MorgeuausgaVe Nr. 71_„, -�-�-47.Iahrgang SSöchenMch WPf� monaMch S.S0«. kn voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg.Pc.stzeitun?K- unfi 72 Pfg. Postbestellgebühnn. Auslands« abonnement 6.— M. pro Monat» D».DonvSrt»* erscheint wochentSg» iich zweimal. Sonntags und. Montags einmal, die Abendausaaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Deilagen.Volk und Zeit" und�kindersreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen« stimme"..Technik-.Blick in di« Bücherwelt" und.Iugend-Lorwärt»" Werttnes Sowsblatt Mitiwoch i.2. Februar 1930 Groß'Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezelta kv Pfennig. Retlame eile S.— Reichs« mark.„Kleine Anzeige»' das ettgo» druckte Won 2ö Pfennig(zulassig zwei settaedruckte Worte), jedes weitere Wart 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 16 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstabe» fahlen für zwei Worte. Arbeitsma:ki Z-Ue 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHoupt- «ejchäjt Lindenstraße 8, wochentäglich von SVs bis 17 Uhr. JönSvawsssn der GozialdemsSvaMchen paetei Deui5chlch edssprvch im nieberfchiesischen Bergbau. Die Bergarbeiterverbäizde hatten den Tarifvertrag vom Oktober 1923 zum Ablaufstermin gekündigt und eine Lohnerhöhung um 10 Proz. gefordert. Schlichtungsverhandlungen unter dem Borsitz des Gewerberots Dr. Kramer-Breslau führten zu einem Schieds- spruch, der das bisherige Lohnabkommen für das meferschlesische Bergbaurevier bis zum 1. Oktober 1930 verlängen Nur der Hauer- Minfestlohn würfe um S Proz. erhöht. Die Erklärungssrist lief bis zum 5. Februar. Der Derein für die bergbaulichen Interessen Niederschlestens hat den Schiedsspruch angenommen und dessen Berbindlichkeitserklärung beantragt. Abbau und kein Ende. Di« Gutehoffnungshütt« Oberhausen entläßt ISO Arbeite? der Eijenhütte. Ebenso hat si« in ihren Grubenbetrieben 270 Berg. erbeitern gekündigt. Die Gewerkschaft„Friedrich der Große" in Herne beabsichtigt, zum 31. März 500 Arbeiter und 10 Beamte zu« n t l a s s« n. Sie will inehrere veraltet« Schächte und 70 alte Koksöfen stillegen. Das Polnische Eijenhüttensyndikat hat dem Demobilmaehungs- kommissar mitgeteilt, daß es beschlossen habe, monatlich di« Belegschaft der Ersenhütten um fünf Prozent zu verringern� sofern sich die Konjunktur in den Eisenhütten nicht bessere. In Frage kommen monatlich etwa 1000 bis 1600 Personen. Mit den Entlassungen soll nächsten Monat begonnen werden. t i»Nlttckk Zad-fteie-Mert« Sranben. ssralttonslitvina Donner-Ia«. H»Vi U5r, bei Laoa. Erscheinen aller venoslln ist Pflicht! f- Der FraUwaa-erstand. SPD..Bekleid>nwarteIteet �eoftieneoerfommT'.tttfl fstr die Mit. M alirder dcr Tsziatdemolratischen Par'ei fsreita«. 1» Udr, in d?n Resid-n». D sscftsäitn. Landsberaer Etr. 3. Taaesordnuna: l. Otciamfafonsftacicn. ra 2. Berschicdene«. Erscheine» Pflicht. Partei» und Pcrdandsbuch dienen kM atz Ausweis. Der Zraktiaasoorltand. E5 tl frrdg Gewerkschafts«Iuaend Berlin beute, Mittwoch. tZiz Jlür, tagen die Gruvvene Baumschnlenweg: Iugentchclm Ernftstr. IS. Portraaefortsetzung:„Verficherunflswesen".— Siordnuq! Zugenddeim Schule?snncnt>urger Str. SV. Llchtdilderoor- trag:„Die Ziordringcr Bliiten im Lichtbild".— Schkuliouser lot; guo-nddeim Seflde.i ict Str. 24-25 Lichtbilderrortra«:.Boralbe?« in Wort und Bild".— Weißensee, E/ruvr-ei.deim Weikensee, Parkstr 36. Bortraq:„Das Beniisouf- Urdunpcatfet,".— KeulöN-: Sruxsend-im Bergftr 20. xof. Vortrag!.Dt« nrau in der E-e we rtschg f;:-dva knung"._ bilden Sstdrocfteii: Et«! dt. Jugend- beim?>or»i!d- _ brunnncB; Auqrndheim Trihstr 10, part. Scholl pMrten oo rtrag:„Ar- oeiterdichtunq".— LchSnhaufe, Vorstadt: Jugendheim der Schule«astanirn» allce 3t. Ausspracheabend:.Mann und grau im lausmänneschen Berus— »-rbost: Zugendhe�m Dangigrr Sir. SU sBara»! SI. �°rtrag!.Proletorlsche fteste und ihre Bedeutung", äfesemü Kurt Lirche.— Lfon: SBpCTUchejm der Schu'l Lifai!« Str. 19. Vortrag:.Warum hin Ich M tglied Hart Kewert. fdMftl'«eferent Otto Lamm.— Strala ,: Jugendheim der i-chule Eonler- jlrus.e 61. Vortrag:.Moderne Bürotechnik", äieferent Nur. SJlcaec.— Scu- lölln: Sugtrhlieint Böhmische etr. 1—4, Eele st-n»er Ctraxe. Satiren und Nar'katuren." Vortragender O-wald MudraS.— Südsst: Iug-ndhe n, Arangel- ftrafie 128. Berufskundliche Arbeit-gemetnschait:-Tiwas Leer startei und Veg stralnrwesen". veiter Keora Leishrnnn.— ffon-d««: ttttfierdhelm Lind-n. nfet t. Aussvrachroberd:»Unsere Stellung zu R'.o in und?! Uo.!Ol". Leiter Werner Decker.— Potrdam.ZIowawe-: Zugendberberge m Ziowawis, Priester. straste. Singeabend. verantwortlich für TelWt Dr. Eurt«eyer: Wirtschaft««lingelhrferr Eeoerfschatlsbewcguna. Z. Sieiuer, Feuilleton: Dr. 331)« Sckitoweli: Leloles und Sonktipes lsri» starftädt: Anzeigen: Tb«lo.r: famtllch in Zerltn. Verlag: Vorwarts-Verlag lS. in d. L. Berlin Z ruck: Vora>L.-ts.Vuchdr>.ckere< und Lerlagsaufialt Paul Singer n. cr— Vi Lindenstraste ä. fiittj» z Beilage» a-d �l-terhaltu-g an» Lchc»". Ar. 71* 47. Lahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 12. Februar 1930 Lloyddampfer verbrannt. Die„München" im Aew-�orker Hafen nach starken Explosionen gesunken. NewBork.ll. Februar. A» Bord des Lloyddampfers ,.M Loche»" brach, kurz nachdem er an seine« Pier augelegt hatte, ein Brand auS. Es folgten mehrere Explosionen, die den Tampjer erschütterten und die mit den Löscharbelte» beschäftigte» Feuerwehrleute z« Boden warfen.&urz darauf ist der Dampfer an seinem Pier gesunken. Tas Feuer auf dem Lloyddampfer..München" brach im Laderaum fünf und sechs, vermutlich in einem Stapel Schellack, ans. das eine» Teil der Ladung bildete. L&t Fahrgäste der„München", die etwa um neu« Uhr vormittags an der Landungsbrilcke am Hudson-Fluß eingetroffen waren, hatte» das Schiff bereits vor Eintritt der Explosionen verlassen. Zahlreiche Fahrgäste weilte« Wege» der Zollabfertigung noch an der Landnngsstelle, sie mußten sie schleunigst verlassen, da die Flammen nach den Explosionen sich mit erschreckender Schnellig- k e i t ausdehnten. Auch die Schiffsmannschaft begab sich unverzüglich an Land. Kurz darauf ging die..München" unter. Der im New-Aorker.Hafen gesunkene Lloyddampier„München" ist eines der»eueren Schiffe des Norddeutschen Lloyd. Die „München' ist erst vor ungefähr sechs Iahren als Schlvesterschiff her„Stuttgart" in Dienst gestellt worden. � Sie gehört zur so- genannten Stadt eklossc und ist 13 300 Tonnen groß. MTB. bringt ein« Bestätigung des Norddeutschen Lloyd aus Bremen, daß sämtlich« Passagiere der.München' das Schiff bereits verlassen hatten, als das Unglück im NewHorker Hafen geschah. Drei Personen wurden durch die Explosion an Bord der „München' in die Luft geschleudert, von ihnen ist eiue erlrunken. Di« beiden anderen werden vermißt. Unter den Vermißten befindet sich muh«in Mitglied der Besatzung. Zwei Stunden nach. dem das Schiff gesunken war, waren Explosionen, die in seinem ünnerv mtter Wasser erfolgten, noch deutlich zu hören. Nach Ansicht der Feuerwehr dürste der Brand aus Selb fix iiizü ndung der in der Ladung besindiichen Kalisäcke zurückzuführen sein. Die Dockarbeiter hatten 201 Säcke Kali ausgeladen, als der Brand entdeckt wurde. Bei dem Brands des Lloyddampsers„München' wurde außer der Stewardeß Jofcphine G e h r l e der 19jährige Seemann Karl S i e o e k e aus Bremerhaven verletzt. Sieveke war durch den Rauch betäubt worden, als er mit anderen Mitgliedern der Be- satzung vor Ankunft den Brand zu löschen versuchte. Weiter erlitt eine Verletzung ein Feuerwehrhauptmann, der mit dem ersten Lösch. zilg eintraf und durch die erste Explosion zu Aoden geschleudert wurde, wobei er sich die Schulter verrenkte. Drei weitere Feuer- wehrleutc wurden erheblich verletzt. Sie wurden bei der ersten Explosion vom Deck der.München" ins Wasser geschleudert. Im ganzen winden fünf Verletzte ins Krankenhaus gebracht. An den Löscharbeiten beteiligten sich auch mehrere Feuerlöschboote. Durch die Explosionen wurden die Schiffsplatten auseinander- gerissen. An der Stcuerbordfeite und im Schiffsboden klafften große Löcher Die Polizeibehörden haben die Einstellung des ge- samten Untergrundbahnvcrkehrs durch den von der oberen Stadt nach Jersey City führenden Hudsontunnels angeordnet, da die gesunken«.München' direkt über dem Tunnel liegt und weitere Explosionen befürchtet werden, die die Tunnelwänd« be- schädigen köimten. Der Pier, an dem die„München" anlegte, liegt im unteren Teil« des Stadtteiles Manhattan. Der Brand des Lloyd-Dampfevs„München" erinnert an die große Pier- und Schiffsbrandkatastrophe im Hafen mm Hlckoken- New Park an, 30. Juni 1900. Damals ging das Feuer von einem der Piers aus. an denen die Lloyddampfer„Main".„Saale". „Bremen" und„Kaiser Wilhelm der Große" lagen, die bis auf den letztgenannten Dampfer ein Raub der Flammen wurden. Hunderte von Personen, neben vielen Besuchern der Schiff«, auch 163 Mann der Besatzung der drei erstgenannten Lloyddampfer, kamen damals in den Flammen um. Autobusunglück am Wedding. Zu ein Schaufenster gefahren.—-14 Personen verletzt. Gestern nachmittag ereignete sich ans dem Wedding ein außerordentlich schweres Autobnsunglnck. El» Wage» der Linie 24 geriet auf de« Büygenteig vjzp jMhr mit großer Wvcht in das Schaufenster eines Tdpwk- lnkals hinein. 14 Personen wurden dabei mehr oder Minder schwer verletzt., Zu dem Unglück, bei dem es geradezu als ein Wunder bezeichnet »erden muß. daß der Autobus nicht umstürzte, werden folgende Einzelheiten bekannt: Pom Wcddingplatz kommend näherte sich kurz vor 16 Uhr der Haltestelle am Courbierplatz ein Autobus der Linie 24. Kurz hinter der Eifenbahnüberfichrung der Ringbahn am Bahnhof Wedding geriet plötzlich ein Radfahrer in die Fahrbahn des Autobus. Der Führer konnte aus dem schlüpsrlgen Fahr dämm nlch« mehr rechtzeitig bremsen und um den RMahrer aichl zu über- fahren, riß er da, Steuer scharf noch links herum. Der Autobus kam dabei ins Rutschen, geriet aus die andere Straßenseite und fuhr mit noch starker Geschwindigkeit auf den Bürgersteig. Auch hier gelang es dem Autobusführer noch nicht, das Fahrzeug zum Stehen zu bring«,. Unter großem Getöse raste der schwere Wagen ist dfess Schanfensitztscheibe de» Srhonflofchs von Eckart in der Müllerstxaße 16S huwmt das H�achep der- fpMernden Fenster- scheiden/, xnischten sich Äe.Hrlsernfe und Schmerzens- schreie der verletzten Fahrgäste.— Di« Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt erschienen nach Bekanntwerden des Unglücks sofort mit mehreren Fahrzeugen an der Unfallstelle, die inzwischen von Schutzpolizei in weitem Umfange abgesperrt worden war. Ein Teil der Verletzten wurde von Samaritern der Feuerwehr an Ort und Stelle verbunden. Die Mehrzahl der Verunglückten hatte stark blutende Schnittoerletzungen und Quetschungen erliUen. Unter den Verletzten befanden sich außer dem' Autobuschauffeur und dessen Mitfahrer noch der Autobusschaffner. der vom Wagen geschleudert wurde. Auch der Gastwirt Adolf Eckart, der im Augenblick des Unglücks hinter seinem Ladentisch stand, wurde nicht unerheblich verletzt. Mehrere der Verunglückten wurden ins DirchowKranken- haus gebracht. Noch Anlegung von Notverbänden konnten sie jedoch sämtlich bis auf eine Frau Melitta Schmidt aus der Sprengel- stroße 14 in ihre Wohnungen entlassen werden. Der schwerbeschädigte Autobus mußte von der Feuerwehr aus dem Schaufenster gezogen und durch einen Hilfswagen der BVG abgeschleppt werden. Der Radfahrer, der das Unglück verschuldet haben soll und der glücklicherweise gleichfalls mit leichten Verletzun- gen davongekommen ist, wurde festgestellt. » Auf tragische Weise kam gestern nachmittag der S4iA)rige Hilfs- schaffner Gotthels B a r n i tz k« aus der Bozhagener Str. 123 ums Leben B. fuhr als Begleiter eines Güterzuges mit. Aus noch ungeklärter Ursache stürzte er zwischen der Hohenlohestroße und Bahnhof Warschauer Straße von einem Waggon und wurde über- fahren. Die Räder gingen so unglücklich über den Eisenbahner hinweg, daß der Tod aus der Stelle eintrat. LOO Todesopfer der Flammen. Brandkatastrophe im amerikanischen Armenhaus. New Bork. 11. Februar. I« Brockton im Staate Massachusetts er- eignete sich heute eine schwere Brandkatastrophe. I» einem Armenhaus brach ans«och nicht aufgeklärter Ursache ei« Brand aus. der sich mit rasender Schuellig- keit ausbreitete. Es gelaug nicht, alle Insasse« des Armenhauses zu rette«. Man glaubt, daß etwa 10 0 Personen in de« Flamme« umgekommen sind. Sämtliche Feuerwehre« ans der Umgebung sind an der Unglücksftätte erschienen. Touristen in Lebensgefahr! Schneestürme und Wintergewitter in Spanien. Madrid. 11. Februar. In ganz Spanien ist reichlich Schnee gefallen. Durch starke Schneeoerwehungen wurden viele Eisenbahnlinien unter- brachen. Auf allen anderen Strecken erlitten die Züge große Der- fpätungen. In der Gegend von Barcelona sind in den letzte» 24 Stunden mehrere Wmtergewitter niedergegangen. Der Blitz hat mehrmals eingeschlagen.� Eine Anzahl Häuser sind eingestürzt. Der Sachschaden ist bedeutend. Bei Mölln In der Sierra Rewada sind 130 Mulersparkler vom Schnee eingeschlossen. Ihre Lage wird immer kritischer, da die Lebensmittel fast aufgezehrt sind HUfozüge sind bereits unterwegs. Man hofft, daß der Ort erreicht werden kann, wo die Touristen abgeschnitten sind. 109414000 Fahrgäste der BVG. im Januar. Im Monat Januar wurden auf den Verkehrsmitteln der BVG insgesamt 109 414 000 Fahrgäste befördert. Davon entfielen aus die Straßenbahn 65 196000, auf den Omnibus 21.832090 tchh auf die ü n t« r g rund b ä h n 22 3Sä'000 Perfoneiü Iff dem- gleichen Monat des Vürsahrxs..wurden 118 402 000 Fahrgäste ht» fördert. Der Rückgang ist sowohl auf die Tanserhöhuug Äs auch aus das überaus günstige Weller im Januar dieses Jahres zurückzuführen. Oskar fjelmauns Heimgang. Mehrere hundert Perfönlichtetten der Berliner Wirtschaft und des öffentlichen Lebens hatten sich in der allen Hall« des Weißenfeer Friedhofs versammelt, um Oskar H e i m a n n das letzte Geleit zu geben. Am Sarge sprach Stadtrat Czemiaski als Vertreter des Magistrats und der Aus- stellungs. mrd Messegesellschaft. Der Verstorbene sei nickit nur ein „Pionier" gewesen, er war der Schöpfer jener Werbung für Berlin, die im Rahmen des Messeamts seit einem Jahrfünft mit Erfolg be- trieben wird. Oskar Heimann, der Mitbegründer und Gesellschafter der Messegc-sellschast, war dieser Körperschaft auch immer der treueste und selbstloseste Mitarbeiter gewesen. jUiUM* yi%e&ecd& Es war vier Uhr, und er brachte es fertig, noch bis sechs zu schlafen,' dann stand er auf und fand den üblichen Sonn- tagmorgenlärm in vollem Gang. Selbst zu dieser frühen Stunde wurde in Mirandas Haus schon gefeiert. Fahnen hingen aus den Fenstern heraus, und überall waren Pflanzen und Blumen. Bei Tag batte Dona Estella das Feuerwerk abbestellt, aber eine Musikkapelle spielte berells am Hauseingang. Miranda und feine Familie waren früh aufgestanden: ganz in Weiß, mit diamantenen Knöpfen im Hemd, erschien er olle paar Minuten am Fenster, um die jubelnden Zurufe der Bevölkerung zu quittieren. In solchen Augenblicken hingen feine Frau und seine Tochter an feinem Arm. Sonst tupfte er sich die Stirn ab, zündete sich etliche Zigarren an und lief mit verbindlichem Lächeln hin und her. Ioao Romao beobachtete dies mit bitterem Herzen. Das wundervolle Traumgebäude, das er errichtet hatte, drohte über seinem Kopf zusammenzustürzen. Zweifel und Skrupel befielen ihn. Würde er wirklich glücklich sein, wenn er seine Lebensweise änderte? Was war wohl letzten Endes besser: weiter zu leben wie bisher, in feinem Hemd und seinen„To- mancos" und sich jede Bequemlichkeit zu mißgönnen, oder Mirandas Beispiel zu folgen und die Güter der Welt zu ge- nieß-n� Konnte er sich denn überhaupt zu solchen Höhen er- heben wie Miranda— konnte er ein Gentleman sein, selbst wenn er es versuchte? An Geld fehlt» es nicht— das hatte er zur G»nüge. aber wäre er überhaupt imstande, es aus- zugeben wie Miranda? Könnte er sich zum Beispiel dazu bringen, mehrere tausend Milreis in einen kleinen Orden für feinen Rock umzutauschen? Und konnte er seine Selbstsucht soweit überwinden, um seinen Reichtum mit einer Frau und einer Familie zu testen? Wäre er. nachdem er sich jahrelang eingeschränkt hatte, überhaupt fähig, eine Me-.ge Gäste zu prächtigen Bankellen einzuladen und ihnen erlesene Sveilen und kostbare Weine vorzusetzen? Und wenn er selbst sich so weit überwinden konnte, all dos zu tun. ohne all,,„sehr darunter zu leiden, wäre er denn dann imstande, seine Rollrichtig zu spielen? Brauchte er. mll einem Worte, nur zu wollen, oder war er ein für allemal gesellschaftlich unmöglich? Konnte er noch lernen, seine Lebensweise zu ändern. eine gebildete kultivierte Frau heiraten, sich ein Haus ein- richten wie Miranda, und einen Titel führen, ohne Gegenstand allgemeinen Gelächters zu fein? Wie würde sich ein Körper, der nie einen Rock gekannt hatte, im Frack bewegen? Und wie sollte man diese Füße mll den gespreizten Zehen, denen ein richtiger Stiesel noch Neu- land war. in einen Tanzschuh zwängen? Und diese fürchter- lichen steifen, schwieligen, ungepflegten Hände, würden die jemals in einen Handschuh passen? Das war jedoch nicht alles. Am schlimmsten würde es fein, wenn er zu sprechen hätte. Was würde er sagen, wenn es zum Empfang der Gäste kam— würde es genügen, ihnen etwas zu trinken anzubieten? Und die Damen— großer Gott! Er sing an zu schwitzen, als er sich ausmalt«, wie er in irgendeinem Salon stand mit> mll einer angeregten Schar vornehmer Damen Konversation machen mußte. Würde er sich nicht vielleicht vergessen und Dinge sagen, über die er erröten müßte? Eine tiefe Depression senkte sich auf feine Seele. Er wollte springen, halle aber Angst, sich die Knochen zu brechen. Mangelndes Selbstvertrauen steigerte sich zu schwarzer Per- zweiflung. Er kam zu der traurigen Ueberzeugung. daß er zu nichts nutze war als zum Geldverdienen, und zu seiner Verwunderung fing er an, sich darüber klarzuwerden, daß Geld nicht alles ist. Ich bin ein Narr gewesen, dachte er voll Billerkcll. ein hoffnungsloser Narr. Als ich jünger war und alles hätte lernen können, Hab' ich es nicht getan: warum Hab' ich nicht zugesehen, wie andere Menschen leben und handeln? Warum bin ich nicht wenigstens in einen Karneoalklub eingetreten und habe tanzen gelernt? Warum bin ich niemals am Nach- mittag durch die Rua Ouoidor gegangen, warum habe ich niemals Gesellschaften besucht und mich daran gewöhnt, mll den Leuten zu reden? Warum habe ich nie anständige Kleider und gutsitzende Schuhe getragen und gelernt, mll einem Stock, einem Taschentuch, einem Hut, einer Zigarre, einem Glas Bier umzugehen— all die Dinge zu tun. die andere Leute zu können scheinen, ohne es jemals gelernt zu haben? Verdammte Sparsamke't! Gewiß, wenn ich Geld ausgegeben hätte, hätte ich jetzt nicht ganz soviel wie ich habe. Aber ich hätte wenigstens gc- lernt, mll Geld etwas anzufangen— ich wäre heute ein zivstisierter Mensch. „Es ist ja beinah so. als wenn Sie mll Geistern sprechen. Herr Joao", wagte Bertoleza ihn anzusprechen, als sie merkte. wie er vor sich hinmurmelte und mll seinen Gedanken nicht bei der Arbeit war. Laß mich in Ruh. Quäl' du mich nicht auch noch. Ich fühl' mich heute nicht wohl." „Ich hab's nur so gesagt— hab's nicht bös gemeint." „Schon gut. ist schon erledigt." Den ganzen Tag über war er schlechter Laune. Er schien mit jedem Strell anfangen zu wollen. Bei Machona fing es an: deren Katze hatte nämlich in der vorigen Woche etwas gebratenen Fisch gestohlen. Dann blieb er vor den leeren Wannen stehen und suchte voller Wut irgendeinen Grund zur Explosion. Brüllend verjagte er die Kinder von semem Weg.„Steht nicht überall rum, ihr Lauselümmels! Noch nie Hab' ich erlebt, daß solche Dinqer stehenbleiben und einem de» Weg versperren, wie lauter Ratten." Das nächste Opfer war der alle Liborio.„Du bist auch immer auf den Beinen, du leerer aller Balg. Was zum Teufel lungerst du denn hier herum?" Eine Sekunde später schrie er einen seiner Mieter an. einen Schneider, der zwei Hähne besaß, die er vor einem Kreil« begeisterter Zuschauer kämvfen ließ. Dann bekamen's die Italiener, die vor der Haustüre saßen, ihre Sonntagsruhe genossen und die Schalen der Orangen und Melonen. die sie verzehrten, auf den Boden warfen. „Das muß. hier reingemacht werden!" brüllte er.„Das sieht ja schlimmer aus wie im Schweinestall. Wir kriegen noch Gelbes Fieber ins Haus durch euern Dreck, ihr ver- dämmten Ausländer! Macht das schleunigst sauber, oder ich schmeiß euch raus Ich b'n hier der Herr im Hau'e." Da die arme alle Marcianna nicht se'nen Befehlen ge- maß ausge�oqen war. artete feine Wut in Raserei aus. Seit Florinbas Flucht hatte die alle Seele kaum etwas anderes getan als gewe'nt und mit der Beharrlichkeit einer Irren unverständliche Monologe gemurmelt. Nachts halle sie kein Auqe zugetan Zwanziginal mindestens war sie verzweifelt auf den Hof hinuntergelaufen. Sie war zerstreut und gab keine Antwort auf die Fragen, d'e man an sie richtete. Joao Romao blieb stehen und sprach sie an, aber sie beachtete ihn nicht. Der Hauswirt, der immer mehr außer sich geriet, rannte auf die Straße und holte zwei Männer, denen er befahl, die Alle auszuquartieren.(Fortsetzung folgt.) Schiebungen auf dem Zollamt. Die beiden Täter zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das Schöffengerichk Berlia-Mlkie verurieilie dl- Expedien'en Gerhard hack bort und Waller von So. m o r o w s k i, die ein« grobe Speditionsfirma und ein be- kaunles Seidenwarenhaus durch betrügerische Manipulationen ans dem Zollamt packhos um SO COO Mark schädigten, zu zehn bzw. acht Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Auiersuchnngshost. Beide Angeklagten erhielten, da sie bis- her unbestraft und geständig waren, für den Rest der Strafe Bewährnngssrist zugebilligt. Heber die Riesenschiebungen aus dem Zollamt Pack h os fand die Hauptoerhandlung unter Lorsitz des aus dem Larmat-Prozeh bekannten Landgerichtsdirektors N« u m a n n stmt. Für Hackbart hatte der Aerteidiger die Ladung zahlreicher Zeugen und des<3«- richtsarztes als Sachverständigen mit der'Begründung beantragt. daß Hackbart wegen einer lebensgefährlichen Lungentrantheit es für seine Pflicht gehalten hat, für die wirtschaftliche Sicherstellung seiner alleinstehenden Braut zu sorgen und bei den Zuständen auf dem Zollamt der Versuchung unterlegen sei. Den Heiden Angeklagten wurd« Betrug, schwere Urkundenfälschung und Unterschlagung zur Last gelegt. Sle haben zollpflichtlg« EiHer nach niedrigeren Zolltarifen eingeführt, von den deutschen Empfängern durch Borlegen gesälschter Papiere die Höchstsätze einkassiert und die zu viel er- hobenen Gelder für sich verwandt. Außerdem haben die Angeklagten«in Seidenhaus, da» auf dem Zollamt«in laufendes Konto hatte, über das am Lahresende abgerechnet wurde, mit Zöllen und Spei«n belastet, während die Waren in Wirklichteil an a n d« r e Firmen geliefert wurden, von denen sie die G-ldbelräge einzogen und unter sich teilten. Während Komorowskl. der ohne Aerteidigung erschien, die Fälschung von amtlichen Urkunden bestritt und nur die Schädigung de» Seidenhauses um 30 000 Mark zugab, war Hackbart geständig, ein« Speditionsfirma um«twa 60 000 Mark betrogen zu habeir. Er gab zu, amtliche Zollformulare gefälscht und mit Stempel ver- sehen zu haben. 9-17 Verbrecher verhastei. Das Ergebnis einer Großrazzia in Ehttago. Jl«m gork, II, Aebniar. Ple Polizei osranstaltete in Ehikago eine Riesearazzia durch dle Lnlerwelt und hob viele SchUpswiakel der Verbrecher auf. 617 Personen wurden verhosket. darunler 275 be- kannte vorbestraske Verbrecher, dle alle Vossen bei sich lrugen. Pix Behörden sind entschlossen, den Samps durchzuführen. bi» die Schreckenshxrrschast der Banditen in Ehikago gebrochen isi. Die Jähret de» Mordgesindels kannten«»dir vorläufig»och nicht Befaßt werden. 2ltn Sonnfafl wurden wieder zwei Anlofahrer am hellen Tage von?ier Reger» erschossen, die in ihre« Auto entkommen konnten. 3n dk« letzten a«hl Tagen sind in Ehikago zehn Morde verübt worden. Sechs Prozesse gegen„Noie Kahne". Lnierfuchungsrichier als Zeuge üdtr die Domöeaaffare. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte untvr Vor- sitz von Landesgerichtedirektor Rücker finden am heutigen Mitt- wsch nicht weniger als sechs Strafprozesse gegen den Re- dakteur Firl von der„Roten Fahne" wegen öffentlicher Be- leidigung statt. Zwei Anklagen lauten aus Beleidigung der Reichswehr und eine briste auf Beleidigung de» Poli- tzeipräsidenten Zörgiebel. Dn der„Roten Fahne" war behauptet worden, daß die Reich?- wehr mit den Bombcnattentätern in Berbindung gestanden habe, und weiter war behauptet worden, daß der Polizeipräsident und die Abteilung IX von dem bevorstehenden Pombengttentat auf den Reichstag Kenntnis gehabt hätten. Die Anklage wird von Staats- onwaltschafesrat Eichholtz vertreten, der quch Dszexnent in der Anklagebearbeitung gegen die Ppmbenattentäter ist. Das Gericht hat ouch�den Untersuchungsrichter der Bombenattentatsaffare. Land- gerichtödirektox M a s u r. als Zeuge geladen, der dem Gericht Aus. tunft über den Stand des Untersuchungsversahrens und die Ergcb- nifie der abgeschlossenen Ermittlungen geben wird. Zwei weitere An- klagen, die hinterher zur Verhandlung gelangen werden, betreffen Beleidigungen des früheren Stadtkämmerers K a r d i n g und der Stadträtin Wehl, denen in der„Roten Fahne" B e z i e h u n- gen zu den Sklareks nachgesagt worden waren, Schließlich ist auch noch Anklage wegen Aufforderung zum Widerstand anläßlich des verflossenen wilden Rohrlegerstreiks erhoben worden. Die Per- teibigung des Angeklagten führt Rechtsanwalt Dr. Apfel. pariser Journalislen bei Sarrafani. Der Direktor des äugen- blicklich auf dem Tempelhofer Felde gastierenden Zirkus S a r r a- f o n i, Herr Hans S t o s ch- Sarrafani, hafte etwa 15 Pariser Nournalisten nach Berlm eingeladen, die einer der Ausführungen beiwohnten. Nach Schluß der Vorstellung und einem Rundgang durch dt« Ställe blieben die Gäste zusammen mit Berliner Pressevertretern noch einige Stunden in der festlich geschmückten Arena beisammen. Hans Stosch-Sarrasani betonte in einer Ansprache. daß er es als seine vornehmste Aufgabe betrachte, durch die Pflege der internationalen Zirkuskunst zu seinem Teil mitzuarbei- t«n an der Annäherung der Völker oller Länder. Neben verschi«- denen französischen und deutschen Gästen gaben ein Siourhäuptling im Federschmuck, ein Tfcherkessenhctman,«in marokkanischer Scheich, Japaner und Chinesen ihren Wünschen nach endlicher Befriedung der Menschheit in d-n Sprachen ihrer Völker beredten Ausdruck- Jörns-Prozeß vor dem Ende Das Urteil ist für Donnerstag zu erwarten Die Verhandlung i m I or n«- P r o z e ß mürbe gestern sortgesetzi. Auf Antrag de« Nebenklägers wurden noch seine Straf, antrage in der Kriegsgerichtsoerhandlung gegen die Luxemburg. und Liebtnecht-Mörder verlesen, ebenso das Urteil des Kriegsgericht« und das Gutachten des Obermilitäranwalts. Dann erhielt Justizxat Dr. L ö w e n st e i n das Wort zu seinem Plädoyer. Er haste verhältnismäßig leichtes Spiel, da der formell angeklagte Bornstein ohne Verteidiger dasteht: Paul Lern wird ihm nicht mehr antworten. Löwenstein begann mit einigen Worten des Bedauerns üher das Ableben seines Gegners in diesem Prozeß. „So sehr ich aber bedaure, daß er nicht mehr in der Lage ist, hier die Sach« ZU vertreten, so fest bin ich überzeugt, daß sein Tod keinen Einfluß auf das Urteil haben wird. Die Tatsachen stehen fest." Dle Schuld des Angeklagten gegenüber dem Nebenkläger Zorns ist aber deshalb besonders groß, weil seine Vorwürfe gegen«inen Mann erhoben wurden, der während der Untersuchungsführung im Jahre 1910 bereits JSO Jahre all gewesen ist und sich nie irgend etwas hat zuschulden kommen lassen. Er wurde öfsentlich zum Verbrecher gestempelt. Und well er von seiner vollkommenen Unschuld übe«« zeugt war, hat er aus eigener Entschließung Strafantrag gestellt. Jörns hat hier unter seinem Eid» erklärt, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, niemand begünstigt und in keiner Wesse die Wahrheit verschleiert zu haben. Erklären Si« den Wahrheitsbeweis für geführt, so wäre das gleich. bedeutend mit der Behauptung, der Nebenkläger habe sich damals schwere verbrechen im Amte und jetzt in der Verhandlung des Meineides schuldig gemacht. Was hier vor sich gegangen ist, war nichts anderes als«in Indizienbeweis. Auf Grund toter Akten sind gegen den Nebenkläger die schwersten Vorwürfe«r- hoben worden. Ist einmal vor Jahr, zehnten der Ausspruch gemocht worden:„Gebt mir«in Wort von ihm, ich«erde den Mann an den Galgen bringen", so sind in diesem Falle Levi acht Bände Akten in dieHand gegeben worden, die zu einer Zeit zustand« gekommen sind, als man mit ganz anderen Maßstäben gemessen hat. Levl hat in diesen Akten nach Schätzen gegraben, hat die Regen- Würmer, dle er gesunden, als Schätze nach Haufe getragen und au- Ihnen Indizien gemacht. Es hätte«In Wunder sein müssen, wenn es ihm bei seinem Scharfsinn, bei seinem Fleiß und bei seiner Beredsamkeit nicht gelungen wäre, aus d«n acht Bänden einige? herauzzuklauben, was er als Indiz hinstellen tonnte, Unter diesen Umständen gibt es nur einen einzigen Weg, dl« wahren Absichten des Nebenklägers zu erkennen: sich auf f-ine eidliche Aussage zu stützen, Rechlsanmalt Dr. Löwenstein geht nun zur Erörterung der einzelnen Vorwürfe über, die gegen den Nebenkläger erhoben worden sind, Nach Dr. Lowenstein erhielt der Angellagte B o r n st« i n da» Wort zu seiner Aerteidtgunzsrede, Cr führt« unter anderem au»; Ich will mich nicht bei Einzelheiten aushallen: ich vertraue auf das Rechtsempfinden des Gerichts. Wenn aber gesagt wurde, der Artikel im„Tagebuch" sei au» Rache gegen den Rsichsanwall geschrieben worden, so muß daraus erwidert werden: Herr Jörns war nach Erledigung des Rosa-Luxemburg-Prozesses in di« Vergessenheit ver- funken. Als«r aber als Reichsanwalt in den Landesverratsprozessei, wieder auftauchte, schien seine Karriere unerträglich. Unerträglich für die pazifistischen Journalisten: unerträglich im Interesse der Justiz: unerträglich für di« höchste Justizbehörde. Aus diesem Empfinden heraus ist der Artikel gegen ihn veröffentlicht worden. Der Angeklagte Bornstein setzt sich nun in knappen Sätzen mit den einzelnen Borwürfen gegen Jörn, auseinander. Er hält ihm vor, daß er au? Motiven der Begünstigung der Verbrecher den Unter- suchungsrichter Kurzig verdrängt hat, daß sein« erste Handlung die Befreiung der inhaftierten Offiziere gewesen ist, wie er«s zwei Wochen lang nicht für nötig befunden hat, das Hotelpersonal zu befragen, es aber für möglich erachtet hat, an einem Tisch mit den Mördern zu essen. Wenn hier der Nebenkläger-- so fährt der An- geklagte sort— geltend macht, daß man jedem Richter bei einer Aktendurchficht ähnliche schwere Vorwürfe machen könne wi« Herrn Jörns, so muß demgegenüber gesagt werden: Nie hat«in Richter soviel Grund gehabt, sich vor einer Nachprüfung seiner Akten zu fürchten wi- Herr Jörns. In dieser Art ist er der einzige Nichter. Ich host«, daß Sie«in Urteil sprechen werden, da» dafür sorgt, daß er auch der einzig« Richter dieser Art bleibt. Keine Anträge des Staatsanwalts. Dos Wort erhält Oberstaatsanwalt K ö h l« r: Die Staats- anwaltschaft habe gegen das Urteil der ersten Instanz keine Bs- rufung«ingelegt: Damit habe ste ihre Stellungnahm« zu diesem Urteil in tatsächlicher wi« rechtlicher Beziehung zu erkennen gegeben. Die Berufungsverhandlung hat die Feststellung des«rst«n Urteils nicht zu erschüttern vermocht. Die Staatsanwaltschaft habe keine Veranlassung, irgendwelche Anträge zu stellen. Dies« wenigen Sätze de» Oberstaatsanwalts, die bei lautloser Stille der Anwesenden ge- sprachen worden waren, riefen Justizrat Dr Löwenstein zum zweiten Mal« auf den Plan. Er erklärte: Di« Rede des Ober- staatsanwalts habe bei ihm höchste Befremdung und tiefstes Bedauern hervorgerufen. Der Oberstaatsanwalt erklärt, daß seine Nicht- antragstellung nicht auf Grund von Anweisungen seiner vorgesetzten Behörde erfolgt sei und daß er diesen Borwurf, der fein« Vor. gesetzten träfe, auss schärfste zurückweisen müsse. Am Donnerstag folgt eine kurze Replik des Reichscmwakts Jörns. Dann erhält der Angeklagte das Ujste Wort: es ist nicht cmsge- schlössen, daß da» Urteil- bereit» am gleiche» Tage gefällt werden wird. Aie ZPolmei der ffiewiisbahn. WiimUfamirnnsporle in SEukunfi durch efgene SSeamie, Ein seltsamer M u n i tt o n s fu n d: der vor«inigen Tagen im Westen Berlins, in der Pariser Straß«, die Polizei befchäftigte, gab Anlaß zu verschiedenen Kombinationen. Es handelte sich um einen Posten Munition, der dem Bahnschutz derReichsbahn gehört« und von einem Uebungsplatz zum anderen gebracht werden sollte. Dieser Transport, der sich in einem Auto vollzog, war unver- ftändstcherweise einem Kaufmann übergeben worden, der di« Muni- tion nicht an einem Tage an'ihren Bestimmungsort bringen konnte und sie über Nacht in seiner Wohnung behielt. Beim Abladen fiel ein Paket auf die Straße und geriet so in di« Hände der Polizei. Im Anschluß an diesen Vorfall wurde die Frage erörtert, zu welchem Zweck di« Bahnpolizei der Munition bedarf. Die folgenden Fest- st« l l u n g e n über die zur Zeit bestehende Bahnpolizei der Deut- schen Reichsbahngesellichasl sind deshalb von Interesse. Die Deutsche Reichsbahn Hai ein Streckennetz von 54000 Kilometern. Sie hat nicht»»r ihre Anlagen und Vorratstojfe, sondern auch di« Reisenden und di« ihr anvertrauten Güter sicher zu befördern. Entsprechend seiner doppelten Aufgabe zerfällt der Sicherheitsdienst der Reichsixihn in zwei Teile, in den Streifendienst und den B a h n s ch u tz d i« n st. Der Streifen- dienst besteht aus rund 1600 Mann, die ständig mit dem Bahn- polizeidienst, der Diebftahlsbekämpfung und der Fest- stellung betriebs» und verkehrsdienftlicher Unregelmäßig- leiten beauftragt sind und in engsten, Einoernehmen mit der öffentlichen Polizei arbeiten. Nach einem Urteil des Reichsgerichts gilt es als grobe Fahrlässigkeit mit allen Folgen strengster Hastung. wenn z. B. ein Güterbahnhof der Neick/Sbahn nachts ohne jede Be- wachung gelassen wird. Der freiwillige Bahnschutzdienst muß nötigenfalls den Strxisdicnst unterstützen oder wird im Fall« ernsterer Gefahre» vom Generaldirektor der Reichsbahn Im Bc- nehmen n»t dem Reichsverkehrsminister, dem Reichsinnenminister und den Länderstellen einberufen. Dieser„B a h n schu tz" hat sich 1921 gebildet auf Grund eines Aufrufs des Reichsoerkehrsministers anläßlich der mitteldeutschen Unruhen, in denen zahlreich« Eingriff« in den Eisenbahndienst und Attentat« auf Eisenbahnen, Kunstbauten usw. vorkamen, die den Verlust von Menschenleben und großen Sachschaden mit sich brachten. Das Gerippe des Bahn- schütze- bilden die behelfsmäßig geschützten Bahnschutz- und Wieder- Herstellungszüge. Die Sicherheitskräfte müssen für di« Aufgaben des Polizeidienstes ausgebildet werden und mit der Waffe vertraut bleiben. Die Bahnpollzeikräfte sind mit handelsüblichen Pistolen und einer Anzahl Karabiner bewaffnet, von deren vorhanden- sein der Interalliierten Militärkontrollkommission seinerzeit ebenfalls Kenntnis gegeben worden ist. Jeder freiwillige Bahnschutzbedienstet« ist durch Unterschrift verpflichtet worden, den Schutz de» Reichsbahn, gcbiets„in Wahrung der Verfassung" durchzuführen. Politische Bestrebungen sind i m Bahnpolizeidienst aus- drücklich ausgeschlossen, irgendwelche Verbindung mit Wehr- verbänden oder airderen Berbänden wird, wie es heißt, nicht- g»- duldet. Der„Bahnfchutz" ist im Einvernehmen m i t f ä ni t- lichen Reichs- und Länderregierungen gegründet worden. Nach dem Gesetz üb«s Schußwaffen und Munition vom 12. April 1928 ist di« Deutsche Reichsbahn-Gefellschqft auch zum Halten von Waffen- und Munitionslagern berechtigt. Die Reichsbahn hat angeordnet, daß die Beforderungn von. Waffen und Munition nur noch durch«igen« Beamte vor- genommen werden darf,__ Glänzender Abschluß der„Grünen Woche". Die am Sonntag abgeschlossene„5 G r ü n e W o ch e B e r l i brachte den acht Hallen des Berliner Ausstellungsgeländes mit ü b e r 300000 Besuchern in nur neun Tagen einen.der größten Berliner Veranstaltungserfolge. Dieses Ergebnis, das durch einen von Tag zu Tag sich steigernden Besuch mit einem Abschlußsonn tao, der den vorangegangenen Rekordsonntag noch um mehrere tausend Besucher überbot, erzielt wurde, ist um so bedeutsamer, als di« bekannten schwierigen Verhältnisse in der L a n 0 w i r t s cha f t(die auch in diesem Jahre dm wesentlichsten Teil der Besuch«? stellte) alles andere als ein solches glänzeiides Resultat erwarten ließen. Da» volksbildungsaml Prenzlauer Berg veranstaliet am Don- nerstag. 13. Februar, im Saalbau Friedrichshain ein volkstümliches Konzert, ausgeführt durch das Philharmonische Orchester unter Leitung von Prof. Julius P r ü w e r. Der Kinderchor des Berliner Volkschor-, Dirigent Walter Hänef, brinat X-cenpeIIs-Gesä»oe und Ehore mit Begleitung des Orchesters. Eintrittspreis 75 Pi. für Mitglieder der kulturgemeind« SO Pf, Karten an der Abend'aifs. Beginn 8 Uhr abends. Ns-? gvoße Scblctgevl Mercedes-Benz Typ Stuttgart 200(Zwclltter) Innensieuerlitnusine Festpreis RM 5980.— ab Werk Besuchen Sie unsere Sonderschau vom IZ.Fcbruar bis 16. Februar 1930 in unseren Geschäftsräumen; Charlottcnburg. Sahsufer 2-3; Berlin, Unter den Linden 50-51, Spiitelmarkt 4-7; Rudolf Caracciola& Co. G. m b. H., Berlin, Budapester Straße 9, und bei unseren Vertretungen: A Wertheim Automobilgeselischatt m.b H, Berlin, Fiiedrich-Ebert-Straße 14; A. Hirte jr., Berlin, Markgrafenstraße 76 DAIMLER-BENZ AKTIENGESELLSCHAFT, Bcrlin-Charloticnburg 2, Salzufer 2-3 L'Ä'iü,' Telephonte mit Fischdampfern. Das große Pubiikum. verwöhnt durch die Errungenschaften d«S Rundfunks und ziemlich unbewußt da» Unterschied, zwischen Radis- telegraphie und Radiotelephonie, wird nicht sonderlich überrascht sein zu vernehmen, daß seit einigen Monaten jeder Telephon. abonnent in Deutschland mit fahrenden Schiffen in der Nordsee, die eine Radiofernsprechanloge an Bord haben, sprechen kann, richtig telephonieren im Gegensprechbetrieb vom fjausapparat aus, wie wir es bei jedem Femgespräch gewöhnt sind. �Telegraphieren kann man in der deutschen Handelsschiffohrt bekanntlich. schon seit drei Jahrzehnten.) Das Publikum wird also diese Tatsache kaum als Sensation aufnehmen. Sehr interessiert sein, ja erleichtert ausatmen werden aber die Kapitäne und Reeder jentr blemeren Schiffe, die aus Er« sparniegründen von der Verwendung eines Telegraphisten möglichst absehen wollen. Der Ersatz der Telegraph!« durch die Telephonie ist für die kleineren Reedereien, die Fischfang betreiben, auch aus anderen Gründen von Wichtigkeit. Di« Verbindung zwischen Kapi- tän und Reeder wird nun sehr viel lebhafter. Der Reeder erhält sofort Auskunft über die Größe des Fanges, über den Standort des Schiffes, die Wctteraussichten. Eisverhältnisse und dergleichen mehr. Umgekehrt kann er ohne Schwierigkeiten dem Kapitän Order geben, den Markt mit den gefangenen Fischen anzulaufen,. der im gegebenen Augenblick der aufnahmefähigst« ist und die günstigste Preistendenz zeigt. Außerdem können sich auf See fischende Damp- fer derselben Reederei funktelegraphisch auf besonders ergiebige Fanggründe aufmerksam machen bzw. das Befahren eines erschöpf- t»n Gebietes rechtzeitig verhindern.(Die Gespräche zwischen den Fischdampferreedern und seinem Kapitän werden natürlich in vorher vereinbarten Geheimausdrücken geführt, damit die Konkurrenz- reederei aus dem Gespräch nicht profitieren tonn. Im Dezember ISLS warm etwa 20 deutsche Rordseefischereifahrzeuge mit Funk- fernsprechgerät für dm Verkehr auf den Wellen 160 und ISO Meter ausgerüstet. Inzwischen dürft« sich dies« Zahl voraussichtlich auf etwa 30 erhöht haben. Zum größten Teil handelt es sich, wie gs- sagt, um chochseefischereischiffe, ober auch Feuerschiff«, Zollfahrzeuge, Seezeichendampfer. Lüstensahrzeuge und Seebödcrdampfer wurden installiert. Als deutsch« Gegenfunkstelle an Land dient die von der Deutschen R«ichsvost betriebene Küstenfunkstell« Cuxhaven, die erst kürz- lich mit modernen Sprechgerätm ausgerüstet worden ist. Die Durch« schnittsreichweit« her Bordtelephoniesender wird mit etwa 3 0 0 Kilometer über See angegeben, doch wird di«s« Reichweite in der Praxis vielfach weit übertroffen. So hat kürzlich die Ree- dsrei des Fischdampser».Kranz" über ein« einwandfrei« Perständi, gung mit dem Kapitän ihre, Fischdampf:r, über eine Entfernung von mehr gls 1200 Kilometer über See berichtet, wobei di« Laut. Übertragung so klar war. öl? ob e, sich um«in gewöhnliches Stadt- g«sprach gehandelt hohe. Auch von Berlin au« fanden gelungen« Funkferngespräche mit den gewöhnlichen Telephonapparaten von der Wohnung aus mit mehreren auf hoher S« befindlichen Fisch- dqmpser» statt, „Qchistreik� des Einzelhandels. Eine kvriose Protestaktion gegen die Tariferhöhungen. Der Bund der Handel»«nd Gewerbetreibenden « 35. sowie die ihm angeschlossenen 14 Verbände haben auf ihrer letzten Delegiertentagung eine n« u a r t i g« P r o t« st a k t i o n gegerTdür Erhöhung der städtischen Beleuchtungs-, Wasser- und Per- kehrstarif« beschlossen. Man ist einstimmig übereingekommen, m der Zeit vom IS. bi» 28. Februar die Beleuchtung der Schaufenster und Rekkameschilder nach Geschäst-schluh «inzustellen, jedoch soll die Notbeleuchtung von dieser Protest- maßnahm« verschont bleiben. Entsprechende Plakate an den Schau- senstem sollen das Publikum von der Protestaktion in Kenntnis setzen. Di« E i nz« lh o n de l« g« me i nsch aft Gr°ß-Berl>n hat gltichsall» beschlossen, ihren Mitgliedern die Unterstützung dieses Protestes zu empfehlen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich auch noch eine Reihe weiterer Geschäftsinhaber der Protestbewegung an- schließen werden. Dieselben Leute also, die als Geschäftsleute in den meisten Fällen sehr kluge Rechner sind, geraten plötzlich aus dem Häuschen, weil die Stadt. Berlin bei den Erhöhungen ihrer Tarife die Grundsätze eines klugen und vorsichtigen Kaufmanns beobachtet hat. Rur sollen diese Herrschaften nicht glauben, daß sie mit ihrem.Lichtstreif" bei den Behörden oder beim Publikum irgendwelchen Eindruck machen werden. Dunkle Schaufenster locken niemanden und den Vorteil werden die Firmen haben, die klug genug sind, den.Lichtstreik" nicht mitzumachen und ihre Fenster abends in dem Glanz erstrahlen zu lassen, der das Publikum anlockt. ltm die Deutsche Beamtenbank. Abwehr gegen die Erhöhung der Anteile. In der Angelegenheit der Bank für Deutsche Beamte hat sich ein Schutz verband der Genossen gebildet, dessen Ziel« und Bestrebungen daraus gerichtet sind, den Genossen durch Anfechtung der Vertreterbeschlüss«, der Haftes um inen« rhöhung von 50 auf 100 M. und der Anteilsekhöhung von 10 auf 80 M. zu einem tragbaren Vergleich zu verhelfen. Der Verband strebt weiterhin an, auch die Genostenoertretung und Aufsichtsratsmlt- glieder durch Männer ihres Vertrauen» zu ersetzen. Die Gründung dieses Verbände» wird für notwendig erklärt, da wider Erwarten von keinem bestehenden Verbände die Interessen der Genossen aus- reichend pertretan, sondern lediglich die Belange der Gläubiger ge- wahrt wurden. Da sich die Genossen darüber klar sind, daß nicht sie die Schuldigen an dem Zusammenbruch der Bank sind, fordern sie e-insn Ausgleich, der auch ihren Interessen gerecht wird. Meldungen zu dem Verband« werden jederzeit durch Herrn Ober- steuersekretär K> N st, Pankow. Clausthaler Str. 15(Finanzamt Scharnhorst) entgegengenommen. Die ersorderlichen gerichtlichen Schritt« sind bereits eingeleitet. 10. Sk-aMch-. Privalmllfiklehrerprüsung in Derstn.� Die nächst- staatlich« Priyanni und Berlin Tagen statt r~-.--. an das Prooin'ialschulkollegium in Berlin.? chterfelde. Zehlendorfer Straße ZZ. zu'richten. Gleichzeifig welsen wir daraus hin. daß ab 1. Avrll 1330 das Zeugnis über d'e staatliche MustklshrerprMung. tätlich» Anerkennung) an besonder» bewahrt« Muslllehrkraft« ohne Ablegung dieses Examens nicht mehr erteilt werden darf. Zahlen, die drohen und mahnen. Die Kriminalität in Preußen wächst. Klailstisch« Feststellungen, die in diese« Tage« der Oesfentlichkeik bekannt werden und die Entwicklung der Sri. minalität in Preußen für da» Jahr 1323 behandeln, geben ein erschreckendes Lild: Die lvesamtzlsfer der in Städten mit staatlicher Polizeiverwaltung und lo Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern verübte» schweren Delikte hat leider ein« steigende Tendenz zu verzelchnen. Einige Zahlen mögen sprechen: Die schweren Anschläge auf das menschliche Leben, wie Mord, Totschlag und Körperverletzung mit tödlichem Auegang stiegen von 330 im Jahr« 1928 auf 407 im Jahr« 1929. Auch die Fäll«, wo Raub oder räuberisch« Erpressung vorliegen, erfuhren«ine be« trächtlich« Vermehrung um 253, nämlich von 17S1 in 1328 auf 2034 in 1323. Die Zahl der Diebstähle ist. wie die kriminal- polizeilichen Uebersichten ergeben, im Verlauf« eines Jahres von 185 84? auf 204 670, das heißt also nahezu um 10 Prozent, gestiegen. Diese trockenen Ziffern geben zu denken. Hinter vielen schweren Verbrechen steht die Arbeitslosigkeit, die im Laufe des Jahres 1323 ständig gewachsen ist. Den Gründen dieses Zustande» nachzugehen, ist nicht Ziel dieser Betrachtung. Sie sind im..Vorwärts" oft genug beleuchtet worden. Aber däs eine muß gesagt werden: Ein erfolgreicher Kampf des reaktionären Bürgertums gegen die sozial« Fürsorge, gegen die Arbeits- losenverjicherung. gegen die Arbeiten der Wohlfahrtsämter würde diese furchtbar«, schon heute erschütternd« Ziffer der Kriminalität nur noch erhöhen. Gewiß wird niemand behaupten, daß die Unterftützungssätz« für Arbeltslose ausreichen, um— zumal als Familienvater— ein bescheidenen Ansprüchen genügende» Existenz- Minimum zu gewährleisten. Aber sie reichen au», um den Heber- gang ins Kriminelle, den Schritt in» Asoziale, zu»er- hüten. Schon Friedrich Schiller hat in seinem Wallenstein gesagt: „Etwas, mutz ex fem eigen nennen, sonst geht der Mensch stehlen und brennen." Eine besonder« Beleuchtung erhalten die kriminellen Dechält- nisie in Preußen durch die Steigerung der schweren SittlichkeilsdeNkte. Die Fäll« gewaltsamer Unzucht oder Notzucht haben vom Jahre 1324 ab, als 1513 Verbrechen dieser Art gezählt wurden, ein« dauernd steigend« Kurv« aufzuweisen, die mit 2433 in 1323 ihren Höchststand erreicht hat. Auch die unzüchtigen Hapd- lungen mit Kindern— und das ist besonders schmerzlich-w stiegen von 3141 im Jahre 1924 auf 8984 1929, also- um rund 27 Prozent im Lause von fünf Jahren. Die Statistik der Kriminalität führt diese Steigerung der Sittlichkeitsverbrechen auf die erschreckende Wohnungsnot und auf dt« starke Zunahm« de, Alkohol- g e n u s s e e zurück. Es ist gerade pie Sozialdemokratie. die diese Wohnungsnot mit allen Mitteln zu beheben sucht. Es ist ebenso die Sozialdemokratie, die im Kampf mit dem bürger- lichen Alkoholkopital die Bevölkerung, besonders die Jugend, vor den schweren Gefahren, die ihnen aus dem Alkoholgenuß drohen. warnt und immer wieder zu beschützen sucht. Da? wenige Erfreuliche an den Auffüllungen der Statistik ist. daß dank der unermüdlichen Tätigkeit der Kriminalpolizei im ganzen 67 Prozent aller begangenen verbrechen der genannten Arten restlos aufgeklärt werden konnten. Von der Gesamtzahl der 415 Mord« und Mordversuche waren in 265 Fällen die Täter, von denen sich 117 nach vollbrachter Tat durch Selbstmord. ei»«r weiteren Versolgung entzogen, von vornherein bekannt, da es sich in den meist«» Fällen um. Familien- tragödien, Eifersuchtstaten und ähnliches handelte. Bei weiteren 36 Morden und Mordversuchen konnte der Täter nach Durchführung einer kriminolpolizeilichen Nachforschung ergriffen werden. Interessant fft, daß die Zahl der Brandstiftungen gegen, über dem Jahre 1928, als der Höchststand von 2029 erreicht wurde, nicht zuletzt dank der Wachsamkeit der Kriminalpolizei und der Landjägereten, gesunken Ist. Die HSchflzahl der verbrechen liegt im Regierungsbezirk Düsseldorf. wo im Laufe des Jahres 1323 im ganzen 684 oder 22,2 Prozent der überhaupt in ganz Preutzen verübten Schwerperbrechen he- gangen wurden- An zweiter Stell« folgt der Regierungsbezirk Köln. Don den 32 Mordfällen. die 1329 in der Reichshaupfftadt Berlin zu verzeichnen waren, konnten 30 aufgeklärt werden. Di» angeführten Zahlen rsden«in« mahnend» und drohende Sprach«. Dies« Sprach« wendet sich gegen jene. Kreis», die durch einen Abbau der Fürsorgemaßnahmen, wenn auch unbeabsichtigt. ein noch größeres Steigen der furchtbaren Kurv« der.Kriminalität veranlassen würden. Vom Standpunkte der Kriwinalstatistik ist Sparsamkeit in bezug auf vorbeugend« sozial« Fürsorge ein» V e r» schwendung, die sich am Dolksganzen. rächt. Wieder 50 000-MarkkGewinn. Auf Nummer Zii 709 p«r preußenlotterie s»,-ge«- Nachdem schon am Montag b»t der Ziehung der tz. Klasse der 34. Preußisch, Süddeutschen Klasf«nlotter,e ein SOOOO-Maxk-Gewinn auf die Nummer 353 687 gefallen war, wurde am Dienstag ein gleicher Gewinn auf die N u m m e r 244 709 gezogen. Am. Montag hatten kleineLeutein Dessau und in A m.h-agktz in Bayern,-btt. der gefttigen.iZiehung die Berliner Glück. De«. Glücksnumtaer tmttd«.»iebet; ist Achteliosen gespielt, ein Zeichen, daß auch wieder wemg Degülerie gewonnen haben. DI« erst« Abteilung de» Lose» ist in Darmstadt und die zweit« Ab- teilung in Berlin ausgegeben worden.(Zahlenangaben ohne Gewähr.) parteiaussiieg in Pankow. Der Kreis Pankow der Sozialdemokratischen Partei Berlins hielt im Türkischen Zelt seine Jahresdeleglertenoersammlung ab. Der Krsisoorsitzende M ü h l m a n n erstattete den Bericht des Kreis- vorstände», aus dem festzustellen ist, daß die Mitgliederzahl im letzten Jahre um 25 Proz. g« st> e g e n ist. Ueberaus rege war das VersammlungslebeN- Allein 11 öffentliche und 22 Mitglieder« Versammlungen wurden abgehalten. In den Bezirken fanden 153 Zahlabende und 43 Frauenabende staff. Bei der Stadt- verordnetenwahl haben sich 18 000 Wähler zur Sozialdemo- kratie bekannt und damit ist die Sozialdemokratie die stärkste Partei im Bezirk. Der Kassierer Hengst gab den Kassenbericht. Der Vorsitzende der Bezirksoerordnetenfrartion, A m b e r g, gab m kurzen Ausführungen ein Bild von Vr Arbeit der Sozialdemokratie in der Kommune. Stadtrat Hiege berichtete in seiner Eigen- schaft als Mitglied der Pressetommission. Er konnte sesfftellen, daß auch im letzten Jahre die Werbung für den„Vorwärts" recht gute Erfolge gehabt hat. Die Frauenvertreterin Kubig sprach über die vorgenommenen Besichtigungen von Wohlsahrtseinrichtun- gen. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl des alten Kreisvorstandes. Und zwar wurde zum ersten Vorsitzenden Mühl- mann, zum zweiten Höwen, zu Kassierern Hengst und B a r t« l s und zu Schrififührern L o e s n e r und M e s e k gewählt- Ein« Resolution empsiehlt dem Bezirksvorstand, in Heiners- darf eine sechständig« Abteilung einzurichten. zu den Aufgaben seines Ministeriums zählt, mit dem Geld der Republik deren Feind« zu unterstützen. Es dürfte also noch Zeit sein, einer weiteren Verbreitung dies,» Kalenders wenigstens im „Nationalgesinnte" Aeitunge« gesucht. Bor uns liegt ein Werbehrief der VerlogsbuchhaMungen Johann Ambrosius Barth, Curt Kobitzsch, Leopold V o ß für den Kalender der deutschen Universitäten und technischen Hochschulen. Es heißt da:„Bon dem unter Mitwirkung der Ministerien der Bundesstaaten(wir kennen nur Länder. Die Red) zum 107. Mal« erscheinenden Kalender der deutschen Universitäten und technischen Hochschulen ist die Sommerausgabe 1930 in Vorbereitung. Dies« Ausgabe wird genaue Angaben über die Vorlesungen an allen deutsch«» Universitäten enthalten, ferner die Namen sämtlicher Dozenten mit Gedurtrdatum, näheres über die Immatrikulation. über die UnioerfitätHinstitute, über PerfonaloerSnderungen innerhalb des legten Semesters. Zu den ständigen Beziehern gehören Univer- sitäten, die Hochschulen und höheren Unterrichteanstalten(zum Teil auf amtlichem Wege) usw- Der Anzeigenteil bietet erfolgreiche Werbemöglichkeiten für u. a. n o ti o n a l g e s l n n t« Zeitungen." Wenn wir auch die Universüäten in ihrer übergroßen Zahl nicht in den Verdacht republikanischer Gesinnung bringen wollen, fo glauben wir doch, daß der neue' preußische Suüusmintftar es nicht Bereich des preußischen Staate» und auf dem Dienstweg« Einhalt zu gebieten. Der kleine Garten der großen Stadt. Leberecht Mi.gge behandelt« im Architekten- und Ingenieur« verein das schon oft besprochene Problrnrdes Garten» irrrmDicrrnrrr Städtebau. Gegenüber den'Gwßgärten und den privaten und öffentlichen Großpark» der Vergangenheit, diel kein Aerhältni» zum Volksganzen besaßen, hat sich au» den Bedürfnissen dir neuen Zelt der kleine Garten durchgesetzt. Wir finden ihn nicht nur im Laubenpachtgarten, auch�die Hausgärten der vieien Siedlungen, die Gartenhöfe, Schul-, Spiel-, Sport- und Dachgärten zählen dazu. Allein Groß-Berlin besitzt rund 500 Hektar dieser hier benanmen Anlagen, also fast das Dreifache der Fläche des gesamten öffentlichen Portgrüns. In ganz Deutschland handelt es sich bereirs um etwa 2 Millionen Gärten, die' auf mehr als 50 000 Hektar sehr wertvollem Stadtboden etwa 10 Millionen echte Kartenstädter beheimaten. Der Redner schätzt den jährlichen Umsatz dieser Gartenmassen an die 100 Millionen Mark. Ihm ist es vor allem bei diesen Zahlende- griffen darum zu tun, aufs eindringlichst« den modernen Städte- bauer. also vor allem auch den Architekten, davon zu überzeugen, daß man an der Gartenbewegung nicht mehr achtlos vorübergehen kann. Der Redner zeigte dann im einzelnen an Lichtbildern, wie bereits eine neu« Grüntechmt entstanden ist. Am Schluß feines Vortrags betonte Migg« sehr richtig, daß der kleine Garten zurzeit die einzig« törperticl>e und seelische Erholungsmöglichkeit für tau- send« entwurzelter Existenzen darstellt. Reichspost ohne„Dienst am Kunden". Das Postamt 114 im Werthelmhaus Leipzigerstraß« hat seit dem 1. Februar seinen Betrieb wieder«ingestellt. Damit ist nicht nur den Kunden des Hauses, sondern auch der großen Allgemeinheit. insbesondere vielen Berufstätigen, die zeitig morgens oder spat abends ihr« Arbeltsstätte verlassen, die Möglichkeit rechtzeitiger Postbefärderung genommen. Das Postamt, das als erstes P r i v o t p o st a m t seit dem Jahre 132? von der Finna W-rtheim in eigener Regie geführt wurde— W-rth-im stellte nicht nur Raum und Einrichtung zur Verfügung, sondern bezahlte auch die Beamten und all« sonstigen Unkosten— hott« sich im Lause der Zeit eine» solch regen Zuspruches zu erfreuen, daß jetzt ernstlich daran gedacht werden mußt«, das Personal, speziell zu besonderen Zeitabschnitten. wesentlich zu verstärken. Als nun die Firma an die Reichs- paff mit dem Ansinnen herantrat, dies« Beamten zu stelle:, bzw. den ganzen Postbetrieb zu übernehmen, wurde ihr die» rundweg abge- schlagen, trotzdem das Amt die Notwendigkeit seiner Existenz voll und ganz erwiesen hat und außerdem»ine große Entlastung der nächstgelegenen Postämter Link- und Französische Straße bedei-tate. Sprechchor für ProWarisch- Feierstunden. Donnerstag, den 13. Februar, abends 13.30 Uhr, im Gesangssaal der Sophienschul«, Weinmeisterstraß, 16/17, Uebungestunde. Ey-nvofNk Im V«wegua»»ch«r. Der Btiveauvpßchor der. treten Turoer» slkaft ütro-i-�erlin lädt all« Lurchen und Mädel, die eine au!« aownasttche Kö peffchulunq belreiben wollen,«in.. Di« Uebungiabcnde tmd.'n regel- mäßig jeden Freilag tn der oberen Turnballe Marienboiier Weg 73 uatt, Pie Leitung hat Aenta Hillert von der Ba'ueeachule. Berlin über- Nammen. Da erit wen!'« llebungSabcnde statigeiunden baben, bat jeder Aniänger ietzi dt« bei!« Gelegenbeit, um crem Chor beizutrelen.(Aahrver- bindung Ringbahn Hennannilraze.) mscken jecles �litlite ansprechend und schön. Oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmedeenden Chlorodont- Zahnpaste erzielen Sie einen wundervollen Elfenbeinglanz der Zähne, auch an den Seitenflächen, bei gleidizeuiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont-ZahnbCrste mit gezahntem Dorstenechnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als(Jrsadie des üblen Mundgeruchs werden gründlich damit beseitigt.— Chlorocont; Zahnpaste, Mundwasser, Zahnbürster Einheitspreis l Mark bei höchster Qualität.— Man verlange nur edit Chlorodont in blau-weiß-grüner Originalpackung und weise jeden Ersatz dafür zurück. Weiße Zähne für Groß-Verlin «nfenbuncen ffit Mefe Knbt« fhiS � st«t, an da, Stjitlafclirtotiai Berlin SB«8, Linden» raßr 3.----------—:-t'- stet, an da» Bezirk»selretariai 3. Hof, S Treppen recht», ZN richten SAO.-Ireidenker Bernau. Am MLmoch. 12. Februar, 20 Uhr. im Volkshaus. Vellevue. Irakliovsversammluaa.— Bot frag; Die augsr.bliifluhc Siluafüm Im Derbanf».— Erscheinen aller ist Pflicht. Mitgliedsbuch ist mib zubringen. 1. ftreb Witte. Dvirncnstaa, 13. Vlämat. I. Kursus der Ätcheiie.rwokilfalirt um IStz Ul>r im SiduMSiaal des Sedirfsauiis, ftlostcrftr. 68, Lomruq de» Äeusssin Neeiierunssrat Srebs über.Luirendaerichl»Hilfe". ?eltiälen", ibreifsiralder Str. 221—223. Ui Mf Prämiieruna der ichonften Domenmosie nnd der oriaioellftrn Herren, W pi maske. Aofana 19 Mr. Erde 3 Uhr.«intritt 1 W. Billett» stsd iZ f bei de» BerirlsfWrcrn und an der Bbendlaffe ,» haben. W Heule. Mittwoch. 12. Februar. 54. Vit 20 115t Zablabend der 3.«nippe bei Schul,. Carmen�Zyloa- Tek« Hofemannftrahe. Bortpaa:„Tunesten. Land und Leute". Nefepcnt Stadt.- rat Tuaen Tosemann snicht Paul Lensell. 23. Abt. 20 llbr.Zablabend« bei ltmilk Pasteurftr. 6; R Sseler. ffiotdepet S' raste 9; Schmidt. Kurische©Je Äuiprodeitraste: Ärainer, Caihenius. ftroste 3. 33. Abt. 19«4 Mr �ablabende: Gruppe Treptow bei SSwlZ, Samariter. ftraste 38. Wirtschaftliche Umschau." Neferenr Genosse Schneider. Gruppe Schlichtina bei Schnasrer. Loiatftr. 38.„Partei und Zelricbsrätewahlen." T eicrent Genosse Schdst. Gruppe Tofepftoch Schule Samariterstr. 20. Dis, stt'fstonsabend. Leiter Genosse Bruno Tbeei. Der.Zahtabend der Gruppe Mernes finde* am Tonnerstaa. 13. ffebruar. W». Ubr. bei G raubner. Bo'atftr. 23, statt. Distufstonsabeird. Leiter Genosse Alfred John. Z7. Abt. 1914 Ar. 1. Be,irk bei Kepke, Gbertpstr. 7. Refsrentin Senofstn G. Sröstinaer. 2. und Z. Bezirk bei sserasch. Referent P.«raufe. 4.. 3. und 6. Be,irk bei Raschle. Matternstr. 14. Referent<£. Selupanebeck. Thema:„Der Bwrksparteitaa im L-chte der SommunalpolU!!". 38. Abt. 19'-4 Uhr Kahlabend«>n allen 19 Bezirken an bekannter Stelle. S7. Abt. llharlotteninra. 2. Gruppe: 20 Ubr Kahlabend bc« Tbunack. Wie. landstp. 4. Bortraa:.Lvltur und Demokratie". Referent Dr. Tichauer. 37. Abt. Grunewald, 20 Uhr Kahlabend bei Winabachar, Bahnhofsrestaurant Gruneivald. 30. Abt. Schöneber«. 20 Mr im Se.1nr5oIst.Gnmnastum. Rubensstraße. Wit. aliederoerfammluna.„Kommunal palitii und ssinanzfraaen." 33. Abt. Lichterfelde. Alle Ganofstnnen und Genossen von Sstd treffen stch »um Kahlabend bei Tritsch. Berliner Str. 123b. um 20 Mr. Bortraa:»Die neu» Strafproeestordnnna". Referent Reaierunasrat Äempner. *8. Abt. Lichtenrade. 20 Mr Witaliederverfamwluna m der Schul« Roon, straste. Bortraa des Genosse» Dr.«ollwist. Um Ig Mr Borstandsststunq ebcndort. 33. Abt. Neullll«. Kahlabende: l. bis 3. Bezirk bei Grommeck. Sandrrftr. lg. Bortraa: Deform de, Gherechts". Referentin Naraarete Schcnkalomfki. . 9.. 8.. 9.. 19. Bezirk bei Tisler. Reuterstr.<7. Bortraa:„Moderner Strakoollzua". Referent Wilhelm Lewinstl! 11-, 12.. 17.. 18. Buirk. hei Kubisch. Sobrachtstr. 62. 7.. IS.. 14.. 1k>. Bezirk bei Brandt. Pfwarr, Scke Nanscnstraste. Bortraa de» Genossen Dr. Mencp-Brodnist. AI. Abt. Zlenkölln. 1g«4 Mr Kablabende in folaenden Lokal«-,:: lg. und zz B» »iri bei«öfter,«arlsaartenitr 4. 3fl. Bezirk ber Lstdde-ie. Karlsanrten- straste 12. 20.. 21. und 23. Bezirk bei Utbke, Kermannitr. ll. Referent Genosse Walter Zun«. 48. Bezirk bei Schreiber, irluabafenstr. 7. Referent Genasse Otto Pieoer. 36.„nd 46. Bezirk bei Stabmann. Rtnohafcnstr. 29. 38. und 43. Bezirk bei Müller, islnahafenstr. 30. Referent Otio Gallonska. 41. Bezirk im Restaurant iNuahafen. Mahtoloer Str. 10. Neferenr Karl Schiff««. 37. un.d 44. Bezirk bei Palm. Mainzer Str. 16. 47. Bezirk de« Balewlki. Bobdinstr. 57. Referent Mar Asche nbrenner. IZ3. Abt. Teael. 20 Ubr Mitaliederverfammlun« im Alten Krua. Saaptstr 14 r. s.-Boptma; �-.Zialdenu�rchtie und KtmMmkncheweaun«�.-.-:-R«feo»nt-«rnlt Oberstber...... Elchwalde. Der Kablabend findet bei Lindner. Babnbdfstraste. statt. Wikbau. Der Kablabend für Wildau findet um 20 Uhr bei Kuhle-, statt. Bortraa. Um zahlreiche» Grscheineu ersucht der Borstand. Franenveranstaltungen. 13.«rei» Pankow. Douueretaa, 13. fsebruar. Dampferfahrt. Abfahrt 1314 Mr von der ssannowistbrürke. 46. Abt. Alle Genossinnen, die stch an der Whruna durch das Trauen.. iundemusrum am Tonnerstaa. 13. Tebruor. betsiliacn, treffen stch um 1014 Mr vor dem Einsana das Museums iu Charlotte nbur«. Berliner Straste 137. 47.«lt. D-nuarska«. 13. TSruar, Bcstchtiquna des Trauenkundeuruseums in Gbarlottenbur«. Berliner Elr. 1Z7. Treffpunkt 1814 Mr Sachbahahof Görlister Bahnhof. 137, Abt. Reinickendolf-Seit. Dvunerstaa. 13. Tebruar. 20 Ubr,- im Bolls. baus. scharnwebirstr. 114, ffunktionäünnenststuna. Zungsozialisten. A brach nun« der«eitriwe und Blätter beute, Mittwoch, von 18-20 Übe in dar Sohnun« de» Seuostcu Barst,»utwerpeuer Str. 46. Bezirksausschuß sür Zlrbeilerwohlfahrk. mmt, K W f-i«»tun«. Kärfotflcr, Türsorqerinoe»! Heute. Mittwoch, 12. Tebruar. S pj l9'4 Uhr. Bortraa der Genossin Hedw!« Wachenhcim. W. d. L.. über W ii da» Thema.„Tstr und widkr.die Kenfur" im Parterre-Bereinszimmer � P> des Sackeschen Sofe«. Rofenthaler Str. 40-41. Bor dem Referat Be. M DJ sprechun« der Einrichtun«»an ssortbildunqskursen. Wir bitten um DJ II zahlreiches und pünktliches Erscheinen. W Bezirloausschust für Arbeiternwdlsahrt. W»» � 1. Krei» Mitte. Donnersta«. 13. Tebraar. 1914 Uhr. im Sistunaszimmcr j»es Bezirksamtes Miste, Klofterftr. 65— 68. Kurfusabend übet.Soziale Ge. richtebilfe". Genosse Reaierunasrat Ott» Srebs referiert. 6. sreie Srenzbcr«. Tonnerstag. 13. Tebruar, 20 Mr, wichtige Ausschuß. ststuna bei Wolf. Sraefestraß«. ssede Abteiluna must vertreten fein. 9. Krei» Wilwersdorf. Treitaa. 14. Tebruar. 1014 Uhr. im Gekanqssaal der BiI!toria.Lu!se.Schule. Sa steinet Ecke USlandstraste, 4.«ursusabend. Die Senofstn Paula Kuroast spricht über.Sefanaenenfürsorge". 10. Krei» Kehlendorf und 12. Kraie Stealist. Donnersta«, 13. Rebtuat, 20 Mr. im Rathaus Steglist, Kimmer 5, 2. S-lmluna-abend. Die Senofstn Dr.. Magnus tmicht über„Das aeltende. Türsoraerecht". II. Krei» Schönebee«. Dic Bestchtiauna findet Mittwoch. 12. Tebruar. 14 Mr. in der WUHelmstr. IS statt. 13. jtrei» Tempelhos, Mar endorf, Marieoselde, Lichtenrade. Rreita«, 14. Redruar, 18 Mr. Rührimq durch dos Rrauenkuudemufeum. Eharlottenburz. Berliner Str. 137. Treffpunkt 17 Uhr Torfftraste, Tcmpslhof. 14- Km!» Neukölln. Rreitaa. 14. Rebruar. 1014 Mr. im Rathaus. Ber. liner Str. 63—«ö, Sistunaszimmer. 2 It., Vortrag des Rüifotaets Seuossen Oppenheimer. übet jSefcuiflenaufürfatac". Riit alle in der Wohlfahrts. und Zllgeniflige sowie iu der Sefangenenfürsorqe täLge« Genüssen und Genossinnen ist Erscheinen Pflicht. 17.«rei, Lulstenderg. Friitaa. 11. Rebruar. 19' 4 Mr. im Naihauz Lichten. bcrg. Möll.-ndorfitr. 6. Kimmer Ä, 4.«ursusabend. Genosse Regierunqsrat OUo«rcbs spricht über„Soziale Serichtshilfe". 18.«reis Wcistcnsee. Treira«. 14. Rebruar, 19 Uhr, im Sistunaszimmer des Wohlfahrtsamtes Weistenfee, Woslckpromenade 1. 3.«urfusabcnd über„Das Tomilienrecht" Referentin Genossin Minna Todenhagen. 19.«rei» Pankow. Rrc-iiag. 14. Rebruar, i91o Mr. im Lokal Meier, Türkisches Kelt. Pankow. Brei e Str. ll, findet dic Gencralpcrsammlnng der Arbeiterwobl fahrt des 19.«reifes statt. Kn dieser Versammlung sind stimt. lichc partciacnösstsche WoblsahrtsPfleaersinnenl des 19.«reife» aus allen Ab. feilunaen Stnaeladen. Referat:„Tie Aufgaben fn der kommunalen Wohlfahrrs, pflege". Kzrlilreiches Erscheine» ist dringend erforderlich. Zlrbeitsgeweinschafl der kindersreuade Groh-Lerlia. � Die im Mitteilunasblstt«urgcMndigte ssilmmerbüverQnstaltuna Wer. das .•ttlilÄfW.r für die Ainiirc unserer Sctncgunn u'.u� auf einen späteren Termin versck-oden werden, weil die Tar'bereitungeu für das Laäcr noch einige Zeit in.- Anspruch nedm?n. Der neue Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. Areitag, 14. Februar, 17 Lhr, findet die Slt;ung der Kindermitarbe. ter für den' 5�o�en-k?alien>Äalender fiati. Lindel'.str. Z, 2. �pof, 2 Tr.. Zimmer 16. Die Kreise werden gebeten, die Kinder Zu benachrichtigen. Borftandsstkung Fveitag, 14. Februar. 20 Ubr. in der Geschäftsstelle. Be. sondere Einladung erfolgt nicht. Der Kelferoachmittog, der in dem Mitteilungoblott für Sonuiog, 15. Fe. bruar. 16 Ahr. im GewerkschaftstaAs, Enqelufer,«aal 1 bis 3, ang-eset� worden ist, findet bestimmt statt. Dir Helfer werden gebeten, pünktlich?!u erscheinen. Uebcr Einführung von Gästen näheres im BAtteilungsblatt. Arbeilsgemcutschaft sozialdemokrakischer Lehrer unb Lehrerinnen. Bezirk Ariebrichshain. Donnersta«. 13. Rebruar. 20 Mr. in der 3. Schule, Petersburger Str. 4, spricht Genosse Prof. Abromowitsch übet„Die Soziologie der russtscheu Revo- lution". Gäste willkommen. Geburtslage, Jubiläen usw. 194. Abt. Nlederstf öpewe'de. Unserem loe.gjähingan Genosse» Reist E a l l a I ch zu seinem 79. Gobuetstage die berzlickstc» Glückwünsche. Genosse Kallaich gehörte schon der Partei unter dem Eozialisteuqcsest«»»nd beteiligt stch»och heute rege an ollen Parteiarbeiten. Sterbetafel der Groß- Derliner Partei- Organisation} 12. Abt. Unser Genosse Hamm. Sickingenstr. 11. ist oerstorbe». Ehr« seinem Andenken.' Bceedunip« heute, Mittwoch. 12. Rebruar, um 15 Uhr, auf dem Heilandsfriedhof. Wir bisten um rege Beteiligung. 191. Abt. Treptow. Den Mitgliedern zur«enntni-,. dast unser Genosse Paul George Im 69. Lebensjahr verjiorben ist. Ehre feinem Anderk.-n! Die Becrdigun» findet am Tonnerstag. UZ. Rebruar, 14 Ulir. auf dem Rranzo- fische» Reiedbos in der Wollanksttast» statt.— Unser Genost« Stettnich ist verstorben. Ebre seinem Andenken! Einäscherung am Rreuag. 14. Re» bruar. um 17'/. Uhr. im Rrcma orium Baumschulenweg. 102. Abt. Baumschulenweg. Nach langem schweren Leiden verstarb unser« Genossin Emma Tamke. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung am Donuer». tag, 13. Rebruar. um 1814 Uhr. im«rematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiliguna. �DSozialifijfcheArbeiterjugendGr..Verllu Ginsendungen für diese Bubrtk nur an da» Zugendsekretaila« Ze:!in SDS8. Tdidentlratr 3 Mädellursu«: Morgen 4. Abend. Beginn 1014 Uhr, in der Schul««och. straste 13. Genossin Judith Grünfeld spricht über„Besondere Problem« des Rrauenlebens"(Rreie Liebe. Kameradschaftsehe usw.). Jede Gruppe must UN- bedingt vertreten sein. B..B..Sistuug gemeinsam mir den B..Lcitern morgen. 1014 Uhr. im Bor- tragssaal des P.,J.. Lindenstr. 3. Abteilungsleiter, reicht umgehend die Monatsprogramme Kr Mär, ei»! Heule. Millwoch, IS'.- llhr. Arlovaplost: Schule Elisabetlstirchstr. 19:„Rlegeliahre". 2. Teil. Moabit III: Heim Lebrtcr Sit. 18—19: Iv-Minuten-Referate.- Gesundbrunnen II: Heim Chnstanlajlr. 38; Technischer Abend.— Weddinq: Heim Turiner Ecke Ecestraste: l0.Minuten.Referate.— Rnjulfurtee Viertel. Heim RrankKrter Allee 397:„Die Waffen der Arbeiterschaft".— Petersburger Piertel: Heim Tilsiter Str. 4—5; Keitungsabend.— Neichen berger Blextel; Seim Bristet Str. 27—30:„Sozialistische Sciifdmften".— Eharlottenburg-Nord: Heim Olbersstraste:„Abenteuer".— Spardau: Heim Lindeuufer 1:„Lehr- liugzschust und-recht".— Laukwist: Schule Schulsttaste: Mitglicderversamm, lung.— Marlen hnts sAeltere):. SiebKng Daheim 159—169:„Arbeiterjugend von einst.— Wannsee: Schule Eharlotenstuoste:„Poung-Plan. und Haagcr Ädnkerenz".— Nenksll« Dl: Sonder, nsamMenkUnft im Heim Rlnghatenstr. 68.— Rollenberg:.Heim Gartenstadt( Guts hos):„Wo de und Resormkioidung".— Rriedrill-Shagen: Heim Rriedrichstt. 87:.Die Nationalgalerie".— Rrtedrich». felbe: Kab labend der- Partei bei Wiese.—- Lichtenberg-Mitt«: Desuch des Kahlabendg.-Str. Partei.. TneitPnnhldrlM 1L>r iür Heim Schamovedgrstiaste. mr m Spät am Abend erlebt Peter Fla m ms Hörspiel„Krieg um Frieden" seine Uraufführung. Es ist eine genmle Skizz« von stärkster Eindringlichkeit und gehört zum Pesten, das der Berlmer Sender bisher überhaupt herauszubringen wagte. Hier soll ganz von der künsilerischcn Formung abgesehen werden. Es geht allein um die Idee. All« Figuren bleiben anonym, sie sind Typen, sie sind irgend- wer, aber sie sind angespannt in den Rhythmus der Börse, die alles wie Marionetten tanzen läßt. Ein Tunnel wird zwischen zwischen zw« Reiche» gebaut. Er. soll den Verkehr erleichtern und neue Gewinnchancen ermöglichen. Aktien schnellen hoch und nieder. Aber plötzlich bietet«in Krieg noch bessere Verdienstmöglichkeiten. Ratio- nalistiichc Phrasen, wie Einheit der Nation und ähnliches, schäumen auf. Die ewige Dummheit triumphiert. Der leitartiklerisch« Unsinn der Kriegszeit erwacht zu neuein Leben, hier als Extrakt gegeben und ins Groteske gesteigert. Während Generale und Politik« die Massen mit ihren Schlagworten faszinieren, arbeiten die Arbeiter im Tunnel weiter an ihrem Werk. Sieht drüben der Feind? Nein, dort stehen auch Arbeiter, die nichts von den Feindseligkeiten der Großen wislen wollen. Und als Flugzeuge die Städte mit Giftbomben belegen, fällt der letzt« trennende Stein im Tunnel, die Hände schütteln sich. Doch das bedeutet Reoolle wider den heillIen Gest des des Krieges. Die eigenen Landsleute ersäufen die Aufruhrer im Tunnel. So endet das Werk mit einer schrillen Dissonanz und mit einem Fragezeichen. Und dieses Fraaezeichen brennt sich dem Hörer«in„ denn er erinnert sich an die Vorgänge von 1914. Das Hörspiel wirkt wie«ine Mahnung an das Weltproretariat zur Einigkeit. Ganz, groß die Regie Alired Brauns. In der Stunde mit Büchern spricht Heinz Stroh über Neu- erscheinungen auf dem Gabiete der Novelle. Er will uichi eine große Uebersicht oder«ine Einordnung iu die Zell geben, er beschränkt sich auf knappe Inhaltsangabe und kurze Würdigung. Jedenfalls erfährt der Hörer, was in dem Buch steht, und vielleicht ist diese Art genau so erfreulich wie die, die sich aus weiten Perspektiven um Rubrizierungen bemüht. F.«ch. LSG. Wedln»«: Keim Gosrnburster Skr. 2: Rriebriäj�SenMftieii. LSG. Neukölln: Heim Kerastr. 39;„Psychoanalpfe". Ref. Oberlehrer ftafe. Werbebez.rk Weddiu«, Tambourkapelle: Mor«:n, 20 llhr, üben im Seim Seestr. 84. Erscheinen aller Spielleute mit Instrumenten ist erfprdcrNch. Arnswaldcr Plast I unb II, Kelmholstplast. Roiboste» I und ll: Alle Ge. nossen beleiliflen stch morqcu, 17 Uhr. an der Trauerfeier de» Genossen Paul Levi im Krematorium Wilmersdorf. Ralkentrochr. Vorträge, Vereine undVerfammlungen. Reichsbanner �Schwarz- Rot-Gold'. Geslböstsüel!?: Berlin S 14. Sebaftianftr 37—38. Kok 2. Ti�. Lichten-k�rq fflrfsncreirt'): Donnerstag« den 13.»ve�ruar, 2O llhr« G� u svalvc.rs ammlung im Logen-Aasino..gnorm>rom2nad� 2. Ohne M-italiebsbuck» und De'logit'.rtenausVeis kein Einlas»— Kr'eÄriKshain, Iungöanz?�r: 5?reitaa, den 14. ssearuar, llhr, Turin- hallc Mtmeler Strafte 24.— Wilwerzdorf: �r<�ag. den 14. Sfcbrucr. 20�4 llhr Lorftandssikung bei Lomann, Uhlandstrafte.— Schöneberk-�riedeua�: Freitag. 14 T�brnar. 2i) Uhr, Generalncrsammluna in d?» 5tolrbvi.Sälen. Martin-Lui�er-Gtr. 67. Nemvah? des Vorftan�ss.— Tegel< Kanr«radschaf1'>: ssrei�.ag, 14.'20 llhr. M'taüedernt'.rsammlung im Nestaura nt«Alter Krug". Tcgel. kaurtftr. 14.— Wcddiug:«arten zur Gründungsfeier des reicins. �'eiv'ckendorf am Sonntag,!6. Tebruar, ünd in der Gesckast'sstell!:, Na�arethkirchstr. 41.?um Preise von 50 Pf. erbältlich. Achtung» Vlockführer? Sosort Mater'al abholen.— Wintelespsrtabjeilnvg: Die(SOurfe im Ibatf, beginnen am Sonnabend, 1s. Februar. Abfahrt.1? Ahr Potsdamer Bahnhof. Meldungen werden noch in der Geschäftsstelle, Markgrafeustr. 22. entgrgen« genommen. ÄÄt gldichem.�uge Abfahrt �um republikanischen Sportfest in Binnectenstcin.__ Verein Swlzescher Stcoogeaphen, System StaUe.'Gchrey. Donnerstag von bis 21 34 Ahr. TAlvisches Gymnasium, Inselstr. 2—- Uhr, entschief nach längerem Leiden mein lieber Mann, mein guier Bruder und Onkel, der Silberdrücker 1 Wilhelm Tsdwnlsdier | im 67- Lebensjahr. In tiefer Trauer: Ww. Anfinsle innen rdier, heb. VolL Befiin 10, Geichenbcrger Str. 166 I Die Einäscherung findet am Sonnabend. dem 15 Frbruar, nachmittags 3 Uhr, im Krema:orinm Baumschulenweg statt Am 10. Rebruar neritorb noch kurzem aber fchw rem Leiben mein lieber Mann, Bater unb(Sragpctec Otto Burghardt Im 76. Lt'benslahre. Im Nameu. der HinterbAebennt Helene ilurghar dt. Die Etnäs»»rung findet am Freitag, dem 14 Februar, um 14 Uhr. tm «remaiormm Baumichulenwe« sta k Isder Att itriert preiswert Paul Golletz vorm. Roten Meyer lerianneiutTNbc 3 Ecke Raunnnfltatze Inu Moristpl 10303 Deotsdier Metallarleiter-strlianil Vernaltunessteilc Berlin Todesanzeigen. Den Mllpliebern zur Nachricht. vab unier Kollege, ber Arb«it«r Oeorg William geb. 14. Aprtl 1881, am a Februar geit-rben i(t Die Beerdigung findet am Mittwoch. dem Ii Februar, IM' Uhr. von der Leichenhalle de» Keuiral-Rrted- Hofes m Friedrichs� de au» statt. Den Kollegen ferner zur Nachricht, daß unser Aollete. der Klempner Otto Borghardt geb: 2 Ottober 1854, am 10. Februar gestorben ist. Die Eindschemug findet am Frei- tag. dem>4 Februar, 14 llhr. im «remat r um Baumjchulempeg, Kies- holz-tratze, statt. GH» ihrem Arrbenkenl Rege Beteiligung wird erwartet. vie OplsverwaUnn». Am 8. Februar starb nach langem, schwerem Leide» mein lieber Mann Baal Stettnich im Alter von 53 Iahreu. Zu tiefer Trauer: Martha tlettnlch, geb. Hadoy Treptow, Plefier Str. 10 Die Elnü'cherung findet am Frei- lag. dem>4 Februar. 17', b Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt Am 10 Februar verschied nach langem Leiden mein lieber Manu und Schwiegersohn Hermann Scheibe Die» zeigen tic'beltübt an Frida Stbeibe geb Sdiolx Frieder. ckc Scholz. Sie Einäscherung findet am Sonnat-end. dem 15. Februar, I'/.Uhr. im«renuuorium Gerichtstrage stall vantcssßung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge meine» lieben Manne» und Pater» meine« Sohne», Brader»,Schwagel» u. Onkel frltz Münchenhagen sagen wir allen Beleiligteu, in«be- sondere den Kollegen der Bewag und Genossen der 20 Abtei ung der SPD unseren herzlichsten Dank Berlin, ll. Februar 1930l Die Hinterbliebenen. M» tlanksagang. Für die vielen Leweise herzlicher Teilnahme beim Heimzange meine» lieben Manne» Alfred Paust 'age»ch allen Freunden. Bekannten. Letwandlen und Kollaz«, ei.stttn nniglten Dank. Dresdner Skr 21 Emmi Fanrt ?t-» 47. Jahrgang Mittwoch, �2. Februar 1930 Hugenberg auf der Tribüne. Endkamps um die Reparationen. Nach den, Abg. Breitscheidt dessen Red« wir im Houptblatt bringen, nahm, mit lautem Hallo und ironischen Zurufen von links begrüßt, im Reichstag das Wort Abg. Dr. Hugenberg(Onat.): Er dankt zunächst für die Begrüßung, dann erinnert er daran, daß er in seiner letzten Rcichstagsrede vor dem drohenden Ruhrein- bruch gewarnt habe, der dann auch Wirklichkeit geworden sei.(Zu- rns links:„Sie haben dabei gut verdient!" Geschrei und schimpfende Zwischenrufe der Dcutschnationalen»ich Nationalsozialisten.) Präsident Lobe weist wegen eines beleidigenden Rufs den Abg.«töhr(Natsoz.) aus dem Saale. Der Lärm steigt. Berschiedene Abgeordnete der Rechten werfen dem Präsidenten vor, daß er gegen den Beleidiger Hugenbergs nicht vorgehe. Abg. Dr. Goebbels(Natsoz.) wird deshalb hinausgewiesen. Auf die Frage des Präsidenten bekennt sich Abg. Wels(Soz.) zu dem Ruf und erhält dafür einen Ordnungsruf: ebenso Abg. Gok (Dnotl.), dem diese Bestrafung Wels' nicht scharf genug ist. Abg. hugsnberg(Dnat.) fährt dann fort und erklärt, der Eni- schluß, vor dem der Reichstag stehe, greife an die Daseinsgrundlogen des Volkes. Nicht nur seine Wohlfahrt und Gesundheit, sondern mich seine Freiheit und Einheit ständen aus dem Spiele. Niemand in Deutsch laich habe bisljer die Erfüllbarkeit des Poung-Plans bc- hauptct. Auch das Ausland erkenne seine Unerfüllbarkeit an. Trotz- dem verlange es, ermutigt durch den Ilnterwerfungswillen der Sozialdemokratie� nicht nur unsere Unterschrist, sondern auch die Sanktionskiaufel. Angesichts der Unerfüll- barkeit des Vertrages bedeute diese fast soviel wie ein« Vollmacht beschlagnahmen und das Rheinland von neuem zu besetzen. (Hört! Hört! rechts.) Deutschland liege waffenlos im Herzen Europas und verstricke sich trotzdem immer mehr in die Schlingen unerfüll- barer Verträge. Das Ende einer solchen Politik müsse sein, daß schließlich ein jeder sich geringschätzig abwende und alle nur aus den Teil der Beute sehen, den sie von dem zerfallenden Erbe eines e.i n st königlichen Volkes in Anfprucki nehmen wollen. (Gelächter und Zurufe links.) Die große Frage dieser Woche ist, mer die Verantwortung tragen will. Der Zustand unseres Staates ist nicht mehr zu verschleiern. Wir sind mitten im Verfall und .V ul t itr-b vbs ch ew is m u s. Di« Zersetzung von Staat und Wirtschast hat erschütternde Formen angenommen. In aller Oksenheit organisiert die äußerste Linke den b e w a f s n e t e n A u f st a n d. Marxismus und Bolschewismus find die Früchte einer Weltanfchau- »ng, deren Brutstätte eigentlich nicht Deutschland, sondern der Westen und Süden ist. Wenn irgendwo noch die aufbauende neue Kraft zur Ueberwindung dieser Epidemie vorhanden ist, so in Deutschland. Wir sind zwar ein kleines Land, aber immer noch«in großes Volk, dessen Krankheit uiid Sterben rings im Abendlände die Pest aus- lösen muß.(Gelächter links.) Wer diesen Plan annimmt, ist ungeeignet, führend an einer erfolgreichen deutschen Rc- gierung der Zukunft mitzuwirken. Wir wollen und iyerdeu uns nicht dazu hergeben, unsererseits mit den Folgen einer falschen auswärtigen Politik entweder die Lebens- Haltung der breiten Massen des Volkes oder die ohnehin lebens- unfähige deutsche Wirtschaft zu belasten. Wenn er beschlossen ist, gibt es deutlich sichtbar nur noch einen Weg der Rettung: nämlich aus der Grundlage unseres Willens zur Freiheit und zur chrisllichen deutschen Kultur im klaren Kamps« gegen den Marxismus Staat und Wirtschaft neu auszubauen.(Lachen links. Abg. Stampfer(Soz.) erhält einen Ordnungsruf.) Die Polenoerträae bedeuten in ihrer Auswirkung die höchste Gefährdung des deutschen Ostens und damit der deutschen Zujucht.(Zustimmung rechts, Unruhe links.) Wie kann man es wagen, die fortgesetzte Unterwersungspolitik in West und Ost auch noch als B e f re i u n g s p o l i ti k zu bezeichnen! Trotz allem Terror der Regierenden und trotz dieser Notzeit, so erklärt der Redner zum Schluß, haben am goldenen Sonntag rund b Millionen Deutsche nor der Geschichte bekundet, daß sie jede Mit- Verantwortung fiir den Poung-Plan ablehnen. Im Bewußtsein unserer Verantwortung und der Stärke unserer Stellung richten wir in letzter Stunde an die Parteien, die nicht an die marxistische Erfüllungspolitik gekettet sind, nochmals die Bitte. Bindungen abzu- lehnen, die surchtbarer und gefährlicher sind als diejenigen von Versailles.(Beifall und Händeklatschen bei den R a t i o n a l s o z i a- listen und e inem Teil der De u t s ch n a ti o n a l e n.) Als Abg. Hugenberg von„westlichem Raubkapita- l i s Ilvu s" spricht, weist Abg. D i t t m a n n(Soz.) auf Hugenberg und ruft:„Da steht der Raubkapitalismus!" Präs. Löbe ruft den Abg. Dittmann zur Ordnung. Abg. Berndt(Dnat.) rust: „Herr Löbe, warum werfen Sie Ihre Parteigenossen nicht auch hinaus?" Präs. Löbe: Wenn sie solche Ausdrücke anwenden würde i, wie vorhin die Herren von rechts, würde ich sie auch hinaus- weisen! Reichsaußenminister Dr. CurtiuS: Abg. Hugenberg hat daran erinnert,-daß er nor der Ruhr- besetzung gewarnt habe, aber einen Weg zur Vermeidung der Ruhrbesetzimg hat er nicht gezeigt. Heute sagt er, der Poung-Plan zerstöre die Freiheit und Einheit sowie die Kultur Deutschlands. Sic vis der Führer der sogenannten„nationalen Opposition" glauben, .----—,----- r ni d) t aber mit den Memoden des Herrn Dr. Hugenberg! Nicht mit einein Wort hat er gesagt, was cr an unserer Stell« tun würde. Huacnbero ist der Letzte, der sich darüber beschweren darf, wenn »estimmuugen für den Fall einer böswilligen Zerreißung des Plans cingcfüql wurden, denn seine Agiwkion hat erst dazu geführt. (Großer Lärm rechts und Rufe:„Unverschämtheit! Advokat Frank- reich?!") Es ist ganz ausgeschlossen, daß diese Bestimmungen Frank- reich zu einer Wiederbesctzung des Rheinlandes berechtigen könnten. (Ruf rechts:„Das hat Tordieu gejagt.") Rein, Tardieu ist jaljch zitiert worden. Dr. Hugenberg hat nicht Aeußeningen Tardieu s vorgeführt, sondern einen Zeitung sbericht über angebliche Aeußerungen des französischen Ministerpräsidenten. Herr Hugenberg hat Hclfferickz als den Schöpfer der Markstabili sicrung gefeiert. Ich bedauere, daß heute nicht Helffcrich an Stelle Hugenbergs die Opposition führt, aber an der ZNarkstabilisicrung hol das ganze deutsche Volk seinen Anteil, das ungeheure Opfer gebracht hat. Was soll denn nach Ablehnung des Poung-Planes geschehen? (Ruf rechts:„Zunächst müssen dann Sic verschwinden!") Aus die zehn Fragen, die ich öffentlich an Hugenberg gerichtet habe ist cr heute nicht eingegangen. Ablehnung des Poung-Planes bedeutet Rückkehr zum Dawes-Plan. Schacht hat erklärt, keiner könne ver- antworten, durch Festhalten am Dawes-Plan eine furchtbare Krise herbeizuführen. Die Reichsregierung folgt dem Bismarck-Wort: Ehre und Würde des Staates zu wahren, heißt ihn vor Krisen schützen! (Lebh. Beifall der Mehrheit.) Abg. Graf Reventlow(Nat.-Soz.)„beantragt", die Rede des Außenministers auf Staatskosten öffentlich angüfchlagen.(Lachen rechts.) Präsident Löbe: Ein solcher Antrag müßte schriftlich eingereicht werden.(Heiterkeit.) Eine kritische Zentrumsrede. Abg. Dr. Brüning(Z.): Dem Dawes-Plan konnten wir freudiger .zustimmen. Damals handelte es sich um die Sicherung unserer Währung, und man erhoffte allgemein von dem Vertragsabschluß eine Aera der friedlichen Verständigung mit unseren früheren Gegnern. Diese Hoffnungen sind schmerzlich enttäuscht worden. (Lebh. Zustimmung.) Von Locarnv-Geist war in vielen Aeuße- rungen der Staatsmänner unserer Gegner nichts zu spüren, und in ihrer Press« war ein großes Maß von Verständnislosigkeit zu beobachten, namentlich während der üzaager Verhandlungen. Es klang so, als wollte man das deutsch« Volk nur zum Zahlungsauto- matcn ohne eigenes Lebensrecht machen. Die Zerreißungsklausel > läßt alles vermissen, was man Locarno-Geist nennen könnte. Die ! Haltung Frankreichs in der Saarfrage stärkt nicht den G'aiiben an seinen Verständigungswillen. Schmerzlich mußten wir feststellen, welche Schwierigkeiten England uns in der Li q u ida ti o s s ra ge macht. Bei dieser Haltung der gegenwärtigen englischen Regierung scheint«s nicht sicher, daß der Völkerrecht! ichc Schutz des Privateigentums im Kriege durch«ine bessere Gestaltung der Liquidationsoerträg« für die Zukunft garantiert wäre. Im Pvleiwcrtrag übernimmt Deutsch- land große finanzielle Opfer, Polen aber nur ideelle Zugestand- nisse. Wir werden unsere Zustimmung von bestimmten Auskünsten im Ausschuß abhängig machen. Wir wünschen größere Sicherungen für die Zugeständnisse Polens. Wir wollen keine Zustimmung geben, die zu einem Hemmnis werden könnte für die Lösung der Probleme im Osten im Sinne von Vernunft und' Gerechtigkeit. Allerdings ist den deutschen Unterhändlern die Arbeit dadurch sehr erschwert worden, daß es eine wirklich nok'wnalc Opposition, die die Stellung der Re- gierung gegenüber dem Ausland stärkt, nicht gibt. Sowohl die Uebertreibungen der Partei und Presse Hugenbergs, wie die schlimme Kassenlage des Reiches haben die Arbeit der deut- scheu Unterhändler erschwert. Wir können dem Poung-Plan un- möglich in dritter Lesung zustimmen, wenn nicht vorher volle Klar- heit über die Finanzlage des Reiches und die Finanzwirkungen des Poung-Planes geschaffen, die deutsche Oesfentlichkeit darüber ausgeklärt ist und die gesetzgeberischen Konsequenzen gezogen sind. Die Regierungskoalition kann dadurch nur gefestigt werden. Auf großen Kapitalzufluß vom Ausland ist für die nächste Zeit nicht zu rechnen, ohne ihn aber gibt es keine Besserung des Arbeits- Marktes. Bolle Aufklärung über die Finanzlage ist unentbehrlich. (Lebh. Beifall im Zentrum.) Abg. Tl'äimann(Komm.): Diesem Sklavcnvertrag werden wir niemals zustimmen. Die Sozialdemokraten greifen Schacht an, schlucken aber bedingungslos alles, was wchacht und das intcmatio- nale Finanzkapital verlangen. Dem arbeitenden Volk wird olles abgenommen, während z. B. ein Generaldirektor Cuno von der Hnnag 600 000 Mark jährlich bezieht. Die Behauptung, daß die KPD. die Illegalität erstrebe, ist eine schmutzige Verleumdung. Abg. v. Rheinbaben(DBpt.) betont gegen Hugenberg, der größte Patriol sei nicht derjenige, der den Mund am weitesten ausreißt und den längsten Wunschzettel ausstellt. Die Opposition verwechselt immer die Aufstellung von Forderungen mit Politik. Die in der Hugenberg-Presse immer wieder verwandte Ueberschrist„Deutsche Niederlage" verwirrt nur die Gemüter. Bei der gegenwärtigen Machtverteilung würde auch eine Hugenberg-Regierung von inter- nationalen Konferenzen nicht deutsche„Siege" mitteilen können. Der Reichsbantpräsident hat mit seiner Behauptung, daß durch die im Haag beschlossenen Zusatzleistungen der Pmtng-P'an um Mil- liarden verschlechtert worden sei, viel Unruhe ins deutsche Volk ge- tragen. Herr Huaenberg hat das Wort Rheinland übcrbaupt nicht ausgesprochen. Wir wehren uns dagegen, daß die lo heiß ersehnte Rheinlandräumunq so bagatellisier: und ebenso die Schassung des neuen Rechts an Stelle der Versailler Methode. Jede Erschütterung der Bedeutung dieser Tassache Hilst nur den Chauvinisten in Frankreich. Von einem Verzicht auf die deutsche Zukunft im deutsch- polnischen Abkommen ist keine Rede. Die Verträge vom Haag sind eine Auflockerung des Versailler Systems. Dahin gilt es weiterzuarbeiten ohne Pessnnismus und ohne die zcr- setzend«'Vergiftung unserer Jugend, wie sie der extreme Rationalis- miis übt. Dieses Vertragswerk ist der erste Schritt zum national wieder unabhängigen Deutschen Reich.(Beifall.) Abg. Dr. vredt(Wpt.): Wir sind sür die Verständigungspolitik. Man hat als den Haupwoxzug des Dawes-Planes die Transferklausel bezeichnet. Heute wird aber dem Aoung-Plar als größter ' Vorzug nachgerühmt, daß er die„gefährliche" Transfer kl ausel nicht I enthält. Während der Pariser Verhandlungen steckten wir eigentlich schon in der Transserkrise, aber damals wurde unsere Wirt- schastslage von der Regierung- viel zu rosig geschildert. Die Linksregierung hat uns in die Finanzmisere hineingebrochi: wer aber heule Herrn Hugenberg gehört hat. der muß jede Hoffnung fahren lassen, daß uns etwa eine Rcchlsregierung Hilfe bringen könnte. Die Sanktionsbestrebungen unserer Vertragsgegner sind gerade durch Hugenbergs Volksbegehren gefördert morden. Das Abkommen mit Polen sichert die deutschen Bauern nicht vor einer'Agrargesetzgebung. die gegen sie gerichtet sein kann. Kein ernsthaitcr wissenschaftlich arbeitender Mann im Ausland hält die Behauptung von der Allcinschuld Deutschlands aufrecht. Behauptet man immer, die Repa-' ration beruhe nur auf der Schuldthefe, so zwingt man die Gläubiger, sie aufrechtzuerhalten, da sonst die Reparation gefährdet er- schiene. Uebrigens ist das Vorgehen Frankreichs'menschlich immer noch eher zu verstehen, als der neue Raubzug der englischen Arbeiter- rcgicrung gegen Deutschland. Die einzige Lösung der Reporatiöüs- frage liegt darin, daß Amerika dafür gewonnen wird, die Schulden der Alliierten herabzusetzen.., Bei dieser traurigen Finanzlage können wir die Verantwortung sür die Annahme des Joung-Planes nicht übernehmen. Di« Regierwigsparteicn haben uns durch ihre Bewilligungssreiheit in diese Situation hineingebracht: wir haben sie drei Jahre lang davor gewarnt. Abg. Dr. Bayersdörfser'('Bayer. Bp.): Gegenüber dem Tawes- Plan ist zwar im Doung-Plan Deutschlands Reparationslast herab- gefetzt, aber bei der'schlimmen Wirtschastslage Deutschlands ist auch diese Last viel zu schwer. In Ilebereinftimmung mit dem Zentrum fordern wir, daß vor der Entscheidung über den Poung-Plan volle Klarheit über die finanzielle Leistungsfähigkeit des Reiches ge- schaffen ist. Erst bindende Vereinbarungen über die Gestallung unserer zu- künstigen Finanzgebarung und dann erst endgültige Stellungnahme zum Joung-Plan. Frankreich muß längst wissen, daß das Saargebiet deutsch ist und bleiben will, bei gutem Willen müßte Frankreich das Saargebirt freiwillig zurückgeben. Der große Wandel seit Versailles ist un- verkennbar. Abg. Graf Reventlow(Nat.-Soz.) verliest eine Erklärung, in der die Vorlagen abgelehnt werden, und zwar wegen der Kriegs- schuldlügc als Grundlage der Reparatümsschuld, Fortführung des Weltkrieges mit anderen Mitteln zur Liquidierung der deutschen Wirtschast und des Deutschtums, was wieder zunehmenden Export deutscher Menschen zur Folge habe, planmäßige Verminderung des deutschen Volkes um die 20 Millionen, die es nach Clemenccau zu stark ist. All das ermöglichen die Reichsregierung und ihre Parteien. Zum.. ochluß appelliert der Redner an den R e i ch s p r ö,j i d c Il ten, das Zustandekommen dos Poung-Plons zu rerhindeni. Nach achtstündiger Sitzung wird die Weitcrbcratung auf heilte, 12 Uhr, vertagt._ Berlins Auslandskredite. Präsident Schröder von der Beratungsstelle. Der Untersuchungsausschuß des Landtags zur Prüfung der angeblichen Mißwirtschast in der Berliner Stadtvcrwol- tung sollte am Dienstag den Vorsitzenden der Beratungsstelle für Auslandskreditc, Gcheimrat Norden vory Reichsfinanzministerium, vernehmen. Da Gcheimrat Norden am Erscheinen verhindert war, erschien an seiner Stelle das Mitglied der Beratungsstelle, der Prä- sident der Preußischen Staatsbank Schröder. Die Vernehmung erfolgte auf Wunsch der Dcutschnationalen, verlies jedoch völlig ergebnislos. Der Zeuge sollte darüber gehört werden, ob die Stadt Berlin aus Auslandsanleihen rechnen konnte, ob die Stadt- Verwaltung bei einer Investierung gutgläubig handelte oder nicht das nötige Maß von Voraussicht bewiesen hat. Auch über die Gründe, weshalb Berlin die Ausländsanleihen verweigert worden sind, sollte der Zeuge gehört werden. Staatsbankpräsident Schröder erklärte dazu, daß cr sich nur sehr zurückhaltend äußern könne, da er der Amtsverschwiegenheit unterworfen sei. Berliner Anleihewünsche seien nicht abgelehnt, son- dern höchstens kontingentiert worden. Das letzte große Änleihegesuch vom Dezember 1929 sei n i ch t abgelehnt, sondern vor der Eni- scheidung vertagt. Es sei dann darüber nicht mehr verhandelt worden. Berlin konnte aus keinen Fall wissen, daß diese Anleihe nicht genehmigt werden solle. Auf Befragen äußert sich der Zeuge dahin, daß in den Ablest- nungen von nochgesuchten taminunalen Auslandsallleihen keine Sabotage erblickt werden könne. Die Aufteilung der fest- gesetzten Quote sei nicht nach einem Schlüjjcl, stmdern nach genauer Prüfung der Bedürsnisse erfolgt. Ob Dr.«chacht aus politischen Gesichtspunkten gehandelt hat, Berlin die Aufiiahmc von Auslaiids- krediten zu verweigern, könne er nicht wissen. Er könne unmöglich über die Motive und Beweggründe Dr. Schachts ein Urteil abgeben. Im übrigen sei Dr. Schacht nicht Mitglied der Be- ratungsstelle. Das Direktoriuan der Reichsbank sei allerdings durch einen Referenten in der Beratungsstelle vertreten, der sich natürlich an die Weisungen seiner Dienststelle gebunden Halle. Mit dieser Vernehmung sind die Abschnitte der Untersuchung Aiischpffungsamt, Berliner Stadtbank und Finanzgebarung der Stadt Berlin erledigt. Ueber die weiteren Dispositionen wird sich der Ausschuß nach Beginn der Plenarsitzungen in einer Abendsitzung schlüssig werden. M MAGG I® W Fleischbrühwürfel fq� GYs. Stohlrekorde in Mitteldeutschland. Belegschaften als Melkkuh der Stahlkonjunktur. Die Mitteldeutsche Stahlwerke Zl.- G., auch Mittel- heutschcr Stahltrust genannt, ist nach der cherauslösung der Lauch- Hammer Werke ans dem zerbröckelnden Linke-Hofmann-Konzern zu einer der blühendsten D o m ä y e n des Ruhrstahltrufts geworden. Die wichtigsten Betriebe der mitteldeutschen Stahl- gruppc sind die Stahl- und Walzwerke in Riesa a. d. Elbe, Stahl- preß- und Radsatzwerk in G r ö d i tz, die Eisengießerei, Maschinen- betriebe, sowie Braunkohlen- und Brikettbetriebe in Lauch- Hammer und das srühere Stahl- und Walzwerk Weber in B ra n de n b u rg. Allein die Leistungsfähigkeit im Brandenburger Werk Mäust sich aus 150 000 Tonnen Grobbleche und 180 000 Tonnen Rohstahl, wird aber von den Riesaer Betrieben noch übertrofsen. Das Unternehmen, dessen Werten das mitteldeutsche, sächsische und Berliner Industriegebiet unmittelbar vorgelagert ist, hat schon die ersten beiden Geschäftsjahre nach seiner Neugründung mit einer 7prozentigen Dividende abschließen können. Während der Ruhr- stahltrust auch für 1028/20 noch bei seiner Oprozentigen Dividende bleibt, konnte feine pralle Tochter in Mitteldeutschland die Aktionärsgewinne jehl von 7 auf S Proz. heraufsetzen. Den Aufschwung, den die Mitteldeutsche Stahlwerke A.-G. im letzten Jahr infolge der kräftigen Stahl- und Kohtenkonjunktur er- fuhr, kennzeichnet die folgende Tabelle: Ilmsatz.. Rohstahl-Prod.. Braunkohle-Prod. Brikett-Prod velegschafl.. 1027/28 1028/29 02.3 Mill. M. 107,5 Mill. M. , 477 500 Tonnen 538 170 Tonnen 1560 000„ 1 840 000 . 395 040„ 389160 11 200. 11 000 Die Umsätze des Unternehmens haben sich also im letzten Jahr um rund 16 Proz. erhöht. Die Produktion in den Stahl- werken stieg um 10 Proz. und in den Brikcttsabriken um rund 28 Proz. lieber die Walzwerksproduktion und die Entwicklung der Cifenguhbctricbe in Lauchhammcr sagt der Geschäftsbericht nichts. , Im Gegensatz zur durchgehenden Umsatz- uird Produktionsstcigerung j hat sich die Belegschaft von 11200 auf rund 11000 Mann vermindert,— in den Betrieben um mehr als 2 Proz., während in den Büros geringfügig« Neueinstellungen stattfanden—> so daß die durchschnittliche Leistungssteigerung je Mann und Schicht sich auf rund 17 Proz. beläuft. Die verstärkke Ausbeulung der Arbeikskrafk nimmt also in den Betrieben der Mittoldeutschcn Stahlwerke einen immer größeren Umfang an. Im Verhältnis der Umsatzerhöhung ist auch der Reingewinn um 15 Proz. auf 4,35 Millionen gestiegen, obwohl die Abschreibungen weiterhin von 3,6 auf 3,8 Millioner. Mark heraufgesetzt wurden. Da die wichtigsten Umstellungen in den Betrieben bereits durchgeführt sind, stellt diese Erhöhung der Abschreibungen aus die Werksanlagen die künftige Selbstsinanzierung bei weiteren Ausbauten auf weite Sicht sicher. Ein Beweis, daß die schwer- industriellen Unternehmer in der Log« sind, eine recht kräftige Sapilalbildung durchzuführen. Auch an flüssigem Geld ist natürlich kein Mangel. So haben sich die Bankguthaben allein von 5,7 auf 9,3 Millionen erhöht und die gesamten Forderungen erreichen mit 29 Millionen fast das Dreifache der laufenden Schulden. Der mitteldeutsche Stahltrust hat drei ausgezeichnete Jahre fast ununterbrochener Konjunktur hinter sich. Er hat die Früchte der Rationalisierung in vollstem Maße geerntet. Das beweisen die wachsenden Leistungen einer verringerten Belegschaft und die steigenden Gewinne der Gesellschaft. Die Belegschaft dagegen hat, abgesehen von den Auswirkungen des Arbeitszeitgesetzes, von dieser Glanzkonjunktur nichts gehabt. Im Gegenteil, gering- fügige Lohnforderungen hatten eine acht- bis zwölfwöchige Aussperrung im Winter 1927/28 zur Folge. Die organisierte Belegschaft, die am eigenen Leibe zu spüren bekommen hat, daß hauptsächlich auf sie die Lasten der Rationalisierung abgewälzt sind, während die Unternehmer die Früchte ernten, wird aus diesem Glanzabschluß richtige Folgerungen zu ziehen wissen. �olteriegewinne aus Einsuhrscheinen. Wie das Reich Händlergeschenke verteilt, weil Bayern Bier-Reservatrechte hat. In dem Zollgesetzentwurs der Reichsregierung im Dezember des letzten Jahres war«in« Erhöhung der Einsuhrscheine(Export- Prämien) sür Braugerste von bisher 2 M. auf 3,50 M. vorgesehen. Bei der verschärften Kontrolle über die Futtergersteneinfuhr glaubte die Reichsregierung, der Braugerste bauenden Landwirtschaft dieses Zugeständnis für die Prcisbesserunq der Braugerste machen zu können. Obwohl die Sozialdemokratie prinzipiell gegen diese Maß- nähme war, hat sie ihre Zustimmung zu dent gesamten Gesetzentwurf der Regierung nicht versagt, da ja bei wesentlich wich- irgsre» Produkten, insbesondere bei Roggen und Gerste, in dem neuen Gesetz auch ein Lerbraucherschutz eingeführt wurde. Jnnerlzalb der Koalitionsporteien mußt« nun aber, wenn das Gesetz durchgebracht werden sollte, der Bayerischen Lolkspartei in der Flage der Gersteneinfuhrscheinc eine weitere Konzesston dadurch gemacht werde», daß für ein auf 50 000 Tannen begrenztes Aus- suhrkontingent für Braugerste ein erhöhter Einsuhrschein(Ausfuhrprämie) für 6,-50 M. zugestanden wurde. Trotz dieses Zugestäitd- nisses hat die Bayerische Volkspartei es ja durch ihre Quertreibc- leieu am Schluß der BcichanMuiigcn verstanden, den Futtergerstenzoll und damit auch den Einsuhrschein sür sämtliche Gerste mif 5 M. zu erhöhen. chiermit wäre das auf 50 000 Tonnen festgelegte Ausfuhr- knnt.ugent mit Einfuhrscheinen von 6,50 M. hinfällig gewesen. In der Eile der Reichstagsverhandlungen kurz vor Weihnachten blieb aber trotz des allgeincin für Gerste erhöhten Einsuhrscheins das Kontingent mit den Einfuhrscheinen zu 6,50 M. bestehen! Allerliebste Konsequenzen ergeben sich daraus. Die Landwirtschaft hatte erwartet, daß die kontingentierte Aus- fuhr mit den 6,50-Markfuhrscheinen sich günstig auf die in- ländischen Braugerstcnpreise auswirken würde. Nach der jetzt bekanntgewordenen Einfichticheinordnung muh aber der um 1,50 M. höhere Einfuhrfchcin restlos zu einem Sonderprofit des Handels werden. Das Gerftenkontingent von 50 000 Tonnen wird nämlich nicht an irgendwelche besondere Firmen oder besondere Zollämter oder nur in bestimmten Zeiten verteilt, sondern jeder Händler kann über 70 besonders genannte Zollämter Gerste zur Anrechnung auf das Kontingent ausführen, solange dies nicht erschöpft ist. Keiner der Händler weiß aber, ob das Kontülgent bereits erschöpft ist oder nicht. Dies stellt sich vielmehr erst heraus, wenn sämtliche Bericht« der Zollämter beim Reichsfinanzministerium eingegangen sind. Den Exporteuren wird also vorläufig nur ein Ein- fuhrschein in Höhe von 5 M. ausgestellt mit dem Vermerk„Kon- tingentsgerste". Erst wenn, was viele Wochen dauern kann, im Reichsfinanzministerium festgestellt ist, ob an dem betreffenden Tage der Ausfuhr das Kontingent bereits erschöpft war oder nicht, also, wenn das Gerstenexpartgeschäst längst abgewickelt ist, erhält der Händler Nachricht, ob er zu seinem d-Mark-Einfuhrschein noch einen Zusatzeinfuhftchein in Höhe von ILO M. erhält oder nicht. Bei der völligen Unsicherheit sedcs einzelnen Händlers über die Höhe oes Einfuhrscheins besteht selbstverständlich für jeden Händler der Zwang, sein Gerstengeschäst unter Einkalkulierung eines 5-Mark- Einfuhrscheines abzuschließen. Würde er mit den OHO-Mark-Einfuhr- Icheinen rechnen, so liefe er Gefahr, da ja von 70 Zollämtern erst die Meldungen über den Gerstenexport geprüft werden müssen. lLO M. pro Doppelzentner zu verlieren. Es ergibt sich hieraus, daß sich für den landwirtschaftlichen Erzeuger nur der Einfuhrschein von 5 M. im Preise auswirken kann und daß der zusätzliche Einsuhrschein von 1,50 M. für die deutsche Preisbildung völlig be- bcutungslos ist, also ausschließlich«in« Händlerprä IN ie darstellt. von der aber kein Händler vorher weiß, ob sie ihm zufällt, die aber jeder ebenso, wie er das große Los nicht verschmäht, dank- l>ar aus der Reichskasse entgegennehmen wild. Wir haben das deutsche Einsuhrscheinsystem von jeher scharf kritisiert, derart tolle Auswüchse hätten aber nicht einmal wir>« für möglich gehalten. Das Reich verliert durch diese Lotterie„nur"% Millionen. Wie vertragen sich diese großzügigen und absolut sinnlosen Geschenke an den Handel inst der bedrängten Finanzlage des Reichs? Massenhaft billiges Geld. Man sollte eine neue viskontermäßigulig nicht fürchten. Am'5. Februar hat die Reichsbank nach unverantwortlich langem Zögern den Wechseldistogt von 6is auf 6 Proz. ermäßigt. Diese Maßnahme hat der Reichsbank, wie zu erwarten war, nichts g e- nützt. Der erfle Ausweis n a ch der Diskontsenkung l>at gezeigt, daß niemand von der Reichsbank Kredite haben will, obwohl die Nachjrage bei der Reichsbant hätte steigen müssen, wenn die 2-skontermäßigung ausreichend groß gewesen und früh genug er- folgt wäre. Beides war nicht der Fall. Das Angebot von Geldern war»nd ist so groß, daß gestern beispielsweise die für Tagesgeld gewährten Zinsen i» Einzelfüllen nahe an nur Zlb Pro- z e n t herankamen, daß die Reichsbank selbst gegen die Unterschrift allererster Firmen mit 5'h Pro;. P r i v a t d i s t o n t e n hau- belle und daß auch das längerfristige Geld schon bis nahe bei 6 Vi Proz. zu haben war. Mit allem Ernst darf der Frage nähergetreten werden, ab hie Reichsbank nicht sofort noch«ine weitere Diskont- s e n k u n g um'ein halbe- Prozent vornehmen soll. Gegenüber London betrüge dann die Zinsdifferenz Immer noch ein volles Pro- zent und gegenüber New Vork noch anderthalb Prozem. was durch- aus genug ist bei der gegenwärtigen Geldiüll« des internationalen Marktes. Die Umschuldungsattion der Städte wirkt sich schon aus. die Kreditgewährung an Kommunen ist stark zurückgegangen, die Industrie braucht noch keine Kredite. Sluf der anderen Seite b«- ginnt sowohl die Börse als auch der Pfandbresmarkt sich wieder zu beleben. Alles kommt gegenwärtig darauf an, daß d-r tote Punkt in der Wirtschaftsentwicklung überwunden wird. Zur Ueberwindung dieses toten Punkte» könnt« eine neue Diskont- -rmäßigung ungeheuren Nutzen stiften. Der Vorteil, daß der oolls- wirtschaftliche Motor dadurch wieder anspringen könnte, wäre viel größer als der Nachteil, der In einer vielleicht bald wieder notwendig werdenden Erhöhung des Diskonis zu liegen scheint. Wir glauben, wer deutlich den Puls d-r Wirtschaft zu fühle» bemüht und die zahlreich vorhandenen psychologischen Antriebskräfte in Rechnung zu setzen fähig ist. der müßt« j e g t d- n M u t h a b e n. sofort— wenn auch vorübergehend— die zentrale Kreditgewährung bei der Reichsbank noch einmal zu verbilligen. Die allgemeine internationale starke Verflüssigung und die günstige psychologische Situation bei der endgüftigen Regelung der Reparationen sind c i n- m a l i g« Chancen, die auszunutzen zwar etwas Mut erfordert. aber von hundertfältiger Frucht sein können, nachdem bankwirt- schaftlich und wahrungspolitisch ohnehin nicht die geringsten Be- senken gegen eine weitere Kreditverbilligung bestehen. Kapital für die Werke. Wieviel sollen die Werke an die Städte abführen. Selbstfinanzierung bei Anleiheknappbeit? Die Äopitalsieschafsung für die öffentlichen Werte ist eine sehr ernst» durch die Anleihedrosselung auch politisch ernste Angelegenheit. 2m„Berliner Tageblatt" hat der ab» Techniker und Wirtschafrlcr gleichermaßen geschätzt«' Direktor der BVG., Gen. Dr. M a j e r c z: k. die damit zuiommenhängcnde, praktisch vielleicht noch wichtigere Frage aufgeworfen, ob und inwieweit der städtisch« Haushall nicht auf Werksüberschüsse verzichten'muß uenn bei der Anleiheknoppheij durch diesen Entzug von Uaberschüssen die weitere Entwicklung der Versorgungs- und Aerkehrsbetricbe leidet. Der, für Deutschland jährlich in dic Milliarden gehende Er- w.-irerungsbedars der städtischen Werke erfordert nach Mojerczik einen Äapitalauswand. der sich aus drei gleichsam überemandergc- lagerten Schichten zusammensetzt: einmal aus der absoluten Vcr- mähcung der Bevölkerung und der Ausdehnung der Städte über- Haupt, sodann aus dem gleichzeitig pro Kops noch stärker wachsen- den Kultur-, Verkehrs- und Äraftbedarf und endlich aus der sich un- abhängig von diesen beiden Faktoren noch vollziehenden inten- s l v e n Zusammenballung von Menschen und Wirtschaftsbctrieben in den Großstädten. Wenn angesichts dieses aus drei©runden von Truppen progressiv wachsenden Kapitalbedarfes öffentlicher Werke die Anleihemüglichkeiten der Städte und der Werke so begrenzt sind wie heute, so müßten die öffentlichen Betriebe in die Loge gesetzt werden, einen möglichst großen Teil ihres Kapital-- bedarfs durch Selbstfinanzierung decken zu können. Eine Selbstfinanzierung selbstverständlich, die nicht Preis und Tarife erhöht wie beim Prioatkapitol, sondern sie durch die Ersparnis von Zinsen senkt. Gegenwärtig ist es ja aber bekannllich so, daß beispielsweise bei den Verkehrsbetrieben Berlins durch die Ab- führung von sogenannten Ueberschüssen die Substanz gefährdet wird. Es ist zu begrüßen, daß Genosse Dr. Majerezik offen ausspricht. daß die Abzapfung der öffentlichen Werke durch den städtischen Haus- halt absolut med bei der gegenwärtigen Anleihenot noch eine besonders eng zu ziehende Grenze haben muß. Freilich entsteht dabei die Frage, daß der steuerliche Ausgleich der Stadthaushallc noch weller erschwert wird. Selbstfinanzierung allein tut es in der Tot auch nicht, wenn nicht das alleräußerste an ranoueller Wirtschaft ohne Vernachlässigung des Grundsatzes, daß öffentliche Wirtjchaits- betriebe soziale Musterbetriebe sein sollen, zugleich geleistet wird. Aber«s darf nicht übersehen werden, daß selbst�steuerlichc Mehr- leistungen stadiwirtjclzaftlich vernünftiger sind, als«ubstanzabzapsun- gen der Werke in Zeiten der Anleihenot mit der Folge, daß die Leistungssähigkell der Werke hinter den elementaren Notwendig- kellen zurückbleibt._ Reichee�ekirowerke 1929. 8 Prozent Dividende für das lieich. Die vom Reich vollbeherrschte Elektrowerkc A.-G., die jetzt in Zschornewitz das größte europäische Kroftwerk betreibt, hat nach dem Geschäjtsbericht im Jahre 1929 eine neue starke Ausdehnung ihrer eiektrowirtschastlichen Tätigkeit erfahren. Die Stromerzeugung der Kraftwerk« stieg von 2,01 auf 2,33 Milliarden Kilowattstuiiden. Die freie Verfügung über die gesamte.Kraft- werkslosstung, dic sich auf 730 000 Kilowall erhöhte, wurde durch den Bau einer 140 Kilometer langen Doppelleiiung stärkster Ausmaße zwischen Zschornewitz und Lauta beträchtlich erhöht. Endo 1929 hatte das Hochspannungsnetz eine Länge von 1060 Kilometer Doppelleitung. In den Gruben wurden 4,8 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert, die Brikettfabriken erhöhten ihre Leistung auf 140 000 Tonnen Briketts. Von der Greppiner Werke A.-G. in Wolfen, die liquidiert hat. wurde ein großer Kohlefelderbesitz für dic spätere Belieferung des Kraftwerkes Zschornewitz käuflick) erworben. Die Bilanz und die G c wi n n r e ch n u n g gibt von dieser Ausdehnung deutliches Zeugnis. Das Aktienkapital wurde van 60 auf 90 Millionen Mark— jetzt voll eingezahlt— erhöht. die Bilanzsumme ist von 189 auf 246 Millionen, der Wert der Gruben von 18,6 auf 23,33 Millionen, der der Kraftwerk« von 102,9 auf 131,1 Millionen uird der der Beteiligungen von 15,6 auf 23,1 Millionen Diark gestiegen. Der Reservefonds ist durch die Kursgewinn« bei der Kopitalerhöhung von 10 aus 23L Millionen Mark erhöht, die laufenden Schulden, die keine große Rolle spielen. sind von 13,5 auf 20,8 Millionen Mark gestiegen. Die ausgewiesenen Ueberschüss« sind von 17,35 auf 20,58 Millionen Mark vermehrt: daraus erhält das Erneuerungskonto(Abschreibungen) den Betrag von 8,16 Millionen, womit die Bbschreibungsreserve aus 51,90 Millionen steigt. Als Reingewinn werden 5.73 gegen 5.22 Millionen Mark im Lorjahre ausgewiesen: aus diesem Rein- gewinn erhält das Reich wie im Lorjahr eine Dividende von 8 Proz. Das Jahr 1930 hat für die Elektrowerke infolge der schwierigen Berliner Finanzlage bekanntlich schon den schr bedeutenden Erfolg gebracht, daß Berlin den Elektrowerke» erheblich größere Slrommengen abnimmt und den Stromlieferungs- vertrag um fünf Jahre bis 1948 verlängert. Handelsverträge lohnen sich. ErfreulicheSteigtrungdkrdeutschenAussuhrnachKranlreich Seit dem letzten Frühjahr sind die deutschen Tcxtil- Unternehmer gegen den seit 1927 bestchenden deutsch- französischen Handelsvertrag immer wieder Sturm gelaufen Besonders aktiv waren in dieser Hinsicht die Unter- nehmerverbänd« der Bauimvollindustriellen, die wegen angeblicher Drosselung ihres Zlbsatzes durch die Einfuhr elfässifcher Waren die sofortige Kündigung des Haildelsoertroges mit Frankreich forderten- Wie unsinnig diese interessenpolitischen Forderungen engstirniger Textilmagnoten sind, beweist die soeben veröffentlichte Bilanz des französischen Außenhandels. Danach ist die deutsche Ausfuhr im Jahre 1929 von. 4,9 auf 6,6 Milliarden Franken g e st i e g e n. Da sich andererseits die französische Einfichr von 5,6 auf 4,7 Milliarden verringert hat, ergs.bt sich im deutsch-französischen Wirt- schaftsverkehr ein Ausfuhrüberschuh zugunsten Deutschlands in Höhe von 1,9 Milliarden Franken. Dies entspricht einem Wert von mehr als 300 Millionen Goldmark. Da im Jahre 1927 der deutich-französische Außenhandel noch passiv war, ist der gewaltige Fortschritt der deutschen Exporte infolge des Handelsvertrages ohne weiteres ersichtlich. Es ist aber sür das volkswirtschaitliche Denken der deutschen Unternehmer durchaus kennzeichnend, daß sie aus kleinlichen egoistischen Motiven heraus einen der größten Aktivposten Deutschlands auf handelspolitischem Gebiete vernichten wollen. Reue Bestimmungen für Hauszinssteuer-Neubauwohnungen. In der Bergedung der mit öffentlichen Mitteln errichteten Neubauwohnungen tritt ab Mitte gc-bruar für Groß-Berlin eine Reih« von Aendcrui'.gen ein, die beachtet werden müssen. Die "ur mit Hauszinssteuer whne Sonderzuschüsse gedaulen Wohnungen können aud) nunmehr an alleinstehende ledige Reichs- deutsche vermietet werden, die das 35. Lebensjahr volleirdet haben und seit 5 Jahien In Berlin wohnen. Die Wohnungen, die mit Hauszinssteucr und S o nd e r zu s ch ü s se n der Stadt erbam sind und auf den grünen Nenbouschein vermietet werden, werden an Reichsdeutsche verliehen, die eine brauchbar« Altwohnung mit höchstens vier Zimmern zur Verfügung stellen, an Familien ohne Kinder, die seit mindestens.zwei Jahren in Berlin wohnen, und an Familien mit Kindern, die seit mindestens einem halben Jahre in Berlin wohnen. Die Wohnungsfürsorge-Gesellschast macht nochmals auf ihr Mitteilungsblatt aufmerksam. Professor Verzins sprach vorgestern ln der Aloskauer lluiver- iiiät über sein Verfahren sür die Gewinnung von Zucker aus Holz. Dic Rußlandreij« von Bergius hangt mit einem Vertrage zusammen, den Bergius mit der russischen chemischen Industrie über die Errichtung einer Fabrik für künstlich« Futtermittel abgeschlossen hat. »ä. Änterhaitung unö Wissen jsz* di&rl Sdiröder: Sin poliii f eher SEutammenUoB Wir Ititwcn hier»ine S,wnt aus dem im Bcrlaq..D t r Biicherkrcis" erschi«»«ncn Roman„Jan Brei" von K a'r l Schröder. Dir beiden Kauviverionen in dieser Sflenc sind Aan Ace! und sein Schwieaerva'cr Miencrt. Nebenfiguren sind sfrau Menerd und Anna, die Israu von Jan Beck. Als Jan und Miancrt von den Frauen olleingelassen wurden« l?attcn beide eine Zeitlang geschwiegen. Der Alte war«in geübter Taktiker, er wußte, was es bedeutet, di« Krajt eines Angriffs durch Schweigen und eiserne Ruhe zu brechen. Als alter Gewerkschaftler kennt er die Stürme der Diskussion, di« Entrüstung unterdrückter Rede, den Kompromih nach dem Kampf. Und er ist gewitzt durch die letzie Erfahrung, das Gespräch mit Jan über Zeitungen. Am besten ist es, er wartet, daß der andere zu reden anfängt und offen seinem Herzen Luft macht... Noch schnell ein paar Züge aus der Pfeife.... Er wartet vergebens; sein Gegner schweigt. Wohl oder übel muß er den Anfang nwchen. Lorsichtig sagt er: „Es ist schrecklich, zu sehen, wie die Arbeiter sich zerfleischen. Wir haben zu meiner Zeit auch schwere Kämpfe gehabt— wenn ich daran denke, wie Bebel gegen Bernstein gewettert hat, das war nicht von Pappe, aber was hier geschieht, kann einem das Herz im Leibe umdrehen.� Wienert weiß, daß Jan in Lichtenberg war: aber er weiß nichts Genaues, glaubt nur, daß er durch Zufall mit dem Bruder dort dngeschlosiön war. Als Jan immer noch schweigt, im Stuhl zurück- gelehnt, den rechten Ann auf dem Tisch, mit den Fingern trommelnd in kurzen Abständen, fährt er fort: „Ich habe heute und gestern die„Rote Fahne" gelosen. Ich kann es nicht fasten. Seitenlang nichts als Hetze gegen uns. Mörder, Verbrecher, Lumpen, so geht es in einem Atem; einfach ekelerregend. Vierzig Jahre hat nian gekämpft, um sich am Ende als Mörder und Schurke beschimpfen zu lasten von Kerls, die nie eine Organisation gesehen haben." „lind wie ist das mit Lichtenberg?* Jan fragt: tastend«inen Schritt nach vorwärts schleichend, wie ein Raubtier, das sich der Beute nähert. Mienert hört nicht den Unterklang, nur den äußerlich ruhigen Ton der Frage. Er glaubt. Jan wünsche eine sachliche Klärung und freut sich, sie geben zu können. „Es ist gut. daß du danach fragst. Ich wollte schon vorher davon sprechen; aber solang« die Frauen dabei sind..."— er lächelt: seine eigene Schwäche gesteheich—„kann man über Männer» angelegenheiteu nicht reden... Aber, was-6) sagen wallt«—— ja flehst im. mit Lichtenberg, das ist... das tonn man eigentlich mit einem einzigen Satz« sogen: Wo gehobelt wird, fallen Späne. lind du als Tischler mußt das am besten misten..." Er lachest von neuem. Jan aber lächelt nicht wieder. �vann ist wohl Otto auch so ein Span: was?!* Das kommt schon stärker heraus. Mienert merkt es: aber trmner noch ist er der Ansicht, es bedürfe nur guten Zuredens und deutlicher Auseinandersetzung, dann würde er Jahn entwaffnen, überzeuge» und alles wieder ins reine bringen. ,T>as habe ich nicht gesagt, und werde es niemals sagen. Du kannst mir glauben, mir sind die Tränen in die Augen gekommen. als Mutter mir das erzählt hat. Aber davon wollen mir schweigen. Ich kann noch jetzt nicht begreifen, wie Otto dazu gekommen ist. Er war doch nicht dumm und politisch geschult. Wie tonnte er sich mit solchen Verbrechern abgeben? Er mußte—— „Dann bin ich wohl dumm und Verbrecher— wie?!* „Mit dir ist kein Reden heute— Mienert stockt. Er will sich nicht hinreißen lasten: noch ist er seiner Sache so sicher, daß er alles vermeiden möchte, was den anderen reizen könnt«. So fährt er dann fort: „Ich meine, du bist zu empfindlich. Du mußt mich richtig verstehen: Ich spreche gar nicht von dir. Ick» spreche van diesen Kerls, di« sich niemals um Politik gekümmert haben, jetzt aber die große Geige spielen wollen: die denken, wenn sie mit dem Gewehr herumfuthleln können, dos wäre schon Politik. Heugabelpolitik— jawohl.— Runterreißen kann jeder, aber aufbauen— das ist die Kirnst. Mehr als fünfzig Jahr« haben wir für die Republik ge- kämpft— jetzt ist sie da—, und jetzt kommen diese Narren und werden es so lange treiben, bis alles wieder zum Teufel ist. Da soll man nicht aus Aer Haut fahren. „Ich pfeif' was auf eure Republik, wenn's mir dreckiger geht als vorher...* „Du weißt nicht, was du redest,..* „Das weih ich bester als du. Ick) kenn' eure Republik jetzt in- und auswendig. Statt mit den Arbeitern zusammenzugehen, laßt ihr euch von den Herren Generälen koinmandicren—" „Red' keinen Unsinn. Jon!...* „Red' du keinen Unsinn! Ist das vielleicht nicht wahr?! Macht nicht Roste Kambuge mit dieser Bande?! Wie?" „Das ist nicht wahr, so wie ,du dag sagst.. x„Das ist doch wahr!" „Das ist nicht wahr, du muß: nicht iügen. Du verstehst nichts von Pa'itik!... Du sollst die Finger davon lassen." Ülch, sieh mal an! Und wer woll:' mich mit Gewalt zur Politik bringen!? Du und ihr alle!" „Ja— ober nicht zu diesem Unsinn." Sieh mal an! Was dir nicht paßt, das ist Unsinn. Alles Quatsch, was du brabbelst, das sag' ich dir." Jetzt ist es aber genug: du willst mich wohl beleidigen?" "Den Deuwct will ich. ich will dir bloß sagen, daß olles Quatsch ist Und du bist feige und verkriechst dich hinter dem Osen." Wo» soll denn das heiße»? Du bist wohl verrückt geworden?" " Verrückt oder nicht, jedenfalls nicht verrückter ol» Du." Jan Brtjk ist aufgesprungen, daß der Tisch zurückfliegt. Die Base, di« aus ihm gestanden hat. stürzte auf den Bäd«n. zerspringt in Stücke. Cr ist In maßlose Wut geraten: weiß nich, mehr, wo? er hü und redet. Braunrot laust sein Gesicht an: eine wulstig« Falle liegt über der Nasenwurzel: die Augenbrauen sind eng zu- sammcngezogen so daß sie einander fast berühren. Aber auch Mienert ist nicht mehr Herr setner selbst. Längst ist die Pfeife misgegangen. Heftig steig» ihm das Blut zu Kopfe. Er beginnt, diesen Menschen ZU hassen, der ihn so maßlps und un- gerecht reizt: dem«r nichts getan hat und der ihn in der eigenen Wohnung so schmählich beleidigt. Jetzt kann er sich nicht mehr holten; er sieht keinen Schwieger- söhn mehr; nur einen fremden Menschen: auch er springt auf, und als sein Gegner das letzte herausbrüllt, schreit er wütend: „Jetzt hörst du auf oder ich mache von meinem Hausrecht Ke- brauch." Eine Sekunde erstarrt Jon Beek: stiert den andere» nur an und bewegt die Lippen, ohne ein Wort herauszubringen: dann aber beugt er sich haßerfüllt vor und stößt nur das Wort heraus: .Luder!" Als Miencrt antwortet, kommen die Frauen zur Tür herein. „Was ist denn hier los? Du bist wohl närrisch geworden?" Resolut geht Frau Mienert acks ihren Mann zu; blickt ihm gerade ins Gesicht. Er sieht sie wie abwesend an; kommt dann aber so- fort zur Besinnung und sagt unter tiefem Atem: „Frage den da, warum! Das hat mir im ganzen Leben noch keiner gesagt." Frau Mienert sieht fragend auf Jan. Anna steht neben ihm. Er beachtet es nicht. Aber als sie leise und flehend sagt: „Was ist denn nur? Sei doch nicht böse, Vater meint es nicht so," da schreit er sie an, wie ein« Fremde: „Fängst du auch noch an? Laß mich in Ruh': ich habe hier nichts mehr zu suchen. Wenn du hierbleiben willst, kannst du hier- bleiben. Aber ich verzichte. Dos Haus verboten hat mir noch keiner. Dos werde ich mir nicht zweimal sagen lasten. Mach' was du willst ich gehe." Er schiebt di« Frau zur Seite und geht auf die Tür zu. „Jan, was fällt dir ein!— Hermann, was host du gemacht? Ihr seid wohl alle nicht ganz bei Trost.... Mann, rede doch! Was soll denn das heißen? Jan, du bleibst hier.... Anna, hall' ihn fest.... Mein Gott, mein Gott, was ist das bloß alles?" Mutter Mienert wendet sich hilflos von einem zum anderen. Anna ist totenblaß geworden und folgt ihrem Mann m den Korridor. Der geht ohne Ausenthall durch, achtet nicht aus die Kinder, die die Tür ihres Zimmers geöffnet haben und verwundert auf die Erwachsenen starren: er reißt seine Mütze vom Riegel und geht. Als er die Tür hinter sich zuschlägt, stürzt die Mutter ihn, nach und ruft laut in den Flur seinei, Namen. Aber er antwortet nicht; nur sein harter Schritt klingt von unten herauf. -Der eilemeHogel Aitym, Sapyrgajs Sohn, der beste Schütze der Steppe, tötete einen noch nie gesehenen eisernen Vogel. Das begab sich auf fol- gendc Weis«. Aitym, der Kirgise, rill auf seinem Kabardiner-Roß Kawohat durch die Stepp«: hinter ihm her trottete sein Hund Macho. Aitym sah empor zum azurfarbenen Himmel: da flogen Kraniche, schreiend zogen sie dahin in spitzem Winkel, strichen nach fernen Ländern. llitd dann sah Aitym noch einen Vogel am Himmel der krächzend den Schnabel im Kreis« drehte. Immer tiefer senkte sich der Vogel, es war ein Riesenoogel, größer wohl als eine Jurte, ein Kirgisen- zeit. In seinen runden Fängen hielt der Bogel zwei Menschern Aitym erhob sein Gewehr und schoß. Da schrie der Bogel laut auf, loderndes VUit traft herab, und der Vogel stürzte Nieder auf di« Erde. Sein Gesieder brannte, und sei« Schnabel drol)tc sich im Kreise, und es wurde so heiß ringsum, daß man sich ihm nicht nähern konnte— und plötzlich stieß der Vogel emen gellenden Schrei aus,«ine Rauchsäule stieg auf aus seinem Herzen, und sein« Federn stoben nach allen Sellen. So starb der unbekannte Bogel. Aitym trat heran und wundert« sich: die Eingeweide des Vogels waren aus Eisen, sein Herz hotte acht Enden, und in seinen runden Fängen logen zwei tote Männer. Aitym wunderte sich. es wunderten sich dann auch die anderen Kirgisen, die meilenweit herrillcn, den toten Vogel zu sehen. Später kamen die Kosaken des Ataman Dutow in die Steppe geritten, erblickten den eisernen Vogel und fragten: „Von wo kam dieser Vogel geflogen und wer Hai ihn getötet?" Da sagton die Kirgisen „Gepriesen sei Allah, diesen Vogel tötete der Jäger Aityin, Sapyrgajs Sohn..." Di« Kosaken sahen sich den Vogel genau an, fanden ein Paar Achselstück« und sagton: „Es ist eines ynierer Flugzeuge, und euer Allym wird er, schössen werden■., Und vor den Augen des Vaters Sapyrgaj vor den Augen der Mutter Kastain töteten sie den Söhn Aitym. plünderten dos Gezell aus und brannten es nieder. Da geriet auch die Steppe>n Brand, das Feuer fraß sich schnell weiter bis zum Flusse Tachtt, es brannte die orangesarbeire Steppe, mannshoch standen die Flammen, und der Rauch reicht« als schworzweiße Wolke empor bis zum Himmel...(-An- bem RuslUSnn von Ha,'., S u 0 f f.) 6*1*118 ftüfing; Inventur bei Magenbeek Um die Bilanz ziehen zu köimen, muß man Inventur aufnehmen, das weiß man ollgemein, aber unter welchen Schwierig- kellen im Zirkus und im Tierpart eine Jnvenwr aufzunehmen ist, das wissen nur wenige. Den ganzen Tag über werden im Zirkus jede.Hand und jeder Kopf gebraucht, darum wird die Inventur nachts gemocht. Nachts (wenn die schweren Eisentüren jede Garderobe und jeden Raum, in dem Requisiten lagern, fest abschließen, die Plüschstüyle des Zuschauerraums mit Persenning bedeckt sind, die Pierdc im Stall in ihrem Stroh liegen, irgendein Löwe als echtes Nachttier in seinem Käfig gemächlich hin und her trottet, ein vollgesrcssener Seelöwc noch eben vor dem Einschlafen ein paar mal mit einem toten Fisch jongliert, und die Stallwache ousmcrkfam und spähenden Augcs durch die Gänge schleicht) brennt in den letzten Januartagen in den Direktionszimmern Licht, da die Inventur fertig werden muß. Dann wird Wegners berühmte Zirtuskartothct zu Hilfe genommen, in die im Laufe des Jahres Eintragung auf Eintragung gemacht wird. Ist doch diese Kartei«ine Fundgrube für jeden, der sich mit dressierten Tieren und„Tieren aus Wonderschaft" beschäftigt. In ihr wird jedes Tier mll Namen, Geburtstag und?li'schaftungspre!S verzeichnet, und an dies« drei Gcundnotizcn reiht sich später der ganze Lebenslauf. So kann man Vergleiche ziehe» zwischen der Lebensdauer wild eingefangener und in der Gefangenschaft ge- borcner Tiere. Man kann nachkontrollieren, von welchen Krankheiten hie Tiere sowohl ihrer Art noch wie als Einzelexemplar am leichtesten befallen werden, iso meist diese Kartothek einwandfrei nach, daß osrikonischc Kamele überaus leicht an Fellkrankheiten leiden, während sibirische Kamele von ihnen verschont bleiben. Daraus zog natürlich Hagcnbeck die Schlußsolgerung, nur noch sibirische Kamel« für das Zirtusunternehmen zu gebrauchen. Ferner erfährt man, daß eigenttich all« Tier« überraschend gut Reisen und Klimawechsel vertragen. In diesem Jahre müssen unter anderem von der dressierten Zebraherde zwei Tiere abgebucht werden. Nach Brehm vertrat die Meinung, daß Zebras überhaupt nicht an den Menschen zu ge- wähnen seien. Jetzt dressiert man ganze Gruppen, spannt sie vor de» Wagen und fährt sogar vierspännig mit ihnen durch den Groß- stadtverkehr zu Rcklamezweckcn. Doch wird der Zebrahrngst mit zunehmendem Alter böse, weshalb im vergangenen Ialzre aus der dressierten Gruppe einer ausgemerzt wurde. Er sing nämlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einem anderen Hengst eine Beißcrei und Keilerei an. und da Zebras, die noch ungebändigte Urkraft präsentieren, kräftiger sind als Pferde, waren feine Eifersüchteleien im höchsten Grade gefährlich für Tiere und Menschen. Es blieb nichts anderes übrig, als dem Störenfried mitzuteilen: Mit dir ist Schluß bei Hagenbechs. du kommst jetzt sein hinter Gitter in einen südamerikanischen Zoo." Das andere Zebra jedoch, ein ruhiges Tier, endete durch Unglücksfall. Es glitt qus, fiel auf den Bauch, verletzte sich die Netzhaut und starb, trotz s»iart!ger tierärztlicher Hilfe, innerhalb fünfzehn Minuten. Tiere haben jedes Jahr einen anderen Wert. Auf jeden Fall müsien sie gut stehen, das Fell darf nicht um ihren Körper schlottern, sie müssen prächtig im Haarkleid sein, und die Raubtier« sollen ihre Fangzähne haben. Und genau so gut wie«in Mensch'sich einen Zahn abbeißen kann, bringt das auch«in Tiger fertig. Da bepggt zum Beispiel„Nelly" einen wunderbaten Markknochen und schlünt direkt vor Becgnügen. Als sie jedoch hernach faul vor lauter Boll- gefresienheu sich im Käfig streckt und den Rachen aufsperrt, um recht tief zu gähnen, erhebt der vor dem Käfig stehende Dompteur ein Jammergeschrei: O, o Nelly hat sich ein Stück vom Eckzahn abgebissen!" Das hat Nelly nicht gemerkt, aber in Wegncrs Kartothek steht:„Nelly hat sich dann und dann ein Stück vom Eck- zahn abgebissen." Im selben Augenblick ist dieser bildschöne Tiger weniger wert. Zugleich beobachtet man, nvas für eine Einwirkung Zahndesekte bei der Nahrungsaufnahme und der Nahrungsoerarbei-- tung habeit. Rattbttere können, falls sie im übermütigen Spiel in einen harten Gegenstand zu sest hineinbcißcn, sich die Fangzähne glatt abbrechen. Dann sind Tiger und Löwen verschandelt und ihr Buchwert sinkt ganz«norm. Derartige Zahngeschichten sind vcr- sländlich, aber es gibt noch innner so viel Unergründetes, bei dem man auch nicht vorbeugen kann. Bekam dach zum Beispiel«in wildeingesvngcner Tiger, der von Jahr zu Jahr wertvoller wurde. ganz plötzlich ein« Erkrankung des Rückenmarks. Die Ursache ist unbekannt, und was ein bengalischer Königstiger für Vererbungen in seinem Blut mit sich schleppt, kann man nicht nachkontrollieren. Bei den indischen Elefanten hat bekanntlich mir der Bull« Stoßzähne. Die inüssen selbstredend in Ordnung seil», obwohl bar.' bei den in Freiheit lebenden Tieren durchaus nicht immer der Fall ist. Ueberdics muß der Elefant nicht nur gut im Körperbau, sondern vor allen Dingen kräftig im Rüsicl sein, steht doch ein rüsselschwacher Eleiant bei den Tierhändlerit j» gor keiner Gunst. Bei Hagcnbects wird jedes Jahr der Elefant„Safari" auf das gewisienhafteste gemessen. Er kam nämlich als osrikonischer Zivergeleiant in den Handel. Deutsche Zoologen jagten:„Das ist ein regelrechter junger afrikanischer Elefant." Die gut unterrichteten Fänger aber behaupteten:„Es ist ein Zwergelefant." Nun, bewußter Zwerg, dessen Wachstum noch lange nicht abgeschlossen ist, mißt heute bereits über zwei Meter Bandmaß. Er hat die schönen Zähne der Zlsrikaner, aus deren Spitzen man Messingkugcln schraubte, da er dann und wann mal mit seinen Kollegen zu boxen versucht. In einem Jahr« erlebte der Zirkvz eine Rasenbären-Inoasion. Tief in Südamerika stand er in wenig belebter Gegend irgendwo unterm Zelt. Schaulustig und abwechslungshnngrig kamen die Landleutc viele Kilometer weit in ihren eigenen Automobilen, und ein Wall von Automobilen umgab Tag und Nacht den Zirkus. Doch auch Indianer kamen, und sie brachten Nasenbären mit als—- Eintrittsgeld. Erst ließ man sich auf das Tauschgeschäft ein, schließ- lich aber mußte man Plakate anschlagen und 5)ondzettel drucken lassen, aus denen stand:„Nasenbär«» werden nicht mehr an- genommen." Und wenn vielleicht gerqdc in diesem Augenblick in einem Zoologischen Garten in Europa oder Amerika ein kleiner Nasenbär„bitte, bitte" macht und ein glückliches Kind ihm«in Stück Zucker in den Käfig wirft, dann ist das, ganz genau genommen, nur möglich, weil sich mal«in Jndiarar eine Zirkusvorstellung ansah. Eins der interessantesten Kapitel ist im Tierpart die Zählung van Geflügel. Da leben beispielsweise auf einem Teich über 500 Enten, die inzwischen Brüten großgezogen haben. Für die Inventur müsien sie genau gezählt werden, und zwar Männchen und Weibchen gesondert. Darum heißt es:„Jetzt werden Krick- entenmännchen gezähli." Der Wärter treibt die Tier« über den Teich, die geschulten Zaologenaygen guchen auf Krickenjcnmäimchen, und si«he da, der ein« zälftt« dreißig, und der andere achtzehn dieser kleinen Tiere. Dann beginnt da« Zählen von Neuem. Daraus heißt es: Stockenienmannchen" und alles sieht ngch den metallisch grünen Hälfen. Hernach kommen die Spiehenten an dl« Reih« und man beobachtet olle Spitzschwänze. Der Mann ist bunt, das Weibchen ist schlicht: scheinbar ist olles so einfach, und doch geraten noch den Momenten des Zählens oft di« besten Freunde tempero- mentvgll aneinander. Gewissenhaft mutz eine solche Inventur gemacht werden, un- bedingt. Dennoch kam es bei aller Gründlichkeit einmal vor, daß achtzehn Elefanten— übersehen wurden. § Theater, Lichtspiele usw. Mitwoch, 1? Z Staats-Oper Unter d- Linden Tlil-Ab D Mi Ho. 6 Jate-Hb.-*. Ho. 41 20 Uhr Madame Butferflv Ende 22-- Uhr Staats-Oper Am Plitr dir Rtiiublik Vorst 26 20 Uhr Die verkaufte Braut Ende n. 22-Ä U. Mittwoch. 12 Z staut, oper Bismarckstr. Turnus I 20 Uhr Blplei Endegeg�'oU. Staatl. SchaosptL IM Geodarmninaritl St. R. 3 Mi Ho. 5 Jahres-tb.-V. Ho. 37 20 Uhr Musik Ende 22 Uhr. Staat). SdiilHeater.niarliiig. 20 Uhr Florian Geyer Ende 22!-- Uhr Tägl. S u.S1!, Uhr. Barhaiossa 9256 Pr. 1-6M. Wochentg.SU. 50 Pf.-3M. Con Collaano, 4 Bronetta und weitere zum 1. Male In Europa gereigtcSpitzenlelstungen Tägi. S u.«15 SoodI. 2. 5 0 8" A ex. 8066 INTERNAT. VARIETE W» Direktion Dr. Uartln Zickel WWW Komische Oper .rieilrichstr.104 Merkur 1401 4330. Nach voilständicem Umbau Täglich 8-, Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guido Thielscher» Schulz Schro tt, urg, H idehrand, Walter Raj«, Flink Rehmer. Wensk Lustspielhaus S1: Friedrichstr. 256. Bergmann 2922 25. llck au! den zweliuu Blidi. Riemann- Haack. Vorvorkau. In Delden Hüusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Kennen Sic die entzückende Operette von MlUöckcr 0«M»i»«aroime? Täglich 8.15 Uhr(Sonntag? Uhr) und Sonnabend nachts 11.30 Uhr im Rose-Tlaesatfer Gr. Frankfurter Str. 132. Billcttkasse: Alex. 312:— 3494. jed. Sonnt, zv« U. CzardaslUrtiln Jed. Sonnabend ä u-Sonntag 2.30 Uhr „Aschenbrödel" Toranzeige: Sonntag, den 16 Febr., vo< mittags 1130 Uhr Goethe>Morgenfeier mit IndWlB woilner. Traute, Paul und Willi Rose. Garten 8.13 um kenn. 2818 Rnodien eriandi Casi-Familie, Jung-China. 2 Elliet's. Marika Rökk, 9 Allisons usw. usw. VolhsDUhne Tbuter am BülowptatJ. 8 Uhr Uranffflhrunp Apollo, BrunnenstraBe Volksstück von Großmann und Hessel. Ruit: Theo Maümbtn. Regie: JUneii Fehling. Staad. Sdiidei-Th. 8 Uhr Florian Geyer i Dealer am SdiitniaaeriiaDim b'U Uhr Die&artenlaDlie Staatsoper Am PI. d Republi! 8 Uhr Dteverkätifte Braut fb. a. Modendorfplalz Vorvk.10-2. Kf. 2091 Täglich SV« Uhr Gastspiel des Denis wen TDeatsn Menschen im Hotel von Vicki Baum Regie: üostaf Dnindgeos. Sybille Binder, rar- areieKoeppke.Kei iarlwe.s. ste.n.i v. aalmay iieuiioies ioeaier O.l. Norden 12310 Tägl. RV« Uhr Der Kaiser v. Amerika von Bemard Shaw Ree.: Max Reinhardt Kammerspiele 0.1. Norden 12310 8 Uhr Der Kandidat von Carl Sternheim Ragte: Hans Heinrith. ilamowsky-aohnen Fheeter in der küniggrätzer StreOe Täglich 8''« Uhr Professor Bernhardi von Arlbor Sdaitdir Rtjii: Virtir Baraoesly Komödienhaus Täglich S11- Uhr Oer Lügner und d.e Nonne von Cur) 60tz meater o. Mm Täglich 8Vi Uhr: Botel Sfadt Lemberg Musik von Gilbert Käthe Dorsch Leo Schützrndorl die Komödie 1 1 Bismck.2414/7516 SV- Uhr Victoria von S. Maugham. Regie. Aax Reinhardt Musik: Ml'cha Spolianskv- frianon-Tlieate Georgenstr. 9 Täglich 8V« Uhr voo Einiao, Siiilenuiio Operettenliaus Alte Jakobstr. 0/32 (Zenirsl- Thealer) Täglich 8>,. Uhr meFiedcrmaus mit Gustav Maizner Sonntag 5 Uhr Friederike geht niittwoGh irachm. 3 Uhr S zu DER WEG ZUR 151 0 H l£ Anfang, Entwicklung und Aufstieg der sozialdemokratischen Frauenbewegung Oesterreichs So heißt das neue Buch von Adelheid Popp Einzelexemplare portofrei gegen Voreinsendung des Betrages bio ,,,» schiert RM 2-30, gebunden RM 2-90 Verlag des Frauen-Zentralkomitees Wien V/1, Rechte Wienzeile 95 Abends TV, Uhr s Grolye Vorsiellnng yREDRSwilR Arnold Sdmlz, U-Bahn HemunapLHasanti. 1118/14 = ELITETAG---- fir.BocKbierlesi l.Caslsoi..... ans Wien Einlaß: Wochentags 6 Uhr. Heu'! Dekorationen 50 bayr. Madln Gewinnauszug 3. Kiasie 34. Preubilch-Sübdeullche Alassen. Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn» gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Ableiluogen I und II 3. Ziehungstag 11. Februar 1930 In der heutigen Bormiltagsziebung wurden Gewinne über 150 TL gezogen 2 OiBinn««u 50000 M. 244709 2 enrinnt tu 1 0000 M. 1 70866 4®etomu««u 5000 M. 118468 177643 Sg�eeBüm' ,U 3000 M. 85561 149601 211039 244071 263304 396719 n-�0 ,u 2000 W- 45754 69964 76446 96422 147932 243211 254463 265500 833095 384805 1 onnt 55?"?«»u 1000 W. 5501 120549 124683 150048 150951 158634 395630 197038 198116 287987 318810 331037 370940 376197 6729 12187 39904 60581 77075 83725 Of.7B?Q iollfl'60728 135588 139210 155822 167288 172356 207819 221794 226814 237373 237738 261012 266434272136 272376 276254 278987 280200 299567 309428 310039 316774 340934 341780 343207 347038 347826 364911 358360 376136 386213 387895 Sn der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4»«Elm« in 10000 W. 284073 387249 2»ärntm« ju 5000 M. 284663 10 e«Diim« JU 3000 W. 1357 143214 224452 259524 377RR1 10®«»inn» ju 2000 M. 54000 109310 282959 301074 3M13S 34 fftamiTii«u 1000 W. 29766 75468 83164 1 1 7458 1 44672 1 48370 201049 203707 214055 258456 262702 279326 294266 329148 350950 364275 396923 74®ctDiime ja 500 M. 14733 40936 70010 73833 76805 80036 99036 117652 137169 138850 147145 155089 156765 157013 197776 203738 206328 206461 215407 221144 245497 250838 264160 281112 285494 301211 312313 316922 328676 336165 336820 362691 369952 370494 377333 378584 381736 Im Cswinnrake oerblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je cilXKOO, 2 zu je 300000. 2 zu je 200000. 4 zu je 75000, 2 zu je 50000, 12 zu je 25000, 74 zu je 10000, 152 zu je 50U0, 408 zu je 300, 730 zu je 30U0, 1902 zu je 1000, 4128 zu je 500, 10798 zu je 300 M. 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