Morgenausgabe Nr. 67 A 44 47.Iahrgang «i«-»l0ch««.«unl-wch da»srau» zahld«, Voftd�flig«LZ M, ewlchließllch Ä Pfz-Poitzeitimg»- mb 72 Vf» Poftbesiellgebühr»». Buslanb«» oiomtenuni 6,— St. pro Monot. So.Bsnrärt»* erldjetw«ochintig» vch jmttmol. Sonnl-g, und SXmtae» einmal, dt« XbcnboufgabeB für Berlin und im Sand«! ml» dem Tilel.ver Bdend". Illustrterre Beilagen„Lol? »nd 3«t»* anb„Rini)frfreuno". Ferner »Unterhaltung und Wissen',.Frauenstimme'..Technik'..Blick in dia Bücherwelt' und.Jugend-Lorniirt,' Berliner VolkSblatt Freitag 21. Februar 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Li«» I n I p a III g» Bonpareillezelli, «0 Plennig. Reklame eil» i— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' da» ettge. druckte Wart 25 Pfennig(juläffig fettgedruckt« Warte), rede» weitere Wart 12 Pfennig. Stellengeluch» da, erfie Wart ld Pfennig, fede» weitere War» lv Pfennig. Worte Uder ld Buchstabe» »aalen für zwei Won«. Arbeitemalkt Keile SO Pfennig. Familienanzeigen Je l« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupr» geichäst Llndenstrabe Z, wochcntägiich von S'/m bit 17 Uchr. Äentralovgan der SozialdemoSrattschen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin TW 68, Lindenstrabe 3 ftetttlpitdj«; Dönhoff 293—897 Telegrainin.Sdr.l eofiatbemofial Berlik». Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poslscheckkomo: Berlin 37536.— Yankkonivi Bant der Arbeiter. Angeslellie» und Beamten. Dallstr KZ Dt B u Diie-Gel Texosiientasle Lindenstr S. Zotterhöhung für Kaffee und Tee. Vom Reichskabineii befchloffen.— Ab S. März in Krast. DaS Relehskabiirett hat in feiner gestrige» Sitzung entsprechend einer gesetzliehe« Ermächtigung vom 8. April 1SS2 de« Reichssinauzminister mit der ErhShuug deS Kaffee» und Teezolles beauftragt. Di« eut- sprechende Verorduuug des Reichsfiuanzmluisters wird sofort nach ihrem Erlaß veröffentlicht. Die Zollerhöhuug tritt am S. März i» Kraft. K Dies« Ermächtigung des Reichsfimmzmmifters hat zur Folge, daß die Einfuhr von rohen Kaffeebohnen statt mit 1,30 M. pro Kilo mit 1.60 M., die Einfuhr von gebranntem Kaffee statt mit 1,75 M. mit 3 M. uiÄ die Einfuhr von Tee statt mit 2,20 M. mit 3.30 M. pro Kilo verzollt werden muß. Im vergangenen Jahre bracht« der Kaffeezoll dem Reich 183 Millionen und der Teezoll annähernd 13 Million«». Durch die Jollerhöhuuge» sind bestenfalls 4S Mil» liouen bei Kaffee und 7 Millionen bei Tee an neue« Reichseintuthme« zu erwarten. Dieser Mehrethrag kann durch einen eventuellen Derbrauchsrückgang natürlich auch Neiner werden, nachdem feit 1924 die steigenden Einnahmen aus diesen Zöllen nur durch die allmählich sich bessernde Lebenshaltung erzielt werden konnten. Die Reichsregierung verdankt die Möglichkeit, von sich aus eine sofortige Erhöhung der Kaff«, und Teezöll« vorzunehmen, einem Gesetz aus der Inflation, das damals mit Rücksicht auf die steigende Geldentwertung ein« Anpassung d«r Reichseinnahm«n an den sinken- den Geldwert»vollte. Dieses Gefetz besteht heute noch zu Recht und ist die rechtliche Grundloge der vom Refchsfinanzmimster setzt zu erlassenden Verordnung. Cs Hondell sich beim Kaffee- und beim Teezoll um reine Finanzzölle, deren Ertrag restlos der Staatskasse zugute kommt, d. h. nicht um Schutzzölle, deren Zweck es ist, die Einfuhr der verzollten Waren zu verringern. Handels. vertrag« werden durch die Erhöhung des Kaffee- und Teezoll«» nicht berührt, da«s sich um autonom« und nicht um Dertragszöll« handelt. Das Relchskabiuett schafft durch diese Maßnechme» wen«»»ich«ur für«inen sehr klei»»«« TeU der für das Reich erforderlichen neuen Einnahmen» vollendete Tatsachen. Die entscheidenden Kämpfe um den Hauptteil der erforderlichen neuen Reichseinnahmen stehen noch aus. Da es sich auch beim Kaffee, und Teezoll wieder um stärker« Derbrauchsbelastung handell. ist das von der Sozialdemokratie geforderte besondere und einmalige Opfer aus der Einkommensteuer um so berechtigter. Moldenhauers Absichten. Di« Verhandlungen des Reichsfinanzministers mit den Sozial' Politikern der Regierungsparteien über die Deckungsoor- schlüge für die Sanierung der Arbeitslos enver- sicherung sind am Donnerstag abgeschlossen worden, ohne daß ein« endgültige Verständigung erziell worden wäre. Der Reichsfinanzminister wirb nunmehr dem Reichs« k a b i n« t t die. erforderlichen Dorlagen zur Deckung des Defizits unterbraiten und vor ollem von sich aus Vorschläge darüber machen, wie die Arbeitslosenversicherung vom Standpunkt des Etats aus zu regeln ist und wie der zur Deckung der Ausgaben erforderliche Rest. betrag aufgebracht werden kann. Es verlautet, daß der Reichs- finanzminister plant, der Reichsanstall für Arbeitslosenversicherung selbst die Aufgabe ihrer Sanierung aufzuerlegen. Uoung-Plan und tiqutdaiionsabkommen. Die Reichsregierung beschloß am Donnerstag, es bei ihren früheren Entscheidungen über die gemeinsame Verabschie» dung des Doung. Planes und des deutfch-polni» fchen Liquidationsabkommens zu belassen. Linkskabinett Chautemps? Tardieu lehnt Eintritt ab, Briand sagt zu. Paris. 20. Februar. Chautemps erklärte, ttttchdem er dem Präsidenten der Republik über seiue Verhandlungen Berieht erstattet hatte, daß er die Kabinettsbildung endgültig über» nehme. Er hoffe, daß er sei« Ministerium im Laufe des morgigen Tages bilden könne. Diesem Entschluß war eine Absage von Tardieu voran- gegangen, dem EHautemps einen Ministerposten im Interesse der Kontinuität der Außenpolitik auf der Londoner Konferenz ange- boten hatte. Chautemps«rklärt« nach Schluß der Beratungen der radikalen Kammerfrakticm, in der er über den Verlauf seiner bisherigen Ver- Handlungen Bericht erstattet hotte, er»oerd« seine Besprechungen in der bisherigen Richtung fortsetzen, d. h. er wolle versuchen,«in weitgehendes Konz«ntrat»onskobin«tt zu bilden, da» die Linksrepublikaner und die katholischen Demokraten einschließt. Chautemps hat dann noch B r i a n d«inen kurz«» Besuch abgestattet. Beim Verlassen des Quai d'Orsay erklärte er, die Krise nehme einen normalen Verlauf. Er bedauere, daß Tardieu ihm nicht sein« Unterstützung geben. könne, aber die Unterstützung Briands bleibe ihm fich«r. Eine ,Wandelhallen'tiste�. Paris, 20. Februar. Die erste voraussichtliche Ministersist« soll folgendermaßen zu- sammeng«setzt sein: Ministerpräsident und Innenminister: Ehauletnps(radikal) Außenminister: Priand(republikanischer Sozialist) Finanzminister: Dumonl(radikal) Schatzminister(neues Ministerium): Vonne«(rep. Soz.) Iustizminister: Steeg(radikal) Kriegsminister: Painlevö(republikanischer Sozialist) Marineminister: Dumesnll(radikal) Unterrichtsminister: Delbos(radikal) Arbeitsminister: Loucheur(radikale Linke) Oesfentlieh« Arbeiten: Pagauon(radikal) Handelsminister: Daniölou radikale Linke) Kolonien: Albert Karraut(radikal) Ackerbau: Quenllle(radikal) Handelsmarine: Kölln(Lintsrepublikaner) Postminister: Germaln-TNarlin(radikale Link«) Luftfahrt: Laurent Synac Pensionen: Lonyssou. In dieser ersten List« hat das Kabinett Chautemps ewe starke Linksneigung und ivürd« aus die Unterstützung der Sozia» list«n ongewiesen sein. Trotzdem aus der Liste der Name des L i n t»- republitoners Rolin figuriert, bedeutet sie noch nicht, daß die Linksrepublitaner einer solchen Regierung ihre Unterstützung geben würden, ganz im Gegenteil, sie hielten zivar heut« abend eine Sitzung ab. faßten jedoch aus Wunsch Tavdieus keinen B e» s ch l u ß. Es wurde bestimmt, daß lein Mitglied ihrer Gruppe ohne vorherig« Parteizustimmung der Regierung Chautenips beitreten könne. Oeuifche Handelskammer in Paris. veutfchland zweitfiärkster Importeur nach Frankreich. Pari», 20. Februar.(Eigenbericht.) Die in Paris ansässigen wirtschaftlich tätigen deutschen Staats« angehö eigen haben in einer großen Versammlung eine„Deutsche Handelskammer in Paris" gegründet. Dem Vorstand der Kammer gehören neben sieben gewühlten Mitgliedern der Leiter der Konsulats, und Wirtschastsabiellung der deutschen Botschaft und der deutsche Vertreter der Internationalen Handelslammer in Paris an. Das neu« Institut hat den Zweck, dl« de u t s ch. f r o n z ö s i. schen Handelsbeziehungen, die sich in den zwe! Iahren nach dem Abschluß des Handelsvertrages stark«Mwickelt haben, weiter zu fördern. Schon jetzt hat Deutschland hinsichtlich der Höhe seines Imports noch Frankreich den zweiten Platz hinter Amerika inne: im Export steht es an dritter Stell« hinter Eng. land und Delgien-Luxemburg. Telephonverbindung Enaland-AustraNen! Wie der„Dolly Herald" meldet, wird London in nächster Zeit eine direkte tele» phonische Verbindung mit Australien erhalten. Tele- phänische Verbindungen mit Westafrika. Indien und Neuseeland br- finden sich bereit» im experimentellen Stadium. Gesandter Ulrich Rauscher ist von Warschau nach Berlin zur Berichterstattung abgereist. Deckung und �oung-plan. Ein grundsätzlicher Irrtum. Das Reichskabinett wird am Beginn der nächsten Woche die Deckungsvorlage beraten, die im Finanz- Ministerium ausgearbeitet wird. Als erste Maßnahme hat das Kabinett den Reichsfinanzminister ermächtigt, die Zölle auf Kaffee und Tee zu erhöhen. Es scheint ferner, daß ein Verkauf von Reichsbahnvorzugsaktien an die Sozialversicherung erfolgen wird, wenn auch in erheblich ge- ringerem Umfange, als das Reichsfinanzministerium zunächst beabsichtigt hatte. Mit beiden Maßnahmen jedoch sind die Schwierigkeiten keineswegs behoben— die großen Fragen der Abdeckung des Defizits sind nach wie vor offen. In den Besprechungen der Finanzsachverständigen ist vor allem ein Punkt nicht entschieden worden: sollen ein-- malige Anforderungen gedeckt werden durch Erhöhungen von M a s s e n st e u e r n, die in einem späteren Zeitpunkt nur mit Schwierigkeiten und mit dauernden Berlusten für die Massen abgebaut werden könnten? Der Widerstand gegen solche Steuererhöhungen— es handelt sich vor allem um die Umsatzsteuer— beschränkt sich nicht allein auf die Sozialdemokratie. Insbesondere der Reichsvertehrsminister Dr. Stegerwald vertritt die Auffassung, daß die Neu- regelung der Reparationsverpflichtungen dazu benutzt werden müsse, um eine Wirtschaftspolitik auf längere Sicht zu treiben. Im Gegensatz zu der Mei- nung der Unternehmer veriveist er darauf, daß ein erheb- licher Teil der jetzigen Wirtschastsschwierigkeiten zurückgeführt werden muß auf die dauernden Preissteigerungen. die immer wieder von Lohnbewegungen begleitet fein müßten. Kartelle und Konventionen haben in Verbindung mit der deutschen Steuerpolitik die durch Rationalisierung erzielte verbilligte Produktion den Konsu- imenten nicht im ausreichenden Maße zugute kommen lassen. Würde man jetzt den Fehlbetrag der öffentlichen Haushalte lediglich durch Massen steuern zu decken suchen, so müßte bei den Arbeitern und Angestellten zwangsweise die Stimmung ausgelöst werden: Was man den Massen an neuen Steuern auferlegt, muß von den Ge- werkschaften wieder mehrfach an Lohnerhöhungen herausgeholt werden. Damit aber würden die Wirtschafts- schwierigkeiten nur noch vergrößert werden. Stegerwald wendet sich deshalb in einer Denkschrift gegen alle ein- seitigen Sanierungspläne. Diese Denkschrift enthält folgende positiven Dorschläge: Da bereits im verflossen«» Dezember die deutsche Wirtschaft durch Agrarzölle und Tabaksteuern mit mindestens 350 Millionen Mark neu belastet ist, fei es unmöglich, den ganzen Fehl- betrag des Etats von 700 Millionen mittels neuer Steuern auszubringen. Der Dorschlag der Deckung des Fehlbetrages der Arbeitslos«»- Versicherung durch«in« Anleih« b«i der Sozialversiche- rung dürfte deshalb kaum zu umgehen fein. Die dagegensprechenden wohnungspolitischen Bedenken seien zwar stark, dürsten ober im ganzen nicht so schwer zu bewerten sein, als wenn auch dies« 250 Millionen durch Steuern aufgebrocht werden müßten. Allerdings erscheine es dann steuerpolitisch und fiskalisch zwar einfach, politisch aber nicht vertretbar, daneben und gleichzeitig auch noch die U m s a tz st e u« r um% Proz. zu erhöhen. Jede ander« Steuerkombination sei gegenwärtig vertretbarer als die Umsatzsteuer. Da sie nicht befristet eingeführt werden könne, sei sie eine dauernde Belastung der Konsumenten»nd wirtschasts- hemmend. Im Hinblick auf die Gesamtlage müsse man deswegen entweder die mittleren und höheren Einkommen zu einem e i n- maligem Notopfer heranziehen oder aber die Fest« besoldeten mit 1% bis 2 Proz des Gehaltes." Der Gedanke des Notopfers, den die Sozialdemokratie oertritt, findet in dieser Denkschrift eine wertvolle Unter- stützung. Indessen ist die Frage völlig ungeklärt, wieweit die Stellungnahme von Stegerwald von der Reichstagsfraktion des Zentrums gebilligt wird: ebenso ungeklärt ist die Frage der Inanspruchnahme der Sozialversicherung, und zu allem hinzu kommt, daß die Gedankengänge der Steuersenkungs- Propheten wieder stärker in den Vordergrund geschoben werden. Auch die Ausgabenseite des Etats enrhält wesent- liche ungeklärte Differcnzpunkte zwischen den Regierungs- Parteien. Bei dieser Sachlage stößt die vom Zentrum er- hobene Forderung, daß der Poung-Plan nicht verabschiedet Werden dürfte, che die Finanzfragen geklärt sind, auf sehr Belgrads Abschied von Köster. Erhebende Trauerfeier.— Eine Belgrader Siraße wird nach ihm benannt. erheblich« Schwierigkeiten. Die Ausschußberatungen übe? den„Neuen Plan" werden eines Tages zu Ende gehen wer will dann die Verantwortung für das Scheitern des Doung-Planes übernehmen, wenn die Finanzsragen noch nicht gelost sind? Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum. wenn sich die Meinung festsetzen sollte, als ob es in der Koalition Parteien gäbe, die an der Annahme des Joung- Planes stärker interessiert sind als andere, und daher für die Annahme Gegenleistungen geben müßten. Es geht bei der Annahme des Joung-Planes um die Neuordnung der Reparationsfrage, um die Befreiung des Rheinlands, die Befriedung Europas, die wirtschaftliche Entlastung des Volkes gegenüber dem Dawes-Plan. Das alles ist nicht Interesse einer einzelnen Partei, sondern es ist ein gesamt- deutsches Interesse. Der„Neue Plan" soll nicht einer Partei bewilligt werden, die ihn fordert, sondern dem deutsch« Volke. Die Sozialdemokratie übernimmt die Verantwortung für den Voung-Plan, weil das Interesse des Landes und des Volkes es erfordert. Sie ist deshalb in höchstem Maße an feiner Annahme interessiert— aber sind die Regierungsparteien, die s i ch an den Staats- Notwendigkeiten und den Gefamtinter- essen des Volkes orientieren, es weniger? Es besteht keinerlei realpolitischer Anhaltspunkt zu dem Glauben, daß man von der Sozialdemokratie finanzpolitische Zugeständnisie herausschlagen könne für die Annahme des Voung-Planes! Wer glaubt, daß die Sozialdemokratie sich zu einer Verschiebung der Last zuungunsten der breiten Massen des werktätigen Volkes auf lange Sicht herbeilassen würde, weil diese Verschiebung als Gegenleistung für die Annahme des Poung-Planes gefordert wird, müßte mit einer auf solchem Glauben aufgebauten Taktik schmählich Schiffbruch leiden. Es ist«in durchaus erwünschtes Ziel, daß mit der An- nahm« des Poung-Planes zugleich Klarheit geschaffen wird über die Verteilung der Lasten. Die Lösung der Finanzfragen muß möglichst rasch erfolgen. Es zeigt sich jedoch, daß der. Kampf um die Verteilung der Last schwierig und lang» w i e r i g ist. Nicht um die Frage, ob die Last aufgebracht werden kann, handelt es sich dabei, sondern darum, wie sie verteilt werden soll. Ein Deckungsprogramm, das den einmaligen Mehrbedarf benutzt, um Loraussetzungen für eine kommende Abwälzung der Last auf die breiten Massen zu schaffen, wäre sehr problemati'ch. Es ist n'.cht abzusehen, wie sich im Reichstag dafür eine Mehrheit finden sollte. Für eine Politik aber, die den Doung-Plan absichtlich an den Finanzfragen scheitern lassen wollte, müßten die die Verant- Wartung übernehmen, die es dazu treiben. Sie müßten die Verantwortung für das Scheitern wie für das, was dann °äme, allein tragen. Abgeblihie Sankiionisten. Oemonstratiollsantraq der Hugenberger abgelehnt. In der Nachmittagssitzung der vereinigten Ausschüsse des Reichs- tages für die Beratung des Po un g. Plans aniVt nach aus- fühiftcher vertraulicher D e b o t t e folgender dautfchnationaler Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt: .»Die Reichsregierung wird ersucht, auf diplomatischem Weg« eine unzweideutige Feststellung darüber zu treffen und zu veröffentlichen, ob der franzosische Ministerpräsident talsächlich, wie das„Echo de Paris� vüm S. Februar meldet, auf einer am 4. Februar stattoehabtcn Parteiführerbesprechung erklärt hat, daß Frankreich aui Grund des Poung-Plans gegebenenfalls berechtigt sei. deutsche Häfen und Bergwerke zu beschlagnahmen und das Rheinland wieder zu besetzen, ohne daß Deutschland sich dem widersetzen dürfte.' Die Mehrheit des Ausschusses war in dieser Sache durch die Erklärungen der Reichsregierung befriedigt. Oer KaN Omsaq. Energische �Vorstellungen in Moskau. Zu der von uns mitgeteilten Verhaftung zweier Boten, die vom Leiter der Konzession Drüsag mit Briefen an den deutschen Botschafter in Moskau gesandt worden sind. erfahren wir von zuständiger Stelle, daß unmittelbar nach Bekannt- werden des Sachoerhalts seitens der Botschaft Protest gegen die Beschlagnahme und Zurückhaltung der Briefe«ingelegt worden ist. Dos Außenkommissariat hat daraufhin sofort Nachforschungen eingeleitet und der Botschaft umgehend mitgeteilt, daß die Briefe dem Botschafter schnellstens ausgehändigt werden würden. Im übrigen ist die Botschaft weiter bemüht, in energischen Vorstellungen bei der Sowjetunion die der Konzession ge- machten Schwierigkeiten zu beseitigen. Neue Schikanen. Di».Kölnische Zeitung' meldet aus Moskau: Nach der v-r- urteilung der beiden Leiter der deutschen landwirtschaftlichen Kon- zesston Drusag(Deutsch-Russtsche Saatbaugesellschaft) zu 10 000 Rubel Geldstrafe scheint bei den örtlichen Behörden im Nord- kaukasus, die irgendwelche Beziehungen zur Drusag besitzen, alle Zurückhaltung fortgefallen zu sein, und sie bemühen sich offenbar, in einem munteren Kleinkrieg dem Unternehmen zu schaden, vor einigen Tagen versucht« ein« Abordnung der Kreis- behörde, die nicht einmal genügende Vollmachten befaß,«ine Pfändung zur Eintreibung von S000 Rubel. Am 14. Februar erhielt der Direktor Weimert ein Schreiben von der Finanzbehörd« in Wanowka mit der Feststellung, daß bei ihm Schreib- Maschinen und Kraftwagen gepfändet wären, welchen Vorgang mit seiner Unterschrift zu beglaubigen er sich geweigert hätte. Diese Behauptung entspricht übrigens nicht entfernt den Tat- fachen, zumal gemäß dem Konzessions vertrag eine Pfändung nur auf Gerichtsbeschluß möglich ist. Di« geforderte Summ« ist der Restbetrag der Konzessionsabgabe, deren Zahlung zwar verzögert. niemals aber verweigert wurde. Am 17. Februar wurde bereits «in Berlteigerungstermin festgesetzt, obwohl die Zahlung für den 2a Februar zugesagt war. Gleichzeitig erhebt die Leitung der Gewerkschaft in Roltow am Don eine Nachzahlung ln Gestalt einer drsiprozentigen Abgabe von den Löhnen für alle deutschen und russischen Arbeiter, rück- wirkend für zwei Jahr«. Auch die Zahlung einer Mahl- abgäbe in Höh« eines Siebentels des verinohlenen Getreides wird nochiräglich mit Wirkung vom Iult o. I. an verlangt. Belgrad, 20. Februar.(Eigenberichts Das Begräbnis des deutschen Gesandten Dr. Köster gestaltet« sich zu einer großartigen Feierlichkeit, wie man sie in Belgrad noch nicht mitgemacht hat. Enorme Kränze vom diplomati» schen Korps, von der Gssandlschaft und von der südslawischen Re- gierung waren schon gestern bei der Dotschast abgegeben worden. Der König war durch seinen Adjutanien oertreten An dem Leichenzug beteiligten sich all« Mitglieder der südslawischen Regierung mit General Z i o k o v i t s ch an der Spitze, weiter die ausländischen Gesandten und sonstigen Mitglieder des diplomatischen Korps, die höchsten Beamten, Schriftsteller und Künster von Ruf, Vertreter der Stadtgemeinde, der Arbeitskammer und fast sämtliche Mitglieder der deutschen Kolonie, vor der deutschen Ge- sandtschast, wo die Leiche aufgebahrt war. wurde der Sarg von Nach Schacht Reusch. Oer schwächende Rentengedanke. Auf einer Sitzung des Langnam-Vereins in Düsseldorf, die«in Referat über die Auslaudsdeutjchen hörte, sprach Herr R e u s ch: Die deutsche Agrarsiedlung im Osten werde durch die Tatsache in Frage gestellt, daß die deutsche Sozial- gesetzgebung die deutsche Volkskraft durch den Renten- gedanken schwäche. Herr Reusch hat Herrn Schacht nachgebetet. Die Wieder- holung ist um so empörender, als der Nachbeter an Gehalt und Rente aus Vermögen noch mehr bezieht als Herr Schacht. Diese Vielhundertausend-Mark-Männer scheinen zu glau- den, daß der deutsche Arbeiter das Los eines Sozialrentners mit kümmerlichen 40 M. im Monat für begehrenswert ansieht! Diese Leute halten die absolute Verelendung für nötig zur Erhaltung der Volkskraft— für sich persönlich sind sie dem Rentengedanken nicht abgene gt. Herr Reusch besitzt ein sehr respektables Vermögen. Herr Schacht hat sich für sein?n Abgang ein Rentcnoermögen von 2!4 Millionen Mark gesichert— macht ein jährliche Rente von 200 000 M. bei heutigen Zinssätzen. Wo bleibt die Schwächung der Volks- kraft bei Herrn Schacht? 200 000 M. im Jahre bei Herrn Schacht— 480 M. im Jahre bei den Sozialrentnern. Herr Schacht findet, daß der Sozialrentner zu viel erhält, und Herr Reusch m't ihm. Der Begriff der Scham ist den Schacht und Reusch un- bekannt._ Wer isss? Oer Mann unter der Bank. Der Redakteur Joachim Rehrivg. der die Sitzung des Auswärtigen Ausschusses de» Deutschen Reichstags unter einer Bank belauschte, hat«ne„rühmliche" Vergangenheit. Als vor einigen Jahren in Dartzrg gewerkschaftliche und pazifistische Organisationen eine Totengedenkfeier für' die Opfer de» Welt» k r i« g e s veranstalteten, in der der greis« Professor Qu idde die Totengedenkred« hielt, wart Nehring während dieser Red.« eine Stinkbomb«. Er ergriff sofort die Flucht, wurde aber gestellt. Wie es bei diesen Helden von rechcs üblich ist. leugnete .er, die Stinkbombe geworfen zu heben. Es war aber nicht schwer, ihn zu überführen, denn den Korken trug er noch in der Tasche. Er wurde wegen dieser Handlung zu der geringfügigen Strafe von 24 Gulden wegen groben Unfugs verurteilt. Bei der Deutschnationalen Volkspartei aber avanciert« er zu ihrem Redakteur und später zu ihrem Fraktionssekretär im Danziger Dolkstag. von da kam er zur„Deutschen Zeitung' und nun— unter die Dank. Ratio- nale Heldenlaufbahnl Kompromiß Krick-Volkspariei. Direktor Siefert wird wieder eingesetzt— Hakenkreuzler» schülerbund bleibt erlaubt. Weimar. 20. Februar.(TU.) Der volksparteilich« Direktor des Weimarer Wilhelm-Ernst- Gymnasiums, Oberstudiendirettor Dr. Siefert. war vor wenigen Tagen von dem nationalsozialistischen Volksbildungsminister Dp. Fr ick seines Amtes als Schulleiter enthoben worden, weil er einer Verfügung des Ministers, das von ihm ausgesprochen« Verbot des Iugendbundes„Adler und Falken' wieder aufzuheben, nicht Folge geleistet hatte. Di« Vermutung, daß dieser Fall, der von der Deutschen Valkspartei auch im Kabinett zur Sprach« gebracht worden war, zu einer Krise führen werde, hat sich nicht bestätigt. Me zu- oerlässig oerlautet, ist der Angelegenheit das Konfliktmoment da- durch genommen worden, daß Oberstudiendirektor Dr. Siefert rechtzeitig zum Termin der Abiturientenprüfun- gen im Wilhelm-Ernft-Gymnastum in Weimar Anfang März wieder in fein Amt als Direktor dieser Anstalt eingesetzt sein wird. Im übrigen hat Dr. Siefert ein Disziplinar- verfahren gegen sich beantragt, das eine erschöpfende Klarstellung des Falles bringen wird. so ovo m jährlich. Staatsuntei stühung für deutscknat onale Saboteure. Der Typ der ehrenwerten deutschen Männer, die zwar die Re- publik nicht leiden mögen, aber einträgliche Aemter oon ihr sehr gerne annehmen, ist noch immer außerordentlich zahlreich Als Bei- spiel dazu wird uns aus B e u t h« n geschrieben, daß dort-n repu- blikanischen Kreisen berechtigte Empörung darüber herrscht, daß ein« große staatliche Lotteriekollekte für etwa 2000 Lose noch immer im Besitz eines früheren Offiziers, des Herrn von Z e r b o n y d t S p o s« t t i, ist. Dieser Mann mit dem famosen echt deutschen Namen ist ein strammer deutschnationaler Kämpe und benutzt jede Gelegenheit, um seine Gesinnung durch schwarzweißrotes Flaggen zu demonstrieren. Nach dem Grundsatz: Doppelt hält besser, hängt er nicht etwa nur ein«, sondern zwei bis drei Fahnen mit den Farben der alten Herrlichkeit vor sein Geschästslokal. Wir dürfen wohl annehmen, daß der zuständige preußisch« Finanzminister den Mann mit dem urallen deutschen Beamten de» Slußenministeriums übernommen. Auf Kosten der südslawischen Regierung wird er nach Berlin übergeführt werden Raden wurde» geHallen im Namen der Regierung vom Außenminister K u m a n u d i. der die diplomatische Geschicklichkeit des Verstorbenen, sein« überaus große Liebe zum Volke und die delikate Art, worin er auch die heikelsten Fragen zu behandeln verstand, ins Licht stellte. Der Doyen des diplomatischen Korps, Vertreter der Arbeitstammer und der Stadtgemeinde führten weiter das Wort. Eine Straß« der Stadt wird nach dem Verstorbenen benannt werden Aus seinem Wege zum Bahnhos gaben eine Eskadron Kavallerie und zwei Bataillone Feldartillerie dem Leichenzug das Geleit. Tausende be- wiesen den Weg entlang durch ehrfürchtiges Kopfentblößen dem populären und beliebten Gesandten die letzte Ehr«. Namen möglichst bald aus der peinlichen Situation befreit, die sage und schreib« etwa 60 000 Mark jährlich höchst widerwillig vereinnahmen zu müssen, die aus der Betreuung mit einem staat- liehen Amt der dreimal verdammten deutschen Republik stammen! Ein aufmunierndes Llrteil. Marburger llniversitaisjustiz. Marburg, 20. Februar.(Eigenbericht.) Der Senat der Universität Marburg sprach von den fünf Rowdys, die den preußischen Kultusminister Dr. Becker vor fünf Wochen während seiner Anwesenheit in der Universität in der gemeinsten Weise beschimpften, zwei frei und erteilte den restlichen dreien einen Verweis mit der Aussicht auf Entlassung. fall» sie sich ähnliche Vorkommnisse nochmals zuschulden kommen lassen sollten. Dieses Urteil kann nicht als Sühne für die gegen den früheren preußischen Kultusminister Dr. Decker gerichteten Beschimpfungen betrachtet werden. Christ Andre. And seine unchristlichen Bedaupiungen. Der frühere Reichstageabgeordnete des Zeittrums Andre, setzt Präsident der Landesversicherungsanstalt Württemberg, verössentticht in der christlichen Gewerkschaftspresse einen Artikel, in dem er der Sozialdemokratie wegen des Stillstandes der Sozialpolitik schwer« Bonvürfe macht. Sie sei veraMworllich, daß im Jahr« 1S29 die Reichsbeiträge für die Invalidenversicherung in Reichs- schatzanweist'ngen statt in barem Geld« ausgezahlt worden feien. Sie treffe auch die Berantworwng dafür, daß die Z o l l m i t t e l für das Jahr 1020 in Höhe von 40 Millionen bisher nicht aus- gezahll wurden. Auch die Nichtausführung der ün Sommer ver- gangenen Jahres beschlossenen Lex Brüning» soweit die Ueber» Weisungen an die Invalidenversschcrung in Betracht kommen, sei ihre Schuld. Schließlich liege auch die' Entscheidung-''darüber, ob.die- Reserve« der Invaliden- und Än g e st'e l te u v« r si ch e i rung für die ArbeitslosenversichLrung in Anspruch genommen werden, in erster Linie bei der Sozialdemokratie. Für Herrn Andre, der nach wie vor ein treuer Anhänger des Zentrums-st, scheint es demnach selbstverständlich zu sein, daß das Zentrum in allen sozialen Angelegenheiten auf der Seite der Reaktion steht. Denn da er für die oben erwähnten Dinge nur die Sozialdemokratie mit Vorwürfen bedenkt, obwohl das Zentrum genau die gleiche Haltung eingenommen Hot wie die Sozialdemokratie, muh Herr Andre doch der Meinung sein» daß Vorwürfe an die Adresse des Zentrums nichts nützen Aber auch«ine Prüfung im einzelnen zeigt die mangelnd« Berechtigung der Vorwürfe des Herrn Andre. Die Aus- zahlung der R e i ch sb e i t r ö g e zur Invalidenversicherung im Jahre 1020 ist zw'schen dem Reich und den Trägern der Invaliden- Versicherung freiwillig vereinbort worden Das Zentrum hat gegen diese Vereinbarung niemals Bedenken erhoben, sondern sie als eine Notmaßnahme des Reiches verteidigt. Die Zoll- mittel von 40 Millionen für die Gesundheiksförderung durch die Znvalldenversicheruog find dank der Anstrengungen des sozialdemo- kralischen Arbeiksministers Missell im 3ahrc 1929 in voller höhe in den Etat e'ngestellk worden. 3m 3ahre 1930 haben die Zentrums- m'nister Im Kabinett milgeholsen. daß von dieser Summe 20 Millionen gegen Missell und die übrigen sozlaldrmokrat'schea Reichs- minister gestrichen werden! Di« sozialdemokratische Reichstags- frakt'on wird diese Streichung rückgängig zu machen suchen. Werden die Freunde des Herrn Andre im Zentrum dabei helfen? Die Abänderung der Lex Brüning ist mit der Sozial- demokratie durchgesetzt worden. Die Freunde des Herrn Andre in den Länderregierungen, besonders die würllembergische Regierung, sind in erster Linie dafür verantwortlich, daß der R e i ch s r a t der Ausführung dieses Gesetzes Schwisrigkeiten bereitet. Auch h'cr werfen wir die Frage auf. ob das Zentrum an der Selle der Sozialdemokratie stehen wird, wenn dieser Beschluß im Reichstag rück- gängig gemacht werden soll. Und schließlich sei darauf oerwiesen, daß der Versuch von Dr. Moldenhauer, die Sozialversicherung für die Lasten der Arbeitslosenversicherung hallbar zu machen, entschiedenste Ablehnung bei der Sozialdemokratie, aber w o b l- wallendstes Verständnis, ja sogar Unterstützung beim Zentrum gesunden hat. Kami man sich nach solchen Proben von'„Sachlichkeit' und „christliche? Eh-1'chkeit" darüber wundern, daß Herr Andre am Echlnsse seines Artikel» die Fron« aufwirst, warum man denn n-cht daran denke, auch andere Kreise als die Arbeiter zu den Lasten beranzuzleben. D°s Sozialdemokratie verlangt,, daß die lsistimgsfäh'gen Schichten zu den Lasten heranoezo--sn werden. Kann Andre darselb« für das Zentrum sagen? W'll Andre dafür sorgen, daß der Gedanke e'nas Notopfers der Lei- stunasfähigen die Unterstützung des Zentrums und damit eine Mehrheit findet? Zahlreiche Seimmehrführer und-lenfe find weaachaNen. da as- wisse Vorkommnisse d« Leitung veranlaßten. der Unbescholten- h e i t der Mannen nachzuforschen und den Führexn sogar die Vor. legung polizeilicher Führungszeugnisse auszugeben. Da hierbei unpol-H-�e Dorstreien an den Tao kämen, wandte ssß so mancher Gast mit Grauien. Die Bundesleitung hat jetzt auch das Geldsammeln in Hüten verboten und nur in verschlossenen Vüchscn erlaubt. Andernfalls drobt sie mit sofortiger Strasanzoitze. Gute Gründe haben dazu veranlaßt. Südflawien und Sozialdemokraiie. Etae Zuschrift voa Hermann Wendel. Der Artikel„Südslawien und Sozialdemokratie", der vor etlichen Wocken erschienen ist, hat nicht jedermann gefallen und sicher der Belgrader Diktatur schlecht gemundet, weil er ihr bittere Wahrheiten sagte, daß ihre Methoden, Knebelung der öffent- licher. Meinung, Bütteldruck und Folterungen in den Gefängnissen, kaum ins achtzehiue, geschweige ins zwanzigste Jahrhundert passen. Aber hat sich die Belgrader Diktatur wenigstens ausgeschwiegen, so spektakelte ein kleiner Konfustonsrat in der Berliner„W e-l t- b ü h n e", weil es ihm spanisch vorkam, daß ein Sozialdemokrat die südslawische Einheit bejahte: vollkommene Ahnungslostgkeit. welches Spiel gespielt wird, wenn russisch« Bolschewisten und italienische Faschisten in trauter Gemeinschaft die süd- slawische Einheit zu sprengen suchen, entschuldigt ihn nicht, aber erledigt ihn.(Ab durch die Mitte.) Wegen seines sachlichen Inhalts verdiente auch das Geschreibsel kein« Entgegnung, mit dem das Genfer Makedonierblatt„La Macettoine" über euch herfällt, und Erstaunen erregt es auch nicht; aber ihr Angriff erfordert ein paar Worte der Erklärung. Jener Arttkel tat dar. daß die südslawische Sozialdemokratie wie stets so auch heute aus dem Lodeu der südslawischen Rational, und Staatseinheil steht. unbeschadet dessen, daß die Diktatur den Schutz dieser Einheit zu ihrem Aushängeschild macht. Wir haben ein Gegenstück In der deutschen Geschichte. Das Regime Bismarcks mtt dem Sozialisten- gesetz war nicht nur eine Diktatur, sondern, mit den Augen des Kanzlers gesehen, auch eine Diktatur zum Schutz der nationalen Einheit. Denn da die Sozialdemokratie die Republik aus ihre Fahne schrieb, und Bismarck überzeugt war. daß ohne die Dynastien das deutsche Reich auseinaitberfallen müsse, durste er wähnen, daß die gewaltsame Unterdrückung der Sozialdemokratie der Aus recht- erhaltung der deutschen Einheit diene. So erbittert sich aber die Partei gegen das Ausnahmegesetz wehrte, so wenig fiel es ihr ein, deshalb auch die deutsche Einheit zu betämpsen, die sie im Gegen» teh als einen großen historischen Forffchritt ansah. Genau so ver» wcrsen die südslawischen Sozialsten die Diktatur, aber die süd- slawische Einheit ist für sie kein Spielzeug eines Generals, fondern ein begrüßenswertes Ergebnis der geschichtlichen Entwicklung, eine umstürzlerische Totsache, gegen die sich fest je alle ver- biesterten Reaktionär« gesträubt haben, für die fest je alle klar- sehenden Revolutionäre eingetreten sind. Darum Kamps dem Regime, aber Hände weg von der Einheit. oder wie Dr. Schiwko Topalowitsch sagt:„Man kann und darf nicht unter der Firma: Kampf gegen ein System ein« historische Schöpfung anfallen, die die Frucht gigantischer Anstrengungen und gewaltiger Leiden ist: nämlich die südslawisch« Nationaleinhert." Wa» kann..La �lac&Ioias" dagegen sagen? Bringt sie etwa einen Sozialisten bei. der die südslawische Nationaleiichett leugnete und sich wie das Genfer Blatt für den kroatischen Separatismus begeisterte? Kein Gedanke, denn einen solchen Sozialiften gibt es nicht, weder unter Serben noch unter Kroaten oder Slowenen. Daß die Richtlinien der Laibacher„TivÄi-Resow- tion", durch die sich die Sozialdemokratie vor zwanzig Jahren aus das 3i«t der �vollkommen nationalen Vereinigung aller Südslawen ohne Rücksicht aus den Unterschied von Name, Glaube, Schrift oder Mundart" festlegt«, noch heute gelten, unterstrich sa vor kurzem die slowenische.Delavssta Politika"(Arbeiterpolitik), unser Partei- blatt. in Marburg a. d. Drau..Die hilft sich„La MacMoine"? 5t f serklort dreist und gdttesfürchtig. das Pl c c c> und das auf die italienische Delegation in Genf haben völlig« Aufklärung erfahren und stehen in der nackten Schönheit ihrer Lockspitzelei vor uns, ohne trgendeine Gewandfalle, in der sich noch Geheimnisvolles verbergen könnte. Der von der antifaschistischen Konzentration schon entlarvte Lockspitzel M e n a p a c c, der sich dann duxch Denunziation von Kollegen bei einigen Antifaschisten wieder eingeführt hatte, hat den Anarchisten B« r n« r i auf den Leim gelockt, genau in derselben Weise, wie seinerzell der Lockspitzel Rechtsanwalt O u a g l i a den Angeordneten Z a n! b o n i zum Attentat auf Mussolim oufgestiftel hatte. Mcnapc« und Berneri haben sich dann Sprengstoffe verschafft, das für Z a n i b o n i zum Attentat auf Mussolini angestiftet hatte. Menapace er werde von der Polizei beobachtet, der Sprengstoff sei bei ihm nicht sicher: man solle es wo ändere Unlirbringett. Aber wd? Bei Et a nc a, rät Menapace, den hat keiner in Verdacht, der«st ein bürgerlicher Radikaler, kein Bombemrerfer. Nach längerem Widerstreben geht Berneri zu Ciattca, ohne Menapace zu nennen, und setzt es durch, daß Cionca den Sprengstoff nimmt, mit der Bitte, ihn bald wieder abzuholen. Kaum hat Cianca den Sprengstoff, so veranlaßt Mena. poce den Berneri, ihm zu schreiben, er soll« mtt dem gefährlichen Material vorsichtig umgehen. So kommt der Zettel zustande:„Das Kind warm hallen und nicht schaukeln." Der Zettel, den Menapace auf die Post bringen soll, wird zunächst photographiert. wie seinerzell alle Briese Zanibonis von der Polizei photographiert wurden. Am nächsten Tag findet die Haussuchung bei Cianca statt, der Sprengstoff wird aefunden. ober Cianca weigert sich, den Üiamen Berneris zu nennen, der ihn bei ihm untergebracht hat. Menapace reift inzwischen mit einer Gesiebten nach Genf, wo« den Lokalougenschein Im Palost des Völkerbundes vornimmt, der es erlauben sollt«, den Faden des Komplotts nach Genf zu ziehen. Dann zurück noch Poris und im Auto mit falschem Paß nach Brüssel. Er händigt seinem Reisegefährten B e r n« r>, von dem Cianca mit Recht sagt, daß er nur den Milderunpsgrund hat, Professor der Philosophie zu sein, die Bilder des Justizminisiers Rocco ein und eine Pistole, gab sich mtt ib-m«in Rendezvous und ließ ihn verhaften. Menapace reiste dann nach getaner Arbeit nach Italien. Den Faden bis Brüssel hatte er gezogen. Wie beim Zaniboni-Atientat Zanidoni selbst eine zu geringe Beute war, so auch diesmal Berneri: daher die Hineinverwicklung des Generals C a p« l l o im ersten Fall, C i a n- c a s diesmal. Nur haben Zaniboni und Copellv je dreißig Jahr Zuchthaus für Ouaolios Arbeit bekoimnen, während Cionca und Gc- nassen demnächst wegen Einstellung des Verfahrens fre'gelassen wenden, und Berneri sich wegen Benutzung eines falschen Passes und Uebertretung des Waffengesetzes zu verantworten hat. Und um sich diese Riesenblamage zuzuziehen, hat die faschistische Regierung dem Menapace Hunderttausende gegeben! In der Kunst, sich fremd«, besondere öfsenlliche Geld« anzueignen, sind die Faschisten unübertrefflich: im Lockspitzelwesen sind sie Stümper. Vie Pflicht, glücklich zu iein. De bekannt, hat Mussolnri vor elnkger Zell Im fafchlstsschen Amtsblatt erklär«» lassen, daß das italienische Pplk glücklich zu sei» habe, um alles zu ertragen, was sein Aufstieg zpr dSroße ihm auferlegt. Um dies« Verpflichtung, glücklich zu sein,, nach- kommen zu können, darf die Masse natürlich nicht deprimiert werden. Also keine schlechten Nachrichten. Zlus.dem Ausland dqrf sie Mordgefchichten erfahren, denn bekanntlich steht heute jedes Land ohne Faschismus am Rands des Abgrunds, aber in Italien muh alles glatt gehen. Nun lomntt es aber gerade in Italien häufig vor, daß Flieger oder Luftschisfer abstürzen. Der Abgeord- nete Giurioti findet es höchst unpasiend, daß man dies in aus- fälligem Druck bekanntgibt. Das ist ja schiere Miesmacherei! Also interpelliert er den Minister des Iimern, was er in dieser Sache zu tun gedenke. Antwortet der Unterstootssetretar schriftlich, daß in Italien... kein« Präventivzensur bestehel Daß in jeder Zeitung ein Vertreter der Polizei alle? liest, e h e es pedri'ckt wird, ist nämlich keine Bräventivzenfur, das ist Presiefreiheit. Wo Zei- tungen in großem Druck solche„Zwischenfälle" wiedergegeben hätten, wäre durch nachträgliche Beschlagnohmung eingeschritten worden.„Dank der wachsamen Wirksamkeit der der Dis.zinsin der periodischen Press« vorstehenden Behörde sind in letzter Zeit die Mißbräuche dieser Art auf ein Minimum reduziert." Wie gut. daß es keine Präventivzensur gibt. So bestimmt die Volize! im voraus nur. daß tote Flieg« in„pstit" erledigt werden. Dos Abstürzen ist erlaubt. Italien ist ja ein freies Land! Polen und Deutschland. Nutze npotttifche Debatte im SejmauSschuß. Warschau. 20. Februar.(Eigenbericht.) In der Debatte der Außenkommission pes Sejm üb« ein Erpose des polnischen Außenministers erklärte der nationaldemokratisch« Redner am Donnerstag, daß dl« Beziehungen zu Deutschland sich nicht gebessert, sondern im Geg?ntcÄ ver- schl schiert hätten. Der Redner dss Regisrungsblocks«Närte. daß Polen im Liquidationsoertrag groß« Opfer g«. bracht habe und der Wert taests Vertrages noch untersucht werden müsse. Ein Mgeordneter der linksradikalen Bauern- Partei Wyzwolenje betonte, daß feine Parte» die politisch« Zeittheaier in der Volksbühne. Llrauffübrung:„Das Gerücht". Die Volksbühne fpiell politisches Zeittheater. In dem Anti- kriogsstück„Das Gerücht" zeigt der Ire Monroe an ei neu, plastischen Beispiel, wie ein« Aapijaiistengrupp« durch geschickte Lancierung einer Lüge einen Krieg anzettest und mtt ihr echt« patriotisch« Be- geisterung anfacht. Di« armen Opfer, die für«ine heilig« Sache zu bluten gla'tben, kämpfen ln Wehrhstt für den Profit. Karlheinz Mordin inszeniert das nach Piscatorfchen Methoben, mtt Licht- bilden» und Maschinerie, aber auch mit einigen antisoziciLtemo- krotiiche» Entgleisungen, die nickt im Sinn« des Dichters liegen und einen Teil der Volkcbühnensrkunde verschnupsen. Der äußere Rahmen ist grandios, übt aber wegen der überdehnten Länge e,n- zelner Bilder nicht die erhoffte Wirkung aus. Erst am Schluß wird der Beifall laut und ruft den Regisseur mehrfach auf die Bühne. Dgr. Bereinigung der deutsch. polnischen Beziehungen unterstütze. Aus dar Debatte im Reichstag könne man jedoch entnehmen, daß bis deutsch« Demokratie gefährlich« Wege be- schreit«, indem sie im Augenblick der Liqmdirung der Kriegs- folgen den territorialen Besitzstand ihres Nachbarn an- greife.(?! Wer in der„Deutschen Demokratie" greift den terri- torialen Bestand Polens an? Red. d.„B") Gandhi warni vor Gewali! Gr will die Engländer belehren. London, 20. F-bruar.(Elgenberichl.) Der indische Frelhellcsührer Gandhi, der am vergaugen-n Sonnabend vom geschäsksführende« Komitee des indischen Rationalkongresses mit diklalorischea Vesugnisseo für die Ausrufung de» passiven Widerstände« aurgesialtet worden ist. richtet ia der neuesten Rümmer der von ihm herausgegebenen Zeitschrist eine Warnung an seine Anhänger. Die einzige Gefahr sür den geplanten Widerstand— so führt Gandhi aus— lieg« im Ausbruch von Gewaliiäiig. keilen. Die passive Resistenz müsse selbst in ein« Almosphöre d« Gewalt ohne sedeu Ausbruch von Unruhen durchgeführt werden. Gandhi betonte fern«, daß das Zdeal der Gewalllosigkeit für ihn üb« allem anderen steh«. Dl? Engländer müßten durch die Leide», die da» gesamte ludische Volk freiwillig auf sich nehmen werde, b e k e h r l. sie dürften jedoch nicht vernichfek«erden. Wie au? R e u- D e t h i gemeldet wird, ist die Sperrung der Galerien der indischen gesetzgebenden Versammlung, die aus Wunsch der indischen Regierung nach dem Bombeaatlentat vorgenommen wurde, wieder aufgehoben worden. Damit hat ein wochenlauger, mit groß« Heftigkeit geführt« Kampf zwischen dem Präfidenten d« gesetzgebenden Versammlung, einem Inder, und de« Vizekönig von Indien, einem England«, seine» Abschloß gesunde». Arbeitsplan»er Zollfriedenstagung Zwei Ausschüsse eingesehi. Genf, 20. Februar. �Eigenbericht.) «xe Wirtschaftskonferenz schloß am Donnerstag die allgemein« Aussprache. Auf Vorschlag des Präsidenten wurde die Teilung der Konferenz in zwei Ausschüsse vorgesehen. Der« r st e Ausschuß soll auf Gnind des vorliegenden Kon. ventionsentwurfs versuchen, ein Abkommen über ben Zollfrieden fertigzustellen. Cr wird sich in der Hauptsache mit fünf Fragen beschäftigen müssen, über die die Forderungen in der allgemeinen Aussprache stark auseinander gingen. Es handelt sich um den Stichtag, um dos Verhältnis des Abkommens zum Meist- begünstigungsrecht der Handelsverträge, um die Ein- beziehung oder Nichieinbeziehung der Landwirtschaftszölle, um die Dauer des Zollfriedens uni> um die Definition der Fiskalzölle, da der Vertreter Portugals und andere Staaten darauf hinwiesen, daß bei dem in ihren Ländern vorherrschenden Zollsystem eine reinliche Scheidung von Fiskal- und Schutzzöllen kaum vorzunehmen sei. Der zweite Ausschuß soll«in Programm für die Wirtschafksverhandlungen während des Zollfriedens ausarbeiten. Es handelt sich vor allen Dingen um die von den Nachfolgestaaten geforderten regio- n a l e n Abkommen, um die von den Freihandelsstaaten gewünscht« schleunige Inangriffnahme von Zollherabsetzungen für einzelne Warengruppen und natürlich auch um das Problem eines organisierten Austausches von Landwirtschafts- und Industrie- Produkten. Graf M o l t k« ließ sich den Holländer CoNjn, der schon auf der ersten Wirtschaftskonterenz als Vorsitzender der Handelskommission und später als Präsident der Ein- und Ausfuhrtonferenz eine große Rolle spielte, sowie den rumänischen Finanzminister als Dizepräsi- denten an die Seite geben. Colijn dürft« Präsident des Zollfriede ns- ausfchusses werden« während der Rumäne dem anderen Ausschuß vorstehen wird. Die Kommissionen sollen nach Bedarf Unteraus- fchüsse bilden. Für die Kommissionsberatungen sind 14 Tage in Aussicht genommen, wobei Graf Moltke die Hoff- mmg aussprach, daß die aktiven Minister, die fast ausnahmslos gegen Ende der Woche Genf verlassen müssen, nach Abschluß der Ausfchußberatungen wiederkehren werden, um bei den Schlußberatungen ihr Gewicht in die Waagschale zu werfen. Aus der Debatte des Donnerstag verdient hervorgehoben zu werden eine Warnung des Vertreters Hollands gegen eine Befol- gung der italienischen Isolationspolitik und vor den Folgen, die eine ergebnislose Konferenz für die Zollpolitik Europas haben würde. Der Schweizer Bundesrat S ch u l t h e ß wies sehr noch- drücklich darauf hin, daß die Schweiz jeden Gedanken an ein P a n- europa oder an eine europäische Zollunion strikt ablehne. Der Vertreter Frankreichs erklärte, daß Frankreich insolge der ungeklärten innenpolitischen Verhältnisse sich seine Stellungnahme vorbehalten müsse. Der grundsätzlichen krassen Absage Italiens k.at sich in der allgemeinen Aussprache kein weiteres Land ange- schloffen. Andererseits waren die grundsätzlichen Mitarbeitserklä- rungen der meisten Staaten so unbestimmt, daß aus chnen für den Erfolg der Ausschußberatungen noch keine Folgerungen gezogen werden können. Mordplan gegen Hoover? Mexikanischer Student verhastet. Mexiko-Eily, 20. Februar.(Eigenbericht.) Die Behörden verhafteten in San Louis Potosi einen S t u- denten. in dessen Besitz im Zusammenhang mit dem A t t e n- tat auf Ortez Rubio zahlreiche belastende Dokumente ge- funden wurden. Angeblich befindet sich unter diesen Dokumenten auch ein aus den Vereinigten Staaten stammender genauer Plan zur Ermordung des amerikanifchen Staats präfi- denten Hoover. Di« Washingtoner Behörden sind von diesem Plan inzwischen unterrichtet worden. Colban amtsmüde. Orr Posten des Direktors der Abrüstungsabteilung in Senf wird frei. Genf. 20. Februar.(Eigenbericht.) Der Norweger Colban, der Direktor der Ab- rü st u n g sa b t e ilu n g des Völkerbundes, ist amtsmüd« und hat, wie zuverlässig verlautet, fein« Demission eingereicht. Di« Gründe für seinen Rücktritt sollen in der Heimat Coldans liegen. Colban hat gewiss« Aussichten, norwegischer Gesandter in Paris zu werden und als solcher Norwegen auf den Völkerbunds- tagungen zu oertreten. Colban war einer der ersten Beamten des Völkerbundes. Er leitet« lang« Jahre hindurch die Minderheiten- Abteilung. vor zwei Iahren übernahm er die Wrüftungsabbellung Seine Absicht war, so schnell als möglich zu einem Abrüstungsabkommen zu gelangen, wenn es auch nur eine Stabilisierung der bisherigen Rüstungen enthielt. Dies« Absicht konnte er bisher nicht ver- wirklichen. Veraluug mit Scharfrichter. Di« von der englischen Regierung zum Studium der Todesstrafe einberusene pariamenta- rische Kommission hat beschlossen, im Rahmen der zu veranstaltenden Enquöte auch einen Scharfrichter zu berufen und ihn über sein« Ersahrungen bei den Hinrichtungen zu befragen. Der deutsche Generalkonsul in Ilslls(Georgien), Benndorfs, ist im Alter von 49 Iahren in der Berliner Charit« gestorben. Die japanischen Parlamenlswahlen sind vollkommen ruhig verlaufen. Von den 12 Millionen Wahlberechtigten sind schätzungsweise 10 Millionen zur Urne gegangen. Man vermutet, daß die gegenwärtige Regierung mit einer kleinen Mehrheit wiedergewählt worden ist. Agrardebatte im Landtag. Heute Abstimmung über die Mißtrauensanträge. Im Preußischen Landtag wurde am Donnerstag die zweit« Lesung de» Landwirtschaftsetats weitergeführt. Wirtschafts- partei, Bauernpartei und Nationalsozialisten hietten dabei die uralten Reden über die Rot der Landwirtschaft und den ungenügenden Zollschutz. Nur am Schimpfen über die Republik merkte man, daß wir 1930 schreiben, sonst hätte genau derselbe Unsinn mit mehr Recht in den neunziger Iahren des vorigen Jahrhunderts verzapft werden können. Anders die drei anderen Reden. Der Volksparteiler Dr. Schis tan erkannte ausdrücklich die Bemühungen der Sozial- demokratie und der Gewerkschaften um die Förderung der Land- wirtschast und namentlich im Augenblick um Erleichterung der Lage der Roggenbauern an. Der Demokrat Wach hör st de Wente verschloß sich nicht den Feststellungen der letzten Grünen Woche, daß der Konsument 18 Milliarden Mark für dieselben landwirt- schaftl'chen Erzeugnisse bezahtt, für die der ländlich« Produzent 9 Milliarden erhält. Er bekannte sich zu unserem Programm der Ausschaltung überflüssigen Zwischenhandels. Am meisten aber hat vom sozialdemokratischen Agrarprogramm der persönlich sehr weit rechts stehende Landwirtschaftsminister Dr. Stelger gelernt. Er gab insbesondere zu, daß die Landflucht der Land- arbeiter zu einem großen Teil auf straffer schlechter Behandlung durch die Großgrundbesitzer beruht; er rückte von ihren Absichten auf Lohnkürzung deutlich ab und wollte die Ansiedlung von Land- arbeitern tatkräftig fördern. Auch sonst war in seiner Programm- rede ein gut Teil agrarsozialistischer Erkenntnis mit eingeflossen. Die Debate wird am Freitag fortgesetzt; außerdem erfolgt die Abstimmung über die Mißtrauensvoten gegen den Minister- Präsidenten. Oberbürgermeisierwahl in Hindenburg Genosse Vüraermeister Franz gewählt. hindenburg. 20. Februar.(Eigenbericht.) In der heutigen Stadtverordnetenversammlung ist im dritten Wahlgang in der Stichwahl gegen den Vizepräsidenten Dr. Fischer. Oppeln Genosse Bürgermeister Franz mst 22 gegen 19 Stim- men bei sechs ungültigen Stimmen der Kommunisten zum Ober- bürgermeister gewählt worden. Schaßkanzler Snowde« teilte am Donnerstag im Unterhaus mit. daß das Budget der Arbeiterregierung beretts vor Ostern, am 14. April, im Uitterhaus eingebracht würde. Der Schatz- kanzler weigerte sich, darüberhinaus inbesondeve irgendwelche Mit- teilungen darüber zu machen, ob er in seinem Budget die bestehenden Industrieschutzzölle zu besettigen gedenke oder nicht. (Gewerkschaftliches stehe 2. Beilage.) Berantwortlick» für Politik! Dr. I»rt DirtlSakt: S.«limeUöiet; Screrttchattsbeweguna: Z. eteixct; Feuilleton: Dr. Zotz» Schitowiki: Tokate» und Senfliots: Stii* SUtfläH: tln»e>aen: Xb.»locke:(SmtüA in Berlin. fietloa: Borwärls-Verla«®. m d. v Berlin Druck: Borwärto-Duibdruckerel und Berlaasanftolt Paul Singer u. Ca.. Berlin 6®« Lind-nftrab« S- Sier,u 3 Beilagen. �Interhaltuna»»» Visse»'»»».Sladtbeilagr' WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise Kir Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenahgabe vorbehalten. Fleisch, Fische, Gellügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt (Bimie Jlehenstntttel Frisch. Fleisch Kalbs tamm iun«.«.,» 0.22 Haferflocken m 0.20 Ital. Makkaroni u. Spaghetti m 0.72 Pflaumen 0.45 Pflaumen pToA 0.48 Backobst 2*To.«» 0.48 Ringäpfel'STalS» 0.65 Aprikosen m'Lis 0.85 Fische Dorsch Phnd 0.12 0.13 Seelachs 0.15 KabeljaufÜ$HS 0.17 Schellfisch rfd. suis 0 17 Fischfilet Ptd.von 0.24 m Goldbars 0.25«. Grüne Heringe... 3 Pfunu 0.55 O.OÜ Bratschollen I tc. 0 22 Zander gefror, pkl 0 60 Irlscher, Pfun von 0,7 5 an Spiegel-Karpfen lebend, Pmnd rou 1,15«■ Wurstwaren Sülzwurst. ptund 0.85 Dampf- u. Rotw. 1.00 Fleischwurst pumd 1,15 Würstchen t-t-»d 1.25 Hausm. Leberw. 1.25 Jagdwurst. Phmd 1.45 Mettwurst Br. Ar 1.45 Bierwurst..p>»od i.so Filetwurst.Pfund 1.65 Schinkenwurstpfd.1.65 Leberwurst itiae 1.80 Teewurst Pfd. 1.80 Zervelat o. Salami 1.60 Speck im 1.20 in«« 1.55 Schinkenspeck-id. 1.90 Nußschinken Pmnd 2.10 lS»«lr. Kisatmae- vtr. mtriiwz Landleberwurst 0.95 Berl.Mettwurst m.1.20 Poln. Wurst piund 1.45 KONSERVEN Uoae Karotten««schnitte»...... 0.38 Junge Karotten uew.... 0.85 Spinat 0.54 Kohlrabi.. 0.58 Brech- u. Scfanitlbohncn 0.60 Gemüse-Erbsen...... 0.55 Junge Erbsen few...... 1.15 Kaiserschoten....... 1.65 Houshalt-Gcmusc..... 0.78 Leipziger Allerlei.... 0.88 Gcmisdit. Gemüse mitteiiein 1.10 Bruch-Spargel««».... Z.85____________________ Konfitüre Vt Eimer Vicrfrudit-Marm. 0.78 Pflaumen Orange, Aprikose, Jobannisb. 1.10 Kirsch, Himb., Erdb. Sfangcn-Spargel sehr sw* Sellerie i» s-hei»«,...... Pflaumen 0.60 ohm steh Aptclmus extra Quslltll.... Mirabellen.......... Preiselbeeren UA 2.30 Saure Kirschen 1.10 SüHe Kir sehen 0.83 Gemischte Frfiditc.... Kalitornische Pfirsiche. % Dose 3.05 1.00 0.76 0.67 0.98 1.05 1.40 1.50 1.40 1.45 0.92 1.30 Wein vom Faß Renetten-Apfelwein 0.53 Johannisbeerwein 0.75 Spanischer Tafalrotweln u. Roter Tarragona ort gm» we...lu« 1.10 Malaga dankelbteu», letttOS.,. Lttei 1,30 Muskateller u. Wermut Evlsa.__ Liter'.ZO Douro-Portwein Sehl hr« Ig, Uter 2.00 Deutsch. Weinbrand u. Jamaika- Rum-Verschnitt.....>.»». 4.60 Pretoe ffir Rhein-, Mosel- n. Dordeanzweln teilweise bedeutend herebgeseirt. Preisliste«. Wunsch Preise tdi'« P lesen« ohne Qies 1928 Wöllsteiner Rheiaheese.. 0.78 1928 Qlelszeller Kirchberg Obst MusSpfel«res. pu. 0.20 BrunnerSpfel pm. 0.28 Krimapfal..?«»»« 0.38 Kalif. Aepfel Phad 0.45 Mandarinen m 0.28 Zitronen o»,», e.«, 0.35 Apfelsinen. neue». Nel�dl, ots. V. v.os se Messlna-Apfekslnen Klste SO». 100 Stock 7.50 Blutorangen___ Kiste 80 Ms ISO Stflck OeOU Gemüse I le sveia 0.90 1928 Dürkh Im. Portugieser... Rotwete 0.90 1926 Niersteiner»«-»>»«meicheii 1.30 1927 Zeller Schnepfenflug. Bukettrietling, blumigex Ptalzwaia■•Oü 1921 MÖdoC krltt'get Bor eeuz... 1.60 Lagrimas Christi». Moscatel. spinischer Edelureia 1.70 Weißkohl djstsch Möhren ge»ssch Rote Rüben Zwiebeln... 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Qoellilt, Plane tob I.ZOem Schneehühner 4 c_ Stflck von•»OD an Fasanenhähne. 2,95 Hasen�oi�: 0.95« Rehblatter pfuad 1.35« Käse Briekäse �"'�ck 0.18 CamembertMML 0.24 » Poitioceo 0.03 Limburger 0.42 0.92 Spitzkäse 0.48 Liptauer Käse teieuentg Schachtel ak'!■ l-taed 0.50 Tilsiter Art 05"d. 0.75 Edamer pid.0.75 1.10 Schweizer du- pm. 0.90 Tilsiter Toiuett,« 0.90« Münster Artige 1.05 Ho.länder«nu pm. 1.10 Schweizer Art, 4. ohne Rind«. P und 1. 1 O VÄ 1.28« Schweizer' Fette Kokosfett i-ptaTei. 0.50 Margarine Piund 0.50 Schweinaschmalz 0.65 Moikerei-Butter 1.64 Tafelbutter 1.72 1.84 Dän. Butter billigst ?tr. S7» 47. Jahrgang Freitog, Z�.KzSruar 1930 45 Nillloiieii für Berlin Deutschnationale, und Kommunisten wollten es Arbeitsbeschaffung, aber keine Mitleigewihrung? In b«r Berlw«r Stadt»erordn«tenp«rsammlunL machten gest«r die„Radikalen" von rechts und von link» wieder gemeinsam« Sache, um die vom Magistrat beantragt« Aufnahm« eines Kledit» von 4S Millionen Mark vi hintertreiben. Nur mit knapper Mehrheit gelang es, ihren für dt« kommunal« Verwaltung und für die werktätige De- välkerung gefährlichen Anschlag abzuwehren. Stadtverordneter Loewy. der sozialdemokratische Redner, kennzeichnete den Wider- stand gegen die Kreditaufnahme als schwere Schädigung der Stadt Berlin, die bei Verweigerung der notwendigen Mittel in die schlimmste Bedrängnis geraten mühte. Lfl» Feind« der werktätigen Bevälkerung brandmarkte«r diejenigen, die nicht vor einer ablehnenden Stellungnahm« zurückschrelkten, bei der die Beschaffung von Arbeit unmöglich würde. Di« Mogistratsvorlag« wurde mit 101 gegen»8 Stimmen an- genommen. Deutschnational«, Nstionalsoziolisten und Kommu- nisten bliebe» i« her Minderheit. « Dem am Sanntag verstorbenen Stadtverordneten Genossen Remhold Seifert-Charlotte, churg widmet« dar Vorsteher ch a b einen ebrenden Nachriii. An Stelle des Aerstorbenen ist Geuoise Czarlinfk! in di« Versammlung eingetreten. Eingeleitet wurde die Versammlung mst der Verlesung einer großen Anzahl Antröge und Ansragen(nicht weniger ol» sünstzch» waren da!), an deren Produktion Kommunisten und Nationalsozia- listen erheblichen Anteil statt«,. Di« Dvinglichtsit wurde sast immer verweigert, nur der Antragder Sozialdemokraten wegen der Deckung des einschläoioen städtischen Bedarfs bei der Blinde»' anstalt und ein volksparteilicher Aistrag wegen der kferabsehun« des .Fahrpreises ans der BVG. sür legitimierte Erwerbslos« wurde» sür die sosarstge Behandlung bestimmt. Anerkannt wurde auch die Forderung der LolkZpartai, da» preußische Ziinenministeriuni um Auskunst über die Pläne zur Reorganisation der Verwaltung Berlins zu ersuchen— Bei der Beratung der umfangreichen Tagesordnung wurde di« Zustimmung zur Bewilligung von 7vzsi M. für die städtischen Erholungsheime in Alexisbad und chosterwitz versagt:«in Verkauf der Erhamngsheinre soll nicht erfolgen, vielmehr erwartet die Bsrsammlung Vorschläge sisr die rentable Wetterführung der Heime.— Für die Fortführung der ttcbelterfutf* zur Vorbereitung eheumliger volksschäler auf die Reifeprüfung in Neukölln serlangie der M-stistrst 8? SA» M. D»r Au-schuh lehnte die Vorlag« ab: Stadw. Kowerau(Soz.) bemstragte Rück- Verweisung sn den Ausschuh. Selbslverstsndiich wurchte sich dst kommullWscki« Fraktion durch b«, Munh ihr«» untor gesitteten Mensch«, fast unwö stich gewarcheium Fritz tZangs�lsutälln g-aen di-s, Arbetlorkurs,. dang«, de? stch auch noch«in« besonder« Un- kMgkoit gagen die Soziavtemotrati« l«st«t«. rühmt« sich blander» seiiwr SewalUat«, i» her Neziktsoersommlung w Neukölln. Xv Antrag Raa»»»«»nkd« angenommen. Stadt». Rodde(Soz.) Ibh't« einen Antrag der Deuts chnatimiaUn. der sich gegen die Lehe. und Scschästlgnngswerkstlllteo für Srieasbeschädigte richtet, aus seinen wahren llrsvrnn» zurück: E» ist di» Angst vor der vermeintlich?» Konkurrenz der Werkstätten gegenüber den Dewerbeireibend«,. Di« Kommunist,» unter stützt«» natürlich da» Begehr»» der Deutschnotionalen, indem sie gegen hie Werkstätten mit den lächerlichst«, und unmögjüchste» Argumenten vorgingen. Stadt». R o h de.«in aitsr Fachinann auf dem Gebiet«, sagte dem Komm»- iststen Vänsch. seines Zeichens Berufsberater Helm Ärbeitssmi Sud, daß er, Vänsch, keine Ahimng von den Dingen Hab«. Di« Werk- stalten sind technisch mü» persönlich gut gelestet, kaufmämrisch e n- wandfrei geführt. Wenn ausgerechnet der Kommunist Vänsch den Gewerkschaften aufgibt, sich um den Betrieb zu kümmern. so sei daran zu erinnern, daß es die in Berlin kcminunistisch g«- leiteten Tabokarbeiter- uich Schuhmacherverbäwde waren, die die Tarife für di« Kriegsbeschädigten in den Werkstäste» abschlosi n. (Hört, hört! bei den Soz.) Herr Bänsch hätte bewiesen, daß er trotz seines Berufes nichts von der Materie versteht und daß er im vorberatenden Ausschuß geschlasen habe, denn praktische Borichläge hätte inan dort nicht gemacht. Der 4S'Mittionen-Kredit. 'Aai) einer fast»instündig.m Unterbrechung der Sitzung, in der die Fraktionen über die AnsnaliNl« und die Kuststiimung zu dem kurzfristig auszunehmenden KredttvonsSMiUlonenMar? berieten, begann die Debatte im Plenum. Nack) der Magistrattpor- l-x-x sog her Kredit etwa so ve«»»»» werben: Brückenbauten 14 683 160 Mark, Straß«, rbauten 5 500000 M.. Schulbauten und sonsiiae Ber- waltungsbauten 5 05? 400 M-, Bäder. Krankenhäuser, Wahlsahrts- anstalten 4 562 7SS M.,»ertraglich« Leistungen 14 755 070 M. Nor der Berotun«) beav.traqten hie Komiministen eine halb? stündige Redezeit: die Ablehnung diese» Antrags benutzt«, die Kommunisten und Nationalsozialisten zu einein kleinen Krach, aber der Vorsicher Faß gab dem Verlonaen Nack nockmu, liger Abstimmung nicht nach. In ber Debatte bezeichnete Sdidtoerordneter Schwenk (Komm.) die Bedingungen der Anleihe alz haisobschneiderisch. Die Nationalsozialisten erklärten, daß sie dlssem System nicht den kleinen Finger reichen wollten. Bürger, wüster Schalt, detonte, daß in den 45 Millionen Mark allein bei Hochbauten für 14 Millionen, zu denen noch unbedingt notwendig« Schulbauten in fiahe vieler Millionen kommen, neue Arbeiten bei ber Weiterführung de- gonnener Bauten ausgeführt werden können. Zur Behebung der Erwerbslosigkeit sei das nicht ohne Belang. (Geschrei bei den Kommunisten.)?>er Bürgermeister bat um An- nähme der Vorlage. Der Kommunist Pieck verstieg sich ,zu der Be- Häuptling, daß die Kommunisten kewe» Funken von Garantie sähen, daß für die 45 Millionen Mark auch wirkliche Arbeit geleistet wird.(Großer Lärin im Hanse.) Der Magistrat Hab« wie ein Bankrotteur aewirtsckastet.(Lärm und Zurufe: Verschache- run« der KV D-- Betriebe!) Nur ein.Lontrollausichuß aus Werktätigen, Erwerbslosen und rote» Betriebsräten' könnte die Gewähr für ordnungsgemäße Verwendung d,r Gelder bieten. Di« Anleih« sei»in Geschäft gegen di« werktätig« Masse.(Größter Lärm, W« Kommunisten brüllen..Hoch und Nieder*, klatsch«,, Poisall und lassön lann den deuticknottonal»» Redner, den Miltsl-mann«nicke j, der Recktan und den Kammunstran. Herrn oo» Ieckliu � rudto spreckien!)........ Nach n. ZeckU»(Dwrt.) find dl« Ankgaben sür Schulbauten, kür VolkMdK und KranionhSuser cuiasaurgabe«. vor den«» die Dentschnationol«» schon immer und co-ch setzt warnten. Di« ganze AnlM« und ihr« Auswertung sah Herr v Iecklin nur ol» eine politisch« Anaeleghelt an- Stadto. Doewy(Soz.) stcllr« icsi, daß die Unordnung des vberprüsidenten. der Stadt Berlin kurzfristige Kredite zu untersagen, bereite ichon ausgegeben sei, sonst tönnre diei« Anleihe nicht zustande konunen.(Sehr rinstig! bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber Zurufen von reMs her bemerkte der Redner, daß sie alles daransetzen, den Kredit B«r- lins zu schädigen.(Brevo bei den Sozialdemokraten) Die Seellmm der Kommunisten wird durch die Abstckst bedingt, der Ar- (imietschast und der Stadt t» den Rücken zu lallen! Die Vorlage nmß annehmen, wer ernsthaste Artest leiste,, will und will, baß ttädttsche Arbeiter ordnungsgemäß bezahlt werden. wer sie ober ablehnt, der beweist, daß er ein.?eind der arbeitenden Bevölkerung ist! (Vravol bei den Sozialdemotrairn.) Stadtverordneter Zürich(D, Vp.) polemisierte gegen Kainmunisten und Nationalsozioflstcn: dem deukschnationalen Redner warf der Redner mangelndes Verorit- wortungsgefühl gegenüber der Stadt vor. Bürgermeister Scholtz bekräftigte, noch einmal.zu Wort gekommen, biß keine einzig« Aktie der städtischen Werke und Gcsetlschasten sür die Anleihe verpfändet werden soll. Im übrigen seien es gerade die Kommunisten gewesen, die durch uferlose Anträge Ausgaben über Ausgaben machten und trmchen wollten, setzt ober, wo es an die Bewilligung der Mittel geht, nickt dabei sind. Werde ber Anleihe nicht zugestimmt, so sei Berlin in der nächsten Zeit nicht in der Lage, seinen Verpflichtungen noch- zukommen. Wenn dann die Aussicht über die Stadt verhängt werde. wenn dann ein Etat ausgestellt werden muß. der der erwerbs- tätigen Bevölkerung nicht im geringsten entgegenkommt, dann haben die Parteien die Schuld, die der Stadt das Nätiqste verfagten. In der Abstimmung wurde zunächst In einfacher Abstmi- nm»g ein Antrag angenommen, der einen Ueberwachungs- a n s s ch n ß für die Verwendung der Anleihe verlangt. In nament- licher Abstimmung wurde alzdann der Ausnahm« der Anleihe mit Üb gegen 10l Stimmen z u g« st i m»> t. Dagegen stimmt« die be- rühmte stadtseindliche Einhcitesront der Komnunnsten, Deutsch- nationalen und Notionalsoziolisten. Anschließend wurde noch eine Anzahl kleinerer Vorlagen nieist dehattelos angenommen. Der Fraktionsredner der Sozialdemokratie lloewy kam bei der Beratung der Anleihevorlagc auch noch besonders aus di» gesorderte Lonckardierung von i», Besitz Berlins befindlichen Aktie»- paketen einer nichtstädlischen(Yejellick>ai't zu sprechen. Die Pedingun- gen der Vonkengvupp« sind schwer, sie fordern vor allem Ticke- r u n g e n. die früher nicht verlangt wurden. Dieselben Danken haben vor vier, süni Iochren Berlin bei der damals bei der Stadt herrschenden Geldfliissigkeit recht gern um Unterstützung gebeten, um dringende Verpflichtungen erledigen zu können. Die Siadt bat damals Vertrauen zu der Stellung der v-Banken uub ihnen gleichwertiger Geldinstitute gelzabt und hat keine Sicherungen ver langt. Jetzt statte» die Banken der Stadt den Dank für ihr» damalig« Aertrauensseligk«« her A u f b a U de» Auto« und die Borderochs« de» Anhänger» abgerissen. Der Straßenbahnwagen wurde gleichsalls schtper beschädigt. Der Bremser d«s Anhängers, ein SOjähriger Hermann Flügel aus der Lortzingstraße 28 und ein fünfjähriger Knabe Günter Fr'cke au» der M o n„ m« n t e n st r a ß e, der in der Straßeichah» saß. wurden erheblich verletzt. L«de wur- den in» Moabtter Krankenhaus übergejührt. Durch de» Unfall entstand«ine Verkehrsstörung von«imnertelstündiger Dauer. 5f�@e < �icncg Denn ihr Begriffsvermögen hatte, wie ihr physisches Da- fein einen großen Schritt vorwärts gemachtt Vieles, was dunkel oder kaum geahnt worden war, erschien setzt in klaren Umrissen. Gefühl« mch Lechenschaften, von denen sie gehört hatte, deren Wesen ihr stidoch fremd War. vermochte sie jetzt zu empfinden und erkannte sie in dem Blut, das durch ihren jungfräulichen Heid floß. Jetzt, als sie Bruno weinen und schluchzen sah. lernte sie auf einmal die schwache der Männer begreifen.- erkannt, dt« Achillesferse dieser groben, starten Geschöpfe, deren eiserne Muskel und mächtige Gestalten von der zarten Hand �iner Frau besiegt und zermalmt werden können.-. Eine furchtbar« Erziehung hatte dieses arm« Kind durch das schmutzige Leben in der Mietskaserne genossen, ein Leben- das sie dazu verdammte, das Opfer ihres eigenen Scharfsinns zu worden. Als Bruno sich verabschiedet hatte. um seinen Brief in den Kasten zu stecken, blieb Vombmha, die Ellbogen auf dem Tisch, das Kinn in der Hand, sitzen und dachte nach. E» waren doch wirklich schwache Geschöpfe, und sie unterlagen einer geheimnisvollen Macht, über die nur Frauen verfügten"• einer Macht, die sie trieb, sich tief zu beugen und um«ine Liebko'ung von der Hand, die sie verspottet und entehrt hatte. Wie vielen solchen Fällen, war sie nickt in ihrem.Lorresponderßzbüro" begegnet, wie vielen, die gleich Bruno wimmerten uird schrien nach einer Frau. die jedermann als unwürdig erkannt hatte? Würde sie selbst auch solch« Macht besitzen? Sie lächelte — aber dahinter meren Klauen verborgen. Und«Shrsnd sie so dasaß und grübelte, wurde ihr manch« klar. Sie erinnerte sich an di» vielen BUd,r. die ihr Leoni« gezeigt hatte, als sie die Kokott« zum erstenmal besucht«. Es waren Photographien von Männern, meistens älteren Herren in bohsn und geacht-ten Stellungen, die all- in den zärtlichsten A»«drücken«n-r«rost tusertsy seichrieb-n hatten, um derentwillen sie ihre Familien g-d-mütlgt. die Achtung der Gesellschaft verwirkt und ihren Besitz verichleu-> dert hatten, und die Frau, für die all diese Opfer gebracht worden waren, hast« sie seelenruhig alles dessen beraubt, was ihre Laune befriedigen und ihr Wohlergehen erhöhen konni«, und als nichts mehr aus ihnen herauszuholen war, hatte sie ihnen kaltblütig die Tür vor der Nase zugemacht. Ja, es war etwas Herrliches, eine fesselnde Frau zu sein — dachte diese Lungfrau aus der Mietskaserne imstande zu sein, dies« eitlen Mannsbilder zu beugen, ihr Herz zu brechen und sie zu quälen. Wie tonnte eine Frau iyren Neiz besser verwenden, als indem sie der Welt bewies. was für ein lächerlicher Sklave der Mann ist und wie bereit. sein Mes der vor die Füße zu werfen, die ihm gestattet. wenige, ganz wenige von den Genüssen zu kosten, die sie zu gewähren hat, und die ihn dann zugrunde gehen läßt— während«r di« rlnggeschmückten Aände küßt, die Ihn er- würgen? ..Ach ia. diese Männer*, seufzt« d>e zukünftige Gattin Joao da Costas, als fi« chre Handarbeit wieder aufnahm; sie nähte gerade Spitzen an das Kissen, auf dem ihr Haupt ruhen sollte, wenn sie den ersten Kuh ihres Eheliebsten«mvfing. Hatte sie der goldene Traum ihres Daseins gewesen war? Jetzt, wo der Augenblick feiner Verwirk- lichunal kam, fühlte sie nichts als Widerwille.» und Furcht, Von Herzen gern würde sie zurücktreten, wenn es nicht um ihre Mutter wäre. Aber die Geduld und Knechtsarbeit her Guten mußten doch belohnt werden: Isabels müder alter Körper sollte noch ein paar Jahre der Behaglichkeit erleben, So kam es, daß eine Woche später das ganze chavs sich t» heftigster Erregung befand und Nummer fünfzehn von oben bis unten mit Rosen geschmückt war. Um elf Uhr hielt ein Wagen vor dem Portal, und eine dicke Dame in grauer Seide stieg aus. Es war die„Madrinha" oder Ehrendame, pst gekommen war. die Braut zur Kirche Johannis des Täufer« zu führen, wo die Traufeierlichksit um zwölf Uhr stattfinden sollte. Alle Freunde und Nachborn, die die kleine Pombinha seit frühester Jugend gekannt und geliebt hatten, stand ep jetzt, die Hände auf dem Rücken. Spalier; und während ihr Mund lächelte, waren dle Augen der meisten von Tränt» feucht. Als sie einen Augenblick im Türrahmen stand, um ihre alten Freunde, mit denen sie jetzt nicht wehr zusammenlebe», sollte, noch einmal zu überschauen, bot sie ein entzückendes Bild. Ganz in Weiß, mit Sckleier und Kranz, schlank, graziös und anmutig— wie ein Täubchea. das vor seinem großen Fluge«inen Augenblick inNehLlt. meinten die begeist-rtep Waschfrauen, S'« war von der Huldigung ihrer«inkachen Freund- sichtlich gerührt, winkte m't ihrem Bdimenstranß und warf ihnen beim Hinausgehen Kußhände zu, (Fortsetzung folgt.) Meußdorffer wieder entiaffen. Schoberth und Popp bezichtigen sich erneut der Tat. Vayreukh, 20. Jcbtmir, Die MordaffSre Meuhdörffer in Kulmbach nimmt icht eine goupdezu sensationelle Wendung. Die Zustizpresse. stelle Bay»eulh verösfcnllichl nämlich soeben folgende amtliche Verlautbarung: Die Straf/ ammerdc« LandgerichtsBayreuthhat Donnerstag beschlossen, gegen die bei der Bayerischen vereiosbaut, Filiale Soburg, hiuterlegle Bürgschaft von 1 0 0 000 Wart Sicherheit de» angeZchuldlglen Kommerzieurat M e u h. dörsser von der weiteren Untersuchungshast zu verschonen, hier- für waren im wesentlichen die nachstehenden Gründe maßgebend: Die bisherigen Erhebungen haben sich aus alle irgend in Betracht kommenden Verba�kspunkte erstreckt. Verdunkelungsgefahr ist des- halb nicht mehr zu Riskieren. Die amtsärztliche» Gutachter stad teil. «eise der Meinung, üommerzienrat Meußdärsser leide an Ar- terio- Sklerose. Diese Krankheit kann Dämmerung» zustände mit sich bEngen, welche das Verhallen Sommerzienrals Meuhdörffer nach den, Tode seiner Ehefrau nicht mehr so ganz nnverstäirdllch erscheiner, lassen, wie es bisher der Lall war. Gerade diese» unverständliche vierhallen Meuhdärssers aber hat bisher nach der ilnsichl des Gericht», den starken Verdacht.gegen Meußdorffer gm meisten gestützt. S ch uO e r l h und Popp hotten bekaunllich vor einiger Zeit ein Gestänifeis dahin abgelegt, daß sie in der fraglichen flacht in da» Schlafziiqmer der Iran Meußdorffer eingedrungen feie« und diese auch eruzürgl hätten. Von. anderer Seite � wird mitgeteist, daß Schuberth und Popp, von denen der letztere übrigens den Nationalsozialisten angehören Holl, sich erneut der Tat bezichtigt hab.en. Di« bay« fische Justizbehörde täte wirklich gut. nunmehr mit aller Energie den geheimnisvollen gall zur Aufhellung zu bringen, damit nicht aus der Tragödie eine Tvagigroteske wird. Die Beförderung des Wachtmeisters. Sine schwierige Rehabilitierung. Als der Polizeiwachlmeister B. zum Polizei- oberwachlmeifter gefördert war. fragten sich bei dem Lest,, da, in feiner Wohnung zur Leier des Ereignisses staltfand. die lieben Lreunde und Nachbarn:„wo haben die Leute nur das Geld für dickes prachtvolle Porzellan, diese seinen Kriflallsochen, dieses ausgezeichnete Silber her?" Vatd gab es Tujchcleim und Gerede.„Da ist etwas nicht in Ordnung. Der Beamte Hot sicher gestohlene Sachen in Auf» bewahrung. Wer weiß, was da los ist." Die Angelegenheit sollte ii. der Tat ein« überraicher.de Autklärung finde»». Es war die Frau des Polizeibeamien, die mit der Verkäuferin eines großen Warenhauses befreundet war, und die beiden Freundinnen ließen die schönen, bei dem. Feste so angestaunten Sachen neben NKUichem anderen ohne Bezahlung verschwinden. Man kam hinter die Dinge, und gegen die beiden Frauen wurde Anklage wegen gemeinschaftlichen Diebstahls erhoben. Inzwischen aber hatte sich das Eheimar B. Schwer erzürnt. Der Polizeioberwachtmeister hatte die Schridungstlage eingereicht, und jetzt behauptete die Frou. ihr Mann Hab«- von all den Diebstälsten gevaußt und sie gebilligt und gefördert. Alle drei standen jetzt vor Gericht. Der Beamte'agte au», daß er von dem Vorgehen ieiner Frau keine Ahnung gehabt liabe. Diese' habe ihm vielmehr immer gesagt, daß sie durch Kommissionsgeschäfte sehr gut verdiene, UNd er habe sich, ohne das geringste zu argwöhnen, über die herrlichen Sachen von Herzen gefreut. Diese Angaben mochten wohl etwos sonderbar klingen, aber die Deioci-auiimhme sollt« dem Beamten recht geben. Nicht weniger als 3 7 Z« u g e n waren von den beiden Streitenden geladen worden, und darunter betanden sich auch die liehen Freunde und Freundinnen von der Beförderungsfeier, die den Stein ins Rollen gebracht hotten. Was die Entlastungszeugen des B. aussagten, das müßte in starkcrem Maße über- zeugen als die Berichte der Freunde und Verwandten seiner schon durch die Scheidungsklage schwer erbitterten Ehefrau. Frau B. erhielt 1 Monat Gefängnis, ihr« Freundin wurde mithrciMonaten bestraft. Der Oberivachtmeister wurde freigesprochen. Das Gericht konnte in keiner Weis« seine Schuld als erwiesen ansehen, aber sicher wird er sich den Fall hinters Ohr- schreiben. Hoffentlich aber erinnert er sich euch an sein Mißgeschick, wenn er einmal selbst beruflich im Straßendienst oder auf d«r Wachtfiube mit Beschuldigten zu tun hat, gegen die kein klarer Beweis vorliegt. Paletotmarder schwer bestraft. -Zu einer schweren Zuchihausstlaf« verirrteilte das-Schöffen- gerichi Eharloiienburg geftern den Schneider Hermann Ziehm, der im vergangenen Winter, in der Technischen Hochschule in Eharlott enburg eiir- und ausgcgqngen war und in»nehr als 3» Fallen die Schränke der Studenten aufgebrochen hatte, um ihr« Mäntel wegzunehmen. Der Angeklagt«»vor geständig. Er gab zu. daß er sich in der Hochschule als Student eingechlichen hatte. Um unauffällig zu bleiben, trug er einen»oeißcn Kittel und nahm einen Kleiderschrank für sich in Ampruch, in den er seinen eigenen Mantel hing, wenn er mit einen» ireindc» davonging. Im Dezember wurde er oer- haftet, da es einem Studenten auffiel, daß ei» Mann mit feinem Mantel die Treppe hinunterging/ Bei feiner Feststellung ergab sich, daß er außer diesem noch zwei weitere Mäntel über feinen» Anzug hatte. Z. bchaüplele vör Gericht, daß er nur aus Not gehanddt hätte. Seine Frau fei lehr krank gewesen und er Hab« Geld gebraucht, um den Arst bezahlen zu könne»». Da er aber bereue häufig wegen Cigentumsoe» gehen schwer, auch schon mit Zuchthaus, bestraft war, versagte das Gerickst mildernöe Umstände und verurteilte ihn wegen schweren Diebstahls im Rück- fall zu Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Berläitgerte Polizeistnnde auch Tkaftnacht. Nachdem der Polizeipräsident bereits einer Verlängerung der Polizeistunde für den l. und ll. März bis 5 Uhr, zuzüglich einer H.Äbftünd'.-gen Räumungsirist der Lokale.zugestimmt hat. wird jetzt bekanntgegeben, daß diese Verlängerung auch für Fastnacht, Dienstag, den 4. März, gilt. Der Polizeipräsident Hai diese Er- leichterung ohne besondere Anträge de? Interessenten zugebilligt. Da».S. Sinfonlekonzerk der Schutzpolizei finde» am 3. März k» der Staatlichen Hochschul« für Musik in Chartottenburg statt. Es gelangen zur Aujiühruizg: 1.-Akademische Festouvertüre von ?i. BrahMÄ. 2.' Konzert für Violine und Orchester von Brohms Solist: Diez Weismann). 3. Auf vielfaches Verlangen: Raskolni- koff-Ouverlüre, Phantasie von E. N. v Zieznicek. 4. Tristan und Isolde, Borspiel,»ind Isoldes Liebestod von R. Wagner. Wie bis- her, verfolgt, auch dieses Konzert iwohltätige Zweck« und soll dazu beitragen, das gute Vertrouensverhölknis zwischen Bevölkerung und Polizei ilnmer sreundl icher zu aestalten..Der Norvertaus von Ein- trittskarten findet wie bisher bei Bot« u.' Back, bei Wercheiw, Leipziger Straße mit cn der Abe-ndtass« staut. Gefangener seines Bruders. Zum Skelett abgemagert im Dachboden aufgefunden. Durch einen Zufall ist man in Breese« bei Z ie- leuzlz im kreise 0 st st e r n b e r g(Neumark), das zwei Stunden Bahnfahrt von Berlin entfernt liegt, einem scheußlichen verbrechen auf die Spur gekommen. In der Ortschaft Breesen hat der jetzt 54jährlg« Bauer G u n- der m.a n n ein Anwesen. Vor ctiva zwanzig Jahren verschwand plötzlich der um einige Jahre jünger« schrnochsinnige Bruder des Gimdermann»md niemand wußte, wo er geblieben war. Jetzt, nach zwanzig Jahren, wurde der Verschwundene, der von seinem eigenen Bruder in einem vergilterten Verschlag im Dachboden gefangen ge- halten wurde, in einem kaum beschreiblichen Zustande aufgesunden. Kommissar Johannes Müller von der Mordkommission des Ber- liner Polizeipräsidiums hatte zusammen mit zwei Berliner Krimi- nalassiftemen in einer Morbofsäre in Zielenzig zu dm. Am Mitt- woch abend erhielt Kommisiar Müller«in anonymes Schrei- b e n, in, dem behauptet wurde, daß der Bauer Gundermann auf seinem Grundstück einen Menschenaffen gefangen Halle. Die beiden Krimmolafsistenten begaben sich darauf sofort noch Breesen und wollten eine Durchsuchung des Grundstücks vornehmen. Gun- bernrann verireigerte den Beamten jedoch den Zutritt, so daß die!« sich schließlich mit Gewalt Einlaß verschaffen mußten. Die Beamten saniden die Angaben des anonnmen Briefschreibers bestätigt. Auf dem Dachboden des Wohnhauses stießen sie auf«inen Derschlag. Durch«in völlig verschmutztes Fenster drang nur ein wenig Licht. Auf verfaultem Stroh, das von Ungeziefer wimmeL.- lag«in etwa fünfzigjähriger, unbekleideter, völlig verwahrloster Manu, der bis zum Skelett abgemagert war. Als die Beamte» eintraten, gab er unverständliche tierische Laut« von sich. Er mußt« gewaltsam aus seinem Gefängnis getragen und in dos Kran- kenhaus in Zielenzig gebracht werden. Eine näher« Besichtigung des Gefängiüsie� gab ein geradezu erschütterndes Bild. Der Fuß- Hoden des Verschlag«? war mit Unrat übersät. In einer Schüssel befand sich ein schmutziger Mehlbrei, offenbor das Essen. das der uivnenfchlich« Bauer seinem Bruder geben ließ. Das Fenster war außen mit einem starken Gitter versehen und die Innenseite» »nit Gips verschmiert, so daß das Fenster nicht geöffnet»verde» konnte. Der Bauer Gunderrnemn hatte, wie jetzt feststeht, den 800 Morgen großen Hos von seinen Eltern geerbt. Als die Mutter vor etwa 12 bis 13 Jahren starb, setzte sie zur Pfleg« und Unterhaltung ihres schwachsinnigen Sohnes einen Betrag von 12 VCO Mark aus. Sie erwartete, daß der Hoierbe seiner Pflicht getreulich nach- kommen werde. Der aber hat das Geld für sich fslbst verbraucht und den hilflosen Schwächst mi-ixen auf die unmenfchliche Weis« eu«» gesperrt. Gegen den Bauern Gundermann ist ein Verfahren ein- geleitet. Er befindet sich im Polizeigefängnis in Zielenzig. Gastod eines alten Ehepaares. Gemeinsam erwarteten sie das Ende. Wegen schlechter Geschäftslage und wirtschaftlicher Schmie- rigkeilen ist wieder ein betagtes Ehepaar in den Tod gegangen. Der 63 Jahre alte Schneidernleister Richard Kaiser betrieb zusammen mit seiner drei Jahre jüngeren. �E h« s r a u im ersten Stock des Hauses Boyenstr. 41/42 eine kleine Schneiderwerkstatt. die aber in der lefsten Zät nicht, mehr recht ging. Am Donnerstag früh erhielt die Schwester der Frau einen Abschieds- b r i« f ihrer DerwarüZten, daß sie aus Furcht vor der unstchersn Zukunft gemeinsam in den Tod gehen wollten. Di« Kriminalpolizei des 4. Reviers, die sich Zutritt zu der Wohnung verschaffte, fand die Küche mit Gas augefüllt und die alten Leute regungslos auf Stühlen sitzend vor. Ein herbeigerufener Arzt konnte nur noch feststellen, daß der Tod bei beiden schon vor mindestens 18 bis 20 Stunden eingetreten wir. Die allen Leute müssen gleich, nach- dem sie den Brief abgesandt hotten, ihren Entschluß ausgeführt habe»». Die Leichen wurden von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Ehloroformüberfall im Massagesalon. Ein jugendlicher Räuber vor seinen Sichlern. Im Sommer lSZS halten sich drei junge Leute z u e l n e r Räuberbande zusammengejchlosteo. die de» Beschluß gefaßt hatten, in Masjagesalons einzudringen, die Be- wohner mit Ehloroform masken zu betäuben und dann die Wohnungen auszurauben. Ihr erster Ueberfall gaff einer Dame, die sie in einem solchen Salon kennengelernt hatte»«. Während sich der 22iährige Werner O h m a ch t mit der Dan«« zurückzog und«Hr. in einem günstige» Augenblick die Chloroformmaske überstülpte, stürzten sein« Freunde, die im Korridor gewartet hatten, auf seinen Pfiff hin in die Zimmer und raubten sämtlich« vorhandenen Schmuck, und Kleidungsgegevstä-nde im Wert« von ungefähr 1600 Mark. Noch, dieiem iZiffalg■ deschtosv das. Trio,/ fsins Tätigkeit auf einige Moffagesaloils nt Berlm mch auch in airderen Städten aiiszudehnen- Die geplanten Raubzüge mißtongen ihnen aber in den meisten Fällen. Lange Zeit blleben sie unentdsckt. Erst nach manatclaiiger Sucharbeit der Kriminalpolizei. kvnmen die drei Diebe verhaftet werben. Der eine, namens Marcel Eqck, der nach der Aussage des Angeklagten Ohinacht auch zwei Mords auf dem Gerviffen haben soll, beging in der Untersuchungshaft Selbstmord. Der Prozeß gegen den zlvciten, den Architekten Reihler, der noch in München im Gefängnis fitzt, wurde verschoben, da mit ihm auch die Helfer und Hehler der Bande abqeirrteill werden solle»«. So verhandelle dos Schöffengericht Berlin-Mitte«mr gegen den juirgen Ohn«acht, deffen Verfahren von dem der übrigen abgetrennt awrden »var. Cr war geständig und schilderte dem Gericht genau seinen Ueberfall auf die«ine Dam«, der den Hauptpunkt der Anklage bildete, fowie die übrigen Pläne seiner Freund«. Der Staatsomvall beantragte«ine schwere Strafe, da die Überfallene Frau noch heute unter den Wukmigzn des Chloroforms zu leiden habe. Das Gerich: billigte jedoch dem Angeklagten, der an den späteren Raubzügen der Bande nicht beteiligt war, wegen seiner Jugend mildernde Umstände zu und verurteill« chn«oegen schweren Raubes zu ZK Iahren Gefängnis. Vergleich der Veamienbank bestätigt. Oie Gläubiger wollea wissen, wann sie ihr Geld bekommen. In einem besondere« Verkündungstermin hat da, Amk». geeicht Berlin- vlilte unter Vorsitz von Amtsgerichtrral Dr. Herr den bereits in der Gläubigerverfammtnug in der Neuen Aoloholle mit der erforderliihen Mehrheit angenommenen Vergleich in dem Vergleichsverfahren der Bank für Deutsche Beamte bestätigt und als rechtskräftig erklärt. An dem Verkündungstermin nahm der vom Gericht bestellt« Vertrauensmann,- Konkursverroaller N o e tz« l, die L.guidatoren der Bank für. Deutsche Beamte, D r Heller und Polizeimajor a. D. Sit eck er, uisi? für den Gläubigerausschuh die Rechtsanwälte Dr. Roth und Wolf teil. Amtsgerichtsrat Herr erklärte in dem Befiätigungsbefchluß des Vergleiches, daß damit auch das»veitere Verfahren aufgehoben werde. Von den 63 91 Genossen- gläubiger», die Forderungen in Höh« von insgesaint 3,213 Millionen«rtreten. hatten sich 4033 Genossen n» t 2.667 Millionen Mark Forderungen für die Arinahme des Vergleichs entschieden: von den reinen Gläubigern, deren Gesamtzahl 8Z91 mit 7,574 Millionen Mark Forde- rungen beträgt, hatten sich 6733 mit Forderungen in Höhe von 6H3 Millionen Mark für den Vergleich ausgesprochen, so daß in beiden Fällen die gesetzlich erforderliche Anzahl bei vxitem über» schritten worden»er. Zu den Forderungen kommen noch die Zinsen vom 1. Januar 1929 bis 12. Juni 1930, dem Tage der Eröffnung des Vergleichsverfahrens, hinzu, die für die Forderungen der Gläudigergenvsien und reinen Gläubiger insgesamt 700 003 M. betrage«« und gleichfalls abgedeckt st ab. In der Begründung des Bestätigungsbeschluises rvurde noch betont, daß alle im Bergl ichsverfohren notwendgen Borschristen erfüll« worden. feien und keine Gründe gegen die Be- stätigung vorlägen Anträge aus Derfenderung des Ve g'eichs sei n ebenfalls nicht gestellt, so daß er damit rechtskräftig gewoiden fei. Als dann der Borsitzend«, Anttegerichtsrat He«?, die Verhand- lung fchloß. wurde aus den Reihen verschiedener Dlöudiger die Frag« gestellt-.Wann bekomm«!« wir denn unser Geld ausgezahlt?" Anttsgerichtsrat Herr erklärte, daß die Durch. führung des Vergleichs Sache des Gläudigerausschuffes sei, daß aber die Auszahlung erfolgen«verde, folvie jeweilig 10 Proz. der Forde» rungen eingegangen feien. Von den Mitgliedern des Gläubiger» ausschuffes wurde hinzugefügt, daß die ersten Auszahlungen vor. aussichtlich zwischen Ostern und Pfingsten dieses Jahres erfolgen dürften. Der Gläubigerausschuß hofft belanntlich. eine Vergleichsquote von 60 bis 70 Proz. herauswinfchoften zu können. Bildfunk Berlin-DrenoS' Aires. Vor einigen Tagen fanden zivifchen den Polizeibehörden von Berlin und Buenos-Aires Bildfuirkübertrogungen stalch durch die festgestellt werden sollte, in welchem Umfange der droht- lose Bildfunk für die Polizei zur Fernidentifizierung gesuchter Personen geeignet ist. Die Uebertragungen.-bei denen Bilder und Fingerabdrücke zwischsi» bÄvrn Orten gewechselt wurden, hatte« meinen vollen'-Eviolg.'.Die-Sendirnge«»'. sind- chlf beiden Sksten Nor und deutlich angekommen. Die übertrri teilen Fingerabdrucke reichen für die Identifizierung aus und genügen den polizeilichen Zwecken. Bei den Bildern ist jedoch'zu berücksichtigen, daß es sich zunächst um Strichätzungen handelt, während zur Identifizierung von Personen wir Lichtbilder verwendet werden können. Doch ist wohl die Usbermittlung von Originallichtbildern nur noch ein« Frage kurzer Zelt. Di« Zeitdauer der drahtlosen Uebermittlung ebres Bildes betrögt ungefähr acht MinVten, so'daß es möglich«st. in wenigen Minuten Fingerabdrücke und Personalbeschreibung eine» Verbrechers von«wem Kontinent zum andern zu übermitteln, wo- zu bisher Wochen gebraucht wurde««. städtischer Autobus nach Teltow. Am Morckaq, dem 24. Februar 1930, wird die Omnibus» linie 6 von N e u- W e st e n d über Schönow bis Teltow, Rublsdorfer Platz,»oeitergeführt. Der Fahrpreis Tcllom— Neu» Westend beträgt 30 Pfennig mtt Umsteige bercchtigung: Schönow-. Neu-Westend 23 Pfennig wie bisher. Die Linie fuhr: dann di« Bs- Zeichnung„T". Rechtsanwait v?. 5. ist«in weit berühmter Verteidiger. Ruhig, sachlich- und doch ein. dringlich und überzeugend sind seine Plädoyers. Er beherrscht stets die Materie bis ins Letzte. Seine Gegner Fürchten seine SchlagFertisIcelt, seine Klienten bewundern die Menschenkenntnis, mit der er euch die geheimsten Beweggründe und die Tücken überreizter Nerven versteht. „Viele EhekonflÜctc- sagt er oft- sind nichts weiter als ein Versagen der Nerven.Wicvicl Froher und glücklicher würden viele Menschen leben, wenn sie stets den unschädlichen KaFFcc Hag trinken. CoFFeln kann eben nicht jeder vertragen. Ich trink« Hag seit Jahren und mbchbi Qm euch wegen seines unübcrtrefFRehen Getchmsdts nicht missen." JftTte Ii» Coli' unt StllerJratt t��Arbeü�cünSsM MalßHoIk KkW, der Geist, so m. 1 1' M MWWMei-nchmen. i| Z li/ltfi'«/ Wmfai 'fyffimA fxRB/iri w&WSA MMMWÄ cio�keiik� . M U?. die 0lg��««»ep°ch°I lieben im Zekatten... Line traurige Liste erzählt von den Leiden der Gebrcchüchen. Täglich trifft man sie irgendwo auf den Straßen, den Blinden oder die lahme Frau oder ein gebrechliches Kind. Einen Augenblick 'ährt man zusammen, dann hat man die Schwere schon wieder ver- gefsen. Wann legt man sich schon einmal Rechenschaft darüber ob, wieviele Gebrechlich« es wohl Mben mag! Auch sie sind gezählt, d a s S t a t i st i j ch e R e i ch s a m t ist ge- rads erst mir einer ziemlich genauen Ausstellung fertig geworden, Hfe all« Gebrechlicken im Reich« enthält. Rur Württembergs Zahlen Legen zur Zeit noch nicht vor, da hat man etwas langsamer gearbeitet. Im ganzen Deutschen Reich— also ohne Württemberg und ohne Saargebiet— wurden insgesamt 677808, das sind je 113,3 auf je 10 000 Einwohner, gezählt. Von ihnen waren männl. weibl. zus. blind....... 18 242 13 313 31655 taubstumm und ertaubt. 22 393 20 252 42 645 körperlich-zebrechluh.. 292 126 117083 409 208 geistig-gebrechltch... 110316 107 072 217 388 Die mehrfach Gebrechlichen sind bei jedem ihrer Leiden gezählt. Eine traurige List«! Wieviel LÄd liegt in ihr. Es ist richtig, trief« Zahlen aus dem Jahre 1929 geben nicht den normalen Stand m Deutschen Reiche an. sie haben durch die Folgen des Krie- g e s ihre besondere Ueberhöhung erfahren. Man ziehe di« furcht- bare Zahl der Kriegsgebrechlichen von der List« ab: 2411 Blind«, 833 Taubstumme und Ertaubte, 132933 körperlich Gcbrech- liche und 6303. geistig Gebrechliche. Dann bleibt zwar immer noch ein« fürchterliche Gesamtsumme übrig, ober st« entspvicht doch der Allgemeingebrechlichkeit in der Well, ja, Deutschland kommt sogar damit noch etwas besser weg als der Durchschnitt. Beachtlich ist der. Anteil des weiblichen Geschlechts, obwohl er bei den körperlich Gebrechlichen sehr erheblich von dem der Wän- ner Übertrossen wird. Das hat aber seine natürlich« und naheliegend« Erklärung. Man denke nur einmal daran, uneviel mehr der Mann im Lebens- und Berufskampf den Gefahren ausgesetzt ist. Beachtet man den Anteil der Religtonen an den Ziffern der Reichs- gebrechlichenzählung, so läßt sich feststellen, daß die beiden großen christlichen Religionsbekenntnisse zu ungefähr gleichen Teilen ver- treten sind. Auffällig ist jedoch der prozenwal über dem Durchschnitt liegend« Anteil der Israeliten, soweit es sich um Blind«, Taub- stumme. Ertaubte uiü) geistig Gebrechliche handelt. Dagegen liegen die Zahlen der körperlich Gebrechlichen well unter der Normalzahl. Wer will, kann daraus seine Schlüsse ziehen. Das Statistische Reichsamt hat sich auch um den Familien» stand der Gebrechlichen gekümmert. Dabei fällt es auf, daß die gebrechlichen Männer zu mehr als 60 Proz. verheiratet sind oder es waren. Die gebrechlichen Frauen konnten jedoch nur zu einem Fünftel ihrer Gesamtzahl einen Hausstand begründen. Was die Statistik leider vermissen läßt, das ist die Frage, wieviele der Gr- brechlichen ihr Leiden erworben haben und' welcher Teil von ihnen gebrechlich ins Leben getreten ist. der Oper„Zar und Zimmermann und aus der Op-relle„M/arse/ von Oskar Strauß. Elegant erschien Hans Renn8 als„Wi.ier» konigin" und gefiel mit Waller'Seller außerordentlich! Unter großem Beifall mußte das Paar mehrmals vor dem Vorbang er» scheinen. In ihrem Gesastgs- und Tanzduett„Großer Pikkolo, kleiner Pikkolo" erhielten Aiions Bornemann und Em l Stein lang- orchallenden Beifall. Im drillen Teil gelangte ein„Lebsnsbi'd" von Gustav Rieß und Mar Rewnann zur Ausführung. Schar ich- Russell! gab als waschechter..Fensterpuger" diesmal fein« Kalauer zum besten. Den Schluß bildete, eure sehr gut zusammengesetzte Originalfaschingsburleske„Die blonde Olli" oon.Max R.u'na' n, worin auch Schorfch-Ruselli ass Großollhhändler nicht fehlen d irrste. M!gemeine Wetterlage. 20.F8bH930,abds. nämlich bald in Erfahrung gebracht, daß die Wohnung, dl« ihm zuerst möbliert vermietete worden war, der Kenntnis des Woh- nungsamtes vorenthalten war. Es gelang ihm, die Wohnung als Eigenwohnung in feinen Besitz zu bringen und den. Haus« wirt zur Räumung der Möbelstücke zu veranlassen. Jetzt wurde der Kaufmann dauernd schikaniert und als er, arbeitslos ge« worden, um Erlaß der Hauszinssteuer nachsuchte, verweigerte der Hauswirt die notwendige Unterschrift. Man sah sich des öfteren vor Gericht, Räumungsklage und Berufung bildeten einen lebhaften Briefwechsel zwischen beiden Parteien und schließlich gelang es dem Hauswirt doch, den Mann herauszusetzen. Wo soll der Obdachlose nun mit Frau und Kindern so rasch unterkommen? Es wurden ihm wohl Notwohnungen zur Verfügung gestellt, aber solche, die sich als unbewohnbar erwiesen. Jetzt steht sein Hausrat am Speicher und er samt Familie auf der Straße.— Das Wohnungsamt sollt« sich eimnal energisch um die Angelegenheit bemühen. Die Verrummelunq der Natur. In seiner launigen anschaulichen Art sprach Professor Dr.- S ch L n i ch e n in der S t o d t h a l l e über„Die Ver» r u m m c l u n g der Natur". Eingehend erklärte er die Ent» stehung des Rummels und wandte sich dabei durchaus nicht gegen die Berechtigung dieser Art von Vergnügen. Doch soll man es nicht in die Natur verlegen. Zu der Versündigung an d«r Natur ge- hört die schmalzige, senttmsntal«,„rl)«inilch«-Stimmunfs", die vieler«- orts.fürchte Fremden, konstruiert: wird. Das Untornehmellum macht sich«rt-.das mwerjchämtest« anden herrlichsten Slüssichtepünkteyf- breit. An den. idyllischen Plätzen, geschaffen den Menschen zur Er». holung, werden Orakel- und Wa h r s a g e a u tv m at e n auf- gestellst Dem Publikum wird auf das raffinierteste das Geld aus der Tasche gelockst Dem kleinen Mann soll nicht die Möglichkeit einer bescheidenen Existenz genommen werden, aber der Brot- wurstrost gehört mcht in den Wald. Auch das Verschwinden jener Sorte von Photographen wäre zu begrüßen, die an landschaftlich schönen Plätzen ihre Kulissen aufbauen, damit das liebe Püblikum sich auf Eseln, in Flugzeugen und mit einer Ruine im Hintergrund photvgraphieren lassen kann. Das deutsche Wanderlied gehört In den deutschen Wald-, abscheulich aber wirkt«s, wenn durch Schald platten-Iazzmusik die Stimmung der Landschaft gestört wird. Um seine Ansicht zu bekräftigen, ließ dar Redner derartige Platten spielen. Der Vortrag trug auf jeden Fall viel dazu bei, das Ver» stehen der Natur zu fördern. Elilesänger im Thealer am üottbusser Tor. Die. E'i efänger bringen wieder ein ausgezeichnetes Februarprogramm. Als Humorist gefiel Eugen Becker, ebenso als Sänger Walte? Sänger(von den Slaütheatern Königsberg und Tilsit) in seinen Liedern aus Q u---» O O -.Ohalkbedcckr Das europäische Hock, hat seine Lage im wescutlichen- beide- halten. Auf seiner Nordseitc strömen ozeanische Luftmassen nach Rußland. Der allgemeinen Strömung folgend, wenden sie sich dann nach Süden.. Am Mittwoch hallen sie Polen erreicht Von dort sind sie dann mit östlichen Winden nach Mitteleuropa geströint und hoben bereits bis zur Weser hin Eintrübung gebracht. Sie werden sich weiter ausbreiten und auch Westdeutschland überfluten. Da sie jedoch insolg« ihrer langen Wanderung schon sehr stach ge- worden sind, werden sie die mitteldeutschen Gebirge nicht mehr überschreiten können und infolgedessen in Süddeutschland das AZetter nur in geringem Maße beeinflussen. Späher wird sich wohl auch in Norddeutschland wieder Ausheilerung einstellen... ..Welierausfichlln sn? Veelio. Mejst/nebüg-trüdl. Temperotüren .-um Nslll. fchwankend, östliche Wind«.— Fsir Deutschland...Am-Sü» fc«n>orn>iegend&«(#?» Mmlich krqfsigfst Nmiillröst«, DaMoMpfra« tufen meist' mehrere Grade über Null, in Westdeutschland� Ein- trübting Und tagsüber kisttsr. In Mittel- und Ostdeutschland"üieilt neblig-trübe, vereinzelt schwache Niederschläge, Temperatur um Null schwankend. Li.» vsi-Zso Slüoix DsdSQ— wenn Sie den 4äc Jlic&t Sofui bei uns kaufen I !Baec Sofm A. Q, Chausseestraße 29/30 U-Bahn:.Stettiner Bahnhof Die Tanie in Amerika. Eine alte, ewig neue Schwindelgeschichte. Die phanlastischeu Schwiadeleiea de» bereits drei zehnmal bestraften Kaufmanns Krumpholz beschäftigten das SchSssengericht Berlin. TNUle. Der Angeklagte, der im August 1928 aus dem Gefängnis ent« iassen war. fand sehr bald«inen Posten als D e r t r e t e r, bei dem er sein gutes Auskpmmen hall«. Er heiratete und begann, gleich darauf alle fein« Bekannten und auch viele Fremd« um große Beträge zu schädigen. Er erzählte, daß er von einer Tante in Amerika große Erbschaften zu erwarten habe. Die Höhe dieses Kapitals steigerte er im Laufe der Zell bis auf meherere Millionen Dollar. Freudig teilte er auch seinen Freunden mtt. daß er bereits jetzt einen größeren Vorschuß auf die Zinsen seines Bermögens erhalten würde. Gern gab man ihm daher« Beträge, da er meistens in Geldverlegenheit war, und freute sich über die Großzügigkeit de» Angeklagten, der als Gegenwert -inen Wechsel in drei» bis fünffacher Höhe des geborgten Betrage» ausschrieb. wem» seine Gläubiger dagegen protestierten, meinte er prahlerisch, daß e» bei ihm gar nicht daraus ankäme und daß der andere bei Einlösung de, Wechsel» auch einmal ein gutes Ä, Geschäft machen solle. j ■ Einem seiner Frennd« erzäW«««kv« rührend« Geschichte, daß . i-v schon ewige Taufend Mark aus Amerika erhalten hätte und diese Summe an die 100 Aermsten von Berlin, deren Adresse der R e ichspräsident vermittelt hätte, verteilt hätte. Da er aber dadurch, in Geldschwierigkeiten geraten sei, möchte er ihm doch einige. Hundert Mark leihen.. Auf diese Weise gelang es Krumpholz, neben 'einer Tätigkeit als Vertreter im Lauf« eines Jahres ungefähr 30 000 Mark zu erbeuten. Als K verhaftet wurde, gestand«r 'eine Straftaten. Das Gericht vervrteilte den Angeklagte» zu 2'� Iahren Aefängni»._ Keiu Verdienst und kein Dach über dem Kopf. Da« ewig« alte Lied der Feindschaft zwischen Mieter und Rermieter und ihr« unseligen Trabanten: Streit und üble Nachrede, Klagen und schließlich der Sieg des wirtschaftlich Stärkeren. Der stellungslose Kaufmann K. bewohnte bis vor kurzem mit Frau und zwei Kindern«ine Zweizimmerwohnung in Lankwitz. Von Anfang an war dieser Mieter dem Hauswirt ein Dorn im Auge. K. hatte Clnftnbungta füt bitft Rubrik stub »r I i» HS«Z.?iilbe»>irotz« Z. parteinachrichien fürGroß-Verlin ftrt»«» du»«»»Irtrsrtrrtartai atccsorti reibt*, i» rtcht», 8. Jini« Slnoatten. SrtbmflrfeanBifft*«. ffenntAtnb. Ä ffebtuat, M >ni4t:btellima*i>rrwmmlun« am 2«. ise. btrot einladen. W,aIs'(Wli müssen alle narteiaenSsssschen Mitaiteber der ssre denkcr lur versammluna am 2». Ikedn'ar durch tandtet'el»inae iad n werden. Hand.iettcl iinb ab beut» na» Talbschmibi. Twipische Tie. 36, aiÄubale». Morgen, Sonnabend. 22. Februar: 43. Kbt. 183- 9» lidr Im Aablabendwlal»iessenbackstr 64 sLeuschn«,). Vortna«:.Mein, Erlebnisse auf«uba".«Neserent: chenass» Senate. All- schliessenb neselliar, isseisanmiensein und?an». »l.?bt. Sleukrlln.?ie Ubrechnuna beim edenassen ssuna kann nicht am Sann. udeud. dem 22. ff-bmiar, wnb-rn eeS am Taanabeab. bem 29. Rebtaat, II». ♦wf'iu�Hitlmabaat», btabnabarf,«an�fanaioeibet. H Mb* Mltalirbee- versammlnnn Im»"wl sslclns�-ilbt. O lbtirwbaaen,«ilbelmstrad». Bat- (tofli.PaMisss« yaaeaftoaen". Referent t Bai cheabema»». Alle che. ncsllnnen und Eennsscn müsse» �isseine». 123-, Bdi. eanl'bers.�üb. 20 tlir Mitalikberversammlima im eakal ssSaeechelm. vortra«:.Jounn-Plan unb bie politische Co««". Referent! Ernst Reumann. z rauenveranNaltvna. Zst.. 36.»rb 37. Abt. Sanvobend. 22. Rtbrrar. 1914 OTt. ________»nass, .totifum und CojioKsmus*. vie tldteirun« ladet ein. der Schulau!« Ve'ereburaer Str. 6.?rser«nt: chena Rranenabend in Srodler. Idema: Zungsoziaiisten. »m Tannabenb. dem ü. ssebrnae, siedet Im ebemaN««» SarreRbana. eelp- - M.. �..e..... ______.........If«r>«»Ii............WW bitte«««sc« M italieb«», dies« Beeanstaltnna rege ,« i««r Silase, im isad»!«« der ssieie» So«!«! Hilgen ■"( Ternfclb üben.«lpchalaale E, rossen 19' 1 Ilbr, statt. besnchen. . nie ei» Barteaa b-, >b K«Iell>»alt,lebre-,»m Trupp« Süden. Seu'e. 20 Übe. im ssuaendbe'm Barchstr. n. Referat der Genossin Sfcarborft über:.wrntsm'anda BWiänainle t«an der Äeftmirtichalt". Gölte, vor ailcm Genossen der Sstlst.. Kerilich w.vlammen. Ernpp« Si'Srebera. Leute, ssreiiop, W Übe. im ssupen! IlIOcndbe'M tauptst«. l3. WWWWWWWWWWWWWWWWWWWRre maumm»'' lim 19 Übt«benbort SufammenJurft der ffunllionäre. Schivobenlandi'mmcr. wjchtia» Bkwrechuna über Upfere iM»ftioi Werbearbeit. �' nki ozlaljsiischeArbeltm'ugendGr.-Verlm ssinsendunaen für diese ItubeN Wpe«* bat Znoanblelreterta« Neelia SW«6. tm»enfir«te 9 Heute, Freitag, 21. Februar. 1954 Uhr: «rwnaplat,! Schul« ElifabetliSechstr.>9. Barira«:»Bursche und Mädel aus ikabrt".—»cllnilcher Parti de im Wa scnstr. 1». Vartra». klrdciteisitdrer: „tlcir Larbie oder Maedonald". � stenteuni dem kand-beraer Str. S0. Urbunambeud.— Moabit>! Schul» Waidenscrstr. Ab--A. Barlraa:.Ttre.s. und Schlichtunaswesen".— Nrnimplati! Schule lrannenburaer Slr. 20. 3, 17. Poetraa:„stindersreunde. Ta't ssa'ltn, SAZ/—«lrnairalber Plast I: Keim jsasscubnraer Steaste. Ttellunnnabm«»ue bieneraloerlamnilun«. Arn*. mald-r Plast U, Schule Pafteurftr. 44. Bartra«:»Made und Reform". kalk» last Iis Schule Sontcnuutqct Str. tü. tartta«:..Staat und Kirch«'.— Koheaschiinbausen: Heim streienwalber Htr. 6. SaaeopalMsche fftbaen.— dilmannplast: Schul« Scherender, ftr. 7. Bortroa:„Boa deisxlbfrarr�Beo. aramip".— Rarbav II Lelm Baiulaer Str.(2 Bpt'roa:..Baits. aber Made. tan»".— 21Setsten.se«: Leim Parkstr. M. Barteaa:.Ärdeiterdichtuno".— Wörth«, Plast! Schule staftonieuollc« 82. Bortroa:..ssammuniemu» UN» Ralchlomua". Pnbreaapwst: Selm Brommnftr. l. Bartraa:.Beichtdannir unb SPI."— «tralauer Biertcl: Lei» ssnst'erftr.«l. l0.Minuten,?les»rat».»- Wori�auee Viertel! Leim iki'auor Str.>4..Ai».B«plinee»Hum«r'.— Ba»l»a»rr viertel Lelm L tauet Str. 19. Bsrleaa:..«artenles,«",— S-tionebera IV: Hei» danplstr. Ib. Bnilraa:»tlbiarb Bernstein unter de« Saiialistrnaefest".— Eharlotteudttra: Le rn Bassnenstr. 4. Berte«:.ssuacnbcriirhuna und Suacnb* hitforoa". ..Cc'W. itrbmunae ou, US, Keim Sauber. Eck« Zobrechtstrast«. Tlelteren�Srnvp«.»» Neuklssk» V: Keim Bcrostr. 29. Portrast:„Unsere Ar'.eit-oerhältu.sse".— Rcnrölta Iii! Seim 3ie hcnstr S8. Vortraa:„Muf Minuten Sumor au, meinem Leben". Reit- kill« XI: He.m Runlak-ustr. 68. deimabeub.— tttxeuiü: He.m Soblm.ster Strafte. Boriraa:»Die Seme uschaft-ertirbuua".— RalleuScra(ilnff.): de.lll Gu'-bos. Lichtbilder:.«damson". A-Itere: Laaeerolitik. � istaumlchnlenweai Lelm Sruststr. I«. Boriraa:.Tie Brdeutuna de» t>73".— gohonn rthal: ' albous. iraaeapalltit.— Biedeifr'Ji«n« bc: Schul, Verllner Str. 31. � Treptow: Seim Sisenffr. 3. Lichtb lber:»Auf kohlt".— Borsigwalb:: Schule Sammelst ld.r Siraste, teima enh. Ricdrrl! ör.haul»» ltleitere): Schul« Bioukendiracr Str. 70. Portraa:..Wovon«an sprich!". Werdeb«»'rt 2tcht«uk«rai L«:m Tvntrrste. 44. Kcrbebciirtomit.»sti alitderarrlommluiia Scaiim iS'st. Uhr. Barlroa:.Iugeud und Palit.t". g tllle Gruppeiioeranstaltunaen fallen auf. Sz Dcrbebeiirl Par.wm: K,im chdrschstr. 14, fi. 2. l»H Übe Serbm S M be»irkrt>eleai-rtenssstuna Bj verbedezirt Teltairlanol: Morqen. Sanuabenb. 1914 Uhr. im Keim Stealist, Akbrechtstr, 47. Werbederirtakunktiandrorrsammluna. S'cllunanabm«»ur Gene» raiversammluna, Geara Wibrecht spricht über:»Ausaabe« der Berliner Ten«- raiverfqMmluna und Beichokanierrn, in LUnebura". Werbebezirt Re«t??n: vuaaabe der Eintrittekarten sstr die Repue 0» 2. Mitr» in der Seit van l» bis>0 Uhr im Parteibitr». ssulbassraft«. Zed, Gruppe must einen Vertreter entsenden. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner.Schwar�-Roi-Gold". Geschsitellel'».»erlin e>4 Sedastianste 37-33 Kak 2. Tr V Ganoerftanb. tichtuna. Epi, Heute!«ortbuafaht« Sanuabenb. > 22. ltebruat, 14�3 Uhr»l> Edrlistee Bohnhaf Me Berlinrr Same. ryden« kLr Treptow und Köpenick sd Nilderschönepzeide i8/i7 Uhr in Vanner» klc dun««ii gniieumenlen,— Rtriiaa. 21. Rcbrnar. sticht, nbero. Kamerad. schast»vcrsammlunaen um 20 Uhr: Kamcradschoii Barbaaen br> StSber. Iun», Ecke Odcrltrasti.«amerabfcholt Zravrplast bei s»ip«e. Scharnweber. Ecke»ran. Am Nachmittag wird ein im drsten Sinn« des Wort«? populär«? vrch«sterkon�rkt nach P�eeljiu und 2«t p�> H Au,schnitte auo Spielopern, die Peer-Gynt.Suit« und Walzer stildKN da? Programm, da» Brun» S«idl«r'Wintl»r mit Rovtin» abwickelt. Anlößtich sein«» zehnlährigen B«st«h«n» singt der Gp» mischte Chor Groß-Birlin unter Leitung Georg Oskar Schumann» Lieder und Beasbeitunaen von Hermann Sch«rch«n. Diese Komposition«» oereinigen MeloU« und Rhythmus und sind burchau? oolkitiimlich gehalten. Es kommt Scherchen weniger aus besonder? kunstvolle und verwickelte Slimmsührung an als auf den Ausdruck einer Stimmung oder»ine« Gefühl». Der Chor, der über s«hr schSn« Stimmen oersügt, hinterläht«inen starken Sindruck. Kein schattiert sind vor ollem Uebergänge in der Tonstärke.— Gerhort Hauptmanns Komödie„College Crampton' eignet sich siir ein« Sendung aus rein stilistischen Gründen wenig. Da» Werk ist durchaus realistisch gehalten. Die Gest« bedeutet fast genau so viel wie das Wort, gibt Ihm erst die legte Deutung. Pausen sind zwischen den Worten notwenUg. Der Regisseur Max Bing vermag hier- über nicht hinwegzutäuschen, trotzdem«r geschickt zusammendrängt und konzentriert. Prachtvoll ist K l ö p s e r in der Titelrolle. Keine klinische Studie eines Alkoholiker», sondern«her das gekränkte Genie, das an der Engstirnigkeit dir Kleinen zusammenbricht. hedtnsall?«ine ganz groß« Leistung. Ludwig Sp'etzer berührt in einem Portrog.Lugend ohn» Hilmot" ein schwUrigeß ozisle» Problem Zuerst gib« er»in« Rsportage über dtesi traurigen Zustände, dann kommt er zu pssitioen Porschlägen. Helme, in denen der sung« Mensch nicht sich selbst überlassen ist, dl« " dM""'..... aber auch von jedem pelumulkiosta. ÄaswrebWaft Oiifirrv Tempel bei KBne». WsaaAnte 9Sit VK. Kcmcraifci:2 Uhr schieften dia Ottspetrln« Reinickendorf und Webbma, na» 12—17 Uhr die vr Overeine Krmubera und Preniiauei B-rq. Dl« wlzenbrn Tage bis ewichliestlich greitaa bleiben den«« nannten vrtm>, reinen aleich. aana I. st Treppe», statt. Keit P». Kontab Stedr fwnbt über:.Madeinea st.■Sn!*!»'uirthol*0»ieToMwf���ft�bow'�SbelSnbammtt" f-flrft Ecke ssricbrichstraftel. Richirn tglieder willkommen.. «eeie Arbeiter�lperanta.Beremianna- Di« erst- Kusammenkinkt sänitlicher TeNnehwer der neuen Aurfe am U. Februar(!?reitaa>, IVVjj Uhr. in der Bibl'oth-e des Metaklarbei'eraVerlandskXluses. Linienftr. D»rt«»» lKe« ssreitaa Kuriu» unb Gruppe von 19-» bis A Uhr. Sruvve vsten. Rege'moftig sehen Tanncra'aa van 20 bia 22 Uhe im Jugendheim,«m vstbahnbas 17. ver« n'anna der Aeapen n»b Sütter»an«rost.Bartt». Der Betaiunfl» abend für d!« ssrouen und Mi�er f'ndrt Montag. 24. Februar im Bürger. saal des Beritner k athaules. Rbniastrafte. statt. Bechtranwait Walter Bahn spricht stdrr da» Schema: �Juriftische Taess ragen". Ansang 20 Uhr. Sntiltt frei. " �Ärh' Berlin sstr«inkrstaknrescheift. Uebung in allen Gaschwind'akclt«! i aae: bi yrtsarnp»' Brritn. Bm jß.JftbnMt, u»» Mr. fn eiche in»fsenilicher Becfammluna i» K«kn be»„ssnaschar.n» Berlin«.. B'rg. straft, 77 sNithe Stettiner Bahnbafl, der Ander«ssdu vb-r:..?i« gegcnwartize ?9.'iusche Ca« U» jiÄien*. Per Vortrag wird in deutscher Sprach« gchalten. (Zinkaufende jobben bei Karstadt. Bevor die vieldevunderten Seelöwen und Walrosse des Zirkus H a g e n b e ck«erlin verlassen und nach dem Tierpart in Stellingen fahren, um sich dort einmal ordentlich wieder ou».,»schwimmen. mußten sie noch ein paar Besorgungen machen. Cinkaufssreudig wanderten st« zu Kar st adt am Hermannplotz. Sehr gerne h litten sie ihre Einkäufe, es handelt« sich um Halstragen usw.. in der >n Frag« kommenben Abteilung gemacht, doch fürchtet« die Polizei «in lebensgefährliches Gedränge und untersogt« fürsorgllcherweisc diesen eigentümlichen Kundenbesuch. Dennoch wurde dem Walroß E l l« n und den beiden Seelöwen S a ck i e uiÄ» S» t«» der waren« nicht vsrnichalten. Sie besuchten nämlich setzt>n Be- jedem diktatorisch herrschenden Regime befreit sind. scheinen ein» Lösung zu bedeuten— Der preußisch» ginanzmimster Cr- b. HoepkereLichost gtbi in.der Aktuellen Adtsiluna einen. Ueder-. ftick Äer seine fLassädrifie rä.tsgkeit»l, prtmßtscher vinaazmlnistee, Abwechslung halber mit chren Bällen und ihren Puppen und als ein Photograph dieses komisch« Bild durch Blitzlichtaufnahme festhielt, erschrak der Seelöwe Lotv» sebr und warf, besorgt und geisteegegem wärtig. sein« Puppe sofort seinem Herrn zu. Und da Decker in- zwischen schon cienou so gut longliert wie ein« Robbe, hatte er auch laijochllch bi» Pupp» im selben Augenblick auf dem Arm. Rachdem die Tiere sich die»ingekouften Gegenständ« dann auf da» genauest« angesehen hatten, watschelten sie neben ihrem Herrn, unter müh»- loser Ueberwindung von Treppenstufen, nach ihrem Sonderwagen, um wieder nach dem Zirkus-Busch-Gebäud« zu fahren. »ie»«r hi« Epsung na, Brtsin an» B» BrygraMM gck,ttn»'rst, boq apn der kSniira V»rt«n eelaUrt warben , Tefiuhar a�is rneue»nrtstch. ssM W»MW M. aasHSaka«.WWW Kar«» rrchttaitis VSernt dib p m m i 9 m a n i r b k hu* lachte u.Spf piäsaosen J Wild u. Geflügel Apfelwein...... Edenkohvner... StMartinerOdu* StUap Höckelheim, Tarragom Muskat,, Malaga'fftf" Samos».,»»»,•», DUrhheimer ft*"* Ufid Spm- ßßpvtm ]oharmisbeeju*t» NmstelnerMmatpmie Fif.BQ St. Martiner Bp«...n 0.58 Macon(Bvfml*)...n li.Säi l* 0,49 i* 0.90 l*. 4.00 K.S0 3i*4,09 4.40 «U. 4,Z0 ■•Ur 4.49 u> 0.99 im 4,00 im 0.80 KonfiiUven Wolgahuhner..pick»» 4.20 Puten<-« m i*mm rum. 4.09 Er'te/n b",« Mortuw« Pfckan 4.2% Brathühner ine*» PH m 4.20 Günst 174.. 4.88 rtfinsepliMfleisdid O.CO Wainbr- Sputiobu�n 4.80 Mengenabgabe vorbehalien Junge Bvbsen........... V. Ds. O.SS Brschwg.Ploetowuwi Pf* � SS QeUocftiev Schinken m 9*00 Bratheringe........... lUr. rk. 0,90 Bismarckheringe t-Ur�D*. 0,90 Hering in Beiee...i-Ltr..Di0,90 Boitmops............... i-Ur-Ds. 0,90 MpieWnen.................. 4 Pf* 0,90 Mandarinen..............? Pf* 0,90 Rmertk. Hepjel......... 3 Pf*<.00 Wuvsitvaren Spitebein e»,■ 4,00 Burgm Pralinen**>, 0.80 Blutapfelsinen".. Pf* 0.28 Bjshop............... 0.8S Baiuinet»......... ch. 0.88 Blumenkohl...*•«(•• 0.2 J RotrU.WirHngkohlPH 0.09 Weißkohl........ chck 0.04 Möhren t** ptd 0.04 Kohlrüben rtd 0.04 Zwiebeln........ Pfd 0X4 Schuarvwuraeln• n* 0.28 Sdlene Ptd 0.40 Rate Rühen PtdO,43 PeUUatessen| Buiiev und Käse wteeb, u.BUucftaru>,ven Portug OeUardinenO»-0,80 Portug Odsardin r 0�0.80 Mahr den m oa tPH.-o, 0.98 Deutseh Kaviar-.. gl 0.80 Ochsen fleisch m i ph&. 4.40 Sa'ssgurfeen No-mm. 0.08 Salzgurken Ncvwuü� 0.95 Ewig 0ewUrxsurk. tOs0.99 Senfgurken■•• s-PH v. 2.80 Fddlach'.........iy,Pid 0.80 Feindes Tafelöl...Fl 0.19 feinster Salm.... Ob 0 88 Molkereibutler.,„Pf* 4,08 Finnische Butter.. Pfd 4,88 Margarine ,.,.m ph 0.80 Pflarmenfett..... Ptd 0.30 Bratenschmal»...PH- 0,82 Eier......... rast*» 0,00 Dänisch- SchweixM* 0X0 Tilsiter....... pnttPfi 0.08 Edamer...... sm-Nck 0,88 Tilsiter* ß*...fPid.PA 0,88 Schweiber ArtiPie nA 0,88 Steinbuseher... ph 0,98 Schellfisch m* uh.. fi< 0.83 Kabeljau ab», K»»/..iw 0,88 Kabeljau mittel..Pfd 0.23 Kabeljau- Füd... Pfd 0*40 Dorsch, ,i.. Ptd 0,48 Coldhars»bw ttastk.. ph 0.8? Heringe..... j w* 9.88 Schellfisch tmuAmt. Pf«. 0.28 Bücklinge........ rtd 0.26 Sprotten.......... ph 0*80 Sprotten..... tPidUM- 0.48 Seelachs mr*«w...pi« 0.98 Tetefonlselte B«3t«f(uqesn bereits ab« Uhr aurch unsere Besteithaese(Baemratd 0012) Konserven Stg-Spargel P/tof'h Da 2.80 BrechSpargtl****''i v» 2*98 Spar gd abschnitte«s, Dt 4,89 Spargelköpfe tm»'AP, 2.80 Je- Erbsen«v«am'AP»< 00 Gem. Gemüse tu» w. o»< 08 Jg-Karotten«m« u,'acu.<. A r b e i t e r" bemerkt zu dieser Untersuchung folgendes: „Uns deucht, die Untersuchung war unnötig. Man hätte Herrn Bail in seinem Ruhestand belassen können. Wenn Herr Geheim- rat H a g e m a n n. der Leiter der Textilabteilung des Reichswirt- schaftsministeriums, irgendeinen Schreiber beaustragt hätte, aus der Unmasie der Publikationen der Baumwollindustriellen«inen ent- sprechenden Auszug zu machen, so wäre dasselbe herausgekommen. Ein hoher Beamter eines anderen Ministeriums stell'« vor kurzem die Frage:„Wie entsteht eine herrschende Meinung?" Und beant- wartet sie:„Indem einer vom anderen abschreibt" Es ist z. B. eine herrschende Meinung geworden, auch beim Reichswirtschastsministerimn, daß die Absatzpreis«„vielfach bis zu 10 Proj. und mehr unter den Selbstkosten liegen". Herrn Bail erscheint die Angabe der Spitzenverdänd«, daß seit Jahresfrist dies der Fall ist, glaubhaft. Man braucht es ja nur abzuschreiben. Versteht Herr Bail mit seinen Buchprüfern etwas von der Kalkulation in der Weberei, in der Spinner«? Wurden die Selbstkosten in der Spinnerei ermittelt für Ringfpinn- nraschinen oder beim Selfaktor? Welche Spindelzahl pro Arbeiter wurde zugrunde gelegt? Wurde in der Weberei das Zwei-, Drei-, Bier- oder Zwanzigstuhlsystem als Grundlage genommen? Das ist notwendig zu wissen. Hat man««cht dabei eirföeckt, daß in der Kalkulation überhaupt kein System vorhanden ist? Man wird wohl auch darauf gestoßen sein, daß z. B. immer noch als allgemeine Unkosten etwa 150 oder 250 Prag, der Arbeitslöhne«in- gesetzt werden, obwohl der Satz rein willkürlich ange- nommen wird. Es wäre schon notwendig, hierüber etwas zu erzählen. zumal nicht nur der Unkostensatz. sondern auch der Arbeits- lohn selbst in den einzelnen Betrieben grundverschieden ist. Als sicher nehmen wir an, daß das Reichswirischostsmimsterimn sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ, gleich mit nachzuprüsen. in welchem Maße sich die Gehälter der Direktoren und General- direktoren bei den Unkosten auswirken. Und nun wieder die.Herrschende Meinung". Herr Bail be° hauptct, daß nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts der Stand der tarifmäßigen Stundenlöhne um 40 Proz. höher war als 1025 und fast 20 Proz. höher als 1927. Das soll also heißen, daß um soviel die wirklichen Löhne gestiegen sind. Merkwürdig, daß Herr Bail mit seinen berufsmäßigen Buchprüfern in vier bis fünf Monaten nicht entdeckt hat, daß nichtmehralsetwa 15 Proz. Stundenlöhner vorhanden sind und alle übrigen Arbeiter im Akkord arbeiten, daß«r nicht festgestellt hat, um wieviel die Akkordlöhne gestiegen sind oder vielmehr nicht gestiegen sind. Er hat natürlich keine Ahnung von den tariflichen Verhältnissen, was man ihm nicht verübeln kann. Aber auch im Reichswirffchafts- Ministerium muß es sich doch schon herumgesprochen haben, daß es auch in der Vaumwolliiiduftrie eine Einrichtung gibt die man Betriebsräte nennt. Dies« wären sicher bereit gewesen, die „Untersuchung" nach dieser Züchtung kräftig zu fördern, wenn man sie zugezogen hätte. Ebenso gutgläubig haben die Beamten es als Taffache hingenommen, daß z. B. im Elsaß die Steuern nur etwa 40 Proz.. die Zinsen etwa 33 Prag, und die Löhn« nur 55 bis 65 Proz. der deuffchen betragen. Herrschende Meinung! „An der Richtiglest dieser Angaben zu zweifeln, liegt kein Anlaß vor," sagt der Bericht Wir glauben beinahe, daß genug Anlaß vorliegt, noch an etwas ganz anderem zu zweifeln." Die Angaben und die Kritik Rödels dürsten zutreffen. Die Untersuchung ist also ungemein oberflächlich durch- geführt worden. Nach allem, was wir von Herrn Hagemann wissen, und noch dem. was wir von Herrn Bail sicher wissen, kann es uns aber auch nicht wuichern, daß die Betriebsräte zu den Unter- suchungen nicht hinzugezogen wurden. Was nützt das Brotgesetz? Llebertrievene Hoffnungen des Reichsernahrungsministcrs. Der Reichsernährungsminifier erhofft vom Drvtgesetz, gegen das mich wir nichts einzuwenden haben, einen Roggenmehrverbrouch von 500 000 Tonnen. Wie sehr hier Vorsicht am Platze ist, zeigt auch folgende Zuschrift des Professors Dr. Lüning von der Technischen Hochschul« in Braunschweig: ,L>cr veröffentlichte Entwurf eines �Roggeubrotgefetzes" ist geeignet die schwersten Bedenken hervorzurufen. Der Entwurf sieht als Haupffache vor, daß als„Roggenbrot" gewerbsmäßig nur ein Drot verkauft werden darf, daß mindestens zu 93 Proz. aus Roggen hergestellt ist. Dadurch soll, der Begründimg zufolge, den Verbrauchern die Gewahr gegeben werden, reines Roggenbrot zu wop- feilem Preise.zu erhalten. Ganz abgesehen davon, daß ein Brot, das immerhin noch zu 5 Proz. aus anderen Mehlen hergestellt werden darf, doch wahrlich kein„reines" Roggenbrot ist, ist es ganz unzutrefsend, daß durch das Gesetz wirklich«in«„Gewähr" in dem erwähnten Sinne geboten werden könne. Eine solche Gewähr würde doch nur dann gegeben sein, wenn sich die Einhaltung der betreffenden Vorschrift des Gesetzes auch erzwingen läßt. Das ist aber nicht der Fall, und zwar deswegen nicht, weil sich die Menge eines anderen Mehles, als welches praktisch nur Weizenmehl in Frage kommt, im Brot auch nicht entfernt mit derjenigen Sicherheit durch Untersuchung be- stimmen läßt, daß gegebenenfalls eine Strafverfolgung unternommen werden könnt«. Man wird vielleicht dagegen einwenden, daß für die Bäcker gar lein« große Versuchung bestände, die Vorschrift über die Zu- sammensetzung von Roggenbrot innezuhalten, da ja dein Entwurf zufolge nach wie vor Brot aus jeder beliebigen Mischung von Roggen und Weizen hergestellt werden dürl« und nur verlangt werde, daß solches Brot als Roggen, bzw. Weizen m i s ch brot be- zeichnet werden müsie. Gesetzt den Fall, das wäre so, das Publikum stieße sich nicht an der Bezeichnung„Mischbrot" für dasjenige Brot, das es bislang immer verzehrt hat Dann wird natürlich dieses Mischbrot in genau derselben Menge verbraucht werden wie bisher. d. h. das„Mischbrot" nicht durch das„Roggenbrot" verdrängt und somit der eigentlich« Zweck des Gesetzes, Hebung des Roggen- Verbrauchs, nicht erreicht werden. Stößt sich aber das Publikum, wie es der Entwurf doch wohl auch voraussetzt, an der Be.zcichnung„Mischbrot", als welches ja jedes dieser Brote ausdrücklich gekennzeichnet werden soll, dann wird es inuner Bäcker geben, die aus dieser Abneigung des Publikums Kapital zu schlagen versuchen werden, indem sie Misch- brot, bei dessen Herstellung sie sich besser stehen, als Roggenbrot bezeichnen. Und da. wie oben gesagt, solche Defftöße gegen das Gesetz sich so gut wie gar nicht nachweisen lassen, wird der loyale, das Gesetz befolgende Bäcker geschäftlich ins �Hintertreffen geraten, wenigstens so lang«, bis er— es ebenso macheu wird wie die Kon- kurrenz. Solche Gesetze aber, die aller Voraussicht nach binnen kurzer Zell nur auf dem Papier stehen, empfiehlt es sich nicht zu machen. Das wenigstens sollte uns doch die Erfahrung mit den Gesetzen der Zwangswirtschaft gelehrt haben. Dazu kommt noch, daß es gar keines neuen Gesetzes bedarf, mn den Berbrauchern, die reines Roggenbrot zu haben wünschen, auch die Gewähr zu geben, daß sie solches auch tafföchlich erhalten. Soweit man nämlich eine solch« Gewähr durch Gesetze überhaupt geben kann, ist sie voll und ganz durch das Lebensmittel- gesetz gegeben, demzufolge es schon jetzt strafbar ist. wenn als „reines Roggenbrot"«in Brot verkauft wird, das kein reines Roggenbrot ist.> Internationale Elektroverflechtung. Die Europäische ElektrifftätSgesellschast als Musterbeispiel. Eine Warnung für Kommunen und Staat. Dieser Tage wurde imter dem Namen European Elec- tric Corporation«in« neu« Betelligungsgesellschast für Elek- trizitätsgefellschasten gegründet, die in ihrer Form ein Musterbeispiel für die ünmer stärker« international« Derpflechtung des Elektro- kapital? ist Der Sitz der Gesellichast ist Ottawa(Kanada): be» teiligt an der Gründung sind schweizerische, italienisch« und amerikanisch« Banken und Finanzierungsinstitute, die vorwiegend oder ausschließlich aus elektrizitätswirffchaftlichem Gebiet arbeiten: Zweck der Gesellschaft ist die Erwerbimg von Kapitalb«. teiligungen an französischen, deutschen, österreichischen, italieni» scheu, spanischen, polnischen und griechischen Elektrizitätsunter» nehmungen. Zunächst wurde die Uebernahme von Aktienpaketen folgender Gesellschaften bekannt: der Lech Elektrizitätswerke in Augsburg, der Elettrizitäts-Lieferungs. Gesell- schast, der K ra f t ü b e r tra g u n g s w« r k« Rheinfelden und der Elektrizltäts A.-G. vorm. L a h m e y« r u. Co., ferner der italienischen Societä Zldriatica de Electricita: an diesen Gesell- schaften war die auch sonst in Deutschland nicht unbekannt« Züricher Elektrobant(Bank für Elektrische Unternehmungen) be- teiligt, die u. a. auch am Kapital der deutschen G e s f ü r e l Gesell- schast für elektrisch« Unternehmungen. Generaldirektor Oliven) in. teressiert ist und mit dieser deutschen Finanzierungsgesellschost eng zusammenarbeitet Als Präsident wird der früher« italienisch« Finauzminister Graf Dolpi genannt. Das Kapital soll 42 Millionen Dollar be- tragen. Zunächst wird in New Uork eine Anleihe in Höhe von 12,9 Millionen Dollar ausgelegt. Bon besonderem Interesse ist die Beteiligung omeri- konischer Gruppen. An der Auslegung der erwähnten An- leihe ist das Bankhaus Bonbright u. Co. führend beteiligt, das in den Bcreinigien Staaten in der Finanzierung von elektrischen An- lagen«ine immer größere Rolle spielt. Insbesondere arbeitet«s auks engste mit der American Superpower Corp. sowie der Elec- tric Bond and Share Company ziffammen, zwei der größten arneri- konischen Elektrizilvts-Finangierungsgesellschasten. Di« Electric Bond and Share Co. ist auch unmittelbar an der European Electric Corp. beteiligt Ob tafföchlich, wie aus New Park gemeldet wurde, dies« neu« Gesellschaft eine Konkurrenz sür den belgischen Sosina- Konzern bedeutet, ist nicht zu übeffehen und erscheint zum min- besten recht unwohrscheinlich. Alle großen Clektrizitäts-Finanzie- rungz- Gesellschaften sind gegentcärtig in einem solchen Umsang in- ternotionai miteinander verslochten, daß für Konkurrenz nur noch wenig Platz übrig bleibt. Es sei nur daran erinnert, daß z. B. die erwähnte Electric Bond and Share und die ihr nahe- stehende„International" General Electric Co.(die Aus- londsabteilung de» größten amerikanischen Elektrotonzerns) am Ko- pital der Safino beteiligt sind, ebenso wi« übrigens auch die Schwei- zerisch« Kreditgcsellschast,«ine Bank, di« wiederum zur Züricher Elektrobant in allerengsten Beziehungen steht. Aus all« Fälle werden in Deutschlanddi« Kommunen und die öffentlich-rechtlichen Elektrizitätsorga- n i s a t i o n« n immer mehr mit der Aktivität und der Kapitaltrast dieser und anderer internationaler Finangierungs- und Beteiligungs- gesellschasten zu rechnen haben. Für die von Dr. Schacht und den Banken so stark gefördert« Privatisierung der öffentlichen Wirffchaft(Substanzoerkaus nach Dr. Kehl zur Kapitalbeschaffung), die den Ausverkauf ans Ausland zur Folge haben müßte, ist auch die European Eleciric Corporation nur«in ausführendes Instru- ment. Also: Obacht, Kommunen und Staat! Ein Sieg der Gerechtigkeit. Auch der Reichstag für die �ombardfähigkeit der Kommnual- onleihen B«i der Beratung des Reichsbankgesetzes in der gemeinsamen Tagung des Auswärtigen und des Haushaltsausschiffses Hot jetzt auch der Reichstag, wie wir gestern schon kurz meldeten, der Beleihungs- sähigkeii der Kommunalanleihen durch die Reichsoauk zugestimmt und damit die Enffcheidung des Reichsrats zu seiner eigenen ge- macht Für diese Aenderung des Rcgierungsvorschlages haben die Sozialdemokraten, die Demokraten, oin Teil der Deuffchen Volks- Partei und die Kommunisten gestimmt. Diese Zlbstimmung der größten und wichtigsten Ausschüsse des Reichstags hat dessen Willen zur Gerechtigkest deutlich erkennen lassen. Es war an sich schon uirverständlich, daß die Rcichsregic- rung nach dem Votum des Reichsrots noch darauf beharrte, ein« Doppelvorlage einbringen zu wollen. Die nur historisch und fast als Zufall zu erklärende Benachteiligung der Kommunalb ankcn gegenüber den privaten und den öffentlichen Hypoihekenbanken und die nur aus politischen Gründen verständliche Zurücksetzung der Kommunalanlcihen gegenüber den Anleihen deg Reiches und der Länder hätten nicht dazu führen dürfen, daß Reichsrat und Reichstag der Roichsregierung ausdrücklich bescheinigen müssen, daß hier ein« nicht zu rechffertigende Ungerechtigkeit gutgemacht werden muß. Wir sind überzeugt, daß auch das Plenum des Reichstags kein« andere Entscheidung treffen kann, als sie im Reichsrat und den beiden größten Ausschüssen des Reichstags be- reits gefallen ist. Die preußische Wohnungsbau?. Neuer Aufstieg der preußischen piandbriefansialt. Der Kampf gegen di« öffentliche Wirffchaft war auf keinem Gebiete vergeblicher als auf dem des öffentlichen Wohnungsbaues und der öffentlichen Wohnungsbaufinanzierung, weil in den Jahren feit der Inflation nirgends die Unentbehrlichkeit der öffentlichen und das Dersagen der privaten Wirtschaft so deutlich zutage trat wi« hier. Die mit reichlich 95 Prozent des Kapitals von 28,5 Millionen Mark vom preußischen Staat beherrschte Preußische Landespfandbriefaustalt Hot diese Unentbehrlichkeit durch einen neuen Ausstieg ihrer Tätigtest und durch gute Arbeit im Jahre 1929 bewiesen. Sie konnte ihre Bilanzsumme von 213 auf 259 Millionen Mark erhöhen, ihr Hypothekenbestand stieg trotz der katastrophal«» Entwicklung des Kapitalmorkts von 129 auf 164, ihr Bestand an Kommunaldarlehen von 19 auf 26 Millionen, der Umlauf an Pfandbriefen und Kommunal- obligationen hat sich von 132 auf 181 Millionen erhöht und die zur Bausinanzierung vermillellen Zwischenkredite waren am Jahres- fchluß auf 41,93 Millionen gegen 34,72 Millionen Ende 1928 ge- stiegen. Ohn« erhebliche Steigerung der Unkosten vermehrte sich der R-ingewimi(ohne Vortrag) von 2,01 auf 2,31 Millionen. Daraus wird der allgemeine Reservefonds um 800 000 auf 2,0 Millionen Mark erhöht, die öffentlichen Besitzer des Kapitals erhalten die gesetzlich festliegende gemeinnützig« Dividende von 5 Prozent und der Rest wird für den Pensionsreservesonds, sowie für Abschreibungen verwendet Der Geschäftsbericht selbst ist durch seine Feststellungen wertvoll. In kleineren Gemeinden bestehe ein Bedürfnis nach ver- ftärkter Reubautätigkest nicht mehr, ebenso scheine auch in manchen mitlleren Städten der dringendste Bedars befriedigt zu sein: dagegen sei in fast allen Großstädten und in zahlreichen IndustriegemeindenkeinentscheidenderRückgang der Wohnungsnot zu verzeichnen. Ein« Erhebung über den Umfang der Wohnungsnot in Sachsen vom Mai 1929 Hab« ge- zeigt, daß bei den Gehalts- und Lohnempfängern, also bei den arbeitenden Massen, sür di« Erhöhung der Mieten nur ein geringer Spielraum vorhanden sei. was angesichts des unvermeidlich wachsen- den Anteils der Neubauwohnungen erheblich« Gefahren mit sich bringe. Vorläufig könne ein« völlige Aufhebung der Woh- nungsmangel- und Mieterschutzbestimmungen noch nicht erfolgen. Auch im vergangenen Jahr« habe sich di« gemeinnützige und privat« Beleillgung an der Neubautätigkeit infolge der schwierigen Finanzlage der Kommunen verstärkt. Daß diese Preußische Wohnungsbank in der Tat in aller- er st er Linie dem Kleinwohnungsbou ihre Sorgfalt zuwendet, beweisen folgende Ziffern: Don den 48 205 bisher be- liehenen Wohnungen hatten 54 Prozent ein und zwei Zimmer(ohne Küche) und 86 Prozent halten ein bis drei Zimmer. Bon den Wohnungsinhabern für 1928/29 insgesamt beliehenen Wohnungen � waren rund 84 Proz«ntIndustrie» und Landarbeiter, Arbeiter und Beamte der Reichsbahn und der Reichspost, sonstige Beamte und Angestellte. Nur rund 16 Prozent entfielen aus selb- ständig« Handwerker, Kausleute, Angehörige freier Berufe und Berufslose. Deutlicher als durch diese Ziffern kann die Notwendigkeit dieser preußischen Wohnungsbank und der Wille des Preußischen Staates, d«m Wohnungseiend abzuhelfen, kaum gekennzeichnet werden. Eine wichtige Voraussetzung zur Be- kämpfung des Wohnungselends muß aber noch erfüllt«erden, und auch di« Preußisch« Landespfandbriefanstalt hebt sie mit Nachdruck hervor: Dem Wohnungselcnd kann nicht gründlich genug abgeholfen, die Bolksgefundheit nicht gründlich genug ge- fördert werden, io«nn nicht durch die Oeffnung des ausländ!- scheu Kapitalmarktes und durch den Verkauf von Pfand- briefen im Ausland mehr und billiges Kapital nach Deutschland gebracht wird. Der Absah de» Rheinisch- Ivesisälischen kohlensnndikats bl-eb trotz eines leichten Rückganges gegenüber dem Monat Dezember und trotz der lstativ warmen Witterung recht beträchtlich Der Ge- samtabsatz betrug 9,96 Mill. Tonnen oder arbcstsiäglich gegen Dezember 6,2 Proz. weniger, gegenüber dem Januar des Vorjahres aber 0 94 P-oi. mebr. Die F ö r d e r" n- b"- MUapedszecken e'boMe sich gegen Dezember von 10,31 aus 1084 Will Tonnen, was hss der größeren Zahl der Arbeitstag« einen arbeitstäg'ichen Rückamg von 0,51 Proz., gegen den Januar vorigen Jahres aber sine Staig«, ung von 10,62 Proz. bedeutet Bei der Cbrysler-Corvorakion ist der letztjährige Reingewinn auf 21,9 Millionen Dollar gegen 30 9 Millionen Dollar im Jahr« 1928 gesunken. Das dritte Cmartal 1929 brachte allein einen Gswinnrückgang von 6,63 auf 2,83 Millionen Dollar, und das viert? Quartal hat sogar mit einem erheblichen Derlust abgeschlossen. »Agenten" nicht mehr vogelfrei. Kaufmännischen AngesteNten muß Tarisgehali gezahlt werden. Mit«In« Frage, die für Tausend« von An gestellten von größter Bedeutung ist, beschäftiLte sich in seiner letzten Sitzung das Reichs- cirlieitsgericht. Ltvxi 400 Berliner Angestellte führen einen Rechtsstreit gegen die Firma Scando- Werke G. m. b. H. in Berlin, die viele taufende Arbeiter beschäftigt. Die Kläger sind bei der beklagten Finna in der Weise tätig, daß sie In Haushaltungen Waschmaschinen und Staubsauger zwecks Vertriebes vorführen.$5n den Verträgen, die mit den Angestellten f b geschlossen wurden, wird gesagt, daß sie als Agenten zur Werbung für Kunden angesehen werden. Sie seien verpslichtet, ;aglich die erforderlichen Nachrichten zu geben! insbesondere der Firma die«rniittclten Bestellungen unverzüglich aufzugeben. Die Kläger sind der Ansicht, daß sie nicht Agenten, sondern Angestellte sind. Sie verlangen das T a r i s g e h a l t auf Grund des für allgemeinosrl indlich erklärten Tarifvertrages für die in der Berliner Metallindustrie beschäftigten Angestellten. Die Beklagte be st reitet, daß die Kläger Angestellte und chandlnngegehilfen sind. Sie seien vertraglich nur als Agenten auf Provision angenomnien worden. Arbeits- und Landesarbeitsgericht in Berlin haben zu- gonsten der Kläger entschieden: Es komme nicht darauf an, wie die Parteien die Derlräge formuliert haben. Dielmehr ist allein das Maß der persönlichen Uiid wirtschaftlichen Abhängigkeit der Kläger entscheidend. Es kann auch dabei keine Rolle spielen, ob die Kläger bei Abschluß der V«r- träge glaubten, eine mit der Stellung der selbständigen Agenten vereinbarte Tätigkeit ausüben zu können. Ausschlaggebend ist, wie sich die Tätigkeit in Wirklich- keit gestaltete. Es unterliegt keinem Zweifel, daß von einer per- löillichen und wirtschaftlichen Selbständigkeit kein« Rede sein konnte. Es waren die beiden Fragen zu entscheiden: ist das Dertragsverhältnis der Kläger als Angestellten oerhättais onzuschen und findet bei Bejahung dieser Frag« der Tarifvertrag für die Bcr- liner Metallindustrie Anwendung? Diese Frage hat das Gericht bejaht. Di« Kläger sind Angestellte im gesetzlichen Sinne und müssen auch als solche entlohnt werden. Für alle Wäger kommen die Bc- dingungen des Tarif» für die Angestellten in der Berliner Metall- industrie in Frage. Gegen dieses Urteil der Norinston.?, daß von weittragendster wirtschaftlicher Bedeutung ist, kämpft die Beklagte und der Berb.md der Metallindustriellen mit der Revision an. Nach mehrstündiger Beratung verkündete das Reichsarbeitsgericht folgendes Urteil: „Die Urteile der Dorinstanz«erden insoweit aufgehoben, als noch festzustellen ist, welche Ansprüche die Kläger haben. Die Sache wird zur weiteren Prüfung und Entscheidung an die Bor- in stanz zurückgewiesen. In allen übrigen Punkten wird die Revision der Beklagten als unbegründei zurückgewiesen. Die Kläger sind als Angeflellte zu bezeichnen und für sie findet nur der Tarif der Berliner Metallindustrie Anwendung.- Das Reichsarbeitsgericht habe sich vollinhaltlich den Urtei'sgründen der Vorinstanz anschließen können. Di: Kosten des Rechtsstreits bleiben im Endurtell vorbehalten. Dieser große Erfolg tonnte nur erreicht werden, well sich die Angestellten endlich den freien Gewerkschaften onge- schlössen haben, die auch den Rechtsstreit bis zur letzten Instanz geführt haben „Das dsisifche Handwerk." Kllnd?ebllng für soziale Realiion. Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat anläßlich seines zehnjährigen Bestehens von sich reden gemacht. Als Auftakt zu der Feier faßte eine Mitgliederversammlung am Dienstag eine Ent- jchließung gegen das geplante Berufsauebildungsgeseh. Der Regieningsentwurs des Berufsousbildungsgesetzes kenn- zeichne sich in seinen Vorschriflen über den paritälljchen Aurschuß und dessen Befugnisse als ein schwerer Eingriff in die seit drei Dezennien »um Wohl und zur Forderung von Handel und Gewerbe entfaltete Tätigkeit ihrer Berufsvertretungen. Handel und Gewerbe begrüßen die Stellungnahme der Spitzen- rrganisationen von Industrie, Handel und Handwerk und stellen sich geschlossen hinter deren dem Sozialpolitischen Ausschuß des Reichs- tages unterbreiteten Dorschlägen, in denen sie das unbedingt zu berücksichtigend« Mindestmaß ihre Forderungen sehen. Der Entwurf enthält noch eine Anzahl von Bestimmungen, gegen die in den Reihen von Handel und Gewerbe die schwerst- wiegenden Bedenken bestehen, die eine Zurückstellung des vorgelegieo Gesetzeukwurfes und dessen Verabschiedung in wirtschaftlich besseren Zeiten zweckmäßig erscheinen lasten.*--- Unter dtten AwstäNden müssen Handwerk und Gewerbe die resk- lose Berücksichiiguug der Vorschläge der Spitz enventrewngen von Industrie. Handel und Händwerk fördern." „Dag deutsche Handwerk" will nichts weiter, als die unetn- geschränkte Verfügung über die Arbeilskrafk der Dehrlluge für sich aufrechter halten zu wissen. Weder die Dswerkschosten, noch die Vertreter der Gesellen sollen ihm hineinreden über die. Zahl der ousx:, nehmenden Lehrlinge, die Lehrlingszüchterei soll unaagclastet bleiben, noch über die Behandlung und„Erziehung- der Lehrlinge, üb« ihre Arbeitszeit, über die Einräumung von Fcrten, noch über die Entschädigung, das sogenannt« Kostgeld. Für uns hatte es dieser Entschließung gegen die seit einem Jahrzehnt verschleppte Reform des Lehrlingswesens nicht erst be- dürft, um zu erkennen, wes Geistes„das deutsche Handwerk- ist. Die Gewerkschaften wird diese Entschließung nicht ab- hakten, in der Lehrlingsfrage nach wie vor«in deutliches Wort mit- zureden. In der öffentlichen Kundgebung am Mittwoch wandte sich der Referent über die Forderungen des deutschen Handwerks, Drechslermeister Feuerboum- Dortmund, gege»„schemakische Handhabung- de, Achistundcnlage» und auf dem Gebiete der Sozial- Versicherung gegen ein« Ueberspannung und Ausdehnung auf An- gehörige des freien Mittelstandes. Man kennt die Weise und kennt auch den Text. Die Not des Lehrlings. Forderungen zum ÄerufsausbUSuagSgeseh. Ein« Reihe namhafter Führer der gewerkschaftlichen Jugend- beipegunz sprach am Dienstag in der öffentlichen Monatsverfamm- lung des Bundes entschiedener Schulreformer über die vielen Rötedes Lehrlings. Walter E s ch b a ch vom ZdA. als Hauptreferent führte berech- tigt« Klage darüber, daß die Schule den Schüler mit einer Persön- lichkeitsölldung entläßt, die dem Schulentlassenen keine Einfühlung in die moderne Produktion ermöglicht. Abgesehen davon erfolgt der Eintritt in das Berufsleben zu früh. Bei Untersuchungen, die Im Oktober 1SL8 in Berlin-Trcptow durchgeführt wurden, erwiesen sich ■'S Proz. von 225 Jugendlichen als bsrufvuntouglich, einfach weil ihr Gesundheitszustand kein ausreichender war. Deshalb fordern wir das neunte Schuljahr und von dem Schulunterricht ein« mehr b«rufsnorbereitende Rote, dazu eine Auflockerung dos AptoritätsprinZlps während der Lehre. Gertrud Ellert vom ZdA. wandte sich gegen de« haus- wirtschaftlichen Unterricht in der Berufsschule, trotzdem eine ganze Reihe von Schülerinnen in diese« Unterricht eine Erholung vom sachlichen Schulunterricht steht. H e l l w i g vom DMA. sorderi« die Schaffung eines kolleltipen Arbeitsrechts auch für den Lehrling, der private Lehrvertrag müsse durch den Tqrifoertrog ersetzt werden. In der lebhaften Diskussion sprachen vor ollem Beruf«» b« r a te r, die die Mängel ihrer Arbeit aufzeigten. Heute hat der Berufsberater keine gesetzlichen Mittel, um Maßnahmen zu erzwin- gen; erst bei einem obligatorischen Melde- und Zuteilungszwang der Lehrstellen kann die Bzrufsberatung dos werden, was sie fein soll Eine E n t s ch l i e ß u n g, die ausruft zu einer sozialen Umgestaltung, wo jedes Lchrverhältnis von aller Ausbeutung befreit und allein vom Erzieherifch-Beruflichen bestimmt wird, und in der weiter der Hoff- nung Ausdruck gegeben wird, daß das kommende Berufsausbil- dungsgesetz auch wirklich von Vorteil für den Lehrling sein wirb. fand zum Schluß einstimmige Annahme. Die radikalen Schuhmacher bei Leiser. Sie sperren dem Verband die Deiträge. In der letzten Betriebsversammlung der Schuhfabrik Leiser wurde In Anwesenheit eines Angestellten der Berliner Zahlstelle des Schuhmacherverbandes beschlossen, dem Verband die Beiträg« zu sperren. Leiser Ist die größte Schuhfabrik in Berlin. Der Betrieb gilt als restlos organisiert. Vetriebsratsvorsitzender ist K l o x i n. der aus dem Verband ausgeschlossen wurde, weil er an dem kommunistischen Gewerkschaftskongreß teilgenommen hat. Durch die Bectragssperre wird die Belegschaft aus dem Verband hinausgetrieben. Wir wissen nicht, wie sich Hörtz zu diesem Vorgehen seiner ehemaligen Freund« stellt, erwarten aber von allen gewerkschasts- treuen Schuhmachern bei Leiser, daß sie trotz dieses nichtsnutzigen Beschlusses ihre Beiträge weiter entrichten. An den zur Zeit noch amtierenden Vertrauensmann, der die G:lder der letzten Woche noch nicht abgeführt hat, dürfen jedoch keine Beiträge mehr gezahlt werden. Die jüngste Funktionärversammlung der Schuhmacher verlief sehr stürmisch. Di« Ausgeschlossenen versuchten auch da wieder einzudringen. Die Vrtsverwolwng hat den Kollegen nicht gesagt, wann sie gedenkt, eine neue Generalverl« mmluvg mit den notwendigen Sicherungen einzuberufen. Aus einem kommunistischen Betrieb. Wie Angestellte miteinander„tonlurrenzieren". „Der Deutsche Bankangestellte-, das Organ des 2lllgemeinan Verbandes der Dcu schen Bankangestellten, brachte am 18. Februar einen Auszug aus dem Material seiner Rechtsschutzstelle über die Be» Handlung der Angestellten in zwei russischen Wirtschastsbetrieben in Deutschland. In der Agitation gegen die freien Gewerkschaften, vor allem jetzt im Betriebsrätewahlkamps, tun die Kommunisten immer so, als od der Siebeu-Slunden-Tag und die vierztg-Stunden-Woch� sijr sie etwa« Selbstverständliches seien. Die freigewerkschaftlichen Funktio- näre dagegen werden als schwach und korrupt hingestellt, weil es ihnen nicht gelinge, die Ueberstuudenwirtschaft wirtsam zu be- kämpfen. Aus den Zeilen der kommunistischen Presse klingt bei dieser Kritik stets der Refrain: Wenn wir erst die Herrschast in den Betrieben ausüben, dann wird alles, alles anders. Demgegenüber stellt E m o n t s— der Verfasser des Artikels— fest, daß in der Garoatle. und Kreditbank für den Osten, einer Grün- dung der russischen Staatsbank in Berlin, deren Aktien sich zu 10» Prozent In den Händen der russischen Staatsbank bzw. des Volkskommissariat» für Finanzen in der Sowietrepublik befinden, von einzelnen Angestellten bis tn die letzten Monate hinein bis zu 60 lleberstundeo im Monat gefordert und unentgeltlich ve eistet wor- den sind. Emonts stellt weiter fest, daß in diesem Betried ohne Ge- nehmigung der Gewerbepolizei Sonata gsarbeit von den Angestellten verlangt und geleistet worden ist. Der Außenstehend« fragt unwillkürlich nach den psychologischen und materiellen Motiven für ein derartiges Verhalten. Emonts Ant- wort darauf lautet solgendennohen: Bei der russischen Handelsoer. tretung in Berlin„fonfucrcnsteren" die Angestellten miteinander. Dort setzt sich an irgendeinem Sonnabendoarmittag irgendeine Lakaienseele hin und schreibt auf einem eigens dazu präpa- rterten Vogen: »Ich bin bereit im Interesse der russischen Arbeiter und Bauern qm heutigen Tage bis sieben Uhr abends Ueberarbeit zu leisten. Wer macht mit?' Dieser Appell an die niedrigsten Instinkte im Menschen, dies« systematische Züchtung von Kriechern, Schleimen: und rückgratlosen Subsekten, denen man nur mit einer anderen Phraseologie zu kommen braucht, damit sie willfährig an der Strippe ihrer Betriebs- führung tanzen— all das und noch viel mehr nennt man„sozialistl. schen Wettbewerb-. Gegenüber solchem„Fortschritt- wird die kopitalistiiche Wirtschaftsordnung noch lange gute Wsile haben. Als vor kurzem Karl Heß in Berlin begroben wurde, schrieb die„Rote F a h n c";„Eine der prächtigsten Gestallen des revolutionären Proletariats von Berlin ist mll ihm aus dem Leben geschieden. Erschöpft durch geradezu ungeheure Ueberanstrengung für die revoluttonäre Sache in der Kriegszell und den Revoluttons- jähren, völlig zugrunde gerichtet durch jahrelange Serkerleiden, sank der riesenstarke Mann dahin im Augenblick, wo eine neue revolutto- »Lre Welle Kämpfe von seinem Wert ersordert.- Karl Heß wurde, wie Emons feststellt, im Mörz 13 28. nach- dem er drei Jahre arbeitslos war, in der RusstschenHandels- Vertretung als Portier eingestellt. Vier Wochen später er- laubt« er sich in der Betriebsversammlung der Handelsvertretung einige kritische Bemerkungen gegenüber seinen ihm über- geordneten Kollegen. Einen Tag nach der Tagung der Betrieb»- l Versammlung wurde Heß in das Psrfonalbüro gerufen, wo ihm von ' einer„Genossin' erklärt wurde, er habe sich über seine Arbell be- schwert, man wolle ihm sein Schicksal erleichtern: er soll« sich nur zum.Kommandanten" begeben. Am 2 5. April 1928, also einen Monat nach seinem Eintritt, händigt« der»Kommandant" Karl Heß seine Papiere aus. Er konnte wieder wie vorher stempeln gehen. Darin bestand die„Erleichterung-, die man ihm ge- währte. Zahllose Verstöße gegen das deutsche Arbeitszellgesetz werden in den kommunistischen Betrieben von öbenher geduldet und gefördert, von den Betriebsleitungen sogar gefordert. Ueberswndenbezahlung gibts nicht, dafür eingehende Bespitzelung der Angestellten. Di« Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes werden weder von der Betriebsleitung noch von den kommunistischen Betriebsvertretungen anerkannt. Meinungs- und Redefreiheit, Freiheit der Gesinnung sind unbekannt« Begriffe. Eine Intrigen- und Cliquenbildung inner- halb dieser drei kommunistischen Betriebe sorgt dosür, daß hier einer den anderen überwacht, einer des anderen Feind ist. Kommunistische Praxis! Guien Morgen, Herr Zischer. Oer»rote- Betriebsrat als Kron evge von Siemens. Wir hatten in einer Rottz„Roter Betriebsrat als Spitzel". „Der Kronzeuge der Firma Siemens- am 7. Februar auf die äußerst eigentümliche Roll« hingewiesen, die der Führer der„Roten" Betriebsräte, der Kommunist Fischer, in der Klagesache eines sreigewerkschosttichen Kollegen gegen die Firma gespiell hat. Eine Ableugmmg der von uns berichteten Tatsachen wor nicht möglich. Man versuchte daher, durch salsche Angaben die Entlarvung Fischers zu bemänteln. Die am seihen Tage von den Roten Betriebsräten einberufene Betriebsoersammlung war derartig„überfüllt-,— von 22 0011 Arbeitern waren 5 8 anwesend—, daß sie nach einem kurzen Ber- teidigungeversuch Fischers vertagt werden mußte. Nachdem Fischer in der Versammlung bestritten hatte, ein Denunziant zu sein, er- klärte er zum Schluß:„Zehi werbe Ich erst richtig augpacken, so daß verschsedene Stühle wackeln.- Er bemerkte dabei:„Was kann mir passieren, wenn ich rausgeworfen werde? Ich bin ja noch ledig. Ob es den anderen aber egal ist, ist ober noch fraglich.- Also. in demselben Atemzug, in dem er abstritt, ein Denunziant zu sein, verkündet Fischer, nun erst recht denunzieren zu wollen. Ein: Woche darauf wurde in der„Roten Fahne" ein Reinigung?- versuch unternommen, der seinen Zweck verfchlt. Unwahr ist. daß Fischer als Zeuge nur aussagen wollte, wie lange Wolter abwesend war. Denn der Finnenvertreter hat die Frage an den Zeugen Fischer gerichtet, wie es mit dem Telephongespräch stehe, das W. früh um 8 Uhr gehabt habe, also zu einer Zeit, wo In den Räumen nur Fischer und zwei andere sreigewerk- schaftliche Kollegen anwesend waren. Und wie steht es mll der Tatsache, daß. nachdem das Gericht die Zahlung der Zeugengebühren für den Zeugen Fischer abgelehnt hat, die Firma sich sofort bereit erklärte, die Gebühren zu bezahlen. Die Aussage des Zeugen Fischer war ihr so wertvoll. daß sie auch noch freiwillig versäumt« Arbeitszeit pro Stunde mit 1,67 M. bezahlte. Kurzum, der„rote" Betriebsrat Fischer«wr der Kronzeuge der Firma Siemen, und ist dafür bezahlt worden. In der Der- legcnheit, um diese Tatsache herumzukommen, wird zur Ablenkung auf«inen Fall aus dem Ähre 19 26 zurückgegriffen, wo die Kol- legen Schmidt und Friedrich von der Firma in Sachen Kranz, Hoffmann und"W.'Schmtdt als Zeugen benannt wurden. Di« drei Mann wurden entlassen, Schmidt und Friedrich erhielten eine Verwarnung. Das Gericht hatte aber die Ladung von Schmidt und Friedrich als Zeugen abgelehnt, da sie an der Angelegenheit beteiligt waren. Wenn die„roten Betriebsräte- mit dieser Geschichte krebsen gehen, um den Zeugen Fischer vor der Belegschaft reinzu- waschen, so muß gesagt werden, daß dieser Versuch gründlich m-ß- lungen ist., Chauffeurstreit in Leipzig. Leipzig. 20. Februar. Di« Leipziger Kraftdroschkenführer, die seit Oktober in eine* Lohnbewegung stehen, haben jetzt in einer stark besuchten Versamm- lung«instimmig beschlossen, in den Streik zu treten. Der Lohn betrug bisher je Schicht 4,20 Mark zuzüglich einer Beteiligung von 15 Prozent an der Bruttoeinnahme. Di« Führer verlangten entweder unter Beibehaltung des bisherigen Systems einen garaittierten Lohnbetrag von 9,50 Mark oder die Gewährung eines festen Lohnonteils von 6,30 Mark zuzüglich 15 Prozent Beteiligung. Der Berem Leipziger Krastdroschkenbesitzcr lehnte jede Er- höhung und insbesondere jede Garantieleistung als untragbar ab. M«cht»»«,«sslbaliser: Montaq. l? Ulli, im Lokal Abraham. Siman-« W Dach» Ecke Nevaler Strahc. Drrlammliina aller Mitalieber der SP?, und lnmpath'sierenixn volleaen..Wer sind die eiarntlicklen Znierellea- W Vertreter her Eifeniahner?" Neierent: Eenosse Buckunann vom De- 13 EO zirlsvorstanh der EDD. Zahlreiches Ersche'nen erwartet eil t-3 Ter W«ri«a»»lch»t der lZPD.-aiseniahner. m � II1'' i I i-lTt � ��reieGewerkschasts«�naend Verlin Seil!«, greitaa. 19'- Uhr, taqcn die Sruvven: Hordriu«: Sugcntchc'm- SÄulc eanncnSutnec ctr. 20. Iack-Lonhon-Atenb.— Aermannplah: Druvptnheim Eaudcrstr. U, 84« chsb rech strafte. l0.M NU ten-" et« ral« Uber:.Mein Berui".— Lühe», Lüdweste»! 8rurv«nh«in» Dalsertvrftr. 9. v. pt. Uns lann kecner.— Lharlattcnbura: Zuaenhhe'm Svrecstr. id. Lustiger Abend: �.osemann kommt*.—!Z»pp«li»»laft: Jugendheim de- SMirfeaafs Wehh ng, Turiner 84« Seestrafte schinaang Turiner Strafte). Portrag:.Aufgaben der 8ewe?5s4asten".— Wrddlng: Gruvvcnhc'.m. Schul« Pank. Ecke Wiesenstrafte. Leseadend au«:„1 PLcher de» Lachens".— Die niichst«.�ulcmm.-nlunlt der Wanderleiter findet Ita't am Montan, dem 2t. gehruar. 20 Uhr, im Saal U des Eewerkschattshaules. Enoclutcr 2». Behandelt wird:.Die Vriegnift". Ztcferent: Seu.oss««übe.—«oNshühnenlaete» Mr b'e?iiflfnbuütftettuitg „Amnestie" am Sonntag, dem 23. Zebruar. u> Uhr. sind ausverkauft. �5* liui'enyc'Ntvpe ves�entralverbondes der Anae�eNfen Heute, greilag, finden folgende Veranstaltungen statt: Oberlgeee: tzuaendbe m Laufener S'r. 2. Auslvrach« über Ätttgllederwerbung. An- fchlieftend Brettspiele. ttöperick: Jugendheim Dahlmifter Str IS sSasanltalt., am Lahndos sl.öp.'nickl. Portraa mit Lich'b'ldcrn:.Der Werdeoang e'ner Tages-eitunq". Peserent: sturt Mever.— Lüdwest: Augendheim Horckstr. U (Ii. Hof. Ouergebäud« 1 Trepp«., Zimmer i). Ausspracheabend:.Do'.kotan,— Eoselks chaftstan,".— Ad 20 Uhr vcrusskundl:ch« Arbeitsgemeinschaft der Juo nd- drftirk« Neukölln und Urban im Zugendhelm Zleuldlln. Böhmisch« Str. 1—4. GUa mit 50 TMtttm M- 1,75 5r«kag 21. F�ruar 1930 Unterhaltung unü Wissen Vellage des Vorwärts Jens Xornfen: Sei* falfclie ZKoffeT Äefc Zweifel, Johnson war auf dem Wege, ein besseres Leben zu verplchen. Rückfälligkeit im Spritschmuggsl bedeutet Zwangs» arbeit. Er wollte sich hüten, es so weit komnien zu lassen. Zudem ist-s herrliche Sache, ein gutes Gewisien zu haben, doppelt angenehm� wenn man die Briestasche noch gut gefüllt hat und so langsam«Ms dem mexikanischen Wirrwarr der Sicherheit der nord- amerikanischen Grenze zupendelt. Fast auffallend' ist es, wie Benny Johnson oi� Lebensbehagen strahlt, wie er mit herausforderndem Lächeln im Speisewagen des Zuges Meriko-Stadt— New-Orleans einen Reisenden noch dem anderen mustert, die Zigarre zwischen den Zähnen hochgestellt und den letzten unverzollten Whisky schüttelt, dem man. je näher man der trockenen Grenze kommt, um so eifriger zuspricht. All« Reisenden halten es so. Da ist zum Beispiel der alte Oelzapfer mit der offenen Weste, Benny Johnson hat indes kein Verlangen danach Gr hat sein ehr- liches Leben vor sich, die schlimme Zeit mit ihren Gefahren ist vor- über. Da ist noch der deutsche Reisende, drei Koffer hat er bei sich, weiß der Himmel, was drin ist, oder worüber der lange dürre schwärzbärtig« Kerl sich Gedanken macht. Mellcich stimmt seine Rechnung nicht, vielleicht hat er Diamanten, in der Tasche; diesen Deutschen sieht man bekanntlich ihr schlechtes Gewisien schräg über die Ras« an. Dann ist da,— aber gehen uns die anderen Reisenden an? Benny Johnson gehen sie auch nichts mehr an, er stellt Be- trachtungen über eine schön« gesicherte Zukunft an. Mitten darin hält der Zug mit einem Ruck, die Reisenden stürzen eilig vom Speisewagen in ihr Abteil. Da Ist— man befindet sich sozusagen in Rufweite der Grenze,— noch ein Vrückenneubau zu überwinden, der Zug wird in zwei Teile zerlegt,— man sagt wenigsten«,«» sei wegen der Brücke. Es tonn auch sein, daß diese angeräuchert« Maschine, die mehr Ruhe als Jugend besitzt, den langen Zug schwer über die letzte Steigung hinaufbekommt. In jedem Fall: Di« Herrschasten des Vorzuges werden aufgefordert, aus dem Gepäckwagen rasch ihre Stücke herauszusuchen, damit sie am Grenzzoll rasch im voraus abgefertigt werden können und nicht fo entsetzlich lange zu warten brauchen, wie es sonst in der Reuen Welt üblich ist. Run. das ist natürstch etwas Ungewöhnliches, und die ungewöhn- lichen Gelegenheiten schlagen selbst die besten Vorsätze aus dem Feld«. E» war kaum böse Absicht dabei, es war nur«ine Art Gewohnheit, daß Benny Johnson sich rasch einen von den Muster- koffern herausgeben ließ, einen von den Koffern des schwarzbärtigen Retsenden. Er hat blitzschnell gesehen, daß der andere in der zweiten Zughälst« bleibt, und er hat nun einmal vom Krieg her das Bedürf- ni». diese» Leuten einen Schabernack zu spielen. Bei dem wilden Durcheinander drüber und drunter merkt der lange Deutsche mit den unheimlich fahrige» Augen natürlich nichts, sein schönster Muster- koffer sährt mit Benny Johnson, heidi zur Grenze vorauf, steht hochgekantet in Benny Johnsons Abteil, der zufrieden seinen Tabaks- rauch darüber abbläst. Was soll passieren? Hinter der Grenze gibt es Autos und Freund« genug, im äußersten Fall hat man sich geirrt. Gewiß, inan wollte gerade das neu« Leben beginnen, aber Kleinigkeiten soll man nicht auf Rechnung setzen. Mit dem Alkohol soll man sich in Acht nehmen wegen der alten Strafen, das stcht bei Benny Johnson in allen Registern. Mit anderen Dingen ist es ihm bislang»och nicht schlecht gegangen. Es gibt so viele Grenzen in Amerika— was ist da«in Musterkoffer? Für alle Fälle probiert Benny Johnson seine Sch'üisiel durch, er will nicht vom Zoll in Verdacht geraten oder dumm dastehen. Mit Schlüsseln weiß er ja Bescheid. Er hat den Griff sofort heraus, öffnet einmal neugierig und tut«inen halben Blick durch den Spalt; Spitzentücher und Seidenstrümpf«, wie er es sich gedacht hat,«in ganzer schwerer Kosser voll. Jedenfalls genügend, daß die Reise sich lohnt. Der lange Nigger, der ihm den Koffer zum Zoll trägt, muß sich gewaltig viel Mühe geben, ob da am End« noch Ueberroschungen folgen? Benny Johnson schlägt mit der Zunge an den Gaumen, es sind die angenehmsten Stunden, wenn man Neuerwerbtingen auf solche Uebervaschungen hin studiert. Vorläufig will der Zoll wissen, was im Koffer ist. Rnn, er mag selbst zusehen, Strümps«, Taschentücher,—»in Musterkoffer. Benny Johnson errötet fast, so froh macht es ihn, daß er diesmal auch nichts gegen den Staat vorhat. Cr sieht dem Zollbeamten strahlend Auge in Auge. Das tut er immer, aber gewißlich dies- mal ohne Harm und Hinterhalt. Benny Johnson öffnet aus(iv suchen auch mit einer eleganten Bewegung, mit einem fröhlichen Scherz den Musterkoffer, öffnet ihn weit. Taschentücher, Unter» wüsche, dann Spitzenwäsche, das Herz kann einem vor Freud« lachen, einen schweren Kosser voll! Auch dem Zollbeamten lacht das Herz, er streichest zart über die schöne Wäsche, er senkt seine Hand hinein, tiefer und tiefer, zuckt zusammen, sieht erstaunt auf Benny Johnson, ob dem wohl kein Gewisien schlägt. Aber Benny Johnson strahlt: kann man etwas Ehrlicheres tun, als den Koffer eines deutschen Reisenden dem Zoll vorlegen? Benny Johnson strahlt noch immer, als der Zollbeamte nun mit einem Ruck einen Einsatz mit Wäsche abhebt und zornig auf den unsauberen Zolltisch stürzt. Er lächelt noch verdutzt, als ein langer Kerl wie ein Missifippislößer neben ihm steht und ihn sehr dringend auffordert, mst seinem Gepäck drüben in den Untersuchungsraum zu kommen. „Mein Gepäck?* fragt Benny Johnson und sieht plötzlich schielend: In dem herrlichen Musterkoffer Flasche an Flasche wohl- geordnet auf dem Grunde, reinster Alkohol.„Mein Gepäck!* wieder- holte er stotternd und dann blitzschnell:„Aber das ist ja gar nicht mein Gepäck, ein Irrtum, ein sremder Koffer, meine Herren!* Der Zollbeamte nickt:„Haben wir je einen Schmuggler er» nnscht*, knurrt er funkelnd,„der nicht behauptet hatte, er hätte fremdes Gepäck vorgelegt? Los, in den Unt-rfnchungsraum!* i I 3>er an die Türken verkaufte Siegen ein Stexenprozeft vor&weihunderi Sahren es zweihundert Jahre, daß02 Pfd. 2 OOn. schweizer "SV Pfd. Pf. fiafelslnen 78 Schweinebauch od», s-n»?«...... ptd. 1,18 Schweinekamm oimcsciiwirt«..... 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M 1 Rolle Sthrankpapler............. 55, 40«. 100 Servietten weiss Krepp................. 45« 3 Rollen Tolletteoapler................ 25«. Bimse flnseüote unserer MeWareiiMellW 3 Pakete Bullerbrotpapier a ioo bi. 95« 50 Saugdecken.................... 45, 40«. 1 Paket Tempe-TaschcntQcher 30, 25« 1 Spiel Skalkarten.................... 50« 1 Füll haller mit Itkar. Goldfeder........... 2,45 1 Gros Schulfedern..................... OSpt. 1 Oro� Bremer Börssnfsdern...... 1,70 Oeoüdier Mstallarbeiter' Verband Verwaltunsssteile Berlin Nachruf Den SRitaliebern»ut Nachricht. Bef) unfer Kollege, her Stanzer Paul Lohse geb. 16 SÜODcmber 1873, am 13. Februar geilorben ist. Ehr« seinem Dndenfen! Die Einäscherung bat bereit» statt- gesunden. Oie Ortrvevwaltnn- Verkäufe Äebledlez-Teppiche. Webfeliler-Tepn-Äe 2X3 19.— Mark 2-3 21,— Mark !xz 29,— Mark JViXJVi 33,— Marf a'bxsVi 40-- Mark 3x< d8,— Mark 8X4 52,— Mark Äberbach. Friedrichstraste 163. 1. Etage Eike Sebrenstraste.„Vorwärts". 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Me. tallbetteiv Ausieaematrasten. Cbaiseinn. gues Walter. Staraarderstraste ach». zehn, stein Laden._» OcwinnanBjng 6. Masit 34. Prtubijch-Süddcolsch« Klasien-Lolierie. Ohne Gewähr Rachdruck verboten Ans jede gezogene Rummer Pud zwei gleich hob« Gewinn« gtsallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II ll. Fiehungslag 20. Februar 1930 3n der heutigen Bonnittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2«««»Inn« 1» 300000 W. 143984 8©ewinne m 3000 M. 29662 82539 204769 238839 16«ebinnt n 2000 cn. 4813 28320 39343 31246 78769 183738 239552 329290 40«ewinne« 1000 OL 17437 B7231 61644 76887 110262 111042 124498 135876 139939 148349 237207 243375 257031 284051 289314 300673 311595 316600 322418 335833 108 eetrtnn.«- 500 M. 1199 19216 23313 30579 34081 35481 36757 37269 50240 55422 55479 62503 84036 91617 9I87I 96706 I0S56S 108955 119804 120638 120671 126447 128779 139424 144179146217 147307 149220 169404 174451 186276 187032 190107 190981 206627 21951 1 223139 233587 234024 250986 253569 274437 300127303512 305310 312387 3261 15 341816 361818 367921 376426 383890 388054 389163 3n der heutigen Nachm>ltag,zlehung wurden Gewinn« über 150 De. gezogen 10««im,, 1» 3000«. 79166 90768-169702 237966 283413 16««in«, n 2000 92C. 29860 3308 0 70913 117725 233032 31517» 365064 395695 32««rinne» 1000®. 11914 17649 77872 82378 101491 121263 161801 197183 229366 236239 250697 299978 334059 346181 366817 367661 72«etelrne ,» 500 M. 2067 53789 60185 75173 75692 78911 92779 33892 124627 134590 137861 154668 158636 163078 170806 172369 74878 184601 213682 219352 220024 226990 239583 24 1028 253499 58218 264826 267275 274284 324817 332058 358011 359040389307 <94290 394664 Die in der heutigen BormittagSziehung gezogenen beiden Hauptgewinne von je LOCOO M. fielen auf Nr. 148964 in Abtei- ung I nach Bernburg, in Abteilung ll nach Berlin. Im Gewinnrade verbliebe»! 2 Gewinne zu je 500100, 4 jju je 75000, Prämien zu je 500000. ,.. 2 zu je 50000, 8 zu je 25000, 48 zu je 10000. lö4 zu je 5000. 288 zu je 8000. 506 zu Je 3000, 1356 zu je luOO, 2886 zu je 600, 7404 zu je 200 W. Ehaiselananes. Panvelallee 12. wir neu. iv M. Paientmatzasten, Polsteraufiagen, 9.—. Panvelallee 12. Panlöw SdirniöHit. I. Ohne Anzahlung bis 24 Monatsraten. Schlafzimmer, stächen. Ankleideschränke, Melallbettstellen, Ehaifelongues. Sofas. Kederbetiee. Antel, Graste granklurler- straste 54 sSlrausberacrolast).__ Redfeld. 22 Aabre Padstraste 34. Saus. nummer achten. Schlafzimmer, echt Eiche. 475,—, 590�-. 180 breit«75, Saffmann Pianos. Stammbau» ae- arllnde! 1887 Pianos sslllael Sar- moniums. 100 Instrumente. Auswahl. anerkannte Tonschönbeik. Preiswllrdin- keil, ailnstiae Teilzahiunaen.ReuePiana» OVO Mark, gebrauchte 400 Mark an. stets GelegenbeilstSule Alle stu- Nrumer.le Geaenrechnuna Piauolo-le- fabrik Geora Lassmann G. m. b S.» Deriin SW. 55. Leipziaerstraste 57 lEpillelmarkO__ Selrgenheilen. neue Piano», ge- w...W W irauchle 500.—. Teilzahlung. Sercr. Echt Birke poliert mit gristerloiirble, Prinzenstraste neunzig. ichwer gearbeitet. 180 breit. 79a.—. An-_ gebol nur kurze Zeit. �___ Redleld. 22 Jahre Badstraste 54. Sau». nummer achten,«nkleideschränfe.«ust.«wi-n<��bl. Winter. bäum. Eiche, weist, 125.-. 160,- ui'w iPMUe. Schlawe, Wernmeisterftr. mcr.» 500 gebrauchte ssahrräder 15,—. 20,—. 25.—, 50,—. 85.—. Machnow. Wem» meisterstraste IL Ksufgesucke sessel, echter Ledersessel. 29,—. i gotbetobcii 2SA0. PIllscksokas J Nubebetten. I» Material, 59.— 1 Ausziehtische 59.—. RohrstllhI« Enaiische Bettstellen 36,— 48,— t Anaebot nur kurze Zeit. Stehleih, 22 Jahre Badstraste Z4."Saü». ,z»d->st-»>sle. Pl-tinadsälle Löizinn. nummer achten. Herrenzimmer, araste Biel, Uueanlber. oilherschmetze Gold- «ibliotbet mit kaukasisch Nllstdaum. Mmelzeee, Ehristwnat«övenietei» Diplomat mit enaiischen Zllaen runder«rage 59.Saltestelle Adalberlltraste»' Tisch. Lederstllble. Ledersessel. 475.-/ 590.—. Anaebot nur kurze Zeit Rehseld. 22 Jahre Badstraste 54. Saus- nummer achten Speisezimmer. BUlett mit runder Bitrine, arosten Ausziehtisch streben,, echte Lederstllble. 495.—. 575.—. 685.— Anaebot nur kurze Zeit. tA/Sscharalae» .Diamant". W-ichcrei, Berlin. Brun- nenftraste 192, Norden 2860 und 0985. aegrllndet 1896, wäscht mit besten Sei- ten. Bezllae 0.38, Laken 0,29 Damen» ...... Hemd 020, Preisliste Verlagen. Ab. SleMelh.—Jtehre Badstraste 54, öau». täqlich per Aulomobiie kostenlos nummer achten Anrichtekllchen._.....—. u.:— r Emaillelack. 115,- 148.- bis 550.- �«"d-°I-bere, und Sernplottern Eckte westfälische lasierte stächen 160 1 Walter Uimi,b, ffran«u�er Allee M. breit. 275.- Re-alltetten Messinaner. �"drea, offl,. Wascht wie seit 190? be. zieruna. ertra stark, 25.-. 27.-. Ped.'annt reell, aut. daher billia nur mir diasessel 12.-. 14»- bi, 28,- stataioae vunIiehtfloHn. keine unmöglich er. werden nicht versandt, da die Pce.se Meinende Bersprechuna, Bersicherunas- sehr berabaefeht. Lieseruna ersolat bis Abholung von 3 Mk an. Beil- 100 stiiometer mit eigenen Autos frei Saus Sehen und stann-n. Schrtitliehe Garantie auf lehes Stllck.• Musikinstrumente Cinlpiones. Überaus preiswert schästrarlnunn«menommen war, konnte die Sitzung bis zur Ver- tagung um 10H Uhr ruhig durchgeführt werden. Ein Beweis. daß die KPD. nur durch scharfe Maßnahmen zur Ruhe gezwungen werden kann. Demokratie und Faschismus. Die deutsche Arbeiterschaft muß wachsam bleiben. vor de« Mitgliedern des Kreises Schöueberg der Sozialdemokratischen Pariei sprach Profkssor Dr. Heller über die grundsätzlichen Unterschiede zwischen dem saschistischen Italien und dem demokratischen Deutschland. Die deutsche Arbeiterschaft, die verpflichtet ist. wachsam die saschistischen Parteien in Deutschland zu beobachten, muß wissen, aus welchen Ursachen Mussolini seinen Marsch aus Rom antrelen konnte. Schuld tragen die Unsähigteit des bürgerlichen L i b e- ralismus, die Zerrissenheit der Sozialdemokratie, die zwar im Parlament über 159 Abgeordnet« verfügte und in 3999 tstc- mö.Nden die Mehrheit hatte, aber sich im Streit um Theorien er- schöpfte, und das sinnlose Tretben der K o m m u n i st e n, die plan- und ziellos Fabriken besetzten und so die Schwankenden in die Arme Musiolinis trieben. Der faschistische Diktator nahm den Arbeitern jede Freiheit und jedes Koalitionsrecht. Er schuf das äußeren Scheines willen die staatlichen Gewerkschoften, die sich nach den Be- iehlen der Regierung zu richten haben. Die deutschen Faschisten haben als Hauptpunkte ihres Programms die Beseitigung von Zinsknechtschaft und Korruption ausgestellt. Mussolim hat die Zinsknechtschaft Italiens gegenüber Amerika und seinen an- deren Gläubigern nicht beseitigen, er hat die Finanz- und Wirt- schastsnot Italiens nicht in wirksamer Weise beheben können. Auch ein faschistisches Deutschland wäre nicht in der Lage, die Schulden von sich zu werfen und die Bezahlung zu verweigern. Wie ist es bei der Korruption? Im demokratischen Deutschland sorgt Presse- und Redefreiheit dafür, daß die Korruptionsfälle aufgedeckt und bereinigt werden. In Italien ist es verboten, über Korruption zu schreiben, und so steigt die Derrottmrg von Tag zu Tag. Die deutsch? Arbeiterschaft muß die Gefahren des Faschismus erkennen, sie muß gegen sie gewappnet sein. Daneben muß immer wieder zum schreckenden Beispiel auf die Brutalität des italienischen Faschismus hingewiesen werden, der keine Bluttat, keine Folter. scheut. Aber auch gegen einen versteckten Faschismiis ge- wisser Bank- und Jndustriekreise muß die Sozioldemo- kratie auf der Hut sein und ihn durch Stärkung und Betätigung ihres Einflusses in Regierung und Verwaltung abwehren. Schafft Ledigenwohnungen! In der Aula der staatlichen Elisabethschule, Kochstr. 66, veranstaltete die internationale Jrauenliga für Frieden und Freiheit, Zweigstelle Groß. Berlin, einen Vorirags- und 'Diskufsionsadend zum Thema„Die Wohnungsnot der AI- lernst oh enden". onu Di« Rcferentin des Abends, Else Fisch, Vorsitzende des Reichs- Verbandes der Post- und Telegraphenbeamtinnen, schilderte gnschou- lich die seelische Rot der alleinstehenden Frau unserer Tage und be. leuchtet« sodann dl« pracktische Lösung dieses Problems. C« ist noch gar nicht allzulange her, seit die Oessentlichkeit von der Not der Alleinstehenden in ihren Wohnverhältnissen Notiz genommen hat. Die alleinstehende Frau wurde immer noch mehr oder wemger in die Kategorie der überzähligen allen Jungfer eingereiht. Heute aber, wo sich auf der einen Seite durch den Krieg der Frauenuber- schuh noch erhöht hat, auf der anderen Seite aber die Frau immer mehr und mehr ihren Platz im öffentlichen Berufsleben erobert und behauptet, ist sie genau wie ihre verheiratete Geschlecht Sgcnofsin berechtigt. Anspruch auf eigenes Leben im eigenen Heim zu erheben. Wenn man auch schon ein wenig guten Willen gezeigt hat, durch Auslockerung der Gesetze, Bau von Ledigenheimen usw., so muß doch noch mehr, viel mehr geschehe», um der Alleinstehenden den Erwerb eines eigenen Heims, vor allem in materieller V;- ziehung, zu ermöglichen. SSV Anträge auf Grund des Tutmiltichädeugeiefc«�. Em Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung beschäfiigte sich mit mehreren Anträgen, die bereits aus dem Mai vorigen Jahres stammen und die EutschödiKung der von den Mai Unruhen Be- trossenen zum Ziel haben. Der Verireiier des Mogisttpt? erklärte, daß der beim Polizeipräsidium auf Grund de- Tumultschäden- gcsetzes gebildete Ausschuß sämtliche Anträge(etwa 600) bereits er. ledigt habe. Einige Beschwerden schweben noch beim Reichswert- jchaftegericht. Nach dem Tttymlischädengefetz hat die Stadt ein Drittel der Entschädigung(etwa 40 bis 50 090 Marks, der Staat die Restsumme zu tragen. Der Ausschuß hat sich ohne Beschluß- fassung vertagt, weil er das gesamte- Material vom Magistrat zu erhalten wünscht. Bernauer«kchulstreik beendet. Wie wir seinerzeit mitteilten, war in Bernau- Süd ein Schulstreik ausgebroqfoen. D-e Eltern weigeren sich, ihr« Kinder zur Schule zu schicken, da der Weg bis dahin zu weit war und die Kinder wiederholt unterwegs belästigt worden waren. Sie verlangten von der Stadt Schaffung einer Fahrgelegen» h e i t, die die Stadt aber aus finanziellen Gründen ablehnte. Nun' hat, wie wir höre», die Elternschaft auf Einwirkung der Schul- behörden ihren Widerstand aufgegeben. Die Eltern wollen ver- suchen, aus ihre Kosten eine Fahrgelegenheit zu errichten. Der Streik hat im ganzen zehn Tage gedauert. Weitere Beurlaubung des Oberbürgermeisters. Der Urlaub des Oberbürgermeisters Bäh ist vom Oberpräftdea» ten vorläufig bis zum 31. März 1939 verlängert worden. Wenn Schmerzen....... Togal-Tabletten? Togal- Tabletten sind ein bervorraaenbe« Mittel bei RW»«»»», Qichf, Ischias, Grippe, Nerven-■- Kepfschmers, Ir kSitMrgjxpankhfi'Sei. Lt.»otar Bellätig. anerkennen über 5909 Ar-.ie, darunter viele bedeutende Ptofestoren die gute Wnkung de« To, tal! Keine unliebsamen Nackwir langen! Entfernt die Harn« inure! Ein Versuch überzeugt! Fragen Sie Föten Arzt. An allen Apotheken A 1.49. 0,4« Chln 124 Uth. T4J Acick. acet uL«t 100 Amyt, Das berliner Berufsschulwesen. Ein Vortrag des Stadtschulrates. Im Rahmen einer von der Derwaltungsatademie Der- l!n veranstalteten Vortragsreihe sprach Berlins Stadtschulrat N y- d a h l über„Die Entwicklung des Berufsschulwesens in Berlin�. Vor 2ö Jahren wurden die ersten Einrichtungen auf dem Ge- biete des Berufssck?ulmesens in Berlin geschaffen. Im Rahmen reichreefrstlichcr und staatlicher Gesestgebung wurden Möglichkeiten für d'S Einrichtung einer P fl i chtbc rufe s chule geschaffen. Handel und Gewerbe waren in Berlin die treibenden Faktoren für die weitere Aurgestaltunq. Nach der Bildung der Stadtgemeinde wurde erst eine besondere Deputation für das Berufsfchul- w e f c n geschaffen und im Jahr« 1926 das O r l s st a t u t für die Durchführung der Berufsschulen eingeführt. Iir einer Gemeinde wie Berlin war es möglich, zu einer sehr starken fachlichen Gliederung zu kommen. Neben der beruflichen Ausbil- dung— theoretisch und praktisch— wird die Erziehung zum Staatsbürger als wesentliches Ziel erstrebt. Für körperlich und geistig Behindert« sind Sondereinrichtungen— Hilfsschulen— geschaffen und sowohl für Lehrling« wie weitergebildete Handwerker und Kaufleute besteht eine große Zahl von wahlfreien Kursen. Zur Weiterbildung für die technische und künstlerische Ergänzung de- gewerblichen Nachwuchses dienen die zahlreichen Kurse an unseren höheren Fachschulen, die in erster Linie aber dazu bestimmt sind, in der Metall-, Holz- und Bekleidungsindustri« die geeigneten Fach- kroste zu erstellen. Die Mitel werden aufgebracht aus Arbeit- geberbeiträgen. die von den Gewerbetreibenden zu zahlen sind, von den Staatszuschüssen und den st ä d t i f ck e n Auf- Wendungen, insgesamt jahrlich rund 26 Millionei, Mark. Finanznot und Sozialekak. Für jeden Sozialarbeiter steht heute die Frage im Vordergrund: wird man bei der Finanzlage im Reich nicht den Vorsuch machen, gerade die im Augenblick so besonders überlastete WeAfahrtspflege noch durch W striche im Etat schwerer zu belasten? Genossin Toni Sender gibt im Leitartikel der neuen .Arbsiterwahlsabrt.Finanznot und Sozialetat" die Stellungnahme der s o z i a l d e m.o k r a t i s ch« n Reichstagssraktion wieder und versichert, daß die Fraktion alles daran fetzen wird, den Sozialetat ohne Abstrichs zu erhalten. Genosse Schurmann teilt in seinem Aufsatz„Streusiedlungen für Dicherkulöse" einen«igen- artigen Versuch de? Landkreises Bielefeld zur Heilung von Tuber- Mose mit. Ihm folgen die verschiedensten Abhandlungen über Aus- bi'dungsfragcn. Arbeit für die Opfer des Krieges! Die Stadt Berlin und die Erwe rhs besch rankten Neben den Millionen an Todesopfern, die der Krieg gekostet, sind Hunderttausende der aus dem Felde Heimgekehrten nicht mehr in vollem Besitz ihrer ehemaligen Körperkräfte und ihrer beruf- lichen Geschicklichkeit. Viele sind überhaupt nicht mehr in der Lage, ihre frühere Tätigkeit auszuüben, sie muhten einen neuen Beruf ergreifen. Ander« sind durch Herabminderung ihrer Körperkräfte oder infolge Verlustes oder Verkrüpelung von Glie- dem in ihrem Erlverb mehr oder weniger beschränkt. Au den Schwerkriegsbeschädigten zählen vor allem die Vollblin- den und die Nervenkranken. Arbeit mußte beschaff? werden. Allen diesen bedauemswerten Opfern des wahnsinnigen Krieges mußte auch durch die Stadt geholfen werdon. Schon während des Krieges wurden„Lazarettbeschäftigungswerk st ätten" errichtet, die Unterbringung der Schwerbeschädigten in Handel und Industrie wurde durch das„Schwerbeschädigtengesetz" geregelt. Im November 1921 wurde dann der Versuch unternommen, Lahr- und Beschäftigungswerkstätten für die Berliner Kriegsbeschädigtenfür. sorge zu gründen mit dem Ziel, eine berufliche Volleistung bei größter Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Dom Reichsbekleidungsamt wurden zunächst die Betriebe der Schuhmacherei unst Schneiderei übernommen: später gelang es, eine Abteilung aufzuziehen, in der zerstörte Fernsprechgeräte aus den Heeresbeständen zerlegt und wieder verwandt werden konnten. Für die Blinden kam vor ollem Tabakzupfen in Betracht. Die Firmnzlerung geschah aus den Mitteln der Hauptfürsorge- stelle und aus den Vettägen, die aus der Durchführung des Schwer- beschädigtengesetzes aufkamen. Um die Geschäftsführung freier und beweglicher zu gestalten, erfolgte Januar 1921 die Bildung der „Berliner Lehr- und Beschäftigungswerkstätten für Kricgsbefchä- digte, Knegerhinterbliebene und andere Erwerbsbeschräntte G. m. b. H.". Alleiniger Gesellschafter ist die Stadtgemeinde Berlin. Wenn ursprünglich bei der Gründung der Werkstätten nur an Kriegsbeschädigte gedacht worden war, so führt« die Errtuncklung dazu, den Personenkreis allgemein auf fast alle Arten der Erwerbs- bsschränkung auszudehnen. Zurzeit betreibt die Gesellschaft: Schuh- macherei, Zigarrenkisten- und Holzemballagenfabrik, Zigarren- fabrik, Bau- und Möbelttschierei, Kisteiifabrik, Berriebssclstosserei mit Kabelzeichenstanzerei. Besonders erfreulich konnte die Beschäftigung jugendlicher körperlich Behinderter gesteigert werden. Oer Beirieb wurde ausgebaut. Die Gesellschaft muß ihre Erzeugmsie bei einwandfreier Herstellung und Verwendung besten Materials zu Konkurrenzpreisen liefern. Di« vielfach vertretene Meinung, daß solchen Bettieben Aufttäge aus Mitleid oder aus sozialer Einstellung ohne besondere Anstrengung zufließen, ist ttrig. Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, war es unbedingt nötige den Betrieb moschi- nell und technisch auszubauen. So sind zurzeit 61 Arbeitsmaschinen für Holz und Metall und andere Rohstoffe mit einer gesamten elek- ttischen Antriebstraft von zirka 156 PS. Diese technische Ausrüstung gestattet nun die Erzielung einer größtmöglichsten Leistungsfähigkeit und eine weitgehend« Spezialisierung und Rationalisierung des Arbeitsprozesses. Der Betrieb ist industrialisiert. Die Beschäftigten befinden sich in einem völlig freien Vertragsverhält- nis zu der Gesellschaft, wie jeder andere Arbeitnehmer im Privat- betrieb. Di« Arbeitszett und die innerbetrieblichen Derhältnifse sind durch die Arbeitsordmmg geregell. Im Monat August 1929 waren in den Werkstätten insgesamt 267 Personen beschäftigt. Davon waren 13 Leicht-, 16 Schwer- kriegsbeschädigte, 18 Unfallbeschädigte, 5 Kriegerwuwcn, 7 Krieger- wcnsen, 61 von Geburt körperlich Behindert« und 81 besonders schwieriger Berhällnisse wegen eingestellt. Selbstverständlich wachst" die Belegschaft dauernd, denn man sucht denjenigen, deren Leistung als genügend bzw. als normal bezeichnet werden kann, mit Hilke des Arbeitsamtes wieder die Möglichkeit zu geben, ihrer Arbeit in den Bettieben und Fabriken der Privatindustrie nachzugehen. l-'rtitag, 21. 2, Staots-Opsr Unter d. Linden WW1. H fr Iii. 7 J3lir2s-Jb.-V. Et. 50 19 Uhr WM« Ende}r.23Uhr Slaais-Oper In Pialr der IniM v'orft. 31 M Uhr WWW» Eil!! Ende zez. 22 U. Ende 22", Uhr Staat!. Siaüspti. sm GBodannsn markt St. R.* Fr Ho. 5 JahrK-lb.-?. Ho. 45 .30 Uhr SBfroKxpsditioii des Capitäiis Scott Ende 2l3'( Uhr. Mi.WIei'IdMMIA. 20 Uhr deargt! H- SauiiQirodie |:,nde gegen ZZ�sUttr VolhsbUime Theafsr an BOlowplah. 8 Uhr Das GerOdit Komödie In 14 Bildern v C. K Munro Heul<: K. B. t'Billn Staat!. SAillei-Di- 8 Uhr Ceorue Dandln nontioiiTnme Tägl. 9 u. 8'i. Uhr. Barbai ossa 9255 Pr 1-8 M.«oehenig.SU. 50 Pf.-3 M. Con Colieono, 4 Bronetta lind weitere' rum 1. Male in Europa gezeigieSpitzenleis-tungen iheilsr am smitniatterdamn: fcV* Uhr DieOertealaiilie Staatsoper AmPl. d Republik 8 Uhr Die helmiidie Elte WM Mm 0.1. Norden 1231(1 Tägi.*V4 Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bemard Shaw Reg; Max Reinhardt Komische Oper Frledrichstr.104. Merkur 1401/4330. Allabendlich S'.'iU. Sdinul n» AniM:ad Sit Lestspielhaus Frlcdrichstr. 236. | Bergmann 2922/23. Tiglich 8'/j Uhr Liebe auf den zweiten Bliek Höchstleistungen Das führende Variete MM d. Westens Täglich 8>/. Uhr: , Hösel Staat Lemberg Musik von GHbert-fl Kühe Dorsch Leo ScbOtzesdoH GROSSES SCHAUäPiELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIKCHARELL I Sonntai. naflu#. nngck. Halte Cr. LICHT! am Gesundbrunnen Ab 21 Februar: Das nroBe Varietd-Prcgramin: Eric Borthardi Kit irmr LotteWerk- ireister, 4 Price, iii bfrüh-.ir Cliwni. Esmasiil- Tnjjjc, msiidie Wiibeltln», 0. Xirlaua». im Fimteil; Ellen Richter i n..Fraü ohne Nerven" Täglich Uhr. Kammerspfeie O.l. Norden 12310 8 Uhr Der Kandidat von Carl Sternheim Rtjlc! Hins ItiiridL Theater l.d.ßehrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 DtrekBon Ralph Arthur Roberts fU Uhr ... Vater sein, dagegen sehr §onntag 4uch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) ■nvsmi Dirolttion Dr. Martin Zickel m Komische Oper rr;edrlch;li.1Q4 Merkur 1401 4330. Nach vollständieem Umbau Täglich 6'.. Uhr Huflla di Bulla Schwohk Von Arnold und Bacb mir Guido TliSelsc. Uhr Victoria von S. Maugham. Regie. Max Reinhardt 'Musik: Mischa Spöliansky. Di rektion >r. Roberl Klelr Deutsches IQnstler-Theal. Barbarossa 3937 8'/. Uhr „Ein-, anMiDi" von FranzMolnai mit Mai PalleDlxrj. Tirktt; Souper SeriiDir IDeatei Dönhoft 170 Täglich:>/. Uhi Die Straße oilMEIasurnm Reichshallen«Theater Abends HZ sonnlag nadim. CD Ods ffnriderDaio Febr.-Progiaina! der SfettiHer-S&nter Preise 60 Pfg. bis 3 Mk Zentrum 11263 KaAmliiaas halbe Preise. Oönl*. eff-Brett); 15 gr. Hemmern! FtlknorUrrhester.Taai. II rlei Regie nr Hil per OSE. ¥«e€B fi«S IT OroBe Frankfurter StraBf 132 Bibettkasse: Alex. 3422 und 3494 Täglich 8.15 Uhr(Sonn ags 9 U.) und Jeden Sonnabend■ im Februar auch 113') Uhr abends die«in 5«. Operette t. MiliöiKer „Gasparone'" SantwsliHOlineu Theater in der K6niggr3tzer Straße Täßlich 8V* Uhr Prolessoi' Bernhardt von irtlnr Süinlhlv Rtjis: VIttir Einiorskj KomSdienhau» Täglich m Uhr Dar Lügner und die Rönne von C«P1 66tt WM» MdSäoli. Il-Bihn BermjD�pl.teii't.'flia, 14 Gr.BocKblerlesi Sonnabend, den 22. Februar 1030 eroftesAlpcnlcst Karten nur Im Vorverkaul Telephon: Mcritzplatz 4613 Ehren- und Freikarten unoflltlo Kleines Tlieat. Merkur 1624 Tag!. 8'/. Uhr DerWalzemn beute Nacht! ( Erika Qliissncr, 1 Hifd« ttdmer. Berguu-SctieutaA. Sonntag um Z30Uhrn nächsten SonnabdS U.:, AidicabTSdel" Sonntag 5.15 U.r.Die Caarda. lUr/ttB*' Voranreige: Ab:. Märr leden I Sonnabend 1 JAi Uhr Nach'- 1 /orste'.lu.-jg.llcr Mu«: erteile- TrianoD-M; Oeorgenstr. 9 Täglich 8'/« Uhr na Himna Sidtraun Netropol-Th. 8'/« Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwere, Richard Tauber Musik von Franz Lehdr. Lessing-Theater Norden 10346 Täglich 8 Uhr Altäre Dreylus von Rcbflsch und HeriO'» OperettenhaDS Alte lakobstr. 20/32 (Zentral- Thealer) Täglich 8b. Uhr Die Fledermaus mit Gustav Matznet TBML I. Run.TSf Kottb. Str. 6 Tigl. S Uhr auchSonnt. oackm-JU.: nmsli Nho Elite- Sänger. Bs gnb ktsdiiagrUdi- Pkjtibb! u.f.t DM OIOIUM»Ii, fnÄBn-hnea. WeUbrnid VetbdmM.» Original-Weinbrand.»»»» Jamaika Raa VersdinUi, 36% Rolweln �tarca Eipaüola' Fclmler Tarragona.... Criedi. MoakalcU, TotttSä. Echter raier Bordeaux'ij-FL..... TOB 1.35 aa Echter Wetter Bordeaux, Vt-H-... von 1.75 ea Santa Llanax, der Stärkung.veln.,. von 4,55 aa Obit- und OQdwelse vom Fab. pro Itter. von ,75 aa PreUe ohne Gla* Ni Oder berget Sir. T Dtonlhelmer Str. t SchTedenslr. 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Zebraar 1630, finden in ber Jett von 10-1 Uhr zweck» Einteilung Der•Bnfiltärpee im Pueilee«. ianl de» Beebandshunle», Schallee 15, »le Eintragungen statt. Die OrisTcrwoliang. Planelarlaci www am Zoo 'erlin. Jodiignfliiljr Unit 8.5 BarbarossaSSTR 16'/. Uhr Dia Winter- Sternbilder Wk Uhr Oer Planet Jupiter. TO'.'.Uh: MerkwUrdlg« Sern,(Sien ui»rr;i) Eintritt 1 Mark, Kinder SO Pf. Mittwochs halbe Kassenpreise. Obifgrunbstflir JRahlsioef, ni fiflue. 201.0-Tlniahl verlfl. MOUer, 9Iafiou:fd)e ö'.e. S8a. Im Am sb'a« der Thflringer ev. Kirche vom 1 II. d.[. findet sich folgende AuiSClireibung: «Ausgeschrieben wird eine.. Pia, rs teile in Eisenberg 1T1 Or.) mit der Tochtergemeinde Ssasa... Da ein An'rag nach§ 10 des Minderheltenseieues ... vorliegt, kAnnea aar Beurer hangen von Pf.rre, n reugUis-taxUlMbdier Aauhanaag za- geUneB werden. Solch« Bewerbungen mit Lebenslauf sind bis zum 28.Febr 1430 an uns einzureichen. Bar LudeskWiiBrat ötr Mjiz«/ nun. Rirdn D. Relchanfu Wir geben diese Aurschreibnng V/ann'. forden Q- «Innungsfreunde unter den Gelsth;_-*n zur Beue-tung auf und s-ellan fest, da6 der erwähnte Antrag durch die Aktivitä- der Eisen bergerQenossen zustande sekSrame:: Ist, nie damit einen neuen Weg zur positiven Lösung der Kircbenirage besch nuen haben. Baad religiOter SozlalU.en.