BERLIN Mntag 10. Mrz 1930 10 Pf. JIM16 B 58 41. Jahrgang erscheint tSglich auSerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsrrei« beide Ausgabeu 85 Pf. pro Woche. Z.KNM. rro Monat. {Redaktion und Exvedition; BerlinSWW.LindenKr.» l »ieigenvrei«: Die einsraltige Nonpareilleteil» 80 Pf.. Reklameieile b M- Ermäßigungen nach Tarif. oflscheckkonto VorwärtS-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29T Reichskanzler will Entscheidung Ergebnislose Verhandlungen der Großen Koalition am Sonntag. Heute Besprechungen ohne Volkspartei. Die für Tönning nachmittag 4 Uhr unter dem Vor» sitz des Reichskanzlers anberaumten Verhandlwu» gen der Regierungsparteien mutzten bereits nach halbstündiger Dauer ergebnislos abge- brachen werden. Die politisch-parlamentarische Lage hat dadurch eine autzerordentliche Verschärfung erfahren. * Im Verlauf der kurzen Verhandlungen erklärten alle Frakticms- Vertreter auf die Frag« des Reichskanzlers, daß sich an dem Stand- punkt ihrer Fraktionen nichts geändert habe. Der Reichs- kanzler erklärte daraufhin, die Regierung könne dr« Verab- f ch i e d u n g der Doung-Gefetze nicht länger von der Aus- tragung der in der Finanzsrage zwischen den Regierungsparteien bestehenden Differenzen abhängig machen, sie werde vom Parlament eine eindeutige Entschei- dung verlangen und damit die Verantwortung für das Schicksal der Houng-Gesetze klarstellen. Man kam schließlich, um Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen, überein, die ursprünglich für Montag m Aussicht ge- nommene Abstimmung über den Joung-Plan in zweiter Lesung aus Dienstag zu vertagen. Als äußerster Termin für die dritte Beratung und Schlutzabstimmung über die Aoung-Gesetze wurde der Mittwoch festgelegt. Obwohl auch in dieser Besprechung Zentrum und Bayerische Volks- Partei für den Fall, daß keine Verständigung über die Finanzfragen erfolgt, Stimmenthaltung ankündigten und die Demokraten sich dem Vorgehen des Zentrums anschließen wollen, rechnet die Re- gierung damit, daß die Doung-Gesetze vom Reichstag a n g e- n o m m e n werden und die Verständigung über die Finanzsrage nachher gesucht wird. Verhanblungen ohne die Volkspartei. Im Anschluß an die interfraktionellen Besprechungen mit der Beichsregierung fanden Besprechungen zwischen den Vertretern der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Demokraten und der Bayerischen Bolkspartei statt. Sie dienten der Klärung der Frage, ob zwischen diesen Parteien unter Aus- fchluß der Deutschen Volkspartei über die Finanzsragen eine Verständigung möglich ist. wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, sind über die Vorschläge zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung nennenswerte Disserenzen nicht vorhanden. Dagegen findet die Vorlage der Regierung über die Ausgabendeckung und die gefeßNche Festlegung der Steuersenkung im Zahre 19Zt nach wie vor bei der Sozialdemokratie und der Bayerischen Volkspartei Widerstand. Auch in den einzelnen Slcnerfragen sind Gegensätze vorhanden, die z. B. bei der Biersteuer rech« erheblich sind. Diese Verhandlungen sind am Montag vormittag fortgesetzt worden, aber noch nicht zum Abschluß gekommen. Oer Reichskanzler beim Dtoichspräfidenien Der Reichspräsident empfing heute den Reichs» tanzler zum Vortrag über die politische Lage. Ferner nahm der Reichspräsident heut« einen Vortrag des Reichsministers des Aus würdigen Dr. Curtius. des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Dietrich und des deutschen Gesandten in Warschau. Rauscher, über den deutsch-polnischen Handelsvertrag «ntgegen. Abmarsch nach rechts! Oer Weg der Volkspartei. Die Bolkspartei treibt zur Krise. Sie besteht auf dem Abbau der Arbeitslosenversicherung und verwirft deshalb das Programm ihres Finanzministers Moldenhauer. Einst maßgebende Kreise der Volkspartei sagen offen, daß die Eortsevung aus der 2. Seite.) Die Mörder vom Hakenkreuz. Ein Teil der Jföntgenioler Mordbanditen festgenommen. Die Untersuchung der Politischen Polizei in der Rönl- genialer Mordassäre geht seiner Klärung entgegen. Acht Nationalsozialisten, die in den dringen- den verdacht stehen, an dem feigen Feuerübersall aus da» Reichsbanner beleillgl zu sein, worden festgenommen. Es handell sich um Mitglieder der Rönigentaler und Berliner Ortsgruppe der NSDAP. Zwei der rechtsradikalen Verbrecher konnte bereits die aktive Teilnahm« an der nächttichen Schießer« nochgewiesen werden. Den anderen Tätern, unter denen sich in der Hauptsache Berliner Nationalsozialisten befinden, ist die Polizei auf der Spur. Sie dürfte sie noch im Laus« des heutigen Tages fasten und hinter Schloß und Riegel setzen. Im übrigen haben die bisherigen Er- mittlungen ergeben, daß der Ueberfall bis in alle Einzel- Helten vorbereitet war und von etwa SO Nationalsozialisten ausgeführt wurde. Zn Ergänzung unserer bisherigen Ermittlungen gibt der P o- lizeipräsideut heute mittag noch folgende Erklärung: Am 5. März d. 3. hatte das Reichsbanner in Röntgenial einen Musik- übungsobend in dem Lokal von Meisel. Leim Aussuchen des Lokals wurden zwei Reichsbannerleuie von einigen Angehörigen der NSDAP, angerempelk, ohne daß es jedoch hierbei zu tätlichen Auseinandersetzungen kam. hiervon machte einer der Beteiligten den im Lokal Edelweiß lagenden Angehörigen der NSDAP. Miiieilung. Es wurde beschlosten, Verstärkung au» Berlin heranzuholen. um dem Reichsbanner„ein, auszuwischen". Nach Eintressen der Verstärkung nach 21 Uhr nahmen die Mitglieder der NSDAP, an einer Straßenecke in unmittelbarer Nähe des Lokals Aufstellung und empfingen die Reichsbanner- i e n i e, die noch Hause gehen wollten, mit einigen Salven Schüssen, ohne daß es vorher erneui zn Sireitigkeiien gekommen ist. hierbei wurden drei Angehörige des Reichsbanner» durch Schüsse verletzt und der unbeieiligte Arbeiter Kubow, der gerade aus einer in dem gleichen Lokal statigesundenen Mieterversammlung kam, durch einen Schuß tödlich verletzt. Kubow soll der KPD. nahestehen. Die durch Beamte der Lande». triminalpolizeistelle Berlin in enger Zusammenarbeit mit der Orts- Polizeibehörde geführten Ermiiilungen haben zur Festnahme von acht an dem Ueberfall beleiligien Personen geführt, von denen sieben dem zuständigen Amtsgericht Bernau zum Erlaß eines Rivalen. Hugenberg:„Wollen(Sie etwa auch Diktator weiden? Hüten Sie sich'. Roch dalle ich den Rekord an Unbegreiflichke»tea!* Haftbefehls bereits zugeführt worden sind. Die weiteren Ermitt- lungen dürften auch zur Festnahme des Schützen führen, der den iödlichen Schuh auf Kubow abgegeben hat. Eine Protestkundgebung gegen die nationalsozialistischen Mordbuben, die das Reichsbanner gemeinsam mit der Sozialdemokratischen Part« zum Sonnlag mittag nach Röntgental«inberufsi hatte, war überfüllt. Land- tagsabgeordneter Erich K u t t n e r fand die Zustimmung der ge- samten Versammlung, als er dieses politisch maskierte Verbrechertum brandmarkte. Politik ist Dienst am Staale, Dienst am Volke. Di« Taten dieser Verbrecher dürfen nicht länger als politische Taten verherrlicht werden. Vom Staat müssen wir verlangen, daß er für Ruhe und Ordnung sorgt. Die L a n d j ä g e r haben in Röntgental oersagt. Obgleich das Reichsbanner den Landjäger bat. in der Nähe des Lokals zu bleiben, hat er sich um dies« Aufforderung nicht gekümmert und ist erst dann wieder er- schienen, als aus Verlin das Ueberfallkommando eingetroffen war. Di« sozialdemokratische Landtagsfraktton hat außerdem eine An- frag« an das Swatsministerium gerichtet und verlangt, daß endlich einmal den uniformierten Banditen das Handwert völlig gelegt wird. Der nachweisbare Besitz von Waffen genügt, um diese Orga- nisatton auszulösen. Bei den Nattonalsozialisten läßt sich außerdem mit Leichtigkeit nachweisen, daß derartige Uebersälle häufiger unter- nommen wurden. Der Parteioorsitzende G o e t h e r teilte noch mit, daß die sozialdemokratischen Mitglieder der Gemeindevertretung beantragt haben, daß die Bestattung des erschossenen Kubow auf Ge» meindekosten erfolgt. In der Versammlung wurde auch für die Witwe des Erschossenen gesammelt. * Don den Opfern des 6. März ist der Arbeiter Erich Frisch» mann aus der Schillerstr. 28 an den Folgen eines Bauchschusses im Westendkrankenhaus g« st o r b e n. Die übrigen Opfer des oer- brecherischen Treibens der Kommunisten dürften mit dem Leben davonkommen, obwohl«in Teil nach wie vor auherordenllich schwer daniederliegt. Das Rätsel der schwimmenden Lnseln. Mit Erde und Vegetation bedeckte Eisberge. Kopenhagen. 10. März. Wie aus Oslo gemeldet wird, ist es dem augenblicklich im nörd- lichen Eismeer befindlichen Expeditionsschiff„Norvegia" gelungen, das Geheimnis der Inseln auszudecken, die bei verschiedenen Ge- legenhelien in der Antarktis entdeckt, trotz genauer Orts- angabe aber nie wiedergesunden werden konnten. Zu diesen ge- heimnlsvollen Inseln gehört auch die Thompson-Insel, die ebenfalls nicht wiedergesunden werden konnte. Als im Vorjahre die Louvet-Jnjel entdeckt wurde, kam die ver- mutung auf, daß es sich hierbei um die Thompson-Znsel handele. Die norwegische Expedition selbst hatte im vorigen Zahre eine Insel enidecki, ohne sie in diesem Winter wiederfinden zu können. Da- gegen wurden mehrere Znsein in Gegenden entdeckt, wo im vorigen Zahre nur sreies Meer war. Daraufhin von der Expedition vor- genommene llniersuchungcn ergaben, daß die Inseln nichis anderes als ungeheure mit Erde bedeckte Eisberge sind. vei einer späteren Expedition sollen genauere Nachforschungen in dieser Richtung angestelli werden. Trauertag in Frankreich. Pari», 10. März. In ganz Frankreich war gestern Nationaltrauertag wegen der lleberschwemmungstatastrophe. All« ösfent- lichen Gebäude haben halbmast geflaggt. In den Theatern und Konzerten wurden Sammlungen veranstaltet. Die Ausräumungs- arbeiten im Ueberfchwemmungsgebiet schreiten fort, werden jedoch infolge der Größe und der Ausdehnung der zerstörten Gebiete noch Wochen andauern. In den Departements Tarn und Garonn« konnte» bisher 132 Leichen idealifiziert werden. Waffer bis mum S)ach Jn ITloniauban, Südfrankreich, flieg Hei der großen Ueberfchrremmung laslfafferbi* vurWihe der hti eher. mehrere hundert Sinnohner, die ich auf die 3)ächer gereUel hallen, konnten geborgen reerden. Tardieus„doppeltes Verbrechen" Blum klagt Marinepolitik an.— Briand erfolglos bei Macdonald. Paris. 10. März.(Eigenbericht. lUactibnalb und Briand halten am Sanntag in Ehaquers eine längere Unterredung. Die Besprechung scheint nach der pariser presse zu urteilen vollkommen negativ verlausen zu sein. Vriands Sicher- heitssormel soll zwar mit höslichkeit anhört worden sein, doch habe die Erklärung Macdonalds in seiner Rundsunkrcde an Amerika, daß England keinen neuen Bündnisvertrag abschließen wolle, deutlich genug gezeigt, wie wenig Briand erreicht habe. Das „Echo de Paris" erklärt, das höchste was die Londoner Flotten- konserenz noch erreichen könne, sei der Abschluß eines R n st u n g s- st i l l st a u d e s bis 1936. Die übrigen Blätter, wie der ofsiziöse „Petit Parisien", der„Matin" und dos„Zournal" bemühen sich, die Verantwortung für den zu erwartenden Mißerfolg aus Italien abzuwälzen, das Frankreich mit seiner Forderung nach Flotlengleichheit jede» Entgegenkommen unmöglich machte. Leon Blum schreibt im„Populaire", die französische Politik in London begehe ein doppeltes Verbrechen gegen den Frieden. Frankreich verlange einmal troh der Vernichtung der deutschen Kriegemarine und trotz des Abschlusses des Loearno-Ver- trage», seine Flottenmocht um ZS0 000 Tonnen zu erhöhen. Darüber hinaus aber entwerte es grundlos die bisher abgeschlossenen Slcherheilsverlräge, die angeblich eine herabsehung seiner Tonnage nicht gestatteten. Es besteht kein Zweifel, daß, wenn Frankreich bei dieser Haltung bleibe, es die Konserenz in einen Engpaß treiben werde. Kein Bündnis— ein politisches Abkommen. London, 10. März.(Eigenbericht.) Ramsay Macdonald betonte am Sonntag in einem Rundfunk- Vortrag, der von England nach Amerika übertragen wurde, daß ein eventuelles politisches Abkommen, das in London zwischen den Seemächten getroffen werden würde, keineswegs nifli- tärifchen Allianzcharakter tragen werde. Es fei vielmehr beabsich- irgt, zwischen den Seemächten dos Versprechen gegenseitigen guten Willens und wechselseitiger friedlicher Absichten zu erzielen, das sich auf der Linie der von Präsident hoover und chm selbst in Amerika abgegebenen Erklärung halten werde. Ein derartiges Versprechen müsse die Möglichkeit weite st gehender Herabsetzung der Schiffsbauprogrammc bieten, falls die Staatsmänner irgendwelches Vertrauen in die gegenseitigen Unterschriften setzten. Ltnabhängigkeit oder Gefängnis. Gandhi beginnt seinen Feldzug gegen England. Paris, 10. März.(Eigenbericht) Der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Maharma Gandhi, hat einem Sonderberichterstatter des.Matin" ein aus- führliches Interview über seinen Kamps gegen England gewährt. Er habe für fern Programm des.Nichtgehorfams" nur«ine Grenze gesetzt, die er nicht überschreiten wolle: die der Gewalt- Mäßigkeit. Er sei entschlossen, zu handein, bis entweder Indien sein« Unabhängigkeit erhalten habe, oder bis er und alle seine Anhänger im Gefängnis säßen. Er sei sich klar darüber, daß sein« Bewegung die Anarchie und Unterdrückungsmaßnahmen hervorrufen könne. Aber er sei nicht minder sicher, daß er heute wirklich imstande sei, jede Zusammenarbeit mit den englischen Behörden unmöglich zu machen. Die Englänccr müßten mindestens 50000 Personen ins Gefängnis werfen, um überhaupt nur die haup. sächlichsten Führer der Unabhängigkeiis- bewegung kaltzustellen. Er selbst sei sich bewußt, daß er als erster festgenonunen werde. Bei erster Gelegenheit schon, die die Engländer finden könnten, um irgendwelche Repressalien zu rechtfertigen, dürften sie ihn selbst und sein« treuen Freunde verhaften. Aber er hoff«, daß alle Völker der Welt, die noch ein Gefühl der Gerecht�- fest besäßen, den Engländern laut und deutlich sagten, was für ein Derbrechen sie an Indien begingen. Vorsichtige Taktik auf beiden Seiten. London. 10. März. Nach dem für Mittwoch angekündigten Beginn des Gandhischen Marsches werden nunmehr die Abwehrmaßnahmen auf englischer Seile ernsthaft erwogen. Die Prooinzialregierung von Bombay hat sich mtt der Zentrolregierung in Verbindung gesetzt, um die Maßnahmen festzulegen, mit denen Gandhi im Verlaufe seines Feldzuges begegnet werden soll. Darläufig bleibt die beiderseitige Haltung ein vorsichtiges Abtasten. Auf englischer Seite sucht man sich ein möglichst zuverlässiges Bild über- die hinter Gandhi stehen- den Kräfte und die voraussichtlichen Wirkungsmöglichkeiten seiner Kampagne zu verschaffen, während Gandhi bestrebt ist, genaue An- Haltspunkt« dafür zu erhalten, wie wert die britisch« Verwaltung unter Umständen zu gehen beabsichtigt. Rechtsmarsch der Voltspartei. (Fortsetzung von der 1. Seite.) Reichstagsfraktion der Voltspartei sich dem Druck des Unter- nehmerturns fügt, das die Aufhebung der Koalition mit der Sozialdemokratie, den Abmarsch nach recht» fordert. Die VHkspartei will im Reich denselben Weg gehen wie ,n Thüringen und Sachsen. Zn Thüringen sitzt sie ge- meinsam mil* dem Nationalsozialisten Frick in der Regie- rung— in S g ch s e n hat sie das Koalitionsangebot der Sozialdemokratie von vornherein abgelehnt und will die Bildung eines neuen Bürgerblocks gegen die Ar- beiterschaft oersuchen. Sie hofft, daß, ein Ausscheiden aus der Großen Koalition im Reich und die nachfolgende Krise die Voraussetzungen für einen künftigen Bürgerblock im Reich schaffen werden. Sie sucht die Bundesgenossenschaft der Deutsch- nationalen gegen die Erwerbslosen für den Abbau der Ar- beitslosenversicherung. Die Mahnungen aller Sachverständigen, daß Abbau der Arbeitslosenaersicherung. lediglich Abwälzung auf den Für- sorgeetat der Gemeinden und Erhöhung der Real- steuern bedeutet, werden in den Wind geschlagen. Ein engstirniges arbeiterfeindliches Unternehmertum bestimmt den Kurs der Volkspartei. Nur ein kleiner Teil der oolkspartei- lichen Reichstagsfraktion steht noch zu den oolksparteilichen Ministern. Bolkspariei will Nazi-Politik. Sie sehnt Koalition mit Sozialdemokraten ab. Dresden, 10. März.(Eigenbericht.) Tis-gegenwärtige Stellungnahme der Deutschen Bolkspartei zur Sozialdamokratie zeigte sich am Sonntag auf dem Vertreter- t a g der Deutschen Volkspartei in Sachsen. Die sozialdeinokratisäzen Parteiinstanzen hatten bei der Volks- Partei und den Demokraten schriftlich angefragt, ob sie zu Verhandlungen über eine Regierungsbildung mit der lozialdemokrati-schen Landtagsfrnktion bereit seien. Die Bolkspartei Hut am Sonntag erklärt, der bei den letzten Landtagswahlen deutlich zum Ausdruck gekommen» Wstle der sächsischen Wählerschaft habe sich ebenso gegen eine Herrschaft der Linken wie gegen eine Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie aus- gesprochen. Die Volkspartei entnehme deshalb mich diesen Wahlen die sie bindende Verpsjsichtung, alle Kräfte daran zu setzen, um die Bildung einer von der Sozialdemokratie unab- hängigen Regierung in die Wege zu leiten. Allen dahin- gehenden Bemühungen habe sie jede nur mögliche Unter- stützung zu leihen. Sollten diese Versuch« dennoch ergebnislos bleiben, so wäre das Schicksal des Landes vom Willen der Wähler- schuft abhängig zu machen. Also Ablehnung der großen Koalition, gleichzeitig neues An- gebot an die Deutschnationnlen- und Nazis, die eben erst die Bürger- blockregierung gestürzt haben! Das sind di« Epigonen Strese- mann»! Schwache Vörfe. Die Frage des Reichsbankpräfidentcn beunruhigt die Börse nicht mehr sonderlich. Eine Unsicherheit herrscht aber wegen der absolut ungeklärten Derhältniss« im Reichstag. Empfindlichere Kursrückgänge gibt es nicht. Immerhin hat die groß« Unsicherheit in der politischen Lage verschiedene Kurse etwas schwächer werden lasten. Es kommt zu keinem richtigen Geschäft. Zwei(Schupos erschossen. Von Festgenommenen in Frankfurt a. M. und Königsberg. Der gestrige Sonntag hol in Preußen zwei Schupo- beamleu das Leben gekoste«. In Frankfur« a.Bl. und in Königsberg wurden die beiden Beamten bei der Ans- Übung ihres Dienstes hinterrücks von Leuten erschossen, deren Festnahme sie veranlaß« hallen. In Frankfurt a. M. war es der Oberwachrmeister Kern, der in früher Morgenstunde, als er«inen ohne Licht fahrenden Radfahrer anhielt, von diesem erschossen wurde. Der ent- kommene Täter wurde durch eine am Tatort aufgefundene Invaliden- karte als ein gewisser Herbert Schulte aus Leipzlg-Lindenau festgestellt, der nach Angabe der Leipziger Polizei ein trotz seiner Jugend schon sehr bekannter Einbrecher und Fahrrad diev ist. Der getötete Polizeibeamte hinterläßt Frau und zwei Kinder Jn Königsberg wallte der Oberwachtmerster Andres einen Passanten feststellen, der eine Scheibe zertrümmert hatte. Da der Passant keine Ausweispapiere hatte, mußte Andres ihn zur Schloßwache führen. Auf dem Wege dorthin schoß der Passant in dem dunklen Schloßporral plötzlich ohne jede vorherige Drohung dem Polizeioberrvachtmeister Andres aus einer Selbstladepistole eine K u g e l d u r ch d« n K o p f. so daß alsbald der Tod eintrat. Der Täter gab auf zwei andere ihn begleitende Beamte noch mehrere Schüsse ab, glücklicherweise ohne zu treffen. Cr wurde ebenso wie seine Begleiterin, die Tänzerin Ilse Rose, nach schwerem Wider- stand überwältigt und zur Schloßwache gebracht. Dort wurde er als Schauspieler Willibald Hennig, geboren am 27. Ja- nuar 1593 in Johannisbnrg, Ostpreußen, festgestellt. Bochum. 10. März.(Eigenbericht.) In H c r r i u g e n, das sich in der letzten Zeit zu einer kam- munistischen Hochburg entwickelt hat, kam es am Sonnabend während einer kommunistischen Belegschaftsoersammlung zu Ausschreitungen. Die Polizei, die die Straß« fr« machen wollt«, wurde mehrmals mit Steinwürfen empfangen. Als einer der Rödelsführer, der mit einem Tots«'äger gegen die Polizei- beamten vorging, verhaftet werden sollte, fielen Schüsse aus der Menge. Ein Beamter wurde durch zwei Schüsse schwer verletzt. Herr Arnold«echberg bittet uns mitzuteilen. Sah die Anfrage de»„Club d« Faubourn nicht an mehrere Personen, sondern an ihn allein gerichtet worden sei. Auch habe er in der Gelamtheil seiner Antworten, von denen nur zwei wiedergegeben worden seien. die Notwendigkeit der deutsch-iranzösischen Verständigung betont. Seine politischen Bemühungen seien erfolgreich gewesen, da der von chm miigetärigte kalipokt dem deutsch-kranzosischen Eisen- und Chpmiepakt zum Vorbild gedient habe. Das kommunistische Karussell. Oer 6. März im kommunistischen Urteil. Die Riesenpleite der kommunistischen Aktion vom 6. März wird in der rechtskommunistischen„Arbeiterpolitik" von August Thalheim er unbarmherzig ins rechte Licht gerückt. Thalheimer stellt fest:' .Der kläglichen Niederlage der Partei vom 1. Februar ist die nock, jammervollere des 6. März gefolgt. Man kann nicht einmal von einer Parteidemonstration reden. Ein charak- teristssches Beispiel. Zu einer Hauptkundgebung waren am Abend des 6. März im Zentrum Verlins mehrer« Bezirke aufgeboten. Zwischen Friedrichstroße und Belle-Alliance- Platz in Berlin demon- strierien der frühere Bezirk Neukölln, der 1. und 6. Bezirk. Die Demonstration zählte 150 Mann, die auf einer Strecke von etwa 130 Meter beisammenblieben und dann durch die Polizei- attacke auseinandergehauen wurden. Die genannten Parteibezirk« zählen rund 3000 Mann. Wo blieben diese 300»? Sie streik- t« n! S i c t a t e n n i ch t ni i t l Es demonstrierten die leitenden Instanzen und die Parteifunktionäre. Di« leitenden Instanzen markierten vielfach die unbeteil'gten Zuschauer oder flitzten im Autobus über dos Schlachtfeld. Kein einziger Berliner Großbetrieb streikte oder beteiligte sich in irgend erheblicher Zahl an der Demonstration." Die Siegesberichte der„Roten Fahne" tut Thalheimer kurz ab:„Es handelt sich um lügenhaste Phrasen, die schon rein mechanisch abgeleiert werden." Seine Kritik schließt mit Bitterkeit: „Das Neue ist höchstens dies, daß jetzt nicht einmal mehr die Parteimitglieder mitmachen. Aber das W« bleibt und verstärkt sich mit jeder großen Aktion: die Isolierung der Partei von der 2lrb�iterklasse, die Zlbwcndunz der Ar- beitermassen von der Partei. Wie oft soll die Probe auf den ultra- linken Unsinn noch wiederholt werden? Wenn es nach den Partei- instanzen geht, so wird das ins Aschgraue gehen. Noch dem 5. März der 1. Mai. nach dem 1. Mai ein neues Datum. ein neues Exerzitium. Ein wahres Karussell! Jedesmal Sieg und jedesmal muß wieder von vorn angefangen werden zu siegen." Die Kritik ist ucht.g. aber sie oerjchweigt, daß das Karussell von Moskau befohlen ist, und daß der Partei- kommunist fliegt, wenn er nicht pariert. Thalheimer hat gewagt, nicht zu parieren, und ist geflogen. Was Hilst also dem Kommunisten die schönste Kritik, wenn er sich nicht aus der Moskauer Sklaverei freimacht? Die Thalheimersche Kritik ist wahrhaftig in ihrer Darstellung der Dinge in Deutschland— sie ist unwahrhaftig, insofern sie noch die Illusion nähren will, als seien die Stalin und Genossen ver- nünftiger als Thälmann, Neumann u. Co.! Groener gegen Ritokai. Eine Erklärung über vie„Welt am Montag". Reichswehrinrnsster Groener hat an den Chefredakteur der „Welt am Montag", von G e r l a ch, nachstehendes Schreiben ge- richtet: „Sie haben in letzter Zeit in verschiedenen Artikeln über politische Strömungen in der Reichswehr, insonderheit über den entscheidenden Einfluß des Oberst a. D. Nicolai auf dies« Strö- mungen, berichtet. Dazu stelle ich folgendes fest: 1. In der Reichswehr gibt es kein« politischen Strömunger, sondern nur Gehorsam gegen die erlassenen Besehle. Sowc:t diese Befehle politischer Natur sind oder aus politischen Beschlüssen beruhen, gehen sie nur von miraus, und ich allein trage die politische Berantwortung dafür. 2. Ich kenne die augenblickliche Tätigkeit und Absichten des Oberst a. D. Nicolai nicht, müßte sie aber, wenn sie Ihren Be- hauptungen entspräche, ablehnen und dagegen«inschreiten. 3. Ich weiß nur, daß Oberst a. D. Nicolai nicht den ge- ringsten Einfluß aus mein« Entschlüsse hat. daß General von Schleicher den Oberst a. D. Nicolai fest Jahren weder gesehen noch gesprochen, noch irgendwelche Beziehungen zu chm hat und daß die Behauptung, Nicolai sei der Derbindungsmann zwischen der Reichswehr und Moskau völlig unsinnig ist. 4. Derartige Behauptungen, die wohl alle aus derselben Quelle siammen, müssen ebenso als Ausgeburt einer krankhasten Phantasie bezeichnet werden, wie die vor kurzer Zeit durch die Presse gebrachte Nachricht, die Reichswehr wolle auf Oberst a. D. Nicolais Be- treiben einen großen Kreuzzug gegen Sowjetrußland ins Leben rufen. Ich bedauere aufrichtig, daß ernsthafte Politiker oder Jour- nalisten«inen derartigen Unsinn verbreiten helfen." Der frühere preußische Eisenbahnminisier von Lreilcnbach ist kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres heute früh in Bückeburg gestorben. Haltlose Jugend. Oer lleberfall auf die Großmutter. Eine Sache, so übel, ixch man sie sich schlimmer kann, öenken kann. Em Fürsorgezögling erhall nach viermonatigem ?lus enthalt in der Anstalt am S. Januar d. I. Urlaub zu seinen Eltern. Er kehrt nicht zurück, treibt sich herum, lernt im Äaderve einen arbeitslosen jungen Menschen kennen, beide haben keinen Pfennig Geld, übernachten auf chausböden, und der Fünorgezög- ling, der schon früher einmal sein« Großmutter, die immer gut zu ihm war, um 400 Mark bestohlen hatte, kommt aus den Gedanken, sie zu überfallen und zu berauben. Der andere junge Mensch ist ohne weiteres damit einverstanden: die Großmutter soll mit einem Hammer ohne Stiel niedergeschlagen werden.„Wir wollten sie nur betäuben", sagten sie später. Am 8. Januar machen sie sich auf den Weg. Die Großmutter ist nicht zu.Haus«. Um K4 Uhr kommen sie wieder. Sie klingeln, erhalten Einlaß, der neue Freund stellt sich gleichsolls als Fürsorgezögling vor. Der Hammer, ein Psund schwer, ist, m Papier gewickelt, bereits in der Tasche des Freundes, dem Enkel kommen aber im letzten Augenblick Bedenken: er schreibt aus dem Rande einer Zeitung:„Bitte mach allein, ich kann nicht" und geht hinaus. Der Freund erhebt sich von, Stuhl, setzt sich auf«inen anderen, springt plötzlich auf die Groß- mutier zu. packt sie am Hals«, schlägt mit dem Hammer chr drei- mal aus den Kops, die alt« Frau schreit um Hilf«, der jung« Mensch wirft sie zu Boden, schlägt sie mit dem Kopf gegen die Dielen, sie umklammert seine Beine, bittet, ihr das Leben zu lassen, gibt ihm ihr Portemonnaie mit 5 Mark heraus, weist auf den Spind hin, wo er noch 13 Mark findet und, nachdem der Enkel die Türe geöffnet, um sich Paletot und Schal herausreichen zu lassen, ent- fernen sich beide, unter Mitnahm« zweier Armbanduhren. Am 24. Januar wurde der Enkel oerhastet, am 25. stellt« sich sein Kom- plice freiwillig. Nachdem dieser die Wahrheit gesagt, gab jener das Leugnen auf. Gestern standen beide— Arno H., 17jährig, und Paul D., 21 Jahr« alt— vor dem Schöffengericht Neukölln. Sic erzählten wie es war. Wie sie das hatten wn können, erfuhr man nicht, das interessierte auch nicht das Gericht. Aus Der- anlassung des Verteidigers Hörle man nur noch, daß Zlrno H. als Zehnjähriger ein« schwer« Gehirnerschütterung mit bleibenden Fol- gen davongetragen, daß Paul D., von Beruf Dreher, weder Mutter noch Bater gekannt— der letztere starb im Kriege— und zweimal wegen Diebstahls vorbestraft ist. Weiter nichts. Allerding» war ein Vertreter des Jugendamtes Neukölln anwesend. Er hatte auch Akten über beide Jungens bei sich, gab dem Richter Aufschluß über deren Vorstrafen, und in der Pause erfuhr man Verschiedenes über die beiden, was der Staatsanwalt vielleicht bereits bei Stellung seiner Strofantröge— 214 Jahre Gefängnis für Arno H., 4 Jahre Gefängnis für Paul D.— hätte wissen sollen. Auch«in psychiatri- sches Gutachten über die Folgen der Gehirnerschütterung befand sich bei den Akten. Das alles interessiert« aber, wie ge- sagt, dos Gericht nicht. Mit seinem Urteil war es bald fertig: 214 Jahr« Gefängnis für H.. 4 Jahre Gefängnis für D.— eine..ausreichende Sühne". Vielleicht war das Urteil richttg, dos Strasmaß gerechtfertigt, aber doch sagte man sich: Arno H. gehört eigentlich vor das Jugendgericht. Hätte auch dieses sich in keiner Weis« für die Persönlichlest des jungen Menschen interessiert und ist es nicht gewissermaßen ministerielle Dorschrist— von allem anderen, auch rsin menschlichen und pädagogischen, abgesehen—. in die tieferen Ursachen der Tat und ihrer Motiv« einzudringen? Das Schöfsengericht Neukölln unter dem Vorsitz des Landgerichts- direktors Guhrauer scheint das nicht für erforderlich zu halten. Die gleich« Schöfsenobteilüng hatte es eiliger mtt dem Aburteilen als das Schnellgericht in der Dircksenstraße. Selbst dort gehen die Richter, insbesondere, wenn es sich um jung« Menlchen handelt, m« h r auf die Persönlichkeit und die Motiv« der Tat ein, als vor dem Schöffengericht Neukölln unter Teilnahme von Laienrichtern! Was sind das für Laienrichter. Bauwirifchast und Vauforschung. Das Problem derWirtschafflichleit im Bau« und Wohnungs- wesen. In der Oossentkichfeit ist bisweilen der Eindruck entstanden, daß mst der Gründung von Forschungsgesellschaften. Untcrsuchungs- Instituten und Kommissionen de. Guten etwas zu viel getan wird. Dieser Eindruck rührt zum Teil daher, daß die Oeffentlichkest von der intensiven sttllen Arbeit, die in diesen Forschungsstellen geleistet wird, zu wenig erfährt. Die Jahrestagung der R e i ch s f o rf chu n g s g e se l l s cha ft für Wirtschafllichkest im Bau- und Wohnungswesen, deren Zweck es ist, die technischen und wirtfchastlichen Möglichkeiten von Ver- besserungen und Berbilligungen im Bau- und Wohnungswesen im Interesse der Bauwirtfchaft zu erforschen, bewies, daß von diesem Institut sehr ernste Arbeit geleistet wird. Professor Dr. St i edler wies in dem Hauptreferat daraus hin. daß die wichtigste Aufgabe der Reichssorschungsgesellschaft(RFG.) iei, Mittel und weg« zu finden, um den Wohnungsbau für Minderbemittelte zu verbilligen. In der Frage des Gesamt- ausmaßes von Wohnungen, sowie ihrer Raumeinteilung, ihrer Aus- staltung und Installation müsse die Bauforschung Oualitätsnormen schaffen. Derartig« Normen gibt es bisher noch nicht. Es handelt sich boi dieser Aufgabe darum, nicht nur irgendeine billige Wohnung zu schaffen, sondern den Wohntyp, der einem ganz bestimmten Typ von Menschen und ihren Bedürfnissen angepaßt ist, gleichzeitig muß dieser Wohniyp aber auch den wirtschaftlichen Möglichkeiten aus das engste angepaßt seilt. Vielleicht sei es falsch, die Wohmmgscintoilung in der Jetztzeit, die doch als eine Notzett im Wohnungsbau anzusprechen sei, so festzulegen, daß ganze Generationen an diese Einteilung gebunden seien. Die Reichsforschungsgesellschaft habe daher zu prüfen, ob es nicht richtiger fei, nur die Gesamtfläche der Wohnung festzulegen, nach chr die Hausstniktur zu bilden und diese zu be- stiiymen. Die innere� Austeilung der Wohnung solle man daher von der eigentlichen Struktur des Hauses ganz trennen. Für die Wahl der Hausform sind natürlich auch hygienische Gesichtspunkte von ausschlaggebender Bedeutung. Die Hausformen, bei denen in jedem Treppenpodest nur zwei Wohnungen liegen. lcheinm für Klemstwohmmgen nicht wirtschaftlich zu fein. Hierfür kommen west eher di« sogenanten Drei- und Vierspänner oder auch die Laubenganghäuser in Betracht. Auch die städtebauliche Srup- pierung der Hausformen sst eingehend untersucht worden. Die Hauszeilen haben die Vaublöcke verdrängt. Sie sind aber nur in jolchem Abstand von einander zulässig, daß kein Zimmer der Woh- nung ganz ohne direkt einfallendes Sonnenlicht bleibt. Sehr beachtliche Studien hat die RFG. auch in der Frage der Normung von Baustoffen und Bauweisen angestellt. Auf diesem Gebiet ist auch bereits von den Matertalprüfnngsämtern wichtig« Lorarb eir geleistet worden. Die Normungen aus diesen Gebieten werden zur Verbivigung des Bauwesens wesentlich beitrog«», Brecht-Weill:„Mahaaonny". Theaterskandal in Leipzig. Wieder sind die ersten Köpfe der deutschen Opernwelt im Neuen Theater in Leipzig versammelt, in dem schon traditionellen Uranfführungstheater der modernen Oper. Hat es gelohnt? Der Abend klingt in einem wüsten Skandal aus. Dir Stimmung des Hauses, mit bösem Widerspruch geladen von Anfang an, explodiert im dritten?lst, als die zunächst unklar gebliebene Tendenz geradewegs in eine drohende Gebärde wider d!« bürgerlich- kapitalistische Gesellschaft zu münden scheint, deren Vertreter P-irkett und Logen füllen. Zum Schluß, und schon in die letzten Szenen hinein, gibt's zornige Psui-Ruse, reihenweis flüchtende Damen und Herren, ein Orchester von Hausschlüsseln. Aber dem wütendsten Proteststurm, der hier wohl je erlebt worden, trotzt die Majorität der Begeisterten und der in Justament-Begeisterung Ausgereizlen, die immer wieder die Autoren vor den Vorhang und schließlich noch vor den eisernen Vorhang rufen: den Musiker Kurt Weill, den Dichter Bert Brecht, den Maler und Bißigestalter Caspar N eher: mit ihnen den Operndirektoi Gustav Brecher, der am künstlerischen Ereignis der Aufführung entscheidendsten und»er- dienstvollsten Anteil hat, den Regisseur und all« Darsteller. Wofür der Einsatz— und woher die Entrüstung? „Aufstieg und Fall der Stadt Mohagonny", so heißt, ein bißchen umständlich, diese Oper, die keine ist, und so ist der Borgang:«in paar Spekulanten, als Verbrecher steckbrieflich verfolgt, gründen«Ine Stadt: aus Verzweiflung und ans nichts. Eine Paradiesstadt stll es werden, eine Freudenstadl irgendwo in Amerika für das Volk der Goldgräber. Für die Idee einer Freiheit. di« darin besteht, daß alles erlaubt ist— für die Realisierung dieser Idee sollen sie ihr Geld lassen. Es gibt nur e i n Verbrechen: kein Geld haben: dos Genossene nicht bezahlen können. Der Holzfäller Johann Ackermann, der als erster das Real der neuen Glückseligkeit verkündet hat, macht sich dieses todeswürdigen Verbrechens schuldig. Seine Hinrichtung wird zum Signal für allgemeine Demonstrationen gegen die schamlosest« Teuerung: als kapitalistische Nepp- Unternehmung bricht die Stadt der Freuden zusammen. Sollt« gezeigt werden, wie jede Idee, wenn Menschen sich ihrer bemächtigen, verfälscht und verdorben wird? Aber eine klare und reine Idee hat dem Dichter hier wohl von vornherein gefehlt, wie es ihr, soweit sie vorhanden, an klarer und enlschlossener Gestaltung fehlt. Brecht tritt nicht als Kämpfer aus in diesem frech hin- geworfenen Stück, sein« Hattung ist bemußt provozierend in ihrer imentsten Saloppheit, und aus diesem Ineinander von ethisch kchnpferischer Herausforderung und einer an Zynismus grenzenden Verantwortungslosigkeit erklärt sich ein wenig die zwiespältige Wirkung. Der brave Bürger glaubt, es handelte sich um frivole Unterhaltung und merkt nur langsam, oder er merkt überhaupt nicht, wie sich in seine Entrüstung ohnmächtige Empörung mischt: schließlich hat er es hinnehmen müssen, daß ihm die Heiligtümer seiner Welt und Weltanschauung, ehe er sichs versah, mit grimmigem Hohn vor die Füße geworfen werden. Es ist viel neu und neuartig in dwsenc Werk, das als Konrödu beginnt, im zweiten Akt skrupellos in rohen Theatsrulk ausartet und sich zum Schluß ins Ze! satirische. Anklägerische erhebt. Neu und neuartig ist der Weg, den der Komponist Kurt Weill ein schlägt: dieser Versuch, die Formen und Begriile d--s Musiktheaters. wie er es, auch hier gemeinsam mit Bert Brkcht, in der„Drei- groschenoper" geschassen, auf der Opernbühne anzusiedeln. Song und Jazz, um es in Schlagworten zu sagen, sind die Elemente seiner Musik. Aber diese Formen und Begriffe sind so durchaus von per- jönlichem Stilwillen bestimntt, diese Musik ist so persönlich lebendig, daß der vorgestrige Modename..Jazz" in der Tat darauf nicht mehr anwendbar ist: und wie hier der volksttimlich-baladeske Typ des Kurt-Weill-Songs weitergebildet, in breitere Formen übergeführt wird, das eröffnet dem Musiker neue Perspektiven. Für die Oper? Im Operntheatcr nicht nur, auch im Opernpublikum würde die Stadt Mahagonny es schwer haben, sich durchzusetzen. Aber man wird das Werk in Berlin hören müssen. Klaus JPringsIieini. Gerhart Smptmann:„Das Zriedensfest." Gchittertheater. 1890 wurde das Friedensfest zum erstenmal als Versuchsstück der„Freien Bühn«" aufgeführt. Gerhort Hauptmanns Protektoren rechneten damals nur mit der Neugierde einer Neincn literarischen Revoluttonegruppe. Die Sitte, mit Hausschlüsseln und Kinder- trompeten den Kampf um Sieg oder Niederlage des Naturalismus zu entscheiden, war noch nicht ausgestorben. Doch schon anderthalb Jahrzehnte später galt„Das Friedensfest" als unantastbares Werk einer Epoche, die wenigstens auf dem Gebiet des Dichterischen jegliche Revolution der Söhne gegen die Eltern und deren Stellvertreter, die Erzieher, gestattete. Ja, dieser Ausstand der Jugend gegen das Aller war zum Hauptthema der jüngsten Dramatik ge- worden Si« hoben alle, wie der junge Gerhart Hauptmann, am Baterhaus gerüttelt und den Weg für den Nachwuchs ausroden wollen. Hauptmann führt den Krieg nur gerechter, wenn man will, liebevoller. Zwei Söhn« und ein« Tochter wollen immer wieder das Friedensfest mit dem Voter begehen, jedesmal aber scheitert der Versuch. Warum eigentlich? Aus Ursachen, di« stärker als der Mensch sind, aus Schicksalsverwirrungen, die ungeheuerlicher sind al» die Natur. Aus theologischen Gründen: Gott war schlecht ge- launt, als er beschloß, die Erde zu bevölkern und den Menschen Paarung und Zeugung zu gebieten. So tief schloß sich Gerhart Hauptmann, der 1890 als Nattiralist und stupider Atheist gelästerte Dichter, in religiöse Rem ein. Heut« spüren wir diesen Mysti- zisrnus viel deutlicher, als es in der Geburtsstunde dieser erneuerten Schicksalsdramatik möglich war. Der Wirklichkeit nachgeahmt wurde das Requisit des Dramas. Die Sprechwerife der Personen, die Art, sich zu geben, ihr vorstädtisches Berlinern, das alles wurde dem Leben abgelauscht. Das Schicksalsdrama des jungen Hauptmann, der in seinem bis zum Aberglauben gesteigerten Glauben an die Unzulänglichkeit der Familie dem früh pessimistisch vergreisten August Strindberg ver- wandt ist, muß ganz behutsam und psychologisch dargestellt werden. Voter, Mutter, Söhne, Tochter, si« müssen alle unter einer Qual leiden, die aus dem Unbewußtm zum Innersten hinausdrängt. Um- herwondeln dürfen sie nur wie Marionetten des Schicksals. Gedrückt und dumpf müssen sie bleiben, sogar psychiatrisch überlastet. Der Regisseur Richard W e i ch e r t vergißt das vollkommen. Er sieht nicht das dunkle Seelendrama, er will nur«ine spannende Handlung grell beleuchten. Er will nur di« äußerlich abgerackert« Mutter, nur die äußerlich vertrocknete Tochter, nur die äußerlich verhärteten Söhne nur den kurios vertrockneten Haustyrannen in seiner pittoresken Fassade zeigen. Auf diese Macke kommt es dem Re° gisseur Mehr an als auf das inner« Spiel. Cr kalkuliert auf Film-- essekt, nicht auf Herzenswirtung. Der Regisseur dichtet das sehr' komplizierte Schicksalsdrama in ein Dolksstück um. Nuancen will «r weder sehen noch hören. Brahms und Reinhardt spielten das Stück schwer psychologisch. Weichert läßt es wie«ine Art Propagandastück für moralisierende Rotfrontjugend aufführen. So kommen alle zu kurz, die Alten und di« Jungen. Hätte Weichert nicht Propaganda treiben wollen, so würde er Frau Wongel bestimmt haben, weniger eine verbitterte Schlampe und mehr eine versorgte Mutter zu spielen. Weichert denkt an Typen wie George Grosz und Zille, wenn er diese dramatische Hauptfigur schafft, und auch Frau Mangel vergißt ganz und gar Gerhart Haupt- mann. Auch Heinrich Georg« darf sich mit Billigung des Regisseurs mehr auf den gichtbriichigen, gliedersteifen, lallenden Landstreicher als auf den'vergrämten Voter kaprizieren. Dabei zeichnet der Dichter diesen Mann als einen grübelnden, iveichen. ringenden Sonderling und Gottsucher, nicht nur als einen oertrachten Polterer. G« n s ch o w spielt noch einmal, was er schon gespielt hat, den Rebellen im Erziehungshaus, wie Lompel ihn sieht. Cr spielt aber nicht den von Musik durchwühlten Künstler, den Hauptmann sah und in dem er sich sogar selbstoerräterisch spiegelie. M ü t h e l und Fräulein Koppenhöser fügen sich allzu bereitwillig diesem auf das ganz Eindeutige hinzielenden, diesem das Vieldeutige vermeiden» den Stil. Frau Lossen entsteht sich ihrem Regisseur, indem sie mit verseinerten Mitteln die Fassungslosigkeit der enttäuschten Seclenvetteri» charakterisiert. Doch Adele T r e u tz n a ch greift wiederum als Friedensstiiterin nur nach den gröberen, sentimentalen Tönen. Max HoeJidorf. Konzert der Volksbühne. Das achte Konzert der Volksbühne bestritt Artur Schnabel, der langjährige Stcuninkunstler des Derein. Neben allbekannten Sonaten von Mozart und Beethoven brachte er die sehr selten gespielte„Posthume C-Moll-Sonate" von Schubert, die an sich«in Ereignis war. Sie Ist ein richtiger Außenseiter, herb, verschlossen, bis auf einige Abschnitte im Schlußsatz streng becthooenisch konzentriert, auch ohne die„Himmlische Länge", sicher in der Nähe seiner„Winterreise" entstanden, nebenbei überraschend modern. Die Interpretation aller drei Sonaten war hervorragend. Was an Schnabels Spiel Im allgemeinen besonders hervorzuheben wäre, ist vor allem sein ganz wunderbares Fingerfpiel. eine Zurechtweisung so mancher flngerfeiMichen Buchtheorien, und sein unvergleichlicher Pedalgebrauch.(Ein Beispiel für alle jungen Pianisten!) Dazu kommt das ideale Gleichmaß aller künstlerischen Faktoren, das ihn sehr zu Unrecht manchmal in den Verdacht kühler Sachlichkeit bringt. Im Gegenteil ist er einer der wenigen Großen, bei denen man nie eine Passage oder Verzierung hört, ohne daß sie in den Dienst des intensivsten Ausdrucks gestellt wäre.'Nur wo er, wie in der kleinen ?.Dur. Sonate von Mozart, fast rein spielerisch wirken will, läßt er mtt sich reden. Der gestrenge Schubert war ihm offenbar be- sonders an« Herz gewachsen. Diese Innerlichkett bei aller Grazie, diese Leidenschaft bei aller Askese wird wenigen zu Gebot« stehen, da ja gerade die vorbildlichen Schubertspieler an den fünf Fingern abzuzählen sind. Das gewaltige Schlußwert aber, die groß« L-Dur- Sonate„Für das Hammerklavier" von Beelhoven, war ein Abschiedskonzert vor seiner Amerika-Reis«. das nKh lange nach- hallen wird. Welche himmlische Versunkenheit im langsamen, welche unvergleichliche Fuge im letzten Satz! Das war die grandioseste. pianistische und musikalische Leistung seit Rhren. 11. M. Ctne Schauspieler llachlnostleUvvg von„Der Lügner und die Nonne' mit Curt Götz und der Rrem-erenbentzung ünbet Vo»M«sta>l, ll*i« tot KsmödittchauA statt. Oie Zukunft des Oeuifchen Wörterbuchs Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm, seit Rhrzehnten ein Schmerzenskind unserer Wissenschasi, ist mit den 14 Bänden und vielen einzelnen Lieserungen, die bisher vorliegen, nach etwa 40 Rhr« von der Nollendung entfernt. Bei der letzten Reorzcmi- sation des Wörterbuches, 1908, wurde eine Zentral fammelstell« in Göttingen geschaffen. Die Schwierigkeiten der letzten Zeit haben eine Neuordnung notwendig gemacht: Proi. Arthur Hübner hat durch ein« Denkschrift die Wege dafür gewiesen. Eine Arbeitsstelle in Berlin, vorläufig in der Zlkademie, ist geschaffen worden, die die Lücken ouesüllen läßt. Eine Anzahl von Germanisten wurden gewonnen, die nach der bisherigen nebenamtlichen Arbeitsweise nie die Bearbeitung eines größeren Abschnittes hätten bewältigen können. Die Zahl der freien Mitarbeiter wird verstärkt. Wie der Archivar der Deutschen Konmussion, Pros. Fritz Bchrend, in den „Forschungen und Forffchritten" mitteilt, sind die erforderlichen großen Mittel für das nächste Rhr sichergestellt worden. Belm Hundertjahrtag des Wörterbuche»(die Vorrede des ersten Bandes wurde erst 1854 unterzeichnet, nachdem bald nach 1837 der Plan aufgetaucht war) wird der Abschluß de» ganzen in greisbar.' Näh« gerückt sein: und dann wird es auch an der Zeit s«ln. die schon veralteten Bände durch neu« zu«setzen. Anton Wildgau» Lurgtheokerdirektor. Anton Wildgan» wird am 1. Juli die Leitung des Burgthcater» übernehmen. Sein« bereit» wiederholt gemeldete und ebenso oft dementierte Berufung ist also zur Tatsache geworden, und da» Burgtheater Hot wieder einen Dichter zum Direktor—'wie einst in Laul'« und Wilbrandt. Zanning» in Meo. Die Zugvögel de» Film», di- seil Einjud'.mig de« Tonfilms Hollmvood Wieb er verioisen haben, find in ihr» Slummsitze zurück- gelehrt! Zum Teil tcbr.m si- auch zum Thealer zurück ömll Janning». der zurzeit in Wien filmt, wurde dort so Mtrmisch emfihangen, dech er zw »ächfi nicht proben konnte. Risiko der" Die Rentabilität der Ll-Bahn. Von Vr.-Ing. W. Majerczik, Vorstandsmitglied der BVG. Ende vorigen Jahres wurden gewisse finanzielle Verlegenheiten Berlins offenbar. Es waren schwebende Schulden entstanden, die zwar keineswegs eine übertriebene Höhe erreicht halten, die aber im Augenblick unbequem geworden waren. Ein Teil der schweben- den Schulden war für den Bau neuer Untergrundbahn- linien aufgenommen worden. Bekanntlich kam feit den Jahren 1926/1927, was ein wesentliches Verdien st unserer Stadt- v e r o r d n e t e n f r a k t i o n ist, der Ausbau des U-Bahnnetz«s in sin lebhafteres Tempo als dies früher der Fall war. Ende 1928, also vor Begründung der BVG., besaß die U-Bahn eine Strecken- länge von rund SS Kilometern, Ende 1939 wird die Gesamtlänge des Netzes auf rund 89 Kilometer gestiegen sein Natürlich er- forderten diese umfangreichen Bauten große Kapitalien. Man kann die Anlagekosten der U-Bahnlini«n, die in den letzten Jahren fertiggestellt wurden bzw. noch in Ausführung begriffen sind, auf insgesamt etwa 3S9 Millionen Mark ver- anschlagen. Im Zusammenhang mit der eingangs erwähnten finanziellen Verlegenheit der Stadt ist in der Oeffentlichkoit vielfach die Frag« erörtert worden, wie es denn mit der Rentabilität der U-Bahn bestellt sei. Ohne mit dem schweren Apparat einer um» stündlichen Ertragsberechnung anzurücken, kann man durch die folgenden einfachen Ueberlegungen einen ungefähren Einblick in die Sachlage gewinnen. Im Jahre 1929 wurden 277,3 Millionen Personen auf der U-Bahn befördert. In dieser Zahl sind nicht bloß alle Fahrgäste(Erwachsen« und Schüler) eingeschlossen, die die Reise auf der U-Dahn angetreten haben, sondern es find auch alle diejenigen mitgezählt, die auf Grund eines Uinsteigefahrfcheins von der Straßenbahn, dem Omnibus und der Reichsbahn(Stadt-, Ring- und Vorortbahnen) zugekommen find. Auch di« Fahrten auf Monatskarten sind schätzungsweise(nach Zählungen) mitgerechnet. Die Gesamtzahl von 277,3 Millionen Fahrgästen auf die gesamte Streckenlänge gleichmäßig verteilt, er- gibt im Jahre 1929 auf jeden Kilometer Str-eckenlänge eine Verkehrsleistung von durchschnittlich rund 5 Millionen Personen. Dieser Wert ist in der folgenden Rechnung beibehalten worden, obgleich mit Beginn des Jahres 1939 ein gewisser, hoffentlich nur vorübergehender Derkchrsrückgang ein- getreten ist. Die A n l a g« k o st e n für einen Kilometer Untergrundbahn be- tragen nach dem heutigen Preisstand« etwa 12 Millionen Mark. Auch diese Zahl ist ein durchschnittlicher Wert aus teils teueren, teils billigeren Streckenteilen. Der Preis von 12 Millionen Mark umfaßt die vollständige betriebsfertige Herstellung der Tunnels und Bahnhöfe mit allem Zubehör, als da sind Gleiskörper, rollendes Material, Abstellgleise usw. Dividiert man das Anlage- kapital von 12 Millionen Mark durch 5 Millionen Personen, so erhält man das auf einen Fahrgast entfallende An- lagekapital zu 2,49 M. Die Untersuchung der Rentabilität spitzt sich jetzt auf die Frag« zu: Wieviel bringt der einzeln« Fahr gast der Bahn an Einnahmen? an Ausgaben? Wieviel tostet eine Beförderung was bringt der Einzelfahrgast an Einnahmen? Die Einnahme, die der einzelne Fahrgast erbrachte, war im Jahre 19 29 für die U-Bahn anteilig rund 13 Pf. Die Ein- nähme ist anteilig genannt, weil sie den Ueberfteigevertehr hin und her zwischen U-Bahn einerseits, Straßenbahn, Omnibus und Reichs- bahn andererseits mit berücksichtigt. Auch der verminderte Preis de£ Schülerfahrschoin« und der Monatskarten ist in die anteilige Einnahme eingerechnet. Zu Beginn des Jahres 1939 ist bekanntlich der Preis des Umsteigefahrscheins der BVG. von 29 auf 2S Pf. er- höht worden, auch di« Preise der Rtonatskarten wurden erhöht. Für 19 39 ist nach den bisherigen Erfahrungen der Monate Januar und Februar mit einer anteiligen Einnahme der U.Bahn von etwa 17,6 Pf. je Fahrgast zu rechnen. Soweit die Einnahmen. Was kostet der einzelne Fahrgast? Nun zu den Ausgaben. Diese bestehen erstens in dem K a p i t a l d i e n st, d. i. die Verzinsung und Tilgung des Anlage- kapital?, und zweitens in den Betriebskosten, das sind die eigentlichen Ausgaben für die Beförderung, also die Ausgaben für Gehälter, Löhne, elektrischen Strom, Unterhaltung, Erneuerung usw. Die Verzinsung und Tilgung zusammen sind bei der heutigen Lage des Kapitalmarktes mit etwa 9 Proz. anzusetzen. 9 Proz. von 2,49 M. ergeben 21,6 Pf. Kapitaldienst je Fahr- gast. An B e t r i e b s k o st e n sind bei dem heutigen Stande der Preise und bei einer Verkehrsleistung von 5 Millionen Personen je Streckenkilometer rund 13 Pf. für den Fahrgast zu rechnen. Man kann somit folgende Gewinn- und Verlust- rechnung aufmachen: Einnahmen je Fahrgast 17,6 Pf. Ausgaben je Fahrgast: Kapitaldienst. Betriebskosten 21.6 Pf. 13.9„ zusammen 34,6 Z u s ch u ß je Fahrgast 17,9 Pf Di« Rechnung ergibt demnach— immer unter der Voraus» fetzung einer jährliche» Verkehrsleistung von durchschnittlich 5 Mil-- lionen Personen je Streckenkilometer—, daß für jeden auf der U-Bahn beförderten Fahrgast heute ein Zuschuß von rund 17 Pf. zu leisten ist. Für das ganze Kilometer Streckenlänge bedeutet das eineii Zuschuß von jährlich 8ö9 999 M. oder für ein« Linie, wie z. B. Gesundbrunnen— Neukölln, die rund 19 Kilometer lang ist, einen jährlichen Zuschuß von etwa 8,6 Millionen Mark. Uebrigens ersieht man aus der obigen kleinen Gewinn- und Verlustrechnung gleich, worauf die Notwendigkeit der Zuschuß- leistung zurückzuführen ist. Die Betriebskosten von 13 Pf. allein kann die U-Bahn aus der Einnahme von 17,6 Pf. durchaus decken. Sie kann über die Betriebskosten hinaus noch 4,6 Pf. je Fahrgast als Beitrog zu dem Kapttaldienst leisten. Sie kann aber den rest- lichen Kapttaldienst von 17 Pf. je Fohrgast nicht mehr erwirtschaften. In Kapitalprozenten ausgedrückt heißt das: Die ll-vahn kann ihr Anlagekapital aus eigener Kraft nur zu etwa 2 Proz. verzinsen. Die restlichen 7 Proz. des Kapitaldienste» müssen von anderer Seite her gezahlt werden.'Wer aber soll diese andere Sett« sein? A vahnen flnd notwendig für den ZNassenverkehr. Der Gedanke ist naheliegend, die Ueberschüss« des Ober« flächenverkehrs, d. h. der Straßenbahn und des Omnibusses. zur Deckung des Fehlbetrages bei der U-Bahn mtt heranzuziehen. Aber ein derartiger Ausweg wäre nur sine Zwischenlösung. Straßenbahn und Omnibus haben in Berlin noch so große Auf- gaben zu erfüllen, daß diesen Betriebsteilen ihre Finanzkraft für ihre eigenen Zwecke gesichert bleiben muß. Wenn aber die U-Bahn aus den Erträgnissen des Oberflächsnverkehrs nichts beziehen soll, so bleibt als letzte Möglichkett nur noch übrig, die Zuschußleistungon an di« U-Bahn auf di« allgemein« Stadtverwaltung zä überwälzen. Diese Lösung hat nichts Befremdliches an sich, sie ist sogar das einzig natürliche Verfahren. U-Bahnen find unterirdisch« Straßen, die not- w e n d i ge r w e t s e zur Bewältigung des Massen« Verkehrs der Weltstadt gebaut werden müssen. Ebensowenig wie inan der Straßenbahn oder dem Omnibus zLv mittet, di« von ihnen befahrenen Straßen aus eigenen Mitteln her» zustellen und zu verzinsen, ebensowenig kann man di« Schnellbahn mit dem Kapitaldienst für ihre unterirdische Straße belasten, zumal dies« Straße sehr viel kostspieliger ist als die Oberflächenstraße. In anderen Städten ist man auf Grund derselben Sachlage zu ganz ähnlichen Schlußfolgerungen gekommen. In P a r i s z. B. werden die U-Bahnen auf Kosten der Stadtverwaltung gebaut. Die Panser Untergrundbahn-Gesellschost erstellt und be- treibt aus eigenen Mitteln nur die Bahnanlage im engeren Sinne des Wortes, also den Gleiskörper, das rollende Material, die Strom- zufllhrungseinrichwngen usw. Auch in Berlin wird man schließlich zu einer den wirklichen Tatsachen entsprechenden Lösung der U-Bahn- Finanzierung kommen müssen. Das erfordert das Interesse unseres gesamten oberirdischen wie unterirdischen Verkehr». Außerordentliche Sladtverordnetensißuag Dienstag. 11. März 1939. Beginn der Beratungen um 18 Uhr. Berliner Schulpolitik. Die Deutsche Hochschule für Politik, Schinkelplatz 6, veranstattet im Rahmen ihres Staats- bürgerkundlichen Seminars am Montag, 19. März, 19 Uhr, einen schulpolitischen Vortragsabend. Es sprechen Stadt- schulrat Nydahl über„Groß-Berliner Schulpolitik', Magistrats- oberschulrat Heyn über„Berlin und seine höher« Schule". Magistratsschulrat Dr. Kalischer über„Die Neugestaltung der Berliner Lehrersortbildung". Gastkarten im Sekretariat der Hoch- schule. Zwei Erfindungen, zwölf Berufe und ihre Arbeiterschaft lautet das Thema des Rundfunkoortrages, den der Genosse Wilhelm Landa vom Verbände der Lithographen, Steindrucker und ver- wandte Berufe am Dienstag, dem 11. März, um 19 Uhr hallen wird. Racht-wohltätigkeitsvorstellung der Internationalen Artisten- löge. Zugunsten der Wohllätigkeitsfonds der Internationalen Artistenloge findet am Sonnabend, dem 16. März 1939,: m Wintergarten«ine Nachtvorstellung statt, in der«in großes internationales Barietöprogramm geboten wird. Die Vorstellung beginnt um 2314 Uhr. Alle Eintrittskarten sind numeriert und im Vorverkauf im Büro der Internationalen Artisten- löge, Berlin NW. 7, Friedrichstr. 74s(gegenüber dem Central-Hotel) erhälllich. Wetter für Berlin: Kühler, veränderliche, anfangs noch stärkere Bewölkung mit etwas Regen. Für Deutschland: Im Westen ver- änderlich, im Osten Wetterverschlechterung, allgemein kühler. Ncrannvor».'lir die Redaktion!«olioan«»qw-r,. Sertin: Anzeigen! Th.«loa«. Berlin. Berlaa: Lorwiirt, V-rlaa G. in l>£>..»erliit. Druck: Lorwarl» Bud). druckerel und LerlagoanNalt Paul Sinacr& Co. Berlin£3B 68. 8;n$cn[tca6e 3. Sier,» 1 Beiloge. Theater, Lichtspiele usw. scam Tagt. 5 u.S'l, Uhr. U 5«lud. B23B Pr. 1-6 M Wochentg. 5 U. 50 Pf.-3 M. Q astspiel Erich Carow ii nil weller; 9 Iniernallon. Mira!» onen lägt. S u. 81t sanol. 2.5 u 8" A ex. E 4. 80« INTERNAT. VARIETE Reichshallen-Theater Abends CD sonn aq nadun.U] SfeiUner-Sänaer Das berrliche März-Progranun Nadimltlaos halbe Preise! DÖnho*f-Brettl; Das Famlllexi-Varfete. Winter ★ Cjairen* 8.15 Ol» icmi. 2819 Bauflien erlaubt Coldin mit neuen Illiulonen.| Togo du Hnndewnnder nnd weitere Neuheiten 8 Uhr Amnestie jspiel v. Carl Finkeinbmg : 88019. Sink « Uhi BoubouroöiR George Danuln Staatsoper 8 Uhr Hoiibnder Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8<'>U. Ha Iii Bulla Sdinok nD twiU and Bad Lustspielbaus Friedrichsir. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 8'(i Uhr Liebe auf den zweiten Blick Trianoo-Tiieaie le iung: Dir. irnlm Qeorgenstr. 9 Täglich S'Jt Uhr Am Ende der Welt Preise I, 2, 3, 4 M. Sonntag 3 ü Dornröschen 5 Uhr Gespenster WM IbeatN 9 2 Weidendanun 5201 Tägl. SV. Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg.; Max Reinhardi Barnowsky-BöhneD Theater in der Küniggritzer 8 trade Täglich 8>U Uhr Professor Bernhard! von Arthur Scbnitzler Regie: Victor Baraowsky Komödienhaus Täglich 8Vj Uhr Der LOgner und die Könne von CUPt OOtZ Kammerspiele D 2 Weiiendamm 5201 8 Uhr Bnti mm litztn Mals Der Kandidat von Carl Sternheini Rigii; Hin BiioridL Morgen 71» Uhr zum ersten Mal Die liebe Feindin Rontfdie von A. P. Antoini Regie: Gustaf Gründgens Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8.10 Uhr madame hat Ausgang Erika von Teilmann Paul HArblecr Hermann ScirauluO Lvorskl, Braut Die Komödie J1 Bismck.2414/7516 7i/a Uhr inm ersten Mal Die lirealnr Sdunpltl von Fird. Eruikner Segle:«nx Seliininoi »uniuniii n Oskni biraad. Helene ililnilg, Lucle Hülllui. Dodali torsier, Toni v. Kvdt.(.tHlsttane liranto 1 Operettentiaus Alte Jakobstr..50/32 (Zentral- Theater) Täglich Si/s Uhr nie Fledermaus mit Uustav Maiznei Preise I, 2, 3 M Sonntag'�3 Uhr Sdmeewittdhen 5 Uhr Friederiks Direktion Dr. Robert Klein Deulsehes Rflnsller-Theal Barbarossa 3937 SV« Uhr „Eins, iwei, drei" von Franz Molnai mit Hai Palleaberg. Vorher: Souper Berliner Tlieater Dönhoff 170 Täglich>>/, Uht Die Straße mit Ulbert Bassenaaon. Regie Heinz Rüper. Lessing-Theater «lidndimni 2797 5.0846 Täglich 8 Uhr Affäre oreyfus von Rehfisch und Herzog Theater 1 Westens Täglich SV, Uhr- Höfel Sfadf Lemberg Musik von Cilberl Lorl Lenx Leo SchfiUendorr Metropol-Th. »>/. Uhr Das Land des Lächelns Vera Scfawarx, Richard Tauber Musik von Franz Leh ä r Tasat l. Koitt.Toi Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr auchSonnt. nachm. 39. Elite- SSnger. 8 Tiiimnle nldHx.flbeiiileiena. Itiarz-Prooraraml Planetarlnm ■— am Zoo--- Vnläg;. Joiitiimdlii ir ,tiiB B. 5 Barbarossa 5578 16 bis 19 Uhr Licht- bild.-rausstellu? 19bis 191/3 Uhr Der j Abendtiimmel äO'/i Uhr Das Wellall im Lichtbild. CASINO-THEATER cotbriniter S trabe J7 Wieder ein neuer Schlager Der wahre Jakob Stflrumcher Helfer fr elti-Erf olg Dazu ein erslkl. bunte» Programm' Gtiiscnein ür l— 4 P e i s o n- n Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M.. sonstige Preise Pikett u. Rang 0.80 M 22,5x3 �Orxrgü? Dienatat. dem 11. Min, 8 Uhr Fest- Vorstellung RE6tEi CHARELL Brofles Schauspielhaus kraule Stose täglich 8.15(Sonntag 5.15 und abends 9 Uhr, als Die goldne Meisterin Große Aussta tungs-Operette mit der Musik von Edmund Eysler im Rose-Tri eater Große Frankfurter Straße 13, Billeltkasse. Alex. 3422 und 3494 Jeden Sonnabend 11.40 Nacht-, Vorstellung: Der ni'er*tle.| Nächsten Sonnabend 5 Uhr u.| Sonntag 2 30 Uhr �dmcosielSdie nnd Rosenroi Vomriutf ab Montaj tljliih»m U-t Uhr und van 4-9 Uhr abends. 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In chren schwarzen Schläuchen tobt der eingeschlossne Dampf, toll mit sich selber in Gekeuch und Kampf, genau wie wir, und ist doch schließlich ausgeliefert unbarmherzig den Maschinen. Für uns Proleten gilt der Glanz des Frühkings nicht, uns halten immer noch die Winterkönige in Pflicht. Uns küßt kein Atemhauch aus Märzenmurck». sempören. Kein Wirbelwind von draußen kann uns hier drinnen treffen und Nein, was wir durch die Abfperrmauern unfrer Kerker brausen hören, das ist kern Frühkingssturm, das fft nur Stahlgeheul der Untergrund. Der tausendfache Arbeitslärm, schlägt es in Fetzen und verzerrt's. Und dennoch atmen unfr« Lungen tief und alle Adern spüren: draußen ist es März! La, draußen ist es März, und draußen unaufhaltsam zerfällt das Alte und Gewefne, quillt ein neues drängend Werde. Da, wo das Neu« zu beengt ist, sprengt's gewaltsam mit Keim und Knospenwucht-den Schoß der Erde! Myriadenfach entklettert es den aufgebrochnen Schollen. Myriadenfach erneut das Sein sich. Warum sollen gerade wir in Grust und Grub« bleiben, statt saftgedrungen neuen Blust und neuen Trieb zu treiben, statt willensmächtig uns ins Sommerland zu retten? Warum denn nur? Warum? Warum? Auf diese Fragen bleibt das Herz nicht stumm. Zerbrecht, Gefesselte, die bösen Winterketten! Bald könnt ihr euch in Frühlingsblumen betten! Die Aenderung der Well wird ungeheuer! Schon wühll im Blut das Sonnenfeuer! Nur wenige Wochen nur, dann blüht es allerwärts! Drum, rotes Herz, sprüh auf! Spür:' draußen ist es März! ALEXANDER VON SAfCHER-MAfOCH: EIN PAAR SCHUHE Heute sah ich im Schaufenster eines Trödlers«in Paar kleine Mädchenschuhe,«tft, verstaubt und schiefgetreten. Ein Paar sehr klein« Schuhe. Hier, in einem Laden der großen Stadt, die ich so gut kenne und die ein großes und gefährliches Raubtier ist. Dies« Schuhe könnten eine Geschichte haben. Zimm««in Licht angezündet. Kleider, Wäsche, hastig abgestreift, fallen achtlos über«inen Stuhl. Dann wird es dunkel. Ein Paar kleine Schuhe stehen allein in der pulsenden Dunkelheit und ruhen sich aus. ---- Treppauf, treppab,— durch die Straßen, über das Herbsttaub, durch den Schnee. Diese Lebensweise ist nichts für Schuh«. Erst recht, wenn sie so zart und klein sind wie Puppen- stiesel. Man wird nicht alt dabei. Treppauf, treppab. Der Morgen kommt brüllend in der großen Stadt, brüllend, polternd und krachend. Wie Kanonendonner einer Schlacht. Ein kurzer, todestteser Schlaf wird erbarmungslos abgebrochen und diese kleinen, heldenhaften Schuhe sind bereits unterwegs. Und die Stadt brüllt, stinkt und faucht. Di« Betriebe arbeiten. „Schreiben Sie, Fräulein!" befiehlt die Stimme aus dem Klub- seffel. Und in ein gequältes, müdes Menschengehirn springt, oll« Geräusche der Stadt übertäubend und krönend, das Hämmern der Schreibmaschine, di« Melodie der Kn«cht«. Ein Paar klein«, schiefgetretene, tapfere Schuhe im Schau- fenster. Ihr seid so verbraucht, daß euch niemand kaufen wird. Nun dürft ihr lang«, lange ausruhen. DAVID johannsen: EINE ERINNERUNO Es war am 21. Februar 1321, als die in den russischen Süd- steppen enffesselten Banditen aus den Reihen unserer Fomili« das erste blutige Opfer holten. Ein starker Wind heulte in den hohen Pappelbäumen vor unserer Tür, tobte und klapperte mit den Fensterläden und pfiff, von Zeit zu Zeit sich steigernd, durch dos alte Schindeldach unseres Hauses. Doch er fegte dieses Mal nicht den Schnee spielend über die Steppen,«r kam von Südwest und hatte di« Schneemassen in Pfützen und Büchlein verwandelt, die zu- sammengefiossen und stellenweise weit die Ufern des kleinen Flusses I. überschwemmten. Schön war es, dieses Wasserrauschen zu hören. Di« Berkündung des Frühlings hob die Stimmung im Dorfe, die Herzen der Bauern wurden bewegt, ohne daß sie es wußten. Neue Hoffnung zur Aus- saat und Liebe für die schwer« Arbelt füllten die Brust. Und der Wind, der mittt«rweile zum Sturm geworden war, tobt« unver- drossen weiter. Tobte er allein? Nein, es tobt« noch ein anderer Sturm und hinterließ, besonders in den deutschen Kolonien, viel Tränen, Schmerzen und blutige Spuren. Bon den umherstreifenden Banden wurden di« Häuser ungehindert geplündert, di« Pferde geraubt oder zu tagelangen Transporten genommen. Der Bauer konnte sich des schwer und mit Schweiß erworbenen Eigentums nicht mehr freuen. Der Neid herrscht« und oerfolgte und vernichtete auch damals in den unendlichen Steppen den Fleiß. Aus beinahe allen deutschen Dörfern kamen die schrecklichsten Nochrichten. Unter dem Borwande, Gewehr« zu suchen, wurden die Häuser durchstöbert, es wurde alles Wertvolle mitgenommen, große Geldsummen erpreßt und viele Bauern, die schon alles gegeben hatten, gequält oder auch ermordet. Immer und immer wieder wurden Pferd« oerlangt, um die Banden zu transportieren. Und an den Frauen und Mädchen wurden Greueltaten verübt, di« jeder Beschreibung spotten. Die Natur war wild und heulend, und so war es auch unter den Menschen in jenen Frühlingstagen. Wir wohnten damals in L. im A.-Kreis« Es war vormittags. Ich stand auf dem Hofe und blickte besorgt auf die vielen Wasser- pfützen. Nur zu gut wußte ich, wie verhängnisvoll es sein müßte, jetzt Fuhrwerke zu geben. Ich hott«, trotzdem ich schon mehrmals geplündert worden war,«in Paar gut erhaltene Stiefel gerettet. Ich durste sie nicht anziehen, der erst« Bandit hätte st« mir von den Füßen gezogen. Und in Strümpfen und Holzpantoffeln die Soldaten tagelang fahren, wäre nicht angenehm gewesen. Während ich so dastand und nachdachte, kam ein Fuhrwerk auf den Hos, über- rascht erkannte ich Konstantin, meiner Gattin Bruder, und Jakob. einen Jüngling ans G., Wohnorte unserer Eltern. Ick) merkte gleich, daß ein Unglück passiert sein müsse. Als wir uns begrüßt hatten, sagte Konstantin: „Wo ist Anna?" „Sie ist im Zimmer", sagte ich „Wir müssen sie etwas vorbereiten, denn es ist ein Unglück passiert." Nachdem wir das Pferd in den Stall geführt hatten, gingen wir in die Stube, wo meine Frau mit unserem einjährigen Töchterchen war. So schonend wie möglich berichtete Konstantin, daß unser Bruder Heinrich nicht mehr am Leben sei. Am 24. Februar soll« die Beerdigung ftin. David, der Bruder meiner Frau, wohnte in N., einem Dorfe, das etwa drei Kilometer von unserem Gute ent- sernt ist, und war schon benachrichtigt. Wir hatten einen Weg von 60 Kilometern vor uns. Das war eine beschwerliche Reise und die Gefahr bestand, daß wir von den Banditen überfallen wurden. Bevor ich das Pferd anschirrte sah ich am gegenüberliegenden Hang eine große Bande vorüberziehen. Sie zogen nach jener Rich- tuna. nach der auch wir wollten. Etwa 200 Mann waren beritten, die Munition und viele geraubte Sachen waren auf Wagen ver- packt, die von den Bauern gelenkt werden mußten. David war nun auf unserem Gut« eingetroffen und wir be- schloffen, mit«inem kleinen Schlitten unsere Reise anzutreten. Mein« Frau, das Töchterchen und Konstantin, welcher in Filzstiefeln war, fanden im Schlitten mit Mühe und Not gerade Platz, wir anderen mußten g«hen. Unser Pferdchen war abgemattet, der Schlitten war nur ein kleiner Kasten, wie ihn die Bauern zum Stallausmisten brauchen, also es war kein großer Anr«iz sür die Banditen. Ein anständiges Fuhrwerk aber HLtt«n sie sofort beschlagnahmt. Wir fuhren ab und kamen bald an das Flüßchen I., über das ein 50 Meter langer Damm führt«, durch den zum Ablassen des Wassers drei dicke Röhren gelegt waren. Da aber Hochwasser war, faßten die Röhren nicht di« Flut und sie schwemmte gurgelnd und schäumend über den Damm. Guter Rat war nun t«uer. In der Mitse war der Damm aus- gefahren und das Wasser zu tief, auf den Seiten war der Damm wohl höher, aber die Gefahr des Umlippcns war dafür größer. Ich ergriff den Schlitten und steuerte chn durch die leichten Stellen, bis an di« Kni« im Wasser watend. David, dessen Stiefel nicht wasserdicht waren, mußte mit nassen Füßen weitergehen. Nach vier Stunden kamen wir glücklich in K. an. K. ist eine Eisenbahn- knotenstation mit vielen Fabrikanlagen und es verkehrte damals, eine große Seltenheit, ein Arbeiterzug. Wir übernachteten bei Be- kannten, trockneten die nassen Sachen und fuhren am Morgen mit diesem Arbeiterzug nach der Station G., wo wir auch noch vor- mittags ankamen. Es war für uns und für die EUern ein trauriges Wiedersehen. Lag doch unser lieber Bruder Heinrich tot und kalt auf dem Korridor. Sein« Ermordung geschah folgendermaßen: der 21. Fe- bruar 1921 begann mit einem nebligen Sonntagmorgen. Die große Dampfmühle in der Nachbarschaft war geschlossen. Heinrich hatte nach dem Frühstück wie di« anderen Familienmitglieder auch seinen Sonntagsstaat angelegt. Um neun Uhr sollte der Gottesdienst be- giimen. Er stand an der Straße und beinerktc etwa IM Reiter, die auf die Mühle zukamen. Er rief den Jungen auf dem Hofs zu, um die Angehörigen zu warnen, und blieb ruhig stehen. Di« Reiter hatten nun das Tor erreicht und fragten chn aus, noch seinem Namen, nach seinem Beruf usw. Sie ritten in den Hof und verteilten sich. Viele Banditen, denn solche waren es, ver- langten von den Leuten Geld und Wertsachen. Drei Söhne des Mühlenbesitzers stellten sie an die Wand, um sie zu erschießen. Da, im letzten Augenblick, kam einer von den Banditen und sprach etwas mit seinen Blutgenossen: sie ließen die Gewehre sinken und fort waren sie. Bruder Heinrich war achtzehn Jahr« alt und hatte einen schönen Sonntagsanzug an. Das war fein Verderb. Denn als die Banditen wegritten, mußte der Jüngling vor ihnen herlaufen und sich beim Laufen die Skleider ausziehen. Als er ungefähr 299 Meter von dem Hause entftrnt war und sich gerade das Hemd über den Kopf zog, schoß ihm«iner d«r Banditen von hinten eine Sprengkugel in den Kopf. m. die wie der Gott dieser trostlosen Stätte in der Mitte des Hofes thronte, zogen sich Waschleinen. Hohe Fabriken und Kirchen ringsum überragten diese elenden Löcher, aus denen jetzt die Textilarbeiter bervorströmten, um sich singend und Gerechtigkeit suchend dem De- monstrationszug anzuschließen. Die Männer trugen Manchester. onzuge, die für den heutigen Tag sorgfättig gereinigt und gebürstet waren. Am Platz de Ouatre Chemins stand das Kind einer reichen Familie in der Unisorm des St.-Jsseph-Instiwts. Als es die roten .Fahnen erblickte, bedeckte«s schnell den Kopf. In den Straßen— sie trugen die Namen von Schlachten und Siegen: Eylau, Arcole, Wagram— standen die Einwohner der armen Viertel. Ihre Gesichter strahlten, denn heute beherrschten sie di« Straße. *» Langsam bewegte sich der Zug vorwärts. Jeder war glücklich, den anderen neben sich zu fühlen und in den allgemeinen Lärm miteinzustimmen. Das alte Flandern feierte fein Broquelet. Aber heute war das Fest mehr mit Wut gefüllt als mit Freude. Aus der engen, dichtbevölkerten Straße de Iuliers, in der eine Kneipe neben der anderen lag, quoll die Menge heraus und strömte i ber den Platz de la Nouvclle Avanture. Ein..fliegender' Graveur mit Aushängeschild: Schilder für Kirchenstühle! Hundehalsbänder! suchte seinen Firnistopf und feine Flasche Vitriol zu retten. Der Zug strich vorbei in der Nähe der Präfeltur und der Patronats- wohnungen Aber die Arbeiter gingen nicht bis dicht heran. Sie blieben in ihrem allen Wazemmes: in der Nähe ihrer Elends- quartiere und Schenken, wo sie die Herren waren. Hier sangen sie sich die Wut über ihr Leid vom Herzen. Herr RenS Deprieux besuchte seine Kundschaft in Eambrai. Die furchtbare Tatze des Krieges hatte das Stadtbild entstellt. Zahlreiche eingestürzte Gebäude umrahmten die Place d'Armes. Dies Bild stimmte Herrn Deprieux traurig: er war gewohnt, materiell« Werte zu schätzen. Zerstörung widerte ihn an. Schutt- und Ziegelsteinhaufen lagen an den Stellen, an denen früher die allen kleinen Häuser gestanden hatten. Aus den fester gebauten Häusern, deren abgebröckelte, geschwärzte Mauern erhalten waren. sah man durch öde Fensterhöhl«n in den Himmel. In der breiten »eminarstraße, die weniger gelttten hatte, glänzte ein neues Schild mit goldenen Buchstaben auf schwarzem Grunde: ,Dmer Waoelct' Taschentücher. Battist und Leinen. Hinter den Fenstern der Ardeitsräume, die auf den Hof sahen, arbeiteten die Mädchen an den weißen Stoffen. Plötzlich wurde für Renä Deprieux alles hell und licht: der Batist, das Hau» und die ganz« zerstörte Stadt. Fräulein Ieam» Wavelet erschien auf der Treppe. Sie stand da wie ein« Königin. Man sagt« in Combral: ..Stolz wie ein Wavelet.' Ihre grauen Augen, Ihr Blondhaar, ihre Haut, die leuchtete, als ging« die Sonne hinter Ihr auf— alles blendete Renö Deprieux. Aber beide blieben äußerlich unbc- weg» und ernst: sie gestanden sich ihre Lieb« durch ihr Schweigen. Die laute Stimme des Herrn Omer Wavelet durchbrach den '�uber. Herr Omer war sehr«ingebildet darauf, einen Sitz in der.Handelskammer zu haben, und überhaupt ein Mann zu fein. an den man nur verkaufen konnte, wenn man ihm höchste Ehr- erbietung zollte. Jetzt sagte«r zu Herrn Renö Deprieux:„Ich bin ein treuer Kunde, trotz der Streiche, die Sie mir spielen. Ihre Lieferwar« ent- sprick,: nicht dem Muster: der Faden ist nicht gleichmäßig und reißt. Auf hundert Meter hat der Weber einen ganzen Tag Mehrarbeit. Von mir verlangt man für Fliegerleinwand bis zu dreitaufend Kilo Widerstandskraft. Ich will dos auch erreichen: aber ich muß einen tadellosen Faden haben. Meine Kunden beklagen sich. Lesen Sie bitte: „Bezugnehmend auf den Besuch unleres Herrn Eornille schicken wir Ihnen zwei Stück Ihres Artikels A. T. 28 zurück. Wollen Sie uns bitte den Empfang bestätigen..,' Fräulein Wavelet wurde rot, weil Renä sie zu lange ansah. Sie wandte sich um und ging langsam weg. Omer Wavelet fügte noch hinzu: „Sie bleiben bei Ihren Zöllen auf irländisches Garn. Wir möchten das Garn gern.zollfrei haben, aber die Leinwand verzollen lassen. Sie sehen doch, daß Cambrai zerstört ist. Wir stehen erst wieder auf der gleichen Basis mit Irland, wenn die Sinnfeiner don die Spinnereien und Webereien zerstören. Wir wünschen das natürlich nicht. Aber wir wollen unser Cambrai retten. Wenn es hier keine Leinemvebereien mehr gibt, an wen wollen Sie dann Ihr Garn verkaufen?' Wavelets Stimme war bei diesen Worten so weich, wie man sie dem robusten Mann mit dem groben Gesicht gar nicht zugetraut hätte. „Während der fünf Kriegsjahre', fuhr er fort,„habe ich mich jeden Tag gefragt: Wird unser altes Gewerbe untergehen? Ich trug in meiner Tasche unsere schönsten Muster: Handgewebte Leinwand, Batfft aus Garn Nr. 22l). und ich sagte mir: wann werden wir wieder solche Ware herstellen? Für die Militärs bedeutete Sieg: Elsaß-Lothringen wiedergewinnen. Für mich: Wieder Batist weben. Als man auf St. Gery wieder die Trikolore gehißt hatte, habe ich gewiß mit Frankreich gefühlt: aber mehr gerührt hat mich innerlich noch das erste Stück Leinwand auf den Webstühlen. Während die deutsche Armee unser Land besetzt hatte, haben die Engländer in Paris wie wild verkauft. Die Deutschen sagten den großen Kaufhäusern und Leinenfirmen: Cambresis ist erledigt. Alle Webstuhle sind zerstört: macht mit uns einen Kaufkontrakt auf fünf Jahre. Ehe Ihr Dater anfing, die seinen Nummern herauszubringen, haben die Irländer uns beliefert. Wir haben Ihnen geholfen. Heute mühten Sie uns helfen. Die französischen Spinnereien und Webereien müssen konzernieren. Nur oereint können wir existieren. Der höchste Preis ist nicht Immer der beste. Der beste Preis ist der, der den Kunden hält. Die Gier, schnell und viel zu verdienen, hat den ganzen Handel verdorben. Wie ist Ihr Preis für das Bündel Einfchußfaden Nr. 220?' Sie kamen in einen Raum, in dem fünfzig Taschentuchsäume- rinnen den feinen Stoff unter den Nadeln der Nähmaschinen durch- gleiten ließen. Herr Wavelet klagte über die Lag« in seinem Pro- duktionezweig: „Wir kämpfen gegen die Seide. Leinen tragen an Stelle von Baumwolle war ein Luxus: mehr noch: ein Zeichen von Eleganz. Seit der Flachs infolge der russischen Revolution rar geworden ist, ist die Kundschaft zur Seid« übergegangen. Soll ich jetzt Baum- wolle. Seide oder Wolle verarbeiten? Sie können auf Ihren Mo- fchinen nur«in Material verarbeiten. Fordern Sie hohe Preise, dann zwingen Sie uns, zur Seidensabrikatwn überzugehen.' Bekümmert, daß die strahlende Ieonnc Wavelet nicht mehr da war, verteidigte Renä Deprieux mit starken Worten seine Ware: „Es sieht so aus. als ob die Leinwand besiegt ist. Aber nur Geduld. Die Baumwollspinner haben im Kriege einen großen Vor- sprung gewonnen: sie haben an die Kasernen Bett-Tücher geliefert, weil die Leinenfabriken nicht genügend grobes Leinen liefern konnten. Aber— wird die Armee immer bei der Baumwolle bleiben? Nein! Sobald die Flachsproduktion wieder auf der Höhe ist, wird die Intendantur zur Leinwand zurückkehren. Leinwand hält länger. Die Baumwolle wird aus den Kasernen genau so vsr- schwinden wie die Seide aus den Schränken der Frauen. Sehen &t sich dnirnaf»«einen Jfdbm*r. 226« Ich fUt« gs 375 Franken. Was Haltbarkeit und Stärke anfcelangt. fa kann ich ruhig sagen: die Vorkriegsquolitot ist wieder erreicht. Di« Ehre meiner Firma ist Bürge. Prüfen Sie die Ware; dann wolle««>ir über den Preis reden. Kann Seide jemals so»»eich und fest zugleich sein?' Herr Omer Wavelet prüfte den Faden gründlich und sagt« domo „Es ist wirklich ein Vergnügen, mit einem Mann zu sprechen. der Leinen zu schätzen weiß. Baumwolle und Kunstseide kann jeder weben. Zur Leinenweberei gehört Liebe. Dem Müller ist es gleich, wovon sich seine Mühle dreht: er mahlt, was man ihm bringt: Weizen, Roggen oder Gerste. So ist das auch mit den Webern: alles durcheinander: Jute, Hanf, Flachs, Baumwolle... eigentlich zu bedauern, trotz des Geldes, das sie verdienen. Ich bin nur zu- frieden, wenn ich Flachs verarbeite. Sehen Sie sich einmal unsere Arbeit anl' Einig« Angestellte nahmen vorsichtig Stoffe au» Tannenholz- fächern. Herr Deprieux fallete sie auseinander: „Nicht eine dünne Stell«: kein falscher Faden. Alle Uneben- Helten sind mit der Schere herausgeschnitten; feineres Gewebe ist auf der ganzen Welt nicht zu haben. Wahrhaftig, wir sind die Klassiker der feinen Leinwand.'(Fortsetzung solgt.) e Buch Joseph Conrad: ,®cr Zreibeuier*. Weltgeschichtliche Ereignisse spiegeln sich in der Einsamkeit ent- legen wohnender Menschen. Revolution, Napoleon. Kaperkrieg ver- lieren dort ihre Bedeutung, das Gewicht schwindet. Zum ersten Mal« steigt Joseph Conrad in dem Roman „Der Freibeuter', der so eben in deutscher Uebersetzung im Verlag von S. Fischer erschienen ist, in die Vergangenheit zurück, zum ersten Mal« spielt das Geschehen vor einer histortichen Kulisse. Aber das wesentliche im Schaffen Conrads ist durch die Dertogung des Schauplatzes nicht verändert. Peyrol erscheint al» naher Verwandter der Marlowe oder Heyst. dieser ruhelosen, romantisch sehnsuchts- vollen Wanderer der Meere, lener Menschen, die außerhalb gesell- schoftlicher Bindungen stehen und nur ihrem eigenen Impuls folgen. In diesen Menschen lebt eine sonderbare Mischung von Intellekt und dumpfem Gefühl. Sie reden wenig, denn Worte berühren allein die Oberfläche, und die Augen der Conradschen Menschen haben mehr gesehen. Si« tragen mit sich die Weit« der See, die Wüsten unendlicher Wasser, die laute Geräusche verstummen lassen und wissend machen. Der alte Seeräuber Peyrol besitzt dieses Wissen um das wesentliche der Menschen und Dinge. Schwierigkeiten zerfallen vor seinem Blick, rein instinktiv durchschaut er die Well, durchschau! er den Wahnsinn Arlettes, die schwer ringend« Lieb« des Leutnants Real und die innere Haltlosigkeit und Schwäche des Jakobiners, der einmal in aufgepeitschtem Blutrausch Frauen und Kinder mordete. Die große, konzentrierte und vecwurzelle Kraft Peyrol» ordnet die Welt um sich. Und hier kommt Eonrads Ironie zum Durchbruch. Ist ein Lord Nelson mehr als dieler alle Freibeuter? Säße er in der Sldmiralität, kommandierte er die Touloner Flolle, vielleicht wäre die Schlacht bei Trafalgar anders ausgelaufen. Conrad nenm einen fein«: Romane„Spiel des Zufalls', und auch„Der Freibeuter' könnte diesen Titel tragen, der für Conrads Schaffen symbolisch ist. Aber vielleicht steckt hinter der zufälligen Fassade eine unerkannte Verknüpfung,«in Sinn, um den man nichts weiß. Darauf liegt der Izauptakzent. auf dieser Atmosphäre der Möglichkeiten und nicht auf den nur historischen Totsachen, die Conrad mit kühler Objektivität gestaltet Milieu, Ereignisse ändern wohl die Oberfläch«, doch der Kern bleibt unverändert, und der Refrain klingt immer gleich' „Daß immerfort die Menschen sich gequält, Daß hie und da ein Glücklicher gewesen.'— t. WAS DER TAG BRINGT. Naturschutzparks in Frankreich. Ein Dellowstone-Park soll in den oberen Regionen der fran- zösischen Pyrenäen, und zwar in der Nähe des berühmten„Tal- zirkus' von Gavannia. angelegt«»erden, der mit seinen gewaltigen, bis über 3000 Meter aussteigenden Schneegipfeln und seinen drei- zehn Wasserfällen«in großartige» Gebirgspanoramo bietet und der Ausgangspunkt für Hochgebirgswanderungen in den Pyrenäen ist. Viele der für diese Gebirgsgegend typischen Tiere und Vögel sind bereits vom Aussterben bedroht. So sind die Tetra»(Haselhühner), der Isard(die Pyrenäengans) und der gefräßige Aasgeier ver- schwunden. Den Bouquetin, den Pyrenöensteinbock. hat das gleich« Schicksal ereilt, doch hofft man. ihn wieder ansiedeln zu können. Reservationen für wilde Tire gibt es bereit» in dieser Gegend bei Pau und unmittelbar an der spanischen Grenze; der setzt geplante Park am Talzirku» von Gaoannie soll dies« zu einem großen Naturschutzpark zusammenfassen. Di« französisch« Gesellschaft, die mit der Ausarbeitung der Pläne befchäfttgt ist, hofst, den ftan» zösischen TouringNub, den Alpenklub und die französische Geo- graphische Gesellschaft zur finanziellen Beteiligung an der Sache gewinnen zu können. In anderen Teilen Frankreich» ist in diese: Hinsicht bereits viel getan worden. Da ist beispielsweise der große Park der Camargue im Rhonedelta, der einen ertragreichen Jagd- grund der Zugvögel bildet und dabei der einzige Platz in Europa ist, wo man noch 300 bis 400 Flamtneo« in ihrem scharlachroten Federkleid bewundem kann. Kürzlich hat auch der französische Kriegsminister die„Siebcnlnseln' an der bretonischen Küste der Sociätä d'Acclimatisation zur Verfügung gestellt. Dort soll vor ollem die selten geworden« Art der Alten, der dort heimischen Tauchvögel, vor der Ausrottung geschützt werden. Ein anderer wichtiger Nationallierpark Frankreichs befindet sich auf dem Mont Pelvoux in den Alpen der Dauphins. Kälte und Sterblichkeit Ein Vergleich der Sterblichkeltsziffer in Preußen für das erste Vierteljahr 1920 mit dem gleichen Quartal des gleichen Jahres 1928 zeigt ein außergewöhnlich hohes Anwachser, der Sterblichkeitsziffer. Es starben in dieser Zeit rund 44 700 Personen mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Diese Tassach« sst in erster Linie aus die ungewöhnlich stark« und longandauernde Kälte dieser Periode zurückzuführen, die die tödlichen Erkältungskrankheiten stark be- günstigt hat, vor ollem der Grippe, die in diesem Zeitraum fast bis auf das Siebenfache der Ziffer des Doriahres gestiegen sst. Auch der Sterblichkeitsanstieg bei der Lungeueittzündung war erheblich, und selbst bei der Tuberkulose, die in den letzten Iahren fortgesetzt eine abnehmende Sterblichkeit aufzuweisen hott«,«»ar diesmal eine. wenn auch nur geringe Zunahm« oochanden. Um das Erbe Sobieskis. Einer der reichsten Fürsten des 17. Jahrhundert» war König Johann Sobiesti, der Befreier Wiens aus Türkennot. der in Polen zwei Millionen Joch Besitz und bei Lemberg S00 Dörfer befaß. Sein Enkeh Johann Sobiesti, wurde von den Russen oertrieben und floh nach Ungarn, wo er bis zu seinem Lebensende als Gast des Bischofs von Erlau unter dem Namen eines Grafen Pooder lebte. Nachdem Polen seine Unabhängigkeit wiedergewonnen hatte, tauchten zahlreiche Erben mit Ansprüchen gegen den Staat auf. Es sind dies unter anderem ein belgsscher Ingenieur. Graf Pooder, «in pensionierter Schiffskapitän Hoppe in Brüssel, und mehrere in Ungarn lebende Abkömmlinge mit dem Namen Seiff, die wieder vom Sohn des großen Johann Sobiesti. Michael, abzustannnen oo. gaben, der unter dem Namen Seiff anfangs des 18. Jahrhunderts in Raab ein einfacher Wagnermeister war, 1741 aber von Maria Theresia geadelt wurde. Die beiden Parteien waren klug genug,«inander nicht zu bekämpfen, sondern ihre Ansprüche gemein- sam durch einen Budapester Rechtsanwalt gellend zu machen. Kulturelles Mißverständnis. Aus einem der neugebauten„römischen' Wohnhäuser in den Städten Deutsch-Südtirols kam der kanalwürdige Inhalt eines Eimers in hohem Bogen herausgeflogen und klatschte auf die Straße. Alarm! Man ging der nicht landesüblichen Sache nach und stellte als Spenderin eine wackere Sizilranerin fest, die zur Kultivierung der deusschcn Barbaren dahin oerpflanzt worden war. Auf den Vorhalt der Polizei gab sie entrüstet an, in ihrer Wohnung fehle die Stätte, dl« für solche Absonderungen be- stimmt sei. Es erfolgte Wohnungsbesichtigung. Man fand, in dem Neubau ganz Natürlicherwesse ein tadellose« WC. mit einwandfrei arbeitender Spülung. Mitten im Steingutbecken aber log— ein Butterpaket in Papier! Man versuchte'der Sizilianerin de- greiflich zu machen, daß die Butter hier fehl am Ort sei— aber sie wollt« sich lange nicht überzeugen lassen, baß bi« schön« kalte Wasserspülung zu etwas anderem als zur Rahrungsmittelkühlung da sei! Allerdings, in der sonnigen Heimat der Donna ist die Sache anders. Man braucht ja nur in einem echt italienischen Haue oder in einem königlich faschssssschcn Eisenbahnwagen dos Oertchen auf- zujuchen... Viiiticdlo. Großkampftag der Arbeiterathleten Sparta-Berlin schlägt Saxon~Brandenburg Die Arbeiterothl«ten des 4. Kreises stehen zurzeit auf der Höhe der Winterarbeit in den Serienkämpfen im R i NL e n: die diesjährige Runde der Serienkämpfc um die Be> Airksmeifterschaft in der.�-Klasse ist jetzt in das entscheidende Stadium vorgerückt. Gestern trafen in der Fortführung der Kämpfe der er- folgreiche Kraftturnverein„Sparta' und der Arbeitersportklub „S a x o n'> Brandenburg aufeinander. Beide Mannschaften be- traten mit Ersatz die Matt«. Jonveg sei gesagt, daß all« Kämpfe voll befriedigten, well eben in allen Klassen Ringer von Format oertreten waren. Di« Kämpfe nahmen einen sportlich hervorragenden Ver- lauf, die äußerst harten Treffen wurden mit vorbildlicher Fairnis durchgeführt. Die kraftvolle Brandenburger Mannschaft, die das best« hergab, mußt« der überlegenen Routin« der erprobten Kampf- Mannschaft von Sparta den Sieg überlassen. Mit einer unerwartet hohen Punktzahl(15: 3) blieben die Berliner in beiden Runden ll. Rund« 13: 1. 2. Rund« 12: 2) über die Gäste erfolgreich. Ein sehr zahlreiches Publikum hatte sich zu diesem schweren, technisch schönen Ringen«ingefunden und wurde voll befriÄngt. Die Kämpfe der �-Klasse. Im Fliegengewicht gingen die Punkte kampflos an Schade (Sparta), da sein Gegner nicht antrat. Einen selten schönen Kampf sah man im Bantamgewicht. Lange(Sparta) besiegte Kohn(Bran- denburg) in der ersten Runde schon noch 3,50 Minuten, beide Gegner gingen in der zweiten Runde über die volle Zeit: Resullat: Un- entschieden. Der Brandenburger Federgewichtler Hamich enttäuschte in seinem Kampf mit Hüsner(Sparta), die beiden Gegner trennten sich noch zweimal zehn Minuten ohne Resultat. Einen schönen Doppelerfolg erzielte wieder P. Wittkamm(Sparta), diesmas über Rexze(Brandenburg). W. siegt« in der ersten Runde überlegen nach 4,35 Minuten und in der Wiederholungsrunde schon nach 1.50 Mi- nuten durch einen Armhebel. Der starke Krause(Brandenburg) mutzte in Berlin die Ueberlegenheit von A. Witttamm(Sparta) an- erkennen, der gewaichte Brandenburger erlag im ersten Treffen nach 1,30 Minuten durch Eindrücken der Brücke. Di« Mederholungsrund« zeigte verschärftes Tempo, K. gelang es oft, sich aus den schwierigsten Lagen geschickt zu befreien, bis der Berliner in der 5� Minute noch- mals durch den gleichen Griff triumphieren konnte. Walter(Sparta) ging mit Köhl(Brandenburg) gleich mächtig ins Zeug und siegt« in beiden Gängen in oerhällnismätzig kurzer Zeit. Der Brandenburger Pezel erhielt durch Kretschmor(Sparta) eine Doppelniederloge, in dem ersten Ringen erlog Br. nach 3,50 Minuten, und im Schluß- gang nochmals in der 7. Minute.— Die Kämpf« der B.- Klaffe, Bor dem Treffen der �-Klasse rangen die B-Mannschaften der Arbeiterathletenvereine„Sparta' gegen„Luckenwalde' auf derselben Kampfmatte. Die Luckenwalder Sportler waren nicht zuschlagen, die junge, aber sehr ehrgeizige Berliner Mannschaft mutzte ihnen den Sieg überlassen. Sie siegten in beiden Gängen: 1. Runde 11: 3. 2. Runde 8: 6. * Die v-Mannschasten von Frisch auf Friedrichshagen und Lichtenberg. Friedrichsfelde standen sich am Freitag im Serientampf im Ringen gegenüber. Ganz überraschend gelang es Friedrichshagen, wenn auch nur ganz knapp, der zweiten Mann- schaft von Lichtenberg-Friedrichsfelde eine Niederlage beizubringen. Die Friedrichshagener Ringer haben sich bedeutend verbessert und werden in der nächsten Serie, wenn sie als �.-Klasse starten, bestimnU ihren Mann stellen. Beide Verein« starteten ohne Fliegengewicht, so datz nur 24 Punkte auszuringen waren. Ganz besonders hervor. zuheben wäre der Leichtmittelgewichtskamps, in dem es dem Bundes- meister im Heben, Erich Jordan, Lichtenberg, gelang, seinen letzten Start in Deutschland(Jordan wandert am 18. März nach Amerika aus) mit zwei Siegen erfolgreich zu gestallen. Die erste Runde endet« 7: 5 für Friedrichshagen, zweite Runde 6: 6. Bereits morgen Dienstag startete die zweite Mannschaft von Lichtenberg-Friedrichs. felde 04 schon wieder, und zwar gegen„Mt-Wedding'. Da Alt- Wedding sein« Kämpf« in der B-Klasse bis jetzt sämtlich gewinnen konnte, so mutz Lichtenberg alles aufbieten, um den Siegeszug der Alt-Wedding-Leute zu unterbrechen. Austragungsort Turnholle Rummelsburger Str. 1 in Friedsrichsfelde um 20 Uhr. Eintritt frei. Kurnttarnen in Schöneberg Eberswaldc schlagt Helbra und Schöncbcrg Die in Form eines Gerätewettkampfes im Kunst- turnen ausgezogen« Veranstaltung des bundestreuen Arbeiter» Sportvereins Schöneberg-Friedenau 07, die gestern vormittag im Flora-Palast in Schöneberz vor sich ging, ist als ge° lungen zu bezeichnen. Die Veranstaltung verr ein Beweis, daß die Stabilität des bundestreuen Arbeitersports in Schöneberg gesichert ist. Nach oinrgen erklärenden Worten wurde bej Kampf am Pferd eröffnet. Hier gab es eine kleine Ueberrafchung. Wider Erwarten mutzte sich hier Helbra den Schönebergern beugen, gleich darauf\ folgte Eberswalde. Helbra war etwas vom Pech verfolgt, fonit war« ihnen der erst« Platz nicht streitig zu machen gewesen. Am .Barren ein völlig verändertes Bild. Aeutzerft schwieriges und ruhiges Ueburigsnmterial wurde hier geboten. Durch b«dmaligcs Stürzen eines Wettkämpfers gerät Schöneberg mtt großem Punkt- verluft ins Hintertreffen, der für den ganzen ws.teren Kampf Ver» hängnis wurde. Mit einem Punkt Vorsprung setzt sich Ebers» walde an die Spitze. Heldra bleibt an zweiter Stelle, danach folgt Schöneberg. Einen guten Anblick gewährten die Freiübungen, bei denen ausschließlich der Körper zur Gellung kam. Hier hat die moderne Gymnastik bereits einen mächtigen Emflutz ausgeübt. Schöneberg kann durch gute Leistungen wesentlich aufholen, ohne jedoch den beiden anderen Mannschaften gefährlich werden zu können. Ebers- walde kann weiter den ersten Platz behaupten, Heldra und Schöne- berg folgen. Unter großer Spannung ging dann der Kamps am Reck vor sich. Gute Leistungen zeigten hier ewig« Turner von Cberswalde, die dadurch ihrer Mannschaft den Sieg sicherstellten. Kurz folgend placierte sich Helbra an zweiter Stelle, während Schöneberg trotz aller Mühe den am Barren erlittenen Verlust nicht mehr aufholen konnte und sam t am dritten Platz verblieb. Großen Beifall löste die gut aufgebaute Gymnastitvorführung der Mädchen und Jungmädchen aus, die ein Stück neue Zeit auf dem Gebiete des Frauenturnens charakterisierte. Der Film vom Nürnberger Bundesfest führte den großen Gegensatz zwischen der heut« deu Markt beherrschendeu Filmproduktion und«wem vom Massen- erleben getragenen Werk, wie dem des Bundessilms, vor Augen. Allgemeiner Gesang schloß die Veranstaltung. Nachstehend die genauen Resultate: 1. Eberswalde 516 Punkte: 2. Heldra 510 Punkre: 3. Schöne» berg 501 Punkte. Einzelergebirs: 1. Kraft, Heldra, 136 Punkte: 2. Schwenke, Eberswald«, 135 Punkte: 3. Riehl«, Schöneberg, und Kähne, Eberswatbe, 134 Punkte. Freie Körper� freie Seelen Freikörperkultur der FTQB. in der„Liditburg" Vis auf das letzte Plätzchen war der Riesensaol gefüllt. Ein ungemem erfreuliches Zeichen, wie stark die Zahl derer ist. die mit» helfen wollen am Aufbau körperlicher und seelischer Kräfte durch ein« gesund« Lebensweise, durch Befreimq von allem äußeren und inneren Zwang. Ein gesundes, starkes, lebensfrohes Volk der Ar- beit wollen wir fein, nicht hörige Fronknecht« im Dienst der Be- sitzenden. Licht, Luft und Sonne ist für alle da. die sie zu nügen verstehen. Und gerade der orbettende Großstadtmensch bedarf dieser natürlichen fördernden Kräfte in ganz besonderem Maße. Heraus aus den kicht» und luftlosen Hinterhäusern in die strahlende Sonne, heraus aus dem Arbettspanzer und den nackten Körper frei atmen und sich bewegen lassen. Dies war da» Leitmotiv der sonntäglichen Veranstaltung der Frei kör perkultursparte der Freie« Turnerschaft Groß-Berlin m dem großen neuen Kwo der �lchtburg' am Gesundbrunnen, die mV einer Ansprache Fritz Wildungs über.Freikörperkullur und sozialistisch« L.'bensgestal- tung' eingeleitet wurde. Sine Reih« wirkungsvoller Aullursilm«. wie z. B.„©Birne ist Leben: der Körper des Kindes m Sonn« und Luft: Sonnenmenschen— Sonnenkmder', ein Film der Freikörper» kultur. veranschaulichten im bildhaften Sinn« di.> gesundende Wir- kung der Körperkultur. Rhythmisch« Gymnastik(auf der Bühne vorgeführt von Mitgliedern des Bezirks Rosenthal der FTGB.) ocrinntelte den Anwesenden einen direkten Einblick in die tebrns. bejahende Ausbauarbeit der Sonnenmenschen. Rezitationen und mustkoitfche Lorträge ergänzt« die schön- LeranstaitunK. Arbeifer-Hockcy Leipzigs Amateure- FTGB. Nordring 0:2(0:0) Nordring nutzte die bald ausklingende Hockeysaison zu einem Freundschaftstreffen mV den Leipziger Amateuren. Beide Dereine stehen in ihren Bezirken an der Spitze. Mit Beginn setzt«in schönes und sehr schnelles Spiel ein. Die Leipziger haben in den ersten 25 Minuten ihre best« Spielzeit. Di« Angriffe sind stets mitreißend, blieben aber bei der sehr aufopfernd spielenden Ver- teidigung Nordrings ohne Erfolg. Di« Stocksicherhev beiderseits war glänzend. In der Ballbehandlung war Nordring besser; das und die besser« Ausdauer und Ileberstcht gab den Ausschlag. Leipzigs beste Mannschaftsteil» waren die Läufer und der Torwächter. Bei den Berlinern war der Sturm neben dem Mittelläufer und dem rechten Verteidiger gut. Wer zum entscheidenden Torschuß rafften sie sich erst in den'etzten 20 Minuten auf. Jetzt zeigte sich erst die Sicherheit und gut« Arbeit des Leipziger Torhüters. Das erst« Tor für Berlln fiel auf eine genaue Vorlag« des Mittelläufers an den Rechtsaußen, und dessen gut eingegeben« Flanke wurde prompt vom Linksaußen in die Ecke eingeschossen. Das zweite Tor kam durch scharfen Schuß und beim Sloppoersuch hoch ins Netz. Nordrings Sieg ist etwas glücklich zu nennen. Im fälligen Serienspiel siegte der Sportverein Moabv 1 gegen den Atlethik-Sport-Club 1 3:1(1: 0). Der ASCer Sturm spielle merklich schwach und tonnte sich mit der Moabiter Ber- teidigung nicht absinden. Auch wurde das Spiel zu sehr nach innen gedrückt, während die Moabver ein offenes und weites Flügelspiel bevorzugten, bei welchem die Verteidigung des ATE. nicht ganz mitkam.— Beim Pflichtspiel der FTGB. Mariettdorf 1 gegen Pankow 1 siegten erster« 8:1(5:0). Die Mariendorfer waren klar überlegen. De Umbesetzung des Mittelläuferpostens bewährt« sich, so daß der Sturm zu dem billigen Erfolg kam, an dein der Pankower Torhüter nicht ganz schuldlos ist.— FTGB.-Neukölln 1 siegt« über Tennis-Rot 15:4. Das Resullat beweist, daß bei beiden Mannschaften die Haupttriebkraft im Sturm liegt.— ACS. 2 und FTGB.-Neukölln 2 spielten 4: 4, und die Frauen Ostrings und Nordrings trennten sich 0: 0. Kahnt-Zeitz rangiert mit 3: 12 vor Brüssow-Eharlottenburg 3: 12,2. Zev für Franz' Grühn 3:8,4. In den Wasser ball spielen siegten: Jugend Dessau— Eharlottenburg 7:1 Tore. Männer �-Klasse Halle— Zwickau 3: 4, Dessau— Charlotten bürg 3: 11 Tore. Jubiläumssdiwimmcn in Dessau Berl ner Arbeiterscfa wiromer crfo'greich Anläßlich seines lOfährigen Bestehens feierte am gestrigen Sonntag der Arbeiter-Schwlmmverein in Dessau ein großaufgezogenes S ch w i m m f e st. Insgesamt hatten 22 Verein« ihre Meldungen abgegeben; so Magdeburg, Leipzig, Zeitz, Zwickau, Bernburg und viele andere. Auo der Reichshoupfftadt waren die Freien Schwimmer Charlottenburg anwesend. In der einleitenden Männercrawlstofetie schwamm Magdeburg- Fermersleben überlegen vor Dessau und Magdeburg-Mtstadt und wurde Erster in 5: 22,4. Da» Frauen-Rückenschwiimnen 100 Meter sichert« sich Finke-Dessau mit Längen vor Zacher-Magdebukg. Zeit für die Erste 1: 37,5. Im Männer-Rückenschwimmen führte vom Start bis zum Ziel der jung« Charlottenburger Kutfchkou. Zev 1: 17,4: Zweiter wurde Jahn-Zwickau in 1: 20. Harte Kämpfe waren im Männllchen-Iugend-Belisbigschwimmen zu sehen. Sehr oft gab in den einzelnen Läufen erst der Endspurt den Ausschlag. Die geschwommenen Zeiten sind hervorragend und berechtigen zu guten Hossnungen. Erster wurde Schönzarth-Leipzig in 1: 10,3 vor Schneider-Dessau, der sich auf der Strecke zu sehr oerausgabt hotte. mV 1; 12. Alle anderen dichtauf. Den schönsten schwim- merischen Kampf des Tages gab es unzweifelhaft im Männer- Seitenschwimmen 100 Meter. Hier setzt« sich der telentiert« Magdeburger Schaumburg sofort an dl« Spitze. Dam Feld ahzutommen gelingt ihm aber nicht recht, da der neben ihm liegend» Zwickau«? Pilz aus der Hut ist. Langsam kommt er an Schaumburg heran und auf der letzten Bahn nützt alle Gegenwehr nichts. Pilz gewinnt mit 1: 13,4 vor Schaumburg mit 1: 14. Di« Männer-Lagenstafette. die in drei Läufen ausgeschwammen, wurde, brachte im Gesamtklassement: 1 Eharlottenburg, 6: 12,2: 2. Zwickau 5:17. Zum Springen traten 25 Springer an. Bei den Männern Klasse A wußte Stieler. Dessau gut zu gefallen, in der V- Klasse u.a. auch Schimonn-Eharlottenburg. Das Männer- Brustschwimmen über 200 Meter sah einen Teil der Konkurrenten von Magdeburg vor drei Wochen wieder zusammen. Grühn- Eharlottenburg setzte sich an die Spitze, um sie nicht mehr abzugeben. Deu zweiten Platz entschiede« die Stoppuhren anders als die Augen. „Dirt-Track"- Rennen oder Motorradakrobaten auf der Olympia Was„gewöhnliche" Großstädte haben, muß die Reichshaupi- stadt selbstverständlich auch haben. Von England kamen die Wind- hundrennen— Berlin bekam sie auch und schaffte sie bald wieder ab: von England kamen die Dirt-Track-Rennen— nach Hamburg, wo sie selig entschlafen sind(man wispert, gewiss« Leute wollten zuviel dabei verdienenl)» und von dort kamen sie nach Berlin. Auf der O l y m p i a r o d r e n n b a h n soll«s am 16. März los gehen! Dirt-Track-Rennen sind„Dreckwegrennen", damit man es weiß. Die deutschen Sportmacher aller Couleurs nennen die Angelegenheit vornehmer Ascheirbahnrennen. Das hört sich besser an, ober Dreck wird genug fabriziert dabei. Kürzlich zeigt« man die neue Ehofc draußen in Plötzense«. Unmittelbar an der Zementbahn anschließend ist«ine etwa 5 Meter breve Aschenbahn hergerichtet, auf der die Fohrer ohne überhöhte Kurven fahren müssen. Eine ver. teufelte Viecher«! Die Fahrer ganz mV dem Motorrad ver- wachsene Leute, sitzen aus SpezialMaschinen mV hochtourigen, starken Motoren, die ohne Getriebe direkt aus das Hinterrad wirken. Das ist zwar so ein kleiner Rückfall in die Anfangstechnik der Motor- räder, aber dieser Atavismus wird hier zu raffinierten Kunftstuckchen ausgenutzt. Was die beiden Fahrer Heck und T e n n i g k e i t zeigten, war beste Radakrobatik; der ganz niedrige Sattel läßt dos Bein schon auf der Erde schleifen, wenn es im Knie noch gewinkell ist. Aber nur das linke Bein schleift so nach, der Fahrer regiert damit in den Kurven sein« Maschine: bremst(ohne am Rad Bremsen zu haben!), richtet das fallende, rutschende Rad wieder auf, scbleudert es mit dem Hinterrad nach der Außenkurve, um mit dieser Stellung des Motorrades von der halben Kurv« au» schon in dce Gerade sausen zu können, und was der Kunstkniffe mehr scnd. Das mag Nerven und Stiesel kosten, gegen den Verschleiß der letzteren trägt der Fahrer eine Eisenkappe über den vorderen Schuh. Heck hat bei dieser Fahrerei schon 73 Kilometer die Stunde herausgeholt, das will wirklich was heißen, wenn man bedenkt, daß der Fahrer nur in der kurzen Geraden Gas geben dars und in den Kurven nur mit Schwung, und noch dazu gebremstem, fährt. Daß der Dreck dabei nur so fliegt, ist verständlich, im Sommer wird der Sprengwagen Arbeit bekommen. Aber intereflant ist die Sache bestimmt. Auf der Olympiabahn ist man voller Hoffnung aus e'm„sport'freudiges Publikum! Liskämpfe im Sportpalast Mit Hochdruck wird im Berliner Sportpalast an der Wieder- Herstellung der E i s a r e n a gearbeitet. Am bevorstehenden Mitt- wach können sich die Schlittschuhläufer bereits wieder auf der glatten Fläche tummeln, und am Wochenend« folgen dann zwei große Eis- sporttage mit der E u r o p a m e i ste r s ch a f t t m K u n st l a u s für Herren als Höhepunkt. Hieran werden etwa zwäls Bewerber aus Deutschland, Oesterreich, der Tschechoslowakei und Finnland teil- nehmen. Die Teilnahme des Tschechen Slioa steht lest, und auch Weltmeister Karl Schäfer-Wien wird nicht fehlen. Au» Finnland kommt Meister Nikaanen, und die deutschen Interessen vertreten in erster Linie der neue Meister Leopold Maier-Labergo-München und Herbert Haertel vom Berliner Schlittfchukwb. Nicht minder gut be- setzt sind die ebenfalls für den 16. März ausgeschriebenen inter- nationalen Kunstlaufen für Damen und Paar« und die bereits am Sonnabend abend stattfindenden Hauptlaufen der Deutschen Kampfspiele, die in Krummhiibel der Ungunst der Witterung zum Opfer gefallen waren.___ 218 Stundenkilometer auf dem Motorrad Ein Spiel mit dein Leben sind die Moiorrad-Rekordversuche, die unter Aufsicht des Schwedischen Motorklubs auf dem Eise des Storsees bei Oesterfund durchgeführt werden. Der Münchener Weltrekordmarm Ernst Henne durckiraste auf seiner BMW.- Maschine den Kilometer mV der phantastiscken Geschwindigkeit van 218 Stundenkilometer. Auf der Hinfahrt hatte er aber mit sehr starkem Seftenwnid zu kämpfen, so daß für Hin- und Rück. fahrt nur ein Durchschnvt von 186,7 Stundenkilometer herauskam, was immerhin einen neuen schwedischen Rekord darstellt. ««tu««,«uWaHolelM! ffl«®., S\äiUn%a« H. Jrten ssr»i!-q SNZ Ul>r SiZun« b«,(Efabt. S«Iin ß.. Siorinennkngrasi-(£pottBl«jO. Gäste fini fteimMItfjft flncrtlaSen, Iuaenb: Sifcim« Men®ifn lihun« sm 11. Mit« au«. Lonntaa, 18. MS«, beteiliecn sich die Genosien a» her st«!ern her Partei....__ ZantüttRMnlit ,$<« 9!oturfKunkc*, sie»träte Wien. Diinstn«. 11. Mar.;. Z8 Mir. Att. Kricdriilnhat»! ssrtirksiirter Sillc?!07. Sicderaben».—«bt. Mitte, A»ha»ni»str. 18. Geschäftliche,. Sieherede»».— B»t.»oiiem e«n«cn- Str. 10. MSr-abend.— Sibt. Siculclln s?v»en»ar>»?e)! Muahafcn» strasie 80. Dortr»»:.Ga,>»Ie» Wendern".— Abt. Sinnbeldihatn: vrlhsir. 1». «»rtrea:»Wendern und Lchaurn" siichtbttderi sGettscherl.— Abt. Gedblng: Tnrinrr G-te Seesireße. Geschäftliche».— Abt. rlchtcne«l>c: Srute fällt au«, »aftir Freitan. 14. Matt. 1814 Uhr. bei Lent». 0«!ser.Wiwel!N�lr. 13. 18-Mi. nuten-Reserate.— Mitnasch. 12. MS«.« Uhr. Oste» t�uaendarunvch: G«siler» liresi« Sl. Geschäftliches.— G»nners'««, 13. Märt. 20 Uhr. Abt. Gcfund- brnnnrni Deteilteun««» der Neranstalwn«»es Lr»rtkartells»in 18'4 Uhr in der An!««rilntheler Str. i.—»latnrkurbNch««bteilun«! ahhannissir. 15. xichtdildervertrae-.«In«, un»»euwä«-!»er Se>*«r'-— Abt. Tier, arten: l'tlrrter Str. 18— 1b Ssrtrea:.Märnaedanken". Referent: ft. Schtttte.— Ad!. Srx-njlaittr Oct«: Tan»iaer ffti, 60.«etetfe H. Grnitta und Keitercs.— Abt. ichTcahe»«: Guntersir. 44. Musiladend.— Abt. Siibwest: Asrrtstr. 11. Vor- tvoc:..MttriNiedanIen".— Abt. Wcihenfee: Pistsriussir. 24. Brettfvielsdend. «dt. Reut»»: Berasir.«. Veul Schwaretspf ewahlt. »Solideeität'. Meters-> Herr. Touren für Gsnntati. 18. Mär: Abt. Thar- lsttenbur«: Anfahren nach Raurner Vtalbschänte. Start: 10 Uhr WNmcrödorser «che Äena'sitefie.— Abt. Friedriche Hain: Vucksr». Start:» Uhr Sanddderaeu Dla». Abt. Reulölln! Cchn'fcfee über Vrenau.Wensnkrndorf. Start: 12 Uhr faheiuafttn Blatt.— Abt. Sliweaberq: Anfehrrn nach ffreienjoalbe. Start: 8 Uhr bei Sentes, Oder- Ecke isinowsirasie.— Att. aharlottenburq: 13. Mär: 30iiH)ti«c Srtlndunasucrsainntlunq irr Adtriluna Gharlottenl'ura um 20 Uhr. Berel« ftte«Srperlultne.Arsles*. Urb, masstunden für Männer von ifht ni in der Salle ifricdenstr. Sl tRähe Landsberaer Plahi. ctftmol:« am Mitt- moch. dem 12. Mär«, von 20 bis 22 Uhr. Bom Dienstag. 18. Marl. an. nndrn die Uebunaostunden für Männer ieden Dienstaa in der ffei edenstraiie statt. Die »etil. Mitglieder iiden jeden Menta«»sn 20 hi»»2 Uhr in der Weldemarftr. 77. Sie jugendlichen männlichen Mitglieder jeden Donnerotag ron l3V» bis 2114 Uhr in der S-aSt Gubener Str. 30. Gäste, euch Richtsvo rtler. gern gefeben. Gvnntag. 28. Mär». Derelnsvartie. Gtreif'stse durch den Grnnemald. ..Brole»".M!tteilnnge!'. Seit 3. sind vsn der Gefchtif'zstelle: Varl Äien6o.mn. SS. 86, Staunvnsir. 6 sAlcrand-r 25381, enzufdrdern. Auch wird dort jede Auskunft erteilt. 18. Oet'rlskgrte»»eegtsm. startellsitiun« erm 10. Mär» fällt aus. ?rele«Gmimmee Srosi-Derlt» 6. B. Laupteusfchuhsigung Tonnet rtag, 18, Mär», fäll- aus.— Grurvr NenkZlln: DrnpPenfchseimmfest Sonata s, 18. Mär«. 18 Uhr, Ganghefersirasie._ gTG«., Aeeivr»erk» Itn rfrarte. Morgen. Diengtag, U. gebruar. 1014 Übt, Mitgliederveefammlun« in»er Schule In Moabit, Waldenseeste. lll. Ruderverein«onostet». Auster den dekannten Rudeetogen' Sonntag, fllt die Anfänger-Mannfcheftei, und die iiatt: Montag. 10. Miir,, 20'.» Uhr. Schwimmen im.............-..... 1 ienotag. 11. Märg. IS Uhr, Enmnasiik in der Turnhalle Solteistraste.— SonNtag. Iii. Mär.,, ad 9 Uhr, Ardeitsi-rnst im Bootshaus. Lestter Trrnn:: für die Bestellung der geltscheine Ist die M unli-d-roersammlun» am 8. Agr:?. Ewige Mitglieder titc die Miniioradtotlnng sliber IS Sahre) weichen noch Freie Bahn für sachliche Arbeit. Oie Freidenkerwahlen.-„Verbandsaufbau" stetli alle Delegierte. Die Urwahl de« verband«» für Ireldeaker- tum und Feuerbestattung, die am Sonntag in allen Berliner Wahlbezirken durchgeführt wurde, ergab einen Sieg der Liste„Uerbandsausbau" über die kommunistische Opposilior.sliste. Vei der gestrigen Freidenker-Urwahl erhielt die kam- mumstische Opposition eine vernichtende Niederlage. Für die Liste Verbandsaufbau vurden 64 340 Stimmen abgegeben. für die Liste Opposition 24 96«. In keiner einzigen der 38 Wahlgruppen gelang es der Opposition, die Mehrheit zu erringen, so daß sie für die bevorstehende Bezirkskonferenz und für die Besetzung der Gruppenleitungen nicht einen einzigen Kandidaten durchbrachten. Die kommunistische Opposition hat eine Niederlag« erlitten, von der sie sich nicht wieder erholen wird. Durch die Urwahl sind einmal die SO Delegierten zum Bezirks- tag gewählt, außerdem in allen Bezirken die Gruppenleitun- gen, die nun auch sämtlich nur aus Vertretern der List« ,.Ver- bandsaufbau" zusammengesetzt sind. Der Berliner Bezirkstag des Verbandes stellt von 100 Delegierten der Reichstagung 40. Da auch dies« Delegierten von der Liste„Verbandsaufbau" gestellt werden, ist schon jetzt eine sicher« Mehrheit gegen die kommunistische Oppo- sition auch auf der Reichsverbandstagung gewährleistet. Auch die Urwahlen in Leipzig und D a n z i g haben mit einem vollen Sieg der Liste„Verbandsaufbau" geendet. Diese Liste er- hielt in Leipzig 2S00. die der Kommunisten nur 3S0 Stimmen. In Danzig siegt„Derbandsaufbau� Kommunisten. mit 1057 gegen 462 Stimmen der Die Ergebnisse in den Kreisen: »ret« l. Btrlln-MiN«..., 2. Tierqarna...., 3. Wedding...., 4. Di enzlauer Berg.. S. Fr edrichshain... «. Kreuzberg..... T. Eharloitendurg... 8. Spandau..... 9. Wilmersdorf...< 11 Schiinebcrg.. 10./I2 Siegiitz-Zchlendorf. 13 Temvelhof..... 14. ReukSlln...... 15. Trepiow,,».» 16. Köpenick.....< 17. Lichlenberg..... 18. Weitzel» ee..... 19. Pankow...... 20. Reinickendorf.■. Abgegebene Berbandsaufbau 2913 3023 7280 5540 7038 7670 3865 1786 728 1160 1714 1199 9409 2466 1130 2812 1125 1532 1942 Stimmen Oppofilion 1303 1271 1481 2566 3151 3299 1342 372 254 626 689 549 3762 987 531 1549 189 621 435 Geiamtrefullat. 64340 24966 Di« Kommunisten haben nun auch ihr« letzte Position in den großen Arbeiterorgomfalionen verloren. Die Arbeit des Verbandes für Freidenkertum und Feuerbestattung war jahrelang durch sine törichte Opposition gehemmt. Die Urwahlen am Sonnwg haben den Weg freigemacht zu einer ersprießlichen Zlufbauarbeit im Interesse des arbeitenden Volkes. Berliner Demokraten„arbeiten". Listenverbindungen mit den Oeutfchnationolen. In der Stadtverordnetenversammlung haben die M i tte l p a rt e i en, die gewillt sind, die Finanzschwierigkeiten Berlins überwinden zu helfen, einen äußerst schweren Stand. Die Flügelparteien zeigen ganz unverhohlen ihre Befriedigung darüber, daß die Selbstverwaltung bedroht erscheint. Die Deutsch- nationalen, die natürlich die inneren Ursachen der Berliner Finanznot, die Anleihesperre, die starke Zuwanderung und den un- günstigen Finanzausgleich ganz genau kennen, versuchen in dema- gogischer Weise die ganze Verantwortung auf die bisherigen Etat- Parteien zu schieben und weisen bei jeder Gelegenheit mit Stolz darauf hin, daß sie sich in all den Iahren an der Etatsarbeit nicht beteiligt haben. Dies Verhalten erfährt bei allen verantwortungs- bewußten Parteien die schärfst« Ablehnung Nur die De- mo traten scheinen auf einen kleinen Vorteil von den Rechts- Parteien zu hoffen. In verschiedenen Bezirken, z. B.«m Bezirk Tiergarten, sind die Demokraten Listenverbindungen mit den Deutschnationalen eingegangen, um einen Stadtrats- Posten zu erhaschen. Es ist sicher Geschmackssache, sich um eines solchen Vorteils willen mit einer Partei zu verbünden, von der man sonst in allen Tonorten beschimpft wird. Die Demokraten tun es aber auch noch billiger! In der zentralen Gefundheits- deputation werden ständige Ausschüsse gebildet, die nur vorbereitend« Arbeiten zu leisten haben: endgültige Beschlüsse können ausschließlich von der Deputation gefaßt werden. Um in diesen Ausschüssen auch einen Eitz zu bekommen, sind die Demokraten wiederum eine Listen- Verbindung mit den bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Deutsch- nationalen eingegangen. Jede Partei muß natürlich selbst wissen, in welches Lager sie gehört. Die Demokraten schlagen sich in Berlin immer auf die Seit« der Fraktion, bei der sie im Augenblick ihr« Forderungen und An- sprüche, die nie in einem richtigen Verhältnis zu der Kleinheit ihrer Fraktion stehen, am erfolgreichsten durchsetzen können. Diese U n- Zuverlässigkeit, die auf die Dauer für ein« Koalitionspartei unerträglich ist, untergräbt die Möglichkeit der so notwendigen syste- matischen Arbeit im Rathaus! BerufsfchuZen in Gefahr. Aus den Kreisen der Berufsschuklehrrr wird uns ge- schrieben: Di« Berliner Berufsschule, mehr bekannt unter der früheren Bezeichming P st i ch tf o r tb i ldu n gsschu l«, wird am 1. Mai d. I. das Fest ihres fünsundzwanzigfährigen Bestehens feiern. Di« jüngere Arbeitergeneration kennt sie aus eigener Er- fahrung, die älter« nur durch Söhne und Töchter, die sie besuchen. Das Schülermaterial der Berufsschule rekrutiert sich fast restlos aus den Kreisen der proletarischen Arbeiterschaft. Zum größten Teil tadellos« junge Leute, sind dies« Berliner Berufsschüler lernbegierig und bestrebt, sich zu einer Weitanschauung hindurchzuringen. Je- doch auch all« diese Elemente sind unter ihnen, denen Sabotage Pnnzip ist, die sich in keine Arboitsgemeinschaft einfügen wollen. Di« Be- russschularbeit ist daher nicht leicht. Joden Wochentag hat der Lehrer ein« andere Klasse vor sich. Was in den sechs Unterrichtsstunden aufgebaut ist, wird in den nächsten sechs Togen durch andere Ein- flüsse, die länger und nachhaltiger wirtsam sind, zum großen Teil wieder zerstört. Es sst schwer, dt« Klassengemeinschaft zu einer Arbeitsgemeinschaft zu formen. Die Dil- dungsarbeit an den im Entwicklungsalter stehenden Ikjährlgen Leu- ten wird außerdem erschwert durch ungünstige äußere S ch u l v« r h ä l t n i s s e. In dieser Beziehung geht's nämlich in der Berufsschule nicht vorwärts, sondern rückwärts Bis 1924 hott« jeder Berliner Berufsschullehrer im Durchschnitt etwa 92 Schüler zu betreuen. 1924 ordnete der Staat«in Sparen an. Die Be- rufsschul« hat unter diesen Sparmaßnahmen ungeheuer leiden müssen. Arbeitsstunden der Lehrer und Klassenstärke wurden damals fo erhöht, daß in Berlin jetzt auf jeden Lehrer durchschnitt- lich 137 Berussschüler kommen. Run muß noch einmal gespart werden, und zwar aus Veranlassung der Stadt. Wieder gibt's Erhöhung der Klassensrequenz. Im Durchschnitt 171 Schüler soll nach den Plänen des Magistrats jeder Lehrer nun betteuen. 92 früher, 137 jetzt, 171 in Zukunft! Die Klassenstärke will man in der Volksschule um 3 erhöhen, von 33 auf 36, in der Berufsschule aber um 7, von 29 ebenfalls auf 36. Als wenn der Unterricht von 36 zehnjährigen Bolksfchülern und 36 sechzehnjähri- gen Berussschülern dasselbe wäre! Das geht selbstverständlich nur «ttf Kosten der Qualität. Es wird nämlich nicht zu»er» meiden fem. daß die Schülerzahl in sehr vielen Klassen nun mehr als 40 betragen wird. In so überfüllten Klassen ist ein nennens- werter Erfolg, insbesondere bei einem nur normal begabten Lehrer» selb sw erst ändlich nicht zu erwarten. Die in jeder Klasse vorhandencir störenden Elemente gewinnen da gar zu leicht die Oberhand. Di« Bemühungen des Lehrers sind keine Arbeit mehr, sondern ein« aussschts- und erfolglos« Quälerei. Die Berufsschule muß unter solchen Derhältnissen ihren Wert einbüßen. Wem die Albeiter- bildung am Herzen liegt, dem kann das alles nicht gleichgültig sein._ K.. Voriragsabend des Tibetforschers Filchner. Im Rahmen der„Freien Sozialistischen Hoch- schule" findet am Sonnabend, dem 22. März, abends 8 Uhr, im Plenarsaal des Reichstages ein Lichtbildervortrag mit Originalbildern des bekannten Tibetforschers Dr. Wilhelm F i l ch n e r statt. Er spricht über seine Erlebnisse aus seiner letzten Forschungsreise i n T i b e t. Es empfiehlt sich, möglichst frühzeitig Karten zu besorgen. Karten zum Preis« von SO Pf. sind zu haben: Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW68, Lindenstr. 3, I. Hof, III; Dietz- Buchhandlung, SW 68, Lindenstr. 2; Bezirtsbildungsausschuß, SW 68, Lindenstr. 3. II. Hof, II; Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, S 14, Wallstr. 65; Denis cher Holzarbeiteroerband, S., Am Köllnischen Park 2; Zigarrengeschäst Horfch, SO., Engelufer 24/25; Verlag des Bildungsverbandes der Deutschen Buchdrucker, S., Drcibundstr. 5; Zentralverbond der An- gestellten, S., Hedenianrrstr. 12; Verband der graphischen Hilss- orbeiter, S., Ritterstraß«, Ecke Luisenufer; Verlagsgesellschaft des ADGB., Abteilung Sortiment, Jnfelstr. 6a. Eine neue Sexualberalungsstelle. Die Gesellschaft für Sexual- reform hat eine Sexualberatungs stell« unter Leitung der Herren Dr. H. L e h f« l d t und Dr. F. E. H i r s ch mit der sexual- wissenschaftlichen Beratung von Dr F. A. Theilhaber ein- gerichtet. Sie befindet sich in der Kl. Präsidenlenstrahe 3(nahe Bahnhof Börse) und ist geöffnet jeden Mittwoch und Freitag voq �17 bis 20 Uhr. Beratung erfolgt kostenlos. Montag, 10. März. Berlin. 16.05 Dr. Wolfjane Pohl: Sozialpolitische Umschau. 16.30 I. Mozart: Sonate Q-Dur, K— V. 283(lians Bork, Kitvier).— 2. Oeslnx« (Rose Steiner, Sopran; am FIBecJ: Jnlias Bürecr).— 3. Moscheies(eest. 10. 3. 1870): Sonate mßlancolique, op. 49(Hans Bork).— 4. Rieh. Strauß: Lieder(Rose Steiner).— 5. Beethoven: Deutsche Tinze(Hans Bork). 17.30 Fechtsport(Sprecher: Dr. Herbert Hoops). 18.00 Dr. med. Alfred Beyer: Sclbstbildunj. 18.30 Das Interview der Woche. 19.00 Russische Volksmusik(Schallplatten). 19-30 Oeistlicbe und weltliche Frauenchöre. 20.00 Ernst Gläser:„Der Wiederaufbau". 20.30 Internationaler pAperammaustausch. Von Warschau. Orchesterkonzert, Dirigent Joseph Ozimlnskl. 1.2 1. Karlowicz: Sinfonische Dichtung.— 2. Fr. Chopin: a) Fantasie über polnische Themen mit Orchestcrbcgld- tung; b) Barcarole; c) Vtlse, op. 34, Nr. 1; d) Impromptu; c) Polonaiso (Joseph Silwinski, Klavier). II.: Tänze und polnische Lieder.(Tanz- Orchester Jean Rözewicz; Orchester der Philharmonie, Warschau.) Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 17-30 Dr. Hanns Rohr: Das Klaviertrio der Wiener Klassüccr, 17.55 Direktor Weitsch: Das Volkshochschulheim. 18.20 Prof. Dr. Albert Dietrich: Besinnliche Viertelstunde. 18.40 Englisch für Anfänger. 19.05 Dr. Hans Fr. Blunck: Eigene Novellen und Gedichte- 19.30 Schlange-Schöningen: Frühjahrsbestellung. 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.45 Spontini— Weber. Dirigent: Selmar Meyrowitz. Eilen Tie zu Snrrasani, denn die Icfctcn Tage des Berliner Gastspiels nahen heran! Jeder nahe diese Gelegenheit zum Besuch des pröhtrn europäischen Zirkustes aus. Täglich abends 7'� Uhr Vorstellung. SMchftc Nachmittagsvorstellung Mittwoch. 12. März. 3 Uhr. Karten sind zu allen Bor. .stellungen und auch in allen Preislagen erhältlich.