Morgenausgabe Nr. 23 A 12 ■ 47.Iahrgang Wöchentlich 85 Et, monatlich 8�0 TO. im voraus zahlbar. Postbezug AM TO. einschließlich 60 Pfg-Poftzeitunss- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnement 6.— TO- pro Monat. Der„Vorwärts� erscheint wochentSy- lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Adendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Polt und Zeit" und �inderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauen» stimme".„Technik".„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Borwärts" AerUne« Vowsblaii Mittwoch 15. Januar 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die»tntpaltige Nonpare' ch a f t 21.- G. und die Preußische Staatsbank lSeehandlung) ersucht hat, an Stelle der Reichsbank bis auf weiteres als Gründer der Bank für den Futer- nationalen Zahlungsausg�zich aufzutreten, haben sich diese Banken dazu bereit erklärt. Zum Zwecke der notwendigen Verhandlungen reisen im Laufe des heutige« Slbends die Herren Direktor R i t s ch e r und Präsident Tchrocder nach dem Haag. Der preußische Finanzminister hat die Genehmigung zur Beteiligung der Preußischen Staatsbank an der Bank für Internationale Zahlungen ertellt. Die Sechandlung und die. Reichskreditgesellschaft werden zunächst an den Grün- dungsverhandlungen der BIZ. teilnehmen, um dann nach Annahme des Gesetzes den Platz der Reichsbank zu übergebet». �.......... erlegt worden ist. Denn dem Diktat dieser Gegner, hinter desien dabei das intern'ationase Finanzkapital stand, dankt Schacht seine Machtstellung. Die Mosseist die gegen diese Machtstellung angehen, werden sich nicht aufhalten lassen durch den Hinweis auf einen Paragraphen des Reichsbankstatuts. Alle juristischen Argumentationen wird ihr Ruf übertönen: „Fort mit S ch a cht!" Steht nicht auch in der Reichsverfassung:„Die Staats- geivalt geht vom Volks aus"— und trotzdem haben die Volksvertreter nach Schachts Befehlen Gesetze machen müssen? Wenn Schacht picht über die Verfassung stolpert, warum sollen wir halt machen vor einem Bankstatut? Also, trotz alledem:„Fo rtlnit Schacht!" Da kommen nun die Gegner und sagen, wer gegen Schacht ish der ist für eine neue Inflation. Antwort: es gibt unter den Gegnern Schachts keinen Dummkopf und keinen Verbrecher, der das will. Wir sind mit jedem Reichs- bankpräsidenten zufrieden, der die Währung schützt. Wir sind für jedes Gesetz, das diesem Zweck dient. Wir sind für Schuldentilgung, Sparsamkeit, Ausgleich des Reichshaus- Halts, wir sind bereit, alle Opfer zu bringen, um die deut- schen Finauzen auf gesunde Grundlagen zu stellen— aber wir haben uns nicht von Wilhelm befreit, um uns von einem anderen Narren regieren zu lassen:„Darum fort mit Schacht!" So denken heute in Deutschland Millionen gewerkschaft- lich organisierte Arbeiter, Millionen Wühler der Sozialdemö- kratischen Partei, Millionen überzeugte Republikaner. Eine Volksbewegung ist im Gange. Wer in Deutschland oder im Ausland Politik treibt, gleichviel wo und wie er steht, wird gut tun, mit dieser Tatsache zu rechnen. Schachts Erfolg: Ein Stoß gegen die Autorität des Reichs. V. 8cb. Haag. 14. Januar.(Eigenbericht.) Dr. Schacht hat sich iin Hotel der deutschen Delegation ganz ungeniert als N e b e n r« g i e ru n g etabliert urid hält ununter- brachen Pressekonserenzen ab. Er empfing einzeln und in ver- schiedenen Gruppen die Vertreter der bürgerlichen deutschen Presse, um Z�? Uhr hielt er sogar cme englische Pressekonserenz ab. Der Vertreter des„Vorwärts" kann, iveil er es ablehnen muß, an den Empfängen der Nebenrcgierung Schacht teilzunehmen, nur aus zweiter- Hand die Aeuherungen des Reichsbankpräsidenten wiedergeben, sowie die Eindrücke derer, die diesen Empfängen nel- gewohnt haben. Selbst solche Berichterstatter, die bisher ,zu Dr. Schacht hielten, hatten den Eindruck, daß sie es mit einem Mann zu tun haben, der einen akuten Anfall von Cösarenwahnsinn durchmacht. Vor dem Beginn der Versuche der deutschen Delegation, sich mit Schacht zu„einigen", halte er u. a. erklärt?„Weder ich noch die Reichsbank werde an einem Geschäft teilnehmen, dessen moralisch« Grundlagen wir nicht für gesichert halten— wenig st ens nicht- frei w i l l i g." ,„Wenn die Regierung gegen mich Irgeitdwelchc Maßnahmen ergreift, müßte ich als(otpiler Staatsbürger sie ausführeir. Demc jeder Staatsbürger muß das Gesetz respekliereit oder auswandern, und ich will nicht auswandern.". „Es liegt mir fern, politische Entscheidungen zu beeinflussen; wenn die Delegation mit anderen Banken als der Reichsbank für die Mitwirkung an der BIZ. verhandeln will, so werde ich das nicht verhindern, denn das wäre Sabotage." „Ich d e in i s s i o n i e r e nicht, wenn es auch einigen Leuten passen würde, de»m ich habe eine Verantwortung nicht nur vor Deutschland, sondern vor der gesamten Welt. Ich habe ein internationales Mandat, dem ich»nich nicht durch die Flucht entziehen werde." Bei diesen Worten soll nach dem Bericht von Zeugen Herr Schacht so grotest-pathetisch deklamiert haben, daß manche ihm sogar nahestehende Zuhörer an seiner Zu» r c chn u n g s fäh i g k« i t zwei selten. Dreimal wiederholte er im Verlauf einer einzigen Besprechung: „Ich irre mich nie!" Als jemand ihn sragle, fürchten Sie nicht, Herr Präsident...? unterbrach Schacht schroff:„Ich fürchte überhaupt nichts!" Andere fragten, ob nicht durch seine Weigening an der BIZ. mitzuarbeiten und durch seinen Beschluß das Feld zweitklassigen Bankinstiwten zu überlassen, Schädigungen entstehen könnten, daraus Schacht:„Ja, wenn man die Sache so blöd anfängt, dann oller- dings". Diese Kostproben genügen wohl, um auf allen Lippen jene gleiche besorgte Frage auftauchen zu lassen, die man nach gewisieu Reden Wilhelms II. oder Pilsudskis gestellt hat. Man muß fragen, worum die deutsche Delegation mit Schacht überhaupt noch oerhandelt und waruin sie mit ihin eine„Ein»- gung" gesucht und gesunden hat, dse es ihm gestattet, sich als ver- gewaltigte nationale Tugend hinzustellen. Jetzt wird er nach seiner Rückkehr noch Deutschland deklamieren:.Ich wollte sa kämpfen, ich wollt« die Augustbeschlüsse ans der Haager Schlußkonferenz wieder rückgängig machen, ich weigerte mich, den infolge seiner Versälsäiung .gmmorolisch" gewordenen Doung-Plan cruszttführen— aber die Regierung ist mir>n den Rücken gefallcn und hat»nich durch die Drohung mit einer Gcsetzcsänderung gezwungen, den un- moralischen Boung-Plnn auszuführen. Ich füge»nich, aber im? unter Protest." Das Ausland wird ihn zioar auslachen, und es niirmit ihn ab heute nicht mehr, ernst—, aber es wird genug Dumme iit Deutschland gebe»», die in ihm den verhinderten nationalen Heros jeiern und die Reichsregierung des Landesverrats beschuldige»» werden. So gibt es in wirtlichkeil als Ergebnis des Heuligen Kampfes keine Sieger, sondern nur Besiegte. Denn darüber darf sich die Regierung nicht täuschen: Trotz her scheiirbaren Kapitulation Schachts hat die Autorität des Reiches vor den Augen der versammelten Staatsmänner der Welt den empfindlich st en Stoß erlitten. Wir fragen: Welche Regierung,»velches Volk auf der Welt hotte sich dos bieten lasten? Wer glaubt, daß Tardieu auch nur«ins Mmite länger mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich Moreau oerhcmdelt hätte,»mim er sich so ausgeführt haben würde, xic Schacht seit Wochen und vor allem am gestrigen Montag? Wer glaubt, daß Snowden eine„Einigung" mit dem— übrigens gleichfalls unabsetzbaren— Präsidenten der Bank von England Moris Norman gesucht hätte, wenn er auf einer internationalen Konferenz dem britischen Reiche in der gleichen Weise in den Rücken gefallen wäre, wie es Schacht gestern gegennber der im Kamps be- fiirdlichen deutschen Delegation getan hat?! Am nächsten Tag« schon wäre ohne Unterschied der Parteien ein ungeheurer Sturm der Empörung durch das ganze englisch« Volk gegangen und hätte den unverantwortlichen Rebellen hinweggefegt. Indessen ist die Sache offenbar noch keineswegs in Ordnung. Die deutsche Delegation glaubt aus Grund einer Rücksprache zwischen Chiron und Moldenhauer, daß nunmehr alles glatt verlaufen werde! so hat Cheron auch nach Paris gemeldet. Sie betrachtet sogar die Reise des Staatsbankpräsidenten Schröder und des Direktors Ritscher von der Reichskreditgesellschaft nach dem Haag als eizent- lich überholt: diese Reis« könnte, so meint man, nur noch durch > einen unvorhergesehenen Zwischenfall aktuelle Bedeutung erlangen. Dieser Zwischenfall ist aber keineswegs unwahrscheinlich. In der französischen Delegation hält man es für durchaus mög- lich, daß T a r d i« u, der am Mittwochmittag hier eintrifft, in der � morgigen Sitzung der sechs einladenden Mächt« Chöron des- avouieren und sich nicht mit der in Aussicht gestellten Lösung begnügen wird. Dies um so mehr, als gewisse Widersprüche zwischen dem Telegramm Ehörons an Tardieu und der von der deutschen Delegation geäußerten Zlbsicht bestehen. In dem von Moldenhauer genehmigten Jnformationstelegramm Chörons an Tardieu ist aus- drücklich von einer Aenderung des Reichsbankgesetzes als Grundlage über die Voraltssetzung der Mitwirkung Schachts an den Arbeiten des Organisationskomitees im Haag und der Deteili- gung der Reichsbank an der Bank für International« Zahlungen die Rede. Es scheint, daß sich die Franzosen mit einer bloßen Erwähnung dieser Aufgabe im Schluhprotokoll nicht zufriedengeben werden. Llnd was tut Deutschland? Und was tut Deutschland? Ergreift es die Gelegenheit, um nicht nur die Autorität der Regierung zu wahren, sondern auch die Souveränität des Reiches wiederherzustellen und die Diktatur Schachts zu stürzen?. Man oerhandelt, man einigt sich und man denkt nicht mehr daran, das Reichsbankstalut zu ändern! Es wird weder das Recht des Reiches aus Abberufung des Reichs- bankpräsidenten mehr erstrebt, noch Einfluß des Reiches auf die Wahl des Generalrates und es ist sogar sehr zweifelhaft, ob man überhaupt noch die ursprünglich in Aussicht genommene Statutenänderung vornehmen wird, wonach die Beteiligung der Reichsbank an der Reparationobank im Gesetz verankert wird. Man will sich jetzt damit begnügen, eine derartige Feststellung in das Schluhprotokoll der Konferenz auszunehmen. Da dieses Protokoll vom Reichstag angenommen wevden soll und dadurch Gesetzeskraft erlangen wird, so würde vielleicht ein unehrliches Spiel mit Worten getrieben, in das wir kein Vertrauen setzen. Dies um so mehr, als Schacht, als er am Abend im Hotel der französischen Delegation erschien, um mit Reynold zu speisen, französischen Berichterstattern erkärte, er werde seinen Beschluß uud seine etwaige persäuliche Mitarbeit an der Baak für Znlerual.onale Zahlungen davon ab- hängig mähen, wie da» Gesamtergebnis der Schlußkonferenz .•' ausgehen«erde.■ Wir fürchten daher sehr, daß zu ixm innerposllischen Demüti- gingen« die Deutschland heute erduldet hat, morgen noch- außen- politische Demütigungen hinzukommen könnten und daß wir schließlich vom Ausland gezwungen werden würden, das zu tun. was wir selbstverständlich aus eigenem Entschluß und eigener Kraft� hätten sofort tun sollen. Frankreich gegen Ersatzbanken. Paris, 14. Januar.(Eigenbericht.) Wie der„Tempz" mitteilt, hat die französische Delegation be- schlössen, das Einspringen deutscher Privatbanken für die Reichsbank abzulehnen: eh« dieser Beschluß der deutschen Delegation osfiziell mitgeteilt worden sei, habe dies« bereits den Gesetzentwurf angekündigt, der der Reichsbank die Beteiligung am Gründungs- sonds der Internationalen Reparationsbank zur Pflicht macht. Dazu erklärt„Paris Midi", es sei anzunehmen, daß Moldenhauer nunmehr im Haag ohne besondere Schwierig. keilen die kurzfristigen lnlernakionalen Kredite finden werde. die das Reich brauche. Gleichzeitig fordert das Blatt mlt aller Entschiedenheit, daß im Interesse der internationalen Prestiges der Reichsregierung, der „größenwahnsinnig gewordene Reichsbankpräsident von dem Posten, den er Mißbraucht, verjagt" werde. Ein deutsches Dementi. Haag, 14. Januar.(WTB.) Gegenüber Meldungen, die von einem schriftlich erfolg'en Schritt der französischen und einer mündlichen Demarche der englischen und italienischen Delegation wissen wollen, in denen eine Mitwirkung der Reichsbank bei der Gründung der B. I. Z. als unerläßlich bezeichnet worden sei, erfahren wir zu- cerläsfig, daß derartige Schrille bei der deutschen Delegation nicht unternommen worden sind. Es hat lediglich der italienische Dele- gierte Pirelli bereits gestern abend die Frage aufgeworfen, ob eine Umgehung der Reichsbank gegebenenfalls möglich wäre. Die Entschließungen in bezug auf die Zuziehung der Reichsbank im Wege gesetzlicher Maßnahmen gehen also ausschließlich auf Cr- wägungen deutschen Interesses zurück. Reichsbankstaiut ändern! pariser Schlußsolgerung aus der Haager Wirrnis. Pari», 14. Januar.(Eigenbericht.) Man hat hier der Drohung Schachts niemals den Ernst und die Bedeutung beigelegt wie in Deutschland. Man. hat seine Methode während der Pariser Berhandlungen zur Genüge kennengelernt und es ist noch zu frisch in der Erinnerung, wie er auch während einer Konferenz jedesmal, wenn er nach richtiger' Dummenjungenmanier mit der Faust auf den Tisch geschlagen Halle, danach immer k l ä g- licher kapituliert«. So war man den» auch keineswegs überrascht, als er gestern, nachdem er mit der Weigerung, für die Reichsbant die für Deutschland reservierten Anteile an der Jnter- nationalen Zah'ungsbank zu übernehmen, seinen seit langem vor- bereiteten und ausschließlich für. die nationalistische Galerie in . Deutschland berechneten großen Bluff aufgespielt hatte, in der üb- lichen Weis« klein beigegeben und seine �loyale Bereitschaft" zur Die Reichsbank gegen das Reich. Wie es im Staate Schachts ausfleht. Dem„Berliner Tageblall" wird aus parlamentarischen Kreisen geschrieben:'' „Die Reichsbank ist eine kaiserliche Insel mitten in der Republik. Das Direktorium der allen Reichsbank. auf Vorschlag des Bundesrats vom Kaiser ernannt, ist m seiner Majo- rität nicht nur bis zum heutigen Tage erhalten, sondern hat die ihm durch das Gesetz von 1922 und das Bankgosetz von 1924 verliehene Autonomie dazu gebraucht, um eine hochkapitalistische und diktatorische Reben re gl«rung zu errichten. Wie ist der Beamten kör per der Reichsbank beschaffen? Keine besseke Illustration als die: Die Interessengemeinschaft �der Reichsbankbeamten, die ein willfähriges Instrument des Direk- toriums ist, hat es vor kurzem fertiggebracht, au das in Baden-Baden über das neue Reichsbankstatul beratende Komilee eine Denkschrift zu richten, in der jede Reichs- ausflch« abgelehnt wird. Die Reichsbank hat ihre Autonomie dazu benutzt, einen„eigenen Beamtentyp" zu schaffen, der seine gesetzliche Regelung in e i n e m geheimgehaltenen Beamten st atut findet. In frischer Evinneruna ist die D i s z i P l i n i e r u n g der linksgerichteten B 4 amtenvertreter. Auf eine Eingabe der Reichs- bankbeamten, welche diese Borgänge schildert, hat sich der Herr Reichssinanzminister dahin geäußert, daß er zur Zeit leider außer- stände sei, Berwallungsmaßnahmen der Reichsbant zu beeinflussen, daß«r aber bestrebt sei. bei der Neuregelung der Verhältnisse der Reichsbant auch die Rechtsverhältnisse der Beamten dem allgemeinen Beamtenrecht wieder anzugleichen. Unter dem Schutz ihrer Autonomie hat dos Reichsbank- direktorium, obwohl ein Reichsgerichtsurteil die Reichsbank als e'>ne oberste Verwaltungsbehörde charakterisiert hat, im Gegensatz zii den Reichs bestiinmungen den Personalabbau laut Statut bis zum 3t. Dezember 1925 ver. längert. 700 Beamte abgebaut und gleichzeitig 1925 meist rechts» gerichtete Beawtenanwärter eingestÄlt. Di« Reichsbank. welche ihre Existenz dem ihr vom Reiche ver- liehenen Notenmonopol oerdankt, muß finanziell vom Reiche unab- hängig bleiben, muß aber im Interesse einer einheillichen Reichs- führung und unbedingt unter Reichskontrolle g«. stellt werde». Di« Reichsbank, welche nicht nur. für Währunas- krsdit- und Diskontpolitik maßgebend ist. sondern die wichtigsten Hebel für Anleihe-, Reparations- und Wirtschaftspolllik in der Hand hat/ darf nicht weiterhin den Antirepubiikanern ausgeliefert werden. Der Reichsbankpräsident bezieht ein Netto-Jahresgehalt von rund 340 099 Mark, während die Mitglieder des Direttrrnims ein Retw-Icchresgehalt von rund189 999 Mark erhalten(beim Ausscheiden achtfaches Goldjahresgehait). Bekanntlich bezieht ein Reichsmimster ein GeHall von 36 999. Mark. Weiter fei die Frage gestellt, ob den Reichsbankpräsident in-seiner Eigenschaft als Prä- sident des Geneyalrots und der Gvlddiskontbank noch besondere Auf- Wendungen bezielst?...... Ist es rlchNg, dph die Direktoren der Golddiskonkbank Doppel- gehälter von. Reichsbank und Goiddiskor.Ibank beziehen? Ist es richtig, daß diese Rieseneinkommen auf Grund einer Ver- fügiing des Reichsbankdirektoriums in„Gehoimkonten" geführt wer- den? Ist es richtig, daß für den Reichsbankpräsidenten ein jederzeit wieder miffüllbarer Dispositionsfonds eingerichtet ist? Zu fordern ist: 1 Aufhebung der personellen Aukonomie der Reichsbank. 2. Ernennung des Reichsbankpräsidenien durch den Reichspräsidenten, 3. paritätische Zusammensetzung des Generatrats mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern, 4. Wahl des Reichsbank- direktoriums und Regelung der Beamtenverhällnisse entsprechend dem allen Bankgesetz, 5. Systemwechsel in der Pcrsonalpolitik der Reichsbank. Mitwirkung an der Organisation der Internationalen Zahlungsbank und zur Durchführung des Doung-Planes versichert hat. Man wußte aber hier schon seit langem, daß der oielgerühmte Mut und Männerstolz des Reichsbankpräfidentsn sich ausschließlich in Manifestationen gegen die eigene Regierung erschöpfte, daß er den Gläubigern gegenüber aler stets sehr schnell in sich zu- sammenbrach. Weit mehr als Schachts von der gesamten französischen Presse als„Bluff und kindisch" bezeichnetes Manöver erschütterte, richtete sich von Ansang an das politische Interesse ausschließlich auf die Frage, in welcher Weise die deutsche Regierung reagieren würde, und in dieser Hinsicht hat der Anlauf von Energie, den gestern die im Haag anwesenden Minister aufgebracht zu haben scheinen, hier«inen sehr guten Eindruck hinterlassen. Bezeichnend ist. daß selbst diejenigen Blätter, die bisher Herrn Schacht aus Sym- pathi« für sein gegen den Frieden und die deutsch-sranzösisch« Ber- ständigungspolitit gerichtetes Zerstörungswerk unterstützt haben. heute zum erstenmal zugeben, daß an der unhaltbaren Situation die. Gläubiger selbst«inen großen Teil der .-.Schul d. tragen», da sie durch, die von ihpen bei der. Annahme des . Dawes-Plans gefardsrte>U n o b h ä.ng ig.t«i»t£*r Reichsbank deren Präsidenten zu keiner Machtstellung verholfen haben. Sie stehen nicht an zu erklären, daß demnt ein schwerer Fehler begangen worden ist, und lassen sehr unzweideutig durchblicken, daß die deutsche Regierung, wenn sie durch«nt- sprechend« Abänderung des Reichsbankstatuts diesem Zustand« ein Ende machen wolle, auf feiten der Gläubiger jede Unterstützung finden werde. Tardieus Bericht. pari». 14. Januar.(Eigenbericht.) Dem Ministerrat berichtete Tardieu über di« Fortschritte der Haager Konferenz und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Torpedierungsoersuch Schachts von sämtlichen Delegationen einmütig abgelehnt woichen ist. Tardieu sprach ferner die Hoffnung aus, daß dem Zwischenfall prompte Regelung folgen werde. Er unterstrich dos einheitliche Vorgehen der Gläubigermächte während der bisherigen Verhandlungen und stellt« fest, daß auch zur deutschen Delegation korrekte und gute Beziehungen herrschten. Völkerbund und Kellogg-poki. Zollfriedenskonferenz am 12. Februar. Genf, 14. Januar.(Eigenbericht.) Der Völkerbundsrat hat beschlossen, die Anpassung des Völker- bundspaktes an den Kellogg-Pakt einem llgliedrigen Ausschuß zu übertragen, der am 29. Februar zusammentreten soll. Weiter wurde über di« Tätigkeit und das Programm der Wirtschaftsorganisation des Bölkcrbundes berichtet. Die Aufhebung der Ein- und Ausfuhroerbote ist immer noch durch die Weigerung Polens und der Tschechoslowakei gefährdet. H« n d« r s o n wies darauf hin. daß die Zollfriedenskonferenz nur dann Aussicht auf ein positwes Ergebnis haben könne, wenn diese beiden Staaten sich vorher der Aufhebung der Ein- und Ausfuhr- verböte anschließen. Es wurde ohne Debatte beschlossen, die Zoll, friedenskonferenz auf den 17. Februar einzuberufen. ... In der Ieriisalemer Klagemauer-Angelegenheit haben Papst und Mische Hochfinanz hinter den Kulissen ihren Ein- sluß ausgeübt. Man einigte sich schließlich auf Einsetzung einer kleinen Untcrsuchungskommission, die aber nur die Klagemauer- Konflikte untersuchen soll und deren Amt mit der Abgabe eines Vorschlages an den Rat aufhört. Der frühere dänische Außenminister Graf Moltke wurde zum Präsidenten der Zollfriedenskonferenz ernannt. Die Optantenfrage wurde vertagt.'■."_• Die Gelber der KriedSnsgeseNschast. Eine Erklärung gegen Böttcher. Die Deutsch« Friedensgesellschaft teill mit. daß fl« bereite In einer Berichtigung gegen drn„Reichpboten" erklärt habe, daß die Deutsche Fricdensgrsellschaft weder direkt noch indirekt aus fron- zösifchen, polnischen oder tschechischen R«- gie rungsk.assen Gelder erhalten habe. Sie. erweitert jetzt ihr« Erklärung dahin, daß atich aus„tschechischen und fran- zäsischen Kreisen" keine Gelder gezahlt worden seien, weder an Herrn Küster, noch an das„Andere Deutschland", noch an die Friedensgesellschaft. Hitler mit Goebbels solidarisch. Volles Vertrauen. Hitler erläßt eine Erklärung, daß Goebbels nach wie vor sein volles Vertrauen besitzt, daß er ihn nicht suspendiert habe und daß er jede weitere Entwicklung der Goebbels- schen Zeitung begrüße Somit deckt Hitler den Angriff Goebbels gegen den Reichspräsidenten und erklärt sich mit ihm solidarisch.'' Es ist bemerkenswert, daß diese Erklärung Hitlers für Goebbels nach der Bundesvorstandssitzung des Stahlhelms erfolgt, auf der die Beleidigung Goebbels gegen den Reichs- Präsidenten eine Rolle gespielt hat. Uebrigens wird die Nummer des„Angriff", wegen der der Reichspräsident Straf- antraa gegen Goebbels gestellt hat, in Berlin von ven Na- tivnalsvzialisten als Hropagandamaterial- in Masten tv et te r- oerbrektet.-'___''/ Die Kommunisten wollen Vlut sehe«. Verbrecherische Politik. Siel. 14. Januar.(Eigenbericht.) � Die Kommunisten Norbwest-Deustchlands rufen durch Plakats unk» Pressenachrichten zu. einem Massenmarsch nach Hame bürg aus. wo am 1. und 2. Februar ein Bezirtstongretz der revolutionären Gewerkschaftsopposition stattfinden soll. Mit dem Ausruf verbunden sind Drohungen gegen die Hambur- ger Polizei, von der bei dieser Gelegenheit, wie es in der kommunistischen Presse heißt,„neue Proletari ermorde bestimmt erwartet" werden. Das badische VegierungSprogramm. Finanznot überall! Karlsruhe, 14. Januar.(Eigenbericht.) 1 Im Badischen Landtag entwickelte Staatspräsident und Finanzminister Dr. Schmidt am Dienstag in einer längeren Er- tlörung das Programm der Regierung und legte gleichzeitig de» Staatsoorgnschlag für die Jahr« 1939/31 vor. In der Regierung»- erklörung legt die Regierung zunächst ein entschiedenes Bekennt- nis der Treue zum Reich und der Treue zur repu- blikanischen Verfassung ab. An Regierungsvorlagen kündigt der Staatspräsident ein Kon- kordatsgesetz an, ferner den Ausbau des Ortsstraßennetzes. ein Feldbereinigungsgesetz, den Ausbau der Volksschule und der Fortbildungsschule. In bezug auf die Schulfragen betonte der Minister, daß dem Amte der Jugenderziehung sich nur widmen könne, wer sich zum Staat« positiv einzustellen ver- mag. Die Erziehung det Jugend in republikanischem Geiste und im Sinne der Verfassung von Reich und Land sei die Forderung der Regierung an die Lehrerschaft in allen Schulgattungen. Da die Reichsreform noch nicht durchgeführt sei, sei es der Regierung nicht möglich, einen abgeschlossenen Staatsvoranschlag vorzulegen. Das gesamte S t a a t s v er m ö g« n betrage 469 Millionen Mark, denen 199 Millionen Mark Schulden gegenüberständen. Bedenklich sei die schwebende Schuld, die vor allem dizrch den erhöhten Besoldungsaufwand verursacht sei. Nach der uvr- läufigen Zusammenstellung der ersten Haushaltsentwürfe weise der Staatsvoranschlag«in Defizit von 6 2 Millionen für die beiden Budgetjahre auf, das eventuell auf 49 Millionen.herab- gedrückt werden(önne. Eine Deckung, sei vorerst nicht abzusehen, ipenn. das Verhältnis des Reiches zu den Ländern nicht geregelt werde.''■ Da» Relchskablnelk hat sich gestern ferner.mit der Frage der Erhöhung des Weizen- und Roggenzolls befaßt und sich damit einverstanden erklärt, daß durch.Berordnung mit Wirkung vom 29. Januar der Roggenzqll auf 9 M. und der Wcizenzoll auf 9.59 M erhöht wird. Zu dem Entwurf« i n e s- Z ü n d w a r e n.m o n ö p'o l- g« setze» beschloß das Kabinett Doppelvoriaa«, soweit-« sich um die außerhalb de» Monopol» zugelassene Eigenproduttion handelt, « Zentrale Schulungskurse. Wels über die politische Lage �.. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungs- ■ q r bei t veranstaltet in den nächsten zehn Wochen eine Anzahl zen- traler Schulungekurs« sür Sekretäre, Redakteure, Funktionärinnen und Geschästssührer in Bollersdorf bei Buckow. Anläßlich des Beginns des ersten der vorgesehenen Kurse — eines Kursus für Parteisekretäre— fand eine kleine Eröffnungs- seier. statt, an der vom Parteivorstand die Abgeordneten Genossen Wels, Ludwig und Bogel teilnahmen. Im Mittelpunkt des Abends stand die Rede des Genossen Wels, mit der die Arbeit eingeleitet wurde. Wels wies eingangs daraufhin, daß feit den letzten Kursen der alten Parteischule, der die Partei so viele tüchtige Funktionäre oer- dankt, von denen heute noch manche an hervorragender Stelle arbeiten, vieles geschehen ist, was es schwerer macht als damals, Schüler und Lehrer zu. sein. Wels fuhr dann fort:„Die politische Entwicklung der Kriegs- und Nachkriegszeit hat die Arbeiter- bewegung und vor allein die Partei vor eine Fülle schwieriger Ent- scheidungen gestellt. Die Ereignisse überstürzten stch, und dabei ist keineswegs anzunehmen, daß das Tempo ruhiger w.e r d e n wird. Die schwere Aufgabe der Liquidation des Krieges, der die Partei sich nicht entziehen durste im Interesse der arbeileuden Massen. die es besonders bei der Verteilung der Lasten wirksam zu schützen galt, hat in Verbindung mit der wirtschaftlichen und politischen Krise an das Verständnis der Arbeiter- schaft hohe Anforderungen gestellt. Beachtet man, daß der Druck, der— besonders wirtschaftlich durch die dauernd« Arbeitslosigkeit— aus jedem einzelnen lag, noch ver- stärkt worden ist durch das Treiben der Kreise, die es darauf an- legen. Maßnahmen zu provozieren, durch die der neue Staat sich bei der Arbeiterschaft unbeliebt machen soll, weiß man, welche Fülle von Arbeit in dieser Zeit gerade auch für die Parteisekretäre er- wachsen ist, die überall den Kampf in der vordersten Front mit zu 'führen hoben. Ihnen soll der Kursus vor allem Gelegenheit geben, befreit von der Last der täglichen Arbeit, die wichtigsten Gegen- wartsprobleme kennenzulernen und in ihren Untergründen und Zu- sammenhängen zu erfassen." Wels umriß dann die innen- und außenpolitische Situation und deutete die Ausgaben zu den einzelnen Problemen kurz an.„Wir sind— so fuhr er fort— nicht aus reiner Freude in die Reichs- koalition gegangen, sdndern im Interesse des Weltfriodens und damit im Interesse des internationalen Proletariats. Denn die Reaktion in Deutschland war immer bereit, die Staatsgewalt an sich zu reißen, und bestimmt wäre die Verständigung zwischen den Nationen noch nicht so weit, wie sie es heute bereits ist. Weil der Sozialismus nur international seine Ziele erreichen kann, kommt es daraus an, in den einzelnen Staaten die politische Macht zu erobern. Innenpolitisch hat es sich erwiesen, daß die Demokratie in Deutschland sich so lange nicht völlig auswirken kann, wie Parlament und Regierung abhängig sind von dem Diktat eines Mannes, der. wie Herr Schacht, Funktionär des Bankkapitals ist. Solang««s möglich ist, daß Politik von solchen Instanzen zu krasser Interessenpolitik gemacht wird, muß die Arbeiterschaft weiterkämpfen um jede Position im Staat, d. h. um Lefreiuag des Staate» von der Vorherrschast der Industrie, Hochfinanz und ihrer internationalen Einflüsse. Zür Lösung derÄllsgabe tstidi« Kenntnis der Bor» gäng« und der Schwierigkeiten der Situation nötig, wenn erfolgreich gearbeitst werden soll. Dem Eindringen in diese Probleme ist der Lrbeitsplon des Kursus gewidmet. „Wissen ist Macht", so schloß der Redner,„aber zum Wissen muß auch noch derWillezurMacht hinzukommen. Aus diesen Willen kommt es heute ganz besonders an. Wir müssen den Willen hdben, unsere errungene— trotz der Schwierigkeiten errungene— Macht voll in die Wagschale zu werfen— zum Wohle der Arbeiter- llassei"'■••• ■* Im Laufe der vierzehn Tage dauernden Kurs« werden folgend« Themen behandelt:„Das politische Partvwesen und seine Berschie- bungen",..Finanzreform".„Wirtschasts- und Handelspolitik".„Die Politik der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationole",„Jugend und Partei" und die.Kulturarbeit der Partei". Außerdem sind zwei gemeinsanje Fahrten nach Berlin vorgesehen, um den Teilnehmern Gelegenheit zu geben, die Einrichtungen der Partei, der Gewerkschaften und Genossenschaften kennenzulernen. Hatenkreuzeid auf die Verfassung. Aber die Hakenkreuzler wollen ihr die Lust abdrehen. Weimar. 14. Januar.(Eigenbericht.) Die Deutsche Volkspartei versucht sich wegen der Ministerschaft des Putschisten.Ar ick. zu rechtfertigen. Sie erklärt, die National- sozialisten hätten zufriedenstellende Erklärungen abgegebeir. Dr. Frick habe sich bereiterklärt, den Eid auf die Ver- -fassung zu leisten, sich auf deren Boden zu stellen. und werde bereit sein, sie als Minister nicht nur zu holten, sondern auch zu schützen. In den Regierungsverhandlungen sei dieses ausdrücklich betont und von den nationalsozialistischen Bertretern vall anerkartnt worden. Di« Kozlitionsparteien seien außerdem über. «ingelommen, im Landtag künftig die Behandlung von Reich»- und außenpolitischen Fragen in den Hintergrund'treten zu lassen. Trotz dieser Versicherung erklärte in der heutigen Aussprache über das neue Minssterbesoldungegesetz der nationalsozialistische Völtsschul'.ehr«r Wächtler, sein« Partei wolle alles tun, um dem parlamentarischen System die Luft ab zu- drehe.n. Der sozialdemokratische Abgeordnete Frölich griff darauf F r ick heftig an und hielt ihm sein Sündenregister vor...-■ Flucht vor Hugenberg. v*«— w..----------- Neue Austritte.- Darwslodl, 14 Januar. Wst die.hessische Landeszeitung" mitteilt, sind die beiden Stadträte Pfarrer H c ß und S ü ß aus der Deutschnationalen Volks- parte! und Fraktion ausgetreten. Pfarrer Heß. der gesinnungs- gemäß zu den Christlich-Sozialen zählt, hat mit seiner Austritts- erklärung zugleich sein Mandat niedergelegt, während Stadtrat Süß. der ou» Shnkich«n. Gründen selnen Austritt anmeldete, fein Mandat .weit«»«halt. Hjalmar, der Widerspenstige. », Will er allein das Volk verhindern, sich zu retten? Aas deutschnationale Gklarek-Geld Gtadtverordneier Ganzow gibt 2000 M. zu, Zangemeister S0V0 M. Der.Sklarrk-Untersuchungsausschuß im Preußischen Landtag setzte gestern die Zeugenvernehmung sott. Als erster wurde der Charlotten- burger Bezirksverordnete Perl(Wirtschp.) vernommen, der in langen Ausführungen schildert, wie er. schon seit Iahren als Vertreter des Einzelhandels gegen die Geschäftspraktiken der Sklareks angekämpft habe und dafür schließlich in der �Wahrheit" des mit den Sklareks befreundeten Reichslagsabgeordireten Brüh» wiederholt persönlich scharf angegrlssen worden sei. Reichstagsabgeordneter vruhn, der bekanntlich bis zur Sklarek« Affäre der deutschnationalen Fraktion angehörte, be- kündet, daß ihm seinerzeit von Leo Sklarek gesprächsweise davon Mitteilimg gemacht worden sei,..- daß selbst der deukschnaiionale Stadtverordnete Ganzow in seiner Eigenschaft al» Schahmeister der Deulschnationolen Partei bei ihm gewesen sei und sür Parleizwecke 2000 Mark bekommen habe. Sklarek Hab« ihm später wiederholt gesagt, daß Ganzow bei ihm gewesen und jedesmal Geld bekommen habe. Ja -mitgeteilt,«,-möge-mm Ganzow veranlassen, endlich einmal mit dem Geldabholen abzustoppen. Der Vorsitzende der deittschnattonalen Stadtverordneten irakt i o.1, Landtagsabgeordneier Lüdecke, bekundet, daß ihm perl ä.n l i ch von solchen Geldzuwendungen an seine Partei von feiten der Sklareks nie etwas bekannt geworden ist. Di« Entscheidungen der deutschnationalen Stodtverordnetensraktion seien immer, auch was die Geschäftsverbindungen der Sklareks mit der Stadt anbelangt, rein sachlich gewesen. Stadtverordneter Ganzow(Dnat.) gibt an, daß er als Schatz- meifter der Deutschnationalen von Stadtrat Wege daraus aufmerksam gemacht wurde, er möge sich auch einmal an die Sklareks wenden, um Geld für Partei- zwecke zu erhalten. Das sei im Jahre 1926 gewesen. Er sei darauf zu den Sklareks gegangen und habe von ihnen eine einmalige Zuwsn- dung von 2000 Mark erhalten, die er an den Landes- verband der Deutschnativnalen Partei abgeführt hat. Er bleibt dabei, daß es bei dieser einmaligen Zuwendung geblieben Ist. In seiner weiteren. Vernehmung gibt der Zeuge ganz offen zu. daß er auch von anderen Fipmen Zuwendungen sür Parteizwecke erhalten Hot. Unter anderem auch von der vehala und zwar jedesmal für Wahtzwecke. Er fügt hinzu, daß die Sklareks auch anderen Parteien Geld zuge- wendet hoben. So habe er einmal, als er zufällig au- dem Büro der Sklareks war,«in Schreiben der Sozialdemokratischen Partei auf dem Schreibtisch liegen sehen, worin diese sich sür eine Spende von 1000 Mark bedankte. Als er später davon erfahren hat. daß sein damaliger Parteifreund, der Reichstagsabgeordnet« Vruhn von der gOOO-Mark-Spende an die Deutschnotionole Partei wisse. sei ihm das qls Kassierer sehr peinlich gewesen. Darauf wurde der Bezirksbürgermeister Schneider(Berlin- Mitte) vernommen. Er bestreitet, jemals Stadtrat N e u« n d 0 r f f dahin beeinflußt zu haben, den Sklareks auf deren Drängen hin die Miete für dos Gebäude Kommandantenftroße zu ermäßigen. Er l)a bs auch niemals auf den beabsichtigten Gvundstückstauf der Sklareks in der Kommandantenstraß« Einfluß genommen. Demgegenüber bleibt der anwesend« Stadtrat Zleuendorjs bei seiner Aussage und beruft stch darauf, daß er seinerzeit Schneider gewarnt Hab«, mit den Sklareks zu verkehren. Schneider gibt zu, daß Neuendorfs ihn gewarnt hat, aber das sei erst nach der Verhaftung der Sklareks gewesen. Er b e st r e i t e t ganz entschieden, mit Neuendorff vorher in diesem Sinne gesprochen zu haben, da sein Verkehr mit Neuendvrff keblglich- ein dienstlich kollegialer gewesen sei, uls daß dieser ihm solche freundschaftlichen Roffchlöge hätte erteilen können.. Auch auf«indringliches Vorhallen des Abgeordneten Drüze- Müller(Sffz.), der sich auf die ga,� bestimmte frühere Aussage des Zeugen Neuendorff bezieht, bleibt Schneider ganz entschieden bei seiner Behauptung.- Demgegenüber bekundet Stadtrat Reuendorss, daß er noch seiner Erklärung vor ungefähr IVi Jahren Bürgermeister Schneider in' dessen Dienstzimmer vor den Sklareks geywrnt und darauf hinge- wiesen Hab«, daß seine« Mssen» einer der- Brüder Sklarek bereits wegen Falschspiel» vorbeftrast sei. Darauf Hab« Schneider ge> aniwortet, daß die Sklareks doch jetzt gut« Kaufleute seien, daß die Angelegenheit verjährt sei.. Diese Antwort des Bürgermeister» sei ihm so auffallend gewesen� daß er unmittelbar darauf in das Dienstzimmer des Stadtrats G 0 r d a n gegangen fei und ihm davon Mitteilung gemacht habe. Stadtrat Gordan hat nur in Erinnerung, daß Neuendorff mit ihm über das Gespräch mit Bürgermeister Schneider gesprochen hat, aber das mjisse erst im letzten Sommer gewesen lein und sei seines Wissens nicht im Dienstzimmer, sondern während einer Autofahrt gewesen. Zeuge Bürgermeister Schneider gibt dann eine Darstellung seines Verkehrs mit den Sklareks. Mit den Sklareks habe er gesell- schostlich enger verkehrt, sich schließlich mit Leo Sklarek auch geduzt, da er die Sklareks durchaus für honorige Kaufleute halten niußte. Cr habe nie einen roten Pfennig von Sklareks bekommen, sondern lediglich zugegeben, einige Male Rcnngcw'nn« von ihnen, er- halten zu haben. Seine früheren vor dem Staateanwaltschoftsrat Weißenberger in der ersten Bestürzung geinachten Zugeständ- nis,'c widerrufe er. Anzüge habe er sich bei Sklarek arbeiten lassen, sie abersstets'Mtt'm»zesiihr"'2Mt'Mark�bezahlt. Ststbe r ne Leuchter seien seiner Frau zu Weihnachten geschenkt worden. Cr habe angenommen, es seien Rcnngewinns gewesen. Er habe sich später revanchiert und Sklarek u. a.«in Klovier geschenkt. Auf Anfrage erklärt der Vertreter des Preußischen Justiz» Ministeriums, daß er keine Bedenken dagegen habe, daß der Zeuge an anderer Stelle gemachte Aussagen widerrufe. Es fei ein nobil« officiurn, ihm das Recht der Verteidigung zuzugestehen. Zeuge Zangemeister gibt dann Auskunft über die Grund» st ü ck s g e f ch ä f t« der Stadt mit den Sklareks. Daß der Ober- bürgermeister sich mit dieser Sache beschäftigte, mag ja auffastend gewesen sein; man kann es aber verstehen, aus dem Temperament des Oberbürgermeisters, aus seinem Interesse sür den ganzen Straß endurchbruch. Er hat sich weder für das«ine noch für das andere Projekt besonders ins Zeug gelegt. Sämtlid)« Zeugen erklären dann auf Befragen ausdrücklich, daß sie mit den Sklareks niemals privatim, sondern stets nur amt- lich über diese Dinge verhandelt hohen. Zeuge Oberbaurat Zangemeister bestätigt auf Befragen durch Abg. Drügcmüller(Soz.), daß ihm von den Sklarek» später 6000 M. gegeben wurden, die er an den Areisverein Charlolienburg der Deulschvatioualen Volkspartei weilergeleilet habe. Hierauf wird die Weiterbehandlung auf Mittwoch vertagt. Hakenkreuzmanöver in Sachsen. Tritt der sächsische Arbeitsminisier zurück? Desden, 14 Januar. In der heutigen ersten Sitzung des Sächsischen Landtags im neuen Jahre lagen ein nationalsozialistischer MIß- tranensantrag gegen Arbeitsminister Elsner (Alt-Svz.) und ein kommunistischer Mißtrauens» an trag gegen die Regierung Dr Bünger vor. Minister- Präsident Dr. Bünger erklärte, daß er aus Grund der Stimmung im interfraktionellen Ausschuß dem A rb« i ts m i n i st« r seinen Rücktritt nahegelegt habe. Darauf habe her Arbeit sminister Elsner seinen Rücktritt iii Aussicht gestellt.' das Gesuch ober noch nicht eingereicht, da er zunächst das Ergebnis der A b st i m m u n g über den gegen ihn gerichteten Miß- tranensantrag abwarten walle. In namentlicher Abstimmung erhielt nun der nationalsoziali- stischs Mißtrauensantrag gegen den Arbeitsminister 17 Ja» und 2Nein-Stimm«n, bei 7ö Stimmenthaltungen. Der Mißtrauensantrag gilt also als abgelehnt. Es bleibt dahingestellt, ob unter diesen Berhältnissen Arbeitsminister Elsner noch an das Einreichen seines Rücktrittcgesuches denkt..... Der Sächsische Landtag lehnte weiter einen kommunistischen Mißlrauensantrag gegen die Gesamtregierung mit 47 gegen 42 Stimmen ab. Di« drei Vertreter der Boltspartei hatten sich vor der Abstimmung aus dem Saal entfernt. Die vier Demokraten enthieven sich der Stimmabgabe.� Im Prozeß gegen den sozialdemokratischen Parleisekretär lösch in Graz wurde der Leweisantrag der Verteidigung, daß die Heim- wehr in Sankt Lorenzen mit Maschinengewchren geschossen hat und daß mehrer« Gewehr« an sie verteilt wurden, vom Gerichts- Hof zugelassen, Oer Magistrat„spart". Sparmaßnahmen, die die Ausgaben erhöhen« Mit einen« Nachtragsstot soll versucht werden, über die der- zeitige Finanzkalamität der Stadt Berlin hinwegzukommen. Weiter hat der Magistrat beschloffen, die Durchprüfung der Organisation der Verivaltung auf die Möglichkeiten einer Vereinfachung de- schleunigt durchzuführen. Ein« Kommission von 6 Bezirks-Bürger- meistern ist zu diesem Zweck bereits«ingesetzt. Die Wirkungen icher die zweckmäßigste Vrt des Einsparens machen sich bereits in bedenklicher Weise bemerkbar. Aus ollen Bezirken, Zentraloerivaltungen und Betrieben der Stadt gehen Met. düngen über Entlassungen von Arbeitern und An- gestellten wegen Mangels an Mitteln ein. Durch«ine Dienstanweisung vom 4. Januar wird ange- wiesen, daß bei Zurückstellung nicht unbedingt notwendiger Ar- bellen die entbehrlich.gewerdensn Beamten in anderen Berwa'- tungezweigen beschäftigt werden sollen, für die Mittel für A n- gestellt« vorgesehen sind. Nach Inanspruchnahme dieser Mittel durch die verfügbar ge- machten Beamten sind im notwendigen Umfang« Angestellte in Ab- gang und Beamtengehältcr in Zugang zu stellen, d. h. Ent. sassungeu von Angestellten vorzunehmen wegen Ver- Wendung von Etatsmitteln zu einem anderen als vorgesehenen Zweck Dem Eesamtoerband ist«ine Einladung zu sofortigen Derhandlungen über„Einführung einer Kurzarbeit und Steigerung der Arbeitsintensität" zugegangen. Diese Verhandlungen erstrecken sich auf die Betriebs de? Straßen- r e i n i g u n g und des F u h r a m t s mit einer Belegschaft von tima 5000 Arbeitern. Also Kurzarbeit und gesteigerte Arbeitsleistung find, ganz wie bei der I. G. Farbenindustrie, das Rezept, nach dem „gespart" werden soll Auf der einen Seite Erhöhung der Tarif« für Gas, Wasser und Elektrizität, Erhöhung der Fahrpreise, also Steigerung der Lebenshaltung?- tosten; auf der anderen Seite Kurzarbeit, erheblichen Verdienst- ausfall und Steigerung der physischen Arbeiteleistung! Wie balanciert der Arbeiter und Allgestellte unter diesen Um- ständen seinen Haushalt? Wie erhält der Arbeiter und Angestellte seine Arbeitskraft? Es ist allerhöchste Zell, auf diesem Wege halt zu machen und mll anderen Mitteln den Haushalt der Stadtgemeinde Berlin zu balancieren. 29 Millionen werden im Nachtragsctat für Wohl- fahrtszweck« angefordert. Wie ein Teil � dieser Wohlfahrtsmittel verwandt wird, ergibt sich aus folgendem: Die Zahl der Arbeiter und Angestellten ist durch die in der ver- gmrgenen Zeit durchgeführten Abstrich« an den Etats, Verweige- rung der Mittel zur Vergrößerung des Personalbestandes und schließlich auch durch d!« in den städtischen Beirieben und Verwal- tungen durchgeführte Rationalisierung auf einen Stand ge- bracht, der der ordnungsmäßigen Durchführung der Lfsent- lühen Aufgaben in keiner Weis« mehr entspricht. Die gesteigerten Aufgaben der öffentlichen Verwaltung aus der Vergrößerung der städtischen Anlagen, Straßennetz, Be- und Uns wird geschrieben: Nach dem Rezept des kommunistischen Gewerkschaftsstrategen (Schule; Reichsoerband zur Bekämpfung der Deutschen Soztaidemo- I kratie) veranstaltete die tonnnunistische Zelle eine Betriebs- I Versammlung. Das renoviert« Paradepferd T h ä l in a n n sprach über Ruhland, Amerika, England, den Boung-Plan und M a s s e n« n t l o s s u n g c n bei Ö s r a in. Von der etwa SOOO Köpfe starken Belegschaft waren SS erschienen, die übrigen 50 Anwesenden waren Moabiter Gäste der KPD. Gefordert wurde in einer einstimmig gefaßten Resolufton, daß Entlassungen unterbleiben sollen und der Siebenstunden- lag ohne verdienstkürzuag eingeführt werden soll. Zur Durchführung dieser Kampftorderung solle sich die Beleglschaft h-intcr die KPD. stellen. Die Basis für den„revolutionären Kampf" war also geschaffen. Im Betrieb.blieb jedoch alles ruhig. Sollte die großangelegte Aktion mit einer papiernen /Resolution beendet sein? Das konnte doch niemand annehmen, also mußte die Urjache der Stockung fest- gestellt werden. Inzwischen war die Forderung schon überholt, es wurde nur noch S bis ßVi Stunden gearbeitet, aber der gleiche Lohn, wo blieb der? Die kommunistische Betriebsrätin und neugebackene Bxzirksverordnete antwortete auf unsere Frage, ob der Direktton die Forderung schon unterbreitet sei und ob die Direktion zugesagt oder abgelehnt habe: erst wolle mon abwarten, ob die Belegschaft dahinterstehe. Unser Einwand, das könne sich doch erst zeigen, wenn dl« Direltim, abgelehnt Hölle, wurde nicht beachtet. In der Betricbsratssitzung wurde die Angelegenheit wieder ausgerollt. Wieder wurde gefragt,«va» aus der eivstiwwigeu Resolution werden solle, ob die Regisieur« der Betriebsversammlung nicht endlich den!Nul ausbringen wollen, etwas zu unicrnehmea. Man mache stets der Mehrhell und besonders den SPD.-Kollegen die heftigsten Vorwürfe', selber aber seien die Revolutionäre z u feige, ihre eigenen Beschlüsse in die Tat umzusetzen, ja nicht ein- mal den Versuch machten sie dazu. Darob wüstes Geschimpfe, wir seien Lügner, die alles verdrehen. Entwässerung. Steigerung des Verkehrs usw. hüllen an sich schon in den letzten Jahren ein« wesentliche Bergrößerupg der Beleg- schallen notwendig gemacht. Diese Lücke hat man zu einem Teile durch eine rapide Leistungssteigerung der einzelnen Belegschafts- Mitglieder auszufüllen versucht; des weiteren griff man zu der B e- schäftigung von Krisenunterstützten mit der schönen Bezeichnung „Veschäsligung von Wohlsohrtserwerbsloseu". Diese aus der allgemeinen Erwerbslosemmterstützuug ausgesteuerten und der Krisensürsorg« überwiesenen Arbeitslose» werden nun zur Auffüllung dieser mangelhaften Belegschaftszahl in der städtischen Verwaltung beschäftigt. Durch diese Beschäftigung sollen die Mittel, die sonst als W o h l f a h r t s r e n t e gezahlt werden, produtnv ausgenutzt werden. Die Ergebnisse der Art der Beschästi- gung dieser Opfer der allgemeinen Wirtschaftskrisen sind vom Zwecke der Wohlfahrt weit entfernt. 24 bis 30 Stunden werden diese Wohlfahrtserwerbelosen in städtischen Betrieben und Bernwl- tungen auf die Dauer von durchschnittlich 26 Wochen beschäftigt und dann, nachdem sie durch diese Beschäftigung wieder einen Anspruch auf Erwerbslosenunterstützung erworben haben, der Erwerbslosen- Versicherung erneut preisgegeben. Einmal müssen diese Wohlfahrts- erwerbslosen rund 26 Wochen nach Absolvierung einer langen Ar- beitslosigkell mit etwa der Hälfte des Einkommens eines städti- lchen'Arbeiters oder Angestellten sich und ihre Familie unteichalten. zum anderen bekommen sie nach Absolvierung dieser 26wöchigcn Wohlfahrtserwerbslosentötigkeft aus der Erwerbslosenversichemng Unterstützungssätze, die nur noch einen Bruchteil des Einkommens als Wohlfahrts« nuerbslofe ausmachen, da sich die Höhe der Unterstützungssätze aus dem letzten Einkommen errechnet. Zit dieser Erwerbelosenunterstützung müssen dann die Wohlfahrtsämter der Stadt Berlin Zuschußualerstühungen au» wohlsahrtsmilleln zahlen. Völlige Zerrüttung der Kräfte und der fa- miliären Verhältnisse dieser Opfer des heutigen Wirt- schastssystems sind die Folgen. Di« beabsichtigte Eingliederung lang- sristig Erwerbsloser in den Produktionsprozeß wird danrll nicht erreicht. Nur nnt der vollen Beschäftigung der Krisen- unterstützten zu den tariflichen Bedingungen für städtische Arbeiter und Angestellte wird eine Lmderung der Not der Bcjchäf- tigten und die tatsächliche Einreihung in den Produttions- prozeß und deinzufalge eine wirkliche Minderung der Arbeitslosenzahl erreicht. Die Finanzschwierigkeiten der Sladtgemeinde Berlin sind nur mll durchgreifenden Maßnahmen zu beseitigen, von denen die wichtigsten die Beseitigung des verheerenden Einflusses der Finanzdiktawr Schachts und seiner Beratungsstelle. Zlufhebung der Anlcihesperre gegenüber den deutschen Gemeinden und schließlich eine gründliche Revision des preußischen Finanzaus- gleich» sind. Hier aber versagt die Energie des Magistrats. Masienentlaflungen städtischer Arbeitnehmer, Vergrößerung des Ar- beitslosenheeres und wellet« Massenoerelendung verschärfen nur die Krise, stall sie zu mildern oder zu beselligen. Endlich war wieder Mut«ingekehrt, und der Wille der Betriebs- Versammlung tonnte in die Tat umgesetzt werden. Am anderen Tage wurde die Verhandlung angemeldet, die Direktion erklärte sich berett, aber den Kommunisten war üb-.r Nacht dag herz in die hosen gerutscht. Alles, was sie tags zuvor erklärt hatten, war wieder.Lüge", war„Verdrehung". Alle 17 übrigen Betriebsräte, darunter selbst Anhänger der Opposition, hätten nicht richtig hingehört. Eine Verhandlung mit der Direktion wolle man g a r n i ch t. So tobten und schimpfte,, die Revolutionäre und verlangten, der Betriebsratsvorsitzende soll die Verhandlung absagen und erklären, es sei ein Irrtum gewesen. Der Betriebsrat lehnte es ab, die Wahrheit in einen.Irrtum" umzufäl scheu und überließ die verhinderten Revolu- tionäre ihrem Schicksal. Als die Direktion rufen ließ, schlichen sie blaß und scheu w!« reuige Sünder hinüber. Statt eines Protokolls über die Berhand- lung erhiellen wir folgenden Bericht: Direktor:.Bitte, nehmen Sie Platz, meine Herrjchaslen, Sie wünschten eine Berhandlung mit mir; was haben Sie dem, für Wünsche?" Kollege H.:„wir wünschen nichts, Herr Direk- larR Dir« k t o r:.Aber der Betriebsratsvorsigende hat doch um die Verhandlung ersucht. Sie können also ruhig sagen, was Sie aus dem herzen haben." Kollege'H.:„wir wünschen gar nicht». e» muß ein Zrrtum vorliegen. Herr Direktor!" Direktor:„Na, haben denn Sie einen Wunsch, Fräulein L?" Kollegin L.: „Nein, Herr Direttorl" Direktor:„Dann erübrigt sich ja jede weitere Verhandlung ukld ich kann wohl die Sitzung als beendet er- klären. Auf Wiedersehen!" Schimpfend und tobend kamen die Tapferen zurück. Wenn man sich noch einmal einen solchen Scherz erlaube, passiert irgend etwas Schreckliches. Damit war die Revolution bei O s r o m zu Ende. Arbeiter und Arbeiterinnen, die von solchen Hanswürsten eine Besserung Ihrer wirtschaftlichen Lage erwarten, ist nicht zu helfen. Würden sie öfter sehen können, welche erbärmliche Rolle diese „Arbeitervertreter" spielen, sie würden den Knüppel nehmen und den Herrschaften ihren Dank abstatten. Krastdroschkenschiedsspruch abgelehni. Äraochenleitung erhält Vollmacht. Die organisierten Berliner Kraftdroschkenführer beschästigten sich gestern abend mit dem Schiedsspruch für oie Berliner Kraft- droschken-aesitzer. Genosse Bergmann vom„Gesamwerband" gab den Schiedsspruch in seinen Einzelheiten bekannt. Danach soll der Führer in Zukunft für jede Schicht einen Anteil an der Bruttoeinnahme von 3ZZ- Proz. erhallen. Er bekam bisher 2S Proz. der Bruttoeinnahme und außerdem je Schicht einen F e st l o h n von 2,50 Mk., der jetzt gönzlich weg- fallen soll. Doch um die„guten" Führer nicht vor den Kopf zu stoße», sieht der Schiedsspruch vor, daß die Ehauffeure, die in einer Schicht für jeden gefahrenen Kilometer eine Bruttoeinnahme von 28 Pf. erzielen, außer den 33!� Proz. von der Bruttoeinnahme noch einen Zuschlag von 1 Mk je Schicht erhalten. Der bisher ge- währte Garantielahn von 8 Mk. je Schicht soll auch weiter- gezahll werden, wenn im Durchschnitt eines Monats eine Brutto- einnähme von 20 Mk. je Schicht und für jeden gefahrenen Kilometer 25 Pf. crz'elt wurde. Die geringen Verbesserungen der Kündigungs- bestimmungen wiegen die Verschlechterungen nicht im entserntesten auf. Genosse Bergmann teilte zum Schlüsse seines Berichtes mit, daß die Branchenleitung der Kroftdroschkenfahrer nach eingehender Beratung beschlossen habe, den Ehauiseuren die Ablehnung des Schiedsspruches zu empfehlen, da sich eine Organisation wie der „Gesamtvcrband" eine derartige Verhöhnung, wie sie der Schieds- spruch bedeutet, nicht gefallen lassen kann. In der Diskussion kam eine ungeheure Erbitterung über den Schiedsspruch zum Ausdruck, der mit einem Federstrich die Berliner Krastdroschkenfuhrer zu Prositjägern der Unternehmer auf Provision machen will. Der Schiedsspruch wurde einstimmig abge- lehnt. Ferner wurde in elnex gegen eine Stimm« angenommenen Entschließung zum Ausdruck gebracbt. daß d'e arganisierten Kraft- droschkensührer jede Einmischung außenstehender und unvcrantwort- sicher Kreis« in ihre Tarisbewcgung ablehnen, sondern die Branchenleitung ausfordern, alle erforderlichen Schritte zur Durch- setzung ihrer Forderungen einzuleiten. Eine neue„Aktion". Sie ist auf Schwindel aufgebaut. Die KPD. versucht, auch in die Reihen der Arb efter und An- gestellten der Reichs- und Staatsbetriebe Verwirrung hineinzutragen. So hat sich vor kurzem in Berlin eine„Kommission für die Einleitung einer Gehalts- und Lohnbewegung der Reichs- und Stoatsongestellten und-orbeiter" gegründet, die in einem Rundschreiben an die Betriebsvertretungen bei den Berliner Behörden behauptet, in einer Versammlung von Betriebsraten der Berliner Justizbehörden am 5. November 1929„ordnungsmäßig" gewählt worden zu sein. Diese Behauptung ist ein aufgelegter Schwindel. Die„Betriebs- raleversammlung" am 5. November war eine Zusammenkunft von wenigen unorganisierten und wegen organisationsschädigen- den Verhallens aus ihren Verbänden ausgeschlossenen B« Hördenangestellten und-arbeitern. Di« von diesen Leuten gewählte Kommission ist in Wirklichkeit weiter nichts als eine der üblichen „Kampfleitungen", deren Bildung die KPD. betreibt. Die.Lom- Mission" beruft zu morgen, Donnerstag, eine össeutliche Persammlung ein, um zur Einleitung einer GeHalls- und Lohnbewegung in den Reichs- und Staatsbetrieben Stellung zu nehmen. � Der Zweck dieser„Aktion" ist ganz ossensichtlich der. den Tarif- orgaulsatiouen der Angestellten und Arbeiter-in den Reichs- und Staatsbetrieben Schwierigkeiten zu machen bei den Der- Handlungen, die sie mit den Behörden über bestimmte Tariffragen jetzt anbahnen wollen. Es bedarf eigentlich keiner besonderen Llus- korderung an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und An- gestellten der Reichs- und Staatsbetriebe, dieser Bersammlung fern- zubleiben und das Häuslein von unorganisierten„SRevolutio- nären" unter sich zu lassen. HT"''' � � gj -M OciuRcn txr 99«®. 9««. 1«nb 3»»d Sm. 1 3. Morgen, P ri D-nn-rstag. l.V/j Uhr. im Solal Nrlig-r, T-mp-Ih�-r Ufer. Versemm. in W Inno. l. Vortrag des Genossen Dreisel. 2. Stellungnahme zur Bc» I' W triebsratswahl. Alle Genosse» müssen erscheinen! B«zirl»omt Charlottcnburg. Freilag. 20 Uhr, im Lokal RSjrig, IM M S-hloßstr. 43,«tchitae Versammlung aller. SPD.-Genoilen. Genosse f- M Dr. kawerau spricht über..Der Weg zur Produitiousschule". Voll. 1 IM liihliger Vesuch wird erwartet. Der Zraktionsoorsiand./ - MM» �4 i- I M I I 1' fFrete Gewerkschafts-Luaend Berlin Heute, Mittwoch. 1»'-; Uhr. tagen die Gruppen: R-rd. und Nordwest. kreis: Im Jugendheim Iehdenickcr Sir. 24— 25 Kreismitflliedcrver. sammln»«.— Süden. Südwesten: Gruppenheim Stiidt. Jugendheim «orckstr. II iFabrikgobäudei. Gldurtotagsfeier:„Eieb-n Jahre Gruppe Siide». Siidmrilen".— Nenliilln: Jugendheim«ergsir. 2g, Los. Vortrag:„Iwca und Ziel der Freien Gewcrkschafts.Iug»nd".— Bau».-ch»lenweg! Jugendheim Vaum- schulcnweg, ErnslNr. vi. Vorlrag:„Unfallocruchcrung".— Schönhauser Zor: Jugendheim Jehdeni-irr Str. 24-25.-»reism.igliedervcrsammluug.— Weihen. i«: Wir Multen die«rrismitgliederoersamintung.— Rordriu«: Wir gehen zur oreismitgliederversammlung.— Ächtung! Ächtung! Der Werbeweltstreit beginnt! Älle Aollegen müssen sich betckkigen. Rähcrc, dnrch dir Srnppen- agitotianslcitcr. £5� Iuaendoruppe des�entralverbandes der Anaestellten Leute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesundbrunnen: Jugendheim Schijnstcdtsir. l tLedigeuhesm), z Tr. Vortrag:„Der Jugendliche im Äc trieb". Referent Wilhelm Lewinski.- Rordpft: Jugendheim Danziger Str.#2(farade 3) Vortrag:„Airche und Staat". Referent Willi Terkow.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str.. 18.„Ärbeitsrechtliche Vlairderejcn" unter Leitung des Kollegen Dr. Konrad Stehr.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. öl. Vortrog:„Aus der Grfchichte der Jugsiid» hewegunll". Referent Friedrich Weigclt.— Neulclln: Jugendheim Böhmische Strohe 1—4, Ecke Kanner Straße. Anekdoienadend. Referent Herlinzer.— Südost: Jugendheim Wrangelftr. 128. Vortrag:„Beruf und Frrijeit". Referent (Irwin Vunzel— Spandau: Jugendheim Lindenuscr l. Wir lesen aus Gott- fried Kellers Werken.— Potsdam, Rowawes: Jiigeudherbergi in Nowawes, Priesterftraße. Sing» und Liederabend. Verantwortlich für Politik: Dr. Snrt®eyer: Wirtschast: G. Klingelhetcr: Gererklchastsbewegung: Z. Steiner: Feiitllclon: Dr. John Zchikowski: Lokalrs und Sonstiaes: Fri» Karstödt: Zl», eigen: Th. Glaike: tiimüich In Verli». Verlag: Vorwiirts-Vcrlag s. m h. L. Verliu Druck: Vorwäris.Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW«8 Lindenstroße s. Hierzu 1 Beilage und.Unterhaltuno und Wissen". . —.-«> K■ sm*■•\ h,.' Tragikomödie bei Osram. „Revolutionäre Streikwelle".— Maulhelden im Oirektorenbüro. Usiksr kür sparsames Wirtschaften: MAG Gl5 Würze für Suppen, Soven, Gemüse usw. in Flaschen von 20 Pfg. an. MAGGi$ Suppen in Würfeln. Kochfertig. 28 Sorten. 1 Würfel für 2 Teller 13 Pfg. MAGGI* Fleischbrühe Oie Bouillon für alle Zwecke. 1 Würfel für'M Liter 4 Pfg. 7tr. 23* 47. Jahrgang des Vorwärts Mittwoch, 43. Januar 4950 Rassenasyl in der Jüdenstraße In der Parockialftraßc Ecke Iüde-nstraße hält«in Möbelwagen. Es ist keine Herr- fchaftlich« Fuhre, die da ausgeladen wird. Nein, armer Leute Trödel kommt.yim Dorschein. Unaufhörlich quillt er aus dem Inneren des Wagens und wird auf der Straße aufgestaut. Eintiirigc, tiftenartigc Schränke mit schiefen Türen, schlech- tem Anstrich, zerstoßene uird ihrer Nohrsitze beraubte Stühle, zer- beulte Töpse und ftüchengeschirr, in Ballen gerolltes Bettzeug mit bunten Ueberzügen oder abgeschabten, lumpenähnlichen Militärschlafdecken. Das ist Not. graues Elend, das -hier geschichtet wird. Abgearbeitete Menschen mit gramzerfurchtcn(Sc- sichtern sind die Besitzer dieser chabseligkesten. Sie kommen vom Osten, seit 12 Iahren sind sie von ihrer Heimat Nußlond fort. Erst waren sie in Notwohnunzen auf dem Tempelhoser Feld unterge- bracht, jetzt sind sie wieder auf der Suche nach einer neuen Bleche. Für die Wohnungsfürsorge wäre es«in leichtes— wie ein Beamter der Berliner Behörde mitteilt—, die Leute schnell in brauchbare Notwohnungen unterzubringen, aber ein Erlaß des Ministenums des Innern bestimmt, daß die Kolonie nicht auscinondergerisicn wird. 117 Menschen sind aus den Barocken auf dem Tempelhoser Feld„ausgewiesen". Es war schon ein saniter Druck notwendig, sie aus den bausälligen und ijiv hqgienischen Behausungen zu entfernen: eines Druckes bedurste es auch, die Ruhelosen in die neuen Wohrnnigen„einzuweisen". In drei Häuser. Jüdeisttraße 24. 27, ZH die ursprünglich zum Abbruch bestimmt waren, aber wegen der Finanzkalanritöt der Stadt noch «in Weilchen stehen bleiben, hat man die Russen jetzt einquartiert. Cs ist kein großes Geschenk, was man ihnen damit n lacht- es ist nur vom äußersten Zwang diktierte Fürsorg«. Im Haus Juden- straße 24 treffen es die dorthin gelegten Familien recht gut: hi«r sind die Wohnungen geräumig und freundlich. Es stehen in drei Etagen drei Fünizimmsrmohnungen tmd eine Drei zimmerwohnung sowie einige Einzelskuben zur Verfügung. In einer abgetrennten Zweizimme.rwohming find die Ledigen untergebracht, etwa 11 Per- fönen. Jede freie Stelle ist mit einer Bettstatt verstellt, sogar in der großen Küche sind zwei Betten ausgeschlagen. Hier herrscht auch noch die meiste Einigkeit unter den Mitgliedern. Daneben hat in einer Flurswbe der Vorsitzende der Kolonie mit seiner'�rau Wohnung und Büro. Er hemühr sich eifrig, in dem wirren Ameisen- hausen etwas Ordnung zu schaffen. In den darüber liegenden Wohnungen räumen die Männer das letzte Inventar ein, und die Frauen hängen in der Küche ihr Geschirr aus, wobei die Einteilung so gedacht ist, daß jede Frau etwa«in Quadratmeter Bodenflächc sür die Bewirtschaftung erhall. In diesem Bienenhaus, in dem die Kinder, unbekümmert von dem Wirrwarr um sie her, schon wieder spielen und singen, herrscht schnell große Befriedigung. Wer das .Haus weiter in der Jüdenstraße 27 enthüllt sich als echtes Bild „Großstodtsumps", das durch das Gezeter der Frauen nach das echt« Kolorit erhält. Ein? Mutier mit zwei Kindern ist in Küche und Stüh? untergebracht, und daneben in einer Kammer eine alte Frau von 80 Iahren. Schon hassen sich die Wohnungsinhaber bis auf Hier wohnen die Russen aus den Nansen-Baracken den Tod. Am ersten Tag des Einzugs bereits inußie der Liebhaber der Frau, der gor nicht zu den Kolonisten zählt, mit einer schweren Kopsrosc behastct, aus der Wohnung cntjernr werden. Noch grau- siger ist das Elendsbild in Jüdenstraße AI. das wobl zu einem der ältesten Häuser Berlins zählt. Wer sich auf den aus dem Mittel. oller herrührenden Treppen hiiwufwindet und in die zu Löchern gesenkten Stuben und krummen Winkel verlier), wird das Bild, das sich ihm bietet, niemals wieder vergessen können. Was wird mit dem fremden Bolkskörper mitten in der Groß- stadt geschehen? Vorläufig sind etwa 28 Familien mit ungefähr 8ö Personen in der Jüdenstraße untergebracht: einige Familien konnten in Tempelhof unterkommen, vier Familie� sind bereits in Spandau. Ueber kurz oder lang will man nämlich die Kolonie wieder zusammenführen und sie in das Spandauer Baracken- l o g e r einweisen, wo sie auf Jahre hinaus in Ruhe werden leben können. Es ist das einzige Hilfswerk, dos die Regierung ihnen ongederhen lassen kann. Niemand vermag das tragische Schicksal dieser Heimatlosen durchgreifend lindern, die einzig« Stelle, die dazu moralisch und rechtlich verpflichtet wäre;-»erfolgt die russischen Emigranten schlimmer als die Pest. Oos Programm der Bauavsstettung. Nachdem seitens der Stadt Berlin gemäß dem in der vorigen Woche gefaßlen Mogistratsbcschluß keine Schwierigkeiten für die Bauausstellung 1931 mehr zu erwarten sind, ist jetzt das Programm endgültig zum Abschluß gebracht und in Druck ge- geben morden. Die Festsetzung des Termins, an dem im kommenden Jahre die für drei Monate berechnete Bauausstellung beginnen soll, soll noch im Lause dieser Woche erfolgen. Keine KpO.-Oemonstration. Verbot wegen Avfforderung zu Gewalttaten. Der Polizeipräsident teilt mit: „Die Bezirksleitung der SPD. in Berliv und die ihr nahe. stehenden Organisationen hoben Ihre Anhänger zu einer Massen- demanstrotion am Mittwoch, dem 15. Januar, um ß Uhr, ausgerufen. 3tn Hinblick aus die in dem Ausruf angekündigten Gewalt- toten gegen Andersdenkende ist mit Gegen kundgebungen und mit ernsten Zusammenstößen zu rechnen. Es besteht also eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit, und der Polizeipräfldent hat daher sür Mittwoch, den 15. Januar 1930. alle Versammlungen unter freiem Himmel, einschließlich aller Umzüge verboteu." In dem„Generaloppell aller revolutionären Arbeiter" unter- schriebenen Aufrufe der„Raten Fahne" von: gestrigen Dienstag heißt«s ausdrücklich: Schlagt die Faschisten, wo ihr sie t r e s s t l Deutlicher konnte die Aufforderung zu Gewalttaten nicht ausgesprochen werden»ich der Polizeipräsident erfüllte nur eine sslbstoerstänlKicho gesetzliche Pflicht gegen die friedliebende Einwohnerschaft. wem: er die ihm in solchem Fall zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mittel zur Verhinderung von Gewalitaien zur Anwendung bringt. Wenn der Abbau droht. Die Sozialdemokratie schuht die städtischen Angestellten. Di« sozialdemokratische Stodiverordnetensraktion hat sür die am Donnerstag stattfindende Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag eingebracht: Der Magistrat wird ersucht: 1. Entlassungen von städtischen Angestellte« nur unter genauer Beachtung der tariflichen Beftimmnngen und ferner auch nur dann vorzunehuren. wen» nach- weislich Arbeitsmangel vorliegt und an Stelle der entlastenen Angestellte» nicht andere Personen zur Einstellung gelangen. 2. Wohlfahrtserwerbslose nicht mehr in Angestell« tenftellen zu beschäftige». Die sozialdemokratische Fraktion setzt sich mit diesem Antrag praktisch sür die Interessen jener städtischen Angestellten cw. denen insolgc der katastrophalen finanziellen Lage der Stadt der Abbau droht. Die Kommunisten aber wissen nichts besseres zu tun, als in den Siad verordnet ein«: rja rmrrtu ngen das Arbeiten zn erschweren und wüsten Radau zu inszenieren. Aufttärung gefordert. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- f r a k t i o n richte: an den Magistrat diese Anfrage: „Zn der Zcilschrifl„Der Melallmorkl" vom 6. Dezember 1929 werden genaue Angaben über die Gewährung eines hypolhekaristh gesicherten Dorlchns in Höhe von 20 000 M. an de» Reichs buhnobcringenieur Franz Marx durch ein Vorstandsmitglied der Berliner Verkehrsgesellschaft gemacht. Die hergab« dieses Darlehens wird in einen ursächlichen Zusammenhang gebracht zu der dienstlichen Ausflchtslätigkeil des pp. Marx gegenüber der BVG. Mir fragen an: Zst der Magistrat bereit. Auskunst zu geben, 1. ob die im„Melallmarkt" gemachten Angaben zutreffen. 2. falls diese Frage uuler 1 bejohl wird, wer dafür veronl- worllich ist, Z. unter gleicher Voraussetzung: welche Vorkehrungen getroffen sind, um Miederholungen derartiger unbegreiflicher Vor- kommniffc zu verhindern." Im„Vorwärts" ist bereits festgestellt worden(siehe die Morgen- ausgäbe vom 11. Iamiar 1929), welche Rolle in dieser Affäre der deutschnotionale Stadtrot Zange meist er gespielt hat. JUmw Ax&wIpl ..Ach. für Rita ist jeder Tag ein Feiertag. Sic braucht nichts weiter als einen Mann." .Llber sie ist doch kein schlechter Kerl. Schade, daß sie diese wilden Geschichten nicht lassen kann." „Ja. sie hat ein gutes Herz: zu gut. sie kann nie einen Cent behalten. Als ob ihr das Geld die Finger verbrennt. bis sie es ausgibt." „Und was fängt sie dann an? Ioao Romao stundet ihr ihre Miete gewiß nicht." „Das stimmt: und dabei hat er so nicl an ihr verdient; sie ist eme seiner besten Kunden" So plauderten sie weiter, rieben, seiften ein, kneteten und spülten, und bald war der freie Raum festlich geschmückt. und endlose Rechen silbriger Bonner glänzten im Sonnenlicht. Der Tag war heiß, und die Sonne brannte erbarmungs- los auf die dampfenden Steine und die glühenden Mauern des Hauses und blendete die schweißgebadeten Flauen. Oben, an einem der Fenster von Mirondos Haus, mmü- kürten sich Dona Estella und Zulmira in luftigen, weißen Kleidern die Mgel und unterhielten sich leise, ohne auf den Lärm da unten zu achten. Inzwischen gwg es im Laden lebhast zu. Schon kamen die Zlrbeitcr aus den Rachbarfabriken zum zweiten.Frühstück. Hinterm Ladentisch hatten Domingos und Monoel nicht Hände genug, die Schar von Dienstboten aus den Häusern der Um- gegend zu bedienen; alle trugen gelbe Pakete mit sich fort, und ei» endloser Strom von Geldstücken regnete in die Kaste. ..Ein halbe Kilo Reis." „Eine Flasche Essigs „Zwei Liter Wein." „Eine Handvoll Tabak, für den Rest Seife." Alle brüllten durcheinander, und manche beklagten sich über zu langes Wartenmüsten. „Mach doch. Domingos, mein Essen brennt mir sonst an." „Beeil dich doch ein bißchen mit den Kartoffeln, ich Hab froch so viel zu besorgen." „Manoel, ich kann jetzt nicht mehr auf die Butter warten." Drüben im Restaurant rannte Bertoleza mit hochge- schürztem Rock, während ihr der Schweiß den dicken, kurzen Nacken cntlanglief, vom Tisch zum Herd und vom Herd zum Ausguß, kochte und legte die Speisen auf die Teller, die Ioao Romao selbst, wie gewöhnlich mit Zeughosen und schmutzigem Hemd bekleidet, den wartenden Kunden brachte. Da er diese Arbeiten nicht ohne Hilfe leisten konnte, war ein Kellner engagiert worden, ein bletchsüchtiger Iünglang, der die Aus- träge in Empfang nahm und Bertolezas niemals wechselndes Menü herunterleierte. Es roch nach ranzigem Oel, und dicker Rauch und Qualm lagen in der Luft.„Paratq", der ein- heimische Rum, wurde kostenlos gereicht, und das Zimmer war ein Babel von lauten Stimmen und klappernden Tellern. Fragen und Antworten flogen hin und her, Gespräche und Diskussionen bildeten sich, die durch heftiges Klopfen auf die Tische Nachdruck erhielten. Neuankömmlinge stürmten her- ein. und oichere, vollgestopft mit gewöhnlichem und schwerem Fraß, verließen gemächlich das Lokal. Auf einer Bank neben der Ladentür saß ein Mann in Zeughemd und Hosen und mit Pantoffeln aus ungcqerbtem Leder. Er wartete schon«ine volle Stirnde auf die Gelegenheit, mit Ioao Romao zu sprechen. Er war ein Portugiese von etwa fünfunddreißig Iahren, großgewachsen und breit- schultrig, mit steifem stachligen Schnurrbart und einem Busch struppigen, dichten Haares, das ihm unter einem billigen Filzhut in die Stirn fiel. Er hatte den Nacken eines Herkules. aber feine großen freundlichen Kuhaugen strahlten Güte und Demut aus. „Kann ich ihn deiw noch immer nicht sprechen?" fragte er, sich dem Ladentisch nöhernd- „Der Chef hat noch zu tun. warten Sie ein bißchen." „Aber es ist schon zehn Uhr vorbei, und ich habe noch keinen Bissen gefrühstückt." „Also, da."» kommen Sie später wieder." „Das geht nicht, ich wohne am entgegengesetzten End« der Stadt. Daraufhin brüllte Domingos noch hinten in die Küche (wobei er seine Sicherheitsnadeln ruhig weiterzähsts):„Herr Ioao, der Mann hier, der Sie sprechen will, sagt, er kann nicht länger warten." „Sag ihm, er soll nicht gehn. ich kommen in ein paar Minuten", erwiderte der Wirt und trug ein Tablett ins Restaurant. „Aber ich Hab noch nicht gefrühstückt und halt's nicht mehr aus", warf der Herkules mit tiefer, klangvoller Stimme ein. „Schön, mein Sohn, komm herein und setz dich, wir haben genug zu essen, es braucht keiner hungrig wegzugehen." „Gut", willigt der große Kerl ein und ging vom Laden ins Restaurant, wo er neugierig von Kopf bis Fuß beäugt wurde, wie es sich Neulinge immer gefallen lassen mußten. Er setzte sich an einen Tisch, und der Kellner erschien und leierte sein Lied. „Eebacknen Fisch mit Kartoffeln und eine halbe Flasche Wein." „Weißen oder roten?" „Roten, und ein bißchen schnell, weil ich am Verhun- gern bin." 4. Eine halbe Stunde später, als der Andrang vorüber war und Ioao Romao weniger zu tu« hatte, ließ er sich auf einen Stuhl feinem Gast gegenüber fallen; in Wirklich- keit war er müde, ober fein Gesicht und sein Benehmen zeigten keine Spuren von Ermattung. ,,S>c sind von Machucas geschickt?" fragte er.„Er Hot mir von jemand erzählt, der Felsen messen, sprengen und behauen kann. „Dos bin ich." „Sie haben vermutlich schon in einem anderen Stein- bruch gearbeitet?" „Ich habe gearbeitet, und ich arbeite noch. Ich bin beim Sao Diogo, aber es gefällt mir nicht, und ich möchte mich ver- ändern." .„Was bekommen Sie bezahlt?" „Siebzig Milreis." „Das ist zuviel, das ist ja lächerlich." „Für weniger würde ich nicht arbeiten." „Das höchst«, was ich hier bezahlte, ist fünfzig." „Dos kriegt ein Anfänger." „Glauben Sie das nur ja nicht; ich bekomme eme Meng« Leute für fünfzig." „Die werden wohl nichts taugen. Ich weite meine rechte Hand, daß Sie für fünfzig Milreis keinen Mann bekommen, der sich mit Gestein auskennt und der anständig sprengen kann, ohne daß etwas passiert." .Möglich, aber siebzig M'lreis ist ausgeschlossen, soviel kann ich nicht zahlen." (Fortsetzung fnlgfV „Lassen Sie die Hände weg.. Weitere Zeugenvernehmungen im Tscherwonzenprozeß Zm weiteren Verlauf de, Tscherwonzenprozefscs wurde der Inhaber des Detetlivinstllutes Graeger als Zeug« gehört, an den sich Dr. Becker und dessen Bekannte. Arau Regierungsral Z t p s e. wegen de» verkauf» der Ischerwonzen. aotcn gewandt halten. Frau Zipse und ein anderer Herr hätten ihn, Äraeger, bei einem Zusammentreffen gefragt, ob er wohl russische Tschcrwonzenmrten absetzen könne oder eine Bant wisse, wo dies geschehen könne. thraeger hat sich dann bei dem Depositenvorfteher seiner Bant er- kündigt, der ihm gesagt habe:„Um Gotteswillen, lassen Sie die HSrtde davon weg. die Tscherwonzen sind sehr oft gefäkscht und außerdem ist der Handel damit«erboten", so daß sich Graeger auf die Sache nicht eingelassen hat. Der nächste Zeuge, der Kaufmann Nicolai Gins barg, hat von dem Angeklagten Dr. Becker über 100 Tscherwonzen gekauft, die er für echt hielt. Er bestätigte, daß Dr. Becker ihm geraten habe, sich bei der Garantiebank für den Osten, die der Angeklagte für ein Sowjet-Instiiut hielt, nach der Echtheit der Noten zu erkundigen, die ihm von Becker auch für diesen Zweck überlassen wurden. Der Zeuge Ginsberg hat sich dann auch bei dem Kassierer Zabel der Garantiebank Unter den Linden erkundigt, der die E ch t- 5 eit der Noten bestätigt hat. Der Kassierer habe die Noten verglichen und auch noch auf die Frag«, daß bei den anderen doch die biumerierung anders und dos Papier dünner fei, erklärt, daß sie echt feien. Er habe die Noten an befreundete Russen weiter- gegeben, die sie an Verwandte nach Sowjet-Rußland geschickt hätten, was damals nicht verboten gewesen sei. Ihm sei nicht bekannt, ob man in Sowjet-Rußland die Unechtheit festgestellt Hab«. Seines Wissens habe aber niemand die Noten als falsch zurückbekommen. Interessant war noch die Aussage des Zeugen, daß man jetzt nur Vollars nach Sowjet-Rußland schicke« dürfe und auch sehr vorsichtig dabei fein müsse. Sodann wurde die Ms- sage der Frau Regierungsrat Zipse verlesen, die vom Vorsitzenden als beauftragten Richter als Zeugin vernomnien worden ist. da sie inzwischen wegen des Verkaufs eines Dürer-Bildes nach Amerika gereift fei. Sie erklärt,>daß sie die Noten für echt gehalten habe, und daß nach ihrer Anficht auch der Angeklagte Decker nicht gewußt habe, daß sie falsch feien. Durch Fragen de» Dorsitzenden und auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde dann noch die Frage erörtert, ob der Angeklagte Dr. Becker überhaupt berechtigt gewesen sei. die Tscher- wonzen, die er von dem Angeklagten Sadathieraschwili zur Lombar- bierung erhalten hatte, zu verkaufen, wie er«s getan hat. Vors.: „Sie durften doch die Tscherwonzen gar nicht oertaufen, sondern hatten Sie zur Lombardierung von Sadathierafchwili erhalten. Aus dem Erlös der Lombardierung sollte doch die Reife nach dem Balkan finanziert werden, da man wissen wollte, wo Bell blieb."— Becker: ,�Zch mußt« doch auch meine Auslagen für die verschiedenen Reisen bekommen, die ich in dieser Angelegenheit gemacht habe. Die späteren Gewinne aus den wirtschaftlichen VeMndungen, die wir anknüpfen wollten, sollten das wieder einbringen."— Sadathierafchwili:„Davon ift gar nichts gesagt worden. Do» Geld sollt« lediglich für die geplante Reise hinter Bell und für die Organisation verwendet werden. Dr. Becker durfte die Tscherwonzen nicht vertaufen und das Geld zum Teil für sich verwenden, denn ich war doch meinen Leuten Rechenschost für die Tscherwonzen schuldig." fHeiterkeit.f � Die Verhandlung wurde auf Donnerstag früh 0 Uhr vertagt. lteberfall aus Karumidze. Zwei Täter von der Polizei festgenommen. Nach Schluß der gestrigen Verhandlung des Ifcher- wonzevfälfcherprozesses kam es. wie wir in einem Teil der Abendausgabe kurz mitleilen konnten, vor dem Krimiaalgerichk in Moabit zu einem fensationellcn Zwischenfall. Eine der Hauptangeklagten in diesem P-ozeß, der Georgier Schalwa Ä a r u m i d z e, wurde kurz. nach Verlassen des Gerichts- gebäudes von mehreren zum Teil jugendlichen Personen über- fallen und mit Faustschlägen tätlich angegriffen. Äaru« midze, auf den von vorn und hinten eingeschlagen wurde, setzte sich gleichfalls zur Wehr und hielt sich die Angreifer vom Leibs. Die vor dem Gerichtsgebäude steheichen Schutzpolizisten wurden auf die Schlügerei aufmerksam und nahmen die Verfolgung der Täter auf. Einer von ihnen, der auf eine vorbeifahrende Straß-nbahn und von dieser auf«inen Autobus gesprungen war, wurde van dem- Wagen heruntergeholt. Cr leistete seiner Festnahme den stärksten Widerstand, so daß mehrere andere Polizeibeamte, die vorüber- kamen, den bedrängten Kameraden, auf den der Täter mit Leibes- kräften einschlug, zur Hilfe eilen mußten. Erst als einer der B«- amten fein Seitengewehr blank zog, gab der Täter seinen Widerstand auf und ließ sich zur nächsten Polizeiwachs in der Paulstraße ob- führen. Während die anderen Angreiser entkamen, gelang es der Polizei, noch einen zweiten festzunehmen. Die beiden Festgenommenen sind ein 35 Jahre alter Arbeiter Michael Klause aus der Freienwalder Str. 22. und ein 24jShriger Arbeiter Willi Becker aus der Goldiner Str. 68, die der Abteilung I A des Polizeipräsidiums zugeführt wurden. Bei der Vernehmung erklärten beide, daß sie K o in m u n i st e n und längere Zeit arbeitslos seien. Sie wären zufällig in die Schlägerei vor dem Kriminalgericht auf der Arbeitssuche hineingeraten und als sie gehört hätten, daß es sich nm den Tscherwonzensalscher Karumidz« handelte, feien sie in Wut ge- raten, der eine von ihnen besonders aus dem Grunde, weil er ein- mal einen falfchen Fünfzigmarkfchein erhalten habe. Der Vorfall dürfte für die beiden Festgenommenen recht unangenehme Folgen haben. Vorbereitung für die Kommunalarbeit. Die letzte Delegiertenvsrfammlung des Kreises Mitte der Berliner Sozialdemokratie beschäftigte sich mit den Vorbereitungen für die kommunale Arbeit. Durch die Neuwahl der Bezirksversamm- lvng sind auch die Ehrenämter der unbesoldeten Stadträte u-A der Bürgerdeputierten neu zu besetzen. Wenn auch die Position der soziatdemokrotischen Fraktion durch die Wahl geschwächt worden ist, hoffen wir doch, die Zahl der bisherigen unbesoldeten Vertreter im Bezirksamt und der Bürgerdeputte rten in den Kommissionen zu' behalten. Die Stadträte, die ihre Stellungen schon in der letzten Wahlperiode venoaitet haben, die Genossen Friedländer und Schmahl, wurden mit großer Mehrheft wiedergewählt- Auch als Bürgerdeputierte wurden die bisher tätigen Vertreter der Partei größtenteils wieder delegiert.— Im Anschluß an die Wahlen wurde der vom Bezirksvorstand zwn nächst«, Bezirkevarteitaa fl«- stellte Antrag, ihm das Recht zur Streichung von ungeeigneten Kandidaten bei künftigen Wahlen zu geben, gegen wenig« Stimmen abgelehnt und gewünscht, daß nach wie vor der Bezirkspartei- tag dieses Recht ausüben müsse. Stadtparlament hat zu entscheiden Dringlichkeitsvorlage des Magistrats über den Nacktragskaushalt Sozialdemokratie behält sich Stellangnahme vor haß auch die Einnahme insgesamt mit rund 22Z Millionen Mari ungünstiger abschließen würde.___ Zu diesem Fehl betrage von 36,2+ 22,9— 09,1 Mrllwnen Mark tritt ein Mehrbedarf bei pem Aitzell der Stadt an den staatlichen Polizei kosten mit 10.68 Phjllionen Mark Dieser Mehr- betrag hat sich erst in den letzten Wochen nach Festsetzung der endgültigen Polizeikasten für 1928 cPeben. die auch einen lieber- blick über die voraussichtlich« Höhe fc* Polizeckosten für 1929 gestattete. Hiermit wächst der unKedeckte Betrag des Haushaltsjahres auf rund 70 Millionen Mark. Llm die Schaffung des Ausgleichs. Oer vollständige Ausgleich Lines derart hohen Defizits noch im Laufe des Jahres 1929. von dem nur 214 Monate vor uns liegen, stößt auf unüberwindlich- Schwierigkeiten. Wir haben zunächst die Ausgabeseile tz-s Haushaltsplans 1929 bei den einmaligen Ausgaben einer Prüpu« untarzogen und die Streichung von einmaligen Ausgaben in iwhe vo» insgesamt rund 20 Millionen Mark beschlossen. Außerdem köunen wir zu unserem Bedauern eine Erhöhung der Steuern nicht permeideu. Wie haben beschlossen, den Zuschlag zur staatlichen Grundvermögens- steuer mit Wirkung vom 1. April 1929 ob. von 200 auf 216,66 Proz. und gleichzeitig bei der G« m- i n d-e g e we r b«. steuer die Ertragesteuer mft Wirkung vom gleichen Tage ob von 425 auf 443.75 Proz. und bei der L o h us u m m e n st e u«? mft Wirkung vom 1. Januar 1930 ab von 1000 auf hlöll Proz. zu ,,, v � � s. � o erhöhen. Die Mehrbeträge hieraus betragen b« der Grundsteuer fahrt dar. Durch die Erhöhung der. Richtsätze und durch die � aijnrf IJnÖ bei Gemeindegewerbestauer 4H Mil- Sieige nung der Zahl der zu Uifterstutzenden mußte allein oenn| IiDn(.n(Ertragsteuer) und 1,3 Millionen Mark(Äshnfummen- Der Magiskrak hol nunmehr der Sladlverordn-lenversawmluvz die Drlnglichkeilsvorlage über den Nachlragshmishall des Haushaltsjahres 1929 zugehen lassen. Za dieser Vorlage führte er zur Begründung des Unterschusses im laufenden Haushalt noch einmal ausführlich aus, wie die Gefamloasarderung des Aachtragsetats von rund 70 Millionen Mark entstanden ist und welche Vorschläge zur Abdeckung des Defizits gemacht werden. Pas Sladipailamenk wird sich also bereits in der Sitzung am komr.mcndcn Douaerslag, die sonst in der Hauplsache mit der Er. lcdigung der Slaatsrals. und Stadtralswahlen aus- gefüllt werden dürfte, mft dem Etat beschäftigen müssen. Die vor- luge wird wahrscheinlich oho« besondere Debatte an den Hau»- haltsavsschuß überwiesen werden. Ja der Begründung führt der Magistrat folgendes aus: Die Haushaltswirtschaft des Jahres 1929 hat sich nicht günstig entwickelt. Di« erst« Störung des Gleichgewichts trat ein, als es infolge des Urteils des Oberverwaltungsgerichts vom 15. März 19A nicht mehr möglich war. die Straße nreinigungs- kosten in Höhe von 95 Proz. in Form von Beiträgen von den Grundeigentümern einzuziehen. Des weiteren stellte sich aber heraus, daß dos Ausgabesoll des Haushaltsplans an mehreren Stellen nicht bis zum Jahresschluß reichen würde, und I daß mft einer Reihe von Einnahmen nicht gexechnet werden könne. Die Hauptursache für die U e b er s chr e i tu ng der Aus- gab« feit« stellte der Mehrbedarf bei der allgemeinen Wohl Unterstützungswefen mft einem Mehrbetrage von rund 16 Mil- lionen Mark gerechnet werden: hierzu traten 9,89 Millionen Mark an Mehr für die Erwerbslofeichilfe(Arbeftsfürforge, Freinnlch- aktion, Bremsstofflieferung usw.). Auch die Jugendwohlfahrt trat mit 3,2 Millionen Mark Mehrbedarf auf, so daß das Gebiet der Wohlfahrt allein insgesamt 29,1 Millionen Mark Mehrausgabe er- fordert«. Hierzu traten 2,9 Millionen Mark Mehrausgabe bei dem Gesundheitswesen, die heuichfachllch in der höl>eren Be- lcgung der Krankenanstalten begründet waren. Außerdem mußte bei der allgemeinen Derwallung mit einem Mehrbedarf von 0.6 Millionen Mark, bei der Schul Verwaltung mft einem Mehrbedarf von IL Millionen Mark und bei den Bexrechnungs- haushalten für allgemeine Berwaktungstosten mit einem Mehr- bedarf von rund 2 Millionen Mark gerechnet werden. Im Lauf« des Monats Dezember erkamiten wir, daß tue Ausgobesefte nach Hinzurechnung einer Reih« kleinerer Beträge bei den übrigen Gebieten mft inzyesamt 36.2 Millionen Mark ungedeckt sein würde. Die Eiunahmeseite hatte sich gleichzeitig nicht günstig entwickelt. Es stellt« sich heraus, daß auf die in den Haushaltsplan 1929 eingestellte Kämmereiabgabe der Berliner Ber- kehre-A.-G. im Betrage von 19 950 Millionen Mark nicht gc- rechnet werden könne, und daß hie Berliner städtischen Gas» w«rte-A.-G.. hinter her veranschlagten Kchnmereiabgab« um etwa 3,3 Millionen Part, zurückbleiben, werde. Bei den Steuern konnte dagegen, mit einem Mehrbeträge- von. 3ch Millionen Mark hauptsächlich.. bei."derl. Gewerbesteuer und bei. den Abgaben der Elektrizität»- und Wasserwerke zusammen mit einer Mehrabgobc von 0,8 Millionen. Mark gerechnet werden. Unter Einbeziehung kleinerer Einnaihmeverändermtgen und ches Mirtderbetrages von 3,6 Millionen Mark bei der Straßenreinigung ergab sich trotzdem. steuer). Zluch durch dies« Maßnahmen läßt sich jedoch der Fehlbetrag von rund 70 Millionen Mark nur auf 36,72 Millionen Mark ver- mindern, wovon 27.02 Millionen Mark auf Mehrausgaben und 9,7 Millionen Mark auf Mindereinnahmen eutfallen. Wir sind daher mft den Vorsitzenden der Bezirksämter an eins Durch- prüfung des gesamten Haushaltsplanes gegangen. um auch bei der laufenden Verwaltung einzusparen, soweit es sich irgend rechtfertigen läßt. Dies sst um so notwendiger, als für 1930 eine wesentliche Besserung dar Haushaltslage nicht zu er- warten ift. Ebenso nötig ist es die laufenden Einnahmen zu er- höhen, soweft angängig. Die Beratungen über diese Sparmaß-- nahmen haben wir im Magistrat noch nicht beendet: immerhin er- warten wir aus den Maßnahmen noch cm Laufe dies« Rechnung�- jähr« bis etwa 10 Millionen Mark Erspanisse oder Mehreinnahmen. Wir haben wefter beschlossen, die Orgo- nisation der Verwaltung auf die Möglichkeft einer B e r e i n» fachung beschleunigt durchzuprüfen. Der trotzdem unge- deckt bleibende Betrag von 26 bis 27 Millionen Mark wird auf das Rechnungsjahr 1930 genommen weiden müssen, ha sich«ine Bortragung, wie sonst üblich, auf den Haushaltsplan des erst nächstfolgenden Jahres 1931 bei dem Ernst der Finanzlage nicht rechtfertigen laßt. Die grundsätzliche Skellong der S ozioldemokralte zu diesen Vorschlägen des Alaglftraks ist an dieser Stelle bereits Ze- bührend gekennzeichnet worden. Die sozialdämokraklsche Stadt- «rordnetensrakkion behälk sich ihre endgültige Eutschei» dung noch vor. Sie ist jedoch nach wie vor fest entslhlossen. eine neue einseitige Belastung der arbeitenden Bevölkerung unter allen Umständen zu verhindern. Neuer Naubüberfall aus Kassenboten. Oer Täter wi«der ohne Beute eultommen. Gestern wurde kurz nach 9 Uhr auf de» 62jährigeu Max Faustmann, der bei der Tischlerkrankenkossc In der Michaelkirchstr. 15 beschäftigt ist> ein Raubübersall versucht. Fausimann hatte heute früh den Auftrag erhalten, von der Stadtbank 5Ü00 M. abzuheben. Dos Geld trug er in einer Aktentasche. Als der Kassenbote zurückkehrte und die Treppe bestiegen hatte, die zur Krankenkasse hinaufführt, vertrat ihm ein jüngerer etwa Lljähriger Mensch den Weg und schlug mit einem Gummischlauch auf den betagten Maim«in. Dieser brach unter der Wucht der Hiebe zusammen, hielt aber die Tasche mft de,n Geld krampfhaft umklannncrt und konnte mich laut um Hilfe rufen. Als eine Frau, die aus der Kasse- kam. hinzu eilte, ließ der Tater von seinem Opfer ab und flüchtete. Man nahm sofort seine Verfolgung auf, doch- gelang es nicht, den Täter, der plötzlich den Augen seiner Verfolger cnlschwunden wär. festzu- nehmen. Die Verletzungen des Ueberfallenen haben sich glücklicherweise als nicht gefährlich herausgestellt. tun „Aus Opern" ist das Schallplattenkonzert am Nachmittag beutelt. Ein paar der bekanntesten Arien sind zusammengestellt worden. Die Wiedergabe ist ungleichmäßig- Diese Konzerte, die keineswegs akademisch wie eine Vorführung in einem musik- historischen Seminar ausfallen sollen, könnten aber dank der Leichlig- left, mft der ihre Ausgestaltung möglich ist, qualitativ das Beste oder wenigstens Höhepunkt« bringen. Von diesem Bemühen merkt man leider wenig.— Professor Dr. Emil Utitz von der Universität Hall« behandelt das Thema„21 u f st i e g oder Niedergang unserer Kultur". Utitz, der sich bei früheren Bortragen im Berliner Sender um eine einsach«. klar« und strenglogische Formu- tierung bemühte, verliert sich hier ins Breit«. Er bietet dem Hörer an Stelle von Tatsachen Sätze, die mft Phrasen durchsetzt sind. Das Th«n« ist auf drei Vorträge disponiert. Utitz hätte bei mehr Kon- zentration den ersten Teil IN zehn Minuten abhandeln können. Immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß da» beste Er- fordernis für einen Rundfunkvörtrag«ine tnapps und prägnante Sprach« bleibt.— Am Abeich wird ein Querschnitt durch Wolter Mehring» Werke gelegt. Ursprünglich ivllten mehrer« Sprecher auf. treten, schließlich spricht, der Dichter allein. Es sst«ine witzig pointierte, geistreich sprühende Blaicherxi über sich selbst- Mehring glossiert sich, macht über sich und Über sein Dichten Witze, aber der Refrain, ironisch verbrämt, ist immer: Ich bin ein Dichter, auch wenn literarische Vollwerke mehrrr« Ghairfons. nicht werten. Und Mehring behält recht.- F. Seh. Das Verfahren gegen Roß. Vor dem Abschluß der difzlplinarischeu Llnkersuchung. Gegen Oberbürgermeister Böß läuft bekanntlich ein Disziplinar- verfahren, dessen Durchführung sich erheblich verzögert hafte. Das lag zum großen Teil daran, daß der Sachbearbeiter, Oberregie rungs. rat Tapolski, in diesem ebenso wie in allen anderen ihm über- tragenen Fällen eine Unzahl von Anzeigen nachzuprüfen hatte, die ihm zugegangen waren und die nur zmn Tell mft dem eigentliche!! Untersuchungsstoff zu tun haften. Im Falle des Oberbürgermeisters Böß, wie auch der übrigen Beamten, gegen die«in Verfahren«in- geleitet worden ist, tonnte die Untersuchung so weft gefördert wer- den, daß die Derfahren jetzt unmittelbar vor dem Ausschluß sstehem Cin der am Mittwoch stattfindenden Sitzung des Landtogsunler- suchungsausfchusses wird Oberregierungsrat Tapolski hierüber noch Einzelheiten mifteilen. Die BS.-Korrespondenz weiß noch folgendes mitzuteilen; Die Einstellung des Verfahrens gegen Oberbürgermeister Böß, von der ein Berliner Wendblatt sprach, komme nicht in Frage. Richtig sei zwar, daß im Rathaus interfrotttonelle Verhandlungen staftgefunden hätten, mit dem Ziel, ein gütliches U e b e r e i n k o m m en mit dem Oberbürgermeister zu treffen. Bog selbst habe mehrmals er- klärt, daß er bereit sei, aus den, Amt zu scheiden, wenn ihm sein- zustehende Pension in vollem Umfange gewährt würde. Aus diesem Grunde hätte jetoch ein Llbkommcn mit Oberbürgermeister Böß nicht getätigt werden können Ein SNarek-prozeß aufgehoben. Vor dem Amtegericht Berlin-MItte stand jetzt«in Beleiidigungs- prozeß zur Verhandlung an. in dem die Beziehungen des aus der Sozialdemokratie ausgeschlossenen Bürgermeisters Schneider zu den Sklareks erörtert werden sollten. Schneider hatte gegen den Redakteur Gatmann von der„Welt am Abend" Beleidigungsklage erhoben. Dieser Termin stand heute an. Der Verteidiger Hatte Anträge zum Wahrheitsbeweis gestellt und u. a. die Ladung von Willi Sklarek und Staatsanwaltschaftsrat W-ihenberger beantragt. Auf diese Anträge hin wurde vom Amtsgericht der Termin auf- gehoben, und zwar mit der Begründnng, daß das Straf- und Diszlpstnarverfahren gegen Schneider erst abgewartet werden müßte Gegen diesen Beschluß hat Rechtsanwalt Dr. Frey Beschwerde eingelegt.. ver Komp! gegen den Ablrelbuagsparagraphen. Im Rsbm-n eines Sonderabend? der Deutschen Liga für M«ni««u, eckte am Donnerstag, dem.16. Januar, 20 Ilfir. im ReichZwirsschaitZrat, Bellevncsirake lZ, Plenailaal. werden Dr. Älsrcd Ildftl, Dr. Max Hudann, Rudolf Qldcn. die ReickttagSabgeardnete Adele Schreiber-Ärieger, sowie Gcbennrat Prof. Julius Wolf und. Dr. Robart Kuczhnsr, zu diesem Tbema sprechen. Gäste gegen Zahlung des llnloftenbeiftages herzlich willkomme». Mittwoch 15. Januar 1930 Unterhaltung unö AAjssen Beilage des Vorwärts Brich 3i.Schmidl: 3)ie ffilUtsbrÜdW Schluß.1 Nicht der Tod, Wallenstein trennt diesen Bund. Wallenstein, der schon zu seinen Lebzeiten so' viel Verhängnis schuf. Eines Tages beschließt Franz, die Trilogie in seinem Garten aufzuführen, an einem Abend, also gekürzt, stark gekürzt. Schon wird das Terrain sondiert, der Direktor-Vater gibt seine Einwilligung, die Laube am Ende des tiefsten Gartens eignet sich oortreflich zu einer Bühne. Auch hinter Peters chaufe zieht sich ein weites Gelände hin, doch es ist verwahrlost, ein hoher Zaun schließt es, wie Franzens Garten, ain Ende ein, und es böte wenig Reize, hätte Peter im Winkel dieses Zaunes nicht eine verschlissene Regen- plane zu einem Indianerzelt gerundet, wo er, lesend und spielend, oi�e Stunden seiner freien Zeit verbringt. Ein Zwischengrund- stück trennt die beiden Freunde, aber wenn sie oben auf dem Zaun- rand sitzen, können sie einander sehen, winken, mit gewaltiger Stimme wohl auch ein paar Worte zuschreien. Die Verteilung der Rollen schafft den Konflikt. Obwohl der Schillersche Personenreichtum von Tag zu Tag einschrumpft—, Wallenstein selbst und Max Piccolomini lasten sich nicht tilgen. Franz bestimmt diktatorisch: „Du nimmst den Wallenstein, den Piccolomini ickj.* So nachgiebig Peter sonst ist, der Wallenstein scheint ihm zu alt, vor allem aber die Rolle zu groß, und da Franz wie er die Mühe des Studiums scheut, ergibt sich der Bruch unaufhaltsam. Vergessen ist die heimliche Waldszene, der Bluttrunk, das ewige Bündnis. Franz sagt: „Du spielst den Wallenstein also nickst? Dein letztes Wort?� Peter schüttelt den Kopf. „Gut, dann übernimmt ihn der Kloßtnannk" Sie gehen auseinander wie Fremde. Sie marschieren des Morgens getrennt in die Schul«, Franz vermißt den wohlocrtrauten Pfiff, aber er ist von seinen künstle- rischen Pflichten zu stark erfüllt, um sehr darunter zu leiden. Peter, als den Sanfteren, schmerzt der Eigensinn des Freundes viel mehr, ober fein Stolz verhindert, daß er sich beugt. Des Mittags, vor dem Schultor, erwartet keiner den anderen, und Peter hört des dicken Kloßmanns Stimme: „Seid ihr böse miteinander? Also mit meinem Dollenstein bin ich bald fertig!" „Wie leicht findet auch Blutsfreundschast einen Ersatz", grübelt Peter mit einem Anflug von Bitternis,„aber daß er gerade an dem dicken Kloßmann Gefallen findet?" So rückt der Nachmittag des schulfreien Sonnabend heran, und mtt ihm die Aufführung„Wallensteins", verödet dehnt sich das Feld hinter Peters Haus«, moderig scheint ihm die Luft in seinem In- dianerzelt, die Augen irren über„Winnetous" edles Geschick, ohne daß er Sinn und Inhalt des Ganzen erfaßt. Stimmen von fern, erregte Knabenstimmen, Peter erklettert den Zaun, um gleichgültig über die Kartoffelfelder zu schauen, die sich dahinter bis zu-verschwinimenden Berghöhen dehnen, ein. Vogel- Woarrn taucht tief" Mein, Gezwitscher aus hundert Kehlen," ckttd schwingt sich zu rauschendem Fluge erneut in die Lüfte.* Peter wischt mit dem Taschentuch über sein geschrammtes Knie, der Schmerz tut ihm wohl, er verdrängt das andere Schmerzgefühl in seiner Brust. Die Augen, starr geradeaus gerichtet, rebellieren im Kopfe, sie drehen sich linkswärts. sie wollen von fern einen Schimmer des Festes erhaschen. Eine Fahne zipfelt über des Freundes Laubendach. Kulissen streben empor, weiß« Leinwand ist zwischen Zaun und Laube gespannt, und unter deck Bäumen leuchtet e» bunt: Girlanden und Lampions hängen schon an kreuzweis ge- spannten Schnüren. Ein grünlicher Schein flattert bläßlich durch das Tageslicht: man probt Magnesiumkerzen. Und nun Franzens Kommandostimms: „Hierher die Stühle. In zwanzig Reihen vor die Bühne? Nein, hinter der Leinwand habt ihr nichts zu suchen, das ist Theklas Garderobe!" Thekla aber heißt im Alltag Marion, hat blaue Augen mtt un- endlichen Wimpern, die Tochter eines Bergrats, der Schwärm oller von dreizehn bis siebzehn, die einen werden straffer, wenn sie Marion sehen, die anderen fühlen ihre Knie nicht mehr. In diesem Augen- bück verwünscht Peter seinen Widerstand, er würde auf alle Rollen verzichten, man könnte ihm den Souffleur anbieten, ja, er denkt daran, demütig vor Franzens Tor zu gehen, Einlaß zu erbitten, um Marion nahe zu fein. Aber wenn er sich vorstellt, daß der hoch- mutige Diener aus sein Klingeln erscheint, daß er den langen Garten- gang durchwandern muß, wo alle ihm fragend entgegen sehen, daß , Franz die hellen Augenbrauen wölben und sagen könnte: „Nein, danke, wir sind mit Gästen ebenso wie mit Statisten reichlich versehen." Peter ballt die Fäuste.„Lieber auf der Stelle tot hinfallen". sagt er laut und rutscht vom Zaun herunter. Er holt Pfeil und Bogen aus dem Zell hervor und beginnt zu schießen, ober er zielt nicht auf die gemalle Scheibe an der Zaunwond, er durchlöchert sein geliebtes Zell, obwohl er nie ein anderes besitzen wird, es wird ihn nicht mehr vor Wind und Regen schützen wie bisher, doch es treibt ihn, irgend etwas, das ihm wertvoll ist, zu zerstören. Wenn er die Pfeile aus der geteerten Leinwand zieht, muß er lachen, als wäre es komisch, daß nun das Tageslicht durch viele Löcher dringt, schon hängen Fetzen herab, so groß, daß er die Fäuste hineinstoßen kann, aber seine heftigen Gefühle machen ihn die Umwell vergessen. er hört keine Stimmen mehr auf den Nachbargrundstückcn in weiter Runde, sein innerer Tumult übertönt den Lärm einer Welt. Er wird heiß und rot, die Ohren glühen, schwirrend gleiten die Pfeile von der Bogensehne, er rennt zum Zelt und reißt sie heraus, er spürt Aufftachelung und Besänftigung zugleich, wenn die spröde, graue Leinwand an immer neuen Stellen birst. Es dämmert, die Wolken färben sich rot, ein bunter Schimmer von Lampions scheint die Welt zu erhellen. Peter hört, wie man vom fernen Hause her seinen Namen ruft, es ist der Stiefmutter Stimme, die zum Abendbrot mahnt, dach Peter mag an diesem Tage nichts mehr essen, die Kehle scheint ihin verengt, er würde an jedem Bissen würgen. Cr mag keine Augen in ehr sehen, er wird in tiefer Dunkelheit erst heimkehren, Schelle und Prügel wortlos in Empfang nehmen und Trost in den Kissen suchen. Nun wird es schon finsterp Stern« erglimmen und Ratten schleichen über das Feld, hinter dem Zaun beginnt es in den Kar. toffelstauden zu wispern. Es hat keinen Zweck, nach wintere Pfeile in d'e Äeltnwr'*"j fchi-'�en mo'- kann kav-> e->> n-ie gut sie trei'-n, aun findet sie nicht mehr, wenn feh'aehen. Peter setzt sich unter die zurückgeschlagene Tür des zerschossenen Z-ltes.« ficht d« Sterne« de? Löchern glmmie«. Ewe Klingel schrillt durch die Nacht, die Borstellung beginnt! Peters Phantasie zeigt ihm die Darsteller, wie sie erregt aus der Garderobe eilen, Windlichter werfen einen flackernden Schein über die zehn Stuhl- reihen, wo seine Kameraden, chre Väter und Mütter sitzen, der Direktor reibt überlegen sein glattrasiertes Kinn, und Franzens zarte Mutter sieht gespannt dem Erscheinen Max Piccolominis entgegen. Peter könnte über den Zaun vettern, hinter die Laube schleichen und durch die Ritzen spähen, vielleicht sähe er sogar nach Thekla in ihrer Leinwandgarderobe, wie sie sich umzieht oder die Perücke auf- setzt. Aber er fühlt sich zu allem zu schwach, der Ausbruch seiner Zerstörungssucht hat ihn apathisch gemacht, er will hier ruhig sitzen, bis die Darstellung zu Ende ist, die Lichter verlöschen, die Stimmen verhallen. Peter fühlt« sich früh einsam in der Welt, er Halle die Eltern verlören, che er bewußt ward, doch an diesem Abend entsank ihm zum ersten Male ein fester Besitz, Franzens Freundschaft, er gesteht sich nun ein, daß er von Tag zu' Tag gewartet hatte, Franz werde ihn rufen, er selbst konnte sich nicht aufdrängen, weil er der Emp- fangende, nicht der Gebende war. Er erkennt, daß die Menschen hart sind, wenn man ihnen widerstrebt, was sind alle Bündnisse, scierlichc Zeremonien wert, welche Torheit, Blutssreundschaft zu schließen,«in paar rote Trapsen ans einem Becher zu schlucken, nach einigen Tagen ist alles vergessen. Da— nun ertönt des dicken Kloßmanns künstlicher Baß durch die Stille. Mau findet im Augenblick einen Ersatz, morgen viel- leicht werden er und Franz an der Quelle den Becher feierlich leeren. Gedanken, die sprunghaft und uuttar Peters Hirn durchziehen. Er schlingt die Hände um sein verschärftes Knie, ihm wird kühl, doch er vermag sich nicht zu erheben. Aus den fernen Fenstern sieht er fnedliche Lichter. bis in die dunkle Stille schimmern, die ihn umgibt. Mit grünen Leuchtaugen schleicht in der Nähe eine Katze vor- über, Peter lockt sie leise, er möchte ihr Fell streicheln, um etwas Lebendiges zu fühlen, doch das Tier flieht, als es den einsame» Knaben bemerkt., Es beginnt die Nacht, die Sterne drehen sich in silbernen Boden. ein kühler Wind überstreicht das Gelände, das dunkle Zelt und Peter, der auf den beschließenden Beifall ini Nachbargarten wartet, erleb SCerrmann: 3)er ffirief an den Maifer Wir v-iötfcntlich«« hier»iue»«bschnitt«ms htm in aflrge im „B S ch« r i r e i s" crscheincndcn Zimnon„B o r h e r— fietnadi" nun Lricki Hertmann.• Der Alle hielt inne und sah bei gebeugtem Kopse von unten her aus Andreas. Doch der hatte nicht mehr hingehört. „Dann gib schon her!" sagte Andreas entschlossen,„wenn es nickst nützt, schaden kann es nicht." Iaschu Gonschoreckq atmete auf, bracht« aus der Allerwells- tasche seines Pelzes die Tintenflasche, einen Federhalter und ein paar Federn zum Boischein. Dann rückte er den weißgescheuerten Schemel, den er mit noch der Wies« gebrocht hatte, heran, rollte den gelben Bogen aus dem Packpapier und bettelte:„Nun fang aber bald an und gib dir rechte Mühe. Mach' keinen Klecks und keinen Fettfleck, sonst kriegen wir den Brief wieder zurück." Andreas setzte ssch an den Schemel und machte sich fertig. „lind?" fragte er. „Spritz' lieber erst eimnal die Feder aus, Andreas, ich bttt' dich! So ein Tintenklecks läuft ganz unversehens aus der spitzigen Feder. Man weiß nie, woher er kommt. Ans einmal ist er da. Fang auch lieber mit dem Kuvert an." „Wie?" „Schreib: An den mächtigen Kaiser von Deutschland... Nein... Zum Grafen muß man auch gnädiger Herr sagen... Schreib lieber: An den gnädigen Herrn Kaiser von Deutschland.. „Man inüß doch den Namen wenigstens dazu schreiben." Iaschu Gonschoreckp' kratzte fich auf dem Kopf und stotterte kläglich:„Ich herb' es immer gewußt wir brwgen den Brief nicht zusamNien. Wie soll man den Namen wissen?" „Wilhelm der Zweite. Das mußt du doch wissen!" „Weißt du das bestimmt, Andreas?" „Lehrer Ernst Seeliger hat es doch gesagt." „Wenn wir an den falschen Kaiser schreiben, wird der unge- mutlich und schreibt uns, daß ihn Worowo gar nichts angeht, wenn er uns nicht sogar eins mtt der Peitsch« über den Buckel brennt, wie es in der vergangenen Woche der Graf mit dem Arbeiter Valentin gemacht hat." „Es ist schon richtig. Wilhelm der Zweite!" ..Schreib' lieber: An den sehr gnädigen Herrn Kaiser Wilhelm den Zweiten von Deutschland in Berlin. Mach' die Zwei recht groß, daß keine Verwechslung vorkommt... Um Gotteswillen!... Du machst ja bloß zwei dicke Striche. Die Zwei hat doch einen Ringel und einen Schwanz� „Das wird so geschrieben." Iaschu nahm erschreckt die Pudelmütze von dem struppigen Haar und kratzte sich lang«. Dann stöhnte er:„Wenn das bloß gut geht!" „Weiter!" „Nicht so schnell! Schwierig« Sachen müssen lange überlegt werden. Einen Brief an den Kaiser kann man nicht so rasch aus dem Aermel schütteln." „Du host doch viele Jahre darüber nachgedacht." Der All« machte ein ganz llägliches Gesicht. „Ich Hab' mir das nickst so schwer gedacht", gestand er ein. „Sieh, Andreas,«in Haus wird auch nicht auf einmal neu eingedeckt. Man flickt jedes Jahr ein Stück. Wollen wir nicht heut« auf- hören und morgen«in paar Sätze wetter schreiben? Man soll eine Sache weder übertreiben noch überstürzen." „Jetzt bin ich am Schreiben und bring' den Brief zu End«. Du hast immer gesagt, es sei die höchste Zeit, um Worowo zu helfen. Also...?" „Wenn's sein muß... Schreib: Lieber mutiger und gerechter Kaiser!... Bist du so wett?... Nun weiter: Zwei arme Worowoer, ein alter und ein junger... Mach' bloß keinen Klecks?... Ich steh' eine richtige?lngst aus, Andreas! Die Feder ist zu spitz!... Mach' auch ein Komma und«inen Punkt hinein. Lieber einen zuviel als einen zu wenig. Er denkt sonst, wir gehören schon zu den Pollacken, und dabei wohnen wir bloß an der Grenze..." „... ein alter und ein junger... Weiter!" „Spitzen auf der Wiese beim Gänsehüten und wissen sich keinen Rat mehr über Worowo... Schreib Worowo ganz groß und mach einen Strich darunter! Worowo ist dos Allerwichtigste..." „Und?" „Denn es werden immer mehr Menschen und immer weniger Lond... Du, Andreas, wir müssen erst einmal zählen, wieviel Menschen in Worowo sind. Es itt besser, wir machen alles genau. Wir können ja die noch mirrechi'.en, die bis Michaeli geboren wer- den... Watt mal!... Iaschu rechnete an den Fingern. In Gedanken ging er die Dorf- straße entlang und zählte die Anwesenden und die Sachsengänger jedes Hauses zusammen. Endlich kam er zu Rande. JSs sind einhundertackstundfünfzigl Kannst du so große Zahlen richtig schreiben?" ..Ig" „Dann schreib: In ganz lammerlichen Hundehutten wohnen im Winter einhundettachtundfünszig Mensche« auseinander, weil der gnädige Herr(Staf imfer Land frißt... Es P besser, wir schreibe« „gnädiger Herr Gras": denn wenn der Kaiser etwa dem Grqfen den Brief zeigt... Wir wollen auch nicht schreiben, daß er unser Land gestohlen hat. Wir sagen lieber, daß er unser Land frißt. Der Kaiser wird sich das Richtige schon denken können." „Soll das alles Einleitung sein?" „Was?", „Lehrer Seeliger sagt immer in der Schule, wir sollen die Ein- leitung nicht zu long machen, sondern rasch zur Sache kommen." „Ist dir dos Schreiben schon zuviel?", „Nein!" „Dami wisch lieber einmal die Feder cm meinem Aermel ab. Es muß schon allerhand dran sein... Wenn nur kein Klecks bis zum Schlüsse auf das schöne Papier kommt!... Schreib: Er frißt dos Lond, was die Worowoer Bauern einmal gehabt haben und das sie im Schweiße ihres Angesichts umgepflügt und bestellt haben und aus dem jetzt wieder Wald wächst, weil der gnädige Herr Graf Wild- schweinc imd Hirsche und Rehe zur Jagd braucht und... und... und..." .-Nicht so schnell. Iaschu!" „Ich bin jetzt gerade im Zuge!!.. Du!... Bon den.Hasen und Karnickeln schreiben wir nichts. Die kann der Graf ssch ruhig halten, dentt die fangen wir schon weg. Wo sollen wir sonst unseren Sonntagsbraten herbekommen?... Bist du soweit?" ' üSa!"--.....' „Und die.fressen uns die ganze Saas und die Kartasjeln auf und wir kriegen nichts' dafür. Und"die vielen" Kinder müssen in die Fremde gehen, wo sie bloß schlecht werden und hochmütig, weil sie silberne Uhren auf zwölf Rubinen in der Westentasche tragen, und manche kommen nicht mehr wieder: denn was sollen sie ip Worowo, wo es kein Land mehr gibt und der gnädige Herr Graf alle Jahre eine Wittschaft nach der anderen aufkauft und den Bauern weg- nimmt." „Langsamer!" „Ich muß mtt den Pelz ausziehen, so schwitze ich", gestand Iaschu, der sonst in der größten Sommerhitze auf der Wiese in: Pelze sah.„Ich hätte nickst geglaubt, daß ein Brief an cincm Kaiser so schwer ist. Schwitzt du noch nicht?... Wann der Gras wußte. was wir über ihn schreiben!... Hehchehehe!... Aber wir dürfen uns nicht fürchten. Wir müssen alles dem Kaiser sagen!... Tauch bloß nicht zu tief in die Tinte, Andreas. So eine Tinte ist gefährlicher als der dickste Sumps. Bist du erst mit einem Beine drinn, dann kommst du nicht mehr heraus." „Sag weiter!" „Sie müßten dem gnädigen Herrn Grafen dos Land wieder ab- nehmen und den Bauen: geben, und zwar recht bald, sonst ist der letzte Worowoer hier weggezogen und dann ist alles zu spät. Gerechtigkeit muß sein. Wenn Sie es nicht glauben, dann kommen Sie einmal zu Besuch... Du bist schau auf der neuen Seite?... Andreas, das wird eine feine Sache. Da wird der Kaiser'Augen machen. Zwei Setten!... „Nun kann's weitergehen!" „Wenn Sie uns besuchen kommen, werden wir Ihnen ollts zeigen, wo früher das Bauernland war und wo jetzt der Wold steht und wie uns die Bäume auf den Hals kommen. Sie können mtt der Bahn fahren, wenn es auch einen großen Klecks Geld kostet... Dann muß man zu Fuß lausen, aber Sie werden ja lieber retten... Kommen Sie am besten im Winter, dann sind die Sochsengänger da. Die haben den Mund auf her rechten Stelle und die können was erzählen... Bist du soweit?" '„Gleich!" .-Ich glaube, jetzt ist es genug. Ob ich noch von mir schreib«, dumtt ich auch eine Wirtschaft knege, wenn er kommt?"... ?lndreas, das wird eine feine Sache werden.' Paß auf, der Kaiser ist im Winter da. Ein Kaiser kann keine Ungerechtigkeit sehen. Wenn er dann sagt: I.isclni Gonscharecky, wo willst du dein Ha>>7 hiubauen und wieviel Morgen Land brauchst du noch?... Und ich sage dann: Lieber, guter, gerechter und gnädiger Kaiser, ich brauche bloß fünf Morgen und ein Häuslein mit einer Stube und einer Kammer, und er sagt, das sollst du lgaben... dann.. dann... Andreas... dannnn..." Er hielt inne. Seine Stimme erstickte ein' unterdrücktes Schluchzen. Krampfhaft versuchte er, durch Schlucken und Würgen der Erregimg Herr zu werden. Es ging schwer genug. Zuletzt fuhr er mit dem raut?» Handrücken Über die nassen Augen. „Andreas, es ist doch schön, Kaiser zu sein. Er kann helfen, wenn die Ungerechtigkett in der Welt ist und die armen Leui« niemand haben, der ihnen hilft..." „Was fall ich denn zum Schlüsse schreiben?" „Biesx demütig« Grüße und auf Wiedersehen... Hast du?.., Schreib?.. Und zuletzt noch: Iaschu Gonschueckn au? Worowo!" Da« spaaijchc Talk ist entstaist.«» aus Iaeriern und Kette», Phö- nttern, Griechen, Römern, Westgoten. Daudaken, Sueoe«; aus Afrika teaea die Maure«. f i* Stull. Sdiillsr-Theater.Ciiarltb. 2ö Uhr So und so, so geht der Wind Tlgl. 2 Vonttll. 5 und S'/z ülir Barbiross» 9256. 1 Preis!)-6 M. : 5 0. 50 PL-3IL Iis Fosrar-Oiris. Cortmi, 3 Swllts I Sdmt t Ca.. Anstel i Arthur. Creeo 4 IM usw. Tägi. 5 u. 8» Sonnt. 2. 3 n. 8U Alex. 8C66 INTERNAT. VARIETE Morgen Premiere CASINQ-THEATER a",Ubr i.oihiiniter Strafe 37 Nur noch bis 22. Januar 1930 Famme Hannemann Donnerstag, den 23 Januar 1930 zum 1. Male Seine Hoheit der Bettler. Gutbcnein lür 1—4 Personen Fauteuil nur 1�5 M., Sessel 1.75 Sonstice Preiser Parkett u. RanctUiOM Ronalssance-Theotsr T�lich S'U Uhr PMESER LEBEN Operette von Orfenboctv Regle: Gustav tlartunj! Mositeallsche Leitung; Tbco Maekebeo. — w StelnnliB C 1 P90I n. 7583/B4.— KOSE -THEATER"ÄV Telgph.: Alexander 34Z2 u. WA faglfch 8U Uhr. Sonntags s.is und 9 Uhr Die Gzardagliirstln mit der weltbekannt. Musik von trapiericli Kklmkn mit TrautB Rose in dar Titalroiio Regie: Hans Kose. -i— Von ietrt ab: Sonnabend S Uhr und Sonntag 230 Uhr: Der gestiefelte Kater Vorverkauf eine Woche vorher von(l— t und W) Uhr GROSSES SCHAUSPIELHAUS b Uhr; 3 Musketiere Regia: ERIK CHARELL. A Uuuihii oaiDui- uDoek. üaitui Pr. Reichshallen-Theater Abends IJi Sonntag nadun.(U Das große lanuar-Progr.oer Stetllner-Sfinder Eltehbtstellgoin Zutnio 11 ZU Dänhotf-Brottl: Das Famlilan-Varmiö 10 kllmmgni. Rouen. Tau I 8.13(101 isnu. 2819 Banitaa erlanot Original 16 Lawranoa Tiller-Girls I Paul WuiarmBlBr. traasi A Tvoaaa alc.| VolKsbliline Tteattr am BüliivpMz. 8 Uhr Ura ufführung ApolBo. Brunnensiraßa Volksstück von CroBmann und Hessel Mijsik: Thm Mikitm. Rigte: Jürgtn fehlinj. StaatLSdiillai-Ib. KtUEOWELT< lUaim Htimmpltb Inald Sdnlz tendM 108/14 1 elitetag Grosses Bocübierlestl ta den bayr. Alpen 1 RajaM— loa Dakaafiaiüs.— 51 dyMa MaCo.| Qoonentass: ßrosses Sdiu/einBSCßiafiMfin Einlaß: Wochentags 6 Uhr. Sonntags 4 I Die Komödie II BIsmck. 241 4/7516 Täglich 8V« Uhr fom Teufel geholt von Knut Hamsun Regie Max Reinharde Kammerspiele D.I. Norden 12310 Täglich S'/t Uhr Ddslrd Komödie von Sascha Gultry. Regie: Leo Mittler. Operettenliaus Alle Jakobstr. 30/32 (Zeatral- Theater) Täglich 8V. Uhr Oer Soldat der Hflarie Sonntag nachm. 5 Uhr kleine Preise. Friederike Batöowsky-BDhnen Theater in der RSolggritaer Straße Täglich 8V» Uhr Die erste nirs. semy mit frttzi naasar« Komödianhaua Täglich CU Uhr vor LOgner uoddianonoe mit COM Gütz Karneval alt neuem Programm UM wirkend a: KAthe Lind Kistenmacher 3 KAPELLEN Tana-Spandan LOU 1 MaueretraOe rheateri. d. Behrenstr. 53-54 8'/, Uhr Dtriktton Ralph Arthor Roberts ... Vstei-zeiii.dsgögeD�tir VWM llirestlen llr. Rsrtln 2Ic»e> ß�WWW Komische Oper Enedrtchslt.li» Uvkat 1401 4330. Nach vollständigem Umbau Täglich 8»/, Uhr Hulla di Bulla Schwenk von Arnold und Becb mit OhMo Thlplscipr, Seluib. aehretb. Burg, Hildabrend Jteltar Reu. Flink. Bob nur. Wenn ISaaBtag areoiitag 4 Uhr: I Frau ohne Kussl| Lustspielhaue Friedricbstr. 256. Betzmann 2932/25. Täglichste»" Käthe He eck, Peul Heidemene Vorverkeui In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbroohen. Lessing-Töeater Norden 10846 Täglich 8 Uhr Attsre oreyius von Reh lisch und Herzo? Direktion >r. Roberl Klein Deulsches Sanstler-Theat Barbarossa 3937 Stet Uhr Jos. iwei.itei" Regie: Gustav Härtung. Hortet«ird gigikeg: Souper von Franz Molnai Sigte: ütiK Blterl Serlinei Iliealer Dönhoff 170 WS Uhr Ende II" Seltsames ZvisdiensDle WaHoer-IliBter ■■ lU.II— 4k...S—.♦wnfla 15 WjllHrthutentTsSoJS, Alex. 4592. Täglich y/i Uhr Die Krone im Rhein Volkstü ml.Ope rette Preise von 1 M. an Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. AI iahendlich 8teoU. Bona I Sulla fakenk vm tracld md tut. uistspioihaus FDedrichstr. 236- Bergmann 2922 23. Allabendlich 8te> U WiegBnliBd UstepU na lafelus Fiwter Planeiarlam »Dileg. Jtedionlkzla Stak B.S Barbarossa 557? 16'/. Uhr Dl« Winter. Sternbilder. iBte Uhr Oer Rleno: lupltar. 20'/. Uhr Merkwürdige StereeiEaoDiuZeorgei Eintritt I Mark. Kinder 50 PL Mittwochs halbe Kassenpreise. Metropol-Tti. 8te« Uhr Das Land des Lftcbelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehär. Kleines Tbeat. Merkur 1624 Täglich NA Übt Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustsp v. Leo Lenz i Am Freitag, dem 16. Januar früh 5 Uhr, verschied in einem Sanatorium im Schwerz wüd, wo er Erholung suchte,-ach langem, schwerem Leiden mein inniggeliebter, herzensguter Mann, der Direktor Oskar Keiser Diez zeigt tlefbetrflbt an Fms Abm Kclser, geb. Waller. Bln.-Treptow. Am Treptower Pirk 50. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 16 Januar, nachm. 39, Uhr, auf dem Emmaus- Friedhof, Neukölln, HermannstraSe 130, statt Um stille Teilnahme wird gebeten Von Beileidsbesuchen bitte Abstand nehmen zu wollen Berliner|| IH-TrlO NaukOtln. W labaifr. 74/78 1 ohne Anzahlung 24 Monahrafcn Speise-.schlaf- und Herrenzimmer Einzel- und Polstermöbel, Küchen in großer Auswahl Am 10. Januar verschied nach schwerem Leiden dos Mitglied unserer Geschäftslei tun g, Harr Direktor Oskar Keiser kurze Zeit vor seinem SO. BerafsjabüBum. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen Mann von treuester Pflichterfüllung und vorbildlioher Gewissen- haftigkeit dessen Name mit dem An- schlagweeen in Berlin dauernd verbunden sein wird. „BERCK" Berliner Anschlag- and Reklame wesen G.m.b.H. Der aalsldiUraL Die eeMUUUieUniiiZ. Gegründet auf Veranlassung des Gesamtbetriebsrais d. Magistrats.ßerlin. nur Breitestr. 7 Es ist erschienen: Oer sozialdemokratische AbreiSkalender1930 in Kupfertiefdruck hergestellt T68-i>eiten stark. Er bringt historisdie Daten aas der Ar- lieiterbewegung�stronomisdie Angaben(Sonnenauf-u.-unter- cange. Mondphasen, Planeten- .•ewegung usw.). Gute Bilder leben den Nadiruf. Am 10. Januar verstarb nach einem arbeitereichen Leben unser hoohver- obrter Chef, Herr Direktor Oskar Keiser im TL Lebensjahr. Wir gedenken des Verstorbenen als eines jederzeit gerechten Vorgesetzten, dessen nnermüdlicber Arbeitseifer uns immer ein Vorbild bleiben wird. Bas Penenm aer mBEUHT ' Berliner Anscblag- fand Reklamewcsen Gan-b.H. bei i Kalender, so daß JUEQSENS er in jedem HaushalL in jedem Büro eine Zierde darstellt Der Kalender kostet 2- RAA. Zu beziehen durch dieBotenfrauen und Ausgabestellen des.Vorwärts".so wiedirekt vom Verlag Alaxandarplatz Neu» K6nIc8tr.4L3 Lest den r. 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Die B r ü d e r L t n d e m a n n haben die OessenUichkeit wieder- holt beschäftigt. Sie waren Inhaber der 1326 in Konkurz geratenen Vanksirma Merz u. Co. in der Behrenstroße. Karl Lindemann hat bereits einmal«inen ähnlichen Betrugxprozeß gehabt, bei dem es sich um die Kurstreibereien rnii den Lindcar-Automobll-Aktlen handelte, und er ist dann auch vom Gericht wegen Betruges ver- urteilt worden. In Erinnerung dürfte noch die große Sprit- fchmuggeloffäre mit der S p r i t s chm u gg el ja ch t„Inge" sein, die durch das Bankhaus Merz u. Co., also durch Karl Lindemann und seine Brüder, finanziert wurde. Dieses Strafverfahren schwebt noch, da lange Derhandwngen über die Hohe der hinterzogenen Spritmengeu seitens der Finanzbehörden erst zum Abschluß gebracht werden müssen, ehe der Strafprozeß zu End« geführt werden kann. Bei dem jetzigen Prozeß handelt es sich um ine Aktien der Brondenburgischen Holzindustrie A.-G.. deren Hauptaktionär Karl Lindemann war. Er und seine Brüder bildeten ursprünglich den Aufsichtsrat. infolge der Aufdeckung der Sprit- schmuggelassäre hielten sie es aber für rotsam, auszuscheiden, und es wurden nur» Personen in den Aufsichtsrat gewählt, die Karl Lindemann sich selbst ausgesucht hatte. An die Spitze des Auisichts- rats stellte er den Rechtsanwalt und Notar Dr. Freiherr v. Lüdinghausen, genannt Wolfs, stellvertretender Vorsitzender wurde der Angeklagte Frost, der gleichzeitig Vorstand der Ge° ichästsfinanzierungs°A.-G. war, die bei den späteren Börsen. Manövern«in« wesentliche Rolle spielte. Zum Vorstand der Bron- henburMschen Holzindustrie-A.-G. wurde Witz gewählt-, dieser hatte bereits mit Gustav Lindemann in Dortmund ein Eisenwarengeschäft betneben, das aber in Konkurs geraten war. Die Gesellschaft hotte nach Veräußerung ihres Fabrikgeländes, dos in den Bilanzen über SO Proz. der Aktiva ausmacht«, die hauptsächlichsten Vermögenswerte verloren. Für die Aktien der BHJ. bestand an der Börse kein Interesse. Karl Lindcmann ließ aber durch seinen Bruder Gustav, der wiederum eine Reihe von Mittelspersonen in Be- wegung setzte. umfangreiche Akttenkäufe und-Verkäufe vornehmen, um aus diese Weise die Kurse in die Höhe zu treiben. Mit Hilfe dieser Börsemnanöver soll Karl Lindemann über eine Million Mark verdient haben. Ueber den Verbleib des Geldes hat sich bisher kerne Aufklärung finden lasten Die Anklage vermutet, daß Karl Lindemaim die Gelder ins Ausland verschoben hat. Ende Oktober stürzte der Kurz der Aktien plötzlich in wentgen Stunden von 20v auf% Proz. Bei diesen Börseinnanöpern spielte auch der Erwerb der Braunkohlengawerkschast Gülitzer Gruben, die vollkommen wertlos sein sollen, cm« gewiss« Rolle. Vors.- Es wird behauptet, daß die Mitglied«: des Aussichtsrats Puppen waren, die Sie beliebig geschoben haben? Li n bemann: Sie haben ihr Amt angenommen und den Posten vertretcn. Vors.: Ein Aufsichterat Hot erklärt, daß er sem« Wahl erst au» der Zeitung erfahren Hobe. Es soll ihm auch gesagt worden sein:„Sie brauchen sich um nichts zu küinmetn." Angeklagter Lind« mann: Sie nahmen doch an den Sitzungen teil. Vors.: Damit, daß die Herren gewählt waren und an den Sitzungen teilnahmen, ist doch noch nichts getan. Daren sie auch in die Geschäfte eingeweiht? Angekl.: Sicherlich. Vors.(zum Angeklagten Witz): Waren Sie ein wirk sicher Leiter und über die Geschäft« unterrichtet? W i tz: Es ist wohl auch mit mir mal über die Verhandlungen gesprochen worden. Karl Lindemann war ja der Hauptaktionär und wußte olles besser. Vors.: Sie haben früher gesagt, daß Sie. obwohl Sie Vorstand waren, in die Geschäfte nicht Ängewecht wurden und nur unvollkommene Vorstellung davon hatten. Der Ai:g«klogte Frost war Leiter einer Geschästssinanzierungsgesellschaft, bezeichnet sich aber als gelernten Holzhändler. Mit ihm war Karl Lindemann im Februar 1928 tn Verbindung getreten. Seine Finanzieruirgsgesell- schost wurde auch bei den Attienankäusen als Deckmantel verwendet. Der Angeklagte Karl Lindemann behauptete trotz eindringlicher Vorhalte, daß er kein Geld besitz«. Vors.: Haben Sie nicht Bar- mittel hinter sich? Angekl.: Nein, mir ist nichts übrig ge- blieben. Ich hatte aber alles, was ich hatte, nt die Sache hinein gesteckt. Amtsgerichtsrat K« ß n« r: In der Gläubigerversammlvng der DHI. haben Sie sich aber doch erboten. eine Million Work bar zu zahlen. wenn man sich mit Ihnen einigen würde? Angekl.: Ja, aber in Aktien der Holzindustrie-A.-G. R o r s: Wenn Sie mtt einem so lächerlichen Angebot gekommen waren, hätte man Sie doch hinaus- geworfen. Sie wisten doch, daß die Staatsonwalrichpft sich d»n Kopf zerbrochen hat, wo das Geld geblieben ist. Der Nachweis ist bisher nicht erbracht worden, wohl aber steht es ftft, tvß niel Geld verloren worden ist. Angekl.: Ich bestreite, daß ich eine Million in bor angeboten habe. Vors.: Der Mitinl�ber der Bonksirma Hermann Richter, die auch geschädigt worden ist. hat nachträglich beim Gericht Anzeige erstattet, daß Sie in der Gläubigcroersamm- lung eine Million Mark in bar zum Vergleich angehpten haben. Wie wollen Sie die Kurssteigerungen innerlich rechtfertigen? Die Gesellschaft waren Sic doch selbst und Sie hatten genaue Kenntnis von den Verhältnissen, so daß Sie wußten, daß diese enorme Kurssteigerung ganz unberechtigt war. A.n g e t l.: Die Papiere waren gar nicht wertlos, denn di« FinanzierungSgefsllfchaft wollte doch 700000 M geben. Vors.: Das war ia auch nur ein Manöver. Hallen Sie dann also den Kurs von 2ZS für gerechtfertigt? Angekl.: Das kann ich jetzt nicht sagen. Der Angeklagte Gustav Linittmonn bestritt, daß er auf Anweisung seiner Brüder gekaust habe. Er hat in Dortmund gehört, daß diese die gesamten Aktien. aufkaufen wollten. Dez halb habe er auch etwas verdienen wollen und Geschäftes round« und Bekannte veranlaßt, zu kaufen. Di« Verhandlung wird heute fortgesetzt. Allgemeine Wetterlage. 14.i]�433C).adÄs. iMß O wolltenloiO heiter. 3 heib bedeckt ®v«ndg,# bedeckteRqjenaCraupeln «S*nee.ENte�(Wr«®Wn�5k Mit der Sturmdepression, die am Sonntag und Montag von Irland übbr die Nordsee und die westliche Ostsee zog, erreichte die Zytlonentätigteif über dem Atlantischen Ozean ihren vorläufigen Abschluß. Am Dienstag fanden sich über dem Meere nur gerinzc Druckgegensätze. Ueber den Mittelmeerländern und dem Balkan lagerte ein Hochdruckgebiet, das über Frankreich warme Luft nach Norden schasste. Diese Warmlust überflutete auch den größten Teil von Deutschland und Dänemark. Im deutschen Flachlande wurden meist 10 Grad überschritten. Stellenweise erreichte das Thermo- meter sogar 14 Grad. Die B-rgzipscl bis über die Höhe der Schneekoppe hinaus hatten Tauwetter bekommen. Ueber England trifft die warme Luft auf lalle nördlichen Ursprungs. Es scheinen sich dort Störungen zu bilden, auf deren Rückseite diese Kallluft jedoch erst allmählich wieder nach Süden zu au Raum gewinnen dürfte. � Wckterausiichten für Verlin und weitere Umgebung: Wolkig Mid sehr mild, südwestliche Wnde. Allgemeine Welleraussichteu für Deutschland: Im Nordwesten d« Rerches im Laute des Tages Abkühlung_mU Regenschauern. sonst Fortdauer des sehr milden Welters ohne stärkere Niederschläge, auch m Ostpreußen Ansteigen der Temperaturen. CtafenhungcB fix 61 «erlin 39<8. liefe Satrtt sind Sinde» Krabe a. parieinachrichten ffSn für Groß-Berlin ftet» au bat«atirftfchetatiai S. Sot, Z Trennen rechts. ,» richten 7. Nteie aharlnttenbnrq. Heute. Mittilwch. 15. Januar, IS Zlkir.-ätfcirac der Be-lrlsvcrordneten im Ziarhaus. Tribitnenkarten fitih beim iScneffm a.-aelinsN zu er»alten. 1Z. fttett Teirneteof. Tonncevtaq, l«. Januar, rmtilen oll« Senalien sonne Tclanntt Ihr« Sinder vrm Turne» nach der neu errichteten Sincherabiel. limtt der tfESSB. in Temn-Nios. Üllarichschuie, schicken. SestiniM der Turn- I-unbe um 17 Uhr.— Mnnta«. 30. Januar, u-n 20 Uhr, hei Pomme- rensnfl. Temnelbos, Berliner Str. 100. Bersammiunz aller SPT>..strei. denicrgeanssen. heule, Wttwoch. Id. Januar. 13.»tbi. 19Vj Uhr Ritglletirnersammlung in der Schulaula DaldensersiraKc. Reumahlen. 3L Abt. Die SMttksfBhcct Seten ob beute Hanh,«tiel skr die Abteilung»- ueriajnmluno von doIMchn'dt. Ltvlniich« Str. 00, ab. 07. Abt. Iharlottaubura. 30 Uhr llunttianärnhuns bei Schirny. Srurnme Sirak« 02.. bl. Abt. Bitdungskrei» jünger« lüartcige.nossen! 20 Uhr in> Laias Slabi. Sandiernsir. w— Ol, Arbeitagcmcinschatt: �Daa Sommunistischc Mamsesi" itzort sehun«'!. K. Ate, XenUUn. Die Bezirke M, S5, SS neran statten am Sonntag, 19. Jenrar,«in« Belichtiairna be» Deutschen Arbeiter-Schntzniuseum». Treffnunl: 10 Uhr u.?ohnhof Nculölln. Daihaus. Znteresliert« Miiglieder der übrigen Scjirte können daran teilnehmen.— Tür die Isuniilanüre der Beeirke«2. 03. 7» findet am Tonnereiaa. 1». Jannar, um 20 Uhr, ein» Nichtige guntünnärflbmig im Lokal Simon, B-rtelodorsec Str. z. statt. Morgen. Donnerstag. 1ö. Januar. e. Abt. l»',: Uhr bei Dobrohlam, SwinemUnder Str. 11, Funktionärgtzung. Sehr wlchtiae Tag-eorbnun«. ZU Abt. 20 Uhr in der KekchäfisNelle, U'rcchicr Sir. 2l, Slfeunfl sämtlicher SreiÄaqodelezierten und der Zuntt'anäre. Z2. Abt. 20 Uhr bei Srvmnhardi, PauI-Singer.SIr. 49, Borstand»I>buno. Pünktlich erscheine». Tharlattenbnea. 03. Abt. 2» Uhr nnnltlich bei inz, Hnttenfte. 2e. Zsunktionär- sieung. Alle-euoewähUen?ahialxndluntt>raäri sowie die biohetigen neu» Abteilnnaevorftaudomiiolieder müssen best-mmt ericheinen. Stcllune. nähme»ur«entrahl.— i3. Abt. Sennabeu». 23, Sannor, findet im Lokal Last ein Surter Abend stell. Jeder ckemosse mnb sich diesen Abend für b'ese«eranstaUnnq irelhaUen. chi»teittOk»te«n find bereit» bei allen Annitiäneren eihäftlich. Araueaveraastalluagea. 5. Rrei» Stiebritfehain. Der flutfuj über, ötraftechtsrefotm", Neieventin Dr. Tora Tabian. findet nmständebalber erst am Donnerstag, SO. Januar, ilatt. Lokal wird noch betanntgegeben. 19. Sie!» Pankow. Sonnabend. 18. Januar. Bestchügung de» Gesundheit»- haute» Pankow, Gtunowstrasse. Treffnunki IS!-, jthr direkt im Gesund- Heitechau». 198. Ate. Nknenick.»reitag. 17. Jaauat. ISll Uhr, Im kleinen Saal de» Stadttheaters:»Di« Trau in der Dichtung", ernste und heitere Siezita- tionen der(Beroflin fftiebel Holl. IM. Abt. Aeiaicken darf Ost. Lonnern'aa. lS. Januar, strauenabend. Aeuwahl der Leitung. Arbeitsgemeinschaft der Siadersrenade Groß-Serlia. «nuone Landebe-aee Psa», Attttno«. 13. Januar: Tote und Iungialten 18-20 Uhr in de, Turnhalle Di'itelmeverstr. d-e. Donnerstag. IS. Januar: Jung- und Restsalllen IS—Ä» Uhr im Hefen Basteln, istettag, 17. Januar: Tot» und Zungsaliien 18�-20 Uhr im Selm Aefnrechung der illahrt und Gemein- schakteieier de« Ermve. Sonnabend, 18. Januar: tzall-nsahrt nach Tiefcnsee. rpst-n IL» M. Tresftn: Sonnabend. 1SV1 Uhr. Landeberget Plah: End«: San:!!»». 1» Vi Uhr. Moniae. SO. Januar: Jung» und Refisglten Lichichilder. ptctrqg im Heim IS—;»1/; Uhr. Zuugsozlalisten. »runne Neukölln: Heut«, Mittwoch. 20 Uhr. t« Jugendheim Trentomer Strak«»»— 9». Jahre smiigliederwersammlung. »rntwe Paumschnlenmeg- Wir deteiliaen un« heute. Mttmoch. restlos an der Mttz lic dern ersamrnlunz bor Partei. Unser Abend fallt deshalb aus. Viaava P renelauer Perg: Heute. Mittwoch. 20 Uhr,!m Jugendheim Daneiger Str. 61, Portrag: d!eich!ä,:e und Aufgaben der. Jungsoz:alisitn". Retercnt stranö Lev'Nlt:. Alle jungen Genossen de» Ärcises sind daeu heoi» lichst«ingeladen. � bj E-j SPD.->7ouerwohr. A» Donnerstag. 18. Januar, und Freitag, Ü PI 17. Januar, 19 Vh Uhr. finden im Lokal»Schtesische Hcimatt. Neue W gh Friedrich lir. 1. außerordentliche Mitgliederversawwlungen statt. Zage», i W»rdnnng: Wichtige oraaniiatarifche Maßnahmen. iFawiiienabend.) W M Erscheiven telor ist Pflicht. Der Derbeausschuß. � Geburtstage. Jubiläen usw. 78. Abt. Unserer bewährten chrnalstn Alma tkrahlisch, Langonberk, straßr 1», w Ihrem 83. Geburtstage die. herzlichsten Glstckmunsche. In diefen Zagen bogiug unter Stnoss« Friß Schönla, Woberftr. 27, seinen»o. Geburtstag. Aar ieinem 9». Lebensjahre gehörte er 13 Jahre der Partei an. Luch diesem Vorkämpfer des Sluialismus die dcrttfehsten Glück, wünfche. �WZozialMscheArbetterjugendGr.-Verlln Dinfendunaen sfir diefe Zkubttk nur an da« Zugrndfettelana! Serlin SD08. Lindenistaße Z „Dte Stellung der«rwerbteSttgcn Fron in der Wittlchaff. 1. Abend d,2 ZIlädellurlns morgen. Donnerstag. 19io Uhr, in der Schule Sochflr. 18. Refe» renttn Genossin Anna Geyer. Alle. Gruntin müsse.» ihre Vertreterinnen ent. sende». Jnter-.sstelte Vurschen sind eingeladen. S.,L.�il>nng gemeinsam mit den W..L. morgen, Donnerstag. IS'-i Ubr. »arten für die Ingcodoollsbübuenvoriirllnng am Sonntag. 30. Januar, tu 90 Pf. sind noch erhältlich. Seinielt wird„Avollo Brunncnfiraße". Heute, Mittwoch. Uhr. Echuie Elis Frieden«», Äameradschätt ffriedenau: 201. Uhr.-tameradfchaflsverfamwlung bei Käß. Bae»' straße 5, Ecke Bilstirgslraße. Treptow fkanitrahfckiasti. Jungbanner: lOHH llht Jugendheim Wildentirua/traß«.>?uott. und Liederabend. SZpenick(Kamerad. schast): 30 lkdr erweiterte Lorftandostßung bei Liener, Kaifer-Wilheun-Gtr.?. Pankow(OtUnäwin): 30 Uhr Seneralorwell Zungkameraden und Gporiahttt' lung Turnhalle Wollankstroße.— Donneretag. 1«. Januar. Gdarlotteuhnra: Ehrnilichs Kameraden 20 Uhr Shenpolast gur Bildung»an Äarfchkamerad- Myttkn. Sckihtseberg.Friehenan: 20 Uhr Turnhalle Wariburgilraße. Beginn de» JiUtzKitsu.Kurfu». hiihterbcrg, Jungmannickiaite 20 Uhr Sißung der gesamten Imogwannichaft dt: Gtiibcr, Jung, ecke s/kärftt-rße. Alle Juitglameraden muisen erscheinen. Reirtckendors-Weft! 20 Uhr Borfiandssißung im Berkehre- lokal. Tegel: 30 Uhr Gencralnersammlung im„Alten Krug. Hauvistr. II. Betstandsstßung Stunde frllhek.- Freiia». 17. Januar. Hchäneberg. Frisdena»,-Kam»radich«>t..Ä»Iiendorl:-30 llhi Kameradfchaitsvrrfammwng hei Jürgens. Barborossastß, ä». käpcnick, SnotiabtsilüNg: 10lö hin ZUb Ubr Turnen in der Turnhalle der 1. Gemeindefchule, köpenio!. Amisitraße. Zieinickendorf. West: 30 Uhr Gcncrulvcrsmrmlung im Bctkihrzsokal. Erscheinen aller Kameraden Pflicht. Aeichsbetnh der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter, blirbene», Gau Berlin. Ortsgruppe Rorden 14: Donnerstag. 18. Januar, 20 Uhr, in den Agsino-iZestsillen, Pappelallee IS, iSeneralverfanimlunz und Reuwahl de» Borstendez. Deutscher Elperaate-Bunb, vrtegrnppe Berlin, ssrcitog, A Uhr, Kondüatei Uobrin. H«ckelck>er Markt. .Darum Gfperontok� Im Böhmen«ine» äfsentlichen Vottsags, den der Esperanio-Perland Berlin am Wiumoch. 15. Januar. 19% Uhr. im Bürger- hat de, Berliner Bathauses Vera» staltet, sprechen üh-r«inzttne Teilgebiete he, obengenannten Thema» die Herren Pos! rat Behrendt. Universttätsprofessor Dr. Grottahn. Bechteanwali Dr.. Liebeck. Dr. me-i. Schwab und Ernst Wicherl. Der Eintritt sowie hie Klckderablaat sind frei. Berliner Sesellschast für üffcntlich« Geiundbeitepflege, r. B. Ei ho» g am Zten»«ag. A. Januar, iSßj Ubr. im Hygienischen Jnft'tut bar Uitioerfiteü. Berlin. Dnroihcenflr. 28». Tagcsorvnun«: 1. Hauptversammlung. 3. Aus- spräche über..Die Krankenpflege im Hause". Eo werde» sprechen: Etadi- mcdiginalrot Pros. Dr. v. Drigalski, Stadtarit Dr. Bejach, Etadtarit Dr. Docdcr. Pros. Dr. Lennhofi, Dr. Ptoll. Echußoerband der SN-merhörigen.«. S. Donnerstag, 10. Januar. 30 Uhr. Dresdener Gatten, Dresdener Etr. 40, Heiterer Abend. Eintritt frei. Gäste willkommen. u».>nur..llnelied»-0clelzt, Cali Jagenburg. Berlin W. Bü'owstr. 1. Dcnrcrs- tag, den 16 janusr, 9 p. tn. Lccture:„CasOcs ip the Air' by Prof. Wendlandt. Long e low Eng:i solch« im Vit und ieder,«tt tinetten ouo» flaflöf««in-, W-ggiöNen'chhrLhwjtrttts in Zß Ltt«- kochendem 38»rff«t.<2» ist deshalb empfehlen»roert, bitte praktischen Wittt-l itets oorrätig zu haben. Achten Sie beim Eintenck daraut, daß die Banderole pol» selb ist und den Name». Wazst tröste Diese Äcnnzoichon bihicn fite ämliiät Internationale Chemie. Erweiterung des Oapont-KonzernS. Llm das Zündholzmonopol. Die Jieichsratsreakiion gegen die deutsche Wirtschast. Die Reichsregierung hat mit dem schwedisch�amerikanischen Zündholztrust(Ioar Äreuger) zur Erlangunq einer latigsristigen Anleihe von MO Millionen Reichsmark einen Vertrag abgeschlossen, der die Errichtung eines Zündholzhandels-Monopols in Deutschland vorsieht. Der Gewinn aus diesem Monopol flieht zum erheblichen Teile als zusätzliche Verzinsung für die Anleihe dem Schweden- trust zu. In diesem Vertrage hat der Schwedentrust sich damit einverstanden erklärt, daß die Produktion der Zündholzfabriken der Groß- einkaufs-Gescllschost Deutscher Äonsumvcreine sGTG.) nicht an das Monopol abgeliefert zu werden braucht, weshalb auch aus diesem Teile der deutschen Erzeugung kein Gewinn an den Schwedentrust fällt. Der Vertrag mit dem Säpvedentrust und demzufolge auch der Gesetzentwurf über die Errichtung eines Zundholz-Monopols sah für die GEG. ein Fobrikations-Äontingent von 23 000 Rormallisten i 1000 Pack Zündhölzer für das Jahr mit einer jährlichen Steige- nrng van 345 Kisten für die Dauer des Monopols vor. Das war schon ein« erhebliche Einschränkung der Erzeugung der genossen. schaitlichen Eigenproduktion gegenüber dem Gesetz über die Er- laubnispflicht für die Herstellung von Zündholzern vom 28. Mai 1927, in welchem den genossenschasllichen Zentralen die unbe> schränkte Erzeugung gesetzlich.zugesichert war. Die GEG. wollte sich jedoch mit dem obengenannten Kontingent bescheiden, um im Interesse der deutschen Reichssinanzen die Anleihe nicht zu ge- fährden. Bei den Verhandlungen im Reichsrat über das Monopolgesetz wurde das Unglaubliche zur Tatsache: der Vertreter des Freistaates Sachsen beantragte, den Artikel des Gejetzes, welcher die Erzeugung der GEG. behandelt, aus dem Gesetz zu streichen und damit zwei Drittel dieser Produktionsmenge dem Schwedentrust zuzu> weisen. Trotzdem der Reglerungsvertreter auf die Konsequenzen dieses Antrages hinwies(Schädigung der deutschen Wirtschost zu- gunsten des Auslandes), hielt der sächsische Vertreter seinen Antrag aufrecht. Die Mehrheit des Reichsrotes war jedoch vernünftig genug, diesen Antrag abzulehnen. Unter Assistenz des Vertreters van B a p e r n stellte dann der Vertreter des Freistaates Sachsen den Antrag, dos Kontingent der GEG. von 23 000 Normalkisten auf 19 000 Normalkisten im Jabr herabzusetzen, die vorgesehene Steigerung der Erzeugung im Laufe der Monopaldauer ganz zu streichen und die Sonderobgabe, die die GEG. an das Reich zu leisten hat, von 50 M. auf 00 M. für die Normallist« heraufzusetzen. Diese Anträge wurden, trotz der darin enthaltenen Schädigung der deutschen Wirtschast, vom Reichsrot angenommen. Die Folgen sürReichsfinanzeu und deutsche Wirtschaft. Von den Monopaleinnahmcn erhall das Reich vorab einen Betrag von 13 M. für die Kiste. Der nach Deckung der Verwaltung?- kosten oerbleibende Reingewinn de? Monopols wird je zur Hälft« auf den Schwedentrust und das Reich verteilt. Dieser Gewinn- antell des Reiches kann sich, doch gerechnet, aus 8,50 M. für die Kiste belaufen, so das, das Reich aus den durch das Monopol abge- setzten Zündhölzern im günstigsten Falle 21 HO M. pro Kiste erholt gegen 60 M. netto für die Kiste aus dem Absatz der GEG. Diese Mehrbelastung der genossenschasllichen Erzeugung von 38,50 M. für die Kiste stellt schon ein Ausnahmerecht dar und steht einer Be- strafung für rationelle Produktion und Wirt- schaftsführung sehr ähnlich Airs die 4000 Kisten, die nach de» Beschlüssen des Reichsrates die EEG weniger herstellen darf, ergibt sich somit eine Mindereinnahme des Reiches von 154 000 Reichsmark für das Jahr. Da nach dem Gesetzentwurf die GEG. während der ganzen Monopol- dauer umgerechnet im Durchschnitt 28 000 Kisten Zündhölzer im Jahre Herstelleu dürfte, ergibt sich«ach Annahme des sächfisch-bayerischeo Antrages ein jährlicher Verlust für die Reichskasse von 346 500 VT, oder ans die TNonopoldauer von 35 Dohren, eine Mindereinnahme für das Reich von 12 127 500 M. Diese auf Beschlutz des Reichsrates der Reichstasse vorenthaltene Summe kaim nun fast restlos de r Schwedentrust(!)«in- streichen und er wird sicher den sächsischen und bäuerischen Reichsratsmitgli edern für dies« Zuwendung dank bor sein. Aber westcr: Nach dem Verrroge mit dem Schwedentrust ist dieser an der deutschen Zündholzproduktion mit 65 Proz. beteiligt. Es ergibt sich hieraus, daß der Gennnv an den nach den Beschlüssen des Reichsrotes der GEG. entzogeneu 4000 bzw. 9000 Kisten jährlich zo nahezu zwei Drittel ebenfalls dem Schwedeutrnfi zugeschanzt wird. Es zeigt sich also hier, daß zuungunsten der Reichstosie und der deutschen Wirtschast dem ausländischen Kapital Riesensummen zugeschoben werden, auf die der S ch w e d e n t r u st bei Abschluß des Bertroges gar nicht gerechnet hat. Die Beschlüsse des Reichsrates gewinnen auch dadurch noch ei» erhöhtes Interesse, als das dem Reichsvcrband deutscher Konsumvereine in Köln, der zwar kein« Zündholzfabrll besitzt, im Gesetz- entwurf zugebilligte Kontingent von 3700 Kisten bestehen bleiben soll, wahrend die Quote der GEG. glatt um 20 Proz. herabgesetzt wurde. Man fragt sich vergeblich. wie es möglich ist, daß bei der trostlosen Lage der Reichssinanzen und der deutschen Wirtschaft eine Körperschaft wie der Reichsrot zu Beschiiisien kommen kann, die eine derarttge Schädigung der deutschen Interessen zugunsten ausländischer kapllolistischcr Unter- nehmungen bedeutet. Nur blindwütiger Haß gegen das K o n s u rn g« n o s s e n s ch 0 s t s w c s e n kann bei den Bsschliissen Pate gestanden haben, sonst wäre es nicht denkbar, daß man lieber dem a» S l ä n disch e n Sa pita l Vermögen zuschanzt, e!?« man der Genossenschaftsbewegung Gerechtigkeit widerfahren und die mit rein deutschem Kopllal arbellenden GEG.-Fabriken«ine angemessene Quote an der Zundholzfobrikotion zukommen läßt. Wird auch der Reichstag versage» 7 Es darf wohl erwartet werden, daß bei der demnächstigen Be- ratung des Zündholz-Monopol-Gesetzes im Reichstag die Dollsver- treter die deutschen Interessen besser zu wahren wissen als der Reichsrot und daß der Reichstag das Gesetz noch der Regierungs- vorläge in seiner ursprünglichen Form annehmen wird. Dem Ge- schrei einer Handvoll neidischer Händler darf dos Interesse der Verbraucher, nämlich des größten Testes des deutschen Volles, nicht geopfert werden. .........................•.i..•( Anfangen! Koniunkturaus gleich durch öffentliche Austräge. Die gegenwärtige schon fast katastrophale Lage des Arbeits- Marktes macht olle Möglichkeiten, die industrielle Tätigkeit zu heben. zu wtttschasllichen Lebensfragen. Zu diesen llllöglichkciten gehört der van den beteiligten Reichsministerien und dem Reichswirtschaftsrat geförderte Plan, die Öifentlichcn Aufträge nach Ilmfang, Größe und gebiellicher Verteilung zu erfassen und sie zur Ausgleichung der Kon- junktur je nach der Wirtschaftslage einzusetzen. Die Pläne dafür liegen längst fest. Die Durchführung läßt auf sich warten. Zweifellos ist die Erschwerung der Finanzlage des Reichs, der Länder und Kommunen«in Hindernis, zusätzliche beziehungsweise große Öfsenlliche Austrage konsunkturau Sgl« ichend einzusetzen. Man hört aber, daß über dem Bemühen, erst ein« Uebersicht über den ge- samten Unn'ang der Amtrage herzustellen, die Durchführung des Planes überhaupt unterlassen wird. Seit dem I.Januar 1929 werden die Aufträge der Reichsministerien beim Statistischen Reichsamt ge- sammelt: seit dem 1. April 1929 beteiligen sich an dieser stotrstischcn Erfassung die Länder, ab 1. Januar 1930 sollten die Kommunen mit- wirken: der Termin ist aber wieder vertragt worden, so daß die Be- richterstattung der Kommunen erst zum 1. April 1930 erwartet wird. Die Sammlung wird also scheinbar sehr systematisch, dafür aber sehr langsam vorgenommen. Außerdem scheint man in den amtlichen Stellen für die Durchführung des Planes nicht mehr allzuviel große Hoffnungen zu haben, weil einmal zwischen dem Augenblick der Erhebung und der?luftragserterlung zu viel Zeit ver- geht und weil zum anderen eine einheitliche Regelung uranchen der Beteiligten zu unbequem ist. Man gewinnt daraus den Eindruck, daß der sehr vernünftige u>st> volkswirtschaftliche notwendige Gedanke des Koniunkturausgleichs durch öffentliche Zluftväge nicht am Gedanken selbst, snistzern an der allzu systematischen und bürokratische»?lrt der Durchs ührungzufcheiterndroht. Wir sind der Meinung, daß man mit der Durchführung des Planes auch dann beginnen muß, wenn sie erst in Teilgebieten erfolgen kann. Teilerfolge sind wichtiger als gar keine Erfolge und die schließlich« Gefährdung des ganzen Plans. Louis Hagen ist optimistisch. Ausländsanleihen sind notwendig. Bei seiner Wiederwahl zum Vorsitzenden der Kölner Industrie« und Handelskammer sprach Geheimrot Louis Hagen auch zur gegen- wärtigen Wirtschastslage. Er sagte unter anderem: ,-Ich glaub« und hoff«, daß wir in diesem Jahr« mit einer langsamen und stetigen Besserung zu rechnen haben. Auf allen Gebieten hat sich jedenfalls in der letzten Zell«in« Stabstität durchgesetzt. Ich denke dabei z. B an die Großindustrie und an d>« für unseren Bezirk wichtig« Braunkohlenindusttie. Dies« Totsache kann den Mut geben, daß bei einer vernünftigen Finanzgeborung«in« Besserungouf allen Gebieten nach und nach eintritt. Wirklich fühlbar wird sie aber erst dann werden, wenn die öffenllichen Kassen auf- hören, am Geldmarkt alles wegzuschöpfen, was vorhanden ist. Wenn tues unterbleibt, wenn die ausländischen Gelder wieder weiter bei uns fließen und wenn nach und noch eine Er- Mäßigung der Zinsen, die heute noch mit 10 und 12 Proz. im Debet angerechnet werden, eintritt, dann erst wird auch eine dauernde Besserung eintreten." Das optimistische Urteil dieses rheinisch-westfälischen Großfinanziers ist bemerkenswert. Sein Hinweis auf die öflemliche Geld- nachfrage als Ursache der Gcldverteuerung stimmt zum mindesten für den Augenblick nicht, wo das Geld fast ebenso schwer Arbeit findet wie die Menschen. Festhalten muß man, daß auch Louis Hagen von dem Zufluß ausländischer Anleihen den Wiederaufstieg der Wirtschast abhängig sieht. Wirischastsfriede mit polen. Schlesifche Betriebsräte an die Reichsregieruag. Die Vollversammlung der freigewerkschaftlichen Be- triebsräte in Breslau nahm am Sonntag zu dem deutsch- polnischen Handelsvertrag eine Entschließung an. in der es heißt: „Die Versammlung erklärt, daß die in Schlesien und in Breslau zur Zeil herrschende schwere Wirtschaftskrise eine Folge des Zollkrieges mir Polen ist. Schlesiens Industrie und Handel seien eines sehr großen Tests ihres natürlichen Absatzgebietes beraubt: deshalb müsse hie Reichsrcgier ung mit alle» Mitteln auf den möglichst baldigen Abschluß eines Haiteelsnertroges mit Polen und damit auf die Qcffnung der polnischen Grenzen für die deutsche Ware hinarbeiten. Ebenso wie es im Interesse der polnischen Wirt- schost liegt, die Grenzen noch dem Westen für ihre Produktion zu öffnen, ist die Frage des Abschlusses des Handelsoertroges mit Polen für die schlesische und insbesondere Breslauer Wirtschaft eine Lebensfrage. Konkurs im Maschinenbau. Maschiuenbaugesellschast Karlsruhe flelU ihre Zahlungen eia -Wie die Verwaltung der Maschinenbau gefellschaft Karlsruhe in einem Rirndlchrciben mitteilt, Hai sie sich ge« zwmrgen gesehen, noch fast lOOjäHrigsm Bestehen ihr« Za hlun. gen einzustellen. Mit den Gläubigern soll ein außer- gerichtlicher Vergleich erstrebt werden. In der Mittestnng der Ver- mattirng wird darauf hingewiesen, daß bei vorsichtiger Bewertung der Aktiven eine volle Befriedigung der Gläubiger erwartet werden kann. Nach dem Stande vom 8. Januar stehen mich 3,2 Millionen Aktiven Gesamt Verbindlichkeiten von 2,75 Millionen gegenüber. Dos Karlsruher Maschinenunternehmen, das vor dem Kriege sehr gut van den Bestellungen der badischen Staatsbalm lebte, und noch im Jahre 1924 rund 1500 Mann Belegschaft beschäftigte, ist wie so viel« andere Werke, ein Opfer der Lokomotiv- kris« geworden. Schon 1926 war die Beschäftigung so gering. daß die Belegschaft bis ans 700 Mann abgebaut wurde. Zuletzt war die Belegschaft bis aus 350 Mann zusammangeschmolzen. Nach der Abtretung des Lvkomotwbaues gegen Barentschädigung an Krupp war es der Gesellschaft nicht möglich gewesen, sich aus- reichend« Arbeitsmöglichkeilen.zu beschaffen. So ist es trotz großer Steirererleichterung durch die Stadt Karlsruh« zur Zahlungseinstellung gekommen. Die Frag« einer Ausrechterhottung der Betrieb« hängt davon ab. ob es der Gesellschaft gelingt,«inen Hebe rbrückungskredit zur Ausführung de? vorhandenen Auftrag» bestand«? zu erholten. Auf der Washingtoner Wirtschaftskonferenz, die im November auf Einladung des Präsidenten Hoaver stattfand, wurde bereits mit- geteilt, daß der große Chemiekonzern Dupont de Nemours im laufenden Jahre 25 Millionen Dollar für Neubauten auszugeben beabsichtigt. Nunmehr wird bekannt, daß von dieser Gesamtsumme 4 Millionen Dollar auf die Grasselli Chemical E o. entfallen, ein« Tochtergesellschaft, in der vor allem Schwer chemikalien hergestellt werden. Weitere 4 Willionen Dollar entfallen auf die ausgedehnten Kunstseideninterossen des Konzerns. Als Baukosten für die Ammoniakwerk« in West Virginien werden 5 Millionen Dollar genannt, ebensoviel die Kosten zum Ausbau der F o r b st o f f w« r k e in Deepwater Point. Die Produktion des Dupont-Äonzcrns, der mehr als 26 000 Arbeiter beschäftigt, umfaßt außer Sprengstoffen, die insbesondere in den Kriegsjahren im Mittelpunkt der Interesien standen. Stickstoff, Farbstoffe, Rohfilm, alkoholische Erzeugnisse, Säuren. Kunstseide usw. Intercsianterweise stammt aber fett Iahren die Haupteinnohmc des Konzerns nicht aus der eigenen Pro- duktton. sondern aus seiner Betestigung an dem großen Automobil- konzern G e n e r al Motors Corp. Auch Maschmendivideudeu steige«. Vomog-plauen erhöht von 6 ans S Prozent. Die sächsischen Maschinenindu st reellen haben im letzten Jahre dos Gebiet des Freistaates Sachsen wiederholt als den größten Krisenherd in der deutschen Maschinenindustti« be- zeichnet. Soweit der Ar b« i t s m a r k t in Sachsen in Frage kommt. trifft diese Behauptung zweifellos zu, ober wie in Deutschland über Haupt, kann man auch im sächsischen Maschinenbau die Lage über- schreiben: Gute Konjunktur— schlechter Arbeits- markt. Der jetzt verössenllicht« AbschlußdcrVomag(Vogtländische Maschinenfabrik) in Plauen kennzeichnet di« Lag« sehr treffend. Die Belegschaft ist seit 1924/27 von 5600 aus 3000 Mann zurückgegangen. In den letzten beiden Geschäftsiohren ist ein weiterer Ab- bau bis auf 2200 Mann durchgeführt worden: zu gleicher Zest aber stieg der Umsatz um rund 60 Prozent. Es ist also ein« ständige und ganz beträchtliche Steigerung der Leistungsfähig- kei t je Mann und Schichk eingetreten, die ganz zweifellos zu einer wesentlichen Senkung der Gestehungskosten geführt hat. So weisen auch die Gewinnzisfern des Unternehmens eine fort- gesetzte Steigerung aus. Es betrugen in den Geschäftsjahren 1926/27 1927/28 1928/2» in Millioneu Mark Abschreibungen...» 0,60 0,7? 0,78 Reingewinn..»». 0,44 OHO 0,63 Dividenden..,». 4% 60/o 80/0 Obwohl die Anlage werte des Unternehmens in die Bitaiv, schon äußerst niedrig eingesetzt sind und ein« starke inner« Stütze bilden, sind die A b s ch r« i b u n g e n Jahr für Jahr herausgeschraubt worden. Trotz der hierdurch eingetretenen Kürzung des Remgewinns weist dieser in den letzten Jahren«ine Steigerung um fast 50 Proz. auf. Die Umsatzsteigerung im letzten Jahr, die fast 33 Proz. ausmachte, wurde hauptsächlich im Lastwagen- und Omnibusbau erzielt. Desgleichen stieg die Produktion von Druck- Maschinen. Auch die Entwicklung in den ersten vier Monaten des saufenden Geschäftsjahres wird von der Verwaltung als duri�us bffriedigend bezeichnet.: Tschechisches Getreidemonopol. lieber die fest einiger Zeit in Arbeit befindlichen und von der Proger Regierung erwogenen Maßnahmen zur Behebung der A g r a r k r i s i s werden jetzt Einzelheiten bekannt. Im Vordergrund der Pläne steht die Errichtung eines Gotreide-Cinsühr- Monopols. Es soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, deren Kapital auf 120 Millionen Kronen festgesetzt wird. Di« Staats- beteiligung an Üieser Gesellschaft würde 51 Proz. betragen, die restlichen 49 Proz. der Aktien werden von den interessierten Fachkreisen gezeichnet. Die Monopol-Import-Gesellschaft setzt die Der- kausspreis« für Weizen und Roggen fest. Zwei städtische Uterks-Gesellschasten in Dresden. Die Ver- sorgungs- und Zterkehrsunternehnruin�n der Stadt Dresden sollen in zwei Gesellschaften eingebrachr werden, deren Aktien voll im Besitz der Stadt Dresden bleiben. Die erste Gesellschaft mit einem Kapital von 50 Millionen Mark umsaßt die städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke: die zweite, deren Kapital l 8 M i l l i o n e n Mark betragen soll, wird die städtische Straßenbahn umfassen. Von den 18 Perjonen des Auffichtsrates sollen vier Wirtschafts und Bankver- tretern vorbehalten sein, die übrigen 14 verteilen sich aus den Rat. die Stadteerortmotenoertretcr und den Betriebsrat. Geldfüll« bei den Vereiniglea Nickelwerken. Zu den Unter- nehmen, die im Gelde schwimmen und den Begriff Kapitattnappheit nicht kennen, gehört auch die Vereinigt« Deutsche Nickel- werke A.-G. in Schwerte(Westfalen). Im vergangenen Jahre erzielte das Unternehmen«stren Reingewinn der fast einer 24proz entigen Dividende entsprach. Ausgczahtt wurde aber nur eine 12prozent!gc Dividende, während die übrigen Gewinne in Sovdcrrückstellungen verschwanden. Hierunter befand sich auch eine Reserve von 200 000 M. für Neubauten. Jetzt teilt die Verwaltung in ihrem Jahresbericht für 1928/29 mit. daß sie im letzten Jahr sämtliche Baukosten„über Betrieb" aus lau senden Gewinnen bezahlen konnte und so diese Reserve nicht«>» Anlprucb zu nehmen brauchte. Trotz dieser Belastung den Betriebs- mittel kann die Geldflüssigkeit der Gesellschaft kaum überboten werden. Rund 8,8 Millionen Bankguthaben und Forderungen sowie 2,4 Millionen Vorräte, di« wenigstens zum Teil slüsiig gemacht werden können, stehen mir 2,1 Millionen Mark Verpflichtungen und Steuerschulden aegenüber.— Di« Dividende für 1928/2 9 wird wieder auf 12 Proz. festgesetzt. New Aorf verbaut 1930 zehn Rlllltardeu Mark. Die Bautätig lest im New-Harker Stadtbezirk ist im Jahre 1929 laut Kabelmelduna gegenüber dem Dorjahr« um 21 Proz. aus 1233 Millionen Dollar zurückgegangen. Di« zu Beginn des neuen Jahres in Aussicht gc nommenen Bauprosejekte erfordern Investitionen im Betrage von rund 2,4 Milliarden Dollar, fast 10 Milliarden Mark, so daß im Iahvc 1930 eine Belebung der Bautätigkeit zu verzeichnen sein wird. Wirkt vorbeusendl Fteblgger Tt r»«Bd$l«lle. Itrlis Stil MiPaeterfwStr.M«. T«Ufltr«nrKte-f!,