BERLIN Donnerstag 20. Zebrnar 1930 10 P?. Tit. 86 B 45 4?.Iahrgans erscheint tSglich aogerSvnntas». t"* � a �« ff M** a Sateigenoreit: Die einsvaltige Nvnpareillejrkl« «ugleich Ad-ndallkgabr de«.VonrürttV BezuzZorei«\» J* J» A/* 1 A., mMAL 80<1!'- Reklame, eile 6 M. ermüßizungeu nach Tarif. d-tde Ausgaben»S Pf. pro Woche. S/inR.vro Monat. YJOJl mm K&J-'f SAß Poüscheckkvnto: Vorwürtt-Aerlag G. m. b.H� Redaktion und Leredttlon; DerlmSW6S.!lUdenKr.S§ /' Berlin Nr. riüzs. Fernsprecher! Dönhoff SS2 dt« 2Sk Oer Mann unter der Bank. Gefchästsordnungsdebatie in den �eichstagsausschüssen. Berlins ungerechte Behandlung. Magistraisappell an den Landtag. Dle Reichstogsabgeordneton, die sich heute morgen Im Plenor- faul des Reichstags zu einer kombinierten Sitzung bes Auswärtigen und des Haushalts-Ausschusses zu» jammenfanden, diskutierten noch eifrig den gestrigen Zusammen' stoß zwischen Wirth und Frettagh-Loringhoven sowre den Bericht des„Vorwärts", der die eigentlichen Ursachen dieses Zusammenstoßes ausgedeckt hatte.' Zu Beginn der Sitzung nahm der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Abg. Gcheidemann das Wort zu einer Erklärung, In der er ungefähr ausführt«: ..Die„Deutsche Zeitung" vom 18. Februar Hot einen Ar'ikel gebracht, der unter derUeberschrift.�kinSkondalohneEnde' einen Bericht, und zwar einen irreführenden Bericht über«ine vertrauliche Sitzung dieser Ausschüsse bringt. Die„Deutsche Zeitung" betont darin, daß sie es für ihre P f 1 i ch t halte, den Schleier der Vertrausichkeit zu zerreißen und ü Ister Ausnutzung all er Möglichkeiten über die Vorgänge m den Aus- schössen zu berichten. Ich bin der Aasichk, daß wir un» ein solches Verhalten nicht gefallen lassen können. Die Annahme, dig zunächst nah« lgg. daß der Artikes durch eine Indiskretion eines A u s f ch u ß m i t g l i e d« s.zustande gekommen sei, hat sich erfreulicherweise nicht als richtig herausgestellt. Vielmehr scheint sich der Vorgang so abgespielt zu haben, daß sich der Vertreter der„Deutschen Zeitung" auf die Zournalistenlribüne geschlichen hatte, deren Tür durch ein versehen einer Reinmachesrau kurze Zeil un- verschlossen geblieben war. Wenn wir hier beschliehen, v« r- traulich zu verhandeln, so tun wir das nicht aus Feindschaft gegen die Presse, sondern in vaterländischem Interesse. Was die„Deutsche Zeitung" getan Hot. ist das gerade Gegen- teil davon. Der Artikel gibt die Verhandlungen zum Teil ganz falsch wieder und ist geeignet, die deutschen Interessen auf dos oller. schärfste zu gesährden. Ich hoffe, daß der Reichstagspräsident en«rgisch durchgreifen und dem schuldigen Journalisten die Reichetagstarte entziehen wird." Der amves«n>de Reichstagspräsident Lob« gab sein Ein, Verständnis mit dieser Erklärung zu erkennen. Nach einer Paus« d«r Verlegenheit meldete sich dann Graf Westarp zum Wort, um zu erklären, auch die Deutsch- nationalen hielten streng darauf, dah«iyL einmal beschlossen« ÜZer. traulichkeit auch gewahrt bleibe. Hätten sich die Dinge so abgespielt. wie der Vorsitzende sie geschildert hob«, so müsse auch seine Fraktion «inen solchen Akt journalistischer Findigkeit verurteilen. Im übrigen bemühte sich Gras Westarp nachzuweisen, daß die von der„Deutschen Zeitung" verratenen Vorgänge eigentlich gor nicht vertraulich gewesen seien, wobei er jedoch aus den entschiedenen Widerspruch des Abg. Dr. H o e tz s ch stieß. Der Zwischenfall schloß mit einer Erklärung desDemak raten Hoch, der ausführte, es handle sich keineswegs um einen.�lkt'journa- listischer Findigkeit", sondern um einen unerhörten Skandal und um einen Hausfriedensbruch, der als solcher strafrechtlich verfolgt werden müsse. Dann wurde in vertraulicher Sitzung die Beratung der Santtlonssrage ausgenommen. Alle Türen, die zum Plenor- saal führen, abgesehen von den beiden mittleren, find heute ge- schlössen und streng bewacht. Lombaröfähigkeit der Kommunalanleihen. Der Auswärtige und der houshollsausschuh des Reichs log» beschlossen heute über den bi, dahin noch unerledigt gebliebenen«est des Reichsbankgesehes. Der Auxschuh teat gegen eise Rechtsopposstioa von 16 Stimmen dem Beschluß des Reichsrals bei. der auch die Sommunalanleihea für lombardfähig erklärt____ Pestausbruch in Südafrika. Bisher 60 TodeSfä le. London. 20. Februem. wie au» Zohaaaesburg gemeldet wird, ist in Südafrika We Pest ausgebrochen. Visher sind etwa 1 0 0 F S l l-. von denen S0 lädllch verllekcu. zu verzeichnen. Das Berliner Städtische Nachrichtenamt verbreitet folgende Auslassungen: Die Stadtverordnetenversammlung- hat ge- legeirtlich der Verabschiedung des Nachtragshaushalts für 1920 mn 30. Januar 1930 beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, bei Reich und Staat dahin zu wirken, daß 1. der weitaus größte Teil des Hauszinssteuerauf- komm en s der Stadt Berlin verbleibt: 2. von der Krqftfahr zeugsteuer der Anteil der Stadt überwiesen wird, der tatsächlich in Berlin auskommt: Z. die Usberzpeisunaen an Einkommen» und Körper? 'chastssteuer pm 20 Millionen Mark erhohi werden. Der Mogistrat Hot sich In seiner Sitzung vom 10. Februar eingehend mit diesem Ersuchen beschäftigt und sich einmütig auf den Standpunkt' gestellt, daß nichts unversucht gelassen werden dürfe, um. hi«.... vngerechle Behandlung Berlins beim preußischen Finanzausgleich zu beseiligca und daß daher'auch in diesem Jahr Schritt« bei der Regierung und dem Landtag unternommen werden müßte», um n o ch zu m L April 1930 eine Besserung zu erzielen. Es liegen zwar neue Vorschläge der Regierung zu einer Aenderung der relativen Garantie und der Verteilung der Kraftiahrzeugsteuer vor, aber bei der Kürze der Zeit bis zum Beginn des neuen Rechnungsjahres für 1930 ist eine entsprechende Aenderung angeblich nicht mehr beabsichtigt, es muß vielmehr mü einer unveränderten Verlängerung der bisherigen, unbcfrikdigenden Regelung der Ver- leilung der Anteile an der Einkommen», Äörperschafts». Kraftfahrzeug. und Hauszinssteuer aus ein weiteres Jahr gerechnet werden. Da die Stadt dem nicht tatenlos zusehen kann und will, wird der Magistrot sich an den Landtag wenden, um wenigstens die folgenden Verbesserungen mit Wirkung vom 1. April 1930 zu erreichen: a) die relative Geranüe bei de« Einkommen, und körperschaslssteuer durch Erhöhung des sixierlen Ein- heiissatze» von 22 aus 25 Bs. zu lockern. b) den Berieilungsschiüsscl für die Sraslfahrzeug. st euer durch Berücksichiiguug des örllichen Auskommens zu- gunsteu Berlins zu verbessern oder den vorausbeirag Berlins von 2 auf 10 Millionen Mark zu erhöhen. c) von dem Gemein desinaazaukcil an dem Hanszinssteueraufkommen 5 Zehnkel stakt bis- her Z Zehnkel nach dem Verhällniz des örtlichen Aufkommen» zu verkeilen. Oer nationale Berichterstalter „Für diese, Stellung eigne ich mich aiänzend, denn in jeder anständigen Gesellschaft bm ich sowieso— unten durch l- Der Magistrat erwartet aus diesen Gesehesändernngm eine Erhöhung der der Stadt zufließendca Anteile an der Einkommen- und körperschaslssteuer von S Millionen, an der Sraslsahrzeug. sleuer von S Millionen, an der hauszlnssteuer von 6,7 Millionen. Es bedarf keines Hinweises darauf, welche Bedeutung diese Summen Im Haushalt der Stadt Berlin bei ihrer augenblicklichen Finanznot haben. Hierdurch würde wenigstens zu einem Teil das Unrecht beseitigt, das die Stadt nun schon Jahr um Iahp durch die Bestimmungen der Finanzausgleichs-Gesetzgebung er- fährt. Insgesamt hat Bertin im letzten Jahre durch diese ungünstigen Bestiipmungen an Einkpmmen- und Kprperschaftssteuexn 32 Mil> üdnsn, an Krastsahrzeugsteuer 19 Millionen, un Hauszinssteuer 27 Millionen verloren- Diese Summe von insgesamt 78 Millionen übersteigt also den Gesamtbadars des Nachtragshaushalts 1929. ---—• Autounglück am Bahnübergang Lastauto in Britz vom Güterzug zertrümmert. heule früh wurde am Bahnübergang der Neukölla-»� Mittenwalder Kleinbahn in der Marien. dorfcr Allee in Britz ein castauto vom Zuge ersaht und völlig zertrümmert. Der Chauffeur wurde schwer und sein Mlisahrer leicht verletzt. Es handelt sich um das L a st a u t o der Berliner Stadt« g ü t e r» G. m. b. H., das morgens gegen 6 Uhr vollbeloden die Mariendorfer Allee paMerte und in Richtung Marienselde fuhr. Um diese Zell herrschte noch völlige Dunkelheit und außerdem war es ziemlich neblig. Als das Lastauto nur noch wenige Meier von dem Bahnübergang, der keine Schranken hat. war, sah der Chauffeur plötzlich zu seinem Entsetzen die Lichtereines herannahen» den Güterzuges der Mittenwalder Kleinbahn austauchen. Em Zurück gab es nicht mehr, und als der Chauffeur gerade versuchte. dem drohenden Unheil durch Abspringen zu entgehen, erfolgte unter einem ohrenbetäubende» Kroch der Zusammenstoß. Das Lastaut» wurde viele Meter weit milgerissen und völlig zertrümmert, «he der Zug zum Stehen kam. Während der Mitfahrer wie durch «in Wunder mit leichten Verletzungen davonkam, wurde der Führer, ein 31jähriger GottfriedHug mit einer schweren Schädel» Verletzung bewußtlos neben den Schienen aufgefunden, H. fand im Neuköllner Krankenhaus Aufnahme. Eine strenge potizelliche Untersuchung über die Schuldfrage scheint dringend notwendig. Von einem Automobilisten, der in Britz wohnt und den gefähr» lichen, schrankenlosen Bahnübergang beinahe täglich benutzen muß, werden schwere vorwürfe gegen die Vahngesellschost, erhoben. Der Uebergang ist völlig unübersichtlich und nachts seh? kümmerlich beleuchtet. Auf der einen Seite der Mariendorfer Allee stehen Häuser und Schuppen, die dicht bis an die Gleis« heranreichen und jede Sicht nehmen. Wiederholl ist auf diese Ge» fahrenquelle hingewiesen worden und die Errichtung einer Schrank« gefordert worden.— Auch in der Neuköllner Bezirksvcr» s o m m l u n g ist dieser Mißstand an dem Bahnübergang mehrfach zur Sprache gebracht worden. Besonders die sozialdemokra» tische Fraktion hat sich im Inicresie der Bevölkerung wieder» Holl mit den nnbolkbare» Zuständen an dem Bahnübergang be» schästigt. Trotz oller Mahnungen und Hinweise hat es die Bahn» gesellschaft nicht für nötig befunden, den gefährlichen Bahnübergang durch eine Schrank« zu sichern. Da die Gesellschaft den Zustand gekannt hat. sollte man ihre Direktoren nunmehr auch zur Verant» worwng ziehen, Chauiemps beauftragt. Paris. 20. Februar. Dar Präsident der Republik beauftragte am Donnerstag vormit» tag da» Dorsitzenden der parlamentarischen Gruppe der Radikal» sozialistischen Partei, Camille Chautsmps. mit der Neubildung des Kabinetts.> Ehautemps äußerte sich beim Derlasien des Elyjes, daß er den festen Willen habe, eine Regierung der republikanischen Union zusammenzubringen, deren Programm demokratisch-nationol . Er werde sofort ferne Beratungen beginnen und habe den feste» Millen, den ihm übergeben«« Auftrag durchzuführen. Chauten ps wird am heutigen Donnerstag abend dem Staatspräsidenten die en> güllig« Antwort überbringen. Camill« Chautemps ist 4S Jahne all und hat Rechtswissenschaft studiert. Er war zunächst Generalrat, dann Bürgermeister, Abge- ordnet«? und unter der Regierung cherrlots Innenminister. Verleumdung aus Prinzip. Die Preßprozeffe der �Roten Fahne". Italien abrüstungsbereit— soweit es Frankreich ist. London. IS. Februar.(Eigenbericht.) Das umfangreiche Memorandum der italienischen Delegation -etont eingangs, daß Rüstungen ausschließlich defensiven Charakter haben dürsten und deshalb auf das Mindestmaß herabgesetzt werden müßten: die italienische Delegation sei bereit, von vornherein jeder noch so niedrigen Rüstung zur See ihr« Zustimmung zu erteilen, sofern dieses Minimum von keiner anderen Kontinentalmacht überschritten werde. Italien trete mit Nach- druck für eine Herabsetzung der Rüstungen zur See«in. weil es als Mitglied des Völkerbundes und als eines der Länder, die den Kellogg.Pakt unterzeichnet haben, eine derartige Abrüstung als eine natürliche stolg« dieser Verträge betrachte. Besonders sei Italien bereit, auf den Bau von lüölXV Tannen Schiffsraum zu verzichten, trotzdem ihm in Washington 175 000 Tonnen Schlacht- schisse zugestanden worden� feien: es sei schließlich mit der Ab- ichasfung der H-Boot-Wasse einverstanden, falls eine wesentliche Gesamtherabsetzung der Rüstungen zur See und eine Abschaffung der Schlachtschiffe erfolgt. Paris verschnupft. Paris. 20. Februar.(Eigenbericht.) Das van der italienischen Delegation auf der Londoner Flotten- konferenz übergeben« Memorandum hat in Paris Entrüstung hervorgerufen. Das unfaire ttalienische Memorandum gehe nur darauf hinaus, Frankreich vor der öffentlichen Meinung ins unrechte Licht zu setzen. �ale-llniverfität für Abrüstung. New Häven( Connecticut), 20. Februar. Zweihundert Studenten und Professoren der Universität Tale haben an Präsident hoover telegraphisch die Bitte gerichtet, die amerikanische Abordnung auf der Londoner Konferenz möge die Begrenzung der Kriegsflotten und die Sl u f h e b u n g oder bcdeu- tend« Herabsetzung der Tonnage der Panzerschiffe mit allem Nach- druck fordern. Schlechte Aussicht auf Zottfrieden. Saboteur Faschismus. Genf, 10. Februar.(Eigenbericht.) Am Mittwoch stellten sich aus der Zollkonferenz in den Reden de» italienischen faschistischen Ministers B o t t a i und des sozial- demokratischen dänischen Handelsministsrs Bramsnaes die beihen Gegenpole der Wirtschaftskonferenz ungewöhnlich deutlich heraus. Fafchstisch« Ablehnung der internationalen Wirtfchafts- Zusammenarbeit und des freien Warenverkehrs. Sozialdemottvatlsch« Forderung weitest gehender Handelsfreiheit und wirtschaftlicher Zu- sammenarbeit. Bottais Stellungnahme gipfelte in den Sätzen:„Eine Stobilisie- rung durch einen Zollfrieden würde den Ländern schaden, die dabei sind, ihre wirtschaftliche Struktur ihren nationalen Bedürf- nisten anzupassen. Wir Italiener meinen, daß die gegenwärtige Situation kollektiven Abkommen wirtschastlichen Charakters und be- sonders einem Zollsriehen wenig günstig ist. Der Zollfriedens- gedanke ist verfrüht und praktisch nicht durchführbar. Es gilt zu warte», bis es in der Welt eine größere Annäherung der notio- nalen Wirtschaftsprobleme gibt, nur eine solche Basis kann die Platt- form für«in« wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeben. Bis dahin muß jedes Land seine eigenen Maßnahmen ergreifen." vramsaa«s betonte, daß Krise und Arbeitslosigkeit auf die Dauer nicht mit pro- tektipnistischen Mitteln und nicht mtt Maßnahmen der nationalen Wirtschaft allein bekämpft werden können. Er schloß: Die Ausfüh- runß«n des italienischen Ministers waren wenig ermutigend für die Zukunft unserer Arbeiten. Trotzdem hoffe ich im Interesse der Böller auf«in Ergebnis. Der Weg zu einer besseren Wirtschaft ist nicht die Zfolalion der Staaten, sondern die Zusammenarbeit aller Völker der Welt. Die italienische Absage hat naturgemäß nicht dazu beigetrogen, die Hoffnungen der Konferenz zu heben. Dazu kommt, daß Frank- «ich erklärt hat, es könne nicht Stellung nehmen, eh« die neue Regierung gebildet fei. Der belgisch« Außenminister und der hol- länder C o l l i j n. Präsident der Konferenzen für die Ein- und Aus- fuhrverbot«, bemühten sich, ein« gemeinsame Linie der Freihandels- länder herzustellen, um wenigstens im kleineren Umfange doch noch «ine praktisch« Zollsenkungsaktion zustande zu bringen. England soll privatim erklärt haben, ohne die Teilnahme Italiens und Front- reichs habe«ine Zollsenkungsaktion keinerlei Wert für Eng- land, und England müsse, wenn Italien und Frankreich ablehnen, die Konsequenz eigener nationaler Schutz maßnahmen ziehen. Am Mittwöchabend verhandelten Reichstdlrtschastsmimster Schmidt, Ernährungsminister Dietrich und der rumänische Finanzminister Madearn über den deutsch- rumänischen Handels- vertrag. Vergwerksdirekior erschossen. Die Polizei vermutet einen Ztacheakt. Quedlinburg, 20. Jebnut. Der Direktor der Kohlengrube Nachterstedl, Krämer, wurde deute abend gegen S Ahr, als et an» seinem Hause trat, im Garleu von einem Unbekannten in der Dunkelheit erschossen. E» war bereits vor einiger Zeit auf dsa Direktor«in ähulrche» Atten- tat versucht worden. Die Polizei vermutet einen Racheakt. Zu dem Mord an dem Leiter der Grube„ffioncorbia" bei Rachterstedt im Kreise Quedlinburg, Bergwerksdirektor und Diplom- Ingenieur Emil Kr a mar, wird ergänzend berichtet, daß aus Krämer, als er abend» gegen 8 Uhr mit einem befreundeten Arzt in den Darton ging, von hinten«in Schuß abgegeben wurde, der ihm in den Rücken und das herz drang und den foforfigeu Tod zur Folge hatte. Krämer war 41 Jahre oll und gehörte u. a. dem Kreistag als Mttzlied an. Die Mordkommission au» Magdeburg hat sich sofort»ach Rqchterstedt begeben. In der Zell vom 14. Dezember 1020 bis zum 15. Februar 1930, also in einer Frist von zwei Monaten, hat die Redaktion der„Roten Fahne" stobzehnmal wegen Preßoergehen vor den Berliner Gerichten gestanden. Das heißt, wenn wir die Feiertage der Weihnachtszstt abrechnen, durchschnittlich zweimal in jeder Arbeitswoche. Lassen wir die Fälle,«inen nach dem anderen, Revue passieren: Fall 1 bis 3: Die sozialdemokratischen Stadt- oerordneten Flatau, Bublitz und K r i l l e sind von der „Roten Fahne" dahingehend verleumdet, daß sie durch die Sklarek- Assäre korrumpiert seien. Eingesandte Berichtigungen sind von der .Moten Fahne" nicht verösfentlicht. Bor Gericht bittet der Re- dakteurum einen Vergleich. Aufgefordert, die Beweis« .zu erbringen, erklärt der Rechtsamvall, keine zu besitzen. Urteil: Wegen öffentlicher Beleidigung je 500 Mark, insgesamt 1500 Mark K e l d st r o f e.(„Vorwärts" 1929 Nr. 586.) Fall 4:„Rote Fahne" behauptet,«in Mitglied des„Rotfront- tämpferbundes" sei von Polizeibeamten erschlagen, und nennt den Polizeiprüstdenten Zörgiebel„Begünstiger des faschistischen A r b e i t e r m o r d e s". Der Tote war nachweisbar an Lungenentzündung und Gehirnkrankheit gestorben. Urteil: 1 Monat Gefängnis und 800 Mark Geldstrafe.(„Vor- wärts" 1929 Nr. 586.) Fall 5: Zwei Mitglieder des Metallarbeiter« verbände» sind in einer Bildunterschrift als„Streikbrecher" bezeichnet worden. Wahrheitsbeweis unmög» l I ch. Urteil: 600 Mark Geldstrafe.(„Borwärts" 1029 Nr. 586.) Fall 6: Reichskanzler a. D. Bauer wird schwerer Vergehen im Fall Barmat beschuldigt. Urteilsbegründung besagt. daß die Beweisaufnahme nichts Ehrenrühriges gegen ihn ergeben habe. Urteil: Ein Monat Gefängnis wegen schwerer Beleidigung.(„Borwärts" 1930 Nr. 3.) Fall 7; Polizeipräsident Zörgiebel wird von der„Roten Fahne"„M assenmörder" genannt. Urteil: 600 Mark Geldstrafe.(„Vorwärts" 1930 Nr. 42/43.) Fall 8: Die'Borftandsinttglieder des Textilarbeiter- Verbandes sind wüst beschimpft. Termin: Der Angeklagte ist noch Moskau verzogen.(„Vorwärts" 1930 Nr. 54.) Fall S: Stadtrat Peters soll S k la r e k- P e lze bezogen und Amtsmißbrauch getrieben haben. Vergleich: Der angeklagte Redakteur der„Ruten Fahne" bedauert, nimmt alle Beleidigungen zurück und. zahlt die Kosten. („Vorwärts" 1930 Nr. 55.) Fall 10: Ein Metallarbeiter fall andere Arbeiter beschimpft haben. Wahrheitsbeweis nicht zu erbringen. Vergleich: „Rote Fahne" nimmt Beleidigung zurück und zahlt.(„Vorwärts" 1930 Nr. 55.) Fall 11: Vorsitzender der Baugewerkschaft Berlin. D r ü g e- müller, soll Streikende gemein beschimpft haben und wird in der„Roten Fahne" Lügner genannt. Vergleich:„Rote Fahne" kann nicht aufrechterhalten, nimmt alles zurück und zahlt.(„Vorwärts" 1930 Nr. 62.) Fall 12:„Rote Fahne" hat im wilden Rohrlegerstreit auf- gefordert, ander« Arbeiter ,ch o l s ch e w i st i s ch zu erledigen". Folge: Schlägerei und Messerstiche. Urteil: 500 Mark G e l d st r a f e.(„Borwärts" 1930 Nr. 73.) Fall 13: Der früher« Stadtkämmerer K a r d i n g soll in der Stlarek-Affäre schwer korrumpiert sein. Vergleich:„Rote Fahne' ist einer falschen Information ausgelau- fen und nimmt zurück.(„Vorwärts" 1930 Rr. 79.) Fall 14 bis 17(Stadträtin W e y l, Polizeipräsident Zörgiebel und R« ichs w e h r m in i st« r iu m gegen„Rote Fahne") stehen noch osfen. Di« Verhandlung ist im Gange. („Vorwärts" 1030 Nr. 71.) Vier von 17 Fällen sind also noch in der Schwebe. Wir wollen nicht präjudizieren, glauben aber schon jetzt, daß nach dem Gange der Berhandlung der Wahrheitsbeweis in keinem Fall glücken wird. Es bleiben 13 Fäll« in zwei Monaten übrig, von denen es sich in 12 Fällen um Beleidigungsklagen handelt. Es ist bei diesen 12 Fällen in einem Falle der verantworttiche Redakteur der„Roten Fahne" nach Moskau ausgeknisfen. in vier Fällen sind die Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns unter Tragung der Kosten zurück- genommen worden: w einem Falle(Fall 7. Polizeipräsident Zörgiebel) ist eine Beweisaufnahme abgelehnt und der Angeklagte zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden; in sechs Fällen ist ein« Verurteilung erfolgt, well der Wahrherts beweis vollkommen mißglückt ist. Es sind hierfür im ganzen als Strafen zwei Monats Gefängnis und 2900 Mark Geldstrafe erkannt worden. Die trockene Aneinanderreihung beweist, daß w der„Raten Fahne" ahne Gewissensbetenken Dorwürse aus dem hohlen Faß heraus erhoben werden. Wenn es sich um Funktionärs der Republik, vor allem aber um Vertreter der Sozialdemokratie, handett, wird einfach darauflos geschrieben nach dem alten Worte:„Ver- leumdenur frech,«s wird schon etwas hängenblei- den" Di« Herren von der„Roten Fahne" sind fa selber zum mindesten so intelligent, um zu wissen, daß zuerst die groß im Blatte vorgetragene Lüge wirkt, daß aber Zurücknahme, Ent- s ch u l d i g u n g und Berurteilung nur allzu leicht mehr oder weniger verpuffen. Die Sozialdemokratie ist noch heut« stolz auf die meisten ihrer Mitglieder, die unter dem Kaiserreich wegen Preßoergehen ins Gefängnis gingen. Wenn die Sozialdemokratie angriff, hat es sich immer um substantiierte Tatsachen gehandelt, und es ist sehr selten vorgekommen, daß ein sozialdemokratischer Redakteur einer Schwindelmeldung auflief. Einen schmutzigen Kampf gegen Personen mit dem nieder- trächtigen Mittel der bewußten oder leichtfertigen Berleumdung Hot sie immer abgelehnt. Hierdurch eben unterscheidet sich die sozialdemokratische Presse von der kommunistischen Presse Bei den Kommunisten sind Lüge und Berleumdung aus Prinzip tägliche Praxis! Schwarze Tage. Grubenunglück bei Kattowih.- Neue Tote in New Jersey und Athen. Sattowitz, 20. Februar. Auf der Ferdinand-Grube ereignet« sich«in schwerer Unfall. Durch Zubruchgeheu eines Pfeilers wurden vier Bergleute verschüttet. Nach mühe- volle« Bergungsarbeiten gelang es, an die verschütteten heranzukommen. Einer war bereits tot. Die drei anderen wurden lebend ans Tageslicht gebracht, einer ist schwer verletzt. Die beiden anderen käme« mit leichtere« Berletzuugen davon. New Zork, 20. Februar. Di« Zahl der Todesopfer der Explosionskatastrophs im Petroleumlager der Standard Oil Company in Linden im Staate New Jersey ist im Laufe des Tages auf 10 g e st l e g e n. 100 Personen wurden schwerverletzt. 20 Aken scheu liegen sterbend in den Krankenhäusern der Stadl. Die meisten der verletzten haben schreckliche Brandwunden erlitten. Athen, 20. Februar. Die Explosion im Puloerloger L i o s s i a vor den Toren von Athen hat bisher 12 Todesopfer gefordert. 10 Soldaten kann- ten schwer verletzt aus den Trümmern geoorgen werden. Es steht noch acht fest, ob noch mehr Soldaten unter den Trümmern liegen. Durch die Explosion krepierten etwa 20 000 Granaten und 10 000 Infanteriepatronen. Das Feuer konnte noch nicht gelöscht werden. Eine genaue Untersuchung über die Beschaffenheit der Granaten, die von einer italienischen Firma geliefert sind, ist eingeleitet. Straubing(Niederbayern), 20. Februar. In der vergangenen Nacht fuhr der Mechaniker Eugen Kauf« mit einem ihm nicht gehörenden M o t o r r o d in der Nähe von Straubing gegen«Inen Baum. Kaufe wurde auf der Stell« ge- tötet, sein Begleiter, der auf dem Soziussitz mitgefahren.war, starb bald nach seiner Einlieferung Ins Krankenhaus. Offiziere dürfen nicht deutsch reden. Das tschech.sche Staatsgefühl laßt das nicht zu. Prag, 20. Februar. Der Üandestommandant in Böhmen, Dioisiansgeneval Josef Bily, hat folgenden Befehl erlassen: In Zeitungen werden abermals Beschwerden erhoben, daß die Offizier« und ihre Familien sowohl im engeren Kreis als auch vor der breiteren Oefi entlich keit in apft fälliger Wesse die deutsche Sprache gebrauchen. Es kann wohl zugegeben werden, daß Gespräche in der Muttersprache für Angehörige anderer Nationen leichter und angmehmer sind: gleich- Mig muß aber das nationale Empft..den der tfchsch'fchsn veffentlichkeU. die in dieser Hinsicht sehr empfindlich sst, gqachiet werden. Der tschechische Offizier muß überall ein D:r«ch'er der Staatsidee fein und darf sein« Aufgabe nicht außer acht lassen. Der Offizier darf der sschechsschen Oeffentlichkeit. die das gesellscha't.iche Leben der Offizier« häufig sehr krttisch verfolgt, kein«-Gelegenheit zu Angriffen gegen den Offlziersswnd geben. Die Kommandant-n der militärischen Formationen haben ihr Offizierskorps bei passender Gelegenheit auf diese wichtige Angelegenheit hinzuweisen. Die Koffer der KPO. Sobotta und die beschlagnahmten Dokumente. Zu den Behauptungen, die Polizei Hab« beiderhaussuchung im Hauptquartier der KP D. die Ausstellung einer voll- ständigen Outttung verweigert und„sogar Material dazu praktiziert". erklärt das Polizeipräsidium: Das beschlagnahmte Material war hauptsächlich in zwei Koffern. die den Abgg. Kerfs und Eberlein gehören. In Gegen- wart des Abg. Sobotka wurden die Koffer geöffnet und das Material ihm Stück für Stück vorgewiesen. Danach wurden die Koffer geschlossen und dem Abg. Sabotka eine Quittung übergeben. Als die Abgg. Dahlem und Ulbricht eine spezifizierte Aufstellung oerlangten, deren Herstellung bei der Menge des beschlagnahmten Materials nicht mögllch war. wurde ihnen omheimgestellt, den Transport durch einen Angestellten der KPD begleiten zu lassen, damit im Präsidium diese spezialisiert« Quittung ausgestellt werde. Damit war Abg. Sobotka einverstanden, und es ist so verfahren worden. Kommunistenschwindel beim Rundfunk. Die lleberlrogung aus dem Sportpalast. Bar einigen Tagen hat der Berliner Rundfunk eine kommunistisch« Sportveranstaltung aus dam Berliner Sportpalast übertragen. Da Beschwerden darüber laut ge- worden sind, sst eine Untersuchung durchgesührt worden, die nach amtlichen Feststellungen folgendes ergeben hat: „Die Leranstaller des kommunistischen Meetings hatten sich der Funkstunde gegenüber als Beauftragte des Kartells für Arbeitersport- und Körperpflege ausgegeben. was sie nicht waren. Der Rundfunksprecher hat im Sportpalast natürlich erkannt, daß es eine kommunistisch« Veranstaltung Ist: er hat sich bei seiner kurzen Uebertcagung auf das rein Sportliche be- schränkt, ohne irgendwie politische Momente zu erwähnen. Es ist aber allen Sprechern und Reportern des Rundfunks aufgetragen worden, auch bereits genehmigt« Uebertragungen sofort abzubrechen, und die Veranstaltung zu verlassen, wenn aus irgendwelchen Um- ständen erkennbar wird, daß es eine staatsfeindliche Ver- a n st a l t u n g sst, gleichviel welcher Richtung." Lei dicfer Gelegenheit erfährt man auch, daß der A n g«- stellte, der seinerzeit den kommunistischen Abg. Schulz-Neu- kölln über das Volkebegehren der KPD. sprechen ließ, seines Postens enthoben und durch einen anderen ersetzt worden ist. Seitdem wird auch jeder Bortrag vom Ansager in einem Nebcnraum überwacht, und sowie sich der Dortragende nicht an das genehmigte Manuskript hält, wird er durch einen hebeldruck unhörbar gemacht. Byrd auf der Heimreise. New gork. 20. Februar. Byrd und die Teilnehmer an seiner Südpolarexpedllion haben an Lord der„City of Rew Dock" die heimreise von der Walfisch- bucht angetreten. D e Flugzeug« und anderes Zlusrüstungematerial mußten wegen der schnell durchzuführende» Adresse zurückgelassen werden. Das wertvrllste Material, das zweifellos die teilweis« noch nicht entwickelten Filmaufnahmen darstellen, hat Byrd mit an Lord genommen. Bildende Ku Matiffe. Umnittewar curj die Noidc-Zlusstellung folgte eme von Henri M a t i s s e bei Thannhnufer(Bellevuestroße) Man kann beide Künstler, die so charakteristisch sind für die Anschauungswelt kreier Naturen, gewissermaben in Gegenüberstellung sehen: es ist schr auf» schluhreich zu erleben, wie der fchwerbkütige und phantasieoolle Norddeutsche einen Heerzug von Gesichtern und Gegenständen in die Welt«mlaßt, während bei den Franzofen die Lebhaftigkeit der Farbe grundsätzlich ins Helle, Leuchtende und Dekorative geht, die Klarheit einer besonnenen Form alles beherrscht und demgemäh der Stoff beinahe ausgeschaltet wird. Es gibt nur einige Abwandlungen des ewigen Themas: naktes oder dekorativ bekleidetes Weiv im Atelier, und Stilleben: ein paar Landschaften stammen meist aus früherer Zeit. An Stelle der bis zum Grüblerischen gehenden Innerlichkeit Noldes herrscht bei dem Franzosen die lateinische Ord- nung, die uns so leicht gefühlsleer vorkommt, hier aber bis zu einer berauschenden Kraft der reinen Form, der klaren Farbe an sich entwickelt ist. Man hat Matisse vor zwanzig Iahren in Berlin ausgestellt: damals war es«in vollkommener Mißerfolg. Heute, da eine Schau seiner Kunst, 3S Schafsensjahre umfassend, in auserwählten Ge- mälden und Zeichnungen so vollendet, wie man sie vielleicht nicht einmal in Paris gesehen hat, Berlin von Thannhauser dargeboten wird, ist die allgemein« Bewunderung Tatsach«. Der französtsche Geist erscheint tn der Kunst von Matisse in einer ganz voll- kommenen und geklärten Form. Ein Nichts kann bezaubern: die Umrißlinie eines Altes, eines Kopfes in den herrlichen Zeichnungen und Radierungen(im Erdgeschoß): das Himmlische einer ungewöhn- lichen Farbenzusammenstellung in den Gemälden. Anlaß zu uto- pischen Träumereien. Denn das ganz Bejahende und Formgeworden« dieser Kunst beglückt durch sich selbst: das Leben wird erträglicher, der Himmel heitert sich auf, aus Trümmern steigt begrabene Hoff» nung beim Anblick dieser lichten Farben, dieser llmgenden Linien. So stark ist die Wirkung der Form, wenn ein Meister sie zum Klingen bringt; denn daß ein Gehermnis. Undurchdringliches übrigbleibt, das immer vor der Leere des bloß Formalen bewahrt und den Dingen, die Matisse mall, ihre Seele gibt und Bedeutung, dafür sorgt seine geistvoll vereinfachte Technik, dieses Haltmachen vor seelentötender Glätte. Paul F. Schmidt. Hilfsfonds für bildende Künstler. Bei den Debatten um das neue Landesauxstellungsgebäude in Berlin ist daraus hingewiesen worden, daß der preußischen Kunst- Verwaltung ein Fonds für bildende Künstler zur Verfügung steht. Es handelt sich um Wertpapiere, die 1025 für eine halbe Million angekauft worden sind und deren Zinseinnahmen seitdem im Staatshaushalt als.Hilfsfonds" zur Linderung der Not unter den bildenden Künstlern ausgegeben worden sind. Sie bilden den Grundstock für die Darlehns- und Unterstützungskosse der bildenden Künstler Preußens, durch die sie der Künstlerschaft zugute kommen. Ein Detrag von 40 000 Mark ist für diesen Zweck auch in den Etat von 1930 eingesetzt, da der Druck der Wirtschaftslage unter den Künstlern ja immer weiter anhält. Gerade beim Ausfall vieler deutscher Städte, die bisher den bildenden Künstlern halfen, ist das Fortbesteheu, ja vielleicht eine Verstärkung dieser staatlichen Für- sorg« erst reckst erwünscht. nst und Mm. „Kampfhähne der Liebe." Llia-Theater, Kursürfiendamm. Filme, die später Fortsetzungen erfahren, weil der erste Teil Eindruck gemacht hat, sind meist bedenklich- Der erste Teil dieses Films hieß.Fiivalen" und schilderte die Kriegs- und Liebescrlebnisse zweier amerikanischer Soldaten in Frankreich. Der Film schlug ein und hatte eine für amerikanische Verhältnisse nicht zu verachtende Antikriegstendenz. Wer der.zweite Teil der uns jetzt serviert wird, erinnert bedenklich an die Militärhumoresken, wie sie in Deutsch- land nach 1870 wild ins Kraut schassen. Wieder ist die Handlung um die beiden Rivalen Flagg und Ouirt gruppiert, die zuerst in Sibirien, dann in New Park und schließlich in irgendeiner zentral- amerikanischen Republik ihre Soldatenabenteuer erleben, immer um die gleichen Mädchen sich streiten und schließlich alle beide geprellt nach Hause zurückkehren. Der rauhbeinige Humor, der ft.erbej in breit auegewalzten Titeln verzapft wird, mag noch hingehen, aber das Thema ,S> welche Lust, Soldat zu sein", das schließlich auch noch in einem kleinen frisch-fröhlichen Krieg mit Flugzeugbeteiligung erprobt wird, hat bei uns«in für allemal ausgespielt. Hat es über- Haupt Sinn, in Deutschland Filme zu spielen, die� für Uncle Same Flotte und Arme« irgendwie Propaganda machen? Victor Mac La g le n ist freilich ein ganzer Kerl, der, so wüst und rauhbeinig er von außen scheint, das Herz auf dem rechten Fleck hat. Sein Rivale Quirt wird von Edmund Lowe in guter Kontrastwirkung auf den hübschen und gerissenen Kerl hinausgespielt, der den anderen in die Tasche steckt. Lily Damita hat kaum große Gelegenheit, ihr Talent zu entfallen. Der Film, der schon oft Geschehenes wieder- Holl, unter anderem den New-Porter Lunapart und«in Stück mlltelamerikanische �Liederlichkeit", ist vor allem viel zu lang ge- raten. r. „Wenn die Großstadt schläst." primus-palast. Lon Chaney wurde weltbekannt als der Meister der Maske. Darum ist es sehr interessant, ihn jetzt mal selbst zu sehen, ihn, Lon Chaney als Mensch, losgelöst von jeder Maskenkunst. Er spielt einen Geheimpolizisten. Eigentlich ist der Film eine Reportage aus dem Mllag: denn sowohl die Polizei wie die Unter- well der amerikanischen Millionenstädte führen miteinander schwer« und mitunter skrupellose Kämpfe. Der Regisseur Jack Conway läßt das Spiel nicht einen Augenblick in die schablonenhafte, üble Manier der sonst gewohnten Detektivfillne abgleiten. Ws Pflichtgefühl heraus und ohne jede Großtuerei führt sein Held den Kampf mit zynischen Schwerverbrechern, die sich nicht nur am Eigentum, sondern auch am Leben ihrer Mitmenschen vergehen. Di« deutschen Texte kommen ihm dabei nicht zu Hilfe. Anstatt sich an die Spiel- Handlung anzupassen, versallen, sie in eine Nachahmung Rölling- hoffscher Schreibart. Alle Darsteller neben Lon Chaney sind üblicher Durchschnitt. Und bei Lon Chaney ahnt man, daß er gerade darum als gestaltender Künstler so großes leisten kann, weil er ein schlichter Mensch ist. der als scharfer, verstehender Beobachter den Alltag kennt, e. b, Vollendeter Kreislaus. Völkische Rückkehr zu Hugenberg. Die beiden preußischen Landtagsabgeordneten G' e s e l e r und Dr. Z i e g e n r ü ck« r, die als einzige Ueberbleibsel des„Völkisch. nationalen Blocks"(Richtung Wulle, Graefe, Henning) bisher zu- sarnmen mit anderen Splitterparteien die„Deutsche Fraktion" bil- deten, sind aus dieser ausgeschieden und der Deuftchnanonalen Volks- Partei beigetreten. Die teutschnational« Landtagsfraktion, deren Stärke durch den Ueber tritt der vier Wgeordneten K l i e s ch, Lindner. Meyer-Hermsdorf und Frau U l b r i ch zum christlich-sozialen VÄk-dienst auf 76 Abgeordnete herabgesunken war, wächst damit wieder aus 78. Durch den Wiederzuscrmmenschluß von Völkischen und Deutsch- nationalen vollendet sich ein interessanter Kreislaus. Die völkische Gruppe war im Jahre 1924 wegen der Dawesabstimmung aus der Deutischnaiionalen Partei ausgeschikden. Das Hugenbergsche Volksbegehren und der Zuchthausparagraph haben die getrennten Brüder wieder zusammengebracht, während nunmehr der linke Flügck von den Deutschnationalen abhängt. Allerdings ist der Trost für Hugen- berg gering: die völkische Splitterpartei war von der ov- Süddeutsch- land vorstoßenden nationalsozialistischen Konkurrenz in den letzten Iahren so zerrieben worden, laß sie keinerlei Anhängerschaft und Bedeutung mehr hat. Ihr« einzige Tageszeitung in ganz Nord- deutfchland mußt« m ein unter Aussch'uß der Leffcnllichteit er- scheinendes Wochendlättchen umgewandelt werden. Es ist nun einmal Hugenbergs Los— stehe Ostbank, Landbundbonk, Ufa usw.— alle aussichtslosen Pleiten zu beerben. Die Mieier in Kampfstellung. Gegen Mietwesen-Anarchic der Deutschen Volkspartei. Der Reichsbund Deutscher Mieter- Perband e. B. hat aus seinem Verbandstag am 16. Februar d. I. zu dem von der Deutschen Dolkspartei eingereichten Gesetzentwurf»Rege» lung des Mietwesens" Stellung genommen, wobei nachstehende Eni- schließung einstimmig zur Annahme gelangte. Die am 16. Februar 1930 im Spatenbräu zum Verbandstage versammellen Delegierten der rm Reichsbund Deutscher Mieter organisterten Berliner Mietervereine nehmen mit lebhafter Eni» rüftung Kenntnis von dem Gesetzeittwurf der Deutschen Volkspartei zur Regelung des Mietwesens. Nach diesem Gesetzentwurf soll die gesamte Mieterschutzgesetzgebung am 1. April 1930 außer Kraft treten: ferner soll die gesetzliche Miete auf etwa 170 Pro�. der Friedensmiete gesteigert werden. Mieteinigungsämter und Wohnungsämter sollen spätestens bis zum 1. Oktober 1930 auf- gelöst werden: die Wohnungen sollen trotz der katastrophalen Wahnungsnot fref vermietet werden. Ab 31. Dezember 1932 sollen auch die ohnehin völlig unzureichenden Schutzbestim- mungen dieses Gesetzentwurfs außer Kraft treten. Die Delegierten sagen diesen mieterfeindlichen Anträgen der Deutschen Volkspartei schärfsten Kampf an und rufen die Mieterschaft zu ent- schiedenster Gegenwehr auf._ Verbrechen an einem Schüler. Oer Täler verhastet und geständig. Ein schweres verbrechen wurde am ZlUllwach an dem 9 jährigen Schüler Rudolf(Engelmann in Branden* ' bürg a. d. Havel verübt. Das Sind wurde von einem jungen Burschen überfallen und durch einen Schnikt in den hals schwer verlehi. Der Täler konnte noch am selben Tage in den späten Nachtstunden ermittelt und festgenommen werden. Rudolf Engelmann. das Kind einer Brandenburger Arbeiterfamilie, befand sich nach Schulschluß auf dem Heim- weg. Unterwegs wurde er in der Nähe des Büttelhandsaßgrabens von einem jungen Burschen angesprochen und unter irgendeinem Vorwand auf ein unbebautes Grundstück gelockt. Hier versuchte der Bursche sich an dem Kind« zu vergehen, das sich aber energisch zur Wehr setzte und sogleich laut um Hilfe rief. Bevor der Unhold von seinem Opfer abließ, brachte er ihm, offenbar mit einem Rasier- messer, einen tiefen Schnitt in den Hals bei. D:e verzweifelten Schrei« de. Jungen wurden glücklicherweise von Passanten gehört. Als mehrere Leute hinzueilten, ergriff der Täter die Flucht und cnttam. Da» schwerverletzt« Kiird wurde sofort ins Städtische Krankenhaus überführt, wo die Aerzte einen Schnitt feststellten, der fast bis zur Luströhre ging. Auf Grund der Zeugenaussagen tonnte die Brandenburger Kriminalpolizei eine ziemlich genaue Beschreibung des Täter« erlangen. Von den sofort eingesetzten Streifen der Polizei, die während der ganzen Nacht unterwegs waren, wurden in verschiedenen Stadt- teilen insgesamt sechs junge Burschen als der Tat verdächtig an- gchallen und der Inspektion eingeliefert. Unter den Festgenomme- nen befand sich auch ein 21jähriger Alfred Günicke. Seine Kleidung wies noch frische Blutspuren aus. Nach ansäng- lichem Leugnen legte«r schließlich unter der Wucht des gegen ihn vorgetragenen Beweismaterials ein Geständnis ob. Günicke ist gebürtiger Brandenburger. Er war arbeitslos und trieb sich seit einiger Zeit in der Stadt vagabundierend umher. Der Grund zu der schrecklichen Tat dürste nach den bisherigen Ermittelungen in einer anormalen Veranlagung zu suchen fein. Nester Gemeindevorsteher! Und eine merkwürdige Justiz. Rendsburg. 19. Februar.(Eigenbericht.) Der Landwirt Markus Wulf ist einer jener Landvotkanhänger, die seinerzeit den Sturm aus das Amtsgericht tn Hohenwestedt unternahmen. Er erhielt dafür 2 Monate Ge- füngnis. Jetzt stand er wieder vor Gericht, well er einem Pfändungebeamten die Aktentasch« entrissen und den Beamten selbst aus dem Hause geworfen hat. Er ent- schuldigte sich damit, daß„die Finanzämter Raubritter" seten. Er bezeichnete den.Luckuck" al- Adlerprden und sagte weiter, daß er stolz darauf sei, den Sturm in Hohenwestedt mitgemacht zu haben. Der Gerichtsvorsitzende bezeichnete ihn darauf als einen .«ausrechten und geraden Mann". Der Staateanwatt beantragte 1 Monat Gefängnis, da» Gericht erkannte auf 120 Mark Geldstrafe. Da» Beste aber ist. daß dieser selbe Angeklagte vom Landrat des Kreises Rendsburg alsGemeinde- Vorsteher bestättgt worden tst! Amnestie In DI kauen. Anläßlich der zwo'ssahngen Selbständig- keit Litauens hat Staätspröstdcnt Smetona für zahlreiche politische und kriminelle Derbrecken eine Amnestie erlassen. Die wegen eines angeblichen Attentats auf Woldemaras zu schweren Sttasen ver- urteilten 14 Studenten sind ebenfall, amnestiert worden. Staat und Sozialismus in der Natur. In einer dankenswerten Veranstaltung der U ra n I a- G e s e l l- s ch a f t führte Prof. Wilhelm C. B c r n d t an der Hand zahlreicher vortrefflicher Licht- und Filmbilder die wunderbarsten und geheimsten Vorgänge der organischen Natur vor. Der Gebrauch des Wortes„Sozialismus", so bewnte er gleich einleitend, sollte keine irgendwie geartete politische Bedeutung haben, sondern er wolle nur den Gegensatz zwischen Indlvidualswat und Sozialstaat hervür- heben; der letztere erstrebe für alle Mitglieder den größtmöglichen Lebensgenuß und fordere dafür von diesen möglichste Hingabc an die Aufgaben der Allgemeinheit, eben des Staads, während der Indioidualstaat sich mit dem Schutz der einzelnen begnüge. Bon einer Führerrolle, wie der Name„Königin" andeute!, st bei den staatenbildenden Insekten gar keine Rede. Wir müssen uns überhaupt daran gewöhnen, die Handlung dieser nickmgstehenden Tierchen nicht zu vermenschlichen, dann erkennen wir, daß es nicht Verstandes, und vernunftbegabte Wesen sind, sondern daß sie ohne jedes Bewußtsein vom Zweck ihrer Handlungen diese rein instinkt- oder maschinenmäßig vollziehen. Ein solcher Insektenstaat— das trat bei den Filmaufführungen deutlich hervor— macht durchaus den Eindruck maschinenmäßigen Handelns. Es war wie der kom- plizierte Organismus eines höheren Tieres, das man des Großhirns und dadurch des Intellektes beraubt hat. Auch bei den höchsten Tieren und den Menschen gehen ja sehr viele zweckmäßige B«- Regungen ohne Beeinflussung vom Gehirn aus ganz automatisch rein maschinenmäßig und unbewußt vor sich, wir brauchen nur an die unausgesetzte Tätigkeit des Herzens, der Lungen und dergleichen zu denken. Die Zelle ist ja das einfachste Lebewesen, und aus Zellen sind auch die höchsten Lebewesen ausgebaut Schon in den einfachsten Zellen, die aus einem Kern und der umgebenden Plasmaflüssigkeit bestehen, gehen Körnchenströmungen vor sich, in denen wir, im Film vorgeführt, die feinsten Lebensoorgäng« vor uns sehen. Fast genau so automatisch, wie alle Bewegungen in den Zellenstaaten der niederen Pflanzen und Tiere erfolgen, oerhält es sich bei den staaten- bildenden Insekten. Von einer inteiligenzmäßigen Beeinflussung des Handelns ist gar keine Rede. Etwas mehr davon ist schon bei den ersten Ansätzen einer Staatenbildung bei höheren Tieren zu finden. bei den herdenbildenden Wiederkäuern zum Beispiel, wo die Stiere bei drohender Gefahr durch Raubtiere die Kühe in die Mitte nehmen, bei Vögeln, wo zum Beispiel die Saatkrähen geschlossen zum Kampf gegen den 5)ithnerhabicht vorgehen und dergleichen, aber doch eben nur ganz geringe Ansätze. Der fast zweistündig« Vortrag wirkte auf die zahlreichen Zu- Hörer keineswegs ermüdend, sie folgten vielmehr den Ausführungen mit gespannter Aufmerksamkeit bi» zu Ende, so daß die Deranstal- tung für alle Teilnehmer überaus genußreich war. Bt. Die Wiege der Menschheit— in Arafilien? Das Gebiet des Amazonenstroms in BrasMen wird immer mehr zum Gegenstand archäologischer Forschungen. Die kürzlich e» folgt« Auffindung von Spuren einer alten Stadt, die man den Phöniziern zuschreibt, hohen zu weiteren Forschungsarbeiten in dieser Gegend ermutigt. Pros. Richard O. Marsh,«in amerikanischer Gelehrter, hat kürzlich erklärt, daß er geneigt sei, den Ursprung der weißen Rasse aus diesem Gebiet her abzuleiten. Er glaubt, daß man Spuren einer ZioUisatlon. die um 50 000 Jahre zurückliegt, im Gebiete des Motto Grosso finden könne. Er glaubt nämlich, daß die Kulturen der Majas, der Incas, der Azteken, der Acgypter und der Phönizier, die ausfällende Uebereinstimmungen zeigen, alle aus dieser Gegend stammen. Anders sei z. B. das Zluftauchen der Zeichen des Tierkreises in den Religionen aller dieser Völker nicht zu er- klären, da diese Zeichen, die kein« Eigenbedeutung haben, nicht an verschiedenen Orten unabhängig voneinander eittstanden sein können. Neue Erfindungen in aller Welt. Das bisher nur schwer darstellbare Element Lithium, das dem Kalium und Natrium verwaiM ist und, leichter als Wasser, auf diesem schwimmt, läßt sich nach einem an der New-Jorler Uni- versität gefundenen Versahren so einfach herstellen, daß fem Preis von 1000 auf 60 Mark für«in Pfund sinken wird. Das si.ber- glänzend« Metall ist an der Lust unbeständig und verbreuitt leicht. Es dieitt in Legierungen mit anderen Metallen zur Verschönerung des Glockenklanges sowie zur Reinigung des Hel'umgases von frem- den Beimengungen bei der Liiftballonfüllung. Nachdem es so billig geworden ist, wird man wohl noch andere Verwendungsmöglich. leiten ausfindig machen. Ein letal genanntes Glas widersteht, der Eimvirkung van Feuer, splittert und entfärbt sich nicht. Revolverkugeln, die aus einer Entfernung von 10 bis 20 Metern dagegen abgefeuert wur- den, tonnten es nicht durchschlagen, das Glas wurde nur ganz ol'er- flächlich beschädigt. Auch nach langer Bestrahlung mit uliravio- letten Strahlen zeigte es keine Farbänderung. Da ein lange Zeit an das Ohr gehaltenes Telephon besonders im Sommer lästig« Wärme entwickell, hat«in englischer Ingenieur eine durch eine Kältemischung innen gekühlte Hörmuschel erfunden. Der unerträgliche Lärm, den die mit Drucklust angetriebenen Hämmer zum Aufreißen der asphaltierten Straßen verursachen, will «tn Erfinder beseitigen, indem er an den Auspuff der Druckluft einen Schalldämpfer ähnlich den bei Autos üblichen anfügt und auch den Ventilschall durch Verringerung des Dentilhiibes ver- mindert. Japans Bevölkernngszifser. Laut Angaben des Statistischen Büros des Innenministeriums betrug die Bcvölkeruna Japans am 1. Oktober 1929 62 938 200 Personen, davon 31 683 400 männlichen und 31 254 800 weiblichen Geschlechts. Diese Ziffern umfassen die gesamte Bevölkerung des eigentlichen Japans einschließlich Armee, Marine- und Gefängnisanstalten. An der Spitze der Städte mar- schiert« Osaka mit 2 408 000 Einwohnern, dem Tokio mlt 2294100, Nagoya mit 904 700. Kyoto mit 755 200 und Kode mit 755 200 Ein- wohnern folgen. Die bekannte Hafenstadt Aokohoma weist 543 900 Einwohner auf. während noch 22 Städte über 100 000 Einwohner zählen._ Der Leicksgett< l- präflden« L T firnor# spricht auf Einladung der .Bereinigung Catt �chuiz" om 9r.. 20 tthr. in der Unweisttät. Hör'aal 10!. über da« Thema:, Recht« slelluna und Rechtsprechung de« Höchsten Ke,icht«bose« der vereinigten Staaten von Amerika". Ter Bortrag ist öffenllich und frei zugänglich. Ehm Welk». Sremobaehme" wurde dtnch Beimittlnng der Volk« bübnen-Berlage- und Bertrteb«-Ä m. b. H..?ei lin, von Ada Roiina WS idinmiche flbeifet! und gelangt demnächst in Helsingior« (Slotton Rad tömo) und TammerSsor«(Työröen Teatderi, zur Aufsührung. 3b der Jlaflonoljaiere hält Regierungsrat Dr. Berthold Daun am 23, vormittag«'/,10 Uhr, Vortrag über dt« Gemälde Renzel«. Labour party/KabinettMtdonald Em Vortrag des �eichstagsabgeordeten Vreitfcheid. 5m überfüllten Hörsaal sprach gestern im Universltätsgebäud«, Doroiheenstraße 6, im Institut für Auslandestudien, Reichstags- abgeordneter Dr. Rudolf Breit scheid über„Die britische Lobour Partp und das Kabinett Macdonald"'. In Deutschland bestand die politische Partei der Arbeiterschaft v a r den Gewerkschaften. I» England lies die Entwicklung in um- gekehrter Reihenjolg«. Das Genossenschaftswesen und die Gewcrk- schaften traten schon in der ersten Hälfte des vergangenen Jahr- Hunderts in Erscheinung. Politisch ober stand die Arbeiterschaft beiseite. Sie unterstützt« die Radikalen der Liberalen Partei, der Whigs. Einer Oberschicht unter den Arbeitern ging es recht gut, dl« groß« Zahl aber litt schwer, ohne Mittel zur Abwehr des Druckes zu haben. Die Gewerkschaften kümmerten sich wenig um sie, und die Demokratie übertünchte die Klassengegensätze. Ende der 80er Jahre rüttelten der Streik der Zündholzarbeiterinnen und der historische Dockarbeiterstreit, die durch ungelernte Arbeiter gewonnen wurden, di« Gewerkschaften auf. Die Frage des Achtstundentages brachte den Streit: Soll der Kampf gewerkschaftlich durch den Massenstreik oder politisch durch Einflußnahme aus die Gesetzgebung geführt werden? Die Jungen, die den politischen Weg wünschten, siegten in Liverpool 1890. Dies bedeutete die Geburt der heutigen Arbeiter- pa'tei, die ihre Kräfte aus den verschiedensten Quellen zog, aus religiösem und ethischem Sozialismus, aus der GFy>erkschafts- und Genossenschai'tsbewegung und npr zu verhältnismäßig geringem?ieil au» rein marxistisch eingestellten Kreisen. Nachdem 1900 zwei Abgeordnete der Arbeiterpartei ins Par- loment eingezogen waren, stieg die Zahl ständig bis auf �87 im Jahr« 1929. Die Wählerzahl wuchs von 62 000 1900 auf fcvj Millionen 1929. Es ist der größte und rascheste Ausstieg, den«Ine Arbeiterpartei zu verzeichnen hat. Di« Gründe hierfür liegen ebenso sehr in den ständigen Borstößen der Konservativen gegen das Recht der Gewerkjchasten als auch im vollkommenen Versagen der Liberalen. England hat zudem das Glück, keine konfessionellen Scheidungen zu kennen Der Krieg führte die gesinnungsmäßigen Pazifisten ins Lager der Labour Party, und Lloyd Georges ge- brochsnes Kriegsversprechen, den Frontkämpfern Land zu geben, ver- stärkte die Reihen der Arbeiterpartei. Es ist eine reine Arbeiter- parte!, denn sie zieht ihr« Kräfte aus den großen Industriezentren de» Landes. Ist si« auch eine sozialistische Partei? Seit 1918 ja, und seit dem Kongreß von Birmingham im Jahre 1928 in noch viel höherem Maße! Aber sie bindet sich nicht kraß an Theorien, sie handelt von Fall zu Fall, sie ist fähig zu Kompro- missen, sie neigt mehr zu betonter Stoatsgestnnung. Dies hat seinen Grund darin, daß England seit Menschengedenken«in demokratisches Land ist, während die, deutsche Arbeiterschaft ihre Jugend- und Heldenzeit unter dem Obrigkeitsstaat und übt er dem Sozialistengesetz durchmachte. Die Wirtschaftskrise in England mit ihrer starken Ar- bsitslosigkeit und die Propaganda der Sowfets ließen kommunistilche Tendenzen in der letzten Zeit oerhälinismäßig stark werden. Sie erlitten im Generalstreik ein Fiasko und sind heute überwunden. Als st ä r k st e. Partei des Unterhauses, wenn auch nicht als Mehrheitspartei, hat 1929 die Labour Party unter der Führung des bedeutenden Ramsay Macdonqld die Regierung gebildet. Ihre be- sondere Stellung als Minderhcitsregierung hat namentlich auch in sozialen Fragen zu unangenehmen Konzessionen an die Bürgerlichen gesührt. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf die auswärtige Politik der Labour-Regierung. Die Konservativen und namentlich ihr Außenminister Ehamberlain, haben ihre Abneigung gegen den Völkerbund nur schwer geleugnet. Unter Macdonald und Henderson hat sich dies vorkommen gewandelt. Sie sind überzeugte Anhänger der Dölkerbuudsidce. und durch sie ist in di» Arbeit des Völkerbundes«in frischer Zug ge- kommen. Die englische Politik ist gekennzeichnet durch einen real «ingestellten Pazifismus. Die Arbeiterregierung hat die Fakultatioklousel unterzeichnet, sie hat die Seeobrüstungskonfcrenz in London in die Weg« geleitet, die— mag sie nun Folgen haben oder nicht— zum mindesten die unangenehme Erbschaft der Kon- servaiiven im Verhältnis zu Amerika beseitigt hat. Eine wichtige Frage für uns: Wie steht die Arbeiterregierung zu Deutschland? Der gute Wille zur Verständigung ist un- leugbar. Schon 1924 in der ersten kurzen Regierungszeit der Labour Party suchte Macdonold Deutschland zum Eintritt in den Völkerbund zu veranlassen. Die Arbeiterregierung war es, die von sich aus die englischen Truppen aus dem Rheinland gegen den Wunsch Frankreichs zurückzog. Die guten Beziehungen zwischen der Arbeiterpartei und der deutschen Sozioldcmokratie, d'e beide, oft auf verschiedenen Wegen, die gleichen Ziele verfolgen, werden das ihre dazu beitragen,«in sreundschaftliches Verhäl-tnis zwischen den beiden Völkern zu schassen. Bekämpfung der Gefchlechiskrankheiien. Erfahrungen mit dem neuen Ge�eh. Der Bevölkerungspolitische Ausschuß des Reichstags beschäftigte sich in seiner Sitzung ym Donnerstag mit den Erfahrungen, die man mit dem Gesetz zur Bekämpfung der Ge- schlechtskrankheiten bisher gemacht hat. Der Aussprache lag eine vom Reichsministertum des Innern vorgelegte Denkschrift zu- gründe, aus ihr geht hervor, daß die Handhabung des erst zwei Jahre in Kraft befindlichen Gesetzes in den verschiedenen Landceteilen sehr verschieden ist. Allgemein wurde im Ausschuß die Ansicht vertreten, es müßten erst»och weitere Beobachtungen gemacht werden, bevor man zu einer weidergehenden Axnderung des Gesetzes Stellung nehmen könne. Ein Zeitraum von zwei Iahren könne naturgemäß noch keine Grundlage bjeten, eine Novelle in Vorschlag zu bringen. Heimannsverg kehri zurück. B« den Meldungen bürgerlicher Zeitungen über einen Kon» flikt Zwischen dem Polizeunzepräsideuten Dr. Weiß und dem Kommairdcur der Berliner Schutzpolizei Heimannsberg han- delt es sich, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, um M ei» nungsverschiedenheiten, wie sie in einer Behörde, di< rund 22000 Kopse umsaßt, i minor einmal vorkommen können. Diese schon seit einiger Zell bekannten Meinungsverschiedenheiten. deren Hauptgrund darin liegt, daß der Äornmandant der Schutzpolizei, wie auch jeder andere Abteilungsleiter, dem ständigen Ver- trcter des Polizeipräsidenten, dem Polizeivizepräsidernen Dr Weiß umcrsteht. sind Gegenstand einer Prüfung des Polizeiprästienten Zörgiebel, der alz Behördenchef für die Erledigung zuständig ist. Im übrigen wird bestätigt, daß Oberst Heimamisberg, der nach schwerer Krankheit zur Zeit m Tirol seinen Erholungsurlaub vor- brurgt. am 3. März nach Berlin zurückkehren und sein« Geschäfte wieder aufnehmen wird. Zuschuß sür das Abeudgymnajlum. Der Magistrat gibt der Siadtoerorbnelenvcrsammlung in einer Borlage davon Kewunis, daß ei die Entscheidung über die Uebernahme des Abendgymnasiums in städtische Verwaltung bi-, zur Ablegung der ersten Reiseprüfung zu vertagen beschlossen hat. Durch Beschluß vom 24. Oktober 1929 waren für das Berliner Abendgymnasium sür das Schuljahr 1929/30 vorerst 32000 Mark aus gemeinsamen Vorbehaltsmitteln zur Verjügung gestellt worden. Der Magistrai hat nunmehr be- schloffen, für den Rest des Haushaltsjahres weitere 16 000 Mark aus dem gleichen Fonds zur Leriugung zu stellen, zzür das Jahr 1930/31 sollen die notwendigen Mittel in den neuen Haushalt ein» gestellt werden.- Oooverstus, 26. Februar. Berlin» 1655 Aujrust Naß: Zum OcdächtnU Carl Sonnenscheins(gest. 20. Pebr. 1325). 16.30 Orchöstcrkonzert. 18.00„Der Oucischnitt."(Sprecher: Alfred Flechthclm. N. ▼. Weddcrkop.) 19 20 Dr. Max Fischer(Jena) spricht zur Jagend. 10.50 Prof. Dr. Frnst Jäckh: Kann Europa amerikanisiert werden? 19.15 Das Interview der Woche. 19.30 Chörgesäage. 20.00 Dr. med. Paal Lazarus: Gatlspach— eine njodeme Tragikomödie. 20-&X. College Crapiptd-i." Komödie von Oerbart Hauptmann, Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Scballplatten. KÖnlgswusterhansen. 16.00 Min.-Fat Hans Richert: Das Problem geschichtlicher Bildung. 17.30 Gurt Hetze): Fraitz Herwig zum 50. Geburtstage. 17.35 Maximum Möller-Jabuscb:" Weltpolitische Stunde, 18.2i) Dr- Egon Bacharach: Fragen der Kapitalsanlage. 18.40 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.05 Robert Henseling: Der neu entdeckte Himmel. 19.30 Lach: Di» Beschaffung einwandfreien Saatgutes für den deutechcn Wald. 20.30 Unterhaltungsmusik._ Srrannvortl. Mir die Redaktion: WoNaang Schwarz. Berlin: Änzetaert: Th. Slftdc, Berlin Btrlaa: Borwerts Bcrlag G. m d H.. Berit» Druck: Borr <-w.._____ � r i erv____ r c. iT««>Tß fiB 4»inl druckrrei und BerlnasanltaU Paul Zinaer Sl Bcrllu öietw t Scilaqt. Jon»d«s Buch. !W 63. Cind.-nftcafte S. tiu Zltealec. Lidtlsptele usw Donnerst. 20 2. Staats-Oper Unter d. Linden Tii!-AL 1 Du II«. 7 Jihm-UL-t. Hu. 19 19 Uhr Aida Ende«. 22"« Uhr Staats-oper la PUh der hpabllk R.-S. 13 20 Uhr Ende ge«. 23 U. Donnerst. 2J. 2. Stadt Oper Bismarckstr. Turnus II 19i.« Uhr Die Mafi! Ende 22>« Uhr Staat). Sdiauspti in trndinninirtl St. IU Bd Ho. 5 Jahm-Ali.-V. Ho. U M Uhr Wallensteios Tgd Ende 221« Uhr. ltaatl.ld)iliEi-Iiieater.Cliarltli!i. 20 Uhr üeotge OaDdin-»MaiinM Ende gegen 22", Uhr Tägl. S u. 8'f, Uhr. Barbar oska 9256 Pr 1-6 M. Wochentg. 5 U. 50 P».-3 M. Con Collaano, 4 Bronetts und»eitere zum l. Male in Europa gezeig e Spitzenleistungen | TSgi. a> u. 01» Senat.«..Je S" A ex. E ♦, 8066 INTERNAT. VARIETfi ToiKsbUhne Tiiutr im Bülowpliti. : 27«,"Uhr' Das Gerfldit Komödie In 14 Bildern v C K Munro Raul;R.H. rattin StaaUSdiillet-Tti. X Uhr Georae Dandin BouDourodie iteaier ein sminbeoetflamm iV« Uhr OieGartenl�lie ffieater o. Wetteos Täglich 8". Uhr: Höfel Stadl Lemberg Mu$ik von Gilbert Kalbe Dorsch Leo Schftlzcndorl Kleines Theat. Merkur 1624 Tägl. 8''. Uhr Der Walzer von beute Nacht! 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I*rs, 2gr-» Mtz?r. c-ptnß� QjJirnaiai) � Die Taktik der Tozlaldemokraiic wöhrend des Sozialisten- gesetzes uxir darauf gerichtet, die sozialdemotratifche Propaganda nach Möglichkeit in die breite Oeffentlichkeit zu stellen. Für den demokratischen Sozialiswus war es eine Lebensfrage, in engster Fühlung mit der Most« zu leben. Erschöpfte sich die Tätig- keit der Sozialdemokratie in einem blohen politischen Wirken in den G e h« i m b ü n de n, so konnic sie schnell den Kontqk> mit> den Massen verlieren, die naturgemäß nicht zu großen Geheim- j organisotionen zusammenzufassen waren.— Seit 1S80 tritt das Bestreben der Sozialdemokratie an den Tag, mit den Massen der Industriearbeiter öffentlich politisch zusammen zu arbeiten. Der sozialdemokratische Wydener Kon- greß faßte im August 1880 den für die sozial- demokratische Taktik entscheidenden Beschluß, die Wahlen zum Reichstag planmäßig zu or- ganrsieren und eine möglichst groß« Be- teiligung der Massen an den Wahlen zu erreichen. Damit war der Eharakter der Sozial- demokratie als eine sich in der Oes f entlich- keit bewegenden politischen Massen- partei sichergestellt. Die Sozialdemokraten lösten sich nicht wie die Anarchisten in konspirierende Gehcimgruppen auf, sie marschierten einheitlich und in Massen zu den Reichstagswahlen und in Sachsen auch zu den Landtagswahlen auf. Die Sozialdemokratie'- ging dann, zuerst zögernd und widerstrebend, an die Gründung politischer Lokalblätter, sogenannter Ardcllerblätter, in denen sich die sozialdcmo- kratischen Kampfparolen allerdings nur gedämpft heroorwagen dursten. Diese Blätter schössen fast in allen Großstädten empor, und sie wurden ein gewaltiger Stützpunkt der sozialdemokratischen örtlichen W a h l b e w« g u n g. Das traf vor allem für die Reichstagswahl des 20. Februar 1890 zu. Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Aus- breitung und Stärkung der sozialdemokratischen Wahlbewegung war die gewerkschaftliche Orggnisation.die ebenfalls in der Form lokaler Fachvereine durch führende Sozialdemd- traten eifrig gesördert wurde. Ueberdies be- standen 1890 vielfach im Reich direkte sozialdemo- kratische Wahlvcreine, die sich meist als Bcrcin für volkstümliche Wahlen bezeichneten. Umfassende Vorbereitungen für die Reichs- tagswahl 1890 wurden bereits von der Sozial« demokratie 1887 auf dem St. Gallsr Parteitag ge- troffen. Mit dem Bcginn desIahres1890 setzten dann diese Vorbereitungen mit lhochdruck ein. In den Ianuarnummern 2 und 3 oeröfsent- lichte der„Sozialdemokrat�, das„Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge", in London wegweisende Artikel über die politische Bedeutung der Reichstagswahlcn. Diese Artikel betrachteten die Reichstagswahlen nicht allein vom a g i t a- t o r i s ck) e n Standpunkt aus. Sie betonten scharf: „Es sind nicht nur Propagandarücksichten im engeren Sinne, die es der Sozialdemokratie zur Pflüht machen, ihren parlamentarischen Einfluß soviel als möglich zu jtärken." Und die Artikel arbeiteten dann klar den Ge- danken heraus, daß die Partei vor allein die Niederlage der R e g i e r u n g s p a r- te iei? anzustreben habe. Der„Sozialdemokrat" schrieb nämlich am 13. Januar 1890; „In Fragen der Taktik hat nicht das Ge- fühl, sondern das Interesse zu entscheiden. wobei wir selbstverständlich nicht an kleinliche Augenblicks- oder gar Kirchturmsinteresien denken, sondern an die Interessen der großen Sache, der wir dienen, an die Interessen der Klasse, für deren Eman,rioation wir kämpfen. Dieser Gesichtepunkt, der prinzipiell« und der Klassen- charakter unserer Partei, darf selbstverstündlich nie aus dem Auge verloren werden. Gehen wir jedoch auf die konkreten Verhältnisse über. Was ist vom Standpunkt der Sozialdeinotroti« das wünschenswerteste Resultat der Reichslogwahlen neben Zunahme der sozialdemokratischen Sitze und Stimmen'? Eine Nieder- läge der Regierungsparteien, oder, mit anderen Worten: ein Sieg der Oppositionspartei« nT Dieser Gedanke schlug dann auch bei den Stichwahlen durch, die unter der Parole: Nieder mu dem volksfeindlichen Kartell' Fort mit den Verewigern des So- zialistengesetzes! geschlagen wurden. Am 11. Januar 1890 erließ.das Zentralkomitee der Sozialdemokratischen Partei, da» sich aus den Genosten Bebel. Grillenbsrger, Liebknecht. Meister und Singer zusammenletzt«, einen A u f r u s,:n dem es zu einer Massen- durchsicht der Wählerlisten oufsorderke, um die Lücken dieser Listen auszufüllen und den Arbeitern die Ausübung ihres Wahlrechts zu sichern. Nun begann«ine wirtlich fieberhafte agitatorisch« Tätigkeit der sozialdemokratischen Vertrauensmänner in den Werkstätten und Fabriten. Ei« fertigten alphabetisch geordnete Verzeichniste der Wähler an und prüften an der Hand diefer Verzeichnisse die Wohl- listen. Der„Sozialdemokrat" veröffentlichte spaltenlang die Listen der sozialdemokrotischen Reichstagstandidaten. Bald meldete der „Sozialdemokrat", daß in über 300 Wahlkreisen sozialdemo- krchisch« Reichstagskandidaten ausgestellt seien., Inmitten der emsigsten Wahlarbeit erschienen die sozial«» Res arm erlasse Wilhelms II. Diese wurden im„Sozial- tewakrat" alz«in„Wahlmanöver" charakterisiert, das darauf bc- rechnet fei,„der Sozialdemokratie", wie ein offiziöser Tölpel im ersten Rausch oerraten hat,„den Wind aus den Segeln zu nehmen". Kurz vor der Reichstagswahl.„am Vorabend.der Schlacht", brachte der„Sozialdemokrat" dieses Stimmungsbild„vom Kriegs- schauplatz", dos sicher vom„Soldaten der Revolution", vom alten Wilhelm Liebknecht, verfaßt worden ist: „Dieses Winmieln und Treiben und Arbeiten in der neuen Proletarierwelt. Wie sie arbeiten, diese„Bummler, die nicht Der Zfliiallieiuokrat Argan der Soziatdemokraiie deutscher Zunge. J3§ •«Uchtugn � «.»«n 20 Blanbatc im ersten Mahlgang. 17 in der Stichwahl. 1.341,58? s-zialdemokratischc Wähler— 5«?,4«5 Zuwachs h ta Stich»«hj iitka mu«ftriftfefe u, Serlkk. »iKMeihM.eiatfc«*; X ichsitl. 3u(f;bTutf« in Periia. •t- SchihsZch r.(üertxr i» Eolingfn. Tchneeber, Z-allbcr,: X. Srifftl, Cchuhiuacher in Zioufaa D. Siijff. Äanfm-r.» iu Dretdeu. Zwick««-eirlwüuikchan: W.(äcrin«(Gdnnriich) in Gefan. «teuft«" U. vi» Mag»,»wr,■ #. Btlstr. Schrifrftelkr m STun�ti Öer«; f. Airs, 5chrsflsteün in 2rctbm. Sir v« W«-acheasnMMM jla o.iea Lager püüe» Ur»»! t'* S-cker Ccegm drrch die Nach». Siosik. Geick-e, u,» Wir s«V» i«. Tanz- brehn Tnrch eurer Lege.-'-u-r Qualm« Und ließe» m:A doräbenveh» tum Stuft die JS/Tcbic s«r f««Ib ifif.rt rtft,-stacht «am eileiti m« tellru Alte f* jitlenift IroS«rft Schu, lad Mackerttzn» k> sei«« Gottt; Zahlen» o� ft« Ouirn log »it«lsgs-xerlär-»,r Tr»ß da«'«fefc «ftltf» pfeifend fit.Shratag' Tt* lltjerscch sich sem, So wird die neue Welt geboren. Und verdutzt sehen unser« Feinde darein— sie fangen an zu begreifen, daß ihnen eine Macht gegenübersteht, die sie mit all ihren Gewalt- und Lügen- Mitteln nicht überwinden können. Kein Zweifel, es wird noch irgendein Schlag, irgendein niederträchtiger Streich vorbereitet, indes sind wir auf alles gefaßt. Das rote Gespenst haben wir totgeschlagen, und am 20. Februar wollen wir die blutigen Schmutzlappen, aus denen es zusammengesetzt war, seinen Urhebern und A n b« t e r n u m die O h r e n s ch l a g c n." Der„Schlag" gegen die Sozialdemokratie sollte nach dem diabolische» Plane Bismarcks nicht vor, sondern nach den Wahlen erfolge«. Bismarck wollt« das feige Bürgertum durch einen sozialdemokratischen Wahlerfolg in Furcht und Schrecken setzen, um sie für. seine m i l t t ä r i s ch e Lösung der sozialdemokratischen Frag« geneigt zu machen. Die Sozialdemokratie erwartete einen großen Wahlsieg, aber ihre Erwartungen gingen nicht über eine Million Stimmen hinaus.„Nur eine Million sozialistischer Stimmen, weiß man, was dos heißt?" So schrieb der„Sozialdemokrat". „Das heißt", so fuhr er fort,„eine sozialistische Bevölkerung von mehr als fünf Millionen Köpfen. Das heißt, in einem Zeitraum von drei Jahren 240000 sozialistische Stimmen gewonnen,«in Aufschwung, wie ihn die Partei nur einmal unter ganz abnormen Verchältnissen, von 1881 bis 1884, zu verzeichnen gehabt." Zum Schluß begrüßte er mit diesen be- geisternden Worten den kommenden Siegeswahl- tag der Partei: „Und nun komme, du herrlicher Tag, dem Hunderttau sende, Millionen von Arbeiter herzen entgegenklopsen. Du wirst ein Tag Übermensch- lichen Jubels sein, bringst du. uns„nur"-- bringst du uns die, unsere kühnsten Crwor- tungen erfüllend, eine Million sozialistischer Stimmen." Eine Million Stimmen— und der 2 0. Febr.uror 18 90 bracht� I. Bill, Eostivirth n, SVüuchm. Vreunlchwelt: W. Mm. Echnfnitver in 6tsl?gart. y. SiftctmiQrJKUrt. Ilfstai. ZißarreriarlTUer vi LhemniX 1l«z Iii. Tischt«: in�Mainz. Hall» t.mMt: iii| inns, Lthree tZiebafttur) m Stttla». Hanvavee: X Wnlk?,.�igolreii Arbeiter In Haimovre. Q»4«"len.Piv"rft»»G: h. jBftlleUlItzT. Zig.-Lrb«!l«r in SltSbtgJjula. Hranlfarl a.fB.» Will- Zchmlt. Luhdgräph in FranNvrt. f. Br>f|Uf. Schneck« in Oxfirt SBolttflKtfl i.Tr.! €«H Zchiltzr. Zigoon arbeilrr in Äii;ig»S«rg (V til r»i<< Stifter t�nüti f A!.' V . XU- SUilbtn, SßetfUCai.TKjit 1».. CnClfe ' J'U) UUitr. lii'chla.in Berri».' Cffnfcatft'tieiarg t C«1 Ulrich. Schlosser sNedäckleurt in Offenvach- �iegreichic Ttichwahle» H,ai:»hh»«!U »RS? 1«d4S �olbe.Aickerlle»« IS''" . Nm.n.durg l« r.A3 ' HeSe�./H.»f» foensee« 1« 5TÖ CtlenVn 10 SSO Königtdelg 13 337 Fr-ntfiu» c B- 13.«M Lübeck L Stifber-Ikr*!« i».tS9 »itHau-CU IM CsteiNseb'0.-334 laste» cm brtrmrrJe* Crte. ®"«ußies. Ba de: Gegner starb. Und k»»ntc» nicht tv, Sege irren. Und man rJi schwacher Laut emjck»a«d. So»or» ir Lcgea Urse» Klirre». Der erste Akt. Wohl kranriisle itfjilg sich die Hanb. Wohl schi", da» Her« i-, heißen«rl»»�. Doch ieldü die ti'efO« W-llu-g fo«ft C diesen Stunde» te!« Slir»«. Und kau» eiu�Lächei» eoard guauscht von fyaata. mit»In ernste» Moh»!� LLen» leicht im Mvrgrn'vind g-r,iischl Tie ehrenretch-o röchen Faha«. C!ii Wink, da»» th Trompet enlfe*. Ei» OftrK de» Hasse»!a»se»dstrmni»g•« Und surchrdar brach da» Deuerla». »LildschSo. erbabfl;.«d e grinnaig! tat mar fein zierlich Lanzenspiel. Ta»»«'ei, Beatus«af Tod unb Läde», tiad wer w« ttufren Hiebe» fjl. Tun wurde sei» Bardos gegeben. tzh mit fc fiele«? Waf» rch reckt» vrach»»ie der«tim i» ihre«lieber. «va.f rauh die derb« Sauft de»»aecht» Tie zarte», serd'nei Herrlei»«iebx Ter CUm|rbiie» Ihr Heer«ie Scharr Und seldst die FrSmatfte» fände« low» Tie Zeil, che Slotzgeber zu dainaulil. Word deiae»».'eiche»(e gesehn. «eaMltigsi« Kn Riedmlgze, T Vm die«nneda umi'» geschehn. veMi sie sich»och recht»eschlag». Und«auch«, vrod.'erische Held Heztert«it Feder«»ud arit Kette». Zret jau-merab flüchtig über'» Feld Und wchl vei�eistlnd sich p»«ttt». Tte sich tz-fteiftt und«.-blöbl. V» rt»e trioet tzwol» hbKchl— Wie(Huben liege» sie gemäht »ach diese» g/ev»«fcreniagf, «««»•* Hachar�h Un# gede�. Tal 6« n» feMi«» W.en- Öb» Hunb n amj riae» Bisse,»rot «ich blisca Zag«g ihr» Hände, Nock ihren liolze» Fedno, greis« Tee Ho,d de» Nledeig,)«»»od Leftte»: Tvrdf Hlat und»och der Wo dl statt schfei.l »r spättls» nngend du zersetzte,': Lad wo»«ur splitlerte.«lchi U-ch. Entrann nicht rächenden«elchickev. Tenu«nter dies« Last»on Schwach Wird e» lote Rohr gafaonqeulo.cken. »3 oder steh« fem* a d dicht An Wiüea»lebte vad Solonren- Wir stich d» blöde. Narr»»ich,. Zu glaub». Ate» iei gl MC lex X«» grell Hchac'pi� hat»check:- ».ch« a. iv». w ifti»« C. L. arbeiten wollen"— um in den Worten des Polizeitölpcls Herr- furth zu reden— o. das Wort wird ihm eingetränkt. Die „Bummler", die nicht arbeiten wollen— sie arbeiten mit fieber- haftem Eiser, die Kräfte durch das blasphemische Hohnwort oer- z e h n s a ch t. Das Wort Herrfurths gehört zu jenen h i st o r i- i ch« n Worten, lvelche für den Grabstein einer st erbenden Welt, eines saUenden Systems bestimmt sind. Welche Begeisterung und welche Kräfte! Das. sind keine stumpfen Masse», die auf Kommando seelenlos, maschinenmäßig handeln, und«in toter Klotz sind, wenn das Kommando fehlt und kein äußerer Anstoß vorhanden ist. Jedes einzeln« Individuum in diesen Arbeitermassen ist ein begeisterter Mensch, der . alle seine Kräfte der großen gemeinsamen Sache des Proletariats zur Verfügung gestellt hat— der freudig bereit ist, den letzten Pfennig mit dem legten Blutstropfen ! hinzugeben für die heilig« Sachs. �Ia. woher kommt euer. Geld, woher kommen eure Mann- schaften— fragte neulich ganz bestürzt ein Führer der Ordnungs- partei.„wir können es euch nichi gleichtun?" „Das glaube ich", war die Antwort des Sozialdemokraten, „bqi uns ist jeder Soldat der Partei, bei uns arbeitet jeder freiwillig im Dienst« der Partei, wir brauchen unsere Leute n i ch t zu bezahlen wi« ihr, die ihr an eure Sache selber nicht mehr glaubt und nur noch besoldet« Wert- zeuge findet.".'' Wohin man jetzt kommt in Deutschland, übqrall durchziehen die Sendboten der Soziaddemokratie das Land— in jedes Haus, in jede Wohnung, In jede Hütt« finden sie den Weg, tun durch Wort und Schrift das Evangelium zu verbveften— in Sturm, in Regen, in Kä'tc und Schnee ziehen sie unverdrossen durch dos Land, und das leuchtend« Auge und ihr ruhiges, festes, gesittetes Wesen schon bekundet, daß sie die Träger eines Ideals, die Vorkämpfer einer welterlösenden Idee sind. 1 427 298 Stimmen. Der sozialdemokratische Wahlerfolg überstieg also die„kühnsten Erwartungen". Ein brausendes Triumphgeschrei erscholl aus allen sozialdemo- kratischen Blättern— aus ollen— nicht nur aus denen der Sozialdemokratischen Parte« Deutschlands. Sofort beschloß die Partei die Herausgab« einer Fest numMer, in der die Stimmen aus der sazialistischen Presse aller Länder und die bis zum 1. März ein- getroffenen Glückwunlchadresicn der sozialdcmo- kratischen Bruderpartcien veröffentlicht werden sollten. Diese„F e st n u m m« r". die auf rotem Papier erschien und eine riesenhafte Verbreitung fand, bringt unsere heutige Nummer des„Abend" zum Abdruck. Die Festnummer zählte 1 9 Genossen als im. ersten W a hl g a n g und 17 Genossen als in der Stichwahl gewählt auf. Der schwungvolle Leitartikel des„Sozialdemokrat" klang in den Worten aus: Versucht es mit allen erdenklichen Mitteln, unseren Siegeslauf zu hemmen, ihr hemmt uns vielleicht— doch ihr zwingt uns. nicht, Lln er die Welt, trotz alledem' In der Fcstmimmer des„Sozialdemokrat" an> 8. März 1890 veröftentlichte Friedrich Engels einen Artikel zur Würdigung des fozialdeinokratifchen Wahlerfolges, aus dem wir folgenden Schlußpasjus anführen: Die deutfchen sozialdemokratischen Arbeiter haben soeben einen Triumph ersochten, wie ihre zähe Slandhafligkeit, ihre eiserne Disziplin, ihr heiterer Humor im Kampf, ihre Unermüdlichkeit ihn nicht anders verdient haben, der aber wohl ihnen selbst unerwartet gekommen ist und der die Welt in Erstaunen versetzt hat. Mit der Unwiderstehlichkeit eines N a t u r p r o z e f f e s ist der Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen bei jeder Neuwahl vor sich gegangen: Vergewaltigung, Polizeiwillkür, richterliche Niedertracht, alles prallte wirkungslos ab. vorwärts und immer rascher vorwärts bewegte sich die ste'g anschwellend« Angrifsskolonne, bis sie jetzt dasteht, die zweit- stärkste Partei im Reich.(Hier irrte Engels, die Sozialdemokratie war nach der Februarwahl 1890 schon die stärkste politische Partei Deutschlands. P. K.) Und da.sollten die deutschen Arbeiter sich ihr eigenes Spiel verderben, indem sie sich zu einem aussichtslosen Putsch verletzen ließen, einzig und allein, um Bismarck aus der Todesnot zu erretten? In dem Augenblick, wo ihre eigene, über alles Lob erhabene Tapferkeit unterstützt wird durch das Zusammenwirken aller äußeren Umstände, wo die ganze gesell- schaf liche und politische Lage, wo sogar alle ihr« Feinde für die Sozialdemokratie arbetzen müssen, als würden sie von ihr bezahlt — in deni Augenblick sollte die Disziplin, die Selbstbe-. herrschung versagen, und wir selbst uns in das vorgehalten« Schwert stürzen? Nimmermehr! Dazu hat dos Sozialistengesetz unsere Arbeiter zu gut eingeschull, dazu haben wir viel zu viel all« Soldaten in unseren Rechen, und unter ihnen, zu vible, die Gewehr bei Fuß im Kugelregen ausharren gelernt haben, bis der Augenb'' reif für den Angriff. Friedrich Enge" Das Manuskript dieser Arbeit war in meiner Wohnung m La Madeleine-les-Lille, als die deutschen Soldaten kamen. Im August 1914. Attilas Gäule sind nicht mehr nötig, grünen Rasen der grauen Erde gleichzumachen. Die hundert Schritt« eines Wachtpostens ge- nügen. Die Truppen, die nunmehr über meine alte Arbeitsstätte oerfügten, hielten sich an die militärischen Gebräuche. Soldaten sind immer bereit, zu nehmen, was sie gebrauchen können, und wegzuwerfen, was sie stört. Papier ist gut zum Feueranmachen. Auch der Krieg nahm ein End«. Der. Rückzug der Truppen kam: der Zusaminenbruch der Kaiserreiche: und die armen Leute konnten in ihr Heim zurückkehren. Ein wenig besier verstand ich jeht die schrecklich« Menschheit. Ich, der einzig überlebend« Mann zweier Familien. Wie Wind und Welle war der Krieg vorübergegangen: ein« traurige Macht, die mit der gleichen Gelassenheit zerstört, wi« der Wald seinen Duft aussendet und der Stern sein Leuchten. Wann, o wann, werden die Menschen Menschen werden! Auer trotz allein— es ist Hoffnung. Ich habe keinen Beweis dafür gesunden, dah man Verbrechen beging aus Freude am Der- brechen. Hat man iy diesem Krieg viel fröhliche Soldatengesichter gesehen? Rein. Und so fehlt dieser schrecklichste Grund, an uns selbst zu verzweifeln. Man mordet« und sengte, aber nicht aus purer Lust am Morden und Sengen. Die es taten, hätten es gut und gern unterlassen. Es war mehr Schicksal als freier Wille. Wir hatten die traurige Feigheit, uns diesem Schicksal zu unterwerfen, aber nicht den fröhlichen Mut, dagegen anzugehen. Wir unterwarfen uns und haßten, ohne recht zu wissen, warum: wir waren tapfer, weil wir tapfer fein mußten: wir waren Patrioten mehr aus Furcht als aus Begeisterung. Das Kriegsmorden schüttelte uns wie ein Krampf, und gleichzeitig hörten wir nicht auf. Recht, Gerechtigkeit und Lieb« zu beschwören. Geduld! Rur ein paar tausend Jahre noch, und sie merden das Wesen der Menschheit sein. Die Hygiene kennen wir schon: die physisch« Tugend. Wir wissen, daß wir uns waschen müssen, wenn wir getpt« haben. Als mein« Wohnung ein Truppenzelt geworden war, kamen Flachsspimwunnen, sie auszukehren; urbeitclos« Frauen, von der Bchörb« dazu bestimmt. Sie kehrte» die Papiere beiseite, die die Soldaten aus Tischschubladen und Schränken gerissen hatten. Platz zu machen für den eigenen Kram. Diese arbeitslosen Frauen waren glücklich, einen kleinen Ner> dienst zu haben; und sorgfältig säuberten sie den Raum von Pa- pieren, auf denen ich ihr hartes Schicksal in Spinnereien und Webereien aufgezeichnet hatte Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Jeder von uns erfnMe feine Pflicht. Sie spannen und webten dcn Flachs und fegten die Stuben: ich schrieb ein Buch über ihr Elend, und schrieb es ein zweites Mal. als sie geholfen hatten, es zu vernichten. Die Menschen können sich schreckliches L«id antun, wepn jeder seinen Beruf ausübt, jeher seine Pflicht«rfüllt zum Schaden des anderen. Man halte mir den Eigensinn zu gut, dieses Werk noch einmal geschrieben zu haben. Ich bedauerte seine Zerstörung und hätte mir Boxwürs« gemacht, es nicht getan zu haben. Ich wurde schuldig. Lange habe ich geglaubt, durch Arbeit in da» Paradies der Gerechtig- keit zu kommen. Ich habe gelernt, mich zu bescheiden. Es ist sicherer. Die armen grauen, die mein Manuskript zusamnren mit dem Soldatenkehricht beiseit« fegten, sind in ihre Fabriken.zurückgegangen und ich an mein Buch, das für sie geschrieben ist. Ich widme es ihnen in Ehrfurcht.— Ein träger Wind trug von der Lys her nach Courtraisis den säuerlichen, zitronenartigen Geruch gerösteten Flachses. Barfuß schoben die Arbeiter die schweren Karren mit der nassen Last am User entlang. Grün« Wiesen mit kurzem Gras umsäumten den silbernen Fluß. Das kostbare Wasser der Lys— einzig geeignet. die Faser vom Stroh zu lösen— war der Reichtum dieses Landes. Die Flachsfelder standen schon im Samen, nur wenige Blüten wiegten noch un Winde, blau wie die Augen der schönen Julia Vandael. Julia besaß Männerkräfte. Niemals klagte sie über die Arbeit, und sie arbeitete ohne Hast. Jetzt setzte sie sich. Ihr Haar glich den hellen Stengeln des Flachses, in die der Fluß«in silbernes Band geknüpft hat. Schön- helt verschmolz mit Schönheit. Kein Sturm hotte in diesem Sommer den Flachs niedergelegt, nur an den äußersten Rändern faulte ein wenig am Boden. Der ruhige Wind eines glücklichen Jahres wiegle auch jetzt noch die letzten Blüten, die der fröhlichen Dirne zulächelten. Langsam drehten sich die Flügel einer nahen Windmühl«. Julia Vandael erhob sich. Die Abendglocken von Eaurtrai klangen über die Ebene. Sie klopfte den Staub von ihrem Leinen- kleid. Es war die Stund«, in der Constant Leynseele kommen mußt«: dann gingen sie da» User hinunter an die Lys, zu arbeiten. Constant Leynseele, mit seinen 27 Jahren, war weit herum- gekommen in der Welt, bis in die Konservenfabriken von Nebraska und bis nach Argentinien, wo man den weißblühenden Flackis baut zur Samengewinnung. Aus dem Rückweg war er in die Normandie gekommen, in Fabriken, in denen der Flachs künstlich geröstet wird, um dann flämssche Ziegel zu brennen in den nordfranzösischen Departements. In weißblau karriertem Sock bracht« er Dollars. Pesos und Fronken mit. und Geschenk« für die schöne Julia Vandael, dos Mädchen seiner Heimat, in der er Kaufmann werdcn wollte. Er liebte sein Dorf, und er liebte sein Gewerbe. Der Ehrgeiz vieler Arbeiter, selbständig zu werden, minderte da, Vermögen der Induskrieherren hier. Sie fanden nicht mehr genügend Arbeiter Nur eine Million Kilo Flachs biteb jährlich in hundert Bottichen in der Lys. Denselben Boden, den die Besitzer der Uferwiesen 1914 an«inen einzigen Pächter oermietet hatten, gaben sie jetzt an zwanzig ab. Der reich« Unternehmer fand keine Arbeiter. Auf eigene Rechnung wollte jeder arbeiten. Flachs taufen und«inen Bottich besitzen. Auch Constant Leynseele hoffte auf solch«in Leben: auf das glückliche Leben«ine? Kompagnon« ejnes Flachshändlers und Schwiegervaters Vandael. Dje Menschen hier liebten dag Handwerk Ihres Lande». Der Fluß, d«r der alten Webpftonze eine Weichheit gab wie kein anderes Wasser der Welt, und die Rasse hier, die seit Jahrhunderten an dieser Stelle den Flachs röstet«, sie waren«in« Kraft, aus der Courtraisis mehr Reichtum schöpfte, als hätte die träge Lys Goldplättchen mit sich geführt. Constant Leynseele und Julia Vandael waren dem Flachs ver- fallen mit Leib und Seele. Das Wasser zwang sie dazu und das Blut der Vorfohren, die seit undenklichen Zeiten den schönen Flachs bearbeiteten. „Dies Jahr macht es Spaß, an der Lys zu arbeiten: wir haben nicht viele Stunden verloren'", sagte Constant. Die Sonnenhitze dieses trockenen Sommers erleichterte das Rösten in dem lauen Wasser und ließ auf der Wiese die Flachs- bündel schneller trocknen. Das Material, das im weichen Wasser gelegen hatte und dann von der Sonne geglüht war, erreichte höchste Vollkommenheit, zum Entzücken derer, die es mit Gewinn ver- kauften. Die Ackerbauern von Courtraisis sehnten Regen herbei; die Flachsbauern aber Sonne. Die Landwirte, die das Ufergeländ« an die Flochsbauer» oerpachteten, besaßen landeinwärts Felder, die das trockene Wetter schlecht vertrugen. Sie jammerten über den flandrischen Lehmboden, der rissig wurde wie spröde Haut. Constant und Julia gingen hinunt-r an den Fluß und mochten sich an die Arbeit bei den Vottichen Dater Vandaels. Taufende Holzlästen, in denen der Flachs weichte, lagen längs der User zwischen Verwieg und Deistze. Aber sie berührten das Ufer nicht. Lange Stangen hielten die Bottiche im fließenden Wasser. Gleich- zeitig waren sie mit großen- Steinen beschwert, und nur dies« ragten aus dem Wasser heraus. Francois Lietaer, der Mitarbeiter Leynseeles, hantierte schon mit den Bottichen herum, als die beiden kamen. Er hatte sie aus den Speichern des Marktfleckens geholt; auf einem Karren, von dem man die Last leicht herunterheben konnte. Wie Constants, war auch Lietaers Gesicht mtt Sommersprossen übersät.' Beide Männer griffen jetzt zu; packten wie zwei Gegner die Flachsbündel, die dreifach in Abständen von Strohbunden zusammengehalten winden. Julia half ihnen bei allen Arbeiten aus dem Trocknen Wenn sie aber acht Tag« später oen Bottich mit dem geweichten Flachs heraufholten— statt acht Kilo trocken wog er jetzt sechzig— überließ sie den Männern allein ine Arbeit. Während die drei arbeiteten, schweißtriefend, aber behende, im Rhythmus gekernten Handwerk«, kam der Vikar Raepsaet den Ufer» weg entlang. Die schwarze Soutane stach scharf ab von der blonden Helle besonnter Felder. Das große bleiche Gesicht war unrasiert und voller Bartstoppeln. Beim Lächeln zeigte er schmutzige Zähne. Ein haariger Filzhut saß ihm bis dicht über den unsauberen Ohren. Unsauber waren auch die Hönde. Wer wem er sie reichte, den sah er scharf an mit einem Blick voller Autorttät. Da. wo er das Kreuz hineinzustecken pflegt«, war fein Gürtel schmierig und ab- genutzt. Er sprach nur flämisch mtt den Arbeitern; französisch haßt« er wie die Todsünde. Constant Leynseele, der auch Sekretär der christ- lichen Gewerkschaft war, unterstützte die flämische Bewegung. Der Vikar kam heran und erzählle ihm das Neueste von dem Atheisten De Dries«, der nach Holland geflohen war. Beide sprachen von ihm mit Wärme. „Herr Julius Debakker", sagte Constant,„der Großunternehmer, der hat jetzt«ine Flachsmaschine, die ist nach einer Er- findung von De Briese gebaut. Ein Vermögen bringt sie dem Lande ein; aber De Briese kann nicht zurück wegen dieser Französ- linge." Französlinge nannte Constant all« Belgier, die französisch sprachen. „Und was hat dieser Mann gerade für das Volk getan", fiel ihm der Vikar ins Wort.„Ehe er kam, hatten wir nur Groß- Unternehmer. Er hat all den Kleinen eine Existenz verschafft; ein wirtlicher Retter, ew Befreier." Man hatte De Briese zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit und 500 000 Franken Buße verurteilt, weil er währe, tt» des großen Krieges den Deutschen geholfen hatte. So war er außer Landes gegangen und röstete jetzt seinen Flachs i» Holland. Er hatte als erster angefangen, den Flachs mcht im Fluß, sondern künstlich, in Bottichen mit lauwannem Wasser zu rösten. Natürlich wurden die Besitzer der Uferböschungen und nahen Wiesen seine bitt-ren Feinde, und ebenso jene Kaufleute, die es durch das olle Verfahren zu Reichtum gebracht hotten. Kleine Leute hatten bis dahin keine Aussicht, selbständig« Flachsbanern zu werden. Und dann war De Briefe gekommen und hatte bewiesen, daß es auch ohne den Fluß ging und ohne die Zahlung von hundertzwanzig Franken Pacht für je sieben Meter Ufer. Das war die Breit«, die man für einen Bottich braucht«, ein Stück Wies« zum Trocknen der Bündel. De Vriel« hatte nun gesagt, daß man mit Wasser und Feuer — ganz gleich in welcher Entjerrning von der Lys— den Flachs rösten könne Jahrhundert« alte Gewohnheiten brach er, und die Menschen haßten ihn. Aber kein Haß entmutigte ihn; über ollem stand ihm die Arbeit. Um Mitternacht noch hatte ihn Constant beim trüben Schein einer Laterne an seinen mit lauwarmem Wasser ge- füllten Zementbottichen herumhantieren sehen. Flachsstengel nobm er und Bodensatz aus der Lys und erhitzte sie über dem Feuer. So wackssen nämlich und vermehren sich die Bakterien, die den Binde- stoff zerstören, der die Flache fascr mit dem Stroh zusammenhäll. De Briese erwartete auf dieje Weise— durch Regulierung der Zu- sammensetzung und Temperatur des Wassers— eine gleichmäßigere Röstung als durch das Tauchen im Fluß. Er beklagte sich oft über die englischen Kausleute vor denen«r verheimlichen mutzte, daß er dcn Flachs in geschlossenen Bottichen behandelte. (Fortsetzung folgt.) «« fW DBN KLEINGÄRTNER. aainminiinniuiniitunaniioimuiiiiiiiiiiiiminiiimiiuiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiwiiiiuuiiiuuimuiniiiniiiiiimiMiiiiiiniimiiiiimuuiuiiiniiiiuiuiiimiiiiiiiiiniiinniiiuiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiniiiui Kräbwlnkelei im Gemüsebau. Steckzwiebeln. Das Wort S o r t e n w i rr w a r r findet man jetzt häufig bei Betrachtungen über unseren Gemüsebau. Daß in dem Vielerlei ein« wirtschaflliche Gefahr liegt, beweist am besten die Klage dar- über, daß es oft schwer fällt, in einer Gegend einen Waggon voll Gemüse bestimmter Sorte zusammenzubringen. Das an sich ge- miß berechtigte Streben, Verbesserung einer Sorte herbeizuführen, hat im Laufe der Zelt eine Mamrigfalligkeit erzeugt, der nicht nur der Laie, sondern auch der erfahrene Fachmann hilflos gegen- übersteht. Wohl gibt es Wertzeugnisse, aber wer kennt sie und die Bodenverhällnisse, die bei der Neuzüchtung vorlagen? Die autoritative Körperschaft fehlt, die für größere, in den Boden- und Klimaverhältnissen einigermaßen gleiche Landgebiete aus den bisherigen Erfahrungen die Summe zieht und die Resultate der Allgemeinhett mitteilt. Der Allgemeinhett... Aber ich bitte Sie— Sie werden doch nicht Hinz und Kunz mttteilen wollen, welche Weißkohssorte für sein Land am besten geeignet sei! Das hieß« ja die„G t« h e i m n i j j e" der Gärtnerei verraten.... Wenn Hinz Weiß- kohl ziehen will, so soll er nur erst tüchtig Lehrgeld zahlen.... Vielleicht wird es ihm inzwischen leid— und der Gärtnerstand ist gerettet. Auf diesem Krähwinkelstandpunkt steht ein schlesischer„Ver- trauensmann für Erwerbsgartenbau", der sich gegen die. Landwirtschaftskammer von Niederschlesien wendet, well sie die gute Idee gehobt hat,«in Merkblatt für Alle herauszugeben, in dem sie über„Gemüsebau in Nieder- schlesten" wertvolle Angaben betreffend Saatgut, Anbau usw. macht. Der..Vertrauensmann" lobt da» Merkblatt als sehr wertvoll, in- struktio„bei dem bisherigen Tortenwirrwarr"— aber er sähe lieber den alten Zustand verewigt, daß jeder Nichtfachmann von den„Geheimnissen" ferngehalten werde. Cr möge sich sagen lassen, daß seine Erkenntnis der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Ge- müsebau auf einer sehr mangelhasten Grundlage bmcht; jene Schwierigkeiten können nur dadurch überwunden werden, daß erstens die deutschen Erzeuger nur wenige gute Sorten in bester Qualität produzieren und daß zweitens sie endlich lernen müssen, in dem Absatz Ihrer Ware den Weg zum Kon» s u m e n t e n zu finden. Zum ersten Punkte gehört Belehrung aller Land besitzenden Leute, denn weder der„Vertrauensmann" noch sonst jemand kann Hinz und Kunz hindern, Gemüse zu ziehen. das vielleicht nicht auf der höchsten Stufe steht, aber gerade des- halb auf die heimischen Preise drückt und der ausländischen Einfuhr den Weg bereitet. Solange nicht„der", sondern„alle Ver- trauensmänner für Erwerbsgartenbau" nach wie vor der Ansicht huldigen, daß es besser ist, daß 100 Gärtner eines Ortes planlos produzieren und 100 Gärtnerfrauen ihre Ware allen Schwankungen des Handels auesetzen, so lange wird jeder Versuch, den Außen- seiter zu„kjllen". zurückzuweisen sein. Und nachher— ja dann würde der verständige Außenseiter einmal den Anschluß an die Organisation suchen und diese ihn auch ausnehmen, da es wohl keinem einfallen wird, zu behaupten, daß der deutsche Magen schon an der Grenze der Aufnahmefähigkeit für Gemüse angelangt sei. Das gilt doch nur für den Geldbeutel der ärmeren Bevölkerung.... Di« La ndwirts chafisk ornm«r fijr Niederschlesien verdient Dank für die Herausgabe ihres Merkblattes„Für Alle". Nicht nur Dant.sondcrnauchNachahmung. P.D. Das Stecken der Steckzwiebeln kann bereite im März vor- genommen werden. Von besonders guter Handelsware gehen 800 bis 1200 Stück aus«in Kilo. Man steckt sie m Reihen, die je 20 Zentimeter voneinander eittferitt sind, mtt einem Abstand von 10 Zentimeter. Sie dürfen nicht zu ties gesteckt werden; die Spitze soll heraussehen. Man wähle nahrhaften Boden ohne frische Düngung. Von Einfluß auf den Ersolg ist die Ueberwinterung der Steckzwiebeln: je trockener die Ueberwinterung erfolgte, desto besser werden die Zwiebeln. �• D- Resultate im Block-Gemüsebau. Ueber Beobachtungen beim Treibgemüsebau im Block, die im Gemüsebauverluchsring Breslau gewonnen wurden, berichtet Otto Schaller in der„Schlesischen GärtnerbSrse": Von Salatsorten war„Maikönig" sowohl im geheizten wie kalten Block die geeignetste.„Viktoria" erfordert größere Pslanzeittferming und neigt zur Verbrennung.„Böttners Treib" eignet sich mehr zum Treiben im Mistbeetkasten. Als Radiessort? bewährte sich „Taxa".—„Ron plus ultra" ließ in Form und Farbe zu wünschen übrig.— Dom Kohlrabi zeigte sich„2)worskys Treib" als durchaus brauchbar, auch.Llptimus" wird gelobt.„Wiener Treib" er- scheint nur für Treiberei in geschlossenen heizbaren Häusern venvend- bar, und„Dreienbrunncr" war für Treiberei ungeeignet.— Von den Tomatensorten erfährt„Tuckwood" nicht allgemeines Lob: die Früchte sind oerschieden, daher Sortierung nötig. Der grüne Rand um den Kelch herum wird getadett. Dagegen werden„Ver- besserte Tuckwood" und„Äondine Reed" gelobt. Desgleichen „Tuckeraig", eine Kreuzung zwischen„Tuckwood" und„Ailsa Craig". Bei der frühen Sorte„Bonner Beste" wird die zu dünne und leicht platzende Schale als hinderlich für den Versand bezeichnet. Unregel- mäßige Bewässerung bringt gleichfalls Platzen hervor.?. N. Die Brutzeit kommt. Die Brutzeit steht unmittelbar bevor. Um diese Zeit können die Geflügelzüchter bei ihren Tieren endlich wieder eine lebhaftere Lcgetäiigteit beobachten. Auf den: Hühncrhos werden sie gut tun. den alten Hahn durch einen jungen aus fremder Zucht zu ersetzen. Bntteier sollten mit dem Legedatum versehen und an einem dunt- len, kühlen Ort aufbewahrt werden. Sie dürfen höchstens zwei bis drei Wochen att sein, wenn man sie unterlegt. Sind warm«, zugdichte Wfzuchttäume vorhanden, so kann man jetzt die ersten Glucken setzen. Der Brutstall muß frei von Ratten und anderem die Bruthenne beunruhigenden Getier sein; das Lrutnest muß nn Halbdunkel liegen und stets sauber gehalten sein. Das Futter sollte zweckmäßig nicht zu nahe ap das Nest heran- gestellt werden, damit die Glucke mitunter gezwungen ist, sich zu erheben. Daß stets frisches Trinkwasser für die Bruthenne vor- handen ist, oersteht sich wohl von selbst. Im Gänse- und Entenstall ist jetzt darauf zu achten, daß die Eier nicht verlegt werden und Ganter und Erpel ihr« Schuldig- keit tun. Es empfiehlt sich daher, die Gänse In einem geschlos- jenen Auslauf zu hallen und die Enten nicht mehr vor neun Uhr früh au» dem Stall zu lassen. Ein Ganter sollte nicht mehr wi« höchstens füttf Gänse und ein Erpel nicht mehr wie zehn Enten zu betreuen haben. G. B. Zweite Radpremiere im Sportpalast. Steifes immer an der Spitzel Die nur kurz bemessene Radsportsaisou im Sporlpalasi nahm gestern einen verhethungsnollen Auftakt. Auch der zweiten Willlerpremiere leistete das radsportfreuudliche Berlin treue Gefolgschaft und bald hatte sich auch die bekannte Stimmung eingestellt. Als nicht geglückt ist der in 16 Zweierläusen ausgefahrene internationale Fliegerkampf zu bezeichnen, denn von den ausländifchrn Fahrern fand sich zunächst nur der schnelle Belgier A i�l e t mit'der kleinen Bahn ab. Es kamen die merkwürdigsten Resultate zustande. So wurden Kaufmann von Ehmer, Martinetti von Knappe und Weltineister Michard von Stesses ge- schlagen. Erst bei ihrem nächsten Start fanden sich die aus- ländischen Gäste besser zurecht, und dann hatten die Deutschen nicht mehr viel auszurichten. Einzig Stesses blieb ohne Nieder- läge. Er hatte allerdings insofern Glück, als er in seinem Lauf mit Arlet kampflos zum Siege kam, da der Belgier in der letzten Kurve hoch hinausgetragen wurde. Auch Knappe glückte es später, Arlet zu schlagen. Stesses besiegte nacheinander Michard. Martinetti, Arlet und Kausmann, hatte somit also alle vier Läufe gewonnen und war damit Gesamtsleger. Zweiter wurde Michard, der sich erst dem indisponierten Os-mella und dann Knappe und Ehmer überlegen zeigt«, während Kaufmann, Knappe, Ehmer und Arlet zu je zwei Siegen kamen. Martinetti gewann einen Lauf, Oszmella ging leer aus. Bon den beiden voraufgegangenen Viererläufen ge- wann Arlet den der Aueländer ganz knapp vor Martinetti, Kaufmann und den in letzter Position aussichtslos liegenden Michard, während Knapp« den Lauf der Inländer, vor Oszmella, Stesses und Ehmer an sich bringen konnte. Sehr lebhaft verlief das von elf Paaren bestritte N-Kilo- meter-Mannfchaftsfahren, das nach jagdenreichem Verlauf Lehmann- Wissel, die beiden Spezialisten für kurze Manuschoftsrennen. mit Rundenvorsprung gewannen. Beide hatten sich nach dem 40. Kilo- Meter einen Borsprung von einer Runde gesichert, den sie auch bis zum Schluß mit Erfolg verteidigten. Knappe-Miethe wurden mit 44 Punkten zweite vor Krüger-Funda(32), Kilian-Plltzfeld(16) und Ehmer-Koch(0). Zwei Runden zurück endeten Wette-Rickel(6) und Schwemmler-Kantorowicz(2). drei Runden zurück Nebe-Seisert(2) und vier Runden zurück Bauer-Evcrt(3 Punkte). Arlet-Martinetti und Oszmella-Steffes gaben vorzeitig auf. Da» Berliner Sechsfa�efeld. Die Starterliste zum 23 Berliner Sechstogerennen, das in der Zeit vom 23. Februar bis Ü. März stattfindet, wird 14 Paare umfasien. Als feststehend zu betrachten sind folgend« Zu- sammenstellungen: Buschenhagen-van Kempen, Rieger-Richli, Gooßens-Deneef, Choury-Fabre, Preuß-Resiger. Rausch-Hürtgen, Petri-Krofchel Chmer-Tietz,' Krüger-Funda. Meyer-Stübecke. Dazu werden � sich wahrscheinlich die Belgier C h a r l i e r- D u r a y und die Franzosen Louet-Loucheron gesellen, weiter Kroll, Junge und E ö b e l, der mit dem Holländer P i j n« n- bürg gepaart werden soll. Hilfeschrei aus dem Osten. Soll Freibad Müggelsee eingespart werden? Alz im herbst IgZS eine Anzahl Auskleidehallen und die Verpflegungsräume im Freibad Müggelsee dem Feuer zum Opfer fielen, entschloß sich dl« Berliner Sladtoerwallung, die notwendig gewordene« Neubauten in einer Form auszuführen, daß dem ständig steigenden Dadeoerkehr in diesem wahren Volksbad de» Ostens Rechnung getragen werden kann. Seil Weihnachten sind die B a u l e a nun stillgelegt, die allgemeinen Sparmaßnahmen fanden auch draußen am Müggelsee Anwendung. Soll der Betrieb im kommenden Frühjahr wieder aufgenommen werden, so muh der Magistrat allerschnellstens die restlichen Mittel frei. gebe». Das ist der Tenor des Hilfeschreies der Freibadfreunde vom Müggelsee. Wie liegen augenblicklich die Verhältn sie am Müggelsee? Die im Juni vergangenen Jahres begonnenen Bauten sind im Rohbau fertig, nur der letzte Ausbau fehlt. Er könnte bis zum Deginn der Badesaison fertig werden, wenn die schon einmal be- willigten, jetzt aber gesperrten 263 000 Mark freigegeben würden. Dero ts während des letzten Sommers badeten die Besucher so halb und halb auf einem„Neubau": aber sie wußten, daß 1030 das Frei- beb, ihr Freibad, wie ein Phönix aus der Brandasche erstanden sein wird und so blieben die Hundert'ausende aus dem Berliner Osten dem Bad treu. Sie wußten, daß sie im organisierten Badebetrieb an Leib und Seele geborgen, wohlbehütet sind, sie hatten ihren Platz unter ihrem Baum, waren aus Strandkörbe, aus Milchlieserung abonniert, sie wußten, daß das„wilde" Baden an unkontrollierten Stellen gefährlich ist. Und nun droht die Gefahr, daß das alles in diesem Sommer nicht sein sollt Die Polizei Hai— von ihrem Standpunkt aus mit Recht— erklärt, daß auf der jetzt vorhandenen Baustelle kein Vadebetrieb eröffnet werden darf.' Die Badeoerwaltung erklärt: Wenn wir nicht zur Zeit fertig werden, verlangen die Pächter der Berpflegungsb«triebe, oerlangt der Verschönerungsrat, der Eiskonditor, der Strandkorbmann, verlangen alle die Verrags- Inhaber Schodenersatz. Mit Recht, laut ihrem Vertrag! Die alten Gäste können nicht baden, bleiben fort— sollen sie'wieder wie vor 1912 beim Wasserwerk, der einzigen Stelle am See.„wild" baden und dort dem Berliner das Leitungswasier verderben? Werden sie dann später wiederkommen oder für immer fortbleiben, fortbleiben von der Erholung, von Licht, Lust. Sonn«? Polizei erklärt, Vadeverwabung erklärt, Badesreunde erklären: der Magistrat muh auch erklären, nämlich die Restsumme für frei! Oder er raubt den Berlinern eines von den wenigen Freibädern! Was noch zu bauen ist am Müggelsee, kann jetzt noch zur Saison fertig werden. Nötig ist: der Strand muß durchgesiebt und vom Bauunrat befreit werden, Einrichtung der Unfall- und Wärterstation. Fertigstellung der Bertaufssiänbe zur Vermeidung von Schaden- ersatzansprüchen, Einzäunung gewisser Gebiete wegen der Schank- konzesswn: einige Selbstverständlichkeiten brauchen nicht erwähnt werden. Kann der Beirieb nicht eröffnet werden, so gehen etwa 100 ooo Mark Eialrillsgelder und laufende Ausgaben in halber höhe verloren. Das sind 160 000 Mark, die der Magistrat spart, wenn er die Restsumme freigibt. Die Rechnung ist so einfach, daß sie auch im roten Hause ver- standen werden muß und wird. Vom Abend zum Morgen. Kommunistische Presseberichte. Bor einigen Togen berichtete die„Rote Fahne" in entsprechender Aufmachung siber eine Besichtigung der Schullheiß-Patzenhofer- Braueret am Kreuzberg durch Offiziere der Schutzpolizei. Solche Besichtigungen sind dort ein alltäglicher Vorgang. So hat auch die Redaktion der„Welt am Abend" vor einigen Monaten die Brauerei besichtigt und offenbar noch unter dem Einfluß der„geistigen" Genüsse, die ihr dort geboten wurden, einen begeisterten Artikel veröffentlicht, der nicht weniger als d r e! S p o l t c n des kommunistischen Abendblattes umfaßte. Dos kommunistische M argen blott wittert hinter dem Be- such der Offiziere der Schutzpolizei eine„Vorbereitung der Direktion zu denBetriebsratswahlen". Sie bringt dann einen phantastischen Bericht von der Besichtigung, faselt von der„Empörung der Beleg- jchaft", der man das Reden verboten Hab« und mokiert sich darüber, daß. den Besuchern„in dem der Patzenhoser-Brauerei zur Der- dummung von Arbeiterkindern angegliederten Kinderheim" Bier vorgesetzt worden sei. Dozu ist zu bemerken, daß den Offizieren der Schutzpolizei nicht mehr vorgesetzt worden ist w:« den Redakteuren der„Welt am Abend". Es ist durchaus möglich, daß den wenigen Anhängern der KPD. beim'Anblick der Polizeioffiziere das Herz in dt« Hosen gerutscht ist, und daß sie diese Besichtigung als ein« „Einschüchterung der Belegschaft zu den kommenden Betriebsräte» wählen" empfunden haben. Die Kollegen dieser sonderbaren Helden hatten aber von deren„ungeheuren Empörung" nichts bemerkt. Zur Ergänzung zitieren wir noch, was die kommunistische„Welt am Abend" schrieb: „Es sei ein Betrieb, der sich sehen lassen kann." In den Ställen „herrscht peinliche Sauberkeit".„Die modernste Maschine erledigt die Reinigung und Füllung der Flaschen N» einem Arbeiisgang.".„Die Firma gibt billiges Mittagessen von 30 bis 76 Pf. ab. Im hellen Sonnenschein tönt Kinder- lachen herüber. Unter Aussicht einer von der Firmä angestellten Kindergärtnerin spielen auf einem freien Platze die Kinder der Arbeiter, die übrigens auch ein Kinderheim besitzen. Sie werden hier völlig kostenlos beaufsichtigt. Das Heim besitzt «inen großen Spielsaol, Schlafräume und Unterhaliungs- zimmer." So geht es spaltenlang in begeisterten Lohcshymnen fort. Die„Welt am Abend" weiß, was sie ihren Inserenten schuldig ist... Die MeiaMransporiarbeiier rüsten. Ein erfreulicher Zahresrückblick Die im Gesamtverband organisierten Transporlarbetter aus der Berliner Metallindustrie hielten am Montag im Gewerk- fchaftshaus ihre Iahresdclegiertenoerfammlung ob. Der Sektionsleiter Genosse Fromke schilderte zunächst den Verlauf der zehn im Vorjahre geführten Mantel- und Lohntarif- bewegungen, durch die im Durchschnitt eine Lohnerhöhung von 5H Prozent erzielt wurde. Den niedrigsten Lohn und zwar 84 Pfennig fe Stund« zahlen die Mitgliedsfirmen des Devbandes Berliner Metollindustrieller. In den anderen Tarifver- trägen wurden Stundenlöhn« vpn 97 Pfennig bis 130 Mark ver- etnbart. Der Lohn bei den Berliner Schiiderfobrikanten, 1,3-5 Mark für Helfer und 1.50 Mark für Anmachet, ist unverändert geblieben. Die in den Tarifen vereinbarte Arbeitszeit beträgt' 44, 46 S und 48 Stunden. Ueber stunden müssen mit 16 und teil- weise mit 26 Progent Ausschlag vergütet werden. Die Arbeits- l o s i g k« i t hat auch in die Reihen der Meialltransportarbeiter große Lücken gerissen. In der AEG.-Turbine und einigen anderen Großbetrleben wurden umfangreiche Entlassungen vorgenommen, von denen auch 2lrdeiter betroffen wurden, die schon 10 bis 20 Jahre beschäftigt waren. Dieser katastrophalen Arbeitslosigkeit mutz die Arbeiterschaft durch die grundsätzliche Ablehnung von Ueber st unden entgegentreten. Der Zugang von rund 1000 neuen Mitgiiedern zur Sektion ist im Hinblick auf die leider noch sehr große Zahl von unorganisierten Metalltransportarbeitern nicht befrieirg-nilr In Anbetracht dessen, daß der Tarifvertrag mit dem VBMI. am 30 Sep- t omber d. I. abläuft, muß schon jetzt ein« verstärkt« Agita- t i o n getrieben werden, um die Voraussetzung für eine durch- greifende Vevbesserung dieses Vertrages zu schaffen. In der Diskussion wurde von allen Rednern die Arbeit der Sektionsleitung anerkannt, was auch in einer e i n st i m- m i g angenommenen Entschließung zum Auedruck gebracht wurde. In die Sektionsleitung wurden die Genosien Karl Fromke als Sektionsleiter. Otto S ch i e r i tz als fein Stellvertreter, Richard Bock und Willi I u d z e n t als Schriftführer gewählt und als Beisitzer für die enger« Bezirks- und Ortsverwaltung Genosse Otto T e p« l m a n n. Die Sireikleitung im Llniernehmerauto. Sie ist wieder aktions ahiq. Eine gemeinsame Baustellenoersammlung der Asbest- Zement-Fabrik und Wertplatz Rudow der Firma Industriebau Held u. Franke hotte, wie die kommunistische Presi« berichtete, einstimmig befchlosien, zur Erringung des Sieben- stundentags mit vollem Lohnausgleich und noch einigen anderen Forderungen am 7.' Februar in den Streit zu treten. Dem Wettbewerb in Erlösung aus sozialjaschistifcher Sklaverei wurden keine Schranken auferlegt. Am 14. Februar berichtete die kommu- nistische Presse unter knalliger Ueberschrift vom Streik bei' Held u. Franke auf der Baustelle Asbestfabrik und der Zweifel- losen Ausdehnung dieses Streiks auf die übrigen Baustellen der Firma. Seitdem herrscht Stille im tommunistifchen Blätterwald. Und aus gutem Grunde. Nach mehreren Verhandlungen, deren„revo- lutionärer" Charakter darin bestand, daß die zur Verhandlung kam- mandierten Vertrauensleute auf Kosten der Firma mit dem Auto zur Verhandlungs statte fuhren,— wurde mit der Finna vereinbart, daß die bestehende 7i-->stündlge Arbeitszeit(länger honnt« ohne Schaden der Firma wegen der Lichtvcrhältnisse nicht gearbeitet werden) bleibt, aber beileibe nicht mst Bezahlung von acht Stunden, sondern mit Bezahlung der wirklich geleisteten Arbeitszeit. Es wurde weder der Sieben- stundentag mit Lohnausgleich, noch eine Sicherung für den Sieben- einhalbstundentag erreicht. Wahrscheinlich auch nicht erstrebt, denn ab 19. Februar, wo aus allen Berliner Baustellen wieder acht Stunden gearbeitet wird, wird auch gus dieser wie auf allen anderen Baustellen der Firma wieder acht Stunden gearbeitet. Zur Entschädigung darf dl« konnnunisttsche Presse«ine„revoluiwnäre" Entschließung ihrer Vertreter auf dieser Baustelle veröffentlichen, die sich gegen die Haussuchung in der Zentrole der KPD. wendet. Man sieht, nachdem sich die.�evolutionären" Betriebsräte von den Strapazen ihrer Autofahrt mit anschließenden Verhandlungen erholt haben, sind 6- | wieder»aktionsfähig". Wie früher 1 Der stadigefährliche Siadirai. Der sozialdemokratische Stadtrat Böhme aus Freiberg i. Sa. hat in Pfefsroda ein Referat zur Gründung eines Ar- beiterturnoereins gehalten. Ueberzeugt von der Rich igtest der Ausführungen de« Vortragenden traten dem neuen Derein auch Mitglieder des ortsansässigen Deutschen Turnvereins bei. die damst ihre Mitgliedschaft in der..Deutscher, Turnerschaft" ausgaben. Die Wut gegen den Veroinsgründer, der in Freiberg Vertreter des Rotes der Stadt im Ausschuß für Leibesübung ist, verdichtete sich zu einer Erklärung der D. T..Vereme von Freiberg und Friedeburg an die Siadt. in der sie bekanntgeben, sich solange vom Ausschuß für Leibes» Übungen fernzuhalten, wie der Stadtrat Böhme diesem als Rats- Vertreter angehört. Der Rat der Stadt Freiberg hatte nichts eiligeres zu tun, als dem Wunsche der Deutschen Turnvereine zu entsprechen und Stadtrat Böhme aus dem Ausschuh zurück» zuziehen. Einen dafür vorgeschlagenen anderen sozialdemokra- tischen Stadtrat lehnte der Rat ab und wählte einen„unpolitischen" deu schvöllischen Stadtrat. Major a. D.. in den Ausschuß sür Leibesübungen. Mit dem deutschvölkischen Rgtevertreter stnd dl« D. T.-Bereine sehr zufrieden. krisch auf zum fröhlichen Saufen! Im Nachrichtenblatt der Gemeinden H e i d e s h e i m und Wackernheim des Kreises Bingen ist folgend« amtliche Bekannt- machung zu finden: Turnverein von lS4S Heidesheim. (Hand, und Fußballabteilung.) Me Hand- und Fußballspieler werden Hiermit eingeladen, sich orn Samstag, dem 4. Januar, in der Wirtschaft von Iwan Kar- pusow einzufinden, um den InHall eines 60> L i t« r- F a s s e s unschädlich zu machen. Nichterscheinen wird bestraft. Mit„Gut Heil"! Der Schriftführer. Der Verein ist Mitglied der Deutschen Turnerschajt. Das Nach- richtenblall ist amtliches Organ des Staates Hessen und der Provinz Rheinhessen. Scrienringkämpfe. Im Verlauf der Serie im 4. Kreis des Lrhetter-Athleten- Bundes findet Freitag. 21. Februar, in der All-Wedding-Uebungs- halle. Utrechter Straße 31/32. der fällige Kampf in der D-Klaffc statt. Gegner sind„Fri-fch-Auf'-Friedrlchshagen und„Wt-Wedding". Beide Mannschaften treten mll voller Mannschaft an. Spannende Kämpf« sind zu erwarten, kämpft doch„Frisch- Ans" als neuer Ver. ein im AABD. Zum Iiu-Iitfu-Kurjus des Sportklubs Wt-Wedding werden»och Teilnehmer aufgenommen. Anmeldungen in der Turn- Kall« Utrechter Straße 31/32 jeden Dienstag pnd Freitag«ach 20 Uhr. Im Mongt März veranstaltet die Boxabtcilung„All- Weddings" einen Boxkursus für Anfänger und Fortgeschrittene. Bestes Dtateriat und Lehrkräfte sind vorhanden und gewährleisten gute Ausbildung dieses Sports. Anmeldung und Training jeden Donnerstag ab 191� Uhr, joden Sonntag vormittag 1410 bis 1412 Uhr, Turnhalle Utrechter Straße 31/32. htach einmal JFischstcrben". Eine Anregung der Arbeiter-Angler. „D e r Aben�" brachte vor kurzem ein« Abhandlung über das Fisch st erben In deutschen Gewässern. Heute können wir nltlleilen, daß dem deutschen Reichstag und den Länderparlamenten «in« Anregung des Arbeiter-Anglerbundes unterbreitet ist, die einen Untersuchungsausschuß verlangt, dessen Hcruptaugen- merk auf die I n d ust r i e a b wä s s e r an deutschen Wasierläufen und auf vorschriftsmäßig« Kläranlogen gerichtet fein fall. In diesem Ausschuß sollen neben den dazu bestimmren Abgeordneten, den staatlichen Oberfischmeistern, Berufssischern und Sachverständigen auch Vertreter von Sportanglervereinigungen hinzugezogen werden. Eine weitere Anregung wünscht, daß in Zukunft auch der Umfang deutscher Fischsterben durch das Statistische Reichsanst festgehalten und im statistischen Jahrbuch veröffentlicht wird. Die Befolgung dieser Anregung würde sicher eine wesentliche Einschränkung des Fischsterbens durch die Kontrolle herbeiführen- Daß Sportangler in Fischereiaueschüsse berufen werden, ist ja in Deutschlard nicht» Neues mehr. Der„Ausschuß für Angelsport innerhalb des beut. scheu Fischeretverems" besteht bereits seit 1927. Das Bild zeigt einen Test der bei einem Fischsterben bei Halle a.d. Saale ge- borge«» größte» tote« Fisch«, �(Bifcbäfi#-Jbtsäger �=> föezivfc Jlovden-Cfien. 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