ausgaben für die Berliner Staatscheater entfallen etwa drei Viertel auf die beiden Opernhäuser. Zwei Slaatsopern— was haben sie zu leisten? Di« Aufgaben sind klar geschieden: Volks- und Repräsentationsoper, Arbeiter- und Gesellschaftsoper, die Schei- dung entspricht der typischen Gruppierung, Halbierung der Mensch- heit im Klassenstaat— im Holz- und Polsterklastenstaat, den nun einmal unser Volksstaat bildet. Das Bedürfnis der städtischen Ar- beiterschaft nach Opern kann heut« unmöglich geleugnet werden, die Bedürfnissrage, und damit die Frage nach der Notwendigkeit der Republikoper, ist durch deren Besuch eindeutig bejaht. Es dürfte zur Zeit in Deutschland kein Operntheater geben, das einen höheren Prozentsatz seiner Ausgaben durch die Einnahmen ausgleicht. Ein anderes aber ist das Bedürfnis nach einer weltstädtischen Luxus- und Gefellschastsoper, die jährlich Millionen verschlingt. Zugegeben, daß dies Bedürfnis in Berlin besteht: ist es Staates Sache, es zu befriedigen? Gewiß nicht so unzweifelhaft, wie die Oper als Volksbildungsstätte in den Bereich der staallichen Kullur- aufgaben gehört. Und gewiß nicht ausschließlich Sache des Staates— seit dem Tag, an dem die Stadt Berlin durch die Gründung der Städtischen Oper ihren Willen tundgetan hat, aus eigener Kraft der Reichshauptstadt eine reichsrepräsentative Oper zu geben. Stärker nicht nur, als die drei Berliner Opernhäuser durch Jntendantengemeinschaft, auch stärker als die beiden Staatsopern durch. Mrtschafts- und Verwaltungsgemeinschaft sind Stadt- und Lindenoper durch Gemeinsamkeit der Ausgabe verbunden Das.ist gelegentlich der Debatten über di« Gestaltung der„Arbeits- gemeinschaft" immer wieder zutage getreten. Beide sollen und wollen dasselbe. Zur Erfüllung de» luxuriösen Zwecke» wäre es genug, wenn wir eine von beiden— wenn wir... welch« von beiden hätten? Es wäre genug und mehr, wenn beide— eine wären. Di« Städtisch« Oper stellt nicht einen neuen, vom Vorbild der alten Staatsoper und einstigen Hofoper irgendwie abweichenden Theatertyp dar. Auf den Trümmern des Deutschen Opernhauses er- richtet, dessen künstlerischen Nachlaß wir nie ganz losgeworden sind, ist sie typische Repertoire-Oper geblieben und geworden wie die Lindenoper. Hier wie dort alle gangbaren Opern von Mozart bis Strauß; hier wie dort die chronische Verlegenheit, durch neue Reize den allhergebrachten Spielplan zu beleben und den kreisenden Leerlauf und Zwangslauf seiner Abwechslung zu durchbrechen. Und hier wie dort räumlich« Dimensionen, in denen von„Figaro' bis „Ariadne' alle Art intimen Opernspiels sich rettungslos verliert— davon nicht zu reden, daß di« Heraufkommende Kunstgattung der V V � V V VVVch i und Luxusoper. modernen Kammeroper für Berlin nicht existiert, well die Vir.. Millionenstadt ihr keine Stätte zu bieten Hot. Und hier wie dort im Durchschnitt aller Leistungen ein höchst fragwürdiges Niveau— mit dem Unterschied allerdings, daß in der Städtischen Oper mehr künstlerische Aktivität und Leistungswille fühlbar wird. Und hier wi« dort Unzulänglichkeit des künstlerischen Fundamentes: des Sängerensembles. Die Führerfrage, in der Städtischen Oper ungelöst seit dem Ausscheiden Bruno Wallers und durch Dirigenten- gastspiele keinesfalls zu lösen, bleibt in der Lindenoper ungenügend beantwortet, solange Kleiber als Generalmusikdirektor fungieren darf. Nicht all diese Mängel, selbstvetständlich. sind unmiltelbar auf die„Arbeitegemeinschast' zurückzuführen. Doch daß diese in ihrer jetzigen Form keinen Segen gestiftet hat, läßt sich nicht verkennen. Den Wandertrieb, richtiger Abwanderungstrieb, der Stars hat sie nicht zu hemnien vermocht; nicht einmal der Sängeraustaufch von Haus zu Haus vollzieht sich ohne administrative Schwierigkeiten—> sei es, daß sie nicht oermieden oder gemacht werden. Von Spiel- Planwirtschaft bann keine Rede sein. Alles in allem ist es«in läh- mender Zustand der Unklarheit und Unbestimmthell, der fest- gefahrenen Halbheit, aus der es kein Zurück mehr aber auch kein Vorwärts gibt—, solange nicht auf dem Weg, der zögernd und versuchsweise beschrllten worden ist, der entscheidend« Durchbruch gewagt wird: der Durchbruch zur Verwaltungseinheit und damit zur Vereinigung auch im Künstlerischen. Ein Opernbetrieb nur, und— letzte, doch dann unausbleibliche Konsequenz— zusammengeschlossen in einem Theater: dag Ziel steht unerbittlich klar vor unfern Augen. Jährlich 300 Opernoorstellungen anstall 600 wie bisher, wird das für di« Kunst und für da» Ansehen de» Kunstzentrums Berlin «in Verlust sein? Gewiß nicht; schlecht gerechnet 300 könnten im Jnteresse der Kunst gar nichts Besseres tun, als auszufallen. Doch alles in einem Hause konzentriert, was zur Zeit beide an Kunst- willen, Kunstkrästen,-Mitteln und-Möglichkeiten, an Prominenzen und Attraktionen aufzubieten haben: was dos als Gewinn bedeutele, ist kaum zu ermessen. Doch was unter den heute gegebenen Verhall- nissen unerfüllbar war: dem«inen großen Opernbetrieb ließe sich vielleicht, aus seinen Kräften gespeist,«ine Kammeroper angliedern. Und besser jedenfalls, viel besser ein festlich ausverkaufte» Haus jeden Tag als zwei, für die ihr Publikum nicht reicht, und mag es noch so wellherzig durch Dienst- und Freikarten gestreckt werden. Endlich aber, welches der beiden Häuser— nur um da» Gebäude handelt fich's— wird sich eher ausschalten lassen? Dabei foogt es sich vielleicht, welches sich leichter und vorteilhafter anderwellig ver- wenden, etwa verpachten ließe—. nur selbstverständlich nicht an einen Unternehmer, der vorhätte, darin auf eigene Faust und Rech- nung Konturrenzoper zu spielen. Später« Sorge, ob Oper in der Bismarckstraße oder Unter den Linden. Für das ehemals Königliche Opernhaus, aus dem di« Tradition der Hohenzollern sich so schwer austreiben läßt wie der Geist der wllhelminischea Bürokratie, haben wir gewiß kein« Vor- liebe; aber es verfügt über di« modernere, leistungsfähigere Bühnen- Maschinerie, der man nur Zell lassen muß. sich einzuspielen, und, unbestreitl?ar. über die besser« Akustik... Auch di« Zusammen- zteyunA und Verschmelzung der Beiriebe wird Zell brauchen, aber sie wird die öffentliche Hand um ein paar Millionen Im Jahr ent- lasten. Ueber Art und Umfang der staatlichen und städtischen Beteiligung zu reden, der Beteiligung an der Verwaltung und am Gewinn der Verwaltungsersparnt», erschiene wohl verfrüht. Doch wenn es im Ernst zu dieser gründlichen Neuordnung kommen sollte, viel- leicht wäre es für die Reichsregierung ein Anlaß, sich zu besinnen, ob sie in der Reichshauptstadt für repräsentative Zwecke immer aus di« Gastfreundschaft Preußens angewiesen bleiben soll Eine Reich»., Staats-, Stadtoper in Berlin—, neben dem Volksbildungsinstitut, Volkskunsthaus der Republikoper ein« Stätte des künstlerischen Glanzes und der festlichen Repräsentation, dos wäre«ine Sache, gegen die der grimmigst« Spardiktator und der aufrichtigste Arbeiterfreund wohl nichts einzuwenden vermöchten. kCsus Pringshcim. <8in Winter der Stürme. Orkan in England.- Große Verwüstungen. Wir haben einen selten milden Winter, an Stelle des bis jetzt ausgebliebenen Schnee» ist ganz Europa von Orkanen heimgesucht worden. Auch über Berlin raste in der letzten Nacht ein schwerer Sturm. London, 13. Januar. Der gestrig« Sturm über England, der sich stellenweife zum Orkan entwickelt«, hat überall groß« Verwüstungen angerichtet. Bei Beachy Head erreicht« der Wind die Rekordgeschwindigkeit von 190 Kilometer in der Stund«. Im ganzen Land« sind Z e r- störungen an Telephonlellungen. zerbrochene Fensterscheiben, eingestürzte Kamine und Dächer zu verzeichnen. An verschiedenen Stellen wurden große Bäume entwurzelt bzw. zerbrochen, wodurch eine Frau getötet und insgesamt sechs Personen verletzt wurden. Zahlreich« Weg« und Eisenbahnlinien wurden durch die umgestürzten Bäum« blockiert. Zu Ramsgate wurde ein Zunge von dem Sturm von der Anlegebrücke in» Meer geweht und ertrank. Die Schiffohrt wurde durch den Orkan stark in Mitleidenschaft gezogen. Dem britischen Dampfer„Griffith' ist das Steuer gebrochen, wodurch der Dampfer hilflos bei Landsend umhertreibt und bereits Not- s i g n a l e aussandt«. Der 4300 Tonnen große italienische Dampser .Liona', der ebenfalls Notsignale ausgesandt hatte, konnte nach vielen Schwierigkellen noch Deal eingeschleppt werden. Der Cunard- dampser„Antonia' aus New Bork konnte wegen des hohen See- gangs Queenstown nicht anlaufen, so daß die Passagiere für Irland in Liverpool gelandet werden mußten. Ein Rettungsboot aus Walmer, das einem in Not befindlichen Dampfer zu Hilfe eilen wollte, tonnte bei dem Seepang nicht zu Wasser gebracht werden, da die Sturz- wellen das Boot sofort vollschlugen. New York. 11. Januar. Das Goodyear-Luftschiff ,. Bunten' zerschellte bei dichtem Nebel In der Nähe von Campton(Kentucky) ht einer Baumreihe. Di« Besatzung blieb unverletzt. Politik mit Knüppeln. SonniagSkrawaile— Hakenkreuz gegen Sowj-tstern. Am gestrigen Sonntag ist e» wieder an verschiedenen Stellen der Stadt zu Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten gekommen. Insgesamt wur- den etwa 30 Personen se st genommen und dem Polizeipräsidium zugeführt. Am Sonntegnachmllteg gegen 16 Uhr stießen in der G r e- nadierstroße und am Bülowplatz mehre,« Trupps von Kommunisien und Hakenkreuzlern aufeinander. Di« Polizei griff rechtzeitig ein und nahm 13 Personen, die an den Schlägereien be- teiligt waren, fest. In der Posener Straße wurden 6 Teilnehmer «ine» iomnmmstischen Demonstrationszuges wegen Widerstandes festgenommen. Bei der Durchsuchung von Nationalsozialisten nach Waffen am Neuen Markt wurden 5 Personen, die Schlagringe bei sich führten, zwongsgestellt. Desgleichen wurden in der Kreuz- bcrgstraße bei einer Durchsuchung von Nationalsozialisten sechs Zwangsgestellungen wegen Widerstandes und Nichtbefolgung vor- genommen. In der Stralauer Straße»ahm die Polizei einen Straßenpassanten wegen Beschimpfungen der Republik fest. . Große Aufregimg rief am Sonntagabend eine Schießerei ü,. der. Ecke Lärwald- und Äiüchersiraß« hervor. Etwa 15 Kommunisten und 10 Nätioncilsoziälisten gerieten in einen Wort- Wechsel, der sogleich in eine Schlägerei ausartete. Plötzlich sielen mehrer« Schüsse; glücklicherweise wurde niemand ver- letzt Beamten des alarmierten Ueberfalltommandos gelang es, noch drei der Täter zu verhaften. All« diese Dorfälle beweisen, daß sich in den Händen der Radi- lalen von links und rechts noch erhebliche Waffenmengen befinden müssen Sie scheinen aus einem nie versiegenden Arsenal zu stammen, und die Polizei wird noch viel Mühe haben, dieses lcbensgefährdende Kampsspiel auf offener Straße endgültig zu unter- binden. Krankrekchs Muffolini-polnei.. Eine sehr bemerkerlswkrte protestkundoebung. PariS. 13. Janwar. lEigenbericht.) Die französische Liga für Menschenrechte protestierte am Sonntag gegen die Komplottschnuffelei der Polizei. Die Entschließung sagt, die Polizei habe sich anscheinend mit der faschistischen Spißelorganisatiou verbrüdert und wolle liberale und republikanische italienische Politiker zu Anarchisten stempeln. Die Polizei täte besser, wenn sie sich mit den Umtrieben der Faschisten befaßte. I« dem Aufruf der Faschisten zu einer Kundgebung in OTarca- gönne heiße es ,e« Beispiel: „Auf Befehl des königlich italienischen Konsuls in Toulouse und des politischen Älekretärs der südframzösisehen Faschistenverbande." Die Liga für Menschenrechte, so heißt es in der Entschließung weiter, habe schon früher Gelegenheit gehabt, gegea Umtriebe der italienischen Konsularbeamten zu protestieren, die, wie mehrfach be- wiesen sei. umfangreiche Spitzelorganisationen unter- hielten und ihre faschistischen Anhänger in regelrechten Kampfverbänden, zusammenfaßten. Gchikane gegen Schwerkriegsbeschädigie Eine Klage vor dem Tkeichsardeitegerichi. Leipzig. 13. Januar.(Eigenbericht.) Der Kläger M. ist im Betrieb der Firma Ruhlanb-Werk A.°G. in Rathenow als Lagerist tätig. Er ist Schwerkriegsbeschädigter. Dom 1. Januar 1929 bis 16. März 1929 war er infolg« seiner Kriegsbeschädigung krank und arbeitsunfähig Di« Firma weigert sich für dies« Krankfe>«rz-it zu zahlen. Sie bestreitet jede Zahlungs- verpsiichtung und weist auf die Bestimmungen der 23 und 616 de» BGB hin. die besag«n, daß Lohnzahlung nicht gewährt wer- den muß. wenn die Krankheit nur kurze Zell dauert Die Vor- instanzen entschieden zugunsten des Klägers, do naa cin«r Reichs- wbeitsgerichtsentschtidting der Kläger Anspruch aus Lohnzahlung während seiner Srankhell hat. Da» Reicksarbeitsgericht hob dies« Entscheidungen aus und wie» die K'age an di« Dorinstenz zurück, da erst festgestellt werden müsse, ob der Kläger als Angestellter oder Arbeiter gette Wenn der Kläger al, Arbeiter gelt-, müsse die Lohnzahlung «folgen, im anderen Fall« komme ein« Lohnzahlung nicht in Frag«. Begegnung mii einem Tagesgespenst. Von Bruno Salz. Die Bekanntschaft des Nachtgespenstes gemacht zu haben, gehör, schon beinah« zum guten Ton. Taggespenst« sind seltener.— wir glaubten bis vor wenigen Tagen überhaupt nicht an ihre Existenz. Aber dam, wurden wir eine» Besseren belehrt... Singend zogen wir durch di« Straßen von Erkner, um irgendwo dort draußen in den Wäldern klar« Winterluft zu atmen.�„Mll uns zieht die neu« Zeit, mll uns zieht di« neu« Zell.. Aus vielen srbschen Iungenkehlen erklang es, und di« kleinen Mandoiinen jubelten so fröhlich mit, ol» verständen auch sie den Text unseres Liedes. Aber worum verstummten denn plötz.ich die ersten der Schar? Jetzt blieben sie sogar stehen und starrten geradeaus.— und dann sahen wir«» all«: w einer santestischen Generolsuniform (niemond von uns wußte es genau, vielleicht war's auch nur dos Kleid eines Obersten) kam ein Mensch näher, ein Wesen mll unerhört würdig-ernster Miene, gemessenen Schritts gezwungen aufrechten Ganges, sparen- und ordenklirrend. Di« ganz« Brust war in drei Reihen mit bunten Bändern und Schildern dekoriert. Und dann, al» er uns ganz nahe war, sahen wir ein Gesicht, dessen Anblick uns für einen Augendsick das Blut erstarren ließ: eine grangrün«. welk« Haut, unzählig« Falten und Runzeln, tief« Tränensäcke unter det, starr- und haßerfüllt blickenden Augen. So schritt er vorüber. In mir erwacht plötzlich ein Bild aus früher Jugend. An der Hand des Vaters geh« Ich durch Caftens Panoptikum und sehe bunt kostümierte Puppen, zu denen mir Voter ein« Erklärung gibt. Da sind Mörder. Brandstifter. Wahnsinnige. Könige� viele Puppen tragen Un'sonnen; ich fasse Vat«s Hand fester und fürchte mich. Noch in vielen Nächten kamen diese Gestelten zu mir und ängstigten mich im Traum. Da hörte ich um mich herum ein Lachen.— ein fröhliche», helles. befreiendes Lachen. Ein paar Spaziergänger blieben ebenfalls stehen und lachten mit uns. So standen wir. bis di« grau« Gestelt unseren Blicken entschwand. Dann marschierten wir weiter. Unsere Augen waren heller und die Stimmen sangen klarer, denn unsere Herzen fühlten, daß der Geist einer versunkcnen Zell an un» oorüberg« gongen war. Ein Geist, der un« mm ebenso erheiterte, wie er unsere Väter ge- ängstig, hat._ Tbealemo« tideroll. Die SreSIauer O»«r wird in diesem ltedr« mit d'It« Vieuhens aliileckterdalten, im nächklen aber gelckiiollen.— Da» Stadwei vi dnet«nkollegium von Plauen will Theater und Orchester«in- gehen lassen. „Kaspar Hauser" von Ebermayer. Oeuisches Volkstbeater. Erich Ebermayer hat mll vielen Dichtern. Psychologiedoktoren und Archivstaubsaugern gefragt: War Kaspar Hauser, geboren in der großen Napoleonzell, ein edelgeborener, von«fersüchtigen Der- wandten ausgesetzter Prinz oder nur«in gewöhnlicher Bauernbursch? Ebermayers Gefüist entscheidet sich für die sürstliche Geburt und zeigt in sieben Bildern, die er dramatische Legende nennt, was mll dem armen Prinzen geschieht. Kaspar Hauser wird bis zu seinem 17. Lebenciahre von«wem -bäuerlichen Pflegevater wie ein Stück Dleh im dunklen Stall ge- fangen gehalten. Wasser und Brot sind seine einzige Nahrung. Im Auftrag der noblen Familie sollte der Bauer seinen Schützling eigent- lich umbringen. Doch diese Untat geht gegen das Gewissen de» Mannes. Immerhin entschließt er sich, da ihm zwei Ochsen, ,in Pferd und ew neuer Pflug dafür geboten werden, den Jung«» m den Wald hinauszutreiben. Die Nürnberger nehmen sich des Wild- lings an. Kaspar schlägt gut ein. er lernt fleißig, wird brav und glaubt selber daran, daß er vom Schicksal zum Throne bestimmt ist. Aber Leutnant Hickel, ein böser Offizier, verkauft für fünftausend Taler seine Ehre und ersticht zu Ansbach auf nächtlicher Straße den unschuldigen Kaspar, der gerade davon schwärmt, daß seine fürst- lich« Frau Mama nun«Mich gekommen ist, um ihn zum Prinzen- glück, vielleicht gar zum Königeglück abzuholen. Ebermayere dramatische Legend« wurde schon im Land« gespielt. gelobt und sogar gepriesen, als Werk jener Jugend,-die unsere Zukunft vorbereitet. Hier m verlin war davon nickts zu spüren. Man ho-cht«: Süßigteit der Jugend? Nein, nur die schalen Worte. die auf Kwot'teln gebräuchlich sind. Man horchte weiter: Empörung, Anmaßung oder Boeheit der Jugend, die berechtigt und befähtet ist. den morschen Kunstbetrieb zu zerstören? New, nur Kulissen- kompromiß und die Sehnsucht nach hausbackenem oder knolligem Groschen-ltekt. Der Dichter ist weder alt noch sung. Selbst mit größter Müb« und Liebenswürt>mkeit fft nichts zu entdecken, was den originalen Herzensdeuter und Wortesinder verriete. Der vichter ist nur die Zie�e seiner Foeundesfamisi«. Hewz G o l d b e r g wsz-nterte. Karl B a l h a u«. Paul Henckel» und Ferdinand Hart milderten mtt Ihrem schönen Talent all die schiefen Situationen. rn.K «ine?cha«ipte>»r-Nack I»«rs'«> vrg von.Hüll« di Bulla' mit«uido Tb'e'icker und der Premierenbesetzang findet Dienstag. U'U Uhr, in der Komischen Oper statt. Ein Wohlfahrtsanzug. Wieviele dabei verdienen wollen. Di« Stadt Berlin vergibt erhebliche Aufträge«m Bekleidungs- stücken, die für die Wohlfahrtsämter, Waisenhäuser und andere An- stalt«n benötigt werden. Zahlreiche Firmen bemühen sich um diese Aufträge und in fast allen Fällen wird ein hartnäckiger Kon- kurrenzkampf darum geführt. Dagegen wäre nichts einzu- wenden. Was geschieht aber, wenn die Aufträge erteilt sind? Uns ist mitgeteilt worden, daß die Damen-Konfektionsfirma Maaßen. Leipziger Straße,«inen Auftrag für Hmen-Konfettion erhallen hat. Der Auftrog ist an einen Zwischenunternehmer namens L u h m, Gubener Str. 3. weilergegeben worden. Dieser Zwischen- Unternehmer gibt die Arbeit an Zwischenmeisler weiter, unter anderem an einen cherrn Glücksmann, Berlin, Gerichtstr. 8, 2. Hof 2 Treppen, und dieser wiederum ist es, der die Sachen her- stellen läßt. Zu welchem Preis? Und in welcher Arbeitszeit? Der Bekleidungsarbeiter-Verband teilt uns dazu mit: Daß Herr Glücksmann keinen Tariflohn zahll, gibt er selbst zu. Daß er die Arbeilszellbeslimniungcn nicht einhält, ist von uns fest- g e st e l l t. Es wird dort bis abends S Uhr und noch länger gearbeitet— das alles in einer Zeit, in der weit über tausend San- fektion-schneider und ebensoviele Näherinnen erwerbslos sind! Daß diese Zustände nicht in der Absicht der oergebenden Stellen liegen, dürfte ohne weiteres klar sein, aber damit ist wenig getan! Unseres Erachtens dürfte eine Auftragserteilung nur an solche Firmen erfolgen, die Gewähr dafür bieten, daß sie die Aufträge in eigenen Werkstätten unter Einhaltung der Tarifverträge und der bestehenden gesetzlichen Vorschriften über Arbeitszeit usw. herstellen lassen Diese Verpflichtungen müßten unbedingt in die Auftrags- bedingungen mit aufgenommen werden. Versprechungen und soziale Gesten sind in der Berliner Konfektion billig wie Brom- beeren. Die Konfektionsschncider kennen ihre Herren besser. Wenn in der Privatitrdustrie diese Kettenarbeit auch immer wieder vorkommt, die Berliner Stadtverwaltung sollte dasür sorgen, daß ihre Aufträge nicht am laufenden Band von einem Unternehmer zum anderen gehen, so daß zum Schluß für den Arbeller. den eigentlichen Hersteller der Sachen, nicht einmal der Tariflohn übrig bleibt. Es könnte sonst eintreten, daß der Konfektiorrsschneider einen von ihm selbst gefertigten Anzug beim Wohlfahrtsamt beantragen müßte, da am Ende des laufenden Bandes der Lohn zur Erhaltung seiner Existenz nicht mehr ausreicht. Den Toien der Revolution. Eine Gedenkfeier der Arbeiterjugend. Rote Fahnen: dichtgedrängt, Kopf an Kopf, Jungen und Mädel, im Elysium in der Danziger Straße: ernste, getragene Orgelmusik: Die Soziali st is che Arbeitenugend Groß» Berlin gedachte in würdiger Feierstunde der Opfer des 15. Januar 1919. Das Streichorchester vom Werbebezirk Prenzlauer Berg bracht« wirkungsvoll Sätze von Crieg und Tschaitowfky. Verse von Karl Liebknecht, Briefftellen von Rosa Luxemburg wurden verlesen. Dann sprach der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Heinrich S t r ö b e l die Gedenkrede. In lebendiger Darstellung schilderte er di« gefährlichen Bündnisse, die dynastischen Verknüpfungen, die kapitalistischen Ambitionen, die nnlllaristischen Einflüsse der Vor- kriegszeir, die gemeinsam schließlich zur Weltkatastrophe vom August 1914 führten. Dann umriß der Redner das Wirken Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs vor dem Wellkrieg und während des Welt- kriegs, um zusammenfassend zu sagen:„Wie sehr Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg auch besonders in den letzten Monaten ihres Lebens geirrt haben mögen— sie irrten aus reinem Herzen und aus bestem Wollen für das Proletariat heraus. In rkinem Herzen und in bestem Wollen ihnen nachzueifern, das sei der Gewinn dieser Gedenkstunde." Der Höhepunkt der Feier war der kraftvoll« Dortrag des Tollerschen Werkes:„Der Tag des Proletariats" durch den proletarischen Sprechchor mit Albert F l o r a t h als sicherem Leiter und Heinrich Witte als bewährtem Einzelfprecher. Der gemeinsame Gesang der Internationale schloß die Feier. tberi-Malle in Marburg. Dieser Tage wurde in Harburg in Gegenwart des Kultus- Ministers Dr. Becker, des Oberpräsidenten Noske und zahlreicher anderer Ehrengäste aus dem ganzen Reich eine städtische Fest- halle feierlich eingeweiht, di« den Namen„Ebert-Halle" trägt. Kunst in Rot! Auch die Berliner„Künstlerhilfe" gesperrt? Eines der ersten Opfer der Berliner Finanznot und der damit ins Leben tretenden Sparmaßnahmen ist die W o h l f a h r t s- institution der städtischen Deputation für Kunst und Bildung, die„Kllnstlerhilfe" geworden. Die Künstlerhtlf« sprang notleidenden Künstlern in dringlichen Fällen, um sie vor dem Aeußersten zu bewahren, mit kleinen und größeren Geldbeträgen zu Hilfe: Schauspielern, die ins Engagement reisen sollten� aber ihre Garderobe im Leihhaus und kein Geld zur Reise hatten, Malern, die nicht imstande waren, sich ihr Arbeitsmaterial zu beschaffen, Miete- schuldnern, die vor der Exmittierung standen usw. Unter diesen ganz dringlichen Fällen befanden sich vielfach Menschen, deren hohe künst- lerische Begabung es erforderte, daß man sie wenigstens von den allerdrückendsten, ihre Künstlerschaft schwer schädigendeu Sorgen be- freit. Was getan werden konnte, wurde denn auch getan..Nun ist aber auch dieser letzte Ausweg verschüttet und Not und Leid wächst ins Riesengroße. Dazu kommt noch, daß di« meisten von ihnen der �Vergünstigung der Erwerbslosenfürsorge aus dem Grunde nicht teil- hastig werden, weil sie niemals Arbeitnehmer im Sinn« des Gesetzes gewesen waren. Ob der Etat der Wohlfahrtsämter zur nötigen Hilfe- leistung ausreicht, ist fraglich. Außer der charitativen kommt aber auch die produktive Hilfeleistung in Fortfall, da die von der Depu- tation für Kunst und Bildung veranstalteten Nassischen Schüler- Nachmittagsvorstellungen, die jedesmal 69 bis 90 Schauspielern Verdienstmöglichkeit boten, ebenfalls aus diesem Fonds bestritten wurden. Autounglück bei Tegel. Eine Krau getötet, zwei Insassen schwer verletzt. Bei T e g e l, auf der Ruppiner Chaussee, fuhr gestern vormittag das Auto des Bäckermeisters Hanke aus der Allen Schönhauser Straße 39 infolge der Wintergläit« gegen einen Baum. Der Wagen wurde zertrümmert und sämtliche Insassen stürzten auf das Chaussee- Pflaster. Die 53 Zahre alle Frau Else Hanke aus der Händel- strohe 12 wurde aus der Stelle gelölet. Ihre Leiche schaffte man nach dem Tegeler Schauhause. Schwerverletzt wurden die 24 Jahre alle Frau Erna Hanke und der 50 Jahre alle Bäckermeister Otto O b i e r aus der Allen Schönhauser Straße 39. Mit leichteren Verletzungen kamen davon die 21 Jahre alte Margot Hanke, die fünfjährig« Else Hanke, der Führer des Autos, der 50 Jahr« alte Chauffeur Willi Enders aus der Waldstraße 42 und der Besitzer des Autos, der Bäckermeister Paul Hanke. Erna Hanke, Otto Obier sowie die Geschwister Margot und Else Hanke fanden im Reinickendorfer Krankenhaufe Aufnahme. Der Chauffeur und der Besitzer des Autos konnten nach Anlegung von Verbänden nach ihren Wohnungen entlassen werden. Erhöhte Aktivität! Führertagung des Berliner Reichsbanners. Das Berliner Reichsbanner berief am Sonnlag vormittag seine Funktionäre und Ortsvereinssührer nach dem Herrenhaus zu einer wichtigen Tagung zusammen. Die sturmerprobten Fahnen der Ortsverein« hatten zu beiden Seiten des Rednerpodiums Aufstellung gefunden. Im Auftrag der Berliner Kreisführer eröffnete H o l tz e die Tagung, die das Ziel der Arbeit im neuen Jahr zu umreißen hatte. Der Kampf um die Republlk sei noch lange nicht beendet. Das Reichsbanner müsse gegen di« faschistische Gefahr a k t i v i s i e r t werden Jetzt müsse die republikanische Schutztruppe in erhöhtem Maße den Kampf gegen die Nationalsozialisten aufnehmen. Der früher« Führer des Hamburger Reichsbanners und jetzige Pressereferent im Reichs- Ministerium des Innern Dr. Hau dach sprach über die kommenden Arbeiten. Die Reichsbannerformationen müßten sich fester denn je zusammenschließen. Me Ermüdungserscheinungen in der republi« konischen Front müßten überwunden werden! W« Kräfte müßten richtig eingesetzt werden. Solange der Kampf zwischen Kapital und Arbeit dauert, werd« man auch mit einer faschifttfchen Gefahr rechnen müssen. Die Arbeiterschaft habe allen Grund, dasür zu sorgen, daß die F i n a n z m ä ch t e nicht die Herrschast über den Staat erobern. Das Reichsbanner werde im Jahre 1930 ein« aktiv« Werbearbeit in Stadt und Land aufnehmen. Di« Organi» sation der republikanischen Kriegsteilnehmer fordere, daß die Meinungsfreiheit, die die Demotratte jedem garantierte. nicht ausgenutzt werden dürfe zu wüsten Angriffen gegen die Stoatssorm und die Staatsmänner der Republik. Die Tagung nahm die Ausführungen mit lebhafter Zustimmung auf. Mit einem Frei Heil auf die Republik wurde die Kundgebung beendet. Groß-Berliner parieinachrichten. Eichwalde. Mittwoch, 15. Januar 1930, Generalversammlung im Lokal Lindner, Bahnhosstraße. Tagesordnung: Jahresbericht— Neuwahl des Vorstandes. weller für Verlin: Fortdauer des unbeständigen und windigen Wetters mit Niederschlägen. Nur wenig geänderte Temperaturen. — Für Deutschland: Fortdauer des unbeständigen und windigen Wetters, vielfach Niederschläge. Sicantnoctl. Nichte Redaktion: Wolsgonz Schwar». Berlin:«neeiaen: Xl.»lock«. Berlin. Berla«: Vorwärts Berlas s. m h. s., Berlin. Druck: LorwLrt, Buch. hruckerei und Beriaasanlialt Paul Singer Sc To. Berlin S3B68, Lindenstrage S. Stenn 1 Beilage. E, i ■ TUe&ler, Lidtispiele usw. MuMV. Woduntg.: SO. StPL-JM. i« hormr-aiMt, corttRi. 3 S«ms ot. | lägt.» u.»» Sonnt. 2. SB 8" ____ Ale*. 8066 llNIERNAT. VARIETfe »M Oiroktwn Ur. Uertio Zlckot WWW Komische Oper FruDrlchitr.lM Merkur 1401 4330. 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Januar IVdO Famnie Hannemann Donnerstag, den 23 Januar 1930 zum 1. Mate seine Hohen der Denier. iiiiiiiiiiiiuiiMiuiuiiiiiitiiiiiiiiinuiiiiiiiitiiiiniiiii iutschetn tdr t— 4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise- Parkett u. Rang(180 M. Reichshallen-Theater iheBds CD sonnig nadim. OD Das große lanuar-Progr. uer Slelllner- sanfter Biilittbeslellangm Zetthun 1 1 ZßZ □ önheff. Brettl: Dos PamUlan-Varteio 19 Nuattra. Konzert. Tau yüÜüriWElT? Ö-Bahn Hemarmplatz Iroold Sdiolz Histahtide 1(18/14 1 Grosses BocHbierfesi in den bayr. Alpen und grosser Alpenball. 1 1 Sapelleo.— Ntot Dekoiationtn.— 50 bajmdit Hadk{ EinlaE: Wochentags 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. ii im ntiitiiit iiiiii mihi ii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii n iii h ii iiiiiiiiiii tu iiiiiii iiii Dienstag, den 14. Januar 1930 j Braten von 6 ganson Schweinen auf dam | Rlasonlukullaa und Prämiierung der schönsten Blondinen— ganze Figur— 1 5 Geldpreise: 50. 4Q. 30. 20. 10 RM. yur-MYiim [AM BAHNHOF FRIE0RICH5TP-94 WILH.BENDOW. kate kühl? CARL CADSTENS"» GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhn 3 Musketier« Regie; ERIK CHARELL H Sonnlag na dun. anoek. halbe Pr. Renaissance> Theater Täglich SV. Uhr PARISER LEBEN Oparette von Offenbech. Regle: Gustav Härtung. Musikalische Leitung: Theo Mickeben. — Stelnoialr C I 0901«. 1583(04.- Die Komödie J 1 Bismck. 2414/75)6 Täglich 8V« Uhr Tom Teufel geholt von Knut Hamsun Regie: MaxReinhardt Kammerspiele 0.1. Norden 12 310 Täglich SV. Uhr D6sir6 Komödie von Sascha Guitry. Regie: Leo Mittler. Metropöl-Ili. «>/. Uhr Das Land des läelielns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehär Bamowskj- Bühnen rntitar in dar XOniggritzer StraB« Täglich«'(, Uhr Die erste mrs. seiby mit Flitzt HiKsary Kemödlanhaua Täglich«>/. Uhr Oer LOgner und d.e Nonne mit Bort setz Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral• Theater) Täglich 8«/. Uhi Der Soldat der marle Sonntag nachm. 5 Uhr kleine Preise. Frluderike Volksbühne Tbuter id nDlowplatz. 8 Uhr Ura uffdhrung Apollo Brunnenstraoe Volksstflck von CroBmann und Hessel Mnlk; Ihn kik.bn. BiSle; Hign FaUleg. StantLSdiillu-Th. 8 Uhr so und so, so geht der wind Tboaitr Bin Sdiimiaaerdainin 8-/. Uhr SUaUopBTBin Platz dultDabUk 8 Uhr Salome 0.1. Norden IZ31U TäglSV. Uhr Der Kaiser v.Amerlka von Bemard Shaw Regu Max Reinhardt Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8 V.U. la di Ml Stank tob Amld and Bad. Lustspieihaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922 23. Allabendlich 8V: U Wiegenlied lah|W m UMai Fahr. y/Ulm- WallmrtbeetmtnleäS. Alex. 4592. Täglich SV. Uhr Die Irone im Rhein Volks tflml.Operetlc Preise von 1 M. an TitaLa.KoUb.Ter Kottb. Str. 6 Tigl. S Uhr auchSonnt. nachm-3U. Elite- Singer. Das groBe lanuar- Programml Planeianum — am Zoe lallag. 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Ofen» Heilung, gegen WoHnherechtigungsschein. hei günstiges Bebingungen. Miller, vranienhurgertkob« 87. Narben 7653. wärt,.» äSeifage Montag, 13. Januar 1930 SttAbtift Sfuxbliiickz${> jJßi �Z&hsXiSfa Jagd auf Raubtiere Die Grofhen fängt man** und die Kleinen fressen einen auf! Die armen Raubtier« können«inem le«d tun, heutzutage. Ihr Los ist die Kugel oder der Zoo in stets wachsendem Maße. Be- raubt oder g e raubt sind sie die Opfer neuzeitlichen Geschäftsgeistes. Enger und enger wird der Raum für sie in dieser Welt der Nütz- lichkeit: schon gibt es Schutzgesetze zur Erhaltung der Arten und das ist der Beginn vom Ende, bei Naturvölkern wie bei wilden Tieren. Nicht etwa nur in Deutschland oder in Europa, nein, auf der ganzen Welt sieht der gewöhnliche Sterbliche heut« exotische Tiere nur im Zoo der Großstädte(und in Leder- und Pelz- geschäften). Die Zoos werden immer populärer und häufiger. So- gar in ihrer engeren Heimat, in Z e n t r a l a f r i k a, hat man reichlich Gelegenheit, die Raubtiere in Zoos zu bedauern und zu photographieren. In Nairobi sind die Fünf-Uhr-Tees im Zoo mindestens so beliebt wie hier und die Löwen können dort eng- lisch« Militärmärsche hören, und die Finger von Negerknaben auf sich gerichtet sehen. Dielleicht finden sie einigen Trost in der Tatsache, daß auch ihre schwarzen Landsleute und das Halbblut ihren Tee gesondert von den weißen Herren einnehmen müssen. Abgesehen vom Zoo bekommt ein Unglückewurm, dos mit einem Eook-Billett bewaffnet auf eine Weltreis« geht und keine abenteuer- lichen Abstecher von der geebneten Reiseroute macht, vom heimischen Tierleben überhaupt nichts zu sehen. Die Kamel«, die man an den Küsten des Roten Meeres entlang laufen sieht, darf man nicht rechnen, das sind Haustiere, dressierte Karawanenzieher, auch nicht !ie Riesenschildkröten in indischen Tempelteichen oder die zahmen Elefanten, di« man bei der Arbeit oder bei ihren Funktionen als Tempelgottheit sehen kann, und ebensowenig die Affen, die in Indien an den Zug kommen und sich von den Reisenden füttern lasse«. Und in A>1 st r a l i« n sah ich nur ein- nial im Naturschutzgebiet in der Umgebung von Sydney ein«in- ziges putziges Kän geruh, von der Regierung gehegt und gepflegt und flehentlich gebeten, ja nicht auszusterben. Kellerman berichtet von seiner letzten Asienreise, daß es die berühmten sta- mesischen Arbeitselefanten, die, mächtig« Baumstämme tragend, so häufig in unseren illustrierten Zeitungen figurieren, in Siam gar nicht gibt, sondern nur einmal gab. Ich bin Wochen und Monate in Idien gereist, ohne irgendwelche wilden Tiere zu Gesicht zu bekommen. Schlangen ausgenom- men, die sich bei meinem Herannahen sofort verzogen. D i e meistenRaubtiereAsiensundauchAfritasrennen davon, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre, sobald sie nur einen Weltreisenden riechen. Man inuß regelrecht mit Treibern auf die Jagd gehen, Expeditionen ins Landinnere machen, Karawanen ausrüsten und ein« Unmenge Geld springen lassen, wenn man ihnen guten Tag sagen will. Viele reiche Leute gehen noch Afrika jagen, ausgerüstet mit mehr Gewehren als man braucht, um eine Balkanrevolution in Gang zu bringen. Sie engagieren ein paar hundert Eingeboren«, Treiber und Jäger, nehmen Dutzende von Dienern mit: Köche, Kampkellner, Loibdiener. Leben in Luxuszelten mit zahlreichen Wein- und FutterkisteN: ganz wie zu Hanse. Eine solch« Jagd kostet 40000 bis 200 000 Msrk. Den eingeborenen Indern und Negern aber ist das Waffen- tragen verboten. Daraus, sowie durch das Barfußlaufen und man- gelnde Vorsicht erklären sich die zahlreichen Unglücksfälle, zumal in Indien, unter der heimischen Bevölkerung. Bei berühmten großen Tigerjagden sind die armen Teufel von Inder mit nichts als einem Stock bewaffnet. Damit schlagen sie auf di« Baumstämme und schrecken den armen Teufel von Tiger auf, der. wenn ihn nicht Hunger oder Gegenwehr zwingt, keinem Menschen etwas zuleide tut, und der vergeblich nach einem Ausweg sucht. Ueberall raschelt es. Hundert« von Eingeborenen treiben ihn auf«inen Hohlweg zu, wo von einem Versteck auf sicherer Höh« der gnädige Herr Maharo- dscha oder der weiße Heros ihn niederknallt. K u n st st ü ck! Auf nicht weniger schnöde Weis« werden die Löwen A f r I- las gejagd: man ködert sie. Di« Masai gehen den Löwen mit Specren zu Leibe: die Weißen werfen ihnen ein totes Zebra hin imfc verbringen die Nacht auf der Lauer hinter einem Stachelbusch. Ich will nicht behaupten, daß man sich dort sehr behaglich fühlt, schon das Löweng e b r 2 l l in der afrikanischen Eben« ließ mir an- fänalich das Blut erstarren, aber Raubtierjagd ist in Wirklichkeit meist sehr vi«l weniger heroisch und romantisch als in den aben- telierlichen Büchern. Amerikaner gibt es, di« den Raubtieren mit Autos nachjagen. O, es hat fein« Sonntagsjäger in Afrika! Umgekehrt mag es wohl passieren, daß ein wildes Tier einem Auto- mit harmlosen Insassen nachsetzt: von einem an- geschossenen Nashorn, da» einem Auto begegnete, weih ich eine Geschichte. Das Auto machte schleunigst kehrt und floh, dos Nashorn immer hinterher, über wackelige Bambusbrücken, über Gelände und Kurven, den Berg hinan, urü» als es endlich gelungen war, das Nashorn zu erlegen, verlangte di« Behörde die Jagd- l i z e n z zu sehen. In Afrika bedarf es einer Erlaubnis zum Jagen, genau wie in der Mark Brandenburg. Jagd- abenteurer(die wenig zahlen und viel einheimsen wollen) jagen da- her meist in Grenzgebieten. Und die Neger, wenn sie einen Weißen sehen, haben nur die eine Bitte: Schieß uns etwas. Wenn man dann etwa so einem armen Nilpferd den Daraus gemacht hat, kommt es zur Fleischoerteilung zwischen den Negern d«s Ortes und denen, die man mitgeb rocht— was«inen halben Tag in Anspruch nehmen mag. Phantastisch ist für heutig« Begriff« di« Zahl der Weide- tiere in der afrikanischen Steppe: w«r nachts mit dem Auto fährt. findet alle Augenblicke eine Tiergrupp« im Lichtkegel gebannt und um den Weg freizubekommen, muß man den Sucher seillich drehen. Auf der noch sehr fragmentarischen, nur auf dem Papier durch- geführten Eisenbahnroute Kap— Kairo kommt der Wan- derer, das heißt der verschiedentlich beschwerlich und gefährlich wan- dern Müssend« unter anderem auf den„Weg der 10 000 Löwen" („tlie toäd oi 10 000 lions"): dort, im Sande des Pfades, der zwischen hohem Gros hindurch führt, sind mehr Pranken- als Fuß- spuren zu sehen und ich weiß nicht, ob mir mehr graulte bei dieser unsichtbaren Gegenwart oder der Geschichte von einem Löwen- Überfall auf da, SchlaftraatenkamP. w«t«r südlich di« mau mir erzählt«— jedenfall, aber ist di« Strecke»ap-«air» so wenig eine Touristenroute, daß, wer sich ohne Expedition da durch wagen will, als ern Verrückter angesehen wird, in Kapstadt sowohl wie in Kairo. Die Erde wird allmählich zu klein für die Raubtier«, zu laut, zu mechanisch, und auch auf den leeren Flecken der Landkarte ist kein Ueberfluß, an großem Getier: im Innern Australiens oder Neufee- lands trifft man einen Vierfüßler so selten wie einen Menschen an und auch die Urwälder des Amazonas sind relativ tierarm, wenn man von Vögeln, Schlangen und Insekten absieht. Nur die Luft und das Wasser sind noch uneingeschränkte Domänen der starken Tiere. Was kann man den Haien anhaben, die alle warmen Meere beherrschen, oder den noch gefräßigeren Piranhas, den(Ama- znnen-) Flußteufeln: sie nähren und vermehren sich unangefochten. Bed«utend schlechter ergeht es schon den Krokodilen und Alli- gotoren, von denen alle tropischen Fluhläufe wimmeln. Ihr idyl- lisches Heim leidet unter dem zunehmenden Dcmipferverkehr und der Unsitte weißer Reisender, ihnen mit ihrem Winchester direkt ins Auge zu zielen. Dem Menschen am gefährlichsten werden die Räuber der Lust. Nicht der Kondor, der Adler, der Geier. Die Raubvögel richten nicht mehr Unhell an als die Raubtiere des Landes— die große Gefahr sind nicht die großen, sondern die kleinen Tiere: die Insekten. Den Insekten wird vielleicht einmal die Welt gehören: seriöse Wissenschafller vertreten die Ansicht. Es ist nur eine von Kindhett eingepflanzte Vorstellung, daß die großen Raubkatzen die fürchterlichsten Lebewesen sind. Nicht so gefährlich ist's,„den Leu zu wecken"(wenn man eine Flinte bei sich hat) als unverschleiert durch das Gebiet der Tsetsefliege zu wandern. Wie wenig nützen die Vorkehrungen gegen Insekten! Man sagt: das „Gebiet der Schlafkrankheitsfliege"— haben Löwen, haben Tiger ein Gebiet in diesem Sinne? Diese unansehnliche, unserer nicht unähnliche Tsetsefliege mit übereinander klappenden Flügeln ist mächtiger als der Löwe, der Elefant. Niemand kann sich ihrer erwehren! Man will gewisse Strauchgattungen, in denen sie sich gerne aushält, ausrotten. Wird es nützen? Wie viel« hunderttausend Menschen sind an gelbem Fieber zugrunde gegangen. Man hat Sümpf« trocken gelegt und es ist besser geworden. Aber der Moskito ist noch immer der ärgste Feind und Peiniger d«r Menschheit. Europa und Nordamerika aus- genommen, beherrscht er, verseucht er die Welt. HeinricK Hemmer, Akteure im Dunkeln den der Spionage In den seltensten Fällen ist es der O«sfentlichk«it vergönnt, einen Blick hinter die Kulissen«ine» Metiers zu hin, über dem der Ludergeruch des Verrats schwebt. Di« D r e y s u s- A f f ä r e er- schlltterte ganz Frankreich. D«r Prozeß gegen den l u f s i s ch e n Spion O r l o f f wirbelt« Staub auf. Und auch in der VerHand- lung gegen di« Tfcherwonzenfälscher steht man im Hintergrund« die Schatten einiger Dunkelmänner auftauchen. Die letzten Schleier fallen natürstch niemals in derartigen Prozessen. Es wird gelogen, es wird vertuscht. Oftmals gebietet das Staatsinteresse, daß gelogen und vertuscht wird. Di« Hauptakteur« spielen ihr« Rollen, s«hr zum Unterschied von anderen Schauspielern, nicht im Licht der Rampe, sondern im Dunkel der Kulissen Spionage wird sein, solange nicht die Beziehungen der Staaten zueinander«iner grundlegenden Aenderung unterworfen werden. Es gibt Spionagebüros in Frankreich, in England, in Deutschland, in.Sowsetrußland. auf der ganzen Welt. Lndustriekonzerne bespitzeln einander. Politische Parteien, Ministerien Am stärksten herrscht die Spionage in rüstenden Staaten, in Militär- und Diktaturstaaten. Deutsche Spione. Deutschlands Spionage war nie auf der Höh«. Das lag an verschiedenen Dingen. Erstens wollte man für wenig Geld wichtig« Nachrichten haben, zweitens unterschätzt« man den Wert eines gut- spielenden Nachrichtenapparates, und drittens eignet sich der Deutsche an sich sehr wenig für eine Tätigkeit, für die man die Gewandtheit eines Hochstaplers mitbringen muß. Man war bei uns zum größten Teil auf Menschen angewiesen, die die Spionage als G e- s ch ä f t betrieben, aus Ausländer zumeist, deren man nie sicher war. Es gab natürlich auch deutsche Spione, die Hervorragendes leisteten. Armee- und Marineoffizier«, Ingenieure, gebildet« Abenteurer. Und von diesen deutschen, aber auch von ausländiichen Spionen und Spioninnen handelt ein vor kurzem erschienenes Buch, das tatsächlich Stoff für zehn Abenteurerroman« bietet. Es handelt sich um Berndorffs Buch„Spionage", bei D i e ck u. Co. in Stuttgart erschienen. Wir haben sehr wenig« Lücher. die das Spio- nagefystem behandeln, denn es ist nicht einfach, authentifches Ma- terial über diese heikle Materie zusammenzutragen. Verndorfss Buch, und das ist schließlich das Wesentlich« an ihm, schildert aber nicht nur den abenteuerlichen Lebenslauf einiger Spione, sondern gibt in großen, prägnanten Zügen ein Bild vom Wesen des neuzeitlichen Spionagesystems. Spione als Einbrecher. Spione als Urkundenfölscher. Spione als Mörder. Es gibt ckein Derbrechen, vor dem der Spion zurück- schreckt/ Annemarl« Vesser. Was weih di« deutsch« Oefsentlich- keit von dieser Frau, die heute in einem Irrenhause dahinsiecht? Sie war Deutschlands größte Spionin. Ein« zierliche Frau, be- festen von threr Ausgabe, angestachelt durch den Genuß von Rausch- giften. Wenn alle Verbindungen während des Krieges abrissen— sie fuhr ins feindliche Ausland, sie fuhr nach Paris, nach Rom und knüpfte all« Fäden wieder an. Sie war es, die sich im Oktober 1918, verkleidet als Soldat, durch die französischen Linien schlich und im deutschen Graben mit der Meldung zu Boden sank, mit der Schreckensmeldung, daß soundsvoiele Divisionen frischer amerikanischer Truppen im Anmarsch seien, daß der Feind Tanks habe, mehr denn je, und Flugzeuge, mehr als zuvor Mata Hari taucht aus dem Dunkel empor. Die Tänzerin, die in deutschen Diensten stand, zwei deutsche U-Boote an Frank- reich verriet, von«iner Deutschen an Franzosen verraten und«r- schosten wurde. Edith Cavell. Der deutsch« Spion Grave. Der Engländer T r« n ch, der österreichische Generalstabschef Redl, der Rüste Peeka. Groß ist dl« Liste der Kämpser im Dunkel. All« marschieren sie auf, Abenteurer, Patrioten. Schufte. Das Heer der kleinen, schmierigen Agenten, die sich in die Netze des Spionage- systems verstrickten. Immer wieder dasselbe Pild. Ein Offizier gerät In Schul- den, eine Agentin»nacht sich an ihn heran. Der Offizier sieht keinen Ausweg. Plötzlich taucht der unbekannte Gönner auf. Der Ossizier hat wieder Geld in den Händen, das Geld eines Agenten, der ihn nun auspreßt wie eine Zitrone. Vor dem Krieg« wurde fast die gesamte Wilhelms- havener Schutzmannschaft versetzt weil es dem eng- lisch«» Nachrichtendienst gesungen war. Angehörige der Sicherheits- behörde und der Marine zu kaufen. Jahrelang hausten die englischen Agenten in einer Villa, dl« mit einem unterirdischen Gang ver- sehe» w«. Wenig bekannt ist, auf welche Weise der englische Spionage- dienst in den Besitz des Wortlautes eines außerordentlich wichtigen Staatstelegramms gelangte, das von dem deutschen Staats- sekretär Zimmermann an den deutschen Gesandten in Mexiko, von Eckhard, gerichtet war. Das Telegramm hatte folgen- den Wortlaut: Berlin, den 19. Januar 1917. � Am 1. Februar werden wir den uneingeschränkten U- B o o t k r i e g beginnen. Trotzdem hat man die Absicht, Amerika neutral zu halten. Wenn dies« Bemühungen nicht gelingen, so schlagen wir ein Bündnis mit Mexiko aus solgender Grundlage vor: Wir werden gemeinschaftlich Krieg führen und Frieden schließen. Wir würden eine allgemein« finanzielle Unterstützung gewähren und es wird angenommen, daß Mexiko das 1848 verlorene Gebiet von Neu- Mexiko und Arizona zurückerhält. Einzelheiten der Ausführung werden Ihnen- überlasten. Sie haben den Auftrag, Carranza im strengsten Ler- trauen zu sondieren und sobald es gewiß ist, daß«in Krieg mit Amerika ausbrechen wird, ihm den Wink zu geben, er möge sich aus eigener Initiative mit Japan in Verbindung setzen, dieses Land zum Anschluß auffordern und gleichzeitig sein« Vermittlung zwischen Deutschland und Japan anbieten. Lenken Sie die Aufmerksamkeit Carranzas darauf, daß die Durch- führung des rücksichtslosen U-Bootkrieges es möglich macht, Eng- land niederzu,zwingen und innerhalb weniger Aionate zum Frie- den zu bringen. Zimmermann. Dieses wichtige deutsche Staatstelegramin wurde nach einem mit größter Sorgfalt geheim gehaltenen Code tele- graphiert, in dessen Besitz sich nur wenig« Stellen befanden. Er bestand, wie Berndorfs schildert,„aus zwei Bänden, einem großen, dickleibigen Buch und einem kleineren. Der große Band enthielt in Zahlen die einzelnen Buchstaben des Alphabets ober auch gon,5« Wörter waren in einer Zahl ausgedrückt. Dies ganze Buch nützte aber nichts, wenn man nicht auch das zweite befaß. Dieser zweite Band bestimmt«, daß an jedem Tage des Jahres sich die Grund- zahlen zu ändern hätten, und zwar geschah das deiart, daß mit den Grundzahlen an den verschiedenen Tagen des Jahres mit verschiedenartigen, in dem kleinen Buch festgelegten Zahle»», noch Manipulationen vorgenommen werden mutzten. Dieser Code gehört« also zu denjenigen Geheimbüchern, die niemals entziffert werden tonnten". Szels Verrat. Wie kam es nun, daß die Entente den Worllaut des Zimmer- »nannschen Telegrammes, das den Eintritt Amerikas in den Krieg nur beschleunigte, ersuhr? In Brüssel befand sich«ine drahtlose Station, die die für das Generalgouvernemeirt Brüssel bestimmten Staatstelegramme auf- zunehmen hott«. Unter den Leuten, die die Telegrainme nach dem Code dechiffrierten, befand sich ein Zivilangestellter, der österreichisch« Staatsangehörige Alexander Szek. Szek war der Sohn o«r- nwgender Eltern, die zu den Spitzen der Wiener Gesellschaft ge- hörten. Trotzdem Szeks Mutter eine geboren« Errgländerin war, lauteten die Auskünfte, die die Wiener Behörden über die Familie Szek gaben, außerordentlich befriedigend, und das Brüsseler General- kommando zögert« daher nicht, den jungen Alexander Szek, der ein hervorragender Techniker war, in Dienst zu nehmen und ihrsi den Geheimeode anzuvertrauen. Auf eine Weise, die bisher nicht völlig geklärt ist, gelang es dem englischen Nachrichtendien st. mit Szek in Verbln- dung zu treten und ihn zum Verrat zu überreden Der iunge Oesterreicher macht« den Vorschlag, den deutscken Cöo« zu stehlen, aber davon wollte der englische Nachrichtendienst nichts wissen, denn die Entdeckung des Diebstahls hätte ja unzweifelhaft d e Aenderung des Code zur Folge gehabt. Szek erhielt daher den Auftrag, den Chisfreschlüssel abzuschreiben. Dos war«ine Arbeit von Monaten, eine nervenzerreibende Arbeit. Als die Kopie fertig war, meldete sich Szek krank, schlich sich über die hclländische Grenze und händigte dem englischen Agenten den Code aus. Von Szek hörte man niemals etwas wieder. Man ist wohl nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn man annimmt, daß ihn das eng- lisch« Spionagebüro beseitigt«, um der Gesahr zu entgehen, daß die Deutschen Mitteilung von Szeks Verrat bekämen und den Code abänderten. Alle wichtigen deutschen Stoatstelegramme konnten bis zum Kriegsende von den Engländern entziffert n'erden Und keine deutsch« Stelle brachte das Verschwinden Szeks mst der Veröffentlichung des an den deutschen Gesandten in Mexiko gerichteten Brieses in Zu- sainmenhang! Harcky Worm, (1. Fortsetzung.) � zogen von Haus zu Haus, aßen sich dick und rund. Mit den letzten oersteckten Vorräten rückten die beehrten Gastgeber heraus. Der Krieg war ja vorbei. Es würde schon bald wieder ordentliches Futter geben. Tom war der Hell», Boxerwllli der stillere Teilhaber. Eines Tages hatten sie ganz Strelitz auf ihr« Boxsrei wild gemacht. Di« Studenten, die hier das Technikum besuchten, wollten doch mal sehen, wie man mit der ledigen Faust Ehrenhändel aus- tragen tonnte. Die Bürger juckt« es«in bißchen. Boxkämpse waren bisher verboten gewesene Aber jetzt? In der freien Republik? „Heute fährst d« nach Berlin rüber und holst Boxhandschuhe/ forderte Tom Boxerwilli großspurig auf. „Det is ne Id«. Tom. Den werd'n wir hier schon wat vor- machen. Wir machen'n paar Runden und denn leg ich mich hin/ „N-z ja, wat dachtest du denn. Mensch? Die wissen doch hier von nischt." „Da muß ich noch vorher mein' Anzug von Vossen abholen/ „Denn geh gleich mit zu Böttger ran. und besorg mir meine neuen Stiefel, Willi/ Eines oerstand Tom aus dem ff. von seines Vaicrs Geschäft: dos Anzapfen. Vater Matthes machte runde Augen— aber er gab. Er verstand ja, daß Tom neue Anzüge und Stiefel brauchte Aber auch für den anderen, d«n Boxerwilli, mußt« er immer be- zahlen. Das gefiel ihm gar nicht. Am anderen Tag war die Kneipe hageldick voll. Das Bier floß in Strömen. Die Kleinbürger waren mächtig gespannt. Tom ging stolz umher wie der'Hahn auf dem Mist. Bei diesen Vor- bereitungen blieb es allerdings. Denn— wer nicht kam, war Boxerwilli. Die Gäste mußten enttäuscht wieder abziehen. Mit dem nächsten Morgenzug kam Willi auch nicht„Je, dat is nu so/ Vater Matthes wiegte bedenklich den Kopf.„Mir will er nicht gefallen, dein Kamerad. War ja gut so auf die Insel. Aber nu? Ich denke, Tom, Iünging, du machst'n dicken Strich durch das Ganze, so../ Er machte«ine entsprechende, energische Handbewegung.„Und setzt dich hier ins Trockene, wat? Mutter wird alt, ick schass's auch nich mehr so recht. Nimmst die ne nüd- liche Frau un spielst den Wirt?" Tom gab keine Antwort. Er sah vor sich hin und tat, als überlege er. „Lat den loopen mit dat Qkld", unterstützte ihn sein Vater. „Loopen laten? Die Knochen hau ich ihm kaputt", brüllte Tom wütend. „Wem denn?" fragt« Boxerwilli von der Tür her. Er schmiß mit einem Krach das Paket mit den Einkäufen auf den Tisch. „Wo warst de denn, he? Wat svll'n dat heißen, uns so zu blamieren?!" Boxerwilli hlinzelle Tom zu. Toms zornige Augen wurden aufmerksam.„Ick bring dich erst mal auf dein Zimmer", sagte er vorsichtig,„wirst müde sein". Schon auf dem Korridor schoß seine Frage los:„Wat is'n? Warum bist nich gekommen?" Boxerwilli machte«in« weitausholende, verächttiche Gebärde. Er spuckte erst, dann trat er ins Zimmer.„Mensch, du glaubst nich, wat da los is. Laß uns bloß hier aus dem Kaff wegmachen. Deinen Dämlack« kannst« später auch noch was vorboxen. Nix wie weg und noch Berlin. Spielb«tri«b, wo du hinguckst. Dort is für Leute, wie wir sind, der richtige Boden." „Und Geld?" „Na. Mensch, dein Alter?" „Der hat schon gegeben. Noch mal rückt der nich raus." „Denn deine Alte. Die lauert ja bloß druff, ihrem Kindchen den Kropf zu füllen", grinste Willi. „Modder laß aus'm Spiel", wehrt« Tom ab. „Na, wat denn? Und wenn de mit'ner dicken Podde wiederkommst, denn kannfte hier ein erstklassiges Hotel aufmachen!" Das stimmte. In der klein«» ehrbaren Kneipe hinter dem Aucschank zu stehen, das lockte Tom sowieso nicht. Auch die„med- liche fixe Frau" änderte daran nichts. Aber so richtig sich vor dem ganzen Nest aufspielen zu können, das war eher was. Diese verlockenden Gedanken warfen Tom, ablehnende Stellung sofort um.„Mol sch'n, vielleicht macht sie es", brummte er. Boxerwilli hatte sich nicht getäuscht. Modding hatte gegeben. Den alten Matthes hatten Tom und sein« Mutt«r gemeinsam be- redet. Er rückte auch noch mit einer Kleinigkeit heraus, nachdem ihm Tom oersichert hatte, daß er sich wieder Arbeit in Hamburg suchen wollte. Wenn er nichts fände, wollte er sofort das Restaurant seines Daters übernehmen. Wie einem Vogel, der dem drohenden Käfig entronnen ist, war Tom Matthes zumute, als er mit seinem Freund, f«in aus- gestattet, die Taschen voll Geld, nach Berlin fuhr. Berlin. Boxerwilli hatte es heraus. Immer wieder fand«r einen neuen Spiclbetrieb, wo seine kleinen Gemeinheiten glückten. Kam co irgend jemandem unsicher vor, so war es wie aus der Insel. Niemand wagte, gegen Toms wilde Kraft etwas zu riskieren. Sie grasten überall in Berlin herum. Verdienten viel Geld, gaben es im Handumdrehen wieder aus. „Heute nach Eharlottenburg, Tom. Ein Klub in'ner Villa. Alles bessere Lerne, dafür um so dämlicher und mehr Geld als im Norden." Tom grinste. Boxerwilli fand immer neu« Felder für ihre Tätigkeit. Fein war's. Aber dämlich? Dt« paßten auf ihr Geld ebenso auf wie alle anderen. Im Gegenteil, sie wurden hier von Anfang a» mißtrauisch beobachtet. Ihr schtechte» Deutsch war keine gute Empfehlung. Wenn Boxerwilli seinen rechten Arn, volstrcckte. rutscht« di« Manschette etwas zurück und ein tätowierter Anker wurde sichtbar. Dazu kam, daß beide ihr« Derlegenheit ongestchte de» ruhigen, vornehmen Tones, der hier herrschte, durch möglichst herausforderndes Wesen verschleiern wollten Roulette. Tom stand hinter dem Stuhl seines Gefährten. Fiebernde Blicke warteten darauf, wo die Kugel stehen bleiben würde. Der Bankhalter schob geschäftsmäßig eins lose Meng« Banknoten herüber. Willis Hand mit den ungepflegten Nägeln griff hastig danach. „Erlauben Sie, das ist mein Gewinn!" rief sein Nachbar, ein dickbäuchiger Herr mit schlechten Zähnen. „Bei Ihnen sind se woll im Oberstübchen eingebrochen. Sie?!" schrie Boxerwilli grob zurück. Jetzt kamen von der anderen Seite drohende Stimmen. Hände streckten sich. Alles schrie durcheinander.„Wer find denn diese Leute? Weisen Sie sich aus!" fordert« ein« drohende Stimme überlaut. Willi sprang auf und riß dabei seinen Stuhl um. Das war, als wenn es ein Signal gewesen wäre. Von allen Seiten drang man auf ihn«in. Den ersten, der sich chm in den Weg stellte, stieß Aoxerwilli vor die Brust, daß«r zurücktaumell«. Tom hatte nur auf den Moment gewartet, In dem es richtig losging. Er drängt« sich an den Tisch und raffte so viel Banknoten zusammen, wie er in der Eile fassen tonnte. Dann hieb und schlug er wie rasend um sich. Sein« Fäuste arbeiteten wie Dampfhämmer. Einen Augenblick hatte er Ruhe. Er sah sich nach Willi um, der gerade die Ausgongstür erreicht hatte Mit ein paar Sätzen war er neben ihm. Die ganze Rotte der eleganten Herren folgte ihnen. Immerhin hatten sie einen ganz guten Vorsprung. Sie hetzten einen langen Korridor enllang, der auf ein Fenster mündete. Willi drehte während des Laufens einmal seinen Kopf. Er sah undeutlich, wie einer der Verfolger«inen blitzenden Gegen- stand in der Hand hielt.„Tom, schneller, die wollen schießen", keuchte er. Unwillkürlich bückt« er sich während des Rennens. Tom hatte ihn gar nicht gehört. Er war am Fenster an- gelangt, riß es auf und sprang hinaus. Instinktiv faßte er dabei an die Brusttasch«, in di« er das Geld gesteckt hatte. Er landete gut und sprang sofort auf die Füße. Im selben Moment sauste dicht neben ihm ein schwerer Körper herunter.— Ah, Boxerwilli, schoß es ihm durch den Kopf.— Ein wilder Schmerzensschrei. von Boxerwilli ausgestoßen, hemmte ihn ein« Sekunde. Gerade als er über den Rasen des Vorgartens rennen wollte. Da erschienen oben am Fenster die Verfolger. Er war schon über den Zaun hinweg, als er immer noch Boxerwllli stöhnen und schreien hörte.„Tom, Tom, bleib hier, verdammter Schuft I" Ein Weilchen rannte er noch. Mit ruhigen Schritten bog er dann in den Kurfürstendamm ein, wo er sich unter di« Nacht- schwärmer mischte. 2 m Zirkus. Fast vierzehn Tage waren feit dem nächtlichen Vorfall ver- gangen. Tom hatte am nächsten Tag sofort sein Hotel ausgegeben und sich in einer kleineren Pension eingemietet. Erst war er sehr froh, von der ständigen Aufsicht Boxerwillis befreit zu sein, bald aber mußt« er feststellen, daß es ohne ihn sehr schwer war, Geld zu oerdienen. Ein paarmal schon hatte er daran gedacht,, sich wieder mit seinem Genossen zu vereinigen. Aber wie sollt« er ihn auf- finden? Das geraubte Geld war 6ald verzehrt. Psnsionsmiete hatte er in der letzten Woch« auch noch nicht bezahlt. Die Gerissenheit Boxerwillis fehlte ihm eben. Mißmutig schlenderte Tom durch die Straßen, tausend Pläne im Kopf, von denen keiner ausführbar war. Mechanisch blieb er vor einer Litfaßsäule stehen: Boxkämpfe!— Donnerwetter, da waren doch ein paar Namen, die er von der Insel her konntel Brattke? Den hatte er doch besiegt. Die Brüder boxten? Was konnten di« denn schon zeigen! Zirkus Busch! Tom sah aus die Uhr. Es mutzt« gerade angefangen haben. Die Hauptkämpfe sah er noch, wenn er sich beeilt«. Der Zirkus war dicht gefüllt. Boxen war die neueste Sen- sation Berlins. Das Publikum war grenzenlos aufgeregt. Das Haupttreffen war ein Kampf des Griechen Penopoils gegen vier deutsche Boxer, di« nacheinander antraten. Das erste Opfer saß schon in der Ringecke. Tom suchte mit seinen Augen den Griechen. Ah, da unten stand«r> An der Treppe, dl« zum Ring führt«. In einem prachtvollen Bademantel. Der Grieche rauchte und unterhielt sich lächelnd mit einem Herrn. Gerade warf er di« Zigarette in elegantem Bogen fort und war mit«in paar«lastischen Schritten im Ring. Brüllender Beifall tobte aus. „Der hat die Ruhe wech! Roocht der und soll gegen vicre aushalten. Mann, det is'ne Kanone!" hört« Tom hinter sich einen biederen Schlächter zu seinen Genosien sogen. Tom, der Inselchampion, lacht« vor sich hin. Ein Sportsmann raucht nicht vor dem Kampf. Das wußte er genau. Sollte das hier stimmen? Na, mal sehen! Der Gong ertönte. Und da— bums. Eins, zwei, drei, wie im Kasperletheater fiel der Deutsche um und wurde an den Beinen aus dem Ring gezogen. Sturm von Beifall. Eine gelassene elegante Verbeugung des Griechen. Nummer zwei trat an. Genau das gleiche Spiel. Kaum an- gefangen, schon beendet. Tom beugte sich weit vor. Das war doch nicht möglich? Fielen die Kerle vor Angst um, oder wie? Des Publikum war anscheinend damit zufrieden und raste Applaus. Tom hörte wieder den sachverständigen Schlächter hinter sich: .�aste geseh'n, Orse, haste geseh'n? Wie der hinkloppt! Beinah wie bei uns uff'n Schlachthof Is det!" vrje antwortete nicht. Er war viel zu aufgeregt. Seine Augen leuchteten begeistert. Jetzt betrat der dritte Gegner den Ring. Allgemein be- dauert« man ihn. Tom sah an dem Vorhang, der die Kabinen von dem Ring trennte, den letzten Mann stehen, der mit Penopolis kämpfen mußt«. Er hieß Max Milhan und war ein ganz guter Kämpfer, den Tom von der Insel her kannte (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. Schmetterlinge mit Pelzbesatz. Ein« der größten Ueberraschungen für die Teilnehmer der dritten Mount-Everest-Expedition war nach einem Bericht von Hingston in dein„Geographischen Journal" die Feststellung, wie erfinderisch die Natur ist, um das Leben auch unter den u» günstigsten Bedingungen zu erhalten. So trafen di« Forschungs» reisenden in einer Höhe von 5000 Metern zu ihrem Staunen noch Schmetterlinge an, di« in dieser barbarischen Kälte lustig umherflatterten, als ob es sich um den schönsten Sommer handelt«. Es gelang ihnen, einige Exemplare zu fangen. Dabei stellten st« fest, daß die Höhenkälte auch auf diese zarten Tiere«inen eigenartigen Einfluß ausübt und sie in seltsamer Weise oerwandelt, um sie im Kamps um, Dasein tüchtig zu machen. Die Falter hatten nämlich an Stelle der zarten und von blütenstaubartigem Belag bedeckten Flügeln eine Art von Pelz, der ihnen das Ertragen der Kälte ermöglicht. Diese Anpassung an die Umwelt kann nur in sehr langen Zelträumen erfolgt sein, und es geht daraus hervor, daß die Schmetterlinge in diesen Höhen auf dem Mount Eoerest schon seit Jahrtausenden die notwendigen Lebensbedingungen finden. Das Kriegsschiff als Elektrizitätswerk. Infolge außerordentlichen Wassermangels mußt« das Städtische Elektrizitätswerk In Seattle an der Westküste der Dereinigten Staaten seinen Betrieb einstellen. In dieser großen Notlage wandte sich die Stadtverwaltung an das Marineministerium mit der Bitte, das F'ug- zeugmutterschiss„Lexington" drahtlos zu beauftragen nach Seattle Montag, 13. Januar. Berlin. 16.09 Kort tubinskl;„Im farbigen Amerika". 16.30 Unleriultiingtmuiik. 17.30.Die Spinne aal der Jagd."(Spreeher; Prof. Dr. A. A. QrOnbanm.) 18.00 Onerschnltt durch den Cxpretsloniamus.(Sprecher: Dr. Hermann Kesser.) 18.30 Pater Max Pribllla, Manchen:„Katholisches snr Ökumenischen Bewegung". 19.00 Unterhaltungamnsik. 20.19 Singakademie: Sinlonlekoniert, Dir.: Ernest Ansermet, Genf. 1. Mozart: SlBfonle D Dur K. V. 389.— 2. Hlndei: Konzert B Dur(Or Cemhalo ond Orchester-(Wanda Landowska.)— 3. Strawinsky: Sinfonie Iflr Blas- instrumenta.— 4. Ponlenc: Concert Champttre für Cembalo.(Er staut. lührnng.)(Wanda Landowska)- S.-Debussy; Drei Nocturnes.(Berliner Eunkorchester; Beillner Eunkcbor: Ltg.: Maximilian Albrecht.) 22-30 Eunk-Ttnz Unterricht für Eortgeschrlttena. AnachlleSend bis 0.30: Tanzmoslk. Köilgswotterhaatto. 16.00 ErantOsisch(kultorkundlloh literarische Stunde). 1730 Dr. W A. Roon; Eraurn gestalten in der Oper. 18.00 Georg Foerstcr: Ethische Strömungen der Gegenwart. 18.20 Englisch für Anlänger. 18.89 Dr. Ponflck: Die Vererbung des bäuerlichen Besitzes. 19.20 Oberbaurat Lichtharn: Schäden beim Hausbau- 20.00 Gedanken zur Zeit: Dr. h. e: Damaschke, Treviranus, M, d. R.: Bodenreform ond Landwirtschaft. 20.46„Kartenleger eien".(Mitw.: Dolly Haas: Hans Deppe o. a) mmmmmimnmiinmiiiimmimramirammmimiiimmimimimiinmraiunmmtiima abzudampfen und sich dem Elektrizitätswerk der Stadt zur Ver- fügung zu stellen. Die„Lexingtan" verfügt nämlich über elektrische Generatoren, mit einer durchschnittlichen Kapazität von 180 000 l'S, di« vollauf genügen, den Bedarf Seattles zu decket�. Äm legten Augenblick traf dos Schiff ein und jetzt bezieht Seattle' seinen Strom von dem Kriegsschiff. Eine fleißige Parlamentskommission. Ein« Kommission des englischen Unterhauses beschäftigt sich be- kanntlich mii dem Plan eines Tunnelbaues durch den Kanal. Diese Kommission ist so fleißig, daß sie in der letzten Woche sogar am Sonnabend getagt hat, was in der Geschichte des englischen Unter- Hauses fest 17 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Das Fischnetz als Ladentisch. In dem Kampf um die Sonntagsheiligung� der sich in England in immer neuen Formen zwischen Bureaukrati« und Gewerb« ab- spielt, war der Magistrat einer kleinen schottischen Hafenstadt kürzlich auf den Gedanken gekommen, den sonntäglichen Verkauf von Tabak und Zigaretten in Kiosken am Hafen zu verbieten, damit die Seelen der Gläubigen sticht zu unnützen und verschwenderischen Lastern ver- führt würden. Di« Gesellschaft, die die Kioske gepachtet hatte, wußte sich zu helfen. Sie mietete ein Boot und vertaufte vom Boot aus mit Fischernetzen an die am Pier Stehenden. Der Magistrat konnte zunächst nicht, ausrichten, da die Kaufleute sich wohl gehütet hatten. das Boot am Ufer festzumachen. Aber die Bureaukrati« war nicht faul, ließ während der Woche um die Landungsbrücke einen Holz- zäun bauen und oernagelt« am Sonntag die Tür. Die ganz« Be- oölkerung erwartet jetzt mit Spannung di« Gegenmaßnahmen der Kaufleute am nächsten Sonntag. Fernwirkung eines Seesturmes., Am 15. Dezember scheiterte an der Küste von Neuseeland det Dampfer„Manuka". und mit iljm wurde«ine Kiste mit zwei Gemälden des Londoner Malers La Thangue eine Beut« des Meeres. La Thangue erreichte diese Nachricht in dem Augenblick, als«r sich einer schwierigen Operation unterziehen mußt«. Die Erregung über den Verlust seiner, wie er behaupiete. besten Bilder war so groß, daß er unmittelbar nach der Operation hohes Fieber bekam und verschied. Jetzt aber kommt erst das wahre tragische Moment: nach einem Telegramm aus Oueestown wurde die Kiste am zweiten Weihnachisfeiertag an Land gespült, und die Bilder sind dank der wasserdichten Verpackung vollkommen unversehrt. Schinken fürs Steueramt.., In einer Fleischerei in Teplitz-Schönau läutete dieser Tage das Telephon. Der Referent der Steuerverwoltung verlangt« energisch, daß ihm der Fleischer sofort einen großen, gut geräucherten Schinken aus das Eteueraml sende und die Rechnung beipacke. Nach zehn Minuten läutete da» Steueramt wieder an, und der Referent verlangte noch stürmischer nach einem Schinken. Der Fleischer schickte deshalb sofort«in Mädchen mit einem jchönen Schinken auf das Steueramt. Vor dem Gebäude tros c» auf-inen ungeduldig wartenden Herrn, der dem Mädchen den Schinken ab- nahm und es mit der Rechnung an die Auszahlstelle des Steuer- amtes schickt«. Dort war man sehr überrascht. Al» man erkannt hatte, daß es sich um den Streich eine« Betrüger» handle, war von dem Manne mit dem Schinken nichts mehr zu sehen... f rJh&rfiundoJjZLel Vom Arbeilerfu�ball. Ludcenwalde II wieder Kreismeister. Im gestern ausgetrvgenen Endspiel um die Kreismeistcr- schast kannte Luckenwalde II wieder den Sieg davontragen. Die erste Abteilung der Luckenwalder muhte die Ueberlegenheit der zweiten Abteilung durch ein 1: Z-Resultat anerkennen. Bessere Stürmerleistungen und der gut« Torwart gcrfxn den Ausschlag. Das letzte Serienspiel der ersten Zlasse, das zwischen Weihensee und Karow stattfand, sah die Weihenseer mit 2: 1 als Sieger. Weihensse rückt damit zur Kreisklasse ans.— Luckenwalde III konnte nur knapp mit 2: 1 gegen Butab gewinnen.— Weitere Resultate: Lichtenberg I gegen Eiche 7:2(4:1). Spandau gegen Lichtenberg II 8:0. Sokol gegen Tharkottenburg 1:0. Oberspre« gegen Reinickendorf 2:3. Oststern gegen Herz- selbe 2: 2. Stand der Spiele II. Klasse, Abteilung A. Stttta Jüterbog.. Lichtenberg II Schöneberg. Potsdam.. Caputh.. Kloster Zinna Butab... Schweifstern. Treuenbrietzen Cladow.. Borussia.. Herzfelde.. ohne Punktvertust durchs Ziel gegangen. Abteilung C. Uttel« EvitI« gemonntn unmtschiettn wrtott« Paukte Trebbin... 12 7 3 2 17:7 Spandau... 9 5 1 3 11:7 Saronia... 10 5 2 3 12:8 Reinickendorf. 10 4 2 4 10:10 Borwärts... 10 4 2 4. 10:10 Werder 77.. 10 2 3 5 7:13 Wansdorf.. Ö 1 l 7 3: 15 In dieser Abteilung muhte zur Ermittlung des Abteilungs- Meisters noch«in Entscheidungsspiel zwischen Trebbin und Spandau ausgetragen werden. Noch bis 10 Minuten vor Schluß lagen die Spandauer mit 3:2 in Führung. Im Endspurt errangen die Trebbiner noch 2 Tore und damit auch die Abteilungsmeisterschaft. Das Schicksal zweier Fußballmeister. Welche Auswirkungen die Bergfriedmännerei der kommunisti- schen..Interessengemeinschast" aus die aktiven Sportler der aus- geschlossenen Vereine auslösen, zeigt ein Aufsah in„Gegen den Strom", dem Organ der KPD.-Opposition, dem wir ohne Kam- mentar folgendes entnehmen:. Der„Dresdener Sporwcrein 1910" war wiederholt Bundes- suhballmeister im ATSB., im vorigen Jahre holte„Adler 08", Berlin-Pantow. die Bundesmeisterschast. Beide Vereine zählten zur Opposition im Arbeiter-Turn- und Sportbund. Der DSV. wurde durch die sächsischen Friedmann-Ideen in Sachsen aus- geschlossen. In Ostsachsen zusammen 5 Vereine. Die erste Mann- schast des DSV. ist dabei zerfallen: die bundestreuen Mitglieder sind im Berein zahlreicher als die der.Linie". Das kürzlich statt- gefundene Spiel DSV. gegen eine Berliner ausgeschlossene Mannschaft ergab die für Dresdener Sportverhältnisie k a t a st r o> phale Besucherzahl von 1000 Personen. Die Einnahmen deckten nicht einmal die Propagairdakoften. Auf diese Pleite tvaten 5 Spieler der 1. Mannschast aus dem Verein aus und zum Bund über. Dabei handelt es sich um die besten Spieler.— Adler 08 ist seit Jahresfrist ausgeschlossen. In der Bundesmeister- mannschast 1928 spielten Schuhe, Kube, Kalies Kuchenbeckcr, Müller, Ponrmeren. Stark, Lindenau, Wolf, Iroschinski, Hildes- brand. Davon gingen zu den bürgerlichen Per- einen: zu„Norden-Nordwest" die Spieler Troschinski und Kube: zu„Weihensee 1900" die Spieler Lindenau, Wols, Kuchcnbecker und Pommeren. Inzwischen kamen zu„Adler 08" zurück die Spieler Kuchenbecker und Pommerer. Wolf spielt augenblicklich im„Bewag-Werksporwerein". Kuchenbecker wurde trotz se-iner Gastrolle bei den Bürgerlichen erst kürzlich wieder als Auswahl- spieler für die MSB.-Mannschaft(kommunistische Kreismann- schast. Red.) aufgestellt. Die Zahl der Spieler, die seit dieser Zest die Reihen der ersten Mannschaft füllten, dann zu den Bürgerlichen abwanderten, ist viel größer. So sind z. B. Kubschin- sky und Dannecke auf der Polizeischule und spielen im Polizei- sportverein. Auch Bohl und Jakob! sind abgewandert. Eine erschreckende Tlnachse. Sie ist aber sehr interessant in bezug der Auswirkung aus die aktiven Sportler, die in der JG. ihr« sport- lichen Bedürfnisse nicht mehr befriedigt finden. Die Friedmänner vertuschen dies« Erscheinungen. Sie haben überall„Erfolge", weil jede kritische Stimme unter- drückt wird. Die Cishodccymcisicrschaft. Auswahlspiele am Sonnabend und Sonntag» Man kann von den deutschen Eishockeymannschaften gewiß kein„kanadisches" Spiel oerlangen, was aber bisher von den Königsbergern, Rastenburgern und sogar den Riesserseern gezeigt wurde, war mehr als bescheiden. Es steht noch recht schlecht nnt dem Können unserer Eishockeyoertreter. Das Desinteresse de« Publikums kam deshalb auch stark zum Ausdruck. Besonders am Sonn- abend war der Besuch im Sportpolast recht schwach. Zunächst traten der Berliner Meister„Brandenburg" und SE. Riessers-c in den Kampf. Di« nach chrer Schweizer Reis« sichtlich verbesserten Berliner waren vom Ansang bis zum Ende des Spiels stets überlegen und st-gten mit 3:1 Toren. Damit sicherte sich Brandenburg den ersten Platz m der Gruppe II. Das Spiel. das zuerst sehr langweilig wirkte, wurde erst im letzten Drtttel etwas lebhafter. Im zweiten Spiel siegte der„Eislaufverein Füssen" über den„DFB. Königsberg" mit 4:1 Toren. Drei Torerfolg« der Bayern kamen auf das Konto von Sirch und B. Leineweber. Der Torwächter von Füssen war recht gut. und er verhinderte jeden weiteren Torerfolg der Königsberger. Auch am Sonntagabend wies der Sportpalast wieder nur mäßigen Besuch auf. Das Hauptinteresse war auf die Begegnung des „Berliner Schlittschuhklub" mit dem„Eielaufverew Füssen" gerichtet. Es ging um den Sieg in der ersten Gruppe. Die Berliner gewannen haushoch mit 8: 1. Bis zum zweiten Drittel war der BSC. fünjmal erfolgreich. Im letzten Drittel gelang es den Berlinern sogar, ihr« Torzahl auf 8 heraufzuschrauben. Füssen konnte allerdings zum Schluß noch den Ehrentreffer erzielen. Heute abend wird nunmehr der Berliner Schlittschuhklub gegen„Brandenburg" das Ent- scheidungsspiel um den ersten Platz in der Gruppe I bestreiten. Zum Kampf um den dritten Platz haben sich die beiden Vereine Füssen und Riesserse« qualiftziert. denn in dem letzten Spiel der Gruppe II am Sonnabend war Riessersee über Rastenburg mit 8:0 erfolgreich. Trotz des guten Torstehers Leineweber deherrschten die BSC.er im Spiel mit Füssen jederzeit die Lage. Iaenecke schoß vier Tore. Ball und Römer je zwei. Den Ehrentresser der Boyern erzielte Oindtner. In dem Spiel Riessersee gegen Rostenburg erregt« das unnötig körperliche Spiel der Riesserseer Mhfallen. Der Verteidiger Slevogt mußte aus diesem Grund« mehrmals dos Spielfeld verlassen. Bei den Rastenburgern kam die mangelhoste Routin« sehr zum Ausdruck, und aller Eifer nützte nicht». Roch Abschluß d«r Gruppenspiele ergibt sich folgender Tabellen st and: Gruppe l: Berliner SiWtttschuhklub 2 Spiele, 12:2 Tore, 4: 0 Punkte. Eislausverein Füssen 2 Spiel«. 5: 9 Tore. 2: 2 Punkte. V?B. Königsberg 2 Soiele, 2:8 Tore. 0:4 Punkt«. Gruppe II: Brondenburg-Berlin 2 Spiele 8' 2 Tore, 4: 0 Punkte. ST. Riesser- see 2 Spiele. 7: 3 Tore, 2: 2 Punkte. V'L. Rastenburg 2 Spiele. 1: 11 Tore, 0>4 Punkt«.___ Doch noch Wintersport! Die Kampfspiele in Krammhübel. Dt« 3. Deutschen W> nt«r kä m p fs p iel« nahmen am Sonnabend vormittag in Krummhübel mft dem Ein- und Zweisitzer r o d e l n auf Naturbahnen ihren Anfang. In Krumm- hübel schien es gar nicht so, als ob die Winterspiel, im Gange wären Von Schnee war kaum etwas zu sehen, und so bot das Nein« Städtchen nicht das sonst gewohnte lebhaft« bunie Bild eigentlicher Wintersporttag«. Rur unter Anspannung aller Kräfte war es möglich gewesen, die" Naturbahn Schlingelbaude— Bruckenberg In einen einigermaßen fahrbaren Zustand zu versetzen. Der mangelnde Schnee war die Ursache, daß die Bahn ln ihrer Länge von 1000 Metern fast durchweg stark oereist war, also nicht geringe Gefahren in sich barg. Glücklicherweis« blieben ernst« Stürze aus. 2luj der schnellen Bahn kamen einzelne Bewerber dicht an die Rekordzeiten heran. Di« schnellste Zeit des Tages fuhr der Europa- rneister R. Feist(Flinsberg) mit 2 Minuten 09,2 Sekunden für eine Fahrt heraus, mußte ober im Gesamtergebnis der beiden Fahrten seinem Bruder Waller Feist den Vortritt lassen. In der Damen- konkurrenz zeigt« sich die Lokalnmtadorin Helene Hompel als un- schlagbar. Kampsspielmeister im Herren-Doppelsitzer wurden die Deutschböhmen Porsche-Fabel aus Hänichen, und im Damen-Doppei- ou groote Arheiier-HaiiensDomesi u. Januar, is Uhr. im„spohtpaiast"! 1500 Sportler«m Start, darunter 300 an« dem Reldi Karten Im Vorverkauf sind noch zu haben:.Sportzentrale", Königsberger Strafie 5/6, Geschäftsstelle FTOB.. Lichtenberger Straße 3, in Werners Vereinshaus, Frankfurter Allee 236, sowie bei allen Vereinsfunktionären Praise: 1,50 M.(Kasse 2 M.), 75 Pf(1 M), 50 Pf.(75 Pf.) sitzer gangen die Krummhübeler Helene Hampel— M. Erben allein über die Bahn. Insgesamt starteten 118 Schlitten. Mit dem Eisschießen und den Rodelwettbewerben aus K u n st b a h n e n wurden die Deutschen Kampfspiele am Sann- tag m Krmmnhübel fortgesetzt. Wieder war das Weiter aus- gezeichnet, die Bobbahn, auf der die Rodelrennen stattfanden, aber stark oerelst. Man hatte zwar kein« Arbell gescheut, die Strecke in«inen einigermaßen guten Zustand zu versetzen, ein Vorhaben, das aber nur zum Teil gelang. Dazu kam, daß die Bobbahn zufolge ihrer besonderen Konstruktion dem Rodler manche Schwierigkeiten bot, die von den schweren Bobsleighs erhebl'ch leichter überwunden werden Trotzdem ging aber alles glatt oonltatten. Wie am Dortage zeigten sich die Schlesier wieder als Könner großen Formats. Die absolut schnellste Zell fuhren Hündler-Breiter(Bruckenberg) niit 2: 58,9. Bretter gewann auch da» Elnsttzerrennen. Bei den Damen wiederholten Helene Hampel-MIlll Erben Ihren Erfolg vom Sonn» abend, den Dameneinsitzer gewann die Oesierreicherln Frau Klecker. Im Eisschießen, das vor zahlreichen Zuschauern stattfand, belegten die Bayern die ersten Plätze. Der Metster des Borjahres, ESV.- Frauenau, mußte den Titel an den deutschen Meister von 1928, ESC�Zwiefel abtreten, der ein Spiel mehr gewinnen konnte. Oer«Ständige Ring". Wieder tonnt« gestern abend der„Ständige Ring" sehr schön« Boxkämpfe abwickeln. Vi» auf das Einleitungstreffen hiellen die übrigen Kämpfe das. was von ihnen versprochen worden war. Hans Ahrens-Bcrlin(72) zwang Paul Schmidthaber-Berlin (62,3) schon in der zweiten Runde zur Aufgabe. Beide hatten bis dahin herzlich wenig gezeigt Einen sehr hübschen Kampf lieferten sich der Kölner Willi Metzner(31,9) und Willi Bartnick-Breslou (53.3). Bartnick gewann knapp, aber einwandfrei noch Punkten. Ein schnelles End« nahm die darauffolgend« Begegnung zwischen Erich Tobeck-Breslou(71.7) und Heinrich Trollmann-Hannooer (70,1), dem„Zigeuner'. Trollmann versuchte in der von ihm bekannten Art seinen Gegner runter zu flghien. Tobeck ließ sich auf die Kelleret aber nicht ein und nagelte den Hannoveraner an den Seilen fest. Durch mehrere schwere Schläge aus Magen und Leber zwang Tobeck seinen Gegner auf die Bretter. Trollmann wurde ausgezählt. Einen sehr flotten Verlaus nahm der Hauptkampf zwischen Harry Stein-Berlin(55) und dem Belgier Lan-Paemel (34,0). Stein war bedeutend flinker als man ihn bei den letzten Kämpfen gesehen hat, schlug bedeutend härter und war auch sonsi■ in sehr guter Form Obgleich er in dem Belgier«inen durchaus gleichwertigen Gegner hatte, der vom Anfang bis zum Ende des Kampfes gefährliä) war, konnte Harry Stein, der ehemalige deutsche Fliegengewichtsmeister, klar nach Punkten gewimien. Im Schluß- kämpf siegte Gustav Eder-Dortmund(66,2) über Waller Peter-Berlin (66.7) nach Punkten. Arbeiter-ifoclre;. Im ersten Spiel der Frühjahrsserie konnte der Bez.... Nordring 1 der Freien Turners chaft Groß-Berlin gegen Tennis- Rot 1 nur ein 1:0 herausholen. Tennis-Rot zeigte ein kaum an- nehmbares Spiel, das lediglich darin bestand, die gesamte Mannschast zur Verteidigung heranzuziehen. Ein regelrechtes Torjchießen jür die Nordringmannjchaft. Bedauerlich ist nur, daß es der Nordring mannschast nicht gelang, dem Gegner die sonst gewohnte gute Spiel- weise zu diktieren. Statt ein Auseinander- und immer wieder Offen- ziehen des Spiels und des Systems vorzimehnten. drückten sie mit der gesamten Sturmlini« und Läuferreihe immer wieder nach innen. und das beinahe während der ganzen Spielzeit im letzten Viertel vor des Gegners Tor. Durch allzuviel Beine hindurch ist kauni ein Tor zu erzielen.— FTGB. Nordring 3 und Tennis-Rot 2 spielten 14: 1. Die Nordringleute zeigten aufs neu«, daß sie verstehen, sich guten Nach- wuchs heranzuziehen, dem Tennis-Rot in keiner Weise gewachsen war. — Die übrigen Spiele auf dem Platz Ost wurden ein Opfer der spielunfähigen Plätze.— Berichtigung! In der Ueberschrift des Werbespiels am vergangenen Sonntag muß es heißen: West gegen Ost 4: 2. Halbzeit 3: 0. Der„Sturmvogel" fliegt! Die Bezirksgrupp« Friedrichshain des„S t u r m o o g e l" halle zum Sonntag zu einer Werbeveranstaltung eingeladen, aus der der Leiter des Verbandes, Walter Binder, eine Ansprache hielt. Nachdem er die Ziel« des Flugocrbondes der Werttätigen kurz umrisien hatte, gab er ein Bild von der Entwicklung dieses Verbandes. In einem halben Jahre find vierzig Ortsgrup- p e n im Reiche aufgebaut. Gemeinsam mit den Verbänden der Werktätigen, vor allem auch der Gewerkschaften, haben diese Orts- gruppen ihre Arbeit ausgenommen. Üluf einer Vortragstournee, die Bmder in den nächsten Wochen durchführen wird, sollen in weiteren zwanzig Orten Gruppen gebildet werden. Auch in München ist eine recht lebenskräftige Ortsgruppe gegründet. In Berlin arbeiten zur Zeit 14 Gruppen, die in nächster Zeit zum ersten Gau zusammen- geschlossen werden. Mit Freude werden in diesen Tagen auch die Arbeitersportler, die sich dem„Sturmvogel" kooperativ anschließe». begrüßt werden. Der Flugzeugpark konnte um zwei weitere Sport- flugzeuge vermehrt werden. Der Maschinenport, der damit sieben Flugzeuge umsaßt, wird jetzt noch durch ein« Fracht- und eine offene Maschine erweitert und im Frühjahr nochmals ergänzt durch eine größere achisitzig« Dornier-Mertur-Maschine. Ein Teil der Maschinen wird, wenn die Ortsgruppen auch Ihre theoretischen Aus- bildungskurse abgeschlossen haben, in die Ortsgruppen abgegeben. ?ln größeren Deranstallungen hat der„Sturmvogel" bis jetzt«ine» Modellflugwettbewcrb angesetzt, der am 1. Juni auf dem Tempelhofer Feld ausgetragen wird. Der Start der größeren Modell« wird vom Fesselballon aus erfolgen. Im Reich wird der „Sturmvogel" in allen größeren Orten mit Flugplätzen Flugtage veranstalten, die zugleich Werbung für den Verband sein sollen. Etn neuer Kanaischwimmer. Ein junger Inder hat sich bereit erklärt, den Kanal mit gefesselten Armen und Beinen zu durchschwimmen. Nach seinen Erklärungen hat er bereits in seiner Heimat lange aus dieses Schwimmkunststück trainiert, und er sei mit Leichtigkeit in der Lage, ein« Streck« von 24 Meilen aus diese Art im offenen Meer« zurückzulegen.— Es wird eigentlich auch wieder einmal Zeit, daß in das Einerlei der Kanaldurchquerungen ein neues Moment hineingetragen wird. Kanal- durchquerungen sind sa in der letzten Zeit so häusig gewesen, daß niemand mehr davon Notiz nehmen wollte...! „Steuerpflicht bei Sporlvcrcfncn." Im Sportteil des„Abend" vom 27. Dezember hatten wir in einem Aufsatz:„Steuerpflicht bei Sportvereinen" die Gemeinnützigkeit von Wirtschaftsbetrieben der Sportvereine unter gewissen Boraussetzungen nachgewiesen. Der Verfasser des Aufsatzes bittet uns mttzuteilen, daß das einschlägige Material bei Streitfällen in der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege, Biilowstr. 29,«ingesehen weiden kann. „Proles", Verein für körperkulknr, ZN. d. A.-T.- u. Sp.-D. Die erste Iugendabteilung wird in der Halle Gubener Straß« 33 eröffnet. Weitere Abteilungen für männliche und weibliche Jugendliche wer- den bald eröffnet. Näheres folgt. Für Männer sind die Gymnastik- abend« vorläufig noch Sonnabend 20 Uhr in der Halle Frieden- straße 3l. Di« Frauen üben jeden Montag 20 Uhr Waldemarstr. 77. Gäste willkommen. Sonnabend, 18. Januar, nach der Uebungsstunde Vereinevcrsammlung. Sonntag, 26. Januar, Spieltag. Das Mit- leilungsblatl wird an Bruderverein« und Interessierte Organisationen durch die Geschäftsstelle Karl Kienbaum, SO. 36, Naunynstr. 6, Alex. 2533. abgegeben. Freie Spott- und Musikoereinigung Berlin! Sonntag, 19. Januar, 13.50 Uhr treffen sich sämtliche aktive und vassive Mitglieder nebst ihren Angehörigen unter dem Horbbahnhoj Bülowstraße, Hinterer Ausgang. Dan dort pünktlich 14 Uhr Abmarsch mit Musik zum Sportpalast. Freitag. 17. Januar, 20 Uhr, Uebungsstunde mit Instrumenten im Sporthaus, Dirksenstr. l an der Jannowitzbrücke. Gäste willkommen. Mitglieder werden aufgenommen! ______ Oehlschläger Neue Bücher. Da» Sportalbum der„Bad-Well" 1929>st kürzlich im Verlag der „Rad- Welt", Berlin SW11. erschienen. Eingeleitet wird das 124 Seiten starke Buch mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr, um dann in mehreren Kapiteln die einzelnen„Ressorts" der Herren des Pedals krstisch-plaudenrd zu beleuchten. So erfährt der interessierte Leser vieles über die Dauerrennen, über die„guten" und„schlechten" Verbindungen zwischen Schrittmacher und Steher u. a. m Themen über Fliegerrennen, Wertpreissahren, Straßen- rennen, über den Amateursport auf Straße, Bahn und im Saal beanspruchen die nächsten sechs Abschnitte des Buches. Auto- biographien bekannter Rennfahrer, Ersolgsstatistiken sowie„Motor- sportliches" vervollständigen den Inhalt, sür den Hermann Düseld- Felden verantwortlich zeichnet.__ R. Soli. S«l« ftsBUfabKc ,z»»az elnia" 1821. Mittwoch, 15. Sonuor. 20 Uhr. oriicntHdie ffitnctaTnccronrntlun« im 95etctn»Tof«I„Sur Tonne". Sitrfel- Ecke EofTeiteafte. Mitaliebsbuch mitbringen. «rbaitrr.SchSjjen.Bunt»,?ht. Mitte. Dienstag. 14. Januar, 20 Uiu Bol»en» unb Nuaelschießen. Lokal nicht mehr Loban, Briibcrstr. 16—15. sonbern „Gmeeschwemme. Stealauer Ttr. 13—14. Donnerstag. 16. Januar,«nmnaft f abend in der Turnballe NSpenicker Str. 125(fteueriüthrlchetU). xgv; Uhr. DieKreuger-Anleihe nicht gefährdet Tardieu war nicht im Bilde.— Hauptschwierigkeit Ganktionsfrage. Haag, 13. Januar.(Eigenbericht.) Am Sonnabenb hatten die Franzosen die Frage der Kommerzia- bsierung der ersten Rat« der deutschen Reparationsschuld aufge- morsen und im Zusammenhang damit das Problem der deutschen Auslandsanleihen angeschnitten. Darüber teilte die deutsche Delegation zunächst so gut wie gar nichts der eigenen Presse mit. Das war ein Fehler. Denn zur selben Stunde empfing Tardieu die französische Press« und machte ihr ausführliche, jedoch offenbar unrichtige Angaben. Daraus mußte man den Eindruck ge- Winnen, daß Frankreichs Einspruch gegen Deutschlands Auslands- anleihen sogar rückwirkende Kraft auch auf die schon abge- schlössen«, aber erst im Juni fällige K r e u g e r- Zündholzanleihe haben könnte. So hat übereinstimmend die Pariser Presse gemeldet, so auch ein Teil der Berliner Blätter, deren Vertreter über die Aeußerungen Tardieus informiert waren. In Wirklichkeit hatte Moldenhauer, dem die Unterlag«« am Sonnabend fehlten, weitere Aufklärung für Montag in Ausficht gestellt. Inzwischen hat der Reichsfinanzminister mit seinem im Haag eingetroffenen Staatssekretär S ch ä f f e r konferiert und die für Montag angekündigten Aufklärungen werden zweifellos die Bedenken der Franzosen in diesem Punkte zer st reuen. Abgesehen davon nämlich, daß die Zahlungen der Kreuger-Anleihe sich ab Juni 1930 über 17 Monate erstrecken, hat Kreuzer die ausdrückliche Verpflichtung übernehmen müsien, drei Iahre lang die Anleihe nicht auf den internationalen Markt zu bringen. Dieselbe Verpflichtung müssen die Banken und Finanzkonsortien, mit denen Kreuzer bei der Auflegung der Anleihe zusammenarbeitet, übernehmen. Mit anderen Worten, es wird durch di« Kreuzer- Anleihe infolge der dreijährigen Sperrfrist der internationale An- loihemarkt überhaupt nicht berührt. Dies war bereits im November durch Botschafter v. hoesch klargestellt worden, als Frankreich wegen der Kreuger-Anleihe bei Deutschland vorstellig wurde. Aber anscheinend war Tardieu dar- über nicht recht unterrichtet. Was nun das Problem der Nichterschwerung der Mo- b i l i s i e r u n g betrifft, so steht die deutsche Delegation grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß alle Staaten, da sie einen gemein- schaftlichen Anleihemarkt haben, auch gemeinschaftliche Interessen haben, über die verhandelt werden muß. Die deutsche Delegation will gewisse positive Vorschläge unterbreiten und glaubt,.daß eine Verständigung möglich sein wird. Eine ausdrückliche Verpflichtung, keinerlei ausländische Anleihen bis zur restlosen Unterbringung der mobilisierten ersten Rate aufzunehmen, kann Deutschland nicht übernehmen, solange es die höhe dieser ersten Rate nicht kennnt und den Zeitpunkt, in dem mar» glaubt, diese Operation abwickeln zu können. In Wirklichkeit muß und wird über diese Frage eine Verftändi- gung erfolgen. Denn so sehr für di« Franzosen di« baldige Kom- merziafisierung der deutschen Schuld von lebenswichtigem Interesse ist, so sehr haben sie auch ein Jnteresie daran, daß Deutschland gesunde finanzielle Zustände bekommt, und die Voraussetzung für das Funktionieren des ganzen Poung-Planes sind. Und es wäre deshalb töricht, von vornherein Deutschland den Auslands- anleihcmarkt zu sperren, denn es ist sehr zweifelhast, ob ohne solche Anleihen die Ordnung in den deutschen Finanzen erreicht werden kann. S n o w d e n hat die Formel geprägt, es komm« darauf an, daß Deutschland und Frankreich ein„gcntlement agree- ment" über diese Frage vereinbaren. In der Frage des Zahlungstermins hat die deutsche Delegation immer mehr erkennen müssen, daß sie mit ihrer Forde- rung der Ultimo-Zahlungen nicht durchkommen wird. Dafür dürft« die Gegenseite darauf verzichten, die Aktwierung des negativen Pfandrechts weiter zu betreiben. Mit Hochdruck verhandelten den ganzen Sonntag Curtius-Wirth und Tardieu-Berthelot über die Sanktionsfrage. Nach einer Besprechung in der Mttagsstunde hieß es, daß man sich„weiter im Kreise herumdrehe". Am Nachmittag haben wieder einmal di« Juristen neue Formulierungen ausgedacht, über die um 10 Uhr abends die Minister verhandelten. Nach einer Stunde kehrten die Deutschen ins Hotel zurück, wobei Dr. Wirih orakelhaft mitteilte, nun werde eine Formel vorgeschlagen, von deren Annahme oder Ablehnung das Schicksal der ganzen Konserenz abhänge. Finde diese Formel, die er sofort ausarbeiten werde, Beifall, dann werde das Problem gelöst sein. Gegen'A12 Uhr erschien Professor hesnard, um die Formel abzuholen. Es soll sich um die juristische Feststellung dessen handeln, was geschehen kann, wenn etwa— hugenberg und Hitler regierten und den Poung-Plan„zerreißen". Da sollen die neuen siamesischen Zwillinge Alfred und Adolf nicht größenwahnsinnig werden, wenn üe hören, daß ernste Staatsmänner im Haag seit zehn Tagen manch- mal bis in die späte Nacht über diese irreale Hypothese diskutieren, als hinge das Schicksal der ganzen Konferenz davon ab. RepMkanischeStudeiitenlMdgeSung. Neue Aufgaben der Wiffenfchast. Am Sonntagvormittag wurd« im Rahmen des zweiten Stu- dententages des Deutschen Studentenverbandes eine groß« akade- mische Kundgebung veranstaltet, auf der die Professoren Fried- ri ch*01 ein ecke, Berlin, Hermann Heller, Berlin und Prälai Georg Schreiber, Münster, sprachen. Mit vielem Beifall wurden die zahlreichen Vertreter der Reichs- und preußischen Staatsregierung und die anwesenden hochschul- lehrer, Prorektor Professor hamel von der Technischen Hochschule Eharlottenburg, Professor Stählin, Berlin, Professor Nöller, Ber- lin(Tierärztliche Hochschule), Professor Rosenstock-Hüssy, Breslau, Professor Dr. Winter, Prag, und die Leiter des Deutschen Studenten- werks Dr. Schairer, Dresden, begrüßt. Begrüßungstelegramme und-schreiben waren u. a. vom preußischen Justizminist«r Schmidt, von Professor hellpach, von Regierungspräsidenten Friedensburg. vom Allgemeinen Deutschen Veamtenbund und vom Deutschen Be- amtenbund eingelaufen. Pofessor Meinecke sprach über „Geschichte und Gegenwart". Er bezeichnete den„Deutschen Studentenverband" als Kampf- o r g a n i s a t i o n, die geschaffen worden sei, um über den Kampf selbst hinaus zu weisen auf das Ziel endlicher Befrie- d u n g der hvchfchul Verhältnisse. Weil dieses Ziel nicht eigentlich politisch sei, so könne auch auf die edelste Weise der Kampf geführt werden, nämlich durch Ueberzeugung der Gegner mit positiven Lei- stungen. Diese Haltung gestatte zugleich das Ueberschauen der großen Zusammenhäng«, die die politischen Tagesziele verbinden. Ein« ähnliche Ausgabe setze sich die historisch« Wissenschaft gegenüber dem wirtlichen täglichen Geschichtsablauf, das V« r- bi n d e n und Zusammenschauen von Vergangenheit und Gegenwart in Eins ist das Wesen der modernen histori- scheu Wissenschaft. Die Vergangenheit schafft die Gegenwart, und die Gegenwart schafft die Zukunft. So sind die geschichtlichen Er- eignisse, die zur Geschichte werden— den Handlungen des Menschen nichts als dynamische Beziehungen zwischen Ursachen und Wir- kungen. Aber diese Geschichtsauffassung birgt auch die Gefahr des Relativismus und Skeptizismus in sich. Es ist die Frage, ob dieser zersetzenden Wirkung vom Standpunkt der gleichen Geschichtsauf- fasiung aus auch neue aufbauende und festigende Wirkungen ent- gcgengesetzt werden können. Die großen Vertreter der dynamischen Geschichtsauffassung Hegel, Marx. Ranke und Droysen haben solche festen Wertungen im alles umwälzenden Entwicklungsstrom« aus verschiedene Weise gefunden. Es gelte, im Timm« Goethes und Troeltschs, im vollen Be- wußtscin der Relativität des augenblicklichen Ereignisses dem Augenblick« Ewigkeitsgehalt zu geben, indem man seinen individuellen Wert erkenne. Politisch bedeute das, demheutigenkonkretenStaate, in dem die Verbundenheit des Voltes in allen sem«n Schichten lebendig sei, zu dienen. Profctor Heller, der über die Bedeutung der Gesellschaftswissenschaft sprach, setzt« die Aufgab« der Soziologie der d«r Geschichtswissen- schaft in der Weise entgegen, daß sie die notwendige Relatioierung des Geschichtsahlauses und der menschlichen Vernunft in ihrer Zweischneidigkeit aufdecke. Die Ideologien, hinter denen sich in allen Wissenschaften gesellschaftliche Wirklichkeit verberge, müssen der soziologischen Kritik unterworfen w«rden. Eine ge- wältige Erziehung zur Wahrheit und zur geistigen Redlichkeit in der Durchschauung und Enthüllung der herrschenden ethischen, rell- giösen, politischen, juristischen und sexuellen Anschauungen und Ideologien muß von der Gesellschaftswissenschaft geleitet werden. Die Kritik mag zunächst zersetzend und schmerzlich sein, erweist sich aber als heilsam« Notwendigkeit, wenn sie)m Bewußtsein letzter Ver- antwortung geübt wird. Wir leben in einer Uebergangszeit zwischen einer alten und einer neuen Kultur, aber nur der Wahrheitsgehalt wird über die Lebensfähigkeit einer neuen Kultur entscheiden. Dazu gehört, daß der Aberglauben an die Allmacht und die objektive Gültigkeit der positiven Wissenschaft zerstört wird. Im Sinne von Marx muß die sozial« Standortsgebundenheit aller Erkenntnis und alles menschlichen Geistes erkannt werden. hier erwächst aus der kritischen Aufgabe der Gesellschaftswissen- schaft die konstruktive Aufgabe der Lehre vom gesellschaftlichen handeln, das den Auf- und Umbau der Gesellschaft bewirkt. Die heutige Hilflosigkeit nicht zuletzt der Akademiker gegenüber dem gesellschaftlichen Problem der Studienreform beruht aus einer Kultur- und Charakterkrise der sich der Wissenschaft widmenden Schichten des Volkes. Die Hilflosigkeit gegenüber dem gesellschaftlichen Geschehen entspringt aus dem geistig toten, aber noch immer herrschenden liberal» idealistisch-humanistifchem Bildungsideal, dem di« Soziologie ein neues, einem neuen Gesellschafts- und Kulturaufbau entsprechendes Dildungsidsal entgegensetzt. In einer gefährlichen, aber wilden und schönen Situation ist es die Aufgabe nicht nur der akademischen Jugend, sondern der gesamten junge» Generation, mit Wahrheitsliebe und nüchternem Relativismus sich selbst zum gesellschaftlich umwälzenden Handeln zu erziehen. Prälat Professor Schreiber sprach über „Deulschlands internationale geistige Arbeits. Er bezeichnete das Bewußtsein von der völkerverbindenhcn Sendung Deutschlands als die gemeinsame Idee des„Deutschen Studenten- Verbandes" und des wirklichen Deutschtums überhaupt. Das deutsche Denken sei von jeher universalistisch gewesen, die geographische Lage Deutschlands mache es zum geistigen und materiellen Verbindungs- land zwischen den Völkern. Der Grundsatz der Achtung und Schätzung alles wahren Volkstums bei allen Völkern entspring«, zurückgehend auf Herders„Stimmen der Völker in Liedern", deutschem Denken. Das internationale Fvicdenswerk, das auf der gegenseitige!» Achtung der Völker beruhe, durch geistigen Austausch zu förderu, sei eine der hauptausgaben des„Deutschen Studentenverbandes". Alle drei Reden wurden mit großem Beifall aumenommen. Die Kundgebung wurde in bewußtem Gegensatz dem nationalistischen Ausklang d«s Studententages der„Deutschen Studentenschaft" in Hannover mit dem Wahlspruch der deutschen Jugendbewegung: „Mit uns zieht die neu« Zeit!" geschlossen. Im Anschluß an die Kundgebung wurde am Nachmittag in der Schlußlagung des Studenlentages eine Reihe wichtiger Beschlüsse, besonders zur hochschul- und Studienresorm und zur Arbeit für den internationalen geistigen Austausch gefaßt. Die Beschlüsse zur Studienreform schließen sich im wesentlichen den Forderungen der sozialdemokra- tischen Studentenschaft an und suchen zur Verwirklichung des Aus- spruches des preußischen Kultusministers beizutragen, daß„die Studentenschaft in ihrer engeren Zusammensetzung ein treueres Vild des Volkes ist, da es mit seinen Steuern überhaupt erst die Mög- lichkeit schafft, den Riesenbau der Universitäten zu erhalten". Es wird verlangt die Verstaatlichung der wirtschaftlichen Hilfsorganisationen, besonders des Deutschen Siudemten- werks, die Zentralsierung des Stipendienwesens und die Er, Weiterung der Möglichkeiten für Schüler aus der Ar- b e i t« r k la s s e zum Hochschulstudium zu gelangen. Auch die Ergänzung der Dozentenschaft soll nach neuen Prin- zipie'n geregelt werden. Ein besonderer Hochschulausschuß soll sich mit den schwierig«» Fragen der Hochschulreform befassen. Zur Frage der Studentenselbstverwaltung wurd« die Forderung aufgestellt, die Selbstverwaltung in neuer Form wieder herzustellen. aber zugleich die Garantie zu schassen, daß die Selbstverwaltungs- körperschaften nur sachliche Arbeit leisten und nicht wie bisher unter der Diktatur der Hochschulreaktion stehen. Der Vorsitzende B e r l o w i tz legte sein Amt med», für ihn wurde der sozialdemokratische Delegierte Kaun gewählt. Stiefenfernrohr für den SSalkan. 3n den Zelfi'lterken In Jena ffl ein Xlefen XefraMor mll einer Obiekllvöffnung von 650 mm und mll einer Xrenn- rrelle von 10,5 m ferllggeflelll tcorden. Cr f/l für die Slem . ttarle In Xelgrad befUmmU Kundgebung für den Frieden. Veranstaltung deS Jüdischen Friedensbundes. Der Jüdische Friedensbund veranstaltet« gestern im überfüllte» Saale der Hochschule für Musik«ine Kundgebung: Die Friede««» sendung des Judentums. Redner waren: Osbar Wassermann, der Dichter Lion Feuchtwanger, Alfred Nossig.Dr I. Prinz, Frau Ernestine Eschelbacher(für die. jssldischen Frauenoerbänve) und Fräuleiit h. Borchhardt (für die jüdische Jugend). Alle Redner waren sich darüber einig, daß es gerade Pflicht der I u g e n d s«i, für den Frieden zu wirken. In der Begrüßungsansprache erklärte Oskar Wassermann, di« Juden hätten ajs«rftes Volt den Frieden als sittliche» unv politi-sches Ideal verkündet und hofften, in gemeinsärner Arbeit mit der.Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" zu erreich«», da unser Jahrhundert das Jahrhundert des Frieden» genannt werden könne. Lion Feuchtwanger erklärte, ftn Menschen sei ein Kriegstrieb vorhanden, der überwunden»vevden müsse, Nur wer die Lockungen des Krieges erlebt und überwunden habe, könne wirksamer und wahrer Friedensverkünder sein. Wichtiger, als Friedenskonferenzen und Bölkerbüpde zu bilden, sei es, Friedensmenfchen zu schaffen. Frau h e r r n st a d t- Oettingen las für Professor Albert Einstein, der verhindert war, dessen Friedensbotschaft vor, Einstein gab in ihr der Hoffnung Ausdruck, die Menschheit möge einer Zeit entgegengehen, in der Friedensverträge nicht auf Papier, sondern in die herzen der Menschen gezeichnet sind. Die Red« des Rabbiners Dr. Prinz, die dieser zu einer Kundgebung für di« Jugend gestaltete, machte den größten Eindruck. Dr. Prinz erklärte: Die Jugend habe dem Friedensbund gegen- über anfangs die Skepsis gehabt, alles Gesagt« würde Literatur bleiben. Er rief zu tatkräftiger Arbeit für die Aenderung des Menschen in bezug auf seine Stellung zum Frieden auf. Schon bei den Kindern solle man damit beginnen. Beim Zinnsoldaten fange kriegerische Betätigung an, auf dem Schlachtfelde ende sie. Di« Jugend wolle nicht dulden, daß der Friedenswille zu Papicr werde. Sie wolle und müsse dafür sorgen, daß der Friedensbund ein jugendlicher Bund bleibe, der daran glaubt, daß der Frieden realisiert werden muß. Frau Eschelbacher, die für die jüdischen Frauen sprach, erklärt«, auch die Frauen müßten trachten, die Idee des Friedens weiterzutragen. Sie sollten lernen, den Krieg zu scheuen, Ber- künder des Guten und Gerechten zu werden, hansi Borchhardt schilderte die Entwicklung der Jugend in ihrer Stellung zum lüdi- sehen Friedensbund. Sie gelobt« im Namen der Jugend lreue Mitarbeit und Hilfe der jüdischen Jugend für den Bund, wenn dieser durch praktische Aktionen, durch wahre Friedenstaten sein« Ziele verwirklichen wollte. Eingeleitet und beschlossen wurde die Kundgebung durch R'üta- tionen von Frau Herrnstadt-Oettingen, die als Prolog eine Dich ung von Fritz Engel und als Epilog die Fricdensvision des Jesaias in ausdrucksvoller Weise vortrug. 8. K. Diebesgut im �i-Vahnschacht. 12 Personen festgenommen. Die im Bau befindliche» Untergrundbahnschächt« am Alex» anderplatz haben sich in letzter Z«!t zu einem willkommenen Unterschlupf für verdächtige Gestalten entwickelt. Di« Polizei unter» nahm deshalb in der Nacht zu Sonntag eine ausgedehnt« Streife. Es gelang, 12 Person«» aufzuspüren, die sich dort Unter- stände eingerichtet hatten, besonders an den Stellen, an denen zur Zeit keine Arbeilen verrichlei werden. Diebesgut, dos aus Schaufenster- und Geschäftseinbrüchen herrührte, wurde auch gefunden. Unter den Angehaltenen befanden sich fünf Personen, die wegen verschiedenartiger Einbrüche bereits gesucht wurden.