BERLIN Sienstag 21. Zanuar 1930 10 Pf. Nr. 34 B17 47. Jahrgang Erscheint tSzltch auSerSvnntag«. Zugleich Abendaukgabe des.Vorwärts'. BezugSoreiS beide Ausgaben SS Pf.»ro Woche. S.mM. pro Monat. Redaktion und Lrvedition; Berlin SW6S,!indenKr.S Sfiniaiikgaße n}jbtu>af4&*» NietgenxretCDie einspaltige NonparekHezeil« 80 Pf.. ReklamezeUe 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. vßscheckkonto: VorwärlS-Dcrlag G. m.b.H� Berlin Nr.»7 US. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Geekonferenz eröffnet. % Ministerpräsident Macdonald wird Vorfitzender. London. ZI. Januar. fEigenberichk) Heule mittag um 12 Uhr wurde die Londoner Seeabrüstungs- koufereuz iu der KSnigsgalerie des Oberhauses eröffnet. Der König von England begrüßte die Delegierten und bezeichnete als ihre Aufgabe die Begrenzung der Verschwendung an ZNarinerüstungsausgabe«. Seit dem Weltkrieg haben die wenfcheu beschlossen, keine Wiederkehr der großen Tragödie zuzulassen. Das wichtigste Wittel dazu sei eine Einschräu- kuvg und Begrenzung der Marinestärke und ihre Beschränkung, so wie sie mit der nationaleu Sicherheit vereinbor sei. 1922 seien in washinglou Verträge über die großen Schisse geschlossen worden, seitdem sei seder versuch fehlgeschlagen, zu weiteren Vereinbarungeo zu kommen. Die jetzige Konferenz sei aus einer neuen Znspiration entstanden. Alle Nationen hätten verschiedeue Bedürsuisse. ober jede Nation müsse für die Allgemeinheit Opfer bringen. Die Konferenz müsse zu einer unmittelbaren Erleichterung der Rüstuu- gen führen. Der britische wiuisterpräfldeut Macdonald dankt für die Wahl zum Vorsitzenden der Versammlung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die begonnene Arbeit mit Erfolg zu End« geführt werde, und beglückwünscht den König zu dar ersten öfsent- liehen Rede seit seiner Erkrankung. Die meisten politischen Schwierigkeiten entstehen aus dem Mißtrauen Es gelt«, sich auf der Konferenz über die engeren Ansichten von Spezialisten zu erheben und dem Wettbewerb der Rüstungen«in Ende zu machen, der wie in der Vergangenheit zu einem neuen Krieg« führen kenne. Seit der Konferenz von 1921/22 sei der Völkerbund aufgebaut und die gegenseitige Sicherheit verstärkt worden. Der Pariser Vertrag von 1928 sei zwar ohne eine Ma« schinerie, aberSein mächtiges moralisches Instrument zur Aufrecht- erhaltung des Friedens. Der Einzug Amerikas in den Internatio- nalen Gerichtshof, die Unterzeichnung der Schiedspflicht bedeuten einen mächtigen Fortschritt in der friedlichen Regelung internatio- naler Streitigkeiten. würde der Gedanke der militärischen Sicherheit übertrieben, so entstehe daraus keine politische Sicherheit, sondern nur eine schlechte Sicherung. Gewiß muß bei der Abrüstung auf die geographischen Notwendig- leiten Rücksicht genommen werden. Sicherlrch hänge ein Gebiet der Rüstungen mit dem anderen zusammen: kein« Rüstungsart fei von der anderen in einer wasserdichten Abteilung getrennt. Deshalb habe er mit Hoover die Schwierigkeiten geprüft, um für die vor- beredende Abrüstungskommission in Genf Vorarbeit zu leisten. Ol« Konferenz müsse zu einer Begrenzung und Minderung der Rüstungen und damit zugleich zu einer Stärkung der nationalen Sicherheit sührea. Werde die Konferenz von 1939 diese Ausgabe erfüllen, so werde sie ein Markstein in dem Aufstieg der Menschheit zu einer besseren Zukunft bedeuten. Amerika für drastische Verminderung. Der amerikanische Außenminister S t i m s o n erklärte sich tief beeindruckt von der vom britischen Ministerpräsidenten gegebenen Analyse des Abrüstungsproblems. Es sei für Ihn bedeutsam, daß die Konferenz im Londoner Parlaweat stattsind?, in dem der llcsprung der Staatscinrichkungen Amerikas zu s.udeu fei. Abrüsten sei eine ganz neue Entwicklung. Die Konferenz von Wa'hing- ton sei der c r st e Schritt aus der langen Straße zu einer allgemeinen Abrüstung, ein bedeutsamer Augenblick In der menschlichen Geschichte gewesen, habe sie doch zum erstenmal greifbare Resultate des Mcnschheitswunsches nach Frieden gegeben. Menschliche Angelegenheiten sind n i ch l st a t> s ch. sondern beweg«, die Abrüstung ist kein Zustand, sondern ein dauernder Prozeß. E» sei die Aufgabe, zu einer drastischen Kürzung der Rüstungen zu kommen und einen vertrag in dieser Richtung obzu- schließen, der später revidiert werden könne. Jede Erleichterung der Rüstungen, entweder zu Land, zur Lust oder zur See. führe zu einer Erleichterung der Rüstungen auf den anderen Gebieten. Die amerikanische Delegation sei bereit, in London zu bleibe» bis ein De- trag hergestellt fei. der dazu helfen kann, zum uächsteu Male im Geiste der Verständigung wieder zusammenzukommen. um die Abrüstung weiter zu treiben. Der australische Delegierte erklärte, es sei zwar ein langer Weg van Australien bis London, ober kein Weg sei zu lang. um an der Aufgabe des Friedens mitzuarbeiten. Die Sicherheit liege in der Einheit. Australien reiche allen Nationen die Hand »um Frieden. SeeabrüUungskonferens in JCondon Itlr. Slimfon, amerikanischer Slaalsfekretär, mit ftlacdonald im SKonSerensasimmer Kampf mit dem Finanzkapital. Abwehr der Siadi Dresden gegen die Schacht-poliiik. Dresden. 21. Ianar.(Eigenbericht.) Die Stadtverordneten in Dresden befchlosien nach sünfeinhalb- stündiger Beratung in geheimer Sitzung am Dienstag früh 3 Uhr die Umwandlung der Dresdener Gas-, Wasier- und Elektrizlläts- werte und der Städtischen Straßenbahn in Aktiengesell- f ch a f t e n. Die Vorlagen wurden in namentlicher Abstimmung mit M gegen 20 Stimmen angenommen. Die Gegner der Vorlage setzten sich aus Kommuni st en und Nationalsozialisten und den Beamtenvertretern der bürgerlichen Parteien zu- sammen. Letztere hoben grundsätzliche Bedcnkep gegen die Um- Wandlung, weil sie darin einen Angriss aus das Berufsbeamlentum erblicken. Diese Stellungnahme ist insofern abwegig, als der be- schlosiene Gesellschaftsvertrog über die Einrichtung der Aktiengesellschaften die Rechte und Interessen der jetzt schon bei den Werken beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten im gleichen Maße sichert, wie das heute der Fall ist. Die Werke bleiben nach wie vor im allelnigeu Besitz der Stadt Dresden, und zwar dadurch, daß die Aktien der Dresdener Straßenbahn- Aktiengesellschaft im Werte von 18 Millionen Mark und die Aktien der Dresdener Gas-, Wasser- und Elcktrizitäts-Akkiengesellschost im Werte van 70 Millionen Mark restlos als Namensaktien der Stadt verbleiben. Auch, im Falle junger Aktien lft deren Besitz der Stadt gesichert. Ohne Zustimmung einer Zweidrittelmehrheit der städti- schen Körporschosten kann eine Veräußerung oder Verpfändung der Aktien nicht eintreten, und da allein die sozialdemokratische Fraktion weit mehr als ein Drittel der Sitze im Stadtverordnetentollegium innehat, also niemals gegen ihren Willen. Es handelt sich bei ter Umwandlung der Dresdener Werke dem- nach keineswegs um eine Entkommunolisierung. sondern lediglich um eine Veränderung der Rechlvform zum Zwecke der Erhallung einer Anleihe, nm die Stadt von den sie gegenwärtig belasten- den kurzfrlstlgev Krediten zu entlasten. Di« Maßnahmen der deutschen Banken zur Drosselung der Finanzen der Kommunen haben auch die Stadt Dresden in eine schwierige Kossenlage gebracht, ohne ihr Vermögen etwa zu schwächen. Lobe gegen Schacht. Eine Nede in Breslau. Breslau. 21. Januar.' In der Hauptversammlung des Ortsvereins des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold sprach am Montag abend Reichstagspräsident L ö b e über die politische Lage. Er behandelt« die schwere Geschäfts- stockmtg, unter der Deutschkand gegenwärtig leide. Es handele sich daM nicht um«ine Wirtjchasiskrife, da die Pmdultion im Jahre 1929 um 12 bis 13 Proz, die des Jahres 1913 Übertresse. Wenn in Deutschland große Arbeitslosigkeit herrsche, so sei das daraus zu erklären, daß einmal die Maschine.die menschliche Zlrbeitskraft ersetzt habe, zum anderen habe sich die Struktur des deutschen Volkes ver» ändert. Sodann ging er aus die Notlage des deutschen Ostens ein, die namentlich in der neuen Grenzziehung ihre Ursachen habe. Nachdem die Räumung des Westens bald Tatsache geworden sei, müßten Reichs- und Staatsregierung dem Osten erhöhte Zlufmerksamkeit zu- wenden und ihm durch Erteilung von Austrägen, durch Kredit« und durch Abschluß des deutsch-polnifckzen Handelsvertrages, an den man aber keine übertriebenen Hofsnungen knüpfen dürfe, zu Hilse kommen. Im Ausammenhang mit den Ausführungen über die Witt- [chaftsnot krilisierte er dos Verhallen des Retchsbankpräst- d e n t e n Schacht und wies darauf bin, daß das n« u e R e i ch s- b a n k st a t u t der Reichsregierung die Möglichkeit gebe, auf die Besetzung des Präsidentenpostens bei der Reichsbonk Einfluß z» nehmen. Die deutsche Delegation zurückgekehrt. Die Reichsminister Eurtius. Schmidt, Moldenhauer und wlrth find heute morgen au» dem Haag wieder iu Berlin eingetroffen. | Max Quart[ Genosse Cr. INax Quark ist im von fast siebzig Jahren cute morgen nach längerem Leiden in �uaoksurt a. M. gestorben. Max Quart wurde am 9. April 1860 in Rudolstadt geboren :r studierte in Leipzig Rerhtswissenickiasten. Während seiner Refe- endarzeit wurde er im Jahre 1886 wegen Förderung der lrbeiterbewegung aus dem Staatsdienst«nt- a s s e n. Er war dann kurze Zeit in der Schriftleitung der„Deut- hen Zeitung'" in Wien tätig und trat im Jahre 1887 in die Reaktion der„Frankfurter Zeitung"«in. der er bis 1891 ngshörte. Sein chauptarbeitsgebiet war Sozialpolitik und Volks- »irtschast. Er gehört zu den Begründern der„B'ätter für soziale iroxis". Im Jahre 1893 schloß er sich endgültig der Sozialdemo- ratie an und wurde Chefredakteur der Frankfurter„Volts- : i m m e*. Er hat an dieser Stelle 24 Jahre lang an der Spitze der frankfurter Arbeiterbewegung unermüdlich gewirkt, die er durch sein Lissen befruchtet hat. Im Jahre 161!Z wurde er in den Reichstag «wählt, nach der Revolution in die Nztionaloersammlung. Er ist er Verfasser zahlreicher sozialpolitischer, volkswirtschaftlicher und gs- hichtlicher Schriften. Mit ihm ist einer der führenden wisienschaft chen Köpf« der deutschen Sozialdemokrat« dahingegangen. Ehrhardt gegen Karumidze. Oer Putschist will nicht im Tscherwonzenprozeß erscheinen. Krise der Fürsorgeerziehung. Bürgerliche Verständnislosigkeit im Londtaasausschuß. Di« sozialdemokratisch« Landtagsfrattion atte vor längerer Zeit«inen Antrag auf Unigestaltung der iürsorgeerziehung eingebracht, der gestern im bevölke- imgspolitischen Ausschuß beroten wurde. Jn Preußen ist der l/arakter der Fürsorgeerziehung als Sondermaßnahme noch dadurch etont, daß sie im Gegensatz zu ailen anderen Jugendwohlfahrto- raßnahmcn nicht den Jugendämtern als Selbslvcrwaltungs-, sondern den Provinzen als staatliche Auftragsangelegenhelt übertrage« ist. »ic Ueberweisung in Fürsorgeerziehung ist noch mit dem Anreiz usgestattet, daß die Jugendämter sie nicht bezahlen brauchen. Sic »ird von den Provinzen zu einem, dem Staat zu zwei Dritteln «tragen. Das Jugendamt, dessen Träger die Stadt- und Landkreis« sind, at alle öffentlichen Crziehungsnmßnahmcn zu leisten, es feien hier ur Amtsoormundfchaft für die Unehelichen, Waisenerziehung. ichutzaufsicht und die Maßnahmen der Jugendpflege genannt. Jm ugenblick, wo«in Kind in Fürsorgeerziehung komm! und erst recht er besonderen Sachkenntnis des Jugendamts bedarf, kommt es in and der Provinz, die andere Erziehungsniaßnahmen überhaupt icht durchzuführen hat, der die enge Verbindung mit der Bevölke- »ng und die Möglichkeit zur Einreihung des Fürsorgezöglings in !e übrige Jugendfürsorge und die gesunde Jugend in der Jugend- slege fehlt. Die provinzielle Fürsorgeerziehung überweist den ug endlichen entweder in die Familienpflege oder Anstaltspflege. >ur Beaufsichtigung in der Familienpslege und zur Beurteilung. b Urlaub oder Entlastung möglich ist, ziehen die Prooinzialbehörden eute schon die Jugendämter mit ihren örtlichen Organen heran, >etl st« nur mit diesen das Problem lösen können. Jn den An- alten sind die Fürsargezöglmge isoliert und der Ruf in einer ürsorgeerziehung-anstalt gewesen zu sein, haftet ihnen immer an. Aus diesen Gründen beantragte die Genossin Wachen- «im für die sozialdemokratische Fraktion: Seberlragung der Fürsorgeerziehung an die Zugendämter. «e ging auch auf die letzten Vorkommnisse ein: Reoolt« in Stettin nd den Juliusburger Fall, wo ein Handwerksmeister im Beisein on Ordensbrüdern einen Jungen zwang, Zigaretten, die er in ein- ouchegrub« geworfen hatte, wieder herauszuholen usw. Denoste 'irchmann schildert« die schlechten Erfahrungen mit der Fürsorge- :ziehung in Pommern. Genossin Ehrl st mann erinnert« -r ran. wie der Wohlfahrtsminister in allen früheren Verhandlungen ehausitet hatte, es sei alles in bester Ordnung, während bald darauf > der Anstalt der Jnneren Mission Rickltng sich alle Angaben der Genossin Christmann als wahr erwiesen und gegen dortige Erzieher in Strafversahren«ingeleitet werden mußte. Aber auch heute ügteii die Vertreter des Volkswohlfahrtsministeriums wenig »erständnis für die Reformbedürftigkeit der Fürsorgeerziehung. Akik allen Stimmen der bürgerlichen Parteien wurde der sozial- demokratische Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokralen und Kommunisten abgelehnt. Auch die Vertreterin der Demo- kralen, deren presse dauernd gegen die Fürsorgeerziehung Sturm läufk, stimmte mit den Denlschnationale« gegen jede Reform. Ein Antrag der bürgerlichen Parteien, der die freiwillig« Für- »rgeerziehung in Fällen, in denen nach dem R-lchsjugendw'bl- chrtsgesetz und der Fürsorgepslichtverordnung Jugendämter imd iezirtgsürsorgeverbänd« zuständig sind, den heutigen Fürerge- rziehungsbehvrden zur freiwilligen Fürsorgeerziehunz zuweist, die er Staat auch zu zwei Dritteln bezahlen soll, wurde angenommen. iiese freiwillige Fürsorgeerziehung soll nach denselben tonfelsionellen iesichtspunkten durchgeführt werden wie die Fllrsorgecrzislmng. >as heißt, in Zukunft soll der Staat einen freiwilligen Erziehung!-- ertrag zwischen konfessionellen Eltern und Anstalten finanzieren. )er Antrag wurde mit Stimmen aller bürgerlichen Parteien gegen iozialdemokraten und Kommunisten angenommen, obwohl er niit «m Reichsrecht nicht in Usbereinstimmung zu bringen ist. So haben auch diese Verhandlungen einen Fortschrill nicht ge- «acht. E« wird nicht der letzte Kampf gewesen sein, den wir führen, .m der Fürsorgeerziehung den Sondercharakter zn nehmen und sie >> die allgemeine Zugendwohlfahrtspslege einzureihen. Oitiaiur der Jugend. Rom, 21. Januar. Das neueste Beiehlsblatt der faschistischen Partei befaßt sich nit der Bedeutung der Jugend in der Partei und im Staat. Der. safchismus, erklärt das Befehlsblott. beabsichtigt ein« Herrschaft� '«r Jugend zu bleiben. So würden in Zweifelsfällen unter dreißig- und Vierzigjährigen bei gleichen Verdiensten erstere 'vrgezogen. Auch die S'oßtrupps hätten sich aus jungen, teilweise ugendlichen Elementen zusammengesetzt, die sich zu schlagen ver- tünden, und Im Liktorenzeichen zu sterben wüßten. Der Faschis- nu? beabsichtige, getstig die italienische Jugend vorzubereiten: aus hr müßten die leitenden Schichten des faschistischen Jtaliens von norgen hervorgehen. Diese Aeußemngen in dem Befehlsblott der «fchlstischen Partei find als Antwort auf die Enzyklika des Papstes iber die Erziehung der Jugend zu werten, insofern al» hier noch- nals die jaschistische Aussassung über das Vorrecht des Staates hin- Vilich der Jugenderziehung zum Ausdruck kommt. Kapitän E h r h a r d t hat an den Vorsitzenden Im Ts Herwon zen- sälscherprozeß, Amtrgerichtvrat Ivartenberger. ein Schreiben ge- richtet, in dem er wegen einer nicht aufschiebbaren Reise darum bittet, von seiner vom Verteidiger des Angeklagten Karumidze be- anlragteu Zeugcnladnng Abstand zu nehme«. Zu den von dem Rechlebeistand Karumidzes zur Begründung des Beweisan- tlages vorgebrachten Behauptungen äußert sich Ehrhardt dann folgendermaßen: „Jch habe mit Herrn Karumidze niemals verhandelt. Bielmehr habe ich, wie ich dies im Rahmen meiner politischen Tätigkeit stets tat, mich von Herrn Karumidze über seine politischen Absichten unterrichten lassen. Meine Jnteressen an der Tätigkeit des Herrn Karuimdz« beruhten auf seinen Mitteilungen, daß hinter ihm namhafte englisch« Politiker steckten. Die Pläne Karumidzes, die nach seiner Behauptung auch diejenigen der hinter ihm stehenden Engländer waren, laufen auf«ine Zerschlagung Rußlands hmauch politisch« Ziele, die Meiner eigenen politischen Ansicht und Absicht immer diametral gegenüberstanden und noch gegenüberstehen. Herr Karumidze hat mich in seine Währungssälscherpläne nicht eingeweiht. Jch konnte daher mit solchen mir unbekannten Plänen auch nicht sympathisieren. Es ist richtig, daß mich Herr Karumidze um Geld, und zwar in Höhe von 10<) M. angegangen hat. Nicht aus Mangel an Geld, sondern wegen Ablehnung seiner polilljchen Pläne habe ich mir eine finanzielle Ilnlerstützttvg des Herrn karumidze versagt. Rachdem ich die wirtschaftliche Beteiligung abgelehnt hotte, habe ich mich für die Sache des Herrn Karumidze nicht weiter interessiert. Von irgendeiner Vereinbarung, einen Verbindungsmann meines früheren Bundes der georgischen Organisation zu attachieren, ist mir nichts bekannt." Die heutig« Verhandlung besteht aus einer Reihe von Unter- brechungen. Bell hat sich für v e r h a n d l u n g s u n f ä h i g er- klärt: der Arzt stellt einen Nervenzusammenbruch fest. Der Kompler Rieger wird auf nächsten Mittwoch zurückgestellt. Der Angeklagte Schneider ist als Zeuge erschienen. Verteidiger und Oberstaats- anmalt stellen den Antrag, feine abgetrennte Sache wieder mit diesem Verfahren zu verbinden. Das Gericht lehnt ab: ein Teil der Angeklagten sei abwesend. Die Derteidiger wiederholen den Antrag. Nach einer„Beratung" von einer viertel Minute wird er erneut abgelehnt. Auf die erste Frag« des Vorsitz« aden: wo«r Dr. Weber kennengelernt habe, machte der Zeuge, Schneider. von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch; er erklärt, die Antwort würde ihn selbst belasten. Er rege Aus- einandersetzung zwischen Verteidiger und Vor» sitzenden an. Es fallen Ausdrück« wie: mitteialierliches Jnquisi- tionsversohren, Zeugenaussageerzwingung und dergleichen mehr. Der Oberstaatsanwalt stellt erneut den Antrag auf Verbindung der beiden Sachen: er habe die Schwierigkeiten kommen sehen, die Anklage könne auf Schneider, der die Verbindung zwischen Sada- thieraschwili und Dr. Weber darstelle, nicht verzichten. Das Gericht zieht sich zum dritten Male zur Beratung zurück... Schon bei Beginn des Prozesses wurde gerügt, daß das Ge- richt sich ohne weiteres mit Schneiders Krankerklärung begnügt Hab«. Jeder Einsichtig« mußte sich sagen, daß man ohne ihn über- Haupt nicht verhandeln könne. Was wäre einfacher gewesen, jetzt, da er im Gerichtssaal erschienen ist, ihn über den Gang der Der- Handlung zu insormiuen, ihn als Angeklagten zu vernehmen, auch die Socke Kipping, die gleichfalls abgetrennt wurde, mit dieser Verhandlung zu verbinden und so den Prozeß im ganzen Ausmaße durchzuführen? Das Gericht stemmt sich aber aus ganz unbegreis- lichen Gründen dagegen. Sind«s nur Bequemlichkeitsgründe oder ist da anderes maßgebend? Das Gericht beschlieht zum drittenmal, Schneider bloß als Zeugen zu vernehmen. Der Staatsanwast versucht, einige Fragen zu stellen. Schneider macht jedesmal von seinem Zeugnisoer- weigerungsrecht Gebrauch. Der Staatsanwast beantragt Gerichtsbeschluß darüber, ob Schneider auf die an ihn gestellten Fragen die Antwort verweigerll dürfe. Das Gericht erklart, daß er dos Derweigerungsrecht habe, da«r sich sonst selbst belasten würde. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf westere Fragen. Schneider wird entlasten. Der Schluß der Sitzung betrifft die Frage, ob Kapitän Ehrhardt als Zeuge geladen werden soll. Oberstaais- anmalt Tetzlaw erklärt, daß er seine Aussage für die Frage der Amnestieanwendung für nicht erforderlich hatte, in sachlicher Beziehung aber sich eine Klärung und Förderung der ganzen Ange- legenbeit verspreche. Rechtsanwalt Beer ist dagegen der Ansicht. daß Kapitän Ehrhardts Aussage auch für die Amnestiefrage von Belang sei. Es würde sich ergeben, daß Karumidses Tätigkeit so- wohl den innen- als den außenpolitischen Zielen Ehrhardts gedient Hab«. Das Gericht beschließt Ehrhardts Ladung auf Wontag der kommenden Woche. Tod beim Versicherungsbeirug. Zn den Flammen des selbst anaezündeien Haufes verbrannt pari», 21. Januar. Verhängnisvoll endete ein Versicherungsbetrug, den drei Brüder in Bordeaux von langer Hand vorbereitet hasten. Jm Dezember vorigen Jahres mietet« der 88jährige Angestellte einer Zuckerfabrik namens Bordas ein kleines Anwesen in Eourre- jban. Jn den letzten Togen ließ er die Wohnung mit MÄÄn aus- statten, für die er«ine Anzahlung von 866 Franken leistete Gleich- Mlg schloß er eine FeueroerIicherungaufS666 6''Fran- k e n ab, in der Absicht, Feuer anzulegen, um die 36 666 Franken einzukassieren. Zur Durchführung dieses Planes hall« er sich die Mithilfe seiner beiden Brüder gesichert. Am Sonnabend wurden dl« letzten Dorbcritungen getroffen, vle beiden Mithelfer begoDm sämtliche Möbel, das holz und die Wände de» Hauses mit einer leicht entzündbaren Flüssigkeit, während der Besitzer der Wohnung in der Nacht zur Arbeit ging, um sich ein Alibi zu verschaffen. Am Sonntag um 2 Uhr früh schlössen dann die beiden Brüter die Tür des Hauses, zerbrachen«in Fenster und warfen ein Zündholz in das Jnner« der Wohnung. Sofort erfolgt« eine furchtbare Explo- flon, die da» ganze Hau» zerstörte, ver jüngere Bruder wurde unter den Trümmern begraben, während der andere die Flucht er- griff. Das Feuer breftete sich mit großer Schnelligkeit auf d e be- nachbarten Häuser aus. Dank der sofort unternommenen Löschversuche gelang es schließlich, des Brandes Herr zu werden. Bei den Aufräumungsarbeiten entdeckte man den völlig verbron- ten Leichnam des einen Brandstifters. Da die Explosion sofort Verdacht hervorgerufen hotte, stellte die Gcrichtsbe- Hörde eine Untersuchung an. Der Besitzer des Hauses heuchelte zunächst schmerzhafte» Erstaunen, während der andere Bruder ein volles Geständnis ablegte. Kausche Weichenstellung. Das vinkelscherbener Eisenbahnunglück vor Gericht Augsburg, 21. Januar. Unter starker Beteiligung von Publikum und presse be- gann vor dem Erweiterten Schössengerichl Augsburg die Verhandlung wegen des Dinkelscherbcner Eisenbahnunglücks, bei dem am 31. Just 1928 IS Personen ihr Leben eingebüßt hatten und 157 Personen verletzt wurden. Angeklagt sind der Hilfsw-ichensteller Michael Hübler aus Dinkelscherben als Hauptangeklagter, ferner Oberwsrkmeister M i- ch a e l A m l e r- Augsburg,'Betriebswerkvorstehcr Christian Wiedenbau er- Augsburg, Reichebahnoberinspektor Adalbert K a r n e r- Augsburg und Oberwertmeister Müller- Aug-burg. Der Hauptangeklagte Michael Hübler erklärte» in der Bedie« nung des Hilfsstellwerks II sei er nicht unierrichtet worden, sondern in der des Stellwerks I. Bald nach der Inbetriebnahme des Stell- werks seien bei diesem Hemmungen«ingetreten, insbesondere am Gleis IV. Dem Fahrdienstleiter habe«r davon aber nichts ge- meldet. Am Unglücketoge, dein 31 Juli 1928. sei er morgens um 6 Uhr in den Tdenst gegangen. Damals habe eine furchtbar« Hitze in der Hütt«, in der er seinen pienst tat, gehen s cht. Durch die Sorg« um sein« schwerkranke Frau sei er stark heruntergekommen und vergeßlich oeworten. Er bat dann ,u spät bemerkt, daß d» Weiche für den Personenzug falsch gestanden hat und hat dann versucht, hen ausfahrenden Personenzug 911 aus, zuhalten, aber«» war bereit« zu spät. Der Zug suhr aus einen Rollwagen auf und dann auf«inen Güterzug, wodurch da» furcht- bare Unglück entstand. Hübler kann sich nicht mehr erklären, wo- durch er seinerzeit abgelenkt worden ist, tzpß es zu einer falschen Weichenftellung kam. Das Gerick>t beschloß dann noch, Oberamt»- richte? Helmer vorzuladen, dem Hüblcr unmittelbar nach dem Unglück ein umfassendes Geständnis abgelegt haste Daraus ver- tagt« sich da, Gericht auf Dienstag. Landkreise gegen die Reichshanpistadi. Ein Ein'pruch des Berliner Magistrats. Kürzlich haben sich die sechs um Groß-Berlin gelegenen Land- kreise zu einem„Landeeplanungsverband der Provinz Branden- bürg" zusammengeschlossen. Der Oberpräsldent hat die Gründung des Verbandes genehmigt, und im Provinzial-Berwastungsgebäud« ist bereits eine eigene Geschäftsstelle eingerichtet worden. An der Spitze des Verbandes steht der srühere Verkehreminister Krahne. Der Zusammenschluß der. Landkreis« Haldem Berliner Magistrat Veranlassung gegeben, bei dem preußischen Wohlsahr!?- minister Einspruch zu erheben. Der Landeeplanungsverband hat nämlich durch Durchkreuzung der Berliner Siedlungspolitik, Abschließung von Monopoloerträgen usw., durchaus die Möglichkeit. die Weiterentwicklung Berlins in empfindlichem Maße zu hemmen. Die Annahm«, daß die Bestrebungen de» neuen Verbandes sich gegen die Reichshauptstadt wenden, wird durch die Tatsach« noch verstärkt, daß man Berlin bei der Gründung bewußt ausgeschaltet hat. Ein Durchschlag des Magistratsschreibene, das gegen die Ein- kreisungsbestrebungen Einspruch erhebt, ist auch an den preußischen Jnnenminister gegeben worden. Der Minister hat, wie wir erfahren, die Einwand« des Berliner Magistrat» anerkannt und den Wohlsahrtsminister gebeten, vor jeder Entscheidung des Landesplanungsverbandes das Jnnenministerium zu hören. v-Zug in Erfurt entgleist. Niemand verletzt. Erfurt, 21. Januar. Die Reichsbahndirettion Erfurt telst mst: Am 21. Januar um 3.57 Uhr entgleiste auf dem hauptbahuhof Erfurt der D-Zug 201 Frankfurt am Mala— Dree den bei der Einfahrt kurz vor dem Bahnsteig mit einem Post- und drei Personenwagen. Die Loko- motive und die übrigen Wagen sind nicht entgleist, Personen wur- den nicht verletzt, der Sachschaden ist gering. Die Reiseirden wurden mit einem Ersatzzug nach 46 Minuten weiter befördert. Eine Störung des Betriebes ist nicht«ingetreten. Die Entgleifungs- Ursache, an deren Ermittlung sich auch die zuständigen Dezernenten der Rei hsbahndirektion unmittelbar nach Eintritt des Unfalls be- teiligten, ist bisher nicht festgestellt worden. Selbstmordversuch im Kino. Gestern abend spielt« sich in einem K'notheater am Kolser- dämm ein aufregender Selbstmordversuch ab. Kurz vor Schluß der letzten Borstellung ertönt« im Zuschauerraum plötzlich«in lau,«r A u s s ch r« i. Ein junge» Mädchey wand sich auf dem Boden in furchtbaren Schmerzen, neben ihm lag«ine leere Lysols'asche. Di« Lebensmüde, die als«ine 17jähr'g« Marie E. au» der Cuno- Fischer-Straße in Halensee festgestellt wurde, fand im Hikdepaid- kvankenhau» Aufnahm« Das Motiv zu dem Berzweiftung(chii.t ist noch unbekannt. Vombenleger sollen bezah'en. Kagr d-r Stadl Lüneburg Hannover. 21. Januar.(Eigenbericht.) Auf Vorschlag de, Magistrats beschlossen die städtischen Körper- schasten von Lüneburg gegen dt« Urheber de« Bomben. at t«n tat, aus da» Lüneburger RegierungsgebSud« Schaden» ersatztlage einzureichen. Di« Klage soll damit begründet werden, daß der Stadt Lüneburg durch den Anschlag auf das Regierungsgedäude insofern ein großer Schaden entstanden ist, als in dem gegenüber liegenden Rathaus ein großer Teil der Fenster- scheiden zertrümmert wurde. Kür ein neues Kunstschaugebäude. Im großen Sitzungesaal des ehemaligen Herrenhauses sand Montag abend eine Kundgebung der deutschen Künstlerschaft für Errichtung eines Ausstellungsgeböudes statt. Zum ersten Male wohl, seit ee deutsche KünsUerverbände gibt, traten sie in völliger Einheitlichkeit auf, geschlossen von der Akademie bis zu den Abstrakten in der Forderung, den längst unbrauchbar gewordenen Glospalast in Moabit durch einen Neubau zu ersetzen, der den Bedürfnissen nach einer würdigen Kunststätte Berlins genügt. Tatsache ist, daß wir keinen neuzeitlichen repräsentierenden Ausstellungsraum in Berlin besitzen, wie ihn München, Dresden, Köln, Düsseldorf und andere Städte in Deutschland längst haben: und daß der Landesausstellungs. Palast eine abbruchreise Ruin« darstellt, die Berlin wahrhaftig mehr zur Schande als zum Ruhme gereicht. Sollen aber ausgerechnet bei der heutigen Wirtschaftslage Staat und Kommune Mittel aufbringen für dieses Unternehmens Hat die bildende Kunst überhaupt noch so viel Bedeutung für uns, um ein Bauprojekt von solchem Umfang zu rechtfertigen? Darauf ist zu erwidern: Der Staat hat für ganz andere, minder- wertige, ja kulturschädliche Dinge Millionen bereit; solange der dunkle Ratgeber der Reichsbant Millionengeschsnke, für die Ver- jchandelung des Opernhauses 12 Millionen, für den archäologischen Größenwahn des Herrn Wiegandt Im„Deutschen Museum"' aber- mal? Millionen hinauspuloert, hat er kein Recht, sich gegen Kultur» aufgaben der Gegenwart zu sträuben. Dies hob der Redner des Abends hervor, der Kritiker Max Osborn. Ferner: man ver- langt ja gar nicht einmal Millionen, sondern eine weit bescheidener« Summ«, die er mit der Stadt Berlin tellen könnte, wenig« Hundert- tapsende, denn die Künstler werden die Hauptlast der Baukosten selber aufbringen, der Fonds ist längst vorhanden. Dazu wünscht man allerdings fiskalischen Boden, und diese Forderung, die ein- mütig von allen Künstlern erhoben wird, zählt auf einen Platz im Tiergarten. Nach unendlichem Hin und Her, nafbdem in den letzten Jahren zwischen dem lzu teueren) Tattersall am Brandenburger Tor und Witzleben alle Möglicbkeiten erwogen worden sind, hat man sich geeinigt, entweder ein Wiesenstück des Bellcvueparks nah« dem Großen Stern oder dos Terrain der Gärtnerei des Tiergartens vor- zuslblagen, das manniafache Vorteile bietet. Der schöpferische Elan von S a n d k u h l, dem Führer der Jury. freien, forderte ein« bald'g«, ein« sofortige Lösung des wirklich dringenden Problems. Daß diese Lösung im Interesse nicht bloß der Künstlerschast, sondern des Ansehens von Berlin als Kulturstadt Europas liegt, unterstrichen die Vertreter sämtlicher Künstlerver- bände, bestätigten mit unzweideutiger Klarheft Dr. LeonZeitlin als Vertreter des Cily-Ausschusses, und in feuriger Schlußred« Land- tagsabgeordneter Otto M a i e r, der für die Volksvertretung das Versprechen abgab, diese kulturelle Forderung durchzusetzen. Bei den geringen finanziellen Lasten, die hier in Frage tominen, ist das kulturell« Prestige von Staat und Stadt unvergleichlich wichtiger. Die einstimmig am Schluß angenommene Resolution lautete: „Die in seltener, aber wohlbegründeter Einigkett und Eni- schlossenheit versammelte Berliner Künstlerschaft verlangt einstimmig die Errichtung eines neuen Kunstausstellungsgebäudes in Berlin als würdiges Heiin für das Schaffen der Berliner der deutschen, großdeutschen und internationalen Kunst. Da die Künstlerschast für das nächste Jahrzehnt keinerlei Besse- rung der wirtschaftlichen Gesamtlage erwarten darf, fordert sie trotz aller Not jetzt die beschleunigte Errichtung eines Hauses der Kunst. weil die Kunst, als kultureller Faktor des Lebens, am Wiederaufbau kommender Jahrzehnte in stärkster Form würdig mftarbeften muß. Diese Mftarbeft am inneren Wiederaufbau kann nur dann ye- leistet werden, wenn das Heim der Kunst wieder wie früher einmal das Ziel von Hunderttausenden wird, die es zu geistiger und körper- licher Entspannung aufsuchen. Dieses Heim der Kunst muß in der Nähe des Berliner Forums, des Brandenburger Tores, und vor allem im Grünen liegen, um Kunst- und Naturgenuß sinngemäß zu vereinen. Di« Künstlerschast hat sich daher bei Würdigung aller Be- denken einstimmig entschlossen, das Südgolände des Partes Bellevue am Großen Stern als den vorläufig geeignetsten Platz für das Heim der Kunst zu bezeichnen, der alle berechtigten Wünsche erfüllen könnte, ohne die von der Künstlerschaft voll gewürdigte Grünfläche nennens- wert anzutasten. Weder finanziell« Bedenken, noch Rücksicht.«» auf eine ver- schwindend kleine Fläche zu opfernden Grüns dürfen diese selbst- verständliche Aufgabe des Staates verhindern oder verzögern. Die deutsche Kunst ist ein Grundstein des Wiederaufbaues. Der Wieder- aufbau muß und wird geschehen. Die Künstlerschaft ist einig und wird einig sein, damit das Haus der Kunst jetzt zur Wahrheit w'rd." Paul F. SchmMt. �ichsausfchuß für Bevölkerungsfragen Aussprache über bevölkerungspolitische Kragen. Am Montag nachmittag wurde im Reichstagsgebäude durch den Reichsminister des Inneren S e v e r i n g ein« Aussprache über bevölkerungspolitische Fragen oeranstallet, an der Vertreter der Reichs- und Landesregierungen in großer Zahl teilnahmen. Außerdem waren eine Anzahl wissenschaftlicher Sach verständiger anwesend. Reichsminister S e v« r i n g begrüßte die Anwesenden und be- gründete in kurzen Worten sein« Einladung an die Erschienenen. Bei der Schwierigkeit der bevölkerungspolitischen Probleme, so führt« er unter anderem aus, und bei den starken Meinnngsver- schiedenheiten politischer und wel anschaulicher Art, die heute auf diesem Gebiet« zu verzeichnen sind, habe ihm daran gelegen, den Kreis der Teilnehmer nicht allzu groß zu fassen. Es bestehe die Gefahr, daß Verhandlungen über Fragen der Bevölkerungspoliftk bei allzu großem T«Un«hm«rkrets in allergemeiner Kongreßrhetorik im ergehen würden. Er wünsche aber, daß diese ernst« Frage recht bald aus dem Stadium theoretischer Erörterungen herausgebracht werd«, und Hab« die Hoffnung, daß der erschienene kleine Kreis verantwortlicher Frauen und Männer einige wenig«, dafür aber um so festere Schritt« zur Lösung der dringendsten Ausgaben werde tun können. Man müss« diejenigen Punkte herausgreisen, in denen eine Einigung auf jeden Fall möglich sei. Bei aller politischen und weltanschaulichen Gegensätzlichkeit zur Frage einer planmäßigen und bewußten Bevölkerungspoliftk gebe es einen Satz, hinter den auf jeden Fall das gesamte Volk sich einmütig stellen könne, stellen müsse:„Schutz und Hilfe für die gewollte Mutter- schaft." Der Reichsminister des Innern erteilte daraufhin den Referenten, Professor Dr. Grotjahn-Berlin, Geheimrat Cell- Heim-Leipzig und Professor R o t t- B e r l i n, das Wort zu ihren einleitenden Mitteilungen, Professor G r o tj a h n referierte über den Rückgang des Geburtenüberschusses, Geheimrat Seil- heim über Probleme des Mutterschutzes und Professor Rott über Fragen der Säuglingssterblichkeit in den ersten Lebenstagen. Den Referaten folgte ein« lebhaft« Aussprache, die allgemeine Zustrm- mung zu der Beschränkung der Arbeft auf die genannten Haupt- themen ergab. Der organisatorische Rohmen wurde durch Bildung eines „Reichsausschusses sür Levölkerungssragen- geschassen, dessen Vorsitz Herr INinlsierialdircktor a. D. Prosessor Gotlstein, der frühere Leiter des preußischen Gesundheitswesen», übernahm. Schwindel an Atbeiislosen. Llm die letzten Groschen. Seit einiger Zeit werden Erwerbslose in allen Stadt- teilen von einem noch unbekannten Schwindler um ihre letzten Groschen betrogen. Ein Mann von etwa 2l1 bis 25 Jahren, mit blondem Haar und bartlosem Gesicht, erscheint in den Wohnungen meist dann, wenn die Frauen, die nicht so genau Bescheid wissen, allein sind. Er behauptet dann, daß der Ehemann zwar Erwerbslosenunter- stützung bezogen habe, trotzdem aber in der Zell Arbeit gehabt habe. Wann er nicht eine Anzeige wegen Betruges gewärftgen wolle, so müsse sofort mindestens ein Teil des erhaltenem Geldes zurückgezahlt werden. Die Frauen, die' sich meht als einmal von seinem bestimmten Tone haben einschüchtern lassen, zahlen tatsächlich, soweit sie in der Lag« sind, das Geld zurück, oder bieten Ratenzahlungen an, mft denen der Schwindler aber auch zufrieden ist. Wenn der Ehemann nach Hause kommt und von dem Besuch des Betrüger««rsährt. klärt sich der Schwindel auf. Der Gauner beobachtet wahrscheinlich auf den Aemtern, wo die iln erstützungen gezahlt werden, die Leute und kundschaftet ihre Wohnungen aus. Wo er auftaucht, sollte man ihn sofort der Polizei übergeben. Bisher trug er stets einen blauen Mantel und«inen Kniffhut. Mftteilungen. die geeignet sind, dies«, gemeingefährlichen Burschen unschädlich zu machen, werden an ine Dienststelle D. 2 des Polizeipräsidiums erbeten. Ballade vom edlen Grafen Kriegsheim. (Sin Stück ans den ersten Ge'ellfchastskreisen. In finsterer Nacht,— es ist schon.Spaeth", Wer steht am Eingang der Bar und späht? Von Kriegsheim ist es, ein deutscher Aar, Er wacht vor der Casanooabar. Einst saß er drinnen be» Codier und Sekt. Heut' hält er draußen den Hals gereckt. Er äugt durch Dunst und nebligen Elast: „Hei, ob die Faust noch auf's Auge paßt?" Und steh—«s naht, dessen Che zerbrach Der harrende Held. Ihn wurmt die Schmach Zernagt von Trübsal und fressendem Gram Auch er in die Casanovabar kam. Spaeth steigt aus dem Auto. Don Kriegsheim jetzt Schlägt zu: Schon ist ein Auge verletzt! Gewaltiger Hader durchtobt die Lust: „Gemeiner PatronI"—„Verbrecher Sie, Schuft!" Es sahen sich wieder erst vor Gericht Die Herren,— nur Casanova nicht. Der nämlich ist in der Bar geblieben Und hat dies Lied hierüber geschrieben. Nebst der Moral: Hast du Chekummer, Besorg' dir die größte Handschuhnummer, Und trag deine, Schmerzes heiligen Gral Nicht unbedingt in ein Nachtlokal! �crnatdan. Zu Krauzöfisch-Indochlno wurde auf«inen Personenzug«in Anschlag verübt. Die Schienen waren aufgerissen. Di« milttäriische Begleftmannschast wies den von etwa l Eingeborenen vorbereiteten Angriff zurück. Ein �chinesischer Reiscnder wurde getöt«', mehrer» verletzt. Die europäischen Reisenden blieben unverletzt. An einer anderen Stell» derselben Strecke waren die Gleis« Sleichfall» aufgerissen, worauf ein Güterzug entgleist«. Vetter für Verll« Ziemlich heiter bei möß'gm wfttl'chen Winden, nacht» vielfach Frost, am Tag« wieder verhält ismäßlg mild. Für Deutschland: Im No dwesten Bewöi'ungszvimhme. sonst im Norden ziemlich heiter, Nachtfröste, in Schlesien und Süddeutsch- land vielfach nebligtrübe und stellenweise schwächer« Niederschläge, Temperaturen leicht ansteigend. Erfahrene Krau gesucht. Ufa«Theater Kurfürflendamm. Di« Manuskriptoersasser der Filme haben es nicht leicht. Die üblichen Themen sind alle erschöpft, und den Griff in die Wirklich. teil wagen sie nicht. Um ihren Backfisch unter die Haube zu bringen, müssen schon die ausgefallensten Situationen herhalten. Und erträglich wird das Ganze auch nur dann, wenn eben ein Star, in diesem Falle Crlleen Moor«, oll ihren Mutwillen, ihre Drolligkeit und ihre Parodiekunst in den Dienst der Sache stellt. Der Racker von Backfisch ist diesmal vom Theotcrteufel besessen, verliebt sich in einen Dichter und erpreßt von Ihm die weibliche Hauptrolle in seinem neuesten Stück. Sie hat eine„erfahrene Frau" zu spielen und fällt natürlich durch. Ihr Ehrgeiz läßt das nicht zu. st« zieht nach Hw Jork und studiert auf„erfahrene Frau" in einem Hotel mft Aerbrechermilieu. Natürlich als Tochter de» guten Hauses, die mft den Dingen nur spielt. Als es ober schließlich Ernst wird und es ein poai Tor? gibt, ist sie heilfroh, von ihrem Dichter befreit zu werden. Sie gibt das Theaterspielen auf und wird seine Frau. Colleen Moore ist in allem Mimischen eine große Virtuosin und eine Meisterin der Parodie. Ihr Tanz eines Niggermädchens und andere Proben ihres grotesken Talents sind hinreihend. Aber man merkt zu sehr die Absicht und hat keineswegs immer den Eindruck, hier einen wtldgewordcnen Backfisch vor sickz zu haben. Don den übrigen Leuten und der Regie William S e i t« r s ist nicht allzuviel zu sagen. Nur möchte man fragen, wo in aller Welt es solche Aerbrecherhotels gibt, in dem zwel Banden förmliche Schlachten gegeneinander liefern. Das Ist entschieden ein Mißbrauch der Ber- brecherwsft, die hier sozusagen als Sportklub auftrftt und dazu dient, übergeschnappte Bürgertöchter zur Vernunft zu bringen. Der Film ist In Amerika als Tonfilm herausgekommen, bei uns wird aber nur. abgesehen von einigen Gesängen, die Begleitmusik geboten. Sehr ulkig waren die vorangehenden„Singenden Ma- r l o n e t t e n", ein: famose Parodie auf Al Jonson. r. Kaltfornische Tragödie. Llraufsührung im Stadttheatef Erfurt Di« tragische Laufbahn des Kolonisators Suter, der mit einer Handvoll Desperado» Kalifornien rodete und sein Laich trotz Recht und Anspruch gegen 17 000 Landsleute verlor, verarbeften zu gleicher Zeft zum Drama Hans I. Rehfisch, Cäsar von Arx und Eberhard W o l f g a n g Möller. Des Letzten Stück wurde zuerst im Stadt- theater Erfurt de» Intendanten Maisch urausgesührt: die In- szenierung des begabten Regisseurs Karl Lcewenberg verwischt die kalisormsch« Tragödie ins Dreigroschenopernhafl«.. Der jung« Autor selbst war, bei der Abfassung dieses Stücks. ein wenig expressionistisch befangen geblieben— wozu die Schil- derung des individuellen Lebens Immer verführen mag:«r besitzt genug dramatische Fähigkeit, eine größer« Anzahl von Gegenspielern geschickt zu kontrastieren. Hier kämpfen, mit und gegen den einzelnen Suter, Kameraden, Frau. Sohn und Geliebt« und diese Bielsalt oerdickt immerhin hinreicheich die etwa« rissigen Konturen zu einem Stück, das freilich dem historischen Ablauf nicht konkurrenzfähig wird. So klar und«norm, wie die Geschichte das Leben dieser dem Koh'haas oerwandten Erscheinung gedichtet hat. so großen Zug vermag der Rachschöpser dem Denkmal nicht zu geben, dieses Dasein scheint oft zänkisch, verbittert, absurd, wo es heroisch gewesen sein mag, und am deutlichsten wird der Mangel im Vergleich: dieses Schicksal, das Euters, hat einmal das Gewissen der Welt nicht minder erregt als der Fall Dreysuß: aber die„Kalisornische Tragödie" gibt von solcher Atmosphäre einen ungleich schwächeren Widerschein, als parallel.„Die Affäre Dreysuß". Auch der Schimmer des Wand- spruch»„Unrecht Gut gedeihet nicht" erhellt st« nicht sehr. Die Ausführung unterstrich das Manko in der Schwäch« des Hauptdarstellers, dasür überragt« feint Partnerin das Mittelmaß des allgemeinen Sti's. Ary von Heister Ist noch m Berlin au» «Ine'- Matinee im Renaissancetheater erinnerlich simtner öfter beginnen nun Karrieren auf der Bersuchsbühn«!): ss« ist, auf dem Umweg über Erfurt, gereist und eine Ändivldualüat geworden, deren Strahlungskraft ein« bezaubernd« Intensität aufweist. Auch sür st« wird der Weg von Erfurt nach Berlin kurz sein Der Erfolg, nur zeitlveise durch leise aussteigend« Rervosiiiu ge- sährdet. war schließlich überraschend stark und«rmuftgend für den anwesenden Autor. R. A. In einer kleinen Konditorei. Tiania- Palast. In einer kleinen Konditorei liebt ein Stehgeiger ein Servier- fräulein. Da aber eine ganz große Kokotte sich in den unbedeutenden Musiker verliebt, muß er erst bei ihr die Strapazen der Liebe durch- kosten, um zum Schluß reumütig und beglückt in die Arme des treuen Seroierfräuleins zu fallen. In der Regie und in der Darstellung tobt sich der blutigste Dilettantismus aus und der Film ist bei dem Publikum schon nach den ersten Szenen erledigt. Unwillkürlich hält man ihn für einen Bierulk umer der Devise„Wie der klein« Moritz sich einen Film vorstellt" Doch wird man durch das Programm belehrt, daß es sich um einen regelrechten Spielfilm Handeft und Robert Wohl- Mut für Manuskript und Regie verantwortlich zeich nit?' Er läßt die Schauspieler andarnrnd Stielaugen machen und sein einziger origineller Regieeinsall besteht darin, daß sich der Harrpidarsteller immer seinen Hut aussetzt, sobald er in ein Zimmer trftt oder mit einer Dame spricht. Franz Koch legt sich entweder auf die Erde, oder er schwebt unterm Atelierdach, wenn er photographlert, und bei Großaufnahmen sind sür ihn die Nasenlöcher das wichtigste im Gesicht der Schauspieler. Cr möchte apart wirken, jedoch Ist er nur komisch. Zu allem Ueberfluß Handeft es sich bei dieser unerquicklichen Angelegenheit auch noch um einen Tonsilm. Gesprochen wird kein Wort, selbst Jazzmusik wird nicht übertragen, dasür begnügt man sich mft Geräuschen, die aus irgendeinem Trichter kommen und schmal- zigen Liedern. Der Film gehört ins Archiv, damit künftige Gene- rationen wissen, was man sich im Jahr« 193t> unter einem Toniilm vorstellte Das einzige bemerkenswerte am ganzen Film ist, daß es sich um eine Produktion der Emeika handelt, iür deren Aktien das Reich bekanntlich Interesse bekundet«. Da taucht die bange Frage auf:„Wurden für diesen Film Staatsgelder ver- wandt?" b. Michelangelo m Gefahr! Der Zustand der herrlichen Bilder und Fries« an Decke und Wänden der Sixtinischen und Paulinischen Kapellen des Vatikans erregt in dem kleinen Kreis von Sachkennern, die sich durch eigenen Augenschein ein Urteil über den gegenwärtigen Zustand der unschätz- baren Meisterwerke Micheiangelos bilden können, lebhoste Beun- ruhigung. Im Verlauf von vier Jahrhunderten haben die Farben der Gemälde infolge der Zersetzung der Farbstotie nicht nur«in« leichte Entfärbung erfahren, die Einwirkung von Staub und Wasser- dampf hat außerdem die Bildung von Sprüngen begünstigt, und schließlich hat auch der von den Altären aufsteigende Rauch der Kerzen«inen Niederschlag von Nuß auf der Btldfläche abgesetzt. Auf Anregung des Präsidenten des.Internationalen Mittel» ländischen Forschungeverbandes" und des Direktors der Datikanifche» Museen hat sich der Papst damit einverstanden erklärt, daß der tat- sächliche Zustand der Kunstwerke genau festgestellt wird. Zum ersten- mal werden dabei vollständige Photographien nicht nur der Haupt- werke, sondern auch der kleinsten Einzelheiten aufgenommen werden. Welche gewaltige Aufgab« dabei ihrer Lösung harrt, ergibt sich allein schon aus der Tatsache, daß die Sixtinische Kapelle an sich rund 53 Meter lang und lö Meter breit ist, und daß Michelangelo. der sich während der vierjährtgcn Arbeit kaum Zeit zum Essen und Schlafen nahm, auf dm Rücken liegend nicht weniger als 343 Figuren matte, die da» grandiose Werk der Schöpfungsgeschichte darstellen. Zur näheren Untersuchung ist«in Ausschuß gebildet worden, der sich aus führenden Kunstsachoerständigen Italiens und des Aus- landes zusammensetzt. Dl« Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle legen gleichzeitig für Michelangelos architektonische Einbildungckraft und sein plastisches Ausdrucksvermögen beredte» Zeugnis ab. Hat er doch, um die Verbindung zwischen den einzelnen Bildern herzu- stellen ein Netzwert von Säulen, Pfeilern und Gesimsen gezeichnet das. von den Wänden aufsteigend, In der Mitte der Decke neun wechselnd kleinere und größer« Felder einschließt. Zm Museum sür Itaiurkunde. Jnvalidenftr. 43, spricht am 22., 18 Uhr, D r. Hering über.Da» LiebeSlede» der Schmetterlinge'. Zm L. i flog. Muse vm spiicht am 23.. 20 Uhr.»u Lesfing» SelurtStag Ar no H a ch über„Da» Uterorijch««erlin vor Lesfing-'. Eine schlaue Geschastsleiiung. Sie Witt Akkordarbeit ohne Akkordlohn. ün der Kartonna�ensobrik Pa-Pa-Ge. verdienten Üirbeiterinnen in Akkord 38 Mark die Woche> Die Geschäftsleitung ciuuibte, sie könne die gleich« Arbeitsleistung für einen geringeren i�ohn bekommen, hob deshalb das Akkordverhältnis , if und beschäftigte die Arbeiterinnen zu dem tarifmäßigen VJ o ch e n lo h n von 29 Mark, in der Spekulation, sie würden i ifiir ebensoviel fertigstellen, als sie in Akkord für 38 Mark gemacht !. rtten. Aber die Arbeiterinnen rechneten anders. Sie paßten i';« Leistung dem herabgesetzten Lohn an. Während sie von dem I etreffenden Artikel in Akkord wöchenklich 1300 Stück hergestellt I aiten, lieferten sie im Wochenlohn 950 Stück, was von Fachleuten ls normale Arbeitslei st ung angesehen wird. Einer Arbeiterin, die in Akkord ebenfalls 38 Mark verdient Lotte, wurde der Wochenlohn sogar auf 29 Mark, also um 9 Mark unter dem Tariflohn herabgesetzt. Die Firma behauptet, in diesem Falle sei 29 Mark der richtige Tariflohn, beim es handle sich um eine jugendliche Arbeiterin, was dies« aber bestreitet. Trotzdem oerlangte die Finna, diese angeblich jugendliche Arbeiterin solle für 20 Mark ebensoviel leisten wie die anderen für 29 Mark. Das geschah natürlich nicht. Die betreffende Arbeiterin mochte nur 6990 Stück, war aber bereit, dieselbe Arbeitsmenge zu liefern wie ihre Kolleginnen, wenn sie denselbenLohn wie diese, also 29 Mark, erhalten würde. Darauf ging die Firma nicht ein. Nachdem die Arbeiterin einige Wochen dabei geblieben war, gegen einen Lohn von 29 Mark nicht für 29 Mark Arbeit zu leisten, wurde sie entlassen. Deim Arbeitsgericht focht sie ihre Entlassung als unbillige Härle Tarifvertragsfreunde. Mit zwischenta'ifiichen Forderungen. Di« �revolutionäre Gewerkschaftsopposiiion" läßt rn der„Roten Fahne" erklären, sie habe sich niemals gegen Tarifverträge aus- gesprochen. Sie habe mehrere Mole festgestellt, daß sie für den Wschluß von Tarifverträgen ist. „Die Gewerkschaftsopposition ist für kurzfristige Tarifverkräge, die von den Arbeitern abgeschlossen werden."— Wie sie es auffaßt! Die Tarifverträg«, die von der„Gewerkfchaftsbureaukratie" ab- geschlossen werden, würden von Jahr zu Jahr langfrisilger. Wäre das richtig, dann müßten die Tarifverträg«— nur von der Zeit nach der Inflation aus betrachtet— heute schon siinf und mehr Jahre lang laufen. Uebrigens haben wir wiederholt gefordert, daß die Lohn- Vereinbarungen vor allem möglichst kurzfristig, nicht aus zwei Jahr« hinaus festgelegt werden sollen. Die„revolutionäre Opposition" ist aber nur für solche Tarifverträg«, die von ihr ab- geschlossen werden, gegen die„Gewerkschoftsbureaukratie". Di« gegenwärtigen Tarifverkräge würden nicht von zwei Par- teien,„sondern von einer Partei, von dem Unternehmertum, diktiert". Die„Opposition" kann mit der gleichen Gelassenheit, mit der sie diese Behauptung aufstellt, von jedem Tarifvertrag den eine Gewerkschaft abgeschlossen hat, behaupten, er sei vom Unter- nehmcrtum diktiert. Sie gebraucht diese Behauptung zu dem Versuch, ihre Taktik zü rechtfertigen, gegen„solche Verträge" durch zwischen- tarifliche Lohnbewegungen vorzugehen, die sie„bei der e r st e n besten Gelegenheit ausnimmt". Die meisten Tarifverträge würden von der„Bureaukratie" abgeschlossen, ohne die Arbeiterschaft auf irgendwelche Act und Weise zu befragen? Das ist zwar nicht richtig, aber es paßt der„Oppo- sition" besser in den Stam. um die Arbeiter gegen ihre Gewerk- schaften aufzuhetzen. Dann wird der Einwand erhoben, die große Mehrzahl aller Tarifverträge käme durch verbindlich erklärte Schiedssprüche zustande. „Dieses System von Tarisverträgen wollen wir zerschmettern." an und bekam recht. Das Gericht ging davon aus, daß die Firma well sie der Klägerin den Tariflohn nicht zahlte, in Verzug geraten sei und desHall, keinen Anspruch aus die Gegenleistung der Klägerin hatte, und daß die Klägerin berechtigt war, mit ihrer Leistung zurückzuhalten, bis sie den Tariflohn erhalten Härte. Di« Entlassung der Klägerin sei also n i ch t g e r e ch t s e r r i g t gewesen. Das von der Firma angerufen« Landesarbeitsgericht kam zu einem entgegengesetzleu Urteil. Es erklärt« die Eni- l o s s u n g der Klägerin für begründet, well sie ihre Arbeits- leistung absichtlich unter die normal« Leistung herabgesetzt hatte. Nach der Ansicht des Landesarbeitsgerichts hätte die Klägerin ihre Lei st ung nicht einschränken dürfen, um den nach ihrer Meinung ihr zustehenden Tariflohn zu echalten, sondern sie hätte die ihr mögliche normale Arbeitsmeng« leisten müssen und hätte die Ztochzahlung der Lohndlsferenz einklagen können. Nun reichte die Arbeiterin ein« neue Klage beim Arbeits- gericht ein. Sie forderte Zahlung der Differenz zwischen dem erhaltenen und dem Tariflohn für fünf Wochen mit je 9 Mark. Aber die beklagte Firma wollte nicht nur nicht zahlen, sondern sie verlangte durch Widerklag« 399 Mark von der Klägerin als Schadenersatz dafür, daß di« Klägerin während der fünf Wochen statt der normalen Arbeitsleistung von 959 Stück nur 699 Stück hergestellt halte. Dies« Unverfrorenheit eines Unternehmeroertreters erregte begreifliches Aufsehen. Schließlich mochte er wohl selber einsehen, daß sein Vorstoß keine Aussicht aus Erfolg hatte. So schloß er denn aus Anraten des Vorsitzenden einen Vergleich, wonach die Klägerin 35 Mark erhält. Drehte es sich um die rein sachlich« Frag«, wie die Mängel abgestellt werden können, die den Tarifverträgen anhaften, wie den Auswüchsen zu begegnen sind, die sich im Schlichtungsverfahren mit- unter zeigen, dann ließe sich mit der„Opposition" darüber reden. Allein«s liegt im Wesen der kommunistisch aufgezogenen und gebundenen„Opposition", daß sie sich mit den Gewerkschaften nicht verständigen darf. Die„Opposition" ist verpflichtet die Satzungen und Beschlüsse der Gewerkschaften zu verletzen, die Gewerkschaften durch alle erdenklichen„revolutionären" Quertreibe- reien zu schädigen und sie andauernd zu besch'mpsen, um sie in den Augen der Mitglieder und der„klassenbewußten Un- organisierten" herabzusetzen. Wenn es der tarifunfähigen und tarif- wie gewerkfchostsfeind- liehen„Opposition" heute aus Gründen ihrer besonderen Taktik heraus angezeigt erscheint ein Bekenntnis für den Tarifvertrag ab- zulegen, so lediglich deshalb, well sie sich anschickt, selber zu Tarif- abschlössen gegen die Gewerkschaften zu kommen. Da sie aber sobald nicht in die Verlegenheit kommt, der„Gewerk- schaftsbureaukratie" zu zeigen, wie mqn„revolutionäre" Tarifverträge abschließt, kann sie sich den Luxus dieses Be- kenntnisses mit allen Vorbehalten leisten, die Tariftreue aber nach wie vor als reformistisch, spießbürgerlich und arbeiier- feindlich mißachten. Die Not der Gieinarbeiter Gchleslens. Die Bezirkskonferenzen der fchlesischen Stroßenbausachgruppen des Zentraloerbandes der Steinarbeiter stellten eine von Monat zu Monat immer stärker werdende Arbellslosigkeit in der Wegebau- stoffindustrie und im Straßenbaugewerbe fest. Die Folgen sind um so schwerer, als bereits während des ganzen Bausommers eine große Zahl von Arbeitern keine dauernde Beschäftigung fand und die Anwartschaft zum Bezüge der Erwerbslosenunterstützung nicht er- langen konnte. All diese Pflastersteinmacher, Steinbrecher, Stein- brucharbeiter, Steinsetzer, Rammer und Hilfsarbeiter stehen jetzt gänzlich mittellos da. sind auf die Wohlfahrtspflege angewiesen und belasten so den Fürsorgeetat der Städte und Gemeinden. Im November 1929 war von den 13 999 Arbeitern dieser Berufs- gmppen j» Schlesien jeder dritte Arbeiter arbeitslos. Für De« zember ergab sich«in« Arbeitslosigkeit vonGO bis 75 Proz. der Gesamtarbeiterschast dieser Gruppen. Die Bezirtskonserenzen betrachten die aus finanziellen Gründen von den wegebaupflichtigen Körperschaften durchgeführte Drosielung des Straßenbaues als die Ursache der Notlage der Straßenbauarderter. Der steigende Krastwagenverkchr erfordert eine verstärkte Anpassung der Straßen und damit noch einen weiteren Ausbau des Straßennetzes. Die Ein- stellung des notwendigen Straßenbaues führt nicht zu Ersparnissen. sie vermehrt vielmehr die künftigen Lasten. In den letzten Jahren ist die Erneuerung der Straßen ganz gut betrieben worden, allein di« Einstellung des Straßenbaues auf längere Zeit würde zu Folgen führen wie während der Kriegszeit, nur mit dem Unterschied, daß damals nicht der heutige Kraftwagenverkehr zu oerzeichnen war. Eine in diesem Sinne gehallene Entschließung der Be- zirtskonferenzen soll durch die Gauleitungen des Berbandes der preußischen Slaalsregierung und dem Landtag sowie den wegebau- Pflichtigen Körperschaften Preußens mit dem Ersuchen übermitrelt werden, sowohl im Interesse der Arbeitslosen in der Wege- baustoffindustri« und dem Straßenbaugewerbe als auch im Interesse der Berkehrsnotwendigkeiten, den Reichtum Schlesiens an bestem Steinmaterial, das von keinem neuzeitlichen Straßen- besestigungsmittel an Güte, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit erreicht wird, auszunutzen und die Vergebung von Straßenbau- arbellen(Pflastersteinen und Schotter) zur Linderung der großen Notlage der Arbeiterschaft baldigst in die Wege zu leiten. Die Fünftagewoche in der Praxis. Voraus etzuag: Llnunterbrochene Produktion. In den letzten Monaten wurde in der Sowjetpress« wiederholt der Gedanke erörtert, ob es nicht wirtschaftlich zweckmäßig wäre. zur Förderung des Ueberganges zu der ununterbrochenen Produktion auch in deu Betrieben die Fünftagewoche einzuführen, die noch nicht auf die ununterbrochene Produktion umgestellt werden können. Die Zahl der Iahresarbeitsswnden eines jeden Arbeiters jollte dabei unverändert bleiben, was durch di« Abschasfung der meisten Feier- tage und' die Außerkrastsetzung der Bestimmung, daß vor Sonn- und Feiertagen die Arbeitszeit um zwei Stunden tüizer sein soll, erreicht werden sollte. Neuerdings hat sich der Rat der Volkskommissar« veranlaßt gesehen, in dieser Richtung doch etwas zu bremsen. Durch das Dekret vom 25. Dezember hat der Rat der Dolkskommisiare be- stimmt, daß der Uebergang zu der Fünftagewoche ohne Um- stellung aus die ununterbrochene Produktion nur'n dem Maße zulässig ist, als es„zur Linderung der gespannten Lage der Strom- Versorgung in der betreffenden Gegend oder zur Entlastung des Straßenbahn- und des Bororwerkehrs notwendig ist" Auch in diesen Fällen ist der Uebergang zu der Fünftagewoche jeweils genehmigungspflichtig. Auch ist strikt angeordnet worden, daß bei dem Uebergang zu der Fünftagewoche ohne Um- stellung aus die ununterbrochene Produktion die Betriebe abwechselnd seiern, so daß jeweils annähernd die gleiche Zahl von Arbeitern beschäftigt wird(„Trud" vom 27. Dezember). Lohnkürzung um 25 proz. Proteststreik in Lodz. Warschau, 21. Januar. In ber Lobzer G u m m i w a r e n s a b r i k„Gentleman" sind am Monkag 750 Arbeiter zum Zeichen des Protestes gegen die'* Lohnherabsetzung in Höhe von 25 Proz. in den Streik getreten. Die Krise wirft einen Teil der Arbeiter aufs Pflaster, verurteilt einen anderen Teil zur Kurzarbeit und raubt dem in voller Arbeit gebliebenen Toll ein Viertel seines Einkommens. Die anarchische prioatkapttalistisch« Wirtschaftsordnung führt immer wieder zu Krisen, die die Existenz der Arbeitnehmerschaft gefährden. Deshalb fordern die Gewerkschaften eine neue, bessere Wirtschaftsordnung, die Demokratisierung der Wirtschaft. L»an!wo«l.«llr Sie NkdaNion: Wdltfla»« Schwär». Berlin: Snzeig.'n: Th. Stock«. Berlin Bering: Borwär!» Lcrlag®. rn b S.. Berlin Bnicl: Lorwäris Buch. druckerri und BrrlaasanltQlt Buul Singer& Co Berlin Sffi 68. Lindenstruke 3. birrftn I Beilage. TKscrtsi', £1 Lichtspiele usw. Dienstag. 21. I. Staats-Oper (Jmet a Linden Teil-Ab-ADi b.6 Jahres-A.V.IIe.i9 20 Uh- QerlroDbailQDr Ende 0.22'? Uhr Dienstag. 21 I Stadl. Oper Bismarcksir. Turnus II 20 Lihr Boheme Ende 22� Uhr Siaats-Oper Am PlaJ.ReDUbl. Vorst. 13 20 Uh: Ende n�.'ieUhr Staat). StbaDsph. im üandarminmarlit St UV Dl No.4 Jahres- A. V. ItH Musik Ende geg. 23 Uhr Staatl. Sehlller-Tlieater.Charitb. 20 Lhr Hans im schnakentocn Ende nach 22 Uhr !£ I 18.15 übt, snti. 281« Bendten erlaiDt I Original 16 Lawrence Tiller- Qlrls I Paul ffaslermeler, Enieil& Yvonne atc. CASlNO-THMTEfl»"Uhr _».othrlixter Strafte 57_ Nur noch bis 22. Januar 1930 Familie Hannemann Donnerstag, aen 23 Januar 1930 zum 1. Male seine Honett nerBeiiier. IIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIininilUIIIIIM iuiscnein tOr 1—4 P e t s o n e■> Fauteuil nur 1.23 Sessel 1.73 M., Sonstige Preise- Parket' u. Rang(UIO M ROSE •THEATER"«M* Teleph. Alexander 3422 u 34»' l äglich 8" Uhr o n n i a g s 3.13 und 8 Uh Bis czamasiSrsüa mtaerwe.ibe annt. Musik von bmmcnc.i Kälmlut uil Traute Rose.n der Tiiairoüe Re ie: rla Rose. -on.e zi ab: bonnaoend 3 Uhi und Sonntag Iii Uhr; Der oestielelte Kater Vorverkauf eine vVoche vorher von i'-1 und 4—9 Uhr Reichshallen-Theater Atzeuds CD sonn ao nadun. 00 Das(jroßelanuar-drogr.üer Slelflner- Sänger BiMhBtiliiirpa Zrßtnia ll 263 OönOoff-Brottt: Das Paralllen-Vnrlew 18 Snnunern. Konzen. Tanz Tlgllch 5 u. a'/, Uhr. atrliarain»236 Pnla» 1-8 M. Wochanti. 5 U.(0 Pf.-3 M. » ZwKU.Cortlnl, ItFoilar-BIrlt. Auttal AArthur.Mac Wall, Floronca AGrlp uiw. Tägi. 9 u. 015 Sonn). 2. 5« 8" A ex. 8066 INTERNAT. VARIETE »» üirektjo.. ur. Mart n Zicke,■m Komische Oper fnednehstr.1 04 Metkut 1401 4330. Nach vollständigem Umbau Täglich 8'. Uht Hu3la di Bulla Scfawank von Arnold und Bacb mit Guido Tnlelsc er. lodulr Sehr» n, urg, H Idobranit. Wolter Ra». Flink Gabmer. Wenak Lus-spieihaus Fnedhchstr. 2%. Bergmano 2922 2V Heule 7>» Uhr. remlere llülie int Sei iwiiieii m. Ricmann— Haack. Vorverkauf In beidan Häusern ab 10 Uhr ununierb-oohan Renaissance-Theater Täglich 8 Vi Uhr PARISER LEBEN Operette von Offenbach. Regie: Oastav ttartnn«. Musikalische Leitung; Theo Mackeben. - StelmnalzCI 0001 v. 26831(4.—— GROSSES SCHAUuPiELHAUd 3 Uhr 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL A snnnina nadini. engea. dnlho Pi. thealerLd. Beürensir. 53-54 A4 Zemrum 926-927 Oirektlaa Ralph ArJhisr Hobrrtj 8Vi Uht . Vater sein, dagegen sehr Lessing-Theater Norden 10846 Täglich 8 Uh, Atisra Oreyfus von Rehfiscb und Benor Ueines Ineat. Merku, I62i Tägl. 8Vi Uhr Der Walzer ron beute Hacht! Max Adalbert, Erl a G ässner, Hi de Wärner, Heraiaoo-ScbauiiiS. TolKsbUhne Thattr in BfflovplilL 8 Uhr Ura utführung Apollo. Brunnenstrafie Volksstück von GroBmann und Hessel. Kisit; TkBbktbn. hgli; Jürtea Fiblia;. StaatlJdiiil8r-Ih. 4 Uhr Hans im sctinaHeDiocti ■ laai» an snüffliaocnuma hVi Uhr Qleliaitefllaobe Siaatzapar an Platz citr Benabiih 8 Uht Hans Helling Th. a. bolleaderfplaiz Vörvk. 10-2. Kf. 2001 Täglich«Vi Uht Sostsplsl HKS BnulsaiM Thgaian UrarUtOhraaii Menscher im Hotel von Vlcki Baum. Begit; Eosta!(iM;eu. fbeattr ß. Weitem Täglich 8V. Uhr; Höfel Stadl lemOerd Musik von Gilbert Käthe Ooradt Seatsdies Tbealer 0.1 Norden 12 311 Tägl. 8V. Uhr Oer Kaiser v.Amerika von Bemard Shaw Reg.- Mar Reinhard! Kammerspiele D.I. Norden 12310 SV. Uhr etrte Aulühningen OösirO Komödie von Sascha Guitry Regle: Leo Mittler. Die Komödie Jl Blsmck.241 4/7316 Täglich 8% Uhr Letzte Anlflbrungen Heute zum 73. Male Vom Teilet geheU von Knui Hamsun Regie Max Rei nhardt Sarnovsttir-iilhflSD Thaater.0 dar XSniggräUar Strafie Tätlich 8»� Uhr Die erste mrs. semy Komtfdienhaua Täglich Uhr Dar LOgnar und d a Rönne mi, Cur* ootz Pianeianam am Zoo mm» '«tig; iMdLinllnta.int S.6 Barbarossa 537f 16V. Uhr via Aln or- •tamblUor 18V. Uht Oer Plaaa> lupiter 20'/. Uh, MarkvDrdlg« ( arnalJitMjgiwrrä«) Eintritt I Mark. Kinder SO Pf. Mittwochs halbe KassenpreiM. Direktion >r. Roberl K.elr Deatsches Künstler-Thetl Barbarossa 3937 8V« Uhr JOMWBi.drÖ" von Franz Molnar Dil lizi Piilsntoj. Tor!»: Souper legis HetniüilHr BeriiDer TOeaier Dönhoff 170 «ViUhz EndelOVj Letzte Aaft&bnmg Herr Lamberthier mit ilbirt Basssraiaw. Pbllbarmoiile 8 Uhr iiDlooie-Koflzeit des Philharm. Orch Blrto. Prot. I. PrCwet l lizWIeiz a. 1 ra- twd. Däorsr d-ürditslen Paul Vi ekel e s.r. Oavoll SlnL-Mnltrt. RjsLf.ZViol.-Eadi(Bild i 1 S;a'.(3«rste Sitzi)-82zti Eintrin I Mk Meiropoi-in. 8>/. Uh, Das Land des Läebeins Vera Schwarz, Riebard Taabei Musik von Franz Lehär Toeat a. üoiib.Tor Kottb. Str. 6 Tägl 8 Uhr ancbSonnt. nactim.SU.: Elite- Sänger. Das große Januar-Protr.! Oos kann man i mal sehen: Eita UdstSrmiüI Opereltenbaus Alte Jakobstr.. 0/32 (Zentral- Theater) Täglich»V. Uhr Der Soldat der marie D-Balm ikmannjlati tnald Sdaiz toiialila IIS 1! Grosses BocKDieriesf ür. Ochaanbraterel au dem! lasenlukulluz und Prämiierung der ähnllchsien Oaman-dwllllngs t Geldpreis«; 50. 40. 30. 20, 10 RM. ? Kapell»#.— Bai» Dekoratione#.— 50 bayrisd» Kadla. Einlaß; Wochentags 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. föefloge Dienstag, 21. Januar 1930 �hnlnuiOJstß* du i/biPnSft Vorschau auf eine Ausstellung Dinge, die auf der Dresdener Hygieneaustellung nicht fehlen sollten Am 16. Mai wird in Dresden die zweit« internotiv' nale Hygieneaus st ellung eröffnet werden. Aus den An- kündigungen in der Tagespreff« ersieht man, daß die Ausmaße dieser Ausstellung über jene von 1S11 weit hinausgehen werden. Was wird nicht alles da geboten! Ein großartiges Hygienemuseum wird eröffnet werden, eine Schau, die, wie es in einer Zeitung heißt. den Menschen in gesunden und tranken Tagen, seine Ernährung, seine Körperpflege, die Vererbung, die Pflege von Vtutter und Kind vielseitig und für jeden verständlich darstellt. Die Wissenschaft wird vertreten sein, Industrie und Technik werden Ihre sanitären Schöpfungen zeigen, Reich, Staat, Provinzen, Landkreise, Städte, einzelne Fachgruppen, Versicherungsiräger, Dereine und Verbände werden mit reichem Anschauungsmaterial vertreten sein. Allgemeine Körperpflege, die Frau in Familie und Beruf, das Kind. Leibes- Übungen, Arbeitshygiene, seelische Hygiene, Lebensmittel, Aberglaube und Gesundheit, Kleidung, Wcchnung, Schädlingsbekämpfung, Des- infektion: dann eine Sonderschau„D a s K r a n t e n h a u s". An der Ausstellung werden sich 20 ausländische Staaten beteillgen, ebenso die Hygienesektion des Völkerbundes und dos Internationale Arbeitsamt. Soweit das Ergebnis der Dorbesichtigung, wie es in der Tages- presie geschildert wird. Sicherlich alles gut und schön, notwendig und begrüßenswert. Und doch hätten wir gewisse Wünsche, die allem Anschein noch sine wesentlich« Ergänzung der Hygien«- ausstellung ersorderten, soll diese ihren Zweck, Aufschluß über den Stand der Dolksgesundheit zu geben und dem Fortschritt der sozialen Hygiene zu dienen, restlos erfüllen. * Kritik an einer Rede Bei der Borbesichtigung hielt der geschäftsführende Direktor des Deutschen Hygienemuseums, Rsgierungsrat Dr. Seiring, ein« Rede, in der er einen Ueberbllck über die Entstehungsgeschichte des Museums gab und seinen Aufgabenkreig schilderte. Seiring be- trachtet den Stand der Volksgesundheit sehr pessimistisch.„Das atemlose Jagen nach Besitz, nervöse Arbeitshast und Streben, der kräftige Wettbewerb aus allen Gebieten bedingen Krastanspannungen, wie sie in früheren Jahrhunderten ganz und gar unbekannt waren. Durch unsere großartigen tech- nischen Erfindungen, durch unsere grandiosen Verkehrs- Möglichkeiten ist der Kreis der Menschen, die im Daseinskampf« stehen, ein so ungeheurer geworden, daß der einzeln« sich nur mit Auspeitschung aller seiner Kräfte behaupten kann. Dazu kommen unsere modernen Reizmittel und Le b e n s g i s t e, dos bis zur Sonnenhell« vervollkommnete Licht, dos viele Menschen veranlaßt, einen Teil der Nacht zum Tage und einen Teil des Tages zur Nacht zu machen, das Leben und Arbeiten in geschlossenen Räumen von Jugend auf, als Kind in der Schule, als Erwachsener in den Büros und Arbeitssälen. All« dies« Schädlichkeiten können auf die Dauer nicht ohne Einfluß aus den Gesundheitszustand des Menschen bleiben. Unsere Waffen und unsere Abwehrmittel liegen im Men- scheu selbst, liegen in seiner Vernunst. Wir müssen die Schädlichkeiten, die die GesamteMwicklung der modernen Zeit mit sich gebracht hat, durch eine vernunftgemäße Lebens- weise auszugleichen suchen." In diesen Darlegungen liegt viel Richtiges, leider auch viel Falsches. Zunächst ist es nicht ganz richtig, wenn Seiring behauptet, die Lebensgewohnheiten der Menschen hätten sich zu Ungunsten der Voltsgesundheit verschoben. Im Gegenteil: wissenschaftliche Unter- suchungen haben ergeben, daß sich— normale Lebensbedingungen vorausgesetzt— in den letzten Iahren eine wesentliche Wendung zum Besseren gezeigt hat. Der Kampf gegen die Voltstrankheiten hat große Erfolg« erzielt, die Säuglingssterblichkeit ist stark zurückge- gangen, die Arbeitsfähigkeit des arbeitenden Menschen ist um Jahre verlängert worden. Aus dem statistischen Jahresbericht des Reichs- gesundheitsamtes geht Nor hervor, daß der Ausbau der Sozialoersicherung in gesundheitlicher Beziehung ganz außerordentlich große sozialhygienische Wirkungen zur Folge hatte. Auf der anderen Seite jedoch scheinen uns die Motivierungen Seirinos für die sozialhygienische Krisis, in der sich nach wie vor weUe B'völkerungskreise befinden, nicht tief genug zu gehen. G�wiß. Arbeitshast, Jagen nach Besitz, Reizmittel und Lebensgiste spielen dabei auch eine Rolle. Aber die wichtigsten Faktoren, die bei einer wissenschas lichen Schau über den Stand der Volksgesundheit berück- sichtiat werden müssen, sind ganz wo anders zu suchen. Leider sind wir noch nicht soweit, daß der Mensch in seiner Der- imnst allein dos Abwehrmittel gegen volksgesundhettlich« Schädi- gungen besitzt. Vernunftgemäße Lebensweise ist gewiß ein an- erkennendes Postulat, aber sie muß durchgeführt werden können. Die Frage ist. ob die Bevölkerung die Macht zu einer ver- nunftgemäßen Lebensweise bat. Und darüber müßte die hnoienische Zlusstellung Auskunft geben. Die Entwicklung der Vo'ks~esundheit ist eine poli'rsche Frag«. Im Gftetzeswege müssen die Maßnabmen ergriffen werden, die not- wendig sind, um gesundheitliche Mißstände zu beseitigen. Die Basis der modernen Sozialbnaiene jlt die Soziolversscherung. Die Sozial- Versicherung ist ein politisches Problem erster Ordnung. Vernunft und vernunftgemäße Lebensweise des einzelnen haben also mit dem v o l k s g e su n d h e i t l i ch e n Fort- schritt weniger zu tun als der i n n e n p o l i t s ch e Machtkampf. Was wir vermissen Was wir bei der Internationalen Hygieneausstellung vermissen. ist die C le n ds st a t i st i k! Ausgabe einer volkszesundhet licken Veranstaltung nach unserer Auffassung muß es sein die wirklichen Ursachen der volksgesundheitlichen Schäden zu zeigen, die Ein- Wirkungen de» sozialen Elends auf die Volks- gesundheit. Soweit man aus den Vorbesprechungen sieht, wird nirgends die Bedeutung der Menschenökonomie aus die hygienische Lage der arbeitenden Klasse gewürdigt. Und doch ist die Hauptwu'-zel oller gesundheitlichen M ßstände die sirnlose Ver- schwendung. die inlt den menschlichen Gütern im Gezensatz zu| der ökonomischen Behandlung der Sochgüter getrieben wird. Hier wäre verschiedene» zu zeigen. E» wäre der Einfluß der Ar-I beitszeit, der Frauen- und Kinderarbeit, die Be- schäftigung von Schwangeren, der Mängel der Fabrikhygiene usw. usw. darzustellen. Weiter wären die Zusammenhänge zwischen Sozialversicherung und Dolksgesundheit ein sehr dankbares Gebiet für eine Hygiene- ausstellung. Gerade in der Zeit, wo weite Unternehmertreise aus politischen Gründen sich für einen Abbau der Sozialversicherung ein- setzen, müßten die gesundheitlichen Wirkungen der Sozialversicherung eingehend vorgeführt werden. Weiter wären die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Volksgesundheit nicht zu vernachlässigen. Es wäre doch sehr interessant, aus statistischem Materiol festzustellen, welche gesundheitliche Schäden die Arbeitslosigkeit zur Folg« hat. Die gesundheitlich« Bedeutung des Wohnungs- und ErnShrungselends dürfte ebenfalls nicht zu kurz kommen. Wohnungs- und Natur- Hygiene sind die Gnindbedingungen einer erfolgreichen Gesundheits- Politik. Nicht nur darum geht es, welche Nahrung die Vernunft- gemäßeste ist, sondern darum, wie diese vernunftgemäße Nahrung in Verbindung mit gesunden Wohnungen für die Arbeiterschaft herbeigeführt werden kann. Das gehört natürlich wieder in das polittsche Gebiet, aber die Hygieneausstellung wird ja erst dadurch ihren Zweck erfüllen, daß sie das Material für die politische Erledigung der volksgesundheitlichen Fragen liefert. Sie wäre nur etwas Halbes, wenn sie beispielsweise nichts über das klägliche Leben der Tabakarbeiter oder der Heimarbeiter im Erzgebirge besagt«. Oder: die Schäden des Abtreibungsparagraphen! Hier ergäbe sich ein« große Ausgabe für die Hygieneausstellung, das Problem der Abtrei- bung oder Prävention ist von einer solchen grundlegenden gesundheitlichen Bedeutung, daß man es als unverständlich ansehen müßte, wenn die Ausstellung davon kein« Kenntnis nehmen sollte. nur weil vielleicht politisch« Gründe dagegen sprechen sollten. Das Blut,«In flüssiges Gewebe unseres Körpers, ist wie alle anderen Gewebe aus Zellen zusammengesetzt, und zwar aus zwei verschiedenen Zellenarten, den wöißen und den roten Blut- k ö r p« r ch e n. Beide Teile des Blutes können gesondert für sich erkranken-»Mit den Veränderungen des weihen Blutbildes(Lenk- ämien) sind auch Veränderungen von Organen verbunden(Knochen- mark, Milz- und Lymphdrüsen), und diese Erkrankungen führen meist in relatto kurzer Zeit zum Tode. Wir wollen hier nur von den Erkrankungen des roten Blutbildes sprechen, die von wett größerer Häufigkeit sind, und die nach dem heutigen Stand« der Wissenschaft auch eine ge- wisse Aussicht auf Heilung bieten. Füher war besonders eine dieser Btutkrankhetten gefürchtet, well sie mit ziemlicher Sicherheit tödlich endete. Es ist dies die sogenannte pernitiöse Anämie, d. h. lebenzerstörende Blutarmut, so genannt zum Unterschiede von leichteren Groden von Blutarmut, wie sie sich häusig im Gefolge nervöser Schwächezustände«instellt. Die Ursachen dieser Krankheit sind heute noch keineswegs geklärt: nur mehr oder weniger wahrscheinliche Vermutungen werden darüber ausgesprochen. Man spricht von verschiedenen Arten von Dergistungen, sei es durch kleine organische Lebewesen(Mikro- Organismen) wie etwa bei der Syphilis, sei es durch Austreten von besonderen Stosfwechselprodukten, wie sie bei bestimmten Zuständen (j. B. Schwangerschaft, Wurmkrankheiten) auftreten. D�s Blutbild verändert sich hierbei in der Weise, daß in immer größerer Menge unreife rot« Blutkörperchen(Frühsormen) im Blute auftreten, da der blutbildende Apparat infolge des starken Unter- ganges von normalen Vlutzellen schneller und deshalb unvoll- kommener arbeitet. Das äußer« Bild der pernitiöfen Anämie sind ein« bleiche Hautfarbe und ollgemeine Körperschwäche Unter zunehmendem körperlichen Verfall(ständige Gewichtsabnahme) tritt der Tod ge- wohnlich nach wenigen Monaten durch Herzschwäche ein. Diese Krankheit war, wie gesagt, früher sehr gefährlich. Heute jedoch haben wir zwei Methoden, mit denen man zwar di« Krankheit selbst nicht vollständig heilen, bei dauernder Behandlung aber wenig- stens den Patienten bei vollen Kräften am Leben erhalten kann.— Die«ine Art der Behandlung ist die operative Entfernung der Milz, di« einen wesenNichen, aber noch keineswegs geklärten Einfluß bei allen Blutkrankheiten, besonders jedoch bei der perniti- ösen Anämie aueübt. Da dieses Verfahren aber längst nicht in allen Fällen zum Erfolge führt, wird es nur wenig angewendet. Weit besser hat sich ein« andere, von Amerika übernommene Behandlungsmethode bewährt, nämlich di« der Leberoerabrei- chüng.. Die Patienten hoben täglich eine bestimmte Menge(bis zu ein Pfund und darüber) Leber(leicht gedämpft) oder die entsprechende Menge eines Läberpräparates zu verzehren, wodurch häufig eine völlige Wiederherstellung des vorherigen Kräftezustandes erreicht wird. Allerdings hält dieser Zustand nur dann und solange an. wie die Leberverabreichung fortgesetzt wird.— Natürlich stellt die Eintönigkeit dieser Kost einen großen Nachteil dar. Man arbeitet daher zur Zell daran, aus der Leber den wirksamen Bestandteil zu isolieren, um diesen in schmackhafter Form jeder Speise zusetzen zu können. Von einer gründlichen Erklärung dieser früher so un- heimlichen Kranlbeit find wir jedoch noch weit entfernt, und deshalb wird auch ihr« Totalheilung noch längere Zeit auf sich warten lassen müssen. Sehr vi?k hannloser ist«ine andere Blutkrankheit, bei der Todecfälle nie beobachtet wurden, und die früher zu den Alltäglich. leiten gehörte- Die Bleichsucht(Chlörose). Man erinnert sich noch jener Zeiten, in der besonders die jungen Mädchm in der Pubertät(d. h. der etwa zwischen dem Ik. und 20 Jahre liegenden Eirtwick'ungszeit) di« typischen Anzeichen dieser Krankheit zeigten: Weiß« Haut, blasse Lippen und Schleimhäute, trüber Blick, Müdig- Volksgesundheitspolitik ist Gesundheitspolitik, damit ein Teil der Politik überhaupt. Ein Fortschritt der Gesundheitspolitik ist nur durch polittsche Auseinandersetzungen denkbar. Deshalb ist auch eine politische Neutralität der Hygieneausstellung, soll sie wirklich alle Ursachen der gesundheitlichen Schäden ausdecken, ein Unding. Sie muß sich auch mit Fragen beschäftigen, die den Gegenstand des politischen Kampfes bilden. Deshalb dürfen sich die Veranstalter auch nicht davor scheuen, auch Dinge in das Ausstellungsprogramin aufzunehmen, die vielleicht bei diesen oder jenen potttischen Kreisen Anstoß erregen werden. Soll die Hygieneausstellung einem über den Augenblick hinausgehenden Zweck dienen, so ist es allein der, daß sie den polittschen Kampf um die Dolksgesundheft mit wissenschaftlichen Argumenten unterstützt.« Da es unter den gegebenen Umständen als ausgeschlossen er» scheint, daß die Veranstalter der Ausstellung sich zu einer Erw«ite- rung ihres Programms in diesem Sinne entschließen, so muß die Initiativ« von anderer Seit« kommen. Wir glauben, daß msbe- sondere die Träger der Sozialversicherung, die Kranken- lassen, berufen wären, diese Ergänzung vorzunehmen. Sie müßten in dem von ihnen beigebrachten Material in ausreichender Weise die E l e n d s sta t i st i k, die Grundsätze der Menschen- ökonomie, die gesundheitlichen Auswirkungen der Sozial- Versicherung, das Wohnungs- und Ernährung«- elend, die Arbeitslosigkeit, die gefährlichen Folgen eines Abbaues der Sozialversicherung auf gesundheitlichem Gebiet, das Problem der Arbeitszeit usw. berücksichtigen. Aus der Sphäre der bloß belehrenden Aufklärung muß die Hygieneaus st ellung In di« Sphäre der sozial- kämpferischen Aufklärung erhoben werden. Das ist unserer Meinung nach ihr Zweck, darin liegt ihr« Bedeutung. Dr. Mojcs. teit, Herzklopfen beim Treppensteigen, häufige Verstimmungen und viel Kopfweh und Schwindelanfäll«. Die nionatliche Blutung kommt dann seltener und unregelmäßig und ist schmerzhaft. Gewöhnlich weisen di« inneren Geschlechtsorgane«ine unzureichende Entwicklung auf(Hypoplasie). Der Grund zu ollen diesen Erscheinungen ist ein« Ver- ringerung des Blutfarbstoffgehaltes.— Die Behandlung besteht in Bettruh« und reichlicher Ernährung(Mast- und besonders Milchkuren): auch wird seit alters Eisen und Arsen mit gutem Erfolge verabfolgt. Die Bleichsucht ist in letzter Zeit außerordentlich selten ge» worden. Sie gehört schon zu den Raritäten in der Sprechstunde des Arztes, und auch in den großen Polikliniken kommen nur noch wenige Fälle vor. Man ist sich darüber einig, daß die Abschaffung der Korsettmod« die Ursache für dieses erfreuliche Zurückgehen ist. Der durch den Schnürring ausgeübte Druck auf die Leber hatte früher zu einer Blutstauung in der Leber und zu einem teilweisen Schwund des Lebergewebes geführt. Es ist klar, daß dies einen ungünstigen Einfluß auf die Blutznsammensetzung haben mußte, weil der Leber eine wichtige Hauptaufgabe bei der Blutbildung zukommt. Betrübend ist heut« höchstens noch die Tatsache, daß es weniger die menschliche Vernunft war als die Mode, die uns den Segen der korsetllosen Zell gebracht hat. Und wenn wir die heutige Mode betrachten, so werden wir immer noch genug andere Schädigungen der Gesundheit dabei entdecken können. So verdanken viele Krgnk- heften ihre Entstehung nicht der allgewaltigen Beherrscherin des Menschen, der Natur, sondern der sogenannten„Kultur" unserer famosen Gesellschaftsordnung, die die Natur gern noch verbessern oder verschönern möchte. Ewald Böhm. Ergebnisse einer Syphilisexpcdilion Die deutsch-russische Syphilisexpedition in die Mongolei beab- sichtigte bekanntlich die Zweifel zu klären, die in der letzten Zeit über den Zusammenhang zwischen Häufigkeit von Nervenerkran- kungen(Paralyse, Tabes) und Salvarfanaera aufgetaucht waren. Bekanntlich war immer wieder behauptet worden, daß in jenen Ländern, wo die Lues endemisch und fast unbehandelt ist, Nerven- erkrankungen. wie Rückenmarkschwindsucht(Tabes) und fort- schreitende Hirnerweichung(Paralyse) nicht vorkommen. Man schuldigte den Alkohol, die Pocken, aber vor allem das Salo rsan an, daß sie das Auftreten der sogenannten Neurolues begünstigten. Diese Frage konnte exakt nur gelöst wcrd?n, wenn man e nmal «in ganz syphilitisch durchseuchtes, aber»ich: behandeltes Volk unt r- fuchte. Ein solches Volk, die Burjäten, wohnt in der Mongolei. Zu diesem Volke wurde nun«ine deutsch-russische Expedition«r.t» sandt. Die deutschen Teilnehmer, die Professoren Patzig. Ietzner, Veringer und Klopstock untersuchten die Bevölkerung mft allen Hilssmitteln der modernen Medizin. Die Nervenuntersuchung durch Bering«r, die mft größter Mühe und Sorgsaft unter stänkiger Zu- ratcziehung dolmetschender einheimischer Äerzte vorgekommen wurde, ergab ein recht häusiges Vorkommen von Tabes und Para- lys«. Bei Zuh'lfenahine aller diagnostischen Hilfsmittel fand man allein bei 4A> Syphilitischen 19mal Tabes lOmal Taboparalys- und limol Paralyse. Bon diesen waren 20 nie behandeft wo-den. di- anderen vier waren von den Lamas anscheinend mit Du dl; er gänzlich unzureichend»anbehondeft" worden. I de: falls z.ig'« Befund, daß Tabes und Paralyse bei unbehandllten Luesl.ck-u erschreck nd häusig ist. Durch diese Feststellungen sind die ctz en Einwände, die immer noch von salvoisangegner scher S?it« c haben wyrden. als wiekerlegt anzusehen. Es ist zu erwarten, daß m der statistisch festttehmden Abnahme' der Syphilis auch ib' l'- Stadium, die Neurolucs. langsam verschwindet. �Veim das Blut krank ist... Blutarmut und Bleichsucht (8. Fortsetzung.) Er beugte sich über ihre chanh unb fragte mit einer seinen ironisch-heiteren Betonung:„Wo beziehen Sie Ihre Handschuhe? Ich habe noch niemals solch wundervoll weiches Leder gesehen.� Frau Iallowicz wurde plötzlich tief rot. Ihr Mann, der die letzt« Frag« gehört hatte, sah es mit Erstaunen. Manchmal war sie wirklich komisch, seine Grete, die auf einmal darauf bestand. Margot gerufen zu werden. Er wurde aber sofort wieder abgelenkt. Der Mann neben ihm, der glücklich« Besitzer eines dicken Bauches, hatte feine Stirn in schwere Fallen gelegt. Er zog Jaklowicz am Rock- ärmel zu sich heran. „Sagen Sie mal. Jaklowicz. ob wir mit der Sache nicht rein- schliddern? E» is doch ne Menge Geld, das wir riskieren. Und schließlich für einen ganz neuen Mann. Ich weiß nicht. Na. nu hilft» ja nicht mehr."' Jaklowicz bekam glänzende Augen.„Mensch, wenn Hurt sein eigene» Geld reingesteckt hat. dann ist der Laden richtig/ beschwich. tigt« er den anderen.„Ich gehe immer mit und— Sie sehen doch, der Laden is voll. Was woll'n S« denn noch mehr/ „Na ja, jetzt is der Laden voll. Aber die beiden nächsten Male? Wo wir auch mitmachen müssen? Wenn der Mann nun die Fresse voll kriegt?� „Fresse voll? Sie sind«in schöner Sportemann. Er kann ge- schlagen werden, aber die... na, wissen Sie/ „Ach, Sportsmonn! Wer is von uns schon Sportsmann? Ge- schäft is Geschäft. Sie sagen doch selbst, er kann geschlagen werden. Gott, unser schönes Geß>!!" „Aber ich bitte Sie. Er kann eben nicht geschlagen werden, wenn Hurt das macht. Ich meinte doch nur, in dar Theorie." Jaklowicz war so in Eifer gekommen, daß«r nicht hört«, wie neben ihm Hurt seiner Frau zuflüsterte:„Wir haben un» noch immer verstanden, gnädig« Frau. Was wäre ich manchmal ohne Ihre fabelhaft« Unterstützung bei Ihrem Mann, wenn er mir Schwierigkeiten machen will?" Ihre gepflegte Hand klopfte nachlässig auf die Sessel- lehn«. Hurt redet« weiter.„Ihr Mann hat eine ganz anständig« Summ« in diese» Unternehmen gesteckt. Wird tadellos abschneiden. Sicher. Aber diesmal geht's um mehr als eine augenblicklich« Bin- dung. Aus dem da, den wir heute machen,:st für uns alle was zu holen. Aber man muß ihn richtig leiten. Auf keinen Fall darf er ins Austoben kommen. Er braucht außer seiner geschäftlichen Führung auch noch ein« menschlich«. Er ist doch ein fabelhafter Junge, gnädig« Frau!" Di« letzten Sätze sprach Hurt etwas abgehackt, immer mit einer Pause dazwischen. Er wüßt« nicht ganz genau, wie Frau Jaklowicz diese für ihn rein geschäftlliche Angelegenheit auffassen würde. Frau Jaklowicz klatschte mechanisch mit. als da» Publikum den eben abgeschlossenen Kampf wertete. Die wenigiten Besucher der teuren Plätze wußten, was in den Rahmenkämpfen vor sich ging. Ein Boxabend war eine gesellschaftlich« Angelegenheit, und die Zeit um den Hauptkampf herum wurde dazu benutzt, die Anwesenden und ihre Toiletten zu besehen und zu besprechen. „Wann steigt sein Kampf?" versuchte Frau Jaklowicz abzu- lenken. Hurt fuhr aus:„Jetzt. Ich muß ja hinunter, Gnädigste. Auf nachher!" Der Kampf beginnt! Jede Minute erschien Tom wie ein« Ewigkeit. Er fieberte jetzt tatsachTuh. Wie befreit atmet« er auf, als Hurt«intrat. „Los, vorwärts, Tom! Wie ist es denn? Lampenfieber? Was denkst du, wie die auf dich warten! Paß mal auf, wie du emp- fangen wirst." Hurt, der Groß«, war auch etwas aufgeregt. Sonst hätte er nicht so viel geredet. Tom merkte es und wunderte sich. Er ging, von seinem Hofstaat begleitet, hinauf. Die Bewe- gung,. die er sich macht«, befreite ihn. Er wurde bedeutend ruhiger. Voran marschiert« Hurt. Um ihn herum tanzte der Mas- seur. Neben ihm ging Max Milhan und gab ihm dabei noch hundert Ratschläge, von denen er natürlich keinen einzigen verstand. Marder trollt« mit verbittertem Gesicht hinterher. Als Tom sich einmal umwandt« sah er zwanzig Meter hinter sich Karl Mart, ebenfalls von einer ganzen Schar Betreuer um» geben. Je näher man der Treppe kam, die in die Arena führte, um so lauter hörte man die Musik, das Klatschen und Trampeln der Meng«. Zwischendurch gellten scharfe Pfiffe, die Krück« ausstieß. Als Toms Kopf sichtbar wurde, setzte wilder Beifall«in, der sich immer mehr fortpflanzt«. Es rauschte, als wenn es regnete. Tom Matth« klettert« die Treppe hoch, die zum Ring führt«. Mit einem Satz sprang er über die Seile und stand im Ring. Das helle Scheimoerferlicht umstrahlte ihn. Der Beifall wuchs einen Moment zum Orkan an. Der ganze Olymp rief„Kastanie!" Tom setzte sich in seine Ecke. Cr hatte ein stolzes Gefühl in der Brust. Mit strahlenden Augen sah er sich um. während die Sekundanten ihre Dorbereitungen trafen. Er erblickt« Frau Jaklo» wicz, die ängstlich lächelte und ihm ihre beiden eingebogenen Dau- men hochhielt. Tom nickte freundlich. Ueberall sah er Fern- gläser auf sich gericht't. Auf der Galerie zähll« Krücke leise:„Eins, zwei, drei!"„Ka- stanie!— Kastanie!— Kastanie!" brüllte e». Tom lachte hinauf. Sein Lampenf.eber war jetzt fast weg. Er fühlte sich berühmt. Wieder wurde Beifall gespendet. Er wurde stärker. Tom sucht« Karl Wart, dem ebenfalls von allen Gesten zugejubelt wurde. Mrrt kam in den Ring geklettert und reichte Tom die Hand. Der sah ihn nnt einem bösen Blick an. Seine Augen wurden rot und bluttmtcr- laufen. Wilde Entschlossenheit stieg in ihm auf. Er bekam sein« Wut. Cr fühlte« und dachte: da«'st gut. Die Handschuh« wurden ausgelost. Marder wurde in die gegen- üb erliegend« Ecke geschickt, um aufzupassen, daß dort alle» nach dem Reglement gemacht wurde. Zu Tom kam Mart» Masseur, Kräpli. Eine kleine dicke Gestalt, die sich förmlich herüberrollte. „Tach, Fußball mit Beene/ brüllt« Krück« herunter. Alles lachte. Am meisten Kräpli selbst, der dem Rufer«ine Kußhand hinaufwarf. Tom gefiel der Dicke. Der machte ihm Spaß. Beide Boxer wurden in die Mitte gerufen. Sie stellten sich auf und die Photo- graphen traten in Tätigkeit. Dann ermahnte der Ringrichter die beiden Boxer, fair zu kämpfen und seinen Anordnungen sosort zu folgen. Sie schüttelten sich die Fäuste und gingen dann in die Ecke. „Ring frei!" ertönte das Kommando vom Zeitnehmer. All« mußten aus dem Ring. In der Riesenhalle wurde es totenstill. Schnell flüsterten die Hauptsekundanten ihren Leuten noch die letz- t«n V.'rhattungsmaßregeln zu. „Ran. Tom! Der muß gar nicht zur Besinnung kommen. Ran, immerzu ran!" Tom starrte geistesabwesend irgend wohin.„Hast du oerstanden. Tom?" fragte Hurt.„Ran!" Tom sah ihn jetzt an. Hurt hätte sich fast erschrocken. Wirtlich tierisch sah der Bursche aus. Wie ein gehetztes Raubtier, das keinen Ausweg mehr sieht und nun verzweifelt zum Angriff übergeht. Drüben warnte Pechthold Karl Mart.„Also Vorsicht! Spar Deine Kraft. Der wird zuerst mächt'g rangehen. Deine Zeit kommt erst, wenn dieser Grünling ausgepumpt ist." Karl Mart nickt«. Er war nur äußerlich so ruhig. Sein Herz klopfte doch sehr stark. Diese paar Sekunden vor dem Gongschlag kosteten Nerven. Bang. Der Gong. Noch war er nicht verklungen, da stürzte Tom schon auf seinen Gegner zu. All« Wucht, deren er fähig war, warf er in eine» Schlag. Er traf an der linken Schläfe. Mart sank für den Bruch- toll einer Sekunde in den Knien etwas zusammen. Donnerwetter, vorsehen! Pechthold hat recht, schoß es hart durch den Kopf. Durch die ganze Halle ging es wie ein Schrei. Tom sah und hört« nichts. Er schlug noch eimnal so heftig zu. Mart war diesmal aber auf der Hut. Ein winzig kurzer Rück- schritt und die Wirksamkeit des Schlages wurde zu einem Nichts. Mart wurde kaum gestreist. Tom kam etwas zu sich. Er war nicht mehr blind. Er gnfs immer wieder an. Mart ging vorsichtig Schrstt um Schritt zurück. Er pendelte mit dem Oberkörper hin und her. Tom Matthes konnte daher weder wirksam schlagen, noch seine Schläge überhaupt ab- schätzen. Karl Mart sah die Ungeduld seines Gegners, seinen Vernich- tungswillen. So war es richtig. Pechthold war ein kluger Kopf. Mochte er sich ausgeben bis zum Letzten. Der Schluß war sein« Sache. Dies« erst« Runde bracht« die Sympathie der Zuschauer aus Toms Seil«. Nur wenige sahen in Karl Marls Derhalten Taktik. Di« Sekundanten bemühten sich, ihre Boxer in der Minuten- paus« wieder frisch zu machen. Hurt stand auf. Er sah über de» Boden des Podiums einen Augenblick zu Karl Marls Eck« hinüber. Pechthold nickte unmeck- lich. Hurt schloß seine Augen für eine» Moment Er hatte vor- standen. „Gut, Tom," rief er seinem Mann zu.„Immer so weiter." „Halt dich bloß weiter zurück, Karl. Bedenke, noch vierzehn Runden. Wenn der drüben noch eine Weile so weiter macht, is es bald vorbei mit ihm," sagt« Pechthold zu seinem Schützling. Die zweite Runde begann mit denselben kroftoollen Attacke» Toms. Das Publikum seuerte ihn durch leidenschaftlich aufgeregte Zurufe an. Tom hörte es und wurde immer wütender. Er fühlte die Erregung, die den ganzen Sportpalast ergriff. Er begann vor sich hinzuschimpfcn. Nach jedem Schlag, den er oorteitras, rief er Karl Mart ein Schimpfwort zu Bor tfym war ein Hindernis, das ihn vom Sieg, vom Ziel trennte Ein Hindernis aus Fleisch und Blut, das er niederschlagen mußte. Mart hatte eine gute Technik. An ihr scheiterten Toms ver- bissene Angriffe. Er ließ ihn in die Luft schlagen oder aus die Deckung. „Kastanie, feste, jib ihm! Feste, Kastanie! Matt ist ja feige, der traut sich mch!" In der Paus« knirschte Matt seinem Manager zwischen den Zähnen zu:„Jetzt werd ich mal aufdreh'n. Di« sollen sich wundern. Der Hund schimpft mich ja dauernd aus. Ich will's jetzt wissen." Pechthold wurde vor Schreck ganz kalt. Er zappelte aufgeregt hin und her.„Um Gotteswillen noch nicht. Du hast keinen Schim- mer, was der einstecken kann Ich Hab ihn doch heimlich im Training beobachten lassen. Der hat noch gehörig was drauf. Warum denn auch? Du bist doch an Punkten gar nicht zurück." Er redete wie ein Wasserfall.„Er trifft dich doch nicht. Bis jetzt ist's doch ganz unentschieden. Ihr habt doch noch viele Runden vor euch. Gib dich bloß nicht zu früh aus. Du bist auch nicht mehr der Jüngste." Der Kampf war nicht mehr so spannend. Das Bild blieb sich immer gleich. DI« Zuschauer, vor allem bie vornehmen, gähnten sich an. Wozu hatten sie ihr teures Gold bezahlt? Sie fanden es sehr ttchtig, daß die Galeriebesucher zu pfeifen begannen und schimpften. Tom hatte tatsächlich keine Lust mehr. Dieses viele Vorbei- schlagen strengte an. Er verlor die Geduld. Wie lange sollte er sich noch lächerlich machen lasten? Jetzt begannen die Zuschauer schon jedesmal zu lachen, wenn er diesen Mart, den Hund, nicht traf. „Du verfluchtes Aas, greis doch endlich mal an!" brüllte er heiser.„Die schreien ja schon, daß du feige bist. Ich möchte bloß wissen, wo du dir den Titel geholt hast, von was für'ner Pflaume." „Maul halten, sonst raucht's!" „Komm doch ran. feiger Hund!" Diesmal zog's. Im Nu war Matt dicht vor Tom und be- arbeitete seinen Magen.«Nun hältst du vielleicht die Schnauze!" Matts Faust saust« Tom unter das Kinn, daß der einen Augenblick schwankt«. Das Publikum begann unruhig zu werden. Mit einemmal war es wieder Feuer und Flamme.„Ran, Karl, ran, Kastanie!" Es brüllte wieder von allen Seiten.(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT, VSget mit goldenem Magen. Im Stromgebiet der Lena in Sibirien wird zur Zeit eifrige Jagd aus Auer und Biriwild gemacht. Ein« russische Forschung»- expedltion hatte durch Zufall entdeckt, daß in den Mögen der Vögel nicht nur einzelne Goldkörnchen. sondern direkte JHumpen von mehreren Gramm vorhanden sind. Untersuchungen ergaben, daß die Vögel zur Förderung der Verdauung den stark goldhaltigen Flußsand schlucken und im Magen dann die Absonderung des Goldes stattfindet. Wie weit dringt Tageslicht ins Seewasser ein? Da bei der Bergung gesunkener Schiffe die Arbeit der Taucher vom Tageslicht abhängig ist, hat die englische Regierung im Kanal umfangreiche Versuche durchgeführt, um festzustellen, wie weit Tageslicht in das Seewaster eindringt. Die Ermittlungen ergaben, daß in 20 Meter Tief« noch durchschnittlich 6,62 Proz. des Tages- lichtes gelangen, in 40 Meter Tiefe 0,72 Proz. und in 60 Meter Tiefe nur noch 0.085 Proz. Schwankungen dieser Zahlen wurden kaum festgestellt. Einer, der 20 Korbe auf dem Kopt trägt. Unter den Trägern von Covcnt Garden in London besitzt einer eine besondere Berühmtheit: das ist der„Äörbe-Iim", der zwanzig hohe Körbe auf seinem Kopf trägt und mit dieser hochgetünnten Last sicher durch die belebten Straßen wandert. Eine große Menschen- . vleosto«. Zl. Januar. Berlin. 16.05 Mir.iiterialdiricem Dr. Kurt lUnlMchel: Bilduni«eines internationalen Ehrengericlitshofe» der Presse. 16.30 Von Leipii«; Opern-Nachmittag. 17.30 Crawlschwlmmen.(Sprecher: Paul Kellner.) 18-00 Stunde mit Büchern. Neueste Lyrik.(Am Mikrophon: Bruno Schönlank.) 18.30 Max Hansen singt. 19.00 Prot. Dr. Hans Reichenbach:„Licht und Strahlung". 19.30 I. Snk: Serenade tür Streichorchester Es-Dur. op. 6.— Z. tiubay: Konrertstllck für Vloloncell und Orchester.(Prof. Arnold Pöldesy-)—- 3. Tscheikowsky: Ouvertüre„1813".—< Qrieg: Peer-Qynt Suite Nr. 3. — 5. Ertel. geb. 23. I. 1865: Die qiehtllche Heerschau, op. 16.(Berllnor Psnk-Orchestcr)— Wihrend der Pause: Tünfielm Minuten: Francis .tammes.(Sprecher: Anna HSIlerlng.) 31.20 Zeiihcrlcbte. Die Auseinandersetzung zwischen PilsudskI und dem polnischen Sejm.(Gleichseitig mit der Frankfurter Uraofföhninr) Anachllesend: Pelltisch» ZeUungsschau.(Dr. Jose! Rlnschcr) Kflnigswustetbeusen. IMO Nadinn itiagskoneert von Leipzig. 1730 Robert Hensellng; Welt und Measch. 18 00 Schapterisches Musikerkennen. 1830 FransOslsch lür Fortgesehrlttene. 18.85 MJn.-Rat Goslar: Die Sehveis als Volksstaat. 19.20 Qedichtnlsstnndt für Walter Cald.(Einleitung: Gerhard Schreiber.) 20.00 Emil Lucka liest ans eigenen Werken. 20.30 New York— Berlin im 19. Jahrhundert MItv: Lisa Frank. Sopran: Fritz Düttbernd. Bariton. Kapelle Ferdy Kanltnunn. Am Flügel: Julias Bürger. Verbindende Worte: Johann Wolfgang Schottlinder. menge sammelt sich an, um diese Rekordleistung zu bewundem, und von weit her kommen Leute, um einmal den„Körbe-Iim" bei der Arbeit zu sehen. Es handelt sich dabei nicht um irgend einen be- sonderen Trick, sondern nur um Geschicklichkeit. Jeder Korb ist etwa einen Fuß hoch, und Jim bedient sich einer hohen Stehleiter, wenn er sein« Lost fertig macht. Dabei kommt es vor allem darauf an, daß jeder Korb genau auf dem Rande des andern steht, denn der kleinste Irrtum in der Ausbalancierung würde den ganzen hohen Turm, den er auf den Kops trägt, zum Umstürzen bringen. Hat er die zwanzig Körbe so übereinander aufgebaut, dann steigt er von seiner Leiter herunter und packt den untersten Kvrb mit beiden Händen. Zuerst hebt er die ganze Ladung nur einige Zoll vom Boden auf und gibt genau acht, daß nicht irgend«ine Unregel- Mäßigkeit in der glatten Wand des Körbeturms entsteht. Hat er sich der richtigen Anordnung versichert, dann hebt er mit einem Ruck die Last bis zur Taille und setzt sie sich dann mit einem zwetten raschen Ruck aus den Kops. Er trägt eine Unterlage von Tuch auf dem Kopf, die für den Haufen der Körbe eine gleichmäßige Unterlage bietet. Als den schwierigsten Augenblick bei seiner Leistung bezeichnet Jim den Augenblick, wo er den Turm aus den Kopf setzt: wenn er dann nicht sofort das Gefühl der Sicherheit hat, dann setzt er ihn wieder ab. Ruht aber erst der Turm einmal fest auf seinem Kopf, dann gelingt ihm die Ausbalancierung mit seinem muskulösen Nacken ganz le'cht. Das Stehen mit dieser Be- krönung ist schwieriger als das Gehen, und Jim marschiert ganz vergnügt und rasch durch die Meng«, die bei dem seltsamen Anblick stehen bleibt und nur durch seine durchdringendeu Rufe zum Beiseitetreten veranlaßt wird. Er hat sich die Fähigkeit durch jahrelang« Uebung angeeignet und ist stolz darauf, daß ihm keiner sein Kunststück nachmachen kann. Ein Pterdetreund. Der vor einiger Zeit verstorbene John Sanger, der unter dem Namen„Cirkus-Lokd" vor Iahren in England ungeheuer populär war. hat sein gesamtes Vermögen in Höhe von 35 000 Lvstl. einem Fonds vermacht, der erst im Jahr« 1989 angegriffen werden darf. Sanger prophezeit in seinem Testament für diesen Zeitpunkt das vollständige Verschwinden des Pferdes, und aus dem Fonds, der dann etwa 5 Millionen Mark betragen dürft«, sollen die dann noch vorhandenen Pferde angekauft werden, um sie sorgfältig zu pflegen. Ein WS jähriger Este. Wie der„Renaler Bote" berichtet, wurde dieser Tage in einem Renaler Kronkenhaus einem alten Esten ein Bein wegen Greisen- brandes amputiert. Bei der Feststellung der Personalien ergab sich aus seinen Papieren, daß er im Jahre 1825 als Sohn eines est- nischen Bauern ln Hapsal geboren wurde. Der noch sehr rüstige Alle ist fast die Hälft« seines Lebens Soldat in der rustischen Arme« ge- wesen. hat eine ganze Reihe von Feldzügen mitgemacht und e» bis zum Feldwebel gebracht. Die Operation ist gelungen und der Arzt hofft, den Wen demnächst als geheilt entlasten zu können. Deutsche Professur an der Universität Stockholm Auf Anregung des Rettors der Stockholmer Hochschule, Prof. Tunborg, wird im Sommer 1930 dort ein« Professur für deutsche Sprache und Literatur errichtet werden. Von deutschen und schwedischen Spendern wurde zu diesem Zweck ein Fond? v--" 350 000 Kronen gestiftet. Neue Abteilungen bei der FTGß. Um d«n Wunsche vieler Interessenten tm Bezirk Friedrichs- hnin Rechnung zu tragen, eröffnet der Bezirk Osten der Freien Turnerschaft Groß-Berlin Freitag, 24. Januar, in der Turnhalle Petersburger Straße 4«ine Sportabteilung für Männer und die männliche Jugend. Allen daran inter. essierten Sportfreunden. Porteigenossen und Gewerkschaftern ist hier unter der Leitung bester Funktionäre Gelegenheit gegeben, sich in der Leichtathletik zu betätigen und weiterzubilden. Außerdem unter- hält der Bezirk Osten der FTGB. noch folgend« Turnabteilungen: l Knabe nabteilung: Dienstag und Freitag, 18 bis 20 Uhr. Straß. inannstraßc 6. 2. Knabenabteilung: Dienstag und Donnerstag, 18 bis 2» Uhr, Friedenstraße 31. Mädchsnabteilung: Montag und Donnerstag. 18 bis 20 Uhr. Rigaer Straße 8. Jungmädchsnobtei- lung(14 bis 23 Jahre): Montag und Donnerstag. 20 bis 22 Uhr, Straßmannstraße K. Frauenabtcilung(über 25 Jahre): Montag, 20 bis 22 Uhr. Riga er Straß« 8. Jugendabteilung(männl., 14 bis 18 Jahre): Dienstag, 20 bis 22 Uhr, Straßmannstrah« 6; Donners- tag, 20 bis 22 Uhr, Friedenstraße 31. Mönnerabteilung(18 bis 35 Jahre): Dienstag und Freitag. 20 bis 22 Uhr, Straßmann- straß««. Altersabteilung(über 35 Jahre): Freitag. 20 bis 22 Uhr. (tckertstraße 10. In allen Abteilungen wird die Leitung von bewährten Funktio. nären und nach dem Prinzip der Arbeiter-Turn- und Sportschul« in Leipzig ausgeführt. Aufnahme in den Uebungsftunden jederzeit. bleue'Feimuabieilung der FTGB. Die Sportabteilung des Bezirks N o r d r i n g der Freien Turnerschaft Groß-Berlin eröffnet eine neue Tennisabtei- lung. Die erste Ausanunenkunft findet heute, Dienstag, 21. Januar, 20 Uhr, in der Turnhalle Seneselderstraß« 6 statt. Interessenten nrelden sich dort oder bei Eduard Jurkun, Berlin R. 58, Senefelder- ftraße 2. Neue Hodceyabieilung. Am Donnerstag. 23. Januar, findet im Restaurant tränke, Berlin NO., Hufelandstraße 12, die Gründungsversammlung der choikeyabtetlung des Bezirks Nordost der Freien Turner. fchaft Groß-Berlin statt. Alle bereits gemeldeten Spiel«: müssen zu dieser Sitzung erscheinen. Parteigenossen und Sportfreunde, die sich für den Hockeysport interessieren, sind zu dieser Versammlung gleichfalls freundlichst eingeladen. Kreisscbule des FTGB. Für di« neuerrichtete Uebungsklasse der Jugendlichen werden iwch einige Teilnehmer zugelassen. Die Vereine mögen geeignete Jngendmitglieder möglichst bald entsenden. Uebungshalle In Weißenfee. Tasiostraße, Uebungszeit jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr._ Radsporüiches Allerlei. Von den Winterbahnen. Erich Möller startete am Sonntag auf der Winterbahn in Brüssel gegen Grassin, Jucchette und Benoit. Die Herren der »turzkappe hatten drei Läufe über 23 Kilometer zu erledigen. Jni Gesamtresultat, das Grassin als Sieger sah. nahm der Hannoveraner den zweiten Platz vor Jucchetti und Benoit ein. Im Fliegerkampf schlug der belgische Meister Arlet den Weltmeister Micharb in beiden Läufen. Auf der Bahn in Brisbane-Australien startet« wieder der deutsche Meister Mathias Engel. Er behauptete sich b« dieser Gelegenheit in bester Weise und holte sich die Revanche zur Fliegermeisterschaft von Australlen vor dem Ein- heimischen Fitzgerald und dem Dänen Willy Falck-Hansen. der dies- mal eine völlig untergeordnete Rolle spielt« und mir einmal über den letzte» Platz hinauskam. Der Deutsche war in zwei von drei Läufen in Front zu finden und siegte mit fünf Punkten vor Fitzgerald mit ebenfalls S Punkten aber nur einem Sieg und Falck- Hansen mit 8 Punkten. Auch im Rennen über 5 Mellen bestätigte Engel sein« derzeitige große Form durch einen leichten Sieg. Bei den Pariser Sonntagsrennen gaben Georg« Wambst und Laquehey ihr Debüt als Dauerfahrer, ohne allerdings gegen Linart aufkommen zu können. Linort gewann die 40 Kilometer in der Bahnrekordzeit von 33:33,2, 410 Meter zurück folgte Laquehay vor Wambst(830). Das 100-Kilometer-Mannschaftsrennen, an dein auch Bufchenhagen-Richli teilnahmen, brachte den Sieg Blanchonnet-Boucherons in 2:14:52,8. Zweiter Lctourneur-Broc- cardo 18 P. Die Ortsgruppe Köln der Deutschen Rennfahrer- Vereinigung ließ in der Rheinlandhalle einen Renntag steigen, der recht gut besucht war. Rausch-Hckrtgen, die Dortmunder Sechstage- sieger, gewannen mit zwei Runden Vorsprung in überlegener Weise das 30.Kilom«ter-Mannschaftsrennen in 1:06:14,4, 23 Punkt». Zwei Runden zurück Frantenstein-Dederichts, 21 P. Eine hervorragende Fahrweise zeigte der Belgier Charller im 100-Kilomet«r-Einzelfahren in der Stuttgarter Winterbahn. Er dominierte in diesem horten Wettbewerb mit zwei Runden Vorsprung in 2:23,10 und 38 Punkten. Edmer besetzte mit 38 Punkten und zwei Verlustrunden den zweiten Platz vor Franken- stein(27). de Martini(22), Oßmella(19), Geyer(7). August Wambst(5), Duvivier(4), Schön(4) und Hürtgen(0 Punkte). �ifeelter-Zdiad». Die Abteilung Pankow der Arbeiterschachspieler veranstalten heute. Dienstag, 20 Uhr, in der Verliner-, Ecke Prinz-Heinrich- Straße, bei Kober, einen Werbeabend. Engel hält«inen Bortrag am Demonstrationsbrett. Dienstag haben serner folgende Abteilungen Spielabend: Friedrichsfelde, bei Tempel, Gudrunstr. 7: Moabit. Caf4 Streng. All-Moobit 13: Humboldthain. Karl Döhlinq, Brunnenftr. 79: Falkeickerg-Grünau, Gnncinschastshaus, Gutshos Falkenberg: Memel. Lücke, Memeler Str. 10. Friedrichshain, Montags und Mittwochs, bei Zllbrecht. Straßmannstr. 42. Beginn Lb srall 20 Uhr._ Sechstagerennen auf Motorrädern. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hat in feinen Be- strebungen, immer neue Wege für die Weiterentwicklung und Ver» volltommnung de- Kraftfahrzeuge» zu suchen, einen Plan aufge- griffen, der geeignet ist. das Interesse der Motorradsportler zu Kn der geplanten internationalen Länderfahrt für Krafträder wird der ADAC, im April d. I. gemeinsam mit der deutschen Motorradindustrie auf den, R ü r b u r g r i n g eine 144-Stunden-Ohnehaltsohrt für Krafträder mit und ohne Seitenwagen zur Durchführung bringen. Die hauptsächlichsten Bedingungen der Ausschreibung, die demnächst erscheinen wird, de- sagen, daß sämtliche Fahrzeuge kalalogmähig hergestellt sein müssen: die Räder werden vom ADAC, dem Fabrik- bzw. Vertreterlager entnommen. Fahrerwechsel ist gestattet. Boxkämpfe im Sportpalast. Die Meistcrsdiaftsaussdieidungen. "Rufst geringeres Interesse als die Frage, wer am Freitag, 24. Januar, im Sportpalost aus dem Kampf um die Deutsche Mittelgewichtsmeisterschast im Boxen zwischen dem Titelhalter Hein Domgörgen und dem Herausforderer Franz Loja als Sieger hervorgehen werde, beansprucht der Ausgong der End- ausschcidung für die Deutsche Schwergewichtsmeister- s ch a f t. Sowohl Hans S ch ö n r a t h als auch Ernst G ü h r i n g l)aben viele Anhänger hinter sich. Die einen werten den Sieg Schönrachs Über Santa höher, die anderen wieder das Unentschieden, das Gühring mit Roberto Robert! erzielte, weil dieser im inter- nationalen Handicap fast«ine Klasse über den Portugiesen stehe. Wer hier recht hat. ist schwer zu entscheiden, denn die Gegner dürsten ssch so ziemlich ebenbürtig sein. Die etwas größere Ringerfahrung Gührings wird kau-m ins Gewicht fallen, da auf Seiten Schönraths die durchgebildetere Technik Ausgleich schaffen sollte Man kann daher auf ein er- bittertes, voraussichtlich ganz hartes Ringen, das womöglich über die ganze Distanz geht, rechnen. In ihren Trainingslagern haben Schönrath und Gühring ihre Vorbereitungen sür diesen äußerst wichtigen Kampf bereits beendet und werden nunmehr ihr Training in Berlin zum Abschluß bringen. In den Rahmenkämpfen treffen sich: Noack und Jakob Domgörgen, Stein und Dübbers, Tobeck und Dräbing. Arbeitersportler, seid auf der Hutl Die Bezirksleitung der APD. Halle hat unter dem 2. Zanuar 1930 ein vertrauliches Rundschreiben versandt, in welchem sie auffordert, in allen Orten sofort Fraktionssihungen abzuhalten und za den Wahlen in den Arbeiteesporlvereinen Stellung zu nehmen. Za dem Rundschreiben warnt die KPD. dringend vor der Wahl von Sazialdemotrolen als Vereins-. Bezirks-, Sreisfunktionäre sowie als Delegierte zu den vezirkskreistagen. Die KPD. fordert welter io dem Rundschreiben, in allen proletarischen Kullurorganisationea (Sänger. Freidenker, Schach. Radio usw.) mit allen Tllillcly die Vor- staadsömker nur mit linientreuen Kommunisten zu beiehea und all« .Sozialfaschisten' auszuschalten. Sie begründet diese Maßnahme damit, vermögen und Besitzstand der Vereine in ihre Hände zu bring«?, wir warnen unsere Verein« nochmal» und wissen be- stimnzf. daß sich die Verein« dieses Ansturms zu erwehren wissen. Arbeiter lurn und Sportbund. gez. Sellert.?>. Vorworts in Frankreich! Während sich gegenwärtig die französische Sektion der Roten Sport-Jnternational« in ihren eigenen Reihen bekämpft und z«r- splittert, hat der französisch« Arbeitersportverband, der der Sozialistischen Arbeitec-Sportinternational« angehört, dank einer regen Propagandatätigkeit neue Erfolge zu verzeichnen. In Paris gelang«s trotz der kommunistischen Hetzereien drei neue Vereine zu gründen. Im Pas de Calais ist unter dem Vorsitz des Kammerabgeordneten Evrard«in neues Regional- tomitee gebildet worden, das im neuen Jahre bei intensiver Propo- ganda gute Gewinnmöglichkeiten an Vereinen und Mitgliedern hat. Nicht zu vergessen ist dos Regionalkomitee von Nord, das neben den bedeutenden Turnvereinen, wie Städtischer Turnverein Cond«. Vorwärts Soinain und Mogador-Elub Roubaix auch einig« Fuß- ballsettionen gewann. Weiter« Erfolge im Jahr 1930 sind zu er- warten. Am 25. und 28. Januar hall der sranzösijch- Arbeiter- Sportoerband zu Pnris«in« Landesvertreterkonserenz ab, die sich mit äußerst wichtigen Fragen beschäftigen wird. Aus der Tagesordnung stehen Geschäfts- und Tätigkeitsbericht des Bundesvorstandes, Kassenbericht, Berichte der einzelnen Regional. Vertreter. Neuorganisation der Regionen. Turnfeste 1930, Organi- sation eines großen Bundesjestes in Paris, Stellungnahme zur 2. Arbeiter-Olympiade 1931 in Wien. Feftfehung des nächsten Bundeskongrefses. Oer„unmännliche" Tennissport. Irland hat ihn enldeckil In Irland Hat man eine groß« Entdeckung gemacht. Keine neue technische Rafsiniercheit, nein, sondern eine Entdeckung tief beschämender Art. Irland— veran!wortung»volle und national- gesinnte Iren Haben das Herausgefunden— befindet sich im Zustand schlimmster Dekadenz. Irlands männlich« Jugend, der Stolz des Landes, die Nachfahren alier Helden und glühender Freiheits- tämpfer, droht ernsthaft der Verweichlichung und Verweiblichung zu verfallen. Und woher droht diese Gefahr? Man lasse sich das von der „Gaelic Athletic Association" sagen und beweisen, die sich dos unsterbliche Verdienst erworben hat, die irische Jugend zur Einkehr und Umkehr aufgerufen z» haben. Diese Sportvereinigung hat einwandsroi festgestellt, daß moderne Netzfpiele, vor allem aber der Tennissport, von außerordentlich demoralisieren- dem Einfluß aus die irische Jugend seien. Tennis wird vor- wiegend von Frauen gespielt, hat mit Sport nichts mehr zu tun. Iren, die Tennis spielen, müssen unrettbar dem weiblichen Einfluß dieses Spiels unterliegen. Männer, die Tennis spielen, haben sich nach Feststellung der genannten Vereinigung niemals durch eine besondere männlich« Note ausgezeichnet. Aber noch ist es nicht zu spät zur Einkehr, hat die Athletic Association mit einer gewissen Genugtuung erkannt und deshalb an alle jungen Männer und auch an die jungen Frauen Irlands die Aufforderung gerichtet, fest- zustehen und den demoralisierenden Einflüssen des Tennis- und Netzsports energischen Widerstand entgegenzustellen. Und damit es nicht nur bei Worten bliebe, hat die wachsame Spartveretnigung verschiedene Ausschüsse ernannt, die Propaganda gegen den ungtück- dringenden Tennisspart betreiben, und Li« allen guten irischen Sportarten wieder aufleben lassen sollen! Wittenau ladt elnl Die Freie Turnerschaft Wittenau oeranstallet Montag, 27. Januar, 20 Uhr. einen Werbeturnabend in der Willenauer Turnhalle. Rosenthaler Str. Alle Freund« des Arbeiter» sportes, besonders die Mitglieder der Partei, werden schon jetzt daraus aufmerksam gemacht und gebeten, für zahlreichen Bestich Sorge zu tragen. Reidisarbeitersporttag 1930. Wie die Zentralkommiision sür Arbeitersport und Körperpflege Berlin mitteilt, findet der diesjährige Reichsarbelterspört- t a g in der Woche vom 22. bis 29. Juni statt. Es steht den Der- aastaltern frei, all Hauptsesttag entweder den 22. oder den 29. Juni zu nehmen._ Der Fußballoereia„Eintracht", Berlin-Reinickendorf-West, Mir- glied des Arbeiter-Turn- und Sportbunde», bittet um solgend« Mitteilung: Um allen Gerüchten entgegenzutrslen. erklären wir h«? in aller Oefsentlichkell, daß wir seit dem 8. Jamigr 1930 Mit- glied des„Arbeiter-Tum- und Sportbundes" sind. Der republikanische Deutsche Wasserfporloerband veranstaltel« Sonntag im Rohmen seines Ergänzungsprogramms sein erstes Handballpokalspiil. Es wurden folgende Ergebnisse er- zielt: Sportvereinigung Hackebeil gegen Mark Brandenburg 3: 2» Kanutlub Treptow gegen Reichsbanner-Rllderriege 4: 4. fitttofi-XicviDB: 2C. Januar, 19'i Ufir,«entratatrfammluutf im.WUntO", Slfcnftc. 100... � t,»Ml», t. 3uflt«bau«(A»i. 0«. Januar auf. dem«r->»iua-n»tag. Zlakcrrs kehr un!er kreianachricklten und Ziundfchrrilcrn. Wir bitten bei Referentrnbedarf Kit, fiel» mit uns in Perbindung zu feilen. � Sielet Sttlbolaciem«cufblln I 1928. Sifcung bei Rännermannlchattc» Üben Zceitaa, 20 Mir. bei«reger. Nrnlölln. RickiarbNr. 105. Zuzenbinannschait Üben Miwvoch. 19' Uhr, im 3uffeni)I,eim fteuttan,»Sbmisch» ffite lilanuer Strafte Sit Berslarlungen der Männer. UNS ber Iugendmaiinlchaflen werben in jrb«: Sit'ing Zuftbaliinirressculen trufgenommen.«nfragen an«abert Ianosie. Jleufötln.«erihelobarfer Sie. 11 IV. Etwas von den„Naturfreunden". Zu Groß- und Urgroßvaters Zelten niußte jeder recht« Bursche aus die Wanderschaft gehen. Roch früher konnte keiner«In zünftiger Geselle werden, wenn er nicht mehrere Jahre getippelt war. Alt- modische Gebräuche sind das, längst abgeschafjt! Dann entstand etwas ganz Neues, die Turnerei, John führte das Gruppenwandern ein. Auch veraltet. Turner wandern nickst mehr, sie Handballern, laufen Wette, baden Sonne. Selbst doz.l reichen die wenigen Sonn- tage nicht aus Heute Ist alles Sport! Deshalb haben wir einen besonderen Verband sür das Wandern, den Touristen verein „Die Naturfreunde". Die alten Tumer fanden das etwas absonderlich. Sie meinten, dos wären nur Naturforscher, die vom rechten Wandern nichts verstehen, die Blümlein suchen und archäo. logisch« Studien treiben, mit wallendem Lockenhaor und Pro- fessorenbrille versehen. Aber t>a, waren eben die alten Turner, die sogenannten„Kilometersresser", die noch selber wanderten. Jetzt haben wir die neu« Zeit, die mit uns zieht. Und da sind die „Naturfreunde" zu einer großen und wirklich imposanten Organi- sation geworden Wu wollen sie uns etwas näher ansehen. Zunächst einmal sind die„Naturfreunde"«ine sozialistische Kulturorganisotion. Sie nennen sich bescheiden Touristen verein, sind in Wirtlichkeit aber«in internationaler Verband mit dem Sitz in Wien, wo auch der Derein 1895 aus der Taufe gehoben wurde. Der Touristenoerein hat Ländcrgruppen in Oesterreich, Deutschland, in der Schweiz, der Tschechoslowakei, in Ungarn. Rumänien, Bul- garten, Jugoslawien, Polen, Norwegen, Schweden, Holland, Frankreich, Amerika. Das ist ein impafanter„Berein", und zwar der einzige Arbeitersport, der international fest geschlossen ist. Aber auch örtlich zeigt er ein« besonder« Not«: In sehem Ort. ob Groß- stadt od«r Dorf, gibt es n u r«in« Gruppe, di« bürgerlich« Ver- einsmeierei ist vollkommen überwunden. Man kann also von den „Naturfreunden" manches lernen Die Kongentrotion des Wandersports hat vor allem di« Schaffung von Ferienheimen, Wonderheimen und Jugendherbergen gefördert. Es gibt 400 Naturfreundehäuser, davon allein in Deutschland ziemlich300. Das erste Natur- freundehaus wurde 1908 am Padasterjoch eröffnet. Ursprünglich sollten nur Wanderstützpunkte geschaffen werden. Da es ober der Arbeiterschaft gelang, endlich ihre Forderungen auf Ferien durch- zusetzen, so wurden„Ferienheime" geschlissen mit 20 bis 30 Matratzenlagern oder Betten. Nun können die Mitglieder mit ihren Familien, besonders aber die Jugendlichen, im Hochgebirge oder im Waldidyll für billig:» Geld ihre Ferien verleben. Ueberau, wo es schön ist, haben sich die Naturfreunde sestgesetzt: bayerisches Hochland, Nordtirol. Schwarzwald. Bodensee. fränkischen und schwäbischen Jura. Flchtelgebirg«. Odenwald. Psälzer Wald. Sp-ssart, Taunus, Teutolmrger Wald, Rheinland. Westfalen. Weserberglond. Har� norddeutsches Tiefland, Sachsen und Schlesien. Vom Rürn- berger Arbeitersportsest aus haben viele Sportler diese Ferienhelme besichtigt und benutzt— soweit Platz war. Ml« waren sehr erfreut über die Gastfreundschaft und die mäßigen Preise. Aber die Zahl der Heime Ist noch zu klein. 200000 Mitglieder zählt der Touristenverein, dazu die Angehörigen, macht beinahe eine Million Ferienheim-Suchender. Da müssen wir laut ruien: Staat hilf! Das hier angelegte Geld trägt reichliche Zinsen sür das„Kapital Volksgefundheit". Die Retchsgruppe Deutschland hat jeit dem 1. Januar 1928 mich«ine Unfallversicherung mit einer Tagesenlschadi- gung und Pauschalen bei Invalidität van 1000 M., bei Todesfall 300 M. Für Grenzübertritte nach Oesterreich hat die Reichsleitung nrit der österreichischen Zollbehörde eine Vereinbarung getrosten, die wesentliche Vergünstigungen bringt. Neben den planmäßigen Wanderungen, di« allwöchentlich in der Arbeiterpresse veröffentlicht werden— sieh« auch die Bekanntmachungen im„Sl b c n d"—, finden von den Gauen und Ortsgruppen L« l, r k u r s e über notur- wissenschaftlich« Fächer und sür Jugendleiter statt. Beachtenswert sind auch die A chsste l ly r. gen der..Naturfreunde" mit natur- wissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Sammlungen, statistischem Material über den gesundheillichen Wert des Manderns usw. Allenthalben ertönt der Ruf: Zurück zur Natur! Wochen tags am lautenden Band, an der Maschin«, im Schreibsaal, genannt Büro. Dann heim in die Mietskaserne. Licht, Luft und Sonne, und damit die Freude, fehlt Es ist alles kasernier� rationalisiert. Draußen, im Wald, auf den Bergen, am Wasser, da gibt es noch Wunder zu sehen. Wandert hinaus yr die schöne Natur. Die Tragödie einer Gowjetlehrerin Die„neuen Menschen" in Gowjetrußland. Wahrheit— nicht Dichtung! Grausige Wahrheit, erzählt von dem bekannten russischen Kommunisten Soritsch in der Nummer 4L der Sowjetzeitschrift„Der Projektor�. Am 20. Dezember 1928 fand man die Lehrerin W a r j a I w a- n o w a im Dorfe Molodoj Tud. Bezirk Rschew, Gou- vernement Moskau, erhängt auf dem Boden ihres Schul- Hauses. Eine Kommission unter dem Borsitz des Sekretärs des Kreis- vollzugsrats Planowschtfchikow gab„eine marxistische Analyse" des Selbstmordes und stellte fest, datz er unter dem Einsluh des bekannten„Tagebuchs Kostja Rjabzews geschehen sei. Alles schien in Ord- nung, der Selbstmord der Lehrerin schien bereits in Vergessen ge- raten— als plötzlich im Laufe vorigen Sommers die wahr« Ursache ihres Freitodes bekannt wurde. Es ergab sich folgendes: Warja Iwanowa, eifriges Mitglied der kommunistischen Jugend, ganz und gar der Parteiarbeit ergeben, wurde im vorigen Herbst als Lehrerin in das Dorf Molodoj Tud kommandiert. Sofort nach ihrem Eintreffen meldete sie sich beim Vorsitzenden des ort- lichen Vollzugsrats Lwow. Lwow lag gerade in ziem- lich angetrunkenem Zustande auf der Chaiselongue. Ohne Um- schweife forderte er die Lehrerin auf, sich in seine Nähe zu setzen und wurde, ohne viel Worte zu machen, zudringlich. Als die Lehrerin sich gegen die Zumutungen wehrte und erklärt«, sie könne sich als Iungkommunistin Derartiges nicht gefallen lassen, da meinte de» Vollzugsratsvorsitzende:„Bist du denn etwas anderes als sonst irgendein Weib, willst du etwa mich belehren, was ich zu tun habe. Ich brauche meinen Schnaps und ein Weib für die Nacht. Deinen Stolz werde ich schon zu brechen wissen". Iwanowa begab sich unverzüglich zum Sekretär der kommuni- stischen Jugend Konstantinow. Dieser sah an ihr vorbei und sagt«: „Ich höre Derartiges zum erstenmal. Lwow gilt hier allgemein als Autorität. Es wird wohl ein Mißverständnis sein". Iwanowa wandte sich an den Sekretär des Kreisvollzugsrats Planowschtfchikow. Dieser hatte für sie nur ein Lächeln.„Ist das aber ein hitziger Kerl!— Geradezu afrikanisches Temperament! Du mußt das nicht gleich übelnehmen, ist ja noch ein junger, Mensch ledig, das Blut spielt..." Iwanowa erhielt eiyen Schulraum mit ausgeschlagenen Fenster- scheiden, Holz wurde ihr verweigert, Beleuchtung gab es nicht, ebensowenig Schulutensilien für die Kinder. Die Schüler froren, waren immerzu krank, die Bauern beschwerten sich beim Vollzugs- rat, dieser hetzte die Bauern gegen die Lehrerin auf. Bei den Pionieren wurde sie kalt gestellt, ebenso bei der wehrpflichtigen Jugend, häßliche Witze wurden ihr nochgerufen und der Sekretär des Vollzugsrats Pogossow verbreitete das Gerücht, sie sei eine Prostituierte. Iwanowa versuchte mit Lwow eine Auseinandersetzung herbei- zuführen. Cr lachte zynisch und sagte:„Du mußt eben«in wenig freundlicher sein, dann wird es auch Holz geben- und Respeit— alle», was du brauchst."„Ich bin Iungkommunistin und handele nicht mit meinem Körper."„Na, wenn du Jungkommunistin bist, so gehe eben in das Parteikonnte« zu Planowschtfchikow." Also ging sie zu diesem. Die Unterredung blieb ergebnislos.„Sie können eben mit niemand auskommen: sind wir denn alle so schlimm und Sie allein ein kommunistischer Engel? Sprechen Sie > mit Lwow." Iwanowa versuchte, dem Sekretär der kommunistischen Iugendzelle ihr Leid zu klagen. Er ging ihr aber aus dem Weg«. Nur einmal, im trunkenen Zustand, sagte er zu ihr:„Höre doch auf mit deinem Blödsinn, wir sind auch mit anderen fertig geworden. Willst du etwa das gleiche tun wie Paschka Obraszowa, die ins Wasser gegangen ist? Man muß vom Leben nehmen, was man kann. Komm zu mir schlafen"... Iwanowa erfuhr auch bald, was das mit der Obraszowa auf sich hatte. Ihre Kollegin war aus dem Leben geschieden, weil sie den Verfolgungen nicht gewachsen war. Nun wußte sie auch das übrige: nämlich, daß der Vorsitzende des Vollzugsrats Planowscht- schikow durch die Dörfer fuhr und sobald er irgendwo eine hübsch« Lehrerin antraf, sie zwang, mit ihm die Nacht zu verbringen. Nicht selten ließ er sie auch zu sich ins Gasthaus holen. Dann wurden Orgien gefeiert. Weigerten sie sich, ihm zu Willen zu sein, so wurden sie eben an die Luft gesetzt— natürlich wegen ihrer antisowjetisti- scheu Einstellung. Iwanowa wollte aber den Kamps nicht aufgeben. Sie suchte den Vorsitzenden der örtlichen Abteilung der Volksbildung Korolew auf. Dieser drohte mit Ausschluß aus der Partei. Sie versuchte, die anderen Lehrerinnen rebellisch zu machen. Dies« rieten ihr, zu Kreuze zu kriechen und zu schweigen: sie sprach mit einzelnen Iugendgenossen: sie wollten von nichts hören. Sie schrieb an die Bezirksinstanzen. Entweder erhielt sie keine Antwort oder die Briefe hatten zur Folg«, bhß ihre Beziehungen zu den örtlichen Be- Hörden sich noch mehr zuspitzten. Nun beschloß sie, selbst in die Bezirksstadt zu fahren. Im örtlichen Vollzugsrat hatte man davon Wind bekommen: man ließ ihr sagen, daß man sie unverzüglich ihres Postens entheben würde. So begab sie sich zu dem Vor- sitzenden, um sich mit ihm ausemanderzusetzen. Welchen Verlaus diese Unterhaltung genommen hat, ist nicht bekanntgeworden. Eine Stunde später langte sie zu Haus« an mit zerrissenen Kleidern, zitternd, wie im Fieber, blaß und zerquält. In die Kreisstadt fuhr sie nicht. Am nächsten Morgen fand man sie erhängt aus dem Boden. Der Sekretär Planowschtfchikow, einer Ihrer Mörder, war Vor- sttzender der Untersuchungskommission. Jetzt sitzt er bereits seit einigen Monaten im Gefängnis unter Anklage der gemeinsten Ver- brechen. Dies in Kürze die Schilderung des bekannten Kommunisten Soritsch. Kommentare sind überflüssig. Aus Samoa ist nach den blutigen Unruhen der vorigen Woche jetzt die Gründung einer Grundbesitzerliqa verboten worden. Der Kreuzer„Dublin" hat Truppen gelandet, die die Inselpolizei ver- stärken. Nachricht und Willensbildung. Die staatspolitische Aufgabe der presse. Der Berliner Aowallsvereia veranstaltete im Vortragssaal der Deutschen Gesellschaft einen staatspolilischen Abend über das Thema„DieftaatspolitlscheAusgabeder presse". An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Ver- lrcter der vliaisterien. der Parlamente, der politischen Parkelen, der Richter-, Anwalts- und Wirlschaftsorgani- sationen teil. Zunächst sprach Dr. Dovisat zu diesem Thema: er legt« den Begriff der„öffentlichen Meinung" dar und schilderte, welch grober Unfug mit diesem Wort getrieben werde. Ueber das Wesen der öffentlichen Meinung seien die Auffassungen sehr verschieden. Er schilderte dann, wie die politisch« Willensmeinung und Willens- bildung durch die Nachricht und dos Bild beeinflußt werde. Das Bild sei ein neuer Faktor in der Meiimngsbildung geworden, was man vor allem in Amerika beobachten köyne. Er schilderte dann den großen Einfluß der Nachricht auf die Willens- bildung. Di« amerikanischen Zeitungen brächten in der Haupt- fach« nur Nachrichten, übten dadurch aber kpinen geringeren Ein- fkuß auf die Leser aus. Es komme sehr darauf an, wie die Nach- richt aufgemacht sei und wie die Auswahl unter den bei einer Zeitungsredaktion vorliegenden Nachrichten gatroffen werde. Der Redner betont« dann, wie stark die öffentliche Meinung in Deutsch- land zersplittert sei. Hier erscheinen oft an einem kleinen Ort mehrere Zeitungen ganz verschiedener politischer Richtung. 70 Proz. aller deutschen Zeitungen hätten weniger als 10000 Leser. Dovisat ging dann auf die großen Zeitungskonzerne des Auslands ein. Die gesamte Presse Englands fei im Besitz von vier großen Konzernen. Die öffentlich« Meinung Frankreichs werde von den Pariser Zeitungen beherrscht. Die Konzernierung der deutschen Press« sei nur in geringem Um- fange vorhanden. Denn fünf Sechstel aller deutschen Zeitungen seien noch in Familienbesitz. Der Redner nahm dann zu der Art der Berichterstattung Stellung und erklärt«, die Presse könne ohne sensationelle Nachrichten und Ausmachung nicht arbeiten. Die große politische Presse in Deutschland sei kein Geschäft mehr: die Zeitungs- oerleger erzielten Einnahmen nur aus den Massenblättern. Die Massenpresse müsse, um bei den Lesern Anklang zu finden, an Instinkte der Masse appellieren. Di« deutsche Presse müsse sich aber auch weiter zur Aufgabe machen, staatspolitisch führen zu wollen. Darauf sprach Chefredakteur Georg Bernhard(MÖDI.). Er wies darauf hin, datz jeder Redakteur wissen müsse, zu welchem Leserpublikum er spreche. Der Redner schildert« dann, in welcher Weise die Zeitung verpflichtet sei, das Neuigkeitsbedürfnis des Lesers zy befriedigen. Der Wunsch, Tatsachen durch die Zeitung zu hören, sei immer bei dem Leser vorhanden. Der Redakteur muß die Ledürfnisie des Lesers kennen. Jede Nachricht sei subjektiv. Auch die Gerichtsberichterstattung müsie, wenn sie gut gemacht werde. subjektiv sein. Der Redner erwähnte noch, wie schwierig es sei,«inen guten Bericht über«inen Borgang abzufassen. Es fei unmöglich, das subjektive Empfinden des Berichterstottenden auszuschalten. Auch wenn man eine Zeitung nur aus Nachrichten machen wolle, würde sie nie objektiv sein, da die Nachricht in den meisten Fällen subjektiv sei. kür äie Zeil vom 21. bis 23. Janaar I N O-T A F 1 L PROGRAMM für die Zeit vom 21. bis 23. Janaar mmia Potsdamer Stratjc 36 Revolte Im Ereietumgelmiu mit Wolfö. Lllzcr Rintintin, der KSnt* der Wildnü (6 Akte)_ Rhcinstrafjc 14 Kelche) The Ptldrlm mit Charlie CoapUn Feine Lenle Tembi, 7 Akte aus d. afrik. Wildnis Odeon, Potsdamer Str. 75 The PUdrlm mit Charlie Chaplin Feine Leule Tembi(7 Akte aus d. afrik. Wildnis) Turm strafe 12 The PlldrUn mit Charlie Chaplin Feine Leute Tembi, 7 Akte aus d. alrik, Wildnis Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet: Jngendiragadie mit Emray r, Nagy Se ne Getangene (Abenteuer in 8 Akten) ä Frlcnriehstactt> Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3, 5. 7. 9 Uhr Orr Slndent von Prag Ab Mittwoch: Chaplin, H. Lloyd. B. Keaton Passage-Lichtspiele Unter den Linden 22(Passage) Das grolle Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Jentrum 6082 Die weihe HSlle vom Plz PalO Grohiener(Mensckenleb 1. QefjVr, lugendliche haben Zutritt Weidenhot-Lichtsp. An der Weidendammbrücke Frlediichstr. 136 Woch. 12. Sonnt 3 U. Wir hallen fcsl u Iren tu-onunen Der Frosdi mit der Maske g w o a» 1 1 M Artushof-Lf chts pielc Film- und DOhnensdiaa Perleberger Sir 29 und Stendaler Stf Gaunerllebchea mit Harry Halm bhekonGtkle Hahneosdiau Veit- Kino lt-Moabii 9- Ehe in Not mit Eve ine Holt, W. Rilla uic Gardediva m. Agnes Esterbasy X Charlottenburg Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W 6.30. 9 Uhr, Stg. 3 Uhr Th Manns berühmtester Roman; Die Buddenbrooks mit Mady Christians Jenseits der Strohe mit Lissi Arno Atrium Beba-Palast Kaiserailee, Ecke Berliner Straße Beginn: Täglich 7, 9.18 Uhr Sonnabend und Sonntag: 5, 7, 9.15 Uhr Uraufführung; Die Kaviarprinressln mit Anny Ondra Auf der Bühne: Francardl, Universalkünstler M»thönabarg> Alhambra Schöneberg. Hauptstr. 30 Vier Teniel Sk.avin einer Ehe Auf der Bühne; Harry HUI. Marga Lindl; ein Kind mit Ru'h Fi eher Titania(ut. sÄherg) dauptstralle 49 Beginn 6.30, 9 Uhr Der Pilger mit Charlie Chaplin Tembi(Aus der afrikan. Wildnis) Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 55 Woch. 7. 9. Sonnt ab 5 U. Die Herrin der Liebe mit Grela Garbo, John Gilbert Grotes Beiprogramm Ste 9litz Titania-Palast Steglitz. Schloßsir V Ecke Gutsmuthssu Beg.; 6-30, 9U. Sonntags: 4,6-0, 9 U. Uraufführung: In einer kleinen Kondll orei (Tonli m Tonfilm-Orchester: Sdtmldc-Boelka Südwesten Pflm-Paiasi Kammersäic Teltower Str i W.6, Sbd.5, Stg. 4 Uhr Die weihe KfiJc vom Pia Palü öeiprogramgg Jugendliche bähen Zutritt ■ SadCH» Th. am Morit z platz Beginn: W ab 5 Uhr Stg. ab 3.45 Uhi Der Bund der drei m. lenny Jngo Liehe mit hllsabetb Sergner Vta V v Marlendorfer Sonnt 3 U. I IO—1�1 Lichtspiele lue.-Vorst Chausseestraße 305 W. 7, Stg. ab 5 Oer Frosch mit der Maske nach dem Kriminalroman v.Edgar Südosten U Filmcck B«« w �.s-absu Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Dich hab' Ich geliebt)(Tonfilm) mit Mady CbrlsHans Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 BOhnensdian Sprengbagger 1010 mit H. George Die Rache des Scheichs Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der ersten Vorstellungen; Wochentags 5.30, Sonmags 3 Uhr Die Strahe der verlorenen Seelen mit Pola Negrl(Po!a Negri wegen Krankheit am persönlichen Auftreten ve. hindert) Grohe DOhnenschan Urania-Theater d Wrangelstr II, Köpenicker Brücke Woch. 7. 8 und 9 Uhr. Stg. 3, 5, 7. 9 Uhr Herxblut einer Mutier Zirkus mit Charlie Chaplin Drei Bllhnenaitraktionen > Neukölln 1 Primus-Palast Hermannpiau Beginn: Wochentags: 7. 9.15 Uhr Sonnabd. u. Sonntags: 4.4?, 7. 9.15 Ton- und Sprechfilm; Dich hab' ich gellebt mit Mady Chrlsiians, W. Jankubo Hans Stüwe ICsaLeasLe Wochen a"S 615 U IVUKUK Sonntags ab 4 U. Kottbusser Damm 92 BOimenscuan Rosen b'dhen aal dem Heidegrab Charlie Chaplins Karrte: c lu endliche haben Zutritt Exccls or Woct.en ab 6.15 U. Sönn ags ab 4 U.