Morgenausgabe Nr. 35 A 15 -t?. Jahrgang Döchentvch WPf,«o»atl»4 9.60 9t dn vo?le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt» Geschäft Uindenstrohe S. wochentaglich. von 8'/, bis 17 Uhr. AstttvaSovsan der GoziaSdemvSvaSisOe« Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbot» LL2— LZ7 Telearamm-Adr: So�taldeinokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Bösliche ckkonlo: Berlin L7S3S.— Banttonio: Bank der Arbeiter. Anzestelllrn und Beamten. Wüllitr LZ Dt B u Dikc-Gel. Depvlitcnkaiie Llndenlir S. Schafft Arbeit! Die Spiftenkonferenz der Partei und der Gewerkschaften an Parlament und Regierung. Eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der Spitzen- Körperschaften der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften befaßte sich am Dienstag mit den wachsenden Notständen, die durch die außerordentlich schlechte Lage auf dem Zlrbeitsmarkt entstanden find. Es herrschte E in mutig.?« it. daß die folgenden Maßnahmen als vor- dringlich anzusehen sind: Lei de? Schwierigkeil einer durchgreifenden Arbeitsbeschaffung mit öffentlichen Mitteln ist die Kapitalzuftthr aus dem Auslände eine notwendige Voraussetzung der Besserung. Deshalb muh die sofortige Beseitigung aller inläudischen hemmuageu verlangt werden, die gegenüber Anleihe- aufnahmen bestehen, die auf Grund des Vertrauens ausländischer Geldgeber zur öffentlichen Wirtschaft In Deutschland erhältlich sind. Dadurch könnte über die Gemeinden oder öffentlich-rechtlichen äredUinstitutionen eine wesentliche Belebung des Baugewerbe» und der mit ihm verbundenen Industrien erzielt werden. Um weiteren Industriezweigen Beschäftigung zu schaffen, sollen Reichsbahn und Rcichspost im hinbsick auf ihre im Haag erreichte Beteiligung an der Mobiliflerungsanleihe zur beschleunigten Auftragsvergebung neraulaht werden. Die Ansähe für Bauzwecke und Rot- staudsarbeiten in den öffentlichen Haushalten find vorweg zu verabschieden, damit eine vernünftige Verteilung der Aufträge umgehend erfolgen kann. Gleichzeitig mit allen erforderlichen Maßnahmen zur Schaffung vermehrter Arbeitsgelegenheit, auch durch verstärkte Forlführung der Rotstandsarbeiten, muh bei der Gestaltung de» Reichshausholls der gesteigerte Sozialbedarf für Erwerbslosen» Unterstützung unbedingt sichergestellt werden. Angesichts der großen Zahl langfristiger Erwerbsloser bedarf insbesondere die Krisen- f ü r s o r g e einer Renregelung. » Die immer noch rapid zunehmende Arbeitslosigteii bringt nicht nur Sorgen in den Haushalt des Arbeiters und Ange- stellten. Sie ist zu einer ernste,, Sorge der Staats- Politik geworden. Das im ganzen glückliche Werk vom Haag muß feine die Wirtschaft belebende Wirkung verfehlen, wenn nicht der Staat alle Kraft daran setzt, sofort alle Hem- mungen zu beseitigen, die die Industrie von Aufträgen ab- sverren und das nach Arbeit rufende werktät'ge Volk an der Arbeit hindert. Der Appell der Sozialdemokratischen Partei und des Allgemeinen Deutfcben Gewerkschaftsbundes gibt der Not der Stunde und den Notwendigkeiten des Augenblicks Ausdruck. Der Appell der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften an die öffentlichen Gewalten im Reich zeigt.aber auch den Weg. Deutschland weiß seit der Unterschriftslcistung im Haag, mit welchen Reparationslasten endgültig zu rechnen ist. Der psychologische Druck der ungelösten Reparationsfrage, der die Wirtschaftsinitiative hemmt? und nicht zuletzt auch die Er- giebigkeit der in- und ausländischen Kapitalmärkte verringerte, ist gewichen. Die Kreditwürdigkeit Deutsch- landsimAuslandestehtfest. Der amerikanische und der französische Kapitalmarkt�wartet auf die deutsche Kapital- nachfrage. Die allgemeinen Finanzschwierigteiten in Deutsch- land, besonders die der Städte, die nicht aus ungesunden, sondern aus natüriicherweise schwachen Finanzen sich erklären, brauchen kein Hemmnis für die Arbeitsbeschaffung mehr zu sein. Legaler, produktiver Anleihebedarf kann sich, nachdem die Haager Verhandlungen für die Länder und Kommunen sowie deren Unternehmungen den ausländischen Kapitalmarkt offengelassen haben, sofort in Aufträgen für die Bauwirtschaft auswirken, von wo aus eine Belebung der Gesamtwirtschaft automatisch sich durchsetzen kann. Reichsbahn und R e i ch s p o st haben wie die beut- schen Städte dem natürlichen Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung nicht ausreichend Rechnung tragen können. Sie löimen es jetzt. Das Haager Kommerzialisierungsabkommen weist der Reichsbahn und der Reichspost gemeinsam einen Betrag von 1lX> Millionen Dollar oder rund 400 Millionen Mark aus dem Erlös der Gejamtanleihe zu. Nach letzten Meldungen aus New Port hält die amerikanische Bankwelt die Auflegung der großen Kommerzialisierungsonlcihc bereits in acht Wochen für möglich. Der französische Kap.talmarkt ist seit vielen Monaten auf. diese Anleihe vorbereitet worden Reichsbahn und Reichspost haben deshalb keinen Grund, mit der Vergebung der Aufträge auch nur einen Augenblick zu warten. Die Bevorschussung der mit den Unterschristel, im Haag gesicherten Anleihe ist eine technische Angelegenheit. Der ausläiidische und auch der deutsche Geldmarkt ist so reichlich „ud billig, daß Reichsbahn und Reichspost sofort ohne Zeitverlust zugreifen können. Die hier mögliche augenblickliche Belebung der Wirtschaft kann für den Umschwung der Wirt- schoftsentwicklung geradezu entscheidend werden, wenn nur sofort gehandelt wird. Ebenso berechtiat ist die Forderung an die öffentlichen Körperschaften, die für Bauzwecke und Notstandsarbeiten in den öffentlichen Haushalten vorweg zu verabschieden. Seit Jähren arbeiten Reich. Länder und Kommune', daran, d'e pur mit dem Lauf des Etatsjahres von April zu April sich ergebenden Häufungen öffentlicher Bauten in ohnehin arbeits- reichen Jahreszeiten zum Ausgleich der Konjunktur besser zu verteilen. Nie war eine Vorwegnähme solcher Arbeiten zweckmäßiger und dringender als jetzt. Freilich— der beste Wille zum Wirtschaftsaufbau und zur schnellen Arbeitsbeschaffung kann an innerpolitischen Fak- toren scheitern, die, politisch niemanden verantwortlich, un- verantwortlich großen Schaden anrichten können. Wir meinen die Politik des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, die die Ballung der jek'gen hocbernsten Lage eigentlich erst hervorgerufen hat. Gegen diese Faktoren müssen Garantien geschaffen werden, und zwar bald. Diese Garantien sind eine der wichtigsten Voraussetzungen, ohne die die beste Wirtschafts- und Staatspolitik, weil ihr jede Kontinuierlichkeit fehlen muh, zum Scheitern verurteilt wäre. » Mit unserem Kampf gegen den Reichsbankvräsidenten Schacht beschäftigt sich die Korrespondenz der Bayerischen Volkspartei in längeren Ausführungen. Sie ist weit davon Hindenburgs Dank und Anerkennung. Räch einem Vortrag von Eurtiuo. Amtlich wird gemeldet: Relchsmlnifler Dr. Curtlus erstattete heute nachmittag dem herru Reichspräsidenteu iu auefühltichem Dortrag Bericht über die Verhandlungen der Konferenz lm h a a g. Der Herr Reichs- Präsident sprach nach Entgegennahme de» Berichts dem Reichsaußen- minister Dr. Curtins und der deutschen Delegation seinen Dank und seine Anerkennung für ihre Arbeit und ihre Haltung aus. ★ Für die Deutschnationalen und ihre rechtsradikalen Bundesgenossen ist diese amtliche Mitteilung ein neuer schwerer Schlag. Noch gestern sprachen nationalistische Blätter die Erwartung aus, daß Hindenburg es ablehnen würde, das Haager Ergebnis, das angeblich neue Belastun- gen und Demllt'qungen für Deutschland in sich schließe, zu decken. Statt dessen spricht er dem Leiter der Delegation und seinen Mitarbeitern„seinen Dank und seine Anerkennung" aus. Es bleibt demnach den Hugenbergern nichts anderes übrig, als wieder einmal zu behaupten, daß Hindenburg be- wüßt falsch unterrichtet worden sei. Aber diese abgedroschene Ausrede verfängt nicht mehr Wieder einmal hat der „Retter", als den die Schwarz-Weiß-Roten einst Hindenburg zum Staatsoberhaupt wählen ließen,„versagt". Sie müssen sich in Ermangelung der Hilie des Reichspräsidenten Hinden- bürg nunmehr an den Reichs dank Präsidenten Schacht halten. Heute Oaueksihuna des Kabinetts. Das Re ich s kah In ett tritt heute vormittag um 11 Uhr zu einer Sitzung zusammen, die sich mit den Ergebnissen der Haager Konserenz beschäftigen wird. Die Sitzung wird vor- aussichtlich den ganzen Tag in Anspruch nehmen. entfernt, das törichte Gerede jener mitzumachen, die da be- Haupte», die Sozialdemokratie wünsche aus der Regierung auszuscheiden und bediene sich dabei des Falles Schacht als Vorwand. Aber eben, weil sie das nicht glaubt, findet sie unseren„über alle Maßen scharf geführten Feldzug" nicht verstänfclich, denn es handle sich um ein Unternehmen, dessen „Fiasko" von varnhere», feststehe. Denn welche Fehler immer Schacht begangen haben möge— die bürgerlichen Parteien würden doch nicht die„katastrophale politische Torheit" begehen, Herrn Schacht„aus Wunsch der Sozialdemokratie" in die Wüste zu schicken. Warum die Entfernung Schachts aus seinem Amte eine „katastrophale politische Torheit" sein soll, wird nicht näher ausgeführt. Offenbar meint das Organ der Bayerischen Volkspartei, alle politische Weisheit bestehe darin, stets dos nicht zu tun, was die Sozialdemokratie für richtig hält. Nach diesem einfachen Rezept wird ja in der bürgerlichen Mitte sehr häusig versah, en, und darum ist das, was wir hier zu jagen haben, eine Antwort nicbt nur an die„Bayerische Volkspartei-Korrespondenz", sondern auch an viele andere........... �' Ihnen sei zunächst dies gesagt: Als Partei haben wir von einem„Fiasko" nichts zu befürchten. Das„Fiasko" g?- hört vielmehr sozusagen zu unseren besten Parteitraditionen. Vor dem Kriege erlebten wir zum Beispiel ein„Fiasko" nach dem andern, wenn wir für Demokratie und parlamentarisches System eintratet,. Hätte die bürgerliche Mitte mit uns erkannt, daß die Befreiung von Klassenwahlrecht und persönlichem Regiment für das deutsche Volt eine Lebensnotwendigkeit war. und hätte sie dementsprechend gehandelt, so wäre uns manches er- spart geblieben. Aber die bürgerliche Mittel Identifizierte sie sich etwa mit dem Klassenwahlrecht und, dem persönlichen Regiment? O nein— aber mit der Sozialdemokratie zusammengehen, um Unhaltbares, Schädliches zu beseitigen, das konnte sie nicht, das hielt sie für„eine katastrophale politische Torheit". Im November 1908 nach dem„Daily Telegraph"-Inter- view waren die Dinge reif und überreif. Aber das Bürge rt um hatte mehr Angst vor der Ar- beiterklaffe und de in Soziallsmus, als Vaterlandslie b e. Darum blieb uns Wilhelm der Ab- solute noch zehn segensreiche Jahre länger erhalten. Vor dem Krieg wollte die Sozialdemokratie die V e r- ständigung mit Frankreich und England. Sie erlebte damit ein„Fiasko" nach dem andern. Und genau so erging es ihr während des Krieges mit ihrem Kampf gegen den unbeschränkten U-Boot-Krieg und den Annektionismus. Fiasko über Fiasko! Denn die bürgerlickze Mitte— sollte sie etwa den Wunsch der Sozialdemokratie erfüllen? Nc:n, diese „katastrophale politische T-icheit" beging sie nicht. Die Folgen haben wir erlebt. Das„Fiasko", dos man uns angekündigt, schreckt uns also gar nicht, was unsere Partei angeht, aber es erfüllt uns mit Sorge, soweit es Deutschland betrifft. Den Kampf gegen Schacht führen wir um Deutschlands will?» als einen grundsätzlichen Kampf für die Volts- Herrschaft gegen die Diktatur der Hoch- f i n a n z. Und wir führen ihn abermals um Deutschlands willen als einen Kampf für die ausrichtige Verständi- gung mit unseren ehemaligen Kriegsgegnern und für die ehrliche Erfüllung übernommener Verpflichtungen. Sieht die bürgerliche Mitte n'cht, daß die Unterwerfung der deut- schen Demokratie unter die Herrschaft des Bankkapitals eine nationale Schande ist? Und sieht sie. weiß sie nicht, daß sich Schacht durch sein ganzes Treiben als Mittelsmann zwischen Deutschland und dem Ausland unmöglich gen, acht hat? Ach, sse sieht das, sie weiß das— aber die Sozialdemokratie hat als erste diese Erkenntnis ausgesprochen und ihre Kon- seguenzen aufgezeigt. Grund genug, für besorgte Warner Finger und Stimme zu erheben:„Aufgepaßt, di� Sozialdemokratie w'll etwas— nun tut gerade das Gegenteil! Wir wollen trotz der Prophezeiung aus München die Hoffnung nicht aufgeben, daß die bürgerlichen Koalitions- Parteien nach gründlicher Unterrichtung und Ueberlegung der sozialdemokratischen Forderung entsprechen und tun werden. was im Interesse des deutschen Voltes notwendig ist. � Tun sie es aber nicht, so werden sie sich nicht beklagen dürfen, wenn man sie für den Schaden verantwortlich macht. Ltnierbrochene Roggenverhandlungen. Die Wirkung der ruisischen Rogaenexporte. Aus Warschau wird gemeldet, daß die deuksch-polalschea Roggen- auefuhrverhaudlungen unterbrochen worden sind. Der deutsche Ver- Handlungsführer, der Reichskommissor sü> landwirtschaftliches Markt- wesen, Genosse Dr. Vaade, ist am Montag nach Berlin abgereist. Heber den Stand der deutsch-polnischen Roggenver- Handlungen, die auf die Schaffung einer Exportregulierung für deutschen und polnischen Roggen hinauslaufen, erfährt der „S o z. Pressedienst"', daß von einem Scheitern kein« Rede sein kann. Di« Interessenten in beiden Lagern bezeichnen die Situation nach wie vor als günstig und hoffen auf einen Erfolg der Be- sprechungen. Es darf andererseits jedoch nicht verkannt werden, daß die seit Wochen zu beobachtenden russischen Getreideexporte die Lage komplizieren. Exportiert wird von Rußland be- sonders Roggen. Es handelt sich um besten Kontinentalroggen, der hochwertiger als der deutsche bzw. der polnische Roggen ist. Wir beurteilen im übrigen die Lage so, daß die russischen Exporte, die deutsch-polnischen Exportverhandlungen nicht unterbinden werden. Jedoch ist angesichts der russischen Exporte eine erheblich« Besserung der Roggenpreise zunächst selbst dann nicht zu erwarten, wenn die deutsch-polnischen Besprechungen In Kürze zu einem Erfolg führen sollten. Brandenburger Wahlen. Kampf um den Staatsrat. Im Brandenburgischen Provinziallandtag fanden am Dienstag die Wahlen zum Preußischen Staatsrat statt. Es waren drei Listen eingereicht, die erste von der Brandenburgifchen Heimatiiste(Deutschnational«, Christlichnationale Bauern, Deutsch völkische Freiheitspartei, Stahlhelm) gemeinsam mit den National sozialisten und der Wirtschaftspartei, die zweite von den Sozial- demokraten, die dritte von der Deutschen Bolkspartei und dem Block der Mitte. Bei der Abstimmung entfielen auf aus den ersten Wahl' Vorschlag 43 Stimmen der genannten Parteien, auf den zweiten 29 Stimmen der Sozialdemokraten und auf den dritten 1l> Stimmen der Deutschen Volkspartei und des Blocks der Mitte. Es find sonnt zum Staatsrat gewählt: Rittergutsbesitzer Nicolas-Rostin(cheimah liste), Goldschmiedemeister Höhne-Nowawes(Wirtfchastspartei), Stadtrat Hänchen- Guben(Soz.), Stadtrat P r i e f e r t- Raths now(Soz.), Fabrikbesitzer Kehrl-Kottbus(Deutsche Volkspartei). Vom Wahlvorschlag II wurden zu Stellvertretern gewählt: Geschäftsführer Dörr-Kotaus(Soz.) und Lehrer La G ränge Nowawes(Soz.): zu Ersatzmännern Geschästsführer Doutz Küftrin(Soz.) und Regierungsdirektor Wagner- Potsdam(Soz.). Anschließend' wurde die Wahl des Borsitzenden des Provinzialausfchufses vorgenommen. 44 Stimmen der Sozialdemokraten, des Blocks der Mitte und der Deutschen Volks- Partei entfielen auf Landrat Dr. S w a r t- Landsberg o. d. W. (Deutsche Bolkspartei). 43 der(dcutschnationalen) Heimalliste, der Wir'fchafts Partei und der Nationalsozialisten auf Landrat v. Man- bart-Züllichau, den bisherigen Vorsitzenden des Prooinzialauz- schusses, und 9 Stimmen auf einen kommunistischen Kandidaten. In de? Stichwahl wurde Landrat Dr. Swart mit abermals 44 Stinnnen zum Vorsitzenden des Provinzialausfchufses gewählt. Vergehen gegen das Eigenwm. Erpressungsparagraph in neuer Fassung. Der St rafgssetzausschuß des Reichstags beriet am Dsenstog die Beftiminungen über Not. Diebstahl und Mundraub, für welche Delikte(Entwendung von Sachen geringen Wertes aus Not bzw. von Nahrung»- oder Genußmitteln oder Gegen- ständen des hauswirtschaftlichen Verbrauchs in geringer Menge oder von geringem Werte zum alsbaldigen Derbrauch für sich oder feine Angehörigen) der Gefetzentwurf Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten oder Geldstraf« androht. Die Verfolgung soll nur auf Verlangen des Verletzten geschehen. In besonders leichten Fällen soll das Gericht von der Strafe ganz absehen können. Dr. R o s e n f e l d begründete einen Antrag auf Herabsetzung der Höchststrafe auf sechs Wochen, indem er darauf hinwies, daß auch das geltende Gesetz«in« höher« Freiheit�» strafe als sechs Wochen nicht kenn«. Wenn auch nach der Systematik des neuen Strafgesetzes Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten das Gegebene sei, so solle man doch um der Systematik halber nicht höhere Strafe sestsetzen, als wegen der sachlichen Bedeutung des Delikte geboten sei. Nach kurzer Debatte wurde der sozialdemokrotrsche Antrag an« genommen. Ferner beschloß der Ausschuß auf sozialdemokratischen Antrag. die Reicheregierung zu ersuchen, dem Reichstag« einen Gesetzentwurf zur Regelung des Feld- und Forst rechts vorzulegen. % 338 droht wegen Raube» Zuchthausstrafe demjenigen an. der mit Gewalt gegen eine Person oder durch Drohung mit gegen- wärtiger Gefahr für Leib oder Leben einem anderen eine fremde beweglich« Sache in der Absicht wegnimmt oder abnötigt, sich oder einen Dritten durch Zueignung der Sache zu bereichern, ß 333 wurde in dieser Fassung angenommen. Nach Z 339 soll wegen Erpressung mit Gefängnis nicht unter einem Monat, in besonder» schweren Fällen mit Zucht- haus bis zu zehn Jahren derjenige bestraft werden, der in -der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmäßig zu bereichern. jemanden mit Gewalt oder durch gefährliche Drohung zu einer Handlung. Duldung oder Unterlasiung nötigt, dl« für das Vermögen des Genötlaten oder«ine» anderen nachteilig ist. Abg. Dr. Rosen feld erkannt« an, daß durch die vor- geschlagen« Formulierung jener Rechtsprechung endgültig ein Ende gemacht werden soll, welche vor dem Kriege zur Anwendung des Erpressungsparagraphen gegen die Arbeiterbewegung führte. Da- durch, daß der Gesetzentwurf als gefährlich« Drohung in 8 9 eine Drohung mit Gewalt voraussetzt, sei. nunmehr ein Mißbrauch des Erpressungsparagraphen bei Streiks ausgeschlossen. Es sei er- sreukich, daß gegen die jetzige Fonnulierung von niemandem mehr Widerspruch erhoben wurde, daß also der.ganze Reichstag. einig darin sei, der. mißbräuchliche» Anwendung des Erpressungsparagraphen bei Streiks einen Riegel vor- zuschieben..;••... Nach kurzer Debatte wurde Z 339 nach der Regierungsvorlage angenommen. Der Reichskanzler hat an die Witwe des Genossen Dr. Max Ouarck das folgende Beileidstelegramm gesandt:»Zum Tode Ihres Gatten, der auf so vielen Gebieten de» öffentliche» Lebens fünf Jahrzehnte langHervorragendcs geleistet Kät. dessen Name besonders in der Geschichte der deutschen Sozialpolitik douernd genannt werden wird übermittle ich Jhi»?n den Ausdruck meines herzlichsten Beileides.'' payer verläßt seine Partei. Die Folgen der demokratischen Bürgerblockpolitik. Die demokratische Londesvertretung Württembergs Hot, wie wir mitteilten, mit geringer Mehrheit beschlossen, gemeinschaft- lich mit der Deutschen Bolkspartei in die bestehende Bürger- blockregierung Bolz-Bazille einzutreten. Unmittelbar nach Bekanntwerden dieses Beschlusses ist die Ernennung eines demokratischen Wirtschastsministers für Württemberg erfolgt und der Oeffentlichteit bekanntgegeben. Es war zu erwarten, daß die mit nur ganz wenigen Stimmen Mehrheit erfolgte Stellungnahme der Landesoertretung in der alten Demokratischen Partei Württem- bergs tiefe Erregung und langwierige Auseinandersetzungen hervor- rufen würden. Als erste Folg« ist eingetreten, daß der alte langjährige Führer der süddeutschen Demokraten, Friedrich Payer, seinen Austritt aus der württembergischen Landes- organisation der Demokratischen Partei erklärt hat. Payer, der Ehrenvorsitzender in der Reichsorganisation der Demokraten ist, will dieser letzteren weiter angehören, aber mit der bürger- blocktreuen Landesorgonisation nichts mehr zu tun haben. Er erklärt, daß sein Austritt aus Gründen der politischen Reinheit erfolge, di« er für unabweisbar hielt. Er hat seinen Schritt reiflich erwogen und es hat ihn sehr erregt. daß er bei sorgfältigster Prüfung zu keinem anderen Ergebnis zu kommen vermochte. Er hält jedoch an seiner Entscheidung fest und hat Infolgedessen auch die Versuche der Pattei, ihn zur Zurücknahme seiner Austrittserklärung zu bewegen, abgelehnt. Mit Friedrich Payer gemeinsam sind auch seine Fennilten- Mitglieder, sein Sohn Fritz Payer, früher Bürgerausschuß-Vor- sitzender der Stadt Stuttgart, seine Tochter Frau Dr. Müller- Payer, Mitglied der verfassunggebenden Landesverfammlung Württembergs� und Rechtsanwalt Dr. M ü l l« r- P ay e raus der Demokratischen Partei Württembergs ausgetreten. Herr v. Payer Ist nicht irgendwer in der politischen Geschichte Deutschlands. Als Stuttgarter Rechtsanwalt hat er vor Jahr- zehnten schon die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. In der damals noch bestehenden„Süddeutschen Volkspartci�, die die Ueberlieferung des demokratischen Gedankens im Bürgertum pflegte, war er mit den beiden Brüdern H a u h m a n n führend tätig. Schon feit 1877 und mit nur kurzen Unterbrechungen bis 1917 war er Mitglied des Deutschen Reichstags, immer ein Vertreter der besonderen bürger- lichen demokratische» Richtung, auch innerhalb der späteren „Freisinnigen" und„Fortschrittlichen Volkspartei", mit der sich die Süddeutsche Volkspartei verschmolzen hatte. Im November 1917 trat Payer im Einverständnis mit der Sozialdemokratie und ge- wissermaßen auch als deren Vertrauensmann in die kaiserliche Reichsregierung als Vizekanzler ein. Dieses Amt hat er bis zur Revolution innegehabt. Nach der Revolution wurde er wieder demokratischer Abgeordneter in der Nationalversammlung. Der heute fast 83jährige Demokrat wird durch' die neuere Entwicklung seiner schwäbischen Parteifreunde von Entsetzen gepackt und verläßt die Organisation, deren Mitbegründer er gewesen ist. Es zeigt sich in Württemberg w:e in vielen Städten des übrigen Reiches, daß sich viele Demokraten mehr hin- gezogen fühlen zu der gemeinsamen bürgerlichen Front als zu der republikanisch«� zu deren Ausbau und Verteidigung ihre Partei gegründet wurde. Die Anhänger des Bürgerblocks in Württemberg sind natürlich um Ausreden nicht oerlegen. Sie erklären jetzt, ihr Eintritt in die Rechtsregierung sei nicht erfolgt aus Liebe zu den Deutsch- nationalen, sondern aus Rücksicht auf die Deutsch« Volkspartei, mit der sie in Annäherungsverhandlungen standen, und wiel sie hoffen. in der Regierung bestimmte Wirtschasisforderungen in demokratischem Sinne leichter durchsetzen zu können. Wie ein wirk- l icher Demotrat über diese Ausreden denkt, zeigt das Ver- halten des Herrn o. Payer. Es ist damit zu rechnen, daß dex Aus- tritt dieses demokratischen Veteranen noch weitere Auseinander- setzungen in der schwäbischen Landesorganisation noch sich zieheii und auch im Reichsmahstabe sich bemerkbar machen wird. Demokratische Bürgerblöckler— auch in Hannover. Hannover, 21. Januar.(Eigenbericht.) Der Provinziallandtag für die Provinz Hannover wählte am Dienstag- von den-Demokraten bis zu den Nationalsozialisten den welsischen Rechtsanwalt Hagemann-Derden mit 56 Stimmen zum Präsidenten Aus den langjährigen sozial- demokratischen Präsidenten Landrat Still« entfielen 39 Stim- men der Sozialdemokraten und 16 Stimmen des Zentrums. Di« Sozialdemokratie verzichtete nach dieser offenen Verletzung par- lamentarischer Gepflogenheiten auf die Entsendung eines Ver- treters in das Präsidium. Landwirischast im Landtag. Was tut der Staat für Pferdezucht? Der Preußische Lemdwg trat am. Dienstag, dem 21. Januar, zu seiner ersten Sitzung, nach d«n Wechnachnachtsferien wieder zu» sammen. Zunächst gedachte der Präsident Bartels des inzwischen verstorbenen Abg. Thiel«. Waldenburg(Soz.), der dem preußischen Parlament seit der Verfassunggebenden Landesversainm- lung angehörte. An Stell« des Abg. Thiel« ist der Abg. Schößler (Soz.) elngetreten. Sodann beantragt Abg. Kaspar(Komm.) einen Antrag auf die Tagesordnung zu setzen und anzunehmen, der die Hasienllassung des in Worms anläßlich einer Demonstration verhafteten Abg. Müllcr-Hessen(Komm.! verlangt. Das Haus beschlieht so. Einem weiteren Antrag der Kommunisten, sofortig« Auf« Hebung des Demo» st ratio nsoerbotes des Innen- Ministers zu beschließen, kann nicht entsprochen werden, da gegen die Aufnahme diese» Antrages in die Tagesordnung von den Sozial- demokraten Widerspruch erhoben wird. Das Hau» tritt hierauf in die Tagesordnung ein und verabschiedet ohne Aussprach« ein« ganze Reihe vo» Vorlagen und Anträgen nach den Vorschlägen de» Landwi rts chait sau sschu ss e s. Ebenfalls obne Debatte wird— nach dem Antraa de» Geschäfts- ordnungsaueschusses— die Zahl der Beisitzer im Präsidium von acht aus zwölf erhöht, Es folgt di« Beratung eines Antrages des Gescbästsordnungs-- ausschusses. die nachgesuchte Strafverfolgung des Abg. Kerrl- Pein«(Nat.-Soz.) wegen Beleidigung der Reichsregierung durch die Presse abzulehnen. Abg. Krüger-Brandenburg(Soz,)«eist als Berichterstatter daraus hm. daß der Antrag de» Ausschusses auf Ablehnung der Strafverfolgung mit Sliininciigleichheit' gefaßt ist. Wegen der Schwere der Beleidigung aber, der Abg. Kerrl hatte u. a. behauptet, daß die Reichsregierung junge deutsche Männer und Frauen an das Ausland verschachern wolle, müsse er im Namen der Regierungsparteien den Antrag stellen, entgegen dem Ausschußbeschluß die Immunität de» Abg. Kerrl aufzuheben. Abg, Sube(Nat,»Soz,) beantragt dagegen die Rückverweisung der Angelegenheit an den Geschästsordnungsausschuß. Di« im Hammelsprung vorgenommen« Abstimmung ergibt di« Annahm« aus Rückoerweisung. Hieraus wird in zweiter Lesung und als erster in der Reihe der Ewzeletats für 19Z0 der Etat der Gestülsverwaliung behandelt. Nach den« Berichterstatter Abg. von Plehwe(Dnat.) nimmt da» Wort.. Landwirtschastsminister Dr. Sieiger: Der Pserdebestand m Preußen ist um mehr als 60 000 Stück zurückgegangen. Auch die Einfuhr von Pferden ist nicht auf derselben Höhe geblieben wie rüher. Die Gestütsverwaltung muß auf eine größere Erzeugmrg von Arbeitepserden und von Oualttätspserden Wert legen. Dabei ist die Frage des warmen Blutes und des kalten Blutes immer noch umstritten, Di« Tätigkeit der Reitervereine müsse anestamii werden. Aber diese sollten sich nicht politisch betätigen. Einem weiteren Abbau staatlicher Gestüte sollte man nicht mehr das Wort rede»....,,' Abg. Irau Mohlgemulh(Soz.): Wir begrüßen das Bestreben der Gestütsverwaltung, nur solche Pferde zu züchten, die• der Londwirtschast am meisten nützen. Das ist die Züchtung des Halbblutpferdes.. Mit der Unterstützung privat- zenossenjchastticher Hengsthaltung sollte der Staat, namentlich in, Ostpreußen, vorsichtig fei». Es Ist ein unmöglicher Zustand, wenn der Staat solche Genossenschaften bis zum letzten finanzieren muß. (Sehr wahr! bei den Soz.) Entgegen ihrem früheren Verhatten sind die Koiymunjslen diesmal in. ihrer Kritik ari der Gestütsverwaltung merkwürdig still gewesen/ Das nwg seinen Grund darin höben, daß die staatlichen S o w set g e st ü te zu den deutschen Traber- rennen. Rennpferde' herüberschickten mtt allen dazu gehörigen Personal, von den Wärtern angelfangen bis zu den Tierärzten.(Hort, hört! bei den Soz.) Luch diesmal hafc« wst wleder einen«-trag eingebracht, 3 Millionen von de», 7.. Zuschüssen an die Renaoereive ja streichen. Dir sind der Auffassung, daß die Gelder bei der heutigen y�anznoi des Staates an anderen Stellen besser gebraucht werden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Und dieser Antrag ist um so mehr berechtigt, als wi« wissen, daß einzeln« Beamte in solchen Korporationen aus diefeü Zuschüsse» Gehälter beziehen, die Ministergehälter noch übersteigen. Der Minister kann auch nicht im Ernst daran denken. Rennverein« zu unterstützen, deren Geschäftssührer, wi« Herr von Mirbach, anläßlich einer Preisstiftung des Herrn Laud- wirtschaftsministers in be.zug auf diesen ein Wort gebrauchte, das durch weiland Götz von Verlichingen populär geworden ist(Sehr wahr! bei den Sozi) Die Reitervereine sind durchwegrealtio- n ö r und gebrauchen die Staatszuschüsse zum Kampf gegen die Republik. Wir werden deshalb diese Zuschüsse ablehnen. Dir Rednerln bringt sodann«ine Reihe personeller Beschwerde!! vor. Sie bittet insbesondere di« Frage zu prüfen, ob nicht den Ge- stütswärtern, die bei der Besoldungsneuordnung besonders schlecht weggekommen sind, nach 25jähriger Dienstzeit eine Ausrückmigs- Möglichkeit zmn Obergestütewärter gegeben werden kann. Sie krtti- siert auch insbesondere die Nichtachtung gesetzlicher Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes bei der Entlassung von 190 Land- arbeitern des Gute» Vorwerk Trakehnen, obwohl Arbeit für diese Leute zweisellos vorhanden gewesen wäre. Ein solches Ver- fahren sei in dieser Zeit der steigenden Erwerbslosigkeit und Finanz- not von einer Behörde unerträglich.(Beifall bei den Säz.) Abg. Schulze-Stapen(Dnatl.) fordert die Züchtung eines zustn Wirtschafte. Pferdes. Die Angriffe der Vorrednerin aus die Reiterverein« seien unberechtigt. Abg. Roeingh(Ztr.) bedauert die Abstrich« am Etat, di« nicht Im Interesse der Pferdezucht lieget. Der Kamps zwischen Motor und Pferd scheine abgeschlossen zu sein, da sich herausgestellt Habs, daß ein Gespann immer noch billiger ist als ein Motor. In den Grenz- gebieten müsse noch schärfer gegen die P f« rdesch mu g gl e r vor- gegangen werben. Sollte sich bewahrheiten, daß die Rennrerein« die Staatszuschüsse zu reaktionären Zwecken gebrauchen, so müsse diesen der Brotkorb höher gehängt werden.. Abg. wachhorst de Wenk«(Dem.) ist der Auffassung, daß beim Gestütsetat noch weiter eingespart werden könnte. Diese Ersparnisse müßten aber der Landwirtschaft wieder zugute kommen. Vor allem müsse die Kaltblutzucht mehr gepflegt werden. Hierauf wird die Wcitcrberatung des Etats auf Mittwoch 12 Uhr vertagt.__ Die Bombe gegen die Bank. vas Urteil im Hannoverschen Eprenglioffprozeß. Hannover, 21. Januar. Am Dienstagnachmittag verkündete da» Schwurgericht das Urteil gegen die Brüder Heinrich und Friedrich Buchholz aus Bergen an der Dummer, die wegen S p r. e n g st o f f v e r- b r c ch e n s gegen die Vorschuß-Lcretnsbank in Hannover, enge- klagt waren. Das Urteil lautete für. Heinrich Buchholz auf. vier Iahre'Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von vier Iahren sowie Stellung unter Polizeiaus- ficht. Friedrich Buchholz' erhiell acht Monate Gefängnis, aus die die Untersuchungshaft von fünf Monaten angerechnet wird. ZNinisterwechsel in Sachsen. Der sächsssch« Ministerpräsident hat den alssozialistische» Minister E l s n c r von dem Antte des Arbeits- und Wohlfahrtsmimsteriums entbunden und den Minister des Innern Richter beauftragt, bis auf weiteres die Geschäfte des Arbe. ts- und Wohlfahrtsministers zu übernehmen. Richter ist Fachmtnister, der der Deutschen Bolkspartei nahe steht. Krawalle am Friedrichshain. -1300 Personen nach Waffen durchsucht. Die Nationalsozialisten hielten gestern abend am Friedrichshain eine Versammlung ab, in der der Nationalsozialist Mossakorosti rese rierte. Die Kundgebung nahm einen sehr stürmischen Verlauf, da sich zahlreiche Kommunisten in den Saal Einlaß ver schafft hatten und durch Zwischenrufe Störungen herdeizu. führen suchten. Mehrere der Krakeeler mußten von der Polizei ab* geführt werden. Da in der Umgebung des Frtedrichshains sich größere Gruppen Kommunisten angesammelt hat«n und so die Gefahr bestand, daß es zu blutigen Zwischenfällen kommen könnte, hatte die Palizei ein großes Aufgebot von Beamten dorthin beordert. Mehrfach kam es zu kleinen Zwischenfällen und Schlägereien, so daß die Polizei, wiederholt die Straßen und einen Teil des Friedrichshains freimachen mußte. Bis um 2S,15 Uhr wurden zehn Personen fest genommen, die sich den polizeilichen Anordnungen widerfetzt hatten und die außerdem im Besitze von Stich- und Hiebwaffen angetroffen worden waren. Als die Kundgebung der Nationalsozialisten, die von etwa 1300 Personen besucht war, gegen 23 30 Uhr ihr Ende erreicht hatte, hatte die Polizei sämtliche Ein- und Ausgänge besetzt und schritt zur Durchsuchung nach Waffen. � Dt« Beamten, die bei Bekannt- gäbe ihres Vorhabens mit großem Hällo und Protestgefchrei emp- fangen wurden, griffen aber energisch durch und nach etwa einer Stunde war die Durchsuchung beendet. Beim Abmarsch der ersten nationalsozialistischen Trupps kam es zwischen diesen und Kommunisten zu einer größeren Schlä- gerei. Mehrere Personen wurden dabei verletzt. Dl« Polizei griff sofort ein und nahm mehrere Verhaftungen vor. Wie noch bekannt wird, wwrde bei einer Schlägerei, die sich während der Versammlung im Innern des Saales entwickelt hatle, ein Teil der Saaleinrichtung demoliert. Zahlreiche zerbrochene Stühle und Bierseidel bedeckten den Fußboden. Die posaunen von Jericho. Geblasen von Hugenberg und Stubbenborf. Die D« s p e r a d o p o l i t i k, die im Lager Hugenberg fetzt als die große Mode betrieben wird, findet bei ollen einigermaßen veruünftiyen bisherigen Anhängern der deuffchnationalen Ideologie lebhaften Widerspruch, auch nachdem die bekannte- Absplitterung aus der Reichstagsfraktion und der Partei schon erfolgt war. Neuerdings nimmt der fränkische Bauernabgeordnete Bach mann in einer Hugenberg nahestehenden Zeitungskorrespondenz das Wort, um gegen gewisse Ueber treibungen deutschnatio naler Landbündler sich zu wenden. Da ist z. B. der deutschnational« Abgeordnete o. Stubbendorf. dem Bachwann vorwirft, daß er die Parteien der nationalen Opposition über das fachlich not- wendige Maß hinaustreiben wolle. Der Landwirt wie der Mensch überhaupt, sagt Bachmann, leb« nicht von Forde- rungen. sondern von dem. was er für sich und seinen Stand erreiche. Das könne nur in mühseligen, im einzelnen unbesrkdi- genden Etappen geschehen. Der Weg zum praktischen Erfolg geh« aber nun einmal durch da» Parlament. Stubbendorf hoffe aus den»Retter", der einmal„das Heft in die Hand" nehrvc. Aber erst müsse dieser Mann, selbst wenn er vorhanden wäre, doch einmal das Heft in die Hand bekommen. Das ging« nur auf illegalem oder legalem Weg«. Den illegalen, den Putsch. werde Ewdbendorf doch wohl ablehnen. Tiber den legalen wolle er anscheinend auch nicht. E» bleib« also nur übrig, daß er aus- ein baldiges Wunder hoffe. Auf ein solches Wunder zu warten und in dieser Erwartung mit agitatorischen Forderungen die Posaunen von Jericho zu blasen. könne man der deutschen Landwirtschaft in ihrer jetzigen Lag« nicht empfehlen. Sie müsse vielmehr unboschodct aller weiteren Hofs- nungen. Dünsche und Forderungen alle gegebenen Mög- lichteiten ausnutzen, utn Schritt für Schritt den Zielen der völligen Wiederherstellung näher zu kommen. Sonst könnte auch der Retter, wenn er eines Tages kommt, nicht mehr viel zu retten vorfinden. * Da» sind sehr vernünstige Worte, die der fränkische Land- bündler seinem norddeutfch-preußischen Kollegen verseßt. Man darf wohl annehmen, daß es noch inehr Leute bei den Hugenbcrgern gibt, die so vernünftig denken, wenn sie auch nicht alle den Mut finden, so offen heraus zu sagen, was es mit der Katastrophen- theorie ihres Führers auf sich hat. Di« vernünftigen Ansichten aber können sich natürlich nicht nur auf die Interessen der Land- Wirtschaft beschränken. Sie gelten vielmehr für alle Gebiet« des politischen Lebens. Flucht vor Hugenberg. Leipzig. 21. Januar. Die Stadtverordneten Schmidt und Franke, die beide auf der deutschnationalen Liste ia dos Stadtverordnetenkollegium gewählt worden sind, haben erklärt, daß sie ihre Bindung zu der deutsch- nationalen Gruppe in der bürgerlichen Stadtoerordnetensrattion gelöst hätten. Sie wollen als Hospitanten bei der Deutschen Volkspartei eintreten, aber nicht aus der Deutschnationalen Volks- parte! selbst austreten. Die Demschnattonole Partei Leipzig teilt hierzu mit. daß sie das verfahren auf Ausschluß aus der Partei gegen diese beiden Stadtverordneten in die Weg« leiten werde. Zenirum gegen Wissel!. Ein Schreiben des Reich??an,lerS an Or. Brüning. Reichskanzler Müller hat dem Vorsitzenden der Zeittrum«- fraitlon des Reichstages, Dr. Brüning, auf desien am 16. d. M. an den Reichskanzler gerichtetes Schreiben mit folgendem Schreiben geantwortet: „Zu dem in dem Beiblatt der Morgenausgabe Nr. 26 des „Berliner Tageblatts" vom 16. Januar 1030 unter der Ueberschrift „Fort mit den Lügen!" veröffentlichten Artikel des Herrn Reichs- arbeitsmlnister» Wtssell zu§ 218 des Reichsstrafgesetzbuches(§ 254 de» Entwurfs) hat der Herr Reichsapbeitsminifter erklärt, daß die Ueberschrift„Fort mi t L ü g e n!" nicht von ihm stamme, sondern ein Zusatz der Redaktion des„Berliner Tageblatts" sei, und daß seine Unterschrift auch nicht de» Zusatz„Reichsorbeitsminjster" getragen habe. Ich darf hierzu mitteilen, daß der Herr Reichsjustiz- minister bei seinen in der 68. und 70. Sitzung des Strafrechts- ausschusse« am«. und 11. Juni 1929 zu dem§ 218 abgegebenen Erklärungen gemäß seiner durch Artikel 56 der Reichsverfassung bestimmten Zuständigkeit gehandelt hat. Der Artikel des Herrn Reichsärbeitsministers enthält demgegenüber nur ein« private Meinungsäußerung. Das Reichskabinett wird sich, ror« mit anderen Fragen des neuen Reichsstrafgesetzbuches, auch mit dieser nach Abschluß der ersten Lesung des Strafrechtsausschusses beschäftigen." Oer allmächtige Kassierer. ,Mr würden ihn ja gerne los. Aber wer zahlt dann die Gehäiter?� Die Londoner Konferenz. Donnerstag beginnt die Beratung. London, 21. Januar. In der Eröffnungssitzung der Flottenabrüstungskonferenz be- zeichnete, nachdem der Vertreter der. australischen und der kanadischen Delegation, der Ueberzeugung Ausdruck gegeben hatten, daß die Arbeiten der Konferenz bei gutem Willen zu prak- tffchem Ergebnis führen würden, der französische Ministerprästdeitt Tardieu die Konferenz als entscheidenden Versuch, den Frieden zu organi- sieren: dieser Versuch ruf« bei allen Teilnehmern ein ernstes Gefühl der Derantwortung hervor. Ein Erfolg im begrenzten Rohmen dieses Unternehmens werde den Erfolg einer in einem größeren Ausmaß zu unternehmenden Anstrengung im Jnteresi« der Abrüstung ermöglichen. Ein Mißerfolg der Konserenz würde alle B«> strebungen auf Abrüstung schwer belasten. Die nationalen Bediiri- nisse müßten die Grundlage der Verhandlungen bilden. Vor allem müsse man den geheiligten Anspruch aus national« Sicherheit im Aug« behalten. Man sei jedoch bereit» in her Lag«, die Probleme unter dem- Gesichtspunkt der zunehmenden Reih« von Ga ra n.ti cn zu behandeln, die in den internaiionolen Verträgen der letzten Jahr« enthalten feien. Nur«iru feste Zuversicht werde ermöglichen, zu der dringend notwendigen Regelung der technischen Fragen zu gelangen. Frankreich werde zur Erreichung des gemeinsamen Zieles sowohl durch seinen guten Willen wie auch durch seine uncrschütter- liche Zuversicht beitragen. Die Uebertragung der Reden auf den deutschen Rundfunksender lieh nun die Hörer das eigenartig« Englisch des Oberfaschisten Graudi genießen, der wohl Eindruck auf die anglo-überseeische Mehrheit der Konserenzteilnehmer ausüben wollt«, indem er ihre Sprache g«- brauchte. Er brach!« es fertig, von Mustoiini und von dem„großen fortschrittlichen Ausbauprogrymm" zu reden,, tas Italien besonders obrüstungsbedürftig mache. Die Faschistenrezierung möchten wir sehen, die etwa auf ihr«„Miliz" verzichten würde!. In japanischer Sprache, die gewiß kein Hörer außerhalb der Delegation von Tokio und dem Dolmetscher versteht, der gleich darauf ins Englisch« übersetzte, führte Außenminister Wakalsuki aus: Die japanische Nation ist von dem einhelligen Wunsche ersüllt, daß der Friede aus' unvergänglichen Grundlagen errichtet und daß der Grundsatz gemeinsamen internationalen Wirkens nachhältig ge- festigt wird. Das gespannt« Interesse, das die Oeffentlichkeit in Japan der Konferenz entgegenbringt, ist ein unmißverständliches Zeichen für die friedlich« Gesinnung, die unser Land beherrscht. Ich glaube zuversichtlich, daß die Konserenzmächte in wechselseitigem Ver- hältni» dic. Paltttt.aind die Haltung der anderen Konserenzteilnehmer im vollen Umsqng begreisen und würdigen, Wenn ich mir auch be- wüßt hin/ wie delikat. die Problem« sind,! mit denen wir uns hier befassen wüsten, kann ich doch nicht irgendein nicht zu bewältigendes Hindernis erblicken. Japan gelobt jreimlltige und loyale Zusammen- arbeit mit den anderen Konserenzteilnehmcrn. Gemeinsam mtt ihnen ist es bereit, in Sachen der Abrüstung zur See bis zum äußer- st e n zu gehen. Nachdem noch Vertreter Neuseelands und der Süd- afrikanische»Union gesprochen Hatten, wurde die Sitzung auf Donnerstag vormittag 10 Uhr vertagt. Tumult vor Gericht. Kommunisten wollen das Urteil v« bindern. Breslau. 21. Januar. Das Groß« Schöffengericht verhandelt« heute gegen Mitglieder der Kommunistischen Partei, die wegen schweren Aufruhrs aus Anlaß eine» Demonstrationszuge» des Roten Frauen- und Mädchenbundes im Juli 1929 angeklagt waren. Gleich nach Beginn des Prozesses kam es im Gerichtsgebäud« zu schweren Tumulten. Es hotten sich annähernd 200 An- Hänger als Zuhörer«iiigefunden. Dos Gericht beschloß hieraus, die Sitzung aus dem Schöffen- gcrichtssaal in den kleinen Straftammersaal zu verlegen. Da die Angeklagten sich diesem Beschluß widersetzten, und sich nicht be- ruhigen liehen, beschloß da» Gericht, Haftbefehle auszuschreiben und Zwangsvorführung zu oeranlasten. Di« als Zeugen geladenen Schutzpolizisten brachten die Angeklagten in den kleinen Strafkammersaal. Unterdessen hatte sich auch die Erregung des Publikums gesteigert. Reue Menschenmassen suchten ins Gerichtsgebäude einzudringen, so daß schließlich Poll- zei die Straßen säubert« und das Gerichtsgebäude abriegelte. In der dann beginnenden Verhandlung wurde der Angeklagt« Schaffel wegen schweren Aufruhr» in Tateinhett mtt Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Ein- weiterer- An- getilgter erhielt sechs Monate Gefängnis, drei Angeklagte wurden freigesprochen. Indiens Parlament tagt. Sofort Niederlage der britischen Koloniolregierung. Neu Delhi. 21. Januar.(Reuter.) Infolge des vom Indischen Nattonalkongreß ausgesprochenen Boykotts waren bei der Wiedereröffnung der Gesetzgebenden Versammlung von 145 Mitgliedern nur. 73. anwesend. Da zwischen dem Präsidium. und der Regierung Meinungsverschiedenheiten über die Sicherheitsmaßnahmen, bei der Zulassung von Be- suchern aus das Gelände des Parlamentsgebäudes eittstanden waren. traf Präsident Patel unter dem Beifall der Opposition die Anordnung, alle Tribünen, mtt Ausnahme der Journal isteniribiiue, zu räumen. Patel lehnte es auch ich, das Mitglied des Minister- rats Crerar zu diesem Thema sprechen zu lassen, und erklärte, daß. di« Anordnungen der Regierung eine vorbedacht« Nicht- a ch t u n g der Zlnordnungen des Präsidiums darstellten. Die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, die den Bizerönig zu seiner Rettung bei dem Anschlag auf seinen Zug beglückwünscht. Vorher hatten der Präsident und verschieden« Mit- glieder der Versammlung ihrem Abscheu vor diesem Verbrechen Ausdruck verliehen. Der Redner, der die Entschließung begründete, hatte aies die bewundernswerte Art und Weise hingewiesen, in der der D> z« k ö n i g in England wie auch in Indien sürdie Sache Indiens eintrete. Die falschen(Sowjetwechsel. Beginn des Litwinof-prozesses. Paris, 21. Januar.(Eigenbericht.) Vor dem Pariser Schwurgericht begann der Prozeß gegen de« Bruder des russischen Volkskommissars Vit« winof, der beschuldigt wird, sieben Wechsel im Gesamt- betrag von rund 200 000 Pfund Sterling mißbräuchlich auf de» Namen der russischen Handelsdelegation in Berlin ausgestellt zu haben. Mit Litwiuof sind der psl- uische Bankier Max Joffe und der Berliner Hotelier Willi Liborius vor Gericht erschienen, weil sie die falsche« Wechsel in de« Verkehr zu bringen suchten. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte fast eine. Stund«. Di« russische Regierung ist als Nebcnklägerin durch den Moskauer Rechtsanwalt Telslcnof ver- trete«. Die Verhandlung, zu der zahlreiche Zeugen, dar- unter auch Bessedowski, der ehemalig« Geschäftsträger der russischen Botschaft in Paris» geladen sind, dürfte vier Tage dauern. Saarvcrhandlungcn. Die deutsche und französisch« Saardelegatton hielten am Dienstag- eine Dollsitzung ab, ohne jedoch über eine ollgemein gehaltene Fühlungnahme hinauszukommen. Angesichts des komplizierten Charakters der zur Behandlung stehenden Problem« sind greifbare Ergebnisse allerdings, gegenwärtig noch nicht zu erwarten. Der japanische Reichstag ist aufgelöst worden Für die R»- gieruna war dl« Regierungsmiflösuttq die einzige Möglichkeit, um eine Mehrheit zu suchen. Bisher hatte die Seiyukai, di« stärkste Oppositionspartei, die absolut« Mehrheit. Ein Denkmal für den Riärder Franz Ferdinands. In S e? n- j e w o findet am 2. Februar die feierliche Enthüllung eines Denk- mals für den Mörder des Erzherzogs Franz Ferdinand, G a bri l a Pr.incip, statt. Sämtliche Kullurveteiiie Serasewas haben die Enthüllung große Vorbereitunzen gettosse-n. Kaffeetasse"* Farbkasten Wäscheleine Ausklopfer Brotbüchse juubmu« Zahnbürste Zahnbürstenbehälter RaSlerSeife fa AJumtalnm-Hai»« Kämme»frutledcn« Sorlta Scheuerbürste Eckenbürste-u Schrubber Haubennetz 4 Tropfenfänger Gießkorken«-»w, Kaffeelöffel u**» Taa.FI 0,1(5 Pfftfferjfreoer V kl susemmca« Aluminium 1 Paar Armblätter 3 Fichtennatielbäder 2 Rollen Toilettepapier WERTHEIM Leipziger Str.(Versand•Abt> Konigstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Einheits-Preise Damen-Taghemd Nachthemd Gummischürze �v»«. Kinderschlüpfer Wachstuch-Rest b«*«; Wäscheleine ss Meter TreSOr ßlr Damen oder Herren Zlgaretten-Erul 3 s». Tollette-Selfe 4 stA. Tollette-Selfe Ä- Eau de Cologne Handspiegel zeiwtm« Leuchter«enm»* Isolierflasche Atemtata. 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I Ahr. in Gmalbn vrrelus- Haas Stallgac£tcafje 126 versainmiung d. erwerbslosen Graveure und Ziseleure Tagesordnung 1 Branchenange! egenheilen. 2. Verschiedenes Ohne Mitgliedsbuch k e i n siuirilt. Äeftiojes üiriche nen wird rrwarlei. vnsMgi'vkilerl Freilag, den 34. Januar. Obds S'- Ahr im oata, Wallschlager Aoaiderlslrade 21 dranvnen- Versammlung »»SP IN dsr orshtLdustrie beschamgten Koi eginnsn und Koitegen Tagesordnung . 1. Berich! Uder die Berhandiung vor dem Hchiichlungsausichub Drok»Beriin. Z. Diskussion. 8. Branchenangelegenheiten. Ohne WilgliedSduch lein Zulritt. Es lind all» Kolleginnen und Kollegen «ervfl chtet. de ilmmi und vllnkiiich zu erscheinen. Miigiiedsduch iegitlmieri. Die DrAvareraUnng. ls liieofsr, Uciitspisls usw. Hiulivocl, 22 1 Staats-Oger Ume'r<1 Lmden i'ell-Ab. A MKiA Jahre-A-V. üb. 21 '»>, Uhi Die Mae! des SllütKsels Ende n.23' s Ghr Staals-Oper Am Pinl-Reoubi Vorst U 20 üh' Salome Ende n.Zl'a Uhr Mittwoch 22 I Stadt. Oper Bismarcksti rümus II tO- 1 Uhr Fedora Ende 22 Uhr Staat). Sdiaosph. im benoarmettmarii -tR-V M No.4 Jahres-AV. 10.19 I Ende geg. 22',»U- Staad. Sehiller-Theater.Charitb. 20 Uhr Soiifldso.sog8hi der Ulind Ende gegen 22>, Uhr nellch S u.•'/, Uhr. BtrbarotM t2S6 fraloa 1-t M. Wochsnlj. SU.SOPl.-S«. > twlfta,Certlnl, ItFoe ar-Girlt. Austal AArlhur.Mao Wall. Flaraiua AOrlp usw. läfli.» U.»1« ■.OBDU2, SB«" A ex. 8066 1 INTERNAT. VARIETE VolKsbüluie Mir an Bölowplati. 8 Uhr Ura uffOhrung Apollo Brunnenstrasa Volksstuck von Oroßmann und Messel. Musik. Thso Marlubn. Pe#: Itne« ftiilioi. IlaatUöiiller-Ih: 4 Uhr oO und so, so geht der wtnd i Dealer aa iditltDaaerOamm SV» Uhr lleGartedlaiiiii! liaalioper am Platt Uhr Neuelasiudiemng Victona von S. Maugham. REgia. vlax Reinhardt. Direktion >r. Robert Kiclr Oeuisebes Künstler-Theat. Barbarossa 3937 8'/» Uhr „Eint, zwvi.dsei" von Franz Molnai mit Ku Pallanterg. Vuiief; Souper Ssrliaer TDealet Uönhoft 170 Geschlossen. Freitag, 24. Jan. T.» Uhr Deutsche Uraufführung Dia Straße. GROSSES SCHAUoPiELHAUö 8 Uhr: 3 Musketier« Regie; ERIK CHARELL A Sonntag tuflim. ongek. Daibe Pt. ■>KEI)EeÖWEiT? Ö-Saha Hernuaaplatz Sraold Sdiolz Häsenheidt 108. 14 1 ELITET AQ Cnr. Doclcfoierffssstf 7 KajeHa— feui Daknrationen.— 50 luyjSsdiB Hadin.| Dswitags; Orossßs Sctiufeinssctilaclilen. Einlaß: Wochenta"s 6 Uhr. Sonntags 4 Uhr. iIicaterl.d.Belirenstr. 53-54 1 A 4 Zentrum 926-927 OirckUon Ralph Arthur Robert) 8'/« Uhr Hiersein, dagegen sein Bjn Direktion Ur. Martin Zicke: WW» Komische Oper rnednclislr.l 04 Markör 1401 4330. Nacn vollständigem Umbau Täglich 8V. Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bacb out Guido Thiolsc er, Schulz. Schrom, urg. H Idtbrand, Walter kau». Flink Behmer. Wensk LustspSelhaus S"s Friedrichßtr. 25b. Bergmann 2922 25. Äs M ItD iwellen Slii Riemann— Haack. Vorvorkau- In beidon Häusern ab 10 Uhr ununterb'Oohen 4v.uhr tASlNÜ-THEATEß cothriii Uhr Liebe auf den zweiten Bliek jamowslty-EBiiBen fheater in dar Oniggrätzar Straß» Täglich Uhr Die ersts mrs. seioy Komödlenhau» Täglich 8% Uhr Der uigner und d e nenne mit Cur! 08tz meater d. WssIbds Täglich 8'/. Uhr: Hotel Sfadl Lemberg Musik von Gilbert. Käthe Dorsch Leo SchOlzendorl (deines Theat. Merkur 1624 TägL»Ii Uhr DerValzervon heute Nacht! Max Adalbert, Erl a Q assner, Hl de iVörner, Hermann-Scba jfuß. Metropol-Tö. SV's Uhr Das Land des Lächelns Vera Sdawarb» Richard Tauber Musik von Franz Lehär Tb. a. Nallendorfplaiz VorvtIO-Z Kf. 2001 Täglich 8t/, Uhr easlzulDl des Osatsffleo TDeafcrs Uraaltübxuog Menschen im Hoiel von Vlckl Baum. Segi»; Castjf Gründjeos. f USdt. ß. KOittLlBI Kottb. Str. 6 TägL 8 Uhr auchSsnnt. nachm.3(J.: Elite- SSnger. Das große Januar-Projr.l Oos kann man i mal sehen I Mass LsthWrrasü! Pianeianum » am Zoo— /«rläo: loedrotiluin itnh B. 5 Barbarossa 5578 16V'. 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Ziege Beteiligung erajari« Die Oirtsverwelhmd. OaaffagnaB» Bllr die vielen Beweise herzlicher Te Inahme nnd sllr die zahlreichen Sranzipen en de: der Einäscherung meines lieben Mannes.unsere» Pater» Kare Unverfarth agen wir allen, die daran teilgenom- men haoen. sow:e den Rednern illr chre trostreichen Worte ausrichrigen Fraa Fan'ine UeverfArtb und Sinder Vefksufe eiuoleu». Szillat, Soloniestrcße 9' Deppichhau, Emil Leseor«. Berlin. seit L882 nur Oranienftraß« 258. Sah» lungserlzichteruug ohne Austchlag. Neuer Satalog fostenfrei.* Schuhwaren chn.obinoren, oorteilhast und haltbar. .«errustadt, E. 25, Malnastt. 7. Ge. Röbel ohne AnpahluMg bei sang. friftigster Narenzahlung und größter ' Ucknchinaeune. Sompiett» Wohnung». eüirichtungen wie auch«inselne Wobei» stihke. sTreie Lieferung. Mobel-Eohn. Große sFranffurier Straße 78, Bat» stroße 47— 48. Sottbuffer Damm 77. Turmstraße 73. Sisgliß. Aldrechtstr. 8. Röbel-SamerNug, Sastanienallee 36. Lerrenzimmer. Godelingarnituren. Slub. tische. 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Erst setzt bat sich eine erste Spur d-rdurch ergeben, dost ein deutsches Bankhaus einen geschlossenen Dosten von SO Falschnoten im Zah- lungsverkehr einer New-V�rker Bank übersandte. Da das in Frage kommende deutsche Bankhaus die Vorsicht übt, ausländische Noten, die bei ihm durchgchen, mit einem Firmenstempel und einer Kon- trollnummer zu kennzeichnen, so hat man nunmehr die Herkunst dieser Falschnoten bis zu einem kleiucn Berliner Baukgeschäsl. das unlängst von zwei Ameri- kauern ausgekauft worden ist. zurückverfolgen rönnen. In dieser Bank sind nicht nur die SO Falschnnten, sondern ach weitere gleichartige Stücke von einem Manne eingewechselt worden, der sich„Franz V o i g t* genannt und als seine Adresse Wiünersüorser Str. 22 angegeben hatte. Name und Adresse sind falsch. Der Bank mar dieser Kunde durch einen Geschäftsfreund zugcsührt warben, der Chefredakteur einer Fiaanzzeitschrift ist und der den Voigt seinerseits durch einen früheren Berliner Stadtverordneten gelegentlich kennen gelernt halte. Der mft der Fälschungssache befaßte Kriminalkominisiar von Lieber- mann hat festgestellt, daß der wiiicbliche Voigt in Wirklichkeit der am 2l. Oktober 18!»5 zu Verlin-Ächöneberg geboren« Hauswaa» Franz Fischer ist. Fischer ist seit Anfang Januar d. I. aus seiner Wohnung, Neu« Winterseldtstr. Z geflüchtet und wird gesuchi. Aus seine Ergreifung ist von privater Seite ein« Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt morden. Er ist IM Morer grvst, schlank, aber kräftig gebaut, bartlos, hat duirkelblondes llnks gescheitestes Haar und einen schleiche mken Gang. Er ist nervös und raucht viel Zigaretten. Fischer, der lOA bis Frühjahr 1929 bei Bekannten ans einer Geflügelsann in Oberösterreich lebte, ist erst lest Februar oder April 1929 in Berlin. Bon Beruf Bauzeichner, ist er in früheren Jahren weiteren.streifen durch seine rsdnerischc Tätigkost in kommunistischen Arbeiterbildungskursen und Erwerbsloseiwcrfamnilungen bekanm geworden, zumal er auch die Stellung eines Erwerbs- l o l c n r a t e s bekleidet hat. 192S mar er in dar Auloablcllung der russischen Handelsvertretung angestellt und hat sich in neuerer Zcst verschiedentlich bemüht, den Verkauf von gebrauchten Automobilen zu vermitteln. Da er früher in der kommunistischen Dewegung tätig gewesen, ist. es wahrschein- stch, daß er sich als politisch Versolgten ausgibt, damit man ihm ohne polizeiliche Anmeldung llnterfchlups gewährt. Im Hinblick aus die ausgesetzte Belohnung wird das Publikum um seine Mst- Hilfe bei der Ergreifung Fischers, der nüt seinen Falschscheinen aus, Privatpersonen geschädigt Hot, gebeten, und zwar, an striminalkomnüssar von Liebermaim, Alt« Leipziger Str. 16. Rationale Tftherwonzenfälscher. KarmnidzkS Freunde als reive Idealisten. Ans der gestrigen Gerichtsverhandlung ist nur weniges nachzutragen. Die Erregung, die Schneiders Aussagever- Weigerung verursacht halte, legte sich, als karuuüdzc in Vc- antwsrtung der an ihn gerichteten Fragen mir immer die höchsten nationalen Dane anschlug. Ob er von seinen deutschen Gesmnungsgenossen Geld erhalten habe, wollte Anttsgerichtsret Wartenberg wissen, und ob ihm irgend- welche Vorteile in dem befreiten Georgien veriprochen worden seien? Die politiichen Gesinnungsgenossen, tagte starmnidze, haben aus rein idealen Gründen ihre Hilfe zugesagt, und die wirtschastspolliischen Gesinnungsgenossen wollten lediglich am Au s- bau Georgiens mitwirken. Geld für h«n stampf sollte wohl Zür Vzrfügung' ssestM weiden,' nicht aber aus England; für die Herstellung der Tscherwonzen habe er die Mittel mir von seinen nächsten Freunden erhalten. Weniger sicher waren K�iruniidzcs Ant- worlcn hinsichtlich seines Verhästni'scs zu der nationalen georgischen ssozialistischen) Regierung in Paris. Er will mst dieser nach dem georgischen Ausstand im Jahre 1924 ge- brachen hoben. Nur einmal habe er mit dem Mimlter des Aeußern, Lfchenkel'. eine Unterredung gehabt, bc! der er ihn in seine Pläne eingeweiht Hobe; über die Xfrijetmoit.jcn sei kein Wort gesollen. Wer an der Spitze des kaukasischen stamttees stehe, und in welchen Ländern dos Komitee Agenten habe, fragte der Vorsitzende. An der Spitze des stlomitees stehe Spiridon Kedio, der in Paris lebe: Agenten besitze das Komitee in Deutschland, vielleicht noch in der Türkei: früher habe es noch«inen Übertreter in Bulgarien gehabt. Der StaatsanwÄt nimmt Bezug auf die Prest«. erklärung des georgischen Unobhängigkettskomttees und fragt Karu- mldze, ob es richtig sei, daß dos kaukasische Komitee eigentlich nicht befugt sei, im Namen Georgiens zu sprechen. Karumidze meint, er kenn« kein unabhängiges Komitee: es habe früher em paritätisches Komitee gegeben, das aus seinen Freunden bestanden habe und im Kampfe gegen die Bolschewislcn gefallen sei. Das Unabhängigkeit�- komftee sei nichts anderes als die menschewisttsch-soziakistilche Regle- rung in Poris. Kannnidze vergaß zu sogen, daß in Wirklichkeit dieses Komttee aus Vertretern sämttichsr georgischer Parteien be- steht, die die sozialistische nationale georgische Regierung unterstützen und ihr angegliedert ist. Rechisanwott Ber beantragt die Ladung des Übertreters der nationalen demokratischen Partei in Berlin, Dr. Margiloschdili als Sachverständigen sür die georgoischen Pro- bleme. Oberstaatsanwalt Tetzlas j will über den.Herrn Erkundi- gungen einziehen. Herr Margileschdili scheint nüt Karumidze und kesjen Verteidiger eng liiert. Sollte er als Sachverständiger be- fragt., werden, so wän«. es nur recht und dillig, auch einen Ver- tretcr-der-nationalen georgischen Regierung zu hören. Um Mißnerständnisten vorzubeugen, soll an dieser Stelle gesagt werden, daß das Gericht stch nicht ohne weiteres mit der Weber- schen Erklärung von Schneiders Krankheit begnügt hat. Die Staats- onwaltschoft hat selbständig nachgeprüft und sich non der Krankheü des AngeNogten irberzeugi Die hartnäckig« Weigerung des Gericht-, das Verfahren gegen Schneider mit der jstz'gen Hauptverhovdlung wieder zir verbinden, wird wohl in der Hauptsache aus der Sorge zu erklären sein, durch diese Verbindung einen Revisionsgrund zu schaffen.__ Der amerikanische Botschafter Schurmoa ist Dienstag nachmittag mit dem fahrplanmäßigen Aug 1,04 Uhr vom Lehrter Bahnhos nach Hamburg abgereist. Was wird mii dem Rachiragshaushali? Eiadtkämmerer Lange bleibt weiter beurlaubt. In seiner gestrigen Sitzung beschäftigte sich de? Haushalts- a u s s ch u ß der Stadwerordnetenversonnnluvg mit dem Nach. tragshaushaltsplon. Es wurden jedoch noch keinerlei De- fchlüsst oeiaßt, die Debatte wird daher am Donnerstag fortgesetzt werden. In dieser Sitzung wird sür die Sozialdemokratie der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion Erich F l o t a u sprechen. Es ist onzimehmcn, daß auch in dieser Sitzung die Beratung nicht zu Ende geführt werden kann. Für'dielen Fall ist«2 notür- lich der Siadtoerordnetenversammlung am Donnerstag noch nicht möglich, sich mit der Vorlag« zu besastcn. Sosern der Ausschuß dft Vorlage am nächsten Montag erledigt, hätte der Stadtverordneten- Vorsteher Haß die Möglichkeit, sür Dienstag nächster Woche ein« außerordentliche Stadwerordnetenoersammlung einzuberufen. Dos Schüksal des Nachtrogshaushaltsplanes ist nach wie vor unge wiß. Es scheint jedoch, daß sich schon im Ausschuß eine Mehrheit sür seine Derabschiedmrg mcht finden wird. *- Der Urlaub des Stadikämmerers Dr. Lange, gegen den ei» Disziplinarverfahren wegen seiner Amtsführung schwebt, ist bis zum B. Februar 1930 verlängert worden. Zur Zeit führt die Geschäfte des Stadtkämmorers bekanntlich unser Parteigenosse Sradtsyndilus Dr. Lange. Es muß unseres Erachtens zweifelhaft erscheinen, od unter den augenblicklichen Umständen überhaupt an eine Rückkehr des Kämmerers in sein Amt gedacht werden kann. Wenn es auch völlig klar ist, daß die Stadt Berlin ein Opfer der Acra Schacht geworden ist, so hat dennoch— das haben die letzte» Wochen gezeigt— der Stadtkönnnercr auch ein gerüttelt Maß Schuld an der jetzigen trostlosen Finanzlage Berlins. Es muß heute als erwiesen angesehen werden, daß er seinem überaus veront- wortungsvollen Amt nicht gewachsen war. Leichenfund bei Gchildhorn. Liegt ein Verbrechen vor? Am Dirnstag abend machtcn Schisscr am User der Havel dicht bei Schildhorn einen grauenhaften Fund. Zw seichten Vosser trieb die Leiche einer Frav. die von den Männern ans User geholt wnrde. hier stellt« man fest, daß beide Beine«ad der linke Arm vom Körper der Toten, die etwa 50 Zohrc alt sein kann, abgetrennt waren. Die Leiche war nur noch zum Teil bekleidet. Ob es sich um einen Selbstmord handelt und die schweren verlehungeu von Dampserschraubea herrühren, oder ad vielleicht ein Verbrechen vorliegt, müssen erst die polizeiliche» Ermittlungen ergeben. Die Leiche wurde befchtagnähmt und zur Obduktion ins Schauhaus gebracht. Festnahme eines DarlehnsschVinölers. In der P r i n z« n st r. 7 6 hatte ein 30 Jahre alter„Kauf mann" Walter Ewert ein Darlchnsvermitttungsbürv eröffnet. Er wurde jetzt von der Äriwinnlpolizei seftaenommon, weil cr mit dem üblichen Trick der Vorschüsse und Süherheilcii die Geldsucher be irvge» hat. Die bisher feftgestellien Geschädigten, deren Zahl die Hundert erreicht hat, dürsten ober nicht alle sein, die Ewert herein- gelegt hat. Nach den beschlagnahmten Vüchern und Korrespo>tden- zon hoben sich weit mehr Leute an ihn gewandt und hoffen vielleicht immer noch aus Gewährung des gesuchten Geldes. Mitteilungen über den Schwindler können an die Dienststelle F. 7 im Polizei dienstgcböud« in der Georgenkirchftr. 30a gerichtet werden. Ein Gespräch über Publizität der Verwaltung im Rundfunk. Im„Interview der Woche" wird sich vor dem Mikrophon der Ber liner Funkstunde am kommenden Donnerstag um 19 Uhr der Leiter des Städtischen Nach richte nainies Dr. Richard Loh mann mft einem Journalisten über das Thema ,F> a t Berlin etwas zu ver- schweigen?" unterhalten. JUithuc- AxßtftfipL- m a „Los, erzähl uns doch, Schätzchen. Was hast du denn die ganze Aeft gemacht, du schlimmes, leichtsinniges Kar- nickel? Rem wirklich, wo hast du denn die ganze Zeit ge- steckt?" „In Iacarepogua." „Mft wem denn?" „Mft Firma." � „Was, die Sache ist noch immer nicht ans? „Haft den Mund, diesmal ist's ernst." „Ernst— was, du? ach geh— wir kennen dich zu gut, R-fta Vahicma!" .Mftos Liebesgeschlchtenl" rief Bruno ins allgemeine LZelächter hinern.„Ein halbes Dutzend jährlich und die zwflchendurch nicht mftgerechnet." „Du weißt ganz gut. daß das nicht wahr ist", widersprach Rita empört.„Wenn ich mich mit einem'Mann einlasse, guck ich keinen anderen an." Leocadta. die hinter der Mulattin gestanden hatte, trat vor. um an der Unterlzaltung teilzunehmen. Sie umarmt« die Heimgekehrte stürmisch und lauschte mft Tränen de? Rührung dem Schnellfeuer von Fragen und Antworten. Die Hände auf die Msten gestemnft, fragte sie:„Aber wenn's diesmal ernst ist, warum ziehst du dann nicht mit Firma zu- jammen? Warum heiratet ihr zw« denn nicht?" „Heiraten, ich!" rief Rita entgeistert aus.„Glaubst du, meiner Muttsr Tochter kriegt solchen Unsinn fertig? chei- raten— Herr des Himmels— wozu den«? Um meinen Kopf in eine Schlinge zu stecken? Ein Ehemann ist schlimmer als der Teufel selber: man wacht auf und ist plötzlich die Sklavin eines dununen Mannsbildes. Der Himmel bewahre mich vor so etwas. Es geht nichts darüber, sein c'gener Herr zu sein." Rftas Ausdruck höchster Derachtung. ein nielhewundertes. aber unnachahmliches Achselzucken folgte diesem Wortschwall. „Rita, du bist noch mew Tod", kichert« August Carne Molle hingegeben Hie fand Rita Bahiana unerhört inter- ! cssant und konnte ihre Arbeit stehen- und liegenlasien und 1 der Mulattin den ganzen Nachmittag beim Tanzen zuschauen. Florinda hafte ihrer Mutter dos Mittagbrot bereiten helfen, aber als sie von der Heimkehr der Vagobundin hörte» kam sie mit strahlendem Lächeln angerannt und warf sich ihr um den Hals. Selbst die alte Marnanna, ohne.zwar ihre düstere Miene abzulegen, trat ans Fenster und winkte ihr feierlich Willkommen zu. Das Dores, mft hochgeschürztem Rock, ein Handtuch statt einer Schürze um die Hüften und mit wild flatterndem, ungekämmten Haar, ließ ihre halb- gemachte Wohnung stehen und liegen und drückte auf Ritas Wangen einen bescheidenen Kuß, während sie mft ihrer hohen, schrillen Stimme kreischte:„Na, diesmal hast du's aber ausgekostet, du freches Mulattenmädchen!" Und beide schüttelten sich vor Lachen und umarmten einander mft der Dertraulheft intimer Freundinnen, die in Liebessachen keine Geheimnisse voreinander haben. Die Hexe trat schweigend heran, schüttelte ihrer heimgekehrten Nachbarin ernst die Hand und wandt« sich wieder zum Gehen. „L> du Zauberweib!" locht« Rita und klopft« der alten Idiotin auf den Rücken,„zu welchem Teufel betest du denn beute? Du mußt mir eine Zauberformel sagen. Tönte Paula, dainft mein Schatz mich nicht verläßt." Und so weiter, für jeden hatte sie ein freundliches Wort. Als sie Dona Isabel im schwarzen Seidenkleid mft dem Macaoschal erblickte, um- armte sie die alte Dame und bat um eine Prise Tabak, was ihr energisch verweigert wurde. „Wo ist Pombinha?" fragte di« Mulattin. Aber in d'elcw Augenblick trat Pombinha selbst aus der Tür. lieblich und sauber in einem neuen Waschkleid, in den Händen ihr Gebetbuch, ihr Taschentuch und ihren Sonnenschirm „Ah. wie hübsch sie ist", murmelte Rata topfnickend. . Wie eine Blume." Als Pombinha nähertrat, umarmt« und küßte sie sie.„Wenn Ioao da Costa dich nicht glücklich macht wie ein Engel, drück ich ihm mft meinem Plattersen den Schädel ein. Der vorsichtige Alexandre stand unter der Notwendigs feit, seine Würde zu wahren, denn er war tn noller Uniform und g'ng zum Dienst, daher beschränkte er seinen Gruß auf ein leichtes Winken mft der Hand: was die unverbesserlich« Mulattin mit Strammstehen und Salutieren beantwortete: diese Geste begleitete sie mft einem tief gurgelnden Lachen, dos den alten Serl«ntschieden aus dem Konzept brachte. Aber sofort wurde die Aufmerksamkeft durch einen Aus- ruf Ritas von ihm abgelenkt:„Ach, da ist ja der alle Liborio! Dieses Iüdchen will noch immer nicht seine Seele ausgeben und sie dem Teufel ausliefern, der daraus wartet." Und sie stürzte zu einem Fleckchen unter der strahlenden Aprilsonne, wo ein vertrocknetes alles Kerlchen sich wärmte und zwischen seinen zahnlosen Kiefern ein kurzes Pfeifenrohr htell, an dem es herumkaute. „Na, na", schmunzelte cr und beschattete die Augen mit seiner zitternden Hand. „Wie gehts denn meinem alten Schatz?" rief Rita und beugte sich nieder, um ihm auf die Vchufter zu klopfen.„Hast Sehnsucht nach mir gehabt? Ich hoffe, du bist mir nicht untreu geworden!" Und mitten in dem allgemeinen Jubel über ihre Heimkehr berichtete Rita, was sie während ihrer Abwesenheit erlebt harte. Ihr Aufenthalt in Iararepagua war ein ununter- brochenes Fest gewesen, eine Art dreunonatiger Karneval. Und dann senkte sie die Stimme und vertraute ihnen an. daß sie Besuch erwarte und daß es Musik und Ta>iz geben würde. Dies« Nachricht erregte allgemeine Freude, denn Ritas Fest« waren immer die schönsten. Wenn die Mulattin ihre. Freunde um sich versammelte, vergingen die Stunden in» Fluge, und da Rfta entweder über Geld oder über Kredit verfügte, so gab es immer etwas zu essen, und niemand ging durstig fort. „Sog mal, Leocadia", fragte sie. wer sind denn die Neuen auf Nununer fmiftmddreißig?" � Brunos Frau teilte ihr das wenige mit, was sie von Ieronmno und Piedadc wußte, und beschrieb sie als bravo Leute, die nichts von Amüsements verstanden. Rfta schloß chre Wohnung auf und trug sinkend ihre Vorräte hinein- Ihr« Anwesenheit allein schien die ganze Rachbarschaft in Jubel zu versetzen, denn man hatte sie schmerzlich vermißt. Firma, ihr augenblicklicher Liebhabor,«in unzuverlässiger. sorgloser Mulatte, hatte das launilchs Herz der wankelmütigen Rita in solchem Grode erobert, daß sie chm gern an den ferpen und einsamen Vorort Iacarepagua gefolgt war: er sollte heute nachmittag kommen und einen Freund zum Essen M'tbring»«. Rfta verkündete diese Nachricht, während sie ein Messer an der Türschwelle wetzte seine Vorbereitung, um den meloncho- lischen Fisch aufzuschlitzen), und schon sammelte sich ein Heer von Katzen, durch das vielversprechende Schleifen der Klinge angelockt. (Fortsetzung folgt.) Gefahren für die Volksschule. Der Lehrerverband Berlin hat falzend« Gfitschließung angenommen: „Der Berliner Magistrat versucht, durch das bequem« Mittel der Ausgabendrosselung der finanziellen Schmterig- ketten der Stadt Berlin Herr zu werden. Die beabsichtigten Spar- maßnahmen treffen besonders hart die L o l t s s ch u l e. Sie oer- langen: 1. Stillegung selbst unbedingt notwendiger Schulbauten und Verminderung der Mittel für laufend« Unterhaltung der Schul- gebäude und ihrer Einrichtungen: 2. Einschränkung der Mii'el zur Beschaffung von Lehrmitteln, Lernmitteln für bedürftige Schüler, für Schulwanderungen, für Tiurn-, Spiel- und Schwimmgeräte: 3. Herabsetzung der Ausgaben für Schulreinigung, für Beleuchtung, Heizung und Wasserverbrauch: 4. Kürzung der für die Fortbildungs- sinrichtungen der Lehrerfchaft notwendigen Mittel: S. Herauffetzunz d«r durchschnittlichen Alaffenbesuchsziffer.— Die Durchführung dieser Sparmaßnahmen würde die Leistungsfähigkeit der Bolksfchul« herabsetzen und das Schulwesen uiwerantwort- lich schädigen.. Der Borstand de« Lehrerverbande» Berlin ruft all« Freuj&e der Volksschule und alle, die sich verantwortlich fühlen für die Erziehung und Bildung unserer Jugend, zum Kampfe gegen die kulturwidrigen Sparmaßnahmen des Berliner Magistrats auf." In einer ähnlichen Entschließung erhebt der Berliner Lehrers« rein schärfsten Einspruch gegen„Sparmaßnahmen des Magistrats, die die Leistungsfähigkeit der Volksschule so stark herabsetzen, daß sie die ihr gestellten Ausgaben an der Bildung unserer Aolksjugend nicht mshr er» füllen kann". Die Entschließung sagt:„Ganz untragbar er» scheint die Sperrung der notwendigen Mittel für Umbauten und Instandsetzungsarbeiten allerer Berliner Schulen, für die seit Jahr- zehnten mchts getan ist und die Sperrung der Mittel für unbedingt notwendig« Schulneubauten. Die Heroussetzung der durch. s chn ittl ich e n Klassenbesuchsziffer zerstört durch Uni. schulung und Durchschulung der Kinder die Gemeinschaftsarbeit der oberen Klassen, ruft tiefe Erregung in der Elternschaft und Ocffcnt- lichkeit hervor und nimmt der Lehrerschaft m den überfüllten Klaffen die Möglichkeit, noch arbeitsschulmäßig zu unterrichten. Es ist der Lehrerschaft bei Sperrung der Mittel zur Beschaffung von Lehrmitteln, von Mitteln für Schüler- und Lehrerbüchereien und für die lehrplanmäßlgen Schulwanderungen nicht möglich, ihre Ausgabe im Sinne der amtlichen Richtlinien zu erfüllen. Unverständlich ist die Herabsetzung der Mittel für Schulreinigung, Bs- leuchtung und für Wasserverbrauch: da hierdurch die Gesundheit der Kinder unter Umständen geradezu � gefährdet wird. Der Berliner Lehrerverein wendet sich an den Magistrat, an die Stadtverord- netenversammlung, an die Elternschaft und alle Freund« der Volks- schul« und ruft st« auf zum Kampfe gegen kulwrwtdrige Spar- maßnahmen." Llm den Nachttarif der BVG. Die BVG. hat für Berlin einen besonderen Autobusdienst Ungerichtet, der in den Nachtstunden in Betrieb genommen wird, wenn Straßenbahn und U-Bahn ihren Verkehr einzustellen be- ginnen. Für diese Fahrten besteht ein besonderer Nachttarif. Di» Kommunisten fordern nun in einem Antrage die Aufhebung dieser Nachttaxe. Die sozialdemokratisch, Rothaussraktion hat demgegenüber einen Abänderung santrag eingebracht, der das Interesse der nachtarbeitenden Arbeiter und Angestellten wahr- nimmt und trotzdem die Möglichkeit schafft, den„Bummlern", die stch meist aus begüterten Kreisen rekrutieren, als Gegenleistung für die höheren Betriebskosten eine Sondsrtaxs abzunehmen. Der Ad- cmderungsanlrag hat folgenden Wortlaut: „Für Arbeitnehmer, die beruflich Nachtarbeit zu leisten haben, werden Ausweiskarten eingeführt, die auf Grund einwandfrei erbrachten Nachweis«» den nachtarbeitondeu Arbeit- nehmern ausgehändigt werden und die zur Benutzung der Verkehrsmittel der Stadt Berlin zum normalen Tages- fahrprei» berechtigen, auch während der Zeit, für die die erhöhte Nachttaxe sonst gilt." Die sozialdemokratische Fraktion wird außerdem einen Antrag einbringen, d«r fordert, daß die Empfänge der Stadt Barlin aus das Notwendigste eingeschränkt werden. Bruno Schönlant gibt cn der Stunde mit Büchern einen lteherblick über die neussts Lyrik. Es ist lein dozierendes Referat, flmdrrn«in liebevolles Nachtasten, ein Versuch, von innen heraus dies« Werke zu verstehen und zu empfinden. Hier spricht ein Mensch, der selber Dichter ist und der di« Dinge mirlebu— Aus Leipzig wird am Nachmittag ein Konzert mit Dpern- nuoerturen und Fantasien Übertraor«. D:r Dirig'nt Wilhelm Rettlg hält stch frei von T ücken, die durch allzu häufigen Gebrauch abgenutzt worden sind. Unter anderem bringt er auch die Baubeichochzeit aus Braunfelds„Die Vögel". Das Orchester klingt, abseschen von einigen Vonschwantunaen, gut, die Leitung«scheint nicht besonders temperamentvoll.— Auch das abendlich« Orchester- femzzrt unter Bruno Seidler-Winkler wandelt nicht nur auf ausaetra'enen Bahnen. Den Höhepunkt des Programms be- deutet Arnold Földefys Vortrag des Hubayschen Eello-lonzcrte- und Tschai kowskys Rokokovariationen. Höchste Meisterschaft ist hier er- reicht,«in Können und eine Kultur,«in Wissen, das die letzten tech- nifchen Raffinements mit stärkster Beseelung verknüpft. Anschmie und zart begleitet Seidlcr-Winkler mit dem Orchester.— In er Pause liest Anna Höllering Dichtungen des Franzosen France» Lammes. Sie dehnt zu sehr und spricht zu monoton. Außerdem wäre weniger mehr gewesen.— Der Abend wird beschloffen durch da» Hörbild„Di» Zukunft der deutsch. franzöji- schen Beziehungen, von Frankreich aus gesehen", das gleich. zeitig auch in Frankfurt ausgeführt wird. Nach den Dokumenten wird die Weihnachtsdebatt» der'Pariser Kammer rekonstruiert. Es handelt sich also um einen WirNichkeitsbericht. der in dramatischer, konzentrierter Form, gereinigt von gewiffen Zufälligkeiten, Tat- fachen bringt. Der Stoff ist heute, besonders nach der Haager Konferenz, aktuell. Aber selbst ern wenig interessierter Hörer muh di« innere dramatische Spannung dieser Dialoge erkennen. Jeden- falls ist dieser Versuch geglückter als die bisherigen auf diesem Gebiet, was auch an den Sprechern liegt, die diesmal gut gewählt sind. F. Sch Nasende 5ahri mit dem gestohlenen Auto Autovieb überfährt eine passantin. Gestern nachmittag ereignete stch vor dem Haus« Neue Kant- straße IS ein schwerer Unfall. Ein Prioatauto geriet in- folge zu schneller Geschwindigkeit auf den Lürgerstelg und über- fuhr«ine Passantin. Di» Verunglückte, ein« ötzjährige Frau Lina Wen zeck aus Charlottenburg. Königsweg 2K27. wurde mit Knochenbrüchen in» Hildegardtrankenhaus gebracht. Der schuldig» Chausfeur, gegen den die Menge eme drohend« Haltung«ttigsnom- men hatte, wurde zum nächsten Polizeirevier gebracht, wo sich überraschend herausstellte, 4>aß er den Wagen lm Westen gestohlen halle und in rasender Fahrt geflüchtet war. Der Täter,«in LSsähri- ger. wohnungsloser Rudolf T e p h a n. wurde in» Polizeiprästdmm gebracht. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird er schon heute vor dein Schnellrichter abgeurteitt werden. «e Vor dem Schnellrichter wurde am Dienstag vormittag ein hartes Urteil über einen Autodieb verhängt. Es handelt sich um den stellungolos-n Schmied Rudols K.. der sich an em in der Fasanen- straße unbeausstcht gt stehendes Prioatauto herangemacht und ein.n Pelzmantel, eine Aktentoschs usw. aus dem Wagen geraubt Hute. Er war von Paffanten beobachtet worden und nach einer wilden Flucht durch den Tiergarten tonnte der Täter gesteltt werden. K. wurde zu acht Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.. Die Börse als„moralische Anstalt". Zum pro eß gegen Kommerzienrat Linvemann. In dem Prozeß gegen Kommerzienrat Karl Lindemann und sein« Brüder machte Rechtsanwal! Dr. Alsberg, der nach den: Straiantrag oes Staatsanwalts als Verteidiger der drei Lindemann das Wort nahm, iiitcressoitt« Ausführungen über dos Börsenspiel. In seinem Zuständigen Plädoyer erklärte Dr. Aleberg zunächst, daß ein Betrüg im Sinne des Börsengosetzcs nicht vorliege. Es stelle leinen Betrug dar, wenn jemand durch Ankauf von Aktien Kurssteigerungen bewirke� Bei einem Betrug nach dam Börsengesetz müßt« durch betrügerische Mittel auf die Kurssteigerung eingewirkt werden, z. B. durch falsche Nachrichten, die für die Be- Wertung von Aktien maßgeblich sind und die in die OeffenttichSeit lanciert werden. Hier'habe aber das Publikum die Brandenburg!- schen Holz-Jndustrie-Aktien lediglich deshalb getauft, weil es sch, daß sie dauernd stiegen. Es handeltc' sich däbei um einen Vorgang, der sich in analoger Weise oft an der Börse abspielt. Es ist eine alte Erfahrung, daß, je vornehmer der Gegenstand eines Handels ist, wie Pfsrdshandel, Aunsthandel, um so schlechter die kauimämvichen Gebräuche werden, und eine Moralisierung des Börsen- spiel» auf dem lttnweze über den Staateanwatt zu erreich:n, müßt« glatt abgelehnt werden. Di« Thesen d«r Anklage, daß die ganze Halzindustrie-A.-G. lediglich ein Kartonhaus gewesen sei, habe die Beweisaufnahme nicht ergeben. Zum Schluß wandt« sich Dr. Alsberg dagegen, daß der Staat sa nwalt die Barle als«ine moralische An st alt hingestellt habe, um ein« Bc- trugeantlage zu konstruieren. Wollte der Staatsanwatt die strengen Grundsäge, die er im vorliegenden Fall« anwende, aus die ganzen Börsengeschäft« übertragen, so müßt« er. ein Dach über das Börsen- viertel ziehen und daraus ein Gefängnis machen Der Staatsanwatt dürfe nicht den naiven Glauben predigen, daß sich die Börsenkurse nach dem wahren Wert der Aktien richten und daß Treibereien in Borsenkreksen keinen Einfluß auf die Kurse hätten. Die Börse frag« nicht,„W a s i st", sondern„W a s i st l o s?", wenn sie Zlttien kons«. Rechtsanwalt Dr. Alsberg vsomragte die Freisprechung der Brüder Lindemann von der Hauptanllage der betrügerischen Kurstreibereien, Das Urteil wird Mittwoch um 11 Uhr gefällt werden. Eisenbahnunglück in Oldenburg. Zwei Schwer- und elf Leichtverletzie. Oideuburg. 21. Januar.» Auf der Eisenbahnstrecke Bare l— Rodenkirchen überfuhr ein Personenzug wegen dichten Nebels ein Haltesignal und fuhr aus einen Güterzug aus. Bei dem Zusammen- stoß wurden 12 Personen verletzt, darunter zwei schwer. Geisteskranker unter dem Auto. In der Alexander st raße wurde am Dienstag vormittag der 10 Jahre alle G-isteskranke Paul Kuschinsk: aus der Anstalt Herzberge von einem Auto überfahren und erheb- lich verlegt, fo daß man chn In das Virchow-Ärazkerchaus bringen mutzte. Kufchinfki hatte stch von feinem chn beglettenden Pfleger losgerissen und war direkt in das Aviv hmeingelaufeu. Rücktritt des Wormser Magistrats? In Worms hat der gesamte Magistrat mtt dem Qberbürger- ineister an der Spitz« der Stadtoerordnötenversammlung seine De» Mission angeboten. Worms hat seit langer Zell mtt großer Arbeitslosigkeit zu kämpfen und die jinanzi-lle Lage der Stadt wurde tu den letzten Wochen sehr schwierig. Nachdem es zwischen Erwerbs- losen und der Polizei zu schweren Zusammenstößen gekommen war. wurde der Magistrat aus Kreisen der Beoötterung in schärsster Weise angegriffen._ Eltern, die für die gemeinsame Erziehung von Snaben and Mädchen eintreten, werden darauf aufmerksam gemacht, daß sowohl die Aufbaujchule am Äaiser-Friedrich- Realgymnasium zu Neukölln als auch das Real- gymnasium selber vom Herrn Minister für Wiffenschast. Kunst und Volksbildung das Recht erhalten haben, Knaben und Mädchen gemeinsam aufzunshmsn.(Baldigste Anmeldung ist jeden Tag nach 11 Uhr möglich.) Eine Dorsrühlingsscchrt über den Müggelsee veranstaltete der Verein der Baldurfreunde.„Baldur" ist jenes marlwürdig« und in Berlin noch immer einzigartige Kabinenschiff, daß Tausenden von Berliner Proletarierlindern, dazu der Gewerkschaftsjugeno. der sozialistischen Arbeiterjugend und den Arbeitersportlern. Stunden unvergeßlicher Freude bereitet hat. Um die Idee des Uebernach. tungsschiises zu sördern, bildete sich aus Kreisen von Volksfreunden sensr Verein. Er balle am Sanntag mtt der Fahrt des gedeckten Schifjes.Kreuz Aß" der Reederei Schmidt Glück. 2lls man über die Mügqcl fuhr, war es so milde und windstill, daß alle Teil- nehmer aus Deck blieben. In Woltersdorf, ganz durchweht von milden Frühlingslüftsn, wurde Rast gemacht und erst am Abend die Heimfahrt angettelen. Di« Organisierung und der Verlauf der Fahrt stellen dem Vorstand das beste Zeugnis aus. parteinachrichien «wleildliage- für dic'e Rubrik flud Berlin SÄ«L. Lu-denilraße 3. fürGroß-Bsrün stei» an da» fflcjtt(t(elr«t«riet 2. Hol. tTresven röchle, z« richten, Der K«rs»K der Genossin Kern„Der innere Anstan der Partei und ihre Funktion" fällt diese» Mittwoch. auS. Nächster Abend am Mittwoch, dem SÄ. Januar. >* «. jl«i» Vrrn ilaK't Beta, Alle(Seajitfiiuun und Scnoge» kellen«ch»v« giriiaa, dert 24. ganvar, im to Uhr, in» hritenrn Abend i» Saalban �rir!-?ot-ln.«iiilxUl 50 PI. ftarint nur bei den gnnUionäa». An der ÜnfT« 75 PI.— gwie Sch-Inen» In de. Ocfccntlich«(Seneralocriammlnns nur Sönnern' oo, dem 23. tloauor, Iiis Uhr, Sanaiatr Str. B. Säge«. orfmung: Berichte 6ee Torslondc- und 6er yeoiforcn. Sieuivohl dr« ffle. ramtooifioitSe*. Olierrinschulnng. Unfett Soßunfahrt noch Dronden» hur? c. 6. S>. zu Oft ein. 5. fite.» Sritdtid«hoin. Am(Vteitog, dem 24. Zonnor. heiterer äanflletoheirfi im CooTEou gr edrichehain. ffmttlttästtie 50 Pf. Die Prvgtonnne linO non den Beziifositbrei» su entnehmen. Die Abtechiuing erfolgt im Soo!» ton iZil-drich-ho N mit dem fireietoflierer. lt. Utti» Schincheea. Douuiiz'o«, 23. foiuior, 20 Uht, bei 3313. Mortin- Ln det-Sit. 60. Sitzung des«nseltarfc-.n fitciaootftanDeo. 13. fiten Tempelhol. Heut«, Milimsch. 22.?onuor. Ihf-z Uhr. Bezirk so et. lommlung im Lnterm Tempeftol. Sermon osttoßs. 10. Are!» ftötüaief. grtilog, 24. dornet, 19Vi Uhr. Im Siobtt bettlet fiepet, Ick. itriedrichstr. t. kleiner Soal, Swisncrlrettra'r'cmoilnng. Berichte üben da-»hqelonfcni<2«Icholt»iohr. Sttnmohtan. Potlchlage in den nooo.oldtien Stadtrate n. heule, Mittwoch, 22. Januar. 23. Zht. Achtung, Saresse.nl Der?.oh!obert> dt! Schmidt findet nicht hrnie. fordern erst otu Mittnuue. dem 20. Zonnor, flott. 88. KM. Lichtenrade. Die Oiezlrljflchtct werden geboten, umgehend Moleriel zur Sriinbnng einer SAZ.-Eourpe Llcht.nrode.Worlenfelde ca]_ ffebruar vom Genossen Cemmler. fiailer-Whlelm-Slt.«. Obzuholen.- 23. AK. ÖceuttCn. Die ABtettanftSoetTiaunJana Findet nicht Knie, sondern et(t om Monlog. dem 27. fionuor. bei Schilling, Dipper» Ecke fiirchhok- lirosse. Holl. Die BeUrkoNU.rer werben gsbeivn, da» Material dorn Ab. teitungsleiter In der Wohnung abzuholen. Morgen. Donnerekag. 23. Zauuar. 33. Abt. üem-lgnag für Schul- nnb CizUhunftsfroacn. 20 Uhr Vorsommlunz In der Schule Ghrenbergflr. 24.?eichenfaoI. Bortrog:»Sann Ich meineui Ainde hei den Schu.orbeiten heflen?" d eferenlin: i'eJtötin Bilr. 04. Abt. KenlöUn. 10 V, Uhr Milgl edsrperfomntiung im Lolcl Bergschlotzhiih«. fiorlogorlenstr. 8— U, gtofier Saal, fflunrarltag. Wohl deo ilbteilunz«. vorflandes. Ohne MUglledÄiuch kein gutrltl. tZt. Abt. Blanlruielde. 104- Uhr im Lolal MLIer, S�Ildswer Str. Z ftohl. abend. Vortrag:.Die Lac ger fionsereuz'. Der Konng-BIon nah feine «UBtolrknng auf d e SmaregeflaUurn de» Reiche»." Referent: finrt Sie*- manu. Alle Mitglieder müssen anmclend lein. / KÖM LtNON mS Jn vielen\w / Schoufenslem Berlins YIT /. slsJIi sich der p!|i V Joselli-Bör jr-*. \ jetzt persönlich vor. Ä bjj�SL- iioÄÜläSi Jtrifag, 24, Januar. IM-«Bt. äjseyi«®. IS1'- lUt bei DöhliNK. SicRjoTs- aAe MsenüviKe, zrs�e Mnkt'onLrsisuna. Dl» BezirksMrer laben dazu«>n. UB. Abt. ObcrWaacmtüe. 18 Uhr bei Sintlei, Dillielmillenbofstr. SSb, nr.ffltiue ssunktionärschuirg. Arauenveransialtuugell. A Abt. Saarietetag. 28. Zanuac, 20 Uhr, bei Sübnet, fflSTsncctei Str. 84. SJartraa:»Sie ffrau in der AranbenverstKereing". Referntin: ir. Elana Kenriaue. Uta. Abt. Bitte-all. ffonnctsta«, 23. Januar, l&i Uhr, bei Schulz, aui Badn, Od', wichtige ffunLionSrinnensiduns. Bezirksausschuß für Arbeiterrvohlfahrk. lt. S«is Stent kl, i. ssreitca. 24. Januar, Sucfu« im Vathau«. yimwer 182. Sietercnt Genüsse Stadtrat Schnodder tvricku über Luarndilirsnrge". Säurlliche in der Zugenirfürsorge und Wobiiahrtspfleae tätigeu Genossen'mnen) müssen »rnbedlnat daran teilneblnen. Die blauen statiltischen Mertbücher find schleunigst zurtickuaeden. S S ®... W Belversamlnlunn am Donnerstag, dem 23. Jaaaar, um 2V lldr, in_ W der.Aula dce 24. DoNeKrle. irrammelstrahe«frliber biatrr d» Sarai, m ,9(oa,.-e:<, am SJobcljof SdEr'c), Lortrag de» Gr nassen Dr. Karsea über:--ss " unsere Stcliuag zur Sebrerbilbun». EZ Arbeiksgemelnschaft soziaidemokrakischer Lehrer und D Lehreriunsn. Bezirksgruppe Berlin. Z Zungfozialisicn. Sravpe Baums chaleaweg. Heute, Mittwoch, vitnSIich IV4 Uhr. S«iw«rnsi, strafe IS. Vortrag:.Da» Trusttapital und seine Iztiiinpfung". Referent: Ge» nasse Doogien. Grupae Sieutöv». Seute. Mittwoch, 20 Ubr, im Seim Treptower Str.»/8S, Bortrag:„Der Kampf um die Fuiangrcform". Referent: Mar Sepbemann. Arbeiisgenieiuschllsi der kiudersreuude Groh-Berlin. Achtung! Die Ritckgabe der Berichtobogeo wird erbeten. Gleichzeitig bltteu wir noch seblende Kreise um Angabe der uoruussschllichen?ettlugerteilnei>!i!er und der Stilen, die zur Verschickung kommen löllen iiiebe Mi'terlungsdlatt). Seminar: Rlchst, Sidunq am Tannersiag. dem 23. Jebruar, 20 Ubr, Reulelln, iiialbau». Erscheiuen aller Kursus- und Tachkursusleiter ist Pflicht. Seri» Wedding. Ter Lelferkursu» fällt am Donnerstag au», da wtr leinen Raum zur VerMgung babeu. Eruov'uleitersitiun« am Donuerstag beim ftzei». fetter Otto Meguer. Brüsseler Str. SS, pünkllich 20 Mr. Am Sanntag. de« ZS Januar, findet di» Tinweibung unsere» Sasperle-Tbeater» im Heia, See. Gcke Turin« Straß«, statt. Eingang Seestraße. Anfang 1ä Ubr. Eltern williommea. Geburtslage, Zubiläeu usw. tu. Abt. Grunewald, llalerem P artet oetera neu, dem Genosse» Qaftto Döring zu seinem Sä. Geburtstage die bcrzlKiten Glückwünsche. >34. Adt. Buch. Unserem lieben Genossen Hermann Drurle nt seinem heutigen 70. Geburtstage die berztichsten Slnckirttnsche. j Sterbetafel der Groß« Derlmer Partei- Organisation� 42. Abt. Unser sieber Genosse Robert Leurtn ist im Alter von 70 Jckbren am 10. Januar verstorben. Ehre seinem Andenke». EinSschrung am. Donner». tag. dem 28. Januar. 14 Ubr. im Krematorium Gerichtstraße. Wir birreu um reg« Beteiligung. ?■ Söven! S. Unser Leber Genosse Bobert Pöble, Berlin« Str. 22, ist im Alter von 71 Iabren am IS. Januar verstorbeu. Ehre seinem Aar» denken. Dt« Einäscherung bat bereit» stattgefunden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. t~%Jk Reichsbauner»Schwarz Rot Gold". GeschZttsüell»: Berlin S 14. Sebastiaaür 87— gz. Lok i Se Mittwoch, 22. Zannar. Schkneberg.jsrledenan. Kameradschaft Rat- bans. 20 Ubr Generaloersammluna in der Tinauzkiause. Plüblen. straße S. Treptow sOrtsoereinl. Zunglanuer. 181» Ubr im Zugenbbeim Wilden. bruckstraß« außerordentliche Juaenbsstuina. Thema:.Berliner Beranssaltunge» 1820". Magdeburg und Berich!, denc». Erscheinen Bflicht. Witte««» lKamexad» schaft). 20 Ub: Im Wittenauer Bereinsbau«. Oranienburger Str. 83—88. Generalversammlung. 2'oil-bbIIae» Erscheinen notwanbia.— Donner»tag. tS. Zannar. Lchöoeberg.str'cd-au. 20 Ubr Turnballe Wartburgvlaß. Jiu-Jitsu. ibrrsu«. Ategliß sKarneredschafts. 20 Ubr Borftardsstßung im Restaurant SeUr. B'omarrkstr. Sä. Eck« Knievbo'ftraße.«eulSUn-Brig. 1. Kameradschaft. 20 Ubr Lameradschafteversarmnlung in der Kottbusser Klause, Kottbuiser Damm 00. — Krevzberg. Freitag. 24. Januar. 20 Ubr, Nerlommluna aller Sportler und Handballspieler bei Krepp, Plann'zr 7Z. Znterossterte Kamerade« gl» Gäste »lllkoininen.__ Berelnigng eSemalkg« Krlegoprfangener. Berll«.ebben. DounerÄag. B. Januar. 20l.l Uhr, Witaliederversainmlitng bei Krticer, Grimmftr. 1. Reichoturzfchrlstp-reio Perlin. Moabit. Donnerstag. 20—22 Uhr, Anfängen,. ssortaeschrittenen.. Redeschr'stlcbrgänge, BaP.euower Str. ia. Ausschuß der Riet, rdeisshcr Groß. Beilini. Are! tag, lt. Januar. 18 Ubr. im Bllrgersaal de» Batbaule», Kön!gftraße lRilbe Aleranderplagl, große Ber. sammluna aller Micteröeissber Groß-Berline. Oanbgerichtid'rck'vr Buden wirb einen Portrag halten über:«Da» deutsche Mietrecht und die Laiengerichl». barkeit". tiermen-ün?IIeIt»rK->n�. la�enburg, EerHn W. BOlowstr. 1- 0. p. m, Debote: Jdealism v. Realism". Leadeii: Mr. Vblkhola and Mr Ouerk«. Sozialistische Arbeltersugend Gwß-Serlln. Warderletteriem.erenz Donnerstag, 23. Januar, pünktlich 20 Ubr. im Bor. tragsiaal de, Parteioorstandrs. Lindsnstr. z, 17. Hof, 2 Treppen links. Heinz Barth«! spricht über„Susfurgeschlchtliches der Mark". MädeUwrins, 2. Abend. Tonners.a«. 20. Januar. 19>z. Ubr, in der Schul» «ochst,. 1». Thema:.Die ssrau in Beruf und Erziedung". Sioferenttn: Anna Siemsen. M. d. R. Interessierte Genolsen stnd eingeladen. Karte» für dir Iugerb-BoUsbühuenoorstellung am kommenticn Sonntag Zu 90 Pf. find noch erbältlich. Heule. Mittwoch, 22. Zanuar, 19'» Uhr: Artonnpl»«: Schule Eliiabechkirchstr. lg. Bor'rag: �befahren der Groß. städt".— Moabit III, Heim liebrter Str. 18— IS. Lortraq:»Karl SoutsEo".— Sesnnddrnnne« N: Schule Cbr!ft!ania!ir. 38. Vortrag:„Der Lehrling!m Ar, beitsrechr".— veddingi Helm See. Ecke Turiner Straße. Bortrag:„Dawe».. Pouna-Plan". � peantlurter Piertel: Heim ilrankfur'er Allee 307. Barrrag: Lasch Ismus".— Petereburger Biertel: Se!m Tilsttcr Str. 4. Tagespolitik.- Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 13 Portrag:„Die schwedlsät« Jugend- dewegung".— Ternpelhosi Heim Scrman'astr. 4—6. Beratung über das»ftrei» heitsgeseß".— Wannsee: Schule Ebarlot'enstroöe. lO-Minuten-Referate.- Repkissl» IXi S-bule Martendoufer Weg. Jimmer SS. Vortrag:.Sexuelle Trage' — Jriebrichelelde: Heim Gunterstr. 44. lO-Minuten-Bekerate.— Kanledorf: Schule Abolfftr. 2z. Jabrlenerlebnlsse.— Lichtenberg-Mitte: Heim Schorn, weberstr. 22. Borlrag:. iTreie und gelbe Gewertschafleu".— Neu.Lichtenberq sifi.-ss.>: Heim Hauffstraße. Borträg:»E:nfübrung in den Sozmliomus", N. Teil.__ PSSetbebczid Tiergarten und Westen: Sprechchorprobe in der Schul. N aula Waldenserstr. 20. pünkttich lg Uhr. All- Genosse» müsse» erscheinen. SSG. Wedding: Leim Got-nburger Str. 2. 18 Uhr Dortrag:„Sozialismus und Rationaltozialisinris". «erbebe, iri Prenzlauer Berg: Sonntag. 2». Januar. 1» Uhr, Werde, begirledelogtertekkonterenz im Leim Tanziger Str. 82. Jutritt haben nur Tele- gierte. Werbebc,>rk»funkt'«näre und JugendbeirSte, entsprechend der Dele- giertenzabl der Abteilungcu auch Sastdtlegierte. Waschturnier bei Raddah. Jn diesen Tagen findet in den Skr- laufsräumen der Firma Raddatz. Leipziger Straße 122, «in Wotttampf prominenter Waschmaschinen statt. Der gräßliche Waschtag, dieses Erbübel hausfraulicher Schinderei, das einen so un> geheuren Kräfte- und Zeitoerbrauch erfordert, soll endlich ganz uud gar vom Stundenplan der Vlelgepiaaten verschwinden und damit auch all« jon« höchst unerfreulichen Nebenerscheinungen, die solch em Waschtag mit sich bringt. Verqualmte Küchen, vernachlässigte Mahl- zeite» und ein« total abgearbeitet« und ebenso m tzgestimmt« chaus- srau. Die moderne Technil, die sich aller Gebiet« im Sinns ökonomischster Mrtsckaftlichkoit bemächtigt, hat auch auf dem Gebiete häuslichen Schaffens eine Meng« zeit-, kraft, und geldsparender Neuerungen geschaffen, aber sie begegnet gerade hier einem etwas starren Konseroafivismus, einem krampfbaficn Festhalien am Alt- hergebrachten und all seiner Müh und Plage. Die hier gezeig'en Vorführungen auf den verschiedenartig konstruierten Waschmaschinen erhellen kl» und dautüch, wie utigemein einfach, schnell Und schonend der Wafchprozeß vor sich geht. Fünf verschiedene Waschapparate treten hier in Aktlon; der eletirischc Miele-Äpp-irat mit ange- schlossencr WrinMaschine, der Liebig-Dampswasch-Automat Mit liochendem Sprudel, der Sauberling-Wafchapparat. adenjolls mit Sprudeloerfahren, die Tempo-Wafchmaschine mit Taumelscheibe uttd elektriichen: Wasaiverfahren und der Protos-Apparat(Zentrifuge), der die Wäjchc gleichzeitig spült und trocknet. Von Mitgliedern hausfraulicher Verbände werden die Apparaturen demonstriert und die Anwesenden sollen ihr fachmännisches Urteil abgeben. Die LarneoalszeU reißt im Rheinland das ganze Volk in seinen Strudel. Bei uns im Norden findet diese lustigste Zeit des Jahr s ui dqn Kostüm- und Maskenfesten ihren schwach«« Widerhall. Als wirklich große volkstümliche Veranstaltung wird am 1. Acbruar das & o st ü m f e st der Volksbühne im Sportpalast stattfinden. Volkstümlich war aber auch bei einem mäß gen Eintrittsaeid die karnqvalistisch« Fremdensitzung des Vereins der Rhein- l ä n d e r in Berlin, die am Sonntag bei Kroll stallsand. Di« chaupt- fache auf diesen. Festen sind die sogenannten Büttenreden, von der V ü t t, der lanevalistischen Kanzel, herab. Was hier unt-r Aus- fchwß der Zote an Witz, Humor und liebenswürdiger Bosheit verzapft wurde, das war imstande, fünf Stunden lang, unterbrochen von Lachsalven,«in paar tausend Menschen zu fesseln. Der moloHose und dabei drollige Kölner Dialekt feierte seine Triumphe. Der Präsident Graeff, der zum»rsten Male seines schwierigen Amtes waltete und Redner und Stegreisdichter zugleich sein mußte, machl« seine Sache iamos.— Am Sonnabend fand im Zoo eines der schönsten Kostümsest« Berlins statt, das Fest des Deutschen Reklameverbandes und des Bundes Deutscher Sc- brauchsgraphiker. Musik, Farben, Licht und wieder Musik, Farben und Licht. Tausend gefällige und schöne Kostüme. Das sogenannte National- und Charakterkostüm ist vollkommen über- wunden. Die Phantasie läßt ihre Laune schießen Auck, da» Kostüm wird zum Ausdruck der Persönlichkeit. Di« großen Berliner Ber- lagshäuser, darunter der.Vorwärts"- Verlag, waren mit großen, die Aufmerksamkeit erregenden Werbeflächen vertreten, Di: Kapelle Kenn dach spielt« und die Weintraub Synkopator». Sandy in der Friede lchstraste. Jn den Räumen des eh« maligen Cafz„Skandiiiavia". Frledrichstr. 95, hat sich ein neuer Kaffeehau sbekrieb aufgetan. In drei Etagen verteilt. können sich die Gäste an Musik und Tanz, vor allem aber an Kaffee nick» Kuchen zu wirklich mäßigen Preisen delektieren. Die Räume sind geschmackvoll gehalten, der Kaffeeraum in Hummerrot, die Tanzdiele in blau-gold imt eingelegter Deckenverzierung. Im Erdgeschoß wird in nächster Zeit noch ein Automatenbüsett erstehen, so daß der ganze Betrieb auf das äußerst zeitgemäße Moment der„kleine a Preise" zugeschnitten sein soll. Im Bereich der im Laufe der Nacht zu Dienstag zu uns ge* langten kühleren Luft ist kräftiger Druckanstieg erfolgt. Ein Hoch- druckgebiet hat sich über Mitteleuropa eingestellt. In ihm ist das Wetter in Deutschland meist nebelig trübe. Die Tempera uren«r- reichten daher nirgends mehr ihr« gestrigen Höchstwerte. Mild« ozeanische Luftmafsen fließen aber bereits über England wieder nach Nordosten. Bar ihnen dürft« sich das Hoch langsam nach Osten zurückziehen. Bei dem dann zu �erwartenden Zusammensinken d« Lustmassen wird oermutlich allmähliches Aufklaren beginnen. Das Woltenfelld de» neuen Deprefsionsgebietes wird sich bei uns kaum vor Donnerstag bemerkbar machen, da da» Hochdruckgebiet noch stark genug erscheint, um den ozeanischen Luftmafsen WiSerstand kcisten zu Kirnen. * wekleraussichlen für Berlin und welkere Umgebung. Teils hetter, teils nebelig nachts Frost, am Tag« noch ziemlich mild, schwach« Luftbewegung. wekkercrusflchlen für veuifchland. Im Osten noch vielfach nabeliz, Temreraturen auch am Tag« nur wenig über Null. Im Nordwest«'' zunehmende Wetterbesserung, tagsüber mild, allgemein Nachffrost usd fchwache Lustbewegiwg. Al' gemeine Wetterlage. Scha ut her- Ich bin's der Josef ti-Bär, und werbe für eines der erfolgreichsten Erzeugnisse unserer Stadls •MÖSWttxJfMMXSO Berlins melslgerauchte 4� Cigarette < Die Mär von den Steuergeschenken (Steuerreformer als Weihuachtsmänuer.— Die Wirklichkeit Ostern-1930. Es war einmal<>>» W«chmllhismann, der wsllle on oll- _>.hichien des deutschen Volkes Geschenk« verteilen: au die Arbsitcr und Angestellten, on den Mittelstand, an die ßanbwirstchaft und an das Kapital. In ganz Deutschland kennt man diesen gute» Weihnachtsmann des Jahres 1S2S. Er heißt Gustav Stolper. und in seinem Sack hott« er eine Zinonzreform, die nur„Geschenke verteilte" und„kein Opfer verlangte". Aber als Weihnachten ins Land kam, da wurde dem deutschen Volk eine Erhöhung der Tabaksteuer beschert, da kam der Firwnjmimster über die Kasse r»- schwierigkeiten zu Fall, und es wurde unter den, Druck Schachts«in Tilgungsfonds geschaffen, der wahrscheinlich neue Steuererhöhungen notwendig macht. Welcher Wechsel der Szenerie! Wie läßt er sich erklären? Ist es wirklich so, daß alle Fachleute(oder die sich daiur halten) vsm Januar bis November!929 P!äi>e über«ine. Finanzreform aus- arbeiten dursten, die mit erheblichen Steuersenkungen operierten. und daß ganz plötzlich erst die weihnachtliche Finanzkrise alle diese Pläne iiber den Haufe» warf? Nein, die Dinge läge» wirklich etwas anders, und es ist jetzt Zelt, da die Finanzreform vertagt ist, diese Zusannneichäng« jestzuhalten. Css ist r Ich; ig, daß die Oessentlichlell über den Ernst der finanziellen Lage des Reichs lange Zeit nicht vollständig unterrichtet wurde. vs ist auch zuzugeben, daß die Verschärfung der Situation, die Zuspitzung der Finanzkrise erst in den letzten Wochen des Jahres eingetreten ist: es war in erster Linie die Verschärfung der wirt- schoitlichen Depression, die auf die Reichssuwnze» zurückwirkte. Aber ahnungslos konnten diejenigen, die aufmerksam die Finan.zlag« des Reiches verfolgten, auch schon früher nicht sein. Man muß sich daran erinnern, daß ch i l f e r d t n g als böses Eh?« des Büraerblocks ein Defizit von schätzump weise SOO Millionen Mark übernahm, daß er, um wieder Ordnung in die Staate- sinanzen zu bringen, einer, Haushaltsplan aufstellte, der Steuer- «ryöhung«» um S80 Millionen Mark vorsah. Aber schon damals war das ganz« Bürgertum auf Steuersenkungen, Ausgadcnverringerung und Defizitwirt- schalt eingeschwvren, und unter der Führung des demokratisch geleiteten chansabundes wurde ein wahres Kesseltreiben gegen die geplanten Stcucrerhöhungen veranstallet. Dos Ergebnis dieses Kamp'es war ein F i n a n z k o in p r o m t ß, das wesentlich niedrigere Steuererhöhungen«inhiclt, als Hilferding vorgeschlagen hatte, und das den Haushast durch höhere Eiunahrnenniätzc und niedrigere Ausgobenanfätzs„balancierte". Es zeigte sich aber bald. daß diese Ansätze nur auf dem Papier standen. Es mußte also mit einem Defizit mindestens in dem Betrage, um den man die geplant« Steuererhöhung verkürzt hatte, gerechnet merden. Zugleich aber wurde eine weitere Defizitgnelle sichtbar: die abermals, für den Winter 1929/30, drohenden Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung. Mst diesen gewaltigen Desizitqucllcn mußte schon im Sommer jeder rechnen, der Pläne über«ine zukünftige Finanz- reform omwars. Die siechen sehlcr der bürzerlichen Veihaschta manner. Nun konnte man zwar erwarten� daß es gelingen werde, mit Hilfe der Neparationsentlastung, die der Koung Plan schon für das Rechnungsjahr 1929 bringen joll:c. das Defizst der Jahr« 1928 und 1929 weitgehend zu decken. Dann blieb aber noch immer zu berücksichtigen, daß man für das Jahr 1930 nicht von der schwinde!- haften Basis des Reichshaushastsplancs 1929 auszugehen Hot, sondern von einer höh-ren Basis. Rehmen wir zum Beispiel an, daß der Nachtragshaushost für das Jahr 1929 wirklich, wie vor- gesehen,«in Mehr von 319 Millionen Mark entHallen hätte, das durch die Reparationsentlostung abzudecken ist, dann muß man natürlich damit rechnen, daß dieses Mehr im Iah"« 1930 wiederkehrt. Von der Reparationsentloftung von rund 700 Millionen Mark, die der Houng-Plon für die ersten Jahre vorsieht, mürdeu also mindestens 300 Millionen Mark für das Haushaltsmehr beschlaz- nalsml werde» und nur mehr 190 Millionen für Steuer- senkungen zur Verfügung stehen. Die Piäne der bürgerlichen Finanzreformer rechneten aber durchweg mit einer Entlastung von 700 Million? n Mark. Dies nur ein kleines Beispiel für die Leichtfertigkeit, mit der die bürgerlichen Finanzreformpläne ausgestellt wurden. Di« Bei- spiele lassen sich beliebig vermehre.n. Es fei nur daran erinnert, wie die Demokraten und der Reich svcrbond der Deutschen Industrie die Senkung einzelner Lesitzsteuern um Milliarden verlangten, ahne darüber Rechenschaft zu geben, wie sie sich die Deckung der Milliardenausfäll« vorstellten. Wir wollen uns aber damit begnügen, nur noch ein Beispiel aus dem bekonnten Finanzreform plan Stolpers hcrouszugreiscn. S t o l p e r machte zum Kern seines Finanzprogranrmes das Tabaknwnopol und griff damit einen Gedanken auf, der sich mit den sozialdemoiratischc,'. Ideen deckt. Aber iu der bekannten Groß- zügigkeit, mit der Stoiper Gesthonko verteilt, rechnete er aus dem Tabaknuznopnl ahne Mehrbelastung der Konsumenten einen Mehr- ertrag von KOO Millionen Mark heraus. Später mußte er dann selbst zugeben, daß er sich um rund 300 Millionen Mark verschätz- hat. So wurde damals mit den Hundertmillionen jongliert. Aber der Tabakmonopolplon Stolpers hat auch eln« hellere politische Seck«. Stolper wollte sein««X» bzw. 300 Mil, lwn?>, Mark im wesentlich« auf Kosten des T.abokhandel?, fei es nun des Tabakeinzelhandels, fei es des Tabaknebenhandel?. berausholen. Aber als die?-abastrcuer erhöht wurde und dabei die Absicht Hllferdmgs und der sozialdemokratischen Fraktion klar wurde, eine Mehrbelastung der Konsumenten zu verhüten» da war es gerade die Parter Stolpers, die sich am energischsten dafür einsetzte, daß am Handelsnutzen, das heißt am übersetzten Handewapparat. nicht das geringste geändert werde. Wäre wirklich Schadenfreud« di« reinste Freude, so müßt-- jetzt eitel Freude bei denen herrschen, di« damals die D'ng« nüchtern beurteilten und di« Cefabren erkannten, die ein« Steuersenkung ohne genügende Deckung für di« soziale« Aufgaben des Staates in sich birgt. Aber auch dies« Freude wäre leider nicht ungetrübt. Di» Diskussion über di« Fmanzresorm ist nicht duchalb verstummt. well die Erkenntnis gewachsen wäre, sondern well sich di« Finanz läge des Staates so verschlechtert hat, daß auch dem VNnhesten die AehlerhafÜgteU der meiflen Finanz- reformpläne klar werden«nuhie. Tie Absicht der Regierung,«inen Nachtragshaushalt«inzu- bringen, der für das Jahr 1929 ein Defizit von 310 Millionen Mark vorsah, wurde von der Verschärfung der Depression ver«it«kt. Heut« erwarte! die Reichsregierung für das Rechmmgqahr 1929 allein on Steu«ro usfällen ein Weniger von ZtzS Millionen Mark. Selbst wenn man nickst noch mit welleren B«r- fchlechterungen zu rechnen Hot, bleibt noch dos Mehr an Aus- gaben, dos wir vorläufig auf die Hälfte des ursprünglich vor- gesehenen Nachtragshaushalls— also auf rund ISO Millionen Mark— schätzen wollen, und es wäre demnach allein im ord« nt- liehen Haushalt 1929 mit einem Defizit von etwa SOO Millionen Mark zu rechnen. Dazu kommt aber das neue Defizit des außer- ordentlichen Haushalts, verursacht durch die whsterlichen Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung. Rechnen wir, daß bis zum Ende de? Haushaltsjahres aus diesem Titel 200 bis 230 Mill'onen Mark auslaufen dürften, und fügen wir das Defizit des ordentlichen Haushalts 1928 In Höhe von 134 Millionen Mark hinzu, so gelangt man zu einem Desizit pon o n n ä h e r nd 900 Millionen Mar? per Ende März 1930. Davon würden durch die Reparationsentlastung einschließlich der Jndustriebelastnng etwas über 600 Millionen Mark gedeckt werden, so daß auch«ach Einrcchnung der Rcparatioosevklaskung noch ci« Defizit«on etwa 300 Millionen Mark verbleibt. Dieses BiQ ist an sich schon düster genug. Man darf aber nicht übersehen, daß die Kossenlage noch düsterer ist. Denn die Kasse muh ja noch außerdem das Defizit mitschleppe». das Hilferding als Erbe des Bürgerblocks übernommen hat(abzüg- sich de? durch die steuerfreie Reichsanleihe konsolidierten 180 Mil- lionen Mark). Sie hat weiter an dem Defizit des außerordentlichen Haushalts für 1028 zu tragen, das hauptföchlich durch V« ftöffe« katastrophe des vorigen Winters in dl« Höhe geschnellt ist(erhöhte Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung), und sie ist schließlich mit den normalen Koffenansprüchen belostet, di« vor allem der Quartals- ultimo zu stellen pflegt. Diese gigantischen Schwierigkeiten muß man sich vor Augen halten, wenn man den Komps Hilferdings mit dem Finanzkapital verlieh-' n will, sein« ocrzweisolten 2lnitrengungen. sich aus der immer drohender werdenden Umklammerung durch das Finanzkapital zu befreien: zuerst durch die steuersraic Reichsanleihe, die nur einen kleinen Teilerfolg hatte, dann durch di« Aufnahme eines SO-Millionen-Dollar-.Krcküts i» Amerika, später durch die Zündholz- anleihe und Ichsießlich durch di« Verhandlungen über einen Ueber- brückungskredit bis zum Eingang der Zündholzanlech« mit einer amerikanischen Barstcngruppe. Es ist noch in frischer Erinnerung. daß Schacht den bereits perfekten Ueberbrückungskredit zunichte machte und dem Reich einen tcuevereu Jnlandskredit aufzwang. Aber ob damit sämtliche Kassenschwierigkelten auch mir für die nächsten Monate behoben sind, ist noch eine offene Frage. So sieht es mit den Steuergeschenken der bürgersichcn Weihnachtsmänner aus: dunkel und drohend steht die Zukunft der Reichsfinanzen vor uns. Statt der Geschenke an olle wurde uns zunächst die Erhöhung der Tabaksteuer beschert, und trotzdem und trotz der Rcparationscntlastung haben wir mit einem gewaltigen Haushaltsdefizit und schwersten Kassenforgcn zu kämpfen. Man weiß noch nicht, was der Haushaltsplan des Jahres 1930 bringen wird. Wir würden uns auf keinen Fall damir abfinden. wenn«r eine Senkung der sozialen Ausgaben vorsehen sollte. Aber ob es gelingen wird, ihn ohne neue Steuererhöhungen zu balair- ciercn, das ist noch die große Frag«. Die Notwendigkeit, iirnerhalb eines Jahres den Dezamberkredit zu tilgen, macht es unwahr scheinlich. Es kömste also sebr wohl sein, daß wir zu der viel ,wer- sprechenden" Weihnachlsbefcherung e ine vi« l weniger ver- sprechende O st e r b e j che ru n g betommen. Die Pistole auf die Brust! Herr Generaldirektor Oliven und die Stadt Dresden. Die Stadt Dresden hat— gegen Nationalsozialisten und Kam- muinsten— beschlossen, die bisherigen städtischen Regiebetrieb;; in Aktiengesellschaften umzuwandesir. Sämtliche Aktien will die Stadt Dresden fest in der Hand behalten. Die Umwandlung erfolgt natürlich auch aus der Ueberlegung heraus, für Anleihen und Kredite ein« bessere und bewegsichere Kredisimterlags zu schaffen. Gemeldet wurde, daß Dresden 40 bis SO Millionen zur Erweiterung der Betriebe suche und daß auch die Geselljchasl sür elektrische Unternehmungen— Berlin(Gesfürel) eventuell sich an der Kreditgewährung bcteitigc. Hochinteressant und hochbcachtsich ist nun cm« Erklärung der Gesfürel dazu, die dem„Berliner Tageblatt" aus Anfrage gegeben wurde. Danach hat die Geisürel„an einem Aalcihegefchäfl solange kein Znkercsse. als nickst damit ein völliger oder teilweise? verkauf der städtischen Merke verbunden sein würde". Di« Pistole cnst die Brust, das ist di« Politik des Generaldirek- tors Oliven von der Gesfürel, die der Vorkämpfer des belgisch?» Sorinalrusts in Deutschland ist-, denn selbst hat die Gesfürel die Gelder auch nicht. Es ist die Politik de» Reichsbankpräsidenten Schacht im Interesse de» damschen Hochfinanz und der ausländischen Elektrosimmz, die hier gegenüber der Stadt Dresd«.n verfolgt wird. Aug«n auf gegenüber dicser neuen Enthüllung der Ziele des deut- schn Privatkapitals! Bemberg will Schuhzölle. Erhöhte Aufträge in den letzten Monaten. Die Generalversammlung des Bömberg- Konzerns stand im Zeichen einer Konjunktur- und Zollaussprach. Ter Bor- sitzende des'Aussichtsrats, Benrath, führt: ein« scharfe Sprach« geg«n die Einfuhr billiger ausländischer Kunstseidesadrikat«, von denen im letzton Jahr über 8H Millionen Kilo nach Deutsch- land verkauft wurden. Bei dieser Gelegenheit wärmte der Redner wieder dos alt« Märchen von den bis zu SO Pr o z. niedrigeren Auslandslöhnen auf, obwohl gerade die Löhne bei Bemberg als sehr niedrig bekannt sind. Im übrigen ist der größte Kunstseideimporteur für Deutschland der britische Eour- tau lds-Konzern unl) Herr Benrath sollte es einmal ver- suchen, seine Behauptungen von den um die Hälfte niedrigeren Auslandslöhnen zu beweisen. Wir sind überzeugt, daß er einen schweren Reinfall damit erleben würde. Die gegcnwärtige Geschöstslag« hat sich durch stärker«» Auftragseingang in den letzten dm Monaten erheblich gebessert, trotzdem aber wird die Forderung nach höheren Kunst- s« i d« z ö l l e n ousrechterhalteir. Sic werden damit begründet. daß ein Zustandekommen des geplanten internationalen Kunstseide- kartells noch ungewiß fei. Kommt das international« Kartell. � so hat Bemberg kein« höheren Zölle nötig, denn dann weiden die Preise auf dem Weltmarkt diktiert, schlägt di« Kartellgriindung fehl,(o braucht man die Ausstockung der Zollmauern, um wenigstens dem Inland feine hohen Preise aufzuzwingen. In der Tat eine Logik, mit der sich die Kunstseidemagnaten sehen lassen tönne». RekordZeistnngen der Ruhrkumpel. Sogar die Förderung von 1927 um fast 6 Millionen Tonnen überlroffen. Dos abgelaufene Jahr 1929 hat im Ruhrdergbau einen bisher noch nicht erreichten H ö ch st ft a n d der Aokl«nfö:de- rung gebracht. Sie stellte sich auf 123,6 gegen 114,5 Mill. Tonnen tri Jahre 1928 und lstgt sogar noch um b,7 Mill. Tonnen über dem bisherigen Rekordjahr 192 7. dos noch unter den Nachwirtitngcn des cnglilchen Bergarbeiterstrsiks und zugleich im Zeiche.» einer Hochkonjunktur stand. DI« Koksproduktton. die schon 1928 von 27,4 aus 2SJ Mill. Tonnen gestiegen war, hat sin setzten Jahr gleichfalls ein« sehr kräftige Steigerung auf 3SH Mill. Tonnen er- fahren und damit auch einen Rekordstand erreicht. geschätzt gegenüber 7?» Proz. der 1924 aufgelegten Dawes-An- leihe. Neben der günstigen Lage des amerikanischen Kapital- Marktes kommt in diesem bedeutend oerbilligten Zins- f o tz wich der stärkere Kredit zum Ausdruck, den Deutschland heuie gegenüber 1924 aus dem inlernatioiucken Kapitalmarkt genießt. Was diese Ziusvcrbilllgung für den Kreditnehmer bedeutet, wird daraus ersichtlich, daß allein die Reichsbahn bei ihrem Anteil von 300 Millionen Mark jährlich 3,6 Millionen Mark Zinsen gegenüber dem Zinssatz der Dawcs-klnleihc einsparen würde Wann kommt die �eparationsanleihe? Der amepikeinische Kapitalmarkt ist gegenwärtig so auf- nahmefähig, daß der Zeitpunkt sür die baldige Auflegung der Rc- parationsanleihe denkbar günstig ist. In amerikanischen Finan.zkreisen hält man daher schon innerhalb der nächsten zwei Monate die Auflegung der Slnleihe sür durchaus möglich. J>ie Rendite wird i» New-Borker Bankkreisen aus 6Ü Proz. Sauen nicht mehr decken lassen! Ein Warnruf ver landwirtschastlichen Reichsforschungssielle an die Bauern. Die Reichsforschungsstells für landwirtschaftliches Marktwese». die vom Genossen Dr. Vaodc geleitet wird, ist besonders auch darum bemüht, der deutschen Landwirtschaft beizubringen, daß es durch richtiges Vorgehen in der Schweinezucht kein« Schwei nc- p r e i s k a t a st r o p h en zu geben braucht. Eines der wichtigste» Instrumente dabei ist die in Massen verbreitete, von der Reichs- forfchungsstelle herausgegebene Schweinefibcl. in der den Bauern gezeigt wird, wie der Zusammenhang zwischen der Höhe der Schweweprcise und der Auszucht der Schweine allein sür die Preis- stürz« für Schwein« verantwortlich zu mache» sind.:. r? Ausgehimd von der letzten Zähluvg vom.2. Dezember 1929. wird eine Prognose für den l: März und sür den 1. Juni 1930 zu geben versucht. Danach ist für den 1. März im Gesamt- bestand keine wesentliche Aendernng zu erwarte»- aber eine um so wichtigere Verschiebung in den Altersklassen. Di« Zahl der Ferkel werde eine sehr starke Zunahme, die Zahl der Schweine zwischen acht Wochen und einem halben Jahr einen starken Rück- gang, und die Zahl der über ei» halbes Jahr alten Schweine wahrscheinlich«ine geringe Zunahme zeigen. An trächtigen Sauen«rfalye saisonmäßig eine weiter« Zunahme, wenn nicht das Belegen der Sauen im Januar und Februar noch in zwölfte? Stunde«in-- geschränkt werde. Für den 1. I u n i sei die Annahme eines Ferkelbcstandes von 5,3 Millionen nicht unberechtigi. Dieser hohe Ferk«ll>cstaud werde da im den infolge des strengen Winters ungewöhnlich niedrigen Bestand vom L Juni o. I. um nicht weniger als 2 7 Proz. überstiegen. Die Reichsforfchungs- stelle sährr dann wörtlich fort: „Treffen diese Schätzungen einigermaßen zu, so dürste die Entwicklung der Austriebe an Jnlondsschweinen«tum folgendermaßen verlaufen: Während die Austriebe der letzten Monate kehr stark unter denen der entsprechenden Vorjahrszeit lagen, dürsten sie sich von Februar bis April 1930 ziemlich mit denen des Bor- jahres decken, eher etwas höher sein. Ab Mai dürste gegenüber dem Vorjahre ein« nennenswertere Zunahme zu erwarten fein. wobei sich jedoch die Austriebe bis Juli immerhin noch unter den entsprechenden Auftrieben von 1028 hielten. Diese werden voraussichtlich ab August überschritten. Die lleberschreitung dürste jedoch bis zum Monat Oktober keine allzu große fein. Die besonders gefahrvolle Erhöhung der Auftriebe ist unseres Erackstcns in den Monaten Dezember 1930 bis Februar 1931 zu«rwrrten. Ob sich für die dann folgende Zeil ab Nlürz 1931 eine aus- gefprockjene kalaflrophc vermeiden lassen wird, liegt zur Zeit noch iu der Hand der schweinchallenden Laudwirtschast. Die Ver- Meldung einer Katastrophe ist nur dann nröglich. wenn die Land- Wirtschaft«nverzögUch zu ein«? starken Einichräukung des Decke vs von Sane-, schreitet, und zwar derzeskalt. daß kein« mehr Som« Zum Decke» zulötzt als Im Zahrc 192»." ArbÄtsabkommca zwischen Schtchau uud dc» Kieler Reichs- betriebe.-,. L.t Schierau werft m Elbiug Danzig. d-arc» oanierur.g im vergangenen Jahr mit Reichshilfe durchgeführr wurde, hat jetzt mit den reichseigencn T c u t j ch e n Werken in Kiel ein Abkommen getroffen, wonach Lchichou zur Erweiterung sein-s Pompenbaues dl« Äanstruktione», Modelle und h�atcnte de., Kieler Unternehmens erwirbt. Die Deutschen Werte werden sich in Zukunft auf d-»' Bau von Schiffspumpen beschränken. Schichau hat sich seinerjeus der Verein tgung Deutscher Pumpeniabriken Vorsig-chall S. m. b. H->n»erlin ana:. schlössen, bef d-er bereits der Ver. rieb und die konjtruktwe Entwich. lung für die führenden deutschen Pumpenfabriken konzentriert ist Wertpo vi er-Ssleuder 1930. Im Verbm.�Das Spezialarchw der Deutschen Wirtschakt" R. u. H. Hoppenstedt. Derün SW.. ist unter dem Titel ,K f f e k t en k a l e n d e r 1 9 S 9"«in kletner händ, sicher Kalender erschienen, der für vrientierungszwecks sehr geeian-t ist. Neben einem vollständigen Kalendarium enchält er insb: sondere die Kursbewegung der Termin, und und lautend notierten E kiekten sowie Reniobisitatsberechmingrn. Der Prem beträat 1 Mar» LeraMwoiUnd btr Paliitt: S-i-t«ce-r! Sirilckialt-.«liiqrlhiist-! Ge»«:lschastrdewcgi.'iizi Z. Eteiner:>z«iiiLetoi-.i De. I»h» kltitsw«?,; Colifce und LociZiees. Ärie a«iöe»h Änzilaen: U. sämtlich in Kerli» Verlaa:?orwiir!s.B-rlag S. m b. H.. Berlin Etui: Socmcr Molukken-Kakadu, der. jung ausgezogen.- zu den reizendsten-und liebenswürdigsten Papageien zähll. Me australischen Papageien da- gegen werden meist mcht in gezähmtem Zustande. eingeführt. Sie gehören wegen chrer Schönheit und Seltenheit zu den begehrtesten Papageien. Da sie zum Teil sich auch in der Gefangenschaft fort- pflanzen, sind sie hoch im Preise. Aehnliches gilt von den afrikanischen Zwergpapageien. Bon den gezähmten sprachbegabten Papageien werden am häusigsten die Amazonen gehalten. Der Groupapagci findet wegen seines Hohne Preises' weniger Liebhaber, trotzdem er als der begabteste der ganzen Sippe gilt. Al lein Taler und mein Sohn Jeler 3*ong: Mein Sohn ist 9 Jahre all. Wenn ich nun den kleinen Jungen betrachte, stelle ich fest, daß er ein ganz anderer Mensch ist, als ich es in seinem Aller war. Ich bin jetzt 42, 33 Jahre Differenz ist zwischen uns vorhanden. In dieser Zell muß die Well sich sehr »»ändert Huben. Ich wundere mich sehr, daß es zwischen Vater und Bater solch große Unterschiede gibt. Mein Dater z. B. war geschell wie ein Akademiker. Ich konnte sehr viel von ihm lernen. Dagegen kann mein armer Sohn von mir gar nichts lernen. Denn ich bin«in Ignorant. Wie schön war es, wenn mein kluger, weiser, genialer Vater mll mir spazieren ging. Ich war ein sehr neugieriges Kind. Doch mein gelehrter Dater konnte auf alle Fragen, die ich an ihn richtete, schlagfertig antworten. Ich erinnere mich noch, wie ich eines Tages zum ersten Male eine Straßenbahn erbllckte und meinem Dater zurief:„Papa, schau ma< hm, eine Pferdebahn ohne Pferde!" „Das ist keine Pferdebahn, sondern eine elektrische Bahn," er- klärte mir mein Vater. „Und wer zieht den Wagen?" fragte ich. „Niemand! Er geht nur elektrisch!" '.Elektrisch'? Was ist das?" Mein Dater, der nicht Jmlbon konnte, wenn jemand ein Dunnn- kopj war, schwang seinen Spazierstock in der Luft und sagte erregt: „Du Kerl, wenn du noch solche Dummheiten fragen wirst, kriegst du eins von mir!" An diesem Tage besuchten wir auch unseren Onkel, der ein reicher Mann war und in seinem Arbeitszimmer einen Telephon- apparat hatte. Prioattelephon war damals noch eine große Neuheit. Ich trat nahe an den Apparat und begann langsam und bedächtig den Hörer mll meinem Zsigcfinger zu berühren. Mein Vater, der nicht nur ein kluger, sondern auch ein vor- sichtiger Mann war. sprang in diesem Augenblick von seinem Sitz aus und versetzte mir eine schallende Ohrfeig«. „Du Hergelaufener!", rief er.„Nicht ansosien! Es kann explodieren!" Ja. ja. in jener Zeit explodierten noch manche Telephon- apparate. Wahrscheinlich waren sie mit Schießpuloer gefüllt. Alz mein Bater und ich noch Hause gingen, war es schon sehr dunkel. Die elektrische Beleuchtung in der Straße der Kleinstadt war noch eine Sensation. Es war kall, mindestens 20 Grad. Alle elektrischen Dirnen waren plötzlich ausgegangen. «To kall ist es." erklärte mir mein Vater,„daß der Strom erfroren ist. Weißt du. was Strom ist?" .Mein," antwortete ich. „Na also. Lssne deine Ohren und hör mal zu. Es gibt ein dünnes Rohr, m das das Cleltrizitätswerk Strom hiaeinspritzt. Wenn es aber so kall ist wie jetzt z. B., so kann der Strom er- frieren und zu brennen aushören." In diesem Augenblick slamnllen die Lampen wieder auf und brannten weiter. „Wahrscheinlich mildert. sich schon das Wetter," bemerkte mur- melnd mein Vater., Mein Vater war ein Genie. Ein fertiger Ehemiter. Techniker, Meteorologe, er wußte alles Alles, was ich heute weiß, lernte ich nur von ihm. Also, als mir-meine Frau unlängst sagte, daß ich als Vater mit meinem Sohn einen Spaziergang machen könnte, entschloß ich mich, meinen Sohn unterwegs auf verschiedene inier- essante Dinge aufmerksam zw machen und sie ihm zu erklären. Wir spazierten am Kursürsiendamm.. Ich, der Zweiundvierzigjährige zeigte meinem Neunjährigen ein Auto: „Siehst du? Ein Hanoinag!" Mein Sohn schaute hin und sogt«:, „Du hast Glück, Papa! Niemand hat dein« Dununhett gehört! Das ist kein Hanomag, sondern ein südamerikanischer HPG. Das neueste Modell. Es gibt vorläufig mir drei Wagen in der ganzen Well. Einen hat der alte Rockeieller seinem jüngsten Enkel als Geburtstagsgeschenk gegeben, der-zweite ist im Des ig« eines Maharadschas in Westindien, und der drllte laust hier in Berlin."_ Ich schämte mich sehr, denn ich sah, daß mein Sohn selbst das lebende technische Lexikon ist. Nunmehr entschloß ich mich, modern technische Fragen nicht mehr zu berühre». Ohne ein Wort spazierten wir weiter, als ich endlich einen Schrrmmacher erblickte, der unter seinem Arm alte Schirme trug. Ich war ganz glücklich. Endlich etwas, ein altes Ding, da» mein Sohn nicht kannte. „Du!" wandte ich mich stolz an ihn.„Weißt du, wer dieser Mann ist? Der Mann dorr, der eben uns gegenüber steht ist ein Schinnmacher!" „Papa, du bist ein Kamelchen." lachte mich mein Sohn aus vollem Halse aus.„Dieser Mann dort ist kein Schirmmacher. sondern er ist ein Golfspieler!" Ich ließ meinen Sohn dort an der Straßenecke allein, und zwei Tage lang ließ ich mich nicht zu Hause sehen. So waren gestern unsere Bäter. Und so sind heule unsere Söhne. Kurze Wellen. In Erlangen hat Dr. Kohl etne Radioröhre hergestellt, mll der er Wellen bis herunter zu 8 Zentimeter Läng« senden kann. An diesen Wellen lassen sich sehr lehrreiche Studien über Brechung, Beugung. Polarisation usw. anstellen. Wahrschein- lich werden sie auch in der Chemie und Medizin zu Bedeutung ge- langen. Für die Funktechnik kommt in Betracht, daß sich die Wellen sehr scharf in bestmonter Richmut senden Mol Woderne Qehirniorfchung Als die beiden französischen Forscher Guilleaume Louis und Dubreuil-Chambardel von kurzem das Gehirn des berühmten sran- zösischen Dichters Analole France untersuchten, waren sie erstaunt, daß es nur 1017 Gramm wog. Bis vor gar nicht langer Zeit galt nämlich vielfach das Gewicht des Gehirns als Maßstab der In- telligenz, wird doch dos Gewicht des Menschengehirns.nur von Eiesant und Wal übertroffen. Das Hirngerrncht anderer Tiere ist bedeutend geringer als- das des Menschen. So beträgt das des Pferdes nur die iiälste, etwa 700 Gramm, das des Gorillas nur 500 und das des Schimpansen nur 400. während das des Löwen kgum 200 Gramm übersteigt. Setzt man aber das Geipicht des Gehirns in Beziehung zu dem Körpergewicht, so ergibt sich, daß das Gehirn. des Menschen verhällnismäßig am meisten wiegt. Panach finden wir beim Elefanten ein Verhältnis von 1 zu 360, heim Löwen von 1 zu. 330. Um auch noch einige Hirngeipichte bekannter Männer zu nennen, so sei hier das von Kgnt mit 1600, das von Moinmsen mit 1423, das von Dante mit 1420 und. das von Byron mst 1607 Gramm angegeben. Seitdem man aber weiß, daß das(siewicht von Justys v. LiÄügs Gehirn mit 1100 Gramm und das des berühmten italiem- scheu Heerführers Gambetta mit 1000 Gramm festgestellt tpurd«, konnten Hirngewicht und Intelligenz bzw. geistige Größe nicht mehr in Zlbhän-gigkest voneinander gebracht werden. Heute wissen wir, daß Hirngewicht und allgemeiner Körperzustand, Fettreichtum, Todes- Ursache, Wassersucht usw. eng zusammenhängen, so daß wir uns hüten, allzu weittragende Rückschlüsse aus dem Hirngewicht aus Geistesgröße usw. zu ziehen. Bielleichr ist aber nicht das Gewicht, sondern der Fassung?-- raum des Schädels ausschlaggebend? Das wird durch die zuerst von Lombroso und später auch durch den Wiener Gelehrten Benedikt festgestellte Tatsache widerlegt, daß gerade Mörder oder anormal Veranlagte einen enorm großen Fassungsraum des Schädels haben. Interessante Feststellungen wurden aber in dieser Richtung insofern gemacht, als man eine deutliche Zunahme des FassüngSraumes der Schädelkapsel im Verlaufe der Jahrhunderte fand. Mo. sortschreite'n- der Kultur wächst also der Fassungsraum des Schädels. So finden wir iin 12.. Jahrhundert einen durchschnitttichen Fassungsraum, der um 33 Kubikzentimeter geringer ist als der- im 19. Jahrhundert. Sollte es denn nun überhaupt keinen Aichalt für.Intelligenz und Begabmig im Gehirn oder am Gehirn geben? Zuerst glaubte>Nan in dem Reichtstm an Hirnwiitdungen, ihrer'Anzahl ükid'Art einen Hinweis aus Intelligenz gesunden zü haben.?lls aber um 1910 der Deutsche Koglbrugge an einem außerordentlich reickzen Material nach- wies, daß die Harnwindungen sehr verschieden und sehr mannigfaltig sind und daß sich aus ihr«? Gestalt. und'Anordnung nichts fest- stellen läßt, als schließlich Mall verschiedene vorher genau. gekcrnV zeichnete Neger- und Europäerhirne verschiedenen Anatomen, denen die Hertunst unbekannt war, zur Begutachtung vorlegte und aus ihren Aichworten nachweisen konnte, daß sich' aus Gewicht, Gestalt .und Beschasienhech einzelner jTdle nichts über Abstammung und Geschlecht des Trägers sagen läßt, mutzte auch diese Methode als ünwissenschofWch abgelehnt werden.----~ Um so eifriger wurde weiterhin an diesen Problemen gearbeitet. So trat dann Brodmann bald mit der Meinung hernor, daß nur das Stirnhirn Einfluß auf Denktätigkeit und geistige Oualitäten ausübe. Setzt man nämlich dos Stirnhirn!n Beziehung zum Ge- samthirn, so erhält man folgende Zahlen: beim Menschen' 29, beim Schimpansen 17, beim Pavian 10, beim Hund 7, bei der Katze 3 ustd beim Kaninchen nur 2 Prozent. Die„hohe Stirn",-die ja auch heute noch als Zeichen.der Begabung angesehen wird, hat also. in. dieser Hinsicht ihr« Berechtigunz. Neuerdmgs machen sich aber auch noch andere Meinungen geltend. So glauben die Physiologen,- namentlich die physiologischen Chemiker, daß Begabimg und Intelligenz von dem Vorhandensein von Phosphor und Stickstoff im Gehirn abhängig sind. Namentlich die LeZithine und' die Zereb'rosine sollen.hierfür ein guter Maßstab sein, und die neuesten Forschungen auf diesem Gebiete, die nach Zufuhr dieser Stosse sehr ost herabgesetzte Ermüd- harkeit an den Versuchspersonen und gesteigerte psychische Lebhaing- keic erkennen ließen, scheinen dieser Meinung recht geben zu wollen. Di« allerneuesten Versuche aber, die mit Hilfe des elektrischen Stromes unternommen wurden, scheinen auch auf dem besten Wege zu sein, die Zuscunmenhänge zwischen Gehirn und Intelligenz ans- zudecken.' Srhaltung der kanadischen x�olem- Pfühle .Hunderte von Totem- Pfählen, diesen charakteristischen Erzeug» nlssen der indianischen Kunst, sind über Brit iich-Äoluiiibten verstreut. Viele von ihnen finden sich in einem Bereich von 25 Kilometer an der kanadischen Eisenbahn. Von den SlAssichtswagen der Züge aus kann man viele dieser stattlichen Kunstwerke sehen. Di« kanadische Regierung unterninmrt nun seit einigen Monaten Maßnahmen, um diese Denkmäler der alten heimischen Kultur für künftige Geschlechter zu erhalten. Archäologische Sachverständige sind zur Ausnahnoe der einzelnen Totem-Pfähle und zu ihrer Erforschung ausgesandt Vörden. Früher hielt man diese indianischen Schnitzereien sür Götterbilder, ober es steht jetzt fest, daß sie von den Indianern zur Erinnerung an berühmte Tote errichtet wurden. Viele der Pfähle wurden von ihrem -ursprünglichen Standort entfernt und in Museen oder Parks aüs- gestellt. So befinden sich z. B. im Stanley-Park zu Dancouver zahlreiche vorzügliche Beispiele dieser indianischen Kunstübung. Man hat ein indianisches Musterdorf aufgebaut, das mil zahlreichen Totm-Psählen geschmückt ist. Die neuen Erhebungen zeigten, daß die älteren PsölZle aus besserem Holz geschnitzt sind als die jüngeren. Nachdem der Baumstamm forgsältig von allen Zweigen befreit und seine Oberfläche geglättet war, brachte der Schnitzer an dem Pfahl Symbole an, die zu der Familie des Toten in Beziehimg standen. Diese Schnitzereien weisen eine große Ntannigsaltigkeit ans. In manchen Fällen stellen sie die Person dar, der zu Ehren der Pfahl errichtet wurde. In anderen Fällen enthatten sie Symbole aus der Familiengeschichte oder mythologische Gestalten sowie die Wieder» gab« von Ereignissen, die nur in der Phantasie der Indianer existierten. Es gibt grotesk« und grausige Gestaltungen, die einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen. Die kanadische Regierung hat sich, bevor sie die Wiedercheritellung der Totem-Psähl« unternahm, die Erlaubnis der indianischen Stämme gesichert. Zunächst wollten die Häupttinge nichts d?van wissen, daß sich die Weißen an ihren Totem-Pfählen etwas zu schassen machten: nachdem ihnen aber gelobt worden war, daß es sich nur um Erhaltungsarbeiten handelt, unterstützten sie sogar die Re- staurierung durch Angabe der genauen Farben, mit denen die Pfahle geschmückt waren. Gefahr der Arbeitslosigkeit. Die Parole der Gewerkschaften: Schafft Arbeit! Li« Rot steigt. Lvch dm zuqtrstchtlichst«» Optimisten. -i« für di« zweit« Hälft« dieses Jahres«inen groß«» wirtschaftliche» AitsschMing zu prophezei«» glaub«», können nicht übersshsn. daß der Augenblick von unverkennbarem Ernst ist. Di« Arbeitslos«», unter denen große Mafien vor dem Ausscheiden aus fast j«id«r Untorstlitzung stehen, können nicht dem Verhungern preisgegeben werde». fjfüir di« Ankurbelung de« Baumarkt«? muß so rasch Vi« möglich etwas geschehen. Die mit der Wsung nur di«s«r beiden Fragen bereits v«rt>vnden«n Finanzschwiorigkeiten Verden von einem ver- blendeten Unternehmertum benutzt, um di«Sozlalpvlitik«in> zuengen und abzubauen. Demgegenüber dringen die freien Gewerkschaften mit fteigendem Nachdruck darauf, daß umgekehrt gorad« fetzt fort- schrittliche Sozialpolitik getrieben wird. Dieser Standpunkt d«r Ge> ««rkschasten ist soeben in K ö l n auf einer Tagung des A D G B., Bezirk Rh einland-Westfalen, von den Reichstags- abgeordneten Graßmann und H« i n i g eingehend begründet worden. Großmann wie« darauf hin, daß«ins allzu große Verschuldung der Arbeitslosenversicherung an da» Reich ein« Gefahr für di« S» l bst v e r w a l t u n g der Reichsanstalt darstellt. Die Finanz- schwicrigkeiten der Reichsanstalt könnten jedoch unmöglich auf dem Wege der Solidarhaftung der Sozialoerfiche- rung zugunsten der Arbeitslosenversicherung beseitigt werden. Es sei schon schlimm genug, daß durch die Schuldenmacherei de« Reiches bei der Juualidenversicherung dem Kleinwohnungsbau«norm« Mittel entzogen worden seien. Grohmann ging mit«inigen Sätzen auch auf die Frag« der Äapitalbildung«in. die neuerding» von den Ilnternihmern bei ihrem Kampf gegen die„sozialen Lasten" immer wieder aufgegriffen wird. Er erklärt«, die Unterirehmer hätten ihre tfiewinne in den letzten Iahren in steigendem Maße in die Betriebe gesteckt! nach dein Urteil von Vanksachverstöndigen hätten heute viele Betriebe zuviel Kapital. Die Kapitaldildung bei den Sparkassen sei der Industrie nicht willkommen. Di« Gemeinden wolle man unter dem Druck d«r Lapitalnot sozialpolitisch an di« Kette leg«». Schon Hab« man vielen öffentlichen Betrieben, die dem Privattapital ein Dorn im Auge seien, den Weg zu langfristigen Ausländsanleihen abgesperrt. Die Kapitalsperre Hab« den Baumarkt in eine Katastroph« gestürzt, so daß schließlich sogar di« Bauunternehmer nach «iner Arbeitsgemeinschaft mit d«n Gewerkschaften gerusdn hätten. Ein Ausweg aus dieser Sackgasse, in die die Diktatur Schacht» geführt habe müsse jetzt endlich erzwungen werdsn. Die Parole des AGDB. laut«: „Schafft Arbeit durch Förderung des Wohnungsbaus!" Langfristig« Auslandsanleihen müßten in vorsichtiger, di« Miete nicht zu sehr belastender Form hereingenommen werden. Steuer. senkungen könnten nicht vor Balancierung de« Etat» erfolgen. Im Notsalle Hab« man mit einer befristeten Er- höhung der Steuern auf Genußmittel im Wege einer außergewöhn- lichen Hilfsmaßnahme zu rechnen. Die Steuerrückstände müßten höher verzinst werden, und jede Lohnharabsetzung, die die Kaufkraft der Massen weiter schwäche, sei auf» energischste abzuwehren. Die So- zialpvlitit, das heißt den Damm gegenüber dem Angriff auf Lohn und Arbeitszeit bis zum letzten zu verteidigen. sei soziale Pflicht. Reichstagsabgeordneter H e i n i g behandelte die st r u k t u r« l. len De ränderungen in der Wirtschaft. Die Wirtschaft geh« gezwungenermaßen zur Planwirtschaft über. Das de- deutet Konzentration auf wenige besonders rationell« Betriebe, also Stillegung für viele Werk statten. Mit Subventionen sei da nicht zu Helsen. Vom Betrieb au» sei das Problem nicht zu lösen. Di« Entwicklung zur Planwirtschaft könne man nicht hemmen. Man könne und müsse jedoch ihre schädlichen Aus- Wirkungen auf die Arbeiter auffangen, und dazu sei eben ein« gut ausgebaute Sozialpolitik notwendig, die den Arbeiter solang« zu betreuen habe, bis er wieder Arbeit finde. Di- Sozialpolitik sei der starke Wall, der den Unternehmer verhindere, bei Arbeitslosigkeit das Lohnniveau zu senken. Defizit und Sozialversicherung. Angestellten versichelung und Fieichsetat Das Direktorium der Reichsverficherungsanstalt für Angestellte und deren Verwaltungsovsschüsse für Haue- l>alt und Rechnung sowie für Heilverfahren«enden sich ei»- stimmig gegen den au» der Press« bekannt gewordenen Plan, zur Finanzierung ttr A r beit»los« nu nterstützu ng Mittel her übrigen Zweig« der Sozialversicherung heronzuzi«h«n. Die Wüchlagtn der Angestelltenoersicherung seien zur Deckung der teufend«» Renten und der erworbenen Anwartschaften bestimmt und nptsg Di« Leistung, sähigkeit der Anxestelltenversicherung ipär« nicht mehr ze- währlcistel. wenn ihr« Rücklagen für sremv« Persicherungszwecke angegriffen werden. Der Reichsverficherungsanstalt für Angestellt« rosirde damit auch die Möglichkeit zeraijchs, ihr« Rücklage» weiter- bin dmlefenxweisj langfristig per Wirtschast, insbesondere der Förde. nmg de, Wdhäiingsbgu«,. zur Verfügung zu stellen M stand«svers ich srunzsgnstalt«» Wrst»» Igifm e r« T''«»der« Haltung«innAhm«». Fils d» Invhsidenper- sicherung besteht noch viel««Niger«in» Möglichkeit, sich aus das Experiment einer Gefahrengemeinschost zugunsten der Arbeitslosen. Versicherung einzulassen Die Krise im Navgewerb«. Aber Bouorbeiter erhalten keine Arisenonterststhyng. Di, baugewerhliche« Arbeijizrpgrbünd«: Bau- gewerkebund, Zentralverband der Zinmwrer. Dachdeckeroerband. Steinarbeiterverband, Maleroerbanh. Zentral perband der Maschi- nisten und Heizer und Christlicher Bauarheiterrterhgnd haben eine gemeinsam« Eingabe an den R« i ch s g r h«i t s m i n i st e r gerichtet, worin di« Zulassung der baugewerblichen Arbeiter zur Krisenunter st ützung gefordert wirk». Di- Bauarbeiter sind von der Krisenunterstützung während der Zeit der berufsüblichen Arbeitslosigkeit ausgeschlossen. Dieser Zustand hat bereit» im Winter 1928/5$ die Lauarbeitergruppen schwer benachteiligt, im jetzigen Winter ist er völlig u n- haltbar geworden. Die Rot unter der Bauarheiterschast ist riesengroß. Die Ein- giche der Verbände beweist da» mit erschütternden Tatsachen. Di« Konjunktur in den Sommermonaten war«rbärmlich schlecht. Irgend- welch« Rücklagen konnten infolgedessen nicht angesammelt werden. Nur in einem einzigen Monat des vergangenen Jahres im Juli— war die Arbeltslosigksit unter den Mitgliedern des Bau- gewerkebundcs bis auf weniger als 19 Pro», gesunken: im Juli und August betrug sie 19 Proz.. im April hatte sie noch 29 Proz. betragen und im Oktober war sie bereits wieder s«s 17 Proz., Im Noveniber schon auf 22 Proz gestiegen. Dabei hätten bei normaler Wirtschaftsloge nach eüem Winter wü dem letzten die Bauarbeiter mit der Laterne gesucht werden müssen, um di« im Winter versäumt« Arbeit nachzuholen. Die Arbeitslosenzifsern im April und Mai zeigten jedoch daß nichts ver» säumt war, dem, e» lagen gar keine Aufträge vor. Wie der Bundes- vorstand des Baugewertsaundes in«iner besonderen Erhebung fest- stellte, hatten von �45 194 Mitgliedern, gleich 99,1 Proz. der gesamten Mitgliedschaft des Bandes, 44 844 oder 19,1 Proz. am 1, Dezember bei etwaiger Arbeitslosigkeit keinen Anspruch auf Arbeit». l o s« n u n t« r st ü tz u u g und 29 943(gleich 13,5 Proz.) hatten in d«r Zeit vom l. Januar bis 1. Dezember keine 26 Wvchen ver. sicherungspflichtige Beschäftigung finden können. Fast 79 999 Mit- glieber mußten sich mit weniger al» 26 Wochen Beschäftigung in 11 Monaten begnügen. Aehnlich traurig liege» die Derhültnisse bei den übrigen baugewerbliclzen Arbeitcrverbänden. Hier ist Hilfe, und zwar rasche Hilfe geboten. Keine Ausgleichsquitwngen geben! Tariftreue der Zwischenmeister. Schon seit langer Zeit erklären di« Zwischenmeister bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, daß um« ästen Umständen die tetzte Hand auch den ihr zustehenden Lohn für ihre Arbeitsleistung«h-jlteN müsse. Ganz anders betont dies der Ber- liner Bonland des Ken irol Verbandes der Lohngewerdetreitendeu für da? Damenfchneiderzewerb« Deutschland» bei allen Berhano- lungen und ganz desonders noch in der letzten Woche Ein Un- beteiligter muß. wenn er die Vertreter dieser Organisation hört. zu der Ausfassung kommen, daß es für die Arbeiter keine bessere Interessenvenretung geben kann, als die Zwischenmeister. Dieselben Zwischemneister empfehlen aber schon seit dem vorigen Jahre ihren Kollegen ein Formular für die Personal-Kartochek, das— noch ihrer Auffassung— so gut mit der Tariftreue in Einklang zu bringen ist, daß e» in keinem, auch nicht in dem kleinsten Betriebe, fehlen darf. Auf diesdn Formular sollen die Personalien de» Arbeiters auigeuommen, die Lohn- und Lteuerbeträge singe- tragen werdsn usw. Dann heißt es zum Schluß:„Arbeitsord- nung, Arbeitezeit von... bis... Gegenseitige Kündigung findet nicht statt." Laut Tarssoertrog besteht aber ein« eintägige Küntzi- güng. In. verkleinerter Druckschrift heißt«» dann weiter:„Meine Invalidenkarte. Steuerkarts, Arbeitsbescheinigung sowie meinen Restlohn habe ich heut« erhalten, irgendwelche' Ansprüche Hab« ich nicht mehr." Dahinter: Datum und Untersch'rist. Der„VorwäN?" hat schon des ökteren und auch in den letzten Tagen vor diesen Äu-akeichsouittuvzen gewarnt. Immer mied« muß daraus hingewiesen wtrden, daß derartige Revers« besonder« klesn gebrückt find, wodurch dies« leider sehr oft übersehen werden. Nur durch den festen Zusammenschluß in der freigewerkschast» lichen Orgomsation kann«in derartige» Vorhaben unmöglich ge- macht werden. Die Antwort aus diese..fortschrittliche" Einstellung der Berliner Zwischenmeister muß lauten:„Keinerl«! Unterschrift- leiswng! Verlangt eure tariflichen Rechte, zeigt den sich mit dem sozialen Mäntokchen umhängenden Zwsschenmeistern, daß ihr eure Recht« wahrt. Gebt eurer Organisation, dem Deutschen Betleldungs- arbeiter-Bsrband, Filiale Berlin, Sebastianstraße 37/58(Sprech- zeit 9 bis 13 Uhr und außerdem jeden Freitag von 17 bis 1814 Uhr), von allen Vortlmurmissen bei den Zwischeraneistern Kenntnis, damit dUfrfben unterbunden werden." Dann wird auch in der Tariftreue der Zwischemneister eine Aenderung etMreten! Ford will das Veifpiel geben. Jünstagewoche und 16 bis 24 Mark Lohn pro Tag. Köln, 21. Januar.(Eigenbericht.) In einer Unterredung eines Vertreter» der„Kölnischen Zellung" mit dem Generaldirektor Heine der deulschea Ford-Gesellschasl äußerte sich dieser über die L o h a- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in der in Aussicht genommeneu Kölner Fmd-Zlieder. lassung u. a.:„Es ist ebensogut möglich, daß wir mU nur 890 Mann velegschasl beginnen, und wir nicht gleich zu Anfang 1590 einstellen werden. Aus jeden Fall werden wir jedem Arbeiter einen VI t a. destlohn von 16 Mark am Tag« zahlen, steigend bi» 24 INark täglich. Es stimmt auch, daß wir in unserem Kölner velriebe die ö-Tage. Arbeitswoche einführen werden (49 Arbeitsstunden in der Woche). ★ Also Ford will nunmehr seine seit langen: gemacht« Ankündigung verwirklichen und in Europa dieselben Reallöhn« zahlen, die die Fardarbeiter in Amerika erhallen. Die vorstehend angekündigten Löhn« liegen nicht unwesentlich unter den in De- troit gezahlten Nominallöhne. Immerhin: Fünftagewoche und Wochenlöhnc von 89 bis 129 Mark— Ford wird unter>den quali- fiziertesten Arbeitern wählen können. KPD. sprengt Gewerkschasteperfammlungen Gcwaitmethoden gegen den Ealtlerverband. Am Dienstagabend fand die Jahresversammlung der Branche der Tapezierer im Satlleroerband statt. Oder rnelmohr: sie sollte stattfinden. Infolge der Gewalttätigkeiten der Mitglieder der KPD., denen ihre politische Hörigkeit lieber ist als ihre gewerkfchaftliche Zugehörigkeit, mußte die Ver- sammlung geschlossen werden, ehe.stc eigentlich richtig begonnen hatte. Wie erinnerlich, waren die Mitglieder der KPD. Hegen- bort. Buttkau und Fleischer, Mitglleder der Tapezierer- bronche des Berbondes der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller, aus diesem ausgeschlossen worden, well sie sich die Beschlüsse des komnuinistischsn Eewerrsckzaftskongressas zu, eigen und für sie in emer öffentlichen Versammlung Propaganda gemacht hatten. In der Branchenversammlung d« Tapezierer am Dienstag wurde der unmöglich« Antrag gestellt, die Ausgeschlossene» zur Versammlung zuzulassen. Der Antrag war unzulässig und wurde deshalb auch nicht zur Abstimmung zugelassen. Der Bevallmächtigte Osten sowohl wie der Derbandsvorsitzend» Gerhardt wiesen die ilnzuläfsigkest des An- trage» nach und zeigten gleichzeitig, mit welchen Mitteln di« Aus» geschlossenen im Auftrage der KPD gegen die Gewerkschaft vor- gingen. Daß es sich lediglich um eine im Auftrage der KPD. aus- geführt« Zlktion handelt, geht aus dem Schreiben des Hegenbart an den Bevollmächtigten hervor. Er, Hegenbart, habe die in der öffentlichen Versammlung angenommene Entschließung von der KPD. erhallen und, nach Annahme durch die Versammlung, wieder an die KPD. zurückgeschicfL Der Bevollmächtigt« müsse sich an di« KPD. wenden, wenn er den Wortlaut der Entschließung kennen wolle Dies« und.ähnlich« Dinge sprechen deutlich genug, wie die Aus- geschlossenen zur Organisation stehen. Aber die KPD. hatte befohlen. Eine zwar klein«, aber desto lautere Minderheft machte fortwährend Radau. Schließlich bildet« sich auf Verabredung ein Stoßtrupp, holt« die vor dem Soaleingang wartenden Ausgeschlossenen und drang mit diesen gewaltsam in den Saal. Großer Tumult. Ein Ueberfallkommando erscheint. Die Versammlungsleitung, die das Ueberfallkommando nicht gerufen hatte, lehnt« dessen HUfe ab. Besonders mit Rücksicht aus Die zahlreich anwesenden weiblichen Mitglieder wollte man die von den Hörigen der KPD. gesuchten Gewalttätigkeiten vermeiden. Di« Versammlung wurde geschlossen. Außer den Ausgeschlossenen gibt es offenbar noch einige Mit- glieder, die ihrer Mitgliedschaft im Verband der Sattler über- d r ü s s I g sind. Für die Zukunft wird jedenfalls Vorsorge getroffen werden, daß auch auf dem Wege der Gewalt niemand in die Versammlung hineinkommt, der dort nichts zu suchen hat. Die Hetze gegen die Gewerkschaft wird nur von draußen betrieben wer- den können._ Softem noch auf ftoszen Rossen.«. Niederlage der Opposition bei den Textilarbeitern. Auch die Berliner Textilarbeiter haben endlich die kommunisti- schon Phrasendreschereien satt. In der Gruppe, die von dem nordostdeutschen Tarif umfaßt wird, war es der sogenannten Opposition im vergangenen Jahr möglich, ihr« Anhänger bei der Wahl der Gruppenleftung und der Delegierten durchzubringen. Von diesen kam damals ein Teil nicht zur Ausübung ihrer Funktionen. well sie als Frsschorgamsierte noch nicht die vorgeschriebene Zell dem Deutschen Textilarbeiter-Berband angehörten, die notwendig ist, um an Stellen mitzuwirken, die über das Wohl und Wehe der Ber- liner Textstarbefter mitzubestimmen haben. Zur Neuwahl der Gruppenleitung und der Dele- gierten am 29. Januar hatte die kommuillstische„Oppo- sftion" alles, was sich zu ihnen schlägt, auf die Beine gebracht, und ach, es war nur ein klägliches Häuflein. Die Gesichter der . Revolutionäre" wurden immer länger, al« sie beim Berlesen der Stimmzettel hören mußten, daß di« groß« Mehrheit der Nordost- deutschen Gruppe sich von ihren pathetischen Redensarten nicht mehr ins Schlepptau nehmen läßt, sondern ans dem Loden der gewerk- schaflllcheu Arbeil fleht. Alle Kandidaten der Amsterdamer Richtung wurden mit großer Majorität gewählt. Di« neugewählt« Gruppenleftunz und di, Delegierten setzen sich au» freien Gewerkschaftern zusammen und wollen nutzbringende g»-. wertjchaftliche Arbeft leisten. Waren die Anhänger der Opposition bti ver Wahl von ihrer Niederlag« so überrascht, daß ihnen die Sprach« wegblieb, so betrieben sie bei dem Vortrag des Kollegen Schöller, der über„Wirtschaftsnot und Textil- arbeiterfchaft" sprach, wieder ihr« alte Taktik, durch provo- zierend« Zwischenruf« die Versammlung zu stören. Ei» paar Provokateur« brachten es denn auch fertig, da sie durch die Langmut de» Versammlungsleiters nicht au« dem Saal gewiesen wurden, di« Versammlung vorzeftig zum Abschluß zu bringen. Berliner Textilarbeiter und-arbeilerinneu. beweist auch weiter durch eure Tätigt«», daß der oppositionell« Weizen in euren Reihen nicht mehr blüht, daß ihr Schluß machen wollt mft den Zerstörern der gewerkschaftlichen Arbeit. »Eft.©tunainfttüft«! Uhr. tm Lokal«rllqrr. Sukw«». S! jteafe Mj B-rsammIuna aDer SDD.�tenossen und So-npatbglcr-nd«» Vichtie» 2agi«tenuna. ist Pflicht aller«te»»tlcn.»ibltlrr«er. Fi tommUin«*u erscheinen. Sc g,zl'.iseorstand. ti- «leteUe-mt«ort! Donneratag, l«Vi Uhr. tm Lokal«»otrttoufe* t=i 9teir.irftuiorf.Dll. 9" efifcenMtt. 78, wlchtioe■üetfcmmluno aller PatrtU gJ (towifen. Uenoflt L-idcir.ann spricht llder!.Die Wir, schuf,»läse und ibte«ueolriunfl auf den Ardett-markt". Lolftäliliatn Besu» traartet _____ Der nultu neoo cfianti. SPS.-graltio- de» städtischen Vieh, and e»lachtd-s«, nd der gl.tlchS.srf»». 5r«W-a. t» UUt. Im Lokal nun Busch zilgte.«'« mlchtlse igakt onwetrainmtunfl Da. Trschelnen aller«tuossen ist un- bedingt«rfvrdevlich. Mitgliedsbuch nutbringen. $tt israltisusvorstasd. �AreteGewerkschafis-IllaendNerlin W ttuu. Mittwoch. teZt Uhr. tasen di, chrupptn:«fidtn, Südiscsttn: ' �o'?fr,,£tim- Torckslr. Uäi:d«l. Ar- BeltMMtunq— ReukollN! Iua.ndlieim«trsstr. zs ltof,.«ortrag! rza au. dem S«sstn«n!s.-«etltastt:(bruppenhelm Weißens»«. Bork- strtft»«. S.Mtniiten.Peftrate- lsahritnaustlans.- lliortrln«: Zugenicheim. Schult eonnenburgtr Str. ÄZ. Bunter Abend.— Ba-mschnleoneg: Zagend- ein, Baumschulenwe«. Ernstsir. 1«. Mullka'itnd.— SchSadau!» Tori Nugeied- irim �pkllvnii'kt'1''?.t—'""n?-»;»»»».------..' 1...... kim Zt&bentrftt Sit. 24—-S. Bei uns Stadtoerordnetenlltuing— Zagend terataRMltea«! anfetc ckr, lich geleitete Zuaentcherotunqsstelle ist gevsfnet i-d-u Mittwoch von t8>z bis!0 Udr im Sewerkschäfiohaus, Engeluler te-A, 1 Trp.. Zimmer 7. �.'iionendonivve des?eniraiverbandes der Anaefiellten � finden folgende«eranllaltunaen ftalt! Sesand- Jugendheim Orth stc. zg sLed!genheim>.«unter Abend.- Iugendb« m Xanjlger Str. 62 fBarack« 3) Zrage. und Antwor aoend. — Osten- Zugendbetm der Schule Litauer Str. 18. Vorlrag:..Di« Entstehung -I.. O!>o Snmm,- Srralau:?ugendi>eim der S�le Sdbttrslr.«l. Lieder, and«rettspieladend.— Rcuttlla! Zugendheim Bthmlsch, 6tt. 1— 4, Srfe Sännet S�rahr Borrraa:»Weg« tur so» allst. schen Wirtschaft. Pef«r»nt: Arthur stachow.— Siidost: Zugendh.'im Wranaelstr. 128. Berusskundliche Arbeitsgemeinschaft:„Aus der Scheck, und Wechfellunde".— Spandau- Zugendheim Lii.denufer I. L'chtbilderrortrag:.Iuaendwandern". Z'iforent: Siorg Leilbrunn.— Pgtedam.Rowaro«,: Zugendherderg« in N-Wawes. Priesterstrahe. Aortrag:„La- wir in einem Warenhaus sehen". Referent: Rudolf Partei. HlneauesstT' Heilwirkendl FseiiingerFe'Stndsli'le, Berlin SVII Schönebarser Str. 16a. Tel. Llltrow S26MI