Morgenausgabe Nr. 23 A 32 47.Iahrgang Wöchentlich 85 monatüch 5,60 M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich öv Pfg.Postzeiwag»- und 72 Pfg. Postbestellgebühreu. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat. De?„SonD&rts* erscheint wochentäglich zweimgl, Honntags und Dbontags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel �Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Äulderfreund". Ferner „Unterhaltung und Wissen",„Frauen- stimme".„Technik".„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" Berliner Sottsvlatt Oonnersiag 15. Februar 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. l»» e> n I p a IIIS« Nonp-nMeziN, tO PI«nnig. R-Nome eil» 6.— Zleichs- muri.„Kleine Anzelzeu' da» etig». drulkle Werl 25 Pfennig(zulässig zwei s-tlzedruckic Wone). jede» weilere Wort lZ Pfennig. Slellengefuch» da» erfl» Dan>5 Pfennig, fede» weilere Wwl 10 Pfennig. Warle über IS Puchfladen zählen für zwei Warle. Ardeit»ma>kt Z-iie 00 Pfennig. Familienanzetgen Ze l« «0 Pfennio. Anzeigenannahme imHaupi- gefchäfl Lindenftrabe s. wochentäglich von ii'/, bis 17 Uhr. Jsntealovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Zvernsprecher: Dönbosf 292—237 Telegraoim-Adr.: Sozialdemokral Berlin. Vonvarts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonlo: Berlin 37äZK.— Bonkkonio: Bank der Arbeiler. Angellelllcn und Beamten. Wallstr KS Dt B u Di!c-Gel. Dcposiicnkolle Lindenltr S. KPD.- Krawall in den Opelwerken Gtörungsversuche.— Die Eindringlinge verhastet. ! Varmskadk. lZ. Februar. lwTS.) Zu den kommunistijcheu ilusschreilungeu iu den Opelw�rken in Riistelsheim erfahren wir von zuständiger hessischer Stelle: Zu den Opelwerkeu waren gestern drei kommunistische Mitglieder des Betriebsrates entlasten worden, da sie während der Arbeitszeit die Arbeiterschaft durch Versammlungen zur Riederlegung ihrer Tätigkeit aufzuputschen versuchten, heute vormittag er- schienen auf La st automobilen. Motorrädern und zu Fuß etwa 200 auswärtige Sommunisten— ha upisachlich aus Frankfurt und Offenbach— in der Opel-Stadt. denen sich, als sie in die Opelwerte eindrangen und die Arbeiter zur Arbeitseinstellung aufsorderlea. etwa 400 kommunistische Arbeiler der Opelwerke anschlössen. Unter den Eindringlingen befanden sich der preußische Landiagsabgeordaeke Oskar Müller und der hessische Landlagsabgeordncle Sumpf. Die Arbeiter wurden uuker Anwendung von Ge- walt von der Arbeit abgehallen, teilweise wurden sie von den Maschinen weggerissen und mißhandelt. Die Eindringlinge versuchten, die Dampfkessel und Maschinenonlagen stillzulegen. Der gesamte Betriebsrat wurde tätlich be- droht. Der nichtkommunistische Betriebsratsvorsihende, dessen Absetzung die Demonstranten verlangten, wurde von einem Kommunisten mit einem Dolchmesser angegriffen.' Schon während des Minzen vormittags hallen die kommn- nisiischen Arbeiter den Betrieb terrorisiert und andere Arbeiter mitzhandell. Ans verlangen des zuständigen Kreisdlrektor» von Groß-Gerau wurde noch der Mittagspause polizeiliche HIlse au» Daimskadt erbeten, da sich die lokalen Gendarmeriekräsle al» zu schwach erwiesen. Um t Uhr krafen 200 Mann Schnhpolizei au, Darmsladt ein, dir die Fabrik umstellten und bisher acht Führer der Pulschifieu verhafteten, darunter die beiden Landkagsabgeordnelen Sumpf und Müller. Die Verhafteten wurden abtransportiert. Die preußische Polizei sperrte die preußische Grenze in der Richtung Wiesbaden- Frank- furt o. M. ab. Zur Zeil ist die Fabrik noch abgeriegelt, um bei Arbeiisschluh alle Elemente, die sich nicht al» Werksangehörige ausweisen können, genau kontrollieren zu können. wie die Opelwerke mitteilen, läuft der Betrieb weiter. 6000 Mann der Belegschaft befinden sich an ihren A'.bcilsplätzen. Ablehnende Haliung der Arbeiter. Frankfurt a. M., 12. Februar.(Eigenbericht) ZZon gewerkschaftlicher Seite erfahren wir: Am Mittwochmorgen schlichen sich etwa 10 bis 12 Kommunisten in d>« Opelwerke in Rüsselsheim(Hessen) ein. Sie standen unter der Führung des Landtagsabgeordnetcn Oskor Müller-Frankfurt und Sumpf-Mainz. Die eingedrungenen Kommunisten gingen durch die Büros in den Betrieb und oerteilten überall Flugblätter, in denen zu einer Protestver- sa mml u ng im Fabrikhof und zur Stillegung des Betriebes aufgefordert wurde, Die Ursache zu diesem Borgehen liegt darin, daß d r- i t o m° munistische Betriebsratsmitglieder auf Befehl der Kommunistischen Partei zum Bruch der Tarifverträge und zu wilden Streiks aufgefordert hatten. Di« Betriebsrats- Mitglieder waren daraufhin von der Wertsleitung bis zu einer Entscheidung des Arbeitsgerichts beurlaubt worden. Die übergroße Mehrheit der 7000 Opcl-Arbeiler verhielt sich völlig ablehnend, nur«lwa 200 kommunistische Schreier schlössen sich den eingedrungenen Kommunisten an. Der Betriebsratsoorsitzende, der vermitteln wollte, wurde mit Messern bedroht. Die Kommunisten hielten auf dem Fobrikhof eine B e r s a m m l u n g ab, in der sie die Stillegung des Betriebs forderten und eine„revolutionäre" Kampf. leitung wählten, die über den Kopf des Betriebsrats hin- weg mit der Werksleitung verhandeln sollte. Die Werksleitung lehnte alle Verhandlungen ab, da sie nur mit den Gewerkschaften verhandele. Der Aufforderung, die Motoren abzustellen. wurde nur an wenigen Arbeitsplätzen Folge gelciflel. Um die fremden Eindringlinge zu entfernen, rief die Wertleiwng die h e f f i f ch e L a n d e s p o l i z e i aus Darmstadt zu hdfe. Die Polizei stellte sogleich die Ordnung wieder her, ohne daß Widerstand geleistet wurde. Die Anstifter der Unruhe wurden fast sämtlich festgenommen und nach Darmstadt abiransportiert. Unter den Verhafteten befand sich wieder der preußisch« Landtagsabgeordnete Müller, der erst jüngst In Worms bei de» blutigen Erwerbs- losenunruhen als Anstifter verhaftet worden war. Auch der hessische Abgeordnete Sumpf befindet sich unter den verhasteten Anführern. Bei Betriebsschluß gegen 17 Uhr verließ die Gesamtbelegschast in voller Ruhe die werke. Die Arbeil dürfte am Donnerstag in vollem Umfange wieder aufgenommen werden. Die Anteilnahme der Rüffelsheimer Arbeiterbevölkerung war außerordentlich gering. Nur etwa 200 Neugierige, meistens Jugendliche, folgten am Fobriktor lärmend den Cr- eignifsen im Innern der chöfe. Der(Schaden. Franksnrk a. M., 12. Februar.(Eigenbericht.) Wie die.Frankfurter Zeitung" melde«, beziffert die Werksleitung der Opelwerke den unmittelbaren Schaden ans 60000 M. Lohngelder. den Produktionsanssall aus 60 Automobile. Ob durch Sabotageakte erheblicher Schoden angerichtet wurde, konnte bis zum Werksschluß noch nicht sestgeflellt werden. Was ist's mit dem Ramsch? Die Mostauer Subvention für die„Rote Fahne". Wie steht es um die Verramschung des kommunistischen Eigentums? Die kommunistische Presse hat unsere Feststellungen zu- nächst als„blödsinnige Erfindungen" bezeichnet. Dann wur- den aus den blödsinnigen Erfindungen„olle Kamellen", längst zurückliegende Dinge. Darauf wiederum hieß es: „alles Schwindel", womit also auch die ollen Kamellen wieder dementiert waren. Nach unseren letzten Feststellungen über die Angebote der kommunistischen Unterhändler an die Interessenten ist es in der kommunistischen Presse still geworden.„Rote Fahne" und„W e l t am Abend" schweigen in allen Tonarten. Dies Schweigen ist v i e l s a g e n d— wir wollen indessen nochmals versuchen, der kommunistischen Zentrale die Zunge zu lösen. Daß sie nicht aus eigener freier Entschließung reden darf, wissen wir; sie ist abhängig, so wie ihre Presse abhängig ist. Wir sind in der Lage, die Abhängigkeit des Zentral- organs der Kommunistischen Partei, der„Roten Fahne", zahlenmäßig zu beweisen. Die Gesamtauflage der„Roten Fahne" beträgt 25 000 Exemplare. Von dieser Gesamtauflage werden 5000 Ttiiif von der russischen Botschaft und Handelsvertretung in Berlin bezogen. Genau zwanzig Prozent der Gesamtauflage des kommunisti- sehen Zentralorgans sind also von den Moskauer Auftrag- gebern abonniert. Die„Rote Fahne" ist ein von der Sowjetbot- schaft in Berlin subventioniertes Blatt. Sie ist in solchem Maße subventioniert, daß selbst die von der Reichsbahn subventionierte„DAZ." nicht die Konkurrenz mit i ihr aufnehmen kann. Angesichts der Gemeinheiten, die die „Rote Fahne" gewohnheitsmäßig gegen die deutsche Reichsregierung und die Preußenregierung zu schleudern pflegt, ist es von besonderem Interesse zu wissen, daß dies Blatt von der amtlichen Vertretung der Sowjetregie- rung in Berlin ausgehalten wird. Man versteht, warum die„Rote Fahne" plötzlich nicht mehr reden kann. Sie zieht es vor, durch S,ch w e i g e n zu bestätigen, daß unsere Feststellungen über die arbeiter- feipdlichen Vorschläge, die die Zentrale der KPD. bei dem beabsichtigten Ramschgeschäft machen ließ, in allen Ein- zelheiten richtig sind. Abgerückt! Demokratische Fraktion gegen Berliner TageMa't Im Haushaltsausschuß des Preußischen Landtag s rückte der demokratische Abgeordnete Hoff am Mi'twoch von dem Kampf der Berliner demokratischen Presse gegen den BolkZ- schullehrer als Kultusminister entschieden ab. Die demokratische Fraktion Hab« leider keinen Einsluß aus diese demokratische Press« Das gelobte Land. Abbau der Sozialpolitik in Rußland.— Sozial- demagogie für das Ausland. Von Dvtor Oarwy. Die Arbeitslosigkeit ist der Fluch der Arbeiterklasse. Sie unterbricht die Ausbeutung des Arbeiters— um ihm zu zeigen, daß in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung diese Ausbeutung das Gesetz und die Grundlage seiner Existenz ist. Die Arbeitslosigkeit ist eine Auswirkung der Anarchie der kapitalistischen Produktionsweise. Es ist nicht verwunderlich, daß sie anarchistische Stimmungen in den Reihen der Arbeitslosen nährt. Anarchie erzeugt Anarchie. Hunger ist ein schlechter Ratgeber. Die Verzweiflung führt leicht zu Gewalt- taten. Die Massen der Erwerbslosen bildeten immer einen Nährboden für Verzweiflungsakte, die den Arbeitslosen selbst nur Schaden bringen konnten. Die Sozialdemokratie und die freien Gewcrksckzaften haben von jeher für die wahren Interessen der Erwerbslosen gekämpft. Sie haben die Arbeitslosenversiche- rung erkämpft, sie sind gleichzeitig gegen sinnlose Verzwcis- lungsakte von Erwerbslosen aufgetreten und haben ent- schieden die Aufputschungstaktik der Anarchisten und Syndi- kalisten bekämpft. Die Anarchisten und Syndikalisten maßen die Tempera-- tur des Proletariats, indem sie ihren eigenen Puls fühlten. In ihrer Selbsttäuschung haben sie der Arbeiterklasse nicht wenig geschadet. Wie Maschinenstürmer im Anfang der Arbeiierbeweguttg, haben auch sie den berechtigten Protest der Arbeitslosen oft auf das falsche Geleise gelenkt. Aber sie waren weit davon, die Erwerbslosen als Kanonenfutter aus- nutzen zu wollen. Anders steht es mit den Kommunisten. Das, was jetzt in allen Ländern nach dein Befehl aus Moskau getrieben wird, ist keine heilige Ignoranz, keine aufrichtige Selbst- täuschung, k�in' Fanatismus des Glaubens. Es ist vielmehr eine kalterwogene Putschtaktik, die die Leiden und die Ver- zweiflung der'Arbeitslosen als Sprengstoff auszunutzen sucht. Weltrevolution als Ziel wird durch die W e l t r e v o l u t i o n als Ablenkungsmanöver abgelöst. Der Angriff aus die Festung des Weltkapitalismus wird durch den Angriff auf die internationale Sozial- d e m o k r a t i« ersetzt. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Inspiratoren und Leiter der„revolutionären Arbeitslosenbewegung" in Mos- kau sitzen. 2m Kreml wird mit Hochdruck geatbeitct. Die innere Lage Sowjetrußlgnds wird immer schlimmer— um so wichtiger ist es für die Diktatur, die„Weltrevolution" zu entfesseln. Die Ausbeutung der russischen Arbeiter bei der Durchführung des utopischen Fünfjahresplanes wird immer größer, die Ernährungs- und Wohnungsverhältnisse immer schlechter, die Arbeitslosigkeit immer aussichtsloser. Desto wichtiger ist es den Diktatoren im Kreml, zu zeigen, daß es den Arbeitern in den kapitalistischen Staaten noch schlechter gehe. Es ist nicht Wahrheit, aber wenn es Wahrheit wäre — ist dies eine Entschuldigung für eine„Arbeiten egierung"? Die Sowjetpropaganda will die russischen wie die aus- ländischen Arbeiter verwirren. Das Zentralorgan der PKdSU, die„Prawda", versucht in einem Leitartikel vom 2. Februar die westeuropäischen Arbeiter auf den„grund- sätzlichen Unterschied" aufmerksam zu machen, der zwischen der Arbeitslosigkeit und ihrer Bekämpfung in den kapitalisti- scheu Staaten und in der Sowjetunion besteht. D o r t— die Einschränkung der Produktion, hoffnungslose Arbeitslosigkeit. gewaltsame Niederwerfung der Arbeitslosenbewegung: hier— das gigantische Wacbstum der Produktion, das zahlenmäßige Anwachsen der Arbeiterklasse, Verminderung der agrarischen Uebervölkerung infolge der Koll'kt'visie- rung der Landwirtschaft und die breiteste Sozialversicherung der Arbeitslosen. Aus dieser Gegenüberstellung sollen die breiten Arbeitermassen Westeuropas„revolutionäre Schluß- solgenrngen" ziehen. Aber diese Gegenüberstellung ist wissentlich falsch. Die Laae der Arbeiterklasse und der Arbeitslosen in den kapitalistischen Staaten ist freilich ungemein schlecht. Aber noch schlimmer ist sie im„ersten Arbciterstaate". Das Heer der Arbeitslosen erreicht nach den offiziellen Angaben fast l1/3 Millionen bei einer verhältnismäßig winzigen Industrie. Dabei wird vorsätzlich kaum die H ä l f t e d e r Erwerbslosen in den Arbeitsnachweisen registriert, um damit die Unterstützungsgelder zu sparen und die Reservearmee der Arbeitslosen von den Ver- tretern der enteigneten Klassen und von den bäuerlichen Elementen zu„reinlaen". Die Zmaug-ckellektmierung und die Maschiuissening der Landwirtschait fülstt nicht zur Verminderung, sondern im Gegenteil zu einer gefährlichen Steigerung der agrarischen Neb rvölkerung. Die Arbo ts- losenversicherung in der Sowjetunion... Aber Her müssen wir einige Forderungen anführen, die die„Prawda" im obenerwäbnten Leitartikel für die von der Komintern entfesselte„revolutionäre Arbeitslosenbewegung" ! außerhalb Rußland» aufstellt:„Abschaffung der Ueber- stunden",„Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung in voller Höhe des mittleren Arbeitslohns".„Auszahlung der Unterstützungen für die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit" usw. Die Kommunisten spekulieren offenkundig darauf, daß die ausländischen Arbeiter mit den russischen Verhältnissen und die russischen Arbeiter mit den Verhältnissen in West- europa nicht vertraut sind. Indessen steht es gerade mit der Arbeitslosenversicherung in dem gelobten Sowjetlande viel schlimmer als z. B. in Deutschland. Die U e b e r st u n d e n sind in der angeblich„sozia- listischen" Industrie stark verbreitet— trotz der großen Arbeitslosigkeit. Für das Ausland fordern die Bolfchewisten die Auszahlung der Erwerbslosenunterstützung in voller Lohnhöhe. In Rußland betrug die durchschnitlliche Arbeitslosenunterstützung im Jahre 1328/29 14 Rubel 84 Kopeken im Monat, einschließlich die Familienangehörigen(Kontroll- Ziffern für das Jahr 1929/30, S. 491). Die Höhe der Unterstützung für die höchstqualifizierten Arbeiter in der I. Zone(Großstädte) beträgt 27 Rubel im Monat. Die Gesamtunterstützung, einschließlich der Familienzuschüsse, darf 30 Proz. des Monatslohnes nicht übersteigen, aber in der Tat beträgt sie etwa 20 Proz. des Arbeitslohnes. Dabei wird die Unterstützung zum Unterschied von Deutschland praktisch nur im Falle der Bedürftigkeit gegeben. Die Bolschewisten fordern weiter für das Ausland die Auszahlung der Unterstützung für die ganze Dauer der Ar- b e i t s l o s i g k e i t. In Rußland aber beträgt die Dauer der Unterstützung. 9 Monate im Jahre; nach einer Unterbrechung von 3 Monaten werden die Unterstützungen noch 9 Monate lang ausgezahlt und dann Schluß. Gerade vor kurzem wurde auch diese dürftige Sozial- Versicherung in Rußland zuungunsten der Arbestslosen „reformiert". Der Erwerb des Unterstützungsanspruchs soll jetzt durch die Erfüllung längerer Anwart- schaftszeiten bedingt sein und zwar ist für die organi- sierten Arbeiter und Angestellten die Anwartschaft von 2 I a h r e n, für die Unorganisierten eine solche von 3 Jahren vorgesehen! Abbau der Arbeitslosenversicherung in Sowjetrußland, demagogische Forderungen für das Ausland! Diese unehr- liche Sozialdemagogie muß enthüllt werden. Die Arbeiter Westeuropas haben die Arbeitslosenversicherung, wo sie nicht besteht, zu erkämpfen, und wo sie besteht, weiter auszubauen. Sie müssen vom Staat die entschiedene Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und' die Milderung ihrer grausamen Folgen fordern. Aber sie werden dabei die Sozialdemagogie der Bolschewisten verwerfen, die im krassen Widerspruch zu ihren eigenen Taten sich befindet. Dem frevlerischen Spiel mit der Not der Arbeitslosen, die als Kanonenfutter für die Mos- kauer Strategen ausgenutzt werden, soll aufs entschiedenste entgegengewirkt werden. Sozialpolitik gegen die Sozialdem- agogie— loll die Parole der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften, der Arbeitslosen sowie der Arbeiten- den fein. Die von den Bolschewisten entfesselte Pulschtaktik, deren unbewußte und leidtragende Werkzeuge die Arbeits- losen werden sollen könnte nur zu verhängnisvollen Zerrüttunq der Wirlschaft und zur weiteren Zuspitzung der Arbeitslosigkeit führen. Der Wirtschaftszerfall wird aber kaum die ersehnte„revolutionäre Situation" schaffen, aber unbedingt die Arbeiterklasse und vor allem die Arbeitslosen selbst an den Rand des Abgrunds rücken Politische Stärkung der Arbeiterklasse, Eroberung � der Machtpositionen im Staate durch die Sozialdemokratie und durch die freien Gewerkschaften bei entschiedener Verwerfung der bolscherv stischen Pulschtaktik— das ist die Parole der sozialistischen Arbeiterschaft in dieser schwierigen Krisezeit! � Eine Lehre für die Oemokraien. Oer.Fall" Helmbrechts. Die demokratische Presse hat einen Fall gesucht, der von dem Bündnis demokratischer Gruppen mit den National- sozialisten in Sachsen, Ostpreußen und anderen Teilen des Reichs, vom Eintritt der Demokraten in die Regierung BaMe ablenken soll. Sie glaubt diesen Fall in Helm- b r e ch t s in Oberfranken zu finden. Dort wurde in der Stichwahl der Kandidat der Rechten gegen den bisherigen demokratischen Bürgermeister D r. M i ch e l bei Stimm- enthaltung der Sozialdemokraten gewählt. Die Sachlage ist die folgende: Im Jahre 1924 suchte die sozialdemokratisch: Fraktion Herrn Dr. Michel aus, um ihn zu sragem ob seine Fraktion für einen Sazialdemakralen als Zweiten Bürgermeister stimmen würde, wenn die Sozial- demokratie ihre Stimme für Dr. Michel als Ersten Bürger- meister abgeben würde. Herr Dr. Michel lehnte rund- weg ab. Trotzdem gab ihm die Sozialdemo- kratie ihre Stimmen. Als Zweiter Bürgermeister aber wurde, durch demokratische Stimmenthaltung, der deutschnationale Kandidat gewählt. Im Dezember 1929 kandidierte Herr Dr. Michel auf einer sogenannten„Einheitsliste", gemeinsam mit Per- sonen, die sich für Hugenbergs Zuchthaus- begehren eingetragen haben.- Nach den Erfahrungen von 1924 und nach der Sach- läge von 1929 hatten die Sozialdemokraten in Heimbrechts keinen Anlaß, sich für Herrn Dr. M i ch e l zu engagieren. Die Demokraten sollen nicht glauben, daß sie auf alle Fälle Anspruch auf sozialdemokratische Unterstützung haben. um dann gegen die Sozialdemokratie gemeinsame Sache mit der Rechten zu machen. Oberburgermeisierwahl mit Gestank. Hakenkreuz-parlamentarismus. Der Fraktionsführer der Deutschen Volkspartei im Wiesbadener Stadtparlament, Rechtsanwalt Krücke wurde mit 32 Stimmen zum Oberbürgermeister von Wiesbaden gewählt Dagegen stimmten die Nationalsozialisten. Deutschnationalen und Kommunisten. Die Nationalsozialisten oersuchtfn. den Wohlgong durch Wersen von Stinkbomben zu stören. Schwierige Verhandlungen. Die Regierungsparteien und der Etat für 1930. Da» Gaslstättengcfeh. Der Aolkew'rtschaWch« Ausschuh i>?» Relchetag» Hot die Beratung des Saststältengesetze» bi» zum Z lü fortgeführt veulschösterrelchs Gesandter in Warschau. Herr Nikolaus Post. toird n i ch t in die Leitung des Wiener Außenomtes berufen, wohin Seipel ihn haben wollte. Aus polnisch-Oberschlesieu auzzewleseu wurde der katholische Kanzelredner Pater Epmael(SPD.), der für den Verband deutscher Katholiken in Königshütte einige religiös« Borträge hielt. Di« zwischen den Regierungsparteien imv der Reichsregierung stattsindendeo interfraktionellen Verhandlungen über die Gestaltung des Etats für das Jahr 1930 gestalten sich außerordentlich sch wie r i g. Anlaß zu den Verhandlungen gab der Wunsch des Zentrums und der Bayerischen Vollspart«. noch' vor der Erledigung der Doung-Gesetze eine Verständigung unter den Regierungsparteien und mit der Reichsregierung über alle finanziellen Fragen zu sinden, die im Zusammenhang mit dem neuen Etat stehen und die leicht Anlaß zu schwerwiegenden politischen Differenzen werden können. Von Anfang an haben wir daraus hingewiesen, daß dieser Wunsch her beiden Mittelparteien zwar sachlich durch» aus berechtigt ist, daß seiner Durchführung aber immer- hin erhebliche Schwierigkeiten im Wege stehen. Diese Schwierigkeiten werden vergrößert, wenn man daran festhält, daß die Erledigung der Doung-Gesetze nicht verzögert werden darf. Die Schwierigkeiten sind aber nicht nur zeitlicher, son» dern auch sachlicher Natur. Durch die Mitteilung des Reichs- finanzmimsters Dr. Moldenhauer über den Inhalt des Etats für das Jahr 1930 ist in der Oefsentlichkeit der Eindruck entstanden, als ob es nur zwei wichtig« Meinungsverschieden» Helten gebe: die Deckung des Fehlbetrages der Arbeitslosen- versichermng sowie Umfang und Art' der Steuer- erhöhung. Diese Auffassung Ist jedoch irrig. Do das Reichs» kabinett bisher noch keine Entscheiining über den neuen Etat gefällt hat, so steht überhaupt noch nicht fest, was er entholten wird. Man weiß jedoch, daß seit längerer Zeit Innerhalb der Reichsressorts«in« Reih« von Fragen ungeklärt ist, die die Höhe der Ausgaben weit- gehend beeinflußt. An diese Tatsachen haben Zentrum und Bayerisch« Dolkspartrt angeknüpft mit dem Verlangen, daß die Reichsregierung den neuen Etat bezüglich seiner Auögadenhöhe baldigst feststellen müsse, und die Regierungsparteien sich zu verpflichten hatten. diese Ausgabenhöhe nicht zu überschreiten. Diese Forderung ist aber leichter aufgestellt als ersüllü Man geht kaum fehl in der Annohme, daß der von Dr. Moldenhouer auf 700 Millionen angegebene Fehlbetrag nur dadurch zustande geköm- men ist, daß Ausgaben gestrichen worden find und neue Anforderungen noch nicht berücksichtigt wur- den. Sowohl die Ausgabenstreichungen, insbesondere die sozialpolitischer Art— die Wochenhilfe für Familienangehörige. Reichs- Zuschüsse an die Invalidenversicherung, die Ausgaben für die pro- duktioe Erwerbslofenfürsorg« und für Kriegsbeschädigte— als auch die neuen Anforderungen, z. B. die Entschädigungsansprüche aus dem polnischen Liquidationsabkommen, werden jedoch von«jnlgen Regierungsparteien für dringend notwendig gehalten. Aus diesem Gebiet sind also noch erhebliche Meinungsverschiedenherten' vor» hanÄen, die mindestens einer schnellen Verständigung sehr hinderlich sind.'-- Das gilt auch von Umfang und AH der©teuer. erhöhung. Daß Steuer erhöhung en zum Ausgleich des Etats unvermeidbar sind, hat man jetzt auch in denjenigen Kreisen eingesehen, die bisher von Steuer senkungen geträumt haben; In welchem Ausmaß sie notwendig werden, hängt aber nicht nur von der Ausgabenhöhe, sondern auch von der Höhe de r Schuldentilgung ab. Hier gibt es zwei Möglichkeiten,«nt- weder die Tilgung der Schulden entsprechend der Lex Schacht in Höhe von 450 Millionen oder m Höh« von 604 Millionen, wenn man außerdem die 154 Millionen Fehlbetrag des Jahres 1020 neben den 450 Millionen abtragen will. Don der Antwort auf diese Frag« hängt es ferner ab, für welche Steuererhöhungen man sich entscheidet. Daß auch hierüber unter den Regierungsparteien bisher keinerlei Uebereinftimmung besteht, ist nicht weiter er« staunlich. Die wichtigste Streitfrage aber ist im Augenblick immer noch die Deckung des Fehlbetrages der Ar-. beitSloseuverstcherung. Der Vorschlag der Gefahrengemeinschasj ist von allen Parteien ab- gelehnt worden. Statt dessen wird erörtert, ob man nicht durch den Aerkouf von Vorzugsaktien der Reichsbahn an die Sozialversicherung dieser ein hochverzinsliches Wert-?. papier, dem Reiche aber Geld für die Arbeitslojen-versicherung- ver- schassen könne. Aber selbst diejenigen, die diesen Grundgedanken unter der Voraussetzung erörtern, daß es sich nur um«ine e i n- malige Maßnahme handelt, und die Leistungen weder der Arbeits- lofenoersicherung noch der Sozialversicherung angetastet werden können, haben erhebliche Bedenken, die in den bisherigen Be- sprechungen nicht ausgeräumt werden konnten. Man wird diese Bedenken um so mehr begreifen, wenn man berücksichtigt, daß dieser Vorschlag bei der Ungewißheit der Ver- Hältnisse des Arbeitsmarktes unter Umständen ganz a n de r s wirken tannolsergemeintist. Manche Verfechter dieses Planes bekennen übrigens auch ganz offen, daß sie In ihm ein Mittel sehen, die jetzt aus politischen Gründen nicht durchsttzbar« Verminderung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung später durchzusetzen. Wie unter diesen Umständen eine baldige Verständigung über alle dies« schwerwiegenden Differenzen herbeigeführt werden soll, ist im Augenblick nicht zu sehen. Die Besorgnis läßt, sich vi elmehr. m'cht von der Hand weisen, daß der Vorstoß von Zentrum und Bayerischer Voltspartei weder zur Erleichterung- der Annahme der Doung-Gesetze noch zur Verabschiedung des Etat» von 1930 beitragen wird. Zweiter Tag der 8oung»plawOebatie. Im weiteren Verlauf der gestrigen Reichstagssitzimg. deren erste Reden bereits in der Abendausgabe erschienen sind, sprach zunächst Minister für die besehten Gebiete Or. Wirth: Abg. Dr. Hoetzsch hat in sachlicher Welse auseinandergesetzt, wie der staatskonseroativ« Mensch dem internationalen Welt- kapitalismus gegenüber«in« kritische Haltung einzunehmen hat. Seine Polemik könn e man in gewisiem Sinne auch marxistisch nennen. Die größten Schrittmacher antikapitalistischer Denkweis« waren die Tributverpflichtungen des Lersailler Vertrages und des Londoner Ultimatums. Das gilt in gewisiem Umfange auch vom Doung-Plan, wie er oorkegt. Wir können heule feierlich vor der ganzen West erklären, daß weder ein Sollekliojchrilt unserer Gläubiger, noch irgendeine Drohung gegen uns hergelellet werden kann au» einem Nicht. können Deutschlands, sondern daß dieses Nlchlkönnen ausdrücklich zu begründen ist durch die Organe, die im Doung-Plan vor- gesehen sind. Wer seinem Volt nützen will, der wird aus dem Doung-Plan das herauslesen, was das deutsch« Volk als Sinn, Wesen und Kern des Planes herauslesen muß. Da mußt« das größte Desreinden erregt werden durch den Bericht In der, Kreuzzeitung" des Grasen Westarp. in dem behauptet wird, daß zur Beitreibung der undurchführbaren Lasten Zwangsmaßnahmen zu ergreifen seien. Gerade das Gegen- teil steht in dem Plan. Wir können nach den Haager Verhandlungen mit Fug und Recht erklären, daß der Sanktionsbegriff des Versailler Vertrages abgeschafft und ausgewischt ist. Der deutschnationole Ahg. v. Freytagh-Loringhoven sollte stutzig werden, wenn er sieht, mst welcher Gier sich die französischen Chauvinisten auf seine Auslegung des Doung.Planes stürzen, auf die Auslegung, nach der angeblich die Sanktionsmöglichkeit noch besteht. Unser Botschafter berichtet uns aus Paris, daß die französische nationa- listische Presie den Artikel abdruckt mit dem Hinweis darauf, daß o. Freytagb-Loringhovsn deutscher Bölkerrech slehrer sei.(Hört! Hört! bei den Regierungsparteien.) Dieser deutschnationale Ab- geordnete sollte solche Auslegungen lieber als Prioatdozent des Völkerrechts in Paris lehren und nicht in D.eutschlai-d(Abg. v Frcytagh-Loringhoven.(Dnat.) protestiert erregt. Zuruf« links. Gegenrufe rech s. Lärm). Wenn der Doung-Plan wirklich eine Sanktionsmöglichkeit enthielt«, dann würde ich meinen Freunden vom Zentrum pie Ablehnung empfehlen. Wir bitten die Parteien und besonders die Juristen, den Vertrag Im Ausschuß mit der Lupe zu prüfen, wir haben ihn sehr. kritisch geprüft und meinen, daß er Sanktionsmöglichkeit«» nicht enthält. (Unruhe rechts.) Ueber Ihr Volksbegehren haben wir uns im Haag auch öf er unterhalten. Wir haben aber Herrn Tardicu gesagt, wenn die Deutschnationalen in Deutschland einmal regieren sollten, so werden sie den Plan nicht zerreißen, sondern ihn besonder» eifrig erfüllen.(Sehr gut! bei den Regierungsparteien.) Selbst Kapp, ist ja sofort zu den fremden Botschaftern gelausen. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichstag. Ihre Politik(nach rechts) bedeutet das Ende, unser« Politik den Fortschritt.(Beifall hei den Regierungsparteien) � �bg- Dr. Ouaaß(Dnat.) wirst dem Borredner Demagogie vor. ma der Dr. Wirth feine Niederlage bemänteln»»oll«. Immerhin zeigt Dr. Wirth nicht den Optimismus des Herrn Dr. Curttus. Verhandlung und Erläuterung hinter oerschlosienen Ausschuhtüren lehnen w r ab. Der Reichstag sollt« doch erst lesen, was er dem deutschen Volke auferleg», also unterbrechen wir die Beratung!— Bei verschiedenen Versuchen, Ausspüche des Außenministers für deutfchnationale Zwecke zu bemitzen, scheitert der Rodner daran, daß Dr. Curtius sofort feststellt, was er wirklich gesagt bat. Als die Dsutschnationalen sich über diese Zwischenrufe des Ministers' be* schweren, erwidert er, daß iie ihn noch viel mehr zu stören pflegen. Dann begrüßt Dr. Quaatz die Kritik, die in der Red« Dr. Brünings sowohl an den Vorlagen wie an ihrer Begründung entHallen und die keineswegs als restlose Zustimmung zu der Politik S resemann-Eurttus anzusehen sei. Dazu komme die Opposition des bayerischen Ministerpräsidenten und der Beschluß der Deutschen Volkspartei gegen das Polenabkommen und das Verlangen des Zentrums, vor der dritten Lesung die Finanzreform zu sehen. Es ist bedauerlich, daß die Volkspartei für die Außenpolitik der Sozialdemokraten verantwortlich zeichnet. Offiziell entHallen sich diese Parteien des Ersüllpngsfonat.smus. Die Opposition hat nicht die Verantwortung zu tragen. Gute Ratschläge können wir auch nicht geben, da im Ausschuß ein Maulkorbsystem besteht. Wenn Sie bessere Ersolge haben wollen, so nehmen Sie einen Fachmann(Heiterkeit rechts)! Der Verzicht Polens auf Enteignung In Ostoberschlesien ist nur in einem P r i v a t b r i e f ausgesprochen. Eine große neue Parzellierungsliste soll schon fertig sein. Der„Vorwärts" hat führende Jenlrumspolstiker für den „Schönheitsfehler" im haaqer Abkommen beranlworllich ge- macht, was sagt Dr. wirth dazu? Nach dem Doung-Plan haben wir doppest soviel zu zahlen, als ganz Europa den UsA. schuldet.(Zuruf links: Wir haben den Krieg verloren!) Wenn das Ihr ganzes Wisi-n ist, dann bestellen Sie sich doch einen französischen Oberpröstdenten, der Deutschland verwaltet. (Andauerndes Zilchen und Gegenruf«, Lärm.) Die Regierungs» Parteien wollen die K r i« g s s ch u l d f r o g e b q g a t« l l i« r e n. auf ihr aber beruh' die ganze Reparation. Aber Sie werden buch noch einsehen, daß der Marxismus aufhören muß, in Deutschland zu regieren.(Händeklatschen rechts.) Abg. Hewig«Sw): Mit der Behauptung, daß die Auh-npolitik des Reiches sozial. demokratisch sei. will man das Zentrum in die Hand Hugenbergs bringen Gestern hat Hugcnberg angekündigt, daß heut« Dr. Quaatz die positive Stellung seincr Partei- formulieren werde. Die- Rede Dr. Quaatz hat nichts davon gebracht, hat uns ksinen anderen Weg gezeig', man hat den Eindruck, wäre die Rede— ein Aktivum. der Hugenbergfchen Ostbant(H'iterte.t links). Sie bringen den Mut nicht aus. und haben auch nicht die Möglichkell. ün» einen anderen Weg vorzuschlagen, als den. den wir gehen. Don den Revisionsmöglichkelten des Doung-Plvns ist hier etwas zu optimistisch, vom Doung-Plan selbst etwas zu pessimistisch ge. sprachen worden. wir sind uns klar über die ungchespc Belastung und über die verschiedenen erheblichen INängek des Plans, aber«vir sehen keinen anderen weg..'" Von diesen Mängeln sind Wirtungen auch in der inneren Politik und auf gesamteuropäischem Gebiet zu befürchten, außerdem stäi wicht ist von dem Hersteller für den Käufer leicht erkennbar anzu- geben. Di« Landesbehörden haben die näheren Bestimmungen über die Kennzeichnung des. Brotes und über die Gewichtsangabe zu treffen. Sie bestimmen auch die Fehlergrenz«, innerhalb welcher das Gewicht des frischen Brotlaibs von den vorgeschriebenen Gr« wichten abweichen darf. Di« Begründung des Gesetzes spannt die Erwartungen ziemlich hoch. Wenn davon ausgegangen werde, so heißt, daß gegen- wärtig dem Roggenbrot üderweegend etwa 25 Proz Weizenmehl zugesetzt werden, so ergibt sich, daß noch 20 Proz des Getreide», das zur Herstellung des jetzigen sogenannten Roggenbrotes dient, durch Roggen ersetzt werden könnten. Bei dem jetzigen Roggenoer- brauch für die Brotherstellung von 4 Millionen Tonnen, wäre ein Mehrverbrauchvon8l>oc>00 Tonnen denkbar, und bei vor. sichtiger Schätzung sei«in Roggenmehrverbrauch von 500 000 Tonnen z» erwarten. Das bedeute eine Entlastung des inländischen Roggen. markte und eine Cinfuhrerspornis von Weizen im Werte von jähr- lich jZ0 Millionen Mark.-------------——-- 3m Gegensatz zum Reichsernährungsmimsterium sind wir der Meinung, daß die Schätzungen einmal sehr optimistisch sind, und daß zum anderen für' die Roggenwirtschast selbst eine wesentlich« Hilf« durch diese Maßnahmen noch nicht gesichert werden kann. Es muß da» Ziel der deutschen Agrarpolitik bleiben. den Roggenanbau selb st in Deutschland«inzu, schränken und die dadurch frei werdenden landwirtschaftlichen Flächen anderen Kulturen zuzuführen, wofür die technischen Vor- aussetzungen gegeben sind. sozial« Ungerechtigkeiten. Allerdings kann man nicht voraussehen., wie sich die Erfüllung der Reparationspflicht schon in den nächsten Iahren gestalten wird. Der Dawes-Plan ist seinerzeit in den leeren Raum des valutalosen Deutschland hineingebaut worden und hatte außerordem- lieh viele Mängel, die jetzt abgebaut werden müssen. Den Abbau bei der Reichsbank halten wir für durchaus ungenügend. Wir sehen kein faires Arrangement darin, wenn private Anteilseigner au» einem vorteil de» Vawes-Gesehe» sich 96 Millionen Mark bare» Geld nerschassen können Der Reichsbankpräsident hat zugegeben, daß diese Sieserve der Reichsbank aus Grund eines Mangels des Reichs- banlsta uts so groß ist, und daß es ihm nicht berechtigt erschienen sei, alle Reserven wieder auszuschütten Das hätte nach der Meinung Dr. Schachts einen allzugroßen Vorteil für die Anteils. eigner bedeutet. Diese Reserve ist mindestens zur Hälfte Eigentum des Reiches, das Reich bekommt aber nichts davon, die Anteileigner alles. Man begründet das mit privatrechtlichen Argumen'en Wir wssen, daß das Privatrecht nicht einfach weg- gelöscht werden kann, aber wir bestreiten die Behauptung, daß diese Anteilseigner uns Aüslandstredit gegeben haben, weshalb man jetzt die Reserve an sie ausschütten müßte. Ein ganz erheblicher Teil dieser-„ausländischen" Anteilseigner der Reichsbank sind Deutsche, die auf dem Weg über holländische oder schweizerische Banken als Auslandseigner auftreten tonnten. Der Herr Reichsbankpräsident hat es verstanden, in den Um. aestoltungsplan seine Lieblingstoch'er, die Golddiskontbank mit hineinzuziehen, die aber gar nicht die Funktionen einer Notenbank hat, und deren Aktien in der Bilanz der Reichsbank stehen. Es ist ganz undenkbar, daß Dr. Schacht durch eine Filiale der Reichsbank auch noch die Exportkreditpolitik des Reiches beherrscht. Die Golddiskontbank hat gar keinen inneren Zusammenhang mit der Reichsbank, der berechtigt wäre. Sie entzieht sich dadurch heute jeder Konirolle, und mli Ihren 53 Millionen Mark Reserven ist sie bis ans den heuiigen Tag vollkommen steuerfrei. (Hört! Hört? kinks.) Hier muß eine Aenderung zugunsten des Reiches erfolgen. Und wir bitten um Vorlage einer entsprechenden Novelle, die aber auch die international nicht gebundenen Bestim- mungen des Reichsbankstawts, so über die Verteilung des Rein- gcwinns, ändert. Eine Ausspeicherung so gewaltiger Reserven und eine Zuwendung von 15 Millionen jährlich an die Anteilseigner und von nur 5 Millionen an das Reich ist durchaus unberechtigt. Eine Höchftdwidende von 12 Proz müßte ebenso ausreichen, wie bei der B3Z. Die Anteilseigner stehen sowieso glänzend da— wer Roten der Reichsbank besessen hat, ist vollkomme« euteignel. (Sehr wahr!) Dir ober wollen nicht auch noch Poung-Plan-Ge« winner entstehen sehen. Die BIZ/ ist ein Völkerbund der Zentralnotenbankprästdenten Europas. Sie hat nicht nur die Ausgabe, die deutschen Zahlungen entgegenzunehmen, sondern selbständige international« Funktionen, die fut die europäische Wirtschaft von der größten Bedeutung sein werden.. Sie ist auch der Vertreter des künftigen Revisions- ausschusses. wenn Deutschland eine Revision oerlangt. Jedenfalls ist diese Regelung viel zu bedeutsam» al» daß wir im Handumdrehen 3a sagen würden. Die Verantwortlichkeiten müssen ganz klar ausgearbeitet werden. Im Statut der BIZ. ist gesagt, daß die Verwaltungsratsmitglieder. und Dr. Schacht wird eines sein, keineswegs natianal�olitisch v«r- antwortlich sein dürfen. Das ist für uns ganz unmöglich. Wir werden ein Initiativgesetz über die Stellung des Reichsbankpräsiden- ten einbringen. Wenn uns gesagt wird, daß das Verhalten Dr. Schacht seit seinem letzte« Fehltritt.sich gebessert habe, so haben wir nicht da» Vertrauen, daß es so bleiben wird, und daß er sich darauf beschränkt, nur Währungspolitik zu treiben. Bei all«r Anerkennung seiner Derdienst« in der Anfangszeit, so im Kampf ' gegen Louis Hagen, usw., haben wir doch erkennen müssen, daß er es gar zn sehr ll-bl. tu bengalischem Dichte dazustehen. sZuruf links: Primaballerina!) Es wird der Tag kommen, wo auch diejenigen uns zustimmen werden, die da» heut« noch nicht tun. In einer früheren Schrift hat Dr. Schacht selber hervorgehoben, daß nur die Unterordnung unter die Demokratie den richtigen Präsidenten der Notenbank mache.(Hört! Hört!) Herr Quaatz hat nicht das Versprechen gehalten, das gestern der Stinnes(Heiterkeit und Sehr gut! links)— Herr Hugenberg natür- lich— gegeben hat. Vielleicht zeigt uns nachher der Abg. K l ö n n e den richtigen Weg.(Zuruf links: Er ist ja bei der Konkurrenz!— Heiterkeit.) Aber die Konkurrenz ist ia auch in der Opposition. Gestern haben Sie sich über unsere Feststellung entrüstet, daß das Vermögen des Herrn Hugenberg zum großen Teil Jnflationsgcwinn ist. Das hat ja nicht nur Hugenbergs Freund Ludwig Bernhard. sondern auf dem deutschnationalen Parteitag in Herford Herr Hugen- berg selbst offen erklärt.(Der Redner zitiert die im„Vorwärts" am Mittwochmorgen wiedergegebene Aeußcrung Hugenbergs.) Dort lMt Herr Hugenberg zugegeben, daß er einen nationalen Zcltungskonzeru mit Hilfe der Inflalloasgewtnne aufgebaut hat. Als z B. der„Jungdeutsche" bei der Oltbant ein Darlehen beanspruchte, wurde das durch den besonderen Meldedienst für Kredite an Zeitungen sofort Herrn Hugenberg gemeldet, und sein Beauftragter stellte dem..Iungdeutschen" dos Geld in Aussicht, aber unter der Bedingung, daß das Blatt Hugenberg-Politik mache, was allerdings abgelehnt wurde. Hugenberg scheint dann noch schiechtere Risiken für die Ostbont übernommen'zu haben, wodurch dann die sonst so verherrlichten bodenständigen Elemente in Ostpreußen in die verzweifele Situation kamen und durch den preußischen Staat gerettet weoden mußten. Wenn man so in Transaktionen drin steckt und sich dann hier herstellt, um von der national christlichen Kultur zu reden und vom Kampf gegen den Marxismus, so ist da» wahrhast lächerlich!(L-bh. Zustimmung.) Ob die Deute, die den Marxismus bekämpfen, den Unterschied zwischen Karl und Wilhelm wirklich schon heraushaben, lst noch gar nicht so ausgemacht. (Heiterkeit) Die Deutschna'ionalen bezeichnen alles, was ihnen nicht paßt, einfach als marxistische Herr Quaatz hat bekannt, daß anift die Regierung, in der die Deutschnationalen saßen, diese sozial- d-mokratische Außenpolitik getrieben hat— Sie waren also damals Marxisten ohne es zu w.ssen.(Heiterkeit.) Sie bezeichnen alle Ande�sg'sinnten als minderwertig, gesinnungslos, staa-zfeindlich und wenn es nicht weitergeht, kommen«ie auf die Juden, oder Herr Quaatz bewerft mit seiner wahrhaft christlichen dialektischen Be- gabung, wie falsch der Marxismus fei. heute stellt sich Hugenberg als der Mann der christlichen Kultur hin. Bezieh! sich das auch aus die Berliner �kachlau-gabe"? (Heiterkeit.) Sie werden in der Geschichte Deutschlands fortleben als die Partei de, unehrlichen„Ja", und deshalb werden wir uns durch all Ihre beispiellos schmutzige Agitation, die jede sachliche Auseinandersetzung verhindert, nicht stören lassen. Wir werden die Vorlagen bis i« die legten Einzelheften prüfen, wir werden olle Möglichkeiten untersuchen, die Interessen der breiten Massen auch bei diesem Anlaß durchzusetzen, aber mcht durch sinnlose Verneinung, sondern voll Lerastcwortung für das Schicksal der breiten Volks Massen.(Lebh. Beifall der Sozi) (Schluß des Berichts in der 1. Beilage.) Zenirum kaust KpO.-Stimme. Ein Kommunist verkauft sich für 700 M. In der Gemeinde Osr-Erkenschwick bei Recklinghausen wurde dieser Tage derZentrumsmannHoppemiiHilseeine» Kommunisten unter seltsamen Umständen zum Gemeinde- Vorsteher gewählt. Der Vorfall liefert einen neuen Beweis dafür, daß in der KPD. von heute nichts unmöglich ist. Aus der ersten Wahl des Gemcinderats ging der Kommunist W e i n e r t als Sieger hervor. Er wurde sedoch von der Aussichts- behörde schon wegen seiner 17 Vorstrafen nicht bestätigt. Die dadurch notwendig gewordene zweite Wahl führte mit einer Stimme Mehrheit zum Siege des Zentrumsmit- gliedes Hoppe, obwohl die Linke(SPD. und KPD.) in dem Gemeindeparlament ein Mehrheit von einer Stimme besitzt. Es war ofsenkundig, daß ein Gemeindevertreter der Kommunisten dem Zentrumskandidaten seine Stimme gegeben hatte. Jetzt hat die Orts- leitung der Sozialdemokratischen Partei in Oer-Erkenschwick den Spitzenkandidaten der KPD. und deren Fraktionsführer W e i n e r t — der sich bei der ersten Wahl zum Gemeindevorsteher wählen ließ— überführt, für 1 000 Mark seine Stimme an dos Zentrum vertauft zu hoben. Der Vermittler dieses Ge- schäftes war ein Kaufmann und Zentrumsmann, der von den 1000 Mark 300 Mark für sich behalten hat. Di« restlichen 700 Mark wurden durch Scheck bei einer Bank deponiert und Weinert nach vollbrachter Tat als Judaslohn ausgezahlt. Der Kassierer und der Unter- bezirksleiter der KPD. in Recklinghausen haben sich inzwischen eben- falls als bestechlich« Subjekte erwiesen. Sie waren von dem zentrümlich-kommunistischen Geschäft in allen Einzel. heften unterrichtet. Die Polizei hat bereits die erforderlichen Crmitte- l u n g e n e i n g c I« itet, da ein Verstoß gegen ß 109 des Straf- gesetzbuches vorliegt._ Krankreich fordert Ftottenstärkung. Avf der— See-AbrüflungSkonftrenz Dondoa. 12. Februar.(Eigenbericht.) Der Sachverständigenbericht an das erst« Könnt« stellt kein« endgültige Lösung dar. aber die Klassifizierung der Schis sstategone» ist soweit vorgeschriften, daß jede Macht ausgesorbert werben kann, ihr« Bedürfnisse für die einzelnen Schiffskategorien anzu- melden. Nach einem neuen Memorandum beansprucht Frankreich jetzt 724 000 Tonnen, nach einer anderen Informatian 805 000 Tonnen, also beinahe die doppelte Tonnage seiner französischen Kriegsmarine. Während Frankreich heute drei 10 VOo-Tonnen- Kreuzer besitzt, weitere drei im Bau hat, verlangt es 1 2 K r e u z e r. Di« Ziffern für I/-Boote stellen«in« Verdreifachung der gegen- wärtigen Tonnage der französischen ll-Bootflotte dar. Das japanisch« Memorandum soll«in« stark« v-Baot» flott e fordern. (Sejm gegen pilsudski. Dispositions'ondS gekürzt Warschau. 12. Februar.(Eigenbericht.) Der Sejm hat den Haushalt verabschiedet; dagegen stimmten die Kommunisten und die Ukrainer bei Stimm- enthaltuug der Deutscheu. Jude» und Nativnaldemokra- tea. Di« Dispositionsfonds des Kriegs-, Außen- und Innenministeriums sind trotz heftigsten Widerstandes des Regleruugsblocks endgültig betrachtlich geschmälert. Pilsudstis Dispositionsfonds ist ebenso wie im Vorjahre um 2 Millionen Zloty gekürzt worden. Das Paela- ment hat sich von den heftigen Drohungen der Pil- sudskisten nicht einschüchtern lassen. Revolie in Krauzösisch-Lndien. Aufständische Ssidaten. Part», 12. Februar. Berichten zufolg«, die beim Kolonialministerium eingetroffen sind, haben in der Nacht zum Monlag etwa 200 Tonkin-Schützen und 60 eingeborene Revolutionäre das Zeltlager von Penbai in Tonkin. wo ein Bataillon in Garnison liegt, angegriffen. Es wur- den znni Ossiziere, drei Unteroffiziere und fünf annamitisch« Sol- beten getötet und zw« Offiziere drei Unteroffiziere und sechs annamitifche Sslduten verwundet. Am frühen Dormiitog war dt.' Ordnung wiederhergestellt, nachdem eine Truppenabteiiung aus Hanoi das Zeltlager besetzt hafte. Die aufständischen Zivilisten und Schützen sind in de»Urwald geflohen. In der gleichen Nacht wurde auch der Milftärposten in Hung Hoa angegriffen. Abgeordneter Rhoelna Allalsterialdlrekkor. Als Nachfolger de» verstorbenen Ministerialdirektors Dr. Böckenhoft ist der Zentrums- abgeordnet« Rheing zum Lefter der Domönenadtsilung un pmiß. Landwirtschaftsministerium ernannt worden. Rhoeing ist der einzig überlebende jener agrarischen Zentrumsleut«, die wie von Papen und Lönartz 1S2S den preußischen Mimster- Präsidenten Otto Brau« stürze« wollten, BVG-Arbeiter gegen Arbeiterrat Heute Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Direktion. Wie wir erfahren, finden heule zwischen der Direktion der Der- l'ner verkehrs-A.-G. und den Derlrekern der am Tarifvertrag beteiligten Gewer ksdjaficn Verhandlungen stall. Der Zweck dieser Verhandlungen, die von beiden Seilen gewünschl werden, ist, einen Ausweg aus der Situation zu suchen, die durch die Weige- rung der kommunistischen vlehrheil des Arbeilerrats entstanden ist. Die Direktion der Verkchrs-A.-G. sowie die Gewerkschaften möchten vkassenentlassungen verhindern. Laut Tarifvertrag muh jedoch der Arbeilerrat bei Arbeitsslreckung seine Zustimmung geben. Da diese Zustimmung verweigert worden ist. mühten die Entlassungen vorgenommen werden. Die Verhandlungen haben die Vermeidung der Entlassungen zum Belegschaft gegen Kommunisten. Zwei Versammlungen— zwei kommunistische Niederlagen. Wie die Haltung der kommunistischen Mehrheit des Arbeiterrats der Berliner Berkehrs-A.-E. unter der Belegschaft sich auswirkt, das geht recht deutlich aus den Versammlungen hervor, die von den Kommunisten einberufen werden. Gestern hatten die Kommunisten di« Belegschaft der U-Bahnwerkstättc Stadion zu einer Bersamm- lung eingeladen, in der der kommunistische Landtagsabgcvrdnet« D e t e r als Referent angekündigt war. Von den 530 Mann, die dort beschäftigt werden, waren insgesamt 80 Leute erschienen... Emen noch größeren Reinfall erlebten die Kommunisten mit einer Versammlung, zu der gestern die Belegschaft der Bahn- meistereien der Untergrundbahn Gleisdreieck und Trebbiner Straße eingeladen war. Bon mehr als 1000 Mann Belegschaft waren insgesamt 58 Mann erschienen. Als Referent fungiert« das kommunistische Auffichtsratmitglied Schwenk, der die üblichen demagogischen Schimpfereien gegen den Vorsitzenden des Aufsicht-- rats, unseren Genossen Reuter, und die sozialdemokratischen Mitglieder des Borstandes der Derkehrs-A.-G. vom Stapel ließ. Er erntete damit aber wenig Beikall. In der Diskussion wurden das Referat Schwenks und das Verhalten der kommunistischen Arbeiter- ratsniitgliedcr einer scharfen Kritik unterzogen. Folgende Entschließung wurde eingebracht: „Die am Mittwoch, dem 12. Februar, von den revolutionären Vertrauensleuten einberufene Versammlung der BBG.-Beleg- schaft Gleisdreieck und Tvebbiner Straße nimmt erneut Stellung zit den Entlassungen bei der BVG. Sie erblickt in dem unerhörten Beschluß des„revolutionären" Arbciterrats. die Arbeitsstreckung abzulehnen und somit Entlassungen von Hunderten von Arbeits- kolleg«» herbeizuführen, einen nngeheurea Verrat an den Zaler- essen" der VVG.-Arbeilerschaft. Die Versammlung fordert die ge- iainte Belegschaft der BVG. aus, bei den kommenden Wahlen dem sogenannten revolutionären Arbeiterrat die Quittung dafür und jede Stimme der sreigewerkschasllichen Liste zu geben.- Der Versammlungsleiter wollte über diese Resolution nicht ab- stimmen lassen. Aus Aufforderung aus der Versammlung heraus wurde jedoch eine Abstimmung vorgenommen. Die Resolution wurde nnt 28 Stimmen bei 16 Strmmenenihaltungen angenommen. Die Mehrheit verließ darauf das Lokal und überließ es den 16„revolutionären" Unorganisierten, Delegierte zu der .Ftampfkonferenz" zu wählen. Selbst in dieser einstigen Hochburg Deters zeigt sich jetzt die Ohnmacht der KPD. Der Kampf im Drofchkengewerbe. Oer Schlichter sollte eingreifen. Die Lage im Torifkonflikt der Berliner Kraftdroschkensahrcr Hot sich gestern nicht verändert. Alle Versuche der koinmunistischen .Lampsteitimg", die nicht ausgesperrten Ehausteure entgegen der Anweisung der Organisationsleitung zur Arbeitseinstellung zu bewegen, sind trotz vcrschiedeiusicher Gewaltmaßnahmcn fehl- g«schlagen. Die Chaufieure denken nicht daran, sich vor den Parteikarren der KPD. spannen zu lassen und eine Kampf- roktik zu befolgen, die nur den Unternehmern zum Vorteil gereichen würde. Die im Kefamtberband organisierten Kraftdroschkensiihrer werdcn heute abend, 19 Uhr, in einer Mitgliederversammlung im Gswerkschaftshaus über all« weiteren Maßnahmen beschließen, die zur erfolgreichen Durchführung des Abwehrkampfes notwendig sind. Da die Unternehmer der Aufforderung des Schlichters, mit der Organisation der Krastdroschkensührer nochmals in VerHand- lungen zum Abschluß eines Lohntorifcs einzutreten, bis jetzt nicht nachgekommen sin>, ist es an der Zelt, daß die Schlichtungsinstanzen nunmehr von sich au? in den Konflikt vermittelnd eingreifen. Wenn die Unternehmer sich weiierhm weigern, ihren Fahrern das zum Leben notwendig« Mindesteinkommen zu garantieren, dann müsien sie eben dazu gezwungen werden. Gibt es, wie die Unternehmer immer behaupten, tatsächlich Droschkenuntcrnehmen, die ihren Fahrern kein bestimmtes Mindest- «inkommen garantieren können, dann haben solche Betriebe eben keine Existenzberechtigung. Ebensowenig, wie man einem Arbeiter oder Angestellten in einem Fabrikbetricbe nicht das Geschäftsrisiko des Umernehmens aurloden kann, kann man es auch im Droschengewerbe nicht. Die Droschkenchausieure haben wie seder andere Arbeiter das Recht, zu verlangen, daß sie bei Beginn ihrer Arbeit wissen, was sie dafür im Mindestfalle erholten werden. „Zwangearbeit für Erwerbs.ose." Ein kommunistischer Schwindel. Die kommunistische„Welt am Abend" behauptet, daß die Rcichsminister Severing und Wisjell Rundschreiben an die Landesbehörden erlassen hätten, wonach„die Arbeitsämter der Länder, Bezirke und Kommunen angewiesen werden, ausge- steuerte Erwerbskose nicht mehr generell der Wohliahrtspflege zuzu- führen, sondern zu prüfen, inwieweit diese arbeitsscheu sind. Im letzteren Falle ist die Unterstützung zu verweigern und sind arbeits- scheu« Elemente den Arbeitshäufern zuzuführen". Schon die Fassung dieser Mitteilung zeigt, das; e, sich um«ine sehr dumme Erfindung des kommunistischen Blaues handelt. Es gibt keine„Arbeitsänuxr der Länder, Bezirke und Kommunen". Was mit den ausgesteuerten Erwerbslosen, die der Wohliahrtspilegc überwiesen werdcn, geschieht, darüber hat das Reich-arbeiis- Ministerium nicht zu befinden. Auch die ueberweisung an die Arbeitshäuser gehört nicht zu seinein Ressort Wir haben uns aber trotzdem an zuständiger S5elle erkundigt und festgestellt, daß weder ein solches noch ein ahnliches R u n d i ch r« i b em er- gangen ist. Die Miueilung der„Welt am Abend" ist von A bis Z erfunden. Echo des wuöen Rohrlegerstreiks. „Note Aahne" zu 500 Mark verurteilt. Vor dem Schöffengericht Berkin-Mitte fand Mittwoch gewisser- maßen der Schlußakt zu dem wilden, von den Kommunisten orga- nisierten Rohrleger streik statt. Die„Rote Fahne" hatte am 17., 18. und 28. Oktober die Arbeiter Berlins, insbesondere die streikenden Rohrleger ausgefordert,„nach bolschewistischer Art" die taristreuen Rohrleger von der Arbeit zu vertreiben.„Vertreibt die Streikbrecher", hieß es da. Die streikenden Rohrleger werden mit den«treikbrechern so verfahren, wie mit Streikbrechern zu verfahren gilt. Die Folg« davon war. daß Rohrleger schwer mißhandelt und mit Messerstichen verletzt wurden. Unter anderem auch«in Rohr- leger, der nach Schluß der Arbeit gerade im Begriss war. de» von der Firma Ärowc ausgesührlen Bau an der Kugelerstraße zu verlassen. Er wurde von etwa 20 Arbeitern in Empfang genommen, mit Brettern bearbeitet und mit M e s s e r st i ch e n am Genick, an der B r u st zrnd im Rücken verletzt. Der Angeklagt« Firl erklärte auf die Frage des Vorsitzenden. daß man sich unter„bolschewistischer Art" eigentlich„etwas ganz Harmloses" vorzustellen habe— etwa die„Aufklärung" über! die Bedeutung des Streiks, Streikpostenstshens, der Solidarität der Arbeiter usw.„Allerdings." fügie er hinzu,„sollen die Arbeiter wissen, daß es gefährlich ist, auf einem bestreikten Bau zu ar- betten: die Integrität ihrer Person könne nicht ge. währleistet werden." Der..Arbeitervertreter" Firl muhte sich vom bürgerlichen Richter belehren lassen, daß das Koolitionsrecht kein Recht zu Gewaltiätig- ketten in sich schließe. Der Angeklagte erging sich auch in längeren Ausführungen über den Verrat der sozialfafchistischen Metall- arbeiter" Und über das Neckst der komniunistischen Rohrleger zu den, milden. Streik, hatte aber damit wenig Erfolg, da der Richter gut unterrichtet schien. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe in Höbe von 800 M., da die Aufforderung zu Gewalttätigkeiten in zwei Fällen strafbare Handlungen zur Folge gehabt habe. Der Angeklagt« Firl meinte dazu, daß er ja bei so hohen Strafen völlig ruiniert würde. Er meinte damit die„Rote Fahne", der c- aber gleichgüllig gewesen war, die Gesundheit ehrlicher Ar- bester zu ruinieren. Das Gericht verurteilte Firl zu 500 M. Ein Glück für Firl, daß er nicht vor einem Gericht Sowjctnrßlands stand. Kamps um das Koaliiionsrechi in Meh. Die Brauereibeksher maßregeln. Aus Metz wird uns geschrieben: Vor dem Kriege regalten Tarifverträg« da» Lohn- und Arbeitsverhältnis der lothringischen Brauereiarbester. Mähend aber diese Verträge im El saß auch nach Sem Kriege ausrecht- erhalten werde» konnten, sind sie den Brauereiarbeitern in Metz verloren gegangen, einerseits infolge der Brutalität der Umernehmer, andererseits wegen des verderblichen Kanipfes der Kommunisten. Das Resultat: die Löhne sind außerordentlich niedrig, die übrigen Arbeitsbedingungen werdcn einseitig iestgesetzr und will- kürlich gehandhabt. In den Metzer Brauereien sind die Löhne nicht viel mehr als h a l b so hoch wie im angrenzenden Saargebiet, ob- wohl die Lebensverhältnisse allgemein ungünstiger sind. Was fehlte, war eine starke gewerkschaftlich« Organisation. Am 5. Januar dieses Jahres ist der Grundstein zu einer solchen gelegt worden durch Gründung einer Gewerkschaft in Metz, der sich sofort eine recht ansehnliche Zahl von Brauereiarbeitern anschloß. Aber das paßte den Brauherren nicht. Was schert diese das Gesetz aus dem Jahre 1884, das der Arbeiterschaft das Koalitionsrecht aus- drücklich gewährleistet. Dies« gesetzlich garantierte Koalitionsfreihest hat die dividendenschweren Direktoren der Brauereien Amos, Union und Lorraine in Metz von brutalen Mahregelungen einer größeren Zakst von Arbeitern nicht abgehalten, darunter Leute mit 12 Kindern. Neuerdings haben sich nun der International« Ge- werkschaftsbund und die zuständigen Berufsinternationalen dl« spezielle Aufgabe der gewerkschaftlichen Organisierung der lothringischen Arbeiterschaft und der Hebung ihrer Existonzbedingun- gen gestellt. Welchen Schwierigkeiten sie dabei begegnen werdcn, zeigt der Kamps der Brauereiarbciter von Metz, die jedoch ent- schlössen sind, ihn weiterzuführen bis zur Erreichung des Zieles: Anerkennung der Gewerkschaft und Abschluß von Tarifverträgen. Ausweriung sür Victoriaangestellie. Vorläufige Entscheidung des Kammergerichts. Bor kurzer Zeit wurde hier über die zahlreichen Prozejj« berichtet, die früher« Angestellte der Bictoria-Versicherungs-Gefell- schaft um die Aufwertung ihrer Rentenansprüche führen. Die letzt« wichtige Entscheidung fällte das R e i ch s o r b e> t s. g e r i ch t. Es handelte sich damals um die während der Jnflations- zeit von den Angestellten versäumtenFristenzur Anmeldung von Ansprüchen. Das Rcichsarbeitsgericht entschuldigt« die durch die Inslationszustände verständliche Fristversäumnis, ohne zunächst zur Höh« der Aufwertung Stellung zu nehmen.' Da für d>« endgültige Regelung der gesamten Rentnerprozesse noch«in wichliger Spruch des Reichswirtschaftsgerichts abgewartet werden muß, haben einzelne Rentner, die in außer- ordentlicher Notlage waren, beim Kammergericht eine einst- weilige Verfügung beantragt, damit ihnen zunächst ein gewisser Prozentsatz ausgezahlt werde. Das Kammergericht hat sich in diesen beiden Fällen zum erstenmal mit der Höhe der Auf- Wertung befaßt. 12 s, Proz. bekommen die Rentner sowieso aus dem sogenannten Auswertungsstock der Versicherung, den ein Treuhänder verwaltet. Außerdem ist die Victoria jetzt verurteilt worden, aus ihrem freien Vermögen vorläufig weitere 50 Proz. der Goldmarkrent« zu zahlen. Das wichtigste ist dabei die Berechnungsmethode, die das Kamniergericht aufgestellt hat. Bekanntlich richtet sich die Alters- rcnte nach der Höhe des zuletzt empfangenenGehalts. Da die Kläger während der Inflationszeit aus den Diensten der Aictorio ausscheiden mußten, hatte man die zuletzt empfangenen Popiermorkgehälter nach einem sehr ungünstigen Gold- umrechnungsverfahren des Reichsaufsichtsamts für Privawersicherung umgerechnet. Der Dollar- bzw. Goldwert von Angestelltengehältern während der Inflation ist ja noch in lebhafter Erinnerung: dabei ergab sich für einen Angestellten nach 2öjähriger Dienstzeit eine Goldrent« von 170 Mark monallich. Dos Kammergericht hat verfügt, daß man den Goldwert der zuletzt empfangenen Gehälter nach dem Lebenshaltungs. index umrechnen müsse, so daß die 100 Proz. nicht mehr 170 Mark, sondern 224 Mark monatlich betragen würden. Bon dieser Summe zahil jetzt die Bietoria 50 Proz. Allerdings Ist noch ungewiß, ob der Treuhänder die 121- Proz. aus dem Auswertungsstock eben- solls nach der neuen Methode berechnen wird. Trotz alledem kann man nicht sagen, daß die ehemaligen Vicioriaangestellten setzt etwa 62)4 Proz. ihrer F r i e d e n s r«» t« empfangen. Dazu ist der Unterschied zwischen dem.Goldwert" eines in der Inflation empfangenen Gehalts und den Gehältern, die vor dem Kriege gezahlt wurden, viel zu groß. Bor ollen Dingen ist bei ieder Aisswertungsberechnnng der Grundsatz maß- gebend, daß all« bis zum 1. Januar 1918 gezahlten Beträge als G o l d m a r k anzusehen sind, während doch in Wirklichkeit schon 1918 die Kaufkraft der deutschen Mark erheblich gesunken war. N. V. �0000 Textiwrbeiier ausgesperri. Im polnischen Invustriebezirl B-elih.. Warschau. 12. Februar. Wie aus Bielitz gemeldet wird, sind sämtliche Textiifabriken des dortigen Industriebezirtes am Montag bzw. Dienstag zum Stillstand gekommen. Von der Aussperrung werden 10 000 Arbeiter betroffen. Die Aussperrung wurde verhängt, nachdem die Arbriterschait von 17 Fabriken in den Streik getreten war. Da die Arbeiter außerordentlich erregt sind und Massenversammlungen veranstalten, befürchtet man Ausschreitungen. Die Arbeitslosigkeit Im Siaaie Rem Zork nimmt immer größeren Umfang an. Seit Oktober sind nicht weniger als 100 000 Arbeiter allein im Staate New Vork entlassen worden. Die Besehäftigungszisfern sür Januar sind die niedrigsten der letzten 15 Jahre. AfA-Dekriebsrätel M-rq-n. r»ita«, 14. Keinat, is'i Uhr. wichtiac®elciK6»cötcBiir(a'nm- lunq im£cIitoir»cmni6au». Scptsottnun«: Stift Stiele: ,®ic Scttic&stötc. falilcn tano ti r. t> lrc(SnBetlWp'iBfeiRtt". Erich Staian;.Pr-vapp!>d- an» Ctpaai'ation fctt Seitieb?täiewadlen'.«u-wt-che. ZiUt-ir nat m« S!Ä- SiusscU.29" und dem nültifltit Mitqliedsbuch einer AIA-Dewetttchatt! e- W S m 7"ou-l. Vortrap:.?io Anfänpe der prosetarUchen Iup-ndbewepung".— Tempel..»i: ffirunpenbeim Lnzeum, Geemaniaser. 4—0. Bunter Abend.— Moabit: Zup d- beim Lebrier Etr. 18—19. Vortrap:„Tie Souatrorücherlmp".— Landsberoir Vlaft: Inpondboim Große Srankfurter Str. 1«, Kilmner«. Rreismlldch.ilpboild. Tie L,-r'chen besuchen d e Gruppe Rövenilt.— Lichienbeep und«eu-Lichien. btep: KuoerMitim Sanis- an der Lesfinpstrabe.«reismiidcheltabend. Ter Gruppenabend fällt ans.— Sranlsnriee Aller: Eruppenbeinl Sranklarter Aller 207(Wal-rr-Pätbenau-Kimmer). Vortrap:.Seme in schaft". föh.�uaendoruppe i>es?etttra!vertandes ver AnaefieMeu SK« Leute. Tonnersiap. finden solpende Berarstalwnpen fipff: Pankow- " Sicderia rnbauien: Kuqendbeim Sörschstr. 14 fproßez Zimmers. Bor. traa:.Ti- Knpend im ZbA." Refeienl Sein? Mann.— Treptow: Iupendnern der Schule Willxmbruchftr. öS sZnpanp von dcr Dracftstrafie in Treptows. Do.. traa:„Reiseeindrüche aiis Sranlreich und Belpien". Referent Sriedrich Welpelt. Schiincberp: Zupenicheim Sauvtstr. 15(LofpcMuöc, Thitrinpen.iimmcrs. Str. trpp:„Tie Vorläufer unseres ZSA." Referent Serdert Trwald.— Ab 1»>.-. Ulir SoilstaiislucfL-s im Pefmlo.-zi-Lmcum, Lichtenderg. Prinz-AIbert- Strafte 44. Lerpntwortlich kür Politik: Dr. Gurt Geyer! Wirtschaft: S. iklinpeldSsr,: Eererkschatt-dewegung: Z. Steiner: Senillrion: Dr. Zoha Schikowski: Lokalr» und Ssnitiaes Sri» Rorslädt: Aneeiaen: Tb. Gioche: sämtlich in Berlin. Bcrlpp: Vorwärls-Veriop S. m b. L. Berlin Druck: Borwäris-Buchdrucktrei und Verlpaspnstpli Paul Singer u. So.. Berlin EW. 68. LindenNrafte s. Lima 1 Beilage...Unictbaltano und Wissen" und..Sreuensiimme" l>ur«k> rloalftlv einavrie» u n e, rrou e, r er»«rln» zip, SroOe r U m aata, klelnarNutsan— bringe Ich 5 Schlager'/, FI. Serie! 0.68 Serie II 0.BS i" Serie II1 1.00 „Prima WolOweln"' , Süßer Deosertobstweln".,.», 1 waißwolne„Eelenkcbner"..».. 1 Prima Rotweine........... I Bursuntier",„Felnstor Rotwein „Echter eüOer Orlechenwcln' „Roter TarraBona" „38er we Nor süDsr Bordeaux", m»... �__ echter 33er Burgunder",„Echter hßriO«1/ 1'IS Maiaea",„Feinste WclOweine".. JSIItlf l.tU „Echter 35er Haut Sauterne1 „Echter Pcpeinweln Für Kn .Wermuth",„Toxp.no",„Roter Sü» [ woin",„Echter süßer Uncarw: „Feinxio Bordeau:.- u. 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Februar 1930 Das Maus der Zukunft? 2BÜ stellt man sich ein madernes .�ans rmr? Van diesem Gedanken ausgebend, schufen die Architekten Üuckhardt und Anker«in Versuchs- gelände an der Schorlemer» alt« e tn Dahlem: auf der «inen Seite sieden Wohnhäuser In Stahlskelettbau, aus der anderen in Beton gegossene Wohnhäuser. Richtig«, recht- eckige.Listen", flach aus den Boden gestellt, denn je tiefer die Grund- mauern in der Erde sitzen, desto mehr Feuchtigkeit ziehen sie herauf. Tie Dächer flach, aber nicht als Doch- gärten benugbori das Regen- und Schneewasser fließt nicht in Rinne« ob. die keinen Schutz gegen Ber- «isung rm Winter bieten, sondern wird in der Dochmitte, an dem warmen Punkt des Hauses, nach innen eingesaugt. Alle neuen Bau- motertalien sind zur Verwendung gekommen. Neue Wand- und Fußbodenoerkleidung, neue Fensterkonstruktionen, neue Schalliiotation und Wärmeisolierung. Auch in der Fardtechnik wurden neu« Wege beschritte». Sockel- und Fensterumrandungen sind aus Emaille. (Sockel gelb, Fenster blau, Türen rot.) Dieler Stahlskelettbau, der aus lauter Maßeinheiten besteht, immer wieder dieselbe Konstruktionsgliederung zeigt, gestattet, die Wände noch jeder Richtung aufzureißen und zu schließen, da die Wondfüllungen keine tragen- den Funktionen ausüben. So sind große Fensterflöchen mit großer Belichtung möglich. Im Innern können Zwischenwände noch Be- lieben eingefügt werden. Die Ausstattung besteht aus modernen, r,*>es- holzfreien Möbeln. Wissenschaftliche Versuche werden vom Material« prüfimgsamt in bezug auf Schalltechnik, Wärmetechnik usf. angestellt. Da moderne Bauten dieser Art gewöhnlich schwer zugänglich sind (meistens in Privatbesitz) und oft auch eine Kompromißlösung dar- stellen ist es sehr zu begrüßen, daß die Neubauten an der Schorlemer- alle« dem Publikum zur Besichtigung offen stehen; es wäre auch wünschenswert, das staatliche Interesse auf diese grundlegenden, modernen Bauversuch« hinzulenken. Bei den in Beton gegossenen Wohnhäusern(auf der Abbildung rechts) fallen in erster Linie die vorgebauten Glaswände auf, die zwar Licht durchlassen, aber«ine genaue Sicht verhindern. Sie sollet die Nachbarn auch„optisch" trennen. Gesettschast und neue Schule. 3« der»Deulscheo Liga für Menschenrechte" sprach Oberskudtandireklsr Dr. S o r s« a(Aufhauschule Neukölln) über Gesellschaft und«eue Schule in etntgeu hauptkul lurläuberu. Er schilderte die Gesellschaft. lichen Zustände in den vereinigten Staate» Amerikas, in England, in Ruhland, in Deutschland, und er zeigte, wie da» Schulwesen dieser Länder dem chesellschofls. zustand sich augepaht hat oder sich auzu. passen sucht. In den Dereinigten Staat«», dam Land jugendlicher. Aktivität, bietet sich jedem di« Aussicht, emporzukommen. Auch die öffentlich«» Schulen sind jedem Ämd zu kostenlosem Besuch geöfsnet, und man kann von ihnen aus zu allen Be- rufen gelangen. Diese Schulen sind nach de» Verufstnpen durchgegliedert, und eine nach psychologischen Mechoden arbeitende Zentralinstanz weist jede» Schüler dem lür ihn passenden Kursus zu. Der Unterricht ist ähnlich unserem Arbeitsunterr.cht, aber der Stoff erwächst den Kadern mehr aus dem wirtlicheu Leben. das sie einmal meistern sollen. Durch Kollektivarbeit erziehen die Kinder sich zu demokratischen Menschen.— Ii, Rußland. wo nicht di« Mass«, sondern eine Gruppe die Herrschaft übernommen hat. dieut die gefamre Schulorganisalion und der gesamte Schulunterricht dem Zweck, den k o m m u n i st i s ch c n Staat auszu» bauen und zu befestigen. Die Schule, auch hier als Arbeilsfchule organisiert, ist«in Mittel zur Hebung der Masse, aber sie ist erfüllt nom Drang zum Praktischen.— Die Schulen Englands ent- wickeln den Typ des Engländers, der herrschen will. Sie haben die Ausgabe, allen Schülern den Ausstieg möglichst zu allen Stufen der Bildung zu bieten. Entsprechend der Einheitlichkeit des englischen Volkes, zeigt auch dos«nglische Schulwesen ein j einheitliches System, das von der Volksschule bis zur Universität reicht. Deutschlands Schulwesen läßt Einheit» lichkeit vermissen. Zusammenhanglos stehen hier neben- einander die Volksschule und die höher« Schule. Nach der Revolution entstanden Schulen, die vom Geist der Gemeinschaft s» arbeit und des Gemeinschaftslebens«rsüllt sind. Kommen muß auch bei uns einmal die Einheitlichkeit des Schul- wesens. An der Aussprache über den Dortrag beteiligten sich unter anderem die Abgeordnete Oberschulrätin Dr. Wegscheid er. Sie betome die Notwendigkeit, auch für schon im Beruf stehend« junge Menschen aus ihrer Berufsschulb-stdung heraus«inen Weg zur Hoch- schul« zu schaffen.__ Brand auf der„München" gelöscht. Oer v-Bohaverkehr voter dem Hudson wieder im Gange. _. Bremen, 12. Februar. Wie dem Norddeutschen Lloyd aua New York ge» meldet wird, ist das Feuer auf dem Dampfer„Müschen" gestern vormittag gelöscht worden. Mittwoch vormittag wagten sich mehrere Ieuenochrleutc aus das Wrack der brennenden„München" und drangen in den Rumpf ein. Sic konnten feststellen, daß eine Explosionsgefahr nicht mehr bestehe. Insolgedessen gestalteten sich die Lösch- arbeiten wesentlich wirkstnner. Der Untergrundbahnverkehr durch den H u d s o n- T u n n e l konnte wieder aufgenommen werden, da entgegen den ursprünglichen Ansichten die Tunneldeck« durch das Aufsetzen des Hinterschiffes nicht gefährdet wurde. Der Sachschaden wird auf 10 Millionen Mark geschätzt. Liebestragödie auf der GiraHe. Die Geliebte und sich selbst erschossen. Zw Norden Verlin» an der Ecke der Togo- und Kameruner Straße spielte sich gester« am späten Abend eine Schreckeueszcne ab. Der Zbjehrigc Vlechschaeider Georg Mustol aus hcnmg-dars gab aus sein« Geliebte, die AZjährigc Mirtschasterin Hulda Timm. mehrere Schüsse ab. die den sofortigen Tod der Frau herbei- führten. Ehe es noch jemand«rhinderu konnte, richtete Musiol die Masse gegen sich selbst und tötete sich durch einen Schuß in die Schläfe. Noch den bisherigen polizeilichen Ermilllungeu ist M. schon mit dem vorsah in der Kameruner Strohe erschienen, sich zu erschießen und die Geliebt« mit in den Tod zu nehmen. Todessturz vom Balkon. Geltsame Duplizität der Kalle. Ein erschütternder Vorfall, der an den tragischen Tod de» Abgeordneten Paul Leos erinnert, spielte sich gestern nach- mllkag in Eharlotteoborg, käaigswcg 31. ab. Im 4 Stockwerk des Vorderhauses wohnte seit vielen Iahren der 67jährige Generalleutnant a. D. Philipp Wolfs. Dem alten Mann machten in letzter Zeit ein altes Nervenleiden und eine Ar tcrienverkalkung mit starker Atemnot besonders schwer zu schaffen. Gegen 15 Uhr stürzte sich Wolfs, ohne daß seine Angehörigen etwas merkten, wahrscheinlich unter dem Druck plötzlicher Atembevemmungen vom Balkon auf die Straße hinab. Mit furcht- baren Verletzungen wurde er ins St. Hiidcgard-Knmkenhaus ge- bracht, wo die Aerzte boj seiner Einlieserung nur noch den in- zwischen«ingetretenen Tod seststellen tonnten. Da der General keinerlei Abschiedsbriefe hinterließ, scheint kein vorsätzlicher Selbstmord vorzuliegen. Festnahme eines polnischen Mörders. Seit langem wurde wegen Bandenraubes und Mordes von den polnifchen Polizeibehörden«in 35 Jahre alter Michael C; e r w i n s k i gesucht, von dem man vermutete, daß«r sich unter falschem Namen in Deutschland als landwirtschaftlicher Arbeüer auf- halte. Die Spur wies noch Gütern in der Gegend zwischen Brandenburg a. d. H. und Nauen. Unter dem Verdacht kleinerer Diebstähler wurde jetzt dort von der Landjäherci in Nenn- Kausen«in Mann festgenommen, der sich Stanislav Ja w o r s k i nannte. Der Erkennungsdienst des Berliner Polizeipräsidiums stellte fest, baß Iaworski in Wirtlichkeit der gesucht« Czerwinsk.i ist. Iaworski alias Ezerwinfti war befreundet mit einem 33 Jahre alten Josef Na w rot, der vor einigen Monaten in derselben Gegend festgenommen wurde. Mit ihm zusammen hatte er im Jahre ll!27 einen polnischen Polizeibeamten erschossen. Der dritte im Bunde war Franz S y m o n s k i gewesen, der auch na 6? Deutsch-. land flüchtet« und sich hier Anton Tobias nannte Als er von der Festnahme des Nawrot erfuhr, suchte er über die Grenz« nach Polen zurückzukommen, wurde aber dabei von Polizeibeawten erwischt Und aus der Flucht e r s ch o s s e y. Gegen Michael Czerwinski und Jos sf Nawrot ist Anslkefen r u n g bereits beantragt.• Bier Verletzte bei einem Zusammeustosi. Gestern abend ereignete sich kurz vor 18 Uhr an der Ecke Steinmetz- und Blllowstraß« ein Zusammen st oß zwischen einem L a st z u g und einem Straßenbahnwagen der Linie 64. Leide Fahrzeuge wurden so schwer beschädigt, daß sie abgeschleppt werden mußten. Der Mitfahrer des Last- zuges, dar 36jöhrig« Emil K a r g aus der Forster Straße l9 wurd« van seinem Sitz auf das Stroßenpflaster geschleudert, wo«r mit schweren Rückgratverletzungen bewußtlos liegen jltahlv*& SoMWGgA „«chmeißt allen ihren Krempel heraus: hier bin ich der Herr im Haufe, hier habe ich zu befehlen!" brüllte er rout- schnaubend. Und die Männer machten sich ans Werk. „Nein, nein, nicht hier in den Hof!" kreischte er. „Draußen auf die Straße, vors Tor." Das arme Wesen protestierte nicht. Sie schleppte sich hinter ihren mißhandelten Habseligkeiten her und murmelte immer noch vor sich hin. Vorübergehende blieben stehen und beäugten die Szene neugierig, aber niemand konnte oer- stehen, was die alte Mulattin jagte. Es war nichts als ein Gebrumm, von feierlichem, ununterbrochenem Äopsfchütteln begle'iet. Eine alte Matratze war ausgerissen und verlor die halbe Füllung. Die Möb:s. von denen die meisten ohne Politur waren, hatten beim Anfassen sehr gelitten-, die Kleider waren unsanft hinausgeworfen worden. Teller und Küchengeräts lagen neben dem Brunnen wie ein Haufen Gerumpel. Zn der Nähe gab der Wann mit den vielen Instrumenten sein übliches Sonntagskonzcrt: Kunde» gingen in dem Laden ein und aus Die tzausbewohn-cr lüfteten ihre Sonntagskleider: Körbe mit sauberer Wäsche machten sich auf den Weg zu ihren Eigentümern, und Säcke mit schmutzigen Sachen kamen w den Hof hinein. Aber all diesen Dingen schenkte Marcianna ke ne Beachtung. Sie hockt« neben ihren zerrrümmerten Hab- seligkeiten und murmelte. S:e weinte nicht mehr, sondern starrte mit blicklos-n Augen gerade vor sich hin. Ein paar m'tleid'ge Nachbar« gingen hinaus, boten ihr Essen an und versuchten mit ihr zu reden. Sie erwiderte n'-btz und schien sie nicht einmal zu hören. Sie riefen die 2llte wiederholt beim Namen, aber sie reog:erte nicht. Die Waschfrauen tuschelten sich etwas ins Ohr und be- kreuzigten sich. Tonte Marcicknna hatte gewiß den Verstand verloren. Rita kam mit einem Teller Essen für die. unselige Nach- barin an. „Tonte Marcianna". bot di« Mulattin,.chleib doch nicht so hier hocken. Steh auf, und wir werden dir helfen, deine f Sachen unterzubringen, bis du einen Ort hast, wo du sie hin- i stellen kannst." Keine Antwort— Marcianna fuhr nur fort zu murmeln. .Komm doch, es wird gleich regnen. Du darfst nicht hier darußen bleiben: ich hob' schon zwei Tropfen bekommen." „Das wird nichts an der Sache ändern." Diese seltsame Bemerkung kam von der Hexe, die da- stand und auf die unglückliche Mulattin starrte. Rita konnte sich nicht länger aufhalten, denn �irmo war mit Porfiro angekommen, und die beiden hatten eine Menge Pakete mit Eßvorräten mitgebracht. Das Dores' Herr war auch gekommen. Es war drei Uhr. In Mirandas Haus wimmelte es von Gästen, und ihr Empfang beanspruchte viel Aufmerksamkeit. Innen spielte die Musik fast ohne Pause, und die Paare tanzten eifrig Walzer und Quadrille. Diener mit Tabletts voll Gläsern eilten von Speisekammer und Küche in die vorderen Räume. Henrique erschien erhitzt und mit rotem Gesicht des öfteren am Fenster und sucht« intensio nach Pombinha: aber zu seiner Enttäuschung fand er sie nicht, denn sie verbrachte ja den Tag verabredungsgemäß bei Leoni«. Als Joao Romao seine Wut noch an Bertoleza und den Angestellten ausgelassen hatte, verließ er den Loden und be- trat wieder den Hof, wo er an allem etwas auszusetzen hatte. Er nahm sich die Steinbrucharbeiter vor und bemängelte ihre Arbeit, diesmal Isronymo eingeschlossen, dessen Größe und Kraft ihn bisher eingeschüchtert hatten. Er sagte, die Arbeit inr Steinbruch sei miserabel. Die letzten drei Wochen hätte alles still gestanden. Immer be- resteten sie eine neue Sprengung vor, und immer schöben sie sie hinaus. Jetzt sei der Sonntag da. und noch immer sei kein Pulver verbrannt. Sie könnten nichts als bummeln lind dieser Ieronymo. der sonst immer als erster bei der Arbeit war. ging jetzt den übrigen mit schlechtem Beispiel voran. Er dachte an nichts, als jeden Abend eine Samba zu veranstalten. zusammenzukommen, um Rita Bahiana anstarren zu können. Er scbien v-rhert zu sein von ihr. Ms Piedade schlecht von ihrem Manne svrechen hörte. sprang sie in die Höbe und sah sich nach einer Waffe um. Sie hob zwei Stein« auf. zielte nach dem Budiker, und bestimmt wäre ein Kampf entstanden, wenn der drohende Regen nicht vlötzlich in Strömen niedergeprasselt wäre. Alle bis auf die Kinder suchten Schutz unter ihrem eigenen Dach. Di« Kleinen aber hüpften im Hof herum, liefen unter den Wasierfclll. der von der Dachröhre herabströmte und legten sich manchmal ! auf die Erde, um Schwimmen zu spielen. Als Joao Romao in den Laden zurückkehrte, weil er vorm Regen floh, reichte ihm ein Angestellter eine Karte von Miranda, der ihn für den Abend zu einer Tasse Tee einlud. Zuerst war der Budiker erfreut und fühlte sich durch die Ein- ladung geschmeichelt, denn es war die erste dieser Art, die er in seinem ganzen Leben bekam, aber nach einigem Ueberlegett brannte sein Zorn nur noch heftiger als zuvor. Diese Ein- ladung war als List gedacht, als Hohn, der ihn reizen sollte. „Warum ladet mich der alte Windbeutel ein, wo er doch ganz genau weiß, daß ich nicht komme? Warum, wenn nicht. um den Unterschied zwischen uns zu betonen? Zum Teufel mit dem alten Miranda und seinen Titeln und Gesellschaften. Ich brauche nichts von ihm. Ich kann ohne solche Popanze auskommen. Wenn ich Gesellschaften haben wollte, würde ich selber welche aeben." Trog dieser Versicherung fing er an, sich vorzustellen, wie es wäre, wenn er die geeigneten Sachen hätte und die Ein- ladung annähme. Er sah sich in seinem gutsitzenden Tuch- an.zug mit einer schweren goldenen Kette über der Weste und einer DiamantncMel im Schlips. Wenn er den Salon betral, würde er nach allen Seiten hin lächeln, ein paar Worte an den richten und eine Bemerkung an jenen, nicht zu viel sprechen, aber zu jedermann fteundlich sein. Er stellte sich vor. wie alle sich ins Ohr flüsterten, was er für ein reicher und unabhängiger Mann fei, und moste sich im Geist aus. wie sie ihn anstarrten, Gelegenheft suchten, mft chm zu sprechen, und wb liebenswürdig sich die Damen, besonders die Mütter heiratsfähiger Töchter, ihm gegenüber benehmen würden. Mit diesen Gedanken im Kopf behandelte er die Kunden schroff und unhöflich, fuhr Bertoleza ohne allen Grund rauh an. und als er schließlich Marcianna in einem Winkel des Ladens erbl'ckte. wohin sie von zwei Negern geführt worden war, die Mitleid mft ihrem traurigen Zustand draußen im Regen hatten, verlor er die Beherrschung vollständig „Ra so was! Warum bringt ihr denn zum Teufel die alle Idiotin hierherein? Ich freue mich, wenn die Leute mit ihrem Eigentum wohltätiq sind, aber nicht mit meinem. Ich Hab' hier doch kein Asyl für obdachlose Vagabunden." Dann wandte er sich an einen Schutzmann, der hereingekommen war. um sich mit einem Glas Paraty gegen die Wirkung der Masse zu schützen und bemerkte:„Hör' mal, mein Freund, die alte Landstreicherin da hat keine Bleib«, und wenn ich zumache, kann ich sie doch nicht im Laden lassen."(Forts, folgt) bheb. Außerdem wurden der Führer des Straßenbahnwagens und zwei Fahrgäste erheblich verletzt. Di« Derunglürkten wurden durch die Feuerwehr ins naheliegende Elisabeth» Krankenhaus in der Lützmvstraße gebracht. Bis auf Karg kannten die Verletzten nach Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden. Die Schuldfrag« konnte bisher noch nicht geklärt werden. Durch den Borfall war der Straßenbahn» oerkehr nahezu' 4ö Minuten lang lahmgelegt. Gebt den Alindeu Arbeit! Eine Eingabe an die Stadtverordaeteafraktioneu. Don den Arbeitern und Arbeiterinnen der Städtischen B l i n d e n a n st a l t ist den Fraktionen der Stadtverordnetenver« 'ammlung eine Eingabe unterbreitet worden, in der es u. a. heißt: Durch Rundverfügung des Magistrats vom 14. Juli 1925 sind alle städtischen Anstalten angewiesen, ihren Bedarf an Besens Ä.irsten-, Korbwaren, Kokosdecken sowie Stuhlflechtarbeiten der städtischen Blindenanstalt auszugeben. Trotz dieser Verfügung find viele städtischen Dienststellen ihrer Bezugspflicht nicht nachge. lammen. Dieses Derfäumnis hatte zur Folge, daß sich in der Blindenanstalt � ein stets zunehmender Arbeitsmangel be- merkbar machte, daß die Bürsteneinzieherei und Korbmacherei ein» geschränkt werden mußte und daß tHe in diesen Betrieben be- schäftigten blinden Arbeiter nur zwei Drittel ihres bisherigen Vsr- dienstes erzielen konnten. Angesichts dieser Verhältnisse hielten die in der Anstalt beschäftigten Blinden am 17. Januar eine. B e- t r i e b s v e r s a m m l u n g ab, in welcher der Magistrat ersucht wurd«, einen Revisor einzusetzen, der bei den einzelnen Dienststellen nachzuprüfen hat, ob diese die oben angeführt«» Waren und Ar» beiten von der städtischen Blitidenanstqlt bezogen haben. Inzwischen hat ein« weitere Verschlechterung Platz gegriffen. Es wurd« eine Entlassung von etwa 69 Bürsteneinziehern vom Magistrat in Aussicht genommen, welche nur dadurch verhindert wurde, daß die Arbeit sämtlicher Betriebe um ein Drittel eingeschränkt wurde. Wir erlauben uns darauf aufmerksam zu machen, daß der Blinde in seiner Arbeitsfähigkeit hinter dem Sehenden weit zurückbleibt und daher sein Verdienst um vieles geringer ist. Wenn der blind« Arbeiter noch um ein Drittel verkürzt wird, gerät er in die größte R ö t l a g e. Wir geben zu bedenken, daß es stch um 249 Blinde handelt. Wir bitten deshalb nochmals, sich unserer anzunehmen, und den Magistrat zu ersuchen, die geeigneten Schritte zu unter nehmen, um den Arbeitsmangel abzustellen, vnd die S p a r m a ß n a h m s n i zu denen der Magistrat ber seiner jetzigen schwierigen Lage gezwungen ist, für die städtisch« Blindenanstalt auf das möglichst geringste Maß zu beschränken. Wir bitten ferner, darauf hinzuwirken, daß auch di« anderen Betriebe, also die städtischen Gesellschaften, wie Gutsoerwaltungen, Müllabfuhr, Verkehrs» gesellschaften, Gas-, Master und Elektrizitätswerke, sowie sämtlich« städtischen Schulen ihren Gesamtwarenbedarf nicht nur zum Teil. sondern ganz bei der städtischen Blindenanstalt decken. Bei Befolgung dieser Anregung wäre der Arbeitsmangel sofort behoben. Das Bauunglück mWeißensee Ein Baupolier festgenommen, aber wieder freigelassen. (Sint unentwegt königstreue Lehrerin. In den. Schulen unserer Republik gibt es immer noch Lehrer und Lehrerinnen, die ihr«„cüe Lieb« zum angestammten Herrscher- hchtt'. nicht äu bändigen vermögen. Gelegentlich kann so ein Pädagoge männlichen oder weiblichen Geschlechts es stch nicht ver- sagen. R».n. des« rchte.r'ken Exkaiser Wilhelm H; den H.ch u l l'i'n d e.r n tn' empfehkeiide Erinnerung zu b t i n g e n. Schulkinder wagen ja nicht leicht, dem Lehrer oder der. Lehrerin zu widersprechen. Zu diesen unentwegten Ver. ehrerinNen des„Türmers" in Doorn gehört auch ein« Lehrerin, di« in der Berliner 187. Mädchengemeindsschule(Moabit. Ecrhardistraße) ihres Amtes waltet. Im Unterricht stellte sie am 27. Januar die Frag«, was für ein Tag denn heute sei. Als st« die Antwort„der Geburtstag des Kaisers"«rhiell, zeigt« sie sich sehr befriedigt. Dieselbe Lehrerin hat im Oktober, als der Geburtstag der ersten Gattin des Exkaisers wiederkehrte, die Kinder ihrer Klasse zu dem im Tiergarten stehend«» Denkmal der Der- storbenen geführt. Die Lehrerin treibt Werbearbeit noch auf einem anderen Gebiet. Daß sie Estern ihrer Schulkinder in den Wohnun- gen aufsucht, mag an sich Anerkennung verdienen. Die Beziehungen zwischen Schul« und Haus zu pflegen, gehört zu den Pflichten des richtig aufgefaßten Lehramts. Aber diese Lehrerin, die ihre Gottgläubigkell im Unterricht und gegenüber Estern in auf- fälliger Weise bekundet, hat gemeint, bei solchem Besuch stch die Ueberreichung eines Trattätchens erlauben zu dürfen. Eltern, die danach kein Verlangen haben, sollten sich das sehr entschieden verbitten. Wegen der Hineinjiehmuj der Ex- täisererinnerungen in den Schulunterricht wird gegen die Lehrerin die ihr vorgesetzte Behörde ,chos Erforderliche veranlassen" müssen. Das Zentralwohnungsami stiehlt Zeit! Ein Wohnungsuchender schreibt uns: Glücklich, wer nichts mit dem Z e n t ra l w o h n u n g so m t zu tun hat. Es gibt nichts, was so nervenzevmürbend ist wie das Warten in den Räumen dieses Amt«s. Bor allem ist«in großer Teil des Publikums, das sich bei einem Wohnungserwerb in den wüsten Strudel von Laufereien, Wartereien und Fragereien stürzen muß, über den instanzenmäßigen Weg noch incht im klaren. Wer einen Wohnberechtigungsschein erhalten will, muß erst aus Grund seiner Papiere vom Einwoh-n ermeldeamt eine Bescheinigung seiner bisherigen Wohnstellen einholen und diese Be- jcheinigung muß er dann am Zentralwohnungsamt zur Erlangung «ines Wohnderechtigungsscheines«inreichen. Das Zentralwohnungs- amt, das täglich in seinen Räumen viele hunderte Personen sieht, besitzt im ganzen nur zwei Abfertigungsschalter. Nicht nur daß zwei Schalter für di« Unmenge von Antragstellern völlig unzureichend sind, teill sich das Arbeitsgebiet der abfertigenden Veamt«n ober auch noch in Abfertigung und Auskunstserteilung. Es stellen sich also nicht nur solche in der Riesenschlange an, die bereits ihre Papiere antragsfertig in Händen haben, sondern auch diejenigen, die sich erst einmal über das Wie und Ob überhaupt ausführlich erkundigen wollen. Auf diese Weise kann nwn mit einer zweistündigen Wartezeit rechnen, bis man überhaupt an di« Reih« kommt. Ist man dran, so übernimmt der Beamte, falls alles in Ordnung ist und man nicht wieder zurückgeschickt wird, den Antrag und gibt ihn an die Aus- f«rtlgungsstelle weller. Die Ausfsrttgungsstelle für dies« Hundert lind aber Hunderte von Anträgen hat so wenig Personal, daß man auch.hi«r wled«r mit einer Wartezeit von mindestens zwei Stunden zu rechnen hat Man kam, dem Publikum. das zum größten Teil aus arbellenden. berufstätigen Menschen besteht,«»möglich zumuten,, seine kostbare Zell derart zu vertrödeln. Warum wird kein Merkblatt Herausaegeben, nach dem sich das. Publikum über. die notwendigen Formalitäten unterrlchten kann? Und warum gibt sich das Berliner ZentralwohnungsaM so wenig Mühe, mit der Zell seiner Besucher sparsam umzugehen. Die krlminalpollzeillche llnkersuchung über die Schuld an der Iveißeuseer Einsturzkalastrophe Halle gestern zu einer vorläufigen Festnahme des veranlwortlichea Lau- führers. des Poliers Markus Kracht, geführt. Nach der Vernehmung de» Festgenommenen hat die Sriminalpollzei den etwa 45- bis SOzährigen Manu, der schon seil dem Zahre 1920 erster polier der Bauhütte G. m. 6. h. ist, wieder auf freie u Fuß gefehl, da Fluchtverdacht nicht vorliegt. Die Vernehmung des Bailpoli«rs, dem von der Direktion der Bauhütte G. m. b. H. dos Zeugnis eines durchaus zuverlässigen und gewisienhaften Bautechnikers ausgestellt wird, hat zudem keine einwandfreien Beweise für seine Alleinschuld gegeben. Es scheint vielmehr, als ob das Unglück nicht durch Fahrlässigkeit d«s verantwortlichen Bauleiters, sondern vielmehr durch«in« Reihe unglüÄicher Umstände mit verursacht worden ist. Die Kriminalpolizei hat Kracht wieder aus der Hast entlassen, weil er in Eichkamp, wo«r«in kleines Häuschen besitzt, festen Wohnsitz hat, also kein Fluchtverdacht vorliegt und ein« etwa zu er- wartende Strafe nicht allzu hoch sein würde. Hinzu kam, daß der Polier von dem Unglück und dem Tod seiner Berufskollegen über- aus erschüttert und einem Nervenzusammenbruch nahe war. Wie wir weiter hören, gibt das Befinden der beiden noch im Krankenhaus liegenden Verletzten zu allzu großen Besorg. nissen keinen Anlaß, da Lebensgefahr nicht besteht. An der Lfnglücksstatte. Der von der Bauhütte Berlin für die Firma Kar» st a d t ausgeführte Wohnungsneubou gliedert sich in drei Baublöcke, die zusammen 144 Wohnungen haben werden. Die Bauten sind fast fertiggestellt, Fenster und Türen bereits«ingesetzt, das gelind« Winterwetter gestattet Pützorbeiten im Innern. Für diesen Zweck lagert« in den Parterreräumen des Blockgs 3 Ze- ment. der dem Kalk zugesetzt wird. Gestern morgen kam eine neue Waggonladuug Zement an, und der aufsichtführende Polier Kracht wies die Fuhrleute an, die Zementsäcke nach Block" 3.. ztt bringen. Di« Fuhrleute fanden in einem Wohnraum die dort schon lagernd«» Zementsäcke vor und warfen nun. ohne dazu direkt 29». Weisung zu haben, die neu angekommeuen Säcke auf die alten. Ob- wohl der Neubau und insbesondere die Decken bereits im Juli vergangenen Jahres von der Baupolizei als ordnungsgemäß ausgeführt abgenommen worden waren und die Decken seither, ohne eine Spur von Uekxrlastung zu zeigen, die Zementmengen ausgehalten hat.en, trat doch durch den neu hinzukommenden Zement eine auxendlick. liche Leberlastung ein, die zum Einsturz der Decks eines Nohn- raumes in der Größe von etwa 16 Quadratmetern führte. UngiL-'- liche rweife war in dem darunter befindlichen, fast zu«bener Erda gelegenen Kellsrraum ein A u f e n t h a l t s i a u m für die Vau- arbeiter eingerichtet worden. Rohrleger und Installateure beianlen sich gerade beim Frühstück, als die Decke herniederdrach uno eine Anzahl der Handwerker unter den Stein- und Zementmessen begrub. Bei den sofort unternommenen Rettungsarbellen wurd-nt drei Installateure erscblagen ausgefunden, zwei waren schwer ver» letzt und zwei leicht. Den Verletzten wurde selbstverständlich sofort Hilfe zuteil. An der ilnglücksstelle liegen noch Berge v o.n Zement. geborstene Zemcnnäcke, Steintrümmer und von den Wänden herab hängen die starken Ei sendrächte. Bereitwilllz gab uns der Geschäftsführer der Bauhütte Lerlin, Schüßler, Auskunft. D.-r Polier Kracht sst ein feit zehn Jahren im Dienst der Bauhütte stehender, erfahrener und zuverlässiger Beamter, der erst Herne morgen wieder von einem kurzen Urlaub zurückkehrte. Krocht hat offenbar bei der Auftragserteilung an die Fuhrleute nicht im Augen- bi'ck erwogen, daß diese den neu ankommereden Zement unmittelbar auf den schon lagernden werfen könnten. Rur dadurch ist das U»- glück geschehen. Der Bau selbst ist mustergültig ausgeführt,'er hat auch zu irgendwelchen Beanfwndungen der aufsichtführenden Bme- polizei nicht die geringste Beranllassung gegeben. Di« Pölizei hat den Bau bis zur Beeiidigung der Unterjuchung jür alle.Arl'eivn gesperrt. Was kostet das Berliner Gas? oep neue GAS-'PREIS BERLINS IM VERGLEICH Z'J ANDEREN DEUTSCHEN STAOTBt FÜR 2 PFENNIG KANN MAN IN ilfcltj 2,02 it*. 2.63 U«. 2,12 Lte. 2>HJi» 2,72 U* 2A0U». WASSER MIT GAS ZUM KOCHEN BRINGEN Die bildstatistische Darstellung soll ein objektives Bild geben, wie sich dgr neu« Gappreis im Vergleich zu den Werktarssen der anderen fünf größten diutsthen'Städte crnsmwft.- Ws Siös er Gegen- überstellunq ist zu ersehen, daß die Berliner Werkpreis« auch sitzt noch melsach oon denen der anderen Städte Übertrossen werden. Sprechstunde für ratsuchende Schüler. In der letzten Zeit mehren sich die liebergriff« national eingestellter Lehrpersonen an den mittleren und höheren Lehranstalten gegen sozialistisch und r e p u p l i k a n is ch denkende Schüler. Auf der anderen Seite gewährt man national einge- stellten Schülervereinen weitgehende Unterstützung. Da die Schüler vielfach nicht wissen, wie sie sich in solchen Fällen zu verhalten haben und was sie dagegen tun können, hat die Sozialistische Schüler-Gemeinschaft der SAJ. eine Sprech st und« für ratsuchende Schüler eingerichtet. Zweck der Sprech- stunde ist, den sozialtsttschen und republikanischen Schülern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und den Kampf gegevl reaktionäre Elemente zu unterstützen. Die Sprechstunde steht jedem Schüler der mittleren und höheren Lehranstalten offen. Amtliche B e r f ü- g u n g e n und eine reichhaltige Materialsammlung stehen uns zur Dersügung. Pädagogen und sozialistische Schulmänner sind Mitarbeiter und Berater dieser Sprechstunde. Die Erneuerer der höheren Schulen sind nicht nur Schulresormer und moderne Pädagogen,� sondern vor allem die Schüler selbst. Wir fordern all« höheren Schüler auf, mit der SSG. innerhalb der SAJ. für die Erneuerung der höheren Schulen zu arbellen und die Kampf- aktionen zu unterstützen. Die Sprechstunde findet jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim Neukölln, Bergstr. 29, Raum 4, statt. Hohnsteiner Puppenspieler in Berlin. In der Aula der 29. CharlottenburgerVolks schule. Neues User 6, gab der Ortsausschuß für Jugendpflege ein Gastspiel der Hohn st einer Handpuppenbühne. Mit Firigtett und Humor hüpften da die bekannten lustigen Ges«llen des Kasperle- theaters über die Dichn«. Schweinehirt und Prinzeßlein, König und vor allem die Seele des ganzen, der ewig scherzende, immer fröhliche Kasperle. Die kleine Gesellschaft, die den Saal bis aufs letzte Plätzchen füllte, unterhielt sich denn auch köstlich. Eine eigens dazu komponierte Musik— lustige Variationen eines bekannten Volksliedes,— ausgeführt von der Volksmusikschule der Berliner Mustkantengilde, illustrierte die heiteren Vorgänge auf das beste. Und hinter den Kulissen reg«s Leben! Da hantiert Meister Max Jakob, der Leiter der Puppenbühne, mll seinen Getreuen und flinke, ««schickte Händ« hauchen den bunig« kleideten, künstlerisch hergestellten Puppen Leben und Bewegung ein. Die Hahnsteiner Hand-Puppen- spieler haben sich im Laus« der Zeit zu einer allseits beliebten Spiellvuppe entwickelt. Im eigenen Kraftwagen reisen sie von Ort zu Ort, von Stadt zu Stadt. Die Sommermonate über, wenn auf der Iugendburg Hahnstein in der Sächsischen Schweiz Hochbetrieb fft, wird nicht gereist, da werden die Vorstellungen auf der Burg veranstaltet, wo auch die Hersteller all der bunten Herrlichkeit. Bild- Hauer und Schneider, ihren ständigen Sitz haben. vor der vereinigun,, interaalionaler Studenten sprach kürzlich im Rahmen eines Internationalen Tees" Dr. F. W. Zeylmans van Emmichoven(Haag) über das Thema„Krankheiten unserer Zeit". Der Redner gehört zu den Verfechtern der sogenannten aelsteswissenlchaftlichen Methode, der authrvxosophifchen Lehr« Rudolf Steiners. Er umriß kurz die grundsätzliche Vedeu- tung der Anthroposophie, die ein höheres Dissen vom Wesen und den übergeordneten Kräften der Menschen vorgibt, und die den Menschen mit„übergeordneten aeistigen Wesenheiten" in Verbin- dung brinm-n will. Zlls.Krank keil unserer Zeit" müsse: die' nach Herrn Z«ylmans bestehende Tatsache ungesehen werden, daß die Här- mo�« von Denken. Fühlen und Wollen fm Menschen der heutigen Well der Großstädte und des Radios zerstört isti Jugendweihen der Sozialisten und Freidenker. Es finden für di« Außenbezirk« folgend«. Le be n st u nde v o r b e r e i t u n g e n statt: Köpenick: Jeden Donnerstag von 16 bis 18. U!>r in der weltlich«» Schul«» Freiheit 15, Zimmer 14, I, zu Köpenick. Neukölln: Jeden Dienstag. Donnerstag und Freitag von 16 bis 18 Uhr im IugendheuN, Bergstraße 29, Hos ptr. zu Neukölln. T e m p e l- hos-Marl«ndorf: Joden Donnerstag von'16 bis 18 Uhr in der Gemeindeschule, Königstraß«, zu.Mariondors. Pankow: Joden Freitag von 1514 bis 1714 Uhr im Jugendheim, Äissingenstraße 48. zu Pankow— Anmeldungen für die jeweiligen'Jugendweihen werden noch ans allen Lebenskundevorbereitungen und iür Tempel» Hof außerdem noch bei Herrn Bielschvwsky, Tempelhof, Kaiser- Wilhelm-Straße LI, ptr. entgegengenommen. Ameldogodühr 50 Ps. Die 36.(weltliche) Schule in Lichtenberg, Friedrichstr. 71, zeigt in einer Ausstellung Schülercrbetten aller Jahrgänge. Man sieht dort die Grun-dschularbeiten in sartschreisindem Aufbau. In den obere». Klassen tritt das freie Schaffen in den Vordergrund. lhio. Ausstelluux fft g«ösmet bis 17. Februar, gn WöchenIiWU -1? bis 20 Uhr» am Sonntag 11 bis 15. Uhr-'.Eintritt Wik.""" Allgemeine Wetterlage. �edHZSOLSibelL. j® vj9!!«nlos,a heiter,® holbbedeckt d e e i n e n Opchssu mp elZ' besessen habe, wünschte der Firlsch« Äer- teidiger. Rechtsanwalt Dr. Apfel, ehe er die„Schärfe feines Beweis- antrsges" auf die Klägerin„nicdersausen" lasse,.oon Frau Weyl persönlich eine Erklärung zu hören, um von ibr einen„persönlichen Eindruck� zu erhalten. Ungeachtet dieser Drohung mit der„Schärfe ies wedersausenden Beweisantrages." erklärte nun auch Genossin .Seyl ihrerseits, daß sie S k l a r e k nie gekannt, einen Opossumpelz nie besessen, dagegen im Jahre 1920, als Sklarek mit der Kleidervertriebsgesellschaft nach nicht- zu tun gehabt halte, von Lieser einen Schlafrock sür sich und einen Anzug für ihren Mann, und zwar zu regulären Preisen, erworben habe. Bei dieler Gelegenheit seien chr auch Pelzgarnituren vorgelegt worden. Sie kqmte die Pelze nicht, weil sie ihr nicht griclen. Welchen Eindruck die Erklärung der Stadträtin auf den Der- teidiger Dr. Äpfel gemacht hat, darüber ließ e? nichts oerlauten. Der frübere Direktor der Kleidervertriebsgefellschaft, Herr Rovarro, soll als Zeuge geladen werden. Obgleich der Staatsanwalt wie auch Rcchtsanüzalt Dr. Cohn der Ansicht waren, daß dieser Zeuge, der vor dem Sklarek-Ausschuh. zweimal Lügen gestraft worden sei. lchwerlich als klassischer Zeuge gelten könne, hatten sie gegen dessen Ladung nichts'einzuwenden. Herr Rovorra wird also am Sonn« abend vor Gericht erscheinen. Anschließend an diese Verhandlung fand eine andere gegen den Redakteur Firl statt, und zwar wegen Beleidigung des früheren Ttadlkämmercrs Dr. K a r d i n g, von dem die„Rote Fahne" he- hauptü hatte, er habe gelegentlich neuer Warenlieferungen an Ekkarcks Festgelagen teilgenommen und als Belohnung für Ver- trage und dergleichen mehr zehn Anzüge erhalten. Dr. Karding er- klärte. S klaret überhaupt nicht zu kennen, an Sekt. gelogen nicht teilgenommen und keine zehn Anzüge erhalten W haben. Wohl habe er 1925/ noch bevor die Sklareks auf der Bildfläche erschienen waren, einen Frackanzug im Preise von 125 M. geliefert erhalten. Daß die Anschosfungcgcfellschaft für diesen Frack von sich aus einen höheren Betrag bezahlt habe, will er erst später erfahren haben: die Restsumme habe. er dann beglichen. Als- Pro- mnzler. der ste.ts nur billige- Anzüge getrogen habe, habe er den Press für Normal gehalten.'Auch diese Verhandlung wurde auf Sonnabend vertagt: Max Sklarek und der frühere Angestellte der Firma Sklarek, Dr. Walter Sträßburg, sollen als Zeugen ver- nommen werden. Künstler spielen für ihre Armen. Zum Besten der Crwerbslvsenfürsorge der Deutschen Bühnengenossenschafl veranstaltete Willi<5 ch ä f f« r der künstlerisch und menschlich Hochbegabte, im Kabarett der Komiker einen heiteren Nachmittag. Zahlreiche Künstler hatten sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Spielwütize nannte sie ihr lavni- ger Ansager. Arbeitshungrige in der rauhen Sprache des Alltags. Aber sie spielten freudigst und gerne für die. denen es noch schlechter, denen es ganz schlecht geht. Ein prächtiges Programm rollte vor beifallsfreudigem, vollbesetztem Hause ab. Ellen Herß, Marianne Oswald und Werner Michel brachten zeitgemäße Rezitationen und Chansons: der liebenswürdige Sprecher Erwin Eckersbsrg plauderte graziöse Ungezogenheiten von Polgar und Auburtin und eine wohl- gelungene, selbstverfaßte Studie„Madame geht ins Cafe". In hundertprozentigem Rhythmus präsentierten sich Friedrich Hollän- ders Jazz-SympHoniker. Dorothea Wbu glänzte in einer reizenden Tanzgroreske„Altjüngserleins Traum", ihr Partner Jens Keith in einer forschen, bestdurchformten Rummelplatz-Studie. Zwei Ein- akter, sonst oft die Schwächen eines Kabarettprogramms, waren diesmal ein Quell reiner Freude, nicht zulegt durch die prächtig- dezente Komik Willi Schäffers. In Dymows„Der Sprung ins Un- gewisse" gibt er als abgebrühter Ober einer ganzen Selbstmörder- Kollektion wieder neuen Lebensmut. Mar Halbes lustiger„Hahnen- tanz" ist ein heiteres, ländliches Stimmungsbild vom Erwachen der Natur. Willi Schäfsers bot auch hier als einzia Gesunder in dieser verlogenen Gesellschaft ein Kabinettstück launigsten Humors. Ver- schieden« Kabarettgewaltig« könnten sich von dieser Programm- gestaltüng„eine Scheibe abschneiden". parieinachrichten für Groß-Berlin trinsendmig«» für dUse Subtil[lab • ttila 2««8, Ltnbeustr-ß« 3, st«t« an da» Stjirtrfefrrtarlal 3. Hof. 2 Trnw«» recht»,»n richten. 5. Are!» Uriedrlchrbain. D!« SVD.-�reUxnt-r der 33. und 34. AdteUim« werden«edeten, am greiwa. 14. ffcbrnit. ob 18 übt die öandsettel au» dem belonnten Lokal«bznbolen.(Es Ist die 12.?ablorupv-. lt.«reia SchS-eber«.«bt. 3« und»1: Kanbuettel Mr die Hcller.VersoiIMl. Inn« von der Evcditivn. B«l,i«er Ttr. 27. abbolen. Morgen. Freftag. 14. Aebruar. 14., 13.. 1«. und 13.«bt. 8. RaWqnisj* der greidenkee! IflH Uhr bei Seusch. ner. Ackecstr. 110, unchtioc Rniammrnkunft. Tinte und geder mitbringen. Vortei- unb[rieidenlermitaliedsbuch dienen al-,«usweis. 83.«bt. Tempelhef. ffunktionSriitwnq n i ch t am-Freitaa. sondern a» Sann- abend, 13. Sebtnoe, um 30 Übe bei Sennig.«aiser-WilbelM- Ecke Sioltke. IZIo.�A�t. isreie Schale. 20 Übe Mitailederveriammlnna im Schallenkrng. Vortrag!.«»» dem Leben der weltlichen Schule-. Referent Schuirat Mar Kreu/gcr.«äste sind dcrzlichst«ingeladen.—«chtung! chnnitionäre Z. Stunde seüber ebendart. * Othvettln Veter-b-gen. Sonnabend. IS.«Zebruar. pllnftlich 30 Uhr. im Lokal.?um alten Dessauer". oberer Saal. Monatoversammlun«. Tageoard» nun»'. Zfortraa de» Genossen W. Lobelsel:»Eine sa,iolistisch««ultnrforderung". Auösvrache. Verfä-iedene».[Ttciinbc und«nbSnaer alz Gäste willkommen. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.— Der Vorstand. Frauenveranstaltuna. 42.«bt Die Genosssnnen. die an der Besschtiaung de» ssrauentundemuseumz im Arankenban, Ebarlottenbur«. Berliner Str. 137, teilnebmen, treffen sich beute ÜB* llbr vor dem Eingang de» Museums. Lezirksausschuft für Arbeitcrwohlfahrk. 7 tili* Ebarlottenbnea. ssreitoa. 14. Februar, Ifl'e. llbr,«ktenbesvrechung im äimmer HO de» Ratbauses Ebar'otteiidurg.«»fchliebend Reuwabl im .ipmmer 2- Alle in der Wcchlfabrt tätigen Genossen und Genossinnen werden �'''9 gie'i'z5ilinci»dors. G» wird dringend gebeten, da» statistische B�terial den Öbleuten der Arbeiterwoblsabrt ab»»geben und dann sofort an dl« Sreis. leitrrin. ssrau Alice G»i>. toc,tir,iir«lch«n.— Zu dem Tchuluag»l»rs», am ?rei«aa. it Sebrnar. iS'o.Mir. im Gesangssa-l der Bikwrla.Luise.SchvIe. Gasteinet Ecke ubl-ndstvaße. w dem di« Genossin Paula«Iirgab Uder„Sc. fangenenfitrsorge" spricht, I">d neue Interessenten beglich willkon-.men. Zunzsozialislen.>. »Bivbe Mitte: Heute. Donnerstag. 13. Debruar. um 30 Ubr. im' Jugend- beim z-bdenicker Str. 24—25. Oraanifationzbesvrechung. Alle Mitglieder �©«>»•>«" sJlebeirfi.baio; Heute. Donner, tag. 13. ssedruar. um 20 Uhr. im Iuaendbeim Dilsiter Str. 4—5, Vortrag:»Da» Genossenschaftswesen". Referent Genosse H. Stein. Arbeitsgemeinschaft der Slnderfreunde. Bteittffttt, BcHeirborf, Tempelhof. Unser Kursu» must?>eute ausfallen »eacn Virhindeeuna des Seiter». Er findet dafür am Montaa, 17. ssebruar. fteit. I. A.: Ä.. Schumacher. Geburtstage. Jubiläen usw. 41. Abt. Unserer Senosfia Ä»na Schmidt z» ihre« 90, Geburt»- Wae die derzlichsten Elückackasche. Das Abkommen mit polen. Die Sozialdemotraiie für seins Avnahme. Im RdichstaK.sprach nach misevem Genossen Heinig zunächst'"'' F Abg. Zsiollath(Wp.). Er fordert Derabschieduna der Finanz- rc'orm por Annahme bes Daung-Pians. Der Haager Schlutz-Itolenwechsei zeigt, wie stark noch das Miß. trauen Frankreichs geico Dmikschlaud ist. kroß aste? Ber- skändtgungsworte. Di«, verheißene Steuersenkung ist von führenden Sozialdemokraten als unerfüllbar bezeichnet worden. Wenn aber kein Lohnabbau oder Abbau der Soziollasten erfolgen soll, dann fällt die Hauptlast wieder auf den Mittelstand. Wir können die steuerliche Ungerech-igkeit nicht mehr mit ansehen. Wenn die Wirtschaft nicht rentiert, kann sie keine Lohne zahlen. Abg. tiiimne lEbr.-Nad) beantragt Dertagmig. bis di« Minister miedcr anwesend sind. Vizepräsident v. Kardorfs vertagt daraufhin, ohne das Hmis zu befragen, um eine halbe Stunde. In Anwesenheit der Minister bekämpft dann Abg. Klönne(Ehr.-Ngt. A-G.) dir. Vorlag-- beionders auch das Polenabkommen. �eichsfinanzminister Or. Moldenhaüer erläutert demgegenüber die Bcsiinmiung für ein deutsches Mora- korimn. In einem solchen Fall entfällt der Transfer auf zwei Jahre, im dritten Jahre kommt dann zu den Monatsraten dieses Jahres je eine der nicht gezahllen Monoisroten. Ein demschcz Moratorium würde die gon.ze Well betreffen, die Gläubiger würden gleichfalls ein Moratorium bei Amerika nehmen und es träte her beratende Ausschuß zusammen, wo» der Anfang einer Revision sein könnte. snowden hat nur gesagt, daß selbstverständlich die i wirtschaftlichen Verhältnisse der ganzen Welt� berücksichtigt«sirdeii. Die- lieber* sührung ins Kaufmamiische ist ja der große Fortschritt, und des- halb haben wir unterzeichnet. Der beratende Ausschuß buchet weder UNS noch die Gläubiger, Wenn aber in einer solchen Weltkrise die Sachnerstöndigen der ganzen Welt zu einmütigen Vorschlägen kommen, so werden dos doch die richtigen und erträglichen Bor schlag« sein. Lehnen wir den Doung-Plan ah, so müssen wir nach Dcwcs-Plan weiterzahlen. Di« hier zitierten Ausländer, die den Poung-Plan kritisieren, würden nichts tun, um uns voki der Dawes. Last zu befreien. Der Poung-Plan befreit uns von den heutigen Kontrollen und Fesseln, die wir heute, kaum mehr spüren, die aber sehr fühlbar mürd-n. Die Sanktionsgefahr isti gebannt. Ver letzt». Teil des besetzten Gebiets wird frei. Aus Viesen ftZründen empfehlen wir die Annahme, weil wir glauben an- Deutschlands Aukunst und Wiedererstarkimg..(Lebhafter Beifall.) Abg. Zufft«505.): Die folgenschwere Zerreißung ehemals einheitlicher Dirtschasts- gebiete im Osten und die Abtrennung Ostpreußens vom Mutier- lande sind durch die Polönisierungsbeltrebungen in den Nachkriegs- fahren immer wieder wachgehalten und verschärft worden. Infolge des bestehenden Mißtrauens ist bei dem deutsch-polnischen Ab- kommen ein gewisser gefühlsmäßiger Widerstand zu überwinden. Wir müssen uns aber von gefühlsmäßiger Wertung loslösen. Juristisch ist das Polenabkommen zwar nicht an den Poung-Plan gebunden, praktisch aber und politisch in engem Zusammenhang da- mit. Die. Gläubigermächte hatten von uns mehr verlangt, als schließ- I lich in den direkten deutsch-polnischen Verhandlungen ziZgestanden � werden mußte. 5« bedeutet das Abkommen eine Crleichkzriwg uud aünstigerr Lösung sür Deutschland. I Eine deutsche Ostpolitik. wird" durch da? Abkommen nicht. gehindert, sondern durch, di« Beseitigung der U«ftchcrheit der Deutschen in Polen gefördert.-Die deutsche Minderheii in Polen wird aus der Geiselstellung herausgehoben, die erlaubt hat, sie einen Konflitt zwischen den beiden Staaten besonders fühlen zu lassen.(Sehr gut! links.) Der polnische' Verzicht auf- Liquidationen und zwür auch auf iolch«, die bereits am 1. September v. I.-angeordnet, aber noch nicht durchgeführt sind, betrifft 990 ländliche und-700. städtische Grund. stücke. Ferner verzichrel Polen auf das 19h? cintreiende Recht, die astoberschlesische Industrie zu liquidieren. Polen verzichtet auf das Wiederkaufsrecht gegen 12 000 deutschstäninügc Eigentümer"vn Renten- und Anstrllustgsgütern. Durch nachträgliche Erklärungen icheint auch die Befürchtung eines Mißbräuchs der einschränkenden Bestimmungen gegen solche Gutsbesitzek. die viegen Verbrechens.«der Vergebens vorbestraft sind, weggerouint zu sein. Di« Möglichkeit. Laß Polen durch die Agrarreform, durch die Grenzzonenverordnung oder durch seine Steuerpolitik diese Zusagen illusorisch macheii lönnt«, ist ohne weiteres' zu ventSlnen, aber der wefenNichste Faktor der Unsicherheit scheint«psemcrzt zu sein- Maßgeblnch ist doch, daß die deutsche Minderheit selbst in dein Ab- kommen«in geeignetes Mittel zu ihrer Sicherung erblickt, wie Aeußerüngen der rechisagrarischen Bromberger„Deutschen 9wnd> schau" und der bürgerlichen Lbdzer„Freien. Presse" beweisen. Die Deutschen in Polen wären doch sicher berufen, festzustellen, ob in dem Abkommen Hintertüren enthüllen find. Im Ganzen«rdem 8k> 099 Demsche in Poleii durch dieses Abkommen gesichert. höchst verwerflich ist es, daß die«Segner des Abkommens den ■ Osim in der schwersten Weise beunruhigen, so. durch einen.-Artikel des Abg. v. Fre.ykästh-Loringhöven'inst der ganz unwahren Behauptung, daß im Falle einer deutschen. Nicht- zahlung Polen da- Recht hätte, den ganzen deutschen Osten zu bc» setzen.(Hört! hört! links.) Wir haben heut« schon in Ostpreußcn schwerere Kreditbedingungen, als im übrigen- Reich. Wird unser Kredit durch solche Panikmache noch weiter, verschlechtert, so wird uns der. schwerste Schaden zugefügt.- Dagegen wehren wir uns. (Bravo!) Ebenso unwahr ist. die Bohouptuna, daß das Reich infolge des Verzichts aus hunderte Millionen- deutscher Forderungen kein Geld für di« Osthilfe haben würde..Gerade die gegenwärtige. Regierung hat Ostpreußen so wirksam geholfen, daß dies allgemein anerkannt wird. Man redet vom Berliist der ostpreußischen Widerstandskraft. Run,"> dt« oflpreußischen Arbeiter werden aus keinen Kall in der ver- teidlgun.q ihres deutschen Landes nachlassen. (Beifall.) Durch das Abkommen wird die Bahn freigemacht zu einer wirtlichen deutschen Ostpolitik. Darin werden wir die Regie- rung unterstützen und darum stimmen wir für das Abkommen.(Leb- hafter Beifall der Sozialdemokraten.) Mit einer Rede des Aufwertungsparteilers Abg. Herberg. Zwickau schließt die Sitzung, aber noch nicht die erste Beratung der Vorlaae, die vielmehr heut« mittag 12 Uhr fortgesetzt wird.— Schluß 6 Vi Uhr. SoziallstischeArbetterjugendGr.'Verljn | Glnkeudunqen für diese Nrdrss nur an das Zus-ndsekreiariaf | Neriin 61265, Ondensiraße 3 «.-«..Sifmoa mit Werbebezicksleitern vsinktlich ISll Ubr im Vortraaskaal des V.-D.. Lindeusir. 3. Rädelturfu»<4. Abend) pilnlilicb 19 H Uhr in der Schul« Noch- M rJ sirasie 13. Genofsin Judith Grünfeldt spricht über„Desondere Pro» ffg W blern« des Drauenleden," lssreie Liebe, Kameradfchastsehe usw.). Jede W W Gruppe musi undedinat oertreten sein. I D Achtuna. Abte>Iuna,leit«r! Reicht umaebeud die Proqranune für War» ein. «u»stelluna: Malerei und geicknuuaen Weritätiger im Buchaewerdesaal. SW.. Dreibundstr. 5. Täqlich peösfnet von 9—21 llbr, Sonntag» gedfknet von 10—14 Ubr. Eintritt frei. heute. Donnerstag. 19V2 Uhr. OranienbnA« Tor: Schul« Elisabetbkirchssr. 19:„Alkobol und Zllkoiin".— Rorben: Heim Lorbing. Ecke Graunstrabe:..ssührende Äiipfe im Reichstag".— ssalkplag T; Schule Connenburgcr Sir. 20:„Die kulturellen Aufgaben der SAkl."— Schönhauser Vorsiadt: Schule Sonuenburaer Str. 20:»Der ssilm als Mittel des proletarischen silasseniampfes".— kiottbusser Tor: Heim Vriher Straffe 80:..Das ilommunistische Manifest".— Köpenicker Bierlel: Schule Wrangelstt. 128: Lichtbilder:„Eine Lavplandfahrt".— Südwest: Heim Linden- strasie 4:..Wa» ist Nationalsozialismus?"— schönederg III: Heim Haupt- ftrasie IS:.„Zweck und Ziele der©emerilchafien".— Wilmersdorf, R. ff.; Heim ZSilbelin-aue 128: Heiterer Abend.— Dahlem: Schule Sdntlftrobe:„Bursche und Wildel in der SAI."— iZehlendors: Seim Potsdamer Str. 7(Pavillon): „Die Jugend im stampf gegen den Militarismus". W,«bebc,irl weddiug, Tamdourkapelle: Ueben im Heim Scestr. 81, 20 Ubr. V-llsöbliges Erscheinen aller Spielleuie mit Instrumenten ist Pflicht. Werbebegirk Prenzlauer Berg: Betetligun« an der Trauerfeier de, Ge. Nossen Paul Leoi. Treffpunkt 17 Ubr Ärematorium Wilmersdorf, ffalkentracht. Werbebezirk Westen: Beteiligung an der Trauerfeier des Genossen Paul Levi. Treffpunkt lsi(> Ubr ffebrdclliner Plag lU-Babn). Werbe bezlrk Teltowkanal: Beleiligung an der Trauerfeier de» Genossen Paul Levi. Treffpunkt 17 Ubr Ärcinatorium Wilmersdorf. Wcrbebeiirl Reukell»: Wichtig« Wgndcrausschußsissung 19>/. llbr im Partei- bllro. ffuldastrasi«. All« Griippen müssen pertr-t-u fein.— Im stg-Zi. findet die Hauptversammlung der Ortsgruppe Neukölln des Iugendberbergsverbande» statt. Alle Gruppen, die Mitglied de» Iugendberbcrg-verbande» sind, müssen einen Vertreter entsenden. VorirSge,VereineundVersammlungen. G Ministerialrat Heinz Go lösch m idt greift in seinem Dortrag „Dos kommende Arbeitsrecht in der Hauswirtschast" die augenblick- liche Loge der Hausangestellten, die wirklich alles andere eher als erfreulich ist. Di« Ausführungen gewinnen über das Akwell« hinaus Bedeutung, da sie an die Grundprobleme dieser Frage rühren. Hossentlich fühlen endlich auch einmal die Hausangestellten die Not- wendigkeft in sich, entscheidende Forderungen zu stellen und«in unerträgliches mittelalterliches Verhältnis- zu brechen. Aus Bres- l a u wird in den frühen Abendstunden sranzösilche Unter- holtungsmusit gesendet. Das bedeutet Musik. für die gute Stube des guten Bürgers. Es- ist melodiöse Musik, d!« vor den Abrutsch in den Kitsch bewahrt bleibt. Prickelnd« oder sentimentale Melodien, bei denen sich träumen läßt, aber ein« Musik, die man auch m allen Ländern findet.- Unter dein Dirigenren Hans Oppen- heim spielt das Funkorchester Kompositionen von Hindern ith und Busoni und spate?«ine Schub ertsch« Symphonie. Das Konzert ist«enig populär wie viel« Abend»« ran staltungen der Berliner Funkstimds iil der letzten Zeit. Der Dirigent versteht es. das Orchester straft zu hakten und für starte rhythmische Aus- prägung zu sorgen. Vorher liest Alfred Beierle Bruchstücke aus dem Werk Stefan Zweigs. Skizzen aus dem Heben Goethes und Dostojewskis. Beierle,«in durchaus dramatisch orientierter Sprecher sprach sachlich, ruhig und verinnerlicht. f Sch.' Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". «et4Sft,ft»ne: Berlin® 14.«ebastionvr 87-88, Sof S. Dr. Donneroegg, 18. ffcbrnar. Mitte, Iunabanner: Beteiligung an der Iugcndpflichlreraiistalttrng im Eesundbeitsbatis Am Urban 10— II. Ptenilawt Berg, Iungbanner: 19 Uhr Treffpunkt»nr Iungbannervcransljgl- tung am HoKbahnbof Daniiger Straße. Naibzüaler 20 Uhr Gefunhheitshans Am Urban 10—11. Pslicbtveranstaltung. Zivil. Eintritt frei. Treptow Iungbanner(starneradsckaft): 20 Ubr im Gesunhbeits.ba»s Am Urban 10—11 Lichtbilbervorttag. Treftpnnkt 19 Ubr Wiener Brück«(LobniBilenftrasie). Er- scheinen Pflicht.— ffreiiag. 14. ffebruar. Mitte. Iunabanner: Besuch her Arbeilerfugenb im Iugenbbeim Iebdenicker Strasse. Tiergarten, stamerad- schalt Westen: 20 ubr staineradschast-verfammlnng bei Rickert. Steinmessftr. Wg. Vortrag. Erscheinen Pflicht. Webbing, Sportabtell'-ng: 20 Ubr Sissiing sämtlicher Sportler und.Handballspieler bei Paul strvll. Utrecht« etc. 21.— Tempelhos, Iungbanner: Sonnabend. 15. ffebruar, ffabrt in bell ffliiming. Abfahrt 18.83 Uhr vom Bhf. ffriedrichstrasse. Treffen 18 Uhr in Tempelbof. Kaiferin.Augusta. Ecke Berliner Strasse.— RcuIolln.Br>->, Iunghanner: Frei. tag, 14. ffebrugr, 20 Uhr. Generalversammlung bei Grommcck, Sander» Ecke Hobrechtstrasse. Erscheinen ist Pflicht.— Lichtenberg, Traveplass: ffreitag. 14. ffebruar. 20 Ubr. Mitgliederversammlung bei Nüsser, Gürtel- Ecke Dosse- strass«.__ ffvei« Arbeiter- EIperaiito-Dereinignng. Seitdem die Beilage des„Bor- märt»",„Der stinderfreund".«ine Efperanto-Eckc eröffnet bat, mehren sich die Anfragen, wann und ivo neue Surs« beginnen. Die ffreie Arbelier-Esperanto- vereinignng eröffnet nunmebr bestimmt am 21. ffeoruar neu« Surfe.. Inttr- essenten wollen sich melden bei Adolf Sprocck, N. 58, Ehoriner Str. 42, oder «arl Pablle. 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Unterhaltung unö Wissen 'Max täarlhel: IflllOShäU lIVtd IllÖlItl „In ganz Rußland" sagt Jakob Dick, als wir durch das kleine Mölln spazierten,„in ganz Rußlang gibt es keine Gesetzmäßig- keit, es gibt nur iwch Aweckmäßigkcit. Wer heute als Held verehrt wird, kann morgen schon als Schurke verschrien iverden. Denken Sie an die politischen Köpfe, die in den letzten Jahren gefallen sind, denken Sic vor allem an Trotzki." Wir hatten unser Ziel,«in stilles Cafe, bald erreicht, saßen an einem der kleinen Marmortisch«, und ich bat Dick, mir von der Flucht der Deutschrusscn zu erzälsten. Dick kam aus der Krim. Seine Großeltern waren dort aus Ostpreußen eingewandert. Diese Krinideutschcn sprachen auch jetzt noch ein breites Platt. Also, die Großeltern kauften Land, den Hektar zu fünf Mark, aber das Land brachte keine Frucht, die Wasserverhältnisse waren sehr schlimm. Die Eltern des Dick verließen das dürre Land, sie blieben in der Krim und siedelten sich näher dem Meere an Sie lausten neues Land, den Hektar zu achtzig Mark. Dieses Land brachte ihnen Wohlstand und in den letzten Jahrzehnten auch Reichtum. Dick tonnte sich noch ganz gut der ansteigenden Flut des Reichtums er- innern.„Vom Dreschflegel zur Dreschmaschine", so hotte er jenen Ausstieg treffend skizziert. Er hatte ein kluges Gesicht,«in Bauerngesicht, das durch religiöse Uebungen ins Metaphysische gel) oben wurde. Er war ein kleiner Mensch, einen Kops kleiner als seine Kameraden, aber er überragte sie alle mehr als um«inen Kops in intellektuellen Dingen. „In den Jihren 1923 bis 1925 sind 15999 Mennoniten ausgewandert", erzählte er,„davon weiß Europa nichts. Die meisten gingen nach Kanada und ein Teil von ihnen kam zu Wohlstand. Sie blieben aber- mit uns in Verbindung, und das erklärt auch, warum in der.Hauptsache Mennoniten noch Moskau zogen. Wir waren immer die aktivsten Elemente unter den Deutschen. Die Krim ist ein internationales Territorium, es gibt dort unten Tataren, Griechen, Juden, Krimichaki, Russen, Deutsche und Bulgareir. Es gibt in der Krim 45 009 Deutsche, darunter 5000 Mennoniten. Im Jahre 1919 war ein großer Kongreß der Deutschen in Odessa, die Krim schickte vier Delegierte, und diese Delgierten waren lauter Mennoniten." „Sind die Mennoniten so gut organisiert?" fragte ich. „Wir sind sehr gut organisiert", erklärte er stolz,„erstens hatten wir die besten Wirsschofien, das wurde auch von den Sowjets an- erkannt, und dann hatten wir auch unsere ökonomischen Verbände, die sich intensiv um die Hebungen der Güter bemühten. Die Zentrale war in Moskau. Ich arbeitet« in diesen Verbänden und kam überall hin, auch nach dem Zentrum. Zuerst standen uns die Sowjets freundlich gegenüber. Wich mit den Tataren kamen wir gut aus. Diese Tartaren! Sie waren wie Kinder und spielten neuen Staat. Vor einiger Zeit, vielleicht haben Sie davon gelosen. hatte man den Vorsitzenden der Krimregierung, einen Tataren, ver- hastet und erschossen. Er war früher Gastwirt gewesen und unter den Tataren sehr besiebt. Um ihn rankt sich nun ein«, ganze Legend«. Ich kannte ihn, er war ein schwacher Mensch und nur das Werkzeug in den Händen zweifelhafter Ratgeber. Als er nun erschosien war(er wurde konterrevolutionärer Verbindungen mit dem Auslande angeklagt), glaubte das iatarffche Volk einfach nicht an feinen Tod. Es sagte: Zeigt ihn her, den Leichnam. Das konnte man nicht. Cr war ja in Moskau verscharrt worden. Und nun erzählten sich die Tataren, er sei nach dem Auslande geflohen, nach der Türkei." „Und was ist es mit der Tfcheka?" fragte ich. Dick lächelte nachsichtig und sagte: „Nun, jetzt werden Sie staunen, aber ich war beinahe selbst ein ganzes Jahr Vertrauensmann der Tscheka! Ja, sehen Sie", fuhr er fort, als er mein erstauntes Gesicht sah.„das war doch die einzige Möglichkeit, sich zu infonnierenl Ich l)abe in jener Zeit vielen Menschen das Leben retten dürfen. Ich tonnte ihnen einen Wink geben, daß sie verschwanden. Auf meinem Hof(das Gut meiner Eltern war nationalisiert) arbeitete als Wasserzieher(das ist ein Mann, der aus den tiefen Brunnen das notwendige Wasser hcraulholl) ein früherer Generolstabsofftzier." „Einen Augenblick", unterbrach ich ihn,„stimmt es, was man so in den Zeitungen liest, daß auch jetzt noch, nach zwölf Iahren, Verschwörungen gegen die Sowjetmacht stattfinden?" „Es stimmt", antwortete er,„auch mein Wasserzieher gehörte zu jenen Männern. Manchmal kamen auch nachts Sendboten von irgendwelchen Orgamfationen. Es ist noch viel Unruhe in Ruß- land. Auch ich wurde der Tscheka verdächtig. Sie schickten einen Agenten aus unser Dorf, der mich bespitzeln sollt«, vier Monate lauerte er aus mich, aber ich war doch klüger als er. Der Wasser- zieher. ein Offizier, ein Weltmann, war kurz nach dem Bürgerkrieg zu zehn Iahren verurteilt worden. Durch die Protektion einer Moskauer Regierungsdaine kam er nach fünf Iahren frei. Er kam in die Krim, hatte sich einen anderen Namen beigelegt, und als er einmal nach der Kreisstadt kam, wurde er von einem Tschekisten angehalten. Man hatte ihn als den Mann erkannt, als der er verurteilt war. Nach drei Wochen mochte man ihn den Prozeß. Er war nicht verhaftet worden, aber wenn jetzt herauskam, daß er hier unter falschem Namen gedient hatte, war es um feinen Kopf geschehen. Eigentlich stand er ja unter Polizeiaussicht. Bei der Ver- Handlung aber setzte er alles auf eine Kaue. Bevor die Sitzung begann, ging er zu dem Prokurator und flüsterte ihm zu:„Wenn du Teufel aufdeckst, wer ich bin. pack« auch ich aus und erzähl« von deiner Vergangenheit." Er wußte nichts von der Vergangenheit des Richters aber sie mußte wohl übel sein, denn der Richter sagte kein Wort, er setzte die Freisprechung des Offiziers durch. Und der Ossizier verschwand dann aus der Krim. „Und der Tschekist im� Dorfe? wollte ich wissen. Der verschwand auch", erwiderte Dick,„und so lebten wir, es wäre" noch viel zu erzählen, bis zum Jahre 1929. Da wirkte sich euch ln der Krim der Fünfjahrplan aus. Ich hatte ein Amt in der Gemeinde(«r war Prediger geworden), und ich verlor das Stimmrecht." � „Was bedeutet der Verlust des«-tumnrechts?" fragte ich. „Siebenerlei", antwortet««r,„erstens kann ich nichts kaufen, b!« Koopcranve gibt mir nichts,.zweitens kann ich nichts verkaufen ül- an die Kooperativ«, und die.zahlt mir geringere Preise als den anderen. Ich barf kein öffentliches Amt bekleiden, viertens darf ich mich nicht als freier Bauer ansiedeln. Weiter Hab« ich keinen An- fpruch auf Rechtsschutz, schließlich werden meine Kinder von den höheren Schulen ausgeschlossen und endlich werden mir Extrasteuern aufgehalst, und ich werde den Kulaken gleichgestellt. Der Stimm. Infe ip wie ausgelöscht. Als so«in Bauer in unserem Dorfe den Sowjet fragte: La. was sollen wir denn tun?" bekam er zur Ant- wort:„Ihr sollt verrecken". Aber auch der Stimmrcchtlose ist ein Mensch und will leben. Unser Bekenntnis vevbietct uns den Dienst mit der Waffe", er- zählte er weiter,„und um diesen Glaubenssatz gab es mit den Sowjets oft harte Kämpfe. Die Sowjets sagten:„?!un, ihr habt ja im Bürgerkrieg auch gekämpft und einen Selbstschutz aufgestellt." Wir sagten: La, aber nur gegen die Banditen!" Dann sagten die Sowjets:„Wenn wir euch das«llauben, können auch die anderen Völker kommen und sagen, auch wir wollen nicht unter der Wusse dienen." Und es kamen auch manchmal tatarische Rekruten und beriefen sich auf uns und wollten kein Gewehr anrühren. Die Sowjets fanden einen Ausweg. Sie nahmen vierzig junge Mennoniten, drohte ihnen mit dem Revolver und sagten:„Wollt ihr sterben oder unter der Waffe dienen?" Sie wollten nicht sterben und unterschrieben die Er- klärung, daß sie unter der Waffe dienen wollten. Und als man sie einzog, schickte man sie, wie immer die Mennoniten, zum Forst- dienst oder in die Krankenpflege. Man gab ihnen kein Gewehr. Ihre Erklärung aber war eine wirksame Propaganda woss« in den Händen der Sowjets gegen jene anderen Rekruten, die sich auf uns berufen wollten." Er schwieg nun eine klein« Weile, der Nein« Mann und blickte mit. starren Augen durch die steinernen Wände des keinen Cafes in Mölln und sah sicherlich die weiten Steppen der Krim und die weißen Städte am Schwarzen Meer. Dann schüttelte er die Bindung an jene Erde ab und fuhr fort: „Die Mennoniten sind in Rußland ein« kompakte Mass« ge- blieben. Wir waren konservativ, das hat seine Lichtseiten und seine Schattenseiten, und es kam ganz selten vor daß«in Mennonit ein« Andersgläubige heiratete. Ich habe eine Schwäbin geheiratet und wurde dadurch automatisch aus unserer Gemeinschast ausgeschlossen. Später wurde jenes Gesetz geändert, meine Frau wurde Menno- nitin, ich wurde wieder aufgenommen. Wir haben uns in jenen Jahrhunderten fast nicht mit russischem Blute vermischt, es kam auch ganz selten vor, daß ein Mennonit Kommunist wurde.... Ich will Ihnen ein keines Beispiel erzählen, aus dem S!« die Lage der stimmentrechteten Bauern ganz gut erkennen werden", fuhr er fort,„so einem Bauern wurde eine Kuh gestohlen. Der Dieb wurde gefangen. Er kommt vors Gericht. Er hatte Stimm- recht. Die Verhandlung beginnt. Der Bauer wird als Zeuge gc- laden, aber an ihn wird kein einziges Wort gerichtet. Rur mit dem Dieb wird gesprochen. „Wieviele Kühe hatte dieser Bauer?" fragt« d«r Richter. „Ch. es war in der Dunkelheit, ich Hab« es nicht so genau gesehen", antwortete der Dieb,„aber so sechs, sieben werden es schon gewesen sein." Das Urteil wurde oerkündet. „Du bist fr»". sagte ber Richter zu dem Neb. Lu hast nur eine» Kulaken bestohlen." Und dieser Dauer war kein Kulak, er hatte nur zwei Kühe im Stall gehabt", schloß Dick. „Trifft der Fünfjahrplan nur die reichen Bauern, nur die Kulaken?" fragt« ich weiter. .La gibt es keine Gesetzmäßigkeit, da gibt es nur Zweck- Mäßigkeit", antwortete er,„im vergangenen Jahre konnte einer als Mittelbauer Stütze der Sowjetmacht sein, und im nächsten Jahre wurde derselbe Mann als sowjetfeindliches Element, als Kulak, verfolgt. Zweckmäßigkeit, nicht Gesetzmäßigkeit regiert. Im Jahre 1929 begann man im großen Maßstab mit der Errichtung der Kommunen, und dos waren die Todeslieder über den freien Bauern. Wir wollten nicht in die Kommunen gehen, die Steuern erdrückten uns, und so haben wir es vorgezogen. Rußland, das uns jahrhundertelang nährte wie eine Mutter ihr Kind, zu ver- lassen. Wir zogen nach Vtoskau. Ich ging im August nach Moskau. Und immer neue Seelen strömten herbei, aus der Krim, aus der Ukraine, aus dem Kaukasus, aus Turkeston und aus Sibirien. Zuerst hatten wir wenig Schmie- rigkeiten, man wallte uns herauslassen, aber als die vielen tausend Familien kamen, hatten die Sowjets Angst und weigerten sich, uns Pässe zu geben. Unsere Auswanderung zeigte, daß der Funfjahr- plan doch nicht so gut war, wie es überall verkündet wurde. Und so lagen wir vor Moskau und waren verzweifelt. Aber dann organisierten wir uns, teilten verschiedene Gruppen ein und bearbeiteten die Behörden. Die Tolstoileute unterstützten uns, wo sie nur konnten. Ich war als Führer meiner Gruppe gewählt worden, aber ich blieb im Hintergrund, ich kannte ja die Gesetze. Wir gingen zu allen Instanzen und Behörden, wir waren bei Kalinin, bei Molotow und auch bei Maxim Gorki. In einer Rächt haben wir an sechs Haupsstellen unser« Eingaben eingereicht, jede Eingabe mit tausend Unterschriften versehen. Das mußt« geheim geschehen, sonst hätte man uns verhafict. Di« GPU. suchte schon die Führer. Endlich erklärte Kalinin einer Delegation: „Nun, Genossen Mennoniten, wenn ihr nicht bei uns bleiben wollt, sollt ihr fahren, wir lassen euch nicht gern fort, aber fahrt, wenn ihr wollt." Das war am 24. Oktober, und in jener Nacht schon wurden die ersten Männer verhaftet. Die Automobile kamen gewöhnlich nachts nach den Datschen, wo wir wohnten, die Männer wurden ausgc- laden und nach dem Gefängnis gebracht. Und wir hatten doch schon die Zusage von Kalinin. Aber man wollte uns einschüchtern. Dann beantragten wir beim Moskauer Sowjet, daß wir selbst die Listen der Auswanderer ausstellen wollten, selbst die Papiere zu- sammeisstellen und so weiter. Das wurde genehmigt. Um Moskau lagen damals über 13 909 Familien. Am 25. Oktober hieß es plötzlich: schön, reicht die Listen«in, wir müssen sie bis zum 27. Oktober haben. Wir konnten die Frist einen Tag hinausschieben, und nun begann ein« große Arbeit. In meiner Gruppe waren 123 Familien, wir lzatten unsere Wirt- schaftcn liquidiert und besaßen noch etwas Geld. Wer 19 Familien aus unserer Gruppe hatten kein Geld und mußten zurückbleiben. ?lm 28. Oktober hatten wir alle Papiere und Listen zusammen, wir sollten da die Pässe bekommen, aber wir bekamen sie nichtt Wir mußten in die Lager zurück. Am anderen Tage ging die Delegation noch einmal nach Moskau und da hieß es: In der Nacht fährt die erste Gruppe los! Dies« Nachricht erreichte die Loger abends um sieben Uhr. Wir richteten nach Moskau zu unserer Delegation einen Stasettenlauf ein. Eine Nachricht hob die andere wieder auf. Um zehn Uhr kam der Bescheid, daß um Mitternacht olles von der ersten Gruppe auf der Station sein sollt«. Wer nicht da sei, hieß es, dürfe an diesem Tage nicht fahren. Es war dunkel, kalt und regnerisch. Wir lagen 5 bis 7 Kilometer voneinander entfernt. Als wir die Nachricht bekamen, hatten wir nur noch zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt. Es war ringsum ein Chaos wie bei einer Kriegserklärung. Die Kinder wurden aus dem Schlaf gerissen, Frauen weinten und lachten, es war unde- schreibl'ich. Die besten Sachen mußten wir dalassen. Es war, als wenn ringsum ein feindliches Heer einen Ueberfall auf uns vor- bereitete. 10S Familien, so zogen wir in der dunNen Regennacht mit den Kindern und den Sachen nach der Station Perlowko. Um Mitternacht waren 106 Familien auf dieser Station. Um 3 Uhr wurden wir verladen. Und nun stellte sich heraus, daß nur sechs Waggons da waren. Die Eisenbahner hatten bei der Bereisstellung vergessen, die Kinder zu berechnen. Rur 56 Fannlien durften also abfahren. Der Jammer der Zurückbleibenden war schrecklich Viele von ihnen sind dann nach ihren Dörfern zurückgeschickt worden, anders kamen mit dem zweiten Transport nach Deutschlands Bis um zwölf Uhr am anderen Tage wurde raixgiert. wir lagen auf den Bahnhöfen herum und endlich fuhren wir ob. Nach Leningrad, Anstatt 19 bis 11 Stunden wie sonst, führen wir 40 Stunden. In Leningrad kamen wir am 30. Ollober abends an. Die GPU. nahm uns in Empfang und brachte uns nach dem sehr schönen Auswanderungsheim. Di« Verpflegung war gut und reichlich. Wir wurden in der Nacht noch gebadet und unsere Kleider wurden desinfiziert. Bei dieser Gelegenheit haben sich vieler Kin- der erkältet und wurden dann krank. Für die Passag« nach Ham- bürg mußten wir noch 60 Rubel pro Erwachsener bezahlen. Di« Nacht war voller Aufregung. Das letzte Geld wurde uns abge- nommen. Am Morgen sagte zu uns die GPU.: Ihr kommt nicht fort, Befehl aus Moskau, ihr sollt zurückgeschickt werden! Aber das war nur Quälerei. Es gab auch nichts zu essen am Morgen. Endlich, mittags zwischen zwölf und ein Uhr wurden wir verladen. Am 31. Oktober verließ das Schiff den Hafen in Richtung Kiel. Ick) hatte einen Anzug, den habe ich zwölf Jahrs getragen. Nur an den Ausnahmetagen, wissen Sie. Meine Frau machte mir jeden Sommer einen Anzug aus Sackleinewand. Der Schiffsarzt sagte zu mir:„Nun, Sie haben ja noch einen guten Anzug, so schlecht wird es Ihnen bei uns wohl nicht gegangen sein." Als ich aber dein Mann die Geschichte von den Anzügen aus Sackleinewand erzählte, wurde er ganz still und wollte nichts mehr wissen. Und wir fuhren weiter, die See war glatt und in Kiel waren wir gerettet." In dem kleinen Cafe spielte eine keine Weudinusik._ Dick aber* vergaß alles, die Musik, die Stadt Mölln, in der Euleisspiegel begraben fein soll, er vergaß die Steppen der Krim, starrt« vor sich hin und dachte wohl an die neue Heimat in Brasilien. Canüüe d' Orange: f CJl Id H Wie ich zum ersten Mole, fand, daß ich ein Mensch sei: das will ich jetzt erzählen. Jen« Stunde ist mir wie ein« erste zarte Wurzel. safer meines Lebens: fühlte ich sie nicht in der dunklen Tiefe als den Beginn meines eigentlichen Da-Scins, so wär' ich nicht ich, wie ich bin.—-- Ich sitze auf den Stufen vor dem Hause. Es ist Vormittag, die So im« scheiitt. Es ist sehr still. Ad und zu geht jemand von den Gästen vorbei. Ganz schmale Gärten liegen vor den Hänsern: in unserem Garten steht ein Rosenstock. Die Großen sind in der Schule: die ganz Großen sind früh am Morgen ins Geschäft gegangen und kommen erst abends nach Haufe zurück. Darum ist die Straße so leer. Wenn Menschenschritte näherkommen, spiele ich: Mann oder Frau?— Dann gehl der Mensch am Garten vorüber und sagt mir selber die Lösimg. Mit- unter ist es«in kleiner Junge mit kurzen Hosen wie ich.— Sie ahnen alle nichts davon, daß ich mit ihnen„Mann und Frau" ge- spielt habe. Ein Krämerjunge geht am Garten vorbei: er pfesst sehr laut. Sein Gesicht kann ich nicht sehen, denn«r häll auf der Schuller den Korb. Er sst ein Großer, mit langen Hosen. Ich bin sieben Jahre. — Werde ich auch einmal groß sein? Lange Hosen trogen und pfeifen? Das kommt mir fo jchrecklch vor, ich kann es mir gar nicht denken— wie aus mir werden soll, was aus all den anderen wird. Ich glaub, ich muß bleiben so wie ich bin— immer in kurzen Hosen. Bestimmt. Und bei Tische immer fo sitzen wie jetzt: ohne ein Wort im Gespräch zwischen Großen: ohne Zigarette, und ohne Zigarre, wie Vater sie raucht, wenn er Rrnge bläst. Auch pfeifen werd' ich wohl niemals können, daß es so laut durch die Straße schallt. Das tun alle anderen, und das macht sie so komisch— nein, so komisch tverde ich niemals wie ihr. Auch später nicht. wenn ich größer bin. Ich muß größer werden, da kann ich nichts machen— sie werden es all«. Aber sie haben alle dabei einen Fips, einen Schrull— oder wie soll man das nennen? Ob sie das schon als Kleine hatten? Der Onkel hat's, der Großvater auch, und die Tante— immer, wenn sie uns zu besuchen kommen, ist noch der Schrull an ihnen zu sehen, und immer derselbe, das ändert sich nicht: daran kann ich sie wiedererkennen. Die Tante weint ohne Grund, jedes Mal: und der Onkel schimpft: und mitunter sprechen sie kein Wort miteinander, und gehen vorbei und sagen sich nicht Guten Tag, und sitzen bei Tisch und sind ganz still. Muß ich dabei nicht ängstlich werden? Dann reden sie wieder lange mitsammen. und weinen— die Großen!— Wie seltsam sie sind, alle Mensche». Wenn sie zur Kirche gehen— warum machen sie dann Augen, über die ich so lachen muß?— Ob ich wohl auch so Selt- iaiucs tu? Ganz gewiß nein. Ich spiele und seh' mir die Leute an— ich bin niemals fipsig und schrullig n>!« st«.... Die heiße«sonne scheint so hell auf die Augen. Ich sitze auf der -treppe, in die Ecke gedrückt.—„Ewald", ruf ich,„Ewald, komm' runter!"— Ewald kommt nicht. Ich spiele wieder„Mann oder Frau?" Polizeibrillea. Die Pariser Polizei ist mit Drillen ausgerüstet, die den Beamten ermöglichen das zu sehen, was hinter ihnen vor- geht. Das ist dadurch erreicht, daß keine, sehr forgfättig gearbeitete konkave Spiegel am Außenrande der Brille angebracht sind. In diesen Spiegeln spiegell sich das, was hinter einem passiert, während der Blick nach vor» nicht im geringsten behindert wird. Lese Brillen dürsten auch außerhalb des Polizeidienstes eine groß« Zu- kunft haben......... j. Unsinnige Behauptungen. Kann das Landwirischastskammergefeh als verfassungswidrig bezeichnet werden? Der neue Entwurf zum preußischen Landw�tfchaftskammer- gesetz, den das preußische Landwirtschaftsministerium auf Grund das Landtagsbefchliifses vom Juni 1927 vorgelegt hat, wird de- kanntlich von den Agrariern scharf bekämpft. Warum? Weil die Landarbeiter in der Kammer wirtsam vertreten sein sollen. Der von der Regierung grundsätzlich vorgesehene Anteil der Arbeit- nehmer mit einem Drittel sei erheblich zu hoch. Außerdem hebe der neue Entwurf das Selbstverwaltungsrecht der Kammern— deren Ausgaben übrigens zu ein Viertel aus Reichs- und Slaatsmitteln bestritten werden— völlig auf. Wenn die Agrarier schreien, ist das ihr Recht. Merkwürdig aber ist ein Angriff des„Deutschen" gegen den Entwurf, der zugleich ein Angriff gegen den preußischen Zentrunisminister Dr. Steiger ist. „Der Deutsche" kam kürzlich zu folgenden erschreckenden Fest- stellungcn: l. Da die künftigen preußischen Landwirtschastskammern öffentlich-rechtlich« Organe für produktionspolitifchc Gemeinschafts- arbeit sein sollen, können sie durch Landesgesetz nicht ge> schaffen werden. Sie unterliegen vielmehr der ausschließlichen Gesetzgebung des Reiches. 2. Der Inhalt des Entwurfes eines preußischen Landwirt- schoftskammergeietzes ist mit den Borschriften der Reichsver- fassung über die Parität nicht zu vereinbaren. 3. Dl« im Entwurf vorgesehenen Landwirtschastskammern sind organschaftliche Bertrewngskörperschasten eines AwangA'-r- bandes der Wahlberechtigten bzw. Beitragspflichtigen. Fallen die k Landwirtschastskammern nicht unter Art. lfö RB.. so stellen sie einen verfassungswidrigen Berstoß gegen die negatioe und positive 'f] Koolitionssreiheit dar. ' Dreimal verfassungswidrig! Das muß ja«ine ganz verant- wortungslos« Staatsregierung sein, die einen solchen Entwurf ein- bringt. Aber die nähere Prüfung zeigt, daß die Ausführungen im ».Deutschen" von A bis Z falsch sind. Artikel 7 Ziffer 10 der Reichsvcrfassung gibt zwar dem Reich das Recht der Gesetzgebung für di« Bsrufsvertretungen für das Reichsgebiet. Aber es handelt sich hier nicht um eine Berufs- Vertretung für das gesamte Reichsgebiet, sondern um die Re- gelung für Preuße». Das Reich hat außerdem in dem in Artikel 7 aufgeführten Rechtsg«bieten nicht tms ausschließliche Recht der Gesetz- gebung. Daher gilt Artikel 12 der Reichsvcrfassung, wonach die Länder das Recht der Gesetzgebung auf diesen Gebiet«» so lange behalten, bis das Reick) von dem Recht der Gesetzgebung Gebrauch gemacht hat. Das ist ab«r bislang noch nicht geschehen. „Der Deutsche" beruft sich aber auch auf den Artikel Ii» der Reichsverfassung. Dieser Artikel 162 Handell aber bekanntlich von dem sogenannten„wirischafUichen Rätesystem", von gesetzlichen Vertretungen in Betriebsarbeiterräten. Bezirksarbciterräten und in einem Reichsarbeiterrot, die der Regelung des Reiches vorbehalten ist. Es heißt aber den deutschen Staatsbürger wirklich für sehr dumm verkaufen, wenn man ihm den Glauben zumutet, die in» preußischen Gesetzentwurf genannt«» Landwirtschastskammern seien zu den Arbeiter- und Wirtschaftsräten im Sinne des Artikels IKö zu zählen. Selbst unter Bezirkswinschastsräte» könnte nicht di« Vertretung eines einzigen Bcrufsstandes oerstanden werden, wie es die Laudwirtschaffskanunern sind. Auch die Praxis hat ja dies« Folgerung noch nie gezogen. Nach dem Erlaß der Reichsoerfassung hat eine Reihe von Ländern, nämlich Baden, Bayern, Oldenburg, Sachsen, Braunschweig, Lippe, Mecklcnburg-Schwerin, Hamburg. Würitcmberg und Thüringen neue Gesetze über ihr« Landwirffchafts- kammern erlassen. Kein Mensch ist daraus verfallen, daß diese Gesetze wegen eines Verstoßes gegen Artikel 162 Absatz 6 vcr- sassungswidrig seien. Dies« epochenmachend« Entdeckung ist erst dem „Deutschen" im Jahre 1ö2S gelungen. Selbstverständlich fällt damit auch der Einwand, daß gegen den von der Rcichsocrfassung sestgelegten Grundsatz der Parität ver- stoßen wird. Denn dieser in Artikel 16S Absatz 1 ausgestellt« Grund- satz hat natürlich nur Geltung für diejenigen Bcrtretungskörper» schaften, welche im Artikel 162 der Reichsversassung genannt sind und seinen Dorschristen unterliegen. Da die Landwirtschastskammern aber nicht dazu gerechnet werden können, ist der Einwand hinfällig. Bis heute ist noch niemand auf den Gedanken gekommen, die übrigen Ländergesetze über di« Landwirts choitskamiinrn, die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern, die doch auf denselben Dersassungsprinzipien beruhen, für verfassungswidrig zu erklären und dazu den Einwand der Parität heranzuziehen. Bleibt noch der Verstoß gegen die positiv« und negativ« Koolitionssreiheit, die durch den Artikel 129 der Reichsversassung gewährleistet ist. Will man denn etwa die Konsequenz ziehen, bei den Industrie- und Handelskammern, und bei den Handwerks- kommern von einer Koalitionspflicht der Unter» nehmer zu reden? Hier werden doch Dinge miteinander ver- quickt, die nichts miteinander zu tun haben. In d«n Kreisen d«r Rechten>st man über den Nach- weis der Verfassungswidrigkeit des Entwurfes durch ein Blatt, dos den christlichen Gewerkschaften nahe steht, nicht wenig erfreut gewesen. Aber die geschworenen Gegner des Gesetzes werden sich doch noch anderen Bundesgenossen umsehen müssen. Denn die Argumente des„Deutschen" ziehen nicht. Siemens und die Amerikaner. Die Kämpfe in der Schwachstromindustrie.- Europäische Rachrichienmonopole? Der amerikanffche Abschnitt der Siemens-Anleihe soll bekannt- lich zum Friedensengel für den deutschen Siemens-Äonzern und die amerikanische Generol Electric Company werden. Di« Berwaltung von Siemens macht kein Hehl mehr daraus, daß„die freundschaft- lichen Beziehungen zur General Electric Comp, eine Bertiefung erfahren", d. h. etwas deutlicher ausgedrückt, die Käufer elektrischer Ausrüstungen in Zukunft einem geschlossenen Block von Verkäufern gegenüberstehen sollen. Ob diese Geschlossenheit auch das noch hart umstrittene Gebiet der Schwachftromindustrie umfassen soll, das ist augenblicklich die brennendste Frage nicht allein der deut- jchen Elektrowirtschaft. Der Konkurrenzkampf in der deutschen Schwachstromindustri« ist von den Amerikanern planmäßig herbeigeführt worden. Di« ITT.(Abkürzung für International Telephon and Telegraph Corp.), die mit der General Electric Comp, eng zu- sammenarbeitet, schrieb schon in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1928:„Es ist geplant, in Zusammenarbeit mit deutschen Industriellen und Bankiers dies«(gemeint war die Ferd. Schuchardt, Berliner Fernsprech- und Tele- graphenwsrks A.-G. in Berlin) und andere deutsche Fabriken für den Inlandsabsatz und auch für den Export zu entwickeln." Das greifbare Ergebnis dieses Planes ist die Ausdehnungspolitik der ITT. auf deutschem Boden. Die bedeutsame Gründung der deut- schen Sta n dard-Elektrizitäts- Gesellschaft(in- vestiertes Kapital 25 Millionen Mark: 63 Proz. der Aktien bei .ITT.) gehört ebenso in dieses Kapitel wie die Errichtung der E r e c d- Telegraphenopparate GmbH, in Berlin(Kopital im Be- fitz europäischer Tochterunternehmungen von ITT.) und die Grün- dung der Deutscher Ticker- Dienst G. m b. H. Der Konzern der ZTT. Nach dem letzten in Deutschland wenig bekannten Geschäfts- bericht der Gesellschaft umfaßt die ITT. 52 größere Unternehmungen in 21 verschiedenen Ländeni. Im Laufe des vergangenen Jahres ist etwa ein Dutzend weiterer Unternehmungen in Europa, den südamerikanischen Abc-Staaten und Peru hinzugekommen. Nicht mit eingerechnet sind bei diesen Zahlen d>e hunderte Gesellschaften, die indirekt von der ITT. abhängig sind, und zwar entweder Uder die Radio Corporation os America oder über die General Elecrric Co. Durch ihre langfristigen Berträge mit der Postal Telegrapy and Eable Co. ist auch di« Deutsch- Atlantische Tclegraphengesell- schaft ay den JTT.-Konzern gebunden. Diese Berbindung deutet auf die Betätigung der ITT. im überseeischen Nachrichtenverkehr hin. Etwa die Hälfte aller Seekabel der Welt gehören der ITT. und ihren Tochtergesellschaften. In allen Ländern di« ihre öffentlichen Telephon- und Tclegrapheneinrichtungen nicht verstaatlicht haben, domi- mert der JTT.-Konzern(sast der ganze amerikanische Kontinent, Kuba. Puerto Rico. Haiti und Spanien). Aber auch in sast allen übrigen Ländern der Erde spielt der Konzern al» Materiallieseraiü eine gewichtige Rolle. Die Bedeutung dieses Zweiges der ITT. geht am besten aus der Tatsache hervor, daß«in««ige« Studien- gesessschott des Konzerns, di« International Eommunicat onz La- horatorics Inc., in Lonhon. Paris und New Port Laboratorien besitzt. Sie hat im vergangenen Jahrs unter anderem den groß. ten Radiosender der Welt für die Stadt Prag konstruiert. Dt« Zahl der Erfindungen, die von dieser Gesellschast im Jahr« 1328 ausgearbeitet wurden, betrug 111. Am 31 Dezember 1928 hatte der Konzern 55 60 Patente in 69 Ländern sichergestellt. Eins-der wertvollsten Besitztümer stellt die Imornational Standard Elcetric Corp. dar. die Fabriken in Antwerpen, Budapest, London. Madrid, Paris, Schanghai. Tokio sowie aus dem ameri« konischen Kontinent betreibt. Eine Spezialität der Standard Electric bildet di« Umstellung von Tetephonnetzen auf das auto- matische System. Sie hat im Jahr« 1928 Großstädte in allen Ländern der Erde mit derartigen Anlogen versehen von Auckland bis Paris und von Schanghai bis Zürich. Es gelang ihr, der schwedischen Ericssvn-Gruppe, mit der sie damals noch im Kon- kurrenzkompf stand, die Auftröge für die Umstellung des Osloer und des Kapenhagener Netzes wegzuschnappen. Mit Ericsson, dem größten nordländischen Produzenten von Schwachstrommaterial, ist Mitte vorigen Jahres ein« grundsätzliche Einigung erfolgt. Durch die Verbindung mit der AEG.. mit Mix u. Genest, Schuchardt, Fetten u. Guilleaume, der Süddeut- Telephon und jetzi mit Telephon Berliner hat die ITT. auf dem deutschen Markt«ine bedeutende Stellung erlangt. Unabhängig sind neben dem Sieinens-.Konzern nur noch die Frankfurter Fitfd- Gruppe, die aber zu der jetzt ausgesaugten Telephon Berliner auch in kapitalinäßig sundierten Beziehungen stand. Mit der Entschri- dung über das Schicksal von Telephon Berliner wird die Entscheidung über das Verhältnis zwischen Siemens und ITT. wahrschein- lich im Sinne einer Einigung weiter geklärt werden. Der Sie- mens-Äonzern hat ja durch seine bedeutungsvolle Antwort an die General Electric Co. dargetan, daß er keineswegs um jeden Preis gegen ein« Amerikanisierung ist. Dos Spiel der Fäden zwischen ITT. und General Electric wird ci» übriges tun, um die Einigung zu bewerkstelligen. Gefahren für das Nachrichtenwesen. Genügend Anzeichen deuten also daraus hin, daß das Zusammengehen von Siemens und der ITT. zur Tatsache wird. Die Situation, die sich dann schon bald in der Elektrizitätsindustrie ergeben kann, ist für die Allgemeinheit nicht ohne Gefahren. Denn die Beeinflussung des Nachrichtenwesens durch einen kapitalistilchen Trust ist mehr als ein Preisdiktat auf einem beliebigen anderen Gebiet. Um das voll ermessen zu können, braucht man nur einmal auf die Klagen liberal gesinnter Nordamerikaner über das private Radio- und Kabelmonopol ihres Kontinents zu hören. Die Gesellschaft Owen D. Poungs(finanzkapitalistisch Herr Morgan) beherrscht mit Hilfe der Bundesregierung von Wa- shington fast alle Radiostationen der USA., und Präsident Sostheoes von der ITT. ist das einftußreichste Mitglied des zwischenstaatlichen Handelskomitees, dem der amerikanische Senat die Kontrolle über das Telephon- und Radiowesen übertragen hat. Wie diese Jkon- trolle" aussieht, kann sich jedermann selbst ausmalen. Wenn ä h n- liche Zustände nicht auch in Deutschland einreißen sollen, ist die stärkste Beachtung aller Vorgänge in der Eiektrizitäts- industrie nötig.__ Hn, Zialienische Großbankfusion. Die Rationalisierungswelle hat jetzt auch auf das Bankwesen übergegriffen. So sind jetzt unter aktiver Mitarbeit des Finonzministeriunis zwei der größten Banken des Landes, die E r e» dito Itoltano und die Banca Razionale. v«rlchmol-en worden. Das Gejamtkopitol der b-iden Banken belauft sich ein- ichli-ßlich dar Reserven aus 910 Millionen Lire, also annähernd 200 Millionen Mark. Zweck der Fusion ist U n k o st« n s e n k u n g aus der ganzen Linie. So soll durch Zusammenlegung der violen bicher nebenein- ander arbeitenden Depositentassen die Organisation verein- i ach t und das Geschäft so abgegrenzt werden, daß di« Credito Lta- liano nur di« reinen Bankgeschäste wahrnimmt, während die Banca Nozionale sich ausschließlich aus den G.'schäst»verkehr mit der In- dustrie beschränken wird. Welche Bedeutung das S y st e m M u s s 0- l i n i dieser Rationalisierung beimißt, beweist, daß der Finanzmi- mster zur Deckung der Fusionskosten Beihilfen gewähren wird. Industrie gegen Grüne Front. Mafchineniuvvstrie im Januar im ganzen ungünstig. Nach dem Ianuardcricht des Vereins deutscher Ma» schinenbouan st alten brachte das neue Jahr bisher bei den Aufträgen und Anfragen des Inlandes noch einen weiteren Rück- gang, die Auslandsbc'stelluiigcu haben aber gegenüber dem bessn- ders niedrigen Dezeniberstand etwas zugenommen. Ter Beschäftig gungsgrad nahm weiter bis auf rund 62 Proz. ob, die durchichiütt- liche" Wnchcnarbeitszest sank bei den berichtenden Betrieben aus'oft 16 Stunden. Besserungen aus dem Au-londsgeschäst«gäbe» sich bei Werkzeugmojchinen. im Turbincnbau, bei Druckcreinwschinen. mechanischen Fördermitteln, Nahrungs- und Genußmittelmosch. nen sowie bei Zertleinerungs- und Aufbereitungsmaschinen. BZonders die Baumaschincnsabrikcn leiden unter dcr Zurückhaltung der öfsentlichen Hand. Sehr ernst zu nehmen ist eine Feststellung des ALMA, über zunehmende voykottbewegungcu gegenüber deutschen Maschinen in agrarischen Ländern. Danach lausen aus Holland und Dänemark, Finnland, Lettlaad, Estland, Litauen und Rumänien immer zahlreichere Nachrichten ein, wonach gegen deutsche Maren und besonders deutsche Maschinen dcr Boykott propagiert wird, weil Deutschland durch seine Zollcrhöhnngeu von Mitte und Ende 192? die Ausfuhr dieser Länder noch Deuischland besonders in Agrarprodukten schwer geschädigt habe. Der VDMA. erheb« die Forderung, daß alle» vermieden werden müsse, was derartige» Voykollbeslrebungen weitere Nahrung geben könnte. Der Warnruf der Nlaschinenindustrte kommt zur rechten Zeit. Vor wenigen Tagen erst Hot die„G r ü n e F r o n t" an die Reichsregierung wieder den Appell gerichtet, die Abschliehungs« volitik Deutschlands gegenüber der ausländischen Agrarziffuhr noch weiter zu verschärfen. Wird aber der VDMA. auch bereu sein, s.in Gewichl auch bei den der Maschinenindustrie nahestehenden poliii- schen Parteien gegen die Forderungen der„Griinen Front" in die Waagschale zu werfen? Raiffeisens unrühmliches Ende. Heute Gründung des Einheitsverbandes der landwirtschast« lichen Genossenschasten. Die Selbständigkeit der einzelnen landwirtschaftlichen Genossen- schostsvcrbändc hört mit dem heutigen Tage auf, an dem die eist)- gülligc Konstituierung des Einheitsoerbandes unter dem Namen „Reichsvcrband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschasten- Raifseisen" erfolgen wird. Der Generalverband der deutsche» Roiffeisen-Genossonschosten hat gestern sein« letzte Iahresver- s a m m l u n g abgehalten. Aus dem Gefchäjtsbericht ist die Mit- teilung wichtig, daß sich bei den Raiffeisenschen Spar- und Dariehns- vereinen die gesamten Einlagen Ende ISN aus rund 335 Millionen Mark erhöht haben. Auf der tetzten Tagung des Raiffciscn-Berbandes sprach der bisherige Generaldirektor Freiherr von Braun den Nekrolog und Pfarrer Meyenschein feierte den Geist Raifscisens, von dem sreilich in den letzten Jahren der Raiffeisen-Enrwicklung bei der Leitung der Raiffessen-Geschäfte sehr abgewichen worden ist. Der Gründer Raifseisen hätte wahrlich einen rühm- volleren Uebergang zu einer Einheitsorganisation der land- wirtschaftlichen Genossenschaften verdient. Das Reich und Preußen. d. h. letzlich der deutsche Steuerzahler müssen heute für die 75 M i l» l i o n e n Mark auskommen, di« im wesentlichen zur Reitung der landwirtschafllichen Raifseisen. Organisation geopsevt weichen müssen. Es ist dos Verdienst der preußischen sozialistischen" Agrar- polstit und in erster Lim« der Preußischen Zentralge» noss-nschaftskasse. daß die landwirtschaftlichen Genossen- schatten m Deutschland nicht vollständig zusammengebrochen sind und daß die Krisis der deutschen Landwirtschaft, wesenllich verschuldet aus deutschnationalem und nicht aus Raifseisen- A e i st, nicht zum furchtbaren Debacle dcr deutschen Landwirtschaft überhaupt geworden ist._____ Christliche Eisenbahnerbank in Schwierigkeiten Dergle,chsonrens gestellt. Die Bank leitt mit, daß der Bayerischen E i s e n ba h n e r o e rb a u d nach dcr Zahlungseinstellung sofort mit der Deutschen Bank und Discvnto-Gesellschoit in München in Verbindung getreten ist. die Über dos dort eingerichtete Konto alle Zahlungen des Verbandes laufen lassen soll. Die Vcrbandsmitgliedcr würden für die Verpflichtungen der Bayerischen Eisenbahnerbank nicht hastbar gemocht und dcr Verband hoffe, seine Mitglieder vor sinanziellen Einbußen be- wahren zu löwien, soweit sie bei der Bayerischen Eisenbahnerbank als Einleger Forderungen haben. Di« Bayerische Eisenbahnerbank A.-G. ist elne Gründung dcr christlich-nationalen Eisenbahnerorganisation Bayerns: die Mitglieder des 2lussichtsrat«s sind mittlere und höhere Effenbahnbeanite, christliche Gewerkschaftssekretäre und bayerisch« Landtagsabgeordnet«, die der Bayerischen Volkspartei an- gehören. Die Bank hatte Beteiligungen u. a. auch bei Grundstücks- gesellschasten und Ziegeleien. Das Kapital beträgt 500 000 Mark und verteilte merkwürdigerweise immer Dividenden von 12 Proz. Ende 1928 waren Spareinlagen in, Betrage von rund 3 Mil- lionen Mark und sonstig« Gläubigerforderungen von nicht ganz 1 Million Mark vorhanden. Im Geschäftsbericht von 1925 wurden noch große Töne über di« vorsichtig« Politik und die wirffchosls- politischen Ausgaben der Bank geredet. Es ist möglich, daß die besonders in Oberbayern sehr zahlreichen privaten Bankzusammen- brüche auch dieser christlich-nationalen Eisenbahnerbank Berlust« ge- bracht haben. Sehr wahrscheinlich ist aber, daß das für jede Ge- wertschastsbank unmögliche Prinzip der privaten Einzel- k r e d i t g e w ä h r u n g, das bei der Münchener Bank angewendet wurde, dieser gefährlich geworden ist. Wie es in dieser Art christlickz-nationaler Banken aussieht, haben ja die Raifseisen- und Landbund skandalc bisher schon genügend bewiesen. Milliomnumstrizq für die Vamag-Megnln in Moabit. Di« Bamag.Meguin in Berlin-Moobit. die bereits in ihrem letzten Geschäftsberichch für 1928/29 auf eine Anmhl schwebender Auftrags- prosskte himvies, ist jetzt von der Stadt Lyon m»udfrankreich mit dem Lau einer groß«» Müllo«rbr«nnunas- und Aerwertungsonlag« beaufttaot wordem Der Wert dlcles Auftrages beläuit sich auf c'wa 1 Millionen Mark Das Unter. nehmen hat bereits vor zwei Jahren gleich« Anlagen für die Stadt Zürich ausgeführt. Schuhhändler gegen Fadritsilialen. Der Reichsverband deutscher Schuhhändler hat am seiner Karlsricher Tagung gegen die immer .zahlreicheren Berkausssiellen von Schuhs obriken prolcsti«rt Ein« Entschließung kündigt schärfste L a m pfmoh regeln an, mit denen der selbständig« Schuheinzelhandel gegen die Konkurrenz der Fabriken geschützt werden soll.