BERLIN Donoerstag 27. Zebruar 1930 10 Pf. Nr. 9S B 49 47. Jahrgang CtrAeittttatlid aoter Senstas«. Jugleich Sbmdaosgab« de«.Dorwärt«'. BezugSprei« beide Amgabea SS Pf. pro Woche. pro Monat. tiedattioo ood Erredition; BerlinSWSS.Lindenstr.S Soietgenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf., gleklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Poßscheckkvnt«� Dorwärrs-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29T �oung-Debatte beendet. Ausschuß-Abstimmung erst morgen.- Enischeidende Kabinetifitzung. Tardieu holt sich Absagen. Die Radikalen lehnen jede Mitarbeit schroff ab.— Der Ruf nach Auflosung. Der Haushaltsavsschust und der Auswar» tigc Ausschuß des Reichstages beendeten heute in gemeinsamer vertraulicher Sitzung die Debatte über die Gesebe zur Ausführung des Houng»Planes. Es wurde daS deutsch. belgische M a r k a b k o m m e n. das deutsch>atterikauische Schuldeuabkommeu und die Räwmuugsamnestie besprucheu sowie die Debatte über die Saarver Handlungen zum Abschluß ge- bracht. In der letztere« ergriff auch der heute wieder erschieuenc Minister Dr. Eurtius das Wort. Die Abstimmungen wurde» auf Wunsch deS Zen» trumS. das heute noch eine eutscheidende Fraktionssihung abhält, vertagt. Sie sollen morgen l 1 Uhr vormittags vorgenommen werden. Das Reichskabinett ist heute vormittag zu seiuer entscheidenden Sibung zusammengetreten. Es ist noch ungewiß, ob die Entscheidung heute schon fallen wird. Moldenhauers Wandlung. Der Deckungsplan Moldeichauers ward auch in der Zentrums« presse skeptisch ausgenonimen. Die.Lölmsche Dolkszeilung" zweifelt, ob sein Programm durchzusetzen sei. sie läh» erkennen, daß der Ge- danke eine» Siotopsers auch im Zentrum grundsätzliche Besür- wort er hob«, doh aber die Meinungen über höhe und Persvnenireis auseinandergehen. Herr Moldeithauer h-ll sich noch vor kurzer Zeit sehr entschieden gegen die Pläne gewandt, die er jetzt selbst gegenüber der A r- beitslvsenversicherung verfolgt. Als der neue Finanz- minister vor der Presse seine Pläne entwickelt«, führte er aus: „Resonn der Arbeitslosenversicherung bedeute auf deutsch Herabsetzung der- Leistungen In irgendeiner Form vielleicht Uetze sich durch schärsste Rationalisierung der Verwaltung noch einiges sparen, aber er glaube nicht, daß Ersparniflc über SO Millionen Mark möglich sein würden. Würden Ersparnisse bei der Arbeilsloseaversicherung über diesen Betrog hinausgehen, so würden die Summen im Fürsorge- elai der Gemeinden wieder erscheinen. Die Wirtschaft müßte dann erhöhte Realsteucrn in den Gemeinden zahlen statt erhöhter Reichssteuern. Im übrigen begegne der Plan, bei der Arbeitslosenversicherung zu sparen, bei zwei Millionen Arbeits- losen den schwersten politischen Bedenken. Es sei gefährlich, an Leistungskürzungcn zu denken— ganz abgesehen davon, daß ein solcher Lsrsuch keine Mehrheit finden würde. Das ganze Problem der Arbeitslosen sei nur in he- dingtem Umfang durch die Versicherung zu lösen: das Schwer- gewicht sei ans die Finanz- und Wirtschaftspolitik zu legen." Inzwischen hat Herr Moldcnhaucr den Druck seiner eigenen Fraktion erfahren, am Sonntag und Montag war er in seiner Heimat bei der Schwermdustri«— und die vernünftigen Worte, die er noch vor kurzem gesprochen hat, sind hinter seinem neueste» Programm verschwunden. Volkspartei macht Schwierigkeiten. Auch tm Wohnungsausschuß. Der Wohnungsausschuh des Reichstages hat in seiner heutigen Sitzung gegen die Stimmen der Sozialdemo. k r a t e n und der Kommuni st en beschlossen, das Mieter- s ch u tz g e s« tz und das Reichsmietcngesctz nicht, wie in der Vor- lag« vorgeschlagen war, bis zum ZO. Juni 1932, sondern nur bis zum 30. Juni 1931 zu verlängern. Bei den Verhandlungen kam es zu einer Auseinanderfstzung zwischen Demokraten und der Deutschen Volkspartei Der letzteren wurde der Vorwurf gemocht, daß sie— einen Monat nach Einbringung der Regierungsvorlage— einen eigenen Entwurf für Schaffung eines Uebergongsgeseges für den Mieterschutz eingebracht und damit der Regierung Schwierigkeiten bereitet habe._ Die hiesige Sowjetbolschasi bestreitet im Namen der russischen Handelsvertretung, daß lekster« mit einer Spionageassäre in Ru. mänien— gemeint ist die Affäre Tibarcu— im Zusammenhang steh«.— Indessen soll ja noch den vorliegenden eingehenden V«. richten aus Bukarest der Polizeichef Tibarcu gestanden haben, daß er feine Dokumente und Insormationen an die Berliner Handelsvertretung der Sowjetunion oerkauft habe. Paris. 27. Februar.(EigeNberickü.) Tardieu. der politische Abgott der Reaktion, der heute selbst van der royalistischen„Action grancaise" mit einem wahren Glorien- schein umgeben wird, hat sich gestern mit seinem üblichen Optimismus an die Arbeit der Kabinettsbildung herangemacht. Als er sich i�im 10 Uhr abends wieder ins Privatleben zurückzog, hatte er nichts als«ine ♦ ganze Reihe von Absage» eingesteckt. Schon sein Start stand unter s-nem schlechten Stern. Tardieu hat. wie gemeldet, zunächst den ehemaligen Minister- Präsidenten Poincare als den küisstigen Chef der als neue Mode lancierten„republikanischen Konzentration' vorgeschlagen. Aber er war noch weiter-gegangen und h?t sich in gespielter Dsschechenheit bereit erklärt, sich, im neuen Kabinett Poincarä mit dem hosten pines Untcrstgateief rctä sz.(!) bei der Mimsterpräsident- schaft zu begnügen.> Das war zu stark, als doh- man es hätte glauben können. Selbst die grotze Insormationspresse, die doch sonst ein« ausgesprochene Vorliebe für solche romantisch.politische Märchen hat, ist heute auf diese Legende nicht hereingefallen. Die augenblickliche politische Situation für Tardieu stellt sich so dar, daß Tardieu zu seiner alten Mehrheit nicht zurückkehren kann, weil sich sowohl die Gruppe der Radikalen wie auch der Franklin- Bouillon-Radikalen klar dagegen ausgesprochen haben. Di« Konzentration also scheint ihm nicht gelingen zu wollen, wsil die zu „konzentrierenden" Radikalen Tardieu abgelehnt haben. Die Serie per Absagen begann mit C h a u t c m p s, der seinem Vorgänger und Nachfolger Tardieu ein klares Nein auf die Aufforderung zur Mitarbeit antwortete. Albert Sorraut erklärte nicht minder ojfen, daß seine Fraktion sieh entehre« würde, wenn sie Tardieu ihre Mitarbeit gebe. Di« Radikalen müßten es auch ablehnen, in ein Kabinett unter anderer Führung«inzutreten, in dem Tardieu mehr als ein rein tcchni- jches Amt bekleide. H e r r i o t endlich, der als letzter Besuch gestern abend bei Tardieu vorsprach, war nicht weniger kategorisch, und damit sich Tardieu nicht etwa über seine Ansichten täusche, veröjfent- Goebbels Postregal Vi« Nazis wollen eine eigene Di iefmarke schaffen licht Herriot in der„Ere Nouvelle" einen ausführlichen Artikel, worin er offen erklärt. Tardieu sei zu brutal als Führer einer reaktionären Kompfmehrheit ausgetreten, als daß er heute die Rolle des versöhnenden Koalitionssührers spielen könne. Er habe der radikalen Partei den Kampf angesagt; er solle ihn haben. Das„Echo de Paris" fühlt sich berufen, seinerseits in natio- nalistischer Starrköpsigkeit zu erklären, eine Konzentrotion fei un- möglich, es gebe nur eins, daß die Rapikalen bedingungslos unter das Joch der patriotischen Mehrheit gingen. Läon Blum erklärt daher im„Populaire", daß Tardieu vernünftigerweise seinen Auf- trag zur Kabinettsbildung an den Präsidenten der Republik zurück- geben sollte. Er müsse sich klar darüber sein, daß er die Mit- arbeit dar Radikalen nicht erhalten könnte, ja. daß er sogar die Lriands verlieren müsse. Es ist also verständlich, wenn sich heute nicht nur in der ge» samten Linkspresse, sondern auch immer mehr und mehr in der Insormationspresse der Ruf erhebt, daß der augenblicklichen Wirrnis in der französischen Politik durch die , Auflösung der Kammer ein Ende gemacht werde. So radikal diese Maßnahme auch sei, so sehr sie den politischen Traditionen der französischen Republik wider- spreche, so müsse man doch endlich zu diesem Mittel greifen. Kommunistische Siadiräie bestätigi. Sie verpflichten sich zur �pflichtgemäßen Amtsführung�. Aus dem Rathaus kommt die Meldung, daß die K o m m u» nisten Raddoh und L e h nunmehr als Stadträte vom Oberpräsidenlen bestätigt worden sind. Ob die gleichfalls kam- mnnistische Sladlratskandidatin Frau Ulrich vom Oberpräsidenlen bestätigt wird, ist noch ungewiß. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung werden die bestätigten Kommunisten mit den übrigen unbesoldeten Magistratsinstgliedern eingeführt werden. Nach dem Erlaß- des preußischen Innenministers dürfen An- Hänger der Kommunistischen und der Notionalsoziallstischen Partei als Kommunalbeamte nur bestätigt werden, wenn„der zu Be- stätigende sich einer pflichtgemäßen Amtsführung im Rahmen der bestehenden Staatsordnung und u n a b- hängig von Parte iinstruktionen durch eine positwe Er- klärung oerpflichtet". Diese Verpflichtung haben die Kam- munisten, um ihren Stadtratsposten zu sichern, anerkannt und den diesbezüglichen Revers unterzeichnet. Sie worden also künftig sehr leicht in die Lage kommen, als verantwortlickzc Sachbearbeiter gegen die demagogischen Instruktionen ihrer Partei handeln zu müssen. Es ist anzunehmen, daß sich daraus neue, recht ergötzliche Auseinandersetzungen innerhalb der Berliner Kommunistischen Partei ergeben werden. Sine feine Marke! Gotteslästerungsprozeß Grosz. Aufhebung des Freispruches beantragt. Leipzig, 27. Februar. Im Reoistonsprozeß gegen den Zeichner George Grosz wegen Gotteslästerung hat Retchsanwalt Schneidewien namens des Oberrcichsanwatts beantragt, das Urteil der zweiten Strostammcr beim Landgericht III in Beriln vom 10. April 1929 aufzuheben und die Angelegenheit in neuer Verhandlung an ein anderes Gericht zu verweisen. Der Gedankengong des Angeklagten stehe wohl auf ethischer Höhe, so führte der Reichsamvall aus, wenn er gegen den Krieg kämpfen wolle. Es sei auch zugegeben, daß er nicht habe beschimpfen wollen, aber hier komme es darauf an, fest- zustellen, ob nicht ein an sich würdiger Gedanke in emcr beschimpfenden Form zum Ausdruck gebracht worden sei. Weiter sei zu prüfen, ob nicht auf Gotteslästerung überhaupt erkannt werden müsse, denn es sei eine irrige Aujsassung, wenn der Lorderrichter annehme. Gotteslästerung könne nur d u.r ch Worte ausgedrückt werden. Auch eine bildnerische Darstellung könne«ine Aeußcrung sein, die als Gotteslästerung angesprochen werden müsse. Diesen Ausführungen trat der Verteidiger mit der Forderung entgegen, wenn eine Aufhebung des freisprechenden Urteils erfolgen sollte, so möge der Senat die Sache wieder an die Vorinstanz, nämlich das Landgericht III in Berlin, zurückverweisen, nicht aber an ein anderes Gericht. Oemokraiische Drohungen. Personalpoltttt mit Erpressung? Der demokratischen preußischen Lrndtagsfrak- tion scheint es augenblicklich in Preußen zu ruhig zuzugehen. Sie sucht deshalb die Situation etwas zu beleben oder zu vor- wirren. Nachdem gestern bereits im Landtag der Personalpolitiker der Fraktion, der ostpreußisch« Abgeordnete G r Z i m e k, in einer Rede über die Auswahl der Anwärter zur Bsamtenlaufbahn die Forderung stellte, es müsse eine Grenze nach oben geben, um nicht allzuviel Arbeit ervertreter ohne ausreichende sächliche Bildung in die Beamtenschast zu bringen, spricht heute das.Berliner Tageblatt"' die ganz deutliche Drohung aus, die Demokraten würden unter Umständen sich bei der Ab- stimmung über das Mißtrauensvotum gegen den Minister Grzesmski am kommenden Freitag nicht mit voller Geschlossenheit für die Staatsregierung einsetzen! Das ist eine unverhüllte Ansage der Bereitwilligkeit, die preußische Regie- rung zu stürzen, wenn nicht alle demokratischen Personalansprüche befriedigt werden. Es erübrigt sich, dies« Methode beim rechten Ramen zu nennen! Des Pudels Kern ist: die beiden Oberpräsidenten von Hessen-Nassau und Pommern treten wegen Ueberalte- rung zurück. Sie sind vor zehn Jahren aus den Reihen der Demo- tratischen Partei entnommen worden, weil diese damals nicht nur viel größer war als heute, sondern auch ungleich mehr gut vor- gebildete Bewerber hatte als heute. In der Zwischenzeit haben sich die Ding« geändert. Die Demokratische Partei ist rapioe zusammen- geschrumpft und die Sozialdemokraten haben eine große Reihe von gut auegebildeten tüchtigen Beamten, die für hohe und höchste Posten zur Verfügung stehen. Es geht unmöglich an, daß d l e Soztaldemokratle die Wähler und Abgeordneten zu stellen hat, die Demokraten aber auf alle- Fälle die M i- n l st e r und höchsten Staatsbeamte»! Auch ein Ver- gleich mit dem Zentrum, wie ihn die Demokraten oft anstellen. kann hier nicht überzeugen. Das Zentrum hat in Preußen b«- spielsweise in 78 Kreisen die absolute Majorität und oerfügt über 81 Landräte. Die Demotraten haben 43 Landräte und in keinem einzigen Wahlkreis die absolute Mehrheit! Bei den Oberpräsldenten liegen die Dinge noch besonders schwierig, weil die Verfassung ausdrücklich vorschreibt, daß die Ernennung des Oberpräsidenten in Ueberein stimmung mit den Provinzialausschüssen erfolgen muß. Die Pro- vinzialausschüsse aber, die sich aus den Prooinziallandtagen rekru- tieren. sind eine politische Körperschaft und entscheiden nach poliiischen Gesichtspunkten. Man kann wirtlich nicht erwarten, daß sie nur um der schönen Augen der Demokraten willen immer für«inen demokratischen Oberpräsidenten stimmen, obwohl die De- mokraten in der betreffenden Provinz zahlenmäßig kaum noch ein« Rolle spielen und die Fauptabwehrarbeit gegen die Reaktion bei Jjen Sozialdemokraten liegt. Derartige Dinge sollten sich die Demo- traten einmal in Ruh« überlegen. Im übrigen darf man wohl ruhig und.gefaßt abwarten, was sie am Frsitag zu tun gedenken. Täglicher Kriegsbericht. Die Kulturträger der Neuzeit. Löbau. 27. Februar.(Eigenbericht.) Zu einer wüsten Schlägerei gestattete sich die am Mitt- wochabend in Ebersbach abgehallene Versammlung der National- sozialistischen Partei, Ortsgruppe Löbau. Nachdem der Referent (einen Vortrag über das Thema„Was hat uns der Marxismus ge- bracht" beendet hatte, sprach in der Diskussion der Kommunist Sehner. der die ihm zugestandene Redezeit bedeutend Überschritt. Als ihm darauf das Wort entzogen wurde,«nt- spann sich plötzlich«in w ü st e s ch a n d g e m e n g e. Es wurde mit Stühlen, Viergläsern, Flaschen und ähnlichen Instrumenten zuge- schtagen. Eine Anzahl schwerverletzter Kommunisten mußt« in die Klinik übergeführt werden. Die Nazis, die mit etwa 40 Mann Saalschutz erschienen waren, hatten Verbandszeug mitgebracht, so daß sie ihr« Verletzten auf bereitstehenden Autos sofort abtrans« Portieren konnten. 60 zertrümmerte Stühle kennzeichnen die Ställe d«« eigenartigen geistigen Kampfes. München, 27. Februar.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Donnerstag überfielen in München Kommunisten einen Trupp Nazis, die von einer Der- sammlung heimkehrten. Dabei wiirden zwei chakenkreuzler durch Kopfhiebe erheblich verletzt. Dem Uebersallkominaildo der Polizei gelang es, IS Kommunisten festzunehmen. Kommunisten prügeln sich mit Gtahlhelmer Die Macht der Sozialdemokratie. Privatwirtschaft und sozialdemokrailsche presse. Gestern nacht Ist es in Köpenick und fast zu gleicher Zeil in R e u k S l l n zu Schlägereien zwischen K o m m u- nisten und Rechtsradikalen gekommen. An der Ecke Rosen- und Kirchstraß« in Köpenick ge- rieten gegen Mitternacht Kommunisten mit Stahlhelm««» in ein Handgemenge. Die Raufbolde wurden von Beamten des alarmerten Ueberfalltommandos auseinandergebracht. Sechs an der Schlägerei Beteiligt« wurden zwang-gestellt. Der andere Zwischenfall ereignete sich in Neukölln, wo sich an der Kreuzung Berg- und Handjerystraße etwa 100 Personen, zum größten Teil Kommunisten, angesammelt hatten. Es dmreri« nicht lange, so war auch hier die schönste Schlägerei im Gang.'. Drei Personen erlitten Kopfverletzungen: sie mutzten nach der nächsten Rettungsstelle gebracht werden, von wo sie nach Anlegung von Verbänden wieder entlassen werden konnten. Di« Polizei säuberte die Straße und nahm einen der Hauptkrakeeler fest. Die llnierfch?agungen bei der Potsdamer Girokasse. Da« Potsdamer Schöffengericht verurteilte den 2Zj ährigen Hilfsangestelllen Ulm der Potsdamer Girokasten wegen 1 Veruntreuung von 26 000 M. und schwerer Urkundenfälschung zu! inigesamt 1 Jahr Gefängnis. Drei Monate der Strafe i rnilffen verbüßt werden, für den Rest«hält der Angeklagt B«.' währungsfrist. Ulm war Im Dienst ein schlichter Arbeiter, aber in seinen Muße- stunden der elegante Kavalier, der sich eine Freundin hielt, ein Auto anschafft- und Dergnügungsrelsen nach München usw. machte. Durch die Einführung eines Mafckinenbiichsystems kamen die Unter- schlagungen bei der Potsdamer Girokasse ans Licht. Die„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" steht heute in der vordersten Linie im Kampf gegen die Sozialdemokratie. Sie oer- folgt ganz osfen putschistische Ziele. Sie will den Sturz des parla- mentarischen Systems. Wie unter Putschisten üblich, betreibt sie systematisch Provokation und spielt d«c Kommunistischen Partei, dem anderen deutschen Putschistenslügel, die Bälle zu. Sie hat der o t e n F a h n e", für den sofortigen Gebrauch gegen die Sozialdemokratie, einen Artikel„Sozialdemokratie und Industrie. Ist eine Annäherung geplant?" auf den Leib geschrieben, der postwendend in der.„Roten Fahne" Verwendung fand. Der Artikel behauptet rund und nett, die Sozialdemokratie laste sich durch Inserate von der Industrie und den Banken für ihre Stellmig- nahm« in der Polttik bestechen. In dem provokatorischen Machwert der„Börsenzeitung", das die alles politischen und journalistischen Anstandes bare„Rote Fahne" prompt benutzte, heißt es: „Wir sind der Sache nachgegangen und haben folgendes fest- gestellt: Der sozialdemokratische Parteivorstand in Berlin hat eineil großen Apparat aufgezogen, um die Werbung von Inseraten in der Großindustrie und bei den Banken ganz systematisch und un großen Stil zu betreiben. Eine ganze Anzahl von Werbern ziehen im Lande umher, namentlich im Rheinland und Westfalen— auch Norddeutschland ist bereits abgegrast—, die die Aufgabe haben. mit den Werken persönlich wegen der Aufgabe laufender Inserate zu verhandeln. Der SPD.-Parteivorstand geht dabei sehr geschickt vor. Er rechnet mit der psychologischen Einstellung der Groß. industriellen, er rechnet damit, daß den Großindustriellen in erster Linie daran gelegen sein muß. ruhig und ungestört arbeiten zu können, um die Wirtschaft wieder hochzubringen." Die provokatorische Absicht, die Sozialdemokratie bei ihren Gegnern der politischen Bestechlichkeit zu denunzieren, ist hier mit Händen zu greisen. Es wird dann gesagt, daß die bisherigen In- feratenaufträg« sicher schon zwei Millionen Mark aus- machen. Die politisch scharfmacherische Tendenz komml dann in folgender Aufforderung an die deutschen Unternehmer zum Ausdruck: „Wir möchten diese schon jetzt wichtig« und zweifellos noch wichtiger werdende Tatsache den zuständigen Organisationen unser- breiten. Wir glauben, daß sie dl« Frage, ob sie ruhig zuiehen können, daß die Industrie ihre Todfeinde geldlich unterstützt, rund und klar beantwortet werden muß." Hier wird die Sozialdemokratie der Todfeind der Industrie gc- nannt. Ueberflüssig. zu sagen, daß die„Rote Fahne" diesen Passus ihren Lesern unterschlägt, was ganz zu der putschistischen Ge- sinnungsgemeinschast der beiden Blätter paßt. Wie stehen nun die Ding«? Die Reklameverbraucher haben erkannt, daß erfolgreiche Propaganda bei Ausschaltung der SPD.- Zettungen mit ihrer Rieseuauflage völlig nnmöglich ist. und deswegen werden unsere Zettungen bei Vergebung des Rc- klameelats aller großen Firmen mtt Anzeigenaujträgen bedacht. Di« Bauhütten. Konsumvereine, und Partei« betriebe, wie die Druckereien selbst, sind groß« Käufer. Die Industrie kann serner an der Tatsache nicht vorbeigehen, daß di« öffentliche Wirtschast und die öffentlichen Ver« waltungen jährlich für 10 Millrarden Mark Aufträge zu oergeben haben und daß bei der Werbung um diese Aufträge die Sozialdemokratie mtt ihrem riesenhaften politischen Einfluß und ihren mehr als 30 000 öffentlichen Funktionären bei der Vergebung der Aufträge ein entscheidendes Wort mitzureden hat. Dasselbe gilt für die Banken, die öffentliche Kapltalgeschäfte fachen wollen. Die Sozialdemokratie kann also stolz darauf sein, daß ihre große Macht da» PrlvalkapUal zur Werbung In der sozialdemokratischen Presse zwingt. Wenn die„Berliner Bärsenzettung" von 2 Millionen Mark Inseratenaufträgen spricht, so sagen wir chr, daß sie«in schlechter Beobachter ist. Nicht 2 Millionen Mark, sondern 22 Mil- lionen Mark Umsatz für Anzeigenaufträge sind un Jahre 1928 in sozialdemokratischen Zeitungen erreicht worden. Mr wollen weder die rechtsputschistische„Börsenzeitung" noch ihre linlsputsch istische Schwester ohne Dementi lassen. Aus Sauber- kettsgründen. Das kann die Sozialdemokratisch« Partei sich leisten! Veredelung des Kinos. Zehn Jahre Lichtenberger Lugendbühne. Die im Berwallungsbezirk Lichtenberg bestehende städtische Iugeudbühu« hatte am Mittwoch große Geburtstags- feier. Zehn Jahre sind es setz? her, daß im Februar 1920 die damals noch selbständige Gemeinde Lichtenberg arner dem Namen „Iugendbühne" ein eigenes Kino«inrichtete. Zehn Jahr« hat diese Stätte der Unierhaltung und der Belehrung stch bemüht, die Möglichkeit der Kinoveredelung an einem plan- voll durchgeiührten Versuch zu zeigen— und der Erfolg ist nicht ausgeblieben Zunächst war di« Lichtcnberger Iugendbühne(im SHulhaus« Holleistraße 7— ü am Wühlischplatz) Hauptsächtich aus Schulkinder und Jugendliche berechnet. Aber längst ist sie über den ersten Aufgabenkreis hinausgewachsen und zu einem beliebten Dolkskino geworden, das immer ein volles Haus hat. Bei der F e st v o r st e l l u n g zu der Geburtstagsfeier sahen wir unter den Gästen viele Mitglieder der Bezirkskörper- s ch a f t e n des Verwaltungsbezirks Lichtenberg, an der Spitz« den Bürgermeister Dr. S i g g« l und den greisen Bezirksverordneten. Vorsteher Tempel. Nach eurer Begrüßungsansprache des Bürgermeisters gab Stadtrat Köhler einen Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung der Iugendbühne Di« Gründung ist drei Männern zu danken, dem Stadtrat Köhler, dem damaligen Schulrat Dr Siggel und dem Baurat Weiß.„Unterhaltung, Belehrung, Bildung. Erziehung" war das Programm das sie für die Iugendbühne auf- stellten. Die„Seele" des Unternehmens-ist Stadtobsrinspektor G r i e p e geworden, der al» ideenreicher Kameramann das Kino mtt immer neuen Filmen versorgte. Im letzten Jahr hat das Kino, wie Griepe in seinem Geschäftsbericht mitieilte, 118 abendfüllend« Filme vorüberrollen lasten. Spielfilme, Lehrfilme, Kulturfilme. Was man früher unter„Kino fürs Volk" oerstand und was demgegen- über die als Dolkskino wirkend« Lichlenberger Iugen&buhn« hietet, zeigte ein in Filmen gegebener geschichtlicher Rückblick. Zwei alte Filme„Äinderraub" und„König Lear", die einen Kintopp vor 26 Iahren" vor unserem Auge wiedererstehen ließen, wirkten nur noch wie die tollen Einfälle eines übermütigen Paro- disten, aber die Filme waren unverfälschte Originale«ms jener Zeit. Di« Wirkung wurde gesteigerj durch die erllärenden Worte, die nach damaligem Brauch den Film begleiteten. Griepe, der den „Erklärer" mit vollendeter Echtbeit machte, ermete Lachstürme. Nachher gab es Proben aus der Arbett der Iugendbühne,«ine» Querschnitt aus dreißig der vielen von Gnepe für die Iugendbühne hergestellten Eigensilme städtischer Einrichtungen (Bauten, Heime. Feiern usw.). Diese Filme sind belehrend, aber auch das berechtigte Unterhattungsbedürfnis kommt dabei nicht zu kurz. Sie können auch dazu beitragen, Freude an den Ar- beiten und Leistungen der Stadt und ihrer Bezirke zu wecken und so das Heimatgesühl des Berliners zu stärken. Lichtenberg hat aus solchen Filmen beretts ein ganzes Filmarchiv zusammengebracht. Der Wert wird erst in Jahr- zehnten voll erkannt werden, wenn die im Film festgehaltenen Bauten usw. längst verschwunden lein werden. Bisher ist Lichten- berg der einzig« Verwaltungsbezirk, der sich ein solches Filmarchiv geschaffen hat. Das Werk verdient Nachahmung in an- deren Bezirken und in ganz Berlin In dieser Zeit der Sparmaßnahmen gehört Mut zu dem Wunsch, daß Mittel für ein Filmarchiv hergegeben werden sollten Aber es Handell stch hier um keine müßige Spielerei, sondern um eine ortsgeschichtlich sehr wichtige Aufgabe. Und der Kameramann, der Zu stände und Geschehniste in Bild und Film sesthatten will, hat kein« Zeit zu warten Was vorbei ist. Ist vorbei— und bleibt unwiederbringlich verloren Oer Eisenbahnräuber verhastet llebersatt im Nauener Vorortzug aufgeklärt. Gestern abend konnte der Täter, der in der Rächt vom ib. zum 16. Februar auf den Missionsreisenden Otto kienast im Raueaer Vorortzug einen Raub- Überfall verübte, in der Person des 26jährigea M i ll i Barfz ermittelt und festgenommen werden Der Misstonsreisende Kienast hatte den Vorortzug benutzt, der nachts um 16 Uhr den Lehrter Bahnhof in Richtung Nauen ver- läßt. K. befand sich zunächst allein im Abteil. In F i n k e n k r u g stieg ein jüngerer Mann zu. Kurz hinter der Station Brieselang zog der Fxemde plötzlich ern» Pistole hervor und gab ohne weiteres einen Schuß aus K i e n a st ab. K. wurde von der Kugel getroffen, glücklicherweise stellte sich di« Verletzung als ein ungefährlicher Streifschuß heraus. Von einer Reisenden rm Nebenabteil war der Schuß gehört worden und die Frau brachte durch Ziehen der Notbremse den Zug züm.Halten. Der Täter, der es offenbar auf eine Beraubung des Missionsrcijenden abgesehen hatte. sah seinen Plan nun oereitett und bevor noch der Zug zum Stehen kam. riß er die Tür auf. sprang ab und entkam«m Dunkel der Nacht. Die Ueberwachunzsabteiwng der Reichsbahn nahm im Berein mtt der Kriminalpolizei die Ermittelungen nach dem Täter, von dem man»in« ziemlich genaue Beschreibung erlangt hat», auf. Gestern kannte«r in der Wohnung seiner Freundin in der N e u e n S ch ö n« Häuser Straße verhaftet werden. Er ließ sich ohne Wider- stand festnehmen und legte sogleich»in Geständnis ab. Nach seinen Angaben hatte er sich van seiner Freundin Geld ge- liehen. Da er keine Arbett hatte, seine Schulden aber zurückzahlen wallte, sei er auf den Plan gekommen, einen Raub im Dorortzug auszuführen. Er begab sich nach dem Lehrter Bahnhof, wo er sich den Mifstonsreisenden als geeignetes Opfer ausersah, blieb dem Unglücklichen ständig auf den Fersen und schritt zwischen Brieselang und Nauen zur Ausführung seines Vorhabens. Die Waise, eine 7,65 Millimeter Draysepistole, will er bei der Flucht verloren haben. Bartz wurde ins Polizeipräsidium gebracht, er wird dem Unter- suchungsrichter vorgeführt._ (Sommer und Wmier in 24 Giunden. Ungewöhnlicher WttterungSumfchlag in New Uoit. Rem Park. 28. Februar. Die Stadt New Port hatte am Dienstag den heißesten Tag im Februar seit Menschengedenken zu verzeichnen. Das Thermometer stieg auf 23 Grad Celsius Wärme und hiett sich während des ganzen Nachmittags auf 22,5 Grad. Auch abends war es noch sehr ira.m, so daß viele Leute am Strande barfuß gingen. Aber bereits an dem darauf folgenden Mittwoch war von dem Sommsrwetter nichts mehr zu spüren. In New Tort und den Neuengland- Staaten hatten mächtige Schneestürm« eingesetzt, die einen Temperatursturz zur Folg« halten. Amerikanische Vertreter in der VZZ. Wie die New-Borker „Times" erfahren, haben der hiesige Bankier Mae Garrah und der früher« Ratgeber bei der Bearbeitung de» Dawee-Plans, Leon Fräser. Einladungen erhalten, in den A u f s i ch t s r a t der Bank iür internalipnalen Zahlungsausgleich einzutreten.„Times" be- merken dazu, es werde allgemein angenommen, daß der B o r s i g Mac Garrah angeboten und daß dieser da« Angebot annehmen wird. Der VSlkerbundranrschvß zur Analeichuug de» Völkerbund»- pakle» an den Selloga-Pakt hat nach heftiger Aueeinan ersetzung «inen deutschen Antrag angenommen, wonach die Mltgled- siaaten sich verpflichten sollen, für olle Slrettigkeiien ohne jede Ausnahm« eine Regelung nur auf friedlichem Wege zu suchen. Explosion im Bergwerk. 5 Arbeiter getötet.- 45 Bergleute bedroht. Liverpool, 27. Februar. El« ueues schweres Grubenunglück hat sich in den Lyttte-ktohlenbergwerken in Laaeashire ereignet. Aus bisher noch unbekannter Ursache brach in dem Bergwerk ein Feuer aus. worauf eine heftige Explosion erfolgte. S Arbeiter wurden getötet und weitere 25 erlitten zum Teil schwere Brand- wunde«. Die Detonation wurde in weitem Umkreise gehört. Tie Rettuugsarbeiteu waren durch die Rauchentwicklung und die starke Hitze beträchtlich er- ichwert. Nach den letzten Meldungen befanden sich zur Zeit der Explosion im Lyme-Bergmerk bei Haydock 45 Bergleute unter Tage. Rettungsmannschaften, die nach der Explosion in das Bergwerk ein- fuhren, um den Verletzten Beistand zu leisten, wurden durch das nach der Explosion ausgebrochene Feuer behindert. Im Kranken- haus liegen 20 Verletzte, von denen viele schreckliche Brandwunden erlitten hoben. 17 Toie einer Gchiffskatastrophe. Aa der Küste von Florida. Miami tFlorida), 27. Februar. Erst jetzt wird durch Mitteilungen von Reisende», die von der Insel Nassau hier eingetroffen sind, be- sannt, dah sich am 17. Februar auf der Höhe der zu den Bahamas gehörenden Insel Abaeo ein schweres SchiffsunglLck ereignet hat. Dort schlug die Tcha- luppe„Pretoria" infolge hohe« Seegangs voll Wasser nnd sank. Von der 20 Mann starken Be» satzung ist es nach Angaben der Reisenden nur dreien gelungen, sich an de« Strand der Insel zu retten, so das» 17 Todesopfer zu beklagen sind. Ein Schulhaus völlig abgebranni. Acht Kinder kamen in den Flammen um. New Z o r k. 27. Februar.(Eigenbericht) 3n einer Schule In Crosz Lake(Illaniloba) brach gestern ein Feuer aus. wobei acht Sinder unter g Jahren in den Flammen umkamen, vergleichen wurde die Oberin, die ihr Leben einsetzte, um die Kinder zu retten, getötet. Eine zweite Schwester, die aus dem Fenster sprang, brach das Rückgrat. Doch neuer Kurs in Spanien? Sanchez GuerraS Antikönigsrede freigegeben. Madrid, 27. Februar. Der vorgestrige Ministerrat hat sich mit der Red« beschäftigt, die der Führer der konservativen Partei 5 a nch e z(B u e r r o dem- nächst halten wird und deren Wortlaut ohne. jede Stxei chu ng durch die Zensur veröffentlichte werden wird. Die Frage der Zurück- erstattung der Geldstrafen, die von der Diktatur gegen mehrere Personen verhängt wurden, soll im Parlament erörtert werden. Der ArbeUsministcr erhielt den Austrog, im Streik bei den Eisenwerken von Sagunto Vermittlungsoersuche zu unter- nehme«. Der Minister für öffentliche Arbelten prüft das während der Diktatur eingereicht« Gesuch verschiedener ausländischer Organisationen zum Zweck der Einrichtung«mes M onopols der Elektrizltätslndustrie. Der Ministerrat wird in allernächster Zeit«ine Sitzung abhalten, in der beschlossen werden soll, welche von den unter der Diktatur begonnenen Arbeiten zu Ende geführt werden sollen. Es handelt sich um eine sehr schwierige Frage, da bei einer Einstellung der Arbeiten 95 909 Arbeiter betroffen werden würden. Konsumgenoffenschastswahlen. Kommunisten drohen Störungen an. Für Sonntag, den 2. März, find in der K o n s u m- G e- »»ssenschaft Berlin und Umgegend die Wahlen der Abgabestellendelegierten festgelegt Von den 26 4 Ab- gabestellenbezirken findet für 159 Wahlbezirke k e in W a h l g a n g statt, da für diese Wahlbezirke entweder kein gültiger Wahloorschlag eingereicht wurde oder nur ein gültiger Wahlvorschlag«inging: im letzten Falle sind die auf dem gültigen Wahlvorschlag oermerkten Kandidaten als gewählt zu betrachten. Es ist zu bemerken, daß sowohl Wahworschlagslisten der Gruppe„Ge- nossenschaftsaufbau' wie der Gruppe„Opposition' ungültig erklärt werden mußten. Notizen In der„Roten Fahne' enthalten die Aufforderung an die Mitglieder in jenen Abzabestellenbezirken, für die keine Wahl stattfindet,„sich ihr Wahlrecht in der nächstgelegenen Verteilungs- stelle zu erkämpfen". Demgegenüber ist zu betonen, daß nach den Satzungen der Genosienschaft„das Wahlrecht nur im Bezirk der- jenigen Abgabestelle ausgeübt werden kann, die der Wohnung des Wahlberechtigten am nächsten liegt". Es ist also nicht statchast. daß Mitglieder in Abgabestellenbezirten. in denen keine Wahl stattsindet. das Wahlrecht rn einem anderen Wahlbezirk ausüben. Die Aus- lassungen der„Roten Fahne' stellen demnach eine A u f f o r d e- r u n g zur Verletzung der Satzungen dar. Sollte es auf Grund der Aufforderung der„Roten Fahne' am nächsten Sonntag bei den Genossenschastswahlen in einzelnen Bezirken zu Störungen des Wahlaktes kommen, so wird gegen die Siörer mit entsprechenden Maßnahmen einzuschreiten sein, gegebenenfalls strafrechtliche Ver- sclgung eintreten._ Branddirektor Z�unge gestorben. Gestern ist der öSjährige Branddirektor Erich Runge in seiner neben der Wache am Hafenplatz gelegenen Wohnung nach langem, schwerem Le.den gestarben. Der verdiente Feuerwehr- beamte war zuletzt Leiter des Uebungsdienste« im Zentralamt der Feuerwehr, die in dem Verstorbenen, der 27 Jahre im Dienste de» Berliner Löschwesens stand, einen ihrer tüchtigsten Beamten verloren hat. weller für Verlin. Borübergehend etwas Bewölkung, sonst Fortdauer de« beständigen Wetter», wenig Temp-raturönderung, iüdlick« bis sudästlicke Winde.— Für Deutschland. In Mittel- und Ostdeutscttand vorwiegend heiter bei wenig geänderten Tempera- turen, im übrigen Reiche vielfach bewölkt, rm Südwesten stellen- weis« Regen, in höheren Lagen Schw«. Die Rembrandt-Sct Will man diese Ausstellung in der Akademie richtig verstehen, so sollte man von ihrer Veranlassung absehen. Die staatlichen Museen in Berlin, denen in diesem Jahr« eine ganz bedeutende Vergrößerung, die Eröffnung des Deutschen Museums, bevorsteht, wollen außerdem noch an die Tatsache ihres hundertjährigen Be- stehens erinnern. Eine Rembrandt-Schau ist nun in der Tot sehr geeignet, dos Herauswachsen der Berliner Sammlungen fast aus dem Nichts zu einem alles umfassenden Komplex von Weltbedeutung an einem Beispiel zu erweisen. Das heißt: an den Rembrandt- Erwerbungen in diesem Jahrhundert kann die großartige Tatkraft und der Spürsinn der leitenden Museumsbeomten Preußens glorios erläutert werden. Wie hier aus einem sehr kleinen Stamm vor- handener Originale die umfassende Rembrandt-Sammlung wurde, das ist vorbildlich und gilt analog für die ganzen Staaisgalerien Berlins. Zugleich fcird damit dem Spürsinn und dem Erwerbs- glück Wilhelm Bodes nachträglich gehuldigt, der ja zu dem engsten Kreise der Rembrondt-Forfcher und-Sammler gehört hat: nur Ist sein Name merkwürdigerweise nirgends ausgesprochen worden. So ungefähr hat man sich den etwas komplizierten Gedanken- gang vorzustellen, der zur Entstehung dieser Ausstellung führt«. In der Einführungsrede von Waetzoldt kam er in musterhafter Klarheit zur Geltung: denn Waetzoldt sprach als Generaldirektor der Staatsmuseen. Wie wenig uns das nun aber in dieser Umgebung angeht, machte die Rede des neuen Kultusministers in einer schönen Un- bewußtheit klar. Minister Grimme sprach über Rembrandts einzigartiges Künstlertum in einer so großen und menschlichen Weise, wie kaum se ein Minister vor chm gesprochen hat: m wenigen meisterhaften Sätzen, die, ganz aus der Empfindung kamen und nicht aus offizieller Beredtsamkeit. olles aus dem persönlichsten Bechältnig zu dieser Kunst herleiteten, stellte er das überragende Phänomen dieses großen Schöpfers vop uns hin. Der Minister hat sicher nicht an jenen Zwiespalt gedacht, den er zugunsten der Persönlichkeit löst«. Aber wir danken ihm dafür, daß er mit schönem Instinkt auf das Wesentliche hinwies, das jenseits der Anlässe und der mangelhaften Durchführung lag: auf den überwältigenden Eindruck der Rembrandtschen Kunst, die (jenseits aller Schwierigkeiten beim Besuch von Museum und Kupserstichkabinett!) in der Akademie als vollkommene Offenbarung des Menschengeistes genossen werden kann. Denn das muß noch geschwind« angemerkt werden: in einer Beziehung ist diese Ausstellung ein schwacher Kompromiß. Rembrandt als Maler erscheint nur in der Zufallsauslese des Karser-Friedrich-Museums: wohingegen wieder einige Leihgaben aus Kassel und Braunschweig und au» Privatbesitz die Frage an- regen: warum nur diese wenigen, wenn man sich schon einmal nicht daraus beschränkte, die Plätze der Bilder vom Kaiser-Friedrich- Museum mit denen am Pariser Platz ,u vertauschen— warum dann nicht alles aus Kassel, Dresden, München ujw. Erreichbare herbeigebracht wurde? Das war also eine halb« Angelegenheit. Und dann ist nicht zu leugnen, daß die überhohen, mit stumpfen Drau bespannten Säle der Akademie nicht durchaus den rechten Hintergrund für Rembrandt abgeben. „Hai-Tang." Ein Sprech- und Tonfilm im Eapitol. Ein konventionelles russisches Großfürstenmilieu mit Orgien. Russentänzen und-aesängen, eine chinesische Barietätruppe mit dem Star Anna May Wang, ein Wiener Chansonnier— das alles ein- gebettet in einer Schauerhandlung van Dersührung. Todesurteil und Selbstmord der Chinesin, die sich dem Großfürsten hingibt, um den Bruder zu retten � ist Oer buntgemischte Inhalt dieses hundert- prozentizen Tonfilms. Sprach-, gesang- und musiklechnisch ist er, in London in deutscher und englischer Sprache aufgenommen, vor- züglich gelungen. Aber der routinierte Regisseur E i ch b e r g ha: die Langstillgkeit des Sprechfilms noch nicht überwunden, die Hand- lung stockt lufolgedessen. Das Sck)augepräng« des Großsürftendon- kctts mit dem Auftreten der chinesischen Gautler, die Orgie im Or- pheum und der weihevolle Selbstmord der Chinesin vor ihrem Hausaltar stnd filmisch die Höhepunkt«. Aber ist die M a y W o n g gebührend ausgenutzt? Sie spricht vorzüglich, singt deutsche Lieder, zeigt ihren schlanken Körper im Tanz— aber die besondere Rasse ihres Mienen- und besonders des Gestenfpiels ist in anderen Filmen schon besser herausgekommen. Trotzdem ist sie die Nummer 0«s Films. Auch die anderen Chinesen fallen durch ihre angeborene Filmnatur auf. Anna May Monas Partner ist Franz Lederer als russischer Leutnant, der der Chinesin in wirklicher Lieb« er- geben ist. sie vergeblich vor den Nachstellungen des Sroßsürsten zu bewahren sucht— immer in schöner und edler Haltung. Georg Schnell sucht von dem Großfürsten alles fernzuhalten, was nach einem üblichen Theaterscheujal aussieht. Ueberrascheno gut in Sprach« und Spiel ist Hermann Blaß als Wiener Klavierspieler und Sänger, der«inen lustigen Tön. aber zugleich auch«in Gefühl der Menschlichkeit In das M'lieu der Barbarei und Tyrannei bringt. Die Musik von Hans May. in keiner Weife aufdringlich, sucht den mannigfachen aus der Handlung sich ergebenden Elemen- ten der Rasi« und des M lieus sich anzupassen. Dos eigentliche Wesen des Tonfilms ist auch in diesem Film noch keineswegs er- faßt, es herrscht noch die naive Freude an der Nachbildung einer gleichgültigen Wirklichkeit, anstatt daß das neu« Tonmittel zur Steigerung und Gefühlserfüllung des früher stummen Films wirk- lich ausgenutzt würde r- Das deutsche Lied unserer Zeit. Das deutsch« Lied als Kunstform und Kurrstzattung ist von je ein« deuls'e Spezialität: sie wird von den Musikern der füngsten Gegenwart ein wenig vernachlässigt Aber„unsere Zeit', Kunst unserer Zeit, das ist nicht nur die werdende, sondern die geworden« Gsgcnnarl: und gerode die gehören zu ihr. haben dar.n Raum, durch die sie geworden ist. Hugo Wolf, Gustav Mahler, Richard Strauß. An Beispielen aus ihrem Schaffen hat Professar Leo Kestenberg sein Thema erläutert:„Das deutsch« Lied unserer Zeit'— im Bürgersaal des Rathauses, vor interessierten Hörern. Mitgliedern der Berliner Volksbühne. Ueberflüisiz. die gründlich« Sachkenntnis und rednerisch« Ueberlegenheii des Vortragenden rühmend zu erwähnen. Aber das waren nicht Stunden nur fach- licher Belehrung: es war, halb Dortrag, halb Borsührung. der ge- glückte Versuch eine.' Form etwa zwischen Kolleg und Konzert, einer zwanglosen Form, Musik auf Empfänglich» als bildendes Erlebnis wirken zu lassen. Für den dritten, letzten Abend, einen Richard- Strauß-Abend. war Ludwig Heß, der ausgezeichnet« Liedersänger. zur Mitwirkung gewonnen: und es war eine Freud«, einmal wieder den Pianisten Kestenberg, der einst Busonis ochüler gewesen, als einfühlsamsten Begleit« am Flügel zu hören. K. P. av in der Akademie. Wir wollen solche Halbheit in Kauf nehmen angesiehts der be- torenden Füll«(einer Zeichnungen und Graphit. Dos Berliner Kupferstichkabinett besitzt sein gesamtes Radierwerk, die Hauptblätter in mehreren Zuständen: dazu di« wohl schönst« und vielseitigste Sammlung seiner Zeichnungen, die hier noch aufs glücklichste ergänzt wird durch die vierzig Blätter von Koenigs>» Haarlem. Nun kann freilich jedermann diese Schätze im Kupfer- stichkabtnelt sich vorlegen lassen. Es ist aber nicht jedermanns Sache, zwischen 10 und 13 Uhr die feierlich stummen Hallen zu betreten und von zugeknöpften Staatsfunktionären sich die vielen schweren Mappen hexansahren und mit deutlicher Gebrauchsanweisung vor- legen zu lassen(wozu auch erst«ine ganze Reihe wiederholter Besuche gehört). Kurz, eine Darbietung an den Wänden eines so vorzüglichen Ausstellungsinstitutes wie der Akademie bietet«ine schon durch Seltenheit köstliche Gelegenheit, das gezeichnete und radiert« Werk Rembrandts ausführlich kennenzulernen. Denn was man durch keinen Museumsbesuch gewinnen kann, ist die intime Kenntnis des unsaßlichen Gestaltungsreichtums von Rembrandt Zwar ist«r einer der größten spezifischen Maler, sei» Reich ist die Farbe und das Licht Aber es ist vielleicht auch bei ihm wie etwa bei Dürer leichter, durch Vermitllung der Zeichnung zum Mittelpunkt des schöpferischen Gerste» vorzudringen. Die Fülle seiner Gesichte, seiner Einfälle, seiner Naturstudien zieht in der flüchtigen Form der Zeichnung(und der Radierung) mit einer besonderen Magie an uns vorüber. In der Zeichnung zumal spricht er, noch dem schönen Wort von Max Friedländer, mit sich selber, ist der Diflonär allein mit sich und seinem Gott. Nicht immer ist die letzt« Lösung aller Formprobleme im endgültigen Gemälde leicht zugänglich. Das Ringen um überzeugend« Darstellung offenbart sich groß und hemmungslos in den Vorstudien, in den mannigfachen Formungen des gleichen Gegenstandes, in den umibertrefflichen Studien nach der Wirklichkeit. Rembrandt hat seine tiefsten Geheim- nisse In unzähligen Schilderungen aus dem Mten Testament und in Bildnissen gegeben. Für beide sind Zeichnungen und Radierung ein« unerschöpfliche Fundgrube. Man geht von Blatt zu Blatt mit einem immer wachsenden Staunen und einer grenzenlosen Ehrfurcht vor der Ueberlegenheii dieses großen Menschen. Hier gibt es nur den Vergleich mit den Größten, die gelebt haben: mit Giotto und Michelangelo, mit Goeche und Beethoven: eine Welt von unfaßbarer Tief« und Großheit öffnet sich, für jeden anders gestaltet, mit jedem sich in ander« Weiten verlierend. Heute noch, nach dreihundert Jahren, überwältigt das Einmalige und die Wahr- haftigkeit seiner Bisionen: Gott, Menschenleid, Natur werden offen- bar mit einer Innigkeit und Klarheit, die immer wieder an das Erlebnis mit Saulus erinnert, der in einem Moment höchster An- spannung zum Paulus wurde. Dies ist das offenbar« Geheimnis des Genies: was es prägt, ist Wahrheit: seiner Ueberredungskunst sich zu entziehen, ist unmöglich. Hier erlebt man, daß Rembrandts Wirkung jenseits aller menschlichen Begrenztheit liegt, und der Un- gläubigste muß sich neigen vor der unwidersprechlichen Göttlichkeit seiner Welt und den Tiefblick, den er in die Menschenseel« getan hat. P»ul F. Sehrnjdt Berliner Romane. Deranstaitung des Verbandes deutscher Erzähler. Eine Veranstaltung mit dem Titel„Berliner Romane' könnte schlaglichtariig den Komplex Berlin von verschiedenen Seiten be- leuchten. Querschnitte und LängsschniUe wären möglich, und aus den entgegengesetzten Meinungen und Gestaltungen würde sich viel- leicht das Bild der Stadt formen. Bon diesem Gesichtspunkt geht der Verband Deutscher Erzähler nicht au?. Im Plenarsaal des Herrenhauses lasen Werner Türk, Georg Hennann und der Schauspieler Johannes Riemann für den abwesenden Georg Fink. Es handelt sich also um zwei Romane, die im modernen Proletariat spielen, und in Hermanns„Grenadier Bordelmann' um das Berlin des ausgehenden, achtzehnten Jahrhunderts. Werner T ä r k wie auch Georg Fink in„Mich hungert" ge- stalten das Proletariat, ohne daß sie direkt aus einer kollektivistiischen Weltanschauung heraus Ding« und Menschpn betrachten. Es ist der beiden«in« Art romantischen Gefühls, das sie gerade zu den Nied rigsten Schichten �u den Cntrechletcn und Hofsnungsloftn treibt. Fink sagt selbst am Schluß seines Romans, sein« Liebe gehöre nicht den Organisierten, den Ausstrebenden, sondern den Schichten, die darunter ibr Leben rerdämmern. Dielleicht ist für be'd» charat'e- ristisch, daß sie Menschen zeichnen, die im Grunde Bürger, also Individualisten sind. Bei Türk überwirft sich ein Sohn aus reichem Hause mit seinem Bater, sucht sich eine Schlafstelle im äußersten Berlin und sängt an Marx zu studieren, ganz ollein, ohne daß er sich einer Organisation anschließt. Aus dem vorgelesenen Bruchstück geh: die weitere Ent- Wicklung nicht hervor. Die Einstellung des jungen Mannes ist aber auf diesem Punkt rein individualistisch, und auch Teddy König bei Fink steht abseits. Cr fühlt sein« tiefe DerbundenHeit mit den Enterbten, aber es bleibt nur bei diesem Gefühl, bei d.efer Lebens- Haltung, er sucht, nicht die Gemeinsamkeit, die vorwärt» bringend« Arbeit in der Lrganisa ion. Das Problem des Proletariats wird sentimentalisch behandelt. Das größte Können ist aber bei Georg Hermann, und doch gibt er am wenigste,:. Der Vertreter des städtischen Bürgertums sieht eigentlich nur Einzelheiten, er sieht sie scharf und formt sie prägnant, jedes klomste Ding reist unter feinen Händen zu einer Individualität heran, aber alle« scheint'"mte entrückt, wirkt wie«in artistisches Bekenntnis.— t. Die einzige Zigeunerzeitschrist Dem Moskauer Gelehrten Pro- fessor Sergiewskij ist es vor einigen Jahren zum erstenmal gelungen, ein Alphabet der Zigeunersprache zusammenzuftellen, und daraufhin wurde di« Zigeunerzeils-l-rift„Rnrony Sorja", di« einzia« in der Welt, gegründet. Die Zeitschrist wird nun allmählich, wie'in der„Literarischen We't' berichtet wird, zum Mitteinunkt einer neu entstehenden Zigeuncrliteratur. Schon jetzt gibt es unter den russischen Zigeunern einlae bedeutende Dichter, so I. Lebedew mit seinem Roman„Banuk" und M. Possakow. Da die Zigeunersprache, die ein Gemisch indischer Dialekt« darstellt, von allen Zigeunern'aefprochen wi-rd, so ist es nicht aurgefchlcssen, daß diese Zeittchrift sich zum internationalen Organ einer neuen Literatur entwickelt.___ «lue«u» wände un- dmch prnllch'avd. Der dittte SMUbtldeivorlma. den«PJorfrvi ui'ttl bleiern litel für die SsolHtfidi'e dält. findet Sonnabend. 8 Ufr, im Stur.lipe eibemuleum ftalt fftnlafefavlm 9,70 Mi. «ne«nditide Weife in der fiotneta findet ,» Ehlen de« derülmten mb'Uhtn TaifleDer« Eimens» Rat katl.?amur»taa und g> eita?.7a« i�radrnal einer ploi e» Liebt", Eonrabenb und Sonntag„Lie Leuchic Asien«". Monlaa ,Schickial«w>irsel'. Orr t eretn BttUnet Künstler veranstaltet am Sonntag, dem 1. März, (ein gaschtLgtjist im»üusUerhauj«. Kampf gegen den Staub. Das Lichtbild in seinen Dienst gestellt. Mittwoch nachmittag wurde im Phökms-Palast Gewerbe. tiygienikern. Gewerbeaufsichtsbeamten, Wissenschaftern und Gewert. schaftsvertretern ein Film vorgesührt, der zwar in erster Linie für die Wissenschaft und Technik, nicht zuletzt aber auch für die Arbeiter- schast von großer Bedeutung ist. Der Film, für dessen Bearbeitung neben den Staubtechnikern .<). W i t t e m e i e r, Professor Dr. K o e l s ch und Professor Dr.-Ing. ch. Beer verantwortlich zeichnen, zeigt«inen instruktiven Abriß über die Entwicklung der hygienischen und technischen Staubbekämpfung. Interessante Aufnahmen verqualmter chafcnplätze, westdeutscher Industrieanlagen, des Inneren von Walzwertsil, Gießereien lassen die Ruß- und Staubplage in ihrem erschreckenden Umfange erst richtig erkennen, die sonst ini allgemeinen als unvermeidlich hingenommen wird. Bei der Be. trachtung dieses Filmstreifens wird auch dem Nichchygieniker klar, was es z. B. bedeutet, daß in einer Großstadt wie Verlin täglich etwa 24 000 Zentner Verbrennungsrückstände In Gestalt von Ruß und Flugasche zur Erde fallen. Dem Arbeiter, der in Steinschlägen, Metallschleifereien und anderen stauberfüllten Werkstötten arbeitet, zeigt der Film an photographier len Staublungen solcher Arbeiter, mit welchen gesundheitlichen Gefahren ihr Tage- werk verbunden ist. Es ist ein Verdienst der Hersteller dieses Films, die von hervor- ragenden Staubtechnikern und Behörden bei ihrer Arbeit unterstützt worden sind, einmal vor aller Oeffentlichkeit zu zeigen, daß im Zeit- alter der moderne» Technik die gesundheitsschädigend« Staubplage nicht widerstandslos hingenommen zu werden braucht. Die im letzten Teil des Films gezeigt«!' Möglichkeiten, die staub- geschwängerte Lust durch Filter und Filtriermaschinen fast hundertprozentig staubsre! zu machen, klingen zwar noch etwas nach Zutunstsmussk, eröffnen aber dock) die Aussicht, daß in absehbarer Zeit es gelingen wird, die gesundlieitlichen Gefahren der Staub- einwirkungen nicht mir für die Arbeiter stark herabzumindern, son- der» auch in Fabriken, Sitzungssälen, Theatern usw. eine wirklich einwandfrei« staub- und battcrienarme Atemluft zu schassen. Proteststreik der Schornsteinfeger. Die Zwangsinnung verweigert Lohnerhöhung. Di« Ortsgruppe Berlin des Zentralocrbandcs der Schorn- steinfegergesellen Deutschlands, in der über 80 JJraj. aller Schoru- skeinfegergescllen Berlins organisiert sind, unternahm noch strikter Ablehnung jeder Lohnerhöhung durch die Zwangsinnunz der Schornsteinssgermeister, am gestrigen Miltwoch«inen Protest- streik, verbunden mit einer Protestoerjammlung. Durch ihr vollzähliges Erscheinen bewiesen die Gesellen, daß st« entschlossen sind, die Mochenschasien der Zwangsinnung aufs schörsste zu bekämpfen. Einstimmig faßten sie eine Resolution, wonach die Kollegenschast sich einmütig hinter ihren Vorstand stellt und die Handlungsweise des Jnnungsoorstandes brandmarkt.„Unter keinen Umstanden"— heißt es in der Resolutlvn—„lassen wir uns das Recht auf einen auskömmlichen Lohn, der der Art, Gefährlichkeit und Schwere unserer Arbeit enispricht, nehmen. Um in den Genuß eines höheren Lohnes zu kommen, werden die Schornsteinfeger- gesellen vor keiner Maßnahme zurückschrecken. Di« Bevölkerung Berlins, die in ständiger Fühlungnahme mit dem Schornsteinfeger steht, ersuchen wir, uns in unserem Existenz. kämpf zu unterstützen. Das idyllische patriarchalische Berhältnis im Schornsteinfeger- ge werbe, in dem das Gescllenverhältnis nur dos Uebergangsstadium zur konzessionierten Meisterschast war, ist vorbei. Da.zu hat u. a. micl) die Lehrlingszüchterei nicht wenig beigetragen. Die Gesellen, di« sich jahrzehntelang im Hinblick aus ihre künstige Selbständigkeit mit geringen Löhnen abspeisen ließen, können sich diesen Luxus heut« nicht mehr erlauben und müssen ihr« Meister erst daran ge- wohnen, anständige Lahne zu zahlen. Arbeitslosenkundgebungen in Amerika New Vort. 27. Februar. Ans allen Teilen der Verciniglcu Slaalen. bejonders aus Ehi- kago, Seattle, Wilmingtoo und Boston, werden Arbeitsloseukund. gebungen gemeldet. Uebcrall schritt die Polizei mit Gummi- knüppeln ein. In E h i k a g o wurden lSO Arbeitslose, die sich an ciaer kund- gebung beteiligt hatten, wegen Laad st reicherei verhastel. Arbeitslosenversicherung oder Erwerbslosenfürsorgc gibt es in den Bereinigten Staaten nicht._ „Menschenexpori!" Für die unsinnige nationalsozialistische Behauptung, die Folge der Annahme des Poung-Plons müsse naturnotwendig der Export deutscher Arbeitskräfte ins Ausland sein, kolportiert die Hakenkreuz- presse einen Borsoll als Beweis, der sich heim Arbeitsamt Düsseldorf zugetragen habe und den sie wie folgt schildert: „Dem Fräulein Soz>hi« M. wurde dieser Tage beim Arbeits- amt eröisnet. daß sie ein« Stelle in den Haag(Holland) an- nehmen müsse. Sie hat nun die Annahme dieser Stellung ver- weigert. Auf Grund dieser Weigerung Hai mar» ihr die Arbeits- loienuntcrstüßung versagt. Sie wurde einfach ausgesteuert, und muß sich nun beim städtischen Wohlsahrtsamt melden." Tatsächlich ist einem Fräulein Sophie Mehl auf dem Arbeits- amt Düsieldori eine Stelle nach Holland angeboten worden. Möglich ist, daß die Bermiitlerin, wie es fcei der Vermittlung von InloUdSstellen üblich ist, auch bei diesem Angebot für den Fall der Ablehnung die Sperrung der NnterMtzung in Aussicht gestellt hat. Ob es im Drange der" Geschäft« gewohnheitsmäßig geschehen ist. konnte nicht einwandfrei festgestellt werden. Jedenfalls ist es nach den bestehenden Vorschriften unzulässig. Nachdem jedoch der Dater der Stellesuchenden der Bernnttleriu mitgeteilt hat, er wünsche nicht, daß sein« Tochter«Ine Stellung im Ausland annimmt, wurde die Unterstützung nach wie vor weiter- gezahlt. Nachdem jedoch später die Unterstützungssrist von 26 Wochen abgelausen war, war die Stellungslose allerdings ein- fach ausgesteuert. Die ausgesteuerten weiblichen Arbeitsosen müssen sich dann an das Wohlfahrtsamt wenden. Beendeier Abwehrkampf in Warnsdorf Ivos Strumpfwirker streikten 10 Wochen lang. Varuedors i. Böhmen, 27. Februar. Di« Strumpfsabrik Kynert u. Söhn« ywllte die geringen Löhne ihrer etwa lMO Köpfe starken Arbeiterschaft um nicht weniger alz 22 Praz. verkürzen. Die Arbeiter wurden dadurch in«inen Abwehrkamps getrieben, den st« zehn Wochen geführt haben. Jetzt muhten sie einer Einigung zustimmen, die einen Lohnabbau von 13?� Proz. bedingt. Obendrein erklärt die Firma, daß st« die Streikenden nur noch Maßgabe des Bedarss wieder einstellen werde, da die Konjunkiur im Strumpsgeschäst seil dem Streik wesentlich zurückgegangen sei. Donjjcrstas. 27. Februar. Berlin. 16. CO Von Breslan: UnicrlaUoiigsltoiirert. 17.�0 Säten und Abenteuer.(Sprecher: n*. Wolf Zucker J 18.no nr. med. Erich Wold: Was schädltt mein Herl? I8..V) Prof. Dr. Emst Jäckh: Kann Europa amerikanisiert werden? 19.00 Volks- und volkstümliche Lieder. 19.80 Rlusorchesterkomcrt. 21.00 Erstaufführung: ,,Von beule auf tnorgen**. Oper von Arnold Schönberg, Regie; Cornelia Bronsgeest. Dir.: Der Komponist, Nach den Abendmeldungen bis 0-30; Tanzmusik. Königswusterbauaes. 16.00 Min.-Rat Hans Richert: Das Problem geschichtlicher Bildung. 17.30 Min.-Rat Goslar: Staatliche Pressepolitik einst und teilt. 17.83 Mersmann: Gespräche über Musik. 18.20 Reinhold Scharnke: Musikeranekdoten. 18.40 Sounisch für Fortgeschrittene. 19.0» Dr Mario Krammtr: Friedrich der QroBe und Voltaire. 19.30 Dr. Ophal: Die Nortvetidigkeli der blaerlichen Wirtschaftsberahmg. 20.00 Programm der Aktuellen Abteilung. 20.13 Von Breslau:..Gedichte angeboten". Setontmortl. die hie Rehaktion:«o««a-g««war,.?erlm:«naeiaen; 14, Qltufe, Beelin Stria#: Loewöets Verla#®. m b«., Beelin. Brurf: LaewaelS«uA- heutfetel uni Stelaasantt#!! B-nl Srngeg& Co. Berlin Sffl«8. Cinhcnitrafee 3. Hieran 1 fictlaac. Oonneist,. 27 2. Staats-Oper Unter d. Linden Tal-U. 8 N. Iis.? Jahrcs-mi-T. Ito. 56 20 Uhr Tosea Endegeg.22,sU. liäats-Oper tu Platz dir Rtpublik R-S. 16 19-/, Uhr Die Mmol Ende U. Don n eist., 27.2. Stadl oper Bismarckstr. Turnus III 19-, Uhr Die Hoffizelt des Figaro Ende n. 221'a U. Staat!. Schausph. in Cmdiminnirkt SL R. 5 Du. Do. 5 Jjhr8S-(b.-lf. Ho. 50 m Uhr Nalhan der weise Ende 21'< Uhr. MI.Mtiller-Mer.Cbarüb!}. 20 Uhr Ende gegen 22'/, Uhr Tägl. 5 u.81;, Uhr. B 3 Bald. B256 Pr. 1-6 M. Wochenig. 5 U. 50 Pf.-3 M. Nor noefa bis morgen I Con Colleano, 4 Bronetta und weitere zum 1. Male in Europa gezeigte Spitzenleistungen Tägi. 5 U.«13 f ooot.?.5 n 8' A ex. E 4, 8066 Morgen lelzier lag! Gas'splel Frilx Servos und das hervona-ende Varie«-Programm »ose 1" Btt ue«■ Bt e r Große Frankfurter S'raße 132 Bil ettkasse Alex. 3422 und 3494 | Täglich 8.15 Uhr(Sonn aus 9U.) Nur noch wenine Male } öls etti Bik. Opereiie v. M iUUKcr „Ciasparone** Für die Kinder: Tonoabosö 3 U«' eno acs 3.30 o. „ schenbrö.e" Grones Auss ailan't-Märdien I Sonntag 3.15 ehr Zum 5. und le'z en Male „Die Csardas üritln". Ab t. März leden Sonnabend IUI Uhr Nachtvorstellung. „rter Mos'ergaüe" VoiKsblihne Thutir an Rälowplati. 8 Uhr Das Gerfldit Komödie in 14 Bildern v C K. A\unro Real: K. R. �aitin SiaatLSdiiiler-lh. « Uhr Bouhourodie George Danoln idealer an sannsauerdamiB 8 Vi Uhr milartBDlürti! Die Komödie |I Blsmck. 2414/751 6 8'.. Uhr Victoria von S. Maugham. Regie MaxReinhardi Musik: Mischa Spolianskv isotsfties NM D 2 Wsidffldinni 5201 ragi. 01< tih Oer Kaiser v.Amefika von Bernard Shaw liege Man Reluhard, ((ammerspieie 0 2 WeiiaDjaniii 5201 8 Uhr Der Kandidat von Carl Stcrnhemv Reife: He« ReinrfdL Lessing-Tlieater iteidinünai 2191».(Uta täglich Uh> ffiare oreytus von Rehflsch und Herzo" Direktion >r. Robert Kleir Ceulsehes KSusiier-Theat Barbarossa 3937 8Vi Uhr Jm. zwei, drei" von Franz Molnat mit Mai Pailenlierg. Vdrher: Souper Bsrliner TbeatEr Dönhoff 170 Täglich SVi Uhr Die Straße nitlUtititBasauiaüo. Regie rleinz fli| per. 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Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz« Richard Tauber Musik von Franz Lehär. Kleines lueat. Merkur 1624 Tägl. 8Vi Uhi Der Walzer von bente Nacht! Erika Qiatsner, Hi de Wörner, Hermann Scha tu. CIRCUS CÄR.L HAGEMBECK TÄGL.8UHR.• BUSCH GEBÄUDE NIE ZUVOR GEZEIGT RINGKAMPF zw,schen_ MENSCHukdELEFANT ■v,?.. rr■■...•, VORVERKAUF-A.WERTHEtlMÜ.TEL.WeiDE W DAMM 3640' Lus'.splelhaus»'> u. r,c<1rlchstr. 2?b Bergmann 2�22 2T Uids ii! In i Blidi. s Ricmann— Kaacjk. Vorverkau in beiden Häu Orn ab| (0 Uhr unun'orb ■MueoWeIt? | U-fialu Kennamniliti tniZlij Äiilt hassniieile 103 U j Mm Bodileriesti Grones Sdbweincscblacbtcn and Oraf!sver,o*on'i der 2000 e en lonre Bockb'er j iiiiiii 111111111111111111111 im niiriMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiifii u n t ihm ihi ii iiiiniiiiiiii 1 Freitag, den 7. Uflrz 1030 winterfest der Kerl!» er Fcaeivehr auler Mrt- wlrkan« erster Bühupa- and Kabarettk- Site. total, a. Koim.Tor Kottb. Str. 6 Tägl S Uhr auchSonnt. nachm. 311.: nimil.Pnisu Elite- Sänger. 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Fisdmooserven Gegen Husten u.Heiserkeit nur UilrlGhaCo-sUieiBensse Risioriusstp. 102a Talaphon: WelQenoee 12C5 Bezugsquellen werden nacb gewiesen fietlage Donnerstag, 27. Februar 1930 SivAbimd ShniauigaHlutu IbträrA Gymnastik u«ö Schult los von de« Schablone! Die neue Form der Gymnastik ist da. Aber ihr Einfluh auf die Schule, deren Reform zwar im Gange, aber bei weitem noch nichl beendet ist, blieb, wie wir in dem Aufsatz„Etwas vom Turnen" schon ausführten, gering. Gewiß, von dem alten System der steifen Stellungsübungen geht man allmählich zu bewegten Freiübungen über. Nur fragt es sich, und darauf kommt es an, zu welchem Zweck? An die Stelle der einen Betriebsamkeit ist eine andere getreten, ohne daß man den Eindruck hat, daß es sich um neues Leben, um eine Befreiung des Schulturnens aus seiner Erstarrung handelt. Ein Blick auf den Eintcllungsplan verdeutlicht die Situation. Da ist noch immer die alte Dreiteilung: Freiübungen, Ge- rätewrnen, Leichtathletik oder Spiel. Aus methodischen Gründen hat man die Freiübungen zwar auf den ersten Punkt der Tages- ordming gesetzt. Das heißt aber nicht, daß sie nun auch im Vorder- grund des Schullurncns stehen. Der Durchschnitt der Turnlehrer betrachtet die Gymnastik nach wie vor als etwas, was man mitnimmt, well es nun einmal auf dem Stundenplan steht, und der Durchschnitt der Schüler langweilt sich dabei, weil ihm Zweck und Sinn nicht nahegebracht werden. Der Zustand kann sich nicht ändern, solange der Gymnastik innerhalb des Schulturnens nicht ein größerer Spielraum gegeben und sie nicht vom übrigen Turnen abgetrennt wird. Die Situation ist nicht hoffnungslos. Die Erkenntnis der in Frage kommen- den Instanzen von dem entscheidenden Wert der Gymnastik drückt sich schon darin aus, daß man systematisch dazu übergeht, wie den Schularzt auch das orthopädische Turnen im Schul- system zu verankern. Es gibt schon eine große Anzahl von Turn- lehrern, die neben den üblichen Examen eins für orthopädisches Turnen abgelegt haben, und besonders Berlin weist bereits eine große Anzahl von Schulen auf, di« das orthopädische Turnen(das ja eine Abart der Gymnastik ist) für leicht verkrüppelte oder gefährdete Schüler eingeführt haben. So erfreulich diese Tatsache ist, entbehrt sie doch nicht einer leisen Tragikomik. Sie zeigt, daß man zwar die Bedeutung der modernen Gymnastik für die Gesundung und Gesunderhaltung des Körpexauf- baus anerkennt, daß man sie aber praktisch nur auf den tranken Körper anwendet. Man wandelt da«in wenig die Wege der Schulmedizin, die es ja auch lange genug als chren einzigen Zweck angesehen hatte, Krankheiten zu heilen, ehe sie zu der Erkenntnis vordrang, daß Vorbeugen zumindest ebenso wichtig ist. Hier stehen wir zugleich mitten im Problem des Schulturnens. Der Zweck des Schulturnens ist ja, den Körper gesund zu erhallen und ihn für das Leben zu ertüchtigen. Man braucht kein Feind des Jahn-Turnens, der Leichtathletik und des Spiels zu fem, wenn man ausspricht, daß sie nicht das geben können, was die moderne Aus- gleichsgymnastik gibt. Die Gymnastik führt ganz nüchtern zum Urzweck des.Schullurnens zurück: sie verfolgt, ausgehend von einer genauen Kenntnis des Körpers, mit jeder einzelnen Uebung di« Gesund- und Elastjscherhaltung jedes feiner Teile; sie vermittelt zu gleicher Zeit die Kenntnis jener von jedermann leicht zu betreibenden Uebuugen, die im späteren Leben nötig sind, ym sich vor der Verknöcherung zu bewahren. Wenn man der Gymnastik in den Schulen heute nach nicht die Beachtung schenkt, die sie verdient, so geschieht dos zum nicht geringen Tell deshalb, weil der Lehrer fasziniert auf die Leistung starrt. Man hat sich auch hier von dem alten Begriff der Leistungs- und Lcrnschulc noch nicht frei gemacht. Das Bild verändert sich sofort, wenn man den Turnbetrieb vom Gesichtspunkt der Arbeits- und Gemeinschaftsschule aus betrachtet und wenn man sich dcr Notwendigkeit einer systematischen Hygiene bewußt wird, di« sich aus der Entwicklung des modernen Lebens von selbst ergibt. Bleibt die Frage, wie man mit dem alten System brechen kann. An eine Verdrängung des bisher üblichen Geräteturnens, der Leicht- athletik und des Spiels wird ein vernünftiger Mensch nicht denken. Was dagegen zu fordern wäre, das ist, wie wir schon andeuteten, ein« völlige Absonderung der Gymnastik vom anderen Schulturnen, etwa indem man der Gymnostik eine besondere Stunde im Schulplan anweist, in der nichts anderes betrieben wird als dos. Die Leitung dieser Stunde dürfte allerdings nur einer Lehrkraft anvertraut werden, di« nicht nur die einzelnen Gymnastiksysteme de- herrscht, sondern deren medizinische Vorbildung auch der- ort ist, daß sie weiß, worauf es ankommt, wobei es der Idcaljall wäre, daß sie die Körpcrkonstitution jedes einzelnen Kindes kennt und es sich zum Ziel setzt, jedem das zu geben, was er für den Kürperausgleich gebraucht. Die Schwierigkeiten beginnen da, wo es sich um die Entschci. dung über die einzelnen System« handelt. Der Deutlichkett halber seien aufgeführt: das Mensendiecksyftem, Niels Bukhs Grundgymnastik. die Bodegymnastik, die Laban, und di« Lohclandschule, die Systeme von Loges, Alice Bloch und Dora Menzler. Bei der Auswahl wird man für Mädchen zu anderen Resullaten kommen als für Knaben. Man wird für die Unter-, Mittel- und O b e r st u f e die Auslese verschieden gestalten müssen. Für die Gymnastikstunde selbst wird man am besten allgemein«ine Zwei» teilung vornehmen in solche Uebunpcn, die wesentlich der Bc« wußtmochung und Frifcherhaltung des Körpers im täglichen Leben dienen, und solchen, die, hiervon ausgehend, die Gymnastik weiter- führen in das Bereich körperlich. qeistiger Beschwingtheit und sie zur Trägerin eines neuen Lebensgefühls und einer neuen Lebensfreude machen. rt. Mißstand» im Hochschulwest« Vorschlage zu einer kleinen Reform Bei der heutigen Zusammensetzung der Studentenschast ist die Republik dennoch in der Lage, in größerem Umfange als bisher ihren Ansprüchen an die Studentenschaft Gellung zu verschaffen. Der Staat sollte sehr viel häufiger und deutlicher, als das bisher geschehen ist, sagen, daß jeder Student ein Stipendiat des Dolkes ist. Belaufen sich doch die Zuschüsse, die aus der Staats- lasse fließen, durchschnittlich auf üver 100 Mark monatlich für jeden Studierenden. Daß der Staat alljährlich viele Millionen Mark Stipendien an Persönlichkeiten austellt, die die Grundfesten eben dieses Staates zu erschüttern bestrebt sind, ist zwar paradox, gib: aber dennoch keinen Grund dafür ab, diese Tatsache zu verschweigen, sondern gewisse Vtöglichkeitcn zu schaffen, um denjenigen, die in besonders gehässiger Meise die Staatsaulorität schädigen, diese Stipendien zeitweise oder gänzlich zu entziehen. Andererseits sollte der Staat viel deutlicher und wirksamer als bisher diejenigen Studierenden unterstützen und fördern, die sich der Re- publik tief innerlich verbunden fühlen und dieser ihrer Gesinnung an den Hochschulen Ausdruck verleihen. Man könnte sehr wohl daran denken, u. a. etwa folgendermaßen zu verfahren. Nach der Auflösung der Studentcnvertretungen, die erfolgen mußte, weil die Mehrzahl der Delegierten in diesem Selbst- Verwaltungskörper der Studentenschaft eine staatsfeindliche Ge- sinnung betätigt«, wurde auch di« republikfreundliche Minderheit der Studierenden automatisch von der Teilnahme an der studentischen Selbstverwaltung ausgeschaltet. Warum sollte der Staat, wenigstens während einer längeren Uebergangszell, sich nicht dazu veranlaßt fühlen— unter Ausschaltung eben der- jenigen Elemente, die sich an dcr unter der Aegide des Staates ge- jchaffenen Studentenvertretungen ja selbst gar nicht beteiligen wollen—, die staatsfreundlichcn Studierenden, wenn auch als Minderheit, mit der Wahrnehmung der Rechte der studentischen Selbstverwaltung zu beauftragen und über die für dies« Zwecke zuständigen Geldmittel verfügen zu lassen? Es war auch ein schwerer Fehler daß der Staat bisher von den Möglichkeiten der Einflußnahme auf die Hochs chu l- lehrerschast in nicht genügendem Maße Gebrauch gemacht hat. Es ist umso notwendiger, aui die Hochschullehrer cinzuwirlcn, als diese einen großen Teil der Schuld für die Zustände an den Hoch- schulen tragen. Der Staat hat sich»ach der Revolution höchst- bedauerlicherweise mancher früher sehr starken Möglichkelten der Ein- Wirkung auf die Universiiätsocrwaltung selbst begeben. Der Univerfitötsrichter von ehemals war an vielen Hochschulen ein sehr einflußreicher Mann. Vor allem halle er als Mitglied des akademischen Senats«ine gefestigt« Stellung und die Möglichkeit des Einblicks in alles das, was jeweils geschah oder angebahnt wurde. Gewissen Hochschullchrerkreisen ist es noch der Revolution unter Hinweis auf die„akademische Freiheit"(was kann unter Hin- weis daraus nicht alles verlangt oder bewiesen werden!) gelungen, diesen Typ des akademischen Staatskommissars auszumerzen. Man hat dann U n i ve r j i t ä t s„r ä tc" geschaffen und eine größere Anzahl von Univcrsüotskürato'reu bestellt.. In diese Stellungen sind dann aber fast durchweg ältere Beanit« gekommen, die sich im allgemeinen bestenfalls neutral verhalten und meist keine Neigung, geschweige denn einen starken Impuls verspüren, das Leben an den Hochschulen im republikanischen Sinne führend zu aktivieren. Man sollte die Stellungen der Kuratoren oder aber der Rektoren weiter ausbauen und in dies« Stellungen mit b e- sonderem Nachdruck solche Persönlichkeiten be- ritfen. die als Träger des republikanischen Ge- dankens gellen können und die Gewähr dafür bieten, als gute Kenner des Hochichullebcns eine Wirksamkeit zi, entfalten, die den Intercsien des Staates und der Wissenschaft in gleicher Weise dient. Di« meisten Hochschullehrer sind auch Mitglieder staatlicher Prüfungskommissionen; sie werde» hlerzii vom Staate besonders ernannt. Dcr Staat sollte endlich aufhören, Hochschill« Professoren zu Prüsungskommissaren zu ernennen bzw. in ihren Nebenämtern als Prüfungskommiisore zu belassen, die«ine staats- feindliche Gesinnung betätigen,«chon einig« wenige Maßnahmen dieser Art würden durchschlagen. Ein anderes wichtiges Kapitel bilden die Berufungen der Professor««. Der Krebsschaden liegt darin, daß die Fakultät«« der weitaus meisten Ilniversitöten sich bei ihren Vorlchlägen für die Berufungen von dem Grundsah leiten lassen, es komm« für den betreffenden zu b«s«tzenden ordentlichen Lehrstuhl nur einePer- f ö n l i ch k e i t in Frage, die bereits an einer anderen, wenn auch Neineren Universität Ordinarius fei- Nicht nur an den großen Universitäten, sondern auch an den Hochschulen mittlerer Größe huldigt man dieser Anschauung. Da von den mittleren Hoch- schulen gerade die schwächer besuchte» nur nicht den Anschein«r- wecken mächt«», sie gehörten gewissermaßen schon zu den„kleineren" Hochschulen, so ist gerade auch hier in besonderem Maße das er- wähnte Bestreben bemerkbar. Dah«r kommt es, daß meist nur solche Professoren di« Möglichkeit erholten, an einer größeren Universität ein Ordinariat zu bekleiden, die zuvor«bensalls als ordentliche Professoren an mittleren bzw. Neineren Hochschulen ge- lehrt hab«n. Daß ein außerordentlicher Professor einer kleineren oder mittleren Hochschul« zum ordentlichen Professor an der gleichen Hochschule aufrückt, ist in vielen Disziplinen recht selten. Man beruft aber auch den außerordentlich«» Prostssor der großen 5)och- schule in vielen Fällen nicht gern an«ine kleine Universität, weil an den kleinen Hochschulen di« Fakultätsinitgliedcr lieber „unter sich" bleiben wollen und bestrebt sind, sich durch Dozenten anderer kleiner Hochschulen zu ergänzen. Alles das hat schon seine Gründe. Man darf nämlich nicht üterstchen. daß die Professoren an den kleineren und mittleren Hochschulen vielfach mit- «inand«r verwandt oder verschwägert und in poli- tijcher Hinsicht im allgemeinen weit reaktionärer sind, als dies für die größeren Hochschulen zutrifft. Wenn man sich nun noch vergegenwärtigt, daß von«iner „Freiheit d e s Z u t r i t t s" bei der Habilitation in vielen Fakultäten, namentlich der kleineren Hochschulen, ernsthaft keine Rede sein kann, so wird man nickt umhin können zuzugeben, daß hi«r schwere Mißstände vorhanden sind. E? geht nicht an. daß in Erlangen. Gießen. Greifswald. Marburg und Rostock in kleinen Zirkeln mannigfach miteinander verflochtener Fakultät-miKieder darüber so gut wie endgültig beschlossen wird, welche Versönlich- leiten an den kleineren, mittleren und großen Universitäten di« ordernlichen Lehrstühle erhalten und welchen Hochschullehrern der Lebensfoden abgeschnitten wird. Angesichts solcher Berhältnisf« wäre es durchaup erwägenswert, wenigstens zeitweise zu dem in anderen Ländern mit gutem Erfolg geübten System der öffentlichen Ausschreibung frei gewordener Lehrstühle überzugehen. Auch da- Habilitationswesen bedarf größter Aufmerksamkeit, greift doch in viel«» Fakultäten die Auffassung um sich, di« Hablli- tation sei eine Art Rcservatrecht für die Assistenten der ordentlichen Professoren. Man wundert sich oft genug, welche in der wissenschaftlichen Welt fast völlig unbekomtten Universitätsassistcnten Privotdozenten und nach Ablauf dcr üblichen sechs Jahre außcretatsmäßig« außerordentliche Professoren werden, während wissenschaftlich bekannt« und hochoer- diente Perjönli chck e i t e n. die sogar manchen Ordinarius überrag««, dann, wenn sie lzabiliticr«» wollen, eine Ablehnung er- fahren. Es wäre s«hr interessant, Listen auszustellen, in denen die von der Prioatdozcntur Abgewiesen«» verzeichnet siird, und dann dies« Listen in periodischen Abständen hervorzuholen und die Träger dcr Namen mit denen der glücklich Habilitierten zu vergleichen. Einen Ausgleich wird man in gewissem Umfang schassen können, wenn weit häusiger, als das jetzt geschieht, geeignete Persönlichkeiten, di« sich draußen im Leben i» der praktischen Arbeit bc- sonders bewährt haben, zu Honorarprofessoren im Nebenamt ernannt und mit Lehr- oder Forschungsaufträgen bedacht werden. Dr. Alfred Korach. Die Schulbucherfragt Nach der Revolution erhob sich unter den radikalen Pädagogen die Forderung, die Schulbücher in der Vf-lksschule möglichst gänzlich zu verdrängen. Der Ruf bekam schließlich schlag- wartartigeu Charakter, und man verstieg sich bis zu der These, daß auch das Bolksschulkind durch Quellenlektür« alles dos voll- ständig sich heranzuholen vermöge, mos der Erwachsen« und der längst dar Schulpslichi Enthobene im ähitlichen Falle zu tun pflegt. Die Beseitigung der Hilfsmittel erwähnter Art aus dcr Volksschule war, wie heute auch von ehemaligen radikalen Schulresormern zu- gegeben wird, nicht nur ein Irrtum, sondern ein in seinen Folgen nicht leicht auszunierzendcr Fehler. Der Hauplkampf galt dem Realienbuche, weil es in Wahrheit ein« gedrängle Stoffsammlung darstellte, die in vielen Fällen im Rahmen der alten Lernschulc mißbräuchliche Verwendung fand. Insofern war dcr Kampf durchaus bc- recht igt. In jenen Zeiten der Stellungnahme grundsätzlicher Art gegen ein Realienbuch übersah man— zum Teil bewußt— die Vorteile, die ein« gedruckte Stoffsammlung für den häuslichen Fleiß wie für den Lernpaß des Kindes bedeuten. Die Merkhefte(Ar- beitshefte), die das gedruckte Hilfsmittel ersetzen sollten, kamen bald rn Mißkredit. Man hatte di« Fähigkeit der Kinder überschätzt, als man von ihnen erwartete, daß für den Durchschnitt ein fehler- loses, stilistisch brauchbares, zu Lern- und Wiederholungszwecken veripendbares Hilfsmittel entstehen könne. Man hatte aher auch völlig abgesehen von den festen Ergebnissen der Psycholog!«, wonach etwa ein Drittel der Kinder durch den mündlichen Bortrag des Lehrers bzw. durch das Anhören vortragender Klassenkameraden nur ganz wenig, gefördert werden können, weil sie zum sogenannten visuellen Borstellungslyp««hören, also Geschriebenes und Ge- drucktes zum Ausgangspunkte ihrer selbsttätigen Lernarbeit machen müssen. Der Kampf der ersten Jahre noch der Revolution richtet« sich sodann geaen gedruckt« Hilfsmittel im Rechnen und insbesondere auch im Deutschen. Bezüglich des Rechnens lehnt« man für die Grundschule jedes Rechenbuch ab Im Deutschunterricht war wegen der zugegebenen Fehler des alten Grammatikunterrichtes d«r über- hotten Lernschule das S p r a ch b u ch als solches in Mißkredit ge. kommen. Es wurde grundsätzlich durch di« Aufsichtsbehörde»er- -j-—..........■-•--■■ i boten. Später machte man die Kon, Zession, wenigstens ein Nach- schlagebuch zuzulassen, damit die Rechtschreibung in gewisser Hinsicht sichergestellt würde. Heute haben sich die Ansichten in weiten Kreisen der pädagogischen Welt erheblich ge- ändert. In dem Maße, wie die Störungen in dem normalen Unterrichisbetricbe zunahmen, sehnte sich die Lehrerschaft wieder noch Hilfsmitteln, die zcitersparcnden Charakter tragen. Dazu gehört In erster Linie ein Rechenbuch aus ollen Stuten der ge- gliederten Volksschule und sodann ein den modernen Anforderungen allerdings weitest gehend entsprechendes Sp rochbuch. Man hat heute eingesehen, daß man bei allen Segnungen der Arbeitsschule, die niemand entbehren will und kann, doch um eine gewisse Systematik und um einen durch il c b u n g erzietten selbst- tätigen Lernakt wie um systematische Wiederholung nicht herum- kommt. Die Wiener Schulreform hat die angedeuteten Fehler von vornherein vermieden und neben der Arbeitsschul- method« die Erwerbung eines sicher beherrschten, klar gegliedebten Wissens ausdrücklich verlangt. Der Widerstand gegen Beibehottung dcr Schulbücher im bisherigen Umsangc erwuchs auch aus dcr Tatsache, daß manche Hilfsmittel monopolartigen Charakter bekommen hatten und den Dcrsastcrn geradezu enorme, lausende Einnahmen örachten. Dieser Uebelstand ist nach der Revolution dadnrch� beseitigt morden, daß nunmehr für jedes Unterrichtsfach mehrere, ja niele Lernbüchcr geprüft und zugelassen werden, so daß aus dem Kon- kurrenzkampf der einzelnen Bcrsosser dcr Segen entsteht, den Still- stand ,zu vermeiden.und dauernde Verbesserung im Rahmen des Möglichen zu erzielen. Es war« allerdings dcr Gedank« zu er- wägen, ob nickt der Staat als solcher die Lehrmittel auch der angedeuteten Art zur Bersügung stellt und die Be nasser für ihre einmalige Arbeit einmalig durch entsprechendes Honorar abfindet. Für die laufend notwendig werdenden Verbesserungen würden sich jederzeit wohl durch Vermittlung dcr Aufsichtsbehörde Kräjt« gewinnen lassen. Bei der wachsenden Nollage dcr breiten Masse muß an der Forderung festgehalten werden, für die Grundschule wie für di« oberen Jahrgänge der Volksschule die gedruckten Lehrmittel zur V«r- sügung zu hatten, ohne daß es notwendig wäre, di« Hilfsmittel in dos Eigentum der Kinder übergehen zu lassen. Wichtig wäre eine Nachprüfung der bisher genehmigten Hilfsmittel von Zeit zu Zeit. In Verlin wird z. B. ein Rechenbuch benutzt, das wegen über- starken volkswirtschostlichen Einschlages und ungeschickter Formu- lierung der Ausgaben keinerlei Erleichterung für den Rechenunterricht bedeutet, sondern zur Zettvergeudung führt durch notwendige endlos lange Erklärungen der Aufgaben. Noch eins ist zu erwähnen- Di« einzelnen Schulen sind bei der Auswohl der Lehrmittel bzw. Lehrbücher durchaus nicht frei. Die Bindung, bei Einführung wie beim Wechsel zuvor die Aussichts- behörde zu befragen, besteht selbst sür solche Lernmittel, die«in- für allemal vom Ministerium für Unterricht, Kunst- und BolksbiOung genehmigt sind. Der Wechsel ist besonders ersckwert. wenn zufällig der Autor des Buches bzw. einer der Autoren Aufsichtsbeamier für die betreffende Lehranstalt ist. So kann es kommen, daß mit einem an sich ungeeigneten Buch«(z B. einem Rechenbuche) erst Schluß gemacht wird, wenn ein Wechsel in der Stelle des Schul- auisichtsbeamten eintritt. Es gibt bzw. gab Bezirke, in denen au» dem angedeuteten Grunde Schulausstchtsbeamten die Einführung von ihnen verfaßter Bücher im«igen«» Aufsichtsbezirk grundsätzlich untersagt ist. Dr. Otto Seelinx. (6. Fortsetzung.) ..Schade." sagte der Wirt: die Tonpfeife im Munde�„schade. ich habe ihn schon an den Engländer Stevens, den von der Flax Co., vertauft. Du hast dich nickst allzu sehr verkalkuliert. Cr hat mir sechgehahundert gegeben." „Solchen Preis kriegst du nie wieder für deinen Flachs. Ich will dir einen Gefallen tmu Ich nehme einen Ballen zu sechzehn- hundert: zu demselben Preis wie der Engländer. Du kaufst wo anders einen zu zwölfhundert, mischst beide, den besseren obenauf und hast noch vierhundert verdient." „Das habe ich ja schon gemacht." sagte der Wirt:„ich habe die beiden Ballen gleichzeitig an einen Genter verkaufr. Jetzt muh ich zwei zukaufen. Kann ich die von dir haben?" „Das läßt sich vielleicht machen. Warte mal! Bielleicht so: Du gibst mir einen von diesen Ballen zu oierzehnhundert. Ich verkaufe dir drei a dreizehnhundert. Da hast du immer noch sechs- hundert Franken Profit." �„Abgemacht." sagte der Wirt und schenkte Bier ein. Bandael fuhr auf seinem Rade weiter. Ms dem zenientierten chof des Pachthofes Bandeputt« bearbeitete der Pächter Flachs mit einem Holzschlegel. Er fuhr mit den Fingern durch die Flachsprobe, die Bandael auf der Brust trug und sagte: „Ich habe dieselbe Sorte zu siebzig Kronen." Bandael drehte sich um, als wolle er gehen und sagte über die Schulter weg: „Zu siebzig kannst du ihn behallen." Bandeputte legte seine dickgeäderten Hände auf Bandaels Schultern: ..Du willst an inir zuviel verdienen. Zu wieviel verkaufst du au die Engländer?" „Alle Tag« billiger. Eine gerissene Bande. Innerhalb sechs Monaten hast du deinen Ballen vier oder fünfmal aus Courtrai zurück: unter Umständen sogar aus England. Man muß zu vierzig Kronen verkaufen, nur um endlich abzustoßen. Die Engländer sind die größten Gauner, die es auf Gottes Erdboden gibt. Was können wir armen Flamen gegen sie ausrichten? Gebe ich dir siebzig Kronen, gehi jeder Nutzen flöten." Bandael bekam den Flachs; denn die Leute aus den kleinen Dörfern mußten ihren Flachs nach Wewelghem oder Bisseghem verkaufen, wo die Märkte waren. Bandael kehrte nach Haufe zurück. Er verließ sich darauf, daß , Eonftant noch anderthalb Bollen aufgetrieben hätte. Er selbst hatte vier und beste Ware. Er breitete die Proben vor Leynseele aus: „Sa," sagt« er.„nun wollen wir die Sache anders machen. Jetzt haben wir zweieinhalb Ballen zuviel. Suche du noch ändert- halb für Pierre Maes. Die beiden, die wir viermal verkauft haben, kriegt keiner. Die verkaufen sich zu gut- Wir halten sie für den Markt nächste Woche." * Herr Julius Debakker grüßte in der Persilftraße in Courtrai einen Priester, der eine Schar Kinder führte. Bor Kirchen und Geistlichen nahm er immer den Hut ah. Jetzt ging er in die Ge> fchästsräumc der britischen Flox-Spinning Co. Hier war es dämmerig und kühl wie in einer Kachedrale. Montags— am Montag war Flachsbörse— unterließ er es nie, den Angestellten, die schweigend die hellen Strange sortierten, ein Trinkgeld in die Hand zu drücken. Er versäumte nichts, was ihm und feiner Ware Borteil bringen tonnte. Er wußte, daß der junge Mann, der die Ballen in Empfang nahm und prüfte, ebenso gut graue Stränge aus der Mitte herausziehen wie verstecken konnte. In dem Saal der Handelsbörse KUg rosa Ziegeln rauchten die Engländer ihre Zigaretten mit Goldmundstück und die'Flamen ihre daumendicken Zigaretten. Ein Makler, der Flachssamen für Oelmühlen auftaufte, sprach Debakker an. Gewichtig antwortete er dieser kleinen Persönlichkeit: „Zu meinem großen Bedauern kann ich Ihnen im Augenblick keinen Semen verkaufen, mein Lieber." Ein dicker, dunkelhaariger Mann legte Oelkuchen auf ein kleines Bult au? Hellem Holz und wandte sich an zwei seiner Kunden: „Seht mal her. Ihr beiden. Dieser Oelkuchen bricht den Tieren kcme Zähne kaputt. Die kann ein Mensch esien." Er steckte ein Stück in den Mund. Herr Debakker versäumte keine Montagsbörse. Er hiell das für nötig, um der Kaufmüdigkeit der Engländer vorzubeugen und um ihnen ihre glückliche Sorglosigkeit gegenüber den flämischen Listen zu erhalten. Kaufte man nach Proben, wurde man stets be- trogen. Besser war es. jeden Ballen selber sehen. Aber die Packer behaupteten, das wäre außerordentlich belästigend für sie: und die Engländer, die sich nicht gern vom Fleck rührten, tranken ihren Portwein, prüften den Flachs nach Eintreffen der Sendung und Ehielten nur den besten. De Priese hatte versucht, hiergegen eine Organisation der Flachsverkäufer zu schaffen. Die sollte nur in der Halle oerkaufen, die Ankäufe gleich perfekt und Zurückschicken unmöglich machen. Debakker, der sehr mit der Sprache zurückhielt und sich immer nur vorsichtig äußerte, begann von neuem sich Stevens zuzuwenden. der infolge des Alkoholgenusses gutgelaunt war. „Sie werfen de» Röstern vor. daß ihre Arbeitsweise sich ver- ändert hat. Was sagen Sie aber zu den Bauern? Seit der Kunst- düngcr aufgekommen ist, verbrennen die Pflanzen unten. Der gc- wissenhafte Käufer kann bei un» nicht mehr zwischen künstlicher oder Flußarbcit unterscheiden. Wenn ich mich mit einer Handvoll Ln-arbeitcr dranmachte würde ich hellen Flachs da erzielen, wo sie jetzt mir blauen oder schwarzen haben. Bor dem Krieg habe ich meinen Flachs in der Normandie aufgekmist. Mit dem französischen Bauer wird man leicht handelseins. Cr ist nicht reich: er verkauft gleiib nach der Etnte. Der holländische Bauer läßt ihn bis in? nächste Jahr liegen und wartet das Anziehen der Preise ab. Flachs muß man in sturmfreien Ländern säen, wo er nicht vom Wind umgelegt wird." .Herr Deprieux mischte sich höflich in die Unterhaltung und lagt« zu Mister Stevens: „Irland ist von der Wehrpflicht oerschont geblieben. Ihre Ulster- spinnereien haben ihr geschultes Personal behallen, während die Deutschen unsere Fabriken zerstörten. Sie haben die Fliegerlein- wand geliefert. Der Luftkrieg hat die Flachsspinnereien reich ge- macht. Sie haben uns unsere Kunden weggeschnappt. Irland hat alle Alliierten versorgt. Heute sind wir gezwungen, Sie um Maschinen zu bitten. Deutschland hat uns an England ausgeliefert. Stimmt das nicht, Mister Stevens?" Der Engländer, aus diese Weise in die internationale Flachs« Politik hineingezogen, antwortet« ohne Zögern: „Der Krieg vierzehn ist nicht der Grund für die Lorherrschaft Englands über Frankreich in bezug auf Garn und Leinwand. Das datiert von viel früher her. England steht an der Spitze der Textil- industrie der Welt. Ehe die Baumwolle in Europa eingeführt wurde, waren Flandern, die Bretagne und Ihr Cambrefls die Leinenländer. England hat mit Hilfe der Baumwolle seinm Reichtum erworben, und gleichzeitig ist Irland Flachskönigin geworden. Wir sind eben die besten Techniker auf der Well. Keiner versteht besser als wir, die Spindeln sich drehen zu lassen." „Glückliches Irland." erwiderte Deprieux.„Ihre französischen Konkurrenten können chre Fabriken nur dadurch wieder in Gang bringen, daß sie Ihnen Webstühle abkaufen. Die englische Regie- rung ist mit der Sowjetrepublik befreundet, daher können Sie russischen Flachs kaufen. Sie haben zweitausend Tonnen in Belfast." „Warum macht es Ihre Regierung nicht ebenso?" Deprieux zögerte mit der Antwort. Er war Katholik und konser- vativ, aber gleichzeitig auch stark interessiert am Handel mit den slawischen Revolutionären. Er wollte es jedoch ungern zugeben. So sagte er:„Wir säen, um den russsschcn Flachs zu ersetzen. Man macht Versuche in Marokko und Tunis." Iulws Debakker rühmte die belgisch« Aostmisaftom„Wenn uns Aegypten gehörte, würden wir dort Flachs anbauen. Die beste Arbell vor der Lyszell war am NU. zur Zell der Rtumien. Die Engländer rösten nicht am Nil: sie kommen und holen sich den Lyeslachs." Stevens, dem der Süßwein zu Kopf stieg, bot Portwein und Mokka an und pries weiter fem England: „Aegypten und Westafrita bauen Flachs. Aber wir Engländer haben dafür nicht allzuviel übrig. Wir kommen mit wenig Ideen aus. Di« Franzosen müssen öfter wechseln: sie sind.zu intelligent. sie können nicht lange bei demselben Gedanken bleiben. Die Feind- ichaft zwischen Frankreich und Rußland ist eine Liebesangelegen- hell. Wir verstehen nichts von Liebe. Für Sie ist die bolschewistische Revolution ein Angriff auf das Eigentum. Sie werden immer Ge- kreuzigte bleiben. Sie lieben Ungläubige nicht. Wir sind Km>f- leille und lieben unsere Kundschaft. Wir können auch gut mit Men- schen umgehen, die nicht unserer Meinung sind, wenn wir nur an ihnen verdienen. Sie sind geistig konservativ: Sie erfinden immer neu« Methoden, dasselbe noch einmal zu denken." Debakker legte zwei Flachsproben auf den Tisch Sie sahen aus wie Frauenhaar, auf das die Sonne scheint: „Sie werden in ganz Rußland keine Handvoll Fäden finden. wie die au» der Lys. Wir sind als Flachsbearbeller unübertroffen. Das ist ganz sicher. Vielleicht kommt auch bei uns durch die Flomen die Revolution: aber das wird unser« Arbeit nicht zunichte machen, wie in Rußland. Unsere Priester und Aerzte werden Flomen, weil sie bei den Bauern auf dem Lande wohnen. Der kleine Bikar haßt Frankreich deswegen, well dort Staat und Kirche getrennt sind. Di« Ingenieurs kennen diesen Haß nicht. Ihre Auslandsreisen vertreiben ihnen den flämischen Geist. Alle, die Handel treiben, müssen fran- zösisch korrespondieren. Von zehn Briefen der Leinenfirmen in Courtrai sind fünf englisch, vier französisch und nur einer flämisch. Stevens mischte sich ein: „In Rußland der Bolschewist: hier der Flame; in Irland der Sinnfeiner: überall berühren sich Flachs und Revolution. Ich würde auf die Sowjets keinen Flintenschuß abgeben, aber ich würde viel Geld opfern, um die Sinnfeiner niederzuschlagen. Gegen die Flamen sage ich nichts. Es sind nicht meine Landsleute: und ich begreife nicht, warum drei Millionen den ausschließlichen Gebrauch einer Sprache fordern, die die andern nicht kennen. Die Stärke eines Landes beruht auf der Qualität seiner Arbeit. Würden Sie als freie Flamen besser rösten, würde ich Ihnen recht geben." Er legte die rechte Hand auf die hellen Fäden und fügte hinzu: „I iove but Flax. Ich liebe nur den Flachs." (Fortsetzung folgt.) «« «» FÜR DEN KLEINGÄRTNER. iminmmunniiiiniiiniiiiniuiniiiitniimiiiinmiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiniimuniinnniiiiinoiuuutnimniininiuiiniiiMimiiiuinnnnuinuiiimnnifiiiiniumiinniiiininiiiiiiiiiuiiinimiiiiiiiiiimm Mohrrüben(Karotten). Eine der ersten Arbeiten des Gemüsebaujahres ist die Ms- saat der Mohrrüben. Man tut gut daran, nur abgeriebene Saat zu taufen und dieser beim Aussäen, dos als Reihensaat vorge- nommen werden sollte, etwas Salatsamen zuzusetzen. Dieser keimt rasch und zeigt so die Reihen an, was für das Hocken, namentlich im Großbetriebe, beim Feldanbau, van großem Nutzen ist. Als Entfernung der Reihen voneinander nimmt man 20 Zentimeter an: in der Reih« folltelr die Pflänzchen auf 8— 10 Zentimeter verzogen werden. Die Treibsorten werden von November bis Februar ins Mistbeet gesät, wobei dünne Breitsaat bevorzugt wird. Bei der Landcuissaat in Reihen soll der Samen in VA— 2 Zentimeter Tiefe kommen. Nach der Auesaat wird der Boden gewalzt respektive bei kleinerer Fläch« mit einer Schaufel festgeklopft. Alle Möhren- sorten lieben«inen tief gelockerten, nahrhaften, aber nicht frisch mit Stalldünger gedüngten Boden. In frisch gedüngten Beeten wird dr« Möhrenfliege zur Eiablage angezogen. Auch arten die Rüben auf solchem Boden leicht aus. Eine tiefe Lockerung des Ackers ist zur Crzielung schöner glatter Wurzeln notwendig: man kann den Boden bis 40 Zentimeter tief lockern. Fehlt diese Lockerung, so verzweigen sich die Wurzeln in einem für den bequemen Gebrauch unangenehmen Maße. Man unterscheidet kurz«, halblange und lange Sorten: letztere, meist gelb, sind mehr für Futterzwecke ge- eignet. Die stumpfen Sorten erfreuen sich besonderer Beliebthell: Nantes(Nantaise) verbesserte halblange, Pariser Markt. Dumicke? kurze. Amsterdamer Treib sind beliebte Sorten für die Küche. Als Futterrüben seien Lobbericher und grünköpsige Riesenmöhren ge- nannt. Da das Publikckum meist die Nantaiser vorzieht, spielt diese Sorte im Feldanbau eine große Rolle. Um zart« Karotten, wie sie das Frühjahr liefert, auch im späten Herbst zu haben, macht man im Sommer— von Jul, bis September»- eine letzte Ms- saat, wozu sich zum Beispiel abgeerillete Erbsenfelder gut eignen. Di« Hauptpfleg« der Mohrrübenkulwren besteht im Hacken des Bodens. Gegen das Madigwerden der Wurzeln gibt man auf 100 Quadratmeter 4— 5 Kilogramm Superphosphat, 3— 5 Kilogramm 40prozentiges Kali im Frühjahr und später in mehreren Gaben 3 Kilogramm schwefelsaures Ammoniak. F. D. Erbsenkultur. Di« Aussaat der Erbsen gehört mit zu den frühesten Garten- arbeiten. Man wird daher schon im Herbst und Winter an dl« Bearbeitung des Landes gehen: als guter Erbsenboden kommt ein mittelschwerer Acker in Betracht. Trockener Sandboden ist nicht günstig: muß man ihn benutzen, so lege man di« Erbsen möglichst frühzeitig, damit Trockenheit das Aufgehen nicht beeinflußt. Frühe Saat ist bei allen leichten Böden möglich, da der Boden sich schnell erwärmt. Im schweren Acker liegt di« Erbse bei kaltem Wetter rhne zu keimen und ist der Gefahr des Verfaulens auegesetzt: man warte daher mit der Auesaat auf solchem Boden bis zur Erwärmung der Erde. Frischen Dünger liebt die Erbse nicht, man wähle daher ein Stück Land aus, das in guter Kraft steht. Als Kunstdünger empfiehlt sich pro Ar zu geben: 4 bis tz Pfund 40er Kalidüngesalz und 6 bis 8 Psund Superphosphat oder Thomasmehl. Auf ein Beet wird man zweckmäßig nur zwei Reihen anlegen, da eine mittlere Reihe sich nicht gut cntw'ckclt. Das Beet wird 7S bis 90 Zentimeter breit gemacht und die Reihen in Entfernung von 15 bis 20 Zentimeter von den Rändern gezogen. Auf 20 Zentimeter Reihenlänge legt man 12 bis IS Samen. Wichtig ist der Schug gegen die Nosck-suchl der Tauben und Sperlings: man legt Drahtgeflecht auf die Beete. Mch acht? man darauf, daß noch dem Legen keine Erbsen obenauf liegen, sondern drücke sie ein. Die Nögel picken nicht nur diele auf, sondern hacken auch d'e m der Erde liegenden, schon ke'menden Erbsen heraus. Bald nach dem Aufoehen der Saat wird gebackt und etwa nach acht Tagen wird angehäufel' und Reisig gesteckt. So-ten. die nur 60 Zentimeter doch werden. brauchen nick-t mit Reisio versehen zu werden. In sehr feuchten Iahren m'-cht sich dies« Ersparnis allerdings un'iebfam bemerkbar Statt der Reifer nimmt man auch Drahtgeflecht, da» nach der Ernte noch ander« Dienste tun kann. Um nun auf längere Zelt frische Schoten zu haben, empfiehlt es sich, alle vierzehn Tage bis in den Juli hinein Aussaaten zu machen Di« Aussaatmenge ist zwei Kilo für ein Ar. Man unterscheidet drei Arten: Kneifel- oder Pahlerbsen, mit runden glatten Körnern. Markerbsen mit runzligen, eckigen Körnern und Z u ck« r e r b s« n, die mit der Schale gegessen werden. In jeder Klasse gibt es frühe und späte, niedrige und hohe. Bei den Vabl. erbfen ist Buchsbaum oder de G r a c e eine sehr frühe mm«ehr niedrige— nur 25 Zentimeter hoch, auch zum Treiben geeignet. Allerfrühe st eMaikönigin wird 60 Zentimeter hoch, ebenso Taxa, früh und großschotig, und Vorbote(Expreß). 90 Zentimeter und mehr Höhe erreichen Grünbleibende Folg er, spät, reichtragend, vorzüglich zum Einmachen, Wilhelm l., eben- falls Konservensorte, und Schnabel- oder Säbelerbse, letztere auch für Anbau zu gelben Trockentochererbsen geeignet. Von den Markerbsen, die sich besonders olle durch den süßen Geschmack auszeichnen, sind Wunder von Amerika, W i l l i a m H u r st und WundervonWitham20bis30 Zentimeter hoch: die ersteren beiden gellen auch als besonders früh. Ein Riese ist Telephon mit 130 Zentimeter Höh«, aber er ist reich. tragend, großschotig und von feinstem Geschmack. Äonfervencrbsen sind D e l i k a t-e ß und verb. Lincoln. Bon den Zuckcrerbsen gleicht Buchsbaum der gleichnam'gen Pahlerbf«: früheste niedrige volltragend« wird 40 bis 50 Zentimeter hoch. Als früh« halbhohe Sorte(60 Zentimeter) gill Fürst Bismarck. Moerheims Riesen übertrifft mit 150 Zentimeter Telephon. wird aber noch von der Großen Riesenschwert, ver- bessertenDelikateß mit 160 Zentimeter Höh« in den Schatten gestellt. Bei diesen hohen Sorten darf man ober nicht vergessen, daß das Festmachen durch Reisig eine nicht leickte Arbeit darstellt. Immer- hin haben gerade hohe Sorten wie Telephon bei einigermaßen später Aussaat gute Erträge und schöne Preise gebracht. Wer es versteht, mit solchen großen Schoten, di« 8 bis 10 süßfchmeckendc große Erbsen enthalten, dann auf den Markt zu kommen, wenn d'e kleinen Sorten anfangen unansehnlich zu werben, darf seines Er- foloes sicher sein. Obacht iit zu geben, daß Meltau und t'erische Schädlinge ferngehalten werden. Auch«ine Gabe von Stickstoff— 2 Psund schwefelsaurem Ammoniak—. vor der B?ü'« gegeben, wirkt vorteilhaft für die Ernte und das Nachwachsen der Schoten.?. v. Süßmost aus Frühobst. Kbaharber, Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren. Das an dieser Stelle vor vierzehn Tagen beschriebene Kalt- entkeimungsverfahren zur Herstellung von ollohol- freiem Süßmost aus Aepfeln und Weintrauben läßt sich auch nach den Forschungen der Herren Prof. Dr. Kochs und H. Schiefer- decker-Dahlem auf die im Frühling und Frühsommer zu erntenden Früchte ausdehnen, was sicher dazu beitragen wird, den Wert unstr-r Obstanpflanzungen zu steigern. Am einfachsten gestaltet sich die Be- reitung des Rhabarbersüßmostes. Wenn auch er. wie das Beerenobst, die beim Apfel so wirkungsvolle vorklärung(Schöm'ng mit Tanmn und Gelatine) nicht gestattet, so ist gerade beim Rha- barber eine solcb« nicht unbedingt nötig. Junge Nhabarberstiele werden put zerrissen und der nicht viel« Schleimstoffe enthaltende Saft vorfiltrisrt Danach wird er ohne WaOerzirfotz. ober durch eine Gabe von 12 Pro». Zucker bereichert, durch den Entkslmunc'"lter gesch'ckt und auf Fäller gracht, die durch s-�wcslia« Säure in G'?, form steril'siert wurden. Nach zweimonatiger Lagerung wird er durch den Entkeiinungskiller auf Fischen gefüllt, die durch schweflige Säure in?prozenttger Lösung sterilisiert wurden. Erdbeer» und?ohannisbce''säft« enthalten daa-aen ein« große Menge von S�leimstaslen. M�n wird chrer aber Larr. wenn man ihnen Flußsäure zusetzt und d'ese vor der UHts-'-ear. Mtung durch kohlensauren Kalt entkernt. D™ gl-t-de gilt auetz von Kirs�kgfj(ZchaH«nmorcllenH Der(f">?e»-fast k-inen Stz-Me-nifatz, wodl oder«inen so'�en von 10"t».? cker. B»I Ii>r»-"»u!�''««ren und Sckattenmo-'ellen muß aus 1 Lst-r �a't 1 Liter Mutter o»aed«n werden und zu Pem«"''ünnt�n Saft 15 r«sn 8 bis 10 Broi. Zocker hinzugefügt werden. Danach ist die Möglichkeit der Anwendung des Kaltentkeimungsverfahrens acae'-en. P. D. torowicz und I.«Sieger. Das mit Spannung erwartete Rennen der Senioren vereinte Willi Arend, Walter Rütt, Arthur Stellbrink und Willi Techtfier am Start. Sechs Runden waren zu erledigen. Rütt lleß sich den Sieg nicht nehmen, ehrenvoller Zweiter wurde Stellbrink. Bei Arend und auch bei Techmer stockte die Luftzufuhr, der ehemalig« Weltmeister fuhr dann auch„seine' Ehrenrunde geschmückt mit der Larve eines allen Herrn... Don den Stehern hatten Bauer. Sawall, Krewer, Hill» und Schindler ihr« Meldung abgegeben, die ein Mal- und Punktefohren sowie ein Verfolgungsrennen absolvierten. Das Gesamtresultat ergab den Sieg des Nachwuchsfahrers Hille mit 30 Punkten vor Bauer(26), Sawall(23), Schindler(22) und Krewer (19 Punkte). Eine humoristische Angelegenheit bildet« das Weit- laufen der Schrittmacher. Jeder von ihnen erhielt einen— Roller und mußte nun damit den Sieg„erkämpfen'. Versteht sich, daß sich komisch« Momente ergaben, die zur frohen Stimmung des i,- leider— nicht vollbesetzten Hauses erheblich beitrugen. Den Bs- schluß des Abends blldet« ein Stundenmannschaftsfahren, das den verdienten Sieg des Paares Kilian-Dützfeld mit Runden- oorsprung ergab. Eine Runde zurück kamen Bennighosf-Schenk an zweiter Stelle ein. Dritt« wurden in gleicher Runde die Gebrüder Wolke vor Wette-Nlckel.— tz. Arbeiter-Sdi ach Heute. Donnerstag, veranstaltet die Abteilung Kreuzberg im Lokal von Krepp, Planufer 75/76, einen Werbeabend. Vortrag Fritz Arendt über:„Eröffnungen', anschließend Blitzturnier. Gäste willkommen. Nachstehend finden unser« Leser, die Interesse und Freude am Schachspiel haben, ein Abteilungsverzeichnls der bundes- treuen„Freien Arbeiter-Schach-Verein'gung Groß-Berlin' Die Spiclabende beginnen um 20 Uhr und werden in seder Woche ab- qchalten. Unterricht kostenlos. Ansragen in allen Vcreinsangelegen» heilen sind an Georg Werwinfki. Berlin S.5S. Planufer 9l. zu richten. Dienstags: Moabit. Ca-ö Streng, Alt-Moabit 13: Friedrichs- felde, Gustav Tempel. Gudrunfti. 7: Pankow, Kober, Berliner Ecke Prinz-Heinrich-Straß«: Humboldthain Karl Döhlinz, Brunnenstr. 79; Memel, Lücke, Memeler Straße 10; Falkenberg-Grünau, Gemein» Ichaftshau» Gutshof. Falkenberg— Donnerstags: Sreuzberg. Max Krepp. Plonuser 75 76: Neukölln. Franz Grimm. Boddinstr. 10: Westend. Iamin. EharlaUenburg. Sophie-Eharlotte- Straß« 8S: Treptow. Döhling Elfenftr. 100; Prenzlauer Berg. Vollmer. Sene- feldersrr. 9.— Freitags: Wedding: Henris, Müllerstr. 26: Mitte. Faust. Zionskirchplatz 15: Weißensee. Galla«. Berliner Ecke Lehder- straße; Lichtenberg, Flemmmg. vltkasino. Simplon- Ecke Gärtner- straß«.— Montags und Mittwochs: Friedrichshain, Albrecht. Straß- mannstraße 42. Was der«Ständige Ring" bietet Der nächste Kampfabend in den Spichernsälen findet diesmal am Donnerstag. 27. Februar, statt. Er verspricht wieder viel Jnter- esiantes. Exmeister Paul Ezirfon tritt gegen den gut empfohlenen Belgier Braecke an. mit dem er keine leicht« Arbeit hoben wird, und j im zweiten Hauptkampf sind Tonlmy Poctsch-Prog und der Berliner Rudolf Boguhn die Gegner. Von dem Leipziger Georg Gebstedt. der kürzlich den Tschechen Hermanek ko. schlug, darf man im Kamps mit dem Berliner Willy Bolz wieder ein gutes Abschneiden erwarten. Im Schwergewicht versucht sich der schnelle Wilhelmshaoener Hans «wart diesmal gegen den Dor. munder Schemann, der kürzlich von Jaspers bereits in der ersten Runde entschsidcnd geschlagen worden war, die Einleitung besorgen die Berliner Kostrewski und Helmut Schulz II. Frauen bei Schwimmkämpfen Zum Kreisfrauensdiwimmfest Zum ersten Mala treten die Frau« n der Arbeiter-Sä)wünm- rereine mit einem S ch w i m m f« st an die Ocssenllichkcit, das nur von ihnen bestritten wird. Em außerordentlich starkes Melde» ergebnis zu allen Wettkämpfen und Vorführungen ist ein Beweis für die Verbreitung des Schwimmsportes bei den Frauen. Nicht nux die Wettkämpfe habe ein überaus großes Meldeergcbnis ge- Li» schöner kettzeo, gesdwommeQ von Frauen der Abteilung Lichtenberg der Freien Schwimmer Groß-5crlIn zeitigt, sondern auch die Mehrkämpfe, unter denen besonders der Rettuagsmehrkampf von 16 Teilnehmern besetzt Ist. Neu ist bei diesem Fest«in Reigenwettbewerb, an dem die Vereine Berliner Schwimm- Union. Freiheit. Hellas und die Dereinsmannschaft der Freien Schwimmer Groß-Berlin mit ihren Mannschaften beteiligt sind. Bei den bisher gezeigten Leistungen dieser Mannschaften dürfte dieser Wettstreit hart umstritten werden. Auch das Sprin- gen, dos immer etwas vernachlässigt wird, hat acht Meldungen erhalten: hier sollen die jungen Kräfte zeigen, daß auch Frauen Mut haben. Die Stafetten sind sämtlich stark besetzt: hier werden besonders die Dresdener Fronen, die sehr gute Kräfte haben und sich an allen Wettkämpfen beteiligen, kräftig eingreifen. Auch die Stettiner werden ein Wort mitreden. Im Pushballspiel werden sich die Mann- lchaften von Dresden und van den Freuen Schwimmern Groß- Berlin und Friedrichshain gegenüberstehen. Das Fest findet am Sonntag. 2. März, im Stadtbad Wedding in der Ge- richtfiraße, um 15 Uhr, statt. Einlaß 14 Uhr. Karten zum Preise vrn 7? Pf. sind an der Kasse zu haben. 8 di wimmlest des DWV. Kürzlich fand Im Stadtbad Wedding das zweite Verbands- fchwimmfeft des republikanischen Deutschen Wassersportver- bände? statt. Der Verbandsvorsitzende Richard Küter konnte ein überaus zahlreiches Publikum willkommen heißen. Die zahlreichen Wettkämpfe, die sämtlich eine gute Besetzung aufwiesen, brachten spannende Kämpfe. Besonderes Interesse fand das Springen, bei dem erwartungsgemäß der Europameister Hans Luber den Sieg erringen konnte. Luber sand einen scharfen Konkurrenten in Willi Hübner voy der Berliner-Berkehrz-Gesellschast, dessen ausgezeichnet« Leistungen stürmischen Beifall sanden. Im Wasserballgesellschafts- spiel siegte die vorzügliche Männschaft des Polizeisportoereins gegen die Berliner Drennstoff-Gesellschaft mit 8: 5. die Gasag gegen die Berliner Verkehrsgesellschaft mit 6:0 Toren. Den Ehrenpreis des Spartoereins der Gasag im Seiteschwimmen über 50 Meter gewann Ernst Anneke-Bewog, den Verbandspokal im großen Frei- stilschwimmen über 100 Meter Wohlgemuth-Gasag. Im Anschluß an die Wettkämpfe fand«in Festabend im illap statt, auf dem die Preisverteilung erfolgte. Vrn die �rheiter-Loxmeisterschatt In den Kämpsen um die B o x m« i st« r s ch a f r des Ar- beiter-Aihleienbundes Deutschland sind die Kreis- >n-isterinannfchasten ermittelt. Es sind dies: 1. Kreis(Provinz Schlesien):„Eich«', Liegnitz: 2.(Ober- und Niederlausitz>:„Hansa", Weißwasser: 3.(Provinz Pommern): Arbeiter-Boxklnb Stettin: 3a.(Provinz Ostpreußen): Kraftspartverei» Ponart, Königsberg: 4.(Berlin-Brandenburg): Kraftjportoerein Luckenwald«: 5.(Halle, Wittenberg mit Mansfelder Bezirk):„Germania Felsenfest', Halle: 6.(Freistaat Sachsen): Arbeiter-Voxklnb Zwickau: 7.(Thüringen): „Vorwärts", Gera-Zwötzen: S.(Provinz Sachsen und Anhalt/: 9.(Mecklenburg. Hamburg, Lübeck und Kiel): Kraftsportverein Nordisch« Eich«: 11.(Lippe, Kassel): Sponoerein Bieleseld: 12.(Rheinland, Westfalen): Kraft- und Sportverein Velbert: 13.(Rheinpfalz): Üudwigshafen Nord; 14.(Hessen): Arbeiter-Box- klub Lamportheim: 15.(Bayern oberhalb der Donau): Kraftfpoii. verein Schwsinfurt 1900: 16.(Württemberg): Athletenverein Zuffel- hausen: 18.(Adenburg. Friesland): Kraftfportverem Rüstring:n- Wilhelmshaven. Die Mannschaften sind in fünf Verbände«nget«it. die Er- mittlung der Berbandsmeister ist die nächst« Etappe zur Bundes- Meisterschaft. �rdeitersportler, denkt daran? 3o diesen Märzlage« jährt zum zehnten Male der Tag. da eine Anzahl der verbrecherifchen Eleweote versuchte, die svnge Republik durch einen Ml U 1 ä e p« 1 j ch zu beseitigen. Es waren die Leute um kapp, L ü t t w i h und Ehrhardt, die»ich der aus dem Baltikum zurückgekehrten Landsknechte bediente«, um der Republik den Garaus zu machen. Sie scheiterten au d-r Macht der Arbeiterklasse, die durch einen gewalligen Generalstreik den Slaol». stretchlern die Waffe aus der Hand schlug. Am 16. März jioll die Erinnerung an dirsen Steg der Ar- beiterklasse festlich begangen werden. Die Arbeltersporller werden sich daran in Massen beteiligen, denn sie haben vor zehn Zahren mit im Kampfe gestanden. Es gilt auch heule noch die Republik zu schützen, denn sie ist»roh aller Rot der Zelt«tn Bollwerk gegen die Reaktion. Darum Arbeiterfporkler: Stellt euch am lS. März in die Reihen der fozialdemokratiichen Arbeiterfchafii Berliner Vor Ständekonferenz! Das Kartell für Arbeitersport und Körper. pfleg« teilt mit: Montag, 3. März 1930. um 191b Uhr. beginnt die„B o r st ä n d« k o n f e r« n z' der Verein« des Berliner Kar- tells für Arbeitersport und Körperpflege im..Clubhaus'. Ohmstraße. Näh« Jannowitzbrücke. Diese Zusammenkunft ist sehr wichtig,»eil dort über die für 1930 zu zahlende Unfallversicherung Beschluß gefaßt werden soll, weiter kommt die. Beihilsenfroge durch die Stadt und den Oberpräsidenten zur Beratung. Stadirat Dr. Friedländer wird über die„Organisation der Ortsausschüsse für Jugendpflege und der Derwaltungsausschüsse der Jugendämter' sprechen, Stadtrat Schneidcr-Neukölln. Vorsitzender des Iugendherbergsverbandes, spricht über die Notwendigkeit des Anschlusses unserer Dereine an die Iugendherbergsorgamsation. Außerdem Ausgab« van Material a» die Vereine für den„Stödtefchwimmkampf Wien— Berlin'. Die der Einladung an die Verein« beigelegten Delegiertenkarten find aus- gefüllt bei der Türkontroll« abzugeben. I A.: Robert Geklsebl-iger, Berlin N. 65. Nazorechkirchftr. 46, Wedding 2977(neue Adresse). Boxkampf Shorkcy— Scott im Rundfunk Im Programm der Akwellen Abteilung wird der Versuch unter- nommen, heul« nacht, um 4 Uhr. den Boxkampf Jack Shar- tey gegen Phil Scott zu übertragen. Der Sieger in diesem Kampf wird im Sommer gegen Max Schmeiing um Hie Weltmeister- fchaft kämpfen. Sbarkey und Scott treten in Miami(Amerika) um 10 Uhr abends amerikanischer Zeit in den Ring. Schon eine Stunde vorher, also von 3 Uhr früh Berliner Zeit, gibt der ameri- kanifche Sender Unterhaltungsmusik. Von 4 Uhr früh an werden hie Berliner den englischen und deutschen Bericht über den Verlauf des Boxkampfes vernehmen. Schwlmmerspart« 1. kreis, ATSB.„Wien— Berlin!" Di« technischen Leiter der Berliner Verein« treffen sich Freitag. Fe- bruar(20 Uhr), bei Lohan. Brüderstr. 16. zu einer Besprechung über die Zusammensetzung der Städtemannschaft. Jeder Berein, der sür die Mannschaft befähigt« Mitglieder Hot, muß«inen Ver- treter entsenden. Musik im Dienst der Gymnastik warum es sich in den llcbungsstunden mit Musik- begleitung besser turnt und spielt und wie man Turnmusik macht, behandelt hier ein Fachmann. Wer als Uebungslelter früher in der Turnhalle oder auf dem Sportplatz tätig war. dem wird der Vorteil des jetzigen moderner Uebungsbetriebes leicht erkennbar sein. Em wichtiges Hilfsmittel für den jetzigen Betrieb in der Uebungsstunde ist die Musik oder besser gesagt, die musikalische Begleitung bei bestimmten Uebungsarten und-formen. Vereine, die ein Kiavier zur Verfügung haben, werden ja bald mit dem Besitzer derselben über die Benutzung handelseinig werden; schwieriger ist es schon sür den Verein, der sich nicht in so glücklicher Lage befindet. Do ist oft guter Rai teuer, sindige Funktionäre müssen auf Auswege sinnen. Oft sind unter den Burschen und Mädeln der„Arbeiterjugend' Mandoiinen- und Guitarrehesitzer. Dann wird sich bei gegenseitigem Entgegenkommen dies« Klippe überwinden lassen. Ist ober auch dieses Hilfsmittel nicht anwendbar, heißt's Musik auf andere Art beschossen. Der einfachste Ersatz ist natürlich der Gesang. Entweder müssen die Uebenden selbst mitsingen oder es wird in zwei Gruppen geübt: Gruppe 1 übt, Gruppe 2 unterstützt durch Gesang. Da- hat den Vorteil, dckß sich die eine Gruppe trotz ständiger Mitarbeit doch ausruhen kann Denn ständig Singen und Ueben dürste ziemlich anstrengend sein. Voraussetzung ist, daß der Musikersotz sich auf bekannte Lieder beschränkt oder es handelt sich um Singspille, die allgemein verbreitet sind. Bei Benutzung besonders ausgewählter Musikstücke wird sich die Notwendigkeit der ordentlichen Musik- begleitung bald als unerläßlich herausstellen. Aus diesem Grund« trachte» die Verein« oder Abteilungen nach dem Erwerb ein«» Klaviers, das dem Uebungslelter das Einüben besrnderer Vor- führungen wesentlich erleichtert. Auch wenn es sich nicht um Aorsührungen handelt, ist musi- kalisch« Begleitung im Interesse der Uebcnden und des Leiters er- wünscht. Schon beim einfachen Ummorsch bringt Gleichmäßigkeit die musikalische Begleitung. Ist nun gar der Klavierspieler ein Turner und besitzt er die nicht zu unterschätzende Fähigkeit, sich anpassen zu können, dann sind oft Zurufe des Leiters unnötig. Ein Wink,«in Kopfnicken für den„Musiker' und aus dem Viervierteltakt wird«in Zweivierteltakt und sofort beginnen die Uebenden mit dem Laut. Im umgekehrten oder ähnlichen Falle wird durch Uebergayz in höhere Lagen aus dem gewöhnlichen Schritt ein Zehengang, die Uebenden müssen selbstverständlich bei der Sich« sein. Durch«inen Wink des Leiters spielt der„Turnmusiker' jetzt in den tiefen Oktaven: und der Zehengang verwandelt sich in wuchtigem Stampf- schritt. Bei Schriftarten— wi« eben angedeutet— laßt sich Klaaier- Ipiel durch Gesang nicht ersetzen. Fast vollkommenen Ersatz bringt jedoch die Benutzung des Tombur'ns Hiermit kann der Leiter durch flottes oder longsame«, durch kräftigere« oder sanftere» Schlagen Takt und Art andeuten. Ob Klavierspiel, ob Tamburin oder irgendein anderer Ersatz, in unser« Zeit gehören Musitturnen und Turnmuiik al« gut« Hilfsmittel für Leiter und Uebende in jeden Hebung»- betrieb. Wer Mangel hat an musikalischen Vorlagen, wer An- regungen braucht und Unterweisungen nicht verachtet, besorge sich das neue von W. Riedel verfaßte und vom Arbeiter-Turnverkurg herausgebrachte Werk»Musik und Leidesübung'.—4— �(Befchäfts-Jlnsäger � föezinß JtoTden-Cfien. Wer braucht ®lenii.l{odiherder Nur oute und billige Qualitätsarbelt, auch auoerhaU) aroB- Berlins Fliesenarbeit Baukeramik Berliner TSpferhütte GmbH[110 Berlin SO 36/ Waldemarstr. 14 Fernaprocher: Amt Moritzplatz Nr. 8314 Märttlsdier HeisdiUonsam Hermann Pohle»i« Pallisadcnstr. 29 Strausberger Str. 34 .fl.£ ä ck ein Ii ck er Optisches Umliltü 1138, Schönhauser Allee 136 Xieieranl für sämll. Xrankenkassen Bäckerei/ Konditorei/ Cafä m»»SM»»»»_ Paul Köhler Conl&rdSlr. 3/4, bei der Zenlral-Morkthalle Groligarage Nordbahnhof J. Maximilian Janischevski BEniB&Sai EO Ebenxralder Str. 14-15 IwCKkla�l Ith, Oderberger Strafe 19 (1 Minute vom NordbahnhoO Garagen:: Tanksteilen Werkstatt Tob und Kaöit geOllnet.- Tel.: D.4. Homboldl 283? Zum Nagendohlor Inhaber: OttO Sdläler(Bbf. 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