Morgenausgabe Nr. 45 A 23 4?. Jahrgang DöcheatLch SS Pf. monaSch Z.AZ R. tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitun�s« und 72 Pfg. Postdeftellgebühre». Auslands» abonnemem 6.— M. pro Monat. Der„Conoärts* erscheint wochentSg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Ldendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„DoLf und Zeib" und.Kinderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen".„Frauenstimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt" und.Iugend-Vorwärt»" �.G> W» WMG Berliner Soltsblatt Oienstag 28 Januar 1930 Groß-Äerlin IV Z>f. Auswäris 15 pf. fite et«t p altige NonpareillezeN» 80 Pfennig. Reklame eile 5.— Reichs» mark.„Kleine Anzeige»' da» enge- druckte Wort 2b Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wert 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» A4l)Ien für zwei Worte. Lrdeitsmaitt Zeile 00 Pfennig. FamilienanzelgenZe Ut 40 Pfennig. Anzeigenannahme im�aupt- gejchäjt L'ndenstraße Z. wochentäglich von S'/z bis 17 Uhr. JenivawLsa« de« SoziakdemoHeatikchen Vastsi DeuttchkandS Nedattion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 lvernsprcckier: Tönbof» 292—237 Telegramm-Adr.! Soualdrmokrot Berlin. Vonväfis-Veflag G. m. b. H. Böslich« lkkonio: Berlin 37636.— Bankkenlo. Bank der Arbeiter Anacsiellie» und Beamten. Wallllr 66 Dt B u Tiir-Gel. Devositenkail« Lindensir 8. Konflikt um Schacht.\ Keine Aenderung des Reichsbankstatuts? l Offiziös wird gemeldet: Im Reichstag hotte Reichskanzler ZNii ller am Montag abend eine Besprechung mit Vertretern der Regierungsparteien über die Ztenderungen des Reichsbankftaluls im Rahmen des Foung-Plaas. Die Parteiführer legten noch einmal die in den letzten Tagen von der presse der Parteien bereits kundgegebenen Ausfasiungen dar. Die Sozialdemokraten wünschten, daß die durch den Joung-Plan gegebene Möglichkeit einer Revision des Reichsbank- siatuls schon jetzt bei der parlamentarischen Beratung des poung- Plans benutzt werden möchte, um den Einfluß der Reichs. regierung bei der Zusammensetzung des Generalrals der Reichsbank und auch bei der Wahl des Reichsbonkpräsidenten zu verstärken. Die anderen in der Regierung vertretenen par- teiea dagegen sind in Uebereiostimmung mit dem trabi ne ll der Ausfassuug, daß zum miudeslen im gegenwärtigen Augenblick über den Joung-Plan hinausgehende Reformen nicht vorgenommen werden sollen. Zu einer Einigung kam es beute nicht. Die Sozigideniokralen, die auf ihrem abweichenden Standpunkt beharrtcn, behielten sich ihre endgültige Stellungnahme vor. * 3" derselben Angelegenheit macht der„So.z. Pressedienst" längere Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: Um es von vornherein zu sagen: die Forderungen der Sozial- Demokratie haben bei den bürgerlichen Äoalitionsparteien so gut wie keine Unterstützung gefunden. In diesem Lager häll man jede Abänderung des Gesetzes, die im übrigen— ebenfalls gemäß den 5>aager Abkommen— der stillschweigenhenoas gegenüber gewissen Presseäutzerungen rroch eimnal. mit Noch- druck hervorgehaben sei, nichts mit pärisipolitischer Vorcingenom- »neicheit und nichts mit den» Wunsch zu tun,..Rache für die Demission Hilferdings zu nehmen. Sie sind ausschließlich sachlicher Art- Es erscheint uns unerträglich, daß der Reichsbankpräsident dank der Stellung, die ihm gewährt ist, Uebsrgrisfe auf das poli- tische Gebiet machen kann, durch die die Autorität der Reichs- regierung sowohl wie des Parlaments aufs schwerste erschüttert wird, und wir sind weiter der Meinimg. daß unsere Pe-Iehnngen zum Ausland gesährdei werden, so- lange ein Reichsbaukprösident amtiert, der durch sein Aus. treten berechtigte Zweifel an dem guten Willen, bei der Durchführung der Poung-Gesehe mitzuwirken, erwecken muß. Wir wollen die Unabhängigkeit der Reichsbank, soweit durch sie die Stabilität der deutschen Währung gewährleistet wird, in keiner Weise angetastet wissen. Wir verlangen nur, daß der Leiter der Bank durch entsprechende gesetzliche Bestimmimgen in den Schranken seiner normalen Amtsbeftignisse gehalten wird... Man will abwarten. Man will sehen, ob Herr Schacht sich von jetzt ob innerhalb seiner Grenzen hält oder zu einem neuen Schlag gegen den Geist des Parlamentarismus und der Demokratie ausholt. Erst wenn er rückfällig geworden ist, sollen, wie oersichert wird, Gegcmnaßregein ergriffen werden. Dies« Zu- rückHaltung wird mit der angeblichen Angst der Bevölkerung be- gründet, die von jeder Erschütterung der Stellrmq des Herrn Schacht eine Erschütterung der Währung befürchte und sich deshalb in einem solche Falle noch mehr als bisher mit ihrem Kapital in ausländisch« Devisen flüchten würde. Nach unserer Meinung hat die zweifellos irr starkem Umfang vorhanden« Kapllolfwcht wesenttich andere Akotive. Aber noch wichtiger ist, daß der, der sich auf den Stand- punki der bürgerlichen Parteien stellt, seine Hände auch für die Eventualität bindet, daß Herr Schacht die ihm zugebilligte Be- wShrnngsfrist nicht zur Einlehr und Besserung benutzt. Die sozialdemokratische Rsichsiogssraktion wird sich sedenfalls vorbehalten müssen,«in Jnitiativgcsetz zur Abänderung des Reichsbankgesetzes einzubringen. Auf jeden Fall aber hat sie ihre Pflicht erfüllt und rechtzeitig gewarnt. Wenn die Dinge sich anders entwickeln als es der Optimismus der bürgerlichen Par- teien erhofft, so trägt sie kein« Verantwortung. Soweit der„Soz. Pressedienst". Der Vorstand der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion hat sich bereits zweimal mit der Angelegenheit beschäftigt. Am 13. Januar beschloß er, der Reichsregierung seinen Wun'ch mitzuteilen, daß im Haag auf eincAenderungdesReichsbankgesetzesim Sinne einer größeren Freiheit der deutschen Rsichsgeseß- gebung hingewirkt werde. Am 16. faßte dann der Fraktion?- vorstand einen zweiten Beschluß, in dem gesagt war.„daß eine Nebenregierung d.-r Reichsbank, wie sie von Dr. Schacht durch mißbräuchliche Ausnutzung der Unabhängigkeit dieses Instituts etabliert worden ist, nicht ertragen werden kann." Dem Rsichskabinett gegenüber wurde deshalb die Erwartung ausgesprochen,„daß es sich nach der Rückkehr der deutschen Delegation aus dem Haag mit der Frage beschästigen wird, wie durch Aenderung des Reichsbank'gesetzes die Freihest der deutschen Gesetz« Keine Steuersenkung! Moldenhauer über die Finanzlage des Geichs. Präsident Lobs eröffnet die Sitzung um 3 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die zweit« Beratung d?s Zündwarenmonopolgesctz?» Abg. Ersing(Z.) berichtet zunächst über, dir Berhanktung«» d?s Ausschusses. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer gibt zunächst einen lieberblick über die Geschichte der Zündwaren- Wirtschaft, aus der sich ergibt, daß die Neuregelung allen Wünschen der Zündworenindustrie selbst entspricht. Di« Zündholzfabritanten selbst sehen in dem Monopol ein geeignetes Mittel, um die Zünd- Warenwirtschaft wieder in geordnete Bahnen zu lenken. In dem Monopol sind die deutschen Wlrtschafts.nteressen gewahrt. In der Monopalgesellfchast ist ein ausreichender Einfluß der deutschen Seite sichergestellt. Der Gewinn der MonopolgeseUjchast kommt dem Reiche unmittelbar oder mittelbar zugute. Wirksamer Vollzug des Gesetzes ist gesichert. Die besonders stark kritisierte Frage der Ge n o ss e» sch a f ts f a b r i k c n hat eine Lösung gefunden, die als ein befriedigender Jnicrefsenausgleich anzusehen ist. Sie bleiben zwar wie bisher außerhalb des Monopols, müssen aber erhebliche Sonde rabg.a den von 60 M. pro Kiste an das Reich entrichlen. Aus Gründen der Kafseniage, auf die ich im weitereu Verlaus meiner Rede ausführlich zu sprechen kommen werde, hielt es die Regierung für richtig, für die Vorteile, die bei Schaffung des Monopols auch den der schwedischen Seite gehörenden Zündholz- fabriken in Deutschland zuflössen, eine gewisse Gegenlei st ung durch Gewährung einer langfristigen Anleihe zu verlangen. Die Anleihe beträgt 122 Millionen Dollar. Sie ist mit 6 Proz. verzinslich und hat einen Auszahlvngskurs von 93 Proz. Der Gegenwert wird i n z wei Teilbeträgen von nominal 50 Millionen und 75 Millionen Dollar spätestens 7 und 16 Monate noch der Derkündung des-hier zur Beratung stehenden Gesetzes ousgdzahlt.- Der Wunsch der Reichsregierung ging dahin, eine möglichst l a n g sir i st! g e, in der Tilgung spät beginnende und alsdann in klcknen Jahresraten.zu tilgende Äitleihe zu erhalte». Es ist möglich gewesen,«ine SOjährige Laufzeit durchzusetzen und die Tilgung erst vom 10. Jahr« ab beginnen zu lassen. Andererseits hat die Reichsregierung ihrerseits Wert darauf gelegt, selbst vom 10: Jahre ob die Möglichkeit einer jederzeitigen Kündigung zu besitzen. Der verlangte Auszahlungskurs ist nicht als im- günstig zu bezeichnen. Nun ist im Haushaltsousschuß die Frage aufgeworfen worden: Bedürfen wir dieser Anleihe überhaupt, um unserer Kassenschwierig- leiten Herr zu werden oder können wir nicht ans sie nird auf dos Gesetz über dos Zllndholzmonopol überhaupt verzichten? Daß wir das Zündholzmonopoi auch aus wirtschaftlichen Gründen brauchen, Hab? ich eingangs dargelegt. Der Minister kam dann zu eingehenden Darlegungen über die Kassenlage des Reiches. Er schilderte zunächst die Lage, die er bei seinem Amtsautritt vor- gefunden habe. Es Hab« damals eine Belastung mit einer doppelten Hypothek vorgelegen: einmal das Finanz- Programm der Reichsregierung, das eine Entlastung der Wirtschaft in Höhe von neunhundert Millionen vorsah, und zweitens das Gesetz über die außerordentlich« Til- g u n g der R e i ch s s ch u l d, wonach bis Ende 1930 von den kurzfristigen Krediten des Reichs 450 Millionen getilgt werden müssen. Der Minister erklärte, daß beide Verpflichtungs» erfüllt werden sollen und müssen. Vei der Untersuchung der Frage, in welcher Zeitfolge dos Programm diirchzusühren sei, müsse man aber zu dem Ergebais kommen, daß bei aller Anerkennung der Rotiv endigkeil elner Erleichterung für die Wi.tfchasl doch die Schukdentil- gang da« primäre sein müsse. Die Voraussetzungen, unter denen die Reichsregierung sich im De- zembcr zu ihrem Finanzprogramm entschlossen hätte, hätten sich in der Zwischenzeit in wesentlichen Punkten verschoben. Insbesondere habe das Schiildcntilgungsgcsetz die damals sür eine länger« Zeit- spanne in Aussicht genommene Abdeckung der kurzfristigem Kredite auf«inen kürzeren Zeitrauni zusammengedrängt, die Ein- »ahmen an Steuern seien in den letzten Monaten in einem Maße hinter den Schätzungen zurückgeblieben, daß die ur- sprüngliche Absicht, das Defizit des Jahres 1928 im Jahre 1929 abzudecken, nicht mehr verwirklicht werden könne. Die Voraus- setzungen für das Steuerfenkurizsprogramm haben sich verschoben. Also wird mit StcuersenkunAen in dem beabsichtigte« Mast und Tempo nicht vorgegangen werden können. In der öffentlichen Diskussion werde eines vielfach nicht genügend berücksichtigt, daß nämlich gerade vom Ätandpnntt der W i r t s ch a s t aus eine endgültige Vereinigung der Etats- und Kassenlage ein dringendes Ersordernis sei. Bei der Darstellung der Kassen läge müsse n«-n von der augenblicklichen Gesetzeelag« ausgehen. Man könne also weder Steuersenkiingen noch Steilcreihöhuogen berücksichligen. Der normale Kassenbedarf des. Reiches entstehe dadurch, daß Geldeiggang und Geldausgang sich nicht, vollständig anpassen lassen. Durch d>« Zusammendrängung gewisser Zahlungen(z B. für Besoldungen. Kriegsbcskhadiatenreutcn, Zinszahlungen), ferner, durch die Vorhaltung einer Kasscnreserve 1n den ssmtlichcn Reichskassen, durch die Versorgung der Retchsmonopolvcrwaltuirg mit Betriebs- Mitteln u. a. m. entstehe cm Detnebsmillelbedars von etwa 450 Willionen, von denen 250 Willioncn nur zu bestimmten Terminen, 200 Willionen dauernd die Sasse belasten. Dieser Bedarf erhöhe sich, wenn im ordentlichen Haushalt e!» Defizit entstehe, oder A n l'e i h e u zur Deckung des Extraordino- rilliiis nicht ausgenommen werden können. Der Kossenbedarf herb« sich Ende Dezember aus 1700 Millionen beziffert, und zwar 800 Millionen ungedecktes Extra- ordinarium, 450 Milliorie» normaler Betriebs mitte! bedarf, 150 Äst- lionen Fehlbetrag 1928 und 300 Millionen Fehlbetrag 1929 Diesem Bedari standen nur Deckunqsmittel in Hohe von 1370 Millionen gegenüber. D a r o u s« r g a d sich ein K o s j e n f e h l b e t r o g von 330 Millionen, der durch Aufnahme eines kurzfristigen Kredits gedeckt werden mußte und talsächlich auch gedeckt worden ist. End« März wird sich die Lage nicht wesentlich verändert habe». Zwar trete der Fehlbetrag 1930 nicht mehr in Erscheinung, der durch die Poiing-Erlparnisse ausgeglichen werde. Dagegen erhöh« sich dos Extra ordinarium um 50 Millionen zur Beteiligung an der Prrußenlasse und um weiter« Darlehen au die Arbeitslosen- Versicherung, die trotz der im Januar in Krast getretenen Er« istilpmg der Beiträge in diesem Jahre Kredite in Höhe von gebung in bczug auf die Personalf ragen der Reick>s- dank ausreichend erweitert werden kann." Aus den vorstehenden Berichten ergibt sich, daß das Reichskabinett zur Zeit nicht beabsichtigt, nach dieser Richtung irgendwelche Schritte zu unternehmen, und daß es dabei die Zustimmung sämtlicher bürgerlicher Koolitionsparteien findet. Das ist die Situation, mit der sich die sozialdemokratische Reichstagssroktion morgen in ihrer Sitzung befassen wird. Litwinoff freigesprochen. Mit H lfe des Staatsanwalts. Im Litwinoff-Prozeß verneinten die Geschworenen sämtliche Schuldfragen. Infolgedessen wurden die drei Angeklagten freigesprochen. m Urteile französischer Geschworener beweisen nicht viel, besonders dann nicht, wenn es sich um Personen mit politischem Hintergrund handelt. Dieselben Ge- schworenen, die gestern abend L twlnow junior und seine bei- den Mitangeklagten freigesprochen und damit der Sowjet- reg'.erung eine moralische Niederlage zugefügt haben, hatten unmittelbar zuvor den Kommunisten Cassiot von der Anklage des„Komplottes gegen die Sicherheit des Staates" ebenfalls freigesprochen und damit der sranzösischcn Regierüng eine ähnliche moralische Niederlage beigebracht. Wegen des letzteren Freispruches wurden die Pariser Geschworenen von der tom- munistischen.�Humanit6" in den Himmel gehoben, heute wird natürlich die„Humanitü" behaupten, daß sie mit der Freisprechung von Litivinow und Genossen lediglich ihrem fanatischen Haß gegen olles Bolschewistische hätten Ausdruck geben wollen. Will man dieses Prozeßergebnis verstehen, so muß man allerdings zugeben, daß vieles in dieser Wechselfässckzungs- affäre bis zuletzt sehr unklar geblieben ist. Die Angeklagten behaupteten, daß sie diese Wechsel m i t Wissen des damaligen Leiters der Berliner Handelsdele- gation, Turow, in Umlauf zu bringen versucht hätten. Vieles sprach gegen dieses Berteidigungsstistem, manches freilich dafür. Sonderbar ist auch, daß jener Turow inzwischen in der Nähe von Moskau ermordet aufgefunden worden war. Die als Nebenklägerin auftretende Sowjetregierung er- klärte, daß Turow von Banditen ermordet worden sei, die bald darauf gefaßt und hingerichtet worden seien. Di« Verteidiger wiesen auf die GPU.-Methoden und Geheimnisse bin und warfen die Frage auf, ob man in Moskau nicht Z n t e r e s s e an dem Verschwinden Turows gehabt bätte. Umstritten blieb auch die Frage, ob nicht die Sowjet- Regierung versucht babe. durch Agenten diese Wechselastär« aus der Welt zu schaffen und sogar dafür eine recht erhebliche Summe(60 000 Mark?) zu opfern. Aussagen standen in diesem Punkte gegen Aussagen. Der allgemeine Eindruck war schließlich der. daß die Affäre nach allen Seiten zum Himmel stank. Anscheinend aus diesem Grunde hat der Staatsanwalt— im Gegensatz zu den kommunistischen Vertretern des Nebenklägers— so milde plädiert, daß die Geschworenen die Konsequenz zogen und dl-? Angeklagten freisprachen. 375 Millionen beanspruchen»etilen, von denen erst ISO Millionen in den Etat eingestellt seien. Das Extraordinarium erhöhe sich also bis Ende Mär�. ein- schließlich etwa 30 Millionen für Stützungstäufe für Reich-anleihen, auf schätzungsweise elfhundert Millionen. Der Kassen» bedarf betrag« also auch End« Mär� rund 1700 Millionen Reichsmark, nämlich 1100 Millionen Extraordinarium, 450 Millionen normaler Betriebsmittelbcdarf, ISO Millionen Defizit 1928. An Deckungsmitteln stehen zur Verfügung: 400 Millionen Reichswechsel, 100 Millionen Betriebskredit bei der Reichsbank, 350 Millionen Ueberbrückungskrsdit von Ende Dezember. 225 Millionen Bankenkredit, 210 Millionen Bankenkredit, 225 Millionen Kredite von Reichsbahn und Reichspost zusammen also 1510 Millionen, von denen fünfhundert Millionen normale Deckungsmittel. 1010 Millionen kurzfristige Kredite find, die der Äoasolidierung bedürfen. Rechnet man damit, daß an Beständen für Deckung von Ausgabe- testen noch einhundert Millionen vorhanden sind, dann ergibt sich zur Ueberwindung des März-Ultimo ein Spihenbedarf von neunzig Millionen, zu dessen Deckung die erforderlichen Verhandlungen ein» geleitet sind. Der Reichsfinanzminister gab schließlich noch einen Ausblick auf die Zeit bis Ende September dieses Jahres, der im wesentlichen aus den Verhandlungen im chaushaltsausschuß bekannt ist. Zusammen- fassend kam er zu dem Ergebnis, daß die Kreuger-Änleihe zur Konsolidierung der Kassenlage unbedingt erforderlich fei. Abg. Dr. Serh(Goz.): Nach dem Ergebnis der ersten Lesung mußte man eigentlich mit einer allseitigen Ablehnung der Gesetzesvorlage rechnen, denn kein Redner hatte sich für sie ausgesprochen. Aber die Dinge liegen doch anders; denn keine Betrachtung kann an der Tatsache vor- übergehen, daß diese Vorlage nur ein Teil eines groß- zügigen Gesetzes zur Sanierung der Reichs- s i n a n z e n ist. Darum kann keinem die Ablehnung leicht werden. Die Darlegungen des Ministers über die Kassenlage und seine Schlußfolgerungen daraus sind so wichtig, daß man sich zunächst einmal damit beschästigen muß. Ick, begrüße sein Gelöbnis, dem Reichstag jederzeit vollste Klarheit über Kassen- und Etatlage zu verschaffen. Nur auf diesem Wege ollein können wir der Schwierigkeiten Herr werden.(Sehr richtig! bei den Soz.) Nun sagt der Minister, die Entwicklung der Reichssinanzen sei 1929 wesentlich ungünstiger gewesen, als man tn der Oeffentlichkeit an- genommen habe. Für uns Sozialdemokraten ist diese Wahrheit keine Neuigkeit.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Aber die Oeffentlichkeit muß einmal auf diese Tatsache aufmerksam gemacht werden; denn die Oeffentlichkeit ist bei den bisherigen Erörterungen über die Finanzreform an der Tatsache vorübergegangen, daß der Ueberschuß aus der Houng- Erleichterung für Kassen- und Etaterleichterung notwendiger ist statt zur Steuersenkung. Dazu kommt, daß dieser Erleichterungsbetrag um 700 Millionen Mark verkürzt für das Etatjahr 1930 in Betracht kommt. Entgegen der ursprünglichen Annahme wird die Erleichlenmg des üahres 1929 lediglich dazu ausreichen, um den Fehlbetrag von 1929 zu decken; der Fehlbetrag von 192S in höhe von 154 Millionen Mark belastet aber den Etat für 1930. Darum kann von Steuersenkungen irgendwelcher Art für 1930 gar nicht die Rede sein. (Sehr richtig! bei den Soz.), das am so weniger, da ja nach den Ausführungen des Ministers der Steuersenkung die Bereinigung der Kasse und des Etats vorauszugehen habe. Richtig sst deshalb auch die Auffassung des Ministers, daß eine Ansponnung neuer Steuerquellen zur Dermeidung eines Defizits kaum umgangen werden kann. Die ungünstige Entwicklung des Haushalls 1929, die Verschiebung der Deckung des Fehlbetrages von 1928, auf 1930, die Schuldentilgung von 450 Millionen Mark stellen eine Schwere Belastung des Etats für 1930 dar. Obwohl nun der Minister eine ge- riaue Aufstellung über die Entwicklung der Kasse gegeben hat, habe ich doch den Eindruck, als ob nicht alle unsicheren Faktoren, mit denen man rechnen muß, von ihm angeführt worden find. Es ist darum nicht ausgeschlossen, daß die wirkliche Entwicklung noch trüber ist. als das von ihm gezeichnete Bild sie ans er- warten läßt. Cr spricht ja selbst von etwaigen rückläufigen Steuerein- nahmen und von der ungünstigen Entwicklung des Arbeitsmarkts. Aber wir müssen auch daran denken, daß im Laufe dieses Jahres die Rückzahlung von mehreren kurzfristigen Krediten fällig ist. Diese Rückzahlmigen könnten neue Schwierig- keiten bringen. Die Auffassung von der Finanz- und Kassenlage des Reichs, wie wir sie sehen, hat meine Freunde zu der Frage veranlaßt, ob unsere wirtschaftlichen Bedenken nicht zurückzustellen sind Himer die großen finanzpolitischen Erwägungen. Der Entwurf des Zündwarenmonopolgefetzes, das nur ein Zwisckxnhandelsmonopol enthält, bleibt eine an und für sich recht bedenkliche Maßnahme.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber das Gesetz von 1927 hat bereits feste Ver- Hältnisse auf diesem Gebiet geschaffen, außerdem wird der Einfluß des Schwedenkonzerns durch das Gesetz nicht gefördert, sondern ge- hemmt; darum sehen wir in dem Gesetz einen Borzug. In der . Staatsaufsicht sehen wir ein wichtiges Moment, das uns die Zustimmung erleichtert. Durch den Gesetzentwurf werden die freien Produzenten nicht benachteiligt, sondern er bedeutet eine starke Sicherung für die Erzeuger. Auch der Teil der Verbraucher wird geschützt, der sich auf den Bezug der Haushaltsware beschränkt. Durch besondere Bestimmungen ist dafür gesorgt, daß Angestellte und Arbeiter, die durch die Neuregelung ungünstig betroffen werden, für den Ausfall in ihrem Einkommen anderweitig eMfchädigt wer- den.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Entscheidend für uns ist jener Teil gewesen, der sich auf die genossenschaftliche Produktion der Zündholzwaren bezieht. Wir sind weit entfernt davon, der genossenschaftlichen Produktion innerhalb der Gesamtproduktion eine besondere Vorzugsstellung einräumen zu wollen, die sie nicht an und für sich durch ihre Derbraucher- organisation ausüben könnte. Falsch ist es, wie behauptet wird. daß dieser Entwurf parteipolitische sozialistische Expansionsgelüste fördert. Das Zündholzsperrgesetz von 1927 ist entstanden, weil die freien Produzenten sich des Wettbewerbes des weit leistungs- sähigeren Schwedenkonzerns nicht mehr erwehren konMen und vor der Aufsaugung durch den Schwedenkonzern standen. Damals ist die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine(GEG.) dem seinerzeit geschaffenen Konzern freiwillig beigetreten. Das hat uns jetzt dazu veranlaßt, eine Ausnahmestellung der genossenschaflichen Produktion zuzustimmen. Die GEG. hat 1927 ihren Beitritt zum Syndikat vollziehen können, weil ihr unbeschränkte Pro. d u k t i o n zugesichert war, weil sie in ihrer Preisgeba- rung unabhängig war und weil ihr Absatz an die ihr an- geschlossenen Vereine keinerlei Beschränkungen uMerlag. Diese Bedingungen müssen erhalten bleiben. wir stimmen der Vorlage in ihrer jetzigen Form zu. obwohl sie nicht unwesentlich gegenüber der ursprünglichen Fassung In der ersten Lesung abgeändert morden ist. Wir haben jetzt den Fest- preis statt des ursprünglich vorgesehenen Kleinhandelshö chst- preise?. Wir haben jetzt eine gesetzliche Sicherung für die Qualität der vom Syndikat zu liefernden Streichhölzer. Unsere Zustimmung.zu dem Gesetz können wir trotzdem verantworten, weil die Vorlage in ihrer jetzigen Farm die Verbraucher schützt. die Genossenschaften nicht einengt und weil sie in enger Verbindung mit der Sanierung der Kassenlage des Reichs und der Reichssinanzen steht. Wir stimmen zu. weil wir in allen Maß- nahmen zur Finanzgesundung das erste und wichtigste Ziel einer er- erfolgreichen Finanzpostttt sehen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial» Demokraten.) Londoner Krach' Vorspiel zu ernsteren Krastproben?- » London, 27. Januar.(Eigenbericht.) Die Hauptdelegierten zur Flottentonferenz hatten am Montag eine dreistündige Unterredung, nach deren Abschluß ein nichtssagendes Kommunique ausgegeben wurde, in dem es hieß, daß die Delegierten die T a g« s o r d n u ng der weiteren Verhandlungen der Konferenz beraten hätten. Dieses Kommunique deutet mit keinem Worte an, daß es im Laufe der Besprechung am Montag zu einer überaus scharfen Anseinanderfetzung zwischen dem französischen Ministerprästdenten Tardieu und dem italienischen Delegierten Grandi gekommen ist, die bei- nahe die gesamte Zeit der Sitzungen ausfüllt«. Beide, Franzose und Italiener, wollten an die Spitze der Tagesordnung einige Punkte einfügen. Die Franzosen wünschten die Frage der sogenannten „G l o b a l- T o n n a g e"' und die von ihnen vorgeschlagene Mög- lichkeit der Tonnageverschiebung zwischen den verschiedenen Schiffskategorien, die Italiener hingegen die Festsetzung einer M a x i m a l st ä r t e für die größte Macht an die Spitze der Ber- Handlungen gestellt zu haben. Den klemeren Staaten sollte hiernach ein entsprechender prozentualer Schlüssel zugemessen wer- den. Den Sieg errang schließlich Tardieu— aber weniger, weil sein Argument als durchschlagender empfunden wurde, als deshalb, weil man keinen anderen Ausweg fand, als die Frage nach der alphabetischen Ordnung der Länder zu entscheiden. Da Frankreich im Alphabet früher kommt als Italien, fiel die Ent- jcheidung zugunsten Tardieu? aus. In Konserenztreifen gab man sich am Montag nachmittag keiner Die Feinde der Republik. Einer beschuldigt den anderen— einer benutzt den anderen. Die kommunistische„Welt am Abend"' behauptet, im Besitze eines Bürgerkriegsplans des chugenbergschen Reichs- ausschusses zu sein. Der Reichsausschuß habe genügend Mittel, um eine Bürgertriegsarmee von 300 000 Mann auszurüsten und für Wochen zu verproviantieren. Don Thürin- gen aus solle die Machtergreifung organisiert werden, die Hauptaufgabe des Herrn F r i ck fei, Stahlhelm und National- sozialisten zu bewaffnen. Der Zweck dieser„Enthüllungen" geht aus dem Schluß hervor: „Wenn unter diesen Umständen die werktätigen Massen Deutsch- kands in völliger Passivität verharrten, würde dies einem Selbstmorde gleichkommen." Die Kommunisten brauchen eine Begründung für die putfchistifchen Experimente, die sie vorhaben. Unter dem Geschrei: die Rechte will putschen, suchen sie Stimmung für einen Kommunistenputsch zu machen. Die Rechte macht es genau so.— und so spielen die Feinde der Republik einander lieblich in die Hände. Massenmörder. Das Ideal der Kommuuisiea. Das Wüten des Terrors in der Smojetunion ist in voller Blüte. Täglich erfolgen Berurteilungen zur Todesstrafe, täglich werden di« blutigen Urteile vollstreckt. Di« Sowjetpresse regt sich nicht auf darüber, macht nicht zuviel Aufhebens von der sauberen Arbeit des amtlichen Todesengels. Eine Zusammenstellung ergibt, daß im Oktober 120. im November 127 Todesurteile gefällt wurden. Nach den amtlichen Angaben oerteilen sich die in zwei Monaten gefällten Tabes urteile auf die einzelnen„Straftaten" wie folgt: 145.Kulaken", d. h. Bauern, die sich gegen die neueste Agrarpolitik der Sowjetregierung auslehnen. 38„Feinde" oder„Gegner der Sowjetmacht". Abg. Menhel(Dnat.) mcknt, nicht der Schutz der deutschen Zünd. Holzindustrie, sondern die Finanznot und die versprochene Kreuger- Anleihe sei für die Regierung die Triebfeder zur Einbringung der Vorlage gewesen. Angesichts der großen Vorteste, die das Monopol dem Schwedentrust bietet, kann man die Bedingungen der Kreuger- Anleche nicht übermäßig günstig nennen. Wir sind grundsätzliche Gegner eines Monopols. Im Jahre 1927 hat sich noch Minister Curtius dagegen ausgesprochen. Der Redner wendet sich dann gegen eine Vorzugsbehandlung der genossenfchaft- lichen Zündholzproduktion und beantragt die Streichung der ent- sprechenden Bestimmungen aus der Borlage. Die Deutschnationaien würden das Gesetz ablehnen. Abg. Dr. Köhler(Ztr.) hast das Gesetz für notwendig, weil das Sperrzesetz sich als unzureichendes Mistel zum Schutz der deutschen Zündwarenindustvie erwiesen habe. Ein weiterer Grund zur Durch- führung des Gesetzes fei die schwierige Finanzlage des Reiches. Nach dem schlechten Erfolg der beiden letzten Anleihen sei es ver- ständlich, wenn der Finanzminister ein solches Experiment nicht wiedsrholle, sondern den vorteilhafteren Weg des Abschlusses mit Kreuger ging. Uebermäßig günstig sind Kreuzers Bedingungen frettich nicht. Besonders unsympathisch wirkt die Steuerfreiheit. Dir müssen uns wohl oder übel damii abfinden, weil wir ohne eine Anleihe die Finanzen nicht sanieren können. Wir haben gegen das Monopol große Bedenken, aber durcb den Vertrag von. Ottober sind die Zlenderungsmöglichketten sehr er- schwer!. Eine wesentliche Verbesserung ist immerhin im Ausschuß erreicht worden in der Richtung, daß' den Wünschen des Handels entsprechend die Rechte der Konsumvereinsbetriebe beschränkt wur- den. Die noch weitergehenden Wünsche des Zentrums scheiterten an dem Widerstand des Reichsfinanzministers. Mit Rücksicht aus die schwierige Finanzlage wird das Zentrum dennoch der Vorlage zustimmen. Abg. Ende(Komm.) begründet kommunistische Anträge, in denen verlangt wird, daß die Konsumgenossenschaften aon jeder Vefchrän, tung und von jeder Monopolabgabe frei ksteiben. Abg. Dr. Pfeffer(DDp.) erklärt die Zustimmung seiner Freunde zu der Vorlage in der Ausschußsassung Darin liege ein Opfer der wirtschaftlichen Ueberzeugung. Grundsätzlich fei die Bolkepartei gegen Monopole. Hier werde aber die deursche Zündwarei.industrie geschützt gegen die weitere Vevdrängung durch die Auslandskon- kurrenz. Für die Volkspartei sei an der Regierungsvorlage uncr- träglich gewesen die Ausnahmestellung, die den Konsumvereinen zum kardieu-Grandi. > England beweist Abrüstungswitten. Täuschung darüber hin, daß die Hestigkett dieser Auseinandersetzung zwischen Tardieu und Grandi nur dadurch zu erklären sei, daß hinter dem Ringen um eine geschäftsordnungsmäßige Paruät die ganze Fkotteurioallläl zwischen Italien und Frankreich deittlich geworden sei. Man ist sich klar, daß dieser Zusammenstoß ein Vorspiel für ernstere Auseinandersetzungen zwischen Italien und Frankreich darstellen wird, die aus der ita- lienijchen Forderung nach Parität mit Frankreich einerseits und der französischen Ablehnung dieser Parität andererseits entspringen werden. Die englische Regierung hat den Zeitpunkt der Flottenkonferenz dazu benutzt, um einen neuen weithin sichtbaren Beweis ihres ernsten Wunsches nach Abrüstung zur See zu geben. Wie bei Be- ginn der Montagvormittagssitzung bekannt wurde, hat die Arbeiter- regierung den Beschluß gefaßt, den Vau der beiden 1» 000- Tonnen-Kreuzer„Surrey" und �North- Eumberland" definitiv einzustellen. Wie erinnerlich, hat Macdonald bereits mehrere Wochen nach seinem Regierungsantritt die vorläufige Einstellung der Arbeiten an diesen beiden Kreuzern angekündigt. Die damalige Mitteilung Mac- donaLis ist nunmehr durch die Rückgängigmachung aller Baukontrakte für diese Kreuzer bestätigt worden. Die Noch- richt hat in Konferenzkreisen starken Eindruck hervorgerufen und wird von den verschiedenen in London anwesenden Delegationen als ein Beweis dafür gedeutet, daß die britische Regierung volles Vertrauen in bas Gelingen der Konferenz fetzt. 28„Schädlinge", denen die Untergrabung de« Wirtschaft» kichen Ausbaue zur Last gelegt wird. 33„religiöse Aktivisten". 2 Schmuggler. 1 Spion. Diese ungehenerkichen Zahlen sprechen für sich. Der auttliche Massenmord wütet lautlos, aber— gründlich. Es wirb wohl nicht lange bauem. Frick als Prophet. Der Reichstag hatte am Montag»hohen Besuch". Der erste nationalsozialistische Minister Deutschlands, Dr. Frick, war aus seiner Residenz Weimar herbeigeeilt, um sich dem Parlament in neuer Würde zu zeigen. Herr Frick strahlte wi« ein Kind nach der Weihnachtsbescherung. Mtt unverhohlener Eitelkeit nahm er die Glückwünsche seiner Parteifreunde entgegen. Vermerkt zu werden oerdient, daß der nationalsozialistssche Putschist auch von christlichnationalen Bauern und von Frat- tionsmitgliedern der Deutschnationalen feierlichst begrüßt und geehrt wurde. So drückte ihm der bekannte deutsch- nationale Abgeordnete Schultz» Ostpreußen mit läuten Glückwunsch» warten die Hand. Herr Dr. Frick freilich meint in diesem Fall prophe- tisch:»Es wird wohl nicht lange dauern." Immerhin scheint Herr Dr. Frick seine Befähigung zum Mftristeramt einige?» maßen richtig einzuschätzen. Oer Hugeuberg-General. Der bayerische General Krafft von Delmensknge« hat eine öffentliche Erklärung erlassen, in der er den Reichs» Präsidenten o. Hindenburg auffordert, den Doung.Plan nicht zu unterzeichnen. Wenn eine Weigerung des Reichs- Präsidenten, zu unterzeichnen, keinen praktischen Erfolg haben sollte, so müsse der Reichspräsident wenigstens vorher zurücktreten und die Unterzeichnung des Aoung-Planes eiuem anderen uberlassen. Der Herr General ist vor kurzer Zell aus der Reichswchr aus« geschieden. Schaden des freien Handels eingeräumt war. Im Ausschuß seien diese Bestimmungen aber wesenttich verbessert worden. In der jetzigen Fassung sei das Gesetz für die Dolkspartei annehmbar. Abg. vorrmann(Wpt.) erklärt, die Vorlage verletze den Ver- fassungsgrundfatz der Gleichberechtigung, weil die Konsumvereine dem Einzelhandel gegenüber bevorrechtet würden. Demnach könne die Vorlage nur mtt Zweidrittelmehrheit Gesetz werden. Die bürgerlichen Regierungsparteien haben vor der Sozialdemokratie restlos kapituliert und unser Ver- trauen zu dem oolksparteilichen Reichsfinanzminister ist enttäuscht worden. Abg. Flschbeck(Dem.): Die Sonderbestimmung für die Konsum- vereine, die Adg. Vorrmann für verfassungswidrig erklärt, findet sich schon in dem Sperrgesetz von 1927, gegen das dieser Einwand nicht erhoben wurde. Wenn die Herren von rechts einen besseren Weg zur Ueberwindung der Finunzschwiertgketten zeigen könnten dann würden wir gern auf das Zündwarenmonopol Verzicht:». Da das nicht geschieht, stehen wir vor der Rotwe-cki'.gkest, dos einzige Mittel anzuwenden, das sich jetzt bietet um unsere Reichssinanzen und da- mtt unsere Gesamtwirtschast zu ordnen v Abg. Rauch(VVp.): Wir beraten hier in Wirklichkeit gar nicht über ein Mrmopolgesetz, sondern über eine Anleihe, die wir zur Sanierung der Reichssinanzen unbedingt brauchen und die wir ohne Monopol nicht erlangen können. Handeste es sich um das Monopol allein, dann würden wir die Vorlag? ablehnen Obwobl wir nicht verantwortlich sind für die Finanzpolitik des srühzren Finonzmini- sters, wollen wir nickst durch Ablehnung des oo> liegenden Entwur's das Reich zur Zahlungsunfähigkeit bringen. D'e Bayerische Volkspartei wird trotz großer Bedenken nicht gegen das Gesetz stimmen. Abg. R-ddenriev(Chcistl.-nat. Bauernpt) lehnt de Vorlage ab. Abg. Slöhr(Natioz.) begründet verschiedene Aenderlrms- antrage, in denen u. a. Maßnahmen zur Belebung der thüringischen Zündwarenindostrie gefordert werden. Abg. Dr. Vest(Volksrech partei) und Abg. Arleld(D. Hanno- veraner) erklären sich gegen die Vorlage. Die Aussprache ist damit beendet. Angenommen wird der Antrag der Regierungsparteien m>f Streichung der zehnprozentigen Preiserhöhung für Erportevra. Mit dieser Aer-dening wird die Ausschußsassung der Vorlage unter Ab» lehnung aller ybrigen Aenderungsanträge in zweiter Beratung e n» genommen. Die drttte Beratung wird nach 20 Uhr auf Dienstag, 13 Uhr, oertagt. I Offiziersentscheid über primo. Auch eine„Volksabstimmung" über den Diktator. IlladrU», 27. Januar.(Eigenbericht.) Di« politischen Verhältnisse In Spanien hoben den Diktator Primo de Rioera zu einem sensationellen Schritt veranlaßt. Cr hat die Oesfentlichkeil am Sonntag wissen lassen, daß er unter den höheren Offizieren der Zlrmee und der Marine eine Abstimmung darüber zu veranstalten gedenke, ob er noch dos Vertrauen der Militärs, auf die er sich imnier gestützt hat, genießt. Wenn das Votum gegen ihn ausfalle, beabsichtig« er sofort zu demissionieren. Die Abstimmung soll noch im Laufe dieser Woche erfolgen und so vor sich gehen, daß die Oberbefehlshaber der siebzehn spanischen Korps die Truppenteile schriftlich oder mündlich im Sinne der Erklärungen des spanischen Diktators befragen. primo erläutert feine Gründe. Paris, 27. Januar. Havas meldet aus Madrid: General Primo de Rivera hat Journalisten«rllärt, er betrachte es angesichts der gehässigen Kampagne, die gegen die Regierung geführt werde, als u n e r l ä ß- l i ch, daß Marine und Heer ihm ihr Vertrauen bestätigten. Der König scheute ihm vertrauen. Wenn er keinen weitgehenden Kredit bei der Wehrmacht besitze, könne er nicht länger am Ruder bleiben. Er wünsch« nicht, daß dies als Einmischung des Heeres in die Politik ausgelegt werde. Es handelt sich nicht daruni, die Regierung der Kon- trolle des Heeres zu unterwerfen. Er glaube, das vertraueu des Voltes und der Krone zu de- sitzen. dies seien die belebenden Elemente der Diktatur. Dies Vertrauen brauche er, um Wider st ände, Manöver und I n- t r i g e n besoitigen zu können, die bezweckten, die Diktatur daran zu hindern, sich in Ruhe zurückzuziehen und ihr einen logischen und an- gemessenen Nachfolger zu sichern. Wenn er sein« Mission als beendet ansehe, werde er sich nicht mehr an der nachfolgenden Normalregierung beteiligen. Würde er aber wieder in die Regierung zurückkehren, so nur deshalb, weil Volk. Gott(!) und Heer dies wünschten. Oie erste Antwort:»Wir sind für jede Regierung�. Die Antwort des Generalkapitäns von Saragosia auf die von Primo de Rioera gestellte Umfrage ist bereits bekannt. Sie lautet, daß die Garnison dieser Provinz der gegenwärtigen oder jeder zu- künftigen Regierung gehorchen würde unter der Bedingung, daß sie die Unterstützung der Krone besitze. Oer Vertrag mit Polen. Noch keine amtliche Bekanntgabe des DertkagstexteS. Di« Telegraphen-Union hat gestern das deutsch-pvlnische Liquidationsabkommen vom 31. Oktober v. I. nebst Schlußprotokoll veröffentlicht. Bon zuständiger Stelle wird hierzu bemerkt, daß diese Ver- ösfentlichung unvollständig ist, da sie nur den aus der Haager Konferenz niedergelegten Teil des deutsch-polnischen Liquidations- Abkommens umfaßt. Das gesamte Vertragswert mit dem dazu- gehörigen Notenwechsel, in dem der polnische Verzicht auf das Wiederkaufsrecht b« den früheren preußischen.Rentengutern ausgesprochen ist, wird mit den erforderlichen Gesetzesvorlagen erst in den nächsten Tagen den gesetzgebenden Körperschaften zugeleitet werdem Der Verzicht Polens auf das Wiederkaufsrecht der deutschen Bauerngüter beim Tode des Besitzers ist einer der wesentlichsten Punkts im deutsch-polnischen Liquidatwneabkommen. Mit der vor- eiligen und unvoll st ändigen Veröffentlichung des Vertrags- werke» will die Hugenbcrgfche Telegraphen-Union natürlich nur in der öffentlichen Meinung DeutfSLands Verwirrung anrichten. Oie Voggenverhandlungen. Oer Vertrag uoterzeichnet.— Forlfehuag der Verstand- lungen vorgesehen. Zwischen der Bank Rolny und der Geireideindustrie- und Kam- Mission A.-G. ist vor einigen Tagen ein Vertrag über eine«inheit- liehe Behandlung des großen Ausfuhrmorktes bis zum 10. Februar 1930 zustondegelommen. Soweit dafür Derwaltungsmaßnahmen der polnischen oder der deutschen Regierung notwendig sind, sind sie in einem Notenwechsel zwischen den beiden Regierungen gestern festgelegt worden. Diese vorläufige kurzfristige Verständigung hat den Zweck, Zeit für«ine endgültige Regelung der Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Roggenausfuhr zu gewinnen. Die Verhandlungen werden daher fortgefetzt und man hofft, bis zum 10. Februar zu einem endgültigen Abschluß zu kommen. Die unsterbliche Grammophonplatte. Kommunistischer Parlamentarismus. In der letzten Sitzung des Saar-Landesrats in Saar- brücken stellte der kommunistische Oppositionsführer Reinhard fest, daß sein Kollege von der Stalin-Richtuiig, der Abg. Heckler. eine Rede geredet habe, die sein Freund, der Abg. Weiß, schon vor einem Jahre wörtlich ebenso im Landesrat ge- halten habe. Anscheinend hat die Berliner Zentrale Hcckler den Vortrag nochmals geliefert, statt sich der Mühe einer Ummodiung zu unterziehen._ Oer„Hungermarsch" auf Hamburg. Kommunistische Vorbereitungen. Hamburg, 27. Januar. Trotz des in Preußen und Hamburg ergangenen Verbots von Kundgebungen unter freiem Himmel scheinen die Kommunisten den von ihnen empsohlenen.�Hungermarsch der Erwerbs- losen" nach Hamburg verwirklichen zu wollen. Nach einer Meldung aus Schleswig ist dort eine Gruppe von Flensburger Erwerbs- losen, die sich auf dem Wege nach Hamburg befand, von der Polizei aufgelöst worden. Die..Hamburger Volkszeitung" kündigt den Ab- marsch von Erwerbslosen aus Rendsburg und Kiel an. primo de Nivera. Lud er befragte fein Heer, ob er Diktator bleiben solle. � Und da wollt' er wieder runter und da tonnt' er nicht... Kein Ergebnis in Preußen. Oemotrate« verlangen einen evangelischen Kultusminister. Lowjetregleruug gegen Zollfriedenskouferenz. In Bcantwor- tung eines Schreibens des Generalsekretärs des Völkerbundes teilt« Litwinoff mit, die Sowjetrsgierung habe nicht die Absicht, an der für den 17. Februar in Genf anberaumten Konserenz zur Aus- «beiwng einer Zollfriedenstonoenticm teitzunehmen. �_ Di« mit Spannung erwartete interfraktionelle Sitzung der preußischen K oa l i t i o n s p a rt e i« n fand am Montag nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Braun statt. Einleitend erinnerte der vliaisterpräsideut daran, daß er vor Jahresfrist der Volkspartei den Cimritt in die Regierung mit dem Handelsminlstcr und einem Minister ohne Portefeuille angeboten hätte. Im Lauf« des Dezember 1929 hätten Minister G rze sin s k i und er anläßlich von Besprechungen mit dem Mgeordneten Dr. Leidig diesen gefragt, ob jetzt Neigung zur Annahme dieses Angebots bestünde. Die Lolkspartei habe ursprünglich das Kultus- Ministerium gewünscht, aber er habe im Hinblick auf die alten Wünsche der Sozialdemokratie diese Forderung von vornherein ab- lehnen müssen. Er habe dann die Vorsitzenden der sozioldemokra« tischen und Zentrumsfraktion unterrichtet und den Abgeordneten Dr. Falk gebeten, daß die Demotraten zu der Frage Stellung nehmen möchten. Er habe bisher von den Demokraten keinerlei Antwort erhalten, ersahr« aber, daß die Antwort in der Presse stünde. Abg. Dr. Falk bedauerte dieses Mißgeschick sehr. Di« d«mo> kratrsche Fraktion habe selbstverständlich zuerst den Ministerpräsi- deuten unterrichten wollen. Falk begründete dann den Beschluß der demokratischen Fraktion, daß sie nicht allein Opfer bringen wolle, daß sie einen etatisierten Minister ohne Portefeuille aus Gründen der Sparsamkeit ablehne und daß sie bei der Besetzung des Kultusministeriums Rücksicht auf die evangelischen Volks- kreise wünsche, weil der derzeitige Staatssekretär Katholik sei. Cr betonte dabei, daß er gegen die Person des Abgeordneten König keinerlei Einwendungen habe. Abg. Heilmaan(Soz.) entgegnete: Zwei Ressortminister gäben die Koalitionsparteien der Volkspartei nicht;«inen Ressortminister allein könne die Volkspartei nicht annehmen; also bleibe nur«in Ressortminister und ein Minister ohne Portefeuille. Wer da» ab- lehne, solle offen sagen, daß«r die Große Koalition entzwei- schlagen wolle. wenn der Sozialdemokratie das Sullusmiuisterium mit dem Abgeordneten König verweigert werde, hätte sie cm weiteren Verhandlungen kein Interesse. Unverständlich sei ihm, daß die Einwendungen gegen den Dissi- denten König gerade von demokratischer Seit« kämen. Abg. Heß erklärte für das Zentrum, daß auch sie den Minister ohne Portefeuille möglichst sparsam eingerichtet wissen wollten. Mit dem Hinweis auf die Interessen der evangelischen Bevölkerungskreise sei für sie der Kultusminister König erschlagen. Denn das Zentrum denke nicht daran, den Interessen der«vangeli- schen Bevölkerung zu nahe zu treten. Zweifellos werde diese raffi- nierte Methode der Demokraten sich weit in die Zukunst auswirken., Ministerpräsident Brau« hob hervor, daß die Forderung der Sozialdemokratie nach dem dritten Minister sofort nach den Wchlen erhoben worden sei. Sie sei auch voll gerechtfertigt ge- wesen, aber von ihm zurückgestellt worden, well er die Urnbesetzung Kammerspiele. „Oer Kai diOat* von Sternheim. Wahlschiebung in der schönen Zeit Wilhelms IL, also ein alter St« rn h e i m, der nicht sehr beliebt ist. Aller Erfolg für den Ge- stnnungÄumpen und seinen pompösen Darsteller Otto Wall- barg. � M. H. des Kultusministeriums gleichzeitig mit dem Zustandekommen der Großen Koalition habe vornehmen wollen. werde der Widerspruch gegen König ausrechlerhalie«. de« er zum Kultusminister vorgeschlagen habe, da«« mühten die par- tele» damit rechnen, daß die Große Koalition nicht zostoade käme. Cr werde auch nicht wochenlang verhandeln, sondern binnen wenigen Tagen die Entscheidung herbeisühren. Er werd« d'« Volkepartei offiziell fragen, ob sie mit dem Handel sintn ist er und einem Minister ohne Portefeuille—. ohne finanziell« Mehrbelastung— einverstanden sei oder nicht. Sobald«r di« Antipart der Dolkspartei habe, werde er die Koalitionsparteien vor d i« entsprechende Entscheidung stellen. Damit halte die interfraktionelle Besprechung ihr Ende erreicht. Oie Entschließung der Demokraten. Di« Entschließung der demokratischen Land- tagssraktion hat folgenden Wortlaut: „Die Fraktion der DDP. Mt heute, wie bisher, die Wieder- Herstellung der Großen Koalition für erwünscht. Sie ist bereit, hierfür Opfer zu bringen, glaubt aber, daß ihr nicht zugemutet werden kann, allein solche Opfer zu bringen. Die Bestellung eines Ministers ohne Portefeuille widerspricht dem Gedanken der Verwaltungsreform und der Not- wendigkeit äußerster Sparsamkeit auch in allen Einzelausgaben. Ein Arbeitsgebiet für den neu zu bestellenden Minister ist kaum zu finden. Die Fraktion wäre damü«inoerftandsn, wenn sich«in im Amte besindlicher Reichsminister bereit erklären sollt«, gleich- zeitig das Amt eines preußischen Staatsministers zu übernehmen. Bei der Besetzung des Kultusministeriums muß a u f die Stimmung der evangelischen Bevölkerung Rücksicht genommen werden, weil der derzeitige Staats- sekretär dem katholischen Bekenntnis angehört: Die Fraktion bittet den Herrn Ministerpräsidenlen. weitere Verhandlungen, die nach der Verfassung ausschließlich in seiner Hand liegen können, nach diesen Gesichtspunkten zu führen." O e Besprechungen mit der Volkspartei. Di« Unterhaltung der volkspartcilichen Vertreter, der Abgeord- neten Schwarzhaupt und Dr. Böhm mit dem Ministerpräsidenten Vraun, die über di« Frage der Großen Koalition am Montag spät nachmittags begann, war nach knapp einer Stunde, gegen 7 Uhr abends, beendet. Der Ministerpräsident informierte die Volksparteiler über tzcn Verlauf der bisherigen Verhandlungen. Er meinte dabei, daß der frühere Gedanke, das Staatsministerium ohne Porteseuclle m Ber- bindung mit einem volksparteüi'chen Reichsministerium zu bringen. wegen der großen Ueberlaswng des Reichsfinanzministers Molden- Hauer wohl nicht mehr in Frage kommen könne. Die Den:'raten hätten nun auch konfessionell« Bedenken hinsichtlich der Umbesetzung des Kultusministeriums vorgebracht, di« vom Zentrum in gewissem Sinne aufgenommen seien. Jedoch sei ein Beschluß des Interfraktionellen Ausschusses noch nicht zustande gekommen. Wenngleich durch di« neuen Bodenken die an sich schon schwierigen politischen Verhältnisse abermals erschwert worden seien, glaub« er doch, daß es möglich fein werde, zu einer Verständi- gung zu kommen. Er mache der Volksportei das Angebot, den Han'delsminlster ohne Portefeuille zu ühernehmeit. In der jetzigen Zeit, wo die Finanzlage des Staate» außerordentlich angespannt sei, würde es aber nicht möglich sein, diesen Posten zu «tatisieren. C» könne sich bei dem' Ministerium ohne Portefeuille überhaupt nur um ein Provisorium handeln, etwa bis zu den nächsten Wahlen, nach denen wahrscheinlich leichter eine definitive Große Koalition zustandokömmen werd«. Gr. der Ministerpräsident, lege Wert darauf, daß die Verhandlungen n:in recht schnell zu Ende geführt würden und Hofs«, daß in spätefieno zwei bis drei Wochen ein Derhandlungsabschiuß möglich fei. Nachwort zum pariser Parteitag. Erregier Abschluß.— Das Gespenst der Parteispaliung. Parts. 27. Januar.(Eigenbericht.) um zu versteh«», wie es möglich wurde, daß der außer- ordentliche S o z i a l i st« n k o n g r« ß mit einem so schrillen Mißton geendet hat, muß man wissen, was hinter den Kulissen, d. h. in der Resolutionskommission, vorging. Nicht ohne Mühe hatten es die unbedingt sür die Aufrecht- erhaltung der Parteieinheit stimmenden Elements (wie R e n a u d e l und Grumbach) fertiggebracht, alle ihre Ge- stnnungesreunde dazu zu bringen, daß sie sich damit zusritden gaben, erst während des ordentlichen Parteitages, der im Juni stattfinden wird, wieder in den Parteivorstand und in die übrigen Zentralinstanzen ausgenommen zu werden und auf den sofortigen Eintritt zu verzichten- Als daher ein An» trag Bracke-Blum: „T>er Parteitag möge beschließen, daß die Verteilung der Sihe im partelvorstaud vom ordentlichen Kongreß nach dem Schlüssel der Abstimmung über die Reglerungs- beleiligung vorgenommen werden solle". mit lS gegen!6 Stimmen bei einer Enthaltung in der Kommission abgelehnt wurde, entstand unter den Anhängern der Beteiligungs» thefe«ine große Aufregung und manche wollten den Kon» greh verlassen, was zu einer formellen Spaltung hätte führen können. Ein neuer Vermittlungsversuch: Die Minderheit möge auf eine formelle Abstimmung verzichten und sich mit einer „moralischen Verpflichtung" der Mehrheit begnügen, wurde nach«inigeni Zögern von den Vertretern der Minderheit an- genommen. Aber auch diese neue Konzession blieb erfolglos, denn trotz der Intervention Leon Blums lehnte die Mehrheit auch diesen Vorschlag ob. Da außerdem bekannt geworden war. daß die Jllhier der Mehrheit, ohne daß die Föderation vorher befragt wor!.«n wäre, mit einfacher Mehrheit beschliehen lassen wollten, daß künftig eine Zweidntlclmaforilöi notwendig sein sollte, um die Beteiligungsthese zur Annahme zu bringen, be- mächtigte sich der Minderheit eine solche Erregung, daß man aufs neue an die Gefahr einer Spaltung glauben konmc. In dieser Atmosphäre ist die Erklärung von den Führern der Minderheit abgefaßt worden, die D e n t am Schluß des Kon- grefles verlesen hat und die eine so starke Sensation hervorrief. In der Zwischenzeit hatte sich allerdings die Mehrheit dazu bequemen müssen, ihren Vorschlag betressend die Zw ei drittel- n> e h r h e i t fallen zu lassen, da«ine ganze Reihe von Föderationen, die der Regierungsbeteiligung ablehnend gegenüber- standen, diesen Gewalt st reich nicht mitmachen wollten und die gegenwärtige Parteileitung insolgedesseu eine Niederlage erlitten hätte, wenn es zur Abstimmung gekommen wäre, chatte die Mehr- heit die Vertreter der Minderheit sofort wieder in de» Partei- vorstand ausgenommen oder hätte sie sich wenigstens entschlossen, den Antrag Leon Blums zu dieser Frage anzunehmen, so wäre die Erklärung Deots natürlich uillerblieben und der Kongreß hätte noch dem ganzen Verlauf der Debatte eher eins Stärkung der Partei- einhert als«ins Schwächung derselben herbeigeführt. Leider hat dieser Kongreß gezcigf. daß die Autorität B l um s.die vor zwei Jabren noch unerschütterlich war. in ganz außerordentlicher Weise gesunken ist. Bluni konnte mit Recht betonen, daß er in der letzten Zeit oft allein stüilde. In der Tat hat er sowohl aus die sogenannt« Linke wie auf die sagenannte Recht« der Partei seinen Einfluß verloren, da er sich niemals in den wichiigen Fragen zu einer klaren, auch für die Massen verständlichen Stellungnahm« entschlossen hat. Man wirft chm jetzt vor, daß er nicht einmal in der Frage der Zweidrittelmajorität das Wort ergriffen hat. Blum hatte eine große Rede über die Beteiligungsfrage vor- bereiter und angekündigt— aber im letzten Augenblick v e r» z i ch t« t e er darauf, sie zu halten Für das inner« Leben der französischen Sozialistischen Partei ist diese Ausschaltung Blums nicht ohne Gefahr, denn andererseits hat sie gezeigt, daß auch die Bermit-tlungsaktion Vincent Auriois— der sich im Gegensatz zu Blum mitten in den heißesten Kampf des Kongresses stürzte— wirkungslos blieb. Trotzdem wäre es wohl falsch, von einer Krise zu sprechen die mit ein«? Spaltung enden müßte: zu dieser Spaltung haben wohl nur sehr wenige Personen in beiden Lagern Lust. Allerdings, w«nn auf dem nächsten ordentlichen Parte'- tag im Juni die Mehrheit versuchen sollte, im Gegensatz zu den Traditionen und der Verfassung der Partei, der Minderheil die ihr zustehenden Sitze in den Zeirtralo'-ganisatlonen der Partei zu verweigern— dann könnte eine Verschärfung«intrete», deren Folgen vorläusig nicht abzusehen sind. Eine Spaltung der Sozialistischen Partei würde übrigens vklmehr eine Schwächung als eine Stärkung der Linken bedeuten und deshalb begreift man, daß die Reaktion sich für die Vorgänge innerhalb des' fron- zösischen Sozialismus so leidenschaftlich Interessiert Man hat gesagt, daß der linke Flügel der Radikalen Partei die Spaltung bei den Soziakisten herbeiwünsche. Das dürfe jedoch falsch sein, denn eine Spaltung der Sozialisten hätte zwangsläufig auch eine Spaltung der Radikalen zur Folge. Inwiefern die Beschlüsse des Sozialistenkongresses auf die innerpolitische Situation ihren Einfluß ausüben werden, wird man bald sehen. Es gibt Leute, die behaupten, daß T a r d i e u nur auf diese Beschlüsse wartete, um eine Umgestaltung des Kabinetts vorzuuehinen im Sinne einer Konzentration, an der die Mehrheit der radikalen Kammerfraktion teilnehmen würde. Daß inner- halb der Radikalen Partei eine solche Idee Anhänger hat, steht''est. Ob jedoch ein«.Linkskonzentration" sich Tardieu zu ihrem Führer erwählen würde, erscheint durchaus nicht sicher. Reaktionäre Domäne«Pächter. Oer Haushalt der Staa'sdomänen im Landtag. Im Preußischen Landtag konzentrierte sich am Montag begreif- licherweise das Allgemeininteresse weniger auf die Plenarsitzung als auf die schwebenden Verhandlungen über die Regierungsumbildung, über die au anderer Stelle berichtet wird. Bor ziemlich schwach besetztem Hause begann der Landtag die zweite Lesung des Haushalls der Staatsdomänen. Als erster Debatteredner sprach der sozialdemokratische Abg. K l a u ßn e r- S i o r k o w, der für seine Fraktion ablehnte, dem allgemeinen Geschrei der Staatsdomänenpächter auf ein« Pacht- lenkung nachzugeben. Die beste Aeäüjcrtigung für diese Haltung seien die anulich � ausgewiesenen. Ertiähe der vom Staate selbst be- wirtschoiteten Domänen,, die als Beispielsmirtschasten trotz höherer VerwaitnngSkosten, höherer Löhn« und tatsächlich gezahlten Steuern und SoziaUaften ihre Ueberlegenheit gegenüber der soviel ge- rühmten Prinatwirtichast bewieien haben. Hier ist der«nie Schritt auf dem Wege, nach den Vorschlägen des sozialdemokratischen Agrarprogramms durch eine Stabilisierung der Preise und Be- seitiaung der unnötigen Zwifchenspmm« zwischen Erzeuger- und Konmmentenpreis nicht nur der Landwirtschaft, sondern dem ganzen Volke zu beljen. Dasselbe trisit auch aus die bäuerlichen B e i s p i e l s w i r t s ch o s t e n zu, die schließlich durch den An- schauungsunierricht stärker als alle Theorie die bäuerliche Be- völterung zu einer Umstellung der vielsach veralteten Bewirt- schaftungsmcthoden zwingen wird. Daß die Reaktion in den Staatsdomänenpächteru noch woner eine sehr feste Stütze findet zeigten die vom Reoner vorgetragenen Fälle, wonach Domänen- arbeiter unter dem Druck schärfsten Terrors zur Einzeichnung für das Bolksbegehren gezwungen oder aber entlassen wurden, wenn st« oen Mut aufbrachten, stch zu weigern. Ein« Glanznummer ist in dieser Hinsicht sin Major a. D. Meyer aus Wutzkow in Pommern, der nicht nur den Arbeite- lohn und die Versicherungsbeiträge schuldig blieb, sondern darüber hinaus noch«ine halbe Mi llion Mark Schulden macht«, der sich aber eine persönliche Stablhelmlerb- wache von 30 Mann hielt. Jetzt ist dieser Mann ver- schwunden, um bei der Heimwehr in Sterermark wieder aufzutauchen. Es ist einfach unmöglich, daß der Staat solche Existenzen, die offen aus seinen Sturz hinarbeiten, durch Per- längerung der Pachtverträge und Stundung der Pachtrückstände Lebensmöglichkeit gibt. Ein besonderes Kapitel ist auch die B e- Handlung der Domänenarbe'ter und die besonders traurigen Wohnungsvsrhältnisse, die zum Teil noch an die ichlimmstcn Zeiten des Feudalsystems erinnern. Hier hat das Min:- sterium die Ausgabe, durch Einwirkung aus die Domänenpächter sehr energisch eine Besserung der Lohn- und Wohnverhältnisse zu erzwingen. Landwirtschafts n, Ini st er Dr. Steige r lehnte zwar auch eine Senkung der Pachtsätze ab will aber für die rechk er- heblichen Pachtrüchtändc ein« verstärkte, langfristig« und größten- teils zinsfreie Stundung gewähren. Ob eine solch« Maß- nähme richtig ist, ist zu bezweifeln, zumal die BeispielswirtZchasten zeigen, daß ein großer Teil der Pächter nicht rationell wirtschaften kann und ofsenbar sein Hauptaugenmerk nicht aus die Bewirt- schaitung von Grund und Boden, sondern aus reaktionäre Umtriebe richtet. Die Deutschnationalen forderten natürlich generelle Stützungsmaßnahmen für die notleidenden Domänenpää�ter, die«ist durch die sozial« Gesetzgebung, der Republik in diese schwierigen Ber- hältnisse bineingekommeil wären. Die Debatte wird am Dienstag fortgesetzt. lefi'anö verweigert Asylrecht. Eine feiae Ausiieferung an Liiauen. Der litauische Sozialdemokrat Misiuli», der als politsscher Flüchtling in Lettland weilt, wurde von der rechtsbürgerlichen Re- gierung Lettlands verhaftet und den litauischen Behörden aus- geliefert. Die lettische sozialdemokratische Partei brachte des- halb Im Parlament eine dringliche Interpellation ein. Misiulis war«in aktiver litamscher Sozialdemokrat, der vor alles um die Organisation der Partei in der Provinz große Ber- dienste hat. Wegen seiner unablässigen Arbeit im Dienste der Par- tci. auch zu erner Zeit, als das Regime Woldemaras in höchster Blüte stand, war er politischen Verfolgungen ausgesetzt, denen er sich durch die Flucht entzog. Während dieser Flucht wurde er. nahe der lettischen Grenze, von einem Gendarmen erkannt, der auf. ihn feuerte. Es entspann sich ein Schußwechsel, in dessen Verlauf der Gendarm tödlich getroffen wurde. Misiulis entkam nach Lettland, wo er sich im Vertrauen auf das Asylrecht, wie es ihm als politischen Flüchtling zusteht, niederließ. Litauen forderte von Lettland jedoch seil« Verhaftung und Auslieferung als gewöhnlicher Verbrecher. Nach längerem Zögern ist de« let- tische Regierung erstaunlicherweise auch diesem Verlangen nach- gekommen, offenbar aus rein taktisch-politischen Interessen. Die Sympathien gewisser lettischer Reglerungskreise für litauische Re- gierungsmethoden sind bekannt. Die Sozialdemokratie Lettlands hatte vergebens in mehrfachen Protesten versucht, diese Ber- l« tz u n g d e s A s y l r e ch t s zu verhindern: leider oergebells. denn dieser Tage wurde ganz im Stillen M-isiulis an die Grenz« gebracht und der litauischen Polizei ausgeliefert. Ihm droht vor dem litauischen Standgericht die Todesstrafe. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage,)' Berantwortlich Mr Pelilit: Dr. Svrt Oeqct; zZirtschaft!®. MNeeelhöter: Eee.rlkckattsbiwegung: z. Stelller; Feuilleton: De. Aicha SchilarntR; Cotoln nitfi Soniiiae«: Sri* ÄorBöbt: ametflen; Tb. Slotf«; silmtliib in Berlin. Scrlan: Boro, Sri s.Verioq®. m b. H. Berlin. Druck: BorwSrt�Buckdruckerei und BerlageonliaU Paul Singer u. Co., Berlin SW 88. Lilchcuftrabe 3, Sierzit 3 Beilagen und.llnterhaltnng nnb Wisse»-. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abi) Königstraße Rosentbaler Str. Moritzplatz Soweit Vorrat, Mengenabgabe vorbehallea Fleisch, Fische, Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht xugesandt. {Heute O.*�18*_ (Ösettstag Jßehensntittel Fische Dorsch....Flund 0.18 Bratschoilen 0.12 0.24 Rotbars.... Pfund 0.28 Heringe grüne 3 Pfd. 0.45 an Karpfen lebend, Pfd. 1.05 an Käse u. Feite Camembert vouf.si<*. 0.24 ümburger Aiig. i.oo 0.45 Steinbuscher voiif. 0.95 Edamer voiifett, Pfund 1.10 Holländer voiif., Pfd. 1.10 Schweizer dän., Pfd. 0,90 Tilsiter voiirett, pfund 0.98 Margarine..Pfund 0.50 Tafelbutter..Pfund 1.80 Dän. Butter.Pfund 1.98 Räucherwaren Frisches F/efsch Fettbücklinge p£;| 0.28 Sprotten... Pfund 0.36 Flundern Pfd. von 0.38 an Lachs in Stück., Pfd. 1.30 an Heringe 7 stck.v. 0,50 an Wurstwaren Sülze..... Pfund 0.45 Dampfwurst.Pfund 1.00 Leberwurst H4USÄ 1.25 Jagdwurst.Pfund 1,45 Mettwurst�T'Ä 1.45 Filetwurst.. Pfund 1.65 Teewurst... Pfund 1.80 SpecK fett 1,20 mager 1.55 Geflügel CScSflSG gefroren....... Pfand von 0S70 Woigahühner i« Quam., Pfd. von 1.20» Suppenhühner... Pfand von o.gs Enten............ i ,30«n Eier--. vv. �.. 10 stück von 0.66-» an Gulasch...Pfund 0.95 Querrippe.. Pfund 0.84 Rinderkamm Pfund 0.85 Rinderbrust. Pfund 0.83 Schmorfleisch� 1.10 Kalbskamm. Pfund 0.84 Kalbsbrust.. Pfund 0.84 Kalbsnlerenbrat. 0.94 Kalbskeule��PiUll-00 SchwelnekammPfd.1.1 6 SchwelnerUcken 1.16 Schweineschink, 1.22 Liesen.... Piund 0.75 Hammelvorderfl. 1.04 Prima Oefrlrrflelsch Rinderkamm Pfund 0.84 Rinderbrust. Pfund 0.84 Gebrannter Kaiiee eigene Rösterei � Pfund von fi 80 an Spezial-Mischung teflS�TiSd 0.56«... 0.88 Obst Eß- u. Kochäpfel Pfund 0.10 0.15 Boskop-Renetten 0.20 Tafeläpfel. 2 Pfund 0.35 Kaiif.Tafeläpf el Pfd. 0.40 Amerikaner 3 Pfund 0.95 Mandarinen Pfund 0.25 Zitronen oud. 0.35 0.50 Apfelsinen 0.35 0.50 Halbblut Dtzd. 0.55 0.85 Datteln Kart. ca. 350 Gr. 0.45 Gemüse Waißkohl dän. Pfund 0.04 Möhren gewasch., Pld. 0.04 Wlrsingkohlhoii.Pfd. 0.09 Rotkohl hoiiänd. Pfd. 0.09 Sellerie Pfund 0.10 0.18 Schwarzwui.zeln. 0.25 Blumenkohl Kopf 0.25 an Rosenkohl.. Pfund 0.20 Zwiebeln... Pfund 0.05 Rote Rüben. Pfund 0.06 Kolonialwaren Viktoria-Erbsen 0.18 Linsen.... Pfund 0.24 Weiße Bohnen Pfd. 0.32 Haferflocken Pfund 0.21 Tafelrels poliert, Pfd. 0.2? Backobst gemisdit. 0.48 Pflaumen bo3R.&sietn« 0.65 Konserven «/i Dose Schnittbohnen«mz« 0.58 Brechbohnen junge 0.60 Gemüse-Erbsen. 0.53 Junge Erbsen-..0.63 Haushalt-Gemüse 0.78 Gem. Gemüse miiteif.1.10 Jg. Erbsen"ör 0.72 Jg. Karotten ganze 0.65 Bruchspargel 2.20 Stg.-Spargei so-«* st. 2.65 Kohlrabi mit Gmn 0.58 Pflaumen mit stein 0.60 Apfelmus...... 0.52 Mirabellen..... 0.98 Saure Kirschen-. 1.15 Gemischt. Früchte 1.40 Senfgurken....0.78 HsssHaaaaHEBSOTBKEr ras» Nr. 45» 47. Jahrgang*1» Oiensiag, 28. Januar 1930 Jörns ist selbsimufrieden! er will als Wriegsgerichlsral loyal gehandell haben. Relchsaowaü Zorns, ehemaliger Sriegsgerichtsrai und Unler- jachungsrichler in Sachen der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Llebkuechis verteidigt sich. Diesmal hat er es iu mancher Hinsicht leichter als vor acht Monaten. Da» Veweismalerial der Verteidigung kam ihm nicht mehr überraschend; er ist gut vor- bereitet und hat auch einen Anwalt zur Seile. Zufiizral Dr. Löwen st eiu ist ein erfahrener Herr. Mau merkt es bereits l-ei seinem ersten Vorstoß. Zst nicht etwa der Versaster der Bertold Zacob, gegen den der Reichsanwalt Zorns ia einem Laude sverrats- vc sahren vor dem Reichsgericht eine Zuchthausstrafe beantragt hat? „Vichts zu macheni" pariert Dr. Paul Levi. Soll hier etwa die Entlarvung des Sriegsgcrichtsrats Zorns durch den Tagebuchartikel als ein persöoNcher Racheakt des vom Reichsgericht zur Festungs- strafe verurteilten Zacob dargestellt werden? Der Vorstoß ist miß. hingen. Der alle Zustizrat lenkt ein. Auch ein zweiler Vorstoß schlagt fehl. Der Vertreter des Reben klägers will den Angeklagten daraus festnageln, daß er als Grundlage für seinen Artikel nur das Material der„Roten Fahne" und der„Freiheit' gehabt habe. „Stimmt nicht.' sagt der Angeklagte,«was ich noch gehabt habe, verschweige ich." Und dann folgt die Erörterung der einzelnen Komplexe. Natürlich hat Herr Sriegsgerichtsrai Zorns seineu Sollegen Surtzlg von der Untersuchung nicht verdrängt; natürlich hat er die Beisitzer vom Vollzugerat vollkommen loyal behandelt; natürlich halle er keinen Grund, den Oberleutnant Vogel in hast zu belasten und auch keinen Gruud, ihn früher als er e» getan, zu verhaslen. Der erste Fragenkomplex hinflchMch der verdräu» guug de» llnlersuchuugsrichters Surtzig kam bereits am Morgen zur Erörterung. * Der zweite Fragenkomplex betrifft die Ansschal- tung der Beisitzer. Am 16. Januar hatte der Gerichtsherr Generalleutnant Hof mann nach seiner Besprechung mit Kurtzig bei der Reichsregienmg angeregt, Beisitzer vom Jmtralamt der Republik imd vom Bollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte zur Untersuchung in der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs heranzuziehen. Der Nebenkläger Jörns hatte hier- gegen verschiedene Bedenken. Uebcr die Art dieser Bedenken macht Jörns seine Aussagen vor Gericht. Er glaubte, daß die Hinzu- ziehung eines Beisitzers gewissermaßen als Vertreter des Ge- richtsherren sich durch die Militärstrafprozctzordnung wohl rechtfertigen ließe, nicht ober die Hinzuziehung eines zweiten Bei. sitzers. Da aber die Beschuldigten dagegen nichts einzuwenden hatten erklärte er sich auch damit einverstanden. Allerdings habe« die Teilnahme der Beisitzer an der Unter. suchuug nicht als angenehm empfunden. denn er habe sie als ein» gewiste Aufsicht über seine Tätigkeit betrachtet, sogt er. Da in dem Schreiben deri Reichsregierung vom 17. Januar 1319 nur ersucht worden war, die Herren zu allen Untersuchungsverhandtungea hinzuziehen, glaubte er, nicht verpflichtet zu sein, ihnen auch ein Fragerecht einzuräumen. Das tat er erst später. Ganz«nt- schieden wandt« er sich aber sowohl gegen Iulaflung eines Ber- treter« der Familie Liebknecht und der Familie Luxemburg zur Untersuchung wie auch eines dritten Beisitzers. Erst durch das Gut- achten des Staatssekretärs des Reichsjustizamts, wurde er eines anderen belehrt. Die Erörterung der einzelnen Konfliktfälle zwischen dem Kriegs- gerichtsrat und den Beisitzern zeigen, in welcher Weise dies« von . Herrn Jörns behandelt wurden. So hatte z. B. der Beisitzer Rusch um die Vernehmung des Soldaten Aller ersucht, der zur Zeich als Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg aus dem E&en-Hotel transportiert wurden, am Tore gestanden hatte. Jörns bat um«in- schriftlich« Darlegung des Beweisthemas, und machte auch andere Schwierigkeiten. Oberstaatsanwalt Köhler meint zu dieser Episode, daß es sehr merkwürdig erscheinen müsse. daß der Nebenkläger befliffen war, sämtliche Unterfuchungshand- langen fo formell zu erledigen, während es doch darauf ange- kommen fei, Zeit zu ersparen. Noch bezeichnender war der Fall des Hauptmanns Pabst. des ersten Generalstabsoffiziers bei der Dwifion. Am 23. Januar erschien Pabst nickst zur Vernehmung: er hatte sich krank gemeldet. Die Beisitzer waren für den nächsten Tag geladen: Pabst er- schien aber wieder nicht. Am 26. Januar kam er endlich, da waren aber die Beisitzer nicht da. So wurde er in deren Ab- Wesenheit vernommen. Der Nebenkläger Zorns meint, die Herren Offiziere hall« damals»och anderes zu ln«. als zn Gerichtsverhandlung« zu komm«; ihre erste Aufgab« sei tue Niederschlagung der Revolukiou gewef«. Auch bei der Bennchmung des Zeugen Grützner fehlt« die Bei- sitzer. Allerdings war dieser Zeuge unerwartet und freiwillig erschienen. Er hatte über Pabsts Teilnahme an der Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs äußerst belastende Aussagen ge- wacht. Die Beisitzer wurden auch von der zweiten Ber- nehmung Grützners, zu der er telephonisch herbeigerufm wurde, nicht benachrichtigt, llebrigens ist Pabst trotz der Grütznerschen Aussagen nicht verhaftet war. den. Der Bollzugsrat hat aber angesichts dieses Verhaltens Jörns zu den Beisitzern in einem Schreiben mitgeteilt, daß es unter solchen Umständen seine Beauftragten abberufe. Dr. Paul Levi stellt u. a� fest, daß der Kriegsgertchtsrat Jörns auch verfügt hatte, daß im Fall« der Verhaftung R u n g e s, er davon vorher in Kenntnis zu setzen sei. Der Verteidiger schließt daraus, daß auch diefer in Abwesenheit der Beisitzer vernommen werden sollte. Jörns sagt aber: Ich habe mich den Beisitzern gegenüber, nachdem sie ein- mal zugelassen waren, vollkommen loyal verhasten. Der nächste Fragekomplex hatdieEnthaftungdesOber- leutnants Bogel durch Jörns' zum Gegenstand. Oberleutnant Bogel war der Führer des Transports, der Rosa Luxemburg vom Eden-Hotel nach dem U,stersuchungsgefSngnis in Moabit bringen sollle. Cr wurde auf Befehl des Generals von Lüttwitz ln Haft gs. nommen, weil hinreichender Verdacht bestand, daß er das Erforder. liche zum Schutz des Festgenommen« versäumt habe. Am 17. Zanuar enklleß Zorn» de» Vogel„nach mündlicher Ve- sprechung".... v.:. lieber den Inhalt dies« Besprechung ist nichts zu de» Akt« gs- langt- Jörns erklärt, daß für ein« Haftbefehl keine genügenden Grundlag« vorgelegen hätten. Er habe da» durch die Dernehmung am 17. Januar festgestellt. Der Oberitaatsaiuvall macht da» Gericht darauf aufmerksam, daß da» überhaupt keine richter- lich« Vernehmung gewesen sei, da die Strafprozeßordnung die Anwesenheft eines Gerichtsschreibers fordere. Dr. Paul Lem beantragt sowohl die Aussagen des Oberleutnants Vogel zu ver- lesen, die bereits vor dessen EntHaftung durch Jörns vovgeleg« haben, wie auch seine wefteren Aussagen, die im vollen Widerspruch zu den erster« stehen, die ober trotzdem für dm Nebenkläger keine Veranlassung zur Verhaftung Bogels geboten Hab«. Es konmft zwisch« dem Vorsitzenden und dem Verteidiger zu länger« Ausein- andersetzmigeu. da letzterer sich nichts mtt der bloßen Verlesung dieser Aussagen in chronologischer Reihenfolge begnüg« will. sondern das Gericht ersucht, auch die Urkunden zur Kenntnis zu nehmen, aus den« erstchllich wird, wodurch Vogel allmählich zu fernem Geständnis gedrängt ward« ist. Obgleich dem Nebenkläger alle diese Urkund« vorgelegen haben, habe er trotzdem sich nicht veranlaßt gesehen, dm Oberleutnant Vogel zu verhaften. Die Ver- lefung dieser Urkund« wird auf Mittwoch vertagt. Wer gab die Tabletten? Ein dreijähriges Kind als Zeugin vor Gericht. Zn dem Toffchlagsprozeß geg« d« Schlosser Friedrich der sich am Montag vor dem Schwurgericht I nnter der Anschuldigung zu veraukwortm hatte, sein»«geborenes Sind, das ein Zwitter war. durch zwei Chloramin. Tabletten getötet zu Hab«, wurde als„Zeugin" das dreijährige Sind des Angeklagt« „vernommen". Der Angeklagte P. hatte zunächst, als das sterbende Kind von ihm ins Krankenhaus eingeliefert wurde, immer gesagt, daß das dreijährige Töchterch« über die Kapsel mit den Tabletten geraten sei uist» dem Neugeborenen im Spiel zwei Tabletten i« den Mund gesteckt hätte. In eingehendem Verhör bei der Polizei hatte er dann aber eingeräumt, daß er in seiner bedrückten Sttmmung über die Mißgeburt die Tat selbst ausgeführt babe. Bei diefer Angabe war der Angeklagte im Laufe der ganz« Voruntersuchung verblieb« und hatte auch noch am Sonnabend seinem Verteidiger gegenüber, Rechtsanwall Dr. Fraenkel, dasselbe gesagt. In der gestrigen Verhandlung widerrief er aber dieses Geständnis und behauptete, daß seine ersten Angaben die richtigen gewesm seien. Cr Hab« mir sein Kind für das spätere Leben vor dem Vorwurf bewahren wollen. Schuld an d«i Tode seines Schwesterchens zu Hab«. Diese falsche Selbstbezichttgung könne er aber nicht aufrechterhalten. Die Eh« srau des Angeklagt« hatte Immer behauptet, daß nicht ihr Mann. sondern das dreijährige Kind dem Neugeborenen die Tablett« gegeben habe. Entgegen seinem ursprünglich« ablehnenden Beschluß entschied sich im Lause der Verhandlung das Schwurgericht dahin. sich das dreijährige Mädchen vorführen zu lassen. Das Kind wurde in einer Droschke geHost und erschien im Gcrichtssaal mit Spielzeug unter dem Arm. Von einer„Vernehmung" der klein«„Zeugin" war natürlich tcline Rede. Landgerichtsdrrektor Dr. Weigert rief die Kleine zu sich an den Gerichtstisch. Das lebhafte Kind lief ohne Scheu durch den starkgefiillt« Gerichtssaal, und als ein freundlicher Geschworener ihm eine Tüte Bonbons zeigte, kletterte das Kind die wenigen Stufen zum Richtertrsch hinauf und nahm freudestrahlend dir« Gabe entgegen. Der Vorsitzende legte dann die Tüte Bon- bons mit den Tabletten aus ein« Tisch, vor dem eine Bank stand. Behende kletterte die Kleine hinauf, langte erst nach den Bonbons urch dann auf Aufforderung des Borsitzenden auch nach der Glasröhre, deren Kapsel es sofort aus- zumachen begann Der Angeklagt» hatte auch behauptet, daß die Kleines itttsiandc gewesen sei, ist der Wohnung,, indem sie auf einen Stuhl kletterte, die Röhre vom Tisch herunterzuholen. Auf der Bettdecke des Säuglings habe er nachher die Berfchlußkapsel ge- funden, Das Schwurgericht sprach den Schlosser von der Anklage, sein neugeborenes Kind durch Eingebung von Tabletten getötet zu haben. mangels ausreichenden Beweises frei. Die Kost« fallen der Staatskasse zur Last. Dem Gericht schi« es zwar höchst unwahrscheinlich, daß ein drei Jahre alles Kind, das sich allerdings als sehr lebendig gezeigt hat, imstande gewesen sein sollte, die Tablett« dem Säugling zuzustecken. Es mußte aber manches zugunsten des Angeklagten, trotz seines dreimaligen Ge- stäftdnisses im Vorverfahren, berücksichtigt werden. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Ahutu* SM Mit der Glut des Wahnsinns war diese seltsame Musik erfüllt, wie das scharfe, beißende. Aroma gewisser Gift- pflanzen im brasilianischen Urwald', und erstaunlich war ihre Wirkung auf die Zuhörer. Ihre Körper wiegten sich im sinnlichen Rhythmus der Melodien, all ihre Sinne waren berauscht von Seligkeit. Verbannt war Portugals Trauer von der raschen, pulsierenden Fröhlichkeit Bahias— Wolken und Schatten des alten Europa von der strahlenden Sonne des jungen Amerika verscheucht. Ieronymo legte seine Gitarre beiseite und lauschte Hin- gerissen der zauberhaften Musik, die eine seltsame Revolution in ihm bewirkte—«ine Revolution, die an dem Tage de» gönnen hatte, als er den blendenden Sonnenschein dieser neuen Well zum erstenmal wie einen Schlag ins Gesicht empfunden hatte— eine Revolution, die sich wieder regte, als er das Zirpen einer tropischen Lerche und das Lied eines brasilianischen Vogels zum erstenmal vernahm: die wuchs, als er zum erstenmal die saftige Frucht kostete, die ihm dieses junge neue Land bot und die durch die erste Frau, die ihn hier anzog, vollendet wurde— durch ein Halbblut, deren aufreizende Bewegungen ihn bezauberten, wie«in hilfloser Vogel von dem tödlichen Blick emer Schlange ge- bannt wird.' „Was ist denn los mit dir, Ieronymo?" fragte Piedade, die sich über seinen gespannten Ausdruck wunderte. ..Wart"', erwiderte er,„ich will zuhören." Denn Firmo hatte, von dem rhythmischen In-die-Hände- Klatschen den andern begleitet, angefangen, den„chorado" zu singen. Ieronymo erhob sich beinah mechanisch und näherte sich der Gruppe um die beiden Musiker; Piedada folgte ihm. Die Ellbogen auf dem Zaun, der Ritas Stückchen Garten umgab, und das Kinn auf die gesafteten Hände ge- legt, stand er reglos, ohne ein Wort zu sagen, und gab sich mit Körper und Seele der Verführung dieser wollüstigen Musik hin. wie ein riesiger Baum es sich gefallen läßt, von den liebkosenden Fangarmen einer verräterischen Ranke um- wunden und gefessell zu werden. Und dann kam Rita Bahiana, die ihr Batistkleid abgeworfen hatte und jetzt mit entblößtem Hals und nackten Armen zum Tanz erschien. In diesem Augenblick tauchte der Mond aus den Wolken heraus, badete die ganze Szene in sanftem Silberlicht und lieh der warmen dunklen Haut der Mulattin eine Blässe, die sie wirklich schön erscheinen ließ. Sie tanzte, tanzte mit unendlicher Grazie, primitiv, einfach, als sei sie einzig geschaffen, um die Sinne zu ergötzen, ein Geschöpf aus dem Garten Eden, halb Weib, halb Schlange. Sie tanzte mitten im Kreis, hiell die Hände auf die Hüsten und bewegte ihren ganzen Körper. Jetzt streckte sie die Arme aus und hob sie empor, dann senkte sie sie langsam. bis ihre Fingerspitzen den Nacken berührten. Manchmal sank sid zusammen, so daß sie beinah auf der Erde zu sitzen schien, während ihre Arme und Hüsten sich unaufhörlich weiterbewegten. Dann sprang sie hoch in die Lust und drehte sich schneller und immer schneller, ihre Arme zuckten und wirbelten, und ihr Blut brannte von einer Leidenschaft, die sich auf die Zuhörer übertrug. Als sie sich auf einen Stuhl fallen ließ, kannte die Begeisterung ihrer Bewunderer keine Grenzen. Wilder Applaus erhob sich, zerriß die Lust, und Schreie des Entzückens brachen aus jeder Kehle. Sie mußte weitertanzen, man ließ ihr keine Ruhe. Da Holle sie sich Firmo, zog ihn in den Kreis und zwang ihn zu tanzen. Bieg- sam und behende, als fei er aus Gummi gemacht, vollführte er die erstaunlichsten Kunststücke. Er knickte die Beine unter sich ab, so daß sein Körper beinah die Erde berührte: so tanzte er, dann sprang er wieder hoch und machte die phan- tastrschsten Drehungen. Es sah aus, als schüttelte er Arme und Beine von seinem Rumpf ab. Der Geist des Tanzes erwies sich als ansteckend: Florinda fing an sich zu drehen und sogar der schlanke Albino, und zum Erstaunen der ganzen Gesellschaft trat Kiuch Alexandre in den Kreis und wackelte feierlich. Der Zauber des„chorado" hiell sie alle despotisch im Barnv die Tanzenden sowohl wie die nur Zuschauenden. Aber keiner war so losgelassen wie Rita. Sie allein ver- mochte mit der biegsamen Grazie der verfluchten Schlange den Geist chrer Heimat Bahia auszudrücken uvd zu deuten— mit einem Gemisch aus Bewegung, aus dem sellsamen Parfüm der Mulatten und dem verführerischen Klang ihrer Stimme— einer dunklen, süßen Stimme, die keine Worte sprach, aber beim Tanzen aufreizende kleine Schreie aus- stieß und murmelnden Singsang ertönen ließ. Ieronymo starrte und lauschte fasziniert; er spürte, wie seine Seele ihm aus den Augen strömte, die er von der Mulattin nicht abwenden konnte, Sie war ein Geheimnis für ihn. Und während er so dastand und starrte, fühlle er dunkel eine verwirrende Viel- fall von Eindrücken. Sie war der helle Glanz des Mittags, die rote Hitze auf dem Plantagenfeld: sie war das Aroma des Vanillebaumes, das den brasilianischen Wald erfüllt; sie war die jungfräuliche Palme, die ihr Haupt einsam erhebt und alle Berührung mit anderen Lebewesen verächtlich ablehnt; sie war giftig— und wunderbar süß: sie war die Sapoti- Frucht mll ihrem honiggleichen Saft, und sie war die Casu- Ruß, deren feuriges Oel eitrige Schwären verursacht; sie war die verräterische grüne Schlange, ein selten schönes Reptil, das ihn umwand und ihn mit Begierden erfüllte, neben denen die Sehnsucht nach seiner allen Heimat ein arm- seliges Gefühlchen war, und— er wußte es— ihr Stachel hatte ein Gift in sein Blut gesenkt, dos ihn wie Fieber ver- zehren würde— mit dem Fieber der Leidenschaft für die Mulattin, für das Halbblut Rita, die Nach der Musik des bahianischen„chorado" tanzte. All das fühlle Ieronymo. aber er verstand es nur halb, so sehr schwindelte ihm bei der Veränderung, die sich seiner Seele bemächtigt hatte. Die Eindrücke dieses Sonntags ver- wischten sich zu einem schillernden Dunst und wirkten auf ihn wie Wein— er war berauscht, betrunken, nicht vom Alkohol, sondern von der bitteren Süße aus dem Kelch der tödlichen tropischen Lilie. So verharrte er und schaute zu. Andere Mädchen tanzten, aber der große Portugiese hatte nur Augen für die Mulattin, selbst als sie erschöpft in die Arme ihres Liebhabers sank. Piederde, die vor Müdigkeit den Kopf nicht mehr hoch- halten konnte, rief ihn mehrere Male an und drängte ihn, heimzugehen, aber er antwortete ihr nur mit unverständlichem Gemurmel, worauf sie sich allein zurückzog. Stunden ver- gingen, aber noch immer rührte er sich nicht vom Fleck. Der Kreis hatte sich vergrößert. Jzaura und Levnor, die mit den Hausbewohnern auf freundschaftlichem Fuße standen. befanden sich in der vordersten Reihe. Ioao Romao und Bertoleza waren nach endlich vollbrachtem Tagewerk auf einen Augenblick hinausgekommen, um das Schauspiel im Hof zu genießen, ehe sie todmüde ins Pett fielen. Mirandas Familie stand am Fenster und freute sich über die Fest- stimmung. Manche Vorübergehenden konnten nicht wider- stehen, kamen hinein und gesellten sich zu den Tanzenden. Aber das alles bemerkte Ienonymo nicht; feine Augen sahen nur eins— die keuchende Mulattin, die in Firmos Armen wollüstig zuckte. (Fortsetzung folgt.) „Erziehung und Geschlechtstrieb." Ein Mckfall in die Lex-Hemze-Zeii. Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der G e s 6il e ch t s k r a n k h c i t c n hat d'as Verdienst, den Kampf gegen diese Bolksscuchen zu einer Zeit geführt zu haben, als jede Erwähnung serueller Probleme in der Oeffenilichkeit noch mit dem großen Bann belegt war. Die Rücksicht auf diese Verdienste darf aber nicht hindern, auf die neuerdings recht bedenklich und anachro- »istisch anmutende Haltung der Gesellschaft hinzu weifen. Angekündigt war das Referat D. Dr.. Casus g ab r t c in s > über„Erziehung und Geschlechtstrieb", und die Sexualnot unserer Zeit, die die Menschen zu jeder Aussprache, von der sie Klarung, zu jcdein Vortrag treibt, von dem sie Rat erwarten können, be- wirkte, daß der große Saal des Herrenhauses überfüllt war. Hier sprach Herr Ilniversitätsprofessor t). Dr. Casus Fabricius mit lehr- hast erhobenem Zeigefinger: Der Sinn des Geschlechtstriebes sei es, daß die angeborene Menschheit ins Leben dränge und so sei er 'nur aufzufassen als eiue Unterabteilung des allgemeinen Lebens- triebes. Daher habe die Erziehung die Ausgabe, ihn in Zucht zu nehmen und ihn vor Ausschweifung zu bewahren. Das sei keine hoffnungslose Arbeit, denn nicht der Geschlechtstrieb sei der ewige . Rebell und die Wurzel allen Hebels, sondern die Verführung. Die freilich sei gar machtig in unseren Tagen und bediene sich zur ''Reizung des normalerweise km Zustand ruhiger Spannung schlum- mernden Geschlechtstriebes aller artderen Triebe und der ganzen ...Kultur,, die.von. ihnen. geschaffen worden sei. Die Kultur alles Körperlichen sei überfeinert, in geiler Weile würde der nackte Körper .xtr Schau, gestellt, Völlerei und lleberernahrung sowie der Mangel 'an, Dewegüng—/alles gehe darauf aus, die Sinneslust zu wecken. -Hunger und harte Natürlichkeit des Lfbeys aber würden hier helfen, den Scrualtrieb in Schach zu halten. Es gäbe eine ästhetische und .eine, intellektuelle Propaganda der Unzucht, legiere sei die„falsche" .Aufklärung,- der die richtige, das Wahre. Gute, Schöne,«utgegenzu- stellen scf, ivio harmlose(erhobener ZeigefnigerZ ästhetische Pro- 'päganda für Zucht und Sitte sein könne gegenüber dem Animier- betrieh von Theater, Tanzlokal und Animicrkneipe. Vor allem aber 'sei der grundlegende Irrtum:„der Mensch sei das Produkt der Ver- hältirissc" zu bekämpfen. Diese Einstellung lähme das Verantwor- tungsgefühl der Jugend. Van dieser materialistischen Gründern- stellung ginge alles Ilebel aus. Diesen falschen sozialen Theorien müsse man durch Pflege guter Gesellschaft, durch«in gediegenes Famstienleben entgegenwirken.(Der Herr Univerfitätsprofeffor ver goß, daß heute noch nicht einmal jede Familie ein eigenes Zimmer, geschweige denn ein« Wohnung hat.) Im übrigen wäre die Religion und die Vertiefung in die letzten Zusammenhänge des Seins, die Erziehung zur ruhigen Demut die beste Bändigung des Sexual triebes. Merkwürdigerweise wurde keinem der anwesenden Gegw dieser kulturreaktionären Einstellung Gelegetcheit gegeben, auch nur in einer Debatte seinen Standpunkt zur Gellung zu bringen, es wurde nicht einmal Fragestellung zugelassen. Es mutz freil'ch auch gesagt werden, daß alle Organisationen, die irgendwie in kultureller und politischer Weis« fortschrittlich orientiert sind, die Pflicht hätten für die Beschickung. einer snlchcn Versammlung mtt Diskussionsrednern z» sorgen— und für die Besetzung des Saales mit einer Zuhörerschaft, die in der Lage ist, eine Debatte zu erzwingen. Llm die Einehe. Dr. Dcri hatte es sich zur Aufgabe gemacht, über den Stand der Einehe und den verschiedenen Vorschlägen zur Lösung ihrer Krise ein streng sachliches und wissenschaftliches Referat zu halten. Wenn man trotzdem unbefriedigt blieb, so rührte dies daher, daß Dr. Deri die soziale Seite dieses Problems wohl absichtlich unbeachtet ließ. Er. betrachtete die heutige Einehe von der psychologischen, von der sozialen und von der psychoanalytischen Sette und stellte fest, daß an- und-für sich die besten Vorbedingungen oorhondcn find, um die Einehe als Hort der größten Glücksmöglichke-iten für das Zusammen- leben der Geschlechter zu gestatten. Wenn die Einehe in unseren Tagen trotzdem ein Fiasko erlebt, so liegt das hauptsächlich an dem iieberhaiidnehmen von Lüge und Heimlichtuerei. Dr. Deri unter suchte dann die verschiedenen Vorschläge über die Wochenendeh«, die Ehe zu dritt, die Kameradschastsche, die Probehc, und kam zu dem Resultat,- daß alle diese Vorschläge weniger geeignet wären, ein Zu sammenlcben so glücklich zu gestallen wie die Einehe. Voraussetzung für das Fortbestehen der Gesellschaftsku-tttcr wird also doch die Ein che bleiben.- Allerdings nur dann, wenn fie auf vollkommener Freiheit und Ausrichtigkoit basiert! Der vom Deutschen Monisten bund veranstaltete Vortrag hatte in dem Plenarsaal des Rcichswirt- jchastsrates eine große Zuhörerschaft versau, mclt. Darlehnsangebot an Berlin. Ein 25-Mllionen-Mart-Kredit der Elettrowerke. Die üämmereiverwaltung der Stadl Berlin steht augenblicklich in Verhandlungen mit den reichseigenen Elektro werken. die der Stadt Berlin ein kurzfristiges Darlcchen von 2 5 Millionen zu 9!� Prozent gewähren wollen. Die Rückzahlung des Kredites soll ab 10. Zanuar t93t in monatlichen Raten von ♦ Millionen Mark erfolgen. Als Gegenleistung mochten die Eleklrowerke die Ver- längcrung des Stromlieferungsvertrages, der zwischen den Elektro- ■werten und der Bewag besteht, um S./fahre bis 1948._er reichen. Außerdem wallen die Eleklröiüerk« ab lgZct zusätzlich eine Kap a- }"J,ka.|'«bn 5 0 0 0 0 Sil o w»ti-im-ZLlnt bis Berlin zur-Versügung �haliecy-Zu deren A b n ah me sich die Bewsg� v« e p sk-dcht e n soll. Räch dem bisherigen Vertrag gaben die Eleklrowerke jährlich 60 000 Kilowaltstunden an die städtischen EleNrizitäiswerke ab. Die Beivag wird sonst von der Darlehnsgewährung in keiner Meise berührt. 3n der gestrigen Aufsichtsralssihung der Bewag wurde das Angebot mit 9:9 Stimmen abgelehnt, wie wir hören, wird sich, nachdem neue Verhandlungen mit den Eletlromcrken staltgefunden haben. heute noch einmal eine Aufsichlsralssißnng mit dem Angebot be- schaftigcn. Sandwagen rast in Personenzug. Llcber 20 Personen erheblich verletzt. Saarbrücken. 27. Januar. � Auf der Kleinbahystrecke D i e d e n h o f e n» M o n d o r f, die schon seit Iahreu dos Schmerzenskind der ostlckthringischen Beoölke- rung ist/ ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. Ein S a n d z u g, der in der Richtung nach Mondorf fuhr, hatte den Ort Rade- macher glatt erreicht, als sich zwei beladen« Wagen las- rissen und in rasender Fahrt, da die Strecke ein starkes Gefälle aufweist, in Richtung Diedcnhofen zurückrollten. Das Wagenpaar sauste, als es an der Kurve bei Fanlßach anlangte, mit einer Geschwindigkeit van 80 Kilometer dahin und fuhr kurz darauf in einen aus der Richtung Diedenhafen kanmienden Personen- zu.g. Der Anprall war äußerst heftig. Da es sich um leicht« Wogen handelte, zersche'tte der erste fast vollkommen an der Loko- motive des Personenzuges. In dem über 40 Personen fassenden Zuge wurde die Mehrzahl der Passagiere durch Q u e t- s ch u n gen mehr oder weniger ernstlich verletzt. Sie wurden im Kraftwagen nach Hause befördert. Strasaniräge im Eisenbahnprozeß. Ungewöhnliche scharfe Sprache des Staatsanwalts. Augsburg, 27. Januar. 3u dem Prozeß wegen des Dinkel scherben er , Eisenbahnunglücks begannen heule die Plädoyers. Staatsanwalt H a r t m a» n beantragte für die'An- geklagten Ämter, W i e d e n b a u e r und Karner Freisprechung. Dagegen habe Hübler zweifellos vergessen, die Weiche 2? vorschristmäßig aus Gleis 2 der Einsahrl und Durchfahrt umzustellen und zu verriegeln. Den Stellwerksmeister Müller bätt der Staatsanwalt für denjenigen, der durch das Ausseile» des schmalen Schlitzes. an der Kurbeljcheibe das Unglück verursacht l)abe. Der Weichenwärter Hüblcr und Müller seien in gleichem Maße f ü r das Unglück v e r a n t w a r t l> ch zu machen. Er beantrage daher, die beiden Angeklagten der fahrlässigen Tötung von Menschen in 18 Fällen, der fahrlässigen Körper- Verletzung in 157 Fällen und der fahrlässigen Transpart- gejährduttg schuldig zu sprechen und zu je einem Jahr Ge- s ä N g n i s zu verurteilen. Einen aufsehenerregenden Ausspruch des Staatsanwalts Hart mann übermittelt der Bericht der Telegraphen- Union. Es heiht dort: Als ein'besonderes Zeichen der verweichlichlen Zeit bezeichnete es der Staatsampall, daß man in Mitleid triefe für einen„armen Weichen- steller", daß rrtan öfter nicht an die furchtbaren Folgen seiner Hand- lunz5iv«je denke. Der Verteidiger Hüblers vertrat die Ansicht, daß das Unglück nicht in erster Linie aus Hübler zurückgeführt werden könne, sondern aus eine bis jetzt bei Eisenbahnunglücken einzig dastehende Ver kettung von Ursachen. Hübler muß auch als ein Opfer der Ucberlastung des Personals angesehen werden. Der Ver- leidiger beantragte Freisprechung. Die Ausführungen des Ver- teidigcrs Müllers gipfelten darin, daß Müller nicht an dem schmalen Schlitz gefeilt habe, durch den der Apparat in Unordnung gekommen sei. Auch dieser Verteidiger beantragte die Freisprechung. Die Urteilsverkündung erfolgt am M i t t w o ch vormittag. Kür erhöhte Aufwandsbesteuerung. Neue Antrage her Soziatbemokraten imidaushalisousschuß Der' H a u s h a l t's o u S f ch u ß der Stadtverardnetenver- sammlung setzte gestern seine Beramngen über den Nachtrags- Haushaltsplan 1S29 fort. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt, die entscheidenden Abstmimungen werden in einer Sitzung vorgenommen, die heute vormittag stattfindet. Eine Ab- lehn un g der Magistratsvorlage ist jetzt als sicher anzu- sehen. Heute abend wird sch die Stadtverordnetenversammlung mit dem Nachtragsewt beschäftigen. Die sozialdemokratischen Verireter haben im Hon shä-lt so u sschuß folgende Anträge eingebracht: l. Der INagistral wird ersucht, sesizustellen, ob und wieweit eine h a u s a n g e sie l l t e n si e u e r als Ausgabedeckung für den Haushalt l9Z0 verwendet werden kann. Z. Der Ringisirat wird ersucht, bis zur Vorlage des Haus- Halls 1930 aus Grund völlig ciüwandsreier Unterlagen, unter Be- nuhung der Ersahrungen anderer Städte, genauestens sestzustellen, ob als Teil der Deckung der Ausgaben Erträgnisse einer wahnungsluxussteuer verwendet werden können. In dem verantwortungsbewußten und energischen Bemühen, die Finanzen der Stadt Berlin uvieder auf eine gesunde Basis zu stellen, will die sozialdemokratische Rat- hausfrattion prüfen, ob die Erträgnisse aus der Haus- angestellten- und W o h n u ng s l u x u ssteu e r lohnend genug sind, um die Boschlichung der Steuern zu reckstserttgen. Bisher ging die Meinung der Sachverständigen dahin, daß besonders bei der Wahnungsluxussteuer- die notwendigen technischen Arbeiten für die Erfassung der Steuerpslichtigcir'jo erheblich seien, daß die entstehenden Verwaltungskosten das' finanzielle Ergebnis einer solchen Steuer illusorisch machen würden. In der äugen- blickllchen Zeit finanzieller Not soll der Magistrot noch einmal genauestens feststellen, ob sich durch Schassung dieser neuen Besitz- steuern nicht doch eine, wenn auch nur geringe Ertrogsnwgtichkeit ergeben würde. *" ' Die sozialdemokratische Reichstagsfraktian hat auf Anregung der Berliner Abgeordneten folgenden A n- trag im Reichstag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: Die Reichsregierung zu er- suchen, die Genehmigung für die geplante Fahrpreis- e r h ö h u n g auf der Berliner Stadtbahn einschließlich des vor. arloerkehrs, die eine erneute Belastung für die arbeitende Bc- oölkerung zur Folge hat, zu versagen. Kampfmittel der Rüpel. Der bekannte Schulreformer Professor Paul O« st reich hotte für Montagabend einen Diskussionsabeich zwischen einem N a t i a n a l s o z i a l i st e n und einem jungen Juden angesetzt. Die Rede des Nationalsozialisten Heiner Kurzbein wurde unter lautlosem Schweigen- angehört. Als der jüdische Referent Dr. Lupinski das Wort nahm, um die gröbsten Unrichtigteiten zu widerlegen, begannen die im Saal anwesenden Ralionalsozialisteu mit Schlagereien und Pfeifen das Weiterreden unmöglich zu machen. Prof. Oestreich, der den anerkennenswerten Versuch ge- macht hatte, den Diskussionsabend mtt geistigen' Waffen führen zu lasten, war daher gezwungen, die Versammlung sofort zu schließen Dieser Ausgang war aber vorauszusehen. Man kann üch mit Heimkehr der„Eervanies"-Passagl'ere» Dampfer„Antonio Oelfino" als Ersatz. -Räch einer Meldung des Kapitäns des„Monte S> arn rniento" an die t?amburg-Südamcrikanip>c Dampsschisfohrts- gesellschaft wird dieses Schiff am heutigen Dienstag früh in ll s h u a i a eintressen, um die Passagiere sowie die V e- sahung des„Monte Eervantes". das gerettete Gepäck und die sonst von dem untergegangenen Dampfer geborgeneueu Ein- richlungsgegenstände an Bord zu nehmen. Die Abfahrt ist bereits für heute abend vorgesehen, damit die südamcrikavischen Passagiere des„Monte Eervantes" möglichst bald wieder in Buenos Aires ab- geseht werden können. Von hier aus wird dann die Besatzung mit einem der fahrplanmäßigen Südamerika-Dampfer noch Deutschland zurückkehren. Die nach Europa bestimmten Pasiagierc des„Monte Sarmiento", die auf die Kunde van dem Unglück im Leagle-Kanal in Montevideo wieder ausgeschisst werden mußten, werden jetzt �mil der am margigen Mittwoch ausfahrenden„Eap Arcona Süd. omerita verlosten. Als Ersah für den„Monte Eervantes hat die Hamburg-Süd jetzt ihren Dampfer„Antonio Dclfino in den Dienst der Feuerland- Fahrt eingestellt. Oeuischer Krankenkassen-Zahnärztetag. Dieser Tage findet die erste Tagung des Reichs ver bau» des deutscher K ra n k e n k a s s e n z a h n ä r zt ein Berlin statt. Als Gäste waren u. a. Vertreter des Reichsarbett?, und des Kultus- Ministeriums erschienen, serner als Vertreter der Berliner Kranken- tasten Direktor Karl Bauer von der Ortskrankenkasse Berlin und Stadtrat Müller für den Vetriebstrankenkassenverband. Das erste. Referat hielt der Vorsitzende Dr. Alexander Drucker, der über die Ausgaben dieses im engsten Einvernehmen mit den Kranienkasseu arbeiteichen Verbandes folgendes ausführte:- Die Blütezeit für die Zahnärzte war um die Jahrhundertwende. Damals kam aus 500 000 Einwohner ein Zahnarzt. Im Jahre 1914 war die Zahl der Zahnärzte bei 65 Millionen Einwohnern auf 4000 angewachsen, so daß jeder, der das Studium beendet hatte, eine gute und sichere Zukunit vor sich hotte. Durch den Krieg und die Inflation wurden die Verhättnisse grundlegend geändert, wie sich schon aus der Zunahme der Krankenkaiscnmitglieder ergibt, die 1928 mit Familienangehörigen über 40 M i llwnen� betrögt. Nach dem Krieg setzte durch die Berussumsäxuliing ein Sturm auf dos zahn- ärztliche Studium ein, und die Folge ist eine Ucberfüllung des Be- rufes. Heute hoben wir bei einem lahrlichen � Zugang von 1500 Zahnärzten nur ein Ausscheiden von 300. Diese Uebersüllung umcht sich bei den Kkonkenkassen durch eine Steigerung der Kosten für den einzelnen Patienten bemerkbar. So betrugen im Jahre 1924 nach der Siabiti-iiening die Ausgaben pro Kopf bei den Ersatzkasten 5,36 M.. 1928 schon 12,30 M. Besserung im beiderseitigen Jittereste kann nur eine Planwirtschaft bringen, die gegen den Reichsverband der Zahnärzte vom Deutschen Krankenkasscnzahnärzteverband er- strebt wird. Dieser nodvendigcn Planwirtschaft sucht der Reichs- verband durch einen Terror gegen seine Mitglieder zu begegnen. Er verhängt über die Zahnärzte, die mit den Krankenkassen zusammen- zuarbeiten bestrebt sind, einen Boykott, der mich vor dein Privat- leben nicht halt macht. Sa werden die Logen, die stüdeittischen Per- bindungen, ja sogar die Briefmarkensammlervcrbände gegen die Andersdenkenden mobil gemacht. Genosse Drucker ging dann aus die Ziele seiner Organisation über. Er sucht durch plan- mäßige Ansiedlung van Zahnärzten in Orten, wo solche gebraucht werden, im Einoernehiyen mit den Krankenkassen� einen Kamps zwischen beiden Organyattonen im Jittereste der Versicherten zu ver- meiden. Durch Fühlungnahme mit dem ltultvsmimsterium als Auf- sittstsbchörde für die Ünioersilöten wird vermcht, die studemischs Jugend sozialhygienisch zu schulen und das Verantwortungsgefühk gegenüber den Verficherien, die cilimol ihre Hauptpattenten fem werden, zu wecken. Es müsse den SKstertteii zum' Vewaßtseln ge- bracht werden, daß nur durch die Sozialpolitik der Krankenkasten eine Existenz für die 10 000 Zahnärzte geschaffen sei. Die Forde- runaen gliedern sich dahin: 1. Planwirtschaft nach den Bedürfmsten der"Krankenkassen. 2. engstes.Zusammenarbeiten mtt den Krankenkassen, 3. Erziehung des zahnärztlichen Nachwuchses, 4. beste Be- Handlung der Versicherten.•■■■ Als Vertreter des Hauptverbandes deutscher Krankenkasten sprach Genosse Kiesel, der dos große Interesse des Hauptoerbandes an einer vertaucnsvollen Zusammenarbeit hervorhob. Der nächste Redner war Direktor Holl mann vom Ersatzlasteiwerbmid, der betonte, daß die Ersatzkosten mit dem Deutschen Kr-mikenkassen- .zahnärtteverband die besten Ersahrungen gemocht hätten. Nach ihm sprach Dr. phil. med. Alfred Cohn, der einen Uederblick über die. Entstehung des früheren Reichsverbandes gab. eines Verbandes, der nur durck die Androhung großer Geldstrafen seine Mitglieder noch bei der Fahne halten könne. Er kündigte einen Kampi gegen di? Zahnärztekammern an, die sich immer mehr als Filialen des früheren Reickzsverbandes entpuppen.-Für ihn wie auch den folgenden Redner Herrn Dr. W o h l g e m u t h- Hamburg steht der Dienst an der breiten Masse im Interesse der Volksgesundheit und des Volks, ganzen über allen Interessen eines falschen Standesdünkels, Schuhpolizei gibt Kreikonzeri.- „Wahttätigkestskonzerte" sind Veranstaltungen, bei denen knv Bemittetten dos Vergnügen haben und in der Regel nach Abzug der bedeutenden Unkosten-nur ein llöglich geringer Ertrag zu? Per- wendung für Notleidende bleibt. Konzerie. bei denen die nicht mit Glücksgütorn Gesegneten das Vergnügen haben, werden zuweilen von Gesangvereinen der Musikkapellen in Allersheimen. Pflegehäusarn. Krankeichäusern usw. veranstaltet. Man wird sie nicht„Wohttätigkeits- konzerie" nennen wollen, aber als Wohltat, die. von Herzen kommt. werden sie von den �Pfleglingen dieser Häuser empfunden. So empfanden auch die Sozialrentner und Klcinrentuer, die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebe» neu. die am Sonntag im großen Saal des Wintergartens als Gäste des S chu tz p o l i ze i k o m m a nd o s beisammen saßen, das für sie van der Sinsonickapelle der Schutzpolizei veranstaltete Konzert. Die Schatten der Bedrücktheit und der Ver- bitteruug, die aus so manchem Zlittlitz lagen, wichen für ein paar Stunden dem Schimmer der Freude an edler Kunst. Prächtig spielte die Kapelle der Schupo unter C o m i l l o Hildebrands Lei- tung, aufs neue den guten Ruf rechtfertigend, den sie durch ihre Leistungen langst erworben hat. Sie erntete bei der angeregten Zuhörerschaft stürmischen Beifall. Mit gleichem Tonfall wurden d,e in Einzeloorträgen mitwirkenden Künstler, Magda Lüdtke- Schmidt(Gesang) und Pros. Saal(Harfe), belohnt. Ms Gäste waren Vertreter der Reichsregierung, der Staatsregierung, des Polizeipräsidiums und der Stadt Berlin anwesend, der Reichs- innenminister Seoering, der preußische Innenminister Grze- in ski, die Stadträlin Weyl, der Polizeioizepräsident Weiß, der Polizeiobcrst H c l l r i e g e l und andere. .�uderschaden eines Woermann-Dampfers. Die Woermann-Linie teilt mtt, daß der heimkehrende Dampfer W a da i" in schwerem Wasser im englischen Kanal nordwestlich der Kanalinsel Guernsey das Ruder gebrochen hat. Das Schiff fohrl unter Beistand von zwei ihm entgegengesandten tzee- Menschen, die keinerlei oder doch nur ein oermickertes geistiges> jchleppern. Passagiere und- Mannschaft sind wohlauf. Die Post agiere (Erbgut mitbekommen haben, mit Mitteln des Geistes nicht oer- für Boulogne und Hamburg werden van Southampton aus mit ständigen 1 sofortiger Gelegenheit weiterbesördert, � J Llnser täglich Hrot. Der Deutsch« Verein für Dolkshygiene veranstaltete im großen Hörsaal des hyAenischen Instituts einen seiner interessanten Aus- ipracheafvenbe, an dem Geh. Rat Pros. Dr. Hahn einen Vortrag iiver das Thema.Unser täglich Brot" hielt. Brot, so sthrre der Redner aus, ist wegen seines hohen Kaloricn-- achalts immer noch das wichtigste Nahrungsmittel, doch ist der Mehl- verbrauch in Deutschland von 121 Kilogramm im Jahre 1912 auf 103 Kilogramm im Jahre 1928 zurückgegangen, während der iTLe!! ch v e r b r a u ch im Zeitraum von 100 Iahren etwa auf das Vierfach« gestiegen ist. Das Zurückgehen des Brot- loniums' ist eine sehr ernste Angelegenheit, die uns vor allem auch volkswirtschaftlich beschäftigen muh. Im Brot sind die billigsten Nährstoffe Kohlehydrate, Eiweiß, Mineralsalze und auch im kleinen Duamum das Vitamin B enthalten. Der Redner-ging auf die Unterschiede zwischen Weizenbrot und Roggenbrot näher ein. Im Deutschland haben wir bekanntlich einen"Roggen Überschuh und Weizenmangel, der nur durch stark« Einfuhr ausgeglichen rnird. Statistisch verrechnet, verkonsumieren wir täglich" zirka ibä Gramm Weizenbrot und 210 Gramm Roggenbrot, während aus deutscher Ernre mir 60 Gramm Weizenbrot auf den Kops der Be- völkerung entfallen gegenüber zirka 260 Gramm Roggenbrot. Der Roggenüberschuß hat zur Folge, daß er verfüttert wird und teil- weise unter den Preis der Einsuhrgerste sink. Prof. Hahn unter- iuchtc diese sehr eigenartige Erscheinung der Weizenbevorzugung, che sich, wie er meint, weniger aus gesundheitlichen Gründen er- klären läßt als aus Gründen der Mode. Wenn auch Weizenbrot -chmackhaftsr ist, so ist doch Roggenbrot insbesondere für die Ver- 'guung zuträglicher. Er wies auf die starke Erscheinung von Verstopfung und des häufigen Gebrauchs von Abführmitteln m Eng- and hin, was auf das einseitige Bevorzugen von Gebäck aus hoch uiegemahlenem Weizenmehl zurückzuführen ist. Man Hai sogar Er- Meinungen von Beri-Beri-Äraukheit durch einseitige Weizenbrot- v ähnung bei Soldaten beobachtet. Frankreich und Italien' machen , gies durch ihre reichliche.Gemüse, und Früchteverforoung wieder weit. Der Portragende bedauerte, daß�das vorzügliche Gebäck des„Per- lin« Schusterjungen" und des„salzkuchens" bei den Bäckern ver- ichwunden ist, denn das Kleingebäck mit seiner schar? ev Kruste?ei die bekömmlichste Darreichung. Weizenbrot sielst sich überdies wohl dreimalsoieueralsRoggenbrot und eine Schrippe noch um das Doppelte so teuer als Brot. In der Diskussion ergänzte ein Redner die Ausführungen noch dahin, daß Deutschland 600 Millionen Mark für fremdländischen Weizen ausführt. Ohne in eine einseitige Roggenbrotpropaganda verfallen zu wollen, kann man bei den heutigen Ernährung?- 'chwierigkciien aus gesundheitlichen Gründen diese sehr wichtigen Hinweise nur unterstützen. Die Kaiserfahne in Sevilla. In Sevilla ist ein« deutsche Schule, zum größten Teil von der Republik unterhalten. Dessenungeachtet flaggt die Schule ichwarzrotgold und die Handelsflagge(schwarzweißrot mit der kleinen Gösch). Diese Art der Bcflcrggung ist seit dem Erlaß des Erneuerungs-Luther, als er Berlegenheiiskanzler war, für die diplomatischen Vertretungen Deutschlands in den Soestädtcn vrr geschrieben, von den Schulen sagt aber selbst dieser Erlaß nichts. Immer wieder erklären die höchsten amtlichen Stellen des Reiches, daß unbedingt gespart werden müsse. Trotzdem ist für den deutschen Konsul in Sevilla ein besonderes Dienst automobil angeschafft worden, obwohl die Konsuln der anderen Länder sich mit Taxis und Straßenbahn begnügen. Wie fährt nun !.(i.r Konsul durch die Stadt Sevilla? Selbstverständlich mit zwei großen Flaggen! Schon von weitem fällt das Auto des deutschen .Tousuls auf, wenn er mit einer schwarzrotgoldenen und mit einer rzw ei ß.r.o-t.en Flagge dahinsaust.. s-.- .'iami Diät Krankheit heilen? Die Vogetorieroevoinigung Berlin hotte zu einem Vortrag ein- vel�en. bei dem Genosse Dr. med. Messing- Eharlottenburg über Tiätbehandlung sprach. In der Einleitung wies der Redner aus den merkwürdigen Umstaiü» hin, daß die Chinesen bei ihrer raffiniert entwickelten Geschmacks- und Kücheickultur sehr viel Diät- lnstimmungen haben: ebenso dürfen. die orthodoxen Juden nicht alle -Speisen wahllos durcheinander essen. Ucberleitend zur Diätbehand- lung erklärte Dr. Messing, der Mensch sollte sich«in Beispiel am Tier nehmen, das, wenn es krank ist, nicht frißt. Wenn der Körper keine Nahrung annehmen will, soll man ihn nicht quälen Man nntersche&et drei Formen der Di-unahrung je nach dem Ärankheits- iall: die flüssig«, breiig« und feste Form der Speisen Bei Fieber ioll man dem Kranken..nur leicht gesüßte Limonaden, Slvfelsast, Zilronenlmronade n ä. gebe». Bei der breiigen Form cmps«hlt es sich. Reis, Hirse, oder Gries als leichtosrdaulicha Sachen fo schmack- I-oft zu machen, daß sie gern genommen werden Der Redner . upsiehst u»polierten Reis gedämpft oder Kartoffelpüree mit Apiel- •r.uch auch warmes Apfelmus mit rohen Haferflocken(Hafermark) vermischt zu geben Bei der festen Form ist in erster Linie Obst und Gemüse zu berücksichtigen. Schweinefleisch ist vom Stand- punll der Diätiker infeder F.orm abzulehn e n Der Redner meint, wenn schon Fleisch als Krankenlost verwendet wird— obwohl er auf dem Standpunkt der Zweckmäßigkeit der vegetarischsn Lebensform steht—, so soll man Kalb, Huhn und Täube vorziehen. Rer- v ö s e müssen viel Fisch essen, besonders Seefisch wegen seines starken Gehalts an Jod und Brom. Bei der Kinderernährung besür- wartete der Redner, daß Säuglinge auch ohne Gefahr die Mutter- brüst weiter erhalten können, wenn die Mutter zufällig, erkrankt ist. Die Gefahr des Absetzcns von der Brust- ist weit größer als die der Ansteckung. Bor allem brauchen heranwachsende Kinder Luft, Licht und Sonne, um zu gedeihen. Der Redner behandest« in interessanten Ausführungen die Bedeutung der Diätküche bei den einzelnen Kronkyeitssormen wie Magen- und D o r m- krankheiten, Konstitutionskrankbeiten u. a. Zum Schluß for- dertc er in Anbetracht der aktuellen Bedeutung' der Rahrungsresorm öffentliche Beratungsstellen für Diätküchen, einen stärkeren Ausbau der Diätküchen in den Krankenhäusern. Kurse und Lehrgänge für das Krankenpersonal und angehende Aerzte. Mietrecht und Lalengerlchtsbarkeit. Die Mieterbeisitzer und Mietgerichtsschöffen Groß-Berlins traten im Bürgersaal des Berliner Rathauses zusammen, mn in einer Kundgebung die Forderung nach einem sozialen Mietrecht nachdrücklichst zu unterstreichen. Landgerichtsdirektor Rubens führte in seinem Referat aus, daß sich die Mitarbeit der Laienrichter in den Mietkammern durch- aus bewährt habe. Nur durch die Mitarbeit dieser Funkio- näre der Mieterschaft sei es gelungen, die sozialen Grundsätze der Mieterschutzaesetze zu erhalten. Diese Gesetze müssen nicht nur vom Reichstag verlängert, auch die im Jahre 1926 und 1928 beschlossenen Verschlechterungen müssen wieder ausgemerzt werden. Die Mieterschast verlange die endgültige Schassting eines sozialen M i et re chte s. Auch wenn die Wohnungsnot einmal beseitigt sei, dürfe ein derartiges Gesetz nicht fehlen. Zur Zeft ist eine Kenn- miffion, die aber nur aus Juristen besteht, mit der Aufgabe be- traut, die Borbereitungsarbeiten zu Kisten. Die Mieter müssen verlangen, daß auch sie zu diesen Arbeiten ihre Vertreter eirtsenden können. Der Referent sprach sich dann unter Beifall der Versamm- lung gegen die Erhöhung der Mietzinsen aus, die in der jetzigen wirtschaftlichen Not für weite Kreis« der Bevölkerung eine neue starke Belastung bedeuten würden. Die Mieterschaft müsse gegen die Finanzdiktatur des Herrn Schadzt aufgerufen werden. Die ausgezeichneten Aiissühnmg«� fanden den Beifall der Versammlung. In einer einstimmig angenommenen- E ntschließung wurden die Forderungen der Zllieterschoft noch' einmal zusammengefaßt.____ Republikanische Hausbesitzer. In der ordentlichen Mitglieder- Versammlung der freiheitlich und republikanisch gerichteten Freien Hausbesitzer-Vereinigung Groß-Berlin E. D-, die dem Reichsverband Freier.Hausbesitzer Deutsck-londs angegliedert uvd deren Vorort ist, hielt der Vorsitzende August Neumann nach eigenen Beobachtungen einen Vortrag über die W o h n u n g s v e r h äl t-- nis-fe in Wien. Es erfolgte dann der Geschästsberickst über das Jahr 1929 nebst Bilanzvorlage und Voranschlag für das Jahr 1930. Die Berliner Ortsgruppe ist noch klein, ist aber im Fortschreiten begriffen und hat den Wunsch, all« diejenigen Hausbesitzer zusammenzuschließen, die sich bewußt aus den Boden der Weimarer Verfassung stellen. Die Bilanz für die Berliner Vereinigung ist nicht ungünstig und schließt sogar mit einem kleinen Vermögensbestand ob. Bilanz und Voranschlag wurden nach dem Lorschloge des Vorstandes von der Versammlung ge- nebmigt.- Das Bere'msblqrt des Neichsverbandes der Freien Hausbesitzer Deutschlands ist die„Allgemeine Hausbesitzer Zeitung". Die Geschäftsstelle ist in Eharlottenburg 1, Berliner Straße 137. Ein Geisteskranker verlangi den Reichspräsidenten zn sprechen. Gestern nachmittag erschien der Ztzsäb-ig« Volontär H»lmuth H u l tz s ch aus der Tiergarlenstraße im Büro des Reichspräsidenten und verlangte den Reichspräsidenten zu sprechen. Er behauptete R e i ch s m i n i st e r zu sein und nrnchle verworrene Angaben. Hultzsch wurde zum nächsten Polize'revier gebrocht, wo der Kreisarzt gemeingefährliche Geisteskrankheit bei ihm feststelftc. Der Geistestranke wurde der Irrenanstalt Herzberge zugeführt. Variete im Weste«. Das bisherige Kabarett Himmel u n d H ö l l e am Kurfürstendaimn zeigt das löbliche Bestreben, sich der Zeit allgemeiner Geldklemme anzupassen und hat den sckpne- dischen Komponisten Dr. Rudolf Gell in(Maurice Odidolie) zum Leiter seines neuen, mit volkstümlichen Preisen— Eintritl 1 Mark, ohne Weinzwang— arbeitenden Parictez berufen. Das ist nicht ganz leicht, denn wie die Gesamträumlichkeiten ist auch die Bühne nicht gar so groß: aber was Direktor Gellin. aufs best« unterstützt von dem Confärencier Frank Günther, zustande- gebracht hat. ist durchaus beachtenswert. Günther versteht es vor ollen Dingen, Koniakt mit detn Publikum zu bekommen. Die njust- kalischen Scherenschleifer A r. t u s a, die Negersängerm Arabella F i e l d, der Keulen- und Reifenakt von Gerda und John M o ck ynd eine entzückende Marionettennummer, die in dieses hübsche intime Theater durchaus paßt, sind erstklassig. Der Humorist Walter Bährmonn scheint eine gewisse Neigung zu haben, die Rechte aus Kosten der Linken zum Lachen zu bringen. Indessen: Humorist sein ist heute kein Vergnügen. Drei hübsche Tanznummern: Inn- qard Willi, er, Ina. Harm sei, und das Carla-S yd ow- Ballett runden das erfreuliche Ganz«. Wenn diese Linie tnne- gehalten wird, wird das Publikum der Direktion Gellin Dank wissen. Vortrage, Vereine und Versammlungen. /fr ii Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". GikSättsgil!»: Berlin 6 14. Cebaftianstr 37—3!?,. So? 2. St, itenitieta, tzua 8: Dienstag, 28. Januar, 18Zz Uhr, Brsichtiäun« d-s Ärcinatoriums Gcrichtstraßs. Treffen dortselbst.— Sichteade rg' Dienstag. 28. Januar, 20 Ubr, große gunktionärsitzung bei-staber- Avag. Vre. Oderftrakc. Kein{Zu.ntl'.onär darf fehlen. Ausgabe der DelegiertenkaiTcn füa die Seneralverianunlung.— Treptow i Kameradschaft): tzungbanncr Mittwo.m, 2». Januar. 1814 Ufir, keim Bildenbruchfrraße. Aufstellung bes. g?bruar» Programms. Erfchcinen Psticht.__ Derbaad Prcnstiickcr Poli»cibcamten. r. P.. tt.an Sroß-Berlia. Zreitog, 31. Januar, in sämtlichen Löten de- Etablisfeinrnis Laalbau lZriedrichshain. Am griedrichshain 16—23 fllr N'tgliedcr, greundc und tSönner.bcr Bolutei- beamten �ixi'ercr Äitnstlrrabcnd" mit anschließendem großen Balle D-e sächstschc Kom'lertnpe„Lchvrsch Ruselli" wirit mit und das uöinfonieorcbester der L6nchroli,ai Berlin spielt. Berliner Verein für Einbeitslnritschrist,«. B. Hebungen jeden Donnerstag von l»Vi bis 21 td Ubr Kochstr 13. Lichtende racr Verei» für EinheitsknrzfKrift. Hebungen jeden Donnersinq von IS'/) bis 21Zl Hhr Anobenmittolfchulc. kicktenberg. Warttstr. 12.. Allgemeine Wetterlage. 27üan.>l930.abds. � Am Montag herrschte im größten Tell Delltsckstands— aligesehen vom Westen— trübes und vielfach nebliges, aber trocken.is Wetter mit schwachen nordöstlichen Winden. Die Tcmparamren stiegen im nebligen Gebiet meist nur wenige Grade übet Rull: dagegen wurde aus den Bergen Südostdeutschlands als Hochsttempe- ratur stellenweise bis 7 Grad über Null beobachtet. Umer Wetter wird jetzt durch das Frankreich und das Mittelmeer bedeckend« Tiefdruckgebiet bestimmt. Do der Druck besonders über- dem. Mttsluieer weiter fällt, so dürsten in den nächsten Tagen die östlichen Wiiida in unserem Bezirk anhatten. Bei der bestehenden Druckverteilung ist es außerdem wahrscheinlich, daß mildere Luftmassen- äus- den Mittelmeerländern nordwärts vorstoßen, wodurch es bei uns zu Niederschlägen kommen würde. �. Wcllerausjichkcv für Berlin und weitere Umgegend. Waltig, zeitweise neblig, Temperaturen im ganzen nur wenig höher, Neigung zu leichten ev'chncefällen,. östliche Winde. Allgemeine Wctkcraussichten sür Deutschland. Wolkiges, iur Norden vielfach nebliges Weiter mit vereinzetten Schneefällen und wenig geänderten Temperaturen. j-r■Raucber � Jor NVetitt unseVetensiesicbVJn überzeUScn', UOua\i�ten�l—-««IRC SOZIAL 4-S PERFEKT 5� SELECTOL S* icü&AÄETTEN ' MAKEDON CIO ARETTENF ABRIK G. M. B. H, MAINZ A.RH. GcncrÄlvertrctun# CARL SÜDEL« Berlin W 55, Potsdamer Straße 118, Telephons BE KurfÖrst 8354 Owseadinlgea für biete Äu'orlt sind Berlin SS SZ. Lindenstraße Z. parieinachnchten�M� fürGroß-Verlin stet, an da»«ejirfefclictfiriol ». Hos, Trennen recht», zu richten 1».. lt. und lZ.«trete Zeilend-rs, SchZuede�. SteaMt. S��reid-u!«»e, ZZ. ila�lffrudve! Leute. Dieustait. 28.?amtar. uu> 1»� Mir. bei Echell. Kate. Stkftltj,. Zlkornftr. IS», wichttae Bertatumlung. Susstellun« der San- d baten zur chruvnenleituna und den Kezinkelansereaze». Partei- und isreidrnirrinitaliedsbllch am Saaleingan« norzeiarn. tb. kreie Sürenül. Leute, Dietmar, 28. Januar. IOH Ubr, in ftöoenul, SÄIafiSr. 27. Kuitliiauärsistuna aller irrechentergennlsen. Um nündtliche» und bettimiutes Erscheinen wird aeketen. tnazstaal de» SsanZendaffendaute«. Serilkner Str. II?, gnelaw de» Sa- ii» Entwurf de» Straf. 20. tlrei» Neinickeriwis. Areitaa, A. Januar, um 2» llhr, i« M SLuiun-kau». Reinirieild-rf.S?. Restdenzstr. f. Srriemitaliekern-rs-m». iz liln«. Sortraa-'.Sie entstand die«inanznat Berlin»?" Zlescrent-M Stadtnerardreteanarüeker Zabanue» fiofe- nniien Dr. MenerxBrodnik:.Die aescdea". 2./Z.«bt. Der sVrauenabend am Doaneretaa. 20. Januar, sendet im Saal 2 de, Eewerdschaitsdauses. Enaeluser. statt. Eenosse Sirdard Sramcr snricht über„Der Tauug.PIan"., Ekarloltcr Kur«. 54. Abt. Die Genossinnen werden«ebeten. zum beutiaen ttreiefrauenabend recht zaklreich zu erscheinen. Nähere» siehe Sreienatiz. — 88. Abt. Der ttrauenabenf» im Januar sillit au». Dafür beteeliaea sich alle Genossinnen an» Äreiafrouenadend. Rädere» siehe obige Zlati» de» Kreise». 75. Abi. Wanusee. Leute. Dienstag. 28. Januar. lS'� llhr. im„Reichsadler", Känigsirasie:„Sazlalisiische Erziekunli". Lese reut Genosse Seinberger. Iungsozlalisien. Gruooe Zeinpelhos.Marien.does: Leute, Dienstag. 20 llhr, im Zuaenhheim iNiieuttt Tempelhas, Germanlastr. 4— 6, Eingau» Gähsirasie. Bortrag:.Sowjet» rufcsand". S'efetenl Dr. Gregor Bienstack. Gruppe WUmersdors: Leute. Dienstag. 28. Januar. pünktNch 20 llhr, in der Sindenburg-Schuse. Stodtparl. l. Abend der Arbeitogemeinfchast„Das aommunittisch« Manifest". Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrl. Mitgliederversammlungen und Zahlabende morgen, ZNiltwoch. 29. Januar. 3. Abt. 10V; Uhr im Rosenthaler Los. Rosenthaler Str. 11—12. Bericht vom AussVr4 Uhr Generalversommlnng bei Schulz. Samariterstr. 28. G» schhftsber'cht. Neumahl der Abt-ilunasleitung. Bericht vom Bezirlspartei- tag.— ARtung! Die filr heute. Dienstag. 28. Januar, angesetzte Ab» tcilungsvorsiandsützung mutz umständehalber ausfallen. 41* Abt. 20 Uhr im Friesenschlijtzchen. Friesensir. 14, Mitgllederv-rsammlung. Geschäfts- und Sassenbericht. Neuwahlen. 4«. Abt. Bezirlc«>, 21. 22: 12th Uhr im Rcichenberger Löf. Reichenbrrgsr Strotz: 147. Zahlghend. Z'ortrgg:„Der Baragraph AS". Referentin Dr. Käthe Frankentbai. Neuwahl der Bezirksflihrer.— 80.. 81., 82. Be. ziel: Lokal Srotzer, Adalbertftr. S, Vortrag:..Kammuual« Aufgaben im Bezirk Kreuz'-ero". Referent Robert Gerber. Neuwahl der Bez-rkskiihrer. sibarlotteuburq. 55. Aid 2. Gruppe: 20 Uhr Zahlabenb bei Schutz. Sallftr.»2. Geschäfteohricht. Neuwahlen. Barteiangelegenheiten.— 5». Abt. 20 Uhr Zahlabend der 1. und 8. Gruppe bei Liersch. Kautsir. 52. 2. Gruppe: Fuskowiaik. Loltzer.dorfsstr. 20. Sichtig« Tagesordnung. Neuwahl der Gri.-Pvenle'tungei» Schön ederg. 77. Abt. 20 Uhr bei Will, Martin-Lu�her-Str. SS, Generaloer- sammluna. Geschäfts- und Kassenbericht..Neuwahl de» Bnrslande».— 80. Abt. 20 llhr im Selmholtz-Suniuasivm, Rubeuiftratze, Bortragsabend: „Mensch, und Maschine in der deutscheu Dicht»uq". Lortragender: Genosse Mai. Roddeck, llmrabmt von gesanglichen Vorträgen de, Männergesang- ncrein»„Freundschaft". Schoneberg. Gäste si»d Kerzlich K ein»«leben. 81. Abt. Friedenau. 20 Uhr im Sesesstchaftszimmer de» Ratskeller» in Friedenau. Lantero'atz. Fahre»hauptv ersammlung. Bericht. Reuwahlen. 82. Abt. Li-'-terfelde.'20 Uhr bei Schm'dt. Sird-ndurgd-mm. Ecke Roonstratze. Generalrersammlung. Bericht de» Borslandes. Neuwahlen. Bericht vom Bezirkstag. Barteiangelegendei'en. Verschiedenes. 82. Abt. Ma'ierdorf.'20 Uhr?ahresversammlun« w der Schulaula König, stratze. Fahre-berichr. Z>euwablen. 88. Abt. Lichtenrade. 12Vi Ubr in der Schule Roonstraße Mitglitbeiversainm- lung. Bortrag de» Genossen Dr. Trilmper aber«B«lk»biltungsmöglich. leiten und-bildungsitätten". Lichtenberg. 114. Abt. Ig'.z Uhr siahsalenbe. 1. und 3. Gruppe: Schwarzer, Gabrses.Mar.Str. 17. 2. Gruppe: Lötzes. Wllhlischsir. 30.— 115. Abt. IS'.r Uhr l'ei Seuseler. frilher Alhrrcht. Borhaaener Str. 62. Witglieber. ve.rsauunlnng. Neuwahlen.— 119. Abt. 19ti Uhr Gruppe njpihlabend bei L?vp. Räderitratze. 12». Abt. Friedrich», elde.'20 Uhr in Wiche» Gos'llschaktbhau». Wilhelm»!. 38, Lichibisderrortrag:„Aus dem Leben der weltlichen Schule". Gäste sind herzlichst eingeladen. 124. Abt. M-Hledors. 20 Uhr im Lokal Ander». Bahnhofsir. 27. Iahresgeneral- Versammlung. Bericht vom Bezirkstag. Neuwahlen. 128., 180. Abt. Aankow. lOW Uhr in Lindner» Konzerthau», Breit« Stratze. Generalner'amtnlung. Vortrag:„Die valit'sche Sage". Referent Karl Litke, M. d. R GeschSstsbericht und Neuwahlen. Erscheinen jede» Mit- glicdeo ist Pflicht. ♦ 107. Abt. Lderschörewc'de. Achtung! Sie für Donnerstag, 20.?anuar. au. geletzte Eenaralversamwluug mutz umständehalber erst am Zouuerotag. 5. Föbrnar. fattflrbeu.-, 127. Abt- L-Kensn enfansen. Bejrrl Keltze Taube. Siedl» ra der kinderreich«». Danrcrstaa, 30. Zadrau, Mitnlecderner'ammlnr» u» tbtzt Uhr bei«utzli, e Singelstedter Str. 25. Neuwahl der Abteilung« lritung. W W E ■L 7. Kreil Eharlottenburg. Die Sitzung am 28, Januar sowie da» Referat der Genossin Minna Todenhagen über„Soziale Gerichtshilfe" fällt wegen des Kreissrauenabends aus, Sie findet dafür am Montag, 10. Februar. 20 Uhr. Zimmer 5. im Rathau» statt. Tagesordnung: 1. Bortrag der Genossin Minna Todenhagen über„Soziale Gerichtshilfe" lFortsetzung). 2. Bussprache. 2. Neuwahl. Alle in der Wohlfahrt», pflege tätigen Genossen und Genossinnen werden gebeten, zu erscheine». Arbeitsgemeinschaft der kiuderfrevnde. keci» Sreuzbcrg. Temvelhos. Kannsee, Zedier dors und 3-ffe». Wir treffen uns Tonnerstag, 30. Zanuar. 2(R4 Uhr. zum Kursus im Jugendheim Porck- stratze 11. Um pünktliche, und zahlreiche« Erscheinen wird gebeten,— Alle Gruppen de» kreise» Kvenzderg weiden ersucht, umgehend ihre rote» und weitzen Ausweise an Annemarie Simowski. SW. 61, Wartenburgsir, 18, einzusenden. J rauenveranskalkungen. 5*«Ixet» s?riedrlch»ha-»,..„ Se'dlitz, 8"OBtintoneu Str. 7, Beginn de» kursu» Z'eserentin Grnossin Dr. Dora Fabian. 7. krei, Eharlottenburg. Donnerstag, 20. Januar, pünktlich Id�i Uhr. bei 7, Beginn de« Kursu»„Stralrechtsrefvrm". i Fabian.■ Leute. Dienstag. 28. Zanuar. l&i Uhr, im Bor- Das beste am Sonntagsprozramm ist ine Veranstaltung auf «challplati�n„Berühmte Sänger und Sängerinnen". Man hört die schönsten Stimmen, wie die der Jcritza, der Toti dal Monti oder di« Oehmanns, Schlußnuß' und des verstorbenen Battistini. Das Konzert ist ein Schlagerprogramm, denn die de» kanntesten Opern werden gesungen. Aber man darf darüder nicht den Kops schütteln, es ist eine ausgezeichnete Unterhaltung für den Soimiagnachmüiag, eine Revue über die Stimmen, die den Beweis bringen, daß sich die moderne Gesanzstunst keineswegs im Zustand des Verfalls befindet. Das Abendprogramm ist zweigeteilt. Zuerst Blasorchester, dann Igor T»trawinsky mit eigenen Kompositionen. Für jeden Geschmack etwas. Immerhin wäre für den Sonntagabend ein lichteres Programm empfehlenswerter. Was Alfred Kerr in seinen Tagcsglossen anläßlich des Skandals Mit der Beamtenbank über Korruption erzählt, ist wohl für Berlin zu schwarz gesehen und um«ine Nuance zu anmaßend vorgetragen. Wenn man auch als segnender Geist über den Parteien schwebt, darf man nicht nur die Schatten sehen. Am Montag nachmittag singt Dr. Paul Lorenzi. der Holden- bariton vom Danziger Stadttheater, Lieder von Beethoven. Tschai- kowsky und Rachmaninoff. Ein Sänger mag auf der Bühne gut bestehen und doch im Lied versagen, so verhält es sich mit Lorenzi. Die Stimme ist für Lieder zu schwer und zu unbiegsam. Ein starker Ausdruckswill« siegt nicht über ein sprödes Material, und Beethovens.Adelaide" sollte nur von einem Sänger inteipretiert werden, der wirtlich ein Meister der Technik ist. Sehr schön und gesättigt klingt dagegen eine Ballade von Elisabeth Küpper, die Karl Dechen aus dem Cello m't weichem Strich und Ausdruck spielt. Abends wird Auber»„Fra Diav'ola" zur 1L0iährig,n Weder- kehr des Uraufführunßriages au» der Lindenoper übenragen. Auch heute entzückt"diese Fülle' von Melodi en der kein« Zelt«dien Scha- den zufügen tarnf— Noch ein Vortrag bleibt zu erwähnenr Doktor Alfrei Beger spricht über„Die Triebkräfte des Lebens". indem er sehr kluge Bemerkungen über Ehe und Zusammenlaben macht, biologisch« Untergründe aufdeckt und Richtlinien gibt. F. Sch. feä» Hepki, ff W» 19 Uhr. gouckiftuiiAe fat da Basicke«-»» l»fetfea6e. Abrechnung ha Tbaaterteteit. Donnerstaa. pünktlich l»Vi Uta. wichtige ffinropcnIcUeifitzuna ebenba...... kreis Cbnrlnttenbnrg. Mittwoch, 20. Januar. 20 Uhr. Elternabend-in Lew: Rosinenstratze. Der großen Ferien wegen ist da» Erscheinen aller Eltern un» bedingt notwendig, da spätere Meldungen nicht mehr berücklichtizt werdet- lünntn. krei» Retuickerdoej. Freitag. 81. Zanuar.«reishelfeasitzn»«. Stellungnahme zur Geueralversanuntung. Erscheineu aller Gruppen nudedtoat ep- forderlich. 20 Uhr bei Findeiseu. Lerbsisir. 20. Krei» Weddiug. Am Freitag. 31. Januar, ISltz Uhr, findet im M- Konferenzzimmer da Schule Wieseu. Ecke Dankstratze unsere diesiährige Generale drlantmlnng statt. Tagesordnung: L Jahres- und Kassen- bericht. 2. Neuwahl der Kreisleitung. 2.«reisangelegeuheit-n. In. folge der beschränkten Zeit isi pünktliche» Erscheine» notw-ndig. S Geburlstage, Jubiläen usw. 43. Abt. ll»seve» langjährige» Genosse» Ott» Latze! zu seinem«0. Oc- «UMtast �Uu�Gaoffe«ilhel» Görlitz begeht beut» seine» 50. Geburt«tag. Seit Jahre» in da Bewegung rege tätig, kommt er feine» BNiätr» iwmer»och»ach.»ir wünsche» Ihm eine» acht frohe» 8t&6ii66Btr b» 107. Ait. Fallen berg-All-EIie» icke. Unserem Genosse» Bans» L n t h e r »od sein« Ehefra» die herzlichste» Glückwünsche zur Silberhochzeit. j Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation J *7.«dt. Neulöl». Am 24. Sanuar verstarb unsere Genossin vttili« Lorenz. Ehre ihrem Andtnkcnl Einäscherung beute, Dienstag. 28. Zanuar, um ISVi Uhr, im Krematorium Saumschulenweg. Wir bitten um rege B:- 107. Abt. Falleober«. Am 24. Zanuar verftarb Genosse Johann Kurz- Kein im Alter von 58 ZaHre», Ehr« seinem Andenken. Die Genossen be, teiligen sich an da Einäscherung am Dienstag. 28. Zanuar. m» 17 Uhr im Krematorium Baumschulenweg. ■assssaBsssssssssss; SozlallstischeArbetterjllgendGr..Verljn für diese fftnbtst nur an>«4 Zugendftfrtferiel ü. ttadenfstaSe 3 Mädellursu»: 3. Abend Donners'ag. 30. Januar. ISli Uhr, 1» her Schule «ockstr. 12..Einig!» au» der Geschichte der bürgerlichen Frauenbewegung." Referentin Genossin Adele Echüibcr.Krieger. M. d. R Jede Gruppe mutz mit einem Mädel vertrete» sei». Interessierte Burscheu find eingeladen. Heute. Dienstag, 19'-» Uhr. Gemaischaftshan»: Schule Käpeuicker Str. 125:.Lassalle".— Söllnische'' Parkt Leim Waiseuftr. 18:«ntikriegsadend.— Zentrum: Seim Landsberger Stratze 50:„Relativitä'stheorie von Einstein".— Bru»ne»»latz: Leim Bank- Ecke Wiesenstvatze:.ll eicksbanner oder Sozialistische Arbeiterwehr?— Gesund- bannen I: Schule Eotruburger Str. 2:„Internationale ArbeiterbeweguiüN.— Wedd'ng.Zlord: Leim See. Eck- Turiner Stratze:_3st Religion Brioatsache?"— Wetdirg, R. F.: Schule Lütticha Str. 4:„Das neue Rußland".— Ar»»° walder Blast ll: Schule Basieurstr, 48:„Die Ursachen der Revolutio»".— Lelmhaltzplatz: Leim Danziger Str. 82: 10-Minuten-Referate.— Nordost I, A und Selmboltzplatz: Jugendheim Danziger Str.«2. Ziesevat:»Reichsbanner und Arbeiterjugend". Nefereut Kemnitz, Korreferent Seigewosser. Interessierte Parteigenossen sind eingeladen.— Weitzeusee: Leim Parkstr, 20:„Seruelle Fragen".— Wörth« Platz: Schule Kastanienallee 82:„Worum Nacktkultur?"— Knierheide: Leim Wassertorsir. 2:„Wie kam es zur Berliner Tariferhöhung?" — köpenicker Biertel: Schule Wrangelsir. 128:„Berliner Lumor".— Südwest: Leim Linder str. 4:„Das internationale Arbeitsamt".— Schineberg I und II: Leim Lauptstr. 15:„Teruelle Fragen", 2. Teil.— Schöneberg lU: Keim Laupl- stratze 15: Tagespolitik".— Sck öueberg lV: Keim Lauptstr. 15:„Tagespolitil". — Schöneberg V: Leim Sauplsir. 15:„Feste und Feiern".— Westend: Seim Sportplatz Bestend:„Rom Dawes- zum Boung-Blan".— Dahlem,«. ff.: Leim Zehlendors. Bahnbolftr, 2:„Erlebnisse eines Arbeiteroates".— Marie». dost: Alte Schule, Dorfssr. 7: Satirischer Abend.— Britz I und U: Leim Ehausseestr. 48: Zweckmäßige Ernährung".— Neukölln II: Leim Bergftr. 22: .Da» ist gute und was Ichlechte Jugendliteratur?"— Neukölln IV: Leiur Schierke str. 44; Jlaoesro'itil".— Reukölln V: Lei» Böhmisch-: Str. 1—4: �lagcspolitiff.-- Nenköll» VN: Karl-Marr-Lchule:„EAZ. und bürgerliche Sitten".— SenkSll» I(*, F.): Seim Berg str. 29: Einser» politischen Gegner". — Köpenick, Eenppe I: Seim Grünauer Str. 5: Humoristischer Lichthilbev- abend.— Niedrrsckiweweid«: Schule Betlinet Str. 31: FunfBdnarrersamw» lung.— fetc-edotf: Leim Ronnstratze:„Dawr und wandern".— Buchholz: Schule Berliner Str. 12:„Geschichte der Arbeiterbewegung". Derbebezirk Beenzlau« Bar«: Mittwoch. 2«. Zanuar. 20 Uhr, Danberleitei- ionferrng Im Le m Sonnendurger Str. 20. Bon jeder Abteilung müssen deib«' Wanderleiter erscheinen. Interessiert« können teilnehme». Genosse B. We»< mann spricht. ........................■.- 1 1'■ Von den quälenden Erkältungsschmerzen wie QUeaerr, rrlben. Isdllas, Hcxerodiuft. Obernaupt Schmerzan rheumatische' oöer gichtiger Natur befreien Sie sich schnell, wenn Sie die leidenden Stellen mit Rddiels E.ectrlcum einreiben. Fla sch« Mit. 1-25, 3.— und 3.30. in Apotheken und Drogerien erhältlich. sonst durch Otto Reichel. Berlin<3 SO. Eisenhahn-Slraie 4. N»oh langem, schwerem Leiden verschied am?6. Jannar Unser hochverehrter Ohef, der Mitinhaber unserer Firma, Herr Max Bergfcld Er war uns stets«in Vorbild an Pfliohtr treue und Arbeitseifer. Von seinem alliu- frnhen Hiasohexden sind wir aufs tiefste erschüttert. Das Personal d. Firma Roberl Bergfeld MctallschJeifcrel u. Galvanische Anstalt Gstschiner Straße 79. DsDüdier Melaliarüelter VerbaDd Verwallun'-ssce I« Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern«ut Stackrichh daß unier Kollege, der Mechaniker Karl Zerrahn ged 13. Mai 1883, am 23 Zanuar ge- st.rden ist. Die EinSicherung findet am Dien»- tag. dem 28. Januar. 17 UKr. im Kre- matolium Beriin-Wtimersdorj stmt. Am 22 Zanuar starb unser Kollege, her Schmie» .Joset L6ei" geb, 7. Aebruar>87«. ?ie Beerdigung findet am Dien». tag. dem 28 Zanuar. 15>. Uhr. von her Leichenhalle de» Hohenschön- hausener Sirchhoie» au» ftair. Ehr» ihrem Andeuten! Rege Beteiligung»wartet Die Ortsrcrwalluag. Am 2t. Zanuar entschlief nach kurzem Krankenlager uns» Freund und Genosse Alois 8tlskkoolioker ein neuer und»eher Mitkämpfer im Dienste de» Sozialismus Ehre feinem Andenke»! Die Einäscherung findet am Mitt- woch. nachm. 5 Uhr, im Krematorium Wilmersdorj statt SS. AM. Cbarlollepburg, 8. Gruppe. Bimnenspendeo jeder Art Itttett pteiimett Paul Golleta oorm. Karen Meyer Maiianneiutraga S Ecke Naiuuinstratze 2Imt Morchpl 10S03 ibalEgMI- Vf 1 r fwtifiCD eldj*ati AnzOgeuDd Mantel 00 Kilometer mit eigenen Auto» srei x-ieltiabniean i-taschei. Chaussee- ��LL.-Wx.«mMickft 788. tünite allerort»" Flurgarderoben Tische. 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Das Glück dieser Weisen besteht darin, daß die anderen den Inhalt besten, was gesagt, ob wegen des Regens geschimpft oder gejubelt wurde, gründlich vergessen. Herr Skolper, der immer recht behält, scheint einen unerschütterlichen Glauben an dieses fein Glück zu haben. Deshalb wahrscheinlich hält er sich für den berusenen Führer des deutschen Volkes. Er hat alles richtig gesehen, alles richtig vorausgesagt und ist imstande, alle Leute glücklich zu machen, weil „Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist.* Run hat aber Herr Skolper insofern Pech, als er sein« Weis- heiten schristlich niederzulegen pflegt. Es läßt sich also ohne Müh« feststellen, ob er seinerzeit auf den Regen geschimpft oder ihn mit Begeisterung begrüßt hat. Wir haben es bis jetzt für überflüssig gel)alten, uns mit den Wandlungen von Herrn Stolper zu befassen. Jetzt predigt er seine Unfehlbarkeit so laut und wirft den anderen die Verbreitung von Märchen und Sagen so kühn vor, daß wir ihn einmal zur Selbstbesinnung mahnen möchten. In einer Gloste im letzten Heft(vom 24. Januar) des„Deutschen Volkswirts* polemisiert Herr Stolper gegen den„Vorwärts*. In dieser Gloff« liest man u. a.:„Daß dieser Etat ein Loch gehabt hat, das. scheint uns, hat nicht der Weihnachtsmann...(lies Stolper. D. Red.) zu verantworten, sondern die Politik eines sozial- demokratischen Reichsfinanzministers, der seinen eigenen Etat— unter der scharfen Kritik nicht des„Vorwärts* sondern des„Deut- sehen Volkswirt*— widerstandslos umgestalten ließ* Vor drei Wochen(im„D. V.* vom 3. Januar) schrieb Herr Stolper über das Etatkompromiß im Frühjahr 1W9: „Der Reichstag mußte die Probe aufs Exempel bestehen. Wir sind überzeugt, daß er bei anderer Führung die Probe bestanden hätte. Ohne Führung tonnte er sie nicht bestehen, weder dieser noch ein anderer Reichstag, kein Parlament in irgendeinem Land oder zu irgendeiner Zeit hätte es vermocht. Was bei der Streichunas- oktion des Reichstags herauskam, war nicht glorreich. Aver das kompromittierte nicht den Reichstag, der eine Geste guten Willens getan hatte, sondern«inen Finanzminister, der es sich gs- fallen ließ, daß man ihn von den Beratungen der Parteien in aller Form ausschloß.* Dies geschah, wie wir jetzt erfahren, unter der scharfen Kritik des.�Deutschen Volkswirt*. Das ist an sich keine falsche Behauptung (etwas wurde über den Rege,, gejagt). Herr Stolper vergißt nur zu sagen, daß er nichf auf der Seite des Reichsfinanzministers� war, sondern auf der Seite der'Fraktionen, die den Etat inngestaltet haben, und daß er sogar die Handlungsweise der Fraktionen, deren Ergebnis er jetzt als„nicht glorreich* bezeichnet, damals als die Rettung des Parlamentarismus direkt glorifizierte. Er schrieb nöm- lich im Artikel„Finanzpolitik*(vom 12. April 1329): .choch erfreulich und tief beschämend zugleich ist der Abschluß des Kampfes um den Reichsetat 1929. Hoch erfreulich, weil dieser Kampf mit einem Sieg der Forderung geendet hat, den Etat durch Abstriche ohne nennenswerte Steuern ins Gleichgewicht zu bringen, und so dem deutschen Volk« neue schwere Lasten erspart werden. Hoch erfreulich aber auch, weil zum erstenmal seit Jahren der deutsche Reichstag sich auf de: Höhe seiner Aufgabe gezeigt hat und mehr als das: die Parteien von sich aus ein Pflichtgefühl be° währt haben, dos über ihre Aufgabe hinausging. Wer künftig noch in das Geschwätz vom Versagen des Parlamentarismus einstimmt, dem wird man, sofern er sachlicher Diskussion überhaupt fähig ist, dieses Beispiel spontaner Pflichterfüllung eines führerlosen Parla- mentes vor Augen zu halten haben... Es ist gar kein Ameifel möglich, wem dos Verdienst an diesem Ausgang des Kampfes ge- bührt: All denen, die von Anfang an den Vorschlägen des jinanz- ministcrs ein unversöhnliches Rein enkgegenschken, die von vorn- herein hinler die Forderungen des Verzichts an, neue Steuern einen starken politischen Willen setzten und mit dem Druck der Agitation den Hiuwels aus den Weg verbanden, der zu dem geforderten Ziel führen könnte.* Herr Skolper ist auch gerecht... Man darf nicht annehmen, daß Herrn Srolper vor allem daran siegt, unter allen Ilmständen den sozialdemokratischen Relchsfirninz- minister als den Schuldigen darzustellen. So konsequent ist Herr Stolper nicht. Wir können auch ein Beispiel dafür geben, wie er für Hilferding auftrat. Er schrieb nämlich(„D. V.* vom 10. Mai) über die steuerfreie Anleihe:„Wer den Anlekheplan ver. wirft, den das Reichskabinett am Sonntag zur Ueberraschung der dsuischen Oeffentl'.chke-.t mitgeteilt hat, tst verpflichtet, etwas anderes und Bcsteres vorzuschlagen.* Er sah. wie auch sehr viele andere. daß die Anleihe„nicht zu den erhebenden Akten in der Geschichte der deutschen Finanzpolitik zählen wird*, bemerkte aber— ganz richtig— dazu:„Darüber ist sich Hilfcrding sicher ebenso sehr im reinen wie seine Kritiker.* Und weiter:„Der Spott, den die Prin- gipienfesten daran üben mögen, ist zu billig, als daß die gewissen« hafte Oeff«ntlichkeit ihm Raum geben dürft«. Daß Hilserding aus einer gegebenen Situation mutig den Ausweg sucht, der sich ollein ihm zu erschließen scheint, gereicht ihm zum Lob, nicht zum Vor- wurf.* Vierzehn Tage später(am 24. Mai) hieß es in einer redak- tionellen Glosse des„D.D.*:„Zu einem ungünstigen Zeitpunkt beginnen die Zeichnungen auf die neue Reicheanleihe... Trotzdem kann gn einem Erfolg der Emission nicht gezweifelt werden.* Am 3. Januar 1939 lefr" wir aber bei demselben Herrn Stolper:„Das verzweifelte Experiment der steuerfreien Anleihe, der furchtbare Canoisa-Gang eines sozialdemokrali'ck)«,, Finanz- Ministers. dem diese Demütigung nicht mehr half. Der Mißerfolg der Reichsanleihe setzte nur die Kette von Mißersolgen sort usw.* Darf man sich von Herrn Stolper das gleiche sagen, wa» er selbst von seinem Finanzplan, der'„in hundert Dislufstonen.. geprüft worden ist* sagt? Dutzend« Male hat Herr Slolper über die Finanzpolitik geschrieben, und„er hat unter allen Voraussetzungen, die ihm gestellt wurden, immer wieder seine Elastizität bewährt*. Rur glauben wir nicht, daß solche Art der Elastizität eine besonders wertvolle Führerqualitär ist. Elastizität! Herr Stolper versucht jetzt, in wenigen Zeilen die Elastizität seine» Finauzplan» aufzuzeigen:-Man wird au» Setränkesteuern 'ich selbst! Herrn Giolper. und Tabokmonopol etwa um 390 bis 490 Millionen herausholen müflen* usw. Was machen für ihn ein paar hundert Millionen aus! Er hat schon einmal festgestellt, daß Finanzpolitik keine Angelegen- heit der Arithmetik ist Einverstanden. Trotzdem läßt sich ohne Arithmetik und gegen Arithmetik kein« andere als eine wahnjimüge Finanzpolitik machen. Die Finanzreform. wie sie Herr Stolper predigt, wäre nach allen Regeln der Arithmetik und nach der vorhandenen Sachlage nur auf Kosten einer ungeheuren Mehrbelastung des Masienver- brauch? möglich. Deshalb waren wir von vornherein zwar nicht gegen jede Finanzreform überhaupt, sondern gegen jede Finanz- reform nach der Stolperschen Art. Wenn Herr Stolper selbst meini, daß diej« Art„Geschenke zu verteilen* auf die Masjen eine„verlockende Wirkung* habe, so ist das eine traurige Selbsttäuschung. Aoch einmal die Weihnachtsmänner. Das Eingreifen von Schacht, fein Sieg über den sozialdemo- kratifchen Reichsfinanzminister hat die Lage geschaffen, in der die Gefahr vorhanden ist, daß eine Mehrbelastung der Massen ohne jeden entsprechenden finanzpolitischen und wirtschaftlichen Nutzeffekt unvermeidlich wird. Im gleichen letzten Heft seiner Zeitschrist findet Herr Stolper im Aufsatz„Abschluß* ganz richtige Wort« für die Lage, die für die Kommunen infolge der Absperrung der aus- ländischen Anleihen entsteht. Ein bißchen zu spät. In seiner Schacht- Treue blieb ihm bis jetzt diese Erkenntnis versagt. W i t waren es, Wachsende Stahlgewinne. Umsah- und Oivldendensteiaerung des Mitteldeutschen Gtah lrusts. Eine der wertvollste» Domänen des Rheinisch-West- fälischcn Stahltrvsts stellt die mitteldeutsche Ttnhlwerke Sl.-G. dar. Das Unternehmen, dessen Hauptwerke die Stahl» und Walzwerksbetriebe, sowie Braunkohleugruben in Riesa a. d. Elbe und Lauch» a m m e r und das Grobblechwalzwerk in Branden- urg darstellen, legt jetzt für das Geschäftsjahr 1928/29 einen Glanzabschluß vor. der beweist, daß die kräftige Stahlkonjunktnr des vergangene« Jahres sich nicht allein auf Rheinland-Westsalen beschrankt hat. Der Gesamtumsatz des Unternehmens stieg von 92,3 aus 107,? Will., also um rund 16 Proz. Das Verhältnis zwischen Umsatz und Kapital— der Mitteldeutsche Stohltrust arbeitet mit L0 Mill. Kapital— ist hier also noch erheblich günstiger als' beim Ruhrstahl- truft. Die Rohstahlerzeugung konnte von 477 S00 auf rund SR 170 Tonnen gesteigert werden und auch{vi? Rohkohlenforderung erhöhte sich imolge der sehr starken Draunkohl« ntonjun ktn r von 1,56 auf 1,84 Mill. Tonnen. Bei fast unveränderten Steuern und Sozialabgaben wird ein B s t r i e b s g ewi n n von mehr als 13 gegen 12,3 Mill. im Vor- jähre ausgewiesen. Sämtliche Unkosten sür Löhne, Zinsen und Verwaltung sind hiervon bereits vorweg abgezogen. Obwohl die wichtigsten Detriebsumstellungen und Ncubou'cn bereits im ver- gangenen Jahr erledigt waren und die Zugänge auf die Werks- anlagen nur noch 1,3 gegenüber 6 Mill. im Vorjahre betrugen, sind die Abschreibungen auf die Anlagen weiter von 3,6? auf fast ZV0 Mill. gewachsen. Trotz der angeblich verheerenden Kapitalknappheit wird hier also bereits auf lange Sicht für künftig« Selbstfinanzierung gesorgt. Trotzdem liegt der ausgewiesene Reingewinn um rund 15 Proz. über den Ergebnissen des gleichfalls sehr guten Vorjahres, so daß auch die Dividende von 7 auf 8 Proz. heraufgesetzt werden kann. Geldmangel ist natürsich keiner da. Während die Schulden mit 11 Mill. unverändert geblieben sind, stiegen die Bant- guthaben, Kasten- und Wechselbestände von 6,5 auf 10 Mill. und die übrigen' Forderungen an die Kundschaft von 16 auf 18 Mill. Ein Zeichen für die noch recht gute Beschäftigung der Werke ist. daß die Vorräte von 10 aus 9,33 Mill. zurückgegangen sind. Auf die Einzelheiten des Abschlusses und Geschäftsberichtes kommen wir nach seiner Verösscntlichung noch zurück. Türkische Gelder für Iunkers. Aus dem Konkurs der Tochtergesellschast in Angora. Di« Junkers Flugzeugwerke haben sich immer besonders dazu berufen gefühlt, den Vorrang der Privatindustri«, das heißt in diesem Falle, van Junkers selbst, im internationalen Flug- verkehr zu fordern und zu verteidigen. Es ist bekannt, daß die von Junkers beherrscht- DeUtsch-türtische Fl'ugzeug» und Motorenbaugesellschaft(Junkers) in Angara in Konturs gegangen ist. Diese Iunkerssche Gründung war also sür die Aspirationen des Iunkers-Kanzerns nicht sonderlich beweiskräftig. Immerhin aber wird die Firma Junkers aus ihrer türkischen Pleite jetzt noch Geld herausbekommen. Die türkische Gesellschaft, au der die Türkei und die Junlers-Werke in Destau je zur Hälfte beteiligt waren, wird nämlich nach einer Einigung niit den Gläubigern von dem der türkischen Regierung nahestehenden Luftflotten- verein übernommen, wobei die Gläubiger mit 97 Proz. ih"� Forderungen befriedigt werden. Die Philipp Holzmann-A.-G. in Frank- furt o. M. erhält durch diese Regelung 550 000 türkische Pfund oder rund 1.1 Millionen Mark und die Iunkers-W-rke erhalten einmal -ur Abgeltung ihrer Beteiligung eine Abfindung von 520 000 tiir- tischen Pfund und außerdem als Gläubiger 300 000 türkische Pfund, so daß bei dem jetzigen Stande der türkischen Währung der F i r m a Junkers ungefähr 1.64 Millionen Mark zufließen werden._ �aiionalisierungsban? in England. Als Tochtergesellschast der Rank von England. Unter der englischen Ärbefterregierung soll die Rationalisierung der englischen Industrie planmäßig gefördert werden. Im Mittel- punkt der Aktion steht dabei die Gewährung von Krediten und sonstigen finanziellen Unterstützungen durch die Londoner Efty. Zur die ununterbrochen gegen den wirtschaftlichen Wahnsurn, ja gegen das Verbrechen der Schachtschen Anleihepolitik geschrieben haben. Wir können uns nicht daran erinnern, daß Herr Stolper un» in diesem Kampfe einmal unterstützt hat. Um so stärker befremdet es uns, wenn er jetzt solgende Frage an uns richtet:„Aber warum erzählt denn der„Vorwärts* seinen Lesern nur von der Erhöhung der Tabaksteuer und anderen Steuererhöhungen, die im Reiche drohen? Warum schweigt er denn so bescheiden von den Tarif- «höhungen der Straßenbahnen, Elektrizitätswerke usw., die bereits zu Weihnachten beschlossen worden sind? Wer sind nun die traurigen Weihnachtsmänner?* Unsere Antwort müßte Herr Stolper im voraus wisten. Der traurige Weihnachtsmann ist in diesem Falle Herr Schacht, der durch seine Anleihepolitik die Kommunen in die Klemme getrieben hat. Darüber hoben wir wahrhaftig nicht geschwiegen und keine Unklarheir gelassen. Herr Stolper kündigt jetzt eine ausführliche Aeußerung zum Fall Schacht an. Wir sind gespannt, ob er auch in diesem Falle seine Elastizität bewahren wird. Ohne Polemik gesprochen: Die Skellungnahme zum Fall Schacht ist jelzk zum Prüf- fieia für jeden Demokralen geworden. Hier gilt es, sich selbst zu erkennen. Der Name Schacht ist ein Pro- gramm: ein Programm der Kotastrophenpolitik und der Aushöhlung der Demokratie. Don denjenigen, die fahre- lang„mit Schacht* waren, muß in erster Linie gefordert werden. daß sie sich darüber äußern, ob sie immer noch mit Schacht oder endlich gegen Schacht sind. Vielleicht wird Herr Stolper, indem er über seine Stellung zum Fall Schacht nachdenkt, auch die Frag« prüfen, ob nicht seine Finanzreformpläne auf der gleichen Linie einer abenteuerlichen und reaktionären Politik liegen. Durchführung des Planes soll ober der Bank von England ein Institut angegliedert werden, durch das die englische Zentralbank die neu« Politik tätiger finanzieller Unterstützung bei der Reorganisa- tion der englischen Industrie verwirklichen will. Die Londoner Csty soll also nur die Gelder geben, während die Kontrolle der Durch- sührung sowie die Verwirklichung selbst bei der englischen Zentralnotenbank liegen wird. Die Tochtergesellschast der Bank von England soll zugleich auch die für die Reorganisation der englischen Industrie notwendigen Forschungsarbeiten durch- führen. Professor Henry Clay von der Unioersi ät in Manchester hat den Auftrag erhalten und angenommen, die Errichtung des neuen Instituts durchzuführen.__ Die Tagung der Metallindustrie. Zo lpolitik von höherer Warte. Der Eesamtausfchuß zur- Wahrung der Interessen der deutschen Metallwirtschast, die Spitzenorganisation der gesamten deutschen NE- M e t all i n d ustr i«(Nicht-Eisen-Metalle), h'elt kü zlick seine zweite Iahrestagung ab. Die'Vedsutung der NE-Metallwin- schäst iii Deutschland gegenüber der Eisen- und Stahlindustrie".wird-, noch vielfach unterschätzt. So stellte sich 1928 ollein die Menge der Walzwerksprodukte in der NE-Metallwirtschaft auf 530 000 Tonnen mit einem Wert von 850 Millionen Mark. Demgegenüber stand ein Gesamtproduktionswert der Eisen- und Stahlindustrie von rund 2,3 Milliarden Mark, so daß die NE-Meiall- Wirtschaft immerhin ein Drittel des Wertes der Eisen- und Stahlwerke erreicht. Aus der Tagung nahm der Leiter der Reichsaluminiu mwerke, Generaldirektor von der Porten, zu allgemeinen Wirtschaft?- und sozialpolitischen Fragen Stellung, wobei auch die Er- höhung der Aluminium zolle eine wesentliche Rolle spielte. Der Redner verstand, wi« man das auch bei Privatunter- nehmern gewohnt ist, seine Zlussührungen recht gut mit wirtschaftlichen Theorien zu umkleiden und plausibel zu machen. So wollte Herr von der Porten in Zukunst«ine sehr scharfe Grenze zwischen Zollen gezogen wissen, die nur dem industriellen Marktschutz. und solchen, die zur Ausnutzung eines inländischen Mono- p o l s dienen sollen. Er machte dabei auch den Vorschlag von gleitenden Schutzzöllen für die Industrie, die bei unberechtigten Preiserhöhungen gesenkt werden sollen. Freilich kann eine Drapie- rnng mit schönen Wünschen auch die höheren Aluminiumzölle nicht sympathischer machen. Kommt der Kalitrust doch noch? Gerüchte über eine Fusion zwischen dem Wintershall- und Solzdetsurth-Konzern. Die Dam man» Bank in Hannover, die über die Verhältnisse in der Kal-iinduftrie stets sehr gut informiert ist, weist m ihrem letzten Berich! auf umfangreiche Fusionsprojekte in der Kolundustrie hin. Nach allerdings bisher noch unkontrollierbaren Gerüchten soll u n t« r Führung der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschast «in Zusammenschluß zwischen den beiden mächtigsten Kcrlikonzernen Winters hall und Salzdetfurth herbeigeführt werden. Di« auffälligen Kurssteigerungsu am Markte der Kaliaktien hängen wft diesen Gerüchten zusammen. Wenn dieser Zusammenschluß, der in dem Bericht der Damman- Bant noch sehr vorsichtig angedeutet wird, tatsächlich eintreten sollte. so wäre damit der vor Jahren viel umkämpfte K a l i t r u st da. Herr R o st e r g vom Winterehall-Konzern, der 1927 mit seine» Veriruswngoplänen eine schwere Niederlage einstecken mußt«, wäre dann doch Sieger im Endkamps geblieben. Die deutsch-polnische» Handelsverlrogsverhandlungen werden in Warschau jetzt weitergeführt, nachdem die deutsche Verhandlung�- delegation in Warschau wieder eingetroffen ist, zu der auch Geheim« rat Kastl und Dr. 5)artmann vom Reichsverband der Deutschen In» dustrie gehören. Leiter der Verhandlungen ist wie bisher der deutsch« Gesandte Rauscher. Der Phokolruss bleibt bei 6 vrozent Dividend«. Der Aussicht?- rat der I e i ß. I k o n A.» 0. In Dresden, in der die wichtigsten und kapitalstärtstcn Photounteniehmen zusammengefaßt sind, hat sür das am 30. September abgeschlossene Geschäftsjahr wieder eine D>- vtdende in Höhe von 6 Prozent beschlossen. Di« Gesell. schaft, die im Vorjahr zum erstenmal die Verteilung einer Dividende in der gleichen Höhe vorgenommen hatte, behält also auch für 1929, trotz der kräftigen Photokonjunktur, ihre sehr vorsichtige Di. oidendc npolitik bei. Betriebsräte für Gewerkschaft. Einstimmiger Beschluß der Betriebsräte der Metallarbeiter. Die im Mctallarbeiterverband organisierten Betriebsräte des Bezirks Berlin-Brandenburg waren am Sonntag im Verbondshaus der Berliner Metallarbeiter zu einer Konferenz verfamnielt. Der Bezirtsfekretär Genosse Weiß erläuterte das den Betriebsräten unterbreitete Zahlenmaterial über die Betriebsräte- bepegung im vorigen Jahr. Trotz des Rückganges der Beschäftigten um mehr als 5000 Ar- beiter und Arbeiterinnen ist fast noch die gleiche Zahl von Organi- sierten beschäftigt wie vor den Entlassungen. Ein Beweis für die� Werbekraft der Organisation. Bei der Umfrage wurde aber auch die unerfreuliche Tatsache festgestellt, daß die Zahl der Betriebs, die keine Betriebsoertretung haben, gegen 1928 flch erhöht hat und die Betriebsvertretungen oft wechseln. Rund 25 Proz. der von der Erhebung erfaßten Betriebsräte waren erst weniger a l s e i n Jahr Betriebsratsmitglieder, also erst vor kurzem neu gewählt worden. Durch Aufklärung in den Betrieben muß unbedingt dafstr gesorgt werden, daß eine größere Stabilität eintritt, weil es heute für einen Betriebsrat einfach unmöglich ist, sich mit den Gesetzen und sonstigen für ihn wichtigen Bestimmungen so schnell vertraut zu machen, daß er sein Amt voll und ganz ausfüllen kann. Notwendig fei es auch, daß die Betriebsräte in den einzelnen Ber- waltungsstsllen öfter in Konferenzen ihre Erfahrungen austauschen und von den Organisationsvertretern über die ihr Arbeitsgebiet be- treffenden Fragen unterrichtet werden. Nach den anschließenden Berichten über die Reichsbeirat- konferenz der Betriebsräte und Konzernoertreter am 29. und 30. Dezember 1929 in Stuttgart wies Genosse Handtke vom chauptoorstand des DMA. in einem instruktiven Referat auf die Be- deutung der bevorstehenden Betriebsrätewahlen und die für fie maßgebenden Beschlüsse der Derbandstage und der fonsti- gen Verbandsinstanzen hin. Er ermahnte die Betriebsräte, sich nicht durch die Gewerkschaftsfeinde von rechts und links vom richtigen Wege abdrängen zu lassen, sondern so zu handeln, wie es im Interesse der freien Gewerkschaftsbewegung und damit der gesamten Arbeiter- schaft notwendig ist. Die streng sachliche und sehr interessante Aussprache fand ihren Niederschlag in einer e i n st i m m i g angenommenen Entschließung, worin sich die Betriebsräte im Bezirk Brandenburg die Entschließung der Reichsbeiratskonferenz zu eigen machen und versprechen, mit allen Kräften für den weiteren Ausbau der Betriebsrätebewe- gung einzutreten. Sie erachten es für ihre Pflicht, gerade jetzt, wo gegnerische und angeblich„oppositionelle" Organisationen die Be- triebsratswahlen zur Zerschlagung der freien Gewerkschaften zu be- nutzen versuchen, die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen zum festen Zusammenhalt aufzufordern. Die Betriebsräte er- heben in dieser Entschließung die Forderung, die A r b e i t s l o s i g- t e i t durch die Förderung der Maßnahmen zur Beschaffung von Arbeit und durch Verkürzung der Arbeitszeit, eventuell unter 48 Stunden pro Woche, zu beheben. Sie ersuchen den Vorstand des Metallarbeiterverbandes und den Bundesausschuh des ADGB., alle geeigneten Maßnahmen zur Durchführung dieser Forderungen zu ergreifen. Giebenstundenschicht für Vergarbeiier! Sin Versprechen muß gehalten werden. Der Verband der B e r g b a u I n d u st r i e a r b« i t e r hat den gesetzgebenden Körperschaften eine Denkschrift übermittelt, worin er die 7 st ü n d i g e Schicht fordert. Er weist in der Denkschrift nach, daß seine Forderung nicht nur wirtschaftlich möglich ist, sondern daß die Bergarbeiter auch einen Anspruch auf die Verwirklichung ihres Verlangens haben. Die 7stündige Schicht wurde nach dem Krieg in den wichtigsten Revieren eingeführt und bestand bis Ende 1923. Sie ist in den zur Zeit geltenden Rahmentarifen auch jetzt noch f e st g e l e g t. Durch Gesetz vom 17. Juli 1922 wurde sie auch gesetzlich garan- t i e r t. Im November und Dezember 1923 fanden in fast allen Revieren Verhandlungen zwecks Abschluß von lleberarbetts» abkommen statt. Bei diesen Verhandlungen wurde von den Unternehmervertretern wiederholt erklärt, das Ziel einer Verein- barung müsse die Erreichung der Vorkriegsleistung sein und in den dqnn zustandegekommenen Ueberarbeiteabkommen«st dieses Ziel schriftlich festgelegt worden. Aus den Abmachungen geht eindeutig bervor. daß die Ueberarbeit nur«ine befristete sein sollte. Heute ist di, Vorkriegsleistung in allen Bergbaurevieren, mit Ausnahme von Sachsen, wo ein absterbender Bergbau mit sehr ungünstigen geo- logischen Verhältnissen kämpft, nicht nur erreicht, sondern weit überschritten. Die Forderung der Bergarbeiter auf Cinfüh- rung der Siebenstundenschlcht unter Tage muß also verwirklicht werden. Die Einlösung des seinerzeit gegebenen Versprechens ist jetzt fällig. Spalier allgemein unbeliebt. Dci den Drehern erledigt. In keiner Organisation oder Branche ist wohl dem Versuch einer Spaltung ein kläglicheres Ergebnis deschiedsn gewesen als in der Berliner Dreher branche. Das zeigte der Ueberblick, den der Leiter dieser Branche des Metallarbeite rver- bandes Genosse W a u g e in der Branchenoersammlung am Donners- tag gab. Nach einer Statistik, die von der Branchenleitung im November aufgestellt wurde und von der 6808 in der Branche Beschäftigt« er- saßt wurden, waren 3699 oder 55,5 Prozent organisiert, davon allem im Metallarbetterverband 3310 oder 895 Prozent. Die im Sommer v. I. gegründete kommunistische Drehervereinigung zähtt« ganze 262 Mitglieder. Sie ist also noch bedeutungsloser als der 1924 ausgezogene und inzwischen sanft entschlafene Dreherverein, der anfangs wenigstens 14,4 Prozent der organisierten Dreher in seinen Reihen zählte. Dieser Mißerfolg der Spaltung ist um so niederschmetternder für die KvD., als man auf die kom- rnunistisch orientierten Mitglieder der Dreherbranche den stärksten Druck ausübte, um sie zum Eintritt in die neue Drehervereinigung zu zwingen. Di« B e s ch ä f t i g u n g s l a g« ist bei den Drehern, wie der Bronchsnleiter an Arbsitsnachweisberichten und Erhebungen nach- wies, geradezu katastrophal schlecht. Am 18. Januar d. I. waren 3352 Dreher und Dreherinnen arbeitslos. Da die Arbeiislosig- kest immer noch zunimmt, muß damit gerechnet werden, daß der Höchststand der Arbeitslosigkeit in der Nachkriegszeit, der mn 6. August 1926 mit 5868 Arbeitslosen oder rund 50 Prozent aller Berufsangehörigen erreicht wurde, bald wieder erreicht wird. Daß in der Z�it der besten Konjunktur, im Januar 1928, noch rund 1500 Dreher arbeitslos yzaren, beweist, daß in Berlin bei Beibehaltung der jetzigen Arbeitszeit niemals mehr alle Dreher Arbeit finden werben. Deswegen ist es unverantwortlich, daß noch so viel« Lehrling« gezüchtet werden, die nach der Beendigung ihrer Lehrzeit die Arbeitsnachweise überoölkern. Die in voller Einmütigkeit und von kamerad schaft- l i ch e m Geist beseelte Versammlung nahm zum Schluß ein- st i m m i g eine Entschließung an, in der sie sich die Erreichung des Siebenstundentages zum Ziel setzt. Anschluß an den Gesamiverband. Llebertntt des Bundes der Masseure. Die Generaloersammlung des im Jahre 1880 gegründeten Bundes der Masseure und Masseurinnen E. V. am 23. Januar, die von über 400 Mitgliedern besucht war, beschloß gegen fünf Stimmen, zur Reichssetlion Gefundbeitswesen im Gefamt- verbande der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs überzutreten. Diese Demonstration für den freigewerkschaftlichen Gedanken bedeutet einen neuen Z u ip a ch s von vorläufig etwa 600 Mit- a k I e d e r n. Usber diesen Mitgliederzuwachs hinaus wird dieser Neberlritt des nun s?it 50 Jahren bestehenden Bundes sich auch im Reiche auswirken. Zudem handelt es sich nicht um einen Zusammenschluß, vielmehr um neugewonnene An- Hänger des freigewerkschaftlichen Gedankens. Was unsere Agitation allein nicht vollbringen konnte, voll- endete der Widerstand einiger Krankentassengewaltigen, die für die Arbeti der Masseure nicht über den Sah hinaus bezahlen wollten, der schon vor 34 Jahren Geltung hatte. Daß von deutschnationaler Seite auch noch ein A b b a u in den gewiß kärglichen sozialen Per- Hältnissen angekündigt wurde, machte der Geduld der Masseure ein Ende. An den ständigen Erfolgen der freigewerkschaftlichen Wlrtfchafts- kämpfe wollen die Masseure teilhaben und Schulter an Schulter in solidarischer Verbundenheit mit der freigewertschaftlich organisierten Arbeiterschaft auch um ihre Rechte kämpfen. Der Erfolg wird nicht ausbleiben. Christliche Demagogie. Wo mit dem Geld geludert wird. Unter Berufung auf die„Rote Fahne" und ganz in deren Stil polemisiert„Der Deutsche" gegen die Beamten und gegen den„Bor- wärts". Eine Antwort auf die Angriffs gegen den„Vorwärts" können wir uns ersparen. Es gibt ein Niveau, auf das man nicht hinabsteigt. Well aber.T>er Deutsche" im Namen der christlichen Ge- werkschaften weller gegen die Beamten hetzt und davon spricht, daß in Berlin die Bevölkerung die Teuerung zu spüren bekomme, well man gegenüber den Beamten mit dem Golde geradezu„geludert" habe und dann noch einige Krokodilstränen vergießt über die un- genügende Besoldung der unteren Beamtengruppen, gegen deren Benachtelligung bei der letzten Besoldungsregelung wohl der„Vor- wärts" und die Sozialdemokraten energisch Front gemacht haben, aber bei den Vertretern der christlichen Gewerkschaften und deren polllischen Freunden keine Gegenliebe fanden, ist es vielleicht not- weichig, dazu einiges zu sagen. Wie die Sozialdemokraten zur Beamtenbesoldung stehen, ist bekannt. Die hohen Gehälter der Direktoren städtischer Werte sind nicht von der Sozialdemokratie geschaffen oder gar gefordert worden. Aber so hoch sie auch absolut sein mögen, so sind sie im Vergleich zu den Bezügen der Direktoren in der Privatindustrie noch bescheiden. Wenn die unteren Beamten der Reichsbahn gegen- über ihren Kollegen der Reichsverwaltung benachteiligt sind, bei den Direktoren der Reichsbahn liegt es umgekehrt. Die Herren Siemens, Klöckner ufw hielten es für einen unhaltbaren Zustand, daß ein Direktor der Reichsbahn sich mit einem Jahres- einkommen begnügen wollte, das- noch hinter dem M o n a t s e in- kommen der Direktoren ihrer Werke zurücksteht. Und selbst der Reichsbankpräsident mit seinem Ricsengehalt von 340 000 M. steht noch weit zurück hinter dem Jahreseinkommen eines Direktors der Dedibank. Gegenüber diesen Direktoren der Privatbetriebe nehmen sich auch die höchsten Beamten der Reichsoerwaltung wie arme Schlucker aus. Gegen diese Beamten, vom Staatssekretär bis zum Briefträger, schreit der„Deutsche". Gegen die Mammuteinkominen in der Privatwirtschaft, die wirklich zur Verteuerung beitragen, findet er kein Wort. Das richtet ihn. KpO. sprengt Versammlung der Schuhmacher Kommunisten gegen Kommunisten. Von einem Mitglied des Zentralvcrbandes der Schuhmacher wird uns berichtet: Gestern abend sollte die Funktionäroersammlung der Berliner Schuhmacher stattfinden. Sie ist durch die sogenannte„revolutionäre Opposition" an der Arbeit verhindert worden. Den Kommu- nisten gab der erste Punkt der Tagesordnung, Bericht über die letzten Vorgänge in Berlin, Anlaß zur V e r f a m m- l irn g s f p r e n g u n g, weil sie befürchten mußten, daß ihr früherer Günstling H ö r tz den Funktionären die Absichten der„Opposition" klar machen würde. Eine besonders vor einigen Tagen einberufene Konferenz der„Linken" hatte beschlossen, daß auch die A u s- geschlossenen und die Mitglieder des sogenannten Erwerbs- l o f e n r a t s zur Versammlung zugelassen werden müßten. Un- verständlich ist, daß die von den Revisoren gebildete Tür- k o n t r o l l e Leute ohne Funktionärausweis in den Saal hinein- ließen. Es ist weiterhin unverständlich, daß der berüchtigte Spalter der Lederarbeiter, P e t e r f o n, der kein Schuhmacher ist, als B e r i ch t e r st a t t« r der„Roten F a h n c" im Saal war. (Der„Vorwärts" ist weder zu dieser, noch zu den vorhergehenden Versammlungen«ingeladen worden.) Der zwelle Vorsitzende bat die widerrechtlich Anwesenden ver- schiedene Male, den Saal zu verlassen, was mit Gebrüll abgelehnt wurde. Der Vertreter der Erwerbslosen rief dem Mitglied der Orts- Verwaltung Müller zu, daß er hier gar nichts zu sagen habe, während Müller ant«ortete, das fei kein Verhalten von Kommunisten mehr, sondern das fei Arbeiteroerrat.(Müller ist noch Mllgiied der KPD.) Nach halbstündigem Krach wurde er- klärt, daß die Versammlung unter diesen Umständen nicht statt- finden könne. Die Arbell der Zahlstelle ist damit also lahmgelegt. Dt« Schreier versuchten, eine neue Versammlung im gleichen Saal abzu» halten, was ihnen jedoch nicht gelang, da die Mehrzahl der Funttio- näre den Saal verlieh. Die„Opposition" brachte zum Ausdruck, daß sie auch die Arbeit der Generalversammlung mll den gleichen Mllteln oerhindern werde. Es bleibt abzu- warten, welche Maßnahmen die Zahlstellenleitung ergreift. Wir fordern jedenfalls alle Verbandsmitglieder auf, sich mll aller Energie gegen den Versammlungsterror der KPD. zu wenden und vor allem die Generalversammlung am 4. Februar, 17 Uhr, im Ge- werkfchaftshaus zu besuchen. Weiterhin weisen wir noch einmal auf die heute(Dienstag), 17 Uhr, bei B l a w e r t, Wcberstr. 24a, tagende Sitzung der SPD.-Schuhmacher hin, dort wird ausführlich be- richtet werden._ Schindluder mit Gastwirtsgehilfen. MerkVM dige Gew? rtschastsprattcken. Am 16. Januar wurde das gesamte, zum Teil langjährig be- schästigts Personal des Schill-Krokodil- Betriebes. Neue Königftr. 62/64, fristlos entlassen. Inhaber dieser bekannten Be- triebe ist die Firma Meyer u. Kühne, vertreten durch Herrn Dr. Felix Warschauer. Wie alle anderen Schlll-Krokodil-Betriebe wird auch der in der Neuen Königstraße durch Herrn Dr. Warschauer verpachtet. Die äußerst ungünstigen und unhaltbaren Pachwerträge stellen die Wirtschaftlichkeit von vornherein in Frage, so daß ein häusiger Wechsel der Oekonomen die Folge ist. Ende September 1929 wurde der Betneb in der Neuen Königstraße an die Herren B u s ch u. Hauser verpachtet. Busch sah jedoch anscheinend die Pleite bald voraus und verschwand von der Bildsläche, Hauser dem wei- teren Schicksal überlassend. Hauser war Artist, aber kein Gastrnirt. Der Umsatz wurde von Woche zu Woche geringer, die Lieferanten und auch das Personal wurden nicht mehr entlohnt. Dem Geschäft konnte auch nicht da- durch auf die Beine geholfen werden, daß sich Hauser bayerische Kellnerinnen nach Berlin holte. Am Sonntag, dem 12. Januar, weigerte sich die Musik weiterzuspielen, weil sie schon tagelang keine Gage mehr erhalten hatte. Das war der Anfang vom Ende. Am 15. Januar erlog Hause? infolge der vorangegangenen Aufregung einem Herzschlag. Noch am gleichen Abend übernahm als neuer Pächter Herr W o l l n e r den Betrieb, ein Beweis dafür, daß der Pachtvertrag mll ihm bereits vor dem Tode Hausers abgeschlossen war. Er entließ sofort das gesamte Personal und verweigerte ihm die Zah- lung der rückständigen Löhne. Di« jetzt dort beschäftigten Angestellten sind nicht durch den öffentlichen Arbeitenachweis, sondern durch einen der berüchtigten ,Lmmertreu"-Vereine eingestellt. Das rücksichtslos auf die Straße geworfene Personal betrachtet sich nicht als entlassen, sondern als ausgesperrt und ist entschlossen, den Kampf so lange fortzu- führen, bis ihm der rückständige Lohn ausgezahtt und die weiteren sozialen Ansprüche, wie Urlaub usw., erfüllt worden sind. provokaieure aus der Kleinen Alexanderstraße. Wenn in der Vorkriegszell einzelne Elemente die Arbeiterschaft zu unbedachten und sinnlosen Handlungen aufforderten, so wußte man mit Sicherheit, daß es Polizeispitzel waren. Di« Rolle dieser Kzents provocateur� haben jetzt die Kommunisten übernommen. Um die Arbeiterschaft zur Durchbrechung des Straßendemon- flrakionsvcrboies zu veranlassen, erscheinen sell einigen Tagen fliegende Kolonnen der ErwerbÄosen vor den Berliner Großbetrieben, die di« Belegschaften zur Teilnahme an Straßendemonstrationen ausfordern. Die„Rote Fahne" jubelt in ihrer Sonntagsausgabe: „Berlin demonstriert" und bevichtet, daß sich einzelne Belegschaften diesen Provokateuren angeschlossen hätten. Mll welcher kalten Verachtung die Belegschaften diese Provokateure von sich gewiesen haben, darüber berichtet die „Rote Fahne" natürlich nichts. So erschienen auch am Sonnabend vor dem Bergmanns Wert. Seestraße, etwa 150 Beauftragte, die auf die. ihre Arbeits. stätte verlassende V-legschast im Sprechchor einbrüllten:„Schließt euch an, übt Solidarität!" Alles Schreien nützte jedoch nichts. Die Arbeiterschaft ging ihres Weges und lieh die Schreier unter sich, die sich denn auch sehr bald in der Hennigsdorfer Str. zerstreuten. Die Arbeiter- schaft wird weiterhin diesen Burschen die kalte Schulter zeigen und sie allein„demonstrieren" lassen. Noch keine Ratifizierung in England. London. 27. Zaauar. 1 Dem„Daily herald" zufolge wird die Regierung„infolge der Obstrukliou Lloyd Georges" vermutlich genötigt sein, die Ralisizie- rung der Achlstundenkonvenlion und anderer Vorlagen bis zum Herbst zu verschieben. Berliner Gewerkschaftsschule. Neue jtarse: SO. 11. Die deutsch« und die iuteruatienole Sewerlschoit». bemefluim. fidim; Setmann LchUmin?. A-ninn: Mittmoch.?. ssebtuat. 19 Ut|t. Untetrich!«räum: Leibniz.Knmmisium. Mariannenplatz. Entwicklung dir Wirt- schalt»um modernen Nauitalismus. Einsijhrunaolurs«! C. 2. Sittschaft, Recht, Staat. Lehrer: Dr. Theodor Tichauer. Beginn Donnerstag, K. Zebrnar. 19 Uhr. C. 3. Die berufotätige«tan im Lfkentliche» Ledea. Lehrerin: Maria Ho- dann. Beginn: Dienstag. 4. chebruar. 19 Uhr. Sande ttnrsu, siir BngesteNii: 0. IZ. Die«ngestelltia im modernen Sozial- recht. Leitung: Ercte Sthner. Dauer: 19 Dorpes stunden. Beginn: Diensiag, 11. sscdmiar, 20 Uhr. C. 14. Der Angestellte auf dem Atbeitamarkt. Leitung: Dr. Otto Wolf. Dauer: 19 Dappelftunden. Beg'nn: sseeitag. 14. ssebriiar, 20 Uhr. C. 15, Eroh.Beriin als Wirtschaftsgebiet. Leitung: Dr. Data ffabian. Dauer: 10 Doppelstunden. Beginn: Donnerstag. IZ. ffedruai. 20 Uhr. Auher dem Kursus Schlimme, Dewertschaitswesen. finden alle Kurs- im Sophien-Lmeum. Weinmcisterstr. 10—17, statt. Anmeldungen in der Lehr. i-cratungsspr-chstunde der Kewcrkschaftsschule. Montags und ssreitag» ron 16 bis 19 Uhr. tgewersschaftshaus. Engelufcr 24—23, Zimmer 6, X, oder in den aufgefiihrten Kursen. $h�rete Gewerkschafts-IuaendRsrlin Heut?, Dienstag, XQVi ITfjt, tagen folgende Gruppen: Spandau: Etädtisches Iugendbe m ßinbcnufcr 1. Vortrag:„Leb?nsre form".— Marierdorf: Ingendbeim?orfslr. 7 ialte schule). Lcseabend Vezi. tationen.— Humboldt: Jugendheim Greun, Eck« Lortzingstrasie. Neuter- Abend.— Treptow: Grupp?nh«im Schule Äildenbruckistr. 53—54 k�ortzimmer). Vortrag:„Gewerkschafts. ui d politische Iuq?n.d". frankfurter Allee: Stadt. liugeüdbe'.m Litauer Etr. 18. Vortrag:„Die Unternehmerorganisationen".-r- Reu-Lichtenberg: Jugendheim Dosteftr. 22. LichiSiTdervortrag:..ssGZ. in Wort pnd Vilkr.— Landsberger Platz: Iugendhe'm Diesteimeperstr. S. Vortrag: .Stegreifspiel und Laienspiel".— Neu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Wir lesen Arbeitorbichtunaen.— Voranzeige! Sonnabend, 1. sscbruar, um IS Uhr, im Saalbau Neukölln, Bergstr. 147, Filmabend: mDU Wunder des Mlms". Unkostenöeitrag 30 Vf. Titir-entzr'ntvv-' ftts rlrnUifrf cnfos der AnaesteNfen Beute. Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Lichtenbrrg: Jugendheim Euntcrfir. 44. Literarischer Abend.— Rvidwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Vortrag:.Jugend und Beruf". Referent Artur Ziachom.— Ab 20 Uhr probt der Sprech, und Bewegungschor in der Turn- Halle der Schule Baruther Str. 20. OienSiag 25. Januar 1930 Unterhaltung unö Wissen Beilage des Vorwärts Theodor Stiegler: SV(ff 6 AUSficM Der Ober Franz Joseph Stulpe,«in blasser, lungenkranker Mensch mit einer melancholischen Glatze und einem stumpfen, eingefrorenen Lächeln, war gerade damit beschäftigt, einem Stammgast de? kleinen Provinzkabaretts mit einer überlegen vertraulichen Bewegung Feuer zu geben, als ein« größere Gesellschaft, die nach Schnaps und abgestandenem Parfüm roch, seine bezahlte Aus- merksamleit für einige Sekunden in Anspruch nahm. Ohne ein« konventionelle Frage an den Stammgast zu beenden, wendete er sich zu den eben Eingetretenen, die von der harten Kälte eines klirrenden Winterabends noch ganz benommen waren, um ihnen init maschineller Freundlichkeit einen freien Tisch dicht neben der Bühne anzuweisen. Die Gesellschaft bestand aus drei älteren Herren und einer jüngeren, stark geschminkten Dam«, von der man nicht recht wußte, zu welchem der Herren sie eigentlich gehörte. Sie hatte eine Stimme, die älter war als ihre Bewegungen, und trug ein Monokel, das st« von Zeit zu Zeit mit einer asfektietten und nervösen Grimasse abnahm. Sie klopfte den Herren, die mit angelaufenen Hornbrillen und dampfendem Atem dastanden, unschlüssig, ob ste bleiben sollten, mit einem lärmenden, kollegialen Lächeln aus die Schulter und entschied die Situation, indem sie sich in den nächsten Fauteuil fallen ließ und ihren Begleitern in einem Tone burschikoser Mütterlichkeit die von Ihr gewünschte Sitzordnung anwies. Die Herren warfen denn auch mit jener Achtlosigkeit, die aus ein sorg- loses und sicheres Einkommen schließen läßt, ihre Pelz« auf die Etullehnen und bald war eine jener tausend Unterhaltungen im Gange, die so oft zu entstehen pflegen, wenn sich die entsprechend« Menge Alkohol mit der nötigen Portion Lebenssrechheit und Er» sahrungsblosierthcit verbindet. Der Ober Franz Joseph Stulpe hatte heute recht wenig Lust, sich in ein Gespräch mit Gästen einzulassen. Seine Frau, irgendein hartes, schmales, ewig unterernährtes Geschöpf mit scharfen Zügen und verärgerten Bewegungen, war vor zwei Tagen gestorben. Ob- wohl dieser seltsam«, ein bißchen philosophische Stulpe sein« Frau ni« geliebt hatte, machte er doch ein etwas beklommenes und un- sicheres Gesicht. Er fürchtet« sich, die Wohnung zu betreten, den engen Korridor, der nach nassen Kleidern roch, um fünf Uhr morgens, wenn in den gähnenden Straßen die ersten nüchternen Geräusche eines noch verschlafenen Lebens laut wurden, er fürchtete sich vor dem eisigen Bett, er vermißte den Geruch ihres mürrischen und trotzdem anhänglichen Körpers, ihre monotonen Vorwürfe, die genau so zu seinem kleinen Leben gehörten wie die Erbsen mit Speck, die sie ihm jeden Morgen vorsetzte, er sehnte sich nach ihrer schroffen Besorgheit, ihrem eckigen Wesen. Der Ober Franz Ioseph Stulpe hatte sich einen Tag nach dem Tode seiner Frau zum erstenmal seit zwanzig Jahren eines schicks.ils- mäßigen Aneinandervorbeilebens selbst einen Knopf an seinen Dienst- frack annähen müssen, mit verlegenen, ungeschickten Fingern und einem lächerlich ratlosen Gesicht: irgendwo, noch schlaftrunken von -dem Unglück/ das ihn betroffen hatte fand er. die viel zu weiche Bürste, mit der sie- vor zwei Tagen zum letztenmal über seinen Mantel gefahren war und seine Hände bekamen plötzlich, als ihm die ganze Situation klar wurde, einen Anfall von trotziger Traurig. reit, so daß die Bürste wie ein fremd gewordenes Ding lärmend von seinen Händen absprang. Während der Ober an den Tischen wischte, selbst dort, in seiner Zerstreutheit, wo es nichts zu wischen gab, und darüber nachdachte, wie sich sein Leben gestalten würde, unterhielt sich die Gesellschaft, die eben eingetreten war, indem sie eine korpulente Sängerin, die mit schneidender Stimme und verdrehten Augen applauslüstern ein Couplet oon kitschiger Tragik zum besten gab, durch halblaute Zwischenrufe aus der Fassung zu bringen suchte. Di« Dame mit dem Monokel und den nervösen Grimassen schien die Herren durch ihre lachende, zustimmende Haltung zu innner gewagteren und lauteren Bemerkungen anzuspornen. Ein Teil des Publikums, in dem noch ein flüchtiges Verständnis für die triste Lächerlichkeit eines durch Beruf verfälschten und durch Alter verfetteten Frauen- temperamentes aufstieg, machte den zögernden Versuch, die vor Ver- legenheit und Empörung hochrot« Künstlerin vor einem Zusammen« bruch auf offener Bühne zu bewahren. Ganz wenig«, die anscheinend ein ausrichtiges Mitleid empfanden oder zu schwache Nerven hatten, um dieses Schauspiel ohne menschliche Hemmungen genießen zu können, zahlten und gingen, die Mehrzahl aber, die in der Absicht gekommen war, sich für entgangene Abenteuer entsclzädigen oder für geplante anregen zu lassen, überließ mit verhaltener Freude den Ausdruck ihres Unmutes den drei angetrunkenen Herren, die von der Dame mit dem Monokel dirigiert wurden, oder unterstützte sogar den Protest gegen die Sängerin durch beifälliges Gelächter. Während sich dieses traurig-lächerliche Intermezzo abspielt«, stand der Ober Franz Joseph Stulpe, der vor zwei Tagen seine Frau verloren hatte, an solche Zwischenspiele gewähnt, in der Nähe der Toilette, wie im Traum im Hintergrund des Lokals, wo die Ober auf Anordnung des Geschäftsführers ebenso stark wie unauffällig zu applaudieren pflegten, wenn sie sahen, daß die Darbietungen den Ansprüchen des Publikums nicht genügten. Stulpe, der keine Kinder hatte und sich seit zwei Tagen selbst die Knöpfe an seinen Dienstfrack annähen mußte, dachte an sein leeres eisiges Bett und lehnte sich an eine Säule: er hörte, wie die Unerbittlichen lachten, er sah, wie die Sängerin wütende Blicke um sich warf und in einem Anfall ge- künstelten und arroganten Selbstgefühls die letzten Chancen verlor, ihre Niederlage zu verschleiern. Unwillkürlich verglich er die Frau, die da oben mit protzigem Dilettantismus ihre Alterserscheinungen preisgab, mit jener, die vor zwei Tagen gestorben war, mager und ohne auszufallen, unwillkürlich empfand er ein irreguläres Nerlonzen nach dem gealterten, parfümierten Fleisch dieser Frau, mit der er ein widerwilliges Mitleid hatte, das der kollegialen Erkenntnis einer gemeinsamen Verlassenheit entsprang: dieses Gefühl, über das er sich keine Rechenschait geben konnte, wurde so stark, daß er, hinter einer Säule verborgen, zum erstenmal nicht beruflich applaudierte, fondern mit einer wehmütigen Ueberzeugung des Herzens, als die Sängerin mit einem langgezogenen, hohen und abschließenden Ton einen letzten Versuch machte, die Situation zu retten. Der Ober Zoseph Stulpe merkte nicht, daß«r der einzige war, der applaudierte. Das Publikum, das, durch die forciert« Sicher- heit der Künstlerin gereizt, die letzten Bedenken überwunden hotte, zischte über das Klatschen seiner mageren Hände hinweg. Stulpe aber ließ sich nicht beirren. Aus seinem Mitleid für eine lächerliche Frau wuchs ein stiller, ober harter Zorn, eine würgende Antipathie gegen dies« fremden Menschen, de«» er Nacht für Nacht in den Mantel helfen mußt«, mit einem starren, obligaten Lächeln und er trat plötzlich, ohne zu wissen warum, hinter der Säule hervor, nicht mehr ein anonymer belangloser Ober, sondern ein Gast, und ging dicht an die Rampe; so stand er da und klatschte mit langen an- klagenden Armen, verärgert und von einem ungewissen Zorn gegen die Welt erfüllt, und hatte ganz vergessen, daß er Franz Joseph Stulpe war, der die Stühle aufstellte, wenn die Letzten gegangen waren. So stand er da, ein Mensch, Franz Joseph Stulpe, ohne Frack, er hörte nicht die aufgeregte Stimme des Geschäftsführers, die ihn zurückzureißen versucht«; er dachte daran, wie schlecht es ihm ging und ob es noch«inen Sinn habe, morgens den Mantel zu bürsten, er dachte an sein eisiges Bett, in dem er sich so über- flüssig vorkam; so stand er da, der einsame Ober Franz Joseph Stulpe, plötzlich aus der Fassung geraten, so stand«r da und applaudierte gegen das Leben. Als die Sängerin, durch den unerwarteten Applaus ermutigt, die Unvorsichtigkeit beging, noch einmal vorzutreten, um mit einer Gebärde der zugleich frechsten und hilflosesten Verachtung den Skandal durch eine ironische Verbeugung zu quittieren, ergriff jene Dame, die ihre Begleiter angefeuert hatte, ein Weinglas und warf es der Sängerin mitten ins Gesicht; eine allgemeine Panik entstand. Einige Herren, die Miene machten, gegen die Dame, die das Wein- glas geworfen hatte, tätlich vorzugehen, wurden mit Müh« von den Obern zurückgeholten. Der Ober Franz Joseph Stulpe aber rührte sich nicht: er hörte, wie dicht neben ihm ein Wortwechsel entstand und Ohrfeigen klatschten, wie jemand, der vor seimn unbeteiligten Schmerbauch geboxt worden war, mit hilfloser und asthmatischer Stimm«„Unverschämter Flegel" rief, und eine aufgeregte Frauen- stimme in einem widerlich ängstlichen Diskant nach der Polizei verlangte.(Schluß folgt.) £oUe Amheim: 3||| JltiSlfMldC Wenn einer das Fürchten lernen will, so schicke ihn weit weg— ins fremdeste Ausland. Natürlich muß es eine Gegend sein, von deren Muttersprache er keinen blassen Schimmer hat; vor allen Dingen aber ist es nötig, daß er diese Reise allein antritt, auf daß er nicht etwa zwanglos mit einem Kameraden aus der Heimat Zwiesprache pflegen, mit dem zusammen seine Glossen machen und den also geteilten Schmerz auf einen halben reduzieren kann.... So eine Reise wird dem Jungen gut tun, denn selbst er, der bisher keine Verlegenheit und keinen Zweifel an sich selbst kannte, verliert unterwegs überraschend schnell sein unbeirnes, sicheres Auftreten, er lernt das Fürchten. In einem Kreise fremder Menschen, deren fremdartige Laute du nicht einmal deuten kannst, fühlst du dich betrogen und verlassen, verraten und verkauft. Du hüllst dich in beharrliches Schweigen, aber es ist nicht dein Stolz, der dir soch Benehmen diktiert, du kannst nicht anders. Innerlich bist du völlig haltlos, der Boden schwankt unter deinen sonst so rücksichtslosen Füßen. Jedes Wort, das die anderen in der ihnen ach so vertrauten Sprache wechseln, scheint eine Bemerkung über dich selbst zu sein, die dir das Blut in die Wangen treibt; jedes harmlose Lächeln berührt dich peinlich und läßt dich schuldbewußt zusammenzucken. Diese anderen haben mo- mentan die Macht in Händen; sie gleichen einer Rotte von Ber- schwörern, die sich zusammengetan haben, um dich lächerlich zu machen und sich dann an deiner Lächerlichkeit zu weiden. In ohn- mächtiger Wut ballst du die Fäuste. Die sollen nur einmal zu dir kommen, in dein Land, wo du zu sagen, wo du den Boden unter den Füßen hast, wo sie hilflos, geduldet, fremdländisch sind. Dann sollen sie dies alles büßen, dann wird das verdammte höfliche Lächeln auf deiner und das Erröten auf ihrer Seite sein; dann spielst du den Herrn, den Ueberlegenen, Heimischen, und sie sind die in die Klemme getriebenen Opfsr.... Himmlischer Gedanke!!! Vorläufig soll es jedoch noch schlimmer für dich kommen. Hast du dir die ersten schwerwiegenden Bemerkungen über Wetter, Mode und die Zubereitung von jungem Spinat mühselig angeeignet, kanckst du nun schon statt grausam abgehackter Brocken einige gutgemeinte Floskeln stammeln, erraten, verdrelzen, radebrechen, so spitzt sich die Situation noch bedenklicher zu. Denn jetzt gilt es Konversation zu machen. Hilflos grinsend sitzt man sich gegenüber. Du plauderst. „Das Wetter ist schön!" bemerkst du sinnig, vielmehr, du willst es bemerken, meinst es zu bemerken. Der andere sieht dich zwar in- teressiert, aber verständnislos an.„Das Wetter ist schön!" wieder- halst du beleidigt und krampfhaft artikuliert. Der andere gibt sich redliche Mühe— er ist sichtlich ganz Ohr. zerbricht sich den Kops. was wohl gemeint sein mag—. dann geht ihm plötzlich ein Blitz- licht auf.„Aaaaaah— tja— hahahahaha....." Er bricht in ein nicht endenwollendes Gelächter ans. Du pfefferst ihm einen wütenden Blick zu.„Tja... naticrlich— särr gutt— särr gutt." Er will sich schier ausschütten vor Lachen, um dir zu beweisen, daß er deinen Witz nun endlich voll und ganz verstanden hat und ihn gebührend zu würdigen weiß, und daß du nicht traurig zu sein brauchst, denn man könnte sich— wie du selbst siehst— doch schon ganz ausgezeichnet gut mit dir unterhalten. Du massierst derweil heimlich deinen angespannten, schmerzhaft verkrampften Kiefer. Du bist wie gerädert. Nicht du meisterst die Materie, sondern sie dich, weil du aus rein technischen Gründen nie das herausbringst, was du eigentlich sagen wolltest, sondern das strikte Gegenteil. Das Wort ist hier eben nicht notwendige Folge eines Gedankens, sondern die unbarmherzige Vokabel beherrscht, dirigiert, schikaniert und oerführt dich, zwingt dich dazu, dich am intensivsten und temperamentvollsten mit den Dingen zu beschäfti- gen, die dir, weiß Gott, am. fernsten liegen. Aber du bist ja schon so rührend dankbar dafür, einen einigermaßen passenden Ausdruck anwenden zu können, für den glücklichen Fund einer Vokabel, die es nun weidlich auszuschlachten gilt, daß du geduldig folgst, wohin du von ihr geführt wirst. Sollte dein freundliches Lächeln etwas verzerrt sein oder er- scheint mir das nur so? Blindlings, wehr- und steuerlos läßt du dich weitertreiben; verbeißt dich nun mit fanatischem Eifer in be- denkliche Diskussionen über Bienenzucht und Säuglingspflege, fühlst dabei, daß du dich immer rettungsloser in Unmöglichkeiten ver- hedderst und verstrickst, langweilst dich innerlich zu Tode, läßt jetzt aber beileibe nicht mehr locker. Der Gegenspieler hat ja dabei auch nichts zu lachen, besonders, wenn du zu den Leuten zählst, die die Verpflichtung fühlen, sich in einem fremden Lande aus purer Höf- lichkeit stets unheimlich interessiert und wißbegierig zu.zeigen. In diesem Falle pflegst du unablässig Fragen zu stellen, die dir selbst einer unbeantwortet lassen müßte, der deine eigene Sprache hem- mungslos fließend spricht. Du gehst durch ein Feld und erkundigst dich nach dem Unterschied zwischen einem Maulwurf und einer Wühl- mays. Du willst wissen, wo jener schöne Teppich herstammt und wie lange an ihm gewebt wurde. Darauf kann man dir nur ant- warten, wie der Schüler es tut, wenn man ihm privatim eine hinter. listig« Frage stellt, um seiner Bildung ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Er erwidert dir stets last lächelnd:„Das Hab« ich noch nicht gehabt!" Der Junge weiß genau, das entzieht sich deiner Beur- teilung und er wird fortan vor deiner Neugierde und deinen plum- pen Vertraulichkeiten sicher sein. „Warum hast du eigentlich diese Frau geheiratet, die doch ab- solut nicht zu dir paßt?" fragt man Mischa nach feiner Rückkehr aus England,_ „Ick) woiß", antwortet der mit stoischer Ruhe.»Aber— als ich allein war, der Verzweiflung nahe, unter fremden Menschen, fremden Sitten..., wo ich auch stand, hinter mir. vor mir. neben mir diese unerträgliche fremde Sprache—, da kam sie mir«n�- gegen!!! Sie gefiel mir nicht, aber... sie redete mich auf russisch anIII Ich fiel ihr um den Hals vor Dankbarkeit, Erleichterung, Jubel, vor unsäglichem Glück... Ich hätte alles für sie tun können. Ich tat es auf die bequemste Weis«—, indem ich sie heiratete." Niemand lachte. Dagegen war nichts einzuwenden. ä)a# ifi Caios Werk Karthada, die alte Hauptstadt des karthagischen Staates, ist vom Erdboden verschwunden. Unter den vielen archäologischen Ne» liquien, die über die Mittelmeerländer verstreut sind, dürsten die der ursprünglichen Metropole des karthagischen Staates die dürftigsten sein. Sie bringen uns nur zum Bewußtsein, wie gründlich die' Römer das ceterum censeo des Cato, daß Karthago zerstört werden müsse, in die Tat umgesetzt haben. Ueber die nackten Hügelketten streicht der Wind, die Wellen des Meeres brechen sich an einem' öden Strand, und die paar über den Boden verstreuten Trümmer- stücke sehen aus wie der Haufen von Schritt, denen man In dem Gelände an der Peripherie der Großstädte begegnet.„Als ich in der Frühe", schreibt ein Mitarbeiter der„Stampa",„den Zug der von Tunis nach Marsa führenden elektrischen Bahn bestieg, war es klar und windig. Die Sicht war tadellos und die Enttäuschung des- halb um so größer. Als ich in Marsa, einer kleinen, schmücken»nd stillen Station, den Zug verließ, sah ich mich von einem halben Dutzend Arabern und Maltesern umringt, die mir die landläufigen Dienste mit der landläufigen Zudringlichkeit anpriesen. Sie ver- sicherten mir, daß si4 die„wundervollen" Ruinen Karthagos über b Kilometer erstreckten und daß ich deshalb unbedingt einen Wagen brauchte. Dieser war auch mit dem Kutscher auf dem Bock und dem Führer im Fonds bereits zur Stelle, und die aussicht einer Spazier» fahrt in der frischen, erquickenden Luft, die die mit mir gekommenen Engländer gor nicht lockte, ließ mich den auf mich einstürmenden Angeboten ein williges Ohr leihzrv Unter lustigem Peitschenknall des zufriedenen Kutschers ging es im Galopp die zu Tal führende Straße hinunter. Alle Augenblicke wandte sich der geschwätzige Cicerone an mich mit einem Schwall von Worten, die ich nicht»er- stand, über die ich aber nrit zustimmendem Kopfnicken quittierte. Vor jedem armseligen Säulcnstumpf hielt das Gefährt, und der Führer forderte mich auf, abzusteigen und das Trllmmerstück zu bewundern..Cglrje",„Church",„Chiesa", schrie er, um mir be- greislich zu machen, daß an der Stelle, wo jetzt die verstümmelte Säule lag, einmal ein Tempel, man weiß nicht, ob karthagischen cdcr römischen Ursprungs, gestanden hatte. Nach einer Minute schweigenden Schauens fuhren wir welter, um unverzüglich vor einer anderen Säule wieder halt zu machen. Kutscher und Führer machten verzweifelt« Anstrengungen, um sich Zu einem Höhepunkt staunenden Ueberschwangs vor jedem Wunder- werk zu begeistern, das sie zum erstenmal zu Gesicht zu bekommen schienen. So sah ich auf einer kurzen flüchtigen Umfahrt, die gerade ein Diertelstllndchen dauerte, alle Ruinen dieses Bodens, auf dem sich einmal eine der mächtigsten Metropolen der Welt erhoben hatte. einschließlich eines in Eisenbeton rekonstruierten Amphitheaters mir einer Galerie, wo einst nach der Versicherung meines Cicerone die Löwen untergebracht waren, die in Erwartung, ein paar Ge- fangen« zum Frühstück zu erhalten, sich die Zwischenzeit mit Gebrüll oertrieben. Nachdem ich im Wogen nach dem Ausgangspunkt der Partie zurückgekehrt war und meine Gefährten entlohnt hatte, sah ich mich von fünf arabischen Jungen umzingelt. Mit vielen Gesten und einem großen Llufwand an Beredsamkeit boten sie mir einige kleine Münzen an, die sie zufällig gerade tagsvorher beim Graben auf der Trümmerstätte gefunden hatten. Sie bekräftigten und he- schworen die Wahrheit ihrer Aussagen, indem sie sich mit den kleinem Fäusten kräftig die Brust bearbeiteten. Da ich mich aber ganz und gar abgeneigt zeigte, die kostbaren Funde zu erwerben, baten sie mich schließlich, ihnen wenigstens einige italienische Zigaretten zu verehren, die sie, behaglich sich in der Sonne räkelnd, mit großem Wohlbehagen schmauchten. Sie versuchten dann ihr Glück bei den Engländern, die sich kaufsreudiger zeigten. Aber die kleinen Zi- garettenraucher trugen mir meine Weigerung nicht weiter nach, son- dern überreichten mir nach kurzer Beratung als Gegengeschenk eine' der kleinen Münzen, für die sie einen Augenblick vorher nicht weniger als 3» Franken gefordert hatten. Mäßig befriedigt von dem Erinnerungsbild, das die instruktive Wagenfahrt vor meinem geistigen Aug« beschworen hatte, bestieg ich wieder den Zug nach Marsa. Es ist das wn reizvoller Platz mit Villen, Luxushotels und einem seinsandigen Strand. Im Juni pflegt sich dort das elegant« Tunis zu versammeln, Salambo, Hamllkor! Es sind die Namen oon zwei an der Linie von Tunis nach Marsa gelegenen Ortschaften. Es sind ober nur zwei Namen, die nichts weiter als eine Huldigung von Gustave Flaubert bedeuten. Die Srankheit. an der die meisten Menschen sterben, ist die Mw laria, die in Indien, im tropischen Afrika, in Zentralamerika und in Südosteuropa nicftt Tausends, sondern Millionen von To�es- fällen herbeiführt. In der Stadt Jsmoilia in Aegypten Hot Ro- nald Roß bewiesen, daß es möglich ist, durch Vernichtung der Mos- kitoe die Malaria wirksam zu bekämpfen. In dieser Stadt, die 7000 Einwohner halte, kamen Jahr für Jahr etwa ÄOO Malaria- falle vor. so daß die Einwohner schon beschlossen hatten, die Stadt N, verlassen. Jetzt ist Malaria dort em« Seltenheit geworden. ■ßtätgs uf$QuMJOßSeHSmtßi mkaufow, Mr Vorknvf saw«K Vorrat— Manaenab�abe aar�aheKa» A MW--#by»etiraMew Frisches Fleisch KifflUBiSli..... m t» Wer SdiweinebaDcli.......... m 1.18 Sdiwelnekucm"m 1,58 n BSäenlett krattertie...m 98 rt ZMSSvSlZÄ...mv«n 78p/. m Rlnöerltannn........... m 88?/. WnilerleliBr............. m 1,18 BBlfiftles.............. m 88pt ffnuMlTortBrUtüdB Pfim�Jp;. m aaonislrfliäiBB........... tu. T4pt Jnppeafleisdi...... tu. t»*«8p/.« GeMerfleisdt Ssbrelneiffpli■it/iNhrto. HüiSerlCHSw Msa...... tu. 46?/. KnaffliBdtei /r!,«»...... p-s. Söp/. Bai« frierk.............. Pfd. iSpt .TU. SSfl Obst and Gemüse Mandarinen....... s pm T8Pf. KodiSpfel.......... 3 pm. ZS?/. Krlm-Aepfcl....... s p/a. 45?/. Bananen........... spm. 1,00 Grünkohl......... ZTU.iSTt Rot- u. Wirsingkohl.,. pm. 9Pt Welsskohl.......... p/d 5p f. Käse und Fette Romedour 20%....Btcek 20.-L Allg. StangenkSse»Pfd. 46p(. An?.5tangenk8senn�p/d 96pl DÄn. Schweizer 30«v Pfd. 90p:. Tafelbufter............ p/d. 1,84 Danische Bntter..... Pfd. 1,98 Heringe...... Sp�58n �Zander.....................�60 pi. gtfnnn.....................Pfand Süskiinge......................... p/�ZZ 'Nur lefpityr Slrtti;, ütnsderflitz, /rinkfirter Sllce, Kstifiiiser 0i»n, 6«!l*.tll'ar»Slraue, V.lltncrsdoifcr Stracae Chavciees raala. Pf. TisrfrnclitiDiinnelidt. 83?:. I Ei�teer, Slrsch..... 1.30 Pflswn.......... 92p/. I Erflinar........... 1,30 Eimer ca.* pfd. ipnkflsenJo&uuilsIiHr 1,10 1 izzlldZ............ 1,40 Fernsprechanschlüsse: Wllmertäorf.Str. j Belie-Alliance Str. l KctlbuierDamm C 1, Stelnplatz 5151| F 5. Bergmann 4570| f 6, Baerwaid 5191 KONSERVEN KOnSlilflSSTnySe aae xstrvcknef«» Et'o«-, 1» Düt» 62rt ärechbohn ssi..............................?. v--- 65?-. berliner /ktteriei......................... i. v«. 82?/. Leipziger Allerlei.......................,.v«eVZpfi Efbsen mit Kixo'.fea.............................'/.vo-s 7 5pi. K&roften«Teschnlttea...........................'.'iDose-2p£. Ciemüse-Erbsen......................../. v°-° 98?f. Stangenspargei...................«. n°.. 2,95 Stangenspargel m«..,.v«« 2,60 Ä 2,20 Brecnspargel.tark..................... n«« 2,95 Brechspargel mftui...",v<« 2,70 iX 2,10 Gemischtes GemUse»»«»«!»..... 1, r>°°« 1.05 Gemischtes Gemüse /«w..........>1.0°« 1,65 Birnen rruct»............................... h v»«« 9�?/ Süsslcirsch�n mi.-.0°. v°.-1.05 � 1.Z0 Sauerkirschen°>-°« sf-i-. i.v°-«1.45 7.�1,20 pseiss?ibeer?n.......................... i,do» 1,30 Span. Aprikosen...................... v°-.1.25 Pfirsiche...................................... i-v°«.1 45 Ananas............................................ rwgl.OS Erdbeeren...................................v««1.65 Andreasslrüsss E 4, Medarde/ 2364 Crunnenstrasse I ChausseesUatte D 4, Humboldt 3834 I D6, Wedding 4981 � Theater, Lichtspiele usw. IIROSE 9 TlolleMu. S'/sUhc. BarMmuSU« Prafal-BM. Wtehmt«. B If. S• Pf.-3 3 SwCfti.taifliil. ISPniar-afrti, Aottal AArthur.Maa Wafl. Flertnet ASrla utw. TätJI. S U.«ü 1 Sonn. i. 3 o. t" .._, J A tX.*066 llNTERNAT. VARlETfe MBU Oirakttan Dr. Mama Ztekel MBW Komische Oper fflttfrtalialr.m Uerkar U01*SJB. Nach vollpändlüem Umbau Tiglfch gi;. ui r Hulla dfi Bulla Sebwank rrm Arnold und Bach mit Gafdo THIttlse er, Stkvlz. Sekrvtk, Borf. H Idebrand. Wattw •tM. rilek. Rehmer. Weeek LustspiGlhaus 6�» rrfcdHebstr. Nh. Berftm&na 2922 N liste Zü! temlleaBii. Riemasn- Haack. Vorvericttvi In beiden HHusern ab 10 Uhr ominterbreehen. GROSSES SßHAUcPiELHAU j 8 Uhr 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL 3 SBBBtag na dm. aspsk. fanw Fr. , 8.15 übi �tou. m» fiiostn tnaBfii j ] Original 18 law/Bnea Tiller-Oirls. | Faul ffwinfwtUf, Emwi 6 Ttaaat tit.| 8 Wir irunnistroBo VoflcsstClek roa QroBmaan and H e,>« l fti�M « Uhr talilniiete i knwr an Sftimaatrtnin m Wir UltCsrlnlsDlit stsBisaaeranPUB dar Bnraaiik 8 Uhr Salome iauwrsfMt O.l. Norden IJSIO 8 Uhr BerRaiidlitat ron Carl Stemheim Iqle: hn Dtiidd. Kleines Nest. Merkur I«4 TiCI. S'U Uhr Der Walzer m beute Nacbt! .Max Adalbert, Erl■(IKssaer, Bilde Wömer, nermanihScbaaittt. Direktion >t. Robert Kleir Biatsehes Bdusllar-Thtat Barbarossa 3937 S'l, Ukr Jiai, ml, irti" von Franz Molaai Bit Hu Pillnbn� »orhir: Souper Bnlloer Ibeatet Dönhoff 170 Täglich StA Chi Die Straße isit Hb«) EBsimn H«ln*elililp«r Qgiitidin Mm D.I. Korde« 13310 Tägl. W, Uhr Der Kaiser V.Amerika vo« Bereard fhaw Reg.: Max Btlahardi Die KenGdte |1 Blsmrt. 7414/731« 8-/- Uhr Victoria von S. Maugham. Regle. Max Reinhardt Musik: Mtscha SpoliansVy. Romiscne Oper Friedrich-fr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich S'AU Ha di Bnlla Sdvaii re> Intel/«»/ Hai. Lustspieihans Fried rlchstr. 236. Bergmann 2922.23. Täglich St/s Uhr Liebe auT den zweiten Bück TL i. RoHndorfiilalz Vor» h. 10-2. Kl. 2091 Täglich 8>/, Uhr sastsfia) in ItBisdca Tisaien Menschen im Hotel von Vieki Baum. legie: W GiOulgas. syöiin Uta der,' ar -7r8l8K0«Wlll»,K ivs.t, stt.n v. i: alnay Opereltenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zeatral- Thealer) Täglich Aha Uhr Oer Soldat der marto •THEATER"ÄT Teleoh.: Alexander 3422 u 347' Nor noch bis Dienstag, den 28. Januar 1930(fägl. 8.1S Die Gzamasiiirsiin Sonnabend, nactim. 230 Uhr, M&rcheaTorstellung Der gestlefelte.Kater Ib Kitfasdi, ZS. Jm«(Sgl. 8.15 D:) „Gasparone" Operette In 3 Akten v ,'.|i|fS<;]ter w.uhr CÄSINO-THEATBR Lpiliri«iHiiTiRin OW4 ei» eratkL boote» Programm Pflr orrsere Leser! Jocsehem(Qr I— e Personer. Fauteull nür 1�3 Sessel 1.73.U, äonstlge Preise: Parken u. Rang 040 M Reichshallen-Theater Abends 0 sonn eo nndin. 0 SIctflner-SänAer Das grobe Januar-Programm I _it» Uhl:„logls Will««" On dadiaittiic laib Pnha«Ho Prtp. M O a n ts o/ f- B r e 1 1 1: 18 trsHa Nammemi Tauf FBihner-Oraesierl Renaissance-Theater Täglich 81/» Uhr PARISER LEBEN Oporotto von Offonbocn. Regie: CusttT ilartung. Musikalische Leitung: Theo Mackeben. —— StamBilU Ct. CI8t a. 2383/84. riieatcrI.(I.B8hrcnstr. 53-54 • A 4 Zentrum 926-927 DtreküoB Ralph Arthur Roberts S'/» Uhr ... Vater sein,(tofleflen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) h.i. Kapitän- Kautabak schmeckt mir doch am besten! .... T-�SLICH fOHKABEKD fiACHM.JUHR* KINDER U.ERWACHSENE i eRmässigte precsb■, Ml. Ms Täglich 81/» Uhr; Höfel Siedl Lemberg Musik von Gilbert KAthe OerKb Leo Scbatzendsr, Frisier- Salon Stadtbad Neukölln Brstklmifti�e Dedlezunig Pelnlldse Saobcrkcli 20% Rabatt bei Abgabe d. Inserats BtruonKj-uODses Theater n der KSRiggratzer Streßt Tfiglkh P/# Uhr Professor Bernhard] von ÄtCkcr Stknlhhr fagtl: 7! hm timmtf KefnAdloRhaus Täglich 8»h Uhr Oer LUgner und d.e Nonne von eort setz Taut. a. Roim.Ter Köttb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr [m auchSoont. K\nachm.3ll Elite- Sänger. Da- grobe Januar-Prorr.l Da» kann man i mal sehen! Endlos« lä&tOnsiül iBsslng- Theater Norden 10846 Täglich 8 Uhr Affäre Dreytus von Rchflsch und Rerzo- MMJWM | L'-Bibo Beimamijaa tnold Sdiclz hasa'Mide 198.14! Grotes BoiiMosll Braten von C ganzen Schwolnen und f7jrnli«rtinj des kleinsten Rpsenrr.urde». 6 Geldpreise: 50. 40, 30,' 20. 10 RM. 7 kptDtii.— Ren» Dsksnficnea.— SS tujfßtw Baüo.| Einlaß: Wochentags 6 Wir. Sonntags 4 Uhr. Phiiltarmonie 8 L'hi MM-ÜM»! des Phllharm. Orch Dlrfg. Prel.!. PrSinr 4 Sf.-Tscbaikowsky Konz, in Form einer Gesangssrenz- Spohr Hanke) Eintritt I Mh Pianetannm — am Zoo.» firüla. JMfliBÜ»«!»; ilrth B.S BarbarossaSSTf Wh Uhr Die Whittf. »tembllger IS1/» Uhr Der Piene iDglttr. 2fr", Wn HerhwDrdlg« S.nmefUhMiiiLlwWüll Bintritt I Mark. Kinder 50 Pf. Mittuochs halb- Kassenpreise Metropol-Th. SU» Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz. 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Cannecslag. Ben 30. Zannae. nachm 5 Ahe Im Catal oon Znnbec. Cauftflec Sttafjc Zi Versammlung sdmLicher Ko.iesen aus den Beine&en. die Heiner Arbeit- gober-Vereinigung angeboren Zageeorbnnng Berichterstattung von den Berband» lungen vor dem Schllchtungeauslchu� Ohne Mitgliedsbuch tein Rutritt. Es ist Pflicht aller Roll gen aus obige» Betrieben, in Biel« SSeriammhittg ju erscheinen._____ Donnerstag Den 30. Zaunae. a64»s. t Ahr. in CßmalOa Vereins- Hann. Stalltet Ltrahe 126 Branchen-Versammlung der Qraveure und Ziseleure Tagesorbnung. 1. Branchcnongeiegeuheiren. 2. ScridtieBcnes. Mitgliedsbuch legitimiert. Erscheinen aller Rollegen ist Pflicht. Sonncrslng, den 20?6nnan, hm. 3»Hr. im»asenihnler chaZ, »osenlhnler»trahe 33,3- Brencffen- Versammlung euer in der ebirurgiecben Bracche tescbatti&ten Kolleginnen und Kollegen Saaessibnung: L Das Arbeltstolen.Peeflcheiungsgesrtz, Referent: Rollege Roch U, 5. Bronchen angelegenhe teu. 3. Berich eden.s. 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