BERLIN Sonnabend 22. Februar 1930 10 Pf. Nr. 90 B 45 41. Jahrgang ErsSeiat tSgltch aaber Sonntag«. Zugleich Zlbendauegabe de«.Vorwärts Bejuq«vreit beide Ausgaben«üPf. pro Woche. vre Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW 63, Lindtnßr.s U flttickgenotei«: Die einspaltige Noiipareklleteil« 30 Pf.. Reklame»elle ü M. Ermäßigungen nach Tarif. Poüschecktonto Vorwärts. Verlag G. m. b.H« Berlin Nr.S7SZK. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bis 291 Wirtschaftliches paneuropa? Gegnerschaft und Mißtrauen gegen den Zollsrieden. Genf, 22 Februar. sCiaznberichi.) Jin ersten Ausschuß der Zollfriedenskonferen� legte im Nomen der deutschen Regierung Ministerialdirektor Posse' dar, daß es gelte, über sieben Fragen eine Einigung zu erzielen und von dieser Einigung die gesamte Entscheidung, ob ein Zollfrieden möglich sei oder nicht, abhänge. Der Präsident des Ausschusses, der Holländer C o l i j n, schloß sich dem Wunsch an, besonders über diese sieben Punkte zu sprechen, mit dem Erfolg, daß sich die Debatte des Tages um diese Probleme drehte. Es ergab sich, daß England. Schweden, Lugoslanuen. die Schweiz. Holland, und mit gewissen N orbehalten Finnland und Polen einen Standpunkt einnahmen, der eine Einigung über die Streitpunkte möglich macht. Dagegen waren die Ausführungen von Portugal und Estland ziemlich zurückhaltend. Der Präsident vertagte den Ausschuß auf Montag in der Hoffnung. daß bis dahin die neue französische Regierung lyren Standpunkt darlegen wird. Ohne Frankreich, das wurde in den Wandelgängen betont, könne weder Deutschland«och England, noch die übrigen europäischen Industrieländer«inen Zoll, rieben eingehen, wobei für Deutfchlaird noch die wichtige Frage besteht, ob Frankreich bereit ist. durch den Zollsrieden den dcutsch-srar.zösifcheu Handelsvertrag. der ieht alle sechs Monate gekündigi werden kann und gegen den einige Opposition in Frankreich besieht, zu stabilisieren, Zu Berichterstattorn des Ausschusses wurden Dr. Hilfer» d! n Deutschland, und Langenhove, Belgien, ernannt. In der zweiten Kommisston kamen, vornehmlich Gegner» sch a s t und Mißtrauen gegen den Zollsrieden zum Ausdruck. Es zeigte sich schon in den ersten beiden Sitzungen: die Ausgabe der Kommission, für die Verhandlungen während des Zollfriedens ein Programm auszuarbeiten, ist derart unbestimmt, daß ungefähr alle Wirtschaftswünsche und-Probleme in sie einbezogen werden können. Wichtig ist eine Erklärung des Präsidenten, daß der Aus- schuß ein Progranim für die wirtschaftliche Annäherung und die Beseitigung der Handelsschranken aus jeden Fall ausarbeiten könne, ohne Rücksicht darauf, ob es im ersten Ausschuß gelänge, sich aus einen Zollfrieden z» einigen. Die Agrarländer sind sehr geneigt, besonders in der Frage der oiehpolizeilichen Maßnahmen. eines direkten Austausches zwischen Industrie- und Wirtschasts- Produkten Innerhalb Europas und die Frage regionaler Abkommen in ven Vordergrund zu schieben, während die Industrieländer wünschen, daß der Ausschuß vor allem ein Programm für eine etappenweise Herabsetzung der Zölle entwirst. Am weitesten in bezug auf die Schaffung einer europäischen Wirtschaftssolilwrität ging der Vertreter der Tschechoslowakei, der als Ziel die Versorgung der europäischen industriellen Länder durch die europäischen Agrarländer uuo damit die Steigerung ihrer Sauskrasl für die europäischen Jnduslrieprodukle ausgestellt wünschte. Die überseeische Konkurrenz soll dabei durch innereuropäische Vorzugs-Eisenbahntarise und durch europäisch« Krcdilmaßiwhmen ausgeschaltet werden. Die meisten Minister verlassen Genf in den nächsten Tagen. Reichswirtschastsministcr Schmidt reist am Dienstag nach Berlin. Ein Getreidemonopol in Europa? Der polnische Vertreter hat sich nachmittag im 1. Ausschuß der Zollwaffenstillstandskonierenz gegen die von den meisten Staaten anerkannte Nolwendigkeü ausgesprochen, daß sämtliche Teilnehmer des Zollfriedens auch der Konvention über die Abschaffung der E i n- und Ausfuhrverbote beitreten. Polen bereitet einen neuen Zolltarif vor und ist-deshalb für den 1. Oktober des Vorjahres als Stich- tag, für möglichst wenige Ausnahmen und möglichst kurze Dauer des Zollfriedens. Die Katastrophenklaufel müsse im Inter. esse der Agrarstaaten möglichst weitgehend gefaßt fein. Schließlich sollen nach polnischer Auffassung die besonderen Vorteile, die sich die Teilnehmer des Zollfriedens zugestehen, auch denjenigen Staaten zustehen, die in einem Meistbegünstigungsverhältnis zum Teilnehmerstaat stehen.. Der englische Handelsminister Graham, der nochmals seiner Hoffnung Ausdruck gab, daß die Konferenz zu einem Zollwaffen- stillstand oder einer ähnlichen Einigung gelange, teilte in der Frag« der Meistbegünstigung die polnisch« Auffassung, steht aber in den Übrigen Fragen auf dem deutschen Standpunkt und ist auch mit der Späterlegung des Stichtages einverstanden. Di« Schweiz zieht dagegen, wie die Agrorftoaten, den 1. Oktober vor. tritt aber sonst dem deuschen Standpunkt bei. Der 1. Ausschuß hat sich bis Montag vertagt in der Annahme, daß bis dahin die französische Dele- zation in der Lage sein wird, ihren Standpunkt bekanntzugeben. Ausbeutung deutscher Landarbeiter Anklage im Landtag. In der heute vormittag im Preußischen Landlag fortgesetzten Aussprache über den Landwirt schaftsetot nahm Abg. Brandenburg(Soz.) Stellung zur Landarbeiterfrage Cr begrüßte mit Genugtuung, daß auch der Landwirts chafisminifter zu diesem Problem ein- gehend Stellung genommen hat, da? allerdings nur im Zusammen- hang mit der Ausländerfrage behandelt werden kann. Wenn im Februar 1020 215000 Angeooken nur 59 000 offene Stellen gegenüberstanden, so sollt« es zu denken geben, wenn die Landwirt- scherst trotzdem immer noch Ausländer anfordert. Em- solche Mckstchtslosigteit gegen den inneren deutschen Arbeitsinarkl nennen die Herren von rechts dann„mutonale Politik". Um die Beschäftigung von ausländischen Wanderarbeitern zu begründe». sei es ein beliebtes Mittel, immer und Immer wieder zu behaupten, daß die deutschen Landarbeiter nicht gcmig guten Willen zur Arbeit haben. Daß in Wirklichkeit ganz amdere Gründe für dos Verhalten der Großgrundbesitzer vorliegen, sei an vielen Beispielen zu belegen. Selbst aus die Lereilwilligkeil. oft kllometerweite Wege täglich zu macheu, wird keine Rücksicht genommen, weil fast alle Stellen mit polen besetzt sind. Es sei bereits so weit gekommen, dgß eine in Berlin erscheinende polnische Zeitung sich auf diese Be- schäftigung polnischer Arbeiter in der deutschen Landwirtschost beruft. Unter Hinweis auf die Tatsache, daß viele tausend deutsche Land- arbeiter brotlos seien, behauptet diese Zeitung, daß der deutsche Großgrundbesitzer den polnischen Arbeiter einfach nicht entbehren könne. Daxaus müsse eines Tages Polen seine Schlüsse ziehen.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Noch nach anderer Richtung hin habe die Beschäftigung ausländischer Saisonarbeiter üble Folgen. Das zeige sich namentlich in der Be- WW» Sfrundeskan&ler Schober traf heute vormittag 8.56 Uhr in Begleitung des General- sekretärs für auswärtige Angelegenheiten. Peter. Sektionschef Iunkar. Konsul Bischof und des deutschen Gesandten in Wien, Graf Lerchenseld. auf dem Anhal er Bahnhof ein. Zu seinem Empfang hatten sich u. a. Reichskanzler Müller und Reichs- außenminister Dr. Eurtius, sowie der österreichische Gesandte Dr. Frank mit den Herren seiner Gesandtschaft am Bahnhos eingesunden. lastung de» Verliner Sozialekaks. Ilm arbeitslose, ausländische Saisonarbeiter unterzubringen, hat Berlin im Zahre 1028 allein 54 500 Wart ausbringen müssen.(Hört, hört!) Ein besonders betrübliches Kapitel sei die Frage des Hosgängerwesen» in der Landwirtschaft. Wenu in Po-»"i;Tn ein jugendlicher Landarbeiter als Hofgänger 1? pf. pro Stund« Gejawllohn mit Deputat bekommt, so sei das «in ungeheuerlicher Zustand.(Erregte Zwischenrufe rechts: Das ist ja unmöglich!) Mit diesen Zwischenrufen scheine die deutschnatwnale Fraktion beweisen zu wollen, daß sie selbst einen solchen Lohn für unglaublich hallt. Aber das sei nicht nur allein in Pommern so. sondern auch in Ostpreußen und besonders in Schlesien. Dort betrage v. a. der Familienlvhn als Hofgänger und D e p»! a n t 70 Pf. pro Stunde, Daß sich eine solche Skia« verei, wenn man noch dazu dos System der Entlossungsschein« in Rechnung stellt, in Landflucht auswirke, sei schließlich nicht zu oerwundern. Zu erwähnen seien auch noch die immer wiederkehrenden klagen über skandaläse Mißhandlungssälle. Die landwirtschaftlichen Organisationen sollten selbst ein Interesse daran haben, solche brutalen Schinder, die sich immer wieder a» Landarbeitern und auch an Arbeiterinnen vergreifen, aus ihren Reihen rücksichtslos zu entsernen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Redner fordert« schließlich den Minister aus, auch auf die Wahrung der sozialen Interessen der Landarbeiterschast bedacht zu sein und die Entwicklung des Landkrankentassen» und Unfallocrsicherungs wesens, der Unfallverhütung und der Unfallrenten aufmerksam zu beobachten. Denjenigen Kreisen der Landwirtschaft aber, die sich immer wieder über mangelnde „Gegenliebe" beklagen, sei gesagt, daß, solange sie selbst sich den elementarsten Forderungen der organisierten Landarbeiterschast widersetzen, sie nicht damit rechnen können, die Sympathie der deutschen Arbeiterschaft und des deutschen Volkes überhaupt zu er- ringen.(Lebhafter Beifall bei den Soz) Abg. Dr. Saushold(Dual.) widerspricht den Acliherimgen des Vorredners. Er hält es für unmöglich, daß die Landwirtschaft solche Schundlöhnc zahle, wie sie hier vorgebracht seien. Aber man dürfe auch nicht vergessen, daß die Landwirtschaft insofern unpro- duktio arbeite, als sie keine Preise für ihre Waren bekommt. Der Redner äußert sich sodann noch zu einzelnen Etatfragen. Der Landtag führte im weiteren Vertaufe der Aussprache big zweite Lesung des Landwirtschaftsetats zu Ende. Am Montag beginnt die zweite Lesung des Etats des Innen- Ministeriums. „Mutter" in London verboten. Blamable Fllmzensnr in England. London, 22. Februar.(Eigenbericht.) Der Londoner Grasschastsrat hat die Aufsührnng des russischen Films„M utter" verboten. Der Film sollte im Rahmen der ersten Filmvorführungen der neu gegründeten englischen Volksbühnenbewegung gezeigt werden. „Europa" fitzt auf Grund. Die Elbe für das Riefenschiff nicht ttef genug. Hamburg, 22. Februar. Die Ausfahrt des Rlefendampfers„Europa", die am Freilag noch zweifelhaft erschien, wurde am heutigen Sonnabendfrüh zum Ereignis der ganzen Wasserkante. Trotz des noäz anhaltenden Ostwindes und des dadurch bedingten niedrigen Wasserstandes fahle die Bauwerft von Blohm u. Boß heute früh den Enlschlus-, die Ausfahrt zu wagen. Die Geduld der gewalligen Meu- schenmenge wurde auf eine Probe gestellt. Als gegen 9 Uhr der Wasserstand eine genügende Höhe erreicht halte, konnte mau vom senseMgen User die Wahrnehmung machen, daß der Riese im Tau einer ganzen Anzahl größerer Schlepper sich langsam vom Aus- rüstnngskai der werft fortbewegte, um nach kurzer Zell die Äussahrl de» Ruhwarden er Hafens zu gewinnen. Den Schloken der.Europa" entwich dichter schweizer Qualm, und das Dröhnen der Dampfpfeifea machte die Luft erbittern. Gegen S.lS Uhr war der offene Elbstrom erreicht, doch berührte die„Europa" kurz dar- auf querab von den'Altonaer Londung�brückeu Grund. Sie f i h( zur Zell s e st. Man glcu-bt jedoch, daß bei steigendem Wasser- stand die Fahrt elbabwörts fortgesetzt werden kann. Herumgetrcht und wieder festgelaufen. Die„Europa", die nach der Ausfahrt aus dem Kuhwarder Hase,, mit dem Steven eld abwärts lag, wurde d u r,ch den starken Flutstrom herumgetrieben iu,d quer in den Elbstrom gedrückt, so daß die Gefahr bestand, daß der Riese ström- aufwärts getrieben wurde. Den gewaltigen Anstrengungen von sieben Schleppern gelang es jedoch, das Schiff wieder b e,- zudrehen, doch auch in dieser Wage war eine Welterfahrt nicht möglich: denn wlcderum berührte das Schiss den Grund und wurde erneut von dem Flutslrom herumgedrückt, so daß zur Zeit da? Fahrwasser durch die ganze Länge des Schiffes gesperrt ist. Das Fest- sitzen der„Europa", das sehr schnell bekannt geworden zu sein icheint, hat ganz gewaltig« Menschenmengen herausgelockt: die mit Soannung das Wiedcrflottmachen des Schiffes erwarten. Der Arzt als Hungerkünstler. Versuche mit eiweißarmer Kost. Das Regime Horchys. Innerhalb der Reichsregierung wird bedaveri. Wolsss Düro veröfseutllchl folgende Mitteilung: Ei» Berliuer Abendblatt veröffentlichte gestern einen au« einer ausländischen Korrespondenz stammenden Artikel, der schwer« De- schuldigungen gegen den ungarischen Reichsverweser von horthy enthält, welcher in diesen Tagen unter größler Anteilnahme Ungarns den zehnjähligen Zahreslag seiner Berufung feierte, wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß innerhalb der Relchsregierung bei voller Würdigung der Meiunngifreiheit der Presse die Ueberuahme derartiger Artikel, welche das Staatsoberhaupt einer befreundeten und durch mannigfache kulturelle und wirtschaftliche Zateresseu mit Deutschland verbundeneu Ration herabsehen und beschimpfen. lebhast bedauert wird. * Der Aussatz, um den es sich handelt, ist am 21. Februar in diesem Biatie erschienen. Wie in ler Erklärung der Regierung richtig bemerkt wird, entstammt er einer internationalen Korrespondenz und ist infolgedessen in der sozialistischen Presse der verschied« n- üen Länder abgedruckt worden. Aehnliche Wirkungen wie m Berlin hat das aber nicht gehabt. In Prag und wahrscheinlich auch in anicren Hauptstädten mußte sich der beschwerdeführend« Ge- loniite mit dem prinzipiell richtigen Bescheid zufriedengeben, daß die Regierung in einem Lande, in dem Pressefreiheit herrscht, keinerlei Verantwortung für diesen oder jenen Artikel übernehmen könne, lieber das Tatsächliche der in jenem Artikel dargestellten Vorgänge vermag die deutsche Regierung selbstverständlich nichts Entscheidendes zu bekunden, da sie nicht in der Lag« war oder ist, «ine Untersuchung darüber anzustellen. Es handelt sich also bei ihrer Erklärung lediglich um einen Akt der diplomatischen Courtoisie, der ireilich als Präzedenzfall gefährlich ist. Wie will sich die Regierung künftig»och vor de» Gesandten retten, die zu ihr gelaufen kommen, um sich über diese oder jene Aeußerung in der deutschen Press« zu beschweren! Llngarns Sozialdemokratie feiert nicht mit. Di« Sozialdemokratische Partei Ungarns hat besthlosien, daß ihre Pqrlamentssraktion an der Sitzung des Abg«, ordnete nhause s, in welcher das, Gesetz betreffend das zehn- jährige Jubiläum des Reichsverweser» Nikolaus Horthy ge- schaffen werden soll, nicht teilnimmt. Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden durch ihr Fern- bleiben von dieser Sitzung' gegen das gegenreooiutionäre Regime demonstrieren, das nicht einmal aus oiesem Anlaste sich dazu de» wegen ließ, ein« solche A m n e st i e walten zu lassen, welch« im Interesse der im Auslande weilenden Emigranten und der in den Kerkern schmachtenden Arbeiter und B? u e r n in vollem Maß« zur Geltung kommen und deren Leiden «in Ende machen würde. Enthüllung einer Märtyrerfahne. Beio Somogyi, der vor zehn Jahren ermordete Chefredakteur der„Näpszova"(Zeiztralorgan der Sozialdemokratischen Partei Ungarns), hatte in einem Budopester Bezirk, in Obuda(A l t o f e n) aktiv an der Parteibewegung toilgewommen und in diesem Bezirk war er— fast unmittelbar vor seiner Ermordung Kandidat für die Abgeordnetenwahlen. Anläßlich der zehni«n Jahreswende haben die Arbeiter und Arbeiterinnen dieses Bezirkes ein« S q m m- lung eingeleitet und aus dem Ergebnis ein» prachtvolle Fahne anfertigen lassen, zu der Michael Diro, der in der Emigration lebende talentvolle ungarische Künstler den Entwurf gefertigt hat. Diese Fahne erhielt von der Sozialdemokratischen Partei Ungarns den Namen„M ä r t y r« r s a h n e". Die feierliche Ent- Hüllimg diel'cr Fahne findet am 23. Februar statt. Nach der Feier- lichkcit wird die Fahne der Parteiorganisation des genannten Be- zirkes übergeben werden- Etraßer klagt. Der„vorwärts" erhebt Widerklage. Gregor S t r a ß e r, Hatenkreuzsührer im Reichstag, hat dies- mal die Rolle vertauscht: er spielt den Kläger statt den gewohnten Platz auf der Anklagebank zu schmücken. Er hat gegen d«n Redakteur des„Vorwärts", Genossen Kurt Geyer, Anklage erhoben. Stroßer, der erst vor kurzem wegen Beleidigung von Ministern und Rechts- anwälten zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, fühlt sich durch uns beleidigt, und zwar aus folgendem Grunde: Der„Bor- wärts" vom 18. Oktober lü?9 hatte in eiper kurzen Notiz mit der Ueberschrift„Em immuner Feigling.— Au» der nationatsozialj- stischen Berbrecherprcsse" in kräftiger Weise die Beschimpfungen an- geprangert, die Stroßer in semer„Berliner Arbeiterzeitung" im Zusammenhang mit dem Inslntionsbegehren vom Stapel ließ. So sagte«r zum Betspiet, der Inhalt des von sämtlichen Reichs- Ministern und einer Reih« prominenter Männer unterzeichneten Auf- ruf« gegen den Hugenberg-Rummel sei so schamlos, ihr Geist ja ungeheuerlich und ihr Zweck jo verbrecherisch, daß für einen Augenblick lang„eisiges Entsetzen" das Herz gepackt habe. Er naimte den Auffuf ein Dokument ofsener Lüge und ung«. heueriich«» Betruges. Den Ausruf he» Reichsbanners Schwarz. Rst-Gold bezeichnete er als«In Dokument derEhrlostgkeit und Schamlosigkeit. Er schloß mit den Worten:„Brandmarkt sie mit dem Kainszeichen der Verrätert Schreit«s ihnen miei, ins Gesicht:„Agenten Frankreichs" Weil der„Vorwärts" dies« frechen Behauptungen entsprechend Ein junger Arzk in Eharlottenburg, Dr. S., l>ql am eigenen Körper 25 Monate hindurch einen Ernährun�gs- versuch durchgejührl, der die Folgen einer niedr�g�rn Eiweißzufuhr klarlegen sollte. Die ernährungskuichliche Fachwelt sah mit Interesse diesem waghalsigen Expedmenk zu. Auch heute, wo Dr. S. bei entsprechender Diät versuchen muß, seinen Körper, der nahezu am verfall war. wieder mV Eiweiß anzureichern, steht er unter Kontrolle von Er» nährungephysiologen, da der Kräfteousbau sich nur langsam vollzieht. Dr. S- wohnt in der Kantstraße bei einer alten Dame, die sein Lob in höchsten Tönen singt. Er ist das Muster eines Untermieters. Er ist von kle'ner Figur, Größe 1,60 Meter, Gewicht 60 Kilogramm. Alter 87 Jahr. Die Ernährungsversuchs am Tier können nicht mit derselben Sicherheit und Schlüssigkeit wie am Menschen gemacht werden, denn der Wille kann alle Symptom« und Aeußerungen des Körpers selbst empfinden, registrieren und kontrollieren. Schon als Studem gab Adolf JliiUers Qallin, die mit ihrem ältesten Sohn die Ueberführung der Leiche ihres Mannes begleitete, wurde bei der Ankunft am Anhaller Bahnhof vom Reichskanzler Hermann Müller empfangen. es Dr. S. zu denken, daß die Ansichten über Crnährungsproxis bei den führenden Physiologen weit auseinandergingen. Max Rubner- Berlin, HIndhede-Dänemark und Chiüenden-Anierita haben jeder für sich«igen« Theorien aufgestellt. Der eine unterschätzt, der ander« überschätzt den Eiweißwert für den Körper. Und doch ist die Er- nährungspraxis, wie ja auch die großen Diätentdeckungen d«r letzten Jahr« beweisen, von großer wissenschaftlicher und Volkswirtschaft- lickzer Bedeutung. Man erinnert sich nicht gern der Kriegsjahr«, wo der größte Teil der Bevölkerung unterernährt war. Es sei uns ganz gut bekommen, wie manche Wissenschastler zu behaupten wagen! Der Zustand von Elastizität und Frische, der sich im Ansang einer Unterernährung bemerkbar macht, ist aber nur ein scheinbarer, der sich für die Dauer snrchtbar rächt. Jahre braucht der Körper wieder zum Ausbau der verlorenen Stoffe. Das ist da? Ergebnis, das Dr. S. an sich selbst bewiesen hat. Dem großen Versuch, der zwei Jahre und einen Monat andauerte, gingen kürzer« und länger« Ber- juckze voraus, die zu keinem wesentlichen Resultat führten. Es ist nicht seine Ansicht allein, sondern die jedes ernsten Forschers, daß «in kürzeres Experiment so gut wie wertlos ist und meist zu falschen Schlüssen ableitet: jedes Experiment muß sich über Jahre hinaus erstrecken. Ein Versuch von neun Tagen, den Dr. S. als Bolontärassistent der Düsseldorfer Akademischen Kinderklinik mit eiweißarmer Ernährung ausführte, zeigte ihm, daß man auch bei solcher Ernährung ganz gesund bleiben kann. Es hieß nun für ihn. die Eiweißzufuhr auf«in Minimum herabzusetzen. Bei die/em Experiment wandte er die verschiedensten Formen und Arten der Ernährung an, u. a. nährte er sich einmal neun Tage hindurch nur von Aepfeln, Erdnüssen, Nützen. Feigen, Apfelsinen und Back- pflaumen. Trotz hoher Kalorienzufuhr verlor der Experimentator ein Kilogramm an Gewicht, der Gesundheitszustand war aber der gleiche geblieben. Anders wurde es, als er die Kost veränderte. die Eiweißzufuhr genau bestimmte und nur mit tierischem und pflanzlichem.Eiweiß wechselte. Er kontrollierte täglich sein Gewicht, untersuchte den Stuhl, maß den Puls und die Herztätigkeit und stellt« ärztliche Diagnosen über sein Befinden. Heft an Heft füllten sich mit Tabellen und Gewichtmatzen der täglichen Nahrungsmenge, und seine Speisezettel aus den zwei Jahren lesen sich nicht so leicht wie eine Aschinger-Speisekarte. Die Muskelkraft wurde gemessen, die Darmfunktwn kontrolliert. In der zweiten Periode des Ber- fuchs, die elf Monate umfaßte, hatte«r eine Abnahme der Körperkräfte zu spüren bei subjektiv fast einwandfreiem Befinden. Während dieser Zeitspann« waren in der täglichen Nahrung pro Kilogramm Körpergewicht durchschnittlich 0,58 Gramm Eiweiß, wovon 9 Proz. biologisch hochwertig waren. Im Schlußabschnitt des Ernährungsversuchs von fünf Monaten konstatierte er einen von Tag zu Tag schlechter werdend«» Gesamtzustand, bei trotzdem annähernd gleichem Gewicht. Das Gesamtbild vom Dezember ISA ist ein durchaus anderes, Dr. S. erkrankte ernstlich. Der Patient lag die meist« Zeit in Mattigkeit und Schwäche, der Magen vertrug die Speis«» nicht mehr, die Darmentleerungcn wurden diorrhöisch. Es war die höchst« Zeit, daß Dr. S. Schluß machte, sonst wäre es ihm wi« jenem groß«» Chirurgen ergangen, der sich mit der gut ge- lungenen Operation an seinem Patienten brüstet«, während der bereits unter seinen Händen verstorben war. Am Abend des 30. Dezember 1925 nahm er, körperlich zum Wrack geworden, nach vielen Monaten wieder animalisches Eiweiß in nennenswerter Menge zu sich. Nim begann das für Dr. S. jedenfalls erträglichere und doch für ihn ebenso wichtige Experiment der Eiweißanreicherung im kranken Körper: ein Studium, in dem er sich heute noch befindet, d. h., daß Dr. S. nunmehr nicht wahllos alles hinunterschlingt, um etwa die Gefahren-des Dickwerdens zu beweisen. Als eigen- tümliche Erscheinung registriert der junge Gelehrt« noch bei seinem Versuch, daß seine Frostbeulen, an denen«r stark zu leiden hatte, in den letzten Wintern geschwunden sind. Das Fazit feiner Forschung ist weniger für den NIchtfachmonn und mehr für den Ernährungewtzstnschastler überraschend: wenn ein« Zeitlang der Eiweißbedarf nicht gedeckt wird, zeigt sich im Anfang ein« Leistungssteigerung, die Gelehrte von Weltruf wie Hindhebe und Chitienden zu falschen Schlüsien verleitet haben weil sie ihre Experimente an Menschen nicht lange genug durchführten. Sein eigenes Ergebnis nähert sich mehr der Ansicht von Rubnsr, di« dieser in seinem Werk„Voltsernährungsfragen" niedergelegt hat. Rubner schreibt:„Der gesunde, mäßig Arbeltend« hat, wenn cs sein muß. noch Vorratskraft zur Verfügung, wogegen der Unter- ernährte schon unter gewöhnlichen Verhältnitzen sein« Höchstleistung erreickt." Dr. S. bez«ichn«t die Folgen einer länger dauernden Ciweißunterernährung als sehr«rnst. Gegen- sätzliche Auffassungen beruhten auf Irrtum. Er empfiehlt eine gute Gemischtkost nahrung mit viel Gemüse und Früchten, bei Mangel auch Zulührung von organischem Eiweiß durch Ei- und Fischnahrung, als�Wichtigste« ober ein gut«« Voll- kornroggenbrot. Notwendig sei«ine allgemeine Kenntnis der Zu- sammensetzung der Nahrungsmittel nach Eiweiß, Fett. Kohlhydrate, Kalorien, Ditaminen und Mineralsalzen, um danach d«n täglichen Bedarf des Körper« im Küchenzettel zu berücksichtigen. Aber wer hat den Mut dazu, seinen Magen an die Kandare zu legen, wie«s dieser jung« Arzt getan hat? bewertet« und dab«i auf Strassers Jimmmität hinwies, strengte dieser eine Mag« wegen Beleidigung an. Unser Kolleg« Geyer erhob Widerklage, da Straßer sich in seinem Blatt gegen di«„Vor- wärts"-R«dakteur Ausdrücke erlaubt«, wie„schlechthin oerbreche- lisch",..Si« setzen den Betrug fort",„Lüge",„bewußten nieder- trächtigen Betrug". Absicht des Betruges" und„erneuten Betrug" vor. Weiter bezeichnet er die Schriftleiter des„Vorwärts� als ..Marxistenlournalisten". Wegen dieser Beschimpfungen hat Rechts- anwolt Landsberg beim Reichstag um die Genehmigirng nach- gesucht, daß Stroßer während der Sitzungsperiode zur Untersuchung gezogen werten darf. Zur heutigen Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte war Stroßer nicht erschienen. Durch einen Eilbrief hatte er das Gericht im letzten Augenblick von seiner„Nichtabkömm- lichkeit" benachrichtigt. Da die Genehmigung de» Reichstags auch noch nicht eingetroffen war, beantragt« R..A. Landsberg, die Ber- Handlung zu vertragen, damit Klage und Widerklage in derselben Berhandlung erledigt werden könnten. Das Gericht schloß sich diesem Antrage an und vertagte die Verhandlung auf den 15. März._ „Kennst du das Land.. Sturm, Kälte» Schnee und Lawinen. Rom, 22. Februar. An ganz Oberltalien ist ein Temperatursturz eingetreten. In Trieft wehte die Bora in der vergangenen Nacht mit einer Rekordgeschwindigkeit von über 125 Kilometern bei drei bis vier Grad Kälte. Es ereigneten sich zahlreiche Unfälle, die eine große Anzahl verletz e forderten. Di« calabresische Küstenstadt Eatanzaro wurd« von einer hesttgen Sturmflut heimgesucht. Das stürmische Meer drang in da« Inner« her Stadt bis zur Piazza Grande vor und üher? schwemmt« Straßen und Plätze. Einige yll« Häuser stürzten ein. Die Bevölkerung slüchtet« in die höher gelegenen Stadtteil«. hindert. In Afragola bei Neapel sind drei Kinder durch den Ein- swrz einer Mauer verschüttet worden.— In Mont-Cenis- Paß hat eine große Lawine di« Straßen auf w,it« Strecken verschüttet. Der Schnee liegt drei Meter hoch. Infolge des Niedergchens einer wetteren Lawine wurde der Verkehr bis nach Mont Cenis unterbrochen. Di« Telephon-, Telegraphen- und Stromleitungen wurden vom Sturm zerstört. Es wurde die Räumung einiger Orte angeordnet. Sommerwetter in den Vereinigten Staaten. Rem Nock. 21- Februar. Im Osten der Bereinigten Staaten herrscht seit Wochen sommer- liches Wetter. Die Temperatur inNewNort betrug heute nachmittag-�20GradCelsius. das sind ö Grad über dem Höchst- stand, der seit siebzehn Jahren gemessen wurde. Freigelassene Missionare. Von Räubern in Ehina sechs Monate gefangeu gehalten Hongkong, 22. Februar. Die Lerhandlungen zwecks Freilasiung der drei Mitglieder der Basler Misston hatten Erfolg. Nach sechsmonatiger Gefangenschaft wurde Missionar Küpper befreit, während die Freilasiung der beiden anderen namens Fijchle und Walter bevorsteht. Es wird aus Swatau berichtet, daß die Banditen sich berett erklärten, di« Ge- fang«nen gegen ein Lösegeld von 600 Pfund herauszugeben. Dazu steuerte die Kanttm-R-egierung mehr ass hie Hälft« bei. Die Missionare sollen nicht schlecht behandelt worden sein. Ein viertes Mitglied der Baster Mission namens Maurer, der von einer anderen i Band, gefangengenommen morden war. ist vor kurzem freigelotzen worhen. Rooue» dürfen nach Mexiko. Das mexikanische Innenminilte- rlum Hai am Freitag sämtliche Einwanderunqsbchörden anflewKsen, in Zutunst römisch-katholischen Nonnen die Einreise nach Mexiko zu Oer Mann nnfer der Bank. Ctä hat ihm doch ein Abgeordneter geHolsen. Di« Untersuchung des Falles Joachim Nehring, jenes Redakteurs der„Deutschen Zeitung"', der sich unter eme Bank der Journaltstentribün« oerkroch, um die Verhandlungen der Doung- Ausschüsse zu belauschen, hat ein Ergebnis gezeitigt das in einem entscheidend wichtigen Punkt von dem birher bekannten abweicht. Jener Vorfall nämlich, der ein so großes Aussehen hervorrief und zu neuen Maßnahmen zur Sicherung der Vertraulichkeit der Ausschüsse Anlaß gab, hat sich nicht am 18., sondern am Vlhiiflerpräfidenl Chauiemps, der soeben das neue französische Kabinett auf der Grundlage der Linkspar. eien zusammenstellte. 17. Februar abgespielt. Die schweren und staatsgefährlichen Indiskretionen der„Deutschen Zeitung" beziehen sich nun nicht auf die Verhandlungen vom 17., sondern vom IL. Februar. Heber diese als sireng vertraulich zu behandelnden Verhandlungen muß also der Redakteur der„Deutschen Zeitung" sein« Kenntnisse voneinem Reichstagsmitglied bezogen haben. Betrlebsratswahl vor dem Arbeitsgericht. Kommunist sche Agitationsmethosen Wie erinnerlich, fand am 3. Januar im Bürgers aal des Rat- Hauses die Wahl zum Gesamtb«tniebsratder städtischen Betriebe statt. Um S Uhr sollte die Wcchlha. idlung beginnen. Das im Virchow-Krankenhaus beschäftigte kommunist sche Betr'ebs- ratsmitglied R. verließ schon um 7 Uhr seine Arbeitsstätte, nicht nur um zu wählen,, fondern in der Haup. fache, um für die Wahl im kom- nnimstischen Interesse zu ag.tieren. Im Büigerfaal stellte e? sich mit einem Plakat auf, das zur Stimmabgab« für die Liste de: vpposi.wn aufforderte. Da die Agitation unmittslbar im Wahllokal unfta.t- Haft ist, mußte R. den Saal verlassen. Run stellte er. sich mit seinem Plakat im Vestibül de» Rathauses auf. Der Hausinspsltor des Ra.houfes fordert« ihn wiederholt auf, das Haus zu verlassen. R. aber erklärt«, er werd« nur der GewaU weichen. Erst als zwei vom lwusinfpeltor herbeigerufene Polizeibeamte erschieren, verließ R. das Rathaus und stellte sich vor dem Portal in der Königstraße auf, nachdem er seinem Wahlplakat noch«in zweites hinzugesügt hrtte mit der Aufschrift:.Don der Polizei rauegrschmissen. Gegen 1 Uhr kam ein Stadtamtmann, der R ausforderte, sich nach seiner Arbeitsstärt« zu begeben. R. beachtete die Aufsorderung nicht. Dann kam der Bürodirektor des Virchow-Krantenhaufes und wiederholte die Aufforderung, an die Arbeit zu gehen. R. sagt«,«st müsse er wählen. Dagegen hatte der Direktor natürlich nichts einzuwenden. R ging dann ins Rathrus, a'.er nicht um zu wählen, denn dos hat"« er schon längst getan, sondern um an seiner S.elle einen anderen Piakatträger zu bestellen. Dann begab er sich an seine Arbeitsstelle. Wegen dieses Vorganges wurde R. fristlos entlassen. Di« Entlassung wird in erster Linie damit begründet, daß R. o h n e U r l a u b von 7 bis 1 Uhr der Arb« t ferngeblieben war und daß er den Bürodirektor durch die Angabe, er müsse erst wählen, belogen habe- Vor dem Arbeitsgericht, wo R. klagt«, wurde sestg-stellt, daß er des Glauben» sein konnte, er wäre für die ganz« Dauer der W hl beurlaubt. Das Gericht hielt deshalb ein bewußt widerrech l ches Verlassen der Arbeit nicht für vorliegend und einen Gamd zur fristlpsen Entlassung nicht für gegeben. Aber die wahrh.it-widrize Angabe gegenüber dem Bürodirektor, R. müsse erst wählen, und sein sonstiges Verhalten bei diesem Anlaß ist nach Ansicht des Gerichts ein auereichender Grund zur Kündigung, die vom Gericht gebilligt werden würde, falls der Betriebsrat feine Zustimmung versagen würde. Angesichts dieser Sachlage kam«in Vergleich dahin zustand«, daß das Arbiitsverhällnis des Klägers als beendet gilt und er zur Abgeltung seiner Ansprüche aus ß 87 BRG 600 M. erhält. Mit einer zweiten Klägerin, die sich bei der Wahl in de.felb.n Weise betätigt hat wie R., mit dem Unterschied, daß sie den Büro. direkwr»cht belogen hat, wrrrde ein Vergleich abgeschlossen, wonach sie in einem anderen städtischen Krankenhaus weiterbeschäf» t i g t wird und nachdem sie sich ein halbes Jahr einwandfrei geführt hat. in d«. Genuß ihrer alten Rechte hinsichtlich Ruhegeld usw. kommt. Alkoholreklame im Verkehr. Di« erst» Boratung des Schankstättengesetzes wurde am Sonnabend vormittag im Volkswirtschaftlichen Ausschuß be- endet. Bemerkenswert ist noch folgender Beschluß: Die Regierungs- vorläge erhielt ein Verbot der Anpreisungen von Trintbramrtwün in oder an Sssentlichen Derkehrsanstalten. üsfentlichen Verkehrs. mittel» od«r Einrichtungen, di« dem Sff«ntlichen Verkehr dienen. Angenommen wurde ein Antrag Schumann(Komm.) und Sollmann(Soz.). dieses Reklamsv erbot auf alle alkohal- Halligen Getränk» auszudehnen. VI« Zehujahrfeier der Arbetlerwohlsahrt wird im Programm der Aktuellen Abteilung der Funkstm-de am Sonntag den 23. Fe- bruar. von 1l).Z0 bis 11 Uhr vormittags aus p:m Plenarsaal des preußischen Staalsrarz übertragen. Nach einem Largo des Berliner Cello.rio, hört man die V e st r e d e der Vorsitzenden des Hauptaus. schusses für Arbeiterwohlfahrt, Frau Abg. Marie S u ch a e z. Neue Musik, di Schallplatkenschau.. Die Rolle, die, immer mehr hervortretend, im Muflkkonsum der Gegenwart die Unterhaltungsmusik spielt, spiegell sich:m Angebot der Schallplattenindustrie. Nicht vom ausgemachten Schund ist die Rede, der. entsprechend der Nachfrage ohne Zweifel, in er- schreckenden Mengen auf den Markt geworfen wird; da ist Verschwel- gen noch immer die wirksamste und allein sachgemäße Art der Kritik. Sondern von den immerhin künstlerisch höheren Formen, um die sich die Tanzmusik bemüht; und das Gebiet der neuen Tanzmusik, einbe- griffen die verwandten Liedgattungen, dehnt heute seine Grenzen bis nahe an die Bezirke des sozusagen kunstoffiziellen Fortschritts. Es gehen Wandlungen vor, die sich nicht ignorieren lassen. Die Arbettsgebiete der„leichten" und„seriösen" Musik sind nicht mehr, wie einst, streng geschieden. Aus der Lust, sich zsttwe.lig von Oper und Konzert abzuwenden, machen heutige Musiker kein Hehl. Eni. scheidend war vielleicht der Schritt, den Kurt W e i l l mit der„Drei- groschenoper" getan hat— entscheidend, well er erfolgreich war. Nun erscheinen bei El., von derLewisRuth Band gespiell, die daraus eine besondere Sache macht, die Songs, die Kurt Weill zu dem minder erfolgreichen„ßappy end" geschrieben hat; sie haben den eigentümlichen Ton der„Dreigroschenoper", diesen suggestiven, bänkelsängerisch-zufahrenden Ton und paradoxen Unterton von Ironie und Sentimental' tät, die einander nicht aufkommen lassen wollen: und diese persönliche Note de« Komponisten unterscheidet sie vom Durchschnitt einer nur kunstgewerblichen Produktion. Songs, Chansons. Schlager, instrumental zugerichtet und von einer Tanz- kapelle gespiell. deren Leistung Anspruch erheben darf, als artistische Spezialität gewertet zu werden: es ist die typische Form der mvder- nen Tanzplatte, wenigstens in chr�n besten Beispielen; typisch« Form, wie sie in Amerika eingeführt und bei uns aus Amerika eingeführt ist. Auch die Tanzformen.— Foxtrott, Onestep, Walz. Tango—, ebenso wie ein großer Teil der Tanzkomposttionen, sind sa wesentlich amerikanischen, nord- pder südamerikanischen Ursprungs. Und die Ueberlegenbzit der musikalischen Arbeit— in K« Tatl ihrer musikalischen Arbeit— ist auf diesem Gebiet immer wieder festzustellen. Sie mag sich daraus erklären lassen, daß in diesem Teil der Erde, der die große Musik und ihre Vertreter, gewissermaßen als Luxusartikel, fast ausschließlich aus Europa importiert, die besten Mustkerkräft«, die er selbst hervorbringt, in der Unterhaltungsmusik angelegt sind; sie steht böher im Kurs als bei uns, sie wird wichtiger genommen und in besserer Qualität hergestellt, eins bedingt das andere. Aber langsam beginnt das amerikanische Vorbild zu wirken. Die Wandlung, von der die Red« war, Ist nicht zuletzt darauf zurück- zufüßren. W'ederum mögen deutsche M-siter, von höherer Wart«, auf die Spitzenleistungen der amerikanischen Amüssermuflk, eher Industrie- Produkte gewiß als künstlerisch« Offenbarungen, voll Verachtung herabseßen- einstweilen vermögen wir jedenkall» nicht oder nur'n vorsicktiger Auswohl unseren Lesern deutsch» Tanzbearbeitungen und deutsche Tanzkapellen anzupreisen, solange d'« amerikanischen zum selben Preis zu kaufen sind. Bestes, unübe'-treffklches Beispiel instrumentaler Zubereitung und Ausführung:„Nola"— das Lied zum Foxtrott verarbeitet, von Paul Whitman und seinen Musikern exekut-ert. Das Empfehlen wäre ader noch leichter, wenn die einzelnen Stücke weniger unbem-em hießen: vom ieittfchsn Käufer ist es ein bißfßen viel verlangt, daß er stib einen rangen engUsch«n ' Satz, der mit den Worten„Kollow through" beginnt, werten fall— dies der Titel einer anderen Mb'tmann-Tan.'platte, sie ist im übrigen nilßt weniaer»u empfehlen. Und weiter»In wab-baft originell er- fvndener. im Detail aparter, von der Kapell« Jack Payne bravou- rös gefvieller Fortrott; und ein anderer der naiv vergnügten Canadians: und ein Onestep der Debroy Somers Band. All dies bei C. Deutsches Vo?kstheater. »Zn zwölf Wochen ist Irüdling." Jupiter Holl sich von der Erde in den Himmel den Hirtenknaben Ganymed. um die Göttermutter pöderastifch zu betrügen. Als Folge dieses Bergnügens geschieht dann in Berlin jede Kaschemmen- schweinerei. zu der die Verfasserin Hanna Rad« macher für eine Mitternachtsvorstellung«ingeladen hat. Wieder eine sogenannte Nachtvorstellung, wieder«In Dreck um Mitternacht. Wiederum ein» Irreführung der Oeffenttichteit. Wiederum«in idiotisches Kollektiv, das sich zu grobem Unfug ver- samm«U und d«n Exhibttionismus eine» sogenannten Talentes zu fördern vorgibt. Der Direktor de» Theater», also der moralisch und juristisch verantwortliche Hausherr, in diesem Falle Herr von Ost au. d«r wiederum Untermieter des bis in die Knpchen kaiserlich- patriotischen Offlziersbundes ist. lehn: die Verantwortung ab. Cr teilt mit, daß er fein Hau» nur ausgeliehen hat. Darauf wäre ihm ju sagen, daß ein ordentlicher Hausherr die Leute, die«r bei sich einziehen läßt, erst einmal anzusehen hat, sogar dann, wenn er Geld für feine Gastfreuichschaft erhält. Li« Dramatlkerin. jawohl, Line Frau hat sich diese Schweinerei geleistet, benachrichtigt durch Eilpost di« Press«, daß sie sich geschädigt fühlt. Man habe ihr das Beste von ihrem Stück gestrichen. Daß diese ehrgeizigen Leute i>ie Bühne mieien, 34 brotlose, aber auch nicht talentvolle Herren und Damen zusammentrommeln und daß diese Leute sich ohne Uebelkeit dazu hergehen, solchen letzten Iauchecxtrakt einzuschlucken und wieder auszuspucken--- man frage den Arbeitslosennachweis an. warum dos möglich. bl. tl. Neue Operette. Thalia-Theoter:»Oentt an mich4'. Direktor Behrendt hat«inen glücklichen Griff getan. Es wurde eine Operette uraufgeführt, Text von Felix Bäsch, Mustk von einem ganz jungen Erwin Straus. Der Text ist sehr matt, die Handlung versucht sich in Gegen- wartsmomenten, kommt aber von der ehrwürdigen Prägung der alten Operette nicht los. Die Mustk ist ausgesprochen gut, schmissig, zündend. Die Besetzung ist erstklasstg, die Regt« hat Tempo, das Bühnenbild Geschmack. Eine Schauspielerin p«rli«bt sich in einen schüchternen� jungen Mann, den sie einmal im Theater gesehen hat. Sie wird für einen Tag Zofe im Haus« des Angebeteten, der sie so kennen und natürlich liehen lernt. Paul W e st« r in« i« r spielt de» allen Rentt« Klassen, der eine Schwäch« für die holde Weiblichkeit hat. gros� gutmütig, voll Humor und Talent. Grete Freund ist«>ne sprühend«, be- zaubernde„Schauspielerin" und glänzt auch im Stimmlichen. Carl Stepanet führt in der männlichen Besetzung. Sein t jeder versteht. Von Klaus prmgsheim. Auf die reiche Auswahl, die Monat für Monat Br. neu offeeiert, ist hier öfters hingewiesen worden. An der Spitze sind wieder die Jumping Jacks in ihrer faszinierenden Lustigkeit; das beste diesmal ein Foxtrott„Olaf". Und die Clevelanders, ausge- lassen und straff diszipliniert zugleich, das Uebermütige bildet ein typisches Element dieser Musik. Und, um nur noch ein paar imn'-er zuverlässige Namen zu nennen, di« Orchester Al Goodman, Ben Bernie, Bob Höring und Eolonial Club. Im Orchester Jack Hyltons(El.) ist in jedem Takt etwas los, das gibt all seinen Produktionen einen besonderen Reiz von Unterhaltsamkeit: und der Foxtrott„Umtscha umtscha dadada", den er unter anderen spielt, ist so erfrischend primitiv und unkonventionell wie er heißt. In die Reihe der bekannten und eingeführten Firmen treten neuerdings auch die beiden Gesellschaften des K ü ch e n m e i st e r- Konzerns, von deren, wie es scheint, sehr viel versprechender Platten- Produktion grundsätzlich noch zu reden sein wird: Ultraphon und O r ch e st r o l a. Für die Orch.-Platten w�rbt ihr verhältnismäßig billiger Preis, und sie haben obendrein den Vorteil oder ledenfall» die Eigenschaft, ihren Flächenraum besonders gründlich auszunützen. daher ihr Name„Langspielplatte",«ine sprachschLpserische Leistung, di« nicht gerade glücklich genannt werden kann; aber e ne LS-Zenti- meter-Platte. so wird glaubhaft versichert, hat den JnhaU einer 3ll-Zenimeter-Platle. Erwähnen wir als Beispiel einer solchen eine vondenManbattanMelodymakers sauber bespielle Tanz- platte; und auf U. läßt Lud G l u z k i n, man kennt chn in Berlin, sich in zwei sehr gut reproduj erten Foxtrotts hören. F r e d V i r d, gleichfalls bekannt, empfiehlt sich durch weichen, gepflegten Orchester- klang, vor ollem w dem«inschmeichlerischen Vlue-Hawali-Walz.(Ho.) Bei Tr. gibt es neue Tangos, von den Spezwlkapellen M o r« l l o und Romeo charakteristifäi gespielt. Dajos Bela kommt in dem Tango.Die Glocken von Locorno" dem Niveau seiner amerikanischen Vorbilder am nächsten(O.); für die scfee Kitschigkeit der(vermeintlichen) Schlager, mit der der Tonfilm„Liebeswalzer" ouczukommen versucht, seßt er sich wohl vergeblich ein. Aber durchaus ungewöhnlich ist, was M i t s a N i k i s ch auch aus den tyvischen Aufgaben des Tanzorchcsters gewssermaßen an artistischer Problematik herauszu- schlagen weiß, überrascbend immer von neuem durch h�rmon'iche und rhythmiscbe Verrenkungen und r!an''liche Absonderlichkeit lV.). Und zu einer Spettalität von Rani und Reil bat Lee Sims"Vr,) die pianistische Wiedergabe oller Att von Musik oemack-t d'e'm Umkretg von Jazz, Fox und Sana liegt, ein keiner, kultivierter Musiker; te�nisch brillant, mit elaßkschem Rhn'bm"« irm�en es F r a y und B r a p g i o t t i auf ,-wei Klavieren �Tl) Ni�t zu vergessen endlich Andy Sannella mit einem Hawaürm Blues und den seltsam nackballenden Bortamentoeffekten des daküx g?schaskenen oder wie geschaffenen Gitarren'irstruments lBr). Und die eigenartige Kreuzung von Hawaiian Solo und Balalaikaensemble in russi- scßen Volksliedern(0.). Und we ter russische Volkslied-r. glcicb bin- reißend gespielt von R o m a n o s f e(Ho) und von Peter B i l- i o s(Br.) Balalai'gorlbester; weniger hinreißend oesunaen von Richard Tauber(O.). Und noch ein pa-'r nationale Dgrbietnn�n: di« Kavelle Emil R o o s z produziert ss'ß in ein-r„Ungarii�rn Bml-"'nk'0'Sre t">'Ho,), Cdltl' Voran'' mit ib-em K'mn'>»--o»ck'-r-� m böbmi�en TSn'en de» Dudess�cknfessers ,®chtD',"Ni*(B.V und gar dag?nltriimenMt''>->(tz�o'-n Freundorfsr(H.) erquickt uns mit bayerisch-ländlich-ländlerifchen Klängen. Abkürzungen: Br.~ Brun-wick: C. Coll-mbia; D, G,— Deutsche Crammvnhon; El.~ Electrola; Ho.» fwmoco'd; O. Odeon: Orch,— Orchestrola; P.'= Parlophon; Tr.---- Triergan; U.= Ultraphon. Spiel ist bescheiden bei aller Elastizität und Tanzlust, Cr Ist von einer herzerfrischenden hellen Komik. Er verfügt über«in freund- liches, feines Lächeln, das von innen kommt und nichts Uebcr- züchtetes hat. Aber der Abend hatte fein Erlebnis: die Reinemachefrau der Annemarie Hase. Ei« war so drollig im Aussehen und so fein im Spiel und Vortrag, daß sich dos Parkett vor Lachen bcg. Sie hatte Applaus mitten in dex Szene. Eva Held gab eine schöne aber kalte Erika. Peter Hoenseler sang und spielte gut. Ein begeistertes Publikum spendete verdienten Beifall. v. 8..*Z. Nembrandi-Ausstelwng. Heut« mittag wurde in der A k a d« m i e am Pariser Platz eine Rembrandt-Ausstellung erösfnet, di« als Vorfeier des hundertjährigen Bestehens der Staatlichen Museen in Preußen gedacht und von diesen und der Akademie der Künste gemeinsam ver- anstallet ist. Der Akademieprästdent Max Liebermann, selber einer der wärmsten Bewunderer(und auch Sammler) Rembrandt- scher Kunst. W a« tz o l d t. Generaldirektor der Staatlichen Museen, und Kultusmwister Grimme hieUen Ansprachen im Geiste einer Erneuerung des Gefühls für die hohen und vorbildlichen, Werte in jener großen Kunst, di« uns heut« näherstehen denn>«. Weil«s, wie Waetzoldt hervorhob,„wicht ein Rembrandt-Jubiläum, sondeni ein Museumsjubiläum" sein soll, hat man sich im wesentlichen auf den Besitz der Berliner Sammlungen beschränkt, wenige Stücke aus anderen Städten und aus Privatbesitz zur Ergänzung Hinzug«- nommen. Gleichwohl ist ein ungewöhnlich starker und umfassender Eindruck der Rembrondtschen Kunst zustande gekommen, über den wir demnächst ausführlicher berichten werden. P. F. Seh. Eine Reichsunlerstüßung für die Künstler de» besetzten Gebietes. Dos Retchsmmtsterium für besetzt« Gebiete hat in Verbindung mit dem preußischen Kultusininistertum die Suiume von 10000 Mark für die Unterstützung von Künstlern zur Verfügung gestellt, die ihren Wohnsitz im besetzten Gebiet haben. Das Kultusministerium hat die Durchführung dieser Hilfsaktion dem Rcichsverband bildender Künstlex übertrogen. Äarkl schreibt eine Geschichte de» Antisemitismus. Maxim Gorli hat einem italienischen Interviewer mitgeteilt, baß er gegen- wärtig an«wem größeren W»rk arbeitet, das die Geschichte des Antisemitismus bebondelt. Er benutzt hierfür ein« Reihe bisher nach nicht verwandter Dokumente, u. o. di- Akten zu dem berüchttm»n Beilis-Prozeß. Das Buch wird gleichzeittg mit fsiner russikchm Ausgab« fei den Sprachen der wichtigsten änderen Länder erscheinen. Ludwig Stärk, der Obmann der Bchauspielerorganisa'ion Oesterreich«, ist im Atter vpn 56 Jahren plötzlich einem Herl- schlag erlegen. Stärk,«in hervorragender Charakterkomiker um» erfolgreicher Bühnenautor, war Sozialdemokrat. Ihm ist so manch« Errungenschaft der Schauspieler, vor allem das österreichU-l' Theatergesetz, zu verdanken. Gewerkschaster ist parieiverräier. Wa'vm man aus der KPO aufgeschlossen wird. Die Verminst bricht sich in den Kreisen der Betriebskommu. nisten wieder Bahn. Aus dem sogenannten Wedd nger November- kongresi in Berlin hat die revolutionäre Gewerkschaftsopposition unter Lei ung des früheren Gelben, Paul Merkcr, beschlossen, bei den Betriebsrätewahlen mit besonderen Listen vorzugehen. Verbündet mit den Unorganisierten wollen die Kommunisten den vernichiungskampf gegen die Gewerkschaften führen. Dieses sinnlose Treiben haben jetzt selbst die noch ver- nünftig denkenden Kommunisten in den Schachtanlagen satt und eine Anzahl lehnte es glatt ab, auf kommunistischen Listen gemein- san, mit den Unorganisierten zu kandidieren. Die kommunistische Parteileitung will nun diesen offenen Widerstand von vornherein brechen und wirft die Widerspenstigen aus ihrer Partei hinaus. Das kommunistische„Ruhr-Echo" vom 18. Februar bringt in großer Aufmachung, sicher am abschreckend zu wirken, den Ausschlußbeschluß von vier Kommunisten. Unter der Ueberschrift: «Parteiverräter ausgeschlosien� heißt es: „Das Sekretariat der BL. Ruhrgebiet der Kommunistische» Partei beschloß gestern den sofortigen Ausschluß des bisherige» Genossen Johann Brende, Buer-Beckhausen und Hermann Scholz, Buer-Beckhausen. van der Schachtanlage„Hugo 3*, sowie des bisherigen Genossen Fritz Bündig, Buer, von der Schachtankage „Hugo 2" aus der Kommunistischen Partei. Diese drei ehemaligen Genossen weigern sich, gemäß den . Beschlüssen des Weddinger Parteitages, des 16. Ekki-Plenums und der Beschlüsse des Ruhrkongresses der revolutionären Gewerkschaftsopposition auf der oppositionellen Belriebseinhdlsllste zu kandidieren. Leute, dig gegen die Betriebseinheitsfroni auftreten, sich in feigein Opportunismus mit dar' Liste der Jörgiebel-Pariei verbünden und vor den Husemännern kriechen, werden als Verräter aus unseren Reihen ausgestoßen.'" Die Betriebskomniunisten lernen so langsam begreisen, daß es der Parteileitung gar nicht darauf ankommt, durch„rote Betriebs- rate" größere Vorteile für die Belegschaften zu erreichen, sondern die„roten Betriebsräte" sollen zu Betriebsagitatoren für die KPD. gemacht werden. In letzter Zeit hat im Ruhrgebiet die KPD. eine Anzahl Gewerkschaftsversammlungen abgehalten. Aus fast allen Versammlungen wurde dann über die Ausnahme von Mitgliedern für die KPD. die JÄH. und die Gewinnung von Abonnenten für die kommunistische Presse berichtet. In sedem Falle wurden solche Aufnahmen als Erfolge dieser„Gewerkschofts- versonnnlirngen" bezeichnet. Es ist also höchste Zeit geworden, daß den Nachläufern der KPD.-Führung endlich die Augen ausgehen. Auch in den radikalen Kreisen bricht sich die Erkenntnis Bahn, nur de« gewerkschaftliche» Jelriebsröten Geltung zu verschaffen. kreis Sozialistische Hochschule Sonaabeiid. dem 11. Febmar, I9Vi Uhr» im großen Saat de* ehemaJigen Herrenhauses, Leipzi er Straße 3, Vortrag des Genossen Dr. Slegtricd demleld-öerilx» über das Thema: „Psycho'ogie und Gesellschaftslehre" ctatt Karten zum Preise von SC Ptg.(einschl. Garderobe) sind an folgenden '.eilen zu hahen: Büro des Bezirksbildungsausschusses, Linden tr 3, .Hof links. 2Trep eu; Arbeiterjugend Groß- Berlin, L'ndenstr. 3. 2. Hoi inks. 2 Treppen; Buchhandlung J. H. W. Dietz NachL, Lindenstr. 2: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wal Istr. 65; Deutscher Ho zarbeiter- \ erband. Am Kollnischen Park 2; Verband der graphischen Hilfsärberter. Hitteratraße Ecke Luisenufer; /ligarrengcschäft Horsch, Engelufer.4 25; AfA-Ortsk�rtell, Engelufer 24/?5; Verlag des Bildungsverbapdes der deutschen Buchdruc er, üreibundstr. 5; Zentralverband der Angestellten, Hedemannstraße 12; Verlagscesellse aft des ADGB� Abteilung Sor»ment, Inselstraße 6a; Frauensekretiriat der SPD-, Lindensir. 3, 2. Hör links, 2 Treppen; Bezirksausschuß für Arbeiterwor Ifahrt, Lindenstr. 3. 2. Hot links, 2 Treppen. Wetter für Verlin: Teils heiter, teils bewöllt, wenig geänderte Temperaturen» südöstliche Winde.— Jür Deutschland: Äm Süden und Westen heiter, sonst zeitweise trübe, wenig geänderte Tem- peraturverhältnisse. «Volk und Zeil", unsere illustriene Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Arbeit— Freizeit— Wandern. Die Eroßstadtsugcnd soll wandern, um abseits von seichten Vergnügungen der Großstadt in der freien Natur neue Kräfte zu sammeln. Die Verbundenheit des Menschen mit der Natur soll ihr immer von neuem vor Augen g» führt werden. Eine der wichtigsten sozialen Aufgaben liegt in der Förderung des Iugendwonderns und des Herbergsw fens. Der R e i ch s v e r b a n d f ü r D e u t f ch e I u g e n d h e r b e r g e n wi.bt kür diese Ziel«. Zu diciem istweck veranstalten die Junendnruppen Berlin-Kveuzberg und Neukölln des Reichsverba�es für Deutsche Jugendherbergen am Sonntag, dem 2? Februar, Illb Uhr, im Primuspaläft Hernie nnplatz, S. äst, Urbanftr. 72/76, eine Werbe- Veranstaltung, um der Bewegung neue Freunde zuzuführen. Theater der Woche. Vom 23. Februar bis 3. März. i Volksbühne. ' Tlxat» tat«ül-wrl-k: 23., 28., 27., 8. Ta» Gerücht. 24.. 23.. 38., L, 1 älmneftif. 3.. U'/j Uhr: vi. iansnumnet(Bahrdt-Ezsers-Goslar). % Staatstheater. StaatMpu Unter den Linde«: 23. Zthelnnold. 24. Boris Sodunow. B. 2a Traoiata. 23. Palestrina. 27. Tosea. 23. Troubadour, t. R-s-ukaoall-r. 2. WaWre. 3. Bobcmc.' Slootsoper am Stunde. Der arme 27 lNcdermaus. maus.„ «täWifche Oper, aharlotte-b-r«. 23. und 23. Simon« Boeoaneqro. 24. gauderflSte. 23. und t. Mlanon. 2«. Pique-Dame. 27. Hochzeit des gigaro. 2. Guacn Onesin. 3. gcddra. � Sck?tu?»l«lhoils o» Gendormenmarlt! 23. Beer Eont. 24. und 27. Nathan der Teite. 23.. 2. und 3. Elldrolrrvedigon des Kapitäns Scott. 28. Kaidnda. 28. Waliensteins Tod. 1. Prin, Friedrich von Lomburo. Schiller-Tbcatcr, Eharlottcobnro: 23. Kabale und Llebe. 24.. 23.. 27. 1. und 2. Geornc Tandin. Toubouroche. 23. Dorian Gcper. 23. Hans im Schnatenloch. Z. So und so— so aeht der Wind. Theater mit festem Spielplan. Theater am Schisfbauerdamm: Die Gartenlaube.— Zhalia-Tbeater: Denk an uilch. 23.. Wri Uhr: äKa'in«. � Tentlche« Theater: Der Kaiser von Amerika.— Kammersvicl,! Der Kandst>2t.— Di« SomZdö«: Biclora.-r Theater am Nolrrdorsplad: Manschen im Holet.— Theater in der Könio- fträter Straße: Brosellor Bernbärdi.—«omsheuhans: Der Woner und die Nonne.— Sroßr» Schansplelhonsl DI«'3 Musketiere. Theater de» Westen»: Hotel Stadt Lembera— Lnstspielhau«: Liebe aus den»weiten Blick,-r Komisch« Oper: Hulla di Bulla.— Dentschr,«jinftler-Theater: Gins.«w«i. drei und Souper.— Berliner Theater: Die Strotze.- Lellina-Tdeatei: Die Affäre Dreukus.— Deutsche» VoUstheater: Der Gedanke.— Tri anoo, Theater: Di« ssrruudin.— Zentral. Theat er Operettenhaus): Die glledermaus.— Theater in der Bebienftr. T!- St:... Bater sein, dopeaen sehr.— Metrppol-Zheater: Do» Land des Lächelns.— Die Tribüne: graucnopfer.—«leine, Theater: Der Walser von heute nacht.— Zioie.Theater: Sasparoue. 1. Rachmorsi. 23 Vi Uhr: Der Musieroatte.- Gas, n«. Theater: Seine Hoheit der Bettler.— Theater in der Klostcrstrah«: 23. ssrlldlinas Grwachen. 24. bis 3. Schneider Wibbel.— Sll latzpart. Theater Steolih: kaluspokus.— Wiuteraarten, Pla»a, Scala: lZnternai'oraics Barieie.— Seich»hallen»Theatrr: Stettincr Sänger.— Theater am«ottbusser Tor: Glitr�änaer. Ztachmittagsvorstellungen: Ballßbühn«. Theater am Bülomplaht 23. Amneii'e.— Theater am SchisI- baucrdamm: 23. Die Dreigroschcuoper. � Thalia-Theater: 23. 2 Dr«> alte Schachteln.-- Theater in der«änlagräder Slrohe: 23.. 2 Die ersle Mrz. Selbo.—«omedicnhan»: 23.. 2. Gbarleos Taute. � Grobe» Zchauipielhau«: 23.. 2. Die 3 Musketiere.— Theater be» Weilen«: 23., Z., l4ZH Uhr: Wiener Blut: 17 Uhr: Die Ncdcrmaus.— Komische Over: 23.. 2. Sulla di« Bulla.— Deutsche» KSuvicr-Thealce: 26. Kakadu— Katada. 2. Die andere Seite.— Deutsches Bollsihcater: 23. Die Geisha.— Trianon-Thealer: 23.. 2.. 1., Uhr: Dornröschen. 17 Uhr: Gespenster.— Theater in der Bedrenstr. 33-84: ... Bater sein, dagcacu sehr.— Zlose-Thenter: l.. 17 Uhr und 2.. I4V> Uhr: AschenirWeT 1, tnl«lw»i« CianchadTiWKm v--«-at» fa h«» strafte: 23.. 3.. 15 Uhr und 2.. 1« Uhr: To kappchen. 28.. 17 Uhr: t Wibbel. 2.. 17 Uhr: sZrllblings Erwachen.— Schlosparl�heater«testift: 23.»fchenbrödei. 2. Ter acstieklie Kater.-»interaarten: 23.. l.. aatea nationale, SSacirt«.-«Ibm, Scala: Internationales Bar.etch-«eichshallen. Theater: 2. Stettiner Sänger..— Theater am«otthnsser Tor: 22.. S. Elite- � Erstaufführungen der Woche: Dienstag. Städtisch- vper: Mianon.— Sonnabend..« l e i n r, Theater: Madam- hat Ausgang.— Sonntag. E ch a u s v> e l h a n»- Die Tragöde des Arig-S cilZH Uhr).— Ros«. Theater: Der Muster. galt- lÄsh Uhr). Lomlsbeock. 22. Februar. Berlin- Mit dem Motorrads durch Palästina und die 16.05 Dr. Armin T. Wejner Wüste Iinal- 16 J0 Von Bresiau: Edond KOnneke. 18.00 Franz Kiilhs: August Bebel(red. 22. Febr. 184®. 15�5 Prorramm der Aktueiieo Abteilung. 18.40 pentsche Welle; Französisch für Anfänger. 19 05 Frederic Chopin(geh. 23. Februar 1810). U a) Ctode F-Moll; b) Etnde As-Dnr,— 2. PräIndien op. 28: a) A-Dur: b) Fis-Moll: c) CIs-MoU; d) H-Dur: e) F-Dnr.— 3. Nocturne C-Moll, op. 48.— 4. Mararken: a) F-MoJI: b) As-Dnr: c) F-MoU; d) E-MoU: e) H-MoU(am Flügel: Fanny Weiland). 19.30 Sifa�errak(aus„Des Kaisers Knli") Taa Theodor Plivter(gelesen vom Autor). 19*55 Schällplatten. 20.30 Roda Roda erzählt Schwänke. 21.00 Verdrehtes Allerlei, Kabarett auf Schallpiafteu. Conference: Willi Scbäffers. Nach den Abendmeidungen bis 0.30 Tanzinnslk. Könlgsvnsterhansea. I6J0 Konzert von Hamburg. 1730 Mahrholz: Von Schiffen in alter und neuer Zeit. 18.» Walter Bloero erzählt von seiner Reise um die Erde- 18 40 FranzSsisch für Anfänger. 19.05 Prof. Dr Hans Leisegans: Entchristlichnng der Welt 20.00 Von Köln: Lustiger Abend. Sonntas. 33. Februar. Berlin. 7.00 Fnnkgymnastik. 8 00 Für den Landwirt. 8-55 Morgenfeier, 104)5 Wettervorhersage. 11.30 QrOßes Sciäuspieihais: Matinee. 13.30 Programm der Aktuellen Abteilung, 14.00, Dr. Delittles Abenteuer". 15.00 I. Reger: Sonate, D-MoM, op. I.-? Mozart: Sonate. C-thir fK. V. 403). — 3, Schubert: Rondo brillant. H-MoII, op. 70(Ad. Rebner, Violiue. und VoligähL Rebner, Flügel). 16.00 Erich Pqoto Uest Jean Paul. 16.30 Teemusik- 18-00 Chorgesäuge. Berliner Funkchor. Dir.: Maximüian Atb recht 18.30 Tage'sgiossen(gesprochen von Alfred Kerr). 19.00 Von Mainz: Mainzer Karnevalsitzung. 20.00„Wir illustrieren einen Film". Dr. Becce mit den Terra-Sj-mphonikem und Dr. Kurt London. AnschlieSend Unterhaltungsmusik- Anschließend Zeit, Wetter. Nachrichten. Sport AnschlieSend bis 0 30: Tanzmusik. KOnigswnsterhausea. 11.00 Dr. Alfred DShiin: Kind nnd StraSe. 18.00 Prof. Dr. Rehfisch: Herz nnd Seele. I8JO Philipp Scheidemann. M. d. R.; Die deutsche Sosialdamokratt« im Wettkriege. : 20.30 Von tzreslan: Meyerbeer als Ballettkomponist ücrammoctl«llr die Nedäktton: Sollgang Schmor,. Berlin: Anzeigen: TH. Glocke. Berlin Beriag: Borwärts Berlag G. m d H.. Berlin. Druck: Bprmcrts Bud>. druckerei und Berlag sonstall Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstrafte Z. chirrzn l Beiloge. IllSofSF, l.icbf5p>slS usw. Tägl. 5 u.B'i, Uhr.BaillsrasiaBS.B2Se Pr. 1-B M. Wochentg. 5 U. 60 P1.-3 M. Con Callcane, 4 Bronetta und weitere zum I. Male in Europa «ereig e S p i t ze n l e t st u n ge n Up. i» u. Bl» onn1. 9.. sn t" A ex. E 4.»066 Gastspiel Frll» Servos nnd das üRObbEo SCHAU. PiELHAUo •* Uhr 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELl A tonntaü namm. oaaak. rolhe Pt. B.ls um 2üBir. 2816 Kannten erlaodi { Casi-Familie, Jung-China. t Elllef's,| Marika RSkk, 9 Allisons usw. usw 1 Sonnabend». Soaatag|e 2 Vorstellungen I 4 und 8U(Jtir. 4 Uhr kleine Preise I 8 Uhr Das Gerüdit Komödie in 14 Bildern v C. K Munro leal7:K.B.KaiUn StaatLSdiiller-Th. 8 Uhr George Dandln Boubouroiüe Thniat am iGMdaaareamm b>/, Uhr SieOartenlaDbe OeDisdies Itieaiei 0.1. Norden 12310 Tägl.»t/, Uhr Der Kaiser v.Amerlka von Bernard Shaw Reg.: Mas Reinhardt Direktion .kr. Koberl Klelr Ceolsehes Kflnstter-Theal. Barbarossa 3937 8V» Uhr .,Bn5,m'.drei" von Franz Moinat mit Hai Paileotoj. Vorher: Souper Berliner Dieater Dönhoff 170 Täglich SV« Uhf Die Straße nillUlKrtBisurmang. Regie Heinz tlilpert- KleineS Theat. Merkur 1624 Tägl. 8V« Uhr Der Walzer von heule Nacht! Erika Massoer, Iii de Wörner, .lermanr-Scha.foB Kammerspiele 3.1 Norden 1231 8 Uhr Der Kandidat i von Carl Stemhetnt Hills: Haas iioiarick. Die Komödie |1 Bismck. 241 4/7516 8'. Uhr Viclora von S Maugham Regie Aar Reinhardt Musik: Mi'Cha Snoi anskv Lessing-Ttieaier Norden 10846 Täglich S Uhr nnara oreytus von Rehfiscti uno Herzo• TDealer i Westens TÄ�lich o1.« Uhr Ho!ci Sfad� Lemlierg Musik von Gilber <äihe Dorsch Leo 5chüUcodort Samowsky-Bchnen rheater in dar kOnfgprätzer Streß« Täsiich 8'/i Uhr Professor Bernhards von(chior IdmlUtr Rtg'ii; Tirtor Siraomio XemSdlenhau» Täglich SW Uhr Der Lügner und die nenne von Gurt GOtZ Komische Oper Fried richstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich SV» U. Idnnt TU Anuld ui M Lustspielhaus Friedrichsir. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 8»» Uht Liebe auf den zweiten Blick Melropol-Th. 8Ve Uhr Das Land des Lächelns Ver« Sdiwarr, Richard Tauber Musik von Franz Uehar Operettentians Alte Jakobsu 0/3� v2enira«- Tbeaier> Täglich r1** Uh» Die Fledermaus mit Gustav Matznet Sonntag>«? Uhr SdUteewltlcfacB 3 Uhr Priedel ike IriaDßö-Ilieale Qebrgenstr. 9 Täglich SV* Uhr vra HenuoB Sadtrmnra 3>. DornrAscfaev 5 Uhr Gcsi>cn.«ier W>W Direktion- Or, Martin Zickel WWW Komische Oper rnsdrtehstr.iu Merkur 1401 4330. Nach vollständieem Umbau Täglich»>/. Uhr Hulla di Bulla Schwank roo Arnold und Bach* mit Guido Thlolschor. Schulz. Schrofh, ourg Hildebrsnd.Wafter pH".». Flink. Behmer Wenek ioantag inth nzchwithzs 4(hafte Prtia) Ho'lg 0fe Bulla mit Guido Thiflsd»r Lustspielhaus Friedrichsti. 236. Bergmann 2922. 23. Ilde aul de mten W. Biemanxs— Uacck. Vorverkaui In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrbchen. ROSE «sr GroBg Frankfurter Straße 132 Billettkassc: Alex. 3422 und 3494 Täglich 8:15 Uhr(Sonntags 9U.) und jeden Sonnabend im, Februar auch 11.30 Uhr abends dlt cm /DA. Do ereile?. HJIOAer ■Gasparone*' Sonntag um 230 Uhr u Sonnabend 5 uhr:.Atcbenbifide!" Sonntag 5.15 ü..DieCxardas- tüntin" 1 Voranzeige: Ab 1. März ieden Sonnabend 113' Uhr Nacht- | Vorstellung„'terMna ergotte" SARRMäANI lennabend 3 Familien- OlSlalliiro. Kinder zahlen aui at en Fl ren von 220 Mark aufwärts üaine P eise. zt-(Trohe Vois-eliumt. Sonnad 1 1 n.j Tier- o. lad enersdian Erwachsene l Mark. Kinder SO Pfg 3 Famnlen-Vefrsleilang.— Kinde zahlen auf aüen P ä-zrn von 22 M aufwärts Haids P.eise Jt: Fesl-Vor» e lang. hör umi wen<•« TB�ef TeU Baeiwald 4335-36, 0800. Theater i. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Arthnr Roberts 8i/» Uhr ... Vater xeln. dagegen Zetir Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) mm CASINO-TBEATEB 5,,*lJh' Lothringer Strafie 37 Nor noch wenige Aoüührangen Seine Hotieit der Bettler in iiuipili Hl imiit in mini■un«iiiii»iiiiiiiiiiiii in ti iiiii iiiii Dazu ein erslklosslper bunter Teil ■ uiscnein für 1-�-4 Personen Fauteull nur 1.25 M„ Sessel 1.75 M„ sonstige Preise: Parkett u. Rang 0B0 M Reichshallen-Theater Abends(3 sonn aa nadim. CE Das«anderOara Fedr.-Proaiaaimi der Sfetflner-Säiiger Preise 60 Pfg bis 3 Mk Zentrum 112 63 KadUniiiaoi Balde Preise. Oönlvoff-Brottt: lü pr. ftemmeni! falKaer-ilnliesier. Tanz. Tneai. a. Roiui.Toi Kottb. Str. 6 Tägl. S Uhr auchSonm. nachm. 3 U.; racraia.Pnhn Elitesanger. 0» rnit Fnäjijs-Ljdt- Pninoa u. Ol« b anae ony fadtia�'iir'Blt«. Planeinrlnin i am Zoo" fnUi:. iaduiufluüti Sinti B.S Barbarossa 5578 16"» Uhr OwWlator- Sternbilder 18'/» Uhr Der Plane Jupiter. 20>,iUhi MemrOrdtge S erne iRiisn ginr;» Eintritt> Mark Kinder 50 PL Mittwochs halb Kassenpretse Comcnl us-Lichtsplclc Memeler Straße 67 Anl 6> 818 u Sonntags ab 5 Uht Matter Kroaeens Fahrt los Glück 44 Min ten Hollywood tonntaü,den23.Fel)rnai nac in I Uhr ierilner illk-TriO Nchukötlo. V ut4uu.7i»i Frankfurter Allee 313-314 Vom Freitag, den 21. Februar bU Donnerstag, den 27. Februar Der gro£c Ufa-Tonfilm: ei iiiinmiiiuiwninuimuimmiuiinumMiiiiimuiimmiiuiuuiuiiumiiiii Hauptrollen: Jwan Moijukln— LU Dagover Jugendliche haben Zutritt! Beginn der Vorstell jngen: Wochentags 5, 7, 9 Uhr.— Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr, keine erhöhten Preise. CIRCUS CARL , f i\cj f l:] fi TÄGL.8UHR«BUSCHGEBÄUDE NIE ZUVOR GEZEIGT?' f Rl NGKAMPF 2WISCHE V KAENSCH�EtEFANT SONNABEND UND SONNTAG AUCH NACHM»3UHR MIT BESONDEREN ERMASSIGUbiSEM SONNABEND NACHAMTTG. 3 UHR FREIES PONyREITEN für KINDER! VORVERKAUF-A.WERTHEIM U.TEL.WEIDcNDAMM « i r k• s■ sind die KLEINEN ANZEIGEN In derücsanitaatlage des„Vorwim" und (Beilage Sonnabend, 22. Februar 1930 ZFFMpNÄ StuzJ&uXQaUa«tti BILDER AUS ENGLAND Zeichnungen von Emil St'umpp -•--o�y. t»» :**:*■■ Vr*?- 5.•*r;-) .zWOÄ7�.-- i Georges Bemard Shaw Wer kennt ihn nicht, den großen Dichter, der im Jahre 1928 den Frauen sein Werk über den Sozialismus auf den Weihnachtstisch legte und dessen Komödie„Der Kaiser von Aroerika" auch den gewöhnlichen Sterblichen interessiere« würde, wenn die Eintrittspreise für das Theater erschwinglich wären, und doch— wer ernennt ihn hier wieder? Aber so si«ht er aus. wenn er auf dem Redaerpujt steht und mit todernster Miene den Zeitgenossen seine Ironien und Bosheiten ins Gesicht sagt. Die Theipse I. Die Thenjse, oberhalb Londons ein bescheidener Fluß, weitet sich im Weichbild der Stadt zum breiten Strom, der stets beleht ist von treibenden Kähnen, Schleppzügen nncjl Motorbooten. Das Bild gibt einen Blick auf die Waterloobrücke, Ganz im Vordergrund liegt am Kai das jedem Londoner wohlbekannte Segelschiff„Friendship". Links noch eine Ecke der eleganten Uferstraße mit den Hotelpalästen und Klubhäusern, rechts das Ufer der industriellen Lagerräume. :-a «flas «r"■ i.. <-.-�5., � R. C. Sheriff der Vej-fasser des jetzt in ganz Europa bekanntgewordenen Krifg�dramas„Journeys End"(Die andere Soile), war vor einem Jahr noch ganz unbekannt. Heute ist Uf ,1 AVÄ- H. Cyntina Mosley die Frau von Oswald Mosley, die Tochter des verstorbenen Führärs der englischen Konservativen Curzon, ist Mitglied der Azbfeitegjartei. In England gehört es picht zu den Seltenheiten. daß eine Familie mit mehreren Mitgliedern im Parlament vertreten ist. So sitzen neben Lloyd George auf den Bänken der zusammengeschrumpften Liberalen Partei sein ■Sohn und seine Tochter, '•v-U-. ■-t/w Jennle Lee /> Die Themse II. Blick von der Waterloobrücke nach dem Parlament. Der breit dahinziehende Strom in der schweren luAigen Abendluft Londons. Links das ungepflegte Ufer der industriellen Werkstätten und Lagerschuppen, rechts im Hintergrund die beiden Tüfiae. des Parlaments, Der spitze rechte wird im Volksmund Big Ben(der dicke Ben) genannt" Sein Glockenspiel schallt weithin über die Dächer der Stadt hat nicht nur den Vorzug, die jüngste Parlamentarierin Englands zu sein. Z? Jahre alt, ist sie Mitglied der Labour Party und gilt als die Schönheit des Parlaments. Ihr Vater war Bergarbeiter. Ihr Radikalismus entspricht ihrer Jugend. Auf ' Reisen durch Deutschland und Oesterreich studierte sie besonders die deutsche sozialistische Jugendbewegung. (2, Fortsetzung.) „Eine unbestrittene Wahrheit", sagt« der Vikar.„De Briese hat das auch schon gesagt. Slls man ihm vorwarf, sein Verfahren ruiniere das Land, weil man dann überall, auch fern von der Lys, rösten könne, sagte er: Ja. die Besitzer der Ly-user werden viel' leicht ruiniert, aber nicht verändert werden wird der Geist der Menschen, deren Vorfahren hier schon den Flachs geröstet haben. Die Werden nicht außer Landes gehen. Im Gegenteil: ich habe ihnen doch die Möglichkeit gegeben, hier ein Neines Vermögen zu erwerben." Julius Debakker gab dem Vikar recht. Er gab ihm zuletzt immer recht.„Ich bin nicht aus einer Familie", sagt« er,„in der man mit dem Priester streitet." Sem Sirchenswhl stand rechts aus der Empor«. Jeden Sonntag kniete er da: im Sonntagsstaat und durchaus gläubig. Er hatte die Erfindungen De Vricse» ausgenutzt und befaß jetzt die bedeutendste Flachsrösterei im Lystal. Ber- größern wollte er st« nicht mehr. Constant Leynfeele würde eines Tages vielleicht zehn Bottiche im Fluß schwimmen haben und den Ehrgeiz dazu, es auf zwanzrg zu bringen. Debakker aber konnte nicht daran denken, es auf zwei- huitbert zu bringen. Den Mangel an Arbeitskräften ersetzt« er durch fortgefchrittenere Technik. Cr stellte Maschinen auf zum Dreschen und Hecheln. Die Glocken von Eourtrai läuteten den Abend ein. Für die Arbeiter war das das Ende der Arbests-eit. Einige jagten auf chren Fahrrädern nach Hause, die anderen trappten in ihren Holzschuhen den Weg entlang. Leynseeles Leute mußten die Stiegen bis an das Ende des Feldes aufstellen. Um«in halb steben Uhr waren st« damit fertig. Die Sonne schien immer noch heiß auf den leuchten- den Fluß. „Dies Jahr werden wir gut verdienen" sagte Constant zu SHia.„Tagsüber trocknet der Flachs gut, und nachts kann man auf dem trockenen Boden gut laufen, wenn man den Tabak über die Grenze schosit." Julia war wie immer der gleichen Meinung. Sie war glück- lich, wenn sie nach schwerer Tageearbeit mit Constant abends nach Hause spazieren konnte, so ganz gemächlich. Sic war stolz aus das Zusammensein und freute sich auf den Kuß, den sie sich nun zu gebe» wagten, wenn nienwnd sie sah. Das war nicht so leicht in einem Lande, tae flach lag wie«ine Tenne und in dem immer viele Menschen mterwegs auf Arbeit waren und weithin über die Felder spähten. Die beiden waren einfach, keusch und ernst. Constant sah zurück über da? Feld nnt den aufgestellton Stiegen. Cr warf gern einen betrachtenden Blick über seine Arbeit. Diese Reihen trocknenden Flachses beglückten ihn mehr als dos Sonnen- leuchten in der Lgs. Dann sah er das Mädchen an: erfüllt von aufrchtig'r Liebe. Er war ein glücklicher Mensch. Der Wind kam von der Sonnenseite. Die langen Schatten der Mühlenflügel glitten in rascher Folg« über die Erde, wie hastige Gesten eines erregten Beters, der sich bekreuzigt und wieder und wieder bekreuzigt voller Angst, nicht einzugehen in die Seligkeit des Parodicsee. In den Feldern hielt sich kein Unkraut. Ueppig wogte das sanber« Ko-n und über ihm segelten die Schwalben. In einer Fülle goldenen Abendlichts wanderten die Liebenden. Die Lys" begann sich zu verfärben. Ein langer Streifen am Horizont schien ihr Spiegelbild �u sein. Der Himmel strahste itz flüssiger Klarheit. Sanft und zart sind die Töne im feuchten FlenNern. Da oben, jenseits der Trockenwiesen, arbeiteten emsig Männer im Flachsfeld, das im März gesät war. Mit gebeugtem Rücke» packten sie die Stengel um die Mitte: rissen iimner eine Handvoll heraus und legten sie nieder. Lcynfeel« zog aus einem Haufen an der Straße einen grünen Halm und maß seine Höhe. Ein Meter fast. „Das wird was", sagte er und legte sorgfältig den Halm zurück auf den Hausen. Mit eigenen Händen wird er ihn bearbeiten. Vom Feld her kamen drei Frauen: eine alte und zwei sechzehn» jährig« Mädchen. Die Holzschuhe klapperten. Julia sagte ihnen „Guten Abend". „Bei dem Wetter wird es gut trocknen und, sich gut dreschen lassen." „Großartig", ergänzte Constant.„Schweres Korn und langes Strob." Alle kehrten in die Stadt zurück. Julia Bondael wohnte in der Hochstraße. Hoogweg, wo ihr Vater«inen Flachsladen hatte. Constant legte seine Pfeife auf die stelnern« Türschwelle. Der alte Bandael war glattrasiert: er sah aus wie ein Messe- Prediger. Als die beiden eintraten, tä nmt« er Flachshede, die er den kleinen ländlichen Flachsbrschern abkaufte. Die Mischung stellte er selbst zusammen: so wie es die Kundschaft wünschte und es seinen eigenen Interesien entsprach. Aus dem Raum, in dem der Flachs lagerte, führte ein« Tür auf die Straße. Ein« Tür mit Zwei Flügeln, die übereinander lagen. Schlug man die obere Hälfte zurück, so konnte der Kunde von der Straße aus den Flachs besichtigen oder der Händler tonnte sick mit den Ellbogen auf die Kante des unteren Flügels stützen, um nach Kunden auszuspähen. Spitzenorbeiterinnen, die vor der Tür standen, steckten ihr« Zehen unten durch. In diesem Land« bestreut man die Fußböden sorgfältig mit Sand, und die Frauen lausen im Winter auf Strümpfen, im Sommer immer nur barstiß. Auf dem Fensterbrett' stand ein« rote Geranie. Dort saß ein sungcs Mädchen mit einem Kisten auf den Knien, das mit Nadeln ge° spickt war, die Giasköpfchen trugen. Diese Arbeiterinnen, die die Augen übermäßig anstrengen müssen, kam» man von der Straße au» sehen. Sie rücken des Lichtes wegen so dicht wie möglich an das Fenster. Hier war es ruhig. Geröstet wurde in Sonne und freier Luft: verkauft aber tm feuchten Dämmer. Nur dies erhielt dem Faden Weichheit und Gewicht. Bater Bandael hatte im Leben nur zweierlei getrieben: Flachs- Handel«nd Tabakschmuggel. De» Flach» verkaufte er den Eng- ländern: Tabak sryivuggell« er nach Friakreich Es war nicht so einfach, auf dem Markt Käufer zu finden, die sich übers Ohr hauen ließen, oder Zollbeamte an der Grenze bei Meenen. die«in Auge zudrückten, wenn es zwei Uhr morgens schlug. / Sein Leben lang hatte sich Bandael gemüht» mit Ausdauer und ! Schlauheit, etwas vor sich.zu bringen. Flachs anfosten aber mochte ihn glücklich. An diesem Abend hielt er beim Eintritt der beiden einen Strang in der Unken Hand und glättete ihn mit der Handfläche der rechten. Diese betörenden blonden Fäden reizten die Hände der Mann« wie eine Frau. Sie wurden nicht müde, sie zu berühren. Ion Bandael war trübselig, wenn er eine Zeitlang seine lange Pfeife missen mußte od« seinen Schoppen Bier: aber trübselig« war er, wenn er keinen Flachs streicheln konnte. Eonftant berichtete ihm, wie es mit der Arbeit an der Lys stand, und daß man noch in dieser Rächt nach dem Flachs in den alten De-Briese-Bottichen sehen müßte. Bandael deckte einen kleinen Zwanzig-Kilo-Ballen Tabak auf, der hinter den großen Flachsballen log. „Wenn du die Nacht doch heraus mußt, dann bring dos nach Frankreich." „Warum willst du es n-cht Oustrebon überlasten", fragte Julia: „der handelt doch mehr mit Tabak als mit Flachs. „Auf«ininal hast du also Angst vor den Zöllnern. Mich hast du nie zurückgehalten. Ich möchte mal wissen, was wir oerdient hätten, wenn wir nur den Flachs gehabt hätten, damals als die großen Herren allein an der Lys herrschten. Will man mit hem Schmuggel anständig verdienen, muß man eine Meute haben und Pferde. Himbe habe ich gehabt, zwölf Stück, ober leider niemals Pferde, sonst wäre ich heute so reich wie Julius Debakker. Was meinst du wohl, damals, Neimzehnhundertvierzehn, was damals gefällig war. Die französischen Zollwächter hoben sich zusammen- getan und«in eigenes Regiment gebildet Di» ganz großen Schmuggler haben täglich, auf Wagen, dreitausend Kilo Tabak nach Rouboir geschafft. Bis nach Paris ist belgisch« Tabak gekommen. Heute,— heute kaufe ich Bottiche in der Lys, anstatt«inen Wagen fürs Schmuggeln, lind mit Pferden hat es heute auch keinen Sinn mehr: man muß cm Auto haben. Aber eine Nein« Lost auf dem Buckel rüberschassen,— was ist dos schon—«in Spaß für einen Mann." Bandael Höne auf zu arbeiten. Im Dämmerlicht kann man leicht falsche Schattierungen wählen.„Mit Abendaugen bringt man nichts Gutes zuwege", sagt««r. Sie gingen in die Küche, um zu essen und Bier zu trinken. Ein kleines secljsjähria«» Mädchen spielt« dort. Gerade versuchte st«, an -einem roten Stoff zu nähen. I-.ttio faßte sie mitsamt Ihrem Stoff und hob sie mit rascher Bewegung hoch. „Lachen sollst du! Ich laß dich nicht eher runter, bis du lachst", drohte die ältere Schwester mit fröhlich blitzenden Augen. Di« Kleine juchtc und schalt die Katze, die sich in die Enden des Stoffes gekrallt hatte und ihn auf den sandbcstreiitsn Steinfliesen hin- und herzerrt« Julia drückte die Kleine an sich, schaukelt« sie und während die Wanduhr mit dem zinnernen Ziffernblatt eben acht Schläge schlug, küßte sie sie bei fedem Schlag. „Die sind wohl nicht all« für sie gemeint", lächelt« Mutt« Bandael. Julia lachte und setzt« den Kaffee auf den blitzenden Herd. Bor der Tür schnüffelte der Hund an Constants Holzschul)«n. Der säuec- liche Geruch des Röstens erfüllte das ganze Haus. Die Fenster- gardinen waren so wett als möglich hochgehoben. Mutter Bandael wollte dos letzt« spärliche Tageslicht für ihre Klöppelarbeit aus- nutzen. Leise klapperten die Klöppel und spielten im Rhythmus mit der tickend-u Wanduhr, deren blanker Messingpendel sich leuch- send abhob von der geweißten Wand. An einem langen Nagel unter einer Leinendecke hing Constants großer Bogen und Köcher. Alle diese Menschen kannten keine Muhe. Sic überstürzten sich nicht, aber hatten doch immer etwas in den Händen. Eine fleißige Raste: geschickt für grobe und feine Arbeit zugleich. Sie sonnten Ziegel und rösteten Flachs, schmuggelten Tabak und klöppelten Spitzen. Das Abendbrot bestand aus zwei Gerichten: Pellkartoffel und gebratene Heringe. Di« Butter war in einen Topf geknetet. Es ging der Familie Bandael gut: aber sie blieb bei ihrer alten Lebens- weife. Und vor dem Esten bekreuzigte sich jeder. Alle sprachen nur von ihrer Arbeit: die Frauen vom Wischen und Scheuern, von Kochen und Wäsche: die Mann« vom Flachs und vom Schmuggel. Jan Bandael pasjte behaglich und trank sein Bier. In diesem Augenblick ging der Französier Lammertyn am Laden vorbei. „Flandern den Flamen", rief Eonstont zu ihm herüber; worauf Lammertyn erwiderte: „Der Pfaffe hat weder geröstet noch jemals gehechelt. Der ist nicht bei uns geboren und treibt nicht uns« Gewerbe. Und der Jesuit, der hier während de» Krieges gepredigt hat. hat über die Hand geblasen und gesagt: Soviel bleibt übrig von Frankreich. Und? Für dich und für die Pfaffen ist Frankreich wohl der Teufel." Antichrist! der Antichrist!" schrie Constant voller Wut. Aber Lammertyn hatte teme Angst vor dem Antichrist. Er ont wartete nicht und lachte nur. „Einem Kerl wie dir sollte man den Schädel einschlagen!" Der alt« Bandael umarmte Eonftant. Ihm gefiel der Mut des jungen Mannes heut« abend. Lammertyn ging wortlos weit« und pfiff die-Braban�onn«, die belgische Nationalhymne. Constant brannte auf Arbeit. Um 10 Uhr sollte er nach den i Bottichen sehen, es blieb ihm aber noch etwas Zeit. Er entschloß ■ sich, den Vikar Raepsnet zu besuchen. Der wohnt« neben der Back- steinkirche. Als Eonftant bei ihm eintrat, faß er vor einem mit Büchern und Zeitschriften überladenen Tisch. Neben Werken kotho- lischer Autoren lagen solche in flämischer Sprache. Der Dikar beherrschte Leynseele. Andächtig lauscht« dieser den Worten des Priesters. „De Briese ist unglücklich", sagt« Raespaet.„Bon uns erwartet er Rettung für sich und Flandern. Sollen hie Herren Franzosen in Drüstel und Paris zu bestimmen haben, ob ein Flame Flandern oerlasten soll? Das ist unsere Angelegenheit und mutz in flä- inischer Sprache abgemacht werden. Gibt es eine schönere Sprache? Ick) meine, es wäre das krästigste und ausdruckvollste aller Idiome. Wir wollen jedenfalls, daß eins unserer größten Landeskinder— «in wirklich« Retter und Wohltäter— irt seine Heimat zurückkehren kann. Er' war ein guter Katholik und ein echter Flachsbauer. Sehr wichtig ist, daß wir möglichst stark im christlichen Berbond ver- treten sind, damtt w'r uns bei den Wahlen durchsetzen. Wir müsten ununterbrochen werben: neue Anhänger, in allen Gemeinden. Hier zählen wir tausend: ebensoviel wie die Sozialisten. Das Dorf Harlebek« ist sozialistisch, Breghem christlich: in Heule und Wewelghem halten stch beide die Waage."(Fortsetzung folgt.) Rätsel-Ecke des„Abend", »MNlMMMMttMMIMMMtt'MMlMMMMUMMwlUNIIMM Kreuzworiräisel. Waagerecht: 1. Besördc- rungsmittel; 7 Ort In Tirol: 8. Fluß in Italien: 9. Operette von Ktlbert: lv. selten: 11 Tee aus englisch: 12. mit Haren bedeckt« Tierhaut: 13. Element: 14 eine Kur>«nins«: 17. Fluß in Olrpreußen: 18 Burggötim von Karthago: 10. nordische Gottheiten(Mehrzahl).— Senkrecht: 1. rheinische In- dustriestadt: 2. wesifälische Landschaft: 3 Teil des Hauses 4 deutscher �Schriftsteller: S. athenischer Staatsmann: 6 einstige Bewohner von Skandinavien: Id. Papstnam«: 16. Gebirge auf Kreta. KS. Verwandlungsräisel. Dos Wort Bater ist in fünf Zwischenstufen in da» Wo« Feuer zu verwandeln, und zwar ist jeweils der durch«in Kreuz bezeichnete Buchstabe durch einen anderen zu ersetzen. dl. 55 Magisches Quadrat. Die Buchstaben sind so umzustellen, daß waagerechte und senkrechte gleich lauten Die Wörter bedeuten: 1. Winterkurort in Südtirol: 2 Meerestier: 3 dänischer Dichter: 4. deutscher Politit« fi: 5 Frauenname. ps. Kapselrätsel. Aus den nachstehenden Wörtern sind je drei(aus dem letzten Wort vier) aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, richtig zusammengestellt, ein Sprichwort ergeben: Werbung, Bor- wörts, Heinrich, Emblem. Platin, Kutter, Schrift, Backtrog. Kan- dar«, Hofnisch«, Nacht'gall, Rinde, Stirnwand, Wildgans, Darlehen (ch und fch— je ein Buchstabe). alc. (Auslösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Aullö'ung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel: Waagerecht: 1. Lanolin: 7. Homer: 10. Reh: ll. er; 12. Anrede: 14. Ah: IS. Rezept. 18. r«: 19. Halma: 21. Autobus.— Senkrecht: 2. Ah: 3. Nora; 4. Omen; 5. Lehre; 6. Bäckerei; 8. Freiheit: 9. Kanzel; 11. Eduard: 13. Legat: 16, Polo: 17. tumb: 19. Hu; 20. Au. Silbenrätsel: 1. Drama: 2. Eden: 3. Reblaus; 4. Bäckerei: 5. Reichenbach: 6 Avus: 7. vanille: 8. Epinal: 9. Maßstab: 10. Attest: 11. Notsitz: 12. Nasiau; 13. Düppel: 14. Empor«: IS. Netz- haut; 16. Konkurrenz: 17. Tintenstift.—„Der brave Mann denkt an stch selbst zuletzt." Rösselsprung: Sagt ja.zum Leben, was es euch auch bringt, Ob wehmutsvoll der Harfe Satten schwingen, Ob es von Sonnenschein und Liebe singt- Sagt sa zum Leben, und weon's euch gelingt, So seid ihr stark, und niemand kann euch zwingen, Wohl dem. der um die höchsten Preis« ringt. Sogt ja zum Leben, was es euch auch bringt! Schieberätsel: Cri»p!en, David, Heilmann, Lieb'necht. Wels, Ströbel, Künstler. Schöpslin, Belms, Simon. Sender, L.tke. Silberschmidt. Lerwandlungsoufgab«: 1. Mangan: 2. Mandat: 2. Mandel: 4. Marder; S. Herder; 6. Heller; 7. Kepler; 8. Kupfer: 9. Kuppel. Berwandlungsrätsel: Nagel, Amme, Rate. Riemen. Else, Ras«, Mall. Ader, Chor, Siegel, Echse, Name, Alm. Norm. Bast. Eichel. Geste, Ost. Sonne. Sumpf. Eid. Nest.—»Narren wachsen undegoffen." Nr. 90 47. Jahrgang Sonnabend 22. Februar 1930 AiddcmWcgeznmOzeaiiflugvcrlttlir Das Dornier-Flugboot Do X Mit der Fertigstellung des größten Wasserflug, vuges der Welt des Dornter Flugbootes Do X(sprich Do ix) ist man der Verwirklichung des Problems der Ueberquerung der Meere im regel- mäßigen Luftverkchrsdienst bedeutend näher gekommen. Es ist er- freulich. daß die Dornier- Werke, Friedrichshafen a B. und Alten- rhcin a. B.. trotz der Widrigkeit der Verhältnisse diese Großtat deutschen Geistes und deutscher Arbeit als wertvollen Aktivposten im friedlichen Wettbewerb der Nationen buchen können. Dieser Erfolg war die Frucht jahrelanger methodischer Arbeit. Die Typen Wal und Superwal dienten den Portugiesen. Spaniern und Do. juer-rtugdoot Do X. Italienern.zu ihren Aussehen erregenden Ozeanüberquerungen, während sich Anrundsen ihrer bei seinen Polarexpeditionen bedient«. Do X, die methodische Weiterentwicklung früherer Dornierscher Fabrikate, besitzt eine Motorenanloge von 12 luft- gekühlten Iupiter-Siemens-Motoren, die insgesamt rund 6300 PS leisten. Jeder Motor besitzt neun sternförmig angeordnete Zylinder, leistet zirka 520 PS, ist 2:1 untersetzt und treibt«ine oierflügelige Luftschraube an. Die Motoren, englischen Ursprung«, wurden von Siemens in Lizenz gebaut. Je zwei Mo- toren sind jeweils in einer Gondel oberhrlb des durchgehenden Trag- decks' zujänunengefäßt, die Göndeln selbst sind mit dem Hauptttaz- deck durch einen sogenannten Steigschacht verbunden.. Der größeren Stabilität wegen sind sämtlich« Motorengondeln untereinander durch einen Hilssflügel von 30 Quadratmeter Fläche fest verbunden. Dieser chilfsflügel ergibt aber außerdem ein« vorzügliche Auftriebssteig«- rung, da er in der durch den Hauptjlügel gesteigerten Luftströmung liegt. Durch Verwendung luftgekühlter anstatt wassergekühlter Mo- to-cn erzielte man«ine Gewichtsersparnis von 3000 Kilogramm. Diese Ersparnis wird sich jedoch bei langen Flügen nicht in dem Maße auswirken, da die Norm für luftgekühlt« Motoren 270 Gramm Betriebsstoff pro PS-Stunde gegenüber 200— 220 Gramm für wassergekühlte Motoren gleicher Leistung beträgt. Es spricht für bedeutende Betriebssicherheit, daß Do X auch nach Ausfall von 4 Motoren nicht nur seinen Flug fortsetzen, sondern mit dieser ver- ringerten Kraftquelle auch noch starten kann. Der Bootsrumpf von Do X faßt 4 2 0 Kubikmeter im Gegensatz zum Superwal 120 Kubit. meter und zum Rohrbach Roman 75 Kubikmeter. Er ist als Stufenboot ausgebildet, dessen Stabilität noch durch seitlich angesetzte Flossenstummel vergrößert wird. Die Länge des Bootes an sich beträgt 4 0,05 Meter. Das Boot wurde als Schalennimpf ge- baut, bei dem die feste Haut die Längsverbindung zwischen den meist rahmenartigen Spanten übernimmt. Die Schottspanten sind als Fachwerkscheiben ausgebildet, während der besonders bean- spruchts Bootsboden außer durch zwei durchlaufende Längeträger noch durch zwei ebenfalls durchlaufende Kielschwein« verstärkt wird. Der B u g ist kreuzartig im Vordersteven scharf zulaufend, um besonders harte Schläge auf den Rumpf bei Seegang zu vermeiden. Die anfangs scharfe Kielung nimmt nach hinten zu ab. um im Be- reich der Hauptspanten in einer Läirgs stufe zu verlaufen. Durch starkes Hochziehen der Unterseite des Rumpfes erreichte man, daß die besonders groß ausgeführten Steuerungsorgane sich in hoher, geschützter Lag« befinden Die an Stelle von Zügen verwendeten Stangen sowie die mit ihnen in Verbindung stehenden Doppelhebel laufen auf Kugellagern. Durch dies« Neuerung erfordert die Steue- runq von Do X nicht mehr Kraft als die zur Führung eines nor- malen Flugzeuges benötigte. Besonders große Anforderungen an den Konstrukteur stellt rein technisch gesehen das 4 00 Quadratmeter Flächeninhalt besitzend» H au p t tr.o g d e ck. Es besteht aus drei Holmen, die es in der Tiefe in fünf Streifen unterteilen. Diese Streifen sind längs der Spannweite durch Verbindung der Holme mit dem Ouerriegel wieder unterteilt, wodurch fast quadratisch« Teis- stächen entstehen, die wiederum durch sog. Hautfelder einzeln ab- gedeckt werden. Diese Hautfclder werden von räumlichen Fach- werken gebildet. Eine betriebssichere Instandhaltung ist durch diese Einteilung leicht durchführbar. Um den Flügel von den nach der Mitte zu wachsenden Austricbsmomenten zu entlasten, ist jeder Flügel durch schräg noch unten führende starke Streben, die auf dein Flossenstummel enden, abgestützt. Die Besatzung wird durch weitgehende Arbeitsteilung entlastet. Der Flugzeugführer, durch «inen Hilfsführer unterstützt, kann daher seine ganze Aufmerksamkeit auf die Ueberwachung des Flugzustandes selber ton, zentrieren, da die Kontrolle und der Betrieb der Motoren einem Ingenieur mit vier Mechanikern unterliegt. Die Leitung des Flugschiffes besitzt der Kommandant, der durch einen Navigationsoffizier unterstützt wird. Um«in« reibungclose Durchführung aller ersorderlicken Arbeiten zu gewährleisten, ist dl« gesamt« Besatzung von den Passa- gierräumen völlig getrennt im Oberdeck über dem Hauptdeck unter- gebracht. Das Oberdeck zerfällt wiederum in nachstehend« Abtei- hingen: Der vorderste Raum dient wegen der nach allen Seiten guten Sicht dem Flugzeugführer, hinter diesem befindet sich durch «me schalldichte Wand getrennt der Kommandanten, resp. Nävi- gationsraum. Hier befinden sich außer den Navigationsgeräten auch die zur Befchlsübermittlung an die Besatzung notwendigen Lppa- rat«. An den Kommandantenraum schließt sich der Schaltraum, in welchem sich die zur Ueberwachung der gesamten Motorenanlage dienenden Fernanzeigergeräte befinden, dos Anlassen der Motoren geschieht ebenfalls von hier. Auf den Schallraum folgt der voll- kommen schalldicht abgeschlossene Funtraum, der nur mit dem Kommandantenraum durch besonder« Nachrichtenapparatur in Verbindung steht. Den Schluß bildet der Hilfsmoschinenraum, der zur Aufnahm« eine« kleinen Vierzylindermotors dient, an den«ine Transmission angeschlossen ist, die Stromerzeuger, Anlasser, Druck- luftkompressor, Wasser-, Brennstoss- und Schmierstosspumpen antreibt. Unterhalb des Oberdecks befindet sich in ungefähr mittlerer Höhe des Rumpfes das 2 5 Meter lang« Hauptdeck zur Aufnahm« von Passagieren oder Fracht. Bei einer Mindestnutzlast von 10 Tonnen können auch bei längeren Flüqen 10 0 Passa- gier« bequem untergebracht werden, jeder Fluggast kann iogar noch bis zu 25 Kilogramm Gepäck mitnehmen! Dos Unterdeck, das sich unterhalb des Hauptdecks hinzieht, dient zur Aufbewahrung von Gepäck, Vorräten, Ersatzteil«». Werkzeugen und See- ausrüstungsgegenständen. Ferner sind hier die Betriebestoffbehälter untergebracht. Diese Verlegung der Betriebsstoffvorräte wirkt sich nicht nur rein fliegerisch durch Verlegung riesiger Gewichte zu tiefst günstig aus, fonde-n oermindert in ebenso hohem Maße die Brand- gesahr, da die Brennstofsbehälter von den Motnrenanlagen räumlich äußerst weit getrennt sind. Die Betriebssicherheit van Do X ist «ine gqnz bedeutende und resultiert aus der Vegehbarkeit der die Verbindung zwischen Motorengondeln und Houpttragdeck bildenden Steigschächtc sowie aus einem im Innern des Houpttragdecks befind lichen KriechstoUen. Durch dies« Anordnung stehen alle Motoren mit dem Hauptschallroum in direkter Verbindung, jeder Motor ist daher auch im Flug« zugänglich und kann dementsprechend ßweifoch überwacht werden. Es kann sich in besonderen Situationen als zweckdienlich erweisen, daß der Fliigzeugsührer unter Umgehung der Zentrole direkt eingreisen mutz. Für diesen Zweck steht ihm eine direkte Gasbebelbetätigung über alle 12 Motoren zu Diensten, er kann also die gesamt« Motorenleistung auch selbst direkt regeln. Als Wellhöchstleistung trug Do X 51,5 T o n n e n in die Luft, wovon 23 Tonnen rein« Nutzlast darstellten, ein« Leistung, die auch nicht annähernd von irgendeiner Seite erreicW worden ist. H. A. Aul Deulschlands UOcUslen Berg Die Bahn zur Zugspitze Noch vor wenigen Jahren hätte man de» Plan, eine Bahn aus den höchsten Berg Deutschlands zu führen, für phantastisch und unausführbar geHallen..Heute ist er beinahe verwirklicht. In einem Bortrog, den Regie- rungsbaumeister a. D. Baschwig im Vortrags- fach der AEG. im Haus der Technik hielt, wurde gezeigt, unter welchen ungeheur.n Schwierigkeiten dieses Werk vollendet wurde. Der Vortragende zeigte, welche Wand- hingen der Plan einer Erschließung der Zugspitze, des Höchsten deutschen Berges, im Lause der Zeit durchgemacht, wie er zeitweise als aufgegeben galt, nachdem bereits ein Kon- zeffionsinhaber an den Schwier gk.iten der Finanzierung gescheitert war. Auf ganz neuer Grundlage hat dann die AEG. gemein- sam der Allgemeinen Lokal- und Kraft- werk«-A.-G. Berlin den Plan wieder ausgenommen und die Konzession von der b:ye- rischen Regierung erhalten. Beide Gesell- schaften haben daraufhin die Bayerische Zag- spitzbahn A-G. gegründet, für deren Rech- nung jetzt das gewallige Werk ausgeführt wird. Die gesamte Bauleitung liegt in Hän- den der AEG., die auch die elekttisch« Aus- rüftung liefert. Die meterspurige elektrische Bahn über- windet auf 10 Kilometer Läng« einen Höhenunterschied von 2250 Me- te r. Sie nimmt ihren Ausgang unmittelbar am Reichsbahnhof Garmifch-Parten- k i r ch e n und führt die Reifenden über R i e ß e r f e e. Kreuzeck(Talstation der Seilbahn aus das Kreuzeck), Hammers- b a ch mit Eingang zur Höllentalklamm. Grainau(Badersee). E i b I e e und das R i f f« l r! ß zunächst bis zu dem 300 Meter unterhalb des Zugspitzgipfels gelegenen Plottferner. Dieser bildet mit seiner 6 Quadratkilometer großen Fläch«, de von 2300 Meter sanft auf 2400 Meter Höh- ab- fällt, ein bis in den Sommer benutzbares ideales Skigebiet. Hier wird am Zwischen- «ndpunkt der Bahn auf 2650 Meter Höhe das Schneefernerhaus am Platt errichtet, ein Berghotel, das bescheidenen wie größeren Ansprüchen genügen soll. Dos kurze Endstück der Bahn von hier bis zum G'pfel(2950 Meter Höhe) wird als Seilbahn ausgeführt. Bis zum Schneef.>rn«rh:us werden die Reisenden von Garmisch-Partenkirchen her in durchgehenden Wagen befördert, und zwar von Garmisch bis Grainau mit gewöhnlichen Reibungslokomotioen: In Grainau werden di« Züge von Zahnradlotvmotiven übernommen, da hier die groß« Steigung beginnt, di« bis aus 26 Proz. anwächst. Unter den ver- schiedenen zu ihrer Ueberwindung möglichen Mitteln hat man nach reiflicher Ueberlegung das Zahnradfystem gewählt Vom Riffeliiß in 1650 ülteter Höhe ab bis zum Zugspitzg pfel wird die Bahn zum Schutze gegen Lawinen- und Steinschlaggesahr durchweg im Berg« inner» geführt. Der hierfür erforderliche Tunnel von 4,5 Kilometer Länge bildete den schwierigsten und kostspieligsten Teil der Bau- «MM MM *r'ii:..-' Av ■ M*.. II"' Hilfsseiibaha zum Bau des Tunnels Zug am Bahnhof Eibsee (1000 Meter Höhe) LMWMchfMM i\ ätw\.■ v£>!«•>•- f: j'■'"rtA'Vi 'S\, �-■.—.»-•.//«, ,» i. //ü/ r'J:-::■:< • �S'S■»„v /.;y---■ % Zär..■ msf Belm Tunnelbau arbeiten. Fast übermenschlicher Anstrengungen hat es bedurft, um an der stell abfallenden Nordwand des Bergmafsios zunächst«in- mal di« Stützpunkte für den Angriff der Arbeiten zu gewinnen. Der Vortragende gab einen Ueberblick über diese Vorarbeiten und die beim Tunnelbau angewandten, zum Test ganz neuen Ver. fahren, die es'ermöglicht haben, daß di« ursprünglich aus 4 Jahre geschätzt« Bauzell auf weniger als die Hälfte herabgedrückt worden ist. Gall es doch, di« Bahn möglichst bis zum Sommer 1030 fertig- zustellen, damit sie noch von den Besuchern der Oberammergauer Passumsspiele benutzt werden kann. Dies Ziel dürfte erreicht werden, denn heute ist berells die Strecke bis zum Tunneleingang nahezu vollständig, der große Tunnel bis auf wenige hundert Meter ebenfalls fertiggestellt. Di« Teilstrecke von Garmilch-Porteukirchen bis zum Eibfee konnte bereits am 10. Dezember 1020 in Betrieb genommen werden. Der Bortragende erläuterte dann noch kurz die Leistungsfähigkell und den zu erwartende» Verkehr der Bahn, die berufen erscheint, sich zu einem besonder� Anziehungspunkt für den Reiseverkehr aus aller Wett zu entwickeln. Wird es doch mit ihrer Hilfe möglich sein, vyn München aus, das von fast 1 Million Fremden jährlich besucht wird, den Zugspitzgipfel in 3)4 Stunden mühelos zu erreichen, wo man bei klarem Wetter einen prächtigen Ausblick nach allen Sellen genießt/ Im Anschluß an den Bortrog wurde ein F i l m vorgeführt, den die Zugspitzbahn' W-G. tm Laufe der Bauarbeiten hat auf- nehmen lassen. Sein« Bildersolge ließ fast noch deutlicher als Worte erkennen, welches gewaltige Werk feiner Vollendung entgegengeht, aber daneben auch, welche Anstrengungen. Entbehrungen und Ge- fahren der Bau tm Hochgebirge für alle dabei Beschäftigten, Arbeiter wie Ingenieure, mit sich bringt. Was der Arbeitersport bringt. Die nächsten Veranstaltungen. Heute, Sonnabend, abend treffen sich im Lunabad in Halensee Hellas und W e i ß e n f e c zum fälligen Arbeiter-Waffer- ball-Serienfpiel. Beme Vereine stehen in der Tabelle an erster Stelle.— Kampsrichterprüfung und Ausschroimmcn zum Städiekapipf Wien— Berlin morgen. Sonntag, 10 Uhr, Stadtbad Lichtenberg, Hubertusstraße. Am Nachmittag um 15 Uhr findet in demselben Bad dos bundesoffene Schwimmfeft der Lichtenberger Abteilung der Freien Schtuimmer Groß-Lerlin statt. In allen Wetttämpsen sind auf Grund der eingegangenen Meldungen schöne Kämpfe zu er. warten. ,* Am Montag, 24. Februar, 20 Uhr, wollen die„Freien Schwimmer Berlin 12" im Stadtbad Steglitz, Bergstr. 00, beweisen, daß man auch mit einer fleinen Werbeveran- paltu ng. die ohne die Umrahmung eines gut vorbereiteten Sonn- tagschwimmfeftes abgewickelt wird, die zielbewußte Kleinarbeit der Arbeuerfchwimmer demonstrieren kann. Der Wert dieses Schwimm- festes relp. Werbeobends dürfte jedoch besonders in der Startbeteiti- gung der gesamten Mitgliedschaft liegen. Der niedrige Eintritts- preis von 25 Pf. wird es einem großen Kreise von Interessenten ermöglichen, diese Veranstaltung zu besuchen. Für Arbeitslose Ein- tritt frei. Di: Uebungsstunden des Vereins sind jeden Montag von 22 bis 22>£ Uhr im Stadtbad Steglitz, Bergstr. 90. Schwimmbe- trieb. Desgleichen jeden Donnerstag von 201» bis 22 Uhr und Sonn- abends von 18 bis 19 Uhr(Kinderlchrstunde) in der staatlichen Bil-. dungsanstalt, Lichterfelde, Zehlendorfer Straße(Endstation der Straßenbahn 74) Auskunft in allen Sportangelegcnheiten(auch für Ergänzungsport) bei Gustav Schwan, Steglitz, Alnnarkstr. lö; für Äichtcnelde bei Zllbert Pardemann, Hindenburgdamm 8Za. Dex Arbeitersport im Prenzlauer Berg gewinnt zusehends on Strafe. Eine Turm, Hockey, und Handballabteilung sorgt für gute Ausbildung auf den einschlägigen Sportgebieten. Die Abteilung Nordost der Freien Turnerschaft Groß-Berlin konnte im Bezirk ge- gründet werden. Der„Schwimmverein Freiheit" umfaßt die bundes- treuen Schwimmer im Bezirk. Die schwerste Arbeit hat der„Freie Sportverein Saxonia 28" als einziger bundestreuer Fußballoerein 23 andersgesinnten Fußballoereincn iin Bezirk gegenüber. Hier muß on die Parteimitglieder appelliert werden, die noch nicht den Weg zu den Arbeitersportlern gefunden haben. Zur Zeit stehen zwei Männer- und zwei Jugenhmannschaften Im Serienbetricb. Am Mitt. woch, 28. Februar, wird der Freie Sportverein Saxonia im Lokal von Burg, Prenzlauer Allee, eine Abteilung für Ringen, Heben, Boxen und Jiu-Jitsu gründen. Gute Leiter haben sich bereits zur Verfügung gestellt, eine gute Anzahl Voranmeldung?: liegen bereits vor. Der Betrieb soll in der Turnhalle Danziger Straße stattfinden. Unter dem Titel„Freie Körper— Neue M e n s ch c n" fmdet Sonnwg, 9. März, M'A Uhr, in der„Lichtburg", am Bahnhof Gesundbrunnen, dem neuesten und modernsten Lichtspiel- bau» Berlins, eine Matinee statt, bei der Fritz Wildung, der Geschästssührer der Zent ralk omm> sfion für Arbeitersport und Körper- pflege, über das Thema„Freikörperkultur und sozialistische Lebens- gestattung", sprechen wird. Zlußerdcm laufen mehrere Kultur- lilme, insbesondere Freikörpertulturfilme. Eine Gymnastikvor- führung sowie musikalische Darbietungen des Musikkorps des Vereins unter feinem Dirigenten Franz Walter vervollständigen das Pro- gramm der Matinee der F r e i k ö r p e r l u l t u r s p a r t e in der Freien Turncrschast Groß-Berlin. Eintrittskarten find nur im Vorverkauf zum Preise von 90 Pf,, einschließlich Programm, .'.u haben bei den Funktionären, in der Bereinsgeschästsstelle SRO. 18, Lichtenberger Str. 3(am Landsberger Platz), Tel. Iii. 3 König- stodt 3656; in der Dietz-Buchhandlung, Lindenstr. 3; im Reformhaus Modaiftraße, am Schlesifchen Bahnhof, sowie in fast allen„Vor- Wörts"-Speditionen. �cundUocUV Die Spiele am Sonntag. In der 1. Klasse hat FTGB.-Wedding 2 ün Volkspart Rehberge um 16 Uhr FTGB.-Süden als Gegner.— Wedding 1 fährt noch Velten, während FTGB.-Often in der Bödickerftraße um 10 Uhr Vorwärts-Heniugsdorf cmpsängt. Bei diesen Spielen wird es sehr heiß hergehen. Süden, Wedding und Osten haben die besseren Aus- sichten, müssen sich aber trotzdem sehr anstrengen und dürfen ihre Gegner»iäst leicht nehmen, wie es einige Mannschasten bis jetzt getan ljaben. Die Spiele in den Bezirken sind: 1. Bezirk, 2. Klaffe, 1. Gruppe: Kaulsdorf gegen FTEB.-Adlerehof um 11 Uhr in Kaulsdorf, Köpenickcr Chaussee; Mohlsdorf gegen ASE. um 15 Uhr in Mohlsdorf, Hönower Chaussee. 2. Bezirk, 2. Kloisck: Friedrichs- chal gegen FTGB.-Reinickendorf-West um 15 Uhr iu Friedrichsthak; Moabit gegen FTGB.-Nordring um 13.40 Uhr im Tiergarten. Fraucnklasic: Norden 1 gegen Tegel um II Uhr im Humboldthain. 3, Bezirk, 2. Klaffe: Nowawes gegen Bornstedt um 15 Uhr in Rowawes. 3. Klaffe: Nowawes 2 gegen Ketzin 1 um 14 Uhr iy Nowawes; Drewitz gegen Mitte um 15 Uhr in Drewitz. 4. Bezirk: Klausdorf 1 gegen Sch.öneherg 2 um 15 Uhr(n Älausdorf; Lucken. walde-Sportler gegen FTGB.-Neukölln um 15 Uhr in Luckenwalde; FTGP.-Fried»nau gegen Wilmersdorf um 16 Uhr in Friedenau, Offenbacher Straße. 3. Klaffe: Luckenmalde-Sstortler 2 gegen Treuenbriepen in Luckenwalde; Lankwitz 1 gegen Säten 3 um 14 Uhr in Lankwitz; Frieteistm 2 gegen Schentendärf 1 um 15 Uhr in Fxiedenau. Offenbacher Straße; Trebbin 1.gegen Wilmeredorf 2 um 14 Uhr in Trebbin; Zehlendorf 1 gegen Schöneberg 3 um 15 Uhr in Zshlendorf, Spandauer Straße. In der Frauenklasie finden alle Spiele in Luckenwalde statt. Die 2. Abteilung empfängt FTGB< Süden nm 11 Uhr, die HportabteilUng hat um 12 Ubr Schöneberg 2 als Gegner, während die 1. Abteilung gegen FTGB.-Neukölln um 14'Ubr spielt. Die für Sonntag im Balkspark Rehberge um 9 und 10 Uhr festgeletzten Spiele der Vereine FTOIB.-Kanubezjrk 2 gegen FTGB.- Ruderbezirk und FTGB.-Kanubezirk 1 gegen Kanuunion sollen wegen Spielunsähigkeit der Plätze au». Naturfreunde legen Rechnung über das Jahr 19Z9 In einer überfüllten Generalversammlung nahmen kürzlich die Mitglieder des Touristenvereins„Die Naturfreunde", Orts- gruppe Berlin, zur Jahresarbeit 1929 Stellung. Der Geschäfts- b e r i ch t des Borsttzenden Maspfuhl zeugte von reichhaltiger Ar- beit. Die Ortsgruppe hatte einen Zuwachs von 260 Mitgliedern. Hierzu hat die Arbeit des Reisebureaus vorzügliche Unterlagen ge- geben. Neben einem Funltionärschulungskursus von 7 Abenden mit 230 Teilnehmern fanden zahlreiche Vorträge, Heimabende und Wanderungen— insgesamt 2671 Veranstaltungen mit 69 360 Teilnehmen!— statt. Neue Abteilungen entstanden in Hennigs- darf, Weißenscc und Humboldshoin, ferner in der Maltunstgemein- schast, der Faltbootgruppe, einer Esperantogruppe und der Musik- gei.xinschaft. Besondere Erfolge hatte die Photogcmejnschast, deren Besucherzahl an den Arbeitsabendcn den Durchschnitt von 70 bei 85 Mitgliedern aufwies. Die Iahres-Photoausstellung hatte rund 4500 Besucher. Starken Aulauf fanden auch die monatlichen sozialen Wanderungen und Besichtigungen der Naturkundlichen Abteilung. Die Hauptarbeit des Jahres galt dem Ferienheim bau am Uedersee. Schon heute weist das Gxländc einen Besuch von 5709 Tagcsbesuchern und die jetzt noch benutzte kleine Hütte 2585 Uebernachtungen auf; das Landheim Meißnershof bei.Hennigs- darf verzeichnet: Tagesaufenthalt 3205, Uebernachtungen 1342 Per- fönen und 657 Kinder als Besucher. Diskussion und Anträge unterstrichen kurz die Feststellungen der Berichterstatter; in den B o r st a n d wurden wieder- unib neugewählt; Maspsuhl, Schupper, M-nzel, Stasche. Ann! Lenz, Dittner, Hofmann, Engel, Borthelmonn, Bowitz und Hanke; als Revisoren Kühl, Löwenstein, Gruhn, Richter und Kettlein. Mit besonderem Nachdruck wurde zum Schluß aus die zahlreichen Veranstaltungen der Naturfreunde in allen Stadtteilen Berlins aus Anlaß der Neichswerbewoche vom 22. bis 30. März hingewiesen. Amateure im Sportpalast. Di« gestrig» Veranstaltung der Amateure der Deutschen Rad- falzrsr-Union und des Bundes Deutscher Radfahrer tonnte sich eines guten Besuches erfreuen. Das Programm war äußerst' umfang- reich; führte doch jeder Verband feine Wettbewerbe getrennt durch. Im Stundenmannschaftsrennen des BDR. dominierten mit Rundenvorfprung Engclmann-Nickcl. Sie legten 45,800 Kilo- meler zurück! Die DRU.-Leute Horn-Kolbe brachten es im gleichen Wettbewerb auf 44,160 Kilometer. Ergebnisse: Rennen des BDR.: Hauplfahren: 1. Dosch(Argo); 2. Pohl; 3. Wrndt. Bereinswannschastssähren: 1. A rm i n iu s 94; 2. VRE 89; 3. Concordia 97. Stunden nuinnschastsrennen: 1. Engelmann- Nickel 17 P.(45 800 Kilometer); eine Runde zurück: 2. Manthey- Bauer 7 P.; zwei Runden zurück: 3s Veckcr-Stock 13 P.; 4. Golz- Ustat 8 P.: 5. Schnndt-Spprmgnn 3 P.; drei Runden Mück: 0; Cggert-Patzack 10 P.; 7. Schul;-Schimming 9 P.; 8. Graf-Lewy 7 P. Rennen der DRil.: Hauptfahren: 1. Giel(Berolina); 2. Büttner; 3. Dubafchny. 50-RundenPunttefahren: 1. Kottlarz 15 P.; 2. Kalupa 10 P.; 3. Goog 10 P. Stund« mnannschaftsrennen: 1. Horn-Kolbe 15 P.(44,160 Kilometer); 2. Rauhuth-Zaifer 14 P.; 3. Mattern-Ouindt 11 P.; eine Runds zurück; 4. Giel-Badner 10 P.; 5. Kloß-Lipkow 5 P.; 6. Materne-Büttner 5 P. ★ Ter kurzen Mannschaftsradprüfung ai» vergangenen Mittwoch folgt am Sonntag im S p o r t p a l o st ein über 1000 Runden führender Maunfchnststvettdewerb. Lehinann-Wiffel werden zunächst einmal mit ihren deutichen Kollegen Petri-Krnfchel, Chmer-Tietz, Ge- i rüder Wolte n. a. zu rechnen haben und stoßen außerdem auf so auegezeichnete ausländische Paare wie Jean Aert-Rielens, Peyrode- Dandenhove, die an Stelle von Choury-Fabre verpflichtet worden find, sowie auf Negrim-Severgnini und van Nek-Tonani. Erich Iviewerall, der bekannte Berliner Schrittntachcr. ist vor einigen Tagen, vierundvierzigjährig, an einer Schlagaderblutung verstorben. Wiewerall fuhr gute Rennen auf der Treptower Bahn und führte.zuletzt den Stettiner Corpus. Arbeiter-Tennis und-Hockey. Die kommende Spielsaison wird in Berlin einen regen Tennis» betrieb öer Arbeitcrsportler bringen. An die Stelle dxs mehr indi- viduellen Tournierbetriebes wird der Mannschoftskampf treten. Die besten Frauen- unö Männermannschaften werden im 1. Kreis in der Form von Serienspielen um den.Kreismeister kämpfen, je vier Frauen oder Männer bilden eine Mannschaft. Entsprechend der Vorschläge des Bundesfachau-fchusses für Tennis werden die Frauen- und Mäuner-Sericn getrennt durchgeführt werden. Aller Voraussicht noch wird wegen sehr starker Beteiligung sede Serie nach der Spielstärke in drei Gruppen durchgeführt werden müssen. An den Serienspielen sind beteiligt: 9 Abteilungen von Tennis-- Rot Groß-Berlin, 2 Abteilungen der FTGB, 1 Abteilung von SD. Moabit. Zur Erledigung aller auf den Serienbetrieb bezüglichen Fragen findet Dienstag, 25. Februar, 20 Uhr, bei Wegencr, Frank- surter Allee 236 eine Sitzung aller beteiligten Vereine statt. Zu dieser Sitzung entsenden alle Tennisabteilnngcn je einen Vertreter. Unter diesem Motto werden die Hockeyspieler des Arbeiter- Sportvereins Moabit am 6. April des Tpgs gedenken, on dem dos Hockeyfpiel in„Moabit" eingeführt wurde. Eine kleine Schar sand sich im Frühjahr 1920 zusammen und gründete eine Mannschaft. der es nach anfänglich-zn kleinen Erfolgen bald gelang, sich auf eine beachtliche Höhe zu bringen und im Jahre 1922 beim 1. Bundes- fest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Leipzig die Bundes- Meisterschaft.zu erkämpfen. Gute und schlechte Zeiten mutzten die Moabiter durchmachen, doch alle Gefahren wurden überwunden. Die Spaltung hatte grotze Lücken gerissen, ober der Rest der Bundes- treuen verstand es, diese Lücken wieder auszufüllen, um dem schönen Hockeqsport innerhalb dos Bereins eine Stätte eifrigster Pflege.zu sichern. Um nun der Arbeiterschaft einen Beweis für die Tätigkeit der Hockeyspieler zu bringen, haben sie es sich angelegen sein lasten, eine spielstarke Leipziger Mannschaft für den 6. April nach Berlin zu verpflichten. Die Lsipziger Vereine siitd qft- gemein als spielstark bekamtt, so dah die Gewähr für guten Sport geboten ist und der Besuch der Veranstaltung.schon heute asten Interessierten empfohlen werden kann. Auskunft über Hockeyan- gc'egenheiten erteilt Emil Leutbold, Berlin NW. 21, Stromstr. 35, oder jeden Freitag ab 20 Uhr Turnhalle Rostocker Str. 32. .Zurück zur Vernunft. Der wegen Gemeinschaft mit dem kommunistis'-n Athletenbund vor längerer Zeit aus dem Arbeiter-Athletenbund ausgeschlossene Verein„H e r o s"- K o l b e r g hat beim AAB- von Wiederauf- n g h m e ersucht. Ein gleiches Gesuch log vom Verein„Achilles" Loitz vor. Im Einverständnis tr.tt dem Pundesvocstand hat der Kreistag der pommerschen Athleten beide Dereine wieder aus- genommen. Abgelehnt wurden die Aufn thmegesuche von ehemaligen Mitgliedern, die öffentliche Verleumdungen gegen Funktionäre des Arbeiter-Athletenbundcs erhoben hatten. Rezirkskämpfe des Freien keglerbuades. Der Gau Berlin des Freien Keglerbundes setzt seine Kämpfe auf Bohie und Figuxen morgen, Sonntag, in den Sporthallen Alexandrinenstr. und Süd- ende fort. Beginn vormitags 9 Uhr. Arbeltcrradfahrverein Grotz-Verlin. Sonntag, 23. Fehruar, 13 Uhr, Adlerebof bei Zinge. Start Woldemorstratze Ecke Mariannenplatz. Gäste willkommen. Das werlungslurnen für Männer und Frauen aller Altcrstlasten morgeki, Sonntag, findet in Schöneberg, Turnhalle Rätherstrotze, statt. Beginn 14 Uhr. Fahrgelegenheit Straßenbahnlinien 40, 43. 65, 74, 174; Omnibus 5, 14. Kartell für Arbeitersport und 5törpcrpfleae. Lichtenbera. s?olaend« Ber- eine müssen die Äortell- und Zuci-ndamtiroaebo�n an Hein; Wcaner, Nummelsbura. Audustastr. 8. einzusenden: FTEB., Lichtenberg 2, Zmnrer einig, Soli»Mab isdon. SC. Stralau 19 unb Schach-Liänenberg. Arbeiter-Turn- und Sportbund. 1. Bezirk, Iugendausschuft. Wir bitien unsere Organisationen. M Nettuuqslebrgana des Bezirks schwinnnkunbiae Witglieder bei Paul Wolter. Runnnelsbura. Goethe str. 12,;u melden. Dir beabsichtigen, im �rllhiabr eine Treffahrt der Bezirksvereinc;u oragnistcren. vereine, die darauf reflektieren, bau diese Treffabrt in ihrer Nähe stattfindet, werden ersucht, sich umgebend bei Hein;* Wagner;u melden. i?7eie Schwimmer Groß-Berlin. e. D. Gruppe Reukölln: Monats» er famm- lung heute. Sonnabend. 20 Ilbr. Idcal-Aasino. Weichselstr. 8.— Gruppe Mitte: Montag, nach dem Baden. Borstandssißung. Donnerstag, 27 Februar, Uhr. Mouatsversammlung bei Gehrmann. Lehrter Str. 20.— Gruppe Oberspree: Mo natsve rsa mm lung Diens'aa. 2d. Februar. 20 Uhr, ETseneck. freier Lörperkulturtreis Äreuzberg. Besichtigung: keramische Werkstätärn, Bellten. Treffpunkt Stettiner Vorortbahn 8 Uhr pünktlich. Abfahrt 8.0.3 Uhr. 1.«rei», 1. Bezirk. Wafsersportlparte. Sonntag. 28. s?ebruar. findet im Volksbad Lichtenberg. Hubertusstraße, ab 9 Uhr. die Äreiskampfrichterlehr- ftundc statt. �TGB.. Wintersport. Eishockenspielcr: Sonntag. 23. Februar, 10 Uhr, Bahnhof Grunewald. Ausgang Avusbahn. Eimelfahrer. j. Sveis. Sonntag, 23. Tebruar. Wanderung Grünpu—«pfen. Treffpunkt 9'i- lllir Bahnhof Grünau und 10 Uhr Wendenschloß, an der srahre. Kafak und kaltboot in der Geschichte. Mannschasten in schmucken Paddelbooten ziehen in der wärmeren Jahreszeit aus den Flüsten und Seen dahin; Falk- bootler, mit Rucksack und Slabtasche bewaffnet, fahren mit der tttfenblchn in die entlegensten Gegenden, nm dann ihr Boot auszubauen und„wilde", von der„Zivilisation" noch nicht erfaßte Gewässer zu befahren. Aus allen kvafferwegcn trifft man frohe Wanderer, die den�Slaub des Werktages In der großen freien Ralur abschütteln und in der stillen Abge. jchiedenheit als Menschen ausleben. In wenigen Jahren lzat sich der Kanusport eingebärgert. Man rechnet ihn mit Unrecht zu den neuesten Sportarten. Alten Chroniken ist zu entnehmen, daß schon im Altertum das zusammenlegbare Boot gebraucht wurde. Die alten Faltboote bestanden aus emcm Holz- gestellt und einer darüber gespannten wasserdichten Haut. Diesen Grundgedastken brachten schon die Armenier um dos Jahr 500 v. Chr. bei ihren Rundschissen, mit denen sie Euphrat und Tigris befuhren, in Anwendung. Oberhalb Assyriens schnitten sie Weidenruten ab und bauten damit ein Bootegestell, darüber spannten sie Felle, füllten dos Ganze mtt Stroh und brachten ihre Lädung hinein. Wenn sie stromab bis Babylon gekommen waren, wurden Schiff und Waren verkaust. Die Felle bekpm ein Esel, der die Wastersahrt mttoemacht hatte, ausgepackt und mtt dem Erlös aus den Wären. zogen die Foltboolsahrer des Altertums, die ersten, die uns bekannt sind, ihrer Heimat zu. Dieses Verfahren wurde angewandt, weil der Fluß so stark strömte, daß eine Fahrt aufwärts unmöglich war. Im Prinzip hat sich bvm Faltboot auch heute nichts geändert. Im Zeitalter der Technik benutzt man keine Weidenruten und Felle, sondern bester« Werkstoffe, die eine lange Lebenedauer haben. An Stelle der ryhe» Weidenrute trat die sauber gehobettc Eschen- oder Kiefernleiste, zu dem Holzgerüst ist ein Bezug aus Gummi gekommen. Während der Grundgedanke des Faltbootes geblieben ist, hat sich dockz die Form voni Armenierbot bis zum heutigen Faltkajak stark verändert. Die heutige Form ist vom Eskimokajak übernommen, das eine oerhäliiiismäßig große Länge, aber eine geringe Breite aufweist. Breite Boote können die Estinws nicht gebrauchen, sie müssen sich bequem zwischen Eisschollen hindurchwinden können. Die Formen der Estimokajaks find feit attersher unverändert, ein Zeichen dafür, daß die Kajaks den Eskimos genügten, um damit ihren Lebensunterhalt herbeiznschajfen. Ihre Boot« aus Seehundsrippen und Sechundsfcll mußten schnell und sicher für die Ausübung des Fischfanges sein. Leicht und sicher konnten sie bei jedem Wellen- gang auf offener See fahren und dabei mit Harpunen ähnlichen Lanzen Jagd auf Robben und Seehunde machen. Ein Unglücksfall, hervorgerufen durch plötzliches Kentern, trat ni« ein, denn olle Eskimos find Meister im Kentern und Wiederaufrichten. Das Ertimokentern ist ja von den modernen Wasterfportlern von den Eskimos übernommen worden. Auch die Form der Eskimokajaks finden wir nur mtt geringen Acndcrungen, die den besonderen ört- lichen Wasservcrhältnisten entsvrechen, bei unseren modernen Kanus, im starren und Halbstarren System. Ebenso unverändert ist die Form ded jetzigen Kanadters, der als festes Hostboot überall eingeführt ist und noch dem Urtyp, dem indianischen Li'kenstntrn Canoeo. gebaut ist. Kanadier sind Fahr» zeuge für Binnengewässer und dienten den Indianern zum Fort- scktafsen der Jagdbeute, wom sie sich vorzüglich eigneten, da sie oben offen sind, während der Kajak gedeckt ist. Ehewals dienten die Bocsfe zur Befriedigung notwendiger Lebensbedürknisie. heute lind Faltboot. Kajak und Kanadier als Sport, und Wanderboot» ebenfalls notwendig. Sie ermöglichen die körperliche Betätigung, ge- statten gesund-, stoubsreic?ltmung— über dem Wasser ist die Lust reiner als out den Landwegen. Dem Wasserwanderer erschließen diese Boote neue Wege in die Natur, Kcmu- und Fallbootsport ge- hören deshalb zu den schönsten und gesundesten Sportarten. W. T,