BERLIN. Montag 2i. Februar 1930 10 Pf. 7tr. 92 B 46 4?. Jahrgang etCActat•••«! m%/ iß t Suglc.cb Ädcadau g-be d«.Vorwärt-' Tt,u»«»rtt«\mj�i£« A/� 1.0jia•»«f., SeMamejnl« bkld- Ausqaben-sPf. vr»W»ch«.».«»M.»ro Monat.> rTf if mm llÄYwmATYM Arli�» c tl i d)( tf f s n t e giedaktion und Lrreditlvn� BerlmSWüv.Lindcaür.v f ff // Berlin Nr.»?dZK. Fi Vir«infvaltig« Nonrarew«iril« b M. ermäßigungen nach Tarif. Vorivütts-Vrrlag G. m.b.H., Zermrrecher: Dönhoff 292 bl« SS» es pbs Ein Berliner Lndustrieskandal. Abwürgung eines blühenden Werkes. In der deutschen Kugellagertndustrie hat es in den letzten drei Iahren eine ganze Serie von Skandalen gegeben. Sie hoben nicht allein unter den Belegschaften, auf deren Rücken diese Affären ausgetragen wurden, groß e Erregung hervorgerufen, sondern auch in der breiten Oeffentlichkeit viel Staub aufgewirbelt. Bereits im Herbst 1327 brachten wir«inen Notschrei Berliner Be- t r i e b s r ä t e, die gegen die Sb llegung des Riebe- Kugellager- werkes in Verlin-Wittenau Protest einlegten. Dieses Werk, das als Außenseiter des Kugellager-Kartells zu hoher Blüte gelangt war. wurde von dem Kartell aufgekauft und stillgelegt. 6 Mann wurden damtl auf das Pfaster geworfen. Zwei gleiche Fälle hatten sich zu fast derselben Zeit in Hessen ereignet. Damit hatte das Kugellagerkartell die„Störenfriede", die der rücksichtslosen Prelsdiktalur der Sarlellmagnalen im Wege standen, auf die bekannte Art kaltgemacht. Kennzeichneich für die internationale Solidarität der durchweg scharf national eingestellten Industrieführer ist es, daß in dem deu'fchen Kugellagerkartell die S. K. F. Normo, ein Tochterunternehmen des Schwedentrusts, die erste Geige spielte. Dieser Schwedentrust arbeitet mit den gleichen Methoden wie sein größerer Bruder, der schwedische Zündholztrust. Mit mächtigen Kapitalien ausgerüstet, gründet er in den einzelnen Ländern Tochter- unternehmen, deren Hauptausgabe darin besteht, die einheimischen Werke aufzusaugen und für das schwedisch« Stammunter- nehmen ein internationales Monopol zu schaffen. Im Sommer ISZS legte der Schwedentrust nach Beendigung bes sensationellen Werkspionage-Prozesses Ndrma gegen Riebe- Weißensee, der «inen der tollsten Zndustrieskandale der letzten Zeit darstellte, seine Hand aus das große Kugellager- werk von Riebe in Weißensee und saßt« damit in der Berliner Industrie festen Fuß. Zu einem ganz großen Schlage ober holte der Schwedentrust im Frühjahr vergangenen Jahres aus. Die beiden größten deu schen Kugellogersobriken, die beiden weltbe- kannten Schwei nsurter Unternehmen von Fichtel u. Sachs und Fries u. Höpflinger wurden gleichfalls von der mit Hoch- druck arbeitenden Saugpumpe des Schwedcntrusts aufgeschluckt. Da- mit war die gesamte deutsche Kugellagerindustrie bis auf drei Unternehmen in den Besitz des Schwedentrusts gelangt. Bon diesen frei gebliebenen Werken konnte aber für die Kugellagersabri- tation nur einem einzigen, der Berlin-Karlsruher In- dustriewerke A.-G. mit ihrem großen Witenauer Betrieb, größerer Einfluß zugesprochen werden. Das W i t t z�n a u e r Werk, dos weit mehr als 1000 Mann Belegschaft beschäftigte, gehörte in der Nachkriegszeit zu den blühend st en Abteilungen der Berlin-Karlsruher Industrie- werte. Die Ueberschüsie, die dieses Wert für das Gesamtunter- nehmen abwarf, beliefen sich in den legten vier Iahren aus durch- schnittlich etwa 600 000 Mark. Auch 1929 hat sich an der guten De- schäfitgung dieses Betriebes nicht dos geringste geändert und ollein der Auftragsbestand, der Anfang Dezember vorhanden war, sicherte für die gesamte Belegschaft vollarbeit bis zum Spätsommer 1930. Um so unerwarteter traf die ArbeUer und Angestellten daher her S t i l l e g u n g s a n t r a g, den die Werksleitung End« vorigen Jahres gestellt hatte. Was war geschehen? Di« Berlin-Karlsruher Industriewerte A.-G. hatte ihr Wittenauer Kugellagerwerk zum Preise von etwa 8 M llionen an den Schwedentrust ver- taust, der an der Weiterführung des Betriebes natürlich kein Interesse hatte, sondern den hohen Kaufpreis für die A u s s ch a l- tung seines letzten großen Konkurrenten in Deutsch- land zählte Hier soll also ein Werk nicht aus Rationalisierungsgründen, oder weil es zahlungsunfähig geworden ist, stillgelegt werden, sondern ein blühender Betrieb soll abgewürgt werben, damit der Schwebentrust ungehemmt seine Monopolpeitsch« über den Abnehmern in Deutschland schwingen kann. Es erhebt sich hier die dringende Frage, ob auf Grund der Denwbllmachungsverordnung von d-n zuständigen Behörden gegen die beabsichtigte Stillegung des Wittenauer Werkes nicht Ein- fpruch erhoben werden soll. Es werden in diesem Fall rund 1400 Arbaitsr durch brutale industrielle Machtpoluck aus die Straße geworfen, ohne daß auch mm die geringste Spur von ArbeitsmongÄ »orhanden wäre. Für den unter schwersten Druck stehenden Bor- liner Arbeitsmarkt bedeutet das eine weitere fühlbare Be- lastung. Da außerdem durch den Verkauf des Wcttenauer Kugel- lager wertes an den Schwedentrust die hohe Gefahr besteht, daß die Wälzlagerfabrikation überhaupt aus Deutschland ver» schwindet, erscheint de? im 5 4 der Demobilmachungsverordnung vorgesehene behördliche Einspruch gegen diese Aktion durchaus an- gebracht. Die im Aufsichtsrat sitzenden Großaktionäre, die infolge einer gänzlich ziellosen Geschöstspolitik In den letzten Jahren nicht mehr die goldenen Zeiten aus den krlegsjahren mit ZOprozenttgen Dividenden sahen, sind natürlich nur darauf bedacht, klingende Münze zu erhalten. Das Schicksal der 1400 Mann starken Belegschast, der er- grauten Arbei'er und Angestellten, kümmert sie nicht im geringsten. Die Gesellschaft hat wohl Geld genug gehabt, den früheren Ge- neraldirektor Gontard mehrere sjunderltausend Mark zuzuschanzen und einen erst zwei Jahr« s!I) im Betrieb tätigen Di- rektor mit dem ansehnlichen Vermögen von 70 000 Mark abzufinden, für die seit Jahrzehnten im Dienst des Unternehmens stehenden Arbeiter und Angestellten ist aber natürlich nichts da. Die Gesellschaft hat bereits mit einem scharfen Abbau eingesetzt. Sie hat sich auch um die Bestimmungen der Stillegungsverordnung nicht gekümmert und bereits einen Teil der Betriebssub- stanz an das Riebewerk in Weißensee(Schwedentrust) überfülhrü So wurden unter anderem weit über 10 000 Kugellager halbfertig aus dem Wittenauer Betriebe herausgenommen und zur Weiter- Verarbeitung in das Werk des Schwedentrusts geschickt. Es ist also höchste Zeit, daß die zuständige Behörde hier in den Gang der Er- eignisse eingreift und unter Anwendung der ihr zustehenden Machtmittel diese brutale Abdrosselung eines durchaus lebensfähigen Betriebes verhindert. Friedenstreffen in Frankreich. Beieiligttttg französischer Minister zugesagt. Paris, 24. Februar,(Eigeubericht.) Der kriegsverletzte Abg. D o r m a n n erklart im „Excelstor", daß die für Juli-August geplante F r i e- denslundgebung a m C h e m i n des Dames eine gewaltige Demonstration für die„Verbannung des Krieges aus dem menschlichen Gewissen" fein werde. Ueber 10 000 Mitglieder des.Reichsbanners wür- den sich mit ehemaligen französischen Soldaten treffen. Brian d, Heriot und Kammerpräsident Bon» i s s o u hätten ihr Erscheinen schon zugesagt. Chautemps' Regierungserklärung. Inhaltsangaben der presse. Paris, 24. Februar(Eigenbericht.) Wie die Presse ankündigt, beabsichtigt die Regierung möglichst weitgehende Steuerermäßigungen, andererseits aber die beim Schatzamt liegenden Sparmillionen zur Herabsetzung der schwebenden Schulden und zur Hebung der Produktionskräste des Landes zu benutzen. Der Landwirtschaft, namentlich dem Wein- und Getreidebau will sie staatlich« Hilfe gegen die Ausbeu- tung durch den Zwischenhandel sichern. Die Veteranen- rente soll in der von der Kammer geforderten Form anerkannt werden, so daß alle Kriegsteilnehmer vom 50. Lebensjahre ab 500, vom 55. Lebensjahre ab l200 Fronken Pension beziehen. Das neu« Oer falsche pfiff Wie Oackelbefiher posicke um ein Haar eine Revolution verursacht hätte Sozialversicherungsgesetz solle entsprechend der schon von Tardieu gegebenen Zusage spätestens am 1. Juli in Kraft treten. Außerdem will die Regierung die'Einheitsschule einführen und eine umfassende Amnestie erlassen, die nicht nur die ver» ! urteilten e l s ä s s i s ch« n Politiker und Beamten, sondern auch die Kommunisten umfaßt. In ihrer Antrittserklätung soll die Regie- Riesen-psandbriesbank. preußische Central-Dodenkredit- und pfandbriefbant. 1 Mi liarde Pfandbriefumlauf. Durch Beschluß der oereinigken vrrwallimgsräke der Preußen- tlrnlral-Bodenkredii-A.G. und der Preußischen Psandbriesbank wrude der Verschmelzung der beiden Znslikute zugestimmt. Es hau- dell sich dabei um die beiden größten norddeulfchen Hy- polheken- und Pfandbricsbanken. die vom Privat- k a p i k a l beherrscht werden. Die neue Gesellschaft wird den Namen Preußische Eenkral-vodenkredit- und Psandbriesbank führen. Das Kapital der beiden Gesellschaften wird aus Zö vlillionen Mark zu- sawmeugelegk jverdcn. Der gesomle Psandbriesumlaus der ver- eiriglen Znslitute wird die Summe von l Milliarde Mark über- steigen. In der privaten deutschen vankwirischasl vollzieht sich damit. nach dem epochemachenden Zusammenschluß der Deutschen Bank und der Diskontogescllschast, aus dem für die Kapitalbeschassung für Mohnungsbau und Siedlung so wichtigen Gebiet des Reatkredits eine Fusion von ähnlich großer Tragweite. Nach den von den beiden Banken gegebenen Erklärungen liegt der Grund des Z«- sammenschlufses letzten Endes i» der Erkenntnis, daß die bestehen- den Ivb privaten und ösfentlichen Realkceditanstatten einen zu großen und nicht rationell ausnuhbaren Apparat für die Erfassung des in Deutschland zur Verfügung stehenden hypothekeakapitat« darstellen. Nur ein großes Institut werde In der Lage sein, auch den Austandsmarkt für den Verkauf von Pfandbriefen nach- haltig zu erschließen. Oos Staatsarchiv beflohlen. Wertvolle Briefe und Bücher verschwunden. Marschau. 24. Februar. Das hiesige Staatsarchiv, tu dem die Pokumeateau« dem atkea Polen aufbewahrt werden, ist durch einen Eiu- bruchsdicb stahl schwer geschädigt worden. Es sind Papiere uon großem historischeu Wert entwendet worden, u. a. Prtvatbrtese des sächsischen Königs August von Polen. Dokumente au» den Zelten des Großherzogtums Warschau, und zwar Briese de» damaligen Innenminister» Luszczewskl an Fürst Joses Poniatowskl. der von Napoleon I. zum Marschall ernannt worden war. und zwet wertvolle Wappenbücher. Haussuchungeu bei Warschauer Antiquaren führten zur Ausflndung der beiden Wappenbücher. Ein früherer Bürodiener des Archivs wurde als mutmaßlicher Dieb ver- hastet. Die Suche nach den wertvollen Papiere» wird fortgesetzt. z rtmfl formell«nfflnblge« wollei,.»«oft für fk rin Etaatskom�ott der Kommunistischen Partei in sormal-iursstischem Sinne nicht existiere. In außenpolitischer Hinsicht werda die Regierungserklärung zu- nächst die unbedingte Fortsetzung der Friedenspolitik bekanntgeben. Für die Verhandlungen der Londoner Flottenkonferenz soll Brianh zum Dclegationssührer ernannt und vom Manneminister Sarraut unterstützt werden; der schon an den Verhandlungen der Washingtoner Flottenkonferenz teilgenommen hat Wen» man dem..Petit Pariften" glauben darf, will Chautemps nicht nur für die Regierungserklärung insgesamt, sondern für jeden ihrer Punkte gesondert die Vertrauensfrage stellen und die formelle Zustimmung der Kammer fordern. Mit diesen Angaben stimmeg im ganzen auch Mitteilungen überein. die der Ministerpräsident dem„Quolidien" gemacht Hot. Für die Londoner Konferenz künkvgt er Verteidigung der französischen Marineforderungen an. Ueber da, Verhältnis zwischen seiner Regierung und der Sozialistischen ParZei erklärt Chautemps. daß keinerlei binde nve Verpflichtungen übernommen worden seien. Das Kabinstt habe also nicht den Kartellcharakter. Er hoffe aber zuversichtlich, auf die UnterstiZtzung der Sozialisten zählen zu können, da er bereit sei, chre einzige Bedingung zu»rsüllen, nämlich dos Parteiprogramm der Radikalen Partei ohne Derwässerung durchzuführen. Ueberhaupt glaube er, daß sein Kabinett imstande sei, alle republikanischen Stimmen im Parlament zu bekommen und so ein« reine Links- Mehrheit zustandezubringen. Oas Klotienabrustungs-Masko. Amenfcmifcher Nachruf. London, 24. Februar. Konteradinirat Jones, der führende technisch« Sachverständige der amerikanischen Abordnung, kehrt am Mittwoch an Bord der„Berengaria" nach den Vereinigten Staaten zurück, da er ernst- lich erkrankt ist.„Sundat) Expreß" bringt diese Abreise, obwohl durch Krankheit bedingt, mit einer ernsten Unzufriedenheit der anrerikanischen Sachverständigen mit dem Verlauf der Konferenz- arbeiten in Zuscunmenhang und verzeichnet folgende Aeuherung eines Sachverständigen: „Die Konferenz ist t o t. Es hat k e i n e n Z we ck. über diese Tatsach« hinwegsehen zu wollen. Alles, was wir noch tun können, ist, die Konferenz zu beerdigen, das Grab zuzuschaufeln und einen Gedenkstein zu errichten." Verbrechen oder Llnfall? Geheimnisvoller Tod einer Reisenden bei Finkenkrug. heule früh wurde kurz nach 6 Uhr etwa 2l>0 Meter hinter der Station Finkenkrug neben dem Berlin— Hamburger Gleis von einem Streckenwärter die Leiche eines jungen, etwa 20iähr>gea Mädchens gesunden. Die sofort alarmierte Kriminalpolizei nahm de« Befund auf. Der Toten war die linke Hand abgequetscht, am hinkeckops zeigte sich eine klaffende Munde. Räch Lage der Leiche ist ein Selbstmord ausgeschlossen. Man neigt vielmehr zu der Annahme, daß das Mädchen ans dem Zug gestürzt oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen Ist. Bei der Leiche, die ohne Kopfbedeckung war, wurde weder das Gepäck noch eine Fahrkarte entdeckt. Bisher war es noch nicht möglich, die Personalien de» Mädchen, zu ermitteln. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei werden im verein mit dem Vahnüberwachungsschuh eifrig weiter betrieben. Sich selbst gerichtet! Schlußakt der Tragödie in Virkenwerder. Ein Spaziergänger aus Oranienburg fand am Sonnlag- vormillag am Rande einer Schonung in der Oranien- burger Forst am Wege uach Bergfelde einen Mann erschossen auf. Die Masse lag noch neben der Leiche. Die Oranienburger Polizei, die von dein Funde in Kenntnis gesetzt wurde, stellte an Hand der Papiere, die der Selbstmörder bei sich hatte, fest, daß es sich um den Kaufmann Riedis aus Rasten- bürg in Ostpreußen handelte, der im Zusammenhang mit dem mysteriösen Giftmord der Magdnlen« Lange«ms Rastenburg von der Polizei gesucht wurde. Das junge Mädchen, das als Der- läuserin in dem Geschäft des Riedis tätig war, wurde bekanntlich in einem Hotel in Birtenwerder tot ans gesunden. Durch die ärztliche Untersuchung wurde festgestellt, daß sie mit einer größeren Dosts Arsenik vergiftet worden war. Nach der polizeilichen Unter- suchung hat Riedis bei dem Tode des Mädchens zweifellos sein« Hand im Spiele gehabt und es vorgezogen, sich der D�folgung durch Selbirmord zu entziehen. Nach dem Befund muh Riedis schon mehrer« Tage tot in der Schonung gelegen haben. Irgendwelche Briese, die cmf die Motive zu dem Verbrechen an der Lange schließen lasten, wurden nicht gefunden. „Europa" in Bremerhaven. Schnelligkeitsprüfungen an Norwegens Küste. Von Bord des Ntascndampsers„Europa", der, wie erinnerlich, nur unter großen Schwierigketten die Elbe abwärts gebracht wer- den konnte, rvtrd Sonntag abend gemeldet: Dex Schnelldampfer „Europa" passierte am Sonntag mtttag das Feuerschiff „Elbe I". Nachdem er das frei« Fahrwasser erreicht hatte, nahm er zum Zwecke der Aufnahme der Funkbeschtekung, des Funkpeilers und der Kompensation der Magnetkompasse zunächst Kurs auf das Weserseuerschiss und Norderney und vo» hieraus auf Helgoland und dann zur Weser.' Um IS'A Uhr ging die„Europa" beim Hoheweg-Leuchtturm vor Anker Während der ganzen bisherigen Fahrt arbeitet« das Schisf in allen Teilen durchaus zu- friedenstellend. Die Reis« verlief vollkommen planmäßig und ohne jegliche Störung. Alle mit dem Schiff vorgenommenen vielseitigen Manöver konnten einwandfrei durchgesührt werden. Die„Europa" ist mit der Montagmorgentide nach Bremerhaven gedampft, um an der Colunibus-Kaj« etwa 5000 Tonnen Oel und Kestelwasfer an Bord zu nehmen. Das Schiff wird nach Uebernahm« dieser Bor- rät« nachmittags, etwa drei Stunden vor Hochwasser, Bremerhaven wieder verlasten, um am Dienstag an der norwegischen K ü st c mit vollem Tiefgang in sein« Meilensahrten eintreten zu können. Die Länderkonserenz, die sich bekanntlich mit den verschiedenen Plänen der R e i ch s r« s o r m beschäftigt, ist vom Reichsministeriuni des Innern zum S. März nach Berlin einberufen. Hugenberg überholt Schacht. Der eine verhöhnt Sozialrentner, der andere Arbeitslose. Folgendes ereignet sich: Ein Arbeitersporwerein in Zielenzig (Mark) veranstaltet einen Maskenball, was in der Karnevalszeit ja wohl nichts Ungewöhnliches ist. In seinen Einladungen macht er bekannt, daß seine Mitglieder 1 Mark Eintrittsgeld zahlen müssen, Arbeitslos« aber nur 00 Pf. Diesen einfachen Tatbestand läßt der deutschnationale ParteiführerHugenberg in seinem Blatt für Vorder- Häuser„Der Tag" mit folgenden Gemeinheiten übergießen: Zeichen der Zeit! Jedem Erwerbslosen seineu Maskenball. Ausweis ist vorzulegen.— Ordnung muß sein. Und es taucht die primitive Frage auf: Werden dies« Uosummeu von Arbeits- losenunkerstühungen. um deren Erhöhung die Sozlaldemokraiic im Reichstag erbilterke kämpfe führte, wirklich richtig verwaodi? Der Turn- und Sportverein„Einigkeit" muß jedenfalls über die hohe Anzahl der Zielenziger Arbeitslosen immerhin gut unter- richtet sein; sonst hätte er nicht so großen Wert aus ihre Kund- schaft gelegt. Was oder würde wohl geschehen, wenn man einmal die schonen erwerbslosen Masken, die Clowns und Pnlclnells, die Bajazzos und Dominos aufforderte, in der näheren Umgebung des Städtchen, Zielenzig ein wenig Landarbeit zu verrichten? Ein Hohngelächter der Hölle wäre die Antwort. Roch ein Tänzchen für die Erwerbslosen, Herr Kapellmeister! Man wird von keinem Menschen, der ohne eigene Schuld seine Arbeit verliert, verlangen können, daß er nun' fortan auf iede bescheidene Daseinsfreud« verzichte. �)b aber die Gelder, die der Sraat oder, bester gesagt, oie Steuerzahler unter schwersten Opfern für die Arbeitslosenunterstützung leisten v nisten, ob diese'Gelder dazu gedacht sind, auf Maskenbällen v« r-, juxt und verjubelt zu werden, scheint doch sehr fraglich zu sein. Aus dem Inserat des Arbeitervereins„Einigkeit" spricht aber dieselbe Mentalität, die wir heutzutage auch bei den politischen Führern der linksorientierten Arbeiterschaft bemerken können: Nach uns die Sintflut! Schließlich— wenn der Geiwste Philipp Scheidemann im Hotel Adlon Sekt trinkt, warum sollen seine Zielenziger erwerbslosen„Brüder" keinen Mummenschanz treiben? Wir hängen dieses Musterbeispiel niedrigster Ge- s i n n u N g hier öffenttich an. Man soll auch in weiteren Kreisen erfahren, daß die Deutschnationalev darin wetteisern, Hjalmar Schacht in der Derhohnung der Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsweise noch zu übertreffen! Jeder gewerkschaftliche Lehrling weiß heute, daß die Unter- stützungen der Arbeitslosen zum größten Teil aus Versicherungsbeiträgen stammen, die Arbeiter und Angestellte aufbringen. Die gefälligen Federn aber, die für den großen Pressekonzern Hugenbergs„Politik" machen, scheuen sich nicht, die N o t l e i d e n- den deshalb noch zu beschimpfen, weil ein Berein seinen arbeitslosen Freunden zu ermäßigtem Preise an einem Vergnügen teilnehmen lassen will. Man merke sich diese Glanzleistung deutsch- nationaler Journalistik. Man wird sie gebrauchen können, um so mehr, als in dem für H i n t e r h ä u s e r bestimmten Lokalblatt de, Herrn Hugenberg solche Entgleisungen incht zügelnsten werden. Flucht von Hugenberg. Neuer Abfall eines prominenten. Hamburg, 24. Februar.(Eigenbericht.) Aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten ist das Mit- glied der Hamburger Bürgerschaft und Mzeprösident des Hanseatischen Oberlandesgerichts, Senatspräsident Dr. von Dassel. Der abtrünnige Deutschnational« hat die Gründe seines Schritts in einem Schreiben an Hugenberg ausführlich dargelegt. Dassel hat längst die Hoffnung aufgegeben, daß Hugenberg die Deutschnatio- nal« Partei jemals wieder zum Aufstieg führen könnte. Um so mehr ist er vom Gegenteil überzeugt. Seven'ng über den �oung-plan. Vortrag in Chemnitz. Chemnitz, 24. Februar.(Eigenbericht.) In einer von der Sozialdemokratischen Partei, den freien Ge- wertschasten und dem Reichsbanner veranstalteten Kundgebung sprach Reichsinnenminister S e o e r i n g über die potitische Lage. Severing erinnerte daran, daß Deutschland seit der Unterzeich- rmng des Friedensoertrages in fast regelmäßigen Intervallen von fünf Jahren Erleichterungen erreicht habe. Stimme Deutschland dem Doung-Plan nicht zu, dann bleibe der Dawes-Plan mit seinen viel schwereren Bedingungen. Es gebe keinen Sozial- demotraten, der den Poung-Plan als eine ideal« Lösung be- trachte. Die Sozialdemokratie würde dennooch für ihn stimmen, well seine Verwirklichung eine neue Etappe in der Annäherungspolitik bedeute. Ohne neu« Stevern könnten Gelder nicht flüssig gemacht werden. Dom sozialen Gesichtspunkt aus würden Bier- und Tabak- steuer im Vergleich zu indirekten Steuern noch am ehesten zu ver- antworten sein. Aber auch die so mffgebrachten Gelder reichten noch nicht zu, um den Bedarf zu decken. Das Reich sei deshalb auf Aus- landsanlechen angewiesen. Je früher das Reich schulde il frei sein werde, desto eher sei«? frei von Schacht. Eine Erhöhung der Umsatzsteuer zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung er- scheine ihm nicht ratsam. Es sei vielmehr gerechtfertigt, eine Besteuerung der hohen Einkommen vorzunehmen. Ohne ein Rotopser der sestbesoldeten voltsgenossen dürfte es diesmal kaum abgehen. Severing befaßt« sich dann noch mit der Herrschaft des Bürger- blocks im Jahre 1027. Damais saßen vier deutschnationale Minister in der Reichsregierung, ohne daß etwas von einer Rärnrning der Rheinlande zu verspüren war. Slls dann die Sozialdemokra- t i e in die Regierung eingetreten sei, sei die Räumungsfrage wieder akut geworden und in wenigen Wochen werde nun- mehr endgültig die Befreiung der besetzten Gebiete erfolgen. Eine Rechtsregierung, die nach ihren Worten alle Vorträge mit den ehe- maligen Kriegsmächten annullieren wollte, würde namenloses Unglück über Deutschland bringen und die Besetzung des Ruhr- gebiets sowie die Wiederbesctzung der geräumten Rheinlande herauf- beschwören. Darum heiß« die Parole: Kampf gegen die Wirr- köpfe und Demagogen auf der Rechten. Severing schloß: Mit den Kommuni st en werden wir mit den Mitteln des Staates fertig, mit der Rechten ebenfalls, wenn sie versuchen sollteil, die Not des Volkes durch Putsche zu vergrößern. Wir könneil uns in vielen Ländern auf einen guten republi- konischen B c amtenk örp er und auf die Polizei ver- lasten."_ Kommunistenrazzia in Prag. Verhaftungen und Leibesdurchsuchungen. Prag, 24. Februar. In der Nacht auf Sonntag wurde eine kommunistische Vertrauensmann« rversammlung im kommunistischen Arbeiterheim in Schischkow, einer Dorstadt von Prag, von 80 Staatspolizisten und 20 Geheimpolizisten überrascht. Angeblich handelt« es sich um eine Besprechung zugunsten der Arbeitslosen. Di« Kommunisten planen große Kundgebungen am 7. März gegen die amtlichen Geburtstags- feiern für den Staatspräsidenten M a s a r y k. Zwanzig Kommu- nisten wurden zur Polizeidirektion gebracht und an allen eine Leibesuntersuchung vorgenommen. Auch die Frauen mußten sich bis aufs Hemd entkleiden. Mehveve Kommunisten, bei denen Waffen und aufreizend« Flugschriften vorgefunden wurden, wurden dem Gericht eingeliefert. Di« übrigen wurden Sonntag früh wieder entlasten. Slowenen vorm Kaschistengericht. Rom, 24. Februar. Bor dem Svndergerichlshnf zum Schutze des Staates stehen Sonnabend 13 Slowenen aus dem nordöstlichen Grenzgebiet wegen Zugehörigkeit zur verbotenen Kommunistischen Partei, aufrühre- rischer Propaganda, Vorbereitung von Anschlägen und Beleidigung des Ministerpräsidenten. Die italienische Presse bezeichnet dies« Slowenen als Sendboten der O r j u n o, der südslawischen Faschisten- Organisation. Der Sowjetorden des„Roten Banners" ist zum Zwölfjahrsfest der Arme« dem General Budsenny zum viertenmal verliehen wor- den, dem Kriegsminister Woroschlloff zum drittenmal, anderen— auch Kalinin und Stalin— zum zweitenmal. Ein Name wurde nützt genannt— Trotzty. 1 Japanischer �egierungswahlfieg. Schwerste Venachteiligung der sozialistischen Wähler. Tokio, 24. Februar.(Eigenbericht.) Die japanische Regierung, die vor den Wahlen zum Parlament ein Minderhettstabinett war, hat nach dem Wahlkampf 80 Stimmen Mehrheit über sämtliche Parteien. Die liberale Regierungspartei Minseito hat also 99 Sitze gewonnen, während die konser- oative Opposüionspartei Selyukai 74 Mandat« verloren hol. Die Sozialisten kehren mit s ü n f Abgeordneten in dos Parlament zurück. Auf je ein sozialistisches Mandat entfallen rund 100 000 Stimmen, während ein Mandat der Regierungsparteien durchs chntttiich nur 20000 Stimmen vertritt. Sozialistischer Wahlsieg in Frankreich. Paris, 24. Februar. Bei der Nachwahl zur Kammer in Monividier, wurde an Stelle eines verstorbenen linksrepublikanischen Abg. im zweiten Wahlgang der sozialistische Kandidat Tonnelier mit 0132 Stimmen gegen 5500 Stimmen gewählt. Bei der Kammerwahl in Gap wurde der linksrepublikanische Kandidat Grimaud gewählt, bei der Nach- wähl für den zum Senator gewühlten bisherigen Abg. Maurice de Rothschild, der keiner Partei angehört. „Aus Ersparnisgründen." Warum wird die Berliner Stadtverordneten- Versammlung mit ihrer Arbeit niemals fertig? Warum muß aus jeder Sitzung ein dickes Paket Reste unerledigt in die nächste Sitzung hinübergenommcn werden? Warum finden wir manche Berhandtungsgegenständc viel« Wochen und Monate hindurch als alle Reste immer wieder auf der Tagesordnung, ohne daß eine Er- lcdigung möglich wird? Bisher mußte man die Schuld den Kom- munisten zuweisen, die mit ihren nur auf Agitation abzielenden Anträgen und dem Phrasenschwall ihrer Reden die Zeit und Geduld der Stadtverordentenversammlung dreist mißbrauche,». Seu den, Zusammentritt der neuen Stccküverordnetenoersammlung sind mm die Nationalsozialisten hinzugekommen, die in Sgl- tationsanträgen den Kommunisten noch den Rang abzulaufen sich bemühen. Dieselben Nationalsozialisten haben aber neuesten? einen Antrag eingebracht, der den Uebelstand der Ricksterledigimg großer Teile der Tagesordnung beklagt und „aus Ersparnisgründen" fordert, daß die Sitzungen„ohne Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit' solange fortgeführt werden, bis die ganze Tagesordnung erledigt ist. Daß eine solche Bestimmung sich incht durchführen ließ«, leuchtet ohne weiteres ein. Soll der Antrag ein Spaß fein oder was be- zwecken sonst die Antragsteller mit ihm? Bielleicht wollen sie durch ihn darauf hinwirken, daß noch einen Schritt weitergegangen und „aus Ersparnisgründen" grundsätzlich die Redezeit begrenzt wird. Den Langschwätzern das Mundwerk stillzulegen, wäre bei den Nationalsozialisten nicht weniger nötig als bei den Kommunisten. Nebenbei bemerkt- Für die nächste Stadrver- ordnetensitzung bringt die Tagesordnung 79 Punkt« mit zu- fammen 98 Vorlagen. Anfragen. Anträgen usw. Die Zahl der Anträge allein belauft sich auf 7l, und hieran sind die Nationastoziallsten selber(die ja ihren Wählern zeigen müssen, daß sie„arbeiten") mit 29 Anträgen beteiligt.. Bundeskanzler Schober besichtigte am Sonntagvormittag Potsdam und Sanssouci: abends folgten er und zweihundert Ehrengäste der Einladung der preußischen Staatsregierung zu einer Festvor- stellung in der Staatsoper unter den Linden. Borher sprach Schober im Rundfunk. Seine Rede, auf sämtliche rcichsdeutsche. österreichische und mehrere ausländische Sender übertragen, gipfelte in der Hoff- nung, daß„die beiden deutschen Brüder nunmehr Hand in Hand der Sonne entgegen gehen".— In Steiermark, Riederösterreich unkl Wien hat es wiederum blutige Zusammenstöße zwischen Sozialisten und Heimwehrlern gegeben. Frick läßt suchen... Di« Kommunisten hatten zu einem .Hungermarsch" für Sonntag, den 24. Februar, nach Weimar berufen. Frick halt« insolgedesten angeordnet, daß alle mit den Zügen In Weimar ankommenden Reisenden auf Waffen unter- sucht werden sollten. Diese Aktion wurde von einer großen Anzahl Polizeibeamter durchgeführt. Sämtliche Reisende, die im Verdacht standen, zu den Demonstranten zu gehören, wurden untersucht. Volksbühne un Ter Voi stand der Berliner Bollsbiihne hat in iiuer Den!» ichrtst, die an die Abgeordneten des Preußischen Landtages ver- saiidt wurde, Stellung genommen zur Stillegung der Republik- oper. Wir geben die wichtigsten Absätze daraus im folgenden wieder.- Die Volksbühne osor es, 6i« im Jahre 1919 den Gedanken eines Um- und Ausbaues der ehemals Krollfchen Oper faßte: sie ließ die Pläne entwerfen, setzte sie gegen manche Widerstände durch, sie nahm die Bauarbeiten unter Emsatz ihrer gesamten Mittel in Angriff. Jahrelang zahlten ihre Mitglieder, ganz überwiegend Ar- beiter, klein« Angestellt« und Beamte, besondere Zuschläge zu ihren Borstellungsbeiträgen und brachten in anderer Weife empfindliche Opfer im Interesse des Baues. Erst als der Umbau weit gefördert war, zwang die Inflation die Leitung der Volksbühne, einer Llb- änderung des ursprünglich abgeschlossenen Vertrages zuzustimmen, durch die sich der Staat gegen Beschafsung der noch benötigten Mittel zum Herrn über Haus und Betrieb machen konnte. Die bei Abschluß dieses Vertrages von der Volksbühne fertig- gestellten Bauarbeiten repräsentierten nach den Berechnungen des bauleitenden Architekten, die jederzeit vorgelegt werden können, heute einen Vauwert von rund 3 Millionen Mark. Die Volks- bühne überließ diesen Bauwert der preußischen Staatsverwaltung für«ine Borabfindung von 190 000 Mark und die Zusicherung zur Abtragung einiger von der Volksbühne für den Bau eingegangener Verpflichtungen in Gefamthöhe von 113 423 Mark. Die Volksbühne hätte selbstverständlich das Haus nicht herge- geben, wenn der Staat ihr nicht zugleich für 25 Jahre vertraglich gesicherte, unantastbare Rech« an dem Betrieb des neuen Hauses eingeräumt hätte. Sie bestanden in der rechtsgültigen Derpfüchtung des Staates, der Volksbühne für die Dauer dieser ganzen 25 Jahre allwöchentlich einige tausend Platze in der neuerrichteten Oper zu besonders günstigen Bedingungen zu überlasten. Der Vertrag formuliert selbst diejenigen Fälle, in denen es der preußischen Staatsverwaltung erlaubt sein soll, die Lieferung der Platz« einzustellen, ohne daß die Volksbühne Entschädigungsansprüche erheben darf. Das gefchiehb im ß 12, wo es heißt:.Unterbleiben die Veranstaltungen infolge höherer Gewalt, Kriegsunruhen, Krank- heilsepidenüen, behördlicher Anordnungen, Streik. Brandschäden, Einstellung des Staatstheaterbetriebes oder aus ähnlichen Ursachen, so hat die Volksbühne keinen Anspruch auf Schadlos Haltung gegen den Staat." „Einstellung des Staatstheaterbetriebes" kann jelbstverständlich nur heißen: Aufgabe aller Berliner Staatstheater. Entftehungs- gefchichte des Vertrages und Verlauf der Verhandlungen beweisen eindeutig, daß an eine bloße Stillegung der Kvoll-Oper von keiner Seite, auch nicht von der Vertreter?» der Staatsverwaltimg, gedacht wurde. In diesem Zusammenhang« ist auch das Urteil des Schieds- gerichts, das im Frilhsahr 1929 über die von der Staatsverwaltung geforderte Erhöhung der Platzvergütungen der Volksbühne zu«nt- scheiden hatte, zu erwähnen. Die Forderung der Slaatsoerwaltung wurde damit begründet, daß sich seit Abschluß des Vertrages die wirtschoftlichen Verhältniste verändert Härten und daß sich der Auf» wand, insbesondere durch die Umstellung der Kroll-Oper zu größerer Selbständigkeit, erhöht Härte. Mit Rückficht out dies« Umstellung billigte das Schiedsgericht der Staatsverwaltung 1» der geforderten Erhöhung zu,— jedoch mit der ausdrücklichen Erklärung, daß da- mit das volle Acquioalent für die erhöhten Aufwendungen, und 9 r feT W|r W V V 9 V V* Zwar für die ganze Dauer des Vertrages, gegeben sei. Darin ist mittelbar ganz unzweideutig ausgedrückt, daß für das Schiedsgericht eine Einstellung des Betriebes—- auch von dieser Möglichkeit wurde im Verlaus der Verhandlungen gesprochen— völlig ausschied. Schließlich sei aus die Rede verwiesen, die der Herr Finanz- mimster in der 112. Sitzung des Landtages, am 13. Dezember 1929. hielt. Wörtlich heißt es dort:„Es ist nicht Schuld der Stoatsre- gierung, wenn hier in Berlin eine dritte Oper eröffnet worden ist..„ daß der Preußische Staat die historische Oper Unter den Linden nicht aufgeben kann, darüber kann m. E. kein Zweifel bestehen. Aber auch bei der Kroll-Oper sind gewisse Verpflichtungen des Staates rechtlicher und auch sozialer Natur vorhanden. Die Kroll-Oper ist das einzig« Institut, abgesehen von der Landesbühnen- Organisation, in dem der Preußische Staat heute sozial«.Kunftpstege treibt.. Also noch vor wenigen Monaten hat der Herr Finanz- minister selbst ausdrücklich die Rechte der Volksbühne an dem Kroll- Betrieb anerkannt! Sollte trotz dieser Recht« der Volksbühne versucht werden, den Betrieb der Oper am Platz der Republik einzustclleu, so würde sich der Vorstand der Volksbühne unter allen Umständen gezwungen sehen, sein« Ansprüche im Prozeßwegc durch Anrufung des Schieds- gerechtes zu verfechten. Di« Leitung der Vcllksbühne kann sich auch nicht damit obfin- den, daß ihr zwar die Weiterlieferung der im Vertrag mit der Staatsverwaltung sichergestellten Plätze zugesichert wird, daß ober diese Plätze in einem anderen Hause, etwa der Städtischen Oper in Charlottenburg, gestellt werden. Die Volksbühne sieht bei der Ein- gliederung ihrer Vorstellungen in den Betrieb jedes anderen Hauses Schwierigkeiten hinsichtlich der Platzzuweifuirg wie hinsichtlich des Repertoires voraus.<Äe muß auch betonen, daß kein anderes Haus nach seiner Lage und vor allem nach seiner imteren Ausgestaltung. Platzanordnung usw. in gleicher Weise wie das nach ihren Plänen errichtete Gebäude am Platz der Republik den Anforderungen an ein würdiges Volkstheater entspricht: vor allem aber fällt ins Ge- wicht, daß die Volksbühne mit dem Haus am Platz der Republik -»erwachsen ist und daß ihre Verdrängung daran? einer Entwur.ze- bmg gleichkommen würde. Der Vorstand der Volksbühne mochte schließlich nicht verfehlen. darauf hinzuweisen, daß die von der Preußischen Staatsverwaltung iwiich den Vertrag mit der Volksbühne übernommenen Verpflith- timgen keineswegs eine ungebührliche Belastung der öffentlichen Kassen darstellen. Aber selbst wenn anan davon absieht, daß die Volksbühne in der Ueberlassung hoher Bauwert« für eine minimale Summe gewissermaßen groß« Vorauszahlungen leistet«, selbst wenn man lediglich die zur Zeit gezahlte Vergütung von 2 Mark je Platz zugrunde legt, beträgt der Staatszuschuß für jeden Besucher der Volksbühne nur etwa 2,75 Mark: dagegen wird aus öffentlichen Mitteln für joden Besucher der Linden-Oper, der seinen Platz an der Kaste kauft, ein Betrag von 4 Mark zugeschossen. Di« Staat sregierung hat seinerzeit die Uebernahme der im Um- bau befindlichen Krollschen Oper vor dem Landtag und vor der Oeffenttichkeit gerade damit begründet, daß eine soziale Kunstpfleg« erforderlich sei. Sluch bei den Entscheidungen des Landtages spielte dieser Gesichtspunkt«ine wichtige Rolle. Wie würde sich mit der damaligen Stellungnahm« von Regierung und Abgeordneten der verschiedensten Parteien eine jetzt«rsolgend« Stillegung des Bc triebes am Platz der Republik vereinbaren lasten? Auto vom(Zxpreßzug zermalmt. Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. New Bork, 24. Februar. Bei ttenossa im Stallte Wisconsin erfaßte ein lSxpreftzug in voller Fahrt ein Personenauto, das eben die Gleise überquerte. Im selben Augenblick kam von der entgegengesetzten Seite ein Güterzug herangefahren, das Auto wurde buchstäblich zer- quetscht, die fünf Insassen bis zur Unkenntlichkeit zer- malmt. Beide Züge entgleisten. Fünf Fahrgäste des Expreftzuges wurden getötet, mehr als lv sollen ver- letzt sein. lieber dos furchtbare Eisenbahnunglück wird ergänzend ge- meldet: Der Lorortzug, der auf den Bahnübergang mit einem Automobil zusammenstieß, gehörte zu den schnellsten elektrischen Zugtqpen der Dereinigten Staaten und fuhr im Augenblick des Zusammenstoßes mit Höchstgeschwindigkeit. Ein aus ent- gegengesetzter Richtung kommender Güterzug fuhr auf die Trümmer des Automobils auf. Es war ein Glück, daß die in den Graben gestürzten Wagen des Personenzuges aufrecht stehenblieben, da sonst ivahrscheiiilich auch die Felgen noch schlimmer gewesen wären. Die meisten Verlegten haben Arm- und Beinbrüche davongetragen.� Fünf Todesopfer der Autoraserei. Auto fährt in eine Gruppe heimkehrender Ballgäste. Der Sonntag hat in der Umgebung Ver(ins wieder mehrere schwere Autounfälle gebracht, denen nicht weniger als fünf TNenschenleben zum Opfer sielen. Auf der Chaussee zwischen Teltow und Lichte rfeldc geriet der 27 Jahre alte Chauffeur Paul Berg mit seinem Wagen in eine von einem Mastenfcst heimkehrende Gruppe von Leuten. Berg überholte sie vorschriftsinäßig unter Hupensignalen auf der linken Seile. Eine zweite Gruppe, die weiter voraus mar, wollte er in der gleichen Weise überholen, als er mit dem Wagen in die Leute hineingeriet und die Schmerzensschreie hör«. Zwei der Verlehlen lud er sofort in sein Auto und brachte sie nach dem Vinzenz-Krankenhaus, dort konnte aber nur der Tod sestgeslÄt«Verden. Ein nachkommendes Auto brachte einen dritten Schwerverletzten in das gleiche Krankenhaus. Die Feststellungen der Kriminalpoffzei, der sich Berg sofort zur Benügung stellte, ergaben, daß die Zuleitung zu dem Scheimverfer beschädigt war und von Berg nicht selbst repariert«Verden tonnte. Es brannten an dem Wagen nur die Stadtlampen und die„Frei"- lampen. Ein Signal konirte der Chauffeur bei der ziveiten Gruppe nicht geben, weil er links steuerte und die Handbremse bedienen mußte. Der Wagen fft vorläufig bei der Fahrbereitschaft der Schutz- Polizei in Steglitz sichergestellt, eine Untersuchung zur völligen Klärung des Dorfalles ist von der Kriminalpolizei eingeleitet. Die Gelöteten sind: Frida Schubert aus der Achenbachstraße 7/8 zu Wilinersdorf und Walter Schultz aus der Merkelstraße 40 zu Steglitz. Schmerverletzt fft der Bürobote Walter H« i n tz e aus der Schöne- bcrger Straße 9 in Steglitz. Ein zweites Unglück«reignete sich am Sonntag morgen regen 4 Uhr aus der Chaussee Perleberg— Lenzen. In einer Wegkurv« kurz vor dem Ort Laßlicht st r e i.f t e das Prioaiauto des Bahnspediteurs Thielen aus Wittenberge mit dem linken Hinterrad einen Chausseebaum. Das Auto drehte sich in voller Fahrt um die eigene Achse und wurde dann gegen einen zweiten Baum geschleudert. Thielen, der mit seinen beiden Söhnen in dem Wogen saß, flog In hohem Bogen in den Ehausieegraben. Di« Söhne des Spediteurs«»aren aus der Stelle tot. Der Vater erlag auf dem Trausport zum Krnrrkenhous seinen schnüren Berletzimgen. Das Lawinenunglück in Italien. 40 Hüsten mit ihren Bewohnern verschüttet. Rom. 24. Februar. Zu dem Lawinenungtück am Fuße des Monte Pedrano wird weiter gemeldet, daß insgesamt 40 Hütten des Fleckens Villa di Mezzo verschüttet worden sind. Die Ben»ohner wurden von dem heftigen Sturm ta ihren Behausungen überrasch« uUd konnten der Katastrophe nicht mehr entgehen. Ein Ueberlebender bracht« die Hiobsbotschaft noch dem nahen Dorfe B o l o g n o l a. Zufolge der hohen Schneemassev konnte die llngtücksstelle zuerst nur von Sklsahrera erreicht werde«». Flugzeuge«»ersuchten, über der Gemeinde Bolognola Arzneien abzuwerfen, doch verhinderte der dichte Rebel diese Absicht, vis jetzt konnten t Z Tote und vier Schiververlehte geborgen««»crden. E»«Verden aber noch acht Per- sancn vermißt, die unter der Laim«»« begraben liegen und daher laum mit dem Leben davonkomn»en dürften. Drei Familien sind vollständig verschüttet«worden. Kesselexplosion auf Havanna. Zehn Arbeiter getötet.. New Port, 24. Februar. Wie aus Havanna gemeldet wird, explodierte im Wasserwerk von Palatino ei« großer Dampfkessel. Da- bei wurden 10 Arbeiter getötet und 4 schwer» verletzt. Das Pumpenhaus de» SLasserwerks wurde vollständig zerstört. Tie Gxplosion war so stark, daß sämtliche Fensterscheiben der in der Nähe be- findlichen Häuser in Drüminer gingen. Muber im Personenzug. Packwagen in Oberschlesien überfallen und beraubt. Sosel. 24. Februar. Am Sonnabend abend wurde aus den von Bauerwih kommenden Personenzug ein schwerer Raubübersall verübt. Als sich der Zug auf der Station Reinichdors bereits in Pctnegung gefetzt halte, stiegen von her dem Lahnsteig enlgegcnliegenden Seite des Zuges Zwei maskierte und bewassaete Männer in den Pack- wagen uild forderten mit vorgehaltener Pistole von dem Zugführer und dem Schaffner die Herausgabe der in dem Zug mitgesührten Tageseinnahmen von den süns vorhergehenden Stationen. Den Beamten blieb nichts anderes übrig, als den beiden Männern das Geld im Betrage von IS SS M. auszvhändigen. worauf diese aus dem mit etwa 50 Stundenkilometern Geschwindig. kett fahrenden Zuge sprangen und im Dunkel der Rächt»er- schwände«». Der Schaffner zog unmittelbar nach dem Vorfall die Rokbremse. Die von der Polizei mit Hilfe eines Diensthunde»«ms- genommene Verfolgung blieb ohne Erfolg. Die ausgepfiffene„Traviata". Sest langem kann man auf der Opernbühne von einer Peräi- Renaissance sprechen. Nach der Statistik der Berliner Staatsoper ist in den legten Jahren die Zahl der Wagner-Aufführungen be- deutend zurückgegangen, während die der Derdi-Aufführungen bei- «rohe um 50 Prozent gestiegen ist. Di« Erstaufführung der bisher unbekannten Oper Verdis,„Simone Voccanegra". und die Neuein- studierung der„Tramata" haben in Berlin größten Erfolg gehabt Bei d«r Ilrausführuirg dieser Oper, die heute zu den meislgespiclten der Well gehört, und die am 6. März 1853 im Fenice-Theater zu Venedig aus der Taufe gehoben wurde, stand das Publikum dem Werk«roch ganz verständirislos gegenüber. Die„Traviota" erlebte sogar einen glänzenden Durchfall. Der Tenor«vor heffer und die Sängerin der Violetta, Signora Salvini Donatelli. gefiel dem Publikum nicht, weil sie den spotttustigen Venezianern allzu dick erschien. Im letzten Akt ereignete sich ein peinlicher Zwischenfall. Nach den Worten des Arztes:„Nur kurze Stunden jnoch wird ihr Leben dauern", rief ein« Stimm« von der Galerie:„Siehst du denn nicht, daß deine Kranke rund uird dick«vi« ein« Zervelatwurst«st?" Das Publikum brach in ein schallendes Gelächter aus. Die rührende Sterbeszene erweckte ungezügelte Heiterkeit; das Publikum schüttelt« sich vor Lachen. Am nächsten Tag schrieb Verdi an einen Freund: „Troviata" erlebt« gestern abend ein Fiasko. Ist es mein« Schuld oder die der Sqnäer? Die Zeit«oird enffcheiden." Die Zeit hat entschieden. Der Nestor der Znsettenscrscher. Aus seiner 59. Forschungs- reffe begeht der Entomologe Professor Adalbert Seitz arn 24.«te- bruar im Innern Brasiliens seinen 70. Geburtstag,-seitz gt der Herausgeber des Werkes„Die Großschmetterlinge der Erde, dos seit 1906 unter Mitarbeit von 29 Forschern in drei Spmchen er- scheint und von dem jetzt 630 Liesenmgen mit 7500 Seiten Tert und gegen 50 000 Figuren vorliegen. Seitz, der in Mainz geboren «st. hat sast die ganze Welt bereist und ihre Insekten beobachtet, ge- sammelt und qezcichnet. Von 1893 bis 1908 war er-uirektor des Zoologischen Gartens in Frankfurt a. M., den«r von wrurrd aus erneuerte. Don da an lebte er in Danifftadt und ans Reisen und widmete sich ganz seinem großen Werk. Ein neuer Komel. Aus der Stern wart« in Bergedors wurde «in neuer Komet 10. bis 11. Größe im Sternbild des Löwen entdeckt. Der Komet muß sich der Erde ziemlich nahe befmdm, den» er de» wegt sich außerordentlich rasch am Himmel, fast 6 Grad täglich, nach Nordwesten. Der Komet, der mit bloßem Aug« nicht zu sehen ist, zeigt auf der photographischen Platte außer einem sternartigen Kern eine krästige Nebelhülle. Svvaor Eanvarssoa, der dSnüche Dichter, spricht über sein Schaffen heute, abends 8.15 Ubr, im Grotrian-Steinweg-Saal. Ernestine Münchheim liest aus seinen Werken. Vorträge. Leo Kostenberg hält am Mttwoch den dritten Bortrag«Iber Das deutsche Lied unserer Zeit' im Ratbaus um 8 Uhr. Mitwirkende i Iba Harth zur Rieden und Pros. H.J. Moser. Prof. Zuliu» Schaxei-Zevo Idricht im Moniftenbund Mittwoch. 8 Uhr. im Werner-Siemens-Reasgvmnaiium, Schäneberg. Hohen. iausenstr. 47— 19, über Mcsetze der Bergesellschastung in der Rawr. Frth host zum Kölner Zalendonlen gewählt. Dr. Fritz Holl. München. der frühere Schauwieldirektor der Berliner Polksbübne. ist vom städtischen Tbealei auSichutz in Köln nahezu einstimmig tgegen die Llimwen der Kom- munisten» zum Intendant« de» Kölner Schauspielhauses aus drei Jahre gewählt worden. Karnevai. Freude fft gut!— Freutie ist das Notivendigele Wie sollen Menschen leben, wenn sie sich nicht mehr freuen— miteinander freuen können!— Töricht ist es auch, im Ueberschäumen der Freude nur die Gefahr zu sehen. Kraft, die heimlich Ventile suchen muß, sich zu betätigen, ist gefährlicher als das übermütige Ueberschäumen. — Tanzen und Sichverkleiden. Ball und Maskenball sind uralte Formen der Freude, in denen der Mensch in den Rhythmus einer anderen Welt aus der Alltäglichkeit flieht. Für den noch werdenden Menschen ist dies Frohwerden auch unter dem Einfluß des anderen Geschlechts ein« gesund« Entlastung und eine Mithilfe aus dem Weg gesunder, kraftvoller Entwicklung. Freude ist auch aus diesem Gebiet stärkste Gegenkraft gegen Mißbildung, Unnatur und Prüderie. Aber«venu die Freude Vergnüguugsindustrie wird?— Wenn man mit allen Mitteln die Gier, Wildheit und Geilheil des Menschen. aufputscht, um daran Geld zu verdienen?— Wenn derselbe Blödsinn huirdcrttausendsoch über die Wirtshausjälc ausgegossen«vird — wenn nutzlos« Witzigkeit durch die Macht der Reklame als höchste Lust des Daseins verzapft sich den Menschen«»sdräng«?— Man nennt es Karneval— und mau glaubt an es als an Freude, und es ist der letzte Raub, den das Kapital der Armut tut, daß es ihr auch die Freude in Bergnügungsbctrieb umroandelt, damit Geld verdient wird an der Sehnsucht der Millionen, auch einmal sröhlich zu sein, fröhlich zu sein, wi« der Reiche in seinem Glanz, de» eine billige Nachahmung ihm vorspiegelt. Vielleicht«vird es nirgends so deutlich, wie das Kapital die Massen aussaugt, wie bei der Freud«.— Wie sehr sind doch die letzten schöpferischen Geisteskräfte zerstört, wenn man sich nur noch freuen" kann da, wo man für teures Geld eme billige Noch- ahmung des Karnevals der Besitzenden— bei den« nur das«ine herauskommt, daß an den Pfennigen der Annen mehr Geld verdient wird als an den Zehnmarkstücken der Reichen. Sozialiftische Kultur!— Nie wird es uns so deutlich als in diesen Karnevalstagen, wie nötig— wie dringend nölig es ist, daß man der Kultur der Mafien Formen sticht, die sie vom Betrieb der Gesellschaft, des Bürgertums unabhängig»«acht. Wie überall auf dem Gebiet der Kultur, so gilt däs ganz zuerst für das Gebiet der Freud«.— Jede Ortsgruppe der Partei, jedes Kulturkartell, jede Iugendgruppe der SAJ., der Arbeiterabstinentei«, sie sollen wisse». daß sie hier«in« ihrer entscheidenden Aufgaben haben. Wie schaffen und bilden«mr Möglichkeiten der Freude— der tollen, übermütige» Freud«,— aber nett, unabhängig von der Ausbeutung, unabhängig vom bürgerlichen Seist der Nachahmung und Faulheit— sprühend. schöpferisch, unbefangen, mit dem Mut zu sich selbst und der Freude an allem wirklich Merffchlichen.— E» gibt noch weite Kreis« der Partei und Genossen, die diese Aufgabe noch nicht sehen, die fest im Vergnügung», und Alkoholbetrieb bürgerlickzen Geiste» und bürgerlicher Whängigkeit sitzen. Mögen sie die Aygen austu» und erkennen, daß heute noch der, Karneval" weithin ein furchtbares Zeichen der Kmchtfchaft ist, in der die Masien stehen— um so furchtbarer, al» es ihr« Freud« fft, in der die Knechtschaft sich dar- stellt. Möge unserer aller Arbelt dahin führen, daß wir bald, bald Karneval, wirtlichen tollen Karneval— und überhaupt immer wieder Freud«, wirtlich« Freud« schauen, in der Massen, sozialistisä r Menschen sich freuen— in werdender Freiheit, in Freud«, die zur Frechett Hilst. PUrrer Emii Fachs. i Selbsthilfe der Schauspieler. Die Pensionsanstalt Oeuischer Bühnenangehörigen. Die bedrohten Existenzen der deutschen Theater, die heut« nicht nur die öffentlichen Stellen beschäftigen, sondern auch bereits olle kulturell interessierten Kreise, reichen über die Sphäre kultureller Fragen hinaus und greifen auch an den Lebensnero der am Theater arbeitenden Menschen an ihre Existenzmöglichkeiten. Ungefähr ZV 000 Personen verdienen ihr Brot an den deutschen Theatern. Soziale Sicherungen stehen ihnen nur in ganz geringem Ausomh zu. Ohne Zeitgrenzen, in übermäßiger Anspannung, leisten und wirken sie bis zur völligen Erschöpfung und fast immer ins sichere Elend hinein. In diesem Zeitpunkt traurigster und schwer gefährdeter künstlerischer Existenzmöglichkeiten ist es wichtig, auf eins S e l b st h i! f e- l e i st u n g der Bühnenmitglieder hinzuweisen, die seit einigen Jahren still und erfolgreich wirkt und die heute, in der bedrohten Lage der Theater und ihrer Mitglieder, an Bedeutung gewinnt und in der Oeffentlichkeit bekannt und geföiden zu werden verdient. Diese Selbsthilseorganisation deutscher Bühnenmitglieder, die für sich das Recht in Anspruch nehmen kann, nicht nur viel zu leisten, sondern auch, dank ihrer ausgezeichneten Organisation und Fun- dierung in Zukunft noch viel mehr leisten zu können, ist die Pensions- anstalt der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen. Sie greift helfend und heilend in die Wunde künstlerischer Erlstenzmöglichkeiten ein, in die Altersversorgungsfrage. Für Buhnenmitglieder besteht nur In den seltensten Fällen die Aus- ficht, bis ins hohe Alter beschäftigt zu werden und oerdienen zu können. Produktive Kräfte können schon früh erlahmen, Mode- fragen, Publikumelounen bestimmen hier über Arbeitsfähigkeit und Unfähigkeil der Bühnenmitglieder. Wie aber sollen Menschen weiter- leben, die mit 40 oder 50 Jahren außer Kurs gesetzt werden und keine Berdienstmöglichkeiten haben? Dir Gesellschaft fühlt sich noch nicht verpflichtet, diesen Menschen, die den Reichtum ihres Könnens und menschlicher Gaben bisher zur Freude, Entspannung und innere Bereicherung der anderen ausge- teilt haben, im Alter zu helfen. Dieser quälenden Unsicherheit aller künstlerischen Existenzen mußte gesteuert werden. Die Pensions- anstalt der Genoiienschoit Deutscher Bühnenangchörigen ist bisher die einzig« Organisation, die auf die vielseitigen Eigen- Helten des Bühncnberufes in ihren Satzungen eingeht und ihren Mitgliedern in kurzer Z-eit Erstaunliches bietet. Aus ihrer Lebensgeschichte ist zu erwähnen, daß sie im Jahre I9I7, nach Auswertung ihres Vermögens auf 2 Millionen Mark neu eröffnet wurde und ihren Altpensionüren aufgewertete Pensionen mit der günstigen Cuote von 20 Proz. gewährt«, die Bezüge ab 1922 verzinst mit 4Vä Proz. nachzahlte und gleichzeitig auch, für ihren Ausbau besorgt, die Organilation umstellte. Sie ist ein Ber- sicherungsverein aus Gegenieitigkeit. Di« Leistungen und Gegenleistungen sind nach dem Aufwart- schaftedechungsversahren errechnet D'e Wahrscheinlichkeiten wurden neu errechnet, als Zinefuß der Satz von 41/i: Proz. zugrundegelegt. Die Beiträge sichern die dauernde Erfüllbarkeit der kassenleistullgen ohne die Geiahr einer späteren Erhöhung resp. Ermäßigung der Leistungen Die Mitglieder werden zu keinerlei Lasten herangezogen, der Dorftand arbeitet ehrenamtlich und sämtliche Vexwaliungskosten werden durch die außerordentlichen Einnähmen gedeckt, so daß alle Beiträge ungekürzt dem Prämlenreservesonds zufließen. Bereits nach einer Wartezeit von 10 Jahren werden Pensionen von 3s) Proz. der eingezahlten Beiträg« gewährt. Die monatlichen Beiträge betragen S M. b i s h ö ch st e n s 3 0 M. Trotz der Theaterkrise, trog Gagen, deren Durchschnitt um 230 M. liegt(man muß es sich abgewöhnen, an den Stargagen einiger Wenigen den Lebensstandard der Bühnenmitglieder zu be° messen)) trotz der Schwierigketten der Erziehung der Bühnenmtt- gliedcr zur Boraussicht für spätere Lebenslagen hat die Pensions» anstatt heute bereits die nötige Ansohl von Mitgliedern, die für ihre auf versicherungstechniieb« Grundlagen beruhende Kaste not- wendig ist. Allerdings scheinen, durch die augenblicklich katastrophale wirtschaftliche Lage der Bühnenmitglieder. die Möglichkeiten zu einer raschen Vergrößerung der Mitgliederzahl begrenzt. Die Leistungen der Anstalt bleiben also im ollgemeinen durch die außerordentliche« Einnahmen bedingt. Sie ollein können, m der augenblicklichen Situation, di� Möglichkeit einer Erhöhung der satzungsmäßigcn Leistungen mtt sich bringen. Die Unterstützungen öffentlicher Stellen sind sehr gering. Aus eigener Kraft wurde das Vermögen während der dreijährigen ehrenamtlichen Arbeit des Vorstandes auf 600000 Mark erhöht. Diese vorbildliche Institution verdient Interesse und Förderung als«ine Selbsthilfe, deren soziales Ziel mit einer gesunden Organi- sation eng verbunden ist und die In den Zeäen allgemeiner wirt- schastlicher Depressionen ohne wesentliche Unterstützungen, ohne lautes Hinaustreten in die Oeffentlichkeit, aufbauende Arbeit nach innen und außen geleistet hat und so, über den Rahmen der Jnter- essen ihrer Berufsgruppen ein soziales Werk, eine positive Leistung in der Gegenwart darstellt. Dr. Elsbeth We:chmann. Schwarz aus weiß. Die KpO. ist für LehrlingSzüchterei. Unsere Feststellung, daß die kommunistische Stadtverordneten- fraktioi, Lehrlingezüchterei für die Krankenpslegeanstalten betrieben hat. versucht das von der Sowjetbotschaft ou°gehaltene Blatt nach bekanntem Rezept abzuleugnen. Hier nun der Be w e i s. Im amtlichen stenographischen Bericht über die Sitzung der Berliner Sladtverordnetenveksammlung vom 16. Januar 1930, Seite 39. Punkt 19 der Tagesordnung heißt es wörtlich: „Erste und zweite Beratung der Borlage, betresfend Bewilligung von 14 000 Reichsmark aus gemeinsamen Haushaltsmitteln für Er- höhung der Zahl der Krankenpflegelernpersonen in einigen Kranken- pflegeichulen. Drucksache 916. Zusaßankrag der KPD. zu Drucksache 916: Gleichzeitig ersucht die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, zum nächsten Termin die Zahl der Kranken- pflegelernpersonen über die in der Vorlage vorgesehene Zahl hinaus ganz erheblich, mindestens aus 590 zu vermehren. wobei besonders auf die Einstellung männlicher Schüler Bedacht zu Pehmen ist. Der Magistrat wird ferner ersucht, die Bestimmung, daß zwei Krankenpflegelernpersonen eine volle Kraft ersetzen sollen, auszu- heben. Krankenpfkgelihüler und, sSchülerinnen sind in keinem Falle auf die Zahl des vollbeschäftigten Pflegepersonals anzurechnen." Nach dem Stadtverordneten Wi s n« w f ky(nicht Pieck) und dem Angestellten der KPD. L u r i s ch gegenüber den kommunistischen Vertretern des Krankenpslegepcrsonals Peeg und Schölt, versucht nunmehr die.Mote Fahne", allerdings weniger ungeniert, die kommunistische Lehrlingszüchterei abzuleugnen. Wohl wird jetzt zugegeben, daß die kommunistische Fraktion die 25prozentige Er- HSHung der Krankenpflegefchüler verlangt, aber unter der Voraus- setzung des Baues neuer Krankenhäuser, die Durehführung des Siebenstundentages(vielleicht wie in den Sowjelbetrieben!) und die Herabsetzung der Zahl der Kranken pro Pfleger. Kein Wort steht davon in dem Antrag! Und wie hei der Finanzmisere der Stadt diese»— vorläufig und nachträglich«a für den Gebrauch gläubiger Zeitungsleser oerössenllicht« Pro- gramm— verwirklicht werden kann, das soll die KPD. einmal den Krankenpflegern klarzumachen versuchen. Der Beweis liegt schwarz auf weiß vor: die KPD. ist für Lehrlingszüchterei. Die Wagenbauwerke müssen zahlen. Sirelt um den Tarif. Schon feit Monaten führen ein« groß« Anzahl Kläger einen Rechtsstrett gegen die Firma Wagenbau-Weeke G- m. b. H. in Berlin-Treptow auf Anerkennung des für verbindlich er- klärten Schiedsspruchs. Die Kläger sind als Sattler im Akkord- lohn bei der Beklagten beschäftigt worden. Sie fordern für die Zeit vom L Mai 1928 bis zum 31. August 1928 Nachzahlung eines Zuschlags von 3 Proz. und für die Zeit vom 1. September 1928 bis zum 2. März 1929 Nachzahlung eines Zuschlags von 7 Proz. auf die ihnen gewährten Löhne. Ihre Forderungen stützen dl« Kläger auf eine mit Wirkung vom 1 Mai 1928 ab durch den Reichsorbelts» minister für verbindlich erklärte Lohnvereinbarung, die zwischen dem Arbeitgeberverband' Berliner Wagen- und Karosseriesabrcken und dem Kartell der Arbeiterorganisationen abgeschlossen worden ist Dieses Lohnabkommen besagt es, daß die bisherigen Löhne und Akkorde vom 1. Februar 1928 ab um 3 Proz. und vom 1. September 1928 ab um 7 Proz. erhöht werden sollten. Die Beklagte behauptet, für ste sei der Tarisoertrag für die in der Berliner Metallindustrie beschäfligten Arbeiter maßgebend. Das Arbeits- und das Landesarbeitsgcricht in Berlin haben zugunsten der Kläger entschieden. Gegen dieses Urteil habe die Beklagte Revision eingelegt. Das Reichsarbeitsgericht wies die Revision der B<�lagten als völlig unbegründet zurück und legte ihr auch noch die nicht unerheblichen Kosten des Rechtsstreits auf. Gewerkfchastssioß gegen prohibiiion. Green für alkoholarmes Vier. New Aork. 20. Februar.(Eigenbericht.) Der Präsident des amerikanischen Gewerkfchaftsbundes. Green, ersuchte in einem viel beachteten Schreiben den Präsiden- ten Hoover um Abänderung des Prohibitionsgesetzes und Zutassung 2.7Sprozenlig«n Bieres. Green verweist in seinem Schreiben auf die starke Arbeitslosigkeit, die durch die Wiederausnahme der Bier- Herstellung wirksam zu bekämpfen sei. Er betont weiter die wirt- schaftliche Bedeutung des Bieres für Industrie und Landwirtschast und umerftreicht die Notwendigkeit, die über dl« Prohibttion er- regten Bolksmassen durch die Zulassung des Bieres zu beruhigen. paplerarbetterstreit in Holland. Seit September 1929 befindet sich die Arbeiterschaft der Strohkartonfabrit Erica in Oostwold— Geschäftsstelle der Firma Oude Petela—(Provinz Groningen) im Streik. Bei dieser Firma werden auch mehrere deutsche Papiermächer beschäftigt, die sich jetzt dem Streit angeschlossen haben. Infolgedessen besteht die Befürchtung, daß die Firma durch das„Wochenblatt für Papier- fabritation" oder durck bürgerliche Tageszettungen Streit» b re che r in Deutschland anzuwerben sucht. Wir bttten deshalb, Arbeitsangebote nach Holland ab zu- lehnen, zu mindestens aber vor Annahme einer Arbeitsstelle in der holländischen Papiererzeugungsinduftrie entweder mit dem Ber» band der Fabrikarbeiter Deutlchlands, Hannover, Nikolaistr. 7, oder mit der unterzeichneten holländischen Organisation in Verbindung zu treten.... Nederl. Dereenigung von Fabrietsarbelders, Amsterdam(Holland), Stadthouderskad« 65. L«r»ntwoiti.«llr die Aedattien: Woliqanz Schw««, Berlin: Snuiarn: St.»locke, Berlin Verlan: Vorwär», Verla» s. m b s.. Berlin Druck: Sorwart» Buch» druckerei und Lirlaasanstalt Paul Singer& To Berlin SS IS. Sintenftraft« 3. Vier,- I Beilage. Verkäufe Möbel j S.II>1» emi.'-U' ceiifl'en(Tiaum Casi-Familie, Jung-Chlna. 2 Elliet'i. Marika Rökk, 9 Allisons usw. usw. Vostfsubline Theater an Bülowalali. 8 Uhr Amnestie itaail.!diiller-ni. » Uhr Souücurodie « ueoroeDaiiiilD Uienter am Sitilltbaneraanm Uhr Utfenl�Dlie Staatsoper AmPi. d Republi! 8 Uhr 'panisdie Stande Oer arme üatrase flnpdliisDS WM« Uieat« 1 2 Weitoda nun 5211 rä«i. 5>/« uht Oer Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Ree- Ma* Kelnhardi Kämmerspiele D 2 Wiidendamni 5211 8 Uhr DerEandidat von Carl Sternheim halt: Um nelaikk. Die Komoüie ! I Bismck.24H/7Sir> 8». Uhr Victoria von S. Maugham. Regie Max Reinhardt. Musik; Mischa Spoliansky Samowskj-dOhan Dinttr i* aw KDnifgrliitr Straß- Täelich 8. Uhr ... Vater sein, dagegen» sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr ihalbe Pr.i .MWJMRi j li-Snixi Ksrmannflati Arnold Sdnlz Hmbtidd W/U Grosses sochblerfesi and GROSSER ALPENBALL. 7 ilapnllni.— Kenn Onkontlanin.— 50 tiajrisdu Htdln. MinwiiiitiriiiiMiiiiiiiiiiiiiiMii;irmiii4iiiii4uuiiniiiiiiuHiiUMUii«uiiiiu«uiiiiiimi f Blens»S, de» 25. F örunr 19.10 Bralca von e danzea Schweinen aoi den Rleaca- aknllaa and FrSnuieraag der sdiaaalea (Damen») Branchen von o erlin. S Oeld re ae; SO, 40, 3». 20. 10 Mark. GROSSES SCHAU dPiELHÄUJ 8 Uhr; 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 Ssaiiii iiduri. nnoak. ralbe 9t. »".uhrCASINO-THEATER Lothringer Stratie 37 Nur noch wenige Auftühranigen Seine Hoheit der Bettler luuiniiimimiineinMiiitiiMtniiintuiHiiiiiiiiniiiiiHiiiii Dazu ein craiklazslgcr bunter Teil juibcnem tOr 1—4 Persontn Fauteull nur t.25 Sessel 1.75 Mm sonstige Preise: Parkett u. Rang(L80 M Reichshallen-Theater Abends DD Sonn as naöira. EI Das vn-äerDire Febr-Proaiammi der Sleüiner- Sänger Preise 60 Pfg bis 3 Mk Zentum 112 63 Udimlitaos Dalbe Preis«. Oönhioff. Brett': 10 n. Snnmtni I Falkner-Ordiester. Tanz. Wer d. Westens Täglich 8'/« Uhr: Hold Slam Lemberg Musik von Gilben Käthe Oonöt Leo Sdifitsendor' Tncai. i. Kaim.Tai Kottb. Str. 6 Tägl 8 Uhr auchSonnt. nachm. 3 U.. «aotoa.PifBn Elite- Sänger. CFmiunn-LaA- oa! U. t: Ol« b and« ouy Fedilin-briiikt. DJS rtianoD-We Georgcnstr. 9 Täglich 8*/i Uhr Opereitentiaus Alte Jakobstr 0/32 (Zealral-Theater) Täglich 8L« Uhi 1 oieFledermans mtt Gustav Mauntr Metropol-Tli. 8'n Uhr Das Land des Läcbelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehär. Planelarlam — am Zoo'■ /aliij..MMn.irij-r. trat B. S. Barbarossa 5378 16 bis 10 Uhr Dia- poUtiv-Austiellu- 19 bis tOt/a Uhr Oer Abwidnimmt 20'/< Uhr Sternhaufan ilNb« N«M. lYioniag.yizUiir.uorsieiiung Unverkürrles Premierenprogramm Karirn wieder in a'Ien Preislagen eihäStlidi! Telephon Bärwald 4335/26, 0 00 WWW UireKtion or. Martin Zicbei WWW Komische Oper tnedrickstr.llH Merkur 1401 4330. Nacn■voliständieem Umbau Täglich«>:. Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guido ThioSaeher, Schul? Schro n, t�urg. H Idebrand, Walter Raoa, Flink, Behmsr. Wensk Lustspielhaus»>- Friedrichstr. 236. ßergraann 2922 23. Liel! M ilcn zweltei BW. Riemann— Haack. Vorvorkau. In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. ROSE Ttaeaaer Große Frankfurter Straße 132 Billettkasse Alex. 3422 und 3494 Täglich 8.15 Uhr(ionn ags 9U.) und jeden Sonnabend im Februar auch IIL» Uhr abends { dlt eni 8S. Operette v. H.noiker «Gasparone'* Sonntag um 2-30 Uhr n. Sonn abend 5 L hr i-A-dtrabr/idri- Sonntag 5.15 U.'-Dir Cx.rdu- lürstlo" Voranzeige; Ab I.März jeden Sonnabend II J> Uhr Nachi- Ivorstellunp-OerMo-'eTgatte- Uirektlon )r. Robert Klelr Deuisehes KOnstier-Theal Barbarossa 3933 «>/. Uhr Jm. m'.dier von FranzMolnai nit Max Pallwbwq. Verher: Souper Sirlinsr THealer Dönhoff 170 Täglich 8«/« Uhi Die Straße oitllbeftbaimuo. Regie Meinz Hiiper-. Kleines Theat. Merkur 1624 Tägl. 8Vi Uhr Der Walzer von heule Nacht! Erika Olassoer, Hi de Wörner, Hermann Schajtnß «SbeNän'ee werte ftrebit >ak bat SRiiietfauae, Otake An-w-bl. llttnt Peeil« I Beispielsweise: Schlaf, immer 455.—. 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Siordea jSeffoge Montag, 24. Februar 1930 SwA&ftii) Tbeetierhrise föne bvifischo Unfevsucbwmg von Nr.fe Fübrung Bei jedem Betrieb, der rationell geführt werden soll, ist natür- lich ein tüchtiger Leiter erst« Bedingung. Hier macht das Theater keinerlei Ausnahme. Nur ist zu jagen: Die rationelle Führung eines Theaterbetriebes stellt ganz besonders schwierige Aufgaben: Denn das Theater ist ja nicht nur ein Wirtschastsunter- nehmen, sondern auch et» K u n st i n st i t u t. Und insbesondere hat dos mit öffentlichen Mitteln gestützte Theater kulturell« Ber- pflichtungen, die den wirtschaftlichen Erfordernissen ost entgegen- stehen. In jedem Fall wird von Sem Theaterleiter ungewöhnlich viel verlangt: er soll eine künstlerisch geschulte, wenn nicht gor künstlerisch aktive Person sein und zugleich ein guter Verwaltungs- und Geschäftsmann. Menschen, die nach beiden Seiten hin Fähig- keiten entwickeln, sind sehr selten. Bei den gemeinnützigen Theatern ist es nun üblich, den verantwortlichen Leiter vornehmlich im Hinblick auf seine künstlerischen Qualitäten zu wählen: man setzt einen Regisseur von großem Können an die Spitze des Theaters und unterstellt ihm auch die geschäftliche Leitung. Gelegentlich zeigt sich dieser Mann nun wohl seinen Gesamtausgaben ge- wachse»— oder er ist wenigstens klug genug, sich kaufmännisch und organisatorisch begabte Ratgeber und Helfer zu verpflichten und ilmen weitgehenden Einfluß einzuräumen. Oft aber versagt auch der Künstler als Verwaltungsmann: es fehlt nicht an bestem Willen, aber an der. Fähigkeit weitsichtiger, klarer Dispositionen und Bc- rechnungn, an der rechtzeitigen Erkenntnis der Notwendigkeit de- jtiminter Maßnahmen im Interesse einer gesunden Wirtschast. Er- ftaunlich, wie ungeschickt hier und da gearbeitet wird! Und kein Zweifel, daß sich bei manchem Theater wesentliche Summen einsparen ließen, ohne daß unpfindlich„abgebaut' werden müßt«, lediglich durch rechtzeltige Repertoireauf st el. l um g und Probendispositionen, durch richtige Material» beschaffung, Materialoerwertung und Vermeidung von Ueberstunden. Vielleicht ließe sich manches bessern, wenn künftighin bei der Wahl von Intendanten den organisatorischen und geschäftlichen Fähig- ketten der Bewerber größere Beachtung geschenkt würde. Natürlich muß immer Voraussetzung bleiben, daß der Leiter eines mit öffent- lichen Mitteln gestützten Theaters ein Mensch von künstlerischem Urteil und Feingefühl ist. Aber er braucht kein ausübender Künstler zu fein. Zumindest sollten die Staaten. Städte usw. schon ihrerseits dafür sorgen, daß jedem„Künstler"«in theater- kundiger Organisator zur Seite steht— und nicht als untergeord- neter Beamter, sondern als gleichberechtigter Leiter der Bühne. Jedoch wird auch der beste taufnränntjchc Leite nichts daran ändern können, daß die heutige Bühnentechnik in Wechselwirkung mit den Ansprüchen des sozusagen verwöhnten Publikums sehr hohe Anforderungen an das Ausstattungswesen stellt. U e b e r- große Sparsamkeit, die zu gleichgültigen und langweiligen Bühnen- bilden» führen könnte, würde mehr schaden als nützen. Ebenso muß sich jeder Bühnenleiter damit abfinden, daß die Unterhaltung des erforderlichen Personals heute größere Verpflichtungen aufer- legt als vox dem Kriege. Es gilt natürlich, die sozialen Auflagen hinsichtlich Ruhezeit usw..zu erfüllen, und es kann auch zu nichts führen, wollte man das Heil im Herabdrllcken der Gagen sehen. Freilich, soweit die Vertreter der„e r st e n Fächer" in Betracht kommen, scheint es bei einzelnen größeren Provinztheatcrn durch- aus möglich, ein« gewisse Gagenminderung ins Auge zu fasten. Es ist nicht unbedingtnötig, daß junge, wenn auch begabte Schauspieler koon Sängern ganz zu schweigen) dort gelegene lich im Jahr l2000 bis 20000 Mark erhalten, wenn eine derartio« Bezahlung dem Theater die Erfüllung feiner sozial- kulturellen Aufgabe, ja. v'elleicht seine ganze Criftenz gefährdet. Vollends wäre es ke�n Unglück, wenn in Berlin die Stargagen(je Abend 200— 500 Mark!) durch«in« vernünftige Konvention der Theaterleiter begrenzt würden. Aber beim Gms der Schauspieler — wieviele von ihren fristen ein bäckst klägliches Dasein!— w'e b-i den zahlreichen Hilfskräften der Bühne könnte der Versuch einer Bczob'ungsmindcrung nur verhängnisvoll wirken: er würde Unruhe und Unlust schaffen und müßte das Ansehen des Theaters ebenso bcdroben wie seine Resonanz in den arbeitenden Mollen. Bleibt die Frage einer Verringerung des Personals. Verschieden« Möglichkeik-n sind gegeben: Verkleinerung der vor- bendenen Spiel- bzw. Musikkörper: Beschmrilung der Svielgattung ketwa Abschaffung der Operette oder der Oper): endlich: Zusammen- l-mmg mehrerer benachbarter Theater... Nur im äusterOen Notsall wrd man eines dieser Mittel versuchen dürfen: seine Anwen- dvng wird leicht künstlerische Schäden, immer soziale Benachte-üi- gimaen nach sich ziehen, mcd stets droht auch d-e Gefahr, daß die Elnloarungcn durch nachlastvnb« Einnahmen cn'laehoben werden. Am cb-l'en wird stich vielleicht bei einigen großen Tbeatern ein gew'sier allmählicher Abbau im Verwaltungskörpcr und O r- che st er durchführen lasten, ohne daß ernsthafter Schaden entftebt: bier ist man gelegentlich laber keineswegs immer!) etwas reichl'ch üvpio in der Stellenvermebrung vorgegangen. Darüber hinaus ist zu sagen: Zwingt eine f+were Notlage»zu westoreifenderen Be- lnebeeinschränkungen. so wird die Oper sber als Abbaufeld in De- tracht zu ziehen fein als das Schauspiel. Denn wenn auch die Oper gemeinhin die gröbere Attraktion darstellt, wenn ihr« Einnahmen meist wesentlich reicher sind als die des Schauspiels,— die Oper verschlingt auch die meisten Kosten und hat bei weitem nicht die gleiche kulturelle, im besten Sinne volksb'ldende Bedeutung wie das Sprech- theater. Aber man unterschätze nicht die Schwierigkeiten. Aufgab« der Oper ohne Auflösung des Orchesters vermindert die Unkosten nicht entscheidend. AuflpsungdesOrchestersaber (soweit sie überhaupt möglich ist,— nicht selten sind gerade die Or- «bcstermitglieder städtischer oder staatlicher Bübnen Beamte mit un- kündbarem Dienstoertrag!) würde für den betreffenden Ort meist auch den Verzicht auf wertvolle, langoewohnte und beliebt« Konzerte be- deuten. Ferner wird die Einstellung der Oper mitunter dem TWter die Notwendigkeit auferlegen, das verbleibende Schauspietpersonol zu vergrößern, der technische Vetrieb wird teilweise leerlaufen und ehema.lls eine Umslelluno erforderlich machen und anderes mehr. Ein iMfvdjeu als Allheilmittel wird heute vielfach die Zu» sammenlegung benachbarter Theater betrachtet, sei es, daß einer bestimmten Bühne auferlegt wird, auch ein bzw. mehrer« Theater der Nachbarschaft uut Borstellungen zu versorgen, fei«». daß eine der zu Sparmaßnahnien gezwungenen Bühnen die Oper behalten soll, die andere das Schauspiel, damit sie dann ihre Vor- stellungen unier einander„austauschen". Sicher zeigt sich hier ein Weg zur Verbilligung der Theaterunterhaltung- Aber man sei auch hier vorsichtig und nicht zu optimistisch! Es fehlt nicht an Experimenten. die gemacht wurden und keineswegs glücklich verliefen. Merkwürdig, daß in den derzeitigen Erörterungen, die etwa in Düsieldorf und Esten, in Frankfurt, Mainz und Darmstadt ge- pflogen werden, des vielleicht charakteristischsten Beispiels eines höchst misruchtbaren Theoterbiindes, nämlich des vor vier oder fünf Iahren zusammengebrochenen Dreistädtetheaters Ham- born-Gladbeck-Oberhausen, kaum gedacht wird. Man übersehe nicht, daß eine i» mehreren Orten spielende Bühne mit größcrem Apparat riesig« Summen für Fohrgelder, Transporte und Spesen verschlingt. Man beachte, daß jeder kleine Mangel in der Organisation sich finanziell unheilvoll auswirken muß. Welche sonst nicht vorhandenen Schwierigkeiten ergeben sich für die Durchführung der Proben, für die Handhabung einer straffen Disziplin und anderes mehr! Wieviel häufiger wird es notwendig, Aushilfskräfte heran- zuholen, well irgend etwas in dem komplizierten Betrieb nicht recht „klappt" oder well ein Darsteller dank der gesteigerten Strapazen erkrankt! Auch kann leicht eine Eifersüchtelei zwischen den betet- ligten Orten der Theateraufsührung Schwierigkeiten bereiten. In jedem Fall erfordert ein in mehrren Orten mit anspruchsvollem Publikum spielendes Theater eine st r a s f c Konzentration des ganzen Apparates an ein und demselben Ort sowie ein« besonders aglle, organisatorisch befähigte, wirklich überragende Lei- tung. Sonst werden die Ersparniste leicht hinter den Erwartungen zurückbleiben., Gewiß, in äußerster Not wüsten schließlich selbst gewagte Der- suche zur Minderung der" Kosten unleniommen werden. Vor allem aber muß doch immer wieder betont werden: Der Wert eines gut geleiteten, künstlerisch strebsamen Theaters ist groß genug, daß sich Opfer aus öffentliche» Mitteln dafür lohnen! So gewiß es über- flüssig erscheint, Zlufwendungen für em bloß dem Amüsement und den Repräscntationsbedürfnissen der„ besseren" Gesellschaft dienen- des Theater aus den Steuereinkünften zu stützen, so sehr läßt sich wohl behaupten, daß ein wahrhaft volkstümliches, nicht einseitiges, besonders auch dem Unterhalmngsbcdürfnis entgegen» kommendes, aber doch von einem lebendigen Kulturwillen beseeltes Theater nicht geringere Bedeutung für die Heranbildung geistig reger, gefllhlsstarker, an den großen Problemen der Gesell- fchast interessierter Menschen hat als Schulen und Universitäten. Ganz sinnlos und bekämpfenswert deshalb die Forderung, Staaten und Städte sollten die von ihnen übernommenen und unterhaltenen Theater wieder aufgeben, damit sie von geschäftstüchtigen Unter- nehmern zum Tummelplatz ihres Profitstrebens gemacht werden! Das würde für 99 von 100 ihre Auslieferung an den ödesten Amü» sierrunnnel bedeuten. Nein, Länder und Städte haben die Pflicht, mehr noch als bisher ihre Fürsorge den Theatern zuzuwenden! Da» bei mag Sparsamkeit in der Wirtschast als Parole ausgegeben wer- den. Aber wie die Ding« heute liegen, ist«in fünstlcrischer Bühnen» betrieb in der Regel nicht ohne Zuschüsse möglich. Dar- mn keine übertriebenen Forderungen! Was notwendig ist, muß bewilligt werden. Je' er Etat enthält mit Gewißheit Positionen, die unter sozialen wie kulturellen Gesichtspunkten weniger wichtig sind als eine gesunde Theaterpslege. Hier beginne man also eher abzubauen als gerade beim Theater! Fvtmzösiscb�KanQG Unblage gegen ein System „Ach, die herrlichen Straßen! Man kann sich keine schöneren vorstellen. Ich mache keinen Spaß. Man frage die Eingeborenen, die verstehen was davon. Und sie sind umso herrlicher, als sie uns nicht einen Sau. gekostet haben. Sic haben nur Neger gekostet." So schreibt Alberl Londrcs in seinem Buch„Schwarz und Weiß"'). Rückhaltlos, in einer Schilderung, die gerade in ihrer Nüchternheit erschütternd wirkt, schildert der französische Journalist die Mißstände im afrikanischen Kolonialreich der Republik Frankreich. Er geißelt nicht nm sie, er wendet sich gegen die Kolonlalwirtfchast von heule schlechtweg,.so daß sein Buch sich av- reiht den Schilderungen, die M u l ta tpl i. von der-Ausbeutung der Eingeborenen in Holländisch-Indien gegeben hat. Londres ist wegen seiner mutigen Schrift von den nationalistischen Kolonial- fanatikern Frankreichs auf das heftigste angegrissen worden. Er selbst sogt:„Ich wurde nach meiner afrikanischen Reise als Mestize, Jude. Lügner. Seiltänzer, Lump. Verächter Frankreichs, Zuhälter, Verräter, zweifelhafter Geschäftsagent, Verrückter und zuletzt als gemeiner Journalist gebrandmarkt." Aber nicht die Angrifs«, nicht die Wut und der Zorn, die Londres erregte, haben Beweiskraft, sondern die blanken Tatsachen, die er schildert. Geschästslüchlige, abenteuerlustige Menschen sind aus Frankreich in die Kolonien gekommen, mn so rasch wie möglich reich zu werden. Der Gouverneur ermächtigt einen Holzhändler, 300 Mann aus- heben zu lasten. Der Unterbeamte gibt die Weisung an die schwarzen Häupt.inge weiter, diese wissen, daß, wenn die 300 Mann nicht zur Stelle sind, sie selbst ins Loch wandern, also werden die Arbeiter restlos geliefert, es sind aber natürlich nur die Haussklaven. Ganz Schlaue verschaffen sich Arbeitskräfte auf«ine besonders einträgliche Art. Sie haben den Menschenmarkt erfunden, Vermittler locken durch reizvolle Angebote die Holzfäller aus ihren Dörfern, verladen sie auf Lastwagen und verkaufen sie. trotz- dem in der ganzen Welt behauptet wird, daß es keine Sklaven- Händler mehr gibt, den Unternehmern für 200 Franken pro Kopf. Man neimt die Holzarbeiter bei den Weißen ebenso wie bei den Schwarzen die T o d e s l e u t e. Londres war auf einer Arbeitsstätte. Aus dem Walde ertönten Schreie, denen er folgte.„Ab yal Ah ya! Ah ya!" Hundert nackte, an einen Baumstamm angeseilte Neger versuchen, diesen vor- zuziehen. Der Aufseher schlägt den Takt dazu, er steht aus, als winde er sich in Krämpfen. Immer wieder brüllt er. Die Muskel der Menschen schwellen unter der Anstrengung, sie ziehen mit ge- senkten Köpfen an,«in Haget von Peitschenhieben fällt aus ihre gestrafften Rücken, Lianen geißeln chr« Gesichter, ihr« blutenden Füße hinterlosien Spuren auf der Erde, es ist ein all- gemeines Gebrüll wie von einer Meute, wenn sie aus dem Stall stürmt, man denkt an Treiber, Peuschen und Hundegekläff. Der Weiße, der dabei steht, sagt:„Ich hob« den Stock immer in der Hand. Es gibt hier keine andere Möglichkeit, die Leute zur Arbeit anzutreiben." Die Neger erkranken und sterben In Massen. Der Neger ist nicht so zäh, nicht so krästig, wie der Europäer im allgemeinen annimmt, wenn er über diese Frage überhaupt nach- gedacht hat. Londres sogt in bitterer Resignation:„W i r e n t- holzen einen menschlichen Wald." Frankreich baut die Ozean-Kongobahn Pointe Noire ist der Hafen. Eine Eisenbahnlinie von 502 Kilometer soll die Haupt» stadt Brazzaville mit dem Ozean verbinden. Eine Baugesell» fchast übernahm den Auftrag auf dieser Basis: 8000 Neger sollton ihr geliefert werden, dafür wollte sie die Arbeit leiten. Diese G-sellschost nannte sich dir Eompagnie Batignolles. In allen Pro- vinzen des französischen Afrika erscholl ihr Raine. Neger von ollen Stämmen wurden der Firma Batignolles zugeführt. Die meisten wurden auf Schiffe verladen oder bester gesagt, aus Schiffe gepfercht ,u 300 oder 400 Mann. Die im Innern erstickicn, die auf dem Deck konnten meder sitzen noch stehen, viele, die sich nicht hasten konmen, fielen dabei ins Waster, abei- da? Schifi stihr ruhig weiter. Die Fahrt bis Brazzaville dauerte t5 bis 20 Tage. Manchmal *) Albert tondres: Schwor zu nd W«itz. Die Wahrheit über Afrika. 1029.(Agis-Berlag. Wen. Berlin.)' wenn das Schiff anlegen sollte, fegten die tief herabhängenden Uferbäume ein paar Neger weg. Niemand sah sich nach chnen um. -Fünfzehn Tage mußten sie aus dem Deck stehen. in der Sonne, im Regen, und da die Heizung der Dampfkessel mit Holz vor sich ging, stoben die Funken aus dem Schornstein nur so auf die Pastagiere herab und versengten die nackten Häute. Wenn man endlich in BraMville ankam, waren von den 300 nur noch 260 oder 280 Neger übrig. Dort ließ man sie einfach am User kampieren, da für kein Loger oorgesorgt war. Die Ueberlebenden bildeten eine Herde, die nun zu Fuß zur entlegenen B hnstreckel wandern mußte. Bequem hätte man die. Neger zum Teil aus belgischen Bahnen, zum anderen Teit der Reise für Z— 3 kurze Tage auf französischen Schissen transportieren können. Die Herde wan- derte durch das Dschungel, watete durch Sümpfe, schlug sich durch den schrecklichen Urwald.„Hunger? Hunger!" war der tragische Ruf, der während des ganzen Marsches aus dem Arbeiter» trupp aufstieg. Wer vor Erschöpfung liegen blieb, log eben und oerreckt«, wenn die Peitsche nick� mehr hals. Beim Bau selbst ersetzte der Neger die Maschinen, die La st wagen, die Kräne. Lendres hat auf dem ganzen Arbeitsplatz nur zwei Werkzeuge entdeckt, einen Hammer und einen Mincnbohrer. Erschöpft, van den Aufsehern schlecht behandelt, vcr- mundet und abgemagert starben die Neger in Massen dahin. B'Id schmolzen die verlangten 8000 Neger auf 5000, auf 4000, 3000 zu» sammen und zu gu'ter Letzt waren es nur noch 170 0. Die Neger mutzten unbedingt ersetzt, es mußten neue Neger g-?». düngen rrerden. Wer aber von den Schwarzen die Greuel� erfalyen � hatte, drückte sich. Das Menschenmäterial war nicht mehr van e:stcr Qualität, der Tod bekam Gelegenheit zu noch reicherer Ernte. Die Schiffe wurden Särge und die Arbeitcplätze Massengräber. Bis 1928 sind 17 000 Neger geopfert worden und es waren noch 300 Kilometer Dahnstrfcke zu bauch. Londres sagt in bisterer Ironie: Das französische Kolonial- ministermm liegt leider in der Rue Oudinot und nicht am Aequator. In der Tat, man weiß in Paris nicht, man wollte es auch nicht wissen, wie furchtbar die Zustände tn den Kolonien sind. Lojidrcs gibt die Schuld Hieran dem schwerfälligen Apparat der Bürokraten, die vom grünen Tisch aus arbeiten, wie dem nimmersotlen Egoismus der Gefchästsleute, die ohne jede Rücksicht aiff Negerlebe», nur von der Gier beseelt, rasch reich zu werden, in den Kolonien wüten. Das ossizielle Frankreich weist aus seine Kultur- taten hin: Man hat den Negern das Christentum gebracht, mit dem sie nichts anzufangen misten, man Hat einem Teil von ihnen sogar das Wahstecht gegeben, mit dem sie gleichfalls nichts anzufangen misten. Man hat die Menschenjresterei verboten, ohne dieses Verbot freilich in den vjelen abgelegenen Gegenden des Landes durchführen zu können. Man Hat dem Schwarzen die Segnungen des Mili- tarismus geschenkt: sie stecken in französischen Kolonialunisormen, sie Haben allen Drill des Kommisses durchkostet, und sie behandeln heut« ihre schwarzen Landsleute noch roher, noch gemeiner, als die Europäer es tun. Sie haben die Peitsch« zu schwingen, den Schieß- prügel zu brauchen gelernt. Frankreich exportiert in sein mittel- afrikanisches Kolonialreich Waren. Es beglückt seine schwarzen Söhn« mit den Freuden der europäischen Zivilisation. Londres hat die Läden in den Städten der riesigen Kolonie gesehen. Dem Neger wird zu einem ungeheuren Preis der ungeheuerste Schund, den es auf der Welt gibt, geboten, Dinge, die kein Europäer auch nur ansehen würde. Erschütternd ist das Bild, dos Londres von dem Dasein der Mestizen, dieser Halbschwarzen. Halbweißen, gibt. Ein fronzösi- scher Offizier, ein französischer Beamter, ein sronzösischer Kaujmann hat sich in der Einsamkest der Kolonie«ine schwarze Frau zugelegt und mit ihr Kinder gezeugt Solange er drüben ist, kümmert er sich im allgemeinen inn sie. kehrt er nach FrankrKch zurück, so vergißt er sie, und die Kinder leben und wachsen aus wie da» Unkraut. Der Weiße oerachtet sie als halbklassig, ebenso wie der Neger. Sie oerkommen, seelisch und körperlich gleich verbildet. Henning Oudor&tadt. (.3. Gottjsöun�.) i)cr Vilar sprach laut unb deutlich, so wie?c es von seine» Predigten her gewohnt war. Er war in Thourcmt auf dem Priester» seminar gewesen und ging mit Zähigkeit auf sein Ziel los. Leynseele war robust und fanatisiert: er lauscht« ehrfürchtig und ließ sich willig kommandieren. Als dies« Instruktionsstunde vorüber war, ging Tonstant zur Lys hinunter. Die Sterne spiegelten sich nn Fluß. In der tiefen Stille der Ebene hörte man das Klappern einer Windmühl«. Der Müller nutzte nach der Windstill« des Tages die leichte Nachtbrise. Die Sterne standen auf den Spitzen der hohen Pappeln wie silberne Früchte. Constant öffnete den Bottich, und der starke Geruch strömie ihm entgegen. Er war so stark, daß die Arbeiter zuweilen die De- sinnung verloren. Constant grübelte über die Gewalt des Wassers nach. Niemals schlief es. In der Nacht mußte er herunterkommen und ihm den Flachs entreißen, damit er nicht mehr als notwendig zersetzt wurde. Es war die richtige Zeit. Constant nahm die Stengel aus dem zweiunddreißiggradigen Wasser heraus i dann zog er das Schleusenbrett hoch und ließ das stinkende Abwasser in den Fluß laufen. Der leidste Wmd trieb den scharfen Geruch in die stille Nacht. Beim matten Licht der Laterne erschienen die Bündel, die nod) im Wasserbad lagen, grünlich. Dies war die Stunde, um die De Briese cmss Feld zu kommen pflegte. Sein Tag hatte kein Ende. Sein Kopf arbeitete stettg wie das Wasser der Lys. Ein Dämon wohnte in diesem Sucher, ließ ihm auch nachts keine Ruhe, legte ihm seine Hand auf die SdMlter Rührte er sich im Bett, dann sagte seine Frau:«Er denkt an den Flachs." Constant Leynseele schrttt sd)weigend durch die Ebene. Seine nackten Füße liebkosten die Erde. Den Tabak trug er im Gürtel. Die acht Kilometer bis Halluin oder Roncq machten ihm nichts. Er hatte Gefallen am Schmuggeln, geradeso wie am Bogenschießen oder ani Hahnenkampf. Schon mit vierzehn Jahren hatte er Tabak über die Grenze gebracht, längs der Strecke Lille— Blanc Misseron. Er führte eine Meute von zwölf Hunden. Sechs davon hatten ihm in einer einzigen Nacht die Aufseher von Orchies erschossen. Noch heute haßte Constant den Unteroffizier, der hinter ihm her- gebrüllt hatte:„Halt! Zollwache!" Er war mit ststnem schweren Pack gelaufen, was er nur konnte. Der mit seinem Köter hinter ihm her. Dann hatte chn der Hund gepackt: noch heute war die breite Narbe auf dem rechten Arm zu sehen: aber Leynseele hatte sich nicht verloren gegeben. Er hatte dem Hund mit dem Messer den Bauch aufgeschlitzt und war entwischt, während die Kugeln der Grenz«- ihm um die Ohren pfiffen. Feige Bande, die die Hunde vorschickte und sich hinter ihren Revolvern oerkroch! Gar zu gern hätte Constant sick) mit Knüppel oder Messer mit diesen Kerls auseinandergesetzt. Heut« abend bekreuzigte sich Leynseele vor der Kirihe und vor einem Fenster, hinter dein ein Leuchter mit zwei Kerzen einen Toten verriet. Dreihundert Meter vor der Grenze legte er sich platt auf die Erde und betrachtete die Silhuetten in der Dämmerung. Nur so im Liegen konnte man die Grenzer erkennen, die in Schaffell- sacken auf der Erde lagen Constant kannte alle Stellen, an denen sie lauern konnten. Am Horizont leuchteten die Sterne in gleicher höh« mit den Lichtern einzelner Häuser. Als er sich gesichert hatte, ging er vorwärts: den Knüppel in der Hand, stark, listig und wage- mutig. Er hatte Glück. Als er zurückkam, löste sich die Nacht in purpurne Morgenröte. In ihr flatterten Tauben mit rosig über- gossenen Schwingen. Große Karren, hochbeladen mit Flachs, rollten hinunter zur bleichen Lys und den nebligen Feldern an ihren Ufern. Einzelne Stengel blieben in den Hecken am Wege hängen. Die gelben Garben logen auf dem zarten Gras wie Klumpen Goldes. Die zarten Wölkchen am Himmel röteten das Feld. Em Stern leuchtete blaß wie das Licht der Laterne Constants. Die Nebel quirlten und schwelten, und es war, als ob weiße Feen mit goldenen Haaren in Schleiern schwebten. Constant Leynseele befestigte in seinem Knopfloch das flandrische Wappen: den schwarzen Löwen, der das zweiarmige rote Kre-nz trögt. Cr machte sich auf den Weg zur Propaganda unter den Flachsarbeitern jenseits Co-urtrai, Ueberall am Weg« sah man noch die Spuren der deutschen Besatzung: zementierte Unterstände und .zerstörte Brücken. Constant beachtete es kaum. Für ihn war der Defveiungstag feines Landes der 11. Juli 1302. Da hatten die flämischen Handwerker mit der französischen Kavallerie gründlich aufgeräumt. An diesem Tage hatten Constants Vorfahren den Reitern Philipps des Schönen die goldenen Sporen abgeschnallt. Das war für die Flachsarbeiter von Courtrai eine großartigere Erinnerung als die Scheiterhaufen Herzog Albas im Jahre 1560 oder die Landesverweisungen o. Vissings im Jahre 1916. Constant fühlte sich als Erbe des Ruhms jener fernen Zeit. Hierauf ruhte fein Glaube, hierauf ruhte sein Haß gegen die Französier und ihr« Sprache. Mehr als sechshundert Jahre waren vergangen seit jenem Tag, ar dem die französische Reiterei unter dem rauschenden weißen Banner auf Courtmi zugeritten kam, um den Mord an drei- tausend ihrer Landsleut« zu rüd>en. Die waren in Brügge vom Läuten der Frühmesse aufgeweckt worden: aber eh« sie recht aus der Schlaftrunkenheit erwachten, hatte ein tödliches Messer sie in den »wigen Schlaf versenkt. Man hatte kurzen Prozeß qemacht: Wer die Worte:„Schild en Driend"(Schild und Freund) nicht richttg aussprechen konnte— und das gelang den Franzosen mcht—, war dem Tode verfallen. Am Morgen der Schlacht un Jahre 1302 hatten die Flamen mit der Erde ihres Landes kommuniziert. Weil st« keine Hostie hatten, nahmen sie Heimatende in den Mund. Mit Hämmern, Sensen und Aexten, mit alten Waffen und Dreschflegeln marschierten sie in die Schlacht: andächtig und aufrecht, ds av«s zur Arbeil ginge. Nur«in Gedanke beseelt« sie, endgültig reinen Tisch zu machen. Keiner ihrer Feind« sollte mit dem Leben davonkommen. Als die gehernischte Kavallerie herankam und wütend sich auf sie geworfen hatte, verrannte sie sich In den Uferwiesen der sanften Lys. Und dann kam das bittere Ende. Haken, die dazu bestimmt waren. die Flachsbündel aus der Lys zu ziehen, versenkten setzt trie eisengepanzerten Feudalherren. Die Flamen triumphierten: stachen, töteten, schluflen die Köpfe ab und durchsdinitten die Gurgeln sran- zösischer Edeling«. Constant war stolz daraus, ein Nachkomme jener Männer zu i'ein, die Schuller an Schuller im Arbellskleid mit geschärften \ Messern den Eisenpanzern und langen Lanzen zum Totentanz auf- | gespielt hatten. Der alt« Haß des flandrischen Arbeiters gegen die i bewaffneten Edelherren lebt« fort im Geiste des katholischen Flachs- arbeiters, der jetzt fein Land vom Druck der französischen Sprache befreien wollte. Bor einer Flachsbrechem in Btssighem sahen mehrere Männer, die im Augenblick keine Arbelt hatten und rauchten. Wenn ein Wagen mit trockenem Flachs von der Lys heraufkam, legten sie die Hand über den Pfeifenkopf, und ehe sie wieder an die Arbeit gingen. schütteten sie sorgfältig die Glut auf die Erde. Der Brecher war schon auf dem Posten. Er schob die Stengel unter die gerieften Walzen, die das Stroh brechen, ohne der Faser zu schaden. Je«in Brecher arbeitel« an einer Walze, deren zwölf Schlegel aus Nußbaumholz in der Minute 160mal auf den Flachs zuschlugen, den eine geschickte, mit einem kupfernen Handgriff ge- schützte Hand unter sie schob. Dreiundvierzig barfüßige Männer beugten den Kopf über die Arbeit. Die Zeit, In der man den Flachs mit dem Schwingstock brach, war vorbei. Nicht einmal mehr auf einsamen Bauernhöfen fand man dies veraltet« Werkzeug. Für 40 Centimes die Stunde mieteten sich die Bauern«inen Platz an der Maschine. Das gelöste Stroh floß in den Dentilator. Hier war alles helles Holz und grauer Staub. Aeuherste Vorsicht war nötig, daß nirgendwo Funken absprangen. Em einziger Funke mußte den ganzen Arbeitsraum im Augenblick wie eine Fackel entzünden. Brach wirtlich an einem Ende Feuer aus, dann blieb nicht einmal Zeit, nach den Röcken zu greifen. Der Flugstaub«nt- zündete sich«xplosionsarttg. Unter den geschickten Händen erfahrener Arbeller wogten die Fasern im Luftzug der Schlegel. Leynseele trat zu den Arbeitern. Seine erste Frage war stets, ob sie mit dem Flachs Zufrieden wären. Er ging an eine Walz«, weil er zeigen wollte, was er konnte. An den beiden Nachbarrädern machte ein Alter die grobe, sein Sohn die feinere Arbeit. „Der Sohn kann mehr als der Bater", sagte Leynseele. Der alte Flachsbrecher wurde bös«. „Ich habe das Brechen besser musgehabt als irgendein anderer: besser, als du es vielleicht jemals lernst: aber ka»m man für sein Aller?" Ein zwölfjähriges Kind machte seine Lehrzell durch an Werg und kurzem Flachs. Leynseele, Hände spielten mit dem fchüi::::""tteriuT. Er breitete die Handvoll Fasern, die er gebrochen hatte, über dem l'.n-e aus, kämmt« sie mll gespreizten Fingern und liebtoste sie mit dem Rücken der Hand.„Ein schöner Flachs für Juli", sagte er. Den besseren, langstengeligen Flachs brach man im Winter. In feuchter Luft hielt er sich besser. In der trockenen Jahreszeit wurde nur der kurze Flachs gebrochen. Leynseele ließ die Fäden durch den zehnzinkigen Kamm laufen, dann durch den zwölszinkigen. Dabei wandt« er sich an die Arbeller: „Wir sind die Flad)skönige der Welt. Sollen ausgerechnet wir im eigenen Lande Sklaven der Französier bleiben? Wir wollen flämisches Milllär haben und unsere slämisdie Universität. Wir hätten das alles schon haben können, wenn ihr euch dem christlichen Verband angeschlossen hättet und wenn ihr alle das flämische Ab- zeichen tragt. Dieser flandrische Löwe hat damals in der Schlacht der goldenen Sporen gesiegt. Der wird uns auch helfen, wenn an einem neuen 11. Juli die Revolution kommt. Dann ziehen wir nach Courtrai und fingen unser Lied vom flandrischen Löwen. Die Aktivisten haben im letzten Krieg gut gearbeitet. Soll das alles umsonst gewesen sein?" * Eonstont setzte seine Propagandatour fort. El ging auf das andere Flußufer, um mit den Flachsbrechern von Loo zu sprechen. Hier arbeiteten nur die Männer an den Bottichen. Die Mädchen gingen in die Spinnereien von Mvuscron und Lille auf Arbeit. Die Qualität des Flachses in den verschiedenen Gemeinden war sehr unterschiedlich. Die zartesten Fasern hatte man in Weweglhem. Disseghem, Lauwe, Marck und Loo. Oestlid) von Cmirtrai sah es weniger gut aus: die Männer gingen im Hochsommer nach Frank- reich auf Landarbeit. Die Arbeit im Fluh machten die Frauen: die kleineren Bottiche faßten nur 1800 Kilo. Dies Jahr war«in gesegnetes Flachsjahr. Flandern sah wieder aus wie in seiner guten Zeit. Bis.weit über Eourtrai hinauf schwamm Stroh auf der Lys: bis zu den Gemeinden, die Leynseele niedrig einschätzte, soweit es ihren Flachsbau betraf, aber sehr hoch, soweit ihre Gesinnung in Frage kam. Er kannte jedes Haus, das am 11. Juli die gelbe Fahne mit dem schlvarzen Löwen gehißt hatte, und nicht minder jedes andere, das am 21. Juli, am belgischen Rationalsest, geflaggt hatte: zur Erinnerung an den Sieg über die Holländer. Eine üble Gesellschaft. In Cuerne, der ersten Gemeinde östlich Eourtrai. waren die Frauen dabei, die sdiweren Bündel aus den Botttchen in der Lys zu ziehen. Ein schönes kräftiges Mädchen stand aufrecht auf der überschwemmten Last und warf die triefenden Bündel ans User. Segelnde Schwalben streiften ihr blondes Haar. Der Flachs auf der Ebene sah hier grau aus: er war schlechter als der bei Wewelghem, der gelb aussah. Leynseele sah den gedunsenen Kadaver eines Hundes die Lys hinabtreiben. Offenbar war es derselbe, den er schon von seinem eigenen Bottich weggestatt hatte. Die schöne Arbeiterin madste dem Mann, der vom Oberlauf des Flusses kam, Lorwürfe: „Es ist verboten. Aas in die Lys zu schmeißen. Das kommt von euch da oben und schwimmt immer weller bis fCscaut und Antwerpen"(Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. nimmmmttimmmnm! Der Mann am Faden. Der neue Stern, der am Boxerhimmel ausgegangen ist, ist der italienische Riese Carnera. Schon allein durch sein Gewicht von über 2 Zentner, die riesenhaften Ausmaße seines Körpers und seine Bärenkräste ist er offenbar unschlagbar. In Amerika schreitet er gegenwärtig von Sieg zu Sieg und hat bei seinem letzten Auftrecen zum Niederschlag seines Gegner» in Memphis wieder nur 95 Se- künden gebraucht. Natürlich verdient Carnera entsprechend. Der Italiener, der vor 16 Monaten sich mit einem Tagelohn von 4 Mark zufrieden geben mußte, hat seit der Zeit seines Auftretens als Boxer schätzungsweise Einnahmen von 21000 Pfund, also etwa 420 000 Mark, gehabt. Allerdings— und das gibt wieder einmal einen Blick hinler die Kulissen des Berufssporllums— verbleibt Carnera davon nur der kleinere Tell, nämlich etwa 140 000 Mark. Der Rest ist verschiedenen anderen Leuten zugeflossen, vor allem dem Manager Jeff Dickson, der den ersten Kampf Cameras arrangiert hat und der den Italiener nur gegen Zusicherung eines laufenden Anteils aus dem für drei Jahre mll ihm abgeschlossenen Bertrag eMlass« hat. Weiter muß Carnera entsprechende Summen an leinen jetzigen europäischen und seinen amerikanischen Manager, 51ontae. 24. Februar. B e r 1 1■. 16.00 Sch-wibisch« Seimurren. Ertählt von Allred Auerbach. 16-30 Konzert. I. Bach-Feinber«: Choralvorspiel.(Alice Jacob-Loevrenson, Klavier.)— 2. Saminsky: Sechs Lieder aus dem russischen Orient.(Leo Riasanzew, Barlton. Am PlUrel: Alice Jacob-Loewenson.)— 3. Hauer: Klavierstücke, op. 26.(Crstaulführunj.)(Alice Jacob-Loewenson.)— d. Qretschaninow; Sechs muselmanlsche Lieder.(Leo Riasanzew.)— 6. Busonl: Fantasie In modo antlco, op. 33b.(Alice Jacob-Loewenson.) I7JO..Landhockey'-.(Sprecher: Bruno Boche) 17.35 Proaramm der Aktuellen Abtellnna. 18.20 Fritn Diltmar:„Betriebsräte und neuere Rechtsptechuna". 18. dO Prof. rreckmann: In der Sahara. 19.05 Aus Opern.(Marianne Mathy und Käthe Fritsch. Am FlUael: Karl Rocks troh.) 19.35 Else Lasker-Schttler spricht eiaene Gedichte. 20.00 Alte Mnsik. vir. Walter Sieder. I. Friedrich der Große; Sinfonie Nr. d.— 2. a) Qetry: Danse anlmde; b)- Oiuek: Qavotte: c) Boccherini: Menuett.— 3. Händel: Concerto(resso, B-Dar, Nr. 7, op. 6.(Mit- alieder des Orchesters der Staatsoper.) 71.00 Unterhaltucasmnsik. 2133 Lieder von Hans Hermann und Clemens Schmalstich.(Cornelis Brons- aeest, Barlton. Am FIDael: Die Komponisten.) Nach den Abcndmeldunaen: Tanzmusik. Anschließend bis 0.30: OrehesterkonzerL Kfinlaawnäterhansen. 16.00 Französisch' 173) Persische Musik mit Schallplatten.(Alois Melichar) 17.55 Prlv.-Dozenf Dr. Claubera: Infektionskrankhellen. 18.20 Lisa Tetzner erzählt orientalische Märchen. IS.dO Enzlisch für Anfänaer. 1905 Dichtunzen des Aiperikaners Walt Whitman, CinfBimn*: Wittebm Conrad Oomott Rezitation: Dr. Heinrich Michaelis. 19.30 Präsident Dr. Kutscher: Rundfunk und Landwirtschaft. 20.00 Unterhaltnnasmusik. 20.25 Dr. Dr. Frey; Qeatändnitae. 20.d5 I Heinrich Kaminski: Streichquartett F-Dur.•— J. Anton Breckner: Streichquintett F-Dur.(Oeman-Ouartett) Leon See und Friedman, abführen. Außerdem muß«r natürlich seinen Trainer, seinen Masseur und seine Trainingspartner be» zahlen, so daß auch die 140 000 Mark keine Reineinnahmen waren. Immerhin glaubt man, daß Camera es bei seinen Boxqualitäten zu einem ansehnlichen Dermögen bringen wird. „Filmdorado" Hollywood. Vom Filntttrbellsantt in Hollywood, durch da» die Arbeit so er- mitllung für Chargenspieler und Statisten in der Filmstadt Holly- wood erfolgt, trifft die Nachricht ein, daß die Zahl der Arbeit- suchenden, die bei dem Filmarbellsami eingetragen wurden, im letzten Jahre 17 541 betrug und damll einen Rekord erreichte. Bon diesen 17 5 41 Arbeitsuchenden hatten nur 329 Personen durchschnittlich einen Tag in der Woche während eines ganzen Jahres Arbeit. Also wohlgemerkt: Bon rund 17 0 00 Menschen haben 30 0 Menschen einenTog inderWvche Verdienst: wie lebten sie die übrigen 6 Tag« mtd wovon lobten 16 700 Menschen überhaupt? Im ganzen wurde 262 95Smal Arbeit vermittett, gegen 276 155 Vermittlungen im Jahre 1928 und 330 397 int Jahre 1927. Also ein deutlich wahr- nehmbarer Rückgang der Arbeitsmöglichkell, ganz abgesehen von der geradezu katastrophalen Lage des dortigen Arbellsmarttes überhaupt. Ein Kinderfchutzgefetz gibt es in Amerika leider nicht. Bon den 16 7 9 zur Vermittlung eingetragenen Kindern erhielten 9 07 an einem Tag wöchentlich im Jahre Arbeit und nur sieben K ind er für 40 bis 70 Tage. Nüchterne Zahlen sprechen hier eine deulliche Sprache! Schurz vor betrunkenen Chauffeuren. Im Finnischen Parlament wurde ein Gesetz angenommen, laut welchem jedem Automobillenker, der in betrunkenem Zustand beim Chauffieren betroffen wird, der Führerschein auf«in« Zeit von mindestens fünf Iahren entzogen wird.. Volkszählung bei den Ameisen. Der englisch« Naturwissenschaftler Prof. Andrews beschäftigt sich mit der Frage, wieviel Ameisen zu einem einzelnen Ameisen- staat« gehören. Er hat einen kleinen Ameisenhügel ausgraben und in sein Institut bringen»lassen und begann dort die Ameisen zu zählen. Er stellt« dabei fest, daß dieser kleine Staat von fünf Königinnen regiert wurde, denen etwa 26000 gewöhnlich« Ameisen unterstellt waren. Die neuen Grenzpfähle. Aus der Ausschreibung de» Reichsinnenministeriums zur Er- langung von Entwürfen für künstlerische Grenzpfähle ist von den 18 dazu aufgeforderten Künstlern Professor Alfred Bock« (Kassel) als Preisträger hervorgegangen. Der preisgekrönt« Pfahl trägt auf der einen Seite eine Scheibe mtt dem Reichswappen und dem betreffenden Landeswoppen, auf der anderen Seit« das Hoheitszeichen de» an Deutschland grenzenden Landes. Fiat justitia... Ein WsShriger Musiker hatte sich in selbstmörderischer Absicht vor einer. Stadlbahnzug geworfen, war aber wie durch ein Wunder unverletzt davongekommen. Unverletzt— und das war fein Un- glück. Obgleich er die Tat nachweislich begangen hatte, weil er seit fünf Tagen ohne Wohnung und ohne Nahrung gewesen war. wurde er von der Polizei wegen Tronsportgesährdung und--- unbefugten Betreten» de» Bahnkörper» dem Untersuchungsrichter eingeliefert. Fleißige Arbeiterschwimmer. Schwimmfest in Lichtenberg.— Wasserballspiele im Lunabad. Der Berliner Zlrbeilerschwlmmsport hat sich durch seine steks glänzend ausgezogenen Schwimmfesle eine grosze Zlnhängerschasl gc- sicherl. das bewies auch gestern wieder der Massenbesuch im Städtischen Volksbad Lichtenberg, wo die Gruppe Lichtenberg der Freien Schwimmer Groß-Verlin zu ihrem Z. Gruppen- schwimmfesl. das bundesosfene Konkurrenzen einschloh, eingeladen hatte. Ganz besondere Sorgfalt hatten die Veranstalter diesmal auf die Ausschmückung der großen Schwimmhalle verwandt, die in roten und schwarzrotgoldenen Farben sich festlich darbot. Als um 15 Uhr die schwimmsportliche Veranstaltung mit einer kurzen Vegrüßungs» anspräche Frieseckes eröffnet wurde, der sich ein vom Wasser aus gesprochener Prolog einer jungen Schwimmerin anreihte, war die Halle bis auf den letzten Platz besetzt. Mit einer Staffel über IvXSll Meter nahmen dann die eigenttichen Wettbewerbe ihren Beginn.„Hellas*,.Lichtenberg* und„Neukölln* hatten zum Start gemeldet. Di« Hellenen gewannen nach scharfem Kampf in S: 18,6 Minuten vor Lichtenberg mit 5; 21,5. Im Ersllingsschwimmen für die Vertreter beiderlei Geschlechts gab es schon recht beachtenswerten Sport und es wurden zum Teil gute Zeiten herausgeschwommen. Die übrigen zahlreichen Konkurrenzen, über deren Ausgang unr zum Schluß unter Resultate berichten, waren hart umstritten. ASV. Hellas belegte in den bundesoffenen Konkurrenzen die Mehr- zahl der ersten Plätze und bewies damit wieder, daß sich der Verein weiter in großer Form und aufsteigender Kurve befindet. Außer den Rettungsvorführungen und einem humoristischen Sprung- künstler, der die Lacher auf seine Seite bracht«, wäre noch der Frauenreigen der Lichtenberger zu nennen. Unter der bewährten Regie von Aenne Wolter führten 20 Reigenschwimmerinnen, unter denen sich 15„Erstlinge* besanden. ein ganz famoses Programm vor. Viel Beifall dankt« für die guten Leistungen. Rtlnltate. Erstscknvimmc» i»i>ab«n)! 1. E. Kenschoff«7,!: 2. G. Ntihlkr 1:(C,4. Möd-hcn! 1. 2. Richter 57; 2.©.©üsterbon 1:12,8. Männilis« Suflcnbi 1. E. r-rccff«7; 2. R. Rikptc 5ö,7.— Schülerschwimm«»(Rnabcn): 1, ffl. Reimer :tn,C: 2. R. Astcukirch 40.8; 3. ff. RoiusK 41,4: 4. R. Graul!»« 42,5: 5.®. Uan«e 43,9. Miidche»: 1. 2. Sjöhitc 49.6: 2.®. Sunitzch« 50. Weiblich«. I»«end- brnftschwimmen, 19» Meter, 14 bi» 16 Ialir«! 1. D. Braun 1:42,6: 2. L. Rede- wald 1:45. 16 bis 18 Jahre: 1. Sinii-Ncukelln 1:49: 2. Barlkiwiez 1:57.4.— MSnulich« Juneub-Brusislasicl 4X3» Meter: 1. Reulvlln I 2:44,8; 2. Lichte». der« 1 2:49.1: 3. ffrietrich-bäin 2:4SR.— M-»ner.R«ckcnschwtmm«n, 109 Meter sintern): 1.®. Gamva 1:25,3; 2.®.®ns»I 1:26,6; 3. 93. fticncc 1:27,2.— ffrauenbrustschwimme», 5» Meter sintern). 1.®. Wenk 52,1; 2. L. Ballack 5Sd: 3. N. Echnridt 1:01.— Altersrie««! 1. E. Schmoock 57; 2. A. Wolter 1>06L: 3. E. BSdner 1:97�.—«nabenlaqenstasfcl. 4X59 Meter- 1. Lichtender« I 2:48,3; 2 Lellas 2:51,5.— B«licbi«swsscl. 4X5» Reter, weibliche Zn««»d- 1. Neukölln 2:46.4: 2. Lichtender« I 3:99,2.- Männliches Iuaeild-Brustschwimmen. 199 Meter sintern): 1. E. Sricnle 1:S9L: 2. 93. Braun 1:39,8; 8. ffi. Lartmann 1:40; 4. M. Berti 1:40,1.— Männer. Ltaen. ftaffel, 4X10» Meter: X. Hellas 5:06; 2. Neukölln 5:24�. Gharlottenbur» diltaniiert.— Weiblich« Jn««iiS, Deliebi«schwimmen. 5» Meter sintern): 1. E. Tomava 44 Xi: 2. S. Raiser 45�; 3. D. Braun 47,8.— twaben-Stafsel beliebt«, 6X60 Meter: 1. Lichtender« I 4:11,3: 2. Lichtenberg II 4:11�. Hellas 3:53,4 d stansiert.— Männlich« Juge- d-Lagcustaffcl, 4X50 Meter: l, Hellas 2:28,8; 2. Zlcukölln 2:34,8; 3.ffricbrichshain 2:41 ti.— Männer-Brustschwimmen. 100 Meter sintern): 1. Ä. Engel 1:36: 2. 33. Lewantowsli 1:37; 3. ff. D,iobeck 1-38,8.— Männcrschwimmcn, beliebig, 190 Meter sintern): 1. R. Werner 1:15.4: 2.®. Engel 1:18: 3. G. Eampa 1:18,6.— ff raurn. Lagenstaffel. 4x50 Meter: 1. Lichtenberg I 3:19,6.— Ziltersriegen-Laaenstassel, 4X50 Meter: 1. Lichtenberg I 2:55.8: 2. Neukölln 2:56.— Wafferballspiele: Lichtenberg gegen Union 7:0. Hellas gegen Lichtenberg sMänncr) 7:4<2:2). Die Wasser bsliserie. Neptun-Weifjcnscc--- Hellas 9: 6. Am Sonnabend standen sich im Lunabad die Arbetter-Schwimm- vereine„Hellas* und„Neptun"-Weißenlee zum fälligen Serienspiel gegenüber. Beide Mannschaften standen nur einen Punkt ausein- ander an der Spitze der Tabelle. Gleich bei Beginn legt Neptun mächtig los, es fallen in kurzen Abständen drei Tor«. Das erste Tor kam auf eine Vorlage an den rechten Stürmer ein. der den Ball aus der Luft an den überraschten Berteidiger und den Hellas-Torwächter vorbei einsendet. Auch das zweite Tor kommt auf fein Konto. Das dritte Tor erzielt der Mittelstürmer. Dann kommt Hellas auf: als der linke Hellas- Stürmer mit dem Ball vorkommt, wird er regelwidrig angegriffen, der rechte Verteidiger Neptuns muß hinaus. Hellas bekommt einen Strafwurf, der das erste Tor für sie einbringt. Es folgen dann noch zwei Tore, vom linken und Mittelstürmer geschossen. Hellas hat den Vorsprung wieder eingeholt. Der Anwurf wird von Hellas abgefangen und bald steht es 4: 3 für Hellas. Neptun kann noch zweimal durch seinen linken Stürmer erfolgreich sein. Halbzeit 5: 4 für Neptun-Weißensee. Nach Wiederbeginn kann Hellas in der ersten Minute gleich- ziehen, während Neptun durch seinen rechten Stürmer durch ge- schickte Täuschung zum sechsten Tor einsendet. Gleich darauf muß der Mittelstürmer Neptuns das Waffer oerlassen und Hellas kommt wieder auf 6:6 heran. Der Mittelstürmer Neptuns kann nun wieder mitmachen und kommt mit dem Ball bis dicht vvrs Hellas- Tor: er wird regelwidrig angegriffen, der Hellas-Spieler muß hinaus. Der folgende Strafwurf wird verwandelt zu 7: 6. Der Mittelstürmer schafft dann das achte und der Verbindungsmann von Neptun das neunte Tor. Das Spiel endet mit 9:6 Toren für Neptun- Weißensee. Beide Mannschaften waren gleich gut. Das Resultat hätte auch leicht anders lauten können. Hellas die schneller«, Neptun die taktisch bessere Mannschaft. Schiedsrichter gut. Die Rasenspiele am Sonntag. Arbeiter-Fußball und-Hockey. Am gestrigen Sonntag standen sich in Luckenwalde die dortige V. Abteilung der Lucken walder Turnerschast und die I. Abteilung im Fußballspiel gegenüber. Im ollgemeinen rechnete man mit einem Sieg der l. Abteilung, um so überraschender kam aber deren Niederlage mit 3:2.— Die III. Abteilung spielte gegen Branden- bürg und gewann sicher mit 4:2.— Lichtenberg I hatte Union- Tempelhof zu Gast. Nach wechfeloollem Spiel konnte Lichtenberg I nur knapp 4: 3 gewinnen.— Neukölln weilte in Trebbin; die Trebbiner mußten sich dem besseren Spiel ihrer Gäste mit 2:5 beugen.— Vorwärts gewann gegen Saxonia 4:1.— vberfpre« gegen Oststern 4:9.— Weißensee gegen Spandau 25 2:9.— Nuhlsdorf gegen Treuenbrietzcn 1:7.— Borussia gegen Storkow 4:1.— Potsdam gegen Rathenow 1:5.— Nowawes gegen Cladow 5: 3. Aweite Mannschaften: Lichtenberg I gegen Schöneberg 7:1.— Luckenwald« V gegen Luckenwalde I 6:0.— Luckenwalde III gegen Ruhisdorf 4:1.— Kloster Zinna gegen Treuen- brictzen 6:9.— Neukölln gegen Löwendorf 2:9.— Weißensee gegen Spandau 3:9.— Butab gegen Knoblauch 9:3.— Nowawes gegen Cladow 1:3.— Iugendmannschaften: Lucken- walde III gegen Luckenwalde V 9:1.— Lichtenberg I gegen Saxonia 2 5:1.— Vorwäts-Wedding gegen Schöneberg 4:9.— Nowawes gegen Brandenburg 2:9. Auswärtige Hockcygästc. FTGB. Nordring I-Coltbu» I 3:0(0:0). Tin eisiger, scharfer Ostwind jagte über die Spielfelder, als die Kottbuffer Mannschaft zum ersten Pslichtspiel auf Berliner Boden antrat. Kottbus wählt den Wind im Rücken, und es beginnt ein interessantes, schnelles und schönes Spiel. In der ersten Halbzett(9: 9) stehen die�Kottbusser groß da und leisten ernsten Widerstand. Durch große Stocksicherheil, besonders der Berteidigung und der Läuferreihe, gelingt es ihnen, alle Angriffe Nordrings zum Stehen zu bringen. Fast unüberwindlich scheint der rechte Verteidiger, an dem Nordrings Sturm nicht vorbeikommen kann. Auch die Stürnier lassen sich gut an, doch hier zeigt sich klar dl« Unvollkommenheit, sie wissen mit dem Ball vor des Gegners Tor nichts anzufangen. Nach der Pause ein sehr verändertes Bild. Der Wind und das scharfe Tempo ließen die Kottbusser Mannschastjiicht durchstehen. Die Nordringer beherrschen jetzt vollkommen das Spiel, sie kommen kaum noch aus des Gegners Hälfte. Geschickt und unter- stützt durch planvolles Flügelspiel wird des Gegners Kraft über- wunden. Auf ein« Flank« von rechts greift der Kottbusser Torwächter richtig ein, wird aber von seinen beiden eigenen Verteidigern hart bedrängt, so daß Nordrings Mitte freistehend zum ersten Tor ein- sendet. Wieder gibt der Mittelläufer den Ball nach rechts. Rechts- außen flankt und prompt eingelenkt sitzt Tor zwei. Noch einmal gelingt es Nordring. freistehend zum dritten und letzten Tor ein- zusenden. Nur wenig Zett vor Schluß kommen die kottbusser noch einmal gut in Fahrt, Nordrings Tor kommt eimge Male hart in Bedrängnis, aber ergebnislos wird auch dieses überstanden. Kottbus ist ehrenvoll dem technisch besseren Gegner unterlegen. Athlettk-Sport-Elub I und Nordring 2 trennen sich 1: 9. Der ASC. ist die bessere Mannschaft. Nordring 2 ersetzt aber die technisch« Ueberlegenheit des ASE. durch großen Eiser. Es zeigt sich die alt« Erfahrung, daß der kleinere an seinen großen Gegner heran- wächst. Die Nordringer laffen durch immerwährende Störunosarbeit den Gegner nicht zur Entfaltung kommen, andererseits aber sind sie nicht' stark genug, um mit einem Torerfolg den Gegner zu übe?- winden.— FTGB. Ostring 1 gewinnt gegen FTGB.-Neukölln 1 6:9. Bei gutem Tempo entwickelt sich Ostring gut. Der Mitte«. läufer kann besonder» gefallen. Auch die Verteidigung gab ihr Bestes. Neukölln vaßte sich gut an, konnte ober mit der befferen Technik des Gegners nicht mithalten. Sie waren aber sehr schnell lind die Stocksicherheit teilweise sehr gut.— FTGB. Ostring 2 gegen FTGB. Martendorf 16:1. Ein schöner flotter irnd technisch inter- estanter Kampf. Ostrings Stürmerreihe gab ein prachtvolles, un- eigennütziges Spie! zum Besten, das bei den zahlreichen Zuschauern vollen Beifall fand. Mariendorf hat die hohe Niederlag« vielleicht dem heutigen Spielerwechsel zu verdanken.— ASC. 2 und Pan- kow 1 trennten sich 2: 1. Technisch waren die ASEer etwas bester, aber Pankow hatte etwas mehr Druck im Sturm. Di« häufigen Torgelegenheiten wurden infolge mangelnder Ballbehandlung nicht ausgenutzt.— Ostring 3 und Neukölln 2 spielten 3: 1 und Pankow 2 gegen Martendorf unentschieden 1: 1. Bleibt zu erwähnen, daß sich die Spielansetzung der Mannschaften von Gruppe B gegen A bewährt hat. Es gab viel neue Anregung, so daß sich ein andorer Versuch lohnen würde, falls genügend Zeit außerhalb der Serie vorhanden ist.—er. Motorräder im Winter. Die Zielfahrt des DMV. Zielfahrten und Sternfahrten erfreuen sich in den breitesten Kreisen der Motorradfahrer großer Beliebtheit. Das hat auch wieder die am Sonnabend und Sonntag vom Deutschen Motorradfahrer- oerband veranstaltete Winterztelfahrt nach Berlin gezeigt. Rund 1699 Maschinen dürften es gewesen sein, die das Ziel im Saal- bau Friedrichshain am Sonntagnachmiltag passiert haben. Rechnet man noch die vielen Seitenwageninsassen, die Sozien beiderlei Ge- schlecht» hinzu, so mögen mehr als 2999 Teilnehmer hier versammelt gewesen sein. Die Zielkontroll« hatte alle Hände voll zu tun, um die Ankömmling« in Schoren abzufertigen. Ersreulichcrweis« ging aber alles reibungslos vonstatten. Es war für alles gut vorgesorgt. Daß Motorräder heute anstandslos auch große Entfernungen zurücklegen können, braucht ja nicht mehr unter Beweis gestellt zu werden. Der Zweck, größere Tourenfahrten mit dem Motorrad auch in der un- freundlicheren Jahreszeit zu fördern, dürft« diese Veranstaltung zweifellos erfüllt haben. Trotz teils großer Erttfernungen kamen die Fahrer frisch und vergnügt in Berlin an, freudig, ihr Ziel erreicht zu haben. Es wäre aber künftig ernsthaft in Erwägung zu ziehen/ daß solche Fahrten lediglich Amateurfahrern vorbehalten bleiben. Sie bestreiten oft genug solche Fahrten unter Auferlegung großer Opfer, die dann zunichte werden, wenn sie mit Teilnehmern in Kon- kurrenz treten müssen, die ganz oder tcttwcis« mit Fabrikunterstlltzung fahren. Läßt sich schon bei Rennen und Prüfungsfahrten in dieser Hinsicht keine reinliche Scheidung vornehmen, so wäre das aber zweifellos bei einer derartigen Veranstaltung, wie sie die Winter- zielfahrt nach Berlin darstellt, möglich. Di« Leistungen der v-Rad- Mannschaft Polster, Prybylski und Ischinger, die in Toulon starteten und 1797 Kilomeier zurücklegten, die 1179-Kilometer-Leistung des ausgezeichneten Langstreckenvirtuosen von Krohn(Zündapp) sollen gewiß nicht geschmälert werden, gegen sie werden reine Amateur- fahrer aber immer im Nachteil sein. Deshalb laste man wenigstens einmal bei dieser Beranstaltung diejenigen unter sich, die um des reinen Sports willen fahren. Stern- und Zielfahrten sind«in« schöne Sache. Wie leicht man aber um den sicheren Sieg um Haares- breite vorbeikommen kann, hat auch diese Fahrt wieder gezeigt. Der Berliner Polizeifahrer Gronemann war mit seiner Harley. Davidson in Trieft gestartet., von dort nach Berlin eine Distanz von 1219 Kilo- merer. In seiner Klaffe konnte er aber nur den zweiten Platz belegen, weil Schwanekow-Berlin lTornax) eine um drei Kilometer längere Streck« durchfahren hatte, indem er in Orleans gestartet war. Das ist eben Pech das man mit Würdc tragen soll! In der Klaff« der kleineren Solomaschinen(bis 399 ccm) blieb von Krohn(Zündappi vor Petsch und Regling ans dem gleichen Fabrikat Siegen Sie hatten 1179, 1192 und 899 Kilometer be- wältigt. Bei deii stärkeren SolMnaschinen belegten die erwähnten O-Rad-Fahrer die ersten Plätze, denen Krüger und von Mantburg. beide ebenfalls auf V-Rad, mit 1231 und 1097 Kilometer folgten. Dt« drei Seitenwagcntlaffen sahen Borchert-Berlin auf AIS.(899 Kilo- meter), Lothert-Spandau auf V-Rad(1314 Kilometer) und Schwane- kow auf Tornax(1213 Kilometer) als Klassenerste. Die verschiedenen Fahrer, die in den einzelnen Kategorien die ersten, zweiten und dritten Plätze belegten, waren in Chartres, Bafel, Gens, Toulon, Chamberry, Paris, Reutlingen, Lyon, Montreux, Orleans, Trieft, Witna und Riga gestartet. Bemerkenswert ist, daß auch«ine Reih« ausländischer Fahrer, vor allem Letten und Polen, sich an der Fahrt beteiligt haben. Frhz Wittekinei WeN»n». M'ttwvch. 26. ffebruar. 20 Uhr. startestfistuna im Restaurant..3ui Linde", Uferstr. 13. Aueaab« der starten riir unsere ffuäenbwerbeveranstaltun». steaelUnb„stampfbäbne- ähaelotrenbnra Dienataa. 25. ffebruar, 2» Uhr. »»««ladend in.Thoms«estlerheim", Ebarlottcudur». Spreestr. U.«enler«Iß Gäste willkommen. Oer Weg zur rechten Nahrung. Ausklärungsarbeit auch in der Schule. Im Anschluß an die große Berliner Ernährungsausstellung des Jahres ISA hatte sich unter Führung des bekannten Landtags- abgeordneten des Zentrums Professor Dr. Martin Faßbender ein Reichsverein Volksernährung gebildet, dessen chaupiausschuß sich unter sorgsältiger Vermeidung von Sozialdemo- traten im wesentlichen aus Angehörigen des Zentrums, der Dolkspartei und der Deutschnationalen zusammen- setzt. Man findet darin u. a. Dr. Kermes, Reichskanzler a. D. Luther, Reichsminister a. D. Schiele, Oberbürgermeister Adenauer. Kommerzienrat De m m e r vom Reichsverband der Deutschen Industrie, Reichsminister a. D. chaslind«, Frau M e n d e, Frau Hedwig H e y l. Der Verein will sagungsgemäß durch Aufklärung aller Bevölkerungskreise die Kenntnisse über gesunde zweckmäßig« Ernährung fördern; er will dazu beitragen, die deutsche Ernährung wirtschaftlich rationell zu ge- stalten, hierzu eine Verständigung der beteiligten Wirtschaftskreise und Austausch der Erfahrungen herbeiführen. In ähnlichem Sinn äußerte sich auch Professor Faßbender, als er soeben eine Sitzung des Unterausschusses für Schule und Volksernährung im Preußischen Landtag abhielt, die gut besucht war. Der Redner wandte sich dagegen, aus dem Gebiet der Volksernährung, wie er sagt, mit Zwangs« maßnahmen vorzugehen, und bezog sich dabei auf die Frage der Verwertung unseres Roggenüberschusses. Der einzig mögliche Weg sei der der folgerichtigen Aufklärung der Massen. Allerdings seien nicht alle Fehler in unsere Volksernährung auf mangelnde Erkenntnis, sondern sehr oft auch auf Mängel des Charakters und des Willens zurückzuführen. Weite Kreis« stehen Im Banne des Gaumens und lassen sich nur leiten von dem, was gut schmeckt. Dann sprach der Hauptgeschäftsführer des Vereins, Dr. Ziegel map er- Potsdam, über die praktischen Aus- gaben, deren Bearbeitung der neue Ausschuß sich widmen wird, und seine Ausführungen galten im wesentlichen der Schule und ihren anwesenden Vertreterinnen und Vertretern. Es müsse, so sagte er. eine der wichtigsten Aufgaben der Schule werden, den jungen Mädchen die Grundzüge der Ernährungswissenschaft,— denn ein« Wissenschaft ist es tatsächlich— beizubringen. Der natur- wissenschaftliche Unterricht. Physik. Chemie, Anatomie, Physiologie usw., habe dem Menschen und seiner Ernährung zu dienen und es sei in der Tat unendlich wichtiger zu wissen, welche Bedeutung und welchen Einfluß z. B. das W a f s e r, die Stärke, die Salze, di« Säuren auf unseren Körper haben, als etwa die Natur- geschichte des Nilpferdes und des Känguruhs zu kennen. Die wohlbegründeten Ausführungen des Redners ließen uns befürchten, daß die Schülerschaft wieder allzusehr mit reinem Wissen bepackt werden soll, trotzdem der Redner die Bedeutung der Praxis be- wnte. Neugierig sind wir zu wissen, wie sich Herr Professor Faßbender, dessen ehrliches und bestes Wollen wir ohne weiteres gerne anerkennen, sowie sein Vorstand und sein Ausschuß in einer Zeit, in der täglich Tausende brot. und arbeitelos gemacht werden, die gesunde und vernünftig« Ernährung dieser Menschen selber und ihrer Kinder vorstellen. Daß uns diese unsere Volksgenossen mit ihren Kindern nicht nach und nach an Unterernährung und Hunger hilflos und erbärmlich zugrunde gehen, ist zur Zeit eine der größten und wichtigsten Sorgen. China kaust kaiserliche Offiziere. Ein gefährlicher Importartikel. Schanghai, im Februar.(Eigenbericht.) Die deutsch« Exportstatistit noch China, di« sich nach Beendl- gung de» Weltkriege» wieder erfreulich gesteigert hat, ist seit dem Besuch der chinesischen Milüärmission in Deutschland im Jahr« 1928 um«inen neuen Artikel bereichert worden. China entwickelt sich zum Abnehmer von ehemaligen deutschen Ossi- zieren, denen die politischen Verhältnisse zu eng geworden sind. Materielle Not treibt die Träger der Namen, di« in die Geschichte aller offenen und geheimen Angriffe gegen die Republik verwickelt gewesen sind, gewiß nicht au» dem Baterlande, denn die viel- geschmähte Demokratie ist ihnen gegenüber nicht kleinlich gewesen, und si« können sicher in der Heimat ein ruhigeres und bequemeres Leben führen als arbeitslose Proletarier. Ein so erfreuliches Zeichen der Exodus dieser unruhigen Elemente für die innere Konsolidierung Deutschland« auch sein mag— ihr Zug nach China ist das Zeichen, daß sie gegen die neue Ordnung in Deuischland nichts mehr unternehmen können—, für den ohnehin politisch stark bewegten Osten ist ihr Auftauchen«in bedenkliches Symptom. Die chinesische Demo- kralic hat deshalb gegen das Engagement Hauptmann K r i e b e l s — der übrigens inzwischen verstorben ist—- und seiner Gesinnungs- freupds nackchrücklichcn Widerspruch erhoben. Auch gegen da» Engagement von Baue r.Jatf von dem Präschenten der chinesischen Republik Tfchian Kai Schet derart geschätzt wird, das; er ihm stets persönlich in den Mantel hilft, ist von maßgebender chinesischer Seite bei dem Präsidenten der chinesischen Republik nachdrücklich prote- stiert worden. Der Warnruf gegen das System und feine Helfer ist von einem Mann ausgestoßen worden, der wegen seiner radikalen Haltung von den Machthaber» aus der Partei ausgeschlossen und des Landes verwiesen worden ist. W a n g C h i n g W e i ist jedoch in Wirklichkeit mehr als ein Politiker, der böse ist, weil er nichr mit dabei sein darf. Er ist der Hüter des Sun Dat Senschen Erbes, dessen Sekretär er lange Jahre gewesen ist. In ihm leben die großen Traditionen des Vaters der chinesischen Revolution weiter fort, und er hat die Berbannung einem faulen Kompromiß mit den Profi- teuren der Ideen seines Lehrers vorgezogen. Hinter ihm und dem radikalen Flügel der chinesischen Freiheitsbewegung stehen di« Massen, die einmal die Geschichte eines erneuerten China bestimmen werden. Seinen Triumph hat Tfchian Kai Schet nämlich nicht gegen die Voltsbewegung, sondern gegen einige revoltierende Generale seines Schlages errungen, die geglaubt haben, daß die Verbrämung ihrer persönlichen Rivalitäten mit der Idee der wahren Demokratie ihnen neue Verbündete zuführen wird, Die jüngsten Auseinander- jetzunxen in China sind in Wirklichkeit nur eine Forlsehung des ewigen Streiks der vnodezmachlhaber um den Lefitz Nanking» und der Küste gewesen, da sich hier die zur Behauptung der Militärdiktatur not- wendigen Mittel durch die Eintreibung der Seezölle und durch Finanzgeschäste mit chinesischen und europäischen Kapitalisten am leichtesten und bequemsten machen lassen. Der Erfolg Tschian Kai Scheks darf nicht über die Schwäche seiner Position hinwegtäuschen. Er verdankt den, übrigens mir mit Mühe errungenen Sieg einzig und allein seinen besseren militäri- schcn Machtmitteln, an deren Aufbau und Ausbau die deutschen Instrukioren seiner Truppen nsirklich den entscheidenden Anteil hatten. Die Heranziehung neuer deutscher Offiziere dient allein dazu, dem schwankenden Gebäude der Herrschaft Tschian Kai Scheks und seiner Clique einige neu« Stützen zu geben. Die deutschen Offiziere, die noch China berufen wurden, sind nicht als die Re- organisatoren der Wehrmacht eine» großen Reiches bestimmt, fern- dern der Stamm für die Prätorianergarde eines um feine Existenz besorgten Tyrannen, dessen Thrönchen, wie der Verlauf der jüngsten Phase des chinesischen Bürgerkrieges gezeigt Hot, auf sehr wackligen Füßen steht. Auf keinen Fall dars man sich in Deutschland dem Glauben hingeben, daß da» Erscheinen der deutschen Militärmission«inen moralischen Erfolg der deutschen Sache in China bedeutet. Dos Gegenteil ist vielmehr der Fall; obwohl sich di« deutsch« Regierung in der Angelegenheil durchaus korrekt verhallen hat. Man schätzt dies hier um so mehr, weil man genau weiß, daß sie sich in einer Zwangslage befindet. Man berücksichtigt sehr wohl, daß Deutschland Cxoffiziere als Privatpersonen nicht daran hindern kann, zu tun. was sie wollen, obwohl die Sympathien des freiheitlichen China durch die deutsche Leibgarde Tschian Kai Scheks kaum eine Förderung erfahren werden. Noch bedenklicher werden die Folgen des von Tschian Kai Schek unternommenen Schrittes auf die geistige Einstellung der Freiheitsbewegung in den übrigen asiatischen Ländern sein, die allmählich Im Militarismus das wichligste Hilfemittel im Kampf für ihre Selbstäadigkeit zu erblicken beginne«. Das zweifelhafte Verdienst für die Erhebung der Gewall zun, Dogma des asiatischen Freiheitskampses gebührt allerdings weniger den deutschen Militaristen als den Russen, doch steht zu be- fürchten, daß die Deutschen in dieser vergifteten Atmosphäre mit deutscher Methodik und Gründlichkell die nötigen organisatorischen Voraussetzungen schassen und in dem drohenden Chaos eine ähn» lichc Rolle wie di« griechischen Söldner des Altertums und die Landsknecht« des Mlltelalter» spielen«ve»den. Bei den indischen Nationalisten hat da» Auftauchen der deutschen Offiziere in China jedenfalls schon einen großen Eindruck hervorgerufen. Sie glauben, daß ihr Sieg über England nur mll Hjlfe eines starken Heeres mög- lich sein wird, und sie sehen in dem Schritt Tschian Kai Scheks «inen nachahmenswerten Versuch, da lhnen England die Schaffung eines indischen Nationalheeres mit modernen Kriegsmitteln ver- weigert. Für die Beziehungen Europas zu Asien und für die fricd- lichc Entwicklung des asiatischen Kontinents eröffnen sich durch das drohende Umsichgreifen dieser Praxis wenig glückverheißende Per- spektiven. Wirtschaftliche Not und kriegerische Abenteuerlust treffen sich mit den Bedürfnissen unklarer Schwärmer und ehrgeiziger Glücksritter. Ihre Koalition wird das nötige tun, um Asien mit dem Geist des Militarismus zu infizieren, wozu eigentlich nichts weiter nötig ist, als Geld zum Aufbau eines kriegerischen Apparates. Das Erscheinen ehemaliger Berusssoldaten im Fernen Osten erhält da- durch seine besonder« Bedeutung, weil es nicht nur ein Einzelfall fein wird, sondern als«in Symptom für eine neue Epoche im Denken und Handeln des Ostens gewertct werden muh. Europa sollte daher diesem Intermezzo ein« größere Aufmerksamkeit schenken als das bis jetzt der Fall ist, denn die Befürchtung liegt nahe, daß über diesen Umweg das in Gens begonnene und augenblicklich in London so hoffnungsvoll sortgesetzte Werk zur Befriedigung der Menschheit zum Teil illusorisch gemocht wird. Student Wessel gestorben. Das Opfer kommunistischer Blutrache. Der ZZjöhrige«alionalsozialistische Student Horst Wessel, der am 14. Januar d. 3. in seiner Wohnung in der Großen frankfurter Straße 62 von mehreren Kommunisten überfallen und niedergeschossen wurde, ist am Sonntag früh Im Krankenhans am frtejdrichshaiu gestorben. Di« Bluttat hat bekanntlich viel Staub aufgewirbell.. Bon der kommunistischen Presse wurde die Zugehörigkeit der Täter zur KPD. mit frecher Stirn bestritten, obgleich es der politischen Pol'zei schon nach kurzer Untersuchungssührung gelungen war, di« Mordtat als polit ifchen Racheakt zu klären und die intellektuellen Urheb-r bloßzustellen Der Haupttäter, der Arbeller H ö h l« r aus der Mulockstraß«. in seinen Kreisen bekannt unter dem Spitznamen „A l i", war nach seinem eigenen Geständnis seit fünf Iahren Mit- glled der KPD. und stellvertretender Bcreutcholl'iührer der dritten Bereitschaft der Sturmabteilung Mitte der KPD. Während die kommunistische Presse frech weiter log und alle Beziehungen zu Höhler ableugnete, wurde Höhle r, wie er selbst zugab, von kom- munistischen Funktionären acht Tage lang in der Villa der Mi.- inhaber der Inseratenexpedition für Arbeiterzeitungen in Glienicke bei Hermsdorf verborgen gehalten. Mll einem falschen Paß flüchtete Hohler dann in einem Auto der Ins'rotenexp?d! ion über die tschechisch« Grenze. Al? Höhler de» Versuch macht«, heimlich wieder nach Verlin zu gelangen, wurde er ver- haftet. Auch sein« Spießgesellen sind inzwischen sämtlich hinler Schloß und Riegel gebracht worden. * Die BerLner Pol'zei nahm am Sonntag nach Beendigung einer kommunistischen Versammlung im Mcrcedes-Palast 15 kom- munistis�che Versammlungsteilnehmer, fest, die sich poliz/iltchen Anordnungen widersetzt hatten. Groß-Berliner Partemachrichten. tZ2. Abt.. Blankenburg. Heute Montag, 24. Februar, 20 llhr, Frauenabeich bei Klug, Dorsstr.— Vortrag: Dar Wirtschaitsgeld. der Hausfrau. Rejerentln: Else Scheibenhuber. 1 Sein Verhängnis. Wegen 32 Villendiebstähle angeklagt. Bor Hein Gericht steht ein blasser, schlanker Mensch. 24 Iah« alt. Seine Antworten gibt er nur zögend— wider Willen; dann begehrt er plötzlich auf. Es ist wie ein innerer Protest gegen das Schicksal, das ihn auf die Anklagebank gebracht, wie ein« Aus- lehnung gegen die Ungerechtigkeit der Welt, die ihn ihrer, reinen Freuden nicht teilhaftig werden läßt. 32 Diebstähle werden ihm zur Last gelegt— von April 1928 bis zum Mai 1929. Immer allein und stets mll ungefähr dem gleichen Trick drang er in die Wohnungen und nahm an sich Brillantkolliers, Brillantringc, goldene Uhren und dergleichen. Er wartet« ab, bis beide Herrschaften ausgegangen waren, läutete, stellt« sich als Dekorateur oder Maler vor, von seiner Firma bc- auftragt, irgendeine Arbeit auszuführen. Manches Mal hatte er auch ein Bild zu verkaufen oder«in Päckchen abzuliefern; und während das Mädchen Papier und Vleistist holte, damit er was zeichnen kömie, rafft« er zusammen, was er an Wertvollem fand. Er suchte nur Leute heim, die den Verlust wohl zu ertragen im- stände waren: Bantdirektoren, Industrielle, Adlige ufw Wenn das Hausmädchen besonders nett war und er fürchtet«, sie könnte selbst in Verdacht kommen, ließ er vom Diebstal)! ab; einmal nahm er aber auch der Hausangestellten das Portemonnaie weg. Dessen schämt er sich heut« noch. Er wird damals wohl unbedingt Geld gebraucht tgiben... für fein Rauschgift— Kokain. Denn das war sein Verhängnis. Der Vierundzwanzigjährige hatte einen Vater, der Trinker und mehrfach wegen Eigentumsvergchen bestrast war. Siebenjährig verlor «r sein« Mutter und kam ins Waisenhaus. Im Alter von 13 Jahren wurde er Liftboy, später Vertreter in Pariümeriewaren. Seine ersten Diebstähle beging er in Wiesbaden. Mülheim, Köln. Hier erhielt er auch seine ersten Strafen. Sein Freurtd, mll dem er an- fangs auf Beutezüge ausging, verriet ihn. Aus Furcht, gesaßt zu werden, zog er nun von Stadt zu Stadt, kam nach Bonn, Frank- surt a. M.. Dresden, Hamburg. Berlin, gewöhnte sich das Kokain- schmipsen an und mußte nun stehlen, um sich Kokain zu verschassen. Schnupfte, um Mut zum Stehlen zu haben. Der psychiatrische Sach- verständige' sprach von ihm als von einem schwer erblich be- lasteten Menschen, dessen Widerstandstrast durch den Kokain- mißbrauch in hohem Maße geschwächt war. Das Gericht erkannt« ihn in 18 Fällen schuldig und verurteilte ihn zu 1 Jahr 7 Monaten unter Anrechnung von 7 Monaten Unter- suchung shast. Di«' Stiefmutter hatte ihm«ms der süddeutschen Stadt. wo er zu Hause ist, geschrieben, daß sie chn aufnehmen wolle. Er bat um eine Bewährungsfrist, die er nicht erhielt. und droht«, als man chn abführte, sich das Leben zu nehmen. Cr wird sich das Leben nicht nehmen, und, wieder in Freiheit, vom Kokain entwöhnt, von den Ellern ausgenommen und unterstützt, in seiner süddeutschen Heimatstadt, in der er nie straffällig geworden war, vielleicht unter die schlimmen Jahre seines Lebens einen Strich machen und an der Stelle anknüpfen, wo er das geordnet« Leben aufgegeben hat. �000 jähriges Island. lieber Island plauderte auf dem letzten Vortraysobend der „Urania" Johannes Velde». 100 000 Seelen Ijaben ein Inlcl- gebiet von der Größe Bayerns, Badens und Württembergs zu- jammengenommen zur lLerfügung, ober nur Küstenstriche find bc- wohnbar und die Hauptstadt Reykjavik absorbiert allein 27 000 Einwohner. In dieser sich erst in letzter Zeil entwickelnden Stadt findet sich Alles und Neues, Einfaches und Rasiinemcnt, Proletarisches und aufdringlich Feines unmittelbar beieinander. Dem aus ungewöhnlich hoher Kulturstufe stehenden isländischen Volk stehen Volks- und höhere Schulen und eine vier Fakulläten um, fassende Universität zur Verfügung und nur«er sich in ganz besonderen Spenalsächern bilden will, muß ins Ausland gehen. Der bis in die Mitlc des vorigen Jahrhunderts bestehende Monopol- Handel hat das Volk zu eigenwilligen, starken, unbeugsam stolzen Menschen gemacht, die unbedingt und aus allen Gebieten ihre Unab- hünggkeit gewahrt wissen wollen. Interessant war, was Velde» von seinen Ritten und Kü st«»fahrten zu berichten wußte. Eine Lerkehrssrage gibt es auf Island eigentlich nicht. Den Bau von Eisenbahnen ver- hindert das unwegsame Innere des Landes; das isländische Nein«. aber sehr zäh« Vferd, das den Wasserweg benutzend« Schiff und neuerdings dos Auto, das aber oft genug die Ueberlegenheit des Vierdes anerkennen muß, ssnd die Derkebrsm ttel. Erst in neuerer Zeit beginnt man Wege, Straßen und' Brücken zu bauen,„alte"' Brücken aus dem Jahre 1873 werden durch schöne neue Eisenkon- strnttionsbrücken ersetzt. Seit 1908. wo nur ersk«in einziocs Leucht- seuer die Einfahrt nach Reykjavik bestimmte, sind 100 Lichtstgnale aufgestellt, aber schon bat der Isländer die Bedeutung des Flug- zeuges als Verkehrsmittel erkannt. So sehr noch die Bevölkerung an uralten Sitten und Gebräucben sesthält— amüsant war Velken» Erzählung vom.Hasfischkauen", eine Passion, die der isländische Seemann und Fischer mit halbverfaultem und dann getrocknetem Haifischfleisch betreibt—, so hoch gebildet, in Literatur, Kunst und M' stk bewandert, ist selbst der einfachste Bauer. Dem Reisenden bält ichon der zehnjöbrige Führer Vorträge über Bodengesialtung, Gletscherentwicklung, Klimabeeinslussung und Tagesmeteorologie, der erwocksene, proletarische Pierdesübrer kann stundenlang aus dem Gedächtnis isländische klassische Lyrik deklamie'en. Der Stolz gebietet auch dem ärmssen Katenbewobner keine Gesck-<-"'e oder als solche zu wertende Einladun'-en anzunehmen, wo Hilfe verlangt wird, wird st- als kostenlose Gastfreundsckaft gewährt Vieb-ucht, Insbesondere Sckafuicht Wiesenbewirtschofluno. und der FisHiäng und«bandel sind die Einnobmequcllen des Landes, die Ausfuhr überstsig' die Einfuhr betrörbssich. Proben nat'onoler M"stk. von einem Gesangsdilettanten- quimett vorgetrogen, vervollständigten die Aussührungen des Vor- tragenden.__ Falirpreisermäßigungen für Kinder bei den städtischen Vrr. tehrsmilteln. Nach den neuesten Verkehrsbestimmungen der BVG. werden auf der Straßenbahn, U-Bahn und Omnibus für Kinder bis zum vollendeten 14. Leb«ns'->hr l3 Pf. berechnet Auf der U-Babn wird außerdem bei Gefcllschastsfabrten von minMieiis 30 Personen«in ermäßigter Fahrpreis v-m 20 Pf. (sonst 23 Pf.) für jede erwachsen« Person und 10 Pi.(sonst 13 Pf.) für jedes Kind unter 14 Jahren erhoben. Anl-'ög« auf Veförderuno sind möglichst am vorberqebenden Tag« be- dem Aus- seber eines Vabnhcrss oder bei der Betriebsverwaltuno. Beriin WS, Köthener Straße 12, schriftlich oder mündlich zu stellen. Weilers Ermäßigungen werden nicht gewährt. In d-r Ui-anla fprickt Freitag, 28. Februar. 20'� Ubr, rrn Lan�enl-eck-Viochow-Haus Dr. Schrö'er von der Telef'-nken-Gefell- schoft über..Das elektrische Fernsehen". Der Bortcag bringt Experimente mit den ncstesten Apparaten. Wetter für Berlin und U�cgend: Fortdauer des beständigen Wetters.— Für Deutschland: Keine wesentliche Acnderung de» bestehenden Witterungscharakters. Starra!«»!.?»!«,« Hcd» l»«Ben»re'rTnflen uottÄHn! SU t'Totfn-i!*?• ip.rins icarrofor,! mr fl taraick Bin, teB teuf wieder flnpfe« In iHc.i?r? Innen und zu allen Serftellun-un etdnli' d)(h:i.- Serr.o-'i ist es ia ratn. o, garten rechfietfei zu(bftern. rornerfauf an der 3itf"fiatTe ad 9 Ufr'ti'S. SiUpfjot; Vdrwa'd 438-V 4S3Ä und OfOfl und?6e«tetIo(ien Werrdo'w. Zeder beeile fech. Sarralan! zii BtiueBcn. cfie et für rncficctt Zaqre SeuifeBIattd vrr. ISßf. Montag,»dettds 7Zi Uhr. große Dorsfellung.