Morgenausgabe Rr. 97 A 49 47.Jahrgang Bohentfi 8531, monatlid 3,60 52 tm voraus zahlbar. Boftbezug 4,32 einschließlich 60 Big. Boftzeitungs- und 72 Big Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6.-M. pro Monat. * Ser Borwarts ericheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berita und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Juuftrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen ftimme. Technif". Blid in bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts on 10191 # 9092 white desin Donnerstag 27. Februar 1930 Groß- Berlin 10 Pf. 1 in Auswärts 15 Pf. Vorwärts Berliner Boltsblatt 925 sized Ste etnipattige Ronpareillegelte 80 Bfennig. Reflame'elle 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen das etiges brudte Wort 25 Pfennig( zuläing wet fettgedruckte Borte), jebes weitere Bort 12 Blennig. Stellengefuche das erfie Bort 15 Bfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Borte Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zele 40 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt gefchäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr. Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag G. m. b. H. Fernsprecher: Donboft 292-297 Telegramm- Abr.: Sozialdemokrat Berlin. Bostichedlonto: Berlin 37 536.- Banffonto: Ban! der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr 65 Dt Ba Dist.- Gei. Depofitentafle Lindenftr 3. 小盒 Moldenhauers Steuerpläne. Heute schwierige Sigung des Reichskabinetts. Der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer hat dem Reichskabinett seine Pläne zur Dedung des Fehlbetrages im Haushalt 1930 zugehen lassen, die dort am Donnerstag zur Beratung stehen. Sie sind von einer derartigen Einseitig teit, daß wir uns nicht vorstellen können, daß eine Mehrheit für sie mit der Sozialdemokratie hergestellt werden kann. Das eine Hauptstück der Pläne des Reichsfinanzministeriums ist die Einschränkung bzw. die Beseitigung Der Darlehnspflicht des Reiches an die Arbeitslofenversicherung. Statt der 250 Millionen, die für das Jahr 1930 an Reichsdarlehen für die Arbeitslofenversicherung erforderlich sind, werden im Etatjahr 1930 höch stens 150 Millionen, für das Etatjahr 1931 höchstens 100 mil lionen vorgesehen. Diese Mittel sollen durch den Verkauf von Reichsbahnvorzugsaktien an die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte und die Invalidenversicherungsanstalten beschafft werden. Da damit gerechnet wird, daß der Fehlbetrag der Arbeitslosenversicherung wesentlich über diese Summe hinaus geht, so soll der Vorstand der Reichsanstalt die Ere mächtigung erhalten, die Beiträge zu erhöhen, Ersparnisse in der Berwaltung herbeizuführen oder die Leistungen andermett festzusetzen. Solche Beschlüsse sind aber nur dann gültig, wenn die Arbeitnehmer im Vorstand in der Merheit zustimmen. Kommen solche Beschlüsse nicht zu stande, so hat die Reichsregierung das Recht, ihrerseits die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, also die Beiträge zu erhöhen oder die Leistungen anderweit festzusetzen. Da porge Das zweite Hauptstück bezieht sich auf die Deckung der im Reichshaushalt 1930 vorhandenen Fehlbeträge durch Steuererhöhungen. fchlagen wird, den Fehlbetrag des Jahres 1928 mit 154 Mil lionen nicht, wie bisher vorgesehen, neben den 450 Millionen Schuldentilgung zu decken, sondern in die 450 Millionen einzubeziehen, so bleibt ein durch Steuererhöhungen zu deckender Fehlbetrag von 305 Millionen beim Reich. Für die Sanierung der Länderfinanzen sollen weitere 170 Millionen aufgebracht werden. Insgesamt sind danach neue Einnahmen in Höhe von 475 millionen zu schaffen. Diefer Betrag foll in erster Linie durch eine stärkere Be Lastung der sogenannten entbehrlichen Genußmittel aufgebracht werden. Herr Moldenhauer schlägt deshalb vor: 1. Erhöhung der Biersteuer um 75 Proz. 240 Millionen 2. Erhöhung des Kaffee und Teezolls. 3. Einführung einer Mineralwasserftener 4. Erhöhung des Benzinzol13. 5. Kürzung der Fälligkeitstermine bet verschiedenen Steueru 6. Eumahme aus der Reserve der Bank für Judustrieobligationen 50 40 65 30 " 50 B Bon dem Gesamtbetrag von 475 millionen sollen die Länder 170 Millionen erhalten, und zwar 90 Millionen aus der Biersteuer und je 40 Millionen aus der Mineral massersteuer und dem Benzinzoll. Als dritten Teil seines Sanierungsprogrammes. ichlägt Dr. Moldenhauer drei Maßnahmen vor, durch die in Zukunft eine Sentung der Ausgaben und eine Ermäßigung der Steuerlaften zwangs. meise herbeigeführt werden soll. Dabei ist daran gedacht, gesetzlich festzulegen, daß erstens etwaige im Jahre 1930 fich ergebende Ueberschüsse zur Sentung der Steuern im Sinne des von der Regierung am 12. Dezember 1929 vorgelegten Finanzprogramms verwendet werden müssen. Zweitens follen die Ausgaben des Jahres 1931 jetzt ereits in ihrer Höhe begrenzt werden. Und drittens plant man ein Ausgabensenfungsgesetz, durch das Herabjetzungen der Reichs-, Länder- und Gemeindeaufwendungen festgelegt werden sollen. für die schuldlosen Opfer der Wirtschaftskrise mit Mitteln der Allgemeinheit einzustehen, unerträglich ein. Sie verhüllen auch nur unzulänglich, daß die wirkliche Absicht auf den Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherung gerichtet ist, obwohl Dr. Moldenhauer mehrfach erklärt hat, daß er an die Möglichkeit des Leistungsabbaues aus politischen und sozialen Erwägungen nicht glaubt. benußung Privater verteuern, aber neben den ungünstigen Wirkungen auf die Automobilindustrie dürfen auch die auf Massenverkehr mit Omnibussen und den Güterverkehr durch Lastwagen nicht als unbeträchtlich angesehen werden. Jedenfalls tann die Erhöhung des Benzinzolls nicht als Ausgleich für die erhöhte Maffenbelastung gelten. Das trifft auch zu für die Heranziehung der Reserven der Bank für Industrieobligationen mit dem Betrage von 50 Millionen. Die von der Industrie aufzubringenden Lasten sollen auch nach dem neuesten Programm Moldenhauers im Jahre 1930 tatsächlich um 50 Millionen gesenkt werden. Zu dem Zweck, trobem den vollen Betrag von 300 Millionen in den Etat einzustellen, foll nun eine Art Darlehn bei dem Reservefonds aufgenommen werden, das später zurückgegeben werden müßte. Deckt sich schon dieser Teil des Programms von Dr. Moldenhauer mit den immer wieder erhobenen Forde rungen der Deutschen Volkspartei, die bisher durch Zentrum und Sozialdemokratie zu Fall gebracht worden sind, so gilt das noch mehr von seinen Vorschlägen über die Steuer erhöhungen. Sieht man von der Industriebelastung ab, so find Moldenhauers Borschläge nur eine Berschärfung der Verbrauchssteuern. An irgendeine noch so gering: fügige Heranziehung des Besizes, etwa in der Form eines Notopfers, ist nicht gedacht. Zu der bereits vom Reichs tabinett befchloffenen Erhöhung des Kaffee und Teezolls foll eine Erhöhung der Biersteuer stait um 50 um 75 Broz. und eine Besteuerung des Mineralwaliers hinzufchärfung der politischen Situation. treten. Aus der letzteren Quelle 40 Millionen zu gewinnen, ist nur bei ganz phantastischen Steuersägen und sehr erheb lichen Preiserhöhungen möglich Die Erhöhung des Benzin 3011s wird zwar zu einem großen Teil die AutomobilWie immer man zu den Einzelheiten des Moldenhauerschen Programms stehen mag, in seiner Gesamtheit ist es für die Sozialdemokratie untragbar. Dieses Brogramm bebeutet eine mejenfiiche Ver Die heute 10 Uhr vormittags beginnende Kabinetts ligung tann unter diesen Umständen für die Regierung Herman Müller entscheidende Bedeutung erlangen. Tardieu wieder beauftragt. Neuer Versuch einer Rechtsregierung. Paris, 26. Februar.( Eigenbericht.) Tardieu hat auf Grund neuer Besprechung mit Toumergue den Auftrag zur Kabinettsbildung angenommen. Tardien hat mit Briand verhandelt und auch Chantemps einen Besuch abgestattet, im übrigen nur Mitglieder seines ehemaligen Kabinetts empfangen. Zwei Regierungstrifen innerhalb acht Lagen, wobei zuerst die Linte ein Rechtsfabinett, dann die Rechte ein Linksfabinett gestürzt hat, würden im allgemeinen in einem anderen Land das Parla ment für die Auflösung reif und Neuwahlen unvermeidlich machen. Der französische Barlamentarismus läßt einen solchen, einzig vernunftgemäß scheinenden Klärungsverfuch nicht zu, und Frankreich muß daher weiter im innerpolitischen Chaos feinen Beg fuchen, gelähmt durch zwei gleich starfe parlamentarische Flügel, die sich gegenfeitig die Waage halten und eine dauerhafte Regierung mit ficherer Mehrhelt nicht auffommen lassen. fönliche Unpopularität des Finanzministers Chéron und die Krank Als Tardieu gestürzt murde, meinte die Rechte, daß die perheit des Ministerpräsidenten das Abstimmungsergebnis beeinflußt hätten; die Linke allein wäre nicht imftande gemesen, Tardieus Rechtsregierung zu stürzen. Mit größerer Berechtigung darf aber heute die Lintsregierung fagen, daß es auch der Rechten nicht gelungen wäre, Chautemps zu stürzen, menn nicht einige leber iäufer( aus der Gruppe der Republikaner, der radikalen Linken usw.) die Rechtsopposition überraschend verstärkt hätten. daß bei der unerbittlichen Debatte, die rechts und links feit Monaten miteinander führen, nicht mehr politische Brogramme, Argumente und Willensströmungen für das Zustandekommen einer Regierung, für Sieg oder Niederlage maßgebend find, sondern fast ausschließlich Aus dieser ganzen fruchtlosen Diskussion läßt sich erkennen, mur noch Rebenmomente, 3 u fallstonstellationen und die Gruppe jener schwankenden Elemente der Mitte, die ihre Daseinsberechtigung darin erbliden, im Trüben zu fischen, aus dem Kampf der Großen möglichst viele kleine Vorteile herauszufchlagen. Die Borschläge von Dr. Moldenhauer zur Arbeits. fofenversicherung sind in den Borbesprechungen bei Cine Sonderstellung nehmen die Kommunist en ein, die jebe den Sozialpolitikern aller Parteien auf erhebliche Bedenken Regierung prinzipiell und fyftematisch fabotieren und durch die Tatgestoßen. Von der Sozialdemokratie wurden fache, daß ihre zehn Stimmen jemeils die Opposition verstärkten und fie abgelehnt. Das ist auch jetzt noch ihre Auffassung. Die Regierungsparteien schwädten, sozusagen ein Bakuum von Denn fie schränken die Pflicht des Reiches in Notzeiten 20 Stimmen zwischen rechts und fints geschaffen haben, das jede -notgedrungen fnappe Regierungsmehrheit zu verfchlingen. droht. Der Berlauf der gegenwärtigen Regierungsfrise, die im Gegen fität steht, ist nur ein Ausdruck für die innenpolitische Lähmung, faß zu der letzten im Zeichen einer fast hysterischen RerpD die auf Frankreich lastet. Nachdem der Präsident der Republit bie traditionellen Besprechungen mit den Präsidenten von Rammer und Senat hinter sich hatte, berief er zunächst Tardieu als Führer ber Oppofition zu sich. Tardieu, der sich über den zweischneidigen Charaffer feines, Sieges feinem Zweifel hingeben fann, Ichnte zu nächst die Bildung des Stabinetts ab und brachte, Bescheidenheit mimen, Boincaré in Borschlag. Gegen Mittag war aber auch die Kombination Boincaré erledigt, da dieser aus Gesundheitsrüd fichten ablehnte. Nun wurde wiederum Tardieu berufen, der in zwischen anderer Meinung geworden war, die Miffion zur Regle rungsbildung unter Borbehalt annahm und feine endgültige Antwort für Donnerstag vormittag in Aussicht stellte; fie aber in zmifchen gegeben hat.# 10 md tiss Theoretisch hat Tardieu wieder zwei Wege vor fidh: bie repu blianische Konzentration oder ein Rechtsfabinett. Brattisch aber dürfte, wenn überhaupt, so mir der zweite Weg für ihn offen fein, ba die Radikalen nach der zumeift unfairen und gehäffigen Haltung. die Tarbleu unter Außerachllaffung des primitivflen parlamenlarischen Anstandes feinem Rachfolger Chauntemps gegenüber einnahm, zur Beteiligung an einem neuen Kabineff Tardieu nicht bereit sein dürften.doganQ regierung die sich auf die alte Majorität, verstärkt durch einige Bleibt somit nur die zweite Möglichkeit, die einer neuen Rechtsregierung die fich auf die alte Majorität, verstärkt durch einige leberläufer aus der Linken, stüßen würde. Doch wäre auch dies aus den eben angeführten Gründen lediglich als eine zeitliche Lösung zu betrachten; das schleichenbe llebel der französischen Innenpolitik wäre dadurch nur für eine mehr aber minder turze Zeit zurückgedrängt nicht behoben. Die Radifaten lehnen ab. Paris, 26. Februar.( Havas.) Tardieu will ein Kabineff der tepublifanijchen Konzentration bilden und wird daher mit den Bertretern der Radikalen, vor allem mit Serriot, Chaufemps und Daladier verhandeln. Poincaré wird fich bemühen, einige Führer der Radikalen von der Notwendigkeit zu überzeugen, dem neuen Rabinett ihren Beiffand zu lethen. Falls dieses Angebot abgelegt werden follte, würde Tardieu ein Kabinett bilden, das im großen und ganzen die gleiche Richtung haben würde mie das voraufgegangene. Die radikale Kammer- und die Senatsfraktion haben gemeinfam beschlossen: Die vereinigten Fraktionen erklären einmütig, daß fie an einem Kabinell unter Borjih Tardieus nicht mitarbeiten fönnen. Diefe Tagesordnung erläuterte Senator Sarraut jo: Wenn ein Kabinett von einer anderen Persönlichkeit als Tardieu gebildet werden sollte, würden wir nichts dagegen einzuwenden haben, wenn Tardieu ein Ministerposten übertragen wird, der seinen technischen Fähigkeiten entspricht. Das Eintagsfabinett. Reichstag gegen Finanzdiftatur. Die neue Haushaltsordnung angenommen. CA Der Reichstag beriet am Mittwoch nachmittag zunächst die Aber es ist etwas ganz anderes, wenn die Deutsche Boltspartei und Aenderung der Reichshaushaltsordnung. Berichterstatter Abg. Stüdlen( Sog.) führt aus, daß die vor gefchlagenen Wenderungen das Kontrollrecht des Reichstags richtig wirksam machen sollen. Die Stellung des Finanzministers mird ganz wesentlich gestärkt. Da er verantwortlich ist, muß er auch gegen Ausgaben einschreiten tönnen, die er nicht verantworten tann. Heute schon fann der Finanzminister im Rabinett verlangen, Mit billigem Biz begleiten die Blätter der deutschen Reaktion daß Abstimmungen, bei denen er unterlegen ist, wiederholt werden, und gewisse Berliner Sensationszeitungen, die fich liberal nennen, und bleibt die Mehrheit bei ihrem Standpuntt, dann trägt der den raschen Sturz des Kabinetts Chautemps. Gewiß entbehrt die Reichstanzler die Berantwortung, die der Finanzminister nicht Tatsache, daß ein Kabinett nur einen Tag besteht, nicht einer gewissen glaubt, übernehmen zu können. Außerplanmäßige Ausgaben werden Drolerie, aber die Kritikaster sollten an die Stelle ihrer müßigen an die Zustimmung des Finanzministers gebunden; er ist nicht verBetrachtungen über den kläglich gescheiterten Bieberbelebungspflichtet, sondern ermächtigt, die vom Reichstag bewilligten Aus. versuch des Linkstartells" beffer ein Studium der Zeitgeschichte vor gaben zu machen. In dem Maß, wie die Einnahmen oder Aus. nehmen. Bor etwa sechs Jahren nämlich gab es in Frankreich auch gaben gegen den Voranschlag sich ändern, wird m Zutunft auch ein Einlagstabinett, dieses Kabinett aber fegte fich aus den Ber- die Anleiheermächtigung des Ministers geändert. Die Einsichtnahme tretern der Reattion zusammen. Die Frühjahrsmahlen von 1924 des Rechnungshofs in Atten erfordert die Zustimmung des Ministers, hatten dem Linkstartell den großen Erfolg gebracht, der zum ersten die- mit Ausnahme ganz geheimer Aften nicht verweigert Rabinett Herriot führte. Der Präsident der Republit, der real werden wird. Sparfommiffar muß der Reichstag felbft sein, wie werden wird. Sparfommissar muß der Reichstag felbst sein, wie tionäre Millerand, berief den Reaktionär François- es früher gewesen ist.( Beifall.) Marfal zur Kabinettsbildung. François- Marsal stellte sich mit fetnem Minifterium der neuen Rammer vor, am 10. Juni 1924 wurde das Kabinett nach ein tägiger Lebensdauer gestürzt. Präsident Millerand mußte zurücktreten. Wizchen und Mäßchen über den Sturz Chautemps' find also müßig. Noch müßiger ist es, aus der Neuberufung Tardieus eine tatastrophale Niederlage der Linfen zu fonstruieren. Sie ist eine Selbstverständlichkeit. Richtig ist aber die Feststellung, daß die Demokratie in Frankreich lebendig ist, ob sie nun gegen die Rechte oder die Linte ausschlägt. ellonidated Kundgebungen am Ebert- Tage bigmund am 16 März geffattet. 13m preußischen Landtag gab am Mittwoch bei der Aussprache über den Haushalt des Innenminifteriums Staatsfetretár Dr. Abegg zwei Erlaffe befannt, wonach das kund. gebungsverbot am 28. Februar anläßlich der fünfjährigen Wiederkehr des Todestages des ersten Reichspräsiden len Ebert und für den 16. März aus Anlaß des vom Boltsbund deutscher Kriegsgräberfürforge vorgesehenen Boltstrauerfages infofern aufgehoben wird, als Beranstaltungen unter freiem Himmel zugelaffen werden, die sich im Rahmen der Gedenkfeier und Trauerfundgebungen bewegen. Gefchloffene An- und Abmärsche sind jedoch nicht gestattet sail m Regierungsbildung in Sachsen. Demokraten lehnen Nazi- Blod ab. Dresden, 26. Februar. Die bemotratifche Bandtagsfraktion hat folgendes Schreiben an die Frattion der Wirtschaftspartei gerichtet: Reichsfinanzminister Moldenhauer die Wirtschaftspartei einen vollkommen unabhängigen, nur den Gelegen unterstehenden Spartommiffar als oberste Reichsbehörde einfegen wollen. Der Reichsetat enthält Ausgaben von 10 mi. liarden Mart. Da. Draußen im Cande glaubt man noch, es wäre leicht, mit dem Rotstift die Kleinigkeit von ein paar hundert Millionen zu ffreichen. Aber ein etheblicher Teil dieser Ausgaben fann überhaupt nicht gestrichen herden, ein anderer großer Teil nur dann, wenn zuvor die zu diesen Ausgaben verpflichteten Gesetze aufgehoben oder geändert würden. zur Balancierung des Etats find höchstens 1200 bis 1400 Millionen Wir wollen nicht behaupten, daß daran nicht noch gespart werden fönnte. Wir meinen, daß z. B. beim Wehretat nod recht erheblich gespart werden fönnte. Aber diejenigen, die den Reichssparkommissar zur obersten Reichsbehörde machen wollen, dic wollen zwar nicht am Wehretat, aber dafür am Sozialetat große 2bftriche machen. Keine Reichsregierung und fein Reichstag fann die Bedürfnisse des öffentlichen Lebens lediglich unter dem Gesichtspunft des Sparens betrachten, sondern muß daneben immer noch fozialen, fulturellen und wirtschaftlichen Erwägungen Raum geben und danach beurteilen, ob Ersparungen an einer Stelle nicht größere Ausgaben an anderen Stellen hervorrufen oder Nachteile für das Gemeinwohl erzeugen. Ein jeder Verantwortung entrüdfer und vollkommen fethftändiger Reichsiparfommiffar fönnte für solche Ersparungen, wie wir sie nicht wünschen, ein durchaus brauchbares Inftrument werden. Dafür aber sehen wir uns nicht ein.- Nach dem Antrag der Wirt. ichaftspartei soll der Reichspräsident auf Berlangen von einem Drittel des Reichstags bereits in Kraft stehende Geseze wieder aufheben, Haushaltsüberschreitungen und Ausgabenbewilli zulegen, augung berbieten tönnen, lebach follen berartige Verordnungen erklärt sich mit den vom Ausschuß vorgenommenen Aenderungen einverstanden. Im Ausschuß ist viel darüber gesprochen worden, wie man Hemmnisse gegen die Ausgabefreudigkeit der Regierung und des Parlaments einbauen fönnte. Die verfassungsrechtlichen Fragen eines Einspruchsrechts für den Minister sowie der Einfehung eines Haushaltsministers bitte ich jetzt beijeite zu laffen, damit die Vorlage möglichst rasch erledigt wird. Die Reichsregierung ist entsprechend dem sozialdemokratischen Antrag bereit, Gutachten des Spartommiffars dem Reichsrat und Reichstag wenn die Regierung anderer Meinung iſt, Abg. Heimann( Soz.): Lange Zeit bestand für die große Mehrheit des Reichstags die Hauptaufgabe in der Etatsberatung. Dagegen wurde die Rechnungse prüfung als eine gleichgültige oder sogar minderwertige Sache be trachtet. Unsere Partei hat in diefen Anschauungen langfam, aber gründlich Wandel geschafft. Es gibt heute fein Mitglied des Haus haltsausschusses mehr, das nicht überzeugt wäre, daß zur wirksamen Ausübung des Budgefrechts die Rechnungskontrolle mindestens ebenso notwendig ist, wie die Aufstellung des Haushaltsplans. ( 3uftimmung.) Diefe durch die Sozialdemokratie eingeleitete Braris ist zugleich ein wirtfames Mittel zu sparfamerer Wirtschaftsführung. Bei der Rechnungskontrolle werden nach und nach auch Lücken der Haushaltsordnung erkannt, die ausgefüllt werden müssen. Abänderungsanträge zur Vorlage stellen wir nicht, weil mir ihre schleunige Verabschiedung für fo notwendig halten, baß wir fie nicht verzögern wollen. höchstens gelten, menn seine zwischen abläuft. Es ist ganz ausgeschlossen, daß eine solche Ver fassungsänderung zustande kommt: fie würde alle Zuständigkeiten und Verantwortungen über den Haufen werden und den Reichspräsidenten zum Finanzdiktator machen, der ohne jedes parlamen tarische Bekleidungsstück in die Arena des politischen Kampfes hineingeftellt würde. Der Etat muß mindestens ein Jahr vor dem Beginn seiner Laufzeit festgestellt sein, und dazu ist die genaueste Kenntnis der wirtschaftlichen Lage und des gesamten Reichshaushalts erforder. lich. Das alles soll der Reichspräsident machen, gegen den Willen der Reichsregierung und einer Reichstagsmehrheit, nur geftüßt auf das Gutachten des unsichtbaren und verantwortungslosen Reichs spartommiffars! Bon allen anderen Notverordnungen nach Artifel 48 muß der Reichspräsident dem Reich lag unverzüglich Kenntnis geben und muß, wenn der Reichstag es wünscht, fie unverzüglich aufheben. Aber auf zwei Jahre foll dieses Notstandsrecht zum obersten Gefeß werden! Wir werden niemals einer folchen Finanzdiftatur zustimmen, die vielleicht nur Schrittmacher für eine noch weitergehende Diftatur jein foll.( Sehr richtig! links.) Wir erfuchen um Annahme unferer Ent ichließung, wonach die Gutachten des Reichssparkommissars dem Reichsrat und dem Reichstag vorgelegt werden sollen und bitten Sie, Antrag der Wirtschaftspartei abzulehnen( Lebhafter anhaltender Beifall bei den Sozialdemokraten.) Obwohl im Ausschuß der volksparteiliche Abg. Dr. Cremer angekündigt hat, daß der Antrag über den Reichsspartommiffar, welcher Antrag von hervorragenden Männern aus verschiedenen Barteien monatelang ausgearbeitet worden sei, hier wieder ein. gebracht werden würde, hat der Minister joeben gesagt, daß dieferten Antrag nicht wieder eingebracht wird. Es ist immer wieber die Geschichte von der Gilberpappel, deren Blätter gang. verschieden ausleben, je nachdem man fie von oben oder Don Wenn mir den Sinn Ihres Schreibens richtig verstehen, streben Sie die Reubilbung des Rabinetts auf der bis.punten fieht,( heit. 3uftimm.) Im Bande mird eine lebhafte Bropa. herigen Grundlage an. Wir sind der Ansicht, daß eine Regierung, die sich auf Nationalsozialisten ftüht oder auch nur von ihrer Dulbung abhängt, nicht von Dauer fein tann und zur Be mältigung der schweren Aufgaben, die in Zukunft zu lösen find, nicht fähig ist, da sie fich auf eine ausreichende und sichere Mehrheit nicht ftügen tann. Wir bedauern deshalb, Ihnen unsere Unter ftügung für Ihren Plan der Regierungsbildung nicht zusagen zu fönnen." ganda getrieben mit der Behauptung, der Reitstag bemillige in unverantwortlicher Weise Ausgaben. Diese Agitation mird jetzt, mo ein Volksparteiler Finanzminister ist, nicht aufhören, sondern meitergehen. Der erwähnte Antrag mollte dem Budgetrecht Klammern anlegen; im Laufe einer Wahyperinde sollte danach dem Reichstanzler oder einem Reichsminister das Mißtrauen mur durch qualifizierte Mehrheit ausgesprochen werden dürfen, der Reichstag follte auch das Recht verlieren, ohne Zustimmung der Regierung und des Reichsrats Ausgaben zu erhöhen oder neu einzusehen, es wäre denn, daß die mangelnde Zustimmung dieser beiden Instanzen in abermaliger Beratung durch eine qualifizierte Mehrheit des Reichstags erfegt werden tönnen, und schließlich follte dem Reichs finanzminifter ein vollkommen unabhängiger und nur den Gefeßen Abg. Dr. Herat( Driat): Im Gegensah za früher fehlt bemBartament der Be zur Ordnung in der Finanzwirtschaft. Das ftrenge Berantwortungsbemußtsein, das früher die Bürokratie bes herrschte, mußte verloren gehen im parlamentarischen System, wo der Minister nicht mehr ein freier Mann, sondern der Exponent einer Bartei oder einer Raalition ift. Die Abhängigkeit von der Maffe muß zu übertriebener Bemigungsfreudigteit führen. Die Machterweiterung für den Finanzminister erscheint uns beben? lich. Bir münschen möglicht weitgehende Befugnisse des Rechnungs hofs, aber er darf nicht über seine Aufgabe hinausmachen, und er darf nicht bie Finanzpolitit der Reichsbant beeinfluffen. ftimmen ber Borlage zu, der Antrag der Wirtschaftspartei bedarf noch der Ergänzung. Wir Saftentlaffung eines Bombier unterworfener Reichsfparfommissar als oberste Reichsbehörde auf erreichen, menn bahinter die richtige politische Willensbildung steht. Gegen 10000 M. Scherbeitsleiffung freigelaffen. In der Voruntersuchung wegen der Bombenattentate hat die 3. Straftammer des Landgerichts gegen den Widerstand der Staatsanwaltschaft beschlossen, daß der Angeschuldigte Sennings von der weiteren Untersuchungs haft verschont werden soll, wenn er eine Sicherheit von 10 000 Reichs. mart beibringt. Die Haftenlaffung des Angefchuldigten Beschte war am Dienstag von der gleichen Straftammer abgelehnt worden. In der Meldung über diese Ablehnung des Haftentlaffungsantrags des Beschte war in einem Teil der Bresse berichtet worden, die Staatsanwaltschaft habe ihm widersprochen, weil die Justizbehörde an geordnet habe ,, daß weitere Anträge der Angeschuldigten auf Haft. entlassung in der Bombenfache nicht mehr genehmigt werden sollten". Diese Meldung ist, wie die Justizpressestelle jeẞt mitteilt, unrichtig. Eine solche Anordmung ist von der Justizbehörde weder allgemein nach in diesem besonderen Falle gegeben worden. Die Staatsanwaltschaft hat vielmehr dem Haftentlassungsantrage des Meschte widersprochen, da ihm nicht nur ein Verbrechen gegen 85 und 6 des Sprengstoffgefeges( mindest strafe 5 Jahre 3uchthaus), sondern auch meineid zur Bast gelegt wird und bei der Schwere der angedrohten Strafen nach Ansicht der Staats. anwaltschaft der Fluchtverdacht nicht durch Sicherheitsleistung beseitigt werden kann. die Nase gefeßt werben; menn er auch nur Gutachterbefugnisse haben follte, so wollte ihn der Antrag doch solche Rechte geben, daß der Reichsfinanzminister neben ihm nur ein unfreier Mann fein würde, Wir aber halten den entgegengesetzten Weg für richtig. Nicht Hemmung des Budgetrechts und Einengung der Boltsvertreter, fondern Steigerung der Zuständigkeit und damit der Berantwortung erscheint uns als das Heil und die Gefundung!( Sehr wahr! linis.) Je stärker die Stellung des Parlaments ist, um so größer wird fein Berantwortungsgefühl werden, Selbstzucht und Selbstserantwortung des Barlaments, immer zufammen mit der Bereitschaft der Reichsregierung, für das, was fie als richtig und notwendig erkennt, jederzeit das volle Gewicht ihrer Stellung und Autorität in die Waagschale zu werfen Darin liegt der fefte und fichere Schluß für die Wirtschaft des Reiches und für eine verantwortungsvolle Bolitif.( Lebhafte 3u Stimmung lints.) Da nur auf dem Boden gefunder öffentlicher Finanzen die Wirtschaft aufblühen tann, ist es unfere Pflicht und eine unserer vornehmsten Aufgaben, für das Gleichgewicht im Haus. halt und für gesunde Kaffen und Finanzverhältnisse zu sorgen. Niemand im Reichstag wird bestreiten fönnen, bis wir dieser unserer Pflicht mit großem Ernst und Eifer nachgegangen find. Wir prüfen mit Sorgfalt alle Befferungsvorschläge, aber was mir bisher davon gesehen haben, scheint uns nicht geeignet zu sein, um die Berant, mortung in der wünschenswerten Weise zu stärken. Taufende Berordnungen außer Kraft. tag als ben Sündenbod und oft das Reichstabinett als ben un Bas 30 Jahre alt ist, muß verschwinden. Der preußische Innenminister läßt, wie der Amtliche Breußische Breffedienst mitteilt, einen Beschluß veröffentlichen, wonach fämtliche Bolizeiverordnungen der Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten. Kreis- und Ortspolizeibehörden, soweit sie vor dem 1. Januar 1900 erlaffen sind( mit Ausnahme derjenigen Polizeiverordnungen, die die Strom, Schiffahrts. oder Hafenpolizei betreffen), mit Birtung Dom 1. Mai 1930 außer Kraft zu sehen sind. Dieser Beschluß bezieht sich auch auf diejenigen vor dem 1. Januar 1900 erlaffenen Bolizeiverordnungen, die nach diefem Datum abgeändert sind. Die von dem Außerkraftfehungsbeschluß betroffenen Balizeiverordnungen find, soweit fie fich als unabweisbar notwendig er geben, nodmals neu zu erlassen. Bon dem Beschluß merben 688 Polizeiperordnungen betroffen, nachdem bereits 3937 Berordnungen aus der Zeit von 1890 bis 1900 norher aufgehoben waren. 3ur weiteren Bereinigung des Bolizeiverordnungswesens er. fucht der Minister des Innern munmehr in eine Nachprüfung ber in der Zeit vom 1. Januar 1900 bis zum 1. Jamiar 1910 erlaffenen Polizeiverordnungen einzutreten. Wir fürchten nicht die Agitation im Bande, die den Anträgen der Boltspartei und der Wirtschaftspartei entspricht, und die den Reichs. tag als den Sündenbod und oft das Reichsfabinett als ben un schuldigsten Engel hinstellt. Denten Sie nur an die SubDentionsanträge der Wirtschaftspartei und anderes mehr. Biele dieser Anträge waren unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht einmal zu diskutieren, fie wurden aber angenommen, und zwar unter dem Druck von Mitgliedern der verschiebenen Reichskabinette. Das Reich hat für solche Subventionen 1,2 Milliarden Mark aus gegeben.( hört, hört!) Bir Sozialdemokraten haben gefordert, baß dieje Flut von Subventionsanträgen eingedämmt wird, und zwar durch Verschärfung der Bestimmungen über ihre Behandlung. Es war die Sozialdemokratische Partei und Ihr Finanzminifter Dr. Hilferding, die schließlich die früheren Bestimmungen vollkommen aufgehoben haben, so daß eine Behandlung der Subventionsanträge eingeführt wurde, die zu ihrer starten Elafchränkung geführt hat Wir halten die Grundlagen, auf denen der Reichsfparfommissar heute arbeitet, für die gegebenen und richtigen; fte beruhen nicht auf einem Gesez, sondern auf einem vertraglichen Bertrauensverhältnis. Würde dieses Verhältnis geändert, jo tönnte es zu Konflikten zwischen bem Reichsspartommissar und dem Reichsfinanzminister fommen, bas wollen mir nicht. Darum sind wir gegen eine Wenberung. Wir mollen aber feineswegs dem Reichssparkommissar das Bertrauen verjagen und sind deshalb bereit, wenn einzelne Worte in unserer Entschließung nach dieser Richtung gebeutet werden, fie zu ftreichen. Abg. Dr. Schreiber( 3.): Die Borlage fann ihren Zwed mur Der Reichstag gibt mit dieser Borlage das Schwergewicht der Macht an den Finanzminister ab. Der Antrag der Wirtschaftspartei be deutet die Flucht des Parlaments aus der Berantwortung. Damit legt man Dynamit an die Verfassung und schmächt die Autorität des Reichspräsidenten. Die Tätigkeit bes Sparfommiffars hat auch ihre Grenzen. Bei Prüfung der Notgemeinschaft der Wissenschaft rügten die Beamten des Sparfommiffars Ausgaben für Kels und Schokolade. Dann stellte sich aber heraus, daß Profeffor Eugen Fischer die Anschaffung dieser Süßigkeiten für Experimente an Säuglingen angeordnet hatte.( hört, hört!) Es ist eine leberSpannung des Sparprinzips, wenn heute im Reichsgesundheitsamt jeber telephonische Anruf registriert werden muß Der Redner lehnt die Almachteftellung des Sparfommissars ab. Abg. Dr. Cremer( D. Bp.): Wir sind über den Verdacht erhaben, Feinde des parlamentarischen Systems zu sein. Dieses System wird aber nicht gefährdet, wenn wir nach dem Muster der ältesten Demo fratie, ber englischen, als Parlament Selbstbeschränkung üben und die Ausgaben unter stärkere Kontrolle ſtellen. Unsere Anträge sind nicht gestellt, um das parlamentarische System zu unterhöhlen, fondern um es zu feftigen. Wir wollen den Celler der Finanspolitik bewahren vor dem parlamentarischen Wetterwechsel und wollen damit die bauernde tonfequente Linie der Finanzpolitik fichern. Es ist eineriei, ob wir diese Bersönlichkeit Sparfommisfar oder Haushaltsminister nennen. Der Reichstag würde besseren El bld in das Getriebe der Bürokratie gewinnen, wenn ihm der Haushaltsminister auf Berlangen jederzeit Auskunft geben muß. Abge. ordneter Hergt hat der Bergangenheit ein Loblieb gesungen. Wenn Rechnungshof und Rechnungsau schuk vor 1918 eine fo strenge Kontrolle geübt hätten tole jeht, dann würde das Bild der vergangenen Zeit sich wenia von dem der Gegenwart Aus den Berichten des Rechnungshofs ergibt sich, daß die Sünden and Me? et unterscheiden gegen die Sparjamteit bei der Bürofratie mindestens so groß und zahlreich waren wie beim Parlament: Phöbus- Affäre und ähn liches! Die Arbeit des Sparfommiffars hat uns schon viele Mionen erspart. Er wird bei erweiterten Befugnillen noch weit mehr Mugen ftiften fönnen, besonders wenn seine Stellung auch der Bürokratie gegenüber geftärft wird. Nicht bloß im Reiche. fonbern auch in den Ländern und Gemeinden bedarf die Finanzpolitik einer gründlichen Reform, etwa durch fliegende Sommissionen, die z. B. auch die Wirtschaft Berlins prüfen follien Die Jozialdemokratische Resolution über die Berichte des Spartommiffars ift fein Fortschritt auf dem von uns gewiesenen Wege, fondern könnte eher diesen Beg persperren. Das machen mir nicht mit. Abg. Dr. Bredt( Wp): Große Teile des Volfes haben das Vertrauen zum Reichstag verloren, daß er die Reichsfinanzen in Ordnung bringt. In vielen Ländern hat der Parlamentarismus 26 abgewirtschaftet, im Reich steht er in einer Strife. Die vom Abg. Heimann Dertretenen Grundsätze sind sehr schön, aber man müßte einen Reichstag haben, ber banadh ift et erwartel noch etwas Dom Reichstag nach diesen zehn Jahren? Jedes Ressort fordert für fich, der Reichstag muß dann ausgleichen. Die Bürokratie hat uns über die Steuereingänge getäuscht. Wenn man dem Reichstag so hohe Einnahmen vorieht, ist es doch natürlich, daß er sie durch Ausgabebewilligungen vorwegnimmt 3m 21 der Haushaltsordnung haf die Linte bereits bas Beto des Finanzministers als Regulator eingesetzt, aber er hat nichts ausgerichtet. In England fann nur die Regierung Mehrausgaben beantragen, niemals aber die Parteien. Bei seiner heutigen Macht fann der Sparfommissar gar nichts gegen die Regierung durchsetzen. Benn Abg. Cremer eine solche zornige Antlagerede gegen alles, was die Regierung macht, gehalten hat, so ergibt sich doch, daß die Bollspartei in der Koalition gar nichts zu sagen hat. Wir wollen dem Reichspräsidenten nur ermöglichen, die Rechte auszuüben, die schon in der Verfassung stehen, wollen fie allerdings auch erweitern. Bomit wollen Sie denn die Unterschrift unter den Young- Blan honorieren, da doch der Etat jährlich um eine Milliarde steipt Benn Sie unseren Anregungen nicht folgen, wird das Bolt Sie ver urteilen.( Beifall rechts.) Abg. Bernhard( Dem.): Kann jemand den gemaltigen Fort fchritt jei 10 Jahren bestreiten? Wie tann man dem Reichstag die Schuld an den augenblicklichen Schwierigkeiten geben? Hur Decking Der Eriraordinarien durch Kredite haben dringende soziale Notftände gezwungen und wechselnde Mehrheiten sie beschlossen; freilich Herr Bredt und feine Partei blieben wohlberechnet außerhalb der Regierung! Dazu, daß das Parlament in alle Verwaltungs winkel hineinleuchten tann, hat der Rechnungshof ungemein viel beigetragen; er muß nur früher prüfen als bisher, schon während des Rechnungsjahres. Lassen Sie uns doch vom Präsidenten des Rechnungshofs, der mit dem Spartommiffar identisch ist, berichten! Aber der Sparkommissar tann immer nur ein Hilfs- und Unterftügungsorgan des Reichstags sein, ihm aber nicht seine Berants wortung abnehmen, die der Reichsverfassung entspricht. Gewißen Leuten wäre es freilich lieb, wieder den Borfriegszustand zu haben, daß man im Parlament beantragen und dieses beschließen tann, was man nur will daß aber alles am Sparfommissar oder am Reichspräsidenten scheitert, modurch dieser freilich höchst unpopulär werden würde. Im Parlament feßt sich nur der Minister durch, ber nicht fortwährend nachgibt und zurüdweicht. Nur die Verant wortlichkeit der politischen Persönlichkeiten bringt uns vorwärts. ( Beifall links.) Abg. Torgler( Stomm.) redet gegen die Sozialdemokratie und fucht nachzuweisen, daß unter der alten Haushaltsordnung zmor Industriesubventionen ausgezahlt wurden, aber Gelder für produts tive Erwerbslosenfürsorge nicht. Bei den Sozialetats bat man Reste übrig behalten, beim Wehr- und Verkehrsetat war elles übers tragbar" und wurde restlos verbraucht. Bon den hohen Ausgaben für Ministerwohnungen, Nürburgring usw. hat der Reichstag erit niel später erfahren. Ob Haushaltsordnung oder foder Reichs verband der Industrie diftiert und die Reichsregierung pariert. Die Borlage wird unter Ablehnung kommunistischer Anträge und mit einigen fozialdemokratischen Berbesserungsanträgen ange nommen. Der viel erwähnte Antrag der Wirtschaftspartei wird nach Ablehnung der Uebermeijung an einen Ausschuß gleichfalls abgelehnt, Das Gesetz wird auch in dritter Lesung angenommen und die foglal bemofratische Entschließung Berichte des Sparfommiffars dem Reichstag parzulegen dem Haushaltsausschuß überwiesen Nach Annahme eines Geseges über zuziehung von Hilfsrichtern sum Reichsgericht vertagi fich das Haus um 19% Uhr auf heute, Donnerstag, 15 Uhr: Einspruch des Reichsrats gegen einen Reichs tagsbeschluß, Internationale Ablommen, Ministerpensionsgeft. Pe teiligung des Reichs an der Breußischen Zentralgenossenschaftstaffe. 20 off wadud Ehre, wem Ehre gebührt. Eine Gemeinde Stadt Mennighüffen ist im Gebiet des ehemaligen T721190 Freistaates Baded maht vorhanden."( Antwort der preutischen Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Kube.) Im endalt 卍 the you FREIE STADT MENNING HOFFEN WAL DECK BORGER EHREN KUBE AV wwwwww Abg. Kube( Nat. Goz.) wird zum Ehrenbürger der von ihm im ehemaligen Freistaat Waldeck entdeckten Stadt Mennigs hüffen( Mennighausen- Mostrichhaufen??) ernannt. Zehn Jahre Nationalsozialismus. Hitler Rede in München. Die Nationalsozialistische Partei hat dieser Tage das zehn| jährige Jubiläum ihres Bestehens gefeiert, und Hitler hat ihr in München die Geburtstagsrede gehalten. Für sie ist charakteristisch, daß in den vielen Spalten des Böllischen Beobachters", in denen sie wiedergegeben ist, das Wort Sozialismus nur einmal vorkommt und von sozialen Problemen überhaupt nicht die Rede ist, desto mehr aber von Rassetheorie und von Abwehr des Bolschewismus. Beide merden miteinander verschmolzen, indem der Bolschemismus erklärt wird als der Herrschaftsausdrud einer Raffe, die amifchen uns figt. Daß sich unter den führenden Bolsche miften Rußlands und Europas so gut wie feine Juden mehr finden, und daß von den Juden in der Welt nur ein winziger Prozentfab bollchemistisch gesinnt sein dürfte, verschlägt nichts. Die Tatsachen müssen sich so umbiegen lassen, daß fie zur Theorie paffen. Das Interesse der deutschen Ansiedler. erfunden, ber aleichbebeutend ist mit Bolfchemismus, obwohl Aufgehobene Ausweisung. Diese Theorie ist aber im Grunde die Theorie des Bürgerschreds. Der Nationalsozialismus empfiehlt sich dem Bürgertum als Schugtruppe gegen den Bolschemismus, deffen Gefahren deshalb in den blutigsten Farben geschildert werden. Zu diesem 3med wird auch ein Margismus" der wirkliche Marrismus mit dem Bolschewismus nichts zu tun hat, sondern ihn auf das schärffte bekämpft. Die bürger Wegen der Ausweifung einiger deutschen Anlichen Bolitifer werden insgesamt als Schlappschwänze gesiebler in Best polen hat der beutsche Gesandte Rauscher mit schildert, sie habentrok ugenberg!-feinen„ eisen Erfolg bei der polnischen Regierung interveniert Die Aus harten, stählernen Kopf". Hindenburg gar muß sich folgende meifungen sind aufgehoben und weitere sollen nicht er. Impertinenz gefallen lassen: folgen. Die Ansiedler stehen zumeist schon im Alter von 60 bis 70 Jahren. Das pon der ehemaligen preußischen Ostmarkenpolitik feftgelegte Rücklaufsrecht des Staates auf die Ansiedlungsgüter ift Dom polnischen Staat übernommen worden. Bei dem hohen Alter der Ansiedler war es also hohe Beit und sehr nüglich, daß das Liqui. bationsabkommen abgeschlossen wurde, durch welches der Rückauf in den meisten Fällen ausgeschlossen wird. Was verschafft Hindenburg die Achtung der Welt? Daß er ein Reichspräsident ist, der der alte Führer der deutschen Armee gewesen ist, ein Ruhm, den bis heute jogar die politische Tätigkeit nicht vollständig vernichten fonnte Der Bericht verzeichnet nach diesen Worten, Heiterfeit und Beifall". Kurz und gut, es gibt in der Welt nichts und niemand, der das deutsche Bürgertum vor dem Gefressenwerden schützen fann, wenn es nicht Adolf Hitler ist. Sanchez Guerra gegen König Alfons. Sieg führen, wie sich eine naiv- idealistische und meist sehr Maffenandrang zu seinem Vortrag. Madrid, 26. Februar. Der morgige Bortrag Sanchez Guerras im Theater La Zarzuela ist zwar von der Regierung genehmigt worden, doch ist es noch nicht sicher, ob er wirklich stattfinden wird. Sanchez Guerra hat nämlich die Absicht, zu erklären, daß König Alfons XIIL das Bertrauen feines Boltes verloren habe. Die Regierung hat, als fie danon Kenntnis erhielt, beschloffen, bie Rabipübertragung feiner Rabe jomie die vollständige Beröffentlichung in der Bresse nicht zu gestatten. Bisher feien 14 000 asten für bas nur 2500 Bersonen fassende Theater perlangt morten bas Pilsudstiften frakeeten. Krach im Mehrausschuß. Warschau, 26. Februar.( Eigenbericht.) 3m Heeresausschuß des Sejm tam es zu Tumultszenen und Schlägereien, die von den Stegierungsabgeordneten hervorgerufen murden. Der unlängst zum Borsigenden gewählte Sazialist Bajont wurde mit Beschimpfungen überschüttet, meil er gewagt hatte, einen Antrag auf Verminderung des Friedensstandes um 60 000 Mann zu stellen und eine Berordnung Bilfubftis zu fritifteren. Die Re gierungsabgeordneten, ehemalige Militärs, erklärten schließlich, daß fte nicht länger mit Antimilitaristen zusammenarbeiten würden Daraufhin trollten sie sich Frauenwahlrecht in Südafrika. Ministerpräsident General Herzog teilte im Barlament mit, daß die Regierung befchloffen habe, zur Eintragung der Frauen einen Gelegentwurf vorzulegen. Diese Lehre wird zwar nie das deutsche Boll zu Heil und jugendliche Anhängerschaft einreden läßt, fie bringt aber genug ein, daß die nationalsozialistische Bewegung davon ganz gut leben fann. Im Endziel geht die ganze Spetulation der Nationalsozialisten wie aller Rechtsputschisten überhaupt dar auf hinaus, daß ihnen irgendeine kommunistische Torheit Gelegenheit zum Absprung" geben werde. Man tann in Deutschland nicht ernstlich gegen den Faschismus lämpfen, wenn man nicht gegen den Kommunis mus fämpft. Zwischen beide, Faschismus und Kommunismus, schiebt sich mit überwältigender Macht die sozialdemokratisch politiche und die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung nur ihre Stärke fann verhindern, daß das, was auf deutschem Boden noch an Werten vorhanden ist, in den Flammen eines sinnlosen Bürgerkriegs vernichtet wird. Hitlerbuben in der Universität. Krawalle und Prügel im Hörsaal. und dadurch en Bolfs. München, 26. Februar( Eigenbericht). Die Hafentreua Stubenten der beiden Münchener hochschulen werden immer attiver. Am Dienstag abend benugten sie die in einem Hörsaal der Universität stattfindende Generalversammlung der akademischen Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Auslande, um einen mit Schlägerei ver bundenen Iumult berbelzuführen, Borstandschaft, an deren Spiße der Borstandschaft, an deren Spiße der zur partei zählende Berfassungsrechtslehrer Profeffor Dr. nawiasty steht, zum Rückzug zu zwingen. Bu diesem 3med hatten fie in die Bersammlung etwa 70 ihrer Beute hinein. geschmuggelt, die dem Berein gar nicht angehören und infolebeffen auch tein Stimmrecht besaßen. Die Rede ihres Wortführers ließ schnell die Absicht der Versammlungssprengung erkennen, so daß es noch rechtzeitig, allerdings nach wisten Bärmszenen und Prügeleien gelang, die Stanbalmacher aus dem Hörsaal zu entfernen. Die Nazi- Studenten machten dann mit Hilfe der Stahlhelm. Studenten und des Hochschulrings Deutscher Art" eine eigene Verfammlung auf und gründeten eine neue Ortsgruppe. Es ist das erstemal, daß in einem Hörsaal der Münchener Unt versität in Anwesenheit vieler Professoren, die die Befchimpfung ihres Kollegen Nawiasty wegen seiner jüdischen Abstammung ftillschweigend anhörten, ein derartig wüster Radau inszeniert wurbeFür die nächsten Tage find weitere Versammlungen der rechtsradikalen Studenten angefündigt, in denen gegen das bayerische Stultusministerium wegen der Rückzahlung der 3mangsbeiträge an den Borstand der deutschen Studentenschaft Stellung genommen werden soll. Bezeichnend für den Geist der Münchener Studenten. fraft ist auch, daß trop des Berbotes des Rektors, bei der Münchener Technischen Hochschule nach wie vor die Liste der Deutschen Studentenschaft zur Eingeichnung gegen den Young Blan aufliegt, Auch Kiel muß sich wehren. fiel, 26. februar. Der Senat der Universität Riel hat der Rieler Freien Studentenschaft, die sich aus der Deutschen Studentenschaf entmidelt hatte, bie nertennung als afabemischer Ber. Maßnahme damit" begründet, daß die Stieler Freie Stutentens teft bei der von ihr veranstalteten Reichsgründungsfeier dem ausbrüd lichen Hinweis, ihr stehe das Führen der Universitätsfarben nicht zu, entgegengehandelt, überdies aber in einem Schreiben an den Rettor eine so wenig angemessene Saltung eingenommen habe, daß die Beantwortung abgelehnt, werden mußte. ein entzogen. In der Bekanntmachung des Retors wird d'e Reichswehr vergißt Waffen. Merkwürdiges Urteil über merfwürdigen Tatbestand. Braunschweig, 26. Februar( Eigenbericht). Das große Schöffengericht in Salder sprach die Besizer mehrerer nom Reichsbanner entdeckter Waffenlager von der Anlage des unbefugten Waffenbefizes frei Die Kosten des Berfahrens wurden der Staatstaffe auferlegt. Die Waffenlager wurden seinerzeit in Salder entdeckt. Sie bestanden aus über 80 Gewehren, einem schweren und einem leichten Maschinengewehr, sowie viel Munition. Die Freisprechung der angeflagten Waffenbefizer erfolgt mit der Begründung. daß es fich bei bei den Bajjenlagern um Besibstände der Reichs. wehr gehandelt habe, und daß sie der Reichswehr auch noch gehörten. trotzdem deren Eristenz in Bergeffenheit geraten fei. Ein seltsamer Spruch, mit einer noch feltsameren Begründung! Land mit leberschuß. Das fleine Anhalt hai 800000 Mart erfpart. Deffau, 26. Februar( Eigenbericht). Dem Anhaltischen Sandtag ist am Mittwoch der Abschluß des Staatshaushalts für das Rechnungsjahr 1928 zugegangen. Daraus ergibt sich, daß ein Ueberschuß von 798 000 Marf erzielt worden ist. Auf Anregung und mit Zustimmung des Landtags soll der Ueberschuß für die Deckung ordentlicher Ausgaben des Jahres 1929 verwendet werden. Es soll aus ihm ein Betriebsvorschuß für die Staatstassen gebildet werden, den es seit der Geldentwertung nicht mehr gegeben hat. In der heutigen Zeit der üblichen Glatsüberschreitungen bedeutet der in Anhalt für das Jahr 1928 erzielte Ueberschuß eine Unerfennung der vorsichtigen Finanzpolitik des sozialdemokratischen Finanzministers. Dr. Curtius erfrauft. Wie verlautet, ift Reichsaußenminifter Dr. Curtius ertranft. Er nahm deshalb an ber Mitimodfigung ber vereinigten Ausschüsse zur Beratung ber Young- Gefeße nicht teil. Der Minister hofft aber, am Donnerstag ber Sigung wieder beiwohnen zu können. Sardinal Merry del Bal, 1903 bis 1914 päpstlicher Staatsfetretär, ist, 65 Jahre alt, in Ron während einer Blinddarmoperation geftorben. Schwindelhafte Zahlen. Was verdient der Bauarbeiter? Um ihren Angriff auf die Arbeiterföhne zu recht- rungseinflüffe und durch den häufigen Stellenwell; fertigen, veröffentlichen die Bauunternehmer burch die Kon. Der Bauarbeiter geht nicht in eine Fabrit, sondern übt feinen Beruf sozusagen im Umherziehen aus. Die hohen Bauarbeiterlöhne, mit denen die Unternehmer ihre Offensive rechtfertigen möchten, sind eine Legende. juntturforrespondenz, die stets zur vollen Verfügung der Unternehmer steht, sowie in der Industries und Handelszeitung" schwindelhafte 3ahlen über die Löhne im Baugewerbe Das wird fo gemacht. Man führt die Spigenlöhne der Attorbmaurer in Berlin. außerhalb Berlins ist Attord arbeit nicht üblich an und rechnet aus den Stundenlöhnen heraus, wieviel so ein Attordmaurer die Woche und somit auch das ganze Jahr verdienen müßte, wenn ja, wenn er die ganze Woche und crft recht ein ganzes Jahr ununterbrochen beschäftigt wäre. Neben diese intag.nären Einkommen eines nicht existierenden Atfordmaurers stellt man die Löhne, die in anderen Berufen und an anderen Orten verdient werden. Bedenkt man, daß von einem Preis abbau nirgends etwas zu spüren ist, dagegen die Berteurung von Gas, Baffer und Elektrizität eine Realität ist, von Bier, Tee, Kaffee unmittelbar bevorsteht, dann ermißt man, wie die nunmehr enthüllten Absichten der Bauunternehmer wirten müssen. Die aus öffentlichen Mitteln gespeiste Industrie- und Handelszeitung" tritt für diese Herabsehung der Bauarbeiterföhne mit der sonderbaren Begründung ein, daß man im Baugewerbe mit einer Reihe von mageren Jahren rechnen müsse. Das bedeutet für die Bauarbeiter ein noch geringeres Jahreseinkommen durch verlängerte Arbeitslosigteit. Boraus die Industrie und Handelszettung aber den überraschenden Schluß zieht, daß die voraussichtlich geringeren Einkommen noch mehr getürzt werden müßten. Da die von den Unternehmern und ihren Hilfsorganen veröffentlichten Zahlen einer Erhebung entnommen sind, die das Statistische Reichsamt angestellt hat, so führen wir diese Löhne hier zur Ergänzung noch an. Danach verdiente der Maurer in den Großstädten 61,08 m. die Woche, in Mittelstädten 51,30 M., in der untersten Ortstlaffe 41,26 M. Die 3immerer verdienten in diesen drei Drisgruppen 56,92 m., 52,02 m. und 41,24 Wt. Die Bodurch das Bauen so teuer wird, verrät ja die IndustrieBauhilfsarbeiter 52,06 m., 44,01 m. und 35,21 M. Die und Handelszeitung" selbst, indem sie nicht nur von den über. Tiefbauarbeiter 37,80., 35,86 m. und 39,97 m. Berhöhten Preisen in der Baustoffindustrie spricht, gleicht man diese Löhne mit denen in anderen Industrien und sondern auch die Tatsache erwähnt, daß von 1927 bis 1929 rund Berufen, so wird man feststellen, daß die Bauarbeiter feineswegs 9000. Baufirmen neu gegründet worden sind, obwohl es die hohen Löhne haben, die sie durch die schwindelhaften Zahlen der doch gerade im Baugewerbe nicht an Unternehmern fehlt. Das Unternehmer angefreidet bekommen. Geschäft eines Bauunternehmers, zu dem man sich derart brängt, muß demnach sehr lohnend gewesen sein was man vom Beruf des Bauarbeiters nicht fagen fann. Es sei denn, man bedient sich der schwindelhaften Zahlen, die die Bauunternehmer in die Deffentlichkeit lancieren. Bei diesen Wochenlöhnen muß berücksichtigt werden, daß die Arbeitslosigteit, im Bauberuf eine periodische ist und eine viel längere als in den meisten aller anderen Berufe. Dazu kommt die Berringerung des Einkommens durch Witte. Hinter dem Transparent. Die graue Wirklichkeit der„ revolutionären Welle". fürchtete, die Saalfoften, Heizung usw. zahlen zu müssen. halb nach furzer Daner mit Erfolg burchgeführt werben, well hintet den Streitenden die ganze Macht des Zentralver. bandes stand. Die hohlen Worte der fommunistischen Spalter Loden feinen Hund hinter dem Ofen hervor. Das werden zu ihrem Leibwefen gar bald alle die erfahren, die diesen Spaltern nach und aus dem Zentralverband herauslaufen. Schwere Zeiten bei den Steinarbeitern Organisation ftabil, trotz Quertreiber und Spalter. Mährend die Berliner Steinarbeiter in den Jahren nach der In flation eine verhältnismäßig gute Ronjunttur hatten, ist in diesem Gewerbe im vorigen Jahre ein Rudschlag eingetreten. Zum erstenmale in der Nachinflationszeit sind im vorigen Jahre felbft in der Zeit der sogenannten Hochtonjunktur noch arbeitslose Steinfetzer auf dem Nachweis vorhanden gewesen. Aber auch in den ver wandten Berufen, wie bei den Steinmezen, den Alabaster und Marmorarbeitern usw., war die Beschäftigung nur immer für furze Zeit zufriedenstellend. Die Ursachen dafür sind die gegenüber der Borkriegszeit veränderte Straßenbauweife, die all gemeine schlechte wirtschaftliche Lage, die Finanzkalamität der Kommunen, nicht zuletzt aber auch die Brämien und Afford arbeit, die von dem sogenannten Gefellenverein der Steinarbeiter. propagiert wird. Trogdem ist es der Organisation in Berlin im vorigen Jahre gelungen, in fämtlichen Branchen Lohnerhöhungen von ins gefamt 7 Pfennig und in der Wertstein- und Marmorgruppe nachy einem 3% wöchigen Streit von 8 Pfennig durchzusehen. Angesichts der schlechten Arbeitsmarktlage der Steinarbeiter ist es understandlich, daß ein Teil dieser Berufsangehörigen oftmals noch Ueber stunden in erheblicher Zahl leistet, obwohl der Achtstunden tag tariflich veranfert ist. Wie der Borsigende der Berliner Zahlstelle der Steinarbeiter, Genolje Ritsche, in der legten Generalversammlung ausführte, müffen die Verbandsmitglieder die Organisationsleitung mehr als bisher bei der Bekämpfung diefer Ueberarbeit unterstüßen. Noch verwerflicher als das Treiben diefer Ueberstundenschheber ist das einiger fogenannter oppofitioneller" Berbandsmitglieder, die auf die Absplitterung eines Zeils der organisierten Steinarbeiter von ihrer Mutterorganisation hinarbeiten und bereits geheime Berhandlungen mit den ausgeschlossenen Zimmereri und Rohrlegern, fomie mit dem Gefellenverein(!) zweds Bründung eines tommunistischen Steinarbeiterversan des geführt haben. Genosse Nitsche stellte in der Generalversamm fung den Antrag, die Verbandsmitglieder Beuschte und Boigt, die sich an dieser Minierarbeit hervorragend beteiligt haben, aus dem Verbande auszuschließen, was die General. 139 Stimmen beschloß. Wer durch seinen Beruf gezwungen ist, die ,, Rote Fahne" zu| fich nicht einmal die Berfammungsleitung zu erscheinen, da fie be. verfammlung nach eingehender Debatte auch mit 216 gegen lefen und die tnalligen Ueberschriften mit der Wirklichkeit zu vergleichen Gelegenheit hat, der weiß, daß die russische Regierung für ihr Geld sehr menig bekommt. Man vergleiche z. B. die Ueberschriften zu den Betriebsrätewahlen, die bombastisch aufgemachten Ent. schließungen mit den nüchternen Tatsachen. Die wollen wir hier cinmal ganz furz sprechen lassen. Im Siemenstonzern bemüht sich die KPD.- 3ellenleitung fchon seit Wochen, rote" Wahlaussduiffe und rote" Betriebsrats. fandidatenliſten zufammen zu bekommen. In der ersten Seit berief man die Versammlungen nach dem einzigen größeren Saal, den Siemensstadt besißt, nach dem Lokal von Weidner, Sternfeld, ein. Am 22. Januar 1930 tonnte man feststellen, daß im Klein. baumer? der Parole der KPD. von etwa 3000 Beschäftigten 6( sechs) Bersonen gefolgt waren. Am 7. Februar 1930 fand in Sternfeld eine öffentliche Betriebsversammlung der Wernerwerte statt. Belegschaftszahl rund 20 000, anwesend 59. Nach diesen Pleiten, murde die KPD. wesentlich bescheidener und berief die Oppositionsversammlungen nach fleineren Lofalen ein So fand am 18. Februar 1930 für die Tischlerei der Siemens. Wernerwerte im Lotal Allemania- Sportplatz eine Versammlung statt. Bon 250 Belegschaftsmitgliedern waren 15 erschienen. Bon diesen 15 waren 6 Arbeiterratsmitglieder, von den verbleibenden 9 maren 3 Freigewerffchafter und gleichzeitig Sozialdemokraten, fo bab man gar nicht erst getraute, bie Bersammlung abzuhalten. Am selben Tage fand für das Wernermert III, Holzdamm, ebenfalls eine öffentliche Versammlung statt. Anwesend waren von etwa 600 Belegschaftsmitgliedern außer der erschienenen Leitung 7( sieben) Personen. Am 21. Februar 1930 fand für das Dynamomerf eine öffentliche Bersammlung bei Kant statt. Bon der Belegschaft von 2400 waren 26 Personen erschienen. Der fommunistische Redner forderte zum Schluß feines Referats auf, die Vorschläge zur Betriebsratswahl[ chriftlich bei ihm einzureichen, damit sie nidy etma rechtzeitig ber Firma Siemens in die Hände fallen. Für das Wernerwert Spandau Süd fand am gleichen Tage eine öffentliche Bersammlung statt, in die nur ein Mann hineingeströmt war. Belegschaftsstärte etwa 1000. Hier getraute Arbeitersolidarität! Am 24. Februar 1930 fand für das Wernerwer! Spandau Nord und Flumowert im Lofal 3um Exer ebenfalls eine öffentliche Bersammlung statt. Bon der 1500 Mann starten Belegschaft waren 22 Mann anwesend. Da die Pleite im Wernermer? III am 18. Februar fehr groß war, versuchte man am 24. Februar nochmals an die Beleg fchaft heranzufommen. Der Erfolg war noch niederschmetternder. Ganze 5 Figuren waren dem Ruf der KPD. gefolgt. Am 18. Februar 1930 fand gleichfalls eine Betriebsversammlung des Fräfenbaus statt, einberufen von der KPD. Der Be.. triebsvorfizende, der zum gleichen Tage bereits eine Bersammlung im gleichen Lotal vorgesehen und einberufen hatte, stellte bei Be treten des Lotals fest, daß der Vorstandstisch durch den anderen ominöfen Einberufer bejezt war, der nun versuchte, die Betriebs. versammlung zu leiten. Ein deutlicher Hinweis und der Abgefandte Mostaus verschwand fang, und flangios. Das also find die Erfolge der Massenpartei" im Siemens. fonzern. Zu allen diesen Bersammlungen sind vorher Handzettel fonzern. Zu allen diesen Versammlungen sind vorher Handzettel verteilt worden. In den kommunistischen Betriebszeitungen, zum Teil auch in der„ Roten Fahne" wurde außerdem vorher auf diese Bersammlungen hingewiesen. Hinter dem in Bermanenz illustrierten fichtfcheu eine Riefenpleite. Transparent der KBD. über die„ revolutionäre Welle" verbirgt sich Da die KPD. nicht mehr imftande ist, die Arbeiter in Belegschaftsversammlungen zu loden, die von ihr einberufen sind, ver. jucht fie, fich der Versammlungen zu bemächtigen, die von den Gewerkschaften oder unserer Partei einberufen werden. Aber auch das gelingt ihr nicht. Nun hat sie einmal eine Bersammlung zu sprengen ver mocht, die von unseren Genossen der F. Werner AG. eine alte tommunistische Hochburg einberufen wurde. Leicht ist es den von überall zusammengetrommelten Nachläufern der KPD. auch hier nicht geworden. Aber das Freudengeheul der Roten Fahne" ist bestimmt zu früh. Auch in dieser Hochburg der KPD. wird unfer Vormarsch nicht aufgehalten werden. Aus dem gedruckten Geschäftsbericht ist noch zu ersehen, daß der Mitgliederbest and im verflossenen Jahre im allgemeinen ftabil geblieben ist. Die Berliner Zahlstelle des Steinarbeiter. verbandes musterte am Schluß des Berichtsjahres 2406 Mitglieder. Der Lotaltaisenbestand hat sich infolge der erhöhten Aus.. gaben für Erwerbslosenunterstügung um 3743 2. auf 31 440 m. Derringert. Die Generalversammlung wählte gegen etwa 6 Stimmen die bisherigen Angestellten der Ortsverwaltung en bloc wieder. Unvereinbar! Mitglied der Kp. fann nicht Gewerkschafter sein. Der Schweizerische Geweitschaftsbund hat parallel mit der Sozialdemokratischen Partei beschlossen, die Ge mertschaftsmitglieder aufzufordern, bei de: Boltsabstimmung über die Revision der Alioholgejchgebung am 6. April für den Revisionsentwurf der Bundesversammlung zu stimmen. Die Arbeiterunion, d. h. das Gewerkschaftskartell ber Moskauer Hochburg Schaffhausen dagegen, die unter kommunistischer Führung steht, beschloß, der Parole der Kommu nistischen Partei zu folgen und von den Mitgliedern der nistischen Partei zu folgen und von den Mitgliedern der Schaffhausener Gewerkschaften die Ablehnung des Revisionsent murfs zu fordern. Der Bundes.usschuß der schweizer Gewerkschaften sah sich des halb genötigt, dem Gewerkschaftsfartell die Zugehörigkeit zum Gewerkschaftsbund abzuerkennen. Die Schaffhausener Settionen der schweizer Gewerkschaften müssen also ihre Mitgliedschaft bei der Arbeiterunion lösen. Neue Betriebsräte. Bas muß der Betriebscat wiffen? Um die Rollegen barüber zu infor mieren, veranstaltet die Berliner Gewerkschaftsfchule folgende Rucie: Rurfus SO 16: Das Bahlverfahren und die Tätigkeit des Betriebszates". gehrer: Fris ride. Unterrichtsstä'te: Leibniz- Gnmnafium, Mariannenplak. Beginn: Mittwoch, 12. März, 19 Uhr. Rurfus 17: Das Wahlverfahren unb bie Tätigkeit bes Betriebsrates". sehrer: Dr. Sahn- Freund, mtsgerichtsrat am Arbeitsgericht Berlin. Beginn: Donners'ag, 13. Mära. 19 Uhr. Beide Rurfe behandeln das Wahlverfahren, die Geschäftsführung, die Ob Ilegenheiten des Betriebsrates und den Entlassungsschut Dauer der Rurfe fünf Abende. Teilnehmergebühr 2. für den gesamtex Lehrgang. Anmeldungen werden entgegengenommen in den Schrberatungs Sprechstunden jeden Montag und Freitag von 10-19 Uhr im Simmer 25 des Gemerfchaftshauses, Engelufer 24-25, D. II, in den Ortsverwaltungen der Berbände und am ersten Rurfusabend. TCLEFABER AGG., Brunnenstraße. Fraktionsverfammlung am Freitag, 16 Uhr, im fotel Carus. Boltaftr. 19. Alle Genoffen müffen erscheinen, Der Fraktionsvorstand. ET Berbanb ber Maler. Morgen, Freitag, 19% Uhr, in Berliner Gewerk fchaftshaus, Engelufer 24-25, Caal 4, Mitgliederversammlung. Die Aufgaben der Betriebsräte im Malergewerbe." Referent Emil Barth. Dis Die Tätigkeit des Ortsvorstandes wurde in der Disbussion von allen Rednern, auch von den kommunistischen, restlos anerkannt. Gie ist bei den Lithographen und Steindrüdern zu Hause. Die Vorpürfe, die von einigen Kommumisten hinsichtlich der Stel lungnahme der Gewerkschaften zur Frage der Rationalisierung er. Die Mitgliedschaft Berlin des Verbandes der Lithographen und hoben wurden, muzden schon von den Anhängern der Amsterdamer Steinbruder hielt am Dienstag im Gemertschaftshaus ihre Jahres Gewerkschaftsrichtung fo gründlich widerlegt, daß fich Genoffe Hoffgeneralversammlung ab, die von etwa 1000 Berbandsmitgliedern be mann in seinem Schlußwort sehr turz faffen fonnte. Der Opfer fucht war. Der Borsitzende. Genosse Hoffmann, gab zunächst mut der Verbandsmitglieder fam erneut in norbildlicher Weise zum einen umfassenden Ueberblid über die wichtigsten politischen und Ausdruck bei der Behandlung eines Antrages des Drisvorstandes, mirtschaftlichen Ereignisse des Borjahres, wobei er ganz besonders in dem zur Unterstützung der ausgesteuerten erwerbslosen Verbandstuffion auf die ungeheuere Erwerbslosigkeit und ihre Ursachen einmitglieder wieder die Erhebung einer Egtrafteuer ge ging. fordert wurde. Der Antrag des Ortsvorstandes wurde durch einen Domohl die allgemein ungünftige Arbeitsmarktlage nicht ohne aus der Mitte der Bersammlung geftelten Zufazantrag fogar noch 28irtungen auf das Lithographie und Steinbrudergewerbe ge- ermeitert und dann einstimmig angenommen. Er blieben ist, ist es dant der straffen Organisation und der vorfieht für die Zeit vom 7. März bis einschließlich 30. Mai folgende bildlichen Solidarität der Verbandsmitglieder gelungen, Ertrabeiträge vor: Bei einem Wochenverdienst bis zu 60 M., die Löhne und Arbeitsbedingungen zu halten. Die mit 50 Pf. pro Woche, bei einem Bodenverdienst von 61 bis 80 m., gliederbewegung meist einen 3ugang von 266 Mit- 1 M. Je Woche, bei einem Wochenverdienst von 81 bis 100 m., 2 M. gliedern auf, so daß in Berlin Ende 1929 insgesamt 5153 Arbeiter je Woche und bei einem Wochenverdienst von über 100 m., 5 m. des Lithographie- und Stembrudgewerbes, sowie der verwandten je Woche. Gemerbe, freigewertschaftlich organisiert maren Freie Gewerffchafts- Jugend Berlin Beute, Donnerstag, 19% ht. tagen bie Gruppen: Röpenid: Jugend heim Grünauer Str. 5. Lichtbilbervortrag: An mein. Bolt" von Baul Simmel. Schöneweibe: Jugendheim Rieberschöne weide, Berliner Straße 31. Rurateferate: Allerlei aus Betrieb und Werkstatt. Gesund brunnen: Jugendheim Note Schule, Gotenburger Str. 2. Berbeabend. Suboften: Gruppenheim Reichenberger Str. 66( Feuerwehrhaus). Bunter Abend. Unfere Süngeren wollen uns überraschen. Tempelhof: Gruppen beim Enzzum Germaniaftr. 4-6. 3d lach man ft!. Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Bortrag:„ Das Recht ber Arbeit Landsberger Blah: Jugendheim Große Frankfurter Ctr. 16, Rimmer 6. Wer ist der beste. Brett. fpielabend. Lichtenberg and Ren- Liften been: Jugendheim Sauff an ber Leffingfirake. Lidtbilbervortrag: Dez beutfche Baid". Frankfurtez Allee: Sugentheim Frankfurier Allee 307( Walter- Fathenau- Rimmer). Aus der Bon der finanziellen Leistungsfähigtett biefer Erfolgreicher Kampf der Schuhmacher. Jugendzeit unferer Gruppe. Unfere Gruppenaäter follen fich Mühe geben. Der Gireil bei ön geberg, Belt und Co. beendet. Der Streif in der Schuhfabrit Hönigsberg. 3eit und Co. ist erfolgreich beendet. Die Firma wurde durch das ge [ dloffene Borgehen der Arbeiterinnen in der Stepperei und Vo richterei gezwungen, die Entlassungen der beiden Vorrichterinnen rüdgängig zu machen. Darauf wurde gestern einmütig die Wiederaufnahme ber Arbeit beschlossen. fleinen aber feftgefügten Berufsorgagnijation legte der Kaffenbericht Zeugnis ab, den Genoffe Gragen erstattete. Danach find im vorigen Jahre von der Hauptfasse an erwerbslose. frante, invalide Mitglieder usw. rund 225 000 m. an Interitügungen gezahlt worden, wozu auch aus der Lokalkaffe statutarische Zuschüsse in Höhe von etwa 25 000 m. famen. Weiter wurden ebenfalls aus lokalen Mitteln- rund 1500 M. an besonders in Not geratene Mitglieder gezahlt und Mitteln einer frei willigen Sammlung, die eine Einnahme DON 43 669 m. ergeb, bis zum 1. Februar d. 3. rund 35 000 m. fierien Arbeiterinnen bewiesen, daß man in der freien Gewerkschaft an Mietbeihilfe für erwerbslose Verbandsmitglieder. Rämpfe mit Erfolg zu führen versteht. Der Streit fonnte nur des. aus Damit haben die im Zentraiderband der Schuhmacher organi Incendoruppe des Rerira bertandes der Ancefelten Seute, Tonnerstag, finden folgende Beranstaltungen ftalt: Bartom Rieberse Inhausen: Jugendheim Görschftz. 14( großes 8mmer) Kurz referate.- Treptow: Jugendheim der Schule Wildenbruchstr. 53( Rugang von ber Graeßftraße in Treptow). Aus alten Cagen." Göneberg: Jugend heim Sauptstr. 15( Sofacbäube, Thüringena mmer). Friedrich- Ebert- Grbent abenb. Ab 19% Uhr Bollstanslutsus im Bestalozzi- Engeum, Lichtenberg. Bring- Albert- Etr. 44. Berantwortlich für Volitit: Dr. Curt Geyer: Birtfchaft. Alingelhäfer: Geverffchaftsbewegung. 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Shitowski; totales und Sonstiges rik Karstadt: Anaciaen: Tb. Glode: fämtlich in Berlin. Prud: Vorwärts- Budbruderet Berlag: Borwäris- Ferlag G. m b. Berlin und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin S 63 Lind nitrage& Sieran 1 Beilage, Unterhaltungs usb Biffen anb Franenfiimme. Är. S7» 47. Iobrgaiis V � V»m>er«wg, 17. StBruor 1930 Die Burg der Erfinder. Nur 25—30 Pro«, der Erfindungen werden patentiert. Das auf eine über 50 Jahr« alte Xcilgfdt zarückbliikeude Reichspalenlaml befindet sich in einem Riefenpaiasi in der Mh« des halleschen Tores, in der Giischiner Strohe. Sein Üusgabenkreis ist weitesten Teile« der Levölkerong be- kounit: er besteht aus Erteilung und Nichtigkeitserklärung von Paten ten sowie der Erteilung von Zwangs- lizenze«. Seit anno lSSl kommt»och die Eintragung von Gebrauchsmustern und seit 1894 die Eintragung und Löschung von Darenzeichen hinzu. Das Reichspatentamt weist zwölf Anmeldcabteilungen. Beschwerde Abteilungen gegen die Entscheidungen der als erste Instanz geltenden Anmcldeabteilungen sowie die Nichtigkeits- adteilung- auf. Es beschäftigt nebst einem Präsidenten sieben Direk- toren, acht LberregierungsrÄe als Wteilungsvorsitzende. 31 Mit> glieder der Beschwerde- und NichtigkeitsabteLungen, 127 Mitglieder der Anmeldeabteilungen und weitere KZ Regierungsrät« als iech- nische Mitarbeiter auf. Dazu kommt noch das staatlich« Büro- personal des in der Tat gigantischen Betriebes: insgesamt ver- dienen hier nicht weniger«äs etwa 1000 Beamte ihr Brot. Dieser groß« Apparat Ist aber unbedingt erforderlich, wenn man bedenkt, daß sich die Anmeideabteilungen in 89 Klassen und darüber hinaus fast 10000 Unterklassen verteilen und daß z. B. im Jahre 1920„nur" 63 000 Patent« angemeldet worden sind- Seither wurde die Zahl 70 000 längst überschritten. Naturgemäß werden im Best- fall«(dies ist eben die sogenannte„ender« Seite") 25 bis 30 Proz. der angemeldeten, mitunter recht unbedeutenden Erfindungen patentiert und im Durchschnitt erlebt nur 1 bis 1H Proz. der erteilten Patente die Schutzfrist. Diese währt« dereinst nur IS Jahre: später wurde die Patentdauer aus Wunsch der Industrie ans 18 Jahr« erhöht, vom Tag« der Anmeldung gerechnet. Di« Patente können im angebrachten Falle auch zurückgenommen werden, wenn dieses Derfahren den Bedürfnissen eines Industriezweiges Rechnung trögt: da werden dt« oben erwähnten sogenannten Zwangsiizcnzen ausgegeben. Die Äibliothek. In einem besonderen Anbau befindet sich die einzigartige Bibliothek des Patentamtes, die die größte technisch« BIb- liothek Deutschlands, ja sogar vermutlich des ganzen Kon- tinents darstellt. Biß vor d«n Kriege wurden 1,3 Mcllionen Mark für Beschossungen ausgegeben. Im Reichshaushait der Nachkriegs. und Nachinflationssahre find stets größer« Sunuren für diesen Zweck bewilligt worden, um die Kriegslücken auszufüllen Der Umfang der Bibliothek beläuft sich auf annähernd 7 Millionen Patent- schrrften in allen Sprachen der Welt. Und k der Tat kommt es mitunter vor. daß z. D. eine japanische oder türlische Patentschrist dringend gebraucht wird! MU sämtlichen Veröffsnt- tichunzen von den internationalen PatenÄcchörden sind weitere etwa 100 000 Bände vorhanden, dazu kommen noch etwa 80 000 Bände Fachbücher und mehr als SO 000 Bände Fachzeilschriften. Bemerkenswert ist ferner, daß die Burg der Erfinder auch«ine vaftMidfeche Präsenzbibliothek unterhält, die sich«ine? außerordentlich lebhaften Benutzung durch das Pubfttum im Lei«. fool erfreut Allein die Kataloge umfassen da drei dicke Bände mit alphabetischem Register. Die Borlage des Reiches und des Aus. kandes tragen zur Vervollständigung des wertvollen Fachschriften- Material» insofern bei, als sie ihre eventuell in Frage kommenden Neuerscheinungen prompt einsenden. Die Buchereinginge wenden sodann sorgfältig geprüft und mit dem vermerk..notwendig", „wünschenswert" oder..überflüssig' versehen. * In der großen Bibliothek des Reichspatentamts herrscht— gleich dem ganzen Palast— regstes Leben und Treiben. Patent- anwält». Vertreter großer Jndustrieunternchmungen und Erfinder beider Geschlechter gehen in der Tat scharwets««in und aus. So manche erwarten natürlich zumindest Goldberge von ihrer welt- erschütternden Erfindung und grollen dann nicht wenig, wenn die mitunter sauer erworbenen 23 M. durch das„Unverständnis" der Herren Oberregierungsräte verloren gehen. Die 23 M. müssen nämlich gleichzeitig mit der Anmeldung der neuen.Sensation" für dos oft unbeschreiblich schmierig« Pnisungsoersahren hinterlegt werden. Sie gehen natürlich auch dann„flöten", wenn«in Patent nicht erteilt werden kann. Und dann fühlen sich die großen Geister„un- verstanden". Sie sollten lieber, im Gegensatz zu dem alten Spruch. die Parole beherzigen:„Studieren geht mitunter übers Probieren!" Für unsere Alien! Berlin sorgt sür sie trotz größter Finanznot. In Gegenwart von zahlreichen Vertreter» des Magiflrals und der Vezirkskörperschosien wurde gestern im Bezirk Pankow das neue Allersheim in de, haupl- sirahe 62/63 in Berlln-vuchholz durch de« Stell- vertretenden Bürgermeister Dr. Taeger erössnet. Das Bedürfnis, gerade in Pankow«in neues Altersheim zu schaffen, ist nicht neu. Die Sozialdemokraten waren es. die immer wieder auf die Notwendigkeit hinwiesen und so das Wert, das gestern der Oeffentlichkeit übergeben wurde, förderten. Das 5>eim hat«ine besonders schöne Lag«. Es ist von einem arohen Part umgeben,«s liegt in freier Luft, und es wird in seinein inneren Ausbau unseren ollen Mllbürgern alle Bequemlichkeiten sür ihren Lebensabend bieten. Schmucke Zimmer, die in lebendigen Farben gehalten sind, warten auf ihre Bewohner,«ine vorbildliche Küche, die mit allen maschinellen Einrichtungen der modernen Technik ausgestattet ist, sorgt sür da» leibliche Wohl. Jedes Zimmer hat seinen Radioapparat,«in« luftige, der Sonnenseite zugekehrte Be- randa gibt Gelegenheit zu bequemer Siesta, blitzsaubere Boderäuine sind eingerichtet, gemütlich« Gemeinschastszimmer mit Tischen für vier oder fünf Personen, mit Decken und Blumentöpsen daraus, sind geschaffen. Der sozialdemokratische Stadtrot Gürig, dessen Obhut da» Heim unterstehen wird, konnte mll Stolz den Gästen das Ge- schaffene vorführen. Das Grundstück hat ein« Größe von mehr al» sieben Morgen. Auf ihm liegen«in großes dreistöckiges Hauptgebäude und«in Villen- artiges, ebenfall» dreistöckiges Nebengebäude. W>« wir schon berich- teten. hat da« Bezirksamt im Jahre 1928 dieses ganze Grundstück mll dem großen herrlichen Park und seinem allen Baumbestand für die Summ» von 215000 Mark erworben. Der Ausbau der Gebäude, der im Mai vorigen Jahre» begonnen wurde. erfordert« neue 201000 Mark. Das Hauptgebäude kann 69 Per- fönen auinehmen. das Nebengebäude 23 Persoiren. Für die Auf« nahm« sind alle hilfsbedürftige Einwohne? beiderlei Geschlecht« van ganz Berlin aus Kreisen der und Sozialrentner und de» fiewerblichea Mittelstandes vorgesehen. Bevorzugt werden Per- onen. die eine Wohnung für den ollgemeinen Wohnungsmarft dem Bezirksamt zur Verfügung stellen können. Da» Bezirksamt Pankow hofft so mindesten» 40 b!« 50 Wohnungen der Allgemeinheit zuführen zu können. Da» Personal ist vom Arbeitsamt überwiesen worden, und die bisher arbeitslosen jungen Mädchen sind froh, hier ein hübsches Zimmer und«ine segensreiche Wirkungsställ« gefunden zu haben. Mit verhältnismäßig geringen Mitteln ist hier in einer Zell schwerer finanzieller Not ein Werk praktischer sozialer Fürsorge geschaffen worden. E» wird, ko hoffen wir, Zinsen tragen nicht nur in materieller 5) in ficht, sondern auch in den Herzen der alten Männer und Frauen, die hier«in« Heimstätte sinden werden. Liebestragödie im Hotel. Mit 20 und II Jahren schon lebensmüde. Gestern nachmittag versuchten in einem Hotel la der Gollnowstraße der 20iährige Hans w. und die um drei?ahee jünger« hanni(3. sich da» Leben zu nehmen. Das junge Paar war in den frühen Vormittagsstunden in dem Hotel abgestiegen. Als sie sich b>» Mittag nicht sehen und höre« ließen, schöpfte das Hotelpersonal Verdacht und drang in da? Zimmer ein. Auf einem Ruhesofa fand man die beiden junge» Leute leblos auf. Ein hinzugerufener Arzt stellte bei beiden noch schwache Lebenszeichen fest. Daraufhin wurde sofort dl« Feuer- wehr alarmiert, die Wiederbelebungsversuche mll Sauerstoff vornahm, die nach langwierigen Bemühungen auch von Erfolg waren. Die Lebensmüden wurden in das Krankenhau» am Friedrichshain gebracht, wo sie bedentlich daniederliegen. Allem Anschein nach haben sie eine größere Menge«ine» starken Schlafmittels zu sich genommen. Wie aus hinterlostenen Abschiedsbriefen hervorgeht, waren die Eltern des Paares wegen ihrer allzugroßen Jugend gegen eine eheliche Verbindung. Da» glaubten die Liebenden nicht ertragen zu können und sie faßten den Entschluß, gemeinsam in den Tod zu gehen. * Auf dem Untergnmdbahnhof Wittenbergplatz spielte sich gestern gegen 17 Uhr. zur Zell des stärksten Nachmittagsverkehrs. ein auf- regender Vorfall ab. Ein älterer Herr stürzte flch vor die Räder eines einfahrenden Zuges und wurde auf der Stelle g«- tötet Die alarmierte Feuerwehr muhte den Wagen anheben, um die Leiche bergen zu können. Der Selbstmörder wurde als«in 63jähnger Pensionsinhaber F. Koreneß vom Kursürstendamm 163 festgestellt Der Grund zu dem Berzweiflungsschritt ist nicht be- könnt. Das Mordgeheimnis von Hatte Die Frau des Getöteten aus der Hast entlassen. Wiederholt berichteten wir über die geheimnisvolle Mordasfäre Bauer- Peler» in halle an der Saale. Zehl hat die Angelegrnheii«ine neue Wendung genommen-. Am 15. Februar war in der Saale bei Wettin eine mann- liche Leiche gesunden worden. Es handelte sich um den im Dezember 1929 verschwundenen Direktor Bauer von der Mittel- deutschen Speditions- und Säsifsahrtsgesellschast Saale in Halle. Man hatte damals gleich angenommen, daß Bauer ermordet war. der Verdacht der Täterschaft richtete sich gegen seine etgeu« Ehefrau und einen Privatdetektiv namens Peters. Nach der Beerdigung Bauer» wurde die Witwe Bauer» im Magdeburger Polizeipräsidium vernommen. Die Dernehmung führte zu ihrer vorläufigen Festnahme. Peters war ebenfalls fest genommen worden. Es bestand der Verdacht, daß Bauer von Peters ermordet und Peter» von der Ehefrau Bauer dazu angestiftet worden ist � Die Herkunft«ine» namenlosen Schr« i b» n» an Frau Bauer, da» von der Polizei abgefangen wurde, bedurft« vor allem der Klärung. Jetzt ift Frau Bauer aus der H a ft en t l a s s en worden Sie hat bei«ine? Gegenüberstellung, die- noch«ach Mtternacht erfolgt«. dazu beigetragen, da» Vewelsmaterlal gegen Peter» zu verdichten. Peters scheint Psychopath zu sein. Was er im Augenblick bestreitet oder zugibt, widerruft er im nächsten Augenblick. Die Havplbelastung für Peter» besteht darin, bah« de» namea- lose» Brief, der außerordentlich belastend sür Frau Bau« war. durch eine andere Frau, zu der er in intimen Beziehungen steht hak anferttgen losten. Die Briestchreiberln ist ermittelt Di« Polizei geht unter anderem auch der Mitteilung einer Dam« au» Halle nach, di« sich bei der Polizei in Hall« meldete und angab. Peters In der Mvrh- nacht in Hall« gesehen zu haben. *£x£*>**4pi ■3� „Mein Mann möchte etwas von Ihrem Kaffee, er rümpft die Nase über den. den mir zu Hause haben", verkündete sie yrürrisch.„Er möchte, daß Sie welchen machen. Wollen Sie e» tun?* .La gewiß: herzlich gern", erwiderte die Bahiana...ich kämm gleich hinüber.� Aber sie brauchte ihn nicht hinzutragen, denn kurz darauf erschien der Steinbrecher selbst und rief ihr von der Tür aus entgegen: „Ich wollte Ihnen den Weg ersparen, deshalb bin ich her» gekommen. Ich darf doch eintreten?" „Gewiß, kommen Sie nur herein, Ieronymo." „Ich dacht«, es würde hier unten bester schmecken", fügte er hinzu und sank in einen Sessel. .Kann schon sein. Aber mir scheint, Sie haben'? darauf abgesehen. Unruhe zu stiften. Ihre Frau ist wütend auf mich und redet allerhand herum. Ich will aber keinen Zank mit meinen Nachbarn haben. Das müssen Sie einsehen." Ieronymo zuckte di« Achseln. „Annes Ding, sie ist ein guter Kerl, aber ich—" fing p.r an. „Mund gehalten. Sie Bösewicht Trinken Sie Ihren Kaffee und reden Sie nichts Schlechtes weiter. Da? ist das Laster der Portugiesen— die Leute heruntermachen." Der Steinbrecher grinste, während er den köstlich duften- de« Kaffee in kleinen Schlucken tranT „Oh. ich spreche doch nicht schlecht von ihr ich sage nur. daß ich nicht viel an ihr find«, was mir gefällt" Und er saugte an seinem tropfenden Schnurrbart „Sie sind genau so roh wie olle anderen. Die Frau, die einem Mann oertraut, ist verrückt. Ich will ganz bestimmt nichts mehr von Männern wissen. Mit dem anderen Hab' ich schon Schluß gemacht" Ein Zittern ging durch des«.lembrechera Körper. ..Mit was für einem anderen, mit Firma?" tftita bereute, was sie gesagt hatte und stng an zu stammeln: „Absolut wertloses Subjekt, ich will nichts mehr von ihm hören." „Kommt er denn nicht mehr her?" erkundigte sich der Portugiese eifrig. „Der? Na. das würde ich ihm nicht raten. Ich würde ihm nicht di« Tür aufmachen. Wenn ich mit jemand gebrochen habe, dann bleibt's auch dabet" ..Ist das wahr. Rita?" „Was? Daß ich nichts mehr von ihm wissen will? Das ist allerdings wahr. Nie wieder werde ich auf so einen her- einfallen!" ..Was macht er denn?" „Weiß nicht: ist mir auch einerlei. Ich bin fertig mit ihm." „Aber haben Sie denn jemand anders?" . Ich jemand anders? Schwerlich! Ich Hab« keinen und ich will keinen. Für mich ist's mit Männern Schluß!" „Warum denn, Rita?" „Weil es sich nicht lohnt." „Aber wenn S'e«inen fänden— einen, der wirklich treu und aufrichtig ist—" „So einen gibt's ja nicht" „Aber ich kenn« einen, der Sie mehr liebt als alles auf der Welt" „Sagen Sie ihm. er solle nur ein« ander« lieben." Als sie neben ihm trat, um di« leere Tasse wegzuräumen, faßte er sie um die Taille. „Passen Sie mal auf— hören Sie mich doch an—* „Ach lassen Sie das doch. Ihre Frau könnte es sehen." „Ach kommen Sie doch näb-r." „Jetzt nicht" „Wann denn? „Etwas später." „Aber wo?" „Ich weiß nickt"„ „Aber ich muß doch mit Ihnen redqn. , Schön, aber nicht so— das macht«wen schlechten Ein- druck."' „Aber wo kö-men wir uns denn dann treffen?" „Ach. ich weiß—' Aber in diesem Augenblick erschien Piedade auf der Tür- schwelle, und R>ta wechselte den Ton, als setzt« sie ein ganz anderes Gesvräch fort .Kalle Bäder sind ausgezeichnet dafür. Sie Härten den Körper so gut ab." Die niedergeschlagene Ehefrau kam herein und teilte ihrem Mann« mit. daß Ze Carlos mit Pataca da fei und daß sie mll ihm sprechen wollten. ..Ach so. Ich weiß schon, wer das ist. Leben Sie wohl, Dona Rita. Ich danke Ihnen herzlich. Wenn wir irgend etwas für sie tun können, so wissen Sie ja. wo wir zu finden sind." Draußen warteten die beiden Männer auf ihn. und Ieronymo führte sie nach Hause, wo ihm Piedade Essen Ks- reitet hatte, und gab ihnen durch Zeichen zu verstehen, sie sollten über den Grund ihres Besuches nicht sprechest. Dann schlang er sem Essen herunter und forderte sie auf.«in Stück mit ihm zu gehen. Auf der Straß« wandt« er sich um und fragte: „Wo können wir ungestört sprechen?" Pataca schlug die Taverna von Manoel Pepe gegeyüber vom Kirchhof vor. Ze Carlos war einverstanden und fügte hinzu, dort seien Hinterzimmer, die sich für vertrauliche Unter- Haltung eigneten. Also lenkten sie ihre Schrille dorthin und keiner sprach zunächst ein Wort „Und du willst immer noch tun. was wir besprochen haben?" erkundigte sich der«ine von den bcid-n. „Mehr denn je", erwiderte der Steinbrecher. „Wie willst du'» denn anllell-n?" fragt» der ander«. „Ich weiß noch nicht Zu allererst müssen wir heran?- bekommen, wo der verdammte Schurke nachts immer steckt." ..Ach. das ist leicht bei Gnarntze". fiel Pataca ein. „Guarnize?" ..Die Taverna an der Ecke der Rua Passagen— di« mit dem Habn überm Eingang. „Ach so. der netten Apotheke gegenüber?" „Ganz recht Da gebt er jeden Abend hin.— Ich hob' ihn auch gestern da getroffen. Er machte viel Radau—" „Säuft wobl, wie?" „Wie ein Faß. Und er war wütend über etwas, was Rita Babiana getan balle und was ihm nicht paßte." Jetzt standen sie vor der Taverna, traten«in und saßen bald auf leeren Seifenkisten um«inen Ficktenholztisch im Hinter- zimmer. Sie bestellten Paraty mit Zucker. „Wo treffen sie sich jetzt immer?" fragte Ieronymo ganz sgMich. als ob ibn die Sacke nicht fouderlich interessierte. „Noch immer in Sao Romao?" „Er in Sao Romao? Wo denfft du hin? Ausgeschlossen Cr Ist doch jetzt Rädelsführer bei den Katzenköpfen?" (Fortjetzung folgt) Eine Hundegeschichte. Herrn Kuhlmeys Erzählungen. Bor den Schöffengericht Berlin- Mitte hatte sich der Redakteur einer Anzahl von Bauernblättern, Friz Kuhl. mey, wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Hinden. burg und des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun zu verantworten. Kuhlmen hatte in einem Artikel Jagdhunde, Braun und Hindenburg" unter anderem geschrieben: Braun ist eifriger Jäger und Hindenburg sein Partner. Damit die hohen Herren ihrem Privatvergnügen nachgehen können, wird auf dem Gute Trafehnen eine Meute Hunde gehalten, die von zwei Beamten versorgt und mit Pferden gefüttert werden, ganz wie in der Borkriegszeit unter Wilhelm. Das war am 1. Januar 1929. Am 21. September 1928 hatte die sozialdemokratische Fraktion des Landtages an die Staatsregierung eine Kleine Anfrage gerichtet, in der es u. a. hieß, daß wie in monarchistischen Zeiten in Trakehnen eine Meute Hunde zwecks Hubertusjagden gehalten werde. Sie würden mit brauchbaren Pferden gefüttert. Ja, selbst ein bloß blasenkranker Ochse sei ihnen geopfert worden. Diefen Uebergriffen müsse schnell ein Ende bereitet werden. Das Staatsministerium ließ durch den Landstallmeister Feststellungen treffen, und es ergab sich, daß die sozialdemokratische Frattion von In ihrem Gewährsmann falsch informiert worden war. Birtlichkeit handelte es sich nur um 20 Hunde, die in üblicher Beise gefüttert wurden und mir gelegentlich Fleisch von Pferden erhielten, die ohnehin geschlachtet werden mußten. Die Hunde wurden lediglich gebraucht, un die Pferde zu Barforcejagden abzu. richten. Dant dieser Hunde fonnten abgerichtete Pferde zum boppelten Preise verkauft werden, so daß der Staat dadurch etwa 100 000 Mart jährlich profitierte. Die anfragende Frattion gab fidh mit dieser Erklärung zufrieden. Herr Kuhlmen hatte aber Otto Braun und Hindenburg. Die nie an Pferdejagden teilnahmen, als hohe Herren" hingestellt, zu deren Brivatvergnügen" bie teuren Hunde gehalten würden und diese Behauptung mit Gloffen versehen, die nur die Absicht hatten, die beiden Staatsmänner in den Augen der Kleinbauern herabzusehen. Der Staats anwalt beantragte eine Geldstrafe in Höhe von 300 M., das Gericht perurteilte den Angeklagten zur Zahlung von 200 m. Die Polizei bessert sich! Jnnenetat und Polizeifragen im Landtag. Der Breußische Landtag fette am Mittwoch die Beratung des Innenetats fort. Abg. Klein( Dnat.) führte Beschwerde darüber, daß die paría mentarische Immunität sich nicht mehr auf die Kleinen Anfragen erstrecke. Ein nationaler" Redakteur, der eine Kleine Anfrage aus dem Landtag abgedruckt habe, sei auf Antrag des Ministerpräsidenten zu 200 Mart Geldstrafe verurteilt worden.( Sehr gut! linfs.) Die Zahl der deutschnationalen Landrate in Preußen betrage nicht achtzig, wie Abgeordneter Bubert behauptet hätte, sondern sechs. 3m Hauptausschuß habe der Innenminister den Kampf mit geistigen Waffen gepredigt: Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren... Stahlhelmer ziehen es vor, ehrliche und anständige Barbaren zu Ein Kommunist ruft: Verlier' bleiben.( Große Heiterfeit links. deinen Nachttopf nicht aus dem Knopfloch! Unruhe rechts.) Das Berbot des Etahlheims in Rheinland und Westfalen, begründet mit dem Bersailler Bertrag, beweise, daß die Republic in Deutschland nur auf den Bajonetten des Feindbundes ruhe.( Beifall rechts, Unruhe links.) Wir Abg. Lademann( Konum.) preist im Gegensatz zu den deutschen Berhältnissen das freie Wahlrecht und die freie Selbstverwaltung in Sowjetrußland. Abg. Dr. Grzimet( Dem.): Die Festigkeit der preußischen Regie rung in der preußischen Personalpolitik hat das Reich durch die schwersten Jahre gerettet. Wir halten an dieser Personalpolitik fest und wünschen, daß sie sich weiter von dem Ton der Schneidigkeit fernhalt, der neuerdings bei einzelnen Beamten beliebt zu werden fcheint. Abg. Leonhard( Wirtschaftspartei) bespricht gleich dem Bor rebner ausführlich die Not des Dftens. Staatssekretär Dr. Abegg gibt zwei Erlaffe bekannt, die das Demonstrationsverbot für den Tag der Ebert- Gedenkfeier und den Gefallenensonntag einschränken. In Rahmen der verfüge baren Mittel te die Regierung für die Grenzgebiete alles Er denkliche. Abg. Dr. von Kries( Dnat.) erörtert den innerstaatlichen Lastenausgleich. Das Zentrum habe ich beklagt, daß die Deutschnationalen in Hindenburg und Oppeln sozialdemokratische Oberbürgermeister gegen Zentrumskandidaten gewählt hätten. Aber das Zentrum habe in Oberschlesien alle berechtigten Wünsche der Deutschnationalen ignoriert. Eine Zusammenarbeit zwischen Deutschnationalen und Zentrum auf tommunalpolitischem Gebiet fönne nur auf voller Die Schreckensnacht im Eisenbahnzug. Gegenseitigkeit beruhen.( hört, hört! im Zentrum; Bravo! rechts.) Damit schließt die allgemeine Tebatte. Es folgt der Polizei Abg. Mardwald( Soz.): Gühne für einen Raubüberfall. Frankfurt a. d. O., 26. Februar. Der aufsehenerregende Raubüberfall, den der 25jährige ehemalige Arbeiter Saffe gemeinsam mit dem Dachdecker Mag Nischte aus Halbe auf den Berliner Versicherungsdirektor Walter Heymann aus Charlottenburg in der Nacht vom 22. zum 23. november verübt hat, fand gestern vor dem Erweiterten Schöffengericht Frankfurt a. d. O. unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Wrede seine gerichtliche Sühne. etat. Im leßten Jahr sind die Beziehungen des Ministeriums zu den Bolizeibeamtenverbänden sehr günstig geworden. Wir sind dafür dem Minister und seinen Räten dankbar.( Sehr gut! bei den Soz.) Auch sonst ist eine Anzahl unserer Wünsche erfüllt worden. Ziel bewußte, auf Solidarität mit den Polizeibeamten beruhende Arbeit ist eben erfolgreicher als noch so schöne Agitationsreden, die mit dem Hintergedanken des Haffes gegen die angeblichen Schüßlinge verknüpft sind. Die Kommunisten suchen an den Forderungen für die Schußpolizeibeamten alle anderen Barteien zu übertreffen. Aber die Rote Fahne" vom 15. November hat offen erklärt, selbst wenn Polizeibeamte für die Kommunistische Partei ftimmten und zahlten, würden sie von den kommunisten glühend gehaßt.( Hört, hört! bei ben Goz.) Diesen Sa B." o hieß es in dem Artifel, meden und schüren wir mit allen Kräften."( Bewegung.) Damit dürfte die tommunistische Agitation für die Schuppolizeibeamten ein für allemal erledigt fein.( Sehr wahrt bei den Soz.) Versammlung der Abteilungsmietervertreter sowie aller sonst im Miet- u. Wohnungswesen tätigen Partelgenossen am Freitag, dem 28. Februar 1930, abends 7% Uhr, im Saal I des Gewerkschatishauses, Engelufer 24. Tagesordnung: 1. Die mieterpolitische Lare( Verlängerung der Mieterschutzgesetze; das soziale Mietrecht, Wohnungspflege usw.) Referent: Genosse Ernst Ruben 2. Geschäftsbericht und Neuwahlen 3. Verschiedenes. Der Bezirksmieterausschuß der SPD. 6000 LA. Raben, SW11, Hafenplatz 5. Der Eisenbahnraub hatte durch die Dreiftigkeit und Salt blütigkeit, mit der er ausgeführt wurde, großes Auffe ben erregt. Heymann, der allein in einem Abteil 2. Klasse schlief, wurde nachts gegen 2 Uhr dadurch mach, daß während der Fahrt die Tür feines Abteils geöffnet murde. Als er erschreckt und schlaftrunten auf fprang, fagten zwei Burschen zu ihm Mund halten, es ift die Sugfontrolle. Die beiden Angeflagten hatten mährend der vollen Fahrt ihre Abteile verlassen und waren an dem Zug entlang auf den Trittbrettern in den Wagen 2. Klasse geklettert. Während Sasse die Abteiltür aufriß und sich auf das Gepäck stürzte, blieb Nischke in der geöffneten Tür stehen. Als Saffe Direffor Heymann mit einer Pistole bedrohte und dieser Hilfe rufend in das Nebenabteil llef. zogen die Läter die Notbremje, rafften an Gepad zufammen, was fie faffen tonnten, sprangen aus dem Zug und versteckten sich im Wald. Andere Reisende, die durch das plögliche Halten des Buges auf freier Strecke erwachten, wurden auf die fliehenden Täter qufmertjam. Sie fonnten eine so deutliche Beschreibung der Täter geben, daß diese schon nach zwei Tagen feftgenommen werden Ponten, um so mehr, als sie im Verdacht standen, zwei Raubüber. fälle auf alleinreifende Mädchen verübt zu haben. Zur geftrigen Berhandlung hielt der Berteidiger dem Zeugen Heymann vor, daß machen. Auch unter der Beamtenfchaft wurde eifrig agitiert. Die Zahl der Parteimitglieder stieg in zwei Jahren um er in der Schlaftrunkenheit die erhobene Hand wahrscheinlich für 50 Broz Mit großem Beifall wurde die Mitteilung aufgenom eine Pistole gehalten habe, da bei den Angeklagten feine Waffe gemen, daß die Berliner Parteiorganisation die Sammlung für funden worden sei. Obwohl der Zeuge diese Möglichkeit zugab, ein otopfer für arbeitslose Barteimitglieder hielt der Oberstaatsanwalt die Anflage wegen schweren Diebstahls| beschlossen hat. Auch die Frauen und befonders die Jugendarbeit mit Baffenbefiz aufrecht und beantragte ein Jahr bzm. 9 Monate war jahr erfolgreich. Der Bericht des Staffierers Grunom zeigte, Gefängnis. Die Berteidigung beantragte Bestrafung nur wegen daß das legte Jahr die Kaffen start beansprucht hat. Der Kreiseinfachen Diebstahls und Anrechnung der vollen Untersuchungshaft.norstand murde einstimmig wiedergemähli, und zwar zum 1. Bor Das Gericht schloß sich diesen Anträgen an und verurteilte Saffe igenden Steinhöfel, zum 2. Borfizenden Hahn, zu Saj zu 6 Monaten und Nischte zu 4 Monaten Gefängnis fierern Grunow und Bape und zu Schriftführern Fischbach unter Anrechnung von je 3 Monaten Untersuchungshaft. Begen und Bumert. her Bewährungsfrist für Nischte soll nach Anstellung von Ermittlungen entschieden merben. Mörder seiner Stiefmutter? Eine graufige Bluttat im alten Dresdner Schloß Dresden, 26. Februar.( Elgenbericht.) Am Mittwoch vormittag wurde auf dem Korridor einer Wohnung im ehemaligen föniglichen Schloß die 46 Jahre alte Wertmeistersehefrau Martha Höhnel in einer Blutlache aufgefunden. Die Schwerverlehte, die durch die linke Wange in den Kopf geschoisen worden war, ist auf dem Transport ins Krankenhaus verstorben. Der Tat verdächtig ist der 21 Jahre alte, inzwischen der. haftete Stiefsohn der Ermordeten, ein bisher in einem Dresdner Geschäft als Laufbursche beschäftigter Rudolf Harter. Harter hat mit seiner Stiefmutter wiederholt Differenzen gehabt, in deren Berlauf er thr mit Tätlichkeiten drohte. In legter Zeit spizten sich die Streitigkeiten dadurch zu, daß Frau Höhnel brohte, ihren Stiefsohn megen Inredlichkeiten der Polizei zu melden. Harter hat die Tat bisher geleugnet. Er hat sich jedoch bereits in widersprüche verwickelt. Seinem Arbeitgeber ist aufgefallen, daß er sich am Mittwoch bei den Besorgungen um % Stunde verspätete. Harter will in dieser Zeit einen Brief geschrieben haben. Den Empfänger hat er jedoch noch nicht genannt. Darteiaufstieg in Wilmersdorf. In der Jahresversammlung des Kreises Wilmersdorf, bie am Dienstag im Bictoriagarten tagte, gab der Kreisvorsitzende Steinhöfel den Bericht des Borstandes. Das Jahr 1929 mar für die Partei ein Rampflahr. Gin schmerer Wahlkampf und die Maffenarbeitslosigkeit haben die Partei zu erhöhter Affipität ge zwungen. Im Kreife wurden in regelmäßigen Abständen Bere fammlungen abgehalten, nur bie Mitgliedschaft und die sozialbemo fratischen Bähler mit den politifchen Tagesfragen vertraut zu Byrds glückliche Heimfehr. Oslo, 26, Februar. Die Byrd Sübpolaregpedition hat, wie durch Ber mittlung einer norwegischen Baffangreederei hierher gemeldet wird, Die äußerste Bone des Padeisgürtels glüdlich überschreiten tönnen. Wie bekannt, hegte man Befürchtungen, daß dem Expeditionsschy ff " Nem Dort" infolge der ungünstigen Eisverhältnisse die rechtzeuige Rüdtehr aus der Padeiszone nicht gelingen fönnte. Berlins Wahlfoffen: Eine halbe Million! Der Magiftrat hat in feiner legten Sigung die für die Durch führung der Stadtverordneten- und Bezirksverordnetenwahlen über den Haushaltsbetrag entstandenen Roften bis zur Höhe von 195 000 Mart aus gemeinsamen Vorbehaltsmitteln bewilligt. Da in dem Haushaltsplan für die Stadtverordneten und Bezirksvers ordnetenwahlen bereits ein Betrag von 300 000 Mart eingesetzt war, stellen sich also die gesamten Kosten dieser Wahlen auf annähernd eine halbe Million Mart. In der gleichen Sigung genehmigte der Magistrat die Ausgabe eines Betrages in höhe von 274 440 Mart, der für die Durchführung des Hugenberg- Boltsentscheides erforderlich war. Die Kosten für diese Abstimmung müffen zunächst im Wege der Haushaltsüberschreitung aus dem Kapitel ,, Wahlen" des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1929 bemilligt werden. Nach§ 42 des Reichswahlgesetzes und den entsprechenden Bestimmungen des§ 44 des Gesetzes über den Bolfsentscheid ist das Reich verpflichtet. den Gemeinden ungefähr vier Fünftel der Kosten einer solchen Abstimmung zu erfegen Republikanischer Mastenball. Das Reichsbanner BerlinStreuzberg veranstaltet am 8. März in der großen Funthalle einen großen Mastenball. Die Tanzmusit stellt Otto Kermbach, befondere Darbietungen find vorgefehen. Starten find zum volts. tümlichen Breile von 1 Mart im Vorverkauf in der Gaugeschäftsftelle( Sebaftianstraße 37); in ben mit Blataten versehenen Sofalen Kommunisten und Nationalsozialisten erflären die Bewilligung des Polizeietats für volfs- und arbeiterfeindlich. Aber die Kom munisten haben, entrüstet appelliert, warum der Düsseldorfer Mörder nicht entdeckt worden set. Wie man Berbrecher ohne Bolizei fangen fall, ist das Geheimnis der Kommunisten.( Seiterfeit und Sehr gut! links.) Die Feindschaft gegen den Polizeietat beweist also nur die Absicht dieser Parteien, die Staatsordnung mit Gewalt zu stürzen. Auch die Gewalt hat im Staatsleben ihr Recht, menn sie dazu dient, d dem Willen der Boltsmehrheit Gelfung zu verschaffen. Selbst wenn irregeleitete Menschen eine Minderheit mit Gewalt zur Macht bringen wollten, fönnte ich noch immer Verständnis für den tragischen Konflikt haben. Was aber Kommunisten und Nationalfozialisten im letzten Jahre verübt haben, war tein Kampf um die Macht. war überhaupt nicht politisch, fordern war ge meines Banditentum.( Stürmischer Beifall bei den Soz.) Wenn Nationalsozialisten und Kommunisten fich gegenseitig überfallen, auf beiden Seiten irregeleitete Arbeiter, dann müssen wir aus Menschlichkeit für beide Gruppen Schuß der Polizei fordern. Kommunisten und Nationalsozialisten haben aber auch Reichsbannerfameraden und sozialdemokratische Arbeiter überfallen, verlegt, jogar getötet. Wollen die Kommunisten behaupten, daß das Klassenfampi fei? Man tönnte allenfalls als höchst rückständige Form des Klassentampfes ansehen, werm sie mit ihren Mordwaffen über Kapitalisten herfielen. Aber Kapitalisten greifen kie niemals an, stets nur Arbeiter. Die Zeit der graufigen Ministermorde durch die Rechtsputschisten ist vorbet. Aber die Zeit der graufigen Arbeitermorde durch die Lintsputschiften, die Zeit der Morde von Arbeitern an Arbeitern, bat begonnen. Diese mörderischen Ueberfälle ber Kommunisten auf fozialdemokratische Arbeiter haben mit Politit nicht das geringste mehr zu tun; sie sind einfach gemeine Ber brechen, und schon zur Abwehr dieser Berbrecher ist die Polizei eine Notwendigkeit.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Der Redner bespricht dann eine Fülle vereinzelter Mißstände. Bolizeikommissar Rusch in Salzwede hat einen Mussolini- Marsch tomponiert und ihn in tiefster Ehrfurcht seinem großen MussoliniBorbild gewidmet. Ein Berliner Polizeihauptmann hat sich zur Abstimmung für das Hugenbergiche Boltsbegehren in Uniform be geben. Ein Berliner Reviervorsteher hat den Schuhpolizeibeamten gebroht, wenn sie zu wenig Anzeigen brächten, sie von der lebenslänglichen Anstellung auszuschließen. Die Anrede der Borgesetzten in der dritten Person ist zwar in Kiel und Danzig untersagt, sonst aber noch vielfach im Schwunge. Das Achtungrufen in den Unterfünften ist noch immer nicht abgeschafft. Die sogenannten Fahnen junter" werden noch immer viel zu rasch befördert. Uebermäßige Abkommandierungen mindern die Schlagkraft der Polizei. Das Cheverbot wird zu rigoros durchgeführt: ein Polizeibeamter, der feine schwangere Braut nicht im Stich laffen wollte, sondern sie unter Verschweigung seiner Eigenschaft als Polizeibeamter geheiratet hat, ist nicht nur entlassen, sondern auch bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. In der Befreiung, älterer Beamter von förperlichen und Waffenübungen ist man noch immer zu ängstlich. Gebefiert hat sich im letzten Jahr der Ererzierdienst. Namentlich auf den Polizeischulen in Brandenburg und Hann- Münden ist der alte Drill ausgezeichnet überwunden worden. Wir werden weiter vorwärtstreiben auf dem Wege zur wahren Wolfspolizei.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Die Wetterbreatung wird auf Donnerstag mittag 12 hr pertigt. und bei den Funktionären zu erhalten. Der Borverkauf wird am 4. März geschlossen. Der Reinertrag ist zur Unter tügung der Kameraden bestimmt, die im Dienst der Republik Schaden erlitten haben. Die„ Lichtburg am Bahnhof Gesundbrunnen, bas große neuzeitliche Boltstino im Berliner Norden, bringt in bem neuen Barietéteil einige nette Nummern, menngleich das Gesamtniveau auch noch start porstadtmäßig anmutet. 3u erwähnen ift die Price Truppe, vier italienische Clowns, die überaus luftige Situationen schaffen. Viel belacht wird Lotte Wert. meister und reichen Beifall spendet das sehr dankbare Publikum der Jazztapelle Eric Borchardts. Brachtvolle zenische Möglichfeilen bietet die riesengroße Bühne, die durch Berwendung farben. zelnen Darbietungen abgibt. Im Filmteit läuft zur Zeit der prächtiger. Borhänge stets einen geschmackvollen Rahmen für die einEllen Richte: Film„ Die Frau ohne Nerven. Anfangs ein wenig langweilend, padt der Abenteuerfilm zum Schluß durch span wenig langweilend, padt der Abenteuerfilm zum Schluß durch span nende Handlung und gutes Spiel Ebert- Gedächtnisfeier. Der Kreis Often des Reichsbanners Shwatz- Rot Gold veranstaltet am Sonntag, dem 2. März dieses Jahres, 10 Uhr, im Saalbau Friedrichshain eine EbertGedächtnisfeier. Es wirten mit: das Streichorchester des Ortsvereins Friedrichshain und der Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Die Gedächtnisrede hält der Bauvorsigende, Minister. präsident a. D. Stelling. Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 27. Februar, 19% Uhr, um Gesangsfaal ber, Sophienschule, Weinmeifterstraße 16/17, Uebungsstunde. Bestimmtes Erscheinen megen einer Mitwirkung am Sonntag, dem 2. März, notwendig. Genoffe Hermann Mävlen, Berlin SD 33, Bücklerstraße 18, beging gestern feinen 75. Geburtstag. Wir wünschen bem lang. lährigen Genossen und Leser unseres Blattes bas Beste. Leider find dem Jubilar vor einigen Jahren beide Beine amputiert worden. SAJ Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin Finfendungen für blese Rubri? nur an bas Jugendfcfretariat Berlin SW68, Cinbenftraße 3 Mäbelturfus heute Tester Tag. Beginn 19% Uhr in der Schule Roch ftraße 13. Räthe Fröhbrobt spricht über„ Gemeinschaftserziehung". Die Burschen sind besonders eingeladen. Jebe Gruppe muß unbedingt durch ein Mädel vertreten fein. Achtung, Abteilungsletter! Die im Tekten Rundschreiben ange finbigte zentrale Werbefeier findet nicht am 6., sondern erst am 13. April ftatt. Der Tag ift freizuhalten. Heuie, Donnerstag, 19% Uhr: Oranienburger Tor: Heim Elifabethkirchfit. 19: Beruf und Freizeit. Falfplak I: Edule Connenburger Str. 20: Die Enim dlung des Flugwefens". Faltplag II: Funktionärsigung beim Genoffen Marogle, Connenburger Straße 5. Nordosten II: Seim Danziger Str. 62, Barade 8: Arheiter dichtung". Schöntaufer Vorstadt: Schule Connenburger Str. 20:„ Die Stellung der Jugendlichen im Betrieb". Rottbusser Kor: Hem Briger ' take 80: Bölterbund. Internationales Schiedsgericht und Weltbank" Schöne Cüdwest: fem Lindenstr. 4: Der Ursprung des Christentums". berg III: Seim Bauptstr. 13: Entstehung der Internationale". Wilmers borf, R..: Seim Wilhelmsaue 123: Corales Bandern". Dahlem: Seim Rehlendorf, Bahnhofstr. 8: Ceaialismus ufm.", 2. Seil. Rentillu 1: Treffpuntt zum Besuch der Berfammlung 19 Uhr Teuterplag. Reutilla XI: Steffpunkt zum Besuch der Bersammlung 19 Uhr Geldhomer Straße. Ropenider Bieriel: Seim Wrangelfir. 128: Arbeiterbewegungen in Dresden. Werbebezirt Schöneberg: 20 Uhr im Seim Friedenau, Offenbacher Str. 5a, Munti onartonferens. Shema: unt ionärfchule". Referent Ludwia Dieberich Berbebesirt Fenten: 19% Uhr Seim Ranner Straße: funktionärber fanlung. Shema: Stellungnahme sur Generalversammlung Sebe Gruppe 19% bis 21. muß vallaählig erscheinen.- Bidjereieröffnung im Seim Flughafenite. 65 Allgemeine Wetterlage. 26.Febr. 1930, abds. 23 34 750 755 760 760 760 12. O Madrid 750 0 0 3 Fored 770 760 770 Leringe Owolkenlos, heiter. halb bedeckt wolkig, bedeckt Regen, Graupaln Schnee, Nebel, Gewittec Windstille Das europäische Hochdrudgebiet verlagert sich miter nach Osten. Gs bestimmt aber noch das Better im größten Teile von Deutsch land. Weftlich von Frankreich liegt eine Depression, die sich lang Jam nach Osten verlagert. Die füblichen Winde auf ihrer Border. ie lassen die Temperaturen ansteigen. In Westbeutfd land wurden am Mittwoch mittag 10 Grad im Schatten überschritten, während in Ostpreußen die Temperaturen bei südöstlichen Winden nicht auf ben Gefrierpunft stiegen. Ein Regengebiet befindet sich jetzt über Ditfrankreich. Es wird vermutlich langsam nach Often wande.n. Damit hätten wir auch in unserem Bezirk mit einer Unterbrechung des schönen Wetters zu rechnen. ㄓ Wetteraussichten für Berlin: Ziemlich heiter, am Tage mild, fübliche Winde. Für Deutschland: Im Besten start mollig, viel. ach leichte Regenfälle, mild. Auch im mittleren Teil des Rechs zunehmende Bemöltung bei ansteigenden Temperaturen; im Often beiter mit Nachtfrösten. Parteinachrichten Sinfeabungen für diese Rubrik find Berlin 623 68, Sinbenitraße 3. für Groß- Berlin ftets en bas Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten 17. Leretbentergestoffen, insbefenbese bie e re Verfügung ge ftellten Wahlbelfez, treffen fio 19% Uhr bei Schreiber, Stiftitt. 63. Barteibuch legitimiert. Rentölln. 93. bt. 19% Uhr bei Rönia, Böhmische Str. 43-44, Bersammlung aller SBD Genoffen der Ronfumpertaufsstelle Marefchstraße. Erscheinen wird bestimmt erwartet. 95. Abt. 18% Uhr treffen fich alle Genossen aur Einäscherung des Genoffen Karl Beidner vor dem Krematorium Baumschulenweg. 71. Abt. Wilmersdorf. Sonnabenb, 1. März, um 20 Uhr, bei San, Silbe garbitr. 14, gemütliches Beisammensein. Vorträge und Tanz. Alle Mit alieber erscheinen. 24. Abt. Frauenveranstaltungen. Es wird sochmals auf die heute, Donnerstag, 27. Februat, flatt. finber be Filmvorführung Die Bunder Afiens" im Bezirksamtsiaal, Danziger Str. 64, aufmertiam gemacht.. Rarten find an der Abendtaffe su baten. Anfang 19% Uhr. 74. Abt. Rehlendorf. Conraberb, 1. März. 20 Uhr, im Neinen Gaal bes Solols Zindenpart, Bunter Abend. Gäste finb willkommen. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 1. Reels Mitte. Freitag, 28. Februar, 19% Uhr vünktlich, im Sadefchen Sof, Rosenthaler Str. 40-41, firbet eine Berfamminna aller in ber Wohlfahrtspflege tätigen Genossen( innen) statt. Genoffin Kurgaß fprit über „ Grundläge unb Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt". Jutereffierte Genoffen unb Genoffinnen find eingelaben. 7. Areis Charlottenburg. Freitag, 28. februar, 19% be, im Rathaus, Rimmer 140, Aftenbesprechung. 101. Abt. Donnerstag, 27. februar, 19% Uhr, Rufammenkunft der Wohl fahrtspfleger( innen) in der Borwärts- Spedition Graesstraße. Referat des Genoffen Stadtrat Rißner. Alle intereffierten Genoffen und Genoffinnen find beralich eingeladen. Jungjozialisten. Gruppe Friedrichshain: Sente pünktlich 20 Uhr im Jugendheim Frant. furter lee 307( 2öns- Zimmer) Vortrag:„ Erlebnisse unterm Gozialistengefeß". Referent Genoffe Wilhelm Bod, Gotha. Genossen der GAJ. find herzlich willkommen. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Rzeife Arensbera, Tempelhof, Wannsee and Rofen. Der Selferturfus mus biefen Donnerstag wegen Berhinderung des Rurfusleiters ausfallen. Wir treffen uns alfo Donnerstag, 13. März sum Rurfus im Jugendheim Bord ftraße 11. Beginn pünktlich 20% Uhr. Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation g 54. Abt. Charlottenburg. Stad Tangent fchweren Zeiben verstarb unfer Tieber Genoffe Bilbe Im Engel, Mommfenftr. 19, im 37. Lebensjahre. Ehre feinem Andenten! Beerdiquna heute, Tonnerstag, 27. Februar, 15% Uhr. auf dem Weiedhof Etahnsdorf- Eübwcft. Treffpuntt 14% Uhr Bahnhof Char. lottenburg. Biz bitten um rege Beteiligung. 95. Abt. Reutrin. Unfer lieber Geroffe Rat! Beibnet ift am 24. febrnat verftorben. Ehre feinem Andenken! Ginascherung am Freitag, 28. Webzuar, 19 Uht, im Arematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. Garrafent- Starten wiebez zu allen Borstellungen erhältlich! Die Direktion Garrafani macht darauf aufmerksam, daß jest wieder Karten zu allen Vorftellungstagen und au allen Breifen erhältlich find. Dennoch wird an empfohlen, die Karten im Vorverkauf au beftellen, da nicht dafür garantiert werden tann, daß an der Abendtaffe noch Rarten in allen Preislagen vor. rätig sind. Es fteben fekt vier Telephonanfchlüffe für Kartenbestellungen aut Berfügung: Baerwald 4335/36, 0800, 0950. Beiter find Karten an den Theater faffen bei Bertheim erhältlich. Das fenfationelle Bremierenprogramm wird nur noch turae. Reit gezeigt. Der Winterbau ist stets gut geheizt. Aussteigen U- Bahnhof Flughafen. Täglich 19% Uhr Vorstellung. Gewinnauszug 5. Klaffe 34. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich bohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 16. Biebungstag 26. Februar 1930 In der heutigen Vormittagsziebung wurden Gewinne über 150 m. gezogen 2 Gewinne u 5000. 4464 2 Bewinne en 3000 R. 349124 20 Gewinne zu 2000 m. 11020 60957 77879 79041 103780 119794 175505 206336 300172 361944 40@ewinne au 1000 n. 6310 16928 18573 70319 89480 109784 180907 205556 206842 209376 225819 234267 241858 272565 283865 295604 297526 317331 326146 377840 84 Gewinne au 500 Q. 17280 24125 28200 30557 58070 64655 74365 78907 65969 92137 92873 101334 103733 115398 120287 136430 147680 153430 153955 169407 177027 185813 202031 213015 217799 219496 238226 245514 263466 265529 271883 292511 305040 305062 307349 321243 333694 334338 339718 366857 372265 392260 In der heutigen Nachmittagsziebung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Getiune ga 25000. 303909 4 Gewinne au 5000. 199730 319598 6 Gewinne zu 3000. 196352 353372 377116 10 Gewinne zu 2000 m. 6840 23354 130476 269116 279735 36 Gewinne zu 1000. 12794 31914 88847 103918 122758 130471 132092 188623 198897 242230 250207 263162 266381 267596 292052 317804 323320 371596 56 Gewinne zu 500. 5973 9729 28495 30496 68010 69369 87551 89921 100394 135957 138609 205552 226154 245000 247620 249663 271144 273645 291046 309310 312519 314772 319212 329177 363396 364207 388108 397996 Jm Gewinnrabe verblieben: 2 Brämien zu je 500000, 2 Gewinne zu te 500000, 2 zu je 75000, 2 zu je 50000, 2.3 je 25000, 44 zu je 10000, 76 zu je 5000, 234 zu je 3000, 862 ju je 2000, 982 zu je 1000, 2006 zu je 500, 5388 au re 300 M Was sagt der Bär? KON LINON & Szeis Brenzlauer Berg Dienstag, 4. März, um 19 Uhr pünktlich, Freisvertreterverfammlung in den Kafins- Feitfälen, Bappel. allee 15. Ohne Delegiertentarte und Mitaliebsbum ber Partei lein Rutzitt, Gäfte nur unter Borzeigung bes Barteimitgfiebsbutes Die Abteilungsleiter sein. Bertreter setben. erfut, hente, Donnerstag, 27. Februar, um 21 Uhr an einer furgen Besprechung au Klug, Danziger Ctraße 71, au tommen. Eventuelt Borschläge mitbringen. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Freie Schulgemeinde: Mitgliederversammlung Donnerstag, 27. februar, 19% Uhr. Gaule Danziger Str. 23. Borttag bes Genoffen Büttner über Individualofnchologie in der Erziehung". Ausfprache. Balbuzfahrt. Bezimiebenes, 3. Areis Friebrichshain. Streishilbungsausfent: Arbeitsfikung am Sonn abenb, 1. Mära, pünktlich 20 Uhr, im fofal von Azugmann, Memeler Straße 63. Tagesordnung: Kurze Referate, unferer 2rorer an der Wt. beiter Bilbungsschule, Genoffen Maner und Schlefinger. Neuwahl bes Obmanns. Berichte. 6. Rreis Reengbeza. zetten, 28. Februar, Sumoristischer benh im Dephenm, Safenheibe 32. Mitwirtenbe: Tanzgruppe Serta Feist, Grete Friebrichs- Gärtner( Gefang), Rolf Gärtner( Rezitation). Beginn 20 Uhr Rarten an 50 Bt. an her Abenblaffe fowie bei allen unt tionären bez Bartei. 13. Areis Sempelhof. Die Genoffinnen und Genoffen werden bringend ge been, ben ufruf der Partei an den Säulen aur beachten und Boritbet achenbe und Bekannte darauf aufmertfant au maden. 20. Rzeis Reirider bort. Am Freitag, 28. Febrraz, 20 Uhr, tritt ber men gemählte Areisvorstand mit bez bteilungsleitern an einer außerordent lidhen Gigung zufammen. Heute, Donnerstag, 27. Jebruar. 11. 9. 19% hr bei Berger, Levesowftraße, Funktionärsigung. Auch Bie Freidenfergenoffen müffen erscheinen. 44. ht. Ein rittstarten flir ben Sumoristischen Abend müffen am Freitag 28. februar, im Orpheum, Safenheide, beim Genoffen Eichberg abgerechnet werben. Morgen, Freitag, 28. Februar. & 6. 19% 2hr im Safenthaler Sof, Pofenthaler Str. 11-12, Mitglieber perfamathung. Filmporfilbrung: Unfer Ronium". Funkwinket In seinem Vorirag„ Das deutsche Buch in den Bereinigten Staaten berührte Professor Eugen Schünemann das Problem der Auslandsdeutschen und die Geschichte ihrer Auswanderung. Er zeigt, daß heute noch die Gegenfäge volflicher, fultureller und religiöser Art zwischen den deutschen Ausgewanderten bestehen, auch bem fie bereits feit Generationen in Amerita leben. Das deutsche Buch ist das leẞte Band, das die Auswanderer mit der alten Heimat verbindet. Darum ist der Import deutscher Bücher gerade nach Amerita von größter Wichtigkeit. Pamela Wedekind singt acht Lieler ihres Baters Frank Wedekind zur Laute. Die Lieder sind der Sammlung Die vier Jahreszeiten" und dem Drama ,, König Ritolo" entnommen. Manches, wote ,, Galathea" oder„ Bajazzo" gefingt der Vortragenden gut. Im großen und ganzen jedoch bleibt ihr Bortrag zu monoton. Shaws Komödie ,, Der Arzt am Scheldeweg, die abends als Sendespiel in Szene geht, eignet fich ihrer ganzen Anlage nach für den Rundfunt. Hier bei Sham entscheidet der Dialog über die Wirkung. Die Menschen enthüllen in ihrer Rete völlig das Geficht. Beste und Haltung auf der Bühne unterstreichen höchstens die Worte und find also für das Verständnis Des Wertes überflüssig. Alfred Braun führt die Regie in dieser aeiftvollen und boshaften Komödie über die Irrungen und Wirrungen der Aerzte. Mui Sprechern und Gestaltern vom Rang eines Bilbt unb Graes tommt eine ausgezeichnete Aufführung zustande. Sehr fein werden die Stimmen voneinander abgehoben. Das ärztliche Gratulationsfonzilium im ersten Aft ist F. Sch in- bieler Beziehung ein Kabinetisſtüd. 1981 A eee ener An erster Stelle JOSETTI JUNO als größter deutscher Binnenhafen steht Berlin. Gewaltige Schiffsladungen an lebenswichtigen Dingen stellen den Verbrauch der Weltstadt sicher. Hierzu gehören auch köstliche Orienttabake, die zur Herstellung dienen von Josetti Juno Berlins meistgerauchter 48 Cigarette Arbeiterschaft und Aftienrecht. Das öffentliche Intereffe muß dem Aktionärsinteresse vorangehen. Seit Jahren wird der Ruf nach einer Reform des ftienrechts immer bringlicher. Die Snflation hatte das geltende Uttien, recht" zu einem Schattendasein verurteilt. Die Borzugsaftie mit mehr. fachem Stimmrecht hatte der sogenannten aftiendemokratie ber Todesstoß verjeßt. Nicht nur die Mitbestimmungsrechte, sondern aud Die permögensrechtliche Bleichberechtigung der Minderheitsaftionäs murde illusorisch. Den herrschenden Aktionärgruppen wurden ers mögensredytliche Vorteile auf Roften der Minderheitsat: iondre die Hände gespielt. Schließlich wurde bei der damaligen Bermirrung aller Bertbegriffe das. Snfien der Bilanzperfchi- ierung gur höchsten Bollkommenheit entwickelt. Uber an all diesen Mißständen hat sich seither nicht viel geändert. Der beispiellosen Borgänge bei ber Frankfurter Allgemeinen Allgemeinen Berficherungs. gesellschaft bildeten nur ein Glieb in einer langen Rette von Standalen, durch die die Deffentlichkeit in den legten Jahren immer wieder aufgerüttett und darauf aufmertfam gen acht wurde, wie ohnmächtig Gesetzgebung und Gerichtspragis der Willtürherrschaft der Berwaltungen der Aktiengesellschaften gegenüberstehen. Die Herausgabe eines umfangreichen Fragebogens an die interessierten Kreise durch das Reichsjustizminifterium ist das erste Pleine Schrittchen, das die Reichsregierung vor einiger Zeit gemacht hat. Damit ist die Frage der Aftienrechtsteform aber endlich ins Rollen gelommen, und es läßt sich heute schon feststellen, melche Stellung die einzelnen Interessengruppen einnehmen. Die mächtigste Interessengruppe im bürgerlic en Lager ist natürlich die der Rugnießer des jegt oeftehenden Zustandes, also tie Berwaltungsgruppen ber Aftiengesellschaften. die von der thnen liebgewordenen Gewohnheit der nadten Willtürherrschaft nicht Lassen möchten. Eehr charatteristisch für den innigen Zusammen hang zwifchen Industrie und Bankfapital ist die Tatsache, daß diese die Großindustrie beherrschenden Gruppen bei ihrem Biterstand gegen die Reform des Attienrechts bie Unterftügung der Großbanken finden. obzwar man doch meinen sollte, daß gerade die Banten an der Schaffung flarer und gesunder Ver hältnisse im Aktienwesen das größte Interesse hätten. Der Stand. punkt dieser Gruppe ist sehr einfach: Das Attienrecht hat sich grundsätzlich bewährt. Wenn wirklich hier und da„ Auswüchse" vor. fommen fie lassen sich befanntlich" durch fein Gesez ganz vermeiden fo genügen die Borschriften des geltenden Gesetzes, um ihnen abzuhelfen. Eine Reform des Aftienrechts ist also über. flüssig oder bödstens auf unwesentliche Einzelheiten zu befchränken. Einen ähnlichen ablehnenden oder passinen Standpunkt nehmen auch die Industrie und Handelskammern ein, soweit sie sich bisher geäußert haben. Ganz anders ift tie Einstellung des überwiegenden Teils ber bürgerlichen Handel prelle. bie in ben legten Jahren die unhaltbaren Zustände im deutschen Aktienm.fen Jahr heftig fritisiert hat. Sie ist überwiegend liberal gefinnt, und vor tiefer Grundeinstellung ist ebenso ihre Kritif am Attenwesen bes herrscht wie der Standpunft, pon dem sie an die Attienrechtsrefo ni herangeht. Am tennzeichnendsten dufür find die Stellungnahme der rantfurter Seilung. Die a fit ther gute Renntnis aller Fragen des Attienwesens mit unabhängiger Kritit verbindet, und der Bereinigung Berliner Handelsredakteure. Die Frankfurter Beitung" hat Dor einiger Zeit an umfangreiches Brogramm zur Aftienrechtsreform aufgestellt, das ausschließlich non einem Gesichtspunkt beherrscht wird: der Wederherstellung der Grundrechte des Afflondes". Die Bereinigung Berliner Handelsrevpatteure but sen umfang retchen Fragebogen des Reichsjuftiziminifteriums ebenjo ausführlich unb gewiffenhaft in allen Einzelpuntten beantwortet. Es foll gern zugeftanden werden, daß fomoni Die Auffagrethe der Frankfurter Zeitung als auch die Antworten der Vereinigung eine Fülle befter Anregungen und ernster Krizit enthalten, aber immer nur unter dem Gesichtswinkel: Wie fönnen die armenentrachteten Attionäre geschüst und wieder in ihre legiff. men Rechte eingelegt werden? Von beiden Stellen wird auch nicht ein einziges Mal die Frage gestaut, in welder Ridjung die Interellen der Gesamtheit oder der in den tiengesellschaften Beschäftigten bei der Reform des fiienrechts geren. Nur eine chraratteristische Einzelheit lei zum Beieg dafür erzocht: In der Langen Artifelreihe der frontfurter Beitung" wird der' n den gen meiteftgehende Bebrheit unb larheit und in den Geschäftsberichten genaue Angaben über Produktion. Um fas, Beschäftigtenzahl ufm. erzwingen. Damit in Zusammenhang | müffen die Revisionspflichten des Aufsichtsrais verschärft werden, am zwedäßigften wohl in der Form, daß die Bestellung unab. hängiger Revisoren zwingend vorgeschrieben wird, deren Tätigkeit sich nicht auf die formale Rechnungsprüfung beschränken darf. Es muß weiter gefordert werden, daß die Interessen der unmittelbar beteiligten Belegschaften beffer als bisher gemaht werden. Es müssen Sicherungen gegen den Ausschluß der Betriebs. räte aus den internen Berhandlungen des Aufsichtsrats( durch Schaffung von Kommissionen, in denen sich die eigentliche Arbeit vollzieht) geschaffen merden, und es muß den Betriebsräten auch in der Generalversammlung eine aftive Teilnahme gesichert werden, um die Interessen der Belegschaft zu vertreten. Die Frage des staatlichen Uffienamfes. Und schließlich muß sehr ernsthaft erwogen werden, ob für die Kontrolle der Gesellschaft nicht ein ständiges Organ geftaffen werden sollte. Die Frankfurter Zeitung hat schon vor Jah en die Schaffung eines Attienamtes angeregt und machte auch in threr Auffagreihe tonfrete Borschläge über die Funktionen eines Benzinpreife und Finanzen. Die geplante Erhöhung des Ben inzolles. Mie gemeldet wurde, will das Finanzministerium im Rahmen seines Deckungsprogramms für 1930 auch eine Erhöhung des Benzintarifs vorschlagen. Nach Zeitungsmeldungen ist oon einer Erhöhung bes Benzinpreises um 6 Biennig pru Biter als Folge der geplanten Zollerhöhung die Rede. Demnach wäre wohl mit einer Herauflegung des jezigen Benzinzolles von 6 Mart pro Doppelzentner ( ein Liter Benzin= 730 Gramm) zu rechnen. Der Treibstoffverbrauch Deutschlands wird für 1929 auf ca. 1,3 bis 1,35 Millionen Tonnen veranschlagt. Hierauf entfallen etwa 720 000 Tonnen auf eingeführtes Benzin, ca. 500 000 Tonnen auf Benzol, der Rest auf Motor- und Kunstbenzin. Falls der Verbrauch im Jahre 1930 nur auf dem Niveau des Vorjahres verbleibt( in den beiden vorangegangenen Jahren hat sich die Benzineinführ um ca. 15 Proz. pro Jahr erhöht). würde die geplante Benzingoli erhöhung dem Reich Mehreinnahmen in Höhe von ca. 55 bis 60 Millionen einbringen. In den Zeitungstommentaren zu den Plänen des Finanzminifteriums wird mit Recht betont, daß bei Erhöhung des Benzinzolles auch die Einführung eines 3olles bam. einer inländischen Ab. | folchen Amtes. Diefes Amt foll nicht mit ber ständigen Beaufsichti gung fämtlicher Attiengesellschaften nach dem Muster des Reichs auffichtsamts für Privatversicherung betraut werden. Es foll eine amtliche Sentralftelle am gmedmäßigsten wohl im Rahmen des Reichsm.risqoftsminifteriums geschaffen werden, mit dem Recht, bort#ngugreifen, wo fie offensichtliche und schwere Echäden bemerft, bei deren Berfolgung der heutige Apparat verfagt( hauptsächlich des halb, meil er auf bie Berfolgung zivilrechtlicher Ansprüche durch geschädigte Attionäre beschränkt ist). Su diesem Smed müßte bas Amt mit den Rechten und Funktionen eines Offizialflägers ausgestattet werden. Denn nicht nur einzelne Attionäre, sondern auch die Allgemeinheit, die im Staate ihre Bertretung findet, tann durch gefegmibrige Manipulationen und Bilanzverfchleierungen geschädigt merden. Auch entsprechende Borschläge der Frankfurter Zeitung" find beachtlich: dem Attienamt das Recht zur Ausgabe mehrstimmiger Borzugsaktien bei tatsächlicher äußerer Ueberfrembungsgefahr zu geben und ihm die Verwaltung dieser Aften anzuvertrauen sowie diefes Amt mit der Aufstellung von Bilanzmustern für jeben einzelnen Birtschaftszweig zu beauftragen. Dies die Kernpunkte der Forderungen, die die sozialistie Arbeiterschaft bei der Gelegenheit der Reform des Attienrechts anzumelden hat. Die große weitere Zahl von noch möglichen Einzel forderungen muß immer wieder unter dem Gesichtspu.ift verstanden werden, daß im Vordergrund jeder Reform des Artiznredts Jas Recht der Gesellschaft auf möglichst weitgehende Kontrolle ber Attiengesellschaften zu stehen hat. Die Affiengesellschaften find mit der wachsenden Konzentration des Kapitals zu wirtschaftlichen Gebilden mit einer ungeheuren Machtfülle geworden. Sie müssen von der Gesellschaft fontrolliert werden, soll nicht die Gefahr heraus beschworen werden, daß die Gesellschaft von ihnen kontrolliert wird, Dazu tamen fchließlich große Gourmenia- Berluste, für die bie Heinide- A.- G. gerebestehen muß. Jezt hat sich die Darmstädter und Rationalbant, die hinter dem Unternehmen steht, dazu endschließen müffen, die notwendige Sanierung des Unternehmens auch öffentlich zuzugeben. Eine bald einzuberufende Generalversammlung soll darüber beschließen, das 2 Millionen betragende Rapital auf 500000 Mart zusammenzuschneiden und das Resttapital um weitere 500 000 Mart auf eine Million Mart zu er böhen. Die neuen Attien werben in der Hauptsache von der Magdeburger Bau und Kreditgesellschaft übernommen werden, die benn auch bei Heinicke in der Zukunft den entscheidenden Einfluß ausüben wird. Der bisherige Generaldirektor Rorytowiti scheidet Ende Februar aus dem Vorstand aus, der von der Magdeburger Baugesellschaft belegt werden wird. Magdeburger Gesellschaft hat bisher sehr rentabel gearbeitet; sie erhöhte 1928 ihre Dividende von 10 auf 15 Bros. und wird wahr cheinlich auch für 1929 auf ihr 1,2 millionen Mart betragendes Kapital wieder 15 Broz. verteilen. Gegen Zollerhöhungen. Die gabe für Bengal und die anderen in Frage kommenden Treibstoffe Auch die Berliner Industries und Handelstammer protefflert in der Höhe der vorgesehenen Benzinzollerhöhung erforderlich wird. Damit würde sich das zu erwartende Mehrauftonimen nicht unbeträchtlich erhöhen. Wir behalten uns vor, fobald Authentisches über die Bläne bes Finanzministeriums bekannt wird, auf die mit der Benzinzollerhöhung zufammenhängenden Fragen näher einzugehen. Rockefeller für Benzinpreisfenfung. feller Deltonzerns ift, hat sich gegen Angriffe wegen ter bei ihr Die Standard Dil of New- Jersen, die die Hauptfirma des Rode in der leg en Seit zu beobad, tenben Herabdrückung der Benzinpreise öffentlich zur Behr gelegt. Die Betroleumvorräte Ameritas fe.en gegenwärtig übermäßig groß. die Benzinvorräte feien im Jahre 1929 auf 43 Millionen Fah angewachsen und steigen weiter. Dicfe großen Benzinvorräte feien es, die auf die Benzinpre se drücken. Es würde aber für das Rohöl. deffen Breis vollständig von dem Benzinpreis abhänge, ebenfalls eine Breisfenfung notwendig ein treten, wenn die Benzinvorräte weiter anfchwellen. Der schnelle Uh. bau der überhoben Benzinvorräte empfehle fich deshalb auch für die Betroleumindustrie felbst, deren Rentabilität mit der weiteren Anhäufung von Benzinreserven betroffen werden würde. Friedrich Flicks Eroberungszug. Bedeutende Berilärtung der Steintoblenherrschaft. tiengesellschaften Beschäftigten nur ein einziges Mal Erwähnung Durch den Anlauf von Phönig- Uftien aus dem Besiz von Otto getan, und zwar bei der Frage der Funktionen des Aufsichtsrats. CeWolff hat vor furzer Zeit Friedrich Flick, der ehemaliger Herischer wird dort festgestellt, daß die Bildung von Komintiffiersen innerhalbes Siegener und oberialesischen Montangebiets, in Bufamm: n des Aufsichtsrats zum Teil vorgenommen wird, um die Betriebs ratsmitglieber des Aufsichtsrats von der Berhandlungen auszuschließen. Aber gerade dieser standalöle Brand: wird mit feinem einzigen Wort gerügt, obzwar die Artifeireihe mit Rügen doch sonst nicht gerade( parfam ift. Der Standpunkt der Arbeiterschaft. ! arbeit mit Frik Thyssen sich den entscheidenden Einfluß im Ruhr stahltruit gesichert. Die vor Friedrich Flick ebenfalls beherrschte Gelfentirchener Bergmertagsfeilichoft hatt vor turzem aus dem Bejiz des Voiomodipfonzerns Henschel u. Sohn in Raffel die Mjorität der Fenichel gehörigen Effener Steinfchenbergwerte A.G. ( Kapital 52.2 Millionen) ermohen. Jezt wird gemeldet, daß sich Ste Effener Steinfuhlenbergwerfe- mit der Gelfenfirchener Bergwerfs. 2.- 3. erschmelzen wird, woraus der Sdfuß zu ziehen Hit, baß Brearly id auch Sie übrigen Attten der Effener Stein tohlenbergwerfe G bereits erworben hat. Durch die neue Sufammenbauung der Sechenmacht in Flics Händer erhält die Gelsenkirchen.er Bergwerfs-.- B. eine beteutente Stellung.m Rheinlich- Westfälischen Kohlensyndikat. Zu der Gelfen. firchener Becellig.ng von 3.2 Millionen Tonnen tommt die der Effener Steintohle mit 3.4 Millionen Tonnen hing, womit Geffen Birden neben den Bereinigten Stahlmerken( 25,88 Millionen), dem preußischen Staat( 13,2 millonen) und Harpen( 9,1 Millionen Tonnen) die viertgrößte Gruppe im Syntifat wird. Sehr viel Sehr viel größer, fast beherrschend, wird aber der Einfluß Friedrich Flicks im Rhe'nisch- Westfälischen Kohlerfyntitat dadurch, daß er heute mit Thylfen auch die Bereinigten Stahlmerte beherrscht, wodurch etwa ein Drittel der gesamten Bechenbeteiligungen des Ennbifats in einer hand vereinigt find. Bon biefen beiden Standpunkten hebt sich ber her sosialistischen Arbeiterschaft scharf ab. Für sie fteht bei der rege de Atiler rechtsreform das öffentliche Jntetelle im Borber grund. Schon vor zwei Generationen hat Rarl Marg den Wider spruch aufgedeckt, der zwischen den geselschaftlichen Funktionen und dem gesellschaftlichen Umfang det mode nen taritoliftiften Unter nehmungen einerseits und ihren privatwirftaftlichen Herrschaftsund Aneignungsverhältnissen andererseits besteht. Gemiß ist bi fer Widerspruch innerhalb der fapitalistischen Wirtschaft sordnung un lösbar, aber die Entwicklung führt doch unaufhalffam dahin, das der gefellschaftliche Charakter der Produffion in den großfav falili schen Betrieben die Gesellschaft rmer mehr dan wwingt. fich um die Produktionsverhältnisse und die Geschäft- führung in diefen Be. trleben zu fümmern und fie immer a fer ihrer Kontrolle zu anter. werfen. Unter diefem polts mirtfchaftlichen Belichtswinkel hat die Arbeiterschaft an die Reform tes Attienretts heranzugehen und Forderungen im Interesse der Boltswirtschaft anzumelden. Für uns stehen deshalb nicht bie Rechte der tapitalistischen Attionäre im Vordergrund, fondern das Recht der G:. fellschaft auf Einblid und Kontrolle der Aftierge'ell schaften. in denen sih die Produktivträfte der Gesellschaft tonzen. Emil Hainice- muß ihr Kap tal zusammenschneiden. trieren. Deshalb steht für uns im Mittelpunkt der Reform die Frage der Bublizität der Aktiengesellschaften. Die Publizitätsvorschriften des Handels gesetzbuches sind heute eine Barce. Die veröffentlichten Bilanzen find zu einem Buch mit sieben Siegeln geworden das nur der engste Kreis von Eingeweihten aufzuschließen vermag. Deshalb müffen schärffte gefeßliche Bestimmungen in den Bilan. 1 Gourmenia- Sorgen. G. Man muse in Berlin chon seit langer Zeit, daß die Emil Heinide- 2.- G. ste aftiofte der Bertiner Bauunternehmungen, schlecht daß ihr nur am hamstern von Aufträgen lag und bak stand. Man wußte auch, marum. Man sagt von der Heinide- 2.- G., bei ihr die kaltulation erfi in zweiter Linie eine Rolle spielte. Auf die Dauer fann das feinem Unternehnen gut bekommen. Die Schwierigkeiten in der induftriellen und Wohnungsbaufinanzierung mußten an fich schon tritisch für die Heinide- 2.- G. fidh auswirken. 1 Die Berliner Industrie. und Handelstammer hat an den Reichs wirtschaftsrat, ben Reichsmir.fchaftsminister und den preußischen Handelsminister ein Schreiben gerittet, in dem grundfäglich gegen Bollerhöhungen protestiert mirb. Gerade für Deutschland fei es bebentlig. Den neuen industriellen Sollerhöhungsan trägen zu entsprechen, nachdem Deutschland den Abbau der 3: 0 feranten befonders freundlich begrüßt, mit ber Bolljentung fehlt prattijd begonnen und auch das Programm eines Bollwaffenfti. starbes nachbrüdlich unterſtügt habe. Steue 3ollerhöhungen würfichkeit ausgelegt werben und eine Reaftion in anderen Bändern ben in der Welt als Widerruf von Deutschlands Belthandelsfreund zur Folge haben, die uns mehr schaben, als vermeldbare Soul erhöhungen nügen tönnen. Reinesfalls dürfe eine Rün bigung von Sandelsverträgen zur Erhöhung einer Zollpofition erfolgen. Besonders nachdrücklich wird jede Bollerhöhung gegen Bollgorne und Baumwollgerne abgelehnt. Freilich macht ble Berliner Industries und Handelstammer eine Ausnahme für die Automobilzölle, wodurch ihr grundsäglicher Protest start entwertet wird. Ein schlechtes Pfandbriefjahr. Das Ausland hat 1929 überhaupt nicht mehr gefauft Nach den jetzt vorliegenden Ziffern war im vergangenen Jahre der Pfandbriefabsag ganz besonders schlecht. Es fonnten nur rund 563 Mill. Mar? Bfandbriefe neu in den Umlauf gebracht werden gegen einen Zugang von rund 1411 Mill. Mart im Jahre 1928. mit dem Berkauf von tommunalen Schuldverschreibungen steht es nicht beffer. Cinem Mehrverkauf von rund 320 Mig. im Jahre 1928 steht im Jahre 1929 ein Mehrverkauf von nur 158 mill. gegenüber. Gehr bemerkenswert ist die faft pöllige Stodung des Verkaufs pon Pfandbriefen und kommunalen Schuldverschreibungen ins Ausland. Rechnet man die Tilgungen ein, so ergibt sich bei Pfandbriefen, die im Ausland begeben sind, fogar ein Rüdfluß von rund 2 Will..m Jahre 1929 gegenüber einem Mehrablag von rund 352 Mill im vorhergehenden Jahr. Bei den tommunalen Schuldverschreibungen ergibt sich sogar ein Rückfluß von rund 11 Mill. gegenüber einem Mehrverkauf ins Ausland von rund 32 Mill. im Jahre 1928. Ins gesamt waren am 31. Dezember 5,43 Milliarden Pfandbriefe im Inland, 1,05 Milliarden Pfandbriefe ans Ausland verfauft, während bei den kommunalen Schuldverschreibungen 1.56 milliarden auf das Inland und 0,23 milliarden auf das Ausland entflelen Englische 65 000- Tonnen Dampfer. Die internationale Ronfurrenz im Bau von Riesenschiffen lebt wieder auf. Der Norddeutsche Lloyd hat mit seinen beiden rund englische Cunard- Linie möchte den Schnelligkeitsreford der Bremen" 50 000- Tornen- Dampfern dazu nicht zuletzt den Anstoß gegeben. Die breden: ihr geplanter neuer Schnelldampfer soll eine Tonnage von 60 000 bis 65 000 Tonnen erhalten. Die englische White- Star- Linie will sich nicht schlagen lassen und ist entschlossen, die Kapazität des bereits auf Rief gelegten 60 000- Tonnen- Dampfers Oceanic" auf... 65 000 Zonnen zu erhöhen. banten befiken in ber jekt 40 Jahre exiftierenden Deutfchen TreuAulichtsrats poften als Famillenpfründe. Die Berliner Großhandgefellschaft ein Spezialinftitut, das für feine 2.4 Millionen Attientopital im Jahre 1929 wieder glänzend verdient hat und den zeigt in ten Personen von Arthur und Hans v. Gwinner, daß fich Großaftionären eine Dividende von 12 Broz. zur Verfügung stellt. Der Aufsichtsrat erhält über 21 000 m. Die Liste der Aufsichtsräte bier Bater und Sohn gleichzeitia mit den übrigen elf Auf fichtsräten in die Tantieme teilen. Eine famose Art foften. und arbeitslofer Einkommenssicherung innerhalb einer Familie, dia jich Leiber für 99 Bros. des deutschen Bolles nicht nachahmen läßt. Donnerstag 27. Februar 1930 Unterhaltung und Wissen 9. Plath: Die alle Meiersch J. Nach einer wahren Begebenheit Beftern haben wir unsere alte Meierfá) begraben. Nach einem langen Leben, reich an Arbeit und schwer an Herzeleid, ist ihr die Ruhe zu gönnen. Einst war Stine Meier eine frische, resolute Frau, hatte ihr sauberes Heim, einen arbeitsamen Mann und drei gesunde Jungens. Hinnert Meier arbeitete auf einem Gute, ein tüchtiger Kerl Wenn nur der verdammte Schnaps nicht gewesen wäre! Da mußte die Frau Sonntags höllisch aufpassen. Es war am Heiligabend. Hinnert jaß am warmen Ofen und war ein bißchen eingeduselt, da schreckte ihn Trompetenton aus feiner Dösigkeit. Kiel, Badder, mien Trumpet, du mös of mal blasen." Dann bewunderte Badder den Griffelfasten des Neun jährigen und das Buch des Aeltesten. Nach dem Futtern in der Küche ging es mit dem Punsch in die Weihnachtsstube zurüd, wo Stine die Lichter des bunten Tannenbaums angesteckt hatte. Der Morgen des ersten Weihnachtstages war grau und trübe, schwere Molten hingen am Himmel Hinnert hatte sich vom Müller einen Einspänner den sogenannten Kälberwagen geliehen und Dom Hof ein Pferd dazu. Er wollte mit seinen Jungens zu den Schwiegerelfern nach einem zwei Begstunden entfernten Dorf. Der ältere, ledige Knecht Willem war auch mit dabei. Das war Stine gar nicht recht, denn Willem war mit dem Schnaps. auch nicht sicher. Er war Seemann gewesen, aber einmal war ihm prophezeit, daß er seinen Tod durch Ertrinfen finden würde. Abergläubisch wie die meisten Seeleute, hatte er dem Wasser den Rüden gedreht und mar Landarbeiter geworden. Bi Jug fann if old und told warr'n, wenn id nich m een Regengüll verfup", war seine ständige Rebensart, wenn er angeduhnt war. Wieherndes Gelächter lohnte ftets von neuem diesen oft gehörten Wiz. Bat mi den'n Lütten hir," meinte Stine, hei fann bi mi bliewen, bi dat Beder." Doch der Kleine jezte gleich mit großem Gebrüll ein, so daß Badder dazwischen fuhr: Jung, holl dien Snut, un rin in de Klabus!" mit Bärmen und Toben fetterten die Jungens hinten in das frische Stroh hinein, der Alte setzte sich auf den Kutscherplatz und Willem baneben. ,, Nu kann dat losgahn, adschüs, Stine, holl di munter." mit Hü und Hott zog die Fuhre ab, Stine ging noch eine Strede mit und rief: Ru paß of up den Lütten, un lat dein ollen Köhm, un biiem nich so lang." Sinnert, mit schiefer Kopfwendung zu Willem: ,, Schriem di dat up, füs verget mi dat!" " Radmittags gegen 5 Uhr wurde Stine unruhig. Draußen mar es dunkel. Es hatte sich ein Bind aufgemacht, der große Schnee. floden vor sich hertrieb. Sie nahm sich ihr Tuch und trabte die lange Buchenallee entlang. Se, ja, je ja, barr if man blots ben'n Lätten. De hewt sich wedder fast sagen." In der Kate lief sie dann rieder unruhig hin und her. Blöglich riß der Wind das Fenster auf, Stine in ihrer Aufregung fonnte es nicht wieder zu bekommen. Schreiend rannte sie zum Nachbar Schmahl:„ Dor hölt een mien Finster fast, fumm mit, dat is Hinnert, it foll den'n Lütten hab'n. Sei rögt mi, hei will mat von mi." Am anderen Morgen hatte der Sturm ausgetobt. Stine war früh auf den Beinen, Schmahl stand bei ihr. Da tam der Rutscher Dom hof mit gedrückter Miene auf die Kate zu. a, woans fühs du denn ut, di hew sei woll up den'n Faut gerd", meinte Schmahl, doch der Kutscher sagte bedrückt:„ Schmahl, de Herr will mat von di, un Stine, du schallst tau de Madamm fahmen." ,, föllt woll cen Ehrengam hebb'n," wigelte Edmahl, na denn man tau!" Etine wurde in das fleine Büro geführt zur Gutsfrau, die ihre Hände ergriff: ,, Meiersch, ihr Mann ist zu Schaden gekommen. ,, It hem dat wüßt, it, hew dat wüßt." murmelte Stine ,,, um de Kinner, un de Kinner", schrie sie dann laut heraus. Gerdland: Tropfen im Meere Es war alles fo gefommen, wie es fommen mußte: der Tango, die tieinen, bunten Bitöre, seine Zärtlichkeit, die Mitleid hieß, die Tränen, der flüchtige Kuß, der Händedrud, es war alles so gefommen, mie es tommen mußte... Und das, was da tommen mußte das Un erbittliche, hieß: Abschied. Das war der Sonntagabend. Es war ein Sonntagabend wie alle anderen Sonntagabende. Ein Abend mit einer Beinen Betlemmung vor dem nächsten Morgen, da man hinter dem Ladentfch stehen würde, ein Abend mit der taum mehr bewußten Angst, die da hieß: Werde ich morgen mit vermeinten Augen auf stehen?" Ja, deffen wurde sie sich jetzt bewußt, jetzt, in der falten, möblierten Stube vor einigen belegten Broten fizzend, vor einer Taffe falten Tees, angesichts der finnebetrübenden Tapete, dessen wurde sie sich jetzt bewußt, daß diese Angst Gewohnheit war, Ge. wohnheit und Abgeftumpftheit. Und bei diesem Gedanken erschrat fie heftig. Wie hatte er es gefagt?„ Liebes, Kleines", so war es ,,, Liebes, Kleines, du weißt doch, was wir mal vereinbart haben? Kannst du dich befinnen, daß wir vereinbart haben, daß du nicht weinen mirst, menn..." Dies Wenn" war immer das gleiche, und diese Tränen, waren sie nicht auch immer die gleichen, die sie weinte, wenn ber jeweilige Er" Abschied von ihr nahm...? " Jetzt faß sie in diefer Stube, die sie morgens verließ und abends betrat, fie faß auf dem Bett und meinte die obligaten Tränen. Es mag eigenartig flingen, aber es muß doch gesagt werden: es waren gewissermaßen Pflichttränen, die sie glaubte, dem schuldig zu sein, Den fie mit ihrer seltsam stummen, hingebenden Liebe bedacht hatte. Hatte! Man mußte fich trösten. Man durfte sich vor einem Manne nichts vergeben. Einmal aber das war schon lange her: Ewigkeiten hatte fie einem Manne geschrieben:„ Du, jetzt stelle ich mein Herz in die Rumpellammer. Mag es holen, wer da will. Du... Sie hatte diesen Satz genau behalten. Es tam ihr vor, als hätte ein Dichter ihn geschrieben haben tönnen. Und der, dem er galt, war der Erste gewesen... Sie trat ans Fenster und blickte hinunter auf den schwarzen Schacht, der Hof genannt wurde. Hinter einigen Fenstern brannte Licht. In ihr war alles dunbel. Für fie mar alle Freude, alle Luft, | Die Gutsfrau faßte sie mit beiden Händen an den Schultern. Meiersch, die Kinder sind auch zu Schaden gekommen. 64 ,, De Kinner of fie fiel in sich zusammen, stierte vor sich, und dann mit tiefem Aufstöhnen:„ Nu sünd de Swin doch wedder besapen wees." Angst flatterte aus den Augen, dann mit Empor reißen: Wo fünd de Kinner? It will hen tau ehr." Und sie wollte aus der Stube stürzen. " ,, Meiersch, ihr fönnt nicht hin, Meiersch, gebt mir eure Hände, haltet euch fest an mr. Ich habe euch etwas jehr Schweres, Unfaßliches zu sagen. Euer Mann, Meiersch, euer Mann ist tot," die Gutsfrau drückte sie sanft in einen Stuhl ,,, und eure drei Jungens Meiersch, ich fann euch ja nicht helfen, ich muß es euch fagen- eure drei Jungens find find auch- tot." Die Augen der Frau erstarrten, fie fuhr hoch, ihr Körper be. gann zu zittern, der Mund öffnete und schioß sich, ohne einen Laut von sich zu geben. Dann fiel fie um wie ein Stüd Holz. Zu derfelben Zeit arbeiteten die Männer an der Unglücksstelle an der Bergung der Leichen Dicht hinter der langen Buchenallee, wo der Weg eine ftarte Biegung machte, waren sie abgestürzt in den abschüssigen, verschlammten Graben, so daß der Wagen direkt in das Modderloch gelippt mar. An der abgetretenen Grabenfante erkannte man die Anstrengungen des Pferdes, auf dem Wege zu bleiben, aber immer wieder schien das Pferd durch den Zügel zur Seite gezerrt zu sein. Plöglich mußte ber Wagen gelippt fein und hatte das Pferd mit sich gerissen. Die drei Jungens lagen eng zufammengefuschelt im Stroh unter dem Wagenfasten, noch mit der Suchentüte in den Händen. Im Schlaf überrascht, mußten fie fofort im Modder erstickt sein. Auch Willem lag, wie er weggefact war, er hatte seinem Schicksal nicht entgehen lönnen. Nur Meier und das Pferd hatten angstvoll um ihr Leben gefämpft. Meier hatte sich mit einem Arm und dem Kopf unter dem Wagen herausge arbeitet. Das Pferd aber hatte im Modder so um sich geschlagen, daß es Meier immer wieder hinemgeriffen haben mußte. Sein Gesicht war verzerrt und die eine Hand so fest in die Deichsel ein. getrallt, daß sie nur mit Gewalt zu lösen war. Stines Unruhe hatte nicht getrogen, sie war dicht an der Unglüdsstelle gewesen. Bielleicht hatte der Mann in seiner Totesqual nach thr geschrien Die Leichen wurden in einen mit Stroh ausgefüllten großen Kastenwagen gepackt und nach dem Meiereigebäude gebracht Fast das ganze Dorf war dazu gekommen, allen saß das Entsetzen in den Knochen. Die Gerichtskommission gab die Leichen zur Beerdigung frei. Es wurde festgestellt, daß Meier schon um 4 Uhr von den Schwiegereltern fortgefahren, aber unterwegs in einem Wirtshaus hängen geblieben war. Erst wollten sie nur einen Schnaps vom und das Johlen und Kreischen zu ihnen herausschlug Metterten beide Bagen aus trinken. Wie aber der Dunst der waimen Wirtsſtube vom Wagen. Die Kinder schliefen im Stroh. Nach ungefähr einer Stunde wurden fie von der ganzen angetrunkenen Gesellschaft mit Judhei und Hopphei wieder in den Wagen gebracht. Wenn Meier jetzt dem Pferde den Willen gelassen hätte, es hätte fich in seinen Stall zurüdgefunver. An den Wagenspuren sah man die Anstren gungen des Tieres, auf dem Wege zu bleiben, aber Meier mußte so lange an den Zügeln gerissen haben, bis das Pferd nachgab. Der Trunkene riß alles in Tod und Verderben. Auf drei Erntewagen wurden die mit je einer diden Tammengirlande umwandenen Särge zum Kirchhof gefahren Boran Meier, neben sich den fleinen Sarg seines Lütten, dann die beiden älteren Jungen und zuletzt der Knecht Willem. So fuhr der traurige Zug langsam durch die lange Buchenallee. Stine wußte von dem allen nichts. Sie lag im Fieber und redete irre. Als sie von ihrem langen Krantenlager aufstand, war Stine Meier eine alte, gebrochene Frau. alle Süßigkeit der Liebe nur Episode, denn auch sie, ihr schmaler, Inabenhafter Körper, ihre beiden fnospigen Brüste, ihre stammelnden Liebesworte, ihre ganze weibliche Schmiegfamfeit waren den Männern nichts anderes... Irgendwo fang ein Grammophon. Eine Nachtschichtfirene heulte auf. Plötzlich fühlte sie, daß sie noch im Mantel war noch den Hut auf dem Kopje hatte. Eine Angst padte sie und würgte an ihrer Rehle, eine Angst vor dieser Stube, diefer Tapete. dem frachenden, rachenden Schnarchen der Eheleute im Rebenzimmer, eine Angst vor der Nacht, vor dem Morgen. Sie öffnete die Tür und ging hinaus. Bald stand sie wieder auf der Straße. Sie ging mit blicklofen Augen an den schimmernden Auslagen der Schaufenster entlang. Beilage des Borwärts Licht für seine Iniffeligen Untersuchungen sammelt, und: das Mitrostop ist geboren. Die Nachbarn und Freunde tuscheln, machen sich über den närrischen Kauz, wie sie ihn nennen, lustig; aber Anton Leeuwen hoef läßt sich nicht stören. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, muß unter sein Mikroftop, und was er sieht, schreibt er fein säuberlich nieder und illustriert es mit sorgfältig gezeichneten Abbildungen Schuppen und Haare, Insekten und Pflänzchen wandern unter die Linsen, und Leeumenhoef ist es, der neben tausenderlei anderen als fäften des Menschen und der Tiere, so die Samentierchen, die roten erfter auch gar manche wichtige Formbestandteile in den Körper. Blutkörperchen und anderes mehr sieht, beschreibt und abbildet. leber alles aber, was er entdeckt, berichtet er in drollig naiv gehaltenen Briefen an die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften in London. Die hochgelahrten Herren rümpfen wohl anfangs die Nasen über den Delfter Krämer; aber sie sind flug genug, seine Experimente nachzuprüfen, und siehe da: Leeuwenhoef hat nicht gelogen, nicht übertrieben. Der Sonderling, für den man bisher nur Hohn und Spott, wie für jeden rechten Propheten, übrig gehabt hatte, wird Mitglied der gelehrten Gesellschaft, und als Dant berichtet er dem aufhorchenden Kollegium der Wissenschafen nun mit doppeltem Eifer über das, was ihm seine Mitrojtope enthüllen. Eines Tages, es war in September 1697, wird der brave Krämer und Mitroftopifer von heftigen Zahnschmerzen geplagt. Bas schlecht ist, muß hinaus, dentt er, fadelt nicht lange, sondern zerrt und dreht mit den Fingern so lange an dem schon Lockeren Bahn herum, bis er ihn glüdlich herausbefördert hat. Grimmig betrachtet er den llebeltäter, und dabei fällt ihm auf, daß die Spalten und Winkel der hohlen Wurzel mit einer weichen Masse erfüllt find. Leeuwenhoef ist gewohnt, allen Dingen auf den Grund zu gehen; so schabt er die Masse ab, verdünnt sie mit Regenwasser und bringt fte unter ein Mikroskop. Aber kaum hat er scharf eingestellt, fo wäre er beinahe vom Stuhl gefallen. Denn in dem Schleimtröpfchen, das sich unter seiner Linje breitet, und das mit bloßem Auge betrachtet nicht anders ausschaut wie jedes andere ganz gewöhnliche Schleimtröpfchen auch, wimmelt es von Hunderten und cber Hunderten winziger lebender Tierchen. Die Anzahl dieser Lebewesen", berichtet er an seine gelehrte Gesellschaft, ist über alles Erwarten groß, und dabei sind sie so flein, daß einige hunderttausend Myriaden von ihnen faum die Größe eines groben Sandkornes ere veichen würden." Kleine Ursachen große Wirkungen: wenn irgendwo, so bewahrheitet sich dies Wort in der Lehre von den lleinsten Lebewesen! Hier haben die Schmerzen, die der Delfter Krämer an einem wadeligen Jahr spürt, zu nichts Geringerem gefuhrt als zur Entdeckung der Mikroben. Mit einem Schlage hat sich der staunen. den Menschheit der Blid in eine Bunderwelt aufgetan, in der eine für unsere Vorstellungen ganz unbegreifliche Zahl winzigster Orgas nismen ihr Wesen treibt, sich gegenseitig bekämpft, frißt und sich Dermehrt. Die Goldgräber Republik 3m nördlichsten Teil des chinesischen Reichs, bort, wober Bogen des Amurftioms die Grenze zwischen der Mandschurei und erforscht und mit Ausnahme der Randgebiete faft ganz unbesiedelt Sibirien bildet, liegt ein Band, das bis heute großenteils noch taum ist. Bor einiger Zeit haben diese Gegenden die Aufmerksamkeit auf sich gelenti, ale in ihnen russische Goldsucher, die von den benachbarten Goldgebieten Sibiriens dorthin tamen, reiche Lager Stätten von Golo vorfanden. Eine russische Gesellschaft eröffnete an einem tleinen, nur wenige Kilometer langen Brd) eine Goldwäscherei und erzielte, obwohl fie ohne alle neuzeitlichen technischen Auf die Kunde von diesem Goldreichtum fanden sich dort zahlreiche Hilfsmittel arbeitete, in fürzester Beit eine erstaunliche Ausbeute. Abenteurer ein, die sich schnell Schäße zu erwerben gedachten In den Wirren der Nachkriegszeit, als in Ostsibirien Revolution und Gegenrevolution fich befämpften, gründeten diese verwegenen Gesellen, unter ihnen viele desertierte Soldaten, Berbannte und Waldläufer, hier auf chinesischem Boden eine eigene Goldgräberrepublit und erflärten fie für unabhängig. Alle Eindringlinge wiesen sie mit Waffengewalt zurüd, und nur unter schweren Kämpfen gelang es schließlich den chinesischen Truppen, diese Abenteurer zu besiegen. In der Folgezeit wurde dann die weitere Einwanderung von Gold gräbern durch die chinesischen Behörden verboten. Gegenwärtig liegen die meisten Goldwäschereien still, da die chinesische Regierung eine Ausbeutung großen Stils verhindert, fo lange das Land nicht beffer erschlossen und die Unsicherheit beseitigt ift. Insbesondere werden an Ausländer feine Konzessionen mehr erteilt, höchstens unter vorherrschender chinesischer Beteiligung. Nur brei größere Goldwäschereien, die allerdings einige tausend Arbeiter beschäftigen. sollen gegenwärtig in der Nordmandschurei im Betrieb sein, wenn man die Kleineren Betriebe nicht rechnet. Dafür durch streifen viele vereinzelt wandernde Goldsucher die einsamen Täler #sodes Chingan. Ihre ganze Ausrüstung besteht gewöhnlich nur in einer Hade und einem aus Birkenrinde gefertigten Waschbecken, in dem das Gold aus dem Flußfies mit der Hand ausgewaschen wird. Es ist der jämmerlichste, entbehrungsreichste und gefährlichste Beruf, den man sich denken kann, denn in der unwirklichen Wildnis müffen diese Leute oft hungern und in den falten Nächten frieren: vele fallen auch wilden Tieren zum Opfer, denn die dortigen Wälder beherbergen Bären, Bölfe, und im Often auch Tiger. Hat solch ein armer Teufel mühsam eine Tasche voll Goldnuggets gesammelt, wird sie ihm, sobald er wieder in bemohnte Gegenden kommt, oft gar noch von Räubergesindel abgenommen. Ein Atem ftreifte sie. Borte flangen on ihren Ohren vorbei. Worte der Bereitschaft, der Begleitschaft. Sie achtete ihrer nidyt. Aber der Atem wurde intensiver. Und die Worte wurden dringlicher. Da drehte sie sich halb um. Gin älterer Herr, sehr foigniert und gut genährt und gepflegt. Eine Tanzfonditorei. Ein Stehschoppen in einer Bierhalle. Auto. Ein Hotelzimmer. Schummrige Beleuchtung. Und der Alte mit hängenden Armen und sturem, unluftigem, lüfternem Blid... Als sie ermachte, graute der Morgen. Sie wußte nicht gleich, wo sie sich befand. Als sie sich befann, sprang fie auf. Das Bett nebenan war zerwühlt und leer. Auf dem Kissen lag ein Geldschein. Sie starrte ihn mit ungläubigem Entsetzen an. Dann schrie sie auf: ,, Das ist... das ist ja die Straße!" Wie weit treiben Flaschenposten? Durch Flaschenposten sind der Wissenschaft schon sehr wichtige Auftlärungen über Meeresströmungen zuteil geworden. NeuerWie das Mikroskop entdeckt wurde bings find wieder einige lehrreiche Fälle bekannt geworden. Am Wir entnehmen diesen Abschnitt dem eben erschienenen Büchlein non Dr. med. et phil. G. Benzmer Eine sterbende Krankheit" ( Montana- Berlag, Stuttgart). Im holländischen Städtchen Delft lebt ausgangs des siebzehnten Jahrhunderts ein sonderbarer, eigenbrötlerischer Krämer, dessen größtes Bergnügen darin besteht, in seiner freien Zeit aus feinem Glas Linsen zu schleifen. Tagaus, tagein brütet der Sonderling über seinem Schleiftifd), gibt den fleinen Glasscheiben Faffungen aus den verschiedensten Metallen, ordnet sie in mohlerprobten Abftänden zu zweien oder auch gar zu dreien hintereinander und freut sich darüber, daß ihm der so konstruierte Apparat die Dinge in vielfacher Bergrößerung zeigt. Immer mehr verbessert er fein Wunderwert, nimmt einen fleinen hohlspiegel zu Hilfe, der ihm das 27. September 1927 wurde von dem Dampfer R. R. Kingsburg" in der Nähe der südkalifornischen Küfte eine Flasche über Bord geworfen. Wie das Hydrographische Amt der Bereinigten Staaten berichtet, wurde diese Flasche am 12. Februar 1929 in der Gegend der Philippinen aufgefischt. Die Flasche hatte demnach binnen 17 Monaten 7200 Seemeilen oder 13 350 Rilometer zurückgelegt. Das dürfte so ziemlich die längste Reise sein, die in den Gewässern des nördlichen Bazifit möglich ist. Im Süden haben Flaschenposten auch schon weitere Streden zurückgelegt. So erstreckte sich die Trift einer Flasche aus dem südlichen Indischen Ozean bis in die Nähe von Kap Horn. Die Flasche war 15 Jahre unterwegs und legie 19 030 Kilometer zurüd; eine andere Flasche brachte es in den gleichen Gewässern binnen drei Jahren auf 18 600 Rilometer. Borträge, Bereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G 14. Sebaftianftr 87-88. Saf 2. Er Neufilla- Erik, Jungbanner: Donnerstag, 27. februar, befuchen alle Sunatametaben den Turnabend in der Walter- NathenauSchule, Boddinftraße, non 20-22 Uhr. Freitag, 28. februar. Tiergarten, Jungbanner: Achtung! Der Befuch der Frichridh Cbert- Gebentfeier in Char Lottenburg fällt aus. Dafilr am 28. februar, 20 Uhr, Seimabend bei Schle finger, Lübecker Straße. Erscheinen Blicht. Rehlenborf, Jungbanner: 20 Uhr bei Schneider, Botsbamer Str. 25. Ebert- Gebentfeier. Gäste willkommen. Bichtenberg: Kamerabfchaftsfikungen um 20 Uhr: Ram. Traveplas bei Seipte, Stronpringen Ede Scharnweberstraße. 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