Morgenausgabe Nr. 119 A 60 4?.Iahrgang WSchrnttlch 85 W. monatlich 8�0 JJt Im voraus zahlbar. Postbezug berliner Volksblatt Mittwoch 12. März 19)0 Groß-Serlin 1V pf. Auswäris ts pf. Di»»tni»«m«t W Pfennig. Reklame'eile 5.- RonpareivezeN« nig. Reklame'eile 5.— Reich»- mark.„ZNetnr Anzeige»' da» ettye- druckte Wort SS Pfennig(zulässig zwei leuaedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erst» Wort IS Pfennig, jedes wettere Wort (0 Pfennig. Worte über IS Buchstabe» Zählen für zwei Worte vrbeitsmartl �eile SO Pfennig. Faneiltenanzotgen Ze.l» Ä Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» «eichast LindenstraKe S. wochentäglich von tid 17 Uhr. Aenttawvsa« der GozialdemoSeaMchen Vartei DeuttGtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 llirnfprecheri Döirbof» 202—291 Sdcntamm-Stbr.; Sonaldemokra» Berlin. Vonvärts-Verlag G.m.b.H. Poltlcheckkonio: Berlin 87 536.— Bantkoni»: Bank der Arbeiter. Anacstellten und Beamten� Wallstr K5 Dt? u Dikr-Gel Depolitenkalie Lindenstr 3. Eimke Mhcheil für den Aonng-plan. Schwache Mehrheit für den Polenvertrag. Der Reichstag«ahm gestern in 2. Lesung die Voung-Gesetze an. Die entscheidende Abstimmung über Art. i crgat« 263 Ja, 174 Rein. 25 Enthaltungen. Auch das deutsch Polnische Liquidations» abkommen wurde, wenn auch mit viel schwäche- rer Mehrheit angenommen. Man zählte 224 Ja, 266 Rein, 26 Enthaltungen. Die dritte Lesung beginnt heute 12 Uhr mittags mit einer Rede des Reichskanzlers. Die Regierung Hermann Müller, die vielgeschmähie, selten gelobte, hat einen Erfolg zu verzeichnen. Der Reichstag hat die Abstimmung über den Voung-PIan zu dem Zeitpunkt, den der Reichskanzler bestimiHte. vorgenommen, und er hat mit großer Mehrheit im Sinne der Regierung entschieden. Auch das hart umkämpfte Polenabkommen ge- langte, wenn auch mit knapper Mehrheit, zur Annahme. Wenn die dritte Lesung das Ergebnis der zwe'ten bestätigt, so wird damit ein wichtiges Kapitel der deutschen Außen- Politik zu einem befriedigenden Abschluß gelangt sein. Dem �oung-Plan drohte doppelte Gefahr. Di« eine kam von der Taktik des Zentrums, das diese große außenpolitische Frage mit einem innerpolitischkn Problem, der Finanz- frage, in Verbindung brachte. Die andere ergab sich aus der starken Abneigung eines Teils der Voltspartei und des Zentrums gegen das Polenabkommen» das einen untrsnn- baren Bestandteil des Gesamtplans bildet. Die Bedenken des Zentrums wegen der Finanzpolitik sind durch die Berhandlungen, die es mit der Sozialdemo- kratie. den Demokraten und der Bayerischen Bolkspartei führte, beschwichtigt worden. Durch diese Berhandlungen haben sich die Aussichten für das rechtzeitige Zustandekommen einer Finanzreform, die Ausgaben und Einnahmen ins Gleichgewicht bringt, entschieden verbessert, doch wäre dieses Resultat auch ohne Verwendung des Doung-Plans als Druck- mittel zu erreichen gewesen. Die Bayerische Volkspartei, päpstlicher als der Papst. Hot die Sicherung der Finanz- reform noch immer nicht ausreichend gefunden und sich der Stimme enthalten. Es konnte sich diesen Luxus erlauben, da durch die oeränderte Haltung des Zentrums die Annahme gesichert war. Eine ernstliche Gefährdung des Noung-Plans hätte niemand verantworten tonnen. Gestern vormittag war, wie bereits gemeldet, der Frak- tionsvorfitzende des Zentrums, Dr. B r ü n i n g, beim Reichs- Präsidenten. Die Unterredung war vertraulich, doch scheint die Rechtspresse über sie recht gut unterrichtet zu sein. In Berlin konnte sich gestern abend jedermann für einen Groschen Hugenbergs„Nachtausgabe" kaufen, die mit der schreienden Ueberschrift geschmückt war: Hindenburg enlfchied Reichskazsschlachl. Die Mehrheit für die Doung-Gcsetze ist nunmehr gesichert. Unter dieser Ueberschrift, die bei der bekannten Einstellung der Hugenberg-Presse kaum als eine Huldigung aufzufassen ist, wird berichtet, daß der Reichspräsident dem Jentrums- führer erklärt habe, er werde das internationale Bertrags- werk nur dann unterzeichnen, wenn es vom Reichstag mit einer entsprechend großen Mehrheit angenommen werde. Zum zweiten soll der Reichspräsident versichert haben, er werde alle verfassungsmäßigen Mittel anwenden, das Finanzpro- gramm der Regierung, vorbehaltlich etwaiger Aenderungen, durchzusetzen. Als Dr. Brüning gestern im Reichsiag von„heute ab- gegebenen bedeutsamen Erklärungen" sprach, bezog man dies allgemein auf seine Unterredung mit dem Reichspräsidenten. Einen schwachen Punkt in den Abstimmungen von geshern bildet das Polenabkommen. Hier sank das Ueber- gewicht der Ia-Stimmen über die Nein-Stimmen von 89 auf 18. Der Sieg war also äußerst knapp, und das um so mehr. als noch 29 Enthaltungen zu verzeichnen waren. Wesentliche Teile des Zentrums und der Volkspartei gingen hier zur Dpposttion über. Die einzige Fraktion, die,«nt- sprechend ihrer gesamten außenpolitischen H a l t u iflC geschlossen für das Abkommen stimmte, war die sozialdemokratische. Wird mit der heutigen dritten Lesung der Kampf um den Noung-Plan abgeschlossen sein, oder gibt es noch ein Nach- spiel? Im Reichstag war gestern viel von den Artikeln 72 und 73 der Verfassung die Rede, deren einschlägige Bestim- mungen lauten: ' Artkel 72. Die D e r kü n d un g eines Reichsgesetzes ist u m zwei Monate auszusetzen, wenn es«in Drittel des Reichs- tags verlangt. Gesetze, die der Reichstag und der Reichsrat für dringlich erklären, kann der Reichspräsident ungeachtet dieses Der» langens»erkünden. Artikel 73. Ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz ist vor seiner verkündung zum Volksentscheid zu bringen, wenn der Reichs- Präsident binnen eines Monats es bestimmt. Ein Gesetz, dessen verkündung auf Antrag von mindestens einem Drittel des Reichstags ausgesetzt ist, ist dem Volksentscheid zu unterbreiten, wenn ein Zwanzigstel der Stimmberechtigten es beantragt. Sollte die Opposition heute die Aussetzung beantragen, so wird dieser Streich wahrscheinlich durch die Mehrheit des Reichstags und des Reichsrats sowie durch den Reichspräsi» denten pariert werden. Die verfassungsmäßigen Möglichkeiten, den Kampf um den Doung-Plan moh-gen im Reichstag abzu- schließen und neue verwüstende Kämpfe im Volke zu ver- meiden, sind voll geLeben. Man kann also die Prophezeiung riskieren, daß der Kampf um den Joung-Plan mit dem heutigen Tage glücklich beendet sein wird. Dann soll am Donnerstag die zweite Lesung des Gesetzes zum Schutze der Republik beginnen, und der Rest des Monats wird dem Fmanzprogramm gehören, das nach dem Wunsche der Regierung bis zum 24. März er- ledigt fein soll. Für das Fmanzprogramm gibt es drei Möglichkeiten: 1. Mißlingen und finanziellen Zusammenbruch: 2. Erledi- gung auf Grund der besonderen Vollmachten des Reichspräsi- denten(Artikel 48): oder 8. Zustandekommen eines von einer Mehrheit des Reichstags vereinbarten Gesetzeswerkes. Der letzte Weg ist der einzig erträgliche, es muß alles getan werden, um ihn gangbar zu machen. Die(lnierredung Hindenburq— Brüning. Heber die Unierredung, die der Vorsitzende der Reichstags- fraktion des Zentrums, der Abg. Brüning, am Dienstag vor- mittag mit dem Reichsprästdemen vonHindenburg hatte, wird aus Zsntrumskreisen mitgeteilt, daß in dieser Unterredung der Reichspräsident erkennen ließ, daß eine Annahm« des Doung-Plans mit einer nur geringen Mehrheit ihn vor die Frag« stellen würde, ob der Poung-Plan erneut zum Volksentscheid gestellt werden soll. Der Vorsitzend« der Zentrumsfrattion betonte, daß die Zentrmns- fraktion aus vaterländischem Verantwortungsbewußtsein unbedingt Sicherheit dafür haben müsse, daß rechtzeitig die Gesetze zur Sicherung der Reichssi nanzen in Kraft treten. Der Reichspräsident erklärte darauf, daß er von der selben Notwendigkeit überzeugt sei und daß er von allen oerfassungs- mäßigen Mitteln Gebrauch machen«erde, um die rechtzeitige Regelung der Finanzfragen zu verwirklichen. Der Vor- sitzende der Zentrumsfraktion gab in einer darauf folgenden Sitzung der Fraktion von dem Inhalt dieser Unterredung mit dem Reichs- Präsidenten Kenntnis. Luther einstimmig gewählt. Am 3. April Amtsantritt des neuen JUichsbankpräfldernen. See Gener-le-t dee Reichsbank wählte eiusthmnig ■ttt Stelle des ausscheidende» Relchsbankprastdenten Te. Hjalmae Schacht de» Reichskanzlee a. D. De. Hans Luthee zun» Peästdenten des Reichsbankdieektueiums mit Wiekung vom S. Apeil d. I.. a« welchem Tage die Itebeegabe dee Amtsgefchäfte stattfindet. Die Bestätigung des Reichspeäfidenten fite die Wahl des neuen Reichs- bankpeästdeute« ist nachgesucht worden. * Die historische Rechmittagssitzimg des Generalrats der Reichs- Sank, in der Dr. Schacht vor seinem Wahlkollegium zurücktrat und Dr. Luther zu seinem Nachfolger bestimmt wurde, hat zwar fast zwei Stunden gedauert, die W a h l des neuen Reichsbankprästdenten war aber innerhalb fünf Minuten vollzogen. Der Rest der Sitzung war von der Erledigung laufender Aufgaben des Gcneralrates erfüllt, die Dr. Schacht einer späteren Sitzung des Generalrates vorwegzunehmen empfohlen hatte. Die Wahl Luthers ist einstimmig erfolgt: persönlich anwesend waren sechs deutsche und die ausländischen GeneralratsmitgJieder Mc. G a r r a h, Professor B r u i n s und Vachmann-Schweiz. von den deutschen Mitgliedern fehlte nur Louis Hagen. Dr. Schacht hat Dr. Luther mitgewählt, der nach der bankgesetzlichen Vorschrift insgesamt von neun Mitgliedern, darunter sechs deutschen, persönlich gewählt wurde. Di« Bestätigung Dr. Luthers durch den Reichspräsidenten Hindenburg dürfte ball» erfolgen, da das Reichskabinett mit der Wohl Luthers einverstanden war. Luthers Laufbahn. Der jetzig« Reichsbankpräsident war bis zum Jahre 1Z22 Ober« büvgermeister von Essen. Der Reichskanzler Cuno berief ihn zum ersten Male In ein ausgesprochen politisches Amt, und zwar als Reichsernährungsminister. Mir dem Währungskommissar Dr. Schacht arbeitet« Luther als Reichsstnanzmimster 1924/25 zusammen. Im Jahr« 192S wurde Luther Reichskanzler und führt« das erste Rechtskobinett nach der Inflation. Cr stürzte, nachdem sich seine Entwicklung deutlich nach rechts vollzogen hotte, über der Flaggenverordmmg, sollte dann zum Nachfolger des damals schwer kranken Generaldirektors der Reichsbahn Direktor Oeser bestimmt werden, was der Derwaltungsrot der Reichsbahn durch die Wahl Dorpmüllers aber verhinderte. In lebendiger Erinnerung ist noch der Widerstand, den Dr. Lucher seinem Ausscheiden aus dem Ver- waltungsrat der Reichsbahn entgegensetzte. Er trat später als Vor- standsmitglied in di« Gemeinschastsgrupp« deutscher Hypotheken- banken«in und führt« gleichzeitig als Vorsitzender die Politik des Bundes zur Erneuerung des Reiches. Von diesem Vorsitz wind Luther ebenso zurücktreten, wie er aus seinen mehrfachen Aufsichts» rotsstellen ausscheiden wird. In der Kampagne um den Aoung- Plan hat sich Luther für den Poung-Plan und gegen Hugenberg erklärt._ Drei l i z e ist u n d e beginnt und wann sie endet, Uttter welchen Voraussetzungen sie verlängert oder verkürzt werden darf und wie ihre Einhaltung zu überwachen ist. Di« äußerste Grenze für die Festsetzung der Polizeistunde ist .1 Uhr nachts, sofern Nichi besonder« örtliche Berhältniss« eine Ausnahme rechtfertigen, worüber die oberste Landesbehörde oder die von ihr bestimmte Behörde entscheidet. Der Ausschank von Branntwein in Gast- und Schankwirtschaften, sowie der Klein- Handel mit Branntwein darf nicht vor 7 Uhr früh beginnen. Der Ausschuß vertagte die Weiterberatung aus Mittwoch. Vom Namfch. Im Chemnitzer Stad'parlament erwidert« der„linientreu«' Kommunist W e.sch k e.aus sozioldemokrotosche Angrifse: „Jawohl, wir haben imser Eigentum verkauft und mit den gewonnenen 15 Millionen lausen wir Kara- b i n er und Maschinengewehre.' Dieser Aufschneider! Als ob für die bankerotten kommunistischen Betriebe ein Mensch 15 Millionen Mark geben würde oder gar schon gegeben Hot! Der Reichstag erledigte am Dienstag nachmittag kleine Borlagen. Zum Einspruch des Reichsrates' gegen den Reichstagsbeschluß, daß Rückflüsse aus Wohnungsbaugeldern wieder nur hierzu ver. wendet werden sollen, beantragt der Wohnungsausschuß A b w e i- sung. Es wird angeregt, diesen Beschluß erst.noch dem Haus- haltsausschuß zu überweisen. Abg. LlpinsN(Toz.) spricht als Berichterstatter dagegen, da der Finanzausgleich in keiner Weife durch diesen Gssetzentwurs berührt wird: der Reichsrat behauptet zu Unrecht das Gegenteil. Di« neu« Ausschutzberatung wird gegen die Wirtschaftspauei und andere reaktionäre Gruppen abgelehnt. Zur Sache spricht Abg. Lipinski(Soz.) als Berichterstatter: Die Rückflüsse aus den i 4 Milliarden Hauszinssteuer, die dem Wohnungsbau zur Verfügung stehen, betragen setzt 40 bis 50. später 120 Millionen jährlich. Es handelt sich darum, diese großen Beträge dem Wohnungsbau und der Erhaltung der Neubauwohnungen zu sichern. Abg. Troßmano-Nürnderg(Bayer. Dp.): Den Ländern werden aber dadurch notwendig« Mittet entzogen. Abg. Schumann-Leipzig(Komm.): Der preußische Finanz- minister hat sogar jchon Ansprüche aus die Wohnbaugelder ang«. meldet. Eine neue M'.etenerhohung ist nur aufgeschoben. Abg Frau Kurfürst(Soz.): Wir haben alles Berständnls für die Flnanzschwierigkeiten der Länder und Gemeinden, ab«r bei dem Rückgang der Wohnbaurätigkeit und der so schwierigen Loge des Baumorttes darf man nichts tun, was den Wohnbau noch mehr schädigen könnte. Man hat im Aus- schuß behauptet, daß die Länder dafür bedeutend mehr zur Ver- fiigung gestellt hätten, als sie mußten; besonders Preußen hat darauf gepocht. Wir verkennen das nicht, aber die Ruckslüsse müssen für den Wohnungsbau gesichert werden, und das darf nicht bis zur Reu- regelung des allgeminen Finanzausgleichs hinausgeschoben werden. Der Wohnungsbau muß noch weitere Mittel erhalten, sollen Woh- nungenot und Wohnungselend nicht noch gesteigert werden. Aus diesen Gründen stimmen wir gegen den Einspruch des Rcichsrats. (Beifall der Soz.) Nach weiterer Debatte, in der Abg. Ferl(Soz.) einen sozial- demokratischen Antrag zur Sicherung der Verwendung der Rückflüsse aus den Wvhnbauaeldern wiederum für den Wohnbau befürwortet und Abg. Lücke(Wirtsch.-P.) diesen Antrag bekämpft, folgt die namentliche Abstimmung über den Ausjchußantrag aus Aus- rechterhaltung des früheren Reichstagsbefchlusses unter Zurückweisung des Einspruchs des Reichsrates. Der Aueschuyantrag wird mit 421 gegen 42 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung angenommen. Es ist somit die Z w« i d r i t t e l- Mehrheit erreicht, die notwendig ist, um einen Einspruch des Reimsrates gegen einen Reichstagebefchluß wirkungslos zu machen. — Offenbar um den Uebergang zu den Abstimmungen über den Poung-Plan zu verzögern, beantragen die Kommunisten über ihren Antrag gegen Mietsteigerung namentliche Abstimmung. Der Antrag wird abgelehnt, die Zahl der Abstimmenden ist noch um drei größer. als bei der ersten Abstimmung. Der sozialdemokratisch« Antrag wird abgelehnt. Es folgen die Abstimmungen über den �oung-plan. Bor der Abstimmung verlas Abg. Dr. Brüning(Z.) folgende Erklärung des Zentrunis: Do durch die neuerliche Entwicklung der Finanzverhandluirgen. insbesondere auch durch d!« heute abgegebenen bedeutsamen Erklärungen die feste Gewähr gegeben ist, daß die die Voraussetzung für eine Zustimmung des Zentrums bildend« s o- fortige Sicherung der Finanzen so erfolgen wird, daß rechtzeitig die erforderlichen' Kasseneingänge fließen, hat sich die Zenttumsfraktioii in ihrer Mehrheit entschlossen, dem vorliegen» den Gesetz aus staatspolttischen Erwägungen ihr« Zustimmung zu geben(Lärm und Lachen rechts) unter Erneuerung ihres Appells an alle zur Regierung stehenden Parteien, die zur Erreichung der unaufschiebbaren politischen Notwendigkeit der Finanzsanierung erforderlichen Maßnahmen zu verwirklichen.(Unruhe rechts.) Mg. Slöcker(Komm.) erklärt, daß seine Fraktion die Antrag« der Rotionalsoziallsten(Ungültigkett der Kriegsschuldklausel und der Reichswehrbegrenzung in den Versailler Bestimmungen) ablehne, da dies« Anträge aus«ine militaristische und iniperialistlsche Ausrüstung hinauslausen. Die Kommunisten wollen«Ine proletarisch- revolutionäre Zerreißung des Friedensdiktats. Abg. Leichs(Bayer. Vp.)— mit großem Hallo und allerhand Zurufen wegen der Biersteuer usw. begrüßt—, gibl folgende Erklärung ab: Da die neue realpolttisch« Entwicklung der Finanzfrogen uns das Was, aber nicht das Wie genügend iestgelegt erscheinen lassen, werden wir uns der Stimme enthalten.(Lebhafte Heiterkeit.) Artikel 1 des Pung-Plans wird in namentlicher Abstimmung, die von den Nationalsozialisten beantragt und von den Kommunisten unterstützt wird, mit 263 gegen 174 Stimmen bei 25 Enthaltungen angenommen. Mit Ja haben gestimmt die Sozialdemokraten, Demokraten und der größte Teil des' Zentrums und der Deutschen Dolkspartei; mit Nein die Deutschnationalen, Nationalsozialisten, Thristlich-Nationalcn, Wtrtjchastsparteiler und Kommunisten. Außer der Bayerischen Dolkspartei haben sich auch einige Zentrumsabgeordnete und Deutsch« Dolksparteiler der Stimme enthalten. Auch über den Artikel 2 wird auf Veranlassung der gleichen Parteien wie vorhin namentlich abgestimmt. Di« Annahm« erfolgt mit 261 gegen 173 Stimmen bei 25 Enthaltungen. Artikel 8 w>rd in einfacher Abstimmung angenommen. Der Amnestieantrag Stöhr (Rat-Soz.) zu Artikl 4 wird abgelehnt, die Artikel 4. 5 und 6 ange- nommen. Ein deutschnationaler Antrag, das Erfordernis verfassungs. � ändernder Mehrheit in die Einleitung aufzunehmen, wird abgelehnt: für den Antrag, die zweite Rede Dr. Eurtws' in der ersten Lesung auf Staatskosten anzuschlagen, stimmen nur die Nationalsozialisten. (Heiterkeit.) Das Reichsbahn- und das Reichsbankgesetz werden angenommen. Da» deutsch-polnische Liquidationsabkommen— dessen Streichung beaulragi ist— wird in namentlicher Abstimmung mit 224 gegen 207 bei 30 Enthaltungen angenommen. (Pfuiruf« rechts.) Diesmal haben mehr Dolksparteiler und Zen- trumsteute dagegen gestimmt. Das Liquidationsabkommen mit Großbritannien wird im Hammelsprung angenommen mit 254 gegen 177 Stimmen bei 7 Eni- Haltungen.(Pfuirufe rechts.) In namenllicher Abstimmung wird ein kommunistischer Antrag ans Einführung einer Bestimmung wegen der Liquidationsgeschädigten abgelehnt Für die lUkantrage der Hakenkreuzler erheben sich nur die Antragsteller. Damtt sind die Abstlnnnungen über die Young-Plan-Gejetze erledigt. Präsident Löbe schlägt vor, die dritte Beratung heute. Mittwoch, 12 UKr zu beginnen. Abg. Schmidl-Hannover(Dnat.) beantragt Auffchiebung. bis das Wahlprufungsgencht endgüttig entschieden l>abe, ob das sogenannte Freiheitsgesetz angenommen oder abgelehnt sei. Ein anderes Bor- gehen wäre rechtswidrig, wie es dos ganze Borgehen der Regierung gegen da- Volksbegehren gewesen sei. Der Antrag Schmidt-/jannoncr wird abaeleknt, es bleibt bei dem Borschlag des Präsidenten.— Schluß 18 Uhr. Ote Absilmmungsliste. Aus den amtlichen Abstimmungslisten ergibt sich, daß sich an- der Abstimmung über den Gesetzentwurf über die Haager Konferenz. und zwar über den Artikel 1. der die Zustimmung zum Poung- Plan und zur Rheinlaiidräumunz vorsieht, drei Mitglieder der Fraktion der Deutschen Dolkspartei nicht beteiligt haben und zwar die Abgeordneten v. Gilsa, Huec? ünd Köngeter. Dom Zentrum haben sich die Abgeordneten Borneseid- Cttmann und Feilmayr der Stimme einhalten, während der Ab- geordnete Dr. Föhr. Baden, gegen die Young-Gcsetze g« st i m m t hat. Das Abstimmungsergebnis, das zuerst den Anschein erweckt•. als ob noch eine größere Zahl von Mitgliedern der Regierungs- Parteien der Abstimmung fern geblieben sind, hat eine Berichtigung erfahren. Es sind tatsächlich 263 Stimmen für den Artikel 1 ab- gegeben worden. 174 Abgeordnete stimmten dagegen, 25 enthietten sich der Stimme. Bei der Abstimmung über das Poleu-Abkommeu haben sich die Abgg. Becker. Arnsburg und Gerig vom Zentrum, die Abgg. v. Gilsa und Dr. Hugo von der Deutschen Bolls» partei, sowie der Abg. Ko ch- Weser von den Demokraten nicht beteiligt. ver Stimme enthalten haben sich außer den Vertretern der Bayerischen Volkspartsi zwei volksparteiliche Abgesrdr.ctt, nämlich die Abgg. Dr. Becker-Hessen und Cramm, sowie 11 Abgeordnete des Zentrum», nämlich die Abgg. Trone-Münzebrock, Dr. Drees, Feilmayr, Hof- mann-Lmdwigshafen, Dr. Klöckner, Dr. Krone, Reyfes, Dr. Schreiber, Tremmel, Frau Weber und Willens. Gegen da» Polcnabkommen haben achtAbgeordnete der Deutschen Dolkspartei und 18 Abg. de» Zentrums aestttmnt, und zwar von der Deutschen Volt» Partei die Abgg. Günter. Dr. Hoss. Hueck, Janson. Köngeter, Dr. Lsutheusser, Schmiüt-Düsseldorf und Dr. Schnee, vom Zentrum die Abzg. Beck-Oppeln, Blum-Ereseld, Bornfeld-Ettmann, Diez, Damm, Ehr- Hardt, Fahrenbrach. Dr. Föhr-Daden, Hartwig. Oppeln, Dr. Hermes, Jmbusch, Dr. Köhler. Neumann, Dr. Perlitius, Dr. Schstter-ÄSln, Schlack, Ulitzka und Warnte. Auch dieses Abstimmungsergebnis hat eine Berichtigung erfahren. Das Polenabkommen ist mit 224 gegen 206 Stimmen bei 29 Enthaltungen angenommen worden. Um das neue Berlin. Das Selbstverwaliungsgeseh vom Siaaismimsten'um angenommen. Das Preußische Staalsmiulsterlum beschästigle sich am Dlenstag- nachmillog eingehend mit dem Enlwurs des vom Minister des Znnern vorgelegten Selbstverwaltungsgesehes für Berlin. - Die Aussprache ergab als einmütige Ansicht de» Staats- Ministeriums, daß der Grundgedanke de» neuen Gesetzes, nudle Stelle der alten Magistratsverfassung, mit der unter den heuligen Verhältnissen praktische verwallungsarbelt in Berlin nicht mehr zu leisten sei, die Bürgermeisterei- Verfassung zu sehen, im Interesse der Stadt Berlin und der reibungslosen Bewälligung ihres großen Aufgabcnkreiscs sieg«, und daß ihm daher uabedingk zuzustimmen sei. Auch die Besprechung der Eluzelheileu des Entwurf» ergab keinerlei Meinungsverschiedenheiten von größerer Bedeutung. Einige Ergänzungsvorschläge, die an sich noch für den Ausbau de» Gesehenlwürfes Wünschenswert erschienen, sollen noch in da» Gesetz hineingearbeitet werden. Die Vorlage wird unverzüglich dem Preußischen Staatsrat zu- geleitel werden. Das neu« Gesetz entfällt in insgesamt zehn Teile. Hiervon müsien als besonders wichtig der zweite und der vierte Teil an- gesehen werden, die die Organe der Stadt Berlin und ihre Zu- stündigkeit behandeln. Die Verwaltungsorgane zerfallen») in die Stadigemeindeverwaltung und b) in die Bezirks» I v« r w a l t u n g. Die Stadtgemeindeoe'rwallung setzt sich aus der Stadtvertretung, dem Stadtgemeindeausschuh, dem Oberbürgermeister und zur Verwaltung bestimmter Ge- schäftszweige einzurichtender Berwaltungsausschüsse zu. sammen. Di« Bezirksoerwaltung besteht aus Bezirks- rat, B«zi r ts b ürg« r m e ist er und Verwaltungs» ausschüffen. Den Bestimmungen über die Stadtoertrewng entnehmen wir: Die S t a d t v e r t r e t u n g. deren Dauer der Wahlzett vier Jahre beträgt, besteht aus 150 Stadtverordneten. Der Vorsitzende der Stadtverlretung mit vollem Stimmrecht ist der Oberbürgermeister. Bei Stimmengleichheit gibt er den Ausschlag. Der Stadtgemeinde- mixschuh wird von der Stadtvertretung aus ihrer Mitte gewählt. Die Zahl der Mitglieder des Ausschusses beträgt 29. Vorsitzender des Stadtgemeindeaucschufses mit vollem Stimmrecht ist wieder der Oberbürgermeister. Der Oberbürgermeister wird von der Stadtoertretung gewählt. Zu seiner Vertretung werden ihm«in zweiler und dritter berufsmäßiger Bürgermeister, sowie die erforderliche Zahl beruss- mäßiger Stadträte beigegeben. Der Oberbürgermeister, die Bürgermeister und die Stadträt« werden auf zwölf Jahre gewähtt. Zur Erhaltung der Einheitlichkeit der Verwaltung hat der Oberbürgermeister regelmäßige gemeinsame Besprechungen mit dem zweiten und dritten Bürgermeister, den Bezirk-bürgermoislern und den Stadträten abzuhalten. Die zur Berwaltung bestimmter Geschäftszweige einzurichtenden Berwaltungsausschüsse sollen di» Hjncn übertragenen Angelegenheiten als Organe des Oberbürger- meistere erledigen. Ueber die Einrichtung dieser Ausschüsse bd- schließt die Stadlvertretung, die auch die Mitglieder wählt. Dpr- sitzender der Ausschüsse ist der Oberbürgermeister, der seinen Vorsitz jedoch an einen Vezirksbürgermeister oder einen Stadtrat über- tragen kann Die Gestaltung der Bezirksverwaltung. Als verfassungsmäßig bestellte Organ« der Bezirtsverwaltunz fungieren erstens der Bszirksrat. zweitens der Bezirksbürgermeister und drittens die Verwaltungsausschüss«. Der Bezirksrat besteht aus Bezirksverordneten, die auf vier Jahre gewählt werden. Die Jahl der Bezirksverordncten beträgt 24, sie kann durch Beschlutz des Stadtgemeindeausschufses auf 39 erhöht werden. Vorsitzende r des Bezirksrat- mit vollem Stimmrecht ist der Bezirks- bürgermeister. Dieser wird von dem Bezirksrat gewählt, zu seiner Vertretung sind ihm eine Anzahl berufsmäßiger Bezirks- stadtrats betzugeben. Die Bezirtsstadträt« führen die ihnen übertragenen Geschäfte unter verantwortlicher Leitung des Bezirks- bürgormeisters. Die Zuständigkeit der Organe. In der Stadtgemeindsverwaltung liegt der Stadt- Vertretung vor allem die Feststellung des Haushaltsplanes sowie die Bewilligung und die Art der Leitung außerplanmäßiger Ausgaben, die Prüfung und Fessstellung der Jahresrechnungen, die Festsetzung von Gemeindeabgaben und Tarifen und die Aufnahme jedes Darlehns ob. Der Oberbürgermeister ist befugt, an Stelle der Stadtvertretuag oder des Stadlgcmeiodemieschnsscs dringende Maßnahmen zu treffen, die sofort ausgeführt werden müssen. Beschlüssen der Stadtvertretung oder des Stad'gemeindeaus- schusses, die mit dem Stadtinteresse in Widerspruch stehen, hat dcr Oberbürgermeister die Ausführung zu versagen. In der Bezirksoerwaltung liegt dem Bezirksrat die Verwaltung der Angelegenheiten der Stadtverwaltung ob. Die weiteren Bestimmungen über die Zuständigkeit der örtlichen Der- maltung in den Bezirken sind durch Ortssatzung zu treffen. In der Satzung sind die Zahl und die Gliederung der Stadtverwaltung?- bezirk« und die von ihnen wahrzunehmende Selbstverwaltungs- angelogenheiten zu bestimmen. Die Zahl der Bezirke darf zehn nicht überschreiten. Bezirksrat und Bezirksbürgermeister unterliegen den Weisungen des Oberbürgermeisters, soweit auf den durch die Satzungen übertragenen Verwaltungsgebieten Richtlinien und Grundsätze ausgestellt sind. Im übrigen führen die Bezirksorgan« die Angelegenheiten der ört- lichen Gemeinschaft unter eigener Verantwortung. Krick und die Volkshochschulen. Kundgebung gegen den Antikvlturmimster. Der Reichsverband der deutschen Volkshochschulen hatte gestern die Vertreter der deutschen Presse geladen, um durch 'einen gesch äfts suhreriden Vorsitzenden Dr. Mann- Breslau dem Protest gegen die Maßnahmen des nat! onalsoziolsstifchen Polizei- und Kultusministers Dr. Frick Ausdruck zu geben. Dr. Mann führte aus: Als die augenblickliche Regierung des thüringischen Fre.staotes für. das Jahr 1930 der Volkshochschule Thüringen die finanzielle Beihilfe verweigerte und die Verdienstvollen der thüringischen Bolkshochschulbewogung Dr< Buchwald und. Direktor W«..i t s ch. den Leiter des Voktsh ochs chulheims Dreißigacker, auf Wartegeld setzte, wirkte dies wie«in Alarm. Die Maßnahme wird mit der Finanz not des Staates begründet. Dies sst aber nur ein Vorwand. Es handelt sich um eine rein politssche Entscheidung. Die Erwachse nenbiSnrng im Freistaat Thüringen hat sich im Ausammen- hang mit dem Aufblühen der gesamten deutschen Dolkshochschul- bewegung fett dem Jahre 1919 ausgezeichnet entwickelt. Zahlreiche Abendvolkshochschulen sind in den thüringischen Städten, in Jena. Eisenach, Gotha und vielen kleineren Orten entstanden. Vor allem gelang es auch, eine umfassende ländliche Volks- bildungsarbeit casszubauen. Kreisberatungsstellen. Lchrerschulungs- tagimgen dienen der dauernden Steigerung der pädagogischen Qualität dieser Arbeit. Alles, was geschaffen wurde, soll nun durch Frick mit einem Federstrich befestigt werden. Mit dem Regierungswechsel in Thüringen trat eine unerwartete und sachlich in keiner Weise berechtigte?Landlung ein. Der neue Minister hat in dem Haushallsjahr für 1939 die Beihilfe für die Volkshochschule Thüringen kurzerhand völlig gestrichen, außer- dem sind die Mittel für die drei W i r t s cha f t s s ch u l e n Mcn. bürg, Gotha und Jena vertragswidrig— es besteht«in Staatsvertrag zwischen dem Lande Thüringen und dem früheren Lande Rputz—, auch der größte Test der Staatsbeihilfe für das Volkshochschulheim T i n z sst gestrichen worden, dagegen sollen die ihrer weltonschau- lichen Richtung nach der jetzigen Regierung nahestehenden mehr oder weniger völkisch orientierten Volkshochschulheim« Neudieten. darf und Berka den vollen Betrag von zusammen 233 999 Mark erhalten, der ihnen bereits im vorigen Jahre aus der Staatskasse zufloß. Hierin tritt der r e i,n p o l it i s ch« Z w e ck der Entscheidung unverhüllt zutage, um so mehr, als die Nationalsozialisten schon im letzten Wahlkampf als eines ihrer Ziele die Zerschlagung der thürin- gischen Volkshochschulen angegeben hatten. Eine solche Haltung des.thüringischen Staatsministeriums sst mit dem Artikel 148 der Reichsoerfassung nicht vereinbar, in dem ausdrücklich der Schutz der Vplkshochschulblldung vor- gesehen ist. Sie vernichtet wertvollste Kulturarbeit, die im Dienst« de» deutschen Volkes geleistet wird. Bis heute handelt es sich nur um eine Entscheidung des thüringischen Kabinetts. Die Ensschei- dung des Landtages.steht noch aus. Es ist zu hoffen, daß im Weimarer Landtag auch die Mitglieder der bürgerlich-liberalen vo'kspartei sich auf ihre Pflicht gegenüber dem deutschen Volle besinnen. Es wäre eine Schmach, wenn dieser Kulturpbbau mst dem Namen Weimar vor dem In- und Auslände verbunden würde. Der Reichsverband der deutschen Volkshochschulen hat sich an das Thüringische Staatsministerium und den Thüringischen Landtag telegraphisch mit der Bitte gewandt, die bisher gewährten Mittel weiter zu bewilligen und die Abbaumaßnahmen rückgängig zu machen.__ Sächsische Demokraten gegen Bür«rblock. Di« Landtagssrakiion der Demokraten in Sachsen hat beschlossen, den Versuch, einen neuen Vürgerblock auf den Krücken der Nationalsozialisten zu bilden, nicht zu unterstützen. Herr v. Gerlach teilt zu dem Brief des Reichswehrministers mit, daß sich dos Dementi in der Hcrupssack,« aus Dinqe bezieht, die er nie behauptet habe. Insbesondere habe er nie geschrieben, daß Oberst Nicolai Verbirdststgsmqnn zwilchen der Reichswehr und Moskau sei. oder daß General von Schleicher Bezielmngen zu Oberst Nicolai habe. Er habe nur geschrieben, daß Nicolai Velbindung-mann -wischen gewissen Phantasten in der Reichswehr und Moskau sei, und daß General von Schleicher die Idee» Nicolais teil«. Spaziergänger Ludendorff. Ich wandle, wie zehn Iahr zuvor. Vergebens spähe ich umher: Ganz früh am Brandenburger Tor. Es kommt nichts mehr, es kommt nichts mehr... Erste Schlappe der Labom-Regierung. Ein oppositioneller Antrag mit acht Stimmen Mehrheit angenommen. London, 11. März.(Eigenbericht.) Das Unterhaus beschäftigte sich am Dienstag nochmals mit der Bergbaugesetzgebung der Regierung, die sich noch immer in dem zwischen der zweiten und dritten Lesung gelegenen sogenannten Komitee-Stadium befindet. Es liegen ein« Reihe von liberalen A b ä n d e ru n g s a n tr äg en vor, bei denen sich die Regierung einer geschlossenen liberalen und konservativen Front gegenüber befinittt. Obwohl die Lage der Regierung äußerlich keineswegs günstiger ist als bei früheren Gelegenheiten, bei denen sie mit knapper Not. einer parlamentarischen Niederlage entging, so begann die Verhandbmg am Dienstag doch in einer ruhigeren Atmosphäre. An Stelle der überaus knappen Regierungsmehrheit von voriger Woche erzielte sie am Dienstag beim ersten Abänderungsantrog eine Mehrheit von 39 Stimmen. Das Abstimmungsergebnis wurde von der Frak- tum der Arbeiterpartei mit lebhaftem Beifall begrüßt. Im weiteren verlauf der Abstimmungen über die von der Opposition eingebrachten Abänderungsanlräge erlitt jedoch die Ke. gierung eine Niederlage, da die Opposition 282 Stimmen ausbrachte gegenüber 274 Stimmen für die Regierung. Keine Konsequenzen? Wie wir in später Abendstunde durch Rückfrag« bei unserem Londoner Bruderbückt„Daily Herald" erfahren, handelte« sich bei dem Abänderungsantrag der Opposition, der gegen den Willen der Regierung angenommen wurde, um einen neben» sächlichen Punkt der Vorlage, so daß das Kabinett aus dem Abstimmungsergebnis keine Konsequenzen ziehen wird. Die Absicht der vereinigten konservativen und liberalen Opposition war In diesem Falle lediglich, der Regierung«ine mora- tische Niederlage betzubringen, nicht aber ihren Sturz herbei- zuführen. Weitere Abstimmungen über lebenswichtige Punkte der Vorlage sind in der zweiten Lesung nicht mehr zu erwanen. Wohl aber ist mit ernsteren K r a f t p r o b e n bei der d r> tt«» Lesung, die vermutlich in der nächsten Woche stattfinden wirf», zu rechnen. Die Bergbauvorlage, die im Namen der Arbeiterregie» rung vom Handelsminister Graham oertreten wird, bezweckt die grundlegende Reorganisation her englischen Kohlenindustrie. So- wohl die Arbeitszeitbedingungen der Arbeitnehmer und die Regelung ihrer Entlohnung, wie auch die Fragen des inneren Absatzes und des Expor.es sollen einer Neuregelung auf zentralistischer Grundlage unterzogen werden. Gegen diese Vorlage, opponierte die liberale Fraktion unter Führung von Äoyd George mit womögkch noch größerer Hart- näckigkeit als die Konservative Partei. Die Arbeiterregierung hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß sie bei einem Scheitern dieses Gesetzes an das Volk appellieren, das heißt, den König zur Auf- lösung des Unterhauses veranlassen würde. OeuischZand und der Zollfrieden. Bede Hilferding«! auf der Genfer Konferenz. Genf, 11. März. Im ersten Hauptaueschnß der Zollsriedenskonserenz legte Reichs- finanzminister o. D. Dr. Htlferding den deutschen Standpunkt dar. Da der ZollwassenstUlstondsgedanle auf zu große Hindernisse gestoßen sei, habe die deutsche Delegation versucht, das Ziel der Stabilisierung der Handelsbeziehungen auf anderem Wege zu er- reichen. Der französische Vorschlag erfülle bereits weitgehend die Forderung nach gleichmäßiger Lastenverteilung, wenn auch freilich ein arithmetischer Ausgleich nicht erzielt werden könne. Mit einer weiteren Präzisierung des Ausgleichs der Pflichten und Recht« der beiden Staatengruppen könne man aber auch den Ländern ohne ein festes Handelsoertragssystem die Möglichkeit geben, auf den Boden des französischen Konventionsentwurfes zu treten. Zur Entkräfttmg gewisser Bedenken Englands und Hollands betonte Dr. Htlferding, daß es erfahrungsgemäß sehr schwierig sei, handelsvertraglich ge- bundens Zölle während der Bertragedauer zu ändern und wenn es geschehe, so nur durch Kompensation. Die Gewichte seien also gar nicht so ungleich verteilt, wie das auf den ersten Blick aussehen könnte, vielmehr seien Staaten wie England und Holland gerade durch die zweiseitigen Handelsverträge der anderen Staaten- gruppe in hohem Maße gegen Zollerhöhung geschützt. Das ensscheidend« Neue im setzigen Konventionsentwurf sei, daß DritsstaÄen jederzeit in die Verhandlungen wegen der etwaigen Veränderung zweiseitiger Handelsverträge eingreifen können. Nach der deusschen Auffassung werde der Zollwasfenstillstandsgedanke durch den franzäsischm konvenlions- eolwurf weitgehend erreicht. Da diese Konvention auf den zweiseitigen Handelsverträgen aufgebaut fei, so enthalte sie auch alle Sicherungen dieser Perträg«, und gerade dieser wichtig« Umstand habe die verhältnismäßig einfache Form des französischen Vorschlages ermöglicht. Mck der Verwirk- lichung dieser Konvention, die ein starkes moralssssjes Geyncht in der West haben würde, könnt« man daher in Europa zu einer gewissen Stabilisierung der Handelsbeziehungen gelangen und di« Atmosphäre für weitere erfolgreiche Verhandlungen über die Beseitigung«der doch wenigstens über den teilweisen Abbau der Handelshemmnisse schaffen. Dr. Hilferding gab zum Schluß einige Anregungen zu verschiedenen Artikeln des französischen Plans, wodri er besonders die Nplwendjgkeit der automatischen Verlängerung der geplanten Konvention unterstrich, da die jetzt vorgesehene Frist von einem Jahr äs sehr kurz bezeichnet werden müsse. Die allgemeine Aussprache über den französischen Antrag ist geschlossen. Da der Präsident des Ausschusses van den Dcle- gationen nur eine Meinungsäußerung darüber verlangt hatte, ob sie den Vorschlag als weitere Dlskussionsgrundlage annehmen, läßt sich aus der Aussprache kein sicherer Schluß ziehen. Der versuch Frankreichs, sich und seinen Vorschlag als Retter der Konferenz hinzvsiellea, wurde von allen Slaalen. die pria» ziplell dem Zollfrieden zugestimmt hallen, sehr nachdrücklich zurückgewiesen. Zlus der anderen Seite benutzte Italien die Gelegenheit, um seiner Schadenfreude über das Scheitern des Zollfriedens Ausdruck zu geben. Eine Reihe Delegationen verweigerten eine flare Stellungnahme unter Hinweis darauf, daß sie noch keine Instruktion van ihren Regierungen hättenl Die meisten Redner betonten, daß über die Annahme oder Ablehnung des Vor- schlags das letzt« Wort esst gesprochen werden könnte, wenn die e«d' gültige Form gefunden sei, besonders erst, wenn die Liste der vrv langten A u s n a hm e n vorliegt. Ein Redaktionsausschuß, dem u. a. Dr. H i l f e r d i n g an» gehört, soll versuchen, den französischen Vyrschlag so umzugestalten. daß er zu einem praktischen Ergebnis führt. Man hofft hierbei auf eine wohtwollende Mitarbeit des englischen Handels- Ministers. Die Stimmung ist pessimistisch. Kammerspiele. A p Antoine:..Die liebe Feindin". Eine heitere Komödie, die frisch und munter auf dem Friedhof spielt. Drei Vesstörbene tauschen ihre Erfahrungen über die Liebe aus. Alle drei sind an derselben Frau zugrunde gegangen. Das Urteil des Autors über die Fron fällt vernichtend aus. L i l i Darvas brilliert in der Rolle dieser„beben Feindin". Dgr. Tschiischerin möchte sich drücken. Zurück nach Wlksbaden! Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Volkskommissar des Aeuhern, Tschitscherin, dem Rate der Volkskommissare der Sowjetunion zum drillen Male sein Rücktrillsgesuch übermittelt. Tschiischerin bittet darin, ihn sosori seines Amte» zu entheben, da seine Gesundheit immer noch schlecht sei. Er beabsichtigt, sich Mille April w i e d e r n a ch Deutschland zu begeben, um in Wiesbaden seine Scsundhcil wiederherzustellen. Der Kamps um Deusschösterreicha Vundeshymue. Nach einer Gedenkfeier für den von 29 Jahren verstorbenen christlichsozialen Parteiführer und Wiener Bürgermeister Dr. Karl L u e g e k erl ang' vom Lautsprecherwagen die Republikhymne von Kienzl-Renner Den drohenden Sturm der Kaiserlied-Cithustasten mußte der chssstlichsoziale Parteisekretär beschwicht'gen.> Die Anwallkammer Madrid hat den unter der Diktatur gemäß- regelten Rechtsanwall Alba mst 167 gegen 26 Stimmen wlede- «ragesetzt. � Tkeaiet, Lichtspiele usm J Mit woch.'2 3 Stääts-Oßer Unter d. Linden Teil-Iii D. Mi He. 7 Jahres-üli.-ll. He. 69 20 uiv la Tiavlata Ende n.Zit'iUhr Staats-Sücr im Plati dir Huufcliy Vorst- 43 >?>» Uhr laftmanns MMm Ende g 22* t Uhr Mittwoch. 12. 3.] Stadt. Cper Bismarckstr Turniis I 19 Uhr Tristan und jsolde j Ende 23"- Uhr Staat!. Sdiasspti. ata Gardarmmnark St. R. 2 Mi. He. 6 Jehres-lh.-V. Ho. 61 20 Uhr Ein besserer| Herr Ende g. 22 Uhr| staail.Säiüsr-Tlieaisr.Etiarlits. 20 Uhr Des Kaisers Soldaten Ende 22'u Uhr Tägl. S u.81;, Uhr. ö S BaiH. B258 Er' S M V/oohentg. S U. SD EI.-3 M. Gastspiel Erich Carow onl weitere 9 Inlernatloo. lllrsttl snen { läoi. ö u. Sie soem.?■. so b' ----- A ex. E 4.*066 | NTERrjAT. VARIETE GROSSE* SGHAILPiELHÄUc. Uhr 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL A senniaa naffim. nnsek. halbe Ei. ANW Drrdiction: Or. Martin Zickel mmsa Komische Oper •redrlehstr.IOl Merkui 1401 4330. Nach vollständicem Umbau Täglich 8"» Uhr Htalia di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guido Thie!)»cner, Schulz. Sehrow, ury. H Idobrand. Walter Baut. Flink. Be.imer. Wensk Lustspäelhaus B'* v. Pnedrichstr. 256. Bergmann 2922 25. M asl tun twslM Bii. Kiemana— Haadc. Vorvarkairf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununferbroch©n mealer 1. d. Beiirenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Ar. Kur Roberts 8«/« Uhr ... Vsler sein, dsgegen seitr Sonntag auch nachm. 4 Uhr I halbe Er.) VoiHsutlhne Tlteater am BQIowalati. 8 Uhr Das Gerüdit Komödie in 14 Bildern v C. K Munro Beat:S.H."'aiffa StaatLSdiiilsr-ni. Uh> Des Hatsers Sotflaicn Staatsoper AmFl.d Republi 7», Uhr Mmanns D�tsdies meairr D 2 Wstdeodaioni 5201 Tägl.s'i Uh' Oer Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Ma* Reinhard Kammerspiele D 2 Wcndamn 5201 6';» Uhr Die liebe Feindin tanSdie na IL P. Antaia« Rezle: Gostaf Gründgnt 19.13-�1 entt. PaoiTsn( Loldln mii neuen Illusionen\ Togo das Hnndewunder i weitere Neuheiten .-.iitwoch,- Uhr a Faml len-Vorstellg.«4� IVollRrtls" Kinder ahi« w'»!>«» Piihei niü ijjl KL 7l' II. «hr lalde PorSlOllB. Preise 4}T» Nur noch � wenige Taget Die Komödie Jl Bismck.24M/75I6 8"i Uhr SC Kreaiar IduK�d vsq Fnd. Erttl-r Rede: Mus Relnbaroi liarniiwsiiy-jönnon Theater n der Kdniggratzer Straß» läßlich 81/« Uhr Professor Bernhard! von»rtl»t Stlmlhle Sej»:?itt»r Emewdty Komödienhau» Täglich 8"i Uhr Oer Lügner und die Nonns von Cur; cotz scomiscne Oper Fricdrichstr. 104. Merkur 1401 4330. Allabendlich(MAiU. Mi Ii Mi l divssk van Araslü oed Ba� Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 8--, Uhr Liebe auf den zvelten Blick »'•uhr CASINß-THEATER lothringer Strahe 57 Wieder ein neuer Schlager Der wahre Jakob Stürm Udier Heiter kelts-Ertolg Dazu ein cntkft. honte« Programm Gur�cnem iflr 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M., �onstife Preise- Parkett u. Ran� n.R0 M. üirektion Dr. Robert K.etn DeoTscHts lanstler-Tlieai Barbarossa 3937 8t* Uhr Sex Appeal Urtsp. T. FrtdtnT l«nV>b kt]ic: Fcntir lirinjjt Mhcrt Baisg nnsnn, HadT Ckrlsuaas Berlinsr Tiieaier Dönhoff 170 8 Uhr Ende 10';« Uhr „EinT, iwsi, di ei" von FranzMolnai mit Mii pillubm. 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Bilieltkasse Alex. 3422 und 34941 Jeden Sonnabend 11.30 Nachi-| vorstellune: Oer ailrr-»lte. k Nächsten Sonnabend 3 Uhr u.J Sonntag 2 30 Uhr Sdineeweltdio' und Rnscnrot Veirethal«t Mentn tlgliüi m 11-1 Übt caj ran t-9 Uhr ibent, Reichshalien-Theater Abends GD senn as nadioi.(H Sfelflncr' Sänger Das herrliche M März-Programm \' M Kadimiitaas Dum« Preise) Oönmott. Brettl Da» Farailien-Varleiä. Laltaug: Dir. Arnim Georgenstr. 9 Täglich«>/. Uhr Die Freundin van Sidensana Preise 1, 2, 3, 4 M. Ucjidem-ThHatei Kflnstl. Leitung | Guton Briese 4tt'ionnatld. maL 8 ,'« und nBniaa 4 Ubr: Eiiri&e RdiKlunkd. llalha Pr. Lessing-Tiieaier Jiiicntoom 2797 1.0846 Täglich* Uhi feftare oreyfus von Rehfiseb und Nerz«? Planetarium am Zoo»—»» wiZ«: leedi.enlniin Inf. 11.5 Barbarossa 557t 16';« Uhr Der Ffflh- iüfirsaimracl ISV.Uh1 MerKaCrdigt 8. er na(Rima a.lnr?» 20'/« Uhr Basar Mond Eintritt i Mark, Kiüder SO PL Kleines lüeat. Merkur 1624 Täglich 8 95 Uhr Madame hat Ausgang CrUa vo.t Tellmann Paul Hörbiaer Hermann Schauluß Lvovski, braut Taeoi. a. Koim.Tot t\ Kottb. Str. 6 ■f Tägl. 8 Uhr j ItH auchSen ni •Jriä nacl in.ö U M Elite- Mk SSnger. • 8 TiCnple nlditf.ebaiklctRod. Mirx-Praarammi Die nachfolgenden 6 Bilder stellen exotische Frauenschön- holten in den Originaltrachten Ihrer Heimat dar, und zwar; Eine Chinesenschönheit, eine vornehme Fran aus Abessinien, ein siamesisches Schönheitsideal, eine vornehme Inderin, eine Negerin aus Nalal, ein Indianermädchen aus Kanada, das bei einer Schön- heitskonkurrenz den ersten Preis erhielt Die Preisfrage lautet: Wer ist die Chinesin? undl wer sind die anderen S Frauen H ...... ;)- i m*!x« 1. Preis lOOO Mk. in bar 2. Preis 7 Tage in Berll�Kopenhagen oder Paris einschl. Fahrgeld, Logis, Verpflegung und Führung Z° Preis eine Zimmereinrichtung, Herren- oder Speisezimmer nach Wahl 4. Preis 7 Tage nach Rügen einschliefilich Fahrgeld, Logis und Verpflegung und weitere ISS Preise« bestehend in Photoapparaten, Grammophonen, wertvollen Büchern und anderen Preisen, werden an diejenigen verteilt, die nachstehende Pneisauf- aufgabe richtig lösen oder der richtigen Lösung am nächsten kommen. Falls mehr als 200 richtige Lösungen eingehen, entscheidet das Loj. Die Entscheidung des Preisgerichts unter Aufsicht des Herrn Rechtsanwalts Dr. Hans Grünberg, Berlin W", ist unanfechtbar. W7ir bitten, den untenstehenden Lösungsschein mit den von Ihnen gewählten Nummern auszufüllen und einzusenden. Das ausführliche Verzeichnis sämtlicher Preise, die Lösungen, das Ergebnis sowie die Namen der Gewinnerwerden in der Zeitschrift„Durch alle Welt" bekanntgegeben. Einsendeschluß 51. März 1930. Eine Weltreise für alle Leser des„Vorwärts lieber 173000 Hitreisende haben sich schon angemeldet!- Sämtliche Unkosten nur se prewniu p o woch«. 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In der Stadtverordnete nversommlung wollten gestern Kommurristsn, Notiortolsoziolisten und Deutschirotionole uns «i lau den rnackten. dag sie die Stützen der kormrumolen Wirtzchaft Aerlin? fafcen und daß durch sie die Stadt vor einer Verschleuderung ihrer Wertobjekt« bewahrt werden müsse. Nein, die S t 0 d t denkt nicht daran, irgend etwas van ihren eigenen Ver- sorgungsbet riebe n wegzugeben. Die Deutsch nationchen ließen ihren Dr. Steiniger prophezeien, das sei der erste Schritt zum Ausverkauf. Aber auch sie sanden dann einen Weg, mit der Mehr- heit zu gehen, die der Magijtrchsnorlage zustimmte. Soziakdenw- k raten. Demokraten, Zentriun. Winschaftspartci. Deutsche Volkspartei und Deuts chnotionch« beschlossen den Verkous, durch den die Deckung dringendsten Geldbedarfs ermöglicht wird. * Dri nglichkeitsanträge der Kmummtisten. Deutschnationchim und der Nationchsozichjsten murden eingebracht, aber nicht beraten.(Sin D r> n g l i ch k e i t s a n t r a g der sozialdemokratischen Fraktion sühri Beschwerde über die durch die Sparmaßnahmen her- beigesührten hörten in der häuglings- und Wöchnerivoensürsorge: die alten Bedingungen sollen wicd-erhergestellt werden, verlangt der Antrag. Er ging ohne Debatte an den �zausholtsausschuß. Die Umstellung der Tagesordnung zugunsten kommunistischer Anträge wurde alrgelehnt. In der Begründung bezeillmete Stadtv. Wis- newski(Sotmii.) den Polizeipräsidenten Zärgiebel als Polizei- und Arbeiter Mörder.(Ordiiungsrus des Vorstehers.) Die Ilmstellung wurde gegen Kommunisten und— Nationalsozialisten abgelehnt. Einen Wutansall bek>rm der Stadtv. Lange-Rcutolln sKomin.) bei der.d-ebaueiosen" Verabschiedung— so war es beab- fichtigt— des P r o t e st a n t r a g s der Soxaldcmokraten gegen die geplante Festspielwoche, veröfsentlicht im.Vorwärts" vom Sonnabend früh. Lange schimpfte und zog sich zwei Ordnungsrufe .zu. Seine Behaupiung. sozialdemokratische Vertreter hätten im Messeamt für die Festspielwoche gestimmt, wies Stadtv. Droemcrt (Soz i energisch zurück. Das Messeamt lwbe über Stattfinden oder Nichrstottiinden der Fcstspielwachc überhaupt mcht zu entscheiden gehabt. Em Nationalsozialist unterstützte Herrn Lange, dann stimmte dir gesamte Versammlung für den sozialdemokraiisch�n Antrag.— Die in der letzten Sitzung verhandelten Anträge de: Kommunisten gegen das Demonstrotionsnerbot. Auilölimg des Ro!- srvmkmnpferbundes, Maßnahmen bei den kommunistischen Trauer- tiemonstrotionen. ferner gegen den„Belagerungszustand", ans Ab- feglurg der Polizeipräsidenten und die Durchsuchung des Liebknecht- Hauses wurden ebeirfo abgelehnt wie ähnliche nationalsozialistische Anträge. Dabei stinmiten in vielen Fällen die beiden antragstcllen- den Fraktionen zusammen, manchmal stellten dann noch die Deutsch- -nationalen die allerdings witzlose Einheitsfront her. was von den anderen. Fraktionen mit lebliastcr Heiterkeit und anfeuernden Zu- rufen begleitet wurde. lieber den zum Zwecke der Ausnahm« eines größeren Kredits notwendigen Berkailf der Elekiroaktien, die die Stadt Berlin in Höhe von 1? Millionen am privaten Elektrizitätswerk Südwest besitzt, berichtet« Stadto. toemg sSoz.V Er betonte, daß durch den Verkauf keine Ausgabe des Regstes zur Ilsbernahme des Werkes durch die Stadt stattfindet, nion schiebt den Tertnm mir auf 10 Jahre hinaus. Die Stod» hat nur 46 Pro>. her Zlktien, ihr bleibt ober nach wie vor eine Vertretung im Aus- ficht erat. Der Berichterstatter empfahl die Annohme der Mogistrats- rmünge. In der Aussprache gerierte sich Stadt.o. Steiniger !-.um Irruriivrtt Wobnae'ckmß war soft fer 1 und d:- cht• u> v Nr', frst"••}■> En-''mg. all aas feine Porzellan, das Dona Ejtella ausgejumt baue, die üppige Wäsche, das gravierte Silber und das funkelnde Kristall— war das alles für Madame Vertolezq bestimmt? Oder sollte sie als Dienstmädchen bei ihm leben"? Unmöglich, da doch ganz Botafogo die Rolle kannte, die sie im Leben des Budikers gespielt hatte. Aber weder der Baron, noch sein Schmarotzer brachten den Mut auf, um mit dem Budiker selbst über das Thema zu sprechen, und mußten sich mit Andeutungen und Mutmaßungen begnügen, wie wohl der erfinderische Joao Romao das Problem lösen würde. Ver- dämmte alte Ziege— wenn er sie doch in die Müllgrube werfen könnte. Sie mar der einzige Fehler an einem sonst so würdigen und wichtigen Mitglied der Gesellschaft. Das intime Berhältnis, das nach jenem denkwürdigen Einoernehmen mit Botelho begonnen hatte, stand jetzt in voller Blüte. Es verging kein Sonntag, an dem Joao Romao nicht mit der Familie des Baron de Freixol zu Mittag speiste. Sie gingen zusammen ins Theater, und bei solchen Gelegenheiten bot der Budiker der jungen Zulmira galant den Arm. Er versuchte, durch prunkvolle kostbare Geschenke die Gunst der Familie zu gewinnen. Wenn sie in der Stadt waren und sich eine Gelegenheit bot, irgendwo eine Erfrischung einzunechmcn, bestand er darauf, immer zwei- oder dreimal so viel zu bestellen, wie nötig gewesen wäre. Er versuchte, seine Ergebenheit mit Blumenspcnden, Süßigkeiten und kostbaren Früchten zu beweisen. Ja, Joao Romao hatte sich verändert seit den Tage», als er es sich nicht gönnte, ein Ei zu essen, das möglicherweise hätte verkauft werden können. Diese erstaunliche Metamorphose war Bertoleza nicht entgangen. In chrer obskuren und niederen Stellung als Lasttier sehnte sie sich nicht allem nach Liebe, sondern auch noch einer gesicherten Zukunft, nach der Gewißheit, im Alter, wenn ihr geschwächter Körper nicht mehr von früh bis spät in die Nacht würde schuften können, keine Not leiden zu müssen. Sie sagte also nie ein Wort, das chren Herrn und Gebieter beleidigen konnte, sondern ging ihren täglichen Pflichten nach wie immer und trug dieselbe feige Resignation zur Schau mit der ihre Eltern sie aus die Welt gesetzt und zu einer armseligen Sklavin hatten werden lassen. Sie zog sich von ollem zurück, besuchte die Hausbewohner nie mehr und ließ sich im Loden nicht blicken, denn sie schämte sich und fürchtete, die anderen könnten erfahren, daß die Frau des «t viftlett Joao NontatJ häßlich und schwarz seh A w bliest st' e'n'am verbuchte da-,("> hftr. dos ihr«.ms'rltnarze Haut gegeben hotte und bildete die Wolke, die auf den glänzenden Pfad des Mannes, den sie liebte, ihren düsteren Schatten warf. Denn Bertoleza liebte Joao Romao. Sie hatte für ihn etwas von der unberechenbaren und fanatischen Verehrung der Amazone Caboclo für den Weißen, der ihr die Sklaven ketten anlegte, der Halbwilden, die an Eifersucht starb und sogar fähig gewesen wäre, ihrem Leben selbst ein Ende zu machen. Aber in ihre Liebe mischte sich eine Spur Mitleid mit sich selbst. Sie hatte viele Jahre lang an seiner Seite gearbeitet. Er hatte seinen Wohlstand ihrem Fleiß genau so wie seinem eigenen zu verdanken. Konnte er ihr" nicht aus Dankbarkeit für die Zeit, in der er sie noch liebte, oder es sie wenigstens glauben machte, konnte er ihr nicht ab und zu ein bißchen Zärtlichkeit gönnen, wie ein Herr manchmal, wenn er gut gelaunt ist, stehen bleibt und seinen Hund streichelt. Aber das sollte Bertolezas Los nicht sein, denn bald wurde es ihr klar, daß sie nicht mehr Joao Romaos Frau war, sondern nur seine Dienstmagd. Noch immer stand sie als erste auf und ging als letzte zu Bett. Ehe die Sonne aufgegangen war, zückte sie ihr langes, scharfes Messer. schlitzte die Fische auf. nahm sie aus und erfüllte«ine Pflicht noch der anderen, bis der Tag zur Neige ging und sie wie in alten Zeiten vor dem Restaurant saß und über dem Holz- kohlensauer Fische für vorübergehende Kunden briet. Ohn� «inen einzigen Ruhetag, ohne ihrer eigenen Person auch nur einen Augenblick Beachtung zu schenken, wurde sie immer häßlicher und abstoßender, und ihr verzagtes Herz verriet sich in zwei tiefen Linien, die von den Winkeln ihres schlaffen Mundes herunterliefen. Zuletzt, als sie sich davon überzeugt hatte, daß sie zwar noch nicht tot fei. aber tatsächlich aufge- hört hatte, zu leben, verfiel sie in düsteren Stumpfsinn, sprach mit keinem Menschen und murmelte immer vor sich hin. Sie wurde schlecht gelaunt und mürrisch und begegnete ollen um sie her mst Mißtrauen. Teilnahmslos erledigte sie ihre täglichen Arbesten wie eine gefühl- und gedankenlose Natur. Aber dieser Wall von Gletchgültigkest stürzte eine? Tage'» nach einer langen Unterhaltung zwischen Botelho und Joao Romao zusammen. Tränen eittstromten den eingesunkenen Augen des armen Geschöpfes, und sie mußte bei ihrer Arbeit innehalten, damit ihr Schluchzen nicht von den Kunden ge- hört wurde. „Los, halten Sie jetzt um sie an, es ist soweit." ..Was?" „Sie können um die Hand der Tochter bitten. Alles ist bereit." (Fortsetzung folgt.) Mchtliche Llebersälle auf Krauen Eine Kellnerin niedergeboxt. Eine Kellnerin, die nachts gegen Z Uhr von ihrer Arbeitsstelle nach Hause kam. wurde in ihrem Hause in der Schlüterstraße in Charlottenburg von einem Manne an- gefallen, der ihr mit einer Taschenlampe in das Gesicht leuchtet«. Der Mann boxte die Kellnerin nieder und tat ihr Gewalt an. Hilferuf« hinderte er dadurch, daß er sie mit einem Dolch mesfer bedrohte. Der Täter flüchtete dann aus dem Haus« und ist entkommen. Es war ein Mann von etwa 35 Jahren, der o st preußische Mundart sprach und eine grüne Joppe und ein« blau« Seglermütze trug. Ein zweiter U«berfall wurde auf ein junges Mädchen verübt, das gegen 11)4 Uhr auf dem Heimweg« die Chaussee zwischen Blankenburg und Corow an der Stettiner Bahn entlangging. Das Mädchen wurde von?in«m jungen Burschen angefallen, der sie in den Chausseegraben stieß. Sie setzte sich aber kräftig zur Wehr und biß den Angreifer tüchtig in die rechte Hand. Sie selbst trug zwar auch ein«n Biß in die Nase davon, konnte sich aber des Wegelagerers erfolgreich erwehren. Der Bursche, der«in« fichtbare Verletzung davongetragen haben muh, war etwa 20 bis 24 Jahre alt, 1,60 Meter groß und trug einen dunNen Anzug und dunkle Schirmmütze. Der Ueberfall auf di« Kellnerin, der übrigens keineswegs ver- «inz«lt dasteht, zeigt deutlich, welchen Gefahren besonders di« weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen des Gasthausgewerbes bei allzu später Polizeistunde im nächtlichen Berlin ausgesetzt sind. Oer Llnfall in der Schulküche. Die Schülerin Eäcilie Rodde ihren Verlehungen erlegen. In der Schulküche der 273. Volksschule hol sich ein Unglücksfall ereignet, an dessen Kolgen die Schülerin Cäcilie Rodde leider gestorben ist. Zu dem Vorfall teilt die Schulverwallung folgendes mit: Die Schulküche in der 27S. Volksschule in der Pasteurstr. Z ge- hört zu den modern st eingerichteten Schulküchen. Irgendwelche Sparmaßnahmen des Magistrats können keinesfalls als Urheber des so bedauer- lichcn Unglücksfalles angesprochen werden. Bei der Schülerin Cäcilie R a d d e, die im Lause des Montags ihren schweren Verletzungen erlegen ist. fing di« Kleidung plötzlich Feuer. Die aufiichtführende Lehrerin versuchte durch Hinwerfen der Schülerm 1 die Flammen möglichst schnell zu ersticken. Cäcilie Rodde aber, die ein sehr kräftiges Kind und größer als di« Lehrerin ist, riß sich in ihrer Angst los und rannte fort, wodurch die Flammen selbstver- ständlich neu angefacht wurden. Erst einem hinzukommenden Lehrer gelang es, si« fest in seinen Mantel einzuwickeln und dadurch die Flammen zu ersticken. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde Cäcilie Radd« nach dem Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert, wa sie inzwischen ihren Verletzungen erlegen ist. Der sozialdemokratische Stadtschulrat N y d a h l hat sofort an sämtliche Berliner Schulen eine Verfügung gerichtet, nach der vor Beginn des Kochunterrichtes alle Schülerinnen noch besonders auf drohende Gefahren und Verhaltungsmaßregeln bei Unglücks- fällen aufmerksam gemacht werden müssen. Berliner Schulpolitik. Einheitsschule� höhere Rcformschule� Lchrcrforlhüdung. Erdbeben in Schweden. Größere Gebäude ins Schwanken geraten. Stockholm, 11. März. 3a der Stadt härnösand In llordschweden wurde In der vergangenen Rocht gegen',412 Uhr ein(Erbstoß wahrgenommen. der so heftig war. daß selbst größere Gebäude schwankten. 3n der Radiostation in hemsö, eine Meile nördlich von härnösand. wurde der Kunker von seinem Stuhl ge- warfen. Da» Beben dauerte einige Minuten an. C» dürste auf Erdverschiebungen in der skandinavischen Halbinsel zurückzuführen sein. Gebrüder Sklarek ertrankt. Neuer Hafiprüfungstermin. Am Donnerstag dieser Woche findet ein neuer H a f r- Prüfungstermin statt, den die Verteidigung der drei Brüder Sklarek beantragt hat. Auch diesmal hat die 11. Strafkammer unter Vorsitz von Laudgerichtsdivektor Sternheim darüber zu ent- scheiden, ob die Voruntersuchung bereits soweit geklärt ist, daß«ine Verdunkelungsgefahr nicht mehr bestehen würde. Die Verteidiger der Gebrüder Sklarek begründen ihre Anträge auf Haftentlassung der Beschuldigten mit dem sch!«chten Gesundheitszustand Leo, Max und W iC ly Sklarek s. Di« drei Brüder seien durch die lang« lintersuchungshaft körperlich sehr mitgenommen und b«- dürften einer ärztlichen Behandlung im Krankenhaus. Ob das Gericht den Anträgen stattgeben wird, ist jedoch sehr fraglich. Ein Vermißter aufgefunden. Im Hof« eines Anwesens in W a l d a u bei Liegnitz fand man am Moniagabend«inen Fremden. Es stellte sich heraus, daß der Mann zweifellos geisteskrank war. Weitere Ermittlungen der Orts- behörden ergaben, daß es sich um den feit einiger Zeit aus B e r l in als vermißt gemeldeten Amtsgerichtsrat Krieger handelt. Man stellte weiter fest, daß in Schweidnitz ein Sohn des alten Amtsgerichtsrats lebt, der sofort benachrichtigt wurde und s«in«n Vater abholte. 3n der Urania muß der Vortrag von WLH. Bölsch« wegen Er- krankung de» Redners ausfallen. Statt dessen wird Prof. Dr. Ber ndt an Hand«in«? reichhaltigen und interessanten Bild- und Filmmaterials über„Staat und Sozialismus in der Natur, Rätsel und Wunder des Tierstaates" Mittwoch, 12. Märi im Haus der Technik. Friedrichstraße 110—112, 20)4 Uhr. ni mals sprechen. Die Deutsche Hochschule für Politik«r- anstaltete durch ihr 5laatsbürgerkundllch«s Seminar einen schulpolilischen Vortragsabend. Stadtschulrot N y d a h l gab einen Ueberblick über die neuer« Berliner Schulpolitik. Man dürfe sie, sagt« er, nicht nach den letzten Wochen und Monaten beurteilen. Aus den letzten zehn Jahren seien neben der einheitlichen Zusammenfassung des Schul- wesens der zu Groß-Berlin vereinigten Einzelgemeinden doch auch recht erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Durchführung des Arbeitsunterrichts ist im Gange, aber Voraussetzung ist, daß die nötigen Räume, Lehrkräfte und Lehrmittel da sind und die Klasien eine erträglich« Besetzung haben. Was erreicht wurde, wird jetzt durch Sparmaßnahmen wieder gefährdet. Zur Frage der Einheitsschule stellte Nydahl fest, daß wir von einer solchen nicht reden können, so lange die Volksschulen, die mittleren Schulen, die höheren Schulen und di« Berufsschulen noch ohne Ver- bindung nebeneinander stehen. Die große Masse der Kinder tritt aus der Volksschule ohne eigentlichen Uebergang in die Berufsschule«in. Wir haben Förderklassen und Aufbauschulen geschaffen, aber wer di« Volksschule bis zu End« durchläuft, sieht sich dann gewissermaßen an eine Sperre gestellt. Die Volksschule ist in ihrer jetzigen Einrichtung eine Sockgasse. Es kommt gar nicht darauf an, einer größeren Zahl Kinder den Uelxrgang zur höheren Schule zu«rleicht«rn. Nydahl hält für richtig, daß schon die Volksschule eine weitgehende Differenzierung der Kinder durch- führt. Er ist Freund einer sechsjährigen Grundschule und an den Austritt aus ihr möchte er die Differenzierung der Kinder noch ihrer Begabung(gewerblich, technisch, künstlerisch, kaufmännisch, hauswirtschastlich usw.) anschließen. In den neu geschaffenen Aufbauklassen der Volksschulen sieht er eine Notlösung, die vielleicht ein kleiner Anfang der kommenden Schul- reform sei. Anschließen könne man die auf vi«r Jahrgänge zu erweiternden Ausbauklafsen unmittelbar an di« von ihm empfohlene sechsjährige Grundschule. Das Kind der Volks- schule brauche einen Uebergang zu allen anderen Schularten, zu den mittleren Schulen, d«n höheren Schulen, den Berufsschulen. Es folgte«in Vortrag von Magistratsoberschulrat Heyn über die höher« Schule Berlins. Er betonte den Wert der Reformanstalten, die den fremdsprachlichen Unterricht mit einer modernen Sprache beginnen. Es s«i berechtigt, sie fortgesetzt zu vermehren. Wie beliebt sie sind, zeugt der Zudrang zu diesen Anstalten. Zum Schluß berichtete Magistratsschulrat Dr. K a l i s ch e r über neuere Lehrerfortbildung. Die früher«» Einzel- studienreisen mit städtischem Zuschuß werden größtenteils jetzt durch gemeinsame Studienreisen ersetzt, deren Kosten in der Hauptsach« die Teilnehmer tragen. Gemeinsame Reisen können so gestaltet werden, daß die Kosten für den«inzelnen geringer und der Nutzen für olle größer wird. Ein ander«? Mittel der Lehrerfort- bildung ist der Zusammenschluß zu Arbeitsgemeinschaften. Daneben will man auch die bisherigen Vortragskurs« nicht ganz aufgeben._ - Berlins Benachteiligung. Eine neue Eingabe an den Landtag. Die Stadt Berlin hat sich soeben in einer neuen Eingabe an den Landlag gewandt und eine Aenderung der sogenannten„relativen Garantie" im preußischen Finanzausgleich gefordert. Regierung und Parteien sind sich seit langem darüber einig, daß die jetzige Verteilung de» Gem«indeant«ils an Einkommen» und Körperschaftssteuer nach dem preußischen Aussührungsgejetz ungerecht und abänderungsbedürftig ist. Di«s beweist auch die dem Landtag im April 1929 zugegangene Denkschrift der Regierung, die nur deshalb zu keiner Aenderung des Finanzausgleiches führte, weil sie für das Etatsjahr 1929 zu spät vorgelegt erschien. Seitdem ist wiedcr«in Jahr ins Land gegangen, und anscheinend ist auch ein« Aenderung für 1930 nicht b«abstchtigt. Das würde bedeut«n, daß Berlin die Benachteiligung durch die relativ« Garantie noch«in weiteres Jahr«rtragen müßte. Dies erscheint aber bei der jetzigen Finanznot der Reichshauptstadt, die nicht zuletzt durch die dauernden Benachteiligungen bei der Zuteilung der Reichs- und Staatsst«u«rn hervorgerufen ist, völlig unmöglich. Das amerikanische Leben hinter der Kulisse der Prohibition, des laufenden Bandes und der Wallstreet vorsticht Kurt Lubinfki in seinem Vortrag„Amerika, in dem Zeit nicht Geld ist" zu zeichnen. Ein paar Skizzen von den Hinterwäldlern und aus dem privaten Leben der Moneymaker(Geldmacher) zeigen ein trauliches und vor allem«in sehr kindliches Amerika. Mofcrik setzt Lubinski an Mosaik und daraus entsteht ein plastisch gesehenes forträt.— Interessantes weiß auch Wilhelm Lands über ithographie und Photographie zu berichten. Sein Vortrag„Zwei Erfindungen, zwölf Beruf« und ihr« Arbeit«rschaft" den Aufbau der Arbeiterorganisationen, gibt einen lieber vielen Zweig«, die zu Gelegenheit, sich über gattung zu orientieren. »sition von Franz Kauf deutsches Volkslied in schildert blick über dos weite Gebiet und über die diesem Beruf gehören. Der Hörer siiü>et die inner« geschlossene Struktur di«ser Berus- — Aus Breslau wird am Abend ein« Komp unter dem Titel„Variation«» über ein musikalischen Stilvarodien" übertragen. Es ist«in Komposition� auftrag der schlefischen Funkstunde und zwar handelt es sich»mi das Volkslied„Das Wandern ist des Müllers Lust". Hier bei Kauf offenbart sich ein spielerische» Vergnügen an der Variation des Themas und der Instrumentation. Ganz hervorragend gelingt die Parodi« auf Wagner, die im Stil des Waldwebens aus»Siez- fried" gehalten ist. Eine sehr unterhaltende und amüsant« Ver- anstaltung. si- Leb. Berlin hat von Jahr zu Jahr in immer steigendem Maßö Kürzungen seines Anteils an der Einkommen- und Körper- schaftsstcuer«rfahren. Es hat seit dem 1. April 1924— also in sechs Jahren— insgesamt über 167 Millionen Mark zugunsten anderer Gemeinden abgegeben. Wenn jetzt die bisherige Regelung wieder um«in Jahr verlängert werden sollte, so würde das für Berlin di« Entziehung von weiteren fast 30 Millionen Mark für das laufende Haushaltsjahr bedeuten. Der Zuschußbedarf Berlins beträgt auf den Kopf der Bevölkerung 122,12 Mark und liegt damit erheblich über dem Mittelwert aller Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern, der sich nur auf 100,22 Mark beläuft. Allein auf dem Gebiet der Wohlfahrtspfleg« hat Berlin«inen Zu- schußbedarf von 41,78 Mark gegenüber einem Durchschnittssatz aller Großstädte von 27,38 Mark. Di« Stadt Berlin ersucht daher d«n preußischen condlag tn ihrer Eingabe, das Unrecht der relativen Garantie nicht nochmals für ein 3ahr zu verlängern, sondern die schlimm st en Härten des bisherigen Systems sofort dadurch zu mildern, daß mit Wirkung vom 1. April 1930 ab der Einheitssatz von 22 Pfennig auf 25 Pfennig e r h ö h l wird. Aiemals wieder Monopolverträge! Die Bekleidungsbeschaffung liir Wohlfahrtsempfängef. Die Wohlsahrtsdeputation ist zum erstenmal in ihrer neuen Zusammensetzung unter dem Vorsitz der sozialdemokratischen Stadt- rätin W e y l zusammengetreten. Annahm« fand der Antrag des Landesjugendamtes, Baukosten- Zuschüsse für Jugendwohlsahrtseinrichtungen in Wohnungsneubauten nur dann zu gewähren, wenn von vornherein die später« städtische Verwaltung sichergestellt ist. Angenommen wurde auch ein Zusatz- antrag, nach dem der Magistrat ersucht werden soll, einen Betrag von 100 000 M. in den neuen Etat 1930 für diese Zwecke einzu- stellen. Die Wohlsahrtsdeputation stimmte dann der Errichtung eines Jugendhauscs an der Pufendorfstraße im Bezirk Fried- r i ch s h a i n zu und sprach sich auch für die Bewilligung von 30 000 M. für den Ausbau der Volksfpeisetüche in Köpenick aus. Ferner wurde von der Wohlfahrtsdeputation beschlossen, dem Magistrat die Annahme der Vorschläge für die Regelung der Bekleidungsbeschaffung für di« Wohlfahrtsempfänger zu empfehlen, die das bisherige System völlig ändern. Danach werden keine Monopolverträge mit einzelnen Firmen mehr ab- geschlossen. Es erfolgt vielmehr die unbeschränkte A u s s ch r e i- b u n g der Belieferung durch die VAG. Di« zuzulassenden Lieferanten werden durch die Bezirksämter ausgewählt. Zugelassen werden nur osfen« Geschäfte, die zuverlässig und leistungsfähig er- scheinen. Der Wohlfahrtsempfänger hat das Recht der freien Aus. wähl unter allen zugelassenen Lieferanten auch außerhalb seines Wohnbezirks.__ Zu den Angriffen gegen die ,Bere?'. lieber die der Stadt gehörende Firma„B« r e k", die die Ber« liner Anschlagsäulen verwaltet, werden Nachrichten verbreitet, die sich auf einen angeblichen Konflikt niit der Gencralverwaltung der Staatstheater in Berlin beziehen. Di« Gcneralverwaltung der Staatstheater hat wiederholt erklärt, daß sie diesen Angriffen voll- ständig fern st eh«. Deranlasser ist eine mit der„Berek" in Wettbewerb stehende Privatfirma, die sich„Programmverwoltung der Staatstheater" nennt. Die von dieser Seit« an dos Reichswirt- schastsministerium gerichtete Eingabe soll bezwecken, einer Rück- forderung in Höh« von annähernd 60 000 M. Nachdruck zu ver- leihen. Die„B«ret" hat Schritte unternommen, um irrtümlichen Auffassungen über ihren Betrieb entgegenzutreten. Sie wird ferner erweislich unwahre Behauptungen, die gegen sie gerichtet sind, im Prozeßwege abwehren._- Tchnellbahnhofe Zllexanderplatz- Frankfurter Allee. In einer Sitzung beschloß kürzlich die Verkehrsdeputatron der Stadtverordnetenversammlmrg für die voraussichtlich im Herbst zu eröffnende Schnellbahnlinie Alexandcrplatz— Frank. furter Alle« folgend« Bahnhofsbczeich nungen vor- zuschlagen: Alexaickierplatz, Schillingstraße, Strausberger Platz, Memeler Straße, Petersburger Straße, Samaritcrstraße, Frank- surter Allee- Ringbahn, Alfvedstraße, Bahnhos Lichtenberg. Für die Endstreckc der Nord-Süd-Bahn in Neukölln, die noch im Laufe dieses Jahres dem Betrieb übergeben-wird, sind noch zwei neue Bahnhöfe vorgesehen: Neukölln-Südring und Grenzallec. Maskenball im weindors. Das bunt« Weindorf, das in«ine der großen Ausstellungshallen am Kaiserdamm hineingebaut ist, war Sonnabend imcht das Ziel sehr vieler schöner Masken. Der Bezirk Kreuzberg des Reichsbanners hatte seine Mi.gl'eder einmal zu einen, luftigen Maskenfest geladen. Neben sehr schönen Trachtenkleidern sah man auch politische Masken. Ein„blut- rünstig«r Hitlerianer" mit Stahlhelm und Papphandgra- naten wurde viel belacht. Ein anderes sebr geschmackvolles Kostüm war zugleich eine sinnreiche Werbung für den„Vorwärts". Selbstverständlich fehlten Zille- und Glaßbrenner-Fiquren nicht. Die Kapell« Kern, dach spielte zum Tanz auf. Für die schönsten Masken standen nett« Geschenke zur Verfügung. In den Tanzpauscn zeigten rheinische Herolde und ein Ballett ihre Künste, die reichen Beifall fanden. Ausslugsverkehr nach Schildhorn und Nedlitz. Bei günstigem Wetter wird der Ausflugsoerkehr der BDS..Omiribusse nach Schild- Horn ab 15. März d. I. mich auf die Sonnabeirde ausgedehnt. Der erst« Wagen fährt ob Bahnhof Zoo mn 12.40 Ii Hr. Die Wiederaus- nähme des Omnibus-Ausflugsverkehrs nach Nedlitz, ab Bahnhof Zoo, und nach dem Wandlitzsee, ab Stettiner Bahnhof, erfolgt bei gutem Wetter am Sonntag, dem 16. März d. I. Der erste Wagen fährt ab Bahnhof Zoo bzw. Stettiner Babnhof um 10 Uhr. Di« BDG.-Sonderfahrten in die Mark finden erstmalig am Sonn- tag, dem 30. März d. I., statt. Die Reiseziele werden noch bekannt- gegeben. 1 fordern Sie ausdrücklich MAGGI* Fleischbrähwuifel \ yichfen Sie auf den. Namen MAGGi und die rot- gelbe PcLckung- Die Sorgen der Verdrängten. Eine Vertreterversammlung der Arbeitsgemeinschaft. Im Festsaal der Kroll-Oper hielt die Arbeit». gemeinschast der Interessenvertretungen für de» Ersah von Krieg»- und Verdrängungsschäden eine öffentliche Verlreterversammlung ab. Die Redner führten au», daß die Arbeitsgemeinschaft im Augen- blick die gesetzgeberischen Arbeiten zur Liquidierung des Krieges und di« Finanzregelung im Reich nicht durch öffentliche Demonstrationen habe stören wollen. Sie halt« sich aber für verpflichtet, durch sachlich« Darlegungen Oesfentlichkeit, Regierung und Volksvertretung auf die Notwendigkeit einer wirklichen Endregelung der Entschädigungsfrage hinzuweisen. Es sei rechtlich nicht begründet, das von Polen und' das von der Entente liquidierte deutsche Privateigentum unter- schiedlich zu behandeln. Es hätten all« Liquidierten Anspruch auf größere Entschädigungen als die bisher im Durchschnitt ge- währten 11 Proz., um so mehr, als das Reich selbst wiederholt an- erkannt habe, daß ein Recht auf volle Entschädigung bestände. Di« Geschädigten müßten zum mindesten diejenigen Beträge fordern, die unerläßliche Voraussetzung für die Wiederaufrichtung der nieder- gebrochenen Wirtschaft im Ausland, wie auch der Seßhaftmachung der vertriebenen Grenzlanddeutschen im Jnlande seien. Reichsfinanz- minister Dr. Moldenhauer Hab« in diesen Tagen im Reichstag erklärt, die durch das Entschädigungsschlußgesetz abgefundenen Liqui- dations- und GewaltgefchMgten müßten sich mit der getroffenen Regelung zufriedengeben und könnten auf eine Erhöhung der Ent- schädhrnng nicht mehr rechnen. Dem müsse entgegengetreten werden. Die Geschädigten könnten das sogenannt« Schlußgesetz nicht als Schluhtegelung anerkennen. Die bei der Schlußentschädigung ein gesparten Mittel seien zu einem sozialen Hilfsfonds für Klein geschädigt« und«rwerbsunfähig« Verdrängte, zu einem Fonds für den um seine Existenz ringenden wiederaufbauenden Mittelstand und zur sofortigen Verzinsung der jetzt unverzinslichen Wiederaufbau zuschlüge zu verwenden. In einer Resolution wird die Hoft nung ausgesprochen, daß die englische Regierung ihr Verhalten in der Frag« des deutschen Privateigentums ändere und damit das letzte Hindernis für eins vertrauensvoll? Zusammenarbeit der beiden Nationen beseitig«. In einer weiteren Entschließung wird die Er- Wartung ausgesprochen, daß die Regierung in gleicher Weis« wie die Polen-Geschädigten auch die übrigen Opfer schadlos halte. Gewiß stehen Volk, Regierung und Parlament den Nöten der Verdrängten mit Sympathie gegenüber. Es ist aber fraglich, ob bei der allgemeinen Finan.;- und Wirtschaftslage nach der gesetzlichen Regelung durch das Krieg»schädenschluhges«tz vom Jahre 1928 eine erhöht« Entschädigung der Betroffenen durchführbar sein wird. Eine Million Besucher auf dem Funkturm. Der Funkturm, der beliebte Aussichtspunkt am Kaiserdamm, konnte gestern den m«l l i o n st e n Besucher buchen. In 3� Jahren wurde von Berlinern, Reichsdeutschen un!d Ausländern dies« statt- liche Ziffer erreicht. Der JuWläumsbesucherin— einer jungen Dame aus Erfurt— wurde nach der Auffahrt von der Direktton des Messocunles ein bronzener Funkturm in Berlins höchstgeleg«ne-n Restaurant als Andenken überreicht. Kabarett der Komiker. Für das Märzprogramm hat man sich Ilse Bois in ihrer prächtigen Parodie„Heute abend Premiere* abermals gesichert und man ist immer wieder entzückt von der Künstlerin. Ihr zur Seite stehen die treffliche Jongleuse Miß Okabe, ein weiblicher Rastelli, Lajos Sze n di, der Parodist am. Flügel, der mit Humor und Können ein Mozartsches Streich konzeu. einen Gcchaguecein und ein« Opcrnfzene auf die Bühne bring-:'Little E stche-r ist ein cfibcoiatc-kiddk mit Humor und Rhythmus in Mund und Beinen, Chris Richards jongliert verblüffend mit seinen Gliedmaßen. In der Posse„Die Virtuosen*. einer lusttgen Angelegenheit von vier Pscudomustkern, sorgt Szöke Szakall mit sanfter Blödelei für Lachlust. Hellmut Krüger und Paul Nikolaus, dos Conferencierduo, servieren die Dar- bietungen in launiger Form. Könnte sich der kontraktlich sestgelegte „Esprit* des'Ansogers aber nicht endlich einmal etwas vielseitiger entfalten und nicht ausschließlich mit manchmal recht wenig Geschick auf den Tagesereignissen herumreiten? Allgemeine Wetierlage. �INlanz �930jtbds. OM«W> © welkenlos, 0 heiter, 0 halb bedeckt 0 wolkig,• bedeckt* Regeiva&aupeln .�t Iah: Keim Brmnmnstr. 1: Literarischer Abend.— Rranlsurter Viertel: Keim frankfurter Allee 307:..gafchismus".— Pelersburaer Viertel: Keim Tilliter Str. 4—3:„Moderner Stratvoll,ua".— Rcichenbcraer Viertel: beim Bnhcr Str. 27—30:„Rationalisicruna und Erwerb sveoblem".— Edar- lottendn-n-Roed: Leim Oldeesstraßc:.„Ooalitinn oder nicht?"— Lankwih: Gc. meindeschaile Schulstraße: Mi'aNedemersammlunn.— Mariendars II: Daheim 13S?IA: Mitaliedemersammluna.— Marien lelde-Lichtenrade: Schule Lichten. rabe, Roonstraße: �>raanisatorischer Aufbau der SAI."— Temo-lhos: Keim Germaniastr. 4— 8:„Iuaendrecht". Referent Genasse Burncmcister.— Reu- tälln VI: Ausaellaltuna de»?ahlabends der S3. Darteiabteiluna.— Rallenbera: Seim auf dem Duishof:„Alkohol und Nikotin".—«aulsdoef: Schule Adolf. straßk 2K:..Erlebnisse aus der Arbeitsstelle".— Lichtenbera-MItte: Keim Scharn- w«b-rstr. 20. Einoana vom Sau-flur:..Russtsch« Revolution".— Nen>Lichtcn. ber«.». 71.: Seim KauMtraße:„Amerika". SS«. RenlSIsU: Keim Berastr. 2S, Raum 1: Politische Parteien:„DRBP. — DBP." Werbebeeirk reltowkanat: Mör�eitunaen bei Walter Traiue. Lankmiß. Mener-Waldeck-Str. 1, abholen. Alle restlichen Ieitunaen unbedinat abrechnen. Modenschau bei Kroll. Ein Riesenousgebot der neuesten Frühsahrs- und Sommer- moden. Deranstalter die Firmen Cords und Michels in Beibindung mit der Fachgruppe der Berliner Damen- fchneider-Innung. Ein Wettrennen am Modeturfplatz. Wer arbeitet am schicksten, am geschlmackvollsten, welcher Faltenwurf, welcher Volant, welche Linie überhaupt ist am wirksamsten und dann, welches Stoffmatcrial ist der Schlage? der Saison? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ein schier endloser Aufmarsch schlankster Mannequins— die Mode ist wieder einmal ganz auf feiten der Dünnen— in prächtigen Kleidern, Kostümen, Mänteln zu allen Tages- und Abendgelegenheiten. Für die Straße beherrscht Tweed, das weiche bräunlich getönt« Stoffgewebe den Modemarkt, für den Nachmittag und Abend sind ganz leicht«, duftige Stoffe in Seiden- musfelin«, Seide n chiffon, Georgette und Spitze modern. Di« Röcke sind long, die Taille sitzt hoch, so daß die' Figur noch gestreckter erscheint. Di« Mode ist schön, elegant und reichhalttg in. der Der- arbeitung und bringt für geschickte Frauenlzände ein« DZ.'nge von Anregungen. Das Modebild ist ganz weiblich geworden, nichts strenges ist mehr vorhanden, wenn man von dem herben Körper- liniament absieht. Vor ausverkauftem Haufe, unter der launigen Conferönce von Res! Langer gab es sür alle Modebeflissenen «inen anregenden Nachmittag. Der deutsche— Orientteppich. Die neuzeitige Geschästspraxis verfällt oftmals ganz auf ganz originell« Ideen. Die bekannte Ausstattungsfirma„O tag", Leipziger Straße 90, Ecke Markgrafenstraß«, hat in der S. Etage ihres Riesenlagers eine tür- kische Schau ausgebaut, wo ein aus Kissen und Seidenpfllhlen hin- gelagertes Publikum die schönsten arttsttschen Vorführungen auf „orientalisch" genießt. Schlangentänzerinnen, Vauchtänzerinnen, Neger präsentieren ihre leidenschaftlichen Tänze: dazwischen werden türkischer Kasse« und Leckerbissen gereicht und eine Janitschare«- kapell« spielt dazu weich«, einschmeichelnde Melodien. Märchen- erzähler vervollständgen das B'd aus„Tausend und ener Nacht". Das wefentlch« jedoch war ein sehr instruktiver Vortrag über orien- talische Teppiche. Abgesehen von dem Hinweis auf die große Auswahl schöner und seltener Stück« der orientalischen Teppichknüpserei, die man in den Ausstellungsräumen bewundern kann, ging der Inhalt des Vortrages dahin, sich des Wertes des deutschen Teppichs bewußt zu fein, der an Güte und Farbenpracht das orientattsehe Mafsenfabrikat von heute übertrifft. Hier sind es besonders die Er- Zeugnisse der Kunstweberei Elaviez, die an Schönheit und Ge- diegenheit die echten Teppiche säst erreichen. Aueh aus besonder« Abwechselung der Fensteraarnituren und besondere Reichhaltigkeit der Gardinenauswahl wurde scheinbar der größte Wert gelegt. Di« Kombination Deutsch-Türkisch und Türkisch-Deuttch wird bald zu den beliebtesten Attraktionen der City zählen. Rur noch 12 Taue aarrafauI.Eastfplel! Es wird wr die SiienNflen NUN allcrdochste Zeit, stcki ,um Vkfucki dcs Zirkus Oarrakani ,u rnlfchürßrn. da das mmaltiae llnternehincn nur nvch 12 Dane in der Rrichsliaunistabt troila: mirb. Dtialich um Wt Uhr Vnrstelluna. Zum?eq!nn st:!s die croftc Paradc der 37 Raiionen. Mittwoch. 13 Uhr, gamilienvorftelluna. Linder halbe Preise ran 2�0 M. aufmörts. Der Zirkus ist stet» aut aeheizt. Eine Veriäuaerunq des Sarrafani�kastsviels kommt nicht in Trane, da die Termine mit den stdriaen Städten nicht mehr ,u ändern find. «au, weniae MenfGen haben Zeit und Geld, um lich auch nur einen kleinen Teil der Lerrliihkeiten der Welt an,usehen: ja selbst den we.tncreist.-n Wellreisenden war e» nur miiqlich, eine» kleinen Teil der Sehenswllrdiakeiten ,u betrachten. Der Perlon Oefternaard drinat nun fllr die. nefnmle deutsche Leserschaft in seiner Zeilschrist„Durch alle Welt" nach de:» modernsten meiir- fardine» Zupfertiefdruckversahrrn alle Schilderunnen und Bildansnadmeu von bekannten gorschern in vvllendetee Aufrnodiunn. ffernce erhält jeder Abonnent von„Durch alle Welt" in Liesenrnnen einen nroßen Kandatla» mit 138 l-nupt» und Nebenkarten nralis. Der Preis Mr das 33 Seiten starke, wllchentlich er- scheinende Lest mit 30 Adbildunqen einschließlich Lartinliekeruna ist auf nur 30 Pf. sestnelent. Um die Weltreise mit»umachen, habe» Sie nur nötin, den Anmeldeschein de« in dieser Nummer veröffentlichten Inserats aus,»fällen und einzusenden. 'fr JOSE y&tn i-"—*/ ~Einsi und Jetzt~■ Welch ein Unterschied im Verkehrswesen f Moderne dreiachsige Auiobusse verdrangien den allen Sechser-Omnibus. So brich i sich allenihalben Neues Bahn. Nur was immer vollkommen war,hai Bestand, wie z.B. seit fast vier Jahrzehnien •fosojfjfi«Mm mso B erlin s m eisigem uch te Cigo reite Oer neue Zieichsbankprasideni. Was Deutschland von Luther erwarten muß. D-'-ß«chacht verschwendet, wird wehr Ruh«. Stetigkeit und Sicherheit für die deutsche Pvlihk und für die deutsche Wirtschost bedeuten. Es wird die Ausgabe Dr. Luthers sein, diese Erwartung durch seine Amtsführung wahrzumachen. Die Reichsregierung hat richtig gehandelt, wenn sie ihren ganzen Cinslutz dahin aufbot, daß der MAzrung- Wechsel in der Reichsbank so schnell wie mög- lich erfolgte. Diese innen- und außenpolitisch gebotene Schnelligkeit des.Handelns, aber auch die sehr ernste Zuspitzung der Regicrungs- krise im Reich mallsten es verständlich, daß die Diskussion über Schachts Nachfolger sehr zurückhaltend war und daß auch die Kmtdi- datur Luthers, die in ruhigeren Zeiten viel ernster umstritten worden wäre, kein Gegenstand des politischen Kampfes wurde. Der neue Rcichsbankpräsident Dr. Luther hat eine sehr htche Stellung, wohl die höchste unpolitische Stellung in Deutschland überhaupt. Sein Vorgänger hat die sich daraus ergeben- den Verpflichtungen in gefährlicher Weife mißverstanden. Daraus ergibt sich die Linie, die Dr. Luther einzuhallen haben wird, von selbst. Die Oeffenllichkeit wird gut daran tun, aus der politischen Dergangenhcst Dr. Luthers nicht ohne westercs Schlüsse auf seine Amtsführung als Reichsbankprüsident vorwegzunehmen. Wenn Dr. Lischer trotz seiner seit 1923 deutlich gewordenen stärkeren Entwicklung nach rechts aus seiner Amtsführung jegliche politische Beziehung und jegliche politische Note, die sich nicht ausschließlich aus den bankpolitischen Aufgaben des Reichsbanfprosidenten von selbst ergeben, fernhalten will, so muß ihm die Möglichkeit eines unbelasteten Startes i belasten werden. Wir werden dem neuen Reichsbankpröstdenten von vornherein «bjektiv gegenüberstehen, wir hallen uns auch zu keiner größeren Reserve verpflichtet, als sie sich noch deni schlechten und gefährlichen Vorbilde Dr. Schachts in dem Sinne sich aufzwingt, daß die Fehler des Schallstschen Regimes, die Deutschland so schwer geschädigt haben, von dein neuen Reichsbankprösidenten unterlassen werden müssen. Die von uns gegenüber Dr. Luther geübte Reserve ergibt sich also ausschließlich aus der Erwartung, daß dos Regime Schacht von Dr. Luther in keinem Punkte fortgesetzt werden darf. Manche der von Schacht begangenen Fehler können automatisch vermieden werden. Denn mit der Annahme der Joung-Gesetz« im Reichstag ist die gesamte Reporationspolitik aus ihrem Zusammenhang mit der Politik und den Geschäften der Reichsbank grundsätzlich und praktisch herausgelöst. Es besteht nur noch eine lockere Verbindimg der Reichs baaksühning mit der Reporationspolitik insoweit, als die Bank siir den internationalen Zahlungsausgleich den Repanationstransfer durch Wa Zusammenarbeit der Notenbanken erleichtern soll und als auch die deutsche Reichsbank im Vcrwaltungsrat der Internationalen Bank dabei nrrt.zuwirken Hot. Aus dieser SteHiing her Reichsbank im Rahmen der internationoken Nokenbonken u ich der. tnrsrntlich pon diesen bestimmten Politik der Internatioiwlen'Zahlstiigskiank ergehen sich auch die Beschränkungen, die sich Dr. Luther in allen reporotions- polltischen Fragen aufzuerlegen hat. Di« Rcparationspolikik «st eilte Sachs des Reiches und der Reichsrcgier uvg. Der neue Rcichsbankpräsident halte sich von ihr fern, wenn er von den Reichsinstanzen nicht um die Mitwirkung gebeten wird. Die entscheidenden Fehler des Regimes Schacht sind freilich nur durch eine bewußt« Umstellung der Reich sbonkfüh- r u n g von einer vorwiegend politischen zu einer ausschließlich bank- xmd wirtschastspolitischen Auffassung der ReichsitankaiffK-bc» zu vermeiden. Zweimal ist die Stabilität der deutschen Währung unter dem Vorgänger Luthers erschüttert worden. Beide Male durch die Unzulänglichkeit des Reichsbankpräsideirten oder durch den Vorrang der politischen Interessen vor den bankwirtschaftlichen. Es wird für Dr. Luther leicht sein, jede Währungsgefährdm� in der Zukunft zu vermeiden, wenn er sich daraus beschränkt, Reichsbank- und Wirt- Börse wieder flott. Man kaen jetzt endgiillig sagen, daß der Rücktritt des Reichs dankpräsidenken Dr. Schacht auch die Berliner Börse im ganzen ge- vommen nicht geschädigt hat. Die Klärung der iitnerpolitischen Loge hat gestern die Börse noch weiter beruhigt. Gegen mittag war das Kürsniveau wieder um 1 bis 2, in der Nachbärse sogar bis zu 3 und 6 Proz. gebessert. Auch die Nachfrage noch Dollars hat nur eine ganz vorübergehend« Steigerung des Dollarkurses gebracht; von der vorgestern erreichten Parität von 4,2913 ist der Dollorkurs gestern wieder auf 4,1989 zurückgegangen. Für heute dürfte die gestrige Annahme der Poung-Geieße im Reichstag und die endgültige Regelung der Nochfolgeschaft Schachts noch eine weiter« Besserung der Börsen- und Devisenlage erwarten lassen. Auch dar Geldmarkt ist nicht unerheblich flüssiger geworden. Nachdem vorgestern noch beste Geldnehmer 5'- Proz. zu zahlen hatten, ist der Satz gestern bereits auf unter 4 Proz. ge> Jurtfen. Oeuyches Stapiial im Ausiano. Milliarden geflüchtetes Kapital in der Schweiz. Die acht wichtigsten Banken der Schweiz hatten Ende 1929 fxemde Golder in dem hohen Betrage von 6,32 Milliarden Fran'en. Das Züricher Bankhaus Guyerzeller ÜL-G. schätzt die aus dem Aus- laude kommenden Beträge auf rund zwei Milliarden Fran- lea, wovon der Löwenanteil aus Deutschland ent- fällt. Die Kapital rlu cht au? Deuffchlaird, besonders bei den gesünde- ften Un-ernehmumzen und kapitalkräftigsten Kneifen ist nicht? Neues Daß die Summen ries-nhost sind, wird von der Schweizerisch?» Bank jetzt bestätigt. Milliardenbeträge allem in der Schweiz, dos laßt erwarten, daß deutsche Kapitalisten im Ausland insgesamt wahrscheinlich das Mehrfache der von der Bank Guyerzeller geschätz. tan Summe„untergebracht' haben. Bei der Diskussion über die deutsche Kapitalbildung wird dieser Faktor noch ernsthaf- ter zu berücksichtigen ftin als bi'ker. In den Vereinigten Staaten bahnt sich wieder eine B ö r j e n h a u j s e an, sroilich weniger m Aktien als m fest verzins. Ächen Werken. Diese Tatsache und die immer größere Geldflüssig. schastspolitik zu machen. Es muß auch gelingen, ohne da« zer- störende Instrument der.Kreditrestriktionen die Diskontpolitik der Reichsbank so.zu führen, daß das wirffchaftliche Optnmim bei der Bestimmung und Beeinflussung des Geld- und Kapitalpreises ge- sichert wird. Die deutsche Wirtschaft befindet sich gegenwärtig zweifellos in einer Depression. Di« Entwicklung zur Wirffchostsdepression wäre ohne die einseitige Politik in der Frage der Auslands- a n l e i h« n, die Dr. Schacht für richtig gehalten hat, weitgehend vermeidbor gewesen. Ohne daß man der Reichsbonkpolitik die Möglichkeit zuzuschreiben braucht, allein durch bankposstische Maßnahmen die gegenwärtige Wirtschaftslage entscheidend zu verbessern, so wird doch Ilinstellung der bisher von der Reichsbank leider fast bis zur klastenpolitischen Einseitigkeit entstellten Politik der auslaichischen .Kapstalzufuhr von größter Bedeutung für den Wederairfbau einer bessere« Konjunktur werden. Dr. Luther wird nicht zuletzt dadurch seinen Befähigungsnachweis zum Reichsbankprösidenten zu erbringen haben, daß er eindeutig mit der bisherigen politisch orientierten Differenzierung der Anlcihenchnter ausländischen Kapi- tals ein Ende machen wird. In seinen bisherigen Veröffentlichungen hat Dr. Luther erkennen lasten, daß er diese Differenzierung zwischen privaten und öffenklichen Airleihenehmern nicht will, sondern daß e? in erster Linie nach produktianswirtschaftlllhen GesichlSpunkten die Frage dar ausländischen Kapitalzufichr beurteilt. Noch ist nicht entschieden, wie der politisch« Komplex der Bevatungsstelle neu ge- ordnet werden soll. Der neue Reichskiankpräfident wird hier beweisen können, daß er die im Herbst 1927 von Schacht begonnene Politik, di« Entwicklung der öffentlichen Wirtschaft der der Privatwirtschaft unterzuordnen und zu opfern, nicht fortzusetzen gedenkt. Sin Interview mit Or. Luther. Ein Dertreter des WDB. hat den neuen Reichsbantpräsidenten, der in Frantsurt an einer Sitzung der Gemeinschastsgruppc deutscher Hypothekenbanken teilgenommen hotte, über die von ihm einzuschlagende Politik befragt. Dr. Luther machte ausdrücklich aufmerksam, daß seine Ernennung noch der Mitvall- ziehiing durch den Reichspräsidenten und der Gegenzeichnung durch die Reichsregierung bedürfe. Auf eine Frage über die von ihm zu erwartende Auslands- anlcihenpalitik wies Luther am die Ausführungen in feinem Buch„von Deistschlands eigener Ära st' hin, in dem er sowohl die Gefahren als auch die Notwendigkeit der Auslandsanleihen ein- gehend untersucht habe. Es könne kein Zweifel daran fein, daß wir k l i ch pr o d u kt i v e Anleihen für die deutsche Volkswirt- schait nützlich sind. Ob darüber hinaus die Hereinnahme von Aus- landsgeld verantwortet werden könne, hängt davon ab. wieviel de- gründctes Verkrauen man in die Gesamtentwicklung Deutschlands zu setzen vermöge. Es werde leiste allzu laut in Deutschland von einer Vertrauens- krise gesprochen. Die de u t s ck> e Währung sei gegen jede Gefahr gesichert. Obendrein seien die mit der Festigkeit der deuffchen Währung verbundenen in- und" ausländischen Interessen so groß. daß sie. auch entgegenstehend« Kräfte und Verhältniste überwinden werden.■ Seme. Tätigkeit im Realkrcdstwescn habe ihm von Tag.zu Tag neu bestätigt, daß die hohen Käpitalzinsen für die deutsche Wirtschast im ganzen unerkrögtich seien. Es sei«in sehr ernstes Problem, bis zu welchem Grade die Diskontpolstik der Rcichzban? die Höhe der Zinssätze sür langfristige Anlogen besinflusfen könne. Das Zinsniveau zu senken, sei mit eine Aufgabe der allgemeinen Politik, ip der der Gesichtspunkt der Kapitalbildung immer mehr in den Vordergrund treten mutz. Große Ueberraschungen enthält dieses Ivtervicm nicht. Was „wirklich produktive" Auslondsonlechen sind, wird Dr. Luther noch zu logen hoben. Seinen Hinweis oiff die Aufgabe der ollge- meinen Politik, die K a p i t a l b i l d u n g„immer mehr' in den Vordergrund zu stellen, wollen mir nach nicht als politische Ac-ußcrung D.r Luthers ouifasten. feit in Europa hat noch New-Porker Meldungen zu wachsenden Kopstolonlogen europäischer Bonken und Privatleute in Werten der amerikanischen Börsen geführt.. Allein im Januar un.d Fe- b r u o r sind nach Informationen der„Herald-Tribune' nnch 3 0 0 Millionen Dollar amerikanischer Werte für ongiische, französische. holländische und auch für deulsche Rechnung er- warben worden. Weitere Konzentration im Waggonbau Die Zusoimnenschlußbcwegung in der Waggonindustri« ist jetzt offenbar in ihr abschließendes Stadium eingetreten. Wie wir erfahren, hat der ostdeutsche Waggontrust, die Linke- Hosmann- Busch-.A.-G. in Breslau, jetzt die Aktienmehrheit des bekannten Düsteldorfer Woggonuntornehmens, der Gebrüder Schöndorff A-G. und der Woggaitiabrik Fuchs in Heibslberq erworben. • Durch diese. Aktion wird auch das Verhältnis.zwischen Linke- Hosmann und der stärksten rheinischen Waggongruppe, der V« r- einigt« W« st deutsche Waggonfabriken A.>G. in Düsseldorf, bereinigt. Einzelheiten über die Verträge zwischen diesen beiden möchtigsten deutschen Waggonunternehmungen sind noch nicht bekannt, jedoch wird es sich auch hierbei um die Ver- schmelzung der verschiedenen im Rheinland verstreuten kleineren Wagzo'nbetrlÄc der beiden Greßkoizzernc handeln. Abschluß der deutschen Kord-Werke. iO proz. Dividende bei großer llmsatzffeigekvng. Di« Ford Motor Company A.-G. in Berlin, die jetzt ihren Abschluß sür 1929 vorlegt, Hot im Berichtsjahr ihren Umsatz von 23 aus 38,1 Willionen steigern kömien. Der aus- gewiesene Reingewinn, aus dem eine Dividende von 19 Proz. gezahlt wird, erscheint mit 2L2 gegen 9,36 Will. Mk. Der Geschäftsbericht weist auf die im letzten Jahr durchgeführten .Kapstalerhöbiingn, von 5 auf 13 Millionen Mark hin, wamst da? llniernebmcn für alle in Aussicht genomm-men Betri'bserwesterun- seu gerastet fei. Die 1029 gezahlten Zölle in Demschland beliefen sich auf ,6,23 Milk. Mk., während die in Deutschland gekauften Materiauen den Wert von etwa 6,5 Mll. Mk. umfaßten. Von dem Si»zek»«rkavf»pr«ks st«' Wagen n«SG«S«t w Deutschland mehr als 65 Proz.. bei Droschken sogar über 89 Proz. in Form von Zahlungen für Material, Löhne, Zölle und Provisionen. Wachsende pfandbriesverkäufe. Aber aoch keine entscheidende Besserung des Kapitalmarktes. Im Monat Januar dieses Jahres ergab sich«in« Netto- Vermehrung der umlaufenden deuffchen Pfandbriefe von 194 Millionen Mark. Gegenüber dem Dezember mit 32 Millionen ist dos eine erhebliche Steigerung, gegenüber dem Januar vorigen Jahres dagegen noch eine Miiüterzunohme von 37 Millionen Mark. Der Umlauf an kommunalen Schuldverschrei- bungen ist im Januar um 12 Millivuen Mark gestiegen. Daist wieder gegenüber Dezember mit 9 Millionen noch eine gewisse Ziermehnmg gegenüber Januar vorigen Jahres mit 56 Millionen. aber cm sehr erhebliches Zurückbleiben. Insgesamt Hot sich der Gesamtun'lauf an Pfandbriefen einschließlich 2,4 Milliarden Liquidotionspsandbriefen von 19,72 aui 19,83 Milliarden Mark erhöht. Die Komnutnaldorlehen sind von 2,35 auf 2,36 Milliarden Mark gestiegen. Van einem Neuverkoui ins Ausland war auch im Januar noch keine Rede. Der große westdeutsche Metallkonzern, die Berg- Heckmann- Selve A.-G„ in Westfalen, die nach der großen Metollwolzwerks jusion von 1927 stn Vorfahr erstmalig die Dividende von 6 Proz. auszahlt«, stellt für das jetzt abgeschlossene Betnebsjahr 1929 überraschend ihre Dividenden, �ihluirg«in. Die wilden Schwankungen auf dem Weltkupfermarkt, die durch die Preistreibereien des amerikanischen Kupfer kartells mit den noch- folgenden schweren Preisrückschlägen hervargerus-m waren, haben auch in der deutschen Metvllwioffchast eine ganz außerordentliche Unsicherheit geschaffen. Die Ein st e l l u n g der Dividendenzahlung bei dem westdeuffchen Walzwerkskonzern ist zweisellos ein« Folg« dieser Unsicherheit und nicht etwa eine Auswirkung entgangener Gewinn«.' Bei er h ö h- ten Umsätzen, die nunmehr 83 Millionen Mark erreicht haben, wurde sogar ein? Steigerung der Betriebsüberschüsse von 6„5 auf fast 7 Millionen Mark erzielt. De? mit nur 275 000 M ausgewiesene Reingewinn erscheint aus den ersten Blick gegenüber 1ch6 Millionen Mark im Vorjahr stark zusanunengeschrumpit. bockt sind offe.tbor infolge der Preisschwankungen ganz erhebliche Sonder-- obichreibimgen zu Lasten des Gewinnausweffes vorgenommen worden. Schon die offenen Abschreibungen auf die Anlagen haben sich um säst 399 999 M. gegenüber dem Borjahr«chöht. Die gesamte Umstellung der Detriebe ist jetzt mit einem Kosken- aufwand von 3,7 Millionen Mark in sämtlicheil Werken der fusionierten Gesellschaften durchgeführt worden, so daß nach dem Ver- waltungsbericht weitere Ausgaben sür die Modernisierung der Anlagen in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sind. (Steigendes(Schwachstromgesthäst. Stärkere pofilieferungen.- Derwfie der Rvadstmkbetriebe. Di« Deutsch« Tel« p h o«werke.t: und Kaberti Industrie A.-G. Berlin läßt, wie schon im Darjahr, auch für das jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr 1928/29 die Dividend« wieder ausfallen. Zwar haben sich die Umsätze in fast sämtlichen Abteilungen erhöht, dagegen sind die Erlös« nach dem Geschäftsbericht schlechter geworden. Di« Lieferungen an di« Reichspast haben zugenommen, wenn sie auch noch nickst den Stand der vorhergehenden Jahre erreicht halten. Auch das Privattelephongeschäft hat sich verstärkt, dock) stand es unter erheblichem Preisdruck, so daß osfeitbar die Neuorganisation in der Schmochstrvmindustrie durch die Gründung des Schwochstrowtrustes.zunächst zu verschärftem .Konkurrenzkampf geführt hat. Während auch die anderen Abteilungen des Unternehmens bei erhöhten Umsätzen günstig ge- arbeitet hoben, ist überraschenderweise dos Rund- funkgeschäft verlustbringend gewesen. Die Verwaltung weist in diesem Zusammenhang auf das starke Uebcrongebot und die überstürzt« Entwicklung in diesem Betriebszweig hm. Der Rohgewinn stellt sich auf 3,5 gegen 3,47 MI lionen Mark, während Unkosten mit 2,2 Millionen Mark etwas geringer als im Vorjahr Otts gewiesen werden. Es verbleibt noch sämtlichen Abzügen ein Reingewinn von 119 999 Mars, der ou, neue Rechnung vorgetrogen wird. Die Umsätze im laufenden Ge jchästsjohr halten sich 011s dem Stande des Vorjahres. 9 proz. Dividende bei Berliner Meiallhütien. Das Verl iner Metallhüttenunternehmen..Hüttenwerke Wilhelm Koyser, N i e d e rs ch ö ne we ide. das im ver- gangenen Iohre durch Verschmelzung des Oranienburger und Nieder- fchöneweider Unternehmens entstand, hat aus dem Zusammenschluß ichuellen Nutzen gezogen. So kann das vereinigte Unternehmen eine Dividende von. 9 Proz. für dos Geschäftsjahr 1929 .zahlen, während ün vergangenen Jahr« die Hüttenwerke Wilhelm Kayler noch dividendenlos blieben und nur dos Nieder- fchöneweider Untemekmen eine Dividende von 19 Proz. ausschüttete Der Geschäftsbericht weist auf die durch den Zusammenschluß erzielten Rationalisierungsersolge hin, die durch Neueinkeilunz der Produktion und Zusammentossung der Verwaltung sich"einer Senkung der G« n e ra l u n k o st« n ousgewirkl bätten. Die Verarbeitung von Bleirückständen sei jetzt im Werk Niederschönc- weide und die Verarbeitung von.Kupserrückständen tm Werk Oranienburg.zusammengefaßt worden. Die Gesamtproduk t! o n der neuen Gesellschaft stellte sich im vergangenen Jahr auf 37 167 Tonnen, wovon 31 393 Tonnen auf Fertigprodukt« entfallen. Im neuen Geschäftsjahr ist der Auftragsbestand in den verschiedene t Abteilungen schwankend. Während verschiedene Betriebe noch aus sechs Monate Austräge zu verarbeiten hoben, liegen für einzelne Fabrikat« des Niederfchöneroeider Werkes Aufträge nur noch auf zwei Monate vor. Aus dem llleg zur Tor.silmiater nationale. Zwischen dem hollandisch-deuffchen Küchenmeister- Konzern und der amerikanischen Tonfitmgrupp« Werner Brot her?-New Fori ist unter Kapitalbeteiligung der Amerikaner eine Verständigung über die ge- meinsame Wahrung der Interesien zustande gekommen, die wahr- scheinlich auch für die Einfuhr ausländischer Tonfilme nach Deutichland von erheblicher Bsdeitiung sein wird. Cfinut Rückgang der Brikettberstrlluvg im Mor-ff Februar aus 6' Proz. o's Fo'ee 8--r andauernd warmen Wiutertvitrertng tne'd-t die Bro i>>ff chweig is che Kohlenwerke A.-G. Helmstedt, die gemeinsam von den Reichselektrowerksn und der Preußischen Elektrizität- A.-G. beherrscht wird. Oivideudeuausfall bei Llmsahsteigerung Iletallindvfirie wird vorsichtig. 3lr. 119* 47. Iahrgang 2. Beilags des Vorwärts Miitwsch, 12. Mä?z 1930 Arbeiternot— Wirtschastskrise. Beratung des Handels- und Gewerbeetais im Landtag. Im Pmchischcn CattWcq gab am Dienstag vor Einir'lU m die Tagesordnung Abg. Aalk(Dem) eine Erklärung ab, in der er die Aehauptung des Wg. Kasper(Komm.), daß�er bei seiner Rede KUin Innenctat gesagt habe, der Arbeiter- und«soldatcnrat in Köln habe sich aus Mob zusammengesetzt, der plündert«, als unwahr bezeichnete. Ohne Aussprache werden hierauf eine Reihe van Anträgen dez Londwlrtschaftsousschusses angenommen, die den Weinbau durch Förderung der Wcinpropaganda, durch Schassung einer Absatzorgonisation, Einleitung einer Kreditaktton für die Winzergenossenichosten, fördern wollen. Abgelehm werden mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommmüsten die Anträge auf Erhöhung der Weinzölle, das Verbot des Verschnitts von inländischen mit ausländischen Weinen und die Unterbindung der Einfuhr rninderwerliger Auslandswein«. Di« Abstimmung über den Antrag, ine Winzerkrcdite vollständig niederzuschlagen, ergibt die Beschluß- Unfähigkeit des Hauses. In der sofort anberaumten neuen Sitzung beginnt die zweite Lesung des Handels- und Gewerb«etats. Handelsminister Dr. Schreiber stellt zunächst fest, daß die Beratung des Handel- Haushalts in einem für die Wirtschaft des Landes sehr ungünstigen Zeitpunkt stattsindc. Besonders werde der Arbeitsmarkt belastet durch die steigend« Zahl der Arbeitslosen. Die Arbeitslosigkeit sei jedoch nicht allein auf die Rationaliste- rung zurückzuführen, sondern aus eine Minderung der Güter- «rzeugung. Die Rationollsjerung Hab« sich in bezug aus die Konkurrenzsähigkeit der deutschen Industrie günstig ausgewirkt. Bor ollem sei es der außerordentlich« Kapitalmangel, unter dem die Wirtschast leide. Deshalb sei es nicht möglich, dem Ausland bei Bestellungen die gewünschten längeren Kredite einzuränmcit. E» sei aber anzunehmen, daß nach Verabschiedung des Iouug- Vloo» sich die Lage Kestert und die Aufnahme van Auslands- anlelhen erleichtert wird, hierbei dürsten ober die Grenzen des Mbglib-m nicht überschätzt werden. Ans alle Fälle müsse die Sredlkausnahme der Kommunen im Ausland orgaaistcrt werden. Erfreulicherweis« seien die Sparkasseneinlagen 19 29 um 2028 Millionen aus Y016 Millionen gestiegen. Aber dos sei immerhin erst ein Drittel der Vorkriegscinlagen. Der Zugang bei den Sozialversichcrungsanst alten und den privaten Lebensversicherungen hat im vergangenen Jahr 1200 bis 13 00 Millionen betragen. Es könne für die Entnxcklung der klemen und nnttleren Unternehmungen nicht gleich- gültig sein, ob eigenes Kapital.zur Verfügung steht oder ob fremdes Geld gegen hohen Zins gebraucht werde. In bezug namentlich auf die Löhne seien hohe Zinsen von nicht geringer Bedeutung. Di« Zahl der Konkurse und Vergleichsverfahren habe gegenüber dem Vorjahre zugenommen. Die E ntwicklung der Preise zeige eine sinkende Tendenz«ntfprocheich der r ü ck l ä u f i g e n Kon- z u n k t u r. Diese Preissenkmia habe aber die deutsch« Ausfuhr nicht ausreichend erleichtert, weil di« Preisentwicklung auf den Welt- Märkten eine parallele war. Immerhin habe sich der Anteil Deutsch- lands am Welthandel vermehrt, woraus ein Erfolg der bisherigen Handelspolitik zu erblicken ist. Doch sei vor einer zollpaliiischen Ab- rüstung in Europa zu warnen, da die Gcsamrunkosten der Produk- tinn gegenüber der Vorkriegszeit in keinem Lande so gestiegen sind wie m Deutschland. Hofienrlich werde nach Verabschiedung des Poung-Plans die vermehrt« Aufnahme von Auslandskrediten zu einer Senkung des Zinsfußes und damit zu einer Be- lebung der Wirtschaft führen. Notwendig sei aber eine Entlastung der Wirtschast durch umfassende Steuer sen- k u n g. In dieser Hinsicht sei die Finanzpolitik des Reiches in den letzten Iahren wenig vorausschauend gewesen. Abg. Lehmann-Hirschberg(Soz.): Der Hinweis des Ministers auf das gewallige Heer der Arbeits- losen war völlig berechtigt. Trotzdem bedauern wir, daß er hier im Plenum noch stärker als im Ausschuß den Standpunkt der Arbeitgeber vertreten hat. Es ist insbesondere bedauerlich, daß angesichts diefor Erwerbs- losigkcit die Verabschiedung des Poung-Plans immer wieder ver- schoben wird und man aus dem ewigen Krisenmochen nicht herauskommt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Mit der Annahm« des Poung- Plans ist der erst« Schritt getan, um aus dem Uebel herauszu- kommen. Die Erwerbslosigkeit ist nicht zu bekämpfen mit Worten und Verhandlungen, sondern durch Handeln. E sind insgesamt mit Familienangehörigen rund 10 Millionen. di« jetzt unter dem Arbeitemangel leiaen und die keine Unter. stühung, sondern Arbeit wollen. Diese 10 Millionen leiden nicht nur am nötigsten Mangel, sondern werden longsam seelisch zermürbt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Es ist unerträglich, daß diese Leute dann noch von Herrn Dr. S ch a ch t bei vollbclegter Tafel anläßlich der sogenannten Schasfer-Mohheit in Bremen beschimpft werden. In der„Deutschen Arbeitgeber- Zeitung" hat ein Schmierfink cm sogenanntes„Stempcllied" ncr- össentlicht, das von einer besonders niederen Gesinnung zeugt.(Hört, hört! bei dtn Soz.) Di« Erwerbslosensürsorge ist berechtigt und nicht obboureis. Diese Opfer hat dos rücksichtslose kapitalistische System, in erster Linie die Rationalisierung aus dem Gewissen. Auch wir leugnen nicht den Rückgang der Produktion. Aber es ist keine Kopi- tolbildung sondern Kopitalverschwendung, wenn groß« Summen in Betriebe investiert werden zur Durchführung' der Rationoli- sierung, und wenn dann diese Betriebe wegen Kapitalmangel still- gelegt werden müssen. Wir leugnen auch nicht ein« Kapitalknapp- heit, die für gewisie Wirtschaftszweige zutrifft. Dennoch sind bis End« 1029 rund II Milliarden neues Kopital gebildet durch Spar- kasscneinlogen und Versicherungen. Daneben gibt es auch eine ganze Reihe von Betrieben, die erbebliche Reserven und Rücklagen gemacht haben und die erhebliche Dividende.zahlen, wie zmn Beispiel beim Braukapiial. Aehnlich liegen die Dinge auch in anderen Branchen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Leider hat der Ministe? in seinen Auesühningen kein Wort gefunden gegen die landesverrälerischc Kapitalsluchl, die von de» Anlernehmern mit dem angeblich zu hohen Steuerdruck entschuldigt wird. Unter solchen Umständen eine» Steucrumbau und eine Steuersenkung fordern, kann also rnchtz anderes heißen, als die Steuern auf die «chullsrn der Armen abzuwälzen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Zu alledem mutet man den Arbeitern dann noch einen Lohnabbau zu. Das heißt also, die Krise auf Kosten der Arbeiter beseitigen. Dom Standpunkt der Unternehmer ist allerdings für Lohnerhöhungen noch niemals eine günstige Konjunktur gewesen. Dabei denkt kein Mensch an einen Abbau der hohen Dircktorengehälter. Erst kürzlich Hot Oberbürgermeister Adenauer von Köln einen Fall er- wähnt, daß«in Großbetrieb jetzt statt 11 Direktoren wie in der Vorkriegszeit 2K Direktoren befchästigt mit entsprechend größerem Gchalt.(Hört, hört! bei den Soz.) Als beim Zusammenschluß der Deutschen Bgnk mit der Diskonto- Gesellschaft vom AngestelltLnrat der Vorschlag gemacht wurde, die Direktorengehälter aus 120 WO Mark zu begrenzen und dafür keine Angestellt'» abzubauen, wurde dieser Dorschlag obgeleh.rt. Hier vcv- missen wir das gute Beispiel.(Sehr wahr! bei den Soz.) Und Lohnabbau fordert man bei den Arbeitern trotz seslgeflellter Leistungssteigerung! Seit 1927 ist die Produktionskraft um 11 Proz. gestiegen, der Lohn- anteil aber nur um 9 Proz. Es ist ein grundlegender Irrtum, von einem Lohnabbau eine Beseitigung der Krise zu erwarten, wie würde im Gegenteil nur noch eine Verschärfung herbeiführen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Zum Schluß fordert der Redner weiteren Ausbau der Gewerbeaufsicht und unter Hinweis auf die Erwerbslosigkeit Beseitigung des Ueberstundenunwesens. Auf der Weltwirtschaftskonferenz habe Herr»on Siemens die These ver- treten, daß es notwendig sei, den Lebensstandard des Volkes zu heben. Zu dieser These bekenne sich die Sozialdemokratie soll langem, aber sie wisse auch, daß sie nur durch Durchsetzung ihrer Forde- rungen Wirllichkeit werden kann.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Em Ministerialverkreter l>eont wartete hierauf eine sozialdemo- kratische Große Anfrage dahin, daß die Staatsregierung gewillt sei, in enger Verbindung mit der Reichsregieruna die Auswirkungen der Rationalifieruirgsmaßnohmen in der rl)einisch- westfälischen Industrie zu mildern. Vor längerer Zeit sei durch Erlaß an die Regierungs- Präsidenten dafür gesorgt worden, bei Stillegungs- und Rationoli- sierungsoerhandlungen auch Gewerkschaftsvertreter zu hören. Abg. Zonsscn(Duat.) forderte Herabsetzung der Eisenbahntarif« und spncht sich gegen uferlose Plane bei der Gewerbeaufsicht aus. Der Poung-Plan werde Deutschland auf Jahrzehnte versklaven. Abg. Altegoer(Z.) will durch eine Umstellung der Steuerpolitik Industrie, Handel und Mittelstand wieder konkurrenzfähig machen. Abg. Heidenreich(D. Vp.) polemisiert gegen Stög. Lehman» (Soz.), der nur vom lohiThnlitischen Standpunkt gesprochen habe. Hoffentlich bringe die Annahme des Poung-Planes ein« deutsch« französische Anleihe, die die Wirtschaft beleben werde. Hieraus wird die Debatte abgebrochen. Auf Antrag des Abg. Viel(Z.) sollen die Abstimmungen über die Weinbauonträge des Lemdwirtschaftsausschusses am Mittwoch wiederholt werden, da infolge eines technischen Mißverständnisses ein Test der Anträge ab- gelehnt sei. Nächste Sitzung Mittwoch 1? Uhr: Handels- und Gewerbeetat, Abstimmungen über den Innenetat. Wir beschenken 100000 Kinder beim Einkauf von Schuhen Arbeiterschast gegen KPO. Von Niederlage zur Niederlage. Als letzt« der städtischen Krastwerk« haben gestern dl« Städtischen Gaswerk« die Wahlen»um Betriebsrat abgeschlossen. Bisher liegen uns nur die Ergebnisse der Wahlen zum Arbeiterrot vor, wo eine freigewcrksch astliche Üist« und eine kommunistische Liste«inander gegenüberstanden. Bei den Angestellten gibt es eine kommunistische List« nicht. Bisher»wr der Arbetterrat sozusagen paritätisch zu- sammengesetzt, d. h. 9 Anhänger der Amsterdamer Richtung standen 9 Kommunisten gegenüber. Die Kommunisten machten diesmal außerordentliche Anstrengungen, um die M c b r h e i t im Arbcit«rrat zu«rringen. Statt besten sind sie in die Minderheit zurück- gadröngt worden. Aon 5196 Wahlberechtigten beteiligten sich 4542 an der Wahl. Aus die freigcwcrkschaftliche Liste entfielen Z 5 1 Z, aus die kommunistische Liste 2992, ungültig waren 37 Stimmen. Gewählt sind zum Angestelltenrat 10 Freigcwcrkschaster und 8 Kommunisten. Dauon gehören dem Betriebsrat 9 Freigewerk- schafter und 7 Kommunisten an. Bei der Gasbetried sgesellschaft gelang es der kammunistisckten Zentrale nickst eiimial, eine eigene Liste zusammen- zubringen. Die Anhänger der KPD. verweigerten dieser einfach den Gehorsam. Infolgedessen setzen sich säintilch« Arbesterräte der Werke der Gasbetricbegesellschnft nur aus Freigewerk- f ch a f t e r n zusammen. Das Gesamtergebnis der Wahlen in den städtischen Werken ist bisher also folgendes: Zn den Elektrizitätswerken erhielten die Freigewerk- schafter 5655 Stimmen vnd l7 Vetriebsräte. die Kommunisten 294 Stimmen und 1 Lelrtebscat. Bei den Wasserwerken, wo bisher 9 Kommunisten 2 Vertretern der Amsterdamer Richtung gegenüberstanden, ist das Ergebnis der Wahl 7 Freigewerkschafter und 4 Kommunisten. Das Ergebais der Wahl in den Städtischen Gaswerken haben wir oben mitgeteilt. Die KPD. ist also aus der ganzen Linie im Rückgang. Das ist um so bedeutungsvoller, weil bei diesen Wahlen nur Arbeiter abstimmen. Die KPD. kann also nicht, wie bei politischen Wahlen, mit der Behauptung krebsen gehen, es seien vor allem kleinbürgerliche Wühler, dl« für die Sozialdemokratie stimmen. Obwohl die APD. sich» u r d o r t z u r W a h l z u st e l l« n w a g t. wo sie bisher schon einen überragenden oder entscheidenden Cinfluß hatte, ist das Ergebnis für si« cm« Niederlag«. Die Einheit der Arb«iterklasse und die Fahne der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften marschiert! (Sin Wahlschwindel. Um ihre sichere Niedertag« bei den bevorstehenden Betriebsrats- wthlen in der Verkehrs- A.-G. zu bemänteln und um ihr« 1 Kandidaten mit dem Märtyrerschein zu umgeben, berichtet di« KPD. in dem ossiziellen Organ der Sowjetbotschost in großer Zlufmachung, daß Genosse B r o l a t als Direktor der Berliner B«rkehrs-A.-G. sechs kominuniftischc Spaltungskandidaten ge maßregelt habe. Es handelt sich dabei um einen ausgelegten Wahl- schwindet. Die Kündigungen, die infolge des Derkehrsrückgangs vorgenomnren wurden, sind vergangene Woche Donnerstag ab- geichloss e n worden. Seitdem ist niemanden mehr ge- kündigt worden. Die erste kommunistische List« zur Betriebs- ratswahl ist gestern, Dienstag, bei der Personalabteilung der Verkehre-A.-G. eingereicht worden. Die KPD. hat also unter den Gckllndigien sechs„Kandidaten' ausgesucht und sie bei der Personalabteilung auf der List« zur Vervielfältigung und zum Aushang eingereicht. Bevor dies aber noch geschah, berichtete das Organ der Sowjetbotschast schon, daß sechs ihrer Kandidaten„gemäß- regelt' worden seien! Auf diesen Wahlschwindel wird niemand hereinfallen. Er beweist höchstens, daß di« KPD. von vornherein die Parti« für ve r- l o r e n hält, weil sie Kandidaten nominiert, die bereits gekündigt sind. Kommunistische Hochburg gefallen. Arbeiterrat des Lrunawerls nicht mehr kommunistisch. Hall«. II. März.(Eigenbericht.) Tie Wahle» zum Arbeiter- u»d Betriebsrat in de» Leunawerke« endete» am Dienstag mit einer e k l a- tante» Niederlage der Kommunisten, die seit 1920 das Werk völlig beherrschteu. Für die Liste der freien Gewerkschaft«» wurden 3000 Stim- »neu. für die Kommunisten 4000 Stimmen abge- geben. Es entsalle« Mandate zum Arbeiterrat auf die freigewerkschaftliche Liste 12(10), Ehriftea 1(1), Werk- vereinsiiste S(0), Revolutionäre Opposition 12(10). Die Mehrheit der Kommunisten im Arbeiterrat ist damit gebrochen. Der Betriebsrat zählt künftig: Freie Gewerkschaften 10(8). Ehriften 1(0). Werkvereinsliste 4(2), Kommunisten 9(14). * Bemerkenswert, bedauerlich, aber nicht überraschend ist die Tatsach«, daß offenbar ein Teil der sogenannten.�evolutionären Unorganisierten' zu den Gelben übergegangen ist. An der unob- lässigen Aufklärungsarbeit unserer Genossen wird es liegen, auch di«se in das Lager der Gelben übergelaufenen Arbeiter zurück- z u h o!« n. Arbeitszeit in Gchankstätten. Wie die Gewerbeaufflchtsbeamten darüber berichien. Im Aolkswinschostlichen Ausschuh des Reichstages gab es gestern, wie im„Abend' bereits mitgeteilt wulkie, stundenlange Debatten über d!« Fassung des Z 14 des neuen Schankstätlen- g e s e tz e s. der die Festsetzung der P o li z e i st u n d« In den Gast- und Schankwirtschasten regelt. Dabei waren es besonders d!« sozial- demokratischen Abgeordneten Soll mann und Limb«rtz, die sich für<üne Beschränkung der Nachtarbeit der gostwirl- schastlichen Angestellten einsetzten. Es wurde schließlich ein Antrag angenonimen, der als äußerste zulässtge Gr«nze für die Festsetzung der Polizeistunde 1 Uhr bestimmt und Ausnahmen nur in ganz besonderen, durch di« örtlichen Derhültniss« bedingten Fälle» zuläßt. Wie notwendig es ist, dem Unfug der ausgedehnten Polizeistunde «in Ende zu machen, zeigt«in« soeben erschienen« Schrift des Jentralverbande» der Hotel-, Restaurant- und E a f ä a n g« st e l l t« n, in der der zweite Borsttzende dieser Organi- satian. Genast« M. Richter die Arbeitsverhältnisse in den Gast- und Schonkwirischast«n einer kritischen Betrachtung unterzieht. Diese Berösfentlichung ist bei der augenblicklichen Behandlung des Schont- stättenzesstzes von besorderein Wert, weil sie eine systematische An- sinanderreihilng von Berichten der Gewerbeaussichts- k> e a m t e n aus hsrn Jahre 1928 ist, die mit ganz wenigen kritischen Bemerkungen versehen worden sind. Der Wschnitt, der di« Einwirkung d«r polizeistund« «ms die Arbeit»zeiv«rlängerungen und U«b er» tretungen von Arbeiterschutzbestimmnngen behandelt, fußt aus- schließlich auf amtliche Berichte. Im Bericht über Wiesbaden heißt es:„Sehr ungünstig hat die Festsetzung der Polizeistunde auf 2 Uhr auf die Arbeits- zeit der Alleintellner in den Mittel- und Kleinbetrieben gewirkt.' Der Aachener Gewerbeaufstchtsbeointe schreibt:„Eine Der- längerung der täglichen Arbeitszeit findet zunächst dann statt, wenn die Polizeistunde durch die Ortspolizei hinaus- geschoben wird, wie an den Karnevalstagen, am Silvester und bei BoUssesten, zum Beispi«! den Kirmesten. Di« nächtliche Ruhe- z« i t des Personals, hauptsächlich dco Bedienungspersonals wird abar auch— insbesondere in den kleineren Orten— an anderen Tagen nicht selten durch ein« ungesetzliche Ueberschreitung der Polszeistunde verkürzt, manchmal nur einiger Stammgäste wegen, die der Wirt nicht durch Feierabendgabieten verärgern will. Hier könnte nur eine schärfere polizeiliche Ueber- w a ch u n z Abhilfe sckmssen, da die llellner schwerlich durch eine Anzeige Arbeitgeber und Gäste in Ungelegenheit bringen werden." »ehr gutes Material gegen die ausgedehnte Polizeistunde lieseri der Bericht des Gew-rbsausstchisbeamten in Sachsen, in dem es unter anderem heißt:„Wenn in besonderen Fällen— zum Beispiel dei Festlichkeiten— d?e Polizeistunde verlängert worden war, ist in Gastmirtschaften nach den Beobachtungen des Gewerbeaufsichtsamtes Zwickau«in« Arbeitszeit einschließlich Vereitschastszeit big je Stunden täglich vorgekommen... Zur Beseitigung des Mißstandes str» di- Polizeibehörden vom Gewerbeaussichtsamt ersucht worden, die Ge- nehmigung zur Verlängerung der Polizeistunde unter der Bedingung zu erteilen, daß die tariflich festgesetzt« Arbeitszeit nicht überschritten wird.' Ueber die Ausnahmebewilligungcn schreibt derselbe Tewerbeaufsichtebeamt«, daß auch dadurch Ueberschreitungen der tariftich zulässigen Arbeitszeit eintreten, unter der vorwiegend allxin Kellner und Kellnerinnen zu leiden haben. Ein Ausgleich durch späteren Arbeitsbeginn am nächsten Tage wird in der Regel nicht gsschasfen, so daß Ennüdungsreste durch entsprechende Ruhe nicht beseitigt weiden. Diese Ausnahmebewilligung, deren Be- rcchtigung umstritten ist, macht allerdings jede gesetzliche und tariflich« Bindung werllos. Aus Hamburg wird berichtet, daß die ausnahmsweise Der- längerung der Polizeistunde bis 6 Uhr früh das Bedienungspersonal häufig zwingt. 1l bis 12 Stunden hintereinander ohn« Pause zu arbeiten. Dagegen hebt der Bericht über Posen- Westpreußen hervor, daß die Bundesratsverordnung van 1992. die eine nächtliche Mindestruhezcit von acht Stunden vor- schreibt, nur dadurch ciirgehalten wurde, daß die Polizeistunde in allen Orten des Bezirks, die Prvvinzialhauptstadt ausgenommen, einheitlich auf 24 Uhr festgesetzt wurde. Diese Ausschnitte aus den Berichten der Gewerbeaussichts- beamten beweisen zur Geistige, daß die gastwirtschastlichcn An- gestellten ihrer Organisation und die Vertreter der Arbeiterschaft im Parlament mit gutem Recht Front dagegen machen, einer bestimmten Arbeiterkategorie nicht den gleichen Schutz ihrer Arbeitskraft zu ge- währen wie der übrigen Arbeiterschaft. Erfreulicher Rückblick. Sie berliner AfA.Verbände 1929. Die Vertreter der Berliner Angestcllteiwcrbände waren am Montag im Gewerkschaftshaus zirsammengekommen. um die Tätigkeit des AsA-Ortskartells Im vorigen Jahre kritisch zu beurteilen und im Anschluß daran dies« Körperschaft neu zu wählen. Der gedruckt« Geschäftsbericht, der von dem geschöfts- führenden Vorsitzenden Genosten F l a t a u erläutert wurde, ver- mittelt einen tiefen Einblick in da» groß« Ausgabengebiet, das dieser Berliner Spitzenkärpcrschast der Angestelltenoerbände zufällt. In gedrängter Form gibt er Ausschluß über die katastrophale Arbeits- l o f i g k« i t der Berliner Angestellten, die Mitwirkung der freigewcrkschaftlichen Slngestelltenvertrcter im Landeearbeitsomt, den Arbeitsämtern und Arbeitsgerichten, bei der Berufsberatung und Lehrstellenvcrmittlung, in den Kulturorganifationen der Berliner Arbeiter- und Angestellterrschast, den Kronkenkassen usw. In seiner Knappheit kann der Bericht freilich auch nicht annähernd alle Ar- Veiten aufzählen, die von einer Spitzenkörperschaft der Gewerkschaften geleistet werden muß. Daß die Arbeit Früchre getragen Hot, beweist der Gewinn von rund 8999 neuen Mitstreitern der freigewerk- schafllichen Augestellteirbewegung, wodurch der Mitgliederbestand der Angestelltenverbände, die dem AfA-Onskartell angeschlossen sind, bis .zum Jahresschluß 1929 aus 69694 gestiegen ist. Das Bezirks» kartell Bsrlin-Branüenburg-Gren.zinark zählt« End« 192.9 ins- gesamt 81 798 Mitglieder. Di« Delegierten brachten ihre Anerkennung dadurch zum Aus- druck, daß ste auf jede Debatte über den Geschäftsbericht ver- zichteten und sowohl die Dorsttzeirden als di« übrigen Mit- glieder«in st immig wiederwählten. Die AfA-Dertreterversammlung beschäftigte stch zum Schluß noch eingehend mit der technischen Durchführung der Mais«>«7. Ein- mutig wurde die alt« gewerkschasilichr Luiiasiung vertreten, daß die würdigste Fonn der Maifeier die Arbeits ruh« ist. Die AfA- Angestellten werden ihre Maifeier aufeincingroßellSport- platz abhalten, zu dem. falls bis dahin das Demonstrotionsverbot aufgehoben werden sollte, die einzelnen Derbände geschlossen hin marschieren oder von dem ein geschlossener Wmarsch«rfolgt. Di« näheren Einzelheiten werden in einem gemeinsamen Maiaufruf des AsA-Ortskartells rrnd des Ortsausschusses des ADGB. noch recht- zeitig bekanntgegeben werden. Die Spaltung bei den Schuhmachern. Heute Generalversammlung. Hsul«, 17V» Uhr, ist im Gewerkschattshaus die Generalveriaumi- lung der Schuhmacher. Di« Lersannnlung war bereits im Februar einberufen, wurde aber durch die Gewerkschaftsspalter gesprengt. Inzwischen ist die Spaltung der Schuhmacher in Berlin vollzogen worden. Die Kommunisten haben unter Mißbrauch des Namens des Zentraloerbondes der Schuhmacher ein Büro er- öffnet zu oersuchen, in den Betrieben unter falchen Bor- spiegelungen Mitgliedsbücher und vor ollem Bei- träge zu erlangen, vi« Mitglieder der kommunistischen Lokal- organisation, die sich nicht fügen, werden ausgeschlossen. Die aus dem Zentraloerband ausgeschlossenen Wolf, Kloxin und andere bilde« den Borstand. Es ist jedoch bisher noch nicht gelungen. wesentlich« Mitgliedsteile abzuspalten, da zur größten Derwunderung dieses„Borstardes' die Mehrzahl der Berliner Schuhmacher dem Zentrolverband die Treu« hält. Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Schuh- wacher hat angekündigt, daß sie Maßnahme» getroffen hat, die heutig« Generalversammlung unter allen Umständen und in Ruhe durchzuführen. Wir fordern all« Mitglieder aus, die auf dem Beden der Amsterdamer Gewerkschastsiirternationole stehen, stärkste Propaganda für die heutige Bevsamnckung in den Betrieben zu entfalten. Nach dam Geschäftsbericht wird di« Neuwahl der Ortsverwartung vorgenommen. Wer für die Erhaltung der Eewerkschaftseinheit eintritt, stimmt für die van unseren: Werbeausschuß ausgestellten Kandidaten und lehnt die Kandidat«: der verschiedenen kommunistischen Richtungen und paL- tischen Unorganisierten ab. die all« mehr oder weniger mitoerant- wortlich sind für die Spaltung und Schwächung der Organisation. Beiriebsräiewahl bei preußischen Dehöröen. Für Vorschlagsliste 1. Di« Neuwahl des Hauptbetriebsrate» beim preußischen Ministe- rium für Landwirtschaft. Domänen und Forsten findet am 19. März statt, und zwar im gleick>en Wohlgang« mit der Neuwahl der ö r t l i ch e n Betrrebsvertretungen bei den einzelnen Dienststellen. Es wählen die Angestellten und Arbeiter folgender Behörden: Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Landes- Nrlturamt. Kulturamt» Kulturbauamt, Staatliche tzorstkass«, Oberförsterei, Staatliche Domänen, Gestüte. Rentämter. Bade- Verwaltungen, Landwirtschaftlich« Hochschulen, Lehr- und Forschung»- anstalten. Der ZdA.. der Butab und der Gesamtverband haben für die Neuwahl des Hauptbetriabsratcs eine gemeinsame Bor» s ch l a g s l ist e eingereicht, die unter der Bszoichnmi« Bor- schlägst! ste Nr. l(Heinrich. Bielow, Moewes) zur Wahl stelzt. Die Neuwohl des Hauptbetriebsratcs beim preußischen Ministe- rium für Wissenschaft, Kunst und Doltsbildung findet am 19. und 29. März statt- und zwar im gleiche:: Wahlgange mit der Neuwahl der örtlichen Betriebsvertrswnge» bei den«in- zelnen Dienststellen Es wählen die Angestellte« und Arbeiter folgender Behörden: Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung, ilmverfität, Provinziatschulkollegium. Universitätskliniken und-institute. Staatlich« Heil- und Pflegeanstalten, wissenschaftliche Institute, Staatliche höhere Lehranstalten rrsw. ZdA. Butab und Gesaintverband haben für die Neuwahl des Hauptbetriebsrates«ine gemeinsame Vorschlagsliste«in- gereicht, die unter der Bezeichnung Vorschlagsliste Nr. I (Kotzke, Lerch) zur Wahl steht. Die Neuwahl des Hauptbetriebsrates beim preußischen Iust izm rnistertum findet am 2 1. M ä r z statt, und zwar im gleichen Wahlgange mit der Neuwahl der örtlichen Betriebs- Vertretungen bei den einzelnen Dienststellen. C» wählen die Angestellten und Arbeiter folgender Behörden: Justizministenum. Ober- londesgericht, Kammergericht. Strasoollzugsbehördan(Gefängnisie. Zuchthäuser. Strafanstalten). Obcrstaatsanwaltschafi, Londgerichi, Amtsgericht, Staatsanwaltschaft. Landesa rbcitsgericht, Arbeits- gericht usw. Der Zentrolverband der Angestellten hat für di« Neuwahl des Hauptbetriebsrates ein« Borschlagslist««ingereicht, die unter der Bezeichnung Vorschlagsliste Nr. I(Westphal, Deum- (ich, Neureu ther) zur Wahl steht. Alle beteiligten Angestellten und Arbester müssen sich im eigene» Interesse für die Wahl der B o r schl a g s li st e I einsetzen. i dr,«SMis«« Schi-cht».,« SM» hex j Z SWWbtfi.«*. fsreita«. 1« IHr. bn Bu<». Tilgt«! Str. 27. wicht,«- g fsr-ktwns-ersmmvilins- Nitsliebsbuch wr Kon'rvll, mitbri»«wn. 3 fl. Verttt U.-®., gfczkafclto. ffwlioa, 16U ütMloSl �vo ii- g Staantz, izcarUoneverf-wmruna mit Cnanwaiififterre-n. i?.| OVS.-fftcttiiia. et O�reieGeu>ertschasts»Il,aend Berlin beute. Mptwech. Ubr.!a«en di,«r»av»n: vlUiei,! SS'i'It Lchorvweberktr. IS. Iugendl'-rfus:.isrelaewe-SlchaUUch« Zuqencharbelt" Refer-m Sr'i) Dickert.— Daumschuleuweu: Zuaentch«!m ttrnlifir 16. Sottra«:„Die Arbeit'� und Zuqenddcweauna in Numznicn".««»ideln-! ?u«ntcheini Sckuil« e-nnendurq-r Str A>. Dortraa:..Dank, und Börs:n. wes-n-'.— SchSodonte, Tar:?ua«ndhe>m Zechden'cker Sir. 2z— 2d. Dortraa' .Das Mädel in der!W!5.�— ffieiftenic«: Sruvp-nbe'm äBciiscnft«, Datiflt 36 .Märkisch- Tonen und ömckaeschichten"— ReuISlla l: Eri'vv-rbe'm Dera- ftrosic 2S.?l>t. Dortraa:„?it D-rlin nleite?"— SLde». SSdireven: Gtäd». Zuaenbiie 01?r«2. Baracke z.»uuresirat«: l. Deter Mariin LamucI» SUbnenwerke: 2. Modern« Zuacnd:». Zugenderinnerunaen! A. tfitroa Uder das Dfatckindertum: d. Die Entttebuna der Zuaendbewrauna.- O'tea: Zuaenddeim det cchult Litauer Efr. 18. Bortraa:„ZSa, muk ich ata guna. arwerkschaftl.'t nnss-n?" Referent Werner Decker.— ttniUa: Auaenoheun der Schule Gostlerstr. 61. Literarischer Abend— KeäliBat?uaendbe:m B-bmisch? Str. 1— t. Eck« Kanner Strastr. Dortraa:»Tao Ende de- Zaren. reiche? fdie russischen Drrolu'ionen ISM und inT)". Neserent Dr. Mar Schütte.— Südost: 5uaent>b«Io Wranaelsir. 128. Berusstundliche Arbeits- aemeinschast:.Ein Taa aus der ErpedU-on". Leiter Scora betlbruNn. Soardani 5»aendbelm Liudeoutsr:. Löns-Akand.— Dotsda-n.N-wow»,: Iua'�dberberas in Dowawes. Dr estrrstroste.' Lo'ketansaberd.— SchZnha"'er Borf'adtl Zuaendhaim dar Schul» Kananienall«« abend. SU geitungoauoschnitie. I KÄrftehej, [ Htoriusss Für d!e Cesundheitl FiebiDBer TerundsUIje, tzerlin SV II ltcSäncterjer Stf. 14«, T«I.lOttar 82«mi Mittwoch 12. Mörz 1930 Unterhaltung und ÄVissen Beilage des Vorwärts Eberhard Stuchner: John WüUotw Berufung John Milton, der vom Schicksal berufen war, später ein großer Nichter zu weichen, bezog 1623 im Alter von 16 Iahren die Untver- sität Cambridge und trat in dos Christ-College ein. Er war ein schöner Junge, und wenn er durch di« Gassen ging, blieben die Mädchen stehen, wisperten miteinander und sandten khm sehn- süchtig oerlangende Blicke nach. In dichten Locken siel ihm dos blande Haar auf die Schultern herab; die Wongen waren blaß, und di« Augen blickten ernst und tief versannen. Wenn er aber ein Lob hören mutzte, eine freundliche Anerkennung und Ausinunterung. so stieg ihm«ine zarte, feine Röte in das Gesicht, und wenn er sich schamhaft dieser Schwäche bewußt wurde, so erglüht« ihm dos Blut um so heißer, und seine Reize gewannen in dem gleichen Dioße. in dem sich dt« unverschuldete Verwirrung steigerte. Milton war freundlich gegen jedermann, und er war kein scheuer Vinstedler und Eigenbrötler. Trotzdem lag der Hauch einer tugendlich umbrährnten Einsamkeit um seine Tage, di« keiner der Kameraden zu durchbrechen wagte. Er war den Freunden nah und doch fern, und sie empfanden diesen Widerspruch wie ein teils holdes, teils ärgerliches Dunderbegebnis. Sie nannten ihn„Die schöne Jungfrau', und wenn sie so sagten, so geschalt.es nicht leichthin und ohne den Unterton elswr lebendigen Empfindung, wie es wohl sonst bebn Gebrauch allgemein lZb lache r Spitznamen der Fall sein mag, sondern es lag w dem Wort Zärtlichkeit zugleich und widerstrebend« Feiirdseligkeit. ein resigniertes Grenzefctzen und das Zugeständnis: ich werde ni« sein wie du, aber ich sende dir Grutz und herzliches Mitempfinden in deine starre Ferne zu. An einem heißen Sommertag hatte Milton mit einigen seiner Genossen«inen längeren Spaziergang unternommen. Um die Mittagszeit, als die Sonne am dringlichsten h«rnied«rglühte, hatte iton sich dr«i Schritt« seitab der großen Heerstraße gelagert, und Milton. der bi» tief in die Nacht hinein zu arbeiten pflegte, war, von der Müdigkeit übermannt, eingeschlafen. Die Kameraden ver- gnügten sich indcsien im Busch, suchten Kräuter und Pilz» und tischten einander allerhand harmlose Scherze und Weisheiten auf, die ihnen im Laufe der letzten Tage zur Kenntnis gekommen waren. So beobachteten sie es kaum, als ein Wagen'die Straße heran- .rollte, um just an der Stelle halt zu machen, an der der schöne Schlöser lag. Es war ein Gefährt, wie es reich« Fremdlinge, di« sich in die Unbequemlichkeiten einer Postreise nicht zu schicken wichten. zu benutzen pflegten, von zwei feurigen, mit buntgestickten Decken behangencn Rosien gezogen. Zwei kleine Räder vor zwei große hinten, und darüber türmte sich«in lustiges und lustiges Gebäude, das durch das aus bogenförmig gespannten gelben Holzleisten bestehende Gerippe seinen festen Halt, und durch dos blau«, dunkelgold umrandet« Zelttuch den farbenfrohen Charakter erhielt. Auf dem Bocksttz faß der Kutscher, auf der Wagenbank aber, von der aus man hoch über des Kutschers Kopf hmwegsehen konnte, thronten zwei Danren, Mrt#edrtge Aristokratmnen fremdartigen Wei«'». Muttrr und Tochter n,«Leicht; denn beider Haar mar dunkel und umschmiegtc in der gleichen edlen Linie, zu leicht- geschlungenen Flechten aufgesteckt, die hohen Schläfen. Oder waren es Erzieherinnen und Schülerin und die Aehnlichkeit des Typs nur durch das beiden gemeinsame Vaterland zu erklären? Die jüngere der Danien mochte das 17. Jahr noch nicht erreicht, die ältere das 23. Jahr kaum überschritten haben. Der Kutscher war sich Im unklaren darüber, weshalb er hatte anhalten müssen, und wandte sich nun mit fragendem Aick zu seinen Gebieterinnen zurück. Das jung« Mädchen hatte sich erhoben und deutete, in fremden Idiom lebhaft auf ihre Begleiterin einsprechend, auf den schlummernden Jüngling. Ein kurzes Zwicgespröch. dann tönte ein rascher Befehl zu dem Kuticher hinunter, der gleich darauf diensteifrig zur Erde sprang und den Dagenschlag ausriß. Die Freunde Millens waren inzwischen auf den Vorgang auf- merki'am geworden und legten sich, von den beiden Schönen un« g«s«hen, im Busch auf die Lauer, begierig, was sich weiter begeben würde. Einer von ihnen, Henry Knor, pflegte später, ivenn er den Lorgang erzählt«, hinzuzufügen, daß er sich damals in seiner Lauschcrrolle selbst recht wenig gefallen habe. Es fei ihm gewesen, als mische er sich in etwas ein, das ihn ja im Grunde nicht das geringste anging«, und dieses Geständnis ist wohl um so eigen- ortiger, als die Jugend in dieser Hinsicht in den damaligen Zeit- laufen sicherlich nicht zartfühlender war als heutzutage. Die Reu- gterd« der sungen Leute verminderte sich auch nicht, als zunächst eine geraum« Weile hindurch gar mchts geschah. Denn das Fräulein stand wohl minutenlang wie festgewurzell zu Häupten des schönen Knaben, dessen Lippen leicht geöffnet waren, und über dessen Antlitz ein weltfernes, vielleicht in seligem Traumleben beheimatetes Lächeln aufglänzte. Sie mußte Ort und Zell vergessen haben, und ihre Augen ruhten wie wunschlos aus auf soviel jugendlicher, ihr fast unwirtlich erscheinender Schönhell. Dann sprang sie mit raschem Entschluß zum Wagen zurück und kehrte wieder mit Stift und Souvenir, dem sie«in Blällchcn entriß. Lächelnd schaut« ihr die Freundin über die Schulter, und die im Gebüsche verborgenen Zeugen der Szene hielten den Atem an. Der Stift flog rasch und sicher über das Papier. Aber als er de» letzten Strich getan hatte, nahm von neuem der Geist zögernder Unentschlosienheit von der liebreizenden Schreibcrin Besitz. Sie schaute fragend die Genossin«m, und erst als diese ennunternd nickte, entschloß sie sich, sich leicht zu dem Schlafenden herabzubeugen. Di« eine seiner Hände hielt einen kleinen Siran ß blauer Blüten mit festem Griff umtpamit: d!« andere ober war leicht und zwang- los geöffnet, wie wenn sie sich eigens darauf gerüstet halle, die Gabe in Empfang zu nehmen, die die Gunst der Stunde ihr zu- gedacht halle. Mit zärtlicher Behutsomtell lchob das Mädchen den Zettel hinein, und es war ihr einen Augenblick lang, als schlöffen sich di« Finger Wer ihm zusammen, um di- Beute zu fassen und nicht mehr herauszugeben. Fast erschreckt richtete sie sich in die Höhe, und als die Beglellerin jetzt zum Ausbruch mahnte, wandte sie sich ahne Widerrede zum Gehen. Rur, daß sie nach drei Schritten nochmals stutzig wurde, stehen blieb, umkehrt«, sich an der Seite des Leben Jungen leicht auf die Knie niederließ und ihm scheu und hingegeben, wie sie glaubte, von keines Menschen Auge beobachtet, einen Kuß auf die Stirn drückte. Wenige Augenblicke später rollte der Wogen davon. Als Milton erwachte, hallen die Roste, denen es oblag, die geheimnis- volle Schöne und ihre Begleiterin von einem Ende Englands zum anderen zu befördern, schon viele Meilen zurückgelegt. Er fand, verwundert zusammenschreckend, den Zettel in seiner Hand und hörte die von harmlos liebenswürdigem Spott durchsetzten Berichte seiner Freunde. Er sagte kein Wort dazu und enttäuscht« mit seiner Ein- silbigkell die Genossen, die er aus diese Weise um das erwartete Vergnügen prellte, ihr pikantes Geheimnis nach Gebühr aus zu- werten. Den Zettel aber, versenkte er tief in die Tasche feines Rockes, und so oft es nur irgend anging, schlich er sich von den anderen unbemerkt, auf dl« Solle, um ihn herauszuholen und die ihm unverständlichen Worte seinem Bewußtsein einzuverleiben. War er still und schweigsam, so besägte dos- nicht, daß ein« Verstimmung von seiner Seeke Besitz ergriffen Halle. Denn er füllte sich reich beschenkt durch diesen Sommertag, und sein Herz. schlug heftig und ungeduldig, als ging« er einem großen Glück entgegen. Es vergingen Wochen,«h« Millon den Mut fand, einem seiner Lehrer unter Zuhllfenahme eines ihm dafür geeignet erscheinenden Borwondes den Zettel zur Uebersctzung vorzulegen. Er hatte Glück mit seiner Frage, denn er erfuhr nicht nur. daß die Niederschrift in llolienischer Sprache geHallen sei, sondern auch, daß es sich dabei um ein Zitat aus dem berühmten„Postor fido' Guartnis handle. „Schmie Augen', so lauten die Worte,„sterbliche Gestirne, habt ihr. vom Schlafe geschlossen, mein Herz verwundet, wie groß muß eure Macht fein, wenn ihr euch öffnet!" Bon nun an ober verzehrt« ein Feuer dos Herz John Millons, das Feuer der Sehnsucht nach der Geliebten und Niegekannten. Er lernte ihre Sprach«, die Sprache Tostos und Petrarcas. Er wall« fahrtet«, von wildem Verlangen getrieben, in ihr Land, nach Genua, Venedig, Rom und Neapel. Er wurde ein großer Dichter, besten stiuhm di« ganze Well durchdrang, nie aber fand er den Weg ins verlorene Paradies. ziurum: Jirbelislofer geht im 9iino... Man trist dich irgendwo auf der Bank vor einer Lit- faßsäuk«, klopft dir wohlwohlend auf die Schulter und fragt dich: „Wohin gehst du?' Du antwortest gleichgültig:„Stach Haus«!' Dabei fleht dein Gesicht ganz grau aus. Dann gehst du rasch fort, und man steht dir melancholisch nach... Manchmal antwortest du auch:„Ich warte hier auf jemand!" Dein« Stimm« klingt etwas verlegen. Auf wen solllest du hier warten? denkt man. Wer kömvte zu dir kommen? Ein Mädelchen? Wohin willst du es führen? Leb erlege dir das mall Aber man sagt dir dos nicht, man denkt es nur, steht mit dir noch zehn Minuten an der Ecke, wirst«inen Blick auf die Normaluhr, fchüllell den Kopf, springt aus einen vorbeifahrenden Autobus uild ruft dir noch zu:„Na, viel Vergnügen denn!" Manchmal aber antwortest du auch mit einem leisen Ausatmen in der Stimme:„Ich gehe ins Kino!" Das Kino ist die freundlichste Station zwischen den Ringbahn- bösen demes eingleisigen Lebens. Hier hast du zwei Stunden Ans. enthalt bis zur Wellerfahrt in trostlose Gegenden, wo dein Lebens» film irgendwo weiter obläust... Das Kino ist für dich soviel wie der Speisesaal der Heilsarmee. Wie nach der dampfenden Suppe der singenden Schwestern hast du Hunger nach einer Dunkelheit, die wohltut, und nach ein wenig Musik im Dunkel und nach einem kochenden Gesicht auf der Letn- wand. Du willst dasitzen wie geborgen, und es soll dir sein, du hättest«inen neuen Anzug an und könntest morgen wieder zur Arbell gehen. Du willst jür zwei Stunden die Well fliehen, die für dich«in« lang« Straß« ist und eine ungewöhnliche Schlaf» stell«.., Dein« Flucht beginnt mll einem Fwch. mit dem du ein Buch fortschleuderst und vom Sofa aufspringst- Dann setzt ein nervöses Herumstöbern in allen Westen- und Hosentaschen ein: Zehn. Zwanzig, dreißig... Na, wird's bald? Dreißig Pfennige, vierzig. Weiter oben: Fünfzig, fünfundfünfzig, Herrgott, fünfuirdfünizig. zum Teufel, fmrfundfünfzig. letzter Griff. Gott fei Donk: Sechzig PenniK!: Deine Flucht ist finanziert. Es geht nun«llig über viele Treppenstufen auf die Straße hinunter und alles übrige wickall sich programmäßig ab. Es gibt ja Leute, die fahren an zwanzig Kinos vorüber, weil sie ein bestimmtes Stück mit einem bestimmten Schau- spieler in ctner bestimmten Rolle sehen wollen; du gehörst nicht zu ihnen. Du gehst in das Kino, wie es dir am Wege liegt. Viel- laicht besichtigst du vor dem Kino noch die ausgehängten Bilder, und wenn zwei Kinos in der Nähe sind, entscheidest du dich für den Film, den Herren im Frack und Dame» in Abendkleidern spiclen- Dann läßt du erst mal am Schalter dein Geld Ein Mann reißt die eine Ecke deines Billetts ab, ein Mädchen mit einer weißen Haube auf dem hübschen Kopf fragt:„Programm gefällig?", öffnet den Lorhang und läßt eine Taschenlampe aufblitzen:.„Hier Ist noch ein Platz bitte!" Du folgst ihr etwas unbeholfen und starrst für Sekunden auf die taschcnlampenlichtumslosienen Beine des vor dir herschreitenden Mädchens. Du bekommst Herzklopfen. Dir Ist ganz kamilch. Aber da fitzt du fchan. Ganz still.. Deine Fwcht ist geglückt. Du bist geborgen. Du weißt bald nicht mehr, wer du eigentlich bist, du denkst, du host einen schönen Anzug an und zu Hause hängen nach ander« im Schrank. Du denkst, du kannst nachher, wenn du Lust hast, lln Auto noch.Hause fahren, nein, nicht noch Hause, sondern crstmal in ein großes Restaurant, um Abendbrot zu«sie». Du kannst denken, solange es dunkel ist. was du willst. Sogar: daß dos jung« Mädchen an deiner Seite dein« Braut.ist. Und dann ist plötzlich dos End« da. Du hast es schon mll Bangen nahen sehen.„Jetzt kriegen ste sich gleich!" dachtest du. „jetzt ist gleich alles aus. Es wird hell und man ist wieder der alt«!' Du möchtest eiiikN Blick von dem Mädchen neben dir erhaschen, SU möchtest die Kleine ansprechen, mit ihr irgendwohin gehen, viel- leicht auf den Rummelplatz, aber der Strom der Kinobesucher trennt euch. Es wäre auch nichts daraus geworden. Die Augen tun dir jetzt etwas weh und ün Kopf ist es dir dmnps und im Herzen... Kichernd, flüsternd, schwatzen!», lachend führt dich der Mensckienstrom über teppichbelegte Treppen hinaus ins Freie... Dort siehst du dir noch etmnal die Bilder im Borraum an, fleckst die Hände in die Taschen und bekommst Plötzlich Sehnsucht noch den Liedern und den dampfenden Suppen der Heilsschwestern, wie du hinaustrittst auf die helle, laute, wildbcwegte Straße... Alfred Lorenz: Links, rechts, links, rechts, so geht dos im müden Takt feit heut« morgen der Front entgegen. Nur am Mittag eine kurze Rast. Jetzt ist es Abend. Neben mir marschiert Becher, seit gestern in der Kompagnie. Er ist noch jung, 19 Jahre, noch unverbraucht. Jetzt haben wir ein ehemaliges Dorf erreicht. Weiß der Teuf«!, wie das Nest einmal geheißen hat. Ist ja auch unwichtig, ist ja nicht mehr da. Rur«in paar �Scheunen stehen ncch; in die werden wir einquartiert. Und morgen goht's an die Front. Wir werfen uns ins Stroh. Neben mir liegt Becher. Go- dankenlcs kaue ich an meinem Stück Brot. Der alt« Frontsoldat denkt nicht, wenn es nach vorn geht. Wozu auch? Kann wir schaden. Da sehe ich etwas Unwahrscheinliches. Becher hat eine große Schlackwurst in der Hand. Woher hat dar Junge die Wurst? Ach, wohl noch von Muttern? Er bemerkt mein Erstaunen, veicht mir mit freundlichem Lachen«in Stück hin:„Da, Kamerad!" Wie gut der Junge aussieht. Wie frisch. Wie die tadellosen Zähne leuchten. Wäre doch schade, wenn der hops gehen sollte. Dann kommen wir ins Oes mäch. Er ist froh, mein mürrisches Schweigen gebrochen zu hWen und erzählt: von Muttern, von seiner kleinen Pännälerbraut, von den Paukern. Er erzählt ganz unbefangen, beinah« fröhlich. Und dabei geht es morgen an die Front. Wie jung der Beuge! noch ist. Dann schläst er ein. Er schläft ruhig und gesund. Ich lieg« noch lange wach. Mutter, Braut,— wie fern das alles schon war. Und jetzt stehen diese Bilder wieder leibhaftig vor meiner Seele mit allen kleinen, lieben Einzolheiten. Dann werden sie undeut- Ucher, schweben, lösen sich auf. Sie werden von einem Gedanken abgelöst: morgen geht es an die Front. Das paßt in die übliche Gedonkenreihe. Ich höre den Rhythmus der harten Soldatensliei«! auf der Landstrahe: links, rechts, links, rechts. Das ist gewohnte Musik. Ich fchlos««in. * Am nächsten Tag liegen wir vorn im Graben. Der Junge hall sich immer an meiner Seite. So«in bißchen ängstlich ist er jetzt wohl doch. Na, was in meiner Macht sieht, will ich für ihn tun Leider ist das nicht viel. Gegen Abend wird«s heftig. Der Franzmann drüben Hot gute Reserven, bereitet sich zum Angriff vor. Und wir müssen warten, warten, warten Die Minuten, die Sekunden zerren an meinen Nerven. Di« französtsch« Artillerie beginnt sich«inzuschießen .Becher ist blaß, beißt aber die Zähne auseinander. Tapferer Junge. l£d beginnt gerade dunkel zu weichen, da bricht die Hölle los. Trommelfeuer! Wir werden zu Maschinen. Nur Deckung, Deckungt Nur laben, leben, noch eine Sekunde, die nächste noch! Als wenn man auf Treibeis von Scholle zu Scholle springt, so durchlebt man diese Sekunden. Noch kein Ende, noch kein Ende? Noch leb« ich, noch, noch.--- Einen Moment sehe ich hin zu Becher. Sein Gesicht ist verzerrt. Er hält sich immer an meiner Seite. Dom Groben keine Spur mehr, mir noch Löcher. In einem liegen wir Auch das kann im nächsten Moment voller Granatsplitter sein. Die Dinger muß man ankommen hören, ahnen.- Dann raus, raus um jeden Preis! Da kommt so ein Ding. Hörst du es nicht, Becher? Das ist der Tod. So hoch singt er erst. Er wirbt um dich. Er liebt junge, zarte Burschen. Hörst du ihn nicht, Becher? „Raus!" Ich schreie es, springe oui. Da schlägt es ein. Ich fall« hin. Es dröhitt um mich. Mund, Nase, Augen, alles voll Sand. Aber ich lebe noch, lebe noch, lebe noch! Ich kriege zurück dahin, wo wir lagen. Da liegt Becher auf dem Gesicht. Unendlich wehmütig liegt der Kopf zwischen den in der Verlängerung des Körpers ausgestreckten Armen. Und mitten im Hals ist die große Wunde, die der Granatsplitter gerissen hat. Ich will den Körper herumdrehen. Da fällt der Kops zurück, als würde er nur noch von ein paar Sehnen gehalten. Ich weiß genug. Ich höre nicht mehr den Kanonendonner. Ich mochte mich hinwarfen und weinen, immerzu weinen. Da bricht der Höllenlärm ab. Lastende Stille« Dann ein Schrei: „Tanks!" Und da krauchen sie schon heran, die grauen Ungetüme. Ich bin wieder ganz klar. Leben will ich, leben, leben.--—» Leb wohl. Becher. Es geht rveitar, weiter, weiter.---- * Warum ich diese Geschichte erzähle, die doch so gar nichts außer» gewöhnliches an sich hat? Ich will mich davon befreien. Sie quält mich. Ich muß immer denken, wir Aelleren hätten das alles vor- hindern müssen. Seil wann gibt es Sonnlage? Diese Frage mittet natürlich sonderbar an, da wir so an Sonn- und Werktage"gewöhnt sind, daß man glauben möchte, dos müsse immer so gewesen sein. In Wirklichkeit ist der Sonntag aber.«ist durch Kaiser Konstontin im Römerreich gesetziich eingeführt worden. Am 7. März des Jahres 221 wurde der Sonntag zum erstenmal als öffentlicher Ruhetag durch folgendes Gesetz proklamiert:„Alle Richter, Stadllcutc, jegliches Handwerk soll am hochgeehrten Tag« der Sonne ruhen. Di« Leute auf desii Lande mögen«rlaubtermaßen dein Ackerbau nachgehen, da sich zuweilen für die Saat des Getreides und dos Einsetzen der-loben kein passenderer Tag findet. Es möchte sonst am End« in einem Augenbllck die vom Himmel oeboirne Gelegenheit verpaßt werden." Dieses durch das Christsntum verursacht« Gesetz erließ Kaiser Konstantin, bevor er selbst Christ wurde. Der Sonntag lebt« sich in der Folg« so tief im Denken und Leben der Völker ein, daß«» z. V. der Französischen Revolution nicht gelang, ihn auszumerzen. Wie viel« Emigranten, so kehrte auch der Sonntag aus dem Aus- land nach Frankreich zurück. Neuerdings bemühen sich die BeHerr, scher der Sowjetrepubliken ebenfalls, den Sonntag zu verdrängen. Ob sie aber mehr Erfolg hoben werden als die französischen Revo» lutionäre, bleibt abzuwarten. pariemachnchien�M�furGroß-Berlin finltabrntgeti fBr ftrts an»et Seiirtafcfretaric) vcclta EG KS, Sinbcnitcobc 2. Ho?, 2 Trevvev recht», zu richten Dic Sammelliste;um Ilolopscr- für Erwerbs- lose sür den Bezirk 4, Vren, lauer Berg. Nr. lS7 ist in der 30. Ab- teilunq verloren worden. Bei einem eventuellen versuch, daraus zu sammeln, ist diese Liste anzukiollen und an das Bureau einzusenden. __ 3. A.: Alex Bogels. ArbcitcrfuNktas, 1930. «er ArI>-Ucr.S!«l>>».B-l«d»erousluUrt für scinr Soziale Z>zchi»h!ls« am !?' ��2 b:s 12 Uft*, cm« in he? AroK'Oyer. Am iBIafc bcr ÄfcpuMii- CKrlMycrN�: Reich zkavz? er A ermann Müller und?krau Lonise Ebert. Im Ehreveues.-f'�ß nnd u. a. der Ro?!� sinne'rmiutster. Ausbanser. Grahmann, Kaltenberl?. ftxHaiehel, �lrisvirv. Rciddard.— M�roirieude: Dliccb Bcierle, Gertrud Gusoldt. �ranz�iska Vio�, Tbrodo? Loos. Heinrich Eeorqe. AaneV Stranb,ähen RGrfvrt. M. d-?*■ 20. Abt. 19� Uhr bei Bvntt?, Schul- Ecke Kechliner Strasse: Voss. Kolonie- ssrasse 15 und Tillner. Kolonie- Ecke Zechliner Strasso. Naferentcn: Köglcr. Mahlawznck. GrÜnewald. 25. Abt. 20 Ubr bei Kramer, Eotheniusfte. 1: �wick, Pafteurftr.(5? Nösler. Eoldaper Str. 0.— Achtung!.�ablab-rd Schmidt. Kniprodc. Ecke Kurische Strasse, iü erst am Donnerstag, 13. Marz,»m 20 Uhr. "' llhr bei �cchenverg. Ehoriner Str. 40: Maoss. Prenzlauer �llce W2.- Meyer. Oderbcrger Str. 39. Die üb r' gen.lahlalumde sind bereits'.n der Dienstag-Morgenau-aabe bekanntgegeben. 3G. Abt. 19� Uhr-oblabende. Bezirke 114, 115, 116 bei Pohft. Lychcncr s � 1 I i'J rf r'T�*.> w a m Z.- ,, �5*'■ C.*. �_ S.,, i,.in»■>,, Carwcn.Enlvo.Str 123; V-z rk« 147, 151.!52, 153. 154 bei SeDM«, «uqlttftr. 10; �czlrf 155 bei ftulifd). fllltfr Str. 47;»rz'rk- 15S. 157. 15« b«,;»«zirkc 15«. ISN. 161 bei Z!;«brrk-ll.&3tmen, <-»ll>a,Str,-23. 4S> �bt. 10" 3 Hfti. ffirutme 6oor;raq:..Doli- tische Satire" Reseeent Henrn Reiff. 3. lezirk; Holl, Sieqfriebftr. 9. Zlortraq. 4. bis ti. Rezirf: Reunann. Sedanstr. 17. Sortrcq:„Politisch« roqrsfroqen". Referent©üntber Joachim. 7. Pezirk; Podzus. Sachse,� bomn, 4«- 8. Bezirk; Lebiqendeim. Siediuna Lindenbof. Referent©eorg ZSendt. M. d. R. 87. Abt. Marienselbe. 20 Jlbr bei Schuftet. SinSrtlt. 6S. Wichtiqe Taqes- ortmunq. SeufäDtt. 93. Abt. ISZz. Ubr. 83. und lOV Bezirk; Lokal Schauer. Trep'ower c-lk« Weserfirake. Bartraq:„Stabipo!k in Rot*. Referent Otto Mofl. fRjcht. nie Nierst anaeqebe». Luise Käbler.)—«8. Abt. 11>>.z Ubr. Bezirk« IIS. 119: Brandt, ebiltiuncr©de Vippirfirana Bartraq;„Sazial- pqlüifches*. Refereni Siadtrat Albrechi. Be,ie.I» IM. 192 und 120; Lliböen, Shamafitr. 5. Bezirke 121. 124. 127 bei Sitttrer, Raqaijtr. 56. Bartraq: .Tct �afchisntue". Referent Hans Marl. Bezirte 122, 123. 126 bei iZrcnkd, Schierke, Srtc PabcftraSc. Bartraq;„Bolschewismus oder Safchisotuo". Referent Sans Nickel. 128 bis 130. Abt. Pankam. 19' z Uir. Z.«tuppt: Lokal Sloteil, Berliner SimS« 97— 98. 4.. 5.®rnppe: aientms S'etbaOen, Berliner Str. 118. SJortroq:„los Mlblchenrecht im Wandel der Zeiten*. Referent ürud ©tcSmann. UDa. Abt. Witteno». 191; Ubr pünktlich SitUino des ABtetlunÄSOOriionbeo mit den Bezirksfübrerb und Bilbunqsqusfchuianitqliebern. Anfchlieftenb. 20 Ubr. Abteilunqsprrfammlunq nnd Referat:„Die lsrau im Srmrrbs- leben. Wildau. 1914 Ilbr bei Ruble Bortraq de»©«nassen Biedner oon der SMqe. meinen Brtslrankenkasse der Stadt Berlin:..Kranken, und Anpqlidettnor.- fidseninq*.—?er Barlland. 9r 109. Abt. Fried richsbaqen. Die Mitqliederpersanrmlunq findet erfl nächflen MiUmoch, 10. Marz, statt. Am ke INN-enden Sannabend, im proben Saal des©«seklfchaf*skaufes. ssriedrichstr. 137. Inbernalionales Sirandfest der Kameradschaft Friedrichsbaqen des Reichsbanner» Schvmrz.Roi.Gald". Be- qinn 8 Ubr. Eintritt 1 Bl. III. Bobnedarf. Unser.».alllabend findet erst am Mittwoch, 19. Marl, statt. Referat des©cnassen Sollmann. Morgen, Donnerstag, 13. März. 8. Abt. 20 Ubr im Raiionalbof. BiUowfir. 37, Sundpebunq de? Reich'» bannet?. Bartraq; stampf dem isafchismus*. Referenten: Siadiperord- »eter Sotbe und©e nasse?r. Helmut SU ad. Ter Besuch dieser Stund. qehunq wird empfoblen. IS. Abt. SBeibeute«. 101? ubr Mi'qliederpersammlnnq Im Wirtsbaus»um Bferdemarit, Schbnstrasta Bartraq des©«nassen Mar Senbemiss, R. d. R. 139. Abi. Zeael, Sctaljerdarf. Hciliq-nicc. Siedln nq an Bbf. Heiliqraiee. 20 Ubr Mitqliederoersammliina im Lakqf Hübnert, am Babubof Schulzen- barf. Bortraq:„Die weltliche Schule*. Refert Reltar Wolfs. l l t.k! m......—.....--"---- di 91. Alst. SettlrBn. Sornoberb, 15. März, �rübllnqsleft im aroße» r2 3 Saat bor Rene» Welt. Haserbride. Mitwirkende: ssreie Turnerfetaft-H W©roß.Brrlitt, Rcnlellner Tännerebar, Dentscher Musskeroerbard. ssest. r? rede: Hermann Harnisch, 98. b, L. Professor fficrbel'obn; Eesso. tf.e E nasse Zveittdorbt: Am islünal. Ueberraichnnaen, Zombolo. chitttritis Hl preis I M., eittlchl'estlich Steuer. Alle©enoffinnen und©enossett stttb i-f 2-5 mit Anacbäriqen. freunden und Bekannte» treunblichst ei-qe loben.'i- ------ �rgir�r', t-j ä S Jccucnoecanftaltuagen. 9. ssreis 8rcp>berq. Donnerst aq, 18. Marz, um 101» Ubr. bei Wolfs,©raef» straöe 25. ssunkr!pnZrinnerb>nserenz. Jede Abteiluuq muS uct'rctcn sein. 79. Abt. Schöncbctfl. Unser ssraue nabend fällt in diesem Monat aus. Dafür Beteiliqunq am Sreigfilmaberb, IS. Marz Karten zu 30 Bf. bei R.adtke, ©otenstr.. 14. und Grübler. Hochkirchstr. 7, erbältlich. Jraucnoeranstaliungen am Donnerslag. 13. März. 95. Abt. Reukäll». 191? Übt bei Steil, Brinz-Handi eroaötr. 38, Sibutta aller ssunktionärinnen der Abtcilunq. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrk. 7. Are!» Kbarlaitenburq. SZrcitaq, 14. Mär». 19' e Übt. im Ratbaus©bar- lottenburq,, nimmer 140. Aktcrjicfptcdiunq. lü 12. Strclo Steqliti. Sie RUtaliebcr und aurfusleiTnebiner der Ü E?ä Ardeiterwobltabrt werden qebeten, am Donnerswq. 13. Marz 30 Übe Ist DZ pünktlich, im Ratbans Steqlih, Zimmer 5. zu erscheinen. Da» Er. ll D scheinen der S1ursu»teilnof>mer vom 10. ftre»« Scblcnbori ist nicht er- ß- rH forderlich. fU «. Stres« XfemptOBf, Stanrobatf, ftoxhattO*.»chfeeimde Ttrfiaa. 14. Mär». 30 Ubr. im Sä tun>a«> immer 1. Ratbau» Tempelbok, Dorestr. 42. Kursusabend über„Praktische Arbeit in der Boblsabrtspfleae*. Refwirt Bormvnd Becker. Ilm zabkreiches und pünktliche» Erscheinen wird qebeirn. 18. stre!» Weistenste. ssteiieq. 14. März, 19 Ubr. VN Siftunaszintmcr des Woblfabrisamies äOeiftenfee. Woelckpromenade 1, Kursusabend über.Aamilien« recht*. Sefcnurtln©enotfin Minna Dodenbaaen. Um recht zablreiche Betcili» qunq wird qebeten. Zungsozialisten. Arbeitsansschubsititt»» mit Werbebezirksleite« pünktlich 171« Uhr am Math btiitefeplafe 3— 1. Alkobolfreie©oflstätte. Wichiiq« Taqesardnuna. Spielqemeinfchafi! Die©enossen. die bisher in der Spielqemeinschast mib, qewLtlt haben, werden am Anfanq nächster Wache Einladunqen trbolttn mit der Bitte, sich für die Werbeoeranstalduna in ZKaqbit am 38. Mär» wieder»ut Betfüqunq»n stellen. Wir bit'er. ssch oorsorqlichermeise den Donnerstaa, 20. i'iftt». ftribalirn zu wollen für dir erste Besprechunq. Werb«b«»irt Sttdeo; Wir bitten die©ruppenleiier der S-35. in den Kreisen ! Kreiueera und Rrukölln. d'e Mitqlitder ihrer®n;ppcn quf unier» Serbe, kundqebunq am II). März in Rabe? sseltsälen, ssichtesir. 20. aunnerksan; zu machen. Refereittiunrn nnd Anna Sirmsen und Bora ssabian. ©rnppe Lichtenbera-Weft(114. Bbr.l: Heute, 20 Ubr, Lbreilunq»«itqNeder. verlammlunq im Laqenkastuo. Knorrpromenade 2. Alle©enossen»obmen teil. Zlrbeilsgemeinschafk sozialdemokrakischer Lehrer und Lehrerinnen. Bezirk Grosz-Berlin: Vorattzciqel Die»öistste Bersommlunq findet am Mittwoch, 19. Mär». um 19 Ubr, tu der Schuloula Kochst». 13 ftatt. Ex nasse Dr. Berttfeld sprich» über.Da» Problem der iebweieriiebbaren. Geburlslage. Jubiläen usw. IK. Abt. Unser©eimsse Brutto BraNdler. tlopfstr. 33, feierte an 1. 9Bötz Jehl JSiäbtiqe» Porteijnbiläum— Uns«©ettpss«© r e« 0 r ©lanialc, Z5tinj.Hanbicru.Str. 3«, feiert«»m 13. Mar» feitte»©tburts- tan. Wir wttttschett britutu©enossen, dost st«»och recht laiuqe Itt unserem Streife es« Mitarbeiter wirken mäacn. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei-Organisation� <3. Abt. Uns«« lanqiäbriq«©enoss« Ittkiu» Räder ist am 8. Marz verstorben,©b« feinem Andenken! Einafcherunq am Donnerstaq. 18. März. nm 19 1? Ubr. im Krematorium Bquutschulrnweq. Sit bitten um teqt Be- tellissunv.___ Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold�. Geschäfts stell»; Berlin E 14. Sebastionstr»7—38. Löf 3. Tr. Wintersport. Abt.: Mittwoch. 12. Mörz. 20 Ubr Monaisversammluna in Schneiders Hniel. Jtpniq. Ecke Klostcrstrake. ssilmoorsstbrunq Pom republikanischen Winietipartseli- Donner»taq, 13. März. Sanität«: 20 Uar ©esundb«! tschau» Am Urban. Bortraq Prof. Dr. Schstck:.Di« Eriennunq von Krebstranlcheiten". Pfiichtveranstaltunq für sämtlich« Santtärskameraden. Nerqorten, slunqbanner: 1' Ubr in Bannerkleidunq bei Schlestnqer. Lübecker **----—-•- Ji»ilf-- d Si'*-------- MM ............................_____>eraden» Treptow. Reue Kruaalle«. Teilnabm« jedes abkömmlichen Kameraden drinqrni Strasse. Rabzüaler 20 Ulir Raiiona©of, Biriowd raste. Wilmersdorf fOris« verein): III? ubr Beerdiqunq des Kameraden Rolf Lorek, Älter Äriedbaf. drinq*ni> ermstnfchi T-mpelhof(SrisoereinZ: 30 Ubr Lrtsper«!n«ersammlunq im Birirnwäldchen. Referat. Prvpqqanda und pollzäbl'qe» Erscheinen Pflicht.— .frc'tco. 14. Mär», äticbriibobain. Kamerodschafr Memel: 191? Ubr Siamerad- fchattsverkammlunq bei Hentfchel. Memeler Sir. 13. Kreuzberq. luq 1: 30 Ubr Kuqststunq bei S'ebak. Willibald-Aleris�'r.?. Referent Kam. Betnarek:.Das neue Stadtparlamen-". Zeqel fftoiuetabfibaftl: 30 Übt äüifq lieber otrsrnrnlunq im Restaurant„Alier Kruq". JUqeJ. Hauptstr. 14. Bortraq Slam. Krautlein. Otorienbnta; 20 Ubr äRcclicbctaerjammluna bei Sterrmeta. Berei niavttq tbe.maliq« Sttneasaelauaen«©ro st- Berlin, t B. MitqliebeP. oetfammiunq am Miitwach. 12. Mär». 30 Ubr. in den Unions-lZeftfälen. ©teif;.malt«r Str. 233-7223. Bartraq des Herrn Dr. Staenet über„Moderne neuzeitliche Ernäbrunq*. Arbeiter. Äod'o Surb Deutichlond», e. B..©rnppe Rriebnchsboi»- Donners» tau. 18. März, 20 Übt, Bortraqsreibe für Anfänqer, i. Abend:„Die Wider» standsverfiärlunq". im Lakai Sadiner Str. 10. IZeeie Arbeiter�speranto.Lmeittianttq. 22. Mär». 20 Ubr. Sophien�äle» copbienflr. 16—18, ssrstblinqsfrst mit Tanz und Bvrträqen. Alle ssreunde de» ©speranio find kinqeladen. Jeden Steiiaq, Metallarbelter-Betbandsbaus, Bart. I.©ruppe und Kurfu». Seien Donner» taa. Am Ottlvrhnfcof 17, port� Gruppe und Kursus. •i i Berantwortlich stlr Politik: Dr. Enrt©euer; Wirtschaft:». KliMqelböfert ©«parkschqslsbewesung: Z. Skeitt»: sseuilleton: Dr. Aost» Schikomski: Lakale» und oortftiqts Sri* Karstadt: ür»«ieen: Tb.©locke: sämtlich in Berlin. Beriaq: Barwärt©BerIaq©. m b. H. BerNn Druck: Borwäris.Bueddruckerek und Lerlaqsanstalt Paul Singer u. So., Berlin SW 68 Sinbcnftraste 8, Hierzu 3 Beilage» nnd„UtttctbaUsnR und Bissen*. Nach schwerem Arantenlager o«r. starb am Sonnabend, dem 8 Mär». im Aller van 65 Zabren unser allseits verehrter, frü'erer Mitarbeiler und Kollege, der Buchbinderinraiide Ju lus Röder Während feiner 20 jährigen Tätigkeit in unserem Betrete erwies öch der Verstorbene als pstichnrcuer Mu- orbeiter, als vorblldii©er©ewer;- chatter nnd Genosse. Sein immer freundliche» Weien und eine(tele Hü s ereilicha r sichern ihm ein eorendes Gedenken. Berlin, den II. März 1930. Geoekiätlslellaog and Personal dar Vorwärts- Oodidrockerel. Einäscherunq: Donnerstaq, den 18 März I9'r Uhr, im Krematorium Daumichulenweg Veröand der Budi&Inder and Psplerrerariieitef Deulsdilaods Ortsverwaliung üerlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unter Kollege, der Buchbinder «InHns Röder Dieienbachsir. 62 perstorben ut Dl« Einäscherung findet Donnerstag, den H März, abends 7'/? Ubr. im atcmatocium Baumichuienweg statt Ehr« seinem Andenienl Rege Beteiligung erldauei VI« Orisverwoltimz; Deotsüier �tallameiierlferliaiKl Verwaltua ssie le Berlin Todesanzeige Ten allitgliebem'u: Nachricht, daß im er Ko lege. bcr Schmied Georg R.eckhofi g»b. 24. Februar l84fi. gestorben ist am 7. März Ehr« seinem Andenken. Die©inälcherung stndet am Mittwoch. dem 12. März.>5'/, Uhr. im Krematorium©erichlstraste statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Vi« OrtsaerwaUanf. Am 8. März tnüchuet>anft nack inrzem. ichwerem Leiden unsere liebe Mn ler Sckwic er- und©rpstmutt» Auguste Ried. er UN 70 Leoensjabre. Die« zeigt tiel- betrilbt an im Namen alle Hinter- nl, ebenen Otto Fiedler, Ain.-Blu,. Frlst-Rcuier-Allec 2 Sie Einäscherung findet am Donnerstag. Dem U Marz. 12", Uhr. im Kre- matarium©erichlstraste statt Am Sannabend, dem 8 März 1930, ist nach tnrzem Kran enlager für uns alle unerwartet, der Kollege �Vslter Krispien Angestellter im Arheitoaml Berlin-SQdoot orrstorben. Wir oerüeren In ihm einen auf- rcchicn St. lleqen und edlen Menschen. In der Orgänilation. im IDA., mar et uns immer ein guter Berater. Ehr« seinem Andenke»! Einäscherung am Donnerstag, dem 13. März, vormittags 1 i Uhr, im Stremaiormm©erichlstraste. Die Kollegen de» Arbeitsamle» Berlin-SQdosi. Verkäufe Musikinstrumente Piano, kreuzsattig. gegen Refizablunq billig zu verkaufen, eventuell Teil., ab- lung. Habeck. Neukölln. Selchower- straste 28. Klaviermacher. Hossmann Pianos. 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S0Z0 22482 83308 64343 172301 244088 245807 30 Gewinn« m 1000 5N.>8732 33.382 34886 51436 88731 76130 82877 188801 230937 244475 245796 263790 273799 283695 287089 295859 299399 30S763 310533 311263 337494 367440 385665 381742 396200 78 Sewinn« ,u 500 M. 1597 2923 6415 6799 I I626 24499 42884 5190474371 106276 130320 139662 I6I672 155453 I60I01 170355 188504 191826 201394 216561 244866 271621 278452 283056 284124 284751 298894 321795 322171 323009 329797 336703 338697 361124 380540 383638 368387 373497 378275 ■In der beatigen Rachmillagsziebung wurden Gewinn« über ISll M. gezogen .2 Dewinn,» 8000 W. 221507 10 S«Winne-» 3000 W. 5343 63901 216925 258751 376847 zaao eSSSo�-�S�i1!: 46350 49371 84692>09187 200656 519844 ao 2•»8638 290541 o.«�7�69295 78986 83986 99597*03571 12148 195077 212320 221095 228202 268756 303239 324897 J 16761?22?°7 5?: 7 23998 26sea 55640 65952 68437 8322b 2T329 227700 2finQ7o 5l?S?0 S�2 185313 1 80653 197378 205079 M424 327146 3°fta57 qaa?nn??2?67 271933 302516 304266 314298 4.�4�4.32714b 336057 349100 349159 374232 378490 391778 !w oeiblieben: 3 Prämien ,u je.50««0. 2 Gewinne 'U 1* 250,0. 8 zu je 10000, 6 ,u je 600(), 30 zu je 800, 54 iu je aXA 180 zu j« 1000, 26Ö zu je 500, 803 zu j« 800«Dlart Dank an Berlin! Am Sonntag, dem 25. März, beendige ich mein Gastspiel in Berlin. Sdion jetzt aber drängt et midi, der getarnten Bevölkerung von Groß-Berlin, towie seiner näheren und weiteren Umgebung meinen herzliditlen Dank zu. sagen für das große Interesse, dat sie meinem Zirkus entgegengebraeht hat. Mein Dank gilt aber auch den Behörden, die mir im E ahmen der geseizliehen Bestimmungen ein gütiges Entgegenkommen zeigten. Audi danke idi der Presse, die mein Gastspiel in so verständnisvoller Weise unterstützt ha*. Dodr in die Sinfonie der Freude über den glänzenden äußeren Erfolg misdien sidi ernste Töne der Trauer: Gedrängt durch unendlüjie Sdimierigkeiten, die sidi der Fortführung meines Unternehmens auf der jetzt erreichten künstlerisdien Höhe entgegenstellen, eingeengt von einem Stacheldrahtzaun untragbarer gesetzlidier Bestimmungen und behördlicher Vorschriften, durch Steuern erdrosselt, nieder eedrüdet durch die Erfahrung, daß die Regierungen sich von den höheren ethischen und kulturellen Werten dieses Unternehmens nicht überzeugen lassen, habe ich mich sdimercn II rrzens entschließen müssen, meinen Zirkus öffentlich zum Verkauf anzubieten. Denn gerade das Berliner Gastspiel hat mir erneut deutlich gezeigt, daß eine Weiterführung des Unternehmens sinnlos ist, scheitern muß an der Last der Unkosten, oon deren Höhe sidi der Laie nur schmerlich eine Vorstellung machen kann Was nützen dem Zirkusdirektor ausverkaufte Häuser, wenn sie nicht einmal die Spesen decken! So habe ich allein in Berlin in der kurzen Zeit meines Gastspiels sechziglausend Reichsmark als Lustbar keil ssteuern abführen müssen. Dazu treten— außer den hohen Umsatz- und Einkommensteuern— noch zirka 30 andere Steuern. Abgaben und Gefälle. Mehr als 8000 Reichsmark kostet midi die tägliche Reklame für Berlin; einen gemaltigen Anteil dieser Summe oerschlang die Firma Befek(für Säulenanschlag). Riesige Summen für Gagen, Löhne, Verpflegung der Tiere, Unterhaltung des Autoparks für Reisen und Transporte usm kommen noch hinzu und erklären so den gemalügen Unkostcnetaf. So trete ich denn ah von einem Schauplatz, auf dem. ich. Lorbeeren in reichem Maße ernten durfte, mährend schwere Kämpfe mid'. den Sklaven meines Unternehmens, aufrieben und zermürbten. Die Reichshauptstadt sah mein Unternehmen auf seiner Höhe, sie sah den Zirkus, der im In- und Auslande als Verkörperung klassisdier Kunst im modernster. Gemande anerkannt wurde: sie sah den Zirkus, der im Auslande für deuisdic Wollen und Können Zeugnis ablegte, und der die Fahnen unserer Nationen auch ii- Ländern flattern ließ, die uns ehemals feindlich gegenüber standen. So sind Latein Amerika und viele andere fremde Staaten durch den Zirkus Sarrasani dem deutschen Volke näher gebracht und befreundet morden. /oft bin stolz auf diese Arbeit, ich freue mich, daß meine Tätigkeit meithin sichtbare Spuren hinterlassen hat; aber ich fühle die Grenzen meiner Kräfte und bin aus diesem Grunde zu meinem Schmerz gezwungen, mein Unternehmen zu veräußern!. Die Reichshauptstadt hat somit zum letzten Male Gelegenhcii, den Zirkus Sarrasani zu sehen. Nur noch wenige Tage, wird Berlin das Sarrasani-Prosramm im grandiosen Winterbau erleben können: zum letzten Mal! Ich danke Berlin! SARRASANI Direktor and alleiniger Eigentümer des Zirkus Sarrasani Hans Stosch-