Morgenausgabe Nr. 95 Ä 43 47.Iahrgang WöchentNch 8SP� monatNch L.S0M. «m voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitun�s- und 72Pfg Postbestellgebühren. Auslands» abonnemem 6.— M. pro Monat. Der„Ponnirts* erscheint wochentSg» kich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Dolf und Zeit" und�Kindersreund". Ferner �Unterhaltung und Wissen".„Frauen» stimme"..Technik".„Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Vorwärts" Scctttw« VowsbSa« Mittwoch 26. Februar 1950 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Dt» etnfpattife NsnparetSezett» 80 Pfennig. Reklame eile S— Reichs» mark�„kleine Anzeigen' das ettge» druckte Dort 25 Pfennig(zuläspg zwei fettgedruckte Worte). iede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erst« Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wort 10 Pfenmg. Worte übe» 15 Buchstaben »ühlen für zwei Worte Arbeitsmaiv Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Ze l» 40 Pfennig. 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Die Abgeordneten wurden bereits u n g.e d u l d i g, da weder der Kammerpräsident noch der Ministerpräsident erschienen, und begannen ein Pult- deckelkonzert. Endlich erschien Ministerpräsident C h a u- temps und unmittelbar daraus der Kammerpräsident. Die link- Seite des Hauses brach in diesen: Augenblick in eine stürmische Ovation aus. Nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses verließen die Kabincttsmitglieder den Sitzungssaal, worüber die Rechtsparteien in lärmenden Beifall ausbrachen, während sich die gesamte Linke des Hauses erhob und eine Gegen. kundgebung veranstaltete, bis endlick. der Saal sich langsam leerte. In der Gackgaffe? Die Mehrheit des Parteitages der französischen Sozia- listen hat kürzlich entschieden, daß die Partei sich an leiner Koalitionsregierung in der gegenwärtigen Legis- laturperiode, die im Frühjahr 1S32 ablaufen soll, beteiligen werde. Nur ein Teil dieser Mehrheit lehnte die Regierung?- beteiligung aus grundsätzlichen Erwägungen ab; der größere Teil ließ sich durch die Ueberzeugung bestimmen, daß in der gegenwärtigen Kammer keine sichere Links- Mehrheit vorhanden sei. Das gestrige Abstimmungs- ergebnis hat diese Auffassung b e st ä t i g t: die erste wirkliche Linksregierung, die seit den Aprilwahlen von 1928 gebildet worden ist, Hot den ersten parlamentarischen Tag nicht über- standen und ist, wenn auch durch eine knappe Mehrheit, g e- stürzt worden. Bei dieser Gelegenheit muß aber unbedingt daran er- innert werden, warum keine Linksmehrheit in dieser Kam- mer möglich ist und warum in Frankreich die nationalistische Reaktion als Regierungsfaktor unentbehrlich ist: l e d i g l i ch. weil bei den Aprilwahlen von 1928 die französischen Kam- m u n i st e n— gegen ihre bessere politische Einsicht, aber auf strikten Befehl Moskaus— in der Stichwahl ihre aussichtslosen Kandidaturen aufrechterhielten und dadurch i n mindestens fünfzig Fällen die Wahl von nationali- sti'chen Reaktionären gegen sozialistische Kandidaten oder solche des Linkskartells ermöglichten. Ohne diese idiotische Taktik wäre in der jetzigen Kammer eine noch klarere demo- kratische Linksmehrheit vorhanden, als in der vorigen. Daß die Wucht der reaktionären Politik neuerdings gerade die französischen Kommunisten trifft, ist für diese nur eine ge- rechte Strafe. Es fei nur noch erwähnt, daß der Mann, der als Generalsekretär der KPF. damals den Moskauer Befehl strikte ausführte, Pierre S6mard, neuerdings bei seinen eige- nen Parteifreunden im dringenden, öffentlich ausgesproche- nen Verdacht steht— ein Polizeispitzel T a r d i e u s zu fein! Innerhalb von acht Tagen sind nun zwei Regierungen gestürzt worden: eine Rechts regierung Tardieu durch eine Linksmehrheit uitd eine Links regierung Chautemps durch eine Rechtsmehrheit. Daß die Majorität, die am Montag vor acht Tagen Tardieu stürzte, um einige Stimmen knapper war als jene, über die gestern Chautemps gestolpert ist. tut msnig zur Sache: denn in beiden Fällen gehörten ihr die zehn Kommunisten an: und wenn die in den letzten Tagen hervor- getretene erbitterte Scheidung der Geister zwischen Rechts- und Linksblock von Dauer wäre, dann könnte überhaupt keine Regierung gebildet werden, da das kommu- nistifche Häuflein als Zünglein an der Waage abwechselnd den Sturz der einen und der anderen Regierung besorgen würde. Indessen sind es weniger die Kommunisten, die die Eni- jcheidung in Händen haben, als die Mittelgruppe der R a d i- kalen Linken. Diese stellt aber noch weniger eine politi- sche Partei im eigenUichen Sinne des Wortes dar, als die übr gen Gruppierungen in Frankreich. Sie ist vielmehr nur ein Wahl- und Parlamentsgebilde. Diese Fraktion zählt 51 Abgeordnete. Man nannte sie bisher oft„Gruppe L o u ch e u r". Aber verdient sie noch diesen Namen? Freilich, als Loucheur dem Kabinett Tardieu angehörte, unterstützte sie in ihrer großen Mehrheit die Rechts- reg.erung, während allerdings ein Drittel ihrer Mitglieder am 17. Februar mit der Linken stimmte und Tard:eus Schicksal besiegelte. Jetzt, nachdem nicht nur Locheur, sowie der bisherige Luftfahrminister Laurent-Eynou, sondern auch der eigentliche Fraktionsvorsitzende DaniÄou in die Regie- rung Chautemps eintraten, haben wiederum die meisten„radi- kalen Linken" mit der Rechten gestimmt und den Sturz des neuen Linkskabinetts besorgt. So lange dieser Gegensatz in dieser Mittelgruppe(die übrigens bereits in dem Parlament von 1924 das Zünglein an der Waage bildete), fortbesteht, ist keine stabile Regierung möglich. Frankreich befindet sich also in einer Sackgasse, und diese Lage ist schon deshalb bedenklich, well solche häufigen Rc- gierungskrisen auf die Dauer den Glauben an das p a r l a- mentarifche Regime zu erschüttern geeignet sind. Selbst in einem Lande mit so alten und gefestigten demokra- tischen Institutionen und Traditionen wie Frankreich, ist es bedenklich, das parlamentarische System auf eine allzu harte Probe zu stellen: zumal in einem Zeitalter verstärkter Pro- paganda für die Methoden der Diktatur. Deshalb ist ein baldiger Ausweg aus dieser Sackgaffe wünschenswert. Der nächstliegende Gedanke, der sich in Eng- land, in Deutschland und in den meisten anderen Ländern bei einer gleichen Situation aufdrängen würde, wäre die Parlamentsauflösung und die Ausschreibung von j Neuwahlen. Aber gerade in Frankreich wird dieser Weg grundsätzlich nicht beschritten, obwohl ihn die Berfassung vor- sieht. Seit 1876 ist kein Parlament vor Ablauf seiner nor- malen vierjährigen Periode heimgeschickt worden. Und, ob- wohl nicht nur der sozialistische„P o p u l a i r e", sondern Noch keine Lösung. Gerüchte und Tatsachen. Die Verzögerung der Beratung der Poung-Gesetz« und die Un« gewißheit, die dadurch für die weiteren Verhandlungen des Reichs- tages entstanden ist, hat einen günstigen Nährboden für politische Gerüchte geschaffen. Aus dieser Ursach« erklärt sich auch der verstärkte Ansturm, der jetzt von der Rechtspresse aus die Reichsregierung, insbesondere den Reichssinanzminister Dr. Mol- denhauer und auf die Regierungsparteien unternommen wird. Ohne selbst ein Ziel zu haben, möchte man doch die vorhandenen Schwierigkeiten vergrößern und vor allen Dingen eine Berständigung über die innerpolitischen Finanzfragen verhindern. Besonders deutlich kommt diese Absicht in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung* zum Ausdruck. Sie behauptet, daß zur Deckung des Fehlbetrages der Arbeitslosenversicherung eine Anleihe bei dem englischen Bankhaus Schröder beabstch- tigt gewesen sei. obwohl dem Reich durch den Poung-Plan bis zum 1. April 1931 die Aufnahme einer ausländischen Anleihe oerboten ist. Ebenso unrichtig wie diese Behauptung ist die Mitteilung, daß zwischen Zentrum und Sozialdemokraten Abreden getroffen seien mit dem Ziel«, die Deutsche Dolkspartei aus der Regierung heraus- zudrängen und eine„G e w e r k s ch a f t s r e g i« r u n g* zu er- richten. Wenn das schwerindustrielle Blatt ungeheuer erbost ist, daß die Sozialdemokratie zum Ausgleich des Etats, zur Vornahme der Schuldentilgung und zur Deckung des Fehlbetrages der Arbeitslosen- Versicherung auch die Heranziehung der leistungsfähigen Schichten durch ein„N o t o p f e r" verlangt, so ist das bei seiner bisherigen Stellung nicht erstaunlich. Wie wenig sachliche Gründe dabei«in« Rolle spielen, zeigt die Bemerkung, daß das Notopfer eine„Miß- wirtschaftsabgab«*,«in«„N o tz u ch t st e u e r* sei. Ebenso unberechtigt ober sind die Meldungen einiger Lintsblätter, die innerpolitischen Verhandlungen machten langsame, aber doch unverkennbare Fortschritte und man sei a u s dem Weg« zur Einigung. Da in de« letzte« Tagen weder Verhandlungen zwischen den Regierungsparteien, noch innerhalb der Regierung über die Finanzfrage» stattgefunden haben, so liegt diesen Meldungen bisher kein tatsäch- lichcr Anlaß zugrunde. Der Reichssinonzminister Dr. M o l d e n h a u e r Ist erst am Diens- tag von einer Reise zurückgekehrt, so daß man annehmen kann, daß er sich frühestens im Laufe dieses Tages endgültig darüber schlüssig gemacht haben wird, welche Vorschläge er zur Deckung des Fehl- betrage? lm Haushalt 1939 dem Reichskabinett unterbreiten wird. Eine Sitzung des Reichskabinetts ist für Donnerstag in Aus. ficht genommen. Im Mittelpunkt der Finanzsanierung muffen Vorschläge über die Arbeitslosenversicherung stehen. Di« ursprüngliche Absicht Dr. Moldenhauers, die FehlbetrZge für die Arbeitslosen- versichening ganz oder zum größten Teil durch den Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn an die Sozialversicherung aufzubringen. Ist auf erhebliche politische und sachlich« Schwierigkeiten gestoßen. Es ist bereits jetzt sicher, daß nur der kleiner« Teil von 239 Millionen von der Sozialverstche- rung übernommen werden kann, wenn die angebahnte Einigung gelingt. Die Aufbringung des Restes durch die Selbstfinanzierung der Reichsanstalt für ArbettslosenverstcherUNZ ist ungangbar, so daß immer wieder der Gedanke des N o t o p f e r s als Ausweg erwogen wird. Daß die Sozialbemokratle eine Verständigung zwischen den Regierungspartelen ohne ei« solches Notopfer nicht für möglich hält, ist von uns oft dar- gelegt worden. Aber auch, im Zentrum stehen große Teile aus dem Standpunkt, daß die Lasten, die jetzt zur Abdeckung der schwebendeu Schulden aufgebracht werden müffen, auf alle Schichten der Bevölkerung zu berteilen find. Relchsslnanzminkster Dr. M o l d e n h a u e r Hot sich bei früheren Gelegenheiten entschieden gegen derartige Absichten gewehrt. Cr dachte lediglich an die Erhöhung von Verbrauchssteuern. Er sollt- sich aber darüber klar sein, daß eine einseitig« Aufbrin- gung neuer Lasten nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial gefährlich ist. Will er eine wirkliche Gesundung der öffentlichen Finanzen und der Wiri- schaff und will er«ine politisch« Verständigung, so wird er seine dem Kabinett zu unterbreitenden Dorschläge auf diese Ziele abstellen müssen. Das Polenabkommen. Di« vereinigten Rsichstagsausschüsse zur Beratung des Doung- Plans führten am Dienstag die vertraulich« Beratung über das Polenabkommen zu End«. Die Abstimmung über dieses Ab- kommen soll erst am Schluß der gesamten Beratungen zugleich mit den übrigen Liquidationsabkommen und dem Rahmen- gesetz für das Doung-Abkommen stattfinden. Man glaubt nicht, d.iß dies vor dem End« der Woche der Fall soin wird. Vo'.kspariei gegen Noiopfer. Die Reichstagsfrattion de? Deutschen volkspartet besprach in Ihrer Fraktionssttzung am Dienstagabend die Finanz- fragen. Die Fraktion besteht auf einer inneren Sanierung der Arbeitslosenversicherung und auf«iner Sicherung der Steuersenkungen für 1931. Di« Reichstagssraktion der Deutschen volksportei steht nach wie vor dem Plan eine, Notops'-o ablehnend gegenüber. aussallenderwekse sogar de? sonst vorsichtige„M a t i n* gestern noch für die Auflöjung plädierten, ist es wenig wahrscheinlich, daß Doumergue mit jener fast fünf- undfünfzigjährigen Tradition brechen wird. Was bleibt dann aber übrig? Eine neu« Regie» rung Tardieu? Sie ist möglich, aber es droht dann das gleiche Hängen und Würgen wie in den letzten Monaten: knappe Mehrheiten von 20 bis 2ö Stimmen, die auch ge- legentlich auf 10 Stimmen zusammenschrumpfen können und schließlich bei irgendeiner Nebenfrage eine knappe Zufalls- Mehrheit der Linksopposition. Dann würde das Sp:el von neuem beginnen können. Es scheint vielmehr, daß unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen nur e i n Mann über die nötige persönliche Autori- tät nach rechts und nach links— freilich mehr nach rechts als nach links— verfügt, um«ine feste Mehrheit um sich zu scharen: dieser Mann ist Raymond Poincare. Er ist Ende Juli krankheitshalber freiwillig zurückgetreten und hat sich inzwischen wieder erholt. Allerdings angeblich noch nicht genug, denn er lehnte in der vergangenen Woche Doumergue» Angebot ab. Ob er es, nach dem ibm wohl nicht unerwünschten schnellen Sturz Chautemps', diesmal annehmen würde, falls sich Doumergue wiederum an ihn wendet? Ueber das Kabinett Chautemps läßt sich um w weniger etwas sagen, als es eigentlich gar nicht gelebt hat. Solche Stürze am ersten Tage sind in Frankreich bereits mehrere Male vorgekommen. Der letzte Fall dieser Art geschah im Jahre 1926, als H e r r i o t ein« Linksregierung bildete, die in einer künstlich erzeugten Inflationspanik sofort weggefegt wurde. Damals feierte Poincare seine Rückkehr in die aktive Politik, von der er durch die Linkswahlen vom Mai 1921 verdrängt worden war.— Am ersten Tage gestürzt zu werden ist gewiß recht pein- lich, aber doch keine Schande. Die Radikalen werden dadurch in eine noch erbittertere Kampfstimmung oersetzt werden als vordem, zumal die Rechte ihren Feldzug gegen das Links» kabinett bis zur Raserei gesteigert hatte. Für die Sozialisten ist das Ergebnis gewiß nicht an- genehm, denn jeder Sieg der Reaktion wird von ihnen— und mit ihnen von der gesamten demokratischen Welt auch außerhalb Frankreichs— natürlich bedauert. Aber vielleicht hat dieser schnelle Sturz gerade unseren französischen Ge» Nossen manche bittere Stunde, manche schwierige Entscheidung erspart. Man denke nur an das imperialistische See- r ü st u n g s p r o.g r a m m, das die Regierung Chautemps von ihrer Vorgängerin für den weiteren Verlauf der Lon- doner Konferenz übernehmen wollte. Um nicht der offenen Reaktion den Weg freizumachen, hätten unsere Genossen in diesen und in ähnlichen Fällen ein Auge zudrücken müssen. Man braucht die gestrige Erklärung LZon Blums nur aufmerksam zu lesen, um zu erkennen, daß unsere französischen Freunde im voraus bewußt waren, in welche Schwierigkeiten und Gewissenskonflikte sie über kurz oder lang mit der neuen Regierung geraten wären. Daraus ergibt sich die Lehre, daß offene Koalstionspolitik für«ine sozialistische Partei oft un- angenehm, manchmal sogar unmöglich ist: daß aber für sie eine Politik der„Unterstützung von außen�, eine Politik des. „Tolerierens" mit kaum geringeren Sorgen belastet ist. Oer Verlauf ser G'hung. Paria. 25. Februar.(Eigenbericht.) Di» Dlenstaxsitzung der Kammer begann in einer szenischen Aufmachung und in einer politisch derart überhitzten Atmosphäre wie sie Frankreich seit den Tagen des Kartells nicht mehr erlebt hat. Die Reaktion halle im buchstäblichen Sinne des Worte» sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Hilfsmittel von der Anrufung des lieben Gottes durch das„Echo de Paris"' bis zur Mobilisierung ihres halbwüchsigen Anhangs zu einer StraßeudemonstraNon vor dem Palais Bourboa in die Wagschale geworfen. Es gilt für die Rechte, den Beweis zu erbringen, daß die Linksparteien in der gegenwärtigen Kommer nicht regierungsfähig sind. Di« Sitzung begann um 3 Uhr nachmittags vor bis zum Bersten überfüllten Tribünen. Als erster Minister betrat Briand den Saal. Kurz nach ihm hielt Chautemps, von seinen Ministern und Staatssekretären gefolgt, seinen Einzug. Der Beifall der Linken war warm, aber nicht übermeben. Die Linke wollte offenbar jeden theatralischen Essekt vermeiden wie es Chautemps selbst bei der Regierungserklärung tat, � die rein durch ihren sachlichen Inhalt wirken sollte. Um so theatralischer wirkte der Einzug Tat- d i e u s, der einige Minuten nach dem Ministerium elastischen Schrilles in den Saal einmarschierte, von einem ohren- betäubenden Deifallsgetöse der Rechten begrüßt. Die Regierungserklärung besaßt sich zunächst mit den unmittelbar aktuellen Aufgaben, die sich durch die einzelnen Konferenzen von London und Gens für die Regierung ergeben. Sie werde In London an den Prinzipien de» letzten französischen Memorandum» über die Flotlenfrage uud an den prinzipiellen Erklärungen, die ihre Vorgänger abgegeben haben, feslhallen. sich jedoch bemühen, eine Einigung der Mächte über die von allen herbeigesehnte Abrüstung der Seestreitkräfte herbeizuführen. Auf innerpolitischem Gebiet sei die drin- gendste technische Aufgabe die Erledigung des Budgets bis zum 31. März durch beide Kammern. Die Regierung werde, ohne da» Gleichgewicht des Budgets in Frage zu stellen, alle berechtigten Forderungen über die Erhöhung der Beamtengehälter und Pensionen, über die Deteranenrenten der«instigen Kriegsteil- nehmer zu erfüllen trachten. Desgleichen werde sie alles tun, um die Wirtschaftslage des Landes zu befestigen und durch ein« Politik der progressiven Steuererleichterungen die Krise der Landwirtschaft und der Industrie zu beheben. Sie werde Mittel flüssig machen, um die geplanten Maßnahmen zur Hebung und Förderung des Wirt- schaftslebens durchzuführen und um insbesondere der schwergeprüften Landwirtschaft durch Kredi'hilfen beizuspringen. Der arbeitenden Klasse gegenüber übernehm« die Regierung die feierliche Derpflich- tung. das Gesetz über die Sozialoersicherungen bis zum 1. Juli ms Leben treten zu lassen. Das in Aussicht genommen« Amnestiegesey soll« bald in! Kraft treten. Es werde nicht auf das Elsaß beschränkt � bleiben, sondern von Fall zu Fall auch auf andere politisch« Per- gehen angewandt werden. Schließlich betont Chautemps. daß die von der Linken fett Vahren betriebene Politik des Friedens, die nunmehr die«In. mütig« Unterstützung der gesamten Ration gefunden Hab«. Volkspartei für Bürgerblock. Die �egierungssrage in Sachsen. Dresden. 25. Februar. Die Landtagsfrallion der Deutschen Bolkspartei hat beschlossen, der Wirtschaftspartei mitzuteilen, daß die Deutsch« Lolkcpartei den von der Wirtschaftspartei zum Minister» s Präsidenten oorzeschlagenen P;äfidenten des Staatsrechnungshofes, j S ch i e ck, als«ine geeignet« Persönlichkeit ansieht und bereit ist.> über diesen Dorschlog mit den übrigen beteiligten Fraktionen in' Verhandlungen zu treten. Auch die Landtagsfraktion der Deutschnationalen Vollspartet hat j beschlossen, der Wirtschaftspartei mitzuteilen, daß man mit der Kandidatur Schieck einverstanden sei. Eine gleiche Ertlärunq hat auch die Landtagsfrallton des Sächsischen Landvolk abgegeben. ltm den Solinger Oberbürgermeister. Ergebnislose Verhandlungen. Sollngen. 28. Februar. Die gestrigen Besprechungen zwischen den Vertretern der bürgerlichen Parteien und der S oz i a ld e m o t r a t i- s ch e n P o r I e i sind völlig ergebnislos verlaufen. Die Der- treter der Sozialdemokraten erklärten zunächst, daß ihre Part« unter allen Umständen an der Forderung, die Oberbürgermeisterstelle einem Angehörigen ihrer Partei zu überlassen, festhalten müsse. Di« Ver- treter der bürgerlichen Parteien erklärten darauf, daß sie zu Ver- Handlungen aus der Grundlage der sozialdemokratischen Forderungen lein Mandat hätten. Hierauf wurde di« Sitzung aufgehoben. In einer darauffolgenden Nachtsitzung der bürgerlichen Parteien besprachen die Vertreter sämtlicher bürgerlicher Parteien eingehend das Ergebnis der Verhandlungen mit den Sozial- demokraten. Gegen die Stimmen des Zentrums wurde beschlossen, an der Forderung nach einem bürgerlichen Oberbürgermeister unbedingt festzuhalten. Das mache sich ganz gut: der Herr Landtagsabgevrkmete tüm» mert sich um alles, er mnnnt die Regierung tüchng vor, er weiß selbst die Modische Bedeutung des berechtigten Antrags der auf. strebenden Gemeinde Mennighüffen zu würdigep das ist ein wahrer Volksvertreter! Aber das preußische Ministerium weiß diese Verdienste des Herrn Kvbe un, Mennighüffen nicht zu würdigen, und so hat es kurz und bündig geantwortet:„Eine Gemeinde Stadt Mennighüffen ist im Gebiet« des früheren Frei- staates Waldeck nicht vorhanden."' Wir ichlagen als nächste kleine Anfrag« vor:„Der hat Herrn Kub« den Bären aufgebunden?"' Tüchtig! Wie man parlamentarische Arbeit treibt. Der nationalsozialistisch« Landtagsabgeordnete Kube, dessen Sport im Parlament darin besteht, kleine Anfragen schockweise ein- zubringen, hat kürzlich die folgende Anfrage gestellt: „Durch den Anschluß des früheren Freistaars Waldeck an Preußen ist auch die Stadt Mennighüffen an Preußen gefallen. Run soll Mennighüffen sich lediglich Stadt nennen, aber als Landgemeinde nach der Landgemelndeversassung verwottet werden. Aus historischen Gründen und auch infolg« der Bedeutung des Ortes Mennighüffen hat die Stadt Antrag auf Verlängerung des Stadtrechts nach Maßgabe der hessen-nassauischen Städteordnung gestellt. Ich frag« das Staats- Ministerium: Ist es bereit, diesen berechtigten Antrag der aufstrebenden Gemeinde Rielrnighüsfen zu berück- sichtigen? Wenn nein, warum nicht?" Oer Schiedsvertrag �om-Wien. Etklärusg Sek Eostaldemokratie. Wien. 25. Februar.(Eigenbericht.) Der Nationalrat hat das Haager Uebereinkommen und den Schiedsgerichts- und Freundschaftsvertrag mit l Jtallea einstimmig angenommen. Vor der Abstimmung erklärte der sozialdemokratische Abg. Dr. E l l« n b o g« n zu dem Vertrag mit Italien, daß sein« Frallion für diesen Vertrag stimme, weil sie alle Streitigkeiten durch inter- nattonai« Schiedsgerichte beigelegt zu sehen wünsche. Der Sozial- demokratie sei die Zustimmung möglich, weil der Vertrag Oesterreich Nicht in die reaktionäre Staatenkombination einbezieht, an deren Spitze Italien heute steht. Ein« solche Einbeziehung in die italienisch- ungarische Entente würde den Interessen und den Gefühlen des österreichischen Voltes widersprechen, die Sozialdemokratie würde sie mit aller Kraft bekämpft haben. Die Abstimmung der Sozialdemo- tratie müsse aber auch noch in anderer Hinsicht gegen jede Miß- deutung geschützt werden. Die österreichische Sozialdemokrakie fei und bleibe durch die starken Bande der Solidarität mit der italienischen Arbellerschast und der italienischen Demokratie verknüpsl. die unter dem Joch des Faschismus schmachte. Dl« Sozialdemokratie werde nie darauf verzichten, da» Gewissen der Welt gegen die Knebelung und Entnationalisierung der Deutschen in Südtirol wachzurufen. Wenn die Eozialdemokratt« für das Prinzip sttwnne, daß alle internationalen Streitigkeiten nicht durch Gewalt, sondern durch Recht entschieden werden sollen, so gebe si� sich doch keiner Täuschung darüber hin, daß die Gewalt in den Bc- Ziehungen zwischen den Dölkern erst ausgemerzt werden würde. wenn in jedem Lande der Welt nicht faschistische Gewast, sondern demokratisches Recht herrscht. getreu den Prinzipien des Döllerbundspaktes und de» Genfer Pro» tokolls mit Energie und Vertrauen weiterb«folgt werden soll«. Als di« nächsten Konsequenzen dieser Pölstit werde die Regierung in Kürz« Gelegenheit haben, die beiden Kammern zur Ratisizie- rung des Aoung- Plane, und des Gesetzes über den Benritt Frankreich» zur obligatorischen Schiedsgerichtsklausel auf- zufordern. Die Link« nahm die Erklärungen Chautemps mit Beifall auf. Als erster Debattercdner ergriff Abg. Paul Reynaud vom rechten Zentrum das Wort, der erklärte, Tardieu fei nur über «inen Zufall gestürzt. Gegen das Kabinett Chautemps wendet «r«in. daß zwischen Sozialisten und Radikalen ein unüberbrückbarer Gegensatz in zahlreichen inner- und außenpolitischen Fragen besteh«. Die Radikalen hätten Tardieu einen Dolchstoß oersetzt, während er in London verhandelt habe. Run erklärten ste selbst, die Tar- dieusche Flottenpol itit fortsetzen zu wollen. Leon Blum aber erkläre im»Poputair«" da» Gegenteil. Eine Regierung van so paradoxem Aufbau könne nicht bestehen bleiben. Die Abstimmung müsse«in« klare innerpolitische Entscheidung bringen. Der Kommunist Cachin erklärt, die Regierung Tardieu sei vom Anfang bis zum Ende Bluff gewesen. Die Kommunisten würden Chautemps aber auch bekämpfen, weil er außenpolitisch die gleiche imperial! st ische und antisowjetistische Po- l i t i i betreib« und innenpolitisch den Feldzug gegen den Kommu- nismus fortsetzen wolle. Der dritte Interpellant, der reaktionäre Abg. Souller, verzichtet aus das Wort mit der Begründung, daß „die Minuten der Kammer teuer, die der Regierung aber ohnehin gezählt seien". Der Abg. Labroue von der Gruppe der Radikalen Linken, die durch mehrere Minister und Uitterstaatssekretäre in der Regierung oertreten ist, spricht gleichfalls gegen di« Regierung und verurteilt di« Haltung semer Fraktivnsgenossen, die von Chautemps Porte- feuilles angenommen hätten, ohne von der Fraktion dazu beooll- mächtigt gewesen zu sein. Schließlich bemängelt auch er den para- doxen Ausbau der Regierung. Die Sozialisten unterstützten ste, ohne in ihr vertreten zu sein, die R a d i k a l e L i n k e sei in ihr verrreten, wolle sie aber in ihrer Mehrheit nicht unterstützen. Die Person Briands ausgenommen, die über jeder Parteipolitik erhaben fei, fei die Regierung Chautemps eine Partei- und Kampsregie- rung und müsse dement'preckend bekämpft werden. Minisierprässdenk Chautemps, der nach Labroue sofort die Tribüne besteigt, wendet sich gegen die Anschuldigungen, daß das Kabinett innere Widersprüche hinsichtlich seines Programmes aufweise. Auf außenpolitischem Gebiet fühl« er sich mit Briand vollkommen einig. Frankreich sei zu jedem Opfer bereit, würde aber nicht soweit gehen, sein««igen« Sicherheit zu gefährden. Di« Bezeichnung„neues Kartell" müsse er für sein« Regierung ablehnen da er den Soziallsten gegenüber keinerlei Bindung eingegangen sei und sich mtt ihnen überhaupt erst ins Einvernehmen gesetzt habe, nachdem sein Kabinett bereit» fertiggestellt gewesen sei. Was die innenpolitischen Fragen angehe, die Sozialversiche» rung. das Recht auf den Streik, so habe sein« Meinung nie geschwankt. Hinsichtlich der Finanzpolitik begnüge er sich vorläufig mtt der Feststellung, daß seine Politik der des letzten Finanzministers genau entgegengesetzt sei. Die Finanz, und Steuerpolitik des Landes, seine fiskalisch« Gesetz- gebung müßte den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Bevölkerung angepaßt werden. Chautemps bezeichnete dann die Doppelzüngigkeit der Rechtsparteien, die noch vor einigen Wochen den Sturz Tardieus als Verrat an den nationalen Interessen gebrandmarkt hätten und jetzt alles daran setzten, da» kaum ms Leben gerufene Kabinett. unbekümmert um alle innen- und außenpolitischen SchwieriFkeiten aus dem Sattel zu heben. Wenn man ihm vorwerfe, daß sein Programm dem seines Vorgängers fast aufs Haar gleiche, so Lege die Schuld nicht an ihm. sondern an Tardieu. der erst vor wenigen Monaten auf der Tribüne der Kammer offen zugegeben habe, daß er den größten Teil semer Resormoorschläge dem Pro- gramm der Linken entnommen habe. Chautemps wandte sich schließlich an die republikanischen Mittel- g r u p p e n, van deren Stimmen da» Sänckjal der Regierung ob- hänge, und die sich darüber klar sein müßten, daß sie durch die Zu- spitzung, die der Kampf angenommen habe, vor die Altarnalivc gestellt seien, zwischen recht» und links endgültig zn wählen. Ceon Blum bestätigte Chautemps Erklärungen, daß fein Kabinett sich von den früheren Kartelltabinetten sehr wesentlich unterscheide und zwischen der bürgerlichen Linken und den Sozialisten diesmal keinerlei»eziehungen bestehen. Die sozialistisch« Fraktion könne sich weder mit der Doktrin noch mit dein Programm der neuen Regierung befreunden, wenn sie sich trotzdem enlschlossea habe, das Ministerium zu unterstützen, so sei die» geschehen, weil der Sozialismus es zur Pflicht gemacht habe, die Demokratie und die Republik zu verleidigen und niemals gefehlt habe, wenn sich die parlamen- tarischen Institutionen in Gefahr befänden. Chautemps habe durch seine Erklärung eine reinliche Scheidung der Geister herbeigeführt. Cr Hab« sich unzweideutig zur Linken bekannt. Deshalb, und um einem neuen Kabinett der Reaktion den Weg zu versperren, stimme di« sozialistische Fraktion für daz Kabinett. Damit war di« Debatte beendet und man schritt zur Ab- st i m m u n g. Rur ein Pyrrhussieg der Rechten? Pari», 25. Februar.(Eigenbericht.) In der ersten Vertrauensabstimmung ist da» Kabinett Chautemps mit 11 Stimmen in der Minderheit geblieben. Mtt 282 gegen 271 Stimmen wurde ihm die von den Linksparteien ein- gebrachte Bertrauenskundgebung abgelehnt. Tardieu ist es atso gelungen, die gesamt« Reaktion wie einen Mann zur Urne zu führen und auch genügend Ueber. läufer in der Gruppe der radikalen Linken, die selbst im Kabinett vertreten ist, zu finden. Tardieus Sieg dürste ihm aber nur wenig Freude bereiten; denn die Differenz zwischen den beiden Stimmabgaben ist so gering, daß. sie sich morgen zu einer Minderheit für ihn selbst umdrehen muß, weil die 10 K o m- munisten automatisch gegen jede Regierungs- Mehrheit stimmen. Die französtsch« Krise, di« dadurch eine neue Fortsetzung er- fahren hat, ruft eine bedrohliche innerpoli tische Lage hervor, zumal die Leidenschaften zwischen rechts und links sich jetzt derart erhitzt haben, daß auch ein reaktionäres Kabinett wiederum unter Tardieu nur sehr schwer zu bilden ist. . j Terror. Todesstrafe für nicht genügende Energie. Die neue Terrorwelle in Sowjetrubland nimmt die grau- samsten Formen an. E>ne Meldung der„Vossischen Zeüung" vom 26. Februar aus Moskau besagt: „Das Gericht in Odessa beendet« heute einen großen Prozeß gegen ein« Anzahl amtlicher londwirtschastlicher In» st r u t t e u r e, sogenannte A g r o n o m en, di« beschuldigt werden, den Aufbau der Kollektiowirtschasten in ihrem Gebiet gehemmt und die Fortexistcnz der großbäuerlichen Kulakenbetriebe gefördert -zu haben. Der Prozeß war dadurch entstanden, daß«ine ine gleiche Gebiet entsandte kommunistische Agronomin aus Verzweiflung über die Schwierigkeiten, auf die sie gestoßen war, Selbstmord verübt hatte. Das Gericht verurteilt« dr«i der angeklagten Agro« nomenzum Tode mit ausdrücklicher Begründung, daß e i n abschreckendes Beispiel für Beamte gegeben werden müsse, die unter der Maske politischer Neutralität ohne g e- nügende Energie an der Umstellung der Landwirtschaft aus sozialistisch« Formen arbeiten/ Das Regime sichert sich auf alle Fälle. Cs erschießt zur Vorbeugung einige Spezialisten, weil sie„nicht genügend Energie" g zeigt haben. Scheitert der wahnwitzige Plan, so wälzt das Regime die Schuld auf die Spezialisten ab, die nicht genügend Energie gezeigt haben. Sie müssen für die orga-ischen Fehler des Planes mit dem Leben büßen— Sündenböcks des Stalinkurses. Es ist die Methode von Schachty— das Regime hat den Schachlyprozeß in Permanenz erklärt. Vom roien Miliiarismus. In der Monatsschrift„Das proletarische Kind" findet sich ein Lied vom roten Flieger für die kommunistische Jugend. Darin heißt«s: Wenn auf Barrikaden rote Fahnen glühn Wir die Wessen leben In der Stadt Berlin Stürzen aus dem Wolkenflor Donnernd« Geschwader vor. Konnnunlstenputsch mit Barrikadenkampf, Unterstützung der Putschisten durch Fliegergeschwader der nissischen Roten Armee, russische Fliegerangriffe aus Berlin. So soll sich di« kommunistische Jugend die Rolle der Kommunistischen Partei vorstellen! Das ist ein echtes Stück sowjetrussischer Kriegspropaganda bei deutschen Kindern I_ Hande�smission und Spionagezenirale. Äie Berliner Sowjet-HondelSvertretung besoldet russische Grobspione. Bukarest, 26. Februar.(Eigenbericht.) Fu der Spionageaffäre ist neuerdings festgestellt worden, daß der tu Haft sitzende Direktor der rumänischen politischen Polizei. Tibacu, Rußland auch den rumäni- scheu Mobilisiernngspla» geliefert hat. Den Kauf dieses Plaues vollzog die Berliner Handelsvertretung der Sowjetunion. Sie zahlte dafür 60 000 Mark. Tibacu erhielt.den umfangreichen Mobilisirrungsplan vor ungefähr einem halben Jahr zur Begutachtung anläßlich der Kon- zsntrgtion größerer russischer Truppenkontingent« an der Dnsestr- Grenze. Er galt im Großen Gsneralstab als besonders vertrauenswürdig und zur Begutachtung besonder» berufen, weil er aus Besiarabien stammt, die besiarabischen Derhällnisi» kennt und neben mehreren Präfektenposten längere Zeit auch die Leitung der dortigen Sicherheitspolizei in Kischinew innehatte. Als Tibacu in den Besitz des Materials gelangt war, fragte er bei der Handelsvertretung der Sowsekunion lu Berlin telegraphisch an, ob Rußland Interesie für den Aufmarschplan habe und zu welchem Preis die russisch« Regierung das Dokument zu kaufen geneigt fei. Das in Gsheimschrift gehaltene Original- telegramm konnte die Bukarester Kriminalpolizei bei der Zentralpost in Bukarest bereits beschlagnahmen. Tibacu selbst figurierte in diesem Telegramm, dasaufStaatskostenbesördert wurde, alz„Agent Odessa 36". Die Berliner Handelsvertretung der Sowjet- union entsandte in Erwiderung auf das Angebot sofort einen Sonderturier, der vier Tage nach dem Abgang des Telegramms aus Bukarest dort eintraf und sich sofort zu Tibacu begab. Dieser ver- langte für den Aufmarschplan zunächst 23 000 Dollar, Man einigte sich jedoch auf die Hälfte. Der Be'rag wurde vor der Aus- händigung des Mobilmachungsplanes bei einer Schwoizer Bank«in- gezahlt. Eine Aussoge darüber, was mit dem Geld geschehen ist, hat Tibacu bisher verweigert. Im übrigen ist er geständig. Die Bukarester Polizei hat auch sämtliche Telegramme Tibacus gefunden, in denen die Sowsekbchörden von der bevorstehenden Entsendung rumänischer Spione nach Rußland benachrichtigt wurden. Diese Telegramme enthielten nicht nur eine genaue Be- schreibung der Spione, sondern gleichzeitig auch Zeit und Ort des Grenzüber'ritts. Die Zahl der auf diese Weise von den Rusien «rgriffenen rumänischen Spione beziffert sich nach den neueren Feststellungen aus 30.___ Giah helmbesuch bei Hindenburg. Sie beschweren sich über Ueberfälle. Das Bundesamt des Stahlhelms teilt mit: Der Herr Reichs. Präsident empfing die Bundesführer d«s Etahllzelms, die ihm über die in letzter Zeit sich Häusenden Ueberfälle der Linken auf Stohlhelmkameraden Vortrag hinten. Der Ausdruck„sich häufende Ueberfälle der Linken" soll den Eindruck erwecken, als ob«s sich um Ueberfälle durch Reichsbamurangehörigs und Sozialdemokraten handle. Es ist bekannt daß gerade Reickzsbannsra-gehönge und Sozialdemokraten beliebte Objekte des politisch m Rowdytums sind, es ist bekannt daß der Stahlhelm die Grsn-en gegen das politische Rowdytum nicht festgezogen hat. Muß man daran erinnern, daß es m einer Front mit den Hakenkreuz- buhsn steht? Wir erlauben uns ferner die Frage: haben die Bundes- führer des Stahlhelm bei dieser Gelegenheit auch darüber Be- richt erstattet. daß ein- Stahlhelmabtellung dem Rathenaumörder Techow eine Ovation bereitet hat? „Soll und Haben." Die letzten Inhaber der kurib Gustav shretzkag« Roman te» rüpm! gewor, ene» Zsirma Momiari wurden wegen Kontur«• «e, gehen» zu«rhcblicheu GesSi giiisst.asen veruneüt. « Soll>» Mieterschutz/ Bergmannssiedlung Sozialdemokratischer Erfolg im Reichstag. Der Reichstag ertebigte am Dienstag di« Handwerks- Novelle in»erster und zweiter Beratung ohne Debatte und setzt« dann die Beratung über die Verlängerung des Mieterschutzes fort. ReichsjustizmZnister v. Gusrak-d: miüumg, daß er sich nicht auf alles, was er gesagt haben möge, estnageln lasse.(Lebh. Hört, hört!) Die unqualiflzlerbaren Vorwürfe de» Abg. Dr. Zörisseo maß ich aus dos entschiedenste zurückweisen. Sein« Ausführungen, die nur«in Auszug aus seiner Schrift üb«? die Wohnungszwangswirtschaft waren, standen im schrchsen Gegen» st■- rreien Wirtschaft gegeben sind. Jetzt Legen dies« Voraussetzunzzen aber noch nicht vor. Es Handell sich um eins Notrnoßnaijrne für ein« Notzeit. Eine Aufhebung d«s Kü ndigungÄchutzes wurde zu einer erheblichen Verteuerung der Mieten führen, zu einer allgemeinen Senkung der Lebenshaltung der breiten Masten und damit zu wirtschastlichen und politischen Erschütterungen, di« unser Volk jetzt nickst ertragen könnte. Was zur Lockerung ohne Gefahr für die Allgemeinheit geschehen kann, das ist den Ländern überlassen. Die Austastung, daß es mir der Beseitigung der Zwangs- U beleben und ausreichende Ich hoff«, daß es n Anträgen brauch- Wirtschaft bedürfte, um den Vaumarkt z Wohnungen zu schaffen, kann ich nicht teilen. dem Ausschuß gelingen wird, aus den vorliegenden bare Vorschlage herauszuarbeiten. Abg. Tremmel(Z.) trat im Gegensatz zu den Sozialdemokraten für Ausfchußberatung ein. Der von Wirtfchaftspartei und Kom- munillen beantragten Aufhebung der Hauszinssteuer können wir nicht zustimmen. Ohne die Erträge aus dieser Steuer würden weniger Wohnungen gebaut werden können. Abg. Vüll(Dem.): Di- von Dr. Jöristen eingereichte Denkschrift zitiert nicht nur Lessing und Goethe, sondern auch Papst Leo XIII und Dante. Dabei übersieht Dr. Jöristen, daß in Italien heute noch die Wohnungszwangswirtschaft besteht. Selbst die nicht durch den Krieg geschädigten Länder Schweden und Holland konnten nicht ohne Wohnungszwangswirtschaft auskommen. 3n der vorkricgszeil hol der Hausbesitzer S0 bis 65 Proz. der Mieteeinnahmen für Verzinsung des Kapitals und für Grund- steuern auswenden müssen. Die Hypotheken sind in der Znslatioa verschwunden, und der Zentralverbaud der Haus- und Grund- besitzer bestürmte die Regierung, sie möge die Hypotheken ja nicht mehr als 15 Proz. answerlen. Hört, hört!— Widerspruch des Abg. Dr. Jöristen.) Di« Hauszins- teuer belastet die Hausbesitzer bei well«m nicht so stark wie vorher >ie Hypothekenzinsen. Die Zinsen mußten bezahlt werden.auch wenn die Wohnungen nicht vermietet waren. Nach dem Antrag der Wirt- sibaftspartei würde sich die Mieteeimiahme der Hausbesitzer aus 170 bis 180 Proz. erhöhen. Der Hausbesitzer bekomm! demnach die volle Friedensmiete ohne Abzug der Hypothekenginsen und erhält dazu vom Mieter die Hauszinssteuer und alle übrigen Lasten ersetzt! Mit der Lockerung des Mieterschutzes ist Preußen zu weit gegangen. Wir stimmen für Ausschußüberweisung. Abg. Behrens(Ehr-Not.) warnt vor einer übereilten Aufhebung des Mieterschutzgesetzes. Schon die Aushebung des Schutzes der ge- werblichen Räume hat großen Schaden und Nachteile herbeigeführt. Abg. Troßmann(Bayer. Vv.) zitiert die Aeußerung im„Bor- w ä r t s", daß die Banken mit Wohnungsbaukrediten zurückhalten, weil dem Wohnungsbau noch der Ludergeruch der Zwangswirtschaft anhafte. Da? ist. sagt der Redner, eine bedenkliche Aeußerung: will man den Wohnungsbau fördern,'o muh man die ihm entgegen- stehenden Hindernisse beseitigen. Wir stimmen für du- Ausschuß- beratung.. Abg. Rlagner(Nat-Soz.): Jede Zwangsregelung hat M'.h- stände zur Folge, aber man darf nicht die Mieter schraniemoser Ausbeulung ausliefern. Kinderreiche kriegen überbau� ksme Wohnung(Widerspruch der Wp.): ich spreche aus eigene- Erfahrung. Zu unsere» Bartei sind vielleicht mehr Hausbesitzer, als bei der Mrtschastsvartet. (Heiter« Zustimmung der Komm.) Wir umfassen«den die ganz« Nation, Sie aber verhetzen nur eine Klasse. �Der Redner schlägt vor, aus der Hauszinssteuer Kleinwohnungen. sür� Leute mit höchsten» 200 M. Monatseinkommen und mit einer Höchstmiete von 10 bis 12 M. pro Zimmer zu bauen. Damit schließt die Beratung. Di« Dorlagen und Anträge werde» dem W oh nu n a sa u s sch u ß überwiesen. In der zwellen Beratung des Gefekemwurs» über Aergmannssiedwngen spricht Abg. Zadasch(Komm.) von viel zu hohen Mieten, die zur Auf» bringung-----—-<»>---"----- werden. ist infolge gesunken. Di« abgebauten Arbeiter haben kein Recht, die Berg- mannswohrningen weiter zu beHallen, unser dahingehender Antrag ist im Ausschuß abgelehnt worden. Die Treuhandgesellschaften verschlucken einen großen Teil der Siedlungsaelder und streben dahin, den Besitzern die Häuschen wieder abzunehmen. Abg. Manschet(Soz): : Die Dergmannssiodlung ist nicht. aus besonderem Wohlwollen für die Bergardeiter geschasten worden� soiÄern der Not gehorchend. Der mächsta gesteigerte Kohlebeharf. konnte nu-- befriedigt werden. wenn eine stark« Bermehninq der Belegschaft eintrat. Die Loraus» letzung dafür aber war die Schaffung von Wohnungen. Es wurde deshalb em Zuschlag von 6 M. für jede Tonne Steinkohle oder Briketts, von g M. für Koks eingeführt. Allerdings waren das nicht schon heutig« Reichsnmrk, und im März 1S24 ist diese Kohlen» abgab« weggefallen. Ohne das Kohlenwirlschaftsgesetz wäre di« Preisbewegung der Kohle«in« ganz andere gewesen. Die Unter- nehmer erk.ären nun, daß sie das Geld für die Vergmannssisdlung hergegeben hätten, weil durch die Abgabe ihre Einnahme vermindert wurde. Die Arbeiter wieder erklären, da wegen der Kohlenabgabe Sie ihr« Lohnforderungen nicht durchfetzen konnten, die Kosten »er Bergmannssiedlung von der Arbeiterschaft aufgebracht worden sären. Beiden Anschauungen wird dadurch einigermaßen Rech- .nv»«» nAlrsy nAn>\/*&>ifTiS �TCVr«� nr ccKf tri Sem 2�.10,�11 mra-M nrm nung getragen, daß das Wohnrecht in den Bergmannssied'ungen von dem Verblerben in bergbaulicher Tätigkeit abhängig gemacht wird. Die Bergmannssiedlungen haben nicht den Eharakier von Werkswohnungen, allerdings uerfucht man. besonders in Mitteldeutschland, bei Wechsel der Arbeitsstätte dem Arbeiter die Wohnung zu nehmen. Zu einigen Teilen des milleldeulschen Bezirks hol man die Bergmannssiedlungen als werkseigenium hingestellt, dadurch die Arbeiter benachteiligt und als besondere Kalte der anderen Be- välkeruug gegenübergestellt. Der Gesetzentwurf versucht, diese Schädigungen zu beseitigen 1 leider ist es uns im Ausschuß nicht vollständig gelungen, das zu erreichen. Immerhin ist manche Sicherung durch unseren Hinweis auf Mißstände durchgesetzt worden.— Der Redner berichtet ein- gehend über die Ausschußverhandlungen und begründet einige Ver- besserungsanträge der sozialdemokratischen Fraktion. Er fährt fort: Gegen die Voraussetzung der fünfjährigen Beschäftigung im Bergbau ots Bedingung der Ansiedlung haben auch die Kommunisten nichts eingewendet. Selbstverständlich dar! das gesetzlich verbürgte Streik- recht nicht durch Siedlungsvorschristen beeinträchtigt werden, ebensowenig die Freizügigkeit im Verabau. In Ausschuß hat niemand diesen Forderungen widersprochen. Die Anträge der Kommunisten im Ausschuß lagen oft durchaus nichl im Znieresse der Arbeiter. sonders der Sicherung gegen Wohnungsoerlust bei Stellenwechsel. Damit schließt die Beratung. Die Vorlage wird mit den oben erwähnten sozialdemokratischen verbessernngsanlrägen gegen Wohnungeverlusi bei Stellenwechsel angenommen und dann in der dritten Beratung gegen die Stimmen der Kominu- nisten verabschiedet. Für die nächste Sitzung am Mittwochnachmittag 3 Uhr schlägt Biz—"" �~•■- haltsord ( Ast»-Rufe DW Abg. Schultz-Brem Aerg(Dncit.) schlägt vor, statt des Republik- schutzcsseges das Beamtenpensionsgesetz zu beraten, das seit Jahren gefordert wurde. Abg. Stöhr(Not.-Soz.) spricht von einem Korruptionsschutz g, mit tester Beratung die sogenannte Koalition die Zeit ver- plempern wolle, well sie sich nicht einigen könne(Rüge de» Dize» Präsidenten.— Zuruf links'/ Unverickämter Lümmel.) Abg. Diltmann(Soz): Die ersten beiden Punkte wenden die morgige Sitzung vollkommen ausfüllen, zum Republikichutzgesetz werden wir gar nicht kommen. Der Vor ichlag des Vizepräsidenten zu Punkt 3 wird nicht auf» recht erhalten, im übrigen bleibt es bei der vorgeschlagenen Tages» ordnung. Schluß gegen 16 Uhr, gesetz, mit Großangriff der Bauunternehmer. Oie Löhne de? Bauarbeiter sollen gekürzt Werden. Die Arbeikgeberverbände für das deutsche Baugewerbe haben die Bauarbciterlöhne zum 3t. März gekündigt, von den Torisküudigungea werden etwa 600 000 im Deutschen Baugewerksbuud, Zentralverbaud der Zimmerer. Christlichen Bauarbeilerverband und Zentralverband der Maschinisten und Heizer organisierte Bauarbeiter, einschließlich der Ilnorgani- sierten und der in den sogenannten Baunebenberufen Beschäf. tigten, jedoch insgesamt etwa l,3 Millionen Arbeiter be- lrofsen. Es belxirf nicht erst der Begründung der Bauunternehmer, daß sie zu diesem Schrill infolge der katastrophalen Lage auf dem Bau- markt gezwungen sind, um zu erraten, daß die Tariskündigungen lediglich zu dem Atceck erfolgt sind, die Löhne der Bauarbeiter ab- zubauen. In einer ähnlichen Situation befanden sich die deutschen Bauarbeiter auch im Frühjahr vorigen Jahres, wo die Bauunter- nehmer ebenfalls fast auf der ganzen Linie den Abbau der„hohen" Bauorbeiterlöhne verlangt hatten und erst durch di« tariflicher. Schlichtungsinstanzen gezwungen werden mußten, die Löhne der Bauarbeiter in den einzelnen Tarifbezirken um 4 bis 9 Pf. pro Stunde aufzubessern. Das Borgehen der Unternehmer im deutschen Baugewerbe zeigt, daß sie sich in keiner Weife unterscheiden von ihren Kollegen im Lager der Schwerindustrie und als einzigen Ausweg aus der Misere aus dem Baumartt nur die Kürzung der Löhne sehen. Bereits bei der Frühjahrslohnbewegung im Borjahre wurde von den Gewerkschaften einwandfrei der Bachweis geführt, daß der reine Arbeitslohn zu den Ecsamtkosten eines Bauobjektes gegenüber der Vorkriegszeit in einem weit niedrigeren Verhältnis steht und die Verteuerung des Baues vor allem durch den Baustosswucher und die vielfach unverhältnismäßig hohen Unter- nehmerprofite erzeugt worden ist. Daß das augenblicklich« Dar- niederliegen der Bauwirtschoft Infolge der allgemeinen Finanz- kalamität, der Drosselung der Anleihen für die Gemeinden usw nicht durch eine Senkung der Bauarbeiterlöhne behoben werden kann, leuchtet den Bauunternehmern anscheinend nicht ein. Es kümmert sie auch nicht, daß die Bauarbeiter zu einem erheblichen Teil während eines Jahres kaum?6 Wochen voll in Arbeit stehen, einer von der allgemeinen Regelung abweichenden Arbeilslosenunter- stüßung unterliegen, in Wirtlichkeit also gar nicht die Hoch- Verdiener sind, als die sie immer bezeichnet werden. Die Bau- Unternehmer haben es auch gar nicht nötig, sich einmal eingehend mit den Vorschlägen zu beschästigen, die die Spitzenkörperschup ten der Gewerkschasten hinsichtlich der Ankurbelung des Bau- Marktes gemacht haben und die wirtlich gangbare Wege zur Ve- lebung nicht nur des Baumarktes, sondern der Gesnmiwirtlchast weisen. In alter Untcrnehmergewohnhcit wird w'cder einmal das Pferd am Schwanz« aufgezäumt. Mit der Kündigung der Lohnabkommen ist die Frage des Lohn- abbaues aber noch längst nicht entschieden. Die Organisationen der Bauarbeiter haben ihre Mitglieder schon seit Monaten aus den Ernst der Situation hingewiesen und sich für eine Ausein- anderseßung mit ihren Bertragspartnern gerüstet. Sie werden bei den Berhandlungen, di« aus Grund der Bestimmungen des Reichs- tarifvertrages in den einzelnen Bezirken zunächst zwischen den Par- feien und bei ihrem etwaigen Scheitern vor den Tarifämlern statt- finden müssen, den Forderungen der Unternehmer mit allem Nach- druck entgegentreten und ihnen eine Gegenrechnung auf- machen. Ob es zu einer friedlichen Verständigung kommen wird, erscheint nach den bisherigen Verlautbarungen der Unternehmer sehr zweifelhaft. Es gill jetzt ledeulalls sür alle Bauarbeiter, die weiteren Entwicklungen der Dinge ausmertsam zu verfolgen und die Reihen organisatorisch zu schließen, um für«inen eventuellen Kampf gut gerüstet zu sein. Ms bolschewistische Art. Krank, entlassen und um die Ansprüche betrogen. Wie es In den kommunistischen Betrieben aussieht, wie dort die angeblich roten Betriebsräte wider- ftandolos mit den Interessen der Arbeiterschaft Schindluder treiben lassen— soweit Betriebsräte von diesen Sowjetunternehmungen überhaupt geduldet werden—, haben wir in einer Reihe von Ber» össentlichungen bereits aufgezeigt. Wir setzen heute die Serie fort, und Zwar mit einer Beleuchtung der Praxis des sowjetrufsiichen Z e n t r a l u n t e r n e h n> e n s in Berlin, der Russischen Handelsgesellschaft und mit einem Blick hinter die Kulissen der„roten" Betriebsröte bei der lommunistischen„W e l t am Abend". Die Russische Handelsgesellschaft ist weder unseren Lesern noch dem Arbeitsgericht unbekannt. Aus ihrer umfangreichen Praxis vor dem Arbeitsgericht hat sie schließlich etwas gelernt. Freilich nicht den Respekt vor dem Menschen, besonders wenn er„nur" ein Arbeiter ist. Auch nicht den Respekt vor dem Gesetz. Aber wie man das Gesetz zum Schaden des Arbeiters umgehen kann, das hat die Russische Handelsgesellschaft gelernt. Wi« folgender Fall zeigt. Eine Arbeiterin wurde am lO. Oktober 1928 bei der Russischen Handelsgesellschaft in Berlin eingestellt. Sie arbeitete dort im Kantinenbeirieb,, Am 5. Februar 1930 wurde sie krank; daraus ersolglc sofort ihre Kündigung! Nach dem Tarifvertrag für das Berliner Gastwirtsgewerbe, der allgemeinverbindlich ist und der auch für die Kantinen- betriebe Geltung hat, kann eine Künoigung im Falle von Krankheit erst nach Zlblouf des 21 Krankheitstoges erfolgen. Obwohl schon vor einigen Jahren durch das Reichsininisterium des Aeußcren jestgesiellt wurde, daß die deutschen Arbeiter und Ar- beitennnen bei der Russischen Handelsgesellfchast nicht als exterritorial zu gelten haben und den deutschen Gesetzen unter- stehen, erklärte die Russische Handelsgesellschaft der Arbeiterin auf ihren Einspruch: „Die Gesellschaft darf alles machen. Sie müssen die Cnllasivng ruhig hinnehmen, denn mir unterstehen nicht den deutschen Ge- setzen." Obendrein trieb man noch Bmisrnfong mit der Arbeiterin; man veranlaßte sie, gegen chren Willen, eine Zlusgleichsquittung zu unterschreiben. Die deutsckien Gesetze erkennt man zwar nicht an. aber die Praktiken des reaktionären Unter- nehmertums haben sich die Komimimstsn' der Russischen Handelsgcsellschait zu eigen gemacht. Besonders deshalb, weil wir eben nicht im Sowjetparadies, sondern in dem kapitalistischen Staate Deutschland leben, wo man widerspenstige Arbeiter nicht einfach ins Gefängnis stecken oder an die Wand stellen kann. So umgeht man das Gesetz und betrügt die Arbeiter um ihr Recht. Und nun der zweite Beweis kommunistischer Theorie und Praxis: Bor dem Berliner Arbeitsgericht hat dieser Tage eine R c d a k- tionssekretärin der kommunistischen„Welt am Abend" eine Klage gegen den Münzenbergichen Kosmos-Aerlag, in dem das Blatt erscheint, angestrengt. Die Klägerin war bei dieser Zeitung fast vier Jähre lang zur vollen Zufriedenheit der Redaktion und des Berlages tätig. Bor einiger Zeit wurde nun von der Zentrale der Kommunistischen Partei eine„Generalrcinigung" der kommunistischen Betriebe angeordnet, die sich auch auf die Unter- nehmungen des Münzenberg-Konzerns erstrecken sollte. War auch gegen die berusliche Tätigkeit der Klägerin nichis einzuwenden, so hatte sie sich doch zweier„Verbrechen" schuldig gemacht, so daß sie der Zentrale nicht als ,zuverlösiig" genug erschien: l. ist sie aus politischen Gründen im Oktober 1929 aus der Kommunistischen Partei ausgeschlosien worden und 2. hat sie in dem Nötigungsprozeß des Rodakteurs Rabvld gegen Hölz sich auf die Seite von Rabold gestellt. Ende Januar verlangte man von der Redaklwnssekretärm, daß sie an den Chefredakteur der„Welt am Abend", Herrn Dr FriedlSnder, ein Schreiben richte, in dem die Klägerin ihre„loyale Gesinnung" ver- sichere. Das tat die Klägerin, woraus Dr. Friodländer und ein anderer Redakteur des Blattes, Herr Dr. Kerstcn, bei dem tommu- nistischen Reichstagsabgeordneten Münzenberg vorstellig wurden, um ihn zu veranlassen, von einer Kündigung Abstand zu nehmen. Müpjenbevg erklärte ausdrücklich, daß ihm keinerlei klagen über die Leistungen der Klägerin >« Ohren gekommen seien, di« Kündigung müsie jedoch erfolgen, da die Zentrale der Kommunistischen Partei dies verlang«. Di» Kündi- gung ist dann für Ende März 1930 doch erfolgt Ein neues Beispiel dafür wie man in der Kommunistischen Partei durch Stockschläge auf den Magen«ine der Zentral« wohlgefällige Gesinnung zu erzwingen versucht. Besondere Bedeutung erhielt dieses Beispiel aber erst durch das Verhalten der Be- triebsvertretung. Dem A n g e st e l l t e n ra t war genin bekannt, daß die Kündigung nur aus politischen Gründen erfolgt ist. Die Klägerin rief schließlich den Angestelltenrat an, nachdem zwei seiner Mitglieder erklärt hatten, daß sie über die Kündigung äußerst erstaunt seien. Dieses Erstaunen war gerechtfertigt, denn rm ß 84 des Betriebsrätegesetzes heißt es ausdrücklich, daß Arbeitnehmer den Arberter- öder Angestelltenrat anrufen können wenn der begründete Verdacht vorliegt, daßchie Kündigung wegen politischer oder gewerk- schaftlicher Betätigung oder wegen Zugehörigkeit oder Nichtzugehörig» teit zu einem politischen oder beruslichen Derein erfolgt ist. Der An- gestelltenrat mußte wisien, daß die Kündigung au» politischen Grüudeu erfolgt war, nämlich wegen der Nichtzugehörigkest der Klägerin zur Konnrni- nistischen Partei. Trotzdem hat er sein«. Austmmwng zu der Kündigung gegeben. Die Klägerin verlangt jetzt vom Arbeitsgericht die Feststellung. daß ihr Einspruch gegen die Kündigung gerechtfertigt ist; außerdem verlangt sie von dem Verlag der„Welt am Abend", wenn die Weiter- beschäftigung oerweigert wird, eine Entschädigungssumme von 1757.— M., die sich aus vier Monatsgehältern und dem Ersatz fiir 1 Monat Urlaub zusammensetzt. Die Zl r b e i t e r und Angestellten werden au» der kom» munistischen Praxis bei der Betnebsrätewahl Lehren und Konsequenzen ziehen. Sie sehen handgreiflich, daß st« ihre eigenen Interessen verraten würden, wenn sie die Wahl von „roten" kommunistischen Betriebsräten unterstützten. Gireit in der Schuhfabrik Hönigsberg, Zelt S(5o. Maßregelung um d.e Löhne zu drucken. Seit längerer Zeit bestehen bei der Firma Hönigsberg, Zelt u. C o.. Berlin, Lehrter Straße 18/19, Differenzen über die Berechnung der Akkordsätze in der Abteilung Stepperei und Vorrichterei. Bereits am 30. Januar d. I. hatten die Borrichterinnen ge- streikt, weil die Firma ein« längst überholt«, den heutigen Artikeln nicht Rechnimg tragende Akkordtabelle der Berechnung der einzelnen Arbeite« zugrunde legte, wodurch die Arbeiterinnen nicht einmal die tariflichen Mindest löhne erreichten. Die Firma erklärte sich damals bereit, die Differenz bis zum tariflichen Mindest- loh» zu zahlen und die Zlkkordsätze neu so zu vereinbaren, wie der Tarifvertrag es vorschreibt. Trotz wiederholter Borstellungen ist bis jetzt nur bei einer Position in einer Verhandlung am 22 Februar in Gegenwart des Gewerkschaftsvertreters eine Erhöhung erfolgt. In dieser Verhandlung ließ die Betriebsleitung durchblicken, daß die langsam arbeitenden Arbeiterinnen entlassen werden. Trotz Warnung des Betriebsrates und der Gewerkschaft ist die Eni« laflung zweier Borrichterinnen, die seit fünf Jahren in namhaften Berliner Luxusschuhsabriken als Vorrichterinnen tätig waren, am 24. Februar erfolgt. Die gesamte Abteilung Stepperei und Bor» richterei betrachtet die Entlassungen als eine Maßregelung und stellte geschlossen die?lrbeit eln. Am Dienstag kand eine Derbandlung der Firma mit der Ge- werkschait statt. In dieser wurde festgestellt, daß die Entlastung unberechtigt ist. Die Betriebsleitung sah dies auch ein, er- klärte aber, die Entlastungen nicht zurücknehmen zu können, da sonst vei jeder weiteren Entlastung die Arbciterichaft in den Streik treten würde und die Firma kein Entlassungsrecht mehr hätte! Demnach scheint die Firma weiter« Maßregelungen zu beabsichtigen. Nachdem die Verhandlungen gescheitert waren, verließen auch die übrigen Arbeiterinnen der Abteilung den Betrieb, da sie sowieso nicht weiterarbeiten konnten und teilweise schon keine Arbeit mehr hatten. Die Firma hat ein« glatte Maßregelung vorgenommen, mn Ihre tartiwidnge Entlohnnngsmcihodcn fortsetzen zu können. Die Ar- beitennnen der Firma haben sich dies lange genug gefallen lasten. Nun ist Schluß? Die gesamte Arbetterschift der Berliner Schuh- Industrie wird sie in ihrem Kampfe unterstützen. Krise in der Herrenkonfektion. Fester Zusammenschluß im Berband. Di« Herrenkonfektionsschneider befinden sich in keiner günstigen Situation. Die schwere Depression, di« aus der Bekleidungsindustrie lastet, hatte Rekordziffern der Arbeitslosigkeit in dieser Branche zur Folge. Waren von den im Deutschen Bekleidungsarbciterverband organisierten Mitgliedern im Dezember 1928 schon 1380 ohne Arbeit, j so st i e g diese Ziffer bis Dezember 1929 auf 2093 Mitglieder. Damit war die Höchstziffer der Arbeitslosigkeit aus dem schweren Krisenjabr 1926 noch übertrofsen. Im Zusammenhang damit kam es zu zahlreichen Stillegungen selbst größerer Werk- stätten wodurch vielfach ältere Kollegen harr betrossen wurden. Unter diesen Umständen war es nicht weiter verwunderlich, wie Genosse Aide in der Mitgliederversammiung der organisierten Herrenkonjektionsaibeiter am Montag in seinem Jahresbericht aus- führte, daß die Unternehmer, wo sie nur konnten, versuchten, die Löhn« abzubauen. Der eneigischen Abwehr des Verbandes ist es zu danken, daß es bei Versuchen blieb. Ob es zu größeren Kämpfen kommt, wird von den Deschlüsien der in vier Wochen zu- sammcntretenden Generalversammlung der Unternehmer abhängen. In der M i t g l i e d c r b e w e g u n g hol besonders die Taubstummensektion erjreuliche Fortschritte gemacht. Be- züglich der bevorstehenden Betriebsrätewahlen richtete Ge- noste Aide eine Warnung an die Mitglieder, unter keinen Um» ständen auf sogenannten„roten" oder auf Listen des.Industrie- Verbandes" zu kandidieren Die Diskussion wurde in der Hauptsache von„Oppositionellen" bestritten, deren Reden allerdings im Gelächter der Versammlung untergingen. Die ganze Einslußlosigkeit der„Opposition" zeigte sich bei den nachfolgenden Wahlen des Branchenleiters und der Kommission, wo es die Kommunisten trotz des guten Besuchs der Versammlung lediglich auf vereinzelte Stimmen brachten. Als Branchenleiter wurde Genosse Aide wiedergewählt. Das Beamtenvertretungsgefeh. Fallenberg vor den Aeamten. Das Deamtenfekretariat der Soziakdemokratischen Partei hatte zu Montag abend nach den Musikersälen eine öffentliche Beamten- Versammlung einberufein, in der der sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete Falkenberg über den Entwurf des Beamten- oertretungsgesetzes sprach, über den im„Vorwärts" bereits aus der berufenen Feder des Reserenten selbst eingehend berichtet worden ist. Mit welch starkem Interesse die Beamtenschaft diese für sie so wichtige Frage verfolgt, bewies der st a r k e Besuch der Ver- sammlung. Es hat erst der Initiative eines sozialdemokratischen Innen- Ministers bedurjt, um das in der Berfassung gegeben« Versprechen einzulösen. Daß der Entwurf noch lange nicht alle Wünsche erfüllt, die die freiheitlich gesinnte Beamtenschaft an ihn stellt, wird von keinem Sozialdemokraten, ob er nun im Parlament oder in de- Amtsstube sitzt, bestritten. Der Entwurf bildet aber, wenn er tu der vorliegenden Form Gesetz werden sollte, eine Grundlage, auf der sich ein Beamtenrecht aufbauen läßt, wie es die frei- gewerkschaftlichen Beamtenverbände seil langem fordern. Dos Be- omtenvertretungsgesetz kann gut oder schlecht sein; entscheidend wird immer bleiben, welches Maß von Mut die Beamten und ihre Vertreter In den Beamtenausschüsien gegenüber den vorgesetzten Dienststellen ausbringen werden. Schließlich wird auch der G e i it ausschlaggebend sein, der die beseelt, die dos Gesetz anzuwenden haben. In der Diskussion wurde von allen Rednern anerkannt, daß der Entwurf, wenn er Gesetzeskraft erlangen würde, den Bcamtenan?- schüsten ein viel besteres nick) mehr im Interesse der Beamtensch.fi liegendes Mitwirkungsrecht garantieren würde, als es jetzt auf Grund der Verordnungen und Erlaste der Fall ist. Gerade in len Fragen der Rationalisierung könnt« den Behörden ein anderer Weg gewiesen werden als der, die auch in dem Behördenbetrieb so not- wendige Rationalisierung nur aus Kosten der unteren Beamten durchzuführen. Falkenberg begrüßte in seinem Schlußwort di« van dem eben- falls anwesenden Vertreter der kommunistischen Reichstagssraktion, Torgler, abgegeben« Erklärung, daß seine Fraktion an dem Zu- standekommen des Gesetzes mitarbeiten wolle. i- � � W m Sejirteemt SchSi,«»«». greltoa.». ZWmm. 20 Uhr. dkt WM. M SKvnebera, Martin-Siittisr-Ctr.«.!trokt!o»»vkr>'inluna aller EP?.. W Genassen. Genosse S. Madeessol*. M. d. spricht Itbcr»Politisch« W Taarskraaen». Es wird zahlreicher Besuch errvortrt. Der �raktio»i»»rftaad. Beulrkramt Pa»k»w. ssrettaa. 9. gcbruar. 20 Uhr, im Türticck-en F Reit. Pantorv. Breite Str. 14, gtaktionsversaimiiluna der EP?.- WZ Genosse». Genosse L. Echllhinaer spricht Uber„Politische Tages. ßss Probleme". Es wird Zahlreicher Besuch ereooriet W? Der xraltto ,>,»<> rswud SPD.-Kle!sch«r. greitag, 38. fftiniat, Ifl'.i Uhr. im Balai» des S Ren'rnmz, Zcosentholrr Str. S6. wichtig« Beriammluna aller Parle- p genossen. Genosse Dreisel spricht Uder»Politische Tagessragen. Boll- E Zähl ige» Besuch erwartet Der Zraltioo-oorssond. :-"s- 1! I r.-r c cr n-j. j, t I I r~Td I l l s � f j 1 Li | •PS �reie Gewertschafts�uaendNerlin Sente. Mittwoch. IS'Z Uhr. taqen die Gruppen: Baumschulenw-g: Ruaendbeim Ernsislr. 1«. B-Zita' ionsabend.— Siordring: Iuqendhe in Echitte Eonnenduraer Str. 20. Vortrag:„flameraMchoft Zwischen Bnb und Model".— Echönbouscr Tor: Jugendheim Rehdens Str. 24—2?. Bor. trag:..Aufbau und Aufgaben des ADGB.— Weisse»!«: Trupp"Hein, We'öcns« Borkst' Sft. Etcarchkspietobend.— StenkSssn: Gruppenhcim Berg. ssrosse Ä Kos. Portraa:»Erste SUf- bei UnaMcks'allen".- Süden. Süd- Westen: Etödt Jugendheim Porcksse. II OlabrilgebLude). L'chtbildcrrortrag: «GJ. in Wort und Birt".— vsNret»: Jugendheim Echarnwrberlir. 2«. Sen'e beginn: unser lehtrr Ztu'susabschnett. Thema:»Zreigewertschaftliche Jugendarbeit". Rcserent E. Pi-tert. .�uaenvi'ruvve stesZenkrakverbansteS der Anne�ellten G Seut». Mittwoch, sinden solgend« Veranstaltungen statt: Gefui.d- brnneeo.: ktugentheim Orthstr. 10, part. Bortrog:..Die Gewerkschafts- beweguno aus dem Balkan". O elerent Daciii.— Schönhauser Vorstadt: Iugendhcim der Schule Nalianienallee M. RurZreserate.— Nordost: Jugendheim Dan.Ziger Str. K2nitteln und versuchen, bei der kommenden Entwicklung im Bauend Wohnungswesen wegweisend zu nurken. Nach der Rede tes NorsiP, enden nahmen die einzelnen Sachbearbeiter aus- sichtlich zu dem Programm und der Zielsetzung der Ausstellung S tellung. Es sprachen Architekt� Prof. Dr. Wilhelm Kreis- Dresden. Perba ndsdirektor Dr.«chmidt-Esien,'chivf. Dr. Otto Bartning. Prof. Dr. Jng. Siedler. Prof. Dr. Garbotz und für die Sonderausstellung Landwirtschaftliches Bauwesen" Architekt Bruno Ahrens. Das Programm der Ausstellung gliedert sich in der Haupt- fache in folgend« Abteilungen: 1. Internatwnal« Ausstellung für Städtebau und Wohnungswesen, 2. das Bauwerk unserer Zeit, 2. Die Wohnung unserer Zeit, 4. Das neue Bauen mit den Unter- gruppen: Baustoffe und Bauweisen, Baubetriebssührung und Musterwerkstätten des Bauhandwcrks Die letzte Abteilung bildet die Sonderausstellung für landwirftchaftliches Bmiwesen. Die Aus- siellungsanlage umfaßt acht bereits fertiggestellte hallen mit etwa 55 000 Quadratmetern überbautem hallenraum und ein Frei- gelände von über 200 000 Quadratmetern, das eventuell noch er- wettert werden kann. Das Llrieil im Prozeß Jacob. In der Beweisaunuchm« des Prcyesies gegen den rumänischen Kaüflnonn Leon Ja c o b vor dem S ch äs seng er ich t B« rli'n- Mitte bekundete der Treuhänder der Gläubiger, daß der Rechts- onwalt und Notar Dr. Braß in der Gläubigerverfaminlung erklärt hätte, er müsis feine Wechielunterschristen geradezu unter Hypnose gegeben hoben. Nachdem übrigens über das Vermögen von Dr. Braß wegen seiner Wechselverbindlichkeiten der Konkurs eröffnet worden war, ist er nach den Vestimmungen der Anwaltsordnung aus der Liste der Anwälte gestrichen worden. Nach Schluh der Beweis- aufnähme beantragte der Staatsanwalt gegen Leon Jacob eine Ge- samtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus. 31.-21. Dr. Pindar verwies darauf, daß der Hauptschuldige der früher« Prokurist Lehrer sei und beantragte eine mildere, durch die Untersuchungshaft verbüßte Strafe. Das Schöiseiigericht verurteilte Jacob zu 7 Monaten Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt wurden. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Neues Angebot an Berlin. Verkauf von Aktien an foe Gessürel? Di« früheren Gemeinden Schöneberg, Wilmersdorf und Schmargendorf haben mit dem Elektrizitäts- werk Südwest bis zum Jahre 1050 Monopolverträgc über die Versorgung chrer damaligen Gemeindebezirke mit Elektrizität abgeschlossen und im Berlauf der Verhandlungen Aktien dieses Werkes erworben. Die Stadt Berlin als Rechtsnachfolgerin der Einzelgemeinden besitzt heute etwa 46 Proz. der Aktien. während die übrigen 54 Proz. Eigentum her Gesellschaft für elektrisch« Unternehungen(G« s f ü r« l) sind. Die Gesfürel tritt nun an die Stadt mit dem Antrag heran, dos gesamte Aktienpaket der Stadt käuflich zu er» werben und bietet dafür der Stadt einen Kurs von 135 Proz. Außerdem erklärte sich die Gesfürel bereit, die Kämmerei- abgab«, die sie alljährlich zu leisten hat, bis zum Jahre 1044 schon jetzt zum erheblichen Teile zu kapitalisieren, und zwar der- gestalt, daß die Stadt für die Jahre 1930 bis 1935 überhaupt keine Abgaben mehr erhält, für das Jahr 193k" die Abgab« auf ein Zehntel des Betrages mindert und daß dann alljährlich eine Steigerung der Abgabe um ein Zehntel eintritt, bis sie im Jahre 1944 wieder den vollen Betrag erreicht. Die Gesfürel oerlangt aber dafür«Ine Verlängerung der Konzession für ihre bisherigen Gebiete bis zum Jahre 19g 0. Als Entgelt für den Gefamtvertrag bietet Gesfürel neben dem eigentlichen Kauf- preis von 25 Millionen Reichsmark eine einmalige Abgabe von 32 Millionen Reichsmark. Es fei aus- drücklich betont, daß die Lieferungsbedingungen durch den neuen Bertrag in keiner Weife geändert roerden, daß also Südwest nach wie vor verpflichtet ist, gemäß dem Stromabnahnwvertroge die B e wa g als Lieferanten zu benutzen uttd den Strom für den in itzerlin gültigen Preis abzugeben. Die Gesfürel hat bereits früher der Stadt einen Kredit von rund 23 Millionen gewährt, der nach den früheren Bedingungen Ende März fällig sein würde. Es fall nun das gegenwärtige Geschäft zur Abwickelung des Kredites benutzt werden, während der darüber hinausgehende Betrag zur Entlastung des Haushalles 1930 verwendet werden fall. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- froktion hat sich eingehend mit dem Vorhaben beschäftigt und sich dahin entschieden, daß nur die Vorauszahlung der Kämmcrei- abgab« in Verbindung mit der Verlängerung bis 1950 angestrebt werden soll. In diesem Falle würde allerdings der größte Teil des Kaufpreises zur Abdeckung des Kredites verwandt werde» müssen. Es wird aber vom Standpunkt unserer Partei Wert darauf gelegt, einen möglichst hohen Varbetrag für den Haushalt 1930 zur Ver- fügung zu haben, damit die sozialen Aufgaben keine Schmälerung erleiden, ohne daß zu einer Erhöhung der die breiten Massen belastenden Steuern geschritten werden muß. Volksschule muß geschont werden! Sozialdemokratischer Antrag zu den Sparmaßnahmen. Die sozialdemokratische Stadtverordneten- f r a k t i.o n bringt im Rathausc folgende» Antrag ein:; „Die S ladloerordnetenversammlung häst Sparmaßnahmen auf dem Gebiet« de» Schulwesens nur für tragbar, wenn unlerrichlliche und gesundheitliche Schädigungen der Schulkinder vermieden werden. Sie hält daher die nach dem Alagistratsbeschluß geplanten Erhöhungen der Klassen- frequenz in den Volksschulen auf 2ö für untragbar:" Sechs Todesopfer bei einem Fabrikbrand. Beim Brand einer Hutfabrik in Litton in der Grafschaft Bcd ford kamen sechs Arbetterinnen in den Flammen um. Die nahezu aus 200 Arbeitern und Arbeiterinnen bestehende Belegschaft konnte sich nur mit größter Mühe retten. Seltsam, daß er daran noch nie gedacht hatte. Und er lag wach und rang mit dem Problem. Es wurde ihm klar, daß er während all dieser Jahre, die er in engir Verbindung mit der Negerin gelebt hatte, niemals darauf gekommen war, in seinen ehrgeizigen Zukunftsplänen mit ihr zu rechnen. Bis zum Morgengrauen wälzte er das Problem hin und her, ohne jedoch zu einer Lösung zu kommen. Als er dann aufstand und sie wie gewöhnlich Fische aufschlitzen und ihnen die Gedärme ausnehmen sah, formulierte er all seine Gedanken im stillen in dem Satz:„Wenn sie doch nur sterben «wollte." 14. Während der drei Monate nach dem Kampf, in dem er mit dem Rasiermesser auf seinen Gegner losgegangen war, fuhr Firmo fort, sich in dem schmutzigen Zimmer der Rua Paptista mit Rita Bahiana zu treffen, aber sie kam nur w derstrebend und benahm sich.immer kühler und gleich- �' Üßs läuft dir wohl jemand anders nach!" murmelte der eifersüchtige Mulatte,„aber zu eurer beider Hell hoffe ich, daß ich mich irre." Bei ihren Rendezvous kam sie immer zu spät und er- zählte regelmäßig, sie sei in furchtbarer Hetze und könne n cht lange ble'ben. Auf Firmos Einwände erklärte sie, sie sei mit ihrer Arbeit zurück: Wäsche für eine Familie, die morgen abreise und die sie unbedingt noch am Abend ab- liefern müsse. Sie hätten schon zweimal danach gescknckt. , Du host jetzt immer so furchtbar viel zu tun", beklagte sich der Liebhaber. „Natürlich, mein Junge. Wenn ich mich hinlege und schlafe, kann ich meine Miete nicht bezahlen. „?lbcr soo- n'ck't etwa daß ich dir nichts gebe. Wer hat dir da-. Kleid gekaukt, das du heut» anhast?" .Ich habe ja iste gesagt daß du mir nicht', gibst, das, was du mir gibst, genügt doch nicht, um meine Miete fri bezahlen und das Feuer im Herd nicht ausgehen zu lasten. Uebrigens verlange ich ja nichts von dir." So zankten sie sich bei ihren Stelldicheins. Eines Sonn- tags wartete und wartete Firmo, aber Rita kam nicht. Die Sonne brannte heiß, und kein Lüftchen wehte in dem übel- riechenden, stickigen Zimmer. Er hatte cm Paket mit ge- bratensm Fisch und einer Flasche Wein mitgebracht, damit sie zusammen essen könnten. Stunden vergingen, und Firmo lief in dem engen Raum wie ein Löwe im Käfig auf und ab. In seiner Wut nahm er sich vor, Rita, wenn sie jetzt zur Tür hereinkäme, zu erwürgen. Der Anblick des Pakets mit Esten machte ihn rasend, und unter einem Hagel von Flüchen schmiß er es in den Eimer. Dann setzte er sich aufs Bett. wartete noch eine Weile, schlug die Beine übereinander und löste sie wieder, schlug mit der Faust auf die Kisten und schwor Rache. Endlich hiest er es nicht mehr aus. Er verließ laut trampelnd das Zimmer und tat den feierlichen Schwur, das Mulattenmädchen werde für diese Art, mit ihm umzugehen, teuer bezahlen müssen. Ein wahnsinniger Wunsch, sich un- verzüglich an ihr zu röchen, trieb ihn in die lllähe ihres Hauses, aber er wagte sich nicht hinein. Er beschloß daher, bis zum Abend zu warten und ihr dann eins Botschaft zu senden. Er lief verzweifelt in der Stadt umher und landete endlich in einer Taverna am Strande, wo er und Porfiro oft zusammen saßen und tranken. Sein Freund war nicht da. aber Firmo warf sich auf einen Stuhl und bestellte ein Glas Paraty. Er zündete sich eine Zigarre an und über- legte. Ein junger Mulatte, der im Katzenkopf wohnte, setzte sich an seinen Tisch und teilte ibm ohne jede Vorrede mit, daß Ieronvmo heute aus dem Krankenhaus entlasten sei. Firmo streckte sich. , Ieronvmo?" � „Ja. er ist heute morgen wieder nach Hause gekommen." „Woher weißt du das?" „Bataca hat es mir erzählt." „Das erklärt mir alles. Verdammt!" murmelte Firmo durch die Zähne und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Erklärt was?" fragt? der andere. „Ach, nichts, weiter. Ich lzob bloß nachgedacht. Trink doch was." Es wurden zwei Gläser gebracht, und nach einer Pause wvrm-lte Firmo wieder:. Da« ist bestimmt der Grund. Darum war sie in letzter Zell so sonderbar. Und jetzt— heute—" Sein Gesicht wurde gelb vor eifersüchtiger Wut. „Aber ich werd's ihr schon beweisen. Ich werd's ihnen beiden beweisen. Neulich hat es noch nicht tief genug ge- sesten. Aber laß mich ihn nur wiedersehen. Und das wird noch heute der Fall sein." Er goß die brennende Flüssigkeit mii einem Schluck hinunter, sprang auf und starrte seinen Gefährten einen Augen- blick an. „Kein Wort davon zu diesen verdammten Stockfischen, verstanden? Wenn du dein Mundwerk nicht hallst, bekommst du's mit mir zu tun. Du weißt doch, was das heißt." Der junge Mulatte beeilte sich, zu versprechen, daß ihm kein Wort entfahren werde. Seine Aussagen entsprachen den Tatsachen. Ieronymo war an jenem Morgen aus dem Krankenhaus gskommsn. Er war dünn und blaß und lief an einem Bambusstock. Haar und Bart waren während seiner Krankhell lang gewachsen, und er hatte geschworen, sie nicht abschneiden zu jassen, ehe er nicht ein Gelübde erfüllt bälte. ein Versprechen, das er seinem Stolz und seiner Selbstachtung gegeben hatte Seine Frau hatte ihn vom Krankenhaus abgeholt. Sie lief schweigend und deprimiert neben ihm her. Die 3tachbarn bc- grüßten ihn freundlich, aber es war kein stürmischer Empfang. Im Gegenteil, als sie den Invaliden sahen, verharrten sie in gedämvstem Schweigen. Alle senkten die Stimmen, und Rita Bahianas Augen füllten sich mit mwergostenen Tränen. Piedade führte ihren Mann nach Hause. .Willst du ein bißchen Bouillon haben?" fragte si«. , Sicher mußt du dich doch in der nächsten Zelt noch sehr schonen." „O nein-, ich darf mich schon bewegen", beruhigte er sie. „Der Arzt hat mir gesagt, ich soll soviel als möglich laufen. um meine Beine zu üben und wieder Kraft zu gewinnen. Ich war so lange im Bett— kch bin ja erst vor einer Woche aufgestanden." Nachdem er ein paarmal im Zimmer auf und ab gelaufen war., blieb er stehen und bemerkte:„Was ich haben' möchte. ist eine Taste Kaffee, aber guten, wie ihn Rita macht. Frag' sie mal, ob sie mir nicht welchen machen will" Piedade seufzte schwer und ging unwillig nach Nummer neun, um d'e Bestellung auszurichten, sie war tief beleidigt. daß er den Kaffee der anderen bevorzugte. (Fortsetzung folgt.) Der unentwegte Herr Stadtrat. Arumbys endlose Prozesse vm seinen Abbau. Der abgeba-ut« Stadtrat B r u m b y aus Neukölln, der eine Zeit- tanz in unangenehmer Weise von sich reden machte, hatte den Unter- schied zwischen Wartegeld und Gehalt mit der Behauptung einge- klagt, daß sein Abbau gesetzwidrig sei, weil er lediglich aus politischen Gründen erfolgt sei. Das Landgericht hatte ihn abgewiesen, das Reichsgericht, das im Wege der sogenannten Sprungrevisicn angerufen war, hatte dami aber das Urteil der ersten Instanz ausgehoben und die Sache an das Landgericht zurück- verwiesen. Das Reichsgericht hatte jedoch nicht, wie vielfach seiner- zeit irrtümlich angenommen wurde, materiell den Anspruch des Klä- gers als begründet anerkannt, es hatte also keinen rechts- widrigen Abbau festgestellt, sondern vielmehr nur formell be- mangelt, daß das Landgericht die Behauptung des Klägers, der Abbau sei nicht aus gesetzlichen, sondern aus parteipolitischen Grün- den erfolgt, nicht geprüft habe. Das Landgericht wies die Klage erneut ab das K a m m e r- g« r i ch t, das auch vom Kläger angerufen wurde, ebenfalls, indem es feststellte, daß die Beweisaufnahme nicht ergeben habe, daß der Kläger rechtswidrig, insbesondere aus parteipoftlsschen Gründen, abgebaut sei. Das Reichsgericht, bei dem der Kläger darauf erneut Revision einlegt«, hat nunmehr die Entscheidung des Kammergerichts bestätig t. Es ist damit rechtskräftig festgestellt, daß der Abbau des Stadtrats Brumby rechtmäßig erfolgt ist. Gelbstmord eines Berliner Bankiers. Finanzielle Schwierigkeiten als Grund. Der 73 Zahre alte Bankier<5 rast Schaffert, Klopstock- straße 13 wohnhaft gewesen, hat am Dienstag nachmittag gegen 6 Uhr seinem Leben ein Ende gemacht. Schafserk betrieb im Hause Schicklerstratze 2 ein Bank- und wechselgcschäsl. Am Dienstag nachmittag um die angegebene Zelt hörte der Kassenboke, der neben den Geschäftsräumen seine Wohnung hat, einen Schuh satten. Cr eilte in das Vrivab kontor seines Chefs und fand ihn hier mit einem herzschnh tot am Boden liegend auf. Der alle Herr ist wegen finanzieller Schwierigkeiten In den Tod gegangen. Die Leiche wurde polizeilich be- fchtagnahmt. Oer Leichenfund am Kinowkanal. Wer»st der Erschossene? In einem überschwemmten Erlengebüsch am Finowkanal bei Kupferhammer in der Nähe von Ebers walde wurde, wie wir seinerzeit berichteten, ein Mann erschossen aufgefunden. Nach dem ganzen Befunde handelt es sich um einen Mord, vielleicht um einen Raubmord. Trotz aller Nachforschungen, die die von Berlin entsandte Untersuchungskommission im Verein mit den zuständigen Behörden anstellte, ist es noch nickst gelungen, die Person des Getöteten festzustellen. Der Erschossene trug ein Oberhemd mit Brusteinsatz, der, ebenso wie die Manschetten, als Muster ein verschobenes Karo, zeigt. Die sehr schmale hals. weite zeigt nur 36 Zentimeter. Unter her Priese befindet sich der.Permerk„A n U.ßf,,'.. Auf fällend ist an diesem Wort, daß die Buchstaben A und tt ist deutschen Buchstaben geschrieben.sind, die übrigen'dagegen in lateistifchen Schrittzeichen. Es. hastdelt sich also wahrscheinlich um«inen handschristlichen Vermerk, kein Mristenzeichen. Die Halbschuhe des Mannes weisen eine breite, so- genannt« amerikanische Form auf. Der eine Schuh trug noch einen Gummiabsatz, der fast neu war. Er hat in der Mitte ein herzförmiges Wappen mit zwei aufrechtstchenden Löwen. An Hand dieser Merkmale hofst man, die Person des Er- mordeten feststellen zu können. Unter Hinweis auf die Belohnung von 1666 Mark, werden olle, die nach dieser Richtung irgendwelche Bekundungen machen können, gebeten, sich mit der Untersuchimgs- kommission in Eberswalde oder jeder beliebigen polizeilichen Dienststelle in Verbindung zu setzen. Zur Neugestaltung Berlins. Gemeindekörperfchasten wollen am Entwurf mitarbeiten. In seiner gestrigen Abendausgabe bringt der Städtisch« Nach richtendienst folgend« Notiz: Dem Minister des Jimern ist bereits am 14 Februar d. I. im Anschluß an die Sitzung der Gemischten Deputationen zur Vor- bereitung von Organisationsentwürsen das Verlangen aller Par- teien, den R e f e r« n t e n e n t w u r f, der sich mit der Neu g e- staltung Berlins beschästigt, den städtischen Körperschaften zugänglich zu machen, mitgeleilt worden. Die Stadtverord- netenoersammlung hat in einer ihrer letzten Sitzungen ebenfalls dem dringenden Wunsche Ausdruck gegeben, zu dem Ge- fetzeritwurf des Ministeriums Stellung nehmen zu können, bevor er den für die Gesetzgebung zuständigen Organen vorgelegt wird. Der Magistrat hat dem Minister des Innern in einem Schreiben hiervon Kenntnis gegeben und dabei zum Ausdruck gebracht, daß er es für unzweckmäßig und befremdend erachte, den Gemeinde- körperschasten die Kenmnis des Entwurfs vorzuenthalten. Die Ge- meindekörpcrschaftcn würden in erster Linie von dem Entwurf be- troffen. Sic seien über die Verhältnisse am besten unterrichtet und dahährigen Polizei- hauptwachlmeisler Paul K. aus fahrlässige Tötung. K. ist seit 1910 im Polizeidienst tätig. Vor«inigen Jahren wurden ihm bei einem Zusammenstoß die d r e i m i t t l« r e n Finger der linken Hand völlig abgequetscht, so daß er nur noch Innendienst versehen tonnte. Wie alle anderen Poiizeibeamten wurde auch er zum Pistoleschießen kam- m a n d i« r t, an dem er das erstemal im Mai o. I. teilnahm. An dem Unglückstage im September hatte K. bereits vier von den fünf abzu-feuernden Schüssen abgegeben, als er eine Ladehemmung feststellte. Da K. völlig unfähig ist, selbst seine Pistole zu laden oder zu entladen, wallte er die Wafs« zur Beseitigung der Hemmung dem Aussichtsbeamten, dem Polizeihauptwachtme ister Wieprecht, übergeben, der direkt neben ihm stand. Dabei krachte plötzlich ein Schuß, der Wieprecht tödlich ins Herz traf. K. selbst brach infalge der Aufregung zusammen und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Wie sich der Unglücksschuß lösen'konnte, vermochte der Angeklagt« nicht anzugeben. Er sei, wie er bekundet«, weder theoretisch noch praktisch im Pistolenschießen ausgebildet. Wegen seiner verkrüppelten linken Hand, die ihm «in selbständiges Hantieren mit der Pistole unmöglich mache, habe er seinen Vorgesetzten, Polizeihauptmann Dobberan, auch«in- mal gebeten, ihn von den Schießübungen zu befreien. Dieser Bitte wurde aber nicht stattgegeben. Der Hauptmann, der als Zeuge ver- nommen wurde, bestritt, daß K. mtt einem solchen Ersuchen an ihn herangetreten sei. Ihm sei nur bekannt, daß gelegentlich eines anderen Antrages des Angeklagten von einem Arzt«in Gutachten über K. erstattet wurde, in dem dieser als„vollbcamlen- d i e n st f ä h i g" bezeichnet wurde. Aus diesem Grunde habe er auch keine Bedenken gehabt, K. gemäß der Vorschrift an den Schieß- Übungen'teilnehmen zu lassen. Verwunderlich ist in diesem Zu- sammenhange eine von dem Hauptmann zu den Personalakten des K. gegeben« Notiz:„Er beherrscht die Pistole theoretisch, praktisch kann er aber damit nichts anfangen." Nach der Aussage des Arztes, der den Ausdruck„volldienstfähig" geprägt hatte bezog er diesen Ausdruck nur auf die Fähigkeit im Innendienst. Ein Sachverstän- diger bekundete, daß K. völlig unfähig sei, mit einer P i st o l« zu hantieren. Der Staatsanwalt beantragt« eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Das Gericht hielt ebenfalls ein« Fahrlässigkeit für er- wiesen und erkannt« auf zwei Monat« Gefängnis mit Bewährungsfrist. Bezeichnenderweise führte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. G u h r a u e r in der Urteilsbegründung aus, daß es nicht Aufgabe des Gerichts sei, zu prüfen, ob die Polizei den Angeklagten überhaupt an Schießübungen teilnehmen lassen durfte. Di« Bevölkerung wird es einfach nicht verstehen, warum ein Polizeibeamter, der sich wahrscheinlich im Innendienst sehr gut be- währt hat, durchaus zum Pistolenschießen kommandiert werden muß. Der Herr Doktor hat den Beamten zwar sür v o l l b e a m t e n- dienstfähig erklärt, aber innendienstfähig ge- meint. Der Herr Hauptmann bestreitet zwar, daß der Beamte an ihn mit dem Ersuchen, ihn von Schießübungen zu besreien, herangetreten sei, vermerkt aber in den Personalakte!:, daß der Beamte praktisch mit der Pistole nichts anzufangen weiß. Was sind dos alles für merkwürdig« und unverständliche Dinge! Künstler für die Resolution ein, die einstimmig angenommen wurde. Die Neuwahlen.zum Kreisvorstand ergaben: 1. Borsitzender Hennann Harnisch, 2. Vorsitzender Feller. Kassierer H. H e i n- r i ch, und zu Schristsührern Arndt und F e ch n e r. Es wurde dann noch«ine Entschließung angenommen, die verlangt, daß auch alle Beamten f r e i g e w e r ks ch a f t l i ch organisiert sein müssen._■ Flucht eines Zuckergroßhändlers. Unter Mitnahme von 200 ovo Mark. Hamburg. 25. Februar. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat gegen den 35iShrigen Kaufmann Julius Stiefel, Inhaber eines Zucker- Engros-Geschäfts. Haftbefehl wegen des dringenden Ver- dachts des Betruges und Konkursverbrechens erlassen. Gleichzeitig wurde Haftbefehl erlassen gegen die Lagerhalter Paul Krause und Gustav Lipp, die im dringenden Verdacht der Mittäterschaft stehen. Die drei Genannten sind aus Hamburg ver- schwunden. Es wurde festgestellt, daß Stiefel unter Mitnahme von 200000 Mark am 18, Februar Hamburg verließ, nachdem er sich einen' Paß basorgt hatte.. Ooppelunglück bei einer Klugfeier. Zehn Personen getötet— zwei Flieger abgestürzt. New Pork, 25. Februar. Nach einer Meldung aus Havanna ereignete sich am Montag, an dem die Festlichkeiten zur- Eröffnung des neuen kubanischen Lufthasens, der den Namen Machädo-Flugfeld führt, stattfinden sollten, ein doppelte- Unglück. Zunächst stieß«in von dem Ein- weihungs-Gottesdienst zurückkehrender vollbesetzter Auto- bus mit einem elektrischen Zuge zusammen, wobei zehn Insassen des Automobils ihr Leben einbüßten. Sodann kamen zwei Flieger der kubanischen Luftstreitkräfte ums Leben, die über dem Flugfeld bei einem Schaus liegen zusammenstießen und mit ihren Flugzeugen in die Tieje stürzten._ Der neue Strasscnbahngelenkwagen. Vom Mittwoch, dem 26. Februar, ab läuft ein Probezug der sogenannten Straßenbahngelenkwagen auf der Linie 177 (Bahnhof Zoologischer Garten— Teltow, Schützenstraße). Der zweite Gelenkwagenprobezlig wird am Donnerstag, dem 27. Februar, auf der Linie 77 zwischen Lichterfelde(Zehlendorfer Straße) und Knip- rode- Ecke Elbmger Straße in Betrieb gesetzt. „Europa" auf guter Asahrt. Laut Radiomeldung erledigte der zurzeit auf der Probefahrt begriffene Schnelldampfer„Europa" des Norddeutschen Lloyd heute seine erste Meilenfahrt an der norwegischen Küste und fährt zurzeit mtt Kurs auf die Shetlands-Inscln. Das bis- herige Ergebnis ist äußerst zufriedenstellend. Volkspark und Vogelparadies statt Zoo. Auf der außerordentlichen Generalversammlung des 5) am- burger Zoologischen Gartens, der nicht verwechselt wer- den darf mit Hagenbecks Tierpark in Stellingen bei Hamburg, wurde beschlossen, den Hamburger Zoo zum Teil in einen Bolkspart und zum anderen Teil in ein Logelparadies nach modernen Grundsätzen umzuwandeln. Die Großtterschau im Hamburger Zoo geht sonnt vollständig ein. Preiswerter Fischverkauf. Von ollen deutschen Secsischmärkten werden größere Fänge in allen Arten Seefische gemeldet. Infolge- dessen sind die Seefischpreisc bedeutend herunlergegangcn. was sehr zu begrüße» ist. da eine Zeitlanq durch di« knappen Fänge die Preise sehr hoch waren. In allen Fischverkaufsslcllen finden des- halb in dieser Woche preiswerte Fischverkäuse statt. Besonders billig find frische grüne Heringe, die in guter Qualität zu haben sind. Die Verkaufsstellen sind durch Plakate kenntlich gemacht. Die Städtische Fachschule für das Filmgewerbs eröffnet neben ihrem Abendlehrgang am 28. April 1930, vormittags 9 Uhr, erst- malig einen geschlossenen Tageslehrgang zur Ausbildung von Lichtspielvorführer>u Der Lehrgang schließt am 6. August mit einer Prüfung ab. Lehrgangsteilnehmer, welche die Prü- fung bestanden haben, können sich unmittelbar darauf zur Prüfung im Polizeipräsidium melden. Es können nur 24 Schüler auf- genommen werden. Bevorzugt werden Elektriker, Mechaniker, Schlosser und Angehörige verwandter Berufe. Di« Bewerber müssen gesund sein und du»'21. Lebensjahr vollendet haben. Auskunst er- teilt' das Städtisch« Filmseminar, Berlin Rbö, Lütticher Str. 4. Fernsprecher D 6 Wedding 1627. Allgemeine Weiietlage. 2S.FebrA930jdb(is.p*$l% ®v«lln)filo&0 heiter, Ohaftbede 4 vK�.Obeded�RegetvaGraupeln »Schnet-NeiffllFGewitteeiSJWndstiBe Das europäische Hochdruckgebiet, dessen Kern vor. einiger jfeit über Südskandinavien lag, ist nach Südosten gewandert. Sein Zentrum befindet sich jetzt über dem östlichen Polen. In Deutsch- land haben die Winde von Osten nach Südosten gedreht. Das Wetter ist meist heiter oder sogar wolkenlos. Nur im Nordosten ist der Himmel ganz bezogen, doch kann sich diese Wolkendecke wegen der allgemeinen südöstlichen Winde nicht nach dem übrigen Deutsch- land ausbreiten. Die Temperaturen liegen tagsüber nur im Nord- osten noch unter Null. In den übrigen Teilen des Reiches sind sie zum Teil recht beträchtlich über den Gefrierpunkt gestiegen. Nun- mehr fällt der Luftdruck über Mitteleuropa. Das Hoch wird sich also weiter ostwärts verlagern. Eine wesentliche Wetteränderung ist aber zunächst noch nicht zu erwarten. * Welleraussichlen sür Berlin. Fortdauer des beständigen Wetters, südöstliche bis südliche Winde.— Für Deutschland. Im Nordosten trübe, in Nord- und Süddeutschland heiler, im äußersten Westen zeitweise wolkig: nachts meist Frost. Im Nordosten Temperaturen auch tagsüber unier Null. Soz!alißischeArbeiierjugendGr.-Verlm Einsendungen für dies« Ztubett nur an ta< Zügen dskirttarlat Leelin SWdS, Lindengrai« I Madclkurlu«: konnerstaq letiter Abend in der Schule Üochstr. iZ, W/Z Ul)r. tliitlie isrolchrodt spricht Uder„E>cmeinschaft»cr,iebung". Sie Bnrschni und besonders emgeleden. Jede Gruppe muh durch ein Mitdll vcrtrcien[cm. heute. Mittwoch. 1g>/z Uhr. Arionaplah: Schule Glisabetl>kirchs!r. 18:..Tagespolitik".— Gesund» brunnen II: Seim Cbristianialtr. 38:„August Bebel".— KahenichSnbauseu: Schale Dingel stLdtrr Strohe:„Wir und der Mim".— Schsnbauier«»rsiadi: Schule Sonn.mburger Sir. 20: ÄunfHonärfchung.—«»brea-plag: SeiM Dromrnnstr. l:„Der Larnpf um di« Gewerkschoe:".— Zranlfurter Lieetei: ideim Mauksurter Allee 307: beimadeud.— Petersburger Viertel: Seim Tilliier Str. 8:»Kirche und Sozialismus".— D«rschaucr Viertel: Heim Litauer Str. 18:„Die Nationalsozialistische Partei".— Neichenberger Viertel: Keim Br�fcer Str. 27— 30:„Die soz. Familie".— Spandau, 9t. ff.: Keim Lindenufcr 1:„ffalirtenerlebnisse".— Lankipifc; Gcmeindeschule Schulsiraße: ..Solidarität in der Gruppe".— Rariendvrs lAelierel: Siedlung Dabeim 139/120:..Unsere Partei"— Marier.fclbe. Lichtenrade: Keim 11. Schule. Lichten. rad«. Nooustrahe:»Der Tote Schüler".— Tempelboi: Keim Germaniastr. 4—8, 20 Ubr pünktlich:„Kritische Finanzlage in»erlin und Deutschland". Genass« Burgcmeister.— Vannser: Schule Cbarlottenstraße: Ke-mabend.— Neu. IM- Hie Keim Mugbasenstr. 68: FunktionSrübung.— Neuköll» XI: Kej« ffluahakenstr. 68: ffunk:ionärs>8ung.— Falieuberg: Keim aus dem Gutsboi: Fabrienabend.— Narlsbarft: Snmnaslum Tre-komallce:.Schulfragen".— Lich. tenberg. Mette: Keim Echarnmeberstr. 29:..Friedrich Sbcrt".— Neu-Lichtei». bara sIünger»): Keim Kaufistrabe:„Burlch« und Mädel". Aeltere:„Fahrte»". — Köpenick: Keim Grünauer Str. 6:„Die Well der Arbeiterschaft". kl Werbebezirk« Tiergarten u-d Westen: Sprech», und»eroegungschor: U El Schule Waibensorftr. 20, iS'j. Uhr. Das Erschetnen aller Teilnehmer i-Z �i ist uisbedingt erforderlich. A SSG. Wedding: Schule Eotenburger Str. 2, 18 Uhr:„Jungarbeiter und Schüler". SS«. Netlkölln: Keim Bergstr. 29: �sriebr!ch.Ebert.SedenIcibcnb". Eiost» dünge» fnt diese Rubrik find B« r l i» SW«Z. Lindenstraße Z. parieinachn'chien�M fürGroß-Berlin stet» an das Bezirksfeiretartal !. Hai. 2 Treppen recht», zn richten Freie Schulgemeinde Derlin-Mitte. SonnersittB, 27. sbebruar, am i9>4 Ubr. Werbe« bend im S«werklchaft»ban». Saal 1, Engelnser 24—25. Referent Reltor Mäcke. R- 4. Kreis Pren, lauer Berg. Di» svluflbliitter der Srattion.Berbandsaufbau" der Freidenker sind heut«. Mittrvoch, 2S. ssebruar. in den siahlabendcn um Vcrdrcituna in Einpiana»u nehmen, ssrattionsversammlung am srrei'ag. 28. ssedruor, V)% Uhr, in den Kasino-ssestsälcn, Pappclallce 15. Sehr wichtige Tagesordnung.— Krei-biidungsansschußsißung am Donnergiaa. IRd Uhr. bei Klug. Danitigrr Str. 7li. 13. Krei» Tcinpelhos. Sonnabend, 4. Mär». Ubr, Im Uestsaal de» Rens. gymnasium« Berlin. Tempe Idas. Ka-ilerin.Bugusta.Str. 19—2«. Heiterer abendl.Politisch« Satire und Humor�'. Vortragender Pnaai Muck. Saal- erösfnung 19 Uhr. Eintrittspreis 75 Pf. Arbeitslose«oerden gebeten, mit ihre» Krauen ,» erscheinen. Eintritt gegen Buswei» srei. > 15. Krei» Treptow. Krritog,?«. Kebrnar, 19'4 Uhr, im Lokal r 1 W. Einsiedler", Zohannitthal. Sterndamm. Kreisdelegiertenvcrwmmlung. W Jahresbericht. Rcuwahl der Sreisleitnug, Bericht der Bezirksvcrord. tl uctensraktwn. Einladungskarte und Mitgliedsbuch sind oor,u, eigen. M B|||| �||[ i J i � i i i i � � �|||||||| B 17. Kreis Lichtenberg. Zeitnngskommission: Donnerstags 27. Tebruar, Ig'ü Uhr. Sistung in der Bibliothek, Weichselstr. 28. Erscheinen aller Tunkt onare erforderlich. B 17. Krei» Lichtenberg. Kreitag, 2«. Tebrnar, 191? Uhr, Kreisper- ff treteruersammlung in der Aula der Mittelschule Marktstraße. Bericht ff ! i und Neuwahl de» Borswndes. Türkontrollc: 117. Abteilung. Mit- B ff alirdsbuch und Maudat legitimiert. Restanten über drei Monate haben f. keinen sintritt. 29. Krei» Reinickendors. Heute, Mittwoch, 2«. chebruor. um 20 Uhr püitkt. lich. im Voilshaus Reinickcndori-West. Echarnweberstr. 114, Sigunq des Kreishilduuqsausschusie».— Krritaq, 28. Kebrnar, 20 Uhr, im kleinen Sihungsioal de, Rathanse, in Wittenau, außerordentlich» Areisoorstands- saung,»u welcher auch die neugewähltcu Kreisoorftandsmitglicder und Abteilungsleiter»n erscheinen haben. Bilbungsausschuß Bedirk-oerband. Sprcckickior für proletarische Keiershinden: Donnerstag. 27. Kcbruar, 191, Uhr. im Gesangssaal der Sophien. Schule. Wcinmeilkrrstr. 10—17. Uebungssiund«. Bestimmtes Erscheinen wegen de: Mrtw-irkung am Sonntag. 2. Mär.,, erwilnscht. yeuke. ZNilkwoch. 26. Februar. 4. Alt. 19H Uhr Kahlabend«. Gruppe Gallert bei Brandis, Stralauer Etraßr 10. Vortrag:..Warum bin ich Sozialdemokrat?' Referent Augusi Nicmann. Gm:pp- Dannhorn bei Große. Blumanstr. 88, Vortrag!»Das Wesen des Rationalismus'. Referent Genosse Kellermann. 5. Abt. 3u der am Sonntag, 2. Mär,, im Saalbau Friedrichshain. por. mittags, stattfindenden Ebert-Eedenkieier sind Karten ,u SO Pf. bei den Funktionären des Reichsbanners ,u haben. Wir bitten die Genossen um rege Beteiligung. $. Abt. Bezirke 501, 582: WH Ubr Kablabend im Lokal Tebliß, Schwedt er Straß« 227. Vortrag de« Genossen Ernst Rüben. K. Abt. Achtung. Kcitnngskommissionsmitgliederl Sistung ein« Stund« vor der Mitgliederversammlung in Schmidts KeseUfchoktshous. ffruchtftr. ZOa. 47. Abt. 20 Uhr Mitglied« rwerfammlunq im Gewerkslhaftshau». Engel- uier 24—25. Bortrag:.Die Finan,Iag- der Stadt Berlin'. Rcfcrrnt Paul Robinson. 194. Abt. Riederfchssneweide. DI« Delegierten ,ur lebten Kreisvertreterver. fammlung kSnnen an der heutr. 20 Uhr. bei Tomalla, Berliner Skr. 38. stattfindenden Borstandsstsuing teilnehmen. Morgen. Donnerstag. 27. Februar. 79. Alt. Schineberg. WH Uhr Mitgliederuerfammlung im Lokal PlcadiM. Sbersstr. 80». 1 Tr. Di« Togrsordnung wirb durch Saird,ettel bekannt. gegeben. Wegen der wichtigen Tagesordnung bitten wir um regen Besuch. >* 1. Abt. Sosatag, l. Mär». 17 Ab», findet ein aef-Mae, Abend statt,«in. tritt 73 Bf. Musik. Gesang, polttiich« Satire, unter Mitwirknag von Tbeo Maret. Wir bitte» die Abteilungen 1 bi» 7, sich daran recht rege in beteiligen. Frauenveranskaltungea. I. Kntt« Friedeichshai». Donnerstag. 27. Februar, um WH Uhr, Funk. twnSrinnenkonfereni», Memeier Str. 1Z. Wichtig« Tagesordnung. Alle Adtriiungen miissen vertreten fein. Freitag. 28. Februar, im Lokal Gubener Str. IS. Kursus Wer Strafrechtsreform. 92. Abt. Siemensstadt.Kaielhorft. Freitaa, 28. Februar. 20 Uhr. bei Mae- fandt, Zionneudammalle« 89. Lokal.Kum-Hetdttrug'. FremenabtllAt Pvk- trag:«Die rechtlich« Stellung der Frau in der Wirtschaft". Referent" Kurt«ießmann....... Iuagsozialisten. Gesppr RsSiMn: Heut«. Mittwoch. 20. Februar. SO Uhr. Jugendheim Treptower Str. 95—90, Vortrag:»Neuere Probleme der Beoölkerungspolitik". Refeventw Genossin Martha Drews. Dezirksausschuß für Arbeilenvohlfahrl. «. Kreis Kreniberg. Die auf Donnerstaa. 27. Februar. 18 Uhr. festacseßt« Kreisausschußsihuna muß umständehalher auf 21 Ubr oerleat werden. Dafsir sängt die Bcfprechuna mit den Selferfinnen) der Fstrsorgerlinnenf um 1» Uhr Der Ausschuß ha: daran tcihmnehnien. Die Sißung findet bei Wolf, tt.«efi~~~~" an. Graefestraße. statt. sserent Fttrsoraer Genosse Schwor,. B 19. Krei» Kehlendorf»nd 12.«»«>» Stealiß. Donnerstaa. 27. Fe. ff m bruar. 20 Uhr. im Rathaus Stegiiß. Kinnner 5. Kursus Uber das i j 13 aeltende Fstrsorgerecktt. Rcferentt» Genossin Dr. Magnus. Alle inter. ff " essicrte» Genossen und Genvsssnncn werden gebetrn. teiliunehmen. U 13. Krei» Zemprlhos. Marienbors, Marienselde. Lichtenrade. Freitag. 28. Februar. 20 Uhr. im Rathaus Tempeihof. Dorfstr. 42. Slsuiuas, immer. 1 Trepp«. Arbeitsgemeinschaft Uber..Prakiische Arbeit in der Wohlfahrt,. pflege", 1. Abeich:..Einwhruna in die Woh'.sabrtsarbcitt'. Nesevent Vormund Becker. All« interessier!-» Genossen und Genossinnen werden gebeten, daran 1 c il /iiutcljnic n. 17. Krei» Lichtenberg. Freitaa. 28. Februar. WH Uhr. Im Rathaus Lick� tenberg. Mölllmdorssir. 0. Kimmer 25, Kursus übet..So,iale Ecrichtshilfc". Referent Reaierunasrat Otto Krebs.. 18.«reis Weißensee. Frei lag. 28. Februar, 13 Uhr. im Cchiingstlmmer des Wohlfahrtsamtes Weißensee, Woeickpromenate 1, Kursus Uber«Soaiale Serichizhilsr. Referentin Genossin Minna Todcuhagen. Nach einer halben Stunde wird das mittägliche Schallplattee lsnzert unterbrochen, und die Zentrale der Reichsrundtunkgesell- schast sendet«in Konzert aus Niedcrländisch-Ändien. Die Uebertragung ist gut. Man hört eine Sonate von Händel. Die Sendung ist so klar, daß man jede musikalische Figur erkennt.— Aiargareie Kämmerer entwickelt in ihrem Vortrag„Mütter- s ch u l u n g" gute Gedanken, aber das Ganze ist völlig im bürger- lichen Individualismus verwurzelt. Eine gut fundierte Lebens- Haltung bleibt die Voraussetzung. Wichtig wäre es aber, einen der- artigen Dortrag aus proletarischer Perspektive zu halten.— Was der Direktor des Pariser Konservatoriums Jean Chantavoine über Musikpflege nnd Musikerziehung im heutigen Frankreich erzählt, ist nicht so wichtig wie die Tatsache, daß ein repräsentativer Franzose über diese Dinge vor dem Berliner Mikrophon spricht. Der Vortrag beginnt mit einem Kompliment für Deutschland, das Chakitavoine als das Land der höchsten Musik- kultur bezeichnet.— Am Nachmittag überträgt Berlin aus Leipzig ein in bezug auf Programm und Aussührung hochstehendes und unterhaltendes Konzert unter dem Titel„Karneval". Komps- iitionen von Dvorak und Verdi stechen hervor. Dielleicht ist die Art der Programmzusammenstellung aus inhaltlichen Gesichtspunkten bester als die aus stilistischen. Jedenfalls bietet sie eine größere Mannigfaliigkest. Abends wird aus der Stoatsopsr„La Tra- v i a t o' übertragen. F. Sch. Die Perfonalpolttik in Preußen. Eine Abfuhr für die Rechtsparteien. Der Preußische Landtag seßte am Dienstag die Aussprache über den I n n e n e t a t fort. Dabei machte Abg. Schwenk(Komm.) den Sparerlaß des Innenministers und den migerechten Finanzaus- gleich für die Not der Gemeinden verantwortlich. Abg. Falk(Dem.) erkennt die Tätigkeit des Innenministers im Sinn« der Erhaltung der Republik an. Die verschiedenen p o l i t i- schon Bluttaten zeigten den wahren Geist der Linksradikalen. (Zuruf bei den Kommunisten: Frecher Kerl!— Ordn-ungsruf.) Mit dem Verbot des Stahlhelms und des Roten Frontkämpferbundes sei seine Partei einverstanden. Die Vorwürfe der Deutschnationalen gegen die Personalpolitik des Innenministers entbehren jeder Grund- läge. Di« Tätigkeit des Reichsbankpräsidenten hindere die Kommunen, aus der Notlage herauszukommen, die durch die unge- Heuren und üngedeckien Kriegslasten, durch gesteigert« Wohlfahrts- ausgaben infolge zunehmender Erwerbslosenfllrsorgc entstanden sind. Man solle endlich aushören, angesichts dieser Tatsache von einer Verschwendung durch die Kommunen zu sprechen. Abg. Großke(Wirtschaftsp.) fordert Drosselung der Personal- kosten und schnelle Vorlegung der Derwaltungsreform. Abg. Müller-Ifernhagen(Dt. Fraktion) erklärt, daß eine Der- waltungsrcform mit dem Ziel« weiterer Großstadtbildung staats- und bevölkerungspolitisch falsch sei. Staatssekretär Abegg stellt fest, daß die bisherige Debatte keine neimenswerten Angriffe gegen das Innenministerium ergeben habe. (Widerspruch rechts.) Wertvollen Anregungen werde die Staats- regievung nachgehen. Obwohl kein Zweisel an der Ersorderlichkeit "der Verwaltungsreform besteht, sei es doch im Augenblick zwecklos, darüber lange Reden zu halten, da der Innenminister demnächst persönlich dazu Stellung nehmen wird. Zn ein bis zwei Wochen werde die Vorlage das Slaaks- Ministerium passiert haben und mit dem Staatsrat zugleich der Oefsentlichkeil unterbreitet werden. Es sei dann Sache des Landtags, für schnelle Verabschiedung Sorge .zu trogen. Abg. kube(Nat.-Eoz.): Er bedauere, daß der Kapp-Putsch 1920 nicht gelungen sei: er habe ihn mitgemacht.(Bewegung.) Der Zentrumsabgeordnet« Schulte habe damals erklärt, daß, wenn Kapp endgültig siege, das Zentrum sich nicht gegen ihn stellen würde. (Hört! hört! rechts.) Abg. Or. Hamburger(So;.): Ich fürchte, daß jeder Versuch sächlicher Widerlegung dem Herrn Vorredner zuviel Ehre antut.(Sehr gut! links.) Er ift nicht der große Revolutionär, als den er sich dargestellt hat: er ist nur ein mäßig begabter Lautsprecher.(Heiterkest und Zustim- mung links.) Keine Partei, die die Republik trägt, und keine Per- sönlichkeit, die in ihrem Dienst steht, wind von den Nationalsozialisten nicht beschimpft, angefangen vom Reichspräsidenten Hindenburg, den Herr Straßer einen Henker und Herr Goebbels einen Popanz genannt hat.(Bewegung. Zuruf links: Aber die Deutfchnationalien jubeln, wenn Kube spricht!) Wenn heute die Justiz jeden Beleidiger des Staates so packte wie früher, kämen Leute wie Herr Knbe überlmupt nicht aus dem Gefängnis heraus. (Zuruf links: Doch, nach Dalldorf!— Heiterkest.) Freilich haben die Bekämpfer des alten Staates sich auch nie hinter dem Schutz der Immunität verkrochen.(Sehr wahr! links.) Der Staatsgerichtshof hat in letzter Zeit eine ganze Reihe von Urteilen gefällt, die sich von der rein sormaljuristischen Entscheidung zu einer durchaus soziologischen Anschauungsweise durchgerungen haben. Auf dsese Weis« erhält das politische Parlament den nötigen Betätigungsspielraum im Rahmen der Verfassung. Die Opposition ist mit dem versuch gescheitert, juristisch zu er- reichen, was ihr politisch versagt blieb: in Leipzig durchzusetzen, was sie in verlin nicht schassen konnte. (Sehr gut! links.) Die R e i ch s r e f o r m mit der disserenzierende.i Endlösung lehnt meine Fraktion ab. Das Zentrum hat in der Frag« der Reichsresorm riesige Fortschritte gemacht. Vor zwei Jahren meinte Herr Dr. Heß. es müsse nicht in jedem Einzelpunkt alles für ewige Zeiten so bleiben. Diesmal meinte Herr Peucker, die Existenz von siebzehn Ländern in Norddeutsch- land sei nicht länger erträglich und für das Volk nicht verständlich.(Sehr gut! links.) Wenn das Reichs- kabinest endlich den Grenzfonds schasst, kann sich Preußen unmöglich der Pslichf entziehen, da, zu beizutragen. Bis dahin verlangen wir stärkste Wirtschastssörderung des Ostens und Westens mit allen etatsmäßigen Mitteln bis zur Wiederherstellung der vollen Kon- kurrenzfähigkeit. Wer die politischen Greiyen im Osten auch zu Wirtschaftsgrenzen macht, läßt den deutschen Osten an den Wunden der Grenzziehung verbluten.(Lebhafte Zustimmung b?i den Sozial- demokraten.) In der Personalpolitik hat sich der deutschnationale Redner K e n k e l aus die Ernennung des Grafen Wedel zum Landrat gestürzt und behauptet, sein« Berufung aus Sachsen ver« danke er nur dem sozialdemokratischen Mitgliedsbuch. Aber unser Parteifreund Graf Wedel war schon, ehe er nach Sachsen ging. Landrat in Haynou, und zwar seit dem Jahre 1921. Herr Kenkel hat die moralische Stäupung noch nicht vergessen, die ihm im vorigen Landtag wegen seiner Beziehungen zu dem Zuchthäusler Zeuner mein Freund Kuttner hat zuteil werden lassen. Er hat versprochen, künstig nur noch sorgfältig geprüftes Material vor- zutragen. Und da ist er nun aus diese Darstellung des Falles Wedel geraten. Wie sieht bei Herrn Kenkel nun geprüftes Material aus? (Heiterkeit links.) Bei der Ob e? bürger meist erwähl in Hindenburg haben Deutsch nationale und R a t i o a a l> lo z i a l i st e n unseren Landtagskollegen Genossen Franz gegen den Zentrumskandidaten gewählt.(Abg. Dr. Heß: Hört! hört!) Sie haben, um die Wohl unseres Genossen Franz zu sichern, sogar ein Bündnis mit den Polen geschlossen.(Abg. Dr. Heß: So stehen Sie mit den Deutschnutionalen!) Aber nein, die Deutschnastonalcn wählen nach ihren eigenen Erklärungen nur immer den sachlich geeignetsten Mann. Unser Ge- noss« Franz war Außenseiter, der Zentrumskandidat Bolljurist und Derwaltuugsbeamter. Ich wollte nur den Deutschnatioiialen danken, daß auch sie jetzt die Außenseiter für viel geeigneter halten. Dos Hindenburg er Beispiel ist die beste Rechtfertigung der preußi- schen Personalpolitik.(Große Hesterkeit und Beifall links. Abg. Dr. Heß: Jetzt bin ich schon halb ausaesöhnt!) Ich hob« aus dem Jahre 1913 nachgelesen, was damals hier im LanSstag über Personalpolitit in Preußen gesagt wurde. Damals klagte der sreikonservatioe Freiherr von Zedlitz, daß man in der preußischen Verwaltung entscheidendes Gewicht nur aus den Vater uad die soziale Stellung lege, nicht aus die Tüchtigkeit; man zöge minderwertige Leute In die preußische Verwaltung»nd verschließe sich gegen die lebendigen Kräfte des Volkes. Der konservative Abgeordnete Stroßer beklagte, daß man ohne großes Privatver mögen in Preußen keine le i t e n d s Perwaltungsstellung bekleiden könne. Und der Volks- parteller Dr. von Campe beschwerte sich über die grenzenlose Bevorzugung des Adels. Wir haben das adelige Element einigermaßen zurückgedrängt, wir lassen den Stand des Vaters nicht mehr allein entscheiden» sein, wir gewähren Unterhaltungszuschüsie nnd nehmen Außenseiter herein, und wir haben sogar angefangen, das Getdscickprivileg auf die preußische Verwaltung zu brechen. Wir haben die Beschwerden der Rechtsparteien, gegen die alte preußische Verwaltung abgestellt. Meine Herren, was können wir noch für Sie tun?(Große Heiter- keit und lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die weitere Beratung wird auf Mittwoch, 12 Uhr, vertagt. Arbeiksgemeinschafi der Kinderfreunde Groß-Berlin. Kreis« Tirraatt«», Ehariottlnburn: Bonnersioa. 27. Frbrnar, 20 Uhr, Hrlferkursus im Heim Rosinenftr. 4. All« Helfer müssen euimescnj» sein. Für Charlotlenbura nach dem Kursus Helferbesprechunss. Geburtslage. Jubiläen usw. 19. Abt. Unser« Genossin Alma John, Badstr. 41, noll»nb«t hente ihr 05. Lebensjahr. St« war Mitbearünderin d«r lozialisiischen Fraucnbrweauna und Hot in ihrer Jimend nur für diel« Esch« ar'ämvft. Auch heute»sch int sse ihr« Pflicht in d«r Kl«!»»-b«:t. Air arstnlirren ihr«echt hcrUich und hoffen, sse noch lanqe in unserer Miti« zu sehen. 18. Adt. Uns«« Genosse Rar Friedrich, Weihbachstr. 13, feierte in diesen Taaen sei» 25jähri/, Uhr. bei Schnorre, Potsdamer Str. 3. Rheinlandabcnd.— Renkiln-Prid. Jung- banner: Tonnerstog. 27: Februar, besuchen alle Jungkomeroden den Turn- abend in der Salter-Rathenau-Schnl«. Boddinstrafte, von 20—22 Uhr. Mieter, und Wobnvnaiuchende-Verbond Deutichlanb». Am Mittwoch. 20 Februar. 20H Uhr. findet in Hensels Festsälen. Paferralier Str. 3. eine Versammluna der Laden, und Gewerberaummieter statt. Tagesordnung: 1 Mirt« oder Pacht". Rcferrnt Rechtsanwalt Dr. Mautner. 2. Serausnahme der" aewerblichen Räume aus der Zwangswirtschaft. 3. Verschiedenes. Münchener Hofbräu am Witienbergplah. Nachdem Wiener Konditoren und ungarische Köche ihren stegreichen Einzug im Berlin«? Westen hielten, ist nun a-uch das„Boa- rische" dort gelandet. Das Münchener Hofbräuhaus hat nun auch am Wittenbergplatz se�ne gastlichen Pforten geöffnet. Das Haupt- restaurant ist ein großer, glasüberdochtcr Raum mtt allerlei gemüt- lichen Ecken und Winkeln, bequemer Sitzgelegenheit und einfacher. geschmackvoller Ausstattung. Neben dem großen Speis«betrieb be- findet sich das Bräustübl, Eingang Ansbacher Straße, wo man zu jeder Zeit ein einfaches, talies Büfett und auch warm« Speisen er- halten kann, lieber den Häuptern der Gäste, im 1. Stock, liegt die Küche, in den Kellereien befinden sich die Kühl- und Lagerräume. Der Bau ist nach Entwürfen der Architekten Kaufmann und Woifsen- stein hergestellt, die Geschäftsleitung liegt in den Händen des Ober- meifters der Berliner Küchenmeistennnung, Felix Keib. Frühlingseinzug bei Cord«. Zwar läßt sich Pelzmantel und Ueberschuh noch sehr, sehr gut vertragen, aber— der kluge Mann baut vor. Im Hause Cords hat bereits der Frühling seine bunt- gedruckte Visitenkarte abgegeben. Buntbedruckt im strengsten Sinn des Wortes, denn die diesjährige Frühjahrs- und Sommer- m o d e zeigt eine Lebendigkeit der Farben wie noch nie. Geblümt, getupft, gestreift in allen möglichen Desiins und Stoffmaterialien. Für Nachmittags- und Abendkleider werden bunt- gemusterte Stoffe in Seide, Erepe de Chine, Crepe Marocain, Georgette und Seidenmusseline bevorzugt. Die Straßenkleidung beherrscht nach wie vor Tweed, der weiche Wollstosf, in bräunlichen und rötlichen Farbtönen, in Verbindung mit gestricktem Pullover oder der Hemdbluse, die wieder, wie annodazumal, im Rock ge- tragen werden. Di« Modefarben, oder besser gesagt, die modernen Gründtön« in all der bunten Herrlichkeit, sind ein Pastellblau in allen Schattierungen, Grün und ein frisches, ins Bläuliche spielende Rosa,„Rosa opelinc". Wenn ims ollen im kommenden Frühking inwendig so fröhlich zumute sein wird, wie wir es äußerlich im Gewände zur Schau trogen, dann können wir hoffnungsfroh in die Zukunft blicken! Zeh« V-rst-Iuna bestätiat aus« neu«, daft Tarrosani mehr hält, al» er Berlin versprach. Einmütia hat die Vresse von Berlin und Umarbun« an«r» kannt, daft Sarrasani auf eircenstschem Gebiet HOchstleiftunoen drinat,— dir wahre Zirkuskunst. Rur noch kurä« Zeit währt das Gastspiel. Am Mittwoch, 20. Februar, finden zwei Voestelluniien statt: Um 15 Ubr ssamilienvorstellunK mit vollwertiaem Abendvroarvmm. Kinder zahlen aus allen Pläften von 2.20 M. aufwärts halbe Preise. 19H Uhr Vorstelluna. Kart»» vorher stch-rnl Der Zirkus ist jeftt auf vier Telephanleitunaen.zu«rreichen: Barr. woid 4335/80, 0800 und 0950. 23—24 Grad Wärme im Winlerdau! «»tlchein« für»ü»Ii»« Geaenstöas« iowie Zigarette» werden von der Ziaarettrniabttl Ense« Ben auch nach dem 31- Mar» 1930 ckusgegeben und einaelOst. De« vinftlich« Mensch Robot wird im Märzpraaramm de» Diitteraartrn, voracfithrt werden. Ebenfo ist Togo zu sehen, der als drr Welt aröfttrs Tierwunder bezeichnet wird. Wer nachweist, daft bei Tones Rechenkunstftücken iraendwelche Kiifsinittrl anaewcndet werden,«rhält 5000 M. in bar. Baut Nikolaus kommt mit neuem Reperlvlr und wird auch den Maschinenmrnfchcn konferieren. Mißfarbene Zähne r.* AM entstellen das schönste Antlitz. Uebler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden gründlich beseitigt oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste, Die Zähne erhalten darnach einen wundervollen Elfenbeinglanz, auch an den Seitenflächen, besonders bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont-ZahnbQrste mitgezahntem Borsten- schnitt. Faulende Speisereste in den Zahnzwischenräumen als Ursache des üblen Mundgeruchs werden gründlich damit beseitigt.— Chlorodont� Zahnpaste, Mundwasser, s Zahnbürsten Einheitspreis 1 Mark bei höchster Qualität.— Man verlange nur echt Chlorodcfnt in blau-weiß-grüner Originalpackung und weise jeden Ersatz dafür zurück. Z Wie Kaffee- und Teezoll wirken. Oer Aachteil des Gewichtszotts.- Alkoholpreisspannen.— Gchmuggelverkehr. Die erhöhten Kaffee� und Teezölle, die insgefmnt 60 Millionen ZKeurk Mehreinnahme erbringen sollen, werden bereits am 5. März in Kraft treten. Allgemein rechnete man erst vom 1. April ab mit erhöhten Zöllen. Die Regierung hatte aber z. B. mit der letzten Erhöhung des Gsrstenzolls recht unerfreuliche Erfahrungen gemacht. Ilm ausgedehnte Voreindeckungen zu den alten Sätzen und damit ganz erhebliche Verluste für die Reichskasse PI vermeiden, wurde die Zollerhöhung kurzfristig für die ersten Tage im März angeordnet. Trotzdem ist es vielen Interessenten gelungen,'in der letzten Zeit größere Mengen von Tee und Kaffes aus den Freihäfengebieten und Zollagern herauszunehmen und noch zu den alten billigen Zollsätzen einzuführen. Diese Mengen sollen durch die Nachverzollung erfaßt werden. Darunter fallen nicht nur die Händler, sondern auch Gastwirte, Hotels, Konsumvereine usw. Der Nachverzollung unter- liegen lediglich nur solche Mengen nicht, die sich im Besitz von privaten Haushaltungen oder, wie es in dem amtlichen Kommunique heißt, im Besitz von Haushaltungsvorständen befinden, sosern sie nicht für die Verarbeitung oder den Berkaus in Frage kommen und ä Kilogramm nicht übersteigen. Aus der Rachverzollung erwartet die Regierung ungefähr 17 Millionen Mark. Wi« man diese Zahl errechnet hat, läßt sich sehr schwer erkennen, da sich das Ergebnis aus drei verschiedenen Posten zusammensetzt. Einmal muß jeder Dopeplzentner ungebrannten Kasfees, dessen Einfuhrzoll bisher IM Mark betrug und in Zukunft 160 Mark betragen wird, mit 30 Mark nochverzollt werden. Der geröstete Kastee, dessen Zoll sich von 175 auf-MO Mark erhöht, ist pro Doppelzentner mit 135 Mark nochzuverzollen. Für Tee sind pro Doppelzentner 130 Mark nach» zuzahlen i der Teezoll selbst wird von 220 auf 350 Mark herausgesetzt. Ein besseres Bild kann man sich schon über das künftige Ergebnis der erhöhten Kaffes- und Teezolle machen. Wir führen pro Jahr ungebrannten Kaffee im Höhe von 1,5 Millionen Doppel- Zentner ein. Da mm jeder Doppelzentner 30 Mark mehr Zoll er- bringt, kommt man auf eine Mehreinnahme von insgesamt 1.5 Millionen Mark. Die Regierung hat aber nur 40 Millionen Mark ein» gesetz1, da sie infolge steigender Kaffeepreise mit einem geringeren Konsum rechnet. Die Teeeinfuhr machte 1029 35 000 Doppelzentner aus. Bei gleichblechendem Umfang und einem um 130 Mark höheren Einfuhrzoll sind hier an Einnahmen 7 Millionen Mark zu erwarten. 2ki der Tee in Deuljchlaiid in wachsendem Umfang Berwendung findet und da er sich relativ auch billiger stellt als der Kaffes, wird bier mit einem K o n f u m r ü ck.g o n g nicht gerechnet. Den Bcr- twauchcr interessiert natürlich die Frage am meisten, wie sich die Zollerhohungen in den Sieinhandelspreiseo auswirken werden. 4kei der unsaliden Kalkulation und der Irregularität der Preis- biHmng in Deutschland ist es natürlich sehr schwer, etwas Bestimmtes darüber zu sagen. Wir halten die.Profüquoten im Kaffeehondel jedoch für so hoch, daß der Handel die Zollerhöhung tragen könnte. Es ist ja eine immer wioderkehrende Erscheinung, daß wicht der Zoll, sondern der überhöhte Profit die Ware verteuert. Hin- sichtlich des Kaffees ist noch zu berücksicktigen, daß die Weltmarkt- preise in den letzten Monaten auf Grund von zwei ouseinander- folgenden guten Ermen in Prasillen und finanziellen Schwierigkeiten im brasilionischen Koffecabsatz stark gesunken sind. Der Preissturz hat wohl in Deutschland zu einer Verminderung des Kaffeeprcises im Kleinhandel geführt, der im Durchschnitt pro Pfund 20 Pfennige betragen dürfte. Daß sich in dieser Ermäßigung der unerhört« Kaffeepreissturz auf den Weltmärkten nicht voll ausgewirkt hat, oer- steht füll wohl von selbst. Nun wird der Kaffee durch die Zoll- erhöhung mit 15 Pfennigen pro Pfund neu belastet. Diese Belastung bezieht sich aber, was von Bedeutung ist, auf ungerö steten Kaffee. Dieser verliert durch die Reinigung und durch den Röstungs- prozeß bis zur konsumfertigen Ware ungefähr 15 Prcq. an Gewicht. Der Gewichtsverlust muß berücksichtigt werden. Der erhöhte Zoll wird also für ein Pfund gerösteten Kaffees mehr ausmachen als 15 Pfennige: er darf aber keinesfalls über 20 Pfennige pro Pfund gerösteten Kaffees hinausgehen. Eine Preiserhöhung darüber hin- aus ist ohne Zweifel ungerechffertigt. Diese Berechnung gilt aller- dings nur für den Fall, daß der erhöhte Zoll völlig auf die Kon- fumenten abgewälzt wird, womit leider zu rechnen ist. Siehe, was wir oben über die Profi'quote gesagt haben. Bei der Jollerhöhung, wie sie jetzt vom Reichsflnanzminister angeordnet ist, wird der ärmere Konsument aber noch besonders besteuert. In geradezu drastisch ungerechter Weise wirkt sich in der vorgenom- menen Zollerhöhung die Tatsache aus, daß der Kaffeezoll, wie alle anderen Zölle in Deutschland, als Gewichts- und nicht als Wertzoll erhoben wird,- d. h., der Kaffee wird in Zukunft mit 160 Mark pro Dopeplzentner verzollt, ganz gleichgültig, ob für den Zentner 100, 200 oder 400 Mark bezahlt werden. Wer sich also den Luxus leisten kann, die feinsten und teuersten Koffeesortcn im Werte von etwa 4 bis 5 Mark pro Pfund zu kaufen, zahlt, in Wertzoll umgerechnet, nur etwa 5 Proz. seines Einkaufs für Zölle. Dagegen müssen alle die anderen, die sich mit Kafseeforten geringerer Güte begnügen, also mit solchen Sorten, die in Deuffch- land unentbehrliches Lebensbedürfnis der minderbemittelten Be- völkerung geworden sind, 10 Proz. steuern. Alfa diejenigen, die es können, komm sn bei der Regelung auf Grund der Gewichtszölle bester weg. Im großen und ganzen nehmen wir an, daß sich ei» Konsum« rückgang infolge der erhöh'en Zölle kaum vollziehen wird. Das gilt jedoch nur für den Fall, daß der Kaffeepreis nicht teurer wird als im Herbst vorigen Jahres. Die Preise brauchen aber, wie wir oben dargelegt haben, nicht teurer zu werden. Andererseits vergrößern sich mit. den erhöhten Zöllen die Preisspannen zwischen Kaffee und Tee einerseits und den alkoholischen Getränken andererseits. Dos könnte unter Umständen zu einem Mehrverbrauch von Alkohol führen. Darin liegt eine Empfehlung, die von fast allen Seiten verlangte höhere Alkoholbesteu«. rung schleunigst durchzuführen. Das Altoholgewerbe legt ja auch sonst immer bei allen möglichen Gelegenheiten Wert auf eine gleichbleibende Preisspanne. Man sollte diesen Wunsch jetzt berücksichtigen. Der höhere Kaffcezall selbst wird ganz bestimmt noch die anders unliebsame Folge dadurch haben, daß er Anreiz zu einem oer mehrten Schmuggeloerkehr schafft. Gerösteter Kaffee wurde von jeher an der deutsch-Kollandischen Grenze geschmuggelt, wenn hohe Zölle das riskante Geschäft lohnend erscheinen ließen. Nun kommt nach der Zollerhöhung auf einen Sack Äaffss ein Zoll von 300 Mark. So ein-Zentner Kaffee ist schließlich nicht allzu schwer und nicht allzu unhandlich. Es liegt also auf der Hand, daß sich der Spezialarbei'smarkt an der deutsch-holländischen Grenze demnächst Hestern wird. Aebeiier und Bausparkaffen. Ein Bausparkassengeseh. Die Bansparkastenbewegung, die die Schasfimg eines Eigen- beims durch Sporrücklagen zum Ziele hat, hat in Deutschland schnelle Fortschritte gemacht. Neben den privaten sind auch die öffentlichen Bausparkasten in schneller Bildung begriffen, die Zalzl der privaten Bausparkassen wird schon aus 180 geschätzt, und es hat sich auch schon ein Reichsverbond der deutschen Prioatbausparkassen g«> bildet. Führend nach Größe und Intensität der Werbung ist die Gc> meinschast der Freunde In Wüstenrath, kurz auch Darmstädter Ge- sellschaft genannt. Wi« gemeldet wird, hat diese mit Genehmigung des Reichsocrbondes deutscher Prioatbausparkassen die seit längerer Zeit mit mehreren Organisationen der christlichen Gewerk- s ch a f t e» lausenden Bertragsverhandlungen abgeschlosten, und zwar zunächst mit dem Reichsverband der katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenverein« Deutsch'ands, der A.-G. Deutscher Heim- bau Berlin und dem Verband Wahnungsbau und Siedlung GmbH. in Köln. Diese werden nach dem Verirage keine eigenen Vauspar- lassen gründen, sondern ausschließlich für die Bousparkoste der Darmstädter Gesellschaft werben. Die Reichsregierung hat sich bereits mir der gesetzlichen Regelung des Baufparkassenwesens bcfchäitigt, da noch Auf- fastung aller Beteiligten, insbefouder« auch der Sparkasien und Girozentralen, eine staatliche Aussicht nn Interesse der vielen Tausend« von Bausparern ersoröerlich ist. Es heißt, daß das R e i ch s w i r t- s ch a s t s m i n i si e r i u m einen entsprechenden Gesetzentwurf vor- bereitet habe, der auch die Bausparkassen, ähnlich wie die Privat- Versicherungen unter die Kontrolle eines R e i ch s a n f s i ch t s> o mtes stellt, eine Konzessionierung für Reugründungen vorsieht und von den Bousporkassen mindestens alle zwei Monat« den Nach weis des Bennogenssrand.es verlangen will. Auch in der Arbeiterschaft hat angesichts des noch immer fortbestehenden Wohnungselevds und des ireitverbreiteten Verlangens noch einem Eigenheim die Bausporkassenbewegung großen Widerhall gesunden. Gerade für die breiten Massen der Arbeiter- schalt ober bestehen hei den bisherigen Systemen noch große B e- denken und Unzulänglichkeiten, die beispielsweise die freien Ge- werksckasten und die diesen nahestehenden Bankinstitute bisher in der Akriviiät gehindert und zunächst zur Prüfung der Erfahrungen ge- zwungen haben. Die Löhn« de.r Arbeiterschaft sind im allgemeinen noch sehr niedng: nach Sicherung des Existenzminimums wird wenig zurückgelegt Bei den bestehenden Systemen ist selten die Gewähr gegeben, daß auch alle Bausparer in a b s e h« barer Zeit in den Genuß der Darlehnsgewährung kommen, bei den Auslcsungssystemen werden die schlechter Situierten oft benach- teiligt: es bestehen Mög ichkeiten, durch Gelddarlehen von dritter Seite schneller zum Zuge zu kommen, was wiederum all« benach- teiligt, die sich solche Darlehen nicht belchaffen können. In oller Regel . gehört aber der Arbeiter zu denjenigen, die die längste Warte« zeit trifft, denn zu den Einzahltutgen, die eine kürzere Wartezeit ermöglichen, ist er eben nicht fähig. Es kommt hinzu, daß die Frage der Bausparlostcn in kleineren Städten u n d a u f de m Lande anders liegt als in den Großstädten: in der Provinz ist dos Verlangen nach einem Eigenheim stärker, während sich der Arbeiter der Großstadt eher nach einer vernünftigen Mictswohnnng sehnt, als nach einem Eigenhous mit seinen mancherlei Risiken. Di« freien Gewerkschaften haben sich feit langem mit diesen Fragen bereits beschäftigt. Die llutersuchungen, die auch lchmierigere wisieuschafiliche Arbeit voraussetzen, sind weit fort- geschritten und man kann hoffen, daß über die Frage, deren Be- deutung nicht verkannt werden kann, bald endgültige Klar- h e i t geschaffen wird. Iedernofls sind die Ding« heut« immer noch so, daß übereilte Gründungen sehr schwere Folgen für den einzelnen und die Organisationen haben können. Es wird sich daher fiir die organisierte Arbeiterschaft empfehlen, die Stellungnahme der freien Gewerkschaften und ihrer Bankinstitute noch abzuwarten. Warum wird das Bauen nicht billiger? Mesengewinne einer Zementfabrik. Wir sind es gewohnt, daß das Bauen von Jahr zu Jahr teurer wird, während die Baustoffindustrie immer größere Gewinne macht. Ein Beispiel dafür ist die Z e m e n t s a b r i k Hemmoor. Der Reingewinn dieser Firma hat sich wieder mal erhöht(von 1,17 auf 1,28 Millionen Mark?. Dabei zeigen die Dermögensposien In der Bilanz durchweg Steige- rungen. Die Wertpapierbestände erhöhten sich z. D um eine halbe Million auf rund 1,8 Millionen Mark, wobei nicht vergessen werden darf, daß in diesen Posten starke stille Reserven stecken dürften. Di« Dividende beträgt wie im Vorjahr 15 Proz. Diese Dividende muh aber diesmal auf ein Aktienkapital von 5 Millionen Mork gezahlt werden gegenüber 3Z Millionen Mark im Vorjohr. Das bedeutet, daß die für die Zahlung der Dividende zur Verfügung zu stellende Summe von 570 000 auf 760 000 Mark erhöht werden muß. Die Kopttalscrhöhung aber wurde im vorigen Jahr mit Gratisaktien durchgeführt. Zu den Gratisaktien erhallen die Aktionäre noch die rund« Summe von 190 000 Mark geschenkt. Das glairzend« Ergebnis trat bei Hemmoor ein, obwohl die Zement- mdujtrie einen harten bautenarmen Winter hinter sich hatte. Und man wundert sich, daß das Bauen nicht billiger wird! Kiagen über Krankenkassen? Sie sind underecht gl— faqt die preußische Tie ierunc,. Aus einer Antwort des Preußischen Staatsministeriums für Volkswohlfahrt ist zu entnehmen, daß die Stoatsregierung Be- schwerden über luxuriöse Geschästssührund eer Kranken- kassen regelmäßig auf ihr« Berechtigung prüft. Dabei haben sich jedoch diese Beschwerden bisher immer alsungerechtfertigt erwiesen. Im übrigen wird daraus verwiesen, daß ohne ausreichende Mittel die notwendige soziale Fürsorge, die auch im Interesse der Wirtschaft liegt, nicht geleistet werden kann. Zu besonderen Maß nahmen durch die Äaaisregierung liege jedenfalls kein Anlaß vor.> Senkt den Diskont! We'tere Ifo ierung der Retchsbank.— Neue Goldzuflüsse. Wie zu erwarten war, hat auch zum 23. Februar— frellich gewöhnlich die schwächste Woche des Jahres— die Tätigkell der Reichsbank wieder stark abgenommen, und auf der anderen Seite find die Zuflüff« an Gold noch stärker gewochsen als bisher. Die Voraussetzungen zur Diskontermäßtgung haben sich weller ver- Hestert. Die W e ch s e l b e st ä n d e der Reichsbank gingen um 99,3 auf 1620,4 Millionen zurück. Im Jahre 1928 Halle die Reichsbant zum gleichen Zeitpunkt einen Wechselbestand von 1925 Millionen, also rund 300 Millionen Mark mehr. Im Jahre 1929 wurden zum 23. Februar zwar nur 1461 Millionen Wechselbestände ausgewiesen: dabei ist aber zu berücksichtigen, daß in dem diesjährigen Bestand wahrscheinlich große Betröge von Auslandswechseln enthallen sind, die im vorigen Jahre in der Summe fehllen. Wirtschaft und Banken nehmen für neue Kredite die Reichsbank offenbar überhaupt nicht in Anspruch. Der Bestand an Lombarddarlehen ist um 23,6 aus 54,7 Millionen zurückgegangen. Auf dem Konto der unverzinslichen Girogelder zeigt sich eine Zunahme um 113,6 aui 615,8 Millionen Mark. Dem standen zum gleichen Zellpunkt 1929 nur 573 und 1928 nur 604 Millionen gegenüber. Der Roten- umlauf ist nach einem Rückgang um 161,8 auf 4004,6 Millionen rekordmäßig niedrig: Rentcnbankscheine waren nur noch 323,9 Millionen in Umlauf. Andererseits hat sich die Deckung des Notenumlaufs wieder außerordentlich verstärkt. Di« Goldbestände sind in der letzten Woche um nicht weniger als 59,2 auf 2410,2 Millionen Mark ge- stiegen, und wenn bei dem Bestand der Deckungsdsvisen ein kleiner Rückgang um 2P auf 398.8 Millionen ausgewiesen wird, so dürfte dem in anderen Konten der Reichsbank ein« Steigerung des Bestandes an auslandischer Valuta gegenüberstehen. Jedenfalls haben wir zum 23. Februar eine Deckung der umlaufenden Noten allein durchGold von60,2 Proz., das ist mehr als die Hälfte über der gesetzlichen Vorschrift, und durch Gold und deckungsfähige Devisen zusammen von 70,1 Proz.(ungerechnet die nicht als Deckung ausve- wiesenen Devisen), das ist mehr als drei Diertel über der gesetzlichen Deckungsvorschrift. In der Geschichte der Reichsbank dürft« eine derartig große Ueberfchreitung der gesetzlich vorgeschriebenen Notendeckung noch nicht vorgekommen sein. Nichts werft heute darauf hin, daß die internationale Geldslüssigkell beträchtlich nachlassen würde— in London und in New Park wird immer noch von einer neuen Dis- kmllsenkung gesprochen—, und. die Gesamtlage in Deutschland macht ein plötzliches Anwachsen der Kreditnachfrage nicht wahrscheinlich. Selbst aber eine plötzliche stärkere Nochfrage nach Krediten voraus- gesetzt, sind die inländischen Geldreserven und die ausländischen Geldangeboie sowie die eigenen Kreditreserven der Reichsbank so groß, daß sie wahrscheinlich auf lange Zeit befriedigt werden könnten. Einer Senkung des Zinsnioeaus durch die Reichsbank steht heute kaum etwas anderes im Weg« als der Will« zu dem ent- sprechenden Entschluß._,,, Die Berliner Abzahwngspleiie. Die Gläubigerversamntlung der De wo da g und der Kau sab, denen auch das Kaufhaus des Ostens(K a d« s) in der Großen Frankfurter Straße gehört, hat stattgefunden. Als Ursache des Zufmnmenbruchs wurde angeführt, daß der Konzernchef Mar Bauer aus Frankfurt(Main) das Abzahlungs- und besonders das Grundstücksgeschäft zü stark ausgedehnt Habs. Die 96 Grundstücke sind in der Bilanz mit rund 8 Millionen Mark bewertet, dir Gesamt- summe der noch nicht geprüften Aktiven beträgt 11,39, die Gesamtsumm« der Passiven 10,20 Millionen Mark. Aber von den Aktiven können nur die kleinsten Summen auch wirklich flüssig gemacht werden. Die Grundstücke und ebenso die Warenhäuser m der Potsdamer Straße und im Berliner Osten sollen verkauft werden. Die Gläubiger bis zu 3000 Mark sollen mll 100 Proz. allmählich entschädigt werden. Die Gläubiger haben einen Aus- schuß gewählt, der die Bcrmögensocrhältnisse bei den einzelnen Gesellschaften prüfen wird._ Ein englisch- russischer Hcmdelsvcrkrag? Im«tglischen Unterhaus hat der Staatssekretär des Aeußern Henderson auf eine Anfrage erklärt, daß mll Rußland wegen Zlbschluß eines Handsls- Vertrags Berhondlungen im Gange feien, non denen man eine Steigerung des Handelsverkehrs erwarte. Der Handel mll der Sowjetunion habe bereits beträchtlich zugenommen. Bei Schuberl& Salzer wieder 16 Proz. Dividende! Die in der Hauptsache Textilmaschinen herstellende Sächsisch« Maschinenfabrik Schubert& Salzer hat im vergangenen Jahr wieder enorme Ge- winne erzielt. Bor Berechnung des Reingewinns wurden nicht weniger als 5 Millionen Mark aus den Uebcrschüsien für Ab- schreibungen verwendet, aus dem ausgewiesenen Reingewinn von 4 59 Millionen erhalten die Aktionäre wieder 16 Proz. auf dos Aktieukopital non 19,5 Millionen Mark. Rechnet man die 2ll>- schreibungen ein, so ergibt sich ein reiner Verdienst bei Schubert u. Salzer von rund 40 Proz.! Wir kommen auf diese Rekorddivi-dendc zurück, wenn uns der Geschäftsbericht von Schubert u. Salzcr vorliegen wird. kiapiwlzufammenleguag 1900: t. Bei dem kürzlich erfolgten Zusammenbruch der Frankfurter Bankverein A. G. haben bekannt- lich die vtadt Frankrurt med die Frankfurter Sporkasse die Bürg- schuft für die Einlagen übernommen. Offenbar auf das Verlangen der Stadt Frankfurt wird jetzt das Kapital von t Million'Mark im Verhältnis iOOO; 1 zujammengelegt: das dann nur 1000 Mark be- üagende Kapital soll um 49 000 wieder auf 50 000 Marl erhöhl werden, wobei die Stadt Frankfurt die neuen Aktien übernimmi. Den Aktionären ist hier der Verlust van 999 Tausendstel des Bank- kapllals zugemutet worden, was den Leidtragenden hoffentlich eine Lehre sein wird, das Bankgeschäft etwas ernster zu nehmen, als im Falls des Frankfurter Bankvereins geschehen ist. 640 Kilometer Ferngasleliung ln Sachsen. Die Gasvcrsor- g u n g O st s o ch s e n A.-G. die von dem zentralen Gaswerk Heidenau aus mll 840 Kilometer Gasleitungen eine große Fern- gasversorgung betreibt und zum größten Tetl in öffentlicker Hand ist, steigerte 1929 ihre Gasobgabe um 9 Proz. auf 9,55 Mill. Kubikmeter. Aus dos Kapital von 5 Mill. Mark kommen 6 Proz. Dividende. Tobis filangfllm in Schweden. Die Tobis-Klangfilm-Gruppe, die In Holland sitzt und an der auch deutsche Elektrokonzerne beteiligt sind, hat mit der Svensk Film-Industri Aktie Volaget in Stockholm einen Vertrag geschlossen, der die gemeinsame FilmprclduUion vor- sieht. Es besteht die Absick-t, auch schwodische Bearbeitungen deutscher Filme herauszubringen. Die Tobis soll gegenwärtig in-Neu-Babel?- berg vier neue Tonfilme in Arbeit haben, darunter auch zwei für Ufa und Emelko, im Pariser Atelier sollen fünf, bei der englischen Tochtergesellschaft sieben große Tonfilme vorbereitet werden. Schweizer Geffh über die Veparal'onsbank. Die Schroei-er Bundesversammlung hat am Dienstag dte Gesetze über den Sitz der Reparationsbank in der Schweiz gegen d'e St'mme i der beiden Kommunisten angenommen. Im Nachonal'-nt behau r e die so z i a l de m o k r o t i sche Fraktion, daß sich die Sckwesz ver- anlaßt gesehen habe, den Beamten der Repcinnionsbank Steuerfreiheit zuzugestehen. Mittwoch 26. Februar �tSZo nterhaltung unü Deilage öes Vorwärts 3iuri3tudoimeuberi:SeUf8MieirtReigen (Schluß.) Wenn irgendwo«in Film mit der Wang gegeben wird, löse ich eine Kart« und setz« mich in den dunklen Raum. Und ich starre in �.ie schmalgeschnittenen Augen, als wären sie dicht über mir, ich spür« den Duft von dem in die Stirn gekämmten Haar und glaube, ich habe Besuch von meiner kleinen russischen Freundin. Was war sie doch lieb und wert, ein ganzer Kerl. Sie kam abends gegen sieben Uhr in einem wundervollen Abendkleide, und wir wollten zu einem Ball oder einer Premiere, wozu wir schon Karten hotten. Sie sah berückend aus, und hundert Männer hätten ihr an diesem Abend gehuldigt. Aber da konnte sie sich plötzlich auf meine Knie setzen und den Kopf an meine Brust lehnen:„Weißt du. Liebster, wir bleiben zu Haus. Wir bleiben allein. Wir machen uns ein herrliches Fest.* Und sie tonnte leise russisch vor sich hinsummen, aus meinen Knien, an meiner Brust, in ihrem schönsten Abendkleid. Und die Uhr ging mit ihren Zeigern unaufhörlich in die Nacht hinüber. Zehn, elf Uhr, und wir sahen beieinander und hieben unsere Hände, ich lügt« Marfa aus den sehnsüchtigen Mund oder ging zum Flügel, spielte Chopin, und Marsa setzte sich in ihrer grand« toilett« zu mir auf den Teppich. Ja. sie hatte sich schön gemacht für solche Swrchen. Wenn sie«inen deutschen Brief schrieb, machte sie manche Fehler, doch ihr Russisch konnte ich sa nicht lesen. Aber ihre russischen Koseworte verstand ich, ich sog ihren Sinn ein wie ihre Küsse und ihre Lieder hört« ich wie die Sprache ihres Herzens. An stillen Abenden, wenn wir unsere Zweisamkeit nicht stören wollten durch Kino oder Tanz od«r sonst etwas, an solchen Menden hüllte ich mich in die Lieder ihrer Heimat ein wie in eine weich« warme L«cke, und mir war, als führe ich mit Marsa in einem Schlitten durch die weite nachtdunkle russische Steppe... Manchmal fragt« ich sie nach einem Lied oder nach einem Kose- wort: Dar das russisch? Und sie lacht« wohl: Lettisch! Und fragte •ich dann ganz schlau ein anderes Mal: Natürlich lettisch, Marsa?, da konnte sie ganz entzückend komisch seufzen: Diesmal polnisch, du Dummer, Süßer! Und dann strafte ich sie mit Küssen und lachte: Diesmal deutsch, Maruschka. � Marfa klingt oft in mir, sie ist der dunkle Ton im Dreiklang nteines Herzens. Ja, und nun Gerda und Anja. Ach, Gerda war ein Mädchen,«in ganz kleines Mädchen. Gott, !ch hätte an ihr vorübergehen können, aber es gibt etwas Leisestes, Heimlichstes, Unentdecktes, an dem man nicht vorübergehen kann, ;cnn man es ahnt. So habe ich Gerda geahnt. Sie war etwas, an dem man sich auslöschen kann, völlig. Si« war nichts gegen Msa oder Maria, und doch war si« alles. Man konnte sich zu ihr retten vor sich selbst, weil zu ihr nur eine schmal« Brücke führte, auf der man alle? zurücklassen mußte, alle geistigen Frachtkofser. alle literarischen Necesiaires, denn Gerda war ein märkisches Dorf- laädchen, das über die Wiesen lief mit einem bunten Kopftuch, unter dem zwei schwere blonde Zöpfe steckten, mit nackten braunen Beinen und einem verliebten Herzen. Ja, man konnte wohl Sehnsucht danach bekommen wie nach owgenden Kornfeldern und einer Windmühle. Wenn ich nach den wogenden Kornfeldern Sehnsucht hatte und nach Gerdas Gliedern, nach ihren Zöpfen und roten Lippen, nach ihren nackten Beinen, nach ihrer ganzen süßen kindlichen Weiblich« leit. dann ließ ich die Stadt hinler mir und wanderte durch die Kornfelder zu einer Mühle» wo Gerda wartete. Das war ja so merkwürdig: ich komme von Anja, der klugen großen Anja, die nach Heidelberg flog zu den Festspielen, um Ger- hart Hauptmann zu interviewen, von dieser klugen 2lnia komme ich zu Gerda, ich komme, und Gerda, das Donmädchen mit den blonden Zöpfen, stürzt bei der Mühle auf mich zu und küßt mich, und ich bin sinnlos glücklich. Ich liege im Gras, den Kopf in Gerdas Schoß, l::id sehe die Wolken über mir dahinziehen, als hätte ich seit Jahren keine ander« Beschäftigung und dächte auch in Zukunft nichts anderes zu tun. Ich bin ja über die Brück« gekommen und habe alle Koffer zurücklassen müsien. Ich bin ausgelöscht und befreit, ich erleb« etwas Unnennbares, ein« Inkarnation. Anja, aber nein, so weit denke ich' in dieser Stunde gar nicht. Anja steht jetzt vielleicht vor Gerhart Hauptmann und spricht mit ihm über Florian Geyer, und ich liege hier und laste mir von einem Dorfmädel über die Heuernte berichten, ober den letzten Dorsball, über dl« Ziegen, die Gerdas kleine Schwester hüten muß, ob sie wieder mehr Milch geben, ob der Grabenrand drüben am Bach schon abgeweidet ist, ach, und ich liege ganz still und hör« und rege muh nur, wenn Gerda mich küßt. Sie ist auch in ihren Küssen das kleül« Mädchen, und wenn wir dann tiefer in den Wald hineingehen, aber im tiefen Wald, dann läßt sich das Mädchen wie«ine Puppe über dos Moos tragen, und die Arm« umschlingen mich, und eine Kindcrstimm« sagt gedanken- ichwer: Ich kann dich ja nie vergesien! Anja ahnte etwas von Gerda. Und einmal kam Anja mit mir in jene Gegend, wir blieben den ganzen Tag, die ganze Nacht dort in einem Gasthaus, ich sah Gerda nicht, aber ich ging mit Anja Wege, die ich mit Gerda gegongen bin, und das stand in meinen Augen, das hämmerte in meinem Herzen, es war«ine Qual. Das sind alles dunkle, seltsame Berhältnisse. Man kann sich ielbst nicht mehr erkennen, so unklar ist das. Und in dieser Unklar- i,eit lernt man dann noch andere unklare Menschen kennen, erfährt von diesem und jenem, lernt homosexuelle Männer kennen und lesbische Frauen, man steht Ehebrecher und(Jhebrecherimien In seinem Bckannten'reis, man kommt mit Trinkern zusammen und hört ihre Geschichte: vielleicht war«ine Frau schuld, vielleicht der Krieg, vielleicht nur sie selbst. Eine solche Geschichte, die mir einer erzählte, als er vom Alkohol ganz nüchtern war, schrecklich nüchtern in seinem Elend, eine solche Geschichte trage ich heut« noch mit mir herum, und vier Tage konnte ich damals keine Frau ansehen, ohne nach innen zu knirschen: Weiber! Und meine Geschichten? Ja, ich gebe Anja mein„besseres' Ich. und für Gerda bin ich da, plötzlich oder verabredet, bin ich eben da für sie. Wir beide sind da für uns. Gerda und Anja kann man natürlich nicht in einem Atem nennen, da sind doch Unterschiede auch in ihrer spezifisch weiblichen Art, von geistigen wollen wir gar nicht sprechen. Gerda ist ein« Wiese mit vielen bunten Blumen, und Anja ist ein gotisches Fenster in einer Kirch«. Vielleicht sehe ich manchmal, wenn ich in der Kirche sitze, durch das gotische Fenster aus die Wies«, vielleicht blicke ich von der Wiese in Gedanken durch das Fenster in die Kirche. Co ist«s, lieber Freund. So läßt sich alles erklären und ver- stehen und verzeihen. Aber Sie, ich denke eben an Sie? Ich denk« daran, daß Sie meine Schwester lieben und sie heiraten wollen Ich denke daran, und es erscheint mir plötzlich alles so seltsam. Wenn Sie nun neben Ihrer Anja, die meine Schwester ist, noch eine Gerda hätten und eine Marfa, wie anders ist alles, man braucht nur daran zu denken. Ich glaub«, ich würde Sie niederschlagen, wenn Sie Ihrer Anja vom Berge wegliefen, um ein« Gerda, die über die Wiesen läuft, an den Zöpfen zu fangen. Komisch, komisch. Ich bin da von diesen. Bilde verwirrt. Ich weiß nicht, was ich von meiner Schwester denken würde, die alles verstehen, verzeihen würde wie Anja. Und ich denke, daß Anja nicht alles verstehen und verzeihen sollt«. Plötzlich denke ich so. Es ist ein seltsamer Reigen, in dem ich mittanze. Alle, Anja und Gerda und Marfa und ich und die Trinker mit ihren schweren Geichichteu und die Ehebrecher und die Ehebrecherinnen und die % t Homosexuellen und die Lesbifchen und alle, alle, alle, ein seltsamst i Reigen. Und ich höre Anja sagen, man könne alles verstehen uniV verzeihen.. Aber Sie sind doch nicht in dem wirren Reigen. Sie stehen mit Ihrer Anja aus einem Berge und bleiben immer allem und glücklich. Nun habe ich mit Ihnen hier lange gesprochen, aber das Schlimmste wissen Sie noch immer nicht. Ich sitze hier bei den Bildern und Briefen des Sommers und möchte, daß ein Schnee darauf fällt, ein starker hohe, Schnee. Wird es denn noch schneien in diesem Winter, der kein Winter ist? Anja wird morgen abend kommen, sie will, daß ich mit ihr ins Kino gehe, zu irgendeinem Film, ich soll nicht immer zu Hanse sitzen, meint sie. Das Schlimmste, nämlich, müssen Sie wissen. das Schlimmste ist, daß Gerda tot ist. Vielleicht hat sie Angst be- kommen vor einem Kind, vielleicht hat sie die Sehnsucht getötet, als der Herbst über die Felder brach und ich nicht mehr zur Mühle kam.. Ihre Mutter hat mir nur gpnz kurz geschrieben. Ich werde wohl noch einmal zu ihrer Mutter gehen müssen... Wenn der Schnee ganz hoch liegt auf den Feldern... dann.., 3)r. Slfe Wlobiut: 3)er ffielaiwiH des iß. Jahrhunderls Es war in den 70er Jahren des 16 Jahrhunderts. Ganz Frankreich war in �wei große Lager gespalten, die sich haßten wie Todfeinde, deren Sinnen nur darauf gerichtet war, den Gegner niederzuischlagen, und zwar so, daß sein« Macht auf immer gebrochen war. Auf der einen Seite standen die Rechtgläubigen, die An- Hänger der ewigen Mutter, der ecdeeia catholica, die katholischen Christen, auf der anderen die überzeugten Vertreter des wahren Glaubens, eines reinen, geläuterten Christentums, die protestanti- jchen Hugenotten. Vor kurzem hatten sie unter den Augen der in ohnmächtiger Wut jede ihrer Bewegungen verfolgenden katholischen Feinde ihre erste große Heerschau abgeholten: Nahezu eine halbe Million protestantischer Gläubigen gab es bereits in Frankreich, und ihre Führer waren keine geringeren als die altberühmten, vor- nehmen Familien der Bourbons und der EHätillons. Auch von den deutschen Glaubensbrüdern wurden sie tatkräftig unterstützt, als die großen Kämpfe, die Hugenottenkrieg«, entbrannten und Frankreich in ein Meer von Blut, Haß, Verrat und Fanatismus verwandelten. Jeder einzelne nahm Srellung, denn es galt, den„rechten Glauben' gegen die Anhänger des Teufels, gegen die Ketzer, die Ungläubigen hochzuhalten. Auch in der ehenmligen Grafschaft P>?rigord, dem einstigen Sitz der Kellen im Südwesten Frankreichs nahm man mit Be» geisterung teil an diesen großen Kämpfen, und der ärmste Klein- bauer, der besitzlose Landarbeiter, der unerfahrene Hütejunge, der seine Schweine in die Eichenwälder trieb und niemals über fein kleines Dorf hinausgeblickt hatte— sie alle wußten: Es geht jetzt um das Reich Gottes und der Jungfrau, und jeder wahre Katholik mutz die Heiligen bitten, Zeichen und Wunder in diesem Kampfe zu tun, damit der wahre glaube des katholischen Frankreich sieg- reich werde. Nur einer schien nicht zu wissen, was um ihn vorging, was das ganze Land und seine Bewohner bis ins Innerste erschütterte. Es war der Schloßherr voll Perigord, Michel de Montaigne. Seine Standesgenossen mochten ihn in all« möglichen interessanten Diskussionen religiöser und philosophischer Art locken, um sein« eigen« Stellungnahme zu erforschen, sie mochten ihm noch so nahelegen. daß es Pflicht eines französischen Edelmannes sei, gegen Kurie und Katholizismus zu kämpfen: alles schien an diesem undurchdring- lichen, geheimnisvollen Manne abzuprallen wie an einem Panzer. Mit Angst und Scheu sahen die Bauern, seine Untertanen, chm nach, wenn er in seiner Karosse ausfuhr. Zwar hatte er niemals, mit keinem Worte, ihren Glauben angetastet, aber war er wirklich einer der Ihren, war er ein Rechtgläubiger, ein Streiter der heiligen Jungfrau? Mit Mißtrauen und heimlicher Wut beobachteten ihn die Hugenotten: Zwar hatte er auch ihre Symbole, die schmucklosen, protestantischen Kirchen, jederzeit mit Respekt und Achding be- handelt, aber konnte man wissen, wie es wirklich in der Seele dieses schmalkäpfigen, blassen Edelmannes, dessen Mutter eine Jüdin ge- wefen war, aussah? Nber seltsam genug: Während Taufende um ihn her ermordet wurden, überstand er, der von. beiden Parteien gleichzeitig mit Mißtrauen beobachtet' wurde, unverletzt alle Wirren. Selbst der Schrecken der Bartholomäusnacht, am 24 August 1572, als über 30 000 Hugenotten dem Fanatismus der Kätholiken zum Opfer fielen, konnte dem Edelmann von Perigord nichts anhaben. Tief versunken in seine geliebten römischen Klassiker, deren Sprach« er schon im 6. Lebensjahr wie seine Muttersprache beherrschte, er- gänzte er seine vor langem begonnene Zitatensammlung und dachte über sich selbst und die wunderliche Well um sich her nach. Er Halle sie zur Genüge kennengelernt, als er auf Wunsch seines Vaters eine Ratsstell« in der Hauptstadt von Perigord, in Pörigeux, be- kleidet hatte. Damals übermannte ihn der Ekel vor menschlicher Unzulänglichkeit so sehr, daß er glücklich war. den unliebsamen Berus wieder verlasien zu können. Lohnte es sich denn, sich für irgendeine menschliche Institution einznsetzen, Vertreter irgendeiner Welt- anschauung zu sein? War man denn seiner selbst sicher, schwankte man nicht in seinem Wissen und Erkennen, in seinem Wollen und Künnen beständig hin und her?. Rastlos glitt der Federkiel des Einsamen über das Perganient. Er vermochte nicht schnell genug festzuhalten, was die Seele des Schreibenden bewegte. Viele Kapitel waren bereits druckreis. Aber immer wieder überarbeitete sie der niemals mit sich selbst Zufriedene, unaufhörlich feilte er an dem sprachlichen Ausdruck. Nur der Titel fehlte ihm noch. Wie sollte er feine Plaudereien über die Lüg« und die Furcht, über Pedanterie und Erziehung, über die Mängel der Gerichtsbarkeit und die Eitelkeit der. Worte, über Bücher und Lebcnskultur nennen? Eine einzige Bezeichnung dräng!« sich ihn, immer wieder aus, ob- wohl sie noch nirgends in der gesamien französischen Literatur ver- wandt worden war.„Dcrsuche'. kleine Proben literarischer Ab- Handlungen.„Essays*: dies allein war der richtige Titel. Und so erschiener. vor genau 350 Iahren die„Essays' von Michel de Momaigne, inleresiante, geistvolle Betrachtungen über stellen, sein eigenes Wesen bis in die Tiefen verfolgen: das ist sein Ziel. Der erste große psychologische Schriftsteller, der erste Essayist Frankreichs ist geboren. Aber Faufts Wort von den zwei Seelen in der menschlichen Brust bewahrheitet sich auch an diesem kühlen, unbewegten Denker» der scheinbar an nichts glaubt und an allem zweifelt. Mitten in diesen abgefeillen, durchdachten Ausführungen spürt man plötzlich eine Wärm«, ein echtes Gefühl von einer Tiefe und Beständigkeit, das überraschen muß. Es steigert sich zum leidenschaftlichen Be- kenntnis überall dort, wo Montaigne über die Gerichtsbarieit Frankreichs spricht. Scharf lehnt hier der sonst so kühle Denker die mittelalterliche Strafrechtspflege mit ihren barbarischen Sitten und Gewohnheiten ob und ebenso scharf verurtellt er die Unsicher- heit, die Wirrnis der Gesetze, die weitab von der Praxis entstanden zu sein schienen. Diese Stellen sind durchaus modern. Sie sprechen Forderungen aus, um die wir teilweise heute noch kämpfen müssen und sind ein Bekenntnis zu wahrem Menichentum, zu Toleranz. Edelmut und Seelengröße. Bon überraschender Wärme und Tiefe des Gefühls sind auch Montaignes Worte über die Freundschaft. Sie stehen gegen End« des ersten Buches und sind unter dem Ein- druck geschrieben, den der Tod seines einzigen Freundes, des kühnen revolutionären Schriftstellers Etienne de la Boäiie auf ihn aus- übte. In diesem Kapitel erhebt sich Montaigne zu dichterischer Größe. All« Verneinung und Skepsis ist verschwunden. Hier klagt eine Mcnschei/eele um etwas unwiederbringlich Berlorenes und schafft sich Trost in der Erinnerung an den geistig und seelisch immer noch nahen, unvergeßlichen Freund. Montaigne? Essays konnten nur in einer mittleren und oberen Schicht Fuß fassen, denn trotz aller kristallenen Klarheit der Sprache ist die Lektüre dieses„ersten Klassikers der französischen Literatur'. wie man ihn genannt hat, nicht immer leichr. Auch die neue Form des ltterarischea Essays fand keine Nachahmung. Mer als der englische Philosoph Vacon ein Dierteljahrhundert später von seiner französischen Reise zurückkehrte, da erschien in London plötzlich ein Bändchen, das sich„Essays" betitette und als Vorbild Senecas Briefe angab. Erst viele Jahr« später gab der englische Nachahmer indirekt zu, daß er Montaignes„Essays' kenne. Die literarische Form aber hotte in England bereits festen Boden gefaßt. Im 18. Jahrhundert bildeten sie die sogenannten Essayisten, Steele, Addison Drydcn u. a. noch weiter aus, und ün IS. und 20. Jahrhundert fand das Essay, die geistvolle Plauderei über Zettfraxen, Eingang in die Weltliteratur. Tain« in Frankreich, Macau y, Carlylc in England, Gustav Freytag. Wilhelm Wuridt in Deutsch- laud sind seine Vertreter. Der Gedanke des einsamen Edelmannes auf seinem Schloß in der Gascozne hatte Länder und Meere, Nationen und Jahrhundert« überwunden. Ganz seltsam aber be- rührt es den Modernen, der Montaignes Bücher aufschlägt. Dieser Mann— hat ei wirklich vor über drei Jahrhunderten gelebt? Sein Zweisei an der absoluten Wahrhett, sein Streben nach Toleranz, nach Versöhnung, nach Menschlichkeit, sein Bekenntnis zur Relativität alles Seienden— sind es nicht Ideen, Wünsche. Gedanken des 20. Jahrhunderts! Ist Montaigne nicht nur der erst« Esiayist, sondern der erste Kritiker menschlicher Einrichtungen über- Haupt, der Relotioist, der im Zeitatter Einsteins wieder„modern' werden wird?— str. siurt sToeritke: Dögel, die fielt parfümieren Vor vielen Iahren schrieb mir einmal mein Bruder aus Schlesien, er habe beim Rehbockanftand äm Waldesrande beobachtet, wie Stare in seiner unmittelbaren Nähe an einer sogenannten Ameisenstraß« einfielen und den Boden eifrig mit chren Schnäbeln abzirkelten. Die ergriffenen Ameisen wurden aber nicht etwa kurzer« Hand verspeist, sondern die Vögel steckten sie sich mit allen Zeichen des Wohlbehagens unter die Flügel. Einig« Jahre später machte ich selbst ganz ähnliche Beobachtungen gleichfalls bei Staren, und neuerdings wird das gleiche auch von Krähen berichtet. Diese rutschten an dem betreffenden Platze mit gesträubten Federn, gelüsteten Flügeln und erhobenem Kopfe förmlich auf dem Bauche herum. wobei sie sich auf den Schwanz stützten. Sie waren so vertiefr in ihre ihnen sichtlich sehr angenehme Bejchästigung, daß sie den Jäger samt Hund ganz nahe herankommen ließen. Bemerkenswert ist auch, daß in allen Fällen weder Stare noch Krähen einen L-aut hören ließen, sondern sich ganz still verhielten, obwohl sie doch sonst bekanntlich recht schreilustige Äögel sind. Was mag nun wohl der Grund dafür gewesen sein, daß sie sich mit solchem Eiser einem solch rätselhaften Genüsse hingaben? Dieser bestand wohl zum Teil darin, daß dl« bedrohten Atneisen zur Ab- wehr reichlich Ameisensäure ausspritzten, was wohl erfrischend auf dt« Haut der Vögel wirken mag. Von einem Behagen an dem ____ M......... � W. � Geruch der Ameisensäure kann dagegen kaum die Rede sein, da ja Einzelgebiete menschlichen Wissens, menschlicher Berrächtungswess«. das Geruchsdermögen der Vögel bekanntlich stark verkümmert ist. Sie wollten nichts Auroritotives bieten, nichts, was Anspruch auf Allgemeingülligkeit beanspruchen konnte, sondern„c'eet icy un livr« de bonne loy', es ist nur«in Buch guten Glaubens, und„c'est moj que je peins", ich male mich selbst, betont er überall. Cr ist hungrig noch Selbsterkenntnis', er will sein« eigene Seele dar- Eine praktische Folge dieser„Ameffenbäder' war es aber jedenfalls, daß dadurch lästige Hautparasiten der Vögel Zum Abfallen bewogen- wurden. Ob die Stare und Krähen das gewußt haben mögen, also zielbewußt handelten? Wenn ja, dann würde das ganze Verfahren für ein« ausnehmend hohe Intelligenz bei ihnen sprechen. MittWoCn. 26 2 Staats-Oper Unuti d. Linden Iifl-U. B K»o. 7 Ja!iF3S-5b.-V. No. 55 19 Lhi Palestrlna Ende 22*t Uhr Staats-Oper 1» PUlz dir Rawink Vorst S4 20 Uhr Salome Enden.aiOsUhr Mi iwocn. Ir. 2. Stadl oper BlsmnrcKsir. Turnus IN I9V» Uhr Pique Dame Ende n. 22*» U. Staat). SdiansplL ,» mart: St. R. 5 Mi So. 5 Jabras-llL-V. Nu. 49 » Uh- Candida Endege■22''» U- Ml.Met'IItMMlib!!. zO Uhi« Florian Geyer Ende gegen 22'»(Jnr | 8.13 m cnn S>1■* kaoffen grianiii 1 Casi-Famllle, Jung-Chioa. 2 Ellleft Marika ftfikk, 9 Allisons usw. usw Tägl. S u.S'f, Uhr. B 3 Bait. 1238 Pr 1-6 M. Wochentg, 5 U SO Pf.-3 M. Letaie Z Tarc I Con Colleano, 4 Bronetta und weitere rum I. Maie in Europa »ereia e S s 1 1 1 e n< e i s t u o e e n VoiiisuUlme Thate» Mlowjlati. H Uhr Das GerOibt Kotrödie in 14 Bildern v C. K Murro Baal; K.».• a i'a itaati.;diillei-lb. - Uh' Florian Geyer .neaiei am dUltlhaoenlaiini ►10 Uhr Wenl'Dlrc Staatsoper AmPl. d RepuMi' 8 Uhr faiome ißötSftie?'»Mi 1 2 Seldsuiamn 5201 ra«i.«'. uh» Oer Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg.; Mai Reinhard» Hammerspiele D 2 WBitolamm 5201 S Uhi Der Kandidat von Carl Sternhemi Bezi«: Hm HiiitidL ISO.» Ii. 019 fomr.».. s b b' A ex. E 4. 80«e Nor noch i Tadel Gas'spiel Frilx Servo. und das heivoi ra-ende Varie �-Program n 3 Uhr Familien- Vor- sicllnngm. vollwertigem Ahendprogramm. Kind. xahl. auf«'. PUtzt-n v 2.2 aufw kleine P>eise. »'s U> r Vors ellong Der Zirkus ist stets gvi cekeizi! . den 13. Min. iub i. Kai«: Der wahre Jacob »pjd ela era.lci4ulger bonler Teil Oavcnein ü r I—4 P. i v o n c n Fauteuil nui i_2i M., Sessel 1.75.VL, Sonstige Preise Parkett u. Rang1. Uhr Victoria von S. Maugham Regie >\ax Reinhardt Musik; Mischt Spoliansky rrianos-M Georgenstr. 9 TIvlich S'/r Uhr na Hiraana Sudamua uirekuoi. >r. Roben Kien Cemsehes Kanstler-Tbaai Barbarossa 3937 8'/< Übt „Bn'. zwB'.diö" von FranaMO'nai -Iii Mai PHllntam. Vortar; SOUBAC Berliner Diealei üfinhofl 170 Täglich 8'/4 Uh' Die Straße nitiaertBasstmaDD. Regte 1cinz Hil per- Komische Oper FnedriChstr. I04 Merkur 1401 4330. Allabendlich S'o U. Mia Di ßnlla SOnn» it»»null«4 M> Lustspteihaus Fnednchsir. 236. Bergmann 2922/23 PAS Uhr Liebe ant den zweiten Blick Kleines Tneat. Merfcui 1624 Tägl. 8'/4 Uhr DerWalzer ron beute Nacbl! Erika Glassner, Iii de WSrner, Hermann Seht fuß iamewsKj-otiiineR fhaater a otf (Jaiqgratur Straca Täglich 8><4 Uhi Proessor Bernhardi von imqt Sctüitr* Htli»- Hi Komddienhaua Täglich 8», Uhi Oer Lßaner und die Renne von Cur"; 60t2 Ptiiiharmonic 6 Uhr iintoiiE-�flzett des Philharm, ürch Ving. Prot. I. Prflwci um gtfl Mitwirkg.v Haas ff�uO-on'tuv.) Sra(--7jrt»t. f. H«v.» IfiMk) Siaf.»»tlidiqM(Ttdu.kswikjl Eintritt i Mk heaterLd. 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Febr,| | 19 Uhr, im K ematorium Baumschulenweg statt Pianetannm — am Zoo •rOtt os« atfhiia l»'. B.5 Barbarossa 587> 16>i. Uhr DI» Whltar atarnblldar I8> 4 Uhr Oa-»lau» Jupiter. ZOV. Uh' MerkarOrdlg« S arnalRiemaiusr;! Eintritt i Mark Kinder SO PI Mittwochs h a- b t Kassenoreis» MUen Freunden und atno(|«r. dir traut tg? Nachricht das mein Hader äRann. Ratet Schwieger. u»rdßva.er Karl Weklner im 34. Sebeni jähre lauft enifchlafen HL z» Namen d« guitardtiebeite» Run« Weichnet nnd Kinder. Verksuke ® efftaäithfnutn findet am Freitag, dem.8. ssediaar I3S0. 19 Uir. im j Rremmortnm �aumldmlenweg statt Aloxanderniatz Maua HAMBURG-AMERIKA LINK VON HAMBURG O'REICTNAO» KANADA NÄCHSTE PASSAGIERABFAHRTEN. O.«Wesfphalio* 6. MSrz O..Claveland' 12.März SA.S., St. Louis" 28. Man M.S.„Milwaukoe" 4. April D.»Ooveiond". 16. April AA.S.«St. Louis" 29. April Rah lachgem jchw.'ten Leiden Ott- Ichied oa» Sonnt ag, dem 28 Fedruar. Ii'/} Übt. mein lieber jRann, unier guter-Ca et, dvr ttidj er Karl Dossow im 37 Lebensjahr. Frieda Doaaoar nebst Rindern. Die Traiierteier findet am Atettag. dem 28. Krdrnat 1SZ0. 17 llbr. im Rtemaimium Banmichuleiiweg statt SS. Ab.eiiung. Unser lieber Gendfie Karl �Vvldnor Sjelnmeästrafiq 16. ist am 24., Februar verstorben. Die Sinbicherurtg findet am 28 dtuar 1» Übt, tm Rrematorurm Kaum ch.Ienweg statt. Ehre Ittnem Nnbentcnl Um reg« Bt eU gnng er ucht Der Ah'eilnn»rorafand, Nlttlitt«MIIZkLe-lSl iZkiiSiiii Verwaliun ssie 1e Sariin NarHeu? Den Mitgliedern-u' NuchrichL daß unier Rollcge, der Wickler Ewald Richter geboren 25. Sevtemder iSuS, am Lx. Februar gestorben ist Ehre i einem Andenke»! Die Keerdigung dal bereits statt. ge.ardan|>4« Ortsverwal ob« Teppichhana«mit Sefdstt. Sein«. feit 1882 nur Sranienstrafi« 158. Sab. lungsccle'ditetuug ohne«ulschlaa. Neuer Katalog fgst.'nkrai' Betten oerkan!! Neue 12501 15.— l 19501 Prachtvolle 23.—!'2750! 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Bateiltgung erwartet Dter diatpianss. überaus oreiswcrl ■a..r:f Link Br innenstrzb» 35 Pian»» Zaslmana Piano». Ztammdaus a»> arllnd-t 1887 P.ano» ü.üg«! rar- mon ums. 100 �Instrumente Auswaol, anertann'e llon'didnhett. Pretsward a- krn.allnst g« Teilrahlunae» NenePtanas 900 Rar!, aedrau. te l!"' ctf an. ftcr» cheleaetidkitskdut» Alte.nn. strumente Ecaenrechnun» Pia täte te» Dcorg H»!kmottn S. in. d B- Le.nitacritraft«« WWW. Ptanät kgur.f®csta Hd'kluonn®. ta. i ; Berlin 2«. M W WM tSv.ttelmaritl______ j Pianos, neu und gebraucht, mit Herr» istcher üottfMIe. iietne Z-atcn. sehe vrciowert Langjährig»«aranite. P.anohau», Rdniggrägerstrafte 81. Selegenbeiten. neu» Ptaods. a«- uchle SM,—. Verband der Bodiölnfler ond Paplerverarbelter OentsdUandj üruvtrwal.ung Berlin Todesanzeige Dan S1 ha ludern ntt Nachricht, hast nn era Kollegin, die Fal ertn fHeds SeKrotK wo nhait Neu Slln, Zona»!kra5« 39. versto'.de» ist. Di» SwSlchenm« findet Donnerstag. den 27. F-bruar nachm.'/»g ilftr. tm Ät ematorium Doumichulenweg statt Ehr» ihrem Anden. en! Steg« Beteiligung erwartet VI« Orieverwaltarg iraucht» 300.—. SdUablun«. Prtngenstraste naurmig._ cheree. Sewfimauszog 5. ftlafl» 34. Preuiziich»LüddCllliche SIcsien-Lokferie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus leb« gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallcR, und zwar ft einer auf die Ccje gleicher Nummer in de» beiden Ableiluugen l und U lS. Ziehungstag 25. Februar lSZO «Zn der heul igen Vormltfagvziebmig wurde» Gewi»»« über 150 3DL gezogen 10 9«mhra« m 6000 O. 101367 130016 332329 361670 336343 2»«»Tin» in 3000 M. 910476 34 eaBian« ,a 3000 M. 6456 16088 36669 80647 69333 06973 190593 210303 327157 284026 317358 376346 40 cketrtnne m 1000 Dil, 912 19174 27017 31880 37373 103285 167828 166480 184910 198178 220305 228267 240961 293602 298166 113998 329916 349742 392036 396240 78»aastnna IN 500"1. 15366 27155 2308? 35751 82067 S679S 73090 75522 63513 129195 146638 153732 161070 166823 172280 1 74636 138339 189353 193242 209739 21 1643 224637 228664 238040 163791 266312 271809 276809 282409 283203 317344 319733 323172 130328 333747 337625 369697 372734 376154 3n der heutigen Nachmittagsziedung wurde» Gewina« über ISO M. gezogen 3 essmra« p> IOOOO M. 300 630 4 Sewina»»» 5000 53. 295080 391379 « 0 3000 an. 170393 230631 391183 10»«W'N»» in 2000 5IL 14418 145704 146126 184389 345140 12985 73851 77966 98381 1 33376 183661 168520 377345 2,3ÜW 264435 286244 301436 319767 327116 363677 3581 20354 30044 36743 48382 72668 »!2L ��8,5A7,JL9?893 99180 102392 104960 129694 136321 24070 *5160 Geiviirnroh» verblieben: 2 Prämien au f« 5000(10 3 Sewmn« zu re W- Ou, S zu 75000 2 ,u i. �mo«»u te 26m. 44 z» 10(00.& zu„ 5(><). 242 zu Te aS'e 8ö" zu je aWA 1058 zu je luOü, 22&J zu je ÖOU, 5774 zu je 8u0 PL WM MMIM-MM Ichlmg, Eistnlrmet uni SeinftoenotstB! Die vermal u»g des Deulsche» Melallarbeiler- Verbandes Hai in Ihrer Sihung vom 24. Jebruat 1930 besch ossen, die bisherige vranchealeilung ihrer Aunk.ion zu enIhebeiL Diese Mi glleder sind nichi mehr berrch ig», irgendwelche Hand lange» im Ilamev de» Deulsche» Melallarbeiier-Verbaodes vor zaoehmen. weilere Aaweisuogea werde» von seile» der vrgaaisalion ergehe».___ ftöimnö, verwaranasmirgiietfcr! Am Jrtliag. dem 28. Jebtnat 1930, abend« Z Uhr. Sihung der Zniilletr» Orisverwal.uag-_ Adifuiig, Nene femsDredunrnmernf Die LerwaltungsileUe Berlin des Deutchen Metaliarbeiier- Lerbande» iif jetzt durch soigende Telephonnummern zu erreichen: Stmimeivammer Ami D 2 WefdeBdamm 5681. Nach 4 Uhr nachmittags sind zu erreichen unter dem ausdrücklichen Vermerk.Tlach'mj": iTirpiK). (Schmlb.), (Met), ÄactoBiOs«. Lauge. U&U&» wettde- rühmt, ffübriflogct. ftabtitpeeif« Teil» ÄafliungLii. cieiu« Aa�oftiuaa. iRufit« ociacl-abilbftlßrafce dl* Radio Anoden, Neunztaer 4,40. bundrrter 4.SD. Lvarröhren IM. 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