BERLIN Soimabend 18. Januar 1930 10 Pf. Nr. 30 42. Jahrgang erfAclttt taiti« aaßer Sonutugt- Jugleich Ädkndaukgab« de«.Dorirärt«' � Bezugirrei« beide Susgaben«s Pf. pro Woche. s/io M. vro Monat. «edattion und Li-pedition; Berlin SW SS, Lindenstr.S »teigenprei«? Die einspaltige Nonpareillezeil« SO Vf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkontv: VvrwärtS-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»7SZK. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi< 291 Ein fahrlässiges Todesurteil. Wiederaufnahmeverfahren angeordnet- falsche ärztliche Gutachten. Bauern gegen Heimwehren. Eine Landbundgründung in ganz Oesterreich. Wie». 18. Januirr.(Eigenbericht.) Am Freitag erfolgte in ganz Oesterreich die Grün- dung von örtliche« Bauernwehren. Tie Bewegung geht aus Kosten der Heimwehr vor sich. Der Landbund seht sich mit aller Kraft für die Bildung der Bauern- wehre» ein. In einem Aufruf an das Landvolk Oesterreichs erklären die Der- treter aus allen Ländern, daß die Bauermvehren geschloffen hinter dem Bundeskanzler Schober stehen...Wir verurteilen alle Angriffe gegen Schober und werden ihnen auch zu begegnen wissen. Wir stehen auf dem Boden der Demokratie und verwerfen jeg- liche Art von Diktatur. Di« oberste Führung des Heimatschutz- gedankens geht Wege, auf denen wir nicht mehr folgen können." Die Gründungsvsrsammlung richtete an den Lattdbunb ein techreiben, in dem die Bildung der Bauernwehren mitgeteilt wird. Weiter richtete sie einen Brief an Dr. S t e i d l e, in dem darauf hin. gewiesen wird, daß d?« letzten Ereignisse es einem großen Teil der Bauernschaft unmöglich gemacht hätten, im bisherigen Rahmen an der Erringung der großen Ziele des Heimatschutzgedankens mitzu-- arbeiten. Heimwehr-Monarch-smus. Oer!ln Italienern bestehe. Die Unsicherheit in der französischen Bevölkerung sei so groß geworden, daß der Gemeinderat eines kleinen Grenz- dörfchen: den ebenso„verwegenen wie kindischen Entschluß" yefaß: habe, Waffen anzukaufen, damit die Bürger sich gegen faschistische Handstreiche selbst verteidigen können. Bessedowskis Halbmillionenscheck. Paris, 18. Januar(Eigenbericht.) Der Bessedowsli-Prozeß in Moskau, in dessen Verlauf der einstige Geschäftsträger der russischen Bolschast in Paris wegen an- geblicher Unterschlagung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. scheint ein kleines Nachspiel zu finden. Bessedowski hat im„Temps" mitgeteilt, daß er nicht nur einen einzigen Scheck über öOOll Dollar eingelöst habe, wie die Anklage ihm vorwarf, sondern über löst 0 09 Dollar, die zur Unterstützung der kommunistischen Propaganda bestimmt gewesen seien. Der Abgeordnete Patureau- Mirand hat jetzt«ine Interpellation an Briand gerichtet, in der er die Frage auswirft, warum die Sowjetregierung diese Summe nicht dazu verwendet habe, die französischen Vorkriegsgläubiger russischer Staatsanleihen zu entschädigen. Das Rätset von Callspach Vom„ Wunderdoktor", der 5000 Mark täglich verdient In der Sitzung der„Medizinischen Gesellschaft" vom 13. Januar be- ichtete vor übersülllcm Saal Pros. Paul Lazarus aus eigener Anschauung von dem heilkünsiler Z e l l e l s in Gallrpach und wies nach, daß dle von ihm angewandten Hochfrequenz, und Röntgenbostrahiunge» schon wegen der kürze der Behandlungszeit von nur wenigen Sekunden physisch»öllig wirkungslos sind, daß e» sich asso dabei um rein seelische BeeZnslussungen handelt.<£s ist im übrigen nicht das erstemal, daß die Aerzkeschast sich mit Zeileis be- schäftigt. Schon vorher hat Dr. Erwin Liek Gallxpach be- sucht vnd über seine dortigen Erfahrungen In der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" berichtet- Weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus kennt man„den Wunderdoktor Zeileis", den„hundertjährigen Arzt", der das klein« Städtchen Gallspach zu einem Wallfahrtsort für Kranke und Siech« aus aller Herren Ländern gemacht hat. Mehrere hundert neckt Pattenten werden täglich gemeldet, im ganzen sind es pro Tag etwa 1000 Kranke, die sich der Kur unterziehen, fa die meisten, mit Ausnahme der Schwerstkranken, werden dreimal täglich den wundertätigen Strahlen des Herrn Zeileis ausgesetzt, was rund 3000 Konsullationen während acht Arbeilestunden ausmacht. Eine quantitativ jedenfalls kaum überbietbare Leistung! Schwer ist es, in Gallspach Quartier zu finden; die wenigen Gasthöfe sind überfüllt, die Zimmer aus Monate hinaus vorbestellt. Im letzten Jahr sollen in Gallspach 82000 Fremde gemeldet worden sein. Die Nachbarorte von 10 bis 14 Kilometer Entfernung wiinm«ln von Zeileis-Patienten, dos Gespräch in der Bahn, im Auto auf der Straß«, in den Gastböfen dreht sich überall um das gleich« Thema: Zeileis und wieder Zelleis! Wer ist nun dieser Zelleis und worauf beruht seine settsame Macht? Schon hat sich der Mythos des Mannes bemäckftigt, der von einem Hundert-, ja Hundertfünfzigsährigen spricht; in Wahrheit ist Zelleis«in guter Sechziger,„ein untersetzter, kräftiger Mann mit leichtergrautem Vollbart, wohlgerundetem Bäuchlein, der in Hemdsärmeln ordiniert, mit bloßem Halse, die Dirgina ständig im Munde". Von seinen übernatürlichen Körperkrästen, seiner mystischen Hcrkunit— Indien— Persien—(wahrschcinlich Oesterreich), seinen physikalischen Forscburigen, die sich über viel« Jahrzehnte erstrecken, raunt man sich Wunderdinge zu. Ein« Sprechstund« bei Z?il«'?. der selber Kurpfuscher ist, dessen beide Assistenten, darunter sein Sohn, indessen approbierte Aerzte sind, erinnert ein wenig an die Revierstunden im Krieg— nur ins Massenhaft« und Grotesie gefteiaert. Ein mäßig großer Raum, in den immer 100 bis 130 Menschen zugleich herein- gelassen werden.(E'ne einfach« Rechnung ergibt, daß bei 3000 Behandlungen pro Tag— auf jeden Pattenten nur wenige Sekunden entfallen können.) An der Eingangstür steht der Wunder- doktor in Person und nimmt die Eintrist-karten zu je 3 Schilling ab, was ihm schließlich nach deutschein Geld« «ine Tageseinnahme von 3490 Mark einbringt! Trotzdem geht im Polksmund die Rede, daß Zelleis aus purer Menschenfreundlichteft, aus Mitleid mit der leidenden Menschheit behandelt. Zu diesem Ruf ist er gekommen, well vor? efteis olle gleich sind. Auch der amerikanische Milliardär, der für ein« Einzel- konsuttatton ein ganzes Vermögen verspricht, wird abgewiesen; er soll 3 Sckilling. wie jeder andere auch, be-ahlen. und wie jeder andere soll auch er sich mit seinen Leidensgefährten gemeinsam ent- kleiden, gemeinsam der Heilkraft der Wunderstrahlen aussetzen. Auf diese groß« G l« i ch m a ch« rei..die den B'dürfnisten der Z-ft Rechnung trägt, beruht ein groß?- Teil der Zellersscken Erfolge. Dazu kommt der Zauber. Man fühlt sich in dem Sprech- -inrmer des Hftlheros wie in das W-m�erkeMvett des Dr. Caligari versetzt: der Zauberer hält in her rechten Hand einen« l« k t r �. ( ch e n Pinsel, der mit e'nem Hochspannungsapparat verbunden ist. ,T>er Zuleitungsdraht sprüht im verdunkelten Raum büschelförmige, bläuliche Funken. Eine breft« ebenfalls bläuliche glänzende knisternde Strahlung geht von der Endplott« des Pinfeis aus. Wich» die Platte etwas schräg gehatten, dann springen umcr starkem Geräusch aus etwa 10 bis 13 Zentimeter Entfernung breich Lfttzbander auf den Kranken über. S t r a h I u n g u n d Blitz— das ist eigentlich' alles, was Zeileis macht. Der«m« Arzt bedien» � einen kleinen Röntgenaparat, der ander« leuchtet die Kranken sekundenlang mft einer einfachen Bogenlampe ab, deren Kohlenstit'r mit„Helium getränkt" sein sollen. Noch summarischer als diese Behandlungsmethode ist die Unter- suchunq. Wunderdoktor Zeileis hält dem Kranken(der die Diagnose ja meist schon mttbringt) eine angeblich mft Edelgasen gefülltes<3la?- röhrchen nacheinander vor Stirn, Brust und Bauch; die Röhren— nichts anderes als der uralte Zauberstab in moderner Aufmachung— sollen dann über dem kranken Organ anders aufleuchten als über dem nesunden. Blitzartig schnell wird die Diagnose gestellt, dle ia im Grunde ganz belanglos ist, da die B e h a n d l u n g s- Methode bei allen Leiden die gleiche ist. Selbst der ärmste Volksgenosse würde sich in der Sprechstunde unserer Aerzte ein so summarisches Vorgehen nicht gefallen lasten— warum tun«s die Hunderftausend« bei Zeileis, ja mehr noch, wes- halb verlallen so v«le das Wunderkabinett in Gallspach getröstet, mtt neuer Hoffming im Herzen? Zwei bedeutsame Faktoren haben wir bereits«rwäbnt. die den Erfola begünsttgen; als ersten die Gleichmacherei. Nicht der Herr Minister, der Herr Präsident. die gnädige Frau stehen vor Zelleis— mit den Kleftern fallen auch Rana und Titel. Es bleibt iftchts als der armselige krank« Mensch, Wachs in der Hand des Helfers. Ende des Luwelendleves. pariser ps izei verhaftet einen langgesnchken Berliner Dieb Zu Ansang November des vorigen Jahre» berichkeieu wir über einen dsr gerissenste« Zuweleudlebstähle, die in Berlin jemals au»- geführt worden flnd. Der Raub geschah in der Wohnung einer Schauspielerin. Dem Betrüger fielen damaks Schmucksachen im werte von über 200 000 Mark in die Hände. Der Dieb war zunächst wie vom Erdboden verschwunden, doch bald war ihm dle Polizei auf der Spur. Man stellte zunächst fest, daß der Räuber ein 3öjähr!ger Saufmann Wilhelm perle- w l h war, der in Spandau wohoke. Gestern wurde Perlewlh In einem Hotel in Paris aus Grund des internationalen Fahndungs- ersuchen» von kriminakbeamteu erkannt und festgenommen. Die erste Spur dcs Verbrechers führte zunächst nach L u z e r n. Als di« Polizei hier aber zu seiner Lerhaft mg schreiten wollte, war Perlewitz, der offenbar Wind bekommen hatte, plötzlich verschwunden. Die weitere Spur führte nach Paris, wo es nun endlich gelungen ist, ihn dingfest zu machen. Wie erinnerlich, stamm'« der geschädigte Juwelier aus Frankfurt a. M. und weifte damals Geschäfte halber in Berlin. In einem Ledertöfserchen führte er«in« Kollektton mit wertvollen Schmucksachen bei stch. In seinem Hotel wurde der Juwelier von Perlewitz, den er von früher her flüchtig kannte, an- gerufen und gebeten, für ein« ihm bekannte Schauspielerin einen Brillantring im Wette von 13 000 Mark zu beschaffen. Perlewitz und der Juwelier begaben sich noch am selben Abend in die Wohnung der Schauspielettn. In geschickter Weise oerstond es dann Perlewitz, den Juwelier zu bitten, in einem Zimmer zu oerweilen. während er angeblich in das Schlafzimmer der ikirn b--kannten D'm« gehen wollte. Nach einer längeren Zeft trat die Dame aus dem Schlafzimmer heraus und war sehr erstaunt, einen fremden Herrn in ihrer Wohnung zu sehen. Der Juwelier erklärte, daß er seine Kollektion mitgebracht habe, mußt« aber zu seinem größten Schrecken feststellen, daß sein Köfferchen von der Bank oerschwunde war. Perlewitz hatte es unbemerkt an sich genommen und hatte sich da mft durch di« ander« Tür auf und davon gewacht Marburg. LlniverMäi 6rr Hatmtreuzler.— Soll das so weiiergehen? Man schreibt uns aus Marburg: Als Minister Dr. Becker in Marburg weilte, um zu den vielen neuen ilniversitätsinstituten noch ein neues weiteres Forschungsinstitut einzuwechen und der Universität chre neue Satzung auszuhändigen, wurde er beim Eintritt in die Universität in gemeinster Weise von Studenten beschimpft und beleidigt. Rektor und Senat veröffentlichten darauf die folgende schwarzumränderte Traueranzeige in her Lokalpresse: „Am vergongenen Dienetag hat eine klein« Gruppe von Studenten den Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung bei seinem Eintritt in die Universität durch beleidigende Zurufe beschimpft. Durch dieses, eines Studenten umvürdige Venehmen ist das Ansehen unserer Hochschul«, der Ruf der gesamten Macburger Studentenschaft schwer geschädigt. In der Gewißheit, daß alle unsere Kollegen und die über- wältigende Mehrheit unserer Studenten dies« Vorkommnisi« aufs entschieienste mißbilligen, geben wir hiermit dem Gefühl unserer tiefften Entrüstung öffentlich Ausdruck. Marburg, den IS. Januar 1930. Der Rektor und Senat der Philipps- llniversilät." Mit einer Traueranzeige darf dieser Fall nicht erledigt sein. Es muß endlich durchgegriffen werden! Die Täter waren Korporationsstudenten von der völkischen Äilde Saxnot sowie Nationalsozia' listen. Sie sind erkannt und ermittelt. Man erinnert sich, daß vor Jahren der Marburger Sttldent E ck a r d t auf friedlich demonstrierende Arbeiter mit dem Revolver schoß. Man erinnert sich, daß der letzte Rettor, Professor Dr. Genzmer bei der Kundgebung gegen den Friedens- vertrag redete, obgleich ihm das Verbot der Staatsregierung bekannt war. Er ging frei aus. Man erinnert sich, daß tn der Universität Marburg plötzlich ein Brand ausbrach, als Dr. Breit scheid dort im Großen Hörsaal sprach. Angeblich war es ein Zufall. ein Schornsteinbrand. Was wird das Ministerium tun, wenn die Universität als Disziplinarbehörde versagen sollte? Wird man endlich durchgreifen? Der Staatsminister Dr. Becker hat das Wort zu durch- greifenden Maßnahmen. Viele sind schon an ihm irre ge- worden, wenn sie sahen, wie die Republitfeinde triumphieren. Soll es so weiter gehen? Oemokraienbündnis mit dem Hakenkreuz Allgemeine llebung in Sachsen. Dem Chemnitzer Beispiel folgend, hat sich auch in der Zwickauer Stadtverordnetenversammlung ein« Einheitsfront von den Demotraten bis zu den N a t i o n a l s oz i a- listen gebildet. Die erste Leistung dieser Mehrheit war. daß sie der Sozialdemokratie als stärkste Fraktion entgegen dem parlamentarischen Brauch das Amt des Stadtoerordnetenvorstehers var- enthielt:-* J''■ Die Sozialdemokratische Stadtoerardnetensrrcktion gab dazu eine Erklärung ab, in der sie gegen den„Bruch aller parlamentarischen Gepflogenheiten� durch die bürgerliche Mehrheit protestiert und gleichzeitig feststellt, daß die kommunistische Fraktion auf Anweisung von Moskau ebenfalls die Wahl eines sozialdemokratischer» Vorstehers verhin- dert Hab«. In Anbetracht der durch den Bürgerblock ge- ichaffenen Situation lehne sie„eine weitere Mitwirkung an der Be- setzung des Präsidiums ab, da sie es für unter ihrer Würde hält, mit Vertretern von Parteien zufammenzusitzen. deren Verhalten im schärfften Widerspruch steht zu jeglichem parlamentarischen Anstand und zu allen demokratischen Grundsätzen."' Die Vorstandsmitglieder der demokratischen Ortsgruppe Chemnitz haben ihren Austritt aus dem Reichsbanner erklärt, soweit sie Mitglieder dieses Bundes sind. Sie haben sich damit mit dem ehe- maligen Gauvorstandsmitglied Nordsteck solidarisch erklärt, der im Chemnitzer Stadtparlament für einen Nationalsozialisten stimmt« und deshalb aus dem Reichsbanner ausgeschlossen wurde. Oer eine zieht hü, der andere hott. Stuttgart, 17. Januar.(Eigenbericht.) In der D eutsch. D e w o t ra t i s ch en Partei Wärt- t e m b« r g» ist durch das Eintreten eines Teils der Partei, insbe- sondere der Partelleitung. für den Eintritt in die Regierungs- koalition Bolz-Bazilles«in heilloses Durcheinander entstanden. Davon legt« inebejondere der Verlauf einer Sitzung Zeugnis ab. die vom Landesoorstand der Patte! gemeinsam mit der Landtagsfraktion abgehalten wurde. Die Sitzung oerlief ergebnislos. Aus den Verhandlungen war nach den vottiegenden Zeitungsberichten zu entnehmen, daß den Anstoß zur Erörterung der Frage der Regierungsbeteiliguag die Vertreter von Handwerl und Haus besitz gegeben haben, deren Wortführer die Abgeordneten H e n n«- Tübingen und Julius H a u s m a n n- Stuttgart sind. Dem Druck dieser Gruppe hat die Parteileiwng nachgegsben. Sie Ist aber auch noch von anderer Seite zum Eintritt in die Regierung gedrängt worden, und zwar ging das aus einer Mitteilung des Vor- sitzenden, Abg. Bruckmann, hervor. Er sprach die Meinung aus. daß die Demokratische Partei In Zukunft nicht mehr wie bisher vom Stuttgarter..Neuen Tagblatt"' untcistützt werden würde, wenn sie die Regierungsbeteiligung ablehne. Diese, die Lage scharf kennzeichnende Mitteilung wurde van dem in der Sitzung anwesen- den Chefredakteur Brackmann beftStigt. Innerhalb der Vertretung der I n d u st r l e gehen die Meinun- gen auseinander. Während die Abgeordneten Bruckmann und W i e l a n d sür die Beteiligung styd. haben sich die Abgg. M a u t e und H i« b i r dagegen ausgesprochen. Der Abg. Roth schwankt noch. Die«ndgülttge Entscheidung soll nunmehr von dem Landes- vertretertag der Pattei gefällt werden, der für Sonntag ein- berufen worden fft. Vertrauen für die badische �egierunq. Karlsruhe. 17 Januar.(Eigenbericht.) Der»adisch« Landtag billigt« am Freitag nach ernci zweitägigen politischen Aussprache die Regierungserklärung des Staatspräsidenten und sprach dem Kabinett mit 48 gegen 29 Stupmen bei 8 Enthaltungen sein Vertrauen aus. Die Miß- trauensanträge der Nationalsozialisten und Kommunisten wuiden mtt großer Mehrheit abgelehnt. Theater/ Uli „Der Walzer von heute nacht." Adalbert'Schwant im Kleinen Theater. Heinrich Ilgen st eins„Walzer"' ist nicht von heute nacht, sondern von vorgestern. Der Lebemann aus der Provinz'schlägt in der Stadt über die Strenge, wird von seiner Frau ertappt und windet sich nun in tausend Derlegenheiten. Das Thema kennen wir zur Genüge, nur bei deutschen Schwankversafsern scheint es sich noch nicht herumgesprochen zu haben, daß das Publikum an solchen Geschichten keinen Reiz mehr findet. Im ersten Alt sieht es mächiig unmoralisch aus. Er spielt in einem Amüsierbetrieb mit Tisch- telephon und Tischrohrpost(wo es sowas-n Berlin in nattü-a zu bewundern gibt, ist im Programm genau angeführt), von freier Liebe, Kameradschaftsehe und flammender Erotik ist die Rede, aber es löst sich alles in Sitte und Anstand«ms. Ilgenttein spielt mit der Unmoral, er weiß,«in Teil der Zuschauer freut sich darüber; dann enttäuscht er sie, indem er zur Sittsamkett hinüberwechselt. Sein Humor strömt nicht aus dem Herzen, fondern aus dem Tinten« faß, seine vier Akte entwickeln sich so umständlich, daß schon wr zweiten Akt die Langewell« ins Parkett kriecht. Das kann weder die L« h a r s ch« Musik verhindern, mtt der das Stück durchsetzt ist, noch die gute Laune der Darsteller, die sich groß« Mühe geben, in die abgestorben« Sache Leben zu bringen. Max Adalbert spielt den elegischen Schwerenöter mit bescheidener Liebenswürdigtat. eine neue Note, die zwergfellerschü'ternd wirkt, Erika Glähner, Hilde W ö r n e r und Hans Herrmann- Schausuh. sprühen vor Lustigkeit. Verfasier und Regisieur Friedmann-Frederich bedanken sich sür den reichlich gespendeten Veifall. Oxr. „Die Krau ohne Aerven." Marmorhaus Da Ellen Richter dl« Hauptroll« spielt, geht es in diesem Fittn sehr abenteuerlich zu. Diesmal ist sie Reporterin eines Uein.-n Berliner Skandalblollcs und bringt Herrn Pointner als Hoch- stapler zur Strecke, der sein höchstes Glück dann steht, wmvolle Bilder aus staatlichen Museen zu stehlen. Di« Mona-Lisa-Episode aus dem Louvre hat der Film also noch immer nicht überwunden. Früher waren diese Ellchi-Richter-Filme hübsch und nett gearbeitet. Heitere Intermezzi und exotische Bilder lichteten d« Handlung aus, die keinen Anspruch auf Wahrheit stellt«. Der Fllm wollte unterhallen und spannen. Das war alles. Leider tut er es heute nicht mehr. Die Handlung fli.ht zu dünn; das Klischee ist abgenutzt. Man steht die Fädcn, die die einzelnen Szenen miteinander grundlos verknoten. Der Film ist ernster geworden, er stellt mehr Ansprüche an die Wirklichkeit, und darum erkennt der Zuschauer die Unmöglichkeit der Situottonen. Das war an sich nicht schlimm, aber der Refrain der Ellen-Richter- Produktion lauttt jetzt: es ist so. und nicht wi« bei den Amerikanern: es könnte so sein. Unter Willy W o l f f s Regie wird wenigstens gut gespielt. Bender, Falken st ein und Janssen geben Typen von charakteristischen Umrissen.— t. „Die Kaviarprinzesflu." 4 Attium. Das Publikum amüstett sich über diesen netten Fratz und kecken Ausreißer, den ihm Anny O n d r a neck.sch serviert. Man glaubt sich in ein Schlaraffenland einer fabelhaften Vorkriegszeit versetzt, in dem die Menschen wirklich keine Sorgen haben. Der mtt allerlei wunderlichen Schnurrpfeifereien aufgezogen« und mit ulkigen Typen besetzte Laden einer verschlafenen Kleinstadt wechselt mit dem großen Patts als Schauplatz. In beiden treibt der drollig« Käser sein« Sireiche, richtet Verwirrung im Herzen eines jungen Diplomaten wie im Hotelleben an. Einen Teil der guten Laune erzeugen selbst die langen, unfilmischen Titel mit ihren Parforcewitzen. Die Menschen aus der Kleinbürgerwell haben offenbar Sehnsucht nach Märchen, auch wenn sie nicht aus der Wirklichkeit sind, und so sogt es Ja und Amen zu allem, was die Gegenwart vergesien lernt. Carl Lama« führt« mit leichter Hand die Regie, Andrä R o a n n« und Joses Rovensky waren gute Stützen des lustigen Gebildes r. Kunsterz ebuna der Luqend. Das Provinzialschullollegium Berlin, das Zentral insti tut für Er- Ziehung und Unterttcht und der Bund für Kunsterziehung veranstallen zusammen In den ersten Monaten bitte s Jahres einen Lehraang für Kunsterziehung für die Groß-Berliner Lehrer- sch a f t. Der große Saal des Zeittralinstituts(Potsdamer Str. 120), in dem kürzlich estnische Kunst gezeigt wurde, war voll von Er- ziehern bei dem Einsührungsabend: und sie bekamen vom Vize- Präsidenten Grimm(vom Prooinzialschuikollegium), vor allem von dem Hauptredner. Prof. Waetzoldt, dem Generaldirektor der staatlichen Museen, so ausgezeichnete und einleuchtende Lei jätz« für Kamsterziehung zu hören, daß man ihre Besolgung durch die Lehrerschaft nur dttngend wünschen möchte. Waetzoldt ist ja durch seine w'ssenschastliche Tätigkeit und Stellung vorherbestimmt, hier das Maßgebende zu sagen, er tat es in einer ungemein klaren und geist- reichen Form. Ausgehend von dem ungeheuren Unlerschieb unseres heutigen Weltbildes und Erziehungsideals gegenüber dem vor einer Generatton, kam er auf die unleugbare Abkehr von der Kunst in unserer Zeit, die im Interesse sür alles Technische und für Spott ihren Grund hat. aber auch in der ästhetischen Lebenssrcmdhett der Kunst selber. Heut« interessiert man sich fast nur noch für Architektur. Von solchen Gesichtspunkten aus muß die Kunsterziehung der Jugend ausgehen. Sie soll weder zum Kritisieren oder toten historischen Wissen noch zum Aesthetisseren anleiten, sondern zur Ehrfurcht vor dem Schöpferischen, und dies durch Kennenlernen der Gegenwartskunst, für die Kinder von Natur ein erstaunliches Der- ständnis besitzen, vor allem auch von moderner Baukunst und von Kunstgewerbe, wo der Weg zur Kunst über das Verständnis des Technischen geht. Endlich kann man auch das Kunstwert als klarstes Dokument über die geistige Haltung und Entwicklung des Menschentum» zu ollen Zei en und in der Gegenwart heranziehen; nicht historisch. sondern wie ein höchst lebendig zu fassendes Spiegelbich von aller Art Menschheitsideen und Sitten, ein Spiegelbich. das in dsr Sprache der Kunst, in der Form begriffen werden muß. Die Rede von Prof. Sandkuhl. dem Letter der Iuryfreien, über.Jung« Kunst"— deren künstlerische Jugend er in Parallele setzte zur menschlichen Lugend, mtt der sich die Kunsterziehung de- faßt— litt an dem Mangel von Lichtbildern. Der Portragend« hielt sich an einig« anekdotische Beispiele von den mannigfachen Wegen. aus denen man zu Kunst und Kunstliebe kommt. P. F. S. n/ Voriräge. „Das Recht auf Liebe." Rox-Palast. Magnus H i r f ch f« ld hat es sich zur Aufgabe gemacht,«ms Grund der Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Forschertätigkett gegen ungesunde Lebensanschauungen zu kämpfen. Er hat durch seine Lebensarbeit sich Anerkennung in weiten Kreisen errungen, die hefttg gegen den Mißbrauch seines Namens für diesen Film protestieren werden. Ist es doch nicht angebracht, daß man die Schlußworte eines Vortrags des Forschers auf der Leinwand erscheinen läßt und daraus das Recht ableitet, die Nutzanwendung in ein ganz umnög- liches Milieu zu stellen. Das gleiche Problem, das Taller in seinem Hinkemann wuchtig und menschlich behandelt, hat das Regisseurehepaar Fleck in dos gesellschaslliich« Milieu der Hochfinanz oerlegt.- Der Mann, der m- folge einer im Kriege ettittencn Verletzung ohne Nachkommen durchs Leben gehen muß, heiratet ein armes Mädel, dem er seine Gebreche» vor der Ehe offenbart. Er macht mtt seiner jungen Frau ein« Wellreise, er bittet ihr alles, aber Madame bekommt Langeweil« und wirst stch einem anderen Mann an den Hals. Anders ist nach der Enttoicklung im Film ihr Tun nicht aufzufassen, denn erwachte Müttettichkeit erscheint gar zu unglaubwürdig. Ais Gegenspitterin wird ein gefallsüchtiges Luxusweibchen in diesem Film als die vor- bildliche Mutter gepriesen. Das ist nahezu eine Verhöhnung all der Mütter, die mit dem geringen Lohn ihres Mannes rechnen müssen oder die ihre Kinder durch eigener Hände Arbeit großziehen. Um Toilettesragen zu erörtern und ein« ausgiebige Fleischbeschau m siner Bar zu veranstallen, beschäftigen sich die Flecks mit Pro- blemen. Sie entfallen einen derartigen Luxus, daß man annehmen muß, sie hätten sämtlich« Berliner Möbellager ausgeräumt, um die Villa des Großindustriellen �u möblieren. Und da der berühmte Regisseur Fritz Lang durch die malerische Wirkung seiner Treppen auffiel, laufen in bewußter Villa die Bewohner andauernd Treppen auf und ab. Die„armen" Reichen, sie werden auf die Dauer der Herzerweiterung nicht entgehen können. Evelyn Holt sieht elegant und gut aus und Henry Stuart, der schauspielerisches Können hat, wird für diesen Film entschieden mißbraucht. t. b. Neue Ergebnisse der Erb'.ichkeitssorschung. Professor Ernst R ü d i n, der wissenschaftliche Mitarbeiter der Deutschen Forschungsanstall für Psychiatrie in München, hiell in der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften(die sich ebenso überflüssiger- wie merkwürdigerweise immer noch Kaiser-Wilhe'm- Gesellschaft nennt) einen Vortrag über„Praktische Ergebnisse der psychiatrischen Erblichkeit ssvrschung".„Unsere Arbeite"", führte der Dorttagende aus,„sind dadurch besonders erschwert, daß die Erb- lichkeitsforschung auf eines der wesentlichsten Moment« der wissen- schaftlichen Forschungsarbeiten, aus Experimente, verzichten muß und unsere Arbeiten mehr auf praktischer Erfahrung als auf theore- tischem Untergrund ausgebaut sind. Das Interesse dsr Bevölkerung an der Frage, welch« psychiattischen Veranlagungen vererbbar sind, ist ungeheuer groß, ebenso wie die Frage, bis zu welchem Der- wandlschaitsgrad Nerven- und Geisteskrankheiten sich auswirken. Die Werte, die wir aus der Erbprognose-Bestimmung erhalten haben, sind angenähert. An erblichem Veitstanz Leidend« haben ttwa 50 Prozent g'eichkranke Kinder. Manisch Depressive rund 33 Prozent, schizophrene Kranke und Epileptiker rund 10 Prozem, Hysteriker' rund 13 Prozent. Neben diesen Krankheiten treten jedoch bei den anderen Kindern noch geistig« Defekt« anderer Art in mindestens der gleichen Anzahl auf. In den entfernteren Derwandtschafts- graben fallen naturgemäß diese Zahlen, die im wesentlichen davon abhängen, wie stark eine Krankheit bei beiden Eitern aus. ritt. Wir haben bei unseren Forschungen festgestellt, daß die allgemein ver- breitete Ansicht, Alkoholisnius des Baters sühr« zu minder- mettigen Kindern, unrichtig ist. Bei 1246 Kindern von Alkoholikern wurde keine einzige Minderwertigkeit sestgestellt. In diesem Zu- sammenhang muh allerdings erwogen wenden, wie weit die Alto- holsucht eines Menschen bereits geistige Abnormität voraussetzt, die durch Vererbung auch später bei den Kindern zutage treten muß. Das gleiche Ergebnis fanden wir bei Untersuchungen an Kindern von Syphilitikern, so daß wir nach sargsälliger wisienschalt- licher Prüfung diese besonders stark verbreitete Gespensteriurcht als unbegründet bewiesen haben. Die durchgeführten Arbetten sind wichtig im Hinblick auf die Frag«, welche Erbkranken und Minderwertigen sich nicht vermehren sollen. In diesen Fragen kommt uns die Bevölkerung mit regem Interesse entgegen. Von den Mitteln, trankhaft unglücklichen M«n- schen eine Fortpflanzung ihrer Veranlagung unmöglich zu machen, ist besonders die Sterilisicrung zu erwähnen, die nicht mir Kastra- lion zu verwechseln ist. Sie wirkt sicher und gefahrlos, ohne die körperliche und geistig« Persönlichkeit, chre Gewohnheiten und ihr Recht aus die letzte menschliche Verbundenheit zu zerstören. Di« positiv« Eugenik bezweckt für all« Bevölkernngs'chichten die mög- lichst starke Fottpflanzung der Degabten und gesund Veranlagten. wlllenscb-isMcher Prolest-wen Ratt-ler. Der D'-skto- der Zoologischen Sammlungen des Bayettfchen Staates, Prof. Hans Krieg, der als Erforscher des Gran Ehaco bekannt fft, veröffentlicht gegen den Forschungsreffenden Dr. Baeßler eine äußerst scharfe Erklärung. di« Baeßlers plumpe Reklame, Uebertreibungen und Unrichiicfteiten. ja sogar bewußte Jrresührnno zum Vorwuvs macht. Auch habe Baeßler völlig zu unrecht die Feststellung der Dettvettagerung des Rio Pllcomayo für sich in Anspruch genommen. Da» Gulenberg-Museum als wellmnsevm. Der Direktor des GUtenberg-Museums in Mainz, Dr. Ruppel hat einen Ausruf erlassen, in dem er den Ausbau des Tutenberg-Museums als Welt- museum der Druckt nnst fordert. Die internationale Gutenberg- Gesellshoft tie im Jahre 1900 das Gutenberg-Museum gründete, hat bisher die Erzeugnisse der Dn-cktunst aus allen Kulturländern gesammelt und die Druckwissenschaft erforscht. Die Kulturstaaten dtr Erde haben ihre Mitarbeit zugesagt. M»se»n-»iöl,n>ngni. Sonntag. 10 Uhr. lpreckikn im Neuen Museum Pros. Schaffs über„Aegypten eis Orosjmaidt Im 2. 0 a h r< t a» i r n d v. Chr.*. im Ka»l«r-ffrltt>ttck-MvI«mn Tr Zuntz Oher „Dürer und D o I b ein* urd>w Mu'ei m sür Völle, künde I Vrai. Sichborn über„Die Kultur der Pelhnester und Mikra« nesier'«mit Litldildein). vi« Slödllsche Oper bereitet sür tzkebruar zwei«ntereffant» Neubttw, var: B-rb«.Simone Voeeanegra* in der Neudeurbeiumg»on Kran, Geffcl, und„Mignon* mtt Maria(toogün. Vilm» AI ackeberg gibt am St. aut Veranlaslunp der Gemelnniitziaen Bereinigung ,nr Pfleg« deulscher Kunst im R o i,« t t h a- Satt iLützaw- platz 8)«inen zw«II«n Bortragiabend mtt neuem Programm. Edison» Sllsle sür da» viufch» Museum I» MSacheu. Wie Münchener Plälter auS Windjor im Staate Eann-cllent effahien. bat.«in« doltige Bildhauerin den Auitrag«, halten,«ine Marmoibüb« van Thema« Sdflvn HerjustttU«, die de« Deutschen Museum in München geschenkt werden sali „Man muß handeln." „Wir organisieren den politischen Massenflreit.* „3n allen Betrieben gilt es jetzt, die Frage der Entfeffelung Luchtiger Kompj« fürollgemeineLohnerhöhung jajort auf i e Tagesordnung zu setzen. Siebenstundenlag. Lohnerhöhung, ) Nnterbeihilse, Arbelt und Brot für die Erwerbslosen sind das Ziel. lrber es gibt nur e i n Mittel, es durchzusetzen. Ueberall müßt'hr n den Betrieben eure Forderung ausstellen, überall vor den Jireklionsgebäuden aus ihre Erfüllung drängen, überall auhertaris- iiche Streiks organisieren, die das Unternehmertum auf die Knie Eningen. In diesen Kämpfen und aus ihnen heraus wächst der polltische Mossenstreik.- Diese Parole der Mostauer Drahtzieher hat der„An-die-Wond'- bleumann dahin«näutert:„Die zentral« Ausgabe, die ent» scheidende Forderung der Situation sind jetzt Wirtschastskämpfe, Lohnbewegungen, proletarische Kampfaktionen bis zum politischen Massenstreik... für Siebenstundentag und allgemein« Lohnerhöhung durch Entscssclung autzerlarisilcher Lohnkämpfe." Als in Baden vor 3» Iahren einmal die Herrenmaßschneider in der Hochsaison streikten, bemerkte ein kleiner Schneidermeister, das begreife er nicht. Di« Gesellen könnten doch in der stillen Zeit streiken. Wenn der Mann heute noch lebte, hätte er seine helle Freude an der Taktik der KPD., jetzt überall außertarifliche Lohn- kämpfe zu entfesseln, wo die Unternehmer ihre Betriebe einschränken. Ob die in Arbeit stehenden„revolutionären klassen» beorußten" Unorganisierten dieser tölpelhaften Parole folgen, ist sehr fraglich Unsere Gewerkschaftsgenofsen aber erkennen die .Dampfleitungen" der Merker, Reumann samt aller übrigen Welt- revolutionsstrategen nicht an und halten sich an die Beschlüsse ihrer Organisationen. Di« Rot und das Elend der Erwerbslosen zu Verzweif- lungsaktionen auszuschlachten, kann nur das Werk von Provokateuren sein, wi« diesen im Dienst« der Moskauer Außenpclitik stehenden Gewerkschaftsfeinden. Wenn Hetzer über Hetze klagen. „Kaiser und Konsorten" hielten am Donnerstag eine Dersamm- lung der erwerbslosen Bauarbeiter ab, in der sie wiederum gegen die revolutionäre Opposition maßlos hetzten— steht heut« schlicht und erbaulich, nur mit der Ueberschrift versehen: Kaiser provoziert weiter, in dem Moskauer Hetzblatt. Paßt es der KPD. und ihrem Zentralorgan gerade in den Kram, dann verleugnen sie sogar ihren großen Borsprung auf dem Gebiete der maßlosen Hetze und machen„spießbürgerlich in sittlicher Entrüstung über maßlose Hetze. Das sollt zwar nicht aus dem Rahmen der LI Punkte, ist aber immerhin eine Leistung. Wetter für ve'sin: Ziemlich heiter, nachts Frost, Tages- tempcraturen einig« Grade über Rull, südliche Winde.— Für Deutschland: Strichweise neblig, sonst ziemlich heiter, Nachtfröste. vi« Suni hall« Wilmersdorf. Parifer Strohe tS. am Lnlwlatirchpla>- »rössnet am IS. Januar. 11 Uhr, ihre diesjäbriac Januar-Februar- Au S sie IIunp mit Werten der Malerei. Plastit und Graphit, �ele»- Eintritt werktäglich 11—13 Uhr und 16—18 Uhr, Sonntag« 11 13 Uhr Sonntag, 19. Januar. Berlin. 7.00 Fiunksarnnastik. 8-00 Für dsn Landwirt. 9.00 Mo-rrnfcier. '0.00 Weitcivorhersaje. 11.00 Feicrstonde, veranstaltet vorn Verband lür Freidenkerturn und Feuer- bestattnng, Berlin. 11.30 Von Leipzig: Mittagskonrert. 13.00 Schallplattenkonzert. 13.30 Von Breslau: Deutsche Winterkanipfspiele in fCrntninhQbeL 14.10 Mirchen.(Spreche' In: Johanna Meyer) 14 40 Alphons Paquel, Frankfurt a. M.: Zeitung Rundlank. Kind. 15.10 Xaver Scharwenka. I. Thema und Variationen, D Mol!, op. 48.— 2. Menuetts.— 3. Walzer As-Dnr.(Katharina Freiwald: Flügel.) 15.40 Aus dem Sportpalast: Berliner Rugby-Meisterschaft. 16.10 Mandollnenorchcsier. Konzert. 17.15 Versuche zur Erzählung.(Laien Improvisieren: Episoden ans dem Leben.) (Ltg.: Edlef K5ppen.) 18.00 Unterhaltungsmusik. 20-00 Hans Dcppe und Werner Fink unterhalten sich. 20.30 Operctten-OnerschnitL Anschließend: Zeit, Wetter. Tagesnachrichten. Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Könlgswusterbausen. 11.00 Bei canto.(Schallplattenkonzert.) 11.30 Von Leipzig: Konzert. 15.10 Dr. Annemarie Bieber: Von werdenden Müttern und kommendes Kindern. 18-30 Dr. Albert Dietrich: Besinnliche Viertelstande. 18.45 Dr. Arthur Eloesscr: Deutsche Barockiiteratur. 19.20 Julius Bab: Werk und Leben.(Gedanken zum Scbaffensproblen.) 20.00 1, Mozart; Trio dir Klavier. Violine und Vlolouceli(K.-V. 848).— 2. Zilcher: Rokoko Suite fOr Qesang, Violine, Celle und Klavier, op. 65- — 3. Beethoven: Variationen Uber das Lied..Jch bin der Schneider Kakadu" lür Pianoforte, Violine und Violoncell, G Dur. op. 121 a.(Daa Zilcher-Trlo: Prof. Dr. H. Zilcher, Flügel; Prof. A. Schier ing, Violine; Prof. E. Cahnbley Violoncell. Mitw.; Margaret Zilcher-Kiesekamp, Sopran.) 21.00. Von Hamburg:„Alpenball". Sonnabend. 18. Januar Berlin. 16.05 Dr. Fritz Weinberg:..Mielsallerlel". 16 30 Unle balturgsmusik. 18.30 Deutsche Welle; Französisch für Anflnger. 19.00 I. Qrigory Krein: Potme für Violine and Klavier, op. 25(Anatol Knorre. Violine und der Komponist am Flügel.)— 2. Julien Krein: Vier Klavier* stücke.(Der Komponls( am Klavier)— 3. Orlgory Kreis; Ballade op. 39.(Anatol Knorre und der Komponist.) 19-30 Kardorff, M. d. R.; Znm 13. Januar. 20.00„Tiere singen dich an".(Ans Operetten.) Ltg.: Cornelis BronsgeesL Dirigent: Bruno Scldler-Winkler. 21.00 Kabarett.-Anti". Nach den Abendmeldungen bis(.~J: Tanzmusik. KSnlgswusterbausea. 16.30 Von Hambuig: Nachmiltagskonzert. 17.30 Aktaclle Pclizciprotlcme(Kurt Kottenberg. M. d. L./ 18.00 August Wlnnlg: Die Entstehung dea Proletariats. 18.30 Französisch für Anfänger. 19.00 Stille Stunde:„Lob der Kfeatnr". 20.00 Programm der Aktuellen AbteJIung. 20-30 Von Breslau:„Die Kehrseite"! Ein heiter-ernstes Hörspiel von Megerle von Mühlfeld und Karl Schnog. Theater der Wache. Vom 19. bis 27. Zanuar. Volksbühne. Sitaitt»»«SIwnpIsÄ: Apollo. Brunnenftreßl. 19. UM Uhr. Amnesie. Staatslheatee. Cpet Unter den Linden! 19. Die Me'.sterfinaez. 20.«erdegell. Set«dnl«. 21. Der Troubadour. 22. Die Mo cht des Schi-Hals. 28. Echwonda, der Dudelsack- pielfer. 24. Die Sntjührunfl aus dem Serail. 25. Pale str Ina. 26. Der 3>olen- fava'ier. 27. tzra Diarolo.__.„. Oper em«loh bei SepnblU: 19. Die ÄauBetflBte. 20. Die Fledermaus. 21. Die Spanische Stunde Der arme Matrose. Angelioue. 22. Salome. 23. IV. Sinsoniefonzert. 24. Die verkaufte Braut. 2S. Carmen. 26. Hans Helling. 27. Card llae._ Stäb' ische Oper: 19. und 23. Der BarHier oon Sevilla. 20. und 24. Tann» Häuser. 21. Boheme. 22. und 26. gedora. 25. Oikiello. 27. Die Geseich:, eien. Le ausplelhan» am Senbazmenmarfl: 19., 22., 26. und 27. Oed.pus. 20. Peen Snnt. 21. und 25. Musik. 23. Wallensteins Tod. 24. Wallenstein- Lager. Die Piceolomlni... SckiLer.Tbeafer- 19-, 22., 23., 26. und 27. So und so. so geht der W:nd. 20, und 21. Lans im Schnakenloch. 24. Nabale und Liebe. 25. lslorian Geyer. Theater mit festem Spielplan. Theater a« Schilfbane-damm: Die Carlenlaube.— Thalia-Theater: Das kleine Stäulein Li. 19., 26. ll'4 Uhr Matinee.- Dentsche, Theatar! Der Ua ser von Amenka.— lfammerspiele: Bis 23 Dssir«. 24. geschloisen. Ab 2u. Der Land dat.— Tie«omödie: Bis 23. Vom Teufel aeholL Ad 2L Biktoc.a fEesellschaftsabend).— Theater am R-llendorfpIai,: Menschen im S-tai.— Theater in der Söniggragri Strasie: Bis 22. Die erste Mrs. Selby. Ad 23. Prolesior Bernhardi— Tomlbienhau«: Der Lstgncr und die Zlonne.— Grshe» Sc aulpielhai»: Die 3 Musketiere.— Theater de, Westens: So'el Stadt Lemberg.— Tentfdes Volkstheater: Die Geisha.— flämische Oper: Sulla dt Bulla.— Deutscher Rinftletlhcatcr: Gins, umti, drei und„Souper".— Last- ipielhaus: Bis 20. Wiegenlied. Ad 21. Liebe auf den»weiten Blick.— Lefsing- Thea'er: Affäre Treysus.— sientral-TSeater: Der Soldat der Marie.— Theater In der Behrenstrabe 53— 54:... Bater sein, dagegen sehr!— Metropol-Theater: Da» Land des Lächelns.— Berliner Theater: 20.. 21. Herz Lamderthier. 22-, 23. geschlossen. Ab. 24. Die Strafte.- Die TrbSne: Krauen. opfer.— Weine« Theater: Der Walzer von heute Nacht.— Neua.ssanee-Thea.er: Pariser Leben.— Walhalla-Theater: So lang noch Unterm Linden.— Ro e. Theater: Die Cscrdas'ütstin.— Tafino-Thea er: Bis 22. ffeun tie Sannemann. Ad 28. Seine Hoheit der Bettler.— Theater in der WoNerstrafte: 27. Arühlings Gewacken. Sonst allabendlich Schneider Wibbel— Schloftvarck-Theater Steglchr Bis 21. Der Leibgardist. Ab 22. Der siarew tf».— Wintergarten. Plaza. Skala: Zniernat onäles Buttel«.— Neich»ballen. Theater: Stettiner Sänger. — Theater am fUttdnsser Tan: Elite-Sänger. Tlachmiktagsvorstellungen: Bolksbihne. Theater am BSlownlafr: 19.. 26. Apoll«, Brunnenstrafte.— Theater am Schiffdaurrdamm: 19., 26 Die Dreigroschenoper.— Thalia-Iheaterr 19.. 26. Drei alte Schachteln.— Theater in der stitniggrSsier Strafte: 19 Winnetou. 26. Die erste Mr». Selby.— stomiblenhan«: 19., 26. Lharien» 19.. 26. Trau ohne stuft.— Deutsche» stünstlertheater: 21.. 22., 23., 25. stakodu — stokaba.— sientrol-Theater: 19,. 26. ssr'eberike.— Theater in der Behren. ftraKe 53— 54: 19., 28.... Bater fein, dagegen sehrl— Metrooel- Theater: 19., 28. WA Uhr. Die ssledermau». 17 Uhr. Friederike.— Nsle-Theater: 2S. 17 Uhr. und 2«. WA Uhr. Der qtft'efelle ftoler. 26. VVt Uhr. Die«Mtbos. Mrstin.— Theater in der klosterstrafte: 18. und 19. AschenbtSdeL 19. und 26. h o enfon. 26 Dornriischen.— Sä loftparl» Theater Siegliii: 19., 26. Boitäpvchen. — Sintergarten: 19., 25.. 26. Interna'ionale, Bariet«.— Plaza, Skala: Inte» nationale» Barlet«.— Zieichshallen-Theaier: 19.. 26. Stettiner Sänger.— Theater am stottdusser Tor: 19.. 26. Glite-Sänger. Erstavffühnmgea der Woche: Sonntag. Bokksillhne: U\i Uhr. Amnestie.— Dienstag. L u st» f p i e I h o u«: Liehe auf den»weiten Blick.— Mittwoch. Städtische Oper: Kedora.— Donrerstag. Theater in der SSuiggräftei: Strafte: Proicssor Bernhardi.— Areitag. Berliner Theater: Die S'rafte.— stomSdie: Blk'oria.— Saunabend. Oper Unter den Linden: Palestrina.— stammerspiele: Der Kandidat. Brraniwortl.«str die Nedaffion: Solfgang Schwär», Berlin: Anzeigen: Th. G loche, Berlin Verlag: Borwöri» Verlag S m b S. Berlin Druck:«»rwdrt» Buch. bruckerei und Leriagsanstglt Paul Singer 6: Co Berlin SW 68. Lindenftrafte 3. Hierzu 1 Beilage. Sonnab.. 18. I. Staals-Oper Unter Uftr ans dein Serail Sonnab.. 18 I Staat, oper Bisrnarcksti Turnus I 19"; Uhr Staals-Oper Am Pl.d.Republ. R-S. 205 20 Uhi Hans Helling StaitlSdiausph. im liuidiimenmirkt A.-V. 16 20 Uhr Vallenstelns Tod Staatl.SehUIer-Tlieater,Charltb. 20 Uhr Soond so.sogehtdertuind Tlgllch» u.>'/, Uhr.(arharam»25« Prelia 1« M. Wachanl«.»U. 50 Pf.-3 M. 5 IwItU.Cortlnl, 15 Fetter- Qlrlt. Auitel «Arthur, Mit Wall, Fleranet 4Qrlp utw. PI-AXa | Ugi. 5 u.«1» SoaBL2. 9 I 8" _! A ex. 8066 IlMTERNAT. VARIETfe GROSSES SCHAUöPIELHAUö S Uhr: 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL A Sornas aadun. uesk. Hatte Pr. Renaissance-Theater TJgllch 6'/. Uhr PARISER LEBEN Operatta von Offanbaoh. Regie: Qutiar oartuag. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. —.lemnrlz C I 0901 CÄSINO-THEATER oibrinter Strafte 37 VolUsbtthne Theater an Bülowplatz. 8 Uhr Ura ufführung ApoiSo, Brunnenstraas Volksstück von Großmann und Hessel. Muik: Ihn Itttbn. Regle: Jirga Fehling. StaafLSdiiller-Tli. 8 Uhr :o und so, so zolit der wind Tteaier an SdUimaoeraamD) 8 Vi Uhr OieüarieDlaDlie Kleines Theat. Merkur 1624 Heute 8 ght Premiere Max Adalbert, Erika Glassner in DerValzer von heule Nacht! Hl da WSrner, Hermann-Scha>fuh mwm loeaiei D.I. Norden I23IU Tägl. 8V1 Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Regu Ma< Bei:h»rdi Kammerspiele 0.1 Norden 12 310 Zum 55. Male 8V» Uhr D6sir 6 Komödie von Sascha Oultry Regie: Leo Mittler. Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 Täglich 8-/. Uhr ?Dm Teufel geholl von Knut Hamsun Regie vi ax Reinhard'. Hl Vorvk.10-2. Kf. 2Ö01 Täglich»'O Uhr Sastsiilel das Deutsdieü Ttaaian oraiulfthrua« Menschen im Hotel von Vicki Baum. Bija; SildI Cifladsni!. Nur noch his 2 jan iar 19 0 Familie Hannemann Donnerstag, aen 23 sanuar 193(t zum 1. Male Seine Honen nefBBmer. Ou acnein iüi l—a Personci Fauteoll nur 1-15 Sessel 1.75 M., Sonstige Preis«: Parka» u. Rafig(k80 M- raaat a. Roitt.Tai Koitb. Sir. i Tägl 8 Uhr auchSonnt. nacl in 3» Elite- Sflnger. Das große lanuar-Progr.l Oaj kann man 5 mal sehen! Endlos» lidstlirnal!! Lessing-Theater Norden 10846 Täglich 8 Uhr anare Oreylus von Rehfisch und Herzoi Operettenhaus Alte Jakobstr, 30/32 (Zentral- Thealer) Täglich Vi, Uhi Der Soldat der fflerle Sonntag nachm. 5 Uhr kleine Preise. Prlttderike Komisctie Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8>/> U. Sdinik>u In»14 nd int. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Allabendlich»>/, U Wiegenlied Theater d. Westeoi Täglich 8'/i Uhr: Höfel Slam Lemberg Musik von Gilbert Käthe Oorsd» Leo SdifUsesdori Pianetariam mmmm mm ZOO<— dcilisg. MunlUle ,1t«.' 3.5 Barbarossa 5578 16'/« Uhr Dia Wintw- »tambildar 18'/. Uhr Dar Plana Jupiter. JO'/.Uh' Merkwürdig« Siarm(lien oinrgt' Eintritt I Mark. Kinder SO PI. Mittwochs halbe Kassenpreis«. »W Diraktisu Dr. Martin Zlekai WWW Komische Oper frintrlchstr.104 Merkur 1401 4339. Nach vollsrändlcem Umbau TägUch 8". Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Baeb mit Guido Thialac er. Schulz Sehrath, ura H Idahrand.WaKar Ra«. Flink Btbmer. Wanak soDitaB aattBiilig 4 Ubr: Prau ohne KubsI Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmano 2922 23. Täglich S1� Uhr .. Wletfcsmlle«!" Käth« Hoock, Paul HoJdemau Vorverkau< in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. 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Der Sinn unseres heutigen Besuchs ist, Ihnen zu sagen, daß wir zwei Rarken von gutem alten Ruf gemeinsam herstellen: ULiMENRlED 5 Pfli'o RARITÄT 4P%, Geila&e Sonnabend. 18. Januar 1930 SiVÄbnid SiutJatUaaßr Jn\bvn*4t 9agd auf SEivei JCötven Sin Stilä aus ,/lfrika/ Von Xudotf de 3taas Eine ungeheure Ebene. Soweit der Blick schweift, kein Baum. kein Strauch. Flach wie eine Tenne. Jedoch diese ungeheure Ebene ist«in einziger schwellender Grasteppich, auf dem sich m unbändiger Lebenslust Hunderttausende von wilden Tieren herumtummeln. Ueber Nacht sind sie gekommen. Mit weit auf- gerissenen Augen starre ich auf das unerhörte Schauspiel. Seltsamer» weis« sind es nur vier Gattungen, soweit ich seststellen kann: Das silberstreifige Zebra, das schwarze Gnu, das graue Elen und die braune Gazelle. Einträchtig äsen sie miteinander. Nichts stört den Frieden. Es ist der Garten Eden, der wiedererstand Selbst mein Erscheinen bringt keine Veränderung hervor. Neugierig mustern mich die nächsten Rudel und senken dann ruhig wieder die Köpfe, ohne sich weiter um den Eindringling zu kümmern. Es ist die große Savanne südöstlich des Viktoria» s« e s in Zentralafrika, keine acht Tage Fußmarsch mehr von seinem Gestade entfernt. Eine arme Erde den größten Teil des Jahres hin- durch, wenn die unbarmherzig« Sonne des Aequators den letzten Wasserlauf aufgesogen und jeden Grasholm verbrannt hat. Ein Paradies nach der Regenzeit, wenn das saftige Grün den ersten Zauber- hauch über alle Riste und Spalten webt, die zarte Lilie ihr« Triebkraft wieder entfaltet und in allen Färben des Prismas die tausend Blumen der Steppe ihrem Beispiel folgen. Ein allzu kurzer Lenz ist es nur, der seinen Einzug hälr, aber alle Tier«, die sein Reich kennen, stellen sich zu seinem Triumphzug«in, und das Bild dieser einzigartigen März- wachen wird nirgendwo auf der weiten Erde in sein«r Schönheit übertroffen. »Geben Sie noch diesen Tag zul* sage ich.„Ich für mein Teil zieh« heute bestimmt wieder los und komme nicht eher wieder, bis ich meinen„Simba" hebe!" Er läßt sich breitschlagen und bleibt. Es geht auf drei Uhr nachmittags zu. die heißeste Stunde des Tages. Die Luft flimmert im Sonnenglost. Aus der Tiefe der Steppe marschiere ich auf da, ferne Wäld- che» zu, das leider noch urner dem Horizont liegt. Ich habe einen Elenbullen geschossen, den saftigsten Broten, den Afrika austischt: ein Teil meiner Träger ist bereits«in gut Stück auf dem Heimwege Nachdem ich sechs Stunden über die Ebene dahingezogen bin, sind nun doch endlich Bäume am Hori- zont aufgetaucht. Es ist ein Hain von. Gelbrindenakazien, den ich er- reiche. Aufatmend strecke ich djx Glieder zur wohlverdienten Rast. Ich träum« in seinem Schatten von längst vergangenen Tagen. Donner grollen vom Diktoria Nyanza her. Der Horizont hat sich mit schweren Wolken umzogen. Die Sonn« sinkt. Es wird Zeit, daß ich aufbreche, mein Lager ist etwa drei Stunden vom Wäldchen entfernt. Meine drei Schwarzen sind noch mit dem Streifen einer Hyäne beschäftigt, die ich gegen Abend hier geschosten habe; ich möchte dos Fell der Kuriosität halber mitnehmen, wenn man das auch für gewöhnlich nicht tut: es ist eben meine erst«... Di« Nacht bricht herein,«he die Leute ihr« Arbeit beendet haben. Endlich sind sie so weit. Mittlerweile ist das Gewitter be» drohlich näher gekommen. Immer lauter kracht der Donner, Blitze zucken. Merkwürdigerweise fällt noch kein Tropfen Regen Mächtig schreiten wir aus. Plötzlich stockt der Fuß. In das Krachen des Donners mischt sich ein anderer Laut. Pom Waldrand komint er, den wir eben verlosten haben. ,,S i m b a T murmelt einer der Schwarzen. „S i m b a I" wiederholen die anderen.„Der Löwe!" Rabenschwarze Nacht umfängt uns. Dicht zusammengedrängt schreiten wir über die ungeheure Eben« dahin� Es geht im Ge- schwindschritt. Alle Müdigkeit ist aus den Gliedern geschwunden. Mit federnden Gelenken eilen wir dahin.„Drei Stunden!" grübelt jeder. Gemütlich ist der Gedanke nicht. Ja, wenn der, Simba" bei Tage gekommen wäre, aber bei Nacht? Drei Stunden sind ein« lange, lange Zeit, zumal, wenn man nicht sieht, sondern nur hört. Das Löwengebrüll wird stärker. Es kommt näher.„S i m b a- total" flüstert einer der Schwarzen, als wag« er nicht, die Tat- fache laut auszusprechen,..Drei Löwen!" Schneller eilen wir dahin. Die beiden Hund«, die uns bc- gleiten, fahren zuweilen nach hinten herum und bellen in die Finsternis hinaus. Zu sehen ist nichts. Dann und wann schießen sie nach vorn und bellen dort. Es ist angenehmer, wenn die Hund« hinten sind, denke ich. Leider erraten sie meine Gedanken nicht. Sie find bald hinten, bald vorn, wie es ihnen gerade paßt. Nun regnet es, aber nur ganz kurz und nicht stark. Die Donnerschläge lassen nach und werden vom Löwengebrüll übertönt. Solange die Löwen brüllen, ist alles in Ordnung. Nur, wenn es ganz still wird, kommen einem dumm« Gedanken---- • In der Frühe des folgenden Tages last« ich die Karawane auf- brechen. Den Lagerplatz verlege ich nach dem vre, Stunden entfernten Wäldchen, an dem die Löwen brüllten. B.elleicht kommt heute die große Stund«, an der ich meinen ersten„Simba" erlege. Wie ich, denkt mein Kamerad. Froher Hoffnung voll ziehen wir in die unermeßlich« Steppe hinaus, jeder allein für sich. Die afrikanisch« Erde hat all« ihr« Wunder aufgeboten, um uns das Herz zu erfreuen. In wildem Jugendübermut sprengen di« Zebras dahin, die Gnus tanzen chren possierlichen vi« schweren Eber tauen au, ihrem Phlegma auf und vollbringen Sprünge, die ihnen kein Kenner zugetraut hätte, die Thomsongazellen sedern wie Gummibäll« mit allen ihren vier Läusen zugleich in di« Lüfte. Wer fehlt, ist der Löwe. Weder zeigt«r sich, noch läßt er sein« Stimme vernehmen. Enttäuscht kehren wir in dos Wäldchen heim. Auch am Lagerfeuer harren wir vergeblich auf fein Gebrüll. Di« Nacht vergeht, ohne daß ein Laut den Frieden d«r Wild- nis stört. „Ich möchte mein« Siebenfachen packen und nach dem Viktoria- see marschieren!" meint mein Kamerad am folgend«» Morgen.„Die ßöeen hoben sich|)v nn'y macht, hier ist nichts mehr zn wallen!" Anders als der TTeifte fagl der Sdiwarse den Xötren. ttur mit Speeren betraffnel greift er ihn an. voraus. Wir stöbern ein Wildschwein aus dem Schlummer auf. Ich kann feilte Flucht genau verfolgen, die Ebene ist hier ebenfalls pacy unv uoersichluch: es nimmt die Richtung, die auch di« unser« ist. In einer Entfernung von etwa vierhundert Metern verhofst es plötzlich, windet unruhig und kommt dann wie ein Pfeil zurück- geschossen: dicht an uns rast es vorbei. Irgend etwas da vorn in der Steppe hat seinen Argwohn erregt, was mag es sein? Wir kommen bald genug dahinter Ein rötlicher Sch«in blinkt auf. Er rührt von einem Tierkörper her, einer Gazelle ver- mutlich, denn er hat nur geringen Umfang. Vermutlich ist ee ein Stück Wild, das mein Kamerad im Lauf« des Tages anschoß und nicht fand, das nun hier in der Steppe einging und verludert: sonderbar, daß di« sonst fo findigen Geier noch nicht zur Stelle sind. Ich mache einen kleinen Umweg, um es mir näher anzu- sehen-, immerhin möchte ich wissen, was für«inen Schuß es hat. Plötzlich spähe ich gespannt nach vorn.„E i n L ö w e!" rufe ich erstaunt. Ich bin nahe genug herangekommen,«ine Täuschung ist nicht mehr möglich. „Wenn schon ein Löwe, dann jedenfalls ein toter!" erklärt einer der Schwarzen,„ein lebender hätte uns längst gewittert oder ge- sehen, der läge da nicht mehr so ruhig!" Was er sagt, leuchtet mir ein, zumal ich auch die beiden Hund« nicht rühren, die der Mann an der Kette mitführt Wir mögen bis auf zwanzig Schritt an die Stelle heran- gekommen fein, als sich zwei Pranken in die Luft heben. Zu Stein erstarrt stehen wir alle da. Nicht etwa der vermeint- lich tote Löwe hat sich gerührt, den wir deutlich vor uns sehen. Die Pranken gehören einem zweiten Löwen an. der hinter dem ersten schlummert und uns vorläufig noch nicht sichtbar ist. „Eine Löwin, die ihre Jungen säugt!" sagt d«r älteste der Schwarzen, der sich verfärbt hat,„Sei vorsichtig, Herr, eine Löwin ist gefährlicher als der Löwe, zumal, w«nn sie Junge hat!" Es bedarf keines Wortes mehr, ich bin mir über die Lage völilg klar. Sie könnte nicht übler fein, als sie ist. Ich verfüge nur noch über eine einzige Patrone für mein« 9,3 Büchse, die alte 71« kommt gar nicht>n Betracht. Sollten die Löwen jetzt aufipringen, ist der Fall kritisch. Wenn nur die Hunde nicht anschlagen! Die Hunde an der Kitt« schlagen nicht an, die Löwen springen nicht auf. Unhörbar schleichen wir zurück. Kein Ast knackt, t«in Stein knirscht, es gibt weder Steine noch Aefte in dieser Steppe. « In einer Entfernung von rund zweihundert Meter mache ich halt. Eine leichte Bodenerhebung li«gt zwischen mir und d«n schlafenden Raubtieren: wir können uns gegenseitig nichi mehr sehen. Ich send« einen der Schwarzen in das Standloger im Akazienwäldch«n zurück: er soll Patronen holen und meinen Kameraden mitbringen, falls er daheim ist. Wenn alles klappt, kann er in drei Stunden zurück sein. So lange muß ich mich ge- dulden. Wenn nur di« Löwen bis dahin aushalten--— • Mein« bei mir veft>liebenen Schwarzen strecken sich gemächlich am Boden aus. Wahrhaftig, sie schlafen ein, obwohl die Raubtier« drüben jeden Augenblick munter werden können. Ein Rudel Gazellen tänzell heran. Di« Löwen rühren sich nicht, obwohl di« Gazellen üb«r dem Winde herankomm««: offenbar schlafen sie fest. Aus gering« Entfernung zieht das Rudel vorüber: Im Schneckent«mpo schleichen die Minuten dahin. Es dünkt mich eine Ewigkeit, feit der Bote davonging. Endlich zeichnen sich schwarze Schattenbilder am Horizont ab. Sie kommen näher, immer näher. Wenn nur jetzt nicht noch im allerletzten Augenblick die Löwen erwachen und das Weite suchen! An der Spitze des Trupps, der da naht, stürmen der ausgesandte Schwarze und mein Kamerad heran. Es ist sechs Uhr. „Sie sind natürlich längst über alle Berge?" forscht mein Kamerad. „Sie sind noch da!" entgegne ich. Ungläubig starrt er mich an. Doch zum Spaßen ist nicht die Zeit, das sieht er. Borsichtig schreiten wir über di« Bodenerhebung dahin. * Sin scharfer Knall peitscht die schlummernd« Stepp« auf. Ich habe den ersten Schuß gehabt und auf den vordersten Löwen geHallen. Nur wenig ragte das bunte Fell über die Grasbüschel hinaus. Ems Staubwolke fährt wie ein« Sandhose über di« Eben«. Zwei fahl« Blitz« schießen heraus. Nach rechts und links stieben die Löwen auseinander. Es sind zwei Männchen, nicht Löwe und Löwin, wie ich vermeint, wild flottern im Sprung die Mähnen Im Kreise fahren si« herum und suchen zunächst die entgegengesetzte Richtung ab. Dann kommen si« an, dicht onein- andergedrängt, Schulter an Schulter. Kein Laut entfährt ihnen. Mit Gedankenschnelle stürmen sie her. Schüller an Schulter, wie die Löwen, sind mein Kamerad und ich. Schuß auf Schuß krocht. Mein Gott, saß kein«r? Immer noch läßt die Bewegung der kreisrunden Scheiben nicht nach, unheimlich nähern sie sich. Gleich sind sie heran. Dreißig Schritt vor uns brechen sie recht» aus der Bahn. Bier-, fünfmal blitzten die todfpeienden Läufen Der Knall, wenn schon nicht die Kugel, war für die Löwen zu viell Als schämten sie sich der feigen Flucht, verhosfen sie beide«ine Minute später. Es wird ihr Verhängnis. Das Geschoß des Käme- raden ereilt den einen. Wieder gehen sie in hohen FlurHen ab. Wir lassen die Hunde von der Kette. Die stellen sie: Den Wunden durchfährt die zweite Kug«l. Er bricht zusammen. Treu bleibt ihm der andere zur Seite. Wild peitscht der Schweis die Flanken. Atemlos vom schnellen Lauf reiße ich das Gewehr an di« Wang«. Noch im Knall beißt der Schwarzgemähnte nach dem Helleren, der eben verröchelt. In mächtigem Satz spring« er auf den Körper des anderen, das Haupt stolz aufgerichtet. Mit wildem Wut- gebrüll mustert er die Feind« Eben in diesem Augenblick geht bwtrot die Sonne unter. Mitten in der blutroten Sonne steht der wunde Löwe auf dem loten Kameraden. Ich holte in die Sonne hinein, die von dem Haupt des Königs der Tiere verdunkelt wird. Im Feuer bricht dieser zusammen. Sin tleger Von Alexander von Sadter-Illaloch Ich war in einer Stadt, da war Jahrmarkt und buntes Treiben. Ein wahrer Sonn-Tag mit viel Sonn« und oben lagen, im blauen Tuch des Himmels weich eingebettet, ein paar fette, schneeweiß« Wölkchen und rührten sich nicht. Unten aber, auf dem Marktplatze, herrschte reges Treiben. Viele Zelle standen in ungeordneten Reihen. Märktler mit ihren großen Plachenwagen waren aus den nahen Dörfern gekommen, um ihre Waren, Maismehl, Getreide und ungegerbtes Leder feilzubieten. Wir schlenderten durch diesen lärinenden, farivgen, aufregenden Tag, denn ich war nicht allein. Das Kind war mitgekommen. Ich führte es an der Hand, denn wir waren alle Bekannt«. Unter Geschrei und Flüchen wurde vor einer Jahrmarktsbude. in der billig« Porzellan- und Gloswaren feilgeboten wurden,« i n Neger aufgegriffen, ein Dieb auf frischer Tat ertappt. Es war sin junger Bursche und er wehrt« sich kaum. Der ganze Diebstahl war nicht der Rede wert, denn was er genommen hatte, ein« bunt gefprenkelle, billige Glasoase, kostete im Verkauf wenige Heller. Aber die Maschin« des Gesetzes arbeitete bereits. Der Neger wurde von einem eilig herbeigeholten Polizisten abgeführt. Das Kind fragte jetzt, was mit dem N«ger geschehen würde. Und was er getan habe. Und ob es denn wirklich so ein großes Derbrech«n sei. Und dann sagt« das Kind, daß ihm die Das« auch sehr gut gefiele und daß es sie gerne nehmen würde. Und ich jagte: „Dazu gehört Geld. Man darf nicht alles nehmen, was inan haben möchte." „Aber, wenn man viel Gell» hat," fragte das Kind,„dann kann man sich alles kaufen, nicht wahr?" „Ja," sagte ich daraus. „Und wie kommt man zu viel Geld?" fragte das Kind. „Wenn man viel arbeitet," antwortete ich, denn das hatte ich irgendwo gehört. „Aber mein Vater," sagte das Kind, ,hu kennst ihn, er arbeitet von früh bis abends in der Werkstatt und doch haben wir nie' Da mußte ich schweigen. „Und du?" fragt« es,„arbeitest du nicht?" „0 ja." antwortete ich.„auch ich arbette." „Dann host du Geld, kauf mir also die Base."* Nachdem das Kind die Vase in Händen hi«U, sagte es noch: „Jetzt habe ich die Vase und doch hatte ich kein Geld, um si« mir zu kaufen. Genau so wie der arme Neger keines hatte. Er aber durfte di« Das« nicht bekommen, warum?" Ich dachte angestrengt nach über die vielen Antworten, dt« man mir auf dies« Frag« gegeben hatte, als ich ein Kind war. Alle waren falsch und diese falschen Antworten wuchsen mit den Jahren in meinem Herzen zu giftigen Gedanken auf und viel« davon quälten mich noch heute. Darum antwortete ich: „Ich weiß es nicht." Das Kind sah mich an und nach einer Weile sagte«« dann: „Ich werde selbst darüber nachdenken." (6. Fortsetzung.) „.uic Punktrichter? Ein Glas Bier und ein Abendbrot. Dies« verhungerten Leutchen sind sroh, wenn sie überhaupt bemerkt wer- den. Haben Sie Ihren Mann fest in der Hand?" »Da seien Sie ganz beruhigt. Herr Hurt. Karl Wart macht das, was ich ihm sag«. Selber denken Ist nichts Anscheinend wurde er sich wieder seiner gemeinen Handlung bewußt. Vielleicht las er so etwas in Huris Augen. Denn er sagte hostig, als wollte er sich entschuldigen:„Ist>0 das beste für Mart. Bald oerdient er doch nichts mehr und so kaufe ich ihm setzt ein Restaurant oder ein Zigarrengeschäst." Do Hurt nicht ant- wartete, fuhr«r immer eindringlicher und lauter fort: „Er hat sa immer noch seinen bekannten Namen. Dadurch geht der Laden bestimmt gut. Cr könnte ja seinen Titel auch reell oer- lieren. Und dann? Was hat er dann!" Um den Redefluß einzudämmen, nickte Hurt unmerklich. „Auf Wiedersehen, lieber Pechthold! Ich werde meinen Tom heut« anfangen lassen mit der Arbeit. Schicken Sie Ihren Mann gleich heut« ein bißchen tanzen oder so was. Na, Sie werden es schon richtig machen!" Hurt reichte Pechthold die Hand. Es ist soweit. „Gott sei Dank. Max, daß es heute so weit is. Das Trainieren ist immer das Schlimmste. Jeden und jeden Tag so gleichmäßig arbeiten, fällt einem doch auf die Nerven." „Du sprichst ja heute wie so'n feiner Mann, Tom. Det host du wohl von die feine Frau gelernt, wo?" Max Milhan sagte es mtt leichtem Spott. „Ach Quatsch, die Oll« is nach mir hinterher. Ick kann doch «ich dafür, daß Hurt die immer mst zum Training bringt. Is außer- dem die Frau von seinem Geschäftsfreund IaMowicz." Cs klopft«.... „Herein!" rief Tom mürrisch. Er wußte, es war Marder, mit dem er Waffenstillstand geschlossen hatte. Augenblicklich hatte er immer seinen Trainingsgesährten Milhan um sich. So recht konnte «r stch nämlich doch nicht wieder an Marder gewöhnen. Der am- tierte immer nur aus der Ferne. Tom duldete ihn, denn Hurt hatte ihm fest versprochen, daß er nach diesem Kampf ausziehen konnte, ohne Marder mitnehmen zu muffen. „Was isstr?" „Sind Sie fertig? Das Auto steht unten. Herr Hurt wartet." „Na. denn komm man, Max!" Tom stand auf. Während sie die Treppe hinuntergingen, sagt« Max Milhan: „Ich beneide Karl Mart nicht. Ich möchte nicht mit dir boxen." Tom freute stch. Er lacht«.„Warum denn nicht?" „Genau kann ich's nicht sagen. Dein« Augen werden b.stm Kamps so anders. Sie werden kreisrund, wie bei einem wütenden Tier. Davor muß man schon Angst haben!" Daß in ihm etwas Tierisches war, wußte Tom. Daß es ober die anderen merkten, erstaunt« ihn. Plötz/ich bekam er auf eine Tasse Kaffee Appetit. Na, nach dem Kampf. Da brauchte er sein Herz nicht zü schonen. Und schöne anständige weiße Semmeln würde er essen. Seinetwegen konnte der Magen breiweich davon werden. Die waren ja verrückt mit ihrer Diät oder wie sie das nannten. Er ärgerte stch. Plötzlich schob er innerlich alle seine Ungelegenheiten auf seinen Gegner. Dieser verdammte Karl Mart! „Na, mein Sohn, ollright?" Hurt lacht« Tom an und hals ihm ins Auto. .'n Abend," antwortete Tom. Sein Groll stieg bergehoch. Er ärgert« sich über alles. Vor zehn Minuten war er noch gut gelaunt. Jetzt begann das Lampenfieber. „Na, du bist ja ganz schön aufgeregt. Tom!" Hurt lächelte. Es war ihm so recht. Er überlegte, wie er seinen Boxer noch mehr reizen tonnt«. „Frau IaNowicz hat bestimmt mehr Lampenfieber als du." „Ach, lasten Sie mich damit in Ruh«. Ich will die Frau nicht mehr sehen." „Haha." Hurt lachte tief.„Du liebst sie doch." Tom wollte etwas erwidern. Dann aber wurde ihm erst klar, was sein Manager gesagt hatte. Liebt» er sie denn? Cr sann nach. Quatsch! Gestern sagte sie, wenn Sie gewinnen, schenke ich Ihnen was Schönes. Dabei hatte ihre volle Brust seinen nackten Arm gestreift. Cr hatte harmlos gelacht.„Da bin ich aber neugierig. Was denn?" „Sie dummer Junge," sagte die schön« Frau mit den, Stempel letzter Reife,„können Sie stch's nicht denken? Vielleicht das, was Sie sich wünschen!" „'n schicken Bademantel? Nee? Einen Ring?" Er hatte mit seinen schönen braunen Augen die vielen wundervollen Ringe über- flogen, die allzu reichlich ihr« gepflegten Hände zierten. Scbmuck hatte das Weib. Donnerwetter' Der kleine ehemalige Pferdehand- ler, der mit Herrn Hurt Geschäft« macht«, mußte mächtig Geld haben. Bisher hott« Tom diese Frau eigentlich nie näber interessiert. Die leicht« mütterlich« Färbung, die sie ihren Gesvrä�en mit Tom zu geben verstanden hatte, war es, die zwischen ihnen«in Band des Vertrauens geknüpft hatte. Si« schell« mit ihm ein ge- fährliches, für sie aufreizendes Spiel. Sie beriet ihn bei seinen Ein- kaufen, sie lehrte ihn, richtig zu essen, sie verbestert« sein« Sprache. Sie erzog den Matrosen. Tom wachte von seinem Nachdenken auf. Das Auto hatte e'ne scharfe Kurve genommen. Er bemerkte, wi« ihn Hurt beobachtete Ach was. der Kamchl Er schloß die Augen Wo« wollt« sie ihm denn schenken?. Er sah sie vor sich, wie sie sich vorsichtig nach ihrem dicken Ehernann umwandte,«he sie zu ihm leise sagte:„Wa, chel Schöneres. Ein»n Kuß'" Dabe' hatte« ein«iaentümlich schwach«? Gefühl in den Knien gehabt. Das Blut sti-g ihm in die Gchfäken. Sie neigt« sich noch über den Hocker, auf dem er während seiner Traini'-qepausen saß und strestte mit den sinnlich vollen Lippen fast fem �"ar. Er packte ihre gepflegte Hand und driick'e sie sah zusammen, als wolle er sie zermalmen. Frau Iaklowicz hatte leste aufgeächzt. Wie«in kleines, warmes, gelenkes Tierchen zog sie die Hand aus der seinen.„Ganz rot. Sie Barbarl" Richtig. Barbar hatte sie zu ihm gesagt. Es klang aber wie«in« Liebkosung. „Denken Sie daran— an den Kuß, wen» Sie kämpfen. Ich werde den Daumen für Sie drücken. Nun muß ich aber gehen. mein Mann ist schon ganz ärgerlich." Und heute kam sie. Dachte er daran? Liebte er sie? Toin machte die Augen ein bißchen auf und sah zu Hurt. K a st a n i« l Das Auto mußte langsamer fahren. Tom setzt« sich aufrecht hin und blickte durch die Scheiben. Die Potsdamer Straße war mit Menschen überfüllt. E» wurde ihm(in ersten Moment nicht ganz klar, ob dies« Leute all« seinet- wegen gekommen waren. Kops an Kopf drängte sich die wimmelnd« Menschenmaste. Als er endlich oerstand, zog ein tiefer Atemzug in seine breit« Brust. Der Rausch seines jungen Ruhms hatte ihn erfaßt. Seine Augen leuchteten. Hurt beobachtete ihn von der Seite her. Er las in dieser primi- tioen Seele wi« In einem offenen Buch. Nur jetzt, vor der Eni- scheidung. keine Rosinen in den Kops kriegen! Der ander« war«in Gegner von Können. Wer weiß, wenn'? mit Karl Mart im letzten Moment durchging?! Es wäre Hurt sehr unangenehm gewesen, wenn er sich oerrechnet hätte. Das durste nicht pasfierekx Das große Verdienen sollte doch nach diesem Kampf erst losgehen. „Tom, wenn du verlierst, bstt du für die Leute hier," er deutet« hinaus,„keinen Pfifferling wert. Das ist die Mäste, die geht dich nichts an." Tom sah Hurt an. Ganz verstanden hatte er ihn nicht. Er war sehr ausgeregt Sie reichten sich die Hand. Das Auto konnte nur noch schrittweise fahren. Von draußen her drangen Gesprächesetzen. Schupohelm« gaukellen vorbei. Allen sah man ein« große Erregung an. Die Polizei halle trog ihres großen Aufgebots keinen leichten Stand. Schließlich gab es in Berlin doch noch Menschen denen«in Boxkampf weiter nichts bedeutete als ein lästiges Hindernis bei der Heimfahrt. Für sie mußt« die Passage notdürftig aufrecht er- halten werden „Zurück, zurück! Platz frei!" schrie ein Schutzpolizist mit rot- verschwitztem Gesicht. „Sie haben mich gestoßen, ich oorbitte mir das," brüllt« ihm ein Herr entgegen. Sein Bauch quetscht« sich entlüftet durch die Menge. „Das ist die neue Ordnung. Nichts klappt. Nichts! Boxen, pöh! Deswegen werden vernünftig« Menschen bchindert. Ich werde mich beschweren!" „Beeil' dir man." antwortet« ein tiefer Baß voll Hohn. „Sei lieba sroh, wenn s« dir den Speck abquetschen. Brauchste teene Entfettungskur." „Kiek. Willi, wie se da drinn« in t Auto sitzen. Und wir ham kaum die paar Linsen sor de Galerie." Die beiden jungen Leute drohten zu Tom ins Auto hinein. der erstaunt zu Hurt blickte. Instinktiv erwartete er von ihm auf alles, was er nicht verstand, Aufschluß. Das Auto schob sich immer langsamer zum Sportpasast heran, Die Menschen wogten und drängten. „Ich welle, was Sie wollen, Mart macht'sl" „Mann, kaum«ine Stunde ist um. dann hat sich sein Gesicht so verändert, daß er'n neuen Paß braucht." „Sie reißen mir ja den Besatz vom Mantel!" „Was gehn'f« ins Gedränge!" Der Wagen bog in den übersülllen Vorgarten ein. Tausende standen dort und stierten zu der hellerleuchteten Fastade des Sport- palastes. Es Halle begonnen. Musik kam von dorther, Beifalls- getrampel, Johlen. Da drinnen waren die Glücklichen, die dabei sein dursten. „Erst hoste gemeckert, nu mächst« rin. Nu kriegen wir keen« Karten mehr." „Schiebung is das. Schiebung Wenn de hundert Mark aus- geben kannst, kriegst de noch so viel Karten wie de willst." Ein« Welle von Zorn«rgriss die Enttäuschten. „Platz— Play— zurück!" „Damit di« Herrn in chre Klubsessel kommen könn'n, wo!?" Der Wagen rollte langsam und unwiderstehlich vor. Schreie und Schimpfworte gellten auf. Endlich hielt das Auto. Man suchte mit bösen Augen die Insassen. Plötzlich spannten sich die Mienen. Einer hatte halblaut ge- rufen:„Das ist doch Hurt, der Manager." „Hurt? Wo? Wer? Welcher?" „Mensch, da is ja auch Mallhes! Den kenn' ich janz jenou!" Es wogte heran. Eine kompakte Moste umringte das Auw. Wenn ma» schon nicht direkt dabei sein konnte, so hatte man doch wenigstens«inen der Hauptathleten gesehen. Hurt stand breit und sicher vor dem Wogen. Er sah nach der Tür. Alles beugte sich vor— nun kam er. Da— ah-- Doch es tout�e der kümmerlich«, leicht angespeckt« Marder auf. Ein Riesengelächter begrüßt« ihn. Er lief rot an. Rur nicht m«rken losten, daß man verletzt war. Gegen den Hohn der Masse kam er doch nicht an. Aber dann kam«r wirklich. Tom Matthe» sah prächtig aus. Wie«in Gladiator. Seine Augen lachten, halb verlegen. .Matth«»!— Mallhes!— Hoch!— Hoch!" brüllte es aus Hunderten von Kehlen zugleich. Durch das Geschrei wurden immer mehr Menschen auf den Vorplatz gelockt. Wi« eine Verzauberung packt? es sie all«. Ein paar Iungens drängten sich vor.„'ne Kart«, bitte,'ne Karte, Herr Mallhes." „Tom, ick kneif dir den Doomen, det bringt Glück. Laß mkr rein." Ganz dicht vor ihm stand ein winziger Bengel. der sich mit seinem pfiffigen Lausbubenlachen die Mütze vom Kopf riß.«Tom. kiek, ick habe ooch braune Locken wie du. Schenk' du mir doch'n« Kart«. Kiek, mein« Haare, wie'ne Kastanie, genau wie du." Seine grelle Piepsststnme übertönte den Sturm der anderen. Tom mußte lachen. Sein gutes, frisches Motrosen/achen machte sein Gesicht unwiderstehlich.(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel mit magischem Quadrat. Waagerecht: 3. Sudaninsel: 6. Edelstein: 8. Römischer Feldherr: 9. Holländische Kolonialstodt: 13. Gebräuchliches Kurz- wort eines neuen Verkehrsmittels: 14. Wort für besonders festlich« der Reichspost: 11. Gebräuchliche Firmenobkürzung für Aktiengesellschaft: 12. Zustimmung. Magisches Quadrat: 1. Weibliche Geschtchtsftgur: 2. Männ- lichsr Vorname: 3. Lateinisch Tag: 4. Bestimmungswort.• Vifitenkartenrätsel. HElvRlCrt SCHLESSHINGER Durch Umstellen der Buchstaben erfährt man den Wohnort des Herrn.. ed. Gilbenrätsel. Aus den Silben at ard bo del do du e e cm how i i in irr le len ler(i ma nou ne nei nv ran re reich ri sar sar fei sei tor ta tur llz weh wisch sind 13 Worte folgender Bedeutung zu bilden: 1. Einer der größten Ströme Europas: 2. Nebenfluß der Donau: 3. Figur in Schillers„Don Carlos": 4. Stadt in der Sächsischen Schweiz: 3. männl. Vorname: 6. wetbl. Vorname: 7. Handwerker: d. enplischcr Auedri'ck für wi«: 9. weibl. Vorname: Ist. von Wasser umspieltes Land: 11 Folter, 12. Spukgeist: 13. kleiner gefallener Fisch, 14. grausam« Willkürherrschast: 13. Büro einer Gerichts- person.— Di« Anfangs- und die Endbuchstaben, vqn oben nach unten gelesen, nennen ein Zitat von Goethe.(Sprüche In Prosa.) Kapselrätsel. Aus den nachstellenden Wörtern sind je drei auseinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, richlig zusammengestellt, ein Sprich- wort ergeben: Diebel, Person, Detektor, Behälter, Gefühl. Wahltag, Mandel, Hammer, Preis, Garten.»le. Königszug. »k. Kombiniertes Kütträtfel. Setze eine Zahl— Immer dieselbe— in di« dunklen Felder und ordne an Stelle der Punkte die Buchstaden kekbeeeeeeefg GQHHIIKLMNNNN PRRRRRRBSSTTTT TTüüÜVWWso ein. daß Worte folgender Bedeutung ent- stehen: 1. Besoi>dereBorstcht: 2 Zah- lung für Landmiet«: 3. Versand- stück«: 4 Einer, dem die Achtung versagt wird: 3. Anschauen: b. Sehr beliebtes Fest: 1. Bodenaushebung für Bauzwecke: 8 Slurmnacht.»b. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Oktober: 9.' Mader: 11. am-, 13. den: 14. rr; 15. Po': 17. Bjo; 18. Ära: 19 ABT: 20. Gau: 21. Reh;'22 et; 23. Ada; 26. le 27. Paula: 29. Gasolin. Senkrecht: 2. Am: 3. Tod: 4 Od«: 5. Ben. 6. er; 7. r: 8. Papagei: Ist. Drallen: 12. Moral. 14. Rubel: 16. lau-, 17.»an 23. Aa?: 24. Duo: 23. All: 27. Pa; 28 oi Magische« Quadrat: 1. Sage: 2. Aron: S. Gold: 4. Ende. Zahlenrätsel. Schlüsselwort«: 1. Schleife: Z. Troio: 3. Grude.—„Die Geduld ist der Schluessel jedes E'jolges" K a r r e c r ä t se l: 1. Reck; 2. Nochen: 3 K inst: 4. Seid«: 5. Schund: 6. Aido: 7. Tiger; 8. Kant: 9. Rache: 10. Energie.— „Eine Krähe hocki der anderen kein Aug« aus." Wunderlich: Der Luchstab« E. Nr. 30 47. Jahrgang Sonnabend 18. Januar 1930 Kraftwerk in Golpa-Zsdiornewitz Die größten Stromerzeuger Europas Ohne Wi�en der Außenwelt ist vor kurzem wieder«ine Großtat auf den Gebiete der Technik verwirk» licht worden. Der Ausbau des Großkraftwerks Golpa-Zfchornewitz der Reichselektrowerke zum größten Kraftwerk Europas und zum größten Äraunkohlenkraftwerk der Welt ist vollendet. Den Abschluß unddie Krö- nung dieses Ausbaues bildete die Inbetriebnahme der beiden größten Turbogene rawren, die bisher in Europa zur Ausstellung gelangten. Jede dieser beiden Mo- schineu verfügt über eine Leistung von 100000 kVA. (Kilowatiampere). Diese gesamte Leistung wird tatsächlich in einer einzigen Maschme erzeugt, da auch der Generator für 100 000 kVA. ge» baut ist. Interessant ist der Ver- gleich, daß die bekannten Maschinen des Klingenbergwerks eine Größe von 88 000 kVA. haben, daß bei ihnen aber der elektrische Teil aus zwei Einzelgeneratoren von je 44 000 kVA. besteht. Es ist wohl jedermann verständlich, daß die Zu- sammenfassung einer derartigen Leistung in einer Maschine aus die wirtschaftliche Gestaltung der Strom. erzeugung von großem Einfluß sein muß. Die Größe der Leistung dieser einen Maschine wird ein Dergleich mit einer Großstadt wie Breslau oeranschaulichen: Dort steht für den gesamte« Strom- bedarf der Stadt nur eine Gesamtleistung von 8 0000 kVA. zur Verfügung, und diese Leistung verteilt sich aus 5 Kraft- werke mit zahlreichen Maschinen. Einen Begriff von der Größe einer 100 OOO-kVA.-Maschine geben auch die Energiemengen, die hier wirken. 400 Kubikmeter Wasser in Domps- form durchströmen stündlich mit einer Stundengeschwindigkeit von 1200 Kilometer die Turbine, dehnen sich während ihrer Arbeitsleistung auf 10 Millionen Kubikmeter aus und lasten die zum Teil über 3 Me- ter großen Turbinenräder sich 1300- mal in der Minute drehen. Doch diese Zahlen werden noch über- boten: Zur Niederschlagung dieser Dampsmeng« im Kondensator ist für ein« ein- zige dieser großen Maschinen eine Kühlwafsermenge ersorder- lich,die die durchschnittliche T a g« s- leistung sämtlicher Ber- liner Wasserwerke über- trifft. So ist es auch verständlich. daß die zur rationellen Be- schassung dieser Wassermengen erforderlichen Rückkühlanlagen die äußere Gestaltung des Werkes wesentlich bestimmen- Das gilt besonders von den jetzt neugeschaffenen 3 Betonkühltürmen, die durch Ihre Ausmaße dos architektonische Bild der Gesamtanlage wirkungsvoll bereichern. Di« in diesen Türmen vorbildlich gelöste Formgebung technischer Bauwerke findet ihre Fortsetzung in den großen Hallen, die zur Unterbringung der großen Turbogeneratoren und ihrer Kesselanlagen dienen. Es ist gelungen, durch wuchtige Gliederung und straff« Linienführung in diesen Bauten den Begriff „Großkraftwerk" in die Sprache der Architektur zu Über- l ragen, die durch die 13 riesigen Schornsteine auch bis zu den Reisenden dringt, die nach Ueberquerung der Elbe in Richtung Leipzig oder Hall« fahren. Der Reisende wird sich wundern, daß über diesen 13 Schloten kein« schwarzen Rauchwolken lagern. Der Fachmann aber erkennt an den dünnen, kaum wahrnehmbaren Rauchfahnen der Riesen» schornsteine, daß in G o l p a. Z s ch o r n e w i tz die Krafterzeugung nicht nur in dos Gigantische gesteigert ist, sondern auch in denk- bar wirtschaftlichster Weise durchgeführt wird. Die Voraussetzung dafür ist durch die V«rf«uerung der unmittelbar neben dem Werk geförderten Braunkohle gegeben. Die Erfüllung der Voraussetzung ist durch die Anlagen gewährleistet,� i» denen, wie es die großen Turbogeneratoren erweisen, die Fortschritte der Technik im Sinne rationeller Elektrizitätserzeugung bahnbrechend ver- wirklicht werden. So ist es nicht verwunderlich, daß so große Stromverbraucher wie die Piesteritzer Stickstoffwerke und nMeldeutschc Werke der I. G. Farben von hier aus den Kraft- und Wärmestrom be- Ziehen. Den Nomen von Golpa-Zschornewitz aber verbreitet über Provinzen und Staaten das Duftend 100 lXlO-Volt-Leitungen. das den„Golpa ström", wie der Volksmund sagt, noch Berlin. Magdeburg. Leipzig und zahllosen Städten und Dörfern bringt. 440 000 Kilowatt stehen setzt in Golpa-Zschornewitz insgesamt zur Verfügung Durch diese unmittelbare Verbindung mit den anderen Anlagen der Reich-elettrowerke wird diese Leistung noch \ Das Großkraftwerk GotpalZsdiomrwitz, ein Pfeiler der Ost» md Mitteldeutschen Femstrom, Versorgung, nadi seinem Ausbau xua größten Brannkohlenkraftwerk der Welt, Rechts die neuen Betonkühltürme. Im Großkraftwerk Go'pi/Zschomewitz sind jetzt die größten Turbogeneratoren Europas mit einer Leistung von 100 000 kVA in Betrieb genommen. Das während der Montage aufgenommene Bild zeigt das Einsetzen des riesigen Laufers. auf 730 000 Kilowatt erhöht. Das heißt, daß in den Großkraftwerken der Reichselektrowerke über 1 Million Pferdekräft« bereitstehen, um Ost- und Mitteldeutschland den billigen Braunkohlenstrom zu liefern. AntoTahren ohne Kupplungspedal Ein- und Auskoppeln,� Gasgeben und Schalten der oerschiede- nen Gänge zur richtigen Zeit und im richtigen Ausmaß, das ist im wesentlichen die Kunst des Chaussierens. Sie wird jetzt ganz wesent- lich vereinsacht durch eine Erfindung, den 8S-Kupplungsautomaten. Bei Verwendung dieses einfachen Apparates fällt das Ein- und Auskoppeln fort: es braucht nur Gas gegeben zu werden. Beim stehenden Wagen wie beim lausenden Motor können alle Gänge ein- und ausgeschaltet werden, ohne das Kupplungspedal zu be- tätigen. Es sind demnach nur der Gasfußhebel und di« Bremse zu bedienen: auch der Motor kann als Bremse benutzt werden. Die Einfachheit der Bedienung gestattet es auch, den Wage» wie ei» Fahrrad freilaufen zu lassen, womit«ine wesentliche Brennstoff- ersparnis erreicht wird. Beim Fahren mit dem.8�-Kupplungs- automaten bewirkt das Abheben des Fußes vom Gashebel sofortiges Fahren im Freilauf trotz eingeschalteten Ganges Ein neuer Druck aus den Gashebel läßt die Kupplung ruck- und stoßfrei eingleitcn und mit dem eingeschalteten Gang den Wagen unter Gas weiter- fahren. Di« Hauptteile sind ein A r b e i t s z y l i n d e r und ein Umsteusrventil. In erstercm befindet sich ein Kolben und eine erweiterte Zugstange, di« an einem Hebel auf der Kupplungspedalwelle angebracht ist. Das Umsteuerventil wird in die Saugleitung eingeschaltet und mit dem Gaspedal verbunden. Das Gasgestänge besitzt einen kurzen Leerlauf, der bewirkt, daß der Anfangsweg des Gaspedals nur das Umsteuerventil betätigt und nicht die Drosselklappe mitnimmt. Es ist daher beim Anfaliren not- wendig, das Gaspedal etwas kräftiger niederzudrücken. Um ein weiches Einkuppeln zu erzielen, ist eine Dämpfungs- Vorrichtung vorgesehen, die vom Führersitz aus reguliert wer- den kann. Durch das Anlassen des Motors entsteht im Saugrohr ein Unterdruck, der den Zylinderkolben ansaugt und damit das Ankuppeln hervorruft. Tritt man das Gaspedal, so verbleibt der Vergaser noch in Leerlaufstellung, während das Umsteuerventil die Verbindung des Saugzylinders mit der Außenlufi herstellt. Dadurch greift die Kupplung ein und das Anfahren mit einem beliebigen Gange kann erfolgen. Durch Schließen eines Hahnes wird der ganze Automat außer Betrieb gesetzt. Der Wagen kann dann wie jeder andere gefahren werden. nn. tloderae Kraftreserve Der Raihsspcicher in der Elektrizitats wirtschaff. Das Problem der Spiizendeckung. Im Kraftwerk Charlottenburg der Berliner Städtische Elektrizitätswerke A.-G. wird eine Dompfkesselanlage in Betrieb gesetzt, die nach völlig neuartigen Gesichtspunkten «ingerichtet ist. Die Erweiterung des innerhalb der Stadt gelegenen Werkes durch R u t h s s p e i ch« r sür 40 000 Kilowatt ist für di« Spitzenleistung vorgesehen, dl« durch den Lichtverbrauch am Abend entsteht. Di« Ruthsspeicher vermeiden die Rauchentwicklung und die Strm»- erzeugung im Innern der Stadt macht die Verlegung von Fern- kabeln für 40000 Kilowatt überflüssig. Dir Anlage kostet nur zwei Drittel einer gewöhnlichen Dampfanlag« mtt Fernleitungen. Außerdem hat diese Ruthsanlag« den besonderen Borterl, im Störungsfall eingreifen und ohne jede Vorbereitung die volle Leistung hergeben zu können, was für die Sicherstellung der Strom- Versorgung von Großstädten von höchster Bedeutung ist.. Die erste Ruthssp e i che ra nlag e für El e t t r1 z I t üt s- werksbetrieb wurde In Malmö 1921 eingerichtet: es folgten dann u. a. die deutschen Bahnkraftwerke. Im ganze» sind bereits Ruthsanlagen für 16 Kraftwerke in Schweden, Deutschland, Italien und Algier in Betrieb oder im Bau. Bemerkenswert ist, daß trotz starker technischer Wandlungen in der Ausführungsform die neueste Anlage in GHailottenburg wieder die ursprüngliche Form darstellt, wie si« vom Erfinder Dr. Ruths in seiner deutschen Patentschrift aus dem Jahre 1913 niedergelegt wurde. Di« Ruthsspeicher find sür die Deckung von Lichjspitzen bis zu vier Stunden Dauer billiger als gewöhnliche Kessel. Da sie keine beweglichen Teile besitzen, erfordern sie ferner keine Reserve und keine Reparaturen. Wegen ihrer langen Lebensdauer ist die Amortisotionsquvte gering. Durch den Ruthsspeicher werden die bisherigen Schwierigkeiten der Spitzendeckung vollkommen beseitigt. Noch größer sind die Borteile, wenn die Spitzen allein In besonderen Werken erzeugt werden, während Großkraftwerke die Grundwst decken. Für Berlin müßten jetzt schon viermal mehr Ruthsfpeicher als im Kraftwerk Charlottenburg vorhanden fein, damit dies« Vorteile voll zur Geltung kommen: hingegen stellen die Ergebnisse im Kraftwerk Ober l u n g w i tz bei Chemnitz, das nur noch Spitzenbedarf deckt und als Momentanreserve mehrfach die Stromversorgung sichergestellt hat, eine vollkommene Lösung dar. Die Auswirkungen der Ruths- jpeicher im großen Maßstalb zeigt ein Projekt für ein südamerika- nisches Elektrizitätswerk, bei dem ein altes Kraftwerk durch Ausbau mit Ruthsspeichern als reines Spitzenkraftwerk dienen wird, während die neu errichtet« Hochdruckzentrale fast dowrnd mit Bollast als Grundlastwerk arbeitet. In Ländern mit ausreichenden Wasserkräften wird die Grund- last durch Wassertraft, die Belastungsspitze aus Ruthsspeichern erzeugt, wie z. B. im Krastwekk Göteborg. Für Rom schwebt ein Projett, Ruthsspeicher sür Momentanreferve cm Stell« von Dieselmotoren zu verwenden, sür Florenz der Plan eines Spitzenkraftwerkes mit Ruchsspeichern, deren Dampf gleichmäßig in 24 Stunden durch Braunkohle erzeugt wird. Eine »och wichtigere Ausgabe der Ruthsspeicher ist es, Reserve- Dampfkraftwerke, die bisher nur zur wasserarmen Zeit benutzt werden, das ganze Jahr über augenblicklich betriebsbereit zu über wesentlich teuerere Wasserkraftreserv« zu ersetzen. Die Ruthsspeicheranlage im Kraftwerk Chariottenburg ist zurzeit die größte ihrer Art auf der Welt. Si« wird aus der W e l t t r a f t- konserenz 1930 in Berlin als wichtig« Neuerung auf dem Kroftwerksgebict den Mittelpunkt des Intercsies bilden. m Hille nee Oherihschen Rauirsümes Monate wartet di« Oeffentlichkett darauf, daß Professor Oberth an der Ostseeküste die melbesprachenc Weltraumrakete starten läßt. Nach einer Mitteilung des Pressedienstes der Ufa läßt angeblich das stürmische und bedeckte Weller im Augenblick keine wissenschaftliche Auswertung des Raketenfluges zu. Nach anderen Pressemeldungen aber beabsichtigt die Ufa. sich von Professor Oberth zu trennen»i»d ihm keine wetteren Geldmittel zur Bersügung zu stellen. < Vorwärts im Kanusport! Zlls sich kurz nach dem Kriege einige Sanuvereine und .bleilungeu zum Freien Kanubund zusammenschlössen, dachte wohl niemand daran, daß sich diese Bewegung innerhalb weniger Zahre durchsetzen würde. Durch die Verschmelzung des„Freien Kanubundes" mit dem..Freien Ruderbund" zuin ..Freien Ruder- und Kanubund", der Anschluß an den da- maligen„Arbeiter-Wassersportverband" und schließlich dos Ausgehen de» AWv. im Arbeiter-Turn- und Sportbund ließ den Ausstieg de» Kanusport» beschleunigen. Teure Werftboote konnten sich damals wie übrigens heute noch die wenigsten leisten. Durch Bildung von Arbeitsgemeinschaften gingen die Verein« dazu über, sich ihre Kanu» selbst zu bauen. Nach Ideen befähigter Kanusportler wurden durch die Arbeitzgcmein- schaften Boote hergestellt, die recht billig waren, den„Amateur» bootsbauern" ober alle Ehre machten. Heute muh man über diese „Wannen" lächeln, die damals mit dem Worte Kanu bezeichnet wurden. Denn Form und Konstruktion der Boote sind im Laufe der Zeit auf Grund der Erfahrungen so zum Vorteil verändert worden, daß die damaligen Kanus in keiner Beziehung mehr ton- kurrieren können. Durch gegenseitiges Studieren und Ausprobieren der im Selbstbau errichteten Boote bei Regatten und gemeinsamen Wanderfahrten wurden Einheitsboote geschaffen und die Zeichnungen zu diesen Kanus an die Dereine des Bundes zum Selbstbau weiter- gegeben. Gewässer, die von anderen Fahrzeugen nicht mehr befahren werden können, lasten immer noch das Befahren mit Kanus zu. Oder wenn Ruderboote, selbst Segler einen durch Sturm auf- gepeitschten See nicht mehr überqueren können ohne vollzuschlagen oder zu kentern, stich die Kanufahrer in ihren durch Spritzdecken geschlossenen Booten, die kein überkommendes Wasser hineinlasten, erst richtig in ihrem Element. Die süddeutschen Faltbootfahrer kennen keinen höheren Genuß, als im Faltboot einen tosenden Wildbach zu bezwingen. Floßgassenfahrten zählen zu den schönsten Fahrten, die es überhaupt gibt. Aus Wanderfahrten, dem hauptgebiet de» Kanusports, sind alle nur irgend befahrbaren Gewässer Deutschlands befahren worden. Nach dem Nürnberger Bundesfest im vergangenen Jahr führten un- zählige Fahrten die Kanufahrer aller deutschen Gaue durch bayerisch«, Oesterreichrsche und Westdeutsche Gewäster. Auslandsfahrten, in Schwedens Schären, nach Finnland, Italien, der Tschechei sind keine Seltenheiten mehr und stellen sich als Ferienfahrt nicht zu teuer. Gemeinsame Zelttreffen der einzelnen Kreise und Kreisverbände sollen auch in diesem Jahre zu Pfingsten und in den großen Ferien die Arbeiterkanufahrer zu frohen Stunden vereinen. Interessant ist aus dem Jahresbericht 1328, daß von den Kanusportlern des Arbeiter-Turn- und Sportbundes Zg? 754 Kilometer aus den Wanderfahrten zurückgelegt wurden. Dies« fast 400 000 Kilometer verteilen sich auf starre Kajaks mit 232 754 Kilometer und aus Fall- boote mit 164 650 Kilometer. Der Bootsbestand betrug im Januar 19Lg über 2000 starr« Kajaks und etwa 1000 Faltboote, währenddem nur 120 Kanadier zu zählen waren. Motorkanus sind hierbei nicht mitgerechnet. Nach den neuesten Zählungen in diesem Jahre hat sich die Zahl der Boote bei den starren Kajaks um 25 Proz. und den Faltbooten um 30 Proz. erhöht. Di« Kanufahrer verstanden es ausgezeichnet, bei örtlichen Veranstaltungen die Zuschauer durch Kampfspiele, Lanzenstechen, Korso-, Reigenaufsahrten sowie Rettungsübungen und bei kom- binierten Stafetten, die meist aus Läufern, Radfahrern, Schwimmern und Paddlern bestanden, zu interessieren. Aehnlich dem Rudersport ging man auch dazu über, mehrsitzige wannschasl.kanus herzustellen, die dem Bestreben des Arbeitersports entsprachen. Kanuviever mit Rudermann, etwa 12 Meter lange Boote, sind heut« keine Seltenheit mehr und in jedem Kreis«, selbst in Süddeutschland, stark vertreten. Die 1928 gezählten 20 Kanu- vierer haben sich inzwischen fast verdoppelt. Auch Mannschafts- kanadier, 8 bis 10 Personen fastend, werden neuerdings gebaut. Gerade in Mannschaftsbooten können die Jugendlichen untergebracht werden, die noch nicht in der Lage sind, sich ein Kanu anschaffen zu können. Im wasserballsv'el in Booten bildet sich eine neu« Sportart heran, die an die Geschicklichkeit der Ausübenden große Anforderungen stellt. Dabei wird insbesondere das„Eskimokentern", das Wiederaufrichten des gekenterten Bootes, ohne daß der Fohrer aussteigt, mitiels einer Drehung um die Längsachs« des Bootes. geübt. Daß in den Lehrkursen der Bundesschule die Ausbildung der Techniker nach den neuesten Erfahrungen ans diesem Gebiet geschieht. ist selbstverständlich, denn die Leipziger Schule besitzt neben der Ruderanlage auch einen Paddelkasten.\ViIli Tausendfreund. -ARBEHEU TUSSBALL Spiele am 19- Januar. Trotz des Hallensportfestes, das am Sonntag im Sportpalast stattfindet, haben einige Dereine Gesellschaftsspiele ab- geschlossen. So stehen sich in Karow um 14 Uhr di« dortige Fußball- abteilung der FTGB. und Freie Scholle gegenüber. Saxonia fährt zur FTGB.-Abteilung Pankow. Borwärts-Webding erhält um 13.30 Uhr den Besuch von Weißensee. ZweiteMannschaften: Karow gegen Freie Scholle. Vorwärts-Wedding gegen Weißens«. Warnsdorf gegen Saxonia.— P fl i cht s p l e l e' Altglietzen gegen Oderberg. Schönow gegen Eintracht.— Jugend: Lichtenberg I gegen Eiche-Köpenick(11 Uhr). Rathenow gegen Neukölln(13 Uhr). Ketzin gegen Werder(14 Uhr). Vorwärts-Wedding 2 gegen Saxonia (13 Uhr). Weißense« gegen Lichtenberg II(11 Uhr). Spandau 25 gegen Vorwärts-Wedding(11 Uhr). Nowawes gegen Saxonia 2 (11 Uhr). Brandenburg gegen Schöneberg(11 Uhr). Arbeiter-Handball. Aus Anlaß des Hallensportfcstes finden am Sonntag vormittag nur einige Gesellschaftsspiele statt. Vorwärts-Hennigsdorf empfängt Eharlottenburg-Schwimmer mit beiden Mannschaften. In Tegel, Graf-Rödern-Korso, treffen sich Tegel erste Männermannschaft und Freie Turnerschast Wilmersdorf 1 um 9% Uhr und Tegel zweite Männermannschaft mit Kanuverein Schweifsterne 1 um 11 Uhr. In Schöneberg, Dominikusplatz spielen FTGB. Süden 4. Männer- Mannschaft gegen Sokol-Schöneberg 1. Mannschaft um 9 Uhr, Freie Turnevschaft Zosten 1. Männer gegen FTGB.-Friedenau 2 um 10 Uhr und Süden 3. Männermannschaft gegen Ruder- und Kanu- verein 1924 1. Männer um 10.10 Uhr. Eintracht-Mahlsdorf erste Männer empfängt um 10 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chaussee FTGB.-Pankow, während sich FTGB.-Rosenthas 1. Männer und FTGB.-Nordost 1. Männer um 10 sh Uhr in Rosenthal, Hauptstraße, treffen. Die Mannschaft, die Berlins Farben gegen Magdeburg-Suden- bürg auf dem Hallensports est im Sportpalast vertritt, spielen in folgender Aufstellung: Pohl lST»B. Süden) Seist(Süden) Drügestei»(FTSB. Wedding) Hoffmann(Wedding) Hoppe(Wcdding) Butter(Lüden) Hoch(Süden) Im»Ständigen Ring". Der„Ständige Ring", der gestern Abend in der. Spichern- sälen seinen 69. Kampsabend veranstaltete, erlebte wieder einmal einen Publikumsskandal, wie er dort seit longer Zeit nicht mehr zu verzeichnen war. Ein glattes Fehlurteil im Kampf des Bochumer S k i b i n s k i gegen den Belgier S t« y a e r t löste diesen Protest aus, und Notizblocks, Streichholzschachteln, Apfelsinenschalen und sogar eine Selterwasserflasche flogen in den Ring. Es war traurig, diesen Skandal miterleben zu müssen. Der Abend wurde mit einem Qualisikationskampf im Mittel- gewicht zwischen Georg Gebstädt-Leipzig(69,2) gegen Horst Riege- Berlin(69,5) eingeleitet. Gcbstädt gewann in der zweiten Runde durch Aufgabe. Er hatte seinen Gegner durch einen rechten Auf- wärtshaken bis neun zu Boden geschickt; Riege kam wieder hoch, war aber völlig unfähig, den Kampf wieder aufzunehmen, so daß der Ringrichter stoppte. Max Dörser-Leipzig(58,2) trennte sich von Erich Thriene-Hannover(59,1) unentschieden, obwohl Dörfer einige Vorteile hatte. Auch tn dem nachfolgenden Kampf zwischen Paul Richter-Dresden(68,2) und Hans Wicser-Bochum(64,8) gab man ein zweifelhaftes„Unentschieden". Wieser, der seinen zweiten Profikampf austrug, konnte gegen den viel zu ringerfahrenen Richter noch nicht aufkommen, er zeigte aber schon recht gut« Ansätze. Dann stieg der Kampf de» Bochumers Max Skibinski(71) gegen den Belgier Steyaert(72,8). Der Belgier hatte stets klare Dortelle, Skibinski boxte schlecht, versucht« wilde Schwinger anzubringen und wirkte sehr primitiv. Als das Urteil„Unentschieden" verkündet wurde— man hatte allgemein den Belgier als Punktsieger er- wartet— kam es zu dem widerlichen Zwischenfall. Eine wenig rühmliche Rolle spielte im Schlußkampf Dr. Ludwig Bach-Hcidelberg(89,5) gegen den Bre-lauer Emil Scholz(84,7). Es gab zeitweise eine üble Keilerei, die mehrfach Protest hervorrief. In der fünften Runde mußte Dr. Bach bis neun zu Boden; er kam aber gut über die Rund« und es gelang ihm später sogar, seinen Gegner zu erschüttern. Man gab Scholz den Punktsieg, den er nie oerdient hatte. �Vinterzport im Harz. Ein Vortrag beim Deutschen Wintersporiverband- Mitteldeutschland» schönstes Wintersportgebiet, der H a r�, be< handelte der republikanische Deutsche Wintersport- verband auf einem Werbeabend. Genosse Wage»schwänz, Bürgermeister in Tanne im Harz, verstand es, das lebensfrische, Muskel, Herz und Sinne fördernde Element des Wintersports den Hörern näher zu rücken. Der Vortragende gab einen historischen Ueberhlick über die Entwicklung des Wintersports in Deutsdzland, der eigentlich vom Harz aus seinen Ausgang genommen hat. Im Harz wurden vor 50 Jahren die ersten Schneeschuhe eingeführt, nachdem man vorher schon durch das Unterbinden von Faßdauben versucht hatte, aus dem Schnee zu„fahren". Lange Zeiten hindurch blieb der Skilauf ein Sport nur für exklusive Kreise. Der Deutsche Wintersport- verband hat sich zur Aufgabe gestellt, die„weiße Kunst" zu einem Volkssport auszugestalten, der dem Großstädter einen Ausgleich bieten soll für die Benachteiligung durch die Berufsarbeit und das Leben in der Großstadt. Der Redner fordert« den Skilauf als obligatorisches Schulfach, das den Stadtschülern in Ski-Trocken« lehrkursen die Uebungen beibringen müßte. Wie stark die Bewegung ist, di« der junge Wintersportoerband entfesselt hat. gehe daraus hervor, daß im Harz sich bereits 14 Unterabteilungen ge- bildet haben. Die beliebten Fremdenorte hätten sich ganz zur Auf- nähme der städtischen Gäste umgestellt, für gute und billige Unter- kunft sei an vielen Orten gesorgt. Der Redner führte nun in Wort und Bild seine Hörer in einer Skiwanderung auf den Brocken hinauf. Die Sonne spiegell bläu- sich« Schatten in das Weiß, und bei der Fernsicht genießt man das weite Gelände in seiner unvergeßlichen Pracht. Immer höher windet sich der gekennzeichnete Pfad, bis man auf der Kuppe oben sich in vorgeschichtliche Eisregionen versetzt fühlt, so stark haben Sturm und Eis das Leben unter sich begraben. Di« Brockengebäude sind von einem Eispanzer umkleidet, als wären sie aus Zucker gebacken. Man muß schon dem Redner beistimmen, daß ein solcher Werbe- abend nicht nur für unsere sportbeflistenen Reichsbannerleute zu einer Freude wird, auch wir anderen, die Daheimbleibenden, werden uns als Ersatz willig in den Bann eines solchen Erlebnisses ver- setzen lasten. Von der Arbcitersportpressc. Ab Januar 1930 ist der Erscheinungsort der Fachschrift„R u- dern und Paddeln" des Arbeiter-Turn- und Sportbundes von Berlin nach Leipzig verlegt worden.„R. u. P." wird in Leipzig in der eigenen Druckerei des Bundes hergestellt. Das Mitteilungc- blatt des Vereins„Tennis Rot"-Bcrlin, das über Berlin hinaus von den Tennisspielern des Turrdes bezogen wurde, ist Bundes- organ geworden und erscheint ab Januar ebenfalls in Leipzig unter dem Titel:„A r b« i t e r- T e n n i s s p o r t". Di« Bezieherzahl ist seitdem von 800 auf 1300 gestiegen. Rekordlistenl Deutsche Turnerschast und Deutsche Sportbehörde für Leicht« athletik hoben jetzt ihre Rekordlisten für 1929 oerössenlliiU. Zwei Höchstleistungen fallen dem aktiven Sportler und einem grö- Heren Publikum ein Bild von den Fortschritten der Leichtathletik im Jahre 1929 geben. Nur 9 Rekorde sind„gefallen", also bewegt sich der Sport rückwärts; Jammern und Klagen fetzt«in: une wollen wir internationale Geltung erhalten, wie wollen wir auf dev Olympiade in Los Angeles bestehen, wenn nichts geschieht, um diese Rückwärtsbewegung aufzuhalten?! So jammern die, denen der Sport Kanonenzüchtung, Sen- sationslust und.Rekordjagd ist. Der bürgerliche Sport hat allen Grund, unzufrieden zu sein, denn es gilt, mangelnde Idee durch Publikumserfolge auf den Sportfesten zu ersetzen. Wo ist die „Brellenarbell", von der die Sportführer soviel gesprochen und geschrieben haben? Noch herrschen in der bürgerlichen Sportbewe- gung die Kanonen, die als„Amateure" die Well durch ihre Rekordleistungen verblüffen. Der Amateur Otto Peltzer, von Beruf Lehrer, ist z. B. auf einer Sportrsise um die Welt; seine glückliche Ankunft in Sidney, Australien, würde kürzlich gemeldet. Wie„Breiten- arbeit" zu leisten ist, kann der bürgerliche Sport beim Arbeiter- Turn- und Sportbund lernen. Wohl lehnen die Arbeitersporiler de» Wettkampfgedanken nicht ab, verzichten ober auf jede Kanonenzüch- tung, ihre Arbeit gill der Gemeinschaft aller Mitglieder. Ob Lammers oder Körnig 100 Meter in 10,4 Sekunden laufen, inter« «stiert den Arbeitersportler nicht, und wenn Körnig nach kostspieligem Training den Rekord um ein« Zehntel Sekunde drückt, ist noch nickt» für die Volksgesundheit getan. Mit körperlicher Ertüchtigung haben die Wettkämpse der Stars nichts zu tun. im Gegenteil, so mancher hat durch zu hohes Training sein« Gesundheit eingebüßt. Lasten wir den bürgerlichen Sporiführern das Suchen nach Mitteln, wie die Rekorde zu steigern sind; die Arbeitersportvereine kennen derartige Sorgen nicht--- sie leisten aber auch wirk- liche Breitenarbett! » Die Hochsprungsiegerin auf der Olympiade in Amsterdam, Ethel Catherwood-Kanada, wurde seinerzeit von der bürgerlichen Sport- preste nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistungen, sondern auch wegen ihrer— Schönheit gepriesen. Di« schöne Kanadierin hat nun den Sport an den Nagel gehängt und beteiligt sich beruflich an Schönheitskonkurrenzen. Ein Berufswedstel, der bestimmt seine finanziellen Vorteile hat und eine wertvolle Kraft. dem bürger- lichen Sport nimmt. Aber schließlich: Geschäft ist Geschäft. Kommunistische Radaubrüder. In Hoppegarten-Alt-Landsberg besteht ein bundestreuer Sport- verein. Der hatte am Sonntag ein Fußballspiel gegen Lichten- berger Arbeitersportler. Als das Spiel beginnen soll, betreten plötzlich andere Mannschaften, und zwar Alt-Landsberg und Peters- Hägen von der kommunistischen Märkischen Spielvereinigung den Platz und beginnen ebenfalls ein Fußballspiel, also gleichzeitig vier Mannschaften im gleichen Spielfeld! Unter dem Gejohle und der Assistenz eines Testes der Zuschauer werden di« Bundesleute an- gerempelt, nur dem Anstand und der Besonnenheit unserer Ge- nosten war es zu danken, daß eine Schlägerei, auf di« es die Horde ganz offenbar angelegt hatte, vermieden wurde. Der Platz gehört der Stadt. Die Benutzung geschieht nach Ber- einbarung unter den drei bestehenden Dereinen. An diesem Sonntag hatte der Bundesverein von 14 Uhr an den Platz rechtmäßig inne. Der Uederrumpelungsplan war rorher au-gehcckt. denn schon am Somiabend äußerten einige mit den kommunistischen Sportlern befreundete Mitglieder eines Sparvereins:„Na, morgen werdet ihr»od) etwas erleben!" Dem am Ort bestehenden Turnverein ist auch schon eine Veranstaltung von derselben Seite gestört worden, wofür die Störenfriede von der Behörde gerügt und ihnen die Eni- ziehung des Benutzungsrechtes angedroht wurde. Es wird noch- gerade Zeit, daß sich der Magistrat von Alt-Landsberg einmal«ruft. Haft mit den Zuständen befaßt. Arbeit an der Volksgesundhcit. Den Vorrang, Sachsens größter Arbeiter-Wasser- sportverein zu sein, hat der Verein für volkstümlichen Wassersport E. V. D r e s de n mll 1332 Mllgliedern über 14 Iahren und 800 Kindern. 120 Schwimmwarte, Schwimmeister und Riegen- führer regelten 1929 in 1274 Uobuvgestunden den Betrieb mit 71170 Teilnehmern(1928: 50 000). 20 Lehrgänge mll 460 Teil- nehmern dienten im vergangenen Jahr« der Ausbildung von Funk- tionären und Mitgliedern. Nahezu 100 Rettungsschwimmer leisteten 1929 8660 Dienftstunden und vollbrachten 3 Lebensrettungen, 200 Hilfeleistungen sanitärer Art und verhüteten 12 Sd)wimm- und Bootsunfälle. Di« Bootsabteilung verfügt über 84 Boote. 613 Wanderfahrten wurden im letzten Jahr« unternommen Der Berein besitzt ein herrliches Naturbad In der Nähe Dresdens, das 1929 44 000 Besucher aufwies. Am Arbeiter-Turn- und Sportfest in Nürnberg nahmen 116 Vereinsmitglieder teil. In der Provinz wurden 24 Veranstaltungen bvsudst. Trabrennen zu Ruhleben. Das abwechslungsreich« Programm der Winterveranstältung zu Ruhleben am Sonntag verspricht wieder interestant« Kämpfe. Die Rennen beginnen diesmal erst um 12)3 Uhr. Rubcrvereia SoHegla. iZrmicnhitncn ftfct Dienstag«. 20 Uln. Quito»- UmSc. Losiinrudern Connabcnds, 18 Ut>r. bei.Vorwärts". Iugenbocr. sonkwlungcn jeden 1. und S. Montag iin Monat. Nächste Berlammmng Montag. 20. Januar. 20 Uhr, IngcnSheim Sprcestr. so. .SoUbarität". Erste Dencraloersammlung Doimerstag, ZS. Januar, De- rrrrisitiastshaus. Mitglrrdsbllcher sind vor»useigrn.— Dcranftaltungrn Sonn- tag. IS. Januar: 1., ä., 8.,». Abt.: vasienkvortseft im Eportvalaft.— 2.»dt.: Fußtour durch die Mtiggelbcrgr. Tretfpunlt IZ Uhr Bahnhos Grünau. � 10. SItt.:(fufitout. Trctfpuntt 13 Uhr Warschauer Strafte.— Neanjahrce- abte lang: Lallri'sportfcst im Svortpalast. Zrden Donnerstag, U"— 21)» Uhr, Trainingsabrnh in dcr Turnhalle sirp'n cker Str. 12i. Gäste w'IIIomm. n,— Abt.!>!«ii?i:ll»! 13 Uhr stiel am Start Lohrnzollrrnpiaft.— Abt. Bau Iis nlra» »eg, ssnfttour nach den Mtlggelderaen. Drrffcn 13 Uhr Bahnhos Baum. fchulciancg.— Abt. Li-tlenberg: kallcnirortscst im Srortra'ast.— Abt. Weifteuche-Heiuersdorl! 15 Uhr Treffen bei Nagel, Wr.ftensc«, Lochringru- straft« 3i.— Motorsahrer. Abt. grirbri'»bain! 12 Uhr Belton. Start Landsberger Plaft.- Abt. Ro den: 9)4 Uhr bei stbünem Wetter nach Ziau n. 'Zga'hsckÄnle. Siftnngen jeden 1. Freitag im Monat bei WinkelsLffer. Spare. strafte 3.— Abt. Neulölln, 13 Uhr stiel am Start Sohrnzollcrnplaft.— Abt. Stegliju Sonnabend, 18.?anuar, Maskenball in M.ller« ffelWölen. Süd"be, Berliner S'e. 9. Bürde»treu« Abteilungen und Qrtsgrunoen sind will- lommen.— Abt. Shoelottenbnra: io Uhr Nauener Waldfchänk«. Nad- und Motorsahrer: Start Wilmersdorter Sefe stana. strafte. Dienstag. 21. Januar. Versammlung m t Bortrag:»Ernste» und Helterez in 25?ahren�. Aartell für Arteitersport und ASruerpfleg« LieStenbera. Bis»ut bald statt. findenden Generaloersammlung de» Zvgerdberbergsoerbande» Meissen all« Mit» glieder tEinzelinstglieder und Organisationen) Ihre Mstglledsehaft erneuern. tzrettag von 18 bis 20 Uhr Wände raustunft stelle Tllrrschmidtstr. 2t, Eil» tut not! Soortoer»!» Moabit. Treffpunkt tum Hallensportseft ftlr dt» Aktiv«» 10% Uhr. für alle übrigen Genoffen 12% Uhr Strom. Eck» Turmftraft». Morgen hallen die Arheliersporfler Ihr diesiahridrs großes Hallen. spornest Im Sporlpslasf ah. Die drheiferspoiller, die sidi der Parle! und den fiewerftsdialfen stefs zur Veriddund stellen, envarien die ArhellcrsdiaU Berlins als Gäste un 15 Uhr Im Sportpalasi!