BERLIN Montag 3. Märj 1930 i 1 l j 10 Pf. 3lr.104 8 52 41. Jahrgang erscheint tizlich auikr Sonntag«. Zugleich Abrndau-gab« de«.Vorwärts' Bezugs»«!« betbt Ausgaben«5 Pf. pro Woche, S.mM. pro Monat. Redaktion und ervedition-, BerlinSWSS.LlNdenstr.S iMriWafü' i ozeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeil« «a Pf.. Retlamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. ostscheckkontv Vorwärts-Verlag T. m. d.H� Berlin Nr.»7S2S. Fernsprecher: Dönhoff 2« bis SS» Oer Kall Hindenburg. Kein Reichspräsident sür die Reichen!- Die Rechte rückt von ihm ab. Seit gestern haben wir eine neue Erscheinung im politischen Leben Deutschlands: die Front der Rechtsparteien gegen den Reichs- Präsidenten o. Hindenburg. Grund: der Reichspräsident hat sich erlaubt, in einem Gesprach mit dem volksparteilichen Frattions- sichrer Dr. Scholz die Meinung auszusprechen. „datz der i« seinen Lebensverhältnissen gesicherte Teil des Volkes dem ungesicherten Teil in Zeiten der Not seine Unterstützung leihen musie." Zu einer solchen Aeußerung war der Reichspräsident ebenso berechtigt, wie die Volkspartei berechtigt war, ihr entgegenzuhandeln und das Notopfer abzulehnen. Gerade diese Ablehnung zeigt ja, daß die Willensmeinung Hindenburgs für die Volkspartei in keiner Weis« bindend war. Dennoch hat jene Aeußerung geradezu explosionsartig gewirkt. Dieser Reichspräsident, der kein Sozialdemokrat, kein Roter ist. der vielmehr von den national zu« verläfstgen, ordnungsliebenden und wirtschaftlich gehobenen Schichten auserlesen und gewählt worden ist, dieser Reichspräsident hat sich auf die Seite der Armen, der Arbeits- losen g« st e l l t.' Er fordert von den Vestersituierten,> den wiri- schaftlich Gesicherten ein L>pfer! Darum gibt. es mit einem Schlage eine Front der Rechts- Parteien gegen chindenburg. Die voltsparteiliche Preste vergißt völlig, daß sie wenigstens noch formal an die Regierung gebunden ist und marschiert Arm in Arm mit der deutschnatio- n a l e n auf. Beide sind sich einig darin, den Reichspräsidenten als eine Puppe in den Händen der Sozialdemokratie und des Zentrums hinzustellen und ihn als einen Mann zu behandeln, den: eine eigene Meinung überhaupt nicht zuzutrauen- sei. So spricht der vollsparteiliche„Hannoversche Kurier" von einem„Manöver der Sozialdemokratie und des Zentrums, wodurch gerade die Deutsche Volkspartei in einen gewissen Gegensatz zum Reichspräsidenten gebracht worden ist". Dieses Manöver habe„in volksparteilichen Kreisen eine starke Erbitterung ausgelöst" und trage keineswegs dazu bei die zukünftige Zusammenarbeit zu erleichtern. Die zwischen Deutschnationalen und Volkspartei schaukelnden „Hamburger Nachrichten" machen folgende Rechnung auf: Zwischen Hindenburg und den Nationalsozialisten bestehe schon seit Iahren eine mehr oder weniger often« Feindschaft. Dazu habe sich seit einige? Zeit auch ein latenter Gegensatz zwischen Hindenburg und den Deutschnationalen herausgebildet... und jetzt gerät auch der Reichspräsident in Gegensatz zur Deutsche:-: Dolkspartei. Das Hamburger Scharfmacherblatt zieht den Schlußstrich und die Summe: wenn jetzt alle diese Gruppen in einen Irgendwie gearleken Gegensatz zum«eichspräsidenien geraten sind, dann stehen aus seilen des Relchspräfidenlen nur noch die- jenigcn. die ihn feinerzeik nichl gewählt haben. Hindenburg— unten durch! Alle besseren Kreist rücken von ihm ab. Er ist beinahe schon ein„Marxist" oder, noch schlimmer, hilflos, rettungslos in den Händen des Marxismus. Ja, er ist so unten durch, daß selbst der Bursche H u s s o n g glaubt, im„Berliner Lokalanzeizer", sich jede Frechheit erlauben zu dürfen, indem er schreibt: Ein würdeloser Unfug noch zu guter Letzt die Herein. Ziehung der Person de» ReichsprSsideküen selbst in diesen Anschlag der Sozialdemokratie auf, den schmalen Geldbeutel der Mittel- standsreste. Em grober Unfug, der nicht besser dadurch wird, daß er, wie's scheint, System werden soll. Wird die Deuische Dolkspartei sich durch dieses Manöver mit der Gefühlskifte aus ihr« letzten Position herausmanövrieren lassen? Die„Hamburger Nachrichten" fassen oll das. was diese edlen Seelen empfinden, in die Worte zusammen: Wir müssen mit aller Entschiedenheit fordern, daß nicht noch einmal sich die Parteiführer in dieser Weise an derStellung und Autorität des Reichspräsidenten vergreisen. f**x(am» osstnimr nur noch eines helfen: ete Verfassung-. Volkspartei will Krise! Gegen das Rotopfer!— Reichskabinett auf morgen vertagt. Die Reichstagsfraktion und der Partciausschuss der Volkspartei haben gestern einstimmig die Sl b> lchnung des Notopfcrs in jeder Gestalt be- schlössen. Damit erscheint eine Krise der Koalition so gut wie unvermeidlich. Das Reichskabinett hat sich heute»räch einer Sitzung» die ungefähr eine Stunde dauerte» auf morgen vertagt. Oer Beschluß der Volkspartei. Die Deutsche Volfsportei veröffenUkcht über ihre Stellungnahme folgende offizielle Erklärung: Die Deutsch« Volkspartei ist der Auffassung, daß das Kernstück fedex Finanzreforn: eine Entlastung der Wirtschaft, die Wiederher- stellung der Rentabilität in Landwirtschast, Handel, Handwerk und Industrie, sowie die Förderung der Kapitalbildung sein muß. Rur aus diesem Wege ist es möglich, das größte der sozialen Hebel, die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen und aus dem Dreimillionen- Heer der Erwerbslosen einen möglichst großen Teil wieder in die Wirtschaft einzugliedern. »7kotop>er?—Ich spüre nichts von Rot!" änderndes Gesetz, das dem Reichspräsidenten verbietet, auch nur innerhalb seiner eigenen vier Wände seine Meinung zu sogen! Di« Einbringung eines solchen Gesetzentwurfes wäre«in« schöne Aus- gab« für die Rechtsregierung, die nach den Wünschen einiger genialer Parlamentsstrotegen die Regierung Müller ollerdemnächst ablösen soll! Alles unter der Parole�„M ehr Macht dem Reichs- Präsidenten!" Wahrhaftig, etwas so Lehrreiches hat man schon lange nicht mehr erlebt! Di« deutsche Manneetreue, der oltgernianische Führer- gcdanke. ja selbst die gewöhnliche Ehrfurcht vor dem Alter, das alles geht in Scherben, wenn es mit den brutalen Klasseninteressen der Besitzenden zusammenstößt: Hindenburg, der den Arbeitslosen ihre Unterstützung erholten und dafür den Besitzenden und Gesicherten ein paar Mark abnehmen will, wird rücksichtslos fallen gelassen. Er ist nicht noch dem Go- schmack der Herrschaften! Wie muß der Reichspräsident, wie muß die Regierung au»- sehen, di« ihn« gefällt?? Nachdem die Entwicklung der Finanz- und Kassenlage des Reiches die von- allen Seiten als notwendig erkannte Senkung der direkten Steuern für das Jahr 1930 unmöglich ge- macht hat, muh die gesetzliche Festlegung einer solchen Senkung sür das Jahr 1931 gefordert werden. Unvereinbar hiermit wäre ein« neue Erhöhung der direkten Steuern, gleichviel unter welcher Bezeichnung sie erfolgt. Das sogenannte Notopfer würde außerdem den Willen zur Reform auf der Ausgabenseite des Reich�haushalls im Keime ersticken. Im Zusammenhang mit den: Reichehauehalt'für 1930 müssen daher folgende Maßnahmen ge- 'troffen«erden: Gesetzliche Sicherung der Ausgab ensenkung in Reich. Ländern und Gemeinden, insbesondere auch durch Sanierung der Arbeitslosenversicherung: '' unker' Vermeidung seder weiteren Erhöhung.von direkten Steuern gesetzliche Festlegung einer Senkung dieser Dteucrn'vöm Beginn des nächsten Haushaltsjahres ab. Die entsprechenden Beschlüsse wurden vom Parteivorstand, Reichsyusschuß und Reichstagsfroktion der Deutschen Volkspartei einstimmig gefaßt. Stellungnahme der Demokraten. Die demokratische Reichstagsfroktiou faßte am Sonntag nach vierstündiger Beratung folgenden Beschluß: 1. Di« deutsche demokratische Reichstogsfraktion erachtet aus außen- und finanzpolitischen Gründen die baldige Ver» abschiedung des Poung-Plans für unbedingt ge» boten, weil ohne dies«— von anderen schwersten Nachteilen ganz abgesehen— die Aufstellung eines Haushalts mit tragbaren Be- lostungen in Reich, Ländern und Gemeinden überhaupt unmöglich gemacht wäre. 2. Di« Fraktion hält daran fest, daß der entschieden« Versuch gemacht werden muh, den Fehlbetrag des Haushalts durch Ersparnisse wesentlich zu verringern. Sie wird mit Anträgen hervortreten, sobald der Haushalt vorgelegt sein wird. Sie wird besonders die Reform der Arbeitslosenversicherung verlangen, wobei sie die Pflicht, die Arbeitelosen vor drückender Rot zu schützen, und die Reichsonstalt lebeussähig zu erhallen, nach wie vor anerkennt. 3. Die Fraktion oerschließt sich nicht der Einsicht, daß, namentlich durch die sogenannte Lex Schacht, zur Deckung des Reichsdefizits ein« Erhöhung der Losten für das Jahr 1930 un- abweisbar ist. Sie erhebt gegen das Finanzprogramm des Reichsfinanzministerg keine grundsätzlichen Einwendungen. Dagegen lehnt sie es ab. in eine Erhöhung der direkten Steuern zu willigen, nachdem noch vor kurzem die weitestgehend« Uebereinstimmung über di« Notwendigkeit einer verstärkten Kapitalbildung konstatiert und demgemäß die Senkung der diese hemmenden Steuern von der jetzigen Regierung und besonders dem vorherigen sozialdemokratischen Reichsfinonzminister angekündigt worden ist. Sie teilt auch die ernsten Bedenken gegen das sogenannte Rotopser der Festbesoldeten. 4. Die Fraktion würdigt jedoch den ungeheuren Ernst der Lage, den die Existenz der Betriebe bedrohenden und die Arbeitslosigkeit immer weiter vermehrende:: Konjunkturrückgang, die un- übersichtliche Loge der Reichs-, Länder, und Gemeindcfinan�n, die wachsenden radikalen Strömungen. Eine Regierungskrisis In diesem Augenblick droht eine Katastrophe herauszubeschwören. Die Fraktion billigt deshalb di« vermittelnde Haltung des Ministers Dietrich und bittet ihn, auch weiterhin auf eine die Krise vermeidende Vec- sländigung hinzuwirken. Sie stellt, um zu einer, solchen beizu lrogen, di« Frag« zur Erörterung, ob nicht ohne Nachteil für die Kapimlbildung di« wirtschaftlich Leistungsfähigen durch einen einmaligen und provisorischen Rot- b e i t r a g zur Linderung der gegenwärtige� Finanznot beitragen und zugleich einer künftigen wirtlichen Finanzreform den Weg be- reiten können. Dabei müßt« gewährleistet werden, daß die Mehr- Zahlung im Jahre 1931 zurückerstattet-wird, etwa in der Weise, daß dafür eine R e i ch.sä nl e i h e ausgehändigt wird, die bei der Steuerentrichtung im Jahre 1931 in Zahlung genommen werden muß. Dabei wäre gleichzeitig festzulegen, daß die Er- leichterung des Haushalts im Jahr« 1931(durch Wegfall der 4Z0-MWonen-Ausgabe) zu einer Senkung der direkten Steuern benutzt wirb. Tardieus Kampffabinett. Briand doch Außenminister.— Radikale Lteberläufer. Paris. 3. März. lEigenbericht.) Tardieu hat nach tagelangen Verhandlungen am Sonntag endlich eine Regierung auf die Beine gestellt. die als ausgesprochenes Kampfkabinett der Rech- t e n zu betrachten ist. Daran ändert auch die Teilnahme B r i a n d s nichts, der sich übrigens erst nach einer Intervention' des Präsidenten der Republik zu seinem Eintritt bereit erklärte. Die radikalen Ueberläufer. die trotz der Absage ihrer Partei an Tardieu Ministerämter angenommen haben, werden ihren Verrat voraussichtlich mit dem Ausschuß aus der Partei bezahlen müssen. Das Kabinett setzt sich im einzelnen wie folgt zusammen: Ministerpräsident und Inneres: Tardieu(Linksrepublikaner), Justiz: Peret(Linksdemokratischer Senator), Außenministerium: Briand(Republikaner), Finanzen: Paul R« n a u d(Demokratisch- sozial« Aktion), Budget: Germoin-Martin(Radikale Link«), Kriegsministerium: M a g i n o t(Demokratisch-soziale Aktion), Marine: Dumesni!(Radikaler). Oeffentlicher Unterricht: Mar- raud(Demokratische Linke), Oesfentlich« Arbeiten: Pernot (Dem.-Republ.-Union), Handel: Flandin(Linksrepublikaner), Landwirtschaft: David(Demokratische Linke). Kolomen: Pietri (Linksrepublikaner), Arbeitsminister: Pierre L a v a l l e(Unab- hängiger Senator). Pension: Champetier de Ribes(Populärer Demokrat), Luftfahrt: LaurentEynac(Radikale Linke), Han- delsmarsne: Rollin(Lintsrepublikaner), Post, Telephon und Tele- graph: Mallarm«(Radikale Linke). Oefsentliche Gesundheit: F e r r y(Dem.-Republ.-Union). Di« Sozialisten und Radikalen kündigten dem Kabinett sofort nach seiner Bildung.Kampf bis aufs Mesisr" an. U ebereinstimmend erklärt die Linkspresse, daß die Stunde der großen Entscheidungs- schlacht gekommen sei. Der Linken sei der Kamps aujgezwungen worden, sie werde ihn ausnehmen! peiitionssturm für Abrüstung. Druck auf die amerikanische Delegation. Rem Vors. Z. März. An die amerikanische Delegation in London wurde lelegraphisch ein Aufruf gesaudl. die Seerüskungen nicht nur zu begrenzen. sondern zu vermindern. Der Ausruf ist von z w ö l s t a u s e u d hervorragenden Persönlichketten unterzeichnet, darunter den Präsidenten von mehr als zweihuadert der größten Universitäleu und Hochschulen, den Gouverneuren von acht Staaten und einer Anzahl bekannter Ge- schäflslcute und Geistlicher. Der Aufruf ist du Echo der wenig optimistisch lautenden Meldungen von der Londoner Konferenz. Die Unterschriften wurden innerhalb von zweiundfiebzlg Stunden ge- sammelt. Die Kranzosen am Oonnersiag zurück. Paris, 3. März.(Eigenbericht.) Di« neue Delegation für die Londoner Seeabrüstungskonferenz. die sich aus Tardieu, Briand, dem Marineminister Dumesnil, dem Kolonialministcr Pietri. dem französischen Botschafter in London und dem Vorsitzenden der Marinekommrssion des Senats zusammensetzen wird, dürfte oorausstchtlich am Donnerstag noch London abreisen. Fzuerwehr in Lebensgefahr. DRauchvergistungen bei einem Ehemikalienbrand in Berlin 0. Lei einem Kellerbrand, der am Sonntag mittag in dem etwa 800 Quadratmeter großen Keller der Deul- schen Kabelwerke lnderDoxhagener Skr. 7g/SZ auibrach, kamen im verlauf der Löschaktioa mehrere Feuer- wehrleute durch Rauchverglfkung schwer zu Schaden. In den geräumigen Kellereien lagerten Chemikalien ver- schiedenster Art. Wenige Minuten nach 12 Uhr mittags wurde von der Fabrikwache im Keller Feuer entdeckt: aus den oergilterten Fenstern quollen' plötzlich dichte Rauchwolken hervor. Die Feuer- wehr erschien auf die zunächst nur harmlos klingende Meldung .Kleiner Kellerbrand" mit einem Löschzug qn der Brandstelle Mittlerweile hatten die Flammen, die an Holzverschlägen und leicht- brennbaren Chemikalien überaus reiche Nahrung gefunden hatten, jedoch den gesamten Keller ergriffen. Es mußten fünf weitere Züge, drei Rettungswagen, ein Rüstwagen und S a u« r st o f s- r e s e r v e n angefordert werden. Oberbranddirektlsr G e m p p erschien daraufhin selbst an der Brandstelle, um die Bekämpfung des Großfeuers zu leiten. Gleich beim ersten Löschangriff hatte sich ein bedauerlicher Un- fall ereignet. Ein Löschtrupp von sechs Feuerwehrleuten der Wache Rummelsburg, die unter Leitung des Oberfcuerwehrmannes Rudat nach unten vordrangen, war im Augenblick derart von Rauchmassen umgeben, daß die Wehrleute nur mit Mühe ins Freie zu flüchten vermochten. Alle hatten sich mehr oder minder schwere Rauchver» gistungen zugezogen, während vier der verunglückten sich noch Sauerstoffinhalatlonen bald wieder erholten, mußten der Oberfeuer- wehrmann Rudat und der Feuerwehrmann wehet bewußtlos zur nächsten Rettungswache gebracht werden. Der Brand konnte erst noch vierstündiger angestrengter Tätig- keit unter Einsatz von 20 Sauerstoffapparaten und acht Schlauch- leitungen starken Kalibers niedergekämpft werden. Zum Abzug der starken und giftigen Rauchmassen wurde ein großer Ben- tilator aufgestellt. Erst am Spätnachmittag konnten die Auf- räumungsarbeiten in Angriff genommen werden. Die Entsteh u n g s ur s a ch e konnte bisher noch nicht geklärt werden. 56 Hochzeiisgäste erirunken. Eiskatastrophe auf einem russischen Binnenfee. Warschau, 3. Marz. Wie dem„Expreß Porannh" aus Wilna gedrahtet wird, ist eiue aus 36 Persone» bestehende Hoch- zeitSgesellschaft auf der Ueberfahrt über den See Narocz im Eise eingebrochen und ertrunken. Da die Katastrophe sich weit vom Ufer ereignet habe, sei jede Rettung unmöglich gewesen. 157 Fischer auf einer Eisscholle. Ins offene Meer abgetrieben. London. 3. März. Nach einer Reuter-Meldung aus Moskau sind nach Berichten aus Astrachan 137 Fischer auf einem Eis- block i»S Meer abgetrieben worden. Tragödie zweier Brüder. Gemeinsamer Selbstmord in der Gesellenstube. Die schreckensvolle Tragödie zweier Brüder, die in einem Spandauer Betrieb alsGesellenbeschäftiglwaren. fand in der Rächt zum Montag ihren Abschluß. Bei dem Bäckermeister Rose tu der Neumeisterstraße 11 zu Spandau waren zwei Brüder als Gesellen angestellt, der 22 Jahre alte Helmuth Brett und der zwei Jahre ältere Ernst. Helmuth arbeitete schon seit drei Jahren in dem Betrieb. Ernst kam später hinzu. Die beiden wohnten auch im Hause. Sie waren als ordentliche und sparsame junge Leute bekannt, die ein zurückhaltendes Wesen zur Schau trugen. In der letzten Zeit schienen beide sehr bedrückt zu sein, sie sprachen sich ober über den Grund nur in Andeutunzen aus. Danach sollte Helmuth ein unheilbares Leiden haben. Am Montag früh ging der Meister nach der Schlafftube der Brüder, um sie zu wecken. Auf sein Klopfen meldete sich niemand. Da die Tür von innen verschlossen war, so holte der Meister sich ein« Leiter und sah durch das Fenster in das Zimmer. Große Blutflecke, die er bemerkte, veranlaßten ihn. sofort die Polizei zu benachrichtigen.— Man verschaffte stch nun Einlaß. Beide Brüder lagen blutüberströmt in ihren Betten. Helmuth war bereits tot, während Ernst noch schwach« Lebenszeichen vor sich gab. Er wurde nach dem Spandauer Krankenhaus« ge- bracht. Die Spandauer Kriminalpolizei stellte fest, daß Helmuth am Sonntag abend in einem benachbarten Lokal vier Flaschen Weiß- wein und eine Flasche Sekt gekauir hatte. In der Nacht müssen beide den Entschluß gefaßt haben, aus dem Leben zu gehen. Helmuth hat sich wahrscheinlich zuerst erschossen. Mit einer Teschingpistole brachte er sich einen Schuh in die Herz- g e g e n d bei, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Dann nahm Ernst die Waffe. Die Gebrüder hatten, ehe sie in ihre Stube gingen. im Backraum noch alles für die Montagsarbeit vorbereitet. Ob der älter« mit dem Leben davonkommen wird, ist sraglich. Orkan über Südfrankreich. Die StaSt Bezier am schwersten betroffen. pari», 3. März. Gest 48 Stunden wird Südsrankreich von orkanartigem Sturm und Wolkenbrüchen heimgesucht, die unermeßlichen Schaden angerichtet haben. Die ganze Gegend von Bezier steht unter Wasser. Die Stadt ist zum größten Teil überschwemmt. Der Strußenbahnverkehr mußte eingestellt werden. Der heftige Sturm hat fast sämtliche Telegraphenpfäle umgerisien: viele Dächer wur. den abgedeckt. Die Stadt ist ohne Licht und Elektrizität, so daß selbst die Fabriken nicht arbeiten können. Verschieden« Brücken wurden einfach fortgeschwemmt. Zwischen Carcossonn« und Trebes rutscht« die Hälfte des Bahndamms ab, so daß der Zug- verkehr nur noch eingleisig durchgeführt werden kann. Seit den Ueberschevemtnungen von 1907 hat die Bevölkerung eine derartig« Sturmflut nicht mehr erlebt. Zu Friedrich Eberts Gedächtnis Gedenkfeiern der Berliner Republikaner. Den keorea Toten bldbl in Rot und Schmerzen Gedenken von Millionen treuen Herzen. So steht in schlichten Bersen aus dem Lorbeerkranze, den die Ortgruppe W e d d i n g des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold am Grabe Friedrich Eberts in Heidelberg zum fünfjährigen Todes- tage des ersten Reichspräsidenten niederlegte. Gestern gedachten die Republikaner vom Wedding bei einer Feier im überfüllten Mer- cedes-Palast des toten Führers. Mozarts„Titus"-Ouvertüre, von den vereinigten Musikkapellen unter Habedanks Leitung trefflich vorgetragen, war der Austakt. Alfred B e i e r l e las aus Eberts Reden und schloß daran als Prolog Brögers bekanntes Ge- dicht von dem„ärmsten Sohn, der auch dein getreuester war". Relchskagspräsidevl Paul Löbe schilderte Friedrich Cbert als Menschen und Staatsmann. Ebert kam von unten aus der Arbeiterklssie, und er hat dies immer mit Stolz bekannt. Alle, die ihn in der Wilhelmstraße wirken sahen, die ausländischen Diplomaten, die Männer der Kunst und Wissen- schaff, bewunderten die Gewandtheit und Würde, mit der er den höchsten Posten, im Deuffchen Reiche versah. Aus den Reihen des Volkes, dem er angehört«, kamen die Angriffe: Di« einen warfen ihm sein« Herkunft vor, sprachen vom Sattler, vom Budiker, und die anderen nannten ihn Verräter an der Arbeiterklasse. Pflichtgetreu ging er den schweren Weg weiter, aber furchtbar, wenn nicht tödlich traf ihn der niederträchttg« Vorwurf aus rechtsradikalen Kreisen. ein Landesverräter zu sein. Das hat seine körperliche Wider« standskraft untergraben, und so steht er in einer Reihe mit den Märtyrern der Republik, mit Erzberg-r. mit Rathenau und Stresemann, den eine ähnliche Hetze angriff und anfiel. Wir Republikaner sorgen dafür, daß in aller Zukunft das Andenken Friedrich E-berts hoch in Ehren gehalten wird, und wir wissen, daß die Geschichte dem Toten heute schon mehr gerecht geworden ist als viel« Volksgenossen dem Lebenden. Eine Vorführung von Eberts Begräbnis im Lichtbild und fym- bolifchs Darstellungen folgten. Ein flammendes Schlußwort des Ortsgruppenführers G u r f k y, mit allen Kräften weiter für die Republik zu arbeiten, endete die Feier. Auch in anderen Berliner Bezirken gedachten die Berliner Repu- bkikaner des Gedenktages in würdigen Veranstaltungen. Das Ende eines„Theaierdirekiors". Hans Ritter feit einiger Zeit verschwunden. Sdk dnigen Tagen ist„Theakerdirektor" han» Ritter, der im vergangenen Zahr durch betrügerische Manipulationen in Theaterkreisen wiederholt von sich reden gemacht hat, au» Berlin spurlos verschwunden. Als Leidtragende hat er eine Reihe von Betrogenen zurück- gelassen, die. obgleich sie wußten, daß sie es mtt einem unsicheren Kantonisten zu tun hatten, Äitter abermals auf den Leim gegangen sind. Es liegen zur Zeit mehrere Anzeigen wegen Kautionsschwtndei und Betruges gegen ihn vor. Unter anderem hat Ritter in mehreren Fällen Summen von 2090 und 3009 M. erbeutet. Zu- letzt trat er als Pächter des Theaters in der Komman- dantenstraße auf. Da Ritter selbst keine Konzession erhalten hatte, gingen die Verträge auf den Namen einer„Berliner Theater- und Vergnügungsstätten-Betriebsgesellschaft m. b. H." Den Posten einer Kassiererin hat er zweimal für je 2000 M. Kaution vergeben. Der Restaurationsbetrieb, die Retlame und Garderobe hat dieser „lüchttge" Geschäftsmann sogar noch häufiger verpachtet. Eine be- kannter Berliner Schuhfirma hat er gleichfalls um einen Betrag von 3000 M. geprellt. Man glaubt, daß Ritter sich außerhalb Berlins in einem Sanatorium verborgen hält. Kleinkrieg in Oesterreich. Roch immer Heimwehrpl ovokaiionen in Oesterreich. Wien, 3. März.(Eigenbericht.) In dem Industrieort Schwechat unmittelbar vor den Toren Wien», kam es am Sonntag wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Heimwehrdemonstravten und anders gesinnten Bewohnern. Di« Heimwehrleute, die in geschlossenen Trupps auftraten, belästigten Passanten und griffen sie zum Teil tätlich an Erst als die Polizei eingriff, konnte den Rowdys das Handwerk gelegt werden. Abends, bei dem Abmarsch der Heimwehrleute nach Wien kam es wiederum zu Zwischenfällen. Ein Trupp der Rowdys umzingelte drohend drei Häufer, aus denen angeblich mißfällige Sleußerungen über die Heimwehr gefallen waren. Die Polizei sah sich schließlich auch hier zum Eingreifen gezwungen und nahm mehrere Berhas- tungen vor. Sialins„abenieuerliche Illusionen". Angeblich Sl> Prozent„tollett, visiert*. Moskau. 3. März. Di« Presse veröffentlicht einen Artikel Stalins, tu dem die großen Erfolge der K o l l e k t i v i s i e r u n g der Landwirtschaft betont werden. Stalin warnt jedoch vor einer Ueberschätzung der erreichten Ergebnisse. Laut Statistik vom 20. Februar sind 30 Prozent der sowjettstischen Bauernwirtschaften kollektivisicrt, d. h.: das in den auf fünf Jahre berechneten Kollektioisierungsplan vorgesehen« Ergebnis ist um mehr als das Doppelte übertrofscn worden. Die Kollektivwirtschaften haben für die Frühjahrssaat über 36 Millionen Zentner Saatgut gesammell, das sind mehr als 90 Proz. des Planes. Die entschiedene Wendung des Dorfes zum Sozialismus hat sich somit vollzogen. Auf dem Boden dieser Erfolge nzachen sich bei einigen Parteimitgliedern abenteuerliche Illusionen bemerkbar, daß man oll« Fragen des sozialistischen Aufbaues mit einem Schlage lösen könne. Stalin fordert cnt- schlossenen Kampf gegen diejenigen, die die Notwendigkeit der Verankerung bisher erreichter Erfolge und der planmäßigen Ausnutzung zur weiteren Vorwärtsbewegung nicht begreifen. Er hebt hervor, daß die Erfolge der Kollektivssierungspolitik der Partei auf der freiwilligen Kollettiowirtschaftsbewegung beruhen, und warnt vor Berfuchen, gewaltsam Kollektivwirtschaften zu schaffen. Weiter weist der Artikel auf die Notwendigkeit besonderer Borsicht in den rückständigen Gebieten hin, wo keine günstigen Bedingungen für die sofortige Organisation von Kollektivwirtschaften vorhanden sind. Ghandi schickt ein Llltimaium. An den Bizekönig- unbestimmte Drohung. London, 8. Mörz. Ghandi hat, wie der„Daily Telegraph* aus Neu-Delhi berichtet, dem Bizekönig von Indien am Sonntag abend durch Sonderturier« ein achttägiges Ultimatum überbringen lassen. Die im Falle der Ablehnung der indischen Forderungen in Aussicht genom- menen Maßnahmen Gandhis werden nicht näher dargelegt, so daß Ghandi selbst die Entscheidung darüber überlassen bleibt, welche Teile des Befreiungs-Programms. wie z. B. Steuer streik, Boy- k o t t der Regierungsbeamten oder Widerstand der Land- bevölkerung gegen die Verwaltungsmaßnahmen der Regierung,«r zunächst durchführen will. In Neu-Delhi ist ein Ausschuß von 29 Führern aller Parteien gebildet worden, um darüber zu beraten, aus welchem Wege am schnellsten das Ziel der Herstellung der Domtnlenoer- f a s s u n g für Indien erreicht werden kann. Der Ausschuß wird zum erstenmal am 29. März in Neu-Delhi tagen und wahrscheinlich dann zu einer All-Parteien-Konferenz ausgedehnt werden. Hellpach will nicht mehr. Der demokratische Reichstagsobgeordnet« Prof. Hellpoch hat sein Reichstagsmandat niedergelegt. Hellpach begründet seinen Schritt mit seiner Unzufriedenheit darüber, daß die Reichsresorm, die Wahlreform und andere Fragen nicht vom Flecke kommen. Hell- pach meint, daß er für diese Dinge in der Oef°entlichkeit besser ein- treten kann, wenn er von allen fraktionellen Bindungen frei ist. Hellpach fft Professor an der Universität Heidelberg und war im Jahre 1925 demokratischer Kandidat für den Reich�prSstdenten- Posten. Sein Nachfolger auf der Rechsliste Ist der bekannte demokratische Handwerterve rtreter Bartschat, der schon früher dem Reichstag angehörte. Oer neue Regierungspräsident von Stettin. Als Nachfolger des zum Oberpräsidenten in Stettin in Aussichl genommenen bisherigen volkoparteiliche» Regierungspräsidenten Dr. von Helfern- Stettin hat das preußische Innenministerium dem preußischen Kabinett den Ministerialrat im Innenministeriuni Dr. S t m o n s in Dorschlog gebracht. Simons ist der Sohn des früheren Reichsgerichtspräsidenten. Er ist im Nebenamt Direktor der Hochschule sür Politik und gehört der Sozialdemotrattschen Partei an. Die Konsumwahlen. (Sieg der tifie„Genosienschastsaufdau". * Am gestrigen Sonntag wurden für die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend die Delegierten gewühlt. Rur in lvö Bezirken wurde gewählt. In 10 Bezirken siel die Wahl aus, weil keine gültigen Wahlvorschlagslisten vorlagen. Nach den bisher vorliegenden Wahlergebnissen(ein Bezirk steht noch aus) entfallen auf die Liste Genossenschaftsaufbau 683 Delegierte. Die„Opposition"(Kommunisten) erhält nur S1 Mandate. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug: für Genossenschastsausbau........ 13358 für Opposition............ 6097 Besonderes Interesse beanspruchten die Wahlen im Wahlbezirk der Genossenschaftsangestellten und-arbeiter; hier wurden für die Sorveii Sind wir! Beamte der Republik dürfen es wagen, öffentlich ihre Feind- schaft gegen die Republik zu bekunden. Dieser Kranz, dem ermordeten Studenten Wessel gewidmet, stammt von Nazis aus- dem Postamt 1 Charlottenburg. Er wurde tagelang zur De- monstrotion in einem Blumengeschäft ausgestellt. Gruppe Genostenschaftsousbau 1085 Stimmen abgegeben, die„Oppo- fition" brachte es nur auf 129 Stimmen. Das Wahlergebnis wird zur Folge haben, daß in der auf drei Jahre neu zu bildenden Generalversammlung der Konsumgenossen- schaft Berlin und Umgegend die hinter der Liste„Opposition" stehenden Kommu nisten entweder gänzlich ausgeschaltet oder nur in verschwindend geringer Zahl vertreten sein werden. LteberaN wird Berlin benachteiligt! Oer Anteil an der Krastfahrzeugsteuer. Der Berliner Magistrat hat in einer Eingabe an den preußischen Landtag seine schon in den Vorjahren gestell- teu Anträge ans Abänderung des Verteilungsschlüssels der krastsahrzeugsteuer wiederholt. Das preußische Ausführungsgeseh zum Relchskraftfahrzeugsteuergeseh verteilt die Steuer nur nach dem Gebletsumsang und den Slraßcustrecken. Es täßt im Gegensah zum Reichsgeseh das örtliche Auskommen an Steuern unberücksichtigt. Schon bei Schassung de» preußischen Gesetzes erkannte man. daß dies für Berlin ganz unerträgliche Verhältnisse herbeiführen würde. Man hals sich damit, daß man der Stadt Verlin eine Sonderzuweisung von 2 Millionen zubilligte. Sie blieb schon damals erheblich hinler dem zurück, was Berlin nach dem Verteilungsschlüssel des Reichs erhallen hätte. Die Berhältnlff« verschlechterten sich aber von Jahr zu Jahr immer weiter. Die starre Sonderzuweisung von 2 Millionen enl- sprach immer weniger dem schnell wachsenden Aufkommen an Kraft- fohrzeugstener. Berlin erhielt aus der von Berlin auf» gebrachten Kraftfahrzeug st euer 1926 nur 17,18 Proz., 1928 nur noch 11,4 Proz. und 1930 werden es nur noch 9 Proz. sei n. Von den In Berlin aufgebrachten 27 Millionen soll es nur 2,4 Mllionen erhalten! In den vier Jahren hat das Berliner Aufkommen sich mehr als verdoppelt, aber der an Berlin zurückgegebene Anteil ist auf etwa die Hälfte gesunken dieser Zustand ist unhalchar. Die Stadt Berlin darf endlich eine Beseitigung des Unrechts verlangen, das ihr Jahr um Jahr tn wachsendem Maß« wder- fährt. Der Antrag Berlins geht dahin, dasGesetz so zuändern. daß der Anteil an der Krastsahrzeugsteuer je zur chälfte nach dem Verhältnis des örtlichen Aufkommens und der Länge der dem Kraftverkehr dienenden öffentlichen Weg« unterteilt wird oder der Vorausbetrag Berlins entsprechend dem seit 1926 gestiegenen und noch siegenden Aufkommen vom 1. April 1930 ab von 2 Millionen aus 10 Millionen erhöht wird. Textilarbeitersireik in Tennessee. Elizabelhlown(T e n n e s s e e). 3L März. Der XeMarbeilerverband. der der American Aederatlcm of Labor angehört, hat den Streik bei den Vemberg-«nd Glauzstosswerkeu erklärt. Theater t Verfehlte Volksbelehrung. Staatliches Schau pielhaus:„Die Tragödie des Arztes". Im Staatlichen Schauspielhaus gastierte gestern mittag die„DeutscheBühnefürBolkshygiene, Kassel" mit einem Tendenzdrama oon T h. Müller-Manger und F. ch. Schank-Telfan„Die Tragödie des Arztes". Di« idealen Zwecke des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrantheit und der anderen Stellen, die sich um das Zustandekommen der Matinee bemüht haben, in allen Ehren, aber so kann man die hygienische Bolksbelehrung nicht betreiben. Die„Tragödie des Arztes" soll den Loien über das Wesen der Krebskrankheit aufklären, ihn veranlassen, rechtzeitig zum Arzt zu gehen, und ihm dadurch ein« Heilung der beginnenden Krankheit ermöglichen. Die Beranstalter fürchten, mit der rein sachlichen Be- lehrung langweilig zu werden und wählen daher die dramatische Form. Leider ist ihnen dabei entgangen, daß„Die Tragödie des Arztes" noch langweiliger geraten ist als man es von dem trockensten Bortrag erwarten kann. Zwei endlose Stunden zieht sich in lähmender Breite eine namenlos töricht« Handlung hin. Ein Arzt. der sich die Bekämpfung des Krebses und die frühzeitig« Ersasiung der Krebskranken zur Lebensaufgabe gemacht hat, übersieht, daß seine eigene Frau krebskrank ist Di« Frau selbst nimmt an seiner Arbeit regen Anteil, kommt aber unbegreiflicherweise nicht darauf, daß die Unterleibshlutungen, die si« fest längerer Zeit beunruhigen, auf Krebs verdächtig sind. Endlich vertraut sie sich ihrem Mann an Es ist zu spät, sie stirbt im letzten Akt. Tragödie des Arztes: vor lauter Krebsheilungen läßt er die ihm am nächsten Stehend« dahin- sterben. Wenn durch den Krebs große Familien in Not geroten, wenn der Ernährer aus Angst, seine Angehörigen dem Hunger preisgegeben zu sehen, ärztlich« Behandlung immer weiter hinausschiebt, so ist dos ein« aktuellere und schlimmere Tragödie. Aber immerhin, dos Motio der Berfosier ist ein ganz wirkungsvoller Dromenstosf. Un- erträglich wird das Stück durch die Nebenhandlungen: ein Voter liebt sein« eigene Tochter,«in Krebsfvrscher spielt nicht Tennis und wird deshalb oon seiner Angebeteten abgewiesen, später zer- schmettert ihm bei seinen Krebsexperimenten eine Explosion beide Beine(!) und trotzdem heiratet ihn«ine Krankenschwester— kurz, die Autoren haben eine glühende Phantasie in der Erfindung kitschiger Konflikt«. Was wollen die Verfasser in ihrem Stück sagen? Der Krebs ist vielfach heilbar, wenn er rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Diese dürre Weisheit läßt sich bequemer und zweckmäßiger in der Zeitung oder im Rundfunk bekanntgeben. Wenn man schon den Aufwand emer Theateraufsührung betreibt, dann muß man auch künstlerisch etwas bieten. Hier haben die Verfasser völlig versagt. Aber auch der voltshygienische Wert des Tendenzdramas ist zweifelhaft, wenn nicht schädlich. Bolksbelehrung über den Krebs ist doch ein schwierigeres Problem als sich die Veranstalter denken. In Lsienkrersen ist nämlich eine vielfach übertriebene Angst vor dem Krebs verbreitet: harmlos« Talggeschwüllst«, bedeutungslose Magen« Verstimmungen vergällen dem Befallenen das Leben, weil er sich für krsbskrank hält. Haben sie das Unglück,„Die Tragödie des Arztes" zu sehen in der die einzige gezeigt« krebskrank« Person stirbt, so ist unter Umständen ihr Lebensmut für immer dahin. Die rechtzeitige Erkennung des beginnenden Krebses ist gewiß wichtig, es muß aber ein« Auftlärungsfarm gefunden werden, die nicht die Gefahr allgemeiner Krebspsychvfe in sich schließt. Die Darsteller, in Berlin unbekannt, fanden sich mit den un- möglichen Rollen anständig ab. Soweit das Publikum nicht schon nach dem ersten Akt geslüchtet war, spendet« es Beifall. Das Reichsmimsterium des Innern und das Ministerium für Botkswohlfahrt, unter deren Protektorat die Aufführung statt- gesunden hat, sollten sich fachlich beraten lasten, bevor sie so zweisel- Haft« Erzeugnisse der Oefsentlichkeit übergeben. Ernst Degner. „Die Kreatur." Vruckner-Llrauffübrvng in den Münchener Kammerspielen Mit großer Spannung erwartet« man in München die Auf- führung von Ferdinand Bruckners drittem Stück, nachdem das unverständliche Polizeiverbot der„Verbrecher" die Sympathie für den begabten„Unbekannten" noch gesteigert hatte. Doch der groß angelegt« Theaterabend endet« mit einem Fiasko. Di« Oppo- sttion lag bei der Mehrheit und wurde am Schluste recht vernehmlich Di«.Kreatur" bedeutet nach den„Verbrechern" entschieden einen Abstieg. Die damals zum mindestens stellenrveis vorhanden« dichterische Gestaltung eines großen Stoffes wird bei dem psycho- analysierenden, eigentlich nur unter drei Personen spielenden Ehe- drama stark vermißt. Schon aus dem Grunde, well dieser kriminell pathologische Einzelsall, aus dem Bruckner treatürliches Leiden herauszudestillieren sucht, abseits alles Typischen liegt. In der Dialogführung und der gewandten Konstruktion«rweist sich diesmal Bruckner überraschenderweise als Jbsen-Schüler, ohne aber auch nur annähernd der enthüllend suggestiven Meisterschaft des Norwegers folgen zu tonnen. Und schließlich«ischeint das Ksp? end des Stückes voll«ist>s unglaubhaft und ausgesetzt. Trvik, der schwächliche, verbrecherisch veranlagt« und trotzdem zwei Frauen mmentbehrlich vorkommende Mann, spricht zwar von einer Seelenwandlung, die er durchgemacht, die wir aber nicht mit- erleben und glauben können. Bor seiner Ehe lebt« er in Blut- schände mit seiner Schwester und wurde für sie zum Fälscher und Dieb, während si« selbst es tn ächtjähriger Prostitution nicht ver- gesten konnte, tm Bruder den Geliebten zu sehen. Si« kehrt nun prompt in dem Augenblick zu dem Bruder zurück, da dieser zwischen Zuchthaus und Selbstmord zu wählen hat, und suggeriert sein« ihm hörig«, sonst aber normal empfindende Frau, sich zur Rettung des Mannes dem Gläubiger hinzugeben, was auch geschieht. In der neuen Lag«— er vom Zuchthaus errettet, sie aufs tiefste erniedrigt— finden sich Mann und Frau in verstärkter Lieb« zusammen, während die totainvergiftete Schwester mit dem Verzweiflungsschrei zusammenbricht:.Kein Mann würde uns anschauen, wenn er� nicht den Strich in uns suchte." Und die Erkenntnisse der Frau münden in Sprüchen wie.Lieb« ist. wenn ich Brat schneid«. Lieb« ist. wenn ich mein Kind bade". Dieses Kind übrigens fügt sich geschickt in die Vorgänge, während das Vorhandensein einer Kleptomanin techt überflüssig wirkt. Am besten ersaßt und oan innen nach außen gestaltet ist die Figur der Frau Therese, gehoben noch durch die echte Weiblichkeit der Darstellerin Eleonore von Mendelssohn. die man sich aus Berlin Holle Aber auch st« und selbst die künstlerisch« Spielleitung von Otto Falckenberg konnten die erheblichen Schwächen des Schauspiels nicht verdecken. Altred Mayer. nd Tanz. 6. Tanzmatinee der Volksbühne. Ellinor Bahrdt, Lou Eggers, Lotte Goslar. Es sei mir erlaubt, den Schlußstrich an den Anfang zu setzen und über die Paluccaschülerin Latte Goslar zu sprechen, die dieser Bolksbühnen-Matinee das Gepräge gab. Noch hat si« das Letzte nicht erreicht, es fehlt die Lockerung der Schultern, die Durch- führung jeder Geste bis in ihre sichere Auflösung, es sehll jener allerfeinste Schliff, den die Bühnenerfahrung lehrt. Dahinter steht ein Tanztentperament. das überrascht und überzeugt, ein besessener Bewegungsmotor, der den Körper stößt und vorwärtstreibt, ihn bremst, wenn man es am allerwenigsten vermutet, um ihn van neuem in die Bahn zu schleudern. Das ist das Erfrischende an Lotte Goslar: daß das Unvermutete ihren Tanz interessant macht. So entstehen Tanzbilder, zart und sicher in bewußter Wirkung, oft mst burlesken, zum mindesten erheiternden Akzenten, immer be- freiend. Als besonders gelungen möchte ich„Apposstonato" und das ausgezeichnete„Furioso" nennen, serner„Morendo". zärtlich, visionär, kaum betont— eine kleine, gereifte, leider vom Publikum kaum gewürdigte Leistung. Bei„Figur": der Anfang zu einer klossischen Groteskform. Doneben muß Lou Eggers, Mitglied unserer Städtischen Oper, in Tänzen, die improvisiert wirken und denen jede einhellllche Linie sehll, bloß erscheinen. Es mag zur Entschuldigung gesogt werden, daß eine Fußverlctzung, die sie sich im letzten Augenblick zuzog, Fräulein Eggcrs daran hinderte, olles Können im Bereiche ihrer Möglichkeiten zu entfallen. Immerhin hätte es sie aber nicht daran hindern dürten. den Tanzkomposicionen den Stempel des Un- zulänglicksn zu nehmen. Es sind genug Ansätze vorhanden, die. einer reiferen Ausarbeitung wert gewesen wären. Sie zerflattern zusammenhanglos und erregen auch nicht, wenn— wie im „Schwarzen Sdiatten"— plötzlich Proben artistischen Könnens ob- gelegt werden. Zwischen Goslar und Eggers steht— merkwürdig isoliert und doch dankbar als Mitller empfunden— E l l i n o r B a h r dt mit ihrer zwar noch lückenhaften, aber sauberen und ehrlichen Technik, inll Schwüngen, Sprüngen und Bewegungsformen, die aus der Schule Jutta Klamt hervorgegangen find— gut, wenn sie in starrer Leere den Raum abtastet(Tanz:„Aus den Tiefen") oder im schonen „Aufschwung" zum ersten Mol« ganz gelöst erscheint. Auf ihr« be- sonderen Leistungen ist bei einem früheren Soloobend bereits hin- gewiesen worden. mby. Revanche für Oppeln? Deutsches Tänzergastspiel in polen verboten. Di« Berliner Jutta-Klaint-Tanzgruppe, bestehend aus acht Personen, hotte ein Gostspieltournee in Bromberg. Posen, Thorn und Graudenz vorbereitet. Di« Verträge waren abgeschlossen. Es fehlte nur noch die Genehmigung der pol- nischen Behörden, die in Warschau nachzusuchen war. Per Bescheid auf das Gesuch zögert« sich so lange hin, daß die Termine der Gast- spiele, die am 20. v. M. beginnen sollten, nicht eingehalten werden tonnten. Jetzt kommt aus Warschau die definitlo« Ablehnung des Gesuches. Ohne Angab« von Gründen. Es mag sein, daß die Warschauer Ablehnung eine Antwort auf den Skandal rn Oppeln sein soll, wo polnische Künstler von n-zstona» listischen Rowdys angepöbelt wurden— aber diese Antwort wäre dann weder klug noch würdig. Von Kestwer? und Lebenshilfe. Neugestaltunq des Alltags und der Feste. Gedichte von Richard Dehmel, wirkungsvoll vorgetragen durch den Regisseur der Barnowsky-Bühnen. DvRudalfFrank. leiteten den Vortragsabend zum Besten des Bundes Eni» schied euer Schulreformer im Bechstein-Saal ein. „Von Festwert und Lebenshilfe" sprach dann im programmatischen Aufruf Heinrich Dehmel. Es war ein Bekenntnis, daß der Begriff der Humanitas nicht«ine Angelegenheit der Feiertage sei, sondern jede Handlung des Alltagslebens beherrschen müsse. Es war noch mehr: Heinrich Dehmel gab ein Gelübde ab für das Neue, Kommende und Werdende, durch das Feste mst Jnhall erfüllt werden und das Leben durch Fest, und Werkfreude Wert erhall. Chartdtt« H a p t e sang sehr wirkungsvoll, von Mlhelm Scholz am Flügel begleitet, Lieder und Arien. bedu. Zum Tode von Professor Wilhelm. Der in Tübingen verstorbene betonnte Chinaforscher Professor Richard Wilhelm wurde am 10. Mai 1873 in Stuttgart geboren. Zunächst als evangelischer Pfarrer in Württemberg tätig, ging«r 1899 als dsuischer Pfarrer nach Tsingtau. Bereits«in Jahr später wandt« er sich dem Missionsdienst unter den Chinesen zu, wobei er sich in erster Linie dem Schul- und Hospitalwesen widinete. In, Jahre 1921 wurde Wilhelm wissenschaftlicher Bcirot der deutsche» Gesandtschaft und Professor an der chinesischen Universität in Pe- king. Nach 25j ähriger Tätigkeit in China kehrte er 1924,«in«,» Lehrauftrag an der Universität Frankfurt a. M. folgend, nach Deutschland zurück. Im Jahre 1927 wurde er zum Ordinarius und Direktor des von Ihm gegründeten Chinainstituts an der Universität Frankfurt ernannt. Professor Wilhelm hat in zahlreichen Sbriften und Vorträgen dos Verständnis für chinesische Geschichte und Philo« saphie in Deutschland zu wecken verstanden, in ihm versiert �ie deutsche Chinawissenschoft einen ihrer hervorragendsten Bertrcter. Geruchskonlrolle aus der Variser Untergrund. Wiederholt hat man sich in Paris beklagt, daß auf den Untergrundbahnen, die zu den Markthallen führen, in den frühen Morgenstunden ein allzu ausdringlicher Geruch von Käse und anderen Lebensmitteln herrsche. Die Untergrundbahngesellschost hat daraufhin auf den in Betracht kommenden Stationen einen Kontrolleur postiert, der das Recht hat, all« Marktkörbe zu„beschnuppern" und den zu stark duftenden die Benutzung der Bahn zu verbieten. vi» ftalafeirfte brinot am 5. ihr neurd Programm, in dem.»uher dem alten«alatombcn.Snserndle Kate Kühl, Ernst Busch, Hon» Salden, Robert Aday Stcmmlc u. c. austreten. Die EnropSifche Xtlbflne(Leitung: Mary S chn eider-Braillard) ver- anstaltel om 29 Ubr Im PImariaal beä HeirrndavieS. Leipziger Str. S, einen Abend unter dem Titel.Geist»n d T a f. E» iprechen: A u l e S Romains(laiis, über.Tie Aulgabe der Weiiiigen in(Juiopa*. ferner Kail Maria Finkelnburg, AtionS Waldlchrnivl. Kurt Hiller, Alsrcd D astenstein. Uluseum llr Zta u> künde(Invaliden(Ir 43'. Serie gemeinverklZndliche, und unentgeltlicher Vorliäge, Mittwoch» t« Uhr; 5. Mär,: Die Einwirkn»,' des Klimgs aus Fälbung und Kröge der Tiere(Dr Rensch): IL. März: Die Baute» der staatenbiidenden Inletten(Prof. Bischofs). Sxplosion bei der Standard Oi'l In der Alkoholabieilung der Sian- lard Oil Co.- Anlagen in Linden(Nero Jersey) rpurden, roie berichtet, durch eine Oelexplosion, die einen Brand leroorrief, 16 Personen getötet, 57 schroer oerletzt. Die meisten der Schmerverletzten merden mahr scheinlich erblinden. Unser Bild zeigt die Trümmer des durch die Explosion zerstörten Raffineriegebäudes. Stalin der Schreckliche. Hlnrlchtungserlaß gegen öle„Kulaken"/ Wiedergeburt der Zwangsarbeit/ 40 Erschießungen täglich/ Massenselbstmorde der Bauern/ Schaffung einer prätorianergarde. Aus Moskau wird dem„Sozialistischen Boten" geschrieben: In der Qeffentlichkeit hat das Dekret des Zen» tralexekutivkomitees der Sowjetunion vom 1. Februar(über den Kamps gegen die Kulaken) große Beachtung gesundem Aber selbst das Gros der Kommunisten weiß nicht, daß unmittelbar«ach der Berösfentlichung des Dekrets ein geheimes Rundschreiben an die Ortsbehördeu und die Ortskomitees der Kommunistischen Partei erlassen worden ist. das die Durchsührung dieser Politik regelt. Sogar Kommunisten, die manches erlebt haben, sprechen mit Empörung von diesen Weisun- geu und denken mit Schrecken an seine Wirkung. Nachstehend einige Mitteilungen aus authcutischer Quelle über den Inhalt des geheimen Rund- schreibens. Die lokalen Behörden werden beauftragt, dl« in ihrem Macht- bereich wohnhaften„Kulaken" in drei Kategorien einzuteilen. Der ersten Kategorie werden alle Kulaken zugerechnet, die gegen die Sowjetregierung aktiv vorgehen und den Behörden als„geheime Gegenreoolutionäre" bekannt find. Alle, die in diese Kategorie fallen, sind sofort zu verhaften und auf Befehl der lokalen Behörden, ahn« jede Rückfrage bei den Zentralstellen, zu erschießen. Diese Vtyßnahme ist, so verlangt das Rundschreiben, ohne jedes Schwanken anzuwenden, da ste Bauernaufständen vorbeuge und deren Führer dort, wo Aufstände ausbrechen, ausrotte. In die zweite Kategorie werdcn die Kulaken eingereiht, die ständig Lohnarbeiter beschäftigen. Das Dermögen dieser Kulaken ist in vollem Umfange zu beschlagnahmen und nach besonderen Aussührungsbestim- mungen den Kollektivbetrieben zu übereignen! die Kulaken selbst und ihre Familienongehörigen sind zur Verwendung bei Zwangsarbeiten (Straßenbau in deck Waldgebieten, Erdarbeiten, cholzbeschafsung, Bergbau) in die nördlichen Gouvernements zu verbannen. Prok- tisch bedeutet das, wie unser Gewährsmann sagt, die Wiederherstellung der nlten Katorga: Zuchthaus mit Zwangsarbeit. Zur dritten Kategorie sollen die übrigen Kulaken gerechnet werden. Das Rundschreiben bezeichnet sie als„Kulaken", ohne sich mit weite- ren« Tatbestandsmerkmalen abzugeben. Das Vermögen dieser Ku- laken verfällt restlos— einschließlich der Hütte und der persönlichen Habe der Beschlagnahme. Diese als Verbrecher minderen Grades gellenden Bauern werden aus ihren Häusern exmittiert und aus dem Heimatbezirk ausgewiesen, wobei sie nur je ein Paar Stiefel und«ine Wäschegarnitur mitnehmen dürfen! Di« Zentralbehörden haben Maßnahmen ergriffen, um das Be- kanntwerden des Rundschreibens zu verhindern. Es wird befürchtet, daß das Bekanntwerden der neue» Strafbeftimmuuge» gegen die„Kulaken" zu einer Massenbewegung führen und die Betroffenen zu Per- zweiflungsakteu treiben könnte. Diese neuen Anweisungen werden bereits in weitem Ausmaß durchgeführt. Unser Gewährsmann behauptet, daß die H i n r> ch- t u n g der„Kulaken" in riesigem Maßstab erfolgt, daß täglich nicht weniger als vierzig Bauern erschossen werden. Diese Zahl scheint eher zu niedrig gegriffen als übertrieben, da die Zahl der Erschießungen mit jedem Tag« zunimmt. Hartnäckig wird davon gesprochen, daß Selb st morde unter den Kulaken und ihren Angehörigen masienhaft vorfallen. Ganze Familien ersäufe« sich unter dem Eis oder machen ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. In vielen Bezirken wissen die Kommunisten mcht, was ste mit den Familien der Hingerichteten oder verbannten„Kulaken" anfangen sollen, die in den Dörfern betteln gehen müsien und lebendlges Agitationsmaterial gegen das System der„Entkulakisierung" liefern. In jedem Dorf spielen sich grausige Tragödien ab, die Aus- weglosigkeit der Situation, in die die zur Hinrichtung, zum Hunger- tod« oder zur Verbannung verurtcillen Kulaken geroten, ist so offen- kundig, daß das Dorf bis in die dunkelsten Winkel hinein aus seinem Winterschlaf aufgescheucht wird. Jetzt schon gibt es bald in diesem, bald in jenem Bezirk Bauernunruhen. Und informierte, mit dem flocken Lande in Verbindung stehende Leute erwarien mit Bestimmtheit, daß im Frühjähr und Sommer ganz unvermeidlich große ,, Bauernaufstände aufflammen werden. Im Zusammenhang damit wird eine weiter« wichtige Maßregel durchgeführt.„Die Sowjetregierung muß chrer Armee vertrauen tonnen", lautet die neueste Porole Stalins. Gegenwärtig wird die „Säuberung" des Heeresbestondes abgeschlossen. Diesmal betrifft die Säuberung nicht nur dos Offizierskorps, sondern auch die Soldaten der Roten Armee. Ein erheblicher Prozentsatz der im Waffenrock steckenden Bauern ist nach Haus geschickt worden. Dafür werden die Armeekadcr durch außerordentliche Einziehungen und durch die Einstellung von Freiwilligen mit städtischen Arbeits- losen und Landproletariern ausgefüllt. Alle neueingczogenen Rotarmisten werdcn auf Herz und Nieren geprüft. Es ist beschlossen worden, das Heer zahlenmäßig zn ver- ringern, es aber dafür zu einer politisch absolut zu- verlässtge« Waffe der Regierung auszugestalten. In kommunistischen Militärkreisen wird unverhüllt ausgesprochen, man walle eine„kommuckistische Prätorianergarde" schaffen � „Ein Heer, das gegen uns sein kann, muß liquidiert werden, ein Heer, das schwankt, ob es die Befehle der Kommunistischen Partei wortlos durchführen will oder nicht, ist nutzlos und belastend! wir brauchen eine Armee, die ebenso zuverlässig und entschlossen ist wie die Truppen der GPU." Gleichzeitig mit der Durchführung der Heeressäuberung sollen Maßnahmen zur Sicherung einer besseren und reibungslosen Versorgung der Hceresangehörigen ergriffen werden. Vucharin will Dlut fließen lassen? Bucharin, der Buße wende Führer der kommunistischen Rechtsoppofition, fordert, daß mit den Kulaken„die Sprache des Bleis gesprochen" werde! Dieser Appell an die Allmacht der blauen Bohnen wird„produktionspolitisch" begründet. Bucharin schreibt(„Prawda", 19. Februar): Der ganz« Umbau der Technik und Oekonomi« vollzieht sich jetzt in kurzen, zeitlich zusammengsdrängten Abschnitten, in �beschleunigtem Tempo. Andererseits wird dieser Umbau aus dein stachen Lande zu einem Teil(soweir es sich um den Kulak und die wohlhabende Oberschicht der Mittelbauern handelt) mit Hilfe der schärfsten Mi.tel außerökonomischen Zwanges verwirklicht. Dem Kulakcnwm wird eine richtige Schlacht geliefert, de sich nicht auf steuerlichen Druck und die„üblichen" Maßnahmen der prolctarisckzen Staatsgewalt beschränkt. Die Entwicklung voll- zieht sich hier faktisch„sprungweise" und wird begleitet von einem gewaltsamen Bruch der allerz Verhältnisse, der mit den Kräften der millionenköpsigen Masse der Dorfarmen und der Mittel- dauern durchgeführt wird. Eben deswegen ist dieser Prozeß mit erheblichen Unkosten verbunden: er zerschlägt und zerchaut, zer» stört und zerbricht den kapitalistischen und hol b k a p st alist ii chen Sektor der ländlichen Wirtschast, während gleichzeitig Ausbau. Prozesse vor sich gehen, die die bei jedem Zerstöruiigepvozeh un» vermeidliche Tendenz zum Rückgang der Produktivkräfte kompensieren und— auf einer viel höheren Basis— überkomppnsteren." So soll dos Dernichtungswcrk für den Staat rentabel gemacht werdcn.(Daß die gewaltsame und überstürzt« Kollcktivisiemngs» Politik in Wirklichkeit die größte Gefahr fijr den Bestand der ruf, fischen Landwirtschast ist, darf Bucharin heute nicht mehr aussprechen.) Damit ist für den heutigen Siaatskommunismus die Frage entschieden und erledigt! Noch mehr Gpll. Die GPU., ehemalige Tscheka genannt, soll jetzt weiter aus- gebaut, zur vollen Allmacht gestallet wcrden. Neben der GPY. be- steht einstweilen noch das Bolkskommisiariat für Innere Angelegenheiten, dem besonders die allgemeine Polizei, die„Miliz", unterstellt ist. Nun wird neuerdings der Plan erörtert, das Innenkommlssoriat aufzulösen, sein« Befugnisse zwischen anderen Behörden auf- zuteilen und bei Gelegenheit dieser Reform auch die Miliz der GPU. zu unterstellen. Grundsätzlich ist die Durchsührung dieser Reform bereits beschlossen. „proletarischer Gesundheitsdienst." Kommunistische Erholungsreise nach Griechenland. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Grube, der vor einigen Togen in Athen wegen angeblicher politischer Umtriebe ver- haftet worden war, ist von den griechischen Behörden wieder in Freiheit gesetzt worden. Der bei seiner Verhaftung ihm obggnom- mene erhebliche Geldbetrag wurde ihm wieder zurückgegeben. Damit erhält die Darstellung der„Roten Fahne"«ine Bestätigung, daß Grube sich nicht in politischer Mission, sondern lediglich zu Zwecken einer privaten Erholungsreise in Griechen- land befunden habe. Wenn ein kommunistischer preußischer Landtagsobgeordneter seine Ferien im sonnigen Süden verbringt und sich zu diesem Zweck eine ansehnliche Reisekasse mit auf den Weg nimmt, so würden wir uns damit nicht weiter aufhallen. Aber wir müssen doch einen Augenblick bei Herrn Grubes proletarischer Erholungsreise nach Griechenland verweilen, weil die„Rote Fahne" gerade heute wieder einmal einen ellenlangen Schimpfortitel gegen die sozio ldenwtra- tischen Führer bringt, der ganz und gar im Stil der nachstehend zitierten Sätze gehalten ist: „Jir der Jazzmusik der Bälle hoben die da oben den Hunger da unten vergessen. In perlenden, Sekt haben sie ihre proleto- rische Gesinnung ersäust. Lacksticfel und«moking haben aus den ehemaligen Metallarbeitern und Böttchern blutrünstige Generalstäbler der Trustbourgeoisie zum Kamps gegen das Pro, letariat gemocht." Sozialdemokratische Minister. Fraktionen usw. haben zwar für diesen Winter ausdrücklich alle geselligen Veronstallungen obgesagt und statt dessen erhebliche Summen für sozial« Zwecke zur Ver- fügung gestellt, aber es ist trotzdem möglich, daß irgendein sozial- demokratischer Minister aus irgendeiner Veranstaltung die Re- giening im Smoking repräsentieren muß. Der Kommunist Grübe als unpersönlicher Oppositionsmann hat derlei nicht nötijz Aber er lehnt nicht ab, in diesem Winter der Arbe tslosigkeit und der Rot eine Erholungsreise nach dem sonnigen Süden zu machen, wobei allein die Cisenbahniahrt hin und zurück einen guten Taufen- der kosten dürste. Wir gönnen Herrn Grude die Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesundheit von vollem Herzen. Aber ist die „Rote Fahne" der Ansicht, daß jedes kommunistisch« Parteimitglled oder jeder der drei Millionen Arbeitslosen sich zur Kräftigung seiner— sicher doch weit bedürftigeren— Gesundheit ein« Reise wie Herr Grube noch dem ewig blauen Himmel Athens leisten kami?! welter für Berlin.- Heiter, tagsüber sehr mild, schwach« Lust- bewegung.— Für Deutschlaad: Im größten Teil des Reiches vor- wiegend heiteres und am Tage ziemlich warmes Wetter, nur in den östlichen Küstengebieten und in Ostpreußen noch vielfach neblig, trüb und ziemlich kühl._ BtranimDt'l. Uir ii« JUSaflion:«»lla-»g 8fl»an, Berlin:«»»eigen: m.©utf«, Berlin Bcrlag: Borwäit» Berlag G. m b i>.. Berlin Druck: B-rwärl, Buck». druckrrei und Lerlaasnnktalt Baul Singer& Co Berlin SS 63 Linden stro», 3 Sier»u I Beilogt. Urteilssicher« Zigarrenkenner bezeichnen „ICH SCHLAGE ALLES" für 15 Pfg. als Qualitätsleistung ersten Ranges.— So erklärt es sich, daß die Rauchergemetnd« dieser Zigarre unoufhäridi anwächst. OESERiWOLFF ZENTRALE. BERLIN W35 POTSDAMER STR. 21-25 £leifoge Montag, 3. Marz 1930 ZkrMpnd am bUifföxO Darlehen— reell und diskret! Wie aus 800 Mark 25000 Mark Schulden werden können Meii« erste Dekanmschoft mit einem Darlehn svermitt- l e r Hab« ich nor mehr als zwanzig Jahren gemacht Damals— ich war noch ein Jüngling mit loSigem chaar und unterschied mich non dem Lorgmgschen Waffenschmied der jüngeren Iahren nur da> durch, dah ich nicht den Ämtmß, sondern die Schreibmaschine zum Drcmfloshämmern und ,zur Erledigung meines täglichen Axbeits- Pensums erwählt hatte— brauchte ich einmal schnell und dringend einen Betrag pon 100 M. Um die Beschaffung des Geldes war mir durchaus nicht bange. Ich hatte verschiedentlich im Inseratenteil der Tageszeitungen ge- lesen, dah em« ganze Reihe von Leuten existiert, die liebend gern ihren Mitmenschen aus solchen kleinen Derlegehenten zu Helsen be- reit sins.„An Hoffnungen reich"— der Stolz blieb nebenan— begab ich mich zu einem der annoncierenden Menschenfreunde und trug ihm mein Anliegen vor. „Jawohl! Gewiß! Natürlich! Sie können das Geld hoben T versicherte mir der Brave.„Wir müssen nur vorher Erkundigungen über Sie einziehen. Wenn es sich herausstellt, daß Sie innerhalb der letzten fünf Jahre keinen Olfen- barungseid geleistet hoben, sich in ungekündigter Stellung befinden und auch sonst in geordneten Verhältnissen leben, ist alleseih und ihre Kundschaft teilweise zu ungemütlich geworden ist. I e d c m G e l d- suchenden kann nur dringend geraten werden, niemals und unter keinen Umständen Vorschuh. zahlung-n bei Darlehnsanträgen zu leisten- Das Geld ist in fast jedem Falle zum Fenster hinaus- geworfen. Eine zweite Vermittlungsart besteht in der Gewährung van Darlchn gegen genügende Sicherheit und gleichzeitigen Ab- schluh einer Lebensversicherung. Von den auf dieser Basis arbeitenden Vermittlern erhalten dl« Kunden, sofern sie sich in leidlich geordneten Verhältnifsen befinden, tatsächlich Darlehn ausgezahlt. Auher den Auskunfts-, Schreib, und Stemo.'laebiihren für Darlehn und Versicherungspolice und außer den hohm Dar- lchnszinsen wird be! Aushändigung de» Geldes noch die erste Ver- sicherungsprämic gekürzt. Auch dieser hohe Extrabetrag, dem sich durchweg noch einige weitere Prämienzahlungen anschließen, ist in 30 von 100 Fällen glatt verloren, denn ein Mensch, der sich o�bin schon so in Not befindet, daß er gegen viel zu hohes Aus- geld Darlehn ausnebmen muß, wird später nur sehr selten die be- deutenden Prämiensätze für eine Lebensversicherung lausend und dauernd zu zahlen vermögen. Eine dritte Gruppe liefert Geld ausschließlich gegen Verpfän- dung von Hausständen oder Faustpfändern, Verschreibung des Be- omtcn? oder Angeftelltenoehalts und Ausstellung non Monats- wechfeln. also immerhin noch gegen dreifache Sicherheil. Hier tritt an Stell« des Lebensversicherungeabschlusfez sfür den sich der Vermittler von der DersicherungsgeseUschaft noch extra bezahlen käßtf ein noch höherer Zins- und Spesensotz, als er non oer-weiten Gruppe gefordert wird. Zinsen von 6 und 8 bis 12 Prvz.� zu denen gewöhnlich das Geld ongeboteen wird, sind glatter Schwindel. Selbst im günstigsten Falle wird ein Darlehns- nehmar, der beispielsweise einen Betrag von£00 M. bei ratenweiser Rück-ahlung m drei bis fünf Monaten entleihen will, weniger als 40 M. Unkosten von hjesem Geldgeichäft haben. Dabei wird ihm der größere Teil dieses Unk-stenbetrages meistens noch vorweg vym Dorlelm gekürzt Es gibt aber außerdem viel» Vermittler, die die Notloge ihrer Kundschsst>n"och weit höherem Maße aus- putzen und sich, sofern es möglich ist. bis zum doppeltem Betrage des geliehenen Geldes und mehr zurück- zahlen lassen. Sehr aufschlußreich ist hier der solgendc Fall, der sich erst neuerdings in Hamburg abgespielt hat. Die Lawine Ein Zollbeamter war teils durch eigenes Verschulden, teils durch Krankheiten in der Familie und sonstiges Unglück in erheb- liche GeldschwierigkeiMi geraten Als er sich nicht anders mehr zu helfen wußte, setzte er einen Bericht an seine Dienstbehörde aus, verschwieg dabei aber einen Schuldbetrag von 800 M. Die Behörde hals dem Manne aus seinen Schulden, soweit sie ihr be- kanntgegeben waren, heraus: und jetzt begann das Satyrspiel. Zur Deckung der 800 M., van denen die Behörde nichts wußte, nahm der Mann neue Dar lohn bei vier Vermittlern gegen verschieden hohe Zinsen auf. Jedem vetschrieb er sein GeHall und leine Wohnungseinrichtung als Sicherheit für den Fall des Zah- lungsausfalles, und jedem stellte er Wechsel üb/r weit höhere Be- träge aus, als er sie erhallen hatte. Dasselbe wiederholte sich in der Fökgezeti in immer kürzeren Abständen bei den gleichen und onderen Geldgebern, denn mit jedem neu aufgenommenen Darlchn waren neue RückZahlungstermine mit immer größeren Zinsbeträgen verbunden und� mochten den Abschluß ständig neuer Geschäfte nötig. Im Laufe weniger Jahre hatte sich so eine Schuld von 42 OüO M., an der etwa 140 Hamburger Darlehnsgeber beteiligt waren angesammelt. Als die Sache endlich zusammenbrach, waren von diesen 42 000 M. 25 000 M. ungedeckt geblieben; sie werden auch ungedeckt bleiben, well der Beämte inzwischen für geisteskrank erklirrt worden ist. Die von dem Manne geführte Liste über sein« Verbindlichkeiten weist unter anderem Rückzahlungen von 3(50 M. für ein Darlehn von 200 M. und von fast 500 M. für ein Darlehn von 250 M. sowie viele ähnlich hohe Rückzahlungen auf. Wie sehr Mehr denn je gill das Wort des Handels:„Zeit ist Geld," auch für die gerichtliche Verfolgung der Ansprüche. Der gewissenhaft« Kaufmann wird sich in heutigen Zeiten alle paar Tage die.Liste seiner Schuldner und an Hand dieser sich die Frage vorlegen, bei welcher das Wort anzuwenden wäre:„u n d zahlst du nicht willig, so brauch ich Gewalt." nämlich die de? Staates. Abgesehen von der sozusagen normalen Zahl der„Ueherfälligcn" mehren sich abpr ständig die Fälle einer außergewöbnlichcn Dringlichkeit.(Dringlich sind heut« mehr oder weniger nur allzuviel« Fälle.) Die Arrest fälle: Der Arrest ist das Mittel, um hie Zwangsvollstreckung in das Vermögen des Schuldners zu sichern, dt» durch dessen unlautere Mächenschasten öder durch Züsälligteltcn gefabrdet erscheint. Nicht soll ex dazu dienen, die Zwangsvollstreckung selbst ohne niündliche Sachverbandlungen schleunigst herbei- oder durchzuführen: dement. sprechend kann aus einem erwirkten zugestellten Arrestbeseh! sofort gepfändet werdem nicht aber können die Psandftücke ver» steigert Merden. Es kommt vor, daß Sachen viele Monate unter Pfand bleiben, weil der Arrest nach nicht aufgehoben, andererseits «in vollstreckbarer Titel zwar erwirkt, aber noch nicht zugestellt ist, z. P. infolge von Verhandlung zwischen den Parteien. Wohl ge- merlt: Der Arrest soll nicht die Lage des Gläubigers verbessern, er feil ihn nur ver einer widerrechtliche» Verschlechterung seiner Lage schützen: jedes Gebaren, das den Schuldner als„unsicheren Kan- wnisten" erscheinen läßt, kann unter Umstände» ein Arrestgrund sein. An sich nur für Aucnahmesällc gedacht, bietet der Arrest heute in vielen Fällen die wirksamste Waffe, sobald dem Gericht ein ge- nüpender Grund für seine Derhängung glaubhaft gemacht werden kann. Die Arrestgründe find so vielgestaltig wie das Leben im Handel unh Wandel selbst. Dos Gesetz spricht nur von der Besorgnis, daß ohne Arte st verhängung die Urteilsvollstreckung ver- ertelt oder wesentlich erschwert würde. Geht z. B. der Schuldner in verdächtiger Weise damit Um, sein ganzes Waren» lager.zu verschleppe» und zu verbringen: oder treibt er sich jeden Tag wo anders umher, so daß gerichtliche Zustellungen an ihn niemals möglich wären, oder treibt«r oerschwenderifchen Aufwand, oder packt er schon die Koffer zu„Vergnügungsreisen" nach Amerika, notabene auf Nimmerwiedersehen, so kaim ihn ein Arrest immer noch binnen weniger ols24Stunden ereilen. Bei den größeren Landgerichten muß täglich min- bestens eine Kammer noch eine Stunde länger als die übrigen„nochsitzen", um für Arreste und ahn- liche vorläufige Maßnahmen zur sofortigen Verfügung zu sein: ist der Arrest um 2 Uhr unterschrieben, so kann unter Um- ständen schon um p-3 Uhr eine Auekrtigung davon dem harrenden Gläubiger erteilt und durch Eilgerichtsvollzieher um 3 Uhr dem Schuldner zugestellt und die Pfändung bei diesem voll-ogen sein. Man steht, welch ungeheurer Eingriff in den gan-en Wirtschastk' bereich des Schuldners unter Umständen verstauet ist: gegen außer- ordentliche Verhältnisse reagiert die Rechtsordnung auch mit außer- ordentlichen Maßnahmen. Aber wehe, wenn sich nachher herausstellt, daß die Anordnung eines Abrestes von Anfang an ungerechtfertigt gewesen war. dann muh der Arrestkläger seinein Gegner besten gesamten aus der Arrestvollziehung erwachsenen Schaden ersetzen. Immerhin wird dieser Fall insofern nicht allzuoft vörkoirnnen, weil das Gericht für seine Arrestanordnung ja genügende Unterlagen erwa in Form von eidesstattlichen Lersichervngcn. Originaltarr-spondenzen und dergleichen und wegen der dem Gegner drohenden Nachteile serner meist die Leistung einer Sicherheit fordert. Ts kann nach seinem Ermessen von dem K a u t i o n s e r s o r de r n bs absehen, und dies« der Mann ollgemein über den Lössel barbiert worden ist, geht auch schlagend daraus hernor, daß aus einer Schuld von 800 M. im Laufe von drei bis vier Iahren«ine solche von 42000 M. enl- stehen konnte, von der immerhin 17 000 M. wieder in die Hände der Vermittler und Geldgeber zurückgeflossen sind. Ferner gibt dieser Fall Aufschluß darüber, wie groß die Zahl der Leute ist. die— hauptsächlich in den Großstädten— den bedürftigsten Teil der Bevölkerung skrupellos ausbeutet. Ein würdiger Vertreter seines Standes war auch jener Ge- fchästsmann, der sich bereits beim ersten Besuch seiner Kunden die für die Darlehn stets geforderten Wechsel ausstellen und unter- schreiben ließ und dasselbe Ersuchen, unter dem Vorwand, die ersten Wechsel seien verloren gegangen, später bei Auszahlung der Darlehnsbeträge nachmals wiederholt« und auf diese Weise doppelte Wechsel erhielt. Sämtliche Wechsel hat dieser noble Herr hinterher in stmlauf gesetzt, und während er selbst immer noch frei in der Stadt seiner Tätigkeit herumspazierte, weil seine Vor- urtestung noch nicht crsolgt war, mußten seine Opfer eine Wechsel- klage nach der anderen über sich ergehen lassen uns doppelte Be- träge nebst allen Zinsen und Gerichtskosten zurückzahlen, weil ein ordnungsmäßig ausgestellter Wechsel ja nun einmal eine nickit zu bestreitende Schuld darstellt. Deshalb äußer st e Borsicht beim Querschreiben auf Wechsel sormularen. Eine derartige Unterschrist und Abgabe des Wechsels ist so gut wie die Fortgäbe baren Geldes, von dem ia gerade diejenigen am wenigsten zu verschenken haben, die sich in Geschäftsverbindung mit Darlehnsoermittlern einlassen müssen. Die Aufzählung ähnlicher Ueberoorteilunpen und Betrügereien au? den Kreisen der Darlehnsvermittler ließe sich beliebig ver- mehren. Schon die wenigen erwähnten Fäll« beweisen, wie ge- söhrlich die Verbindung mit Darlehnsoermittlern ist. Jeder sollt« sich den Gang zu ihnen ersparen, solange er noch irgendeinen anderen Weg sieht..Agcrha. Frag« bietet gerade meist einen Houptgegenstand des Beratens und Bedenkens, da dos Gericht natürlich genau weiß, daß die aus der Hinterlegungsstelle ruhenden Sicherheiten im übrigen für das Wirt- schaftsleben unproduktiv und gleichsam tot bleiben. Kaution kann übrigens auch durch B ü r g s chcks t eines tauglichen Burgen geleistet werden. Indessen, hat auch der Gläubiger den Arrest erwirkt und durch dessen Vollziehung SicheruNgspfandrechtc, so isj er noch nicht am Ziel. Um die Versteigerung oder anderweit« Verwertung(Versilbe- rung) der Pfandsachen zu erreiche», muß er zugleich mit dem Arrest im ordentlichen Mahn- oder Klagever- fahren vorgehen, um einen gewöhnlichen Vollstreckungsbefehl oder ein vollstreckbares Urteil zu erlangen. Sobald er eine Ausfertigung eines solchen vollstreckbaren Titels bekommt, kann er dieses dem Gegner zustellen, wodurch sich das bloße Lichcrungspsandrecht in ein endgültiges Vollstreckringspfandrecht umwandelt; und auf Grund eines solchen beraumt der Gerichtsvollzieher ohne weiteres Auktions- termiu an. Der bisher erwähnte Arrest war nur der„dingliche". Das Gesetz hat sogar schon Arrestfälle vorausgesehen, in denen der Schuld- ner dem Gläubiger mit seiner Person, seiner persönlichen Bewegungsfreiheit, haften muß. Man denke an den Bankier, der unter Hinterlassung von Willionenfchulden sich mit seinen Kost- barkeiten schon am Bahnhof beiindet: oder an den Schieber der z. B. auf der Rennbahn plötzlich Tausende zum Verwetten Hat, während sonst der Verbleib seiner offenbar vorhandenen Vermögens- stück« sich in keiner Weise feststellen läßt, oder an die 20jährig«n „Typen" unserer Tag«, die in wenigen Stunden Tausende zu ver- geuden und zu oerfchenten wissen. Ucbrigens muß andererseits für den persönlichen Arrest das Vorhandensein von irgendwelchen Pfand- objekten des Schuldners glaubhaft gemacht sein, und dieser kann durch Leistung des Offenbarungseides den persönlichen Arrest ab- wenden. Der O f f« n b a r u n g s e! d ist die IHtima ratio, der letzte Ab- schnitt in dem oft so traurigen Kapitel der Zwangsvollstreckung. Es gibt Virtuosen aus diesem Gebiet, die es verstehen, das Schwören des von ihnen verlangten Offenbarungseides jahrelang hinzuziehen: entweder kommen sie nicht zum Termin, oder sie wissen sich dem Ge- richtsvollzieher, der sie verhasten soll, immer wieder zu entziehen. Kommen sie aber endlich einmal vor das Forum des Gerichts, so sind sie erfinderisch, immer wieder einen neuen Grund zu finden, aus dem sie glauben, Ihr» Verpflichtungen zur Eidesableistung be- streiten zu können: und dagegen den Beschluß, durch den ihr Wider- spruch verwarfen wird, legen sie soforiig« Beschwerde am l e tz t e n T o g e der hierfür laufenden Frist ein. Es bat Schuldner gegeben, di« monatelang lebten, daß sie sich aul Antrag ihret Gläubiger, die die Kosten ihrer Verpflegung monalewelse voraus- zuzahlen hotten, etnsperern ließen. Ein Wort noch über die Versteigorungstermine Bei der heutigen Ge'dknoppheit kann man zur Zeit auf Auktio- nen mancherlei halbgeschenkt bekommen. Das Verbot. Waren unter ihrem Werte zuzuschlagen, erstreckt sich nur aus Gold- und Silber- fachen, und die versteigernd« Person kann den Zuschlag erteilen. sobald nur die Kosten gedeckt sind, die zuweilen gar nicht unerheblich smd, wenn größere Annoncen über die Auktion erschienen waren und eine Menge Sachen zum Auktionslokal hatten transportiert und dort gelagert werden müsien. Für solcke Fäll« empfiehlt sich zuweilen ein Rundschreiben des Schuldners oder Gerichtsvollziehers an die Gläubiger und sonstige Interesienten, damit solche evtl. mit- bieien oder mitbieten lassen: eitierfcils wird eine allzugroße Vor- schleuderung der Waren dergestalt verhütet, andererseits bleibt wenigstens ein angemessener Erlös für die Gläubiger. Amtsgerichtsrot B Herz. Und zahlst du nicht willig... Wie der Gläubiger am schnellsten zu seinem Gelde kommt (9. Fortsetzung.) Jean Deprieux, der Chef, hatte schlaflose Nächte und Alpdrücken wegen seiner Zahltermine: Gustave ging es ebenso inlt seiner Ma- schine. Er hörte sie auch in der Nacht. Da war er nicht nur Gustave Browaeys, da war er die Maschine Gustave Browacyo: Sklave dieser Maschine, die ihn durchschüttelte. Sie hatte die Stimme des Meisters unid«In Gesicht von Eisen, und«r, Gustav, war eingefügt als lebendiges Fleisch in dos Metall und schwenkt« die Arme im Rhythmus. Arlequeuw liebte das Hecheln mit der Hand. Es war in den Fabriten, die grobe Nummern spannen, schon abgeschafft, aber hier behielt man es bei, um noch bessere Qualitäten zu erzielen. Die Handkämmer erhielten inimer dieselbe Sorte Flachs, damit sie das feine Tastgefllhl nicht verlyren. Die, die den höchsten Lohn er« hii.'lten— zwanzig Franken täglich— verarbeiteten die feinsten Sorten. Arleq-ueuw ließ keinen Tag vorüber, ohne die Arbeiter auf- zumuntern. Bei den Feinarbectern hatte Befehlen wenig Zweck. Ihre Arbeit beruhte auf ihrer Tüchtigkeit und ihrem guten Willen. Sie sortierten nach Farben und nach der Feinheit der Fasern. Arle- queuw beschränkt« sich darauf, ihre Auswahl zu korrigieren, oder ihre gute Arbeit zu loben. Sehnlich, wie Gustave Browaeys, der Maschinenlehrling, mit dem Rhythmus der Maschine lebte, lebten die Hechler mit der Zart- heit des Flachsfadens. Er beherrschte und bestimmte ihre Empfin- düngen, ihre Bewegungen und alle ihr« Gedanken. * Arlequeuw sprach leise und scharf auf Frehaux ein, einen ge- schickten Arbeiter, dem man aber jri>e Woche von neuem vorwerfen mußte, daß er sich Montags betrank. Der Mann verteidigte sich:„Wae wollen Sie? Frau und Kinder haben Brot, Fleisch und Bier. Warum soll ich nicht den Rest vertrinken?" Frehaux hatte sich das Trinken in einer Grobspinnerei ange- wöhnt. Um die Maschinen dort zu reinigen, mußte man die Benti- lation abstellen. Der feine Flachsstaub hüllte dann den ganzen Werkraum in ein trübes Dänimcr. Einen halben Tag lang schluckten die Arbeiter Staub genug für eine ganze Woche. Frehaux war sehr fix in icin«r Arbeit und lieh den Faden in der Hand nicht warm werden. Er arbeitete nur oben, auf den Spitzen der Zinken, ivährend andere das Material zwischen den Metallzähnen auf- häuften. Nach all den Prozessen, die der Flachs von den Lys-Brcch- wühlen an durchgemacht hatte und die den Werg allmählich ent- fernt hatten, ließen die Arbeiter hier nur noch die längsten und schönsten Fasern übrig. Ändri Bast, ein Mann von dreißig Jahren, arbeitete in der zweiten Gruppe. Er war fleißig, immer zufrieden und glücklich oerheiratet. Seine Frau war die Spinnerin Marcelle. In ihr« Hände kam der von ihm gekämmte Flachs. Es war Tradition in der Fabrik, Heiraten zu fördern. Fa- iniliensinn erfüllte das Personal mit mehr Ernst. Arlequeuw sagte immer, es gäbe nichts Schlimmeres als Junggesellen vom Schlags des Verbecq. Ein geschickter Kämmer zwar, aber ein unberechen- barer Charakter. Er war organisiert und Propagandist. Oft genug mußte ihm der Direktor Vorwürfe machen: etwa: „Sie haben zu viel im Kopf. Seien Sie zufrieden mit Ihrer Arbeit und gehen Sie in die Messe. Flachs und der lieb« Gott genügen, um einen Menschen glücklich zu machen." * Herr Jean Deprieux war stolz aus sein Gewerbe als Leinen- Händler. Das war doch- etwas anderes als Baumwollhändler. Mn Baumwolle handeln kann jeder, der Geld hat. Aber beim Flachs kam so etwas hinzu wie eine gelehrt« Ausgabe: das Sortieren der War«. Herr Arlequeuw sagte:„Mit dem Flachs lernt man nie aus." Er beklagte sich, daß ihm für dies« prachtvolle Arbeit Personal fehlte. Großvater Omer Deprieux beklagte sich gleichfalls. * Der Werkraum der Fabrik hatte zwei schlimme Schattenseiten. den Staub und die feuchte Luft. Marie Browaeys war 16 Ial)fe alt und ein etwas schwieriger Charakter. Sie hatte in Grobspinnereien gearbeitet. Hier staubt« es derartig, daß man buchstäblich Flachs aß. Marie war blaß im Gesicht. Sie rebellierte gegen ihren Vater Julien Browaeys. Der wollte sein« ganze Familie in Deprieux's Spinneret festhalten. Diese Tochter aber li«ß sich nicht halten und ging von einer Fabrik in die andere. Sie redete nicht viel: ließ sich eines Tages den Lohn auszahlen und ging weg. Der Dater entschuldigte sie bei Herrn Arlequeuw: „Sie ist nicht schlecht, sie verändert sich nur gern." Marie— man hatte ihr den Spitznamen„Die Nomadin" ge- geben— hatte Spinnereien gesehen, in denen man Sonnabends den Staub sackweis« unter den Maschinen hervorholte. Die Arbeite- rinnen verhüllten ihre Haare: niemals aber den Mund. In der Fabrik Dereumaux, aus der Mari« kam, pflegten die Frauen zu sagen, sie spännen Pfechemist: soviel Strohreste blieben in der schlecht gekämmten Faser. Da der Lohn sich auf der Geschwindigkeit des Maschinentempos aufbaute, machte sich der Direktor nachts daran, die Uebersctzung zu ändern und das Trieürad, das die Zahl der Umdrehungen bestimmte, einen Zahn weiter zu schieben. Auf dies« Weise erzielte er mehr Arbeit ahn« höheren Lohn. * Marie Browaeys haßte ihre Arbeit, weil diese Arbeit häßlich machte. Sie beneidete die Mädchen in Schneidereien und in der Konfektion. Die arbeiteten in Räumen ohne Maschinen, konnten sich ein Band ins Haar stecken oder«ine Blume ans Mieder. Marie, jetzt nur Lehrmädchen mit nackten Füßen, träumte davon, in niedlichen Schuhen zur Arbeit zu gehen und auf emem trockenen Fuß- boden zu trippeln. Und dies Glück würde ihr niemals zuteil werden! Sie kannte ja nur diese«in« Arbeit, die häßlichste, die es für eine Frau gab. Arlequeuw durchschaute sie und sagt« von ihr:..St« macht sich nichts aus dem Flachs." Aber er stellte sie immer wieder«in. Dt« Zeiten, in denen Frauen und Kinder am Fabrittor standen und um Arbeit bettelten, waren vorüber. Mari« Browaeys wünschte sich eine Arbeit, die ihrem Teint nicht schadete, Z. B. die Arbeit im Spulrcum. Den Spulraum nannte ma» in der Fabrik den Salon. Hier arbeitete» die Frauen am fertigen Faden. Hier war kein Staub und kein feuchter Dampf. Wenn Marie hier durchkam, sah sie jedesmal Rais Bast. Die war fleißig und zufrieden, freute sich am«linken Drehen d«r Spindel und fuhr liebkosend mit dem Staublappen über die blanken Me- tallteile. Sie war stolz auf ihre Maschine. Stolzer, als auf sich selbst. Sie pflegte die Maschine sorgfältiger al» die eigenen Haare. * An einigen Spulbänk«n sah man die Requirierungsmarken der deutschen Armee. Herr Duprieux hatte nach Friedensschluß seine Maschinen aus einer Leipziger Spinnsret zurückgeholt. Andere Maschinen, die nach Prag gegangen waren, konnte er teider nicht wiederkriegen. Die tschechischen Spinnereien, die sie den Deutschen abgekauft hatten, weigerten die Herausgabe Herr Duprieux bestellte neue Maichinsn in England und spann darauf bis Nummer dreihundertundfünfzig: das Feinst«, was mög- lich ist. * Der Bruder von Rase Vast hieß Andre. Er liebte den Flachs, wie seine Schwester ihr« Spulbank. Seine Frau war die Spinnerin Marcelle. Die beiden hatten«in Kind, das die Mutter vergötterte Es war sechs Monate alt. Jeden Morgen brachte sie ihr Püppchen in eine Krippe. Hier war es hübsch weiß und blau. Eine alt« Spinn«rin, blutleer und ausgelaugt von Wasserdämpfen, Amalie Debock, verwahrte hier die Säuglinge der Arbeiterinnei. Marcelle gefiel es gut in ihrer Fabrik. Es war die iauverste. die sie bis jetzt kennengelernt hatte. Sie hatte bisher auf grcbe Nummern gearbeitet, trocken und nah: hatte im Stand gehustet und war blutleer in den Dämpfen geworden. Die zähen Fasern streckten sich nur gut, wenn sie mit heißem Waller befeuchtet wurden. Nur die groben Nummern wurden trocken gesponnen. Ursprünglich machten die Spinnerinnen die Faser geschmeidig mit ihrem eigenen Speichel. Jetzt hatte man ein Svrühverfahren, und an Stelle des Spinnrades mit Fußbetrieb war Motorkrast mit dreihundert PS getreten. * Marcelle arbeitet« in einem Raum mit einer Temperatur von fünfunddreißig Grad. Sie arbeitete barfuß und mit nackten Armen: nur mit Hemd und Rock bekleidet. Darüber band sie einen Jutesack, um sich vor den Tropfen zu schützen, die von den Spindeln, die den feuchten Faden drehten, absprangen. Auf einem Raum von sieben Meter und fünfzig Zentimeter Länge versah Mareellc dreihundert- undsechzehn Spindeln für Nummer einhundertachtzlg. Und ebenso- viele hinter sich. Sie mußte nach zwei Richtungen beobachten— sechshundertziveiunddreißig Spindeln—, um rechtzeitig jeden Fehler zu entdecken. Durch Berieselung der Bündel mit sechziggrädigem Wasser bekam der Raum den Dampf, den er brauchte. Heiße Feuchtigkeit garantierte gute Spinnfähigteit. Die zäh« Faser löste sich nur im Fluß oder Sumpf und streckte sich nur im heißen Schwaden. Wo immer dies Material verarbeitet wurde, regierte die Feuchtigkeit Trocken« Länder tonnten nicht spinnen. Die beste Arbeit wurde in Flandern und Irland geleistet. Dies Handwerk war zuerst an geschlossene Räume gebunden. Man mußte den Flachs in Hitze und Feuchtigkeit halten. Sehr, sehr langsam erst verringerte sich der Schmutz und Staub bei dieser Arbeit, verschwan- den die schlimnisten Schottenseiten. In der Zeit, in der Großvater Deprieux mittlere Nummern spann, befand sich die Kämmerei im Souterrain. Jean Deprieux, der Sohn des Alten, fragte sich zuweilen, wie Menschen im Staube eines solchen Kellers hatten existieren können. Heut« diente dieser Keller nur als Vorratsraum. Es war«ine schreckliche Arbeit. Die Arbeiter tranken Wach- holderschnaps, um in der stinkigen Luft nicht zu ersticken: und Männer und Frauen verfielen dem Bluthusten, elendem Siechtum und schnellem Tod«. Die Tuberkulose wurde erblich. Die Zer- störung der Maschinen im Kriege hatte teilweife wieder zu ältesten Verfahren gedrängt. Sonnabends banden sich die Arbeiter, die die Maschin«n reinigen mußten einen Lappen vor den Mund. Sie schützten sich mU Lumpen gegen den Staub, der sie in sanfter und tiefer Umarmung zu ver- ichlingen droht«. Der Mangel an Lüftung schuf eine furchtbare Atmosphäre. Zwischen dicken Wänden atmeten die Arbeiter nur ihre eigenen Ausdünstungcn. In dem Saale, in dem der ange- seuchtete Faden gesponnen wurde, standen die Frauen mit den Fugen im Wasser. Das Thermometer, das an einem Strebpseilcr hing, zeigte auf dem Brettchen folgende verwaschenen Inschriften: bei zwölf Grad: Treibhaus: bei zwei mdzwanzig: Krankenzimmer: bei oierunddreißig: gewöhnliches Bad. Das war die Durchschnitts- temperatur für den feinen Foden. Er brauchte teuchte Hitze und ehemals den menschlichen Speichel, die Wärme des menschlichen Atems. Der Arbeiter in der Metallindustrie tonnte sich wenigstens ab und an vom Feuer entfernen und frische Lust atmen: die Spinnerinnen mußten auchalten in der dumpfen Luft. Der geringste Lustzug spannte die Faser, die dann auf der Spule zerriß. Die nackten, blassen Arme der Frauen waren mit Tütowieninijen geschmückt: mit verschlungenen Initialen wie schöne Waich«. Ein vierzehnjähriger Lehrling, dessen kleiner Körper gedunsen war, hatte das Gesicht eines Ertrunkenen: ein wandelnder Leichnam. (Fortsetzung folgt.) WAS DER TAG BRINGT. «iniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinimiiiiiiiniHiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiimiiiimiiniiimiiiiitniiHiiiiiiHuiiiiiiiniiiiiiiiinMiiiiiiiiiiiiia»iiiiuuiiuiniiiuiiiiiiiiiiiuiiimuiiiiiiiiiiuni Chemisches Präparat bricht Eis. Professor Barnes von der Mac-Gül-Unioersity in Montreal, ein Gelehrter internationaler Bedeutung, hat Eis und Schnee erfolgreich mit chemischen Substanzen bekämpft und beseitigt. Di« Stadt New Dort hat daraufhin diese Methoden bei der Innenstadtschnee- säuberung mit bestem Erfolge verwandt. Bor wenigen Tagen brachte Barnes seine Methode zum erstenmal in Anwendung, um Eis stärkster Blockierung zu brechen. Der italienische Dampfer „Concordia", ein Schiff von 6569 Tonnen, war im Hafen von Lauzon gegenüber Quebek im Lorencostrom im Packeis eingefroren. Mit einer Hochdruckpumpe spritzte Barnes sein chemisches Präparat aufs Eis und schon nach �aum 5 Minuten barst die dicke Eiskruste. unter donnerähnlichem Getöse in Taujende von kleinen Schollen auseinander: der festsitzende Dampfer wal innerhalb 19 Minuten flott. Bald daraus konnten sogar klein« Boote ohne Gefahr im Hasen umhersahren. Neue Radiumtunde in Rußland? Die„Krasnaia Gazeta" veröffentlicht einen Zlrtikel, demzufolge eine wissenschaftlich« Expedition m Rußland bei Iekacherinburg Radium in einer Meng«, wie sie in der ganzen Welt noch nicht ge« funden worden ist, entdeckt haben soll Die Ausnutzung diese» Radiumsundes würde End« dieses Jahres 59 Gramm ergeben, in den künftigen Iahren würde die Produktion 499 Gramm erreichen. Durch das Auftauchen einer so großen Menge Rcchium auf dem Weltmarkt würde sich natürlich der Preis des Radiums bedeutend verringern, so daß man dos Mineral in Zukunft nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Bedürfnisse der Industri« verwenden könnte. fttantaL. 3. März. Berlin. 16.00 Prof. Dr. Adolf Maretrse: Der Sternhimmel im Märr and April. 16.-30 1. Sieben Variationen Uber ein Thema von Mozart für Cello and Klavier. — 2. Beethoven: 32 Variationen. C-Moil, für Klavier.— 3. Prescobaldl- Cat&ado: Toccata fflr Cello and Klavier.— 4. Scarlatti: a) Sonate D-Moll; b) Sonate C Dar; c) Sonate P-Dar; d) Pet arca: Sonett Nr. 123; el Liszt; Pagantnl-Etude.— 5. Debussy: Sonate für Cello and Klavier. (N. Nowoarudsky, Cello and Irina Westermann Flügel.) 17 30 Jugead and Sportabzeichen.(Sprecher; Kichard Blasig.) 18.00 Dr. Elias Hurwlcz: Die Orientbewegung der Oegcnwart. 18.25 Universitätslektor Rocdemeyer, Franklurt a. M.: Die rednerische Persin- iichkclt tru Randfunk. 18.50 Eine Novelle von Artbar Silbergleit.(Oefesen vom Aator.) 19.20 Klavier anf vier Arten. 1. Liszt: Rhapsodie Espagnole(Schallplatte). (Orammophon 95042. 95055)(Walter Rehberg.)-*■ 2. Uszl: Rlgoietto Paraphrase.(Ferraccio Bnsoni.)(Welte- Mlgnon- Reproduktion.)— 3. a) Saint Zains: Allegro appasslonato; b) Rubinateln: Etade C-Dur. (Paul Eggert, Flügel.)— 4. Hinderolth; Toccata.(Orlginaikomposltlon für Wette Mlgnon. nicht handgesplpft, sondern mechanisch übertragen.)(Panl filndemlth.)(Welte Mignon Reproduktion.) 20.00 Wovon man spricht. 20-30 Aus Faschings Operetten. Nach den Abendmcldnngen Tanzmusik. 24.00 Um Mitternacht beim Sechstagerennen. Kfinigcwnstethassen. 16.00 Englisch(knlturkurdllch literarische Stunde). 17.30 Dr. H. Pachaly. Maria Andrde: Kompositionen für gwel Klaviere. 1735 Dr. Franz Mayer: Die Chemie der Ernährung. 13.20 Dr. Edwin Ueilborn: Jagd, Tiergärten und Zlrkusapiele im Altertum. •18.40 Englisch für Anfänger. 19.05 Adolf Paul: Persönliche Erinnerungen an Strindberg. 19.30 Ob.-Reg.-Rat Dr. Rlohm: Erprobt» Beizverfahr e» für 4le Fftthiabrsauesaat, Schillers Weinlager, Schiller wußte«inen guten Tropfen wohl zu schätzen. Mehr noch als das. der Dichter ist ein Feinschmecker und Wein- tenner gewesen. Darüber gibt ein Blatt aus seinem Wirtschaftsbuch Aufschluß. Nach Aufzeichnungen vom 24. Juni 1894 hotte Schiller in seinem Keller 61 Bouteillen Malaga, 35 Flaschen Burgunder, 22 Flaschen Champagner, 19 Flaschen weißen Portwein, 4 Flaschen Muskateller, 2 Flaschen Leistenwein. 17 Flaschen Rüster, 6 Flaschen Oedenburger, 34 Flaschen Frankenwein und 2 Flaschen Falerner zu lagern. Ein Mai kittet eine Ehe. Ein russischer Forschungsreiscvder, der sich zur Zeit auf Haiti befindet, erzählt von einem nicht alltäglichen Erlebnis, das er dort gehabt hat. Er befand sich auf einem Segelschiff, aus dem zahlreiche Eingeborenen mitfuhren. Eine schön« Dam« aus Haiti zankte unaufhörlich mit ihrem Mann und weigerte sich, ihn nach der benachbarten Insel zu begleiten. Der Streit nahm immer leidenschost- lichere Formen an. bis die Frau plötzlich sagt«:„Ich will nichts mehr von dir missen" und ins Wasser sprang, um ihre heimatliche Insel schwimmend wieder zu erreichen.'Kaum war sie im Wasser, als die Eingeborenen mit entsegten Mienen„Mau, Mau"(Haifisch) schrien. Das klar« Wasser färbt« sich bald rot Die junge Frau rief um Hilfe. Ihr Mann, der zuerst ihrem Sprung mit einer nach- lässigen Geste zugesehen hatte, stürzte sich, mit einem Speer be- waffnet, zusammen mit mehreren Freunden ins Wasser. Es gelang die junge Frau zu retten. Ihr« Hand hatte sie im Rachen des Raubfisches lassen müssen Sie wurde unverzüglich ins Hospital gebracht, das sie zwei Wochen später ohne Hand, aber gesund ver- lassen konnte. Die Ehe wäre in die Brüche gegangen, wenn der Hai nicht«ingesprungen wäre Die Frau ist zu ihrem Mann zurück- gekehrt und behauptet, sich nie mehr von ihm trennen zu wollen. Wohnungsüberfluß in Bern. Die Mietpreise in Bern sind in ständigem Sinken begriffen, da eine außerordentlich große Anzahl von Wohnungen— zur Zeit 790— ssit längerer Zeit leer steht. Das Unglück. Bei Kohlraabe ist ein Unglück geschehen. Herr Kohlraab und Frau Kohlraab saßen beim Mittagessen. Es gab Ochsenlenden- braten. Der Ochsenlendenbraten war nicht zart. Im Gegenteil, er war zäh wie australisches Borkalf. „Hör' mal", sagte Herr Kohlraab,„ich glaube, der Broten ist etwas---" Woraus Frau Kohlraab sofort energisch mit allen Mitteln überlegener Rhetorik protestierte. So energisch daß— einerseits durch die Gewalt des Protestes, anderelseit» durch da» unzerfiör- bare Bratenstück, dos sich gerade in ihrem Munde befand, ihr« Kinnladen aussetzten Herr Kohlraab legte Messer und Gabel hin und sah seine Frau an. Sie saß da. mit schiefem Mund, wortlos, die Augen verdreht. Und Herr Kohlraab erinnerte sich des Allen Testaments im all- gemeinen sowie der Geschichte von Lote Weib und der berühmten Salzsäure im besonderen. Dann aber singen die Hände Frau Kohlroabs an sich zu be» wegen. Sie deuteten aufs Telephon, und Herr Kahlraab verstand. Er ging an den Apparat, rief den Aeyt an. „Hm Doktor", sagte er.„meine Frau Hai sich die Kinnladen ausgesetzt." „Sie kann nicht sprechen, nein. Würden Sie vielleicht im Laufe der Woche mal oorbeikomn.ea?" j Der Tag der Frau! Das Frauenschwimmfcst der Arbeiiersporilerinnen Die weiblichen ZNikglieder der Daflersporlsparle im t. Sret»(Berlin-Brandenburg) des Arbeiter-Turn- und Sportbundes haben gestern den Beweis erbracht, da st ein S ch w i m m f e st, und kein kleines sogar, allein von Zrauen bestritten werden kann. Jahrelang haben sich die Jeanen um diesen Beweis bemiihl; sie waren ihrer Sache, das heistt der Sache des bundestreuen Arbeiterschwimm. sportee, sicher, aber immer wieder hinderte sie bald dies bald jenes an der Beweisführung. Im Sladlbad Wedding war nun gestern am Sonntag„Der Tag der Irau"! War es genosienschaftlich-sportliche Zuneigung oder war es die jahrzehntelange unfreiwillige Abstinenz von organisatorischer Wirk- samkeit, die die Veranstalterinnen veranlaßt«, alz Starter, Ziel- richter, Zeitnehmer und als— Billettknlpser Männer zu nehmen? Genug, sie waren da, aber im Wasser, auf den Sprungbrettern. in den Gängen, m den Zellen und, was werbetechnisch das Er- ireulichste war, aus den Zuschaueröänken waren Mädchen, war die Jugend, war die Frau und noch einmal die Frau zu sehen. Was verftHägis, wenn hier und da einmal ein organisatorischer Fehler, ein Fehlerchen unterlies: Solange bei den Frauen im Arbeiter- schwimmsport sich Genossinnen befinden, die selbst im grauen chaar noch ins Wasser springen und gegen Altersgenosstnnen ein kleines sanftes Schwimmatsch au-fechten, solange braucht uns um den Er- folg und um den Nachwuchs nicht bange sein! Warum nur Jag!) nach dem Rekord? Ist es für die Volksgesundheii nicht tausendmal wichtiger, wenn eine Mutter nicht nur selbst schwimmt und taucht und springt und dabei ihren Sohn schon als Schwimmwart sieht? Beim gestrigen Frauenschwimmfest waren solche Schwimmer- generationen zu sehen— gehet hin und tuet desgleichen! Selbstverständlich kam die kampffrohe Jugend zu ihren) Recht, selbstverständlich wird auch im Arbeitersport der Jugend Kampf imv Sieg und Streben und Dollendung geboten Aber wir züchten nicht unsere Könner und ihr« Namen stehen bei uns nicht in Riesenlettern als Zugnummern an Litfaßsäulen. Wenn darum zum Beispiel gestern die schlanke Neuköllnerin F r o h n den Versuch machte, eine Bundcchöchstleistung zu unterbieten, so hat las mit einem Rekord im bürgerlichen Sinn« gar nichts zu tun. Ein Gelingen des Versuchs wäre lediglich der Beweis für eine versönlich«, körperlich-schwimmerische Höchst- l e ist un g gewesen, so wie sie Herr Dr. Diem, der Führer der bürgerlichen Rekordsportler, für jeden Menschen in Anspruch nimmt. Der Unterschied ist nur der, daß nach der(leider mißlungenen) Höchstleistung der Arbeitersportlerin Frohn kein Sensations. Matt gekräht hätte, daß aber Herrn Diems Rekordsportler„den deutschen Sport* repräsentieren. Schade, daß unsere Berliner städtischen Schwimmhallen alle nicht für Schwimmseste geeignet sind; die Kleinheit der Becken und die Enge ihrer Räume schlagen jedes Schwimmfest tot. Wenn Berlin, die Stadt des Sports, erst einmal wirkliche Sport- 'chwimman st alten hat, dann werden auch unsere Arbeiter- I' wimmerinnen und ihre Gäste aus anderen Städten sich voll ent- wickeln können. Trotzdem, wer wollte sagen, daß das erste Frauen- schwimmfest in Berlin nicht mehr als ein Versuch war?! Der sportliche Verlauf Zum ersten Male seit Bestehen der Arbeiterschwlmmverbände kielen in den Rahmen eines Frauenschwimmfestes Sechzehner. 7??rkungsreigen, in denen ein.zehn Minuten langes Kürp'ogramin .eilst wurde.„Groß-Berlin*.„Hellas* und„Freiheit" fanden 'ich am Start ein. Di« Berliner Schwimmunion mußte bedauer- .Ick erweise im letzten Augenblick ihre MeUung zurückziehen. Im gemeinen wurde nach den bisher aus Berliner Arbeiterschwimm. c:ranstalwng«n gezeigten Leistungen Groß-Berlin als Sieger er- wartet. Es gab aber eine klein« Ueberrafchung. In aller Stille h.stte sich die Hellas-Fnuiemnannschast ein gefälliges Programm msammengebaut, das sehr exakt geschwommen wurde und stärksten Bcifall fand. Auch Groß-Berlin zeigte hochwertige Leistungen, und bis zum Schluß des Festes stand noch nicht fest, wer nun eigentlich der Sieger war. An Hand der Wcrtungstabellen wurde dann Hellas mit 67 Punkten vor Groß-Berlin mit 62'4 Punkten als erster ermittelt. ASD. Freiheit, der zum ersten Mal« überhaupt mit einer Reigemnannschast an die Oesfentlichteit trat, brachte j einige gut zusammengestellte Figuren, leider reicht« es nur zum dritten Platz. Das Springen, das in den letzten Jahren von den Frauen stark vernachlässigt worden ist, brachte am gestrigen Sonntag erfreu- licherweise acht Meldungen. Es wurden recht gute Sprünge vor- geführt, die zum Teil über den Durchschiültslesstungen standen. Es ist danach zu wünschen, daß sich die Frauenmannschaften unserer � Berliner Arbeiterschwimmverecn« ihrer alten Tradition eingedenk, � wieder in stärkerem Maße mit Springkonkurrenzen befaßten. Sehr ! scköne Sprünge vollführten Noack-Lichtenberg(19 P.) und Ersurth- Dresden(19 P.).— Jin Verlaufe der schwimmsporllichen Veran- staltung ersuchte L. Frohn- Jleukölln einen Angriff aus die Bundesbestleistung(1:19,8) im IlX)-Meter-Crawl-Schwimmen. Der Versuch mißlang leider, immerhin bewältigte sie die vier Bahn-' längen in der guten Zeit von 1:2l. Erwähnt sei noch die starke Teilnahme der Ruderer- und Kanusahverinnen und der Land- spoi�lerinnen. Rehllt»)«! grauen stasetie, 4X50 Melcr dcNrbla: I. Dresden 8:04: 2. Lickc- tcnibera 8:24 6.— PBfletibtmRI�nilmmep, 100 Mklsr, 14-�16 Pafitt: I. 3"o5t. wald.Neulölln 1:46.8; 2. Kaim-sirmenestadt 1:53,4. 16—18 fofite: 1, Ms- «rde-Nreu�Serq 1:514; 2. Sv-'lmann.Bcrlin XI) 1:51.6; WIclekmann-Ledas 1:46, distawlert.— K reuen tznft-CtRItfatimmeit, 30 Meter: 1. Sorn.Krrmberg 0:58,6; 2. flramct.SBeificuice 1:0.— gtaueiuiWen'�rBi-nnwit, 100 SB!»'«: 1.(Srfiv.IüBe-Sceurdtre 1:43,9; 2. Budni-rubfrsmln?srwn«n,«lterallagen. 90 bis 33 Padre: 1.ln>niee,- 100 Meter. Klaffe K; 1. Mattibenk-lfriedriS-sbain 1:44: 2. Dck-arff.Me'b-ns-e' 1:44 8. Klaffe v: 1. Kiwkabs.tOella-z 1:48 8: 2. Di.nkc.Oeffas 1:32.- Mäb»«,,. bruAt-s-tte. 4x30 M'ter: I. prs'beit 3:386; 2. Nei-kMn I 3:30,2- ikrauen. weetnnasreiaen! 1. Deffas, 67 Dünkte: 2, Eroff-BerNn XII. 62') Punkte; 3!7r«:be>t, Söll Punkte.— Ret'unn-.Sirirlmebr'nmns: l. Plasa.L'eOt—bern, 60 Punkte: 2. Sck-mnock.Ltck>t'nbern. 53 Punkte.— Sprineen. Puecnb: 1. Paaek» L'tbt-nbera. 10 Punkte;?. M-nner-Peukeffn. 180) Punkte. SZrauen: 1 ckrturtb» Dre-d-n, 19 Punkte.—? reuen. PushbeBIuiel: Dresden fleoen Freie Schwimmer Srob-Berlin-Friebrichsbain 0: 0. Das Schwimmfest im Lunobad war der Gegensatz zum»Tag der Frau!" Zu gleicher Zeit, als unsere Arbe'terschwlmmerinnen im Stadt- bad Wedding die Notwendigkeit des Frauensports bewiesen, hielten die bürgerlichen R-kordsportler im Lunabad in Halensee ein Schwimmfest der Kanonen ab. Ein Schwimmfest, das in fast jeder Prograimnnummer auf Sensation und Rekord abgestellt und das deshalb vielmehr den Wert solchen Sports für die Der- emskassen als für die Dolksgefuncheit bewies. Die Interessengemeinschaft der Berliner Schwimmvereine Poseidon, Berliner Schwimm-Club und Schwimm-Elub-Berlin hatte sich den ägyptischen Turmspringer S i m a i k a, der sich seine Siege bolte. den ungarischen Freistilschwimmer Dr. B a r o n y und die j Rekovdelite der deutschen bürgerlichen Schwimme«! verpflichtet. Der Ungar stellte am Sonnabend im 29l>-Mster-Freistilschw-.mmen mit 2:17,8 einen neuen unoarischen Rekord aus und ließ den Breslauer Schubert um fast 9 Sekunden hinter sich. Im Wasserballkamps zeigt« sich der deutsche Meister Hellae-Magdeburg einer Berliner Städteinannschaft mit 5:1(�: 9) überlegen. Am Sonntag siegte Barany im IW-Meter-Freistilschwimmen der Senioren ganz überlegen in der Zeit von 59,8 Sek, Der Breslauer Schubert ver- teidigte den zweiten Platz nur knapp gegen den Magdeburger Ahrens. Rückenmeister Küppers- Viersen war auf seiner Spezialstrecke natürlich nicht zu schlagen, dagegen gab es im Rücken- schwimmen der Damen eine Ueberrafchung, denn Strubel-Berlin konnte hier durchweg führend einen sicheren Sieg heraueschwimmen, Vehring-Eisenoch behauptete den zweiten Platz gegen Wied- mann- Charlottenburg und die deutsch« Meisterin Rem Erkens-Oberhauscn, die sich für diese Niederlage im IW-Meter-Freistilschwimmen schad- los hielt. Im Wasserballspiel trat die Berliner L-Mannschaft gegen Hellas-Magdeburg an und wurde von dem deutschen Meister mit 8: 2 geschlagen. Arbeiter-Handball und-Hockey Die erste Männermanschaft von Ciche-Köpenick hatte FTGB.- Weddings zweite Mannschaft als Gegner. Wedding konnte bald in Führung gehen, mußt« aber Köpenick den Aucgleich lassen und bis zur Pause das zweit« Tor gestalten. In der zweiten Halbzeit wechselte Wedding den Torwächter, was von Vorteil war. Medding zag dann auch wieder gleich, während Köpenick bald das diitte Tor buchen konnte. Bis zum Schluß konnte Webling dann noch drei- mal den Köpenick«? Torhüter überwinden. Alle Spieler waren lebhaft am Ball, bei den Weddingern wäre das lange Zuspielen her- vorzuhebcn. Der Köpenicker Sturm war zu langsam, wodurch icancher Vorteil verpaßt wurde. Die Frauenmannschaften Köpenick nd Kaulsdorf zeigten ein Spiel, wie man es selten von Frauen- 'annschaften zu sehen bekommt. Weit und osfen wurde der Ball irgetragen uitd viel wurde mit den Außenleuten gearbeitet. Im 'cldspiel war Köpenick besser, nur der Sturm zeigte nicht genügend 'ntschlossenheit im Schießen. In der Kaulsdorfer Mannschaft war I» Fangtechnik bei einzelnen Spielerinnen nicht gut auegebildet. 7der Sturm war etwas lebhafter und konnte darum aulb die Tore buchen. Die Mittilstü''merin, die Verteidigung und die Torhüter!» war-n die besten der Mannschaft. Das R-s'altat la"tete 2:0<1: 0) für Kaulsdors, hätte ober dem Feldspiel nach umgekehrt sein müssen. Köpenick zweit« Männer gegen FIGB.-Baumsch"linw-g erste Männer 8:0(3:0): Köpenick dritte Männer gegen Moabit dritte 7:0(1: 0): Schöneberg zweite gegen FTGB.-Friedenau zwrte 4"2(2:0): ASC. zweit« gegen Baumschulenweg zweite 3:1(1: 1). Frauen: Bohnsdorf gegen Baumschulenweg 3:0(3:0): Schöneberg zweite gegen FTGB.-Neukölln erst« 0:9(0:4). Jugend: Wedding gegen Nowawes S:1(1-0): Schöneberg gegen Zossen 3:0(0:0): Köpenick zweite gegen Weißense« erste 2:0(1:0). ArbeFer-Hodccy Der Bezirk Rordring k der Freien Turnerschaft Groß-BerNn konnte das FrüHsaHrssertenspiel g«g«n den Bezirk Mariendorf 1 5:1 gewinnen Nordring lieferte-in flottes Spiel und war dank einer besseren Läuferreihe stets besser. Die Stütze der Mannschaft war der Mittelläufer, der in ruhiger und sicherer Art den Sturm mit Dorlagen versorgte. Mariendorfs Sturm spielt« gut. nur Ist der Halblinke noch nicht schußficher genug, sonst hätte das Resultat wesentlich günstiger lauten können. Die Läuferreihe war der schlechteste Teil der Mannschaft. Es gelang in den seltensten Fällen den gut angelegten Ausbau des Gegners zu stören. Ein system- voller Aufbau fehlt noch ganz. Das Lerteidigungsdreieck war wie immer gut.— Sportverein Moabit 1 und FTGB.-Ostring 2, zwei ebenbürtig« Gegster, spielten 2: 1. Die Moabiter waren durch- schlagskräftiger und das gab ihnen auch das knapp« Uebergewicht.— Alhletik-Sport-E'ub 1 und FTGB.-Neukölln 1 trennten sich unent- ' schieden 1: 1. Dies für Neukölln sehr schmeichelhafte Resultat ist vor allem der Unvvllftändigkeit des Sport-Elub zuzuschreiben. FTGB.-Ostring 1 und Athletik-Sport-Elub 2 spielten 4. 0. Hier gewann die größere Erfahrung und Auedauer. Trotzdem hatte der ASC. viele günstige Torgelegenheiten, die aber dank der eigenen unentschlossenen Schußkroft und der guten Verteidigung Ostrings nicht ausgenutzt werden konnten.— FTGB.-Pankow 1 verlor gegen Nordring 2 0:3. Tennis-Rot 2 und Ostring 3 spielten 1: 0. Bei den Frauen gewann Nordring gegen Pankow 1: 0 und Ostring gegen Tennis-Rot 3: 0._—*t. Eishodccy Deutschland- Lctt'and 1: 3 Das Rückspiel bei Auiwohlmannschasten des Arbeiter-Turn. und Sportbundes und des Lettischen Arbeiter-Sport- und Schutz- bundes in Königsberg endete wieder mit einem Sieg« der Letten, die sehr schußsicher waren und sehr gute Läufe vollbrachten. Del deutsche Mannschaft zeigte ein technisch gutes Spiel und war im letzten Drittel der Spielzeit überlegen. Besonders gut war der deutsche Torwart. Zuschauer 600.— Das Städtespiel Königs- berg— Riga stand im Zeichen leichter Ueberlegenhsit Rigas. Die Riga-Gpieler waren im Lauf sehr schnell. Königsberg legte großen Eifer an den Tag. Ergebnis 2:0 für Riga. kieger-ltraschel führen! Rundenspielcreien und ernstere Jagden In unserem Rückblick über das vorjährige Berliner Sechtag«-- rennen nahmen wir u. a. auch zu den Jagden und klrbernindungcn Stellung und stellten dazu fest, daß das pflichtgemäß«„Nachsetzen* bei Ausreißversuchen allzu oft ausblieb, die Verfolgung eines Aus- reihers zur Farce wurde. Auch gestern abend, als gegen 5U0 Uhr Meyer-Stübecke zu wühlen begannen, wurden die kommenden Jag- den zur Farce: da konnten in ciner knappen Steide über 30 Run- den gewonnen werden! Versteht sich, daß das Publikum für diese Art der Rundengewinn« nur wenig Interesse zeigt« und erst w'eder bei der Sache war, als Rieger-Krofchel losgingen und einigemal mit anerkennenswerter Bravour echte Jagden lieferten. Beide Fahrer— übrigens eine vorzügliche Mannschaft— gingen aus sich heraus, wohl ihrer Kraft bewußt. Aber auch ihre Kollegen unter- schätzten diese Kraft nicht. Rissen nämlich Rieger-Kroschel aus, dann wußte sich das Feld auf ein„Nach�tzen" zu besinnen. In den Morgenstunden des Montag konnten dann auch die beiden rührigen aFhrer stch allein der Führung des Feldes be- mächtigen! Die Sonnabendnacht... brachte zwar ein ausverkauftes Haus, dafür jedoch nur wenig« Kämpfe. Es schien, als wären die Fahrer, die am Nachmittag des gleichen Tages für flotte Vorstöße zu haben waren, zu müde. Dar- an vermochte auch der„Schrei nach Jagden* nichts zu ändern. Der im gestrigen„Vorwärts" mitgeteitte Stand des Rennens veränderte stch bis zum Eintritt der Neutralisation nur wenig: Preuß-Resiaer hielten die Spitz«: zu ihnen gesellten sich nur noch Ehmer-Tietz. Sonntag nachmittag ist das Haus recht gut besucht. Das Feld zeigt eine anerkennenswert« Aktivimt, die sich besonders bei der Mann- schaft Buschenhagen-van Kempen bemerkbar macht, sie nutzt den von Krüger-Funda m der ersten Nachmittagswertung an- gezettslcen Dorstoß in geschickter Weise ans. Ban Kempen und Buschenhagen ü darsehen blitzschnell die für sie günstig geschaffene Situation, überholen zunächst die Ausreißer Krüger-Funda, Pijnen- burg-Gosbel und Gooßens-Dcneef und kontern dann auch alle übri- gen nieder. Nur Pijnenburg-Goebel vermögen nach vorn zu gehen und das Tempo mitzuhalten. Mit diesem Rundengewinn halten van Kempen-Buschenhagen Einzug in die Spitzengruppe Preuß-Restger und Ehmer-Tietz. In den Svnn�tagabendstunden ist die Halle weniger gut besucht. Die Akteure bummeln ihre Runden herunter. Bis dann gegen% 10 Uhr die eingangs erwähnte Run-, denspielerei beginnt. All« Mannschaften— außer Charlier-Duroy und Preuß-Resiger—„gewinnen* Runden. Resigsr stürzt und scheidet so mst Preuß aus der Spitzengruppe aus. Im Verlauf der Abendwertung gehen Rieger-Kroschel los. setzen van Kempen- Vuschenhagen und Ehmer-Tietz zunächst ernsthaft nach, bietet sich schon wenige Runden später ein anderes VAd: die Verfolger sind sich im Moment in der Führung nicht einig und so können Rie« ger-Kroschel den Rundengewinn vollziehen! Sie sind min alleiniges Spitzenpaar. Bald darauf schließen auch Preuk- Resiger wieder zur Spitze aus. In der �Uhr-Nachtwcrlung holen Manthey-Schön, Krüger-Funda und Choury-Fabre so etzn« Rund« auf. Dan Kempen, der den Vorstoß angezettelt Hai, findet bei Vuschenhagen nicht genügende Unterstützung. Kleiner« Plänke- leien sorgen für ein ständig flottes Tempo. Bis in der fünften Morgenstunde ein neuer, ernster Tanz begnnt, der Rieger-Kroschel neben einigen anderen Mannschaf.en einen neuen Rundengewinn einbringt. Rieger-Kroschel halten nun wieder allein die Spitz«! Bei Beginn der Neutvalisation um 6 Uhr früh sind nach 56 Stunden 1503,360 Kilometer zurückgelegt. Stand des Rennens: tz. Relaens�iwimmerlnaen 1. Kreis, KISD. All« Schwimmerinnen, die am 30. März bei„Wien— Berlin* den Reigen mitschwimmen, treffen stch Mittwoch, 5. März, in der Turnholl« Pfarrstraß«. Lichtenberg, zum Einlaufen. Zu dem 48. Reinen muß alles er- scheinen. Fahrverbindung: Stadtbahn bis Frankfurter Allee. Straßenbahn 69, 70. 176, 89, Autobus 19 bis Frankfurter Allee Eck« Verbindungsweg. Lenne Wolter. Oeutschland— Ita'ien 0: 2(O: O). Oer Grofjkampt in Frankfurt a. M. Gestern fand vor 50 000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion die„inoffizielle* Europameisterschaft im Fußball zwischen Deutschland und Italien statt. Italien war gewillt, für die letzt« Niederlage von 1: 2 Revanche zu nehmen. Die erste Halbzeit ergibt ein« klare technische und taktisch« Ueberlegenheit der Deutschen, obwohl die Italiener imnier wieder gefährlich b'eiben. Ein von Hagen in der 25. Minute verursachter Il-Meter-Ball wird durch Stuhlfauths Täuschen hoch verschossen. Deutschlands Stürmer haben alle Chancen und alles Pech. Di« tot- sichersten Sachen gehen an die Latte, oder Combi, der italienisch« Torhüter hält im letzten Augenblick. Mit 0: 0 geht es in die Pause. Die zweite Halbzeit zeigt im wesentlichen dasselbe Bild: einen äußerst schnellen, von Deutschland überlegen geführten Kampf, aber das Glück ist auf Italiens Seit«. Im Anschluß an einen Strafstoß für Italien köpft der Halblinke Italiens gänzlich überraschend für Stuhlsauch unhaltbar zum 1: 0«in. Die italienische Kolonie scheint den Verstand verloren zu haben, wie die Urwaldbewahner tanzen und johlen sie hgrum. Der Kampf bekommt ein« schärfere Note und wird, wie so oft im bürgerlichen Sport, von der nationalen Seit« ausgefaßt. Das deutsche Publikum rast, feuert an, der deutsche Sturm wird mehr und mehr überlegen, Torschüsse,«m, zwei, drei Nachschüsf« von Pöttinger und der Schußkamme Frank, sogenannte unhaltbare Sachen, gehen haarscharf vorbei. Und wieder lacht den schnellen Italienern dos Glück. Dem erst 19jährigen Meazza gelingt es. durch«inen Verteidigungsfehler Webers mit einer unhaltbaren Bomb« das Endergebnis 2:0 zu emichen. „Tennisspieler Brenn als Firmenvertreter.* Dieselbe Sport- korrespondenz. der wir die tatsächlichen Angaben über eine angeb- liche Verquickung von Sport und Geschäft durch Oen Tennisspitzenspieler Prenn entnahmen, bringt jetzt eine Mitteilung von Prenn. daß er derartig« Forderungen nie erhoben habe. Die Anschuloi- gangen gegen den Tennisamateur gingen von einer Fachzeitschrift, „Deutsche Sportartitel-Industrie*. aus. Mittt»rscheima. Das Konirollrecht der Betriebsräte Grundsätzliche Entscheidung des Z�eichsarbeitsgerichis. Der Vetrisbsrat der Firma Enzinger-Werke A.-G., Metallindustrie in Mannheim, hat van seiner Firma verlangt, ihm zur Erläuterung der Position G e n e r a l u n k o st« n der Ge- winn- und Verlustrechnung für das Jahr lN27 Zlngaben zu machen über die Höhe der Gehälter des Vorstandes, der Angestellten, der Steuern, der Aufwendung für soziale Lasten, enthaltend Unfallver- sicherung, Berussgenossenschaft, Krankenkasse, Crwerbslosenversiche- rung und Angestelltenversicherung sowie über die Höhe der Pensionen, Provisionen, Reisespesen des Vorstandes und der Angestellten und der übrigen Kosten. Die Firma hat sich geweigert, diese Angaben zu machen. Sie l>at insbesondere mit dem Hinweis aus den Zusammenhang zwischen dem ?) 72 VRG. und den einschlägigen Paragraphen des Betriebsbilanz- gesetzes ihren Standpunkt zu begründen gesucht und daraus hinge- wiesen, daß durch da? Urteil des Arbeitsgerichts Mannheim die Führung und Verantwortung des Unternehmers im Betrieb weit- gehend auxgeschallct würde. Bor ollem spreche die Totsache, daß nicht einmal ein Aktionär so weitgehende Recht« habe, wie sie im vorliegenden Fall der Betriebsrat für sich in Anspruch nehme. Das Arbeitsgericht Mannheim habe den Arbeitern mehr Recht einge- räumt, als dos Aktienrecht dem Kapital und dem einzelnen Aktionär zuerkennt. Die Vertretung der Arbeitnehmer ging demgegenüber bei der Begründung ihrer Rechtsauffasiung von der grundsätzlichen Veränderung aus, die die Stellung der Arbeitnehnierschoft in den Betrieben durch die Reichsoersassung und das Betriebsrätegesetz erfahren hat und die In dör sogenannten „wirtschastspolllischen Funktion" der Bekriebsverkretungeu, das ist in deren Mitwirkung bei der wirtschaftlichen Leitung der Be- triebe, liegt. Diese neue Aufgabe zu ermöglichen sei der Zweck des 8 72 ARG. und des§ 2 Betriebsbilanzgesetzes. Aus den amtlichen Begründungen der Reichsverfassung und des BRG., sowie aus zahlreichen Entscheidungen des Reichsgerichts und des Reichsorbeitsgerichts ergebe sich, daß der Arbeitnehmsrschaft nicht nur neue Rechte zuerkannt, sondern auch neue Pflichten, die sich in einer „neuen Veronlwarlllchkeil für den Betrieb" ausdrücken, ausgebürdet worden sind. Diese Verantwortlichkeit für den Betrieb könne die Arbeitnehmerschaft aber nur dann tragen, wenn ihr das Recht die Möglichkeit gebe, sich die sachlichen Mittel zu verschaffen, deren Benutzung sie in den Stand setzt, verantwortlich bei der Leitung des Betriebes mitzuwirken. Nur die Auslegung, die das Arbeitsgericht Mannheim dem Z 72 BRG. und dem Betriebs- bilanzgesetz gebe, werde diese Aufgab« gerecht. Gegen dieses Urteil des Arbeitsgerichts in Mannheim kämpfen die gesamten deutschen Industriellen mit der Revision an. Die Ent- scheidung der Dorinstanz sei ein unerhörter Eingriff ln die Rechte de« Kapitalisten und käme einer Vernichtung und Niederringung des Kapitals gleich. Rechtsanwalt Prof. Genosse Dr. Sinzheimer- Frankfurt wandte sich mit aller Schärf« gegen den Standpunkt der Unternehmer. Der Betriebsrat, habe nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Er»erlangt Zurückweisung der völlig unbegründeten Revision der Unternehmer. Das Reichsarbeitsgericht kam am 26. Februar zu folgender Entscheidung: Das Urteil der Vorinstanz wird abgeändert. Der Betriebsrat habe nur ein Kontrollrecht über die höhe der Steuern, die höhe der Aufwendung für soziate und spezielle Lasten, Krankenkasse. Unfallver. sicherung, Angestelltenoersicherung, Erwerbslosensürsorge usw., die höhe der Provisionen und der übrigen Kosten. Ein Kontrollrecht über die Höhe der Gehälter des Vorstandes und der Angestellten sowie über die Reisespesen des Vorstandes und der Pensionen stehe dem Betriebsrat nicht zu. Würde in den letzteren Fällen den Betriebsräten«in Kontrov- recht eingeräumt werden, fo könnte dadurch die Betriebs- führung gefährdet«erden.(!) „Der Schlag gegen die Nauarbeiier." Kommunistische Spekulation auf die Unkenntnis. Das Moskaublatt schwindelt« am Sontag, es fei zwischen den am Tarifvertrag für das Baugewerbe beteiligten Parteien, den Ge- werkschaften und den Unternehmern am 27. Februar eine Ver- cinbarung getroffen worden,„nach der sickj von vorderem die Gewerkschastsbürokroten bereiterklärcn, jodJn vom Tarifamt gefällten Schiedsspruch für verbindlich zu erklären". An diese Lügennotiz werden dann die üblichen Schmeiche- leien für die„sozialfaschistischen Verbandsbürokraten" geknüpft, und zun: Schluß wird das kommunistische Allheilmittel gegen alle wirt- schastlichen Nachteile empfohlen, die„reoolulionäre Gewerkschafts- Opposition". Für das Baugewerbe besteht ein Reichstarifvsrtrag, der auch den Instanzenweg für die Lohnverhandlungen vorsieht. Nun haben die„Gewerkschastsbürokroten" mit den Bauunternehmern allerdings ein« Vereinbarung getroffen. Diese Vereinbarung setzt die Endtermine für die einzelnen Verhandlungsstadien sest. Donach müssen die bezirklichen Verhandlungen bis zum 12. März beendet fein. Bleiben sie ergebnislos, dann kommt es zu weiteren Verhandlungen, bis schließlich das Haupttarifamt entscheidet. Die Bauarbeiter lassen sich durch solche Tätarennachrichten nicht irremachen. Si« wissen, was ihr« OvKrmsotion wert ist und fallen auf den Humbug mit der„revolutionären Gewertschafls- opposition" nicht mehr herein. E? liegt in der Natur dieser„Opposition", daß sie, aus Ver- logsnheit geschaffen, durch Lügen versuchen muß, ihre Schmarotzer- eristenz zu erhalten, weil die KPD. sie gebraucht. Man höri nur von Enilaffungen. Wann kommen die Einstellungen? Bochum. Z. März.(Eigenbericht.) Die Guks-hoffnung.hülle ln Oberhausen ha« die drohende Eal- lassung von 2000 Bergarbeitern zur Tat werden lassen. Die Kündigungen sind zum tS. März erfolgt. Aus Zeche Osterfeld müssen 600, aus Zeche Slerkrad« 400, aus Zeche Hugo ZOO, aus Zeche Zakobi 400 und aus Zeche Bombern 300 Bergleute die Arbeit verlassen. Das Parlament der Jugend. Generalversammlung der Sozialistischen Arbeiterjugend. Am Sonnlag vormittag kagke dos Parlament der Zugend, dl« Generalversammlung der Soziali st lschen Ar- bellerjvgcnd, im ehemaligen Herrenhaus. Mit roten Fahnen und Blumen war der bis auf den letzten Platz gefüllte Sitzungssaal würdig ausgeschmückt. Ein Kampilied «rössnete die Generalversammlung. Der Iugendsckretär Bruno Lösche gab den Geschäftsbericht, der auch gedruckt iu einer gut aus- gestatteten Broschüre vorlag. Die Jugendorganisation ist im ver- gangenen Jahr« sehr aktiv gewesen und kann eine starke Zunahme an Mitgliedern verzeichnen. Im Jahr« 1027 waren 2678 Jugendlich« in der Örganisatwn zusammengesaßt. 1028 stieg die Zahl auf N03 und 1929 aus 3831 Mitglieder. In 92 Abteilungen sind die Jugend- lichen zusmnmengefaßt. In 19.338 Veranstaltungen wurde die Schulungsarbeit der Funktionäre und Mitglieder bewältigt. Dos Mitteilungsblatt.Lugend voran" half die Organisationsarbeit unter- stützen. Besonders rege Hot sich das Iugendsskretariat für die er- werbsloscn Jugendlichen«ingesetzt. Es gelang bei den Kommunal- Verwaltungen zu erreichen, daß trotz der Sparmaßnahmen die Für- sorge für Jugendliche bestehen bleibt. Für die Funktionär« wurden besondere Schulungskurse eingerichtet. An großen Veran- staltungen wurde der Moijugendtag in Briefelang, der Mitteldeutsche Iugendtag zum Parteitag in Magdeburg durchgeführt. Am Jntec- nationalen Iugendtag in Wien beteiligten sich 1599 Berliner M t- glieder, die in zwei Sonderzügen nach Wien fuhren. Besonderes Interesse wandte die Arbeiterjugend im letzten Jahr der Wer- bung an den höheren Schulen zu. Innerhalb der Jugend- gruppen wurden Sonderveranstaltungen für die Schüler angesetzt. In den sozialistischen Schülergemeinschasten wurde eifrig gearbeitet. Auch«ine eigene Zeitschrift, der„Rote Schüler", wird heraus- gegeben, die die Arbeit an den höheren Schulen unterstützen soll. Sehr energisch wandt« sich der Referent gegen dieVpaltungs- v e r s u ch e d s r K o M m u n i st e n. Erst in letzter Zeit gelang es wieder einigen Spitzeln das schmutzige Handwerk zu legen. Auch in der anschließenden Diskussion kam einmütig zum Ausdruck, daß alle Versuche der Kommunisten, die Arbeiterjugend zu spalten, im Keim erstickt werden konnten. Nach einer reoen Diskussion wurden die vorliegenden An- träge behandelt. Mit allem Nachdruck forderte die Gcneralversamm- luna, daß die Nachtarbeit für Jugendliche unter 15 Iahren verboten wird. Weiter wurde von den Kommunalbehörden die Schaffung von Jugendheimen gefordert. In einem Antrage wurde von den Mitgliedern über 17 Iahren die gswerkscbaftliche Organisation ver- längt. Gefordert wurde ferner, daß die Jugendbewegung sich noch stärker mit den Berufsschülern beschästiot und daß zur Ari- tation eine Berufssckulzeitung geschaffen wird. Künstlerisch wertvolle Filme aller Art sollen für die Jugend freigegeben werden. Zum ersten Vorsitzenden wurde Erich L i n d st ä d t. zu Iugenbvertrctern Burkhardt, Fuhrmann, Merkel. Schmidt, Ticks und Wickert, zu Parteivertretern Albrecht, Edith Bäumann, Kreßmann, Reichardt und Thiel« gewählt. Die sozialissisck« Jugend hat sich ln der TAI.«ine festgesugts Organisation geschaffen, mit der es ihr gelingen wird, immer weitere Kreise Jugendlicher um sich zu sammeln. Eilen Sie zu Sarrasani. Nur noch kurze Zeit ist Gelegenheit gegeben, Europas größten Zirkus im Winterbau auf dem Tempel- hei er Feld Ol-Bahn Station Flughoien) zu sehen Karten sind wieder zu allen Tagen und in ollen Preislogen erhältlich. Täglich abends 7!-4 Uhr Vorstellung. Unverkürztes Premierenprogramnu Der Zirkus ist stets gut geheizt. <) ) I Theater, Lichtspiele usw. Reichshollen-Theater Abends DO Sonnian nadtin. OD siefllner-sanger K'eu: „Sanatorium Sonnenstich" Ihtha.; Hilh Pnig. talki Pfujnmm Otinftoft. Brettl: Varlet*— Kotucrt w Tau R S E Tlaceater OroSe Frankfurter SnaSe izz Billettkasse Alex. J422 und SW Täglich 8.1S Uhr(Sonn'ags 9 U) Nur noch wenige Maie | die enirtUS. Bperctis v. Hilltdier .Gasparene" Für die Kinder: | soanaDkad S O« EonniaBs 2.90 D. „aschenbrödei" I tirohe* Aoulailuga-Mdrcbca Ab t. Märe jeden Sonnabend IIJZ Uhr Nachtvorstellung. „Der Mmfergatte" VolKsbtttine Tluaftr am BQlovplati. 8 Uhr Das Gerüdit Komödie in 14 Bildern v C. K Munro VdBl?: K. B. MaitiD Staat!. Sdiiller-Th. 8 Uhr So and so. so gebt der wind Staatsoper AmPl. ü Republik 7V, Uhr Elle Fledermnus Oenttdiej Thealcr 0 2 WeiUnm 5201 Tlgl.8V« Uhr er Kaiser Amerika von Bernard Shaw Die Komödie tmck.2414/731' S'.'. Uhr Victoria von S. Maugham. Regie: Max Reinhardt Musik: Misciia Spollansky. K&imnersplcle 0 2 WeidendüDim 5201 8 Uhr Der Kandidat von Carl Sternheini tiji«: Htm Htiiridi. Plmieuulam —»» am X-OO mmgm V,4 Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Oultln Thielschar, Schult Sehroin, iura H ltfahrand, Walter Raua. Flink Bahmer. Wanak Lustspielhaus u. Friedrichstr. 236. Kergromn 2»22 23. Liebe ent den zweiien W. Riem add H/tack. Vorverkauf in oeiden Hägsorn ab 10 Uhr ununterbrcöhon. U-Bahn StaMon Flughafen Tt\. Urwald 4335 3% 0600, 0950 Hontag 7'/. VorsteMuns Der zirkqa Ut•leis gut geheizt I Karten zu allen Vors'ellun-en und in allen Preislagen vorrätig! T3gl.Su. 8';, Uhr. BS Barb. 8233 Pr. t-6 M. Wochantg. 5 U. 50 Pf.-3 M. Oaslapiel Erich Carew nnd wellen! 8 Inlemallan. Attralti nnen Tägi. 5 u. 013 Sonnt. 2.3 8 S« Alex. E 4. 8066 INTERNAT. VARIETt fheaterf.d.Belirenstr. 53-54 A 4 Zentrum 925-927 Direktion Ralph Arthur Robert« 87. Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) ,____ BAHNHOF FftlEDRICH$tR-9-4 MUhr�mU/ELTSTADTKjiBAßETJ I KASINOu BAYERNKELLEP 6hi»3 Uhr UeMT am GesunOtoriinnaib Ber arnbe SureA- und Tonfilm Melodie des Herzens Auf der Bühne: 4 Stnnas. Chas-nulai and weitete Varlein-tttinbt Ionen ülrektion >r. Robert Kleir Deulsches Künstler-TbeKt Barbarossa 3937 8Vr Uhr Jb«. zweijtei" von FranzMolnai mit Hn Paflenbsrg, Vcrt«: Souper Dönhoff 170 räglich-JA Uhi Die Straße mitmiifrtBisuniiaiiii. Regle Heinz HllperN Kleines Ideal. Merkur 1624 Tägl. SV« Uhr Der Walzer?on beute Naebt! Erika Glässner, Riide Woraer, Hermann Scba.fuB Tnmi. a. Knitb.Toi Kottb. Str. 6 Tägi. 8 Uhr auchSonnt. naettm. 3 U Elite- Sänger. 8 Tili mute nldilz. abelbietend. idarz-i>rooranmi Serliner illk-TTiO Nmuköll». R» Uta8U.74/»i Sanuwsky-Botinen Theater in der KSniggritzer ttrabe Täglich 8'/« Uhr Professor Berntiardi von trfhiir Sdniblir Rrjl»; Tirtar hnrnnkv Komödie nhaue Täglich 8'fe Uhr Der Lügner und die Nonns von CBPt setz Opereltenhaus Alte lakobstr. 20/32 (Zentral• Theater) Täglich 8-4 Uhr oißFledermaas mit Gustav Matznet Preise 1, 2. 3 M. Sonntag liä Uhr Szfaneevlltdiea J Uhr Pri«4erike Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich S'/iU Sdiwnk na Innld uad Badi Lustspielhaus Friedrithsir, 236. Bergmann 2922/23 Täglich 8k- Uhr Liebe auf den zveiten Blick TriaDOD'Iiieaie Dir. Baas Araim Qeorgenstr. 9 Täglich»h Uhr Die Freundin nn Hrran» Sotofflaoc Preise 1,2.3, 4 M. Son ntag 3 U. Domröicbcn S Uhr Geipenster meater 1 MM Täglich 8'« Uhr: Hotel staflt Lemberg Musik von Gilben Lorl Lenz Leo SdtOlzenderi Melropol-Th. 8'/4 Uhr Das Land des Lächelns Vera Sdiwarz, Richard Tauber Musik von Franz tehär. besonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN Im „V o rwärl j- und trotzdem R billig fl CIR.CUS CAR.L HAGEMBECK TÄGL.ÖUHfc• BUSCH GEBÄUDE CARL REINSCH �Au�ANpERNOr- MIT BESONDEREN ERMÄSSIGUNGEN SONNABcND-NACH Ml'T-tG. 3 UH y FREIES; PONyREITENFüRKlNDER!, VORVER KAUf; A.WE RT H El M UTE L.WE I t)E M[1AV1M 3840 original- sefema Palentmairaizen/ Ruhe&enen mit sefema- Federung Patent-Drehbeii(D. R. P.) ein Grift- ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Befema-Fedeiong sind yollkommen geräazdilos!— Kein Elnllcgen. FOr xh Werste Belastung, uäperäl! erhältl. 20 Jahre Garantie. aari. 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