BERLIN Mittag z. Zebmar 1SZ0 10 Pf. Nr. 56 B 28 41. Lahrgang erfAe gewissenhaften Mann kenne. Als der Sturm nicht nachließ, regte ich den Gedanken an, dem llntersuchungsrichtcr Beisitzer vom Zeittral- rat und Vollzugsrat beizuordnen. Di« Möglichkeit, von der Unter- suchung in der Angelegenheit der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts den zuständigen Richter auszuschalten, bestand auch schon au» dem Grunde nicht mehr, da durch die Wahlen vom 19. Januar die Gesetzgebungskroft des Rates der Volksbeauftragten erloschen war. Wegman und Rusch kamen wiederholt zu mir nach Weimar, beklagten sich über Jörns uniy sagten, sie hätten den Eindruck, daß aus dieser Unter- suchung nichts herauskommen würde, da der llakersuchungsrichter aus selten der Täter steh«. Ich verhielt mit'anfangs ungläubig, als ich aber aus dem Artikel der.Raten Fahne"' am 12. Februar erfuhr, daß alles� was bisher mitgeteilt wovden war, falsch sei, und daß ein und diefelbe Person gegen Liebknecht und Rosa Luxemburg den ersten Schlag geführt habe, als dann weiter die Division'rklärte. daß der In- halt des Artikels der.Roten Fahne", durch das feststehende Er- gebms der Untersuchung bestätigt, ziemlich belanglos gewesen war. da äußerte ich dem Kriegsminister Reinhardt gegenüber den Wunsch, vom Untersuchungsrichter persönlich Bericht zu erhalten. Jörns er- schien in Weimar, erstattete einen kurzen Bericht, verschwieg dabei die für die Ueberfllhrung des Leutnant Vogel wichtige Auesag« des Röppke und bestätigte die Richtigkeit der Angaben der„Roten Fahne". Es war Nar. daß an der Begehung von Mordtalen durch die Transporteure uichk.gezroeifdl werden konnte. Ich legte ihm nahe, daß unter diesen Umständen absoluter Fluchtverdacht und Kolltsionsgefahr vorlägen. Jörns war aber im Gegenteil der Ansicht, daß weder Kollisionfg fahr noch Uuchtverdacht vorhanden sei. Ich legte ihm einige Perdachts. momente vor: Wieso Runge, nachdem er die Schläge gegen Karl Liebknecht geführt hall«, nicht spfort hinter Schloß und R'egel ge- bracht worden sei; wieso man sich, nachdem dos mit Karl Liebknecht passiert war, entschließen konnte, unmittelbar danach auch Rosa Luxemburg aus dem Edenhotel abzutransportieren: wieso von einem Fluchtversuch des halb bewußtlosen Liebknecht gesprochen werden konnte, während ihn sechs bewaffnete Männer begl iteten usw. Jörns, der anfangs erklärt hatte, daß kein dringender Tatverdacht vorläge, war nun bereit, einen Haftbefehl zu erlassen. Oberstaatsanwalt Köhler: Welchen Eindruck hatten Sie von der Unterredung mit Jörns, wollte er rticht oder konnte er nicht? Landsberg: Beides. Es war mir klar, daß in der Person des Herrn Zorns ein Untersuchungsrichter vor mir stand, dem jede Objektivität fehlte, ein Mann, der vom Kriege verdorben ist. ein Mensch, für den ein Menschenleben nicht mehr so viel bedeutete wie früher. Ich hatte den Eindruck, daß er in eine Clique hineingestellt ist, mit der er gesellschaftlich verbunden ist, und daß er als Untersuchungs- richte? nicht stark genug ist, um jeder Situation gewachsen zu sein. Jörns: Was haben Sie- unternommen, als Wegmann und Rusch sich über meine Un'ersuchungssührung beklagten? Landsberg: Ich habe zu beschwichtigen versucht, da ich nicht voraussetzen konnte, daß ein Untersuchungsrichter die Täter begünstigen würde. Jörns: haben Sie versprochen, nachzuprüfen, und hoben Sie nachgeprüft? Landsberg: Soweit ich weiß, habe ich nicht nachgeprüft. Ich habe auch die Akten nicht zu Gesicht bekommen. Jörns: Die Akten haben aber im Ministerium lang« Zeit gelegen. Landsberg: Es ist möglich, daß der preußisches Iustizmimster Heine sie in Händen gehabt. Er hat mir auch gesagt: Es schsint eine ungeheure Schweinerei vorzuliegen. Der Fall Marten-Krosigk. Erinnerung au eine kleine Garnison. Giegesbericht für Moskau. Was die„"Rote Zahne" meldet. ßubendorff kann sich begroben lasten. Seine Heeres- und Slegesberjchte aus dem Jahre ISIS muten fast als wahrheitsgemäß« Schilderungen an, wenn man sie mit dem in Vergleich stellt, was die„Rote Fahne" über den Sonnabend vermeldet. Die Balkenüber- schriften, die wir im folgenden geben, sind offenbar zur Weiter- leitung nach Moskau erfunden worden, da man in Berlin doch nur darüber lächeln wird. Wir registrieren die Schlagzeilen: Der hunaermarsch hat begonnen. Ueberfallkommando in Moabit in die Flucht geschlagen. wuchtiger Ma-sch durch die Bannmeile. Arbeiter befreien polizeigesaugene. Die Straße gehört dem Proletariat! Bannmeile durchbrochen. Schupo flüchtet.� Roter wedding befreit die Berhasteten. Sperrhindernis gegen Schupo. Barrikadenkämpfer schlagen Polizei in die Flucht.— usw. usw. Den Text, der aus diese Ueberschriften folgt, kann man sich vor- stellen. Einige Stichproben: Wutentbrannt stürmen die Arbeiter vor und schneller als sie gekommen, waren de Schupo mit ihren Uebcrfallkommandos vcr- fchwunden.... Vor dem Hause Weidenweg 79 umzingelten Arbeiter ein« Polizeiabteilung und verprügelten die provokatorischen Schupisten, von denen drei zhr Rettungsstelle gebracht wurden... Ganze Ueber- fallkonrmandoswurdenindieFluchtgetrieben.. Gegen 9 Uhr abends wird im alten Barrikadenviertel Neuköllns,! Prinz-Handjery- Ecke Lefsingstraße, ein Sperrhindernis gebaut, um den Schuvoautos das Einfahren in die Arbeiter- ftraßen zu erschweren. Das gelingt«ine ganze Zeit... Ent- ichlossenen Widerstand der Arbeiter finden am Wilhelmplatz drei Polizisten, die unter den derben Schlägen der Arbeiter ihre vorangegangenen maßlosen Provokationen wohl bereut haben werden. In dem Stil dieser Siegerbulletins ist das ganze Blatt gehalten! In den Sophiensälen begann Ulbricht(nach dem Bericht der „Roten Fahne") sein Referat mit den Worten:„Auf Hamburgs Pflaster find Barrikaden errichtet worden." Erreichen die Provokateure ihren Zweck, kommt es wirklich zu Kämpfen und zu Blutvergießen, dann ist an allem natürlich die Polizei schuld! Mitten unter den„Sieqesbenchten" des Kommunistenblattes findet sich aber plötzlich ein« Anzeige: „Zwei öffentlich« Massenkundgebungen. Thema: Das drohende Parteiverbot." Man möchte das Verbot offenbar um jeden Preis erzwingen. Da bisher In dieser Richtung kein Erfolg verzeichnet werden tonnt«. muß man durch Lügenberichte nachzuhelfen suchen. Die 76 Kommunisten wieder freigelassen. Die am Freitag abend bei einer Zusammenkunft in der Lang« Straße verhafteten 76 Kommuni st en befinden sich sämtlich wieder auf f r e i e m F u ß. Sie sind bereits Sonnabend nacht aus dem Gewahrsam entlassen worden.— Von den währerch der Unruhen am Sonnabend abend verhafteten 26 K o m m u- nisten sind gleichfalls alle bis auf acht, die heute dem Richter wegen verschiedener Delitte vorgeführt werden, freigelasten werden. -IS Matrosen ertrunken. London, 2. Februar. Nach ergänzenden Berichten aus Port Arthur sind bei den» Untergang des Schiffes„Edgar F. Coney" im Golf von Mexiko insgesamt 18 Mitglieder der Besatzung ertrunken. Zn Hamburg hat am letzten Sonnabend der ehemalige Dragonerunkerofsizler Franz Marten Selbstmord verübt. Dieser Freitod ruft die Erinnerung wach au eine Sensatioasaffäre, die fast nicht geringere Aufmerksamkeit erregle, als der Fall D r e y f u s in Frankreich. Halle dieser Marlen seinen Rilkmeister vor der Frank der gesamten Schwadron niedergeknallt oder nicht? So laulelc die krlminelle Frage. Dahinter steckte die Frage nach der Disziplin der preußischen Armee und mit dieser Frage stand die Grundlage des preußischen Militarismus zur Debatte. Der Ort der Tragödie war Gumbinnen, die typische kleine Garnison. Nach der ostpreußisch-russischen Grenz« vor- geschoben, hatte die Stadt nur IS 699 Einwohner, aber Füsiliere, Feldartillerie und die schon genannten Dragoner. Rittmeister der «. Schwadron war ein Herr von Kxosigk. Einige Tage vor Kaifers Geburtstag im Jahre 199l exerzierte, tramierte und schikanierte Rittmeister von Krosigk in der überdachten Reit- Halle ssine Leute. Er hatte, mit gezogenem Säbel, gerade„Eskadron — halt" kommandiert, als ein Schuß fiel. Der Rittmeister stürzte. Man schleppte ihn auf ein Bündel Stroh und nach wenigen Minuten war Herr von Krosigk ein koler Mann. Vor der Reithalle fand man einen rauchenden Karabiner, der zum Bestand der Schwadron gehörte und noch vor kurzem auf defn Schwadronskorridor gesehen worden war. Von der Reithalle zur Kaserne führten Fußspuren, die man sich leider nicht näher ansah. Dsiter war vorläufig nichts'estzuftellen. Für die Schwadron war nun dauerndes Antreten: auf der Schwadron säße ein schwarzer Fleck, der müßt« weggewischt werden und man hätte den Täter möglichst bald zu ermitteln! Es ergab sich, nach näheren Untersuchungen, daß der Schuß von der Tür de? Reithalle durch'ein kleines Guckloch abgefeuert war. Der Täter mußte also einmal mit Karabinern umzugehen verstehen und ein guter Schütze sein. Dri tens wäre er nur unter den Leuten zu suchen, die nicht in der Reithalle anwesend waren, also den Abkommanlterten und den Drückebergern. Man verhaftet« zunächst den Dragoner Skopeck, ein Stück Schwadronsschlot. Skopeck war zur Schmied« abkommandiert. Es stellte sich aber heraus, daß Skopeck nicht in Frage kam. Skopeck hatte aber gesehen, wie um die fragliche Zeit zwei Männer mit st eisen Mützen— die UnteroHsiziersmützen hatten steifes Format— vor der Türe standen. Run richtete sich der Verdacht gegen Franz Marten. Er war eben 2?jährig, soit zwei Jahren Soldat, vor kurzem zum Unteroffizier befördert und dazu noch Sohn des Wachtmeisters Marten, der früher in der 4. Schwadron Dienst getan hatte und nun bei der 3. Schwadron stand. Zu gleicher Zeit wurde der Sergeant und Ouartiermeister Gustav hickkl oer- haftet. Bereits dreißigjährig, und schon 19 Jahre lang Soldat war er seit kurzem chvt der Tochter des oben erwähnten Marten verheiratet, also ein Schwager Franz Martens. Der Verdacht ging dahin, daß Franz Marten gefchosien und hickel ihm Beihilfe geleistet Hab«. Die Untersuchungen wurden mit einer beispiellosen Rachlässigkeii gesührl. Erst als Berliner Krimmakpolizei zur Hilfe herangezogen wurde, lichtete sich das Dunkel von Verdächtigungen, Abneigungen, Gerede und Klatschereien. Es enthüllte sich das Bild der kleinen G a r n i s o nr Der erschossene Rittmeister von Krossigk stellt« ssch als der bekannte Schinder dar. der, eigentlich ein nicht ganz seltener Fall in der allen Armee, sich besonders seine Unteroffiziere„kaufte". Me gaben dann entsprechend weller. Es zeigte sich weiter, was ebenso häufig vorkam wie das andere, der Gegensatz zwischen dem Vater und der Mutter der Schwadron, zwischen dem Rillmeister und der.' Wachtmeister. Der Rittmeister lobte den Etatsmäßigen, solange dieser das hörte, wo anders erzähllc er von einer„verlodderten Schwadron". Er gratulierte dem Etatsmäßigen vor der Front, behandelle ihn aber so, daß der alte Marten seine Versetzung zu einer anderen Schwadron, der 3.. mll der Begründung erreichte,„daß sein Rillmeister von Krosigk im Dienst Ansorderun- gen an ihn stellte, denen er körperlich nicht mehr gewachsen sei". Auf diesen Gegensatz zwischen Rittmeister und Wachtmeister konstruierte der militärisch« Ankläger seine Forderung nach dem Haupt des jungen Marten. Dieser hatte sich ohne Zweifel verdächtig gemacht. Er hall« sich vom Dienst gedrückt, war also nicht in der Reithalle gewesen. Er Halle auch einmal mit den Augen gerollt, so daß ihn sein Regimentskommandeur oerhaften lassen wallte. Er war weiter kurz« Zeft auf dem Korridor in der Nähe der Mordwaffe. gesehen worden. Halls schließlich über seinen Rillmeister geschimpft, aber in kavalleristischen Ausdrücken, so daß das Oberkriegsgericht hinter- her als wahr unterstellte, der Unteroffizier Marten habe dabei nicht seinen Rittmeister, sondern ein Pferd gemein!. Marten machte zu guter Letzt noch die Dummhell und deser- tierte. Er kehrte wohl freiwillig zurück, bezahlle aber den Au?- slug mit einem Jahr Gefängnis, Degradation usw. Man muß lagen, daß Verdachtsmomente gegen Marten vorlagen. Anderer- jells meldete sich in der Verhandlung ein Fleischermeister aus Gumbinnen, der folgendes mitteilte: Er habe Rittmeister von Krosigk mll seiner Gallm über, einen Platz reiten sehen. Ein den beiden entgegen kommender Offizier grüßt«. In diesem Augenblick hätte Herr von Krosigk zweimal mit der Reikgerke nach seiner Frau geschlagen. Der grüßende Oftizier sei dann weitergegangen und hätte halblaut gerufen:„Lange wird er die Frau niefct mehr l ch l a g e n." Von dieser Szene hat das Gericht kaum Notiz genommen. Marien hat, als er in der verflossenen Woche in Hamburg freiwillig aus dem Leben schied, einen Brief hinterlassen, in dem er nochmals beteuerte, nicht der Täter gewesen zu sein, wie er auch immer wieder von dem Kriegsgericht„bei der deut- schen Nation, bei Gott und seinem Kaiser Wilhelm" oersichert hatte. den Schuß nicht abgegeben zu haben. In der Verhandlung ergaben sich aber amb Anhaltspunkte für die Theorie, daß der Täler ein Offizier der Garnison Gumbinnen sein könne, der der Witwe des Rittmeisters in einer Weis« näherstand, die nur zwischen Mann und Frau üblich sein sollt«. Das Dioisionsgericht sprach Marien und hickel frei. Das Ober- kriegsgericht beließ es bei dem Freispruch für hickel, verurteilte Marten aber zum Tode. Auf eine Revision hin kam es nochmals zur Berhandlunz. Das Gericht gelangte nach einer Berawnqs- dauer von nur 1% Stunden zum Freispruch für hickel und Marlen. Der Fall Marten ist eine der großen Assären der früheren preußischen Armee. In dem hinterlassenen Brief, den man am verflossenen Sonnabend in Hamburg fand, sagt Marten, die hast zwischen dem Todesurteil und seinem Freispruch, von August 199l bis April 199Z, habe seine Nerven in fürchterlicher Weise mit- genommen. Das habe«r nie überwunden. krieärich Olk. Geständnis der Kulmbacher Mörder. Kommerzienrat Meußdörfer soll unschuldig sein. S u l m b a ch. z. Februar. Der Verteidiger des kommerzicnrals Heinrich M e u h- dorfer in Kulmbach, der bekanntlich unter dem verdacht des Gattenmordes sich In hast befindet, übergibt der presse folgende Meldung:„Das Rätsel von Kulmbach ist gelöst. Auf eine Slrafan- zeige des Verteidiger» vom Zl. Zanuar gegen die Arbeiter S ch n b e r t h und Popp wegen Ermordung der Frau Kommerziell- rat Meußdörfer ist es dem Kriminalkommissar Schissner in Kulm- bach gelungen, die beiden zu einem Geständnis zu be- wegen. Die beiden Arbeiter haben dieses Geständnis vor dem Untersuchungsrichter und dem Staateanwalt wiederholt." Auf eine Anfrage im Untersuchungsgesängni» Nürnberg wurde lediglich mitgeteilt, daß sich Kommerzienrat MeuhdSrfer noch dort befindet. Der Mord an der Gattin des Kommerzienrats Meußdörfer w Kulmbach erregte Anfang November vorigen Jahres großes Auf. sehen. Man fand die Frau erstickt in ihrem Bett auf. Kommerzien- rat Meußdörfer kam damals nach Ansicht der Kriminalpolizei als Täter in der verschlossenen Wohnung allein in Frage. Er be- teuerte seine Unschuld: wurde aber einige Tager daraus in Unter. suchungshast genommen. Die seltsame Wendung, die die Angelegen- hell, nach der Kulmbacher Meldung, jetzt genommen haben soll, kommt überraschend und bedarf noch sehr der Klärung. Großfeuer in Charloiienburg. S-n Eckhausdachstuhl niedergebrannt. Ein gewaltige» Grohfeuer beschäftigte die Berliner Feuerwehr am Sonntag früh in der Mommsenstraße 2g in Eharlottenburg mit einem großen Ausgebot von Löschzügen viele Stunden lang. Gegen X6 Uhr früh bemerkten zwei Schupobeamte auf dem Dach des großen Eckhauses Mommsenstr. 29 einen starken Feuer- schein. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert. Als die ersten beiden Züge eintrafen, Halle der Brand jedoch bereits den Dorder- hausdachstuhl in der Mommsenstraße wie auch die Dachfront in der Wilmersdorfer Straße ergriffen. Der ganze Dachstuhl bildete«In riesiges Flammenmeer. Es mußten mchrere Züge nach- alarmiert werden. Schließlich waren sechs Zugwachen unter Leitung des Oberbranddirektors Gempp zur Stell» und mit der Be» kämpfung des Brandes beschäftigt. Zunächst schien«s, als ob alle Löscharbeiten vergeblich sein sollten, denn«i keiner Stelle ließ die Gewoll des Feuer» nach. Di« Flammen fanden an dem Inhall der Bodenverschläge und dem Gebälk überaus reiche Nahrung. End- lich, nach etwa zweistündiger Arbeit, war die Macht des Groß- feuers gebrochen. Die Ablöschungs- und Aufräumungsarbci'.en dauerten noch viele Stunden. Die Wohnungen der obsren S'ock- werke haben durch die herabdringenden Wassermengen stark gelitten. Tragödie zweier Mädchen. Mit Gas ve» giftet.— Ein Todesopfer. Zn der putkkamerstraße 7 spielte sich in der Nacht die Selbslmordlragödie zweier Mädchen ab. In dem Hause befindet sich eine Schankwirtschast. in dem die 26jährige Olga Schmidt als Hausangestellte beschäftigt ist. Das Mädchen besuchte am Sonntag abend zusammen mll ihrer lkjähngen Freundin Elsa Weiß aus der Eylouer Straße ein Cafö in der Stadt. Spät kehrten beide heim, und Olga Schmidt nahm die Freundin heimlich mll in die Wohnung ihrer-Arbeiigeberin. Als heute früh die Gastwirtin in ihrem Lokal erschien, wunderte sie sich, daß von ihrer Angestellten nichts zu sehen und zu hören war. Ais die Frau darauf die Küche betrat, sah sie zu Ihrem Schrecken die beiden Mädchen m dem völlig mit Gas erfüllten Raum leblos i m B e t t l i e g e n. Ein Arzt und die Feuerwehr wurden zu Hilfe gerufen. Die Wiederbelebungsversuche waren jedoch nur bei Olga Sch. von Erfolg. Sie wurde ins Urbantrankenhaus übergeführt. Die Leiche des jungen Mädchens wurde beschiagnahmt und ins Schauhaus transportiert. In Abjchiedsbriefen, die von den beiden Lebensmüden an ihre Angehörigen gerichtet waren, teilen sie ihren Entschluß, aus dem Leben zu scheiden, nicht aber das Motiv zur Tat, mit. Aus den Briefen geht jedoch hervor, daß sich die Mädchen schon längere Zeit mit Selbstmordgedanken beschäftigt haben müssen. In der vergangenen Nacht, wahrscheinlich zwischen 3 und-i Uhr, schritten dann beide zur Ausführung ihre» Vorhabends. Sie ent- jernten den Schlauch� vom Go sautomaten und erwarteten im Bett den Tod. Der kommunistische Landtagsabgeordnele Dr. Ernst Meyer ist im Aller von 42 Iahren. gestorben. Er hatte Bolkswirtschast studiert, war einige Jahr« Wirtschaftsredatteur des„Borwärts", gdjört« zu den Gründern des Spartakusbundes und zu den erste» itührern der Kommunistischen Partei. Irgendwie hall« er in der KPD. immer�die falsche Linie, so daß er all« Bitterkeiten der kom- munisllschen Fratiionswirkschast und der Unterdrückung selbständiger Geister durch di« Moskauer Faust erfahren hat. Er litt an Tuber» kulose und war schon viele Jahr« ein schwer kranker Mann. Kürzung des Dtsposikiovsfoads pilsudsti». Am Freitag kam es in, haushalteaueschuß des Sejm zur Abstimmung über die.zum Militärbudget eingebrachten Zusatzanträge. Unter anderem wurde bei dieser Gelegenhell, wie im Vorjahre, der Dispositionsfonds des Kriegsministers Marschall Pilsudsti um 2 Millionen Zloty gekürzt. Wie lebt der Angestellte? Je mehr Einkommen, um so weniger Kinder. In den Derösfentlichungen des Statistischen Reichsamtes über die amtlichen Erhebungen von Wirtschaftsrechnungen ist jetzt die Untersuchung über die Haushaltungen der Angestellten erschienen. 546 Angestelltenfamilien haben sich an dieser Haus- haltungsftatistet beteiligt. Zunächst an Hand unserer Haushalts- bilanz einen kurzen !l eberblick über Cianahmen und Ausgaben für den Durchschnitt einer Angestelltenhaushaltung. Die Einnahmen der hier berichtenden Familien betragen im Durchschnitt 4700 M. im Jahr, während die Mehrzahl der Angestellten sicherlich mit weniger als 2500 M. auskommen muß Immer wieder stellt sich bei solchen Erhebungen heraus, daß sich nur solche Fa- Milien zur ständigen Führung eines Wirtschaftsbuches bereit- finden, die über ein gewisses gesichertes Einkommen verfügen und nach der Last der Tagesarbeit noch die abendliche Muße für tägliche Eintragungen finden. Der Wert der Erhebungen leidet natürlich dadurch.' Die Einnahmen der Familie vergrößern sich durch Nebeneinnahmen nur wenig. Das Gehalt des Mannes, das sich durch Gratifikationen, Ueberstundenzuschläge und sonstigen Neben- erwerb vielfach etwas erhöht, deckt fast neun Zehntel aller Aus- gaben. Die Frau trägt— im Gegensatz zum Arbeiterhaushalt— nur in verhältnismäßig wenigen Fällen zum Unterhalt der Familie mit bei. Auch der Zuschuß, den die Kinder leisten, ist oerhällnis- mäßig gering: hier ist- der Unterschied zum Arbeiterhaushalt noch deutlicher. Die durchschnittliche Personenzohl der er- faßten Angestelltenfannlien betrug 3,6, d. h. aus jede Familie ent- fallen IL Kinder unter 15 Jahren: der Haushalt vergrößert sich bei manchen FamiNen durch erwachsene Kinder oder sonstige Kostgänger. Diese Zusammensetzung bestimmt wesenllich die Ausgaben des Angestelltenhaushalt». Etwas mehr als ein Drittel der Einnahmen wird für die Cr- »Zhrung der Familie verwandt. Aus die Wohnung entfällt ein Fünftel der Ausgaben: für Bekleidung und Wäsche wird ein Achtel des Einkommens ausgegeben. Die„sonstigen" tebensbedürfnisse verschlingen fast 30 Proz. der Einnahmen. Ein großer Teil dieser Ausgaben ist zwangsläufig bestimmt: 360 M. im Zahr muh die Angestelltenfamilie für Versicherungen, 207 M. für Steuern ausgeben. Demgegenüber sind Verbandsbeiträge mit 60 M. verhältnismäßig gering: während für Bildungezweck«(Zei- tungen, Schulgeld usw.) im Jahre 137 M. in der Familie aufgewandt werden, bleiben nur 69 M. im Jahr für Vergnügungen der drei- bis vierköpfigen Familie übrig. Für Körper- und Gesundheitspflege können auch diese gutgeslelllen Familien, mehr als drei Personen insgesamt, noch nicht 30 Pf. am Tage ausgeben: und für die so not- wendige Erholung bleiben pro Tag und Kopf noch nicht einmal 10 pf. übrig! Saushalisbilanz der Angestelltenfamilie. 1. Die Einnahmen: Gehait des Mannes....... Einkommen aus Nebenerwerb des Mannes......... Einkommen aus Nebenerwerb der Frau........... Einnahmen aus Nebenerwerb der Kinder usw...... Einnahmen aus Untervermietung. Ver- sicherungen, Unterstützungen usw Abgehobene Spargelder usw. Vorschüsse, Dprlehn usw 2. Die Ausgaben, Nahrungs- und Genußmittel davon Wohnungsmiete.... 544 M. Einrichtung derWohnung 260„ Heizung und Be'euchtung 167„ 88.■ 61. 4 712 in, 1,9 1,3 Sonstige Lebensbedürfnisse.... davon: Versicherungen..... 369 M. Steuern...... 207, Verbandsbeiträge.... 60. Verkehrsabgoben.... 74, Körper- und Gelundheits- psl ge........ 90, Erholung...... 105, Vergnügen...... 69„ Bildung...... 137„ Ersparnisse.......... Zurückzahlungen von Darlehen usw.__ ; 100,0 proz. Das Bild verschiebt sich nicht unwesentlich, wenn man die Aus- gaben der Familien mit verschiedenem Einkommen betrachtet.- Allerdings darf man dabei nicht außer acht lassen, daß sich mit wachsendem Einkommen auch die Familien g r ö ß e ändert. Die Statistik zeigt deutlich, wie sich das zweite Kind in der Angeflelllensamllte erst einstellt, wenn das Einkommen eine gewisse höhe erreicht hat. Auch dies« Echebung bestätigt die beiden wichtigsten Gesetze der Lebensführung: dem wachsenden Einkommen werden zwar die Ausgaben für die Ernährung absolut größer, aber ihr Anteil an den Gesamtausgaben wird kleiner. lE n g e l s ch e s Gesetz.) Die Verhältnisi, kehren sich geradezu um. Während in den Angestelltenhaushaltungen mit einem Jahreseinkommen bis 3000 M. 42 Proz. aller Ausgaben auf Nahrungs- und Genußmittel entfallen und nur 23,2 Proz. für die„sonstigen" Lebensbedürfnisse(also Körperpflege, Erholung, aber auch Steuern usw.) übrig bleiben, wird umgekehrt in den Haushaltungen mit mehr al» 6100 M. Jahreseinnahmen für die sonstigen Lebensbedürf- niss« 29,1 Proz. ausgegeben und nur noch 28,1 Proz. für die Ernährung. Ebenso geht der A n t«1 l d e r M i e t e an den Gesamtausgaben mit dem wachseirden Einkommen zurück.(Schwabesches T« setz.) Dagegen steigen die Ausgaben für Bekleidung und Wäsche prozentual und absolut mit dem Einkommen. Die Steige- rung ist dabei wesenllich größer als nach dem Umfang der Famil'e an- und für sich zu erwarten wäre. Die dreiköpfige Familie mit einem Einkommen von weniger als 3000 M. gibt im Jahr noch keine 300 M. für Kleidung und Wäsche auz, die vierköpfige Familie mit einem Einkommen von mehr als 6000 M. aber nrehr als 1000 M, Diese Ergebnisse der amlllchen Erhebungen, die unter Auf- wendung eines verhältnismäßig großen Apparates gewonnen sind und deren Veröffentlichung unverhältnismäßig lange Zeit auf sich warten lieh, bestätigen nicht nur im großen und ganzen, sondern auch im einzelnen in überraschend weitgehendem Maße die Unter- suchungen des AfA- Bundes. Vergleichen wir die Ergebnisse der amtlichen Statistik der Arbeiterhaushaltungen mit denen der Angestelltenhous- hallungen, so fällt von vornherein«in charakteristischer Unterschied ins Auge. Die durchschnittliche Personenzahl der Arbeiterfamilie beträgt 4,6, die der Angestelltenfamilie nur 3,6. Da» zweite Kind ist in der Arbeiterfamilie also noch die Regel, bei den Angestellten dagegen schon selten. Die unterschiedliche Lebenshaltung der Arbeiter und Angestellten läßt sich bei einer Gruppe besonders gut verfolgen. Diese Unter- schiede sind außerordentlich interessant! An der amt- lichen Statistik beteiligten sich 283 Arbeiterfamilien mit einem durch- schnittlichen Einkommen von 3285 M. im Jahr und 87 Angestellten- samilien, deren Einkommen bis auf 1 M. genau gleich groß ist. Während aber die Arbeiterfamilie 45,6 Proz. für die Er- nahrung ausgibt, sinkt dieser Antell bei den Angestellten auf 39,8 Proz. Der Aufwand für die Bekleidung ist in beiden Fällen trotz der verschiedenen Famil-engröße ziemlich gleich(12,7 bzw. 12,5 Proz): für die Wohnung gibt der Angestellte bei kleinerer Familie nicht unwesentlich mehr aus(20,4 statt 17,5' Proz). Dadurch erhöht sich der Anteil der sonstigen Lebensbedürfnisse von 24,2 Proz. in der Arbeiterfamilie auf 27,3 Proz. in der Angestellten- familie. Zum Teil erklären sich diese Unterschiede in der Lebenshaltung aus der verschiedenartigen Zusammensetzung der Familie. Erst eine Gliederung der gleichgroßen Familien nach Berufen würde den Einfluß des Berufslebens auf die Lebens- f ü h r u n g erkennen lassen. Bei allen Eigenarten in der Lebensführung, die das Berufs- leben mit sich bringt, wird letzten Endes der Haushall aber doch bestimmt— vom Einkommen! Otto Subr. In Italien schneit es. Hagelschlag in Genua. Rom, 3. Februar. Genua wurde von eurem heftigen Hagelschlag heimgesucht, der über eine Stunde andauerte. Die Straßen waren von einer mehrere Zentimeter starken Hagelschicht bedeckt, wodurch der Der- kehr behindert wurde. Zn Turin hak es den ganzen Tag über heftig geschneit. Auch dort ist der Verkehr der Straßenbahn und Autos durch die Schn-emassen behindert. An mehreren Stellen sind Tele- graphen- und Telephondrähte sow'« elektrische Leitungen so stark beschneit, daß sie rissen. Niederstürzende Dachrinnen gefährden die Fußgänger. Auch aus den Bergen wird Schneefall gemeldet. ttuwetter in Eüdfrankreich und Portugal. Paris, Z, Februar. An der Südwestküste Frankreichs sowie an der Westküste der Pyrenäenhalbinsel herrscht gegenwärtig Sturm. In der Gegend von La RocheU« wurde ein Damm durch das aufgewühlte Weer zerstört und eine dicht am Ufer gelegene Ortschaft vollkommen überschwemmt. Starke Sturmschäden werden auch aus Lissabon gemeldet. Zn ganz Portugal sind starte Schneefälle und lieber- schwemmungen eingelreM. Infolge des Unwetters und der Kälte sind in Portugal auch Menschen ums Leben gekommen. Neger gelyncht und lebendig verbrannt. Eine amerikanische Knlturschande. New Park. 3. Februar.- Zn Osilla im Staate Georgia wurde ein Reger gelyncht und bei lebendigem Leibe verbrannt. Der Reger wurde beschuldigt, ein vierzehnjähriges Sind gelötet zu haben. Daraus entriß Ihn eine mehr als SOOköpfige Menschenmenge den Schutzleuten, lynchte ihn und übergoß seinen Körper mlk Benzin, das daraus angezündet wurde. Der Unglückliche ver- brannte. In keinem Land der Erde dürften derartige grausige, aller Menschlichkeit hohnsprechende Dinge unter den Augen der zur Ohn- macht verurteillen Vertreter der Staategewalt möglich sein, als in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Hundert Iahre freies Hellas. 1530- 3. Februar- 1930. Als am 3. Februar 1830 zu London die sogenannten Schutz- mächte der GUechen, England. Rußland und Frank« reich, das Protokoll unterzeichneten, das Griechenland die voll» kommen« staatliche Unabhängigkeit verbürgte, nahm die ganze zivilisierte Welt an dem Beschluß Anteil, Zwar halten dl« Griechen nicht al» erstes der christlichen Rojavöiker des Osmanenreiches die Wassen gegen Ihre Unterdrücker erhoben, aber> der nicht minder heldenhafte Freiheitskampf der Serben oop 1804 bis 1813 war an Europa ziemlich spurlos vorbeigegangen, da der Kanonendonner des napoleonsscheiz Zeitalrers das Flinten- geknatter in der Schumadija übertonte. Als dagegen 1821 die Griechen dem Großfürsten ken Gehorsam aufsagten, herrschte solcke politisch« Windstille, daß Europa sofort um so eher aufhorchte, als der Schauplatz der neuen Ereignisse die wiege der klassischen Gesittung war. Was tat's, daß sich das Blut der alten Hellenen längst mit dem slawischer, walachischer und albanischer Einwanderer vermengt hatte, was tat's, daß der von Wilhelm Müller besungene„kleine Hydriot" ein nur albanisch redender Arnaut war, all denen, die auf dem Pennal Homer gelesen hatten, erschienen die Klephten, die in den wilden Bergschluchten den Kleinkrieg gegen die osmanischen Bedränger führten, als die würdigen Erben des Leonidas und A l k i b i a d e s. Ein« Welle der Griechenbegeisterung schäumte über Europa, ähnlich der Burenbegeisterung achtzig Jahre später. Auch die kämpfenden Griechen hefteten die Blicke hossnungs- und erwartungsvoll auf Europa. Nur zu gut wußten sie, daß sie ihren Frecheitskamps aus eigene Faust nicht zum glücklichen Ende bringen konnten, denn ihr Volk war klein und arm und dos Osmanenreich ein Koloß, zwar mit tönernen Füßen, doch-in Koloß. Ihre schlimmsten Ahnungen bestätigten sich, als nach manchem bejubelten Erfolg zu Wasser und zu Land« ihre gelichteten Scharen den wohlausgerüsteten, abendländisch gedrillten Truppen des ägyptischen Vizekönigs Mehemcd Ali nicht standzuhalten ver- mochten. Im Sommer 1827. da sich nur noch in ein paar Forts ein Häuslein Unverzagter, des Schießbedarfs, des Brotes, des Geldes entbehrend, verteidigt«, schien die Sache der griechischen Freiheit verloren, falls nicht Europa half. Aber Europa mußte helfen! Leider deckte sich der Begriff Europa nicht mit dem der öffentlichen Meinung, dem des P h i l h e l l e n e n t u m s, das den Streitern auf dem Peioponnes und den Inseln durch rührig« Sammlungen ans- gebrachtes Geld und Freiwillige sandte, sondern das Europa, von dem Griechenland« Schicksal abhing, waren die Regierungen, die Machthaber, die kaltschnäuzig« Sippe der Diplomaten. Füt sie entschieden nur Gründe der hohen Staotsweisheit: daß «in kleines wertvolles Volk von asiatischen Barbaren viehisch ab- geschlachtet wurde, wog nicht das Gewicht einer Federflocke: da» zynisch« Wort Metternichs: „Jenseits unserer Ostgrenze zählen 300 000 bis 400 000 Ge- hängte. Erwürgte, Gefühlte nicht viel!" war allen aus dem Herzen, nein, aus der Herzlosigkeit ge- sprachen. Dem österreichischen Staotskanzler gelang es auch anfangs, die anderen Mächt« auf die Linie seiner oerblüfsend ein- sachen Politik festzulegen. Ihr A und O war, das legitime Europa und so das Haus Habsburg vor dem Umsturz zu bewahren, den er überall witterte. Wehe, dreimal wehe, wenn Untertanen -gegen die Obrigkeit aufstanden, jede Obrigkeit war von Gott, auch die des nichtchristlichen Sultans, und die christlichen Griechen galten darum der Wiener Staatekanzlei als freche, unbot» mäßig« Rebellen, die Züchtigung verdienten. Darum Hände weg von Griechenland! Es kostete nicht viel Schweiß, auch dem Russenzaren Alexander I. die Ueberzeugung beizubringen, daß hinter dem griechischen Aufstand die Hydro der«uro- päischen Revolution lauer«, der englische Georg l V. betrachtete gleichfalls«ine Insurrektion mit gerunzelten Brauen, und Karl X. in Frankreich spielte ohnehin 1788. Aber allgemach durchkreuzten andere politisch« Interessen die Revolutionefurcht der Mächt« und machten zum Entsetzen Metternichs den Grundjatz der Nichteinmischung zuschanden. Der neue Zar Nikolaus I. hielt, ungeachtet seiner ehrlichen Abneigung gegen die griechischen Rebellen, die Gelegenheit für günstig, die Zersetzung des Osmanenreichs, die Rußland eines Tages an den Bosporus führen mußt«, zu fördern. Dadurch wurde England auf den Plan gelockt, das ähnlich wie Oesterreich auf die U n a n t a st b a r k» i t der Türke, schwor und- um die Erhaltung seiner Handelswege im östlichen'Mittelmeer besorgt war, und Frankreich kam eine Prestigepolitik mit Ausdehnung seines Einflusses in der Levante gerade zu paß. Rur eines war nach wie vor den Großen das Gleichgültigste vom Gleichgültigen: das Los der Griechen. Auf.hrein Rücken einigten sich Petersburg, London und Paris verschiedentlich dahin, Griechenland in die üble Zwitterstellung eines tribulpstich-tigcn türkischen Vasallenstaates zu rücken, weil jeder der drei dabei seine Geschäfte machen zu können glaubte, ober am Ende war die Logik der Ereignisse zwingender als der Wille der Diplomaten. Daß die englisch-französisch-rufsisch« Flotte, nur zu friedlicher Demonstration ausgeschickt, sehr zum Aerger der betreffenden Kabinette im Oktober 1827 bei Ra va r i n o das türkifch-ägyptische Ge- schwader in Grund und Boden schoß, hatte feine Folgen: Englands Kriegsschiff«, vor Alexandria Anker werfend, überzeugten den ägyptischen Vizekönig, daß die Rückderufung seines Heeres aus Griechenland das Geratenste sei, Frankreich landete ein Expeditionskorps in Mores, und Rußland erklärte der Pforte den Krieg, der im September 1829 mit dem Frieden von Adrianopel endet«. Da die geschlagene Türkei kein« Einwände mehr wagte. haderten die drei Schutzmächte neuerdings in London über das Schicksal Griechenlands: das Leitwottv dieses Areopags von Un- fähigkeit, Schludrigkeit, Neid, Niedertracht und Selbstsucht war, entweder Hellas nicht vollkommen unabhängig oder möglichst klein werden zn lassen. Wenn denn aus diesem Hin und Her schließlich das unab- hängt ge Griechenland hervorging, so war das Gericht doch hinreichend versalzen: nicht nur wurde dem neuen Staat ein dyna- stisches Reis aus europäischem Stamm aufgepropst, damit er nur nicht zur Republik ausarte, sondern seine Grenze wurde auch so unglücklich gezogen, daß'di« Mehrzahl oller Gr.iechen mit ihrer fruchtbarsten Provinz Thessalien und mit ihrer größten Insel Kreta unter der Herrschaft des Halbmonds verblieb. Der 3. Februar 1830 brachte nicht mehr als eine halb« Lösung des griechischen Problems. War damit zugleich der erste Akt des Dramas, das Metternich„die- höllische orientalische Frage" nannte, von den Mächten höchst kläglich zu Ende gespielt, so nimmt es nicht wunder, daß aus den gleichen Ursachen am Beginn des letzten Akts desselben Dramas, anno 1919,- der Erdteil lichterloh in flammen stand. Hermsno Wendel. Preisfrage. In Rußland steht auf Plünderung sozialisierten Eigentunm. aus Sabotage oder Zerstörung kollektioiftrscher Betrieb« die T o d e s- strafe. Was steht— nach eigener kommunistischer Recht-aufsassung— darauf, wenn in Deutschland die Kommunisten Suzend- lich« aushetzen, einen Laden der Konsumgenossenschaft zu plündern?_ Dl« 39. westliche Schule. Lichtenberg, Leopoldslrahc. veranstaltet am Donnerstag, dem 6. Februar, 19 Uhr, einen Lichtbildervortrag: „Aus dem Leben unserer Schul«" Am Sonnabend, dem 9. Februar, 14 bis 19 Uhr. und Sonntag, dem 10. Februar, 10 bi« 19 Uhr, findet eine Ausstellung von Schülerarbeiten in der Turnhalle, Luck- straß» 14—16. statt. Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei. Anmeldungen zur Neueinschulung werden dort em gegcngenommen. All« Freunde der Schule werden eingeladen, ti- bezeichneten Veranstaltungen zu besuchen. ?/. Von Gustav Berlin, den 2. Januar.— Als ich heute— prachtvoller �ommertaH übrigens— auf Rellys Drängen zwei Paar Skier t rufte, sagte der Verkäufer zu mir:..Verlassen Sie sich auf einen » iten Sportsmann— in vierzehn Tagen haben wir einen Winter, einen Winter, sage ich Ihnen...l Da können Sie im Grunewald » in ehrwürdiges Brett auf den Schnee legen, daß alles nur so cirolnti!"— Das mit dem ehrwürdigen BreU ist mir unklar, aber er sagt« einwandfrei„Schnee". Nelly und Ich haben sofort drei verschiedene Skikurs« begonnen. Trockenskikurse natürlich. Darunter einen durch Radio. Vesser ist besser, denn wenn das Schneewetter lommt, muß man schon über eine gewisse Fertigkeit oerfügen. Den K. Jan.— Fünf Skillehrbücher haben wir jetzt in Atome erlesen. Wenn dos Schneetreiben einsetzt— wir sind gerüstet! Was die Theorie anbetrifft, so erklären wir uns bereit, jedem Norweger das zu sagen, was er wissen will. Den 7. Jan.— Trockenskiübungen. Den 8. Jan.— Tkockensk... usn� D e n 9. I a n.— Tr... usw.,.. usw.— Den 10., 11., 12. Track... usw. Den13. Jan.— Nichts Grundsätzliches gegen Trockenfki! Es ist ein hehrer und edler Sport. Aber, ich kann mir nicht Helsen, ein auf einem deutschen Perserteppich elegant ausgeführter Stemmbogen umerhält kompromittierend« verwandtschaftliche Beziehungen zu tollkühnen chusarenritten auf Schaukelpferden und ähnlichen Dingen. Und die großartige Poesie der Schneepflugstellung im Speisezimmer erleidet ein« kränkende Einbuße, wenn«in gerad' ins Zimmer tretender Bekannter uns vorschlägt, dazu«inen Tropenhelm aufzu- scheu Den 14. Ja n.— Trockenski...— Es muß übrigens auch einmal gesagt werden, daß der atemberaubend« Genuß einer rasen. den Talfahrt eine kleine zivilisatorische Milderung erfährt, wenn sie— die Talfahrt— auf gebohnertem Linoleum vor sich geht, mit einem märchenhaften Ausblick auf die landschaftlichen Schönheiten der Warmwasserheizung.— Wir gehen abends mst einem Christiania ins Bett und springen morgens mit einem Telemark aus den Federn. Wie gesagt— nichts gegen das Charokterbildende der Trockenfki. Übungen! Nein! Aber uns hängen sie mit gütiger Erlaubnis allmählich soweit aus dem Halse heraus, daß wir den Anfang mit bloßen Augen schon nicht mehr erkennen können.(Treffende Ve> merkung pön Nelly.) Den IS. Jan.— Trockenst... usw. Den 16. Jan.— Den Mann, der uns die Skibretter verkauft hat und vom Winter im Grunewald sprach, hob« ich heute einem befreundeten Lombenleger als Adresi« aufgegeben.— Wir tragen „Zm Namen des Volkes!" !lrauffühn»ng im Gtadtifchen Theater in Leipzig. Die Lfteratur über den Fall Sacco und Danzetti wächst. So hat setzt auch Bernhard Blume versucht, den Prozeh, der in sieben Iahriin zu einer Angelegenheit des Weltgewissens onwüchs, mit liebevoller Mühe in einen Bühnenrahmen zu pressen. Wie weit ihm dieser Versuch sonnal gelungen ist, darf besorgten Bürgern nicht den willkommenen Anlaß geben, dies Stück, das ihnen seiner Tendenz wegen unbequem ist, abzulehnen. Schon Blumes„Treibjagd" bewies(besonders in den ersten Akten) seine ausgesprochene Begabung für dos rein Theatermäßige. So ist e» ihm auch gelungen, bei den 38 Bildern seines„Im Namen des Volkes" einige mißerordentlich stark« Szenen zu schaffen. Durch eine noch stärkere Konzentrierung hätte das Drama gewonnen. Den tiefsten Eindruck hinterließen die Szenen, bei denen sich Blume äuf eine reine Reportage, auf authentische Aussagen des Prozesses beschränkte. Da- bei bleibt zu erwogen, ab. die geeignetste Form der künstlerischen� Wiedergabe dieses Martyriums der beiden italienischen Anarchisten, dos von einem Uebermah an dramatischer Handlung getragen wird. N'cht doch der epische Roman ist, wie z. B. Upton Sinclairs Schilderung„Boston". Abgesehen von diesen Erwäaungen hat sich das Leipziger Stadttheate? mit der Uraufiührung dieses Dramas große Verdienste erworben. An derselben Stelle, wo z. B. Tillers„Wandlung" uraufgeführt wurde, wurde auch Blumes„Im Namen des Volkes" zu einem Erfolg des größeren und besseren Teiles der Besucher, in denen die Darstellung des groben Justizirrtums wieder eine Welle der Empörung hervorrief. Der neue Intendant des Leipziger Theaters, Detlef Tierck, hat sich seiner Regieaufgabe mit viel Geschmack und dem nötigen Tempo entledigt. Den Mangel an eigenen Einsällen wußte er geschickt durch Anlehnung iowohl an di; Aufführunq der„Drei-Groschen-Oper" als ruch an die für derartige Fälle schon klassisch gewordenen„Der- brecheraussührung" zu verdecken. Ein gut auseinander eingestelltes Ensemblespiel trug zur Hebung der Ausführung bei. Die Rolle des Vanzetti, des geistigen Führers, war bei Peter S t a n ch i n a in guten Händen. Lina Cröstens war eine ausgezeichnete Rosino Sacco. Es bleibt zu hoffen, daß man das- Drama auch noch auf anderen deutschen Bühnen zur Aufführung bringen wird. J. M. Die neue Oper von Arnold Schönberg. Frankfurt am Main, 1. Februar. „Von heute auf morgen", dieser Einakter von Max Blonda. den Schönberg komponiert hat. ist'ein„Spiel" in des Wortes vollster Bedeutung: Der Mann, die Frau, bürgerliche Durchschnittsehe: kreuzweiscs, aber über di« ersten Ansänge nicht hinausgedeihendes Seitenspringen des Monnc« mit der Freundin der Frau. Diese spielt ihrem im Grunde genommen harmloien Manne auf einmal die mondäne Dame vor(„also noch etwas Hysterie und Phrasen: davon hat nwn ja heute genug �gelesc»") und tut so, als wenn der als hirnloser, Zitate um sich werfender Tenor sie sehr inter. kssserte. Als sie ihren Mann aui diese Art und Welse gezähmt hat, deckt die Nein« Frau reumütig ihre Karten auf und alles ist, wie es war. Das Spiel geht besinnlich aus: die Frau argumentiert: wir sind ja doch nur olle Theaterfiguren: modern oder veraltet,„das ändert sich eben von heute auf morgen" und als das Kind mit der heiklen Frage hineinplatzt:, Was sind moderne Menschen.. schließt die Oper und die Moral von der Geschicht liegt auf der Hand. Dieses Buch trägt alle Doraussetzunoen zum Pnbl'kumerfolg In sich, wenn, ja wenn nicht Schönbergs Musik wäre Der Versuch, jede Situation aus der mustkoltschen Formgebung als solcher zu erfüss-n. muß notwendigerweise scheitern weil dieses Verfahren nicht den Bedingungen des Theaters entivricht. Daran ändert auch die gebührend bewundernde Festellung der außerivdentlichen M-ister- kchast und zwingenden Logik nichts, mit der Schönberg das Gefüge Lunghanns. letzt nur noch ein dumpfes tierisches Berlangen nach jenem weißen Zeug, das man Schnee nennt. Den 17. Jan.— Hurra! Der Hotelwirt aus Oberniederhau antwortet heute auf unser« Anfrage, wir sollten kommen! Der Schnee löge bereits in der Luft. Es ist ja bekannt, daß Gebirgs- leute eine fein« Nase für sowas haben. Also auf in die herbe» männliche Schönheit des Winters, in klare eisige Luft, Sonnen. schein und knirschenden Schnee!! Sechs Tag« Urlaub.— Adieu, Trockenskill Den 18. Jan.— Endlich im Zug. Ein milder fruchtbarer Sommerregen rieselt hernieder. Nelly sagte:„Herrlich, wenn man bedenkt, daß der im Gebirge als Schnee heruntergeht!" Oberniederhau, denl 9. Jan.— Mes ist hier in froher Erwartung. Der Schnee soll jeden Augenblick eintreffen. Es leuchtet allerdings ein, daß davon eine ungeheure Menge in der Lust liegen muß, denn er kommt hier schon seit Tagen als Regen her- unter und der Vorrat ist noch immer nicht erschöpft. Ein sehr günstiges Zeichen, wie der Hotelwirt sagt! Den 29. Jan.— Der erst« Schnee!!— Spaziergänger ent- dreien ihn heute dreiviertel Wegstunden von hier in einem Erdloch. Eine ganz« M-nge, mindestens vier Eimer voll! Wir alle standen Hand in Hand drumher, Tränen in den Augen. Ein Herr aus Dresden, der einen Schneeball machen wollte, wurde fast gelyncht. Eine Anzahl energischer und unerschrockener Wintersportler hat sich sofort zusammengetan, um abwechselnd hier zu wachen. Den 21. Jan.— Heute haben wir wieder unseren Schnee besucht. Wir haben jetzt eine Zeltbahn, di« wir bei Regenwetter darüberspannen. Ein Hoteldiener muß jeden Morgen zwei Eimer voll Eis hintragen und um das Loch legen, denn«in alter und erfahrener Skifachmann, auf den man sich in diesen Dingen voll- kommen verlassen kann, sagt« uns, Schnee müsse kühl und trocken aufbewahrt werden. D e n 2 3. I a n.— Uebrigens: wie es in ollen Sachen Fanatiker gibt, so auch hierin. Ein Hotelgast, ein unangenehmer, verbissener Menjch, wollte beantragen, daß das Schneeloch behördlicherseits zum Noturschutzoebiet erklärt und gänzlich gesperrt werden solle. Unser Schnee!! Wir gaben's dem Dummkopf ordentlich. Statt dessen hoben wir jedoch unseren Schnee eingezäunt und lassen ihn gegen ein Eintrittsgeld von SO Pfennigen besichtigen. Aus dem Erlös sollen nach einstimmigem Beschluß Trockenskikurse«ingerichtet werden. Den 2 4. Jan.— Letzter Urlaubstag. Besuch beim Schnee. Weich« Abs-b'edsstlmmuny. Wie wehmütig«erden wir in dem öden schneekosen Berlin an den zarten, winterlichen Zauber hier zurück- denken... schwieriger tontrapunktsscher Gebilde ausbaut. Gewiß bewundert der Mustker zum Beispiel den geistreichen Witz, daß Mann und Frau strestenderweise Kanons„in Gegenbewegung" singen, aber wer merkt's? All' diese Dinge, gemessen am Spielcharakter des Werkes, belosten es eher, als daß sse dem unbefangenen Hörer eingehen.— Zllso, Hut ob vor den, künstlerischen Ernst und der Unbeirrbarkeit des Formwillens, die in einer mit einsamer Meisterschaft ausgebouten Partitur wirken. Könnte man mehr sagen! Die Aufführung des Frankfurter Opernhauses tat für das ungeheuer schwierige Werk das Aeußerte. Hans W i l- Helm S t«! n be r g hielt am Pulte mit fester aber' feinnerviger Hand das ausgezeichnete Ensemble von Else G e n t n e r- Fischer(Frau), Elisabeth Friedrich(Freundin), Benno Z! e g l e r(Mann), Anton Maria Topitz als Gast(Sänger) zusammen. P e r g a l e s i s„Getreuer Musikmeister" wurde zur Füllung des Abends herangezogen. Die Spielhandlung der italie- nffchen Stegreiskomödie ergab trotz des zeillichen und stilistischen Unterschiedes eine gemeinsame Darstellungsebene, die in der Auf- iührung mit Clara Ebers, Hermann Schramm und Adolf Permann erfolgreich beschritten wurde.— Beiden Werken gaben Lssdwig Sieverts Bühnenbilder den entsprechenden Rahmen.— Schönberg konnte sich für den Beifall mehrfach vev- neigen, allerdings mengten ssch einzelne Pfiffe hinein. Ldimiecker. Gemiers Rücktritt. Der Direktor des staatlichen Odeontheaters, Firmin Gcmier, ist von seinem Posten zurückgetreten. Die Leitung des Theaters übermmmt sein bisheriger Mitarbeiter Ab ram. Gemier hat sich durch die Gründung des Internationalen Thealers«inen Namen gemacht, durch das er die Wlkerversöh- ming und namentlich die deutsch-französssch« Verständigung fördern. wollte. Er war einer der ersten Charakterdarsteller der französischen zeitgenössischen Bühne und hat noch vor einigen Tagen in Lenor- niairts„Simoune" im Theater Pigalle einen unbestritten großen Erfolg erzielt. Sein Rücktritt wird veranlaßt durch«ine schwere Krankheit, die ihn einige Monate an der Ausübung seines künstle- rischen Berufes verhindert hat. Das Museum in der Basilika. In der außerhalb der Stadtmauern Roms gelegenen Basilika des heiligen Sebastian, in der auch die Gebeine des Märtyrers bei- gesetzt sind, wurde am Fest des Heiligen ein Museum eröffnet, in dem die bemerkenswerten archäologischen Funde aus den Katakomben der Kirche oereint sind. Sie stammen zun, großen Teil aus den Ausgrabungen unterhalb der Basilika, wo auch dw Leichen der Apostel Peter und Paul in der Zeit der Verfolgung vorübergehend beigesetzt worden waren. Die Basilika wurde, durch starke Zement- träger gestützt, um die Ausgrabungen in den Koiakomben ausführen zu könne». In der Ties« stieß man aus die Uebcrreste«eines all- römischen Hauses mit unversehrten Innenräumcn und wohlerhaltenen Freskobildern, die noch die Wände schmücken. Die aufgefundenen Reliquien bestehen hauptsächlich aus Tafeln aus Marmor und anderen Steinarten. Die eine trägt di« Grabschrift eines Schau- spielers namens Vitale und berichtet in gut lesbarer lateinischer Schrift, daß es ihm gegeben gewesen sei, dos Publikum lochen und weinen zu machen, und daß er auch keinen Anstand genommen höbe, Frauenrollen zu verkörpern. Er scheint überdies ein„Prominenter" gewesen zu sein, denn wir erfahren aus seiner Grabschrist, daß er genug Geld sparen konnte, um sich eine Vlllo auf dem Land« zu bauen. Man sieht ferner einig« schön geschnitzt« Sarkophage neben Vasen, Lampen, Ohrringen und anderen Schmuckstücken Münzen und Bildern. Unter diesen lenkt besonders ein Freskobild die Auf- merksamkeit auf sich, das aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung stammen dürste. Merkwürdig ist es besonders deshalb, well es ein« Stadt aus der Logelperspektio« zeigt. Spräche nicht das Alter dagegen, so möchte man das Wld für«ine kolorierte Photographie halten, die vom Bord eines Flugzeuges aufgenommen worden ist. Die Ausgrabungen und die Aufstellung oer Fundstücke aus dem allen Rom erfolgten durch die päpstliche archäologisch« Kommission._ Wie Lenin von Banditen ausgeplündert wurde. Anläßlich der Wiederkehr des Todestages Lenins veröfsentlicht seine Schwester in einer Moskauer Zeitung ihr« Erinnerungen an eine unbekannte Episode aus dem Leben ihres Bruders. Im Winter 1918/19 erkrankte Lenins Frau Krupskaja und mußt« in einem Sanatorium in der Näh« der Hauptstadt untergebracht werden. Lenin fuhr gewöhnlich in einem Auto, von seiner Schwester begleitet, ins Sanatorium. Am 19. Januar 1919 sollte im Sanatorium ein Weihnachtsbaum für die Kinder angezündet werden. Damals gall der Weihnachtebaum noch nicht als konterrevolutionär: sogar Lenin sollte bei der Feier erscheinen. Als das Auto, in dem der Direktor mit seiner Sch»ester saß, durch den Park von Sokolniti fuhr, er- tönten plötzlich aus dem Dickicht schrille Pfiff« und Hallrufe.„Wir dachten, eine Abteilung Mlliz wolle uns vorschriftsmäßig ton- trollieren". schreibt Lenins Schwester,„und befahlen dem Chauffeur, zu Hollen. Im selben Augenblick stürzten drei bewaffnete Männer auf dos Auto und zerrten uns heraus. Sie fingen an, Lenins Taschen zu durchsuchen, indem sie ihm«inen Revolver vorhielten. „Ich heiße Lenin", sagte der Diktator. Ein blonder Hüne schien auf diese Worte gar nicht zu achten.„Das Ist doch Genosse Lenin", rief ich den Banditen zu.„wer seid ihr denn, zeigt eure Papiere!"— „Straßenröuber brauchen keine Papiere", erwiderte der Hüne zynisch.„Wir handeln übrigens nach dem Vorbild Lenins, der ja auch alle ausgeplündert hat." Die Banditen säuberten die Taschen meines Bruders, nahmen ihm die Uhr fort und waren mit unserem Auw aus und davon. Eine Minute standen wir wie versteinert, brachen aber bald darauf in lautes Gelächter aus, als wir sahen, daß unser Chauffeur die Geistesgegenwart gehobt hatte, die Flasche Milch, die wir der kranken Frau Lenins hatten bringen wollen, noch rechtzeitig zu retten. Der Chauffeur erklärte, daß er nicht geschossen bob«, weil das ein« allgemeine Schießerei zur Folge gehabt hätte. Wir gingen dann zu Fuß zum Sanatorium. Am Abend fand man unser Auto in einer Moskauer Vorstadt, wo es im Sckne« steckengeblieben war. Da- neben lagen die Leichen zweier Milizionäre. Es stellt« sich dann heraus, daß die Banditen im Lauf« des Tages bei Ueberfällen auf Läden und Passanten zweiundzwanzig Milizionäre erschossen hotten. Sie wurden emdeckt und vor Gericht gestellt. Während des Pro- zesses, der mit einer Verurteilung der Banditen zum Tod« endete. erklärte der Führer der Räuber,«in gewisser Jakob Koschelkow, n.it( großem Stolz:„Ich habe Lenin das Leben geschenkt, was kann man noch mehr von mir verlangen?" Merkwürdigerweise ist diese Episode in keiner der zahlreichen und ausführlichen Biographien Lenins entHallen._ B'rlrf'fiirttti«. In der.KonzertrimdlSau vom Tonnodenb ist der Name des gomvoniben. dessen Lieder, ykluS.Die Bremer Stadt- Musikanten" besprochen wurde, ungenannt geblieben. ES ist MarkLotbar. Der rolteckor�Larmonie" CharloNevdnrg. oibt am 9.. 16'/, Udr. ein Konzeit tCdöre auS der Zeit der Nomantsserl im tlonzertlaal der Staat- lichen Mnfik-Hochschnle. Eintiitt einschl. Textbuch 1 Ml. an der Kasse, Kein Volksentscheid/ kein Weihnachten! Wie ein ostpreußischer Zypser Wahlbeeinslusiung treibt. Die Deutschnationalen haben Im Preußischen Landtag einen Untersuchungsausschuß durchgesetzt, der nachprüfen soll, ob beim Hugenbergschen Vollsbegehren aus d-ie Beamten«in unzulässiger Druck ausgeübt worden ist. Vielleicht beschäftigt sich dieser Ausschuß auch mit dem nachstehenden Briefwechsel, der in den„Pommerschen Blättern" vom 29. Februar abgedruckt ist: Großjannewitz, den IS. Dezember 1929. Sehr geehrter Herr Marten! Von dem Ausfall des Volksentscheids will ich es abhängig machen, ob die , Puggerschomer Schulkinder beschert werden oder nicht. Ich bitte entsprechenden Bescheid zu geben. Hochachtungsvoll Graf Ost e n. Herrn Lehrer Marten. Sehr geehrter Herr Gras! Ich muß annehmen, daß ich den von Ihnen angeregten Bescheid den Schulkindern und dadurch den Eltern zukommen lassen sollte. Diese Wahlbeein- s l u s s u n g lehne ich ob. Meine Wcihnachtsseicr in der Schule ist am legten Schullage. Hochachtungsvoll Marten. Großjätznewitz, den 17. Dezember 1929. Sehr geehrter Herr Marten! Bei meinem Schreiben vom IS. Dezember hatte ich aller- dings damit gerechnet, daß Sie den Schulki�iern und dadurch deren Eltern den Grund für den Ausfall der Weihnachtsbescherung mitteilen. Wenn überhaupt von einer Wahlbeeinslusiung die Rede sein kann, so würde d es« ja lediglich von mir und nicht von Ihnen ausgehen, da ich ja nicht anders dachte, als daß Sie in meinem Namen den Kindern vor stehende Mitteilung machen möchten. Der Volksentscheid ist auch keine Handlung im Sinne einer regelrechten politischen Wahl. Der Volksentscheid hat mit Politik nicht d.a s ge» ringst« zu tun(1), sondern ihm zur Durchführung zu ver- Helsen ist Sache jedes«chten Deutschen. In keinem anderen Lande wäre es möglich, daß eine Regieruna im Lande mit den Feinden gegen das eigen« Volk arbeitet.(!!) Wer den Volksentscheid ablehnt und!ie viel- leicht nie wiederkehrende Geleoenheit. unserem armen Volke e nen wirksamen Dienst zu erweisen, v�ibergeken läßt, ist ein Vaterlandsverräter. Aus Ki>'m Gesichtspunkte heraus können Sie es mir nickst verübeln, wenn ich derartigen Leuten gegenüber oder deren Kindern jedes Geschenk versage. Ich kann m'ch nur mit Kindern von Eltern unter einen Wny- nachtsbaum stellen, die deutsch denken, fühlen und bandeem Wenn die Kinder und deren Eltern nicht durch dingungen erfahren jossen, unter denen ich mit ihnen Weihnachten feiere, dann muß ich Herrn Thomas bitten, dies zu tu». Hochachtungsvoll Graf Osten� Da sich an Hugenbergs Volksbegehren gerade 19 Prozent, an seinem Volksentscheid 13 Prozent der Bevölkerung beteiligt hab-n, so bellehen 87 Prozent der deutschen Bevölkerung, der Reichspräff- dent Hindenburg an der Spitze, aus Landesverrätern, mit denen sich Graf Osten zusammen nicht unter einen Weihnachtsbaum stellen kann. Es wä"« übrigens sehr interessant, was woM cn,f'qt,en würde, wenn ei-- er der von dem Grafen O�sn Veffchinipste ten gegen ihn die Beleidigungsklage anstrenge! Un8 was meint die Staatsanwaltschaft zu der Beschimpfung der Reichs» regierung? N-raaiwoiU.'vr dst-e-dottion: Ssttsan« sa»»»r». B-rlin:»v. vl-a- Berlin. Bcrlu-u?cr®ötij Berlaa CV in b 6. Brrlm Druck: Bannatts Vuck. btuckftti und Berlaasanlialt Pe st Sinner fr oe Berlin effl 68. Linpenftrah» 3 Hierzu 1 BeUwe. dSefloge Montag. 3. Febi uar 1930 SivÄbmd �hnlnuianS* An Iwuhacv Werfiarbeiier an der ArheM Sin SSÜd aus dtamburg Die ersten �ochbahnzgg« fahren in die Station �Lanidungs- brücken� ein- Omnibusse und Straßenbahnen kommen. Sie alle bringen Arbeiter. Werftarbeiter. Schlag aus Schlag geht es setzt. Zweiminutenoertehr. Wo eben noch absolute Leere war, hasten jetzt Tausende von Arbeitern und Arbeiters/inen durch das Hamburger„Sauwetter". Kragen hochgeschlagen, Hände in den Hosentaschen. Unter den Arm geklemmt oder an einem Band über die SchUilter geworsen: Kassee-.Buddel". ein kleiner Topf Mittrg- essen und in der Rocktasche das Vesperbrot. Jungen, eben aus der Schule, und Greise, die sich mit aller Gewalt gegen die Windstärke 9 stemmen müssen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Breite, vier- fchrötig« Nieter und Bohrer und fixe„Hamburger Deerns". Der Wind bläst ihnen in die Röcke, daß sie alle«inen Pompodourhintcrn haben. Alle, alle gehen sie in einer Richtung. Zum Elbtunnel oder zur Fähre. Vor den Tunneleingängen und Brücken zur Fähre stauen sich die Menschen. Auf und nieder sausen die Tunnelfahr- st ü h l e. Schlucken ganze Autos, Pferde urch Wagen. Und Men- scheu gleich drei Dutzend auf einmal. Unten an den F ä h r e n p o n- t o n s schlittert eine Fähr« nach der anderen heran, frißt Werstarbei- ter, schichtet und stapelt durchgeregnet« Menschen aus sich und in sich. bis der letzt« Passagier sein linkes Bein absolut nicht mehr zu lasten weiß und es einfach über die Reeling hängt Ein Glockensignal, der Schiffsjunge wirft die Haltetaue los und springt im letzten Augen- dick noch aus die Fähre, oder vielmehr auf die Menschenleiber. Ein« Fahrt auf einer Fähre im Hamourger»)asen bei Windstärke 9 lehrt Beten— oder Fluchen, je nach Temperament. Der Binnenländer möge sich eine wegen ihrer Lebensgefährlichkeit polizeilich verboten« Berg- und Talbahn vorstellen, wo einige Dutzend Männer nur zu dem Zweck angestellt sind, den Passagieren unaufhörlich und m't mathematischer Genauigkeit möglichst große Kübel mit eiskaltem Wasser direkt ins Gesicht zu gießen. Dann hat er einen ungefähren Begriff von einer Sturmfahrt auf einer Hafenfähre. Nach einigen zwanzig Minuten kommen die Anlegepontons der Dulkanwerftin Sicht In der kompakten Masse Mensch schiebt, drängt, pufft und knufft es. Jeder will zuerst an Land, unter D'ch kommen. Noch ist die Fähre einen Meter vom Ponton ab. Der Schiffssunge steht mit dem Haltetau sprungbereit Die„Nase" der Fähre schrammt langsam am Ponton entlang. Schon geht es los. Die verdammten Jungs können die Zest nicht abwarten. Ein kühner Sprung über den meterbreiten Spalt zwischen Ponton und schaukeln- der Fähre. Neunundneunzigmal gelingt der Sprung. Beim hundert» sten gleitet der Bengel aus, fällt ins Wasser, und die Fähre quetscht den zappelnden Körper an den Ponton. Quetscht und quetscht und die Maschine rast aus„Volldampf zurück". Und dann fischen sie etwas aus dem rotgefärhten Wasser, was vor kurzem noch ein leben- der Mensch von achtzehn oder neunzehn Iahren war. Es kann aber auch anders kommen. Der„Sog" der Fähre oder des Pontons holt sich— unter Wasser— den Jungen. Er erstickt und muß vom Pon- ton oder dem Schifssboden abgeklaubt werden wie«ine Pfahl- muschel. An die Arbeit! Ein elendes bleischweres Taglicht kriecht herauf, langsam. Man weiß nicht, ist es nun schon„hell" oder soll es erst Tag werden. Der Strom der Arbeiter hastet vorwärts. Jetzt ist das Tor der Werft erreicht. Die Menschen stauen sich, sortieren sich, werden zu einer Nummer. Wohl ein Dutzend Holzhäuschen nebeneinander, getrennt durch je ein Drehkreuz. An jedem Häuschen Nummern: 1— 1000, 1000—2000, 2000— 3000, und so fort, bis über 10 000. Jeder auf der Werft Beschäftigte hat„seine" Nummer,„sein" Häus- chen, wo er„seine" Ausweisblechmarke bekommt,„sein" Drehkreuz, durch das er zu gehen hat, morgens und abeirds. Weiter: zur Gar- derobenhalle. Zehn Minuten noch bis Arbeitebeginn. Noch ist Feiertagsruhe. Selbst die Nachtschichten haben schon halbwegs Feierabend gemacht. Zehn Minuten, dann, fast mit einem gewal- tigen Schlag, springt dich der Lärm an. lieber dicht bei dicht liegende Gleise der Werftbahnen, an Maschinenhallen, ganzen Schup- pen- und Gebäudekomptexen. weiten Kohlenhalden, unermeßlichen Lägern von Eisen und Stahl, von der Schraubenmutter bis zur Panzerplatt« und haushohen Eisenträgern vorbei geht es zu den Umkleideräumen. Jeder Arbeiter, jede Nummer hat«inen Kleider- f p i n d. Runter mit den durchnäßten Brocken. Für Momente tauchen nackte Männcrbrüste aus den Spindreihen, dann gleitet dos trockene Arbeitshemd über die Leiber. Die Arbeitshosc und-jacke folgen. Ein kräftiger Schluck aus der Kasfee-„Bubdel". Eben m II man seinen Spind nachbar begrüßen, da haut einem die Werst- s i r e n e das Wort vom Munde. Arbeitsbeginn. Aus den Garderobehallen strömen die Arbeiter: zur Werkzeugausgabe, in die Montagehallen, auf die Schiffe, In die Docks, in die Hclligen, in die Werkstätten. Und jetzt, Neuling, wenn du mit mir reden willst� wenn du mir vielleicht erzählen willst, daß du mit der kleinen Blonden aus der Kantine einen netten Abend verlebt hast, form« beide Hände zum Sprachrohr und brülle es mir ins Ohr. Was hast du geflüstert? Ich habe nichts verstanden. Spar« die armselig« Kraft deiner Stimm« bis zur Mittagspause. Jetzt regiert der Lärm. Preßlufthämmer jagen weißglühende Nieten Ins Eisen. Bohrer fressen sich brüllend in stählern« Schiffsplatten. Elektrizität. Dampf und hydraulische Krast werden losgelassen auf dröhnendes Eisen. Zersägt, zerteilt und formt e, nach des Mannes Willen, der auf einen Knopf drückt oder einen Hebel einstellt. Lokomotiven kreischen in den Kurven, strömen Dampf aus, pfeifen gellend. 5>of- kolonnen transportieren Eisenplatten, Wersen sie aus einen Stap'l. Zyklopen schwingen Vorschlaghämmer, lassen sie nicdersausen auf das Arbeitsstück auf dem Amboß. Lärm. Lärm um der Sache willen, die später einmal Schiff oder Lokomotive oder Maschine heißen soll. Seim Schiffsbau S ch i f f s n e u b a u. Er hat bereits die Helligen, das Dock, ver- lassen und schwimmt. Aber fertig, fahrbereit sst-das Schiff noch lange nicht. Di« ganze Inneneinrichtung, die ganzen Maschinenanlagen und Deckaufbaulcn fehlen noch. An der Kaimauer ist der Neu- hau festgemacht. Ein riesiges rostbraunes und mennigerotes, ganz und gar unfertiges Baby. Bon der Kaimauer führen Laufplanken on.D.'ck. Werftpol zei, Feuerwehrleute, kontrollieren die Blechmar- ken. Chaos in höchstex Vollendung umbrondet dich bereits an Deck. Wie soll es erst unten'werden? Riesenkrane und Winden. Menschen» und Dampfkraft schleppen, hieven und fahren ununter- brachen. Eisen und Stahl an Deck, aller Ausmaß«, aller Formen. Gewimmel arbeitender Menschen. Sie hocken aus dem eisernen D.ck und bohren Löcher und thronen auf wackligen Stellagen hoch oben» wo ein Holzgerüst die spätere Cisenkonstrukt on anzeigt. Fau- chend« Preßluft und brausende Elektrizität bohrt und nietet.„Näht" die Platten zusammen. Schneidebrenner zer- teilen Eisenträger und Platten von Zentimeterdick«. Und über allem der Mensch. Er befiehlt dem Riesenkran, tausend Zentner zu heben. Er„spielt" mit Preßluft- und Dampfatmosphären. Er„näht" mit Startstrom Panzerplatten und befiehlt dem Sauerstoff, die Platten zu zerschneiden. Nach unten geht es. In den„R a u m", in den Schiffs- bauch, den Bauch, dem die Eingewerde noch fehlen. Ein riesiges rechteckiges Loch im Deck, notdürftig durch ein paar Holzlatten ein- gefriedet. Auf einer Holzletter geht es in die Tiefe. Leiter reiht sich unter Leiter. Station folgt auf Station. Ueberall arbeiten Msn- schen. Bohren, nieten, schweißen, brennen, bauen l)olzstellag«n und transportieren mühselig, kriechend und rutschend, Material. E l« t» trische„Sonnen" erleuchten das nähere Arbeitsfeld tagh.ll, das andere liegt im Halbdunkel. Roch tiefer geht es. Wir sind bereits unter den Räumen, die die Maschinen ausnehmen sollen. Die Luft wird schlechter und schlechter. Schneidebrennerundoffene Kohlenseuer zum„Kochen" der Nieten vergiften jeden Atemzug. Eng wird es, sehr eng. Wo sind wir? Im „Well e n t u n n e l". kaum meterhoch. Mann kauert neben Mann. In halbvergifteter Luft, im Höllenlärm. Die Sprache des Mundes ist hier abgeschafft, zwecklos. Gesten, Blicke und die Hand in Hand Arbeitenden verstehen sich. In einem nur einen halben Meter hohen Kanal soll gebohrt und genietet werden. Wiz soll da ein Mensch hineinkommen? Auf dem Rücken liegend, Ge> ficht und Hände mit dicken Lappen umwickelt, nur die mit Schutzorille versehenen Augen bleiben frei. wird einBohrermitseinerelektrischenHand- bohrmaschine in den Kanal geschoben. Wie ein Brot in den Backofen. Direkt über sich, wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt, soll der Mann Nietlöcher bohren,„aufreiben". Die Maschine ruckt an, bohrt. Glühende Bohrspäne sal- len auf den Bohrer, durchfressen die dicken Lappen und verbrennen die Haut. Nach einigen Minuten wird der Mann aus dem Backofen gezogen. Schweißtriefend, erschöpft. Ein anderer läßt sich hineinschieben. Tiefer geht es. Wir sind auf dem Grund des Schiffes. Einige Zentimeter unter uns ist die Elbe. Aber auch hier ist es schon recht feucht. Das„B I l s ch"-W asser geht bis an dic Knöchel. Der ganze Schiffsboden ist eingetellt in Kammern, die. jede für sich, durch Schotten wasserdicht verschließbar sind. Tritt an irgendeiner Stell« des Bodens ein Leck ein, bedarf es nur einer Meldung: Leck ln Kammer Ättmmer soundso. Und die Kammer wird durch einen Handgriff vom übrigen Schiff wasserdicht abgeriegelt. Schmal«, niedrige Gänge, links und rechts Kammer neben Kammer, unter sich durch rund«„Mannlöcher" miteinander verbunden. Halt! Weiter geht es nicht, die Schotten sind geschlossen. Nach dem Be uch. Nach oben. Es wird auch Zeit. Im Kops summt und brummt es, vor den Augen tanzen Feuerräder. Kalter Schweiß bricht aus, die Knie zittern. Luft, frische Luft. Klettern.' Endlich, die letzte Leiter. Wir sind wieder an Deck. Der Regen hat aufgehört. Auch der Sturm hat sich gelegt. Ab und zu brechen Sonnenstrahlen aus den jagenden Wolken. Da— die W e r f t s i r« n«: Mittag. Aus dem Schifjsbauch kommen hungrig« Menschen. Sie kneifen di« Augen zusammen vor dem Taglicht. Dann aber nehmen si« die Beine in die Hand und trudeln in die Speisehalle. Es g.bt Erbsen mft Speck. �Villem. Skandal in Xondon 3)08 Ende eines Glücksritters der 3£ocfifliiatt£ „E l a r e n c« Charles Hatry, Sie sind nach Ihrem eigenen Geständnis der abscheulichsten Betrügereien schuldig, die jemals die Handelsehre Großbritanniens besteckt haben." Mit diesen Worten des Richters Avory vor dem Old-Bailey-Gericht in London siel der Borhang über ein« der dramatischsten Episoden in der Ge- schichte des Finanzkapitals. Es ist«jne Geschichte von der Hinter- treppe des stolzen Gebäudes der Hochfinanz, mit Kinoeffekten, melo- dramatischen Weinszenen, großartigen Gesten und jämmerlichen Zusammenbrüchen. Die Verurteilten haben ihre Strafe angetreten. Aber auf der Anklagebank saß neben dem Spieler Hatry und seinen drei armseligen Helfershelfern ein ganzes System. Clarence Charles Hatry begann seine Karriere, die ihn in schwindelhafte Höhen und von dort in steilem Abstieg ins Gefängnis führen jollt«, vor zwei Jahrzehnten als«in kleiner Im- p o r t e u r von Materialien für Zylinderhüte Mit 21 Iahren machte er bankrott— es war die erste einer Reihe von Insolvenzen, die. seltsam genug, dic Sprossen seiner Leiter zu Geld, Ansehen und Macht bilden sollten. Der Spieler und Spekulant war nunmehr in Clarence Hatry erwacht. Noch hatte er kaum liquidiert, so schwamm er ichon wieder oben. Das neue Abenteuer ist bezeichnend, wenn es auch nur ein kleines, armes Vorspiel für die kommenden Er- eigniss« darstellen sollte. Hatry hatte erfahren, daß gewisse bäuerliche Auswanderer aue dem Osten Europas vor ihrer Abreise all ihr Hab und Gut verkauften, um nur zu oft, von den Einwanderungsbehörden in der neuen Welt zurückgewiesen, der bittersten Armut ausgeliefert zu sein. Hatrys warmes Herz war gerührt. Er versicherte die Auswanderer gegen ihr Risiko und rechnete ihnen 1054 Mark als Zuschlag zur Schisfskarte auf. Gleichzeitig ging er selbst eine Rückversicherung ein, die hn pro Person 1 Mark kostete. 954 Mark strich er, ohne jede Gefahr, bei jedem Versicherten ein. Di« Unternehmung blühte, in Rußland, Spanien und Italien wurden Tochtergesellschaften gegründet. Hatry hatte während weniger Zahle eine halbe Million Mark verdsenl. Da kam der Krieg. Die Auswanderung brach ab, dos Unter- nehmen krachte zusammen. Mit einer großen, weithin sichtbaren Geste zahlt« Hatry den Aktionären großmütig die Hälft« ihres Kapitals zurück, obwohl gesetzlich keinerlei Verpflichtung hierzu vorlag. Er wußte, warum. Dies Geschäft war nur«in Anfang und es galt, die Mitwelt von der eigenen Korrektheit und geschäftlichen„Smart neß" zu überzeugen. Der Appettt kommt beim Essen, sagt ein französisches Sprichwort. Hatrys Appetit war inzwischen ins Gigantisch« gewachsen WEr war nicht mehr der Spieler nur,— sein persönlicher Ehrgeiz. sein Geltungstrieb, wie die Psychologen es nennen, seine Eitel- lest waren mvZeheuer geworden. Der Krieg gab ihm ein neues Stichwort. War ein Großteil des Rückoersicherungsgeschäftcs nicht bisher von deutschen und österreichischen Firmen besorgt worden? Nichts naheligendcr als der Gedanke, sich die einzigartige Chance zunutze zu machen und sich'die �finanzielle Kontroll« einer altangesehenen britischen Berstcherungs- Gesellschaft zu sichern. Der lllorfall selbst ist wie«in Akt aus einem Senfationssllm: Hatry trifft einen Freund in Uniform, der ein« Option auf die CLy Equitable besitzt. Der Freund muß ins Feld und überläßt Hatry für die Kleinigkeit von 100 000 Mark diese Option, es fehlen nur noch die 15� Millionen für den Kauf der Anteile selbst.' Hatry läuft von Pontius zu Pilatus: niemand hat Geld. Da erhält er eine Empfehlung on einen lSoumwoll- Magnaten in Manchester, stürzt sich in den Zug. überredet seinen neuen Bekannten, fährt nachts nach London zurück, rast auf die Bank, kassiert seinen Scheck, stopft die Wt Millionen in Banknoten m seine Altenlasche und bei ritt das Zimmer des Rechtsanwalts der City Equitalbe ein paar Minuten vor Ablauf der Optton. Nach sechs Monaten hat er seinen Auteil an der Bant mit einem Gewinn von annähernd 4 Millionen Mark verkauft. Kurze Zeit später bricht die Gesellschast unter Riesenoerluste«. für die Gläubiger in sich zusammen. Run gründet Hatry Kompagnie aus Kompagnie, darunter die Commercial Corporation. Die Gesell- schaften machen in der Zeit der Rächkriegsdeslation, eine nach der anderen.!Sankrott. Darunter auch sein Augapfel, die Commercial Corporation. Hatry legte 154 Millionen Mark aus eigener Tasche zu Befriedigung der Gläubiger auf den Tisch. Alles schien verloren, außer die Ehr«. Die hatte er auf theatralische Weise nach außen durch sein persönliches Opfer gerettet. Hatry schien abgetan. Die City mißtraute ihm. trotz seiner großzügigen Liquidierungen. Er war ein Abenteurer in einer Uni- wett bequem und solid gewordener Kapitalisten. Seine Karriere. so glaubte man, war zu Ende. Aber Hatry war nicht der Mann, das Spiel verloren zu geben. Sein neuer Wiederaufstieg setzte alles frühere in den Schatten. Cr gründete neue Gesellschaften, wurde zu einer Großmacht im Tuchhandel und schickte sich eben an, mit der Bildung eines riesigen S t a h l k a r t e l l s die Kontrolle in einer der Schlüsselindustrien Großbritanniens an sich zn reißen. Da begann es im Gebälk zu krachen. Seine Gesellschaften und Iitteresscn waren hundertfältig, unübersehbar ineinander ver- schachtelt. Es gelang, hier dos Geld zu nehmen, um dort«iü Loch zu stopfen. Di« Risse wurden immer größer, dos Spiel immer verwegener. Bis schließlich kein anderer Ausweg mehr offen schien. als Betrug und Fälschung. Die Panik auf der Böff« setzte ein und mit einem, in der Geschichte der britischen Finanz einzig dastehenden Krach stürzte die ganze, auf der Spitze stehende Pyramide in sich zusammen, tausende von Kommunen, kleinen 2lktionör«n und Firmen mst sich reißend. Der Monsterprozeß, der mit der 14jährigen Verurteilung Hatrys endete, war nur das Nachspiel und vorläufige Ende. Es kann nicht geleugnet werden, daß dieser Hatry aus einem Stück gemacht ist: nicht minder größenwahnsinnig als seine gelchäsi- lichen Transaktionen war der Stil seines privaten Lebens. Hatry hotte neben seinem. Landhaus, seiner Jacht und seinen Renn! st allen einen Stadtpalast. der in seiner bombastischen Pracht an Hollywoods paroenühaftesten Träume«rinnen«. Seine Freunde von gestern erzählen von dem orientalischen Pomp seiner Empfänge� von- dem marmorenen Luxusschwimmbad, das er in feinem Haufe zu seiner und seiner Gäste Erlustigung ein- gebaut hatte.„Auf dem Grund seines Schwimmbades," so bcrichiet einer derjenigen, die seine Gastfreundschaft genossen haben,„waren lange Reihen farbiger Lichter angebracht. Wurden sie angedreht, so hatte man das Gefühl, nicht im Wasser, sondern in einem regenbogenfarbigen Likör zu schwimmen." Die Vutgariiöt des Geldes hotte bei diesem Hasardeur des Daseins offenbar einen Gipfel erreicht, on dem gemessen olle Erinnerungen an die Daliitaichieiier und Jnflationsgewinnler unserer eigenen Nach- kriegszeit ins Nichts versinken. Neben einem Hatry werden sie alle zu armseligen, phantasielosen Stümpern. Und Stinncs gar wird, mft ihm verglichen, zur Inkarnation eines moralischen Prinzips. Hatry sitzt heute im Kerker. Darf man den Berichten der Zeftungen trauen, so wäscht er jeden Tag selbst seine Zelle und muß jeden anderen Tag auf Fleisch verzichten. Sein Sturz ist, gemessen on seinem Gestern, gewiß tief genug. Aber Hundert- � tausende fragen sich, ob mft diesem einen Hatry im Kerker wirklich das Uebel gebannt und ob nicht rief, ganz rief, etwas faul sei im Staate der Hochfinanz. Man ist skeptisch geworden Man weiß: derselbe Mann mft den' selben Anlagen und Grundiätzen, mft den selben Gcschäftsmethoden und Praktiken säße vielleicht morgen als Peer von England im Hause der Lords, wem,, ja wenn er zuletzt statt Pech ein wenig Glück gehabt hätte.. Egon Wenheimer, London. (19. Forts«tzung.) �/allilchwergewicht", mischt« sich Tom ein...Wird mal schwer." .Wird hoffentlich. nicht so wert kommen." Mary stand plötzlich in der Tür.„Ich bitte, zum Essen." Tom aber war glücklich. Er fühlte hier zum ersten Mal« einen Widerstand, gegen den er sich mochtlos vorkam. Dieses blond« zier- l�che Mädchen erregte ihn immer stärker. Ihr unbewußtes Sich- neigen, ihr jähes Erwachen und ihr Sprödewerden erzeugte eine wochseude Gier in dem starken Burschen. Wäre ihm Mary Zuge- fallen wie die anderen all«, er hätte in einer Woche nicht mehr an sie gedacht. Dabei fühlte er instinktiv, daß sie sich an ihm ent- zündet hatte. Aber warum schimpfte sie so auf das Boren? Warum anchrte sie sich? Um dieses langen Jungen wegen? Genierte sie sich? Tom dachte mit gesenktem Kopf darüber nach. Ihre helle Stimme weckte ihn.„Sie esien ja nicht? Schmeckts nicht, Herr Matthes?" „Ich glaube, ich bin abgespannt", murmelte er knurrtg. Peter lacht« ahnungslos auf.„Wollen wir das Kind füttern?" „Fein— das tu ich gern", ging sie darauf ein. Sie schnitt die belegten Brotscheiben in mundgerechte Bisten und schob einen nach dem anderen in Toms Mund. Ihre warmen Finger streiften vaoei seine Haut und eine Wog« schwerer Begehrlichkeit durchrann ihn. Seine Augen weiteten sich. Plötzlich schnappt« er zu und hielt Mit seinen gesunden weißen Zähnen diese feinen zerbrechlichen Zfinper fest. Mary würde jäh rot und riß mit einer unwilligen Gebärd« ihre Hand fort. „Böse?" bettelte er wie ein Junge.„Hat's weh getan? Ich war ein bißchen zu happig, was?" Sie lachte oerlegen auf und schob ihm den Teller zu.„Sie sind mir zu eifrig, esten Sie lieber selbst." In ihrer Stimme war«in leichtes Dibrieren. Kräpplt saß am Tisch und aß eifrig. Dabei beobachtete er ganz genau, was vorging. Er ärgerte sich sehr, daß Tom eine Liebelei begann, die er nicht inszeniert hatte. Es war auch eine Art Eifer- sucht, daß sich Tom nicht ausschließlich mit ihm abgab. Alle Liebes- obenteu«r hatte er bisher gemeinsam mit Tom erlebt und jetzt war er gewistermoßen kaltgestellt. Sein Kopf schmiedete deshalb Pläne, wie er die beiden trennen konnte. Er wußte nicht, ob es ratsam war, Tom in den Arm zu fallen. Vielleicht durchschaute der Boxer ihn dann— und er wußte von der Affäre Marder her, wie empfind- � lich Tom gegen Einmischungen sein konnte. Lahmlegen wollte er i sich auf keinen Fall lassen. Ob er Peter...? Es war wohl zweck- � los. Der Junge war nicht der Kerl, einem Motthes«in Weib abzi-jagen. Vor Wut verschluckt« Kräppli sich beinah« an einem großen Happen. Als er mit dem Ellen fertig war, kam ihm ein Gedanke. So muhte es gehen. Der Plan war sicher nicht schlecht. S. Kapitel. Eine überraschende Verlobung. Kräppli intrigi«rt. Am nächsten Morgen kl«id«te er Tom in d«r gewohnten Weise an. Er rannte los, um ein Auto zu finden, das den verwöhnten Ansprüchen des Borers genügen sollte. Als Tom mit einer einlotenden Gebärde sagte:„Na, Fußball. immer rin in's Vergnügen", blieb er mit einem Achselzucken stehen. „Du. Tom, sei mir nicht böse, aber ich komme lieber nach." „Ausgeschlossen, wer soll denn einholen?" bremste der Meister auf „Na, das könnte der'Peter auch mal besorgen. Ob der I«me dämlichen Peter silienbcete ein« Stunde eher oder später gießt, is doch nicht so wichtig. Ich habe noch was vor!" „Was denn?" .Meine Frau wollte mich anrufen,'ne Sache mit'n Prinzen. Ich kann doch die Herrschaften nicht so einfoch vor'n Kopf stoßen!" blähte llch Kräppli.„Ich komme nach, sobald ich Bescheid habe." ..Meinetwegen, kannst auch wegbleiben", brummte Tom ärger- lich und gab das Abfahrtszeichen. Langsam stieg Kräppli wieder die Treppe hinauf. Bor der Wo�'nungstür im ersten Stock horchte er. Die Stimme der Frau Iacklowicz sckoll ärgerlich heraus Sie zankte mit irgendwem. Kräppli klingelte. Frau Iocklowicz öffnete selbst Ihr noch un- gefcbniinkies Gesicht sah grau und oerfallen aus. Ein loser Morgen- rock machte si« noch formloser und dicker als sie ohnehin schon war. D'im Anblick des Malleurs ze:gte sie ein hochmütiges Gesicht. Kräppli kocht das nicht weiter an. Es gab eine Leimrute, auf die si« immer noch fliegen würde. ..Verzeihen, gnädige Frau, ich hätte eine große Bitte", sagte er�halblaut und devot „lind das wäre''" Ihre Entgegnung klang abweisend. „Frau Geheimrat ist ausgegangen, und ich kann nun nicht in die kleine Kammer. Vielleicht würd« Ihr Schlüssel paffen? Würden gnädia« Frau wohl b'e Liebenswürdigkeit haben und mir Ihren Scblüsfel für einen Moment anvertrauen?" Sein Bied«rmanns- gesicht sah sie ehrbar und vertrauenbeischend an. ..Kannen Sie nickt warten, bis Frau Geheimrot wiederkommt? Mir ist das unanaenebm. Vielleickt ist es auch Frau Geheimrar nicht reckt, wenn-ck-"hnen den Schlüssel zu einem Raum gebe. Sen sie abeefcklo�en bat." „Frau ld-heimrat ist manchmal'n bißchen vergeßlich. Die Kammer ist ja eigentlich unser«. Aber sie sperrt eben aus alter Gewobnhcit olles ab. wenn sie ausgeht. Neulich hat sie sogar ven Badezimmerschlüsscl mitgenommen. Herr Matthes hat darüber lebr geschimpft" „Herr Motthes ist in der letzten Zeit anscheinend oft schlechter Laune." Si« gab die Eingangstür frei und ließ Kräppli eintreten. „Kann ich chcht behaupten. Im Gegenteil, er ist sogar äugen- bl'cklich ganz rosenrot gestlmmr Und eben darum—" „Was herßt, eben darum?" forschte sie. Sie wollte das Thema ..Mottbes' noch ein wenig aucsplnnen. „Ja, ich habe mein« Einkäufe in d«r Kammer hingelegt. Und wir wollten alles mit raus nehmen— Er machte eine klein« Pause. Frau Iacklowicz fragte nicht, aber ihre Augen wurde tl spähend „Sehen Sie, gnädige Frau, nach dem Training hat er imm«r einen Wolfshunger. Und da draußen bekommt man doch nichts Gescheites. Jetzt bei diesen Zeiten drehen einem di« Bauern für schweres Geld alte ausgedient« Hahnenurväter an oder so was. Das gnädige Fräulein klagt auch darüber, daß sie nichts bekomn.t." „Das gnädige Fräulein?" Nun verriet sie sich doch. In ihrer Frag« zitt«rte Spannung. „Ja." fuhr er harmlos geschwätzig fort,„Fräulein Burkhardt doch. Sie ist ja goldig. Wie eine kleine Mäma sorgt sie für Matthes. Jeden Tag steht sie selber In der Küche und backt und brät." „Wie kommt denn Fräulein Durkhardt in Herrn Matthes Trainingsfaal?" Kräppli machte zwei kindlich erstaunte Augen.„Wisten gnädig« Frau denn nicht, daß Herr Motthes jetzt ein eigenes Trainings- quartier hat?" „Und da bemüht sich Fräulein Burkhardt?" Ein« leicht reservierte Mißbilligung lag In ihrer Frag«. „Sie wohnt doch draußen— „Sie— wohnt—" „Ja. das GrWtbstück ist wohl noch nicht endgültiger Besitz von Herrn Matthes. Und außerdem sit er doch nur zeitweise draußen. darum kann Fräulein Burkhordt ruhig wohnen bleiben." „Ganz allein?" Fkau Iacklowicz Brauen berührten das Stirnhaar. „Nicht doch. Das wäre zu graulich für so»In jung«? Ding. Da ist noch ein junoer Mensch, P«ter Lange, der bleibt auch draußen. Ach. eigenttich ist es sehr gemütlich. Wenn'? nur, nicht mal für das kleine Mädel gefährlich wird." Er machte ein ver- schmitztes Gesicht. „Wie meinen Si« dos?" „Gnädige Frau werden ja nicht ausplaudern, ich käme in Teufels Küche. Ab«r wenn ich an Frau Burkhardts Stell« wäre. dann ließ ich meine Tochter nicht mtt solch strammen Kerl, wie Tom Matthe» es Ist. allein zusammenkommen." „Ich denk«, Herr Longe war« immer da?" „Nun ja, Herr Longe. Aber das ist doch keine Garantie. Der ist harmlos wie ein neugeborenes Kind. Und Matthes ist erheblich angesengt." Kräppli lachte in sich hinein. „So— so." Frau Iacklowicz Gedanken arbeiteten fieberhaft. „Ist Nassenheide hübsch?" „Sehen Sie sich's mal an, gnädige Frau. Herr Matthes würde sich bestimmt Heuen, wenn Sie mal herauskämen." Der Masseur beinühte sich, offen und ehrlich zu sprechen. „Glauben Sie?" fragte sie ganz langsam. Halb höhnisch, halb mißtrauisch. „Aber gewiß, gnädige Frau. Er erzählt mir doch immer, wie gnädia« Frau sich um ihn bemüht haben— „Ich habe keinen Dank geerntet. Und undankbare Menschen verachte ich," entgegnete sie herb. „Aber gnädig« Frau, die Jugend. Me leicht ist mal das Herz angeknoxt und dann vergißt man eben alles andere." „Wie ist das Wetter heute?" fragte sie impulsiv. „Ach. wunderbar, gnädige Frau. Für einen Ausflug wie ge- schaffen. Sie dürften überhaupt nicht so viel im Zimmer hocken. das ist nicht gesund." „Ja, schon, lieber Kräppli. Man müßte mal— ich bin wirklich schon ganz herunter." Sie begann beinah zu weinen. „Dürfte ich um den Schlüssel bitten?" erinnerte er. „Ach ja, den Schlüssel— Sie griff nach einem Schlüsselbrett. „Ich bringe ihn sofort zurück" Kräppli verabschiedete sich sehr höflich. Wenn die Olle nicht in zehn Minuten nach Nassenheide raus- fährt, dann will ich zehn Besen fressen, dachte er und stellte sich schadenfroh die Szene vor, die durch das Erscheinen von Frau Iacklowicz in Nassenheide verursacht würde. Dann hatte die kleine Durkhardt sicher die Nase voll von ihrem Preisboxer. Hoffentlich flog er dabei nicht herein. Ein bängliches Gefühl überkam ihn. (Fortsetzung folgt.) Krücke in Person. Wir erhalten von„Krücke" folgende Zuschrift: Jetzt mach ich feierlich Protest, Denn so kann es nicht weitergehn, Wer mich nicht bald in'Ruhe läßt, Der wird fein blaues Wunder sehn! Wo» woll'n denn bloß von mir di« Leute? Klau ich die Autos m der Nacht? Bin schuld ich an der großen Pleite? Hab' ich Tfcherwonzen nachgemacht? Ich kann es feierlich beteuern. Ich lebe sittsam wie es Brauch' Urtd stottere in punkto Steuern Nicht mehr wie all« andern auch! Nun stell man vor sich mein Entzücken — Lest neulich ich hier in dem Blatt—, Wie mich vom Kopp bis zu den Krücken Ein Autor dreist geschildert hat. Hab' ich n« häßlich freche Lach«? Zteh ich die Lippen hämisch hoch? Herr Autor, das ist meine Sache, So schön wie Sie sind bin ich oochll Was schert Sie mein« fchmalz'ge Tolle, Da fragen Si« doch Schänzel mal; Bei d«m Film ist jetzt Liedtkes Roll« (Oder ist's Picha?— Ganz egal!). Und wer ersetzt mir nun den Schaden. Di« Sorge läßt mich gar nicht ruhn. Mit Männern, die schon häng'n am Faden, Hatt' ich mein Lebtag nlscht zu tun. Für solche iadenschein'gen Bried«r, Da hob' ich weder Zeit noch Geld. Ich laß mich im Olymp wohl nieder, Doch niemals in der Unterwelt.— Sie sehen ein— ich muß mich kränken, Ick) passe nicht in ihr Mllljöh. Was sollsti die Neenen Mächens denke», Ith morgen ch ins Attelfehl Da bin ich eine groß« Nummer. Bin„Ton"— angebend— Gott sei Dank! Ich spiel' zu Schmelings größtem Kummer, Den Genllchman vom ll. Rang. Krück«. WAS DER TAG BRINGT. Hoover Ober das Siedlungsproblem in USA. Hoover, der Präsident der Dereinigten Staaten, gab kürzlich l einigen amerikanischen Journalisten«in Interview, worin er sich über die Siedlungspläne in Nordamerika aussprach. Große OSd- ländereien sollen an Siedl«? vergeben und dadurch der Kultivierung zugeführt werden. Es handelt sich dabei um riesige Gebiet« in den Nordstaaten Washington. Idaho. Montana. Nord- und Süd- Dakota, und in den Südstaaten Kalifornien, Arizona und Neumexiko mit einem Gesamtumfang von über 20 000 Ouadrnt'ilometern. Die Generalbefledlung Ist so außerordentlich schwierig, weil die Boden- und Klimaverhältnisse grundverschieden sind und die Siedler ihr« Erfahrungen von Grund auf selbst sammeln müssen. Die Fehler früherer Desiedlungsversuche können vermtedm werden, indem man nur Leute zuläßt, die gründliche landwirtschaftliche Kenntnisse be- sitzen nud großen Strapazen körperlich gewachsen sind Für die einzelnen Landstvecken werden besonder« Ausschüsse eingesetzt, die Montag, 3. Februar. - Berlin. 16.05 Hermann Kreban: Momentaufnahmen von europäischen Hauptslidten. 16.30 I. Lieder.(Hermine Wendebora, Sopran. Am FHUel: Clara Krause.)— 2. Beethoven: Sonate F-Moll. op. 2. Nr. I.(Clara Kranse.)— 3. Lieder. (Hermine Wendebo-n.)— 4. a) Lladow; Prdlude Des-Uuri b) Illinalcy: Berceuse; c) Niemann: Rieaudon ans op. 87; d) Schutt: Ctude tnismonne; e) Nicodd: Tarantelle.(Cla-a Krause.)— 5. Lieder.(Hcrmlnc Wendebora.) ! 17.30 Dr. Küthe RSsch Bcreer:„Wie die Pirche für hre Kirder sorten". 18.00 Stunde mit Bachern. Naturkundliche Bücher.(Am Mikrophon: Prof. Dr. J. Schaxel Jeca.) 18 JO Dr. Baumann nnd LudwU Kapeller: Täillch 44 mal um den Aeqnator. 19.00 Mar.doiinenorchestcr Konzert. 20.00. Die neue Rundschau."(Mitw.; Prof. Dr. Oscar 3ie, Dr. Rudolf Kayser.) 20 30 Von Budapest: laternallcr.alcr Proerammaustausch. 22.30 Funk Tanz Unterricht für Fortgescb-ittenc. 22.50 ca. Aus dem Filmtheater Capilol: I. Schlußleil ans der Uraudahrung des ersten Ricka-d Tauber-Tonfilm»:.Jch glaube nie mehr an eine Fran". — 2. Richard Tauber singt anf der Bühne.„ Anachileßerd bis 0.30: Tanzmusik. KOdgevagterhanses- 182)0 Englisch. I7J0 Dr. Ernst RBmer nnd Küthe Wegner-Peiaer; Das Tanzlied. 17.55 Dr. Clanberg: Was man von den Infektionskrankheiten srissen mal. 18.20 Adolf Friedrieh zu Mecklenburg: OroBwildJagd. 18.40 Englisch für Anfänger. 19.05 Jaccues Borg; Dichtungen von Detlev ven Liilencren. 19.30 Dr. RBmer: Qcflügelzucht. 20.00 Max Cohen Rtuü: Europäische und deutsche Kolonlalprobleme. 20.30 Von Breslau:„Elf Uhr vlerondvlerzlg Minuten". Eine Funknovelle. 21.15 Neue Sing- nnd Spielstunde. Ltg.: Ernst Prade. I. Kodaiy: Jesus kündet ~™' � St.— 2. P. Hlndemith: a) Lieder für Singkreise, 3 9t., op. 43; b) Kanons für zvei Slngstlmmen und Instrumente P. Hlndemith.)— 3. a) B- Bartock: Vier slowakische Volkslieder mit Klavierbegleitung j b) P. Hlndemith: 5 ran Mcsiea, op. 45.(Der Ptmkchot. FunkkaneUe.) iBimmnmniiimjtnmininmiiiminiimiinmiiinnnmmmiBmminiimmniuamunmnD auf Grund genauer Boden, und Klrmaforf-Hungen die Siedler nach Möglichkeit beraten. Da sich die Siedlungen von den größeren Städten aus in das Land Hineinschieben sollen, such auch die Ab- satzmöglichkeiten für die landwirtschaftlichen Produtte sichergestellt Als Anfangskapital sind, in deutsches Geld umgerechnet, etwa 40000 M. in Geld-»der landwirtschaftlichen Geräten nötig. Die Bundesregierung will jedoch solchen Bewerbern einen l-Nfgsnsttgen Kredit geben, di» nach sorgfältiger Prüfung die Gewähr dafür bieten, daß das Geld dem Staat nicht verlorengeht. Die Ackerbautläche Deutschlands. Während in und nach dem Weltkriege die Ackerbaufläche Deutschlands zunahm, ist sie fetzt zugunsten der Wiesenflächen an- dauernd im Sinken begriffen. Im Vergleich zu 1913 hat die Acker. bauflöche sich um 900 000 Hektar, das heißt 4,2 Prozent verringert, dagegen die Wiesenfläche um 4S0 000 Hektar, das heißt 6 Prozent zugenommen. Die Anbaufläche für Roggen hat sich um 11,18 Prozent verringert. Das Roggenbrot wird eben vom Weizenbrot verdrängt, sogar bei der Landbevölkerung. Dazu kommt, daß andere Länder(Ungarn. Rumänien. Argentinien. Nordamerika) den Weizen billiger und besser erzeugen können als Deutschland. In- frlgedessen verlegt sich der deutsche Landwirt immer mehr aus die Biehzucht. Eine Tiverin nährt einen geraubten Säugling. Da» haben wir schon in mannigfachen Variationen erlebt. Ein seltsamer Fall dieser Art hat sich in westlichen afrikanischen Kolonial- staaten zugetragen. Einem Farmerchepaor wurde vor zwei Monaten der neugeborene, erst sieben Wochen alte Säugling aus der Wiege gestohlen. Zunächst glaubte man an«inen vorsätzlichen Raub des Kindes durch Menschen und fahndete nach den Tätern unter den Eingeborenen jener Bezirke, doch blieben alle Nack sorschungen nach dieser Richtung erfolglos. Erst jetzt hat das Verschwinden de» Kindes «ine nie oerinutcte Aufklärung gefunden. Eingeborene hatten in einer Felsschlucht, in der sich Tiger und Leopordm befinden, wieder- hott das Wimmern eines Säuglings gehört. Daraushin schloß der Farmer mit einigen guten Jägern den Talkessel und die Feleschiucht ein. Die Jagdbeute waren drei Tiger und zwei Panterkatzen. In einem überdachten Winkel einer Felshöhl» fand man auf weichem Graslager tatsächlich den Säugling des Farmerehepaares l«be:rd vor. Daß die Tier« das Kind nicht gefressen haben, erklärt sich vielleicht daraus, daß eines von ihnen kurze Zeit vorher geworfen halte. Das Äinb befindet sich wohlauf, es leidet nur an einem häßli'cn Hautausschlag, der von dem scharfen Speichel der Raubtier« herrührt. Das Vogelnest in der Honigwabe �Zu einer überraschenden Entdeckung führte em schwerer Sturm im Stadtwald von Lletchlcy(England). Als man ein in der niedergerissenen Stämme ausheben woll e, fand man ein mit drei Eiern belegtes Starnest, das in eine Honigwabe im Gewicht von etne.m halben Zentner eingebettet war. Di« Bienen hatten, als sie durch den Sturm in den Wald getrieben wurden, die Vögel aus dem Rest gejagt und rund um die Eier ihre Honigwaben gebaut. Spiele in Schnee und Wasser. Arbeiter-Handball,-Hockey�-Wasserball. FTGB.- W e dd i n g hatte zum ersten Handball-Serien- spiel Eiche-Köpenick als Gegnex. Nach 5 Minuten tonnte Wehhing turch Halbrechts in Führung gehen, dem nach weiteren 5 Minuten durch Halblinks der Ausgleich solgt« Dann war es Halblinks, der für Wedding das zweite Tor einbrachte. In der 25. Minute war es wieder Halblinks, der das dritte Tor schoß. Jetzt entstanden für Wedding einige gesährlich« Moment« die aber Köpenick nicht ausnützte. Wedding konnte aber einen Moment ob- passen, den Ball erhaschen und nach einem Durchbruch das vierte Tor schießen. In der zweiten Halbzeit war es nach 10 Minuten Weddings Mittelstürmer, der einen Freiwurf zum fünften Tor ver- wandeln konnte. Diesen Ball ließ der Torwächter ohne Abwehr passieren, was auch beim sechsten Tor geschah. Nach einigen Minuten war es Köpenicks Mittelläufer, der das zweite Tor für Köpenick schoß. Aber Wedding war sofort wieder vor dem Köpenick« Heiligtum und so konnte Rechtsaußen das siebente Tor buchen, nach- dem Halbrechts vorher verpaßt hatte. Bald folgten dann noch das achte Tor und das neunte, das Linksaußen von der Seite schießen konnte. Kurz vor dem Schlußpfiff konnte Wedding noch das Resultat zweistellig herstellen. Resultat 10:2. Leid« behinderte der Boden die Entsaltungsmöglichkeit der Spieler sehr, ein volles Auslaufen war nicht möglich. Wedding war in der ersten Haldzeit etwas nervös, was sich aber mit der Siegesaussicht bald legte. So groß war hie Ueberlegenheit Weddings nicht, wie es das Resultat sagt. Wedding war nur im Abspielen etwas genauer und spielte mit langen und sicheren Würfen. Gut war die ZZerteidigung und der Torhüter, die ihre Aufgabe erfüllten. Köpenick dagegen hatte ein ungenaues und kurzes Zuspielen, wodurch die Weddinger mit ihrer guten Störungsarbeit schnell wirken konnten. Die Läuferreihe leistete gut« Berbindungsarbeit, nur war die Verteidigung nicht so auf der Hut, konnten doch die Wedding« sehr oft freistehend schießen. Der best« Mann der Köpenicker Mann- schaft war der Torwächter, der außer den drei Toren, die er un- gehindert passieren ließ, sonst all« Kräfte einsetzte und die Würfe in allen möglichen Lagen abwehrte. Auch Weddings zweite Mannschaft holte sich die Punkte von .Hennigsdorf 1, trotzdem es in der ersten Zeit sehr böse aussah. Nadjbem Hennigsdorf mit 3:0 führte, konnte Wedding bis zur Pause zwei Tore aufholen. Nach 10 Minuten Spielzeit erzielt« dann Wedding den Ausgleich und ging sofort nach Wiederanwurf durch schnellen Durchbrvch m Führung. In ungefähr gleichen Ab- ständen war Wedding dann noch zweimal erfolgreich, so daß das Endresultat 6: 3 für Wedding lautet«. Bis zum letzten Augenblick verlor Hennigsdorf nicht den Mut, tonnte aber Weddings Hinter- Mannschaft nicht überwinden. Voller Betrieb im Hodeey. Die Serienspiele. D« Serienbetrieb konnte am gestrigen Soimtog trotz der Schneefelder voll durchgeführt werden. Der Sportverein Moabit 1 hatte den Bezirk N o r d r i n g' 1 der Freien Turner- schaft zu Gast und mußte sich 1: S geschlagen bekennen. Beim Sieger war die Stocktechnik un allgemeinen bester, das Stcllungsspiel ließ zu wünschen übrig. D« Sturm konnte bis auf einen Mann gefallen. Von den Läufern war der link« der schlechteste und nie am Platz, von der Verteidigung war der rechte der Bester«: Mit ruhiger Sicherheit klärte er manchen Angriff, das Zuspiel muß aber In der ganzen Mannschaft genauer werden. Beim Sportverein Mdabil kloppte es leidlich gut. Wenn auch die Spieler noch nicht die Fertig- kcit ihres Gegners besitzen, so muß hervorgehoben werden, daß durch schnelles Starten und Flügelspiel ein schönes und offenes Spiel zu- stände kam. Ihre besten Leute waren der Mittelstürm« und die Verteidigung.— Heiß ging es im Spiel des Athletik-Sport- Club 1 gegen den Bezirk Ostring 1 der Freien Turnerschaft Groß-Berlin zu. 8:1 konnte der Sport-Club den Spitzenkandidaten einwandfrei besiegen. Trotz des etwas glatten Bolens war die Zu- fammenarbeit lni ASC. bester. Mit besonderer Freude kann das gute Derftehen. der Spielaufbau und das Stellungsfpiel festgestellt werden. Bei Ostring kamen die Vorlagen mel zu scharf und unge. neu, so daß wieder einmal kein Zufainmenspiel zustande kam. An den Toren hat der Torwächter keine Schuld, er war der Beste der Mannschaft. Aber die Verständigung der Verteidigung mit ihm fehlt«. Genau so haperte es im Sturm. Der ASC. hat als wirklich bestere Mannschaft verdient, wenn auch etwas reichlich hoch, ge- wonnen. Halbzest 1: 0 für Ostring. Im Spiel Tennis- Rot 1 gegen Mariendorf 1 der Nordrings Angriffe braebfen bei der siocksieberen Verteidigung der Moobifer keinen Erfolg. Freien Turnerfchast Groß-Berlin gewannen letztere 6: 1. Technisch waren sie überlegen. Aber ist es notwendig, daß gegen«inen nur neun Mann starke» Gegner der Kampf um den Ball um jeden Preis so sein muß, daß ein Spieler verletzt vom Platze muß? Gerade gute Spieler müssen ihr Temperament zügeln. Nach der Pause iwr noch mit acht Mann spielend(Halbzeit 4: 0), kämpfte sich TeNms-Rot sehr gut frei, so daß sie noch das Ehrentor erkämpfen konnten.— Neukölln 1 und Nordring 2 trennten sich 2:1. Wieder ein Beweis, daß die Spielstärke der Neuköllner wächst.— ASC. 3 gegen Ostring 3 0:1.— Nordring 3 gegen Neukölln 2 4:1.— Martendorf 2 gegen Tennis-Rot 2 1:0.— Frauen: Tennie-Rot gegen Rordring 0: 0. Arbeiter-Wasserball. „Hellas- Und„Lichtenberg" standen sich am Sonnabend im Lunabad zum fällige» Serienspiel gegenüber. Hellas galt nach den bisher erzielten Resultaten als Sieger, da Lichtenberg noch kein Spiel gewonnen hatte. f Bon Anfang an entwickelt sich ein schnelles Spiel, von dem Hellas dank seiner Schnelligkeit und der besseren Technik bedeutend mehr hatte. In der ersten Minute erhält der rechte Stürmer von Hellas freistehend den Ball, den er auch zum ersten Tor für Hellas verwandelt. Gleich daraus hat derselbe Spieler wieder einen guten Moment, der Ball geht aber ins Aus. Lichtenberg kommt jetzt etwas auf, doch Hellas macht sich wieder frei, da seine Verteidigung gut arbeitet und erzielt hintereinander durch den rechten Stürmer drei weitere Tor«, so daß es 4:0 für Hellas steht. Nachdem ein schöner Schuß des linken Stürmers Lichtenbergs neben das Tor ging, erhält der link« Stürmer von Hellas den Ball und das Spiel steht 8: 0. Lichtenberg legt sich nun mächtig ins Zeug, doch der Hellastorwächter ist auf der Hut und schlägt drei gefährliche Angriff« Lichtenbergs zurück. Beim nächsten bekommt er den Ball aber nicht weit genug weg und der Lichtenberg« Mittelstürmer sendet zum ersten Tor«in. k: 1, gleich darauf Halbzeit. Nach der Pause verteiltes Spiel. Der Hellas-Derbindungsmann bricht durch und stellt das Resultat auf 6: 1. Den Anwurf nutzt der linke Lichtenberger Stürmer zum 6:2 aus. Hellas bekommt Freiwurf, d« Boll wird zum linken Stürm« gegeben, der ihn trotz Bedrängnis direkt aus der Luft an den verdutzten Lichtenberg« Torwächter vorbei ins Netz befördert. 7: 2. Licktenberg holt noch«in Tor auf und das Spiel endet 7:3 für Hellas. PSegt den Waldlauf! Sei Spaziergängen im Wold oder in größeren Parkanlagen kommt einem oftmals eine lustige Läuferschar entgegen. Besonders an kalten Tagen schauen dann die nicht an Sport gewöhnten Leute kopfschüttelnd auf: ihnen fallen plötzlich alle Krankheiten ein, wenn sie die jungen Menschen in der luftigen Kleidung dahineile» sehen. Doch die haben nur ein mitleidiges Lächeln für die verwundat n Beschauer, sie haben eben den Wert und die angznehmen Wirkungen eines Waldlaufes noch niemals kennengelernt. Man»ruß selbst ein- mal mitgemacht haben, um die Freuden und Empfindungen schätzen zu lernen. Schon die dauernd wechselnden Naturbilder biet«., d:m Auge etwas und lassen für einige Zeit den grauen Alltag vergchsen. Ganz besondere Stimmung erzeugen die Waldleufe bei Neuschnee. Lustig flitzen die munteren Gestalten über den noch unberührten weißen Teppich, leider sind diese Gelegenheiten bei uns selten. Trägt auch die Natur nicht ihr Festgewand, es ist auch sonst sehr schön. Leicht schlägt das Herz, frei wird das Gemüt, tief atmen die Lungen in der reinen, würzigen Waldluft und so scheiden die Schlacken des Alltagslebens bald aus! Den Arbeitersportlern Ist der Waldlauf zur Gewohnheit geworden. Natürlich ist bei kaltem Weit« cine gewisse Vorsicht geboten, wenn nicht das Gegente l des Gewünschten eintreten soll Die Arbeiiersportler haben Erfahruw en und ge- schulte Trainingsleit«. Als Bekleidung ist über dem Sportanzug ein Trainingsanzug oder mindestens ein Wolllrikot zu empfehlen. Eine möglichst gehegte Umkleidemög/ichkeit ist bereitzustellcn. An geschützten Stellen können unterwegs gymnastische Uebungen einge- flochten werden, wenn der Körper nicht stark erhitzt ist. Bed'ngung ist jedoch, daß niemals süllgcstanden wird, od« daß man sich beim ruhigen Gehen starkem Zug aussetzt. Der letzt« Teil der Weg'trecke ist im Schritt zurückzulegen, um den Körper langsam zu beruh'gen; besser zieht man im Umkleideraum noch etwas über und geht noch ein:ge Minuten ins Freie. Auf jeden Fall muß die während des Laufes getragene Kleidung beim Nachhausegehzn abgelegt werden. Für die Sportl« beginnt jetzt bereit- das Vortraining für den Sommer Es wird besonderer Wert aus Stil. Schritt und Atmung gelegt. Voraussetzung dafür ist seibstoerständlich geeig- neter Boden. Jeder Arbeiter sollte den Wert der Wal' läufe erkennen und auch für seinen Körper etwas tun. Gelegenheit geben die in allen Bezirken ansässigen Vereine des Arbciter-Turn- und Sport- Hundes. Im Südosten treffen sich die ArbeitersporUcr jeden Sonn- Stacitesdwimmicsmpf Wien-Berlin. Zu dem am 30. März im Lunapark staltfindenden Slädlekamps der Arbell« schwimm« von Wien und Berlin findet heule, Montag abend, Igj� Uhr,«ine wtchl'ge Besprechung der Berliner vercinlsunktionäre sowie der Sparlenlellung im Lokal von Lohann, Brüderstraße 16. statt. Die Sparlenlellung. tag um 10 Uhr in d«„Paradiesklaufe Treptow". Endhaltestelle Autobus.13, Rathaus. Gelaufen wird in Gruppen für Anfänger, Sprinter und Kurzstreckenläufer. Gäste stets willkommen. -ARBEJm TVSSmLL Schlufjiabelle der L Klasse, AW. A, Vereine Spiel« gewonnen unentsch. verloren Pun'te Luckenwalde l.. 15 14— 1 28:2 Brandenburg... 15 9 2 4 20: 19 Lichtenberg I... 16 st. 1 5 19: 13 Luckenwalde III.. 16 6 5 5 17:15. Luckenwalde V.. 16 7 2 7 16:16 Eiche..... 14 4 3 7 11: 17 Ruhlsdorf... 16 6 1 9 13:19 Tempelhof.... 15 3 3. 9 9: 21 Rathenow... 15 2 1 12 5:25 In dieser Abteilung gab es zu Beginn ein kleines Durcheinalider. Luckenwalde I, Brandenburg und Lichtenberg 1 lösten sich in der Führung ab. Als es dann in Brandenburg krisel»e und Lichtenberg I sehr unter Formschwankungen litt, blieben die Luckenwalder unbestritten an der Spitz« und hat damit die Abteilungsmeisterschasl unbestritten an der Spitze und haben damit die Abteilungsmeister- schaft errungen. Abteilung B. Vereine Spiele gewonnen unentsch. verloren Punite Luckenwalde II.. 15 11 2 2 24:6 Weißens«... 16 10 2 4 22: 10 Wolter» darf... 15 9 1 5 19:11 Hertha 11.... 18 10 2 6 22:14 Neukölln.... 18 9 3 6 21:15 Karow..... 16 8 0 8 16:16 Germania.... 15 5 3 7 13:17 Oberspree.... 17 7 0 10 14:20 Hoppegarten... 14 2 1 11 5:23 Nowawes.... 14 1 0 13 2; 26 Hier lagen nach'der ersten Runde Hertha 11, Weißensee und Germania an der Spitze, während Luckenwalde II an fünfter Stelle folgte. Dann aber verloren Hertha und Germania immer mehr Terrain, dagegen schob sich Luckenwalde 11 mehr und mehr nach vorn. Weißens« behauptete sich weiter. Zum Schluß hatte sich dann Luckenwalde ll die Spitze und auch die Meisterschaft der Abteilung 2 gesichert. Das Endspiel um die Kreismeisterschast sah die beiden Lucken- walder Abteilungen 1 und 2 alz Gegner. Der vorjährige Kreis- meister konnte den Titel auch jetzt wieder mit einem 3:1- Sieg er- ringe». ttallenfest der DT. Der Kreis Illd der D e u t f ch e n T u r n e r s ch a f t hielt gestern im Sportpalast sein diesjähriges H a l l e n s p e r t f e st ab. Der Besuch war sehr gut. die Kämpfe sportlich hochstehend, dos große Programm wurde schnell erledigt. Einige R° i u l t a t«: so Metel isrouc«! 1. ffuriilieim iAevkiMn) 8 Stf.: 2. ffc'btnann CTcittoni« 8,t£«1.- S>ii00.Mkicr.St-fscli 1. Luinloidt 8:39; 2. Oacarn 8:39,4.- 4x400 Meter: 1. JEC. ediönebcra 8:42,5: 2. EC. etwc'ott-'vbur«.— 60 Mete« Liüeden: I. Eibultic iVollZeis 8,1: 2. Sie« i£<6Biitbcc(i) 8.3.- 4X100 Meter ßrantn: 1. Echiinebercier TSV. 36,4: 2. Tib 57,6.— 150» Meter: l. Th!«be sBiesdorf) 4:26.2: 2.»ober sEvonbaui 4:26,2.— 10X50-Metcr.VcvdrlfwfIel: 1. EckiBneber-ier TEE. 66.4: 2. Tib»6,8.— lOXSO.Mcter.Peob-lslafscl stir Trauen: I. Jahn sNcukBllni 74.6 Eek.: 2. TEV. Eck>ijnebcr-i 74 9.— Koch- sprnua: 1. kange(flomct>M.765 Mkter: 2. Eifc fEibBnebeta) 1,75 Meter.— Lochspruni, ffit Trauen: 1 Vo'te cDiisselborf). 1,52S Meter: 2. cSeittn-,(Sanr- 1,47 Meter.— SO.Mcter.Kauptlausen: 1.?onatli(faniiOBcr) 7,1 Ee!.: 2 Kurl I sVar flodibal 7.2.— 3060-MrIcr. Sauptlaulen: 1. Enring tWitteu- bera), 8:49,2: 2. DBiirt iVastspartvereial 9:10,1. Die Ergebnisse sind zum Teil geringer, als die von den Arbeiter- sportlern vor zwei Wochen erzielten Leistungen. Reit- und Fahrturnier. In dem Bestreben, einen geldbrlngcnden Fremdenstrom nach Berlin zu ziehen, erweist sich das Reit» und Fahrturnier, das in der Auestellungshalle 2 am Bahnhof Witzleben, im Rahmen der Grünen Woche veranstaltet wird, als große Nummer. Sind doch bereits vom ersten Tage an die Tribünen überfüllt. Di« Ver- anstaltungen stehen jetzt endgültig, in bemerkenswertem Gegensatz zu früheren Zeiten, im Zeichen von Schwarzrotgold. Verschwunden sind die schwarzweißroten Fahnen wie auch die Friedensuniformen. Die international« Beteiligung ist diesmal außcrordent- lich regez man sieht Vertreter von Spanien, Ungarn, der Tschecho- slowakei, Dän:mart und Schweden. Als Hauptereignis kam am Sonntag der Preis der Republik zum Austrag, für den die Geldsumme uiib die Ehrenpreise von dem Reichsminifterium für Landwirtschaft sowie von dem preußischen Ministerium für Land- Wirtschaft, Domänen un-d Forsten gegeben wurden. Die Vertreter dieser und noch anderer Ministerien waren sehr zahlreich anrocsend, doch ist nicht recht oerständNch, warum wegen ihrer Verspätung aus. gerechnet das zahlende Sonntagspublikum 45 Minuten auf den Be» ginn der Veranstaltung warten Wichte Um den Sieg mußten die Pferde Zierde, Benno, Star, Terlinde, Schwobensohn, Baron 3 und Balmung stechen Sieger blieb Oberleutnant Sahla auf Schwabensohn, der mit 0 Fevern in der Zeit von 18 Sekunden den Hochsprung von 1,85 Meter und den zweiten Sprung von 1,40 Meter Höhe und 1,90 Meter Breite nahm. Der zweite war Oberleutnant Schmalz auf Benno. Mithin wurden als Siegerfahne die schwarzrotgoldenen Farben gezogen� und Deutschland blieb in dieser internationalen Konkurrenz Sieger mit zwei im eigenen Lande, nämlich in Hannooer, gezogenen Pserden. «Mt-Wedding" veranstaltet: Um dem Jiu-Jitsu- Sport auch im Berliner Norden«ine Heimstätte zu schaffen, beginnt Dienstag 18. Februar, in der Turn- halle des„Sportklub Alt-Wedding", Utrechter Straße 31/32, ein Jlu-Iitsu-Lehriursus. Anmeldung jeden Dienstag und Freitag in der Halle oder schriftlich an R. Mehlbäum, N. 65, Martin-Opitz- Straße 6. Für die B o x- A b t e 14 u n g des Vereins stehen für die nächst« Zell Mannschnstskämpfe nach Stettin, Weißrrasser, Liegnitz und Waldenburg bevor. Die Abteilung nimmt noch Mitglieder jeden Donnerstag, ISVi Uhr, Sonntags vormittags 9H Uhr, in der Uebungsstunde, Turnhalle Utrechier Straße, auf. Die Ringer und Heber des Vereins halten ihre Uebungsstunde» Dienstags und Freitags, 19)4 Uhr, ab. Gäste in jeder Uebungsstunde will- kommen. Deutscher Reichsartistenwettstreit 1930. Die Artistensparte des Arbeiter-Athleten-Bundes Deutschlands veranstaltet am 23. März in Magdeburg in der Stadthall« einen R e i ch s a r t i ft« n w e t tst r e i t. Die Veran- staltung soll die größte dieser Art werden, die je stattgesunden hat. Die Kreise nehmen bereits die Ausscheiduiigen vor, um nur erst- tlassige Darbietungen in der 5000 Personen Platz bietenden Magde- burger Stadthalle zu zeigen. Ttttit Stiibet« nr.b JUnufrttct, 1. Btcif. Dieienipen. bie cm Sparten. mcTblaiif am 16.(Wtucc teilncbincn, können fith leben Eonuerstca, 20 Uhr. im Valkepork Vebbetn« iwm Trcinin« auf der Strecke elnfinbeu. Umllelben im fauptacbilube am Stadion. Subctoeie'n SaSeaia, ttborlotienbutfl, e. B. Manneriurnen Manlaas., 20 Udr. Kamminer Strafte. Trauen turnen Dienstap, 26 Ufte, Quiftvwstrafte. Walblauftrainlna»im EportenmalMoiif Eonntts'aqs, 20 Ufir, im«alkspark Stcbbetflc, Tre/spu.ikt Kaupteinaanq. Eonntaaa. 15 llftr. im Vootshaus,©albtauf Eonnabenbs Apstenrudern bei.VorwSria" von 18—22 Uhr. T-nriftenverein.Die Ziatuefreur.be", zentral« Wien. Abt. griebrichohain: Vier stau. 4. Teirrar, 20 Uhr, frankfurter Allee 307:„Keinrich Seine"(Uau). — Abt. Rorben! D-enataa. 4. gebmar, 20 Uhr. Eonnenburacr Str. 20: Sinn- tan«.— Abt. Seulölln, Super bocuppc; Dienaiaa. 4. ffcbtunr, 20 Uhr. IFlim- bofenftr. 68.— Abt. Sumbelbfbain: Dienotaa. 4 ftebniar, 20 Uhr, Ediönflibt- straft« 1:..�llckfibau 1929— Ausblick 1930".— Abf. Aebbwst: Slenstan, 4 Äe- btuat, 20 Uhr. Turiner, Srte Eeestrafte:..Hweckinöftiae Etnährun«"(®t. Dfer. fen).— Abt. tentobe: Dienstaq, 4. gebruat, lObi Übt, bei Dehfam, Bahn- haf-. Eck« OVtistrafte: ,»«6'un«cn".— Suqevfr-ituppc Ofttn: Miilwock. 5. Fe- btuat, 20 Uhr. iVoftlcrftt. 63:„Dalk-Erfebnffe".— Abi.(Sefunbbtnnucn: Donner-laa. 6 iTebtr.at, 96 Uhr. 9*ant- Ecke SB'cf'pff'afe-(rcfck:": (Miistkabe-d>—«oturlu-bli':« AbteUunq: Tonverotaa.fi. Februar, zg »obann'-str. 15:.Vor, wührend und nach der E s»eit" a. Ab-ri),— Abt. Mu- IBUn: Eonretsloa, 6. Februar. 20 Uhr. Verrstr. 29: Geschäftliche-.— Abt. »«Mi Tonnetsiaa. 6. ffebruot, 20 Uhr. Dan, wer Str. 62, Varacke Ii: ajfchitf lich«».—«bt. Sictqo tien: Donftctälad, 6. Stebruar. 20 Übt. Lehrter strafte 18-19:.UrSe-tr rbltMuna".— Abt. Lichlcnbttn: Donner-Ia«. 6.!?e btuat. 20 Uhr, Euuterftr 44:.Jack London".— Abt. Silb.ircft: Tonnersfaa, •• ftxbri-pr. 20 Uli r. Yorchstr. Hl.Astronomie" fmit Lichtbilder). RS««., nreiterpcrkul'urf parte. Jabtcsnctfammliina Uicns'aa, 4. Sc- btuat. 19 Vi Uhr, cdiult Moabit. SBalben ferste. 20-21. Mitalied-bücher mit- Dctnfttit. jfrel« Sibctet uab Äannfohm(Eänaerticne). Der llrbunflsabenb findet w..tht Wpch« au-nchmsajcife am Dien-fa«. 4. ilebtuar, statt. Slubetoe«!».Von-S-t,«. Berlin.«.«. Montaa, 3 iftbruat, 20V1 Uhr: Cchro mmtn, Ftabttob Sacrroalbftroftr. Dien«!aa, 4. Februar, 19 Übt: Gpm- oost k. Turnhalle Polti'fttofte. 19 Uhr: Vuder der Aufanocrabfe-funa>. 20 Bbts Vltdrr» der grauenabte luna. Mittwoch. 5. ffebtrat, ISVi Übt: ? udern der Juacnbableituna. 19V6 Uhr: WaÜTouffralnlna vom Boo sbauo. 31 l'bt: Stbuna der JucnbabUilrno- Donner-faa. 6. ffebtuot, 19 Übt; Subctn der äreten Mannschaften,{fteitaa. 7 ffebtrat, 19 Übt; Vudern der AnfänfletoV-iluno II. 20 Übt: Vi-dern der{frauerabteilunp. Sonnta«. 0. fVc- btuat, 9 Ubr: Eoattcnarnralverfammfunn im Kackeschen Löf. Bartcll We'ftenl««. Leute. Montan. 20 Mr. Aarlellsiftuna bei Peters. 3Bc'fi?nfee, EiBbtenberaer E't 12 Riefe Schwimmer Sroft-Berlln, e. O. Kaupworftanb-stftuna Di-n-faq, 4 ssedruar, 19M, Uhr. bei Preuft Beteinsjuaendabend Donnerstai, 6. g>- bvuar. ib'-i Uhr. Auta be- Sophien�bumnastums. Weinme'fterstvafte.(Dor- traa Nea.-.at Dr. Krebs.)— Gruppe slenten-ftabf: Mvuatsverfaumiluna Sreito«. 7. Februar, 90 Übt. bei Sommer. Nounendammallee. Die Baumwollkrise. Arbeiterentlaffungen in der ganzen Welt. ZNanchesker. Z. Februar. Tie englische Textilindustrie wird von einem neuen großen Streik bedroht. ZOO 000 Baumwollarbeitcr haben beschlossen, 400 Arbeiter einer Baumwollfirma tn O�dham zu unter- slüjjen, die am Dienstag entlassen werden' sollen. Da mit einer Zurücknahme der Kündigungen für diese Arbeiter nicht zu rechnen ist, scheint es nicht ausgeschlossen, daß die in der Föde- ration der Master Cotton Spinner vereinigten Fabriken zur Unter- stützung der Oldhamer Firma ihre Arbeiter in der Zahl von etwa 800 000 bei Erklärung eines Streikes aussperren werden. Bor neuen Arbeitskämpfen in Lancafhire Oer Krilenherd in der englischen Textiundustrie. Di« Riesenaussperrung der 800 000 Baumwollarbeiter in Lan- cashire, die sich dem Lohnsentungsdiklat der Unlerneh- mer in fjohe von 1254 Proz. nicht fügen wollten, wurde im August vorigen Jahres durch einen Schiedsspruch nach dre wöchiger Stillegung der Betriebe beigelegt. Dieser Schiedsspruch erfüllte zwar die Forderung der Unternehmer nicht annähernd, sprach aber eine Lohnsenkung von 6 Proz. aus, der sich seinerzeit auch die Baumwollarbeiter fügten. Die großspurigen Behauptungen der Unternehmer, daß eine Lohnsenkung die größten Berlustquellen in der britischen Baumwollindustri« verstopfen würde, sind von der Entwicklung gründlich Lügen gestraft worden Die Zustände in Lancashire haben sich nicht nur nicht gebessert, sondern im Gegenteil noch verschlechtert. Da der durchschnittliche Wochenlohn des männlichen Arbeiters jetzt weniger als 44 Schilling(1 Schilling �eich 1 M.) beträgt, der bei der teueren Lebenshaltung gänzlich unzulänglich ist. hat jetzt die Gewerkschaft der Weber mit überwältigender Mehrheit eine Lohn- erhähung um 2,50 M. die Woche gefordert. In der Mitgll.derab- stimmung stimmten fast 93 000 f ü r und 43 531 bei rund 8500 Stimm- enthaltungen gegen die neue Lohnforderung. Der Generolrat der Gewerkschaft, dem die Ausführung des Beschlusses in die chand ge- geben ist, hat vorläufig jedoch noch kein« weiteren Entschlüsse gefaßt. Jedenfalls muß mit einem offenen Ausbruch des Konflikts gerechnet werden. Vier Baumwollspinnereien in Bombay geschlossen. Bombay, 3. Februar. Bier der größten Baumwollspinnereien der Stadt haben infolge der ungünstigen Geschäftslage und schwerer Verlust« beschlossen, ihre Betriebe anx l. März zu schließen. Z>urch diese Maßnahmen werden ungefähr 15 000 Spinner arbeitslos. In an- deren Spinnereien werden lang« Feierschichten«ingelegt, um die Produktion auf diese Weise einzuschränken. Textilarbeiterflreit in Belgien. Brüssel. 3. Februar. In den Textilfabriken in Rena ix beschlossen 8000 Textil- arbeiter, heute, Montag, in den Streit zu treten, wenn ihr« Löhne nicht um 5 Proz. erhöht werden sollten. Arbeitslosigkeit— international Rem York. 3. Februar. Der amerikanische Gewerkschostsbund gibt bekannt, daß die Ar- beitslosigkeit unter den Mitxsiobern der dem Verband angeschloss.men Gewerkschaften im Januar größer gewesen sei als während de? schlimmsten Zeit der Arbeitslosigkeit vor zwei Iahren. Aus den aus 24 Städten vorliegenden Berichten ergebe sich, daß 19 Proz. der Mitglieder arbeitslos seien gegenüber 16 Proz. im Dezember vorigen Jahres. Ottawa. 3. Februar. In Winmpeg fand eine Konferenz von Vertretern der Provinzen und Gemeinden des westlichen Kanada statt, die darüber beriet, welche gemeinsamen Maßnahmen getroffen werden könnten, um die durch die ungenügende Ernte und die nur langsam fortschreitende Getreideausfuhr' hervorgerufene Arbeitslosigkeit zu beheben. Es wurde beschlossen, die Einberufung einer Konferenz von Vertretern aus allen Teilen des Dominions Kanada zu Empfehlen, die sich mit den Fragen der Arbeitslosigkeit und der Einwanderung befassen soll. Wohnungsbau gegen Arbeiislosigkeii. Wien. 3. Februar.(Eigenbericht.) .Die Vertreter des Bundesvorstandes der freien Gewert- s ch a f t e n und der Kammer für Arbeiter und Angestellte hatten am Sonnabend abermals«ine Besprechung mit dem Bunde»-- kanzler über die Denkschrift zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die sie kürzlich überreicht haben. Der Kanzler machte den Vertretern der Gewerkschaften Mitteilung über neue Pläne, die vor allem eine Beschleunigung der zu ver- gebenden Arbeiten, vornehmlich der Wohnbauarbeiten, vor- sehen. Er zeigte den Gewerkschaften gegenüber Entgegenkommen. U«ber die Anleih« sprach sich der Bundeskanzler sehr optimistisch aus. Er glaubt, daß in allernächster Zeit die Ratifizierung der choager Vereinbarungen erfolgt und damit der Weg zur österreichischen Anleihe freigegeben wird. Er hofft, bis zum Beginn des Frühjahrs die itzerhandlungen bereits zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht zu haben, so daß dann das Pro- gramm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in größerem Umfange durchgeführt werden kann._ „Ss gibt keine Gemeinfchast.. In der kommunistischen Versammlung am Sonnabend, die als «Berliner Bezirkskongreß der revolutionären Gewerkfchaftsoppost- tion* ausgegeben wurde, wiederholte Herr Merker. was er seit Wochen geredet und geschrieben Es besteht also kein« Veranlassung dazu, irgend etwas zu sagen. Rur ein« Auslassung dieses«Revolu- tionärs*. der in ier freien Gewerkschaftsbewegung nicht auf feine Kosten kam, soll hier festgehalten werden. Der Herr sagte: «Manche Genossen in unseren eigenen Rechen begreifen noch nicht die Notwendigkeit des entschiedensten Kampfes gegen die sozial- faschistischen Betriebsräte. Sie glauben, daß man manchmal, z. B. bei den Betriebsrätewahlen, mit diesen Sozialsoschisten gemeinsame Sache machen könne. Es gibt kein« Gemeinschaft mit diesen Leuten....' Ü V .j<\ Jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter wird also von diesem gelben Haßapostel als„s o z i o l f o s ch i st i s ch" abgestempelt. Die Unorganisierten tätschelt die KPD. als.klassenbewußt", weil sie sie für ihre Zwecke«inzufangen gedenkt. Die auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsbewegung stehenden Arbeiter aber, zmnok ihr« Betriebsräte, werden verächtlich zu machen»ersucht, in Moskaus Acht erklärt. Nun, wir können uns ohne die«Gemeinschaft mit diesen Leuten� wie Werter behelfen.«Schärfste Abgrenzung gegen olle Verräter und Demagogen� fordert Werter. Wir haben sie längst vorgenommen. Ist Branntweinbrennen naturnotwendig? llm öen Zuschlag für Sonntagsarbeit. Ueber dies« Frage ist die Verwaltung der Stadt« guter in Meinungsverschiedenheit mit dem Gemeinde» arbeiterverband geraten und der Verband Hot das Arbeits- gerlcht zur Entscheidung des Sireitfalles angerufen, der folgende Ursachen hat. Im Tarifverträge für die Swdtgüter wird bestimmt. daß, wenn in besonderen Ausnahmesälleo dringend notwendige Soanlagsarbelt geleistet werden muß. diese mit dem doppelten Lohnsatz für Uoberstunden zu bezahlen ist, daß aber„natur. notwendige Sonnlogsarbeit' ohne Zuschlag geleistet werden muß« In den Brennereien der Stadtgüter wird jeden Sonntag gearbeitet, aber dt« Verwaltung lehm die Bezahlung des tarifmäßigen Zuschlages ab. Sie sagt, diese Sonntagsarbeit fei noturnotwendig, denn in den Brennereien gebe es gewisse Arbeiten, die am Sonntag verrichtet werden müßten, wenn nicht Schaden entstehen solle. Um zuschiazs- Pflichtige Ausnahmefälle Handel« es sich hier nicht. Als solche gelten etwa Erntearbeiten, di« mit Rücksicht auf besondere Witterungs» Verhältnisse am Sonntag ausgeführt werden müßten. Der Verband vertritt dagegen die Ansicht, daß dos Füttern und Melken des Viehes und dergleichen ,nawrnotw«ndige Arbeiten feien. Schnapsbrenneu könne nicht als aaturnolweudig angesehen werden. Das Gericht entschied: Ms naturnotwendig im Sinne des Tarifs können nur solch« Arbeiten gelten, die infolge der Natur organischer Wesen, asso zur Erhaltung von Tieren und pslanzea unbedingt notwendig sind. Um solche Arbeilen handelt e» sich im Brennereibetrieb« nicht. Di« Sonntagsarbeit ig den Brennereien ist also mit dem tarifmäßigen Zuschlag zu bezahlen. Kampf für Zünstagewoche. New Jork, 1. Februar.(Eigenbericht.) 40000 New. Yorker Kleiderarbeiter treten am Dienstag in den Streit. Di« Abstimmung des Kleiderarbeüeroer» bandes ergab ein« überwältigende Stimmenmehrheit von 10 000 gegen 450 für den Streit. Die Arbeiter fordern Lohnaufbesserung. fünftägige Arbeitswoche, verbesserte Arbeitsbedingungen und ein Schiedsgerichtssystem für Arbeitskonflikte. Gesperrt« Gastwtrlebel riebe. Wegen Differenzen werden hier- durch folgende Gastwirtsbetriebe für die Mitglied« des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafä-AngefteMen gesperrt: Mitte: Die iketrieb« der Restaurant-Automoten G. m. b. H., 1. Friedrichstiaße 58, 2. Wexanderstraße 39/40, 3. Münzstraße 4. Restaurant Schultheiß, Inh. Walter, Reu« Wilhelmstr. 2. Norden: Restaurant«Zur Deutschen Ecke", Inh. Jonas, Invalidenstraß« 124. Schill-Krokodil-Betrieb, Oekonom Wollner, Neue Königstraße 62/64. Moabit: Nord» w« st- H o t e l, Restaurant und Festsäl«, Turmstrahe 7/8. Osten- Lichtenberg: Palais des Ostens,?brh. Pfellstift«, Warschauer Straße 35. Berliner Kindt(früber Borussia-Fest- säl«), Inh. vehlte, Weißensee, Berliner Alle« 211. Restaurant Ntemeler Krug. Gr. Frankfurter Straße 146, Eck« Memeler Straß« wett« für Berlin. Trübe ohne erhebliche Niederschläge, Tem- peratur nah« bei Null. Für Deutschland. Im Nordosten noch etwas Verschärfung des Frostes, im übrigen Rcich« keine wesentliche Aenderung, nirgends nennenswerte Niederschläge. Kornlscho Oper Fneonchstr.KH Meikor 1401 4330. Nacn vollständigem Umbau Täglich 8'.. Uhr Hülla di Bulla Scfatvanä voo Aroold und Bacb mit Guido Thlelac or. Scholz Schroih,.uro, H Idahrand.Waltor Raia, Flink Behnier. War jk Lustspielhaus S'- Friadnchatr. 236. Bergmano 2922 23. litis auf Ctn lweiltn Blldi. Ricmann— Haack. Vofverkau in DSioen Häu�arn ab 10 Uhr ununtarb'OOhen. Winter ★ uarren* 8.15.im<«nii.28io bidoio»«rioom Cotl-Famllie, Jung-Chlna. 2 Elllet's. Marik« RBkk. 9 Allitana usw. usw. Operette von MlllAcker Itdra vomeaiao 8.15. Soaniag 9 am. Neueinführung ab 1. Februar: Jeden Sonnabend 11.30 Uhr NACHTVORSTELLUNQ. Sonntag 5.15 Uhr „Gzardasiarstin" Sonnabend 5 und Sonntag Z'/z Uhr „Aschenbrödel" Das Tbeater der niedrigen Preise L Mittelrang 0.-0. L Rangbalkon u. I. Parkett 1.50, Orchestersessel 2 50. Programm u. Garderobe je 0,25 M. Kein Zwang). 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Norden 1231h Tagl.«'/«Uhr Der Kaiser v.Amerlka von Bemard Shaw Reg.: Max Reinhardt Kammersptele 0.1 Norden I23in 8 Uhr Der Kandidat von Carl Stemheim bqii: Haas HtiaridL Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8>/« U. Balis 9! Bulla Sdnnk tm Änull nd ladt Luslspieihaus Friedrichsir. 236 Bergmann 2922/23. Tigllch 8' j Uhr Liebe aot den zvelten Blick Berliner|| lk-TTiO Mauhölln DA ithaalr. 74 78> GROSSES SGHAUoPiELHAU* 8 Uhr; 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 Sonaiig umm. aagak. Bant Pi. Reichshailen-Theater Abends GD sonn so namm.H] Sleiflner- Sänger nlt dtm wandenoliM Prognmul lUdnittagt haltt htm. nilti Pmr. Tel.Zen rum 11261 Eintrittspreise 60 Pf-3M. Das beüthti FioiiflwtYiiita. 18 aroBa Kärntnern, kobi n- Tanil AB I.FEBRUAR M M. - TÄGLICH 8 UHR- SONNABEND UND SONNTAG iSTsi-". VC#®,' AUCH NACHVITTÄeSSuHR �,(,#2* ■BEI BESONDER. VERGÜNSTIG: M» DAS GROSSE TIGER PROGRAMM TSCHERKESSENREITER UND VIELE ANDERE ATTRAKTIONEM CIRCUS, HAGEMBECK ■• ßOS4:H6£BÄUO&. 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Ah. dalnna täBlich ver AulomvbUe kaiienios 7k Banheee vrrm'et-t In Pankow . Srtnrich-Ctraße 2.. m 'runaen. Darmwasser. jbciAunfl. aeqen Dokin erecht'aun bei ßünflifleit Bed.ngunaen 'Oranienburgerstraße 67. Nordi