BERLIN Mntag 10. Zebwar 1930 TO Pf. Ttr. 66 B 34 47. Jahrgang e»kSet»tt»»kich««I«rS»««<«<<. Luzle>ch Abtlldaa-gade dt«.Vorwärts' �ejugsorei« beide Zlusqaden«SPf. vro Woche.»�»M. vro Monat. Kedaktlon und Lrpeditlon; Berlin SW 68. LindenKr.» SjuUaaigaße xlei v\/ofu>wf46 ll| elf(«»««{<: Bit einspalttze Nonvareklleiekle so Pf., vleklameieile t M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßfcheckkont«: DorwärtS-Verlag G. m.b.H„ Berlin Nr. I?»ss. Fernfrrecher: Dönhoff sss bis'2sn Paul Levi Der Sdchfffogmrtgcerlmfle Genosse vr. Paul Levl ist am Sonutazmorgeu gegen S llhr ans tragische weise um da» Leben ge- kommen. Leoi war seit acht Tagen durch eine schwereGcippeaudas Lelt geftsjelt. Am Mittwoch gesellte sich zu dieser Krankheit eine Lungenentzlludung. die mit antzerordentllch starken Aiebeeerscheinungen verbunden war. Ts waren Tempera- tnren bis zu 41L Grad zu verzeichnen. Zn der Rächt zum Sonntag wurden dem Patienten zwei stark dosierte Kampsersprlhcn verabreicht. Er war völlig benommen, sast ohne Besinnung. Als die ihn versorgende Schwester dann morgen, gegen süns Uhr das Zimmer verlieb, um ihm einen Tee zu bringen, muh Paul Levi i w Fieber wa hu an da» Feuster gegange« sein— wahrschein- lich um sich frische Luft zu verschaffeu. Dabei ist er über da» unge- wohnlich niedrige Fenstersims seiner Mansardenmohuuug am Lühowufer auf die Strohe gestürzt. Ein Bruch der Wirbel- säule führte seinen sofortigen Tod herbei. Levi stand kurz vor der Vollendung seine»<7. Lebensjahre». Er wurde l« Zahre lSSZ in hechingeu bei Sigmariugeu gebare», park besuchte er zunächst die Volksschule uud dann die Realschul«. Zu Stuttgart machte er sein Abitur. Aus den Universitäten in Berlin uud Grenoble studierte er Rechtswisienschastea. Zu Frankfurt a. M-nnd Limburg war er Gerichtsreserendor. 1308 lieh er sich in Frankfurt a. M. al» Anwalt nieder, wo er troh seines jugendlichen Aller» in einem viel beachteten Prozeh Rosa Luxemburg verteldigle. die nach einer antimililaristischeu Rede wegen Aufreizung vou Soldaten zum Ungehorsam angeklagt worden war. Später fiedelte Dr. Levi nach Berlin über. Seit 1370 gehört er dem Reichsloge an. zuleht al» Vertreter de» Wahlkreises Ehemnih-Zwickau. Das Geschick Paul Levis hat sich vollendet, eh« er feinen Kampf ums Recht vollenden konnte. Mitten im Jorns-Prozeh ist der große Ankläger gefallen; die Stimme der Vergeltung an den Mördern ist verklungen. Die Anklage bleibt, und zugleich die Erinnerung an jene erschütternd« Szene, da durch Paul Levis Mund die Geschichte ihr Schuldig über die Mörder Rosa Luxemburgs und Karl Lid»- knechts sprach. Das hohe und mitreißend« Pathos dieser Szene konnte ihr nur ein Mensch verleihen, der sich völlig entäußerte und ganz hingab. so daß er nicht mehr war der Mensch und Politiker, der Anwalt und Ankläger, fondern das Symbol der Gerechtigkeit selbst. Der- geltung? Es war mehr, was Paul Levi damals geübt hat! Er hat uns einen Glauben gegeben und wieder besestigt, den Glauben an den endlichen Sieg der Gerechtigkeit. Die in ihm nur den un° ermüdlichen und unbequemen Kritiker und Feind der Justiz von heute sahen, mögen bedenken, daß er in Wahrheit ein großer Anwalt des Rechts war. der sein bestes für die Sache der Gerechtig- keit gegeben hat! Das war der Dämon, der ihn trieb und fein Leben bestimmte! Das reiche und bunte Aeußere dieses Lebens, der Glanz des Acstheten, des genialen Schriftstellers und Redners war ausgelöscht. wenn aus ihm die Stimme edelster Empörung sprach, getragen vom tiefsten menschlichen Fühlen. Das war es. was Menschen an ihn bannt, was ihnen Glauben gab und Mut. für die Menschheit zu kämpfen. Das hat ihm die tiefe Liebe seiner Freunde eingetragen— und weit, gewallig weit war der Kreis derer, dl« ihn geliebt haben— selbst schärfste politische Gegnerschaft hat dies« Liebe nicht auslöschen können. Dies Menschenleben war«in Wert in sich, daß es beendet ist. ist ein schwerer Verlust. Gerechtigkeit und Freiheit waren die großen Ideal« seines Lebens. In chrem Dienste begann sein Leben. Der freihellliche Geist südwestdeutschen Lebens und südwestdeutscher Bildung hat ihn in den Kampf geführt. Der junge Anwalt in Frankfurt am Main. gebildet wie selten einer, kullivierter Aesthet, begann mit kecken Vorstößen gegen die Justizbureaukratie der Vorkriegszeit. Ein lustiger Kleinkrieg, voll Wagemut, geführt mit einem Geist, dem fein« Gegner nicht gewachsen waren. Wie selbstverständlich ging sein Weg zur Sozialdemokratie— sein cherz bracht« ihn dahin, dies weiche fserz, das er selbst zu oerbergen suchte unter dem äußeren Glanz seines Leben» und seines Esprits, das ihn im tiefften mll- erleben und mitfühlen ließ. Seine Gegner haben ihm spottend nachgesagt, daß es nur an Dingen hänge, an der Schönheit des Lebens eines unabhängigen und wohlhabensten Mannes, an Dingen der Kunst und des Kunstgewerbes— in Wahrhell gehörte es den Menschen. k 3n Frankfurt am Main traf er mit Rosa Luxemburg zusammen. Er führte den großen Prozeß gegen den preußischen Militarismus. In dieser Zell entstand jene enge geistige Gemeinschaft mll Rosa Luxemburg, der er treu geblieben ist über den Tod hinaus bis zum Ende seine« eigenen Lebens. Das Band wurde enger iwt dem Ausbruch des Wellkrieges. Nach seiner Milllärzell traf er in der Schweiz mll den Führern der Balschewiki zusammen— geistige Vorbereitung der Gründung des Spartakusbundes. Was Paul Leoi mll ihnen gemeinsam war. das war die Kraft der tief ein- dringende» kritischen Analyse des politischen und gesellschaftlichen Lebens, der unerschütterliche Glaube an ein himmelhohes Ideal. Was ihn an Rosa Luxemburg band, das war die Gemeinsamkeit der revolutionären Perspektive, die Gemeinsamkeit der genialen Stilisten Der Stil Paul Levis— sein« Beziehungen zum besten deutschen Schrifttum, sein« Schulung an den deutschen Klassikern, seine Beeinflussung durch die sozialistischen Klassiker wäre einer Behandlung für sich würdig. Der Tod Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts hinterließ ihm ein« ungeheure Bürde, der er nicht gewachsen war. Die Leitung der neugegründeten Kommunistischen Partei fiel auf seine Schullern. als diese neu« Partei eben die Todsünde gegen den Geist der Rosa Luxemburg und das. was sie wollte, auf sich genommen hatte. Er wurde nach dem Spartakusaufitand der Führer der Kommunisten— obwohl er wußte, daß die in Rußland zur Macht gelangten Bolsche- wiki um des Märtyrertums der Gemordeten willen nur kurze Zeit zögern würden, das Schwert gegen ihre Anschauungen und gegen ihn als den Wahrer ihrer Tradllior. zu ziehen. Es gelang ihm noch. di, dem wahren Moskauer Geist näher verwandten putschistischen und blanquistischen Element« der KAP. aus der Kommunistischen Partei hinauszudrängen—- dann aber begann die unaufhaltsame Entartung der Kommunistischen Partei. Die Spaltung der großen deutschen Sozialdemotratte im Kriege, ihre Aufrechterhaltung in der Revoludion, ihr Weitertreiben aus Moskauer Befehl trug immer bitter« Früchte. Paul Levi hat von diesem Zeitpunkt an bewußt den Rückweg zu größerer Cinhell gesucht. Er wollte die Einbeziehung der USPD in die Kommunisttsche Internationale, um in einer großen deutschen Arbeiterpartei ein Gegengew cht zu finden gegen die Diktatur aus dem Osten. Er wollte das Schwergewicht nach dem Westen ver- rücken. In Gesprächen, die er eben zu der Zell führte, da um des . Problems der Moskauer Internationale willen die llsPD. zerriß, träumte er von einer großen deutschen einheitlichen Arbeiterpartei. ähnlich der Labour Party, in der in voller Freihell der, Vertretung der eigenen Meinung und des Ringens um die Köpfe der Abeiter die gespallenen Parteien lose gebunden nebeneinander wohnen könnten. InReihundGlied— so hieß seine Mahnung gegen- über dem Putschismus. Er. der von Natur aus ein Frondeur war, ein tecker Tiralleur, er fühlle, was die befehlsgemäße Spaltung für den einheitlichen Kampf der Arbellerklasie bedeutete! Sein Kampf gegen die Moskauer Diktatur war zum Mißerfolg verurteilt. Sein« glänzendsten Eigenschaften standen ihm als Parteiführer im Wege. Die Kleinlichkollen engstirniger Organisation»- strelligkeiten, die Kleinlichkeit der Menschen, der Mangel an Be- geisterung im Apparat der KPD., der von Moskau abhängig war. die Unterofiiziersgestnnung jener Leute, die sich zu Heloten Mos- kauer Befehle gemacht hatten, konnten ihn zur Verzweiflung treiben Wie oft hat er entrüstet und verzweifell Sitzungen verlassen, in denen über alle politischen und geisttgen Erwägungen hinaus am Ende immer der sture Befehl von drüben den Ausschlag gab!. In tieffter Seele war ihm die Adaptierung der zaristischen Methoden durch die Bolschewiki verhaßt. Als der gewaltige Schwung der russischen Revolution verblaßte, als der deutsche revolutionäre Idealismus erkannte, daß die neue Well in Rußland anders aussah, als sie sich in seinen Köpfen gemalt hatte, da begann bei Paul Leoi die innerliche Loslösung vom Bolschewismus, die Wiedsrannäherung an den deutschen Soziales- mu». Er wurde der Führer dieses Prozesses. Sein Kampf darum begann als Kampf um die Wahrung der eigenen Menschenwürde— und hier war auch der Punkt, wo im tiefsten sich deutscher Sozialismus und Bolschewismus, wo sich deutsche Sozialdemokratie und deutscbe Kommumstische Partei unterscheiden. Sozialismus ist nicht möglich ohne äußerste Achtung der Würde des Menschen! Das war die wahre Freiheit nicht, die die Bolschewiki im Ruß- land verwirklichten! In dieses Regime des blutigen Zwanges, dies System der Unterdrückung, das sein« tiefften Ideale verriet— Freiheit und Gerechtigkeit— paßte Paul Levi nicht hinein. Seine große Menschlichkell, seine Liebe zu den Menschen wandte sich von dem Moskauer System ab, Sie flammte zu heller Empörung auf, als Bela Khun aus Moskauer Befehl den Mvzaufstand des Jahres 1321 in Deutschland organisierte. Damals erhob er laut seine Sttmme im Namen der geopferten Arbeiter gegen den unmenfch- lichen Dämon des bolschewistischen Krieges, für den die Arbeiter nur Steine aus einem Schachbrett sind. Mittel und Opfer einer zur Rafer« gewordenen leeren Abstraktheit— das Salz der Welt- geschichte. Dieser Aufschrei um Menschlichkeit, aus tiefstem gequältem Herzen— das war das wahre Wesen dieses Mannes, das war der echte Paul Leoil Die Knechte von Moskau haben ihn in diesem Punkte niemals verstanden. Sie sprachen von rührseliger Sentt- Mentalität, wo es um das Beste im Menschen gingl Mit wenigen Freunden verließ damals Paul Levi.die' Kommunistische Partei. Die wenigen, die sich damals in der kommunistischen Arbeitsgemoin- fchaft zusammenschlosien, wußten, daß der Prozeß der Wiedexver- einigrmg der deutschen Sozialdemokratie im Marsche war, der Weg ging mll ihm zur USPD. und mit der USPD. znr Sozialdemo- kratischen Partei. Zurück in die Einheit der Arbeiterbewegung, zurück in ihre Freiheit! Der freiheitliche Geist der Sozialdemokrattschen Par- tei, der nicht starre« Dogma und die Dergewalttgung des Intellekts kennt, hat Paul Levi das Wirkungsfeld gegeben, das er brauchte. Er war ein Führer der Opposition, er war Opposition für sich, Richtung für sich— nur ein einzelner. Und doch was für ein einzelner! Seine espritvolle Beweglichkeit, sein ganzes Wesen eignete ihn nicht, ein Glied zu sein in dem schweren Automatismus, in dein das Ringen der Klassenkämpfe in unseren Tagen sich vollzieht. Er war Kritiker. Analytiker, Fanfare, Beispiel eines freien Menschen auf höchster Kulwrstuse. Derkündcr des Ideals. Praktische Politik in, Sinne der Mechanik des politischen Handelns— das war nicht seine Stärke. Die glänzenden Aufsätze» die er in den letzten Jahren seines Lebens schrieb, waren von tief eindringender Kritik. Gar oft hat er den Finger in unsere offenen Wunden gelegt, so daß die Partei oftmals schmerzhaft aufzuckt«— eben weil er nicht unrecht hatte. Daß er Diagnostiker war, nicht Arzt, das war sein Wesen. Aber ein Diagnostiker, her nicht eiskalt die Wunden aufzeigt, sondern mit ttesstem Mitgefühl, weil sie ihm selbst schmerzten. Da er die Freihell wieder hatte, diente er der Gcrechttgkeil. Er wuchs zu einem der ersten Strafverteidiger. Als er den Kampf gegen di« Begünstiger der bayerische» Fememörder führte, sagte er oft: wir werden endlich eine» Durchbruch erzielen, wir werden endlich wieder dem Recht zur Geltung verhelfen! Wo die anderen nur Politik sahen, ging es ihm ums Recht! Die Züge seiner jungen Jahre trug er bis zuletzt. Aber hinter der Heiterkeit stand der tiefe Ernst eines großen Charakters; sein Lache» verbarg oft, worunter er litt; wieviel er gelitten hat, hat er Reichskonferenz der ZdA.-Lugend. Ein erfreulicher Aufschwung. »ur sekten und karg»«sagt. Denn in diesem Punkte war er«in einsamer Mensch. Er war ein Mensch. Um den Menschen in seiner Würde, in seiner Freiheit, in seinem unendlichen Streben nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit trauern seine Freunde. ' Curt Geyer. Beileidskundgebungea. �-ichsminister des Innern Sewering hat an den Bruder c.es Abg. Leo!«in Beileidstelegramm gerichtet, das folgenden Wort- laut hat: ,�Zuin Tohe Ihres Bruders, der als hilfbereiter Mensch und kluger Anwalt der Gerechtigkeit hohe Verehrung weit über den Kreis seiner Partei hinaus genossen hat, fprech« ich Ihnen herzliches Beileid aus. Severins Reichsminister des Innern." $�71 Namen der sozialdemokratischen Reichstags- irokkjon schrieb Dr. Breitscheid? „Das plötzliche Hinscheiden Ihres Bruders, des Abgeordneten Paul Levi, bedeutet auch für die sozialdemokratische Reichstags- fraktion einen außerordentlich schmerzlichen Verlust. Wir haben Paul Lech als einen Menschen von hervorragenden Kennt- nifsen und oorbiVbluhen Charaktereigenschaften geschätzt, der die Sache der Arbeiterklasse mit hohem Mute und unermüdlicher Energie verfochten hat. Sein Andenken wird von uns stets in hohen Ehren gehalten werden." Der zur Zeit in Bollersdorf i. d. Mark tagende s o z i a l d e m o. kratische R ed a 5t e u r k u r sus sandte zum Ableben Paul Levis folgendes Telegramm an die Reichstagsfraktion: „Der in Bolleredorf tagende sozialdemokratisch« Redakteurkursus, -ms allen Gauen Deutschlands beschickt, versichert der Reichstags- fraktion zum Ableben Paul Levis aufrichtige Teilnahme." Nachfolger Levis im Reichstag wird der frühere sächsische Arbeilsminister, Landtag sabgeordneter Gewerkschaftss ekretär Georg Graupe« Zwickau, sein. Vertagung des Lorns-prozeffes. Der tragische Tod Paul l�e v» s, des Verteidigers des Anas- klagten B o r n st e i n. veranlagte das Gericht, die heutige Derhand- lung in dem Beleidigungsprozeh des Reichsanwaltes Jörns zu v e r- tagen. Zu Beginn der Sitzung gab Landgerichtsdirsktor Hoeher die Erklärung ab. daß das Gericht mit großem Bedauern von dem tragischen Ende des Verteidigers Kenntnis genommen hätte. Und «» verstehe vollkommen, daß der Angeklagte B o r n st e i n in einem Briefe an das Gericht bak, wegen seiner großen Erschütterung über diesen Todesfall von der heutigen Verhandlung Abstand zu nchmeo. well er die nötige Sammlung zur Verfolgung der Plädoyers nicht aufbringen könne. Das Gericht halte es für leibstoerständlich, daß filchen Wünschen stattgegeben wird und daß auch zeitlich von diesem furchtbaren Geschehnis ebenfalls etwas Abstand genommen wird. Aus gesetzlichen Gründen müsse die Verhandlung leider schon a u s morgen oertagt werden. Der Rechtsbeistand des Neben- klägers Jörns, Iustizrat Löwenstein, sowie Oberstaatsanwalt Köhler stimmten diesen Erklärungen des Gerichts bei. Das Gericht beschloß daher, auf morgen zu vertagen. Falls der Angeklagte Bornstein auch morgen noch nicht erholt genug ist, um der Verhandlung zu folgen, wird Iustizrat Löwenstein für den Nebenkläger nur kurz plädieren und das Plädoyer an»in«n anderen Eitzungstog beenden: Vierfacher Mörder verhaftet. Geständnis einer Reihe von Verbrechen an Wanderburschen Düsseldorf. 10. Februar. Ein vou der Kriminalpolizei im Zusammenhang mil den Düsseldorfer Blordeu vcrhasleler Mann in den dreißiger Zahren, der aus Nürnberg stammt, gestand, in den Jahren von 1921 bis 1929 vier Lustmorde begangen zu haben. Auf Grund dieses Geständnisses ist er dem Untersuchungsrlchler vorgeführt worden, der Haftbefehl gegen ihn erließ. Der Täler beging die Morde an D a n d e r b u r s ch e n, die er auf der Laudsiraße kennen lernte. Er hat stiue Opfer mit Verona! labletten eingeschläfert und sie dann kaltblütig gelötet. Einen Mord will er ln der Gegend von Darmstadt, einen bei Haunoversch-Mündeu. einen dritten bei Traue- münde und einen vierten zwischen Kevelaer und der holländischen Grenze begangen haben. Die KriminalpoNzei ist eifrig bemüht, diese Angaben nachzuprüfen., Der Festgenommene, der nach seinen Angaben Gutsverwalter gewesen ist, oerfügt übex eine außerordentliche Intelligenz. Bon Geisteskrankheit oder sonstigen seelischen Defekten könne— abgesehen von seinen homosexuellen und sadistischen Nei- gungen— nach Ansicht der Sachverständigen keine Rede sein. Der Verhaftete lernte nach seinem Geständnis die jungen Burschen auf der Landstraße kennen, verging sich in unsittlicher Weise an ihnen und schiäfer!« sie durch Veronaltabletten ein. Dann schlachtete er die Burschen buchstäblich ab, was ihn in einen Blutrausch ver- letzte, hierzu benutzte er einmal ein Stllet, dqnn ein Schlachtmesstr und ein anderes Mal ein geschliffenes Taschenmesser. Bei seiner Verhaftung fand man noch Beronaltabletten vor. Die Polizei ist bei der Nachprüfung der einzelnen Fälle vor eine schwere Aufgabe gestellt, da die meisten Spuren sorgfällig verwischt worden sind. Düsseldorf. 10. Februar. Die Meldung über das Geständnis«ines vierfachen Sexualmörders wird heule vou der Düsseldorfer Kriminalpolizei beslättgt. Di« Mord« liegen nach Angab« des Verhafteten zwischen 1921 und 1929. Im Interesse der Untersuchung können von der Kriminal- polizei vorläufig kein« wetteren Einzelheiten bekanntgegeben werden. Noch ein Lustmord aufgeklärt. Hannover, 19. Februar. Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums mitteilt, ist es der Kriminalpolizei in Zufammenarbett mit der Leipziger Kriminal- polizei gelungen, den Lustmord in Neustadl sam Rübevberge» am 26. April vergangenen Jahres, dem dir pchljährlge Schüler!» Zrm- gard Stolle zum Opfer fiel, aufzukläreu. In Leipzig war im De- zember vergangenen Jahres ein Lljähriger Bursche festgenommen worden, der eingestand, in Leipzig ein IIjähriges Mädchen und einen IZjährigen Knaben ermordet zu haben. Da die Taten ähnlich wie die in Neustabt am Rübenberge ausgeführt � waren, setzte sich die Kriminalpolizei hännooer mit der Leipziger in Verbindung, und e» gelang ihr, den Täter noch während der Cisenbahnfahrt nach han- nooer zu überführen. Dabei gab er einen Mittäter an, der aus Berlin stammt. Die Täter hatten seinerzeit das Mädchen in der Nähe der Nutzbadeanstalt getroffen, es m eine Kabin« geschleppt, vergewaltigt und dann ermordet. Am Sonntag waren im Reichswirtfchaftsrat die Vertreter des Jungvolk» des Zentraloerbandes der Angestellten zu organisatorischer Arbeit versammelt. 139 Delegierte aus allen Gauen des Reiches bildeten das Parlament der Kaufmannsjugend. dessen Abgeordnete mit einer Begeisterung, die eben nur der Jugend innewohnt, für ihre Interessen eintraten. Die öffentliche An- erkennung der Jugendarbeit des ZdA. wurde am deutlichsten zum Ausdruck gebracht durch die Anwesenheit der Vertreter des Reichs- arbeitsministeriums, des Reichsinnenministeriums, des Jnternatio- naien Arbeitsamts, des LandeSwohlfahrts- und Jugendamtes, Ver- tretungen der Handelslehrerschaft und anderer an der Jugendpflege und-erziehung interessierten staatlichen und städtischen Behörden. Der Iugendsekretär D i e d e r i ch konnte in seinem Geschäfts- bericht von einem erfreulichen Aufschwung der Jugendbewegung fett dem Jahre 1927 berichten. Vom 4. Quartal 1927 bis zum 3. Quartal 1929 ist die Zahl der 14- bis ISjährigeu Verbandsmitglieder von 19 211 auf 26 561 gestiegen. Am Schluß der Berichtszeit machte die Zahl der Iugendmitglieder im Derbande 13,68 Proz. der Gesamtmttgliedschaft aus. Der Zweck der Jugendarbeit sei. das Allgemein, und berufliche Wissen der Jugendlichen zu vertiefen und ihnen dos Verständnis beizubringen für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, damtt die junge Generation zu zielklaren Mitkämpfern der erwachsenen Angestellten- und Arbeiterschaft für die sozialistische Gesellschaftsordnung wird. Der Vermittelung dieses Wissens dienten auch die Vorträge von Dr. Suhr vom AfA-Bund über„Die Angestelltenjugend in der Wirtschast" und von Georg Ucko über.Internationale Jugend- arbeit", denen die jugendlichen Delegierten gespannt folgten. Herz- eifrischend war die Debatte darüber, ob der nächste Reichsjugendtag in Braunschweig oder in Lübeck sein soll. Mit einem Feuereifer wurde für und wider Lübeck gestritten, bis sich schließlich die Mehr- heit für Lübeck entschied. Die Debatte über verschiedene Anträge war ebenfalls so an- regend und vor allem sachlich, wie man es in vielen Versammlungen und Konferenzen der Erwachsenen oftmals vermißt. Jedenfalls zeigte die Konferenz, von der die programmatischen Ausführungen von Dr. Suhr auf den Rundfunk übertragen wurden, daß die Jugendbewegung des freigewertschasUichen Zentral- Verbandes der Angestellten alle Förderung oerdient. Neun Todesopfer am Bahnübergang. Schwere Autounfälle bei Reims und Antwerpen. � Parks. 10. Februar. Ei« entsetzliches Unglück ereignete sich Sonnabend abend an einem Bahnübergang in der Nähe von Reims. Ei» mit großer Geschwindigkeit fahrendes Auto durchbrach die geschlossene Schranke gerade in dem Augenblick, als der Expreßzug Paris— Epernah heranbrauste. Das Auto wurde von der Loko» motive erfaßt, mehrere hundert Meter mitgerissen und vollständig zertrümmert. Die sechs Insasse« des Autos. zwei Männer, zwei Frauen und zwei kleine Kinder, wurden getötet. Die Leiche« wurden 70 bis 100 Meter weit fortgeschleudert und waren schrecklich verstümmelt. Die Leiche des einen Mannes mußte stück- weise aus dem Triebwerk der Lokomotive znsammenge- lesen werden. Antwerpen. 10. Februar. Vorgestern abend wurde au einem unbewachten Bahnübergang bei Hoboggen ein Auto von einem Zuge erfaßt und zerstört. Die drei Insassen des Autoch wurde« getötet. Sieben Autobusopfer bei Laibach. La ib ach, 10. Februar. Auf der Straße Laibach— Novomefti ereignete sich gestern ein schweres Autobusunglück. Ein mit 20 Fahr- gSsteu besetzter Autobus stürzte auf einem Serpentin- weg infolge eines Stenerdesekts in eine Schlucht. Siebe« Personen wurden getötet, die übrigen zum Teil schwer verletzt. Llm den Mörder von Kulmbach. Meußdörffers Hafibefchwerde obgewirsen. München, 19. Februar.(Eigenbericht.) Die Strafkammer Bayreuth hat die Haskbeschwerde des unter dem Verdacht des Gatleamordes verhafteten Sommerzienrals Meuß- dörffer abgewiesen. Die Geständnisse von Schuberth und Popp hätten sich als unrichtig herausgestellt, während der widerruf der Selbstbezichtigungen durch die Alibis vollauf b«. stätigt worden fei. Schließlich habe die amlsärzlliche Untersuchung ergeben, daß der Tod der Frau Meußdörsfer oich» durch herz- lähmung oder Lungenoedem. sondern durch Erstickung einge- lrehen ist. Außerdem Ist erwiesen, daß Handfesseln erst nach dem Tode angelegt worden sind. Demgegenüber erttärt der verleidiger des kommerzlenrals Meußdärffer, daß fem Mandant nach wie vor versichert, wlt der Tat nichts zu tun zu haben. Er habe dem Staatsanwalt und dem Vernehmungsrlchler erklärt:.Und wenn Sle mich erschießen oder mit glühenden Zangen bedrohken. ich habe nichts mit dem Tode meiner Frau zu schaffen." S000 Taxifahrer ausgesperrt. Weil sie sich gegen Lohnkürzung wehren. Die Berliner Droschkenbesitzer ergreifen die rigorosesten Scharf- machermelhodea. um ihre Fahrer zur Einwilligung iu den Abbau des Fest- und Garantlelohnes zu zwingen. Zm.vorwärks" wurde wiederhol darüber berichtet, daß in einzelnen Großbetrieben von den Droschkenchauffeureo verlangt wurde. Einzelarbeltsverträge auf der Grundlage des nicht verbindlich erklärten Schiedespruches abzuschließen, der den Abbau des bisherigen Festlohnes von 2,50 M pro Tag und des Garantlelohnes von S M. pro Schicht vorsieht. Dieser Versuch ist jedoch an dem Widerstaad der Fahrer gescheitelt. Am Sonnabend wurden den Ehausseuren bei der Firma „Berliula" Reverse vorgelegt, in denen die Anerkenanug de» Lohnabbau-Schi-dcspruches oerlangt wurde. Den Fah-eru wurde mitgeteill. daß sie sich als enklasseo zu belrachken haben, wenn sie die Unterschrift unter diesen Revers oerweloerv. Die rund 499 Fahrer der Firma Berllnia haben entsprechend der Anweisung des Gesamkverbandes die Unterzeichnung de» Reverse» abgelehnt, woraus noch am Sanoabeod ihre Eak- lajsuag erfolgte. heute vormittag ist in den meisten Großbetrieben d'S Berliner Droschkengewerbes das gleiche Ansinnen an die Fahrer gerichkrt uud von diesen ebenfallsabgelehot worden. vl, heute m'klag stnd von der Aussperrung etwa 3999 Berliner Droschkenchauffeure betroffen. Von der Geschlossenheil der Berliner Taxifahrer wird es ab- honzen, ob dieser Fronlalangriff der Unternehmer erfolgreich ab- gewehrt werden kann. Krankreich Witt U-Bvvte aufrüsten. »Loyale Gegner" Englands zur See. Paris, 19. Februar. Die Erklärung, die der französische Marioemiaister LeYgues aus der Londoner Zlottenkouserenz vorlegen wird, wird ähnlich wie die sapan'.sche Aatworlnoke klar uud ossen betonen, daß Frankreich unter keinen Umständen einer herabsehung seiner U-Boot- Tonnage, die insgesamt auf 199 999 Tonnen angeseht ist. zustimmen könne. Vielmehr werde Frankreich eher eine Erhöhung seiner Tonnage verlangen. Bezüglich des Vorwurfs, daß die llnlerseeboole in Kriegszeilev berufen seien, sich völkerrechtswidrig zu betätigen, sei zu sagen, daß die französische Marine zu viele Jahrhunderte hin- durch der loyale Gegner der britischen Marine gewesen sei. als daß ma« gegen sie diesen Vorwurf erHeden könnte. England zahlt L40 Lahre an Kriegsschulden. London. 19. Februar. Schatzkanzler Snowden richtet« am Sonntag abend im Rundfunk eine Ansprache an die Bereinigten Staaten, die aus einer besonderen Welle nach Amerika übertragen wurde. Snowden wies eingangs darauf hin. daß der bisherige Ablauf der Flottenabrüfwngskonferenz zu der Hoffnung berechtige, daß gute Ergebnisse erzielt werden könnten. Der Haupttell der Red« galt den finanziellen Auswirkungen der Rüstungsfrage. Die unsinnig« Behauptung, daß die Dorberettung für den Krieg Re best« Politik für seine Abwendung darstelle, sei als völlig falsch nachgewiesen worden. In Wirklichkeit sei durch den Krieg niemals irgend etwas endgültig geregell worden. Auch die allgemeine Eicherhett könne durch den Krieg nicht gesteigert werden, nicht einmal für die siegreichen Länder. Dem Wellkriege. seien auf seilen der siegreichen Mächte die größten Anstrengungen t gefolgt, durch Anwendung aller verfügbaren wissenschaftlichen Mittel Vorbereitungen für den nächsten Krieg zu treffen und diesen grausamer und zerstörender zu gestalten als irgendeinen bewaffneten Zusammenstoß vorher. Der Weltkrieg habe Großbritannien mit einer Schuld von 35 Milliarden Dollar zurückgelassen. Bei Bei- bechaltung des gegenwärtigen Tempos an Rück- und Zinszahlungen würde es mehr als 149 Jahre dauern, um diese Schuld zu tilgen. Tardieu bittet Hoesch zu sich. Wegen der'Zenirums'orderung. Paris, 19. Februar.(Cigenberickt) Der deutsche Botschafter in Pari« hatte mit dem franzöfls�en Ministerpräsidenten am Sonntag ein« längere Besprechung über die Ratifizierung des Young-Planes durch da, franzö- fische und deutsche Parlament. Der Schrill ist auf die Fordern�g des Zentrums zurückzuführen, erst nach Verständigung über den Etat den Paung-Plan zu verabschieden. Stahlhelm gegen Polizei. 23 Krakeeler festgenommen. Der Landesverband Groß-Berlin des Stahlhelms hielt am Sonntag im Kriege rvereinshaus in der Chausseestraß« seinen diesjährigen Generalappell ob. Die Bersammlung nahm«inen ruhigen Verlauf. Nach Beendigung der Kundgebung zogen die Stahlhelme r in einzelnen größeren und kleineren Trupps nach allen Richtungen wieder ab. Dabei ist es an mehreren Stellen zu Zwischenfällen mit der Polizei gekommen. An der Ecke der Chaussee- und Invalidenstraße erfolgte«in Zusaw- menstoß mit der Polizei, als die Stahlhelmer r-ef-n.Deutschland erwache. Iuda oerrecke! Front heil!" Die Polizeibeomteu forderten die Demonstranten wiederholt auf aueelnanderzugehen und ihre Ruf« zu unterlassen. Da ihre Anordnungen nicht befolgt wurden. machten die Beamten von ihrem Gummiknüppel Gebrauch. Zwölf Teilnehmer wurden festgenommen und zum nächsten Revier gebracht, von wo sie nach Feststellung ihrer Per- sonalien wieder entlassen werden konnten. Ein weiterer Zusam- menstoß mit der Polizei ereignet« sich gegen IZ� Uhr nachmittag» in der Friedrich st raße zwischen Oranienburger Tor und Weidendammer Brück«. Auch hier versuchten die Stahlhelmer in geschlossenem Zuge gröhlend und randalierend zu mar- schieren. Di« Log« war ähnlich wie in der Ehausseestraße Di« Polizei mußte auch an dieser Stell« den Gummiknüppel zu Hilfe nehmen und 11 Stahlhelmer feststellen, die dann später wieder«nt- lassen wurden. Ein neuer Krauenmord? Die Mordkommission am Tatork. henke mittag wurde in Ihrer Wohnung In der Ehausseessraßz 18 die scsährige Frau Anal völler lok aufgef unten. Die eigen. lurnlich« Lage der Leiche läßt darauf schließen, daß dl« Frau den Tod von fremder Hand gefunden hat. Daraufhin wurde von der Reoierpollzel die Mordkommlsslon a'-.rmlerl. dl« unter Leitung des Sriminallommissar» Walker vi ü l l e r ol:bald erschien und bei Redalliousschluß noch mit den Aufnahmen des Befnude« beschäftigf ist. lleveralterte Professoren? Las nennt man Unwersitä Sreform! D«r KulturpoMiker unter d«n Demokraten im Preußischen Landtag, Oberschulrat Dr. B o h n e r, schreibt über„Hochschulreform" einen Leitartikel im„Berliner Tageblatt". Dr. Bohner stellt nur eine Frage. Er behandelt einen kleineren Teil der Universität«» rcform, nämlich die alte Frage der Altersgrenze. Jeder Beamte muh nach dem Gesetz aus seinem Amte ausscheiden, wenn er das SS. Lebensjahr vollendet hat. Er bekommt dann nur noch einen Teil feines Gehalts und hat im Amt nichts mehr zu suchen. Di« chochschulprofessor»» haben es besser. Ein Teil von ihnen darf bis zum S8. Lebensjahr weiter amtieren. Di« mit SS Jahren gehen müssen, behalten bi» zum Lebensende ihr volles Ce» holt(warum eigentlich?) und dürfen weiter Vorlesungen halten und bl«ib«n Mitglieder der akademischen Körperschaften mit be« ratender Stimme. Mediziner und Naturwissenscliaftler bekommen eine eigen« Forschungsstätte in dem Institut, das sie bisher leiteten. Di« anderen Proscsioren benutzen das Seminar und lehren und forschen, so lang« sie wolle». In den letzten Jahren hat sich heraus- In und außer dem Haufe. M/MM?, -Zweck des Kommunismus ist die llebersflhrung aller Privatbetriebe in lommuuisiische Hand." »Kommunistische Druckerei an Privatkapitalisten billigst abzustoßen." gestellt, daß man die Lehrstühle d«? pensionierten(an den Uniper. siläten heißt«» �emeritierten� prosesiaren nur schwer mit geeigneten Ccuten besehen kann. Man oerfällt auf ein primitive» Mittel: Auf Antrag der Zentrumssraktion soll die Altersgrenze von SS auf SS Jahre erhöht werden. Dann hat man drei Jahre Ruhe; nachher ist es allerdings wieder dosselb«. Dieses Hilfsmittel ist unbrauchbar. Der Fehler im System liegt tiefer. Wie ergänzt sich der akademische Lehr- körper? Die Professoren an den Hochschulen werden im allgemeinen au» der Zahl, der Privatdozenten genommen. Und Privat» dezent kann nur werden, wer sich der Gunst der Professoren erfreut. (Man sollte einmal ein« Statistik darüber aufmachen, wie viel« Prioatdozenten mit den Prvfesioren verwandt, vir- schwägert und verschwiegersohnt sind!) Der Privat- dozent bekommt, obwohl er regelmähig alle Prüfungen seine» Faches bestanden, gut bestanden hat, keine Vergütung, jahre- long nicht. Vielleicht wird er Assistent mit einem kümmerlichen G-Hall. vielleicht bekommt er«in noch geringere, Stipendium, wenn er aller ist. wird er sogar beaustragt. Vorlesungen zu hallen, und wirh beinah« vi,»in Studienrat bezahlt. Arm, Leute können also nicht gut Prioatdozent Verden. Wer etwas Geld hat. hungert sich durch und lebt vom Wohlwollen seine» Ehes», de» ordentlichen Prosesiors. So sieht der Nachwuchs aus. Zwei Forde- rungen liegen auf der Hand: Man soll di« Zulassung zum Privat- dozenten objektivieren und von einer Prüfung abhängig machen, über di, der Staat sein« Hand hält. Wer auf dies, Weis« zugelasien ist. muß«in festes(widerrusliches) Gehalt bekommen, etwa wi« ein Assessor im Justizdienst. Und zweitens: Wenn das Ministerium einen Profesior sucht, soll es auch unter den Menschen außerhalb der Universitäten Umschau hallen. E» unrd de» Hochschulen ausgezeichnet bekommen, wenn Männer au» der Praxi,, tüchtig« Acrzt«. Oberlehrer. Richter. Wirt- schastier, Naturwissenschaftler, in den Hochsälen erscheinen, in denen es allzu ost noch Staub riecht. Dr. Bohner hat recht, wenn er meint, daß hier di»(von Minister Becker begonnene, aber leider nich, vollendet«) Hochschul» reforrn einsetzen muß. Unsere Fraktion wird sich gegen den Zentrumvantrag wehren. Darüber hinaus werden wir in kommen- den Aufsätzen unlersuchen. wi« man erreichen kann, daß di« Hoch- sdhulen au» Fremdkörpern im neuen Staat lebendige Organ« der Republik werden lönne».._ Textilarbeiiersieg in Velg en. Brüsiel. 10. Februar.(Eigenbericht.) Der Generalstreik in der Texlillndustrie von Renaix in Ost- flandern ist beendet. D>« Arbeit-r erhallen di« fü. fp ozentlge Lohnerhöhung sosort. Die Arbeit wurde heut« wieder aufgenommen. Die Deutsche Liga für Menschenrechte veronstaltet am Sonntag, dem IS. Februar, im MUsteisaal.«öthener Straße. 11,80 Uhr. ,in« Trauerseier für Dr. Pauk Levi. Karten ab Mittwoch durch die Geschäftsstelle der Liga, Mondijouplatz 10. Eingang I, 3 Trepp n. Wetter fflt verlla: S-wAkuna-zunahm, und Milderung etwas auffrischende westliche bis nordwestlich« Wind». FD" Veulfchlandi Im Nordosten Temperaturanstieg bi, über Null mit Nlederschlögen. im Süden und Südwesten bester und fall sonst im Reich« Bewol- kungszunahm« und Milderung de» Frost»,, Mutter Popp fährt ins Glück. Von Hans Bauer. Die Muller Krause, die liebenswert« gute alle Frau aus dem letzten un-d weitaus besten aller Zille-Filme, diese» brave Muttchen mit seiner dumpfen Herzensnot. da» schließlich, aus Gram über den zum Verbrecher gewordenen Jungen, den Gashohn ausdreht und solchermaßen„ins Glück fährt", hat ein« Parallelgestall im Leben gefunden. In Kulmbach hat sich d>« alle Frau Popp, die Müller des Mordoerdächtigen Popp, durch«Ine Gasexplosion ums Leben gebracht und so wahrhast mit einem Schlag«, mit einem Donner. schlage, all« Enttäuschungen und Verärgerungen beendet, die ihr das Dasein bereitete. Es läßt sich nicht sagen, daß di« Tat. der Müller Popp besonders lichtvoll gewesen wäre. Wenn man mit der ethischen Sonde angerückt kommt, haftet ihr sogar etwas Grausames, Gefühl- loses an. Der Selbstmord ist«in unveräußerliches Menschenrecht— fremde Menschenleben in Gefahr zu bringen, ist keineswegs«in Menschenrecht, und Frau Popp h a t fremde Menschenleben in Gefahr gebrocht. Aber es gill nicht anzuklagen, es gill zu begreifen. Die Mutter Popp hat einen Jungen gehabt. Sie hat von diesem Jungen etwas erwartet. Am liebsten möchten ja wohl all« Müller Popps, daß ihr« Jungen mal Minister oder Reichspräsident werden, ober mindestens doch tüchtig« Kerl«... Eine vergangen« Dramatik ließ, wenn sie sonst nicht weiter tonnte, im Schlußbild eine Muster ein Kind ge- bären, und da» Stück klang bann mll einer Verherrlichung der kommenden Generation au», di« unwiderruflich da» Paradies auf di« Erde herabsenken und alles zum Besten richten werde, was die Gegenwart verwasi«U hatte. Di« Mütter Popps sind in dieser Act der dramatischen Tradition durchaus verhaftet. Der Jung« soll's machenl Sie verlangen nicht viel für sich, sie nehmen gern mst einem tlelnen Eckplatz In der Halle des Leben» vorlieb, aber her Eckplatz muß Auksicht auf dos froh« Schauspiel de» Aufstiegs ihres Jungen gewähr«,. Ganz so furchtbar weal und edel, wie es dem flüchtigen Betrachter erscheint, ist die Musterliebe, der Mutleregois- mus übrigens nicht, Menschenliebe ist das Höhere, und die ein- schlägigen psychologischen Hintergründe näher zu beleuchten, ist Sieg- mund Freud der richtige Mann. Aber was hat die alte Mutter Popp mst Freud zu tun! Die Mutter Popp sieht, wi« der Junge, die Berlängerung ihres Ich, obglestet. Im Zwesten Stock des Hauses wohnt so«in Tagedieb, Fritz Schuberth heißt er, van dem lernt der Junge schlechte Sachen. Eines Tages wird er gar eines Mordes ver. dächtigl, eines Mordes an der Frau des Hauses, in dem sie früher in Stellung gewesen ist. Die Meußdörffers waren seine Leute, Leute, die auf der Sonnenseite'wohnten... Muster Popps eigene Sehnsucht ist: auch einmal aus diesem Dreck und Muff des Ober- haken 9, au» der Stickluft dieser baufälligen Bude befreit zu werden und in lichtere Regionen emporzusteigen. Statt dessen neuer Ab- stieg Ks noch Tiefer«, noch Dreckigere. Ekel, Wut, Haß bei der Mutter Popp. Sie legt Protest«in gegen die Zerschlagung ihrer Hofsnungen, ihrer Erwartungen, und dieser Protest ist der radikalst« der Welt. Cigenllich ist die Muster Popp ja nur die gelegentlich einmal beiläufig genannt« Nebenfigur in der Kulmbacher Justizaffär« ge. wesen: aber plötzlich drängt sie sich da in den Vordergrund. In allen Justizoffären stehen die Müller Popps im Vordergrund, der Spruch der Justiz trifft immer zwei, mindesten» zwei: man merkt es nur nicht immer so. denn nicht immer dokumentieren hie Mütter Popp» gleich den Grad Ihrer Verbundenheit mit dem Schicksal ihre« Sohl«» durch«in Cxploslonsastentat gegen ihr Haus und ihr Leben! Die Mütter Popps können streng« Richter gegen sick sein und sinh zuweilen mit dem Todesurteil rasch bei der Hand. Mst um so humanerem guten Beispiel sollt« die Justiz ihnen vorangehen� „Simone Boccanegra." Städtisch« Oper. Daß Musik und Politck unvereinbar« Gegensätze seien, ist ein Märchen, da» durch die Geschichte der Oper widerlegt wird. Nicht nur. haß die Opern nicht zu zählen sind. K denen es um Polistschee geht, um Parteistreit und Gesinnungskampf, um sozialpolitisch«, r«. ligionspolitlsch«. machtpolitisch« Gegensätze: dt« stärksten Kräfte opernschaffender Musiker sind erst im Einsatz für solchen Kampf frei- geworden. Auch wenn es, wie etwa für Meyerbeer— in den .Hugenotten", im„Prophet"— nur Theater und Wille zum Theater gewesen ist. Auch Venn, wi« in der„Stummen" von Äuber, das Soziale fast nur zum Aufputz der Handlung dient. Auch wenn nicht immer dt« politischen Triebkräfte so unmittelbar musikalisch schöpferisch geworden sind wie In Halevys„Jüdin" oder gor Im „Rienzi" de» jungen Wagner. Sine politischt' Oper, da» ist im besten Sinne, den wir dem Wort leihen dürfen, Verdis.Simone Boceanegro". Ein polllssche» Bekennt. ulswerk. einzig und eimnofig in feinem Schaffen. Ein Reich de» Friedens und der Liebe will Simone Vscconegra. Doge von Volkes- gnaden, in Genua errichten: er scheitert, nach zwanzig Jahren, die zwischen dem Vorspiel und dem ersten Akt liegen, am Widerstand der Welt, in der die höchsten Ideal«— nun eben Ideale bleiben: ewig wünschbar, doch endlich Im letzten unerfüllbar. Aber das Ve» tenntnis zum politischen Ideal der Liebe und des Friedens klingt rein und echt au» der Partitur, dtf Verdi 1857, als Vierundvierzig- sähriger. geschaffen hat: es klingt verstärkt, als eindringlichst« Mah, nung, aus der neuen Fassung, dl« nach einem Viertelsahrhundert der alte Verdi dem vielleicht persönlichsten Werk seines Opern- schaffens gegeben hat. Es liegt darüber wi« ein wundervoller Schimmer von verklärter Müdigkeit und Resignation des Alters; st« war der Grundzug dieser menschlichsten Gestalt, die der große Musikdramattker Verdi auf dl« Opernbühne gestellt hat. Dies« Oper, musikalisch gewertet, ist bester Verdi: aber es ist ein wahrhaft neues Stück Verdi, da» wir da kennenlernen. Nicht nur unter vielen Opern nun eine mehr, sondern ein Wert beson» derer, eigener und im Sesamtschoffen Verdis einziger Art: einziger Art auch in musikalischem Stil, dessen verblüffend« Knappheit und andeutende Eindringlichkeit in keiner seiner Oper» wieder erreicht ist. Nichts, von Aeußerlichem abgesehen, erinnert an die wenig ältere.Traviata", nichts an„Troubadour", mst dem„Bocconegra" den Textdichter Piao« gemeinsam hat und di« düstere Grundsarb« der Geschehnisse, die hier wie dort auf das spanische Original z»' rückgeht. Nur im Namen Amelia scheint der im folgenden Jahr kom- pcnierte„Maskenball" anzuklingen. Aber diese Amelia Grunaldi ist mehr Gilda als Amelia, mehr Tochter als, opcrnherkömmlich. liebende und gellebte Frau, und wie Rigolet:os Tochter Gilda Objekt stillen, vor der West scheu verhehlten Vaterglücks. Es rankt sich allerlei Fragwürdiges um diese Frauengestalt, die einzige der Oper, in der es mehr um Volksschicksal als um Ciuzelschlcksale geht Der Textbearbeiter von 1880, Arrigo Boito, hat die politisch«' Motiv« der Handlung stärker herausgearbeitet; der deutsche Text« umdichter von 1930. Franz Wersek. die sozialen Momente, den Klassenkampf der Plebejer und Patrizier. Auf diesem Weg folgt ihm die Inszenierung der Städtischen Oper. Der revolutionäre Au»- bruch des Volkes, der das kurze Vorspiel krönt, steigert sich zu einer Wirkung von explosiver Gewast, die sich im tobenden Beifall des verblüfften Hauses spiegelt. Alles Bildhafte, die Dolksszenen vor allem, sind vom Regisseur K r a u ß. in fruchtbarer Zusammenarbest mst Emil P r e e t o r i u s, der die eindrucksvoll« Szenerie geschaffen hat, mit sicherer Hand gestaltet. Aber die ganze Aufführung er- hall ihr Gesicht und das Gepräge höchster Geschlossenheit vom Di- rigenten Fritz StI'edry. Zum erstenmal— nach langer Zell— vor eine große Aufgabe pcstcllt, bewährt er sich als Opernleiter und Führer von höchstem Rang: das zeigt sich nicht mir in der Leistung des Orchesters, der Ehöre. der Solisten: es zeigt sich im Gesamtbild dieser Vorstellung, in der, wie selten, alles und jeder am besten Platz steht. IQsuz Princslicim. Schicksal einer Schönheitskönigin. „MIß England", die englische Schönheitskönigin von 1923, ist vor einigen Monaten bei einem Latendiebstohl abgefaßt worden. Sie wurde zu drei Monaten Gefängnis perurteilt und muh demnächst entlassen werden. Nun erscheint im„Daily Expreß" folgender be- merkenswerter Brief de» Pater» dieser gefallenen Schönheitskönigin Maud: „Ich bitte da» verehrte Publikum, meiner Tochter di« Möglichkeit zu geben, wieder in die bürgerliche Weit einzutreten. Nicht mein, Tochter Ist für den Diebstahl verantwortlich, für den si« büßen muhte, sondern diejenigen Leute, die ohne Ueberlegung sie als die Schönst« unter 80 090 jungen Mädchen ourgewählt und ihr den Kopi verdreht haben. Maud ist«in gute» und braves Mädchen, das«in neu:? Leben beginnen will. Ich glanhe an den Ernst ihrer Absicht, und si« selbst hat ihn bewiesen. Sie hat im Gefängnis Hundert« von Briefen von reichen und vornehmen Männern erhalten, welche ihr die Ehe antrugen. Aber Maud will nichts vom Heiraten hören. Sie wird sich selbst durchschlagen und zu diesem Zweck ein Schneider- geschäft eröffnen, ZkorwIkba.Zahkkousendseter in Ganderrheim. Da» braun- schweig Ich« Städtchen Gandersheim veranstaltet« am Sonntag au» Anlaß des 1000. Eeburtsioges Roewitha-, der ersten deutschen Dichterin, cis Im 10. Iahrbundert als Nonne im Pmediktinerkloster Gond-rrbelm ihre Werke schuf, ein« Feier. Für die Norträoe und die künstlerischen Darbietungen. d> aus olle deutschen Sender über- tragen wurden, waren da» alt» Münster und da» alte Rathaus Gandersheim zur Verfügung gestellt worden. Die Grabställe eine» astäanpllschn» hohenprier'er» entdeck». Au, Kairo wird die Snt-eckung eines der aroßlen oltSsyptischen Gräber ln der Nä'-e der Sphinx gem-ldei. WI« die A-iffchriften besagen. handelt es st-b um da,©-ab eines Hohenpriester», der während der Reg�runar-est ke, dritten Pharaos der fünften Dynastie 2780 Jahr, vor cD"ssst Geburt gel?''« hat. Da« Grab, da» wie«in Tempel aedaist ist bot einen 30 M-ter lana,a Eingang, der zu dr»! großen Hillen führt und aus so kleinen Jammern und 30 isbyrini'ulrtigkN Gängen begeht. Birher wurdenes Hock- schulsaale» waren in sestlicher Stimmung. tl. dl Das Verwaltungspwblem Berlin. Kein vorschnelles Gelegenheitsgesetz. �)as Organisationsproblem einer Stadtge .irdnds von der Größe Berlins verlangt in jedem Falle stän� dige Beobachtung und Nachprüfung, auch dann, wenn die gesetzlichen Unterlagen der Stadtgemeinde Berlin nicht so sehr von einer Reihe von Zufälligkeiten und W llkürlichkeiten poli t scher Faktoren abhängig gewesen wären Wenn daher der Artikel„Neuordnung" des Genossen Dr. Karl j)erz in der Morgenausgabe des„Vorwärts" vom 29. Januar 1930 nur die Absicht hatte,„in Parteikreisen eine Grundlag? für eine Belebung der Diskussion zu g.ben", so würde diese Absicht gang allgemein begrüßt werden können. Doch tst es außer- ordentlich bedenklich, wenn man eine Neuordnung von so weitem Ausmaß w'e cherg sie vorschlägt, in engste V e r- b i n d u n g mit den„Vorkommnissen der letzten Zeit" bringt. Der Genosse �erz selbst hielt den abwartenden Standpunkt, den die sozialdemokratische Stadtverordneten» fraktion und die Partei gegenüber den Bestrebungen auf gesetzliche Aenderungen der Stadtgemeinde Berlin bisher einnahm, für durchaus sachlich berechtigt, bis in die „süngsten Ereignisse hinein, die in der Stadtverwaltung Mängel aufzeigten", die„auf Konstruktionsfehler im organisatorischen Aufbau beruhen". Merkwürdig ist nur, daß trotz dieser sachlich berechtigten Zurückhaltung der Fraktion es eine Reihe von Organisationskonstrukteuren gegeben hat. die bereis lange vor dem heraus- stellen der Konstruktionsfehler nicht nur theoretisch, son- dern auch praktisch den ernsthaftesten Versuch gemacht haben, in Regierung?' und parlamentarischen Kreisen eine Gesetzesänderung herbeizuführen. Man hat vielmehr den Eindruck, als ob d'e Antipathien, die zweifelsohne die Sklarek- Affäre wi? die Berliner Finanznot hervorgerufen haben. dam mißbraucht werden sollen. Ich glaube, daß äugen- bl'cklich für eine Eesetzesänderung die a l l e r u n g ü n st i g st e Situation ist. Die Sklarek-Affäre ist kein Organisations- Problem, sondern ein Korruptionsproblem, wie es in der großkanitalistischen Gesellschaft häufig genug vorkommt Das soll nicht eine Entschuldigung daiür se'n, aber doch Gedanken abwehren, als ob das mst dem Gesetz Über die Stadtgemeinde Verlin etwas zu tun Habs. Die Skläreks konnten auch im Rahmen des bestehenden Gesetzes der Stadtgemeinde Berlin mit ihren Betrugsmanöve'm unmöglich gemacht werden, wie umgekehrt korruvte. Bankdirektoren auch nach dem neuen Organisationsvorschlag von sherz möglich sind. �Es sche'nt mir sehr bedenklich, durch Organisationspläne von dem Brennpunkt der Not der Stadtgemeinde Berlin abzulenken. So unverantwortlich der bestehende Er- fchöpfungszustand ist. fp bleibt doch das Kernproblem Berlin das Problem aller Großgemeinden, und das beißt, in kurze Schlagworte gebracht: unabwendbar ge- steigerterSozialbedarf. unabwendbarer Wohnungs- bau, Erwerb von Grünflächen als Lungen der Stadt und ge- steigert� Vsrkehrspolifik Auf der anderen Seite Abschnü- rung vom Anleihemarkt. Verringerung der Steuereinkommen aus der allgemeinen Wirtschaftslage heraus, Benachteiligung in den verschiedensten Formen des Finanzausgleichs. Organi- sationsfragen sind gewiß wichtig, aber in diesem Augenblick ist das F i n a n z p r o b l e m das e n t s ch e i d e n st e Problem geworden. Ich fürcbte ferner, daß auch der Preußische Landtag, der für die Aenderung des Gesetzes allein zuständig ist, die geringste Emvfänglichkeit für ein nach sozialen und demo- krat'ichen Gesichtspunkten geändertes Gesetz haben wird. Die Deutschnationalen wollen eine Lockerung des Verbandes der Stadtgsmeinde. die übrigen bürgerlichen Parteien, einschließ- sich der Demokraten, wollen den Abbau geme'ndl'cher Ein- r'chtungen Dazu kommt, daß. wenn eine solche Aenderung noch im Rohmen der neuen Städteordnung gelöst werden soll. man ganz sich'r mit ei-er überhastenden, weder in der Partei, noch in der Oeffentlichkeit genügend gründlich vorbere'teten Eeletz-smocherei zu rechnen bat. Ick glaube daher, Partei und Fraktion tun gut n'cht den Lockrufen d'rer zu folgen. die beschleunigt eine Gesetzesänderung HerbessüHren möchten. Ich bekenne mich durchaus zu einigen Grundsätzen, die .fierz Herausgehoben bat. So scheint mir die Forderung: Einheit in der Vielheit und Vielheit in der prat- ti'chen Durchführung innerhalb des einheitlichen Millens, eine durchaus richtunggebende Formulierung zu sein. Ebenso ist es ein Kerngedanks aller gemeindlichen sozialistischen Volitik, dafür zu sorgen,„die politische Weienseigenschast der Selbst- Verwaltung zur organisatorischen Ausprägung zu bringen". Die praktischen sechs Forderungen, die jherz aller- Vings daran knüoft. scheinen mir weder konsequent daraus zu folgen, noch sachlich in vollem Umfange erforderlich zu sein. Die Anzahl der 20 Bezirke ist sicher keine absolute Ordnung. Man kann sich rein theoretisch eine wesentlich andere Austeilung denken Doch diese Bezirke bestehen. Eine radikale Umänderung, wie die Zusammenlegung zu sechs Großbezirksn. würde zunächst eine Unsumme von Arbeit und Ausgaben verursachen, und das in einem Augenblick, wo B�rlm noch stark unter der Last kurzfristiger schwebender Sch"lden leidet. Es würden vielleicht ein paar Bürger- meiste? und Stadträte für die Zukunft eingespart werden. Ich fiirchte jedoch, daß diele Ersparnisse durch Vermehrung von höheren Beamten st ellen mehr als weit gemacht w-rden. Außerdem ist es mir auch sehr fragl'ch. ob. d'eier" Bürgerme'ster einer Großgemeinde van rund 700 000 Einwobn-rn überhaupt noch ,m der Lage ist. ein? komvliz-erte Selbstverwaltung durch,»führen.. und ob nicht an Stelle der aus der Selbstverwastung hervor- gegangenen Stadträte Bürokratismus un d A l f e s s o- r i s m u s treten würden. Ich verlnre-�e mir sehr viel m-hr davon, wenn einmal sachkundig? Gsnollm der em-elnen Bezirke zu lammentreten und aus den praktilchen Tftahrunaen der letzten Jahre heraus feststellen, inwieweit ein» Konzentrierung und Zpiomm-nlegung von Aufgaben und Bezirken erfolgen kann. An sich ist eine Verminderung der B-zirk« auch o h n e A e n.d erung des Gesetzes möglich. D'e Zusammenlegung von Be'irksoerlamml'ing und Be- zirksamt nach dem Muster des süddeutschen Ei-körperstsstems scheint nur im Augenblick nicht dringlich zu sein. Bedenk- fiche Konflikte könnt?» sich'»doch aus der zentralen U e b e r- ordnung von Magistrat und Stadtverord- netenversammlung ergeben, auch dann, wenn jene Zusammensetzung des Magistrats durchgeführt würde, die Herz unter Punkt 4 vorsieht Nach ihm soll der Magistrat sich zusammensetzen aus den betreffenden Bürgermeistern der Bezirksämter und den Fach- dezernenten des jetzigen Magistrats. Die Tendenz, die Herz in dieser neuen Form des Magistrats verfolgt, ist sicher richtig. Er will eine engere Lerb'ndung der örtlichen und der.zentralen Interessen, doch die Losung scheint mir nicht glücklich zu sein Der M a g i st r a t ist in erster L nie eine politische In st a n z. Vielleicht ist es der größte Fehler in der Zusammensetzung des Magistrats, daß ihm gerade in den entscheidenden Dezernaten und in der Leitung des Tanzen der kommunalpolitische führende Wille ge- fehlt hat. Fachdezernenten haben immer die Neigung, Ressortminister zu sein, und die bürgermeisterlichen Ma- gistratsmitglieder werden erfahrungsgemäß die Partikula- risten ihrer jetzigen oder der künstigen Großbezirke sein. Die Summe aus partikular« st ischen Interessen und fachlicher Verengung ergibt aber niemals einen ein- heitlichen, klar überblickenden und entscheidenden Willen. Die Bürgermeister werden ihre erste Aufgabe m der Aufteilung des möglichen sehen, und während des Widerstreits dieser Dinge werden die Fachdezernenten ihre Schäfchen ins trockne bringen. Wenn je eine Zeit gezeigt hätte, daß es auch in der kom- munalpolltiichen Führung auf U e b e r b l i ck und Einheit, l i ch k e i t des Wollens und nicht nur auf patentierte Fach- lichkeit ankommt, dann ist es die Entwicklung der Berliner Finanzen. Der Oberbürgermeister, der Bürgermeister und der Kämmerer, alles drei Finanzfackileute— und doch kein Ueberblick und kein entscheidender W'll? Rein technisch ist es auch gar nicht möglich, daß der Bürgermeister einmal seinen großen Verwaltungsbezirk leiten soll und außerdem noch Zeit und Arbe'tskraft an Magistratssitzungen und zentralen Deputationssitzungen abgeben soll. Ich bin auch hier der Ueberzeugung, daß man besser tut. bereits angebaute Einrichtungen auszubauen. Ich denke vor allem an den Aus- bau. sowohl der Bürgermeister- als der Dezsr- nentenkonferenzen. In den letzteren bade ich selbst Erfahr'mgen gesammelt und habe gefunden, daß bei einigem guten Willen in derartigen Konferenzen ein gewaltiges Stück Arbeit an Ausgleich und Aufbau geleistet werden kann. In Dezernentenzusammenkünften sind zu gleicher Zeit die Be- ratungen aus fachlichem Können und örtlichem Erfahrung?- kreis heraus. Ueber die Bürgermeisterkonferenzen habe ich selbst nur ganz geringe gelegentliche Erfahrungen, was ich aus Berichten darüber weiß, kann mir nictzt d'e Uebeweugung rauben, daß bei gegenseitigem guten Willen die Bürger- meisterkonfereirzen für die allgemeine Verwaltung und für eine Reihe von Grundlatzfragen wie auch für den praktischen Verwaltungsausgleich die Gremien abgeben könnten die das reibungslose Ineinandergreifen von Zentral», und Bezirk ge- währleisten Natürlich müßte jene Hartnäckigkeit und U e b? r h e Hl i ch k ei r. die die Entwicklung der Bürger- Meisterkonferenzen so arbeitsunfähig machten, gänz- lich verschwinden. Ich sehe allerdings das Heilmittel nicht in einer Interessengemeinschaft politisch heterogener Bürger- meister, sondern in dem nachdrücklichsten kommunalpolitischen Willen der stärksten und ausschlaggebenden Sozialdemokra» tischen Partei. Nachgeordnete Verwaltungstechnik mag unpolitisch sein, Die Grundlagen der Verwaltung entspringen und werden ent- weder geleitet durch politische Ideen, oder sie schleppen sich hin in den ausgefahrenen Bahnen traditionellen Bürokratismus. Die in Punkt 5 geforderte Herbeiführung eines Ein- kammersystems liegt in der Richtung alter lozialdsmokratischer kommunaler Grundsätze. Bestände für die Durchführung dieser Forderung, für Berlin eine politisch gesicherte Basis im Preußischen Landtag, so könnte man sich überlegen, ob bei der großen Bedeutung, die gerade das Einkammersystem für die Demokratisierung der Verwaltung haben kann, nicht doch der Versuch einer Gesekesänderung gemacht werden sollte. Doch auch der Genosse Herz wird mgeben müssen daß gerade diese Forderung die schmälste Baüs für eine Verstän- digung abgeben wird, so daß w'r das Risiko ei»er sehr rück- ständigen Gemeindeverfassung für die sehr blasse Hoffnung einer radikalen Forderung eintauschen würden. Die Frage der unbesoldeten Stadträte bedarf ganz sicher einer neuen Debatte, es ist jedoch nicht so. daß die unbe- ftldeten Stadträte nur noch eine repräsentative Bedeutung hätten. Natürlich mit Unterschied, aber ein großer Teil unbe- soldeter Stadträte stellt doch mit und ohne Dezernat ein be- träckitsiches Stück Selbswerwallung. Ick fasse daher die kurzen Ausführungen im Rabmen eines Zeitungsartikels dahmgehend»ulammen: Eine Gesetzesänderung in diesem Augenblick z u er- streben, scheint mir inopportun und gefährlich, eine künstige, auch gesetzgeberische Umgestaltung vorzube- reften, wertvoll und notwendig Doch diese Vorbereitung darf n'ckt eine Angelegenheit einer kleinen Anzahl von Kom- munalpolsiikern sein lovdern muß getrogen werden von dem kommunaloolitischen Interesse der Gesamtnartei und ge- leitet werden von dem Vorstand der Partei. Diese abwartende Haltung gegenüber einer gesetzlichen Aen- derunq vervflichtet um so mehr zu einem organischen tat- sächlichen Ausbau der Selbstverwaltung in den Bezirken, der Zentralisierung aller ihrer Natur nach zentralen Verwaltung?- ausgaben und der Entlastung der Zentrale von all den Auf- gaben, die ebensogut oder besser in den Bezirken erledigt wer- den können. Es setzt voraus, daß ferner den Benrksveriamm- luna-n und den Bezirksämtern eine gewisse Selbständigkeit im Rahmen der zentralen Finan, Hoheit eingeräumt wird. Abgesehen von bestimmten gesetzlichen Verpflichtungen und natürlichen Einheitssätzen sollte den Besirken ein Rabmen- etat überwiesen werden, dessen zweckmäßige und sozial verantwortliche Ausgestaltung ihnen überlasten bsiebe. Dann würden auch die Bezirksvcrlammlungen einen viel ernsteren Arbeitscharakter bekommen: jetzt sind sie. da sie fast ohne Der« antwortung sind, lehr häufig zu»nfteiwilligen Rednerschulen geworden. könnten, wenn sie verantwortliche Beratun- gen pflegen könnten, zu einer belebenden Quelle umfassender, ehrenamtlicher Tätigkeft werden. Audi in der Beurteilung der Bezirksversammlungen darf man sich nicht durch den Radau politischer o"genblicklidier Exzesse ,u vorschneller Der- urteilung leiten lassen. Kurt Löweustein. Das Anrecht der Kirchenanleihen. Zweierlei Maß für öffentliche und kirchliche Wohlfahrtseinrichiungen. Pressenachrichten zufolg« sieht sich die westfälische Landgemeinde Westerhof gezwungen, ihr Krankenhaus zu verkaufen, da Mittel zum Betrieb fehlen. Als Käufer kommt der westfälisch« Carito sverband in Betracht. Dieser nicht einzig dastehende Fast lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Punkt, der leider zu wenig Beachtung in der Oeffentlichkeit findet c die Bevorzugung der kirchlichen Institute gegenüber den Kommunen auf dem Gebiet der Auslandsanleihen. Selbstverftänd- lich könnten die kirchlichen Wohlfahrtsinstitute nicht derartige Expansion betreiben, wenn ihnen nicht große Kredite zugeführt würden. Wenn man schon eine Kontrolle der Kopitaleinfuhr für erforder- lich hält, um Fehlverwendungen zu vermeiden, so müßte diese Kon- ftolle gegenüber den kirchlichen Instituten ebenso eingrersen wie gegenüber den Städten. Ausländsanleihen für Kirchenbauten sind gewiß nicht produktiv: für«ine ordnungsgemäße Verwendung der von kirchlichen Wohlfahrisinstituten aufgenommenen Auslands- gelber fehlt dazu jede Kontroll«. Der verein St..Zoseph.SchlfserNnderheIm in Dulsborg-Rnhrorl koanke im August 1929 die Zinsen seiner im 3uU 1926 aus. genommenen holländischen Kirchenanleihe nicht zahlen; das Reich mußte eingreifen und Zinszahlung und Tilgung über. nehmen, um eine Gefährdung des deutschen Auslandskredits abzuwenden— eine Rücksicht, die bei notleidenden Städten unbekannt ist und glücklicherweise bei städtischen Ausländsanleihen bisher nicht nötig war. Es Handell stch hier freilich um eine ge- ringfügige Summ«: dos Reich muß jährlich etwa 11 000 holländische Gulden zahlen. Aber wenn man bedenkt, daß der Verein im Tmissionsprospelt einen Grundbesitz im Wert« von 2.1 Millionen Mark angab, wird man die Forderung nach einer Kontrolle auch der kirchlichen Ausländsanleihen billigen. Die Gciamlfumme der bisher von kirchlichen Znflitvten aufgenommenen Anslaadsanleihea übersteigt bereits 170 Mit. llonen Atark. Run ist allerdings soviel richtig, daß nach den gesetzlichen Bvr- schriften imd nach den Richtlinien die Beratungsstelle für Auslands- anleihen nur diejenigen Anleihen zu begutctchten hat, die von Ge- metnden. Gemeindeoerbänden den Ländern usw. bzw. unter ihrer Bürgschaft aufgenommen werken. Die Anleihen von Äirchengemeinden und ihren Verbänden(Bistümer, Erzbis- lümer u. S.) fallen noch dem Wortlaut des Gesetzes nicht unter die der Beratungsstellen unterwoisenen Anleihen. Man könnte also der Beratungsstelle keinen Vorwurf daraus machen, daß sie die Kirchen- anleihen nicht kontrolliert. Aber andererseits werden die Anleihen der Kirchengemeinden von»iner anderen Dienststelle des Reichs- finanzministeriums doch als Gemeindoanleihen betrachtet: sie brauchen nämlich keine Wertpapiersteuer zu tragen, weil nach einem Erlaß des Reichsfinanzmitusters Dr. Luther uom 16. Ollober 1924 Kirchengemeinden den Gemeinden hinsichtlich der Wertpapiersteuer, die immerhin 2 Proz. des Nominalbetrags der Anleihe ausmacht, gleichzustellen sind. Also: für die Beratungsstelle sind die Kirchengemeinten kein- Gemeinden, für die die Wertpapiersteuer bearbeiteten Beamten dessetben Ministeriums sind Kirchen gemeinden Gemeinden. Dos ist ein unbegrelfstcher Widerspruch, der zu kolle» Souscquenzeu führt. Wenn die Berliner Städtischen Gaswerte eine Ausländsanleihe unter Bürgschaft der Stadt Berlin aufnehme« wollen, muß die Be- ratuagsslclle zustimmen, wenn aber das katholische Walhias- Spital unter Bürgschaft der Stadl Rhetne i. Wests, oder das Römisch» katholische Krankenhaus zu Heggen unter Bürgschaft der Gemein- den Helden und Attendorn erhebliche Au»landsonleihea(beinahe 2,3 Millionen Markt) aufnehmen, dann ist die Zustimmung der Beratungsstelle nicht erforderlich. Ebenso hat man nichts von der Beratungsstelle gehört, als die R h e i n p r o v i n z für den Katholischen Erziehunosverein und als die Stadt Driburg für das Clemens-Hofbauer-Hilfswerk für Priesterspätberufe Bürgschaften für Auslandsanleihen übernahmen. Es ist unter Umständen durchaus nicht unvernünftig, auch Aus. landskapital für soziale Zwecke wie Krankenhäuser und Kinderheims zu verwenden. Aber es ist eine Ungerechtigkeit und auch eine zweifellose Gesetzwidrigkeit sondergleichen. wenn man die kirchlichen Wohlfohrt-einrichtungen durch kontroll- freies Auslandskapital auf Kosten der öffentlichen fördert. Die Prügelstrafe ln England. Innenminister Clynes teilte tm Unterhause mit. daß er die Einsetzung eines Ausschusses zur Prü. sung der Frag« der Prügelstrafe erwäge. Die Ueberzeugung fei weit verbreitet, daß die Prügelstrafe für einige Klaffen von Vcr- brechen dos wirksamste Wschreckungsmittel darstelle, glaiche aber, daß trotzdem die Frag« d»r Abschaffung der Prügelstrafe für einige Arten der Verbreche» zu gegebener Zeit erwogen werden sollte. Da? preußische Fideikommlßgeseh. Der Rcchtsausschuß des Preußischen Londtoaes nahm am Donnerstag nach längerer Pause leine Bevatungen über die Vorlage zur Beschleunigung der Auf- lösung der preußischen Fideikommisse wieder auf. Au H'eHen Tavftnbe wb aber TcMhnhf, d'e im angenehm gf- beuten Märchenvalast kxcN'em Unterfv.nit firJKB und»it den stärksten Ein. drllckn. de iinen das VteDffi'ndenproqranus der„Schönsten Sefou anwi« Welten" fformreTt, den Aeimwea anlTclcn. Die Droste aller Sck-atn�rnnq'n fkirrt das Sarrasani-Droarornm den bestsn Worten. Laute. Montaa. abends 7� vhr. n? eder qrpbe Porstellnng. Der �rkns ist bequem zu er« reichen lU.Babn.Statwn Mushafen). r föelloge Montag, 10. Februar 1930 SprÄbmö SiäJnukanCr Ja(�uxrWEi Begegnungen mit Wien sei Jugenderlebniffe/ vontttaks Am 9. Februar waren 25 Jahr« verflossen, seit Adolf Menzel gestorben ist. Es war Weihnachten 1895, lurz nach Menzels 8lZ. Geburtstag, als ich bei einem Ferienbesuch in Berlin— ich war Oberprimaner — vom Onkel, der auch Moler war, von Menzel erzählen hörte. Ich beschloß, Menzels Bekanntschaft zu machen und wenn ich mich ihm— wenn es sein mußte— als Modell anbot. Und so lauerte ich auf eine Gelegenheit, ihn zu stellen. Eines Tages war es so weit: ich war dem alten Menzel in der Potsdamer Straße begegnet und hatte ihn dann bis vor seine Wohnung verfolgt. Lange sah ich ihn In seinem dickwattierten Pelzmantel vor einem Wild- b r e t I a d« n stehen bleiben. Ein dort ausgestellter geschossener Eber fesselte seine Aufmerksamkeit. Er prägt« sich offenbar jede Linie des grotesken Tieres ein, wobei er ihm mit seinem Schirm an Schnauze und Ohren herumstocherte. Dann schob der Achtzig- jährige langsam der Potsdamer Brücke zu, zögerte bei Frederichs Weinstube einen Moment, als wolle er dort zu einem Früh- schoppen Einkehr hallen, besann stch ober offenbar eines Besseren und ging, da die Margaretenstraße damals noch nicht bis zur Pots- damer Straße durchgebrochen war, durch die Viktoriastraße nach Häufe. €in mißgläckier SSefuch Eine gut« halbe Stunde trieb ich mich in der Nähe herum, bis ich den Mut fand, die vier Treppen zu seinem Atelier hinauf- zusteigen. Sicher hat er jetzt den Eber gezeichnet, überlegt« ich, denn es war bekannt, daß Menzel sein« Straßen-Änpressionen so- fort zu Papier zu bringen pflegte. Dreimal klingelt« ich in Abständen von einigen Mi- nuten. Mein« Hoffnung, ihn aus dem Bau zu locken, war schon auf«in Minimum gesunken, da hörte ich's hinter der Tür brummen und wellern:„EineFrechheit.so wasl� Es schlurfte heran, die Tür ging auf, und«in Donnerweller-entlud sich über mich. Da ich's erwartet hatte, nahm es mir nicht die Fassung. Ich konnte mir den kleinen, trotz seines Zorns so liebenswerten Mann genau ansehen:«r trug«inen dicken Wollschal um das Gesicht, so daß nur einig« Fetzen seines weißen Schifferbartes hervorlugten; ein langes, warmes Wams reicht« ihm fast bis auf die Knie: an den Füßen hatte er mächtige Fllzschuhe. In seiner Rechten sah ich ihn einen Schlüssel halten, in der Linke» aber, wie abgezähll, d r« i klein« Blätter gelblichen Papiers. „Soll ich wegen Kreti und Pleti mir nichts dir nichts den Bleistift aus der Hand legen? Man hat zu warten, bis es so weit ist! Was wollen Sie?!" In abgehackten Sätze»: mehr gebellt als gesprochen, kamen ihm die Worte aus dem Mund, über dessen kräftigen Kiefern, sich die Haut aufplustert«. „Wollte bloß fragen, ob ich mir nicht'n paar Groschen»er- dienen kann. Habe keine Arbeit. Vielleicht, daß der Herr Professor ein Modell braucht!" „Drehen Sie sich mal um! Ihr Profil will ich sehen I So— und nun die andere Settel Pah, pah! Sehr komisch. Zwei ganz verschiedene Gesichter! Wenn man das zeichnet, glaubt's keiner, daß das derselbe Mensch ist. Ja— heut« kann ich Sie nicht brauchen. Aber sonst? Hm. hm. Ich kann Ihnen noch keinen Tag nennen. Fragen Sie mal wieder nach, wenn Sie mal wieder vorbei kommen!" In sichtlicher Ungeduld entließ er mich, und ich konnte gerade noch sehen, daß er nicht ins Atelier zurückging, sondern die klein« Tür mit dem vielsagenden Herzen gegenüber aufschloß und dahinter verschwand. In vier Togen waren die Weihnachtsferien zu End«, triftigster Grund für mich, schon drei Tage später wieder„vorbeizukommen", Diesmal öffnet auf mein Klingeln ein Diener. Menzels alles Faktotum, das mich kurzerhand abweisen wollte:„Der Herr Pros«ssor ist nicht zu sprechen!"—„Bitte sehr, er hat muh zu einer Sitzung bestellt" log ich, mit dem Erfolg, daß der Mann zurückging, um seinen Herrn zu fragen. Er kam denn auch selbst heraus, diesmal aber in einem langen, schwarzen G e h r o ck. wenn auch immer noch mit dem Wollschal um den Hals. Die breit geschnittenen, spieaelblank gewichsten Stiefel an seinen Füßen be- wiesen, daß er Mm Ausgehen bereit war, und ein großer O r d en auf der Brust deutete an, daß es sich um«inen hoch- offiziellen Ausgang handelte. „Das ist der junge Mann mit den zwei Profilen!" lachte er behaglich.„Tut mir leid, daß Sie umsonst gekommen sind. Heute und morgen und übermorgen muß ich mich mit anderen Dingen befassen als mit meiner Kunst. Aber haben Sie denn schon mal Modell gestanden?" „Natürlich. Herr Professor!" „Do wissen Sie, daß das«in Stück Arheit ist. Gut: am Dienstag um 11 Uhr können Sie sich einen Taler verdienen. Ich werde mir das notieren!" Am Dienstag um 11 Uhr! Und am Montag ging die Schule an! Und ich sollte doch in aller Kürze ins Ablturium steigen! So brachte ich nicht den Mut auf die Folgen eines drei- tägigen Schwän-ens zu riskieren. Ich setzte mich hin und bekannte ihm in einem Brief, aus weichem Grund« ich am Dienstag nicht kommen könnte, daß ich in Wahrheit Gymnasiast sei. den seine Bewunderung für Menzel verführt hätte, ihm was vorzuflunkern. Auch hier habe der Zweck die Mittel geheiligt. qinterhoffles tViederfehen Ich war Student und machte im Herbst 1897 von München au« die erste Reise ins Hochgebirge. In Salzburg bekam ich noch vielem vergeblichen Herumfragen in einem der ällestsn Gast- Häuser Quartier. Als' ich zum Abendessen in die Gaststube hinunter ging, fand ich in dem von Rauch und Weindunst erfüllten Raum keinen Platz. Rur rechts neben der Tür war eine lang«, mit einem Dutzend Stühle umstellte Tafel noch ganz unbesetzt. Sie schien reserviert zu sein. Aber, da lch sowieso nicht lange bleiben wollt«, setzt« Ich mich ruhig. Es war sehr dunkel In diesem Winkel, denn die Lampe über dem Tisch war nicht angeknipst. So entdeckte ich erst noch einer ganzen Weile, daß ich nicht als«inziger Gast hier saß: mir schräg gegenüber in der dunkelsten Ecke schnarchte ein kleines Männchen. EswarMenzel.» Um bei seinem Erwachen einen Gesprächsstoff zu haben, breitete ich aus dem Tisch ein« Anzahl A n s i cht s p o st k a r t e n. die ich eben erstanden hatte, aus, da ich wußte, daß Menzel ein heftiger Gegner dieser damals noch sehr jungen Abart von Gebrauchskunst war. Mit einem kräftigen Schnaufer erwacht« Menzel nach einer Weile, und schon naht« sich ihm ehrfurchtsvoll der Wirt:„Befehlen Exzellenz jetzt dos Nachtessen?" Richtig, als Ritter des höchsten preußischen Ordens„vom schwarzen Adler" war der Maler ja mittlerwelle nicht n.ur adlig, sondern auch Exzellenz geworden! Um das Licht anzuknipsen, mußte der Wirt über mich hinweg- langen:„Do hoben's ja a ganze Lüldergalerie von Salzburg z'sammenbracht!" sagte er dabei zu mir. Als Menzel daraufhin aus seinen Brillengläsern scharf zu uns hinüberblickte, schob ich ihm die Radierungen mit einem raschen Grfff zu:„Vielleicht denken Exzellenz doch etwas freundlicher über die Ansichtc Postkarte, wenn Sie dies« hier sehen." Er nahm eine in die Hand und betrachtet« sie, aber er hielt sie verkehrt, so daß ich sie ihm erst In die richtige Lage bringen mußte.„Eine ganz saubre Arbeit" brummte er,„aber eben doch nicht mehr als ein«— als eine— Erinnerungshilfe!" ..Dazu Hab' ich sie auch nur gekauft. Wenn ich es wage, sie Ihnen zu zeigen, so wollt« ich Ihnen mich selbst vor allem in Erinnerung bringen Es ist 1% Jahre her, da hatte» Sie mich zu «iner Sitzung bestellt. Das Modell st ehe» war für mich aber nur«in Vorwand, in Ihr Atelier zu kommen Ich habe Ihnen das in einem Brief gestanden, denn ich konnte die Bestellung nicht einhalten, da ich zwei Tage vorher wieder in der Schule sein mußte." Menzel machte zunächst den Eindruck eines Mannes, der von einem Geschäftsreisenden- mit einem Warenangebot überrumpelt wird. Aber dann sah ich über seinen Mund und sein Kinn, die sich bei der ersten Begegnung mtt ihm so zornig ausgeptustert hatten. ein Zittern gehen, bis stch die Lippen zu einem breften Lachen aus- einanderzogen. Brabbelnd und prustend bildeten sie Worte:„Das Hütt' ich mir aber wirtlich nicht träumen lassen? Also Sie sind der Schreiber jenes merkwürdigen Brieses. Das ist ja gelungen. Ja — jetzt erkenne ich Sie. Der junge Mann mit den zwei P r o s i l s n. Jeder Mensch Hot zwei. Aber so verschieden wie hei Ihnen sind sie eine Seltenheit. Ihr Brief hat mir wirklich Freude gemacht. Das ist ja— das muß gefeiert werden. Bitte, Herr Wirt! Bringen Sie ousnghmsweise eine ganze Flasche und zwei Gläser dazu!" In meinem ganzen Leben war ich nicht wieder so stolz wie damals. Alle Gäste drehten sich nach uns um, und Wirt und Kellnerin umsprangen uns dienstbeflissen. Wovon wir sprachen? Bon Salzburg natürlich, das der Alt« schildert«, wie er es vor 59 Iahren kennengelernt hatte, als es noch nicht von Fremden überlaufen war. Vom Onkel auch, den er gut kannte, und dessen Landschaften er sehr schätzte-„2>as ist noch ein Maler, kein„Untermaler" wie heute die meisten. Lauter Bäcker, die die Semmel halb gar aus den Laden» tisch bringen I" Er aß sein gesottenes Hkrn unter großen Pausen, so daß die letzten Bissen sicher ganz kalt waren. Don der Flasche Wein mußte ich dal meist« trinken. In seltsamem Gegensatz zu der abgehackten, knurrigen Art zu sprechen, standen die Gesten der kleinen, feinnervigen, aber keines- wegs mageren Hand. Meist hielt er sie ruhig am Tifchrand, die Finger leicht zusammengebogen. Aber von Zeit zu Zeit hob er die ein« oder andere, um einem Satz'Nachdruck zu geben. Das waren dann immer runde, plastische Bewegungen. Ganz plötzlich brach er. das Gespräch ab und erhob sich. Wirt und Kellnerin stürzten herbei, der«ine. um ihm in den Pelz zu helfen, denselben, den er damals im Winter getragen-hatte, die andere, um ihm den Schal um den Hals zu legen, ein« Fürsorge, die sich der kleine Herr mit großer Würde gefallen ließ. „Verlaufen Sie sich nicht in den Bergen!" sagte er zum Abschied zu mir.„Ich spür's im Hals: es gibt Nebel und Regen!" Damtt schlurft««r zur Tür hinaus. I'oii derUniirUs sunt 9lu rfürl lendam m 3)ie Qefchichie eitler Jllufion./ Von erich Preuße „Onkel" Stutz und ich waren Freunde. Er war Lehrer an der Dorfschule eines Dörfchens am Müritzfee und unterrichtete die Tage» löhnerkinder, während ich den Sprößlingen des Gutsbesitzers Lite« ratur, Fremdsprachen und Mathematik näherzubringen suchte. Nachdem wir zusammen die Umgebung abgestreift hatten, kannten wir nach einem halben Jahre jede Schneise in den Wal- düngen, jeden Fuchsbau. Wir hatten an nebeligen Herbstmorgen den Hirsch gehört und gesehen und wußten vom Jäger, daß eine über die Schneise flitzend« Wildsau schwer zu schießen sei. Wir kannten die Tücken des Sees und wußten, über welcher Sandbank der Barsch stand. Wir verstanden A a l s ch n ü r e und Hechtangeln aus- zulegen. Jeden Freitag brachte der Postbote Zeitschriften, die„Onkel" Stutz und ich gemeinsam lasen. Manches gute Buch hatten wir zusammen besprochen. Doch wenn wir abends in meinem Zimmer saßen und die Spiriiuslampe den Tisch mit dem eingelegten Schach- brett beleuchtete, während die Zimmerecken im Dunkel blieben, dann lieh mein Freund Stutz oft sein Buch in den Schoß sinken, wippte mtt dem Schaukelstuhl, und schaute mich schweigend an. Die Zigaretten verqualmten in der Hand und die Asche fiel zuletzt auf den Boden, wenn wir uns gedankenverloren gegenübersaßen. Wir veranstalteten Leseabende und wollten Theater- aufführungen vorbereiten. Niemand kam zu den Leseabenden. keiner woltte Rollen lernen. Die Tagelöhner gingen lieber zu Bett. nachdem sie am Tage 18 Stunden gearbei'ct hatten. „Onkel" Stutz und ich spielten schließlich aus Verzwerslung mtt dem Inspektor oder dem Händler Skat, tranken Flaschenbier und rauchten schlechte Zigarren. „D u," sagte„Onkel" Stutz eines Nachts, als wir aus dem Dorf- krug kamen,„du, wenn ich mir vorstelle, daß jetzt hunderte glücklicher Menschen über den Kurfürsten- dämm gehen,'Theater und Konzerte besuchen können— undwirsitzenhieraufdieserKlitsche...!" ★ Ick) bin jetzt in Berlin und wohne in einer Metskasern« mit vielen anderen Leuten, die ich nicht kenne. Auf den Schildern an den Wohnungstüren. stehen Namen, aber ich weiß nicht, ob die Dame, die aus der Tür kam, Frau Schwarzer oder Fräulein Schwarzer ist oder ob es ein Besuch für Frau Schwarzer, Fräulein Schwarzer oder gar für Herrn Schwarzer war. Wir überholen uns auf der Treppe, manchmal grüßen wir uns, sehr oft gehen w.r schweigend aneinander vorbei. Am Sonntagmorgen krächzen Grammophon« mit Lautsprechern um die Wette. Zwei Monate war ich schon in Berlin, aber den Kur- f üi- st e n d a m m hatte ich n o ch n i ch t zu sehen bekommen. Denn wenn man Arbeit sucht und schließlich dys große Glück hatte, von morgens bis abends in einem Büro sitzen zu dürfen.. Nun, der Name Äurfürstendamin war wenigstens in sinem Gespräch ge- fallen: es war im Aufenthallsraum dir Heilsarmee Um den großen Tisch hockten ein russischer Emigrant, der jeden um Zigaretten- papier ansprach, ein verkrachter Diplomingenieur, der irgendeinen Orden zur Schau, trug, und einige Fürsorgezörlinge, die ihre Buletten und Margarineswllqr au' Kosten des Wohlfahrtsamtes aßen. Ein s ch w a rz l o ck i g e r. bübscher Junge fiel mir durch seine Lebhaftigkeit auf und durch den Anstand, mtt dem er seine Haferflockenluppe löffel e. Cr war Kaufmann und hatte ein« Stellung gehabt. 120 Mark verdiente ich im Monat. Ein möbtt.ertez Zimmer kostet 80 Mark, für Mittagessen, Mendbrot und Frühstück mußt« ich 50 Mark rechnen. Wieviel bleibt für Kleidung, Seife, Schuhcreme, Rasieren, Heizung, Licht?" Lch grübelte über diese Rechnung, obschon ich. sie kenn«. Da höre, ich— und als' ich aufgucke, sehe ich die zweideuttg-unzweideutigen Blicke so manches— ein« Stimme:„A u f dem Kurfür st endamm verdient man mehr Geld!" ir Vier Monat« hat«s gedauert, bis ich den Kurfürstendamm kennenlernte. Es ist noch gar nicht so lange her. Am Alex steige ich in den U-Bahntunnel und freue mich, daß Underberg gut schmeckt, in der Familie, vor dem Essen, noch dem Essen; und am Bahnhof Zoo klettere ich wieder ans Tageslicht. Durch die Ioachimsthaler Straß« pilgere ich zum Ziel unserer Sehn-- sucht von damals. Und nun schlendere ich, den Kurfiirstendamm runter. Mit mir eine Menge Pelzmäntel und M e n j o u- Kärtchen. Alle Pelzmäntel haben eine gemalte Fassade, die Menjoubärte oft einen Glasscherben eingeklemmt ins Auge. Mein Freud Stutz tonnte Klavier spielen, er spielte oft Groß- Mütterchen. Ich stellte mir Großmütterchen als ein gebrechliches Frauchen im Lehnftuhl vor. Das stimmt nicht. Großmütterchen steigt aus einem Buick, Großmütterchen trägt ein modernes Kleid, vorne kurz, hinten Schleppe, Großmütterchen hat einen schlohweißen Bubenkops unter modernem Hut, hat rotgemalte Lippen und tippelt mit ihren Russenstiefeln ins Cafä Uhlandseck. Ich bekomme seltsame Einfälle: ich möchte di« Frauen, die hier gehen, in einen Kübel warmen Wassers stecken und mit grüner Seife behandeln. Wie die Frauen dann wohl aussähen? Jene hier, mit dem verlebten Gesicht, aus dem alle Laster sprechen. Oder die Blaue dort, blaue Sck>uhe, blaue Strümpfe, Mantel, Hut. alles blau, und dos Gesicht in voller Kriegsbemalung. Die Frauen Jucken nach ihren Opfern, die mit wattierten Schultern vor dem Eafä Reimann sitzen. Ich gehe wieder zurück an dem Plakat vorbei, das die Eröss- nuno eines Zigeunerkellere ankündigt. Heber die Touentzien, zum Wittenbergplatz. Dort erzähtt ein Heilsarmeeredner von seiner Bekehrung. Viele elegante Damen und Herren hören zu. Als die Heilsarmeefoldoten Geid iammeln wollen, zerstreuen sich die j Zuhörer... • Ich sitze in einem C a s 6. Mit mir dieselben Leu'e. die in den | Straßen flanierten Der Kellner bietet mir Kuchen an zu immer ; Tasse Kaffee. Sein« Stimme Hai einen Tonfall, der befehlend, orohend klingt. Als ich ablehne, ist fein Urtoil über mich gefällt. An den Kleiderhaken hängen Pelzmäntel neben Trenchcoats. Delourhüt«, Brasilianer und andere Hüte. KünsUermähnen, Glatzen. neudeutsche Frisuren(Hinterkopf kahl— vorn die Andeutung eines Scheitels): laufen von einem Tisch zum anderen. Elegan'e Sakko- anzüge neben Jacketts, deren Borteneinfassung die Fransen an den Aermeln verdecken soll. Eine Musikkapelle zersägt hen neuesten Schlager. 55 Pfennig kostet die Tasse Kossee. Mürrisch«mpsängt der.Kellner dos Geld und ich empfinde plötzlich deutlich, wie wenig ich hierher, aus den Kurfürstendomm und In das Berlin gehör--, von dem Onkel Stutz und ich am Müritzsee träumten... * Und damtt ist die Geschichte dieser Illufion eigentlich zu Ende. Mitunter spüre ich sogar eine lsise Sehnsucht nach dem Müritzsee. Ja, nachts träum« ich sogar manchmal von ihm. Illusionen haben ist sehr schon. Aber es fit sehr nützlich, wem, sie zerstört werden. Von N schon für das Nötige sorgen. Wutentbrannt ort. ließen die Nemden die wüste Stätte. Anderson wurde, da er mehrere>.leihen aufgenommen hatte, des Betruges bezichtigt. Erst jetzt hat sich herausgestellt, daß man es mst einem Geisteskranken zu tun hatte. Anderson war von der Idee,«inen Badeort zu gründen. derartig besessen, daß er darüber den Verstand verlor. Fahrendes Volk. Als unter Kaffer Maximilian 1493 em Reichstag in Regens- bürg tagte, hatte der Magistrat der Stadl oerboten, den fahrenden Leuten die Tor« zu öffnen, um jeden unnötigen Lärm aus der Stadt fernzuhalten. Vor dem Tore warteten sie au' dic Ankunft des Kaisers und baten ihn, beim Magistrat für sie die Erlaubnis zum Einzug zu erwirken. Der Kaiser antwortete scherzend:„Faßt den Schweis meines Pferdes: was an meinem Pferd« hängt, wird der weff« Rat der Stadt»mzhl mit lffneln lassen müssen." Da laßten einige den Schweif des Pferdes und olle anderen hängten sich an die Kleider der Vorangehenden, so daß«in langer Zug fahrender Leute am Schweif des kafferlichen Pferdes hängend trotz des Der- böte» in die Stadt kam. Das Fest der Frau. In der Prinzensirage marschierien die Turnerinnen. Die Galerie der Turnhalle Prinzenstraße ist bereits 40 Minuten vor Legion voll besetzt, im Saal müssen immer neue Sitzgelegenheilen geschossen werden und noch immer nimmt der Zustrom zu dem Araueu-Werbeturnen der Ireieu Turuerschaft Groh-Lerlin kein Ende. Die Halle ist bis aus da» letzte winkelchen ausgenutzt. Zu der Miltelloge diskutieren die Vertreter der städtischen Behörden, der sreieu Gewerkschaften, der Sozialdemokrat!. schen Partei, des Bildungsausschusses und die Delegierten besreundeler Organisationen. Auch bekannte Reichstags- und Laadtagsabgeordnele werden bemerkbar, heule gibt es Gelegenheit, sich von der Tätigkeit der Zlrbeiterturnerin und -sporllerin zu überzeugen. Die Gespräche enden schließlich bei der heutigen.modernen" Frau, und Zweifel tauchen auf, ob denn auch eine Hausfrau und Mutter, die nicht mehr zu den Züngsten zählt, als Turnerin Leibesübungen pflegen kann. Jeder Zweifel schwindet, als über SM Jungmädchen und Frauen aller Altersklassen die weite Halle mit Turnen und früh- lichem Spiel beleben. Die„Mütter und Hausfrauen" scheinen fast die Mehrzahl aller Teilnehmerinnen zu sein. Die Nürnberger Fest- mustl bietet willkommen« Gelegenheit, allereinfachste(nicht wachen- lang eingebmrste!) Gymnastik zu zeigen. Wer doch noch an der Notwendigkeit der Leibesübungen für Frauen zweifeln sollte, wurde bei den Gesundheitsübung en der Aeltereu endgültig überführt. Diese Ucbungen ausführen und mitmachen, muß jede Frau W'rtschafts- und Hausstandsforgen vergessen lassen, hierbei kann auch die Frau im grauen oder schon weißen haar noch Lebensfreude empfinden und neuen Lebensmut gewinnen. Gewiß zeugten die Sprünge am Trampolin-Pferd von Mut, sicher bewiesen d!« Uebungen an den Geräten ein hohes Maß der jkLrperbeherrschung, aber immer wie- der muß betont werden, daß alle diese schönen Sachen in leichterer Form auch von den Aeltereu gemacht werden können und— das ist die Hauptsache— auch gezeigt wurden! Die Halle erwies sich als zu klein, die Zeit war zu kurz, so tonnten au» allen Zweigen des heutigen modernen Uebungsbe- triebe? nur Ausschnitte gezeigt werden. Interessant war das Turnen am„lebenden Gerät", sehr gut die Stabübungen der Iungmädchen. Letztere hatten noch besonderen Erfolg bei den Singspielen: Maien- tanz— Jugendtanz. Leider dringt bei solch einem Massenbetrieb die Klavierbegleitung nicht durch.— Stafettenläufe sind in der Prinzenstraß« in rein sportlichem Sinne nicht durchführbar, das bewiesen die wiederholten Stürz«, die glücklicherweise glimpslich oerliefen. Das Handballspiel Wedding— Süden war eine angenehm« Mädchen bei den Stab Übungen. Abwechslung. Die allgemeinen Spiel« belustigten wie immer Zu- schauer und Spielende. Die Organisation der Veranstaltung war(bei Berücksichtigung der Enge) gut, und dem Frauenausschuß gebührt volle Aner- kennung. Lob verdienen auch die Musiker des FTGB.-Musikkorps unter ihrem Dirigenten Walter. Wirksam war der Abschluß: Um- marsch mit fröhlichem Sang, kurze passende Schlußworte, Zusam- menströmen aller Fahnen zur Mitte und gemeinsamer Gesang als Ausklang! Bliebe nur noch zu wünschen, daß sich alle werblichen Gäste in den 54 Jungmädchen- und Frauenabteilungen der Freien Turner- schaft Groß-Berlin zur Ausnahme melden. Dann ist Sinn und Zweck des 8. Frauen-Werbe- und Sportfestes der FTGB. erreicht! Kampfe im Wasser. Scfawimmlesi und Serien-Wasserball. Im Stadtbad an der Schillingsbrücke führten am Sonntag nachmittag die Freien' Schwimmer Groß-Berlin, Gruppe Friedrichshain, ihr zweites Gruppen- s ch w i m m f e st durch. Unter reger Beteiligung der Freunde der Bewegung folgten flott hintereinander die Wettkämpfe. Die Gruppen Neukölln, Lichtenberg-Mitte, Oberspree, Siemensstadt, Friedrichshain und Köpenick hatten ihre besten Mannschaften zum Start geschickt. Die Wettkampf-Folge begann mit einem Prolog, den die Sportlerin Wundrig sprach. Stadtrat Müller richtete an die Freund« des Schwimmsports herzliche Begrüßungsworte. Dann begannen die Konkurrenzen mir dem Erftlingsschwimmen der verschiedenen Klassen, Stafetten schlössen sich an. Besonders reichen Beifall fanden die Gruppensprungübungen, die außerordentlich gut gelangen. Am interessantesten von allen Konkurrenzen war der Rettung-mehrkampf für Männer, der auf folgend« Art durchgeführt wurde: Eine Bahn- länge mußten die Schwimmer tauchend zurücklegen, eine Bahnlänge mußten st« einen Ertrunkenen abschleppen uno ein« Bahnlänge mußten sie schwimmen. Gerade diese Uebung, bei der alle Sportler eine überaus geschickte Rettungsarbeit leisteten, zeigte, daß die freien Schwimmer auf Rettungsarbeit großen Wert legten. Eine ausgezeichnete Leistung war auch der Frauen-Kunstreigen, dabei wurden die schwierigsten Uebungen spielend bewältigt. Für Humor war auch gesorgt, einige Sportler führten ein lustiges Kleider- schwimmen vor. Da» Wasferballspiel Friedrichs ha in gegen Müggelsee gewann Müggelfc« mit 5 zu Z Toren. Das Wasferballspiel der Jugendklassen Neukölln gegen Lichtenberg endete 4 zu 4. Das letzte Spiel wurde sportlich nicht koyjekt durchgeführt, der Kampf um den Ball war zeitweise eine will« Keilerei im Wasser. Dagegen stach das Puschballfpiel der Frauen gut ab. Die Frauen zeigten ein spannendes Spiel, das trotzdem vollkommen fair durchgeführt wurde. Die erste Mannschaft Friedrichshain ge- wann mit 2 �zu 0 gegen die zweite Mannschaft Friedrichshain. Resultat«. ErstNuaasifuiimm»», 8» M«t«. fluatieitt 1. Thvm 49,2, 2. Pin. iaele 49,2. SKäbJen: 1. Mark 592, 2, Wasick- 59,2. SättHitf« Iu««»»! L Bulcn 172. Elsncr 50,2. MSnrli-e« Z-ft-ud! 1. Altmann<0.2, 2.©wntittinfl 41,8. Keanes: 1. 6ie»etf 48,8, 2.©enrorn 53,8. Männcr, 1. Pollnow 83,8, ; ienfe 44,8.— MänuliS« Suoet.blaatn-etaffcl,»ictnt«! 4 Balinlanncn: , SleukWn I 4:22,2: 2. ffcicbrd.sMin n 4:33.— Rroucn.PtuWfBMBaicn, 100 Rteten I- tTraiin 1:39,6: 2. Matsöiins 1:44,8.— Weibliche» Anaend-Rück-n. 1,1»irnrnen, 8» tKcitt, 14 bis 16 Zal>«: 1. Braun 1:21,8; 2. Menne? 1:248. 18 bis 18 Zabr«: 1.©riintbeta 1:14,6: 2.©reniinn 1:15,6.— RnoBen.fflinft, ichtoirnircn, 80 Meter- 1. Werl 1:19 4; 2. IN,-mann 1:23.- Männer-Saite. lchmiwmen, 100 Meter,?itRcrb, 16 b'.e 18 Zahre: 1. Laschina« 1:24,6: 2. Rie. 'na'iit 1:30.6. Masnerllafl« B: 1, Totifcr 1:23.4: 2. Newlch 1:35,6. Mänurr. riaff« A: 1. W>nk«lmann 1:2«; 2. Rclurt 1:23,6.— flomblntcrtt BruUstaleUe, leifssittl 80 Meter: 1. Ltchlenbera 7:16,8: 2. Neukölln 7:41.6.— Rettung«. Bchtlornsf für Miiurer: 1. S'adke 54: 2. Rusch« 58©c'imben.— Brust- schwimweu, mansllÄ� tzuaect), 100 Meier. 14 bis 18 Zahre: 1. Talbach 1:35,3; 2'«raufe 1.37.6. 16 bl» 18 Zschre: 1. Marinras 1:34 2: 2. Lulcher 1:3«/.— Rranen.RSck-nlchw'wmen. 100 Meter, 1, Krakm 1:59.6; 2. Aaschinski 2:01,8. — Mäurrr-eaaenstalettc, viermal 4 Bahnlaraeu: 1. ztirbtiAebcin 4:18,6; " Lichtenbera l 4:18�.— Möb� cnbrustlchwlmmln. 2 Bahnlänacn. 40 Meter- i Meetow 40.8: 2. Brochnow 41L Sekunden.— Männer, RSchcnschwimmen, 100 Meter,?ua«rd- 14 bis 16 Sab»: 1. Möbrin« 1-33: 2. La'cnfuä 1:33.2. 16 6t» 18 Zabre: 1-«wer 1:2742; 2. Meinert 1:27,8. Männer: 1.«cbrer 1:27,8; 2. Winkelmann Minuten. � Berlin XII und Weißensee waren am Sonnabend die Gegner im fälligen Arbeiter- Wasserball.Serien'xiel um die Kreismeisterschaft, das wie üblich im Lunabad ausgetragen wurde und 8- l zugunsten Weißen�ees«nd-.'te. W-ißenfe« drängt Berlin XII aleich ZU Ansang zurück, oft sind fünf Weißenseer vor dem gegne- rücken Tor. Die Verteidigung arbeitet gut und alles wird wi-sder mrückaelckläaen. Mehrere Bälle gehen neben das Tor cder darüber binwea Erst in der 6. Minute kann der Weißenseer Mittelstürmer ersolareich sein. Mehrere Borstöhe von Berlin XII werden von dem Weißenseer Torwächter aufgehalten. Kurz vor Halbzeit kann dann der rechte Stürmer Weißenfees das 2. Tor erzielen. Nach dem Weck.fel wirft Weißensee an: oder Ball geht vom rechten Stürmer Weißensees gegen die Torlatte von Verl-n XII. prallt zurück, der Mitte'.sLürmer erreicht ihn und es steht 3: 0 für Weißen- see. Bei Berlin XII läßt jetzt das Jusammenfpi«'. sehr nach, wo- durch W-ißens-e immer mehr auskommt. Eine Dprlage der Der- teidigung verwandelt der recht« Weißenseer Stürmer der Frei- stand zum L Treffer einsendet. Trotz aufopfernder Arbeü der Ber- lin XII-Verteidigung, kann sie nicht verhindern, daß noch 3 weiter« Tore für Weißen'«« sollen. Erst nach dem 7. Tor kann Berlin XII zum Ehrentor einsenden. Es kommt noch zu einem Durchbruch des rechten Weißenseer Stürmers, der. angegriffen den Ball zum Mttelstünner weiterleitet, der dann das 8. Tor schießt. Eishokeymeisier. Deutschland machts lür Europa. Die Entscheidung um den Titel eines Europameisters im Eishockey hing gestern abend sozusagen am seidenen Faden. Das Publikum, das den Sportpalast bis auf den letzten Platz füllte. durchlebte aufregende Minuten, als es'bei einem Stande von 1: 1 zwischen den Titelanwärtern Schweiz und Deutschland immer mehr dem Ende des Spiels zuging. Da war es Römer, der«in« Chance erspäht« und Deutschland zum siegbringenden Tor verhalf. Refill- tat 2:1. Deutschland ist mm Europameister, aber die Mannschaft in ihrer gestrigen Aufammenftellung bedarf noch mancher Korrektur. Es ist sonderbar, daß an wirklich entscheidenden Tagen die„Prima- donnen" der Berliner Schlittschuhklubs ständig versagen. Der sonst unübertreffliche Joenecke war gar nicht auf der chöh«, und noch mehr enttäuschte der junge Rudi Ball. Was Ball gestern abend alles vermurkste, war nicht niehr schön. Cr spielte unaufmerksam und schoß meist daneben. Römer dagegen habe einen großen Tag, er spielte ruhig und wartet« auf die große Chance, die dann auch kommen sollte, Leineweber lm deutschen Tor entsprach den in ihn gefetzten Erwartungen. Im zweiten Spiel des Abends wurde die Tschechoslowakei� von den Kanadiern mit 14:1 abgefertigt. Die überseeischen' Gäste lieferten wieder ihr bekanntes hochwertiges Spiel, ohne sich indes sonderlich anzustrengen. Die zweistellige Ziffer hätten sie nach Belieben noch höher schrauben können. Die Wasserfahrcr tagen. Endlich ohne Radau«„Oppo$itionM! Am Sonntag tagte die I a h r e s v e r s a m m l u n g des ersten Kreises der Freien Ruderer und Kanufahrer im Arbeiter-Turn- und Sportbünd. Aus den Jahresberichten ist zu«nt. nehmen, daß die Sparte mü 1700 Mitgliedern in 25 Bereinen gegenüber dem Vorjahre um 100 Mitglieder zugenommen hat. Eine an dem gesunden Sinn der Mitgliedschaft gescheitert« Untermhner- arbeit der Opposition bewirkt« nicht nur eine Festigung der einzelnen Vereine, sondern auch eine relativ stark« Zunahme der Mitglieder- zahlen. 235 Ruderboote, 421 Kanus, 144 Faltboote, 14 Segelboote und 10 Motorboote, insgesamt 825 Fahrzeuge, können innerhalb des 1. Kreises gemustert werden. Vier neue Dereine wurden gewonnen. Der Mittelpunkt des Sportjahres war die Grünauer Bundesregatta, eine als gelungen zu bezeichnende Veranstaltung. Die Langstrecken- regatta überbot an Meldungen erheblich die der Borjahre. Die Zusammenarbeit mit den anderen Sparten war gut. Der betriebene Crgänzungesport war äußerst vielseitig. Vom Wasiersportbeirat konnte berichtet werden, daß manche den Sport«inengende Be- stimmung aufgehoben werden konnte, was zu einem großen Teil auf die Initiative der Sparte zurückgeführt werden kann. Eine Be- frciung der Ruderoereine von der Hauszinssteuer konnte durchgesetzt werden. Die Anlage einer Bootsschleppe an der Mühlendamm» schleuse wird bald folgen. In der regen Aussprache zu den Berichten wurde die Vorstands- arbeil allgemein anerkannt. Die V o r st a n d s w a hl e n ergaben folgendes Resultat: Vorsitzende Szumann, chaack:.Kassierer Liesecke: Schriftführer chennig: Rudertechniker Münchenhagen: Kanutechniker Wollgram. In den örllichen Beirat zur- Reichsleitung wurden Schreck. Vavlik, Tausendfreund und Trommer gewählt. Ein Referat von Poscharski über„Derkehrefragcn auf dem Wasser" wurde sehr beifäll'g aufgenommen, chier wurden einmal von berufener Seit« die Bestimmungen der Wasserpolizeioerordnung erläutert. Einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit der Schwimmerspart« wurde zu. gestimmt, dadurch werden der Sparte neue Aufstiegsmöglichkeiten gegeben. Nach Erlebiaung«iniaer interner Angelegenhellen wurde die von bvndesgenöffischem Geist getragene Jahresversammlung mst einem kräftigen„Frei Hell" auf weitere gute Arbeit geschlossen. ___ Hg. Ein interessantes Rennen. Bei den Wintersportveranstaltungen in Earmisch. Portenkirchen paarte man ein Flugzeug. Motorräder und Autos zu einem Schnelligkellswettbewerb. Um 1 Uhr, als der Nebel sich wieder über den See senkte, fand das Vergleichsrennen zwischen Flugzeug(Udet), Motorrad, Motorrad mst Beiwagen und Kraftwagen statt, wobei der Pilot zwölf Runden, die übrigen je achi Runden zurückzulegen hallen. Es war ein imposantes Bild, als die verschiedenartigen Maschinen auf und über dem See ihre Kreise zogen. Allmeister Udet hall« mst seiner schnellen Maschine die Vor- gaben bald aufgeholl und blieb mit einem Stundendurchschnist von 154 Kilometer überlegener Sieger vor dem Motorradfahrer Gschwilm-München(03 Stundenkilometer), dem Beiwagenfahrer Möritz-München(92 Kilometer) und dem Kraftwagenfahrer Hans v. Stuck(91 Kilometer). �Jles in einem Top� oder kommunistisches Künstlerpech! Im September vorigen Jahres suchte die Leitung der öfter- r e i ch i s ch e n Kommunistischen Partei eine Fußballmannschaft zu- sammen und sandte sie zum Zeichen dafür, daß es auch in Oester- reich„revolutionäre" Sportler gibt, nach Rußland. Di« Spieler wurden dort vyn den höchsten bolschewistischen Behörden empfangen, als die Avantgarde der österreichischen Sportopposition gefeiert, mit Rubeln ausgerüstet und zum Zwecke der Spaltung sogar nach Finn- land geschickt. Damst die zusammengelesen« Truppe zugkräftig genug sein sollte, gab man ihr den Titel„Meister der Luzcrner(sozialisti- schen) Sportinternationale". Nach wochenlangen Propagandafahrten für die allein revolutionäre Sportsache noch Oesterreich zurück- gekehrt, sind vier von der revolutionären Elite zum bürgerlichen Fußballverband übergetreten! Davon gehören zwei einem Verein an, dessen Leitung aus maßgebenden Heimwehrleuten besteht. Ja, ja, von der Kommunistischen Partei zu den Faschisten ist nur ein kleiner Schritt. Eine Gegenüberstellung. Di« kommunistische Zeitung„Westdeutscher Arbeitersport" vom 14. Januar 1930 schreibt über das Bundesfeft des Arbeiter» Turn- und Sportbundes: „Auf den letzten großen Bundesfesten des ATuSB. und auch der anderen Sportoerbände beherrschte schwarzrotgold. da» Wahrzeichen der kapstalistischen Republik, das Feld, die rote Fahne war in die Ecke gestellt. Gemeinsani« Veranstallungen mit den bürgerlichen Organisationen sind an der Tagesordnung." Dagegen schrieb der deutschnationale„Fränkische Kurier� über dasselbe Thema: man fand anscheinend nichts dabei, daß immer wieder das Spielen der„Internationale"«insetzte und das sozialistische Kampflied von der„blutroten Fahne, die zur letzten Schlacht vor» anweht", gesungen wurde, mst dein ebenfalls erschallenden Ruf: „Nie wieder Krieg!"... Nun wurde aber sowohl bei dem Fackel- zug am Samstagabend als auch beim Hauptsestzug am Sonntag an hervorragender Stelle die rot« Fahne gezeigt, die paar schwarzrotgoldenen Dereim-fahnen aus der Vorkriegszest kamen bei der Fülle der roten Fahnen überhaupt nicht zur Geltung." Da kannst halt nix macken! „ktammender" Proiesi. Auf der Pariser Rennbühne von Vincennes ereigneten sich am Sonntag nachmsttag erregt« Zwischenfälle. Bei Beendigung eines der ersten Rennen erhob sich ein lebhafter P r o t e st. der bald zu gewalllätigen Kundgebungen ausartete. Die Menge riß die Um- zäunung nieder, und die republikanische Garde sah sich zum Ein- greifen gezwungen. Trotz ihres Dazwischentretens gelang es dem Publikum, die Tribünen"'zu zertrümmern und in B r a n d z u stecken. Bei dem herrschenden Sturm brettete sich das Feuer rasch aus und dichte Rauchwolken hüllten die tobende Menge ein. die keine Miene zeigte, ihre Kundgebungen einzustellen. Die Rennpferd« wurden in Eile in Sicherheit gebracht. Von der Polizei- präsektur wurden Polizeiverstärkungen und Feucrwehrabteilungen zu Hilse geschickt. Der Feuerwehr gelang es nach kurzer Zeit, die Flammen zu ersticken. Der Grund für dies« ungewöhnlichen Aus- schreitungen ist in einem salschen Start zu suchen, für den zehn Jockeis in Strafe genommen wurden. Das Best, und Fahrturmer, das vom ersten bis zum letzterr Tag ein überfülltes Haus sah, fand am Sonntag seinen Abschluß. Zum„Preis von Deutschland", dem früheren„Preis der Rationen", traten eine spanische, eine tschechische und ein« deutsche Mannschaft In den Wettbewerb. Es waren sehr schwere Hindernisse zu über- winden und das Pferd eines tschechischen Rittmeisters sprang der- artig in das Äoppelrick, daß die Balken ins Publikum siagem und im Zuschauerraum Tassen zerbrachen und Hüte eingebeult wurden. In Zukunft soll daher dieses Hindernis anders aufgebaut werden. Sieger dieses Wettbewerbs blieb Deutschland, dessen bestes Pferd „Derby" war. Für den jungen Reiter Hans Körffer ging das erfolgreiche Ringen um den Sieg nicht ganz glimpflich ab, denn er stürzte mit„Baron 3", den er zuerst fehlerlos über den Kurs ge- bracht hatte. Beim Sturz zog Körffer sich einen Fußknöchelbruch zu, stieg aber trotzdem wieder in den Sattel und beendete den Kurs. Die Olympiade-Dauerprüfung gewann gleichfalls Deutschland, und zwar war es hier der aus dem Unterosfiziersstand bervorgegangene Rittmeister Gerhard, der auf dem oft geflickten„Gimpel"«leger blieb. Ueberdies wurde noch, gegen internationale Beteiligung, das schwere Jagdspringen von Deutschland gewonnen, und zwar vyn dem hannoverschen Pserde Efrsa, iior zmeite war das älteste und bravste aller Turnierpserde, nämlich Tommy. Der Amateur-Weltmeister Mazairac-Holland will sich vom aktiven Rennsport zurückziehen, vorher jedoch noch einige— bereit» früher festgelegt«— Rennen in Deutschland bestreiten. Und dann will er sich als Garagenbesitzer niederlassen.. Zum Abbruch der Malländer Simplon-Badrennbahn wird jejzt bekannt, daß Verhandlungen eingeleitet find, die das Weiterbesteheir dieser Bahn sichern sollen._ T-urtstcaverrin»Sit Naturfreunde", zentral c Wien. Di-n-taa. 11. ffe» bruar. 20 UIic.«bt. Sorben: Eonuenburaer Str. 20. fiunft und Willenschalt im Essen. Siefaent: Dr. Ä. fcoan.-f Abi. Reulilllnei: ffluo- balenstr. 63. Warum ffiemf rUtfafl?— Abt. äumbolbilioin: Schilnslcdtftr. 1. Ta'ut im Winter.— Abt. Weddlra: Turinrr Ecke Sclftraße. Es bumst.— Abt. Lichtenrade: 19V> Uhr bei Deblam, Bahnliof- Ecke©olüstraBc. Kamerad-, Leiterer Abend.— Rotnrtui dlick e Ableiluna: Ioliannisstr. 15. 4'or, während und noch der Eiszeit.— Abt. Aren, lauer Berg: Dan,iner Str. 02. Aaracke 2. © lastbreuncr-Abend. Referciit:?r>tta:cstcr.— Abt. SLdwcst: sslorcksir. U. Seiuelle Jltoflcn. Deferent: Dr. Teilhaber.— Abt. Weiheusee: Pistorius- strahe 24. Sassen dcr Mar! Brandcnburss.— Abt. ReulLlln- Bergftr. 29. Muß der Arbeiter wirtschaftlich und politisch orssanistert sein? ST®®., Ruderbi»irl. Sissunss, 13. Februar. 20 Uhr, bei Schmidt, Siebet- schäneweide. Berliner Str. 97—98. Sportfreudiss« Mitsslieder werben noot aufsseuommen. Ärti« Schwimmer 6t»J,®ctIin 9 S. Lauptau-schiistsihnna©otmeefrM, IT ffebruar. 20 Uhr, Konserenssssim.mer des©ewerlschaf'shaules.©ruppe ssried- riltthain- Altersriessensidunss Dienstaa. U. ffebrnar. 20 Uhr, Sthmat, Mühl-nstr. 58. � �_.. Rnderverelu CsSeflia Shorlottenbura t B. Montag» Manner Kamminer Straße um 20 Uhr. Dienetag» ssrauenturuen Qu:sson>stra�e uru 20 Uhr. SonnetBlofls Aussendversammlunss Spreestr. 30. Sonnabend» Kasten- rudcrn von 18 bis 22 Uhr bei„vorwärts". Lorstandssshun« Menobass. 11. ssebruar. bei Thuna!. 20H Uhr. ssrauenrersammlung Moniass. 17. ff-. brrar. bei Thurak. Aenne Wolter spricht über»Die ffrau im Sund, Sau- lassenqeneraloeiAmmluna ffreltaa. 28. ffebruar. bei?hunar., ff reit«»ortotreinlssuna Tegel 189««.». Snetttfa«, U. sf'brnar. nach dem Turnen Bersommlung bei Tornow, Tegel. SchUtptr- Ecke TrtolovlivaKr. Der verschwundene Zarengeneral. Wüstes Toben der französischen Kapiialistenpreffe. Paris, 10. Februar.(Eigenbericht.) Jährlich verschwind«» in Paris etlich« tausend Menschen. EKurlost In neunundneunzig von 100 Fällen kräht kein ch�hn nach ihnen, fließt keine Zeile Redaktionstinte. Diesmal ist es anders. Seit einer Woche berichten die Zeitungen täglich spa ten- lang, seitenlang. Ein General ist verschwunden, der Chef der zaristischen Organisationen in Frankreich, ein Führer der ehemaligen Wrangel-Armee, eine chosfnung jener Zehntausende altrussischer An- lcihebesitzer, di-e seit Iahren keine Zinsen bekommen und kaum noch auf ihr Kapital rechnen können. General K u t i e p o f f war noch so ein dünner Silberstrahl in der Nacht des russischen Bankrotts. Solch«inen Schimmer spurlos entschwinden zu sehen, ist hart. Kein Wunder, wenn im Lager des ehemalig sranzöstsch- zarischen Bündnisses groß« Aufregung herrscht. Die Pariser Rechts- presse oerlangt den Abbruch der diplomatischen Beziehungen, es toben die Boulevardblätter, und aus einem simplen Kriminalfall, der höchstens einem Shsrlock Holmes die Pfeife aueg hen lassen sollte, wird eine hochpolitische Affäre. Bereits ist eine Intsrpella- tion eingereicht, die die Regierung zu Rede und Antwort auffordert. Die Sowjetbotschaft erklärt, sie habe mit dem Verschwinden des Generals nicht das geringste zu tun. Die Weißgardisten haben hunderttausend Franken Belohnung denen versprochen, die ihn auf» finden, wt oder lebendig. Täglich Denunziationen und Verhaf- t u n g e n: die Polizei verfolgt bereits mehr als 100 Spuren und Fingerzeige. Täglich melden sich Dutzende von Personen, die etwas gesehen haben wollen, zwei schildern sogar bis ins kleinste Detail, wie sich die Entführung abgespielt hat, ein großes Pariser Blatt konstruiert den Hergang, wie und mit welchen Worten der G.ne- ral in die Falle gelockt, überwältigt und abtransportiert worden sei. Natürlich spielt eine Frau die Hauptrolle, dazu ein falscher Polizist, ein graues Auto und«in rotes, dann wieder Nachrichten, der General fei in Nizza gesehen worden, andere behaupten in der Schweiz, wi«der andere hören ihn in den Kellern d«r Sowjetbotschaft röcheln, und die vierte Serie sieht ihn im ver- hängten Wagen aus dem Weg durch Deutschland nach Mos- kau. Di« Polizei verhaftet«inen Hellseher, der acht Tage vorher die Tat geträumt hatte, der von einem Blockhaus phantasiert, in der Nähe von Paris, wo der General«ing«sperrt sei. Allerdings, hos Blockhaus kann der Träumer nicht finden! Chauffeure melden sich, die verdächtigen Autos begegnet sind, es lst ein« wahr« Psychose tun die Entführung Kutiepoff«, so«in« Art Jagd wie im August 1914 um die von Frankreich nach Rußland sausenden Goldautos! Ruhig und sachlich bleibt nur die französische Linkspresse und vor allem der sozialistische„Popusaire". Dem entnehmen wir, daß Sulieposf ein Günstling des Großfürsten Nikolaus war, von unten hochgekommen, dank seinem militärischen Schneid und seiner Brutalität. Am Wrangel-Abenteuer war er führend beteiligt, und wie er die Reste seiner verhungerten und ausgemergel- ten Truppen nach der Türkei brachte, immer schikanierend und im schärfsten D r i l l, das bestätigt den Haß, den selbst seine ehemaligen Offiziere gegen ihn bewahrt haben. Die Sowjetbotschaft eine Räuberhöhle? fragt ironisch das links- republikanische„Oeuvre*. Das Blatt bestätigt, daß es heute in der reichsten und vornehmsten Pariser Gesellschaft kein« schöneren und besieren Empfänge gibt, als bei dem Vertreter des russischen„Ar- beiter- und Bauernstaates*. Wir wissen es nicht wen'ger von Berlin, wo es im Hause des Herrn Krestynsti bei gastlichen Emp- sängen so hoch und vornehm hergeht, wo sich die Tische derart unter der Last des Kaviars und der Getränte biegen, als ob es nie ein« „Rote Fahne* gäbe, die zwar am Hunger deutscher Arbeitsloser ihre Sowjetsuppe kochen möchte, die es aber schamhaft oei schweigt und es ganz selbstverständlich findet, wenn die Schwerindustriellen gerngcsehen« Gäste in der Sowjetbotschoft sind und an einem Abend, auf Kosten des„Arbeiter- und Bauernstaates*, mehr verzeh en, als tausend Erwerbslose in der ganzen Woche an Unterstützung empfangen. Nein! Wir glauben nicht an die unterirdischen Höhlen in den Sowjetbptschaften! auch nicht an die Entführung durch die Tschrka, solange nicht die B« w e i t e geliefert sind. Eii stwcilen haben wir nur den gewöhnlichen Kriminalfall, daß in Paris ein ehemaliger Zarengenerol eines schönen Sonntagmorgens zu seiner Frau sag!«: „Ich gehe in die Rue Madsmois«lle*,wo die russisch-orthodoxe Kirche steht. Aber er ist nicht wiedergekommen, und das ist das Räts l für die Kriminalisten Daß daraus ein hestiger. politischer Kampf entbrannt ist, liegt einmal an der französischen Reaktion, die mit allen Mitteln die in Rußland versunkenen Milliarden wieder« haben möchte und noch einiges dazu, und an dem heutigen russischen System, dessen Mitt«! es seinen Gegnern leicht macht, ihm den Verdacht der Entführung anzuhängen: System und Mittel, die sich sozialistisch n«nn«n und gebärden, in Wahrheit aber dem Zarismus und dem Rinald'.ni näherstehen als Karl Marx und dem Sozialismus. Um den Gerüchten von einer Versckleppung Kutnpoffs nach Berlin nachzugehen, sind zwei französische Polizeibeamte hier eingetroffen. Revokverschüffe zum Nachtisch. Mutiger Wahltampi in Brasilien. Vi« Nevolverschüsie in Mookes Claras, im brasilianischen Staate Atinas Geraes. erinnern daran, daß in Brasilien Wahlkamps ist. Im würz soll wieder ein neuer Bundes. Präsident auf vier Zahre gewählt werden. Aus einem poll- tischen Bankett gab es Reoolverschüsie zum Nachtisch, wie sie in Brasilien bei solchen Gelegenheilen häusig serviert werden. Der Anschlag soll vor allem gegen den Vizepräsidenten der Bundesregierung. Dr. wello vianna, gerichtet gewesen sein: er ist auch schlver verwundet worden. Außerdem gab es fünf Tote und sechzehn verwundete. Das Schwergewicht des kulturellen und damit auch des poli- tischen Lebens liegt in Brosilien im reichen und volkreichen Süden. während der tropisch«, ärmere uqd überwiegend von Farbigen de- wohnte Norden wenig zu lagen hät. In Brasilien gibt es so etwas ähnliches wie den„Kantönligeist* in der Schweiz: die fünf Swaten Minas Geraes(7,2 Millionen Einwohner), Sao Paolo (0,2), Bahia(4), Rio Grand« do Sul 2,8) und Rio de Janeiro (Ifi Millionen Einwohner) der feine besonder» Stellung durch die gleichnamige Bundeshauptstadt erhält— rivalisieren miteinander. Das Streitobjekt sind immer die Posten des Bundes» Präsidenten und der Bundesminister; hierzu werden immer Staatspräsidenten gewählt und berufen. Der jetzige Bundespräsident. Dr. Washington Luis, will den Staatspräsidenten von Sao Paolo, Julia Preste», seinen per» sönlichen Freund, als Nachfolger sehen, damit seine eigene Politik d«r Valuta st abilisierung und des wirtschaftlich lebenswich- tigen Straßenbaues fortgesetzt werde. Di« Regierung hat also als Kaniidaten für den Bundespräsidenten und den Dizepräsi- denten, die zusammen gewählt werden. Julio Prestes und Mal Soares aufgestellt, während die Opposition, vor allem die Repubki- konische Partei im volkreichen Staate Minas Geraes, Getulio Dar- gas, den Staatspräsidenten von Rio Grande do Sul, und Ioao P e s s a o nominiert hat. Dr. Mello Vianna nun, der jetzige Vize- Präsident, ist ein sehr ehrgeiziger und sehr geschäftiger Herr. Er möchte es mit niemandem verderben und am liebsten auf zwei Stühlen sitzen. Sein Bestreben war, jetzt nach Ablauf seiner Amts- zeit als Vizepräsident, Präsident vom Staate Minas Geraes und dann, 1934, Blmd«spräsid«nt zu werden. Er war Vorsitzender des Parteidirektoriums der Republikanischen Partei in Mmas Geraes, die für die Oppositionsformel, für Getulio Dargas, den Präsidenten von Rio Grande do Sul, und Ioao Pessao stimmte, ja, er hat in seiner Eigenschaft als Parteiführer zuerst das die Gegenkandidaten nomine evende Dekret unterzeichnet, sich damit also in Gegensatz zu seinem Freund und Amtsgenossen Dr. Washington Luiz gestellt. Am 16 November aber, am Jahrestag der Ausrufung der Republik in Brasilien, hatte Vianna an Dr. Luis ein längeres Telegramm gerichtet, in dem er seinen Austritt aus der Republikanischen Partei mitteilte und dem Bundespräsidenten„seine uneingeschränkte Soli' antat* versicherte. Dr. Mello Viannas Aktivität scheint nun manchen zu gefährlich und zu unberechenbar geworden zu sein, weshalb sie ihn wohl aus dem Wahlkampf ausschalten wollten. Es mag auch nur zu einer der üblichen Auseinandersetzungen gekommen sein, bei der sich die Gemüter allzu sehr erhitzten. Ob wirklich, wie in den ersten Mel- düngen angedeutet wurde, der Staatspräsident von Mi- nas Geraes, d« Andrada, hinter dem Attentat auf Vianna steht, erscheint fraglich, obwohl auch dies« Möglichkeit in dem tollen Durch- einander des Wohlkampfes nicht ausgeschlossen ist. Schon im Scp- tember vorigen Jahres gab es in Brasilien Leute, die einen Bürger- krieg für unvermeidlich hielten, da das Land eine sehr schwere Wirt- schaftskrise durchmacht. Zudem ist in Brasilien die Zahl der El«- mente nicht gering, im Lager der Regierung sowohl wie in dem der Opposition, die einen Bürgerkrieg'begrüßen würden, teils aus Rauflust, teils weil sie im Chaos ihre Geschäfte zu macheu glauben. Gesellschaft und neue Schule in den Verewigken Staaten und Europa, ilsber dieses Thema spricht im Rahmen des 7. Wissen- schafllichen Clubabends der Deutschen Liga für Menschenrechte Ober- studiendirektor Dr. Fritz Karsen von der Aufbausltjule Neukölln im Reichswirtschaftsrct Bellevuestr. 15 am Dienstag, dem 11. Fe- bruor, 20 Uhr. In der Diskussion werden das Wort nehmen Frau Oberfchulrätin Dr. Hildegard Wegscheider und andere. Vorsitz: Oberstudiendirektor Dr. Siegfried Kaweraii. Gäste gegen Zahlung des Unkostenbeitrags willkommen. s»an!w»rt>.'llr d>» Nkdattion: SaKflsng sa»»arz. Berlin: ilnzeiacn: T>>. Sind«. Berlin Verla«: Vorwiirl» Verlas m b S.. Berlin Druck: Vannär:« Bück- »ruckeret unt L-rlaasanstalt Paul Tinaer& So. Berlin SW CS. Einicnfttafte& Sierin I««Uaa«. Am 6. Februar, abends 91/, Uhr. euischlief/lanil nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser auter Bater, Schwieger- und Großvater krieäricd Lehmaim Fran Maria Lehmann Gustav Lehmann Elisahe'h Lehmann nebst Kindern Alma Kurzweg, fieb Lehmann Ernst Kurzweg nebst Sohn. Die Trauerseier findet am Dien». tag. dem U. Februar, abends 6 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt Tlte&let. Lidtlspiele ustv ■»- I_»NN II»«»»« J / Montag, 10. 2. Staats-Oper Unter d. Linden Tiil-U D ig Kr. S iate-Äi-». Do. 39 20 Uhr Stkanila. der Dadelsadtpfeifer Endegeg.Za�.U. Staats-Oper tu Plit: du itynUllt Vorst. 24 20 Uhr' Salome Ende n. 21,/> U. Montag, 10. 2. Stadt Oper Bismarckstr. W'.i» Uhr MIO» VflfStBÜBD] Ende 23 Uhr Staat). Stfcauspb. in Ceidiniugiurkt R.-S. 2 20 Uhr Vatlsostßins Tod End« 22«/> Uhr. MI.Met-stMMiU 20 Uhr Hans Im schnahenEoch Ende 22',- Utir CASINÖ-THEATER i.othrin/ Uhr Liebe auf den zweiten Blick üirektion >r. Robert Kieli Ceuisehts KfiBSder-Theal. Barbarossa 3937 PU Uhr ja«, zwe'. dei" von Franz Molna' mit Hai PaUenbaig. Vortijr; Souper M\m Tüealer Dönhoff 170 TigllCh>/« Uhi Die Strafie uitilbertBaaeraiani Regie .letnz Hilper' Deatidies Theater 0.1. Norden 12310 Tägl. PU Uhr Oer Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Rege Max Relnbardi Kammerspiele D.I. Norden 12310 8 Uhr Der Kandidat von Carl Sternhelm Rigli: Bui Usrick. Die Komödie )1 Blsmck.2414/7SI6 8>/> Uhr Victoria von S. Maugham. Regie. Max Reinhardt Musik: Mlscha Spoliansky Operettenhans Alte jakobstr..'0/32 (Zentral•Theater) Täglich Vi Uhi Der Soldat der Hlarle Metropol-Th. «Vi Uhr Das Land des Läebelns Vera Schwan, Richard Tauber Musik von Franz Lehär äanowsky- Söhnen rhaatar m dar <4alggritzar Straße Täglich SV, Uhr Proiessor Bernnardi von»rtur bgla; Vidtr KemSdlanhaus Täglich 8«/i Uhr Der LOgner und d e nenne von Cur! BttZ föealer o. Wesiens Täglich 8V* Uhr: Hotel Stadl Lemberg Musik von Gilbert Klihe Dorada Leo Schützcndorl Lessing-Tlieater Norden 10846 Täglich 8 Uhr Anare oreytus von Rehfiseh und Herzot Verkäufe Planetaiiam m— mm Zoo—■ üoliij Joitila.llii a-tnl B. 5. Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr via» poUlir-Au-siellu f IQblSlTriaUhr Oer Abendhimmel 20V, Uhr Sternheulen u. kosmlaehe Nabel. !S tn der Geaamtoufloge de«.VorwÄrta* sind besondere wirktet «ad trotxdefn sehr billig) AB 1.FEBRUAR • TÄGLICH 8 UHR» SONNABEND SONNTAG. AUCH NACHMiTTAGS 3 UHR BEI BESONDER. VERGÜNSTIG. 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Lu-ckiilb-r. 3 i Ibertckm.i,« Soij. fd-rnelucrei Ehristion-I.«ooenider. ftraüe 89 l Haltestelle Abalbertltrane» Verschiedenes tnoUSduli HastoMli 10S 14 H fl | Ü-Eaha Bunannalib . BocKbl____