BERLIN Soimabeod LMärz 1930 10 Pf. Nr. 107 B51 4?. Jahrgang itf& tivt«nSet®0BHt«9<. Augltich Abeildautgab« b«.Vorwürtt' B«illg«»rei« betbt Ausaaben«sPf. proWvch«. SF»M. vrv Monat. Kedakttoa und Exxodittoni Bcrliu SW 63. LlNdellKr.3 Sjuilctuigaße dei ffibwasfa* »»eigenrrei«: Di« einsvaltige NonpareMti«N« «o Pf.. Koklamezetle ü M- Ermäßigungen nach Tarif. »Kscheckkont»� Vorivärls-Verlag G. m. d. H« Berlin Nr. 87536, Fernsprecher: Dönhoff 292 bi< 2sn Hindenburg empfiehlt Notopfer Mitteilung an Deutsche Volkspartei und Zentrum. y Zu« Besuch der Parteiführer Dr. Brüning(Z.j und Scholz lD.Vp.) beim Reichspräfibenten wird von unter» richteter Stelle erklärt, daß der Reichspräsident als seine persönliche Meinung hingestellt haben dürfte, dah der» jeuige Teil der Bevölkerung, der gegen Arbeitslosigkeit gesichert ist, das Notapfer aufbringen sollte. Im Juter» esse der Boltsgemeinschaft sei das notwendig. Der Reichspräsident, so wird Hinzuges evt. wolle da- mit keinesfalls eine« Druck auf irgendeine Partei aus- üben oder stch in die Erledigung der Frage einmischen. Er habe lediglich seine persönliche Meinung und Ueber- zcugung zum' Ausdruck gebracht. Der poltzeikonflitt beigelegt. Aussprache'Zörgiebel-We ß Heimannsberg. Der Polizeipräsident teilt mit: Die in der Oessentlichteit über Gebühr behandelten 11 n st i m» tnig feiten zwischen dem Polszewizepkäsidenten Dr. Weiß und dem Kommandeur.Heimannsberg habeii jetzt nach der Rück- kehr des Letztgenannten ihre Erledigung gef und eu. Der Polizeipräsident hotte mit beiden Herren eine eingehende Aus» sprach«. Hierbei. gelang e». all« Unstimmigfeiten und Miß- Verständnisse restlos auszuräumen. Soweit bei der Besprechung grundsätzliche Fragen der Polizeiorganisa'ion er- örtert wurden, besteht, wie. gegenüber irrigen Pressemeldungen her- vorgehoben werden muß, völliges Einverständnis darüber, daß die Schutzpolizei in gleicher Weise wie jede ander« Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums dem Polizeipräsidenten und somit auch dem Pokizeivizepräsidenten untergeordnet ist. Das er« zielte Ergebnis berechtigt zu der bestimmten Erwartung, daß die vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden bewährten Beamten für die Zufunst gewährleistet ist. * Dazu erfahren wir, daß die schnelle Beilegung des Streitfalles zwischen den beiden führenden Beamten des Berliner Polizeiprä- sidrums auf das energisch« persönliche Eingreifen des Polizeipräfi- denten Zorgicbel zurückzuführen ist, der nach Rückkehr des Kam- rnandeurs Helmannsberg vorn Urlaub sofort die nötigen Grund- lagen dafür schaffte. Es zeigte sich serner, daß die von Zörgiebel eingeschlagen« Tat- tlt, die Angelegenheit nicht bürokratisch zu erledigen, sondern zuerst eine Aussprache der Beteiligten' herbeizuführen, die rich- tige war, well nur sa eine restlose Beilegung des Streitfalles er. reicht werden konnte. ßseitie Verbindung mit Nuhrgas A.-G. Die Finanzlage der Stadt Berlin bessert sich. Zu den Zeitungznachrichken. daß dle Ruhrga» A.-G. der Stadt Berlin einen Kredit angeboteu hat, teilt uns das Nach- rlchteaamt der Stadt Verlin mit. daß zwar ein der- artige« Kredllangebot vorliegl. Die Siadt verlin ha« aber keinerlei Verhandlung«a onsgenommeu, um diefem Angebot näherzutreten. Dle Stadl ist nicht mehr in der Zwangs- lag«, wlrlschaflllchc Konzessionen machen zu müssen, um Kredite zu erlangen._____ Notarmisten fliehen Nußland. Sie müssen hungern vnd gegen Bauern marschieren'. Warschau. 1. März. Wie.Expreß Pornnrn}" meldet, hat gestern nochr bei Luninjcc eine aus AI Soldaten be�hcndc Abteilung der Sowsetgrenzwache unter der Führung ihres Sommandairten die Grenze übers chri den und sich beim polnischen Pobzeikommando in Luninsec gemeldet. Di« russischen Soldaten erklärten dort, daß st« stch schon seit lS-- oerer Zeit mit der Absicht getragen hat en. die Reihen der Roten A inee zu verlassen; sie würden in Sowj.trußland völlig ungenü- gend ernährt. Ueberdies hätte man sie neuerdings gegen di e L a u« r n geführt, die sich gegen die Enteignungen verteid gen wollen. Da bu Soldaten daraufhin zum Teil den Gehorsam ver» ws'gerten und nicht gegen die Bauern kämpfen wollten, habe man die Disziplin derart verschärft, daß sie zu Sklaven herab. g« w-ürd ig t würden. Der Verachtung preisgegeben? Krönt aller Anständigen gegen Ehren-Grützner.- Kollegen wenden stch von ihm ab Das widerwärtige Treiben des Senotspräsidenten Grützner beginnt sich gegen seinen eigenen Urheber zu wenden. Die„B. S-" veröffentlicht einige Zitate aus dem Ärief, den Grützner geflifsent» lich an die Fraktionen und an eine Reihe von Einzelpersonen über die privaten Angelegenheiten des Genossen Grzesinski richtete Das genannte Blatt bemerkt Mit Recht,„daß dieser Brief in seiner Art und seinem To.» in der politischen. Geschichte einzig, da- stehet Von der Art dieses ekelerregenden Denunziantentums kann man stch einen Begriff machen, wenn man erfährt, was-Herr l Grützner im einzelnen zu bemängeln hat. So beschwert sich»Herr Grützner, daß bei einem Polizeisest, zu dem notaben« sedermann gegen Zahlung des Eintrittsgeldes Zutritt hatte; der Minister zu- nächst,.in der Ehrenlog« gesessen habe, dann aber n-a ch einer Weil« di«s« verlassen und neben seiner jetzigen Lebensgefährtin Platz genommen hob«. Herr Grützner sieht in diesem Verhalten einen„restlosen Verstoß des Ministers gegen idie preußische Beomtenzucht"!! Er besitzt ferner den Geschmack, dieses durchaus taktvolle Verhalten des Ministers in Parallel« zu stellen mit dem Fall eines ehemaligen O b« r p r ö s i- d«nten, der im alte-n Staate entlassen worden. sei, weil er im Eisenbahnabteil eine fremde Frau geschlechtlich otiockiert habe! Grützner versteigt stch zu der Erklärung, daß durch das Der» halten des Ministers die Einrichtung der Königsmätresie aus der Zeit der sranzästschen Ludwig« in der Republik„fröhliche Urftädt" feier« und schließt daran die kaum verhüllte Drohung, daß er als. Präsident eines Diszip'inarsenais bei Gelegenheit von Disziplinar- Verhandlungen es zulassen würde, daß sich Angeklagte auf das Ver- halten des Ministers berufen würden, dem auch Herr Grützner nichts weiter vorzuwerfen vermag, als daß er nach jahrzehntelang zurückliegender Zerrüttung seiner Ehe einen freien Lebensbund mit einer anderen Frau geschlossen hat. Die„B. Z." bemerkt zu dem Briese Grützners: Diese Tatsachen haben dazu geführt, daß sich eine einmütige „Front aller Anständigen" gegen Grützner gebildet hat. Für die sozialdemokratische Fraktion des Landtages war es selbst- verständlich, daß sie einstimmig beim Parleivorslaud den Antrag stellte, Grützner wegen ehrlosen und parleiwidr'.gen Verhallens aus der Partei auszustoßen. Aber das Verhalten Crützncrs hat weil darüber hinaus zu schärfster Abwehr solcher persönlich ge- hösstgen kampsesweife herausgefordert, hohe vnd höchste Ve- omlc der Reich«, und Staatsverwaltung haben erklärt, daß fle diesen disziplinarisch nicht zu fassenden Senalspräsideuien u> ch l mehr in ihren Amtsräumen empfaugeu, ihn über- sehen, ihm nicht mehr die Hand geben werden. Die Vombenleger Henning hafientlassen Kollegen Grühners vom Oberverwalluugsgericht sind von Grützner abgerückt, der Ehespräsident Drcws wird sich noch heute mit Grützner aussprechen. Auch der Vorstand des Republikanischen Richterbundes wird sich mit dem Verhalten seines bisherigen Mit» gliedes Grützner beschäftigen, und es ist mit Sicherheit anzu- nehmen, daß Grützner zum sofortige» Austritt aufge- fordert wird. Es wird in der„B. Z.* dann noch ausgeführt, daß die politische Kampfesweise hier einen Zustand erreicht hat. der kaum unter-- boten werden tonn, und wie es ihn in keinem anderen Kulturstaat im politischen Leben gibt. * Der von seinem Amt zurückgetretene preußische Minister de« Innern G rz.es ins ki hat sich heute vonnittag um 10 Uhr von den Beamten, Angestellten und Arbeitern des preußischen Innen- Ministeriums verabschiedet und will einen- längeren Erholungsurlaub nach det Schweis antreten.' Der neue'Minister Waeittig gedenkt am Dienstag sein Amt zu übernehmen. »Dieser Hennina kommt sicher wieder. Bei 5 Jahr Zuchthaus Minoeststr'a.e.;..* Oer Hakenkreuzler als Negierungsrat. .-Verhandlungen vor dem Neichsdisziplinargericht. » Im Reichsministerium des Innern begann heute morgen dl« Disziplinarverhandlung gegen den hakeiitmi.zlerischen Regienrngsrat F a b r i c i u s. Den Vorsitz führt Senatsprästdent Dr. Groß» mann, Beisitzer sind«n Kainmergerichlsrat, em Landgerichtsrvt, ein Postinspektor und ein Botenmeistcr. Der Lert�diger des Fabricius stellt zunächst«inen Ableh» nungsantrog gegen den Vorsitzenden des Gerichts. Seinen Antrag begründet er � folge udermahen: Wer Vertrauen zur Rechts- pflege wünscht, muß Unabhängigkeit der Richter fordern. Dies ist aber nicht möglich, wenn wie im gegebenen Falle ein Richter poli- tisch gebunden ist. Der Senatspräsident Großnrann ist Reichs-- bannerinann und Mitglied der Sozialdemokratie, gehört also der Partei des Marxismus an. die von der Partei des An- geschuldigt en aufs schärfst« bekämpft wird. Senatsprästdent Groß- mann ist. im Jahne 1926 aus dein Deutschen Richierverein aus- geschlosien worden. In einem offenen, von 12090 Richtern unter- schriebenen Brief hieß es, daß Senatspräsident Großmann von Partei fo-natismus beseelt fei Und Politit in den Gerichtesaal trage. Senaiepräsident Großmann habe aber außerdem aüch öffentlich für di« Fürstenente'gnung Stellung genommen und zum Ausdruck ß«- bracht, daß im Zwiespalt zwischen Recht und Wohl der Republik das letztere den Ausschlag geben müsse. Ein Mensch, der sich bog- inatisch derart festgelegt hat, kann in diesem Falle nicht objektives Recht sprechen. Das Gericht lehnte den Antrag als unbegründet ab und trat in die Verhandlung ein. Der Angeklagte machte kurze Angaben über seine Persönlichkeit. Sohn eines Oberstleutnants, vor dem Krieg« Reserendor, geriet er während des Krieges in sronzöstsche Gefangenschaft, mach!» später sein Assessor-Eramen, wurde Regierungsassessor und im Jahre 1928 Regierungsrat beim Finanzamt. Die Anklage enthält fünf Punkte. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt: Erstens, daß er in einem Artikel der Wochenbeilage zum„Völkischen Beobachier*:„Patrouillen in das Leger der Schwarz-Roi- Gelben" die Republik verächtlich gemacht, die Reiche flagge in der öffentlichen Meinung herabgesetzt und sich über den Vizepolizeipräsidenten in herabsetzender Weise geäußert hat. zweitens im„Völkischen Beobachter" Nr. 64 in einem Artikel„Deutschland erwach«" an der Polizei als Organ der Staatsgewalt in einer über dos Maß des Zulässigen hinausgehenden Weise Kritik geübt hat, drittens in seiner Dienststelle ein Plakat, dos stch auf die Teilnahme der Beamten an dem Iirslotionsbegehren bezog, entfernt habe, viertens, baß er in einem Schreiben an seinen Vorgesetzten m un- zulässiger Weise an dessen Maßnahmen Kritik geübt, und fünften«, daß er In dem Brief an den Präsidenten des Landes- fivanzamts In unzulässiger Weife einen Erlaß des preußi- f ch e n F> n a n z m i n ist e r s über die Enthaltung der Beamten von der Teilnahme an dem Inslationsbegehren kritisiert habe. Vor zehn Jahren. Nie Aengste der Kappisten. Man schreibt uns: In der Notiz in Nummer 96 des„Abend" über da« Verhallen der Kappisten wird u. a. gesagt, daß die Äappisten vor allem di« Arbeiterschaft fürchteten, ebenso die Sicherheitswehr, vor allem die Abteilung Lichtenberg. Der Schreiber wußte nicht, womit das zusammenhängt. Es dürfte folgende Bewandtnis haben: In der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend verlangten im März 1929 die Kappisten, daß die Genossen- schaft ihre Automobile abliefern solle. Der Geschäftsführer Genosse M i r u s weigerte sich, die Automobile abzuliefern. Am Mittwoch, 17. März, wurde, von einer Truppe Kappisten unter Mithllf« von Angehörigen der Technischen Not- Hilfe versucht, die Automobile in Lichtenberg abzuholen. Als sich auch jetzt noch Genosse Mirus weigerte, die Automobile Heraue- zugeben, wollten die Kappisten die Türen zur Autogarag« sprengen und sich mit Gewalt die Automobile aneignen. Mirus machte den Führer dex Gruppe, einen Leutnant S a n i o, nachdrücklichst auf das Ungehörig« seines Verhaltens aufmerksam und droht« ihm an, ihn für alle entstehenden Schäden haftbor zu machen. Die Auseinandersetzungen hatten.zur Folg«, daß Mirus verhaftet wurde und in die Reichskanzlei abgeliefert werden sollte. Während dieser Auseinandersetzung alarmierte der Sohn des Genossen Mirus, die Situation überschauend, die Sicherheits- wehr in der' Möllendorfstraß«, Lichtenberg, die in geschlossenem Zug« anrückt«, Mirus enthaftete und die Käppi st en einschließlich der Angehörigen der Technischen Noth'lse verhaftet«. Aus dem Revier wurden die Herren entwaffnet und als Gefangene mit ihrem eigenen Auto nach der Pionierkaserne in der Köpenicker Straße transportiert. Dieses Lastauto wurde von der Zivilbevölkerung begleitet, und man hat sich später in Lichten- berg erzählt, daß die E i n f a h r t in die Pionierkaserne nicht ganz reibungslos vonstatten gegangen sein soll. Vielleicht haben die Erfahrungen dieser Truppe mit dazu bei- getragen, jene Ang st zu stände zu erzeugen. Die Konsum- Genossenschaft blieb jedenfalls von weiteren Besuchen verschont. Die Sicherheitswehr in Lichtenberg hatte sich tatsächlich als gut-republi- konische Truppe gezeigt: das bewies nicht nur der hier geschilderte Vorgang, das ließe sich auch an anderen Beispielen erhärten. Ein Kommunist kriecht zu Kreuze ... und bereut seine Zedier. Bei den Kommunisten herrscht Freude. Ein Unterzeichner des gestern von uns verössentlichten Aufrufs hat sich zum Widerruf pressen.lassen. Wir zitieren einig« Sätze seiner in der„Roten Fahl«" veröffentlichten Erklärung, weil sie ein treffliches Porträt kommunistischer Eharaktergröße ergibt. Emil Ludwig— man verwechsele den Wackeren nicht mit seinem bekannten schriftstellerischen Namensvetter!— wimmert folgendermaßen um Gnade: Die von den Stadträten Letz, Raddatz und Lücke und einer Anzahl anderer unter dem Namen einer Erklärung heraus- �Oegebene Verleumdung gegen die Kommunistische Partei trägt auch meine Unterschrift. Ich habe aber diese Erklärung im Wortlaut nicht gekannt, sondern es wurde mir von Möllmann versichert, daß in der Erklärung nur eine Aus- spräche über verschiedene Parteimahnahmen mit der Partei- leitung gefordert würden. Ich ziehe die von mir erschlichene Unter-\ schrift selbstverständlich zurück und gebe zu, daß es«in Fehler von mir war, meine Unterschrift auch nur zu dem v« r- j meintlichenZweckzu geben. Also nicht einmal eine Aussprach« mit der Parteileitung, dürfen die gehorsamen Knechte Moskaus von ihren Oberen ver- langen. Und so etwas will die Welt befreien! Selbstmord eines Kaufmanns. Zm Büro erschossen und erhängt. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nahm sich henke früh nm S Uhr der 4Sjährige Kaufmann Alex M. aus der llhlaad. straße in Charlollenburg das Leben. Zn der vergangenen Nacht blieb M. seiner Wohnung fern. Als die besorgten Angehörigen nach seinem verbleib forschten und das in der Potsdamer Straße gelegene Büro aufsuchten, machten sie ein« schreckliche Entdeckung. Man fand den Vermißten an der lür- ongel erhängt aus. Auf dem Fußboden neben dem Selbstmörder lag eine Pistole, aus der er sich vorher noch einen Schuß in die Schläfe beigebracht hatte. Die Leiche wurde von der Kriminal- Polizei beschlagnahmt. ttniversitäksprofeffor als Mörder. Durch den elektrischen Stuhl hingerichtet. New Park. 1. März. Unter ungewöhnlicher Anteilnahme der Bevölkerung voll. zog sich am späten Nachmittag des Freilag die hinrtch- tung des Professor» James h. Suook. Professor Sraoot, i«r verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist, hatte ein Verhältnis gehabt und während einer Autofahrt seine GAtebte getötet. Er versuchte seine Tat damit zu begründen, daß da» Mädchen ihn habe veranlassen wollen, seine Frau zu oerlassen. Schließlich habe er sich ihrer wütenden Eifersucht, die sogar in töd- liche Bedrohung ausgeartet sei, nicht anders erwehren können. Das Todesurteil würbe zwar auf Grund eines Indizien- beweise» im August v. I. gefällt, die Beweise waren aber so lückenlos, daß der Professor sich nicht mehr herausreden konnte. Das Urteil und besonders die Hinrichtung selbst haben vor allem wegen der gesellschaftlichen Stellung des Verurteilten ein ungewöhn- liches Aufsehen erregt. Kommerz,'enrat Henkel gestorben. Neuwied, 1. März. In Rengsdorf verstarb heute früh kurz vor 7 Uhr in seinem Landhaus« nach kurzer schwerer Krankheit der Gründer und Seniorchef der Firma Henkel u. CIe„ Düsseldorf, Kam« merzienrat Fritz Henkel. Im Mer von nahezu 82 Jahren folgte er seinem am 4. Januar d. I. verstorbenen Sohne Fritz im Tod« nach._ Die sozialdemokrakisch« Reichslagsfraktion ist für Mittwoch nachmittag 2 Uhr einberufen. Lloyd George ist sehr wütend über die Liberalen, die nicht gegen di« Arbeiterregierung gestimmt haben:«r droht, die Partei- führung niederzulegen. horthys Zubilaumsanmesiie schließt die politischen Emi- granten wieder aus und ist auch sonst recht mager. tPoliSBeipräfidenl Chiappe, Paris Poliseipräfldenl Siyng, Xondon PoU&eipräJident SSrgiebeU Merlin 3)rei Polizei Präsidenten Die SPoliseiprUfidenleu von 3er- lin, Xondon und Pari* haben xur ichärferen lieber nsachung der Inlemailonalen terbredier ein engeres ZusammenarbeHen der .Tolixei der drei Sl&die befchloffen. ,7raiiaßfffchc unddeuilche&oUael offimiere werden der Xondoner ScoUandyard, englische und deul Sehe PoliaeioHiaiere der Pariser 3>ollxei und fransist stehe und eng tische �oliseiof fixiere derSBerliner SPoUssel aüachierl werden. Tardieu läßt für sich demonstrieren. Die Nechtsregierung im Werden.— Nriands Verbleiben zweifelhast. Paris, l. März.(Eigenbericht.) Tardieu scheint plötzlich keine Zeit mehr zu haben. Er ver- sicherte der Presse, daß er sein Kabinell am Sonntagabend oder Montag früh beisammen haben werde: er habe sich jetzt die not- wendige Mithilfe gesichert: nur verscheigt er, welcher Art sie ist. Nach der offiziöjen Presse soll es Tardieu gelungen sein, den Radi- kalen O s s o l a einzusaugen, der als einziger gegen dos Kabinett Chautemps stir.imte, sowie den ehemaligen Radikalen Lautier. Weiter würden P 6 r e t und de Monzie im Kabinett mitmachen, de Monzie als Innen- und Peret als Budgeiminister. Der bisherige Postminister Martin soll das Finanzministerium erhalten. Im übrigen würden M a g i n o t als Kriegeminister, Pietri als Ko- lonialminister, Flandin als Handelsminister, Hennesiy als Ackerbau- minister und Manaut als Kultusminister beibehalten. Das zweite Kabinett Tardieu würde also dem ersten wie ein Ei dem anderen gleichen und keineswegs die republikanische Kon- zenkration bedeuten, sondern ein aurgesprochenes Rcchtskabinclt sein. Unter diesen Umständen erklären es gewisse Blätter als recht zweifelhaft, ob B r i a n d tatsächlich weiter am Quai d'Orsay bleiben werde. Wie Lion Blum im„Papulaire" mitteitt, hat Präsident Doumergue sich auf den Protest der sozialistischen Partei hin stark beunruhigt gefühll und Tardieu zu möglichster Eil« aufgefordert. Tardieu aber wolle nicht vor Sonntagabend fertig wer- den. Venn für Sonntagnachmittag habe er sich in Paris von der patriotischen Jugend, der„Action Frangaise" und dem Polizei- präsekten Chiappe große Straßenkundgebungen arrangieren lassen, die sein« Unenibchrlichkeit öffenttich„be- weisen" sollen. Außerdem beabsichtige er, sich erst am Donnerstag der Kammer vorzustellen, an demselben Tage also, an dem die Kommunisten Straßendenwnstrationen zu Ehren der Sowjet- republik vorhaben. Tardieu hoffe also, mit Hilfe der Straße das Parlament einzuschüchtern und ihm ein leichtes Vertrauens- votum zu entreißen. Oer Saboteur des Zollfriedens. Paris, 1. März.(Eigenbericht.) Wie Abg. Grumbach im„Populaire" mitteilt, haben die Aeußerungen des französischen Sachverständigen Serruys in Genf sich gegen die Bemühungen zur Schaffung eines Zollsriedens im Parlament starke Entrüstung hervorgerufen. Wever das erste Kabinett Tardieu, noch das Kabinelt Chautemps hätten Serruys da- zu ermächtigt. Es handle sich also um das skandalös« Vorgehen eines Mannes, der seit über zwei Jahren aus dem Staatsdienst ausgetreten und in die Verwallung der Lazard-Bank und der Citroen-Automobilwerke übergetreten ist. Handels- minister Bonnet habe ihn sofort nach Paris berufen. Todesurteile in Tontiug. Paris, 1. März. Nach einer Untersuchung, die nur wenige Tage gedauert hat. wurden IS Personen abgeurteitt, die an den Kämpfen von Penbai beteiligt gewesen sind. Zwölf, darunter ein Arzt, ein Lehrer, dvei Offiziere und drei Schützen, wurden zum Tode verurteilt, di« übrigen zu lebenslänglicher bzw. 29 Iahren Z w a n g s a r b e i l. Oie Streitkrawalle auf Guadeloupe. Paris, 1. März. Nach einer Mitteilung des KolonialmTnisteriums ist auf Guadeloupe eine sieben Mann starke Gendarmerieabteilung unter Führu g eines Leutnants von Streikenden mit Ciseustäben und Brechstan en angegriffen und fast alle Gendarmen verletzt worden. Bon den Streikenden wurden zwei Mann getötet und einer schwer verletzt. Gewerbsmäßige Abtreibung. Zeuginnen verweigern ihre Aussage. Vor dem Landgericht III steht heute morgen die SöjäHrige Frau S„ angeklagt, au eiaer großen Zahl Frauen Abtreibung vorgenommen zu haben. Die Persönlichkeit dieser mehrfach vorbestraften Frau, die Art und Weise, wie sie ihren Patientinnen das Geld abgenommen, sowie ihre Ar- beilsmelhodc lieh gerade diesen Fall besonders schwer er- scheinen. Vor dem Gericht steht eine vom Leben geprüft« Frau. Für sie spricht der Umstand, daß keine einzige der Frauen, denen sie im schweren Augenblick ihres Lebens Hilfe geleistet hat, zu Schaden gekommen ist. Sie genoß in ihrer Umgebung den besten Ruf, war weit und brett bekannt und wurde überlausen. Gegen sie spricht das verhältnismäßig hohe Honorar, das sie sich geben ließ, sie nahm auch Trauringe, Wäsche und Schmuckstücke zum Pfand: blieb die Zahlung aus, so gingen die Pfänder verloren. Selbst mit Zahlungsbefehlen drohte sie. Die Frauen mußten ihren Namen und Adresse in kleinen Notizbüchern notieren— auf diese Weife konnte die Polizei SSFrauen feststellen, die sich demnächst vor dem Schöffengericht zu ver- antworten haben werden. Größtenteils waren die Namen und die Adressen falsch. Frau S. ist oeichältnismäßig spät zu ihrem traurigen Gewerbe gekommen— im Alter von S2 Jahren— und man wird Ihr glauben, daß Not und zunehmende Arbeitsunfähigkeit sie dazu ge- führt haben. Im Harzgebirge zu Hause, heiratete sie früh, hatte vier Kinder von einem Manne, der Trinker war und sie schwer mißhandelte. Im Jahre 1916 zog sie von ihm fort nach Berlin, nahm hier eine P or-�i erst eile an, arbettete schwer und ernährte recht und schlecht chre Kinder... bis im Jahre 1918 ihr Mann ihr nach Berlin folgte. Cr arbeitete ungern, fand er Veschäfiigung, so gab er ihr nur wenig Geld ab, mißhandelte sie aber nach wie vor. Ihr Gesundheitszustand wurde Zusehens schlechter, schwere Arbeit konnte sie nichr mehr leisten, so nahm sie ihre Zuflucht zum Kartenlegen und Wahrsogen aus dem Kaffeegrund. Diese Methoden des Zukunstweissagens wandte sie auch gegenüber schwangeren Frauen an, die sich scheuten, ihren wahren Zustand zu offenbaren. So entstand w ihr der Gedanke, diesen Frauen auf andere Weise zu helfen. Ihre Großmutter und Mutter waren Heb- ammen, bereits als Mädchen halle sie in Hebammsn-Lehrbüchern studiert, die erforderlichen Manipulationen waren chr bekannt und geläustg. In ihrer Tätigkeit ließ sie auch die hygienischen Borsichte- maßnahmen nicht vermissen, vor ihren Eingriffen säuberte sie tüchtig ihre Instrumente, wusch ihre Hände mit Lysol und hatte, wie ge- sagt, keinen einzigen Mißerfolg zu verzeichnen. Die Angeklagte macht den Eindruck einer schwer kranken Frau, die sich zudem in gedrückter seelischer Verfassung befindet. Bon den SS Frauen sind mir drei als Zeuginnen geladen. Sie sollen über die Art und Weise aussagen, in der Frau S. ihnen das Honorar abgefordert hatte. Di« Zeuginnen machen aber von ihrem Zeug- nisverweigerungsrecht Gebrauch, ebenso der Mann der Angeklagten. Der Staatsanwalt, in der Ansicht, daß die Art der Geldforderung für das Strafmaß von Bedeutung fei, beantragt die Vertagung der Verhandlung, damit er gegen eine Anzahl von Frauen die Anklage vor dem Landgericht erheben könne: er hofft, daß sie in diesem Falle als Mitangeklagte der Frau S. chre Aus- sage machen würden. Der Verteidiger widerspricht diesem Antrag, die Angeklagte gebe ja zu, gewerbsmäßig abgetrieben zu haben. Das Gericht lehnte bis auf weiteres den Antrag des Staats- anwalts auf Vertagung ab. Der Ankläger beantragte darauf in seinem Plädoyer zwei Jahre Zuchthaus. Rechtsanwalt Dr. Mendel plädierte für mildernde Umstände. -106 Konsumbezirke wählen. Nur Liste Genossenschastsaufbau kommt in Betracht. Die Mitglieder der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend werden noch einmal darauf hingewiesen, daß am morgigen Sonntag, dem 2. März, in der Zell von 9 bis 14 Uhr in 19S Wahlbezirken die Wahlen der Abgab« st eilen- Delegierten stattfinden. Für 1S9 Wahlbezirk« finden überhaupt keine Wahlen statt, da für dies« Wahlbezirke entweder keine gül.igen oder nur eine gültige Vorschlagelist« ein- gereicht wurde. Als Abgabestellen, in denen eine Wahs zu erfolgen hat, kommen nur in Betracht: 1.. 2. 4.. 1* 8.. 11, 15, 18. 19, 22. 25, 28., 29., 39, 31, 33. 34. 36. 37. 43, 44, 45., 47, 48, 49, 59, 51, 55, 58, 59. 69. 61, 62, 63, 65, 71, 74, 76, 78. 81, 82, 85, 87, 88, 94, 95, 191, 194, 105, 106, 107, 108, 110, III, 113, 114, 117, 120, 121. 123, 124, 126, 129, 130, 132, 133, 134, 135, 136, 137. 138. 139, 141. 144. 149, 156, 158, 159, 161. 164, 169, 174, 177, 181,183, 185. 185. 187, 188, 189, 199, 192, 193, 194, 197. 202. 215, 229, 225, 227, 233, 249, 257, 264. Abgabestelle. Das Wahlrecht darf nur im Bezirk derjenigen Abgabestell« aus- geübt werden, die der Wohnung des Wahlberechtigten am nächsten liegt. Auf keinen Fall bürfen Mitglieder eines Abgabcstellenbezias, in dem kein« Wahl stattfindet, in einem anderen Wahlbezirk das Wahlrecht ausüben. Die Tatsache, daß die Kommuniston nur in 195 Wahlbezirken Kandidaten aufgestellt haben, kennzeichnet di« Schwäche ihrer Post- tion. Dem entspricht auch der höchst flau« Angriff der»Ro:en Fahne" gegen di« Geschästspraxis der KGB. In wirklich kindisch«? Weise wird behaupte!, die Geschästepolitit der KGB. sei nur auf d« Lesnedigung der Arboiteranstotrati« eingestellt. Und wenn die .Rote Fahne" den Vorwurf erhebt, daß di« Konsum-G nossenschast Hamburg, di« nur di« Hälfte Mitglieder zähl«, bis vor kurzem einen höheren Umsatz als der Berlin«! Konsumverein gehabt habe, so wird di«se Bemerkung das herzhaft« Gelächter aller Konsum- genossenschaf.er erregen, denn st« beweist die absolut« Unkenntnis des Schreibers auf dem Gebiet de« Konsumgenossenschaftswesens. Mögen die Wähler der Liste Genossenschaftsausbau die Blamage der Kommunisten zu einer vollkommen«« machen, Lleberalierte Wiffenschast. Bürgerliche Parteien wollen sie noch älter machen. D«r Preußische Landtag erledigte heute vormittag ohne Aus- spradie eine Reihe kleinerer Dorlagen. Die Anträge des Geschäfts- ordnungsausschusses, die Strafverfolgung einiger nationalfozia- listischer und kommunistischer Abgeordneter zu genehmigen, wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Eine Debatte gab es nur bei der Zweiten Beratung eines Ur- antrage? des Zentrums, die Altersgrenze der Hochschul- l e h r e r von öS auf 68 Jahre zu erhöhen. Hierbei sprachen sich olle bürgerlichen Fraktionen für den Antrag des Zen- trums aus. Abg. Dr. Chajes(Soz.) erklärte dagegen, daß man für die Pro- fessoren kein Ausnahmegesetz zu schaffen brauche. Die Hochschullehrer hätten dasselbe Recht wie jeder andere Beamte, be- sonders, da sie nach der Pensionierung volles Gehalt beziehen und weiter als Forscher tätig sein können. Es sei im Gegenteil durchaus erwünscht, Platzzu schassen für den Nachwuchs, zumal mit jedem Professor ein ganzer Stab von Assistenten und privatdozenlea zusammenhängt. Es sei zu fordern, daß die vielfach überalterten wisienschaftlichen Institute auf die Höhe gebracht werden und die Berufung von Professoren nach anderen und freiheitlicheren Gesichtspunkten erfolgt. Man solle auch tüchtige Kräfte außerhalb der Fakultäten auf Lehrstühle be- rufen. Hierauf vertagte sich das Haus auf den 11. März. neues Allersheim in Zßuchhols. Jn SBerUn SBuchhol* wurde eine mufler gültige 3>{legeliMUe für aUe Xeule ton der Stadl errichtet. Unser&ild steigt die Aufienanfldil dea Melma Sieben Opfer einer Zamilieniragödie. Sine Mutter ging mit sechs Kindern in den Tod. Chemnitz, t. Marz. I« der Chemnitzer Vorstadt Borna hat stch gestern die entsetzliehe Tragödie eines Kriegsinvaliden abge- spielt, der nicht weniger als sieben Familienmit» glieder zum Opfer fielen. In der Louis-Otto-Straße wohnt« der Kriegs- invalide Müller, der zur Zeit arbeitslos ist. mit seiner Frau und sieben Kindern im Alter von 16 Jahren bis zu 4 Monaten. Das Zusammenleben der beiden Eheleute ist nicht sehr glücklich gewesen, so daß es mehrfach zu Zerwürfnisien kam. Als der Mann am Freitag mittag aus dem Hause ging, um seine Rente abzuholen, gab es vorher wieder ernste Auseinandersetzungen zwischen den Ehe- galten. Der Maim ist nicht wieder in die Wohnung zurückgekehrt und sein Aufenthalt konnte bis in die späten Nachtstunden hinein noch nicht ausfindig gemacht werden. Als die älteste Tochter am Abend von chrer Arbeitsstelle nach Hause zurückkehrte, fand sie ihre Mutter und Ihre sechs jungen Geschwister tot in der Wohnung vor. Frau Müller hatte den Gashahn geöffnet, um mit ihren Kindern aus dem Leben zu scheiden. Fünf Missionare ermordet. Die Tat chinesischer Ziäuber. London, 1. März. Fünf von Banditen verschleppte Mitglieder einer katholischen Misstonsstation des Y i n g t a k- Bezirks sind ermordet worden: Bischof Versiglia. ein Pater und drei chinesische Nonnen. Die Banditen hatte« zuerst versucht. Lösegeld für die fünf Gefangenen zu erhalten, und als ihnen das mißlungen war, haben sie alle fünf ermordet. Der Bischof stammte aus Mailand und hatte in China 23 Jahre Misstonstätigkeit hinter sich. Oer Hauptqew'nn auf Nr. 2�:M8S In der heut'gen Vormittagszlehung der Preußisch-Süd- deutschen Klassenlotterie wurde der Hauptgewinn in Höhe von zweimal 666 000 Mark aus die Nummer 217 188 ge- zogen. Die glücklichen Gewinner wohnen in Bremen und Jena. In der ersten Abteilung wird die Nummer in Achtellosen in Jena gespielt. Dort erhält jeder Gewnner SOOZO Mark ausbezahlt. Jn Bremen teilen sich nur zwei Losiuhaber den Gewinn und erhalten jeder nach Abzug der Steuern 200 000 Mark. Als einziger größerer Gewinn bleibt nur noch die SOOOOO-Mari-Prämie zu ziehen, die am letzten Ziehungstage aus den ersten gezogenen 1000- Mark-Gewinn fällt.___ Wetter für Berlin: Welterhin beständig, zeitweilig aber neblig, Nachtfrost.— Für Deutschland: Beständiges, zeitweise nebliges Wetter bei wenig Temperaturänderung. Am Grabe Eberl» wurde an seinem Todestage auch, wie alljährlich, ein Kranz des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei niedergelegt. Musik und% Konzeltrundschau.> Mah'er und Sirawin�ky. Mahlers Vierte Sinfonie als Hauptstück des fünften Bruno- Walter- Konzerts, Strawinskys„Frühlingsweihe" im Siebenten Philharmonischen unter Furtwängler— es waren, nicht miteinander zu vergeiche» im übrigen, zwei Gipfelleistungen des Berliner Konzertwinters. Auch die beiden Werke, Gipfelwerte im musikalischen Schaffen unserer Zeit, grundverschieden unter jedem Gesichtspunkt, versagen sich vergleichender Betrachtung. Aber die Erscheinungen M a h l e r und S t r a w i n s k y in ihrer geschicht- lichen Rolle, die Musiker in ihrem Schicksal weisen Züge von über- raschenher Gemeinsamkeit auf. Wie Strawinsky in diesem Jahr- zehnt, so wurde Mahler um die Jahrhundertwende ausgepfissen und ausgelacht. Wir können es heute kaum noch begreifen. Immer stärker prägt die Sonderstellung dieses letzten und vielleicht größten Sinfonikers sich aus, den das nachbeethovensche Zeitaller hervor- gebracht hat: immer deutlicher wird wahrnehmbar, wie er aller Problematik der Heulgen Musik vorgearbeitet hat. Gewiß Hot er uns Großartigeres, Gewaltigeres Hinterlassen als diese Vierte: aber nie hat seine Art, Natur und Persönlichkeit so reinen, konzentrierten Ausdruck gefunden wie in diesem Werk seiner wunderbarsten Ur- sprünglichkeit. In der Tat, hier ist jeder Takt und jeder Ton, jede Regung und jedes Detail der Technik wählerisch und hinreißend echt— zweifach beglückend, weil es, vielfältig abgewandelt, die EchlHeit eines zugleich tiefen und naiv heiteren Lebensgefühls ist. Kann man es fassen, daß die Uraufführung in bösem Gelächter unterging? Nun wird es für die Hörer zum seltensten Musik- erlebnis: dank Waller und der schlechthin idealen Musiziergemein- schaft, zu der er sich mit den Philharmonikern verbindet: und dank der Innigkeit und kinWichen Anmut, die Maria I o o g ü n für den vokalen Ausklang der Sinfonie hat. Ein« andere Well: Strawinskys„Frühlingsweihe". Nicht Früh- ling, wie er bei uns von Dichtern besungen wird. Welch' eine Welt asiatlsch-barbarischer Urtümlichkeit, naturhast-ungestllmer Wildheit, kraftstrotzender Erdgebundenheit! Als Ballett war das Werk ge- meint(und selbst von den Russen des verstorbenen Diaghilew ver- fehlt): es besteht als bedeutendstes Stück der neuen Orchesterliteratur, einmalig in dieser Verbindung wahrhaft übermenschlicher Vitalität und rasfimertestcr Artistik. Und ungewöhnlich die Wirkung: ob- stoßend auf eine verschwindende(nach dem ersten Teil verschwwdende) Minderheit: überwältigend auf die Mehrheit der Empfänglichen. Auch Furtwängler ist überwältigt: die Aufführung wächst zum Elementarereignis. Daneben bleibt nicht viel, wovon es zu berichten lohnte. Es hastet das Bill» der Dirigentin Antonia B r i co, dl« an die Spitze der Philharmoniker tritt und in einer Dvorak-Sinfoni« respektable Sicherheit des Handwerks bewährt: viel mehr freilich nicht. Und Theodor I a k o b i, der schon bei seinem Debüt vorteilhast auffiel. gibt als Leiter des Sinfonieorchesters weitere Beweis« unbestreti- barer Begabung. Aber er hätte sich lieber nicht an Mozarts Haffner-Screnade erproben sollen: denn b«i Mozart gilt, daß der Dirigent der beste ist, den man am wenigsten spürt: doch winn einer schon«ntschlosien ist, sein kapellmeisterliches Können zur Diskussion zu stellen, dann stellt er sich nicht ans Pult, um möglichst unbemerkt zu bleiben. Instrumentalsten. Fritz Hans R e h b o l d, als Pianist d«r Besten ein«r, setzt an den den neuen Bechst«>n-Moor-Flügel, er setzt sein imposantes Können für das System der„D o p p e l k l a v i a t u r" ein und setzt«s mit solchem Erfolg durch, daß sein Abend wiederholt werden muß. Bei Bach bewährt es stch besser alz bei Chopin, besser im polyphonen als im dekorativen Stil der brillanten Passagen und spielerischen Orei alte Choplin-Filme. Llmversum. Di« Filme„Lohntag",„Auf dem Lande" und„Per- gnügte Stunden" sind eckt, aber gut, sie sind technisch überholt und dennoch unerhört wirksam, weil sie voll echter Komik stecken. die stets befreiend wirkt. Sie sind die beste Erläuterung dafür. warum gerade Chaplins Manuskript« wellberühmt wurden. Ist doch in ihnen bei aller Urwüchsigkeit des Sruitdrisies dem Zufall (der Chaptin immer beim Drehen eines Filmes erfolgreich zur Hilfe kam) om breiter Raum gelassen. Chaplin war einer der ersten. der für den Film die Tücken der Dinge erfaßte. Wie ulkig wirkt zum Beispiel bei ihm ein böswilliges Automobil! Viele, die ohne eigenes Erleben, nur der Mode folgend, den Chaplin der Großsilme bewundern, haben hier die Gelegenheit, den al.en Chaplin recht, recht lieb zu gewinnen. Eddie Mayo und seine Harmvwka-Vagabunden sollen — so sagt ihr Retlamechef— durch einen Variete-Direktor in New Bork tatsächlich von der Straße aufgelesen sein. Ihr Tanzstar ist ein sehr hellfarbiger Negerzwerg mll Namen„Short!«". Ihr Kapellmeister ist ein Mister Meschugge ganz persönlicher Art. Alle aber sind sie urmusikalische Leute, denen ein wunderbarer Rhythmus im Körper sitzt, sie sind Menschen, die selbst ganz erfüllt sind oon der eigenen Leistung. Sie bringen eben Artistik in Dollendung. _ e. b. Eine neue Throler-Znieresiengemeinschast in Verlin? Fritz K o r t n e r und Erich Engel, die seit einiger Zell die lSründiiuq eines eigenen Theaters in Berlin planen, verhandeln augenblicklich mit den Eigeillümern des Theater» am Nollendorfplatz, um diese Bühne zu pachten. Im Anschluß daran plant die neue Direktion mit mehreren anderen Berliner Theatern zusammen eine wei gehende Interesiengemeinschast die ähntich. wie bieder die Relbaro.«ine groß- Zahl Berliner Thmter umfassen soll. Doch soll es sich nicht um einen gemeinsamen Abonnements-Trust handeln, sondern d'e Bühnen würden nur bei Wohnung ihrer individuellen künstlerischen Interessen eine gemeinsame geschältliche Leitung erhallen. TDat wird ans den Sonder'bletluageo der vottsbiiha«? Mit dieser tzlingo wird fiib der nälbtl« AnS'draibeadend der Landerabtelliingen de- ichistigen am Mlitwock. dem 5 NZrz. iO Nbr, In Hgberlw'dd ftesüölen. Neu«-iriedrchilraß«. Eing. Nochslrade. Ein VarftondSmllglied der VptkS- bildne, Karl Hein, Marlin und Srwtn P,?eatar ncdmen noranfliittl ch an der Nutlprach« teil. Zutritt Ir,i gegen Borwet» der Sandersdtellungen- Mitgliedtkarte. ttnatzrarlrög«. Sonntag. 10 lldr. spreiten im Neuen Mu'eum tr. Antde» Oder:.«, g q p I e n Im erflen yabrtausend vor 5 b r l ft t*, im Kaiier-llriedrich-Muirum Dr. Bange über:. D a n a t e I l a und die italtenisiden Branzebildner"»nd im MMeam für Vöikerlunde II Dr. William Ca du über:, Chinesisch» und japanische Neuerwerbungen'. „ver Ztalural'sn'u» Im Lied' ist der Titel des Programms von Ivelt« Kutlbert. da» sie Sonntag, nachmittags inz'almuscum, Ipricht Noniag. den S März. S Uär. im g-ntrallnstsiut sür Siziedunz und Unleiricht über seine.Ausgrabungen im Srohen Tempelbezirk Im Rämi chen Trier'. v>« Berliner?e,etstan bat ihre Plafttknutstelinng um acht Tage verlängert. Schlug Montag, den 10. März. »uifilche rhea'ergasisp ete In BerNn. Der ru.— Theater in der Klosterftrasie: i. und 3. Schneider Wibdel. Ab 4. Der Herer.— Schloß. Uarl-Tsteater Sleql'h! Bis Z. Lokus vokus. Ast 9. sslieq. roter Adler von Tirol.— Winteiqarten, Dlaza, Stall: Anteruastonales Beriet«!.— Reich». hallen-Theater: Stettiner Sänqer.— Theater am Kottbulscr Tor: Elite-Sänger. Nachmittagsvorstellungea: Bnlksbühne. Theater am Bülomplah: 9. Das Gerücht.— Theater in der ttSniagräher Straße! 2.. 9. Die«rite ZlKrs. Selsty.. Somödienhaq«! it.. 3. Dsiarleos SAmste.~ Grnsie» Schansprelhaü».' 9. Die S Vneckrii»«. Komische Oper: 2.. 9. Sulla dl Bulla.— Dentsch«, Künftlertheater! Z., 9. Die Kakadu— Kakada. 9 üe andere Seite. Theater am Sll tsfbanerkamvu 2. Die Drelaroschenoper.— Deutsches Volkstheater: 2. Die Geisha.— Trianon» Theater: 2.. fl. 13 Uhr. Dornröschen. 17 Ufic. Gespenster.— sienteal- Theater Opctcttcnhcniä); 2-, 9. 14Vi Uhr. SchneewiUchen. 17 Uhr. ssriedercke.— Di» Theater in her Bebrenstraße 53- 54: 2.. 9.... Bater sein, daqegcn sehr.— Rose- Theatee: 8. 17 Uhr und 9. 14�, Uhr. Aschenbrödel. 9. I71i Uhr. Di» poldne Meisterin.— Theater tn der Klosterstraße. 2., 9. 12 Uhr und st. 19 Uhr. Zotkäppchen. 2.. 9. 17 Uhr. Ifailhlmfis Erwachen. 9.. 7. IZth Uhr. Wilhelm Trll.— Schloßpark-Theatee Steqlih: 2.. 9. Der aestiefelie Kater.— Wintergarten: 2., 8., 9. In' er nationales Variete.— Vlasa, Skala: Inter» natwualcs Variete.— Reichshallen-Theater: 2.» 9. Stettiner Sänger.—■ Theater am Kottbnsier Tor: 2., 9. Elite-Sänqer. Erstaufführungen der Woche: Montag. Kleines Theater: Wadanre Hot Ausgang.— Dienstag. Republikoper: Leiben des Orest.— Mittwoch. Theater in der Klosterstraße: Der Lerer.— Freitag. Rose-Theater: Die ao'ktu« Meistirin.— Sonnabend. Schiller. Theater: Da» i�riedensfest.— Easino- Theater: Der wahre Jakob. Veronlwortl.'ür die Bedaktioni Sollgang Schmau. Berlin Berlin Verlag: Vorwärts Verlag G. m b S. Berlin druckerei und Verlaasanstalt Paul Singer& En Lierrn I Beilage. Anzeiaen: Th.»locke, Druck: Vorwäris V�a>» Berlin ZW 98 Linken straße 3. m Sonnabd.. 1 3 Staais-Opar Unte: ck. Linden teil-tt. 1 Se. Ito. 7 I-dm-kd.-?. Ko. 58 19 Uhr Der Rosen- kavalier Ende 23 Uhr Staats-Oper In Plite der bpiblik Vorst. 39 20 Uhr Die Ende 23 Uhr Sonnäbd. I. 1 WZ. Oper BismarcKstr Ende 221/5 Uhr Staat!. Schansph. am ÜRndarmGimark! SL U 5 Si. Ho. 5 Ht 52 Ä> U h' Piidz Ftiedridi k.liomjQrg Ende g. 23 U. U.Sdiüler-Tlieater.Cliarlilig. 20 Uhr WpzMe- Oeorge öandin | 8.15 M enu. ibU haooifin erlau&i| Das neue Proitramm | mit senfationeilen in Berlin noch| niebi gcze'gien Ncuheiien | Sonn ab and u. Sonnt ao(« 2 Vorstellungon I | ♦ na 8« unr 4 Uhr K'elnc Prti«e | TSlqI. 5 u.aVzU. B S. Sarbar. 9256 Pfbito 1-6 M..Wochtg. 5 U. 50Pf.-3M Ab h• u f Gastspiel Erich Carow io»einer Groteskszeoa „Fanilienldyll In Berlin N." I 9 Internat. Attraktionen Tägi. S u.«la Soant. 9.5b 8" Aiex. E 4. SO#; INTERNAT. VARIET6 Heute Premierel Sonolag snnnabtna 3 Uhr Fomill D-Vorstells. Kinder v M 2 20 aufwärt talas Preise' sm cnf n" ÄT»'«»•l(fartinw Sieirfl. knfiiis'»D Gr.Tler- v» uall lodlanersillBo W» Emdoue l Ihrk. IGoder SO Pf. )*} Wir Fjmil.-Versttlj. Kioder v. M. 2.2C nhrirls halbg Prtl«. T' e Po SIBlIunO Tel. Batroild»335-36, 0100. 0930 VoiMsolltine Theater am Bülowoloh. - Uhr Amnestie Schauspiel v Carl Mar. Ftnkelnbu g Bei le: Gflntfi, Star Jtaatl.'itliiller-Ih. Uh« Boaboarothe George Danotn Staatsoper stmPI. d Republi 8 Uhr lie MuM WM TheatPi 8 2 Weideiijaniin 5281 raei.«'/, uh« Oer Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg- Max Reinhardt Die EomSdie >1 Bismck. 2414/7519 8>t« Uhr Victoria von S. Maugham Regie ■laxReinhardt Musik: Mischa Spollansky. ROSE ITIaeatf«■* Große Frankfurter Srraße 132 Biliettkasse Alex. 3422 und 3494 | Täglich 8.15 Uhr(Sonn'ags 9 U.) N'ur noch wenige Male { die eat'BA. Operelü!«. U/IISdier .Gasoarone" Für die Kinder: |"onnaliEnd 3 IL. lana ags 2.S8 0. „ ischenbröee•' Grobes Aossialtongs-M Archen | Sonntag 5.15 Uhr Zum 50. und letzten Male «Die Czardas. Qrsün*. Ab 1. MArz ieden Sonnabend | 11�3 Uhr Nachtvorstellung „Der Mosberg alle* Kammerspiele D 2 Weüuiißmni 5281 8 Uhr Der Kandidat von Carl Sternhcim Rigi«: Rain Kaiurid). Operettentiaus Alte(akobstr 0/32 C Zentral-Thealer) Täglich S1« Uhi Die Fledermaus mit Gustav Maunei Preise 1, 2, 3 M. Sonntag>-3 Uhr SdweevlUcfaeii 5 Uhr Prledarike Meiropoi-tn. S'lt Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz. Richard Tauber Musik von Franz Lehar Kleines Theat. Merkur 1624 Tägl. SVi Uhr OerWalzer von beule Nacht! Erika Glässnar, Hlide Wörner, Hermann Scha ifuB Sonntag, den 2. März nachmittags i1/, Ubr Lürektion >r. Roberl K eir Ceuisehes Künstier-Thesi Barbarossa 3937 «>/. Uhr Jn-. ZW2', diei" von Franz Molnai mit Mix Paücnben. lulm- Souper Serllntr Tbealei Dönhoff 170 Täglich Uhi Die Straße mit Ubirt Bisssnnann. Regie leinz Hil per. fhealer d. Westens Täglich 8Vt Uhr Hösel§fadS Lemberg Musik von Qilber' Lori Lcax Leo SchÜizeudor Komische Oper Frledrichstr. 104. Merkur 1401'4330. Allabendlich 8>A U. Hill Hl M idi.nk tm(null»st Eid lustspiOihaus Friedrichsir. 236 Bergmann 2922/23 Täglich 8"s Uhr Liebe auf den zveiten Blick lianigwskji-«lohnen Thoater in Oer (iniggrätzar Straße Täglich 8V« Uhr Pro'essor Bernhardl von trst»! Sdinltt» Rrjii• Pithr Eiraomkt KomSdienhaus Täglich S'k Uhr Oer Lflgner und die Nonns von cur: setz FrankiiaMer Allee 313>314 Bann tiNtle, Pu Boian in Donauvalzer nuiiinnuiiinimiminiuiniinntiianiHiHiiznniimniinHiiniiiiitMiinuiii mit Eroii Verches. Harry Hardt Auf der Bühne: Die weltberühmte Tänzerin Celiy de Rheidt mit ihrem aus 18 Personen bestehenden Ballett Jugendliche haben Zutritt Beginn der Vorstell mgen: Wochentags 5, 7, 9 Uhr.— Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr, keine erhöhten Preise. Der aekSamuMsie Kautabak ist Kapitän, 15 Q.20Pfg M. Fordern Sie in den Uesens Ten ausdrücklich diese« ] Kleidlerstoffe iiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiii Woll-Crepe de Chine a™!4: JumpCr-StOffe reinwollene hochwertige QualltAton Ueter Moussedne rein« Wolle, neu« solide Dessins.... 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Weih der Teufel, Pitter war heute der Kops ganz bleiern. Die ungesunde, nasfe Luft bei-te die Lungen Die Augen brannten. Scheußlich, dieses Wetter! Dian wäre zu Selbstmord geneigt. Pitter radelte feiner Vefchäftigung entgegen. feinem Ziele zu. Mit trüben Gedanken im Schädel. Zeitweise dachte er dann wieder an nichts. Mechanisch trat er die Pedale. Plötzlich erinnerte er sich, daß er schneller fahren müsse. Er hatte sich heute ein wenig verspätet. Di« Normaluhr zeigte fünf vor acht. Um acht mußte er an Ort und Stelle sein. Bis dahin waren es noch gute zehn Minuten. Also rascher! Verspätung ist Kündigung:- grund. Kündigung heißt stempeln müssen. Not. Pittcr raste durch den Nebel. Der Asphalt war glitschig. Nitsch! Wie's ihn schlcu- dert. Aber er hält die Balance. Zwo vor acht. Jetzt fest«! Diel- leicht geht die Uhr des Chefs zurück. Vielleicht hat er heute ver- schlafen. Bus-chaltestelle. Pitter klingelt wie irrsinnig. Wenn doch diese Ludersch nicht immer mitten aus dem Damm stünden I Der Geh- steig ist doch zum Warten da. Was gestikuliert denn so die Olle mit dem Schirm?.Püppchsn! Püppchenl" sjopp. hopp—. Pitter wirft's fast aus dem Sattel. Hinter ihm«in Aufschrei. Flüche, Gezeter und Geschimpfe. Pitter kommt ins Schleudern. Es reißt ihn rum. Er muß absitzen. Eine ältliche Dome geht ihn scharf an. Drohend schwingt sie den Schirm, bereit, Pitter im nächsten Augenblick damit niederzuschlagen. In dar nächsten Diertelminute sieht sich Pitter von einer kläffenden Menge umringt. Er weiß eigentlich noch immer nicht, wäs geschehen ist. Er weiß nur, daß er das Zielobjekt von Haß, Schmähungen und Rachedurst ist. Da schießt's ihm durch den Kops: Um Himmelswillen, der Eh«f wartet doch? Was hat er denn noch hier zu suchen? Er muß so fort, fort, schleunigst. Eine undurchdringbare Menschenmauer steht um ihn ausgerichtet. Es gibt kein Durch. PiUer st crt hilf- und rotlos um steh. Was wollen denn dies« gemeinen Menschen von ihm? Di« Schulungen begrinsen ihn, blöken we'sunge Schafe. Di« Weiber mit den Einholkörben lassen«ine Flut wüster Beschimpfungen über ihn ergehen. Die ältliche Dame schreit ihm ins Gesicht, daß«r ein Rohling sei und er müsse vor's Schwurgericht und mindestens auf zehn Jahre nach Plötzeirsce ins Zuchthaus. Ein wohlbeleibter Herr in den Sechzigern schiebt sich in die vorderste Reih» des Menfchenringez und hält eine Ansprache: Di« Radfahrer seien eine Bolkeseuche und die Regierung müsse cndl'ch mal geg-n diesen Unfug Schritte unternehmen; man lebe doch' in einem Staate der Ordnung und Disziplin. Ein Schupo greift ordnend ein. Der Rachechor klärt ihn über den Totbestand aus. Piiter erfährt erst jetzt, welche Schuld er aus sich geladen hat. Er fuhr nämlich den Hund der Dame mit dem Schirm zu Tod«. Pitter verzieht sein Gesicht zu tiefstem Bedauern.„Der Nebel, Herr Wachtmeister'', entschuldigt er sich schüchtern und demütig.„Man soll eben die Hunde an der Lein« führen", wagt er kleinlaut zu bemerken als er sieht, daß ihn der Mann in der Uniform freundlich ankiekt Pitters Meinung wurde von den anwesenden Tierfreunden niedergepsifsen. Der Schupo notiert den Tatbestand, nimmt Pitter die Personalien ab Pitter spricht ganz leise, als schäme er sich, seinen Namen der Oefsentlichkert preiszilgeben. Blutrot bis hinter die Ohren steht er da und stottert:„Andres Pitter, 38 Jahre alt. evan» gelisch. verheiratet. Zuschneider. wohnhaft S---- st r a ß e 5, drei Treppen hoch." Dabei hält er den Kops tief gesenkt, als wolle er ihn in die Erde stecken. Sein b«. scheidenes, stilles, erregunpsloses Leben ist gestört und cnt'-lößl. Seine Gedanken sind bei Brigitte, seiner Frau. Wemi die rhn da so sähe. y"Ml'n' Monaten Gefängnis wegen Diebstahls vorbe- WS, ifWl straft!" Sein« Gedanken peitschten ihn immer wieder aus der Ir�'nii FimULn- W«. I fitJ Müdigkeit aus. (VtV&tVc i rm�wr tt1'oTuflsB* R M /Wyiff Es war knapp nach dem Kriege. Pitter kam aus dem Feld. I j,* Jr m Hungernd, stellungslos, entwurzelt stand er da. Der Mensch muß k.JSafsfSjps doch leben. Was hilft's! Penn man draußen im Felde Hunger hatte und nichts zu fressen, dann hatte man eben requiriert, wie X-lstaÄ das so beim Militär hieß. Also„requirierte" ganz einfach Pitter. Kf\ S Wurde dabei ertappt und aus 5 Monate INS Gefängnis gesteckt. yfy JHH' 0\4 Er ist wieder«in anständiger Mensch geworden, als er losgegangen " Ml ist. Hat heute ein«n ehrlichen B«ruf, em« brave Frau und einen geregelten Hausstand. Was kann es den Leuten wichtig sein, ob hinwegkommen konnte, mich wenn sie unter ihrer beschränkten Ein- cr<'nnlaI gestohlen hat 5 Monate Gefängnis abgesessen. stellung zugrundegehen müßte Pitter kannte sie gut. Sie mar in den sieben Jahren Ehe nicht nur wie eine wirkliche Frau, sondern auch wie eine Mutter zu ihm. Kinder hotten sie keine. Er nämlich wollte keii«. Sie hatte ihm zulieb« daraus verzichtet. Brigitte war um etliches älter als er, ober um vieles auch reifer. Sie sagte sich immer, daß es gut so sei. Er, der Mann, war ein guter, aber kein starker Mensch. Das hatte sie bald gemerkt. Sie war ebtn deshalb wie Mütter zu ihren Kindern voll Güte und Nachsicht, aber auch von unerbittlicher Strenge und unnachgiebiger Konsequenz. In einem Leben von Aufmerksamkeit, behutsamer L-ebe und steti- gen Umsorgen vergaß sie den eigentlichen Sinn ihres Lebens, ohne daß er ihr je erst bewußt geworden wäre. So wurde sie«in wenig hart, spröde und kantig. So war c» denn auch setzt, daß Pitters Unachtsamkeit vor ihr gerügt und getadelt yzurde. Ueberdies berechnete sie gleich d»« Un- kosten, die daraus dem Haushalt erwachsen werden.> Als bereits nachts der Nebel hochgegangen war, hob sich noch immer nicht die bleierne Schwere von Pitters Kopf und Brust. Pitter hungerte»ach Schlaf. Aber er wurde immer wacher. Das ist doch eine Niederträchtigkeit, eine himmelschreiend« Unge- rechtigkeit, empörte er sich. Meine Frau hält mich für einen an- ständigen Menschen und kennt mich auch nur als solchen Und jetzt soll sie erfahren, daß ich ein abgestrafter Dieb bin, ein Zucht. Häusler?! Bloh, weil ich der Zllten das dreckige Vieh hingemacht habe?! Pitter saß im Bett« auf. Hielt den Atem ein. Sah nach Bri- gitt«. Ahnungslos liegt s!« da neben ihm, dem Dieb. Wenn sie'; erfährt, was wird sie dazu sagen?— Er wird ihr schon alles er klären, die Umstände damals, Hunger, Not keine Arbeit, kein Doch überm Kopi. Und an allem ist so doch nur der Krieg schuld Sic wird ihn schon verstehen. Sie wird ihm diese klein« Lebenslüge schon verzeihen. Irren ist menschlich. Jeder von uns kann einmal im Leben irren. Keiner ist unfehlbar. Wer weiß, wenn es ihr wie ihm ergangen wäre, ob sie nicht auch— sie kgnn ihn nicht verurteilen, kein Mensch darf ihn verurteilen. Und die Strafe darf sie ihm auch nicht vorhalten. Das darf kein Mensch Das sagte ihm damals sein Doktor, der„Ex-Okso". Gegen Morgen dämmerte Piiter hinüber. Der Wecker schrillte ihn bald aus dem Schlafe. Er riß sich zusammen. Nur keine Schwäche aufkommen lassen, ermunterte er sich. Bcmi Frühstück wqllte er ihr alles gestehen. Aber er verschob es iür den Abend. Da hat man Ruhe. Da kann man sich aussprechen. Es kam der Abend, und Pitter war bereit, Beichte abzulegen. Am Wege nach Hause hatte er sich schon alles zurecht gelegt, jeden Satz, jedes Wort. Jetzt, wo er ihr gegenübersaß, siel ihm nicht«in einziges Wort ein. Alles war wie weggeblosen. Er tonnte über- Haupt nicht denken. Brigitte kam quf die bevorstehende Verhandlung zu sprechen. Sie keift«. Solche Scherereien mache er sich und ihr. Und es se! eine Schande, sich bei Gericht herumzuschlagen. Pitter lacht« hart auf:„Und wenn ich wirklich ein Perbrecher wäre, hättest dp mich dann weniger lieb?" Pitter zittert der Antwort entgegen. Was sogt sie da? Sie liefe ihm davon— nicht eine Stund« länger bliebe sie bei ihm?— Sie meint es ernst So ist sie. Sie versteht dos nicht. Sie wird das nie verstehen Sie ist «in guter Mensch, aber sie hat ein zu enges Herz. Sie kann nichts dafür. Sie muß so sein. Nie wird sie ihm verzeihen. Nie. Ihm davonlaufen, davonlaufen. Es waren seit dem Hundemord Wochen vergangen. Pitter wolft« soeben dos Haus verlassen, als ihm auf der Treppe der Postbote begegnet« und ciuen Brief in blauem Umschlag über- gab. Di�Borlodung zür Berhandlung. Pitter war wegen böswilliger Sachbeschädigung angeklagt. Den armen Mann ergriff vorübergehend Schwindel. Schließlich ergab er sich dem Schicksal. Die Sache mußte ausgetragen werden. Daran war nichts mehr zu ändern. Er versuchte nun die ganze Angelegenheit auf die leicht« Schuller zu nqhmen und kämpfte ein« innere Unruhe, die ihn immer wieder beschlich, mit Heroismus weder. Am Abend, drei Tage vor der Verhandlung, wurde Pitter, als er die Zeitung las, blaß und ganz still Die Frau bemerkt« es. Aber sie fragte nicht und schwieg. Er war so sonderbar der Mann. Die ganzen Tage schon. Sie gingen zu Bett«. Das Licht wurde ausgelöscht. Piller starrte in die Dunkelheit. In seinem Kopfe begannen seltsam« Gedanken zu kreisen. Er wollte Licht machen, nochmals die Zeitung lesen. Ob er denn nicht doch mißverstehe. Da stand es klipp und klar, daß auch in einem solchen Fall« wie dem seinen man vor Gericht nach den Vorstrafen befragt wird. Und da heißt's denn wahrheitsgetreu antworten. Di« fragen einen nur, well sie's ohnedies wissen. Das ging PiUer nicht in den Schädel. Das war für ihn barer Unsinn. Seine Finger tasteten nach dem Schalter der Lampe. Das kann nicht stimmen, das ist bestimmt ein Irrtum, rang er mit sich. Dann horchte er auf den Atem seiner Frau. Sie schläft, stellte er fest. Er schwankte zwischen restlosem Erkenntnisdrang einer ihm ganz ung'aubhaften Tatsache und der Achtung vor dem Schlaf seiner Ehegesponstin. Er entschied sich für letzteres. Nicht ollem der Achtung wegen, sondern ihn ängstigte vor der Erkenntnis.„Andres Pitter, St« sind vorbestraft!", hört« er plötzlich aus der Dunkelheit rufen.„M l t Piiter wachte die zweite Nacht. Kolter Schweiß bedeckte seinen Körper. Dann brannte er wieder im Fieber Ganz elend war ihm. Sie schläft. Immer schläft sie, wenn er sich da nächtelang von einer Seite aus die aridere wälzt. Ba'd wird sie nicht mehr neben ihm schlafen. Sic kann sich auch ohne ihn weiterbringen. Die schafft's. Und er?— Wenn er da allein wird liegen müssen.— Pitter suchte die Hand von Brigitten. Si« ist noch da. Er wurde ruhiger. Aber bald wird sie nicht mehr da sein. Sieben Jahre sind nicht sieben Tage. Man hat so vieles zusammen durchgelebt und durchgelitten. So etwas hält, kittet. Und sie mar sa immer so gut zu ihm. Hot ihn wie ein Kind gehätschelt und betreut. War ihm immer eine Stütze. Und«r braucht das. Wie soll er denn ohne si« leben?! Das ist ja unausdenkbar. Aber er kennt sie, sie kann furchtbar sein. Keine Stund« länger bleibt sie bei ihm, dem Dieo. Nein, sie bleibt nicht bei ihm. Pitter bäumt sich auf. Seine Gedanken hetzen ihn unaufhor- lich. Wirres Zeug kommt ihm in den Kopf. Nein, sie darf nichi von ihm. Das steht bei ihm fest. Daran ist nichts mehr zu rütteln Sie darf ihn nicht verlassen. Lieber— er schreit ihren Namen Angst um dqn Besitz des geliebten Menschen und Verzweifeln am Schicksal unh seiner Gerechtigkeit triebe» Pittcr dem Wohn- sinn entgegen. Er wgrs sich über die Frau. Sein« Finger um- ■5 schlössen ihren Hals.' Als Pitter wieder auf seinem Rad saß, war es bereits fünfzehn nach acht. Er war vollständig aus der Bahn geworfen, der Hunds- mörder. Dem Chef muß er natürlich alles genau b«rich!«n. Schließlich ist fein Zuspätkommen nicht durch ihn allein verschuldet. Gott strafe alle Köter, so sie nicht an der Le'ne geführt werden. Abends erzählle Pitter den morgendlichen Vorfall seiner. Frau. Er hätte rhr am liebsten die faule Geschichte verschwiegen. Aber so d'ck war denn der Nebel doch nicht, daß üe nicht eines Tages dahintergekommen wäre Erstens wird er ja di« Borladung zu Gericht ins Haus zugestellt bekommen, und zweitens die Zs'tungen! Die berichten ja alles haarklein. Für ihn war es nicht leicht, sein« Unschuld zu beweisen. Er konnte ihr zwar alles anvertrauen, ober nicht ohne gewisse Bange und Scheu und beinahe Aengstlichk.'it. Sie verstand ihn ja ausgezeichnet und hatte immer sein Best s im Auge, aber sie hatte eben Vorurteile Daran war ihre Erziehung schuld. Si« war zu korrekt, zu kl-m'.bürgerlich. Für sie gab es nur gut und böse. Es gab eben Dinge, über die sie ganz einfach nicht Den nächsten Tag stellte sich Pitter selbst der Polizei. Er hatte seine Flau aus Angst, sie zu verlieren, ermordet. Bei Gericht schien das Motiv seiner Tat unglaubhaft, weil man es für psychologisch unrichtig und sinnlos hielt. äteilage Sonnabend, 1. März 1930 IprÄbkmö QuUauAQaJfh (8. Fortsetzung) Herr Deprieux protzte nicht gern. Adgosehen von den Diamant- ahrringen, die zweihunderttausend Franken kosteten, war seine Frau einfach gekleidet und ging Sonntags zu Fuß in die Kirche. Die Leute in ihrem Viertel sagten dann:„Das ist Frau Depneux aus der Spinnerei, die da mir den« großen Gesangbuch." * Der älteste Sohn Deprieux'. Rene Deprieux, stand nist 28 Jahren in dem Ruf, in Geldsachen unerbittlich zu sein. Er ver- diente diesen Ruf. Man oerhandelte lieber mit seinem Dater als mit ihm. Im Büro fragte der Sohn: „Wenn uns der Staat innerhalb zwei Monaten nicht wieder zwei Millionen Vorschuß gibt, was werden wir dann verkaufen?" Der alte Deprieux, abgemagert von den Geschäftssorgen der letzten Zeit, sagte auffahrend: „Du sollst nicht so leichtsinnig an Verkaufen denken. Man hat mich zum Ritter der Ehrenlegion gemacht, well ich meinem Geschäft immer Ehre gemacht habe: das heißt, ich habe viel Geld verdient. Unser Ruf in der Oeffentlichkell ist gestiegen, weil wir Jahr für Jahr reicher geworden still). Vor dem Kriege hatten wir zwanzigtausend Spindeln: jetzt haben wir wieder sünszehntausend. Mein« Absicht ist, dreißigtausend aufzustellen. Werden wir dos schaffen? Wenn wir nur die Sicherheit wie vor neunzehnhundertvierzehn wieder- sände»! Dann könnte man Flachs taufen und ein Jahr im voraus die Garns verkaufen. Heutzutage ist ewig Unruhe, auch bei uns: früher nur bei den kleinen Krautern. Die größten Vermögen sind nicht mehr stabil Ich rechne nur noch von einem Tag zum andern. Es ist eine Schande, kein Geld zu haben." Renös Gedanken kamen von einer ganz anderen Seite: „Du hast nur das gesichert« Vermögen gekannt, ich werde mich mjt dem beweglichen abfinden: heute Abnahme, morgen Zunahme. Wenn wir verkaufen müssen, dann wollen wir verkaufen, ohne uns darüber Kopfschmerzen zu machen, daß es fehlschlagen kann. Ich denke auch gar nicht an Fehlschläge, weil ich mir zutrau«, sie wieder wettzumachen." Jean Deprieux war nicht imstande, seinen alten Kaufmannsstolz abzulegen Eigensinnig erwiderte er: „Wenn man von Revanche spricht, gibt man eine Niederlage zu. Da? weicht von unserer Familientradition ab. Aus dir spricht der Spieler: heut« verlieren, morgen gewinnen. Wenn solche Phan- tafien wie dein« in unserm Haus den Ton angeben, dann schweben wir ständig in größter Gefahr." „Dos sind keine Phantasien." sagte Renö Deprieux.„Ich nehme nur die Welt, wie sie heut« ist. Wir müssen das, wofür wir nichts können, ertragen. Wir kaufen den russischen Revolutionären Flachs ab und verkaufen den Deutschen Leinen. Es ist bester, wir sind d« ersten, die damit anfangen. Alle unsere Konkurrenten und unsere sogenannte Reputation in Lille, all das läßt mich ganz ruhig schlafen. Nicht das aufgestapelt« Geld entscheidet heute, sondern die Chance, Geld zu verdienen. Das Geld, das man zurückhält, verlier» jeden Tag an Wert: aber die Fähigkeit, etwas zu erwerben, wirkt sich auf den Wert aus. Die alten Vermögen werden sich wundern: Ich fühle mich jcdenfalls befähigt, Geld zu machen, und zwar zeit- gemäß. Dos Wie ist mir gleichgültig. Der Unterschied zwischen dir und mir besteht darin, daß ich Gewesenem nicht nachtrauere und olles von der Zukunft erwarte. Eines natürlich muß fein: dt« Qualität unserer Ware darf nicht leiden. Wir müssen die erste Firma in Frankreich bleiben. Das ist ein Wert, den die Zeit nicht ändern kann. Der Kurs des Geldes in der Brieftasche, die Grundstücks- preise, der Wert unserer Gebäude, das allcs kann sich ändern: aber die Güte unserer War« darf sich nickst ändern." * Keiner überzeugte den andern- Sie gingen zusammen daran, die Flachsballen zu besichtigen, die von der Lys gekommen waren. Sie logen geöffnet in einem Lager ohne Sonne. Ein herber Geruch erfüllte da» feuchte Halbdunkel. Rur bei dieser Belichtung und in dieser Atmosphäre blieb der Flachs biegsam und kräftig. Julien Browaeys sortierte hier. Er arbeitete schon seit fünfunddreißig Iahren in der Spinnerei Deprieux und hatte von der Pike aus gedient. Er liebt« die weiche Faser wie«in Kind. Er vergötterte sie:«r ging mit ihr um, als-ob er sie ständig liebkoste. Er sortierte, um jeden Farbunterschied und jede Verschiedenheit in l'ezug auf Haltbarkeit des Fadens auszuschalten. Er hatte mit dem Flachs aus Bergues gearbeitet, der in den Festungsgräben der alten Stadt geröstet wurde, und mit dem aus Thielt, der in Brunnen ge- legen hatte: mit dem aus Lambersarr, der auf den Uferwivsen der Deule getrocknet war. und mit dem aus Leforest, der in stehendes Sumpfwasser getaucht war: mit dem Flußflachs aus Flinee, der einstmals dem aus der Lys nichts nachgab, und mit dem herrlichen Flachs aus Hosnon bei Valenciennes: mit dem weißen aus Wawrin, der eine kräftige Faser hatte, und mit dem lockeren, festen aus der Scarpe, den die Spitzenklöpplerinnen so lieben: mit dem schwarzen Flachs aus Doullens und dem aus der Gegend von Cau, aus dem man in der Normandie die prachtvolle Leinwand macht: mit dem groben aus der Bretagne: mit Flachs aus der Dendee und aus Anjou. Er hotte mit allen feinen flämischen Sorten ge- � arbeitet von Courtrai bis Brügge, und nicht minder mit hollän-' difchem Flach- * v Anno Achtzehnhundertsechzig verarbeitete man•n der Spinnerei von Deprieux noch ebensoviel französischen wie belgischen Flachs. Dann kam der russische Flachs in Mast« auf den Markt. Der fiel heut» aus. In den oberen Etagen ihres Lagers hasten sie nur wenige Ballen: die Hauptmasse des Materials blieb der Bequemlich- keit halber im Erdgeschoß. Um wieder auf die alt« Höhe zu kommen, mußte man die großen Warenladungen aus Riga abwarten. Weil siebenhundert Meilen von ihm entfernt die Menschen über dos Eigentum anders dachten als Herr Deprieux. fühlte er sein Ver- mögen und seine Tradition bedroht. Renö prüfte zwei Basten, die Dcbatter und Vondael gellesen. hatten. Sie waren für Garn bestimmt, das an die Weberei Wavelet' in Cambrai geliefert werden sollt«. Renö wandte sich an den Direktor, Herrn Arlequeuw: „Werden wir mit Nummer 220 dieselbe Qualität kriegen wie vor dem Kriege?"> Arlequeuw hatte als neunjähriger Junge seinen Beruf ange- sangen und an Maschinen gearbeitet, die noch denen ähnellen, die Phllippe de Giraid gezeichnet hatte. Omer Deprieux, der Vater Jean Deprieux', der Sohn des Begründers der Fabrik, haste über Einstellung von Personal seine besonderen Ansichten. Er sagte: „Das beste Personal ist das, was ich habe." Er entließ nie jemanden und wählle aus den Reihen der allen Angestellten den Direktor. Dies« Pcrsonalpolitik haste Arbeiter her- vorgebracht wie Julien Browaeys und«inen Direktor wie Arle» queuw, der von der Pike auf gedient haste. So wie Jean Deprieux an seinem Vermögen hing, so hing der Großvater an seinem Per- sonal. Sagte der Großvater: meine Arbeiter, so sagte der Enkel: meine Häufer. Und davon wollte keiner etwas fallen lasten. Aber der Enkel mußte aufhören, seine Angestellten als Eigentum zu be- trachten. Dienstbarkest auf Lebenszeit kam nur noch für die Diret- toren und die Büroangestelllen in Frage. Wollt« der Großvater Omer immer nur dieselben Avbester um sich sehen, so war der Sohn schon so well, nur noch zu versuchen, dasselbe Besitztum zu erhallen. Der Enkel Ren« fand sich schon damll ab, Arbeiter und Besitz zu. wechseln. Er war das Kind einer Epoche der Unbeständig- keit. Er nahm jeden Kampf auf. Mißvergnügt war er nur. wenn er unterlag. Als Großvater Omer Deprieux die große Geschicklichkeit des Arbeiters Arlequeuw für Flachssortieren entdeckt hatte und ihn zum Werkmeister, später zum Direktor avancieren lassen wollte, wußte er, daß dieser Mensch zwar außerordentlich befähigt war, das Ma- terial abzuschätzen, aber daß ihm zunächst die Fähigkeit abging, kaut- männisch zu rechnen. Zwei Jahre brauchte der alte Deprieux, um Arlequeuw beizubringen, daß es dasselbe wäre, einen Ballen zu einhundertfünfzig und einen zweiten zu zweihundert Franken zu kaufen, oder zwei Ballen a einHunde rtfünsundsiebenzig. Aber er ließ nicht nach, und als er Arlequeuw beigebracht hatte, was er für nötig hielt, ernannte er ihn zum Direktor und starb. Arlequeuw leitete heute die Fabrik. Er sagte zu Rene: „Keine sechs Monate, und es wird wioder ebensogut werden wie in der Vorkriegszest. Mir geht dies ununterbrochen durch den Kopf. Ich muh gestehen, ich Hab« den Kopf vollgehabt, als der Flachs an Güte nachließ: aber ich habe es nicht für möglich ge- hallen, daß ich das überstehen würde, was ich empfunden habe, als die Deutschen alles aus den Fabriken wegschleppten. Ich habe nicht geglaubt, nachher wieder weiter arbeiten und aufbauen zu können. Und als sie die Webstühle wegschleppten, habe ich mir gesagt, jetzr ist die Fabrik futsch: und sie war es auch. Aber die Fabrik ist wieder auferstanden. Wir haben wieder Webstühle gekauft, und die alte Qualstät wird auch wieder zu erreichen sein. Mit Nummer zweihundertzwanzig für Herrn Wavelet werden Sie zufrieden sein." * Lehrjungen kamen und brachten sortierte Leinpakete, die die Arbeiter dann durch die mit langen Zähnen versehÄiön Kämme laufen ließen. Seit Uroätertagen, wo die Menschen ayfingen, die Textilpslanzen zu bearbeiten, ist dieser Handgriff derselbe geblieben. Er gleicht der Bewegung, die die Frauen machen, ehe sie ihre Haare flechten. Das Hecheln besorgte hier eine Maschine, die mst Zähnen ver- sehen war, die zuerst in Abständen von vier Daumenbreiten, dann von zwei Daumenbreiten angebracht waren, und die nach unten zu immer enger zusammenrückten, bis zuletzt mif den beweglichen Plasten auf jede Daumenbreite achtundvierzig Zähne kamen. In jedem Stadium der Verarbeitung der Faser konnte Arle- queuw oben und unten unterscheiden. Und zwar unterschied er an der Verschiedenheit der Dicke und der Farbe zwischen dem oberen feineren Ende, das von der Sonne gebleicht war, und dem unteren, das im Schallen etwas dunkler geblieben war. Di« Jungen, die die Maschinen bedienten, brachten tiefe Glocken- töne hervor, indem sie mit einem Metallstück an eine Metallstange klopften, die neben ihnen hing. Durch das Klopfen gaben sie das Zeichen, daß sie Flachs für ihr« Maschine brauchten. Der jüngst« Sohn von Julien Browaeys, erst dreizehn Jahre alt und ohne Fleisch auf den Knochen, bewegt« slrnt die dünnen Aermchen, um die Maschine zu bedienen, von der er selbst nur«in lebendiger Test zu sein schien. Das Drehen der Zähne, die den Flachs kämmten, entfernte zuerst die feinen Wergteilchen, die. wenn sie sich leicht zusammenballten, aussahen wie die Frisur«wer blonden Frau. Der kleine Gustave Browaeys mußte der brummen- den Maschine gehorchen. Wenn sie schwieg, war es schlimm für ihn. Wenn er es an Flachs fehlen ließ und ausklinken mußte, kam der Werkmeister, und dann ging es ihm schlecht(Fortsetzung folgt.) Lonnabeack. l. M&rz. Berits. 16.05 Von Königsberg; Orchesterkonzert. 17.35..Dichtung nnd Politik."(Sprecher; Priedrich Burschelb) 18.10 Joseph Jongen. Sonate für Violine und Klavier, op. 43.(Nicolas Lam- blnon, Violine. Am Flügel; Julius Bürger.) 19.10 Heitere Kunst.(Robert Koppel. Am Flügel: Hans Sommer.) 30.00 Das Interview der Woche, 30.30—34.00 Tanzabend. Wahrend einer Pause: Abendmeidungen. 34.00 Um Mitternacht beim Sechstagerennen. Königs Wusterhausen. 16 30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17,30 Dr. Valerias Tornius: Oesellschaftliche Lebensformen. 17.55 Heinz Tischauer nnd eine Arbeiterfrau; Hausgrenet oder Wobnungskultui im Arbeiterleben. 18.30 Dr. Siegfried Mauermann: Volkstümlich dichtet der Berliner. 18.40 Französisch für Anfänger. 19-05„Zweierlei Spiel: Flucht nnd Ziel." Sonntag, 2. März. Berlin. 7.00 Funkgymnastik. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeiei. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Prof. Dr. Arthur Keller:„Grundsatzliche Erziehungsfehler vom Kinderarzt aus gesehen". 11.30 Schallplattenkonzert. 13.00 Von Leipzig; Mitlagskonzert. 1400 Oesterreichische Märchen.(Sprecher: Margarete Jold.) 14.30 Streichquartett mit Gesang. 1. Hermann Zilcher: Aus den Marienliedern. op. 52a.(Käthe Wegner-Peiser, Sopran nnd das Bruinier-Onartett.)— 2. Busini: Quartett C-Dur, op. 19.(Bruinier-Quartett.)— 3. Probaska: Zwet Gedichte von R. Dehrn ei.(Käthe Wegner-Peiser nnd das Bruinier- Quartett.) 15.35 Tiergarten-Sportplatz: Kampf um die Handballmeisterschaft. 16.10 Berliner Bühnen. 18.00 Von Breslau: Faschingskonzert. 19.30 Alfrede Rubine singt.(Am Flügel; Julius Bürger.) 30.00 Programm der Aktuellen Abteilung. 30.30 Charles ton caprice von Mischa Spoliansky.(Berliner Punkorchester. Dir.i Bruno Seidicr-Winkler.) 30.45 Berliner Karneval. Ltg.: Alfred Braun. AnschlleSend: Zeit. Wetter, Nachrichten, Sport. AnschlieDend: Tanzmusik. s AnschlleSend: Um Mitternacht beim Sechstagerennen. Königswusterhausen.-.0 15.35 Märsche(Schallplatten) 16.00 Aus dem Stadion Frankfurt a. M.: LänderfuBballspiele Deutschland- Italien. 173)0 Tanz-Tee-Musik. 18.00 Wilhelm Cati Mardorf: Lustiges Bauernbier der Lüneburger Heide. 18-30 Prof. Dr. Grützmacher: Das Werk des Goethepreisträgers Leopold Ziegier. 18.55 Walter Stötzner: Die Nordmandschurei alt Forschnngtziel. 19.20 Prof Raoul France* Die Technik der Zukunft. 30.00 Mandolinenorchestcr-Konzert. 21.00 1. Beethoven; Sonate für Violoneeil und Pianoforte A-Dur. op. 69.(Kon- zertmeisler Julius Berger, Violoneeil und Bruno Seidler-Winkler, Klavier) — 2. Brahms: Lieder.(Agnes Scholz-Lichterfeld, Sopran; am Flügel: Bruno Seidler-Winkler.)— 3. Hans Qal: Suite für Cello und Klavier. (Julius Berger nnd Bruno Seidler-Winkler.)— 4. Lieder.(Agnes Schulz- Lichterfeid.) IfätsehEcke des„Abend". Spiralenrätsel. Waagerecht:? Männ- ltcherVorname:Z Kohle- produkt: 5. Ausge- drpschenes Korn: 6. Ha- remswächler: 8. Männ- liches Pferd: Ü. Weib- IicherVorname:ll Stadt am Rhein: 12 Etui (französisch): 14. Weis- *sagung durch Totenbe- schwörung: 15. Blume Senkrecht: 1. Fluß in Sibirien: 2 Senkblei: 4. Teil eines Felles: 5 Nebenfluß der Elbe: 7 Wild: 8 Vorort von Berlin: 1(1. Strauch- frucht*. 11 Stadt in Belgien: 13. Stadl in der Mark*. 14 Richtung der neuen Literatur. — kr.— Balkenrätsel. !»V G jo N N • T Ä ¥ ¥ N N Magisches Quadrat. Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind so zu ordnen, daß waagerecht und senk- recht Worte folgender Bedeutung entstehen: t. Körperteil. 2 Völkerroste, 3 Männl. Vor- name, 4 Franz Festung, 5 Männl Vorname. Man ordne die Reihenfolge der Buchstaben der 1» Balken so, daß die waagerecht en Reihen einen Ausspruch Bebels noch dem Fall des Sozialistengesetzes ergeben.—«k— Silbenrätsel Aus den Silben a ad be cha die e el fu ke lach lan maul now o ra rak ri schar see se sel sen somi tag te ter u u ve sind 12 Wör- ter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, von oben nach unten gelesen, eine Zeile aus einem Gedicht von Geibel ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Deutscher Fluß: 2. Kinderkrankheit: 3. Last- tier: 4. Schweizer Kanton: 5. Harzstadt: 6 Feiertag: 7. Ostfeedad: 8. Wüstenlandschast: 9. Eigenschaft: 10. ägyptischer König; 11. Feuer- werkekörper: 12. Soldat. (Auflösung der Rätlel nächsten Mittwoch.) Auslösung der �ät ginn der Messe in einer der Hallen zum Aufbau der Stände verwendel wird. Als bemerkenswertes neues Fördermittel auf Bauplätzen ist ein« Einschienenbahn (ABG.-Leipzig) zu nennen, die aus «inigen Einzelteilen an Ort und Stelle zusammengebaut wird und aus der Ladekäste» für Stein«, Der Raupendrehkran, ein sehr bemegliches Fördermittel Der neue Glimmstrecken- Spannungsteiler, der besonders für Netzanschluß geräte Bedeutung gewinnen wird Der elektrische Kanalentgaser, eine Neuerung In der Städtereinigung richte? dient und dem bisher verwendeten Ohmschen Spannungsoerteiler gegenübe? den Vorteil hat, daß die Teilspannungen völlig gleichmäßig sind(Lorenz). Dos Gerät dürste von besonderem Wert für Radionetzanschlußgeräte werden. Aus dem Gebiet der Radiotechnik selbst ist eine neue Wechselstromröhre erwähnenswert, die sich durch universelle Ver- wendbarkeit auszeichnet(Telesunken). Das Netzanschlußgerät herrscht vor, das kombinierte Radi o-Schall plattengerät hat durch die Ver- Wendung dynamischer Lautsprecher(Telesunken) ein« wesentliche Verbesserung in bezug auf die Musikqualität erfahren. Aus dem Gebiet der elektrischen Nachrichtentechnik ist ein neuer Fernsprecher mit Keh l k o p s m i k r o p h o n e n(Lorenz) zu erwähnen, der eine einwandsreie Verständigung auch in geräuschvollen Betrieben ermöglicht. In ter radiotechnischen Ausstellung ist auch erstmalig«ine Tonsilmapparotur- mit optischem Ausgleich (Mechau-Projektor) zu sehen(Klangfilm). Auch die Heim» und Haushaltstechnik hat ihre Neu- hellen auszuweisen. Wir finden eine elektrisch« Massiermaschine (Protos) zur Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen und Massage- Behandlung bei Fettleibigkeit. Für Restauronts und Cafes ist«in elektrischer Flüssigkeitsmixer entwickelt worden(Protos) Eine Nachleitung(AEG.), di« unter dem Teppich verlegt werden kann. ist erwähnenswert. Unter den elektrischen Herten erregt ein neuer Sparherd(AEG) Jntercsie. Wir finten ferner, um nur einig« der zahlreichen neuen haushallstechnischen Geräte zu nennen: Doppel- schneider für Gemüse und Obst(Notundowerk), Küjcschneitemaschinen mit Messern, die für jode Käsesorte geeignet sind lAlexanderwerk), Messerputz- und Poliermaschinen für Messer aus nichtrostendem Stahl(Alexanderwerk). Universallüchemnaschinen zum Reibe«, Schneiden, Schnitzel» usw. Drei Spiizenpaare der Sechstage Harle nächtliche Jagden! R«!ch an Ereignissen war die erste Nacht dieses neuen Sechs- togerenncns. Früh schon begannen die ersten Vorstöhe, äußerst zäh umkämpft. Große Umwälzungen vollzogen sich im Felde, das mehr- fach gesprengt wurde. Tchon in der e r st e n Wertung, die am ersten Tag« um 2? Uhr ausgefahren wurde, ging es los. Wir haben bereits in der Morgenausgabe kurz den Beginn der positionsoerändernden Vor- stoß« mitgeteilt. Erst kurz vor Mitternacht konnte dann das erste Ergebnis dieser starken Jogdstunde— es wurden 47,040 Kilometer zurückgelegt— ermittelt werden. Preuß-Resiger hatten mit Nundcnoorsprung hier allein die Führung. Die nächsten Plätze besetzten Manthey-Schön, Charlicr-Duray, Ehmer-Tietz, Nausch-chürtgen, van Kempen-Buschenhagen und Rieger-Kroschei. Alle anderen Paare lagen bis zu fünf Runden zurück... Die nächsten Borstöße, mögen sie auch noch so gut angelegt sein, verpuffen. Ernster wird es erst, als gegen 2 Uhr Perri- Junge zum Schlage ausholen, ohne allerdings selbst davon profitieren zu können. Rundengeminne und Rundenverluste wiederholen sich. Die Spitzenreiter Preuß-Resiger sind auf der Hut. doch schließen im Verlauf der Hätz zunächst Ra u s ch- H ü r t g e n und später auch Rieger-Kroschel, die nach Beendigung der 2-Uhr-Nacht. wertung wühlen, zu ihnen auf. Spitze bilden nun also diese drei Paare. Die Ereignisse dieser ersten Nacht sind damit er- schöpft! Als um 6 Uhr-früh die Neutralisation eintritt, Hot die Spitze 299,5 20 Kilometer zurückgelegt. Stand des Rennens Spitze: Preuß-Resiger 31 Punkte, Rausch-Hürtgen 12 Punkte, Rieger-Kroschel 4 Punkte; zwei Runden zurück: Ehmer-Tietz 10 Punkte, Buschenhagen-van Kempen Z Punkte; drei Runden zurück: Charlier-Duray 36 Punkte, Manthey-Schön 24 Punkte; fünf Runden zurück: Gooßens-Deneef 22 Punkte, Choury- Fabre 21 Punkte, Petri-Junge 5 Punkt«, Pijnenburg-Gocbel 1 Punkt, Äroll-Miethe 0 Punkte; sechs Runden zurück: Mcyer-Stü- decke 29 Punkte, Krüger-Funha 22 Punkte; sieb cn Runden zurück: Louet-Faudet 0 Punkte.— tz. Sicht vergessen: Am Sonntag ist Frauenschwimmfest! 3um erstenmal wagen die Frauen der Wasicrsportsparte im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundcs ein bundesoffenes Schwimmfest zu veranstalten. Daß diesen. Fest ein gutes Ge. lingen gesichert ist und guter Sport geboten wird, verbürgen di.' zahkvsichen Meldungen, die abgegeben worden sind. Nicht nur daß alle Berliner Vereine versucht haben, sich mit Meldungen zu über- bieten, auch Prooinzvereine wie Rathenow und Branden- bürg und selbst die besten Schwimmerinnen aus Dresden und Stettin werden dazu beitragen, das Fest sportlich wie Volkstum- lich hochstchend zu gestalten. Wen» selbst die Frauen der Ruderer und Paddler sich beteiligen, so. ist das«in weiterer Beweis für das große Jntercls« an dem Fest. Genußreiche Stunden werden den Gästen garantiert, veranstalten die Vereine doch zum erstenmal mehrere Kunstreigenwettbcwcrbc. die der scharsen Kritik der Wertungsrichter unterzogen werden. Es ist nicht vor- auszusehen, welche Mamischost die beste sein wird, da alle v»er Ver- ein« schon vollendet Gutes geleistet haben. Um den Kunstreigen kämpfen Hellas, Freiheit, Union und Groß-Berkin. Einzelwett kämpf« und Stafetten mit den Massenmeldungen lassen kein« Lange- weile aufkommen, dazu noch Reitungsmehrkämpfe, Kunstspringen urd Puhsballspi«l. Im Puhsballspiel stehen sich Dresden und Friedrichshain gegenüber. Ueber 200 Startende aller Ortsgruppen werden im friedlichen Wettkampf streiten. Das Fefk findet morgen, Sonnlag, um 15 Uhr im Stadtbad Wedding, Gcrichtstrohe, statt. Eintritt mit Programm 75 Pf. Di« Berliner Bevölkerung, die zur bundestreuen Sportbewegung hält, ist herzlich willkommen, beson- dcrs die Frauen werden erwartet. Arbeiiersdiach Am Sonntag, 2. März, treffen sich im Monnichaftsturnier der Freien Arbeiter-Schachvereinigung in der fünstcn Runde soloende Mannschaften: E-Gruppe. Wedding 2 gegen Westend 2 im Lokal Herms, Müllerftr. 26; Tveptow 2 gegen Mitte 2 bei Döhling, Elfen- straß« 109. D-Gruppe. Kreuzberg 2 gegen Neukölln 2 bei Krepp. Planufer 75; Prenzlauer Berg 2 gegen Friedrichsham 1 bei Boll- mer, Sen«fslderstr. S; Pankow 1 gegen Weißensee 2 bei Gallas, Woißense«, Lclderstraß«, Ecke Greisswalder Straße.— Beginn 10 Uhr. Resultate der vterten Runde: E-Gruppe. Treptow 2 gegen Wedding 2: 614:3�. V-Gruppe. Friedrichsfeld« 1 gegen Kreuzberg 2: 314:154; Neukölln 2 gegen Friedrichshain 2; 3:2; Weitzense« 2 gegen Prenzlauer Berg 2: 254: 254. Resultat« an E. Engel, Berlin- Weißensee, Sedanstr. 86, erbeten. Krof-Rödern-Korso; Friedrichsthal gegen FTGB.-Nordost in Fried- richsthal. Frauen: Dellen gegen Moabit um 11 Uhr und Tegel gegen Hennigsdorf um 13 Uhr in Tegel, Graf- Rödern- Korso. 3. Bezirk, 2. Klasse: Rathenow gegen Nowawes in Rathenow, Med- dirg 3 gegen Charlottenburg-Schwimmer um 15 Uhr im Bolkspark Rehberge; Nowawes 2 gegen FTGB.-Mitte 1 um 14 Uhr in No- wawes. 3. Klasse: Ketzin 1 gegen FTGB.-Spandau 1 um 13 Uhr in Ketzin: Nauen gegen Pctsdm» um 14 Uhr in Nauen. 4. Bezirk, 2. Klasse: FTGB.-Neukölln 2 gegen FTGB.-Friedenau 1 um 15 Uhr am Treseburger Ufer; Schöiwberg 2 gegen FTGB.-Neukölln 1 um >4Ä Uhr auf dem Dominicu-platz; Luckenwalde-Sportter gegen Klausdorf in Luckenwalde. 3. Klosie: Treuenbrietzcn 1 gegen Süden 3 um 11 Uhr in Treuenbrietzcn; Trebbin 1 gegen Lucken- walde-Sportler 2 um 15 Uhr in Trebbin; Lankwitz 1 gegen Wll- mersdorf 2 um 10 Uhr und Zehlendorf 1 gegen Schenkendorf.1 um 11 Uhr in Zchlendorf, Spandauer Straße. Frauen: Lücken- waloe I.Abt, gegen Luckenwalde 2. Abt. in Luckenwald«: Schöneberg 1 um 11 Uhr und Schöneberg 2 um 14 Uhr gegen Lucken- walde-Sportler 1 auf dem Dominicusplatz. „Unverbrauchte Naturkraft" Das Geheimnis finnischer Sportler An den Skimeisterschoslen des Arbeiterbundep für Spork und Körperkultur Oesterreichs in TNürzzufchlag nahmen auch drei Sportler des finnischenArbeitersportbunde» teil und fuhren die besten Zelten. Aus Wunsch gab der finnische wannschastsleiler dem Vertreter der„wiener Arbeiterzeitung" folgende Aufklärung: So st«gcsgewlb sind unsere drei Bertreter doch nicht nach Mürzzuschlag gefahren, wie inan in Oesterreich allgemein annahm. Denn der Winter bot unseren Leuten. hest«r keine Gelegenheit zu trainieren und sich für di« österreichischen Wiiitersportmeisterfchaften entsprechend vorzubereiten. Und doch gelang es Viheriäletho, Knäriä und Norojärvi, alle Gegner zu schlagen, und das in einer Weise, die die Oesterreicher in Erstaunen versetzte. Das eigentliche Geheimnis der finnischen Ueberlegenhest im Sport ist: unner- braucht« Naturkraft Unser Land ist nicht eine einzige große„Ford-Fabrik-, als welche hier die meisten europäischen Länder angesehen werden, wir verfügen daher über weit mehr Kraft und Zeit als die Arbeitsmonschen dieser Gebiete. Als Bewohner eines ausgesprochenen Agrarstaates(254 von 354 Millionen Menschen leben von der Landwirtschaft) bietet sich uns auch weit öfter die Gelegenheit, mit Sonn«, Lust und Wasser in Verbindung zu kommen. Und dann: wir sind Gegner des Alkphols, stark« Milchtxinker, Feind« übermäßig gewürzter Speisen und gehen früh zu Bett— und recht häufig in die„Sauna"(Dampfbad). Das feit Jahren in den meisten Ländern«ingeführte Zweck- turncn wird bei uns seit jeher betrieben, und zwar dos ganze Jahr hindurch. Besondere Bedeutung legen wir dem Gehen bei. Sebald die schneefreien Straßen es gestatten, gehen wir. Mit natürlichem Armschwingen und nicht übermäßig großen Schritten legen wir täglich mehr als 10 Kilometer zurück. Derbe Schuhs, Handschuh«. warme Hosen(oder Skianzug) und warme Unterkleidung sind die Ausrüstung. Nach dem Gegen besuchen wir sofort die„Sauna-,•» genügt ober auch«ine gründliche Waschung init sehr heißem Wasser. An Stelle des Gehens tritt später der Querseldeinlauf(immer in warmer Kleidung!). Sind die Sportplätze benutzbar und di« Tem- pcrotur über 0 Grad, wird mit dem Vahntraining begonnen, kurze, schnell« Läuse, leichtes Gehen und Zweckübungen. Ein„Runden- fressen-, wie es in den meisten Ländern beim Bahntroining üblich ist, gibt es in Finnland nicht. Nach dem Bahntraining— ungefähr «ine Stunde— geht es hinaus zum Querseldeinlauf. Heiße Waschungen und Massage beschließen das Togestraining. So vor- bereitet konnten unsere Genossen in Mürzzuschlag auch ohne vorher betriebenes Skitraining erfolgreich bestehen. Sie bewiesen damit nebenbei auch, daß die in anderen Ländern vorherrschende Meinung, der Wettkampf sei nur für sehr junge Sportler geeignet, grund- falsch ist: Viheriäletho ist 27. Norojärvi 29 und Äääriä sogar 35 Jahr« alt. Zu den wintersportlichen Olympiakämpsen der Sozia- listischen Arbeiter-Sportinternational« vom 5. und 8. Februar 1931 in Mürzzuschlag wird der finnische Arbcitersportbund sein« besten Läufer und Läuferinnen entsenden. MuncibaW Der nächste Seriensonntag Bei bnt Arbeiter-Handballern wickeln sich die Serienspiele am Sonntag wieder in vollem lim sarge ab. In der 1. Klasse spielen FTGB-Osten gegen FTGD-Süden in der Bädickerstroße, E che- Köpenick 1 gegen FTGB.-Wedding 2 in Köpenick, Wengens chloß- straße(Bercinsplatz), Borwärts-Hennigsdorf gegen FTGB.-Wed- ding 1 in Heim'gslorf und Arbettersporwercin Schöneberg gegen; Freie Turnerschaft Velten in Schönebcrg, Dommcusplatz. Die| Spiel« beginnen um 16 Uhr. Die anderen Spiele sind: 1. Bezirk, 2. Klafle, 1. Gruppe: FTGB- Adlershof gegen Erkner um 14 Uhr in Spindlerefeld: FTGB.- Oberfpree gegen ASC. um 10 Uhr in Oberschöneweid«, Straße an der Wtchkheid«: Mahlsdorf gegen Fürftcnwalde um 15 Uhr in Mahlsdorf, Hönower Chausiee. 2. Gruppe: FTGB-Baumschulen- weg 1 gegen Köpenick 2 um 15 Uhr im Plänterwald; Strausberg 1 gegen Rtahlsdorf 2 um 15 Uhr in Strausberg. Frauen: Köpenick gegen Kaulsdorf um 15 Uhr in Köpenick(Bereinsplag); Osten gegen Mohlsdorf um 1554 Uhr in der Bödickerftraße; Baumschulenweg gegen Bohnsdorf um 13 Uhr im Plänterwald. L.Bezirk. 2. Klasie: FTGB-Rosenthal gegen Tegel um 11 Uhr in Rosenthal. Haupt. straß«: FTGB.-Rcinickendarf-West gegen Moabit um 14 Uhr und ATTB.'Pin« octife om 14. tzgnusr Jofl�rde« fterb--?orslSe> der WUb'Im B:nberhe m. N. 68. �o>Ul«er 8. 6 beer ttei'r BTctrnn. N. 119. WiSertstr. 89; Rafl'cm??rmonn T-b-'l». 3? 118 E'olP'kS« Etr. tt. Nack: sie Äortellverlwnnilun« 5. SSfisi,.90 1%. J>cl NoSH.'sWe'-TC findet Monte«. 10. Mtir,. 90 Ubr. bn sZrank.«Panoboferstr. 1. ltett.- Arbeiter.?«»»!», n-d Srckl»-V«rilni«»»a. I. Nrel». Schiedsrichetrsiltuna � Verl!»» ��wimmperei» ikre'bekt-'»7. Vadeabe»de: Monte«» von 90� bis 29 Ubr: Tonner-toos pon 19 bU 20H Übe im Sted � coante«, 18. Mär,. Verein-Partie nach Ltlbar»,»IN Nttckkprache wraen b«r Sommer- adeaelcaenbelt ,u»ebnren..»»< ZT«».. R-nlöSn.«-!». 2. MSrnerabtelluK«. Sonnabend. 1, MZr� Uebi,»«-stunde im Iuaendbeim Natbni-S 7r:». mub ou-�tellen Tonn.oa. 2 Mär,, all. kandballko e?ei und Lannstreckenlituter. 9 Ubr-rportp.od Nndo«. 4. 5-aItefteSe binter dem Stüd-ikchen Nrantenbai'«. Monte». 8. Mar,. t»'.b Ubr, L-npstreS-nläufer, retten sich w bei �urnball« An», ckdgusseestr 187. «i-Ui-Isabrer 1.»«!«. Sonnabend; Mär,. 20 ITbc,«iduttft, pb'at, flonra. ReuIcSn. Deiche-Iktr. 8. Aortraa über.srolui-ioorschvitin aul dem Waiker�. ZinaedSriae und Interessenten m llkomm'n. Ladt« Anmeldun» tur I Artischein« 1980. Dekonntaabe tt* Ziel« für Anrudern und Anpaddeln 1880. 1 Was heißt Kommunist sein? Das heißt ein Gewertschastsfeind sein. Jeder Gewerkfchaftsgenosse. der so töricht ist, in der KPD. sein« politische Jnteresienoertretung zu suchen, wird von dieser Partei oerpflichtet, sich in einen unversöhnlichen Gegensatz zu seiner frei- gewcrkschasttichen Organisation zu stellen, seine Gewerkschaft zu de- kämpfen. Die Gewerkschaften, die von der KPD. früher als refor- mistisch geschmäht wurden, werden jetzt als„s ö z i a l f a f ch i st i s ch- b eschimpft. Während die Gewerkschaften von ihren Milgliedern soviel Dis- ziplin fordern müssen, bei den Belriebsrätcwahien für die Wahl der freigewerkschastlichcn Liste einzutreten, fordert die KPD. von chren gewerkschaftlich organisierten Parteimitgliedern, die gewerk- fchoftlichc Disziplin zu mißachten und für die„revobitionäre" Lifte ihrer Partei zu stimmen. Nur solche Gewerkschaften, die sich der Botmäßigkeit der KPD. ynterwerjen, sich also außerhalb der Reihen der Anrsterdamcr Gewerkschaftsrichtung und damit de? Allgemeinen Deutschen Gcwerkschostsbundes stellen, nur solche Splitter gellen als „revolutionär" und finden Gnade in den Augen der Halbgötter in der Kleine» Alexanderstraße, die als Statthalter des Diktatorz Stalin in Deutschland die Strippen der Weltrevolution ziehen. Das Politbüro des ZK. der Kommunistischen Partei hat höchst- selbst den Ausschluß„einiger früherer Mitglieder der Betriebszelle Ullstein" bestättgt, der deshalb erfolgt ist, weil die Ausgeschlossenen eine gemeinsame Bstnebsratskandidatenliste„aus Verirelern dieser zwei onversöhnNchen. entgegeugesehlen klasieniinien- zusammenstellten. Jeder normale Arbeiter lacht über den Wahnmitz, die Ange- hörigen«in und desselben Berufes, gewerkschaftlich organisierte Ar« beiter ein und derselben Betriebsstätte in zwei entgegen-- gesetzten Klassenllnie» gegenüberzustellen, einen künstlichen Trennungsstrich zwischen ihnen zu ziehen, sie untereinander zu bringen, sie gegenseitig zu verhetzen, zum Barteil des Unternehmertums und der höheren Ehre der Wellrevolutlonsputschpiäne. Bruderkrieg zwischen Arbeitern, zwischen Arbeits- kameradenl Dos will die KPD. Der gewerkschaftlich organisierte Arbeiter ist nach dem moekowitischen Sprachgebrauch ein Klassenfeind des Pro- letariats, ein Sozialfofchist, der unorganisierte Blaupfeifer dagegen «in„klassenbewußter-„revolutionärer- Arbeiter. Ist es auch Wohn- sinn, so tst es doch Methode. Gewiß, die gcwerkschasllichcn Bestrebungen sind unvereinbar mit den kommunistischen Quertreibereien. Sie sind nur vereinbar mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie. Wenn �Kommunist seinheißt„Todfeind des Sozialfaschismus sein-, dann heißt„Gewerk» s ch a s t e r s e I n"—„Todfeind de» Rloskaukommunizmu, fei»-. 3m kommunistischen Mlmbeirieb. Die„starte Strömung". Bei der Firma„Kosmos, Berliner Film-Kapieramstoit Emil Schönberg, war ein Trvmmelsponner über drei Jahr« lang beschäfttgt.„Da«r das Befchäftigungsverhästnis ohne erkennbar wichtigen oder berechtigten Grund löste", wiirdc ihm die Arbeits« losenunterftützung für mehrere Wochen versagt. Seinen Einspruch gegen die Sperrsrist verfocht der Arbeiter mit folgenden Gründen: Die genannte Film. Kapieranstalt arbeitet fast ausschließlich sür die Russische Handelsvertre» tun«. Fast die gesamte Belegschaft dieses Betriebes sei kommu- nisttsch eingestellt Da er dieser politischen Richtung nicht anhängt, sei er von den Zlrbeitern schikaniert worden. Das sei so ruck gegangen, daß die Parole ausgegeben wurde, nicht mehr mit ihm zusammen zu arbeiten. Die dauernden Treibereten hätten seine Gesundheit derart zermürbt, daß er, um weitere GesmrdheitZ- schäden zu vermeiden, die Arbeit aufgegeben habe. Der Arbeitgeberoert reter gab zu, daß eine starte StrA- mung gegen den Arbeiter im Betrieb bestanden habe. Nach den Zeugenaussagen war fast die gesamte Beleg- schaft gegen den Emspruchführer eingestellt. Die Mitarbeiter er- schwerten ihm die Fortsetzung der Arbeit aus jede nur denkbare Art. Di« Sperrfrist wurde ausgehaben. Ein Beispiel dafür, mit welchem Recht die Kommunisten— wie heute in der„Roten Fahne-— über„Terror gegen Unorganisierte- in der Konsum» genosienschoft klagen. Die richtige Antwort. „Heil Moskau?" In einer Betriebsversammlung am Dienstag der Arbeiter und Angestellten der Stadtentwässerung versuchten die zwei betriebsfremden, nicht eingeladenen kommunistischen Stadtverord- neten W i s n e w s k i und D r ö l l die Belegschajt„politisch auszu- klären". Wisnewfki erklärte, daß er hergekommen sei, um der Bc- legschast die Sünden des„Renegaten Bollmonn" vor Augen zu strhren und um den Beweis zu erbringen, daß die Aufstellung von „roten" Betriebsräten notwendig fei. Unsere Genossen Stieglitz und Langhagen bürsteten die kommunistischen Stadtverordneten gehörig ab und verlangten, daß st« entweder freiwillig die Betriebsversammlung verlassen sollten. andernfalls sie an die Luft gesetzt würden. Dieser Ausforderung leisteten die Moskauer Abgesandten nicht Folg«, worauf die Versammlung gegen 3 Stimmen dt« Ent» f e r n u n g der beiden kommunistischen Stadtverordneten beschloß. Unter den spöttischen Rufen.„Heil Moskau" suchten Wisnewfki und Droit das Well«. Im wetteren Verlauf der Versammlung stellte Genosie Stieglitz fest, daß dos vor Beginn der Bersammlung von den Heljershelfcrn der kommunistischen Gewerkschastszentrale vor dem Saal verteilte Flugblatt nichts als Schwindel enthielt und daß die ganzen Be- hauptunzen und Machinationen der Kommunistischen Partei lediglich auf Arbeiterbetrug hinauslaufen. Diese Feststellung crsolzte ohne icden Widerspruch durch die anwesenden kommunistischen Arbeiter, so daß man sogen darf, daß die kymmuniftisch�Herrschast bei der Stadtenftvösicrung, bei der 1700 Arbeiter beschäftigt sind. reftlDZ zusammenbrechen wird. Bezeichnend ist, daß die Kommunisten Im Betriebsrat, im Arbeiterrat und auch im Angcstekllenrat Ine Führung und absolut? Majorltät hoben. Es gilt nunmehr zu den bevorstehenden Bctt'Icbsratswohlen bei der Ausstellung der freigewerkschastlichen Kandidatenliste dmur zu sorgen, daß der Einfluß der angeblich„revolutionären Betriebs- räte endgültig beseitigt wird. Los von Moskau. Die australische Gewerkschast-tagung Canberra bes hlossen. di« �bmduna mll � P°�v Eewerkschastssekretariat. das eng« Fühlung mll Moskau besitze zu lösen.