Morgenausgabe Nr. 53 A 22 47. Jahrgang ?SSchenMen Abschaffung der Exterritorialität ernst ist. Ein unehrliches Spiel der absicht- lichen Verschleppung könnte sich eines Tages rächen! Landbund gegen Hugenberg. Hugenbergs Spaltpilze an der Arbeit Die Beziehungen zwischen den führenden Männern des Reichslandbundes und der Hugenberg-Front werden immer gespannter. Die„Deutsche Zeitung" polemisiert heftig gegen den Landbund, die„Deutsche Tageszeitung" antwortet und spricht vom„Stänkern um des Stänkerns willen", das Pr ä s i d I u m des Reichslandbundes schickt der„Deutschen Zeitung" eine Berichtigung auf Grund des § 11 des Pressegesetzes, in der es sich energisch dagegen ver- wahrt, daß es den berühmten Z 4 des Hugenberg-Gesetzes gebilligt habe. Die Absicht der Hugenberg-Leute ist es. die S p a l tu n g von der Deutschnationalen Volkspartei in den Landbund zu tragen, nachdem sich der Landbund vom Hugenberq-Ausschuß losgelöst hat. Gegen die Versuche der Spaltpilze Hugenbergs wehrt sich der Landbund. Dem Stahlhelm gegenüber hat die Taktik der ..Reinigung durch Spaltung"— Huaenberg als gelehriger Schüler der Kommunisten— mehr Erfolg. Der Ausschluß des Herrn Schlang e-Schöningen kann Konsequenzen nach sich ziehen, wie einst die Haßbot- schoft von Fürstenwalde. Damals ging die Volkspartei— wenn heute die Freunde von Schlange und Treviranus gehen, kommt der Riß dicht an Herrn Seldte heran. Es ergibt sich als Bilanz der Hugenb-rg-Taktik: Spnktunq in der D-ütschnationalen Volkspartei, Spaltung im Stahl- Helm, Spaltungsoffensive gegen den Landbund. Unbe- rührt bleibt nur die Partei des Herrn Hitler als Kern des Hugsnberg-Blocks._ Schlange vom Stahlhelm diffamiert. Ein Ausschluß und seine Konsequenzen. „Wer andere diffamiert, diffamiert sich selbst!", saHte der vor- wch-l deutfchnationale ReichstagsabgeorSnete. NiUergulsbesitzer S chl a n g e- S ch öni n g e n. bei der jkundgsbung der voikskonstr. vativen Vereimzung" im früheren Preußischen Herren-hau». Er bezrünüet mit diesen Worten stein« ablehnende Haltung gegenüber dem Paragraphen 4 des Hugenbergfchen Freiheitsgefetzes, durch den republikamfche Vsrantwortiichs mit Auchthausstrafen bedroht wurden. Noch nicht eine halbe Wach« noch diesem Ausspruch ist Herr Schlange diffamiert worden. Cr wurde vom Landesverband Pommern aus dem Stahlhelm ausgeschlossen, weil er„im Reichstag gegen das„Freiheitszefetz" gestimmt hat und well er bei seinem Aus- tritt aus der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei sich nicht on die ursprünglich gegebene Zusage gehalten habe, bei einem Aus- scheiden aus der Fraktion und aus der Partei sein Mandat nieder- zulegen"..-. „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist", heißt ein altes Wort. Man könnte es abwandeln:„Sage mir. mit wem du umgegangen bist, und ich will dir sagen, welchen Dank du erntest". Herr Schlang« ist immer ein Vorkämpfer der Rechten, ein Vertreter der sogenannten Stahlhelm-Jdee gewesen. Mit seinem Worte,„Wer ander« diffamiert, diffamiert sich selbst" hat er Zeigen wollen, daß er kein moralischer Schweinehund ist. Er ist deshalb vom Stahlhelm diffamiert worden! * Die Volkskonfervatioe Vereinigung hat von der Dundesleiwng des Stahlhelms die sofortige Aufhebung des Ausschlusses gefordert. und für den Fall der Ablehnung mit Konsequenzen gedroht. Herr Seldte bekommt die Hugenbergsche Spallungstattik ebenfalls zu spüren! Die Ministerpensioneu. Oer Entwurf im Ausschuß angenommen. Der Aucschuß für den Reichshaue hall führt« in seiner Freitags- sitzung die Beratung des Ministerpensionsgefetzcs bis auf einig« w-nige Bestiunnungen, die zurückgestelll wurden, zu Ende Der Entwurf wurde im wesentlichen nach den Borschlägen der Reichsregierung angenommen." Auf sozialdemokratischem Antrag hm wurde nur der Paragraph gänzlich umgestallet, der die Gewährung einer Ruherente durch den Reichspräsidenten im Gnadenwege vorsah. Die betreffende Bestimmung wird nunmehr lauten: „Hat ein Reichsminister bei Ausübung seines Amtes oder im Zusammenhang mit seiner Amtsführung ohne eigenes Verschulden »in« Gesundheit- schädigung erlitten, die seine Arbeitsfähigkeit wesentlich und dauernd beeinträcht'gt, so i st ihm eine Ruherente zu be- willigen. Dem Erfordernis des ersten Satzes steht gleich, wenn ein Reichsminstter bei seinem Ausscheiden das 65. Lebensjahr erreicht und das Amt des Reichsminister- mindesten« vier Jahr« bekleidet hat. Der Reichspräsident entscheidet auf Vorschlag der Reichsregie- rung unter Ausschluß des Rechtsweges endgülstg, ob die Borau». sctzungcn für die Gewährung einer Ruherente vorliegen. Die Ruh«. rente wird im Anschluß an das Uebergangsgeld monallich im voraus gewährt und darf den Betrag von 12 000 M. Im Jahre nicht übersteigen Auf Bezöge, die nach dem zweiten Satz gewährt werden, wird das sonstig« Einkommen des Berechtigten voll angerechnet." Schließlich wurde noch ein« Entschließung angenommen, in der die Reichsregierung ersucht wird, darauf Bedacht zu nehmen, daß zurückgetretene Minister, die als Minister entsprechend dem neu«n Gesetze ihr« Bcomten-igenschast verloren haben, noch Möglichkeit wieder in für sie geeignet« Reichsbeamten- stellen angestellt werden. Gegen die soziale Reaktion! Wohlfahrtsetat im Landtag.— Geplänkel um den Minisierwechsel. In der Freitogsitzung verlas bei Eröffnung Präsident Bartels die Millellung des Ministerpräsidenten über' den erfolgten Wechsel im preußischen Kultusministerium. Abg. Schwenk(Komm.) beantragt Herbeirufung des Minister. Präsidenten. Er falle Auskunft darüber geben, warum er den Land- tag nicht vorher gefragt habe. Abg. Dr. v. winters. Id(Dnat.): Wir bedauern keineswegs den Abgang des Herrn Becker. Aber auch Herr Grimme gibt uns kein« Gewähr für Die Wahrnehmung unserer kirchlichen und natio- nalien Interessen. Jeder neue Minister bedarf erst des Vertrauens des Landtags, und darüber wollen wir den Ministerpräsidenten hören. Abg. Hellmann(Soz.): Roch der preußischen Derfasiung er» nennt der von diesem Hause gewählte Ministerpräsident die Minister. Der Landtag hat natürlich jederzeit das Recht, den Minister- Präsidenten zu zitteren. Aber ob der Ministerpräsident über die Gründe seiner Entschließung Auskunft gibt, ist seine Sache.(Lärm bei den Kommunisten und rechts.) Abg. Schwenk(Komm.): Es ist gar keine Red« davon, daß wir den Abgang des Herrn Becker bedauern. Abg. Dr. Rhode(Wirtschoftsp): Wir wollen die christliche Schule erhalten wissen und sind deshalb gegen den sozialdemokrattschen Kultusminister. Abg. teinerk(Soz.): Für den Fall, daß der Antrag auf Her. beirufung des Ministerpräsidenten angenommen wird, möchte ich schon jetzt den Wunsch aussprechen� daß die Herbeirufung in an- gemessener schriftlicher Form durch den Präsidenten ge- schieht, und nicht wie früher in einem Falle telephonisch durch einen AmtsgehilseN. Ich glaube bestimmt sagen zu können, daß einem solchen Herbeiruf der Ministerpräsident nicht mehr Folge leisten wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Schwarzhaupk(D. Vp.): Wir stimmen zu, den Minister- Präsidenten herbeizurufen. Dabei wollen wir keineswegs, daß er hier nun auf der Stelle erscheint. Wir wollen nur ausdrücken, daß wir uns mit ihm über die Besetzung des Kultusministeriums auszu- sprechen wünschen. Der Antrag aus Herbelrusunq des IMniflerprösidenken wird mit lZS gegen 127 Stimmen abgelehnt. Abg. Kasper(Komm.) beantragt Besprechung einer Anfrage über das Vorgehen der preußischen Polizei gegen den Hungermarsch nach Hamburg. Abg. Heilmann(Soz.): Wir sind der preußischen Pvlizei dankbar, wenn sie alles gesetzlich Zulässige tut. die KPD. daran zu hindern, deutsche Arbeiter in Verbrechen und Mord zu treiben. Wir widersprechen der Beratung des Antrags.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Oer Wohlfahrtseiai. Hieraus fährt' das Haus in der zweiten Lesung des Etats des W ohl f a h r t s m i n i st e r i u m s fort. Abz. Frau Wachenheim(So;): Gerade auf dem Gebiet der ollpememen Volkswohlfahrt machen sich Wirtscliastsknse und Sporpolitik am schwersten fühlbar. Wir werden später elmual doppelt bezahlen müssen, was wir heut« ein- sparen. Was jetzt von den Städten an der Milch für Säugling«, an der Kmdevspelsung. an den erwerbslosen Jugendlichen gespart wird, muß furchtbare Folgen zeitigen. Die drückende Last der so- genannten W o h l s a hr s e r w e r b s l o s e n macht den Städten den Ausbau her allgenieinen Wohlsährtöpsiege unmöglich. Der prerßische Slaak verfugt über keine wesentlichen wohl. sahrttmillel was uns sar allgemeine wohlfahrlszwecke zur Verfügung steht, ist ungefähr ein viertel der sochlicheu Für- sorgela..en der Stadt Köln.(Hört! hört!) Ratürlich möchten wir da in unserem Etat jede Position verviel- fachen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber wir wissen ja, daß heute derartige Anträge ke.nen Zweck hätten. Ich bitte das Minlsterwm nur einmal zu prüfen, ob nicht die Rückzahlungo- Pflicht für Fürsorgeleistungen bei Krankheit und Wochenpflege in Wegfall kommen kann. Wir wünschen ferner als besonders dringlich die Ausdehnung des Kinder- schutzes auf die Landarbeit. Bisher haben die Jugend- ämter dabei gar keine Einwirkungemöglichkeit, nichl einmal, wenn Schulbesuch odtr Gesundheit des Kindes leidet. Hier bedarf es nicht einmal der Anregungen beim Reiche, hier könnte Preußen selb« ständig vorgehen. Die Hauptstrettfrage auf diesem Gebiet ist die Fürsorgeerziehung. Im Gegensatz zum Vürjahr hch der Minister sich diesmal unserer Krittk zugänglich geze.gt, die Mängel zugegeben und Abhilfe zugesagt. Da wird in allem Himmeln, die sich über diesem Haus« wölben. Freude über den Sünder sein, der Buße tut(Heiterkeit.) Die durchschnittliche Arbeitszeit in der Für« sorgeerziehuna beträat noch heute zehn Stunden.(Hört! hört!) Da- zu kommt das Schweiaeverbot bei der Arbeit, selbst sür die Mädchen bei der Hausarbeit. Ist da nicht das Urteil eines ersten Sachkenners berechtigt. daß Strafprozeß und Slrasvollzug höhere Rechldgarankien bieten, als die Fürsorgeerziehung. Der Minister hat durch Erlaß die Prügelstrafe eingeschränkt und das Beschwerderecht vcrbcsiert. Aber noch sehst das Verbot der Dunkelkammern und die Neuregelung der Aushebuna der Fürsorge- erzichung. Wir werden auch weiterhin für die Ueb ertragung der Fürsorgeerziehung auf die Jugendämter ein- treten, damit die ganze Jugendpflege sich dort tonzentriert. Der Minister hat gestern erklärt, er werde die freiwillig« Mi arbeit aller Kreise an der Jugendpflege schützen. Vom Ausschluß be- droht ist lediglich die Arberterwohlfahrt, wenn man, wie im Rheinland, die Fllrsorgezöglinae zwischen dem kocho- tischen Caritas Verband und der evangelischen Inneren Mission aufteitt und der Arbeiterwohlfahrt lediglich«inen Teil der Disilden- ten zuweist. Ikachdcm wlr tu Preußen einen Kultusminister gestellt habe«. der entsprechend dem Wunsche der Demokraten die evangelischen Belange vertritt(große Hei erteit), müssen auch evangelische und katholische Kinder von der Arbetterwohlfahrt betreut werden können. Der Nachwuchs für die sozialen Berufe muß auch aus den Kreisen der Betreuken kommen. Der soziale Beruf ist einer der wemgen/ in denen man heute noch ohne Abitur vorwärt» kommen kann. Im allgemeinen hat ja leider bisher die Unterrichts- Verwaltung so gut wie nichts gean, um den Ausstieg von der Volksschule ln die höheren Berufe zu erleichtern.(Sehr gut! bei den Soz.) Aber wenigstens beim Sozialberuf soll man uns mit dem Sozialrefsrendar verschonen. Hier gibt es n'chts zu forschen, ganz abgesehen davon, daß die meisten Studenten von Forschen heute sehr weit entfernt sind, hier gibt es nur zu verwalten und sich in das Volk einzufühlen. Bei der heutigen Macht der Bürokratie kann das Parlament allein nicht für eine'' ehrliche Demokratte sorgen. Darum müssen wir auf angemessene Vertretung Im veamkenkörper drängen, selbst auf die Gefahr hin, daß uns das„Berliner Tagt- blatt das als Herrschsucht und Cliquenwesen auslegt.(Hetterkeit und Sehr gut!) Die Ablehnung aller nicht ordnungsgemäß Bor- gebildeten soll ja nur der Bourgeoisie dle Herrschaft über das Staalsganze sichern-(Sehr gut!) Ohne Anteil an der Venvalkuag häkle die Republik für die ArbeilerNasse keinen Siaa mehr. Demokratte fetzt nicht formale Bildung über Persien oder Griechenland voraus, sondern Fühlung mit dem Volt, Mut zur Gesinnung und Wille zum sozialen Fort- s ch r l t t.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Wir glauben uns mit dem aus der Arbeiterklasse stammenden Wohlfahrtsmirilster einig in dem Entschluß, wenigstens in der sozialen Fürsorge den Aufstieg von unten nicht zu verbauen.(Zustimmung des Ministers.) Vergleichen Sie irgendwo zwei Kreise mit sozialdemokratischem und deutschnationalem Londrat, dann werden Sie sehen, wer die Wohlsahrtssache fördert und wer sie begräbt. Wirkliche Wohlfahrts- polittk kann nur getrieben werden im Rahmen der Gesamtpoiitzk der Sozialdemokratischen Partei.(Lebhalier Beifall bei den Soz.) Abg. v-elle(Deutsch-Hannoveraner): Eine wirksame Fürsorge- «rziehung außerhalb der Konfession gibt es nicht. Abg. Kohrl(Wp.): Die Soziallcsten haben sich in der Re- publik veroierfachl. Die Jnnungskrankenkassen sind noch die spar- lamsten. j Abg. Bauer(Soz): Ueber die Frage der Volksoermchrung sollten die Herren nicht mitreden, die nicht wissen, wieviel Idealismus der Arbeiter heute braucht, um Kinder großzuziehen.(Sehr gut! bei den Soz.) Wir haben 9,1 Millionen Jugendliche von 14 bis 21 Jahren, 4 A Mil- lionen davon in den Jugendverbänden und 3.9 Millionen Mark zur Unterstützung dieser Jugendlichen im ganzen Etat.(Hört, hört!) Ein Wirtschastsparteiler hat sich gestern über die Fenenforderung der Jugendlichen entrüstet. Aber das ist kein« Forderung der sozial-- demokratischen Jugend allein, sondern steht an der Spitze der For- derungen des Reichsausschusses der Deutschen Juoendoerbände. Die Jugendlichen haben heute eine ganz andere Arbeitsansparrnung zu ertragen, als in früheren gemütlichen Handwerkerzeiten. Die Unter- stützungogelder für di« Jugendverbände müssen jetzt in erster Linie den Jugendheimen zugewendet werden und sind besser als bisher zwischen den Provinzen auszugleichen. Es darf nicht länger der Westen ungefähr fünfmal soviel bekommen wie der Osten. Die Forderung der Kommunisten und Nationalsozialisten, daß auch ihre Jugendverbände Unterstützungen erhalten, lehnen wir ab. Wenn die.Lunge Garde" der Kommunisten schreibt:„Bereite.' den bewaffneten Aufstand vor! Nur der gewaltsam« Stur; dieser Re- gienrng kann die Arbeiterjugend befreien!" dann ist es doch unverschämt, im gleichen Atemzug staatliche Zu- schüsse zu fordern. Jugendverbände, die ihre Mitglieder lediglich sitt Prügeleien dressieren, sind in unseren Augen nicht »nterstützunaswürdig. Dos Ministerium sollte hier endlich eine klare Grenv ziehen. kL-'-'vaster Beifall bei den Soz.) � Abg. Frihsche-Worms(Dnat.) wendet sich gegen di» Abstinenz- bewequng.. Abg. Kasper(Komm.): Die deutsche Revolution steht unmittel- bar vor der Tür. Ihr habt sür den Hunger der Arbeiter nur Gummiknüppel. Aber wir werden bald mit euch abrechnen.(Verfall bei der KBD.) Abg. Frau Dönhoff(Dem.) polemisiert gegen Frau Wachenheim: Ich weiß nicht, wie wir mit dem Himmel stehen: aber wir«ollen die Gemeinschaft aller Guten in der sozialen Fürsorge schaffen. Wlr verlangen, daß die repräseukallven Stellen ln der preußischen Verwaltung mil Rücksichl auf die weltanschauliche Zu- sammeusehuog der Beoölkeruug beseht werde». (Lebhaftes Hörti hört! und Bravo! im Zentrum.) Das ist kein Zuge- ständnis an den Konfessionalirmus, sondern ein Gebot der Demo- krati«.(Bravo! bei den Dem)~• Abg."Frau Kirchmann(Soz):-- In meinem Exemplar der Verfassung kann ich von der demokratischen Pflicht, die leitenden Stellen nach der Konfession zu besetzen, n i ch t d a» g e r i n g st e s i n d e n. Die Weimarer Verfassung verbietet lediglich, bei der Besetzung von Aemtern überhaupt nach der Konfession zu fragen. Ich Hab« bis jetzt gegstaubt, daß die Weimarer Verfassung für uns und die Demotraten die gemeinsame demokratische Basis wäre. Aber ich will gern abwarten, wie sich die neuen Begriff« von Demokratie bei den Demokraten entwickeln.(Sehr gut! bei den Soz.), Dem Abgeordneten Kasper möchte ich erwidern, daß mtt Lungen- kraft allein keines einzigen Arbeiters Elend befestigt wird. Die Kommunisten haben jetzt schon soviel Führergenerationen abgesägt. daß sie einen vernünftigen Führer überhaupt nicht mehr haben. (Sehr wahr! bei den Soz.) Am stärlsten begeistert hat sich Herr Kasper beute bel dem Gedanken, den„G e w e r k s ch a f t s. Konzen"„ln die Fre sse zu hauen". 3ra Kampf geaeu dl« Gewerkscha-len bewähren sich dl« Komma- nisten als treueste Unlernehmerkaechte. (Sehr gut! bei den Soz.) Wo wäre wobt die deutsche Sozralpolittk ohne di« deutschen Gewerkschaften! Wir unterstreichen das Wort des Ministers: Soziolpplitik ist nur Entschädigung für das Risiko, das der Arbeiter in der Wirtschaft zu tragen hat. Der soziatpolittichen Reaktion halten wir das Wort des Zerit rums-Reichearbeitsmin'fters Dr. Brauns entgegett: Soziale Fürsorae setzt eine lebensfähige Wirtschaft voraus, aber sie ist auch die Voräussetzuna jeden wirtschaftlichen Fokt- s ch r i t t s(Lebhafter Beiioll bei den Soz.) Di« Forts etzunq der Debatte zum WoMsahrtsetal(Wohnungswesen) wird auf Sonnabend vormittag 10 Uhr vertagt Oer Wechsel im Kullusminisierium. Einflitzrunq und Vereid gung des neu-n Mm'sterS. Am Freitag mittag erfolgte im preußischen Kultusministerium die Verabschiedung des bisherigen Ministers Becker von den De- amten und die Einführung des neuen Ministers Grimme. Der neue preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volts. bildung Grimm« wurde am Freitag nachmittag in der Sitzung des'preußischen Staätsminifteriums im Landtag vom Ministerpröst- denten Dr. Braun eingeführt und den übrigen Mitgliedern des Kabinetts vorgestellt. Hierauf nahm der Ministerpräsident die Ver- e I d i g u n g des neuen Ministers auf di« Verfassung vor. Hugenberqmonopol in Ehrisienium. Es gibt keine E-risien n-b.'n ihm. Der Landtagsabgeordnete Pfarrer K li« s ch ist aus der De/tich- nationalen Volkspartei ausgetreten mit der Begründung:.er Hab« seine Stellung zu christlich-sittlichen und sozialen Fragen nicht ver- treten können. Hugenbergs Pressedienst erklärt diese Begründung für Schwindel und belehrt den Pfarrer, daß sein Dorgel>:n„vom christlich- sittlichen deutschen Standpunkt aus als ver- werfl'ch bezeichnet werden müsse". Woraus hervorgeht, daß Herr Hilgenberg im Besitz des Mono- pols für Christentum und Moral ist, und neben ihm weder Christen- tum, noch Sitttichkett bestehen können. Gaustall und Filmzensur. Ferkel müssen künstig vom ttlapperflorch gebracht werden. , Die Reichsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen hat eine.S chw e in e f i b« l herausgegeben. Sie wurde seiner« zeit im„Abend" eingehend besprochen. Diese Schweinefibel hat den Zweck, die Schweineproduzenten überdieSitua- tion auf den S chw e tu e m ä r t t e n aufzuklären, und Marnt vor allem vor einer übermäßigen Steigerung der Schweinevroduktion im laufenden Jahre, weil sonst Preis« stürze zu befürchten seien. Diese Scnweinefibel ist v e r f i l m t worden. Der Film wird während oer Grünen Woche auf der landwirtschaftlichen Ausstellung zu sehen sein— aber nur teilweise, und das haben wir derZensur zu verdanken. Der Film enthält nämlich ein Lild, das einen E b e r st a l l zeigt. Vor dem Stall sieht man, wie die Sauen zum Eber geführt werden. Eine harmlose Illustrchion eines wichtigen volkswirtschaftlichen Gedankens! Die Zensur hat aber Anstand daran genommen, den Blau- stift gezückt und sich gebührend blamiert Ein echtes Zsnsurstückl Eine R e i ch s st e l l« wird ,.u n« sittlicher Darstellungen" beschuldigt, weil sie drei Sauen vor einem Eberstall stehend gezeigt hat! Die Zensoren scheinen geglaubt zu haben, daß die Land- w'rte auf der Grünen Woche vor Scham erröten, wenn sie erfahren, daß die Säuen zum Zwecke der Ferkelproduktion ein— hm intimes Verhältnis mit dem Eber eingehen müssen. Bisher roar nämlich in der ganzen Landwirtschaft die Anschauung verbreitet, daß die kleinen Ferkel vom Klapper storch gebracht werden. Was sind das für Mucker, die in den Saustall kriechen, um da nach Unfittlichkest Zu wittern? Diä Oeffentlichkeit hat ein Recht, die Namen der Personen zu erfahren, die diesen unglaublichen Streich ausgeführt haben, damit das wohlverdiente Hohngelächter über sie niedergehen kann. Wer sich zum Zenforamt berufen fühlt, muß auch dafür einstehen! Solche Filmzensur ist— um im Bilde zu bleiben— ein« fach e i n S a u st all._ Oer Gemeindekampf in Hannover. Notwehr gegen den realtionären Magistrat. Hannover, 31. Januar.(Eigenbericht.) In der Freitagsitzung der Stadtverordneten kam es zu heftigen Zusammenstöhen zwischen Sozialdemokraten und den bürgerlichen Fraktionen, die gegen die Plötz- liehe Einberufung der Sitzung protestierten. Die Sozialdemokraten erklarten demgegenüber, daß sie in der Notwehr gegen den Ueber«� fall des Magistrat» dazu gezwungen gewesen seien. Nach stürmischen Debatten wurde schließlich von der sozialdemokratischen Mehrheit b e- schlössen, die freien Magistratsstellen zu be- fetzen. Außerdem wurde«in sozialdemokratischer Antrag ange- nymmen, die Gehälter des Oberbürgermeisters und des Stadt- baurats um 20 Proz. und die der übrigen Mazsstratsmstglieder um 10 Proz. herabzusetzen.__ Oer Wald als Zuckerfabrik. Prof. Äergiatz für die industrielle Zuckererz, ugvng ans Holz. 'Drellekcht wird ein großer Teil unserer Wälder bald als Roh. flbff zur Zuckererzeugung verwendet werden. Nachdem schon vor dem Kriege die Professoren Witlstätter und Zechm« ister die Frag« gelöst hotten, die aus dem Holz gewonnene Zellulose unter Anwendung von konzentrierter Salzsäur« in eine Zuckerart umzuwandeln, kann jetzt Professor Bergiu», der Erfinder der wichtigsten Art der Kohleverslüsstgung, die industrielle und wirt- schästliche Perwertbarkeit der Zuckerherstellung au, Holz melden. Da» in vferzehnjähriger Forschungsarbeit zu lösende und setzt gelöst« Probtan bestand darin, die unverdaulichen Zellulose» artigen Holzstoffe in verdauliche Kohlehydrate umzuwandeln, auf industriellem Weg« den größten Teil des Holzes zum Nährstoff zu machen und so auch die Wirtschaftlichkeit der Erfindung sicherzu- stellen. Nach Sergius sind alle Kinderkrankheiten der ersten tech« nischen Anlage überwunden und eine ausreichende Produktion im kontinuierlichen Betrieb ist bereits möglich Das. was die Technik und die Wissenschaft hier geschaffen haben. das ist sicher hoher Bewunderung auch dann wert, wenn unsere so imgeheuer schnell lebende Zeit das Wunder bald vergißt. Für die Praxis ist zu beachten, daß für die menschliche Nahrung dieser Holzzucker direkt nicht in Frage kommen soll, sondern nur auf dem indirekten Wege der Diehfütterung. Der preußische Londtmrffchastsminlster Steiger hat aus die Fütterungsverfuche hingewiesen, die mit Holzzucker gemacht worden sind. Besonders aus- sichtsreich soll ein« Vermischung des Holzzuckers mit Kartoffelflocken sein, und man verspricht sich sogar von diesem neuen Futtermittel e'ne teilweise Lösung der Agrarkrlsts. Man will den agrarischen Osten mit seinem Karwsselüberschuß durch Verwendung von Kar- loffelflocken und Holzzucker mit den Schweinezuchtzentren des deutschen Westens verbinden und hofft auf diesem Wege, die Zu- st'br ausländischer Diehfuttermittel überflüssig machen zu können. Man will also zugleich dem deutschen Osten helfen und die Handels- bilonz verbessern. SelbstverstäntNch kann diese Frage allein danach entschieden werden, ob der künstlich« Zucker die inländische Viehfuttererzeugung billiger werden läßt als die Diehfuttereinfuhr, die heute ja dummerweise noch hoch oerzollt wird. Man wird sich also hüten müssen, in der Begeisterung über das„neue Wunder"«ine wirt- fchaftspolUsiche Dummheit zu machen, in dem Falle nämlich,.daß die Mehfuttereinfuhr billiger wäre als die Verwendung von Holzzucker mit der Kartoffelflocke. Auch das größtd Wunder der Technik darf mcht zur Uliwirtschaftlichkeit verführen. Neuestes von den Galapagos. Nationen neben(Staaten! Das kommenve Europa unv die Mindnhe tenpolit t. Auf Einladung der Deutschen Liga für VSlkerbund sprach im Roichswirtschastsrat der Generalsekretär der europäischen Nationa- litäienkonzresse. Ewald Ammende, über das europäische Minderhettenproblem. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden des Minderheitenausschusses der Lig-� Dr. Junghann über die mannigfachen Hcllungsoorschläge für Europa führte Anunende au»' Die Minderheiten des«inen Volkes auf dem Gebiete der anderen könnten die Grenzen überbrücken. Jetzt aber werden sie unterdrückt' und verbittern deshalb die Beziehungen zwischen den Nationen! und Staaten. In ganz Osteuropa ist der Fried« fortgesetzt ge- sährbet. Ein« politische und wirtschaftliche Einigung, ein Pan- europa ist nur nach Ueberw-indung der nationalen Gegensätze möglich. J«des Volk muß in allen Staaten, in denen es lebt. kulturelle Cntwicklungssreiheit haben. Der Mindecheitenschutz de» Hugenberg hat sich nach der Robinson« Insel Dr. Ritters eingeschifft, weil dort wenigstens eine nationale Diktatur Aussicht hätte. Reue Verfassung für Beschluß des neuen Kabinetts. Madrid, 31. Januar. fEigenberlchi.) Der erste Ministerrat de, neuen spanischen Kabinelks Berenguer kündigle in einem kurzen Sammuniczut an. daß die neue Regierung es als ihre erst« und dringendste Ausgab« be- trachten werde, dem Laude eine oeue versassuug zu geben. Die Regierungserklärung selbst wird im Lause des am Sonuabend stallfiudeuden Miuisterrots avsgearbeilel werden. Sie soll, wie ver- laulet, dem willen zur Rückkehr zum versassuagsmäßigen und parla- meutarischen Regime Ausdruck geben. ver Präsident der Rakloualoersammlung. Paagaa». hat am vonnerskag seine Demission eingereicht. Man«c klärt in zu- ständigen Krelfea. daß das Auflösungsdekrel unverzüglich derösfeallichl werben wird. Ein neues Amt für primo de Ribera? Paris, 31. Januar Wie Havas aus Madrid berichtet, verlautet hier. General Primo de Nivera werde zum Generaltapitän der Balearev-Jnseln ernannt werden. Man erwartet, daß das neue Kabinett demnächst ein« Erklärung veröffentlichen wird, in der die Politik der Regierung hinsichtlich der Wiederherstellung des normalen Verfassungslebens dargelegt werden soll. Außerdem sollen Maßnahmen für die Regelung der Zustande an den Univerli'.äten getroffen werden. General Berenguer hat aus eine Anfrage Pressevertretern gegenüber erklärt, ein Beschluß über die Wiederherstellung des Auhenministeriums sei npch nicht.gefaßt worden, >W»W»«>M��WWWM>WW>WNWW>»>WMW>MW�MW»MWWM>WWW>>»WW»W»>»>»�W»»WW»>»� Völkerbundes ist nicht allgemein und hat nur charitativen Charakter. Die Minderheiten kämpfen für rechtlich gesicherte Kulturfreiheit. In Mittel- und Osteuropa herrscht«ine nationale Bermischtheit. die durch keine Grenzänderung beseitigt werden kann. Die Minderheiten haben zur Selbsthilfe gegriffen und 1S2S den Europäischen Nationalitätenkongreß gegründet. So kommen di« Vertreter der Mehvheitsvölker in dem einen mit ihren Minder- heitsvertretern in den anderen Staaten zusammen und wirken gegen- seifig aus Ausgleich der Gegensätze; ein Beispiel dafür war die Mitwirkung der deutschen Mindecheitsführer beim Zustandekommen der preußischen Minderheitenverordnung zugunsten der Polen. Damit beginnt ein psychologischer Umschwung, der zur Bildung von nationalen Gmieinschasten über die Staatsgrenzen hinweg führt. Den Anfang hat der allpolnische Vertretertag in Warschau gemacht. Aehnliche Bestrebungen zur Ueberwindung der Staatsgrenzen ent- stehen in anderen Nationen. Im kommenden Europa entfalten sich neben u»ch unabhängig von den territorialen Gemeinschaften der Staaten die auf personaler Grundlage ruhenden Nation- gemeinschasten. Siatt Kreiheii und Broi— - verrückter Kalender' Moskau, 31. Januar. Der Reglevungsausschuß, der sich mit der Frage der Kalenderreform befaßte, hat nunmehr dem Volkskommissar-n« rat der Sowjetunion einen Reformplan unterbreitet. Danach soll die Zeitrechnung mit dem Jahre 1917 beginnen. Der erste Tag des Jahres wird auf den 7. November, den ersten Tag der Oktoberrevolution, festgelegt. Das Jahr wird in 12 Monate mit se 30 Tagen eingeteilt. Jeder Monat enthält sechs fünftägige Wochen. Ein Jahr zählt 300 Arbeitstage und 5 Ruhetage, und zwar: Der Tod« tag Lenins— 22. Januar, die Tage der Internat'» ule— 1. und 2. Mai. die Jahresfeier der Oktoberrevolution— 7. und& November. Der 1. und 2. Mai. der 7. und 8 November werden als dup- lierte Tag«— la und 1b Mai. 7a und 7b November bezeichnet. Die bisherige Bezeichnung der Monat« wird beibehalten, ebenso die Benennung der Tage mit Ausnahme des Sonnabends und Sonntags, dl«, da die Arbeitswoche 5 Tage enthält, natur- gemäß in Fortfall kommen. Das Wirtschaftsjahr soll mtt dem l. Januar beginnen. Für den Verkehr mit dem Ausland« wird ebenfalls die neue Zeit« angabe gelten, doch wird auch das entsprechende Datum nach der alten Zeitrechnung— eingeklammert— angegeben werden Der Regierungsausschuß beantragt, den neuen Kalender bereit? im lausenden Jahr««inzuführen. * Schon die französische Revolution hat versucht, den gelten- den Kalender abzuschaffen und durch«ine neue Zeitrechnung zu ev. fegen, di« sich an das von ihr neu eingeführte Dezimalsystem anpassen sollt«. Der sowjetrussische Versuch ist nur«ine Nachahmung diese» ersten und mißglückten Experiments. Auch die fünf Ruhstage sind nicht auf Stalins M.st gewachsen, sondern von dem französtschen Reoolutlonskakender entnommen, der ste ebenfalls als.Ergänzung?« tage" oder.Sansculottentage" ausgeknobelt hatte, um das Loch zu stopfen, das durch die Dekretierung«rtstanden war, daß da» Jahr künftig nur 360 Tag: zählen würde.. Die französische Revaluttonsneuerung hatte wenigstens den Vorteil, daß die von dem Dichter Andrö Chlmer erfundenen Monatsnamen ebenso poetisch waren wie sie melodisch klargen: Namctt wie Terminal, Flörsal. Messibor, Fructidor, Brumair«, Pluoi?'e hätten schon verdient, beibehalten zu werden. Dennoch könnt.' sich der Revolutionskalender trog staatlichen Druckes nicht durchsetzen. Nach Abschluß der eigentlichen Revolutionsperiode v?g tiert: er nur noch und als er unter Napoleon im Jahre 1800 offi'isll abgffch fft' wurde, war dies eigentlich nur noch eine Formalität, den» man hatte längst aufgehört, die Tage, Monate und Jahre nach dem neuen Kalender zu datieren. In der Geschichte freilich lebt die Erinnerung an dies« Revo» lutionserscheinung insofern fort, als einige bedeutsame Ereignisse� nach der damaligen Zeitrechnung benannt werdeiz. Das sind namentlich der 9. Thermidor, an dem die Mehrheit des Nalionrlkon- vents und der Pariser Veoälkerung sich gegen die Blutherr« schast von Robespisrr« Eouthon Saint-Just aufrafften und aus« lehnten und den Sieg über dieses Triumvirat des Schreckens davon- trugen; den 13. V« n d e m i a i r e. an dem General Bona parte in Pari« durch einen erfolgreichen Straßenkampf gegen di« Mon- archisten die Grundlagen seines späteren Aufstiegs schuf: und vor allem der 18. B r u m a i r e, an dem Vonaparte seinen Staats- streich gegen die gesetzgebenden Körperschaften durchführte und da« mit die letzten Reste der revolutionären Freiheit beseitigte. Die Moskauer Machthaber scheinen aber diss« gss hichtlichtn Spuren nicht zu schrecken. Auch sie wollen die Revolution wenig» sten» aus diesem rein ideologischen Gebiete.weilertreiben". Arme „Rote Fahne", die nun wahrscheinlich den Befehl erhalten wird. den russischen Kalender so stark wie möglich zu berücksichtig'» und dadurch für Ihr« Leser noch unverdaulicher werden wird als sie«s schon ohnedies ist! —!- r' Zaleskis Schlußmahnung wegen Chaco. Aeiiegvng nur auf friedlichem Wrge.. Genf. 31. Januar.(Eigenbericht.) Der amtierende Rotspräsident Z a l e s k! hat an die Regie« rungen Boliviens und Paraguays ein Telegramm gesandt, das un- mißverständlich den Regierungen zu verstehen gibt, daß«s als Schlußtelcgramm gedacht ist. In dem Telegramm nimmt der Ratspräsident Kenntnis von den wiederholte� Erklärungen der beiden Regierungen, die Chaco-Angelegenhe.it nur a u f sriedllchem Wege zu erledigen und spricht den Wunsch aus, daß kein« weiteren bedauerlichen Ereignisse dies« friedliche Lösung stören werden. Sämtliche Depeschen und Dokument» über den Zwischenfall sollen gesammelt und den Ratomitgliedern vorgelegt werden.__ Schreckenstat eines Geiflevkraukeu. Nach einer Meldung aus Marseille ereignet« sich in dem Orte Saint Matthe ein furchtbares Drama. In einem Zustand geistiger Umnachtung tötete ein Einwohner sieben Personen und verletzte ern« Anzahl schwer. Darauf legte der Mörder Hand an sich. Macht keine Lleberstunden! Vergeht nicht die Arbeitslosen! Es ist k«in Zweifel, daß Entlassungen oongenommen werden, während zur selben Zeit und im seiden Beruf lieber- stunden geleistet werden. Den schlagenden Beweis dafür liefert der Deutsche labakarbeiterverband, der. für seine verschiedenen Branchen gesondert, fortlaufend Erhebungen macht nicht nur über die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit, wie sie vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund vervfsentlicht wird, sondern darüber hinaus die Erhebungen ausdehnt auf die U e b e r- stunden. Aus dieser Erhebung geht hervor, daß im Iahresdurch- schnitt I9ZS in der Zi g a r r e n b ra n ch e 18,34 Proz. arbeitslos, 20,51 Proz. Kurzarbeiter waren, während 5,17 Proz. Ueberfwnden machten. In der Zigarettenbronche waren Arbeitslose im Lahresdurchschnitt 17,24 Proz., Kurzarbeiter 11,71 Proz. und Ueber- stundenarbeiter 3.74 Proz. In der Rauchtabak-, Schnupf» t a b a k- und Vergärungsbranche waren 9,55 Proz. im Lahresdurchschnitt arbeitslos, 6,65 Proz. Kurzarbeiter und 8,53 Proz. Ueberfduidenarbeiter. Rur in der K a u t a b a k i n d u ft r i e wurden so gut wie keine lleberstunden gemacht(im Jahresdurchschnitt 0.22 Proz), obwohl der Beschäftigungsgrad im allgemeinen«in weit günstigerer war: rm Jahresdurchschnitt gab es mir 3,17 Proz. Örbelelos« und 7,49 Proz. Kurzarbeiter. Nun wird angeführt, daß die lleberstunden meist an Orten geleistet wurden, wo es keine Arbeitslosen gab, während an anderen Orten wohl Arbeitslose und Kurzarbeiter vorhanden waren, aber meist keine lleberstunden gemacht wurden. Das mag zutreffen, und zwar nicht nur für die Tobakarbeiter. Es ist nichtsdestoweniger ein schwerer Krebsschaden, wenn lleberstunden zu einer Zeit geleistet werden, wo e, im selben Beruf, gleichgültig an melchem Ort und in welchen Unternehmungen, Kurzarbeiter und Arbeitslose gibt. Kann ein Unternehmen die Aufträge ohne lleberstunden nicht bewältigen und sind Einstellungen von Arbeitslosen aus technischen oder anderen Ursachen nicht möglich, dann müssen diese Aufträge eben an ander« Firmen übergehen. Die Arbeiter- schaft s ch ä d i g t s i ch s e l b st, wenn sie besonders in Zeiten schwerer Arbeitslosigkeit lleberstunden leistet. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn die Statistik des ADGB. über die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit in den freien Gewerk- schaften erweitert würde mit der Erhebung über die ge- leisteten lleberstunden. Dielleicht würde eine derartige Cr. Hebung nicht ein so absolut zuverlässiges und treues Spiegelbild der tatsächlichen Verhältnisse sein, wie die Erhebung über die Arbeits- losigkeit und die Kurzarbeit. Diesen Mangel müßte man aber mit in Kauf nehmen. Daß heute die achtstündige Arbeitszeit ausreicht, so, daß darüber hinaus ein« allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit als Folge der gesteigerten Produktivität volkswirtschaftlich gerechtfertigt ist. darüber kann es heute keinen Streit geben. Der Kampf gegen den Achtstundentag, den die Unternehmer noch im Jahre 1928 mit Lerbisienheit führten, ist verstummt. Trotzdem sind die Ueberschreitungen des Achtstundentages an der Tagesordnung. Das ist angesichrs der katastrophalen Arbeitslosigkeit geradezu ein Derbrechen. Immer wieder muß also gesagt werden: Macht keine Ueber stunden! Veamiengehälier— Beamtenhehe. Keine Rede von Seholtskür'nog' .Der Bramtenbund�, die Zeitschrift des Deutschen Beamten. blindes, alarmiert seine Leser durch einen Leitaufsatz, in dem ve- hauptet wird,»daß dl« Kürzung der Beamtengehälter in irgendeiner Form auf dem Marsch« stt*. Diese Bewegung solle .von des Regierung zusammen mit den Regierungsparteien aus- Schsn'. Positiv wird dann behauptet, daß auch die sozialdemokra» tische Reichslagsfraktion.daran beteil'gt"' sei Der Bcamienbund will ferner sogar.wissen, daß noch bcvor Dr. Moldenhouer Reichasinanzminister wurde, die Frage einer allgemeinen Beamten- gchaltskürzung um 5 Proz. erwogen wurde". Allerdings wird vor. sicht'gerweise hinzugefügt, man Hab« scheinbar eingcsthsn, daß die Schwierigkeiten zu groß waren. Damit wird zugegeben, daß Pläne der angegebenen Art zurzeit nicht bestehen. Aber auch die Behauptung, sie hätten bestanden, ist unwahr. Niemals ist in der sozialdemokratischen Reichstagsfrak- tion der Gedanke einer Gehaltskürzung auch nur in Erwägung ge- zogen worden. .Der Beamtenbund", der sich in einer heftigen Auseinander- fetzung mit dem ADB, befindet, glaubte offenbar das Gewicht seiner Gründe durch erfundene Geschichten verstärken zu können. Solche Methoden sind, von welcher Seit« immer sie geübt werden, verweis- lich Es dürfte im beiderseitigen Interesse liegen, wenn man künstig bei dem Austrag derartiger Stänkereien die Sozialdemokra- tische Partei aus dem Spiele lassen wollte. Konflikt in der schlefischen Landwirtschost Oie Agrarier füh en sich. In der schlefischen Landwirtschaft ist ein ernster T a r i f st r e i t ausgebrochen. Nicht weniger als siebenmal wurde zwischen den Dertretern der landwirtschaftlichen Unternehmer und denen der Landarbeiter verhandelt. Trotzdem tonnte mqn sich über den Rohmentarif nicht einigen. Umstritten ist vor allem de? § 6 des alten Tarijvertroges, der von den Arbeitsverträgen handelt: er enthält die unglückliche Bestimmung, daß all« Torifver- träge schriftlich abgeschlossen werden und daßseder Unternehmer dem Arbeiter bei ordnungsgemäßer Lösung des Arbeitsoerhällnisses einen Entlassungsschein auszustellen hat. Diese Bestimmung Hot dag Landesarbeitsgericht zu der Auffassung gebrocht, daß überall dort, wo kein' schriftlicher Arbeits- verfrag vorliegt, nur ein tatsächliches, jedoch kein rechtliches Arbeitsverhältnis besteht. Infolge dieser Aussasiung ist den Unter- nehmern di« Möglichkeit gegeben, die Arbeiter zu jeder Zelt ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu e n t l o s s« n. In sehr vielen Fällen muß der Tariflohn« i n g e k l a g t werden. Der Arbeiter, der das Arbeitsverhältnis nicht ordnungsgemäß gelöst Hot, bekommt keinen Entlassungsschein und läuft dadurch Gejahr, nicht wieder ein- gestellt zu«erden. Die Arbeileroeriretcr forderten bei den Verhandlungen B«- se i t i g u n g dieses unhaltbaren Zustandcs. die Unternehmerver. treter traten für sein« Beibehaltung ein. Im übrigen verlangten sie. daß di« Erntezulagen nicht alle Ardeiter, sondern nur di« bekommen sollen, die tatsächlich bei Erntearbeiten beschäftigt werden. Die Erntezulage soll ferner nur während der Dauer der Ernte, etwa 6 Wochen lang, gezahlt werden. Von den Deputat» orbeitern verlangen ste, bei Erkrankungen das Krankengeld. das höher ist als der Barlohn, abzuliefern! Don den A n< gehörigen des Deputanten, die mit Zustimmung des Unter- nehmers in die Werkwohnungen aufgenommen werden, wollen sie cm« besondere Miete«inheimsen. Den B a r l o h n wollen sie. empfindlich verschlechtern. Angesichts der Unmöglichkeit, in freien Derernbarungen«ine Verständigung herbeizuführen, war von den Parteien der Schlichter angerufen worden. Bei den Schtichtungsoerhand- lungen zeigten die Unternehmervertrcter nicht di« Spur eines Ent- gegenkommens. Nach zehnstündigen Berhandlungen vertagte der Schlichter schließlich die Beratungen auf unbestimmte Zeit. In der schlefischen Landwirtschaft besteht also zur Zelt ein tarifloser Zustand. Die Verhandlungen sind festgefahren. Di« schlefischen Agrarier fühlen sich anscheinend als Herren der Situation. Wenn sie sich nur nicht täuschen! Rachlese zur Zehnsahrseier der Bauhütte Ein 100 voo-Nark-Schwindel. Die Bauhütte Berlin G. m. b. H. hat zur Feier ihres zehn- jährigen Bestehens durch ihren Aufsichtsrat der dem Betriebsrat uMerstehenden Wohlsahrtskasie ihres Betriebes 10000 M. zur Unterstützung erkrankter Betriebsangehöriger überwiesen. Die Geschäftsleiwng veranstaltete außerdem am IS. Dezember eine Feier, die zwischen 11 und 13H Uhr abgehalten wurde und zwar in der„Seal a", weil andere geeignete Räum« für 2000 bis 2500 Teilnehmer nicht zg haben waren. Das Programm dieser Feier bei der u. a. der Berliner Lendrai-Chor, der Kammersänger Schützendors und Marcell Salzer milwirkten, war so, wie es sich sür«ine Ar- beiterorganisatüm gehört. Ein Berliner Radaublatt riß die Feier herunter und behauptete, daß sie eine Ausgab« von 100 000 M. verschlungen habe, wovon allein für Saalmiete 5000 M. und das übrige für Prominemen- gagen. Da diese locherliche Behauptung auch von der Prooinzpresse ausgegoisfen wird, um der Dauhüttenbewegung eins auszuwischen. sah sich die Geschäftsl«i!ung der Berliner Bauhütte gezwungen, den betreffenden Blättern ein« Berichtigung zu schicken, wonach der Mietpreis einschließlich Garderobe und Heizung 1S50 M. und all« übrigen Unkosten 2530 M. be'ragen haben, insgesamt 4200 M. und nicht 100000 M. Hoffentlich gibt nun auch die Presie, die den falschen Bericht übernahm, ihren Lesern von der Berichtigung Kemrtnis. Erfolgreiches Jahr bei den E>a«lern. Trotz Arbeitslosigkeit und KPD. Dem gedruckten Jahresbericht 1929 der Ortsvcrwslwng Berlin des Verbandes der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller entnehmen wir folgende Einzelheiten: Trotzdem di« B e s ch ä f t i g u n g s l a g e In allen Branchen der Organisation im vorigen Jahre säst ausnahmslos schlecht war, war es doch möglich, in sämtlichen Branchen«rfolgreicheLohn- bewegungen zu führen. So wurde z. B. für die Tapezieicr- bronche«ine Lohnerhöhung in drei Etappen von insgesamt 8 Pf. durchgesetzt, für di« Karosscriebronche von 6 Pf., die Treibriemen- branche nach einem achttägigen Streit im Januar 1929 um 5 Pf�und Im Okwber um weitere 6 Pf. usw. Dies« Erfolge der Organisation sind um so Häher zu veranschlagen, wenn man bedenkt, daß im Jahresdurchschnitt gerechnet mehr als 20 Proz. der Verbll»k!Iich ii. W im erscheinen. Verbanbsbuch leaitimiert. De» RraUUsnwtfUai. M VCS.-ftSRftt»!®«Se flurbaebnna aller S??..®en»fft» und ia m«amoatbifkererd-» am eonntoa, 2. gedruae, 10 Übe. In den«ermanra. ä Di läien, ebausserkr. 110. E» spricht die ZIeichataqsabaczrd-et« Istii STj 1=«ende» Über da» lbema.«er Samps»m die OiitfchafUlKmefaattt*. gl Ter Zlleinetesch« Mänrcr-tor bat seine Mitwirlaaa»narinflt.—»taaficnl 13 y Diese ttnndaebuna ist tee Sinstakt t» der benarstebenden«etrieb»rS!e. i" d wabl. Ml««ercssen«Sil»- ,nr Stell« fei«. Miti,li«d»d»ch leaitimiert.- k-Z Spmpatdisierend« läuten durch Senrffe» ei-ariöbrt werden.-y Zu graltionwurtland. f' Bds�rete Gewertschafts-�uaend Berlin f: f-cutc. 19 Uhr. im Saalbau Zienkklln. Berastr. 1e für bresthafte Leute nicht gerade angenehmen Acbergängc von hall« l. 2 und Z durch Anbringung von Rolltreppen bequem gemach« worden sind. Landwirtschast und Gartenbau. halle 1 ist der Landwirtschaft und dem Gartenbau ein- gerämnt. hier tritt der Zweck der Ausstellung, belehrend und fördernd auf diese Zweige der deutschen Wirtschaft einzuwirken, sinnfällig zutage. Laudkullur und Soden Verbesserung. Ge- wianang von Siedlnvgskond. Beschaffung von Arbeitsmöglicht eiten. Hochzüchtung der heimischen Produkte, um der unter günstigeren Unv ständen arbeitenden Auslandskonkurrenz die Spitze bieten zu können, Aerftändnis für die Verbreitung spezieller Sennlniste ini Berufe durch Fachschulen-- wer sähe nicht aus diesen wenigen Schlagworte» dos ganze Problem herausspringen, dos wie kaum ei» zweites alle Wirtschaftskräfte in seinen Bann zieht. Den großen Fortschritt aus diesem Gebiet« zeigt ein« varsielluag der Landeskultur im Altertum und ihre Eutwlcklung bis zur Neuzeit. Was in unseren Tagen von deutschen Ländern, Pro- vinzen, Stadien. Landkreisen usw. geleistet wurde, ist in anschaulichen .�stechenschaftsbenchten" zu sehen. Die Kulturiechnik ist, wie auch Mini- sterialrat Stadcrmann in seiner Le- grüßungsrede hervorhob, nicht von der Mossemvirrschost zu trennen. Wir alle haben im legten Jahre nicht nur die Schrecken eines außer- gewöhnlich honen Winters, sondern auch die Gesahren eines Flüst« und Bäche austrocknenden, zu heißen und zu trockenen Sommers erlebt. Bodenenl. und-bewästeruag spielt daher eine groß« Rolle in der Landwirtschaft, und künstlich« Bewässerung, wie verständige Ausnutzung der städtischen Abwässer müssen in Betracht gezogen werden, sollen Grünflächen, Ackerboden und Gartenland höchst- ertrag« liefern. Auch die Taisperrenanlagen zmli Schutz vor Hochwasser reihen sich in dieses System«m. Originell und wertvoll ist dos Modell eines Flusses von der Quelle bis zur Münduog: es zeigt die Anlagen, die zur wirtschaftlichen Ausnutzung des natürlichen Wajservorrats im Interesse der Londwirischost und zur Verhütung von lleberschwemmungs- und Trockenschäden notwendig sind. Besondere Freud« wird die Kenntnis von der Neulandgewinnung a» de» deutsche» Meeresküste» gewähren— hier gliedert sich ein fruchtbares Gebiet an, dos in seinem Werte sicher die Umgestaltung von Oed- land und Mooren zu Kulturland noch übertrifft. Landeskultur im allgemeinen Sinne umfaßt nun nicht mir Landwirtschaft und Gartenbau, auch di« Derarbeitung der Produkte gehört dazu. In der Halle t gibt es ein« Milch-, Butler-»ad käsefchau. die durch den Wettbewerb des Milchwirrjchaitlichen Instituts Oranienburg, dem einzigen Wettbewerb Deutsch- lands, an Interesse gewinnt. Ferner wird die Fischerei ge- würdigt— ein Gebiet, auf dem für die wirffchafttiche Ausnutzung unserer Vinnengewässer noch mancherlei zu tun ist. «- Dom Reichskommiffarfat für landwirtschaftliche» Marklwefeu ist eine besondere Abteilung errichtet, für Bauern und städtische Haus- frauen von gleicher Wichtigkeit, mit Kinovorführungen über ver« nünftigen Schweinezucht und sehr reichem blldlichen Ma- terial. das auch die Hausfrau für die Marktbeobachtung gewinnen will. Der Kinormun ist von Ab c ii n g ausgemall. « Aus dem natürlich auch mit Gegenständen landwirt« ichoftlicher Technik reich versehenen Raum« der Halle 1 golangen wir per R o l l t r e p p« aui di« höhe über der Reit- bahn, z» der Halle 2 umgewandelt ist. Der gewöhnliche Sterb- lich« kann also von diesem hohen Standpunkt aus«inen Blick aus Zleiter und Reiterinnen werfen. sDcr Eintritt kostet extra.) Dann geht es herunter und über Freigelände nach Halle Z. wo uns lebend« Kamele, Flamingos, ein sunger Tiger und viele Geweihe, Köpf« und Felle begrüßen. Es ist die Ja g d a u s st e l l u n g:„Der deutsch« Jäger im Ausland",«ine Uebersicht über das gesamte Iagdwlld der Erde. Afrika namentlich ist reich vertreten. Al» Schaustück ist die Ausstellung beachtenswert. ♦ In hall« 4 bietet sich noch eine große, für jedermann bedeutsam« Schau dar: in dem der Forstwirtschaft gewidmeten Raum« hat die im Juni 192st den deuffchen Ingenieuren in Königsberg dargebotene h o l z s ch a u«ine Stätte gefunden. Die Lehrschau ist durch die weitere Zusammenarbeit der gesamten wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationen der Forst- und holzwirtschoft noch bedeutend ausgebaut worden. Di« Schau gibt einen U e b e r b l i ck über den heutigen Stand der Holzforschung und Holzveredelung und zeigt insbesondere die Fortschritt« in der Holzbehandlung und Holzbearbeitung— ein Kapitel, das auch für jeden werktätjgen Großstädter interessant ist. Im Anschluß daran muß die Wassersportausstellung genannt werden, sowie die Vorführung des Angelsports. s- Roch sind wir aber nickst zu End«: In Halle S treffen mr auf die ländliche Hauswirtschast im Zeichen der Elektrizität! Dann gibt es noch di« Imkerei, den Seiden- bau und vor allem die T i e r a b t« i l u n g. In langen Rethen von Käfigen sind die Vertreter der Gejlügelarten auf- marschiert und erfüllen die Lust mit ihrem unmusikalischen Geschrei. Ein langer Weg ist es durch diese hallen und Galerien, ober man wird von dem Gebotenen gesesielt sein. Eine sehr große Aus- stellung, die wohl jedem landwirtschaftlich Interessterien, wie auch jedem mft der Natur Verbundenen etwas Neues, Eigenartiges und Belehrendes sagen wird. Auf viel« Einzelheiten werden wir noch zurückkommen. Heute keine Mieterhöhung. Das Zmrtraf wnhn» ngsawt teilt mit, daß eine Mieterhöhung a« 1. Februar nicht eintritt, da di« gestrige StadtverordnetenNersanunlnug der Maglstrattz- Vorlage wegen GrhShnng der Grundverrnögensstener nicht zagest inrwt hat. Eine Afrikaschau im kleinen. V-Zug in eine(Schlucht gestürzt. Brückenbruck bei Gibraltar.— Mehrere Tote. Madrid, 31. Januar. Der Expreßzng Madrid— Algeeiraö ist gestern bei Los Bärin» westlich von Gibraltar verunglückt. Eine Brücke brach in dem Angeublick zusammen, als der Zug darüber fuhr. Der Expreßzng stürzte in eine Schlucht. Glücklicherweise war der Zog fast leer. Bis setzt konutcu zwei Tote geborgen werden. Man befürchtet, daß»och mehrere Tote unter den Trümmern liegen. Die Zahl der verletzte« ist beträchtlich. Grubenkatastrophe in der Türkei. 13 Bergarbeiter getötet. Sonftantinopel. 31. Januar. Bei einem schwere» ExvlostonsnnglLck in einer tür- kischeu Sohlengrube in Zongnldak wurden 13 Berg- arbetter getötet und IV verletzt, lieber die Ursache der Katastrophe ist bisher noch nichts bekannt. JUtutuc Ax&wdv Florinda fand die ganze Sache höchst amüsant und lachte freimütig, während ihre Mutler sich bitter beklagte, weil das Del aus Leocadias Lampe auf die Wäsche getropft war, die sie zum Bleichen auf den Hof gelegt hatte. Die anderen teilten ihren Zorn bald, denn gerade in dem Augenblick flog ein Sack mit gemahlenem Kaffee aus dem Fenster, war aber so hoch Sezielt, daß er die Dachrinne traf, und der Wind trug den hwarzen Staub über die Reihen trocknender Wäsche. Sie protestierten alle im Chor. „Rein, das geht zu weit. Ihnen macht der Kampf Spaß, und wir müssen darunter leiden." „Lieber Gott, wenn dieser Kerl jedesmal, wenn Leocad:a ein Rendezvous mit einem Freund gehabt hat, nach Sjaus gekommen wäre und uns die Arbeit zuschanden gemacht hätte, wäre kein Kunde pünktlich bedient worden." „Er sollte doch wissen, daß es kein Spaß ist, Wäsche zu waschen, um sich sein Brot zu verdienen." „Unerträgliche Leute sollten doch lieber für sich wohnen, statt unter anständigen und friedlichen Menschen." Pombinha kam mit ihrer Näharbeit herunter, um zu sehen, was eigentlich los war, und Nänöm, die vom heißen Bügeleisen glühte, fragte kichernd, ob Bruno beabsichtige, sich neu einzurichten- Rita tat. als interessiere sie sich nicht für die Vorgänge und fuhr gemächlich fort, vor ihrer Wanne zu wasch»n. „Wißt ihr noch, wie sie bei der Hochzeit angegeben haben? Na. und nun seht ihr, was dabei'rausgekommen ist! Ich sage «uch. eine alleinstehende Frau ist heuzutage gut dran." Der alte Liborio kam dazu und hoffte wohl, in der all- gemeinen Verwirrung irgend etwas zu ergattern und unbe- merkt entfliehen zu können. Und Machona, die merkte, daß Augufto ein ähnliches Ziel verfolgte, rief von ihrem Platz aus: ..Mach', daß du fortkommst, du Lümmel. Pfoten weg. sonst kriegst du's mit mir zu tun!" In diesem AiZgenblick trat ein Bruder vom Orden des Heiligen Sakraments in den Hof. gekleidet in feine rote Kutte, einen silbernen Stab in der einen Hand und ein Almosenjäckchen in der anderen.„Eine Spende für Altarkerzen", rief er, und die Frauen ließen alles stehen und liegen, um das Bild zu küssen, das den Heftigen Geist darstellte: eine Taube, die oben am Stab angebracht war. E>n Regen von Münzen fiel in das Säckchen. Bruno hatte Leocadias Habseligkeiten jetzt alle hinaus- befördert, schmiß die Tür knallend zu und schloß wütend von außen ab. Er ging, ohne sich umzusehen, an der Gruppe Neugieriger vorbei, und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum wie einer, der allerhand, aber noch lange nicht genug getan hat, um seinen Zorn zu besänftigen. Kurz darauf kam Leocadia zurück, und als sie ihr ganzes Eigentum auf dem Hof liegen fand und noch dazu zum größten Teil zertrümmert, stürzte sie sich mit dem Gesicht zu den Nach- barn fuchswild auf die Tür, stieß mit solcher Gewalt dagegen, daß die leichte Tür nachgab, und Leocadia auf ihrem Hinter- teil innen landete. Aber sie stand sofort wieder auf, beachtete die allgemeine Heiterkeit, die sie hervorgerufen hotte, nicht, sondern riß das Fenster auf. Nun folgte ein Hagel von allem, was im Hause geblieben war, wahrlich, eine gründliche Verwüstung. Und jeden Gegen- stand, der aus ihrer Hand flog, zählte Leocadia auf. „Jetzt kommt die Uhr. Upah! Du Teufel." Und die Uhr schlug auf das Pflaster. „Jetzt kommt die Waschschüssel Upah! Du Teufel." Die Nachbarn fanden dies Schauspiel entschieden amu- sanier als das vorhergehend«, denn jetzt konnten sie doch teft- nehmen. Sie wußten zwar nie genau, was als Nächstes kam- men würde, aber sie kannten doch einen Teil des Satzes�mst dem jeder Wurf begleitet war. Daher fielen sie, sooft ein Stück des Haushalts auf den Steinen landete, lachend ein, wie eine Gemeinde, die die Litanei singt:„Upah! Du Teufel." „Jetzt kommt die Suppenterrine." „Upah! Du Teufel." „Ein altes Nachthemd." „Upah! Du Teufel." „Sechs Tassen." „Upah! Du Teufel." „Adieu, alter Krug." „Upah! Du Teufel" Leocadia arbeitete rasch, und nach«in paar Minuten hätte ein neuer Mieter bereits die leere Wohnung beziehen können. Bor dem Haufe log«in Haufen Bruch, alles, was von dem I Mobiliar aus Nummer 17 übrig war. Di« kurzen Beine Ioao Romaos trugen ihn so rasch als möglich zur Stätte der Ver- wüstung. aber er wurde von dem Schmied persönlich überholt. der, mft einer Speiche bewaffnet, auf seine Tür zustürzte. Er kochte vor Wut, und ein Chor von schreienden Stimmen schallte ihm entgegen. „Rühr' sie ja nicht an!" i, „Laß dir nicht einfallen, sie zu schlagen." „So halte ihn doch einer fest." „Nehmt ihm die Speiche fort." „Hier, helft ihn fassen!" Auf diese Weise bewahrten sie Leocadia vor einer Tracht Prügel. „Ruhe, Ruhe. Hört mft der Schlägerei auf", brüllte der Hauswirt, sobald er sich bemerkbar machen konnte, während er voller Empörung überlegte, wer die Kühnheit besessen hatte. die allgemeine Verwirrung zu benutzen und ihm hinterrücks einen Schlag zu versetzen. In dem Augenblick kehrte Alexandre vom Dienst zurück. und triefend vor Würde riet er Bruno, sich zu beherrschen und seine Frau in Ruhe zu lassen, falls er nicht sofort aufs Polizei- revier geführt werden wolle. „Aber ihr habt doch alle keine Ahnung, wobei ich dieses schlampige Frauenzimmer heute nachmfttag ertappt habe. Sonst wurdet ihr auch sagen, daß sie verdient, blau geschlagen .zu werden", protestierte er zornig. „Aber wie kommst du dazu, mein« Sachen kaputt zu schlagen?" brüllte Leocadia. .JjaU. halt, einen Augenblick", befahl der Polizist und versuchte einen überlegenen Ton in seine Stimme zu legen. „Sprecht nacheinander, immer nur einer auf einmal. Also. Madam," sich an die Angeklagte wendend.„Ihr Gatte beschuldigt Sie—" ..Das ist ein« Lüge!" fuhr sie dazwischen. „Eine Lüge, h«? Das ist ja ausgezeichnet", lachte der Gatte spöttisch. „Aber wer war's denn? Mft wem war sie denn? Sog' uns doch, wer'» war", sagten die neugierigen Nachbarn-im Chor. „Ich tonnte sein Gesicht nicht sehen, aber ich würde ihn gleich wiedererkennen, und wenn ich seiner habhaft werde, bringe ich ihn um." Allgemeines Gelächter.- (Fortsetzung folgt.) Lfm die Verwaltungsreform. Heute Besprechung der Bürgermeister über die K.aauzlage. Heute werden die Bezirksbürgermeister zu einer Konferenz zusammentreten um die beim Nachtragshaushalt gefaßten Beschlüsse der Stadwerordnetenoersammlung und die dadurch ge» schaffene Lage zu besprechen. Stad�syndikus Genosse Dr. Lange wird in dieser Konferenz ein genaues Bild der augenblicklichen Finanzlage und der K a s s e n v e r h ü l t n i s s e der Stadt geben. Die Frage der Verwaltungsreform wird in dieser Zusammenkunft nicht behandelt werden. Alle in dieser Richtung in einem Teil der Boulevardblätter ausgesprochenen Vermutungen sind völlig falsch. In den Kreisen der. Bezirksbürgermeister ist Man sich einig in der Ansicht, daß die Frage der Verwaltungs- resörm eine Angelegenheit der politischen Parteien ist, und daß man deshalb abwarten muß, welche Entschließungen die P a r- teien in den nächsten Wochen fassen werden. Es ist bekannt, daß iimerhalb der Sozialdemokratie das Problem einer groß- zügigen Reform der Verwaltung bereits seit langem Gegenstand eifriger Erörterungen ist. Eine Korrespondenz wußte gestern abend über Einzelheiten einer„wichtigen Besprechung"' in der letzten Woche beim preußischen Innenmini st er zu berichten. Tatsächlich fand die Besprechung, die dem Gewährsmann der Korrespondenz vorgeschwebt haben mag, bersits am 16. Dezember 1929 statt. An ihr nahmen vier Bezirks- bürgermeister und einig« Mitglieder des Magistrats teil. Die Zu» sammenkunft hat mit den allerjüngsten Vorgängen überhaupt keinen Zusammenhang. Es wurde lediglich über das bevorstehende große Verwaltungsreformwerk ge- fprochen, das für alle preußischen Gemeinden geschaffen werden soll, und in das auch die besonderen Bestimmungen über die Ver- waltung Groß-Berlins hineingearbeitet werden dürsten. Die be- treffende Korrespondenz berichtet ferner von einer Besprechung sämtlicher Bezirksbürgermeister, bei der über die Verhandlungen mit dem Innenminister berichtet worden sei. Auch diese Nachricht ist falsch. In dieser Konserenz wurden die Fragen der Verwaltungs- reform in keiner Weise behandelt. Welche politischen Kulissen- schieber hinter den vielen Falschmeldungen der Presse stehen, ist leider noch nicht klar erkennbar. Zugendlichen-Gkandal in Lichtenberg. Laven der Konsumgenossenschafi geplündert. Im Zusammenhang mik der vorübergehenden .- Schließung des Städtischen Zugendhelms in Lichtenberg. Schwarnwebcrstraße, ist es am gestrigen Freitag nachmittag in diesem Stadtteil zn Ausschreitungen Jugendlicher gekommen. Infolg« der Sparmaßnahmen des Magistrats sollen von jetzt ab nur noch Jugendliche bis Lu 18 Iahren in den Heimen Lekösti- gung erhalten, während bisher die Altersgrenze bis zu 21 Jahren ging. Wegen dieser Einschränkung kam es schon am Donnerstag zu Lärmszenen in dem Jugendheim in der Scharnweberstraße, dessen Leiter von den Insassen schließlich bedroht wurde. Daraufhin blieb das Heim am gestrigen Freitag geschlossen, und die Jugendlichen, die sich dort Essen holen wollten, standen vor ver- schlössen«» Türen. Em Trupp von 36 bis 50 Burschen zog darauf nach der in nächster Nähe, am Wismarplatz gelegenen 2 2. Berka u s s st e l l e der Konsumgenossenschaft und drang, als .d>sr Verkaufsstellenleiter gerade zu Tisch gegangeu.war, in den. Laden «l«..-Äl« Verl a u f.«.r l n wurhe oon�einem der..Romdys. mit e i n e m.'M e s s e r h'e h r vhi, während. W änderen in aller ELe einen zum Verkauf, bereitgestellten Borr ä t von Brote n, etwa 20. raubten. Trotzdem das von Straßenpassanten gleich zu Deginn der Lärmszenen alarmierte Ueberfallkommando bald zur Stelle war, konnten nur noch drei Jugendlich« ergriffen und der Abteilung I A zugeführt werden, während die anderen mit ihrer Beute die Flucht ergriffen hatten. Das Heim in der Schorn- webersträße soll am kommenden Montag für Jugendliche bis zu 13 Jahren wieder geöffnet werden. Die Oollarfälschungen. Eine Erklärung des Polizeipräsidenten. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit:„Die bis- herigen Ergebnisse der Untersuchung, in der Dollarsälschungssach« haben keine tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Der- bindung einer fremden Regierung, insbesondere der Union der Sowjetrepubliken, mit den Dollarfälschern ergeben. Auch aus der Vergangenheit liegt der Berliner Polizei kein Tatsachen- Material vor, das eine Verbindung der russischen Regierung mit der Fälschung ausländischer Banknoten beweisen oder nur wahr- scheinlich machen könnte." Im Tscherwonzenprozeß hatte bekanntlich der Ver- teidiger des Angeklagten Sadathieraschwili eine längere Erklärung abgegeben, nach der die im Umlauf befindlichen falschen Dollarnote» aus staatlichen sowjetrussischen Druckereien stammen. Zwischenfatt im D-Zug Warschau-Paris Oentscher Beamter von betrunkenem Polen mißhandelt. Der deutsche Eisenbahnbeamte Paul Ruhbach ist in der Nacht auf Donnerstag im D-Zug Warschau— Paris von einem polnfchen Polizeibeamten schwer mißhandelt worden. Von der Reich sbahn-Hauptoerwaltung wird jetzt die Aussage des verletzten Eisenbahnbeamten, der den Zug in Bentschen noch Berlin übernehmen sollte, bekanntgegeben. Danach hat Ruh- doch die Namen der Reisenden im Schlafwagen feststellen wollen. Im Gang sei ein betrunkener polnischer Polizei- b e a m t e r auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, oh er seinen Mantel, den er im Gang aufgehängt habe, heruntergeschm'ssen habe. Ruhbach habe das verneint. Auch der Schlaswagenschasfner, den der Pole gefragt Habs, habe erklärt, er wisse nichts davon. Der polnische Polizeibeamte sei daraufhin wütend in das Dienftabt-il gedrungen und habe Ruhbach mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen. Als der Pole im Begriff war. sein Seitengewehr zu ziehen, sei der oerletzte Ruhbach aus dem Wagen gesprungen, um dem Zugführer Ulbricht den Vorgang zu melden. Dieser habe den Kriminalkommissar auf dem Bahnhof Deutschen ersuche, den Oer Reichsanwalt und die Mörder Die Vollzugsratsmitglieder sage« aus. Es war ein entschieden böser Tag für den Herrn Reich». anmalt. Halle er schon bei der Aussage seine» ehemaligen Sollegen, dem früheren Srlezsgerichlsrat und jetzigen Regie- rungsdireklor Surzig schlecht abgeschnillen, fo erging«s ihm vielleicht noch schlimmer bei der Vernehmung der früheren vollzugralsmilglieder w e g m a n u und R u j ch. Velde warfen ihm bewußte Verschleppung der Untersuchung vor. W e g m a n n hatte bereits in der Vormittagssitzung die Hinder- msse geschildert, die ihm und seinem Kollegen bei Erfüllung des ihnen vom Vollzugsrat gestellten Auftrages in den Weg gelegt wurden. Besonders umstritten war die Frage der Verhaftung des Oberleutnants Vogel. Jörns hat sich mehr als einmal Wegmann gegenüber geäußert, daß der Gerichtsherr eine Berhaftung ohne weiteres verfügen würde. sofern er(der Kriegsgeichtsrat) eine solche in Vorschlag brächte; er halt« aber ein« Verhaftung nicht für erforderlich Einen bösen Reinsall erlebte der Reichsanwalt, als«r zum Beweise dafür, wie zufrieden Wegmann mit seiner Untersuchungxführung gewesen sei, dessen Aussage in der Hauptverhandlung verliest. R.-A. Paul Lern bittet ihn ab«r, ein Stück weiter zu lesen und da ergibt sich das direkte Gegenteil des von dem Reichsamvalt Vehaupreten Das- selbe Malheur passiert ihm bald darauf mit dem Zeugen Rusch, der ebenso wie Wegmann mit der Ueberwachung der Untersuchung beauftragt war. Rufch hatte gesagt:„Sie(d. h. Jörns) sowohl wie ich waren bemüht, aus den Zeugen olles herauszuholen.„Jetzt kommt eine kleine Einschränkung." fügt Jörns hinzu, es heiß: weiter im Protokoll„wenn ich und mein Kollegs nicht mit Zwischenfragen eingesprungen wären, die Zeugen hätten nicht das ausgesagt, was zur Tat gehörte." Und so sagte auch der Zeuge Rusch in der heutigen Verhandlung:„Es bestand bei uns die Bekürchtung und wir hatten den Beweis, daß Zorn» nicht auf dem schnellsten Wege zur wahrheil kommen wollte. So hat er z. B. dem Zeugen aus der Zahl des Hotelpersonals, obgleich sie sagten, daß sie den einen oder andern von den Mittätern wiedererkennen wündcn, den Be> treffenden nicht gegenübergestellt. Als wir ihn ersuchten, den Zeugen Alker zu vernehmen, verlangte er um die schriftliche An. gäbe des Bewsisthemas. Herr Jörns, sagt der Zeuge zu dem Nebenkläger gewandt:„Als wir sagten, daß in dieser Umgebung. wo de» Mordes verdächtigte miteinander und mit dem Unter- suchungsrichler freundschaftlich verkehrten, ein Durchgreifen unmöglich ist. baten wir den Vollzugsrat uns von dem Auftrag zu ent- binden und traten, nach Rücksprache mit der Reichsregierung in Weimar, von der Teilnahme an der Untersuchung zurück." Es folgen schnell hintereinander einige weitere Kapitel. Gegen Oberleutnant Vogel wurde schließlich am 20. Februar«in Haft- befehl erlassen. Bereits am 18. Februar mar er aber der Tat voll und ganz überführt. Anstatt dem Gerichtsherrn schon damals Vogels Berhaftung in Vorschlag zu bringen, erklärte sich Jörns damit einverstanden, Bogel noch auf freiem Fuße zu lassen — unter der Bedingung, sich nicht mit seinen zu vernehmenden Begleitern zu besprechen. Zum Schluß tritt das Gericht noch ganz kurz in die Behandlung des Falles Llebkuechk «in. Kurzig hatte es im Drange der Geschäfte verabsäumt, das Auto, in dem Karl Liebknecht ermordet worden war, sicherzustellen. Der Nebenkläger beauftragte den Leutnant Herbst mit einem Gutachten, das dieser am 21. Januar erstattet«. Trotz der Unzulänglichkeit dieses Gutachtens, das eine derart aus- gesprochen« persönliche Färbung trug, daß der Nebenkläger an den Rand die Worte schrieb:„Woher weiß er das alles", veranlaßt« er nichts zur weiteren Aufklärung. Nach der Leichenöffnung hatte Jörns den vorläufig festgenommenen Kapitänleutnant von Pflug- Härtung auf freien Fuß gesetzt und obgleich der Beisitzer Weg- mann am 2. Januar die Verhaftung des Beschuldigten anregle, lehnte der Nebenkläger dies« ab und nahm den Kapitänleutnant erst am 28. Februar fest. Jörns versucht, die Lag« durch Bemäntelung einiger, unwichtiger Einzelheilen zu retten. Vergeben� Es war entschieden ein schlechter Tag für den Reichsanwalt Jörns. Noch mehr solcher Tage dürften folgen.' Di« nächste Verhandlung findet am Montag statt. Namen des polnischen Polizeibeamten festzustellen, jedoch sei der Täter nicht mehr zu finden gewesen, trotzdem der ganze Zug durch- sucht worden sei._ Roifront-Versammlung ausgehoben! 22 Personen festgenommen.- Totschläger und Dolche. Gestern abend unternahm die postzei im Osten Verllas eine überraschende Aktion gegen«ine Versammlung des verbotenen Rot- froukbuades. Zn den hinteren Räumen eines Lokal? in der Lauge Straße SZ hatte sich«ine größere Zahl Sommn- nisten eiugefuud«». Die Volitische Polizei halle von de� Ver- fammlung jedoch rechtzeitig Kenntnis erhalten. Kurz vor IS Uhr wurde das Haus von einem größeren Aufgebot, von Kriminal, und Schutzpolizeibeamten umstellt. Auch die Ein- und Ausgang« der an- liegenden Häuser wurden beseht. Die Beamten drangen überraschend ein und nahmen?.? Ver so neu. dl« sämtlich der Sommu- uistischea V a rt ei und dem' verbotenen" R o lfro v t- kämpfe r b u ud'av�ehörM. ftst. Vbr dem 2lbttaospdrl' nach dem Präsidium wurden sämstühc' Teilnehmer an dieser Versammlung auf wafscu durchsucht. Dabei wurden zahlreiche Totschläger, Dolche und andere hieb- und Stichwaffen gefunden und beschlagnahmt. Stahl in der Landwirtschaft. Der Stahlwerksverband, der auch in den Ausstellungs- hallen am Kaiserdamm im Rahmen der Grünen Woche mit einem größeren Stand„Stahl in der Landwirtschaft" ver- treten ist, zeigt« am Donnerstag den Dertretern der Presse die Versuchsanlagen bei den Hydor-Werten in Mariendorf. sowie das Rittergut Zossen. Der Stahlbau soll nicht nur für Wohnungs- und Siedlungsbau, sondern auch für landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude Verwendung finden. So sollen die Dächer mit verzinkten Stahldach. pfannen gedeckt werdcn. Diese neu« Bedachung ist im Gewicht leichter als Rohr- oder Ziegelöäcl-cr, daneben ist sie auch billiger. In Mahlow zeigten die Veranstalter ein« baufällige Scheune mit einem leichten Stahldach. Ein etwa 260 Zentner schweres Rohrdach hätten die baufälligen Tragepfeiler nicht mehr halten können. Um nicht«ine neue Scheune bauen zu müssen» hat der Besitzer ein Stahldach auflegen lassen, mit dem er sehr zufrieden ist. Auf dem Rittergut Zossen wurden S t a h l s i I o s gezeigt, die es dem Landwirt gestatten, zur Zeit der Grünlutterernte besonders vitaminhaltige Futtermittel aufzuspeichern. Dies« Stahlsilos, die bis zu 14 Meter Höhe aufgebaut werden, sind in der Konstruktion einfach und haben sich in der Praxis gut bewährt. Auch auf dem Gut Zossen sind die Wirtschaftsgebäude bereits mit Stahldächern gedeckt. In den Hydor-Werken in Mariendorf wurden die neuesten Beregnungsanlagen vorgeführt. In einem Film wurde gezeigt, daß in weitcn Gebietsstrecken der Mark die Niederschlagsmenge besonders in der Wachstumszsit nicht ausreichend ist. Hier muß der Landwirt nachhelfen, er muß sein eigener„Wettermacher" sein. indem er Ber«g:ulngsanlag«n zur Hilfe nimmt. Dann wurden die verschiedensten Konstruktionen vorgeführt, stationäre und bewegliche Apparate, die entweder von einem Punkt aus streuen oder durch lange Rohre ganze Flächen beregnen. Mit diesen Apparaten ist es möglich geworden, Weideflächen ergiebiger, Ackerboden ertragreicher zu machen. Der Stahl in der Landwirtschaft ist kein Problem mehr? Wenn erst die Vorurteile gegen seine Verwendung überwunden sind, wird auch er dazu beitragen, die Landwirtschast rationeller zu gestalten und den Betrieb ökonomischer zu machen. Sein ZSjährlges Dienstjubiläum bei der Kriminalpolizei feiert am Sonnabend, dem 1. Feoruar, der Kriminalkommissar Wilhelm Ztegler, der Leiter eines Einbruchsdezernats. Ziegler ist in seinen Muhestunden passionierter Motorrad- und 'Autofahrer und hat wiederholt als Herrenfahrer Reisen In das Ausland unternommen. Lebenslänglich Zuchthaus. Begnadigung Dr. Richters durch das Staatsministerium. Köln, 31. Jqnnav. ver frühere Facharzt Dr. Richter, der wegerr Slfl- mordes an Frau Käthe viertens vom Schwurgericht 1a Bonn im vorigen Zahre zum Tode verurkeilk worden war. ist mm- mehr vom preußischen S taa lg w i n ist er in m be- g n a d i g t worden. Die über ihn verhängte Todesstrafe wurde in «ine lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Größte Vorsicht bei Gasgeruch. Di« Stöbtischen Gaswerk« testen zü dem � Explosionsunglück in Buchholz folgendes mit: � Der WohnungslNhäber hatte den. Schlauch Hahn an der usastd. Sli dech' Schkauch ZUM Gasköcher Gefestigt' Aöt'q i'f e tf; wvdstrch dieser' Schlauch DK irK.r g ant e i'-i H YSm Druck stand.' Die Girm m im u ff e des Schlauches«WVnkH'«- rissen, der Schlauch saß also nur noch los« auf dem Schlaüchhahn und rutschle durch den ständig einwirkenden Gasdruck von diesem ab. so daß Gas ungehindert ausströmen konnte. Der Wohnungsinhaber Herr C. schaltete, trotzdem er von Nachbarn zur Vorsicht gemahnt worden war, trotzdem das elektrische Licht ein und brachte durch Funkenbildung am Schalter das Gasluftgemisch in der Woh- nung zur Entzündung. Hierdurch wurde neben Beschädigung der Wohnungseinrichtung und des Daches eine Hauswand zum Teil noch außen gedrückt und mußte von der Feuerwehr abgestützt werden. Dieser Dorfall zeigt erneut, wie wichtig«s ist, die Schlauchhäbne oder sonstige die Leitungen absperrend« Hahn? zu schließen und sich nicht damit zu begnügen, nur die Hähne än den Gasgeräten zuzu- machen. Außerdem wird gründliche Durchlüftung der Räume bei Gasgeruch stets weiter« Gefahren ausschließen. Di« N ach r ich t e n. daß das Haus geräumt wird, sind unzutreffend. Die Baupolizei hat lediglich die Räumung der Wohnung des E. ange- ordnet. Di« anderen Mieter können in ihren Wohnungen verbleiben. Ein ziestelfteinerner Bär im Zoo. Da der Zoo einen Streifen vom Tiergarten hinzubekommen hat. machte sich die Verlegung des L i ch t e n st e in- P o r t a ls not- wendig. Die zwei Bären, die das Portal schmückten, haben Zuwachs durch ö'nen eigenartigen Bruder bekommen. Der neue Bär ist näm- Nch nach einem Modell des Bildhauers Wagner(Hamburg) von dein Architekten Hoger(Hamburg).n Klinkern ausgeführt. Er machte, eigenwillig und brummig wie Bären sind, seine Schwierig. te.ten wollte sich durchaus nirfff bauen lassen und wurde schließlich ®t,efer Ainkerbär ist entschieden eine Sehens- Würdigkeit, selbst für die zufällig nur Vorübergehenden, denen aber auch die neuen, ganz auf Zweckmäßigkeit eingestellten Backstein- IVelnmeisierslr. 9 empfiehlt moderne Scßlaf-, Speise- and Berreuxlminer KücSen u. 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Maiglöckchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten Moschusgeruch, den die vornehme Welt verabscheut.— Creme Leodor: Tube 60 Pf., große Tube 1 Mk.— Leodör-Edel-Seife: Stück 50 PL- In allen Chlorodont-Verkaufcstellen zu haben/ Laute» auffalle» werden. Die Flachen, die für die Tierinatioe ausgenutzt sind, finden ihre Belebung durch ein Bar. und Zurück- fetzen der"Steins. Neugeschaffen, wurden eine überdachte Vor- Halle, in. der gleichzeitig- etwa ein Dutzend Automobile abgefertigt werden können, sowie eine Verbindung sh all«zumKaiser- {aal.'Der Kopfbau dieser Halle wurde ein Beamten wohn- ha m, denn die alten Torhäufer, In denen früher die Beamten wohnten, mußten abgerissen werden. Die Kinderspielplätze zieht man jetzt aus dem Getriebe des Gartens heraus. Man legt den Spielplatz für größere Kinder links. und den für lleinere rechts von der Mittelhalle, während man die gesamte Rückfront der Ge- bäude- als W a y de lhalle für Zoo besuch er bei Regenwetter gebraucht. Für. die gesellschaflliche und unterhaltend« Belebung des Gar'ens will man sich außer Musik vor allen Dingen des Lichtes bedienen. Schsießlech werden im Zoo zwei Tonzplätze er- richtet,' die' ohne Sondereintrittsgeld zur Verfügung stehen. Trotz vorgesehener Elitetage bleiben jedoch die billigen Sonntage und die vor allen Dingen so beifällig aufgenommenen billigen Sonnabendnachmittage ungeschmälert bestehen. Lustfahrt tut not. Heber das etwas unNar gehaltene Thema:„Luft- fahrt tut not!?" fand im Reichswlrlschastsrat ein Ausspracheabend der Deutschen Liga für Menschenrechte statt. Da» Hauptreferat hielt Hauptmann a. D. Willi Meyer, der aus die- großen wirtschaftlichen Zutuns tsmöglich-keiten des Luft- vertehrs hinwies und sich dahingehend aussprach, daß im gegen- wartigen Ansangsstadium der Entwicklung die-deutsch« Luftfahrt ohne ein« staatliche Unterstützung n i ch t austomme. Das deutsche Können auf dem Gebiet« der Luftfahrt sei in der ganzen Welt an- erkannt und nicht zu bestreiten, ob es sich nun um Luftschiffe oder Flugzeuge Handele. Es fei für die Wissenschaft bedauerlich, daß der leististlgsfähige.Gras Zeppelin" seine A r t t i s f a h r t habe auf- schieben, müssen, bei der er Robiles Ersahrungen hät'e nutzbringend verwenden können, gegen den übrigens zu Unrecht Vorwürfe er- hoben würden.' Wir s«len gegenüber den anderen Staaten im Nachteil, da wir die Erfahrungen nicht verwenden könnten, die diese durch ihr« Wilitärluftsahrt machten. Trotzdem dürfe man die deutsche.Luftfahrt nicht untergehen lassen, und der Staat müsse im Bereiche seiner Kraft helfen, bis die Wirtschaftlichkeit der deutschen Lustfährt erreicht sei. Demgegenüber vertrat der Korreferent Reichs- nigsabgeovdneter Heinrich Ströb el die Ansicht, daß die Luft- fährt bis ausiweiteres wirtschaftlich unrentabel sein würde und daß deshalb, vor allem bei unserer augenblicklichen Finanzlage eine staat- liche Unterstützung ein entbehrlicher Luxus fei.. Zudem fei auch die Zivilluftfahrt' als eine. Art von Auf r üst un g zu betrachten, der die wirklichen Friedensfreunde ablehnend gegenüberstehen müßten. 17 In..cht» D i»tussion wandten sich V i n d e r vom'.Sturm- vagel" und Direktor Wronsty von. der Luft-Hansa gegen die Ällsfüh Lungen Ströbels.-Erkenne-man die Luftfahrt als Verkehrs- mittel cm,- so habe sie, wie früher die Eisenbahn und heut« noch d-e. Schiffahrt,.'ein Recht auf staatliche Unterstützung. Es sei falsch, die Gefahr einer Aufrüstung durch.. die Ziöillustfahrt dadurch bannen zu wallen, daß wqn die Luftfahrt schlechtweg ohne- Unterstützung lasse. Diese Gefahr- müsse vielmehr durch die Aufmerksamkeit der kriegsseindlichen Schichten des deutschen Volkes aufgehoben werden. Von Anfang bis Ende er— fanden. Der Polizeipräsident teilt mit: Ein DerlinerSpätabend» blatt veröffentlicht eine Notiz über Maßnahmen der Schutzpolizei zum 1. Februar. Diese Notiz beruht von Anfang bis Ende auf freier Erfindung. Um den Preis des Umsteigefahrscheines. Bei unserer Meldung über die geplante Tariferhöhung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahn hatten wir besonders den Preis von 40 Pfennig für den Umsteigefahrschein als zu hoch bezeichnet. Wir hatten erklärt, daß nach unserer Meinung ein Preis von 35 Pfennig auch wirtschaftlich tragbar sein müh�e, wenn jede Gesellschaft davon Pfennig erhalten würde. Di« Reichsbahndirettion Berlin teilt uns nun mit, daß sie anfangs der BVG. einen Preis von SS Pfennig vorgeschlagen habe, baß diese aber den Preis als. nicht annehmbar bezeichnet Hab«. Leidet geht jedoch aus der Zuschrift nicht hervor, ob denn die Reichsbahn bei einem Fahrpreis von BS Pfennig mit einem Antnl -von tfV» Pfennig zufrieden gewesen wäre, oder ob sie den Preis einer einfachen Stadtbohnfahrt von 20 Pfennig auch für den Um- steigefahrfchein für sich beanspruch'.e. «tnfenfcttaaen ffit diel« Rubrik stud •* 1 1« a 69 M. eUbtaitiatzi 3. Parteinachrichten sür Groß-Verlin st»»« an da»?«»trt»sekr«tariai r. Hos, 1Trcpp«r>»cht», zu richten SPO.'Kreidenker, Frattion Verlin und Vororte! Genossinnen und Genossen! Sonnlag. 2. Februar, werden olle Funktionäre Hiermit- nochmals eingeladen und gebeten, recht zahlreich und pünktlich in dem bekannlen Saal zu erscheinen. Anfang pünkklich 10 Ahr vormittags. Ohne Parteibuch und Einladung kein Slalaß. Der Fraktionsvorstond. <. s»!« Pr«»»laa«r Brr». Mitalied«» d«,«»««»»»»I»»»rsta-d«»! Mon'aa. Z. iTtottiar, 20 Uhr, M-cht-qe Brfrrechunit mit grakt'on im Zimmer 20 de» Betrrkeaml». Rani'qcr Str.«4.'Krakt-antM'tqlseder bereit» um 18V4- Uhr. 7. J>»« ChatlolUrtnifl atd e»-rda-. 5,-rtIt Ich- eattifftunl« am heutiacn eonnoient. I. ffebruar. oon 17—18 Uhr. im Iugrndhrim Zioiincnstr. 4. >em»irchrrauatri-t. 1«.«r»-» itcbl«rd«r,. �onntaa. Z. ffrhruar. 10 Uhr.?«Iichtinuna d«» Rat. haust» urid Steu-Jß:Jb(s. Trcsfpunlt vor htm t'athau». It" ftrcl» Sch?n»d««<;-grscdr»a». jpr ,u 3. ffcbn-ar, anacsrtit»?or. . twtabeni dc» ffitno.ffen Dr. Lpciirr muh Infolat»I»»lich«r Bcrhind». tun# de» 9Uft«ni«n ausfallen. v_ Morgen, Sonntag. 2. Februar. -78.«tt. W--»l». 10 Uhr Ballchtisun« de, Z-Hlcnhorfcr Raihause». Suff. puntt ginaana Hauvtstrohe. ■ Montag, Z. Februar. AK«dt. SeakSB»; 20U«br bei Saas«, CtiinmchNr. 78. wichti«- Situin.a des Dofftand-S m,t allen sfhnkronarcn unt. Sllfrrn. I-t-r?--,irk muh ver- trsicn fein. Ernsadunas�n ei wr nroi-mitaliideroersammiuna für den 4. Februar lind.beut«, aoiinabend, b» 17 llhr vom. Denofsca Srllger, Sanb'ernKr.'*■» �r.. d-.st mmt abtrholen. 121.«dt. w Mr��kal«indt. Fricd-N-Platc.«ortraa de» Genolfen Dr. Fn H Lch.oA Uber Wahlftchrt-frag-n. Hierauf ondailltige Wahl der Dohlfahrtspflea«. freie Sozialistische Hochschule Arn kornniMiden Sonnabani). den) t. Februar, IMa Uhr. f ndet Im tfroSen Saal des ehemaligen Herrenhauses, Berlin, Leipiiger Straße J, ein Vortrag des Genossen Hclnricb S c n a 1 r- d erlin, stau Ober das Thema: Kunst»und Brot. Karten rum preise von 50 Pfennig(einSehl. Garderobe) sind an folgenden Stellen ru haben: Büro des BenksbildgngsausscJiusses, Linden Ur 3, 2. Hof links. 2 Trep-e.u Arbeiterjugend Gioß Berlin, Lmdenstr. i. 2. Hol links. 2 Treppen; Buchhandlung J. H. W. Dieta Nacht., Llndenstf. 2: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wal Istr.M; Deutscher Ho zarbeiter- Verband. Am Köllnischcn Park 2; Verband der graphischen Hilfsarbeiter, RitterstraCe Ecke Luisenufer: Zigarrengeschäft Harsch, Engeluter 24-25; AfA-Ortskartell. Engelufer 24'25: Verlag des Bildungsverbandes der deutschen Buchdrucker, Dreibundstr. 5; Zentralverband der Angestellten, Hede- mannstraBe 12; Veilagsgesellsc-alt des AOGB, Abteilung Sor.iment, Insel- Straße Aa; Frauensekretariat der SPD, Lindenstr. Z, 2. Hof links, 2 Treppen; Bezirksausschuß für Arbeiterwonlfahrt, Lindenstr. 3, 2. Hof links. 2 Treppen. Zungsozialiste«. Gruppe eharlottenbnra: Leute, Sonnabend, S> Uhr, im Auaendheim Rofinenltr. 4. Funktionärsikuna.— Sauntaa, 2. Februar. 17V« Uhr, T»ff-u Sur Fahrt nach Schönebers am Wilhelmplah. Parteiveranltaltung: Bunter Abend. stein wird auf den 13. und IG. Februar nerlcat. Der Skikurfu» im Lars de. ainnt am 8. Februar.— Ltcalih lOri-ne»!»): Montan, 20 Uhr. Lorftando» Itkutta im z.efiaurant Sdm'dl.! ooni'tr. 3g, Hat Hinbtnbutpbamm.— Treptow fOrtooercinL Montan. 19 Uhr. Spor'abteiluna: Srd'Fnuns der Turnobend» In 'Oberfchönewolde. Wattftr. 69—70 iSchulel. Erscheinen der Landballspidler Pflicht. Alle andere» Sameraden sind einaeladen.— Schönebera-Frltdera»! Der Kamerad Paul Nltfckke ran-der Kameradschaft Rollendors ift am 25. Januar plöhlich verstorben. Die Einäscherun« hat bereits stattgefunden. «rbeiter-SaMariter-Bu-d, t. Kolonne Berlin. Am Sonntag. 9. Fs- bruar. um 9 Uhr, findet im iLewcrtfchaPshaus, Cngelufer 24—23. unser dies- iöhr'.ger Bezirkstag statt. Eintritt nur gegen Borsetgüng der Delegiertenkarte und Mitgliedsbuch low!« Ausweis. Deuilcher Arbeiter. Abstinenten.Gund. Ortsgruppe Berlin. Seneralverfamm» Gruppe Lichtenberg: Morgen. Sonntag. Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 9 Uhr Bhf. Frankfurter Allee. Gäste berglichft willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Klndersteunde Groß-Lerlia. Metallarbeittrverbandes. Linien str. 83— 85, im Parterresaal. Bollgähliges Er, scheinen erwünscht.— Bes'rlsgruppe Kr«n»berg: 2 caelmägig« Fusammti tünite sehen Sonnabend. 20 Phr, i» hir alkoholfreien Eaststätt«. Marhc'nklcvlah 9— 1, Sck nsiverband der Unterrermieter. e. L. 210. Ortsgruppenversammlung mit Bortcag Rechtsanwalt Dr. Äönnoo t über..Kündigung und Untcrvermietung" Freitag. 7. Februar. 20 Uhr, Münchencr Löwendräu, Biktorfa-Luife-Plah 9. Eintritt und Auskunft frei. ESst« w llkowm-n. Dereinigte Verbände heimattrenci. Oberschlesier, Ortsgruppe Berlin- Friedenau. Rock sie Monafsv'erfammlung am Dien--ag. t. Februar. 20 Uhr, im Restaurant„Drin 4 Landierv". Händlern. Eck« Kirchstrasie. Erscheinen aller Mitglieder drlnaend erbeten. Gäste herzlich willkommen. Anschliesiend gemüt- liche« Beisamm-nsein. Renubli'-nifck« Rcdncrvereinignng. Monia». 20 Uhr.»Alter Aekanier", Anhaltftr. II. Es spricht Herr Stühe r über„Angewandte Dinchologic". Dis- kusston. Gäste willkommen. Di« die-iähr ae ordentliche Gen eraloerfammlnog findet am Mittwach, 5. Fe. brnar, 20 Uhr, Sidungssaal, Porckstr. 11. statt. D.e Delegiertenkarten sind b-t- Kr'eislcitern üdersandL Die neuen Helierausweise werden am Saallingana ausgegeben. Zutritt ror Generalversammlung haben nur diejentgan. die im Besit! des neuen Lelferausweifes sind. SA?., oder Parteiausweis, sind eben. falls rorsu?.e'g«n. Der Borstard kommt um 19 llhr*u einer Vorsiandssigung sufammen im gleichen Haufe.— Di« alten Helferauswels« sind von den meisten Kreisen noch nicht restlos gur Erneueruna cingesandt wvrdent überhaupt noch keine Ausweise haben folgende Kreise abgegeben: Mitte. Spandau, Steglih. Tempclhof. Neukölln und Köpenick. Kre's Mitte, Gruppe Boppelolak: Morgen. Sonntag. 2. Februar. Wände. rung durch d-n Grunewald. Treffpunkt 7dz Uhr am Pappelplah, Fahrgeld 40 Pf.. Ar einen Tag Berpflcgung ist mitzubringen. Der Wanderleitcr unserer Gruppe TKotoapparat nicht vergesscn. Genossen der SAZ.. besonders der Gruppe O- T.. sind w'llkommon. Krei« Weihenire, Gruppe Hohenichönhaulen: Am Sonntag Fahrt nach Tegel— Hciligcnsce. Treffpunkt pünktlich Uhr auf der Siedlung am Seifen. laden. 30 PL und Essen für den Sag Mitbringen. Eltern als Teilnehmer w.llkommen. Um 8 Uhr Abfahrt ron der Freionwalder Strasse. 17. Krei» Lichtenbe«: Tote Falken Lichtenberg treffen sich Sonntag. 2. Fe. bruar,»m 13 Uhr am Bahnhof Lichtmberg.Friedrichsfeldc. Wir laufen gemein» fam nach Mahlsdorf su einccm fröhlichen Nachmittag mit unseren Mahlsdon'er Z'oten Fallen.— Donnerstag. 6. Februar. 19ii Uhr, Kreishelfersitzung. Baracken Rathaussirasse. Geburlstage. Jubiläen usw. 14».«bt. Borsigtralde- Senf« leirrn unser« Genossinnen Emilie Fubel und Min n a S l o m b i g ihr 25jährige» Parteilubil仫. Beide Zudil-rinNen sind Witwen und haben nm ihren Lebeninnteihalt schwer M kärnpsen» Unseren tapferen Genossinnen herrlichste SllickwsinI»« der«bteilnng. � Sstrbetafel der Groß- Berliner vartei- Organisation| 17. Abt. Unser Genosse August Falkenberg. Triftstr. 45. ist am 28. Zanuar virstor.en. Ehre feinem Andcnkenl Wir verlieren in ihm einen unserer trenesten. Genvssen. Gnäschernng am Montag, 3. Februar. IS Uhr. im Sremawrium Ger.ch'strassc. Wir b'tten um reae.Beteiligung. 41. Abt. Die Einäscherung unserer verstordinen Genossin Margarete .Wolf Ludet beute, Sonnabend. L Februar,' um 13 Uhr gm Krematorium. Baumschulenwe« statt.' Wir bitten um rege Beteiligung� W Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner � Schwarz- Rot-Gold�. Gefchilltssiell»: Berlin S 14. Sebastianstr 37-38 So! 2. Tr «assersportobtellung, gug Obersvreet Ach'unol Da» Kosiilmfest Im Bootshaus Wendeufchloss am 1. Februar fallt au».— Wintersport- «hteflung: Eonntaa. 2. Februar, 10 Ubr, Bhf. Erunema'd. Nesiaurant Wald- hau». Treffen gum Waldlauf. Das Republikanische Wintcrfportfest in Benneckon- Es ist ein Programm, das nicht genau weih, was es will. Es tostet zwischen Uvtechaltung und populärer Bildung. Dab.« sind, einige gut« Einzelheiten zu vermerken. Am Abend wird„Der arme Jonathan" von Millöcker gesandt Es ist eine prachtvolle Operette, verglichen mit dem� was sich heute die Tageskomponisten leisten. Aber das Werk ist wiederum, verglichen mit dem. was sonst Millöcker arbeitet, schwach. Ein paar Vorträge sind noch zu er- wähnen. Hildegard Morgig spricht über die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Haushallssührung. Sie virsucht. die Unterschiede klar herauszumeißeln, aber es bleibt Inder bei einem interessanten Versuch. Der Dortrag Max Sievers über.W e l t a n- schauliche Betrachtümgen eines Freidenkers' geht auf die Forderung«Irrer neuen Weltanschauung hinaus. Die Lndu- strialisierung der Welt hat eine Umänderung aller Wert« gebracht und erfordert eine weltanschauliche Orientierung, die allein dem Dics- seits zugewandt ist, und sich mit dem latsächlichen� Geschehen der Gegenwart verknüpft. Daß Sieoers auf diese Verbindung mit der Gegenwart den Hauptakzent logt, dedeutet den farlschrittlirhen Teck seine? Vortrags. F. Sc"- Al'gemeine Wetterlage. 34.JaM930,abd8.E%ffi IozialistlscheArbetterjugendGr..Verlln 1 �lnsendrmqen fflr dlese JtubrtT nur an da< Iu«ndsettetartat | 3crHn€2568, �mdenf�aße 5 «»I.-Znnahuckdnnck-r! Montag. 3. Februar. 17 Uhr. SufammtaZunft der i ssortbildunqe-s(rüTf rtrouensTeirte.-■ � Iugerdvolksb��en-Borftellnea..Amnestie� am 28. 1 SU 80 Pf. sow'.e die Deitraosmarkcn könlten aoseholt werden. heule Sonnabend. Falkplatz 71: Funkeionärsikuna pünk�ch 20 Uhr beim Genossen Rubi Marc. Gr,: fenhaaerer S' r. 43— Hallefck«, To»! Treffpunkt ,um Kursus in Zoss.'n ISlh Uhr Bhf. Porckstrass«.— Wilmersdorf: Heim Wilhelmsaue 128: Licktbildcr: .Aus der Wilmersdorser Beweaung"— Mariendorf: I8?i Uhr Treffen Zur Gründung der Gruvv« Roricnfilde.Lichtcnrade Dorf. Eck- Ehausseesirasse. iBlauee» H«md, roten Schiivo.) Werbehe, irk Prer, lauer Belg: Fortfctzuna des Blldnnqcckurfus..Dos Heidel. berner Broaromm" im Heim DanZiger Etr«2. 20 Uhr.— T-mbonrkorps: Ausserordentlich« Mitgli�ervertammluna im Heim DanZiger Etr. 82. Erscheinen mit Znstriimenten ift notwendig.— LSG.: Beteiligung am Kursus.Das Seidel. berger Programm". WerbekrZirk Teltowkanal: Grüildungsvsifammli'na der Abt. Marienselde. Lichtenrade. Genossen au» henachharten Grupnen sind etnaeladen. Werbe beZ-rk Sienkölln: Fl'nkLpnörrchulungekurfu, in"psstn'für Mnaerc Treffpunkt: 17 Ithr Bhf. Neukölln. 20 Uhr ebendort. NachZüaler Sonntag 7 Uhr ebentorL Cchlaffachtwang! Lt Marlenfelde.Lichtenradc! Gründungsvcrfammluna 20 Uhr im Gr- 8 U fangsfaül der 11. Schul«. Roonftrasse. Maricnfelder Genossen treffen sich K 19 Uhr pünktlich am Bhf. Marienielde. W Südwest! Morgen, Sonntag. Treffpunkt 7 Uhr Bhf.' Borckstrossc Zum Kurfiis IN?o.l°n- Schönhauser Borstadt! Morgen Fahrt nach Birkenwerder. Treff. Punkt Uhr. 19 llhr Heimabend. NoltailoetO haifw.GhestibedatiJ S rwitag.« badeeäaeRegatiaGfwpeiii Mst der andauernden Luftzufuhr aus östlichen Gegenden Haben sich in der östlichen Hälfte des Reiches die Frosttemxeraturen ge- halten. Bieliach sind hier Schneeiälle vorgekommen, so daß sich östlich der Elb« allgemein eine leichte Schneedecke gebildet hat In Westdeutschland, wie in Westeuropa überhaupt, liegen die Tempe- raturen einig« Grade über dem Gefrierpunkt. Eine kräiiige De presston liegt über Irland, von ihr zieht sich eine Srörungelinie über Frankreich nach Spanien. Zunächst dürste aber unser Gebier noch im Bereich der östlichen Kaltlust verbleiben, zumal über Nord- europa der Luftdruck noch ansteigt. '* ZLesterausstchleu für JSetfin und weitere Umgegend. Fprsdauer des- trüben W.-tlers mit. Schneefällen, Temperaturen, nahe hei Null. Allgemeine Wetteraussichten sür veulschiandt Im ganzen Reiche vorwiegend trübe, nun vereinzelt vorübergehend c Pe wölkungsabnahme. Westlich der Weser Neigung zu Regcnfällen und östlich der Weser vielfach Schneefälle. Blüten-Weiße Woche bei Karstadt. Das Warenhaus Korstadt am Hermaniiplätz hat das gowallige Haus völlig auf Japan abgestimmt. Im Lichth-of wölbt sich ein blauer Stidenhimmel. Im Mittelpunkt des Lichthofes steht sin japanischer Brunnen von 8 Meter Durchmesser mit masfer- speienden, japanischen Putten. Auf dem Rand- des Bassins stelzen silberfarbene Reiher. Vom Brünnen aus wird der Himmel durch Scheinwerfer angestrahlt. Der Hauptanziehungspunkt ist aber der Japankeller mit einem echt japanischen Garten von Hernmnn Rothe, der japanische Ziersträucher und Blumen. Teichanlagen und Tempelhäu-chen ausweist. Im Teehaus Yokohama spielt eine Original-Japankapelle und hübsche junge Verl neriunen. als Geishas frisiert, tanzen. In allen Abteilungen kehren die Iaponmotiv« sm! V..*«•.."i U.— f f CÖ r.1 1... TSÄ Aj'lA C ai i" ♦ eA« Tdl-T> Vlütenzweige sind verwendet worden und Zütz Menschen, haben sin den letzten Nächten gearbeitet, um das Wunder auszubauen. Eine neue Luffig-Zil'ale. Das Bettenhaus Lustig Hot«ine neu« Filiale in der Fr aWk» f u r t e r Allee 304 eröffnet. Di« neue Verkaufsstelle zeichnet sich durch das vernünftige Leitmotiv aus, das jeder sortschrutlich denkende Kaufmann befolgen sollte.' Im praktisch eingerichteten, angenehm wirkenden Raum gute, preiswerte und vor allein übersichtlich aus» gestellte War« dem Käufer zu präsentieren. Eine praktische Reuerun« stellt hier das Sortiment der verschiedenen Bestsedern dar, die in gläsernen Kästen, durch cuffchiebbare Fenster leicht erreichbar, untergebracht sind. An Stelle von.Ladenrisck>en gelangen Podien 'zur Verwendung, auf denen die Decken dem Kunden richtig vor- geftchrt werden können und er bei dieser Gelegenheit neben der Größe und sonstigen Beschasfenheit auch die Wirkung in Farbe urd Form feststellen kann. Känser und Verkäufer sind überhaupt durch teinerlei Barriere mehr voneinander getrennt, iondern es befinden sich an den Regalen breite, ausziehbare Holzplat�in, auf denen die Ware vorgelegt wird. Diese Anordnung stellt«ine große Verein» fachung in der Verkaufeweise dar und bedeutet für Verkäufer und Käufer eins welentlich« Entlastung. Gewinnkonjunktur bei der AEG. Erhebliche Umsatz- und Oividendensteigerung. Wie kaum eine zweit« Industrie in Deutjchland hat die Elektro. »ndustrie seit der Stabilisierung der Mark einen ununterbrochenen kröstigen Aufstieg durchgemacht. Daß von dieser Entwicklung die drei Berliner Elektroriesen Siemens. AEG. und Bergmann in allererster Linie profitierten, liegt auf der t)and. Der kürzlich oeröffenllicht« Siemens. Abschluß ließ bereits deutlich erkennen, daß der kräftige Aufschwung der Elektroindustrie im letzten Geschäftsjahr 1328/29 keine Stockung erfahren und sich mindestens in dem gleichen Tempo fortgesetzt hat, w'e jn den vorhergehenden Iahren. Diese Ansicht wird durch den jetzt vor- liegenden Abschluß der AEG. noch verstärkt. Wie bei Siemens ist auch bei dem AEG--Konzern im letzten Jahr eine llmjahsteigervag von 500 auf 580 Millionen, also um mehr als 1? Proz., eingetreten. Auch ist diese Ausdehnung der Ilmsätze keineswegs auf Kosten der Prc.se erfolgt, denn in min- destens dem gleichen Maße ist auch der iReingewinn von 16,5 Millionen auf 19,2 Millionen gestiegen. Dementsprechend wird auch die Dividende, die im vergangenen Jahre nicht erhöht wurde, diesmal um 1 Proz. auf 9 Proz. heraufgesetzt. Den ununterbrochenen starken Aufschwung des AEG.-Konzerns in den letzten fünf Jahren zeigt folgend« Zlufstellung: 1924,25 1925 26 1926 27 1927/28 1928,29 in Millionen Mark Reingewinn.. 8,3 10,7 12,3 16,5 19,2 Dioidendenfumme 7,8 10,0 11,5. 13,6 15,2 Dividende... 6 Proz 7 Proz. 8 Proz. 8 Proz. 9 Proz. Umsatz....—— 400 500 589 Der Konzern konnte also seinen Reingewinn, der durch Rück- stellungen und sehr stark bemessen« Abschreibungen schon erheblich gekürzt ausgewiesen wird, seit 1924/23 weit mehr als ver- doppeln. Auch die an die Aktionäre ausgezahlt« Dividenden- summ« Hot sich in der gleichen Zeit infolge Kapitalerhöhungen verdoppelt, obwohl die Dividende selbst nur um die.Hälfte gestiegen ist. Der Umsatz in den beiden ersten Jahren nach der Stabilisierung der Währung ist nicht bekannt. Dagegen zeigt sich aus Grund der veröffentlichten Zahlen, daß der Umsatz des AEG.-Konzerns allein in den letzten beiden Gelchäitsjahren um fast 50 Proz. auf annähernd 600 Millionen Mark gestiegen ist. Es ist Wirtschaft?- politisch wie auch lohnpolitisch von der allergrößten Pedeutung, haß dies« gewaltig« Umfatzsteigerung sowohl:m vorletzten wie im letzten Betriebsjahr trotz einer Verringerung der geleisteten Arbeitsstunden erzielt wurde. Dementsprechend ist auch im letzten Jahr die velegschafk kleiner geworden und belauft sich auf nur wenig über 60 000 Mann. Di« Lei- stangssteigerung je Mann und Schicht hat also, wie diese Zahlen beweisen, bei der AEG., wie auch bei den übrigen Berliner Elektrokorrzernen ein Tempo erreicht, dem die Löhne auch nicht an- nähernd folgen konnten. Dutzendfoch hat man aber im letzten Jahr von den Unternehmern hören können, daß Arbeiter und Ange. stellte alleinig« Nutznießer der Rationalisierung gewesen seien! ?Iun legt allerdings der Leiter im AEG.-Direktorium, Herr Bücher, ein sozialpolitisches Bekenntnis ab, das auch schon vor ihm non manch anderem Industriellen zu hören war. Er erklärt sich aus- drücklich für eine vernünftige Sozialpolitik und an Stelle von Lohnsenkungen für eine bessere Organisation der Industrie. Aehnlicbe Bekenntnisse hat die Oefsenllichkeit und die deutsch« Ar. beiterschaft schon des öfteren von führender mdustrieller Seit« her zu hören bekommen. Die Erfahrungen, welche die Berliner Metallarbeiter in den letzten Jahren mit den Unternehmern und speziell auch mit der AEG. machen mußten, haben ihr gezeigt, daß von dieser Seite freiwillig auch nicht das geringste Ent- gegenkommen zu erwarten ist. Mehr Leistung des Arbeiters, Mehr Leiskung, aber möglichst geringe Entlohnung, wird für diese Herren doch dos A und O ihres wirtschaftlichen Glaubensbekenntnisses bleiben. Auch die Berliner Metallorbeiter werden sich daher nur auf sich selbst und auf di« Stärke ihrer Organisation verlassen können. * Die durch die Schochtsche Drosselungspolitik verschärfte Finanz- lag« der deutschen Kommunen findet auch im AEG.-Gejchäftsbericht ihren Niederschlag. So wird ousdrülklich darauf hingewiesen, daß der Rückgang des Auftragsbestandes van 385 Millionen auf 350 Mil- lionen fast ausschließlich aus Bestellungen der öffent- l i ch c n Hand, besonders staatlicher und kommunaler Elektrizität?. betriebe, sich erstrecke. hiervon abgesehen, ist die Beschäftigung in den wichtigsten Ab- teilungen auch gegenwärtig als durchaus gut zu bezeichnen. So halten sich die Umfotzzahlcn im T u r b i n e n b a u auf der gleichen höh« wie im Vorjahr. Die Industrieabteilung hat von der Eisen- und Stahlindustrie große Aufträg« auf hochofengebläse und für Elektrifizierung von Walzwerken erhalten. Di« Nachfrage nach S ch w e i ß m o s ch i n e n hat sich aus dem Inlande wie aus dem Auslande verstärkt. Auch für die chemische Industrie, wie auch für die Papier-, Terill- und ander« Perarbeitungsinduftrien waren im letzten Jahr laufend größer« Aufträge durchzuführen. Di« ein« Zeillang nur schwach beschäftigt- Lokomotivfabrik Hennigsdorf ist zur Zeit durch den großen Rnmänenouftrag gleichfalls zufriedenstellend beschäftigt. Herr Bücher wies darauf hin, daß die Umsätze in den ersten 4 Monaten d es neuen Geschäjtsjahres mindestens denen des Vorjahres entsprechen. Einer Schwarzmalerei werden die Belegschaften also zu begegnen haben. Agrarkrise und Forschung. Eine wissenschaftliche Sensation auf der Tagung der preußischen Hauptlandwirtschaststammer. Di« Reihe der großen Veranstaltungen während der Grünen Woche wurde am Freitag durch die Jahrestogung der Preußischen houptlondwivtschastskammer eröffnet. Die Tagung gab mst ihrer Reihe ausgezeichneter Vorträg« einem das Gefühl, daß man auch in der Landwirtschaft einzusehen beginnt, daß es zweckmäßiger ist, mehr gegen die Agrarkrise zu tun, anstatt über sie zu reden und alljährlich während der Grünen Woche die allen Phrasen zu dreschen. Sensationell, eine well für sich, war der vortrog de» prosessors Dr. Baut vom Forschungsinstitut in Müncheberg(Mark). Baur Hot währsnd ssines Vortrages das Wort Agrarkrise nicht«inmat in den Mund genommen. Und doch war er derjenige, der Lebenswichtiges zum Agrarproblem zu sogen hatte. Die landwirtschajUich« Not in Dautschland, die schon chronisch gewordene Unrentobilität vieler Kulturen beruht darauf, daß wir »n« h r als verkauft werden kann produzieren(Roggen und Kar- toffeln), daß wir zu teuer produzieren(Weizen und We.n) und daß wir gewisse Kulturpflanzen, die wir in unserer Wirtschaft ge- brauchen(j. B. Fruchtzuckerl nicht anbauen können. Wir haben also typische Kulllcren in Deutschland durch andere Kulturen zu ersetzen. Wir müssen also neu« Kulturen importieren. Dies« Möglichkeit besteht. Wir haben aber auch die ander« Auf- gab« zu lösen, Kulturpflanzen neu zu schaffen. Lupinen als Grünfutterpstanzen. Bei uns gedeiht z. B. die Lupine auf den schlechtesten Böden. Man konnte aber mit dieser Lupine bis jetzt fo gut wie gar nichts anfangen. Man benutzte sie zur Gründüngung und im beschränkten Umfang als Körnerjulter! sonst ist mit der Lupine nichts los. Das Ziel der wissenschaftlichen Forschung ist, dies« Lupine zu einer Grünfu.tterpfianze zu machen. Was das z. B für den märkischen Sandboden bedeutet, für die ganze Situaiion in der Landwirtschaft, für unsere Milch- und Butterproduktion, für den deutschen Außenhandel usw.. braucht wohl nicht näher gesagt zu werden. Bei der Lösung der Aufgabe kam es darauf an, a l k a- loidfret«, also nicht bittere Rassen von Lupinen zu schaffen. Das ist Dr. von S« n g b u s ch in Müncheberg gelungen. Di« Ding« liegen nun so, wie Professor Baur mitteilte, daß von der gelben alkaloidfreien Lupin« ein Pfund eimvandfreier Samen gezüchtet worden ist und von der blauen Lupin«% Pfund. Dieser I Samen wird jetzt einem Züchterkonsorlium übergeben mit der Be- stimmung, aus ihm größere Mengen zu entwickeln. Es kommt also nur noch auf die mengenmäßige Vermehrung an. Aehnliche Erfolge liegen in der Züchtung von in Deutschland möglichen Tabckpflanzen vor. Man glaubt, in Müncheberg fo well zu sein, daß man hofft, in obsehborcr Zell sogar den deutschen Tabakbedarf durch deutschen Tabakbau decken zu können. Es soll sich um«inen Tabak handeln. der durchaus als Qualllät anzusprechen ist. Ein anderes Problem ist der Ersatz unserer von Meltau und Reblaus schwer ge- schädigten, kaum mehr rentablen Weinreben durch neu« Rebe.«arten, die gegen Reblaus und Meltau inutum sind, di« aber die guten Quallläten unserer einheimischen Reben haben. Die Aufgabe wurde von Baur als voll lösbar bezeichnet. Man kann aus der Kreuzung von omerikanifchen und europäischen Reben, wenn man nur im nötigen Umfang arbeitet, die letzteren inmwn machen und jährlich zumindesten 50 Millionen Mark sparen, di« Deutschland heute für Reblaus- und Meltaubekämpfung jetzt ausgibt. An diesen 50 Millionen Mark liegt es ja schließlich auch, daß der deutsche Rebenbau vielfach hoffnungslos unrentabel tft. Aehnlich steht es um den deutschen Obstbau, der gegenüber dem ausländischen Obstbau hoffnungslos rückständig ist. Es ergibt sich, nach Baur, die Möglichkeit, die Konkurrenzfähigkeit unseres Obst- und Gemüsebaus durch Einführung neuer Rassen und Arten zu erhöhen. In Müncheberg seien auch die Voraus- fetzungcn geschaffen worden, sehr viel ertragreichere und besser« Be« rc n o b st s o r t e n aus der Kreuzung von Hirnbeere und Brombeere bzw. aus der Kreuzung von den verschiedenen europäischen Johannis- und Stachelbeerforten zu ge- Winnen. Von besonderem Interesse sind die Ausführungen Baurs über den Getreidebau. Deutschland steht, das zeigt gerade die Preisbewegung auf den Getreidemärkten, vor der unbedingten Notwendigkeit, feinen Roggenbau einzuschränken. Man mußte aber dann Getreidearten haben, mit denen ein Teil unserer heutigen Roggenart als ausgenutzt werden kann. Es müßten Getreidearten fein, welchs die Anspruchslosigkeit des Roggens aufweisen und im übrigen«in Mehl wie das Weizenmehl tiefern. Auch hier haben d>« Arbellen in Münch«- berg bewiesen, daß diese Aufgab« zu lösen ist. So kann man zunächst für die besseren Roggenböden direkt Weizenrasien her-- stellen. Ein« solche Kullur würde wohl weniger Stroh ergeben. der Körnerertrag wäre aber der gleiche wi« bei der Roggenkultur. Eine Reihe von Stämmen ans derartigen Züchtungen stehen augenblicklich in Müncheberg in starker Vermehrung. Di« Ausführungen Baurs sind von grundsätzlicher Wichtigkeit. Beschämend war es für die Anwesenden, von diesem hervorragenden Gelehrten hören zu müssen, daß die Versuche in Müncheberg immer wieder unter Geldmangel leihe«, während man ander- wellig, in einer falschen Agrarpolitik befangen, das Geld nach Mil- lionen m ein Faß ohne Boden wirft. F. Ölk. „Unbegründete Vorwürfe?" Zum Thema Roggenskandale. Durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst wuh mitgeteilt: In einem Berliner Blalte ist vor einiger Zeit gegen sechs Firmen der Berliner Produktenbörie. darunter d.ei Firmen, deren Inhaber dem Vorstände der Berliner Produktenbörse angehören, der Vorwurf erhoben worden, daß sie bei den Roggen- interventionskäufen der Deutschen Gotreidehandelsgesellschaft m. b. H. im Spätsommer und Herbst vorigen Jahres unrechtmäßige und unangemessene Gewinne zu Lasten der Deutlchm Getreidehandclsgesellschaft erziell hallen. Wie der Am liche Preu- ßische Pressedienst mitteilt, hat der Staatskommissar bei der Berliner Börse auf Wunsch des Vorstandes der Berliner Produkten- börse mit Rücksicht aus das vorliegende öffentliche Interesse die be- mängellen Gefchäfte der sechs Firmen mll der Deulschen Getrsidc- Handelsgesellschast unter Hinzuziehung von Sachverstän'.igen der Landwirtschaft und des Handels«ingehend geprüft Die Untersuchung hat ergeben, daß die Borwürfe gegen die genann.en sechs Berliner Getreidefirmen unbegründet waren und aus irrigen Voraussetzungen beruhten. Die Feststellungen des Staatskommisstrs bei der Berliner Pro- duktcnbörse sind im Anschluß an eine Veröffentlichung des„Vorwärts"(.Der Roggenskandal", vom 7. November 1929 Nr. 523) er, folgt. Di« durchgeführte Untersuchung hat sich jedoch leider aui ander« Totbestände erstreckt, als sie im Mittelpunkt unserer domali- gen Darlegungen standen. Wir behaupteten seinerzeit, daß die den w Frage kommenden sechs Firmen gezahllen Kommissionsgebühren insofern unange- messen seien, als die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft ihr Ge- schüft auch bittiger Hölle abwickeln können. Der Beweis hierfür ist hinlänglich dadurch erbracht, daß tatsächlich heut« die Ge- treidehandelsgesellschast mll niedrigeren Kommissionssätzen auskommt, als sie den von uns erwähnten Firmen gezahlt wurden. Ferner kritisierten wir allgemein die Stützungspolllit der deutschen Getreidehondelsgesellschaft als unzweckmäßig. Diesem Urteil Hot sich der Reichsernährungsminister bekanntlich dadurch angeschlossen, daß er den damals onllierenden Reichstommisiar bei der Deut- schen Getreidehandelsgesellschaft abberief und durch Dr. Baabe ersetzt«. Selbst die Presse des Getreidehandels, für die Dr. Baabe das„rote Tuch" bedeutet, muß heute anerkennen, daß seit dem November vorigen Jahres di« Stützungsaktion der Deutschen Getreide Handelsgesellschaft technisch reibungslos und zweckmäßig durchgeführt wird. Schließlich stand bei uns im Mittelpunkt der Hinweis darauf. daß die sechs Firmen als angeblich unparteiische und objektive Such- verständige des Getreidehandels den von ihnen erzielten Nutzen mit sogenannten volkswirtschaftlichen Argumenten zu wahren suchten, Hierin erdlickten wir damals und erblicke»noch heut« einen Fall von sejjer gefährlichen Berfälschung per wirtschastspt>litischen öffentlichen Meinung, wie sie nur allzu häufig in Deutschland getrieben wird. Die Untersuchung des Staatskommissars an der Berliner Börse. ist durch den Vorstand der Berliner Produktenbörse aus Tatbestände abgelenkt worden, die für die seinerzell von uns erhobenen Vorwurf.' unerheblich sind und deren Beurteilung letzten Endes eine Frage des Ermessens ist, für die objektiv« Maßstäbe fehlen. Wir haben unsere damaligen Ausführungen weder zu bedauern noch zurückzunehmen und bedauern nur, daß die von dem Staatskommissar getroffenen Feststellungen geeignet sind, von dem Kern der Sache abzulenken und Nebensächliches als Hauptsache erscheinen zu lassen. Wirischastsenquete für Ostdeuifchland. llnierjuchung über die Auswirkungen der Grenzziehung. Die schweren Verluste, die Ostdeutschland infolge des Friedensvertrages an Land wie an Bevölkerung erlitten hat, sowie di« wirt- schoftlichen Auswirkungen der Gebietszerreißung haben die öffent- liehe Diskussion über die Ost frag« in Deutschland bisher noch nicht zur Ruhe kommen lassen. Jetzt veröffentlicht der Enqueteousschuß das Ergebnis seiner Untersuchungen über„Die Einwirkungen der Gebiets- obtretungen auf die Wirtschaft des deutschen Ostens und Nordens" (erschienen bei Mittler u. Sohn, Berlin), die unter Beiseitelassung aller anderen politischen und roirtschaftspolitsschen Fragen sich ausschließlich mit den Auswirkungen des durch die Grenzziehung neugeschaffenen Zustande? in Ostdeutschland befaßt. T5:r Untersuchungsausschuß kommt zn dem Ergebnis, daß durch die Art der Gtenzzichung die allgemeine Lage in den betroffene» Grenzprovinzen noch besonders verichärst worden sei. Im einzelnen gesehen, stelle die neue Grenzziehung im Osten nichts anderes dar als eine Häufung unsinniger und ver- nuuftwidrigor Zerreißungen. Kohlenflöze, Schacht- anlag« und Ausberellungsanstalten sind voneinander getrennt worden, Städte wurden von ihren Bahnhöfen, Siedlungen von ihrer Feldmark losgerissen. Ganz besonders hat di« massenhaft« Zer- schneidung von Bahnlinien, Chausseen und anderen Verkehrswegen den Wirtschaftsverkehr im Osten stark obgedrossell. Der Enqueteauzschuß hat sich auf die Feststellung von Totsachen beschränkt und unterläßt die Erörterung wirtschaftzpolitischer und polllischer Hilfsmaßnahmen zur Beseitigung des Notstandes in den «tnzelnen Ostprovinzen. STAHL HILFT SPAREN »SMI/ Stahlrohr Ständerscheune IN DER LANDUJIRTSCHAFT „QrUne Woche" Berlin vom 1. bis 9. Februar 1930- Stahl-Aussleliung Halle 1 Gounabenö i. KeSruar 1930 Änterhaiwng und Wissen Vellage des Vorwärts sridtfof Kaufen: Auf Sisbäreniagd SKit Erlaubnis ir« Berloacs«, Sanftaiis. Seissio.»crifftnl. ridwn mit aus ixro Sud) Stibtiof Nonsens„Unter SoMxn und Eis. bäten" Uber keine Auaeubcrlebnikse den falacnbcn fesselnden Abschnitt. Am AbltnÄ kam der Kapitän mid erzählte, von der Tonne sei ein Bär gesehen worden, lliKjeic.hr eine Seemeile entfernt. Mein Bült kam sofort in Wallung, und ich rüstete mich zur Jagd; unter- dessen fiel jedoch der Nebel ein. und ich durfte nicht sortgehen. Zum vierten Male wurde ich genarrt l es schien offenbar Bestimmung zu sein, daß ich keinen Bären erlegen sollte. Es nützte wenig, daß der Kapitän mich damit zu trösten ver- suchte, der Bär sei in Lee von uns und werde wahrscheüllich gegen den Wind herankoinmen. Ich glaubte das nicht recht und kroch verstimmt ins Bett. Am nächsten Morgen, während ich dalag und von Bären träumte, die ich niemals bekam, wurde ich durch ein Flüstern an l ire in cm Ohr geweckt: .Letzt müßt ihr heraus, denn jetzt haben wir einen Bären draußen an der Schiffsseiie." Ich fuhr aus und starrte in das sanfte Gesicht Ocrans. des Zweitm Steuermanns. Flüsternd, als sei der Bär dicht vor der Kojütentür, fuhr er fort: „Aber ihr müßt euch sputen." Und ob ich mich„sputete"! Ich fuhr in die Kleider und stürzte an Deck hinaus, mit Gewehr und Patronen. Da trottete der Bär wahrhaftig in Schußnähe ruhig und bedächtig auf dem Eis hin und her, dann und warm blieb er stehen, windete und betrachtet« das Schiff. Ich hotte genügend Zeit, ihn anzusehen, während ich auf den Kapitän wartete, der auch geweckt worden war. Ein Märchen- hoff schöner Anblick war es. dieses große weiße Tier auf dem weißen Eis. Endlich«schien der Kapitän in der Tür unter dein Halbdeck. Zu demselben Augenblick i«doch. in den: ich mich umwandte, krackste ein Schuß. Wie van der Schlange gebissen, fuhr ich herum, um dem Tier einen Schuß nachsenden zu können, eh« es verschwand. Aber nach immer ging.es ruhig seinen Weg: es ließ sich von solchen Kleinigkeiten nicht stören, obwohl die Kugel dicht neben ihm in den Schnee geschlagen hatte. Der Schuß war von einem der Schützen, Hans Haloorsen. gekommen, der sich nicht länger hatte bezähmen . können.» Unterdessen hatte der Bär sich ein wenig verzogen und war außer Schußweite gekommen. Wir brieten Speck an Deck, um ihn mit dam köstlichen Geruch zurückzulocken. Ganz richtig, er blieb stehen, um zu winden, und ich sprang so hurtig als möglich aufs Eis. Ich schlich vorwärts und war hold wieder in Schußnähe. Der Bär hatte mich setzt entdeckt und stieg auf«inen Eishügel, um besser zu sehen. Das war ei» gutes Ziel. Ich hielt dicht hinter dem Bug iitÄ drückte ab. Aber— Eick— und noch schlimmer: die Patrone zaß in der Kanuner fest. Ich brach mir die Nägel ab. um sie heraus- zubekommen. Endlich kam sie heraus, und ich schob eine neue Patrone ein. Glücklicherweise flüchtet« der Bär unterdessen nicht, sondern kam näh« heran und zeigte mir gerade sein« breite Brust.— Ich zielte mitten in den Haarwinkch und dieses mal trachte es. Dos Tier brüllt«, biß nach d« Wunde in der Brust und taumelte zurück, sprang jedoch wieder auf und floh. Eine neu« Kugel eingeschoben, und ich gab ihm die Kugel in das Hinterteil, das einzige, was mir jetzt erreichbar war. Ein neues'Gebrüll, und noch schnellere Flucht— ich noch, von Scholle zu Schalle. Dann aber war die Entfernung zur nächsten Scholle dem Bären für einen Sprung zu groß,« mußte ins Wasser— ich holte ihn ein. und als er auf der anderen Seite der Wake aufs Eis kroch, gab ich ihn, die Kugel zwischen die Schulterblätter. Er fiel ins Wasser zurück,— die kleinen schwären Augen funkelten mich an. Eine Kugel in den Nacken machte seinen Leiden ein Ende. Jetzt war der Nebel so dicht geworden, das ich das Schiff nicht mehr sehen konnte. Ab« an Bord hatte man die Schüsse gehört, bald kainen Leute herbei, und das Tier wurde zum Schiff gezogen. Das war mein erster Eisbär. Sehr zufrieden nahm ich die Glückwünsche des Kapitäns und der anderen entgegen. Während wir an, Abend, Freitag, 30. Juni, zu Mittag aßen und gerade bei der Gerstengrützsuppe waren, kcun der Schütze Hans Halvorsen in die Kajüte herein und erzählte, ganz in der Stahe sei ein Bar. Der Kapitän und ich griffen nach den Gewehren und zogen in der angegebenen Richtung los: wir beeilten uns ober nicht übermäßig, denn man hatte uns gesagt, d« Bär sei mit einigen Robbenkadavern von unserem letzten Fang beschäftigt. Bald bekamen wir ihn zu sehen und pirschten uns an. Das Eis war uneben, und wir tonnten nur mit Müh« vorwärtskommen, da wir langsam gehen und viele Umwege machen mußten. Endlich kamen wir aus einen hohen Hügel, und d« Bär erblickte uns. Wir duckten uns Nleder, schoben jedoch von Zeit zu Zeit den Kopf über den Eisrand hinaus, um ihn aufzureizen. Sofort kam « herbei, bald war er von Eisblöcken verborgen, bald ging's üb« flache Schollen: mit langen Schritten kam er auf uns zu. Er war ein gut gewachsener Bursche und er kam rasch vom Fleck, obwohl» die Sache ganz ruhig zu nehmen schien. Wir warteten mit dem Schießen gttn solange wie möglich, um ihn richtig sehen zu können. Jetzt ist er b«eits hint« dem«inen Haufen, etwa 20 Meter vor uns. Da kommt d« Kopf vorsichtig üb« die Kante heraus. Ein mächtiger Kopf ist es, wie ein mittelgroßer Koffer. Wer es eilt nicht mit dem Schießen, denn fetzt kann« uns nicht mehr entkommen. Er wiegt den Kopf hin und h». dann verschwindet er wieder unter der Äaick«. Wir halten die Gewehre bere't, denn man kann nicht wissen, wann er sich wieder zeigen wird. Ja, da kommt die ganze Gestalt seitlich vom Haufen zun, Lorschein, mit d« breiten Brust auf uns zu. Leid« Schüsse krachen zu gleich« Zeit. Ein Brüllen— der Bär sinkt ccäf das Hinterteil zurück, beißt noch den Wunden,. taUmell einig« Schritt« zurück und fällt."' Wie fchön ist. so ein Ts«, wenn es groß und stark mit seinem gelblich weißen Pelz' auf dem weißen Schnee liegt, während dos rote Blut aus d« Brust sick«t. Herrgott, wie gemein, daß ein Stückchen Blei diesem freien Leben in den endlosen Eisweiten so plötzlich ein Ende machen kann. 3)er Schmuggler und ScinltlauUier £nta Stilfing: Er hatte ein Handwerk gelernt, ober dos Erlernen eines Hand- werks ist leider kein Derstcherungsschein auf Arbeitsinvglichkeit. Er lief durch die schrägen Straßen feines Gebirgsdorfcs. er lief durch alle Gäßchen, er pries sich bei jedem Meister an, er zeigte überall stolzbewuht fein lobendes Zeugnis, jedoch verlangte niemand noch feiner Arbeitskraft. Man vertröstete ihn mit sein« Jugend, man macht« ihm giue Hoffnungen für die Stadt und er verlieh das kleine, von Bergen eingeengte Dorf und versuchte sein Glück in der Fern«. Das heißt, er mochte einen Versuch mit dem Glück, das Glück hingegen machte keinen Berstich m>t ihm. In der Stadt war man unwirsch üb« jeden Zuzug. D« Iimg« aus dem Dorf hotte keine B«echligung auf Arbeit, man fand kein Zutrauen zu feiner sugendlichen Kraft, kein Verständnis für sein ehrliches Wollen: man spendete ihm nicht einmal Trost durch«in müßig hingesprochenes, gutes Wort. Man sagte ihm.« müsse sich umstellen, heute gelte nur der Mensch, der anpassungsfähig fei. ?lber an welche Gebrauchsmoglichkcit er sich anpassen sollt«, dos verriet man ihm nicht. So kam er wieder in fein Dorf zurück. Er füllte sein Leben mit Gelegenheitsarbeiten, mit Sparen, nnt Rechnen und der vagen Hoffnung auf das Glück, auf die endlich ssch ergebend« Möglichkeit. festen Fuß zu fassen im Wirifchastsprozeß. Immer wieder hatte er neue Pläne, immer wieder mochte er neue Versuche, zu cm« geregelten Defchästigung.zu kommen, und schließlich sagten die be- häbig Satten von ihn,, daß« aufdringlich sei. Er jedoch wurde verbittert. Und eines Tages fand er sich bei denen, die einander fremd waren und die doch eins verband, die Verwandtschaft des Ausgestoßensems. In übler Schenke warb man Schmuggler und man warb auch chn. Seinem jugendlichen Mut hatte man bislang keine Aufgabe gestellt. Nun lockte man ihn mit dem Derbotenen, mit der Ueber- tretung der Gesetze als Privatrach« am Staat, der das Leben des Arbeitswilligen nicht zur vollen Entfaltung kommen lieh. Jetzt hatte die Gefahr dem Strebenden ihr« Reiz« ofsenbart und die Gefahr ist für den Mutigen und den Tollkühnen genau so ver- führerisch, wie für den lebensgierigen Mann das stnnberückende Weib. Die Zeit verrann, er war b«eits feit Iahren Schmuggl«. Er war gewollt mit den Menschen seiner Umgebung zufallen und er lacht« selbstbewußt, über die Kleinlichkeitskräm« in den engen Straßen, die sich freuten, wenn sie nach der Arbeit in ihrem bunt Mühenden Gärtchen«ine Pfeif« rauchen tonnten, ex höhnte üb« die Frauen, die ängstlichen Schritte» durchs Dorf hasteten, fall» si« sich bei einer Nachbarin über Gebühr lange beim Klatsch ver- säumt hatten. Er fand nichts Gutes, er fand nicht» Gemütvolles on seinen Mitmenschen, sie waren ihm nur die Zielscheibe seines Spottes. Diese Leutchen waren von den Bergen erdrückt, sie waren gar nicht fähig, Höhenlust zu atmen. Für ihn gab»«ach glücklich übergebrachter Schmuggelware in der Stadt fflein und Weiber und alle», was er sich wünschen konnte. Er radebrechte in mehreren Sprachen, er konnte dos Ge- birg«, er kannte die Grenzen, die die einzelnen Länder gezogen hatten. Man hatte hier drei erreichbare Grenzen, und di«j«halb hatte man hundert Möglichkeiten, auf pfiffige Weife Geld zu ver- dienen. Offiziell wohnt«« in seinem Heünotdors, aus Trotz, aus der Freude an der Herausforderung. Man wußte um iein Gewerbe, jedoch beging kein« der Ansässigen an ihm«inen Lerrat.� Nicht etwa aus freundlichem Berftohen für fein Geschick oder aus Solida- ritätsgefühl dem Dorfe'mgeborenei, gegenüber, nein, man verriet ihn nicht— aus Furcht vor ihm. Bei den Leutchen im Tal waren Gefahr und Verdruß eine schlimme Stimmungsmischung fürs Leben. Bei dem Schmuggler wurden sie zum Lebenselemeiü, waren sie die Kraft zu neuer Kampibegeifterung. Er hatte niemanden zum Freund außer feinem Maultier. Das rieb die Schnauze an seinem Rockärmel, dos freute sich, wenn fein H«r kam und das schrie wie ein.Hengst im März, sobald es seine Stimme hörte. Dieses Niaultier mit feiner unergründlichen Seele war stets bewußtes Sein. Ich, Leben. Der «Schmuggler kämpfte auf heimlichen Pfade», wo nian Verschwiegen- heit und Verschlagenheit als Leitsterne preist. W« wollte ihm und seinem Maultier etwas anhaben? Für dessen Füße gabs auch unbequem« Wege, jedoch kein« Fehltritte. Kein« Phantasie durchzog als Arbeit oder Ballast sein Gehirn, dieses Tier konnte nur folgerichtige Wegüberwiichung. Doch eines Tages, da wurden viele Gendarmen aufgeboten, sie wollten sich nicht großtun, sie wollten wed« avancieren noch sich eine Auszeichnung verdienen, ab« auf höherem Befehl mußten sie sich mit den Sündern an den Zollgesetzen ein Gefecht liefern. Der Schmuggler wurde verletzt und sein Maultier desgleichen. Das schleppte sich mst zerschossenem Fuß noch weiter, weil ein Tier die Verletzung und das dann folgend« Verlagen eines Gliedes gar nicht begreifen kann. Nahe einer schroffen Felswand fiel schließlich das Maultier nieder. Sein Herr, angeschossen, vom Blutv«lusi geschwächt, hatte wie ein leerer Sack out ihm gehangen. Jetzt lag er neben seinem treuen Tier. Er wußte. Hilfe würde kaum kommen: mehr«« Gendarmen und Schmuggler waren erschossen, das hatte er gesehen. Und wenn es für chn eine Hilfe gäbe, würde es ein« zwiespältig«, eine hinterhältig« sein, denn sie würde ihn ins Ge- fängnis führen, m«in Abgejchlossensein vom Leben. Kein and«« Schmuggler konnte sich auf dies« Pfade wagen: denn die Schmuggel waren zerstreut, bangten um die eigene Sicherheit und kauerten irgendwo in wirrer Angst. Fieber stieg in chm auf und die Wolken, die zu Tal fielen, wurden für chn zu Schreckgestalten. Um chn war die Einsamkeit. das nahe Sterben und fein Ti«, das neben chm lag. wußte nichts vom Tod. Qualen litten sie beide, ober an die Möglichkeit des Erlöschens denkt nur der Mensch. Als der Morgen kam, sah er fernab, wie kleine Pünktchen, die Mützen von Gendarmen, auftauchen. Sie suchten da» Gelände ab, nach Verwundeten. Er brauchte sich bloß bemerkbar zu machen, er brauchte nur die Hand zu heben und zu winken und die„Retter" würden chre Schritte beschleunigen. Noch einmal zuckte die Flamme des Lebens in ihm auf. Er fragte sich:„Soll ich ihnen den Triumph meiner Rettung gönnen?" Doch dann sah er aus sein schwer atmendes Tier. Was würde aus ihm? Würden die Gendarnien es hier oerkommen lassen? Würden sie den Fangschuß für das Älaul- tier eines Schmugglers übrig haben? Ganz gleich, was für Lobens- Möglichkeiten noch für ihn bestanden, sein Freund mußte sterben, denn kein Mensch transportiert«in verwundetes Maultier zu Tal und kuriert es aus. Und mit d« letzten Kraft, die seinen Körper durchflutete, klammerte er sich an sein Ti« und stürzte sich mit ihm in den Abgrund. Siarl Viaria Sinkeinburg: e/lttlttSfltS Dr. Finkelnburg, der mutige Verfechter d« Menschlichkeit im Strafvollzug, nimmt im folgenden zu seinem von der Berlin« Volksbühne uraufge führten Drama„Amnestie" das Wort. Ich hatte für Kriminalistik von klein auf ein Interesse. Als junger Assessor trat ich sofort in den Strafanstaltsdienst ein. Es war ein Glücksfall meines Lebens, den berühmten preußischen Ge- fängnischef, Geheimrat Krahne, von Anfang an zu meinem Lehr« zu haben. Er war ein Vorbild wunderoollcr Humanität. Schon 1808 wurde ich Leiter des Zuchthauses Lüneburg. Dann Dn rektor in W oh lau. Dann in Düsseldorf. Damr(1905) in Moabit. Das Vergeltungsprinzip beherrschte damals überwiegend das Strofrecht. Theoretisch und praktisch In allen Strafanstalten glaubte man, ohne Prügelbock und Dunkelarrest nicht auskommen zu können. Wer anderer Meinung war, wurde als Utopist belächelt. Das Be- harrungsermögen war in der bürokratischen«trafanstollsverwaltmig besonders stark. Die Zuchthäuser wirkten wie eine Art Inf«iw auf mich. Man tröstete mich, die nötige Harnhaut würde schon kommen. Ich bekam sie ab« nicht. In der langen Anstaltspraxis häuften sich erschütternd« Erfahrungen aller Art von Jahr zu Jahr mehr. Seelische Komplikationen oller Art. Vom Stumpfsinn an durch alle Stadien d« Verzweiflung bis zum Selbstmord. Geistige Anomalien bis zu Ausbrüchen von Tobsucht.„Zuchthausknall" pflegte man es zu nennen. Eine ganze Reche oon Typen zog täglich an mir vorüber. Mörder, Räuber, Dieb«, Notzüchter, Brandstifter, Messerstecher. Fälscher. Alle Paragraphen des Strafgesetzbuches in Fleisch und Blut. Ost in abscheulichst« Form. Aber ich wurde trotzdem nicht zum Menscheno«ächt«. Im Gegenteil: Je mehr ich mich mit den Individualitäten beschäftigte, um so humaner dachte ich bei der über- wiegenden Zahl der Fälle. Wenn ich durch die Schale in den Kern drang, jand ich überall den Menschen. Nur mutzten die Gefangeneu erst Dertrauen fassen. Das geschah, sobald sie sahen, daß man das nötige Einfühlungsvennögen hatte und jede unnötige Härte in der Anstalt sorgsam vermied. Die Zuteilung eines besseren Biblwihek- buchs—die Ueberweisung zu passenderer Arbeit— Gewährung eines öfteren Briefwechsels mit der Familie: schon solche Geringfügigkeiten wurden dankbar empfunden und förderten die gute Führung. Am meisten bedrückte es mich bei meiner Anstalistätigkeit, daß oft mein Glaube an die Gerechtigkeit wanken mußte. Die Insassen der Anstalten stammten mitunter aus mehr als einem Dutzend verschiedener Strafgcrichtsbezirke. Gleichgelagerte Tatbestände— ich prüfte die Strafgerichtsakten nach— wurden grund- verschieden bestraft. Hier mit Gefängnis, dort mit Zuchthaus. Mit Monaten hier, dort mit Iahren. Die Strafzumessung erschien oft wie ein Würfelspiel. Ausgleichende Gnadenakte waren in früherer Zeit sehr selten. So mußten unter meinen Augen immer wieder Strafen vollstreckt werden, bei denen der Straszweck längst erfüllt war. Das empfand ich nicht nur als überflüssige Grausamkeit, sondern auch als schädlich. Der richtig« Zeitpunkt zur Wiedereingliederung ins Leben war verpaßt. Die Wirkungen der langen Haft zehrten bedrohlich an Leib und Seele weiter. Dazu kamen immer und immer wied« die schwere Bedrängnis, unter denen die Familienmitglieder schuldlos litten. Mütter, Frauen, Töchter, Schwestern waren oft und oft in meinem Direktorialzimmer und baten um Fürbitte für Freilassung. Es waren ergreifende Szenen.. Die Fachliteratur, bei der ich mit- arbeitete, war hier einflußlos. Deshalb beschloh ich. eine andere Form des Appells an die Oeffentlichkoit. Mir fiel Leffings Wort ein, daß auch die Bühne zur Kanzel w«den könne. So entstand schon lange Jahre vor den» Krieg bei mir der Gedanke, die Form des Dramas zu wählen. Der Entwurf zur„Amnestie" war halbfertig. Aber widrige Umstände kamen. Krieg und Nachkriegsereignisse. Vor zwei Iahren etwa, nachdem mich die Wirkung des unter nieinem Protektorat entstandenen„Vor- bestraften"-Films ermuntert hatte, brachte ich das Stück zu Ende. Die erste Entstchungszeit hastet ihm auch noch an: es ist vom Zivil- kabinctt, Bundesstaaten, Reichsiusti,zamt die Rede. Auch von Re- gierungsräten, die es bei der Strafanstallsverwallung schon längst nicht mehr bei uns gibt. Aber der historische Charakter steht bn Hintergrund. Das Stück ist in seiner Gesamtcinstellung absichtlich zeitlos geworden, wie beispielsweise auch die Anstaltsbeamtenuni- formen des Stückes nie existiert haben und nicht existieren. Die Probleme des Stückes: hier Gnade, dort Gefangenennöte und soziale Misere der unschuldigen Angehörigen, sind immer aktuell gewesen. In der Gegenwart mit ihrem gesteigerten Verlangen nach restloser Humanisierung der Strasjustiz auf der ganzen Linie sind sie von besonderer Aktualität. Diese Aktualität beschränkt sich sogar nickst auf bestimmte Landesgrenzen. Die„Amnestie" könnte ihren Grundprinzipien nach überall in heutigen Kulturländern spielen. Denn überall sehen wir einen gleichen oder ähnlichen Reforinkampf. Es ist deshalb auch völlig abwegig, bei der„Amnestie" von einem Schlüsselstück zu sprechen, nnt Spitzen nach irgendwelchen Richtungen. Selbstverständlich sind viele Einzelbeobachlungen, verschieden nach Zeit,»«schieden nach Ort, überall hineingeslochten in den dramatischen Ersindungsstoff. Das war aber stets bei realistischen Gebilden, ser es Drama oder Roman, der Fall. D« einträgliche Sport. Wie die Verwaltung der Harvard- Universität in ihrem Jahresbericht ausführt, erzielte sie bei den Sportveranstaltungen im vergangenen Jahre emen Gewinn von 1 070 617 Dollar Der Gewinn wird für die Errichtung einer Pro- fessur für Sportwissenschaften Verwendung finden. Der höchste Wasserfall der Erde ist der Pirahyfall in Brasilien. Cr hat eine Höhe von 300 Detern(Eiffelturm in Paris) und ist damit fünfzehnmal höher als der Rheinfall bei Schnsfhmisen (20 Tieitc). XUcalee. Lidtlspiele usw r:.-:____„ll...j�r ' Sonnab, I. 2. Staats-Oper Unter d. Linden Ttü-ili. B. So Ba. 5 JatoK-llb.-?. Ho. 30 191/3 Uhr Tosca Ende 22 Uhr Im PUt! to RepsbliK R.-S. 5 I9'Aj Uhr Die verkaufte Braut Ende tu 22 Uhr sonnab-, 1. 2. Stadt. Oper Bismarckstr. 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Lessing-Tlieater Norden 10846 Täglich 8 Uhr flttäre Dreyius von Rehflscta und Herzot Oeotsdies THeatei 0.1. Norden 12310 TSgl. 81/« Uhr Oer Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Regi Max Reinhardt Die Komötiie |1 Bismck,241 4/7516 S'b Uhr Victoria von S. Maugham. Regle: �einher äamewskj-BOhaeD Theater i« der Kdoiggrttzcr 8 trade Täglich 8Ve Uhr Professor Bernhardl von Wtar StMMor Bigto: Vttbr biunt; Komddlenhaus Täglich S'h Uhr Der Lögner und die nenne von cun eott ih. a. Holleodortiilalz Vorvk.10-2. Kf. 2091 Täglich«'/« Uhr Gastsplal das Deoismcn TBeaten Mensehen Im Hotel von Vlckl Baum. Ktgb: Qustai Eckchm. Sybille Blöder, var- iarateKMpphaJKaiiip, larlve.s, siea.edt, v. tiaimaf Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8'UU. Säent im Arnold oed Bai. mstsplemaus Friedrichstr, 236. Bergmann 2922,23. Täglich 8-6 Uhr Liebe auf den zweiten Blick; Pianeiarium — am Zoe lolisg. toimralhalir Strili 3.5 Barbarossa 5578 16V» Uhr Dia Winter. Sternbilder. 18V» Uhr Oer Planet Jupiter. 20V» Uhr RerkwOrdlge Sterne niiealLieirsi; Eintritt I Mark. Kinder 50 Pf. Mittwochs halbe Kassennreise. Der Sensations-Sch logen Seine Hoheit der Bettler aiiitiiiiiHiiiiiiiiiiuiiiimi iinuniimiiimiiiiiuuiiuiui«in and ein ersikL bantee Programm Für unsere Leser! iutschem lör I— ♦ Personen Fauteuil nur 1-25 M., Sessel 1.75 M-, sonstige Preise: Parkett u. Rang 080 M Reichshallen-Theater Adenös 0 Senn ao naihm. 0 Slelflner-sanser Esdinltiip Inäie Pnh«, rate Fraßt. Tel. Zentrum 11263. Eintritte£reise6Öl�t-3AL Jönnoff-Brottt: te btflibli Fnin-ilnclt. 13 proBe ilEmmerni Kouin— Taaii Metropol-Tti. 8"/» Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehär Operettenbaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral• Theater) Täglich SV» Uhr Der Soldat der Merls Met o. Weiteas Täglich 8V» Uhr: Holet Stadl lemberd Musik von Gilbert. Käthe Dorsch Leo SdttUzendort Tiieat. o. komi.Tnr Kottb. Str. 6 TägL 8 Uhr auchSannt. nachm. 30.: retnüLPreism Elitesanger. te grate Ftsdrloo-lti- Fragraani O.a.: Die b onne ong Fatdilip-BoHaki. Direktion >r. Robert Klclr Deatsehes Künstler-Theai Barbarossa 5937 8V« Uhr Jai, zfai.dii" von Franz Molnai Bit Mn Pafliabno. Vinte: Souper Berßner Hiaatet Dönhoff 170 Täglich sV« übt Die Straße BitUtedBaunm Regie Hein» Rüper' r N 1DPfi"l00 aaitlnngs-.Rabatt- a.Bek!8memtrkeo gegen Nachahmung gesetel. gesch. 'ertlgtselt 48 Jahi als Spezialität. Conrad MttHer Lcioih- Scbkeudilz AB 1.FEBRUAR � � • TÄGLICH 8 UHR» SONNABFMD UND SÖNIZTAG' T AUCH NACHMITTAGS 31JHR': l,r/ 1 DPI BFSONOER. VERGÜNSTIG Mg L- V' X# DAS GROSSE TIGER PROGRAMM TSCHERKESSENREITER UND VIELE ANDERE ATTRAKTIONEN CIRCUS 3IAGEHBECK , BUSCH GEBÄUDE VORVERKAUFtA.WERTHEIM+TEL.NCRO.SAO ywirQwiif? | O-azlm Btrmajnjiatj AmoU Sdulz bitDluidt IIU/U I srosses BocHbierfesi und GROSSER ALPENS ALL. { 1 lipdlea.— Rais niwratioMn.— SO bzjrädii lifts.| Einlaß: Wochentags 6 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Blau! 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Ii. Einem teil unserer hewiaen Auslage liegt»inDroipedt der Fa. lj. laeaph D Ca., N«nk«lh», Berliner«trete«,'45, drtr..Wethe Wodten' best, tvprmts mir ästete Sei er besonder» hinweisen,