BERLIN Mittwoch 29. Zaimar 1930 10 Pf. flr.45 B 24 4?. Lahrgang erkch«i«ttS»lich alter Zugleich Tbeudaukgab« de«.Vorwärtt'. BejugirreU beide Ausgaben«sPf. pro Woche,»FnM. pro Monat. Redattion und Expedition; Berlin SW SS, Lindmstr.S Ibwasdi UntetgenpreiC Di« einspaltig« Nonpareillejeil« so Vf.. gleklame,eile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. VaSscheetkont»! Dorwärts-Berlag G. in.b.H.. Berlin Nr. 87696. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 20? reußisches elraten Spiel mit Namen.— Die Volkspartei berät noch immer. Dia Lage in Preußen hat keinerlei wesentliche Aendernng erfahre«. Die Deutsche Vollspartei hielt heute vorneittag wiederum eine Araktiuussihuug ad. die ebenso wie die gestrige bei Zusammentritt des Plenums «och nicht ihr Ende erreicht hatte. Wie wir erfahren» soll sich die Diskussion i» der dolksparteilicheu Fraktion bisher weit weniger mit der Frage beschäftigt haben» ob das Brauusche Angebot des HaudelSmiuifteriums und eines Ministers ohne Portefeuille grundsätzlich an- guuehme» sei» als vielmehr um die Personeufrage. Ks soll bisher noch nicht gelungen sei«, in der Volks- Partei selber die Frage gu kläre«, wen sie als Mi- nifter im Falle der Amtahme dieses Angebots vorschlage» will. Die für das Handelsministerium ge- nannte Kandidatur Leidig scheint gefalle« zu sei«. Durch diese weitschweifige Behandlung werde» die Aussichten für das Zuftaudekomme» der Regieruugsum- bilduug natürlich nicht günstiger. Die sozialdemo- k ratische Fraktion, die heute vormittag gleichfalls eine kurze Sitzung abhielt» sah auch bei der unveränderten Sachlage keine Beraulassuwg. neue Beschlüsse zu fasse«. Eine kurze Aussprache verursachte das Rätselrate« der demokratischen Presse um die Person des von der Sozial- demokratie vorzuschlagenden.Kultusministers. ES wurde festgestellt, daß die Meldungen eines Boulevardblattes sogar Name» enthielte«, die in der sozialdemokratische« Fraktion niemals geuanut worden stud. Wir könne« auf das Bestimmtest« mitteile«, daß alle bisher vo« der demokratischen Presse genannten Namen von an- gebliche« sozialdemokratischen Mmisterkandadaten auf haltloser Kombiuatlou oder gänzlich freier Erfindung beruhe«. Die Fmktionssttzuug der Deutsche« Volkspartei wurde gegen 1 Uhr vertagt, ohue zu einem positive» Er- gebnis gekomme« zu sein. Heute abend soll die Fort- jetzung der Beratung in einer«eueu Fraktioussttzuug stattfinde«. Es wird also auch im Laufe des heutigen Dages eine Entscheidung nicht fallen. Konflikt im Preußenzentrum. Oer FraktionSvorfiand stellt seine Aemter zur Verfügung. Der Vorstand der Zeutrumsfraktio« des Preußische« Landtages hat der Fraktion am DienStag sei« Mandat zur Verfügung gestellt. Ileber die llrsacheu dieser Sberrascheudeu Amtsnieder- legung versichert die„Germania-, es handle sich nur um eiueu formellen Schrill, denn die Fraktion habe bei ihrer Soustituierung ausdrücklich beschlossen, die llorsiandswahl erst später vorzunehmen. Dagegen erfährt der„Soziallstische Pressedienst" eiuige Eiuzelhelleu. die die Dinge in eloem ganz audereu Lichte erscheinea laste«. Danach Halle der bisherige llulcrhäudler des Zentrums, Abge- ordncler h e ß. sich für de» Zoll der Bildung der Großen Soalikioo mit dem sozialdemokratischen Abgeordneten König als Kultus. minister persönlich einverstanden erklärt. Heß wurde deshalb in seiner Zraktton. besonders von dem katholischen Pfarrer Lauscher außerordentlich scharf angegriffen. Er stellte daraufhin sein Mandat zur Dersüguag. Der Gesamlvorflaud der Zeulrumssraklion erklärte sich mit Heß solidarisch. Am Donnerstag wird die Neuwahl erfolge« und wahrscheinlich der bisherige Vorstand in seiner allen Zusammensetzung wieder- gewählt werden. Sozialdemokratische Reichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktum trat heute Lormittag um IL Uhr zu einer Aussprache über die politisch-parlamentarische Lage zusammen. Die Beratungen dürsten den ganzen Tag in Anspruch nehme». Eisenbahnverkehr Europa— Osiasieo. Der direst« Elsenbahnver» kehr zwischen der europSischen russischen Grenzstation Reoorelos« rnd Mandschuriia ist wieder aufgenommen worden. Der erste Aug vach Europa verläßt die Station Mandschurqa am 31. ö-muar. Riesenhaste Wirischastsstockung. Trotz der milden Witterung zunehmende Arbeiislosigkeii. Der schwere Druck der Arbeitslosigkeit hat nach da» Berich» der Beichsauslalt in der Zelt vom 20. bis 25. Zanuar noch zu- geuowwen. Zedoch waren die Zugonge an neuen Arbeitsuchenden nicht so zahlreich wie in der vorausgegangenen Woche und wie im gleichen Zeitraum des Vorjahre», wenn unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Beschäftigungsgrad weniger schacs als im Vorjahr abglitt, so ist diese gewisse Wlderslandakrost des Marktes letüglich aus den Einfluß der milden Witterung zurückzuführen Die Zahl der hauptunlerstühungsempfängcr be- trug am 22. Zauuar rund 2»40000: sie ist io der vetriebswoche um etwa 90 000 gestiegen aus über 214 Million Haupt- Unterstützungsempfänger, et mg 2230000. Am stärkste« war die Zunahme der Arbeitslosigkeit in Bayern und Schlesien, am schwäch st cn in Iliedersachsen. Zlordmark. Westfalen und Rheinland. Gegen Monarchie und Klerus. Freudenkundgebungen in Madrid.' Madrid. 28. Januar. Nachdem die Nachricht vom Rücktritt Primu de Ri- Veras in der Stadt bekanntgeworden war. verjammckteu sich au de« Hauptplätzeu Madrids starke Stu deute u- g r u P P e», die Kuudgebungcu gegen die Man- archie und de« Klerus veranstalteten. Dabei wurde der Zeitungskiosk der klerikale»„El Tebate" angezündet. Die Polizei ging mit der blanken Waffe gegen die Demonstranten vor. Ans Salamanea kommen Nachrichten, nach denen auch dort Kundgebungen gegen die Krone stattfanden. Die Studente« durchzogen die Stadt mit den Rufen: „Nieder mit dem König, nieder mit der Kirche!" Neuwahlen und strenge Zensur! Paris, 29. Zauuar. Wie havas aus Madrid bcrichkel. soll der herzog von Alba das Portefeuille für den öfseollichen Unterricht angenommen haben. sllach dem„Itnn Port Herold" kommt der Herzog al» Außen. minister in Frage.) General Berenguer erwarte im Lause des heullgeu Tages die Antworten von gegenwärtig aichl tu Mo- Snrimos Hachfolger Itadutem der fpanJJrftr»fWaior Drftno dr»leer» srurflek getreten Ist. bat der SOfnlg den Chef feines UlBrkeblneHs. den Qenerat SSerenguer. mli der SSIIdung de» RaWnefU beauftragt drid weilenden Persönlichkeiten, die er für sein Sabinell in Aussicht genommen habe. Man nehme an. daß heute abeud die neuen Minister nom König vereidigt werden. General Berenguer habe die Absicht, sofort Neuwahlen auszuschreiben. Er werde die Zensur mit größter Strenge fortsetzen. Stalin muß zwei Orden haben. Die„Voltenwssen" verlangen neue Dekorierung des Goivjei-Vonaparte. Moskau, 29. Januar. Es mehren sich die Kundgebungen für eine nochmalige Detoricrung Stalins mit dem Orden der Noten Fahl«, dessen Inhaber er wie alle prominenten Sowjetsuhrer schon ist. Der Orden der Roten Zahne hat kein« Einteilung in Klassen, kann aber dafür mehrmals verliehen werden. Neuerdings erheben sich auch Stimmen, welche dem Äriegskommissar W o r o s ch i l o w dieselbe Ehrung zuteil werden lassen wollen, Mittionen lassen sich iaufen. Ein Riesenfest am Ganges. Allahabad, 29. Januar. Bon den Behörden von Allahabad werden umfangreich« Vor. sichtsmaßnohmen getroffen, um einen möglichst reibungslosen Ber- lauf des Amamas-Fesies, eines großen Tauf-Festes im Ganges, das alle 12 Jahre stattfindet, zu sichern. Eine ungeheure Zahl von Pilgern ist bereits in Allahabad eingetroffen. Man rechnet mit einer Tcilimhmc von nicht weniger als 2 bis Z M i l- l i o n e n Pilgern. Gestern ist es zwischen einer Schar von Bettclmönchen und einer Vereinigung zur Unterstützung der Pilger während ihrer Anwesenheit in Allahabad zu schweren Zusammenstößen gekommen. Nur einem großen Aufgebot van Polizei gelang es nach längerer Zeit, die Ruhe wieder herzustellen. Ungefähr 20 Personen wurden bei dem Zulammcnstoß mehr oder weniger schwer verletzt. Oie Parteikrise in Frankreich. Die Fraktionsmehrheit fordert RegierungSbereitschast. Propagandaaktion geplant. Paris. 28. Januar.(Eigenbericht.) Die Kampfansage der auf dem Pariser Parteitag der Sozialisten geschlagenen Minderheit war keine leere Droh«««. Am Dienstag treten die Anhänger der Regie- ruugsbetriligung in der Kammerfraktion, die nicht weni- ger als 71 von den 188 sozialistischen Abgeordneten zähle«, zu einer Protestsitzung zusammen. Sie be- schlösse« die sofortig« Einleitung einer encrgischei, Pro- pagandakampagne in de» Provinzialverbänden und forderte« proportionelle Vertretung der Minderheit iu allen Parteiinstanzen. Endlich verlangten sie, daß k« Zukunft die Führung ser parlamentarischen Fraktion nicht von dem Parteivorsitzenden Leon Blum allein ausgeführt werden soll, sondern von einem mehr- köpfige» Direktorium. SttNegung in der Zigarettenindustrie. Der Äreslauer Sckstem-Halpavs-Aetrieb preisgegeben. Breslau. 29. Januar Die Zwckgniedsrlassung Breslau der Eckstein-Halpaus-ZigarMeo- fabrck G. m. b. ch. bat bsiw Regierungspräsident«, die Still- legung der Breslauer Werke zmn 28. Februar beaniragt. Di« Firma gibt zur Begründung dieser Maßnahme an. daß trotz ihrer Zusammenl.'wmg im April 1S29 Ersparnisse nicht erzielt we den tonnten. Berlin sucht neuen Kredit. Der Eindruck des Oberbürgermeisterbriefes.' Iroh der Aufnahme des S-Millioaen-kredLes be> der Branden- urgischen Girozentrale und des 25.Millionen-Darlehens bei den Eleklrowerken ist es der Stadt Berlin nicht möglich. bis Ende März über alle Aassen s chw le ri gl ei te n hinwegzukommmen. Es steht bisher lediglich fest, daß der Zanuar-Ultlmo glatt überwunden werden kann. Für Februar und März ist die Kassennok noch nicht behoben. Es ist daher felbstver- ständlich, daß der Magistrat in neuen Eerhandlungen um die her- anschasfung der erforderlichen Mittel bemüht ist. Im Augenblick flehen aber weder der Berlragsparlner noch die Bedingungen fest. selbst über die höhe des Betrages ist man sich noch nicht im klarem Alle anderslautenden Mitteilungen entbehren jeder Grundlage und beruhen auf leeren Vermutungen. heute fand eine Magistrotsfitzung statt, die sich aber lediglich mit der Erledigung der laufenden Arbeiten beschäftigte. Zu der er- solgten Ablehnung des Nachtragsetats im Haushalts- ausfchuß nahm der Magistrat noch keine Stellung, man mill erst die Entscheidung der Stadtoerordnetenoersammlung ab- warten. Auch mtt dem Brief des Oberbürgermeisters, in dem er bekanntlich feine Bereitwilligkeit erklärt, bei Anerkennung der Penstonsanfprüche vor Abschluß des Difzipliarverfahrens zurück- zutreten, beschäftigte sich der Magistrat nicht, da es sich hier ledig- lich um eine Angelegenheit der Stadtverordnetenversammlung handelt. In den einzelnen Fraktionen wird cher Böß-Brief natür- lich lebhaft diskutiert. Im allgemeinen ist man innerhalb der Par- ieien der Ansicht, daß das Interesse der Stadt Berlin selbst eine möglichst schnelle Lösung der Oberbürgermeister- frage dringend erfordert. Wie wir hören, dürften sich die Deutschnationalen bei einer Abstimmung über die Pensionierung Baß' der Stimme enthalten._ SchaumlöschergegenbrennendesWachs Eine Wachsschmelze in Flammen. Ein Großfeuer rief heule vormittag die Feuerwehr nach der Saarbrücker Straße?2/2 4. 3n der Wachs- schmelze einer chemischen Fabrik war ein Feuer ausgebrochen, das in ganz kurzer Zeil großen Umfang annahm. Sechs L ö f ch z ü g e waren mit der Bekämpfung des Brandes stundenlang beschäfligl. In dem umfangreichen Hintergebäude befinden sich die Räume der chemischen Fabrik Astroline G. m. b h. Im Erdgeschoß ist die sogenannte Wachssthmelze, in der große Vorräte an Wachs, Oelen und Fetten lagerten. Kurz nach 9 Uhr entstand in einem Raum aus noch ungeklärter Ursache Feuer. Die Flammen fanden an den leicht brennbaren Gegenständen überaus reiche Nahrung nnd im Augenblick standen sämtliche Räume in Flammen. Zahlreiche Arbeiter und Angestellte, die dort unten be- schäftigt waren, konnten sich glücklicherweise rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr rückt« auf den Alarm.Großfeuer" mtt sechs Löschzügen an die Brandstelle. Vier Schaumlöscher und sechs Schlauchleitungen größten Kalibers mußten in Tätigkeit ge- fetzt werden, um ein Weitergreifen des Feuers zu oerhindern. Die brennenden Wachs- und Oeloorräte erzeugten einen fo starken und beizenden Qualm, daß die Lösch trupps mir mit Sauerstoffapparaten versehen gegen den Brandherd vordringen konnten. Mehrfach er- folgten hefttge Erxplosionen. Das ganze Erdgeschoß bildete eine Zcltlang ein einziges Flammenmeer, aus dem unaufhörlich meter- lange Stichflammen hervorfchoffen. Endlich, nach etwa zweistündiger Löschtätigkeit, konnte das Großfeuer niedergekämpft werden. Bei den Löscharbeiten erlitt der Oberfeuerwehrmann Steinke von der Wache Keibelslrahe durch herabstürzende Trümmer eine schwere Schädewerlehung, er mußte in das Krankenhaus am Fried- richshain übergeführt werden. Di« Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten dauern bei Redaktionsschluß noch an und mehrere Ab- lösungszüg« trafen ein. Der Schaden ist sehr erheblich. Jörns in der Defensive. Nechisanwali Levi beschuldigt ihn falscher Oarstellung. Berliner Robinsons. Sin Ehepaar auf einer GalapagoS-Jnfei aufgefunden. New Jork, 29. Januar. .Associated Preß" meldet aus Chikago: Bon der Eugene- M a c d o n a l d- E x p e d i t i o n, die einige Inseln in der Nähe des Aequators erforscht, liegt ein Funkbericht vor, daß sie aus der zur Gruppe der Galapagos gehörenden Eharles-Znseln zwei Der- linor, Dr. Rille und Frau, auffanden. Das Ehepaar strandeke vor fünf Monaten bei der genannten Insel. Die Macdomrid-Expedition verproviantierte das Ehepaar für die Dauer eines Jahres. Oer Schiffbruch vor Biarritz. Paris, 29. Januar. �.e Bemühungen zgr Rettung der Schiffbrüchigen von dem Wrack des vor Biarritz gestrandeten englischen Dampfers„knep- roarlh" sind gestern nachmittag zunächst unterbrochen worden da- durch, daß das Kabel, auf dent die Rettungsboje lief. Mit der die Schiffbrüchigen einzeln an Lan8 geholt wurden, sich an den Küsten- islsen scheuerte und zerriß. Bis dahin hatte man acht Mann von den 2Z an Bord Befindlichen an Land geholt. 20 000 Personen befinden sich am Strande und verfolgen die Rettungsarbeiten. Um 7 Uhr abends setzte man die Bemühungen fort und hofft, im Laufe der Nacht noch die an Bord befindlichen IS Mann zu retten. Das Schiff selbst muß als verloren angesehen werden, ebenso die Ladung. Das Ltrieil von Oinkelfcherben. Zwei Bahnbeamte zu Gefängnis verurteilt. München, 29. Ianuar.(Eigenbericht.) In dem Prozeß wegen des vinkelfcherbener Eisenbahnunglücks verkündete das Augsburger Schöffengericht heule vormittag folgendes Urteil: Die Angeklagten Ämter, Wiedenbauer und karner werden freigesprochen. Der Angeklagte Müller wird zu 5 Mo- »aten, hübler zu Z Monaten Gefängnis verurteilt. Den Verurleillen wird Bewährungsfrist zuerkannt. Brasilianischer Dampfer gestrandet. 35 ovo Sack Kaffee verloren. Paris, 29. Ianuar. hdt bcajilianifche blwo-Tonnen-Dampfer„A l a g r e t e" ist im Aermelkaual infolge des dichten Nebels auf einen Felsen ge- lausen. Das Vorderteil des Dampfers, auf dem flch ZS 000 Sack Kaffee von Brasilien auf dem Wege nach Le haare befanden, wurde vollkommen eingedrückt und läuft tougsam voll Gaffer. Die Versuche, das Schiff loszumachen, fcheilerlen. Die 'laßung konnte gerettet werden. Zu der heutigen Morgeasthung des Zorn- Prozesses wird in der Erörterung des Fragenkomplexes: Die Behandlung des Oberleutnants Vogel durch den damaligen kriegsgerichlsrat und llnterfuchnngsrichler Zorns forlgefehl. Die erschienenen Zeugen, die damaligen Mitglieder des Zentralamls und vollzugsrals der < Arbeiter- und Soldatenräle, W e g m a n n und Rusch, wie auch der an der Ermordung Rosa Luxemburgs beteiligte Iäger Runge werden bis auf weitere» entlassen. Runge beschwert sich aber noch darüber, daß ein kommunistisches Abendblatt in seinem Prozeßbericht ihn als Mörder bezeichnet hat. Als der Vorsitzende ihm erNärt, daß das Gericht nichts dagegen machen könne, sagt Runge, daß er unter solchen Umständen gezwungen sei, zur nächsten Verhandlung einen Revolver mitzu» bringen. Der Vorsitzende warnt ihn, keine Dummheilen zu machen: er werde ihn auf Schußwaffen uniersuchen lassen müsien. Runge verläßt in großer Erregung den Gerlchtssaal. Jörns Dertreter, der Iustizrat Löwenstein, schneidet noch ein- mal die Frage der Autorschaft des Tagebuchartikels an, bittet, den Artikel zu verlesen und stellt den Antrag auf Vernehmung des Ver- sassers Bertold Jakob. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück und beschließt, die Autorfchaft Iakobs als wahr zu unterstellen. Iustizrat Löwenstem hat aber noch einen Antrag bereit. Trotz Unterbrechung durch den Vorsitzenden zitiert er den Prozeß- bericht der„Roten Fahne", erklärt, daß er falsch sei und zieht daraus den Schluß, daß auch die Behauptung der„Roten Fahne" vom Ianuar 1919 hinsichttich der ersten Nachrichten über die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts dem da- maligen Untersuchungsrichter Jörns nicht als Unterlage habe dienen können. Er stell« deshalb den Antrag, den Prozeßbericht der„Roten Fahne" zu den Gerlchtsakten zu nehmen. Rechtsanwalt Paul L e v i widerspricht diesem An- trag. Er erNärt, daß die„Rote Fahne" im Jahre 1919 von an- deren Leuten geschrieben wurde als jetzt im Jahre 1930. Im übrigen würde die Beweisaufnahme ergeben, daß die sowohl in der.Molen Fahne" als auch in der„Freiheit" genannten Tatsachen durch den späteren Gang der Untersuchung in der Sache der Er- mordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs bestätigt wurden. Jeder gewissenhafte Untersuchungsrichter hätte Veranlassung ge- nommen. den in jenen Berichten angedeuteten Spuren nachzugehen. Nach kurzer Beratung fragt der Vorsitzende den Vertreter des Nebenklägers, ob es ihm genügen würde, wenn das Gericht den Prozeßbericht der„Roten Fahne" zur Kenntnis nehmen und ihn später berücksichtigen würde. Nunmehr kann endlich in die Beweisaufnahme singe- treten werden. Es werden die Dernehmungsprotokolle eines der Begleiter des Oberleutnants Vogel, I a n s ch t o w. oerlesen. Der Oberleutnant Vogel, der auf Befehl des Generals von Lüttwitz ver- haftet und am 17. Ianuar von Jörns enthaftet wurde, hatte bei seiner ersten Vernehmung gesagt, daß Rosa Luxemburg von Zivilisten am Kurfürstendamm weggeschleppt worden sei. Er hatte gelogen. Ianschkow hatte am 16. Ianuar erklärt, er erinnere sich nicht an Einzelheiten. Aus seiner Aussage am 22. Januar ging jedoch hervor, daß Frau Luxemburg in der Nähe der Lichkensteiuer Brücke von Zivilisten und Soldaten aus dem wagen geschleppt worden sei. Vogel hatte ihm gleich darauf den Befehl gegeben, be die Division zurückzukehren. Am nächsten Morgen fand Ianschkow auf dem Leder pol st er des Wagens Blutflecken und B l u t st r e i f« n. Erst noch den beiden letzten Aussagen Jansch- kows wurde der Haftbefehl auch auf Vogel ausgedehnt wegen de� dringenden Verdachts des versuchten Mordes. Reichsauwalt Jörns behauptet nun, daß erst die.Aussagen des Zeugen Jansch- low ihm genügend« Beranlassung gegeben hätten, gegen Vogel den Haftbefehl auszustellen. Zum Beweis dafür, daß die Angaben der „Freiheit" und der„Roten Fahne" für feine Untersuchung belanglos gewesen seien, zitiert er aus den Berichten der Blätter eine große Anzahl von Sätzen. Rechtsanwall L e v i: In dem Artikel steht aber bedeutend mehr, als Sie, Herr Reichsamoall, darstellen. Uebrigens hatten Sie bereits damals Ianschkows drei Aussagen und di« Aussagen Runges, des Kraftwogenführers Rall und Vogels vor sich. Wie haben Sie die Widersprüche zwischen diesen Aussagen aufzuklären versucht. Jörns: Wem sollte ich glauben? Di« Ausführungen in der„Freiheit" waren doch ganz unzuverlässig. Ich wäre damit auf eine ganz falsche Fährte gekommen. Rechtsanwalt Levi bc antragt die Verlesung der„Freiheit"°Artik«l zum Beweise dafür, daß der Zeuge, der als Reichsanwalt zu einer objekttven Dar- stellung befähigt sei, unter seinem Eide eine falsche Darstellung vom Znhalk der Arkikel gibt. Hier kommt es zu einem heftigen Zusammenstoß. Iustizrat Löwenstein erklärt: Ich protestiere gegen die Derdächti gung des Meineides. Ich bin in der Lage, dem Verteidiger aus seinen Veröffentlichungen eine Reih« von Umvahrhaftigkesten noch- zinoeisen. „Hehe, Drohung und Verleumdung." Kommunistische Kongreßmache. Der Hetzapostel gegen die Gewerkschaften, Paul Merker, versucht krampfhaft alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Berliner „Bezirkskongreß der revoluttonären Gewerlschaftsopposllion" In Gang zu bringen. Um„Stimmung" zu machen, wird jetzt das Märchen verbreitet, es habe„eine ungeheure Hetze, Drohung- und Verleumidung von der sozialfaschistischen Gewerkschaftsbureaukratie eingesetzt, um die Arbeiter und Angestellten von der Teilnahme an dem Kongreß abzuhallen". Selbst wenn die„sozialfoschistische Gewerkjchastsbureaukratte" in der Anwendung von Hetze, Drohung und Verleumdung nur halb so trefflich bewandert wäre wie die„revolutionär"-kommunistische „Opposition", so lohnt« sich in diesem Falle wirklich nicht die Müh«. Wenn die Wettreoolutionsstrategen dennoch den Lesern der KPD.-Presse diesen Schwindel auftischen, so einmal aus ihrer be- kannten Sympathie für die freien Gewerkschaften und deren Bor- stände, Insbesondere aber deshalb, weil di« Gewerkschaften sich um diesen„Bezirkskongreß" überhaupt nicht kümmern und weder direkt noch indirekt Retlame dafür machen. Herr Merker mutz das selber besorgen. Und weil nun einmal eine üble Sache wie dieser„Bezirkskongreß" nur mit üblen Mitteln betrieben werden kann, mutz auch das von Moskau als erlaubt erklärte Kampfmittel der Lüge dazu dienen, die Hetze gegen die„Sozialfaschisten" zu schüren. Möglich auch, daß Herr Merker sich unter Berufung aus die an- gebliche„ungeheure Hetze, Drohung und Verleumdung' von vorn- herein eine Entschuldigung sichern will für den höchstwohr- scheinlichen Fall, daß sein Reinfall mit dem„revolutionären" Reichs- kongreß sich bei dem Bezirkskongreß wiederholt. Den Gewerkschaftsmitgliedern gegenüber bedarf es nicht erst der Drohung, um ihnen zu bedeuten, was sie zu tun und zu lassen haben. Jeder Gewertschafter weiß. was dich KPD.-Presse tagtäglich verkündet, daß di« kommunistische, sogenannt« revolutionäre Gewerkschastsopposition, die sich gegen die Gewerkschaften richtet, im höchsten Grade gewerkschafts- feindlich ist. Wer sich dazu hergibt, mit den Elementen, die die Gewerkschafts- Zerstörung auf ihre Fahne geschrieben haben, am gleichen Strang zu ziehen, gegen seine Gewerkschaft geht anstatt mit ihr, der stellt sich außer der Reihe seiner Gewerkschaftsgenossen. Die„sozialfoschistische Gewerkschaftsbureaukratie" ist gezwungen, die Konsequenz aus dem Verhallen der Abgefallenen zu ziehen, weil diese selber diese Konsequenz aus kommunistisch lattischen Gründen nicht ziehen dürfen. Es besteht volle Klarheit darüber, daß ein Gewerkschasksmilalied. das sich zu den Zwecken der„Opposillon" gegen seine Gewerkschaft mißbrmxhen läßt, sich als Delegierter zu derartigen Kongressen wählen läßt, dabei aktiv oder passiv milwirkl. die ZNikgliedschasl in seinem verbände verwirkt hat. Wenn schon geoen die Gewerkschaften, dann von außen! Und wenn die KPD. auch nock» so patzig erklärt:„Die Aus- geschlossenen bleiben im Verband", so wird ihr gezeigt, daß s i e darüber nicht zu bestimmen hat. primitives Rechtsempfinden. Besteht anWilhelm, demVerflüchtigten, öffentliches Interesse? Wilhelm, unser Ehemaliger, hat das Bedürfnis empfunden, eine Zettung wegen Beleidigung zu verklagen, die über sein Verhältnis zur Firma Krupp bestimmte Behauptungen aufgestellt hatte. Der Oberstaatsanwall hat in Ermangelung eines öffentlichen Interesses die Erhebung der Offizialklag« abgelehnt, mit der zutreffenden Begründung, daß der ehemalige Kaiser für den heutigen Staat eine Privatperson wiejedeandere ist. Darob große Aufregung im Deutschen Osfiziersbund. dessen Mitglieder übrigens, wie der Fall Spaeth-o.« Kriegsheim gezeigt hat, zum Teil niemals Offiziersrang besessen haben. sondern geltungssüchtige Wohlsituicrte sind, di« sich durch Zuge- Hörigkeit zu einer Ojfiziersoereinigung für ihre Kreise einen Nimbus verschaffen wollen. Diese sogenannte Ofsiziersvereinigung untersteht sich, dos durchaus korrekte Verhalten des Staatsanwalls einen „Hohn auf eine geordnete Rechtspflege" zu nennen und„als dem primitivsten Rechtsempfinden zuw-.dir- laufend zu beantworten". Das primitive Rechtsempfinden, das sich die Herren vom DOL. selbst bescheinigen, können wir ihnen nur bestätigen. Die große Mehrheit des Volkes ist sich längst darüber klar, daß an Wilhelm nur ein wirkliches öffentliches Interesse besteht: nämlich die historische Frage, wie in der Hand eines derart Minderwertigen eine so enorme und fast unkontrollierte Machtfülle oereinigt werden konnte, daß dieser manisch Erregte imstande war, eine ganze Nation in den Abgrund zu reißen.— Ein wellergehendes Inter- esse an Wilhelm hat höchstens noch die psychiatrische Wissen- schaft._ Oer Oepeschenkrieg in Südamerika. Sonst aber Ruhe. Genf. 29. Ianuar.(Eigenbericht.) Während der Depeschenkrieg zwischen Paraguay und Bolivien sich in Einzelheiten verliert, ohne glücklicherweise neue kriegerische Ereignisse zu ergeben, finden in Paris, wo die meisten südamerikanischen Staaten Vertreter haben und in Genf zwischen dem Völkerbundssekretär und dem Vertreter des polnischen Ratspräsidenten Be sprechungen statt, die in erster Linie das Völkerbundssekretariat und den derzelligen Ratspräsidenten Z a l e s k i darüber informieren sollen, welche Aussichten die Regelung der Chao-Angelegenheit hat, die nach den Zwischenfällen von 1928 di« panamerikanische Union übernommen hatte.. Das letzte Telegramm des bolioifchen Außenministers betont, daß Bolivien die Ausführung des von der südamerikanischen Schlichtungs- kommission gefällten Schiedsspruches abwarte. Dieser von Uruguay vorgeschlagene Schiedsspruch behauptet nämlich, daß Paraguay die Rückgabe und Wiederherstellung von einem ein- genommenen bolioischen Fort, während Bolivien ein anderes Fort an Paraguay übergeben soll. Paraguay zieht es aber anscheinend vor, das von ihm seinerzeit eroberte Fort zu behalten. Aus der anderen Seit« scheint man in Kreise» des Völkerbundssekretariates die Tatsache, daß Bolivien seit ungefähr 1923 sein Heer mit Hilfe privatim engagierter deutscher Jnstruktionsosfiziere organisiert, mit sehr mißtrauischen Augen anzusehen. Formell ist von Bedeutung, daß Bolivien in seinen Depeschen jede kriegerische Absicht bestreitet, und daß Paraguay einen direkten Antrag auf Eingreifen des Wlkerbundes bisher nicht ge- stellt hat._ Lombenexplosion in indischer Schule. Die Regierung von Indien hat ein amtliches Telegramm erhallen, das di« Nachricht von einer Vombenexplosion in der Schule von Shriganda(so Meilen von Poona) bestätigt. Vier Kinder wurden durch kleine Metall- splitter oerletzt. Die Explosion der anscheinend nur sehr kleinen Bombe erfolgte kurz nachdem der Bezirksvorsteher die Schule ver- lassen hatte. Die Dahluuruhen von Geesthacht. Amtlich wird mitgeteilt. daß die Voruntersuckping gegen die seinerzeit unter Anklage gestellten Mitglieder des Hamburger Reichsbanners und die Mitglieder des früheren Rotfrontkämpferbundes, die bei den blutigen Wahlunruhen von Geesthacht am 30. Dezember 1928 beteiligt waren, abgeschlossen worden ist. Di« BeschuQigten sind sämtlich da kein klares Bild über die Berantworillchkeitefrage zu gewinnen war, außer Verfolgung gesetzt worden. Scheintod eines Kindes. 24 Stunden ohne Pflege. Rlbvlh(BletfL). 29. Zanuar. sEigenbencht.) Z« Dorfe Zlhrcushagea hol sich in diesen Tagen ein Vorfall ereignet, der in der hiesigen Gegend großes Aussehen er- regle. Das dreijährige Kind des Siedlers Stoffel, das eine Zeitlang tränt gewesen war. lag plöhllch regungslos da. Die Mamille mußte den Umständen nach annehmen, daß das Sind gestorben sei. Der Tod wurde bei der zuständigen Behörde angemeldet, und der Vater trug sich gerade mit der Absicht, einen Sarg zu bestellen. Er ging noch einmal ln das„Totenzimmer" und bemerkte zu seinem Erstauenen, daß das Kind Lebenszeichen von sich gab. Ofsenbor liegt hier ein Fall von Scheintod vor: das Kind hatte 24 Stunden ohne jegliche Pflege gelegen._ Das Verschwinden selbst arrangiert? Oer Ziussengeneral als Leiter des Spionagedienstes der Emigranten. Paris, 29. Januar. Das rätselhaste Verschwinden des ehemaligen russischen Generals K u t i e p o w beschäftigt die Dtargenblätier in spattenlangen Ar- titeln. Sie bringen die Beunruhigung darüber zum Ausdruck, daß am hellichten Tage ein Mensch, und noch dazu eine Persönlichkeit wie Generat Kuliepow, von einer ziemlich bewegten Straße weg spurlos oerschwinden könne. Obwohl über den ganzen Fall noch völliges Dunkel herrscht, zweifeln die meisten Blätter nicht daran, daß der General einem Anschlag seiner bolschewistischen Feinde zum Opfer gefallen sei. Kutiepow habe in der letzten Zeit wiederholt Brief« der GPU. erhalten, in denen er mit dem Tode be- droht wurde. Di« Pokizoi rechnet auch mit der Möglichkeit, daß der General, der einen Nachrichten- und Spionagedien st der Emigrantenorganisationen persönlich leitet«, das Verschwinden selbst inszeniert habe, um sich unbeachtet in einer besonders gefähr- lichen Mission, vielleicht auf russischem Boden begeben zu können. Eine zweite Version läßt vermuten, daß Kutiepow mit Hilfe eines Autos entführt murdc. In diesem Falle müßte der Entführer eine Persönlichkeit sein, die sich in das Vertrauen des Generals einzu- schleichen wußte, da sonst der Vorgang nicht unbemerkt hätte bleiben können. Die polizeilichen Nachforschungen werden fieberhaft be- trieben, doch sind bisher noch keine Erfolge zu verzeichnen. Die Blätter, die von jeher gegen Sowjetrußland Stellung genommen haben, nützen diesen mysteriösen Vorfall zu einer Verschärfung ihrer Propaganda aus. Die faschistische Aiieniatsangst. Die Schweiz empört über die italienische Kritik. Bern, 29. Januar.(Eigenbericht.) In der Schweiz ist die Empörung über die Krittk der i t a- l i e n i s ch e n Presse an der Haltung des Bundesrats in der Affäre des sogenannten antifaschistischen Attentats in Genf allgemein. Die Schweizer Blätter aller Parteischattierungen weisen mit Nachdruck darauf hin. daß die italienische Presse nicht einmal das Kommunique des Bundesrots über die völlige Ergebnislosigkeit aller Untersuchungen veröffentlicht hat. Der„Berner Bund" erklärt, es werde jetzt allerhöchste Zeit, daß Rom einem Mißtrauen ein Ende mache, das die guten Beziehungen der Schweiz mit Italien ernst» l i ch zu gejährden drohe._ lieber„paneuropa und die deutsche Landwirtfchasl" spricht für die„Paneuropäische Union" am Freitag, dem 31. Januar, Dr. Georg Schulze im Hotel Kaiserhof, 8 Uhr. Gäste willkommen. weller für Berlin: Ziemlich trübe, Temperaturen meist über Null, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im nordöst- lichen Küstengebiet und im Südosten zeitweise noch leichter Nieder- schlag, auch im übrigen Reiche ziemlich trübe und vielfach neblig, Temperaturen allgemein wenig verändert. Oer neuzeitliche Wohnbau. Bon Paul K. Gchmiöt. Die Entdeckung eines neuen Metalls. Ein neues auf künstlichem Weg« hergestelltes Metall ist von dem Profeflor der Chemie an der Colmnbia-Universität in New Jork Dr. Deans entdeckt worden. Dieser von seinem Entdecker D u r i u m genannte Stoff ist ein synthetisches Harz, das durch Hitze aus einer Flüssigkeit m«ine unlösliche biegsame feste Substanz um- geformt wurde. Er kam zu dem Funde auf der Suche nach einer unzerbrechbaren Grammophonplatte. Ein dünner Film von Dunum läßt sich mit einem Hammer weder zerbrechen noch beschädigen, obwohl er so biegsam ist wie Papier. Durium schmilzt auch nicht, wenn es der größten Hitze ausgesetzt wird. Der Haupt- unterichied zwischen Durium und anderen künstlichen Harzen besteht in der Schnelligkeit, mit der es hart wird. Dadurch wird der neue Stoff für Stanzprozesse besonders geeignet. Dr. Beans hat aus dieser neuen Substanz Krammophonplotten und Filme für den Tonfilm hergestellt. Die Platten, die sich ganz so wie Papier be- handeln lasten, haben nur ein Bruchteil des Gewichtes gewöhnlicher Grammophonplatten. Die Führung von Nadeln über die Ober- fläch« hinterlaßt unsichtbare Spuren, durch die aber eine vorzüg- liche Wiedergabe der Töne hervorgebracht wird. Obwohl der Stoff zunächst hauptsächlich für unzerbrechliche leichte Grammaphonplatten und Filme verwendet wird, so glaubt man doch, daß er in der Industrie«ine große Zutunst hat. wiedereröfsvung der Gemäldegalerie Sanssouci. Die Bemal- tun« der staatlichen Schlösser und Gärten wird im Frühjahr die Bildergalerie von Sanssouci wieder«röfsnen, nachdem es gelungen ist. zahlreiche Bilder, die in den verschiedenen Schlössern und Bilder- depols ausbewahrt waren, zusammenzuholen. Die wiedereröfsnete Galerie wird nicht so umfangreich wie die einstige Gemäldegalerie sein, da«ine Reihe ihrer bedeutendsten Werk«, z. B. die„Leda" des Coreggw, das Selbstbildnis von Rembrandt usw. seit längerer Zeit dem Kaiser-Friedrich-Museum einverleibt sind. Das Meininger Landestheaier bleibt erhalten. In dein lang- mierigen Strett um die Erhaltung der chüringischen Landestheater ist eine erste Entscheidung des Thüringer Staatsgerichtshofes zu- Snsten des Meminger Landestheaters gefallen, der auch eine er- bliche Bedeutung für eine Reihe weiterer Streitfälle zukommt: das Land Thüringen hat zur Erhaltung des Landestheaters und der Landeskapelle in Msiningen Mittel zur Berfügung zu stellen. Ein Krebssorschungsiaslilut in Kopenhagen. Nachdem das Rockefeller-Institut eine Million Kronen zum Betrieb des neuen Krebsforfchungsinstttut» in Kopenhagen zur Verfügung gestellt und de? Carlsberg-Fonds den Bau und die Einrichluna des Instituts übernonnnen hat. empfiehlt die Regierung den Behörden die Be- schaffung des Baugeländes für das Institut. Boraussetzung für die lleberlastung de» Baugeländes ist jedoch, daß dadurch keinerlei lZ�trtebsunkosten für den Staat entstehen. Am notwendigsten war schon längst eine Erneuerung der Bau- weise bei den Wohnungen der Großstadt. Das Elend der Mietskasernen, verursacht durch eine allen menschlichen und sozialen Bedürfnissen hohnsprechende Bauordnung und dem dadurch groß- gezogenen Bodenwucher, bestand wahrhaftig nicht in den komödien- Haft vorgetäuschten Palastfassaden, sondern in sinnlosen Grundrissen und der Tatsache des Zusammenpferchen s großer Massen in zu engen, sonnenlosen und undurchlüftbaren Wohnhöhlen. Es besteht immer noch, und der Sinn neuer Baumethoden kann nur sein, Wohnungen zu errichten, die hell, hygienisch und nach vernünftigen Grundrissen eingerichtet sind. Bodenzins und Wohnrentabilftät haben sich gegenüber der Vorkriegszeit in einer Weife verschoben, daß es tatsächlich möglich ist, den Unbemittelten wohlfeile und gute Wohnräum« zu erschwingbaren Preisen zu bieten: an der Peripherie der Städte. Berlin behauptet dabei leider immer noch eine Aus- nahmestellung, weil hier di« Pest der Grundstücksspekulation schon allzu weit über den Umkreis des riesenhaften Stadtkomplexes hinaus- gegriffen hat. Diese neu« Architektur sieht auf dem Felde der Wohnungspflege ihre Funktionen im wesentlichen auf technische Fragen begrenzt. Es Handell sich neben der selbstverständlichen, weil kostensparenden Abdrosselung aller überflüssigen Ornamentatton und Fassaden- Heuchelei um so nüchterne Ding« wie praktische Grundrisse, Licht- Zuführung, Durchlüftbarkeit, beste Anordnung von Treppen, Hygiene in Gestall von Küche, Bad. Klosett, um Maße und Normierung van Fenstern und Türen; kurz: um die größtmögliche Billigkeit des Ganzen und um den Zusammenhang mit der Natur, d. h. um Aussparung von Grünflächen und um günstig« Sonnenlage, wenn es hoch kommt, um gelungene Anpassung an die Landschaft mit ihren Bodenwellen, Ausblicken, Wäldern, Gewässern— alles Dinge, die erst jetzt für den Stadtmenschen entdeckt sind. Das dringendste Problem ist natürlich dieKlein st wohnung von 1% bis 3 Zimmern mit Küche und Bad: zu ermöglichen nur auf dem Weg« der möglichst umfassenden Großsiedlung, die eine Verbilligung auf Grund wellgehender Normifierung erlaubt. Stärker als irgendwo bringt sich hier der Gedanke d«s Kollekttvismus architektonisch und soziologisch zur Gellung. Es ist ausgeschlossen. bei dem ungeheuren Bedarf an Kleinwohnungen, daß persönliche Sonderwünsche Berücksichtigung finden. Das Ziel ist vielmehr die Normalwohnung von 2 und 3 Zimmern: es hat sich jeder mit dem Gedanken abzufinden,«ine gleiche Wohnung zu erhallen wie zehntausend andere, nur in diesem Fall ist es möglich, ihm das Höchstmaß von notwendigem Wohnkomfort und Hygiene zu liefern, ihm einen Anteil an den Kollektivanstalten zu sichern, an Waschküche. Bädern, Schrebergärten, Kinderheimen, ja Konsumvereinen und Schulen. Die hoffnungsvollste Siedlung großen Maßstabes auf völlig kollektiver Grundlage plante Gropius im Süden von Berlin: die große Idee ist leider am Mangel von Kapitalgebern vor dem Beginn gescheitert: typisch für die trosttosen Berhällnisse Berlins. Dagegen sind Wohnblöcke von verschiedenstem Umfang in neuem Geist« überall emporgestiegen, in Berlin wie in fast allen Großstädten Deutschlands. Man muß zwei Typen nennen, deren Unterschied« in der Gegebenheit des Terrains liegen: den ge- schlossenen. von längst festgelegten Straßen begrenzten Block, der mit Vermeidung aller Quer- und Hinterhäuser einen gartenartigen Freiplatz umschließt, ein Typus, der auch von der Baujpekulation aufgegriffen wurde und dos Bild der wachsenden Großstadt bestimmt: und den glücklicheren Fall, daß unerschlossenes Land m größerem Umfang zur Verfügung steht, wo dann die Anordnung der Straßen und der sie begrenzenden Blöcke nach Sonnenlag« und anderen Bedingungen frei geschehen kann. Dieser Fall ist besonders bei den Frankfurter Trabantenstädten ausgenutzt worden: in Praunheim, Niederrad, Hohenblick und Römerstadt, die in sehr mannigfalliger Form zwei- bis dreigeschossige Wohnzeilen zu einem Ganzen von glücklicher Disposition kombinieren; in Celle(Georgsgarten. Italie- nischer Garten usw. von Otto Haesler), in Karlsruhe(„Dam- merftock", von Gropius mll Haesler, Riphahn, Grad und R o e ck l e) und Magdeburg, wo C. Rühl mit Gauger und Otto die Siedlung Wilhelmstadt gebaut hat: alle in Parallelblöcken von langer Nord-Süd-Erstreckung, rein« Wohnstraßen ohne Verkehr, dazwischen eingebettet Kleingärten und gemeinschaftliche Grün- flächen. Dies ist unstreitig die glücklichste Lösung der Massen- siedlung. Berlin hat teil daran mit der großartigen Siedlung in Britz, die Martin Wagner und Bruno Taut geschaffen haben, 2009 Wohnungen, mit dem berühmten Hufeisenbau, der ebenso wie die originell« Anordnung der übrigen Blöcke sich den Besonderheiten des welligen Terrains anschmiegt, und die„Gehog" am Fischtalgrund in Zehlendorf, wo neben Taut noch Höring. Wagner und Solvisberg Einfamilienhäuser in geschlossener Bauart errichtet haben: Da die äußere Erscheinung dieser Wohnbouten aus inneren Zwecken ssch ergibt, wird sie völlig nebensächlich: man sieht glatte Mauern, von regelmäßig wiederkehrenden Treppenhäusern, Türen, Fenstern und Ballonen rhythmisch unterbrochen, schnür- gerade vom First des flachen Daches abgeschlossen, ohne alle Dekorationsform. Und weil diese Einfachheit und Glätte zwangsläufig aus dem Zweck und der Sparsamkeit folgt, ist die Folge auch bei Tätigkeit verschiedener Baumeister eine großartige Einheitlichkeit. Das bedeutet nicht etwa Monotonie. Selbst bei einem Architekten wie Bruno Taut, der eine sehr groß« Zahl von Baublöcken allein in Berlin errichtet hat, sst der Wechsel in der Fassadengliede- rung unverkennbar groß. Vollends ist jeder Architekt vom anderen zu unterscheiden: es stimmt nicht, daß der neue Stil Einförmigkeit bedeutet. Die gut gebaute Einfachheit wirkt sich durch Proportionen im ganzen und in Einzelheiten, durch ihre Massenbewegung, durch Licht und Schatten, Farbe, Gruppierung im Straßenbilde und in der Landschaft aus; und nicht zum wenigsten durch das verwendete Material. Gerade die verschiedenen Möglichkeiten der Konstruktion sind Grundlage einer neuen baulichen Schönheit: auch m, kollektiven Wohnungsbau. Die für öffentliche und Geschäftsbauten so frucht- bare Eisenbetonkonstruktion scheint hier zwar kein« so weitgehende Anwendung zuzulassen. Ihre Propagatoren sind auch beim Wohn- bau die Franzosen, voran Le Corbusiet, der auch in Deutsch- land zwei seiner höchst folgerichtigen und bewundernswerten Häuser errichtet hat, 1927 in der Weißenhossiedlung in Stuttgart. Aber die Ueberzeugung von dem praktischen Wert solcher Betonhäuser, die allerlei Einwendungen wohntechnischer Art erlauben, ist nicht durch- gedrungen; man experimentiert in Deutschland mit mancherlei anderen Wand- und Flachdachsystemen, meist in Gußplattensorm. dazu noch mit anderen Material en wie reinen Holz- oder Stahl- platten, und bedient sich schließlich immer wieder des unersetzlichen Backsteins wie in Holland. Wenn nicht etwa Klinker od«? Rohziegel unverputzt stehen gelassen werden, kann man dem Außendau fast niemals seine technische Konstruktion ansehen, di« Materie ver- scsimindet rnrtw dem Verputz, höchstens verraten freitragende Beton» platten, Stcchl- oder Holzwände ihr« Herkunft. Es kommt bei der neuen Architektur ja überhaupt viel weniger auf Fassaden an als auf guten Grundriß, von dem man erst beim Betreten und Durch- schreiten der Räume Kunde gewinnt. Doch haben die Architekten die beiden Typenreihen von Klein- und Hochmiethäusern auch formal wohl zu unterscheiden gewußt Bei den zweieinhalbgeschcfsigen Siedlungsreihen etwa Haeslers oder Ernst Mays tritt der entspannt«, mehr ländliche Charakter der Häuser- und Straßenwände wohltuend in Erscheinung. In Berti!' ist dafür etwa die Gehag-Siedlung am Fischtalgrund in Zehlendors charalteristtsch. Der Typ des vier- bis fünfgeschossigen Massen- quartiers im Großstadtbezirk unterscheidet sich sehr deutlich davon: es sind mächtige Blöcke, meist quadratischen Grundrisses mit einem Binnenhos, die Außenwand wird durch Zusammenfassung von Balkon- und Fensterbändern horizontal gegliedert: ihre plastische Einheit wird mit großzügiger Spannung unterstrichen. Vorzügliche Beispiele dafür sind in Berlin: der Mendelsohnsch« Block in der Cieerostraß«, die mannigfalttgen Komplexe von Bruno laut in Weißensee, Lichtenberg und Neukölln, am Schillerpark: in Mogde bürg die vorzüglichen Bauten von K r a y l und Rühl, in Homburg die Großanlagen von Karl Schneider, die geradezu als Musterbeispiele gelten können, in Köln die schöne Siedlung Kalter- selb von Riphahn und Grod, in Alwna die mächtigen Haus gruppen von O e l s n e r. Will man«inen guten Uebcrblick über das bisher Gebaute gewinnen und sehen, wie stark wir vorangekommen sind, so bieten die beiden Bücher von Bruno Taut das beste Anfchauungs- material:„Bauen— Der neue Wohnbau"(Derlog Klinthardt und Biermann) und vor allem das soeben erschienene monumentale Werk „Die neue B a u k u n st", das einen vorzüglichen Ueberblick über alle wichtigen Architekturen in Europa und Amerika und eine kluge Einführung vom Standpunkt eines der Mitschöpfer enthält. Wie ernst man in Deutschland das Problem nimmt, beweisen die großen Wohnbauaus st«llun gen in Stuttgart 1927 (Weißenhof) und Breslau 1929(Scheitnig), die unter der Berant wortung des Werkbundes in ganzen Gruppen ausgeführt« und zun' Teil gebrauchsfertig eingerichtete Wohnhäuser von ollerverschietenster Art gezeigt haben, von so führenden Köpfen gebaut w:e Mies van der Rohe, Gropius, Scharoun, Hilberseimer. Was sonst nur in Holland zu sehen ist: geschlossene Komplexe modernster Bauart, kann man hier— nach Ausstellungsschluß bewohnt— als Wirklichkeit erleben. Insbesondere wirkt di« Stutt- garter Weißenhossiedlung, auf schöner überragender Höhenlage, mit überzeugender Eindringlichkeit. Sechzeh» Architekten aus fünf Staaten hatten leder unabhängig für sich ihre Einfomilien- oder Miet- oder Reihentleinhäuser errichtet, und der Effekt war eine ganz ungewöhnliche Stileinheit, eine so vollkommene Einpassung in die Landschaft, wie man sie seit dem Ende der letzten guten Bau- epoche, des Klassizismus, nicht mehr erlebt hat. Nichts kann nach- drücklicher für die Lebensnotwendigkeit der neuen Baukunst, für ihr« Kutturaufgabe und stilbildende Kraft sprechen als-diese Tat- sach« einer unvorbereiteten und unerwarteten Einheit aller Bauten untereinander. „Kräulein Lausbub." Marmorhaus. Diese Geschichten von dem weiblichen Tunichtgut mit dem goldenen Herzen kennt man aus„Herzblättchens Zeitvertreib", „Prinzessin Uebermm" und anderen schönen Büchern traulich lächelnden Familienglücks, die heute allmählich in der Versenkung verschwinden. Weil Dina Gralla die Rollen dieser wilden Jungfrauen virtuos beherrscht, wird sie dem Zuschauer nur noch darin sarniert. Die einzelnen Filme unterscheiden sich nur durch ganz schwache Nuancen. Im Grunde bleibt es immer dasselbe. Hier ist Dina Gralla eine Komtesse, sonst war sie bereits Herzogin und Trägerin noch hübscherer Titel. Das brave Kind stellt alles auf den Kopf, sogar das seriös« Töchterpensionat ihrer lieb- werten Tante, in das sie ihr Bater aus Gründen der Besserung eingesperrt hat. Selbstverständlich kommt ein sabelhaster, junger Mann, Sportsmensch und auch sonst beschäftigungslos, und zähmt die kleine Widerspenstige. Man kann mft diesen Filmen nicht mehr mitgehen. Sie sind zu harmlos, zu kindisch und zu oft dagewesen. Wenn sich der deutsche Film einmal dazu entschließen könnte, diese Stoff« grotesk in der Art der Amerikaner zu behandeln, dann wären sie vielleicht genießbar. Die Regie führt Erich Schönfelder. Er braucht sich nicht anzustrengen, denn es genügt, wcnn er alle alten Lnsttpielregnisiien zu einem srischgekochten Ragout zusammenstellt.— t. Emmy Destinn plötzlich gestorben. Di« Sängerin Emmy Destinn, die in letzter Zeit kränkelte, ist in der vergangenen Nacht in Budweis plötzlich gestorben. Die Künstlerin hatte sich gestern zu einem Sozialisten begeben, um sich bei ihm röntgen zu lassen, und erlitt bald darauf einen Schlaganfall. Emmy D eftin», die mit richtigem Namen Kittl hieß, wurde am 27. Februar 1878 in Prag geboren. Sie trat bereits 1898 als Santtizza an der Berliner Oper auf und wurde sofort engagiert. Sie gehörte dann zehn Jahre lang dem Verband der Berliner Hofoper an; während dieser Zeit gastierte sie auch in Bayreuch, Paris und am Nationaltheater in Prag, deren Ehren- Mitglied sie wurde. Im gleichen Jahre wurde sie nach Amerikci engagiert, wo sie eine Reihe von Iahren mit großem Erfolge auftrat. Die Norwegerin kann alles werden. In Nomegen steht jetzt gesetzlich dem nichts mehr im Wege, daß«in« Frau als General an die Spitze des Heeres oder als Admiral an tne Spitz« der Flott« tritt. Die Regierung hat ein Gesetz eingebracht, das den Frauen den Zutritt zu allen staatlichen Beamtenstellen gewährt, die bisher nur Männern vorbehalten waren. Da die Kirche m Norwegen zur Staatsverwaltung gehört, so sind all« Inhaber geistlicher Aemter Staatsbeamte. Wenn die Norwegerinnen Theologie studieren, so müssen sie auch als Geistliche angestellt werden. Dies« Aussicht hat unter den männlichen Geistlichen großes Aufsehen hervorgeruic-- und die Mehrzahl protestiert gegen weibliche Kollegen. Elve Schaulpieler-Ilachworslevvvg von.Ter Walzer von htutt Nacht' findet Donnerstag, 11'/, Uhr. im Sleine» Theater statt. Da» SanUersest der Schal«»eimatra findet wie alljährlich in zwei Zellen statt, und zwar am Sonnadend. dem l. Februar, im Zoologssch«» Garten und am Sannabend, dem 15. Febrwar, bei Kroll. Mldgav» and da» Barglhealer. In der beute stattfindenden Minister- raUlifcuJig dürste auch die Buralbeatersrage behandelt werden. CS gilt al* sicher, daß der Bcschlutz gefatzt»erden wird, dem Dichter BSdgant d-» Leitung anzubieten. Oeffentlichkeit ausgeschlossen. 3m Prozeß gegen die Tscherwonzeufälscher. Zu Beginn der gestrigen Verhandlung im Tscherwonzenfälscher- i'rozeß wurde Reichsbankrat G ö t t s ch I n g über prinzipielle Fragen ! l?r Baiiknotenfälschung als Sachverständiger gehört. Oberstaats- > nwalt Dr. Tetzlosf beantragte den Ausschluß der Oeffent- lichkeit wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung, weil in den Ausführungen des Sachverständigen die Technik der Banknoten- 'Äschung behandell würde und dadurch gewisse Kreise der Oeffent- > chkeit mit diesen Dingen vertraut gemacht werden könnten. Das bricht schloß[ich dem Antrag des Staatsanwalts an. Roch Wiederherstellung der Oeffenllichkeit wurde der Prokurist l i r n h o l z von der Darmstädter und Nationalbant als Sachoer- ändiger über die Frage gehört, ob die Tscherwonzen als Banknoten im eigentlichen Sinne anzusprechen sind. Der Dankbeamte erklärte, Agh die Tscherwonzen seit 1926, seit dem Ausfuhrverbot der Zowjetrygierung, nicht als international güllige Währung betrachtet werden könnten, denn nach dem Gesetz der Sowjel-illoion verliere jede Note mit der Ausfuhr ihre Gültigkeit. Nach der Vernehmung eines Zeugen, der in den Iahren 1922 uich 1923 in Gefchäftsva'bindung mit Karumidze gestanden hat und nach Verlesung der kommissarischen Vernehmung des Frankfurter fmfrats R o k e t t a wurde erneut dieOeffentlichkeit zwecks Verlesung eines Urteils gegen Bell ausgeschlossen. Nach Wiederherstellung der Oeffenllichkeit erklärt« her Vorsitzende, daß das Gericht aus der Verlesung des Urteils gegen Bell in der Spionage- ossäre keine ungünstige Beurteilung der Person des Angeklagten ge- Wonnen habe. In dem Urteil des Obersten Candcsgerichts München werde Bell bestätigt, daß er nicht die Absicht gehabt habe, im Interesse einer fremden Macht gegen Deutschland zu spionieren, daß viel- mehr die Anknüpfungen gewisser Beziehungen zum ausländischen Nachrichtendienst in deutschem Interesse gelegen hätten. Es sei aber eine Verurteilung des Angeklagten Bell erfolgt, weil nach dem Spionagegesetz schon darin eine Rechtswidrigkeit erblickt werde, wenn derartige Verbindungen ohne vorherigen Auftrag der amtlichen Stollen ausgenommen werden. Bell wurde sodann— die anderen Angeklagten hatten sich bis auf ihn entfernt— ein Brief vorgehalten, den er an den Nürnberger Kaufinann R i e g e r im Zu- iammenhang mit der Konsulangelegenheit gerichtet hat und in dem er sich sehr abfällig über den Mitangeklagten Schmidt ausläßt. Bell wirft Kchmidt unfaires Der halfen vor und bestätigt Rieger. daß er. Bell, in der Konsulangelegenheit eine Reche von Briefen aus Veranlassung von Schmidt gewissermaßen aus Bestellung geschrieben habe. Auch in einer zur Verlesung gebrachten eidesstattlichen Versicherung, dje Bell abgegeben hat, belastet er Schmidt, der übrigens nicht anwesend war, erheblich. Danach soll Schmidt den Kaufmann Rieger schlecht gemacht und ihn als einen „Schiebe r" bezeichnet haben, der bloß den Konsulstitel haben wollte, um gesellschaftsfähig zu sein.— Staatsanwalt Grüneberg fragte den Angeklagten Bell, ob er nicht der „Fränkischen Tagespost'«inen Artikel über die Vorunter» suchung der Tscherwonzensälschungsasfäre eingesandt habe, was Bell aber verneinte. Der Staatsanwalt verlas sodann den Artikel, in dem Bell mit dem politischen Hochstapler Trebitsch-Lincoln verglichen und der Mitangeklagte Schmidt erheblich belastet wird. Es wird nämlich darin ausgeführt, daß Schmidt nicht aus politischen Motwen, sondern lediglich aus Gewinnsucht im Gegensatz zu den anderen Angeklagten gehandelt habe. Vorsitzender: Warum soll denn Bell gerade den Artikel oerfaßt haben, das ist doch gar nicht sein Stil?— Staatsanwalt: Aehnliche Ausdrücke stehen in einem Brief, den Bell an Plaas, den Sekretär de« Kapitäns Ehrhardt, geschriebeu hat.— Auch dieser Brief wurde vom Staatsanwalt verlesen. Bell wirft Schmidt vor, daß er sich nicht aus politischen, sondern lediglich aus gewinnsüchtigen Motiven, um recht fchnell reich zu werden, an der Tscherwonzenangelegenheit betelligt und durch seine Dummheit die anderen mit hereingerissen habe. Staatsanwalt Grüne- borg: Will der Angeklagte auch jetzt noch bestreiten, den Artikel nicht versaßk.. Berlin. Druck: Herwärt« Buch» druckerei und Berlaasanltalt Vaul Singer& So. Berlin S® 68. Lindcngraie 3. Sierzn 1 Beilage. SCAtA Tigl. Bu.8'l,Uhr. Sorbsratoa 9256 Pr. I» IL Weehantg. 8 U. 50 Pf.-8 M. tatet» 3 Tag«: z Swifts, tortbl 16 Fwlti-CIrls. Jüuftl tlritar. ÜU Wall, Flarsia 6 Ich usv. lägi. S u.«» Sonnt. 2. 9n 8" A ex. 8066 INTERNAT. VARIETfi GROSSES SCHAUöPiELHAUd tt Uhr 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELL I Unotag nadnn. nicck. hämo Pc. Reichshallen-Theater Uends 0 sonn ao nadim. OD Slettlner- Sänger Das groSe Januar- rogrdmnn! Isa SAiuS:„Loffls WUßtfßST KaAnittsp bilbt Prtlo, nlln Pngr. 1# rr»*# Pnmircrpi Tanzt F8l8per-Gri!<«si?rl Operette*on Ml II Ocker icdan VodieataB 6.13. Soomao 9 Ob. Neueinführung ab I. Februar: Jeden Sonnabend 11.30 Uhr NACHTVORSTELLUNO. Sonntag 5.15 Uhr „CcardaafOrstln". Sonnabend 5 und Sonntag 2V> Uhr „Dar gactlafalt« Katar". Das Theater der billigen Preise: I. Mittelrang O.�O. I Rangbalkon u. 1. Pa-ketl 1-50, Orchestersestel 2 50. Programm u. Garderobe je 0,25 M. Kein Zwang). Gr. Frankfurter Str. 132. i heater t. o. ßenrenstr. 53-54 A4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Arthur Robert« m Uhr Täglich 8','» Uhr Oparette von OffonbacK. Regie:(iustar i.artung. alkalische Leitung: Theo Mackeb — Iteimralr 0 1(901». 7983/84.— MWMM IrasUSdioll. U-Salui BcrmannpLiiauiiiL 108/14 ELITETAQ n Gr.Bockblerlesi 1 Rajpto. tos BeiBnfimen. 51 lujtfisdiB Maik Donneistags: Grosses SchmeMiiacbteo. EintaB: Wochentags 6 Uhr, Sonn ags 4 Uhr. ••• Fragen Sie die richtigen Leute Schatzlos greht diese junge Dame durch die Großstadt. Mit Paketen beladen steht sie ratlos da, denn sie will Ihrem Freund Cigfaretten kaufen.. aber welche?— Sie fragt die richtigen Leute: Eckstein» Halpans; die helfen einer schönen Junten Dame gern. Sie sa�en ihr nur ein einziges Wort— and ihr füllt es plötzlich wieder ein: ftatOrlich... es war Ja JQlmenried? Für ihren Freund und auch für sie UOIENRIED S Pfff. " r/' ,�5 Vellage Mittwoch, 29« Januar 1930 SprÄbmd �haJauUfaAi dM Arbeil und Brot für alle? Aibeitsztil/ Doppelverdieiitv/ Finanzen Pludt und Segen der Technik Die Zahl der Unbeschästiaten steigt dauernd trotz aller Saison- schwank ungen, denn fast stets ist st« höher, als sie im gleichen Monat des Vorjahres war. Di« Not um die Arbeit ist eben nicht ledig- lich«me vorübergehende Konjunkturerscheinuug, sondern größtenteils die naturnotwendige Folge einer fortgesetzten Entwicklung der technischen Hilfsmittel, die die Menschenkraft ent- lastet. Es wäre ja auch ein strikter Beweis für die Wertlosigkeit oller mechanischen Fortschritte, wenn die ungeheuren Maschinen- anlagen eines Kulturlandes nicht zuletzt Arbeitskräfte frei machen würden. Der Arbeitssklave aus Stahl und Eisen hat uns— wenigstens in bestimmten Ländern— zum Teil von der Arbeit„befreit'". Bloß daß nun der Segen zum Unsegen werden mußte, weil er falsch verteilt ist. Ganz besonders scharf macht sich das natürlich in Zeiten einer durch Konjuntturverhältnisie erschwerten Wirtschaftslage bemerkbar. Im kapitalistischen Staate ist mehr oder weniger alles von der Geldmenge abhängig, die in der Gesamtwirtschaft umläuft, so wie etwa das Blut im menschlichen oder tierischen Körper kreist. Bestimmt steigt der Bedarf mit der Produktion, da aber der Konsum ganz einseitig und ausschließlich von den bei der Ber- brauchermasse zur Derfügung stehenden Geldmitteln abhängig ist, so sind wir in die Lage geraten, den vorhandenen Produktions- apparat nicht mehr voll ausnutzen zu können. Ebenso wie wir die vorhandenen Menschenkräfte nicht voll auszunutzen vermögen. Pro- duktton über den vorhandenen Dedarf hinaus ist verschwendetes Oolksvermögenl Und das ist keine„Deutsche Krankheit"! Charakteristisch ist es ja, daß die gleiche Not alle Kulturländer befallen hat— ober eben auch nur ausschließlich die Kultur länder. Allein als Folge des verlorenen Krieges kann demnach die Arbeitsnot nicht gelten, wohl«ber mag sie zum großen Teil eine Folg« der tech- Nischen Kultur sein. Moratorien und Zohlungserleichterungen durch veränderten Friedensvertrag können bei uns In Deutschland nur Konjunktur- gründe der Krise vorübergehend mildern, den Kern der Ursachen lasten sie unberührt, denn die Entwicklung der Technik schreitet fort. Tausend« von Beispielen ließen sich anführen, wo Entlastungen die Bervollkouunnung der Arbeitsmethoden, nicht die Konjunktur zur Ursache haben.(Kino-Musiker durch Tonfilm— Bankbeamte durch Zuisammenschlllsse von Firmen— Stcinträgcr beim Bau durch Hebemaschinen— usw.) Kein Staat kann es sich leisten, ein Millionenheer von Ueber- flüssigen dauernd zu füttern, ohne daß ihm aus der Tätigkeit dieser Menschenmasse Nutzen zufließt, er muß daran zugrunde gehen. Ebenso tödlich müßte es aber auch für jedes Staatengebilde wirken, wenn man sich einfallen ließ«, die Entwicklung der mechanischen Hilfsmittel maschinenstürmerisch aufhalten zu wollen. Verlust des ausländischen Absatzgebietes würde die erste Folge sein. Es kann zur Abhilfe der Arbeitsnot und der durch die Unter- lxjltspflicht des Staates verursachten Finanzzerrüttung kein anderes Mittel geben, als b« s s e r e Verteilung der jeweils von der Wirtschaft angeforderten Arbeitsmengc. Einen Fabrikanten, der von seinen vier Maschinen zwei in drei Achtstundenschichten durchlausen lassen wollte und dafür die beiden anderen stillegt, um sie bemußt dem Verrosten auszusetzen, den würde kein Mensch verstehen. Aber ein Volk, das bei verringerter Nachfrag« nach Arbeitskräften einen Teil seiner Werktätigen lieberstunden im Doppelberuf machen läßt, während die anderen stempeln gehen und von der Allgemeinheit ernährt werden �misten, das verwundert sich noch höchlichst, wenn es nicht vorwärts kommt, sondern dem Ruin entgegentreibt. Wir müsten uns damit abfinden, daß Frauenarbeit nun einmal da ist imd geleistet wird. Doppelberufe brauchten nicht zu fein, doch würde ihr Verbat wenig Entlastung des Marktes der Ueber-. flüssigen bringen. Stehendes Heer, Arbeitsdienstpsticht usw. sind Vorschläge, deren Zwecklosigkeit der Rechenstift schon vorher zu er- weisen vermag. Es heißt jetzt: An die Wurzel des Uebels heran- gehen, ohne Scheu, daß vielleicht«in paar liebe alte Vorurteile dabei beschädigt werden könnten! Wir haben uns daran gewöhnt, Tarif- und Lohnfragen nicht mehr als bloße Machtfragen durch die Kraftprobe auszutragen, wir ordnen sie durch Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmer Wir finden sogar nichts dabei, wenn sie im Zweifelsfalle durch Schlichterspruch entschieden werden. Welcher einleuchtende Grund könnte wohl an- geführt werden, es mit der Frage der Arbeits- zeit nicht ebenso zu machen?! So wie der Lohn aus Faktoren errechnet wird, die sich aus Lebens Haltungsindex, Konjunkturmöglichkeiten und anderem zu- sammensetzen, so läßt sich mühelos die Arbeitszeit nach der Menge der angebotenen Arbeit und der Zahl der zu ihrer Ableistung Bereit- stehenden bestimmen. Nur so kann«in erträglicher Beschäftigungs- grad garantiert werden! Ob 4000 Arbeitsstunden von 500 Menschen in achtstündiger Schicht, oder von 1000 Menschen in vierstündiger Schicht geleistet werden, da« ist im Prinzip gleichgültig, aber dennoch ist e, heute für Millionen des Volkes, und damit auch für den Staat selbst, glatt eine Lebensfrage. Selbstverständlich können nicht 1000 Ar- beitsstunden auf viertausend Menschen verteilt iverden, ober es können unbedingt mehr als 500 daran teilnehmen. Die Grenze zieht die Vernunft, und wo keine Einigung zu erzielen ist, ist der Spruch des unparteiischen Schlichters. Bei gutem Beschäftigungsgrad ver- längert sich die Arbeitszeit, bei schlechtem verkürzt sie sich. Gewiß wird der Unternehmer durch gekürzte Arbeitszeit mehr belastet, er zahlt fa für mehr Arbeitende auch mehr Beiträge zur Sozialversicherung. Aber dafür kann ihm in steuerlicher Hinsicht ent- gegengekommen werden, well die öffentliche Finanzwirtschast um Arbeitslosenunterstützung entlastet wird. Es läßt sich ausbalan- cieren. Friedrich A. Seyllert. Die Doppelverdiener Ich finde die Dorschläge der Gewerkschaften und der Partei, Geld zu beschaffen durch Anleihen, wohl richtig, aber nicht als All- Heilmittel, da ja Länder wie England und Amerika auch unter Ar- bellslostgkeit leiden. Das Hauptübel der Arbeitslosigkeit erblicke ich in der schlechten Verteilung der vorhandenen Ar- beit l Wenn für 10 Famllien Arbeit vorhanden ist, davon aber drei mit doppelter Arbeit versehen werden, haben eben drei F a- Milien keine Arbeit. Arbeit ist Gemeingut aller Menschen. Wenn man ein leidliches Auskommen hat und noch ein weiteres Ein- kommen sucht, so raubt man seinem Mitmenschen die Arbell und macht ihn arbeitslos. Die durch doppelte Arbeit erworbenen Gel- der werden dann auf Sparkasien und Banken gebracht, und Staat und Gemeinde müssen für die durch die Doppeloerdiener brotlos Gewordenen die Unterstützungen bezahlen! Ich kenne fünf Fami- sien, wo dies der Fall ist. Ich bin überzeugt, daß jeder zweite oder dritte Mensch imstande ist. Doppelverdiener namhaft machen zu können. An diesem Uebel kranken wir bis zu den höchsten Aemtern. Ich bin darüber ganz verwundert, daß es bisher noch kein« Partei gewagt hat, hier ändernd einzugreifen. Das Problem ist wahrlich sehr stachlig. Hier rate ich, daß Partei und Gewerkschaften heran- gehen und zeigen, daß sie noch Schwung besitzen. Was ich jedoch nicht für ratsam halte, wäre«ine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit, da dadurch«ine Verteuerung eintreten würde und dies würde verringert« Absatzmöglichkeit bedeuten, der Erfolg also wieder abgebremst wird. Was ich jedoch der Partei rate, falls dieselbe eine Verkürzung der Arbeitszeit doch für gegeben hält, ist die Derkürzung der Ar- beitswoche auf fünf Arbeitstage. Dies läßt sich unbedingt leichter und billiger durchführen. Dadurch spart der Arbeiter im Jahre 60mal das Fahrgeld zur und von der Arbeitsstelle. Auch die B> triebe hätten einen Nutzen davon, indem die Heizung der Räume für einen Tag gespart wird, wog wohl in den amerikanischen Werten bereits erkannt ward«: ist. Allred Reichelt. ,* Aus einer anonymen Zuschrift: In Ihrer Ausgabe vom 22. Januar d. I. führen Sie als große Uebersd>nst auf der ersten Seit« Ihres Blattes:„Schafft Arbeit" und„Erschreckende Zunahme der Arbeitslosigkeit". Ja, hier käme doch vor ollem einmal die Doppelocrdienerfroge als erster Punkt an die Reihe. Solche Ungerechtigkeit war bis jetzt überhaupt noch nicht da. Taufende und aber Taufende von Frauen, ja sogar von höheren Beamten, stecken ihr„Taschengeld" ein, um damit den höchsten Luxus treiben zu können. Ick; kenne zahlreiche Famllien, wo die einzige Tochter verheiratet ist, zu Hause dos Dienstmädchen für ein paar armselige Groschen die Arbeit schassen muß, der Ehegatte ein Einkommen von 300 bis 100 Mark monat- lich hat, die Tochter auch zirka 200 bis 300 M.. der Vater ein hübsches Gehalt und der Schwiegervater ebenfalls hat. Die Ein- richtungen sind hochelegant, nur das Feinste wird gekauft, warum, man kann ja das so nebenbei noch mitnehmen. Währenddem tausende junge Mädchen und Männer, die sich auch gerne ein paar Groschen verdienen möchten, jahrelang arbeitslos find, weil überall solche Geizhälse vertreten sind, die nicht genug bekommen können. Hier müßte doch unbedingt ein Wandel geschaffen werden. Selbst- verständlich sind Ausnahmen zu machen, wo der Maim ein kleines Einkommen hat, um sid) gerade so durchzuschlagen; ebenfalls haben alleinstehende geschiedene oder verwitwet« Frauen das Recht, sich Geld zu verdienen, aber nicht Beamtenfraucn; auch solche von Arbeitern(die meisten haben ja allerdings nur ein schmales Ein- kommen!), die nur zum Vergnügen fortgehen. Hier empört sich das Innerste eines gerechten Menschen, hier muß ein Gesetz beantragt werden, das ein Mindestgesamtoerdienst von vielleicht 200 M. für kinderlose Eheleute, und für kindcrciche Famllien natürlich ent- sprechend höheres Einkommen vorschreibt. Geht man in die Kauf- Häuser. In die Büros und Arbeitswerkstätten, überall oerheiratete Frauen, die in Samt und Seid« und sogar Im Pelzmantel zur Arbeitsstätte gehen! Ich bin nun aud) schon Drei Vierteljahr arbeits-- los und mache meine Beobachtungen; man sieht fast mehr ver- heiratete wie ledige Frauen ihren: Berus nachgehen. Und dann heißt dies« Ungerechtigkeit:„Die Selbständigkeit der Frau"... Etwas vm den Finanzen Die Diskussions beitrage zeigen, daß für die Arbeiterschaft die Selbsthilfe in den Vordergrund gestellt und die Stärkung der Arbeiterorganisationen als erstes Mittel dazu anerkannt wird. Nur darf nicht eine Schwächung der Organisationen vorgeschlagen werden, wie sie Genosse F. M.(„Abend" ooin 22. Januar) durch seinen Vorschlag über die Zwangzpenfionierung und Entlassung mit dem 50. Jahr empfiehlt. Als seiner Zell das S ü ß st o f f g- s e tz geschaffen wurde zur Hebung des Zuckerrübenbaues, erhielten die Sühstosf herstellenden chemischen Fabriken Millionen als Entschädigung für die Einstellung der Fabrikation. Die Arbeiters erhielten nichts. Diese Mil- lionen wanderten ins Ausland, wo die ents-hädigien„Ehemieherren" neue Fabriken anlegen ließen, die im Ausland blieben. Aber nicht nur das Äapllal, auch die Erträge blieben meistens dort Dieser Vorgang, Auswanderung des Kapitals, besteht heute in well höherem Maß«. Beides, Kapital unJv Kopitaürrräxe werden unserer Dolkswirtschaft entzogen. Es würde interessant sein, die Summe des im Ausland angelegten deutschen Kaplla's festzustellen, und es erhebt sich die Frage: Sind schon Schritte unternommen worden, der Kapitalabwanderung zu steuern? Wird die Freizügigkeit der Elasarbeller, weil sie ihr Kapital, die Arbells- traft im Ausland festlegen wollen, ausgehoben, warum nicht die freie Verfügung der Kapitalisten über ihr Geld? Die deutsche Finanzwirtschaft ist in Mißkredtt geraten und teil- weis« mll Recht, well den deutschen besitzenden Klassen mehr Patrio- Lsmus und Gemeinsinn zugetraut wurde, als diese je besessen haben. Die Zentralisierung der Steuereinnahmen usw. ist kein Fortschritt. Ms die Gemeinden die Staatssteuer ein- zogen, war gleichzeitig die Genreindesteuer mll den entsprechenden Zuschlägen damit verbunden. Die Gemeinden hatten dadurch großes Interesse, die Steuerpflichtigen richtig zu erfassen und die damals bestehenden Steuerausschüss« hatten dauernd Einfluß auf die Selbst- einschötzung. Heute merkt man von einem Ausschuh bei den Finanz- ämtern nichts. Di« Nachprüfung der Bücher genügt nicht. Jeder, auch der kleinst« Geschäftsmann hat feinen Steuerberater. Ob er dies macht, um nur den Mann zu beschäftigen? Eine Dezen- tralisation wäre sicher für den Staat und auch für die Gemeinden «in gutes Geschäft. Gegen die Offenlegung der Steuer- listen wenden sich doch nur jene Kreis«, denen an der Ber- sch leierung ihres Einkommens gelegen ist. Sie wehren sich dadurch gegen ihre Belastung. Warum sollen sich die Arbeiter nicht auch gegen ihre Belastung wehren? Früher zahlte ein gut bezahlter Arbeiter im Durchschnitt 12 M Staats- und bis 200 Proz. Gemeindesteuer, also 36 M. jährlich. Heut« zahlt ein in gleichen Verhältnissen Beschäftigter annähernd 130 M. Könnt« jeder Arbeiter die Mehrbelastung, an Steuer nur. für die Anschassung von Kleidung verwenden, wieviel Schneider könnten da wohl beschäftigt werden? Mit der H a u s z i n s st e u e r ist es dasselbe. Bei Einsührung dieser Steuer wurde ständig(auch im„Vorwärts") darauf hin- gewiesen, daß der Ertrag nur zum Wohnungsbau verwendet werden soll. Und wie wird er verwandt? Warum werden die Alt- Wohnungen der Landwirte von der Steuer freigelassen? Di« Land- wirte in ihrer großen Mehrzahl schimpfen auf die Republik, vagen. daß sie an den Steuern ersticken. Die Hausbesitzer, die Industriellen, alles schimpft und klagt, nur die Arbeiter nicht. Und da sollen wir— nach dem Vorschlage von F. M.— noch selbst zu einer weiteren Verschlechterung eines Teils der Arbeller- schoft beitragen? Die Arbeitslosigkell und die Beschäftigung der jüngeren Kräfte kann sich wieder heben, ober eine Zwongspensionie- rung kann nicht mir nichts dir nichts wieder obgeschosst werden. Hat man je gehört, daß Angehörige der befitzenden Klasse ihrem Stand eine freiwillig« Belastung angeboten Höllen? Wäre es nicht richtiger, auch der Arbeller dentt mal an den Steuerstreik? Wäre es nicht durchzuführen, daß die Slrbeitxr nur soviel Ä i e te zahlen, als diese ohv« Hauszinsstcuer beträgt? Wegen Pfennigen wurde früher gestreikt oder Boykott ver- hängt, heute kaim jede Industrie die Preise machen, wie sie ihr passen, aber die Arbeiterschaft bleibt ruhig. Es darf nur das gc- ringst« verlauten, daß irgendein größeres Bauvorhaben, Siedlung oder dergleichen geplant ist, prompt fetzt die Erhöhung der Baustoffe ein. Irgendwo wird«ine Strohe gebaut, sofort st« ig e n die Bodenprcise. Läßt es sich nicht einrichten, daß da zugegrifsen wird, so schnell, wie es geht, wenn eine Belastung der Armen ausgeknobelt wird? Bei jeden: Organisierten besteht heute kein Zweifel, daß durch die Spaltung der?lrdeiterschast die K raste ge- schwächt sind, aber die moslowi tischen Erlkönige reiten sich über kurz oder lang tot, wem: wir nicht neue Wasser auf ihre Mühlen leiten. Und die Maßnahme einer Zwangspensionierung würde dod: nur wieder eine neue Gruppe„mll Recht" Unzufriedener geben. Do auch uirfere Partei sich mll diesem Probien: befassen müßte. wäre das eine neue Belastung unserer Agitation. Ueber die Doppelverdiener läßt sich diskutieren. Aber wo fängt der Doppelverdiener an. Ein Arbeiter nrit 35 bis 40 M, seine Ehefrau mit 20 M. pro Woche sind Doppelverdiener. Ein Beamter mll 500 M. pro Monat, dessen Frau eine Nähstube unter- hält, auch. Ein Schulrektor mit jährlich 7000 M Gehalt und dessen Ehefrau als Konrektorin mit vielleicht 6000 M. ebenfalls. Ein Reichstagsabgeordneter gleichzeitig Rittergutsbesitzer und Ak- tionär einer Zuckerfabrik doch auch. Ei» pensionierter Offizier, gleichzeitig Direktor oder Vertreter cwer Fabrik und Aufsichtsrat in verschiedenen Betrieben wohl auch. Ojzer siud die Vorschläge über Doppsluerdiener auch nur für Gehalts- und Lohnempfänger der unteren Gruppen gedacht? Hermann Arnold. Ein Vorschlag Zu den Ausführungen„Arbeit und Brot für alle?" Borschläge zur Erwerbslosenfrage(..Der Abend", Beiloge, 22. Januar 1936) erlaube ich mir folgende Bemerkung: Man schlägt dort vor Zwangs- Pensionierung aller 60jährigen Arbeitskräfte. Viel wichtiger er- scheinen mir die von„Sidney und Beatrix Webb" schon vor zwanzig Jahren aufgestellten Forderungen zur Verminderung der Arbeits- losigkeit, Verbot der Kinderarbeit in Haus- und Landwirtschast und «ine der Berufsausbildung entsprechende Beschränkung der Arbeit Jugendlicher durchzuführen. Helene Simon. Ein Lebenslauf Vielleicht mag es interessieren, das Bild meiner zehnjährigen Tätigkeit zu geben: 1919 bis 1925: notdürftige Existenz, selbständig in Thüringen. Durch potllssche Tätigkeit in der Partei wirtschaftlich erledigt. 1925 bis Februar 1926: Transport- und Pressearbeiter im Walzwerk Spandau. 1. März bis 18. Juni 1926: arbeitslos. Vom 18. Juni 1926 bis 30. November 1926 leitend tätig im Beruf(Meierei). Don: 1. Dezember 1926 bis 10. Mai 1927 arbeitslos. Vom IL Mai 1927 .bis 17. Mai 1927 Notstandsarbeiter beim Gartenbauamt. Dom 18. Mai 1927 b:» 23. September 1927 Betriebslo'ter im Berus (Meierei). Hier wirkten vielfach schwarze Listen, vom 24. Septem� ber 1927 bi« 10. August 1928 arbcllslo». Vom IL Aug st 192- bis 31. Dezember 1929 Rohrlegerhelfcr, Angestellter und Heizer Jetzt arbeitslos. Vater von drei Kindern. Wenn man herbei nich: zur Verzweiflung kommt, jo nur deshalb, well die Ärbell als Funk- tionär in der Bewegung ein Ziel und eine Ablenkung ist. Friti Ftngfer. (IS. FortsetziMg.) „Zeigen Sie mal Ihre Ausloge.* P«ter stellle sich schüchtern, in Boxpositur. „Sehr gut. wie stelit's denn mit dem andern?" „Durchs Seil springen kann er auch- Wie die kleinen Kinder". spöttelt« Mary. „Das ist notwendig, Mary", verteidigte sich Peter. „Das Ganze ist Blödsinn!" rief sie heftig...Wozu willst du Boxer rosrden? Plötzlich kommst du auf solche Ideen." „Was heißt, solche Idee?" fragte Tom ruhig.„Ich bin doch auch Boxer!" „Sie--" Mary dehnte das Wort. Es war nicht zu er- tennen. ob sie es in anerkennendem oder in absprechendem Sinne t«ch Tom nahm einfach das erster« an „Immer arbeiten Sie", wandte er sich wieder an Peter.„Nach» her wird's schon was. Bor ein paar Iahren war ich auch nicht stärker als Sie!" Mary hatte sich wieder an ihre Arbeit gemacht. Sie deckte den Tisch. Toms Augen folgten dem zierlichen Gsfchöpf, das sich so houssraulich und graziös bewegt«. „Das ist gut. ich Hab'nen Bär«nhung«r, gnädiges Fräulein." „Ra. dann wilid's auch schmecken", antwortet« sie froh.„Peter. such doch mal cherrn Kräppli. Ich glaub, der liegt auf dem Sofa drinnen und schläft." Mary machte einige Brötchen für Tom zurecht. „Das sind ja eigentlich verbotene Genüss« für mich. gnädig«s Fräulein", sagte er etwas kläglich.„Sagen Sie's bloß nicht Herrn .Hurt. Sie kennen doch meinen Manager? Sonst läßt der mich überhaupt nicht mehr allein fort." Sie lachte.„Ach, Sie schwindeln ja!"' „Nein, bestimmt nicht, ich werde furchtbar beaufsichtigt." „Boxen scheint ja eine umständliche Sache zu sein. Reden Sie doch bitte dein Peter aus. daß er Boxer werden kann." „Do müßte ich erst mal sehen, was er leistet, oder bester, was er für Anlagen hat." „Gar keine, bestimmt nicht!" rief dos Mädchen fast leidenfchaft- lich.„Ich will dos nicht!" Tom machte ein trauriges Gesicht.„Können Sie Boxer nicht leiden?" Papa B u r k h a rdt kommt. Em Autnsignal half Mary aus ihrer Verlegenheit. Tom sah mit Erstaunen, daß ihr junges weiches Gesicht hart werden konnte. „Das ist Papa", sagte sie knapp. „Hallo!" Burkhordt saß noch im Wagen drin. Eben kam Peter mit Kräppli in den Garten. Elastisch eilte Peter zum Auto und nahm Purkhardt einen Arm voll Weinflaschen ab. die er unter dem Sitz hervorholte. Tom hatte Peter nachgesehen.„Er ist sehr geschmeidig iir seinen Bewegungen, eine gute Vorbedingung." Mary wollte heftig erwidern. Da kam ihr Vater freudestrahlend und aufgeregt auf sie zu. Tom stand auf. Er entsann sich dunkel, Burkhardt schon irgendwo gesehen zu haben. Richtig, im Sport- palast war's! „Sie haben'? fabelhaft hier draußen, Herr Burkhardt", begrüßte er ihn. „Was tu ich damit? Ist jetzt'ne Last für mich, und meine Frau will davon auch nichts wissen." Er bemerkte Kräppli.„Guten Tach, guten Tach, Sie Held der stillen Arbeit, aber geben Sie's auf. Sie kämpfen vergebens!" „Wieso?" Nicht nur der Masseur war erstaunt. „Gegen die Fettschicht meiner Frau kommen Sie doch nicht an. Was verschlägt's schon, wenn Sie ihr täglich ein paar Gramm her- uickennißhondeln? Davon kriegt sie nur guten Appetit und ißt um so mehr!" Tom lachte mächtig auf. Der Mann gefiel ihm, der war an- geniert. Er verstummte aber schnell, fast erschrocken, denn Mary mahnte leise und scharf:„Papa!" Vurkhardt fühlte, daß er Toms Sympathie auf seiner Seit« hatte und machte darum Front gegen ihre Bevormundung. „Was denn?" antwortete er angriffslustig. „Willst du dich nicht setzen?" fragte Mary ganz ausdruckslos. Sie tat, als ob sie seine letzte Frage überhört hätte. „Hol lieber'n Korkzieher! Siehst doch/' daß ich Wein mit- gebracht habe!" Mary blieb stehen.„Herr Matlhes trinkt keinen Alkohol." Sie warf in unverhohlener Gegnerschaft den Kopf auf.„Herr Hurt hat es ihm verboten." „Ach was. Hurt ist weil vom Schuß. Kinder, so vergnügt kommen wir nicht wieder zusammen. Peter, hol mal Gläser, ja?" Peters Blick war zwischen den beiden voll unbehaglicher Spannung hin und her gegangen. Er zögerte. Dann ging er. Als er mit Gläsern und Untersätzen wieder herauskam, setzte er sich sofort an Marys Seite und sah wachsam und entschlossen ihren Vater an. Burkhardt entkorkte«ine Flasche, schmeckte vor und nickte Tom zu.„Sie können bestimmt davon trinken, die reine Kindermilch." „So unbekannt bin ich in diesen Dingen auch nickst. Mein Vater ist Restaurateur. „So, wo denn?" „In Neustrelitz", sagte Tom ein wenig geniert. „Neustrelitz— Neustrelitz—, da war ich auch schon mal. Weißte Mary, damals die Herrenpartie zu Himmelfahrt, wo Mama so'n Krach geschlagen hat, weil die Sache'n bißchen ausgedehnt verlaufen ist.'n nettes Nest. Welches Lokal ist denn Ihres?" Einen Vdoinent war Tom verlegen. Dann gab er offen zu: „Das ist nur'n kleines Lokal. Obotrit heißt es." Seme Offenheit gefiel Mary. Er hätte ebensogut sonst was von seinen Eltern erzählen können. Burthardt goß die Gläser wieder voll.„Also, wie ist es dem» nun? Würden Sie kaufen wollen.?" .T?s gefällt mir alles ausgezeichnet hier. Ich ystll hier draußen trainieren" ,�!ch würde Ihnen ja auch einen zivilen Preis machen, Herr Matthe«, schon aus Sportinteresse." „Ich glaub' schon, daß wir uns einigen würden. Sehen Sie. ich muß für mich trainieren, sonst kommen doch immer allerlei Lvit« zum Zusehen und gucken mir wein« Trick» ab." Kräppli konstatierte mit großem Vergnügen, daß Tom Matthe? die Bedenken oarbrachte, die er in ihm erregt hatte. „Richtig, Herr Matthes", stimmte Burkhardt begeistert zu. „Macht sich auch ganz anders, wenn ein Mann wie Sie fein eigenes Quartier hat." „Man ist schließlich dazu verpflichtet," ging Tom vornehm dar- auf ein. „Ja. Mädel, dann ist es Schluß mit deinen Sommerferien. Mußt wieder in die Stadt ziehen. Aber zur Entschädigung kannst du mit Mama eine schöne Ferienreise machen." Mary sah den Vater nickst an. Eine große, hilflose Bitterkeit ersüllte sie. Es war für sie ein Glück, daß sie aus der Stadt hier heraus konnte, und nun sollte das alles vorbei fein. Sie mußte wieder zurück zu ihren Eltern, deren Leben sie so sehr abstieß. Burkhardt hob das gefüllte Glas.„Auf das Wohl des Ge- schästs?" Alle stießen an. Mary senkte den Kopf. Ihre Augen waren voll Tränen. „Was ist denn. Marychcn?" Burkhardt faßte feine Tochter unter das Kiwi. Mary weinte plötzlich laut los.„Dos einzige, was ich habe, nehmt Ihr mir jetzt! Für ein paar Groschen verkauft Ihr alles, woran ich Freud« habe." Che jemand sie halten konnte, war sie in das Innere des Hauses geeilt. Die Zurückbleibenden hörten ihre kleinen Füße hastig die Treppe hinauslaufen und vernahmen das Zuschlagen der Schlaf- zimmertür. Nach einer kleinen Pause sagte Tom verlegen:„Wenn's Ihrem Fräulein Tochter so weh tut. hier wegzugehen, wollen wir's nicht lieber lassen, Herr Burkhardt?" Burkhardt richtete sich aus.„Ach, dos ist nur so eine Laune. Bin ich hier Herr oder ist es meine Tochter? Mein Besitz steht zu Ihrer Verfügung, wenn Sie ihn haben wollen. Außerdem zwingt mich meine finanzielle Lage zum Verkauf." Aus dem Arbeitszimmer schrillte das Telephon. Peter ging hinein, um es zu bedienen. Er erschien sofort wieder und rief: „Herr Kräppli, Sie möchten an den Apparat kommen, Ihre Frau wartet." „Schon da", antwortete der Masseur im Enteilen. Di« anderen standen ebenfalls auf und gingen langsam dem Hause zu... Vm aafeftBga ßab* Hab Fra» K-äpplZ an San StppaeL Jöa sollst so schnell wie möglich zu Hurt kommen, läßt er dir sagen. Er scheint nicht gerade in bester Laune zu sein. Dreimal hat er schon angerufen, innner wurde er unliebenswürdiger. Also mach!" Kräppli hotte sich durch einen schnellen Blick davon überzeugt, daß Tom. Peter und Burkhardt unterdessen bis zum Fenster gc- kommen waren und ihn unbedingt hören mußten. „Wie— königlich« Hoheit selbst?" sagte«r laut. Er hörte deutlich das Aufprusten seiner Frau, die derartige kleine Manöver nicht zum ersten Male mitmachte. Unwillkürlich griente er ebenfalls. Doch feine Stimme blieb respektvoll und devot. „Wenn königliche Hoheit nochmal anzurufen geruhen, so ba- stelle bitte, daß ich sofort aufbrechen würde! Sofort! Wart' mal. in einer guten Stunde würde ich mir die Ehre geben, mich bei königlicher Hoheit melden zu lassen." Die Droußenstehenden vernahmen, wie er ein paar schmatzende Küßchen in den Apparat hauchte.„Gute Nacht, mein Herzenskind!" „Mensch, machst« so was öfters?" rief Tom durch das Fenster. „Ihr macht's Vergnügen und mich kostet es nichts", war die philosophische Antwort. Dann sprudelte er voller Wichtigkeit und Eifer hervor:„Wir müssen leider sofort aufbrechen. Der Prinz Theodor hat angerufen. Ein schrecklicher Mensch. Sowie sein Rheuma ihn plagt, muß ich raus. Er sagt, meine Massage nimmt ihm die Schmerzen besser weg als alle Medizin." Tom machte. ein beleidigtes Gesicht.„Ich denke, du wolltest heute für mich zur Verfügung stehen?" blies er Kräppli an. „Steh ich auch, steh ich auch! Was Kräppli verspricht, dos hält er. Dauert bloß'no Stunde. Ich kann aber königliche Hoheit nicht mit seinen Schmerzen sitzen lassen. Schon aus Nächstenliebe nicht. Wenn er nämlich Rheuma hat, dann steht das ganze Palais Kopp." Tom zuckte die Achseln.„Na, dann schieb ab. Mensch! Herr Burkhardt, kommen Sie mit nach Berlin rein?" Bei dem allen Mann machte sich die Reaktion bemerkbar. Er winkte müde ob und sagte ausdruckslos zu Peter:„Bring den Wagen in die Garage. Ich will mich'n Stündchen aufs Ohr legest. Ja, ja Herr Matthes, die Jahre! Man spürt's. Die kleinste Aus- rcgung wirst mich um.— Also, wir bleiben bei unserem Plan?" „Wenn Sie wirklich wallen?" sagte Tom etwas kleinlaut. Peter blinzelte ihm zu. Er verstand, er sollte den allen Mann nicht un- nötig aufregen. Darum fuhr er freundlich fort:„Ich läute Sie morgen früh au, dann fahren wir zusammen zum Notar, ja? Wird schon alles werden." Er reichte Burkhardt die Hand und wehrte ihm lebhast ab, als er ihn zum Gartentor begleiten wollte.„Aber ich bitte Sie, unter Freunden!" i Peter öffnete die Wagentür. Kräppli schlüpfte mit der ihm eigenen, bei seiner Rundllchkeit erstaunlichen Behendigkeit in das Auto. Tom warf noch einen Blick nach den Fenstern des ersten Stockwerkes hinauf. Eine leichte Enttäuschung konnte man aus seinem Gesicht sehen. Er hotte gehofft, daß sich ein blonder Mädchen. köpf zeigen würde. Er gab Peter die Hand.„Bestellen Sie Fräulein Burkhardt, daß es mir sehr leid tut. wenn ich sie vertrieben haben sollte. Aber sie könnte ja als Gast hier bleiben, und Sie auch, Herr Peter. Gleich mit zum Trainieren, das wär doch fein!" (Fortsetzung folgt.) Rät sei-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. faseriges Gewebe: 4. russ. Halbinsel: 8. Korallenriff: ö- elektr. Energie: 10 weder kallnochwarm: 12. abget männl. Vor- name: 13. Kampfplatz: 15. Frucht: 19. Organ: 21. tllrk Aufseher: 23. Körperteil: 24. Blume: 25 Schlaginstrument: 2S. Paum: 27. Heizkörper. Senkrecht: I.Sportgerät: 2. Stern: 3. frz. Münze: 5. geogr. Begriff: 6. dtsch. Staats- mann: 7. Liebesgott: 11 asiat. Reich; 13. Erd- teil: 14. Wagenteil: l6. Schiffsteil: 17 Gartenfrucht: 18 Wasserfahrzeug: 20. Vorbe- deutung: 22. Äergwiese; 23. Verhällniswort. sk. Silbenrätsel. Aus den Silben a a ab bol bel bi bo bu de di di di dra e e ein erz frey ga gen gen che go go hal in lad to le le le lu lut ma mi mi moir nm im na ne ne nel ner»er nett ni nie on on punk ra re ri rin sa schof so son tag tc tei ter ti ti tin tra ul zar zi sind 22 Worte.zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten, und deren Endbuchstaben von unten nach oben gelesen einen Ausspruch von Bulver ergeben.— Die Wörter bedeuten: 1. Deutscher Dichter: 2. Naturerscheinung: 3. exotischer Bogel: 5littvoed. 39. Januar. Berlin. I6.Ci5 Ing. Joachim Boehmer: Technische zVochenplaiKlerei. 16.30 Jusendbilhne:„Der rerbrochenc Krng". 17.30 Lieder von Alban Berg nnd Toch,(Beate Soos-Reater, Sopran. Am Finget; Willy Jaeger.) 18.00 Sylvia von tlarden liest ans eigenen Werken. 18.20 Unierhaltungsmuslk. 19.00 Prot. Dr. Emil Utitz: Aufstieg und Kiedergang unserer Kultur? 19.30 Programm der Aktuellen Abteilung. 20.00 Von Hannover: Internationale Marschmnsit 21.00 Aas dem Theater des Westens;..Hotel Lemberg", 2. and 3. Akt Nach den Abendmcidungen bis 0.30: Tanzmusik. KOuigswusterhausen. 16.00 Dr. Karl Thierue: Was der Dichter leistet. 16.30 Nacbmittagsfconzert von Hamburg. 17.50 Balladen.(Cesungea von Hermann Schey) I6U» Präsident Dr. Mflllcr: Vom deutschen Weinbau 18.30 Spanisch iiir Anfänger. 18,S5 tfr. W. Arndt: Schätre des Meeres. 19 20 Prof- Dr. Binz: Die Chemie im Kampf gegen die Imekrionskrankheitrs. 20.00 Orchesterkongert. 31.CS Van Hamburg: Marsehgesäuge. Anschließend; Von Hannover: Märsche. 31.30 Senatspräsident Dr. Deerberg und Mm.-Oir. Dr. W» Hege» JBe OreortB der staatsMrgerllclwe Freabeit d*c Bearaäen? 4. Farbe; 5. MW. König; 6. geometrische Linie: 7. gerstlicher Würden- träger: 8. militärischer Ehrengruß: 9. Zeichensetzung: 10. Lotterie» Verlust: 11. Truppengattung: 12. Gestalt au? der„Fledermaus": 13. Teil der Woche: 14. geistliches Stift: 13. englischer Seeheld: 18. talienischer Dolksheldz 17. Tatkraft: 18. Pflaniengift: 19. weib- licher Vorname; 20. Sinnestäuschung: 21. Pflaumenart: 22. Ge- dichtsorm. Irr, Visitenkartenrätsel. ROSiskI 1 DRE1KAUER Eine Veränderung der Buchstahenfolge ergibt die Stellung des Herrn. Karreerätsel. ad. («esetTidj gefrbüfrt.) Jede Zahl der zu erratenden Wort« entspricht einem Buchstaben, der in das mit der gleichen Zahl bezeichnete Karree ein, zutragen ist. Die Buchstaben von 1 bis 37 fortlaufend gelesen, ergeben ein Sprichwort.— Bedeutung der einzelnen Worte: 1. Zeitmesser 9 19 16: ?. unterseeische Leitung 22 2 34 6 7; 3. Nadelbaum 22 5 18 15 20 16; 4. Bestandteil des Bieres 8 13 7 4: 5. Gcsschtsfalte 21 17 14 4 23 29; 6. Laubbaum 29 32 24 1 26: 7. Stimmlage 34 28 3 10; 8. Polar- forscher 23 35 27 11' 26 37; 9. Singvogel 12 33 3 30 6; 10. Haus- tier 36 9 27 31. Zahlenrätsel. Zahlenrätsel: 1234 3 678 Wissenschaft: 2 7 3 4 2 Baum; 3 4 7 6 3 Land in Asien: 4 3 7 Raubfisch: 5 3 4 2 Schist: 6 3 12 Bezeichnung: 7 112 Insekt; 8 3 7 6 biWisckie Person.— Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Worte ergeben wieder das erste Wort.—-I— (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus vonger Nummer. Silbenkreuzworträtsel. Waagerecht: 3. Bilder- galeri«: 8. Sekunde: 12. Gerste; 14. Auto; 17. Birma; 18. Kerze: 21. Behörde: 26. Schauspielerinnen,— Senkrecht: 1. Leder; 2. Perle; 3. Billett: 4. Gaze: 5. Riese: 6. Posse: 7. Erde: 9. Kundin; 10. Lager; 11. Pluto; 13 Steven: 14. Autor: 13. Lama; 16. Anker; 17. Birne; 19. Zenll: 20. Gehör; 21. Bebel: 22. Dekor; 23. Warschau: 24. Dohle; 23. Tannen; 27. Spiegel: 28. Rinde. Silbenrätsel: 1. Utopie; 2. Reste: 8. Stieglitz: 4. KeiaeXe; 5.(Erofif; 6, Holstein: 7. Epoche; 8. Rauhreif: 9. Zollamt: 10. Ehra: 11, Nessel: 12. Konsul: 13. Allee; 14. Meinung.—„Unsere Herzen kampfentschlossen..." Bisitenkartenratsel: Sozialdemokrat. Doppelsinnig: Matte. Palindrom: Rebe— Eber. Karreerätsel: J. llhr; 2. Ulm; 3. Marder: 4, Homer: 5. David: 6. Verdi: 7. Toste; 8. Deich; 9. Fieber; 10. Nest: 11. Rasse; 12. Nil: 13. Not«.—„Das Leben ist meistens eine Flucht vor dem Tode." cflT&eiteTtSport' Jahresversammlungen. Ueberall Aufbauarbeit mach Ausscheiden der Krakeeler. Die In diesen Tagen abgehaltenen ZahresversammA>ngen in den großen und größten Arbcitersportverelnen Verlins lassen nach der Abstoßung der radaulustigen„opposi�anellen- Mitglieder eine so großartige Auswärtseatwicklun� der Der- eine erkennen, daß jeht auch ja der Praxis der Beweis erbracht ist. daß die angewandte Taktik richtig wa� Leute, die sich grundsählich nicht nach den Skalulen und Beschlüssen richten wollen, auszuschließen. Die'im Gewerkschastshcms tagende 37. ordentliche Generalver- ''amnÄung des Ruder oeresns..Vorwärts� Berlin E. N. stand im Zeichen produktiver Arbeit des BgreinP In der kurzen Begrüßungsansprache des BereinsvorsttzcndUi wpes dieser besonders aus die Wichtigkeit der Tagung Hin. Es galt, den geplanten Er- weiterungsbau des Bootshauses in Oberschöneweide sestzukegen. In voller Einmütigkeit wurden dann auch die vom Vereins- vorstand und der Baukommission gemachten Vorschläge gutgeheißen. Ein bedeutungsvoller Schritt für die weitere Entwicklung des bisher so erfolgreich arbeitenden Vereins ist damit getan. Sobald die Wetterver- hällnisse es zulassen, soll mit dem Bau begonnen werden und noch in diesem Jahre wird es wieder möglich sein, eine größere. Anzahl mann- I icher Mitglieder auszunehmen. In den festen Jahren war der Verein infolge der beschränkten Räumlich- leiten vielfach gezwungen, seine Mitgliederliste zu sperren.— Aus dem gedruckt vorliegenden Jahres- beruht ist zu entnehmen, daß der Verein, der eine Männer-, Frauen- und Iugendabteilung unterhält, zur Zeit 467 Mitglieder zählt. Diesen stehen zur Ausübung des Sportes, einschließlich der Privat- boote und der sieben Motorboote, 129 Boote zur Verfügung. Die in Ruderbooten im letzten Jahre zurück- gelegte Strecke betrug zirka 36 000 Kilometer. Reben dem Stammhaus in Oberschöneweiüe hat der Berein vor kurzer Zeit ein Grundstück in Klein-Köris erworben und dort für die auf den Teupitzer Gewässern fahrenden Mitglieder einen Stützpunkt errichtet. Die starke Inanspruchnahme dieses zweiten Heimes erforderte auch hier eine Erweiterung. Der Kauf eines angrenzenden Grundstückes steht kurz, vor dem Abschluß. Hier ist den Mitgliedern des Vereins Gelegenheit gegeben, in den Sommermonaten ihre Ferien zu verleben. Für die Wintermonate, wo der Rudersport nur in der Vereins- eigenen Winterruderanlage ausgeübt werden konnte, wurde in weitestem Maße Crgänzungssport getrieben. Außer den regelmäßigen Gymnastikab enden wurden mit Bereinen des Ar- beirer-Turn- und-Sportbundes 22 Handballspiele ausgetragen. Da jeder aktive Ruderer auch Schwimmer sein muh, so kam auch der Schwimmsport zu seinem Recht, wobei in Znkunst auch auf die Ausbildung von Rettungsschwimmern besonders Wert gelegt werden soll. Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, daß die systematische Durchführung des Ergänzungssportbetriebes für die körperliche Ent- micklung des aktiven Sportlers, insbesondere der jüngeren Mit- gliedsr. außerordentlich wertvoll ist. Die von der Satzungskom- Mission vorgeschlagenen Satzungsänderungen wurden einstimmig an- genommen. Ebenso einstimmig wurden sämtliche Vor- stan ds Mitglied er, bis auf eins, das selbst zurücktrat, wiedergewählt. Nach dem Ausscheiden der oppositionellen Mitglieder des Vereins wurde die Versammlung mit den rühmlichst bekannten Resolutionen verschont. In voller Einmütigkeit und im Bewußtsein, Ausbauarbeit am Verein und damit an der gesamten Arbeitersportbewegung geleistet zu haben, wurde die Versammlung geschlossen. In 16 Monaten 100 Prozent Zuwachs! Die„Freien Schwimmer G r o ß- B e r l i n E. B.", die sich im August 1928 als Berliner Zemralvcrein mit 862 Mitgliedern in drei Ortsgruppen gründeten, konnten am Ende des vergangenen Jahres 1157 Mitglieder über 14 Jahre und 500 Kindermitglieder in 7 Ortsgruppen vereinigen Die technische Lehrarbeit des Vereins wurde in 601 Uebungsstunden mit 56 453 Teilnehmern bewältigt. Während des Winters 1929 wurde in 67 Turnstunden mit 2476 Teilnehmern Ergänzungssport betrieben. Groß b>ar die Tätig- keit der Mitglieder in der Rettungsschwimmerbewegung. In sechs Freibädern Groß-Berlins stellte der Verein seine Rettungswochen, an denen sich 1769 Rettungsschwimmer in n892 Dienststunden beteiligten, mit dem Erfolg, daß in 2 8 8 Fällen durch das Eüngrtijen der Rettungsmannschaften C r- trinkungsge fahren beseitigt wurden, in sechs Fällen kam leider Hilfe zu spät. Aber auch auf sportlichem Gebiet waren die Freien«chwmuner nicht müßig. 49 Mannschasts- und 92 Einzelmeldungen wurden bei Schwimmfcsten im Reich und 147 Mannschafts- und 497 Einzel- Meldungen bei Schwimmfesten in Berlin abgegeben, das bedeute:, daß zur Erfüllung dieser schwinimerischen Meldungen die daran be- teiligten Mitglieder etwa 1370mcl ins Wasser stiegen. Die Zahl der Erfolge belaufen sich aus etwa 96 erste und 78 zweite Plätze. 3 Bundesbestzeiten sowie die Oesterreichische Meisterschaft im Rücken- und. Crawlschwimmen konnte der Verein für sich buchen. An 31 Wanderfahrten beteiligten sich 2027 Mitglieder, während bei dem 2 Arbeiter-Turn- und»Sportfest in Nürnberg 86 Teilnehmer zu verzeichnen waren. Ein großer Erfolg bedeutete das im November abgehaltene Schwimmfest im Lunapark. in dem bisher nur bürgcr- lrche Schwimmoeranftaltungen stattfanden, das eins Zufchauerzahl cum über 2000 zählen ließ. Am Britzer Osthafen in Berlin besitzt der Verein ein eigen«» Sommerbad. Ms erfreulicher Erfolg der Werbearbeit ist z» verzeichnen, daß der bisher im bürgerlichen: Fahrwasser segelnde Cöpenicker Schwimmcluh„Triton 1902" sich als Gruppe den Freien Schwimmern Groß-Berlm E. V. an- Zvfchlogeu Hai. Neuaufnahmen werden in jeder Uebungsstmrde vollzogen. Auskunft geben bereitwilligst: Gustav Völcker, Berün-Zieukölln, Treptower Str. 22, und Ad. Preuß, Berlin 0. 112, Rigaer Str. 50/51» Telephon: E8, Andreas 4122, Die Jugend tagt. Vor 131 Delegierten der Provinz und aus Vertin hielt Hamacher auf dem Äreisjugendtag des 1. Kreises im Arbeiter-Turn» und Sportbund einen Bortrag über die Zlufgaben der Jugend im Arbetter-Turn- und Sportbund. Er führte aus. daß der Sport eine Arbeit im sozialpolitischen Sinn« sei, solange wir unter ge- drückten wirtschaftlichen Verhältnissen leben, solange die Wohnungs- not herrsche, solange die Jugendlichen in engen Wohnungen kein eigenes Bett haben. Deswegen fordern wir eine Herabsetzung der Arbeitszeit und Aenderung der sozialen Verhältnisse. Nach reger Diskussion wurde nachstehend« Resolution gegen vier Stimmen angenommen: „Der Kreisjugendtag betont erneut die Notwendigkeit der Zu- sammetrarbeit der drei großen sozialistischen Jugendorganisationen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Gedanke der Zusammen- fassung und der Zusammenarbeit oller aus dem gemeinsamen Kompfboden stehenden sozialistischen Jugendorganisationen nicht nur das Ziel unserer Hoffnung, sondern der Erfolg unseres Wollens ist. Der Kreisjugendtag betrachtet die Zugehörigkeit zu den freien Gewerkschaften und zur Sozialdemokratischen Partei als notwendig und fordert alle seine Mitglieder auf, sich gewerkschaftlich und politisch zu organisieren." Dann hielt Lindstaedt ein Referat über.Lugend und Bildung".— Aus dem Bericht der Mand.itsprüfungskommission war zu«ntnetimen, daß von den 131 Delegierten 44 politisch, 89 gewerkschaftlich organisiert und 88 aus der Landeskirche aus- getreten waren.— Der Bericht des Kreisjugendleiters wurde kritit- los entgegengenonnnen. Die Kinderkrankheiten jeder Organisation sind überwunden. Wir können uns jetzt der Schulungsarbeit in geistiger und technischer Beziehung widmen. Drei Bezirksjugend- treffen haben stattgefunden, davon zwei mit je 400 und eins mit 600 Teilnehmern. Zum Kreisjugendleiter wurde wieder Hamacher einstimmig vorgeschlagen: als Kreisjugendoertreter Heise, als Iugendvertreterin Klinke einstimmig gewählt. Beschlossen wurde unter anderem, in diesem Jahre ein Kreis- jugcndtreffen zu veranstalten. Eine feine Gesellschaft! Spilzcl Lesch auf der Spitzeljagd. Die Leute von der kommunistischen„Oppo" können sich rühmen, die konsequentesten Lenin-Jungen zu Führern zu haben. Reben dem Friedman n-Hejdu,«ine der seltensten Erscheinungen in der Arbeiterbewegung, rumort da ein Dreikäsehoch namens L-e f ch als Obmann der Schwimmersparte herum. Obwohl er sei: Menschen- gedenken nicht mehr gearbeitet hat, besitzt er ein schweres Motor- rad mit Beiwagen und jagt mit diesem Vehikel im Lande herum. um Prosalyten für die„Opposition" zu machen. Das Männchen ist linientreu bis auf die Knochen und kann sich daher erlauben, dos etwas breitgetretenc Mundwerk bis an die Ohren aufzureißen. Aber die Treu« zur Linie saß nicht immer so fest an der Stelle, wo andere Leute das Herz haben. Es war am 11. November 1928, da meldete sich am Fernsprecher der Zenlralkommission für Arbesterspoct und Sörperpslege ein Zndi. viduum und verlangte den Genossen Bück zu sprechen. Mit einer Stimme, die russischen Akzent markierte, bot der Mann Material über die Moskauer Sportinternationale an. Da der Geschästefllhrer. Genosse Wildung, verreist war, ging Sekretär Genosse Buck scheinbar aus das Angebot ein und vereinbarte eine Zusammenkunft in dem Restaurant von h. Gottschalt in der Bis- marckfir. 57 in Eharlottenburg. Dann begab er sich in Begleitung des Genossen Oehlschtäger zu dem verabredeten Ort. Nach einiger Zeit erschien auf schnaufendem Motorrad Herr Lesch. Leider halte er dos Glück, unseren schon ungeduldig gewordenen Genossen Oehlschtäger zu sehe» und so witterte er sogleich Verrat. Zu heuchlerischer Pose markierte er nun den Detektiv, der ans der SpißelZagd sei. um den Manu, der da» Material angeboten halle, zu enllarven. Das geschah mit solcher Plumpheit, daß auch der Einfältigste den Schwindel merken wußte. Per Spitzel war Lesch selbst, offenbar halte er von der Steinen Alexander- straße aus irgendeinem Grunde eine Nase bekommen und wollte sich durch Verrat rächen. Vielleicht kann sich Fritz wiest er- innern, was damals vorgegangen ist>. Nun kommt da» Zaterefiauteste au der Geschichte: Herr Fritz Lesch lügt der Oefsentlichkeit frech ius Gesicht und bestreitet den ganzen Vorgang, Aus dieser srechen Lüge bauten die Fried- und Bergmann einen perfiden Angriff gegen den Genossen Buck auf. Soviel Feigheit. Lug und Trug ist noch nicht dagewesen. Ben Akiba ist durch Lesch geschlagen worden. And von solchen verlogenen Subjekten wird die kommunistische Sportbewegung geleitel! Turnen ist Gesundheit! Neue Abteilungen überall. Nachdem die Turnhalle in der Siedlung Lindenhos fertiggestellt ist, eröffnet der bundestreue„Arbeitersportverem Schöneberg-Friedenau 07" am kommenden Freitag«ine neue Zlo- terlung. Ab 20 Uhr werden die Frauen des Vereins für dos Frauenturnen werben. Nicht nur Geräteturnen, sondern auch Musik- turnen, Spiel« und vieles andere werden von den'Frauen vorge- führt, um die Abwechslung im heutigen Turnen zu zeigen. Wir bitten alle Parteigenossinnen und Freund« unserer Bewegung.n Lindenhos den Erösftmngsabend zu besuchen. Der Uebungsbetrieb ist so gehalten, daß jeder Neuling mitmachen kann. Kürzlich hat die Turnabteilung Tegel„Freie Scholle" der Freien Sportvereinigung Tegel 1899«. V. ihren Turnbetrieb eröffnet. 18 Neuling« im Aller von 30 bis 45 Jahren haben den Grundstein zu dieser neuen Abteilung gelegt. Jeden Doimerstag von 19 X Uhr ab findet der Turnabend unter sachgemäßer Leitung in dar Turnhalle des Lyzeums Tegel, am Sportplatz, Grat-Roedern- Korso, statt. Der Eingang zur Turnholl« befindet sich zwischen den« Spartplatz und der Schule. Di« Parteigenossen von Tegel„Freie Scholle" und alle Freunde des Arbeitersports werden gebeten, die neue Abteilung zu besuchen. Auch die Tegeler Genossen sind herzlich eingeladen. » Räch einer Vorbesprechung soll morgen, Donnerstag, 20 Uhr. im Lokal Westfälische Ecke Schweidnitzer Straße, die Aufstellung der neugegründeten Fußb allma n n scha st e n(Jugend und Männer) erfolgen. Parteigenossen und Gewerkschafter sind in diesen Abteilungen herzlich willkommen und werden gebeten, sich der bnndestreuen Bewegung anzuschließen. Die Schülerabteilung wird ab 4. Februar wieder Dienstags und Donnersiags von 18 bis 20 Uhr in der unteren Turnhalle in der Koblenzer Straße turnen. Die anderen Abteilungen turnen wie bisher. * Arbeitersportler im 4. Bezirk werben. Nach schwerer Ausbauarbeit lst es dem„Freien Sportverein Saxonia 28" gelungen, zwei Männer, und zwei Jugendmannschaften anfzilziehem Gerade im Bezirk Prenzlauer Berg ist es sa notwendig, die kmndes. treue Sportbewegung zu festigen. Zwölf bürgerliche und sieben kommunistische Dereine stehen der Freien Turncrschast Groß-Berlin und dem Derein„Saxonia 28" gegenüber. Da gill es jetzt erneut. die freiorgamsiert« Arbeiterschaft im Bezirk aui den Sportverein „Saxonia 28" aufmerksam zu �machen. Der Turn- und Leicht- athletikbetrieb findet jeden Montag in der Turnhalle Danziger Straße 23 statt. Freunde und Gönner sind gern gesehen in der Turnhalle oder in den Sitzungen, jeden Freitag 20l? Ilhr bei Baganz, Gaudystraße 3. Oer Ruckschlag im Motor. Um die Andrehkurbel! In der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft für Unsalloerhümng konnten die seit Jahren bestehenden Meinungsverschiedenheit«!! zwischen Berufsgenossenschaften. Industrie und Verbrauchern zu einem tragbaren Ausgleich gebracht werden. Dein Vorschlag der Industrie entsprechend, einigte man sich darauf, den Rückschlag im Motor durch entsprechende Vorrichtungen bereits in der Zündanlage zu verhüten, nachdem sich eine einwandfreie Lösung durch Sicherungen in der Andrehkurbel selbst als sehr schwierig und kostspielig erwiesen Halle. Es wurde«in« grundsätzliche Trennung zwischen Magnet- und Batteriezündung vorgenommen. Bei Magneizündung ist allgemein 15 Grad Vorzündung(an der Motorwelle gemessen) vor dem oberen Totpunkt zulässig. Bei Batteriezündung mit vollautomatischer Zündoerstellung ist keine besonder« Rllckschlagsicherung mehr nötig. Beide Zündungsarten, soweit sie außerdem noch Handverstellung besitzen, mit der man eine Vorzündung über das zulässige Ausmaß einstellen kann, müssen besondere Verriegelungsoor- richtungen aufweisen, deren Konstruktion und Anbringung das Einsetzen der Andrehkurbel erst bei ordnungsmäßiger Einstellung des Zündhebels ermöglicht. Dies« vorläufige Lösung soll zunächst probeweise für ein Jahr gelten. In dieser Zeit sollen in Zu- sammenarbell zwischen Berussgcnossenschaften und Automobil- industrie Zahl und Beglellumständc der tatsächlich durch Kurbel- rückschlag entstehenden Unfälle geprüft und außerdem beobachtet werden, wie sich die neuen Vorschläge in der Praxis bewähren. Der Tauristen-verein„Die Naturfreunde", Abt. Prenzlauer Berg, veranstaliet Donnerstag. 30. Januar, im Großen Sitzungs saal des Bezirksamtes Danziger Straße 64 einen N o tu r freunde-Abend. Es laust der Film„Ich fahr in dre Welt. der Junge Chor singt Lieder, musikalisch« Darbietungen umrahmen das Ganze. Alle Parteigenossen und Arbeitersportier sind herzlich willkommen. Einloß lOV-i Uhr. Beginn Punkt 20 Uhr. Emtrin 50 Pf._ ttitfetnc»!» CaOcata c.«. ttbatloitcnbut«. Aomr-rstags?tomias»um eixicicniDalbTöuf im Boll-vack üUS'octcit um 13 Uhr. Tceffpunkt Sauvtklnganr. Ellauta«« tä Iftr im SoDtitmit« Waldlauf. Miinn-rturnc-l Mo ata«»»m 2!> Uhr ln der Turnball- Sooimmct Straß», tzrau-aturnrn Di-n-to«, um SO Uhr tn d-r Turadall» Luituuoltran-. Wvnlaa. S. tz-bruar. Im Iug-nd�lM sumftrab». gue-nd-crfammlun«. Watt-r c.lumann kvrlcht Uber:.Arbeiter- Turn, und Evorrbuad". Nächste tzrauenaersammlun« 17. s?ebr»ar. 20'- licht, bei Taunar. Haute Wolter spricht Uber:„Di« Frau im Band". Kasten ludern Sonnabend bei„Vorwärts" von 18 bi« JO Uftt. grele gallbootsahr-r Vctlin. Tonncrstaa, 80. Januar. Im..Sackeschen So!. Rosentbaler Str. 41, 00 Uhr. ftottfcfcima der ken-ralversammlui,«. Rudern tt«i»„Vorwärts". Donnerstag, 80. Januar, 00 Uhr. Sitcun» de-, Borstandes mit der Baukommlsston. Teauis-Rot«rob-Vr-lia«.«. Dicndtaa. 4. tZobruar. 1914 Uit, Situmq de« Vorstagdek. 20 Uhr gunktionärlonterenz im Restaurant �Vtldgrube. Landsb-rgee Str. 82«Räche Aleranderplad)....... ZTE-B.. B-zvck Panlaui. Donnerstoa, 80. Januar. 20 Uhr, Iachresoertamw luno bei Klcmm, B-rllu-r Sek» Sablichstraste.„ �. Iaa-nchkart-I für«xteiUcipott und Körperolleae. Der Adrechnunasaben» de, im Rooemcher ISN Vunnnrccn Kursuss-s findet am Montag,.dem 8. gobruar. ---—"•.....'" Wir 17_ IL f4*»4+ «euq-st-aftüen Bar . Treptower Str. 51. Berlw£>. 113, Rigarr «Ta-�cMW' Tel.! Moritzplah T 1 6530. Kasteei:«dols�Dr- Stic«« 50—51. Tel.: Andrea, t 8 4102. ochtil.. Köo-nlck. Sucher Str. S. Del.! 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Aus der Fürforoeanflalt SSmal entwichen. Nach Verlesung der ziemlich langen Strafllste richtet« der Vor- sitzende des Schöffengerichtes an den 21jährigen Hans K. die Frage: „Bei Ihrer Jugend sind Sie schon aus einem Gefängnis in das ander« gekommen. Wenn Sie es so weiter treiben, kommen Sie bald ins Zuchthaus. Wollen Sie das?" Trotzig und verstockt ant» wortete der junge Mensch:„Ja! Im Zuchthaus ist es besser und angenehmer als im Gefängnis."„Nun," sagte der Vorsitzende, „bester ist es doch wohl, auch nicht ins Gefängnis zu kommen. Ist es so schwer, mein und dein auseinander zu halten?" Der An« geklagte hatte nur«in Achselzucken. Er sieht keineswegs aus, wie ein hartgesottener Verbrecher, hat«her etwas Kindliches. Dennoch ist er früh verwahrlost und kam in Fürsorgeerziehung. Er hat es dann, aber fertig bekommen, dort gewissermaßen einen Rekord auf- zustellen, indem er nicht weniger als S8mal entwichen ist. In der Zwischenzeit hatte er Diebereien begangen, so daß er auch mit einer Reihe von Gesängnissen Bekanntschaft gemacht hatte, und eigentlich, abgesehen von seiner frühesten Jugend, sich der Freiheit kaum erfreut hat. Auch jetzt war er wieder rückfällig geworden. Dank seinem vertrauenerweckenden und unschuldigen Aussehen hatte er eine Stellung in einer Eisenhondlung als Bote erhalten. Am dritten Tage lieh ihm das Hausmädchen III Mark auf seinen Wochen- lohn, damit er sich einige Sachen kaufen konnte. Dabei sah er, wo das Mädchen ihre Ersparniste aufbewahrte. Am Abend brach er oen Koffer aus und holte sich das ganze Geld heraus. Außerdem nahm er auch W« Ladentaff« mit 500 Mart mit und stahl aus einem Derschlag ein Fahrrad. Als er nach einigen Tagen wieder ergriffen wurde, war das ganze Geld schon verjubelt. Das Gericht erfüllte dem Angeklagten seinen Wunsch nach dem Zuchthaus nicht, gab ihm aber eine empfindliche Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten. Von der Grundschule zur höheren Schule. Ausnahme von Volksschülern in Quinta. Für ältere Bolksschüler gibt es einen kürzeren Weg in die höhere Schule, der sich ahne besonder« Schwierigkeiten darbietet in den foganannten„F ö r d e r t l a s s e n". Diese Förderklassen sind der letzte Rest des Allberliner Realschullyps, nach dem Begründer auch„Bertxamiyp" genannt. Sie bestanden ehedem an mehreren Realschulen, im lausenden Schuljahr ist jedoch nur noch an der Robert-Zelle- Realschule eine neue Förderquinta eingerichtet worden. Welche Bewandtnis hat es nun mit diesen Klassen? Sie sind aus einem wahrhaft sozialen und pädagogischen Gedanken hervorgegangen. Sie sollen solchen für die. höhere Schule geeigneten Volksfchülern, denen aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen der normale Uebergang von der Grundschule in die Sexta nicht möglich gewesen ist, auch noch zu einem späteren Zeitpunkt den Besuch der höheren Schule ohne den Verlust eines kostbaren Jahres ermöglichen. Die in diese Klasten Aufgenommenen über- springen die Sexta, treten gleich in die Quinta«in. werden in Quinta und Quarta nach einem besonderen Lehrplan unterrichtet, der vor allem für de» fremdsprachlichen Unterricht eine etwas er- höhte Stundenzahl vorsieht, und erreichen dann mit der Versetzung nach Untertertia den Anschluß an den Normalplan. Bei geeigneter Auswahl der Schüler wird dieses Ziel erfahrungsgemäß von der großen Mehrzahl auf Grund ihrer längeren Volksschulbildung und ihrer größeren Reife bsi regelmäßiger Mitarbeit ohne besondere Mehranstrengung erreicht.— A n m e l d u n g e n für die Ostern IWll zu eröffnende Förderquinta können noch jetzt unmittelbar bei der Leitung der Robert-Zelle-Realschule, Auguststraße 21. erfolgen. Für das Schulgeld gellen dieselben Bestimmungen' wie für den Besuch der höheren Schulen Berlins. l.one'e'l»" eniplib Debafln- Club. Heute, Mittwoch 20 Uhr: ZehnSrztehaus BUlowstr. 104. 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