BERLIN SonnerStag s. Februar 1SZ0 10 pk. Jtr.62 B 31 47, Jahrgang erschetut tSgltch aiiter e»nntigi. Zugleich Abendauegabe de«.Vorwärts' BeruzSpret« beide Ausgaben«iSPf. pro Woche. S,KnM.»rv Monat. Kedakkion und Ervedttlon; Berlw SW 68, Llndcustr. 3 Auittgenorei«: Die einspaltige Nonpareillejeil« «o Pf.. Reklamezeile b M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKicheckkonlo VorwärtS-Vcrlag G. m. b. Berlin Nr.»?d3K. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29» Das Attentat in Mexiko. Schüsse auf den Präsidenten.— Oer Täter mit dem Heiligenbild. .Nexiko. K. Februar. Zu dem Atteniak auf Präsident Ortiz Rubis wird ergänzend gemeldet- Per erste Schutz, der eine Kiesernerlehnng ver- ursachte, ging um Haaresbreite an der Schlagader vorbei. Der Präsident erhielt auch eine Schulterwonde. doch wird bekannt. gegeben, datz sein Zustand zu Besorgnissen keinen Anlah gebe. Es sind bereit» mehrere Anhänger des im wahlkamps unterlegenen Rasroncello» verhaftet worden. Auch der Ehesredaktenr Lauzduret der Zeitung �Anwersal" wurde verhafte«. Der Attentäter erklärte bei seinem Lerhär, er heiße Daniel F l o r e s und sei 22 Jochr« alt. Er sei«in Anhänger Jos« Das- concellos'. des Kandidaten der Partei gegen die Wiederwahl eines Präsidenten, der im Wahlkamps« von Rubio geschlagen wurde. Der Attentäter trug ein Bild der Heiligen Jungfrau bei sich. Flores gestand laut amtlichen Mitteilungen ein, datz ein umfangreiches Pasconzeliften-Komplott zur Ermordung sämtlicher Kabinetts- niitglieder sowie ein Staatsstreich geplant war. Sieben der Mit» löterschoft verdächtig« Personen wurden spät abends verhaftet. Inneiunmister Portes Gil übernahm die provisorische Leitung der Negierung. Sämtlich« Festlichkeiten wurden abgesagt. Das Attentat angekündigt. New Park. 6. Februar. Nach einer Meldung der..Asiocialed Preh" au» Mexiko teilte der früher« Prästdeul Portes Sil. der provisorisch wieder dl« Leitung der Regierung übernahm, der Presse mit. datz Frau Orliz Rnblo bereit» oor einigen Tage« einen anonymeu Drohbrief erhieli. in dem er hietz, ihr Gatte werde dea Amtseid uiemals leisten können. Gil führt in einer offiziellen Erklärung über das Altenlat aus, datz die von Daniel Flores abgegebenen Schüsse den Präsidenlea und seine Gailin verletzt hätten, während der lvagensührer unverletzt blieb. Glücklicherweise seien dl« Schüsse, obwohl kopsstreif. schüss«. doch nicht gefährlich. Die Tal zeig- erneu», datz nn- gesunde demente im Laude feien, die vor keinem verbrechen zurück- schreckleu und die Ration Ins verderben stürzen wöchlen. Die Aerzle hosten, datz der Präsident in einigen Wochen wiederhergestellt fein wird. Die Schntzverlehung am Unterkiefer fei nicht als gefährlich anzusehen, obwohl«in Knochenstück«nlferoi werden dürfte. Bei dem Täter Daniel Flore» wurde autzer einigen religiösen Abzeichen ein öO-Peso-Goldslück gefunden. MBIM 3) er •dammbruch bei Siraßforih 'IDie berichlei, erfolgte tDleimüig in den fpälen Abendflunden ein iDammbrüch des Slaufees bei StraBforitu etwa w hm nordöfi- lich ton Jaflrow(Jlreis Slalom), wodurch fleh etwa drei imtli- onen Jiubikmeler Itaffer in den XueddowfluB ergoffen. S>urch die QemaU der Itaffermaffen wurden fdutere Zemenlblöchc anderätelonbrücke InSlrafiforth herausgeriffen und, wie unfer Stlld steigl, die Strüche zerflörl, Zorns wünscht Ebermeyer. Oer sott ihm„Objekiiviiät" bescheinigen. Streik in der„Roten Fahne". Wegen Nichtzahlung der Löhne. Im Betrieb der„Jiolea Fahne" kam es am letzten Sonnabend zo einem Streik, weil wieder einmal die Löhne nicht rechtzeitig ausgezahlt werden konnten. Räch dreistündiger Arbeileelnsiellang war es der Geschäftsleltung gelungen, einen Teil der nötigen Summen heranzuholen, and es wurden nunmehr bll Mark pro wann ausbezahlt, worauf die Arbeit wieder aufgenommen wurde. Die Restbeträge sollten am Montag ausbezahlt werden, jedoch war die Geschöftvleituag an diesem Tage wiederum nicht Imstande, ihr versprechen zu erfüllen. Vorgänge wie der geschilderte sind in der Druckerei der„Roten Fahne" nicht neu. Schon im Oktober vorigen Zahre» hatle sich dort eine ganz ähnliche Szme abgespielt. Die Geldverlegenheit de» Betriebs ist so grotz. datz oft zum Wochenende Anleihen von 5000 Mark für 48 Stunden ausgenommen und die laufenden Einnahmen dafür I verpfändet werden! Zufolge dieser Unsicherheit de» Geschäsl,- canccs befindet sich dos Personal der kommunistischen Betriebe in etaer ständigen Unruh«, die oalurgemätz durch di« neuesten Ent- hüllungen über die geplante verramschuug de» ganze« Gerümpel, noch beträchtlich gesteigert worden ist. vle.Rot« Fahne" bringt es nicht nur ferlig, die Verkauf»- abflchlen der SPD. und die geführten Verhandlungen glalt abzn- leugnen, sie Hai sogar die Sltrae. von einer.fluauzlelleu Ojsensioe gegen die KPD." zu sprechen. Dem Personal. dos über die Herrscheade Mitzwirstchaft und den drohenden Verka-st des gesamten toten und lebenden Znvealars mit»-cht erregt ist. will man einreden, auch daran, wie an allem übrigen Unhell in der Welt, trag« nur der verruchte„Sozialsaschlsmus" die Schuld, wahr- scheinlich sinb d«nu auch alle die B i l o n z s ä l s ch u«. ge u Schiebungen und Veruntreuungen, die zu den wahr- zeiche« einer echt bolschewistischen Geschäslsführung gehören, von „sozialsafchsttischen Lockspitzeln" verübt worden! Um jeder Legeadeabilduog vorzubeugen, sei festgestellt, datz Au Beginn der heutigen Sitzung des Jorns-Prozefses stellte Justizrat Dr. L ö w e n ft e i n für den Nebenkläger Jörns den Antrag, den Oberrelchsanroatt a. D. Dr. Ebermeyer als Zeugen zum Beweis dafür zu laden, daß entgegen den Behauptungen des inkriminierten Artikels der Nebenkläger ausschließlich tvegen seiner juristischen Leistungen an das Reichsgericht berufen und zum Reichs- amvalt ernannt worden ist, datz er sich in seiner Tätigkeit als Reichsanwait als äußerst geeignet bewährt hat und besonders in politischen Prozessen stets die größte Objek- t i v i t ä t(?) gezeigt hat und datz er nach der persönlichen Wahr- nehinung des Zeugen unmöglich in einer von ihm gesührten Unter- fuchung einem Beschuldigten vorsätzlich Vorschub geleistet haben könne. Eiff zweiter Antrag des Nebenklägers bezieht sich� aus die Ladung des Landgerichtsdirektors Höhnl-Offenburg, dem Jörns über die äußerst schwierigen Verhältnisse geklagt hat, unter denen er die Untersuchungen in Sachen Liebknecht und Luxemburg gesührt habe. Der Angeklagte Bornstein bittet um Ablehnung dieses Antrages. Der Oberstaatsanwalt hält ihn gleichfalls für unerheblich, da ja nie behauptet worden sei, der Nebenkläger sei nur wegen seiner Untersuchungsführung In der Luxemburg- und Liebknechtsache zum Reichsanwalt ernannt worden. Das Gericht lehnt beide Anträge des Rebenkläger» ab. Es folgt die Vernehmung des Zeugen Ledebour. Er hat zu gleicher Zeit wie die Liebknecht- und Luxemburg-Mörder im Lehrter Zellengesängnis gesessen und kann aus eigener Er- fahrung erzählen, wie die Zivilgesangenen von links im Gegensatz zu Militärgesangenen von rechts behandelt wurden. Ledebour muhte, nachdem er von politischen Gefangenen mit einem Hoch begrüßt wurde, seit diesem Tage seinen Rundgong stets allein machen. Als bemerkt wurde, datz er sich im Korridor mit dem einen oder anderen G-fangenen unterhalten hatte, wurde in Zukunft dafür gesorgt, daß bei seinem Verlassen der Zelle sich niemand auf dem Korridor befand. Eines Tages sah er sich auch gezwungen, einen Soldaten zur Red« zu stellen, der. bloß weil ein Gefangener durchs F:nster geschaut hatte, aus diesen scharf geschossen hat. Auch aus Radek wurde einmal von einer„finanziellen Offensive" gegen die KPD. in keiner Weise die Rede sein kann. Der traurig« Zustand der kommunlslischea De- lritbe ist die Folge erstens einer wahnsinnigen kommunistischen Po- litit und zweiten» etuer unsähigeo und verluderten Wirtschaft. Alle Ableugnung»- und Ablenkungsversuche werden ver- geblich bleibe»! geschossen und ihm selbst wurde zu verstehen gegeben, datz sei» Leben sich in Gefahr befinde. Besuche seiner Frau erhielt er stets in Gegenwort eines Beamten. Um den Eindruck dieser Aussage zu verwischen, stellt Dr, L ö w e n st c i n fest, datz die Zioilgesongenen einer andcrcir Gesängnisleitung unterstellt waren als die Militärgesangenen, die. ähnlich wie die Liebknecht- und Luxemburg-Mörder, sich frei im Gefängnis bewegen durften. � Der nächste Zeuge Ist> Rechtsanwalt Dr. Alsberg. Er soll über seine Teilnahme an> dem Verfahren gegen die Luxen«» bürg- und Liebknechl-Mörder aussagen. Da er von seiner Schweigepflicht nicht entbunden ist, ist er gezwüngeu. sich auf seine persönlichen Veobachwngen zu beschränken. Eines Tages erschien bei ihm Leutnant Liepmarm, berief sich aus jeineir Vater, einen Amtsgerichtsrat in Eharlattendurg, und bat, seine und seiner Kameraden Verteidigung zu übernehmen. Einige Tage später niachte Alsberg den Borschlog, einen zweiten Verteidiger hinzu- zuziehen, da er Zweifel hatte, ob er die Leute von der Rosagnippe. wie man sie nannte, verteidigen könne. So kam Rechtsanwalt Dr, G r ü n f p a ch In die Sache. Es fand eine Reihe Konferenzen statt, an denen sämtliche Beschuldigten teilnahmen. Alsberg heilte die Verteidigung von Vogel, Liepmann, Pflugk- 5) arttun g und Stiege. verschiedenes in der Sache stimmte ihn bedenklich. Einmal der Umstand, datz Vogel im Gerichtsgcbäude untergebracht worden war und jede Nacht seine Zimmer ver- lasten durste, und dann auch die Tatsache, datz G r ü n s p a ch immer wieder zu Pabst ging und dieser, um die Sache in eine bestimmt« Bahn zu lenken, di« Anwendung uncrlaub- t«r Mittel oerlangte. Alsberg sagte damals zu Grünspoch, es würde noch einen großen Skandal geben, es könne irgendeine Schweinerei passieren. Als G r ü n s pa ch dann sogar Runge» Verteidigung übernommen Halle, weil Hmiptmann Pabst es so gewollt, da schien ihm dieser Zustand schon eine vollkommene Unmöglichkeit. Er trat von der Verteliditzung zurück. Der Angeklagt« B o r n st e I n will wissen, ob nach Ansicht des Zeugen der Rechteanivall Grünfpach den Pflichten eines Anwalts entsprechend gehandelt hat, als er die Verteidigung Runges über- nahm, obgleich dessen Interessen mit den Interessen der Rosa-Luxem- burg-Mörder kollidieren mutzten. A l e b e r g: Dr. Grünspoch Hot niir nie gesagt, daß er das für unbedenklich hält. Oberstaatsanwalt: Haben Sie eine Kollusionsgefahr bei der gemeinsamen Verteidigung von Vogel und der Rosa-Luxemburg-Mörder gesehen? Alsberg: Das ist Auffafslmgsfache. Ich tonnt« div Akten und glaubt«, daß eine Kollusionsgefahr bestehe. Bornstein: Holten Sie es für möglich, daß ein I u r i st v o n Verstand, der unbefangen an die Sache herangegangen wäre, nicht Zusammenhänge hätte Merten müssen? Die Frag« wird vom Vorsitzenden beanstandet! Alsberg gibt aber in einem anderen Zusammenhang die Antwort aus die Fragen Ich habe mir gesagt, erklärt er, daß, wenn zwei solche Handlungen an ein- und demselben Abend, um ein- und dieselbe Zeil, von ein. und demselben Hause aus geschehen, ein innerer Zusammenhang zwischen diesen beiden Talen bestehen mußte und daß unter solchen Umständen es unmöglich mar, gleichzeitig de» Oberleutnant Vogel und die Karl-Liebknecht-Mörder zu verteidigen, noch weniger aber diese und gleichzeitig den Angeschuldigten Runge. Borsitzender: Natürlich! Hornstein: hat Zorns von den Unterredungen zwischen Pabst und Grünspach gewußt? Alsberg: Nein. Der Name Zorns ist nur in Verbindung mit Liepmanns Besuch in der Kolibri- Bar gcsnllen. Ich habe damals meineni Kollegen gesagt: es ist doch ein unmöglicher Zustand! Der Angeklagte Bornstein stellt fest, daß Zorns es war, der de» Rechtsanmalt Dr. Grünspach als Verteidiger für Runge bestellt hat, und fragt den Nebenkläger, ob er sich nicht hätte sagen müssen, daß unter Umständen Runge in der Verhandlung erklären könnte, er habe aus Beseht seiner vorgesetzten und Mitangeklagten Offiziere gehandelt. Zorns erklärt, daß er das für unmöglich gehalten habe! Der nächste Zeuge ist der frühere Kommandant der Stadt Berlin, Oberst a. D. Reinhardt. Ashulich wie Ledebour oersucht er, natürlich von seinem Standpunkt aus, die damaligen politischen Verhältnisse in Berlin zu schildern und wird gleich jenem vom Vorsitzenden unterbrochen. Der Zeug« erzählt, wie er das Zcllengefängnis in der Lehrter Straß« besetzt hat, um in Berlin Ordnung zu schaffen, wie sich darin wegen Uebersüllung derart unwürdige Zustände gebildet haben, daß er sich gezwungen sah, auch das Gefängnis in Plötzensee für sich in Anspruch zu nehmen. Er selbst ist nur ein- bis zweimal im Gefängnis gewesen, das eine Mal, um für eine sichere Unterbringung Rädels zu sorgen. Der Kommandant des Gefängnisses habe sich aber wiederholt bei ihm darüber beschwert, daß es unmöglich sei, im Gefängnis Ordnung zu halten, daß die Leute in einer derartigen Zahl gebracht und geholt werden, daß eine Kontrolle unmöglich sei und er jede Verantwortung ablehne. Auf die Frage des Angeklagten Bornstein, was er unternoimnen hätte, wenn Jörns zu ihm gekommen wäre und ihm gesagt hätte, daß er als Iiirist und Untersuchungsvichtcr die Zustände im G«- sängnis wegen der besteheirden Kollusionsgefahr beanstande, erklärt der Zeuge, daß er Zorns dann um Borschläge auf Abäirdenmg dieser Zustände gebeten hätte. Es folgt der Zeuge Oberstoatsanwalt Ort mann, der im ardentlicheir Strafverfohren an der Untersuchung gegen die Mörder Luxemburgs und Liebknechts teilgenommen hat.' Kommt heute die Böß-Oebatte? Oer Aeliestenausschuß entscheidet über die nichtöffentliche Sihong. Wie wir bereits, in der heutigen Morgenausgabe des„Bor- wärts" mitteilten, will Stadtoerordnetenoorsteher haß den Brief des Oberbürgermeisters über die P e n s i o n sf ra g e in einer be- sondere» Verhandlung im Stadtparlament zur Debatte stellen. In einem Brief an die Stadtverordneten schlägt der Vorsteher als Termin für diese außerordentliche Sitzung, die nach der Geschäfts- ordnung nichtöffentlich geführt werden muß, den 13. Februar vor. Vor Beginn der heutigen Stadtverordnetenversammlung wird der A e l t e st e n a u s f ch u h zu dem Vorschlag« des Genossen haß Stellung nehinen. Ist die Mehrheit der Fraktionsoertreter der An- sicht, daß auch die Pensionsangelegenheit, entgegen dem Vorschlag des Borstehers, ösfentlich verhandelt werden soll, so könnte man den schon früher einmal geäußerten Gedanken wieder auf- nehmen, die Debatte über di« Penstonicrung mit der Aussprache über die Antröge der Parteien zum„Falle Böß" zu verbinden. Diese Zlnträge stehen auf der heutigen Tagesordnung als Punkt 17. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß man mit der Aussprache über diese Anträge und über den Bries des Oberbürgermeisters noch in der heutigen Sitzung beginnen wird. Heber die neuesten Anleiheverhandlungen des Magistrots ist noch immer nichts näheres bekannt. Di« Aussichten füb den endgültigen Abschluß werden jedoch trotz noch bestehender Schwierigkeiten als nicht ungünstig bezeichnet. Nie Kahri des Schreckens. Der Heizer eines verunglückten Zuges wird irrsinnig. Wien, 5. Februar. Wie die„Wiener Allgemeine Zeitung" zu einem Explo- f i o n s u n g l ü et auf der Lokomotive des D-Zuges Passau— Wien meldet, hat der Lokomotivführer Janowsty trotz furchtbarster Verbrenrnigcn den Zug noch zum Siechen gebracht und dadurch eine weitere Katastrophe verhindert. Der ebenfalls schwer oerletzte Heizer wurde auf dem Bahndamm besinnungslos aus- gesunde». Als er aus der Ohnmacht erwachte, wehrte er sich in plötzlich entstandenem Irrsinn gegen zede Hilfe. Er mußte in einer Zwangsjacke ins Krankenhaus gebracht werden. Blech störi Zugverkehr. Tod eines Lokomotivführers. Durch einen eigenartige« Unfall war heule früh das Zerngleis Spandau— Berlin auf längere Zeit gesperrl. Kurz vor'-�7 Uhr stürzte von dein Waggon eines fahrenden Güterzuges dicht bei Spandau eine größere Zahl Reklamebleche und fiel auf das benachbarte Ferngleis. Der wenige Minuten spater die Stelle passierende fällige Personenzug Altona- Lehrter Bahnhof kam durch das Hindernis zum halten. Es mußte ein Gerätszug herangeführt werden, von dessen Begleitpersonal die Ausräumlingsarbeiten vorgenommen wurden. Der Zugverkehr wurde durch Umleitungen über die Nebengleise aufrechterhalten: von 7.3t) Uhr ab konnte der Betrieb wieder planmäßig durchgeführt werden » Gegen 7.30 Uhr erlitt der Lokomotivführer Pilz eines von Wannsee in Richtung Berlin fahrenden Vorortzuges kurz vor der Ankunft aui dem Potsdamer Bahnhof einen Herzschlag. Der Zug konnte glücklicherweise vom Heizer sofort zum Stehen und später in die Bahnhofshalle gebracht werden. Deutschland und Ner deutsche Botschaft' In seinem Vortrag in der Singakademie beleuchtete 35r. Bruno Weil den Fall Dreyfus zunächst von der französischen Seite aus. Wieder erlebten mir das Auftauchen französischer nülitärischer Aktenstücke, die durch die G e g e n s p i o na g e in der deutschen Botschaft gefunden waren, die Verhaftung des Hauptmanns Drey- fus, die Ueberführungsversuche des Maiors du Paty de Clam. die Veröffentlichungen in der antisemitischen„Libre Parole" üb«» den jüdischen Landesverräter, das skandalöse Kriegs- gerichtsverfahren, die Verurteilung zu lebenslänglicher Deportation auf die Teuselsinsel. Es folgt der Kampf um das Recht, die Be- mühungen des Bruders Mathieu und rechtlicher Männer wie Scheurer-Kcstner, Rein ach, Clcinenceau und Jean Ja u res. Es folgt das„Jaixusc" Emile Z o la s. Gegen die sanatischen Bemühungen dep Militärs, von denen einer nur, der Oberst Piccard, sich auf die Seite des Rechts stellte, kommt es zur Wiederaufnahme, zu halbem Fresspruch und halber ZZerurteilung, zur trügerischen Amnestie und dann zur Rechtfertigung der Un- schuld, zur Aufdeckung der Schuld, zur Rehabilitierung des Haupt- manns Dreyfus. Im Hintergrund aber steht die hohe Politik. Der Sieg des Rechts ist der Sieg der Republik, der Sieg der Demokratie über den klerikalmonarchisttschen Klüngel im Großen Gsneralstab der französische» Armee. Diese Vorgänge sind im allgemeinen be- kannt. Neu ist, was Dr. Weil über die Rolle berichtet, die Angehörige der deutschen Botschaft in Paris in der Angelegenheit spielten. Botschafter war Graf Münster, ein persönlich ehrenwerter, auch in Paris angesehener Mann, der dos Deutsche Reich schon länger als ein Jahrzehnt bei der franzosischen Republik vertrat. Unmittelbar nach dem Ausbruch der Dreysus-Affäre befragte Graf Münster das gesamte Botschaftspersonal, darunter auch den Militärattache Oberstleutnant v. Schwartzkoppen, ob ste irgendwelche Beziehungen zu französischen Offizieren unterhalten hätten. Der Militärattache erklärt«, Dreyfus nicht zu kennen, verschwieg dabei aber, daß er mit einem anderen französischen Generalstabsoffizier, dem Major E st e r h a z y, in Verbindung stand. Im Vertrauen auf die Erklärung seines Militärattaches verlangte der deutsch« Botschafter von der französischen Regierung ein Dementi der Angriff«, die wegen.des Borderaus, der Schriststückc. die in der deutschen Botschaft gefunden sei» sollten, gegen dies« gerichtet worden waren. Er verpfändete dem Präsidenten der Republik und allen übrigen Amtsstellen sein Ehrenworl. daß Dreysus in der Botschaft niemandem bekannt sei und daß kein wichtige» Schriftstück nach der Art des Bordereaus aus der Botschaft abhanden gekommen sein könne. Die französischen Amtsstellen wußten, daß der zweit« Teil dieser Versicherung falsch war. Deshalb glaubten sie auch den ersten Teil nicht. Alle im Lause der Jahr« abgegebenen Erklärungen Deutschlands, die offiziöfea Verlautbarungen in der „Kölnischen Zeitung", die offizielle Erklärung im„Reichsanzeiger". die Erklärung des Grafen Bülow im Reichstag, die wiederholten Beteuerungen des Grafen Münster wurden von Frankreich nur als diplomatische Mittellungen angesehen, denen man wegen ihrer zum Tell offenkundigen Unrichtigkeit keinen Glauben zu schenken brauche. Als dann in einer schweizerischen Zestung genaue Mitteilungen über die Beziehungen Echwartzkoppens zu dem Major Esterhazy erschienen, wandte sich der empörte deutsche Botschafter an das Aus wärtig« Amt mit der Klage, daß sein Mllitörattachö ihn hinter- gangen hätte. Es kam zu einer heftigen Szene zwischen dem Botschafter und dem inzwischen zum Kommandanten eines Garde- Zusammenbruch einer Lüge. Bolschewistisches Kneifen vor Gericht. heute vormittag hatte sich vor dem Amtsgericht Bcrlin-Mitte der frühere verantwortliche Redakteur der„Roten Fahne", F i r l> wegen Beleidigung des 1. Vorsitzenden der Baugewerkschast Berlin des Deutschen Baugewcrksbundes, Drügemüller, zu verant- warten. Firl hatte Anfang Oktober vorigen Jahres Artikel der„Roten Fahne" mtt seinem Namen gedeckt, in denen anläßlich des wilden Bauarbeiterstreiks auf dem T i« tz- N« u b a u in der Ehausseestraße die Behauptung ausgestellt wurde. Drügemüller habe die Streikenden als„hergelaufene Band«, Zigeuner und anderes mehr" beschimpft. Am 3. Oktober wurde Drügemüller in der„Roten Fahne" als„Lügner" bezeichnet, der das Gerücht in die Welt setz-, der Stukkateur, der ihn zur Zurücknahme der angeblichen Be- leidigung der Streikenden ausgefordert habe, sei besoffen gewesen. Das Bolschewistenblatt knüpfte daran die logisch« Schlußsolgerung": „Der Beschimpfung der Bauarbeiter folgt die Verleu»dung von Stukkateuren. Das sind die infamen Methoden eine» gestellten Lügners, der rücksichtslos mit dem Mittel der Beschimpfung und Verleumdung von Arbeitern den sozialfaschtstischen Kurs im Bau- gewerksbund durchführt." Firl unternahm in der heutigen Gerichtsverhandlung gar nicht erst den Versuch, den Beweis für die Richtigkeit dieser Be- hauptungen anzutreten. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Apfel, griff das Anerbieten des Gerichtsvorsitzenden, einen Vergleich abzuschließen, sofort aus. Firl unterzeichnete ohne Zögern folgenden Vergleich: „Ich nehme die in dem Artikel in der„Roten Fahne" vom 3. Oktober 1020 enthaltenen peisönlichen Beleidigungen des Privat- klägers zurück und erkläre, daß ich die in dem Artikel enthaltenen Vorwürfe über das Verhalte» des Privattlägers gegenüber den Bauarbeitern und Stukkateuren, die auf-der Baustelle Tietz in der Chausseestraß: beschäftigt waren, n-chtaufrechterhalten kann. Ich übernehme die Gerichtskosten und die gesetzlichen Gebühren des Anwalts des Privattlägers. Die übrigen außergerichtlichen Kosten der Parteien werden gegeneinander ausgehoben. Ich verpflichte mich ferner, spätestens innerhalb einer Woche nach Zustellung dieses Der- gleichs ihn in, der„Roten Fahne" und im„Vorwärts" zu veröffentlichen." Diese Verhandlung kennzeichnete wieder einmal die Kampses- weis« der Konnmmistcn� Erst ver'cawdet man frech daraus los, um nachher, zur Verantwortung gezogen, kein Wort der Rechtfe'Lgung zu finden. Hirse„Revolutionäre" spekulicrcn auf die Gutm l ftk:ü der Beschimpften', die ihnen immer noch-inen„Vergl.ich" ermög- Itchen! Die nächste brillsche Reichskonserenz wird in London im Otiobcr abgehalten werden. Eine Reichswirtschastskonserenz wird zur selben Zeit in London zusammentreten. der Fall Dreyfus. r vom Militär belogen. regimenrs avancierten Herrn von Schwartzkoppen, dem van Münster Wortbrüchigkeit vorgeworfen wurde. Trotz dieser schweren Beleidigung tennie Schwartzkoppen gegenüber Münster den sonst damals übltchen Weg. des Duells nicht wählen. In einem langen Schreiben verwies er darauf, daß er bei der Verschweigung des Namens Esterhazy dem Botschafter gegenüber aus Befehl des deutschen Großen Generalstabs und mik wissen des Staatssekretärs Grasen Bülow gehandelt habe. Er gibt die Beziehungen zu Esterhazy zu und telll mit. daß er diesem nicht mir e i n Ltadttelegramin, das rielgenaimtc „Petit Bleu", jondern eine ganze Anzahl geschickt habe. Durch diese Akten aus dem Familtenarchiv Münster ist der nach den Akten des Auswärtigen Annes an sich nicht vollkonunene Beweis der Beziehungen Esterhazys zu Schwartzkoppen einwandfrei fest- gestellt, und dies, obwohl der Ehef des deutschen Generalslabes, Graf Schliesfen, auf eine direkte Anfrage des Reichskanzlers er- tlärt hatte, daß die bei den militärischen Stellen vorhandenen Urkunde,«„seiner Meinung nach«inen überzeugenden Beweis" von der Schuld des Majors Esterhazy nicht erbrächten." Der deutsche Kaiser hat in einer ganzen Anzahl von Rand- bemerkungen von Anfang an seiner Meimmg Ausdruck gegeben, daß Dreyfus zu Unrecht verurteilt sei. Der Botschafter, Graf Münster, hat sich mit seinem Wort für die Unschuld des Kapitäns ausgesprochen. Entscheidend aber sind die erst jetzt bekannt- gewordenen Geheimberichte des Obersten Schwartzkoppen. Er erklärt in diesen, daß er Drcyjus tue gekannt, nie gejehen, weder direkt noch indirekt Beziehungen zu ihm unterhalten hätte, auch nicht durch Mittelsmänner oder sonst in irgendeiner Werse. Schwartzkoppen war aber durch militärischen Befehl zur VerHeim- lichung der Wahrheit, zu einer Lüge gegenüber seinem Botschafter angewiesen worden. So muhten alle Beteuerun- gen des Botschafters bei der svanzösischcn Regierung wirkungslos verpuffen. Dieser ungeheuerliche Borfall beleuchtet grell die Miß- Wirtschaft unter dem Kaiserreich, die durch die Sonderstellung der Militär- und Marineattachvs einreißen mußte. Der Militärattache fühlte sich nicht seinem Vorgesetzten, dem Botschafter, sondern dem Generalstab ocrtvstworllich. Ohne das unglaubliche Verhallen Schwartzkoppens wäre die Dreysus-Affäre im Keime erstickt worden. Aber auch der Staatssekretär von Bülow vertrat, wie aus einem Aktenstück hervorgeht, den Standpunkt, es sei nicht zu wünschen. „daß Frankreich durch«in« rasche und eklatante Reparation von Dreyfus sich sofort wieder die libercstc und jüdische Sympathie erwirbt. Am besten ist es, wenn die Affäre weiter schwärl, die Armee zersetzt und Europa skandaliert." So hat auch damals, im Jahre 1800, die Macchiavelltstische Methode der allen Diplomatie aus falsch verstandener Staatsräson über alle menschlichen Erwägungen gesiegt und einen beträchtlichen Tell der Schuld an einem der furchtbarsten Justizirrtümer aller Zellen gc- tragen. Durch die Iln Wahrhaftigkeit Schwartzkoppens lqg Drey ins jahrelang auf der Pritsche ans der Teuselsinsel angekettet. Der Vortragende Well schloß mit einem Hinweis auf Bollairo, der durch sein„Ecrasez rinfarne(Vernichtet das Scheusal) dem Rechte im Falle des Jean Callas zum Siege veryalf und damit eine- neue Zeit ankündete, Im Vergleich zu dem„J'accvsc" Emile Zolas, der durch feine Tat die französische Republik von den verderblichen Einflüsien rückständig-monarchlstischer Militärs reinigto. Er endete mit den Worten: Die Zukunft ist bei denen, die für das Recht und die Wahrheit kämpfen. Zeiten der Rot. Auch die Künstler leiden unter Berlins Finanzlalamitai. Mit den Leistungen der Stadt für die lebende Kunst und ihre Vertreter sieht es zur Zeit infolge der schwierigen finanziellen Lag: trostlos aus. Die Verfügung des Oberprösidenten, die Stadt dürfe keine Ausgaben machen, zu denen sie nicht gesetzlich verpflichtet>st, greift hier ein. Die Erwerbslosenfürsorg« für geistige Arbeiter, von der auch die bildenden Künstler Nutzen zogen, >st nicht gesetzlich geregell. Die Ausgaben für Pflege der Kunst unserer Zeit haben, soweit sie nicht etwa das Märkische Museum betreffen, das ja wesentlich anderen Zwecken dient, keine gesetzliche Grundlage. Man hat sogar den noch vorhandenen Rest der Mittel, die für notleidende Künstler schon bereit gestellt war, diesem Zweck wieder entzogen. Der Reichsverband bildender Künst- lcr Deutschlands weist darauf hin, daß manchem Künstler durch ein paar hundert Mark in diesem Winter Schaffensfreude und Schaffenskraft erhalten werden könnte. Artur Häußlers letzter Gang. Im Krematorium Gerichtstraße oersammelten sich gestern die sehr zahlreichen Gesinnungssreunde und Kollegen mit den An- hörigen, um Abschied zu nehmen von Artur h ä u ß l« r. Nach«in- leitenden Gesangs- und Muslkverträgen zeichnete Genosse Roth vom Freidenkervetband die Person des Verstorbenen. Für die Sozialdemokratische Partei sprach Genosse Künstler. Dank und Gruß, so führt« er aus, entbiete ich im Namen der SPD. dem braven Mitarbeiter. Artur häußler gehörte zu den vielen vielen Tausenden, bis in rastloser Jöelnarbcit erst die voraucsetzung schaffen für den Ausstieg der Partei. In schwerer Zeit für die Partei wurde Artur häußler durch das Vertrauen seiner Parteifreunde aus den wichtigen Posten eines Parteisekretärs berufen. Schlicht und einfach wie sein ganzes Leben hat er auch stets seine Pflicht ersüllt. Di« Partei und jeine Klassengenossen haben dem leider zu früh Verstorbenen viel zu danken. So, wie Artur häußler in treuer Pflichterfüllung Tao für Tag gearbeitet hat, so wollen wir mtt unseren Kräften bcuragen, das Los seiner Gattin und unmündigen Kinder lindern zu helfen. Der R-dner schloß mit den Warten:„Artur häußler ruhe aus von deinen qualvollen Leiden. Ich grüße dich in dieser schweren Stunde der- Scheidens, und sage Dank für die So-iaidemakratilkbe Partei Berlins für das vsrbtld- liche Wirken" Nachtem«in Vertreter des Reichsbanners und Genosse Bahn für den Metallarbeiteroe-band gesprochen hall«, sank der Sarg unter den Klängen der Trauermusit In dle Tiefe.— Nicht nur die Gattin und zwei kleine Kinder trauern um den Verstorbenen, auch der alte 70jährtge Vater sah mit dem Sohn seinen Stolz und seine Hoffnung da hinsinke«. » Oesterreich als Ausbeutungskolottie. Schwerindustrie gegen den Ansch uß. Genosle Hugo Schulz von der Wiener„Arbeiter-Zeiwng" sprach im.�Oesterreichisch-Deutschen Bollsbund" über..Die 21 n* schlu ßsrag« in de r österreichischen Innenpolitik'. Er betont«, daß in den Massen des österreichischen Volkes der 2ln- ichlnstgedanke gleich einer messianischen E rl ö s u n g s idc e so fest verwurzelt sei, daß k«ine der politischen JiUeressenströmungen m der herrschenden Klasse ihn beseitigen könne. Lediglich unter den söge- nannten oberen Zehntausend, die sentimental von den Hobsburgischen Herrlichkeiten träumen, und ihrem Anhang von de- klassierten Intellektuellen gäbe es«rnschaste Anschluhfelnde. Gewisse Kreise des österreichischen Katholizismus, die der demokratisch- republikanischen Politik der deutsch«» Zentrumspartei abgeneigt sind, unterstützen die Gegner des Anschlußgedankens. Aber die gefährlichsten Feinde des Anschlusses sind diejenigen Kreise der deutschen Schwerindustrie, die. im Besitz der Aktienmehrheit der Al- pinen-Montangesellschaft. in den 6 Millionen deutscher Oester« icher Deutsche zweiter Klasse erblicken, Bewohner einer Aus- b e u t u n g, k o l o n i e, die auf gleicher Stute wie sruh«r Kamerun oder Ostafrika für ste stehen. Sie unterstützen das reaktionäre öfter- reichische Bürgertum und den Heimwehrfaschismus, w«i! sie mit diesen Schichten einig sind in der Furcht vor dem geschlossenen, durch Giegestelegramm. „Hallo— Moskau dort?— Hier KPO.'Zeairale, Abteilung Invrekorr. Wir übermilteln Bericht vom t. Kebruar: Schupo vernichtend aeschlagen, Kommu- nisten Herren der Straße, Barrikaden überall... Hallo, was fraat Zbr? Wie es wirtlich war? Rischt war— selbstmurmelnd!" keine Spaltung geschwächten Block der östereichischen Sozialdemo- tratie, die mit ihrer Millionenschar von Anhängern unbedingt an- . schlutztreä ist. Nur Dank der Unterstützung der deutschen Schwer- industri« können die österreichischen Hakenkreuzler daran denken, einen Anschluß an Italien oder Ungarn dem Anschluß an Deutschland vorzuziehen und auf die Befreiung der Südtiroler ' Deutschen moralisch Verzicht zu leisten. Die Masse der christlich- sozialen Mitglieder, der größten bürgerlichen Partei sind anschluß- freundlich, und nur die Führerschicht treibt eine Intercssenpolitik. die unter dem Deckmantel des Wortes.national" Interessen der Nation verrät. Die Hossnungen des vom österreichischen Bürgertum als Gegengewicht gegen die„Roten" großgezüchtelen Faschismus werden aber zunichte werden, wenn die österreichischen Polksmasien die un, würdige Rolle durchschauen, in der die Steidl«, Pfrimer ulw. den Aarschluß zu einem Handelsobjekt einer Herrenkast« machen. Der Anschlußgeldanke wird lebendig bleiben in Oesterreich und wird, geiragen. vom österreichischen Volte, den Sieg«rringen! pola Aegri in Mien. Weil sie ihren Manager nicht besohlen will. Pola Negrt. die setzt einige Tage in Berlin weilt.' und inzwischen nach Nizza gefahren ist, hatte am Sonntag eine peinliche Ueber- raschung zu erleben. Die Künstlerin, die im Begr. ff war auszu- gehen, erhielt plötzlich den Besuch eines Gerichtsvoll- z i e h e r s, der ihr einen vom Landgericht II ausgestellten Arrest in Höhe von 20 000 M. präsentierte und noch ehe Frau Negrl Ein- Wendungen erheben konnte, eine Perlenkette abnahm, die sie gerade umlegen wollre. Die plötzliche Pfändung der Frau N'gri hat folgend« Vorgeschichte: Bor 5 Jahren stand die Künstlerin mit dem Film- und Theateragenten S. Nach mann in Verbindung unld dieser hatte ihr ein Engagement an die Ufo vermittelt Frau Negri ging jedoch nicht zu dem Filmunternehmen, sondern schloß inzwischen, nachdem mit der Ufa ein« Verständigung erreicht worden war. einen Vertrag mit der Parusamct und übersicdeltc nach Hollywood. Rachmann glaubte trotzdem Ansprüche an Frau Negri zu habe» und beziff« t- seinen Anteil an der Vermittlung des Kontrakt» mit der Ufa auf 50 000 M., später verlangte er für da« Abkommen mit der Paru» famet einen Betrag von SO 000 Dollar. Seit Jahren geht nun c'n Briefwechsel zwischen Rachmann und Frau Negri hm und her. der. ums die Fllmdiva onbetrisst, zuletzt sehr ichrofse Formen angenom- men hat. denn Pnla Negri weigert« sich nach wie vor. irgend- «ine Vergütung an ihren deurschen Manager zu zahlen. In Amerika war es Rachmann nicht möglich, den von ihm geltend gemachten Batrag gerichllich einzutreiben und so wart'te er. bis die Negri nach Berlin kam. Am letzten Freliae beantragte«r be'm Landgericht II einen Arrest in Höh« von 50 05-) M., der ihm am Sonnabend erteilt wurde, allerdings unter der Bedingung daß von Rachmann der angeforderte Betrag bei Gericht als Sich« heit hint.'r. legt werde. Dos ließ sich bei der Kürze der Zeit nicht mehr arran- gieren und so erteilte das Landgericht dem Monager sch'iehlich nur einen Arrest in Höhe von 20000 M. Dieser wurde dann in der oben geschilderten Weise an der Künslleri» vollstreckt. Der ordent- liche Prozeß in dieser Angelegenheit dürfte noch im Laufe dieses Monats nach der Rückkehr der Frau Negn stattfinden. Ein Buch gegen Was ist 2 Die Millionen von Toten, hü? her Krieg unter die Erde bracht«. wurden gezählt. Noch nicht wurden aber gezählt die Werke der Schriftsteller, die in allen Ländern der Erde dafür sorgten, daß die Erinnerung an die Weltkatastrophe ewig wach bleibe. Soviel weiß man nur, daß der Krieg als Materie für Gedanken..Erinnerungen und künstlerische Darstellung noch immer unermüdlich durchackert wird. Immer neue Zeugen'�der Blutkatastrophe melden sich und versichern, daß ste ollein der Wahrheit die Ehre geben und im ab- soluten Einklang mit den Totsachen die Geschehnisse schlldern wollen. Nun stellt sich der Franzose Jean Norton Cru ein und behauptet, daß all diese mit fleißigster Feder sich anbietenden Zeugen gar nicht da» Recht besaßen, als die wahrhaftigen, unbedingt zu- verlässigen Kronzeugen des Kriegsgeschehens aufzuireten. Mögen die Schilderer mit der Phantasie arbeitende Dichter oder schwung- volle Zeitungs- und Ruhmreporter oder mit genauen Tabellen hantierende Verfasser von Armeechroniken oder nur bescheidene Ab- seither von Kriegsbriefen an Eltern, Gattinnen oder Geschwister gewesen sein, stets habe sich gezeigt, daß ihre Berichte niemals die trockene, die allein wichtige Wahrhaftigkeit des Krieges erreichten. Norton Cru trug ein 700 Lezikonfeiten in engstem Druck aus- füllendes Buch, zusammen, um seinen„analytischen und kritischen Versuch" cur all diesen Erinnerungsstücken vorzunehmen, die von französischen Kriegsteilnehmern von 1913 bis 1S2S aufgezeichnet wurden. Er leistete somit eine ungeheure Arbeit, er vollbrachte vor ollem ein sehr verdienstliche» Werk. Unter den„Zeugen", deren Aussagen der Franzose saitbiert, befinden sich nicht etwa nur krregswütige Federfuchser, die mit Romantik und patriotischem Radau die Herrlichkeit und seelen- hygienische Wirkung des Stahlbads besangen, nein, auch die Wahr- heitskraft der kriegsfeindlichsten und friedenefteundlichsten Schilderer wird untersucht. Sie olle scheuten sich nicht, wenn der Kritiker recht behält, auf Kosten der nüchternsten Wahrheit mehr ihre Ein- bildungskroft und ihr Gemüt» als die unbestechliche Ehrlichkeit sprechen zu lassen. So kommt unter dem kritischen Mikroskop selbst Henri Barbusse, ein Mann von höchstem moralischem Range, sehr schlecht weg. Barbusse erschütterte mit seinem Kriegsroman „Das Feuer" Millionen von Menschen. Er darf als Klassiker des Sriegsromans gellen, der zum ersten Male Vernunft und Gewissen gegen den blutigen Wahnsinn spornte. Und sein Buch„Klarheft", das bald dawuf folgte, machte vielleicht noch stärkeren Eindruck, weil es aus den entsetzlichen Erfahrungen die Notwendigkeit der internationalen Klasiensolidarftät ableitet. Was bleibt aber, wenn nachgeprüft wird, wie weit die Kriegs- biographie des Soldaten Barbusse, wie weit die aktenmäßig zu bc- legende Realität feiner persönlichsten Erlebnisse mit diesen dichterischen Schilderungen übereinstimmt? Der Kritiker will um Himmels willen kein Titelchen vom ehrlichen Namen des Mannes abbröckeln, den wir verehren. Barbusse hat als Soldat furchtbar gelitten, er hat selber schwer geblutet, körperlich und seelisch— doch seine Kriegsbücher müssen nur„Schützengrabemftopien" ge- namtt werden, sobald die unerbittllche Folge nach ihrer materiellen Wahrhoftigkeft erhoben wird. Diese Neugierde des Franzosen soll nicht kleinlich gescholten werden. Tollgewvrdene Phantasie, bewußte Bestialität, auch Rassen- und Völkerhaß haben das Kriegsfoktum tausendmal ver- ballhorift, verzuckert oder mit falschem Heldentum aufgeplustert. Aber auch die Besten und Aufrichtigsten verbrannten sich den Ver- stand und die Finger, sobald sie ihr Genie mit der Höllenmaterie Alfred Adler. Der Wiener Forscher und Arzt Alfred Zldler, der Begründer der Individualpsychologie, sieht morgen, an seinem SO. Geburtstage, auf eine sozialpädagogisch« Arbeit von mehr als zwei Jahrzehnten zurück, di« uns in besonderem Maße angeht. Mft seiner n«uen psychologischen Schule, di« in ihrer Theorie «ine Lehre vom irrenden Menschen darstellt, und in ein« Technik der Bewußtseinsveränderung einmündet, hat Adler Menschenkenntnis, Charakterkunde und Erziehung auf das sichere Fundament der verantwortlichen, erlernbaren Wissenschaft gestellt. Was früher als Erzi«hungs„kunst" Privatmonopol weniger Begnadeter zu sein schien, fängt nun an, als'cine Lebenstcchnik gegenseitiger Hilf« uns allen zugänglich zu werden. In einem Gedankensystem von überzeugender Einfachheit und mit einem Erfahrungsmaterial von Hunderten sorgsam durchgear- beiteter Fälle bewefft Adler, daß man auch mit dem trotzigsten, argwöhiüschsten, intrigantesten Charakter übereinkommt, wenn man es sich leisten kann, auf den Anspruch der Autorität zu verzichten, und wenn man gelernt und geübt Hot, den Pessimisten und Menschen- femd zum Mitarbeiten zu ermutigen. Es gibt im Adlerfchen Jdeengebäude keinen Gedanken, der nicht schon einmal im Laufe der letzten dreitausend Jahre von einem Denker, Dichter oder Philosophen ausgesprochen, geschrieben oder gedruckt worden wäre. Dem intellektuell Verwöhnten erscheinen daher die Methoden und Ergebnisse der Individualpsychologie oft allzu vertraut und einfach und daher verdächtig. Slber dieser Ver- dacht fällt«ms den so Verwöhnten selbst zurück. Nicht auf den in jedem Falle fragwürdigen Ruhm der Neuheit kommt e» an, sondern auf di« systematische Zusammenfassung zusammen- gehöriger Erkenntnisse und Methoden. Tiefe Einsichten in das Wesen der menschlichen Psyche, wie sie mit Aristoteles, Shakespeare, Dostojewski— von ihrer Mitwelt oft nur heckd verstanden— jedesmal mft zu Grabe gingen� und von späteren Genialen immer wieder von neuem„entdeckt" werden mußten, lassen sich nun systematisch wieder ausgraben und von einer Generation zur anderen weitergeben.— Es ist Ruhm genug für den Sechzlgjährigen, daß wir ihm dieEystematikdesLängst- bekonnten verdanken. Von Wien ausgehend, faßte die Adlersch« Individualpsychologie in Deutschland, England und Nordamerika Fuß und erhielt eine ihrer bedeutsamsten Pflegestätten im Individualpsychologischen Inst:- tut zu Berlin, wo der Nachwuchs ausgebildet wird und Angehörige aller jener Berufe, di« mit Vorgängen Individueller Charakteroer- änderungen zu tun hoben(So-iaibeamte, Aerzte, Lehrer, Jugend- leiterinnen. Kindergärtnerinnen), individuolpfy chologss che Schulung erhalten. Oeffentliche Erziehung?-. Ebe- und Psychopathenberatung auf der Grundlage der Iwbivid"alpsy �alogischen Erkenninssle haben begonnen,«ine erprobte Technik des Alltagslebens— auch für die schwierigeren Fälle de? Umgangs mit Asozialen und Leidenden— weitesten Kreisen zu erschließen. Daß Adler in verhältnismäßig so turzer Zeit seiner Lehr« Aner- kennung verschaffen konnte. Ist wohl auf die besonder« Werbemethode zurückzuführen, die er selber Honichabt und seinen Mitarbeitern an- y die Kriegsbücher. des Krieges belasteten. Hiersür«II» Beispiel: Maupossant Ulw Zo.a wollten gewiß keine Kriegshetzer fein. Was taten sie trytzdem? Maupassai« erzählt, daß im Kriege 1570 ein Turko seinem Leutnant ein wohlduftendes Beefsteak porsetzde— geschnitten aus der Flanke eines Preußen. Und in seinem Roman„Zusammenbruch", der für alle Zeiten die Kriegsgreuel anprangern soltt«, erzählt Zola, wie französische Franktireurs«inen Deutschen gleich einem Stück Vieh abstechen- Beide Geschichten sind— poetische Erfindungen, wofern dieser Ausdruck für solche Schweinerei gestattet ist. Und jetzt er- hebt der Kritiker Norton Cru seine Empörung und sagt etwa: Wenn sonst im Leben jemand seine Nebenmenschen als Menschen- fresser oder als Menschenschlächter verleumdet, dann wird er vor Gericht gezogen und rücksichtslos verurteilt. Zola und Maupassant wurden weder angeklagt, noch verurteilt Und der Kritiker setzt hinzu:'Als 1914 deutsche Soldaten nach Frankreich einmarschierten. hatten Taufende von ihnen diese berühmten Schriftsteller gelesen, auch ihre Kriegsgeschichten. Nur wußten sie nicht, daß die genialen Schriftsteller olles das Schändliche erdichtet hatten, ja sogar erlogen, allerdings nickst etwa, um farbige oder weiße Franzosen zu beleidigen. sondern mir, um ein abschreckendes Beispiel van der Knegsocrtierung bei sonst friedlichen Menschen zu liefern. Klagte» damals Franzosen über die aus Angstwahn begangenen Grausam leiten deutscher Soldaten, so hätten sie als eigentliche Urheber dieser 'Zerbrechen vor allen Dingen ihre weltberühmten Kriegslügner Zola und Maupassant angeben müssen. In französischen Bibliotheken schimmeln 7500 Scharteken. Sie sind der literarische Niederschlag des Krieges 1870171. Die Menge der Bücher über den größten Weltkrieg ist noch nicht gezählt. Sie wuchs natürlich im normalen Verhältnis zur Dauer und räum? luhen Ausdehnung des Weltkriegs. Diese ganze Weltkriegsliteratur Hot aber kein Fünklein von ihrer jetzt hinreichend charakterisierten Gemeingefährlichkelt eingebüßt/ Der analytische Kritiker gelangt da zu sehr merkwürdigen Ergebnissen. Irrt der Franzose nicht, dann steigt die Unzuverlässiakeft des Berichterstatters mit seinem mili- tärischen Rang. Der Marschall, der General und Generalstabschef, der höhere Offizier abwärts bis zum Hauptmann, sie all« erfuhren ja kaum etwas von dem, was der wirkliche Krieg für den einfachen Soldaten war. Sie schablonisierten die Sokdatemssychologie und das Soldatenertebnis. Sie fragten nur noch dem abstrakten Effekt des Krieges und nicht nach dem konkreten Menschenmateoial. das den Effekt herbeiführte. Gaben die Hochchargierten französische Kriegs- bücher heraus, so waren diese Werke stets mit reinster Hurra- stimmung beschwingt. Der Kritiker gibt sich keine Mühe, nach den Ursachen dieser unheilbaren Begeisterung zu suchen. Er fragt auch incht, ob sich etwa die gleiche Tatsache bei den Kriegsbüchern der anderen feststellen ließ. Der Krittler zitiert die Kriegsbücher der „Führer", die durchweg erzählen, daß Frankreichs Soldaten stets mit„Vive la France* und der Marseillaise in den Schützengraben hüpften. Aber er wirst nicht mehr die Frage onf. ob auch in den Kriegsbülbern der anderen Länder die gleichen Märchen aufgetischt werden. Endlich setzt Jean Norton Cru den Punkt hinter seine analytische Kritik und meint wörtlich:„8, vi» paccm, pars-- veritatem." Willst du den Frieden, dann bahne recht, zeitig der Wahrheit einen Weg— es scheint, man ist schon wieder bereit, die Dinge ihren otten Trott kaufen zu lassen. Es ist, als wollte man wieder gestatten, daß der Geist unserer Kinder mir mit ölten Fabeln und Märchen vollgestopft wird. Mm vergesse nicht, daß es diese Märchen waren, die zum August 1914 heranführten? dl. H. empfiehlt. Da- Geheimnis feines Erfolges läßt sich auf eine recht einfache Formel bringen: Es gilt, sich zu bewähren und das Per- trauen der anderen zu gewinnen.— Das ist keine Neuigkeit: alle Morallehren, die es gab, sagen ähnliches aus. Aber es ist wie das Ei des Kolumbus, daß man, wie Adler zeigt, zur praktischen Aus- Wirkung dieser Formel auch ohne Morallehren, einfach durch den Verzicht auf den Geltungsanfpruch der Autorität, gelangen kann. Scheinbar banale Vorgänge sind es gewesen, die Adler zu seiner eigenartigen Anschauung der Lebensvorgöng« anregten. Archimedes gewann im Bads Interesse für die physikalische Frage, wieso feste Körper rm Wasser leichter erscheinen. Adler begann mit dem Studium der Menschenkenntnis als spielender Gassenjunge in den Vorortstraßen Wiens. Cr gehörte nicht zu den körperlich Bevor- zeugten seiner Mersklqsse, hatte vielmehr gegen Schwäche und Krankheit anzukämpfen. Aber unter den Kassenjungen galt das nicht als Ausrede: wer da etwas bedeuten wollte, mußte mitmachen. Ad'er macht« mit und lernt« dabei dreierlei: welche Bcdcuwng angeborene Orgamninderwertigkeiten gewinnen können als er- fchwerter Start ins Leben, welche Rolle dem Mute zukommt beim Einüben der persönlichen Lebensteckmik, und wie sehr unser« Psyche bestimmt ist durch die menschliche Gemeinschaft. Dies« Erkenntnisse wurden dann zu Tragpfessern der individualpsychologischen Lebre. Nicht jeder Badend« wird zum Physiker und nicht jeder Gassen- jung« zum Psychologen. Aber di« Eharakterleitlinien zu finden, die zu solch individueller Persönlichkeitsentwicklung führen, und mit ihnen in der Erziehung tresfficher zu rechnen, das Hot uns Alfred Adler gelehrt. Otto Müller-Main. SaS zweite Kai�erschiff im Nemi-See. v Der Wasserspiegel des Rcmi-Sees ist bereits um 14 Meter gesenkt worden, so daß auch das zweite der viel besprochenen römischen Kaiserschlfse fichtbar wird. Da das Schiff zum größten Teil von Schlamm bedeckt ist und«ine stark geneigt« Lage hat, muß der Wasserspiegel noch um etwa 3 bi« S Meter gesenkt werden. damit das Schiff vollkommen zum Vorschein kommen kann. Der Leiter der Bergungsarbeiten vertritt die Ansicht, daß die Schiffe nicht, wie bisher angenommen. Freudenschiff« des Kaisers Caligula gewesen feien, sondern dem Kult der Diana gedient hätten. Dem Sommer sieht man in der Umgebung des Nemi-Sees mit gemischten Gefühlen entgegen, da schon im vergangenen infolge der Sevtung des Wasserspiegels an dem langsam trocknenden Ufer Malariaherde entstanden, '3? 3*'"e synss- Der für den 21. anoelet'e Vortiao von Vioi. von-echvlnnn, dem Direktor der SInatlichen Porzelloiimani, aktur, lider „Kun!ter,iebiMi, und j?« ufSon-'bUdunc,' findet schon nm i», 2Y li'r, im Soclval der Ttaail Kiin'idiblwll'ek. Pilnz.�Ibr chi-Tlr 7.». kli»! da Dr.®. friirltaub verhindert ist, seinen für die'en iaa oreeiihtm Vor» Irofl zu halten. 3« es Dlaut fllbt leinen»Welten Luftl-en TIbend für die Volksbühne S. B. am lt., Z0 Nkr. im B- ch N« i n- Z a a l. Llnistr. 42. Anlaßkartcn 1.— M. Li«»uusshandiung Victor Sarlberg. Schöneberger Ufer 4t, peranilqltet bis«. März«me Sanderauestellung des RalerS Hermann Huber, Zärich. Das ist der Leben und(Sterben t Da« Organ d«r antifaschistischen Konzentration, die in Paris erscheinend«„Liberia wird in ihrer Nummer vom 3. Februar den nachstehenden Brief des Genossen Alberto Gionnini, des Ches- redakteurs des„Becco gtallo", des berühmten antifaschistischen Witzblattes, veröffentlichen. Solange Gionnini in Rom leb!«, ist er wiederholt von den Faschisten überfallen worden. Unter anderem hat auch D u m i n i. der Mörder Matteollis, sich für einen Ueber- fall auf den oerhaßten Journalisten 3000 Lire bezahlen losten. Gionnini schreibt: Lieber Kollege! Ich leb« jetzt im vierten Jahr« im Exil. Mein Haus in Rom ist zweimal von den Faschisten überfallen welchen, nach dem Atten- tot der Mbson und nach dem von Bawgna. Was nicht zerstört wurde, wurde g e st o h l e n: die wenigen Schmucksachen meiner Frau, ein paar Wertpapiere, wsnig« taufend Lire, in denen all meine Ersparnisse steckten, und sogar die Sparbüchse weiner kleinen Tochter. Di« Zeitung, die ich herausgab, wurde verboten ich selbst zu fünf Jahren Zwangsdomizil verurteilt. So beschloß ich, ins Ausland zu gehen. Den Krieg hatte uh als Bergartillerist mitgemacht, also war es für mich nicht schwer, die Alpen zu übe'-- schreiten und nach Frankreich zu gelangen, wo ich meine journali- ftische Tätigkeit wieder aufnahm. Aber meine alte Mutter, meine Frau und meine dr«i Kinder mußten in Rom bleiben. An ihnen ließ Mufloklni seine Rache vollziehen. Aus Angst, daß auch sie aus Italien entw-ichen könnten, um mit mir in der Verbannung zu leben, stellte man ste unter st r e n g st« Polizeibewachung. Tag und Nacht standen Polizisten vor dem Tor unseres Hauses: Polizisten folgten meiner Frau und meinem ältesten Sohn auf Schritt und Tritt. Ihnen wurde es ver> boten, Rom ohne vorherige Benachrichtigung der Polizei zu ver- lasten: durch beständige Haussuchungen suchte man die wenigen Briefe zu fasten, die ich ihnen zukommen lasten konnte. Do» dauert» drei Jahre. Dann wurde mein« Frau krank. Sie wurde In ein Kranken- haus gebracht. Man fürchtete, die Krankheit würde nur vorge- täuscht, um die Polizei irrezuführen und aus Italien zu entfliehen. Faschismus! kr Geiseln Mussolinis. Die Vorsicht war unnötig. Mein« Frau st a r b, nachdem st: in ihrem langen furchtbaren Todeskampf von Gott, an den ste glaubte, die Gnade erfleht hatte, mich nach einmal zu sehen. In Rom sind noch meine drei Kinder geblieben, Ricardo, der siebzehn Jahre alt ist, der vierzehnjährig« Karl und Marcella, die zehnjährige Jüngste. Die Mutter auf dem Friedhof, der Dater im Exil. Ihr einziger Halt die Grpßmutter. ein« Frau von drei» undsiebzig Iahren, die englisch« und französische Stunden geben muß, um zu leben, weil ich, meiner Habe beraubt, aus meinem Hause uvd meinem Berufe gerissen, nicht für sie und die Kinder sorgen kann, wie es meine Pflicht wäre. Man sollte meinen, daß Mustolinis Polizei nun zufrieden fein müßte und Ruh« gäbe. Aber nein! Die Ueberwachung hat nicht mir nicht aufgehört, sondern sie ist auch auf meinen zweiten Sohn und auf das Töchterchen ausgedehnt worden. Die Kinder werden von Polizisten zur Schule begleitet und nach der Schule abgeholt: bei ihren Spielen und Spaziergängen stehen die Polizisten dabei: sie warten vor dem Haus«, wenn die Kinder daheim sind. Die Freund«, die sie nach dem Tode der Mutter zu sich genommen hatten, verfielen derselben Pokzeibewachung, so daß sie ihren mitleidigen Beistand aufgeben mußten. Dies ist die Log«, in der sich mein« Familie in Italien be- findet. Mussolini, der wiederholt mir Individuen gesandt hat, die intch von meiner Tätigkeit als Journalist der Opposition abbringen sollten, hält meine Familie in Gefangenschaft und als Geißel, um durch ste Pressionen auf mich auszuüben. Ich habe dies mitgeteilt, damit die internationale öffentliche Meinung diese Methoden erfahre, die es an Grausamkeit mit der rohe st en Barbarei aufnehmen, und sich ein richtiges Urteil bilde über den Faschismus und feine würdigen Führer. Mit herzlichen Dank sür die Gastfreundschaft Alberte Gionnini.' Ein Federstrich mehr zu dem Bilde des„Mannes der Dar- sehung', der dem Volke die Religion und den Kultus der Familie erholten will, aber die Kinder von dem Dater reißt und die sterbende Frau trennt von ihrem Gatten. Für soziale Demokratie! Sozialdemokratische Massenversammlung in Neukölln. Reichstagsabgeoednetee vr. Löwen stein sprach vor den Neuköllner Sozialdemokraten über die politische Lage. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte die überfüllte Der- fcimmlung In Kllems Jestfälen den Ausführungen des Referenten. In Deutschland fei heizt« die Hälft» des gesamten Volks- »crinögens in der öfsen'stchen Hand. Gas, Master, Elektrizität und die Verkehrsmitel konnten der Priootwirtsthost entrissen werben. Die gerade jetzt wieder oerstörkt einsetzenden Angriiie des Industrie» kapitals werde die Arbeiterschaft abzuwehren wissen. Auch die Versuche, die soziale Gesetzgebung abzubauen, werden unseren stärk- sten Widerstand erfahren. Jede Abbröckelung dieser Gesetze sei eine Verminderung der demokratischen Grundsätze. Ausführlich ging kann der Referent auf die Entwicklung der Reparationsvcrhandlun- gen ein, Schacht müsse abtreten, er getährd« die Demokratie. Mir großer Genugtuung haben die Partoimstglieder den Kampf des ..Vorwärts' gegen Schacht oerfolgt. Die Mitarbeit der Sozial- demokratie in der Regierung müste abhängig gemacht werden von bestimmten Forderungen. Der Referent legt« der Versammlung eine Entschließung vor, die nach kurzer Diskussion einstimmig angenommen wurde. In der Entschließung heißt es: „Die Mitglieder des 14. Kreises sehen in den politischen Er- eignisten der letzten Zeit, insbesondere in dem diktatorischen I und willkürlichen Elpgxeiisen des Reichsbankpräsidenten| Schacht, einen ernsthaften Eingriff in die politischen Grundrechte der Demokratie und ein« schwere Schädigung der politischen und sozialen Interesten der Arbeiterklaste. Die Versammlung verlangt von der Reichsregierung die Vor- legung eines Etats unter Vermeidung jeder Scheineinnahme und jeder scheinbaren Einschränkung der Ausgaben. Ersparnisse werden gefordert beim Wehr- und Morineetat, bei den hohen und höchsten Gehältern und Pensionen und bei den Repräsentation sau»gabeii. Es ist unbedingt dafür zu sora«n, daß die Ausgaben für die Sozial- und die produktiv« Erwerbslosenfürsorge nicht beschränkt und die Crwerbsloscnoersicherung voll teistungsiähig erhalten wird. Jegliche Anforderung für einen Panzerkreuzer L ist abzulehnen. Es ist ferner ein Steuer- und Finanzprogramm vorzulegen, das die Kauskrait der breiten Masten fördert, sozial ausgleichend wirkt und Ländern und Gemeinden die Möglichkeit gibt, ihre Sozial- und Kulturlasten zu tragen. Um sür die Zukunft willkürliche Eingriffe durch die Rcichsbank zu verhüten und die soziale Reaktion in der Reichsbahnverwaltung zu beseitigen, wird � im Rahmen der De- stiminungen der Haag«r Konferenz und unter Wahrung der selb- ständigen Währungsaufgabe der Reichsbank eine gefehliche Aende- rung der Reichsbank- und Reichsbahnstaluten in dem Sinne gefordert. daß Generalrat und Präsidien in ihrer Zusammensetzung von der dem Reichstoa verantwortlichen Reichsregierimg abhängig w«rden. Der jetzige R«ichsbankpräsident Hot durch sein bisheriges Verhalten das Vertrauen im In- und Auslande verloren, das zur Wahrung seines Amtes notweirdig ist. Seine Entfernung ist daher von der R«ichsregierung so bald wie möglich zu erwirken. Ferner protestiert die Versammlung gegen die Forderung des Reichsfinanzministers Moldeichau«r. die Ueberfchüst« der Invaliden- oder Angeftelktenverstcherung zur Deckung der Zufchüst« für die Arb«itslos«nunterstützung heronzuzieh«n. Sollten die Koalüionsparteien nicht geneigt fem, sich auf de» Boden dieser Forderungen zu stellen, so sind nicht mehr die Vor- aussetzungen gegeben, die der Kieler Parteitag für das Ein- treten und Bleiben von Sozia'demokraten in der Koalitions- regierung beschlossen hat. Für diesen Fall verlangt die Mitgliedschaft des 14. Kreises den Austritt der Sozialdemokratie aus der Regierung.' � Ein unmoralisches Geschast. Die Lohnerhöhung als profitqueile. Der für die Wachangestellten vom Eesamtoerband mit dem Unternehmerverband, dem sogenannten Kölner Derband, ob- geschloflene Tarifvertrag stt vom Reichsarbeitsministeilum sür allgemeinverbindlich erklärt worden. Eine Reihe von Firmen der Bewachungsbranche versuchte die Allgemeinverbindlich- erklärung zu oerhindern, besonders mit dem Hinweis, daß die Abonnenten im Preise nicht mehr gesteigert werden können. Nach Verkündung der Allgemeinoerbindlichkeit wurde von diesen Herren der Reichsarbeitsminister persönlich in der Rechtspresse an- gegriffen. Was aber taten die Unternehmer? Die Lohnerhöhung für Revierwächter betrögt etwa 6Z4 Proz. In den Abonnements- Verträgen ist festgelegt, daß bei Lohnerhöhungen der Prozentsatz der Erhöhung auf die Abonnenten um- gelegt wird. In einem Rundschreiben an die Abonnenten wird jetzt zunächst die Schuld der Lohnerhöhung dem Reichsarbeitsminister zur Last gelegt. Dann bringen es die Gesellschaften fertig, nicht nur 654 Proz. umzulegen, sondern 6 Proz.! Da oor der Lohnbewegung der Lohn monatlich 192,50 M. betrug und nunmehr auf ZOS M. erhöht wurde, kann jedes Schul- kind errechnen, daß die Erhöhung nur 651 Proz. und nicht 3 Proz. beträgt. Man mutet aber der Kundschaft nicht nur zu, 154 Proz. mehr zu zahle», als die Zulage beträgt. Da die Erhöhung auf den Gesamtpreis, indem sämtlich« Geschäftsunkosten dereite berechnet sind, umgelegt wird, bedeutet dies für die Gesellschaften«in doppelt einträgliches Geschäft. Ee handelt sich um folgende Gesellschaften: Wachzentrale des Westens, Wachgesellschait für Berlin und lsiachbarorte, Detektiv-Zentral« Spandauer Wach- gesellschast, Deutscher Sicherheitsdienst, Deutscher Schutz, und Wach- dienst, Privotschutz Kamrodt, Deutscher Schutz- und Sicherheitsdienst und Haus- und Grundschutz. Das find die Gesellschaften, die in moralischer Entrüstung machen, weil sie durch die Allgemeinoerbindlichkeit gc- zwungen werden, den wirklich sehr bescheidenen Lohn von 205 V. monatlich zu zahlen. In Wirtlichkeit ist diese Entrüstung Bluff. Es handelt sich um ei» unmoralisches Geschäft. Reisen für Arbeiter. Angestellte und Beamtet Soeben ist de? neu« Reiseprospekt für 1930 des Reichsausfchustes für sozialistische Bildung erschienen. Er enthält eine große Anzahl von Reifen im In» und Ausland. Es werden besucht: Adria. Dolmotien, Par:s, Korsika, Rioiera, Rhein, Südschweizer Seen. Norwegen, Normandic, Bornholm, Ostscestädtc(Riga, Rcval). England, Wien— Kloaeniurt, Krakau— Hobe Tatra, Hamburg— �Helgoland, Budapest, Kurifci» Nehrung— Mafurlsch« Seen, Oberboycrn— Nordtirol, Schweiz— West» alpen, Heidelberg— Schwarzwalh. Spanien, Tunis. Außerdem sind für die Monate Mai bis September Ferienaufenthalte u» Tefferclc(Teffm), Rattenberg(Tirol) und V«ld«n(Kärnten) vor. gesehen. Der rcichillustricrte Prospekt ist gegen Zahlung von 35 Pf. beim Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbert, Berlin SW. 63, Lindenstr. 3, ebenso bei der Buchhandlung Dietz. Berlin SW. 63. Lindenstraße 2(Laden) und bei sämtlichen„Porwärts'-Filialen er» hältlich. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt, Temperaturrückgang bis zu leichrem Frost: keine erheblichen Niederschläge.— Für Deutschland: Ueberall sinkende Temperaturen. In Mittel- und»üb- doutschland Schneefälle. «»nrnttrortl.»Hl die Redaktion: fSoIfsoog SchW-rl. Scrlin:«NMiatn; Td»wcke, Berlin. Lerlag: Borwärto Lerlaa s. m b S- Berlin. Druck: Lorwnrl» Buld- drucke rei und Berlaa-anslall Paul Singer& So. Berlin SW«. Llndillltrab« z. Bier,» t Beilag«. Theater,| Lichtspiele usw. h GROSSES SCHAUSPIELHAUS S Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL H Sniug uoib. neak. Mit» Pr. fheater L d. Be&renstr. 53-54 A 4 Zentrum 92ft-927 Direktion Ralph Arthar Nähert» 8'« Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag weh nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) CASUIO-THEATER«".0* Loihiiager Strohe«7. Der Sensatlons-Schlaoerl Seins Hoheit der semer MiMiimminiiMirmuiiNi iniiitiiifiiiiiiiiiiiiHMiiiuiiiuiM and ein er»lkl. honte» Prodrom m Für unsere Leser. jutschem iflr 1—4 Personer Fauteuil nur 1.25 M„ Sessel 1.75 5L, ionstiae Preise Parkett u. Rane M Reichshallen-Theater Abends 0 sonn na nadnn. 0 Sfetflner- Sänger Zum Schluß Logis Uftdufest -Jönnoft-Brott': B« anmuu« Pnsruni WWW Direktion vr. Martin Ziekol Komische Oper FlMrtchstr.lU Merkur 1401 4330. Nach vollstSndlaem Umbau Täglich SV. Uhr Bulla di Bulla Seh wank toq Arnold and Bacb mit Guido Thlolae or. Scholl Schrein, Burg, HiktehraaB Wittar Ret», Fllak, Bekmer, Weaek Lustspielhaus S"» Frtedrichstr. 236. Bergmann 2922' 23. Utk«M Mit M Riemann- Hnadc. Vorverkau) In beiden Häusern ab > 10 Uhr ununterbrochen. Lessing-Theater Norden 10845 Täglich 8 Uhr Aftare oreytus von Rehilsch und Ueno- Direktion )r. Robert K eli Denisehts ISnstler-Theai Barbarossa 3937 8V. Uhr Ju'.we'.iliBi" von FranrMoInai Bit Hn Piiltaber. Verher Souper Wim Mi Dönhofl 170 räglich tJk Uhi Die Straße otl Udert tasenu in. Reeie rleitn Hllper TriaDBO-M Oeorgenstr. 9 Täglich SV. Uhr Toleinz von Strindberg Komische Oper Frledrlchstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8V.U. IIa di Bdlla Sdwck na kuM ni lad. Lustspieihaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich S"t Uhr Liebe auf den Ivetten Bilek fheater o. Westens Täglich SV. Uhr- Hotel Sladf Lemberg Musik von Gilbert KäRie Doracb Lee fefcOtzeadort Oasivarone Operette to» MlllOcker Mm voomiag 8.1S. Sanotag B ittr. NeueinfQhrung ab I. Februar; Jeden Sunnabend.1V7 V. NocbtrontelL Sonntag 5>/. Uhr CzardaftflnliM Sonnabend 5 und Sonntag 2>» Uhr eeÄschRiibrftdet" Das Theater der niedrigen Preise: I. Mirelrang N.°0. I. Rangbalkon n. 1. Parken 1.50, Orchestersessel 250. Programm u. Garderobe|e 0�5 M. Kein Zwang). Gr. Frankfurter Str. 132. Billettkasse: Alex. 312—3494. 5keüR5wIIt? Ptanetanam am Zoo— IvOm- leediBittiw ifeih B.5 Barbarossa 5578 IM'» Uhr 01, Winter stwahileer 1S>/« Uhr Dar Plane Jupiter. 20-,.Uh: HwkwBrdlgl Saraalllausinrgi Eintritt I Mark Kinder SO PI Mittwochs halb Kassenpreise BSI UBd Hlllg 7 Nor eron. Borna AJoaandorplata Th. a. Bollesdoffpla!! Vorvk.10-2. Kf. 2091 Täglich«Vt Uh, &BStSpl8l äU Däitadim TD Baten Menscher. Im Hotel von Vicki Baum. Itsii; Sostal Widzitt S»31Ile Blsd-r,' 85 qareieKoepDhe.KBBip Karivs i,»18 8 801. v. tümay AresldSdiat D-Salm SifMWl.lintaii.iSS.it Gr.Bochbiertesi und Gr. Schwelneschlacliten 1 bpalla. Hnu Bdanliiiiim. SD toritdM NadlL Einlaß: Wochentags 6 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Kleines Tdeat. Merkur 1624 Tägl. 81/. Uhr DerWalzer tod heute Naehl! Max Adaiben, Erl a Glistner, Hilde Wflmer, Hermann-Scha Int Operelten tiaus Alte Jakobstr. 0/32 (Zentral. Thea! er) Täglich>. Uh. Der Soldat der Marls Barnovskj-Sllhfler Thaster ta aar »Smggrätiat StreC» Täglich 8V« Uhr Protessor Bernhardl von»dlur Sthiihkr Iqie: Vldor tiranntv Komödianhaua Täglich 8", Uhr Oer LUgnor und d e Nonns von Citri Götz MasTsdiadicdCo. Fachgeschäft für Bandagen und Krankenptlege-Artikel Bln.-Panliow.WolIonKs r.i 28 Fernsprecher: O 8 Pankow 2779 Liefer anl der Krankenkassen Eigene Werktiait Bruchbänder Leibbinden, Gnmmistrümpfe und PlattfuJJ- Einlajfen, Stützkorsett«, Apparat« und künstliche Glieder. Eigene Werkstatt, im Hanse. BandagUt Pollmann. Berlin K 64. lothr nger Str. 60 I jeferont für Krankenkassen und Behörden. ttleiiogc Donnerstag. 6. Februar 1930 BtrAbrntd §mlnuiiUvße Aei ibutard* Nbenöumverptat?- Nein! Sem« Teillösungen, sonder« Tndlösnng Der Plan von S i l b e r m a n n und fjaoc wurde im„Vorwärts' von Dr. S. Weinberg lebhaft begrüßt, weil die Abend- Universität eine Forderung der Gerechtigkeit sei und im Interesse der Gesellschaft und des Staates liege Die Bedenken, die das Zkultus- Ministerium äußerte, sind auf die leichte Achsel genommen, andere Zweifel sind nicht laut geworden oder nicht aufgetaucht. Ich habe lange genug an praktischer Begobtensörderung gearbeitet, um zu sehen, wo die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Begabten- auslese liegen. lieber das Abendgymnasium habe ich kein Urteil. Man muß abwarten wie d>« erste Reiseprüfung, die demnächst statt- findet, ausläuft. Ich kann mir, offen gestanden, nicht denken, daß viele junge Menschen, die am Tage hart arbeiten müssen, abends noch elastisch genug sind, im Gymnasium und zu Hause den großen Wissensstoff zu lernen, der nun eimnal dazu gehört. Gewiß gibt es in der Vergangenheit und auch künftig Männer und Frauen, deren körperliche und geistig« Kräfte solche Ueberbelastung vertragen. Aber es sind nicht viel« und die meisten müssen das Rennen vor dem Ziele aufgeben. Auf solche, menschliche Leistungsfähigkeit'm Regelfall übersteigende Einrichtungen sollte man nicht ausbauen. Wenn wirklich auf diese Weise die eine oder andere Begabung gc- fördert wird, freut es uns alle. Aber Begabtenförderung und-aus- lese verlangen ander« und größere Maßnahmen, über die ich noch sprechen werde. Aehnllch liegt es mit der„Abendunioersität". Das Wesentliche der Universität ist nicht das Fachwissen, das den Stuben- ten mühsam eingepaukt wird. Wichtiger ist die akademische G« s i n n u n g, die die Arbeit. des Professors und des Studenten durchdringen sollte: Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Gründlichkeit.(Ich weih, daß das unverwirtlicht« Forderunge» sind. Aber es ist un- möglich, auf einer anderen Basis«ine neue Universität aufzubauen.) Diese akademische Gesinnung wird in gründlicher Zusammenarbeit erworben von Menschen, die Ruhe und Nerven genug haben, um an ihrer inneren Entwicklung zu solchem Ziel zu arbeiten. Die Abenduniversität wäre«ine bedauerliche Not- l ö s u n g und könnte nur von einer Regierung geschaffen werden, die dos legt« Ziel zwar sieht, aber auf halbem Wege abweicht. Außerdem würde die Abenduniversität den„Tagesuni versuchen' die besten Kräfte nehmen. Darüber einige Worte: Wir sind uns dar- über klar, daß es im allgemeinen kein« besseren Studenten gibt als die. die schon Lebenserfahrung aus praktischer geistiger oder körper. licher Arbeit besitzen. Alle tüchtigen Universitätslehrer würden sich drängen, gerade ihre Professoren zu fein. Und wollen wir es dulden, daß diese körperlichen und geistigen Arbeiter aller Stände aufhören, wichtiger und wenn auch noch viel zu geringer, aber doch schon wesentlicher Bestandteil der Togesumoersität zu fein? Die Studenten, die aus begütertem Elternhaus und unmittelbar von der Schule auf die llnioersität kommen, stehen in ihrer großen Mehrheit dem Leben und also auch dem Stom fremd gegenüber. Die Hefe dieses Teiges müssen die„A r b e i t« r st u de n- ten' bleiben. Es gibt keine größer« hochschulpolitische Ausgab«, als die Be- gabten zu finden und zu fördern und die Unbegabten auszu- sondern. Der Staat zahlt jährlich für jeden Studenten mehrer« tausend Mark Zuschuß. Worum zahlt er auch Unbcgab- ten und Faulen? Warum überläßt er die Tüchti- gen unter den Arbeiterstudenten, die ohne Geld dastehen, sich selbst? Ich weiß, daß.Studienstistung'. Darlehnskass«, Ministerialstipendien wichtige Hilfsmittel sind, aber «s sind eben nur Schönheitspflastcr am häßlich.-n Körper. Das System ist falsch und der Staat muß alte Sünden wieder gut- machen. Das heutige System ist(roh gesprochen) so: Wer Geld hat, darf die höher« Schule und die hochichule besuchen: wer keins hat, darf es nicht. Unter denen, die das Geld haben, sind rele, die mir mit Müh« und Nachhilfestunden durch di.' höhere Schule geschleppt werden, und viele, die aus der Hochschule ihr Examen schlecht und recht bestehen, aber sich für die akademischen Berufe nicht eignen. Die Wirtschajtsnot verschärft die Konkurrenz und di« Zahl der Studenten steigt von Jahr zu Jahr. Dadurch wird das Ang.'bot wiederum größer und so dreht sich die Schraub« ohne End«. Unter denen, die kein Geld haben, befinden sich viele Begabungen, die zu fördern im öffentlichen Interesse liegt. Daraus ergibt sich: A u f der einen Seite ist schärfere, viel schärfer« Aus- lese nötig. Aus der anderen Seite müssen die Stipendien beträchtlich erhöht und vermehrt werden. Die Auslese muß aus der höheren Schule begiimen und aus der Hochschule sortgesstzt werden. Die Pädagogen mögen entschei- den, od dazu sich Prüfungen eignen. Ich meine, es müßte auch ohne Prüsuygen gehen. Die Lehrer sollten auf der höheren Schule alljährlich, am sorgsamsten vor der„mittleren Reiie' und der„Hochschulreise', zusammentreten und entscheiden, ob ein weile- rer B.'such der höheren �Schule im össentlichen Interesse liegt. Zu- sammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus wird hier viel nützen. Bewährungs- oder Rachholefristen könnten«ingeschaltet w:rdcn. Wenn ein Junge die„mittlere Reife' mit Mühe erreicht, soll man ihm die Oberstus« nicht mehr zumuten Em guter Tischler ist bess«' und mehr wert, als ein schlechter Volkeschullehrcr. Wer nur mit A h und Kroch sich durch die Oberstufe windet, soll vom hochschul. besuch ablassen. Ein guter Postsekretär dient der Allgemeinheit mehr, als ein schlechter Jurist. Wenn sich ein« Begabung erst v�- spätet zeigt, kann man aui dem Wege der„Beqabtenprüsung' oder durch die?lusbauschule hel'en. Lehrer und Hochschullehrer sollen die beste Methode sind««, um di- Begabungen herauszusuchen. Aber auch«ine zunächst minder gut« Begobtenauelese wäre immer»och besser, als dos heute Herischend«, primitiv« und brutale System der Auslese nach dem Geldbeutel des Datere. Dadurch würden die höheren Schulen und die Hochschulen von vielem Ballast b e s r e t t. Ein Teil der freien Plätze wird von den aufstrebenden Kindern besetzt werden können. Staat und Sta te zahlen heute für jeden Schüler einer höheren Bildungsanstalt jähr- lich einig« hundert Mark. Etwa der gleiche Betrog(neben Schul- geld und Lehrmittelfreiheit) müßte den Eltern dieser Kinder als„Erziehungsbeihilse" gegeben werden; denn sie verlieren das Kind als Mitoerdiener und müssen außerdem noch Zuschüsse feisten, oft auch Pensionekosten, wenn die höhere Schule nicht am selben Ort ist Die„Erzichungsbeihilfen" iür Schüler höherer Bildungsanstalten gibt es schon- heute. Das Reichs- Ministerium des Innern verteilt alljährlich an die Unterrichts- Ministerien der deutschen Länder verschiedene hunderttausend Mark, die natürlich für eine planmäßige Begabtenförderung nicht aus- reichen. Wenn das Reich zehn Millionen Mark jähr- lich zur Verfügung stellt«, könnte man ansangen. Die sehlenden zehn Millionen trägt der Reichswehretot, ohne daß der Schutz des Reiches leidet. Die Stipcndienorganisation wird auf der Hochschule fortgesetzt durch d'« ausgezeichnete„Studien- st i s t u n g des Deutschen Volkes', an der Reich und Länder, demnächst wahrscheinlich auch die Städte, beteiligt sind. Ein« stärkere Betonung der ösfenllichen Geldgeber bei der Zweck- bestimmung des Geldes und der Verteilung der Stipendien würde genügen. Etwa fünf Millionen Mark jährlich Er- höhung reichen aus. Wir wollen also uns auf keine verzögernden Zwischen- und Teillösungen einlassen, sondern unser« Kraft darauf konzentrieren, der Endlösung mit großen Schritten näher zu kommen. Di« U. füllung der höheren Schulen, der Hochschulen und der akademisch"» Beruf«, di« Wirtschastsnot, der Zwang, die Besten an die richi g.n Stellen zu setzen, und nicht zuletzt di« Gerechtigkeit—, all das fordert gebieterisch energische Maßnahmen. Die Regierungen und Parlamente, Lehrer und Eltern, Akademiker, Angestellte und A"- bester sollten zusammenstehen, um diese, dem ganzen dienende, nicht zu schwere Aufgabe zu lösen. Auch für den Ueb ergang wäre das kostspielige Experiment »er„Abendunioersttät' nicht nötig. Es würde genügen, wenn Doppelvorlesungen in den juristischen und nationclök mo» mischen Fächern, vielleicht(wenn Doppelvorlesungen Mcht gehAten werden) im Turnus semesterlich obmechfeliad auch die hauptoor- lesungen in den späten Nachmittags st unden gehalten würden, damit halbtags befchäftgte Studenten auch dann noch Bor- lesungen hören können. Die Seminarien und Uebungen in den erwähnten Fächern werden schon jetzt vielfach spät gehalten Die Universität Berlin kommt solchen Wünschen, die übrigens gleih- zeitig auch einen Teil der Raumnot beseitigen, sicherlich gern ent- gegen. Dr. Otto Beneck«. Laßt die Kinder spiele«! Nochmals: Mberlastung der Volksfchüter Daß in der Ueberbürdung unserer Jugend die höheren Schulen die größten Sünder sind, ist kern« Frage. Schon die Dauer der Schulzeit ist zu lang. Neun Jahre höherer Schule gibt es nirgends in der Welt außer in Deutschland. Nirgends gibt es auch so viel« lateinisch« oder sonstige fremdsprachliche Stunden. An der Bolkeichule ist«s in dieser Hinsicht besser. Während für den höheren Schüler di« gesamte Schulzeit jetzt 13 Jahre dauert, sind es für den Dolkeschüler nur 8. Auch die Not der fremden Sprachen fällt fort. Deswegen sind nun di« meisten Volksschullehrer der An- ficht, daß die Ueberbürdung auf die höheren und allenfalls die Mittelschulen beschränkt sei. Aber ob nicht auch an der Volksschul« zuviel gesessen und gelernt wird? In der„Abend'-Ausgab« vom 30. Januar hat sich in dankenswerter Weise ein Schul männ diese Frag« vorgelegt, und für viele Fäll« wenigstens antwortet er mst„so". Schon in der G r u n d- schule find die Zlnsordernngen oft recht hoch, zum Teil wohl des- wegen, weil die Lehrer möglichst viele Schüler für die Höhere Schule „reif' machen wollen. Richi selten hat schon ein acht- oder neun- jähriges Kind als Hausarbeit Dutzende von Rechenaus- gaben zu erledigen, an denen es, wenn nicht die Eltern helfen, stundenlang sitzen muß. Das Kind würde wahrscheinlich mehr lernen, meim c» die Hälfte oder ein Viertel der Aufgaben sauber und in Ruhe ausführte, anstatt diese große Menge in Aufregung und unselbständig. Auch die Anforderungen im Deutschen werden übertrieben. Ein kleiner Schulanfänger ist gewiß imstande, seiner Mutter zu berichten, wie er ans dem Schulwege über einer Bo- nanenschal« ausgerutscht und böse hingefallen ist. Aber aus solchem kleinen Erlebnis nun gleich einen Aussatz zu machen, ein«„Nieder- schrift', wi« es j«tzt heißt, das ist denn doch noch etwas anderes und kann für Kind und Eltern eine rechte Plage werden. Auch in den oberen Klassen der Volksschule scheint es der Ehrgeiz mancher Lehrer, zu zeigen, daß man auch ohne fremd« Sprachen„etwas leisten', d. h. erhebliche Schulansorderungen stellen lann. In Berlin verbringen viele Kinder der oberen Volksschul- klassen täglich zwei und mehr Stunden über ihren Schul- arbeiten. Wenn es auch nicht wie an der höheren Schule bös- artige mathematische und Ileberletz'.myscnifgaben sind, so können doch auch die Rechenaufgaben und die deutschen Arbeit«» so schmierig sein, daß selbst ganz gewandt« Eltern keinen Rat wissen. Darum ist es sehr zu begrüßen, wenn Herr Dr Seling für die Bolksschule fordert: baldige Revision der Richtlinien und Lehr- plan«, wesentliche Herabsetzung der Stofsmenge!' Doch auch etwas anderes ist noch nötig: es muß für eine verständige Ausfüllung der freien Zeit gesorgt werden! Oft genug bekommt man zu hören, daß di« Kinder in der Schul« und b«i den Schularbeiten noch am besten ausgehoben sind: d. h. wenn si« einmal freie Zeit haben und auch die Eltern ihnen gern Erholung gönnen würden, dann wkssen die Kinder nichts Gescheites anzufangen, sie machen Unfug oder toimnen auf der Straße in Gesahr. Wir brauchen Spielplätze für di« Jagend! Die Schuchös« sind ja oft nur klein, aber immerhin besser als nichts, und sie sollten nachmittags unter Aussicht den Kindern zur Dersügung gestellt werden. Bei der Anlage von Freiflächen sollt« man viel mehr als bisher auf die Bedürfnisse der Iug«nd Rücksicht nehmen. ileberall, nicht nur in Berlin, hört man Klogen, daß dies nicht geschieht. Eine Freisläch« war vielleicht wenig gepflegt, aber immer- hin di«nt? sie den Kindern zum iröhlichen Tummeln: da wird sie mit großem Kostenaufwand künstlich hergerichtet,«s wird ein Sportplatz für einen Verein daraus gemacht oder ein Schmuckplatz, durch den nur«in paar sauber« Wege führen, der ober sonst beileibe nicht betreten werden darf. In beiden Fällen ist der Platz für die Kinder verloren. Aucb die Kinder sind doch Bürger unlerer Städte, wie dürfen wir sie so vergessen! Außerdem sollten wir dos Beispiel von Amerika und Kanada befolgen und verkehrsarme Straßen zeitweise den Kindern überlasse«. In Amerika werken solche Straßen für einig« Stunden des Nachmittags durch eine Schnur sür Wagen gesperrt, und bald entwickelt sich«in fröhliches Ballspiel der Kinder, im Sommer wird auch wobl von ein«m Polizisten ein Hydrant ge- öffnet, so daß ein lustige« Planschen Im Wasser beginnt, im Winter werinni Schneemänner gebaut oder in abschüssigen Straßen wird gerodelt. Laßt die Kinder spiel«n! Schafft mehr Spielplatz« und Spiclß«leg«nh«it«n, je mehr, ixstö besser! Diese Mahnung gilt vor ollem für die Lehrer, deren Amt eben nicht nur der Unterricht, sondern die ganze Erziehung sein sollte. Unsere Pädagogik in Deusschlond leidet immer noch unter der Rachwirkung der her- bartschen Richtung, die meint«, durch sorgsälligen Unterricht das hcmptstück d«r Erziehung zu leisten. Bald werden wir in Deutschland die einzigen sein, die noch an diesem Glauben festhalten. Ueberal� nicht nur bei den Angelsachsen, sondern auch in Skandi- namen und in Oesterreich hat man erkannt, daß Erziehung zu frischen, lebenstüchtigen Menschen etwas anderes ist als dos Bei- bringen von geläufigem Rechnen und vjn richtigem Schreiben und Sprechen. Man sollte ohne Sorge den Lehrern wie den Kindern et n ige Unterrichts st unden st reichen, dafür sollt« aber jeder Lehrer«s als seine Ausgab« ansehen, sich mehr als bisher um den N a ch.m i ttog der Kinder zu kümmern. Der Lehrer sollte immer der Anwalt der Jugend seilt, niemand ist berufener als.sr,�. um bei den Stadtverwaltungen die Anlage von Spielplätzen und anderen stigendsreundlichen Einrichtungen durchzusetzen! r- Fmk, Dr. G. Junge. Ott sollst nicht schlagen Ich war natürlich längst vernunftgemäß Gegner jeder Prügel- strafe. Aus psychologischen Werken, aus der Geschichte der Pöda- gogik. aus allen möglichen Acuherungen über Humanität und aus den modernen Bestrebungen um das Kind hatten wir alles zu- sommeng«tragen, was für Abschaffung der körperlichen Züchtigung sprach. Ich möchte sagen, wir hatten als Menschen des 20. Jahr- Hunderts dem Bcrstand sein Recht gegeben. Ein inneres Erlebnis war uns unsere Stellungnahme nicht geworden. Gleich vielen Eltern, die!n der Schule jede Prügelstras« ablehnen, dem gelegent- lichen Klopps in der Familie alier ensschuldigend dos Wort reden. kannten wir auch manckj« Möglichkeiten von Strofersatz. Bon denen. die körperliche Züchtigung meiden, nur. um„sich keine Läuse in den Pelz zu setzen', möchte ich hier nicht sprechen. Jedenfalls wurde es wie fast allen unter ganz anderen Verhältnissen ousg«wachsen«n Lehrern auch mir recht schwer, min auch mit dem herzen jede körper- liche Züchtigung abzulehnen, bis mich meine damals vierjährige Anneliese gründlich bekehrt: Meine Frau, meine Kleine und ein Nachbarstind waren ,ri unserem Garten. Als ich Anneliese etwas verbot, hörte sie zunächst nicht und flüsterte dann aus meinen erneuten Zurus der größeren Freundin etwas zu. Da ich mich in meiner Erwachsenenehre durch dos säumige Gehorchen schon gekränkt fühlte, ver'angtc ich von der Freundin den Ausspruch meines Kindes zu wissen.„Lach ihn aus!' hatte sie gesagt, also ein Wort eines vierjährigen Kindes, das es irgendwo aufgegrissen hat, ohne sich über seinen Sinn ernsthaft klar zu sein. Gewiß muß man auck dein, kleinen Kind, ja. gerade bei ihm. dafür sorgen, daß es solche Ausdrücke zu oermeiden weih. Ich aber vergaß all meine schönen Vorsätze aus der Schule und verhaut« die Kleine. Natürlich war es bei einigen leichten Schlägen nilt der flachen Hand geblieben. Mein« Frau rief zum Kasse«. Da war ich erstaunt, wie ruhig rnni auch das eben noch weinende Mädel erschien Ohne Zweifel ging in seinem Köpfeten folgende Ueberlegung vor sich: du Haft etwas Dummes gemacht, dab du zwar nicht verstehst, worüber sich dein Vater ober ärgert. Dafür hat er dich herangenommen. Di« Rechnung ist also beglichen. Ich selbst, der ich meinen Sündensoll schon bereu' e, dachte das gleiche. Nun versuchte ich als Erzieher zu retten, was noch möglich war. Vom Kasfeetisch stand ich mit den Worten aus:„Ich mag nicht ess«n, weil Anneliese mir weh getan hat.' Di« Veränderung, di« in diesem Augenblick mst meinem Kind vor sich ging, läßt sich mit Worten nicht beschreiben Es weint« so herz- .zerbrechend, war so wenig zu beruhigen, daß meine Frau und ich besürchteten, die Klein« würde uns krank werden Ich aber dacht«: du großer Tor! Jetzt siehst du, daß es dein Kind viel stärker trifft, wenn es lpürt, dich betrübt zu haben, als wenn durch körperlich« Züchtigung diese Ueberlegung nicht nur nicht verhindert, sondern das Verhältnis des Kindes zum Erwachsenen auch kühler wird. Die Prügelstrafe ist für mich«rledigt Ich Hab« mit meinem Kind nur Freund zu sein,«in Freund, dem aus größerer Ersohrung die Pflicht zu stärkerer Besonnenheit, ober auck ruhiger FestigkeU erwächst. Ich weiß jetzt:.wenn meine Nerven versagen. dann muh ich mich krank melden, aber nicht mein Kind als ob. senkendes Opkrfanim aussuchen., Ernst Schul'- (22. Fortjetzimg.) lom sah auf und ergriff mit glänzendem Gesicht Peters Recht«. ..Was, da haben Sie wohl Augen gemacht! Ja, meine Mary, das Prachtmädel. Wo ist sie denn überhaupt?" Er sagte das in warmem Ton, daß Mary ihm viel oerg ib. Auch Peter hatte di« Usberzeugung, daß dieser Boxer aus seine Art Mary sehr liebte. Sic setzten sich zu Drill an ein«n Tisch und untechieltsn sich bis zum Abend so nett und lebhait, daß Mary die häßlichen Szenen vergaß. g. Kapitel. Hochzeil machen... Der Mann, der di« Fäden lenkt. Am Tag nach dieser seltsamen Verlobung saß hurt nachdenklich vor seinem Schreibtisch. Gestern abend hatte ihn Tom angerufen. Da hatte hurt ihn heute für elf Uhr zu sich bestellt. Um zwölf sollte Burkhardt kommen. Er hatte das mit seiner Frau de- sprachen, da ihr Mann sich leider schon„zur Ruhe begeben hatte". hurt sah auf die Uhr. Es war gleich elf. Er bedacht« noch einmal, inwieweit diese Verlobung und eventuelle Heirat seine Pläne durchkreuzen oder unterstützen kannte. Wenn das Schicksal das Fädchen verwirrte, war eben nichts zu machen. Man mußte sehen, wie man die höheren Gewalten geschickt ausnutzte Aergerlich war es doch, hurt zog die Brauen zusammen. Diese Dummheit! hätte der Bengel nicht noch warten können? Er hätte ihm schon bei- Zeiten eine passende Frau besorgt. Na, erst mal sehen, wie Tom zu diesem kleinen Mädel stand. Vielleicht war es noch irgendwie zu ändern. Er nahm sich vor, ihm zuzureden, die Verlobung auf irgendeiner Basis zu ändern. Vielleicht waren auch nur die Alten der kleinen Mary Schuld. Denn er wußte, was die an seinem Mann für einen Narren gefresien hatten. Mitten in dies« Gsdonkengäng« platzt« Tom herein. Mit strahlendem Lächeln ging er auf seinen Manager zu. hurt stellte sich sofort um. Er hatte sofort erkannt, daß er Tom nicht mit bedenklichem Gesicht gcgenübertreten durste. So lieh hurt ihn erst einmal erzählen. Tom war begeistert. Er berichtete von setner Liebe. Bon den ständigen Zusammen- tünften, was sie alles geredet hatten. Wie sie sich so hingestellt hatte, dann hatte sie so ein Gesicht gemacht, ihm die Hand gedrückt. Er wußte alles»och genau. hurt lächelte innerlich über den Eiser. Da war nicht» zu machen, dos war eben Lieb«. Er gratulierte herzlichst und begann die materielle Lage der neuen Verbindung zu besprechen. „Der Kamps darf durch nichts leiden," erklärt« er bestimmt. „Tierro ist engagiert, und da ist nichts mehr rückgängig zu machen." „Nein, Herr hurt, daran habe ich auch gor nicht gedacht." „Und das beste ist wohl, Tom, daß ihr sofort nach dem Komps heiratet. Wollt ihr da draußen wohnen bleiben?" „Was, so früh heiraten? Ja, wohnen würden wir schon da draußen in Nassenheide." „Es ist das einzig mögliche, daß ihr da sehr schnell heiratet. Dann Haft du auch Ablenkung, wenn du«uer heim einrichtest." hurt schloß den Schreibtisch auf und nahm«inen Pack Banknoten heraus,„hier hast du. Wir rechnen nach dem Kampf ab. Das beste wäre, du kaufst dir«in schönes Auto. Braucht ja nur ein kleiner Wogen zu sein, den du selbst steuerst. Das tostet aus die Dauer weniger, als wenn du jedesmal ein« Taxe nimmst. Komm mal in den nächsten Tagen oder besser morgen schon zu mir. Dann wird das gleich perfekt gemacht." Tom nahm beglückt das Geld. Der hurt hatte doch immer Ideen. Natürlich, ein Auto hätte er schon längst haben müflen. Das machte doch Eindruck. hurt verabschiedete Tom, denn bald kam Burkhordt und es war nicht nötig, daß beide zusammentrafen. * „Gewiß, Herr Burkhardt, ich freue mich. Ein« besser« Frau als Ihr« Mary kann der Matthes gor nicht finden. Aber Sie müssen mal mit Ihrer Tochter reden, Burkhardt. Der Kampf gegen Tierro darf nicht darunter leiden, auf keinen Fall." „Aber selbstverständlich, Herr hurt. Ich werde schon dafür sorgen, daß mein Junge ordcntllch trainiert. Bin doch selber sehr am deutschen Boxsport interessiert. Die ganze Welt blickt doch auf uns— äh— au! Matthes." Burkhardt wurde durch dos leicht ironische Aufblicken hurts etwas oerwirrt. „Für die Zukunft habe ich gar keine Bedenken. Aber jetzt di« erste Zeit... Und dann, Herr Burkhardt, Sie sorgen dafür, daß die Heirat direkt. nach dem Kämpf stattfindet. Das muß unbedingt schnell erledigt werden, verstehen Sie? Unbedingt! Der Matthes hat noch viel vor. Der muß noch ganz groß verdienen. Da können wir keine lange Brautzelt gebrauchen." „Aber natürlich, Herr hurt. Das werden doch die Kinder selbst wollen..." „Was heißt, sicher selbst wollen?! Es muß eben geschehe»." „Ich werd' dafür sorgen: freu mich ja selbst, wenn's so weit ist." hurt reichte Burkhardt über den Schreibtisch die Hand.„Er- ledigt! Wir zwei verstehen uns doch?" Dabei blinzelte er Burk- Hardt zu. Burkhardt lächelt« geehrt. Dabei wußte er gar nicht genau, iporum es sich handelte, hurt schloß den Schreibtisch auf und holte eine Flasche Kognak heraus.„Echter französischer, Sie trinken doch ein Gläschen mit?" Der alte Wirt leckte sich vergnügt die Lippen.„Bin nicht ab- geneigt." Angestrengt« Wochen. Ein paar angestrengt« Wochen begannen setz? für Tom. Jeden � Tay mußte er bort trainieren. Er hatte feine gesamte Arbeit aus den Vormittag verlegt, so daß er na'-mittags bei Mary sein konnte i V- iv«r Verheiratung mußte sie bei ihren El'ern wohn«». I im' ereien vorzubeugen. ''.-r wdr Toms kundiger Irain!ngzpartn«r Tom hatte .h." ver'prochen. Ihm in Kürze seinen ersten Kampf zu verschasfen. Vary hatte ihren Widerspruch vorläufig aufgegeben; denn nur so mte sie Peter bei sich behalten. Mit seinem netten kleinen Auto machte Tom mU Mary zu- sammen seine Einkäufe für das künftige heim. Nassenheide wurde wie ein kleines Märchenreich ausgestattet. Mary wurde dabei immer wieder von neuem durch die hilsiose Bereitwilligkeit Toms gerührt. Seine Ratlosigkeit gab ihrer Liebe immer wieder Nahrung. Er bettelte mit sedem Blick: Mary ist's so richt'g? Er fragte zwischen zwei hastig gestohlenen Küflen:„Mary, mach ich's recht?" Sie war innerlich überzeugt, daß sie den guten Jungen leiten können würde. Der häßliche Verlobungstog war vergeben und ver- gesien. . Dabei hatte Tom noch niemals so ernsthaft und so verbissen trainiert wie zu diesem Kampf. Er arbeitete mit vier Trainings- partnern, von denen Peter bestimmt nicht der schlechteste war. Luch Milhan, Tom» aller Kollege und Freund war dabei. Jeden zweiten Tag kam hurt herausgefahren und lobte die Fortschrttte Toms. Er begann auch longsam, sich für Peter zu interessieren, der sich jedesmal mtt Feuereifer auf Tom stürzt«. Tom hatte Mary überredet, sich das Training anzusehen. Manchen Vormittag stand sie dabei und sah den Boxern schweigend zu. Sie verglich oft die beiden, Tom in seiner heldischen Mannes- traft, und den andern, jung, rank, geschmeidig, mit den blitzenden Augen über einem herben, hart gewordenen Mund. Sie wußte selbst nicht, warum sie den Trainingsraum so oft mit einem bittern Gefühl verließ. * Bon den Plakatfäulen herunter lachte Tom sein ftifches Matrosenlachen. Neben ihm grinste die zerschlagene, bösartige Kämpfervisagc des Tigers. Berlin hielt den Atem an. Berlin riß sich um Plätze zu dem Kämpf, schloß Wetten ab, für und gegen seinen Landsmann, den Berühmten. Marys Vat«r schwatzt« wie im Fieber. Cr, sein« Frau, alle die an Tom irgendwie persönlich interessiert waren/ bildeten ein« einzige Familie. Ständig waren Zusommenkünf!« aus denen das Für und Wider des Kampses erörtert wurde. Die einzige, di« sich von allem fernhiell, war Mary. Sie lies fort, sobald von dem großen Ereignis gesprochen wurde. Der große Abe nd. Der große Abend war da. Tom hiell Mary im Arm und sagte: „Run schau dir deinen Schatz noch mal an. Vielleicht oerändert der Tiger ihn so erheblich, daß du morgen'n ganz andern hast." Er lacht« dabei, wollte renommieren. Aber irgendwo war ein ernster Unterton in der Stimme. Mary warf sich in jähem Entsetzen in seine Arm« und um- schlang sein« festen Glieder, als könne sie ihn damtt schützen. Peter stand danebsn.„Paß' bitte auf ihn aui Peter," bat st«. „Aber Mary, was ist denn da aufzupasien? Tom ist großartig in Form und gewinnt aus alle Fälle." Er streichelte ihre kleine kall« Hand.„Ich läute dich sofort an, wenn's vorbei ist." Tom ging hinunter. Sie zwang sich zu einem Lächeln,„chakz und Beinbruch, Lieber!" Er winkte ihr zu. „Wenn's nur erst vorbei wäre," dachte sie und griff sich an die Schläfen. Peter holte vom Büfett ein Glas Wein. Angewidert wehrte sie ab. „Du mußt trinken! Das macht warm und sicher. Leg dich eine Viertelstunde auf's Ohr, damit du nachher frisch bist..Die An- strengung kommt doch erst nach dem Sieg." Er lachte, gezwungen fröhlich. „Ich kann nicht," antwortete sie matt. Peter breitet««ine Decke über sie aus. „Ich Halle es sa doch nicht aus," sagte sie verzweifelt. „Nur fünf Minuten," bettelle Peter.„Vor neun brauchst du die Daumen nicht zu kneisen. Du mußt ruhig werden." Sie ließ sich zurückgleiten und weinte. „Brauchst nicht zu weinen. Tom muß doch boxen." .Ich weine ja nicht. Ach, Peter, du bist so gut" Peter beobachtete sie etwas besorgt. Sie wurde immer ruhiger und schlief schließlich ein. Er hatte ihr ein Schlafpulver m den Wein gemischt Das würde wohl einig« Zeit oorhallen. Ganz vorsichtig strich er Wer das Haar und eille hinunter. Er mußt« zur Zell im Sportpalast sein.(Fortsetzung folgt.) Donnerstag. 6. Februar. Berlin. 16.0! Frcdy Poralh: JagdexpedltioneB in allen Erdteilen. 16.30 Kontert 1. Rarncan: flavotte nnd Variationen(Meint Mirtchiand, Klavier). — 2. Lieder(Hilda Crcvenna. Sopran- Arn Flügel: Meint Hlrschland).— 3. BaitOk: Suite oo. 14(Meint Hlrscliiand).— 4. Lieder(Hilda Crevenna). s. Debossy; a) Abend In Qranada: b) Qirten ünlerat Regen(Meint Hirsoh- laod). 17X0 Violinvortrigc, J. Tartiri; Sonate Q-MoO.— 2. Beethoven; Rom ante O-Dur.— 3. Martini: Andantino.— 4. Scott; Bnrnble-Bees.— 5. Brahint- Joachim: Ungarischer Tant Nr. 1 nnd Nr. 4(Sylvia de Gay. Am Flügel! Paul Qergely). 17.30 Sagen nnd Abenteuer(Sprecher; Dr. Wolf Zucker). 18X10 Kontert auf mechanischem Klavldr). 18.30 Dr. med. Allred Beyer; Menschenkenntnis. 19 00 Chorgesünge. 19.30„Blut nnd Cellaloid" von Heinrich Eduard lakob, 20.00 Da* Interview der Woche. 20.30 Russische Musik. Dirigent: Prof. Nicolai Malko, Leningrad, t. Rimsky- Karssakow: Scheberatade.— 2. Lladow: Der vertauberU See.— 3. Schostakowltsch: Suite aus..Die Nase"(Erstaufführung).— 4. Borodins Polowetter Tinte(Berliner Funk-Orchetter). 22.30 Funk-Tantantcrricht AntchlieSend bis 0.30; Tantmusik. Kfialgswusterhauaen. 16.00 Stud.-Direklorio Dr. Agnes Molthan; Midchenbildting fn der tiadlichcn Volks-Fortbildungsschole. 17.30 Hedwig Lüdekc: Europäische Balladen. 17.!! Woldemar v. Falt-Fein: Deutsche Kulturarbeit in der südrussischen Steppe. 18.20 Bergdirektor Egon Fr. Kirschstein: Ein entschwundenes afrikanisches Märchenland. 18.40 Spanisch. 19.0! Ob.-Rez.-Kat B Wulff; Uoiereebmimg und ätener. 19.30 Prof. Dr. Zade: Stand und Bedeutung der Züchtung von Futterpflanzen. 30X0 Prof. Dr. Q. Dyhrenfurth: Aufbruch der internationalen Mimalaya-Expedl- tion 1930. 2tL30 Unterhaltungsmusik. 21.20). Paul Jonon; Sonate H-Moll. op. 86, in einem Satz(Uraaffahrung)(Prot Gustav Havemann, Violine, nnd der Komponist am Flügel).— 2. Schubert, bearbeitet von Gustav Havemann: Rondo für Violine mit Klavierbegleitung, (Prof. Gustav Havemann, Violine, und Hans Martin Tbeopoid am Flügel.) •• •• FÜR DEN KLEINGÄRTNER, nanniRmuiiomwunHuuiinisiinniinraHnainininuiiniiiminuiinmiuiiiiiiiinmmiiiuiummimiioniiranimiiniiiniiiminnnnnnnniimnnniHiimKBWnmnnroinnniiii Anzucht von Kohtptlanzen im kalten Kasten. Neben der Anzucht von Sämlingen im warmen Kasten kann auch durch Aussaat im kalten Kasten von Anfang Februar an schon frühzeitig eine zum Auspflanzen Ende April, Ayfang Mai genügend abgehärtete funge Kohlpflanzen ge- wonnen werden. Namentlich in einem so milden Winter, wie er diesmal wenigstens bisher zu verzeichnen ist. Er- fahrene Gärtner, die 100000 und mehr Sohlpflanzen heranziehen, werden freilich meist den schon früher hier erwähnten Weg des Aussäens im September in kalten Kästen und frostfreie lieber- Winterung vorziehen, da sie hierbei doch einigermaßen vor Heber» raschungen durch zu große Kalle geschützt sind. Andererseits führt auch die Februararbeit bei günstigen Berhällnissen zum Ziel; j Hauptsache ist, daß der Kasten nach der nicht zu dichten Aussaat (— damit kein Verziehen nötig wird!—-) nicht«infnert. Wem Laub zur Verfügung steht, kann durch Packung in 20 bis 30 Zenti- meter Höhe sich einen lauwarmen Kasten verschaffen. Um auch schärserer Kälte entgegenarbeiten zu können, einpftehll es sich, die Erde in dem betr. lallen Kasten erst gar nicht gefrieren zu lassen, was man erreicht, wenn man den Kasten im Herbst bereits eindeckt, mit Laub oder strohartigem Material, jedoch nicht m>t Dung.. Legt man dann im Januar Fenster auf, so kommt im Februar der Samen in eine nicht zu kalte und vor allem trockene Erde, j Diese soll etwas sandig, nahrhaft und gut verwittert sein. Vor- sichtiges Gießen und Lüften Ist notwendig. Di« In wärmeren Gegen- den geübt« Method«: Aussaat September auf offenem, aber geschützt liegendem Lande und späteres Decken mit Fichtennadeln oder völlig verrottetem Dünger ist wohl nur in einzelnen Fällen bei unserem Klima anwendbar. F. E). Frühkultur des Blumenkohls. Wer aus Herbstausfaät gewonnene und durch frostfreie Ueber- Winterung im kalten Kasten im Wachstum erhallen« Blumenkohl' pflanzen besitzt oder sie sich beschaffen kann, wird von Anfang Februar an das Auspflanzen im Frühbeet vornehmen können. Man pflanzt im regelmäßigen Verband mit 30 Zentimeter Abstand. Als Zwischenkultur kann man Salatpflanzen, die überwintert wur- i den. oder Treibrettich nehmen. Die herangewachsenen Pflanzen werd«» angehäufell, wobei es sich empsiehll, den Strunk bis an die untersten Blätter mtt bester Komposterde zu bedecken, also nicht Erde 1 heranziehen, sondern auffüllen. Dies gestattet Schonung der Wurzeln. Lüften und Gießen, auch Jauchen mit gut vergorenem flüssigem Dünger ist notwendig. Nach der Entwicklung der Blumen-. käs« ist die Berwendung der Jauche einzustellen. Durch Einknicken von einigen Blättern werden di« Käse vor den Sonnenstrahlen geschützt, was ihrer Zartheit und Weiße zugute kommt Ein Aus- brechen von Blättern wäre abcr fehlerhaft. Fleißiges Gießen, Lüsten, evtl. Abnahme der Fenster bo. windstill.m warmem Wetter'ragen zum Gelingen bei. Auch für späteres Auspflanzen ist Erzielen von kräftigen Setz- singen erwünscht, man pflanzt daher im Februar überwinterte Sämling««nzelu in Töpj« und kultiviert sie im Mstbeet weiter. Das Aussetzen geschieht dann Ende März oder Anfang April mit«? Schonung des Wurzelballens. Der Blumenkohl stellt an den Boden hohe Ansprüche. Ein tiefgründiger, von Natur hinreichend feuchter und nahrhafter Boden liefert gute Resultate. Die Wafsersrage spielt dabei eine große Rolle. Neben Stallmist rechnet man auf 100 Quadratmeter 4 Kilogramm Kali, 3 Kilogramm Superphosphat und 2 Kilogramm Chilisalpeter. Die Pflanzwelle im Lande kann auf 30 bis 60 Zentimeter bemessen werden. P, D. Der Vermehrungspilz. Der in warmen Mistbeetkästen auftrelenbe Nermehrnng'pilz (Fadenpllz) kann durch ein« Reih« einfacher, aber immerhin Arbell erfordernder Maßnahmen ferngehalten werden. Zunächst nmß das Haus oder das Vermehrungsbeet durch gründliche Reinigung, Kal. kung und Schwefeln gesäubert werden. Dabei darf das Waschen und Abbrühen des Sandes und des Tormulls nicht vergessen werden. Auch für guten Abzug der Feuchtigkeit muß gesorgt werden. Das Auftreten des lästigen Mistpilzes zu verhindern soll die Aufgabe der 10 bis 18 Zentimeter starken Laubschicht sein, die auf die Mist- schicht aufgebracht und festgetreten wird. Das wirksamste M t:.>l der Pilzbetämpfung ist jedoch In der Lüftung gegeben— der Zu- führung frischer Luft sowie dem Fernhalten bei unter dem Fenster sich zeigenden feucht-warmen, gespannten Lust— wie denn ja auch das Bedecken von Pikierkästen mit Glasscheiben das Auftreten des Fadenpilzes begünstigt.'Das bereits erwähnte Bett von gut du'ch- feuchtetem Torfmull wirkt als Schutzmittel gegen zu große Feuchtig-> teil, die ebenso wie Temperaturschwankungen vermieden wer en soll. Auch zu langes Verbleiben der Stecklinge Im Vermehrungsbeet trägt zur Verbreiiung der Pilzkran' h't bei. Man nehme also dl« Pflänzchcn rechtzeitig heraus und topfe sie locker«in. nur den Rand drücke man fester an. Alle Koh'so teti wachsen im sichersten an. wenn sie mit zwei oder drei Blä iern (außer den Kleinblättern) verpflanzt werden. P. v. Aus der Praxis. Direktes Aussäen von Kopfsalat mit der Maschin« setzt ein aufs feinste durchgearbeitetes Ackerland voraus, erspart aber bedeutend an Pflanzkosten. Zu dicht stehend« Pflanzen können anderswo gepflanz' werden. An Ort und Stelle gesäte Pflanzen entwickeln sich erfahrungsgemäß besser als verpflanzte, und gesäte Salatpflanzen sollen nicht so schnell in Samen schießen als ver- pflanzte. Ueber ständige Kohlpflanzen. Von einer im Apr-.l ins freie Land gemachten Aussaat von Rottohl blieben aus 2 Quadratmeter etwa 200 Pflanzen übrig. Ein milder Winter lieh die Pflänzchen am Leben. Im April zeigien sich bei dnigen Binicn- stengcl— die anderen wu' en verpflanzt und brachten frühe K-ie'e. Da die Gurke hre Ne'irung aus der oberen Erdschicht zi')(, wäre es nicht richtig, den Dung in zu große Ties« zu brinjin. Man wird dos Land nur alle zwei Jahre mll Gurken besetzen. Im Jahre der Gurkenzucht kann man aus dem betr. Lande Spinat vorher ernte«. ßf Geradlinige KPD.~Sportpolitfk! €€ Die kommimisttschen Sportsührer predigen den echtesten, unver- fälschten Klassenkampf, in ihren Ausrufen und Reden begeifern sie haßerfüllt die sozialfaschistischen Arbeitersportler. die sich weigern, den Arbeitersport in die große Armee des revolutionären Prole- tariats unter der Fahne der KPD. einzureihen, die nicht mitkämpfen wollen als Soldaten der Revolution. In einem Aufruf:.heraus zum roten Sportkongreß für Rheinland und Westfalen", der unter- -etchner ist von der provisorischen Leitung der kommunistischen „Interestcngemeinfchast zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport RheinlarÄ-Westfalen", der in Nr. 2 des„Westdeutschen Arbeitersports" vom 14. Januar 1330 veröffentlicht wurde, wird ganz besonders der Reformismus der ZK.-Vewegung in Grund und Boden gedonnert und dabei auch die Stellung der kommunistischen Sportler zum Staat behandelt. Es wird da gesagt: „Was haben die Führer der Arbeitersporwerbände aus dieser, unserer stolzen Tradition gemacht. Ihr ganzes Sinnen geht dahin, anerkannt zu werden von dieser kapitalistischen Republik, gleichberechtigt zu sein neben den bürgerlichen Sportverbänden, was. vorausgesetzt, daß man den alten Klastenkampsstandpunkt ver- läßt, die rote Fahne verleugnet... Gcgsn diese Politik der Führer, die ganz entspricht der Politik der Gewerkschaftsführer, der Führer in den Genossenschaften, dem Freidenkerverband usw.. rebellieren mit Recht die Massen der Arbeitersportler." Diese Ausführungen sind wirklich sehr interessant, können wir doch feststellen, daß die Verwirrung und Konfusion bei den Kommu- nisten schon derartig groß ist, daß sie mit ihren Aufrufen sich s« l b st tüchtig ohrfeigen und dabei unbeabsichtigt beweffen, daß die Kommunistische Partei sowohl als die Interestengemeinschastssport- sührer genau so Verräter an der Arbeiterklasi« sind, wie die„Sport- Konzen" der ZK. Wir stellen fest, daß in den Parlamenten und in den für den Sport in Frage kommenden amtlichen und Halbamt- lichen Körperschaften die Kommunisten Anträge stellen, um die An«- kennung der ausgeschlossenen Sportvereine zu erreichen. Besonder« Mühe haben sie'sich im Preußischen und Sächsischen Landtag ge- geben, wo in treuester Freundschast die Deutschnationalen kommu- nistische Anträge begründen halfen. 3m Berliner Hauptausschuß kämpft Herr„Dr." Zobel, kommunistischer Londlageabgeordneter. verzweifelt um die Mitgliedschaft und Anerkennung der kommu- oislischen Sportvereine. Dieselben Anstrengungen werden überall von den ausgeschlossenen Arbeitersportvereinen und den Kartellen gemacht. Auf Tagungen des Arbeitersports erscheinen Anträge, die nachweisbar im Sportbüro der Kommunistischen Partei fertiggemacht wurden, durch die man mit Hilfe der„Verräter an der Sache des Arbeitersports", der Zentralkommiffion für Arbeitersport und .Köperpflege, die Anerkennung der ausgeschlossenen Sportvereine durch den Staat erreichen will. Mehrere derartige Anträge wurden von dem kommunistischen Redakteur Bernstein aus dem Bundestag des Freien Seglerverbandes begründet. Es fehlt uns wohl der bolschewistische Verstand, um die Logik der Kotmnumstcn zu begreifen. Werden die ZK.-Organffationen siaattlch anerkannt, dann ist das nach Meinung der Kommunisten Verrat an der Arbeiterklasse. Was ist es nun aber, wenn die kommu- mftisch« Sportbewegung nach der gleichen staatlichen Anerkennung und nach der Mitgliedschaft in den amtlichen Ausschüsten strebt? Be- kommt die Zentralarbeitersportbewegung Mittel vom Staat, dann werden deren Führer als verlumpte, bestochene Regicrungsjubjekte de- schimpft; wenn die Kommunisten selbst Mittel vom Staat beantragen. so fft das nach unserer Auffassung gelinde ausgedrückt unmoralisch. Bekommen die Kommunisten staatliche Mittel, oder werden sie in irgendeiner Gemeinde anerkannt, dann haben sie nach ihrer Ideologie durch ihren revolutionären Klassenkampf ein« revolutionäre Tat vollbracht. Diese kommunistisch« Logik fft so unwohrhaftig, daß man nur Bedauern mit den früheren Bundesmitgliedern, die heute noch der kommunfftischen Sportbewegung angehören, haben kann, die in dieser Atmosphäre leben. A. Buck. Bericht eines Gesunden. Er ermangelte des rechten Glaubens! Von Rußland darf man nach dem Katechismus der Kommu- nfften, wie von den Toten, nur Gutes reden. Wer seinen Fuß in dieses heilige Land fetzt und den rechten Glauben hat. der sieht nur eftel Milch und Honig fließen, denn man stellt ihm überall schön bemalt« Kulissen aus, wie sie der sellge Potemkin bekanntlich für die Reisen des Zaren fachmännisch entworfen hatte. Aber nicht jeder hat den rechten Glauben, und man kann nicht lückenlos Kulissen bauen. So hat denn auch ein offenbar nicht völlig mit revolutio- närer Blindheit begnadeter Erholungsreisender(die Moskauer hei- ligen heilen auch Krank«!), der längere Zeit in Rußland weilte, im sowjetvaterländischen Sportverein„Ficht c" einen Vortrag über dos gelobte Land geholten, der das blasse Entsetzen der KPD.- Gefftlichkeit erregt hat. Man lese mit Schaudern, was der Bericht- erstatter einer kommunistischen Sportschrift darüber berichten muß: „Nun zu dem Bericht des Genossen, der längere Zeit in Sowjetrußland.zur Erholung weilen durfte. Abgesehen davon, daß seine Ausführungen nicht ganz ohne inneren Widerspruch waren, ging er, in dem ängstlichen Bestreben, nur ja recht»bjek- tio zu berichten, so weit, daß er sich zum größten Teil in lächer- licho Nebensächlichkeiten verlor. Man sah ihn förmlich über„das holprig« Pflaster Moskaus"(oder war es Leningrads) stolpern. Zum Teufel, was soll uns ein Rußland- bericht, in dem uns von einer Ratte nn Konzertsaal erzählt wird! Wenn man dem Genossen glaub«« darf, dann ist ein« Eisen- bahnfahrt durch das heutige Rußland zu vergleichen mit einer Reffe durch Deutschland zur Z«lt der Postkutsch«. Nur mit dem Unterschied, daß die Rolle der Wegelagerer die„verwobrlosten Kinder" übernommen hatten. Mir kam förmlich ein Gruseln an! Ich habe schon vier Rußlandberichte gehört, darunter den eines sozialdemokratischen Betriebskollegen, aber soviel Pessimismus und Belanglosigkeiten, wie aus dem Mund« dieses Sportgenossen, noch nicht. Mir scheint, dieser Rußlandfahrer hat nicht nur die Zeit schlecht benutzt, die ihm zwffchen seiner Rückkehr und dem Vortragsabend zum Aus» bau seines Berichtes zur Verfügung stand, mir scheint er auch ein schlechter, oberflächllcher Beobachter, der keinen Blick hat für das Neue, Glgantffche, für den sozialfftffchen Aufbau." Wie konnte der Unglücksmensch auch nur die Wahrheit über das Sowjetporadies sagen, zu solchem Zweck bekommt man doch keine heiltur an Mütterchen Rußlands Brüsten bewilligt. Der Mann ist offenbar der Gnade nicht völlig teilhaftig geworden. Die Schweden wieder geschlagen. Schlittsdiuh-Club siegt 5: 2. Das gestrig« Eishockey-Rückspiel zwischen dem Berliner Schlitffchuh-Club und„Göta"-Stockhotm im Sportpalast endete aber- inals— wie auch nicht anders zu erwarten war— mit einem 3:2-Si-g der Berliner. Die BSEer hätten ihre Ueberlegen- heit ziffernmäßig bestimmt noch höher ausdrücken können, wenn sie mehr Gewicht auf Kombination gelegt und nicht allzu viel« Chancen verpaßt hätten. Immerhin kann festgestellt werden, daß dos Spiel weit interessanter als das am Dienstag war. Gleich nach dem Anpfiff nahm Lulle Iohanssen die Scheibe auf und schoß aus der Mitte des Feldes. Linke im Berliner Tor kam der scharfe Schuß völlig überraschend und die Scheibe sprang ihm durch die Füße. Gleich daraus kam es jedoch zum Ausgleich. Der kleine Ball brach rechts im Alleingang bravourös durch und sandte unfehlbar ein. Gleich daraus geriet das schwedische Tor obermal» in Gefahr, die Derteidigung rettete aber im letzten Augenblick. Ein zweites Tor— es war auch das letzt« schoß abermals Iohanssen. Mit 2:1 für„Göta" ging es in die erste Pause. Der zweite Teil begann mit einer recht brenzlichen Situation für das Berliner Tor. Iohanssen überspielt« die gegnerisch« Mannschaft, ober Römer nahm ihm wenig« Meter vor dem Berliner Tor die Scheibe weg und ging sofort zum Angriff vor! Iaenecke nahm die Scheibe von Römer aus und sandte unfehlbar ein. Damit war der Ausgleich hergestellt. In kurzer Folg« fiel für den BSC. das 3. und 4. Tor. Der„Göta".Torwächter mußte eine Zeitlang ein wahres Trommelfeuer auf sein Heiligtum ergehen lassen, da aber die gesamte Götamonnschaft mit verteidigte, kam es zu keinem zählbaren Erfolg« für den BSC. Im letzten Drittel fiel der junge Boll wieder durch feine Lauf. tcchnit auf. Immer und Immer wieder spielt« er sich durch die schwedischen Reihen, auf sein Konto kommt auch da» 3. Tor für den BSC.— In einer Pause zeigte sich Herr Weltmann vom Berliner Eislauf-Derein in der Arena: Er erntete für sein sehr gut vorgetragenes Programm viel Beifall. Arbeiterschach. Am Sonntag, 9. Februar, veranstaltet die Freie Arbsiterschach- Vereinigung Groß-Berlin im Gcmeinschastshaus Gutshof galkenberg bei Grünau einen Werbetag. Im Programm sind vorgesehen ein Massenwetttamps. Gästeiurnier. zum Abschluß ein Blitzturnier. Alle Abteilungen, die dazu verpflichtet sind, müssen Spielmaterial nüt- bringen. Treffpunkt an, Bahnhof Grünau. 14 Uhr.— Ebenfalls am Sonntag findet in der A- Gruppe der Dettkampf zwischen Kreuzberg 1 und Mitte l im Lokal Krepp. Planufer 73/76. statt. Mit Spannung erwartet man dieses Treffen, wird sich doch bei diesem Kamps erweisen, wer der Abteilungsmeister wird. Die Abtellung Mitte führt mit 21 H Punkten vor Srenzberg mit 19 Punkten. Beginn um 10 Uhr. Am Freitag. 7. Februar, findet in der Abteilung Lichten. b e r g, im Lokal Flemming. Simplon-, Ecke Gärtncrstt. ein Werbe- kämpf irtit der Abt. Friedrichsfelde statt. Beginn 2014 Uhr. Gäste willkommen.______ Frauenturnen in Lindenhof, Der bundestreu«„Arbeiter�Sportoerein Schöneberg-Friedenau 07" hat in der neuen Turnhalle in d«r Siedlung Lindenhof ein« Zraueoadtctlung eröffnet. Turnstunde ist jeden Freitag 20 Uhr. Dir Lettung der Abteilung wird bestrebt sein, allen Alters- klossen Nützliches zu bieten. Wir bitten all« Freundinnen der Leibesübungen, am kommenden Freitag den Uebungsbetrieb zu be- suchen und auch mttzumachen: auch aus die Turnstund« für Mädchen wird hingewiesen. Wir bitten alle Parteigenossen und Kinder- freundeanhänger, ihr« Mädchen Freitags um 18 Uhr zum Turnen zu schicken. Verfolgter Arheltersport. In Polen und Oesterreich. In Krakau soll der älteste polnische Arbeitersportklub „Iutrzenka"(Morgenrot), gegründet 1909, erledigt werden. Der Verein besitzt auf städtischem Gelände eine schön« Platzanlage mit Spielfeld, Laufbahn, Tennnisplätzen und Tribüne. Im Jahr« 1923 enthob die Bcreinsmehrhett die sich in den Verein geschlichene bür- gerliche Führerschaft chrer Aemter. Di« Wahl der sozialistischen Dereinsleitting erkannt« die Polizeidirektion nicht an und setzte di« bürgerliche Führerschaft wieder ein. Erst das höchste verwallungs. gericht machte nach Ablauf von zwei Jahren di« Maßnahmen der Polizeidirettion und der Krakauer Woiwodschaft rückgängig. Dar- über wütend, hetzten die bürgerlichen Elemente die bürgerlich« Presse und die Stadtgemeinde gegen den Arbeitersportklub auf, mit dem Erfolg, daß die Stadt den, Verein das Gelände kündigte. Und das, obwohl in Polen Sportplätze unter Mieter- schütz stehen. E» ist in Krakau ein offenes Geheimnis, daß die Ge- melnde di« Platzanlage den aus dem Arbeitersportklub ausgemerzten Bürgerwmsvertretern übereignen will. Gegenwärtig beschäftigen sich die Gericht« mit dieser Angelegenheit. Die faschistisch« heimwehr in O e st e r r e i ch hat einen Anschlag gegen das erst« Schauspringen des Wiener Arbeiterturnvereins von der Lichtensteinschanze auf dem Semmering durchgesührt. Nachdem der Versuch der heimwehr, den Besitzer zur Nichthergab« der Schanze an die Arbeiterwintersportler zu bewegen, mißlang, habin die hahmnschwänzler in der Nacht vor der Veranstaltung d t e A u f» sprungbahn aufgegraben. Felsblöcke hinauf- gewälzt unh Viehsalz gestreut, um den Schnee zum Tauen zu bringen. Der erhoffte Erfolg, das Springen zu verhindern, blieb aus. Die Arbeiterwintersportler haben mit der em> pörten Bevölkerung vereint die Bahn innerhalb drei Stunden wieder in Ordnung gebracht. Gegen die heimwehr ist Strafanzeige erstattet worden.'Es wird ihr aber sicher kein haar gekrümmt.— Bei dem Springen wurde handler(Arbeitersportklub Semmering) Bester mit Sprüngen von 4314, 43 und'31 Meter. Zweiter wurde Wagner(Bischosshofen) mit 38, 46 und 50 Meter: Dritter Feutt(Mürzzufchlag) mit 39. 40 mtd 44 Meter. Die Pankower zeigten sich! Kürzlich hatten die Pankower ArbeiteffporLer ein Werbewrnen. Sin frohe, Bill», wie st« mit einem LIede in di« Turnhalle einzogen' Frauen. Männer und Jugend. Noch den gemeinsamen Frei- Übungen, di« von Musik beglettet wurden«ntmickette sich das de- kannte emsige Treiben: Geräteturnen aller Altersklassen, Stab- Übungen der Iungmädchen. Siegspiele und viele» andere Besonderen AnNang fanden di« von den Spottlern gezeigten Trainingsübungen. j Den Schluß bildeten lustige Hindernisstafetten. Der Bezirk Pankow der FTGB. hat neben dem Turn- und Leicht- achletikbetrieb auch Fußball«, Handball, und Hockeyabteilungen. Für alle Wteilungen, auch für die Kinderabteilungen, werden jederzeit neu« Mitglieder anfgenommen. Turnabend« sind: Frauen und Iungmädchcn: Montags von 20 bis 22 U-Hr; Männer und Jugend: Freitags von 20 bis 22 Uhr: Kinder: Dienstags und Freitags von 18 bis 20 Uhr. Geturnt wird in der neuen Turnhalle der Mittelschule(Fernheizwerk), Eingang Neue Schönhvlzer Str. 10. Warum krauen turnen. Im„Bücherkreis" ist vor kurzem ein Buch über„Ar- beitersport"(Verfasser: Fritz Wlldung) erschienen. Wir oeröffentlichen heut« aus vem Kapitel„Die Frau im Sport" einen interessanten Abschnitt. Das ureigenste Gebiet der Leibesübungen ist für die Fwu die Gymnastik, hier findet sie vor allem das, was ihren seelffchen Anlagen entspricht. In der Gymnastik verbindet sich seelischer Aus- druck mtt körperlichen Uebungen In einer Form, die die Linien des weiblichen Körpers voll zur Geltung kommen läßt. Diese Uebungen lassen sich steigern zu vollendeter Künstlerschait, wofür die Tänze der Mary Wigman und der Laban-Schule sprechende Beweffe sind. Neuerdings cnfftehen Volksbewegungschöre, die diese Kunstforrn volkstümlich machen wollen. Das ist sehr zu begrüßen, denn es bedeutet ein gesundes Gegengewicht zum reinen Kampf- und Lefftungssport. Zur Gymnastik gehören nicht nur die rhythmischen Tänze und Uebungen, die allgemein als rhythmffche Gymnastik bezeichnet wer- den. Dabei handelt es sich in der haupffache um Ausdrucks- gymnastik, während das' Ziel der Leibesübungen in erster Linie die Körperbildung im Sinne der Lebenstüchtigteit sein soll. Eni- sprechend dieser Einstellung ordnen wir fast das gesamte gerätelose Turnen, die Freiübungen, das sogenannt« Bodenturnen, Lauf- und Sprungübungen, in die Gymnastik ein. Wir nennen das im Arbeitcr-Turn- und Sportbund körperbildende Gymnastik zum Unterschiede von der A u s d r u ck s gymnastik. Körperschule wird es im bürgerlichen genannt. Die Volksgymnastrk, wie ich sie nennen möchte, braucht Anreiz zum freiwilligen Ueben. ebenso wie Spiel und Sport. Sie mutz ihre Elemente darum aus Spiel, Kampf und Volkstanz nehmen. Sie muß ferner nach Möglichkeit zu einer absichtslosen gymnastischen Beschäftigung gestattet werden. Das ist keineswegs so leicht, als es sich manche Verfechter einer Schulmeinung vorstellen. Sobald in den Leibesübungen der Imperatw: Du mußt! zur Maxime des Handels wird, ist es mit der Lust und dann auch mtt der Hingabe vorbei. In dem Uebungskomplex, den wir unter„körperbildender Gymnastik" zusammengefaßt haben, sind Elemente aus Spiel, Kampf und Tanz vereinigt. Das ergibt manche Komponente des Reizes, zumal das Ganz« reichlich mit Humor gewürzt wird. Den strengen, steifen Ernst des alten Turnens haben wir glücklich aus den Turnsälen vertrieben. Lachen und Frohsinn sind an seine Stelle getreten. Diese Gymnastik gibt ferner die Möglichkeit eiyes raschen Wechsels der Uebungen, was auch sehr zur Kurzweiligkeft beiträgt. Auch mit der geisttötenden Systematik fft gründlich aufgeräumt worden. Die körperbildende Gymnastik fft keine spezifische Frauen- gymnastik, st« ist ebenso geeignet für Männer. Daß Männer auch das Relifen- und Schnurspringen mtt außerordentlicher Gewandtheit üben können, wußten wir bisher kaum: ebenso können Frauen den 8»lto mortale schlagen. Für das Frauenturnen wird neben diesen körperbildenden Uebungen die Ausdrucksgymnastik auch im Berein zu pflegen sein, wenn dafür die geeigneten Lchrträft« vorhanden sind. Der Einfluß, den di« Frau aus dem Sportplatz, im Schwimm- bad und in der Gymnastikhalle gewonnen hat, fft von größter kultureller Beoeutung. Die gesittet« Frau wirkt über- all veredelnd auf die Gewohnheiten des Mannes «in. Im Sport wird, wie schon bemerkt, die Frau ebenbürtige Kameradin des Mannes. Die sportliche Kleidung der Frau trägt zu einer natürlichen BetrochtungKh�g Körpers durch den jugend- lichen Mann in hohem Maße bei und bewirkt eine Läuterung und Reinigung seines Trieblebens. Man muß sich darüber freuen, daß die Frau mit einem Eifer und einem Enfft sportelt und turnt, wie wir es vom Durchschnitts- mann leider nicht sagen können, Es ist«ine der erfreulichsten Tat- fachen, daß die Frauen bei großen Festlichkeiten in relativ viet höherer Zahl antreten als die Männer: die erste Arbeiter-Olympiade gab dafür einen prächtigen Beweis. Das Pflichtgefühl ist hier bei den Frauen anscheinend stärker entwickelt als beim Mann. Internationaler Boxkampf in Riga. Bei den vom Derein„Riga Zentrum" des lettischen Sport- und Schutzbundes veranstalteten Boxkämpfen traf der lettische Schwergewichtsmeister.Klesberg(Riga) mit Megand(Ludwigs- Hafen a. Rhein) vom deuffchen Arbeiter-Mhletenbund zusammen. Der hartnäckig« und sehr interessante Kampf endet« unentschieden. Der Rigaer Volkshaussaal, in dem die Kämpfe stattfanden, war gut besetzt. Der FFV. Neukölln sucht zum Sonntag, 9. Februar, Spiel auf Gegners Platz für 1., 2. und 3. Mannschaft und 1. und 2. Jugend. Eilangebote an Rudolf Apstein, Neukölln, Böhmische Str. 27 oder Freitag telephonisch B 2 2200— Zur Vervollständigung der 4. und 3. Männermannschaft werden noch Spieler gesucht. Für die an jedem Freitag 20 Uhr beginnende Sitzung im Sportheim Neukölln, Richardstr. 118. ist jeder Arbeitersportler eingeladen. Freie Ruderer und kanusahrer, t. kreis. Sonntag, 8. Februar, s Uhr, tm„Hackeschen Hof", Rosenthaler Straße 41. Iahresgenerrtt- verfammlung der»parte. kein« Preise im deutschen Arbeiterradsport. Die Leitung des deutschen Arbeiter-Rad« und Krafffahrerbundes„Solidarität" gibt bekannt, daß es in seinen Reihen verboten kft, Preise auszuschreiben oder nach Wettbewerben abzugeben. Nur Diplome sind gestattet. Arbeiter-Radfahrerverein Groß-Derlin. Sonntag. 9. Februar, 13 Uhr Spindlersseld bei Budach. Start Waldemarstrciße Ecke Mariannenplatz. Gäste willkommen. lieber 2 Meter im Hochsprung. Bei einer Hallenveransialtunti in South Bend(Staat Washington) wartete der jung« Student Bert Nelson besserte mit von Osbornc fttewlftl««, 1. OteU. tS«n»ff«n,«elch» Sitieuff« am«•ttunaefiiBiumBe* hefi-ii, Ifr.ltrt(»tot* cht« iUbtefU an Sri» Schul». ajttlm-CidWrn&to, Sola»-- RiaS» U IN. Mifils. fttztd(fit«rbtit-rijort u»d XitproftMt.«ichtenSera. gut SarltO»«- fornntofl om SKsntaa. 19. ffcbruot, mülfm Sie Cemtn-niffn tut AS», ob- ««rechnet werden. Sifcunn bei W eoner. grankturier Alle« 236, Rttk galtboattsini Berlin. Dannerslaa. 9. Stimmt. 20 Uhr. Zusammen- fünft(nt..Kackeschcn Sof", Tefencholet 6*t, 41. Geschäftliche, und anschließend attclliaes Beisainmenseln. Gäft« wiltkaMmen. Eonnta«. t. gebruar,» Uhr, lbeneralversammluna der Soarte ebenda. ttartel lilr Arbeit«»!»»»! nrd«ir»er»fl«a» Lichten bera. Roniaa, 10. K«- bruar. SO Udr. findet Im Cofot von Omenet, fttanffurlec Alle» 200. die Nartelloeneralnerfaiiunluna statt. Arbeltee-Tnrn. and«»»rlbnnb, I. Bezirt. guaendauaschust! Am Monwa, 17. gcdruar. 1« Uhr. findet im Auaendbeim Lichtenbera. Gunierstr. 44, ein« Sihunq dez Bezirks, uaendausschuiles Natt, gilt den Kreisjuacndlciterturws om 22. und 23. Februar in Berlin können noch einiqc Bereine ihre?uiien!>- leitrr Wm Genossen Kein» Wazner. Ruvunelsbur». Ammstaktr.». melden. % akfchäfis-Jütjeiger �=> (Bezirk Jlorden-Cfien. Unsere ß@iormschuhe befreien den Ml Landsgemelndehaus MÄWmter&Co. Berlin O, 34, KttnlKSberger StraBe 7, Teleph. KSnigsudt S?« ßausehlosseTei/Sisen- U.Bronze' aräc:t�n/ Elsenkonstruktionen/ SCherengitter-Treppen. Berlin-Mitte, Neue Schönhauser Str. 8 Berlin-Spandau, Potsdamer Str. 38-39 G.». H.H. Gebrüder Groh Gegründet I8S2 55 eigene Verkaufsstellen in allen Sladllellen Grob-Berlins iRI44 10 eigene Dampfmolkercicn SimMMmi„Hansa" Lübecker Str. 3, neben der Post Ttiephon: Hans« ZSSU Wgsctse Eacn Großgarage Mordbahnhof f. Matimlllan Jantechewski ßEfSIlDJIdi RQ Ebers walder Sir. 14-15 KS) S ins En 2 Odcrbergcr Strafe I# 0 Minote vo.ti Nordbahnhof) Garagen:: Tenkstellen Werkstatt ras irad Na»! oeöllJiBf.— Ttl.: B. 4, Hambsldt 2887 Butterhandlung Zu den drei Sternen *** Filialen m allen Stadtteilen Jww rar Kenner Ibv„Hopdsee" WM fißteefisdierei ' � Bremen- Cuxhaven L-B. Brunneosir. 62 unil ReiniAeDdorfer Sir. 47 Moabit, Hulfenslra&e 3 Charlottenbarg, Reichssfr. 99 SAmargendorl, Berkaer Str. 4 TäglidifrisdieFisdis.billigseTagesprBiffi Bflndiervaren u. Flsdihonserven 8— crMflepot DESTILLE RIE HAUS VOGT A*W*Q* AllHm. Weinver- trieos-Ges m-b-G. BERLIN€.19 Kraa�easiraBe 41 &ilr den SCerm kauft man gut und preiswert Hüte« Mülzen. Ober iemden« Krawatten, sowie alle mo. ernen Herrenariikel im pezialgeschäft g'aul Iftenasel Kapcnftrk, SebloHsi a e 17. Weddingplatz, MülierstraBel74 Prenzlauer Allee 204 Zum NagendoHlor Inhaber: OkO SdläSCf(BW. Wedding) TreUpanKl alier Werüiatigenl Nur die flemecerdHecfr« Schallplatte bringt die Aufnahmen der Chöre des Deutschen Arbaitar-Singarbundes.— Bezugsquellen- Nach w ei» fioxnoFhon-Cempcinf > Berlin Ver!4ui|eB Sie Sperial-Prospckie Ober Ar beiierchor«Platten hl allen einsdilAglgen Gesdiitten erblltlids. Pharussäle und Bierhallen N 65. MüllarstraBe 143- Hansa 645 saie IfirVersammlnngen».vereine tu i»g?,!«» Im«»! :n den Blcrhallen Inden Abend UnieTbaUungsrnntik 3 Verhands-Reoelhahnen. vollständig renoviert Seifen-Haus Heinrich Hamell Bar In 0. 17, Koppenstr. 71 Parfttmerien* Geschenkartikel I Billige PreUet Beste Qn«lU3'edd ng) Hachen v. BN. 90.- an Zahlungserleichterune Asphalt-Fabrik F. Schiesing Nachf. Akt.-Ges. Asphalt-Arbeiten aller Art Spezialität: Hartgußasphalt Isolierungen und Dacharbeiten Berlin NW. 87, Kaiserin-Augusta-Allee 104—106 Fernsprecher: Hansa 940 und 2181 h GERMANIA-PRACHTSÄLE CARL RICHTER Berlin N 4, Cnaussees r.liO rs Norden 4i3 u.«.080 Site für Festlichkeiten. Kongresse nsw. bis 1200 Personen fassend zn den gönstlgsten Bedingungen iR Gute Kit che» Oepfleute Biere s: Solide Preise Berliner Raff keller Bierabtetlang Königstr.is-is Helnabtellong Künstlerkonzert Vorzuoliche Küche Beioridi Falienlurg Fleisch Wurst billig Willy Miething Friedricfashagen, Fricdriduir. 97 (114 gut AudusistfraOe 24-25 Bühlers Ballhaus C9iirci»ens Wläwenbexll Täglich aaficr Montag[im GÄ&Wollfi! Eisenwarenhandlang Berlin-«aelßensee Berliner Allee»« IB. 154] KoaKurrrnzloi 1 f Klappkamera sehr sfahil. Lederbalgen m. la Aplanat lA i. Vatio 6X»>*•-.»XI 2 I».- Prima 9X12 Kamera Triebcinstellung, Rahmensucher mi; Meycr- Trioplan, 43 in Vario nur 47J0.— dito, jedoch Uoppelausiug mit dem erst- kla.ssigen Steinheil D.-A Unolocal 6,8 in Vario nur 50,—. Verlang. Sie Liste S kostentrei. Muster unserer Papiere