Morgenausgabe Nr. 77 A 39 47.Zahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich S�V M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich 60 Pfg.Postzettungs» und 72Pfg Poftbestellgebühren. Auslands» abonncment 6«— M. pro Monat. ♦ Der„SSenDörts* erscheint wochentSg« (ich zweimal. Sonntag» und Montags einmal, die Abendausgaben für Verlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilaaen»Volk und Zeit- und.Kinderfreund-. Ferner .Unterhaltung und Wisien-..Frauen« stimme"..Technik"..Blick in die Bücherwelt- und.Iugend-Lorwärts* wv-VW f. Berliner Solksvlatt Sonnabend 15. Februar 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die c t Ii 1 p a 1 1 1 g c Nonpareillezette 80 Pfennig. Reklame eile 6— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen' das enge» druckt» Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das �erste 15 Pfennig, jedes we« Wort >nig. jedes wettere Wort 10 Pfennig. Worte übe» 15 Buchstaben öhlen für zwei Worte. Arbeitsmarkt eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze le ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» Geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von LVz bi» 17 Uhr. Zentralovgan der Sozialdemokratischen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Uindenstrabe 3 Fernsprecher: Dönbol» 292— 2S7 Telegramm-Adr: Soualdemokrar Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Polllcheckkanio: Berlin 37536.— Bankkonio: Bank der Arbciler Angesielllca und Bcamien. Wallstr 65 Dt B u Ditc-Gel Teposiienkasie Lindenstr 8. Schritt der Großmächte in Moskau? Inoffizieller Protest gegen die religiösen Verfolgungen. Die Telegraphen-Union meldet: I« ausländ!» schen diplomatischen Kreisen verlautet, dah drei Großmächte, die Botschaften in Moskau unter- halten und in guten Beziehungen zum Vatikan stehen. den Appell des Papstes, daß Sowjetrußland die Verfolgung der Glaubensbekenntnisse in der Sowjet- onion einstelle« möge, zu unterstehen beabsichtigen. Die drei diplomatischen Vertretungen würden die Sowjet- regierung darauf hinweise», daß die gegenwärtige Politik der Sowjetregierung gegen die Kirchen im Auslande keine Unterstützung finden könne und daß sie selbst- verständlich zu einem Rückschlag der Sympathien für die Sowjetunion im Ausland führen müsse. Dieser Schritt soll in inoffizieller Form erfol- gen, da sich die drei Großmächte nicht in die inneren Angelegenheiten Rußlands einmischen wollen. Sie wür- den aber darauf hinweisen» daß die Maßnahmen gegen die Kirchen in der Sowjetunion eine internationale Bedeutung erhalten haben, die den Mächte« die moralische Pflicht gebe, entsprechende Borstellun» gen in Moskau zu erheben. An zuständiger deutscher sowohl wie sowjetrussischer Stelle in Berlin konnte die Nachricht bisher nicht bestätigt werden. Valdwin fordert auf zum Protest. London, 14. Februar. In«inein Bericht über die Religionsverfolgungen in Sowjet- rußland erklärt« Baldwin, memals sei das Gewissen des Landes so gerührt gewesen wie heute. Niemals werde Großbritannien vor solchen Versolgungen gleichgültig bleiben. Seine Pflicht sei, wit allen Kräften dagegen zu protestieren. Der Rationalnat der freien evangelischen Kirchen Englands nahm ein« Entschließung an, in der er seinen Abscheu gegen die Verfolgung der christlichen und anderen Retrgionen in Sowjetrußland aussprach und um Gebet« für die Verfolgten bittet. Oer Ramsch ist im Gang! Das Hamburger parieihaus der KPO. ist verkauft. Gegenüber den dummen Ableugnungsversuche« der kommunistischen Zentrale und ihrer Presse stelle« wir fest, daß die Berhandlunge« zur Berramschnitg des immobilen Vermögens der KPD. immer noch im Gange sind, daß sie zum Teil bereits Ergebnisse gehabt haben. Das Hamburger ParteihauS der Kommuuistischr« Partei am Valentiuskamp ist vor etwa 10 Tagen der- kauft worden, und zwar— a« den Hamburger Staat! Es war die Absicht der kommunistischen Zentrale, das Haus gegen Barzahlung zu verkaufen. Der Kauf- preis sollte zu einem größeren Teile an die Zeutrale, zum kleineren Teil an de« Bezirk Wasserkante der KPD. verteilt werden. Der Verkauf ist jedoch nicht den Wünschen der Jen- trale der KPD. entsprechend erfolgt. Der Kaufpreis betrug nach unseren Jnforma- tioncn rund 360 000 M. Er ist nicht in bar gezahlt worden, vielmehr ist der weitaus größte Teil in Schuldverschreibungen des Hamburger Staates entrichtet worden. Es steht also fest: die..revolutionären" Hamburger Kommunisten haben ihr Haus an den Hamburger Staat verkauft— den sie doch bis aufs Messer bekämpfen. Sie haben für den Verkauf nicht einmal Bargeld er- halten, sondern Schuldverschreibungen des Staates, die eigentlich in ihren Augen das Papier nicht wert sein müßten, auf dem sie gedruckt sind. Alles i« allem: ei« schlechtes Geschäft, mit einem Worte— Ramsch! Uud das soll nun so weiter gehen! Wir warten aus das nächste, mft ohnmächtige« Be- schimpfunge« gespickte Dementi der„Roten Fahne" und wiederhole« zugleich unsere Frage: wie steht es mit dem Menschenhandel, wie steht es mit der Empfehlung an die Interessenten. Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten der KPT.-Betrlebe um jährlich 1 Million Mark zu drücken? Wenn sie schon reden! Nach längerem befehlsgemäßen Schweigen durfte die„Rote Fahne" gestern wieder reden. Reden— das heißt lügen und leugnen. Erste Lüge: in einer Konferenz im preußischen Innen- Ministerium sei im Einverständnis mit dem Reichsinnenministerium ein Handstreich auf die Sowjeibotfchast und die Handelsvertretung vorbereite: worden. Diese Zweckerfindung ist zu allem Ueberfluß auch noch amtlich als das festgestellt worden, was sie ist— eine einfache Lüge. Der Zweck ist offenkundig— hinter dem Geschrei: die Sowjcwertretung ist bedroht, sollen die tödlichen Verlegenheiten der KPD.-Zentrale verschwinden. Erste Ableugnung: die„Rote Fahne" will von Sowjet- gelb nichts wissen. Sie nimmt es nur; denn es bleibt dabei: mit sowjetrussischem Geld werden S00l> Exemplar« der„Roten Fahne" bezahlt. Zweite Ableugnung: die Auflagenziffer der„Roten Fahne" betrage nicht WOOO Stück. Wir geben allenfalls einen Irrtum zu—- aber nur nach obenl Preußen vor dem Siaaisgerichishof. Die Klage der Splittergruppen Leipzig. 14. Februar.(Eigenbericht.) Der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich befaßte sich am Freitag mit der Klage der preußischen Splittergruppen über die Gülttgkeit des preußischen Landeswahlgesetzes. Die Verhandlungen dauerten den ganzen Tag über an bis abends 7 Uhr. In der gestrigen' Sitzung wurde zunächst der Fragen- komplex erörtert, wa» im Sinne der Borschriften des Artikels 17 der Reichsverfassung die„gleiche" Wahl im Rahmen des Verhältniswahlsystems be- deutet. Als Vertreter der klagenden Parteien bezeichneten Dr. Körner. Professor Bauser, Senatspräsident Lobe und Rechtsanwalt Dr. Holstein die Bestimmungen gegen die Splitter- Parteien als unvereinbar mit der Vorschrift der Gleichheit Roch dem jetzt geltenden Gesetz sei es unmöglich, das richtige und gerecht« Verhältnis zwischen der Zahl der Wähler und der Abgeordneten zu finden. Ministerialrat Dr. Kaisenberg sprach über die staatsrecht- der preußischen Regierung dar. Wenn die angegriffenen Bestimmungen für gültig erklärt würden, würde daraus sofort eine Ungleich- heit zugunsten d Untexnehmern so hohe Zinsen verlangt; denn die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände ist eine Spitzenorganisation, in der auch die Banken vertreten sind. Wir haben bisher auch angenommen, daß die Arbeiter und Angestellten nicht nur Lohn- und Gehaltsempfänger, sondern auch Konsumenten sind und daß die erhöhten Arbeitseinkommen der Industrie wieder Beschäftigung geben und so die rationalisierte» Betriebe erst rentabel machen. Wer offenbar sieht die Vereinigung alles, was nicht Dividende, Tantieme, Gratisaktie, Bonus, Sonderrücklage und überhauvt„Kapitalbkldung" ist, als eine Belastung an. Volkswirtschaftlich gesehen liegt es allerdings umgekehrt. Aber darüber werden wir uus mit der Vereinigung der deut- schen Arbeitgeberverbände wohl kaum verständigen können. Interessant sind auch die Zahlen, die über die Stärke der Bereinigung und der ihr angeschlossenen Verbände Auf- schluß geben. Danach gehören zur Vereinigung insgesamt 49 Reichsverbände, 54 Bezirks- und 77 Ortshauptverbände, an die 2829 Unterverbände angegliedert sind mit insgesamt etwa 6 400 000 Beschäftigten Wir müssen uns versagen, im einzelnen die Stärke der angeführten Unternehmerorgani- sationen zu untersuchen. Wir beschränken uns auf die Wer- tung der Schlußzahlen. Aus diesen ergibt sich, daß Lie Ver- einigung der deutschen Arbeitgeberverbände zwar zweifellos einen gewaltigen M ach tfaktor darstellt, aber bei weitem nicht so st a r k und umfassend ist, als man es anzunehmen gewohnt ist. Vergleichen wir zunächst die Zahl der in den Unter- nehmungen, die der Vereinigung angeschlossen sind, Be- schäftigten mit den in den Gewerkschaften Or- g a n i s i e r t e n. In den freien Gewerkschaften sind heute — die dem ADV. angeschlossenen Beamtenorganisationen kommen hier nicht in Betracht— rund 5% Millionen Mitglieder. Rechnet man hier noch die in den christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften organisierten Arbeiter und Angestellten hinzu, dann kommt man auf annähernd 7 Mil- lionen gewerkschaftlich organisierter Arbeiter und Angestellten. Nun oerteilen sich diese Mitglieder nicht nur auf die Unter- nehmungen, die der Vereinigung der Arbeitgeberverbände angeschlossen sind. In diesen ist nur ein mehr oder weniger großer Prozentsatz der Arbeiter und Angestellten gewerkschaft- lich organisiert. Auf jeden Fall ist heute der organisatorische Einfluß der Gewerkschaften viel umfassender als der der sonst so anspruchsvollen Vereinigung der deutschen Arbeitgeberoerbände. Die Vereinigung liebäugelt gern mU der Forderung der Gelben(und der Kommunisten), nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Unorganisierten und die sogenannten Wirt- schaftsfriedlichen, d. h. die Gelben als wirtschaftliche Vertreter der Arbeiterschaft anzuerkennen. Für sich nimmt die Ver- einigung der Arbeitgeberverbände, obwohl ihr Wirkungskreis ein nicht so'ausgedehnter ist wie der der Gewerkschäften, in Anspruch, als alleinige Vertretung der Unternehmerinteressen aufzutreten. Wenn der Bericht der Vereinigung sich hemüht.'die De- deutung der Kamm anist e n in den Gewerkschaften heraus- zustreichen. so ist das durchaus natürlich. Man sollte aber mit Behauptungen vorsichtig sein. Auch in der Vereinigung sollte es nicht unbekannt sein, daß es die freien Gewerk- schaften und nicht die Sommunisten sind, die der Pröpa- ganda gewidmete Gewerkschaftswochen veranstaltet haben und daß z. B. in der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes die Kommunisten nicht die Mehrheit haben, sondern nur eine kleine und einflußlose Minderheit sind. personolkonfliki im Völkerbund. JRßiftrUf eines deutschen Beamten. Genf, 14. Februar.(Eigenberidjt.) Im Volkerbundssekretariat ist im Dezember und Januar ein personalpolitischer Kampf ausgefochten worden, auf Grund dessen das deutsche Mitglied der Informationsabteilung, Dr. Beer, jetzt das Feld geräumt hat. Dr. Beer fordert« u. a., daß für ihn das Amt eines V i z e d i r e k t o r» der In- fonnationsabtsllung geschossen würde. Dieses Deklangen wurde ab» geschlagen, einerseits aus personalpolitischen und budgetär«, Grün- den. andererseits wegen der Person Dr. Beels, dessen als zu aggressiv empfundene Haltung nicht recht geeignet für ein höheres Völkerbundsamt sch-en. Beer mußte cknd« Januar sein Amt zur Verfügung stellen. In. zwischen ist sein Abgang vom Bölkerbun-dssetretär genehmigt war, den. Der deutsche Untergeneralsekretär. Dufour-Föronce, wurde beaustrogt, die deutsche Regierung von der peinlichen An- gelcgenheit in Kenntnis zu setzen und eventuelle Nachfolgerwünfche Deutschlands entgegenzunehmen. Dufour-Färonce befindet sich zur Zell in Berlin. * Zwelsellos ist Dr. Max Beer, der zunächst jahrelang als Be- nchterstatter der.�kölnischen Zeltung* In Genf tätig war. bevor er nach dem Eintritt Deutschland» in den Völkerbund zum Mityliad der Insonnationsabtellung ernannt wurde, einer der besten Kenner des Völkerbunde» in politischer, technischer und personeller Hinsicht. Deshalb ist sein Ausscheiden sowohl vom internationalen wie vom deutschen Standpunkt zu bedauern. Es wind nun Dr. Beer vorgeworfen, daß er im Völkerbunds- fekretariat intrigiert habe. Nun— wer intrigiert m Genf etwa nicht, innerhalb und außerhalb der Mauern des Völkerbunds. setretarlats? Die Angelegenheit ist insofern von grundsätzlicher Be. deutung. als eine leider gerade von deutschen Stellen unterstützte Strömung dahin geht, das Genfer Sekretariat möglichst nur mit 'Berussdiplomaten zu besetzen und„Außenseiter* nicht her- anzuziehen. In diesem Falle ist ein„Außenseiter* sogar anscheinend hinausgedrängt worden Das ist um so bedenklicher, als wenn man di« politischen Kenntnisse, die Erfahrungen und nicht zuletzt die Aktivität der wenigen deutschen Vertreter im Völkerbundesekretoriat betrachtete, der Vergleich nicht zugunsten der Lerussdiplomaten ausfiel._ 3ro Slrafrechlsausschuß de, Reichstags wurde am Freitag die Strafbestimmung gegen dt« Tierquälerei beraten. Von allen Seiten wurde« begrüßt, daß der neue Strairechtsenrwurs gegenüber dem bisherigen Recht sehr erheblich« Verschärfungen enthält. Zorns vemrteili! (Sr hat den Mördern Vorschub geleistet.— 100 Mark Geldstrafe wegen formeller Beleidigung für Borustem. Im Jorns-Prozeß verkündete gegen M4 Uchr nachmittags das Gericht folgendes Urteil: Der Angeklagte Bornstei« wird wegen öffentlicher Beleidigung zu ION Mark Geldstrafe verurteilt, im Nicht- eiutreibungsfalle tritt für je 25 Mark ei» Tag Haft. Dem Nebenkläger wird die Pnblikatiousbefnguis im »»Tagebuch", im„Berliner Tageblatt" und in de«„Leist- ziger Neueste« Nachrichten" zugesprochen. .* In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende u. a. aus: Di« Verurteilung ist bloß wegen formeller Beleidigung aus Z 18S des Strafgesetzbuches erfolgt, nicht aber aus dem§ 186. Ja letzter Hinsicht hat sich das Gericht im wesenltlchcn dem Urteil der ersten Instanz angeschlossen. Di« Verurteilung hat lediglich wegen des beleidigenden Werturteils erfolgen können; im übrigen hat der Angeklagt« für die von ihm verbreiteten Totsachen den Wahrheits- beweis im Sinne des§ 186 erbracht. Den Kern des beanstandeten Artikels bildet die Behauptung. der Nebenkläger sei für den Dienst eines Reichsanwalts ungeeignet. Hierfür ist geltend gemacht worden: erstens: Er stehe unter dem juristischen Durchschnitt und fei dem Niveau des Reichs- gerichts nicht adäquat, auch habe er als Mensch keine Qualitäten; zweitens, habe er in seiner Führung der Untersuchung in Sachen der Tötung von Liebknecht und Luxemburg den Tätern Vor- schub geleistet. Di« erste Behauptung stellt eine den Nebenkläger In öfsent- licher Meinung herabwürdigende Melnungsäuße- rung im Sinne des§ 185 dar, ohne daß dieses Werturteil durch Verknüpfung mit bestimmten äußeren Vorgängen zu einer des Wahrheitsbeweises fähigen Tatsache im Sinne des ß 186 gestaltet worden wäre. Es liegt also nicht eine Versachlichung dieses Wert- urteil» vor, wie der Vorderrich'er angenommen hat, denn dazu fehlt jeder Anhalt im Artikes selbst, auch hat die Beweisaufnahm« nichts dafür ergeben. Diese Herabwürdigung wird noch durch die Ueber- schrift de» Artikels.Kollege Jörns* und durch den Anschein, als sei der Verfasser ein Kolleg« des Reichsanwalts, gesteigert. Der Vorwurf der V o r s ch u b l e i st u n g ist nicht als Be- günstigung im Sinne des Strafgesetzbuches aufzufassen. D«r An- geklagte Hai das auch nicht behaupten wollen. Uebrig bleibt der Vorwurf der Vertuschung und Verschleppung. Dieser Vorwurf wird im Artikel durch eine Reihe von Tatsachen belegt. Er ist auch tatsächlich eines Wahrheitsbeweises im Sinn« des ß 186 zugänglich und diesen Wahrheitsbeweis hat der Angeklagte an- getreten. Das Gericht hat bei sswer Leweiswürdigung die Aussag« des Zeugen Runge völlig ausgeschaltet. Im Übrigen ist es aber zu folgendem Ergebnis gelangt: Der Vorwurf, der Nebenkläger habe denf'.:Untersuchünasnch.'e):?Ku?tzsg in unlauterer Absicht per- drängt, hat suh qls' nW'stichhaltig erwiesen. Der andere Vorwurf, der Nebenkläger-höbe die Beisitzer bei der'Au-übüng ihrer Unter- suchungspfllchten gehemmt, hat-, sich höchstens in einem Punkt« als richtig nachweisen lassen. Ein« Begünstigung im Sinn« des Strafgesetzbuches lag aber auch hier nicht vor. Keine überzeugend« Erklärung konnte der Nebenkläger für den Umstand geben, daß er nicht sofort das Hotelpersonal und insbesondere den Hote.lportier Schmidt ver- nommen hat. Als auffällig ist es zu bezeichnen, daß unter den Nämen der Verhafteten, die er den Beisitzern über- reichte, sich nicht der Name Vogel befunden hat. Eine unbedingte vorschubleistung erblickt das Gericht in der Nichtoerhafiuag des Oberleutnants Vogel, nachdem Zorn» sich von der llnwahrhaftlgkeit seiner Anssoge überzeugt hatte. Im vollen Widerspruch mit der Aussage Bogels stand auch fem Hast- befehl wegen Wachvergehens, obgleich er selbst zugegeben hatte, nicht gewuß: zu hoben, ob Rosa Luxemburg lebendig oder tot ins Wasser geworfen worden war. Das Gericht kann auch nicht glauben, daß dem Nebenkläger bei der Haftentlassung des Kapitänlsutnants Pflugk-Hartung gar keine Bedenken gekommen sein sollten, da es doch fest stand, daß Liebknecht unmöglich angesichts der bewaffneten Männer, die ihn begleiteten, in schwer verletztem Zustand« einen Fluchtversuch unternommen haben konnte., Der Nebenkläger hat wichtige Spuren zugedeckt und jedenfalls keine eröffnet, also Spuren verwischt, indem er w Runges Bernehmungsprotokoll nichts von den Geld- Unterstützungen erwähnt hat, über die Runge ihm bei der ersten Unterredung Mitteilung gemocht hatte und indem er nach seinen Geldgebern nicht geforscht hat. Für die Zustände im Gefängnis ist der Nebenkläger nicht ver- antwortlich zu machen. Als er aber sah, daß seine Anordnungen nicht ausgeführt wurden, daß ihm z. B. di« Post der Gefangenen nicht vorgelegt wird, und die Verhafteten sich st«i in der Stadt be- wegen,... durfte er sich nicht dmnit begnügen. Beschwerden zu schreiben, sondern war verpflichtet, für Abhilfe zu sorgen und sich persönlich davon zu überzeugen, ob die Verhasteten in einer Weist untergebracht sind, die eine Kollisionsgefahr ausschließt.. Für die Flucht des Leutnants Vogel konnte er nichts. Auch unter normalen Umständen hätte ein gefälschter Ausweis, der«ine Verfügung zur Umlegung eines Häftlings in eine ander« Anstalt enthielt, die gleichen Folgen wie in diesem Fall« gehabt. Der Neben- klag er hätte sich eher gezwungen sehen müssen, sich von der Division zu lösen. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Regimenter sich den Anordnungen der Diviston. die er als Untersuchungsrichter ver- anlaßt hatte, nicht fügten, nachdem er sich von der Ohnmacht der Division überzeugt hatte, war er verpslichM. selbst über den Kops seines Serichkshmn hinweg den Relchswehrmiaifler anzurufen. Dies um so mehr, als es sich um die Untersuchung in einer derart überragenden Sache handelte, daß das Interesse für dieselbe ganz Deutschland durchtobte und durchbebte. Der Nebenkläger ist in diesem Falle der Ausgabe, die ihm gestellt worden war. nicht ge- wachsen gewesen. Eine Rech« der unter Beweis gestellten Tatsachen hat sich nicht als richtig erwiesen; diese Tatsachen sind entsprechend der Reichs- gerichtsentscheümng jedoch nur als Beispiele zu betrachten. Es ge- nügt, wenn der Wahrheitsbeweis für eine Reihe anderer Tatsachen erbracht werden konnte.'.' ver w-hrhelksbeweis dafür, daß der Nebenkläger Zorn» den Tätern Vorschub«Aeiflet hat,, ist ober erbracht warben. Wege» der formelle» Beleidigung ist angesichts der ganzen Kiluatiau und der Schwere der Beleidigung aus lSY Mark Geldstrast erlarmt worden. Da« Urteil der zweiten Instanz sst weniger befriedigend. als das Urteil der ersten— worin die formelle Beleidigung liegt, wird niemand verstehen! Für Herrn Jörns ist es nicht minder Vernich- tend als das erste Urteil. Seit dem ersten Urteil ist Herr Jörns als Reichsanwalt beurlaubt, nach dem zweiten Urteil besteht kein Grund, diesem Urlaub ein Ende zu machen. Es steht ihm noch frei, Revision' einzulegen, und noch öinc letzte Gnadenfrist zu gewinnen. Dann ist es an der Zeit. ihn endgültig aus dem Justizdienst zu entfernen. Höchste Zeit! �oung-plan in den Ausschüssen. Zniereffante Wirtschastsgespröche.— Herbeiholung Schachts abgelehnt. Der Haushaltsausschuß und der Auswärtig« Ausschuß des Reichstags haben sich für ihr« viertägige Sitzungsperiode im Plenar- faal ganz gut eingerichtet. Man spricht vor leeren Tribünen, aber bei. großer Aufmerksamkeit der Zuhörer vom Platze au« und meist viel kürzer und konzentrierter als in Plenarsitzungen. Es fehlen die unzähligen Nebengeräusche des ewigen Kommens und Gehens und der Privatgespräche. Der Plenarsivungssaal erweist sich so al» ein ganz idealer Raum für Ausschußsitzungen. In der fortgesetzten Aussprache kam gestern zunächst«ine ganze Reihe von Oppositionsrednern zum Wort. Nach dem Deutsch. nationalen Reichert gleich zwei Vertreter der C h r i st l i ch- N a t i o- nalen Arbeitsgemeinschaft, der Professor Hoetzsch und der Groß- industrielle Dr. Klönne. Hoetzsch ist der Meinung, daß die Verbindung zwischen Repa- rationen und interalliierten Schulden gar nicht eng genug sein kann. Klönne. der ebenso wie Hoetzsch. als Deutschnationaler für den Dawes-Plan gestimmt hat. erklärt, der Dawss-Plan sti wohl schwerer gewesen, aber er hätte eben nur einen Versuch dar» gestellt und sei mit starken Schutzmaßnahmen ausgerüstet gewesen, die im Poung-Plan sthllen. Wenn 58 Jahre lang nach dem Poung- Plan gezahlt wird, dann wird ein Kapital von 116 Milliarden aus Deutschland heran sgeflossen stin. Jede Milliarde Sachleistungen in Geldleistungen ist ungeheuer schädlich. Jede Milliarde Sachleistun- gen bedeutet Beschäftigung von 175 000 Arbeitern v. Sybel(Christliche Bauernp.) macht ein« Rechnung auf. wo- nach wir von 152 Milliarden des Londoner Zahlungsplans 41 schon abgezahlt haben sollen. Also hätten wir durch den Fvung-Plan unsere Loge verschlechtert. Gegenüber diesen Milchmädchenrechnungen weist der Reichs- außenminister Dr. C u r t i u» darauf hin. daß wir nach dem Londoner Plan jährlich 2 Milliarden plus 26 Prqz. der deutschen Ausfuhr zu zahlen gehabt hätten. Das wären für 1920 nicht weniger als SVe Milliarden gewes« n. vernburg(Dem.):- Die Befugnis zum Zahlungsaufschub fft von der Reparationskommlsston, der wir nicht angehörten, auf den be- ratenden Sonderousschuß übergegangen, m dem vir sitzen. Das. sst ein bedeutender Vorteil. Die Wirtschaftslage wird von der Rechten zu ungünstig beurteilt. Die Sparkasseneinlagen von g bis 10 Mil- liarden, die 20 Milliarden Pfandbriefe der letzten neun Jahre, die 1,2 Milliarden jährlicher Ein Zahlungen auf Lebensversicherung usw. widersprechen diesem Pessimismus. Bredl(Wirtschaft-p.) findet, daß die Ansichten über die Reoisionsmöglichkeiten zwischen den Gläubigerstaaten und Deutsch- land weit auseinandergehen. Als dl« Verhandlungen in Paris. be- gönnen, hat die Regierung erklärt, daß der Etat balanciert. In- zwischen hat sich das ungeheure Defizit herausgestellt. Bernhard(Dem.): Wem: man dem Ausland gegenüber ein trostloses Bild der deutschen Wirtschaft malt, so wirkt solcher Pessi- mismus dann auch schädlich nach mnen. Angesicht» der tatsächlich vorhandenen deutschen Rotlag« ist die Stärke der deutschen Ka p> ta l b i l du n g doch geradezu überraschende Auch der �crnng-Plan ist gegenüber dem Dawes-Plan nur eü» verfeinerter Versuch, zu einer endgültigen Lösung zu kommen. Der Sonderaus- fchuß der Internationalen Bank ist die ständige Instanz, di« das Funktionieren des Plans zu überwachen hat. Auf d«r Rechten spricht man sehr geringschätzig von den internationalen Schiedsgerichten, und doch fitzen dort die Großindustriellen, di« wissen' müssen,, welch« große Rolle die internationalen Schiedsgericht« bei den internotio- nalen Kartellen spielen, wie zum Beispiel beim Glühlampenkärtxll. Die Internationale Bank wird einen wirtschaftlichen Transförmator darstellen, der«ine Wirksamkeit von ungeahnter Bedeutung entfalten wird....' Ministerialdirektor Ritter geht noch einmal ausführlich auf den Londoner Zahlungsplan ein, den wir niemals hätten erfüllen können, so daß die aus ihm sich ergebende Schuld eine ewige geworden wäre. Aber auch nach' dem Dawes-Plan hätten sich bei sehr vorsicht'ner Berechnung mit sogenanntem Wohsstandsindex für da? Jahr ISN schon Annuitäten von 2V Milliarden ergeben. Heinig(Soz.) fürchtet, daß die ganze'Diskussion ins Leer« gehe. lieber all das sst schon Wochen und Wochen in Paris und im Haag diskutiert, in der Press« berichtet und wieder diskutiert worden. Es geht jetzt doch nur um Ja oder Rein. Reichert und Klönne Nazis„Hoheitszeichen" i Vie vvn HMer für leine Nazis fre'aegebenen Äücher vnö lKchrchen tra onfrasnatumal'0 i»<»sti�che ,/HoveitSzetchen".) ,OieS Buch trägt das nationalsozialistische-.Hoheitszeichen�. »Wieso, sind da soviel Eselsohren drin 7� Finanzverhandlungen vertagt. Am Montag beraten sozialpolitische(Sachverständige. hätten, wenn Deutschland Sieger geblieben wäre, wahrscheinlich auch nicht mehr nach der Leistungsfähigkeit der Gegner gefragt als'das jetzt von der anderen Seit« geschieht. Die Revisionssrag« soll man nicht zu optimistisch behandeln. Es wird sich zeigen, daß wir zahlen können. Und wir werden oiel« Jahr« hindurch zahlen. Und wenn wir einmal ein Moratorium brauchen werden, so wird dos für uns gar nicht so angenehm sein. Die Elendsschilderungen von der Log« der deutschen Wirtschaft müssen zurück- gewiesen werden. Die Konlursverlust« von lSW, von denen man so oiel spricht, waren geringer als die von 1013. Herr Klönn« sprach von Atomisierung des deutschen Kapital», aber was Herr Flick iul oder was die Schwerindustrie tut. indem sie Dutzende von Betrieben auskauft, um sie stillzulegen, sieht wirtlich nicht nach Atomisierung aus.(Klönne: Da» ist doch wie das Bauernlegen.) Heinig: Ja, ist daraus etwa ein« Atomisierung des Grundbesitzes ent- standen? Bei aller schwierigen Lag« der Wirtschaft und ganz be- sonders der deutschen Arbeiterschaft haben wir doch einen gewaltigen Ausstieg zu verzeichnen, den das Ausland mit größtem Respekt beobachtet hat. Die wichtigst« Frag« ist jetzt die der Lastenoerteilung. Nach weiteren-Ausführungen des Dolksparteilers D a u ch be- antragen die Deutfchnationolen durch den Grasen Westarp die Heranziehung des Reichsbamkdlrettor» Schacht. Vrettfcheid(Soz.) spricht sich gegen diesen Antrag aus und ver- langt für den Fall seiner Annahme auch die Heranziehung der beiden anderen deutschen Sachverständigen Melchior und K o st l, womit sich Gras Westarp einverstanden erklärt. Nachdem jedoch Minister Dr. C u r t i u s erllärt, daß die Regierung die Heranholung der Sachverständigen nicht für erforderlich halt«, wird der Antrag der Deutschnationalen abgelehnt. Dies« hatten inzwischen noch zwei weiter« Anträge angekündigt. Darin soll die Reichsregierung ersucht werden: 1. mit eingehender Begründung zu erklären, ob sie die Zahlungen des Pariser Wnnes für dauernd durchführbar hält und die darüber von dem deutschen Sachverständigen in Pari« abgegebenen Gutachten mit den dazu aufgestellten Unterlagen mitzuteilen. 2. durch eine ausdrückliche Erklärung das Recht Deutschland« vor- zubehalten, die Revision des Planes mit dem Ziel« der Herab- setzung der deutschen Leistungen im Fall« seiner Undurchführbarkeit zu s o rH e r n und, nötigensalls»ach neuen diplomatischen VerHand- langen, festzustellen und mitzuteilen, ob die vertrag sm ächte diesen Vorbehalt anerkennen. Dann vertagt sich der Ausschuß auf Sonnabend. pletschkattis- Prozeß. Oer HauptangeNagte bestreitet llmsianpläne. Zasterburg, Ii Februar.(Eigenbericht.) Bei seinem Verhör führte Pletschkaitie aus: Meine Eltern sind Besitzer gewesen. Bereits im Jahre 1905 bin ich politisch gegen das Zarenregim« tätig gewesen und 1906 wegen politischer Vergehen mit drei Jahren Gefängnis bestraft worden. Danach kam ich nach Deutschland und habe in Westfalen gearbeitet. Nach Beendigung des russischen Krieges ging ich nach Litauen zurück und war 7 Jahr« Sejmabgeordneier. Während des Olitaer Umsturzversuch» wurde ich oerhaftet. Woldemara» stellt« mir ein Ultimatum. Litauen in 24 Stunden zu verlassen. Ueber Riga und Deuschland ging ich n a ch Polen, wo ich mich politisch nicht weiter betätigte(?) Im letzten Jahre wollte ich zu meiner Familie nach Litauen zurück, jedoch mur- den mir bei der Paßbesorgu'ng Schwierkgkeiten g«° macht. In der EmigraiUenbewegung, die zwar meinen Nomen trägt, chatte ich keine führend« Roll«. Im Herbst vorigen Jahres wollte-Ich' mit mehreren Emigranten über die polnisch-litauische Grenz« nach Litauen gehen, um meine Frau zu besuchen. Allein nach Litauen zu gehen, ist gefährlich Alle Emigranten denken daran, wie sie nur noch Hause kommen können E» wäre mir leicht gewesen, statt der fünf Angeklagten andere 10 Personen zu finden. Aus Wunsch dos Aorsttzenden erklärt er: Der Zettel, d«r in meinem Besitz gesunden wurde und Notierungen über unsere Be- wasfnung enthält, hat mit der Anklage n i ch t s Z u t u n. Ueber die Organisation verweigert pletschkaitis jede Aussage. Der Vorsitzende halt ihm vor. daß er im Juli 1929 an einen gewissen..Fritz' einen Brief geschieden habe, aus dem sein« politlschenPläne hervor. gehen. Pletschkattis antwortet, daß dieses Schreiben nur allgemeine Äeußerungen darüber enthalte, daß er gehofft habe, recht bald mst seiner Familie zusammenzukommen. An einen Umsturz habe er dabei nicht gedacht. Ueber die Verhaftung befragt, verweist er auf die Zeugenaussagen. Er sagt, daß es richtig fei. daß er einem Zeugen gesagt habe: E» ist besser, in Deutschland festgenommen, als morgen in Litauen erschossen zn werden. In der Nachmittagsitzung erklärt der Hauptzeuye, Kriminal- kommissar Abt, daß bei den Angeklagten Schriftstücke ze- funden wurden, aus denen hervorgeht, daß sie«ingehende Erkundi- gungen über den litauischen Polizeidienst an der Grenze- eingezogen haben,' z. B. über Ortsstand und Stärke der Posten, Zeit des Postenwechsels, Namen und Charakter der Poli.zeibeamten usw. Pletschkaitiv fragt, ob es notwend g sei. daß diese An- gelegcnheiten erörtert werden. Er befürchte, daß litauische Personen durch dies« Erörterungen Unannehmlichkerten haben könn- tcn, da litauische Beamte im Zuhörerraum anwesend s«'«n. Als der Vorsitzende dennoch welter« Fragen an ihn stellt, verweigert er die Antwort. Auf dl« Frage eines Rechts- arnonlts sagt der Zeug« Abt aue. daß die gefundenen Schriftstücke keine Daten getrogen haben, jedoch sei er der Ansicht, daß sie für die Angeklagten aktuelle Bedeutung gehabt haben. Die Doku- mente sprächen dosür. daß die Angeklagten ein Loch in dem litaui- schen Grenzschutzgebiet feststellen wollten, um hindurchschlüp- fen zu können. Der Sachverständig«. Regierungsrat Dr. Haid, von der chemisch-technischen Reichsanstalt in Berlin macht Angaben über die Beschaffenheit der bei den Angeklagten gefundenen Handgrana- ten und Spreng st osfe. die auch im deutschen Bergbau ver- wendet werden. Sie stammen jedoch rncht au? Deutschland, sondern wahrscheinlich aus Litauen oder Polen. Sie waren mü brisantähnlichen Stoffen gefüllt, deren Verwendung ohne behördliche Erlaubnis nia ch de m S p r e n g st o f s g« s« tz v e r b o t e n ist. Der Sachverständige, erklärt, die Sprengwirkung der Bomben sei keine». weg- Vörker als die der Handgranaten. Bei einet Entzündung sollen höchstens-Türfüllungen herausgedrückt werden können. Vi« Handgranaten seien in Fabriken, di« Bomben behell mäßig Hergestell» worden Ein Eisenbahnatkenkak häkle mit den Bomben nicht ersolar etch durchgeführt«erden können. Ueber- raschend wirkt di« Feststellung, daß nur zwei Bomben und zwei Handgranaten untersucht worden sind. Der Inhalt der anderen steht nicht fest, Rechtsanwalt Schandau bezweifelt deshalb die Identität der untersuchten mit den gesundenen Bomben. Da, Gericht beschließt, näher« Feststellun- gen darüber treffen zu lasse«. In den Verhandlungen der Finanzsachverständigen her Re- gierungsparteien mit der Reich«« gisrung stand am Freitag der neu« Borschlag des Reichssinanzministers Dr. Molden. Hauer über die Deckung des Fehlbetroges der Arbeitslosenversichc- rung zur Erörterung. Cr hat etwa folgenden Inhalt: t Das Reich gewährt der Arbei'slosenversicherung im Jahre 1930 Darlehen ln Höhe von 150 Millionen, im Jahre 19 31 Darlehen in Höhe von 100 Millionen. In den späteren Jahren soyen Darlehen de» Reichs für die Arbeitslosenversicherung überhaupt in Fortfall kommen. 2. Die über die Darlehen des Reiches hinaus- gehenden Fehlbeträge der Reichsänstalt für Arbeitslosenversicherung in den Iahren 1030 und 1031 bzw. die gesamten Fehllxnräge in den späteren Jahren sollen»an der Reichsanstolt selbst beschafft werden. Di« Reichs- anstylt soll ZU diessm Zweck das Recht erhalten, entweder durch Reform ihrer Berwal'ung oder durch Herabsetzung ihrer Leistungen oder durch Erhöhung der Einnahmen diese Fehlbeträge auszugleichen. 3. Di« Mittel für die Darlehen an die Reichsanstalt im Jahre 1030 und 1931 sollen durch den Berkauf von Bor- zugsaktien der Reichsbahn an die Träger der pesflmismus in London. Frankreichs Forverungen»ein Schlag gegen d e Konferenz' London, 14. Februar.(Eigenbericht.) Die Beröffentkichu n g des französischen Memo- r a n d u m s hat die Stimmung auf der Flottenkonserenz ausgesprochen ungünstig beeinflußt. Trotzdem auf französischer Seite die Forderungen Frankreichs als«lostisch bezeichnet werden, war man in nicht französischen Kreisen am Freitag recht p« s s i- m i st i s ch. Die Besprechungen zwischen Macdonald und den Franzosen am Frettag drehten sich hauptsächlich um die Klärung van Einzelheiten de» französischen Memorandum». Die Italiener verbrachten den ganzen Tag in Beratungen über die französischen Forderungen. Das französische Memorandum hat die Konferenz- atmosphär« sichtlich politisiert. Während man bisher die Flotten- fragen an und für sich beraten hat und politische Gesichtspunkt« nur Insofern mitgespielt haben, als sie die Stellungnahme der ein- z einen Mächte zu den einzelnen Problemen der Abrüstung zur See direkt beeinflußten, hat noch allgemeiner Aussassung das franzö- sische Memorandum politische Momente allgemeiner Natur in die Diskussion geworfen. Man scheint in Konferenzkrsisen mehr und mehr zu der Aussassung zu gelangen, daß«in« rein technisch« Erörterung und Festsetzung von Methoden der Tonnageberechrnmg und Tonnagezissern zu keinem Ergebnis führen wird. Weim gewiss« Anzeichen nicht täuschen, so beschäftigt man sich augenblick- lich hinter den Kulissen mit der Frage der Zweckmäßigkeit eine» politischen Abkommens, um Frankreich zu einer Ermäßigung feiner Sortierungen zu veranlassen und den Italienern einen Ausweg aus ihrer schwierigen Lage zu schassen. Gerüchte wollen wissen, daß alle» aus«lue Gerantle der Seemächte an Frankreich»ud Zlallen für den Fall eine» An- griffe» znr See hinanslansen werde. In französischen Kreisen scheint man der Meinung zu sein, daß eln solche» politisches Abkommen die einzige Möglichkeit darstelle, um den Zusammenbruch der«onfereilz zu vermeiden. In einem, dem französischen Memorandum gewidmeten Artikel betont der„voll Herald', man könne sich nicht darüber hin- wegtäuschen, daß di« französischen Forden», gen einen schweren Schlag gegen di« Konferenz darstellten. Da» Blatt der Arbeiterpartei betont, daß Frankreich da« einzige Land sei. da- einer Sperrfrist für Schlachtschiff« Widtr- Sozialversicherung aufgebracht werden. Ob und nüe diese Deträge in den Reichsetat eingestellt werden, ist noch nicht geklärt. Ungeklärt ist auch, was mit den bisher der Reichsanstalt gewährten Darlehen des Reichs geschehen soll. Dieser Porschlag, der den Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf einem anderen Wege als dem bis- her oersuchten erreichen will, wird in den bürgerlichen Regierungsparteien wohlwollend beurteilt. Es ist sedoch anzunehmen, daß er in den Kreisen, die den Abbau der Leistungen der Arbeitslosen- Versicherung für verhängnisvoll halten, auf stark« Geg- nekschaft stoßen wird. Würde er doch, wenn dl« Lag« des Arbeitsmarktcs im Jahre 1932 ungünstig ist., die g a N z»Arbeits- losenoersicherung gefährden. Es ist deshalb mm- nehmen, daß diese Bedenken, zu denen sich bei näherer Prüfung des Borschlages sicherlich noch eine ganze Reih« von anderen zufügen. so stark sein werden, daß die Gegnerschaft gegen ihn weitere Kreis« außerhalb der Sozialdemokratie ziehen wird. Ein« nähere Prüfung des Porschlages soll am Montagoormiltag in einer Sitzung der soziolpoütischan Sachverständigen der Regierungsparteien erfolgen. Die Finanzsachverständigen treten am Montagnochmittag wieder zusammen. stand leiste. Frankreich führe den deutschen Panzerkreuzer al» Entschuldigung an und dies, trotzdem es für den ganz und gar unwahrscheinlichen Fall eines Angriff» durch Deutschland unter den Locarno-Vertrögen die gesamte britische und italienische Floste gegen den einzigen modernen deutschen Kreuzer zur Derfügung habe« würde. Tardieu hat sich am Freitag in Begleitung Briands nach Paris begeben. 1 Llhr Polizeistunde. Beschluß des volkswirtschaftlichen Ausschusses. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags nahm am Freitag einen Antrag Dietz(Z.) und Sollmann(Soz.) an, der die äußerste Grenze für die Polizei st und« auf 1 Uhr nachts festsetzt. Die oberste Landesbehörde oder di« von ihr de- stimmte Behörde kann unter bestimmten Vorausseßpngen«in« Per- längerung oder eine Verkürzung dieser Polizeistund« festsetzen. An- zuhören sind vorher die wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeit- gebe? und Arbeitnehmer des Gastwirtsgewerbes. Der Ausschank von geistigen Getränken in Gast- und Schank- statten sowie der Kleinhandel mit geistigen Getränken darf nicht vor 7 Uhr früh beginnen. Gegen den Antrag hatten die preußische und die bayerische Regierung lebhaste Bedenken gellend gemacht. Frau Abg. Schulz(Soz.) und S o l l m a n n(Soz.) verlangten ein« frühere Polizeistunde, vor allem mit Rücksicht auf die Ange- stellten im Gastwirtsgewerbe und auf diejenigen Einwohner, deren Nachtruhe durch das späte Gasthausleben gestört wird. Abg. Köster(Wirtschaftspartei) hotte die Streichung der Polizeistunde im Gesetz beantragt, er blieb aber mit diesem Antrag allein. Hakenkreuzschwindel festgenageli. Eine Erklämng Professor Vr. RodKruchs. Heidelberg, 14. Februar. 2>er ehemalige Reichsjustizminister. Professor Dr. Radbruch. erklärte in der Heidelberger Presse die in letzter Zell oon national- sozialistischer Seite wiederholt verbreitete Nachricht, er habe für den Entwurf des Fusionsoertrages zwischen der Deutschen Bank und der Diskonto- Gesellschaft 800 000 M. Honorar gefordert und auch er- hallen, für u n w a h r. Er Hab« bei diesem Bertrag« überhaupt nichtmitgewirkt und daher Honorar weder gefordert noch tf hatten. Vorschläge und Anschläge. Llm die Finanzierung der Arbeiislosenversicherung. Der Reichsfinanzminister bietet in seinem neuen Vorschlag«ine Art Erweiterung der Selb st vermalt u"ng der Reichs- anftalt an, die die Sozialdemokraten ablehnen müssen. Die Ar- beiterschast muß auf der Hut sein, denn bei genauerem Ausehen ent- puppt sich so mancher Vorschlag zur Sanierung als ein Anschlag zur Strangulierung der Arbeitslosen— und der gesamten Sozialoersicherung. Auf Leistungsabbau zielt im Äern der neue Vorschlag des Reichssinanzministers, wonach die Reichsanftalt das Recht er- hallen soll, den nach dem Vertauf von 250 Millionen Vorzugsaktien der Reichsbahn an die Sozialversicherung(!) noch ver- bleibenden Fehlbetrag selbst zu beschaffen. Dieses Recht bedeutet scheinbar eine Erweiterung- der Selbstverwal- i u n g: in Wirklichkeit geben im Kampf zwischen Unternehmern und Arbeitern in der Reichsanstalt die B e a m t e n den Ausschlag. Ueber den Vorschlag Moldenhauers ließe sich reden, wenn in der Arbeits- losenversicherung, wie es in der Verfassung eigentlich vorgesehen ist, die Versicherten einen maßgebenden Einfluß hätten. Im Artikel 161 der Reichsvcrfasiung heißt es:.Zur Erhaltung der Gesundhett und Arbeitsfähigkeit, zum Schutz der Mutterschaft und zur Vorsorge gegen die wirtschafttichen Folgen von Alter, Schwäche und Wechselsällen des Lebens schafft das Reich ein umfassendes Versicherungswesen unter maßgebender Mitwir- kung der Berftcherten.* Em solcher nraßgebender Einfluß der Versicherten existiert heute noch nicht in der Reichsanstalt. Der Effekt des Vorschlags des Reichsfinanzministers wäre daher praktisch nur eine Ausschaltung des politischen Einflusses der Arbeiter in der Gestaltung der Beitrags- und Leistungsfragen der Arbeits- losenversicherung und die Oeffnung eines Weges zum Lcistungsabbou. Dafür kann sich die Arbestcrschaft unmöglich begeistern. Nicht auf dem Weg einer Loslösung der Arbeitslosenver- sicherung von der unmittelbaren Reichshilfe kann die Sanierung erfolgen. Die Hilfe zur Linderung der Arbeitslosennot in Krisenzeiten des Arbeitsmarktes, wie wir sie jetzt haben, ist eine Sache, die a l l e angeht. Die Hilfe der Volksgesamtheit kann aber nur auf dem Weg über dos Reich, d. h. durch eine ent- sprechende S t eu« r g e st a l t u n g, erfolgen. Man könnte auch an ein Notopfer zur Linderung der Arbeitslosennot denken. Eine solche Krisenhilfe der Volksgesamtheit würde keine Beeinträchtigung des Versicherungschgrakters der Arbeitslosenunterstützung darstellen. Auch die kapitalistische Privatwirtschaft wird nickst abgebaut, weil Reich, Länder und Gemeinden den Unternehmern bei Elementar- katastrophen und außerordentlichen Notlagen zu Hilf« kommen. Was bei Unternehmern recht ist, kann bei Arbeitslosen nicht unbillig sein. Ltniernehmersolidantät über alles Wenn es grg-n Arbeiter geht. Zum 1. Februar 1930 kündigte die Firma Salz- mann u. Co. in Einbeck ihrer gesamten Belegschaft, weil dies« einen sich gegen sie auswirkenden Schiedsspruch des Schlichtungsausschusies Göttingen abgelehnt hotte. Auf Grund dseser Ablehnung wurde die Arbeiterschaft von der Firma einfach ausgesperrt. Die Firma Salzmann u. Co. gehört nicht dem Textilarbeitgeberverbond für Südhannover E. V. an, aus dem sie, wie der Verband schriftlich bestätigte, am 31. Dezember 1929 aus- geschieden ist. Trotzdem hielt es der Textilarbeitgeberverband für Südhonnoyer für angebracht, unterm 5. Februar 1930 ein Rundschreiben herauszugeben, in dem es heißt- „Obwohl der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusies in keiner Weise für die Firma befriedigend war, nahm sie nn oll- gemeinen wirtschaftlichen Interesse dennoch den Schiedsspruch an. Demgemäß ersteh sie eine Bekanntmachung, nach der ab 3. Februar die durch den Schlichtungsausschuß festgesetzten Löhne gelten sollten, bot also auf dieser Grundlage der Belegschaft die Weiterorbeit an. Trotz dieses Entgegenkommens seitens der Firma Salzmann u. Co. ist nun die ganze Belegschaft in Streik ge- treten. Es besteht die Möglichkeit, daß ein großer Teil der streikenden Aobciter versucht, anderweitig Arbeit zu be- kommen. Unsere Mitglieder sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die bei der Firma Salzmann u. Co. Streikenden bei chnen nicht eingestellt werdend Dieses Rundschreiben ist irr seinem Inhalt unwahr. Es trifft Nichf zu. daß sich die Helegschaft der Firma Salzmann u. Co. im Streik befindet, vielmehr hat die Firma ihre Belegschaft aus- g« f p« r r t. Der Deutsch« T ext ila rb e i te r- L« rba n d wird diese Handlung nicht stillschweigend hinnehmen, sondern den Arbeitgeber- verband regreßpflichtig machen und gegen den Geschäfts- führer Dr. Hammer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft stellen. � Bergbaugeseh im lNeichswirischastsrat. Arbeitszeit I'/, Siunden. Der Sozialpolitisch« Ausschuß des Dorläufigen Reichswirts chasts- rats beendete Freitag feine Beratungen über den Entwurf eines Bergarbeitsgefetzes. Besonders umstritten war die Frage,»b sür öen Bergbau«in öondergeseg neben dem Arbeitsschutzgesetz erforderlich wäre. Während die Arbeiter die Regelung der den Bergbau betresfcnden Fragen im Arbeitsschutzgesetz verlangte, war die Mehrheit entgegen- gesetzler Meinung. Beim 5 1(Gellungsbereich) verlangten die Arbeitervertrcter die Schaffung einheitlicher reichsgesetzlicher Bestimmun- gen. Der Antrag wurde abgelehnt. Umstritten war die Frage der Berechnung des Entgelts für geleistete Förderung. Während der Entwurf die Bezahlung der geleisteteten Fördermenge noch der Anzahl der Wogen Kohlen zuläßt, hielten die Arbeiter di« Bezahlung nach Gewicht für erforderlich. Dieser Antrag wu.rde zwar abgelehnt, in einer Entschließung jedoch der G r u n d s o g der Bezahlung des Fördergutes nach Ge- wicht anerkannt. Noch§ 13 ist für jeden Betrieb«in Betriebsplan vor- � Entwurf überläßt es der Gesetzgebung der igen über seinen Inhalt zu erlösten. lblehnung weitergehender Anträge wurde die Dauer der Arbeitszeit auf 7)b Stunden festgesetzt, mit der Möglichkeit einer Verlängerung. Abgelehnt wurden An- trage der Arbeitervertreter, die verlangten, daß an Betriebspunkten mit einer Temperatur von über 32 Grad Celsius eine weiter« Verkürzung der Schichtzeit eintreten müsse. Zlngenommen wurden ein Antrag der Arbeiter die an der Förderung beschäftigten Arbeiter über Tage in der Dauer der Schichtzeit g l e i chz u- st e l l e n mit der der unter Tag« lwfchäfticsten Arbeiter und ein Antrag d«7 Uutern«>iin«rverlr«ter, das Versich�en von..Ueder- i ch t ch t« n" statt„U e b e r st u n d e n" für di« über Tage be- schästiaten Arbeiter zuzulassen. Angenommen wurde ein An- trag, der dos Verbot der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter unter 18 Iahren an Betriebspünkten mit einer Temperatur von über 28 Grad Celsius verlangt. Eine Mehrheit fand auch ein Antrag der Arbeiteroertreter, der die Unterrichtszeit an Berufs, und Fortbildungsschulen als Arbeitszeit angesehen wissen will. Die Arbeitervertreter verlangten zur Durchführung des Arbests- ichutzes«in«« i n.h« i t i i che R« i chs a r b e i t s a u f s i ch t. wobei sie für den Bergbau eine Sonderaufsicht zulassen wollten. Die Abteilung 3(Vertreter d«r Derbrauchericbast und der freien Berufe) anerkannte die Zweckmäßigkeit einer einheitlichen Gestaltung und Durchführung d«r Arb«itssiifsicht und wünschte ihre alsbaldige 'Verwirklichung. Ihre Entschließung fand«ine schwache Mehrheit. Eine neue Großorganisation? Für die Lederindustrie. Eine neue Verschmelzungsbewegung ist, wi« die „Gew«rtschaft»zeitung" in ihrer soeben erschienenen neu«,, Nummer(7i vom 15. Februar auf Gnind einer Zuschrift mitteilt, bei den seder-, Schuh- und Sattlerarbeiten im Gange. Vertreter der sür diese Arbeitergruppen in Frage kommen- �cacy g iv gl für je geschrieben. Der Entw Länder, Bestimmungen üi Unter Ablehnung we den Verbände haben vor kurzem über die Mögllchkett eines Zu sammenschlusies beraten. Schon vor einer Reihe von Iahren hatten Gewerkschaftsoersommlungen der beteiligten Organisationen Be schlllsse gefaßt, in denen die Bereitwilligkeit ausgesprochen wurde, an der Schaffung von Industrieverbänden mstzuarbeiien. Für die Vorberatung waren von den einzelnen Verbünden Richtlinien ausgearbeitet worden, mittels deren jetzt dem ganzen Fragenkomplex nähergetreten wird. Man war sich ei n i g in der Beibehaltung der sozialen Unter st ützungseinrich- t u n g e n und in der Gestaltung der Beitragszahlung. In dem zu errichtenden neuen Verband soll vor allein die g e w e r k schaftlich« Kampfbereitschaft gesichert werden. Der Eigenart der verschiedenen Branchen und Berufsgruppen soll auch im neuen Rahmen Rechnung getragen werden. Eine engere Komniissiön aus je 3 Vertretern der beteiligten Verbände wird nunmehr ein provisorisches Statut ausarbeiten und den Vorständen zur Begutachtung unterbreiten. Die endgültige Beschlußfassung bleibt einer Urabstimmung vor- behalten. Bei der Abstimmung müssen sich von jedem Verband min- destens drei Viertel d».r Mitglieder beteiligen und hiervon drei Viertel für die Verschmelzung erklären. Gewaliiger Sieg der KPO. Zm Zeichen potemtins. Am Donnerstag sollte in den Hohenstoufensälcn am Kottbuser- Damm elne große, kommunistische Retlameaktion steigen. Die KPD. hatte«ine öffentliche Betriebsversammlung der Karstadt- Belegschaft einberufen. Tausend« von Flug- blättern waren in den Tagen zuvor an die Arbeiter und Ange- stellten von Karstadt verteilt worden. Die Versammlung wies dann auch einen ungeahnten Besuch auf. Unaufhörlich„strömte" von der rund 4000 Köpf« zähieirden Belegschaft alle fünf Minuten wieder jemand tn den Versammlungsraum, bis schließlich schon eine halbe Stund« nach dem festgesetzten Versammlungsbeqinn IS Angehörige der Belegschaft von Karstadt und 10 Betriebsfremde anwesend waren. Noch einem mit den bekannten Schmeicheleien der Sozial- faschisten gespickten„Referat" des kommunistischen Reichstagsabge- ordneten Torgler wurde dem 2.5-Männcr-Kollegium eine„Ent- schließung" vorgelegt, in der gegen das Verbot der kommunistischen onttsaschistischen Jungen Garde protestiert wurde. Da angesichts des kommunistischen Sturmtrupps niemand mit Nein antwortete, wurde die Resolution als„einstimmig angenonrmen" erklärt. In knalliger Aufmachung wurde dieser Sieg gestern auch ent- sprechend in der„Roten Fahne" gemeldet unter der Valkenüber- schrist:„Sturm gegen das Verbot der„Antifa". Die„revolutionäre Welle" brandet gor fürchterlich— im Organ der Sowjetbotschaft. Die will etwas für ihr Geld sehen. Da muß eben der selige Potemkin helfen. In diesem Zeichen erringt die KPD. gewaltige Siege. Aufstieg der Gewerkschastsiugend. Gauleiterkonferenz zur Förderung der Zugendarbeit. Am Msttwoch tagte im Gewerkschafishaus eins Kon- ferenz der Gauleiter der freien Gewerkschasten, die sich mit den Aufgaben der Organisation der freigewerkschaftlichen Jugendarbeit beschäftigte. M a sch ke vom Bundesvorstand des ADGB. referierte über die Entwicklung der freigowertschastlichen Jugendarbest im Reich. Ueber die Orgamsctionssorm ist eine Klärung eingetreten. Grundlage der freien Gewerkschoftsjugend ist die Arbeit des einzelnen Verbandes. Die Jugendarbeit der freien Gewerkschaften ist notwendig, un, zestig mit der F n n k t i o n ä r s ch u l u n g zu beginnen. Die Entwicklung der Sozialgesetzgebung fordert von den Gewerkschaften einen besser vorgebildeten Funktionärstamm als früher. In den nächsten Iahren erwachsen besondere Aufgaben auf dein Gebiet der Jugendfürsorge und Jugendpflege. Maschk« ermnerte an das Berufsaiisbildungsgesetz, das Arbeitsschutzgesetz, an die Entwicklung des Lehrlingsrechts und an die Mitwirkungsmäglichkeiten in den Gesellen- a u s s ch ü s s« n. Wir müssen jüngeren Funktionären Gelegenheit geben, in den zu schassenden Körperschaften mitzuwirken und sie auf diese Mitwirkung vorbereiten. Wesentliche Erfolge können kn« Gewerkschaften aul dem Gebiete der Berufsausbildung aufzeigen. Wöklner berichtete über die Entwicklung der freien Gewer?- schastsjugend im Bezirkt In den letzten zwei Iahren hat die Bit- dung von lebensfähigen Gcwerkschafts- Iugendgruppen einen großen Aufstieg genommen, ebenso die Bildung von Iugendkartellen der freien Gewerkschasten. Es fanden mehrfach zentrale Iugendleiterkurfe statt. Auch die ein- zelnen Verbände haben sich aktiver als früher auf diesem Gebiet gezeigt. Es kommt daraus an. eine gute und systematische Z u- sammenarbeit zwischen allen Verbänden zu erreichen. Die Zusammenarbeit ist notwendig, um den in der letzten Zeit er- nmgcnen Einflliß aus die Orts-, Kreis- und Bezirkcmisschüsfc für Jugendpflege und die Jugendämter- zu verstärken. Stark kritisiert wurde die jetzige Verwendung der ftaallichen gugendpflegemittel, die zum großen Teil für Zwecke ausgegeben werden, di« von uns nicht unterstützt werden können. Notwendig ist es, zu verlangen, daß der Staat den vorhandenen und guk arbeitenden Iugendverbänden stärkste finanzielle Unterstützung ge- währt. Westerhin wurde berichtet über die Zusammenarbest mit den anderen Arbeiterjugendorganisationen im Bezirk und über die Mit- wirktmg der Gewerkschaften im Reichs- und Landesausschuß der deutschen Iugendverbände. Zu den einzelnen Punkten fand ein« rege Aussprache statt, in der die Gauleiter aus ihrer Facharbeit berichteten. Der Iugend- sekretär des Berliner Ortsausschusses, PickerL gab einige praktische Hinweise aus der örtlichen Berliner Arbeit. Bis zum Alter von 18 Iahren find in der Provinz Brandenburg und in Berlin je etwa 18000 Gewerkschaftsmitglieder zu Beginn des Vorjahres gezählt worden. Die Zahl dürfte in diesem Jahre noch höher sein.___ Gewertschafispresse beim Arbeitsminister. Anläßlich einer Konferenz der Gewerkschaftsredakteure des ADGB. erfolgte ein Empfang beim Reichsarbeitsminister. Die Zu- sammenkunft war vom Fachausschuß der Gcwerkschofts- presse des ADGB. angeregt worden. Geladen war die Gewerk- schaftspresie aller Richtungen. Der Reichsarbeitsminister W i s s e l l begrüßt« die Redakteuve und wies auf die enge Verbundenheit des Reichsarbeitsministeriums mst den Geroerkschaftszeitungen hin. Das Ministerium sei in weitestgehendem Maße auf die Mitarbeit der Gewerkschastspresie angewiesen. Ein Rundgang durch die Ausstellung:„Die Arbeitsgebiete des Reichsärbeitsministeriums" schloß sich an. Die münd- lichen Darlegungen des Ministers wurden durch den Besuch der Ausstellung wesentlich vertieft. Es ist das erstemal, daß ein Ministerium mit der Gewerkschastspresie in engere Verbindung trat. Die Bedeutung dieser in hohen Auflagen verbreiteten Press« wird nickst nur im öffentlichen Leben, sondern auch bei den Behörden verkannt. Es ist erfreulich. daß das Arbcitsministerium hierin einen Wandel angebahnt hat. Die Redakteure äußerten den Wunsch, daß diese Zusammenkunft den Anfang für eine bessere Zusammenarbeit darstellt und die Gewerkschastspresie durch das Reichsarbeitsministerium besser als bisher informiert wird._ Tarifkündigung bei Nolle. Die Funktionär« der Belegschaft der Meierei C. Bolle in Moabit haben e i n st i m m i g beschlossen, den am lö. Oktober 192S ob- geschlossenen Manteltarif zum" 31. März zu kündigen. Die freigewerkschastlichen Tariforgonisationen sind beauftragt worden, eine grundlegende Berbesjerung der sozialen Bc- st i in m u n g e n des Tarifvertrages zu sorderu. Di« Arbeiter der Meierei Bolle verlangen eine Angleichung an die bedeutend besseren Urlaubsbestimmungen der übrigen Berliner Meiereibetriebc, die Erhöhung des Zuschlages für Mehr- arbeit über ackst Stunden von 12% auf 23 Proz., Verbesserung der tariflichen Bestimmungen über den 8 616 BGB., Erweiterung des Kreiscs der Arbeiter, di« Anspruch auf eine besondere Schmutz- zulage haben, die Umstellung der einzelnen Lohngruppen und eine Heraussetzung doe Provisionssätze für die Verkaufs- fahr«. Bisher erhielten die Verkaufschouffeure bei einer Einnahme von mehr als 140 Mark pro Tag und die Verkaufskutschcrihii einer solchen von mehr als 155 Mark% Proz. Umsatzoergütung. Beantragt ist jetzt, die Zahlung einer einheitlichen Umsatzvergütung für Chauffeure und Kutscher, und zwar von 1 Proz. bei«niem Umsatz von mehr als 100 Mark täglich. Die Forderungen sind der Direktion der Meierei Bolle bereits linterbreitet worden. Ein Verhandlungstermin ist aber noch nicht festgesetzt._ Guter Abschluß der Maschinisten und Heizer. Der Zentraloerband der Maschinisten und Heizer hat auch im vergangenen Jahr« eine günstige Entwicklung genommen. Seine Mitgliederzahl stieg auf 5 2 816. Die Ein- und Ausgaben bilan- zieren mit 2 255 659,14 Mark Dem Vermögensbestande konnten 519374,96 Mark beigefügt werden. Das bedeutet, daß der kampfsond» um runi» 10 Mark pro Kops der Mitglieder erhöhl werden konnte. An sozialen Unterstützungen wurden rund 562000 Mark ausgegeben, für Kampfesmaßnahmen 312000 Mark. Zur Invalidenunterstützung waren 123 000 Mark erforderlich. Alles in allem eine erfreuliche Entwicklung der Organisation und der Finanzlage des Verbandes, die um so höher anzuschlagen ist, weil gerade di« Berufsgrirppe der Maschinisten und Heizer außerordentlich stark durch die Auswirkunzen der Rationalisierung und Elektri- fizierung der Betriebe dezimiert wird. �reieGewertschasis-Zuaend Berlin Seute. um ISVj Uhr, Aeltcren.ArkxitsarmcinsKaft im Srmertlchafts- hons. Vcrlchrsbuud-Zuamtcheim, Engelufer S4-Z», Airfganq Ii. pari. Thema: KemrrkfäofNiche Kraenwartsfioacn".— Mor»en. Eonnlaa. INN 20 Uhr, findet in der Aula des Lefllna-Sumnaliums. Pankftr, 1», eine Lrranftaltuna statt:..Was bedeutet uns Musik?- Bortraa Professar Leo Keir-bera. Mitwirkun» der bekannte« Eänaerin Ida Harth ,ur Nied:«. Uukostenbeitraa 80 Pf.«arten an der Abendkasse.—«orten für di- Iuacnd- norftelluii« der Botksbühne am Tonnta». 2Z. llrbruar. find ausvrrkauft. .�u�en�ruvvp der Anoei�ekli-n Heute. Connabend, ab M Uhr, PolkstvnFkursus im Auflendhcim Lehrter Str. 18— 1!) und ab 20 Uhr Bunter Abend b:u>. Bolkstanilabcnd im Iuacndhe.m Wrangelftr. 128. Lerantwortlich tllr Politik:?r.«ort Seper: Dirtsihaft-«.«linqelhSser: Gererkschallsbewegung. Z. Steine»: ilenilleton: Dr. John Sedikoioski: Lokale, und Sonftiaes itri»«arslädt: Antciaen: Th stocke: sümlii-h in Berlin. «ctlofl: Borwärts-Perlaq®. m b. S Berlin Bruck: Porwäris-Buckidruckeret und Berlaasonftalt Paul Siiiflrr u. Co.. Berlin 2® 68 Lindeussran» t bier«, I Beiloae und.Untcrhaltuna und Wisse»' f iJl' Pfarrer Heumann's Hellmittel l ewährt b«i zahlreichen Krankheiten./ 180000 Dankichreiben./ Das Pfarrer Heumonn-Buch (272 S, 1 50 Abb.) erhält jeder, der sich auf diese, Inserat beruft, völlig umsonst und portofrei durch l.udwig Heumann&Co., Nürnberg S 10 Die Pfarrer'• iz;e in allen flpo'heken Be-Iins be.-tmunt Zlens-Äpofheke, Berlin N ttl. An- klamer Straße 89. Nähe Rosenthaler Platz. Adler-Apotheke, Berlin- Friedenau. Rlieinstr. 18. Hecges-Apot eke. Berlin O. Oubener Str. 33. Nähb Warschauer Brücke. Schwciicr- Apotheke, Berlin W 8, Kitedriehstr. 178. Fried: ich-Wi helm-Apolheke, Chariottenburg, Leibnizstraße 106. Krohnen Apatheke. Saanilau, Sohönwalder Straße 26. Rosen- Apotheke, Bichwalde-Berlin. Nr. 77*47. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Gonuabeud, 45. Februar 1930 Der neue Weg zum Spittelmarkt Di« W«Herfükrun.g der Lindentir a P e über die Kommandontejitiraße hinaus zur Beuthstraße und mm S p i i i e I- mgrki ist so meii. gediehen, daß jetzt der Biuserblodr ztoisdien Kommandantenstrape lind Beufhstraße durrhbrochen ist. Die Durcbhrurh arbrilen hatten in der Kommandanten- strapg begonnen, wo das der Stadt gehörende und an die Firma Sklarek vermietet ge- nyesene Baue fiel, und find dann in. der Beuihstraße fortgesetzt worden, ü nscr Büd zeigt den. jetzt freigemordenen. Einbilde non der Beuihstraße aus über die DurdihrudisteTl« hinmeg in die Lindenstraße hinein. Mit dieser Undenstraßenoerlängerung wird der direkte Weg vom Hallesehen Tor zum. Spittelmarkt wieder' hergestellt, der sdion einmal oor Jahrhunderten bestanden hat. Die Durchbruchstelle der Lindenstraße Seit Zahren Höhlenbewohner. Der Man« mit de« viele« Tanten. Im vergangenen Jahre wurde im Walde bei Topper (Kreis Krassen)«in« Höhle gefunden, die von menschlicher.Hand hergestellt war. Der Bewohner hatte dort allerhand Beute zu- sowmengetragen, die aus Diebstöhlen in der Umgegend herrührte. Er selbst war verschwunden und tauchte erst spater wieder in,.Kreis« Neppen iu P i n n no w aus. Wieder baut« er eine Höhl« im Walde und wurde nun einem Förster darin ertappt. Der Beamte »icchm dem völlig verwilderten Manne eine Pistole ab. Kurze Zeit daraus wurde der Waldmensch bei einem Einbruch in Nepnsn erwischt. Er flüchtete und liest einen Rucksack mit Beut« im Stich, wurde jedoch eingeholt und sestgcnoonnen. In der Höhl« im Wolde hatte man einen Zettel gesunden mit den Worten:„Hier i st mein Vaterland, hier habe ich täglich mit den Fliegen gekämpft/ Obwohl der Festgenommene durch Hand- ichristennergleichung überführt ist. diesen sonderboren Zettel gc schrieben zu haben, bestrettet er alles. Noch seiner Darstellung will er im Jahr« 1998 aus Plvschowenzen ausgewandert sein. In der Zest'rm will er in Berlin gewesen und sich hier als lstetegenhettsorbeiter durchgeschlagen hoben. Eine Schwester von ihm soll in Eharlnttenhurg verheiratet sein. Genaues will aber der angebliche Bruder nicht misten. Seine Angehörigen will er fett jener Zett nicht wehr gesehen oder gesprochen haben. Im Jahr« ISIK will er als Soldat m r u s f i s ch e Gefangenschaft geraten sein und am Schwarzen Meer in einem Lager Unterkunft gefunden haben. Ob diese Behauptuiuje» der Wahrheit entsprechen, hat sich trotz der angestellten Nochkorschungen bisher nicht ermitteln lallen. Auf Gnmd eines Ausschreihens ist jedoch festgestellt, dast der Höhlenbewohner, sich im Jahr« 1911 Ezicho» nannte. Em Jahr darauf wurde er in Striegau unter den, Namen Äalinowski wegen Diebstahls od- gewteilt. 1916, also zu einer Zett, als er am Schwarzen Meer gewesen fein will, faßt« mau einon gewiss«, K o r p i n s k i beim Diebstahl ab und führte ihn dem Gericht vor. Unter dem gleichen Nomen wurde der Mann in All en stein zu einer Gefängnisstrafe wegen Diebstahls verurteilt. Wie er nun wirklich heißt und was er in den mehr als dreißig Jahren, die seit seinem Derlosten der Heimat verstrichen sind, getrieben hat. wird noch Gegenstand einer Untersuchung sein. Im Kohleuschacht eingeschloffen. 15 Bergarbeiter von der Außenwelt abgefchnitte«. Paris. It. Februar.(Wlgenbericht.) Z« der Kohlengrube von Rive de Giers bei St. Ortienn« hat sieh ein schweres Vinpnrzunglück ereignet. Fn der Nacht znn» Freitag stürzt« ein Teil eines Schachtes in einer Länge von 4 bis 5 Metern ein. Die Ginsturzstetlc ist?st bis 8Y Meter vom Schachtcingang entfernt»nd hat tS Arbeiter von der Anßenwelt ab- geschnitten. An« Glück blieb die Luftröhr« unbeschädigt. die znr Einführung der komprimierte« Lnft in de» Schacht dient, so daß die abgeschnittene» Arbeiter außer- halb jeder Grftickungsgefahr find. His gelang auch, durch die Luftröhre Nahrungsmittel nnd Erfrisch»»- gen in kleine« Q-nantitäte« in de» Schacht z« befördern nnd die Röhre als Sprachrohr zw benuhe».»« sich mit den verschüttete» zn verständige» nnd sie über die Fort- schritte der vefreinngsarbeite» zn»nterrichten. als <" � beiterfchaft erstrebten und seit zehn Jahren gesetzlich gewährleistet eu Mitwirkung im Betrieb' darstellen. lieber«Die britische Labour Party und das Kabinett ZUacdouatd" spricht Dr. B r« i t s ch e i d, M. d. N. am Dienstag, 18. Februar, Ä> Uhr im Universitatsnebengebäude. Dvrotheenstr. 6. Llm Berlins Neugestaltung. Gin Beferentenentwurf des Innenministeriums. I« preußische« Innenministerium ist jetzt ein R e f e. rentenentwnrf vorläufig fertiggestellt, der eine Rengeftaltnng der Berliner Verwaltung außerhalb der bevorstehende« große« Reform der Städte- ordnnng vorsteht. Der Entwurf hat jedoch die einzelnen Ressorts und das KobiueU noch nicht passiert. Der preußisch« Innenminister selbst hat seine Entscheidung über die Einzelheiten noch nicht getroffen. Es ist also müßig, schon jetzt über den Inhott dieses Regierungsentwurfs zu diskutieren. In der Presse bernts ausgetauchte Mitteilungen he- ruhen zunächst aus leeren Kombinationen. Als sicher kann man jedoch ansehen, daß ein« völlig neue Einteilung der Bezirke mtt dem Ziel der Vereinfachung vorgesehen ist. Die ein- zelns Gliederung und Einteilung der Bezirke sieht der Entwurf nicht vor, er setzt lediglich ein« Höchstzahl fest. Weiter dürfte nach der bisherigen Fassung des Entwurfs der Magistrat in seiner heitti gen Form nicht weiter bestehen bleiben. Gestern trat im Rathaus«ine„gemischte Deputation". der Vertreter des Dtagistrats, der Stodoerordnetenverfcunmlung und der Bezirksbürge rineister angehören, zu einer kurzen Sitzung zulammen, um zu dem Entwurf dos Innenministeriums Stellung zu nehmen. Da den Mitgliedern dieser Deputation aber gleichfalls der Inhalt des Entwurfs noch unbekannt ist. fand di« Besprechung«n schnelles Ende. Die Sprecher aller Parteien äußerten den Wunsch. recht bald üb« die Absichten des Ministeriums unterrichtet zu werden. Ein Strafanstaltsidyll. Du Skonvalaffären eines Oberwachtmeisters. Ein Prozeß mtt dramatischem Einschlag kam vor dein erweiterten Brandenburger Schöfsengericht zur AerhanMung. Angeklagt wegen Betruges, schwerer Urkundenfälschung und versuchter Verleitung zumMeineid war der SZsührige Strafanstaltsob erwachtmeister Adolf Trümper von der Strafanstalt Brandenburg. In der Strafanstoll war sett einigen Jahren der Schährige Kaufmann B. untergebracht, für den der Angeklagte zahlreiche B r i e f e an die Ehefrau in Stettin beförderte, ohne sie die Zensur passieren zu lassen. Mtt dieser Frau, die heute an einen, Berliner Theater beschäftigt ist, trat dieser Hüter der Ordnung hinter dem Rücken des Gefangenen in Verkehr. Er empfing die Frau in Brandeittiurg, während sie angeblich zum Besuch ihres gefangenen Ehemannes die Reise von Stettin angetreten hatte. Eines Tage-., stellte ihr der Angeklagt« über einen Besuch in d»r Anstatt«ine Quittung aus und unterschrieb diese mtt einem falschen Namen. Am diese Quittung hi» bezog die Ehefrau in Stettin Srankengeld, das ihr sonst verweigert worden wäre. Ferner soll der Angeklagte, als die Sache ruchbar wurde, den Ehemann zmn Meineid zu nvrleiten versucht haben. Statt vierzig bis fünfzig Briefe sollte er drei bis vier nur beschwören. Es kam zu dramatisch«n Szenen, als der Gefangen« den Verführ« seiner Ehefrau wiedersah. Dieser Gefangene, ein hochiittelligenter Mensch, beschuldigt den Angeklagten hartnäckig der Metneidsverleitung und beschuldigt ihn ferner der llnterschlogung von Geldern, die die. Schwester eines zum Tode verurteilten Fleischers Michael Wittkowski zum Betreiben des Wiederauftrohmeverfohrmw gegebe» haben soll. Der genasführte Ehemann ruft mtt erhobener Stimme iu den Derichtssaal:„Mit de» Liebesnächten meiner Frau hat sich dieser Oberwachtmeister ü» Schlafsaal der Gefangenen gebrüstet, so daß ich mir Hänseleien gefallen lassen mußte." Auch der zum Tode verurteille Wittkowski wurde vernomweiu Der Anklagevertreter, Staatsanwallschafisrat Roether, führte aus, daß ihm eine derartige Gemeinheit, wie sie der Angeklagte Msu'O* Letzt war der Kampf gleich, da der Portuglese seine Keule geschickt führte— vergebens oersuchte der Schlosser, seinen Rivalen zu treffen, ohne eins mit dem Knüttel zu bekommen. Schon hatte er einen Schlag auf den Kopf und einen auf den Körper erhalten und blutete heftig. Die Menge atmete er» leichtert auf, als sie sah, daß sich die Schlacht zugunsten des Hausbewohners wandte. Zeronymos brutale Kraft war wirk« fam. Unermüdlich schwank er seinen Pflock, während Firma sichtbar erlahmte. Die Kräfte des Schlossers ließen nach, und er tanzt« nicht mehr mtt der früheren Munterkeit. Plötzlich traf ihn ein Schlag in die Hüftgegend, und er fiel unter ge- dämpftem Geschrei der Zuschauer zu Boden. Aber seine Be- hendigkeit ließ ihn noch immer nicht im Stich, und sein ge- fchnvidiger Körper schoß unter der schwingenden Keule vor- wärts. L« seiner rechten Hand blitzte etwas auf, und der Portugiese fühlte über dem Unterleib einen scharfen Stich von links nach rechts � Während der Steinbrecher zu Boden sank, eilte der schlanke Mulatte zur Hintertür der Siedlung und verschwand im Feld. Die Rufe:„Haltet ihn! Packt ihn!" waren umsonst — er war fort. Piedab« hatte fuft über die blutende Gestalt ihres Gatten eworfen während Rita, bi» jetzt nicht mehr lächelte nieder- niete und dem gefallenen Riesen das Haar aus der Stirn strich. „Holt doch einen Arzt", bat sie. In diesem Augenblick wurde heftig ans Tor geschlagen, und wiederholte siütfe:„Oeffnen. öffnen!� ließe» sich ver- nehmen Die Tür war schwer und stark und gab nicht nach. Joao Romas lief über d-n Hof wie ein General, dessen Kräfte Zu erschlaffen drohen. ..Di« Polizei darf nicht hmem. laßt sie nicht hinein. Haltet die Tür geschlossen.� „Rem. nein, sie dürfen nicht hineinkommen", meinten die Hausbewohner einstimmig.„Hattet di« Tür, laßt sie nicht öffnen/ Leronymo wurde von den Männern in sein Bett getragen und lag dort stöhnend in den Armen von Piedade und Rita. ,-Haltet das Tor— wir kommen", und von jedem Winkel ß des Hofes eilten Männer, die mtt Knütteln, zerbrochenen Rohren und allem möglichen anderen bewaffnet waren, das als Bertcidigungsmtttel dienen konnte, herbei. Em gemein sanier nachbarlicher Geist trieb sie an. ihr Heim zu schützen. Für immer würden sie sich entehrt fühlen, wenn die Polizei käme und sich in ihre Angelegenheiten mischte, zu deren Rege- lung sie sich allein für zuständig hielten. Solange es sich um einen Streit zwischen zwei Männern um eine Frau Handelle, lag kein Grund vor einzugreifen— der Gewinner bekam die Frau, und der Verlierer mußte seine Ansprüche aufgeben. Wer jetzt log der Fall ganz anders. Eine feindliche Macht drohte m ihr gemeinsames Haus einzu- dringen, und sie standen wieder wie ein Mann auf, um es zu verteidigen. Außerdem war die Polizei sowieso der Gegenstand des .Hasses aller Hausbewohner. Wenn jemals Unordnung herrschte und die Polizei zugelassen wurde, um sie zu beheben, machte sie sich gewöhnlich aller Arten von Exzessen schuldig. Die Beamten drangen in die Zimmer ein und zerbrachen alles, was in Reichweite war; jedes Haus, das sie besucht hatten, war nachber vollständig ruiniert. Es herrscht« von jeher Fehde zwischen Polizei und Bürgerschaft, und der feste Entschluß, ihr Eigentum zu beschützen bestärkte d'e Arbeiter in ihrem Widerstand. Während di« Männer das Tor hieven, schleppte» die Frauen alles Schwere be�an. das als Verstärkung dienen konnte. Steine. Karren. Fässer. Holz, leere Flaschen, jeder Gegenstand, der sich transvoctieren ließ, wurde hinter die schwere Tür auf einen Haufen geworfen, um eine Barrikade zu bilden, falls das Tor eingedrückt würde. � � Wer die Belagerer hatten jetzt ebenfalls Bersiärkunq bekommen, und der Druck von außen wurde immer gewaltiger. Die Tür witterte bog sich nach innen und fing allmählich an sich zu öffnen. Wer die B-rteidigunq der Hausbewohner war noch v'cht am Ende. Außenst'henbe die aus Reug'erde hereingekommen waren, machten jetzt mit den Verteidigern gemeinsame Sacke denn sie wußten genau daß sie m't den Gefangenen abae'chleppt würden falls die Pali,ei die Schlacht gewann. Die Pflöcke, die die einzelnen Gärten umgaben, waren bald in den Händen der Belagerer. Machona hatte die Röcke bis über die Hüsten aufgelckürzt und es war jetzt klar, was sie mtt ihrem Ei'en tun wollte. Das Dores, mtt der bei Kämpfen nie viel gerechnet wurde, erwies sich als eine der kühnsten Amazonen. Endlich gab die Tür nach und fiel mtt großem Krach zur Seite. B'er Polizlten brachen damit ein und wurden mtt einem Hagel von Steinen und Flaschen empfangen. Wer es folgten noch andere, bis sich zwanzig innen versammelt hatten. Ein Sack mit Kalk, der über sie ausgeschüttet wurde, sprengte sie auseinander. Jetzt wurde der Kampf ernst. Die Brustwehr aus Plunder und Gerümpel lag noch vor der Angriffspartei, und chre Säbel konnten darüber hinweg noch nichts bewirken, während die gutgezielten Geschosse der Verteidiger in den Rechen von Gesetz und Ordnung manches Opfer forderten. Der Kopf des Sergeanten bekam von einer zerbrochenen Flasche einen Schnitt, und zwei Polizisten zogen sich aus dem Gefecht zu- rück. Unmöglich, das Haus ohne Verstärkung zu stürmen, aber noch hielt die Polizei stand und war entschlossen, sich nicht in die Flucht schlagen zu lassen. Wäre sie mtt Pistolen bewaffnet gewesen, hätte sie zweifellos jetzt Feuer eröffnet. Einer von ihnen kletterte über die Barrikade aus Schutt und wurde so verprügell, daß seine Gefährten ihm zu Hilfe eilen mußten. Bruno, der über und über schmutzig war und blutete, hatte ein Gewehr ergattert, und Porfiro hatte sich zum Scherz einen Polizeihelm aufgesetzt. ..Heraus mit den Bandtten,'raus mtt ihnen,'raus mtt dem Pack!" Jedes Geschoß wurde mtt Geschrei beglcttet:„Da hast du einen Stein!— und hier'ne Flasche!— ein bißchen Kalk in deine Augen!— ein Stück Holz für deinen Kamin!" Und draußen wurden die Pfiffe immer dringlicher. Wer in diesem Augenblick, als das Schicksal des Kampfes noch in der Schwebe hing, kam Mn�m in heller Aufregung angestürzt und rief, daß in Nummer zwölf Feuer ausge- krochen sei, und daß aus diesem Teil des Hauses dicker Rauch käme. „Feuer!" Letzt entstand unter den Hausbewohnern eine Panik. S>e wußten genan, daß Feuer ihre Häufer innerhalb von em paar Sekunden verrichten konnte. Es herrschte w'ldeste Konfusion. Jeder suchte von seine» Habseligkeiten zu retten, was zu retten war. Die Polizei nutzte die neue Situation aus. drang in den Hof eiiBund erteilte nach rechts und links Schläge, um die erlittene Schmach zu rächen. Die Hausbewoh-eer liefen wie von Sinnen umher: manche versuchten ihre Kostbarketten zu retten, und andere flohen vor der Polizei Und die Beamten bracben in ihrer Ra'erei überall die Türen ein und ließen Zerstörung hinter sich zurück. Plötzlich zuckte ein greller Blitz durch die Lust und hatte grollenden Donner und strömenden Regen im Gefolge. (Fortsetzung folgt.) Das„seelisdie Abhängigkeitsverhältnis''. Seltsames Nachspiel der Dahlemer Explosions-Affäre. einem wehrlosen Angeklagt« zegenWer bewiesen, in seiner lang» jährigen Praxis noch nicht vorgekommen sei. Der Antrag erging auf 1_ Jahr 6 Monate Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Das Schöffengericht verurteilte den Oberwachtmeifler nur wegen schwerer vrkundenfSlfchung unter Zubilligung mildernder Umstände zu drei Monaten Gefängnis. Gehet das Gute! Zdfungartebaffloiien sind gewöhnt an Zuschriften mit Ssschwerdea all« Art. heute erhielten wir mal einen»rief. dessen Verfasser das Bedürfnis hat. zu loben. Aus feinen Zeilen spricht die Freude an dem Gut«, das er gefeh« hat. <£c schreibt uns: Geschäftliche Interessen führten mich kürzlich nach Loxhagen- Rummelsburg. Dort lernte ich in der Simplonstrahe ein Haus kennen, wie ich es in Berlin noch nie gesehen hatte. Auf geräumigem Platze, mit der Vorderfront on der Straße, rund herum von gärtnerisch gepflegten Anlagen umgeben, durch welche an beiden Gisbelenden breite Kieswege zu einem großen Spiel- und Sportplatz führen, liegt das Haus da, wie ein Märchenschloß. Welchem Zwecke es dient, lese ich beim Nähertreten mit Erstaunen an der Vorder- wand. Dort steht in Metallbuchstaben geschrieben:„Kinderhaus der Stadt Berlin." Ergriffen trete ich durch die unver- fchlosscne Tür ein, um auch ein Bild vom Inner« zu gewinnen. Richtig, da sind ja auch die Kinder! Ein junges Mädchen spielt in einem großen Raum mit etwa 30 Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren den Ringelreigen Alles geht so fröhlich und drollig vor sich, daß man den Blick nicht davon wenden mag. Endlich muß ich mich losreißen und komme im Weitergehen an Spiel- und Speise- sälen, sauberen Küchen und anderen Räumlichkeiten vorbei zum Büro. Eine Dame empfängt mich hier, die gerade mit der Aufnahme neuer Kinder beschäftigt ist, Sie ist äußerst höflich gegen mich und gibt mir bereitwilligst Bescheid. Auf meine freudig« Be- merkung, daß sie wohl die Vorsteherin dieses einzigartigen Kinder- Paradieses fei, wehrt sie lächelnd ab und sagt nur:«So, gefällt es Ihnen bei uns?" Im Fortgehen spreche ich zwei junge Mütter an, die ihre Klein« eben zum Schlafengehen heimholen. Man mußte die strahlenden Gesichter dieser Frauen sehen bei ihren begeisterten Lobesworten über das liebe Kinderhaus der Stadt Berlin.«Ja," sagten sie wie au» einein Munde,«hier Hab« es unser« Kinder gut. Da braucht man sich bei seiner Arbeit keine Sorgen zu machen um sie. Und was sie alles lernen! Meiner ist erst fünf Jahre all und kann schon mit dem Bleistift auf Papier wunderschön zeichnen und aae Knetgummi die putzigsten Form« modellieren. Auch zur Sauberkeit werden die Kleinen angehall« und zu Ord- nungsflnn. Körperlich gedeihen sie auch sehr gut, denn sie erhalten schmackhafte und reichliche Kost und viel Milch. Und das alles tostet nur 2 M. pro Woche und Sbind. Und haben Sie gesehen, wie munter und zutraulich alle Kinder sind? Das ist uns die größte Freude!" So plauderten die beglückt« Mütter schier endlos. Ich aber möchte von meiner Entdeckung und den geschilderten Erlebnissen auch nicht schweigen, sondern zum Lobe von Berlins Stadtverwaltung allen Nörgle« zurufen:«Gehet hin und sehet a u ch das Gute im Kinder- Haus On Stadt Berlin!" Llnierfchlagungen bei der �Viktoria". Drei AngesieMe varontttiien 20000 3«. Bei einer Geschäftsstelle der Allgemeinen Berficherungsgesell-' schaft Aiktoria zu Berlin wurden betrügerische Durchstecherelen auf- gedeckt. Die Gesellschaft erstattete sofort Anzeige bei der Kriminal- poiizei, die eine Untersuchung einleitete. Es handelt sich um drei Angestellte. Sle hatten es»«stand«, indem sie sich gegenseitig deckt«,«nehme Kassenanweisung« zu fälsch« und an der chaupt- kasse die Auszahlung unbeanstandet zu bewerkstelligen. Eine unver- mutete Kaffenrevision brachte diese Schiebungen ans Licht. Die Summen, die dl« drei erschwindelt haben, bewegen sich u m 2 0 0 0 0 Mark herum. Die Angeschuldigten wurden von der Kriminal- Polizei vernommen und geben den Betrug zu. Sie haben sich bereit erklärt, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen. Da« wird ihnen um so eher möglich sein, als der Hauptbetrug erst kurz vor der Entdeckung stattfand und die Ungetreuen noch im Besitz des größten Teils der Summ« sein dürsten. Ein neuer Krauenberuf. Einer der großen Warenhausbetriebe hat angefangen, zur Ausbildung seines Personals Jnstrutteurinnen auszubilden und anzustellen. Da» Aufgabengebiet einer solchen Instrukteurtn ist schwer zu umreißen. Vulgär ausgedrückt könnte man sagen: Eine neue Aufpasserin für die Verkäuferin. Die Instrukteurin ist nicht in einer bestimmten Abteilung tätig, sie ist bald da, bald dort. Sie hat z. B. daraus zu achten, ob der Liftboy aufmerksam zu den Stunden ist oder ob die Kassiererin nicht ihre Nerven verliert, wenn es gerade mal sehr stürmisch hergeht in den Stunden de» Ausoer- kauf«. In der Hauptfach.' soll sie das Personal zu dem Kunden- dienst heranziehen. Was für Eignungen muß nun eine Instrukteurin mitbring«? Man sollte meinen, hauptsächlich um- fassende Kenntnisse des' Warenhausbetriebes. Die Warenhaus- leitung legt aber besonderen Wert auf gute Schulbildung. BeHerr- schung der Umgangsform«. Das Personal muß merken, daß ihnen nicht etwa«ine Kollegin einen guten Rat gibt, sondern daß eine Instrukteurin mit Erfahrung und Menschenkenntnis sie lehrt, wie man Kunden zu behandeln hat. Während der Ausbildungs.zeit bekommen diejenigen, die vorgesehen sind, andere zum Kundendienst anzuhalten, schon 200 M. Ihre Einnahmen steigen bei der An- stellung auf 400 bis 300 M. Ein solches Gehalt.übersteigt das Einkommen einer Substitutin. Da die Firma schon für die Ausbildung zahlt, hat sie Interesse, daß die Instruktearinn«» auch lange bleiben: sie bekommen langfristige Verträge, man könnte beinahe sagen: eine Lebensstellung. Da» Personal steht überwiegend dieser neuen Einrichtung nicht gerode mit freundlichen Empfindungen gegen- über. Würde ein größerer Prozentsatz der Jnstrukteurinnen aus dem Personal herausgezogen, so würde sich diese Einstellung wahr- scheinlich ändern. Es bleibt abzuwarten, wie sich das neue System auswirkt. Sicher ist aber, daß mit gutem Willen sich in den Reihen des eigenen Personals so manche finden läßt, die genug Takt, Geschmack und Mensckenkenntnis hat, um anderen «ine wertvolle Hilfe beim Dienst am Kunden, der wahrhaftig nicht immer einfach ist, zu sein. Kaffee Hag billiger: Das große Palcct RM 1n80 Das kleine Paket RM-.90 K«ff*e H«8 tat t*inst«i Bohnenkaffee, unübertrefflich«n Ce- sehrnaek and Aroma, dabei coffeinfrel und völlig unschädlich. Eue Betrugsanzeige, die in ihrer Art wohl zu den Sellen. heile» gehören dürfte, wurde jetzt von Professor Julius Blancke gegen Frau Erika Weingärtner geb. Stammer erstattet. Beim Landgericht lll ist jetzt in dieser Angeleg«- hell eine Voruntersuchung eröffnet word«. Die Anzeige greift in gewisser Beziehung.zurück auf die E x p l o- sion, die sich am 8. Januar 1028. einem Sonntag, vormittags in der Weingärtners chen Villa in der Parkstraße 40 zu Dahlem er- eignete. Bei der Katastrophe, die durch unvorsichtiges Hantieren mst hochexplosiven Stoffen hervorgerufen wurde, kamen der SO Jahre alte Dr. S t a m m e r und die 23 Jahre alte Hausangestellte Martha Schönfelder ums Leben, während mehrsve andere Personen schwer bzw. leicht verletzt wurden. Weingärtner, der Mit- inhaber des Hauses, wurde vor Gericht zur Verantwortung gezogen und im Juni 1928 zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt. Die Be- rufung wurde im Oktober verworfen und zurzeit schwebt eine Re- viston. Das Grundstück Parkstraße 40 gehörte ursprünglich dem Professor Julius Blancke, der es 1919 an das Stamme rsche Ehepaar verkaufte. Er selbst btieb als Untermieter wohnen, suchte sich aber bald noch der Explosion ein anderes Unterkommen? Prof. Blancke behauptete nun folgendes: Er kannte Frau Stammer feit etwa 15 Jahr« und wußte, daß sie mediale Fähigkeiten hatte. Im Laufe der Zeit sei er bei sein« Besuchen mehr und mehr in den Bann der Frau geraten. Der Professor beschuldigte sie nun. diese Abhängigkeit zu betrügerischen Zwecken ausgenutzt zu haben. Bei d« Sitzungen fei der Mittler aus der übersinnlichen Die Gasvergiftung in der Ackerftraße. Schtöchter Oehmke schwer betastet. Die Nachforschungen der KrinKnalpolizoi zur Ausklärung der Gasvergiftung in der Wohnung der Frau Martha Schade in der Acker straße 9S haben eine für den Untermieter belastende W«dung genommen. Auf Grund des Ermittlungsergebnisses ist der 42 Jahr« alte Schlächter Rudolf Oehmko wegen Rückfallbetruge» und doppelten Mordversuches dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Die Betrügerei« gibt Lehmke zu, d« Mordversuch bestreitet er nach wie vor. Durch die Vernehmungen ist fest- gestellt, daß Lehmke im Oktober o. I. zu Frau Schade als Unter. mieter zog. Später aber entzweite er sich mit ihr und sie veranlaßt« ihn auszuziehen. Eines Abends kam er jedoch und begehrte laut lärmend Einlaß. Um den Nachbarn kein« Anlaß zu Rederei« zu geben, erlaubte sie ihm das und gestattete auch, die Nacht auf einem Stuhl im Wohnzimmer zuzubringen. Am nächst« Morgen wurde dann die Gasvergiftung entdeckt. Die Feststellungen an Ort und Stelle sind für Oehmke sehr belastend. Die Frau schlief mit ihrem Sohn im Schlafzimmer, Oehinke nebenan ,m Wohnzimmer. Beide Räume sind durch eine Tür verbunden. Frau S. hatte von vornherein betont, daß sie und. ihr. Sohn die Gashöhne ordentlich geschlossen hatten. Am Mxmd hatte si« die Tür zum Wohnzimmer, nur cmgslehnt. Morgens war die Tür geschlosi«, im Schlafzimmer war der Gashahn ganz aufgedreht. Frau S. und ihr Sohn sind inzwischen au« dem Birchow- Krankenhaus entlass«, Hab« sich aber von ihrer schweren Der- giftung noch immer nicht ganz erholt. Gröffuung der Autowasch Halle. In Gegenwart der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, der Deutlcl�n Reichsbahngesellschaft, de» Berliner Polizeipräsdiums, des Kraftvertehrsamtes wurde die von der Translag in der Teltower Straße neu errichtet« Autowaschhalle eröffnet, die nach ganz neuen Prinzipien erbaut ist und die durch Heranziehung der modernsten technischen Mittel«s möglich macht, einen Kraftwagen in 8 bis 10 Minuten.inn« und außen zu säudern. In einer großen Halle sind zwei Wog«bohnen eingebaut. Die Autos durchlaufen hier eine Reinigungsstation in sechs Etappen und verlassen in kurzer Frist vollkommen gesäubert die Wagend ahn. Die Reinigung erfolgt zunächst mit einer Druckvmnpcnanlage, die auch den stärksten Schnuch mühelos beseitigt. In einem zweiten Arbeitsgan g werden die Wagen von all« Oel- und Schmutzflecken durch eine Waschung mit Schwämmen gereinigt. Durch Luftzirkulation werden die Wagen abgetrocknet und daraufhin mit Lederlappen vollständig abgeledert und getrocknet. Mit einer Bakuumanlage wird auch die Innenausstattung des Wagens gereinigt und im letzten Arbeits- gang wird das Ehassis des Wagens mit einer regulierbaren Anfpritz- pistole auflackiert, die auch eventuelle angerostete Stell« unsichtbar macht. Dem Waschhoius sind auch neuartige Reparaturwerkstätten, besonders für die Durchsicht der Licht- und Starteranlagen, an- gegliedert. Philharmoniker und Jugendchor. Im Saalbau Friedrichshoin veranstastete das Volks- bildungsamt Prenzlauer Berg öa» zweite Saison- Bokattonzert unter Mitwirkung des Berliner Philharmonischen Orchesters, der Sopranistin Ingrid Bredeck und der Kinder- und Iugendgruppe des Berliner V o i k» ch o r s. Mozorts Kinderchor au» der.«Zaubers löte",„Bald prangt der Morgen" leitete den Abend ein, dann soigte desselben KompoiM« weltliche Kantate „Die Seele des Weltalls, in dem sich all die frischen sugendlichcn Stimmen, der gutgepslegt« Sopran der Solistin des Abend« und die feinsinnige orchestrale Begleitmusik zu einem schön«, volltönenden Ganz« vereinten. Dann hatte die Jugend das Wort und brachte fünf touirige Volksliedchen zu Gehör:„De Kukuck up den Tune satt", im westfälischen Platt,„Hansel, dein Gretelein", ein Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, von Leo Blech voll Drolerie musikalisch illustriert, ebenso das masurische Voltslisdchen„Ging ein Weiblein Nüsse schütteln", das unter den zahlreich erschienenen Zuhörern einen Sturm der Begeisterung hervorrief und wiederholt werden mußte. Sehr schön sarigen die Kinderstimmen auch d« Zigeunerchor aus „PreMosa" und Veeihoven»„Bundeslied". Der zweite Teil de« Pro. gramm» brachte einen ganz erlesenen musikalischen Genuß. Beethovens 5. E-Moll-Simonie. von den feinsinnig« Mich kern unter ihrem bewährten Führer Prof. Julius Prüwer in feiner grandiosen Schönheit prächtigst wiedergegeben. Ein wirklich schöner Abend, roll Leben und Kulmr.___ kommunistische Demonstratio osoersuche. Gestern abend kam es noch Schluß einiger kommunistischer Kundgebungen in Schöne- borg. Dikmersbors und im Zentrum der Stadt zu kleiner« Reibereien mit der Polizei. Mehrere Demonstration«züg» mußt« von den Boomt« aufgelöst werden. Einige Personen, die sich d« polizetficheir Anordnungen widersetzten, wurden z a n g t. gestellt...■■;-.-i- Trauersei« für Dr. Paul t«i. Für die Gedmksmnde für Paul Lest find Karten nicht mehr zu haben. Welt ein Matrose namens Joseph gewesen, der im Jahre 1823 in der Adria ertrunken sei. Joseph habe durch den Mund der Frau Weingärtner seine Erklärungen abgegeben. Er, der Professor, habe, unter dem Einfluß stehend, auch bei geschäftlich« Dingen den Rah des Joseph erbeten und durch Vermittlung der Frau Weingärtner erhalten. Damals Hobe er fest an die Richtigkeit der Auskünfte ge- glaubt und ihnen in eurem seelischen Abhängigkeitsverhältnis Folge geleistet. So sei er um sein ganzes Vermögen gekommen. Er war von Beruf Ingenieur und ein sehr begüterter Mann. Die 2ln- teile, die er on einer Maschinenfabrik Halle, verkaufte er auf den Rat des Joseph hin und überschrieb den Erlös der Frau Weingärtner Auch die Ueberlassung der Villa in der Park- straße soll noch seiner Behauptung ohne entsprechende Gegenwerte erfolgt sein. Er beschuldigt heute die langjährige Bekannte, ihn durch ihren Einfluß an den Bettelstab gebracht zu haben. Der Einfluß ist allem Anschein nach erst erloschen, als Blancke nach der Explosion eine andere Wohnung bezog. Jetzt sei e» ihm wie Schuppen von den Augen gefallen und er habe, wie er erklärt, die Machenschaften durchschaut. Das habe ihn veranlaßt, ein« Anzeige zu erstatten. Frau Weingärtner konnte zu diesen Anschuldigungen noch nicht ver- nomm« werden, da sie augenblicklich in einem Heilinstitut am Blücherplatz krank daniederliegt. Obwohl die Anschuldigungen sehr ungewöhnlich anmuten, muß thnen naturgemäß nachgegangen werden. Man darf gespannt sein, was die Sachverständnigen über die Möglichkeit emer jahrelang andauernden geistig« Abhängigkeit zu jagen Hab« weidm. Allgemeine Wetterlage. Das Tiefdruckgebiet, das bisher im höchsten Norden log, ist nach Süden gewandert. Infolgedessen hat sich auch der kräftige Weststrom- der seine Südseite bildet, wesentlich nach Süden ausgedehnt. Durch eine Randstörung der nördlichen Depression wird jesst über Schottland polare Lust nach Süden geschafft. Ihre Annäherung wird sich wohl bei uns schon im Laufe des Sonnabend bemerkbar MWhen. Am Sonntag werden wir höchst wahrscheinlich in ihr«> Bereich liegen. � Wetteraussichten für Berlin. Meist bedeckt, nur vorübergehend aufheiternd, Temperaturen langsam steigend, später aufkommende Regenneigung.— Für Deutschland. 2ln der Küste bewölkt- Strich- regen, milder, im übrigen Norddeutschland nur vorübergehend Aus- heiterung, Temperaturen langsam steigend, im Südosten keine Acn- derung, im Südwesten wolkig, Temperawren meist über Null. Vorträge,Vereine und Versammlungen. £%« Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gäld�. Prmäjt® e f 4 ä f t 3 R f 1 1 f;»«Hin s 14. C-baManftr 87—88, So!?. St. ziudeeei««»! T-nnabcnd. Ib. zchruar, 1»'4— 2t lllir,«alttntnSeitt 4Fi% f„ Mn Rud-ranlaocn Set»crlinct Surnetschaft. Sunnelftt. 3-4. Um allen Kameraden Deleaenhelt»u a»d-n, das Rudern»u etletnen. in laut »eschlu» der«eneralvetsaminUina der«-Ur-ii Mr Ruderet.-rmiiflM morden. Gijfte«illtoinmcn—«i-nnta«, 1«. Zebtlur. Reiaitfeabstf.Scft: Di- Same- »oini» treffen ftch mit Anaedäriae»»ur Seiiiiatime an der«rllndunasfcier des Ortmxreins in den Subertus-Slllen um 1S>4 Ufct im Bertehtslotal. Eintritt so Pf Sunde stle'duna. Pfllchweranllaltuna. Rudeerteae: 10 Ulm Boots. hau». Arbeitsdienst. Säfte willlammen.— Mauton, 17. gebruar. Preov lauer Set«, Kameradschaft Senefelder Sinti: 20 Übt Kam« tadfchaftso et! amm» luna bei Keiles. Meket Stvasta Ecke Prenrlauet Allee. Iunabannar: Kameraden, die(ich an dem Svtechchor für die Märgeier beteilige» wollen, mew-n sich am Montag. 17. gebruar, 20 Übt. Evnnenbutget Str. 20, Zimmer 17. griedrichebaia, Iunabanner: 20 Ubr Stolloer fammluna im Iugentbeim Krank. furter Allee S07. Seruzberg, Zuacnd I: 20 Uhr Zuaendbeim-Zloritstrane, Seimabend, Wilmersdorf.fOrtsverein): 20 Ubr Senetalverfammtung ,m Biktoriagorten. Wilbelmsaue, Bnchkontroll». Tewvclbof iortsoereln): Er. w'itertc Sarstandosttzuna bei Ma-Li. Mariendorf, Ebansleestr. 8fN, Stelluna- nabme mir Ebert.Dedächtnisfeier, ftitpcnitf: IS1? Ubr 1. Erortab-nb der Schutitpvr'abteikuna in der Surnfiall- der I. Kemel nöefNul«, Niwenw rlMts- Ecke Mstaaelheimor Strafte,— Zriedricksbain, Kameradschaft Bilfching: Der Kamerad Edmund Schaler ist verstorben. Einäscherunq Sonnabend, 13. fsdbruar, 11 Uhr, im Krematorium Gerichtftraft», Um rrg« Neteiligung wird aebc.en. geeiteligiöfe Semeiobe. Sonntag. 11 Ubr, SavPelallee lö. Vortrag des Kerrn für. A. Rofenberq:, iZreidenter und Ziemlsmu»■ Scmnoi'ijjm: Schubert'che Schemen. Eäste ovlllomm»»..._. Reichoverbo!id der Mieter ceirerbl-cher»s»me. Sonntag, 10, ftechruar. um im Ubr. in Ebemiuft, m fkrnrk'aal de«»elftereck,»e-chstaaung, Kur»er. dandinna stecht Ms Schema JSie fordern Kunchigungsfeduft und«»«enmeene iVPnbli'uiIschi Medaeevereiiliqne,, Montaa, 20 Uchr. Alirr A-banier, Anchaltstr 11. TUrfusflpn,»äste mißemm-.n.., Schnftvercha-» der Upfermieie-, Uecher„SilndigUNM.unö spricht Rechtsanmai: Er, Kovmno't: om Mittrnoch, 1» stvriiar, 20 Ulm, itoahtt. etMMttm, ftnraMhrot Rarbero»er Str st» law KriminalgiMichtt. und am, !rre?ag, 2l. �'briia-. s» Wilmersbors, Ribtorioaeucten, Kaluip.ca-,. l. Witchelmsaue Ut. in de? 213,-210, Ortsgruppenvcrsammlunq, Cintr-i: uns UtiHlunft frei, Säst« willdommen._ Vt« Ordner d« Aroleterifchei» Zeierstnnche trefsrn sich am Sonntag- uin K Ubr im i�roften Schautpieluau», Eingang Schissbauerbamm, zur Morgen- stier Ui Buchäruckc. votbanbgK.• Äffiä 3Ä- stV' iCBte Senkt den Diskont! Die dritte Oiskontermäßigung für-1930 ist fällig. Gutes Lahr für die Reeder. Reim Norddeutschen Lloyd wieder 8 Prozent Oivideude. Der Norddeutsche Lloyd hat seine Bilanzziffern für 192S be» kanntgegeben. Er wird seinen Aktionären für das 16Z-Millionen« Kapital wieder die schöne Dividende von 8 Proz. gewähren. Der Reingewinn wird zwar— fast bis auf den Pfennig genau— mit 14,19 Millionen Mark nur ebenso hock) ausgewiesen wie im Nor- jähr; die tatsächlich erzielten Gewinn« sind aber erheblich hoher. Dos zeigen schon die jetzt bekannten Ziffern det Gewinn« rechnung und der Bilanz. Der Rohgewinn ist nämlich weiter von 46,56 auf 51,84 Millionen Mark g« st i« g c n. Jnteressanterweise sind trotzdem die Berwaltlingskosten, Steuern und Soziallasten(wie wurde gegen die hohe Belastung durch die neue Seemannskranken- kasie gehetzt!) mit 12,84 gegen 12,63 Millionen Mark im Vorjahr sasl unverändert geblieben. Dabei sind ini vergangenen Jahre die Ozeanriesen„Bremen� und„Europa* neu in Dienst gestellt worden. Die erzielten Mehrgewinne mußten in den Abschreibungen untergebracht werden— erhöht von 15,59 auf 20,03 Millionen Mark, damit der ausgewiesene Reingewinn niedriger erscheinen konnte, als er tatsächlich war. Die Bilanz des Norddeutschen Lloyd ist natürlich, wie immer bei allen großen Gesellschaften, falsch in dem Sinne, daß man sie„von hinten aufgemacht* hat, d. h. von jenem Reingewinn ausging, den man ausweisen wollte. Die Bilanz selbst zeigt ein« sehr starke Vermehrung der S u b st a n z. Der Wert der Seedampser ist von 166,3 aus 238,9 Millionen Mark gestiegen. Auf der arideren Seite sind durch die Fertigstellung der Großschiff« die Anzahlungen auf Neubauten von 83,3 auf 44,1 Millionen Mark zurückgegangen. Preiserhöhung des Giahlkartells. Leber Verkaufskontore wird weiter verhavbelt. Obwohl die„Deutsche Bergwertszeitung* noch vorgestern die Möglichkeit einer Preiserhöhung durch die Internationale Rohstahl- gemeinschaft glaubte in Abrede stellen zu können, sind gestern die Stabeisenpreife um 2H Schilling, die Halbzeugpreise um 2 Schilling und die Grobblechpreise um 4 Schilling heraufgesetzt worden. Die Internationale Rohstahlgemeinschaft wird immer mehr von einem Produttionskartell zu einem Preistartell, das auf das große Ziel ausgeht, den Weltmarkt nach Möglichkeit zu beherrschen. Die Verkaufskontore find zwar noch nicht endgültig zustandegekommen, und über ihre Bildung wird augenblicklich in Paris noch weiter verhandelt. Immerhin ist die Vorstuf« für die Verkaufskontore, die Spezialisierung und eine sehr scharfe Kontrolle beim Export der verschied�ien Produtte, bereits vorhanden, und der Optimismus ist groß, daß die Verkaufskontore bald zustand« kam- men. Man war bei der diesmaligen Preiserhöhung' noch vorsichtig, well man in der internationalen Rohstahlgemeinschaft die Außen- seiterkonkurrenz der nicht angeschlossenen Länder fürchtet. Mit Sicherhell wird aber eine allmähliche Erhöhung des Wellmarktpreis- Niveaus angestrebt. Das ist für die deutschen E i s e n v e r» b r a u ch e r eine gefährliche Sache. Da der deutsche Eisen- und Stahlmarkt von den deutschen Verbänden schärfer als se beherrscht wird, verstärken sich die Möglichkellen, auch im Inland die Preis» noch zu erhöhen. Zum mindesten werden die Rückvergütungen kleiner werden, die an die deutschen Eisenverbraucher für Export- waren gezahlt werden, wenn sich die Differenz zwischen den Well- mcwktpreisen' uud dea deutschen Inlandpreisey verringert. � Die Welt-Vaumwollkrise. Fast fünfzehvprozentige Zunahme der Spindelzohl feit 1923. Einen wertvollen Bellrag zu der W e l t t r i s e index Baum- wollindustrie liefert eine jetzt veröffenllichte Statistik der Jnter» nationalen Baumwollspinner- und Weberoereimgung in Manchester über die Cndvicklung der Produktionsmittel in diesem wichtigsten Zweige der Textilindustrie. Trotz einer ganz offensichtlichen Verschiebung des Kon- sums bei Textilwaren und des Eroberungszuges der Kunstseide ist die Spindel zahl in der Baumwollindustrie sell 1913 um rund 20,8 Millionen, also rund 14,5 Prozent gestiegen. Die Gesamtzahl der Baumwollspindeln in der Welt stellt sich nach der angeführten Statistik auf 164,2 gegen 143,4 Millionen. Interessant sind die Verschiebungen innerhalb der einzelnen Eid- telle. Im Jahre 1913 entfielen auf Europa 99V Millionen Spin- dein ober rund 69,4 Proz. des Weltbestandes, auf Amerika rund 23,9 Proz.. wahrend sich Asten mtt 6,55 Proz. des Weltbestandes noch sehr stark im Hintergrunde hielt. Jetzt hat sich das Bild sehr zuungunsten Europas verschoben. Zwar hat sich der Anteil der Amerikaner nur ganz unwesentlich auf 24,1 Priy. der Well- spindelzahl erhöht, jedoch hat Asien mit 11,47 Proz. seinen Anteil an der Wellproduktion gegenüber 1913 fa st verdoppeln können. Europas Antell ist jetzt auf 63V Prag., also ziemlich erheblich zurückgegangen. Diese Entwicklung hängt mit dem starken Auffchwung der japa- nischen und besonders der indischen und chinesischen Baumwollindustrie zusammen, in dem auch die Wurzel für die Dauerkrise iit der vom fernöstlichen Markt besonders abhängigen englischen Textilindustrie zu suchen ist. Bon den einzel- nen Ländern steht England mii fast 66 Millionen Spindeln an erster Stelle, ihm folgen die Vereinigten Staaten mit 34V und Deutschland mit 11,25 Millionen Spindeln an dritter Stelle. -14 proz. Kammgarn-Oivideude. Die zum Hammersen-Konzern gehörende Augsburger Kammgarnspinnerei gibt Ihren Aktionären auf das Kapital von rund 4 Will. M. wieder nicht weniger als 14 Proz. Dividende. Der Reingewinn wird mit 814 000 gegen' 906 000 M. im Jahre 1928 etwas niedriger ausgewiesen. Dafür wurde aber— trotz olle» Umernehmerjammers über das schlechte Jahr 1929— nicht weniger verdient. Di« Schulden sind nämlich von 5V1 auf 4V3 Mill. M. zurück gegangen, und die Forderungen einschließlich der Bonk- guthaben sind sogar von 4,32 aus 7,53 Mill. M. gestiegen. Auf der anderen Seite konnte man„so vorsichtig" sein, die gesamten Bor- röte um fast 314 Mill.. nämlich mit 4.17 gegen 7,59 Mill. M. im Vorjahr, niedriger zu bewerten, wo» keineswegs nur mit den ge- sunkenen Wollpreisen zusammenhängt. Hier liegt eine Texiilbilqnz vor, die wahrlich glänzend genannt werden kann. � Im neuen Geschöftsjahr ist nach einer Feststellung des Geschäftsberichtes du Betrieb in sämtlichen Abteilungen auf weh- rer« Monate hinaus voll beschöftigt. Schwarhkopfs Neferl 14 Lokomotiven für Südafrika. Noch einer Meldung aus Kapstadt ist das Angebot der Berliner Maschinenbau- A.-G. vormals L. Schwartzkopss für den Bau von 14 Lokomotiven im Werl« von rund 1,7 Millionen Mark onae» nommen worden. Di» Lokomotiven sind für die South Afrioa Ranway To., eine südafrikaniiche Eisenbahngksellschost, bestimmt. Wir haben vor wenigen Tagen ausgeführt, weshalb die Reichs- dank angesichts des deutschen Geldmarktes sich nicht fürchten sollt«, eine neu« Diskontermäßigung, die dritte in diesem Jahre, durchzuführen. Wir hallen uns heute für berechttgt,«ine neue Herabsetzung des Zinsfußes für Handelswechsel bei der Reichsbank zu fordern. Die Loge auf dem Geldmarkt ist noch flüssiger geworden als vor drei Tagen; man merkt die Monatsmitte, die regelmäßig eine Verschärfung zu bringen pflegt, überhaupt nicht. Waren noch vor drei Tagen unter den größten Geldgebern und-nehmern min- bestens 3h Proz. zu bezahlen, so wurden gestern, entgegen der offiziellen Berliner Nottz, nur 314 Proz., teilweise sogar nur 3 Proz. für tägliches Geld bezahlt. Der Zinssatz für sogenannte Privatdiskante wird zwar offiziell noch mit 5% Proz. notiert, aber«r hätte gestern ebenso gut bei Proz. liegen können. Die Tendenzen zur Geldverbilligung hoben sich also noch verstärkt. Demgegenüber ist ein Reichsbankdiskvnt von 6 Proz. unangemessen hoch. Es ist zu erwarten, daß die Reichsbank, trotz der kürzlichen Herabsetzung des Banksatzes, gegenüber dem Geldmarkt isoliert wird und die Verbindung mit dem Gettrniarkt verliert. Daß die Reichsbank angesichts der außerordentlich günsttgen Notendeckung zu einer Diskontsenkung fähig ist, steht außer Zweifel. Es ist nicht zu befürchten, daß der Geldzufluß nach Deutschland ab- nehmen würde. Di« Zinsspanne gegenüber den hauptsächlichen Geldgebern der Well bleibt groß genug. Das Institut für Kon- junkwrforschung hat kürzlich außerdem festgestellt, daß die Welt- Marktkonjunktur rückgängig ist. Der Hinweis darauf, daß mtt Rück- sicht auf die öffentlichen Finanzen«ine Kreditoerbilligung riskant fei, stimmt nicht. Es ist Tatfache, daß insbesondere die Kommunen gegenwärtig an den Geldmarkt erheblich ge- * ringere Kredilansprüche stellen ol» früher. Di« Spar- und Umschuldungsaktion wirkt sich bereits aus. Di« kommunalen Kreditinstitute sind heute wieder sehr flüssig. Vom Reich können keine unerwartet hohen Geldonsprllche in der nächsten Zeit kommen. Ist geldmarktmäßig eine Kreditoerbilligung ratsam, so ist sie wirtschaftlich notwendig, da der Anreiz nicht groß genug sein kann, die Wirtschaft wieder stärker in Gang zu bringen. Es hat sich gezeigt, daß schon bei einem Diskontsatz von 6 Proz. der Verkauf von Pfandbriefen wieder sehr lebhaft in Gang kam. Dieser Pfandbriefverkauf würde noch viel lebendiger werden, wenn das allgemeine Zinsniveau wetter sinkt. Der stärker« Ver- kauf von Pfandbriefen ist aber der w i ch t i g st e Hebel, um die Bauwirtschaft und damit die Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft zu fördern. Diese Belebung der Bauwirffchoft muß von allen jenen begrüßt werden, die die Sporaktionen der Kommunen und die Ordnung der öffentlichen Haushalle für eine Notwendigkeit hallen. Die aus der kommunalen Sparaktion sich ergebende Ein- schränkung der Bauwirtschoft kann nämlich nur durch eine Kredit- oerbilligung kompensiert werden. Nie war die Beweglichkeit der Kreditpolitik der Reichs- dank so notwendig wie jetzt. Wir hoffen, daß aus der Geldmarkt- und Wirtschaftslage bald die Konsequenz der Kreditverbilligung ge- zogen wird. Elve neue Schweine zähluna hat der preußische Landwirffchofts- minister für den 1. März 1930 angeordnet. 9015 Millionen Spareinlagen Ende 1929. Die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen betrugen Ende Dezember 19Z9 0015,6 Millionen gegen 8827,4 Millionen Ende November. Den Dezembereinzahlungen von 706,7 Millionen) darunter aus Zins- gutschrfft 166 Mllivnen, standen Auszahlungen im Betrage von 515V Millionen gegenüber. tDas sagt üor Bär? An allen Ecken Enden der Stadt wird gebuddelt. Neue Sträßenzüge entstehen, Platze wechseln ihr Gesicht, und in den Schoß der Erde gräbt sich die Untergrundbahn weiten Eins ober bleibt unverändert: die Gestölt, Quölitä t und B eli eh th ei t von Berlins meisigerauchter 4$ Cigareiie Notgemeinschast— Todgemeinschast Oer Angriff auf die Lnvalideu- und AngesteMenverflcherung. Der folgend« Aoffah weadel sich grundsäklich gegen Vorschläge, die neuerdings eine ekmo» veränderle Fassung erhalle» haben, darum aber nicht weniger gefährlich geworden sind. Der ß 1KZ des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestimmt, bah der Reichsardeitsminister mit Au- stünmung des Reichsministers der Finanzen der Reichsanstall Dar- lehenzu gewähren hat, wenn der Bedarf aus den Beiträgen nicht gedeckt werden kann. Der gesetzlich vorgeschriebene Höchst- beitrog darf 3 Proz. des für die Bemessung maßgebende» Arbeitsentgelts nicht übersteigen: er ist durch besonderes Gesetz für die Dauer eines halben Jahres, nämlich vom L Januar bis 30. Juni dieses Jahres, auf 3l4 Proz. erhöht worden. Entgegen den Forde- rangen der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion hat man die Bei- tragscrhöhung kurz befristet, man Hot sie aber vor ollen Dingen viel zu spät beschlossen. Die Folg« daoon ist. daß der Hau« hall der Beichsanstoll für das kommende Rechmmgsjabr, also für die Zeit vom 1. April 1930 bis 31. März 1931, voraussichtlich einen Fehlbetrag von rund 335 Millionen Mark aufweisen wird: dieser Betrag ist nach dem Gesetz vom Reich als Darlehen zu gewähren. Unter Einbeziehung dieses Betrages wird die z Verkaufsstellen: Lnter den linden 51, Femruf Zentrum 12115: Rudo1! Caracciola& Co.. Budapester Sir. 9. Fernruf 5777/78; Spittelmarkt 4/7, Fernruf Merkur 570. V e � a u tsb uro: �tlbus, Berliner Str. 6/7. Fernruf 1313.• Vertretungen: Berlin: Wertheim Automohü-Ges., Berlin W9, Friedrich-Ebcrt-Str. 14, Femruf Zenmim 5187 � 8641/4.. A. Hirte, I ndiustrie- Abteilung, Berlin SW66, Markgrafenstr. 76, Fernruf Dönhoff 946.• FürKraftdroschken:„Automav", Auto- und " Bcrlin-Charlotreriture/Kanistr. 141, FemrufSieinplatz 7902/3.— Finovr: Max Sievert.— Forst j. d. L.: W. Robisch— Frankfurt a. d. Oder: Hemncfa Schmidt, Automobile.— Bad Freien walde a. O: Hans Spörl.— Fürslenberg i M: Franz Ziethmann.— Landsberg a. d. W.: Richter& Isensee, Kraftfahrzeuge.- Pntzwalk: Anton Schmid.• VertriebsstclTen: Brandenburg a. Havel: Gentz& Co.- Strausberg: Friedrich Röhr. „trt. Unterhaltung unü AAtssen Andreas Xafako: S)rei grauen der ffiemlution Wer nach Paris kommt, kann un Keller des«instigen Klosters der Karmeliterinnen immer noch ihre Namenszüge lesen, verblaht -reilich nach fünf Vierteljahrhunderten, aber einwandfrei zu ent- -iffern, und merkwürdig gelblich, denn die Damen hatten nur einen Nagel als Feder, und ihr Blut mußte die Tinte ersetzen, die in der Schreckenszest viel eher«in ganz besonderer Saft war, als das 'chasfweise vergeudete rote Nah. Ueber den Unterschriften liest man:„Heute sind es 47 Tage, daß man uns hier gesangen hüll.' Dann folgen die drei Namen. in streng revolutionärer Reihenfolge, die höchstgeborene Herzogin von d'Aiguillon zuletzt, über ihr die beiden anderen, die einige Jahre früher nie gewagt hätten, einer Herzogin zu nahen. An der Keller- wand des Klosters vereiitt ein« Klammer die drei so verschiedenartigen Namen, und vor jeden einzelnen ist vorsichtig die zeitgemäße Be- Zeichnung gesetzt:„Bürgerin'(„Citoyenne'). In der Mitte des feuchten, unterirdischen Kellerloches diente ein breiter, aber sehr dünner Slrohiack den drei Damen als gemeinsames t!ag«r, die Herzogin von d'Aiguillon lag als Vornehmste in der Mitte und hatte den gräheren Schutz vor Ratten und Ungeziefer mit der beidseitigen, wenig standesgemäßen Stachborschaft der auch moralisch nicht einwandfreien Bürgerinnen zu bezahlen. Di« ein«, die links von ihr lag, hatte als Mädchen Josefine Tascher de la Pagerie geheißen und war die Tochter eines einfachen Kolonialbeamten auf der Insel Martinique, von der Mutter Seite dunkles Blut in den Adern, ein« Kreolin, mit der hemmungslosen Sinnlichkeit und kindischen Putzsucht ihrer Raste behaslet. .M ö g l i ch' war sie überhaupt erst durch ihre Ehe mit einem hohen Offizier aus gutem französischen Adel, dem General von Beauharnais geworden, einem braven, der harten Wirklichkeit nicht ganz ge- wachsenen Mann«, den wir heute«inen„Schleinihl' nennen würden. Aon den vielen, die verliebt um die Gunst der putzigen Kreolin >varben, mußte er gerade seinen Namen ihr und ihren Kindern geben, und der Lohn für seinen Ueberttitt aus Diensten Sr. katho- tischen Majestät Ludwigs XVI. in den Dienst der„Nation' war scine öffenttiche Hinrichtung auf dem Platz« der Revolution. Wertvoller als das Märtyrerblut des Gatten war für die drei Gefangenen die Verbindung der Bürgerin Beauharnais mit einem anderen siegreichen General: dem noch nicht ganz 26jährigen Stall- t-nechtsfohn Lazare H o che der die Engländer aus Dünkirchen binausgcprügelt und den besten, ältesten Fcldherrn der Österreicher, den General Wurmser, bei Weißenburg aufs Haupt geschlagen hatte. Mutzte man nicht hoffen, daß die Geliebte eines Mannes, dem die Republik so entscheidende Siege dankte, sich und ihre Freundinnen i-or dem Aergsten werde beschützen können? Freilich wußte die ätemde Herzogin nicht, daß der 28jährige Kriegsgott die- sMtdr- Erstes Kreolin mit seinem Reitburschen überrascht und sofort vor die Türe gesetzt hatte— aber war nicht auch der populär« Volts- beauftragte und Befreier Toulons, der„ci-devant'. Graf Barras, ■ in glühender Verehrer der dunklen Schönheft? Würde«in Mann, ler so viel auf seine Ritterlichkeit hiell, zu feig« sein, sich für seine Freundin einzusetzen?... Mit der rechten Bett- oder richtiger Matratzennachbarin stand es chon schlimmer. Geboren war sie als die Tochter eines spanischen Bankiers, der später in den Grafenstand erhoben und sogar Finanz- minister des Königs von Spanien wurde, zu jener Zeft aber, wie u ine Tochter im Kerker saß, der spanischen Gerichtsbarkeit aus- beliefert, die wohl bedeittend langsamer, aber nicht viel gewissen- ljafter als das Pariser Rcvolutionstribunal arbeitete. Der zärtliche Pater hätte im übrigen nur gerade das gesetzlich« Aller abgewartet, um die Aussicht über seine allzu lebhafte Tochter einem französischen Diplomaten aus allem Geschlecht zu übergeben. Dennoch schrieb die schöne Frau sich mit chrem Mädchennamen„Theresa Cabarrus' an Re Gefängniswand, benützte die gelockerten Ehestandsbegriff« der Revolution zur Eroberung ihrer vollkommenen Selbständigkeit, verleugnete'chren Gemahl und wurde in Bordeaux die Geliebte des allmächtigen Dolksbeaustragten lallten. Der unbeschränkte Herr über Loben und Tod der ganzen Stadt, vor dessen Füße toglich Dutzende abgeschlagener Köpfe rollten, kniete selbst verrückt vor Glückseligkeit zu Füßen der engelschvnen Theresa, er ließ sie als Göttin der Freiheit freigebig ihr« Reize zeigen, und es hietz. der tätige Engel fordere für jeden Kuß eine Begnadigung von Tallien und rette so mit ihrer Schönheit zahllose Unschuldige vor der Guillotine. Aber di« Verleumdung, zu jener Zeit der einträglichst« Beruf in Frankreich, wollte es anders wtssen. fteß Preisliften zir- 'ulieren, die für jede Berufsart. jedes Vergehen und jede Ber» mögenslage eine genaue Summe auswiesen, abzusühren zu Händen der schönen Theresa, die sodann bei Tallien die Befreiung des Höft- l ngs durchfetzte. Unter dem Verdacht, einen Volksbeaustragten zur laxeren Aus- ilbung seiner Pflichten verführt zu haben, war die Cabarrus ins Gtsängnis geworfen worden, und der verliebte Tallien wagte nicht, 'iir sie einzutteten, saß er doch selbst im Konvent unter den stechenden klugen Rvbespierres und fühlte von Tag zu Tag die Hand des Henkers Samson näher an sich heranrückten.. Mit den ersten l eihen Sommertagen de- Jahres 1794 wurde die Stimmung der drei schönen Frauen im Klosterkeller immer verzweifelter. Die Bürgerin Beauharnais erfuhr, daß auch der Zöjährige Hoch« trotz etiles glänzenden Sieges bei Wcißenburg aus Befehl des genau rleichaltrigen Volksbeaustragten Saint-Just nach Paris gebracht und in die Conciergerie, dieses Vorzimmer der Guillotine, gesperrt worden war. Und am 8. Thermidor, am Morgen, betrot der Ge- iängniswärter mit dem gesürchteten Schristenbündel in der Hand die Belle, und die drei Frauen erbleichten in schlotternder Erwartung, ivelcher von ihnen di« Anklage ausgehändigt werden sollte. Dies« Zustellung ging um 24 Stunden der Verhandlung vor dem Revolutionstribunal voraus, und von dort ging es unfehlbar n die Conciergerie und am folgenden Ztachmittag auf den Karren. Der Wärter kostete erst grinsend die Todesfurcht der drei Grazien �us.«h« er das Bündel der— Cabarrus überreichte Aber die � ön« Theresa nahm sich nicht die Mühe, in das Gewäsch Fouquier Tinoilles auch nur hineinzuschauen. Wozu? Sie kannte den Bc? ieb w gut. um an eine Verteidigung zu denken Sie holte einige Blöttchen verborgenes Papier hervor, stach sich mit dem bewußten Ragel ins Fleisch und schrieb mit chrem Blut einen Abschiedsbrkef an Tallien. Er enthielt nur zwei Zellen t„Wäre Tallien kein Feiglinz, Robespierve wäre nicht mehr. So muß ich morgen zum -�rlounal und übermorgen aufs Schaf ort. Theresa." Neben diesen Brief steckte fcr rasende Tallien am nächsten Morgen einen Dolch, den er vor versammeltem Konvent gegen die Brust Rvbespierres zückte, bereit, wie er brüllte, den„Tyrannen' zu erdolchen, so die Vertreter der Ration nicht den Mut fanden, den Verräter unter Anklage zu stellen. Der Rest ist aus der Geschichte bekannt, in derselben Nacht stoben die spärlichen Anhänger Robes- pierres vor den Truppen Barras' auseinander, Robespierre wurde mit zerschossenem Unterkiefer dem Wohlfahrtsausschuß eingeliefert, und am nächsten Tag, dem 10. Thermidor, nachmittags 5 Uhr, geköpft. Sein Tod öffnete sofort die Kcrkertür im Keller der Karmeliterinnen, und die drei schönen Frauen, monatelang auf einem gemeinsamen Strohsack vom gleichen blutigen Schicksal bedroht, gingen aus« einander. Der stegreiche Borras holte sich die schön« Kreolin, der feurige Tallien führt« seine Göttin, die mft ihrem Hohn den Sturz Robespierres zumindest beschleunigt hatte, vor den Altar, was die schöne Theresa nicht hinderte, der einstigen Zellengefährtin den schönen Barras abspenstig zu machen, als er, in das Direktorium ge- wählt, den Luxembourgpolast bezog. Die Bürgerin Beauharnais hatte nicht die Gewohnheft, ihren Freunden lange nachzutrauern, und da sie die Aussichtslosigkeit eines Wettkampfes mit Madame Tallien erkannte, begnügte sie sich mit einem Adjutanten Barras', der auch erst 26 Jahre all und schon General, aber durchaus nicht so schön wie Holl)«, sondern ein un- heimlicher Wildling mft unmöglichem korsischen Namen war. Ein« Zeftlang schien auf allen Linien die noch unverbrauchte Schönheft der Frau Tallien über den raffinierten Charme der armen, schon vom Zahne der Zeit benagten Jvsefine zu triumphieren, denn die iv.-x.£ordt: 3)cr grüne Schlüpfer „Otto! Otto!' Nanu, kann man denn noch nicht mal fein Frühstück in Ruhe essen? Ist es denn schon wieder so weft? Totfächljchl Wie schnell doch die Frühstückspause vergeht. Na, dann mal zu! „Otto, du nimmst dir ein Stück Eisenblech und gehst zu Fabrik- direktor Heuerten in die Wohnung. Det nagelst« in der Küche vor 'n neugesctzten Herd, jrade unter't Feuerloch. Nu man los!—" Wenige Minuten später klingelt Otto. Der jüngste Lehrling des Töpfermeisters Krulke am Hintereingang der vornehmen Villa des Fabrikdirektors Heuert. Sin Dienstmädchen, schon zum Aus- gehen gekleidet, öffnet. .Letzt kommen Sie?' fragt sie mürrischen Tons.„Schöne Zeit ham Se sich ausgesucht!' Und geschwätzig fährt sie fort:..Die Herr- schatten verreist, die Mamsell zu eene Leiche, nur Fräulein Hilda un ick sin hier.':'■.:-• „Das will ich so- genau ja gar nicht wisien.' brummt Otto, der das gesprächige Mädchen noch von früher her kennt. „Nee Otto, wat sind Se heute bloß so kurz angebunden!' Friedas Schatz war nämlich untreu geworden und da Otto trotz seiner 17 Jahre schon ein recht stattlicher und dazu noch hübscher Bursche war, hätte Frieda ihn ganz gern als Lückenbüßer verwendet. Doch ihren Plänen wird vorschnell ein Ziel gesetzt. „Sassen Sie den jungen Mann doch herein. Frieda!' ertönt plötzlich eine hell« Mädchenstimine. Otto steht kurz aus. In der Küche steht ein Mädchen in hellem, kurzen Kleid, jung hübsch. „Jawohl, gnädiges Fräulein!' knickst Frieda und verschwindet. Otto tritt ein. Er legt Hammer und Nägel auf den Fußboden und breitet das Blech aus: das Fräutem steht am Tisch und sieht zu. Otto beginitt das Blechstück geradezuklopfen. Fräittein Hilde setzt sich auf eine Ecke des Tisches und schlenkert die Beine in rhythmischen Bewegungen. Plötzlich knirscht Seide. Hilde hat die Beine kokett übereinander geschlagen. Otto klopft. „Es ist schönes Wetter heute!' kommt es vom Tische her. Otto sieht in kniender Stellung auf. erblickt Leine, gelblederne Schuhe zwei seidenbestrumpfte Beine mtt wunderbarer Linienführung und darüber, darüber... darüber schimmert ein hauchfenrer, zart- grüner Schlüpfer. Mehr sieht Otto nicht, mechanisch fällt sein Hammer, doch vor seinen Augen tanzt der Ansatz eines grünen Schlüpfers. ,Lch heiß« Hilde!' sagt unvermittelt der Mund über dem grünen Schlüpfer. ..So,' sagt Otto und wundert sich, wie verändert seine Stimme jetzt klingt. Er schließt für einen Augenblick die Augen, aber da» Bild des grünsn Schlüpfers verschwindet nicht— es wächst, wird größer, füllt die Küche aus. Nur die Küche? Nein, das ganz« Haus, die Stadt, di« Well, das Leben.„Penk. Penk, penk' Singen Hammer und Blech. Das linke Bein schiebt sich ein wenig höher. Das Plisieeröckchen wird kokett herabgezupft. Und doch sieht Otto wieder ein Stück... Mehr! Mehr!? Penk, penk, penk... „Dauert dieses langweilige Klopfen noch lange?' fragt ein roter, schöngeschwungener M»nd. Wieder sieht Otto aus. Zwei groß«, feuchtschimnwrnde Blau. äugen strahlen ihn an. Und Otto sieht, fühlt, wie schön dos Mädel da vor ihm ist Noch mft dem unbestechlichen Instinkt des Kindes begabt, erkennt er. daß dieses schöne, junge Weib vor ihm nur noch Begehren, Verlangen ist. Dieser prachtvolle Körper in Seide ge- hüllt will geliebt werden. Doch Otto schüttelt den Kops und— klopft. Penk, penk, penk... Wieder knistert der grüne Schlüpfer. ..Penk, penk. penk,' klopft Otto rascher. Vor seinen Augen tanzen grüne Ringe, häufen, sammeln sich, bilden«inen grünen Schlüpicr. Penk, penk. petsch— au! Das ging auf den Finger. Mit einem Satz ist Hilde vom Tisch herunter, kauert neben ihm. .Last du dir weh getan?' slüftert sie heiß. „Nun!" Ottos Stimme klingt krächzend. Du hat sie gesagt, du!! Dann steht er aus, schwankt einen Moment wie trunken und sagt dann:..Ich bin jetzt fertig.' Sieht kurz in die Blauaugen. dreht sich um— die Küchentür fällt ins Schloß. Langsam geht Otto durch den Garten. Zögert, schwankt. „Nee.' murmelt er.„nee. es gebt doch nicht. Wo ich«in so lächerlich dreckiges Hemde anhabe.?de«. nee.' Und er ichrettet Müde Detter., Tallien verdreht« sogar einem richtigen Herzog den Köpf, und als Tallien später mit dem Gemahl Josesinens, dem General Bonaparte, nach Aegypten ging, ließ sie auch ihren zweiten Mann im Httch und folgte dem Herzog von Chimay tn seine Heimat Belgien. Welcher Triumph über Losesine, Herzogin zu werden! Aber mitten im Rennen schlug dos Schicksal um. Als Theresa, nach allen Regeln getraut, wirklich Herzogin von Chimay wurde, hieß die einstige Strohsacknachbarin bereits Kaiserin von Frank- reich, ihr Sohn war Vizekönig und starb als königlicher Prinz von Bayern, und ihre Tochter trug eine Königskron« und schenkte Frank- reich einen zweiten Kaiser... Die schöne Theresa war ins Hinter- treffen geraten— denn was konnte es gegenüber solchen Resultaten bedeuten, daß sie ihre einzige Tochter aus der Ehe mit Tallien in eines der ollerfeudalsten Häuser Frankreichs hineinheiraten ließ? Streng kirchlich gesinnt, wie es sich für eine belgische Herzogin gehört, konnte sie nicht umhin, den Vater der Braut zu der Hochzeit einzuladen, und ein„Regicide', ein Mann, der sür die Hinrichtüng Ludwigs XVI. gestimmt hatte, verunreinigte mit seiner Gegenwart eine Hochzeit in den höchsten, königstreuesten Adelskreisen! Augen- zeugen erzählen, daß nicht nur kein Gast und natürlich die Brautmutter, sondern selbst die eigene Tochter dem Vater kein Wort und keinen Blick schenkte, bis er gedemütigt aus dem Palast schlich... Die einzige von den drei Gefangenen, die das Leben sang- und klanglos in sich einschlug, war die Trägerin des stolzen Namens der Herzöge von d'Aiguillon, eine Großnichte des Herzogs von Richelieu und Schwiegertochter des Ministerpräsidenten Ludwigs XV. Sic folgte ihrem Gatten in die Emigration, und daß sie nicht spurlos versunken und vergessen ist. verdankt sie nur der blutigen Klammer, die im Keller der Karmeliterinnen ihren so glanzvollen Namen mit den Unterschristen der beiden Plebejerinnen verbindet: Bürgerin Beauharnais Bürgerin Cabarrus Bürgerin d'Aiguillon. 3l jf. tränest- Sin Vogel als Schneider Das Spinnen ist eine uralle Handbeschäftigung der Menschheit. Die bei uns Deutschen immer noch übliche Ueberschätzung des Fremden, besonders wenn es aus dem klassischen Lande der Griechen kommt, hat auch den Ursprung der Spindel nach Athen verlegt: aber die Tatsache, daß schon in vorgeschichtlichen Zeiten in Deutschlanc» der Flachs ganz allgemein angebattt wurde, hat es»ohl wahrschein- lich, ja, sicher gemacht, daß unsere Vorfahren das Arbeiten mit der Spindel auch ohne Vermittlung Griechenlands gekannt haben. Während man heute in ländlichen Gemeinden immer noch häufig gemig die Hausmutter zur Winterszeit am Spinnrade sitzen- sehen kann(auch das Spinnrad ist eine deutsche Erfindung aus dem 16. Jahrhundert), wird die Verarbeitung der Rohstoffe im großen selbstverständlich durch Maschinen ausgeführt, die, erstmals 174! in England auftauchend, durch zahlreiche Verbesserungen un Lauf« von fast zwei Jahrhunderten Ihren heutigen Stand der Vollkommenheit und Kompliziercheft erreicht haben. Wir haben gewiß recht, auf die Entwicklung unserer Technik stolz zu sein. Aber wir haben kein Recht, die Technik nun als etwas zu betrachten, das nur den Menschen oder gar nur den sogenannten .Kulturmenschen' vorbehatten sei. Denn es ist durchaus nicht so, daß„Technik' erst da anfängt, wo man sich komplizierter Maschinen bedient. Vielmehr ist Technik ,chie Schafstmg von Mitteln zür.Ertragung, Benutzung oder Aenderung der Umwelt": und freilich ge- hört die Verarbeitung von Hans, Leinen oder Baumwolle im Spinnereibetviebe mft dazu, denn es werden ja Erzeugnisse der Um- well verwertet, um zur Ertragung der Umwelt— Schutz gegen Witterungseinflüsse— Dinge herzustellen, und Spimtereltnaschinen sind Mittel dafür. Aber ebensogut ist es„Technik', wenn ein Kind einen Stein ergreift, um mft seiner Hilfe die harte Schale der Haselnuß zu zertrümmern und zum süßen Kern zu gelangen. Kurz: jedes Lebewesen, das die ihm in seiner Umwell gegebenen Mfttel benützt, um daraus für fein Dasein einen Vorteil zu erreichen. führt eine„Technik' aus. Die Bewußtseinsfrage spielt dabei keine Rolle. Es gibt„unbewußte' Technik ebensogut wie bewußte. Soviel wir wissen, ist bewußte Technik uns Menschen vorbehalten. Ader wir wissen nicht, wie weit anderen Lebewesen außer uns „Bewußtsein' zuzuschreiben ist. Unser Innenleben ist so beschafsen, daß wir alles, was uns umgibt, nur mit menschlichen Maßstäben messen können: ein wirklich„objektives' Wissen, ein Wissen um das Wesen der Dinge gibt es für uns nicht. Wir können nie erfahren, wie die Dinge wirklich sind: wir wissen nur, wie sie sich uns dar- stellen. Es gibt nun aber im Tierreich Erscheinungen, die es in hohem Grad« wahrscheinlich machen, daß auch das Tier eine Art von„bc- wußter' Technik besitzt. Taucht diese Frage schon auf, idonn Man den Nestbau der Vögel im allgemeinen betrachtet, so wird Man, wenn man die Leistungen des Schneidervogels bettachtet, geneigt fein, sie zu bejahen. Diel« Techniker un'er den Vögellt ist in Indien hsimijch. Brehms Gewährsmann berichtet, daß die Wände feines Nestes aus zwei kleinen Blättern oder einem großen Blatte bestehen: im einen Falle legt der Vogel zwei am Zweige benachbarte Blätter mft den Rändern aufeinander, im anderen fallet er das große Blatt der Länge nach zusammen, so daß die Ränder aui- einander liegen. Nun— und das ist das Erstaunliche— durchbohrt er die Blätter den Rändern entlang in gewissen Abständen mit dem Schnabel und heftet sie zusammen, wozu er wohl auigeiundenc Bind- sadenreste verwendet, i» der Hauptsache jedoch die Fäden selbst aus roher Baumwolle dreht. Ueberlegen wir, was hier vorliegt Ein Vogel arbettci wie ein Schneider! Er näht— er vollführt eine.„Handfertigkeit", die- und, beim Menschen eine gew sse Höhe der geistigen Entwicklung voraussetzt. Ferner: er stellt sich den Faden selbst technisch aus Baum- wolle her. Dazu gehört einmal wieder eine gewisse.„Handisrhg- feit", dann aber auch die Erkenntnis der Materialqual itäte». Der Bogel muß beurteilen können, daß gerade die Rohbaummolle, die er aus den Samenkapseln der Baumwollpflanze pflückt, sich zum Spinnen des Fadens eignet, und ebenso muh ihm eme gewisse ilnteilskraft darüber zukommen, daß Fadenreste, wie er sie in der Nähe menschlicher Siedlungen leicht findet, zu leincin R' bm taugen, nicht aber etwa weiche Grashalme, die er gewiß edmso häufig liegen sehen kann Ueber diese zwei Arundsorderungen— Erkenntnis der Materialqualitä' und Handfertigkeit— kömmt auch unser« menschliche Technik nicht hinaus. Die erste Zeitung entstand im Jahr« 911 nach Chrsttt tn S-e hieß-King Pas'(Hauprstädttsche Rachrichte»). Ausreichender Arbeitsschutz ist ein« der wichtigsten Forderungen für die Fabrik- und iiir die cheimarbeiterrru Die bleibt dos Leit- nwtio in i>«n Aussul)rurigen Herta Gatthests über.Leim« arbeilcrin und Fabrikarbsiterin". Ganz kurz aber scharf charakterisierend streift die Vortragende die körperlichen Schädigungen, die di« Frau durch die Berussarbeit erfährt. Ist die Fabrikarbeiterin bereits zu einem bedeutendcn Faktor im Aufbau der Gesellschaft geworden, so ist die Heimarbeiterin noch immer so gur wie rechtlos. Hier bedeutet Umgestaltung ein« dringende Not- wendigkeit. Dr. Karl Schräder, Karl Dobler und Karl Arnold dis- kutjeren die Wohnungsfrage, wie sie sich dem Arbeiter stellt. An Hand einer Reche von Beispielen sucht man zum Kern des Problems zu gelangen. Die wirtichaftlich« Ungesichertheit des Pro. letariers. die ständige Gefahr der Arbeitslosigkeit tragen Haupt- sächlich die Schild an dem Wohnungselend. Aus den ruhigen Schilderungen, di« sich weit entfernt von jeder Sentimentalstät halten, entsteht ein prägnant umrissencs Bild der wirtschaftlichen Lage und der Einstellung gewisser bürgerlicher Kreise dem Proletariat gegen- über. Selbstverständlich kann in der kurzen Zeit nichts Er- schöpfendes gesagt werden. Doch auch eine Skizze weist aus das wesentliche hin. Rein formal steht diese Unterhaltung auf gutem Niveau, denn sie trägt den Charakter des Improvisierten: es ist nichts Gestelltes daran, sie entwickelt sich wie eine zwanglose Plau- derei. Abends eine literarische Veranstaltung„Schult lasse der Dichter" mit Alfred Kerr Koppen, der Leiter der llterarische» Abteilung, hat hier ein« originelle Form gefunden. Im Grunde handelt es sich um«ine Auseinandersetzung zwischen Kritiker und Schassenden an Hand der vorliegenden neuesten Werke. Jeder der Dichrer versucht, für sein Werk und seine Persönlichkeit einen Generalnenner zu finden, und Kerr macht dazu Glossen. J-densalls eine witzige Art, den Hörer mit Dichtern bekannt zu machen. _ F. Seh. Groß-Berliner Partemachrichten. Die Ordner für prolelarische Aeierstuadeu treffen sich orn Sonntag, dem 16. Februar. S Uhr. im Großen Schauspielhaus. Ei». gang Schiffbauerdamm. zur Morgenfeier de» Vereins Berliner Buchdrucker. « 7. a«i« eharl-tteiUnug uai Svaabau. ZuriHikht SprechNm�e beute, s»m>- oken». IS. �ebruer. IT—IS llbr. im SwsenWjc.tjn StoftncnKi. 4. s«. Icqenkxrt»uu Airchsnau-britt. 13. Ätei« XempiUef. SKeniaa. 17. Sttinior. 1»H llbr. graktuin.sitzune der SPD.,groid«7,l!!i.- Ml Restaurollt Mo�Li. Marillidorü Sboueeitraje. IS. ttrei« weitzensre. fieati, Sonnaitnb, 15. Februar, um 10li Ahr, W im Schloß Weißenice, große» Wintertest. Mitunetendc: chbert-M»»»- m ß Quartett, ferner der VortraqotSnstlcr Pnqqi Ruck. Tan» bis Z Udr.,- � Eintritt IM..--i t.- Heute. Sonnabend. 15. Februar. TS.«Bit. Danniee. M�llbr Berbcoersammtuiui im Lokal Reichsadler, Söniz. ftraßr. Vortran:»Wirttchuftotriie und Si>,ioldc»r»kratie«. Rekcrcut Ssrl Sressel. Alle Scnagen müssen erscheinen und Säfte mUdrincien. K. Abt. 9. Bezirk: Leitcrer Abend bei Schul». Birkbukchstr. 90. Begiu» 20 llbr. Eintritt frei. Ave Genossen sind herslichsl eingeladen. S5. Abt. Tempelbos. Der engere Lorstand trifft sich beut« 19 Uhr bei» E«- nassen Buräoneister. Bertiner Ctr. so. 20 llbr ssunktlonäroersammluna bei Kennina. Kaiser-WiNietm�ütr. 1. Morgen. Sonntag. 16. Februar. Febrnar, Sroßer Wiener Sreisswaldcr Str. 221—223. 24. Abt. VoranMinc! Sonutaq, 15. W Maskenbav in den Lnions-Fcstsälcn", -z Prömiicrnna der schönsten Damcumaske und de« oriaiuellstcu Karren- Z maoke. Anfnnq 19 Ufte. Ende 3 Ubr. Eintritt 1 R. Billetts find W bei den Bezirtsfübrer» und an der Abendkasse ,n haben. Zrauenveranfialluna. los. Abt. Ariebrichsbaaeu. Montan. 17. Februar, Befichtlgunq des Konsums Lichtenibera. Ritterautftraße. Die Genossinnen treffen fich»wischen 8% und 9 Uhr Babnbaf Frietrichabalsen. Wir fahren pünktlich 9 Uhr ab. Iungsozialisien. P«n»lanc- Vera: ELilntaci. 1«. Februar. Treffpunkt»ur Fahrt 7!» Uhr Rinabohnbof Schönhauser Allee. Bitte pünktlich sein. Gruppe Eharlottenburq: Lonnta«. 1«. Februar. Fahrt nach Briesekanq. Treffpunkt Rabnbof Eharlottenburq 8 Uhr. Sruppe Webdino-Gesunbbrunuen: Sonntaq. 1«. Februar. Fahrt nach Borgs. darf. Treffpunkt 8H llbr Bahnhof Gesuntbrunnen. Eingang Badstraße. Sruppe Wilmersdorf: Sonntag, 15. Februar. Fahrt nach Erkner. Treff. Punkt pünktlich S Uhr Bahnsteig Schöneberg oder SV3 Uhr Bahnhof Erkner. Arbeiksgemeinschaff der Hinderfreunde. Gruppe«eißouse«: Heute, 19 Uhr, im Iugrntcheim Varkstr. ze. Fort. leßung der DiÄuffion„Bartci und Eemerkkchaft", Eltern beteiligt euch an dieser Semeinschaff. Geburtstage, Jubiläen usw. 15. Abt. Uusi« Genosse Alfred Buttig laicht wie irrtümlich enge, geben»euoss« Küttig), Ackerstr. 13», feiert heute sei» 25jährjqes BartrijubUöum. Wir gratulieren ihm herzlichst. 17. Abt. Unserem Genossen»doli« S sc. Triffst.. ,1. ,«r Silberh-ch,->t die herzlichst«» Swckmünschc. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Orgamsation 4». Abt. Am 12. Februar oerftarb uirfe« Senosfin Wrlhelmine Runge. Elch« ihrem Andenleu! Beerdigung am Gomiabeud. 15. Februar. um l»«i Uhr, auf d«n gontralfriedhaf in Friedrichsfelde. Wir bitten um rege Boteiligung, j�SoziaWscheArbetterjllgendGr.-Verli« l für dies« Ztuditk nur«n dock Zugrodseffetoü-: S. Ltndenftrat« 3 SAZ�Fumgbuchdavckrr! Montag. 17. Februar. 17 Uhr. im Seim Linden. ftraß« 4. wichtige Zusammenkunft. Besprechung des Bertrauensmiinnerspftems lür die Betrieb«. Heule, Sonnabend. Mariendorf sAellere): Siedlung Daheim 159)120:„Die goldeue Mitte".— Neukölln FI: Wir treffen uns 19)4 Uhr Selchenrer Straße.— Schonhanser Vorstadt: Treffpunkt 17 Uhr an der„Eozialisten-Ecke" zum Besuch des Film- abends. Der Kennobend fallt morgen aus. Serbrbezirk Mite«! 19 Uhr Keim Landsberger Str. 50: W.-V.-Porstandd- ssßung.' Reu- Balcfa«hf Bmoffla«»«aar.«»»«ir ffnstch im eftfcawtotf im 9t. zirksamtes ein« Filmveranstaltuna„Onkel Toms Kütte" statt. E'ntritt M Bf. Die Genossen werden gebeten, die Veranstaltung nach Möglichkeit zu besuchen. Aelterenlursus 20 Uhr Danziger Str. 82. Werbehezirl Westen: Wochcnendkun'us In der Jugendherberge Zwdeisdoif, Thema: Lfiirtichaffsdemokratie". Weebebezirl Teltoackonal: W.-B.-Borstantssssvrng füllt am». Tambanrkarp» RenSlln: All» Slnftigen Mitglieder der Kapelle treffen fich pünktlich IS Uhr im Seim Lahnstraß r, Morgen. Sonntag. F»Upl«ß l: Fahrt. Treffpunkt 7)4 Uhr EchSnhauser Allee.— Fgltplatz Nr Fahrt Bernau. Treffpunkt 7)4 Uhr Bhs. Gesundbrunnen.— Neukölln r; Fahrt Bernau— Birkcnmerd er. Treffpuntt 7)4 llbr Bhs. Neuköpn, koll» VN:'—.-..—-—g kommen. 9Ris*i<*ftÄ8»l________.____________________ — Südwest: Fahrt Rüdersdorfer Kalkberge. Trcfwunkt 7t? Uhr S-blel Bhs. 79 Pf.— Araimpldß: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr öchiwd. Allee.— RenkM» M: Fahrt Teupißer See. Treffpunkt 7)4 llbr Bbk. Neukölln. 89 Pf.— Tempel- Hof: Fahrt. Treffpunkt 7)4. Udr Bhs. Tempolhof. Werbebeztrk Deddieg: Besichtigung de» Kraftwerkes Klingeniberg. Treff- Punkt 8 Uhr Bhs. Weddina. Es dürfen nur di« von den Gruppen bestimmter Genossen teilnehmen. Abends finden.Heimabend- iu den Seimen Turiner und Lorßmastroße statt. Seu-inüullszUg z. Klajl« Z4. Prrubilch-Äüddeuljche Klasien Lvtterie. Ohue Gewähr Nachdruck verböte» Auf jede gezogen« Ztnanner sind zwei gleich Hobe Gewinn« gefallen, und zwar je einer auf die Loj» gleicher Nummer in den beiden Ableilungea I und ll 6. Ziehungstog 11. Februar IllZV I» der heutigen Bormittogsziebung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 8 Gewinn» p. 10000 75. 16538 163550 388108 3«ewina»«a 5000 M. 31481 103393 139339 336397 14 Goviim« p» 3000 M. 40678 71 175 85743 168107 133610 200936 383336 18«ewinn. IN 3000«. 3429 10934 39680 73873 118809 149465 189854 195154 277763 18 Gewmno m 1000 ffl. 20343 26787 177090 199578 276667 333416 347699 382394 388723 76»«vi-n« m 500 M. 33174 43741 52025 61536 96539 1000)7 104486 109139 1I0Z70 116617 12SS95 139109 141365 15S1S217S2SS 179905 180166 1SS489 200440 311139 221837 350433 233069 255936 309510 314884 317160 321470 330347 330893 331067 337032 339133 341641 358041 358990 364852 397850 3n der heutigen Rachmittagsziehung wurden Gewinne über IM M. gezogen 4 Gewi»», ,» 5000». 131401 351871 10 Gewi»»» M 3000 W. 154482 260780 368610 315642 364272 6 Gewffw» p, 2000«. 42S7S 216692 370312_ 34 Geonaem 1000®. 9178 49001 59667 80599 138861 183879 164383 175141 186832 206978 262798 281354 323729 344427 367806 Z 76028 383993 88»«-UN,, I« 500«. 1366 10991 12636 14334 46537 8186561879 33894 95041 71001 71352 73311 76864 136336 142349146048 174630 199393 199664 300077: 239793 254616 25712» �------............ _________________ i 361659 307950 317296 338891 335798 339904 340278 346298 353207 353307 360911 366337 373217 «O»11 wcuuiiiiiuvc 2 Gewinne zu je 600000, 2 zu je je 76000. 3 ,u ,» 50000, 12 zu je l Im Gewinnrad« verblieben: S Prämien zu -------. MgygO g j, 200000, 4 zu 25000, 60 zu je 10000, 128 an je 5000, a58'ga> 8000, 654 zu je 3000) 1728 zu je 1000. 3694 ,u 1« 500, 9400 zu je 200 M. Tägl. 9 u. SOOBI. 2.9# 8� Al. Uhr . Vater sein, dauegen sehr Sein nta; auch nachm. 4 Uhr fhalhe Pr.) '"oireküon Or. Uartm rnkoi Komisch« Oper fnoüricIlstr.llM Merkur 14014530. Nach vollständigem Umbau Täglich 8)9 Uhr Mulla di Bulla Schwank vv Arnold und ftacb mit Guido THfelsct««r. Schult, ächrotn, würg, H:ld«brand, Walter Rine, Flink VolKsbUlme Thntv im BOIripMz. 8 Uhr Ura ufführung Apollo. BrunnenstraB« Volksstück von OroSman n und Hessel. Ihsit; 11«»«Zed». hjlt; Jörfti FaUiig. Staat). Säiiler-Tb. 8 Uhr finnrgß Danflln BouliouroiliB mniu iib saimuiiartaain 8>.'« Uhr Diebartenlaiibe Metropol-Th. 8-« Uhr Das Land des Liebeins Vera»diw«r«. Richard Tauber Muftlk von ffranr Ue h 4 r Theatei o. Ostens Täglich 8<.i Uhr: Höfel Sfadl Lemöerö Musik von Cilbert- Kätbc Dor.ch leo SchCtrcdorf TnanoD-Ttiiatei Georgenstr. 9 Täglich SV. Uhr nn Hemm Sedtmioo Komische Oper Friedrichstr. KM. Merkur 1401/4m Allabendlich s'.'.U- schviik.in A/snil nl lad Uisispiölbaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2927,'23. Täglich 8V. Uhr Liebe auf den mtten Blick dnllll Illg llllvmillllll 4 Uhr: 9rmu ohn« Ku»«l Lustspielhaus ft1* Friedrichs tr. 256. ßergmann 2972/25. Iii sol öen iwisa BM. - HoaeV, Vorvorkau' in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrophen. ARU AS AN I I. Uhr 'Kinder auf allen Plänen von 7 20 M. aufwä-«s halbe Preise. 7»st Uhr» GroiaVoratelhrag. . o-l Uhr�G�T�er-«. In- I dlaparsedaa. Erwachs. 1 Mk. Kinder.50 Pfe Ii Uhr: FarolUeii-VorsMIg. I Kinder auf 4 len Plätten von 17 70 M. aufw ärts halbe Preise 7: Uhr: GrogeVontcllagg. Tel. UrrdZ 4UMI.— kmiwirmei Tu«.1 WM MM 0.1. Norden 17310 Tigl-SV.Uhr Dar Kaisar v.Amerika von Bcmard Shaw PegcMav Belahardi Hammerspleie 0.1. Norden 12310 S Uhr UerKandldal von Carl Sternhdlm R«»; BanStliruL Die Romiidte J1 Bismck. 2414/751« EüD Victoria von S. Maugham- Regie: MaxRelabardt Musik: Miseha Spoliansky. Direktion Or. Robert Klein Deuischts SöBsilBr-Tbellt. Barbarossa 3931 8»/« Uhr Jus, zwei, iiB" von Franz Moinar Bit(in Pallubaig. Vsrto; Souper Berliner TBealer Dönhoff 170 Täglich Uhr Die Straße Bit Albert Bastnnam. Regie. Helot Hilpert. Lessing-Theater Norden 10846 Täglich 8 Uhr Affäre Dreyfus von Rebflscb und Uertoe Iii. a. üNllEitdartiilat! Vorvk.10-2. Kf. 2091 Täglich«f. Uhr Qsgtigigl d» kiluMM» Tüsatsrs Nenschen im Hotel von Vicki Baum Rigit; fodit Milzm. Zschlli« Binder, Mar- nareteRoeppke.Rsiiip. Rarlvocs. Sttmiicn. v. Kalmav Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 KEüEOWELT< AtiolAÄlill. O-kbii KnMimpUllüMi'i.tiiaU Gr.Bockuiertest and Großer Aipenbnll 7 kpiiln. Hm kbowiw«. 58 daznute Mtdln. Einlaß: Wochentass 6 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Hlttvos, dse 19. ribrosr 1930 MII1IRItllUin|llt3Wll>lie □od ein erstU. bnntea Progranaa» Für unsere teser! Qntschein för 1—4 Personen Fauteuil nur t 78 Sesael 1.75 M� sonstige Preise- Parkett u. 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