BERLIN Mntag 27. Januar 1930 10 Pf. Nr. 44 B22 47. Jahrgang Erscheint enßerSeantags. Zugleich Abeudaurgab« d«.DorwSru'. Beplgsvrei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. Z.ßnM. pro Monat. Scdaftuo und Eroedition, Berlin SW öS, LiadeaKr.» Unttigenoreis: Die einsvaltige Nonrarcillejeil» w Pf.. Neklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärtt-Verlag G. m. d.H� Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff svs bis an Neue Preußenkoalition? Interfraktionelle Besprechung um 3 Llhr. Die Verhandlunge« Sber eine Neugestaltung der preußische« Vegierullgskoalltiou habe« bisher zu keinem andere« Resultat ge. führt, als daß heutenachmittagumZ llhr dieersteinter. srakkiooelle Besprechung der Parteiführer im Beisein des Ministerpräsidenten stattfinden soll. Die demokratische Fraktion de» preußischen Landtag» begann ihre Fraktionssihung kurz vor 11 llhr. Sie hielt bei Begjnu der Verhandlungen des Plenums noch an. Mi« ein Itaxhrichten- boreau hört, merdeu die Demokraten die grundsähtiche Bereit. schuf» zur Bildung der Großen Koalition erklären, die Vorschläge aber, die zur Zeit erörtert werden, als nicht tragbar bezeich. u sn. Bekanntlich gehen diese Vorschläge dahin, daß der Kandels. m'nister Schreiber durch einen Votkrparteiler erseht mied, daß an Stolle des Kultusministers Dr. Becker der Abg. Könlg.pot-dam tritt, und daß der Einfluß der Deutschen Volkxpartei im Kabinett dadurch verstärkt wird, daß sie den Posten eines Minister» ohne Portefeuille erhalte._____ Kampf der Gchachtpolitik! Entschließung de« Sozlaldemolratischen VezirkstageS. Der Sozialdemckralische Bczirksparteilag für Berlin nahm am Sonntag nach eingehender Aussprache über die Fiaanznot der Städte folgend« Enstchllchung zur Ainanzreform an: ..Der außerordentliche Bezirk vporlei lag der SPD. Berlin er- blickt in dem von der Reichsregierung geplanten Jinonzpro- gramm eine ernenle Belastung der deutschen Arbeiterklasse. Er fordert von der Retchslagssraklion, in» Kamps um die Lasten» Verteilung alle Kraft für die Lckämpsuag der Steuersorderungen einzusetzen, melche die Saoskrast der breiten Mäste einschränken. Gleichzeitig mit den erforderlichen wirtschaftlichen Maßnahmen zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung muß eiu ausreichender sozialpolitischer Schuh für die Opfer der schlechten Arbeitsmarktlage verlangt werden. Die zur llnwrstülzung der gesteigerten Zahl von Erwerbeloseu notwendigen Retchszuschüsse au die Erwerbslosenversicherung müssen in de« ueuen Reichs- houshalt eingestellt werden. Augelichts der großen Zahl vou langfristig Erwerbslosen und Auegesteuerten bedarf die gellende Verordnung über die Krisenfürsorge eine. Ausbaue». Zu den haushallsberatuugen sollten die für Rotstandsarbei- ten und Bauzwecke crsordcrlichsn Mittel vorweg beschleunigt be- willigt merdeu. Um die LcschästigungkmögNchkeiteu steigern uud den Ar- beitemarkt erleichtern zu köune». muß da» Reich au» der Heu- ligcu unerträglichen Abhängigkeit oomAinanzkapital befreit werden. Die völlige Ausgleichung de» Reich». Haushalt» ist deshalb eine vordringliche Forderung der Ar- beiterschast. Dabei muß der soziale Bedarf unter alleu Umstände« geficherl werden, auch weuu zu fetaer Deckuug die Erschließung weiterer Steuerquelleu aolwendlg wlrd. Ein« weitere Belelliguug der Sozialdewotra. tle an der Relchsregterung liegt nur daao lm Zater- est« de» arbeitenden Volkes, wenn es gelingt, die Forderungen des Relcheverbande» der deutschen Jndustrie und der bürgerlichen Parteien abzuwehreu. die sich gegen die Arbetlerklaste richten." Ausführlicher Bericht über die Verhandlungen des Bezirksparte,- tage« geben wir auf der drillen Seit« dieses Blalle». Zenirumsbefchlüffe. Oer Relchsvorfland dankt den Zentrumsministern. Der Reichspcrrteivorstand des Zentrums hat am Sonntag unter dem Vorsitz des Prälaten Kaas eine den ganzen Tag andauernd« Sitzung abgehalten. 3» der Bormillagssitzung wurden lediglich organisatorische Fragen erörtert. In der Nachmillagssitzung er- stattet« Reichsminister Dr. Wirth ein eingehendes Referat über dl» S)aa o«r Ergobuisfe. Noch kurzer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der dem Minister Dr. Wirlh und den anderen Minister» de? Zentrumspartet der Dank der Partei sür ihr« �unermüdlichen versuche,«in« den politischen Auffassungen der Zentrum-portei entsprechend«, den Lebensnotwendigkellen des deut- schen Volke» Rechnung tragende Lösung der im Haag zur Beratung stehenden Fragen zn finden", ausgesprochen wird. Im weiteren Verlauf« der Aussprache wurden dann houptstich- lich die wirtschaftlichen und finanziellen innenpolitischen Aus- Mrtunge« der Haager Beschlüste erörtert. Koalitionsstreit in Krankreich. Oer pariser parieiiag über die Bedingungen für Regierungsieilnahme. Paris. 27, Januar. tEigeabericht.) Ter sozialistische Parteitag, der am Sonntagabend beendet wurde, hat sich mit über 5 0 0 Stimmen Mehrheit gegen die Regierungsbeteiligung ansge« iprochen. Die mit 2000 gegen 1507 Stimmen bei 55 Stimmenthaltungen angcnommevc Entschließung L e b a s hat folgenden Wortlaut:„Der Ilongreß erklärt I. daß er dem Programm der Partei treu bleibt, 2. daß er die Eutscheidung des Generalrates vom 28. und 20. Qktober 1020 sAblehung des radikalsozialen Bnge- bot» zur Bildung einer gemeinsamen Linksregierung) gutheißt». 5. daß die Partei jederzeit bereit ist, die Per- antwortung für die illegieruugsqefchäft« zu übernehmen. jedoch unter der Bedingung, daß sie die Regierung ent- weder allein übernimmt oder wenigstens die M q- j o r i t ä t oder dt« Leitung iu der Regierung inue hat uud auf Grund eiues Programms von eindeutig sozia« listischem Charakter. 4. Was die eventuelle Beteiligung der Sozialiste« an einem Koalitionskabinett be- trifft, so ist erstens dieser Gedanke für die gegenwärtige Legislaturperiode ganz abzulehnen; er kann überhaupt «nr im Falle von,.außerordentlich:!, Bedingungen" in Betracht gezogen werden, falls ei» Parteikongreß oder Generalrat die Bedingung als solche anerkennt. In de« beide« oben vorgefeheuc» Fällen hat die betreffende Ber» z'ammlung selbst die Aluswahl der sozialistischr« Minister zu treffen." Die Diskussion verlief noch dem außerordentlich lebhaften Austakt am Sonntag ziemlich ruhig. Alle Radner stimmt-n übrigens darin überem, daß die Frage der Regierungsbildung als rein taktische Frage zu bellachten sei und zu keiner Spaltung Anlaß geben könne. In der Diskussion Halle insbesondere der einstige Abge- ordnet« und Dizeprästdent der Kammer, G r o u s s: e r.«in aller, weißbärtiger Veteran der soziaEstischen Partei, starten Eindruck zu verzeichnen. Er erklärte, früher oder später müsse die Partei doch unte dem Druck der Tatsachen in die Regierung etnlleten. Aber Oer Reichsbankpräsident hier liege nicht die Frage. Sozialisten Die Frage sei vielmehr die. ob die innerhalb oder außerhalb der Regierung die Meli am besten nach sozialistischen Ideen gestalten könnten. Als er»och der Kammer angehört habe, habe man Millerand ausgestoßen. well er in dos Kabinett Waldeck-Rousteau eingetreten fei. Man Hobe seinerzeit zunächst gegen diese Kabinett gestimmt. Als es dann aber von der Reaktion bedroht worden sei, habe man dem gleichen Kabinett treue Unterstützung geliehen. Diese taktischen Stellungsänderungcn hätten der Partei damals nichts g e- jchabct. Sa werde es ihr auch heute nichts schaden, ob sie nun in die Regierung«inlletrobcr nicht. Die Hnuptsachc sei. daß die Partei ihr Zzel, die Sozialisierung der GeselllHbüt. weiter verfolge. Emile Kahn, der als Vorkämpfer für die Regierungsbckeilignng bekannt ist, warf vor allem die Frage auf. ob die Partei nicht auch die Pflicht habe, die Reaktion zu bekämpfen� wo und wie es nur möglich sei. Man müsse doch vernünftigerweise zunächst versuchen. Teilsiege zu erringen, um damit den Endsieg sicherzustellen. Vmcem Auriol seinerseits betonte, daß er in dem Kampf um die Regie- rungsbeterligunq eigentlich neullal sei. Er sei 1921 unbedingt sür die Regieningsbereiligung eingetreten. Heuie aber, bei der Zusammensetzung der gegemvärtigen Kammer, könne er sich dazu nicht mehr entschlietzen. Mit dem Abgeordneten L e b a s endlich kam erner der Führer der„Anti-Regierungsfraktion" zu Wort. Es wäre Selbstmord gewesen, erklärte der Redner, wenn die Partei das Angebot Daladiers angenommen hätte. Dle Zerschlagung de» Sozialversicherungsgesehes. dir Genehmigung des Alotlenbauprogramms und die neuen Festungsbanten zeigten deutlich, wie reaktionär und sozuKistenfelndlich die gegen- ivärtige Kammer sei. Es sei also ausgeschlossen, daß in ihr eine entsahiedenc Linksrcgierung eine Mehrheit finden könnte. Zu einem heftigen Zwischenfall kam es, als D e a t im Auftrag« der Minderheit von der Tribüne herab erklärte, daß seine Freunde das umstrillenc Problem der Regierungsbcteiligung nach wie vor n i ch r als endgültig gelöst betrachten und in der Partei gegen die Ausfassung der Mehrheit weiter kämpfen würden. Paul Faur« wandte sich entschieden gegen diese Zluslassungen, während der Vor- sitzende den Vorstoß der Minderheit bedauerte. Nach kurzen Aus- sührungcn Brackes uird Ziromskis schloß Paul F a u r e die Debatte ob. Ein Kabinett Daladicr wäre niemals imstande gewesen, die Macht in der-Hand zu behalten. Im übrigen sei es jetzt genug des Streitens um diese leidige Frage. Weil die Minderheit sich mit dem ablehnenden Entschluß des Delegicrtentagcs nicht habe zufri-den. geben wollen, habe die Partei zwei volle Slrbeitsmonate verloren. Er selbst sei a priori und unrer allen Umständen gegen die Regierungsbeteiligung, aber es gelle setzt vor allem, und er hoffe dabei die volle Mithilfe der Minderheit zu finden, die Partei durch Intensive Propaganda so zu stärken, daß sie noch den Wahlen von IM? auch wirklich mit Erfolg das Ruder der Regierungsgewolt ergreifen könne. Er sei sich vollkommen klar darüber, daß die Sozialisten in der Regierung Entscheidendes wn könnten. So z B. hätte er. wenn er Ministerpräsident wäre, die Einladung zur Lon- doner Flottenkonserenz nicht angenommen, um dort vielleicht de Abrüstung allmählich und möglichst langsam vorzubereiten, sondern er hätte, genau dem Beispiel Dänemarks folgend, wirtlich und tatsächlich bis zum äußersten abgerüstet. Das Schlußwort endlich hatte der Parteiführer Leon Blum. der in eindrucksvollen Worten zur Drszipiiin, Einigkeit und zum Gc- horsam jm Dienste der Partei ideale ausfordertr Wie ersichdeu höchsten postea lm Reiche denkt. Sine ganze Fifcherfamilie untergegangen. Loudo«. 27- Ja«»«. «öle uns 0«o gemeldet wird, sind»eh« MSuuer. Mitglieder eluer eiuztge« Familie, t« Bergesfjord ertrunken. Ei« Sckpouer. der von einen. 77jährige« Fischer, feiuen beiden Söhnen, zwei Enkel«. vier Schwiegersöhuen uud einem Schwager bemannt war. ging im Stur««uter. Alle zehn Personen er trauleu. Lleberfall auf Autoausflüglern. Kommanistische Lugendgruppe betätigt sich„revolutionär". Eine aus etwa 40 Milgliedcra bestehende kommunistische Zugendgruppe überfiel am Sonnlagabend in Berlin- Köpenick mehrere prlvataulomobile. schlug die Fensterscheiben der wagen ein und belöstigle die Znsassen. Einzelne Wagen wurden mit einem förmlichen Sleinbombardcmenl belegt. Das alarmierte Uebersallkommando nahm einen Teil der „wellrevolulionäre" fest. Die Jugendgruppe, ausschließlich Burschen und Mädchen im Alter zwischen l6 und 18 Jahren, halten am Sonntag einen Aus- s l u g unternommen. Bei Einbruch der Dunkelheit legte sich der größte Teil auf der Köpenicker Chaussee, die durch den Stad forft führt, auf die Lauer. Der restliche Teil stellte sich auf die Straße und zwang so die herannahenden Autos abzustoppen und zu halten. Im gleichen Augenblick erfolgte von beiden Seiten der Chaussee ein Steinbombardement. Dann drangen die Rowdys mit er- hobenen Stöcken aus die wagen ein und schlugen alles kurz und klein. Wiederholt hörte man Rufe„Uns gehört die Straße!" Als di« Wageninsassen merkten, was gespielt wurde, fuhren sie mit Vollgas davon. Ueberfallen wurden nicht weniger als sieben Wagen, von denen vier in schwer beschädigtem Zustand vor das Köpenicker Polizeirevier fuhren und das Uebersallkommando alarmierten. Am gelang es, neun Jugendliche, darunter Zwei Mädchen, die nn dem Ueberfall beteiligt waren, festzunehmen und dem Polizei- Präsidium zuzuführen. Die anderen rückten nach dem Muster ihrer kocimunistischen Führer aus, als sie das Uebersallkommando ent- deckten. Sämtliche festgenommenen„Weltreoolutionäre" leugnen, an dem Ueberfall beteiligt gewesen zu sein. Die Insassen der über- sallenen Wagen behaupten jedoch übereinstimmend, daß die in Hast genommenen Jugendlichen an den Ueberfällen beteiligt gewesen sind. Wie wir erfahren, werden die neun Täter, sieben junge Burschen und zwei Mädchen, dem Jugendrichter vorgeführt werden, wo sie sich wegen Landsriedensbruch, Bedrohung, Transportgefährdung usw. zu verantworten haben. Die Abteilung I A Oes Berliner Polizeipräsidiums hat heute morgen die Fahrer der von den kommunistischen Jugendlichen bombardierten Wagen v e r- n o m m e n. Dabei hat sich herausgestellt, daß di« Angreiser regel» recht die Straße gesperrt und die Führer der Fahrzeuge gezwungen hatten, anzuhalten. Die Auiomobilistcn wurden durch Knüppel und Stöcke gezwungen, das Licht auszuschallen, und dann erst begann das Bombardement, da die Jugendlichen hofften, im Schutze der Dunkelheit unerkannt zu bleiben. Die Besichtigung der Fahrzeuge ergab, daß die Burschen in der rohesten Weise gegen die Insassen der Kraftwagen vorgegangen sind, und nur durch ein Wunder blieben di« Fahrer und ihre Begleiter unverletzt, da an einem Wagen nicht weniger als drei Scheiben eingeschlagen wurden, so daß Hunderte von Scherben in dem Fahrzeug umherlagen. Durch die� Vernehmungen im Polizeipräsidium konn'e zunächst festgestelli werden, daß die Teilnehmer an dem ebenso törichten wie gefährlichen lleberfall einer bestimmten Jugendgruppc der Kommu- n i st i s ch e n Partei angehören, die am Sonntag einen Ausflug nach dem Müggelsee gemacht hatte. „Bestätigt." Innenminister Fritf, Sozialdemokraten und Kommunisten Tag für' Tag wiederholt die„Rote Fahne" den auf die politische Verblödung ihrer Leser spekulierenden Satz, daß der national« sozialistisch« thüringische Innenminister Frick von den Sozialdemokraten Severing und Hermarm Müller.ch e» st ä t i g t" worden sei. Wer nur ein klein wenig die Reichs- Verfassung kennt, der w«iß, daß die Ministerwahl Sache der einzelnen Länder ist, und daß der Retchsregierung ein Bestätigungsrecht über die in den Ländern gewählten Minister überhaupt nicht z u st e h t. Das blödsinnige Gerede der„Roten Fahne" soll nur von der Tatsache ablenken, daß Herr Frick seinen Thüringer Minister- postcn— politisch gesehen— einzig und allein den Kom« m u n i st e n oerdankt. Die Thüringer Kommunisten haben mit ihrer Hetze der Sozialdemokratie«inen Teil des Mitgliederbestandes ob- gejagt und sie zu blindem Wortradikalismus erzogen, um sie sehr rasch an die Radikalinski» vom anderen Flügel abzugeben! Gerade in Thüringen hat sich deutlich das Fluktuieren der radikalisierten und unorganisierten Wähler von den Kommunisten zu den Nationalsozialisten gezeigt: von den rund 60 000 Wählern, die die Nazis bei den Dezemberwahlen als Gewinn buchen konnten, stammte nur die Hälfte aus dem bürgerlichen Lager, während 30 000 von den Kommunisten kamen! Di? kommunistischen Stimmen in Thüringen waren von 117 000(bei der Landtagswahl von 1027) auf 85 000 zurückgegangen. Die Nationalsozialisten waren von 30 000 auf rund 90 000 gewachsen. Die Sozialdemolratie hatte ihre Stimmenzahl dagegen nicht nur behauptet, sondern mit 25/ 000 auch nach um einige Tausend vermehrt. Genau wie die Ziffern der jächsischen Städte, zeigt auch das Thüringer Ergebnis, daß die kommunistische Verhetzung und Zersplitterung es erst den Rational- sozialislen ermöglicht, in der Arbeiterschaft Fuß zu fassen und damit Regierungsstärke zu erlangen. Herr Frick verdankt som Innenministerium nicht der Sozialdemokratie, sondern den Kommu- nisten! Wahlsieg in Mitieldeuischland. Oer Kommunistenlierd wird ausgeräuchert. Weißenfels. 27. Januar.(Eigenbericht.) Bei den gestrigen P«rtreterwahl«n zum Dezirks-Kon- sunwerein Weißenfels-Naumburg errang die von der Sozial- demokr««tischen Partei getrag«n« Aufbaulist««inen glänzenden Sieg. Obwohl di« Kommunisten seit No- oeniber v. I. eigens«inen Kommissar von Berlin nach Weißenseis gesetzt hatten, dessen Aufgabe lediglich der Vorbereitung und Durchführung dieser Wahlen diente, und obwohl die KPD.» Zentrale ihre Bezirksleitung in Halle und Unterbezirksleitung in Weißenfels all« Kräft««ingesetzt hatten, ja sogar der gesamt« Vor- stand des M e r s e b u r g e r Konsuln Vereins sowie seine Angestellten und Autos am Wahltage nur zu diesem Zweck tälig sein ließ, baden sie eine vernichtende Niederlage erlitten. Die in Unmengen oerbreiteten Flug- und Druckschristen, welch« in'der ge- meinsten und unflätigsten Weise an die niedrigsten Instinkte appel- lierten und verantwortlich gezeichnet wurden von Reichs- und Land- lagsabgeordneien, haben nicht vermocht, die Niederlage zu perhin- bern. Die Wahlbeteiligung stieg von 38 Prozent im Jahre 1927 auf 60 Prozent bei dieser Wahl! Die Kommunisten konnten ihre Stimmenzahlen zwar gegen 1927 von 1270 auf 1404, da» ist um IIB Prozent, steigern, aber tu«..Aufbaulist«" g«, wann 81,6 Prozent, ihre Zahl stieg von 1284 auf 1954! Der Zuwachs der ZlufbauWe beträgt demnach 670 Stimmen, mäh- rend die Stimmen der KPD. sich nur um 134 vermehrten. Aus der Gegenüberstellung dieser Zahlen läßt sich folgern, daß di« Arbeiter in diesem Bezirk endlich den verderblichen Einfluß der KPD. erkannt haben. Oer Reichsrichter vor Gericht. Oer neue Lörnc-prozeß. vor der Strafkammer des Landgerichts I begann heute morgen die Berufnugsverhaadlung in der Sache Zorns- vorn st ein. Zm gleichen kleinen Schwurgerichts- faal des alten krlmlnalgertchts bestätigte das Schöffengericht Lerlin-wittc am 27. April v. Z. dem jetzigen Reichs- anmalt und ehemaligen Kriegsgerichtsrat Zorns, daß er den Mördern Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts Vorschub geleistet habe und sprach den Redakteur de».Tagebuch»". Vornstein, der diese vehauptung aufgestellt hatte, von der Anklage der verleumderischen Beleidigung frei. Gegen diese» Urteil hat der Rebenkläger Zorns, nicht die Staalsanwaltschas», Berufung eingelegt. Den Borsitz in der auf drei Wochen berechneten Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Höhr; die Anklage wird vom Ober- staatsanwalf Köhler vertreten Den Angeklagten Bornste'.n ver- teidigt wieder Rechtsanwalt Dr. Paul Le v l: dem Nebenkläger steht diesmal Justizrat Dr. L ö w« n st e i n zur Seite. Der Gegenstand der Anklage wird aus der Verlesung des ersten Urteils ersichtlich. Im„Tagebuch" vom 24. März 1928 war«in Artikel„Kollege Jörns" erschienen. Am Schluß dieses Aufsatzes, der sich mit der Rolle des Reichsanwalts Jörns als früherer Unter- suchungsrichter in dein Verfahren wegen der Ermordung Karl Lieb- knechts und Rosa Luxenburgs beschäftigte, wurde die Frage auf- geworfen: Wie kommt er(Jörns) auf diesen Posten, für den wenige deutsche Juri st en ungeigneter sind als er..? Aber abgesehen von der Befähigungssrage: Gegen diesen Mann schwebt mindestens noch immer der dringende Verdacht, daß er als Ankläger jenes Oberleutnants Vogel dessen F l uch t selbst förderte... Wie eine solche Erscheinung am obersten deuffchen Gericht als Reichsanwall fungieren kann, ist unerfindlich! Das Gericht erster Instanz stellte demgegenüber fest: Erwiesen ist. daß der Rebenkläger bei der Sührung der llnler- suchung 1. Spuren, die zur Aufklärung dienen konnken, nicht aus- genommen hat: 2. Spuren, deren Wichtigkeit er erkannt halte, nicht verfolgte: 3. Spuren verwischte, indem er das Gegenteil des Er- mlttelten ins Protokoll aufnahm: 4. Zustände duldete, die, wie ihm bekannt war, geeignet waren, den Sachverhalt zu verdunkeln und das Ergebnis der Untersuchung zu ge- sährden... Es handelt sich darum, ob der Rebenkläger durch sein verhallen das Ergebnis der Untersuchung gefährdet hat. Tat er dies derart, daß es dem Täter zum vorteil gereichen konnte, so hat er ihm Vorschub geleistet. Daß er dies tat, hält dos Gericht nach dem Ergebnis der hauptvcrhandlung für erwiesen, wenn aber der Rebenkläger dem Täter Vorschub geleistet hat, so ist die Folgerung des Angeklagten berechtigt, daß der Rebenkläger zu einer Tätigkeit im verbände der Reichsanwaltschast nicht geeignet ist... Der Angeklagte war deshalb freizusprechen." Di« Verlesung des Urteils nimmt mehr als eine Stund« in An- spruch. Nach einer kurzen Pause erklärt der Angeklagte Bornstein auf die Frage des Vorsitzenden, daß er als Redakteur sich dessen wohl bewußt gewesen sei, daß der Inhalt des Artikels für den Nebenkläger Jörns beleidigend sein müßte. Di« Redaktion habe absichtlich den Verfasser nicht genannt, um selbst die Verantwortung für den Artikel zu übernehmen. Sie habe dessen Jnhall nachgeprüft und den Artikel ümredigiert.•-■- Justizrat Dr. Löwenstein will wissen, ob es dem Angeklagten bekannt gewesen sei, daß der im Artikck erwähnt« Berthold Jakob der Verfasser war und in einem Landesverratsoerfahren, in dem der Nebenkläger Jörns eine Zuchthausstrafe beantragt habe, ver- urteill worden fei. Da der Angeklagte eine Antwort auf diese Frage verweigert, beantragt Justizrat Löwenstein die Verlesung eines Artikels vom 1. Mai 1929, der in einem Morgenblatt erschienen, Berthold Jakob unterzeichnet ist und die Ueberschrift trägt„Staats- anwall R lüftet das Visier"— mit Staatsanwalt N. war seinerzeit auch der im„Tagebuch" erschienen« Artikel unterzeichnet. Rechtsanwall Dr. Lern bittet, den Antrag abzulehnen. Der Verfasser des inkriminierten Artikels sei in diesem Falle gleich- güllig, da der Angeklagte die Verantwortung für die Täterfchast übernehme. Im Fall« der Verlesung des Artikels wäre die Der- tcidigung gezwungen, auf di« besondere Rolle des Rebenklägers Zorns in dem Landesverrats- verfahren gegen Berlhold Zakob einzugehen. Im übrigen habe es sich um ein Verfahren gehandell, in deni grundsätzlich festgestellt werden sollt«, in welchem Rahmen m Deutschland pazifistische Gedanken propagiert werden dürfen. Berthold Jakob ist trotz des Zuchthausantrages des Reichsanwalts Jörns zu einer neunmonatigen Festungsstrafe oerurteill worden, und das Reichsgericht hat sein« Entscheidung wegen deren grundsätzlichen Bedeutung veröffentlicht. Als das Gericht sich zur Beratung über den Antrag des Justiz- rats Löwenstein zurückziehen will, erklärt Dr. Lern, daß der Angeklagte wohl zugebe, von verschiedenen Artikeln Kenntnis gehabt zu haben, in denen Berthold Jakob sich zum Verfasser des Artikels im „Tagebuch" bekannt habe. Justizrat Löwenstein erklärt, sich mit dieser Erklärung des Angeklagten begnügen zu wollen. Der Vorsitzende beginnt die Vernehmung des Rebenklägers Zorns als ersten Zeugen. Dieser erklärt ganz allgemein, er müsse sämtliche gegen ihn er- hobenen Vorwürfe als gänzlich unbegründet zurückweisen, er habe nur so gehandell, wie ihm Gesetz und Pflicht vorschrieben, und er habe in den schwierigen Verhällmssen der damaligen Zeit nicht anders handeln können. Das Gericht trill in die Erörterung der einzelnen gegen den Zeugen erhobenen Vorwürfe ein. Der erste der Vorwürfe geh: dahin, daß er bei der Uebernahme der Untersuchung tn Sachen der Ermordung Rosa Luxemburgs seinem Kollegen, den K r i e g s g e- richtsrat Kurzig, von der Untersuchung in der Sache der Ermordung Karl Liebknechts verdrängt habe. Zeug« Jörns erzählt, wie er am 16. Januar dem Gerichtsherrn und Kommandeur der Gardekaoallerie-Schützendioision General Hoffmann und dem Kriegsgerichtsrat Kurzig begegnet sei und dabei den Auftrag erhallen habe, die Untersuchung in der Ermordung Rosa Luxemburgs zu übernehmen. Er habe am selben Tage den Chef der Justizabteilung des Kriegsministeriums. Müller, aufxe- sucht und ihm erklärt, daß er ihm durch Betrauung mit der schwierigen Aufgabe der Untersuchung keinen Gefallen getan habe. Auf Veranlassung des Generals Hoffmann sei er am 20. Zanuar in das Edenhokel übergesiedelt. General Hossmann bestand darauf, weil ja sämtliche Personen, die in der Sache vernommen werden mußten, im Edenhotel wohmen und der Gerichtsherr ihn stets bei der Hand haben wollte. Do in der Sache der Ermordung Rosa Luxemburgs vorläufig polizeiliche Ermittlungen im Gange waren, er aber den äußeren Zusamlnen- hang zwischen dieser Sache und der Ermordung Karl Liebknecht» erkannt hatte, Kriegsgerichtsrat Kurzig außerdem, wie dieser ihin «innial gesagt halle, mit den Divistonsgeschäften überlastet w.,r. regte er am 18. Januar gelegentlich einer Unterredung mit General Hofsmann an, ob er nicht auch die Untersuchung in der Ermordung Karl Liebknechts übernehmen solle. General Hoffmann meinte da- zu, daß er wohl damit einverstanden sei, da er das Enipflnde'i habe, als wäre Kriegsgerichtsrat Kurz'g. der eben erst seinen Assessor gemacht habe, der Sache nicht gewachsen. Am 18. Januar, abend«. wurde darauf Jörns mit der Untersuchung in der Sache Karl Lieb- knechts betraut. Zm RordpoZeis umgekommen. Das Flugzeug(Nelsons in Alaska aufgefunden. ' Rem Jork. 27. Zanuar.(Eigenbericht.) Das Flugzeug de» bekannten Rordpolfliegers E l e l s o u ist am Sonnabend in Alaska von amerikanischen Soldaten auf- gefunden worden. Der Bericht der Soldaten an die Militär- behörden in Washington besagt nicht» darüber, ob Eiclson selbst auch aufgefunden wurde. Eielson ist seil dem L. Rovember des ver» gangeoen Zahre, verschollen. Es wird allgemein angenommen, daß er längst ein Opfer der Eiswüste geworden ist. Er stieg seinerzeit auf, nm ein an der nordsiblrischeu Küste im Eise festsitzendes amerikanisches Schiff mit Proviant zu versorgen. Glatteis in Wien. Wien, 27. Januar. Sonntag abend ging über Wien ein seiner Regen nieder, wodurch di« Straßen infolge der einsetzenden Kälte mit Glatt- e i s überzogen wurden. Von Mitternacht an war das Betreten der Straßen äußerst gefährlich. Auch die Automobil« konnten nur sehr langsam und mit großer Vorsicht vorwärtskommen. Die Vürgersteige wunden zwar bald mit Sand bestreut, doch die Straßen- Übergänge konnten nicht so schnell mit Sand gesichert werden. In- folgedessen erlitten nicht weniger als 30 Personen schwer« Brüche und mußten schwerverletzt den Krankenhäusern zugeführt werden. Außerdem ereigneten sich über 100 kleinere Unfälle. Liebesiragödie in Charloiienburg. Ehemann veeg stet sich und feine Geliebte. Zm Hause Machandelweg 1 in Eharloltenburg spielte sich in der Rächt zu heute eine furchtbare Liebestragödie ab. Der ZSjährige Arbeiter Hans Banse ver- giftete sich mit seiner Geliebten, der Illjährigen Zlse A f f e l d t, durch Gas. Banse war»erheiratet: hinter dem Rücken seiner Frau unter- hielt B. jedoch seit einiger Zeit Beziehungen zu dem jungen Mäd- cheill Der Mann hat dann später offenbar wiederholt versucht, sich von seiner Frau zu trennen, stieß dabei jedoch auf deren Widerstand. Zum Wochenend« weille Frau B. wißerhalb Berlins und aestern abend kehrte sie erst spät wioder zurück. Als sie das Schlafzimmer ihrer Wohnung betrat, mußte sie eine schreckliche Entdeckiing machen. In dem völlig mir Gas erfüllten Räume lagen ihr Mann und seine Geliebte leblos auf dem Fußboden. Die Feuerwehr wurde zu Hilfe gerufen, alle Bemühungen um die beiden Lebensmüden blieben jedoch ohne Erfolg. Allem Anschein nach hat sich das Paar schon längere Zeit mit Selbstmordgedanken getragen und die länger« Abwesenheit der Frau benutzt, um gemeinsam in den Tod zu gehen. Di« Leichen wurden beschlagnahmt und in das Charlottenburger Schauhaus gebracht. Wieder Falschmünzer am Werk. Eine fünsköpfige Bande ausgehoben. Rürnberg. 27. Januar. In S u l z b a ch in der Oberpfalz waren falsche Fünf- Markstücke in Zahlung gegeben worden. Die Veraurgaber konnten im Laufe des Sonnabends von der Polizei in Rofenbcrg festgenommen werden. In Nürnberg wurde daraufhin ein« gm eingerichtete Falschmünzerwerkställe ausgehoben. Das ganz« Mate- rial, das auch Vorbereitungen zur Anfertigung von falschen 50« Pfennig-Stücken erkennen ließ, wurde beschlagnahmt. J:n ganzen sind etwa 200 Stück falsche Fünsmarkstücke in Umlauf gesetzi worden. Die Falschmünzer arbeiteten seit etwa 14 Tagen und haben die Stücke in Regensburg, Schwabach, Fürth und Rürnberg verausgabt. Es handelt sich um den Inhaber einer mechanische» Werkstätte, Karl Egger, seinen Bruder Alois Egger, den Radio- techniker Höchstetter, die Arbeiterin Landgraf und die Maschinisten- Ehefrau Franziska Höchstetter. Sämtliche Beschuldigte, mit Ausnahme von Frau Höchstetter, befanden sich am Sonnabend auf der Fahrt in die Tschechoslowakei, wo ste das falsche Geld absetzen wollten. Noch ein Autoüberfalk. Rauea, 27. Januar. In Lietzow, wo für heule eine nationalsozialistische Führerversammlung angesagt war. erschienen mittags Kommuni st en aus Nauen, die durch kommunistisch« Ab- ordnungen aus Berlin und Ketzin verstärkt waren. Sie oersuch en, in das Lokal, in dem die Nationalsozialisten tagten, einzudringen, wurden ober zurückgedrängt. Die Kommunisten belagerten darauf etwa eine Stunde lang das Lokal, zogen sich dann aber zurück,«he das telephonisch herbeigerufen« Uebersass- kommando au« Potsdam eingetroffen war. In Nauen, wo der Stahlhelm heut« ein« Ostmartenkundgebung veranstaltete, wurden einzelngehende Stahlhelmer von Kommunisten überfallen und schwer mißhandelt. Das Londessinauzamt erläßt eine..Oesfemltche Aufforderung" zur Abgabe von Sleuriertlärungen>ür die Frühz'.hrsoeranlagung 1930. Die Vordruck« werden den Steuerpslichpigen.zugesandt: die Nichtzusendung eines Vordruckes entbindet nicht von der gesetzlichen Berpslichwng zur Abgab« einer Steuererklärung. Sozialdemokratischer Bezirkstag. Die Finanznot der Städte.- Kampf der Echacht-Politik'. Im Plenorfaal des Preußischen Staatsrats fand gestern der außerordentliche B e z i r k s p a r t e i t a g der Sozial- demokrotie. Bezirteverliand Derlin, statt. Reichstagsabgeord- neter Genosse Franz K ü n st l« r erössnetc die Tagung mit dem Hinweis, daß uns nicht mir die Not der Kommunen beschäftige, sondern daß auch am politischen Himmel Wolken ausziehen. Eine er- neute Hetze der K o m m u n i st e u gegen die Sozialdemokratie hat eingesetzt, wir Berliner Sozialdemokraten werden uns darum de. mühen, daß dem kommunistischen Zentralkomitee der Wunsch nach einem Verbot der Kommunistischen Partei nicht erfüllt wird. Di« „State Fahne" schrieb heute von einer Zersetzung der Berliner So- zialdemakratischen Parteiorganisation. Diese Zersetzung zeigt sich barin. daß wir heute 7SS6Z zahlende Mitglieder in Berlin aufweisen.(Lebhafter Beifall.) Die Zahl wird aber noch größer werden! Dann ergriff das Wort Stadlkämmerer Bruno Afch-Frankfurt a. M. zu einem Referat über„EI« Finanznot der Gemeinden" Finanzwirtschaft und Finanzpolitik der Gemeinden stehen, so führte er aus, feit Jahren im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Be- sonders in den letzten Monaten hat die deutsch« Oesfenllichkcit sich mit der finanziellen Situation der Kommunen be- fassen müssen. Unabhängig von der Frage, wer die Schuld trägt: Die Tatsache bestehender Notzustände kann nicht bestritten werden. Es handelt sich dabei in der Hauptsache um Fehlbeträge in der laufenden Haushaitsgebarunq: in einer großen Reihe von Stödren wird feit Iahren mit Fehlbeträgen gearbeitet. Jahr für Jahr sind die Defizitbeträge vorgetragen oder durch die Auflösung früher gebildeter Reserven ausgeglichen worden. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß von vornherein bei der Aufstellung des Haushaltsplanes für das laufend« Jahr von den Grundsätzen einer vorsichtigen Finanzwirtschaft abge- wichen wurde. vor allem aber hat die katastrophale Entwicklung der Arbeitsmarktlage ihre verwüstenden Wirkungen auf die Gemeinde- finanzen ausgeübt. Durch die Neuregelung der Erserbslosenfürforg« in der Form von Arbeitslosenversicherung sind die Gemeinden zwar von ihren bis- herigen Anteilen an den Kosten der allgemeinen Erwerbslosen- fürsorge befreit worden. Aber der Umstand, daß die Gemeinden genötigt sind, bei den niedrigeren Lohnklassen schon den von der Erwevbslosenversicherung betreuten Personen zusätzliche Unter- stützung zuteil werden zu lassen und den von der Krisenfürsorge erfaßten Kreis der Erwerbslosen in starken. Maße durch die Wohl- sahrtsämter ergänzend unterstützen zu lassen bringt erhebliche Ausgaben für das kommunale Budget. Das Schwergewicht der Belastung ergibt sich weiter daraus, daß durch die D a u e r der Erwerbslosigleit, unter der wir in Deutschland zu leiden haben. die Zahl der Personen ununterbrochen wächst, die von der Ar- beitclosenversicherunq und der Krisenfürsorge ausgesteuert werden und damit jeder Unterstützung aus der Reichskasse v e r l u st i g gehen. Diese ständig zunehmende Zahl von Erwerbslosen muß in vollem Umfange von der kommunalen Wohlsahrlspslege übernommen werden Da es sich dabei um Menschen handelt, die mindestens ein halbes Jahr, meistens aber mehr als sin Jahr erwerbslos, also ohne geregeltes Einkommen gewesen sind, befinden sie sist zumeist in wirt- schaftlichen Verhältnissen, die jeder Beschreibung spotten. Es ist nicht nur nötig, daß die Gemeinde weiter den notdürftigsten Lebensuntsrholt gewährleistet, sondern es müsien auch in wachsendem Umfange einmalige Zuwendungen erfolgen, um wenigstens die notwendigsten Anschaffungen.zu ermöglichen. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß alle vor- anschlag?zisst-rn der kommunalen Budgets über den Hansen ge- morsen werden und finanzielle Anforderungen in unvorher- gesehenem Ausmaß einireten. Als erschwerend kommt hinzu, daß die Zahl der Wohlfohrtserwerbs- losen n i ch l den Tendenzen d-r allgemeinen Arbcitslostgkett folgt, sondern daß infolge de- in dieser Hinsicht verfehlten Konstruktion der Erwerbslosenversicherung selbst bei sinkender Arbeitslosenzisfer die Zahl der Wohlfahrtserwerbelosen ansteigt. Liegt In dieser schweren Belastung der wesentliche Grund für die gegenwärtig« Zerrüttung der Gemeindefinanzen. so treten doch noch andere Faktoren hinzu. Die wirtschaftliche Krisis tritt auch auf der E i n n a h m« je i t e des Budgets stark in Erscheinung. Sowohl die steuerlichen Einnahmen— Ueberweisungssteuern ebenso wie gemeindeeigen« Steuern—. als auch die Ertragnisse der kommunalen Betriebe bleiben fast überall hinter den Boranschlägen stark zurück. Zudem hat dl« Lag« des Kapitalmarktes zu einer erheblichen Steigerung der Zinssätze geführt. Nicht alle Ausweirdungen der Kommunen können aus laufenden Steuer. Mitteln bestritten werden. Es gibt eine Vielzahl von dringlichen Aufgaben, die zweckmäßig auf dem Weg« über die Aufnahme von Anleihen finanziert werden. Die Schwierigkeiten des deutschen Kapitalmarktes, die sich daraus ergeben, daß Kapital- angebot und-nachfrage in einem krassen Mißverhältnis zueinan?br st.'l>en, haben die Aufnahme von langfristigen Kommunal- nnlcihen in D e u t s ch l a n d fast unmöglich gemacht. Die anslöndischen Kapitalmärkte konnten von den deutschen Gemeinden zu der Zeit, als von dort umfangreiche Kredii- angebole vorlagen, nur in nn zulänglichem Maße In Anspruch genommen werden da die Beratungsstelle für Auslandsanleihen praktisch die Hereinnahme der Gelder in fast allen Fällen ver- hinderte. Da die deutschen Städte, von der Auffassung ausgehend, daß es sich bei der Stockung an den deutschen und ausländischen Märkten nur um eine vorübergehende Situation handele, einen sehr erheblichen Teil ihrer Aufwendungen aus dem Wege über kurzfristige Verbindlichkeiten smanzierten. ist nunmehr eine große schwebende Schuld entstanden, die auf etwa I, S M i I l i a r- den Reichsmark beziffert werden kann. Aus dieser starken kurzfristigen Verschuldung sind nunmehr akute Schwierig- keiten für«ine groß« Anzahl von Gemeinden entstanden. So ist da» Jahr 1S29 charakterisiert durch sehr erheblich« Fehl- bchträg« in den Budget» fast aller Gemeinden Zweifellos liegt der Hauptgrund für die schwierige Lage in der allgemeinen wirttchasrlichen Situation des Landes.. Ein« Doltswirt- schast, die durch Krieg und Inflation in ihrer Leifrungsfähigkcd auf da» stärkste beeinträchtigt worden ist, die empfindliche Tributlasten »ach außen tragen maß. bedarf m ihren Wieder»! fbau und jn ihrer Konkurrenzfähigkeit nicht nur einer fleißigen und tuchtigest Be- völkerung, sondern vor allein auch einer ausreichenden Ka- p i t a l b i l d u n g, sei es aus eigener Kraft, sei ee zunächst auf dem Wege der K a p i t a l e-l n s u h r. Die mangelnde Sapilalbcreitstcllung ist aber zweisellos ei» wescnllicher Grund für die ungünstige Lage, und die Förderung der Kapitalbildung liegt demgemäß auch durchaus im Interesse der Arbeilerschast. Weiter darf man nicht außer acht lassen, daß auch ein Teil der Schuld an der absolut unzulänglichen und den Bedürfnissen der Gemeinden nicht gerecht werdenden Finanzausgleichgesetz- g« b u n g im Reich wie in den Ländern liegt. Die Finanzausgleich- gesetze seit 1924 haben ununterbrochen sowohl im Reich wie in Preußen zu einer Verschlechterung der Lag« der Gemeinden geführt. Die Verminderung der Beteiligung an der Reichseinkommen--und Körperschafts st euer, die Senkung der Umsatzsteuer, die mehrfachen Herabsetzungen der G«- werbesteuertarife, die Beseitigung der Getränke st euer, die Senkung der Tarife bei der L u st b a r k e i t s st e u e r und bei der Grunderwerbs st euer sind Maßnahmen gewesen, die sich unmittelbar bei den Einnahmen der Gemeinden ausgewirtt haben, und dies zu einer Zeit, in der gleichzeitig Reichs- und Landesgefetz- gebung ununterbrochen neue gesetzliche Belastungen auf die Ge- meinden legten. Zweifellos haben aber auch die Gemeinden oielfach m falscher Einschätzung der Möglichkeiten, die ihnen gegen- wärtig gegeben sind, Aufgaben übernommen und Ausgaben getätigt, die vermeidbar gewesen wären, jedenfalls aber bei einem sirengen Maßstab nicht als unumgänglich notwendig angesehen werden müssen. Wenn auch dieser Anteil der Schuld verhältnismäßig klein ist, so darf er doch nicht unerwähnt bleiben, besonders da von ihm vielleicht die unerfreulichsten p s y ch o l o g i- schen Wirkungen ausgegangen sind. Was ist zu tun? Zu- nächst der Appell an den Gesetzgeber. Bei der Diskussion über■: i- Neugestaltung unseres Finanzjystenis werden dic Bedürfnisse der Gemeinden zu wenig berücksichtigt. Es müßte aber«in sachgemäßer, in den Wirlungen ausreichender L a st e n a u s g l e i ch und«ine angemessene Beteiligung an den großen Reichs- steuern, insbesondere denjenigen, deren Ertrag sich dem wachsenden Volkseinkommen am besten anpaßt, sowie ausreichende beweg- l i ch e Faktoren für die kommunale Steusrregclung, die geeigntt find, den Bedürfnissen zu genügen und die Selbstoerantwortuna der Gemeindeparlamente zu steigern, geschossen werden. Ferner tut not eine Beseitigung der Hemmungen, die gegr.- iväriig der Aufnahme von Anleihen für den dringenden Ko pitalbedars entgegenstehen, eine Beseitigung der politischer Tendenzen, die ans dem Wege über die Anlelhesperre der össenl- lichen Wirtschaft zu Leibe wollen.(Stürmische Zustimmung.) In den Gemeinden selbst sind stärkste Anstrengungen zur Her beiführung geordneter Budgets und konsolidier ter Geme'ndefinanzen zu machen. Dadurch schwindet dir Abhängigkett von Finanzgruppen, deren Ansprüche geeignei sind, alle demokratischen Grundlagen der Gemeinwesen zu erschüttern und in der Praxis zu beseitigen. Alle Kräfte sind aus die Ausrechterhaltung der wichtigen Kam munalbetriebe zu konzentrieren, höchste Anstrengungen sind zur Verbesserung der Organisation der Gemeindeverwaltungen Zu machen. Bor ollem aber walle Vorsich bei der Auswahl der leitenden Personen. Hier liegt das Schwergewicht künftiger Berantwortung. Für die Lettung ist selbst- verständliche Voraussetzung ausreichendes Können. Noch wichtiger ist ein absolut einwandfreier Charakter. Gerade in den Gemeinden gilt das englische Sprichwort: Männer, nicht Maßnahmen machen die Geschichte! (Lebhafter Beifall.) Die Werke bleiben im Gtadtbesist? Die Diskussion auf dem Bezirksparteitag. In der Diskussion sagte Stadtverordnetenvorsteher Haß. Man habe die gegenwärtige Notlage als einen Zusammenbruch der sozialdemokratischen Bankrottwirtschast bezeichnet. Das sei vollkommen ungerecht. Berlin sei durchaus finanzkräftig. Einem Vermögen von 2,4 Milliarden stehe eine Schuldenlast von 1H Milliarden gegenüber. Diese sei zum größten Teil durch zwingende soziale Leistungen hervorgerufen worden. Daneben seien die Polizeilasten, die Schuliasten und die Wegcbaulasten gestiegen. Ber- lin, das jährlich eine Zuwanderung von 80 000 Menschen habe, also gleichsam jährlich eine neue Großstadt schasse, müsse mit besonderem Maße gemessen werden. Immer wieder müsse gesagt werden, daß die Anleiheabrregelung den Hauptteil der Schuld trage! Die Verpfändung oder der Verkauf irgendwelcher Aktien der gemeu� wirtschaftlichen Werke könne absolut nicht diskutiert werden. Die Sozialdemokratie sage hier unerbitt- l i ch nein.(Stürmischer Beifall.) Genosse Schröder bezeichnete die künstlich herbeigeführte Finanznot als den Verbündeten der Soziolreaktion, als den Helfer der Privatwirtschaft im Angriff gegen die Kommunalwirtschaft. W e n d t- Schöncberg und Harnisch. Neukölln beleuchteten die Schuld des Kommunalsreistnns. Weil früher unter seiner Herrschast wichtigste Ausgaben unerledigt blieben, dränge jetzt auf uns die Fülle der Arbeit ein, die bewältigt werden müsse. Stadtsyndikus Lange führte aus, daß in der. Verkehrspolitik nicht immer wiri- jchastlich, sondern zum Teil imperialistisch gearbeitet worden sei. Auch er bezeichnete eine Hergabe der Aktien von städtischen Werken für vollkommen ausgeschlossen und betonte am Schluß, daß wir zwar krummliegen müßten, aber an sich finanzkräftig sind. Stadtverordneter F l a t a u besprach die Notwendigkeit neuer Steuern. Der Slachtragsetat müsse wahrscheinlich abgelehnt werden. Reichstagsabgeordnter Aushäuser behandelte den Zusammen- hang zwischen Kommunal- und Reichspolilik. Di« Passivität gegen Schacht führe zum Ruin der Gemeinden. Der Reichskanzler Müller müsse energisch gegen den Reichsbankpräsidenten Schacht vorgehen. Im Haag war der Augenblick gegeben: das Reichsbank- sttttut hätte leicht geändert werden können. Die Situation wurde verpaßt. Es sei aber noch nicht zu spät. Der„Vorwärts" unter- stütze die Vartei in ihrem Kampfe gegen Schacht mit erfreulicher| Nachdrücklichkett. Wenn wir den Kampf nicht ausnehmen mit Schacht und ihn entscheiden, menn w i r nicht mit Schacht abfahren, fährt Schacht mit unseren Ministern ab. Dann wird die Demo- kratie durch die Diktatur des Kapitals ersetzt. Gegenüber der Ar- beiterschaft können wir hierfür die Verantwortung nicht tragen. (Lebhafter Beifall.) Emil Barth behandelte die Frag« des Pro- duktionsertrages. Reichstagsabgeordneter C r i s p i e n warnte■ davor, daß die Partei der von den bürgerlichen Parteien hervor- � gerufenen Panikstimmung erliege. Die Wirtschast befände sich nicht in einer Notlag«. Bei der Finanzresorm müsse der Kampf gegen Schacht ausgefochten werden. Erfreulich sei, daß bei den letzten Aktionen Partei und Gewerkschasten immer zusammenarbeiteten. Für den Aufstieg der Berliner Partei sei die Neuordnung der B e r- liner Presseverhältnisse notwendig. Er wünsche hier bald etwas geschaffen zu sehen, das uns vorwärts bringe. Land- tagsabgeordneter H o s s m a n n warnte davor, daß die Sozialaus- gaben, vor allem aber der Bau neuer und gesunder Schulen, nament- lich für die Kinder der Arbelterschast, durch die Finanzlage in den Hintergrund treten. In seinem Schlußwort sagte Stadtkämmerer Asch: Absolute Ordnung in den Gemeindefinanzen ist erstes Erfordernis. Unordnung bedeutet Auslieferung, Ordnung bedeutet Unabhängigkest. Kein Vernünftiger spricht von einem Bankrott der Städte, aber die Illiquidität habe uns in der Oeffentlichkett sehr geschadet. Man dürfe vor neuen Steuern, wie der Hausangestelltensteuer und der Wohnungsluxussteuer, nicht zurückschrecken._ Gehen wir mutig und gerade unseren Weg, dann werden dic Städte gesunden.(Leb- hafte Zustimmung.) » Die Entschließung gegen die Gchacht-politit. Di« zweite Entschließung lautet: „Die Feinde sozialdemokraNscher Kommunalpolitik benutzen die Flvanzschwiorlgkcitcn der Kß auch, daß dos Hell der Welt nicht ü» akademischen Tllet be- ruht(und den Unfug des Berechligungsfimmels hat man schon eine Klelnigkell vor Herrn Hussong entdeckt): aber verdient es diese weise Erkenntnis nicht, mehr unter den jetzigen Tages-, als unter den späteren Abend-Universtiätsbesuchern verbreitet zu werden? Es fallen unter das Stichwort.Hochschulreform" sehr viel« Probleme. Aller Hochschulprobleme wichtigstes und drängendstes ist aber durchaus das, der Arbeiterklasse Eingang in die Hörsäle zu verschaffen. Es wird soziale Inzucht getrieben auf den Uitiversi- täten. Die Besucher der Hörsäle sind nicht, wie es sein müßte, die Begabten aller Gesellschaftsklassen, sondern die Begabten und Unbegabten der sozial bevorzugten Klassen. Als Anfang des l8. Jahrhunderts in Preußen die Schulpflicht eingeführt werden sollte, erklärten sich die ostelbischen Junker dagegen. Es lag in ihrem Interesse, sich ihre Ausbeutungsobjckte dänllich und dumm zu erhalten. Jetzt erklärt sich die Reaktion kategorisch und generell gegen eines der möglichen Mittel, die formale Bildung der Arbeiter weiter zu vervollkommnen. Beides liegt auf einer Linie.„Brutanstalt neuer Gelüste", sagt Hussong. Jawohl, der Gelüste nach Zerschlagung eines unsittlichen Brldungsmonopols. „Valesirina." Tleue'nfludierung in der Dndenoper. InhÄt und einzige Handlung: der Vorgang des künstlerischen Schafsens, dargestellt, verherrlicht in einem berühmten Be spiZ der Musik. P-alestrirni, Kop.llmcister an der Kirche St. Moria Mag- giore in Rom, vollendet i/illcr dreifachem Zwang sein großes Werk. die„Missa patria Marcalli"; die Kit che befiehlt es, den Wider- strebenden treibt sein künstlerisches Gewissen, die Engel gebcnll ihm ein. Grschichie und Legende baben den Stoff geliefert, den Hans P f i tz n c r, der Dichterkompemist, zum Drama, zur stillen Tragödie des schaffenden Künstlers gestaltet. Das Tridentt'ner Kirchenfonz'l bildet den welthistorischen Hintergrund ung zugleich lauten Gegen- sag der Well zur Innenwelt des' Künstlers, den sie nicht begreift. Aber unter allen Komlilfe», die in diesem persönlichsten Pekeiuttnis- werk des Urmnsikers Pfitzner diehterisch verarbeitet find, ist der tragischste der. den«r nicht erkennt: der trogischstc darum, well er ihn nicht erkennt Cr weiß— und weiß nur— um die Tragik der erfüllbaren und imersüllbaren Forderungen, die der Künstler an Welt und Menschheit stellt, der Künstler, der reinsten Willens ist, ihr sein Bestes zu geben. Aber er weiß nicht und will nichts wissen von den Forderungen der Welt und Wirklichkeit an den Künstler. Kunst ist ihn,, dem weltfernen, lebensfremden Musiker, höchster, heiligster Lebenswert, doch eben: Kunst a» sich, Kunst um per Kunst willen, Musik um der Musik willen. Als..Retter der Musik" wird Pakstrina vom Papst geehrt und vom Volk gepriesen(in der Oper). Aber Psitzners Musik, Pfitzncrs Oper, nicht nur, daß sie nicht vom Volk spricht, den: Volt nichts gibt, noch geben will: es ist vielmehr als scheue er jede Berührung mit der Realität des Lebens, als schäme er sich joder Gemeinschaft mit der profanen Menschenwclt, auf deren Anteilnahme— und gerade herausgesagt—, auf deren Zustimmung, Beifall er dennoch Anspruch erhebt. Wie der Mustkdramatiker Psitzner, so ist der Regisieur: Ber- ächter der Theaterwirkung. auf die er es in seinem Werk angelegt hat, und der Mittel, durch die sie zu erzielen»st: rücksichtslos gegen- über dem Bedürfnis des Publikums, vor dem er sein Werk spielen läßt. Die Szenerie des ersten Aktes mit den Visionen der ver- storbenen Meister und der Engel ist von desillusion'erender Trocken- hell und Dürftt'okeit: und die Inszenierung des zweiten Aktes, der das Bild des Konzils auf die Bühne bringt, wahrhaft aufreizend in der theat erfremden Eigenwilligkeit, durch die dos Berständms des Vorganges überflüssig und unerträglich erschwert wird. Dieser Akt, stark an äußerer Wirkungsmäglichkeit, ist der schwächste Tell der Aufführung: ihr Schwerpunkt liegt, unter Schillings musi- kallscher Leitung, in den stillen Szenen des Palestrina-Dramas, das durch Fritz S o o t glaubhafte Gestaltung findet. K. P, Die„Ireihellsstakue" der Antike. Den Seefahrer der Antike, der Rhodus anlief, grüßte von weitem schon das Wahrzeichen des dortigen Hafens, cer„Koloß von Rhodos", eins der sieben Welt« wunder des Altertums, die 34 Meier hohe, stückweise aus Metall gegossene und in zwölf Iahren vollendete Statue des Sonnengottes. Um 28ll v Chr. vol'endet, stürzte er, sechs Jahrzehnte später, bei einem Erdbeben ins Meer; sein« Wiederousstellung unterblieb wegen eines warnenden Orakclsprucks. Der deutsche Tiefseeforscher Prof. .Hartmann beabsichtigt nun, im kommenden Frühjahr die Laxe des berühmten Kolosies festzustellen und photographisch« Ausnahnien zu machen. Prof. Hartmann, der jetzt ein« besondere Tiefleeau-rüftung vollerdet hat, will außerdem den Meeresboden zwischen Sizilien und Tunis nnterfirchen, wo er in etwa 1Z0 Meier Tiefe die Reste einer prähistorischen Stadt aufzufinden hofft. Srn a«öneland wurde für baS Deutsche Künliler-Theater verpsiichtet und Vitt dort allabendlich in MolnarS.Soiipcu" auf. �Heer ohne Helden." Wal'ner-Thealer. Ein höchst mittelmäßiger dramatischer Bersuch, kommunistisch und revolutionär frisiert. Als Verjosierln zeichnet Frau Anna Gmeyner, gls Beranstallex das„Theater der Arbeiter". «ine zunächst noch unbekannte Gsmeinfchast von Schauspielern, die sich die Pflege„revolutionärer" Dramat k(in diesem Fall am un- tauglichen Ohjekt) zum Ziel gesetzt bat. Das Ganz« ging als Sonn. tagmittagsoorstellung im Wollner-Theater vor kommunistischen Zu- schauern, die auf Schi« zwo rk begierig lauerten, vor sich. Szene: ein Kohlenbergwerk, das von einem Unglück helmgesucht wird. Arbeiter sind in einem Stollen verschüttet, cingeschlosson. Draußen, in Angst und§!ot, die Angehörigen, die um das Leben des Vaters, d«s Sohnes, des Gekiebten bangen. Das geschieht mit einem be- trachtlichen Aufwand von konstruiertem Gefühl und falfcher Senti- Mentalität in vollendeter Unkenntnis der Plyche des Bergarbeiters. Fritz G e n s ch o w, Renee S t r o b a w a und mll ihnen viele junge befähigte Darsteller l�mühten sich redlich, den blassen Schemen Leben einzuhauchen. Es gelang nicht. Das kommunistisch« Auditorium aber kam doch.zu seinem Recht, als zum Schluß ein Lied erklang, das die bereitgehaltene revolutionäre Bcoesstenrng zur Auslösung brachte. k. Die erfosgreichsie Krlegsdichtung. Wenngleich der Roman„Im Westen nichts Neues" von Re- marqu« einen Erfolg gehabt hat, wie wohl bisher kein anderes ge- druckte» Buch, so hat doch ein anderer Schriftsteller zu gleicher Zest mit einer Kriegsdichtung einen noch stärkeren Triumph errungen. Das ist der Engländer R. E. S h e r r i f f, der sich mit seinem Drama .L o u r n e y s End", das auch bei uns unter dem Titel„Die andere Seite" mit großem Erfolg gespielt worden ist, die ganz« Welt eroberte. Sherriff, der noch vor einem Jahre ein bescheidener Angestellter bei einer Berstcherungegesellschost war, ist heute der eng- lisch« Dramatiker, dessen Name in die weitesten Kreise gedrungen ist:«r ist nicht nur«in reicher und mächtiger Mann geworden, sondern besitzt in der englischen Gesellschaft eine glänzende Stellung. Dabei ist„Bob" Sherriff der einfache junge Mann geblieben, der er vorher war.„Sherriff", so schildert ihn William Pollock in einem Lon- doner Blatt,„treibt viel Sport und ist ein guter Kamerad. Der Ehrgeiz, den er in der Tiefe seines Gemüts verbirgt, besteht darin, Schnllehrer zu werden. Zu seinen schriststellerifchen Fähigkeiten hat er kein großes Zutrauen. Auf das allgemeine Drängen hin hat er ein Lustspiel vollendet, das bald dos Rampenlicht erblicken wird. Aber keiner erwartet weniger von Sherrisfs neuem Stück als Sherriff selbst."_ 3n der haopwerlawmloug der Ottsirappe Berlin de» Sckmhnerdand«, denffdier Sd tlfifkOer Irin de Dr. T b e o d o r B o b n e r llvi.d.L.)»um t. Dmsitzcndrn, Dr. Mar OSborn»um 2. Voisirenten gewäblt. fterner«kkSren dem neuen Vor' and an: Rechtsanwalt S. Grancmann. Karl Grünberg. Paul Kulmann, Karl Schräder, Adele Schreiber-Krleger(M.d.R.). Die tittsi» der bepknenden Lels« und ibre Urberwindimg Im Kelchen- und Nuninirterlicht. lieber diese« Tbema lvricht im Ralmen der von der Tiaolllchen Kurstdlbllothek vcranftalleten VaittagSieibe ,Kege»nr Kunst' Ttudieniat Schäfer-Simmern am 27.. VO Uhr, tm Hörsaal der Staatlichc» Kunilbibliothek, Prmz-Albrecht-Tiraß« 7«. va, gross« Soslümsest der valkidühne am l. ffebruar im Sport- P a 1 a ft umiasst u. a. ein Kabarett, für das flch fast alle namhaften Mit- plleder des Aolksbäbnenenlembles mit Borträzen zur Verfügung stellten. gragen Saal erfolgt 12'/. Ulit unter Cettung von Sl. H. Martin unler Rilwirkung des gesamten Ensembles ein„Einzug der Vb-Schmiere'. Die Latinisierung des russischen Alphabets. Die Kommijstonen, die zur Einführung des lateinischen Alpha- bets in die russische Schrift eingesetzt wurden, haben jetzt ihre Arbeit beendet, und so dürfte diese Neuerung, die eine wichtig« Schranke durchbricht, die bisher das Russentum von der westlichen Kultur ttennte, bald in Kraft treten. Die große Mehrzahl der nichtrusstschen Völker in der Sowjetunion hat bereits das laielnifche Alphabet angenommen. Ueber die Einzelheiten der Lattnisterung machte ein Mitglied der Kommission, Kostenko, nähere Angaben. Unmittelbar nach der Einführung des Bolschewismus wurde das russische Alpha-- b«t etwas vereinfacht, indem drei wenig benutzte Buchstaben als überflüssig ausgemerzt wurden. Jetzt gibt es noch 32 Buchstaben, die Zeichen für harte und weiche Aussprache mtt eingerechnet, in dem alten kyrillischen Alphabet gegenüber den 26 Buchstaben im Lateinischen. Es müsicn also wettere Bereinsochungen in der Aus- sprochcbezeichnung vorgenommen werden, und zwar werden Punkt und Apostroph dazu benutzt. So wird der russische Buchstabe „Tsä/ah"„s" geschrieben werden und„Tscheh"„c". Der Buchstabe „Kh", der etwa unserem„ch' entspricht, wird durch„x" ersetzt, während an die Stelle von„x* die Buchstabenoerbindung„ks* tritt. Durch dies« Verwendung des Punktes und Apostrophs wird die latinisierte russische Sprache, wenigstens in gewissem Grad«, die außerordentliche Konsonantenanhäusung vermeiden, die den fremden Leser im Polnischen so seltsam anmutet. Durch die Annahme des lateinischen Alphabets hofft man, die internationalen Beziehungen Rußlands zu stärken, den Russen das Erlernen fremder Sprachen und den Ausländern dos der russischen Sprache bequemer zu machen und durch die Verringerung der Buchstaben das Schreiben zu er- leichtern und an Druckkosten zu sparen. Mesfing statt Gold. ssstussischer Kaufmann um 36 OOO Mark betrogen. von zwei geschickten Gaunern Ist ein in Verlin ansässiger russischer Kaufmann und Makler um 36 000 Mark beirogen worden, wir erfahren dazu folgendes: Bei dem Kaufmann, der in der Schönhauser Allee seine Prioatwohnung hat, erschien am 19. Januar«in Mann, der sich als Vertreter der Sowjettegierung vorstellte und sich W. Ciemonof nannte. Er erklärt«, daß er die in Pottawa verheiratete Tochter des Kaufmanns kenne und beauftragt sei, von ihr Grüße zu überbring:a. Im Laufe der Unterhaltung erwähnte Ciemonof, daß er in Berlin einen Emigranten kenne, der im Besitz von 2S Kilo zahn- ärztlichem Golde sei, das er gern verkaufen würde. Mtt Rücksicht darauf, dciß er auch Maklergeschäft« tätigt, interessierte sich der Kaufmann sehr für diese AngekgenHett und bat um nähere Einzelheuen. Der angebliche Regierungsoertreter, der diese nicht geben konnte oder wollte, vereinbarte für den 21. Januar eine Zu- sainmenkunft in einem Hotel in der Königgrätzer Straße, wo er und der Emigrant wohnten. In dem Hotelzimmer machte der Kaufmann dann die Bekanntschast des Emigranten, der sich als I. Wasieliew vorstellte und«ine in Leinwand gehüllte Talche heroocholle, die das Gold enthatten sollte. Insgesamt wollte er das Metall für den Borzugspreis von 36 800 Mark verkaufen. Der Berliner wollte ober ganz sicher gehen und verlangte, daß das Gold geprüft werde. Gemeinsam fuhren dj« Drei nach der Deutscheu Gold- und Silberscheideanstait in Reinickendorj-West hinaus, wo durch chemische Anolyse die Echtheit des Goldes bestätigt wurde. Für den 24. Januar wurde der endgültige Abschluß des Gsschastes und die Zahlung vereinbart. Dieses sollte nicht mehr im Hotel, sondern in der Wohnung des Kaufmanns vorgenommen werden. Die beiden, der„Regierungsoertreter" und der Emigrant. fanden sich pünkttich ein, lieferten die Tasche mit den Platten ab und erhielten die verlangt« Summe bar ausgezahlt. Als nun der Makler das Gold bei Zahnärzten anbot, wurde festgestellt. daß es in Wirklichkeit nur Messing war. Die echten Goldplatten waren oertauscht worden. Nachfragen bei der russischen Botschaft und der russischen Handelsvertretung ergaben, daß dort weder ein Ciemonof noch«in Wasieliew bekannt waren. Der Betrogen« hat auf die Ergreifung der Schwindler und die W'iederbefchasfung des Geldes«ine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt. Kleine Kostprobe. Aus der„revolutionären" Hexenköche. Mit der Balkenüberschrift:„SPD.-Arbeiter sammeln für Bezirkskongreß" brockte das Zentralorgan der KPD. am 26. Januar einen vom 16. Januar datierten„Eigenen Bericht" aus Mannheim. Der Bericht lautet: „Ein Arbeiter, der Milglied der SPD. ond des Reichsbanners ist. sammelte in den lchieu Tagen 22.50 Mark für den Bezirks. kovgreß der revolutionären Gewerkschaflkoppoflllon." Da im kommunistischen Himmel mehr Freud« zu sein scheint über«inen sohnenslüchligen SPD.-Arbeiter als über 99„Nassen- bewußte Unorganisierte", kann man dem„SPD.-Arbetter", der für die KPD. agttiert, in der Moskaupresse häufiger begegnen. Ein« derartige Schwindelmethode kann doch nur für die ganz Dummen unter den Lesern dieser Presse berechnet sein. Ein SPD.-Arbetter, der auf die oerrückt« Idee käme, für die KPD. zu sammeln, hat in demselben Augenblick, in dem er sich anschickte, sie auszuführen, aufgehöri, ein„Spv..Ztrbeitsr" zu sein. Dabei erginge er ihm nicht einmal so schlimm als einem„KPD.- Arbeiter", der auf den vernünftigeren Einfall käme, für Zwecke der sozialdemokratischen Partei zu sammeln. 0 Wens?artal>«i kämmt,«mattet wa» etma« Uaaemiihalide». unb m:t Recht: In Eatrofan;» Programm der„SidSnilen Schau»Weier Welten' häutt sich ein« ftflUe WmBtt L-.stunaen von Menschen und Tieren In stsndiqen, Wrch'el werden wir von einem Erdteil in den anderen versetzt werden und AttilUn aller Ragen, wild» und«bin« Tier« au» allen Zonen erleben. Die Eröffnnnasvorltellun,, in Berlin aus dem Tenrpelboser ffett findet am 7. ssebruar statt. Larrafani bleibt nur wen!«« Tagr in Berlin. Beraniwortl.'ilr die Redaktion: Solsaang Schwar», Berlin: Anzeigen: Tb. Slockc. Berlin Lcriag: Barwcrt» Betlag S. m b K. Berlin Druck: Barwärt» Buch» druckertt und Berlaosanstalt Paul Singer& da Berlin SW<8 Lindenstraste g. vier»» I Beilage. Die Hilfe gegen Gicht und Nheumntismns. Sie wissen kein sicheres Mittel gexen diese Plage- geister? Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zett die Schmerzen, aber sie packen nicht«mmer das Uebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie jellen es selbst versuchen, ohne daß es Si« etwas tostet: aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie die soigenden Briese: Seit Mthmen Iahren Hab« ich mtt Rheuma- tismus zu tun gehabt, so daß mir das Lausen vor Schmerzen sehr erschwert wurde. Daher kann ich setz: mit Freuden bekunden, daß mir die von mir eingeschlagen� Kyr mit Gichtosinf Tabletten äußerst gutgetan hat uird ich non meinen heftigen Schmerzen gänzlich befreit bin. Jedem Ziheu. matismuskranken kann ich diese Kur nur empfehlen. Hochachtungsvoll A- R. in M. Ich spreche Ihnen heute meinen besten Dank jür Ihre vorzüglich wirkenden Gichtosim-Tablctten ans. Nach 14tägigem Gebrauch spürte ich schon«in« Besse- rung und lon«« Nachts Ichlasen. Nach Gebrauch der ersten Sendung war ich wie von neuem geboren. Noch- mal» besten Dank. Hochachtungsvoll P. Sch. in N. Ich will Ihnen hiermit von dem überraschenden Erfolg Ihrer Gichiosint-Tabletten berichten und dankbar sein. Ich habe 10 Jahre mtt Rheumatismus zu tun gehabt, so daß Ich vor Schmerzen bald nicht mehr gehen konnte, hauptsächlich im Winter. Jetzt kann uh mit Freuden berichten, daß ich leine Schmerzen mehr habe Nochmals meinen besten Dank. Hochachtungsvoll Frau M. H. in O Solche Briefe besitze ich Taufende, und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Cntgif.ung de« Blute». Diese» ist oerunrtinigt durch zurück- zettiebene hornsaure Salze, und diese müssen her- aus, sonst nützt alles Einreiben und Warmholten nicht». Zur Beseitigung der Harnsäure dient das G i ch t o s i n t. Die können da» glauben oder nicht, aber Sie 'ollen keinen Pfennig dafür ausgeben, ehe Sie sich überzeugt haben Teilen Sie uns Ihre Adresse auf einer Post- karte sofort mtt und adressieren Sie diese an: Generatdepot der Bittoria-Apotl�ke. Berlin-Z 275. Friedrichstr. 19; es geht Ihnen dann vollständig 'osienfrei eine Probe Gichtostnt mit weiteren Aufklärungen und genauer S«drauch»atlw«isung zu. föelFoge Montag, 27. Januar 1930 SprÄblMd nJftitAftftMf Schicksale in Mölln Von Max Barthel Die schöne, Neine Stadt Mölln Uegt an der alten Handels- straße, die von Süddeutschland über Halle. Braunschweig. Lüne- bürg hinauf nach Lübeck führte, als d<< Hansa noch machtig war. Till Eulenspiegel, der Mann, der im Unsinn den Sinn und im Sinn den Unsinn hörte, soll dort begraben liegen, und der wifj- begierig« Fremde kann sich von der Küsterssrau den Grabstein zeigen lasten, der in die Mauer der mittelalterlichen Kirche ein- gemauert ist. Man sieht auch noch ein Panzerhemd, von dem sich begeisterte Freunde Schuppenringe llauen, man steht einen rostigen Degen und das Gestell einer unwahrscheinlichen Brille. Der Till aber, der unsterblich ist wie der Witz des Volkes, lacht über die Narren, die ihn an einer Brill«, einen Degen oder Schuppenhemd sasten wollen. Aber in Mölln, diese klein« Stadt ist zauberhaft schön, erfüllt sick heute tausendfaches Schicksal. Die Agrarrevolution in Rußland entwurzelt viel« tausend Bauern, die durchaus nicht alle mtt dem Schlagwort Kulaken zu markieren sind. Dieses Schlagwort ist auch so ein Degen wie der an der Kirche bei Till Eulenspiegel, ein Degen, den der Rost gefresten hat. Dies« Auswanderer, die da oben in dem Lager über Mölln sitzen und aus die Reise nach Amerika warten, sind zum größten Teil arm und gehetzt aus der Krim, aus Sibirien, aus dem Kaukasus oder aus der Ukraine gekommen. In ihnen bluten die Wunden der Unterlegenen. Sie alle haben ein Schicksal Himer sich, ein Schicksal vor sich. Wo kommen sie her? Warum ergeben sie sich nicht der neuen Ordnung? Warum stemmen sie sich gegen den Fünijahreplan. der in Rußland den individuellen Bauer aufheben und die Erde motorisieren will? Aus den vielen tausend Schicksalen wollen wir e i n Schicksal herausgreifen und einem sibirischen Bauer selbst das Wort geben. Seine Hand konnte pflügen und nicht schreiben. Sein Bericht ist auch mehr«in Land umpflügen als eine Erzählung schreiben. Cr berichtet: „5m Jahr« 1918 wurde ich als Soldat im Bürgerkrieg ein. gezogen. Es war der Kampf gegen die Bolschewiken. Ich kam gerade zu Weihnachten an die Front, etwa 1SK Kilometer von der chinesischen Grenze. Bis September 1919 kämpften wir. aber dann fielen uns die Bolschewiken in den Rücken, und da es dort sine gebirgige Gegend war, war der Krieg sehr schwer und wir waren gezwungen,«in Gebiet nach dem anderen abzugeben. Im März 1 9 Z 9 mußten wir. um uns zu retten, ins Gebirge fliehen, wö wir fast zwei Monate umherirrten. Da wir kein« Bagage mit- nehmen konnten, bestand unsere Nahrung nur aus Fleffch. das wir selbst schössen und ohne Salz esten mußten. Bon dieser schwachen Nahrung wurden wir sehr schwach, außerdem wütete noch die Krankheit(Typhus) in unserem Lager und forderte viel Opfer End« April bekamen wir von der chinesischen Regierung die Er- laubnis, die Grenze zu überschreiten, wo wir all« ausgehungert und sehr viel trank ankamen. In China angekommen, trat ich aus der Armee aus und fand Unterkunft und Arbeit bei \ einem deutschen Ledergcrber, wo ich 1 Jahr und 2 Monate arbeitete. Da man in China verschiedene Gerüchte hörte, daß es nicht fo schlimm sei mit den Kommunisten, und es in China sehr einsam wap entschloß ich mich, wieder zurückzukehren wo man mich auf L Monate in Haft legte, dann aber freiließ. Nach langen Reisen kam ich am 22. Dezember 1921 in meine Heimat: wo ich gleich an Typhus erkrankte. Durch die vielen Regierungen und durch die Geldentwertung hatte unsere Wirtschaft sehr gelitten, so daß meine Ellern ganz verarmt waren Sobald ich gesund geworden war, verkauften wir unser Haus und kauften ein schlechteres, und fingen mit frischem Mut an zu arbeiten. Obwohl wir bisweilen fite Hälfte unseres Einkommens als Steuern müßten abgeben, hatten wir doch unser Fortkommen. Im Jahr« 1927 wurde ein neues Gesetz von der Sowsetregierung herausgegeben, das Gesetz von der Selbst- besteuerung, und dann kamen die Staatsanleihen. Dieses von Stalin erdachte Gesetz durfte von der Dorfgemeinde nach eigenem Ermessen durchgeführt werden(so wie es im Gesetzentwurf hieß). aber«s wurde von der Regierung streng durchgeiührt und diente dazu, den Bauer zu proletarisieren. Di« erste Selbst- belleuerung wurde bei uns in Sibirien im Februar 1928 durch- geführt. Die Dorfgemeinde wollte nicht, aber nach dreimaliger Versammlung und nach vielem Hin und Her, nach vielen Drohungen von der Regierung wurde es angenommen. Die Folge davon war, daß der Bauer die ohnehin große Steuer fast nicht bezahl«» konnte. Die meisten von uns waren gezwungen, ihtte Wirtschäften zu verkaufen, ja. vielen mußte alles verkaust werden, damit sie die aufgelegten S'ouern bezählen konnten. Ganz besonders schwer wurde es den stimm- entrechteten Bauern, dos waren die Prediger und die Wohl- habenden, die mußten nach ein« besondere Steuer zahlen Da man mit allen Steuern und Anleihen den Bauern nicht in das Kollektiv zwingen konnte(welches man mit dieser Steuer nicht belästigte), so kam im nächsten Jahr die sogenannt« Getreide- b« s ch a s f u n g dazu. Dies geschah so: die betreffende Land- gemeinde mußte, oder wurde gezwungen, einen Beschluß zu fassen, mehr Getreide dem Staate zu liefern, als überhaupt ange- baut und geerntet war. Es wurde«in Plan vorge- schrieben, der unmöglich zu erfüllen war. Wenn die Regierung sah, daß die Gemeinde nicht zustimmen wollte, wurde eine Abstimmung verlangt. Das geschah so: Der Agitator fragte: Wer gegen die Sowsetregierung ist und gegen die Maßnahmen der Sowsetregierung. der hebe die Hand. lind das Nichthochheben der Hände bedeutete, doß der Plan an- genommen war. Der letzte Sommer 1929 war ein besonders schwerer Sommer. Es wurde rvohl fast in jedem Dorf von der Regierung den Wohlhabenden alles zu Schleuderpreisen verkauft und viele' Bauern wurden aus Haus und Hof getrieben. Wez das. erklärt« man. sei notwendig, um den Fünfjahreplan zu ersüllen. Um Haus und Hof umer den Hammer zu bringen, genügte es. daß lemand vor Jahren einen Knecht gehabt oder der Partei nicht wohlgesinnt war oder Prediger sei. An diesen durste die Willkür getrieben wer- den. da die Leute ja kein Stimmrecht haften und ihnen im Gericht kein Recht wurde. Außerdem wurden diele Leur« auch noch boykottiert, so daß sie nichts kaufen konnten. Im Sommer 19?9 hatten wir sozusagen eine total« Miß- ernte. Der Gttreidepreis stieg orn Tag zu Tag. Wir sollten alle in die Aollektiowirischoften eintreten, um den Fünsjahreplan mit zu erfüllen. Als die deutschen Bauern sahen, was ihnen bevor- stand, wollten sie lieber in Moetau sterben, al» in bis Erdöl wurde entdeekt! Tragödie eines Indianers/ Von H, Hesse, New York Auch in unserem nüchternen Zellaller der Moschine ist di« Ro- mantll keineswegs ausgestorben. Mögen auch die Menschen we- Niger romantisch veranlagt sein als früher— das Leben>elbst spinnt Romane, überraschender, verschlungener, romantischer als je zuvor. Ein solcher Roman ist das Schicksal mancher Indianer- stämme Nordamerikas. Don den eindringenden Weißen niedergemacht und vertrieben und immer weiter zum Westen ge- drängt, ging diese Raste mehr und mehr zurück, bis sich die Regie- rung genötigt sah, Maßregeln zu ergreisen, um wenigstens die letzten Reste zu erhallen. Sie wurden in besonderen Bezirken angesiedelt, um ihr völliges Aussterben zu verhindern. Um nun kein wertvolles Land unnütz zu verschwenden, wähllen die Landesväter in ihrer unerforschlichen Weishell unfruchtbar« Gegenden Hier fanden di« Rothäute ganz und gar kein„Tisch- lein deck dich", vielmehr hungerten sie sich auf den kahlen Hügeln recht und schlecht durch. So vergingen lange Jahrzehnte, während der die Indianer von den reichen Iagdgründen ihrer Dorfahren träumten. Sie nagten am Hungertuch«— Jagden auf gewaltige Püfselherden kannten sie nur vom Hörensagen. Die ganze Kriegspoesie ihrer Stämme gehört« der Vergangenhell an. Mll einem Schlage aber nahm das Los verschiedener Stämme eine Wendung. Das Schicksal gefiel sich in einer überaus roman« tischen Laune und spielte den weisen Landesvätern einen sardonischen Streich. Auf den kahlen Hügeln der Indianer wnrde Erdöl entdeckt, und Erdöl stt heute wertvoll wie Gold. Mit einem Schlage hatte alle Armut ein Ende, und die Indioner gehörten zu den reichsten Leuten der Well. Mehrere hundert Millionen Dollar wurden bisher als Anteile an sie ausbezahlt. D o r s e y F i f e vom Stamme der Creek gehörte sedoch nicht zu diesen Glücklichen. Er hatte das Land, das er von der Regierung erhalten, für allerlei Kinkerlitzchen im Werte von fünfzig Dollar verkauft. Das war vor mehr als zwanzig Jahren, und da» Land mochte damals nicht mehr wert sein. heute ist vorsey 90 Zahre all. und die AuleNe seine» Lande» an Oel sind Millionen Dollar werk. Es ist mitten im Oelfeld« der Seminolen gelegen, einem der reichsten Oelfelder der Welt. Die 169 Acker, di« Dorsey zugeteill waren, sind kein rauhes, von Schluchten zerrissenes Waldland mehr, da» nicht einmal als Weide zu gebrauchen war, sondern ist mit Oel- türmen besetzt. Der alle Dorsey versucht nun. mtt Hilf« der Gerichte sein Eigentum zur ü"ck zubekommen. Sein Leben ist ein« ro- mantisch« Geschichte. Seine Eltern gehörten zum Stamme der Ereek. Das Land aber wurde ihm als Seminolen zugctettt. Er war wohl eine Art Landstreicher in seinen jungen Iahren und mochte wohl den dunklen Drang verspüren, die Welt teliiienzulernen. Stammesstolz und eben der Sippenstolz der Creeks. di« in mehrer« Sippen zerfielen, konnten Dorsey nicht zurückhallen. Cr kannte seine Stammesleut«, doch wollte er auch andere kennen lernen, denn er wußte, die Creeks waren nicht die einzigen Stämme, die gen Westen getrieben wurden. So ritt er denn eines Tages über die Hügel nach Osten ins Land der Cherokejen. wo die Schönheit der Frauen tiefen Eindruck auf ihn machte. Dann ritt er weiter nach Norden zu den gastfreundlichen O s a g e, wanderte am Red River noch Süden und machte mit den C h o c t a w s usd C h i ck o s o n> s Vekanntschaft. Diese aber ließen sich mit Angehörig?;i anderer Stämme wenig ein. Auch lebten sie ruhig. Dorsey aber schwärmte für Taten. So kam er schließlich zu den Seminolen. Dort fühlle er sich eher hei- misch. Mit ihrem Lande konnten sie zwar keinen Staat machen. Es war rauher Wald, von Bächen und Schluchten zerrissen. Die Mädchen waren eine wahre Augenweide— Dorsey hatte endlich das Ziel seiner Irrfahrten gesunden. Die Geschichte der Seminolen war«ine Kette ewiger Unruhen. Sie waren wenig leutsellg, doch Dorsey wußte es fertig zu bringen. als Stammesangehöriger adoptiertzu werden. Er heiratet« eins der schönsten Mädchen des Stammes und hals nun im Kampf« ums Dasein, das heißt bei Uebersällen aus Nachbarstämme. So kam es denn, daß ein Vollblut-Creekindianer als adoptierter Seminol« austrat, als die Regierung eines Tages beschloß, das Stammesgebiet der Besiedlung durch di« Weißen zu erschließen. Jeder eingeschriebene Indianer sollte 169 Acker Land erhallen. Regierungsbeamte aus Washington stellten die Liste der Stammes- angehörigen auf. Obwohl vollblütiger Creekindianer, wurde Dorsey als adoptierter Seminole eingetragen. Noch dem gleichen Verfahren hallen die vom Stamme der Creek ihren Anteil bekommen, aus dem manchen später Millionengewinne in den Schoß fielen. Um schwindelhafte Machenschaften zu unterbinden und die Indianer zu schützen, hatte die Regierung bestimmt. daß ei« mehr al» Halbblütlger sein Land nicht verkaufen konnte Man hiell Voll- und mehr als Halbblutindraner nicht für fähig. über ihr Eigentum frei zu verfügen. Dies« Bedingung gall jedoch nicht für„adoptiert« Bürger", und Dorsey war eben ein adoptterter Seminole. Dorsey beklagt sich nun, daß eines Tages«in Spekulant kam, ihm allerlei Schnickschnack im Werte von vielleicht fünfzig Dollar bot. In Gegenwart von Zeugen setzte Dorsey seinen Finger. abdruck unter ein Papier, das den Besitztitel seines Landes darstellte. An seinen Grund und Boden dachte er nicht mehr. Hätte man nun im Lande der Seminolen im Staat« Oklahoma kein Oel gefunden und Bohrlöcher angelegt, so würde man von Dar- sey kaum je wieder gehört haben. Es wurden jedoch immer neue Oelquellen angebohrt, und schließlich stellte es sich heraus. daß Dorfeys Besitz den MUkelpunkl de» reichen Oelfelde» bildete. Dutzende von Oelquellen sprudellen um die Wette, und der Wert de» Bodens stieg ins Ungemestene. Ueber Nacht wurden di« Besitzer reich an Prozenten. Ein Parlamentsmitglied, das mtt den Indianerangelegenheiten zu tun hatte, fand den allen Greis in einer elenden Hütte. Cr war stocktaub, fast blind, und haust« hier mutterseelenallein. Der Abgeordnete ließ sich von dem Alten Dollmacht geben, um den Besitz auf gerichttichem Wege zurückzuerhalten. Der Abgeordnet« faßte die Lage wie folgt auf: Dorsey war«in Bollblutcreek, der unter den Seminolen lebte. Die Regierung war im Irrtum, als sie ihn als„adoptierten Bürger" des Seminolen- stammes eintrug. Als Creekvollblut hätte er als Seminolevollblut aufgeführt werden müssen, der in seiner Rechtsfähigkeit beschränkt war und sein Land nicht verkaufen konnte. Einige Dutzend Anwälte, von denen einige große Gesellschaften vertreten, fechten nun in den Gerichten den Fall aus. Inzwischen üben das Geld und die Gier nach Geld lagiäglich ihre demoralisierende Macht aus. Der Reichtum wird den Indianern wahrhaft zum Fluche. Allerlei Gelichter schwärmt um sie her, um sie auf alle nur erdenk- liche Weise zu schröpfen Falschspieler und Kurtisanen wittern Beute. Schleichhändler alkoholischer Getränke bringen ihre schlechte Ware für ein Heidengeld an den durstigen Mann. Automobilhändler werden reich über Nacht. Bauunternehmer machen ein Vermögen an schnell zusammengezimmerten„Villen". Als ciniachs Natur- kjnder haben die Indianer gar keinen Maßstab für den Wert des Geldes. Ja vor Schweroerbrechen schreckt die Habgier nicht zurück. Heiraten zwischen Weißen und Rothäuten werken mtt allen mög- lichen Tricks zuwege gebracht. Hohe Lebensversicherungen der In- dioner werden ausgenommen, und mit Hilfe von Alkohol und aus- schweifendem Lebenswandel sucht man ihnen das Leben zu ver- kürzen, um die Bersicherungegeider einzuheimsen. Bei den Osage kamen sogar über zwanzig brutale Morde vor, bei denen die Mörder den einzigen Zweck verfolgten, den Besitz der Opfer an sich zu bringen. Kommunen«Ipzutrcten, weil ihnen das Leben in den Kommunen zu gut bekannt war. So zogen im Sommer 1929 niete tausend deutsche Kolonisten aus allen Teilen der Sowjetunion. darunter auch ich, nach Moskau, um den letzten Versuch zu machen, leben zu bleiben Di« Lage in Moskau war nicht weniger schwierig, da man uns zuerst keine Pässe gab und der Unterhall sehr teuer war. Durch gegenseitig« Unterstützung gelang es einem Teil von uns, auszuwandern. Jakob Bestel." Dieser Brief eines sibirischen Bauern, der in Mölln aus die Reise nach Amerika wartet, ist trotz seiner Primitivität«in wichtiger Beitrog zur Bauernfrage in Rußland. Erwähnt soll noch werden, daß die ersten Deuischrusien vor einigen Tagen nach Brasilien gefahren sind, und nicht vergesten sei ein Wort der Anerkennung für den Reichskammissar Stücklen. der diese Bortrupps einer neuen Bouernwandcrung ausgezeichnet betreut. Photographie mit Wärmestrahlen Löingst ist man bei allen naturwisienschofttichen und msdiztni- schen Forschungen davon abgekommen, sich auf den unvollkommenen Apparat des Auges zu verlasien, seitdem man erkannt hat, daß die künstlichen Sehwerkzeug«, das Mikroskop, die phsw- graphisch« Platte, die Röntgenröhre, ihm weit überlegen sind. In»- besondere die chemisch wirksamen Strahlen, di« unsichtbaren kyrz- welligen, welche den j.nse'.t» des Diplqtts liegenden Zeil des Spek- trums bilden, spielen eine viel größere Rolle für die Entschleierung kleinster Vorgänge und verborgenster Beziehungen in der Natur, als der große Bereich der.sichtbaren" Lichtstrahlen. Und doch giln es in der Mediz'n und Physiologie Veränderungen, die mtt keina mikroskopischen oder chemischen Methode festgestellt werden könne". wo auch dos Ultraviolett versagt. Hier greift nun«in« neue, von Prof. G> g o n. Basal. ousg>.> arbeitete Methode helfend ein, welch« den anderen unstchtbarcn Teil de» Spektrums, die Wärm« strahlen, verwendet. Dies« auch ultxarote genannten Strahlen spielen in der Sonnenenergie eine viel größere Roll« als das Ultraviolett. Sie machen im Gegen- satz zil diesen nur ein Prozent des Ullranolctts wehr als 69 Prozent der gesamten Sonnenstrohwng aus. Es mutz deshalb ohne weiteres einleuchten, daß die Wärmestrahlen für olle Lebensvo: gange eine außerordentliche Roll« spi.len. Prof. Gigon benutzte nun die Wärmestrahlen zu photögraphischen Aufnahmen vcr- mittels Platte», die durch Neocanin besonders empfindlich gemacht waren und noch aus Strahlen von l,2tausendstel Millimeter reagier- ten(die chemischen Strahlen haben«in« Wellenlänge von 9,29- bis 9,21taus«ndstel Millimeter. Es ergaben sich dabei außerordentlich interessante Resultate vor. allem bezüglich der Einwirkung der Wärmestrahlung auf die einzelnen Teil« des Organismus. So z. B. stellte sich heraus, doß bei Menschen und Tieren die Lunge dasjenige Organ ist, das am meisten Wärmcstrahlen absorbiert. Ein Stückchen Lunge von nur fünf Millimeter Dicke läßt schon keinen einzigen Wärmesirahl mehr durch. Wenig durchlässig sind quergestreifte Muskeln. Es hat sich ferner herausgestellt, doß die Untersuchung der physikalischen Stritl- tur der Gewehe viel empfindlichere Reakt'onen ermöglicht als die chemische. Es lasten sich mit Hilfe dar Wärmestrahlung Deröirde- rungen ermitteln, die durch keine der bisher bekannten Methoden nachweisbar sind. Die Leber eines mtt Phloridzin(ein in der Wurzelrinde mancher Obstbäume vorkommendes Glykozid, das häufig als Chininersatz in der Medizin verwendet wird) ve g fte.en Konurchens zeigt« sich z. B. für Wärmeftrahlen leichter durchlässig als die eines gesunden Tieres. Krebsgewebc zeichnen sich durch besondere Durchlässigkeit von Ultrarot aus Auch Stojf- wechfelvorgänge kann man mit dieser Methode gut untersuchen. Es ließe sich z. B der lidachwei» erbringen, daß durch Füll.rung eines Kaninchens mtt Zucker der Kohlenstoffgehalt im Blut erheblich an- stieg: das Blut verschluckte nach der Zuckerfütterung mehr Wärme- stxahlen als vorher. Ein neues künstliches Auge hat sich der Mensch hier geschossen, dos noch leistungsfähiger zu sein schnnt als oll- bishsneen und da, in der Aufdeckung von Krankheiten und S-Hä'- allem Anschein nach in der Zukunft eine Nolle spielen wird. nr. L. (13. Fortsetzung.) „Ja, prima Kundschaft, prima", versicherte Kröppli mit wich- rigem Gesicht.„Ich könnte ja ausgezeichnet von den Herrschaften leben." Er legte die Hand auf die fleischige Brust.„Aber meine Passion, sehen Sie. mein« Passion. Ich mutz bei richtigen, ernsten Tportsleuten arbeiten. Wollen Sie's nicht mit mir versuchen?" „Ich denke. Sie sind bei Wart?" Tom war mitztrauisch. .Loch. Mart, der is doch fertig. Den haben Sie doch zerschlagen. der gibt's auf. Kauft sich'n Laden. Ich bitte Sie.'n Laden!" „Ach nee." Tom war schodensroh. „Was meinen Sie, den hab'n Se so zermürbt, sein Derz is weg."' „Meinen Sie, den Hab' ich für immer erledigt?" „Na aber, wer möchte das nochmal einstecken. Und'n anderer kommt doch als Gegner gar nicht in Frage." „Also, ich Hab' Mart wirklich fertig gemacht?" Toms Augen glänzten und Kröppli sah in diesem Augenblick tief in Toms kleine eitle Matrosenseele. .Mar, wer Ihnen in die Finger kommt, der is zerbrochen. Schad't ihm nichts, gar nichts. Is'n knietschiger gemeiner Mensch. Denken Sie bloß, hat'ne Schwester, die nicht satt zu essen hat. Glauben Sic, die kann auch nur'n Sechser aus Marten raus- fechten?" „Is er so?" „Und das Mädel, mit dem er vier Jahre ruingezogen is? Ihre Stellung hat sie aufgegeben. Wie er noch nischt war. hat sie für ihn gesorgt. Und jetzt? Da sitzt sie. Mitsamt ihrer alten Mutter. Nee, wissen Sie, wenn man das so mit angesehen hat, dann hat man genug." „Wenn Sie nun zu mir kommen würden, hätten Sie denn auch Zeit den ganzen Tag? Denn wenn schon, denn schon!" „Ja, einesteils. Aber bedenken Sie doch die prima Privat- kundjchost. Sie haben doch die Schreiben gesehen, Herr Matthes, die zahlen doch." „Hm." Tom dacht« noch. „Neulich hat erst der Prinz Theodor zu niir gesagt:„Kröppli, Sie machen ja einen Toten wieder lebendig mit Ihrer Massage." Und das is bei so'ner abgelebten Moschine nicht leicht. Aber Sie, so'n schöner Mann in der besten Kraft!" Tom wehrte bescheiden ab. Innerlich freute er sich wahnsinnig über die faustdicken Schmeicheleien. „Am Geld soll unser« Zusammenarbeit nicht scheitern. Wir machen gar kein festes Gehalt ob. Sie soll'n Ihr Teil schon kriegen. Und mit der Prioatkundschaft werden wir schon schen." Tom hott« unwillkürlich Hurts Methode gewählt. Er sprach auch so energisch wie dieser. A „Sie können mich gleich mal massieren." Kröppli war sofort bei der Arbeit. Ihm machte das vage Angebot des Boxers durchaus kein Kopfzerbrechen. Erstens gedachte er keineswegs, die sichere, gutzahlende Prioatkundschaft auch nur um ein« Stunde zu schmälern. Das würde er sich schm einrichten. Und zweitens, unsichere Abschlüsse waren sowieso Kräpplis Speziali. tät. Er wußte, datz er immer gut dabei abschnitt. „Ach. was haben Sie bloß für'n Körper! So was Hab' ich doch noch nicht geseh'n, mutz ich selbst zugeben. Und die Haut, wie Seide. Aber wie Seide. Da müsien die Frauen ja verrückt werden." „Sind sie auch", antwortete Tom blasiert. Die Frauen, als ob man ihm Zeit gelassen hätte, auch nur eine einzige Frau, außer der treuen Behüterin Jacklowicz. kennenzulernen. Er dachte mit Wehmut und Groll an die unterschlagenen Liebesbriese. Dabei drückte Marders Spionaoe ihn wie eine Zwangsjacke. Er war doch eigcnt- lich vom frühen Morgen ab nie ohne Aufsicht. Das muß anders werden, dachte er. Er bewegte dabei seine Lippen. Wie er e, auch stets tat, wenn er las. Kräppli zwinkerte ihn mit seinen Schweinsäuglein an.„Was denn, Herr Malthes?" Er bekam keine Antwort. Mit besonders aufmerksamer Sorg- ialt massierte Kräppli Toms rechten Oberschenkel. So nebenbei sagte er dann:„Weiß ja, wie das is. Mit Mart konnten Sie's machen, der war auch dusselig. Wenn der geriebene Kerl, der Pechtold, zu ihm gesagt hätte, du mußt Vitriol trinken, das ist gut für die Form, dann hätt'«r's getrunken. Der war so über- zeugt, daß Pechtold bloß aus Interesse für ihn auspaßt. Dabei hat er'n knapp gehalten, und der Pechtold hat gelebt wie'n König in Frankreich." Toms Blick kreuzte sich mit Kräpplis schlauen Augen. Dann sagt« er halb voll Wut, halb amüsiert:„Ich will Jhnen mal was sagen, Kräppli! Manche Leute wollen mich für dumm verkaufen. Aber die irren sich. Der Hurt denkt vielleicht, ich weiß nicht, daß der schmierige Lasse Marder mir als Spion auf'n Hals gesetzt wird. Denkt er. Wenn der aber nochmal hier angetanzt konimt, fliegt er die Trepve runter. Aber achtkantig. Ich Hab' ihn schon mal rausaeschmisien, aber diesmal wird's richtig." Kräppli nickte.„Erzählen Sie doch mal, wie's war?" „Gleich. Ich Hab nc neu« Idee." Tom sah Kräppli listig an. „Wenn ich mit Marder absolut nichts mehr zu tun haben will, mutz doch Hurt einen neuen Auspasier besorgen. Und der können Sie dckch sein?! So läßt der mich auf keinen Fall leben, ohne daß jemand um mich henim ist. Das muß doch gehen. Vielleicht bietet er's Ihne» von selbst an, vielleicht machen Sie die Sache. Soll er ruhig schlafen, ich will mich ruhig amüsieren. Was Hab' ich denn sonst von meinem Geld, wenn ich's nicht ausgeben kann?!" Er lachte entzückt über feine schlaue Idee. Kräppli stimmte geräuschvoll ein, daß sein dicker Bauch wackelte. Gutgelaunt landete Tom einen unvermuteten derben Stoß mitten in die wackelnd« weiche Fülle. Kräppli strandet« rückwärts auf dem Teppich. Er blieb mit komisch verblüfftem Gesicht hocken. Sein Lachen erstarb. Tom dagegen brüllte vor Vergnügen. Kräppli sah in seinen Augen die Erwartung, wie er jetzt darauf reagiert«. War et ge. kränkt, dann hängte ihn Tom am Ende ab, und das schöne Geld mar futsch, dos«r aus ihm herausholen wollte. Kräppli überlegt« blitzschnell und entschied.sich fürs Mitlachen. reicht? ihm die Hand.. D'cker. du bist richtig! Du gefällst mir. Wir beide werden den Laden schon schmeißen, was? Du hast dach Sinn für'n guten Witz. Marder war ewig die beleidigte Leberwurscht. Halt zu mir. soll dein Schaden nicht sein. Wollen du zueinander sagen." Kräppli freute sich ausrichtig. Er nahm Toms Hand.„Bist'» feiner, anständiger Kerl, Tom. Kannst dich aus Kräppli oerlasien. Ich hör' und seh' doch. Beim Massieren quatschen sie alle. Hurt is prima als Manager, er weiß aber auch, warum er sich mit dir so drauf legt. Der kennt den Rummel." Er trat dicht an Tom heran und flüsterte: ,�?at ja auch schon hinter den Traillen gesessen. aber mächtig." Toms Mund blieb offen stehen.„Was denn? Hurt? Is ja ausgeschlosien!" „Wieso ausgeschlossen? Ich weiß es bestimmt. Das sind über- Haupt manchmal die Besten." Tom war direkt erschüttert. Er grübest« vor sich hin. Kräppli störte ihn nicht, die Pille mußte erst wirken. Nachdenklich fragte Tom dann:„Ob seine Geschäftsfreund«" das wissen?" „I wo denn?! Laß dir man nischt merken. Die können selber aufpassen." „Und das is ml ein Manager? Der möcht's wohl mit mir ebenso machen, wie Pechtold mit Mart, was? Aber Kuchen." Er äffte Hurts Sprechweise nach..Leine Weiber— verstanden?! Nicht mal meine Liebesbrief« hat er mir gegeben." Kräppli lachte laut auf.„Das glaub ich ihm. Die sind wohl mächtig hinter dir her, was? Du hast wohl an jedem Finger eine?" Tom haste um nichts sein« bisherige Frauendummhest ein- gestanden. Er nickte mit diskretem Lächeln.„Aber ob nicht!" „Wag is denn dein Typ?" „Ach, was heißt Typ—." Tom hoste sich darüber noch nie Gedanken gemacht. Zlls er jetzt seinen gelegentlichen Verliebcheiten nachsann, kristallisierte sich daraus zu seiner eigenen Ueberraschung ein Wesen, das mit Frau Jacklowicz nicht die entfernteste Aehnlich- keit aufwies. Unsinn— Jchp. Margot liebte ihn, liebte er sie? Ihm kam ein Gedanke. Wie war denn das gewesen? Hatte nicht Hurt die Hand auch dabei im Spiele gehabt? Hatte der nicht, dir Freund dieses albernen krummbeinigen Pferdehändlers, dessen Frau mst ihni verkuppelt? Tom merkt«, wie Kräppli ihn richtig belauerte. Er knurrte: „Mein Typ, Dicker? Das will ich dir sagen, wenn ich mich für'ne Frau erwärmen soll, dann muß sie mir gehören, ganz allein." „Das sowieso, dos is aber kein Typ, wie muß sie denn aus- sehen?" Tom brütete weiter. War er auch hier der bespitzelle Narr? Nein! Sie liebte ihn. So kann sich nur eine Frau hingeben, die liebt. War sie nun mitbetrogen oder waren die beiden Verbündet«? Wußte sie etwas? Aber vielleicht waren diese Gedanken nur Unsinn. Vom warf den Kopf zurück.„Ich weiß nicht, ich habe keinen besonderen Typ." „So", Kräppli sah ihn sehr erstaunt an. Sowas war ihm noch nicht vorgekommen. „Was für Frauen kommen denn für dich in Frage?" fragte Tom. „Schöne Schlanke. Früher war meine Frau ja so. aber jetzt wiegt sie fünfzig Pfund mehr als damals." „Na. damals warst du auch schlanker, was?" „Na, klar. Wo trainierst du denn eigentlich, Tom?" „Meistens in Schöneberg!" „Nee, so was", Kräppli tat, als häst« er das nicht gewußt. „Wo soll ich denn sonst trainieren?" „Aber Mensch, ein Mann mit deinem Namen trainiert doch für sich. Die sehen dir doch alles ab. Die sind doch auch nicht auf die Dirne gekullert!" „Nee, meinst du?" „Ein Meister wie du kann sich ein eigenes Trainingsquartier hallen. Nicht' dir doch um Berlin rum so was ein. Da sind manch- mal die schönsten Grundstücke für'n Butterbrot zu haben. M:t Villa, Garten. Stall. Garage. Alles is da. Gestern hat mir erst wieder'ne Dame so was erzählt. Di« beste Zell jetzt, in der Inflation." „Was deine Kundschaft alles quatscht, erstaunllch." „Brauchst gar nicht zu lachen. Tom. Das wäre vielleicht was für dich. Du verdienst doch genug. Da draußen an der Ostbahn. Bist immer gleich wieder in Berlin, wenn de Lust hast zu bummeln." Tom richtete sich kriegerisch aus..Lost eigenstich recht. Dann kann Hurt mir den Buckel runterrutschen." „Was hat denn das mit Hurt zu tun? Mit dem überwirf dich man ja nicht, der versteht's Geschäft zu gut. Aber warum sollst du kein eigenes Quartier haben? Ist doch gute Reklame, das wird ihm schon gesollen. Außerdem sind die Leute, die das Grundstück verkaufen wollen. Bekannte von ihm!" ..So, denn will ich's nicht." Tom wurde eigensinnig. „Aber erst recht. Wir sind doch auch so schlau wie er. Er soll denken, olles, was wir tun. is mit seinem Willen." „Du bist eigenstich ein ganz gemeiner Kerl", sagte Tom. Er meinte das ehrlich. Kräppli ober fühlle sich geschmeichelt.„Ja. wenn man sich so durchs Leben schlagen muß wie ich. dann wird man eben twg. Ich werde mal die Dame anrufen, ja? Fragen, wann du dir di- Sache ansehen kannst!" Kräppli ging zum Telephon. Tom warf sich auf«inen großen Ledersessel. Immer noch erregte es in ihm ein heimliches Behagen. wenn er sich in den feinen Möbeln dehnt«. „Jawohl, gnädige Frau, Kröppli. K wie Knopp, ja, s-hr richtig!" Tom amüsiert« sich über die eifrige Aufgeregtheit Kräpplis. „Ja, wegen des Grundstücks.--- Aber prima, prima.— Wann kann der Herr rousfahren?——— Der deutsche Schwergewichtsmeister Herr Matthes--- ja, Boxer--- Angst haben?--- Ausgeschlossen, fabelhafter Mensch, ich masiier« ihn jetzt--- wie? Das gnädige Fräulein--- den ganzen Vormillag? Ausgezeichnet. Wollen gnädige Frau gütigst draußen anrufen und das gnädige Fräulein verständigen?!--- Ja. danke."(Fortsetzung folgt.) 1�45 DER TAG BRINGT. Eskimoduelle. Auch die Eskimos kennen das Duell: aber— das mag bei diesem aus einer niedrigen Kusturstuf« stehenden Volk wunderlich erscheinen— sie tragen es mit geistigen Waffen aus. Der Zwei- kämpf beginnt mit einer Herausforderung: sein Schauplatz ist der freie Platz inmitten des Lagers. Die Duellanten beginnen zum Schlag der Trommeln zu tanzen und werden von Liedern begleitet. Dann bringen sie die von ihnen verfaßten Spottlieder auf ihren Gegner vor, in denen sie die Schwächen, schlechten Eigenschaften und dunklen Punkte aus der Vergangenhell des Gegners lächerlich' machen. Wer zuletzt die Lacher auf seine Seite bringt, ist Sieger. Der Unterlegene ist aber durch seine Niederloge so beschämt, daß er nicht mehr bei seinem Stamm bleiben kann, sondern wegwandern muß. Diese Art des Duells steht im Einklang mit der friedliebenden, verträglichen Natur des Eskimos. Der gute Kamerad... In der brasilianischen Stadt Soo Paulo wurde bei einem Elefantentransport, den der Zirkus Pinheira oeranlaßt hast«, ein Elefant von einem Straßenbahnwagen so angefahren, daß er zu- sammenbrach und den ganzen Straßenverkehr lahmlegte. Di« Polizei und die Aerzte der Unfallstation waren machtlos, da ein zweller Elefant heftig trompete und jede Annäherung an seinen Kameraden verhindert«. Erst nach stundenlangen Bemühungen ge- lang es dem Zirkuspersonal, den Elefanten zum Fortgehen zu be- wegen, damit die Leiche seines Kameraden beiseite geschafft werden konnte. Montag. 27. Januar. Berlin. 16.05 Prof. Or. Albert Befant: Der ceeenwärtige Stand der Meereskunde. 16.30 I. Marie Hartzer-Stibbe: Passacaglia, C-Mol!. op. iZ.(Die Komponiatin, Klavier.)— 2. BosüdI: Zebu Variationen Ober ein finnisches Volkslied. (Karl Dechert, Violincell und Kilbe Conrad, Klavier.)— 3. Beethoven: Lieder.(Dr. Paal Lorenri, Bariton. Am flflgel; Käthe Conrad.)— 4. Rudoli R«ti: Tanr.(Karl Dechert und Käthe Konrad.)— 5. Lieder.— 6. Elisabeth Kuyper: Ballade.(Karl Dechert und Käthe Conrad.) 17.30 Naturwissenschaften.(Sprecher: Prot st. Reichenbach.) 18.00 Teemusik. 13.40 Dr. med. Alired Beyer: Die TrlebWraite des Leben.*.. O.OO Lic. Dr. Hans Hartmenn: Der Iranrbsische Arbeiter. 19-30..Zeiiberichte": Inditndeballe im englischen Parlament.(Gleichzeitig mit der Frankinrter Ureujfuhrnng.) 30.00 Aus der Staatsoper Guter den Linden:„Fu Diavolo". Oper in 3 Akten von p. F. t. Ander. Dir.: Fritz Zweig. Regie: Karl Holy. 23.30 Funk-Tanz-Unterricht, Anschließend bis 0-30: Tanzmusik. Kfinigswusterhausen. te.CO Französisch. 17..» Klsbundlieder,(Walter Hirschberg. Hede Türk. Gesang) leih) Dr. T.aack; VolVabildunccwesen in Deut-chland. >8 30 Engiisch i-ir Antinger. 16.55 Lindtagsabgeordnete' Kickhöiiel: Vom SeichaausschuS ihr Bienenzutht. 19.30 Oberiaurat Baerwald: Baupoiireiiiehe Bestimmungen. innHiininmiiiiiiniimiiii!iiiiiiimiiiiniiiiiiiuniuKinmiiiinnuiiiinimiiiiiniininiui Eine Barin frißt ihre Jungen. Die Städte Niederösterreichs bereist zur Zest ein Wanderzirkus, der zu seiner Tierschau auch«in« Grizzlybärin zählt. Dieses Tier brachte zur großen Freude des Zirkusbesitzers zwei Junge zur West. Nach zwei Tagen aber waren diese aus dem Käfig verschwundett. Das Rätsel löste sich sehr schnell: In einer Eck« des Zwingers wurde«in armseliges Häufchen hübsch abgenagter Knochen vorgefunden. Die junge Muster hatte ihre Kinder bis auf diese schäbigen Ueberreste aufgefressen. Ivar Kreugers Autstieg. Der Name des schwedischen Zündholzdiktators Ivar Kreu- g e r war in den letzten Monaten in aller Mund«, als er seine Mo- nopolgewalt auch über Deutschland ausdehnte. Das Werk des jetzt 44jährigen. die Vereinigten schwedischen Zündholzfabriten, dos mit Hilfe von 22S Tochtergesellschaften in jedem bekannten Lande außer Rußland arbellet, stellt 75 Proz. aller Streichhölzer her, die m der West benutzt werden, und jede dritte Person unter den fast 2 Milliarden Bewohnern der Erde bedient sich schwedischer Streichhölzer. Erst vor 15 Iahren hat Kreuger den Grundstein zu seiner Welt- diltatur im Reich der Zündhölzer gelegt. Damals vereinigte er die schwedischen Zündholzfabriten zu einem Trust und führte«in Ratio- nalisierungsverfahren durch, bei dem die kleinen Fabriken geschlossen, di« anderen verbessert und vergrößert wurden. Der Ausbruch des Weltkrieges eröffnete ihm weite Zlussichten. Er sicherte sich 40 000 Hektar schwedischer Waldungen und ungeheure Baumbestände in den bastischen Provinzen; er führte ein System der Aufforstung durch das ihm einen geradezu unerschöpflichen Holzvorrat sicherte. erwarb Papierfabriken. Druckereien, Kraftwerke, Laboratorien für die Herstellung von chlorsourem Kali und Phosphor und vereinigte so den gesamten Erzeugungsprozeß in seiner Hand. Dann galt es, von Schweden aus die Welt zu erobern. Dazu brauchte Kreuger wie jeder Feldherr Geld und wieder Geld. Aber seine Kreditwürdig- keit war bereits so groß, daß ihm die schwedische Handelsbank in Stockholm 6» Millionen Kronen vorstreckte, mit denen er den Grundstein zu dem internationalen Zündholzkonzern legte. Di« Epoche der Monopole begann mit seinem Eindringen in Polen 1922. Bei dem großen Geldbedarf, den alle Staaten zeigten, gelang es ihm vielfach, gegen eine Anleihe das Monopol zu erholten, und so herrscht er jetzt als Diktator nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch in Polen. Ungarn, Jugoslawien, Lettlind, Rumänien, Griechenland. Peru und Ecuador, und in anderen Ländern besitzt er wenigstens einen bedeutenden Einfluß auf d'e Zündholzfabrikation. Vom Kampf gegen den Lärm. Besonders in der Stadt wird der Lärm immer größer, und immer stärker wird der Kampf, der gegen ihn geführt werden muß. Dabei soll dos ,Lludiometer" helfet«, dessen Namen man mst„.Hör- messer" übersetzen kann. Eine Art Mikrophon sängt den Lärm irgendeiner Geräuschquell« auf und sührt ihn einem trompeten. artigen Lautsprecher zu. Bor diesem befindet sich dann«in« ganz dünne Platt» oder Membran, welch« von den Schallwellen in Schwingungen versetzt wird, und dies« ist mst einem winzigen Spiegel versshen. der zu allerhand Zistsrbewegungen gezwungen wird. Ein Lichtstrahl, der mst diese, Spiegelchcn fällt, zuckt hin und her und zeichnet aus einem Film eine Zickzacklinie aus. die genau Über Art und Stärke des Störgeräusches Auskunft gibt, so daß man erkeimen kann, welch« Rolle dieses in dem allgemeinen Lärm spiest. Vorwärts im Freien Seglerverband. Die Hauptversammlung in Brandenburg. Sn Brandenburg a» der Havel am Sonnabend und gestern die Iahreshauptnersamqnlung des Freien Segler»Aerban des. Denreter der Brandenburger Berein«. Magistratsabgeordnetc. Bevollmächtigte dör Zentralkomnrission für Arbeitersport und Körperpslcg«. des Brandenburger und Berliner Kartelles und der Sozialdemokratischen Partei begrüßten die Tagung. Während der Sonnobcndnachmittag mehr der Erledigung der notwendigen Formalien galt, bracht� der Sonntag zunächst den Geschäftsbericht des Berbandsvarfißenden Pähl. 3ö Ler- eine. 2100 Mitglieder. 1200 Boote, das sind die Zahlen des FSB. nach dem neuesten Stand«. Es iß gut vorwärts gegangen währeich des vergangenen Jahres und die Erfolge waren so offensichtlich, daß sie selbst der Redner der«Opposition" nicht fortdiskutieren konnte. Der Mann hatte die alte Platte aus dem«Poutarchiv" der kommunistischen Zentrale in der Alexanderstraße mitgebracht, er war von einer Anzahl revolutionärer Unorganisierter in geheimen, im Karl-Liebknecht-Haus abgehaltenen Konferenzen als Einpeitscher be- stimmt worden.— Im Verband ist e» also unbestreitbar vorwärts ge- gangen und das muß besonders deswegen anerkannt werden, weil der Segelsport auf ganz anderen Borausfetzungen beruht als der Landsport. Die Anschafiung eines Segelbootes ist denn doch an an- dere Boraussetzungen geknüpft. Einen breiten Raum tn den Er- örterungen nahmen die Ansprüche der Fischer und Fischerinaungen wegen der Benutzung der Ufer und Wasserstrecken durch die Seglerver- ein««in. Aus uralt« Privilegiei, gesrützt, verlangen die Innungen Geldentschädigung für angeblich ent- gangene oder zerstörte Fischmöglich- keiten, die recht hoch sind und«ine völlig ungerechtfertigt« Belastung mit einer Sooderstever darstellen. In welchem Umfange die Steg- anlagen die Fischerei schädigen, zeigt so recht der Ausspruch eines Fischer» in Grünau, der angab, gerade bei den Stegen die meisten Fisch� zu fangen, well von den Booten allerlei zur Anfütterung der Fische über Lord fiel«! Treffender lonnie wohl der merk- würdige Anspruch der Fischer nicht gekennzeichnet werden. Selbst- lerständlich werden sich die Segler wie die Wassersportverbände überhaupt auch in der Zukunft gegen Sondersteuer jeder Art wehren. Eine rege weltfahrlätigreit der Berliner wie auch der auswärtigen Berein« tonnte der Wettfahrtausschuß feststellen, der Iugendleitex war mit dem sportlichen und persönlichen Ber« halten der ihm anvertrauten Seglerjugend wohl zufrieden und der Kassenwart hatte die Kasse das Jahr über durch alle Klippen glücklich hindurchge steuert. Interessant war, was der Porstand über ein Aufnahmegefuch der sogenannten S e g l« r o b t- i l ü"n g des kommunistischen Sportvereins„Ficht«"-Berlin mitteilen konnte.»Fichte" sollt« durchaus in den FSB. hineingeschoben wer- den, um die reoolutionäre Stellung kräftigen zu helfen. Als aber der Seglerabteilung die Bedingung gestellt wurde, aus dem kam- munistischen Sportladen in der Landsberger Straße auszuscheiden und das neue, rechtmäßige Kartell der Zentralkommission anzuerkennen. da fand.Fichte" vom t. Juni 1929 bis zum Januar 1930 keine Zeit zur Antwort. Damit fall allerdings nicht gesagt sein, daß.Fichte" m bezug aus die Anerkennung.reformistischer" Ein- nchtungen vorsichtiger, besser gesagt Linientreuer" war, als ein gewisser Bernstein, seine» Zeichens Lorstandsnntglied des Segler- oereins Rahnsdorf, der das neue Kartell und die Beschlüsse der Zentealkommssston durch eigenhändige Unterschrift für sich und seinen Lerein anerkannte, um nachher um so eifriger gegen das neu« Kartell und die Zentralkommisston zu wühlen. Herr Bernstein ist weiter Mitglied des ausgeschlossenen Sportverein».Fichte" und ist in einer Iugendpflegeorganisation des Bezirks Berlin-Mitte gegen die bundestreuen Sportverein« aufgetreten. Er ist ein getreuer Schildknappe von Herrn Torgler, M. d R., den es nicht geniert«. als Mitglied des Freien Segler-Berbandes orgonifotorifch beim Roten Sport- und Kulhirtog im vergangenen Sommer in den Reh- bergen tätig zu fein. Ein auf dem Seglertag eingebrachter Antrag, der dem ver- bandsvorstand Vollmachten gibt, gegen solche Unterwühler der Ver- bandseiaheil vorzugehen, fand die notwendige Mehrheit. Wenn viel« Delegierte gegen diesen Antrog votiert haben, so aus dem Grunde, weil sie, ohne mit ihren Mandatgebern gesprochen zu haben, die Berantmortung kür einen so weitgehenden Beichluh stltt vollen Segeln in» neue Geschüf ujahr. nicht tragen wollten. Jedenfalls ist der Weg jetzt auch im Freien S«gler-B«rband frei für die energischste Abwehr„oppositio- neller" Schädling«. Der Vorstand glaubt« bisher nicht di« Macht- mittel dazu zu haben, obwohl er über die Zellensitzungen im Karl» Liedknecht-Haus, über die Doppelmitgliedschaft eines Bernstein und die verbandsschädigende Arbeit eines Torgler sehr genau unter- richtet war und auch Kenntnis davon hatte, daß oerschicden« An- träge zum Verbandstag den antragstellenden Vereinen von der Zelleilleitung in die Feder diktiert worden waren. Der Verbands- tag ehrte sich nun selbst, als er dies« Anträge, deren Annahm« den Ausschluß des Verbandes aus der Zentralkommission zur Folge ge- hobt holte, gegen etwa 9 bis 12 Stimmen von 71 Delegierten verwarf. Das war auch die eigenlliche, richtige Mehrheit gegen die verbandsschädiinge. von denen nur gesagt sein kann daß ihr An- hangfeit dem Verbands tag s 929 noch geringer geworden ist. Da- mat» brachten si« bei der Borstondswahl immerhin noch 29 Stirn- men für den„oppositionellen" Kandidaten auf, während fw gestern in Brandenburg nicht einmal Gegenkandidaten oorschlugen. so daß der Gesamtoorstand en bloc wiedergewählt werden konnte. 1929 war allerdings noch Herr Stadtverordneter Fritz Longe-Neutölln Einpeitscher der Opposition: er segelt jetzt dafür als Beinahe. Stadtrat im Magistratsfahrwasser und hat einem anderen die Ver- tretung der Zentrale im FSB. übertragen. So leistete der Derbandstag der Freien Segler auch zu seinem Teil Aufbauarbeit an der Gesomtarbeitersportbewegung. Wenn der Vorstand und nicht zuletzt die Mitglieder auch im nächsten Jahre ihre Pflicht tun, wenn insbesondere die„Opposition" wieder den Weg zu praktischer, aufbauender Arbeit zurückfindet, so wird es auch im Freien Segler-Verband weiter vorwärts und aufwärts gehen. Die Sonntagsspiele. -Aj'detter�Hbmdbsb,«Fußball und-Hockey. Roman»» hatte im Spiel gegen FTGB-Süden Anwurf, mußte aber sofort an Süden abgeben und alsbald konnte Halbrechts von der linken Seite aus das erst« Tor schießen. Nach 8 Minuten war es Linksaußen, der nach einem blendeichen Schuß das zweit« Tor ein- brachte- In kurzen Abständen folgten dann das dritte Tor durch Halbrechts. Tor 4 und 5 durch den Mittelstürmer� das 6. Tor durch Halblinks und Tor 7 durch Halbrechts. Süden hatte nicht die große llebcrlcgenheit, wie die Torzahl es ausdrückt, sondern nur einen fchiehfreudigeren Sturm, der schnell und lebhaft am Ball wer. In der zweiten Halbzeit nahm Nowawes eine Umstellung im Sturm vor, was sich auch auswirkte. Kurz nach Beginn hatte Linksaußen soviel Zeil, daß er ungestört maßnehmen konnte und genau neben dem Pfosten das 8. Tor schoß. Der Süden-Swrm wurde jetzt etwas leichtsinnig in seiner Handlung und oerdarb einige gute Ge- legenheiten. Linksaußen schoß daim noch das 9. Tor. Nowawes besuchte setzt auch öfter das Süden-Heiligtnm. und es schien so. als ob Halbrechts Absichten hatte. Nicht lange danach konnte dann auch Haldlinks des erste Tor buchen, dem bald danach durch Rechtsaußen das zweit« folgt«. Kurz vor Schluß konnte Süden-Halbrechts dann nach ein zweistelliges Refullat herstellen. Süden war in der ganzen Mannschaft gut aufgebaut, eine kleine Ausnahme ivar nur Rechts- außen, der zu weit nach außen stand. Nowawes hatte erst einen schlecht aufgebauten Sturm, auch arbeitete die Läuferreihe nicht genügend nach vorn. Die anderen Spiele hatten folgend« Resultat«. Bei den 2. Männern gewann Süden mit 2:1(1:0). während die Frauen sich unentschieden 1:1(0:0) ternnten. In Kaulsdorf spießen von Süden di» S. Männer gegen Rehfeld« 1 mit 7: 0. die 1. Männer gegen Kaulsdorf 2»it 1: 2(0: 2) und die 2. Frauen gegen Kauls- darf 1 mit 0:0. Dilmersdorf-Frauen gewann gegen Bohnsdorf erst kurz vor Schluß mit<: 2(1: 1)> Zehlendorf gegen Sokol 2: 0 : 0). FTGB-Nordring-Sportler gegen Kanu 9-3(0:1) Bei den 2. Mannschatten kam dasselbe Resultat zustande. Ueberrasduugen auf den Fu£ballfeldern. Da» überraschend schone Wetter brachte am gestrigen Sonntag auch ileberraschungen bei den Spielen. Das Ausscheidungsspiel für fcu ftretoCess« zwischen Butsb und Trebbin brachte den Sstg der Trebbiner. Trebbin war von Ansang an die überlegen« Mann- schaft. Schon gleich nach Beginn des Spiels eerangen sie drei Tore, denen Butab kein? entgegensetzen tonnte. Glaubte man, daß nach der Pause Butab endlich stärker werden würde, so sah man sich ge> wollig getäuscht. Wenn auch die Ueberlegenheit der Trebbiner nicht mehr so zutage trat, so hatten die Butab-Leute doch nie ernstliche Chancen. Trebbin konnte noch zweimal erfolgreich sein, mährend es Butab nur einmal gelang. Mit 5:1 für Trebbin endete das Spiel.— Luckenwalde III und Jüterbog waren die Gegner des zweiten Spiels. Hier tonnt« Luckenwalde wiederum nur einen knappen Sieg erringen. Resultat 1:3.— Lichtenberg I hatte sich Neukölln geladen. Wenn auch die Tatsache des Sieges der Lichten- berger nicht so überraschend war, so doch die hohe 7: 1-Niederlage, die Neukölln einstecken muht«.— Vorwärts-Wedding und Weißensee trennten sich 1:0.— Nowawes mußte sich dem besseren Spiel von Lichtenberg II mit 1: 4 beugen.— Lichtenberg I 2. Mamsschast gegen Neukölln 1:9.— Lichtenberg Jugend gegen Eiche-Köpenick Jugend 1:2.— vststern 2 gegen Potsdam 2 8:0.— Oststern 1 gegen Potsdam 10:1.— Nowawes-Iugend gegen Saxonia Jugend 6:0. .Arbeiter-Hockey. Der Atlethik-Sport-Club gewann das Rückspiel gegen den Bezirk Mariendors der Freien Turnerfchait Groß-Berlin 3: 1. Der Frost hatte den Boden steinhart gemocht und stellte hohe Anforderungen an beide Mannfchoften. Der ASE. war stets etwas besser. Besonder» tonnt« trotz d«? Bodens dos genau« Stevungs- spiel gefallen, auch war di« Stpßstchsrheit hesser ak» die des Gegners. Zeitweise drückten die ASE«r stark, es war«n Wunder, daß nicht wehr Tor« fielen. Die Mariendorfer gaben ihr Bestes her und mußten stark kämpfen, zumal sie für den Mittelläufer Ersap«in- stellen mußten.— Im anderen Spiel der Gruppe A landete Ostrlng der Freien Turnerschaft Groß-Berlin gegen den Sportverein Moabit 1 einen hohen Sieg. 6> 1 ist da» Ergebnis, bei dem nur der schwache Widerstand Moabits hervorzuheben ist. Trotzdem ist anerkennend zu iagen, daß Moabit ständig versuchte, das Spiel vffe» zu hallen.- was dem Sportvercm b>s zur Paute(2: 1) auch bestens gelang. Schließlich mußten sie die Ueberlegenheit an- erkennen und dem wirtlich besseren Gegner den Sieg überlassen.— In den übrigen Spielen siegten: Atlethik-Sport�klub 3 gegen Mariendors 2 mit 2: 0. Ostring 2— Pankow 16:1.— Ostring 3— Pankow 2 2:2.— Im Frauenspiel gaben die Pankower ihr Dcb'tt gegen Ostring und muhten sich sehr hoch schlagen lassen. Feget schlägt Luckenwalde. Box- und Ringkaropte«m Sonntag. In der Fortsetzung der Sericnringkompfe in der A-Klaffe um die Kreismeisterschast des 4. Kreises im Arbeiter-Athleten Bund hatte gestern di«„Frei» Sportvereinigung Tegel 169 9" gegen den Arbeitersportverein.Luckenwalde" den schwersten Kamps zu bestehen.?lls fast unüberwindliche Gegner im ganzen Kreis, waren die Luckenwalde Sportler die berufensten An- Wärter auf die Kreisnieisterschaft. Die erste Moimschost des Lücken- walder Vereins hinterließ bei ihrem gestrigen Start im Tegeler „Strandschloß" den besten Eindruck. Die Tegeler, die noch in letzter Stunde einige Umstellungen vornehmen mußten, schienen hierdurch gehandicapt: einig« unerwartete Siege ließen sie die erste Runde mit 6:8 beendigen. Dieses knapp« Ergebnis hob das Selbstvertrauen der technisch vielseitigen Tegeler Mannschaft gewaltig. Der Schwergewichtler Jockel erzielt« im letzten Kampf nochmals einen unerwarteten Sieg über feinen Gegner und entschied so den Sieg für Tegel: der äußerst knappe Punktvorsprung von 1414; 13'4 zeugt von dem lange völlig offenen Ringen. Der schwer erstritten« Sieg der Sportvereinigung Tegel üb«r den stärksten Gegner im 4. Kreis rückt dies« nun an die erste Stelle der Punkttabelle.— Ein sehr zahlreiches Publikum hatte sich zu diesem schweren, technisch schönen Ringen eingefunden und wurde voll befriedigt. Bereits im Einleitungskampf der Jugendlichen Cöllns und Korfch gab es ein flottes und lnteressontes Ringen, dos unentschieden endete. Das erste Treffen des Serlenringkampfss endete mit einem Sieg des Luckenwalderz Löffler über Ernst Mühlbredt i Tegel) in 414 Minuten durch einen Armhebel. Im Rückkampf ge- lang es dem Tegler, durch einen Blitzsieg nach 56 Sekunden den Punktausgleich herzustellen. Im Bantamgewicht gab die große Routin« des ehemaligen Kreismeisters Tezel(Luckenwalde) Paul Mühlbredt(Tegel) keine Siegeschance. Der ausgezeichnete Gast siegte erstmalig nach 6,30 Minuten und in der Rückrunde nochmals nach 6,03 Minuten. Den ersten Doppelen'vlg für Tegel holte überraschenderweise Melchert durch zwei schnelle Steg«: er beendete beide Runden m 40 Sekunden bzw. 3,57 Minuten. Für die beiden alten Rivalen Mehnert(Luckenwalde) und Burghordt(Tegel) war die große Matte noch zu klein. Dieses Treffen, das viel versprach, verlor Burghardt im ersten Gang wohl nur durch eigene Schuld (1,15 Minuten), in dem Rückkomps bevorzugten die beiden äußerst starten Gegner ausschließlich Schwünge aus dem Stand und landeten stets dicht am Rand« der Matte, und so gingen schöne Kampfmomente verloren; Punktsieger: Mehnert. Im Leichtgewicht siegte Tietz (Luckenwalde) in 2,54 Minuten über Gall(Tegel), verlor aber di« Punkte wieder im Rückkampf bereits nach 42 Sekunden. Der stets zuverlässige Höhne(Tegel) rang den Luckenwalder Große zweimal nieder, erst in vier Minuten und im zweiten Gang siegte er durch einen schönen Kopfzug in der 7. Minute. Rodes(Luckenwalde) verlor im ersten Gang durch«inen Armzug nach 34 Sekunden und im Wiederholungegang zwang ihn der stärker« Berliner Jockel mit einem mächtigen Nockenhebel nochmals auf die Schultern. Zeit: 1,25 Minuten. Bor den Ringkämpfen fanden Herausforderungsbvx- kämpfe zwischen„Ali-Wedding" und Tegel statt, die recht hart durchgeführt wurden. Im Fliegengewicht trennten sich Laverenz (Tegel) und Laboe II(Alt-Wedding) unentschieden. Papstmeter (Tegel) schlug Manthei(Att-Wedding) nach Punkten: mst demselben Ergebnis fertigte Schwandt(Alt-Wedding) Gast(Tegel) ob. Schröder(Tegel) schlug Oesterreich(Att-Wedding) und Gorschalk (Luckauer) Pontke(Tegel) ebenfalls nach Punkten. In Schaukämpfen brillierten Hänlel(Tegel) gegen Piersch und Brief« gegen Sckorch. Arbeif er-Sdhadi! Die Abteilung Faltenberg-Grünau der Freien Arbeiter- Schach- Vereinigung Groß-Berlin veranstaltet am 28. Januar, 20 Uhr, einen Vortragsabend. Schachfceund Hamann spricht im Gemeinschafts- haus der Gartenstadt über den.Mar-Lanae-Angrin". Sonntag, g. Februar, 14 Uhr. findet im gleichen Lokal ein Wcrbetog statt, an dem mehrere Groß-Berliner Abteilunae» teilnehmen. Zu lieiden Veranstaltungen sind alte Schachspieler und Interessenten von Grünau und Umgegend herzlich willkommen. Eintritt imd Unter- richt frei. vällangrvd wieder Europameister. Die in Dronrheiin aus- getrogene Europomeisterfchsst im Eisschnellauf hat mit dem erwarteten Siege des Titelhalters B a l l a n g r u d- Norwegen ge- endet, der am Sontag auch in den Läufen über 1300 und 10: Di-nataa, 28. Januar. 20 Uhr. ziualiaftnftt. 68. S-lmad-nd.— Ate. Sumbolbt- haio: Dtenalaa, 28. Januar. 20 Ulir. SÖbnfttblfU.>. Zritungltsin.— Ate- SBcbiin«: Dienstaa. 28. ltennar. 20 Uhr, Turmrr Sit« Seeitrag«. Nlagbr-nncr- Abend. ZoHnhof, Ecke tÜB'.Hfttaftc. SomoriUmuä.- Zuq-udarui-Uc Osten: MitUvoch. 29. Januar. 20 Uhr. Eohlr.rstr. KU Lv»ialv°litis-Hc«. Zlrfer-nt.-?r. War SÄlUi— Statu rtunblnh« Ateeilnna: Donn-rstaa. SO. Januar. 30 Uhr. Mwitirteftt. 15. Bortrag:„Was da» l-h- Jahr brachte".- tbi. fuuiUwa «et» Steruutsto,. gn. Zanuar, 20 Uhr. im filfeuiasfaal ,te»«Mitlsoml» �»uia. Grsang, 3l«V _______,«u 50«k. an tu» ___... Surlablarten w 50 Dl. an dt Ab«ndiass«— Abt. Sicht» ntetai Tann«r»taa. 30. Zanuar. 30 uirr.«Surt,«'- st rag» 44.3rt». Wonta«. V. Januar. 302, Uhr. Dchmlmmen w> Stadtbab«hrmaldsttafi«. lbtennta«. 28. ltennar. 19 Ißt. ffinmnoßU!:n d«r Turnball« folteiftraft»; 20 Ubr Sutern ter. Auilal AArihur.Mic Wall, Flenne« 4Srlp uew. Tägi. S U.»15 Sonnt. 3, 5 n B" A ex. 8066 IlMTERNAT. VARIETfe Direktion Dr. Ilartin Zickel WW» Komische Oper fnadrichatr.m Uerkiv 1M1*330. Nach vollständlaem Umbau Täglich 8', Uhr &flaa98a di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Culdo ThSeüsc er« 3»hulz Sciiro h. urg%H Idebrand. Walter Rai)», Flink Behmcr. Wensk Luslsplelhaus 81* rrredrichstr. 236. Bergmann 2922 23. IMO Ä fED Mim Eiii Riemann- Hacdc. Vorverkau. In Bdidon Häu am ab 10 Uhr ununferb ochen. öFiOSSEij SGHAU,;P.ELHAU j «t Uhr 3 Musketiere Regie; ERIK CHÄHcLL I sonnino nnsm. nnstk. Falüs Pi. 8.13 um• eil». 281»»unkten«rlanhi 1 Original 16 lawrenca Tiller-Girls Paul Wcs erraelsr, Frnesl& Yvonne de. Täglich 8'k Uhr Operette von Offonbach. Regie: Gustav i.artung. sikalische Leitung: Th:o Mackeb -• Steinoiatz C 1 0901 u. 2583/84.— iheateri-d.Behrenstr. 53-54 Ütrektioo Ralph Ar. hur Robert* 8'U Uhr .. Vater sein, dagegen sehr ROSE -THEATER"'iJÄT Tcleph. Alexander 3422 u 34P< Nor noch bis Dienstag, den 28. Januar 1930(tägi. 8. IS) Die GzamasfiM Sennabend, naenm- 2J0 Uhr, Märchen Vorstellung: Der gestiefelte Kater U Mittvodi. 23. Jatma;(lägt 8.15 Diu) „Gasparone" Opereit# in 3 Akten v illöcker CAS1N0-THEATER uothrmr*er Strafe 97 Der Sensations-Schiager seine Koheit der Bettler iiiuiiiuiiiuiiuHummiii iniuiiiuiiiitiiuinmiiiiiiiutwii and ein erokl. banlrs Programm Für unsere Leserl iutschem tür I—« Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 5L, ionstiee Preise; Parken u. Rana OÄ) M. Reichshallen-Theater iiiEiids GD sonn sz Dstöm, 0 Sleüiner- Sänger Das große Januar- rogr.mm I hm SAW:„LoglS 6'UfiWCS" Il«tailti3! I»Ii« Pniw.»diu Prejr. . ö n- o' V-*3 r e» t<- an 18 troke»mtnemi t»mi _Fi!i8ner-Criiieilrri Berifiier üliK-TriS NRUköll«. V UkHU.74/11' irouubiütine Tiiulet am Bälovplatz. 8 Uhr UranilDhrunr Apollo, Brunnenstraas Volksatück von QroBm an n und Hessel. Mnlk. Theo Hxkibcn. Rigic J6nn Fcbllgi Staat!. 5cliiller-Ih. * Uhr »o und so. so geht der wind ibutet an SttlKBaoerdaaiRi eV« Uhr liiitsageranPla» «er BeptttlU 8 Uhr Die verkaufte Braut OeDtsdiei IHM 0.1 Norden 12311 ragi.*»/-uhr Der Kaiser V.Amerika von Bemard Shaw Rege Mas Reinhardi Rammersplele Di Norden 12 316 Heute 70» Uhr Zum 1. Male Der Kandidat von Carl Sternheim h-li: Hin Hilorkh. BQhncnbllder; George Grone Die Komödie |I Bismck. 2414/7516 8'/i Uhr Victoria von S. Maugham. Regie AasReinhardt Lessing-Tlieater Norden 10846 riglfch 8 Uhr Afförs oreytus von Rehllsch und Nurio- Pifineiarium VtrlU;. laitiW ita er tnl B 5 Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr Ola- po iiiv-Au sie lu• 19 bls19l? Uhr Oer Abend. nmnisi 21»,. Uhr Dai Weltall •in Llchtbim: Die MilcheuaBc. Direktion 'r. Roberl K etr Ceuisches Künstler-Tb:ai Barbarossa 3937 . SV. Uhr „Ein*, zw?', die!" von Franz Molna: mit Mn Pallestierg. Vsrtir: Souper BsrliDer Ilieafet Dönhofl 170 Täglich*h UHi Die Straße mit JDurt Basismann. Rede Heine Hllper Th. a. tlollendorfpTa'z Vorvk.10-2. Kt. 2091 Täellch-»,« Uhr Bastsplsl fles DsnUdwa Theaters Menschen im Hotel von Vicki Baum. tajii: Oastal CriMgens. 573111» Blndür.' ar- o ireieRoeppke.Kenip. Karlvti. Meo em. v. talmav Komische bper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8'/. U. Sikvnk na Ancid oad Ejdi, Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8»/» Uhr Liebe auf den zveiten Blick Tauu. a. Koim.Tot Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSannt. nac: tu. 311 Elite- Singer. Das große Januar-ProT.I Dos kann man 3 mal Sehen! Cdiosa iidntlmiül An die Bevölkerung Groß-Berlins! In dem Bewußtsein, daß es Iceine leichte Aufgabe ist das trotz schwerer wirtschaftlicher Kri.-e außerordentlich nach der künstlerischen Seite hin hochentwickelte Schaubedürfnis des Reichshauptstädters zu befriedigen, wage ich dennoch, mein Unternehmen— den größten Zirkus Kuropas— den Berlinern zu«eigen in der sicheren Erwartung, daß man in Berlin, der Stadt rastloser Arbeit und energischen Vorw&rtsstrebens. für meine Arbeit und den tieferen Sinn meines Unternehmens Verständnis haben wird. Ich gliedere die Artisten aller Nationen in ihren entwickelten, hervorragenden Leistungen zu organisch abgeschlossenen Schauszenen und gehe damit in einer einzigen von den Faibelfekten modernster Lichttechnik übergossenen Kiesenmanege ein eindringliches Bild von dem artistischen Schaffen aller Länder der Erde. In dieser Zeit derFriedenssehnsucht, wo alle Völker ein harmonisches Zusammenarbeiten mit den Nationen erstreben und die olvmnischen Spiele die Besten zum ehrenvollen Wettkampf aufrufen, wird mein artistischer Völkerbund von 40 Nationen, der jeden Abend um die Kalme des Erfolges ringt, ein Symbol gemeinsamen Schaf ens aller Völker der Erde sein. Insofern erhebeich für mein Unternehmenden Anspruch, über des Wesen das üblichen Zirkus hinaus als Spiegel des Artlsten-Wettkönnens betrachtet ZU werden. Ich habe an meinem Unternehmen unablässig gearbeitet, es hat an Qualität und Quantität seit meinem letzten Berliner(lastspiel umfassend gewonnen. Die letzten Errungenschaften der Technik sind eingegliedert, und wenn ich noch hinzufüge, daß meine Tierdressuren aus dem Geiste der Freundschaft mit demTiere gehandhabt werden, daß der humane Gedanke auch im wildesten Haubtier zur Anwendung gebracht wird, so daß die Tierdiessur— wie sie in meinem Unternehmen Pflicht ist— zum Triumphe des men-chiioben Geistes über das Tier wird, so werde Ich auch um die Freundschaft jeuer werben, die das Tier ebenso lieben wie ich. Am 7. Februar, abends 7.30 Uhr, eröffne ich mein ünlernehmcn Im gehetzten, tranaportablen Wlnterban auf dem Tempclhofer Feld. Hans Stosch SARRASANI Nur ganz wenige TageS SarnowsKy-uölinen rhsater n Mi <3«ijgrätiti StnC» Täglich 8V« Uhr Proessor Bernhardi von Irthur Sdnililtr bjli; TUtir BircawUy Komädlenhaua Täglich 8>9 Uhr Der LOaner und d e Nonne von Cur: BAU l'PIMWiUJ Metropol-Tli. S>/4 Uhr Das Land des Lächelns Vera Sdtwars, Richard Tauber Musik von Franz tehär nieater d. Weitem Täglich SV« Uhr: Bold Sladl Lemberg Musik von Gilben Käthe Dorsch Leo Schutzrndnr. Verkäufe Möbel KABAOB AM ÜAHNHoSFCIE'JlvICHST'n 94 V/BLTSTAßTPßOG/tAM» KASINO u aaVECNKCUtC bis 5 Uhr D-Salm Eamamiiilatt traold SiSdIz Eaiaabilt KU 14 j Or. raocSsbaerles* and GROSSER AIPÄNBALU 7 SapiDa— Km Dtltontlaiiu.— 50 üiyrlsdn Miiln. EinlsB: Wochen ta-s 6 Uhr. Sonntags 4 Uhr. iieuiiiniiilmiiimmtiititiimmitttiiHMtirtiliiiniiiiiMiiilnmiiiiHUtiiiiiiiimiHiti 1 Dienstag, dsn 28. Januar IvSO| Braten von genzan Fchwalnen auf dem j Hleaenlukullua um Prä- is-unj öes kleinsten| Rcsanmundss. h Osldcraise: 50, 40. 30, 20. 10 RM. äRBbrllänte« werte fttetU uk bat Slgbcl6s«at. aube Auswahl, Heine Ptcilel ecifpielsacife: edilafjimmer 455,- Sveifemmmer 517.—, Scctcnjimmet 889.- cp.cael- fditänfe 118.-. SieienBatnitur 38,-, anrlditeflidu 99-. MeMnabetlltelle 66,- flleibetfdicänte 48,-. Ebaile- lonaues 28.-. 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