Morgenausgabe ttr. 51 A 41 47.Iz». unh 72 Sfg. Postbeftellgebühren. Lusland»- obonnemeRl 8,— M. pro Monat. Stt„SormSrfs* erscheint wochentZg» lich zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Iltel.Der Abend", Zllustrierte Beilagen.Volk und Zeit" und. Kinder sreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen",.Frauen- stimme",.Technik",.Blick in die Lücherwell" und.Iugend-Borwirts" NerUner Vottsblatt vienstag 18, Februar 19Z0 Groß-Äerlin 1U pf. Auswärts IS pf. tU einspaltige Nonpareillez?fs, 80 Pfennig ReName'eile S— Reichs» mark.„Aleine Anzeigen' das ,ettge» druckte Wort 2ö Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort IL Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig» jeoes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben En für zwei Worte. Lrbeitsmalkt SO Pfennig. Familienanzeigen Zeile ennig. Anzeigenannahme iinlzaupt' aefchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Aentealovsan der SozialdemoSratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Kernsprecher: Döichoss 292—237 Telegramm-ildr.: Sozialdemokrai Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto! Berlin S7S3S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr, Sö, Dt, B, u, Di»c,.BeI., Deposttenkasle Lindenstr 3. Krise in Paris. Negierung Tardieu in der Minderheii.— Nur Wechsel im Mnanzministerium oder Gesamirückiritt? Paris 17. Februar.(Eigenbericht.) Itit Regierung Tardieu ist heute abend gegen 8 Uhr im Verlauf der Generaldebatte über das Budget in der Rammer gestürzt. Finanzministcr E h p r o n hatte zum zweiten Male im Laufe des Abends die Vertrauensfrage stellen müssen. Bereits bei der erste« Gelegenheit, gegen 4 Uhr nach» mittags, blieb die Regierung mit IS Stimmen in der Minderheit. Da aber die Geschäftsordnung der Kammer die nachträgliche Rektifikation des Abstimmungsrcsultates zuläßt, gelang es, nach» dem sämtliche anwesenden Minister und Staats» sckrctärc für sich selbst ihre Stimme abgegeben hatten, der Regierung noch cinletztcs Mal, eine schwache MehrhcitvonSV Stimmen zu erreichen. Um 8 Uhr abends stellte Chero« zum zweiten Male die Vertrauensfrage. Diesmal blieb die Regierung endgültig mit 28S gegen 2 81 Stimmen, also mit 5 Stimmen, in der Minderheit. Die Mi- »ister verließen sofort den Saal, die Sitzung wurde geschlossen. Der Sturz der Regierung erfolgte über eine Frage untergeordnete« Ranges, die lediglich als S t, m p t o m für die seit Wochen aufs äußerste der» schärfte Spannung zwischen Finanzminister und Kammer zu gelten hat. Es handelte stch um Artikel 3 des Finanz» gesetzes, um die Frage, ob der Mann für die Ein- knnste seiner Frau steuerpflichtig sei. Im Borschlag der Finanzkommission wurde diese Frage ab- gelehnt. I« der heutigen Kammersitzung nahm Finanz» minister Cherou einen gegenteiligen Standpunkt ein. Die Debatte spitzte sich zu und CHSron richtete eine klare Kampfansage an die Kammer, indem er erklärte, daß er es als ein persönliches Mißtrauensvotum be- trachte, wenn die Kammer bei jeder kleinsten Frage systematisch Obstruktionspolitik treibe. Die Kammer möge sich daher für oder gegen die Regierung entscheiden, und er stelle die Vertrauensfrage. Die Abstimmung er- gab dann das oben wiedergegebene Resultat. Seit Tagen lag der Sturz des Finanzministers Chiron in der Luft. Der Ministerpräsident Tardieu, der am Sonnabend aus London nach Paris zurückkehrte, wurde so- fort nach seiner Ankunft von seinen Kollegen darüber infor- miert, daß es höchste Zeit sei, diesen unbeliebten Finanz- minister zu ersetzen. Gleich darauf erkrankte Tardieu an Grippe, so daß er am Montag der Kammersitzung fernbleiben mußte. War etwa diese Krankheit politischer Natur, um eben Chöron seinem Schicksal zu überlassen und ihn so schnell wie möglich stürzen zu lassen? Es gibt in Paris Leute, die Tardieu eine solche raffinierte Taktik wohl zutrauen. Die Frage ist nun, ob es bei der bloßen Ausschiffung des Finanzministers bleiben oder ob eine völlige Neubildung des Kabinetts, etwa unter einem neuen Ministerpräsidenten er- folgen wird. Das Kabinett hat» im Einvernehmen mit dem bettlägerigen Ministerpräsidenten, seine General- d e m i s s i o n überreicht. Dazu war es wohl nach den parla- mentarischen Regeln verpflichtet, aber das Staatsoberbaupt Doumergue ist nicht verpflichtet, diesen Gesamt- rücktritt anzunehmen. Doumergue kann sich auf den Stand- punkt stellen, daß es sich ausschließlich um eine Finanzminister- krise handle, und Tardieu bitten zu bleiben und sein Kabinett zu ergänzen. Das ist vorderhand sogar der w a h r s ch e i n- l i ch e Ausgang dieser Krise. Denn Tardieu selbst verfügte bisher stets über eine zwar nicht sehr erhebliche, aber doch sichere Mehrheit. Indessen wären Ueberraschungen nicht undenkbar. Man darf nicht vergessen, daß P o i n c a r 6 vor zwei Wochen, nach halbjähriger Krankheitspause, völlig wiederhergestellt und tatenlustig wieder in Paris eingetroffen ist. Er hat den Ehr- -eiz. wieder Präsident der Republik zu werden und zu der im iahre 1931 wieder fälligen Wahl zu kandidieren. Bis dahin wird er bestrebt sein, wieder aktiv als Ministerpräsident in Tätigkeit zu treten, 5iält er seine Stund- schon jetzt für qe- kommen, dann wird Doumergue kaum zögern, ihm den Ge- fallen zu erweisen und Tard eu zu opfern. Auch Vriand erträgt ungern die Rührigkeit Tardieus, der seit dem Haag und neuerdings auch in London die Leitung der außen- politischen Geschäfie— mit wechselndem Erfolg— an sich reißt. Endlich ist in der Radikalen Partei eine starke s Strömung unter Führung des neuen Ehautemps vorhanden, die oppositionsmüde ist. Nachdem die S o z i a l i st e n endgültig— wenigstens für die Dauer der jetzigen Legislaturperiode— die Koalitionspolitik abgelehnt haben, sind zahlreiche Radikale der Ansicht� daß es an der Zeit sei, sich wieder an der Regierung zu beteiligen. Allein unter Tardieu, der eine ausgesprochene Rechts- regierung mit einer klaren Rechtsmehrheit gebildet hat. ist das für sie unmöglich. Eher noch könnten sie ihre Rückkehr zur Regierungspolitik unter Briand und sogar unter Poincar� vollziehen. Es ist also keineswegs undenkbar, daß der Sturz Chirons, selbst wenn er von Tardieu heimlich gewünscht wurde, auch den Sturz Tardieus selber nach sich ziehen wird. Vermutlich wird schon der heutige Tag darüber Klarheit schaffen, welche Konsequenzen der Präsident Doumergue aus der gestrigen Kammerabstimmung zu ziehen gedenkt. Oesamtdemission überreicht. Paris, 17. Februar. Finaazminister Cheron und Kriegsminister M a g i n o t haben den Ministerpräsidenten Tardieu über die Ereignisse, die sich heute abend in der Jammer abspielten, unterrichtet, während sämtliche in Paris omvesenden übrigen Minister in einem Nebenzimmer warteten. Ministerpräsident Tardieu verfaßte das Demisslons- fch reiben und gegen K 10 Uhr(frartzöflfcher Zeit) begaben sich s ä m t l i ch ,e in Paris anwesenden Minister mit Ausnahme des Ministerpräsidenten, der das Bett hüten muß, und mit Ausnahme des in London weilenden Morineministers L c y g u e s und des in Genf weilcnden chandelsministers Flandin ins Elysee, wo sie den Präsidenten der Republik das Demisstonsschreiben des ge- samten Kabinett- überreichten. Neichskabineii und Eiai. Eine Racktsshung. Da» Reichskabinett trat gestern abend zu einer Beratung über den Etat für 195' zzind die Deckungsvorlage zusammen. Die Beratungen dauerten iv den späten Nachtstunden noch an. Kösters Befinden unverändert ernst. Anhaltendes hohes Fieber. Belgrad, 17. Febraur, 7 Uhr abends.(Eigenbericht.) In dem Befinden des deutschen Gesandten in Jugoslawien, Dr. Adolf Köster, ist am Montag eine Besserung nicht eingetreten. Der Zustand Kösters ist nach wie vor außer- ordentlich bedenklich. Das Thermometer zeigt« auch den Tag über hohes Fieber und stieg zeitweise bis zu 40 Grad. Die Befürchtungen der Aerzte um Dr. Köster stützen sich hauptsächlich darauf, daß das Herz des Patienten durch die schwierige Operation außerordentlich stark angegriffen worden ist. * Nach Mitternacht erfahren wir auf Anruf be! der. deutschen Ge- sattdtschast in Belgrad: Der hierher berufene Unwersitättz�rofessor Dr. Wenckebach hat den Patienten untersucht. Die Darmtätigkeit hat noch nicht wieder begonnen. Der Zustand Dr. Kösters ist nach wie vor e r n st: sein Allgemein befinden zeigt eine Besserung. Temperatur 38,2 Grad. Zugkataflrophe bei Glasgow. 70 Fahrgäste unter den Trümmern der Dogen. London» 17. Februar. Bei Ruthergle» in der Näh« von Glasgow hat sich heute abend ein folgenschweres Eisenbahn» nnglück ereignet. In den« dichten Nebel» der über der Gegend lag» ist ein Zug auf einen Vorzug aufge» fahren. Nach Mitteilungen der an den Bergungs- arbeiten Beteiligten wurden etwa siebzig Fahr- gäst« unter den Trümmern der zerstörten Wagen be- graben und verletzt. Die Verwundeten wurden ko schnell wie möglich teils durch Kraftlvagen, teils durch einen Sonderzug in die benachbarten Krankenhäuser ge- schafft. Weitere Einzelheiten sind«och nicht bekannt. Die Splitterparteien. Oer Staatsgerichtshof enttäuscht ihre Hoffnungen. Ermutigt durch die frühere Rechtsprechung des Staats- gerichtshofes hatte der oölkifch-nationale Block in Gemeinschaft mit der V o l t s r« ch t s p a r t e i gegen das Land Preußen vor dem Staatsgerichtshof eine Fest- stellungsklage eingereicht. Di« Klage behauptete» daß die Vorschriften des preußischen Wahlgesetzes über die Verrech- nung der Reststimmen bei der Verhältniswahl verfassungs- widrig seien. Die Klage wandte sich vor allem gegen die Bestimmung, daß einem Landeswahlvorschlag höchstens die gleiche Zahl der Abgeordnetensitze zugeteilt werden kann, die auf die ihm angeschlossenen Kreiswahlvorschläge entfallen sind. Diese Bestimmung des preußischen Gesetzes stimmt wörtlich mit der Vorschrift des§ 32 des Reichswahlgesetzes übereiin. Das Reichswahlgesetz ist seinerzeit von der ver- fassunggebenden Nationalversammlung ein st immig an- genommen worden. Die Klage der beiden Splitter- Parteien schloß also die Behauptung in sich, daß das von der Nationalversammlung einstimmig beschlossene Reichsgesctz ebenfalls verfassungswidrig sei, weil es den Grundsatz der Gleichheit der Wahl verletze. Der Gedanke, daß im Ernst der Staatsgerichtshof«in Feststellungsverfahren über diese Behauptung einleiten müsse, und noch mehr der Gedanke, daß es in seine Hand ge- geben sei, zu entscheiden, ob das einstimmig beschlossene Reichswahlgesetz verfassungswidrig sei oder nicht, ist absurd. Die Tatsache, daß ernstlich verhandelt worden ist, wird durch die Entscheidung des Staatsgerichtshofes n:cht aus der Welt geschafft. Der Staatsgerichtshof hat die Klage des völkisch- nationalen Blocks abgewiesen, er hat festgestellt, daß das Reichswahlgesetz verfassungsmäßig ist, und daß deinnach auch ein Landeswdhlrecht, das sich mit dem verfassungsrecht- lich gültigen Reichswahlrecht decke, nicht verfassungswidrig sein könne. � Dieser Entscheidung ist eine Darlegung des Standpunkts der Kläger und des Landes Preußen in langen Schriftsätzen vorhergegangen, umfangreiche Rechtsgutachten sind erstattet worden, der Staatsgerichtshof hat zwei Tage lang verhan- delt— und das Ergebnis ist genau dasselbe, das bei einer Entscheidung des gesunden Menschenverstandes herausge- kommen wäre. In Wahrheit handelt es sich bei dieser Klage um einen politischen Versuch, mit juristischen Mitteln die Stellung der gegenwärtigen Regierungskoalition in Preußen zu er- schüttern. Es ckann nicht bestritten werden, daß dieser Per- such erst unternommen werden konnte, als frühere Urteile des Staatsgerichtshofes In den Splitterparteien den Glau- den erweckt hatten, daß hier auch das Unmögliche möglich werden könnte. Es ist an sich schon eine groteske Situation, daß gerade d i e Splitterpartei, die der Demokratie feindlich gegenübersteht. Klage erhob mit der Behauptung, daß die Demokratie den Grundsatz der poli- tischen Gleichheit verletze, sie wurde noch grotesker durch die Tatsache, daß ausgerechnet der Staatsgerichtshof in Leipzig darüber entscheiden sollte, ob die auf Grund demokratischen Wahlrechts gewählten Parlamente und ihre demokratisch- republikanischen Mehrheiten die Demokratie mißachtet hätten! Dieser politische Vorstoß, der zugleich ein Angriff auf dag Reichswahlgesetz im Interesse der Splitterparteien war, ist mißlungen. Es sind im wesentlichen drei Punkte, die die Begründung des Urteils des Sraatsgerichtshofes feststellt. Zunächst hält das Urteil den Klägern ein Kolleg über den Begriff der demokratischen Gleichheit: „Eine starre Bindung des künftigen Wahlgesetzgebers an jeden cmzelnen dieser Grundsätze bis zur letzten Konsequenz durchzuführen. kann die Derfastung nicht bezweckt haben. Dies gilt auch von dem Grundsatz der Wahlgleichheit. Auch für die Durchs!, h- rung dieses Grundsatzes hat die Reichsvcrsassung dem Gesetzgeber des Reichswahlgcsetzes ein gewisses Maß von Freiheit der Entschließung übertragen. Dieser Auffasiung steht der Begriff der Gleichheit nicht entgegen, denn es handelt sich dabei einmal um keinen logisch- mathematischen Begriff, sondern um einen Rechtsbegriff. Deshalb stich hier Gleichheit und Ungleichheit keine sich ausschließenden Gegensätze, vielmehr sind Abstufungen und Ucbergänge möglich und denkbar." Zum zweiten verweist es darauf, d.ß sich das Reichswahl- recht nicht mehr von dem Grundsatz der Gleichheit entfernt, als es der Verfassungsgesetzgeber selbst, der zudem selbst, und zwar einstimmig, das Reichswahlgesetz erlassen habe, für zweckmäßig erachtet habe, und schließlich spricht es den cigent- t lich selbstverständlichen Satz aus, daß in einem Land nicht verfassungswidrig sein könne, was im Reich verfassungsrecht- lich gültig ist. Damit ist die Frage der Splitterparteien ein für allemal geregelt. Es bleibt dabei, daß sie keinen Anspruch auf ein unbeschränkt proportionales Wahlrecht haben. Wohin dieser Anspruch führen kann, hat das Beispiel Lettlands gezeigt, wo es keinerlei einschränkende Bestimmungen gegen Splitter- Parteien gibt. Der lettische Landtag umfaßt 100 Abgeordnete. » dem Grunde, daß gerade sie einer �willkürlichen Lohnpolitik der Unternehmer Grenzen ziehi. da»„vokketümlichste" Angriffsobjekt. Mo-n will ihre„Reform". Man unterschätzt, was bereits durch die jüngste gesetzliche Reform zuweae gebracht worden ist! Di« Ursachen der Finanzkalamität der Reichsanstalt sind nicht Mißstände in der Versicherung, sondern die Krise de? Arbeits- markte». Das muß mit größtem Nachdruck f«s»g stellt weichen Was man will, ist nicht die Reform der Arbeitslostnoersicherung. sondern ihre Aufsplitterung und die Senkung der Ve'stche- rungsleistungen. Dahin z-elen auch NorsckLäge. wi« die Austeilung der Versicherung nach Berufsgruppen, besonder» die Tvennlma pon Arbeitern und Angestellten. An diesem Vorschlag sind die Untex- nehmer mteressiert, aber auch die bürgerlichen Angestelltenorgorvila- t-onen. Der Gedanke der � Gefahren gemeinschaft aller Dersickerunas- träper erscheint sehr plausibel, aber«r ist geradezu u he lvokl. Ab- gesehen davon, daß bi« übrigen Svzialncrsicheritngsträaer in Be- drängm» gebracht würden daß dem Wohnungshau die Mittel wei'er verknappt würden, soll ein« so'ch« Uebertranung der Darleh spillcht vom Reich auf di« übrigen Versicherungen bewirken, daß der Gläubiger ein anderer wird. Die Arbeitslssenvrxsiche, rung soll entpolitisier N werden, mit dem Ziel, di« Leistungen herabzndriicken. verstärkte Aulonomie der Reichsanstall, ohne daß glei-hzeltig die Arbeitnehmer in den Organen der Reich-mustalt da» Rebec- gewichl erhallen, tst ein Danaergeschenk, ist eine gegen die Arbellzlosen Versicherung gerichtete Maßnahme. E» würde zn keinen, Beschluß mehr kommen, vre verstärkte Selbst- Verwaltung würde sich gegen die Versicherten richten. All« in den Besprechungen der letzten Monate entwickelten Pläne haben im Grunde die gleiche Tendenz, nämlich, einen unpolitischen Gläubiger an Stelle des politischen Trägers, des Reiches, zu fetzen. Indessen, darüber muß man sich klar fzin. mit unserer Zustimmung gibt es keine EntPolitisierung der Arbeits- losenversichsrung. Sie müßte gegen unseren Willen durchgesetzt werden. Wir haben eine Erhöhung der Beiträg« von 3)4 auf 4 Proz. vorgeschlagen. Hätten wir dies« Erhöhung schon unmiitil- bor nach Inkrafttreten t«s Gesetzes, schon 1927 durchgeführt, so würde die Reichsanstalt in keine nennenswerten Schwierigkeiten geraten fein. Will man aber diese Erhöhung nicht bewiMqen. so muß e» dabei sein Beweaden haben, daß das Reich der Schuldner bleibt. Der Staat, d. h. das Reich, hat in kritischen Zeiten für die Arbeitslosen.zu sorgen und kann aus dieser Haftung nicht entlasten werden. Jede Verbindung der Finanzierung der Arbeitslosen- Versicherung und der übrigen Zweige der Sozialversicherung muß abgelehnt werden, ebenso K« besondere Heranziehung der Beamten. Es gibt nur eine Lösung. Dl« Notzeit des Reiches fordert ein ollgemeines Notopfer der Mehrverdiener, sie for- dert es im Interesse der Arbeitslosen, sie fordert es in gleichem Maß« für die Gefundung der Finanzen des Reiches. Dann, und nur dann Tönnen die Gewerkschaften auch zu den Ber brauchssteuern eine andere Stellung ein« nehmen. Das muß der Reichsregierung, das muß dem Reichstag von dieser Stelle aus ganz entschieden gesagt werden. Welker vom Bundesvorstand sprach dann als letzter Redner In der Vormittagssitzung über.■ die schwere Belastung der Znvasibenverfichernng. Di« Zahl der Renten sieigt fortgesetzt, noch stärker aber steigt die Belastung aus diesen Renten. 1921 hatten wir etwas über zwei Millionen Renten. 1928 waren sie auf über 2.9 Millionen on- gewachsen, 1921 betrug die Belastung aus den Renten 350 Mill onen, 1928 war sie aus 982 Millionen, otso fast auf«ine Mil- liard« angewachsen. Aus den Beiträgen wurden 1924 ge- deckt: 250 Millionen: 1928 aber 660 Millionen. Aus Rcicksm lieln wurden ni diesen Renten gezahlt vor dem Kriege 58, 1921: 95. 1928: 195 Millionen Mark(Reichszuschüsse zum Grunkbetraq). Dazu kamen seit 1927 Reichsbeitröge. d. h. die Aufwertuna der alten Beiträge aus Reichsmitteln: im Jahr« 1927 25 Millionen Mark: 1928: 125 Millionen: 1929: 186 Millionen. Die letzte- ren Beträge wurden in Höhe von 161 Millionen Mark in Papieren gegeben, die erst 193 5«inlös- bar sind Diese Beträge mußten aber von der Inoalidenoersiche- rung an die Dersicherten i n b a r gezahlt werden Was dos zu be- deuten hat. ergibt sich aus den Derstckerungsbllanmn. Di? L i- tragseinnabmen waren im Jahr« 1929, auch im Zusamrnenbang mit d« Arbeitskosigkeit. sehr viel geringer als geschätzt worden war. Der erwenket« Veberkchvß von 355 vvlllnnen ist katW-bklch aus 110 VNM-men im lansrnden Zahe reduziert morden. Die Belastung der Invalidenversicherung ist. mch zwar durch Auf- wertung von Renten, um 80 Millionen gewachsen. Diese Belastung ist eine dauernde... �., Die Landesversieberungen haben im letzten Iabr noch 110 Mil- Konen Mark Ueberschüsse gehabt. Wer aus solche Summen nt künstig nicht zu rechnen. ■" Es ist da*- er schon W««ch dle ZnvoNd«nv«stche»nng '-Iberhtr-pk In her ra*e M. Besrto« wie Me«eplanten 100 Ml- klonen der Relchsanst-lk zur Verfügung zu stellen.. �. D« Plan de? GefaHnenaemeinsckast scheint in der Versenkung verschwunden zu sein Dafür denkt man an Zwangsanlgihen In der Diskussion wurden die Schwierigkeiten gekennzeichnet. di« die W-ndunaen im poktssch-varlamentarischen Leben der jmmsten Zeit den Gewerkschaften bereitet haben. Gesichtspunkt« der Banwirtschaft stechen bei der Beurteilung der Lag« un Vorder. gründe. Vom Standpunkt der sozialdemokratischen JWchrfagsfraAZon wurde geltend gemocht, daß die polltische Entwickbing der letzten zwei Jahr« zwangsläufig gewesen ist. Die B-rschl«chf«ung des «rbeit,martt-s und der öffentlichen Finanzen hat Partei und G:- werkschaften okeichmäßig an der Entfo-ltung ihrer Kräfte gehndsri. Di« Fraktion bat rechtzeitig aus den Irrtum, daß di« Finanzlage de» Reiches Steuerermäßigungen gestatte, hmgewiesen. Bei der Beurteilung der gegenwärtig zu lösenden finanzpvlitisihen Aufgaben muß von der Tatsach« ausgegangen werden, daß zur Sanierung des Hausbaltes ein Betrag von 700 Millionen Mark eriordersich ist. Partei wie Gewerkschaften müssen sich auf den Standpunkt stellen. daß die Sanierung unter allen Umständen pattsinden muß. Ein« ideal« Lösung wird es nicht geben. Erforderlich ist jedoch nnbedinok die abfolnke Sicherung der sozialpolitischen Verpflichtungen de» Reiche». Di« verschiedenen Plan«, die dies«, Zweck erreichen wolle«, ohne auf Steuermittel zurück, ugreis«,. sind ein« Bedrohung der Arbeit-, losen Versilberung. Gegen jede Form der Aufwendung von Mttein anderer Versicherungsträger für die Sonierun? der Arbeit-loscu- Versicherung ist einzuwenden, daß dadurch der Bauwirtschost Mittel entzog«, werden. Darum müssen Gorunti«, geschossen wert»«, daß jeber Vertust der durch diese Maßnahmen für den Bgukreint entsteht, ausgeglichen werde durch ein« Belebung der Kapitaleinfuhr. Im übrigen bleibt die Tatsach« bestehen, daß 700 Missio en Mark durch neu« Steuern aufgebracht werden müssen. Der G:- dank« eine« Notopfer, als Zuschlag zur Einkommensteuer'ei erwägen-wert, jedoch werde sich nicht der volle Betrag von?50 Ml- fionen Mark einbringen lassen. Ein« Erhöhung d-r U m s a tz- st« u« r würde eine starke dauernde Belastung der Massen bedeut n. die nickst zu billigen wäre. Wenn man di' Wahl hat zwis-ben C«'»r Steuer und d-r Biersteuer, so müsse man sich für die letztere entscheiden. Die Diskussion wird am Dienstag fortgesetzt. DieResprechungenöerFlnanzsachversiänd�gen Die für Montag vorgesehen« Besprechung der sozialpoli- tischen Sachverständigen der Regierungsparteien hat wegen der Teilnahm« der sozialdemokratischen Unterhändler an der Bimdesausschußsttzung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- Hundes nicht stattfinden können. Sie wurde auf Dienstag Mil2 Uhr vertagt. In der Sitzung der Finanzsachverständigen erstattet« Reichsfinanznünister Dr Mowenhauer«inen kurzen Bericht über die am Freitag und Sonnabend der vergangenen Woche stattoefundenkN Besprechung ,mt den Finanzministern der Länder Die nächste Sitzrmg der Finanzsachverständigen soll am Dienstognqch« mittag 5 Uhr stadsinden. vi« Zusterburger Siaalzanwalkschast ist mit dem Urteil im Pletschkaitis-Prozeß nicht zufrieden: WTB. hört au» sicherer Quell«, daß die Staatsanwaltschaft vorsorglich Revision einlegt. Reichsiag verschoben. ?tächste Zteichstagösitzuag verzögert sich. Der Vorsitz« nd« des �aushaltsausschufles de» Reichstags Zlbg. ch e i m a n n(Soz.) unterbreitete am Montag abend dem Reichstag?' Präsidenten Lobe den Wunsch der die Voung-Gesetze beratenden vereinigten Ausschüsse, chnen noch einige Tage Zeit zu lassen und die nächste Reichstags sitzung noch nicht am Mittwoch stattfinden zu lassen. Präsident Löbe entschloß sich darausbin, die Plenarsitzung für Mittwoch abzusagen. Am Dien». tag vormittag wird der Ael'estenvat des Reichstags über einen neuen Termin für die nächst« Vollsitzung de» Reichstags Beschlutz fassen. In Betracht kommen der nächst« Freitag oder gar erst der Montag der nächsten Woche. Oie vertrauliche Beratung der Ausschüsse. Der Auswärtige Ausschuß und der Haushalt». ausschutz de» Reichstag» setzten am Montag die Beratung den Poung-Gesetz« fort. Aus Antrag des Abg. Brüning lZ.) wurde gegen eine Stimm« beschlossen, die Verhandlungen oertraulich zu führen. Der Ausschuß führt« die Besprechung über die Fragen Mma> tsrium und Schutzklausel noch nicht zu Ende. Di« vertraulich« Aus- spräche über diesen Fragenkomplex wird daher am Dienstag fori- gesetzt. Ein wiederholter deutschnationaler Antrag aus Hinzuziehung des Reichsbantpräsidenten Schacht wurde vom Ausschuß abgelehnt. Kommunist Weber wird nichi bestätigt. Sollnger Stadtverordnete beim Beglenmgspräsidenten. Solingen. 17. Februar. In der Besprechung der Fraktionsführer der Stadt» verordne ten beim Regierungspräsidenten über den Fehlbetrag im Solinger Etat und über die Oberbürgermeister- frag« erklärte der Regierungspräsident, er müsse im Namen des preußischen Innenministers, auf dessen Iniative der Zusammenschluß der fünf Gemeinden erfolgt sei.«ine ordnungg gemäße Regelung der Finanzsrag« verlangen. Der vorhandene Fehlbetrag von 1.6 Millionen Mark, der übrigens inzwischen auf IL Millionen Mark gestlegen ist. müsse entweder durch«ine Anleihe oder durch Beschasfung eine» Kredits mit Erhebung einer Nachtrags» umlag« von mindesten» einer Million Mark gedeckt werden.(Die Stadtverordneten hatten jegliche Nachtragsumlag» abgelehnt.) Der Restbetrag könne auf das Rechnungsjahr 1930 übernommen werden. Spästens in 14 Tagen erwarte er einen endgültigen Beschluß. Zur Frage der Oberbürgermeisterwahl gab der Re- gierungspräsident die Erklärung ab. daß gemäß dem allgemeinen Ministerialerlaß vom 4. Februar 1S30 der kommunistische Stadtverordnete Weber keinesfalls als Ober» bürgermei st«rbestätigt würde. Di« Regierung empfehle der Stadt im eigensten Interess« ein« sofortig« Reuwahl. Sollt« dies« Wahl wiederum das Ergebnis der ersten haben, so fche sich der Minister gezwungen, von sich aus«ine mit den Sosinger Aerhältnissen in keinem Zusammenhang stehend« auswärtige Persönlichkeit al» Oberbürgermeister für zwölf Jahre«inzusetzen. Der Regierungspräsident bezeichnet« jedoch diese Maßnahm« als nicht geeignet, den Kredit und dos Ansehen der Stadt Solingen zu fördern. Nachspiel zum OpelPuifch. worden._ WildganS Oireklor des Vurgtheaiers. Dr. Wildgon- ist vom Ministerrat zum Burgthecrterdirektor ernannt worden. Ueber einzeln« Punkt« des Vertrages wird noch verhavdclt. Wildgan» soll für sein« jetzt zweit« Burgth-aterdirektion in dem Bestreben, di« Erlebnisse seiner ersten virektiansführung zu vermeiden, bestimmt« Forderungen gestellt haben. D!« v-isetzuog der Asche D-ul t-vl» hat auf dem Waldfriedhof Berlin-Dtahncdorf stattgesunden Sein« Verwandten bitten uns, 'hren Dank für die groß« und herzlich« Teilnahm« an seinem Tod« seinen Freunden zu übermitteln. Schimpf. Zlraß». Di- der Amtlich« Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußisch« Ministerpräsident wegen «ine» beschimpfenden Artikel» in der..Berliner Arbeiter-Zeitung' gegen den Reichstag-abgeordneten Gregor Straßer Straf» omrag wegen Beleidigung gestellt. Frick-tionen in der Thüringer Regierungsmaschine. Ein Studiendirektor geriet zwischen die Räder und droht die Regierungs- Maschine zum Stillstand zu bringen. Ernste Lage in London. Man droht mit Ausrüstung.— Heranziehung Deutschlands? London. 17. Februar.(Eigenbericht.) Erst langsam beginnt die britische Oeffentlichteit. die das fr an- zösische Memorandum mit merkwürdiger Gleichgültigkeit zur Kenntnis genommen hatte, die Konsequenzen zu verstehen, d!« sich für den Erfolg der Flottenkonferenz au» den sranzö- fischen Forderungen ergeben. Hierzu haben die sehr pessimistischen Meldungen beigetragen, die im Lauf« des Montag aus dem Konferenzgebäude durchgesickert find. Es kann kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß in Konferenz- kreisen die Situation al» äußer st ernst beurteilt wirb und man bereits von der notwendigen Revision der glotienansprüche der übrigen Regierungen nach oben spricht, fall« die Franzofen ihre Forderungen nicht noch unten reduzieren. Die» ging u. a. un» zweideutig au, den Feststellungen hervor, di« aus der englischen Pressekonserenz am Montag nachmittag gemacht wurden. Hier wurde darauf hingewiesen, daß_, 1. England und Amerika bereits mit der Frage einer Er- höhung ihrer Tonnagesorderungen für den Fall beschäst igt seien, daß Frankreich nicht einlenkt. 2. daß EMbrttonmen unter diessn ilmständen sich wshl kaum mit 50 K r e u'z« r n b e'g nÄg» n würden, und haß 3. da» von MmchonaP und Präsident Hoover festgesetzt» P«. häüms zwischen der amerikanischen und der»ngsischen Flotte un» h a l't b ä r werden könnte. Di« Frage der Unterm ausrung der Konferenzbeschlüsse durch«in polnisches Abkommen steht nach wie vor im Mittelpunkt in- offizieller Besprechungen. Wie aus guter Quelle verlautet, haben di« Engländer und Amerikaner Tardieu unmißverständlich wissen lassen, daß vom Abschluß eines M i t t e l m e e r- L o c a r n o s, das von den Franzosen geplant werde, keine Rede sein könne, daß jedoch die Tür« für sonstig« Besprechungen über ein politisches Abkommen nicht verschlossen' sei. E» ist im übrigen unverkennbar, daß von ge- wissen Seiten daraus hingearbeitet wird, Deutschland an den Konferenztisch zu bringen und die Schwierigkeiten auf den Rücken Deutschlands abzutragen. Soweit sich Im Augenblick feststellen läßt, steht d>« britische Re» gierung diesen Versuchen, die merkwürdigerweise Unterstützung in liberalen Kreisen sind«», völlig unbeteiligt gegenüber. Di« britische Delegation zeigt« wenigstens bisher keinerlei Neigung, einer Aenderung der Flottentonfcrep; über die sogenannten Washington» Mächt« hinaus, zuzuslinünen, schon deshalb nicht, weil man sich klar darüber ist, daß man bei Deutschland nicht holt machen könnt« und alle übrigen Seemächte mit einbeziehen müßt«- XÄm Blums Kritik an der französischen Haltung. Varl», 17. Februar.(EigeNhericht.'' -Im„Poxvlatr< schreibt- Gendsie L 6-v n 5$,I u m; Äaz das Kernprablem der Konferenz betrifft: die Frage, od es ihr gelingen werde, einer wirklich en Abrüstung l»« Wege zu bahnen, die sich zunächst in einer Reduktion der Flokten» Kauprogramme ausdrücken müßt«, könne man lediglich feststellen, daß da» von Frankreich oerlangt« Minimal» Programm von 725 000 Tonnen bi« zum Jahre 1836 ein« Er» höhung von über ISO 00 0 Tonnen gegenüber der gegenwärtigen Stärke der französischen Flott« bedeutet. / Angriff auf die Sozialpolitik. Moldenhauers Kmanzpläne. In der Besprechung zwischen dem Reichsfinanzminister Dr. M o l d« n h a u e r und den Finanzmini st«rn der Länder haben sich die Ländervertreter mit Ausnahme van Bayern g« g« n d i« beabsichtigt« Erhöhung der Umsatz st euer um V* Prozent ausgesprochen. Man wird diese Stellung der Länder um so bedeutsamer einschätzen müssen, als sie an steigenden Erträgen der Umsatzsteuer interessiert sind. Ar« Ablehnung der Erhöhung der Umsatzsteuer ist also ein beachtlicher Hinweis auf di« mit ihr verbundenen wirtschastlichen Gefahren. Auch innerhalb der Regierungsparteien wächst der Wider» stanj» g«g«n die Erhöhung der Umsatzsteuer. In der Sozialdemokratie hat man der Erhöhung der Umsatzsteuer wegen ihrer wirtichastvschädlichen Wirkung immer ablehnend gegen» übergestanden. Jetzt scheint aber auch im Zentrum ein« ähnlich« Stumnung vorherrschend zu sein. Man fürchtet dort, daß«in« Deckung des Fehlbetrages des Reiche» allein durch eine Erhöhung der Biersteuer und der Umsatzsteuer als einseitig angesehen wird. ein« Preissteigerung auslöst undzuneuenLohnbewegungen Anlaß geben wird. Daher hält man di« Erhöhung der Umsatz. steuer um � Prozent für politisch nicht vertretbar. Die von manchen Seiten vorgeschlagene P« f r i st u n g der Umsatzsteuererhöhung auf ein Jahr sei kein gangbarer Ausweg. Di« Erhöhung der Umsatz- steuer ruf« die Preissteigerung hervor, die durch eine Ermäßigung der Steuer aber nicht beseitigt werd«. Auch di« befristet« Erhöhung der Umsatzsteuer sei deshalb eine dauernde Belastung der Konsumenten und wirk« wirtschaftshemmend An Stell« der Umsatzsteuer gewinnt deshalb der Vorschlag eine» einmaligen Ilotopser», aufgebaut auf der Einkommen steurr. wachsend« Bedeutung Neuerdings findet dieser Vorschlag nicht nur bei den Sozialdemokraten, sondern auch im Zentrum stark« Befürworter. Man geht dabei von der Erwägung au,, daß eine neu« Steuerbelastung, di« auf dem Einkpmmen aufgebaut ist. gegen- über der Umsatzsteuer zwei entscheidende Vorzüge Hab«. Der erste Vorzug ist in der Anpassung der Steuerbelastung an di« Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers zu orhlicken. Die Einkommensteuer wird vom Reineinkommen bezahlt. Hot jemand kein Reineinkommen erzielt, so kann er auch nicht zur Steuer heran. gezogen werden. Je höher aber das Reineinkommen ist, um so höher ist die Steuerbelastung. Muß man also schon neue Steuern erheben, dann ist die Einkommensteuer nicht nur gegenüber der Umsatzsteuer sozialer und gerechter, sondern sie ist auch wirtschaftlich wemver schädlich und in einem gewissen Ausmaß als Ausgleich für die Er- höhung der Verbrauchssteuern anzusehen. Der zweite Vorzug ist darin zu erblicken, daß das Natapscr für die Einkommensteuer ohne Schwierigkeiten aus ein Jahr befristet werden kann, während die Umsatzsteuererhöhung eine dauernde Belastung dar- stellen würde. Gegen den Vorschlag der zeitweiligen Erhöhung der Einkom- mensteuer, der durch das Zentrum im Reichskabinett oertreten werden dürste, wendet sich aber der Reichssinanzminister Dr. Mol» denhauer. Bei der Begründung seiner Dcckungsvorschläge hat er sich sehr entschieden gegen jade Erhöhung der Einkommens, und Bermägensbesteuerung erklärt. Daher dürste eine Mehrheit für diesen Deckungsvorschlag schon im Reichskabinett sehr schwer zu gewinnen sein. Ebenso groß sind die Meinungsoerschiadenheüen über eine Reih« von Etatansätzen, die die E 0 z i a l p o l i t i t betreffen. Dr. Molden» Hauer hat die Absicht, di« Lasten für die wochenhisie. di« das Reich seit mehr als zehn Jahren trägt, auf di« Kranken- tassen zu überwälzen und nur für leistungsschwache Kassen einen Zuschuß von S Millionen vorzusehen. Dadurch würde das Reich 24 Millionen ersparen. Weitere 20 Millionen sollen erspart Verden an dem 40-Millionen. Zuschuß des Reiches au die I n v q» lidenversicherung zum Zwecke der Förderung der Gesund» heitspflege. Auch die Mittel für die produktiv«Erwerbs- losenfürsorgs in Höh« von SS Millionen sollen aus dem Etat entfernt werden, wenn es gelingt, für diese Zwecke Anleihen auf- zunehmen, aus denen höhere Mittel für die Arbeitsbeschaffung ge- wonnen«erden können...... Unter diesen Umständen kommt den Beratungen de» Reich». kabinetts Über den Etat 1M0. die am Montag abend begonnen haben, ein« entscheidende Bedeutung zu. Wenn sich neben den Sozialidemokraten auch die Vertreter des Zentrums im Reichskabinett gegen die Moldenhauerschen Steuerpläne und die von ihm beab- s'chtiK« Belchneidung des Sozialetat« erklären, dann Verden trotz- dem immer noch viel« Meiwmgsoerschiedsnheiten bestehen bleiben. Erklärt sich aber auch das Zentrum gegen ein« einseitig« Erhöhung der Massensteuern und für di« Erhebung eines Notopfers bei der Einkommensteuer, dann wäre doch wenigstens der Ausweg sichtbar, der unter Umständen zu einer Verständigung sichre» könnte. WERTHEIM Meute Otenatai hWiie Hehensnrittel Leipziger Str.(Vereand-Abt) Wurstwaren Dampf- u.Rotwurst 1.00 Leberwurst�'Ä 1.25 Jagdwurst.Pfund 1,45 Mettwurst a'TfÄ 1.45 Filetwurst.. Pfund 1.65 Schinkenwurst Pfd. 1.65 Feine Leberwurst 1.80 Teewurst.. Pfund 1.80 Zervelat u. Salami 1.80 Speck fett 1.20 mager 1.55 Käse u, Fette Lim bürg er Pfd. 0.42 0.95 SteinbuscherO.60 0.98 Edamer Pfund 0.75 1.10 Schweizer«fsn.. Pfd. 0.90 TÜSlter vollfett, Pfund 0.98 Margarine. Pfund 0.50 Kokosfett I-Pfd.-Tafcl 0.50 Schmalz... Pfund 0.65 TafelbutterPfd.1.76 1.84 Dän. Butter billigst Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz JskB Dsml. mnoaulmte sartetaBBL n«h*.nsfc.fclMii.BWi.«Brt»«tiÄiioeinfl. Geflügel u. 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Aepfel. Pfund 0.45 Mandarinen. Pfund 0.28 Apfelsinen A ß- helic u. Halbblut, Dtr. r. V.V? an Zitronen Dtzd. von 0.35 an Bananen ,am"lkl pf0,d 0.85 Kwsina-Apfelsinen pf. KONSERVEN '(i Dnw schmö"" Bohnen 8 68 HaushaltgemOse 0.78 ■rech- 1 Leipz. Allerlei 0.88 Karotten Gemusecrbsen 0.55 Jg. Erbsen Kohlrabi«» ora. 0.58 Rosenkohl Senfgurken.. 0.78 Kürbis..... Pflaumen...... 0.60 Mirabellen Aprikosen Konfitüre Vi Eimer, Pflam ge- schnittes mittet. tcis 0.38 0.78 0.95 0.80 0.98 ... 1.05 Preiselbeeren 1.05 an 0.92 Aprihoaan 1.10 MWWWi Kiste SO u. 100 SiQdk Weißkohl dän.] Möhren gewasch.| pfd. Zwiebein... j Sellerie.Pfund 0.10 0.18 Rot-n. Wirsingkohl 0.10 Blumenkohl Kopf 0.20 an Rosenkohl.. Pfund 0.20 Räucherwaren Bücklinge Pfd. 0.24 0.35 Dorsch.... Pfund 0.32 Fieckheringe Pfund 0.48 Rogen.... Pfund 0.48 MSWHWBWHgaiBARMiaBMbM Dienstag, 18 2. Staats-Oper Unter d. Linden itü-A. t Di Dl. 7 iiins-äb.-*. 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Don. nerstag, Rrattwagen. Vermietungen Wehnungen lOO Rilometer utit eigenen Auw» tret Heizung, gegen WoHnberechfigungskcheia. u«— ,»%»%, r.«... SÄt* ftlitä* 6ci«*-if ifrrAei» � �: v«. v--... cm irr..- günstigen Beiingucften. 1 OmienHutg erstick» Müller. 7535. Nr. 81* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 18. Kebruar 1930 Um Zeichen der Noll Berlins Haushaltsplan für 1930*31. Der Magistrat hat zwar seine Veratungen über den Etat des Jahres 1930/31 noch nicht beendet, aber es Ist doch bereits eis lieber- blick möglich, unter welchen Voraussetzungen das Gleichgewicht im kiousholl wird hergestellt werden können, wenn wao von den Zahlen des Haushaltes 1929 ausgeht und zunächst nur die lausenden Ztusgaben in vetrachl zieht, so ergeben sich nach ewer Dar- slellung des Städtischen Nachrichtendienste« im wesen'lichen die sol- genden Veränderungen. Die Au s gabens e i te ist mit dem Fehlbetrag des Jahres 1929 in.hohe von 38 Millionen Mark vorbelastet, zu denen noch A Millionen Mindereinnahmen bei der Kämmereiabgabe der Gas- werke treten. Auch in dem kommenden Haushaltsjahr wird die Kämmcreiabgab« der Gaswerk« um 6,3 Millionen hinter dem An- schlag für 1929 zurückbleiben. D'« Kämmereiabgobe der Zier- {ehrsgeseUschaft nruß auf Grund der Erfahrungen des Vor- jrhres um 20 Millionen gesenkt werden Ungünstige Veränderungen oegemiber dem Vorjahre ergeben sich weiterhin urfolg« des Ober- i.srwaltungsgerichtsurteils betreffend Herabsetzung des Strohenreiui- gungsbeitrages von 93 am 75 Prozent sminus 3,7 Millionen), durch das neu« Polizeilastengesetz(minus 7 Millronen) sowie durch den Mehrbedarf bei dem Unter st ützunaswesen und der Iugendwohlfahrt(34.6 Millwnen). Wahrscheinlich wird auch ein« Erhöhung der allgemeinen Verwaltungskosten um 3 Millionen nicht zu vermeiden sein. Alles in allem ergibt sich hieraus eine Verschlechterung des Haushaltes durch Mehrausgaben oder Mindereinnahmen um 115h Millionen. Die Sparmaßnahmen nn tarsenden Haushalt bringen gegenüber diesen lstiesenzffsern m/r geringfügige Erleichte- rangen. Der Magistrat rechnet damit, bei den Norbehaltsinitteln 16 Millionen, bei der baulichen Unterhaltung 0,7 Millionen, im Schulwesen 3,6 Millionen, bei der Park- und Gortenverwaltung 1.2 Millionen, beim Gesundheitswesen 1,2 Millionen und bei der Iugendwohlfahrt 0,6 Millionen-«insparen zu können. Nimmt man d e Mehreinnahmen an Steuern, die sich im nächsten Jahre ohne Cteuererhöhung schätzungsweise ergeben werden, mit 3,6 Millionen hinzu, und rechnet man weiterhin, daß sich die allgemeine Erhöhung der Gebühren mit 10h Millionen auswirken wird, so erhält man eine Gesomtentlostung des Haushalles gegenüber dem Vorjahre von 23 Millionen. Es bleiben also im kommenden Jahr« neu zu decken allein für die laufenden Ausgaben 92,3 Millionen. Da sine weitere Dennindenrng der Ausgaben nicht möglich er- scheint, schlägt der Magistrat dieselben Steuererhöhungen vor. die er bereits zur Deckung des Nachtragshaushalls vorgesehen hatte. Die Erhöhung der Grundvermögenssteuer auf 300 Proz. wird 44 Millionen, die Erhöhung der Gewerbeertrags- stau er auf 500 Proz. 18 Millionen, die Erhöhung der Lohn- lunnnensieuer ai.'f 1150 Proz. weitere 5,2 Millionen, insgesamt wer- den sich also 67,2 Millionen ergeben. Auch dann bleibt bei den lausenden Ausgaben noch ein ungedecktes Defizit van über 25 M i l- t i o n« n. Für die einmaligen Ausgaben(Bau von Schulen usw.) waren im Haushaltsplan 1929 rund 50 Millionen eingestellt. Infolge des Defizits bei der laufenden Verwaltung würden also in diesem Jahre hier nur 25 Millionen eingestellt werden tönnen, ober selbst diese Summe ist durch die Vorbelastung bereits voll in Anspruch genommen, ja sogar überschritten: denn es sind an«in- maligen Ausgaben im neuen haushall der Kredit der Girozentrale mit 8 Millionen und der Eleltrokredit in höhe von 12 Millionen abzudecken, und es sind vertragliche Leistungen, die sonst aus der außerordentlichen Verwaltung zu bestreiten wären(Grundstücks- täufe, Dauerwald, Reichsbahn) mit 14 Millionen diesmal m den ordentlichen haushall einzusetzen, weil Anlechernittel nicht zu erwarten sind. Die vorstehenden Zahlen, die natürlich nur eine ganz Sberschläg- liche Berechnung darstellen, sich im einzelne« noch mannigfaltig ver- schieben werden, insgesamt ab« ein bereits jetzt seflstehende«. zutreffendes vild«geben, zeigen mit«schreckend« Dentlichkeii. daß die Einschränkungen in der laufenden Verwaltung in dem bisherigen Maße unter alle» Umständen bestehen bleibe« müsten. daß die einmaligen Ausgaben auf ein blsh« noch nicht ge- kannte? Mindestmaß h«abgedrückt werden müsten und daß das Gleichgewicht im hanshalt ohne Schassung neuer Ein- nahmeqoellea überhaupt nicht h«zuslellen ist. der Fastadc erstreckten sich die Worte:„Zuda verrecke! 3 v d a s den Tod! Die Rache naht!" Die Empörung über das Vubenstück ist eine allgemeine. Sein« gehl vorüber, ohne fein« Entrüstung über die Tal laut Ausdruck zu geben. Es ist zu hoffen. daß die Täter bald gefaßt werden. Beamtenbank wird aufgelöst. Der Dergleichsvor schlag angenommen. Nachdem in der gestrigen Riesen-Gläubigerversamm- long d« Bank für Deutsche Beamte die Vertrauensleute ihr« Be- richte erstattet hatten, wurde von den Gläubigern üb« den vor- aeleglen Vergleichsvorschlag«regt debattiert. Schließlich wurde der vergleich, üb« dessen 3nhall wir schon berichteten, an- «««»mmen. Der-«svrderliihe.Prozenljatz von 50 Prozenib. der t-enosseu und 75 Prozent de» Kapitals wurde wesentlich überschritten. Die Gläubigern haben.sich in fünf. S ch utzver b ä n de' zu- so.mmengelchlossen. Dies« Sckpitzoe.rbänd« Hollen auch in den Vor- rerhandiungen Vorschläge für die Vosetzung der Liquidationsaus- schüste gemacht, die lebhaften Widerspruch fanden. Immer wieder wurden Abänderungsvorschläge vorgetrazen, die. aber keiner- lei Verücksickpigimg mehr fanden. Ein großer Teil der Redner plädiert« für Ablehnung der Vergleiche Aus der DeriamM- I rng wurde auch di« Anrufung der Gerichte gegen die Wucher- geschäst« der Bank verlangt. Ein Gloubrger gab den muvefen- ken Becunlen zu verstehen, daß sie selbst auch Schuld an dem Zu- s zmmenbruch der Vcurk trügen. Sie Höllen zugeschen, daß durch die Vank große Wuchergeschäft« getätigt wurden. So wurden für ein Darlehen in höhe von 2500 Mark aus zwei Monate 173- Prozent Zinsen verlangt. Von einem Redner wurde verlangt, die B«- Hörden solllen regreßpflichtig gemacht werden. Sie Höllen auf bargeldlosen Zahlungsverkehr gedrängt und den Beamten«npfohle«. ihr« Gehäller auf die Bank überweilen zu losten. Um 15 Uhr wurde die Debatte beendet und die genauen Aul- ftellungen der Gläubiger herangezogen. In echt dicken Büchern sind die Gläubiger oerzeichnet. In vier roten Büchern die Ge- nostenfchafts- und vier grünen die reinen Gläubiger. Im Anschluß an die Siemmabgab« chrat ew«. Pause«in- um die Auszähllmg oorzünehmcu'.' Um ltz Uhr wurde das Refultckt verkündet. Eine klare Hatt4 für't�n'Verglcck� gestimmt' i- Völkische schänden Synagoge. Das ganze Haus mit Hakenkreuzen beschmiert. 3« her Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wvrde dl« S? n a- goge Soktbusfer Tor von bisher unbekannten Tätern in einer weise besudelt, wie es bish« weder in Verlin. noch irgendwo im ganzen Reiche der Fall war. Zwanzig haken- kreuze in höhe von einem Meter bedeckten die ganze Front des Hanfes und feine Türen, lieb« die ganze Breite Bei der Eisfischerei ertrunken. Neun Todesopfer. Memel, 17. Februar. Ans dem Vlateliaj-See, etwa 30 ftilomef« von Litauisch' hrottingen entfernt, hat sich gestern ein schwere» Unglück«eignet. Am frühen Morgen war eive größ«e Anzahl Fischer ans Plate. liai und der Umgegend mit Schlitten aus den vereisten See hinausgefahren. um dort zu fischen. Gegen 5 Uhr nachmittags kehrten zwei aneinandergebondene Schiilteu. die von einem pf«d gezogen wurden, über das Eis zurück. Aus den beiden Schlitten besande« sich insgesamt 20 Personen. 3n der Mitte des Sees brach der erste Schlitten ein und riß den zweite» mit sich in die Tiefe. Mit groß« Mühe gelang es einem d« Fisch«. sich zu retten und noch eine« zweiten aus dem Wast« zu ziehen, der im uächsten Dorf Hilfe holte. 3nsgesaml konulen elf Personen gerettet wcrdcn. Acht Männer und eine Frau sind er- trunken. Reichswehr und Bombenatteniäter. „Ttofe Fahne" kneift wieder einmal. vor dem Schöfsengericht B«li«.Mille fand di« zweite Verhandlung tm Beleidigungsprozeh de» Reichswehr- minister» gegen die»Rote Fahne" statt. Das Kommunistenbltitr hatte in fünf Nummern hintereinander den Borwurf erhoben, die Reichswehr stände hinter den Bombenallentätern. In der Nr. vom 7. Dezember nahm der Lügen- feldzug seinen Ansang. Der Reichswehrminister stellte Strafantrag und die verantwortlichen Redakteure F irl und S t e i n i ck e hallen sich nun zu verantworten. Der als Zeuge herangeholt- Untersuchungsrichter Masur sagte aus, daß die Untersuchung gegen die Bombenattentäter absolut.keinen Anhalt hmsichllich irgendeiner Actelliginrg der Reichswehr an den Bombenattentaten ergeben habe.- Der Sprengstoff stammle teils aus den Dresdener Dynamitwerken, teils war er in Mühlheim gestahlen. Auch von einer Betelligung der O. C. könne kein« Rede sein. Trotz dioser eindeutigen Aussage des Untersuchungsrichters tonnte sich der Per leidiger Rechtsanwoll Dr. Apfel nicht zu einer Erklärung entschließen. in der die„Rote Fahne" ihren Schwindel zu z cht. Die Verhandlung wurde vertagt. Der Reichswehnnmister Eroener solle befragt werden, w!« er sich zu einem Vergleich stellen würde. L» der gestrige» Verhandlung erklärt Rechtsanwall Dr. Apfel, haß er sich mit dem Reichswehrminister in Verbindung gesetzt habe und dies« grundsätzlich nickst abgeneigt sei. den Strafaiürog zurückzunehmen, falls die„Rote Fahne" eine befriedigende Er- k l ä r u n g abgeben würde. Dr. Apfel ba! um eine Vertagung. »Alis" Gehilfe»pipel". Der Mittäter beim!leberfall festgenommen. D« Polizeipräsident teilt mit: Die weilsren Nachforschungen d« politischen Polizei zur Aufklärung des Ileberfalls auf den Studenten Wessel hoben nun auch zu d« Ermittlung und Festnahme des not« dem Spitznamen„Pipet" bekanntgemordc- nen Mittäters des.Llli" höhl« geführt. Pipcl. der mit dem mehrfach vorbestraften 2S 3ahre allen Arbeiter 3oses ftandul- fki personengleich ist, wurde heute morgen im Hause Linienstr. 219 sestgenommen. Kandulski ist geständig und wird nach beendet« Vernehmung dem llntersuchungsrichl« zugeführt w«den. Mtiluc- -—& i Rita kümmerte sich unermüdlich um den Kranken. Sie stürzte fort, um Medizin und Bandagen zu holen, diente dem Doktor als Assistentin und fungierte als Pflegerin des Opfers. Viele von den anderen besuchten Ieronymo, um Ihre Symphatie und ihr Interesse zu bekunden, aber Rita Bahiana war es, die keine Sekunde von seiner Seite wich, nachdem der Doktor gegangen war. Piedades Zustand gestattete ihr wenig mehr zu tun als zu weinen und die Hände zu ringen. Die Mulattin weinte nicht, obgleich ihr Gesicht tiefen Kummer ausdrückte. Sie wurde sich allmählich klar, daß ihr dieser große, so freundliche und gütige Mann, dieser harmlose Riese, sehr teuer war. Es wurde ihr warm ums Herz, als sie daran dachte, daß dieser stille Herknles� der Firmo mit einem Schlag hätte töten tönnen, um ihretwillen fast sein Leben gelassen hätte. Ihre weibliche Natur war von dieiem blutigen Beweis seiner Ergebenheit vollständig gefangen Und sie war tief gerührt, als sie ihn trotz seiner Schmerzen lächeln sah, well er sich über das Unglück freute, das ihm ermöglichte, ihre Hand auf seiner Stirn zu fühlen. Ohne ein Wort zu sprechen. sagte er mit seinen beredten Augen und dem zärtlichen Druck je ner Finger wieder und wieder, daß er sie liebte. Und Rita erwiderte diese stillen Liebesbeweije ohne den geringsten Skrupel, glättete sein wirres Haar und kam all seinen Wün. schen zuvor. Selbst hier vor seiner Frau versuchte sie nicht ihre Liebe zu verbergen und gewährte ihm jede Art von Zart- lichkell. bis auf einen Kuß. Bon Mitternacht an blieben nur noch Rita und Piedade bei dem Kranken Man hatte beschlossen ihn morgens ins Krank-mhaus der Drud'richaft von Santo Antonio zu Ichaffen. denn Ieronymo war Mitglied vieles Ordens. Daher wurde Ieronymo am folgenden Tag(wahrend ein Tell der Haus- bewohner Ioao Romas auf das Polizeirevier begleitete und die übrigen wie emsige Bienen arbeiteten um ihre zerstörten Häuser wieder bewohnbar zu machen), begleitet von der Frau, die er geheiratet hatte, und der Frau, die er liebte, im Kronkenwogen in« Hofpstal transportiert. Die beiden kehrten erst bei Anbruch der Dunkelliest tod- müde heim. Mg-pffich war das ganze Haus in demselben er» schöpften Zustand. Tagsüber hotten sie fieberhaft gearbeitet; die Tagelöhner hatten den Frauen geholfen Wasser zu pum- pen, und Wannen, Fässer, ja sogar Kannen und Konserven- büchsen hatten als Putzcimer dienen müssen. Aber trotz Müdigkeit und horter Arbeit stockte die Unterhaltung nicht. Der Kampf vom Abend zuvor wurde hin und her besprochen. Manche hielten sich bei der Roheit der Polizei auf, andere rühmten überschwenglich Einzelheuen ihrer Verteidigung. Alle hatten sie entweder an ihrem Eigentum oder an ihrer Peiffon Schaden gelitten und prahlten empört mit ihren be- schädigten Möbeln oder ihren Wunden. Aber um neun Uhr war keine Menschenseele mehr auf dem Hof. die abgespannten Hausbewohner hatten sich zur wohlverdienten Ruhe zurückgezogen. Selbst die„Venda" schloß früher als gewöhnlich, und Bertoleza fiel wie ein Sack auf ihr Bett. Ioao Romao legte sich neben sie, fand aber keinen Schlaf. Er fröstelte und hatte Kopfschmerzen. Also weckte er seine Gefährtin auf und bat sie unter Stöhnen, ihm etwas zum Schwitzen zu geben, denn er hätte bestimmt Fieber. Die Negerin legte sich erst nach vielen Stunden zur Ruhe. als sie die Sachen des Budikers gewechselt hatte uiid er eingeschlafen war. Aber ihre Rast war nur von kurzer Dauer. Bald war es Zeit für sie. aufzustehen, Feuer anzuzünden. Wasser für den Frühkaffee der Tagelöhner aufzusetzen, Manoel zum Fischmarkt zu schicken, die hunderterlei Obliegen- heiten zu besorgen, die sie täglich erledigte, und sich obendrein noch um das zu kümmern, was sonst zu Ioao Romaos Pflich- ten gehörte. Keinen Augenblick aber vergaß sie den kranken Gefährten ihrer Freuden und Leiden ging auf leisen Sohlen und macht« so wenig Lärm als möglich, um ihn nicht aufzu- wecken. Draußen begann das Leben des Hauses mst Tagesan- bruch von neuem, und der endlose Kampf wurde da wieder aufgenommen, wo er am Abend zuvor abgebrochen worden war Nach der nächtlichen Ruhe waren alle wieder in besserer Laune. Pombinha jedoch erwachte an diesem Morgen bedrückt und nervös und hatte keine Lust, auszustehen. Sie bat ihre Mutter um Kaffee, trank ihn und ließ sich wieder in die Kissen sinken. „Fühlst du dich heute nicht wohl, mein Kind?" fragte Dona Ilabel und legte ihre Hand auf des Mädchens Stirn. „Fieber scheinst du nicht zu haben." „Nein, ich bin nur ein bißchen«chwach. aber es wird schon vergehen. Gleich bin ich wieder ganz wohlauf." „Du hast gestern bei Madame zu viel Eis gegessen. Ich habe dir gleich gesagt, es würde dir nicht bekommen. Das beste für dich wäre«in heißes Fußbad." „Nein, nein, um's Himmels willen; in ein paar Minuten steh' ich auf." ilm acht Uhr stand sie wirklich auf und wusch sich schläfrig Gesicht und Hände vor dem kleinen eisernen Waschtisch. Dann kämmte sie sich langsam ihr Haar und hatte keine Kraft mehr für tewas anderes übrig. Ihr Spiegel jagte ihr, daß sie un- gewöhnlich blaß sei. Ihr Lächeln war eine rührende kleine Mundbewegung ohne olle Fröhlichkeit— wirklich, wenn sie ihre Lippen ansah, mußte sie an eine Geschichte denken, die sie einmal gelesen hatte, an die Geschichte eines armen kleinen Blümchens, dessen zarte, weiße Blütenblättchen— ganz so wie ihre Lippen— welkten und starben, weil ein großer liebender Schmetterling sie vergessen hatte. Ans alle anderen Blumen warf er seinen Blütenstaub, und sie gingen auf und entzückten die Herzen der Kinder im Garten, ober weil er an ihm vorbeiflog und ihm nichts von dem kostbaren Blüten- staub schenkte, mußte das arme weiße Blümchen wellen und vergehen. Der Besucki bei Leonie hatte sie nicht befriedigt. Die Umarmungen und Küsse der Kokotte hatten das empfindliche junge Mädchen mir erregt, und sie war froh, als es zum Ausbruch kam. Die Französin hatte einen Diamantring auf ihren Finger gestreist,«in Geschenk, das Pombinha energisch ablehnte und schließlich nur auf beharrliches Drängen Dona Isabels annahm. Dann waren die entnervenden Ereignisse der Nacht gekommen, der Kampf auf dem Hof und die. Schlacht mst der Polizei und danach die Angst, ihr kleines Häuschen abbrennen zu sehen. Die Nachricht von Florindas Flucht und Marciannas traurigem Zustand wirkten eben- falls niederdrückend auf das zartfühlende Gefchöpfchsn. Der Morgen rückte vor. aber ihr war immer noch nicht wohler zumut. und bei Tisch rümpfte sie die Nase über dos einfache Mahl, das die alle Isabel berestet hatte. Zum Nähen war sie zu nervös, und das Buch, das sie zu lesen versuchte. fiel ihr vom Schoß. Nachmittags bedrückten sie die engen. Wände von Nummer fünfzebn so lehr, daß sie es nicht länger im Zimmer aushiell und ihrer Mutter sagte, sie wolle aus dein Feld hinter dem Hause spatzierengehen. Dona Isabel wandte ein, sie könne doch im Augenblick ihre Arbeit nicht ini Stich lassen, aber zu ihrem Erstaunen teilte ihr ihre Tochter mit, daß sie ihrer Gesellschaft nicht bedürfe, sondern allem sein wolle. (Fortsetzung folgt.) Me Dahfemei Raububcrfälle Straf ensiassene auf Abwegen.— Ungewdhnlich hartes Urteil. Raubübersälle mehren sich in erschreckender weise. Sieht man sich aber diese Raubübersälle näher an. so erscheinen sie milunlcr weniger gefährlich, als man anfangs anzunehmen g«. neigt war. Zwei solcher Raubübersälle, die sich in Dahlem ereignet hallen, kamen jetzt zur Aburteilung. Zn beiden Fällen waren e» Slrasenllasscne, die erst vor nicht allzu langer Zeit das Gefängnis verlassen hatten. Am 4. Dezember vorigen Jahres trat in Dahlem ein Mann an einen Wächter heran und fragte ihn, ob er schon wisse, daß in der Archivstraße soeben ein Einbruch versucht worden sei. Der Wächter verneinte es, der Mann erklärte, er selbst habe denEinbruch begehen wollen. Auf der Wache schilderte er seinen Einbruchs- versuch in allen Einzelheiten. Außerdem bezichtigte er sich auch noch eine» Raubübersälles, den er am selben Tage kurz vorher begangen haben wollte. Tatsächlich hatte die Frau des Direktor« Brackmann von einem Unbekannten einen Faustschlag ins Gesicht erhalten: der Versuch, ihr die Handtasche zu entreißen, mißlang dem Uebeltäter. Der Mann— es war der Arbeitslose V.— bezichtigte sich schtießlich auch eines Ueberfalles im Tiergarten, den er kurz nach seiner.Ent» lassung aus dem Gesängnrs begangen haben wollt«. Bor dem Schöffengericht Chorlottenburg stand jetzt ein vielfach vorbestrafter Mensch, dem man die seelisch« Depression ansah. Da- mal? auf dem Polizeirevier hatte er als Grund für feine Selbst- bezichtigung Ueberdruß an der Freiheit und am Leben angegeben. Jetzt bestritt er alle drei Taten. Den Einbruchsoersuch wollre er nur beobachtet, da« Geständnis der beiden Raubübersälle sollen ihm die Polizeibeamten in den Mund gelegt haben. Die vielen Einzelheiten, die er aber damals erzählt hatte, straften ihn Lügen. Der Psychiater sprach von geisttger Minderwertigkeit, von einer inneren und äußeren Entwurzelung, die den Angeklagten zu einer Einreihung in das sozial« Leben vollkommen unfähig machten. Das Gericht oerurteilte ihn zu drei IahrcckZuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Ohne ein Wort zusagen, ließ er sich durch di« Tür ins Gefängnis abführen. Hoffentlich legt der Angeklagte gegen dieses sehr harte Urteil Berufung ein. E« wäre auch angebracht gewesen, ihm einen Offizialverteidiger zu stellen. So stand er hilflos allein vor den Schranken de» Gerichts. In hohem Maße humoristisch gestaltete sich di« nächst« Der- Handlung. Der dreizehnmal vorbestraft« Morphi- n i st und Alkoholiker L., ständiger Gast der Irrenanstalten Buch und Herzberge, verantwortete sich wegen einer großen Reihe Haus- friedensbrüche, Sachbeschädigungen, Bedrohungen. Zechprellereien und schließlich auch wegen eines Raubübersalle». Neben ihm saßen zwei Arbeiter F. und G. Der eine hatte on dem Raubüberfall und an einer Reihe anderer L. zur Last gelegten Delikt« teilgenommen, der andere, G., lediglich an den Zechprellereien und Bedrohungen. Sämt. liche Straftaten waren im Altoholrausch begangen worden. L. hatte am 15. November das Gefängnis verlassen und feierte nun mit seinem Freund F. mehrere Tage hindurch di« Wiederkehr in di« Freiheit. Man ging von einem Lokal in das andere und— blieb größtenteils die Zeche schuldig. Verweigerten ihm bekannte Nestau- rateure Bier oder Schnaps, so wurde Radau gemacht und e» kam zu Tätlichkeiten und Sachbeschädigungen. Am 25. November be- fanden sich L. und F. in Dahlem, da» Geld war wieder einmal alle: man wollte aber noch werter trinken, also rempelte man-inen vor- übergehenden jjerrn an, der in Begleitung einer Dam« ahnungslos seines Weges ging. Es war der Professor Weigert und seine Sekretärin. L. bat zuerst um eine Mark. Als der Professor ihn aufforderte, weiterzugehen, verlangte er Z Mark. Al» er auch diese Summ« nicht erhielt, entriß er nach Ueberwindung«ine, gewissen Widerstandes dem Professor die Aktentasche und begab sich mit F. in ein benachbartes Cafe. Hier wurden beide gefaßt. In der Akten. tasche befanden sich Zigaretten, Zigarren, Tabletten gegen Husten und noch einiges andere. Der Angeklagt« 2. erklärt« vor Gericht, er habe keine Raubabsicht gehabt; hätte er rauben wollen, so hätte er Uhr oder Briestasche des Professor» an sich ge> nommen: es sei nur eine betrunkene Geschichte gewesen, wie olles andere, was ihm zur Last gelegt wird. Der urwüchsige Berliner Humor des Angeklagten, der es verstand, sämtlich« im Ge- richt Anwesenden köstlich zu unterhalten, hals ihm nicht viel. Auch hier fällte da» Schöffengericht Charlotten bürg«inen harten Spruch! Der Angeklagte L. erhielt zwei Jahre der Arbeiter F. I Jahr 6 Monat« Gefängnis. G. wurde freigesprochen. Auioüberfätte vor dem Gchnellrichier. Gefängnisstrafen für die Täter. Im Polizeipräsidium hatten sich vor dem Schnellrichter, Amtsgerichtsrat Kaiser, drei Personen wegen Nötigung. Sach- beschädigung und Transportgefährdung zu oerantworten. Der erste Angeschuldigte, ein Maurer Richard Schmidt. Hohe am 14. Februar die im Fond einer Droschke angebrachte Spiegel- sche.ibe zertrümmert, wobei eine Dame verletzt wurde. Der Angeklagte behauptete, er sei angetrunken gewesen und häti« sich von einigen Chauffeuren zu der Tat aufhetzen lassen. Er wurde zu 10 Tagen Gesangni« verurteilt.— Der zweite Angeschuldigte, ein Chauffeur Fritz Braun, der Funktionär der kommunistischen sogenannten Kampfleitung ist, hatte zusammen mit etwa 15 Mitgliedern der Autiiaschistischen. jungen-Garide in der Kylser-Wilheim-Strohe eine Droschke aNge- halten, die einen Kranken nach der EHarite bringen wollte- Während der Chauffeur des Wagens von unbekannt gebliebenen Tätern mißhandelt wurde,-konnte-Braun von einem Schupobeamten fest- genommen werden, als er gerade die Scheiben des Wagens zer- trümmerte. Der Schncllrichter verurteilte den Slngeklagten mit Rücksicht daraus, daß er als Funktionär sich besondere Zurückhaltung hätte auferlegen müssen, zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen. Der dritte Angeklagte, ein Chauffeur Willy Serdi.n, dem vor einiger Zeit der Führerschein entzogen worden war, hatte in der Chausscestraße mit mehreren Freunden eine Droschke angehalten, den Fahrer verprügelt und die Wind- schutzscheib« des Wagens abgerissen. Das Urteil lautete gegen ihn auf vier Wochen Gefängnis. Zi»b«»»us««i»liu>« k« D-utlchcn Li«« fit M«,sch«»re»te. Di» di«»m«Iiqe gabrMMrtomnIlm« Li«« füc M-nschrnr-cht«' finkrt In Bttitn am Sonnabend, dem 23. Sfbnrat, und Sonnt««, dem 23. fftbtuoc, Natt. Allgemeine Wetterlage. Ltm die Opfer des Krieges. Auf der Tagung des Gaues Berlin-Brandenburg vom Reichs- verbanb Deutscher Kriegsbeschädigter und K r i e g e r h i n t e rb l i e b e n e r berichteten G r a i ch e n- Leipzig und Kramer-Berlin in äußerst musschlußreichen Vorträgen über das Reichsoersorgungsgesetz und seine praktische Durch- führung. Die gesetzgeberischen Arbeiten über die Versorgung der Kriegs- opfer datieren vom Jahre 1920. Inflation und Deflation haben wiederholt Abänderungen notwendig gemacht. Der soziale Herz- schlag Ist deutlich zu spüren: Die arme Republik, die vom Kaiserreich die furchtbaren Lasten des verlorenen Krieges übernehmen mußte, hat trotzdem nach ihren schwachen Kräften das Wort zur Geltung bringen wollen, daß„der Dank des Vaterlandes euch gewiß' fei. Schwierigkeiten aber ergeben sich oft bei der Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen: Der bürokratische Apparat arbeitet langsam und es treten häufig schwere Notlagen in Erscheinung, nicht aus bösem Willen heraus, sondern durch die Umständlichkeiten der Arbeit am grünen Tisch. Auch bei der Arbeitsbeschaffung für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene ließe sich durch ein« weitherzige Auffassung bei den Behörden noch manches bessern. Das zuständige Reichsarbeitsministerium wird, namentlich so- lange es unter der Leitung des Sozialdemokraten Wissel! steht, der Kriezsopferfrage sicher auch weiter seine besonder« Aufmerksam- keit widmen. Ein neues U-Bahn-Tpiel. Hat es euch nicht schon wohlgetan in der Hetzjagd de« Letfiner Lebens, wenn ihr müde und ruhebedürftig die Stufen der U-Bahn hinunter- oder der Hochbahn hinaufgeht, plötzlich den scharfen Klang zu hören, wie wenn Alech angeschlagen wird? Und wieder und noch. mals, dann Pause und abermals. Fröhliches Iugendlachen begleitet jeden solchen Lärm. Die U-Bahn hat diesen neuen Spaß ermög- licht, indem sie die Stufenabsätze. mit den Reklameblechen einer Schnopefirma oersah. wofür sie gewiß ansehnlich« Miete beziehr. Aber die Nerven der Abgearbeiteten, der Alten und Kranken Gut Blech' Die nächste Sitzung der Sladlverordnetcnversammlung findet am Donnerstag, dem 20. Februar 1930, um ISüi Uhr, statt. Auf der Tagesordnung steht, auch die Bewilligung von 37 390 M. als Zuschuß zu den Perlonaltostsn für die A r b e i t e r k u r s e in Neukölln. Durch die verantwortungslose Haltung der Kommu- nisten verfiel die Vorlage im Ausschuß bekanntlich der Ablehnung. OTedHSSO.sWs. MilkenIwO hetter.O Mb bedeckt 4wetdg,*bedeekt*R«geiv&GrMipli) 'Schn9«aWife«lTüSew»tec@Wn43tJle Deutschland lag am Montag Im Bereich eines nordöstlichen Luft- stromes, der an. der Südostseite des mit seinem Kern über der Nord- see befindlichen Hochdruckgebietes fließt. Dabei herrscht« trockenes und zeitweise heiteres Wetter. Die Temperaturen lagen meist nur wenig über dem Gefrierpunkt. Ueber Mitteleuropa, Südskandi- navien und über den Ostseeländern geht zur Zeit anlzaltender Druck- anstieg vor sich. Daher wird sich das Hochdruckgebiet welter noch Südosten ausbreiten und so auf unser Wetter«inen verstärkttn Ein- fluß ausüben. Für die nächsten beiden Tage dürfen wir daher mit trockenem und zeitweise heiterem Wetter rechnen. Möglicherweise wird uns von der Ostsee mit Wasserdampf bereichert« Luft zeitweilig stärkere Bewölkung bringen. Nachts werden im Bezirk allgemein mäßige Fröste eintreten. * welleraussichtcn für Verlin. Trocken, teil, wolkig, teil, heiter: Nachtfröste, am Tage Temperaturen meist über dem Nullpunkt, fchwoch« Wind« au« nordöstlicher Richtung.— Für Deutschland: Fast überall trocken und stellenweise heiter, nachts allgemein leichte bis mäßig« Fröste, Togeetemperaturen meist etwa» über Rull. fürGroß-Verlin Pete»«« S«jtrf«(ttr»tatiai 2. Hof. Z Treppen r» At«. z» rlAtts pariemachnchten��l kinfenbungen kü, dlel« StubrU sind ivorif «etil» 8«« LlBbenfitabt 3. 4. Ami««wnsUpet Bern. Mittwoch. 19. fftbtuat, vUnftlich J» Ufit, bei fltuo, rawiact«ti. 71. Sifcuna des ccrofilcttcit Ntclsociftanbeu Im 4 aüilw«teiooerltetfrortraminlun« In ben ftaüno-fftiKärtn, Bappeloll« 15. Sftr«ntmlnnfl bn D bleut» und äSitflI;«b»i b»t floitunflolommiffionen am Tonnet sto«, btm 20. ffibruet. um 20 Üb-, bei tJau», Prenzlauer«Ire 51. gebe AbteNiina mr, oertreten fein. 13. JtKif SemjKlbof. Sfcttmoc!), 19.«tbruat, 1314 Übt, Swtiooecfamattun« im Scjrum Dermaniaftran«._.__... 14.«frei. MeutSUn. 92. und«5.«dt.«BD.. Treiben!«»et 27. Brnppe wtchtia« Btrfammlun« im Donnerota«. bem 20. ffebtuot, u« 30 Übt, bei Telrdero- borf, Ntoetfit. 3. Partrimiialirbsbuch lcaitimiert. heule, Dienskag. 18. Aebruar: 32.«bi. 30 Übt bei ffiületB, flrautfte. 54», ffunktionätfttnms. Der•®orftanb .. iFi?' l'* bereits um 10 Übt obentotl. 7«. Abi. eASntbtt«. 20 Übt bei Tob«,, US. Lachsrnbarnm 40, Tunltionärllbunfl. Übt. Lichte nber». Su»(Stilnbun« einer Rinberfteunbeatupoe iülv't1-"*"Bt Helktr unb Mitarbeitet unb inttttffierte Cbenoflen um 195a. Übt beim Brnullrn Wichert. Wilblischstr.«. S-üenilüorl ei« Trepp«. IM.««.«nfeaMOt. 19% Übt w be« BoriVwaftet gnaiubaew Cttofte 43. ffilmobeni». Zur Vorfllchruna«elonfft:.Unser Ronfam". A». spräche: Bruno Groppler. Wir bitten unsrrr Mitglieder smvie Trrunbe b« Bewegung, recht zahlreich zu erscheinen. Morgen, Mittwoch. IS. Februar: ». Abt. 1»% Ubr«rtraz-blobend bei Hnfenbach, Berleberqer Str.»4. Vor. trog:»Die Zreibenlerwahlen-'. Sleferrnt: KenoRe Träger. Air Zreibenber» genossen miissex bestimmt erscheinen. 32. Abt. 20 Uhr im Pfeilersaal bor Sachschulbrauerei. See. Ecke«rnrumer Strafte. Zusammenkunft der jungen Partrimiiglirbee. Boriraa:„Srnnb- fäftlichr Tragen des Sozialismus". Refereniin: Anna Hartoch. 35. Abt. 19% Uhr ffunktionöriiftuna bei Schnoetcet. Boigtstr. 38. 4». Abt. Schwerbörige. Ritglicberpersammlnna UM 1»% Ubr im z«g«»bbeim Lindenstr. 4,». 1 Trp. Bortrag:»Zolllrieben ober Wiitschastolrieg-.»e. serrnt: Ernst Acnmaan. All« Mitglieder sowie Boraäctsldct und S,m. paibiftetenbe Ii«» freundlichst eingrlade». 74c, Abt. Zehlenborf. sslschtal. 19% Uhr im Balbbaus, Spanbauer Strafte, Mitglirbernersammlung. 92. Abt. Steglitt. Mitglied rrversatnmlun» erst am 20. Februar. Mitteilung erfolgt noch. 93. Abt.«ruklllln. AI Uhr bei Rüni«. BäbmKAe Ecke Rorrschstrafte. Siftung der Orbner und Zeitungslommisstonsmitglieber. 9». Abt. Brift. Buckow. Politischer Arbritstrris. Wegen Saalschwierigkeltcn fällt die»ersammlnnq gm Mittwoch, dem 19. Februar, aus. Nächste Per. anstaltung am 5. März. 199. Abt. NobauaUtbal. 19% Übe wichtige ssunkiivnarflftung bei Boiha. Stuben- rauchstrafte. 108. Abt. Röpeulck. 1914 Uhr SaMabeube: Alt. unb Ricftoorftobt bei ßtetfche, Boroibeenstr. 1. Bortra«:»Wablfabrtswesen im 14. v«zir<". Referent: Eenossr Röhl. Töllnische Borstabt bei Etippekohl, Schönerlinder Str. 5. Bortrag:„Das Ennerbslofenotobltm". Referent: Mar Tolk�arf. Damm- vorftabr im Alten Generalsbof, Alte zllrsienwalber Strafte. Referent: Senasse Nikolai üb«;»Sozialdemokratie unb Schule". In allen 3ahl- abenben ffteibenker. und Ronsumwahlen. 134. Abi. Buch. 20 Übt bei4 Uhr«brnba»nlammen. Gruppe Tempelhaf-Marieudorf. Im Jugendheim, Lnzeurn Temvelhas.«er. maniastr. 4—0 fEingan» SöftltraftO. beule, 20 Übt. Bortrog:»Die Iusimmen. seftung des Proletariats und der Aufbau der modernen Gefellschaft-'. Referent: Genosse Gregor Biensiock. Gruppe vilmrrodorf. Heut«. Dienstag. 18. ffebruar. pünktlich 20 Übt. im Iugrnbbeim Bilbelmsauc. ffortseftung der Arbeitsgemeinschaft:»Da» Rom. munistlfche Manifest-. Arbeilsgemewschafl sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen. Bezirk Groß-Berlin: . ffautfegung der Geueralveufammluna am Mi«»«», dem 1». ffr. M Sruar, um- 20 Uhr, in den Rammrrsäleu. Teltow» Str. 1—3. grnfter. M — Söul fäm ll. Bahnhof Hallesch«, Tot).«Orstä-hswahk.' Z Arbeilsgcmeinschast der Sinderfreunde. Gruppe Landsberger Plaft: Iugenbbeim Diestelmeperstr. 5—4. Montag bi» ffrriiag von 18—20 Uhr. Kemr Dienstag Gruvpenvrrsamrnlung. Alle Gruppen» kinder erscheinen, ffilmadend fällt au». Besvrechuna der Semeinschaftsfeier. Mittwoch Turnen und Rreisfplele. Donnerztag Sichtdildervartra».. ffreliag Probe kür dir ffrirr. Sonntag Gruppenfahrt, schnifteliagd Sabpwa.Raulsborf, Rosten 30 Pf. Treffen t'/i Uhr Ialkenecke. End« 10 Uhr. Geburtstage. Zubilae« usw. 95. Abt. Rmkälln. Unser Genosse«ilhelm Prange. Prinz. Sanblerg.vtr. SO. feiert feinen 7». ßtbuiislaa.— Heut», Dienstag, feiert unser Genosse Otto Läsemift, Sieiumeftslr. 40. seinen 70. Sebnrising, und ebenfalls heut» unser« »«nofssn Panline Pohl, ssiethenftr. 44, ihren 05. Geburtstag. Wir wünschen, daft alle Genossen noch recht lgngr in nnscrrn Reiben bei bester Gesundheit Mitstreiter sein mögen. (Sterbetafel Her Groß- Berliner Partei- Organisation � 7. Rrei, Eharlottrnburg nnb 51. Abt. Eharloitenbnrg. Am Sonntag, dem 18. isebruar. perslarb unser langsäbrlgrr treuer Rassierrr. Genasse Reinhalb Seifert. Ehre seinem Andenken. Dir Einäscherung wird noch bekanntgegeben. Wir bitten schon jeftt. daft sich alle Mitglieder recht reg» an der Iraurrfeier hrteiligeu. 20. Abt. Dir Einäscherung unseres verstorbenen Genossen ffrift Schläns, Rionskircksslr. 28, findet heute, Dienstag, 18. ffebruar, 1«!4 Uhr. im Rrema» torium Gerichtftrafte, statt. 40. Abt. Am 14. ffebruar»erstarb unsere lanafährige treue Mitkämpferin Raralin« Schröder, die Gattin unseres im Vorsohre verstorbenen Partei. Veteranen, Siadtoerorbneten Heinrich Schröder. Ehre ihrem Andenke». Ein- äscheruna am Mittwoch, dem 19. ffebruar. 18lt Uhr, im Rrrmatorium Baum» fä/ultntoea. Um rege Beteiligung wirb gebeten. Vorträge, Vereine undVersammlungen. t\lk Reichsbanner»Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E 14. Ecbastianstr 37—88 Hol 2. Tr. Dlcostog. 48. ffebrnar. ffrirdrichsbasn.«amrrabschgst Stralsu. 19'-, Uhr Rameradsckafisvrrfgmmlung bei Wertalla. Haheniohe. straft» 8- Bericht VON der Generalversammlung, erscheinen aller Rameraden Pflicht. Waffrrfporlgbtrilung. 3ug Ob-rspree. 20 Uhr Iuqsiftuna im Basis. baus Wenbenfchioft. Wichtige Tagesordnung.— Mittwoch, 19. ffebrnar«reu,. lauer Berg. Iungdanncr. Antreten in der Schule Sreifenhaganer Strafte. bauser Allee 29«ilmersbars. Ramerabschaft Nord. 20 Uhr Rameradschgits. abend hei Benzin. Hohenwllernbamm 2.- Tiergarten Rameroblthaft Ar. miniu«. Hansa. Stefan. Mittwoch. 19. ffebrnar. 20 Uhr. gemeinsame Ramerab- schaltvversammlung in den Sprceballen. Rirchstr. 18. �«erliner stitherklnb übt leben Dienstag um«lg Uhr im Tludhau». Ohm. ., Der Berein ieN>ltgnhl»«r Handwerker inbücken Glaubens». B.»u Beel'» hält am Donners'aa. dem 20. ffebruar. feine 35 orbentlick» Seneraloer'amm. long im«emtinbehaus. Nofenstr. 2-4. pünktlich 20 Uhr, ab. �.... I.anr o ia» bog-isst vebot.» tllud. btiltvoah. in Uhr: Tabnäiwhous, Bölowtsr.(04. Guttmannsaal-„The Generation of the War" nenB»"-Enellst'-oha»n strauft, der jüngere, mit Irrudigetn Degrüftungsbeifall emplansca wurde. Oiensiag 15. Februar 1930 Äntechaltung und AAissen Beilage des Vorwärts Jtapitän Scott: 3)er � tWt JjHgW tat Eanntaq f«nfc ha Staatlichta Eichausvitlbau, di« llraufflibrunq »on G»«rina».DiUwalor'Srpcditian des ÄavitÄa» Et«t� unter der Regie Leopold Jeßnerz statt. Im Berlag Brockstau» stnd die Bücher über die tragisch« S«ott�!rpcditi«n in kostspieligere»«rosicn und dilligeren vallsülmliche» Ausgaben«ri'chienan. Wir-erSffciitlichen nachstehend aus dem Buch Rabert ffaleon Etott seilte isastrck' einen charal. teristische» Abschnitt, der un»»ritten in de» Ablauf de« grausigen Schicksal» der Ervcditian stineinstdllt. Mittwochs 14. Februar. Temperatur beim zweiten Frühstück 15 Grad, beim Abendessen 17 Erod. Cm schöner Tag mit hilfreichem Wi»G. der gletscherabwiirts wehte, und ein ziemlicher guter Marsch. Wir machten uns etwas spät auf den Weg und zogen die Moräne hinunter. Ansang» wollte ich mich rechts weichen, wurde aber glück. ticherwsis« anderen Sinnes, und wir folgten den gewundenen Linien der Moränen. Dieser Kurs bracht« uns denn auch gut auf den Gletscher hinaus. Nach einer Stunde fetzten wir das Segel; aber unsere vereinten Anstrengungen erzielten nur eine langsame Fahrt, teils wegen de? sondartigen Schneewehen, die denen auf der Höh« glichen, teil» auch infolge unserer rauh gewordenen Schlittenkufen. Dcim zweiten Frühstück wurden sie abgekratzt und mit Sandpapier geglättet. Aber dann kamen wir auf Schnee, der nur hin und wieder Eis durchscheinen lieh. Zuerst ging es erbärmlich, aber da Gefäll« und Wind bester wurden, legten wir doch noch 12 Kilometer zurück. Eine furchtbare Tatsach«, aber unleugbar: wir tSnnen nicht mehr gut marschieren! Wahrscheinlich keiner von un»! Wilsons Bein schmerzt noch, und er wagt sich nicht mehr auf die Schneeschuhe. Aber am schlimmsten steht es mit Evans! Izeute morgen«indeckte er plötzlich«ine riesige Beule an feinem Fuß, und auf dem Marsch mußten wir ihm die Steigeifen immer wieder zurechtschieben— lange, kostbare Minuten, die wir nicht wieder einbringen können! Ging« es nur erst, wie heute nachmittag, gleichmäßig auf Schnee. schuhen vorwärts, dann könnte er(ich wohl wieder erholten! Er ist hungrig, und Wilson auch. Aber wir dürfen e» nicht wagen, mehr Lebensmittel zu verbrauchen, und ich. gegenwärtig Koch, bringe immer etwa» weniger als die ganze Nation auf den Tisch. Wir find schlaff und langsam bei der Lagerarbeit— da» gibt neu« Der- zögerungenl Ich hob« heute abend den anderen eindringlich zuge. sprachen— hoffeicklich wird es nun bester damit. Da» unter« Gletscherdepot ist noch gegen SS Kilometer entfernt, und unser« Lebensmittel reichen etwa drei Tage. Donnerstag, 1». Februar. Lager kl SS. Ein schwerer Marsch von SS Kilometern heut«, aber wir wisten nicht genau, wie weit es noch bis zum Depot ist. Heut« nachmittag war es bewölkt und das Land long« Zeit unsichtbar. SMr haben die Nahrung oerringett und die Schlafenszeit gekürist und fühlen uns ziemlich kraftlos. In ändert- halb, höchstens zwei Tagen werden wir da» Depot erreichen, hoffe ich bestimmt— wir haben nicht» anderes mehr im Sinn—. wir können keim anderen Gedanken mehr fasten. Freitag. Itz. Februar. Wir sind in entsetzlicher Ausregung: unser Evan« scheint geistesgestört! Der sonst, so selbstbewußte Mann ist ganz verändert: heut« morgen und auch heute nachmittag ließ er aufs einmal unter lächerlichen Vorwanden haltmachen! Wir leben von knappsten Nationen, und bis morgen abend müssen unsere Lebensmittel reichen! Mehr als 13 oder 22 Kilometer können es nicht mehr bis zum Depot sein. Aber das Wetter ist uns in jeder Weise tzeindfeh. Nach dem zweiten Frühstück waren wir wie in Schneelaken eingehüllt, dos Land war nur noch eben undeutlich in der Ferne sichtbar. Ereignisse wie die heutigen werden wir zeit- lebens nicht vergessen! Vielleicht wird alles noch gut, wenn wir unser Depot niorgen ziemlich früh erreichen! Aber mit dem tranken Mann unter uns—?— Doch wozu sich über noch ungeschehene Dinge ausregen? Di« Minuten zum Schlaf sind uns abgezählt— ich kann nicht mehr schreiben. Sonnabend, 17. Februar. Ein grauenvoller Tag! Evans sah. nachdem er gut geschlafen hatte, ein wenig wohler aus, und ver- sichert«, wie immer, daß es ihm sehr gut geh«. Er marschierte vor den Schlitten gespannt mit uns ob, verlor aber noch einer halben Sturst»« den Halt auf den Schneeschuhen und mußt« abgeschirrt wer- den. Die Oberfläche war scheußlich, der kürzlich gefallene weiche Schnee blieb bei jedem Schritt in großen Klumpen an den Schuhen und Schlittenkufen hängen, der Schlitten ächzte unter den Stößen. der Himmel war bedeckt und das Land verschwommen. Nach etwa einer Stunde mochten wir holt, und Evans holt« uns ein, aber sehr, sehr langsam. Nach einer halben Stunde blieb er wieder zurück und bat Bowers noch, ihm ein Ende Bindfaden zu leihen. Ich riet ihm, uns möglichst schnell nachzukommen, und er oersprach e» in einem, wie mir schien, heitern Ton«. Als wir dem Monumentfelsen gegenüber waren, sahen wir Evans noch sehr weit zurück: ich ließ deshalb das Lager aufschlagen. Anfangs waren wir gar nicht unruhig, brühten Tee auf und setzten uns zum Esten. Als sich dann ober Evans immer noch nicht «lnstellte, schauten wir aus dem Zelt und sahen ihn noch weit ent- fernt. Jetzt packt« uns die Aufregung, und wir kiesen alle vier auf Schneeschuhen zu ihm hin. Ich langte zuerst bei ihm an und war entsetzt über sein Aussehen: mit aufgerissenem Anzug lag er auf den Knien, die Hände waren nackt und erfroren, und in seinen Augen war«in wilder Blick! Als ich ihn fragte, was ihm fehl«, antwortete er in schleppendem Ton«, er wisse nicht, was mit ihm sei, aber er habe wohl«inen Ohmnachtsanfall gehabt. Wir richteten ihn auf, aber noch zwei oder drei Schritten sank er wieder aus den Schnee und zeigte oll« Symptom« vollständigen Zusammenbruchs. Wilson. Bowers und ich liefen zurück, um den Schlitten zu holen, während Ostes bei ihm blieb. Als wir zurückkehrten, war er ohne Bewußt- sein, und als wir ihn ins Zelt gebracht hatten, schien er vollkommen schlafsüchtig. Er erwachte nicht wieder: Um.�1 Uhr in der Nacht ist er ge- starben. Der arm« Evans hatte schon kurz vor unserem Eintreffen am Pol angefangen, schwächer zu werden, und der Schreck über seine erfrorenen Finger, später da» wiederholt« Fallen aus der anstrengen- dm Gletscherwanderung und zuletzt der völlig« Verlust des Ver- trauens auf sich selbst, hatten seine Gesundheit untergraben; Wilson nimmt als sicher an, daß er sich bei einem Fall das Gehirn verletzt habe. Furchtbor. einen Kameraden, so verlieren zu. müssen! Aber bei ruhigein Nachdenk««. mußten wir uns. sägen: immer noch ein Glück, daß die entsetzlichen Äusregungcn der letzten Woche gerade so endeten. Mit einem Schwerkranken so weit reisen zu müssen, wäre für uns alle eine verzweifelte, rettungslose Sache gewesen!— Um 1 Uhr nachts packten wir zusammen, zogen über die Preß- eisrückm abwärts und fanden das untere Eletscherdepot ohne Mühe. unaximQorki: 3) JjCbdll Es standen vor dem Antlitz des strengen Lebens zwei Menschen. die mit ihm unzufriedm waren. Aus die Frag«:„Was wollt ihr von mir?� antwortet« der eine mit ermüdeter Stimme:„Mich empört die Grausamkeit deiner Widersprüche; vergebens sucht mein Geist den Sinn des Lebens zu erfassen, und mein« Seele ist angefüllt mit schwarzen Zweifeln. Mein Seibstbavutztsein sagt mir, daß der Mensch da» beste aller Geschöpfe ist..." „Was willst du von mir?' fragt« leidenschaftslos das Leben. „Glück! Für mein Glück ist es notwendig, daß du die zwei Hauptwidersprüche meiner Seele aussöhnst: Mein„ich will" mit deinem„du mußt'. „Wünsch« das, was du für mich mußt", antwortete ihm streng das Leben. „Ich will für dich mich opfern!" schrie der Mensch. „Ich will der Herr des Leben» sein und muß zusammenbrechen unter der Lost seiner Gesetze. Weshalb?" „Sprechen Sie doch einfacher!' sagte der zweite, der dem Leben näher stand. Der erst« jedoch suhr sort. ohne aus die Wort« seines Kameraden zn achten: „Ich will Freiheit haben, will mit meinen Wünschen einträchtig sein und nicht aus Pflichtgefühl meine» Nächsten Bender oder Knechc sein: ich werde da» sein, was ich will, Slave oder Bruder; ich will kein Stein der Gesellschaft sein, den sie hinlegt, wohin und wie sie will, indem sie die Gesängniste ihrer Behaglichkeit baut. Ich bin ein Mensch. ich bin Geist, ich bm die Vernunft des Leben«, ich muh ja frei sein' „Halt!' sagt« das Leben, hart lächelnd,.Hu hast schon viel ge- sprachen, und alle», was du noch weiter sagen willst, ist mir bekannt. Du willst frei sein? Nun denn! Sei es! Kämpf« mit mir, bezwing« mich und fei mein Herr, und dann werde ich dein Knecht sein. Du weißt daß ich leidenschaftslos bin und mich meinen Besiegern immer leicht ergebe. Aber besiegen muß man mich! Hast du die Kraft, jür dein« Freiheit mit mir den Kamps auszunehmen» Ja? Bist du für diesen Kampf stark genug und verläßt du dich auch auf deine Kräfte?" Und der Mensch sprach mutlo»;„Du hast mich in den Kamps mit dir ftlbli hineingezogen. Du hast meine Vernunft geschärst wie ein Messer, daß ich mir in die Seele stieß, ohne sie mir völlig zerstören zu können."... „Sprechen Sie doch drohender mit ihm. lammern Sie nicht!' sagte der ander«.._.„,, Und der erste sprach weiter:„Ich will mich von deinem Joche befreien. O. laß mich doch das Glück genießen!' Das Loben begann wiederum mit marmornem Lächeln: „Sage: Wenn du sprichst, oerlangst du oder bittest du?' „Ich bitte', erwidert« wie ein Echo der Mensch. „Du bist wie der gewohnheittmäßige Bettler; aber, mein Lieber. ich muß dir sagen: Das Leben gibt keine Almosen. Und erfahre noch etwas: Der Freie bittet nicht— er nimmt selbst meine Gaben... Aber du. du bist nicht mehr wie ein Sklave deiner Wünsch«. Frei ist der Mensch, der die Krast hat, allen Wünschen zu entsagen und «inen Wunsch erfüllen will. Hast du begrissen? Fort von mir!" Cr verstond es. Wie ein Hund legt« er sich zu Füßen des leiden- schaftslosen Lebens hin, um ruhig die Brocken und Ucberrest« von seinem Tische ouszusangen. Dann schauten die farblosen Augen des Lebens auf den zweiten Menschen— das war ein rohes aber gutmütiges Gesicht: „Um was bittest du?" „Ich bitte nicht, sondern sordere." „Was?" „Wo'tst die Gerechtigkeit? Gib sie her! Alles Uebrig« nehme ich später, zunächst aber muß ich die Gerechtigkeit haben. Ich warte lange, Ich wart« geduldig, ich führte ein arbettswlles Leben, ohne Rast, ohne Licht! Ich wartete... Nun ist es genug' Wo ist die K«rrcht!g?e!t?" Und das Leben anstoortek Ihm lesdensch-.-'lsspe:„N'rnrn sie!" Sin ZPflanmemrunder Daß es sehr merkwürdig und eigenartig ist. an einer und der- selben Pflanze erhebliche Mengen von Kartoffeln und Tomaten zu sehen, bewies der groß» Andrang vor einem Leipziger Blumen- geschäft, in dessen Schaufenster dieses Pflanzenwunder ausgestellt war. Man hat zwar schon ab und zu gelesen, daß Stengel- Pfropfung zwischen Kartoffeln und Tomaten möglich ist, bekam aber Pflanzen mit doppelten Erträgen nirgends zu Gesicht. Die Ursach« ist wohl darin zu suchen, daß die Pfropfung, wie so vieles, durch- aus möglich, im übrigen aber in der Durchführung rech! schwierig und von Versagern begleitet ist. Wie gelangte man nun zu den mit Tomaten und Kartoffeln beladenen Prachtexemplaren? Man legte die angeteimten Kartosseln Ansang April in die Töpfe und stellte diese in«inen kalten Mistbeetkasten. Ansang Mai wurde je ein Reis der Tomatensorte„Erste Ernte" in einer Höhe von 1ü bis 13 Zentimeter auf die kräftigsten Kartoffeltriebe gepfropft, nachdem die anderen kurz über der Erde abgeschnitten worden waren. Die aufgepfropften etwa 10 Zentimeter langen Tomatenköpfe wuchsen sehr leicht an. Für sachgemäße Durchführung der Pfropfung und Pflege der Pflanzen wurde natürlich Sorg« getrogen. Sobald die Pflanzen nicht mehr welkten, gewöhnte man sie langsam an Luft und Sonn«. Schließlich wurden die Fenster ganz henmtergenommen. Anfang Juni pflanzte man die Tomaten-Kartoffel zusammen mit Tomaten aus und konnte bald feststellen, daß die Früchte der auf Kartoffeln veredelten Tomaten früher reisten, als die der daneben- stehenden Tomaten. Da, Aroma der Früchte unterschied sich in nichts von dem der unveredelten Tomaten. Die Kartoffelernte betrug 10 bis 12 Stück je Staude. Ahnen des lilafchinenmenfchen Der Maschinenmenfch oder„Robot', wie er in angelsächsischen Ländern nach einer Dichtung des Tschechen Eapek heißt, ist das neueste Wunder der modernen Technik. Auch hier wird ein alter Sehnsuchtstraum des Menschen erfüllt, denn stets hat nian danach getrachtet, dem Leblosen den möglichst täuschenden Schein des Lebens zu verleihen, und der künstlich« Mensch von heute vermag, wenn er auch noch theotrql'isch in phantastischer Ritterrüstung auftritt, sich zu bewegen, zu sprechen, Ausstellungen mit langen Reden zu eröffnen, ja sogar ein Telephon zu bedienen, schwierige Wägungen und Messungen vorzunehmen und die kompliziertesten Vernichtungen in Laboratorien auszuführen. Sicherlich steht diesem Maschinen- menschen, der besonders in Amerika schon über das Stadium der Spielerei wsn hinausgediehen ist, ein« groß« Zukunft bevor, ab«? er blickt auch aus eine weite Vergangenheit zurück, denn der Automat hat die Phantasie der Menschheit so beschäftigt wie keine andere tech- Nische Erfindung, und von den Wundern antiker Priester bis zu den gespenstischen Visionen der Romantiker hat er dem Puppenwescn einen Schein des Ueberirdischen verliehen, wie Max von Boehn in feinem vor kurzem bei F. Bruckmann in München erschienenen in- haltsveichen Buch über„Puppenspiele" ausführt. Die ältesten Puppen sind gewiß von Menschenhand im geheimen bewegt worden. Priestertrug bedient« sich in allen Kulten solcher beweglicher Puppen, um die Einbildungskraft der Gläubigen zu de- einflusten. Bei den Prozesstonen des Jupiter Amon gab die Statu« des Gottes durch eine Kopfbewegung zu erkennen, welchen Weg sie einzuschlagen wünschte, und bei den römischen Umzügen wurde eine Figur des„Ktnderfresiers" Manducus mitgesührt. der, unserem Nußknacker ähnlich, seine riesige untere Kinnlade auf- und zuklappen konnte. Wie hier, so mögen auch hinter den Puppen und Figuren, die alle möglichen„Wunder' verrichteten, vielfach Menschen gesteckt haben. Ein Ueberrest sind noch die Riesenpuppen mancher Prozessionen in West- und Südeuropa, die sich besonders in kellischen Gebieten erhalten haben und in grotesken Formen die Karnevals- züge beleben. Schon im Mittelafter gab es solch« Riesenfiguren aus Weidengeslecht und bemalter Leinwand, die Giganten, Mauren und andere Unholde darstellten; sie reichten manchmal mit ihren Holzköpfen noch über die Häuser hinaus. Die eigentliche Entwicklung des„Maschinenmenschen' begann ober erst mit der Verwendung von Triebkräften, wie Sand, Wasser und Quecksilber. Chinesen wie Griechen haben die Eigenschaft des Quecksilbers zur Verlegung des Schwerpunkts erkannt und für Steh- aufmännchen und ähnliches ausgenutzt. Am häufigsten aber bediente man sich des Wasserdrucks oder des Dampfes, und schon die Zlegypter erbauten auf dies« Weis« ihr« Automaten. De? berühmteste Me- chamker der Antike, Heran von Alexandria, konstruierte«inen mit drei Laufrädern versehenen Wagen, aus dem die Apotheose des Bacchus selbsttätig dargestellt wurde: aus dem Altar schlug die Opfer- flamme empor, aus dem Stab des Gottes spritzte Milch, aus seinem Becher strömte Wein, Bacchantinnnen umkreisten unter Trommel- wirbel und Beckenschlag den Tempel usw. In der Spätzeit des Altertums gab es sogar Automatentheater, auf denen ganze Dramen mst. fahrenden Schissen.. Stürmeii mch Schisfbrüchen vorgeführt' wllMtz.. Bon bexübmten Automaten e�äihlt Aristoteles in.seiner Mechanik. Da gab es die selbststiegend« Taube des Archytas von Tarent. silberne Puppen, die sich wie lebende Menschen bewegten usw. Im Mittelalter galt besonders der Orient als die Heimat solcher Zaubereien, und man erzählte von Wundergärten, in-denen künstliche Dögel sangen und mit den Flügeln schlugen, automatische Löwen brüllten usw. Die ganze bunte Zauberwelt der Automaten- kunst hat sich dann auch später in den Gärten der Renaissance und des Barocks entfaltet, in denen ganze Laichschaften, Iahnnärkte, Bergwerk« durch Wasser angetriebeir, ihre vielfachen Bewegungen zeigten. Auch Uhrwerke wurden mit automatischen Figuren verbunden und zierten besonder» die großen Don«; so zeigte z. B. die Kunstuhr im Straßburger Münster 1332 die heiligen drei Könige, die sich verbeugten, und einen krähenden Hahn. Berühmt war da» sag. ..Männlein-Lousen", de? Aorüberzug der sieben Kurfürsten von Karl IV. an der Uhr der Nürnberger Marienkapelle, die l?3tZ bis 1361 errichtet wurde. Die Kunstuhren in Lübeck, Danzig Heilbr-"»!, Ulm usw. führten dann noch ganz andere Kunstwerke outomat sch aus. Es gab auch Trinkuhren, die auf Rädern auf der Tafel Ketzin- liefen und von dem, vor dem sie stehen blieben, ausgetninkcn wärd mußten. Die automatischen Spielwerke gehörten bald zu de» Scti.rn» stücken der fahrenden Leute, und besonder? geschickt roaren d-e Roni- bn-gar in der Erfindung solcher Spielwerkt* Ein autonuiiitchv? I Syhauipiel, das Jahrhunderte lang von den wanhernden Marion«:?»- ! tch entern gezeigt wurde, mar das sog.„Tbeatrum Mündt', die Bor- ! sübning von Szenen aller Art seit der Erschaffung der Welt. Dies naive mechanische Schaustück ist erst durch den Film ganz v cdraagt worden. Im 18. Jahrhundert, wo man mit den Automaten ei»«» besonderen Kult trieb, kam dann die Zeit der erstaunlichsten Leistungen, unter denen der 12 Stücke vortragende Flötenspieler und die schnei- ternde, körnerfressende und wasserttinkende Ente des Jacques de Vaucanson. das schreibend«, das zeichnende und das tlovierfpi elend« Kind der beiden Droz und der geheimnisvolle Schachspieler des Wolf- gang v. Kem pelen hervorragten. Der letztere war freilich kein reiner Automat, sondern in der Figur steckt« ein Mensch, der die Schochzüge tat. 1778 machte Kempelen eine wirklich svrech nde F-i�ur. All« diese Wunder sind ober heute im Zeitalter de-' Gram- mtiphons und der Seelenzelle weit in den Schatten gestellt. 3>ie IVollsplage in Kanada In dem hügeligen, waidreichen Gelände von Nordwest-Alberta, dem am Ostabhang dar Rocky Mountains gelegenen Distrikt Kana- das, richten die Wölf«, zur Zeit in nie gesehener Zahl, ungeheuren Schaden im Wildbestand und unter den Herden de? Viehzüchter an. Im Flußbezirl des Athabasm und des Saslatchewan sind die Verheerungen, die die hungrigen Bestien anrichten besonders groß. Seit Menschengedenken hat man dort nie so große Rud« marcdie- render Wölse beobachtet. Schon im frühen Winter machte sich die Plage bemerkbar und zwang zu großen Treibjagden, ohne daß man des Uebels hätte Herr werden können. Wie kühn dies« Räuber sind, geht daraus hervor, daß sie selbst nicht davor zurückschrecken, die in der Nähe der Blockhäuser eingepferchten kleinen Pferde an- zufallen und zu täten. Es ist nach ein Glück,. daß in dem dortigen Bezirk der Schnee nicht hoch liegt, so daß es dem Wild möglich ist, sich seinen Dersolgern durch die Flucht zu entziehen. ZoziaMfcheArbetterjllgendGr.-VerliN �insendnnqen fflr diese Satrtf nur an I | L erlin C2B 68, finder.firole» Jujentfefreterid) Jhttsu» üben„Srnnenfranea" SüKretätan, 20. Scficuoi. 18U 1X8». in der Sckn.'le fladific. l;i. Genossin 3uiit6 ÄrÄnkldt spricht ittet:_SMir Liebe, fiante» rokischaftsebe". Aebe Gruppe»usi von einem Müdel vertreien sein. Burschen sind ebensulls eingeladen. W Sorrtiaqssaal des Panteworpande«, Linder irr. z, lt. Aal, Z Treppen. Mm und«orte»« über:.Die AeUlnaeebewewinz'. Heule. Dienstag. lS. Februar. Uhr: «emockschaftsda»»! Schul« AZpenicker Str. 123(Ucrftairm). Bortvag!»Mode und Nekorm�.— Stosentbal» Borstadt! Schule STisuXwrdtirchftr. M. Heinrich» J!il[c»21benb"—?entrmn: Keim Londsberaer Str. 30. Bdrlra«:.Die iüeich». versassuna".— Westen ll: Sc'« Sölowsir. 88. Brrtrag:.Die deutsche A» deiterbeivemrna". II. Teil.—»ninaorplafc! Schule Bank. Sek Wiescnstroße. Bortraa:„Der Ausbau der Sowjetunion�.— Gesnndbrnnae» l: Schule Snten. buraer Str. Z. lO-Minuten-Zleierale.— Schillerpari: Schule Schiininosrr. 17. Bartraai.Reichs- und Etadtparlamcnit'.— Webdinp XR.-?.): Schule Liitt'cher Str. i. Bortrag!.Sotiale Sriiebuna".— Weddina-Siord! Keipr Tirrincr, Eike Seestrasie. lO.Mi!>uten.-Resera>.— Annimplat,: Schule Sonneuburger Str. 20. .nimmer l?. Borirnq:„Genossenschastewesen".— Brnmoalder Blap l: Leun Rastendurger Strasi» Bortrag!.Bitraerlich« und proletarische Lebensrefarnr'. —«rnomaldcr Blatt Iii Schule Bafteurstr. 44—46. Bortraa:.�uchthaus» rrlcbmfTt*.— Aelmdoltivlad: Seim Daroriqer Str. 62. B. 2. Bortraa:„Brak. tischer Sozialismus".- Nordost I: Seim Nanziqer Str. 62. k!..8. Bortraq: .?uchtk>aus oder Todesstrafe?"— Wörther Plap: Schule«astanienolle« 82. Borrra«:„Staatliche und sommunal« Auaenderziehunq".— Sascadeid«: Seim Dasierwrslr. 0. Bortraa:»Reise nach linba".— Südmesi: Sevn Lindensir.. 4. Bortra«:..Rationale. Zuaend".— SchSnebera l: H-'M Sauvtsir. 13. Bortraa: . t!o m cradschaitsebe".— Schonebera Ist: Keim Sauptsir. 13. Bortraa:.Sparta» kusercignisie".— Stförcbc»« 13! Seim Saup'slr. 13. Bovdereitunaen tum xolitisSi-satirischen Kvstllmsctt.- Schöneber» v- Keim Souvtstr. 15, Birrtraa: „Die Gemerkschaften".— Siomenssiadt: 11. Bolisschul«. Sehvlsirake. Bortraa: ..SA?, und Reichsbanner".— Westend: Keim Sportplod Westend. Bvrtrag: .Allobol und fem« ssolaen".— Lichterielde: Seim ZWrechtstr. 14«. llebungs- Sewiim auszog S. Zllasie 34. Preubijch-Eöddcollch« Alasteo-Lstteri«. Ob»« Gewähr Nachdruck verbdtr» Aus jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewi»« gesalle», und zwar je einer auf die Lose oleicher Nummer in den beiden Ableilungeu l und II 8. Ziehungstag 17. Februar 1930 Sn der heutigen Bonnlttagszkebung würbe» Gewinne tider 130 M. gezoge» L Velvinn« ,« i cX>00 M. 108276 6 Gewinn««u 3000 Ott. 294125 322083 13»«Pinn« IN 2000 M. 16188 64774 112030 305960 248157 389181 48«ewino» ja 1 000 SIL 235 20500 59987 65746 75095 83501 93070 152882 177551 186136 199615 203963 213200 244339 259054 302389 306204 318254 331 156 334069 349160 384349 388926 392237 62®«Binn« ,u 500 M. 5903 17491 22049 26380 46181 46308 54209 89301 90108 113176 124488 139797 144400 148511 165638 172358 185749 191679 213733 228897 229190 269309 270235 286836 306854 323127 327695 344883 346395 356878 395840 3n der heutigen Nochmittagsziehung wurden Gewinn« Der 150 SR. gezogen 2 ecBimu IN 5000 SS. 379135 10 SMrinn* p> 3000 W. 64755 126624 161187 381913 335174 4»«etnns m 2000 12. 85845 258406 34 amjran.>a 1000 32. 2190 7820 20988 28217 29744 42298 43366 100855 131409 135914 181836 223968 285877 305323 340783 379832 899884 52»earfmrc ,n 600 SB. 23336 29478 40884 56248«4939 70244 72123 75930 108724 110172 132500 148340 154700 136270 241806 243557 272738 293820 299451 306007 328360 331694 349963 361010 361804 369308 Im Gewinnrad« verblieben: 2 Prämie» zu i« vcoocv, 2 Gewinn« zu je kiXKXX), 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 75000, 2 zu je 50000. 12 zu fc 25000, SS ,u je 10000, 118 zu fe 5000, 332 zu je 3000. 614 zu je 200Ö, 1574 zu je 1000, 3380 zu ja M0. SPOO zu je ÜOO M.■-........■ J-'- «fttni zur 9Berb«fetet.— Marirndors(SIcHwel: SRMm-jQ Dabei« 159— IM. Vortrag:.Rutaaben der SRI."— Brich I»rd Iii Kerm Shausteastr. 4S. Vortrag:..Nameradschas'sebe".— ReulcHo II: Krim Bcrgsir. 20. Lortrog:„Gin Tag au: dem Zugerchgcricht".— Neu!ölt» M: Selm Zictbenstr. SS. Dortrag: Lebensrcform".— Reukklln IV: Seim Sch'ertcsir. 44. Tagaspolitisch« ssragen. — Sienlöll» V: Seim Bilgmische Str. 1— 1. Bortrag:„Wandern".— Neu» GSb VI: Keim Trepmwcr Str. 95. Bortraa:„Arbeitsgcm.-inschaft". IV. Teil.- Nentälln vw: Schute RiiOisirasie. Vortrag:„Gemeinschaft— Äameradschast"'. — Nentälln IX: Schule Marlendorfer Weg. Z. 90. Arbeit zg cmcin schart.— Ren. fütla Xi Seim Bergstr. 29. Lortnag:„?an,eItz»s«l: Dep»p!sch,« bl»,»»el Teiephontsche Bestellunsen bereits ab 8.30 Uhr FRISCHES FLEISCH Schwintikiimm«4» sse-n..__ ohne Bell ige........................ fiä. 1|20 8ch weinekot«lett rit». 1 ,34» Kassier............... fm. von 1 ,24»- Suppacflaiscb.,.mw>a 08pf.»s Euter.......................... ph 28Ff. Rinderlaber.............. fh 1 ,16 Kalbsschnitzel....... m 2,1 0 Schwdnckdpf• nltStdn�M. Mpt. Schweinebäuche Beusj. ml ,1 8 GEFRIERFLEISCH RQekenfctt tuttertf...... fr 98 pi. Berliner Bratwurst fr 1.14 Sappcnneisch...fr mn 70 t.- Hammelvordcrtleksch r( FR ran L8 u HammelrQeken . Fia.l ■Ft. Talg»uteUstM............... FR 38?-. FR 28?!. Rindarnlarcntalg roh......................... Pfund Ä KONFITÜRE"Xk Pflaumen............................. 95pf. VJerfruchtmarmelüde............. SOpt Aprikosen, Johannisbecr........ 1,15 Himbeer, Kirsch.................... 1,30 Erdbeer............................... 1,40 Ananas............................... 1,45 KÄSE UND FETTE Edamer sov...................... pr75pi. Dänischer Schweizer so»?...... pm 90pl Allgäuer Stangen»»/,......... pr44pl Horgarine................. fr 50, 62p:. WURSTWAREN Speckwarst......................fr95p/. Zervelatwurst, Salami........ m1,6S Schinkenspeck................. ml!»! KONSERVEN,� Junge Erbsen w«................ 1�5 Junge Erbsen................... 66?-. Gemüseerbsen................. 5ÖPt Junge Erbsen mittülfetB,».Karotten 1,00 Junge Erbsen«geschalttKarottsn 78pt Spinat............................... 55?!. Sellerie l- scMb«................. 1,00 Junge Karotten................. 75pl Karotten getsbnUtan.............. 40?t Birnen htib« Fracht................. ILA Birnen kmm Fmckt................ 1,10 Erdbseren........................ 1,65 Sauerkirschen mit steu......... 1,25 Süsskirschen mit stein........... 1,15 Rote Rüben.................... 60?. Span sdic Aprikosen fÄ 1.2,5 Kalifornische Pfirsiche... 1,45 KOLONIALWAREN Viktoria-Erbsen........... fr 1», 2Spt Bohnen weiss».............. ,...fr2öpc. Sdmiltnudeln................... tu. 46pf. Eierfadennudeln............... pm. 45pt Backobst................... PRronSÖPt»! Pflaumen.................. FR von 4ÄPt»n OBST UND GEMÜSE Blutapfelsinen...............» fr 7Spt Kalifornische Tafcläpfel...... fr 45?-. Kochäpfel.................... sprSöp-. Kot oder Wirsingkohl....... prOw. Weisskchl..fr 4p. Möhren..pr Spt Zwiebeln....................., pm. jOpt. FISCHE U. RÄUCHERWAREN "Zander gelreren...................... 60Pf. Dorsch geriachert..................... 3ÖP1. Büdjlin"c.................... pi». 26, 32pf. Bundaale....................... Bon» 35pt tinr Leipri�tr Str..«wmdtrpljtz, Fnnkfurter Aliet, Kottbwr tbmm, Btut-AIlwuca-Str� WÜTMrstUjrfer Slrtui, Cha«WMStTiMa Gänse gefroren 70 Pfand m w MB wn W WW Pf-'m (MMIuier 120 M �r. 81* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 18. Februar 1930 25 Prozent Mparationsersparnis. Die finanzielle und wirtschaftliche Entlastung durch den Neuen Plan. wir beendigen mit diesem ilrkkel unsere kritische Heb erficht über den Neuen Plan(ogl.„vorwärts" Nr. 46 und Kl). D. R. An S'elle der früher eruiarteten SteusrermohigunA wird der �n?«chme des Neuen Planes eine Steuererhöhung folgen. l. ine schwere Enttäuschung, gewiß. Die Bedeutung der Entlastung auf Grund des Neuen Planes wird jedoch dadurch nicht vermindert. > indern vielmehr noch viel stärker unterstrichen. Als wir vor einigen Monaten über den Dounz-Plan im Ausaimnenhang mit der Finanzlage des Reiches sprachen, faßten wir die finanzielle Aus- Wirkung des Poung.Planes folgendermaßen zusammen: an Stelle ■2r Steueoerhöhung um 300 bis 400 Millionen eine©teuer- -Mäßigung um etwa die gleich« Summe von 300 bis 400 Millionen '.Äark. Unter der Fortdauer des Dawes-Planes erschien eine S euererhöhung als unvermeidlich. Jetzt hat sich herausgestellt, daß (:e auch nach der Annahin« des Voung-, also des Neuen Planes, unvermeidlich fein wird. Die Berechnung des vorhandenen Bs- l arfes, zu dessen Deckung neue Mittel beschafft werden müssen, muß ciner besonderen finanzpolitischen Betrachtung vorbehalten bleiben. Hier dürfen wir annehmen, daß im nächsten Jahr« neue Einnahmen n Höhe von ungefähr 900 Millionen Mark für die Deckung der Bedürfnisse des Reiches zu beschaffen sind. Wenn der Dawes-Plan in Kraft geblieben wäre, hätte man aber nicht 900, sondern utwa?Z00 Millionen gebraucht, da wir im laufenden Jahre auf Grund des Dawes-Planes 614 Millionen und im nächsten H 930/31) 704 Millionen mehr hätten bezahlen müssen. Wir be- lammen also für das nächst« Jahr«ine gewaltige Entlastung. Warum nun Gteuererhöhung trotz Entlastung? Noch wichtiger ist es, daß die Annahme des Foung-Planes uns ene dauernde Entlastung bringt. Unter dem Dawes-Plan hätte .>in die Steuern nicht nur für das nächst« Jahr, sondern auf die ?ausr erhöhe« müssen. Jetzt brauchen wir nur einen einmaligen Fehlbetrag zu decken und werden schon im Zwesten Voung-Jahr: l 1931/32) Spielraum für eine Steuerermäßigung haben. Dos wird uns völlig klar fein, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie und .leshalb unsere früheren Berechnungen über den Haufen geworfen wurden. Zwei Ursachen haben eine außerordentliche Erschwerung der Finanzlage bewirkt. Erstens die Verschlechterung der Wirtschafts- läge und Zwestens die Verhinderung der Konsolidierung der schwebenden Schistd durch die langfristigen ausländischen Anleihen. Die Verschärfung der wirtschaftlichen Depression bewirkt c mn Ausfall an Einnahmen und eine Zunahme der notwendigen lusgaben. Dies« Entwicklung hat. schon die Umgestaltung des chTiachuagMÜcks für-ba* iauienot«oiwenbi#««nach», äschrnw . von früher angenommen hat. daß de? restliche Fehlbetrag von lS2S aus der Entlastung fest dem 1. September 1929 gedeckt werden an», belastet jetzt dieser Fehlbetrag in Höhe von 134 Millionen das nächste Jahr. Wir rechnete» ferner damit, daß die Finanzen der Arbeits- I ofenverficherung durch ausreichende Beitragserhöhung ins Gleichgewicht gebracht werden, so daß der Bedarf an Reichs- �irfchüsse« zunächst wesentlich geringer und dann ganz beseitigt wird. Begen des Widerstandes der bürgerlichen Parteien blieb die EeitragseichShung monatelang aus und ist dann nicht in einer aus- reicheren Höhe festgesetzt worden, während der Bedarf an Unter- 'ützungsmstteln wegen der Verschlechterung der Wirtschaftslage größer geworden ist. Auf diese Weis» ist wiederum eine Mehr- älastung von etwa 250 Millionen für das nächste Jahr entstanden. ftit geringere« Einnahmen muß man noch weiter rech- nsn: das bedeutet wiederum Mehrbelastung von ein paar hundert Millionen. Anderersests entsteht durch die Verhinderung der Auf- nähme von Ausländsanleihen die Notwendigkeit, die ejsatnt« schwebende Schi iL» nn Laufe des nächsten Jahres aus den lmfendM Einnahmen zu tilgen. Das ist noch eine Mehrbelastung nan mehr als 500 Millionen Mark. Insgesamt ergibt sich aus Mese Weif« im Vergleich mst ftüheren Berechnungen ein Mehr- i-edarf, der«ine Milliarde weit überschrestet, der aber ein ein- m a l i g« r ist. Die ZlstunstSvorieile sind entscheidend. Der Reue Plan wird uns helfen, die großen Schwierigkesten des Augenblicks zu überwinden. Das wäre aber noch kein Grund « uns eine wesentlich- Entlastung unserer Zukunft bringt. Finanziell schafft sie die 'Möglichkeit einer Steuersenkung und, da sie endgültig ist. M< Möglichkeit eines Umbaues des Steuersystems nach 'wirtschaftlichen Gesich spunkten. So kann diese finanziell« Eni- lastung auch ein« günstig« Wirku:»g auf unsere wirtschaftliche Ent- wicklung haben. Die Entlastung nach dem Neuen Plan hat aber noch deshalb eine besonders große mirtfchaftlichs Bedeutung, weil i e Höh« der Zahlungen an das Ausland, zu welchen wir verpflichtet j sind, erheblich herabgesetzt sind. Reparationen sind nichts anderes cls eine Form der Kapitalausfuhr, die aber nickst wegen zu er- wartender Verdienste, sondern aus Grund vertraglicher Vcrpflich- mng geschieht und keinen Gewinn bringt, vielmehr einen reinen Verlust an Kapital bedeutet. Für unsere Wirtschast, die noch immer E.nen Bedarf an Kapitaleinfuhr hat. bedeutet diese erzwungene Kapitalausfuhr eine doppelle Belastung. Die Herabsetzung der G-piralior.szahlungen wird deshalb eine Entlastung des .r a p i t a l m a r k' e s bewirten, sie wird also zur U-bcrwmdung d.r vorhandenen Kopitalknappbeit beitragen. Es bleibt uns übrtg. die Höbe dieser Entlastung.zu schätzen. G-e"enaue Berccknung ist nicht möglich, da die Belastung nach !>— t D-we- P'an kein? f-ststehend« G-öße ist. Der Dawes-Plan b i die unterste Grenze, über die die tatsächliche B.'lastung .lWohlstandsinderl) noch oben gehen muß. der Nme P'an stellt >ine oberste Grenze dar. unter die die tatsächliche Belastung »rtfcr Umständen gehen kann. Der Dawes-Plan setzt nämlich nicht nur die Jahreszablunge« von 2� Milliarden fest, sondern auch ein Verfahren, aus Grund dessen sich di« künftigen Jahreszahlungen erhöhen müssen, während di« Jahreszahlungen nach dem Neuen Vlan nie mehr erhöht werde» dürfe». Sie werde» sich nur so erhöhen, wie es in der Tabelle der Iahreszahlungen im vor- aus für die ganze Geltungsdauer des Renen Planes festgesetzt ist. In bestimmten Fällen, von welckcn früher die Rede war, können sie herabgesetzt werden. Milliardenerscichferungeu durch dca weggefallenen Dohlslandsindex. Die unbekannte Größe des Dawes-Planes ist der Wohl- st a n d s i n d e x. D!« Art seiner Zusammensetzung sichert das allmähliche Steigern der Iahreszahlungen. in welchem Maße, das läßt sich natürlich für die Zukunft nicht genau berechnen. Für das laufende Dawes-Jahr(vom 1. September 1929 bis 31. Zlugust 1930) läßt sich aber schon jetzt sagen, daß der Zuschlag etwa 70 bis 75 Mil- lionen Mark betragen sollte. Professor Raab hat auch die Zuschläge für die künftigen Jahre durchschnittlich auf 75 Millionen Mark jährlich geschätzt. In den ersten fünf Iahren seit 1. September 1929 sollte der Zuschlag nur auf die Hälfte, dann aber auf den ganzen Umfang jeder Jahres- Zahlung berechnet werden. Nach der Annahme von Professor Raab würde also der Iahreszuschlag im Jahre 1934/35 bereits 450 Millionen betragen und nach weiteren zehn Jahren auf 1200 Millionen gestiegen sein. Ministerialrat Soltau schätzt(im„Magazin der Wirtschaft� die Iahreszuschläge bedeutend niedriger als Professor Raab, betont ober, daß er die niedrigsten Zahlen, die zu erwarte» wären, angenommen hat. Unsere Berechnungen liegen für das erste Jahr noch höher als die von Professor Raab, für die weiteren Jahre ober ungefähr in d:r Mille zwischen denen von Staad und Sollau. Es genügt ober, wenn wir die niedrigere von Sollau zum Vergleich mit den Zahlungen nach dem Reuen Plan heranziehen. Dann ergibt sich, wenn wir die Dawes-Annuitäten mit dem Zuschlag, der zu erwarten wäre, nach Professor Raab schätzen, folgendes Bild(das Dawes-Jahr beginnt jedesmal 5 Monate später als das Reparationsjahr nach dem Neuen Plan): Reparation»- Jahr 1930-31 1931—32 1932—33 1933—34 1934—35 1935—36 1935—37 1937—38 1938—39 1939—40 Na» dsm Dawes-Piaa mit Zuschlag i u M . 2575 . 2612,5 . 2650 . 2687,5 » 2950 . 3025 . 3100 » 3175 . 3250 . 3325 Nach dem Ncuen Plan i l I- n-« 1796 1772 1824 1888,5 1950 1975 2020 2056 2073 2119 Räch dem Reuen Plan weniger Mark — 779 — 840,5 — 826 — 799 — 1000 — 1050 — 1080 — 1119 — 117? — 1206 � ftfr MI 1965/68 jcf Plan�sür. das Jahr be von 2429 Millionen. In dem gleichen Jahre würde nach Professor Raab die Dawes. Annuität mit Zuschlag nicht weniger als 5335 Mil- lionen, also 2906 Millionen mehr als nach dem lljoung-Plan betragen! Nach der Annahme von Sollau. dessen Berechnungen als die niedrigste Grenze der zu erwartenden Zuschläge gemeint sind, er- scheint der Unterschied nicht so enorm: er bleibt immerhin so hoch, daß die Entlastung nach dem Doung-Plan als eine sehr beträchstiche anerkannt werden muß. Im letzten Heft des.Magazin der Wirt- fchaft" wird die Höhe der Dawes-Annuitäten nach der Annahme von Soltau berechnet und auf die Reparationsjahre nach dem Reuen Plan, also vom 1. April bis 31. März umgerechnet. Wir vergleichen die so errechneten Dawes-Annuitäten mst den Annuitäten nach dem Neuen Plan, die mit dem belgischen Markabkommen berechnet sind: Für 1965/66, das Jahr mit der höchsten Annuität, würde nach dieser Berechnung die Annuität noch dem Dawes-Plan 3465 und nach dem Neuen Plan 2438, also um 1027 Millionen weniger betragen. Man könnte sich zwar auf den Standpunkt stellen, daß die Dawes-Annuitäten feit 1964/65, nachdem die Reichsbahn- und Industrieobligationen getilgt sind, herabgesetzt würden. Mit Sicher- hell läßt sich nichts darüber annehmen. Die Entlastung nach dem Neuen Plan erscheint in allen Fällen als sehr beträchllich. Sogar unter der Annahme, daß die 300 Millionen aus Industrieobligationen und 660 Millionen von der Reichsbahn später nicht ersetzt werden müssen, bewertet das„Magazin der Wirtschast" die Kapital- summe der deutschen Reparationsschuld nach dem Dawes-Plan auf rund 49 Milliarden gegenüber nur 36 Milliarden nach dem Neuen Plan. Diese neueren Schätzungen bestätigen unsere frühere Berechnung. daß die deutsche Reparaüousfchuld durch die Annahme des Neuen Plaues um nicht weniger als 25 Proz. ermäßig« wird. Diese Annahme, die außerordenllich vorsichtig ist. ist lrohdem dazu geeignet, die letzten Zweifel daran, daß der Neue Plan dem Dawes-Plan vor- zuziehen sei. zu beseitigen. Lehrreiche Ziffer«. Wie die Unternehmer leichtfertig die Oeffentlichkeit täuschen. Daß die deutschen Unternchmer es mll der W-chrhell in ihren Geschäftsberichten und in ihrer Politik nicht genau nehmen, ist be- könnt. Aber auch die brellefte Oefsentlickzkcft war bisher geneigt, anzunehmen, daß die deutschen Reparationslasten es zur Folge haben, daß ausländische Unternehmungen hinsichtlich des Anteils der Steuern, Soziallasten und Löhne an den Kosten der Produttion besser gestellt sind als deutsche Unternehmungen. So ist man auch geneigt, einen Satz wie den folgenden für wahr zu halten, der im letzten'Geschäftsbericht des Rchrmontantrusts zu lesen war:„Wäh- rend so in Deutschland die Selbstkostengestaltung durch regelmäßig wiederkehrende Belastungen verschiedener Art äußerst erschwert wird. sucht man im Ausland der eigenen Industrie den Wcttbewerbstampf aus dem Weltmarkt nach Möglichkell zu erleichtern." Jetzt wird in der„Finanzpolllischen Korrespondenz" in einem von Jürgen Kurzinsky durchgeführten Vergleich nachgewiesen, daß bei einem der größten amerikanischen Stahltonzerne(Unlled States Steel Eorporation), deren Umsatz zweieinhalbmal so groß ist. alz der der Bereinigten Stahlwerte A-G-. bei dreimal so hohen Löhne« der Anteil der Steuern. Soziallasten und Löhn« erheblich größer ist. als beim Ruhnnonton ruft. In welchem starken Ausmaß« das der Fall ist, zeigt solgende Zusammenstellung: vereinigte Stahlwerke' United Stackes Steel Eorporation 1928/1929: 1928: Der Durchschnittslohn! Der Durchschnittslohn des Ar- des Arbeiters und Angestellten beiters und Angestellten beträgt: beträgt: 25L5 Mark.' 7837 Mark. Wort darüber, daß di« Steuer«. Löhne oder sozialen Lasten zu hoch wären. Clekiroklämng an der Saar. Weiherzentrale kommt nicht an das RWR. Wie uns aus Saarbrücken gemeldet wird, Hot«ine Der- trererversanunlung des elektropolllisch vom Rheinisch- Westfälischen Elettrizitätowerk und der«inheimischen Saar-Elektrowirtschost Hort umkämpften Zweckoerbandes Weiherzentrale jetzt mll 226 gegen 89 Stimmen den Anschluß''an die Saar-Elektrowirt- schaft beschlossen. Damll wird der vom Präsidwm des RWE. gefaßte Beschluß wirksam, daß das RWE. auf fein« Interessen im Zweckoerband Weihcrzentrale verzichtet, wenn dieser selbst den Beschluß saßt, sich an die Saar-Elektrowerke anzuschließen. Ein sehr alter und ungeheuer hartnäckig geführter Streit um die Sicherung des Saargcdiets für die Saarlohle ist damit hin- sichllich der Elcktrowirtschost der Saar grundsätzlich beendft. vom Die Lä h n e machen vom saintumsatz aus: 34.7 Pro;. Die Steuern machen Gesamtumsatz aus: 4,3 Proz. Löhne Steuern und Soziallasten machen vom Gesamt- Umsatz aus: 42.5 Proz. Ge-� Die Löhne machen vom Ge- j famtumsatz aus: 45,3 Proz. Die Steuern machen vom Ge- samtumsatz aus: SH Pro,. Löhn«, Steuern und Sozial- lasten machen vom Gesamtumsatz aus: 51.8 Pro,. Aus dieser Zusammenstellung ergibi sich, daß der große ameri- konisch? Konzern dreimal höhere Löhne zahlt, daß der Steuer- anteil lm Verhältnis zum Umfaß höher und der Anteil der Löhne. Stenern und Soiialisteu. der wichtigsten Produktionskosten, fast um 25 Prozent über dem der deutsch?» Vereinigten Stahlwerke siegt. Diese Tatsachen sind außerordentlich überraschend und zur Be- leuch'amg der Mentalität der deutschen Unternehmer außerordenllich lehrreich. Frellich besteht noch ein Unterschied: In dem Geschäftsbericht der United States Stee! Corporation findet acn kein Höhere Zölle für Kaffee und Tee? Ihr Verbrauch wächst ständig. In den Plänen de» Reichssinanzministers Dr. Moldenhauer spielt auch die Zollerhöhung für Kaffee und Te« eine Rolle.' Sicher ist, daß der voUspartelliche Finanzminister hier die Hand nach einer Einnahmequell» ausstreckt, die bei den bisherigen Zöllen dem Reich ständig steigende Einnahmen gebracht hat. In j den letzten drei Jahren ist di« K o f s e e- E i n f u h r um rund 40 Proz., die Tee-Einftchr um 25 und die Kakaoeinfuhr um 30 Proz. gestiegen. 1929 betrugen di« Z o l l« i n n a h m e n des Reiches bei Kaffee 183,2 Millionen(gegen 169,3 und 154,4 Millionen in den beiden Porj chren), bei Tee 12,7 Millionen(gegen 11,7 und 11.3 Mil, lionen) und bei Kakao 27,0 Millionen(gegen WH und 24,7 Mil- lionen). Für Kaffee, Tee und Kakao ha: Deutschland im Jahre 1929 insgesamt 491 Millionen Mark ausgegeben gegen 427 Millionen im Jahr« 1928 und 384 Millionen iin Jahre 1927. Ob höhere Zölle den Verbrauch nicht derart senken, daß ine Zolleinnahmen auch zurückgehen? Das sollt« man bei der Besteue- rung des Kaffeetopfes, der heute etwas mehr Bohnen als früher hat, wohl bedenken. Die hondclsvcrkrogsverhandiungcn mit Polen werden außer von den offiziellen Berhandlungsführern zur Klärung der Streit- frage auch von einer besonderen privaten deutschen Wirt- s ch a ftsdelegation gefördert. Ihr gehören Generaldirektor Stehler als Sachverständiger der Industrie, der Handelskammer- Präsident Grund aus Breslau und Walter Eggert vom A D G B. an. Schlechte Konjunktur drosselt den Zuwachs der Stromerzeugung. Nach„Wirtschaft und Statistik" ergibt stch für das Jahr 1929 bei 122 erfaßten Werten eine Stromerzeugung von 16,9 gegen 16,4 Milliarden Kilowattstunden im Jahre 1928, d. h. eine Steigerung um 17 8 Proz. Für das ganze Reich wird die Erzeugung auf 32 bis 33 Milliarden Kilowattstunden ges-bätzt. D!» unoünftigere Kon- funktur hätte demnach gegen frühere Jahr« einen Rückgang de» Zuwachses»»» etwa ZSasf etwa 17 Prozent gebracht. Arbeitsmarktlage Ende Januar. Arbeitslosigkeit größer als im Vorjahr.— Verlangsamte Zunahme. Die Berichte der dem ADGB. angejchlosienen Verband« über die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit Ende Januar lassen eine weitere Verschlechterung der Lage auf dem Aideits- markt erkennen. Von 100 Geivertschaftsmitgliedern Ende September 1929 . Oktober 1Ö29. , November 1929 » Dezember 1929. , Januar 1930. waren ardettslos standen in Smzarbeit in der in der in der u» der Kaniunkw» Saison-«onjunMlv- Saison» gruppe srnnp- gru?p««Zrnpec . 8L 12B 8.9 0.6 . 9.2 17.7 8.1 1.1 . 10.2 28.8 8.8 2.1 . 12,8 Sich 9,4 3ch . 14,2 55,5 12,6 2,2 ncchme machten die Lag« etwas bei den industrie. Bergarbeiter. chutarbeiter. Zuckerindustrie Hutarbeiter. Im Januar oerbesserte sich die �utarbeitern, im Bergbau und in der Zucker- Im Durchschnitt für sämtlich« Verbände ist die Zahl der Ar- beitslosen unter den Gewerkschastsmitgtiedern von 20,3 Proz. am Jahresschluß 1929 aus 22,2 Proz. und die Zahl der Kurzarbeiter von 8.2 Proz. auf 10,8 Proz. angewachsen. Jni großen und ganzen war die Lage des Arbeitsmorktes Ende Januar 1930 nicht unerheblich schlechter als zu demselben Zeitpunkt im Vorjahre, wo die Arbeits- losigkeit 19.4 Proz. und die Kurzarbeit 8,2 Proz. betrug. Ein näherer Vergleich mit dem Vorjahre zeigt die Eigenart der gegen- wärtigen Arbeitsmarktkrise. Anfang 1929 stand der Arbeitsmarkt im Zeichen der ungewöhnlichen Kälte. Dementsprechend konzentriert« sich die Verschlechterung der Lage aus die S a i so n g ru p p e: hier waren Ende Januar 1929 nicht weniger als 58,4 Proz. der Gewcrkschafts- Mitglieder arbeitslos(Ende Februar stieg diese Zahl aus 88.1 Proz., im März blieb sie noch immer auf 43,3 Proz. stehen, und erst der April brachte eine fühlbare Belebung der Bauarbeiten). In diesem Jahre, bei einem recht m i l d e n Mpter. könnten die j Bauarbeiten ohne Unterbrechung fortgeführt werden, falls die Bauherren durch die Geldknappheit nicht gezwungen würden, die Aufträge einzustellen und die begonnenen Arbeiten-zu unterbrechen. Im November und Dezember 1929 war der' Druck dieses Faktors auf den Arbeitsmarkt noch stärker als die Wirkung der ungünst:- gen Witerung im Vorjahre. Aber die eigentliche Kältekatastrophe des vorigen Winters setzte bekanntlich erst im Januar ein. Und es fft zu betonen, daß im Januar die Arbeitslosenzahl in der Saisongruppe in diesem Jahre hinter der des Vorjahres zurückblieb. In der Konjunkturgruppe liegt dagegen in diesem Jahre die Arbeitslosigkeit hoch über dem Niveau des vorigen Winters. Im Vergleich mit dem Vormonat ließ sich im Januar eine all- gemeine Verlangsamung in der Zunahme der Arbeits- losenzahl beobachten. Besonders beachtenswert scheint dies für die Berufe der Konjunkturgruppe zu sein: Im Dezember stieg hier die Arbeitslosigkeit von 10,2 Proz. auf 12,8 Proz., d. h. um SB Proz.; im Januar war eine Zunahme von 12,8 Proz. aui 14.2 Proz., d. h. um 1,4 Proz. festzustellen. Zum Teil ist diese Ber- langsamung auf sahreszeitliche Einflüsse zurückzuführen, da die Ar- beitslosigkeit in der Konjunkturgruppe immer noch für die Saison empfindlich ist und gerode an der Jahreswende eine geringe Spitze aufzuweisen pflegt. Es gibt aber auch Anzeichen, die vermuten lassen, daß die Lage auf dem Arbeitsmarkt den Tiefstand kxckd hinter sich haben wird. Im Dezember 1929 mußten sZmtkich« Verbände über einen zurückgegangenen Beschäftigungsgrad berichten, die einzige Aus- Ferner wurde in einer Reihe von Berufen die dauernde Steige- rung der Arbeitslosigkeit durch einen Gleichgewichtszustand— leider auf einem unerfreulich hohen Niveau— abgelöst. Bon 100 Gewerkschaftsmitgliedern waren arbeitslos Textilarbeiter.. Nahrungsmittel- u tränkearbeiter. Eine weitere Verschlechterung weisen die Glas- und Porzellamnduftrie, Metallindustrie, das Bekleidungsgewerbe, die papierverarbsitende Industrie, das cholzgewerbe und die Tabakindustrie auf. Aber das Ausinaß der Zunahme der Arbeitslosig- keit blieb im Januar in ollen diesen Gewerbezwcigen hinter dem des Vormonats zurück. van 100 Eewerkichaltsmitgliederu waren arbeitslos End» Ende Ende Ende Oktober Nooember Dezember Januar 1S2S 1020 1039 1930 Glasindustrie..... 12,4 10,9 15,1 17,1 Porzellanindustrie.,. 10,5 9,8 13.7 15.0 Metallindustrie.... 9.7 11,3 13,2 14,7 Bekleidungsarbeiter... 13,0 15,9 22,2 25,7 Schuhmacher...». 18,1 16,7 20,2 21,7 Buchdrucker..... 11,8 HZ 12,3 12,6 Lithographen..... 11,8 12,2 14,1 15,2 Holzarbeiter..... 15,7 17,5 24,4 27,7 Tabakarbeiter..... 12,6 12,4 16,5 17,8 Einstweilen kann von einer Erholung des Arbeitsmarktes keine Rede sein, die Depresstonsfaktoren waren— wie in den vorigen Monaten— vorherrschend. Es scheint aber, daß im Januar ihre Wirkung nicht mehr so hart wi; im Dezember war, und daß diese Veränderung nicht aus Saisoneinflüsien allein zu erklären ist. . Bekanntlich wurzelt die gegenwärtige Massenarbeitslosigkest in erster Linie in der K a p i t a l k n a p p h e i t. die künstlich von den Finanzgewaltigen verschärft und von den Katastrophenpolstikern rücksichtslos zum Schaden der gesamten Volkswirtschaft ausgenutzt wurde. Auch die politischen Beunruhigungssaktoren haben dabei ein« Rolle gespielt. Dementsprechend könnt« eine Erleichterung des Arbeitsmarktes nur von der Entlastung des Kapitalmarktes einerseits und der Ausräumung der politischen Unsicherheitsmomente andererseits erwartet werden. Auf dem Geld- und Kapitalmarkt hat sich bereits der für die Ueberwindung der Depression günstige Umschwung vollzogen(Senkung des Zinsfußes!). Die Klärung der pn kitisch e'u Lage läßt Ufbtr noch wimer auf sich warten. Wl, Wcytinekr. Feste Front der Ehauffeure, Einmütige Ablehnung der kommunistischen Gtankereien. Die Front der streitenden und ausgesperrten Kraftdroschken- sichrer steht unerschütterlich fest, obwohl sich die Unter- nehmer alle Mühe geben, sie ins Wanken zu bringen. So verbreiteten sie gestern durch die ihnen nahestehende bürgerliche Presse die Nach- richt, daß bereits 95 Proz. der Führer die Arbeit wieder aus- genommen hätten und der Kampf vor dem Zusammenbruch steh«! Diese Behauptungen sind Schwindel! Den besten Beweis dafür bot die öffentliche Versammlung der streitenden und aus- gesperrten Kraftdroschkenführer, die der Gesamtverband zu gestern mittag nach dem Saalbau Friedrichshain einberufen hatte. Nahezu 3000 Chauffeure waren dem Ruf der Organisation gefolgt, so daß das Etablissement bis zum Bersten gefüllt war. Die Versammlung war von einem vorbildlichen Kampfgeist beseelt und lehnte es auch e i n m ü t i g ab, sich vor den Wagen der Kommunistischen Partei spannen zu lassen. Gleich zu Beginn der Versammlung stellte ein Mitglied der kommunistischen„Kampfleitung'. von der man bisher nichts weiter als radikale Redensarten gehört hat. den Antrag, die aus or- ganisierten Kraftdroschkenführern bestehende Dersammlungs- leitung aus dem Saalzu weisen und sie durch Mitglieder dieser.Lampfleitung' zu ersetzen. Einstimmig wurde dieser Antrag abgelehnt. Genosse Bergmann vom Gesamtverband gab dann einen ausführlichen Bericht über die Kampflag« und forderte die Streiken- den und Ausgesperrten auf. weiterhin so geschlossen wie bisher zusammenzustehen. Er wies auch die in der kommunistischen Press« erhobenen Behauptungen zurück, daß die Organisation hinter dem Rücken der Kämpfenden Verhandlungen geführt und einen gewissen Abbau des bisherigen Fest- und Garantie lohnes den Unternehmern zugestanden habe. Dl« Organisation denkt nicht daran, den Unternehmern solche Angebote zu machen. Ei« steht nach wie vor zu der vor Beginn des Kampfes aufgestellten Forderung: Erhöhung des täglich«» Festlohues von 2.50 auf 4 M. und Beibehaltung de»«varautlelohue» von» IN. pro Schicht. Es ist ein Unsinn und der Bewegung nicht dienlich, wem» jetzt von verschiedenen„besonders revolutionären" Stellen noch meitergeheride Forderungen aufgestellt werden. Di« Bewegung kann nur dann zu einem' erfolgreichen Abschluß gebracht roerden, wenn die Organisation sie führt. Tarisvcrtäge können nur zwischen Körperschaften abgeschlossen werden, die tariffähig sind und für ihre Abmachungen auch die volle Verantwortung tragen. Die Organisation ist kampfbereit, aber auch jederzeit oerhandlungsbereit, und zwar nur auf der Grundläge der ursprünglichen Forderungen. In der ausführlichen Diskussion brachten alle Redner zum Aus druck, daß sie mit der Führung des Kampfes durch die Organisation voll und ganz einver standen sind und die Aufstellung weiter- gehender Forderungen durch die sogenannten Kawpsleitungen a b- lehnen. Ein Mitglied der kommunistischen �kampsleitung", das versuchte, durch politische Hetzreden Zwietracht in die Versammlung zu tragen, mußt« unter dem stürmischen P r o t« st der Versammlung abtreten. Der Antrag der Branchenleiwng, daß der Kampf nur um die von der Organisation aufgestellten Forde- rungen geht, wurdb e i n st i m m m ig angenommen, womit alle übrigen„radikalen" Anträge erledigt waren, * In einem Teil der bürgerlichen Presse wurde gestern mügeteilt, daß Mischen den Gewerkschaften und dem Schlichter am. Montag wiederum Verhandlungen geführt worden sind. Diese Behauptung ist ebenso unzutreffend wie die meisten Nachrichten, die in diesen Zeitungen über den Streit der Droschtenschausfeure verbreitet werden. Von einem„Abflauen" oder gar einem Zusammenbruch" des Streiks kann weniger als je gesprochen werden, Oie Kabrikarbeiier räumen auf. „Revolntivuäre" als Aeruhlgungshofräte. Am Sonntag tagte im Gewerkschaftshaus die General versa nun lung der Berliner Fabrikarbeiter. Während die Kommunisten im Borjahre von den 167 Sitzen in der Generalversammlung nach 44 inne hatten, ist ihre Fraktioi: jetzt bis auf 29 Mann zusammengeschrumpft. Der Levollmächtigt«, Genosse R ü ck e r. behandelte einleitend die verbrecherische Rolle der KPD. bei den Vetriebsrät«- wählen und wies daraus hin, daß jedes Derbandsmit- g l i e d rücksichtslos aus der Organisation ausgeschlossen wird. das auf sogenannten Oppositwnslisten kandidiert. Zu dieser Frage nahm die Generalversammlung eine entsprechende Eni- schließung an, dagegen stimmten die fünf konnnunisiischen Delegierten. Rücker erläuterte im Anschluß hieran den Geschäfts- bericht für das Jahr 1929. Danach hat die Organisation im Vorjahre insgesamt 33 Lohnbewegungen in 212 Betrioben mit 20 991 Beschäftigten geführt. Sechs Bewegungen konnten erst nach einem Streik beendet werden. Es wurde insgesamt für 8141 Beschäftigte«in« Lohnerhöhung von 24 600 M. pro Woche erzielt. Die Mitgliederbewegung ist stabil geblieben. Am Schluß des Berichtsjahres hatte der Fabrikarbeiterverband in Berlin 9344 Mitglieder, davon 1891 weibliche. Gunst ig haben sich auch die Finanzen der Organisation entwickelt. Der Lvkal- kassenbestand stieg im Laus« des Jahres um 5524 M. auf 70 311 M, Die Organisation hat dadurch, daß sie die Berbandsschädiinge aus- schloß, nichts an Agitation», und Stoßkraft verloren. In der Debatte versuchte der Fjihrcr der„Opposition", die gewerkschastsfeindliche Politik der KPD. zu verteidigen und den ttnorgmttfterten da, Wort zu reden. Der nächste Redner der „Opposition" verstieg sich zu der gemeinen Verleumdung, die sozial- demokratischen Arbeiter denunzierten die Kommunisten in den Be° trieben. Die Anhänger der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung blieben der„Opposiition" die gebührende Antwort nicht schuldig, Besonders interessant waren die Aussühningen enies Orts- verrvaltungsmitgliedes, der den konmiurnstischcn Arbeiterräteu der Firma I. G. Farben-Treptow die„rcvaUitionäre" Maske vom Gesicht riß. In diesem Betriebe hatten die kommunistischen Arbeiterräte vor einiger Zeit eine Betriebsversammlung ein- berufen, auf deren Tagesordnung es mrter anderem hieß:„Warum fordert der Fabrikarbeitervcrband keine Lohnerhöhung?" Als sie deshalb von der Betriebsleitung geladen und auf die bestehenden Tarifverträge aufmerksam gemacht wurden, gebrauchte der „revolutionäre" Betriebsrat folgende Ausrede:„Da die Belegschaft sehr erregt sei, die Betriebsräte aber die Pflicht hätten, für die Aufpechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Betrieb zu sorgen, hätten sie die Versammlung einberufen, um die Lclegschäfl zu beruhigen und sie aus die gesetzlichen Wirkungen des Tarifvertrages aufmerksam zu machen! Zum Schluß nahm die Versammlung noch die Neuwahl der Ortsverwaltung vor. Sämtliche Mitglieder der bis- herigen Ortsvcrwalwng wurden gegen drei Stimmen wieder- gewählt. Schichau zahlt nicht mehr. Oie„untragbare Velasiung� wird beseitigt. Die Firma F. Schichmi G- m. b. ch. teilte den invaliden?ln- gestellten und Arbeitern ihrer„Rechtsvorgängerin", der offenen Handelsgesellschaft F. Schichau mit, daß sie die von dieser Firma unter Borbehalt des Widerrufs bewilligten Pensionen und Unter- stützungen einstweilen noch weitergezahit habe, trotzdem sie rechtlich dazu nicht verpflichtet gewesen fei. Auf die Dauer stellen jedoch diese Zahlungen ein« für uns untragbare und die Durchfiihrimg des Wiederaufbanes de» Unternehmens gefährdende Belastung dar." „Um Härten zu vermeiden", wird die Firma den bisherigen Pensions- und Unterstützmegsempfängern die bisherigen Unter- stützungen bis Ende März in der bisherigen Höhe zahlen, vom L April bis zum 31. Juli 1930 nur noch zur Hälfte. Dann ist Schluß damit; ab August werden sämtliche widerruflich be- willigten Pensions- und Unterstützungszahlungen eingestellt. Die Unterstützung der Ardeitsimxiliden von Schichau betrug monatlich etwa 6 M,, 8 bis 10 M. Das ist gewiß nicht viel; ollein die alten Invaliden haben bisher mit diesen paar Mark gerechnet, zumal sie bei den niedrigen Löhnen chrer alten Firma keine Erspar- nisse machen konnten. Kommunistische Schlappe in OSerfchlesien! Im Reichsbahudirektionsbezirt Oberschlesien hatten die Kommunisten bis zum Jahre 1928 die Führung im Vezirksbelriebsrot, Durch die Befolgung der kommunistischen Parolen stellten sich die bis dahin amiiercnfccn Bezirlsbctriebsratsmitglieder außerhalb des gewerkschaftlichen Rahmens und wurden aus dem Einheitsv« rix» nd der Eisenbahner Deutschlands ausgeschlossen u»id aus d« Bezirksbetriebsrat hinausgewählt. Nunmehr jetzt« gegen dir Berbandsinstaizzen und speziell gegen die Leitung des oberschlesischen Bezirkes die übliche wüste Hetze der Kommunisten ein. Die Betriebsräte lo-nserenz am£>. Februar n» K auhrzin nahm zu diesen Hetzer««»» und Reibereien eingehend Stellung unch� legt« ihr» Meinung in einer Entschließmeg med er. di».j» der folgenden Schluß ausklmgl: Die am 9. Februar 1030 in Kandezin veriammeÖ«» Betriede- und Beamtenräte des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutsib- kanbs rufen allen oberschlsstschen Eisenbahnern zu: „Die sogenannte revolutionäre Opposition ist ein Wertzeug der Kommunistijchen Partei. Sie will eure einzige Stütze,«mm Eiicheitsverband der Essenbahner Deutschlands, zerschlagen und euch für ihre verbrecherischen politischen Zwecke mißbrauchen. DesHoll' lehnt sie ob! Deshalb bekämpft st«!! Wählt bei den kommenden Betriebsrätewahlen restlos die Lssteu des Einheftsverbarrdes der Essenbahner Deutschlands mit dem Kenn- wart: Einheitsverband!" Diese einstimmig angenoininene Entschließung bedeutet eine schrver« Niederlage der„revolutionären Opposition" inrd der KPD. in Oberschlesien. Aeues Gewerkfchastshaus in Sintigari. Die Stuttgarter Gewerkschaften wollen schon seit langem ihr unzulängliches Gewerkschaftshaus durch einen Neubau ersetzen. Die Verhandlungen mit der Stadt über einen Gcläudeaustausch zogen sich mehr als ein Jahr hin und wurden verschiedentlich durch die bürgerliche Presse zu sabotieren versucht. In der letzten Sitzung des Gemeinderates wurde der Tausch aber doch genehmigt, und zwar aus folgender Grundlage: Die Stadt übernimmt das 22% Ar umsasjende Anwesen des bisherigen Gewerkschasishauses in der Eßlinger Straße gegen Hergaln eines 19 Ar großen städtischen Anwesens ou der Ecke Kanzlei- und Rotestraße. Die Stadt übernimmt weiter die Bürgschaft bis zur Höhe von 85 Proz. der Baukosten des neuen Eemerkschaftshaufts und wird um die Befreiung von der Eri'irderiverbssteuer nachsuchen. Gegen diesen Vertrag stimmen die Deutschnaiionalen, die Deutsche Volkspartei und die Demokraten! Der Vertrag gelangte jedoä» zur Annahme mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Komwu- nisten, de» Zentrums, des Christlichen Volksdienstes und der U soldeten Bürgermeister. fg»SM»",. 9«®., 9f. 23., Scufr,»»': u?ir. im M Lokal Röseler, GolÄQpeL Str. 9, Vichts? Brrsn'ivnsu.iff aller Vortoi- � genossen. Mit�li�sduch ift mitzubringen. Ccx Fra?tiorsvsrftallt>. fKreieGewerkschasis-Luaend Berlin Heute, Dieneta«, 1914»Ihr, taflta die Oninpta: Ircnt»»: CInjptr.v. beim, EHnl« VNdendruckftr. K ö I igertriiriüift). SN mon „Die Deutichkonde".— HenMn.'; IuaenSheim Ercj- Ecke Sottiinaflraftc. Lichtbild«: i>ortrai>:„iuf Kehr* dijrm t>:e Mail SrjrO-e.- turfl".— 91«ii«nbo»f: Zuaendiiciin Heciflt. 7 odjjjle). Stlnlft Vl3cn>; �!ck lach man 41ft".— Spandau: chruppenheiw. Stadt Iuaendhei«. Li»d->'. nfer 1. Lichtbild« rvorNaii:»Der fflämino",—?ra»ttueter ilE«; ötätu. Iiiaendbeim L' tauer Etr. IS. Bortraa:»Di« Gewkrtsckat'cn und ihre O«tn.» tun«'.— Lande d«ra er Lftah: Srupvenhenn Diestelmenerttr. 3. Achtuiin. Wrrdc- obend! Praaramm: Humor. MuNI und etwa» au» unserem Gruppenlebru. — Lichtender«: Zllaendheim Dassestr. 33. Bertra«:»Juacnd und Tetilnqnis".— Neu-Lichtender«: Zuaendheim Snntrrftr. II. Bort rag:»Wie ein Seseh eittfttchi'. .�uacndonivve 9er �naeflellten H-utr, Dl«ns:<>,I, finden foleende Beraustaltunsen s'att: Lichtrodr.-«: Iuaendbcun Suiuerstr.»4. Aussprachoabeno.— Sioidwrlt: Zugeutheon Lehrter Str. IS—»9. Bortra«:„Svort und Spiel, ihre Bedentun« fitr dic rnerktljtiae.1uqe>n>'. Refereni: tiarl Kasel.— Ad 30 Uhr probt der Sprr-l». und Bomequnaachar in der Turnhalle der Schul« Barutcher»tr. 30.