BERLIN Mittwoch 15. Januar 1930 10 Pf. Nr. 24 Bi* 42. Jahrgang erf4«{stt2|II4«sf(t9»Kage N. hat mit dem llebersall zu«un. heul« flehen olle drei vor dem Landgericht I, die ersten beiden unter der Anklage des versuchten Raubes mit Todesersolg. der letztere wegen Lcihilse. Die beiden jungen Menschen P. und N. sind in Moabit bekannt. Erst im Juni vorigen Jahres wurden sie wegen Zö Dieb- stählen mit 2 Jahre» resp. 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis ver» urteilt. Di« schwer« Tat, die ihnen jetzt zur Last gelegt wird, bildet aewissermaßen das Schlußglied in der Kette der zahlreichen, ver- HSllmsmäßig unbedeutenden Elgentumevergehen, für die sie berett» ihre Strafe verbüßten. Der Angeklagt« D. ist noch«in unbeschrieb«. ne» Blatt. Er macht keinen schlechten Eindruck. Deik«r Geld brauchte, um mtt feiner Braut sein« Mutter zu besuchen, war er mtt P. und N. mitgegangen. All« drei waren längere Zett arbeitslos. Sie überlegten, um zu Geld zu kommen, verschiedene Möglich- leiten, u. a. auch die Beraubung eines Poftschaltcr, und erinnerten sich schließlich an den Milchladen der Frau Sommerfeld st, der Kadiner Straße. Ein gewisser I. hatte ihnen gesagt, daß die all« Frau fast niemals ausgehe. Ein Einbruch komm« deshalb kaum in Frage. So beschlossen sie einen Raub. Sie brauchten aber«Inen Driften. N. schlug D. vor, der im selben Haus« wie er wohnte. 2. war einverstanden. Alle drei begaben stch zur Kadiner Strotze. N. mußte den Laden betreten, ein Viertelpfund Bonbons kaufen und sich dabei die Oerttichketten gut ansehen. Cr stellte sest. daß die 62jShrige alle Frau allein war und kehrte zu seinen Kom- plicen zurück. Im letzten Augenblick erklärte er, nicht mehr mit- machen zu wollen. P. und D. gingen allem in den Lad«,. Als D. die Tür zuschloß, kam ihnen Frau Sommerfeld, die sich in. dem Hinteren Raum« ausgeholten hatte, entgegen. St« merkte sä, fort, was los war und schrie um hilf«. P. stürzt» stst aus sie, di« alt« Frau wehrt« sich und schrie aus Leibeskräften. B- i.V kamen zum Sturz. P. ließ sich von D. ein Taschentuch geben und steckte es der Frau Sommerfeld als Knebel in den Mund. D. liest noch schnell di« Jalousie herunter. Dann lief er wie topslos im Raum« herum. Frau Teich, die einiges einkaufen wollte, klopft« c i die Ladentür, erhielt keinen Einlaß, blickte durch»die Scheibe und wußte nun, warum fie nicht hinein tonnte. Der Verhandlung wohnen drei medizinische Sachverständige bei. Horchzentrale Warschau. Wie man Telephongespräche abhört. Warschau, 14 Januar. Die Untersuchung hat bisher festgestellt, daß di« amtliche horch- station in der Warschauer Fernsprechzentrole für den Bedarfsfall bereitsteht, jedoch zur Zeit de» Postmmssters Miedzinsti versiegen und seitdem nicht mehr benutzt wurde. Das Blatt„ABC" behauptet daß außer dieser amtlichen horchzentrale die Möglichkeit bestehe. jede» Gespräch von den Schalteschränken abzuhören. Diese Schalt schränke besäßen doppelt« Schnür«, die»ine Einschaltu-.g in jade» Gespräch ermögllchten Ob es sich dabei um eine altmodlscke Einrichtung oder«inen technischen Fehler handle, bleib« dahingestellt. Polens Minderheitenpolitik. Neuer Minister- altes System. Warschau. 14 Januar. Der neue palmsche Innenminister Iozcwski sprach m der Budgettonunission des Sejms auch über das Problem der nationalen Minderhelten. Iozewski, der den Ruf eines„UkrainophUen" besitzt, sprach von der Notwendigkett eines friedlichen Zusammenlebens und der gegenseitigen kulturellen Durchdringung des polnischen und de» ukrainischen Volkes, ohne jedoch irgendwelche konkrete Mahnahmen anzukündigen, die" den scharfen Antagonismus zwischen beiden Nottonen und der ukrainischen Minderheit, zahlenmäßig der stärksten, lindern sollten. Di« andßren national«» Mind«rhci!«?, wurden in der Rede überhaupt nicht e,r wähnt. Für sein Nationalitätenprogromm fand Iozewski nur di« oft gehörte Formel: „gleichmäßige Behandlung aller Staatsbürger und Komps fleqcn die Elemente, die sich der polnischen Staatsralson widersetzen". Der Vertreter des Regierungsdlocks Polakjewicz sagte, daß diese Er? rlärungen des neuen Innenministers, dem allzu„radikale" An- schauungen in der Minlerheitenfrage zugeschrieben worden seien, auch vom Regierungsblock unterschrieben werden könnten.... Zuchhausstoat Litauen. �estunzsräume„behel smaßig be egt�. kowno. IL. Ienuar(Ost-Expreß) Infolge der Uebersüllung des Kownoer Zuchlhauft» mit politischen Gefangenen hat sich die Notwendigkeit ergeben, einen Teil dieser Gefangenen in die Kasematten der ehemaligen Festungsmerk« von Kowno überzuführen. Ein Test der Gefangenen ist in den Forts der Festung untergebracht worden. Die Frauen unter den politischen Gefangenen wurden in da» neueröffnete Zuchthaus in Zarasy übergeführt. Recht auf öffentliche Kritik. Die Wahrnehmung berech igter Interessen an Vtra gesetz. Der Etrafgesetzausschuß beendet« die im Unterausschuß vor- beratenen Vesttmmungen über Beleidigung. Im allgemeinen ist es bei den früher mitgeteilten Borschlägen des Regierungs- entwurfs verblieben. Eine wesentliche Aenberung hat der Ausschuh in bezug auf die Wahrnehmung berechtigter Inter. essen beschlossen. Danach soll wegen übler Nachrede Bestrasung nicht eintreten, wenn der Täter zur Wahrnehmung eines b e r e ch- tigten öffentlichen oder ihn nahe angehenden privaten Interesses Handell und er sich erweislich in« n l- schuldbarem guten Glauben an die Wahrhell der Aeuße- rung befunden hat. Außerdem schlägt der Ausschuß vor. die Regie- rung zu ersuchen, in das Einführungsgesetz Bestimmungen über«in Tatsachen-Feststellungsverfohren aufzunehmen Nach Entgegennahme der von den Abgeordneten Bell(Z.) und Emminger erstatteten Berichts des Unterausschusses sührte Abgeord- neter Dr. R o s e n f e l d(Soz.) aus. daß sein« Freunde sich im all- gemeinen auf den Boden der Beschlüsse des Unterausschusses stellen würden. Dies« Beschlüsse enthielten in bezug auf die straflos« Wahr- nehmung berechtigter Interessen insofern eine Verbesserung des Regierungsentwurfs, als dieser die Straffreihell davon abhängig machte, daß das von dem Täter wahrgenommene Interesse da- ver- letzte Jnteresse des Beteiligten überwiege. Diese Formulierung würde zu einer Willkür in der Rechtsprechung geführt haben und wäre so unannehmbar gewesen. Fraglich sei allerdings, ob die neue vorgeschlagene Formulierung ein« hinreichende Berück- sichtigung des Rechts der Presse auf össentliche Kritik zuläßt. Die Sozialdemokratie würde sich unter allen Um- ständen einer Einschränkung der Pressefreiheit widersetzen und st« wünschen daher, daß bei Wahrnehmung eines berechtigten Änterestes Straffreihell nicht erst«intrete, wenn der Täter sich e r w e i s l i ch in einem entschuldbaren guten Glauben an die Wahrhell seiner Aeußerung befunden Hab«, sondern schon dann, wenn die Umstände eine solche Annahme rechtfertigten. Die Vertreter der Bayerischen Volkspartei, der D e u t I ch n a t i o n a l« n und des Z e n t r u m s wandten sich gegen die Anregungen der sozialdemokratischen Fraktion. Ministerialdirektor Schäfer führte gegenüber einem deutschnationalen Verschlechterungsantrog aus. daß im heutigen Staat grundsätzlich jedermann öffentliches Interesse wahrnehmen könne. Nur bei Leichtfertigkeit des Täters dürfe Bestrafung ein- treten. Wenn der Richter zu der Ueberzeugung gelange, daß der Täter nicht leichtfertig gehandelt Hab«, müsse Freisprechung erfolgen. Die sozialdemokratische Anregung würde bi» zur Z. Lesung geprüft werden. Daraufhin zog Abg. Dr. Rosenfeld den von der sozial- demokratischen Fraktion gestellten Abänderungsantrag zurück und es wurden die Beleidigungsparagraphsn des Strafgesetzentwurfs- entsprechend den Borschlägen des Unterausschusses abgeändert. Der Ausschuß beriet»ann noch die Bestimmungen über die VerletzungdesBrtefgeheimnissesund über den B e r- rat von Briefgeheimnissen.e der Amtlich« Preußisch« Pressedienst mitteilt, ist für den aw 1 September v. I. au« dem preußischen Staatedienst auegeschiedenen Pros. Han» Pfitzner vom Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolkebildung vom j. Januar d. I, ab Pros. Heinrich K a m t n I i> zum Verwalter einer Meister schu'e für musikalisch« Kompostilon berufen worden. Prof. Kaminskl tritt zugleich in den Senat der Akademie der Künste«In. AI, nächiie Kiudioliusflibiung der r»lt»bthne«cht am Sonntag, dem IS. vorm. tu'/, Udr. da» S au'tiel.AmnettU* von«arl Mona Fincketuburg ta Szen». Regie: Süniher Stark,«ühnenbild: Nina vakmndet. �Das Oonkofakenlied." Mo,art'Saal. Zuerst singt der Vontosatenchorda, Lied der Donkosaken Die Wiedergab« aus dem Tonfilmstreisen zeugt von technischer Heber- legenheit Die Stimnuncharatter« heben sich scharf umrissen von- einander ab und verlieren wenig von ihrem spezlstschen Klang. Im Hauptteii des Films liegt noch eine Tonfzen«. Ein« Räuberbande feiert ein Bacchanal. Auch hier kommt da» musitalische Moment gut zur Geltung. Di« Szene läuft in einem faszinierenden Tempo ab und wird in ihrer Wirkung durch eine prachtvolle Bildmontage und Ueberblendung unterstützt. Sonst ist der Film stumm. Nur die Musik wird synchronisiert. Den Inhalt bildet da» Dontosakenlied. Es muß ein Lied sein in der Art der deutschen„Räuberbraut" oder„In des Waldes tiefsten Gründen", eine handfest« Schauerballade. Ein edler Fürst wird durch den Bankeroll seines Vaters zum Räuber, entführt die Braut, erschießt ihren Vormund, kommt ins Gefängnis, entflieht und macht sich zu einem Karl Moor der russischen Wälder. Schwarz- weißzeichnung wie in jeder naiven Volksdichtung, sehr viel Edelmut. Tapferkeit und bloublüwchenhafte Sentimentalität sind die not- wendigen Requisiten. Auf Naivität muß auch eine Verfilmung stilisirt werden Dies übersieht der Regisseur Georg A s o g a r o f f. der eine» Film mit gesellschaftlichen Hintergründen herstellt. Er zieht ihn aus, als ob es sich um irgendein gegenwärtige, Thema handelt, er gibt gut ge- sehene Details und versucht sogar eine psychologische Ausdeutung. Dadurch werden einige Szenen lächerlich, die in einem anderen Rahmen bestehen würden. Di« Regie muß solche Stoffe groß- flächiger gestallen, sie muß sie einerseits pathetischer und romanti- scher und andererseii? grotesker geben, sie muß unter allen Um- ständen den Ton der Ballade treffen. Von den Darstellern würden sich Kampers und K o w a l- Samborsti für diese Uebung eignen. Schlettow spielt sehr edel, und Lien D y e r s ist als Räuberbraut das zarte, harfespielende Kind mit den Rehaugen, die ein spezielles Liebesobjekt waschechter Räuber sein sollen.?. Lck. vom Einbauen und Floß zum ochisi behandelt«. Der vortragende zeigte an Modellen und Lichtbildern zunächst die prähistorischen Schiffsformen, von denen der Einbaum, ein bei zahlreichen Natur- Völkern verwendeter ausgehöhtter Baumstamm, als Grundform des Plankenbootes anzusehen ist. Di« verschiedenen Erdteil, und Bölker gaben den Schwimmkörpern eiaene Formen, von denen noch in der Jetztzeit die Flöße allgemein Verwendung finden Neben anderen ursprünglichen Schifft-bauten haben sich bi» heut« noch dt« chinesi- schen Dschunken und bei den Polarvölkern das Kajak erhalten. Das Zweckmäßige dieser ursprünglichen Schiffeform wurde weiter entwickelt und bildet die Grundlage de» modernen Schiffbau«». Eine der bedeutendsten Emwicklungsstusen im Schiffbau war die Schassung des Hecksteuers, das w der Handhal», des Steuerruders ein« grund- legende Verbesserung bedeutet«. 21,»er drei Alillloue»«undlvvkhSree. Laut Mitteilung t« Reick«, und-- iunstusellichast tat die Nundfvnft-ilnchmereobl dl« dritte ffliD'on miiimchr üdnschritten, ile betrug aw J, Januar 8C66 683. Arn 1. Dllober tS.S fand die lebte Zäblung statt, gegen di» di» neu« Zahl ein« Kuno l>m«»an 7.-, Pro� bedeutet. Da» ist ein anl«dnlild»i.stuwack«, mit dem man n-ck ia langem ««Neben de« Riindluiil« und nach der Stagnatian. di« sich im letzien Jadr »weiseil»« demeildar macht« und die zum l. Oklaber mlirekt lag,» einen Rückgang auswies, nicht gerechnet hatte. Vi« voltedühae lür dl» iaugea Sichtet. Die BolkStüdne S i l« n a ch wird von dem milü»«« gegiündeten Studio de« Goltaer LandeSihealeiS, dem Stdas-Tiupp.«ine Reibe van Doistellungen libei nebmen, in denen mu junge Dichter zu Mehir kommen sollen. An Austährungen stnd nebe, Gtemmle.Sc,, oi will arbeiten' vorgesehen:.XU Kreatur' von vruckne »S. D. S." von Brust und.Anno Heul' von Karlch. Sturmflut der Hordfee Der Sturm, der in den letzten Tagen wieder mit großer Stärke an der Nordseeküste wütete, überschwemmte auch das ganze Hafengebiet Cuxhavens. Metertief stehen die Straßen unter Wasser, Rupprecht und Hitler. Ein vergnügter Beleidigungsprozeß. München, IL. Januar.(Eigenbericht.) Unter ungeheurem Andrang begann am Dienstag vor dem Amtsgericht München der Beleidigung sgirozeß Hitlers gegen den Schriftleiter Karl Rabe von der„Mllnchener Telegramm- Zeitung"'. Diese hatte am 1. November ISN unter der Ueberschrift ..Hitler bedroht den Exkronprinzen" behauptet, daß Hitler am 26. Oktober ein kurzfristiges Ultimatum an den Ex- kronprinzen gerichtet habe, in dem«ine Erklärung Rupprechts ver- langt war. die in positivem oder mindestens neutralem Sinne Stellung zum Hitler-Hugenbergschen Volksbegehren nimmt. Für den Fall, daß diese Erklärung nicht abgegeben würde, habe Hitler mit dem schärfften Kampf gegen den Exkronprinzen und gegen die monarchistische Idee gedroht. In der anschließenden öffentlichen Polemik hat Hitler ein solches Ultimatum in Abrede gestellt und gegen den verantwortlichen Redakteur der„Telegramm- Zeitung" Klage angestrengt., Als Zeugen sind geladen der sogenannte.Labinettsches" des Exkronprinzen, Graf Soden, auf den die Veröffentlichungen der „Telegramm-Zeitung" indirekt zurückgesührt werden, ferner aus der Umgebung des Exkronprinzen der Prinz zu Oettingen, der bayerische Stahlhelmführer von Lenz und der Kunstmaler Reichel, der sich als der Zwischenträger z WM s ch e n Hitler uxid R u p p r e cht entpuppt hat. Ei» weiterer Zeuge, der Reich&togsabgeordnete von der Bayerischen Voikspartej Loibl, wurde bereits kommissarisch vernommen. Bei der Vernehmung bestritt Hitler auf das entschiedenste, daß er irgend jemand zum Exkronprinzen geschickt, oder daß er ihm sonstwie gedroht habe. Der angebliche Mittelsmann Reichel sei aus freien Stücken zu ihm gekommen und habe ohne seinen Auftrag beim Grafen Soden interveniert. Die beiden Hauptzeugen, Graf von Soden und der Der- mögensverwalter des Hauses Wittelsbach, Fürst zu Oettingen, müssen unvereidigt vernommen werden, weil Hitler gegen sie Beleidigungsklage in der gleichen Angelegenheit eingereicht hat. Oettingen bekundete, der Mittelsmann zwischen Hitler und dem Ex- kronprinzen, der Kunsthändler Reichel, sei bei ihm gewesen und habe mit Nachdruck ein Abrücken des Kronprinzen von der Er- klärung des Reichstagsabgeordneten Loibl(Bayr. Vp.) gefordert. In dieser Erklärung war behauptet, der Kronprinz lehne das Volks- begehren ab. Reichel habe gesagt, bei Nichterfüllung seiner Forde- rungen werde Hitler sich mit seiner ganzen Macht gegen den Krön- Prinzen stellen. Das ganze Auftreten Reichels sei als ein Ver- such zur Einschüchterung erschienen. Nach dem Grafen Soden hat Reichel in emem Brief an den Exkronprinzen mitgeteilt, Hitler verlange ein Dementi der Loiblschen Erklärung, sonst werde er sein« Partei von dem mon- archistischen Gedanken abtehren und sie auf die„schwarzweißrote Republik" umstellen. Am Montag, 27. Oktober, abends �9 Uhr, habe Reichel zu ihm, Grafen Soden, am Telephon wörtlich gesagt:„Ich habe von Hitler ganz offiziell— wohl gemerkt, ganz offiziell!— den Auftrag erhalten, ihnen zu sagen, Hitler müsse annehmen, daß die Loiblschen Erklärungen im Auf- trage des Kronprinzen ergangen seien und daß damit' ein Dolch- stoß des Kronprinzen jjegen Hitler Und seine Bewegung vorlieg«. Er— Hitler— werde daraus die Konsequenzen ziehen und„Seine Königliche Hoheit" in der Oessentlichkeit schärfftens bekämpfen, wenn der Kronprinz nicht bis heut« abend 11 Uhr eine von Hitler selbst formuliert« Erklärung veröffentlichen wolle." lieber diese„ungeheuerliche Zumutung" ist der Zeuge äußerst un- gehalten gewesen und hat erklärt, daß, er sie nicht vortragen werde. .Als Reichel seine Aussagen wiederholte, habe ihn die Wut gepackt. so'daß er ins Telephon zurückrief:„Und dos soll der monarchistische Hitler sein? Der Teufel soll ihn und euch alle h o.l« n!" Kunstmaler Reichel bestritt, als Mittelsmann oder Be- auftragter Hitlers aufgetreten zu fein. Das Urteil soll am Freitag, dem 24. Januar, verkündet werden. Eine deutschnationale Leuchte. Oer Verantwortliche für den Bankskandal erhält Pension. Vor einigen Iahren erregt« ein Stadtbank skandal in Hall« das Interesse der veffenllichkest. In dieser Stadt an der Saale, die unter der Herrschaft des Bürgerblocks steht, und deren verantworlliche Bürgermeister gut deutschnational sind, stellte sich heraus, daß die Stadt durch leichtfertigst« Kreditgewährung der Stadtbank um viel« Millionen M-n< geschädigt war und daß bei weiteren Millionenkrediten die Befürch- tung dauernder Verluste noch heute besteht. Der verantwort- liche Aufsichtsführer der Stadtbank war Bürgermeister Dr. Seydel. der vom Regierungspcäsidenten in Merseburg in Gegenwart des Oberbürgermeisters Dr. Rive bereits im Jahre 192» wegen der Kreditgewährung ernsthaft gewarnt worden war. Er hat, wie er in dem Strafprozeß gegen die Stadt'oankbeamten zu- geben mußte, auch und erst recht nach dieser Warnung Kredite in leichtfertiger Weise hinausgehen lassen. Trotz dieser mehr als bedenklichen Haltung wählt« der Hallesche Bürgerblock diesen Dr. Seydel nach Abiauf seiner Dienstzeit wieder zum Bürgermeister. Wegen seiner Verfehlungen verweigerte aber der Minister des Innern chm die amlliche Bestätigung, so daß er aus dem Dienst ausscheiden mußt«. Es wurde außerdem ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet mit dem Ziele auf Entziehung der Pension. Zur Entscheidung in diesem Versahren wäre an sich der Bezirksausschuh für Merseburg zuständig. Dieser aber erklärte sich für befangen, da Dr. Seydel als Bürgermeister sein Mitglied gewesen war. Das Oberverwaltungsgericht übertrug deshalb die Durchführung des Verfahrens dem Bezirksausschuß in Potsdam. Dieser hat nun am 8. Januar in der Sache verhandelt und das Verfahren gegen Dr. Seydel eingestellt. Der Hanptver- antwortliche an dem Verlust der Stadt Hall« und an der Schädi- gung zahlloser Existenzen aus dem Mittelstande würde danach auf Lebenszeit Pension beziehen, wenn nicht die Be- rufungsin stanz dieses llrtell abändert! Von diesem deutschnationalen Skandal in Hall« war bei den letzten Stadtoerordnetenwahlen leider fast nirgends die Rede. Gedanken zum Kall ltralzeff. Ob sin Mann arm ist oder reiche das hängt viel weniger als man glaubt von seinem Vermögen ab, sondern richtet sich allein nach der Größenklasse der Geschäste, die er macht: Ob er damit ins Plus oder Minus gerät, bleibt bedeutungsloser Zufall, sosern es sich nur— das allein entscheidet— um einen genügenden Abstand vom Nullpunkt handelt. Mit 10 Millionen Mark Schulden ist einer fast genau so reich, wie mst 10 Njillionen Mark Vermögen: jedenfalls unendlich viel reicher als die Millionen armer Teufel, die ohne Plus und Minus ständig am Nullpunkt festkleben. * Es ist ein weit verbreiteter Irrglauben, daß der Gläubiger der wirtschaftlich Stark«, der Schuldner der wirtschaftlich Schwache sei. In Wahrheit verhält sich die Sache so: wirtschaftlich stark ist immer derjenige, der das Geld hat. Die wirtschaftliche Stärke des Gläubigers reicht daher nur bis zur Hingabe des Geldes an den Schuld- ner. In diesem Augenblick beginnt das Berhällnis umzuschlagen. Es klärt sich restlos zugunsten des Schuldners, sobald dieser zu zahlen aushört. Alsdann sind die Rollqn gänzlich vertauscht, der Schuldner hat seinen Gläubiger fest in der Hand.(Voraussetzung immer, daß seine Schulden wirklich beträchtlich sind und seine Zahlungskraft mindestens um da» Zehnfache übersteigen.) Nun muß sich der Gläubiger auf Bitten und Betteln legen, während der Schuldner ruhig zuwarten kann. Vor allem trägt jetzt der Gläu- blger völlig die Sorge für Existenz und Fortkommen des Schuld- ners. Da dos schlimmste für den Gläubiger wäre, wenn sein Rein- fall auch noch öffentlich bekannt würde so muß er von jeder Zwangsmaßnahme gegen den Schuldner absehen und namentlich dafür sorgen, daß dieser auch weiterhin nach außen standesgemäß als oermögender Mann auftritt. Nichts ist für den Gläubiger wichtiger, als daß sein Schuldner möglichst bald wieder zu Geld komm«, von dem er, wie Gläubiger hofft, seine Schulden abdecken wird.(Der Gläubiger mag sich das immer. hin einbilden.) Von allen denkbaren Existenzen ist die des G r o ß s ch u l d« ners ei�er Bant die sicherste, angenehmste und sorgensreieste. JonStban. derantwortl.'üc die Redaktion: volsgaaz Sch«an. Berlin: Rnzeigkn: Th. Sl-cke. Berlin. Dtrlaz: Borwart- Brrlag®. m b H., Berlin. Druck: L-rwarl- Buch. druckrrrt und Berlagsanftalt Paul Singer& So. Berlin SW SS. Lindcnftrab« 3. Sirrin 1 Beilaar. Mittwoch. 15. 1. Staats-Oper Unter d. Linden A.-V. 15 IOV2 Uhr [an Staais-Oper Arn Pi.d.Republ. Vorst. 10 Z0 Uhr Spairndie Stande. Dn arme Mitrose. Ingiliqoe. Mittwoch. 15 1. Stiidt. Oper Bismarclcstr. Turnus I !?>/- Uhr Staat). Sdiaasph. am Gaadarmenmarkt A.-V. 13 20 Uhr Harte Bandagen Staatl.Schiller-Tlieatep.Charltii. 20 Uhr So und so. so geht der wind Tlql. 2 Vorstell. 5 and S'/z Uhr Bftrb&rosu 9256. Preise!-6M. Wodientg.: 5 ü. 5D Pt.-3H. 16 Foster• Blrl*, carttai, 3 turltta S Co.. liutkl t Jhthur. Enn i WmJ»I». PtA?A r. s u. 813 Sonnt. 3. S a. 8" Alex. 8066 INTERNAT. VARIETE Morgen Premiere > B.isuni lwiir. 2811) Baumen criaaDi 1 Original 16 Lawrence Tiller- Girls I Paiil Weslcrtneler. Ernesl« Yvonne etc. »'vur CAS1NÜ-THEATER ■othrlnder Sir eh« 37 Nur noch bis i2. Januar 1930 Famlite Hannemann Donnerstag, den 23 Januar 1930 zum 1. Male seine Hoheit der Benier. CuiscneiniQr 1- P« r so n e u GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr; 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 SonattB 88mm. nnoek. Bau« Pr. Reichshallen-Theater Abends OD sonnlag naffim. lU Das orobe lanuar-Progr. der Sleftiner- sanier BiMtastillansa Zentrum 1 1 263 Dönhoff-Brettl; -n« Das Famlilen-Varlete ' 10 Kummem. Konzert Tau Fauteull nur 1.25 Sessel 1.75 M-, Sonstige Preise: Parkett n. Rang KL0 M. Direktion Dr. Martin Zickel WWW Komische Oper Frledriclittr.104 Merkur UOI«310. Nach vollständiiiem Umbau Täglich 8'/» Uhr Hulla di Bulla Scbwaok von Arnold und Bach mit Guido Thlolsc er, Schulz, Schreth, Eurg, Hildabranit, Walter Rara. Flink. Bahmer. Wensk soantaa nammiitag« unr: Prau ohne Kuxsl Lustspielhaus Friedrichs tr. 236. Bergmann 2922/23. täglich 8»'2 Uhr .. Wlcstfasnlle«!" Käthe Haack, Paul Meidsmann Vorverk�ui in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. ToiKsbtthne Theater an BOlowpMz. 8 Uhr Uta ufführung Apollo Brunnenstraes Volksstück von OroBm ann und Hessel. Musik: Dilti Mskehen, Rtgii: Jörgen Fehling. Staatl.Sdiillsr-Tli 8 Uhr SO um SO, SO geht der wind I tcattr am smuiaanerdamii fc'/i Uhr OiebartenlaDbe siaatsoper am Plan der BepoDllk 8 Uhr rpanisctie Sfunde Der arme Matrose Sem meaiei 0.1. Norden 12 310 Tag). S1!* Uhr Oer Kaiser v.Amerika von Bemard Shaw Reg- Max Reinhardt Operettenhaus Alte Jakobstr.„0/32 (Zentral. Thealer} Täglich 8',« Uhi Der Soldat der marie Sonntag nachm. 5 Uhr kleine Preise Friederik« Die Komödie J1 Bismck.2414/7516| Täglich 8V« Uhr Tom Teufel geholt{ von Knut Hamsun Regie: Max Reinhardt ■yjtrQwELT/ U-Bahn Herniamplati IrnoU Sdulz Hasenhtid« 108/14 1 E LI T ET A Q Kammerspiele D.I. Norden 12310| Täglich m Uhr Dösir A Komödie von Sascha Guitry. Regie; Leo Mittler. Grosses aocKhiertesi Ib den bayr. Alpen 7 Kajulln.— hti StkiintioMiL— SB iajmdu MaiRn. Ooiiimtags: Grosses Sctiuisineschlsctiten Wallner-IUeater ' W«llMrttmtmtnJi35. Alex. 8502. Täglich»'/. Uhr Die Krone im Rbela Volks tüml-Operette Preise von 1 M. an Einlaß; Wochentags 6 Uhr. Sonntags i Uhr. Direktion Robert Klein Deutsches KOnstler-Theat Barbarossa 3937 8>/. Uhr Jas, zwei.dier Regie; Gustav Härtung. Vtrtur virdgigtbm: Souper von Franz Molnar Regie: Heinz Hilpert Berliner Idealer Dönhoff 170 >'4ftUlir Endell10 Seltsames Zvisflienspiel Bamawsky-BDliDBn Ihtater m der Xdniggrätxar Str»8» Täglich S'h Uhr Die erste mrs. seiDy mit Fritz) massary Komödienhaue Täglich 8>/« Uhr dop LOgnor und die Nonne mit Gurt eotz Toui. a. Katm.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nachm. 311 Eiite- Sänger. Das große lanuar-Progr.i Oes kann man 3 mal sehen! Eidlui UdufünMlü fllesslng- Theater Norden 10840 Täglich 8 Uhr Affäre Dreyfus von Rebtisch und Herzor Theater d. Western Täglich Wt Uhr: Holci Stadl lemberg Musik von Gilbert KUbe Dorteil Leo SdtftUcodort Renaissance-Theatar Täglich 8 V. Uhr PARISER LEBEN Operette von Offenbach. Regie: Gustav Härtung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. - Stelaslau C 1 0101 u. 2533/8«.— Karneval mit ■f nem Prsdruaai Hitwirkende KÄthe Lind Kistenmaehsr 3 KAPELLEN Tans-Sp�nden LOU T Mauerstraße Komische opep Frledrichstr. 10«, Merkurl«Ol«336. Allabendlich 8 und noch mehr Arbeitslose folgen ihm erwar- tungsooll. 50, 100, 200 und noch mehr Augenpaare hängen an seinen Lippen.„Ein Vauschlosser zwischen 25 bis 30 Jahren für die Firma...!'„Ein Werkzeugmacher nicht über 2S Jahre für...!" Schluß. Stempelkarten wandern zum Vermittler und wieder zurück. Zwei Mann wurden nur gebraucht und dazu noch ver- hältnismäßig junge Leute. Resigniert löst sich das Menfchenknäuel wieder auf. Von den schmutziggrauen Wänden grinsen Plakat« und Bekanntmachungen den Menschen nach, für die heut« im Spielrod des Lebens wieder nichts als Nieten waren Das wachen- und monatelange Warten auf Arbeit in dieser höhle zermürbt ebenso wie tiefes Herzeleid. Jlrbeitsuachneis am lUHlehreg, lleukölln Er dient ungelernten und landwirtschaftlichen Arbeitern. Eine ausgediente Kriegsboracke, zwischen Bauzäunen und Gcrümpelplätzen kaum zu finden, wenn nicht die Menschen- a n s a m m l u n g e n den Weg wiesen. Daß die Arbeitslosen oft- mals dicht gedrängt vor diesem„Nbchweis" stehen, findet seine Er- klärung darin, daß der Vermittlungsraum kaum für200 Men- s ch e n Platz bietet. Ob man sich nun in der Baracke oder vor ihr aufhält, ist auch beinahe gleichgültig. Di« eisernen Ocfen können diese winddurchblasene Holzbude einfach nicht erwärmen. Für die Armestellten des Arbeitsnachweises ist ein„Bllroraum" abgeschlagen, in den man eigentlich ein Zwischendeck einbauen müßte, damit sich die Beamten darin bewegen können. Aller Unmut der Erwerbslosen entlädt sich natürlich auf die Angestellten, die an den skandalösen Verhältnissen nichts ändern können. Da fft es kein Wunder, daß cs oftmals zu Explosionen kommt. Zündstoff liegt genügend in der Lust. Den unheilvollen Funken hineinzuschleudern kann einer gewissen Seite nicht schwer fallen. Daß in einem Nebenraum dieses Nackweises fett einiger Zeit ständig Polizei liegt, um eventuelle Krawall- zu unterdrücken, besagt genug. Sacharbeiisnachtreife Gormannftrafte Sie mögen vor vielen Iahren vielleicht einmal den an sie gestellten Ansprüchen genügt haben, heute sind aber die einzelnen Vermittlungsräume völlig unzureichend und unzweck- mäßig. Daß die meisten Räum« in der Gormannstrahe schon längst renovierbedürfttg sind, sei nur nebenbei bemerkt. In manchen Vormittagsstunden herrscht in den Durchgängen und auf den Treppenslurcn ein Gedränge, das sich kaum unterscheidet von den Menschenftrömen. d'e sich nach Arbeitsschluß aus den Großbetrieben ergießen. Ein« geradezu beängstigendeFülle herrscht jetzt in dem Nochweis für dos Baugewerbe, wo die Menschen oft so dichtgedrängt beieinander stehen wie in einer Massenversammlung. Auch hier getten die Flüche und Wutausbrüche den Arbeitsvermitt- lern und Angestellten hinter den Schalterfenstern, für die die Reichs- airstalt jedoch immer mehr BeschäftigungsmöAlicykeiten ersinnt, obwohl sie jetzt schon nicht mehr wissen, wie sie die ungeheure Arbeit bewältigen sollen. Vnd die JlbfertigungsStellen derArbeilsloienveriiäierwtg! Beschämendstes Beispiel: die Abfertigungsstelle in der her- m a n n st r a ß e 2 S. In den baufälligen Räumen einer ehemaligen MAzerei wickelt sich hier der Masienbetrieb ab. Ueber schmale holz- stiegen gelangt man in die niedrigen Räume,. die einem Not- quartier gleichen. Auf den dunklen Gängen prallen die Menschen beinahe aufeinander und tasten sich zu den Enden der Schlangen, die bei den einzelnen Abfertigungsbeamten ihren Anfang nehmen. Mehrere Stunden unerträglichen Wartens. An Sitzgelegenheiten fehtt«s fast vollständig. Aus den wenigen Stühlen in den dunklen Ecken sitzen meist ättere Männer. Dazwischen Frauen mst ihren Kindern. Namensaufrufe, Kindergefchrei, Schimpfkano- naden durchschwirren die verbrauchte, bazillengeladene Luft. Jeder atmet befreit auf, wenn er diesem Raum wieder den Rücken kehren kann. In dem Gang vor den Expedittonen patrouillieren Feuer- wehrmänner, von denen man ja nicht wünscht, daß sie hier einmal in Aktton treten müssen, denn sie können eine Katastrophe nicht verhindern. Abfertigungsftelle SSergmannftrafte Sie ist zwar als altes Schulgebäud« massiver, aber ebenso unzu- reichend und ungastlich. Vom Erdgeschoß bis zum obersten Stock- werk eine schmutziggrau« und verwahrloste Dienststelle. In den kleinen ehemaligen Klassenzimmern können nur wenige Leute abgefertigt werden. Auf den kalten zugigen Gängen stehen die Arbeitslosen fröstelnd umher oder sitzen zusammengekauert auf den paar herumstehenden Kleinkinderschulbänken. Ein« armselige Gasbeleuchtung erhellt die Räume nur spärlich. Der Kassenraum ist immer dichtgedrängt voll, und auf den dunklen Gängen davor staut sich die Menge von Erwerbslosen, die ihr« Unterstützung abheben wollen. Ist es da ein Wunder, daß man von den Gesichtern dieser Erwerbslosen fast nur Erbitterung oblieit? Das gleiche trifft für die Abfertigungsstelle in derPank- st r a ß e zu. Die Notbarocke und die Turnhall« sind aber wenigstens einigermlHen gut geheizt, wenn auch der Aufenthatt in den über- füllten Räumen zur Qual wird. Etwas Lobenswertes findet man auch hier nirgends. Man kann hinschauen, wo man will, es sieht überall jammervoll aus. Daß alle diese himmelschreienden Zustände nur beseittgt werden können durch die Schaffung moderner Zweckbauten, beweist der neu« Arbeilsnaehneis Stralauer iPlats 29131 Ueberall große, modern eingerichtete Räume, von Licht durch- flutet und gut geheizt. Entsprechend dem Stande neuzeitlicher Büro- technik hat man die Nachweisangestellten nicht in Schalter- käsige gezwängt, sondern sie von den Erwerbslosen nur durch eine Schranke getrennt, was ganz erheblich zur Verkürzung der Ab- sertigungszeiten beiträgt. Alles ist so organisiert, daß dem Arbeits- losen jeder unnütze Gang erspart wird. Sitzgelegenheiten, Unterhaltungsspiele und Lektüre sind reichlich vorhanden. In den Stunden des regsten Verkehrs wickelt sich alles völlig reibungslos ab. Man hört kein Schimpsen und Fluchen und sieht nur selten mürrische Gesichter. Die Arbeitslosen bekunden übereinstimmend, daß sie sich in diesen Räumen gern aufhalten und' den Weg zu diesem Arbeitsnachweis nicht scheuen. Dieses eine Musterbeispiel zeigt, daß bei einigermaßen gutem Willen auch die seelische Not der Erwerbslosen nicht noch vergrößert zu werden braucht dadurch, daß man sie in Räumen abfertigt, die sich kaum von Spelunken unterscheiden. Diese Frage ist zweifellos eine K o st e n f r a g e, die bei der Finanzkalamität, in der sich die Reichsanstalt zur Zeit befindet, nicht so leicht zu lösen ist. Die Reichsanstalt besteht aber schon seit mehr als zwei Jahren und hätte während dieser Zeit Mittel und Wege finden müssen, um diese Mißstände abzustellen. Unbekannt sind diese Verhältnisse der Reichs- anstatt bestimmt nicht. Die Berliner Gewerkschaften haben durch ihre Vertreter in den Verwaitungskörperschaften der Reichsanstalt oft genug brauchbare Vorschläge für«ine besiere Organisierung des Berliner Arbeitsnachweiswesens gemacht. Fortbildung /�mfchulung- ift das ein IVeg? Nicht minder wichtig als die Arbeitsvermittlung ist die Fort- b i l d u n g und Umschulung von solchen erwerbslosen Arbeitern und Angesteltten, die infolge der Uebersüllung ihres Berufes oder wegen zu geringer Fachkenntnisse nur wenig Aussicht haben, bald wieder in Arbeit zu kommen. Der ls 157 des Gesetzes über Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung sieht vor, daß der Vor- sitzende des Arbeitsamts aus Mitteln der Reichsanstalt Veranstal- tlingen zur beruflichen Fortbildung und Umschulung treffen kann. die geeignet sind, Empfänger von Arbeitslosenunterstützung der Arbeitslosigkeit zu entziehen. In Berlin, das neun Arbeitsämter hat. fft diese Aufgabe dem Arbeitsamt Mitte übertragen worden, das zentral für ganz Berlin solche Umsckulungslehrgäng« und Fortbildungskurse einrichtet. Das Arbeitsamt Mitte veranstaltet nun solche Umschnlungs- und Fortbildungskurse nicht schematifch, ahn« auf die Bedürfnis« des Arbeitsmarktes Rücksicht zu nehmen, sondern steht zn d'esem Zweck in engster Fühlung mit den e i n z e l- nen Arbeiteämtern. Die Fochvermittler der einzelnen Arbeitsnachweis« benachrichttgen das Arbeitsamt Mitte davon, daß für irgendeinen Industrie- oder Gewerbezweig ständig bestimmte Fachkräfte angefordert werden, die ihnen sticht zur Verfügung stehen. Auf Grund dieser Meldungen wird aus den Erwerbslosen eine be- stimmte Anzahl herausgesucht, die möglichst nicht gänzlich beruf»- fremd sind, sondern für den neuen Beruf schon einige Bor, k e n n t n i s s« haben. Pedikeure rverden ausgebildet So richteten vor einiger Zeit einige Berliner Schuh- Warengeschäfte für ihre Kundschaft Fußpslegesalons ein und forderten zu diesem Zweck beim Arbeitsnachweis Pedikeure an. Da der Arbeitsnachweis diese nicht in genügender Zahl stellen konnte, richtete das Arbeitsamt einen Pedikeurlehrgang ein. Die Umzuschulenden wurden aus dem überfüllten Masseurberuf ge- nommen, um Zeit und Kosten für die Ausbildung in der Fußmasiag« zu sparen. Sämtliche dieser Umgeschulten, meist seit längerer Zett Erwerbslose, waren kurz nach Beendigung des Kurses in Arbeit gebracht. Ein gleich günstiges Ergebnis hotte ein Lehrgang für Damenfriseur«, in dem diese in der Herstellung von Dauer- wellen an den modernsten Apparaten ausgebildet wurden. Die vom Arbeitsamt Mitte in eigener Regie durchgeführten Lehrgänge im Kleider- und Wäschenähen trugen ebenfalls dem Bedürfnis des Arbeitsmarktes Rechnung, da der Arbeitsnachweis seit längerer Zeit nicht in der Lage war, den Bedarf an Werkstattnäherinnen für dies« Spezialarbeiten zu decken. Die Kursusteilnehmer wurden zum größten Teil aus überfüllten Berufen genommen, wie z. B. aus der Krawattenindustri«, zum Teil waren es aber auch ältere tauf- m ä n n i s ch e w e i b l i-ch e Angestellte, die heute auch nur schwer in irgendeinem Betrieb unterkommen können. Von arideren gewerblichen Umschulungskursen sind noch zu erwähnen ein Lehr- gang für santtäres Hilfspersonal in der Diathermie und ein Kochkursus für die Diätküche. Kellner, sowie Verkäufer und Verkäuferinnen wurden unterwiesen in der Bedienung von Registrierkassen und fanden nach dieser Ausbildung eher Arbeit als die Angehörigen des gleichen Berufes, die das so einfach aussehend« Bedienen der Registrierkasse nicht verstanden. Siaufmänniiches tPerfonat wird umgefchull Besondere Lehrgänge für die Angehörigen kaufmännischer Berufe dienen dazu, entweder das Fachwisien zu verttefen, oder die Lücken aufzufüllen, die leider eine große Zahl von kaufmännischen Angestellten infolge mangelhafter Ausbildung haben. Das«rwerbs- lose Verkaufspersonal wurde in der Verkaufs- und Warenkunde unterrichtet, Bllroangeftellt« in der Kontrollbuchhaltung und der modernen Bürotechnik, erwerbslose Techniker in der Statik und Festigkeitslehre. Für Stenotypisten und Stenotypistin- nen wurden Fortbildungskurse in deutscher und fremdländischer Stenographie und im Maschinenschreiben eingerichtet. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß beim Arbeitsamt Mitte«ine amtliche E i g n u n g s p r ü f st e l l e für Stenotypisten und Stenotypistinnen besteht, die jedem Angehörigen dieses Berufes nach sorgfältiger Prüfung eine Bescheinigung über die stenographische und maschinelle Schreibgeschwindigkeit ausstellt. Don dem Bestehen dieser Prüfftelle, auf deren Zeugnisse viele Berliner Unternehmer bei Neueinstellungen großen Wert legen, wissen die meisten kaufmännffchen Angestellten nichts. Wufffcer lernen Orchefler Spielen Der Not der erwerbslosen Musiker sucht das Arbeitsamt Mitte dadurch zu steuern, daß es den erwe�slofen Berufsmusikern in jeder Woche einmal Gelegenheit zum Z u s a rn m e n s p i e l im O r ch e st« r bietst, weil es oftmals vorgekommen ist, daß bei plötz- licher Nachfrag« nach Aushilfen für ein Orchester keine Musiker vor- handen waren, die im Orchesterspiel geübt sind. Während der Teil- nähme an diesen Umfchulungs- und Fortbildungskurjen erhalten die Erwerbslosen ihre Unterstützung weiter. Wenn auch die Reichsanstalt die Kosten für die Umschulung und Fortbildung tragen muß, so erzielt sie doch im Endeffekt große Ersparnisse, da die meisten dieser Umgeschulten bald nach Beendigung der Lehrgänge in Arbeit kommen und die Reichs- anstatt dann die Unterstützung spart. Von den im K 92 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vorgesehenen Zwangsmaßnahmen(bei unberechtigter Weigerung zur Be- rufungsumfchulung und Fortbildung Unterstützungsentzug bis zu vier Wochen) mutz in den seltensten Fällen Gebrauch gemacht werden, da die meisten Erwerbslosen sich freiwillig zur Teilnahme an diesen Kursen melden. Sferlin verfucht»u liclfeti Während diese Veranstaltungen von der Reichsanstalt getroffen werden, ist auch die Stadt Berlin bemüht, das seelisch« Elend der Erwerbslosen zu lindern. In erster Linie nimmt sie sich der erwerbslosen Jugend an. Bei den Veranstaltungen der Stadt Berlin muß man unterscheiden zwischen jugendpflegerischen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Zu den jugendpslege- rischen Maßnahmen gehören sportliche und allgemeinbildende Veranstaltungen, wie z. B. Wanderungen, Besichtigungen von Werken, Konzert«, Mussumsführungen und evtl. bei gesundheitlich besonders gefährdeten oder erholungsbedürftigen Jugendlichen Ber- schickungen. Die arbeitsmarktpolitischen Maß- nahmen sind ähnlich wie die der Reichsanstalt. Auch hier werden Kurse veranstattet im Nähen, Werkzeichnen, in der Buchbinderei, der Holz- und Metallbearbeitung, Stenographie und Maschinenschreiben, Deutsch, Fremdsprachen usw. In besonderen Tagesheimen wird den jugendlichen errnerbslosen Kursusteilnehmern unentgeltlich Mittagessen verabreicht, teilweffe auch ein kräfttges Frühstück und überall eine D« s p« r m a h l ze i t. Die Mittel dazu fließen aus dem Nofftandsionds der Stadt Berlin. Der Zweck dieser Maßnahmen ist houpfföchlich der, die Jugend den sittlichen Gefahren der Straße fernzuhalten, die Arbeitslust in ihnen wachzuhalten und ihnen außerdem noch Kenntnisse zu ver» Mitteln, die sie befähigen, an ihrem zukünftigen Arbeitsplatz ihren Mann zu stehen, lieber die produktive Erwerbslosenfürsorge, die Notstandsorbeiten, läßt sich im Augenblick nur wenig berichten, da infolg« der Finanznot der Stadt Berlin zur Zeit nur wenige Nofftandsarbeiter beschäftigt werden. Otto Schindler » (3. Fortsetzung.) fragte ihn schon wieder jemand nach etwas anderem. Sie redeten durcheinander und kramten in den zehn Minuten latzsend Erinnerungen aus. Tom war der Größte. Siegessicher stand er in der Mitte und prahlte und erzählte, was ihm in den Sinn kam. Seine braunen Haar« fielen ihm wirr ins Gesicht. Hurt stand abseits und beobachtete die Szene. Er beugte sich zu dem neben ihm stehenden Kreckow und sagt.' halblaut:„Der Mann hat Feuer und sieht nach was aus. Ob er boxen kann?" Marder, der mit demütiger Miene zwei Schritt« hinter Hurt stand, hatte die Wort« gehört. Voller Diensteifer und Unterwülfig- keit trat er näher:„Entschuldigen Sie, Herr Hurt, ich habe diesen jungen Mann hierher bestellt. Er war der beste Boxer im Inter- nierungslager." Eine Handbewegung Hurt« genügte, Marder wieder in respekt- volle Entfernung zu bringen. Hurt hatte genau gehört, was sein Sekretär ihm gesagt hatte. Aber man mußte nie zu viel Interesse zeigen. Noch ein Weilchen ließ er sich von der Begrüßungsszen« belustigen, dann ging er auf Tom zu, baute sich, die anderen Boxer beiseite schiebend, vor ihm auf und musterte ihn schweigend von oben bis unten. Die anderen standen ehrfurchtsvoll herum. Tom wurde verlegen. Hurt war mit dem Effekt zufrieden. Er reicht« Tom plötzlich die Hand und sagte lässig: „Also du bist auch von der Insel Man? Auch Boxer? Was wiegst du?" „ISS Pfund," antwortete Tom etwas stockend. Es imponierte ihm, daß ihn Hurt so ohne weiteres dutzte. „Wie alt?" „22 Jahre." Tom ging auf den kurz angebundenen Ton Hurts ein. Er hatte begriffen, was der groß« Herr, der da vor ihm stand, für eine Rolle spielt«. „Zieh dich mal aus! Wenn du was kannst, hast du nächste Woche schon den ersten Kampf." Hurt drehte sich um und ging, von seinen Geschäftssreund-n und dem Sekretär gefolgt, zum Schreibtisch zurück. In der Umkleidekabine tms Tom seinen Gegner. Der war schon umgezogen und brummte verdrießlich, daß man ihn hier fast ein« Stunde warten ließ. Es war«in großer, grobtnochiger Mann, mit einem unsympathischen Gesicht. Niemand von den anderen Boxern konnte ihn. Er wollte sich ebenfalls heute qualifizieren, um von Hurt engagiert zu werden. Während er sich umzog, fragte Tom oertraulich:„Du. wie machen wir?" Cr wollte damit sagen, daß sie doch nicht so un- bedingt hart zuzuschlagen brauchten. Machten sie einen schönen tech- nischcn Kampf, bekamen sie eben beide ein Engagement. Der andere sah auf. Er musterte Toms Figur mrd fand sich bedeutend stärker. Darum antwortete er ein wenig höhnisch:„Wird sich schon finden. Komm man erst in die Ecke." Gut, dachte Tom. Aber ein bißchen benommen war er doch, als er dem auffallend starken Schwergewicht gegenüberstand. Ach was, entweder oder! Als Hurt das Zeichen zum Beginn des Kamp- fes gab, sprang er wie ein Wilder auf seinen Gegner los. Er schlug mit aller Kraft, ohne recht hinzusehen, nach dem Kopf. Und schon sackte der Großmäulige zusammen. Tom mußte sich beherrschen, um. den am Boden Liegenden nicht nach weiter zu schlagen. Seine Augen funkelten vor tierischer Kampfgier. „Bravo!" rief Hurt' voll ehrlicher Anerkennung. Er schüttest« Tom kräftig die Hand und wandte sich zu Marder.„Nehmen Sie sich des Jungen ein bißchen an. Nachmittags telephonleren wir." Marder. Marder hatte verstanden. Er ging aus Tom zu und war die Liebenswürdigkeit selbst.„Passen Sie auf, Sie bringen'« noch zu was. Beeilen Sie sich ein wenig, dann gehen wir zusammen essen. Sie sind doch nicht abgeneigt, wie?" Tom wundert« sich. Die ManaWi: waren komische Leute. Well er diesen plumpen Hauklotz umgehauen hast«, waren sie so begeistert. Sic fistierten doch ihr Geld bei einer so unsicheren Sache. Gegen die Boxer, die er in Frisco gesehen hall-, war sein Können be- stimmt mangelhaft und auf der Insel hatten sie sich mehr aus Lang- weile geschlagen. Na. ihm konnte es recht sein. So bekam er wen!- stens wieder festen Boden unter die Füße. Wer mochte dieser Herr Hurt sein? Er hatte ihm jedenfalls mächtig imponiert. Der da, Herr Marder, der immer um Herrn Hurt herumdienerte, viel konnte nicht mit ihm las sein. Nicht mal der Portier kannte ihn. Tom oerarbeitete während des Umkleidens die Eindrücke auf feine Art. Er zermalmte sie gleichsam in seinem Schiffsjungenhirn. Gemütlich war Herr Marder, das mußte man ihm lassen, wirk- lich. Beim Essen hoste er ganz sanft und sacht alles aus Tom her- aus. was Hurt wissen wollte. Sein Gesicht wurde immer herzlicher, sein Ton immer freundschaftlicher. Das war es, was sie brauchten, einen, der draufging, einen, der was zeigen konnte So einen frischen, schönen Kerl mit einem tierischen Temperament. Das war neu und sensationell. Das richtig« Futter fürs Publikum Wohlwollend legte er den Ann um Toms breite Schultern. „Wissen Sie. das ist nichts für Sie, dieses Alleinwohnen. Ziehen Sie zu mir raus, nach Zehlendorf. Da ist gleich der Wald zum Trainieren und bessere Luft als in der Stadt. Ich kann Ihnen nur zuraten. Wir werden uns schon verstehen." „Ja. schon. Js mir schon recht, aber.." Tom zögerte und machte ein verlegenes Gesicht. Er dachte an s«in« unbezahlle Miete. Mard«r las es ihm vom Gesicht ab. Cr zog ein« Uckgefullte Brief- lasche heraus und reichte Tom sin paar größer« Scheine, ohne sie nachzuzählen.„Reicht das fürs erste?" Er machte«in lisbens- würdiges Gesicht. Tom war platt. Guck mal einer anl Hatte der Kerl Geld wie Heu und lies so schäbig herum. Die Meinung, die er sich von Marder gebildet haste, wurde wieder umgestoßen. Wie tonnte er ahnen, daß dies Geld Hurt gehörte, und ihn sicher machen sollte, damit er nicht wieder absprang. „Na. dann geh ich erst mal mein« Sachen holen", nickte er Marder vergnügt zu und erhob sich. Er drückte die schmalen traft- losen Hände seines Gönners so stark, daß er sein Gesicht schmerzlich oerzog. Unterwegs überlegte Tom mancherlei. Wenn ich nun flitze. wer kann mir was? Die sollen mich in Berlin suchen. Boxer- willis Art steckt« ihm noch im Blut. Doch schnell verwarf er den Gedanken wieder Die Boxerei war etwas, was ihm zusagte. Seine Phantasie regte sich. Cr sah sich als gefeierten Matador im Ring stehen. Das war etwas nach seinem wilden, brutalen Herzen Das andere begann jetzt schon wie ein wüster Traum von ihm ab- zufallen. Er pfiff flost vor sich hin. Gewichtig und selbstbewußt trat er auf, als er seine Wirtin rief. Großspurig erledigt« er die Schulden- bezahlung. Was für ein Dreck war's doch, der ihn noch vor ein paar Stunden Kopfschmerzen gemacht hatte! Marder war nicht zu Hause. Doch seine Wirst» ließ Tom ohne weiteres ins Zimmer. Tom sah sich ein bißchen erstaunt um. So wohnte der? Bett, Schreibtisch, Schrank, ein paar Stühle und ein schiefes Sofa. Das konnte man ja mit einem Handwagen weg- fahren. Da hatte er doch besser gewohnt. Unzufrieden, aber ohne Bedenken räumte er seine paar Sachen in den Schrank. Marder trat leise ein. Sein Gesicht verzog sich, nahm aber sofort freundlich« Miene an, als Tom sich umdrehte. „Na, junger Freund, schon hier? Js nett. Freut mich. Wir zwei werden uns schon einrichten, was?" Er versuchte, treuherzig auszusehen. Tom ging nicht darauf ein. Kurz und bündig fragte er:„Wie haben Sie sich denn das gedacht? Wo soll ich hier schlafen? Ich werd mir lieber hier in der Nähe ein Zimmer suchen." „Das gibt's nicht. Sie bleiben bei mir. Sie müssen unter meiner Aufsicht arbeiten", unterbrach ihn Marder hastig. Tom grinste ihn an und wartete auf die Fortsetzung. „Ich will Ihnen mal was im Vertrauen sagen, Tom. Sie haben Herrn Hurt sehr gefallen. Seien Sie vernünftig. Der kann was aus Ihnen machen. Machen Sie keine Dummheiten. Ohne Herrn Hurt sind Sie oerratzt." Er klopfte dem ehemaligen Leicht- matrosen zärttich aus die Schulter. Au warte, dachte Tom, das muß man wahrnehmen.„Wissen Sie." sagte er und machte«in bedenkliches Gesicht,„es is ja ganz schön, was Sie da sagen. Aber," er streifte das Sofa mit einem kummervollen Blick,„hartes Trainmg und das Ding da? Da schlaf ich«in« Nacht mit'm Oberkörper drauf, und in der nächsten Nacht kommen die Beine dran, was? Nee, ich muh'n richtiges Bett haben, das soll Herr Hurt auch wissen.".,1. „Na, aber darum streiten wir uns doch nicht, mein Junge. Sie bekommen das Bett. Ich interessiere mich viel zu sehr für Ihr Training, um Sie aus den Augen zu lassen. Aus Ihnen wird was. Sie haben den richstgen Kämpfergeist." Er befühlte Toms Armmuskeln. Der kniff die Augen leicht zu- sammen. Hast du'ne Ahnung, dachte er, wie mir stau war, als ich mit dem Bären antreten mußte! „Nun wollen wir noch ein bißchen spazieren gehen. Sie können sich gleich die Gegend eininal ansehen, in der Sie ab morgen jeden Tag Ihr Lauftraining machen sollen. Nachmittags gehen wir in die Boxschule. Ich Hab' da in Schöneberg'ne ferne Sache. Menschen?» kind, die Cliqu« um den Griechen wird sich wundern!" Marder kicherte schadenfroh.--- 3. Kapitel. Der erste Sieg. Training. Jeden Morgen um sieben weckte Marder Tom. Er war jetzt immer schlecht gelaunt; denn aus dem harten, schmalen Sofa konnte er.kaum«in Auge zumachen. Tom kleidete sich warm an und zog die Mütze stef In das Gesicht. Es war ihm«twas peinstch, so vor allen Menschen durch die Straßen zu sausen. Die mußten ihn ja für blödsinnig hallen Wie ein entsprungener Sträfling schoß er um die Ecken, die Arme wild schwingend, um sie beweglich zu machen. Ein paar Milchträgerinnen blieben stehen und sahen hm mit offenem Munde nach. Einmal rief«in Bäckerjunge aufgeregt: „Halt ihn. hast ihn!" Marder erzählte Tom, daß vor ein paar Wochen einige Box-r beim Morgenlaus festgenommen worden seien.„Der verfluchte Bäckerlümmel." lachte Tom.„Da Hab' ich ja noch Glück gehabt." Nachmittags in der Boxschule gefiel es Tom ausgezeichnet. Er trainierte dort mit mehreren Bekannten von der Insel. Auch Mil- han war dabei. Die alten Kameraden trieben Sport, daß ihnen die Rippen trachten. Hurt kam täglich in seinem prächstgen Auto vorgefahren und sah schwelgend und aufmerksam Toms Training zu. Komisch, anscheinend hatten alle die Leute, die geschäftüch mit dem Sport zu tun hatten, überhaupt keine Ahnung davon. Eines Vormitags. nachdem Tom knapp vierzehn Tage trainiert hatte, fuhr Hurt nach Zehlendors hinaus. Tom war gerade von seinem Morgenlauf zurückbekommen und wollte sich an den Früh- stückstisch setzen, als die Tür ausging und Hurt hereinttat. „Bleib sitzen, mein Junge, bleib sitzen! Ich wollte dir nur sagen, daß du heute nicht zu arbetten brauchst. Morgen kämpfst du in Hamburg. Sei um fünf mit Herrn Marder auf dem Lehrter Bahnhof. Da hast du Geld, fall- du noch was kaufen willst. Ah. da ist ja Marder! Na. sag du ihm man Bescheid." Er reichte Tom ein paar Geldscheine hin, grüßte kurz und ging.(Forts, folgt.) hslttvocb. 15. Januar. Berlin. 16.05 Stabsarzt Dr. Baader: Der Skisprnna an der Riesenschanze. 16.30 Jugendbtihne:„Das Bergwerk von patml", von Hugo von Hokmannsthal. 17.30 Unterhaltungsmusik. 17.55 Dr. Karl Börner: Die europäische Presse der Gegenwart. 18.25 DSbereiner-Trio. 1. Buxtehude, 1637— 1707: Sonate op. I. Nr. 3, A-Moll, — 2. Joh. Kuhnan, 1660—1722:„Der Streit zwischen David und Goliath". — 3. Attilio Ariostl, 1660—1740: Sonate für Viola d'amore und Cembalo A-Dnr.— 4. Rameau, 1683—1764: Konzert-Trio B-Dur Nr. 4. 19 05 Prof. Dr. Hans Reichenbach: Elektrische Wellen, 19.30 Schnarren im deutschen Volkslied. 20.00 Von Breslau;„Hat Shakespeare gelebt?" Eine Hörfolge Ton Alexander Runge. 21.00 Von Leipzig: Qrofibcltanalscher Abend. Nach den Abendmeldnngen: Trocken-Ski-Uebungea. Anschließend: Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmnsik. Könlgswosterhausnn. 16.00 Prof. Emil Fader: Erziehung zum richtigen Sehen der Laadschait. 16.30 Von Hamborg; Nachmittagskonzert. 17,30 Dr. W. A. Roon: Fraoengestalten in der Oper. 18.00 Reg.-Rat Dr. Seile: Gruadzflge der steuerlichen Buchfübrnng. 18.30 Spanisch für Anfänger. 1855 William Wauer: Das Erlebnis am Kunstwerk. 19.30 Prof. Dr. Hermann Mnckermann: Förderung erblicher Begabang. 19.45 Gerhard Kunze; Wintersportiers Wetterkunde. 20.00 Wovon man spricht. 2030 Ans den Archiven der Berl. Staatsoper. 3. Abend; Das deutsche Sing: spiel. Dir.: Selmar Meyrowitz. Rätsel- Ecke des„Abend". unniuiiiiniimiiiiniiiiiummnininnniiuiiiunifiiiamtnniuiia Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Monat: 9. Schlamm, 11. Präposition: 13. deklinierter Arstkel: 14. Doppelkonsonant, 15, geographischer Begriff: 17. bayerisches Wort für Junge; 18. Pipageienart; 19. Alphabetbeginn: 20. Bezirk: 21 Wild: 22. arabisches Bindewort: 23. abgekürzter Mädchenname: 26. französischer Artikel: 27. Mäb- chennam«: 29. Brennstoff.— Senkrecht: 2. Abkürzung für Kilometer; 3. Lebensende: 4. Dichtungsart: 5. amerikanischer Bor- name; 6. Fürwort: 7. Konsonant; 8. exotischer Bogel: Ist. herbst- liches Kinberspielgerät: 12. Sittenbegriss: 14. russische Währung: 16. halbwarm: 17. Trinkstube: 23. Tierleich«. 24. Vortrag zu .zweien: 23. Wort für Well: 27. abgekürzter Esternname: 28. Umlaut.» Magisches Quadrat. Die Buchstaben sind so zu ordnen, daß— waagerecht und senkrecht— vier gleiche Wort« entstehen, die folgende Bedeutung besitzen: l. Märchenart: 2. biblische Geslast: 3 Erd- Produkt: 4. Wort für Schluß.* Zahlenrätsel. 15 6 5— 13 5 15 14 4 15— 6 1 8— 15 5 9— 1 2 3 4 14 5 1 l 5 4— 11 3 15 5 1- 5 9 7 H 4 13 5 1.— Die durch Zahlen angedeuteten Worte ergeben«ine Let-enswahrheit— dschlüsfelworte: 1 2 3 4 5 67 5 Kleiderverzieruna: 8 9 10 11 12 alte Stadt: 13 0 14 13 5 Spezialofen.— sl— Karreerätsel. Ivesitztlch geschützt) Zede Zahl der zu erratenden Worte ent- spricht einem Buchstaben, der in das mit der gleichen Zahl bezeichnete Karree ein- zutragen ist. Die Buchstaben, von 1 bis 36 fortlaufend gelesen, ergeben ein Sprich- wort.— Bedeutung der einzelnen Worte: 1 Turngerät 6 1 13 5: 2. kleines Boot 3 7 13 9 4 20: 3. höchste Fertigkeit 14 31 20 36 15: 4 glänzendes Gewebe 36 8 2 16 10; 5. wertloles Zeug 36 13 11 35 25 21: 6 Oper von Berdi 12 28 16 19; 7. Raubtier 15 2 32 17 18; 8. deutscher Philosoph 26 30 29 15; 9. Vergeltung 23 34 13 9 22; 10. Tatkraft 24 3 27 6 32 28 33. Wunderlich. Bei jedem Verkehre trifft man mich an, Doch fehl' ich dem Auto, dem Fahrrad, d.-r Bahn. Beim Bräutigam und der Braut, im Hof und Haus Bin ich nicht zu finbeu, ich fehl« auch der Maus. Du stehst mich im Feld und im Wiesengelände, Und immer bin ich der Anfang vom Ende. eix (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Horis: 3. ra; 4 to: 6 Aß; 7. Eh«: 8. Rute: 9. Irma: 11- Kalb: 12. Idee; 15. Elch: 17. Nero: 18. Gaze.— Senkrecht: 1. Hasenlleoer; 2. Steigbügel; 3. ist; 5. Ohr; 8. Rabbiner: 10. Adelheid: 13. de: 14. er: 16. la Magisches Quadrat: 1. Gobi; 2. Opal: 3 Daß: 4. Ilse. Streichholzaufgabe: \\/\\\ I I I I I_l_ Königszug: Und ist unser Weg auch ttümmerbestaubt./ Wir schreiten ihn trotzig durch jegliches Grauen!/ Hoch wollen wir tragen im Nacken das Haupt:/ Wir wollen und müssen die Sonne schauen!(L. Lessen. Leidensweg.) Sreuzrätsel: 1—2 Keller: 3—4 Elche. UhofiunolQ//ZL&l &«n Los", Rosenthalrr Str. U. NaltMittags restlon SctcilTfluna am Hallciuportfest im Sportpalast, Votsdamer Straße, Ruderoerei»„Vorwärt»-. Der«ettunasschmimmerlurtu» besinnt am Donnersta«. dcm IS. Januar, um 20!» Uhr, in der Schwimmhalle Dennrwitz- straße. beim Sportverein Schöneberg. Am 18. Januar, 19 Uhr, Vortrag itdrr Rctlunasschwimmer. Schule!?euriqsliaße, Schönederg. Freier«örperlnltnitrei, Nreviberg. Donnerstag. 1«. Januar, so Uhr, im Zugcnbhetm Wassertorstr. 9, Aussprache über die Kartelltrag». Sonnabend, 18. Januar. 19H Uhr. Schulaula Mantenffelstr. 7, Generalversaimnlung. Der weihe Tod im Riesengebirge. Ein erfahrener Skiläufer warnt! Das große Unglück im R i e s e n g eb l r g e, bei dem Ende vorigen Jahres vier Skiläufer den Tod fanden, gibt einem erfahrenen S k l l e h r e r Veranlassung, einige« über die Gefahren im winterlichen Biesengebirge zu schreiben. Die allererste Ursache dieser Unglücksfälle liegt in der Sorg- Id s i g k« i k, mtt der gerade die unerfahrenen Ansänge? ins Riesen- gebirge wandern. Es liegt ist der Natur der Sache: nur wer die Gefahr kennt, wertet sie entsprechend. Am meiste? der Gefahr aus- gefetzt sind alle Personen, die das Riesengebirge bereits im Sommer oder an heiteren Wintertagen kennengelernt haben. Es ist im Sommer eine Kleinigkeit, da» ganz« Riesengebirge von den Grenz- banden bis zum Reifträger, also in seiner größten Läng« in einem Tage zu durchwandern und dabei sämtliche Gipfel, die am Wege liegen, auch die Schneekop'pe, zu besteigen. Die Dörfer reichen im Riefengebirge so hoch hinaus, daß man an jeder Stelle des Gebirges in höchstens einer Stunde die ersten Häuser erreichen kann. Oben aus dem Kamm und auf den Gipfeln steht eine Anzahl von Bauden, die selten mehr als ein« Stunde von einander entfernt sind. So erscheinen jedem, der das Riesengsbirg« aus dem Sommer kennt, die Unglücksjällz geradezu unerklärlich. Wer aber bas Riefengebirge im Winter kennt, der nimmt es ernst. Zwei Feinde sind es. die sich mit dem Freund des Wintersportlers, mit der Kälte oerbinden: das sind Sturm und Nebel. Stürmisch ist es fast immer in den höchsten Teilen dieses Gebirges. Ein Lüfllein, das man unten im Dorf gerade noch bemerkt, ist oben«in höchst unangenehmer kalter Wind. Wenn es dann noch wirklich kalt ist, 20 Grad, minus und mehr, dann wird die Gefahr, sich Nase. Ohren oder Finger zu er- frieren, groß. Ganz plötzlich tritt dieser kalte Wind aus, Soba'd man den schützenden Wald verlassen hat. ist er da, und darin liegt die Gefahr. Beim munteren Bergansteigen wird man warm und selbst an kalten Wintertagen wird mancher Tropfen Schweiß ver- gössen. Wie angenehm ist dann eine kleine Schneeballschlacht oder ähnliche Neckerei. Daß dabei die Handschuhe und vielleicht auch das Haar naß werden, beachtet man kaum Wer aber durchschwitzi oder mit nassem Haar oder nassen Handschuhen in den kalten Riesen- gebirgswind hineinkommt, hall sich mtt Sicherheit Frostschäden. Wenig« Minuten genügen, um schwere Berletzun- gen zu verursachen. Wie unzweckmäßig doch noch mele Winterwanderer gekleidet sind! Das Schädlichste sind die Hand- schuhe mtt fünf Fingern. Sie sind auf den Höhen des Ri:sengebirges absolut unbrauchbar, sie isolieren die Finger und verhindern, daß sie sich, zur Faust geballt, genügend erwärmen. Nur Fausthaud- schuhe kommen in Frag«, Wie schwer rächen sich olle Zugeständ- nisse, die der Eitelkett gemacht werden. Metallene Finger- und| Ohrringe, Brillen oder gar Kneifer, Armbänder, entfettete Gesichts- haut, enganliegende Kleidung, dies alles erhöht die Gefahr. Trotz- dem werden Sturm und Kälte allein wohl niemals Unglücksfälle mit tödlichem Ausgang hervorrufen. Erst wenn sich mtt diesen beiden der Nebel verbindet, und häufig ist es so, dann ist allergrößte Vorsicht geboten. Mit Erstaunen betrachtet der Neuling die hohen Markte- rungsstangen, die im Riesengebirge jeden Weg außerhalb der Wälder bezeichnen. Mtt fünf bis sechs Meter Entfernung scheinen sie ihm doch zu eng gesetzt, und doch haben sie in manchen Fällen noch nicht genügt. Aber nachdenklich wird man, wenn man ficht, wie jedes Bauernhaus, das etwas vom Wege entfernt liegt, und seien es nur 50 Meter, die kurz« Strecke vom Haus bis zum Wege durch einige in den Schnee gesteckte Stangen markiert. Wenn selbst die Menschen, die dort geboren sind, diese Hilfsmittel nötig haben. werden sie wohl auch notwendig sein. In der Tat Ist es oft schwer, von einer Markierungsstange zur anderen zu finden. Wenn dann noch Sturm entgegenbläst und schlechter Schnee das Fortkommen erschwert, verlängert sich ein Weg von einer Stunde auf zwei bis drei Stunden. Und drei Sttinden den entfesselten Elementen zu trotzen, vermag nur ein starker und gesunder Mensch, und auch dieser nur zweckmäßig ausgerüstet. Wer aber bei Nebel und Sturm die markierten Wege verläßt, handelt im höchsten Grade leichtsertig. Nicht nur. daß er selbst um so sicherer verunglückt,«r erschwert dadurch die Arbeiten der ausge- sendeten Rettungsmannschaften ungeheuer. Das zeigte sich auch bei dem Unglück am 22. Dezember. Wo soll man die Verunglückten suchen und finden? Kein Ruf und kein« Spur gibt Auskunft in Sturm und Nebel. Wenn dann auch noch die Kameradschaft versagt, die Gesellschaft sich auseinanderzieht, der Führer sich nicht durchsetzt und die einzelnen Teile auf eigene Faust und in vefichiedenster Richtung Rettung suchen, dann muß es zur Katastrophe kommen, Meist wird noch viel Gepäck mitgeschleppt, oft die überflüssigsten Sachen, Da im übrigen das Riesengebirge kein« Lawinengefahr kennt, nur wenig Abgründe besitzt und fast alle Wege durch Stangen mar- kirtt sind, lassen sich Unfälle bei einiger Vorsicht wohl vermeiden. Empfehlenswerter freilich wäre es, das eigentlich« Kamm- gebiet des Riesengebirges im Dezember und I a n u o r z u m e i d« n. Es ist in dieser Zeit kein Stigebiet. Der Schnee ist meist vereist, die rauhen Stürme blasen fast täglich und der Nebel ist nicht selten. Wer es auf dem Anmorsch und Rück marsch durchqueren muß, wird es bei einiger Vorsicht schon schasien Ist das Wetter allzu schlecht, so muß das Gebirge eben mit der Eisendahn umfahren werden. Leo Raida, Sportlehrer „Zeppelin" am Nordpol. Ein Bortrag in der„Llrania". Das Zeppelinlufischifs fährt doch nach dem Aordpol! Da» erklärte auf einem Vortragsabend der„ll r a n l a" Prof. Dr. D e r f o n in seinem Vortrag„Polerforschung mit Lustsahrzengen" klipp und klar. Die Schwierigkeiten, die den Zeppelin hinderten, schon jetzt in die Polargegend zu fahren, seien nicht so groß gewesen, als daß davon die Fahrt überhaupt abhinge. Zuerst hieß es bekanntlich, die Manschaft mach« nicht mit— die hat sich längst, nachdem Miß- Verständnisse aufgeklärt sind, bereit gefunden. Dann konnte man die Versicherung für das Schiff nicht unterbringen. Diese Hemmung war nur zeitlich zu bewerten, jetzt sind die Gesellschaften bereit dazu. Das ganze Vorhaben sei also, so sagte Prof. Verson, nur ausgeschoben, nicht aufgehoben gewesen. Vielleicht war das gut so, denn was der Vortragend« von und mit dem Luftschifs alles erledigt wissen will, erfordert lange Vorbereitungszeit. tSiil will die „Acro-Arktische-Forschungsgesellschas t", an deren Spitze der alte Nansen steht, so weit sein, daß der Start erfolgen kann. Einundzwanzig Nationen stützen die Gesellschaft, und aus ihnen, wenn auch nicht nach der Parität, will man die zwölf Ge- lehrten und Forscher nehmen, die mitfahren sollen. Die Betriebs- Mannschaft wird dreißig Mann stark Vsein, dazu kommen drei bis vier Journalisten, deren Verlage das ganze Unternehmen zunächst finanzieren werden! Was will man nun mit dem Zeppelin und den 46 Mann am Nordpol? Doch nach diesem vielgenannten aber wenig bekannten Punkt unseres Planeten geht nicht so sehr die Sehnsucht der Forscher; hie Erkundung der meteorologischen Verhältnisse im Polargeb iet, das Studium der sogenannten„Polar- front", die mit ihren allgemein bekannten„polaren Luftströmungen" und„Hochs" und„Tiefs" die Wetterlage in den gemäßigten Zonen beherrschen, ist das Ziel der Expedition. Prof. Verson erläuterte: Der Zeppelin wird Teilexpeditionen aussetzen, Depots, Beobachwngs- stationen errichten. Di« werden studieren und observieren und tele- graphieren(moderner gesagt: funken!). Das Schiff wird in be- stimmten Zeiträumen Mannschaften ablösen, Proviant. Ausrüstungen ergänzen, notwendig gewordene Hilfe bringen. Kurz, man will in unseren und der anderen gemähigten Zonen der Landwirt- schaft, der Seefahrt und der Lustfahrt mit der Lieferung zuverlässiger Wettermeldungen das Dasein erleichtern. Das alles ist natürlich nur bei internationaler Orgamsation möglich. Die erste Fahrt denkt man sich von Friedrichshafen zunächst nach Tromsö in Norwegen, wo ein Ankermast zur Ver- fügung steht: dann soll«ine Umfahrt zwischen Grönland und dem Pol hindurch nach Fairbanks in Alasko-Amerika führen. Ein zweiter Start soll eine Schleifenfahrt ins unerforschte Polargebiet bringen, und auf einer dritten Fahrt will man auf der anderen, sibirischen Seite entlang, wieder in Tramso landen. Neue Ziele der Gymnastik. Die Gymnastische Gesellschaft, eine neue Vereinigung, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Gymnastik den schaffenden Volkskreisen darzubringen, hatte zu einer Einsührungsoeranstaltung in die Räunie der Gymnastikfchule Medau in Schöneberg geladen. Nach«inleitenden Worten des Vorstandsmitgliedes Dr. med. d u V i n a g e erläuterte der Leiter der gymnastischen Arbeiten Medau in einem kurzen Vortrag Ziel und Wesen der neuen Gesellschaft, die von der Erkenntnis ausgehen, daß die Gymnastik ihre Aufgaben nur erfüllen kann, wenn sie mit der körperlichen Ausbildung die Probleme der Bewegung im täglichen Leben, in der Arbeit, in der Sprache und in der K u n st zu lösen trachte. Der Körper muß aus einem richtigen Bewegungsprinzip heraus gefördert werden. All« Bewegungen müßten vo» Rumpfe ausgehen und Entspannung und Bewegung mitem» ander ablösen. In einer Anzahl praktischer Vorführungen ver- schiedener Mitglieder wurde, auch insbesondere veranschaulicht, wie das rhythmisch zeitliche Moment der Musik für die Bewegungs- arbeit in Anwendung gebracht wird. Was alles gegründet" wird. Ein NeichSschuhverband der Angestellten. Görlitz. 15. Januar. Am 7. Januar ist in Görlitz ein Reichsschutzverband der An- gestellten gegründet worden. Der Verband ist politisch neutral. Alle Mitglieder des Schutzoerbandes können— sofern sie bereits anderen Organisationen angehören*— Mitglieder dieser Organisationen bleiben.(Wie nett!) Der Schutzverhand führt keine Unter- stützungskossen usw.: er ist, wie der Name sagt, nur Zweckverband und wmd mit allen erlaubten Mitteln auf Wirtschost und Regie- rung einwirken, die Erwerbslosigkeit der Angestellten zu beseitigen. In den Schutzverband werden alle über 30 Jahre alten Angestellten aufgenommen. Sämtliche Aemter sind ehrenhalber- Der Reichs- verband beabsichtigt, Ortsgruppen zu gründen, die sich dem Haupt- sitz in Görlitz anschließen sollen. Organisierte Angestellte sind es bestimmt nichts die einen solch überflüssigen Verein� gegründet haben. Möglich, daß in Görlitz sich einige Angestellte abends langweilen, ein Entschuldigungsgrund für diese Gründung ist das nicht._ Wetter für verlin: Veränderlich und noch etwas Regem Nur wenig kühler: südwestliche Winde. Für Deutschland: In der nord- westlichen Hälfte veränderlich und strichweise Regen mit etwas Abkühlung. Im Süden und Osten wenig Aenderung. � tfafchäfis-Jtnyeiger /r4 (Bezirk füden-Wefien. BAUHUTTEE BERLIN G M B BERLIN SW 48/ WILHELMSTRASSE 106 TELEFON; ZENTRUM 3205-3207/S284 Schillerglocke Oberschönewaide, Schillerpromenade ig F.173 Verkehrslokal der Gewerkschaften. Inhaber G. Sachs Wangrin& Butz Elektr. Liflit-, Krall- n.Rilngelaniagen Konzess. für sämtl. elektrische Werke n Bln.-Neukölln r Q l| Hobrechtstr. 59- 60 r y Unser gemelnwlrt- schaftllches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei Installationen u.dem Bezüge von Beleuch tungskörpern und sonst, elektrotechn. Bedarfsartikeln BERLIN SO 36, Elisabeth-ufer s-g TELEPHON: F 1 MORITZPLATZ 4832-3 BERLINER ELEKTRO HOTTE— •r Telephon: Neukölln 5157 Verlange in KlorzHäse nur „BarDotoamer Ist das Bester „M. 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