BERLIN Mittwoch 12. März 1930 10 Pf. 3fr.-i 20 B60 4?. Lahrgang {rfchetnt taftllch onfet® BBBtag«. � m\F /// Ä«»Iti««n»»«{«:©« einftaltisc�onjateiUtitiU gugleid) Abendailkzab« dtt�.Vvnrüttj B-iugsrre,« Jl f* m» I*4*9 1»*%*J*% S f A«.K»,» � m/UB t 80 Dt- Reklame,-ilr 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. be,d. Ausgaben ssPf. er» Woche.».«"M. er» Monat, yfff*OJSu ff wfStVvXi/rvO Doiifcheckkoalo� VorwättS-Verlag m.b.H.. «tdattioo und Eeredttion; BerlinSWSS.LindenKr.»/ � // Berlin Nr.»7SZS. Fernsrrecher: Döndoff Sv2 brs ss? Endkampf um die �ounggesehe Reichskanzler Müller über Deutschlands Reparationspolitik. ills der Reichstag heute mitlag 12 Uhr zusammentrat, war der Saal zunächst nur mähig beseht, füllte sich daun aber sehr rasch. Präsident Cöbc schlug gemäh der Abmachung im Aclteslenausschuh eine Redezeit von dreiviertel Stunden sür jede Fraktion vor. Der NaSoualsozialtst S t S h r beantragte die doppelte Redezeit unter Hinweis darauf, dah der Reichskanzler viel sagen werde. Reich». kanzler Müller rief dazwischen, dah er keine dreiviertel Stund« brauche. Per alte veutschnationale S ch u l h- Vrombcrg verlangt« eine Stuvde Redezeit und geriet ob de» Widerspruchs der Linken ganz aus dem Häuschen. Velde Anträge wurden abgelehnt. Darauf ergriff das wort Reichskanzler Hermann Müller: In den langwierigen Derhrndtungan um dieses Wert hat Deutschland die Befreiung des Rheinlandes sowie ein« Neuregelung der Reparotionsfrage erzielt. Nach den eingehenden und wiederholten Dorlsgungen der Reichsregierung und de» gründ- lichen Debatten im Plenum und in den Ausschüssen geh« ich auf Einzelheiten nicht mehr ein, ersuche aber im Namen der Reichs» «gienmg nachdrücklich um gleichze.it i g b, 25 e i a.if schiedung Mex dieser Vorlagen. Die Reichsregierung chat in fjetncm Stadium der Derhandlungen »in hehl daraus gemacht, daß der Sachverständigenplan und die haager 2lb kommen nach ihrer Ueberzeugung hinter den berechtigten Erwartungen Deuts chlands. weit zurückbleiben(hört, hörtl rechts). daß die Kritik in manchen Punkten leider berechtigt ist. Ausschlag- gebend muh aber für uns bleiben, ob das Ergebnis als Ganzes dem deutschen Gemeinwohl förderlich ist oder nicht.(Lebhafte Ruf«: New! rechts.) Die Retchsregteruug erklärt, dah tu der Reuregelung ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand zu erblicke« ist. (Zustimmung der Regierungsparteien. Gegenrufe rechts.) Die Neuregelung gibt die Möglichkeit, den Wiederaufbau in jener Ruhe zu betreiben, die für die Entwicklung nötig ist. Seit langem hat die Wirtschaft baldigste Befreiung aus dem lähmen» den Zustand der Unsicherheit der wirtschaftlichen Zukunft gefordert. Die Neuregelung der Reparationsfrage trägt dieser For» derung Rechnung. Gewiß, die Lasten, die dem deutschen Volke und seiner Wirtschaft auferlegt werden, bleiben außerordentlich schwer. Wenn trotzdem die Reichsregierung überzeugt ist, daß der Versuch der Durchführung des neuen Plans nicht zum Nachteil Deutschlands ausfallen wird, so geschieht dies in der bestimmten Erwartung, daß auch die Gläubigermächte die ihnen nach dem neuen Plan obliegen- den Verpflichtungen nicht minder ehrlich durchführen werden als Deutschland das zu tun entschlossen ist.(Lachen recht».) Dies gilt von der loyalen Handhabung der verschiedenen Sicherungen, die der neue Plan zuguusten Deutschlands oorfiehl. es gilt überhaupt von der loyalen Befolgung des Grundsatzes, daß die Regelung, des Reparationsproblems nicht nur«ine Aufgabe Deutschlands ist, sondern im gemeinschaftlichen Interesse aller Beteiligten liegt und daher die Zusammenarbeit aller verlangt. Man hat den Borwurf erhoben, daß das haager Abkommen Deutschland Zusatzleistungen auferlege, die der Sachverständigenp'.an selbst nicht vorsah. Man hat insbesondere daraus hingewiesen, daß die für Deutschland ungünstige Regelung hinsichtlich der rund <00 Millionen aus der Uebergangsze t. hinsichtlich des Gegenwerts für das verlorengegangen« Staatseigentum in Polen und Hinsicht» lich der Llquidationküberfchüsse im Poung-Plan keine Grundlag, fände und von der Reichsregierung hätte vermieden werden können. Zunächst ist festzustellen, daß in allen drei Fällen Mehr» («ist un gen über die oon den Sachverständigen vorgeschlagenen Annuitäten hinaus nicht m Frage kommen. Der Poung-Plan enthält nichts darüber, daß wir ein Recht haben sollten, jene B«. trag« von den Iahresleiswnge» abzuziehen. Zu den Beträgen aus der Hebergangszeit sagt der Young-Plan. daß diese Beträge in erster Linie zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gläubiger lünder während der Uebergangszeit dienen sollen und daß, falls ein lieber. schuß verbleibt, eine Berteilung von den Regierungen geregell werden soll. hier ist' also nicht nur offen gelassen, was Gläubigerbedürfulste find und ob ein Ueberschuß verbleibt, sondern auch was mit diesem llederjchuß geschehen soll. Dies ist ossengelassen. weil sich die Tach- Erinnerungen eines Kappisten. „tlab, merkt euch, LungenS: das erste beim putsch ist immer- ein Auto requirieren!" oerständigen nicht zu einigen vermochten, well die gegnerischen Sachverständigen schon damals Deutschland das Recht aus dies« Ueberschüsie bestritten. Zu der Frage der Anrechnung des Staats- rtgentums erklären sämtliche Sachverständige, daß nach ihrer Aus- fassung die Abrechnungen zwischen der Reparationskommission und Deutschlands über die vor der Zeit des Dawes-Planes liegenden Borgänge zusammen mit— und das wird oft übersehen— allen Abrechnungen die Gutschristen auf die ursprüngliche Kapitalschukh bedingen, gegenstandslos werden sollten. Damit war für Deutschland jede Möglichkeit beseitigt, wegen der Uebertragung des Staatseigentums an Polen noch irgend- welche Forderungen zu stellen. Mit den Fragen, die in den deulsch-poluischeu Liquidalionsabkommcn geregell sind, hat deshalb die Frage des Staatseigentums nicht das geringste zu tun. Ebensowenig gab uns der Sachverständig cnberi cht eine ausreichend« Grundlage, um die Ueberws.sung der Liquida tions- Überschüsse an Deutschland zu verlangen. Wir haben dies« Forde- rung trotzdem, nainenlich England gegenüber, mit äußerstem Nachdruck vertreten.(Bcisall der Mehrheit, Widerspruch rechts.) Gutes Börsenwetter. Reichstags- und Reichsbankentscheidung schaffen Hausse- stimmung. Obwohl die gestrigen Reichstags- und Reichs bankentscheitumgen in der Provinz erst heute bekannt wurden, hat an der Berliner Börse heut« mittag bereits eine Haussebewegung einzusetzen begonnen Auf der ganzen Linie wurden die Kurse fester. Beson- ders bei de» Chemie-, Elektro- und Schwerlndustrieaktien. I. T-Farben stieg auf 205. Siemens-Schuckert gewann sofort 4 Proz, bis auf 287, und die Mannesmann-Aktien stiegen sogar aus 108 Proz. Da? war die Stimmung in den ersten Börsenstuitden. Im weiteren Verlauf per Börse durfte das Bild sich noch verbessern. Auf dem Geldmarkt herrscht eine stark« Konkurrenz in der Anlage der massenhaften flüssigen Gelder. Für erste Firmen sind die Tages. geldsäge bis auf S'/s Proz. heruntergegangen. Auch auf dem De» visenmarkt hat sich die Beruhigung sortgesetzt. �oung-Gesehe vor dem Reichsrai. Der Reichsrok ist für Donocrclag. 11 Uhr oormitlogs. zu eiaer Sitzung einberufen worden, um die Zsuug. Gesehe, die uoch Erledigung durch den Reichdag der nochmaligen Deschluhsas- sung durch den Reichsrat bedürfen, endgülllg zu verabschieden. Die Sitzung des Reich sralo, in der das Fluauzprogramm be- raten werden soll, findet erst am Sonnabend statt. Wir müssen es tief bedauern, daß wir damit keinen Erfolg gehabt haben. Aber von einer zusätzlichen Leistung über den Poung- Plan hinaus kann auch in diesem Falle nicht die Rede sein. Die Verzichte, die Deutschland im übrigen aussprechen mußte, hoben ihre Grundlage in einer Empfehlung der Sachverständigen der Gläubigermachte. Die deutschen Sachverständigen haben dem keinen ausdrücklichen Widerspruch entgegensetzen und die Frage nur zur Entscheidung der Regierung stellen köimen. Die Annohme auch dieser Empfehlung durch Deutschland haben die Gläubigermächie zur Voraussetzung der Annahme des Planes gemacht. Es ist aber wenigstens gelungen, die Frage aus dem Rahmvr des Poung- Plaues herauszunehmen und in ein S o ndera b» kommen einzufügen, das uns auf nationalpolitischem Gebiet Gegenleistungen gewährt.(Zwischenrufe rechts.) Di« notionalpoli. tische Bedeutung dieses Abkommens ist von dem Reichsoußen« minister genügend gewürdig worden. Ich tonn den Ausführungen, dt« er hierüber erst vorgesterti gemacht hat, nur in jeder Beziehung beitreten,(hört! hört! bei der Mehrheit.) Schließlich ist auch bis Behauptung, daß die deutfjtzen Zahlungen aus die belgische Mark« forderung aks.Zusotzleiswngen zu betkachten seien, nach Anlag« fi zum Doung-Plan nicht berechtigt.' Hier erklären die Sachverstän- digen, daß. die Unterzeichnung des Berichts von den belgischen Mit- gliedern.billigerweise" nur unter der Voraussetzung erwartet wer. den kann, daß eine■. f Vereinbarung über die Regelung der Markforderungen erzielt wird und daß der Pia« nicht in Kraft treten kayn, bevor hierüber völkerrechtlich bindend« Abmachungen zustand« gekommen sind." Im Poung-Plan selbst erklären die Sachverständigen ferner ihre Bereitschaft, ihren Regierungen zu empsehlen, daß sie keine Einwendungen gegen die Gleichbehondlung besonderer belgischer Annuitäten mit den Jahresleistungen des Aoung-Planes erheben. Bon ollen Sachverständigen waren sonach Zusatzleistungen für Bell gien bereits ausdrücklich ins Aug« gefaßt. Die Opposition hat immer wieder gefragt, ob und für wie lange die Reichsregiernng den Poung-Plan für durchführbar halle. Weder die Reichsregierung noch irgendein Sachverständiger, noch überhaupt irgendein Mensch in der Welt kann meiner Ansicht nach heute mit ehrlicher Ueberzeugung über die Auswirkungen de*. Doung.Planes sicheres prophezeien.(Großer Lärm rechts, Rufe: Aber das unterschreiben Siel— Abg. Goebbels(Rot.-Soz.) macht unausgesetzt seit Beginn der Kanzlerredo höhnische Zurufe, wirft jetzt dem Reichskanzler Phantasien vor und erhält einen Ord- nungsruf.) Schon vor 10 Jahren habe ich als Reichskanzler und Außenminister nach bestem Wissen und Gewissen Ausführungen über den Versailler Bertrag gemacht, in denen ich z. B. gegenüber dem amerikanischen Geschästssührer betonte, daß Deutschland unter diesen Bedingungen nicht leben könnte, z. B. infolge der durch Landabtretung verschmälerten Kohlenbasis. Erfreulicherweise hat sich gezeigt, daß diese M e>» nung zu pessimistisch war.(Rufe rechts: Dann geben Sie doch noch was dazu!) Nein, ich gebe nichts dazu, aber Sie sehen daraus, daß es in solchen Dingen unmöglich Ist, zu prophezeien. (Sehr wahr! bei den Regierungsparteien.! Wir können nur feststellen, daß Deutschland den neuen Plan mit der aufrichtigen Bereitschaft, ihn durchzuführen, annimnit und daß es sein bestes tun wird, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Die Reichsregiernng glaubt lun so mehr für die Unterschrift unter dieses Dertragswerk einstehen zu können, al» darin die Entwicklungsmöglichkeiten enthalten find, die im Interesse der Erhaltung des deutschen Wirtschaftslebens ein.» geschaltet werden mußten. Roch dem Haager Abkommen verschwinden alle ausländischen Koalrollen aus Deutschland. Der ausländische Einfluß aus dlc lebenswichtlgeu Reichsbetrieb«, die Reichsbaat und die Reichsbahn. verfchwiudei. Der Reichskanzler behandelt dann die Wirtschafts- und Steuere fragen. Magistrat und Berlins Verwaltungsreform. In einer geheimen Sitzung des Magistrats spricht heut« Ministerialdirektor Dr. von Lehden vom Preußischen Ministerium des Innern über den Entwurf' des neuen Selbstverwaltungsgosetze» für Berlin. Bor der Berliner Presse wird der Vertreter des Innen» Ministeriums über die geplante Berioalwngsrefonn am nächsten Donnerstag reden. Umschwung des Arbeitsmarkts . Erstmalig Rückgang der Haupiunterstühten im Reich. Auf dem Arbeiksmarkl im Reich scheint sich seht endlich ein Umschwung anzubahnen, obwohl auch die neuesten von der Reichs- anslall sür Zlrbeilslosenversicherung verSssenllichteu Zisfern noch bedenklich hoch sind. Räch dem Bericht der Reichsanstalt kam in der Woche vom Z. zum S. März das Anwachsen der Arbeitslosigkeit erstmalig zum Stillstand. Die Zugänge von neuen Arbeitsuchenden konnten durch die Abgänge mehr als ausgeglichen werden. Die Zrühjahrsbelebung in den Archenberufen stieg, wenn auch unsicher und zögernd, langsam weiter an. Andererseits sehte sich das konjunkturelle Absinken des Bcschäsligungs- grades nicht mehr in dem Meche der vorhergehenden Wochen fort. Die Zahl der Hauptunter st utzungsempsänger ging gegenüber Ende Februar von 2 378S21 auf 2 363 000 Per- sonen zurück. Die Zahl der Krifeuunterstützten erhöhte sich dagegen noch um 1000 auf 278 202 Personen. Der Höhepunkt der winterlichen Arbeitslosigkeit dürfte danach am 28. Fe- bruar bei 2655 723 Hauptunterstutzuwgsempfängern und Krisenunterstützten gelegen haben. Im vergangenen Jahr war der Höchst- stand der Arbeitslosigkeit gleichfalls Ende Februar mit 2,62 Mil- lionen Hauptunterstützungsempfängern und Krifenunterstützten er- reicht. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Entlastung des Slrbeitsmarktes in diesem Frühjahr sich in dem gleichen schnellen Tempo vollziehen wird, wie im vergangenen Jahr. Die Abnahme vom i. bis 15. März 1929 stellte sich auf 120 000 uMerstützte Ar- beitslose. Wenn auch die Konjunktur sich ganz zweifellos ver- schlechten hat, so ist doch zu hoffen, daß mit Hilf« ausreichender Kapitalversorgung aus dem Auslande und dank der endgültigen Klärung der reparationspolitischen Schwierigkeiten eine durchgreifende Entlastung des Arbeitsmarktes Platz greifen wird. Die Wohlfahris-Erwerbswsen. Zunahme um 7,7 vom Hundert. Wie der Deutsche Städtetag mitteilt, hat die Zahl der Wohl- sahrtserwerbslosen, d. h. derjenigen Erwerbslosen, die die Leistungen der Arbeit? losenversicherung nicht mehr oder noch nicht erhalten können und infolgedessen von der Gemeinde laufend unterstützt werden müssen, auch im Februar erheblich zugenommen. Am 28. Fe- bruar wurden in den Städten mit mehr als 25 000 Einwohnern, die zusammen 24 9 Millionen Einwohner zählen, insgesamt 293 000 Wohlsahrlserwerbslose laufend unterstützt: davon waren 22 000 Für- sorgearbeiter. Am 31. Januar waren einschließlich der Fürsorgearbeiter 272 000 Wohlfahrtserwerbslose gemeldet. Die Zunahme im Februar beträgt somit 7.7 pro,. Die Zahl der Wohlsahrtserwerbslvsen hatte am 21. Dezember 1929 noch 242 900 betragen. Außerdem wurden am 28, Februar noch 92 000 Arbeitslose, die die Leistungen der Arbeitslosenversicherung erhalten, laufend von der gemeindlichen Wohlfahrtspflege zusätzlich unlerstühl. Strafverfahren gegen Kohl und Q'ebert. Ausdehnung der Sklarek-llntersuchung. Die Borunlersuchung gegen S klarek und Genossen lst aus Antrag der Staalsanwallsihasl auf deck Bürgermeister R o b e r l kohl und de» Prokuristen Zastoby-Liebert ausgedehnt worden. Sohl wird der forlgesehlen schweren passiven Be- sl e ch u n g beschuldigt. Lieberl des sortgesehten Vergehens gegen da-s Schmiergeldverbok und beide der schwere» Untreue. Sohl und Lleber» sollen diese Handlungen begangen haben, indem Sohl seine amtliche Stellung als Aufsichlsralsvor- sihender der Sleiderverlriebs G. m. b. h. und der Berliner An- schaffungs ffi. m. b. h., Llebert als Prokurist dieser Gesellschaflea Waren an die Firmen der Gebrüder SNarek zu unangemessen niedrigen preisen abgegeben und dabei von den Gebrüdern Sklarek forllaufend Gelder und sonstige vorkeile erhallen haben. kohl und Lieberl sollen ferner auch Verträge mit den Firmen der Brüder Sklarek geschlossen bzw. Bestellungen an diese aufgegeben haben, wobei sie wußten, daß diese Verträge wirtschaftlich ungünstig für ihre Gesellschaften waren. Die Voruntersuchung ist ferner aus- gedehnt aus die Brüder Sklarek wegen dyr Anschuldigung, den Bürgermeister kohl und den Prokuristen Lieber, sowie de« in- zwischen verstorbenen Kaufmann Felix K i e b n r g in der ge- nannten Welse bestochen bzw. geschmiert und zu der von Ihnen begangenen schweren Untreue angestiflei zu haben. Der gegen die Gebrüder Sklarek bestehende h a s t b e s e h l ist auf diese auch wegen des Verdachts dieser Talen ausgedehnt worden, da Fluchlverdachk und Verdunkelungsgefahr gegeben lst. Kommunistische Rechnung. Wie aus einer Niederlage ein Erfolg wird. Wie der„Vorwärts" richtig berichtete, waren in den Städti- schen Ga s wer t e n bisher im Arbeiterrat je neun Amsterdam« und neun Kapedisten. Die„Rote Fahne" dagegen erzählt, daß im Arbeiterrat bisher dreizehn Amsterdamer und nur acht Kommu- nisten gewesen seien. Da jetzt zehn Amsterdamer und acht Kommu- nisten in den Arbeiterrat gewählt wurden, was für die Am st er- d a in e r R i ch t u n g den Gewinn eines Mandats bedeutet, und für die KPD. den Verlust eines Mandats, wird aus der Rechnung der „Opposition" sür die Amsterdamer Richtung ein V e r l u st von drei Mandaten und für die KPD. ein Gewinn von drei Mandaten. Die KPD. braucht einen„E r f o l g". Um zu dem gewünschten Resultat zu kommen, hat sie die vier von ihr unlängst ausgeschlossenen bisherigen kommunistischen Vertreter im Arbeiterrat von ihren neun Vertretern abgeschrieben und sie einfach der Amster- damer Richtung zugeschrieben, so daß sie selber noch fünf Vertreter im Arbeiterrat hatte, die Amsterdamer Richtung aber dreizehn. Auf diese Weise biegt sie den verlnst eine» Mandats in.einen Gewinn von drei Mandaten um und macht aus unserem Gewinn eine» Mandats einen Verlust von drei Mandaten. So errechnet sich die KPD.„einen guten Erfolg".. Dieser„Erfolg" wird durch folgende Ausstellung näher beleuchtet: 1928: 10 Kommunisten, 8 Amsterdamer. 1929: 9 Kommunisten, g Amsterdam«. 1930: 8 Kommunisten, 10 Amsterdamer. Im gleichen Verhältnis wie die KPD von zehn auf ackst Mandat« zurückgegangen ist, ist die Amsterdam« Richtung von acht auf zehn Mandate gestiegen. Es gilt dafür zu sorgen, daß die bei allen Betriebsrätewahlen derart„von Erfolg zu Erfolg" schreitet. Traktoren, Traktoren, Traktoren... Wie es in der russischen. Industrie aussieht. Stalin wußte, weshalb er dem„rrrevolutionären" Eifer der Kollektioierungesanatiker durch seinen Alarmartikel„Das Ganze i>at!" gebot. Di« erste Voraussetzung sür den Erfolg von Kollektiv- wirtschaften ist eine ausreichende Zahl von landwirtschaftlichen Maschinen— insbesondere nachdem die Bauern aus Angst vor der Kollektivierung das Arbeitsvieh zu Zehntausenden abgeschlachtet hatten. Wie es aber mit der Produktion der landwirt- schaftlichen Maschinen, in erster Linie der Traktoren, und mit ihrer Reparatur steht, davon erhält man wenigstens eine enlseml« Vorstellung«ms der Sowjetpreise selbst. Nicht umsonst siel Stalins Rückzugssignal mit dem Alarmgeschrei über die Schäd- linge in der Industrie zusammen. Das„Traktorbüro der Haupt- abteilung für Mckslhinenbau" hat nämlich kläglich versagt. Ein Teil der Leiter sitzt bereits in Untersuchungshaft, der andere Teil ist„bereinigt" worden. Wie es in diesem Traktorbüro aussah,«rsährt man aus der„P r a w d a". Anfang vorigen Jahres, so heißt es da, wurde bekanm, daß Ford die Herstellung der Traktorenzubehörteile einschränkt. Der Oberste Wirtschastsrat übernahm es, für die Produktion der Vorrats- teile Sorge zu tragen. Er versicherte, daß die Landwirtschaft zu der Herbstsaatkampagne keinen Mangel an Maschinenteilen leiden würde. Im Oktober vorigen Jahres waren aber nur 50 proz. d« Aufträge«füllt. Als man nach den Ursachen dieses Versagens forschte, ergab es sich, daß die Hauptabteilung für Maschinenbau nicht die geeignetsten Fabriken zur Ausführung des Auftrages gewählt, hatte, sondern die ersten besten. Die Folge davon war, daß zum Beispiel der „Rote Putilowez", eines der größten Metallwerk« Leningrads, die Herstellung von Traktoren einstellen mußte, da dt« erforderlichen Teile nicht geliefert wurden. Hunderte von Telegrammen aus den verschiedensten Fabriken des Landes meldeten di« Ein- stellung der Traktorensabrikation. Auch im Dezember und im Januar wurde es damit nicht besser. Ja, eine von den Fabriken wußte überhaupt nicht, welche.Teile sie herzustellen hatte! Aus dem Zentralorgan der Gewerkschaften„T r u d" vom 14. Februar erfährt man, wie es in den einzelnen Fabriken aus- sieht. Für die Aktiengesellschaft„Landwirtschasiliche Versorgung" sind nur 67 Proz. der bestellten Traktoren abgeliefert worden, 80 Proz. der Pflüge, 11,7 Proz. der Troktorenwögelchen, 40.9 Proz. Vvrratsteile, nicht mehr als 58,6 Proz. der Säemaschinen, 69 Proz. der Eggen und 34 Proz. der Vorratsteile für landwirsschaftliche Ma- schinen. Nicht anders liegen die Dinge in bezug auf die Vorrats- teile bei den übrigen Landwiirtschaftsmaschinentnists: die ukrainischen haben nicht mehr wie 64,9 Proz. hergestellt, di« von Nordkaukasien 43 Proz., die im Ural 12 Proz. Besonders schlimm steht es aber mit" den Vorratsteilen für die Traktore und den Traktorpflügen. So haben die ukrainischen Fabriken und die Fabrik Tremaß nicht mehr als 12 Proz. dieser Teile geliefert: der nordkaukastsche Metalltrust nicht mehr gte 20,8 Proz. usw.: di« Genossenschast der Getreideverbänd« nur 45,8 Proz. Auch die planmäßigen Auflagen in bezug auf di« landwirtschaftlichen Maschinen selbst haben die ver- schiedenen Maschinenfabriken nur In einer Menge von 67 bis 86 Proz. geliefert.- Das alles, sagt die„Irud", bedroht die Fllnfjahressaattompagnc mit den schwersten Gefahren. Was sind die Ursachen für diese Mißstände? Sehen wir uns zum Beispiel die Maschinenfabrik„Der rote Säeinann" an, heißt es weiter. Sie hat nur 40 bis 50 Proz. der planmäßigen Ausiräge entsprochen. In der Hauptsache trifft das Dsfizli di« für die Kollektivwirtschaft bestimmten Säemaschinen. Die Produktion wurde ganz planlos durchgeführt, di« qualifizierten Arbeiter nicht voll beschäftigt: sie waren nicht selten gezwungen, Aushilfearbeiten zu machen. Das technische Personal hat versagt. Einzelne Werke waren mit Teilerzeugnissen überladen, bei den anderen fehlten sie ganz. Es herrscht unglaubliche Un- ordnung. Die Teilerzeugwsse liegen aufgehäuft in den Werkm. Die Arbeitsdisziplin der zeitweiligen Arbeiter ist unter aller Kritik. Aus dem Hof der Fabrik Nr. 1 liegen 4000 Stücke landwirtschaftlicher Maschinen. Zwei Monate hindurch findet man keine Gelegenheit, sie an die Bestell« zu liefern. Auf der Fabrik Nr. 2 liegen unter freiem Himmel fettige Säemaschinen, bei denen bloß einige unbedeutende Teile fehlen. Ein derartiger Zu st and. sagt das Blatt, bildet durchaus keine Ausnahme. Auch in anderen Fabriken sieht es nicht anders aus. Der„..Trud" vom 16. Februar ergänzt dieses traurige Bild. Er stellt fest. daß. während die Fabriken, die landwirtschaftliche Maschinen herstellten, schon im letzten Quartal des vorigen Jahres di« Auflage nicht ausgesührt haben, die Ding« im Januar noch schlimmer lagen. Der Direktor des uralischen Trusts für landwirtschasiliche Maschinen- fcrbriken, I e g o r o w, nannte als ein« der Ursachen, die ungenügende Bessef«ung mit Metallen durch das Metallsyndikal. Statt 8062 Tonnen hätten die Fabriken des Trusts nur 2800 Tonnen erhallen. Im zweiten Quartal sei es noch schlecht« gewesen. In Wirklichkeit soll das aber gar nicht der Fall gewesen sein. Ebensowenig soll aus der Pslügefabrit in Tscheljabinsk das Feh-en des elektrischen Stroms, aus der B otk infch en Fabrik Wasser- mangel und auf der Fabrik der südlichen Kama der Mangel an Transportmittel die Ursach« des Zurückbleibens gewesen sein. Wahr ist aber, daß zum Beispiel die Fabrik„Der uralische Proletarier" Aufträge übernommen hat. die sie nach ihren Verhältnissen über- Haupt nicht ausführen konnte; und die Fabrik Koljutschenko, die im letzten Quartal nur 76 Proz. der Auslage erfüllt hat. mußte wegen fehlender elektrischer Energie 200 Stunden still stehen, das Blaumachen erreicht« hier 12 Proz., der Arbeitslohn hat die Produktivität um 19 Proz. überholt, im Laufe von drei Monaten sind 580 Arbeiter entlassen und 870 neu eingestellt worden. Nicht besser liegen die Dinge auf den Botkin schen Metallwerken. Schädlich wirkt sich-auch der Umstand aus, daß in einem fort die Auslageziffern geändert werden und die Aufträge plötzlich Umstellungen der Arbeitsmethoden erforderlich machen. Dasselbe Blatt bringt ein Telegramm aus Charkow: es trägt die Schlagzeilen:.Leine Vorratstelle"„Nur die Hälfte der kranken Traktoren ist repariert": di« landwirtschaftliche Genossen. schaft hat anstatt für 1300 000 Rubel Lorratsteile, nur für 60 000 Rubel bekommen.' Wie eine Groteske wirkt aber ein Telegramm aus Samara, abgedruckt In d« Sowjetpresse am 2. März. Es lautet: „Die Eisenbahnladungen, die Ersatzteil« sür die berells abgenutzten Teile der Traktoren enthalten sollten, bestehen zu 50 Proz. aus leeren Flaschen. Damenstiefeln und Kinder- fahr rädern." Dos also ist die vielgerühmte sowjetrussisch« Plan- wirts chastl Die Frühjahr-saatkampagn« in Damenstiefeln auf Kinderfahrrädern vermittels leerer Flaschen! Von Hakenkreuzlern niedergeschossen. Nächtliche Schlägereien zwischen Kommunisten und Nazis. In der v«gangenen Rächt kam e» in d« B ü l o w- strafte zwischen Kommunisten und Rational- s o z i a l l st e u zu einer schweren Schlägerei, in d«en verlaus van de» Hakenkreuzlern wieder in reichem Maße von der S ch u ß w a s s e Gebrauch gemocht wurde. Kurz nach Mitternacht stießen an der Ecke Bülow- und Stein metzstraße zwei Kolonnen Kommunisten und Hakenkreuzler in Stärke von je 20 Mann aufeinander. Nach einem kurzen Wortwechsel kam es sogleich zu Tätlichtellen, und mit Schlagringen, Stahlruten usw. hieben die Gegner aufeinander hin. Passanten, die Zeugen der Schlägerei geworden waren, riefen telephomsch das Ueberfall- kommando herb«. Bis zum Erscheinen der Beamten ereignete sich aber noch ein blutiger Zwischenfall. Aus den Reihen der Nationalsozialisten wurden mehrere Schüsse auf die Kommunisten abgegeben. Der 22jährige Arbeiter Adolf Behnert'aus der Schloßstraße in Steglitz wurde von zwei Kugeln getroffen und schwer verletzt. B. fand im Elisabethtrankenhaus in der Lützvw- straße Aufnahm«.— Den Beamten des Ueberfallkommandos gelang es, zehn an der Schlägerei Beteiligte, und zwar vi« Kommunisten und sechs Hakenkreuzler. festzunehmen. Sie wurden ins Polizei- Präsidium gebracht. Im Zusammenhang mll der Röntgentaler Mordassär« wurden gestern abend zwei Verkehrslokale der Nationalsozialisten In der Wichersstraß« und in der Ehodowieckistraße überraschend aus- gehoben. Einer der Nationalsozialisten, der an dem nächtlichen Feuerüberfall in Röntgental beteiligt war, wurde erkannt und sogleich festgenommen. Bei der Waffendurchsuchung wurden ein scharsgeladener Trommelreoolver. eine Selbsttodepistol« sowie zwei Schreckschußpistolen gefunden und beschlagnahmt. Aus Antrag der Staatsanwaltschaft III sind zehn Nationalsozialisten, gegen di« be- kanntlich Hastbefehl erlassen ist. vom Amtsgericht Bernau nach Moabit überführt worden. Vier Klugzeugunfatte in Krankreich. Schwarzer Tag in der französtfchen Lufifahrt. Paris. 12. Mär,. Am Dienstag ereigneten sich nicht weniger als vi« Flug- zeugunsälle in Frankreich und in den Kolonien. In Marseille zerschellte ein Marineflugzeug bei der Landung, wobei d« Pilot, ein Reserveoffizier, den T o d fand) Bei G r e n v b l« stürzte ein Jagdflugzeug brennend ab. Der Pilot wurde mit lebensgefährlichen Brand- wunden aus den rauchenden Trümmern hervorgezogen. In B i z e r t a geriet während eines Uebungsfluges ein Wasser- flugzeug in Brand. Der Pilot konnte noch rechtzeitig auf das Meer niedergehen. S Insassen de» Apparates wurden von Fischersahr- zeugen aufgenommen, während ein sechster unter das sinkende Flugzeug kam und ertrank. Schließlich wird noch bekannt, daß am 11. März ein Flugzeug der indochinesischen Armee, in dem zwei Haupt- leute einen Erkundungoflu� unternahmen, über, chinesischem G?biet abgestürzt ist. Einer der Flleger hat die Grenzwache schriftlich benachrichtigt, daß er mit dem Fallschirm nicd«gehen konnte und leicht verletzt in die Hände von chinesischen Räubern gefallen sei, die ein Lösegeld von ihm oerlangten. Von dem zweiten Flieger- Hauptmann fehlt jede Spur.__ Im Gisenbahniunnel überfahren. Drei Krauen im Tunuel vom Zuge erfaßt. < pari». 12. März. Ein furchtbares Unglück erettte drei Spanierinnen an der französisch-sponischen Grenz«. Die drei Frauen im Alter von 35 bis 40 Iahren hatten in Eerber« in der Nähe von Perpignan Einkäufe gemacht und wollten nach Port Bau zurück- kehren. Um den kürzesten Weg einzuschlagen, wählten sie den internationalen Eisenbahntunnel von B a l i st r e s. In ihrer Begleitung befand sich außerdem der zehnjährige Sohn einer der Frauen. Als sie in einer Biegung des Tunnels an- gekommen waren, bemerkten sie plötzlich in entgegengesetzter Rich- tung den Zug heranbrausen, glaubten aber, daß es sich um einen spanischen Güterzug handle und wollten sich auf dem Nebengleis in Sicherheit bringen. Erst im letzten Augenblick bemerkten sie den Irrtum, doch war der Abstand zu gering, um noch einmal auf die andere Seit« des Tunnels zu gelangen. Der Zug quetschte die drei Frauen zwischen Tunnelwand und den Eisenbahn- w a g e n ein und richtete sie grauenhast zu. Der zehnjährige Knabe blieb wie durch ein Wunder unversehrt. Niederlage der Spalier der Zimmerer. Die 50 Zivilkammer des Landgerichts I Berlin verkündete in öffentlicher Sitzung am 10. Mörz in Sachen Wolgast. Verbands- vorsigender des Zentraloerbandes der Zimmer«, gegen R e p- s ch l ä g e r und die übrigen aus dem Verbände ausgeschlossenen OppofllionÄrwch««in Urteil. Die Beklagten zu 1 bis 11 wurden verurtellt, darin einzuwilligen, daß sowohl die Räume und das Inventar der Zahlstelle Berlin wie auch die Wertpapiere und Gelder an den Verband herausgegeben werden, ferner die beim Amtsgericht hiitt«legten Beträge. Der Beklagte Ihm wurde verurteilt, 1. darein zu willigen, daß das Postscheckamt Berlin die Beträge des Postscheckkontos Berlin Nr. 97 718 an den Kläger auezahlt: 2. an den Kläger 25 000 Reichsmart zuzüglich 2 Proz. Zinsen über den jeweiligen Reichsbankdiskont seit den» Tage der Klage- erhebung zu zahlen Die Unverschämthell der Spalter, Vermögensteile des Ver- bandes und das Gefamtoermögen der Berliner Zahlstelle an sich zu reißen und damit einen kommunistischen Laden auszumachen, ist I damit zurückgewiesen. Hitlertrupps als Prügelgarde. Organisierter Lleberfall auf eine parteiverfammlung. Aus dem Freistaat Oldenburg wird uns geschrieben: Der politisch maskierte Mob, der sich heute unter dem Haken» kveuzbanner fast noch wohler zu fühlen scheint als vorher un.er dem Sowjeistern, versucht mit verstärkter Aktivität das politische Leben auf dem Lande zu terrorisieren. Ein besonders schwerer Fall wird uns aus einem Ort bei D e l m e n h o r st in Oldenburg gemeldet, wo völkische Banden einen planmäßig vorberei- t e t e n und brutal durchgeführten Ueberfall auf eine Parteioersammlung unternahmen, ein Versuch, der � dem Gesindel allerdings dank Reichsbanner und Schupo sehr teuer zu stehen gekommen ist. In der oldenburgischen Gemeinde Ganderkesee hatten die Porteigenossen die Bevölkerung zu einer Kundgebung„Gegen die 1 HGWWW Die Suggestion der Armut. Von Hans Bauer. Umrräläung im tßüro In London ist soeben«ine große Düroausstellung eröffnet worden. Sie bringt zahlreiche höchst bemerkenswerte Neue» rungen auf dem Gebiete der Bürotechnik, unter anderem loben) eine elektrisch betriebene Maschine, die selbsttätig in einer Minute 4l>0 Briefe oersiegelt und frankiert, und(unten) die größte Buchungsmaschine der Welt für Blätter bis zur Größe von S8 X 91,5 Zentimeter. Seuche des Nationalsozialismus!"' aufgerufen, in der der Reichs- tagsabgeordnete Genosse Tempel referierte. Während er sprach, süllte sich der Saal mehr und mehr mit nichtuniformiertm Haken- kreuzlern, teils jungen Bauernburschen und Knechien, überwiegend aber mit„Halbstarken"' und lichtscheuen Elementen, die auf Lastautos von Bremen. Oldenburg und Delmenhorst herangeführt worden waren. Die Gesellschaft stand umer der Führung des Zeichen be- rüchbgten Lütt, der semerzeit der Anführer bei dem Ueberfall in Schweidnitz war und wegen Beschimpfung der Republik bereits zu einer hohen Gefängnisstrafe verurtM werden mußt«. Lütt hatte sein« Kolonnen absolut in der Hand. Wie die Hetzhunde waren sie auf Pfiff und Anruf dressiert. Während der Rede des Genossen Tempel wurde im allgemeinen die Ordnung gewahrt. In der Aussprache leistet« sich dann Lütt maßlose Anpöbeleien, die auf den Ton„Sch'eberrepublik"'.„Gauner- republik*,„Wucherrepublik"' abgestimmt waren. Trotzdem ein« Lüg« der anderen, eine Herausforderung der anderen folgte blieben unsere Genossen auf Aufforderung des Dorsitzenden absolut ruhig. Nach Schluß seiner Hetzrede befahl Lütt ssinen Kumpa- nen, den Saal zu räumen. Nachdem sich die Rowdys am Aus» gang des Saales konzentriert hatten, setzte sich die Gesellschaft, etwa 250 Mann stark, wie auf Kommando in Bewegung und fiel über die überraschte Versammlung her. Allt Zaunlatten. Stöcken, eisernen Garlenstühlen, Ti'chbeinen und jedem erreichbaren Gegenstand wurde in brutalster Form auf da» Reichsbanner eingeschlagen, Stühle und Bierseidel in die Menschenknäuel hineingeschlcudert. Da sich das Reichsbanner selbstverständlich mit aller Energie wehr.« und die Banditen zu den Fenstern hinaueschlug, glich da» Lokal bald einem Trümmerhaufen. Beim Erscheinen der Schupo, die 40 Mann hoch in d«n Saal stürmte und ihre Gummiknüppel rücksichtslos auf das Hakenkreuzgesindel niedersausen ließ, flüchteten die Burschen durch die Fenster ins Frei«. Zwei Schwer- und viele Leichwerletzte blieben zurück. Die Verletzten sind ganz überwiegend Nationalsozialisten. Die anwesenden Landjäger, von denen einer ebenfalls verletzt wurde, bestätigten, daß die hakenkreuzler den Ueberfall ohne jede veranlassung. in ge- schlossever Fronl. durch pfiffe und SA.-Ruse dlrigierl. begannen und durchsührlen. Di« Polizei hat die Personalien von 103 Burschen festgestellt, die einer Bremer Kolonne angehörten. Di« Leute werdm sich wegen vollendeten Landfriedensbruch» zu oerantworten haben. Di« Mechode d«r organisierten Sprengungsverfuche durch Konzentration ortsfremder Stoßtrupps. di« auf Lastautos aus entfernten Städten herbeigeführt werden, um ländlich« Gcg«nden politisch zu terrorist«ren. muß allen Be» Hörden Anlaß zu schärfstem Einschreiten sein. Wetter kür Berlin. Kühl, wechselnd bewvlkt mit«inze'nen leichten Reaensällen.— Für Deulfchiand. Ueberall kühl, im Küsten» gebiet unbeständig, namentlich im Osten leicht« Schauer. ,m Binnen- wnd« wechselnde Bewölkunz. Indien liegt ein bißchen weit, und wir in Deutschland haben, bei allem Willen zu solidarischem Mitgefühl für fremde Röte, doch zuviel mit uns selber zu tun, als daß wir uns allzu ausgiebig um all« Ding« kümmern könnten, die in Asien diskutiert werden. So schwer es aber auch dem Außenstehenden fällt, zu einem hieb- und stich- festen Urteil über all« Einzelsragen und zu einer vernünftigen Be- wertung aller jener Richtungen zu kommen, die in Indien auf dem Plan sind:«in Name hat sich durchgesetzt, und es oerbindet sich ein« ziemlich fest umrissen« Vorstellung mit ihm, der Name Mahatma Gandhi. Gandhi ist für den Boykott der englischen Derwaltungs- körper, Gandhi ist gegen die englische Salzsteuer, Gandhi ist für di« passive Resistenz, Gandhi ist gegen jede offene Gewalt. Gandhi ist noch für und gegen einiges ander«. Aber es ist mcht so sehr sein politisches Programm, dem er in Indien und vor allem außerhalb Indiens jÄnen Namen verdankt, sondern es sind sein« Lebens- Gepflogenheiten und es ist fein Lebenswandel. Beispielsweise ist ja auch in Deutschland das Rollenfach des nationalen Befreiers gut besetzt. Bei uns gehören di« Befreier durchweg den besseren Ständen an. Sie haben in München, Magdeburg oder Berlin luxuriöse Wohnungen, sind im Besitz mehrerer Autos, tragen entweder eine kleidsame Uniform oder einen gutsitzenden Frack, lassen sich bei fest- iichem Schmaus knipsen, und wenn sie nicht selbst vielfache Ausfichts- röte sind, so gehören sie doch dem intimen Freundeskreise dieser bevorzugten Geselljchaftsaufficht an, und das lohnt sich. Hingegen Gandhi... Gandhi trägt«in Bettlerkleid, wohnt in einer Baracke aus rohen Ziegeln, die von einer Leinwand über» spannt ist, begnügt sich mit zweimaliger Kost täglich, die im wesent- lichen aus Reis und Ziegenmilch besteht, Schmuck und Kleinodien besitzt er nicht, und seine Kleidung webt er sich selber. Man könnte einwenden, daß diese Dürftigkeit seines Lebens kein Beweis für die Richtigkeit feiner politischen Ueberzeugung ist, und man könnte weiter einwenden, daß sein Verzicht auf Daseinsfreuden etwas Gesuchtes und Eigenfinniges habe. Tatsächlich lassen sich indische Anschauungen nicht ohne weiteres auf europäische übertragen. So geschmacklos und aujreizend es anmutet, wenn hierzulande gerade die Bestsituierten und Leichtlebigsten immer in vorderster Linie zu finden sind, i~. es gilt, dem Volk Opfer zuzumuten: nicht darauf kommt es an, da� möglichst alle entbehren, sondern daraus, dasür«inzutreten, daß möglichst wenige entbehren müssen. Und trotzdem: nicht nur in Indien, wo die Abwendung von leiblichen Genüssen Wcjens-bestand- teil erfüllter Religionslehre ist, überall, auch im Westen, geht, zwar nicht von der Armut schlechthin, aber von der freiwilligen Armut oder wenigstens von der freiwilligen Einschränkung, ein« tiefe Suggestion aus. Das nationale Wort im Munde eines Konzern- beherrfchers klingt wie ein Fachausdruck, es wird zur technischen Be- Zeichnung, es klingt unwahr und unwahrhafiig, im Munde eines Mannes hingegen, der. wi« Gandhi, schon einmal 21 Tage gefastet hat für sein« Sache, gleichviel ob sinnvoll oder sinnlos, klingt das Won wahrhaftig, und man läßt sich mindestens durch den Kopf gehen, was wohl an ihm sein könnte. Es ist ein glaubwürdiges Wort. Es lebt eine tiefe Neigung in vielen Menschen, und nicht nur in solchen, die in Indien wohnen, sich nicht mit dem unbearbeiteten Opal einer Idee zu begnügen: sie wollen sie im geschliffenen Gefäß einer Menschenfeele seh«n. Das Kreuz kommt einem Argument gleich. Jesus ist ohne den Golgathagang kein Gott mehr. In der Weltgeschichte ist das Einstehen, das Leiden für eine Jd«e, die Aus- gefülltheit mit ihr mindestens ebenso wichtig wie die Idee selber. Tausende, di« sich für eine Sache den Mund verbrennen, leisten n cht so viel, wie ein einziger Mucius Scäoola, der sich für die Sache die Hand verbrannte. Das Maß der Durchdrungenheit des Führers von seiner Idee bedeutet Millionen einen Anhaltspunkt für den Wert dieser Idee— und einen Gradmesser für das Maß der Durchdrungen- heit vermag das Maß des Verzichts auf Lebenskomfort abzugeben. Schwer« Unwetter ziehen sich über Indien zusammen. Der Mann aus der Wohnbaracke bei Ahmedabad, Mahatma Gandhi, „der kleine Bruder der Armen"", Hot den Kampf angesagt. Sein Wort weht über Indien. Sein Gegenspieler ist der Vizekönig. Vielleicht hat er Machtmittel und Ueberlegenheit genug, um mit Gandhi fertig zu werden, aber wird er auch mit der Suggestion tertig werden, die von Gandhis Armut ausgeht? Amüsante Friedhofsszenen. Kammerspiele:.Die liebe Feindin". Der Schauplatz der Komödie von A. P. Antoine ist in allen drei Akten ein Friedhof. Friedhofsszenen sind in der Dramatik ja nichts Neues. Das Originelle an diesem Stück besteht darin, daß es nichts Gespenstisches oder Drückendes an sich hat, sondern das Schicksal auf die leichte Achsel nimmt und unpathetisch und mit Geist und Witz die Bilanz des Lebens zieht. Mitternacht auf dem Kirchhof. Ein Verstorbener sitzt verträumt hoch oben auf seinem Grabstein, ein anderer geht fröhlich zwischen den Grabstellen spazieren. Di« beiden kommen ins Gespräch. Nummer 1 hat sich wegen einer Frau eine Kugel in di« Stirn gejagt. Nummer 2 meint:„das war eine Dummheit, vierzehn Tage später hätten Si« darüber gelacht.'„Aber nein", sagt Nummer 1, ..ich tonnt« ohne sie nicht leben', und erzählt seine traurige Liebes» geschichte. Dies« Erzählung— hübscher Bühneneinsall wird plastisch und geht in die szenenmäßig« Darstellung der berichteten Vorgänge über.„Na also*', erwidert Nummer 2.„es war doch eine Dumm- heit, sich zu erschießen, ich habe nämlich die Frau zwei Monate später geheiratet, und mit mir hat sie es so getrieben", worauf wir zu sehen bekommen, wie sie ihn durch Geld Selbstsucht und un- erhörte Ansprüche zur Verzweiflung und schließlich zum tödlichen Schlagansall bringt. Da erhebt sich aus einem Grab«In dritter Toter. Es ist ihr Geliebter, den sie körperlich zugrunde gerichtet hat. Der dritte Akt spielt ohne die Toten, jahrzehnte später. Die Frau, die di« drei Männer aus dem Gewissen hat, kommt, das Grab chres Mannes zu schmücken Sie hat«ine ganz andere Auf» fassung über ihr« eigene Rolle: sie hält sich für eine Märtyrerin der Liebe. Di« Komödie fällt im letzten Akt ein wenig ab. Sie enthält aber so viele nette Einfälle, lustige Ueberraschungen und anspruchs- los vorgetragene Lebensweisheit, daß man mit Vergnügen an den amüsanten Theaterabend zurückdenkt. So lustig wie das Stück ist die Darstellung unter Gustav Gründgens Regie. Otto Wallburg, Hans Alber», Richard Romanowsti und Mathias Riemann bilden mit Lilly Darwas ein famoses Ensemble. d«r. „Am großen(Strom." Mozartsaal. A. von Dungern hat uns bereits einmal das Tierleben an dem unermeßlichen Amazonenstrom im Bilde vorgeführt. Dieser neue Film aus dem gleichen Gebiete erscheint mehr wie eine Nach» lese. 1500 Kilometer ist die Expedition den Strom hinausgefahren und bringt hier aus einem Seitenarm die Erlebnisse eines Jägers und Fallenstellers, den wir auf seinen Streifzügen begleiten. E« gibt sehr hübsch« Bilder— von Otto Baecker treffsicher aufgenom- men— von allerlei Getier nicht gewohnter Art. Wir erhalten Ein- blick in das Familienleben der Kolibris, schauen den Wespen in ihrem Bau zu, sind Zeugen von Familiendramen der Sllberreiher. Ganz köstlich ist das Tierleben in und um dir Hütt« des Eingeborenen geschildert, es stellt beinah« schon einen kleinen zoologischen Garten dar. E« wird dann«in Ausflug nach einer Hafenstadt am großen Strom selber unternommen. Wieder haben wir Einblick« in das mannigfache Vogelleben am dichtbewaldeten Ufer. Wir wohnen einer Delphinjagd bei, sehen die kolossalen Rinderherden durch die Stepp« jagen und sind Zuschauer bei einem Krokodilmassaker, in dem sich der Mensch als«in« wahre Bestie zeigt. Aber im ganzen ist der Film doch etwas eintönig, wir sind durch die afrikanischen Ttesilme an mehr Abwechslung und Spannung gewähnt voran gingen«in Ku'tursilm au» dem nordischen Wunderland, als welches Lappland mit Recht bezeichnet wird, ein neuer Trickfilm vom Koter Murr und ein Deigensolo von Mischa E I m a n, das im Tonfilm sehr gut herauskam. r. v>« preta'ere von. hau» Coniefl" im SeMn�Tbeater ist auf ffrettoa, 2t. März, verlegt worden. Die bereit» gelösten Karten find umzutauschen. Vorträge. Am Radmen der Humboldt> hochichule lpriidt Brot. Waeholdt. Vienera'direktor der ftaawchen Mn'een. über»Neubauten und Neugestaltung unseier Museen', Sonnabend, ö Uhr, Toiotheenslr. 12. Kapstadt hört Sywphovlekan,«!« au» vresde«. En Symploniekonzeit de» Dreedener TlaaiSoicheste,» tonnt« in Äap' adt fiber den Kurzwellen« icnter Kön>a» drei Akten noch zwei unerlaubte Küsse verhandelt. Mady C h r i st i a n s, Hans Brause- wetter und Willi Forst sind in dies« Affäre verwickelt. Kurz, es ist eine Komödie mit mancher Spleenigkeit und Lang- weiligkeit,«in oft lustig eingefädeltes, ein oft albern plätscherndes Stück. Spielte nicht diese Elite von Künstlern, man würde sich wenig amüsieren. So bombardieren die Prominenten das Parkett. M. H. Wie werde ich ein Hellseher? Gang genau kann ich das Rezept nicht angeben, aber ich glaub«, dem Publifum, das die Absicht hat, auf diesem Gebiet« etwas zu leisten, doch mit einigen nützlichen Hinweisen dienen zu können. Man gehe zu den Experimentalvorträgen des„Graphologen und H«llsehers" Erik Jan Hanusfen, dessen Bekanntschast ich gestern im Beechoven-Saal machte. Man sehe genau zu, wie«r es macht, und oersuche«s ihm nachzutun, dann ist man auf dem besten Wege,«in Hellseher zu werden. Es ist natürlich gut wenn man nebenher aus Oesterreich stammt und Beziehungen zu den anderen Oesterreichern hat. di« die deutsche Presse mit den literarischen Mehlspeisen oersorgen. Auch ist«s gut. ähnlich« Dornamen zu führen, di« dem Publikum suggerieren, man wäre ein Magus aus dem Norden. Bor allem aber muß man die richtig« Suada haben, die jeder Situation gewachsen Ist. Nun aber das Programml Zunächst der einleitende Vortrag. Man tu« sehr geheimms-voll, spreche vom lieben Gott im Mutter- auge und erkläre im nächsten Augenblick, daß alle» natürlich zu- gehe und es jeder aus dem Publikum eigentlich auch könne.(Des- wegen gebe ich hier di« Anleitung.) Da» Publikum glaubt es doch nicht und hält einen für«inen Wundertäter, und geht deshalb auch gern in die wiederholt angekündigten Sprechstunden im Hotel, wo man seine speziellen okkultistischen Bedürfnisse weiter befriedigen kann. Wi« man Stecknadeln wiederfindet, die an d«r Hand ge- führt« Personen im Publikum versteckt haben, ist ein uralter Va- rietttrick, ber mit Telepathie nichts zu tun hat. Auch das Heraus- finden«iner Telephonnummer ist keine große Kunst, wenn man sich vom Medium di« Hand führen läßt. Aber es wirkt immer wieder, da das Publikum solch« Veranstaltungen ja größtenteils aus Leuten besteht, die nicht« sehen und doch glauben. Empsehlenewert ist es auch,«inig« Beispiel« aus der Modekunst der Graphologie zu geben. Wenn man 30 Unterschriften nachmachen kann, von berühmten Leu- tefi versteht sich, deren Namen einem aus dem Publikum zugerufen werden, so gilt man schon als bedeutendes Kirchenlicht. Man kann dann schon dazu übergehen, au- Handfchristen nicht nur Charakter, sondern auch Vergangenheit und Zukunft der betreffenden Person ..intuitionsmäßig" zu prophezeien. Viel dramatischer aber wird die Szene,«enn mar? ssch di« Augen verbinden läßt und nun m Clairvoyance aus ein paar angegebenen Daten Morde, Diebstähle und Todesfälle rekonstruiert und mit lebhafter Phantasie gestaltet. Eine irgendwie genügend« Kontrolle ist dabei nicht möglich, und das Pubiikum ist platt über solche okkulte Kräfte(felbft wenn man sie vorher wohlweislich in Abrede gestellt hat). Es erhöht wesent- lich den Effekt, wenn man bei dieser Prozedur Blut und Wo" schwitzt und mit großen Gesten nicht spart. Die Schreckensnacht von Moiffac. Wie 200 Menschen ertranken. Unser nach dem französischen Ueberschmem- mungsgebiet eulsandler Konderber ichlerstaller schildert hier die tragische Tlach!. in der sich plöhlich die Wassermasjen der Garonne und des Tarn und ihrer Rebensliisse in die Täler. Dörfer und Städte ergossen. In Moissac wurden bis ' jetzt 152 Tote geborgen. atoissor t Südsrankreich), im Mörz.(Eigenbericht.) Seit Tagen hat es geregnet, es gießt, der Schnee auf den fjohen ist geschmolzen, die Bäche schwellen, der Kanal rauscht, der Tarn rauscht, es jagt die Garonne,«s sließt und gießt. Es wird Abend, es wird Nacht. Frühzeitig ist sie«tadt schlosen gegangen und alles Leben auf den Straßen und in den Lokalen erloschen. Keine Katze wagt sich bei dlescni Regen hinaus. Elf Uhr, Mitternacht! Awei junge Burschen kommen hastig von der Eisenbahn, biegen in eine Seitenstraße und sahen plötzlich Wasser oor sich. Toppen hinein, es reicht bis an die Knöchel, hüpfen«rschriKfcn zurück, machen einen Umweg, stehen wieder oor Wasser, diesmal nach mehr, suchen wieder die oorhergehend« Straßenkreuzung, das Wasser ist gestiegen, es schwillt zusehends von Minute zu Minute, das ist schon ein Bach, der sich heranwälzt, aus der unteren Stadt brüllen bereits Kühe, es regnet, es gießt und das Wasser strömt durch die Straßen, es schwillt und schwillt. Kein Lweisel: der Kanal hat nochgegeben, das Wasser ist durchgebrochen. heraus aus den Häusern!" Es gurgelt, die Glocken des St. Peter kämen Sturm. Ein Uhr nachts! Das Wasser läuft bereits in die Haustüren. Do... es geht wie ein Schlag durch alle Körper, die Glühbirnen erlöschen, dunkle, schwarze Nacht in den Häusern und auf den Straßen. Totenstille, nur die Wasser gurgeln! Ein Angstschrei folgt aus tausend Kehlen, das Weh reiht an den Ketten, es brüllt und schlagt wider die Wände, Kinder weinen, Mütter schreien, die Glocken läüten, und das Wasser steigt. Es dringt durch die Ritzen der Haus- türen, es kommt vom Hos durch die Stubentüren, es steht in den Hausgängen, es quirlt und rieselt und fließt in die Zimmer. Der Ochs im Stall hat sich freigemacht, hat die Stalltüre eingedrückt und stößt mit den Hörnern wider das Hoftor. Die Menschen stoßen sich im Dunkel blutig, haschen in Schubläden, Kommoden und Schränken herum, reißen die Säuglinge aus den Wiegen und bringen sie in den ersten Stock. Bringen Habseligkeiten hinauf, Federbetten. den Sonntagsstaat, Schüsseln, und dos Wasser steigt. Bis zum Hals stehen schon Kühe und Pserde im Wosier, die Kaninchen sind er« stsckt und tot, dann und wann springt noch einmal eln« Ziege hoch und versinkt wieder, ein toter Hund wird durchs offene Fenster in die Stube gespült. Aus dem ersten Stock steigen noch einmal die Männer die Treppe herab, waten bis zur Brust durch den See, um die vergessene Taschenuhr zu holen, zu spät, das Wasser wächst schneller, zurück nach oben, der Schmerzensschrei einer Mutter kommt aus der Nachbarschaft und übertönt alles Heulen und Brüllen und Toben: ihr Kind ist ins Wasser gefallen, in der Dunkelheit war es nicht sofort zu haschen, es ist unter die Treppe getrieben, es war nicht zu finden und jetzt, da es wieder angefchwommen kommt, ist es tot!>--•- „Heilige Moria"... Tausende van Kehien schreien und brüllen. Das Vieh ist bereits stumm geworden. Tote Kühe(reiben auf der Straße. Und immer noch gießt es und stnmer höher schwillt die Flut. Draußen schwimmt das Hausgerät. Das Gas erlischt, noch dunkler wird die Nacht. Längst ist jeder Tcleqhonverkehr unl erbrochen, und wild schrett es von der Eisenbahnslrecke her. wo auf dem Damm ein persoaenzug im Wasser steckengeblieben ist. Soldaten kommen mit Nachen, stellen Leitern an, helfen«in- steigen, rudern mit Leibeskräften, daß die Kähne nicht an den Haus- wänden zerschellen, laden die Geborgenen aus, rudern wieder zurück, unaufhörlich, hin und her, her und hin. Und das Wasser steigt. Höber und höher. Am Rande der Stadt reicht es bereits bis zu den Dächern. Dort sitzen die Menschen auf den Dächern, dort ist Hilfe am notwendigsten. Dort, wo es ins freie Land geht, dämmert schon leise der neue Tag und dort erwartet ihn die Familie Besiet, fünfzehn Menschen, die frierend und angstschlotternd aus dem Dach im Regen kauern. Seit zwei Stunden, zweihundert fahren! Die Ziegel bröckeln,«in Mann klatscht ins Wasser: der Schwiegersohn. Die Familie sieht ihn schwimmen und kämpfen» ein Krach, ein Drittel des Daches bricht ab, die Tochter und zwei Enkel sind ins Wasser gefallen, eine zweite Tochter klammert an einer Latte, krach, das Holz hat nachgegeben. Plätschern, Rufen, Schreien, Heulen, Plätschern, Schwiegersohn, zwei Töchter und zwei Enkel versinken und ertrinken,„vor unseren Augen, und wir dürfen uns nicht rühren". Ein. Kanonenschuß! Kommt Hilfe? Ach nein! In der Stadt ist das erste Hans eingestürzt. Für eine Minute ist wieder Toten- stille. Unter den Trümmern rührt sich keine Seele. Dann schreit und weint und heult und bittet und fleht und bettelt es wieder aus allen Fenstern und von allen Dächern. Dorthin sind sie bereits geflüchtet, denn immer noch steigt das Wasser, kommt höher und höher. Drückt die Decken zu den oberen Stockwerken ein, die Wände reißen, die Balken knistern, die Dächer bröckeln, immer mehr Wasser, von unten, von oben, von den Seiten. Mcuiern schwanken, wieder ein Donner, wieder versinkt ein Haus in den Fluten. Es ist Tag geworden, es regnet, es strömt, es gurgelt und fließt, das Wasser stich die Menschen gewöhnt, auch den Frost und die Kälte, und durchnäßt sind sie seit Stunden. Ein größerer Schrecken ist gekommen: die Mauern wanken, die hönser bersten, stürzen zusammen und werden zum Grab. Schneller und schneller rudern die Relier. Da sind zwei junge Burschen, einhundertundscchzehn Menschen, Frauen, Kiicher, Mämrer, haben sie schon aus den Häusern geholt und in Sicherheit gebracht, wieder fahren sie ab, rudern durch die Gassen, hören auf keinen Ruf, weil sie wissen, wo die Hilf« am dringendsten ist, rudern� ein Haus stürzt ein, und dem ältesten der beiden schlägt ein Balken die Wirbelsäule ein. Der Ueberlebende bringt den toten Kameraden zurück. Zwei ander« Burschen haben schwinrmend zwei Mädchen ge- bargen, das Wasser schwemmt die Retter ab, hinaus anfs Feld, die Mutigen halten sich an einem Baum fest, klettern in die Krone und sitzen dort, dreißig Stunden, bis dos Wasser abgezogen ist, denn niemand m der Stadt wußte ihren Aufenthalt. Da drinnen haben sie andere Sorgen und Qualen. Sitzen auf den Dächern, auf stehen- gebliebenen Mauetn, stundenlang, einen Tag, eine Nacht, bis tief in den neuen Tag, bis sie geholt werden können. Da ist wieder ein Haus einge stürzt. Bater, Mutter und zwei Töchter treiben auf den Fluten. Alle vier retten sich auf eine andere Mauer, die Mutter hat eins der Kinder im Arm, dl« Mauer bröckelt ab, Mutter und Kind fallen ins Wasser, treiben ab, ertrinken, und die Uebrig- gebliebenen sitzen, sehen den Todeskampf, schreien und toben und können nicht helfen. Dort ist eben eine andere Mutter ins Wasser gefallen. Sie hat ihr Kind im Arm, rettet sich auf«in« Mauer, die bricht wieder zusammen, sie rudert weiter und kann die dritte Mauer nicht erreichen, sie versinkt, und die später gefundene Tote hat ihr Kind so fest in den Arm gepreßt, daß es ihr die Totenwärter nicht abnehmen können und die Mutter mit dem Kind im Arm in den Sarg legen müssen. Sechkuvddreißia Stunden hat die Nacht von Moijsac gedauert. die gleich der Nacht war von Agen. von Monlauban und von den Dörfern, Städten und Gehöften zwischen Veziers und Bordeaux. 1 Sechsunddreißig Stunden dauerte diese Nacht, in der sie mit dem Wasser und mit dem Tod schreiend und zitternd gerungen haben. Jetzt, da die Wasser fort sind und die Nacht vorüber ist, sind sie stmmn und starr geworden. So irren sie umher zwischen ihren Toten, zwischen den Trümmern ihrer Häuser, die zum Grab ihrer Bvter und Mütter, ihrer Gatten und Kinder geworden sind- Stehen davor und lauschen, ob nicht doch noch ein Lebenszeichen der Der- schütteten hervordringe, ob es wahr ist, ob es zusammengesunken ist, vernichtet, was sie ererbt, erschafft, errungen haben, in Jahr- zehnten, mit Fleiß und Schweiß, mit Mühe und Not, und was versunken ist, vernichtet in dieser bangen Nacht, die länger währte als alle Jahre und Monate und Wochen und Tage ihres Lebens. Irren, suchen, stehen und lauschen, und sind immer noch nicht erwacht von dieser Nacht, Und dort, wo es hell wird in den Sedanten und die Wahrheit dämmert, bei jenen verlassenen Muttern und bei senen von Frau und Kindern allein zurückgelassenen Vätern, dort kommt plötzlich noch einmal«in Schrei, ein Lachen, kalt und scharf wie ein Messer: der Irrsinn, der in das ewige Vergessen treibt. Am Rand« der Straße aber sitzt ein alter neunzigjähriger Greis im Stuhl in der Sonne, klappert mit den Holzschuhen, trom- melt mit den Füßen und lächelt vor sich hin. still und vergnügt, und neben ihm seine Tochter, die den Mann und die beiden einzigen Söhne verloren hat und starr geworden ist. Kommunistisches Theaier. Oie Schuhmacherversammlung soll gesprengt werden. Die KPD. war mit dem Leiter der Berliner Zahlstelle des Zentralverbandes der Schuhmacher, H ö r tz. durchaus zufrieden, so- lange er ihre Parolen befolgte. Weit dies auch Hörtz nur bis zu einer gewissen Grenz« möglich war, ist er bei der KPD. uuten durch. Weil er als Funktionär seines Verbandes nicht dauernd gegen den Verband arbeiten konnte, wird er jetzt beschuldigt,„Lakaiend lensie für die soziolsaschislische Vürokrolte" zu leisten— womit offenbar die Verbandsleitung in Nürnberg gemeint ist. Die„revolutionäre Opposition", die nach der Spaltung der gewerkschaftlichen Organisation der Berliner Schuhmacher eine„tevv. lutianäre Einheit" bildet, will ihre„Einheit" vor der„Zerschlagung" retten. Obwohl sie Hörtz das Recht zur Einberufung einer General» Versammlung abspricht, fordert sie ihre Mitläufer aus, in die heutige Generalversammlung einzudringen, um sie zu sprengen. Die Geister, die Hörtz gerufen hat. wird er nicht wieder los. Wird das Schindludertrciben mit der Berliner Zahlstelle der Schuh- macher auf die Spitze getrieben, dann wird„die sozialsaichistische Bürokratie", der Verbandsvorstand, eingreifen müssen. Die KPD. kann zwar gegen die Gewerkschaften hetzen und chr« Knechte abspalten, sie hat aber über keine Gewerkschaft zu bestimmen. Lohnkampf in Dänemark. *0 000 Arbeiter fordern neues Lohnabkommen. Kopenhagen. 12. März.(Eigenbericht.) Der verband der dänischen ungelernten Ardeiter hak dem Ar- beilgebervcrliand eine Skreikankündiguug für 16 000 Arbeiter, deren Lohnabkommen abgelaufen ist. zugestelli. Der Zeitpunkt des Zokrast- lreleus des Streiks ist noch nicht sestgeseht. Zm ganzen find die Lahuabkommen von 40 000 Mitgliedern des Verbandes gekündigt worden. Mittwoch. 12. März, B e r I( b. 16.00„Die JüUb tob Toledo" von Franz Grillparzer. 17-00 Unt«rhaJtun�sin!?sik. 15 Prof. Dr. Prion: Kapitalüberfrcmdung? 18.20 Ocrdi von Bremen: Szenen ans Sophokles„Antigene". 18-40 Spanisch fflr Anfärger. 19.05 Ob.-Rcg.-Rat Dr. Pelser:„Soziale Wandlungen fcs Cigentomsbegrlft*. 19.30 Min.-Rat Prof. Woldt: Wirtschaftsschnlnng der BeamtcoschaJt. 20.30 Orchesterkoczer*. Vrranttvsrtl.#ür hie Redaktion: Wolfffang Schwer», Berlin: SnZeiae«: Th. Glocke. Berlin Berlaa: Vorwärts Verlag G. m o S.. Berlin Druck: Vorwärts Buch« druckerei und Derlaasanstalt Baul Singer& Co. Berlin SD 68. LinbenllraKe f. Sierzn I Beilage. ( I Theater,\ Lichtspiele usw. � Mit.woch, 12. 3. Staats-Oper Unter d. Linden Tün-Il B. Mi tfo. 7 labres-äl.-?. Ho. C9 20 Uli' la Ttamta Ende n. ZZ'-Uhr Mitrwoch. 12. 3. Stadt. Oper Bismarck Str. Turnus I 19 Uhr Tristan und Isolde Ende 23'? Uhr Staats-Oper to PUti du Hmblik V�rst 43 I9"i Uhr MMm Ende g 2V t Lhr Staat!. Sthaaspti. in Gndimnimirkl St.H. 2 MINq.6 him-lb.-Y. Ho. 61 20 Lhr Eio hesserer Herr Ende x. 22 Uhr dz. des Kaisers Ssldaieu Tägi. S u.»15 Sonnt. 2,5 b 8" A ex. E 4.«OM INTERNAT. VARIETE K» II 8.15 hur/ enir.*281 u GanfflgD erlaubt I I Goldia mit neuen Illaaionea andj Togo das Hon de wand er and H weitere Ncahclicn lägt. 6 u. 81/. Uhr. o 5 CaitL 9256 Pr 1-8 M Wochontg. 5 U. 50 Pf.-3 M. Gastspiel Crl Uhr 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL 3 Soooiao nadun. nngak. oaiho Pr. Oirsktianr Or. Martin 21«»« W»W Komische Oper r eorclisl'.IDt mci kor 1401 433 Nacn vollsründi'em Umbau ragllch S>, Uhr Iiii3!a di Bulla v-hwank von Arnold und ßaen mn Cuido Tnlelsc ar, ciruli Sehr« n, urq, H Irtodrand, Walter ft««. Flink Cfttimsr. Wenau Lus. spielhaus B1« u. I- nednebatr. 236. Bergmann 2921 23. IMe fit sti!«AW Bild. RIcmtfnn— Haack. Vorverkauf in oeldon Häu-ern ao *0 Uhr ununterb'ochen iheaterLd.Belirenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 OtreldiOB Rtlpb Ar.hnr Roberts SV* Uhr .. Vater sein, dagegen sehr Sonntae auch nachm. 4 Uhr(halbe Pro VoiKsbtthne Tteter in BHIovpIitz. 8 Uhr Das Gerfldit Komödie in 14 Bildern v C K Munro negl': K. H. Vailln Staatl. SdiillBr-Ih. » Uhr Des Halsen Soldaten Staatsoper AmPI. d Republil 7>b Uhr Hoffmaons Erzählnngen Widies Wm 0 2 Wtidnknin 5201 ragt.«>* tm Oer Kaisax v.Ame ika von Bernard Shaw tteg-ilax Kei-hard fiammerspleie D 2 Woilutanm 5211 tV* Uhr Die liebe Feindin Kialdii im IL P. Anhiu bpi: Oittif Crtndieu Die Komödie Jl Blsmck.24t4/75ir 8V4 Uhr ote Kreafor Sthiospltl tm Ferl Erüdur Rsoit: ttdi luinbana Barnowsky-Bäkes Theater tn dar KOnigqritier StraDa Tärflich 8'/* Uhr Professor Bernhardi von Urftar Schoitihr Rigii: Tlitv Bimaaiky Kemödi.nhau« Tielich m Uhr Oer Lügner und die nenne von Carl QOQ Kleines Ttieat. Merkur 1624 Täglich 8 05 Uhr madame ha! Ausgang Erik« von Tellmann Paul Hötbher lermann Scha fu .voTStl, raut lessing-Theatsr �elteu�iDiB 2797 O.0845 « ä�ich« Uhr ffära oreyfus von Rejiflsc'.r umf Harzo- Tneai. b. Kaira.Toi Kottb. Str. 6 Tägi. 8 Uhr I ia auchSonnt. inacl.ni.30 Elitesanger. 8 TlClBpiC niatz. Obel Dielend. Klrx-Fragramnu ■ Traulr. Xote 1 täglich 8.15(Sonntag 5.15 undl abends 9 Uhr, a;s Die goldne Meisterin 1 Q roße Aussla tungs- Operette I | mit der Muaik von Edmund| Eyslcr im 1 Rose•Theater] ( Große Frankfurter Straße 13,1 ] Blllettkasse Alex. 3422 und 349(1 (jeden Sonnabend II.» Nacht- | vorstellun l>er as'ci ittr. | Nächsten Sonnabend S Uhr u.| Sonnta; 2 30 Uhr rduecvolltg noi Basenro 'grnrkuf all thatai NM na lt-1 lltu «al m<-3 Utr iVt'!. =»aiea .f.twscli,-«in/ FaraJ len-Vorsienq.« 7. Lirtrtijoj Aiiadpro�ranB ludet ultlea auf alten PUhn na 2.23 ML aal*. DßlDe Te!»« 4Ar r n � tforsfell!'. ch Nur noci. wenige Tage! Direktion Dr. Robert IC�ib Deutsches Künstler-The» Barbarossa 3937 Uhr Sex Apoeal lath». r. Fradiril UatOalo Rrjia; Frnttr Uniu-l 4ID'rt Patsermana Madv CDrlsUafls Berliner Ibeaier Dönhoff 170 8 Lhir Ende lO'te Uhr „Ein-, rwei.dEi" von FranzMolnar mit Mai PalleolKn. Segle: Gast. fatliuiD Vorhir: Souper Recre Heinz Hifpcr. ssomiscstc Oper 1 Friediichstr. 104. Merkur 1401 4330. Vlabendllch 8'r.U Ha Hl Eolla Sdiwa; n-(reo, ono'ad Lostspiaihaus Friedrichsir. 236 Bergmann 2922/23 räalich«are Uhr Liebe auf den zweiten Blick Operettenhans Alte Jakobstr. 30132 (Zentral- Thealer) Täglich Vi, Uhr nie Fledermaus mit Gustav Matznet Preis« I, 2, 9 M. FrianoB-DM It'taoo: Dir. Irnlm Georgenstr. 9 Täglich 8V« Uhr Die Freundin toi Sodermiaa Preise 1.2.3,4 M. berliner Ulk-TriO Nwukölin. W L»tu\T.UinL flieater 0. Wim Täglich Hi,« uhr- Hole! Siadi Lemberg Musik von Gilben Lort Leu* Leo SdafitBendori Rks'dfnz-TiiMtei KOnstl. Leitung Oaslon öricre 'onnahd. lägt. IV« um onnii] 4 Uhr; Eteriike Biod'niik'i. hiibg Pr. PianefariaT» in am Zoo■■ wla- loaik irsoatn tn i 8.S Barbarossa-37 16V« Uhr Der FlIlB- I ErsniguGM 1 V'sUh' HaraMrlrdigc I arne HiBiii o Jarj» 20V« Uhr Unser Mono Eintritt r Mark Kinder 50 PI. Am 10. Märt bersterb plStzlich nuine liebe Mutter Auguste Hornke geh. Holz Im Alter onu 79 Zehre». Zn tiefer Treuer Ernst Hornke. Die CinSfrfienim findet out Feeüep, dem 14 Märu 11 Uhr. im Ärcmo- toemm©eciditftrehe ftotL Metropol-Th. 8V« Uht Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehär. 10 zur Miete WöO.Aashacherstr.l Reichshallen-Theatei Ahends CD sonn«z nadnn. Q SIetilner- sauget � Das herrliche -ZF März-Pionran m TW uöiT.itiaßs taioe Preise: c-önno1*-�1 TS t Dos Forn llcn-Varlc 4. _____„„�Betten Kind erb., Poleter, Cliaieel.. en jeden. 1,«. Kauioc frei. Elzcmmübel'eb u< Suhl(TUur.» e|fii t*W- tivtl u holz( UN 91« nXc£tii esudit Yersiftumn__ eflnen IcMztfen Im Clrcua Carl HAGENBECK Im£?usch-Geb3ude fatfldn»U»«UM«»»» UBaa- Beilage Mittwoch, 12. März 1930 SprÄbmw Z.'Jn„in*Üa AM U�UHLTit Soll Sleff in die Welt hinaus? 3)as Sur und Wider jugendlicher Wanderiahre/ von steinrich stemmer A m Stammtisch. Ich kam, am letzten Sitznngstag einer Gruppe von Kolonial, deutschen, mitten in eine Debatte hinein, die, wie mich dünkt, von allgemeinen, Interesse ist. denn es handelte sich darum, ob, wann und unter welchen Um st än den man einen jungen Burschen in die Welt hinausziehen lassen soll odcrnicht. ,ch5r mal, Willy", sagte mein Gegenüber zu seinem Nachbarn, als ich eintrat,„mein ältester Junge, dey Stesf, ist jetzt 15 Jahre geworden und bleibt totsicher zu Ostern sitzen. Dahabe ich mir gedacht, er soll ein Jahr zur See fahren, wenn er Lust Hot. Wenn ein junger Bursche, der nicht recht vorankommt, seine Rase ein bißchen in die Welt hineingesteckt hat, weih er besser, für welchen Beruf er taugt,- ab er weiter auf der Schulbank sitzen»der etwas Praktisches anpacken soll. Wenn du also jetzt nach Hamburg kommst, guck dich ein wenig um, ob du Stesf als Schiffsjunge unter- bringen kannst... Adolf, eine SDtolls Bier und fünf Zigaretten!" Steffs Dater, der selbst ein paar Ueberseejahre hinter sich hat und sich oft in die weite, freie Welt hinauesehnt, schien voll Zu- verficht für diesen,' nach allgemeinen Begriffen ziemlich gewagten Crziehungsplan. Da schob sich ein pockennarbiges Gesicht vor, und einer, der«imnal ein wildes Seemannslebcn geführt und— nur durch die alkoholfreien Iohre der Gefangenschaft zur Besinnung gekommen— ein neues Leben begonnen hatte, sagte, den jetzt wohl- gescheitelten Kopf" schüttelnd:„Du scheinst nicht zu wissen, mein Lieber, daß chch See den, der sich ihr anvertraut Hot. nicht mehr losläßt." „Und wenn er auch," sagt««in Hellblonder, sehniger, glatt- gcsichtiger Mann, der auch als Schiffsjunge begonnen Halle, bestätigend,„und wenn er auch wiederkommt, so hat er doch alles verschwitzt, was er in der Schul« gelernt hat, das Studium fällt ihm viel schwerer und er fühlt sich fremd unter seinen Kameraden. Wie hälle sich meine Mutter gefreut, wenn ich zu Hause geblieben war«! Sie hätte einen Luftsprung gemacht: macht ich\ ruhig in der Schule sitzen bleiben. Aber ich ließ mich nicht abhalten." Nicht die See. das Seemann sieben! st gefährlich. „Ich war auch so einer, der in die Welt Hinausstchr, ehe«r sich ordentlich die Stiefel wichsen und die Ohren waschen konnte," fuhr der Blond« fort und steckte sich«ine Zigarette für eine länger« Rede an.„Wie rotzzanti.sch...hofte ich mir dos Mattosenlelzcn gedacht, und wie traurig ist es im'Krunde-geiwtzMcn. Ich-war an gute Kost gewöhick: jetzt'gab' es nur Stockfisch,- Stockfischkloße,'gefacht- oder zur Abwechslung mal gebraten, minderwertiges Salzfleisch und abermals Stockfisch. Bon früh bis spät heißt es arbeiten: Deck schrubben, Matrosenlogis reinigen, Teller auswaschen, Messing putzen, Taue teeren, Rost klopfen. Ein Schiffsjunge muß als erster raus und kommt als letzter r«in in die Koje. Er �ist der Prügelknabe für olle. Vom Kapitän bis zum Leichtmatrosen läßt ein jeder seine Wut an ihm aus. Im. übrigen kümmert sich feiner um so einen arm«n Jungen. Er ist sich selbst überlassen und findet wenig Schutz- gegen schlechte Einflüsse, wie sie bei' dem engen Zu- sammenleben unvermeidlich sind. Was man zu Hause hat schätzen und achten gelernt, wird oerlacht und als sentimentaler Quoisch hingestellt. Statt sich.zu finden, verliert man sich, lötzt sich ziellos ron den Ereignissen treiben, lernt frühzeitig mit gemeinen Männern und Weibern verkehren, denen es oft«ine satanische Freude be> reitet, einen unoerdorbÄien Jungen in den Dreck zu ziehen. Von fremden Ländern sieht ein Schisfsjunoe nicht mehr als die ersten .Hosenstraßen.- als dos Laster, dos überoll-gleich ist, als den Ab- schauin,«r lernt frühzeitig sich in Kneipen und Freudenhäusern herumtreiben... GröhersindostdieGefahrendesGroßstadtlebens. „■Halt," unterbrach Steffs Datcr, ein Mann, der so zäh und unbeirrbar ist wie nur je ein Ostpreuße,„ein Jung« von fünfzehn, sechzehn Iahren ist stärker in sich gefestigt als einer von achtzehn, neunzehn, der aus der Schule entlassen wird und glaubt, er müsse jetzt den Mann spielen. Auch das Großstadtpflastcr läßt einen jimgen Menschen, der dampf zu bummeln begonnen, sich Nichtstun und Wohlleben angewöhnt hat und Eindruck auf Frauen zu machen beginnt, so leicht nicht wieder los. Ein junger Bursche soll, ehe diese Gefahren an ihn herantreten, sich eine gewisse Welt- k e n n t n i s erworben und eine Disziplin angeeignet haben, die ihn davor schützen. Seeluft und regelmäßiges Laben kräftigen Leib und Seele. Ein Junge soll frühzeitig in die Welt hinaus, soll in den Jahren, wo es noch Möglich ist. arbeiten lernen, soll seinen Gesichtskreis erweitern und sich eine möglichst breite Grund- läge zur Berusswahl schaffen." „Es ist in Deutschland so," führ der Ostpreuße fort, der mehr und mehr sicheren Boden unter den Füßen fühlte,„die jungen Leute denken erst an einen Beruf, wenn sie sich schon ent- «scheiden müssen. Deswegen enlscheiden sie sich so oft verkehrt Tie Schulzeit und die ganze Erziehung bieten zu wenig Gelegen- hcit, Berufe kennenzulernen. Ost wissen junge Leute nicht recht, was sie anfangen sollen, kommen nicht vorwärts, bleiben kleben: da gibt es nur«in Mittel dagegen: Sie müssen etwas von der Weit sthen, vom Wetthandel, vom Weltverkehr, vom großen internationalen Getriebe, dann werden sse wissen, was sie wollen und woziz st« tgugen. Biel« studieren nur einfach, weil es andere tun, weii das für vornehm gilt. Sic kennen keine anderen Berufe und haben keine Ahnung vom großen Arbeitsfeld der kolonialen Welt. Viele studieren widerwillig und wissen doch nichts B.sseres. Denk einmal nach. Kamerad' woher hast du demi selbst di« Arbeitslust und Viclstrebigleit, die Kraft und Disziplin, dei�e Pläne durchzuführen, woher anders als aus der Seemannszell r Dl« wildenund die zahmen Jungen. „Es kommt letzten Endes alles auf den Charakter an." gab jetzt der blonde Seemann zurück, aus dem ein rechffchoffener Ingenieur geworden ist und der nur noch höchstens auf dem Müggel- see fährt.„Dos See mannsleben ist eine Radikolkur. Entweder ringt man sich durch und wird ein ganzer Maim. oder man ver- kommt vollständig. Ich war ein wilder, abenteuerlustiger, unbän- diger Junge: nur deswegen war für mich die See das Rechte. Ich war zu lebhaft, um zu lernen, das Urwüchsige hat man mir gewalt- sam ausgetrieben. Man hat mich wie ein wildes Pserd g e b ä n- d i g t, und das schadete nichts, weil ich robust gemig war. Aber ein sanftes Tier oder ein sanfter M e n s ch, wie es Stesf ist, werden durch Prügel, durch eine zu harte Schul« nur verdorben. Es wirkt sich dann das Gegenteil aus: statt zahm werden sie zaghaft und feig«. Außerdem ist Stesf nom Innenland, auch das ist ein Nachteil. Die seemännische Bevölkerung ist für Gifte nicht so empfänglich. Atan ist geimpft, sozusagen, von jung auf vorbereitet, hört und sieht allerhand und gewinnt eine geapsse Festigkeit, tue dem Binnen- läirder abgeht. Man ist im Hafenmllieu aufgewachsen, da kann einem schon nicht zuviel passieren. Jedenfalls konnte ich kaum noch richtig deutsch schreiben, als ich, neunzehn Jahr« alt, von einem Dreimaster heruntergeholl und ins Gefangeneillager gesteckt wurde. Dort fing ich on, Buchstaben hintereinander zu fetzen, a a o. b b b, ganze Seiten davon, und schrieb und las und rechnete: ich ging noch einmal zur Schule und habe in den vier Jahren wieder alles nachgeholt. So n st führ« ich wohl immer noch zur See und wäre vielleicht noch nicht mal Steuermanir. Aber selbst Kapitäne Hab« ich sagen hören: wenn sie das Laben von neuem begännen, setzten sie sich auf die Hosen und lernten erst mal was Tüchtiges... Adolf, noch ein« Zigarre." Der Ostpreuße gab nicht bei.„Was bist du groß, wenn du als unerfahrener Mensch ein bißchen Wissen im Kopf hast oder sogar vieles. Laufen nicht junge Leute genug herum, di« den Kopf voll angelernter Ding« haben und nicht wissen, was anzufan- .acn mit dem Leben. Wenn ich von meinem Atelier herunter- komme, sehe ich unten im Lokal ein Schock weltfremder, affiger Studentchen sitzen. Ihre Sprache ist geschraubter als der Gang von Leuten, die auf Zehenspitzen gehen. Ucber Bier und Zigarettendunst lassen sie ihre Geistesblitze leuchten. Teilweise sind sie rüpelhaft. um das mämlliche Element zu betonen, und gleichzeitig sind sie affektiert und unnatürlickz. Besser als das Iüngc-Herren-Gezier« ist ein frischer, kräftiger Bursche, der die Welt geiehen. Er hat sich dos rechte, echte, ehrlich burschikose Wesen angeeignet, das jedermann anspricht und memaltd abstößt, er paßt überoll hin und ganz hinein in die Welt... Adolf, zahlen!" „Adolf, k n i p( en Sic das Radio an!" Steffs Datcr ging nach Haufe, und das Gespräch nahm bald eine andere Wendung: aber meine Gedanken spannen dos Thema noch lange weiter. Es ist weder die See noch ist es das Großstadt» Pflaster, das letzten Endes Gewalt über mich und so manch einen hatte, der sich in der Well herumgeschlagen— es ist der k o l o n i- satorischc Gedanke. Irgendein Anschluß an dos Natur- geschehen, das Elementare der Wclttierbundenhcit. Die Traditionen — mög<«n es nun nationale, gesellschaftliche oder moralische sein— oerlieven in der heutigen Welt der Wirtschaftsrevolution immer mehr an Geltung. Ein junger Mann, der die Zukunft finden will, soll sich nicht zu eng on Traditionen holten, die ihren Sim» zu verlieren beginnen, sondern seinen Blick auf. die Wclt.pifannnenhäng« und das Weltmännisch« im gittcn Sinne richten: den wachsenden, Ent- ferimngen immer mehr überwindenden Verkehr, die international« Verflochtenheit von Kapital, Wirts chait und Handel, kurz jene tausend Fäden, di« sich von Land zu Land spinnen und dos Geschehen im eigenen Lande mehr und mehr zu einem kleinen Teilchen des Welt- gejchchens machen.,. „Adolf, knipsen Sie das Radio an!" &aule und Priime- was Sollen S werden? Fritze und Paule, Arbcllerkindcr ans. bern Osten Berlins, kmmen Ostern ans der Schule. Was sollen sie werden? Sie wissen es noch gar nicht so recht. Natürlich: Wünsch« und Sehnsüchte haben sie beide. Einen großen Hausen sogar. Ein Ent- schloß verdrängt den anderen. Was heute noch als das einzig Richtig« schien, morgen ficht alles wieder ganz anders aus. Ja. was wollen sie werden? Wie oft auf dem Nachhauseweg von der Schul«, nachnZittags beim Spiel, haben sie darüber debattiert, die beiden Freunde! Fritze ist krästrg, ein wenig derb, gerade heraus. einer, der überall zupackt: Paul« ist zarter, sensibler und weicher in seinem ganzen Wesen. Was sollen sie werden? Wir haben eines ihrer letzten Gespräche ausnotiert. Vielleicht, daß es auch andere interessiert und nicht nur sie selbst. Paule: Is doch jcheen, nich mehr in de Schule jehn— un alle Tage di« Schularbeetcn! Fritze: Meenste, die acht. Stunden Arbeet wern uns nachh.-r jeschen't? Wceßt dock,, bei de Lehrjungs sehts immer länger, det weeß ich von mein Bruder Iustav. Und jloobstc, dein Mrester is besser wie de Lehrer? Paule: Kommt druff an, wat eener wird. Fritze: Na wat meenst'n? Am besten Schofför, da steht nich immerzu der Meester dabei, und mit de Nuckelpinne so durch Berlin slitzen und wenn man Schwein hat als Privatschassör in een sein Villenbetrieb rinzukomm, Mensch, det macht Spaß! Paule: Hast woll nich in de Zeitung jelescn, det da ooch nich ville zu holen is, setz kann schon jeder Auto fahren. Hast dach jeselicn bcin letzten Streik, kcemr hat wat van jemcrkt! Fritze: Na, wenn det nijcht is, denn würde mir Frisör ooch Spaß machen. Det is so mehr wat seineret. Ich weeß bloß nich. ob ick det mit meine Flossen machen kann, aber vielleicht doch. Ick jeh nächste Woche zun Berufsberater, der wird ma schon det Richtje sagen. Paule: Nee, nee, ick weeß nich. Wat meenst zu Zeichner oder Dekoretör in so n stoßet Ieschäst, wecht doch, so int Warenhaus oder so. Immer dufte in Schale. Fritze: Oller Jenießer! Is ja janz schön, aber da mußte ooch zeichen könn— du bei deine Viere! Wat sochttn dein« Mutta dazu? Paule: Mutta is«t ejaft wenn ick bloß bald wat vadienc. Mit det bißlen, wet die kricht, det reicht nich hin un nich her und wat die schon von die janze Lernerei weeß, die kann ma ooch vischt sagen. Fritz«: Wa je denn neulich nich uffn Elternabend, wo der Berufsberater...' Paule: Bleib mir mit dein' olln Beruieberoter... Fritze: Det wa aba doch janz schaen. Mein Bato hat Lau- klötzer jeslaunt, wat der all« erzählt hat. Paule: Kiek mal, mein« Mutta is immer so Müde von de Arbeet und uffn Posten is sc ooch nich, und da kraucht se am liebsten imma früh int Bttte und bekümmert sich um nijcht. D!« meent, ick"bin jroß jenuch und ick wer schon wissn, wat for mir det Beste is. Fritze: Siehst«, ta is meine Mutta nu wieder janz anders. Die jeht immer uffn Ellernamd und nächste Woche jehn wo dein Berufsberater.' Paule: Weeßt«, sck mächt am liebsten mitkomm, valleicht is et doch wat! F r ttz-'e': Nä-jewiß/ kornm: man inll.-Schaden kannt bestimmt. nifcht, der versteht det doch!'- Dep. wird dir: det schon erklär,,- mit de Lehre und so! Paul«: Na denn is jut. Ick komm mit meine Mutta mit. Denn muß se eben mal Zeit Hain. Fritz«: Ehrenwort?!— Wicdasehn!--- Paule! Bajeß nich! Elterna den dl Berufsberatung! fflämchen hatte Antnort an Irnu Weier. Sehr geehrt« Frau Meier! Der kleine Durchbrenner Hot ganz recht, wenn er sich für. die Aufnahmeprüfung in die Sexta be-donlt. Diese Prüfung ist in der Tot eine Bersündigunganden Kinde r n. Und was noch- her folgt, ist auch nichts Besseres: die armen Sextaner lassen täglich fünf Stunden in der Schick« sitzen und zu Haufe auch noch einmal «in bis zwei Stunden bei den Schularbeiten. Dieser Kampf mit lateinischen oder englischen Vokabeln und Uebersetzungen, mll deut- scheu Aufsätzen, mit knifflichen Rechenaufgaben u>?d anderer Schul- weishell— dieser Kamps geht neun Jahr« hindurch! Daß durch solche närrische Behandlung unsere Kinder, und zwar nicht nur die Knaben, sondern heute auch die Mädchen, ganz und gar verdorben werden, das müßt« jeder einsehen und würde auch jeder einsehen, wenn n i ch t d>« Berechtigungen wären! Keiner will, daß fem Kind Handwerker oder gar einfacher Arbeiter' wird. Die Stellung ist nicht geachtet, der Verdienst ist schiecht, vor allem unsicher. Wieviel besser hat es der Beamte, der mit maschinenmäßiger Pünktlichkeit sein Gehalt bekommt,»he er die Arbeit getan hat! Zu den allermeisten Beamtenposten führt aber der Weg durch die höher« Schicke mit ihren Sprachen und ihrer Mathematik, also muß der Sohn, womöglich auch die Tollster, die höhere Schule besuchen.— so denken leider gar zu viele Eltern. Wie�soll es besser werden? Im großen nur,„wenn wir die Handarbeit wieder zu Ehren bringen, und zwar nicht bloß in der Theorie, sondern auch in der Praxis, wenn wir es für ebenso «hreiwoll halten, Holz zu hobo!» und Eisen zu schneiden, wie als Kassierer einer Bank Geld zu zählen, bei einem Notar Papier zu beschreiben. Unterschriften zu erteilen, in der technischen Hochs' u?« zu rech-nen, kurz irgendein« jener Arbeiten zu rerrichicn. die man so stolz Kopsarbeit nennt." Das sind Worte von Tolstoi. Man muß nbch hinzufügen; auch die Sicher hell ron Arbeit und Per- dienst bei körperlicher oder geistiger Arbeit darf nicht so verschieden bleiben wie st« setzt noch ist. AI«r damit ist Ihnen, verehrte Frau Meier, und auch der F.au Miesemann' noch nicht geHolsen, urd so will ich Ihnen beiden noch einen Rat geben. In solchem Falle, wenn der gesunde Widerwille des Kindes gegen die Lernerei der höheren Schul« gar zu groß ist. dann sollten die Eltern dem Knaben keine Gewalt antun sondern ihn auf der Volksschule belassen und ftöter zu einem Handwerker m die Lehr« geben. Wenn er tückstig und geschickt ist. wird er schon sein Glück rrackzen. Krisen in der Iibusirie wird es auch künftig geben, aber unser junger Freund, wenn er so rege und anstellig bleibt, wird sich von ihnen nicht unterkriegen lassen und es weiter bringen als mancher studierte Mann! Prof. Dr. G. Junge (17. Fortsetzung.) RenS Deprieux fragt« Ieann«: „Wieviel Spinnerinnen gibt es wohl noch?" Ieanne Wavclet freute sich, daß sie von Dingen sprechen konnte, bei denen sie nicht erröten mutzte, und sie antwortete: „Nicht viel: nur ein paar Alte, die Jungen setzen sich nicht mehr an das Spinnrad. Das ist eine Arbeit für Großmütter. Bei dieser Arbeit mutz man ein weißes Häubchen tragen. Vor dem Krieg ver- dienten die Arbeiter zehn Sous täglich, heute bekommen sie vier Franken. Es wäre sehr schade, wenn dies Handwert ausstürbe. Ich sind«, datz nicht das einzig Wichtig« auf der West die reichen und mächtigen Dinge sind, die kräftigen Garne und Gewebe: ebewso .wichtig finde ich die hübschen Dinge." ★ Sie traten bei Rosaste Wexsten ein. Di« satz bei zurückgezogener Gardine am Spinnrad. „Laßt Euch nicht in Eurer Arbeit stören", sagte Ieann, Waoelet, „Wir wollen nur einmal zusehen, wie schön Ihr spinnen könnt." Die alle Frau mit dem gelben, runzeligen Gesicht kicherte leise: sie setzte ihre eiserne Brille fester auf und rückte ihr weißes Häubchen zureclst. „Alle sehen wir gern zu. Herr Etsans ist auch hier gewesen. Ich sage zu jedem: Ich bin«ine aste Frau: ihr müßt euch an junge Mädchen halten: aber junge Spinnerinnen findet man nirgends mehr Bor vierzig Iahren— da war ich hübsch. Aber heute seh«n meine Augen mir noch schlecht." Ihr rechter Futz wippte auf dein Trittbrett: ihre leichten Hände schienen beflügelt zu sein. Sie lächelte wie ein junges Mädchen: ihr« Augen leu ästeten vor Vergnügen inmitten der tiefen Runzeln Sie sagte: „Die kleinen Mädchen wollen nicht mehr von der Puppe spinnen." Puppe nannte sie den Spinnrocken, auf dem die Linne, von einem blauen Band umwunden, den Kopf des Spinnrades bildet«. „Die Mädchen haben unrecht. Man ist immer sauber und sitzt mit dem Rücken am Feuer. Man braucht im Winter bei Regen- weiter nicht heraus und schmutzige Fabrikarbcit machen. Vor fünfzig Jahren spannen alle Frauen bei uns im Dorf. Heute sind es nur noch zehn." Die Ahnen Ieanne Wavelcts, der stolzen und seinen Fabrik- besitzcrtochter, hatten im Dorf dasselbe Handwerk ausgeübt wie Rosalie Wexsten. Als ihr Borrat aufgesponnen war. kämmt« die Alte von neuem aus und sagte, was sie dafür bezahlle: «Fünf Frank fünfzig das Bund. Herr Massi» verkauft ihn uns. Wir bringen chn als Garn zurück." Sie entfernte die kurzen Enden mit einer Bürste, die rund wie ein Weihwedel war. Vom vielen Gebrauch waren die Borsten— harte, in einen Tuchballen gesteckte Schwanzhaare— stark abgenutzt. Die Spinnerin sagte, solche Bürsten gäbe es jetzt nicht mehr. Es fehle diesem alten Beruf heutzutage überhaupt an dem nötigen Handwerkszeug. Die alten Handwerker, die sich darauf verstanden. stürben aus.» Renä Deprieux bewunderte die altfränkische Art dieser Arbeil. Diese alte Frau verkörperte die ganze Fabrik: Mit ihrer schwarz- haarigen Bürste die Kämmerei und mit ihren mit Speichel ge- feuchteten Fingern die Spinnerei mit Sprühverfahren. Die Er- finder der Spinnmaschinen hatten nur das Prinzip ausgebaut, das im Spinnrad schon da war. Nachdem Rosalie die Linne tüchtig gestriegelt hatte, befestigte sie sie am Spinnrocken: aber anstatt sich selbst zum Spinnen hin- zusetzen, lud sie Ieanne Wavelet dazu ein: „Sie können ebensogut spinnen wie ich, Sie wollen es nur nicht sagen. Sie schämen sich doch nicht unseres Handwerts vor diesem schönen Herrn?" Ieanne setzte sich an das Spinnrad. Durch chre weißen Hände mtt den Grübchen darin glitt der Faden, der die Farbe ihrer Haare hatte „Man könnte glauben, sie kämmt sich", sagte die Alte. Noch niemals hatte Renä Deprieux— Gebieter über zwanzig- tansend Spindeln— das Spinnen in solch lieblicher Gestalt gesehen. In der Gewißheit, daß Ieanne ihr« schönen Angm nicht zu ihm aufschlagen würde, betrachtet« er sie hingebend. Jode ihrer Be- wegungen war schön. Als sie sich wieder erhob, sagte sie: „Ich arbeite schiecht. Man wird es merken. Ich hätte meinen Faden nicht auf eure Spule bringen dürfen." Die Alt« lächest« und schmeichelte: „Wer sich hierüber beklagt, der ist ein Nörgler. Ich bin stolz, datz mein Faden mit Ihrem auf einer Spule ist. Ich war nicht >o sorgsam, als°ch noch ein schönes funges Mädchen war wie Sie. Wenn mich ein lunger Mann ansah, sah ich ihn wieder an und spann schlecht. Für Sie existiert nur der Faden. Sie lieben den Flachs: unseren alten Flachs." Das Surren des Rades klang wie der Flug eines Insekts. In den fünfzig Iahren, seit die Alte am Spinnrad saß. hatte dieselbe Uhr ihr gegenüber mit demselben kupfernen Pendel die Zeit gezählt. Der Buchsbaumzweig am Kruzifix und der Mistelzweig am Tür- rahinen segneten die Frau, die dem Kult der heiligen Pflanz« ergeben war und dem Gott, der am Kreuz gestorben war. Sie nahm«in Stück Kandiszucker in den Mund, um den Speiä elflutz anzuregen. Dann klagte sie wieder, daß sie alt würde: „Ich schasse nur noch achthundert Meter täglich statt taufend, ober ich bin trotzdem zufrieden: mir gelingt immer noch der feinste Faden. Fragen Sie Herrn Massin." * Dieser Mas sin kaufte den betten Flachs in Hasnon auf und ver- kauft« ihn dann wieder an die Spinnerinnen. Cr war stolz, wenn er sein« War« zeigen konnte. Er zog aus den Schubladen eines alten Eickenschrankes Garnbündel. Das gröbste konnte er mit der Hand umspannen, wenn er die Finger spreizte: daä feinste ging in die geschlossene Faust. Em großes Kreuz hing in seinem Zimmer. Herr Masstn war mitztrauisch: er beantwortete Deprieux' Fragen nur zögernd. Zwei recht oerlchiedene Unternehmer standen sich gegenüber. Der ein« gab sich mit einer Arbeit ab. die mechanisch nicht möglich war und menschlicher Hände bedurfte: der andere arbeitet« mit vierhundert Die Fertigstellung handgesponnenen Garne» war für die großen Spmnereibesitzer eine Richtschnur, die sich in den flämischen Dörfern verlor Herr Massin betrachtete die Maschine als etwas Widerliches, Boshaftes.. Er maß seinen Der- dienst an der Zahl der Spinnräder, die er in Gang setzte. Er rühmt« seine Ware: „Wir mesien die Pakete nicht zu achtunddreißigtausendneun- hundert Metern wie die Fabriten. Wir wiegen nach Unzen. Die Maschinenspinnerei in Courtrai verarbeitet zwar den schönen Flachs von Courtrai: aber ihr feinster ist für uns noch zu grob. Rur drei Leute können uns beliefern Sie wohnen olle drei in Hasnon: Haus an Haus Die rösten und brechen den Flachs selbst mit dem Schwingstock. Sic ziehen Drahtnitter, damit ihn der Wind nicht unüegt. Geknickte Stengel sind für uns wertlos Man wählt die männlichen Pflanzen aus, die sich nicht gabeln. Die mechanischen Spinnereien brauchen die ganze belgische und russische Ebene. Für unsere Handspinnerei genügen zwei Hektar Erde. Sehen Sie diesen berrlichen Faden! Hier ist ein gebleichtes Stück: es wiegt vier- hundert Gramm, ist zwewnddreißig Meter lang und achtzig Zenti- meter breit. Da« ist Ware: knüllt überhaupt nicht. Wenn man den Stoff in der Hand knautscht, glättet er sich von selbst wie ein« Sprungfeder. Je öfter er gewaschen wird, desto glänzender wird er. In zwei Schränken verwahre ich meinen ganzen Vorrat, Garn und Leinwand: für siebenhunderttausend Franken Ware: auf dem Rücken kann ich sie wegtragen. Früher spann man im ganzen Land mtt der Hand: es gab ebensoviel Spinnräder wie Frauen. Im ganzen Hause hier standen Schränke mit Fächern zum Unterbringen der War«. Die mechanische Spinnerei hat uns nach und nach die groben Nummern weg- genommen: und jetzi, nach achtzig Iahren, ist nur noch dies Zimmer voll Garn und Leinwand. Aber wir haben noch dreihundert Nummern Abstand vom Maschinengarn. Der Direktor Herrn Wavelets kann meine Leinwand auf seinen Webstühlen nicht her- stellen. Uebrigens ein Mann, den ich sehr schätze. Kaum hatte er seinen Posten angetreten, da hat er sich auch einen Platz in der Kirche gemietet. In unserem Berus mutz man ein gläubiger Christ sein. Die Arbeiterzüge schleppen uns das Personal weg in die Berg- werke. Rur noch in den Dörfern ohne Bahnstation wird mit der Hand gesponnen. Ich schenke den Frauen Spinnräder. Dreihundert sind nötig, um hundert Webstühle zu oersorgen. (Fortsetzung folgt.) eBuch Wenfcfi und WelL Verlrand Russell: Mensch und Welt. Grundrih der Philo- sophie. Deutsch von Dr. Kurt Greiling.(Drei-Masten-Berlag, München 1930.) Das Buch behandelt im großen und ganzen da», was in seinem Titel angedeutet ist: die ganzen Ausstrahlungen des Problems, wie wir mit unserem Sinnen eine Welt erfassen können, von der diese Sinne selbst nur ein Teil sind. Es ist im allgemeinen in einer durch- aus gemeinverständlichen Sprache geschrieben, und es enthält neben biswellen recht kühnen Behauptungen vielfach Bemerkungen, die vielleicht auf den„gelehrten" Leser platt wirken, und doch nur jenem typisch englischen„Comtnonsense"'(gesunden Menschenoerstand) entspringen, der über aller Gelehrtheit thront. Datz freilich den Bersasser auch beim Aufbau des Gesamt- blldes seiner Philosophie derselbe gesunde Menschenverstand geleitet hat, kann man schon mit weniger großer Bestimmtheit behaupten. Das Buch ist in vier große Abschnitte eingeteilt. Zuerst wird der Mensch von autzen betrachtet. In diesem Teil seiner Philo- sophie folgt Russell noch eine weite Strecke den Ansichten der omeri- konischen„Behaviorisien"(Verhaltensphilosophen, die die Existenz einer besonderen Seele leugnen und glauben, daß man das mensch» liche Verhallen nur von außen an seinen Bewegungen studieren müsie und könne.) Später jedoch weist Russell diesen Amerikanern nach, daß chre Philosophie mit ihrer Leugnung der inneren Wahr- nehmung unzulänglich ist. Leider kann sich aber Russell von dem Einflutz dieser objektioistisch-empiristischen Philosophie so wenig frei- machen, daß der dritte Tell seines Werkes, der den Menschen von innen betrachtet, im Grunde genau so äußerlich bleibt wie der erste. Diese Tatsach« ist vielleicht auf die mangelnde Unter- scheidung von Seele und Geist zurückzuführen. Dazwischen wird in einem zwellen Teil die physikalische Welt nach dem helttigen Stand« der chcoretischen Physik einer Kritik unterzogen, und dieser Abschnitt ist wohl der g e l u n g« n st e des ganzen Buches. Es wird gezeigt, wie an Stelle der Materie in einer dreidimensionalen Welt ein« ununterbrochene Kette von Ereignissen in einer vier- dimensionalcn Welt getreten ist, und wie wir an Stelle der Kraft nur noch von verschiedenen Kausalgesetzen sprechen können. Am Ende wird dann im vierten Teil die Welt und insbesondere die Stellung des Menschen im Universum betrachtet. Hier findet sich also eine Zusammensasiung des Ganzen. Auf der letzten Seite des Buches wird mtt der Behauptung, wir brauchten nur unser eigenes Gefühl zu berücksichtigen, um fest- zustellen, was an sich gut ist, die alte Lehre von der objektiven Gegebenhett der Werturtelle wieder aufgetischt. Es gäbe im mensch- lichen Leben Elemente die..an und für sich wertvoll" sind. Doch wird es dem iritischen Leser nicht verwehrt sein, diese Werturtelle mit Freud für Bersucbe der Menschen zu holten,„ihre Illusionen mit Argumenten zu stützen". Swalä Böhm. Rätsel'Ecke des„Abend". cuiininiii(iiiiiniiiiinniuiHnntnimininironuinniinimiiniiiiinuiHniiini(unuiiuiiuiuiuijmoinoHUiMinHiuiuiiiniinuiinini!iii!iimiuiinntTiini)miniihimiiiiii:niiiHiiniiiai Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Mädchenname: 4. Singstimme: 6. Besatz: 10. Dünger: 12. gebräuchlich« Abkürzung für Rezept: 14. Fluß in Italien: 15. sehr all: 16. Kurs: 17 europäisch« Großstadt: 21. I Ij-es- zei.: 22. Naturersch>nung: 23. Ze'tmeiser— Senkrecht: 2. La- teinisch„und": 2. Körperglied: 4 Baumt'il: 5. sran öäscher Artikel: 7. Tierprodukt: 8. Doppelkonsonant: 9. tter sch« Rachkommensch.'st: 11. Fahrzeug: 13. gebräuchliche Abkürzung eines deutschen Lan'.es: 19. wie 2. senkrecht: 20. nicht alt; 21. Fragewort.* ITT Kiourenrät et. Die Buchstaben»acäeeeee cetlgggiiiiklllnnoo orrrrrrssssuz sind in nebenstehende Fi ur so einzuordnen, daß die waagerechten Reihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. alkoholisches Getränt: 2. Blume: 3. Stadt in Oesterreich: 4. altes Län- genmäß: 5 Papiermoß: 6. Stacheltier: 7- Zahl: 8. Reinigungsmittel: 9 Turn- gerät: 10. Teil des Auges: Mittelste I I■ senkrechte Reihe: Rom« eines preu-> I' ßischen Ministers. kr. LH ITT m m m UJ m Siltenrälfel. Aus den Silben o a an be der but da den di bor dres« ei flug ge gi nn he ke lci li lo lu me na nach nek ni o o pe pe ra ral ran re re rei ri se se se schu si ta tar ter ter ti the thyst u usue zeug sind 20 Wörter folgender Bedeutung zu bilden: 1. Halb- edelstein: 2. Berg in der Schweiz: 3. Rahrungcmittal: 4. Stadt üi Thüringen: 5.� Bienenzucht: 6. mannt. Borname: 7. russischer Gebirgszug: 8. Göttertrank: 9. Stadl in Sachsen: 10. russischer Fluß: 11. Halbmesser: 12. Südfrucht: 13. Elsentömgin: 14. modernes Verkehrsmittel: 15. moderne Fußbekleidung: 16. Blume: 17. Säuge- tier: 18. Vergrößerungsglas: 19. Hausgerät: 20. weibl. Vorname— Die Anfangebuchstaben, von oben nach unten gelesen, nennen eine alle, aber noch unerfüllte Forderung der Arbeiterschaft.»d. Das verdorbene Leibgericht. Das Wort mit b briet heut die Frau: Der Ehmann schmunzelt—„ei, schau, schau" Und biß hinein, doch ach herrjeh, Das schmeckte zäh. wie', Wort mit d.»t. D er Rösselsprünge. Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben aaoaaaeeeeeehhhiiillll mnnooorrssttttttuuuw sind 14 Wörter von je drei Buchstaben zu b lden, deren Anfangsbuchstaben aneinande.ge- reiht den Namen eines verstorbenen deutschen Staa.smannes er- geben.— Die Wörter bedeuten: 1. Meeressäugetier: 2. türkis er Vorname: 3. Münz«: 4. Getränk: 5. Hckher Priester: 6.«u opi'sche Hauptstadt: 7. Vorschlag: 8. Stammvater 9. Handlung: 10. K.p'- bedeckung: 11. Schuhputzmi telmark«: 12. schlecht« Lebensl i,e: 13. nordischer Gott: 14. Nachtvogel.— kr.— Gleichklang. Ich hebe Kisten und Tonnen empor Und blühe in Floras Dlütenflor. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) kr. Auflösung der Rässel aus voriaer Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Gas. 4. Dom: 7. Amor: 9. Kanu: 10. um: 11. Ära: 12. Ar: 13 Eid: 15. Pen: 17. bar: 19. Alp: 21. Po: 22. Ocl; 23. Ei: 25 Odem: 27. Mors: 29. Lee: 30. Bus.— Senkreckt: 1 Gau: 2 Amme, 3(o; 4. Da-, *. Onan: 6. Mur: 8. Rad: 9 Kap: 14. Ida: 16. Aal: 17. Bo�e: 18. Rom; 19. Alm: 20. Peru: 21. Pol: 24 iß- 26. ee: 28 Ob. Kombiniertes F ü l l r ä t sel: 1. Einstellung: 2. W:irt- schenk«: 3 Steinsetzer: 4. Per« nsfest: 5. Schweinsohr: 6. Ostsceinscl: 7. Dermaleinst:.8. Hunderteins. Silbenrätsel: 1. Zrtysch: 2. Motette: 3. W'berel: 4 Eremik: 5. 3�on: 6. Rondo: 7. Inder: 8. Samoa; 9 Tu"nel: 10. Wiesel: 11. Alfooe; 12. Hehleret: 13. Refraktion.— Im Wein ist Wahrheit nur allein. Ergänzungerätsel: Das Wort„Haus". P e r» r ä t j e l: Braun. Schweig— Braunschweig. Buchstabenrätsel: 1. Sur- 2.'Ur: 3. Rum: 4. lob: 5, ttva; 6. Ida: 7. Sem; 8. Rot; S. Emu; 10. Rom.— Kurt Eisner. Sportliches Allerlei In 6« kommunistischen Press« nxriwn m der letzten Z«st di« Behauptungen aufgestellt, bei den bundestr«uen Fußballern ginge «s immer mehr zurück. Hierbei scheint der Wunsch der Voter des Gedankens zu fein. Wie verhält sich der angediich« Rückgang der Bundestreuen nun in Wirklichkeit? Auf dem letzten Spartentag im Dezember 1923 mustert« die Bewegung im 1. Kreis(Berlin-Bran- denburg) 56 Vereine mit ungefähr 120 Mannschaften. Seit dieser Zeit, also in knapp 3 Monaten, wurden 16 Vereine mit 21 Männer- und 3 Jugendmannschaften neu aufgenommen. Den .Einheitsfünglingen" in der Landsberger Straß«, ist es wohl ge- lungen, in Brandenburg a. d. Havel«inen eigenen Laden aufzu- ziehen, mit Einheit hat das allerdings nichts zu tun. Dagegen ver- loren sie auch ihr« letzte Stütze im Bezirk Luckenwald«: der einzige oppositionelle Derein«Stern 24" schloß sich ebenfalls den Bundestreuen an. Denselben Weg gingen Sparta- Nauen und Wusterhausen. Die Verein«, die erneut den Weg zum Bund gefunden haben, sind: Wilmersdorf, Kagel, Freiemvalde, Wansdorf, Lychen, Neuenhagen, Grebs, Alt-Ranft. Niemegk, Storkow, Alt- glietzen, Oderberg, Sparta Nauen, Wusterhausen. Stern 24 und Freie Scholle. Der Bezirk Neukölln der FTGB., der Arbeiter-Sport- verein Neukölln sowie„Proles", Verein für Körperkultur, beabsichtigen in Kürze ebenfalls Fußballmannschaften ins Leben zu rufen. Wenn di« bundestreu« Fußballbewegung westerhin so«zu- rückgeht", dann kann sie wohl zufrieden sein. Schulschwimmen im Prenzlauer Berj* Das Schwimmfest der Berliner Schulen, das alljährlich im Lunabad stattfand, ist leider den Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen. Die Schwimmgemeinde der Schulen des Prenzlauer Bergs Hot es sich trotzdem nicht nehmen lassen, unter erheblichen finanziellen Opfern wenigstens ihr Schwimmfest im Stadtbad Oderberger Straße durchzuführen. Fröhliches Stimmengewirr der jugendlichen Kämpfer scholl aus Umkleidezellen und von der Start- wand her, und tausend Augenpaare hingen an den Körpern der'M Wasser Kämpsenden. Nach dem üblichen Anschwimmen gewann das Stilschwimmen der Mädchen die Wanderpreisträgerin des Vorjahres, die 95. Schule, in bewundernswürdiger Weife. Di« Schulbrust- staffel sah auch die beiden weltlichen Schulen<162. und 197.) mit in vorderster Reihe. Im Stllschwimmen der Knaben mußte sich die aufstrebende Mannschaft der 162.(weltlichen) Schule zwar dem Titelanwärter des Vorjahres(15. Schule) beugen: aber in der Staffel nahmen di«.svanziger" glänzende Rache. Nachdem die 15. Schule noch im modernen Crawlstil ihre Staffel nach Hause geschwommen hatte, zeigte die 162. in dem methodisch geschickt aus- gebauten Springen, daß es nicht auf die Heranzüchtung von Kanonen, sondern auf die gleichmäßige Durchbildung aller jüngsten Volksgenossen ankommt. Alles in allem: Ein Werbenachmittag, der viele Eltern zu begeisterten Anhängern des Schulschwimmcns gemacht haben wird. Oer DWV. wädisil Auf einer am 8. und 9. März in Naumburg an der Saale stattgefunden«« Tagung mehrerer Wassersportoerbände wurde von dem„Süddeutschen Ruderverband' und dem„Verband mitteldeutscher Rudervereine� der Beschluß gefaßt, mit dem seit März 1928 bc» stehenden„Deutschen Wassers portverband" zusammenzugehen. Da di« diesjährigen Sportprogramme bereits feststehen, werden sie noch in dieser Saison von den einzelnen Verbänden durchgeführt. Der „Deutsche Wasserfportverbarid" stellt ein« Vereinigung der Wasser- sportverein« dar, di« sich zur republikanischen Staatsform bekennen. Die Farben des Verbandes sind die Reichsfarben Schwarz- Rot- Gold. Durch den Zusammenschluß der vorgenannten Verbände ist ein Sportverband geschaffen, der sich über weite Teile des Reiches erstreckt und mit dem auch in fporllicher Hinsicht in Zukunft ernstlich zu rechnen sein dürste. Pin VoIKssfest der Naturfreunde Die Naturfreunde und das Reisebüro der Naturfreund« laden alle Gesinnungsfreunde und Reiseteilnehmer zu ihrem Volksfest «in, das am 29. März im Saalbau Alpendorf. Inoalidenftr. 63, stattfindet. Es soll ein Volksfest im wahrsten Sinn« des Wortes werden. All«, die sich auf ihren Reifen und Fahrten im Soinmer sehen und kennengelernt haben, sollen sich hier wielertreffen. Zehn original-boyerische Schuhplattlerpoare zeigen ihre Künste, ein Fest- zug, wie er bei der bayerischen Kirmes stattfindet, wird aufgezogen, berühmte Künstler und Artisten geben ihr Bestes, fahrende Sänger sorgen für die nötige Stimmung, eine große Wander- und Reise- schau mit Schaubuden und ein Festumzug werden das Volksfest in wirksamer Weise beleben. Und der Kern: damit es ein wirkliches Volksfest werde, ist jeder Beteiligter an der Kirmes, und nicht nur Zuschauer, deswegen muß sich jeder dementsprechend kleiden, sei es als Duo oder Madl, Seppl oder Sennerin, Holzfäller, Knecht overl Obermiesbacherin. Und nun: notiert den 29. März: Saalbau „Alpendorf", Inoalidenftr. 63. Eintrittskarten a 1,25 M. sind zu haben in der Geschästsstelle, Iohannisstr. 15: bei Rich. Waller, Reukölln, Siegfriedstr. 55(Laden): und bei Willy Stiller, Driefener Straße 23. Nebenbei: zwei Kapellen sorgen für die nötige ländliche Stimmung. Genagelte Schuhe werden erst Im Sommer wieder an- gezogen: im März darsst mit Tanzschuhen kommen! Betrifft: Kldmer-Vorfrag! Sonnabend, 22. März, 20 Uhr, findet im Plenarsaal des Reichs- tags ein Lichtbildervortrag des Tibetforschers Dr. Wilhelm F i l ch n e r über feine letzte Reife statt. Das große Interesse, daß die Reife des Forschers gesunden hat, vercknlaßte den Reichsausschuß für sozialistische ViUmngsarbeit einen Vortrag vor den Berliner Ar- beiterorganisationen znstandezubringen. Die Arbeitersportkartelle und Vereine werden gebeten, für die Interessenten beim Reichs- ausschuß für sozialistische Büdungearbell, Verlin SW. 68. Linden- straße 3. die Karten, die zu d«m niedrigen Preise von 50 Pf. zu haben sind, abzufordern. Geschäftsführender Ausschuß. I. A.: Robert Oehlschläger. Arbeiterschach in Fürsfenwalde Die Werbeveranstaltung des Fürstenwalder Vereins nahm einen guten Verlauf. Es spalten die Vereine Küstrin, Frankfurt a. d. O., Luckenwalde und Fllrstenwalde kombiniert gegen �Berlin, das den Wettkampf an 25 Brettern mit 15: 10 gewann. Außcrdein fand ?in« Simulianoorstellung des Berliner Meister« Hans Karg« an 16 Brettern statt, wobei er 12 gewann, 2 remis machte und 2 verlor. — Die Abteilung Pankow der Freien Arbeiterschachvereinigung veranstallet heute Dienstag, 20 Uhr, im Spiellokol Berliner Ecke Prinz-Heinrich-Straß« einen Werbeabend. DoÄrag über Endspiel. Wer führt wen? Die Dauerfahrer und ihre Schrittmacher Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem Beginn der R a d r e n n f a i f o n aus offenen Bahnen. Da dürfte es inter- «fsieren, welche Schrittmacher sich die Dauerfahrer im neuen Jahre als Kampfgenossen auserwählt haben. Bon den Größen des Ze» ments fährt Waller Sa wall wieder hinter dem Franzosen Ernest Pasquier und Erich Möller hinter dem Amerikaner Carman, während Paul K r e w c r sich di« Dienst« des einstigen Meister- fchrittmacher» Werner Krüger gesichert hat, nachdem Krüger von seinem Posten als Hausherr der Berliner Olympiabohn und der Breslauer Sportstätten Grüneich« und Iahrhunderthall« zurückge- treten ist. Emil Lewanow ist zu seiner allen Liebe Walter Meichsner zurückgekehrt. Fritz Bauer hat sich mit dem früheren R«nnsahr-r Otto Przyrembel zusammengetan und Lothar E h m e r will es noch einmal auf dem Steherrad hinter Hörtrich versuchen. Zwei der be- kanntesten Fahrer haben das Renntritot mit der Lederjacke ver- tauscht, nämlich Allmeister Karl Saldow mit dem Frankfurter Ludwig Schäfer an der Roll« und Jean R o s« l l e n, der den Braunschweiger Willi Jürgens führen wird. Franz De de- richs fährt hinter Willi Heßssch, Herman Hille hinter Schade- brodt, Richard Junghanns hinter Darthel, Kurt Schindler hinter Nachlmann, Mid�ael Da m« r ow hinter Bajorath, der Dresdener Alfred Schmidt hinter Waller Hetzlich, fein Lands- mann Kurt Einsiedel hinter Jahn, Willi Ehr, st mann hinter Franzmann, die Hannoveraner Wißbröcker und Meyer hinter F. Hoffmonn bzw. P. Schmidts' Hans Corpus hinter dem Stettiner Töpfer, Walter Cap hinter E. Meinhold sen., der Breslauer Er- hard Lohofs hinter A. Meinhold jun. Weiter sei auf folgende Verbindungen hingewiesen: Martin Steger(Schulz). Heinz B ö t t g e n(Arthur Böttgen), B« r g« r- Leipzig(Eilenberger), Erx leben(Hartwig). Willi Huppert(Huppert sen.), Walter Saal- Erfurt(Rosenlöcher), Pla th- Düsseldorf(Winter). Auch zahlreiche ausländische Fahrer bedienen sich deut- scher Führung. Der Belgier Emile Thollembeek wird sich wieder hinter Walter Gedamke zurechtlegen, sein Landsmann Mau- ric« D e w o l f fährt wahrscheinlich wieder mit Geppert und der nicht minder bekannt« belgische Sechstagefahrer Garßens will es erstmalig aus dem Steherrad hinter Hugo Müller versuchen. Gustav Witt ig wird den jungen Schweizer Hans Gi'gen führen, der Kölner Schrittmacher Wenzel steht in Diensten des Franzosen I u b y. und Schubert wird den Holländer S n o e k ins Schlepp- tau nehmen. Mit Spannung darf man den ersten Start des ja- panischen Rennfahrers Kawamuro entgegensehen, von dem es h-itzt. daß ex sehr gute Anlagen besitzen soll. Den Asiaten hat sich Humann gesichert, der mit ihm wahrscheinlich am 6. April auf der Rütt-Arena zum ersten Male herauskommen wird. * Die Rütt-Arena eröffnet! Di« Berliner Radsportsaison auf offenen Bahnen wird bereits am Sonntag. 23. März, durch di« populär« Rütt-Arena mit einem recht interessanten Programm eröffnet, in dessen Mittelpunkt die Direktton ein Dauerrennen der »kommenden Männer' gestellt hat. das hoffentlich neue Talent« ans Tageslicht fördert. Einer dieser hoffnungsvollen jungen Nachwuchs- fteher ist der Frankfurter Schäfer, der zum ersten Male in der Reichshauptstadt startet. Bei dieser Gelegenheit gibt auch der vier- malige deutsch« Stehermeister Karl Saldow sein Debüt als Schrstt- machet- und zwar mit seinem ständigen Schützling Schäfer-Frank- furt. Fliegerrennen für Berufsfahrer, für die an Preifen di« Summ« von 1000 Mark ausgefetzt find sowie Amateurrennen umrahmen die drei Steherweitbewerbe, die über insgesamt 75 Kilo- meter führen. Die Abwicke'ung der Rennen liegt auch in diesem Jahre in den Händen von Waller Äütt. Artisten zeigen sich— Der Wedding rult die Jugend! Am Sonntag, 16. März, veranstaltet der Krastturnverein„Hofs- imng 1858' und der Kraftturnverein„Sparta' ein« große Sport- v e r a n.st a l t u n g im großen Saal der„Neuen Welt', Hasen- heil«. Jeder, der schon einmal einen Artistenwettstreit besucht hat, weiß, was Arbelterartiften leisten können. Man wird die besten Nummern der bundestreuen Arbeiterathleten von Berlin zu sehen bekommen. Außerdem kommen vier Herausfordenmgskämps« im Ringen zur Durchführung, in denen ebenfalls best« Berliner Klassen starten werden. Da» Programm wird gestellt von Hoffnung 88, Sparta, Att-Wedving 83, Einigkeit-Reukölln, Einigkeit 26, Lichten- berg-Friedrichsfetde und Freie Sportvereinigung Tegel 99. Anfang 17� Uhr. Noch der Vorstellung Tanz. * Das Arbciierfportkartell im Bezirk W e d d i n g veranstaltet Donnerstag. 13. März, Illsh Uhr, einen Iugendwerbeabend ! in der Schulaula Grünthaler Str. 5 mit folgendem Programm: Musik, Prolog, Volkstänze und Chorgesang, ausgeführt vom Touristenverein„Die Naturfreunde": Ansprache des Krcisjugend- obmann» Hamacher: Bodengymnaftik der FTGB.-Wedding: Trocken- schwimmen beim Arbeiierschwimmvcrein Hellas: Artistik und ein Schauboxkampf, ausgeführt vom Sportklub All-Weiding 83. An- schließend läuft der Film der arbeitenden Jugend„Rote Jugend auf roter Erve'. Die arbeitende Jugend vom Wedding ist herzlichst ein-- ! geladen. Unkostenbeitrag 20 Pf. Am Sonntag: Dirt-Track! Di« Eröffnung der Berliner Dirt-Track-Bahn im Innen» räum der Olympiaradrennbahn findet endgültig am 16. März statt. An einer Dcrstärkung der Ascheouflage, die bei der Pressebestchtigung noch nicht stark genug war, wird mit Hochdruck georb-ttet, so daß damit zu rechnen ist, daß die Bahn Mitte der Woche den Fahrern zum Training offensteht. Für den ersten Renntag wurden bisher verpflichtet: Der deutsche Meister Franz Heck, der in Hamburg bestens hervorgetretene DKW.-Fahrer N ßc m e ck. Es schweben noch Verhandlungen rmt Fritz Riß: ferner ist bei mit zu rechnen, daß aus Dänemark die bekannten Dirt-Track-Fahrer Gebrüder Bitfch kommen. Um jedoch dem ersten Renntag gleich zu einem vollen Erfolg zu ver- helfen, stehen die Veranstalter noch mit den englischen Fahrern der Cxtraklasse, Platz' und Nobby Key, der bei drei Költter Renutagen sieben Siege herausfahren konnte, in Verbindung. Die Freie Sport- und Alusitvercinigung Berlin, Mitglied des Arbestor-Turn- und Sportbundes, richtet jetzt auch eine Bläser- a b t e i l» n g und«ine Mandolinengruppe ein. Trommler und Pfeifer können jederzeit eintreten. Uebungelokäl..Sporthaus", Dirckfenstraße 1, an der Iannowitzbrücke, Anmeldungen dort oder rn der Geschäftsstelle: Robert Oeblfchläger, Berlin N. 65, Na.zareth- kirchstr. 46, Fernsprecher 11. 6 Webding 2977. Der deutsche Amateurschwergewichtsmeister Waller Reusel, Boebinn, der als Amateur die-Landesmeisterschaft 1929/30 errang, ist ins Berufslager übergetreten. Neue Bücher vom Werden einer neuen Kultur: Ausaaden der Arbeiter- Kullur« und Sportorganisationen von Paul Franken.— Wie die geschickt zusammengestellte Titelphotomontage verrät, nimmt der 'sozialdemokratische Landtagsabgeordnele Franken Bezug auf die großen Feste und Feiern der Arbeiterschaft. Kurz die geschichtlich« Entwicklung der Arbeiterorganisation streifend, geht der Verfasser darauf ein, wie sich Wesen und Art unserer Feiern wesentlich ge- ändert haben. Heute, wo die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen ein« nicht hinwcgzuleugnende Bedeutung erlangt haben,' müssen auch die Feste der Arbeiterschaft eine besondere Note haben. Der Verfasser weift auf den augenblicklichen Stand der Arbeiter-Kulturbewegung hin und erwähnt hierbei alle Zweigs und Möglichkeiten bis zum Büchereiwessn und Film und Funk. In der Schaffung und Gestaltung einer neuen Festkultur ist uns vor allem unsere Jugend willkommener Helfer. Gelingt es, alle Mög- lichkeilen bei Festen und Feiern geschickt auszunützen, wird auch die Arbetterschaft mit ihren riesigen Organisationen aufs neue beweisen, daß ihren imposanten Veranstaltungen eine innere Idee zugrunde liegt. Alle Funktionäre mit diesen Gedankengängen ver- traut zu machen, wird das kleine treffliche Büchlein sein erhebliches Teil beitragen. Di« Laubfche Verlagsbuchhandlung bringt das 88 Seiten umfassende und mit illustriertem Umschlag versehene Buch in sauberer Herstellung zum Preise von 1,50 M. heraus. Auch die Dietz-Buchhandlung, Lindenstratze 2, Hütt das Wertchen zum Ori- ginalpreise vorrätig.___— i— ffttlc SoItbootfßSKt Brrlin.?vnn»r«ta«. 13. Marz. 20 Uhr. Vereins- abend im Lackeschr» Löf. osenthaler Vir. 41. Vortra» der Sportiirzt.n Dr. Beramann Uber:„Die grau im Siuvi". Belanntaabx der Conniaasladrien. Gäste willkommen. Wichtige Funk.onärsisiung Mona», 17. März, 20 Uhr. im Lokal„Sur Lindl". Uferstr. 13. Berliner gnbballklvb„Vorwär«' w«dd!»a. Donnerstag, 13. März, fällt die Iugendsidung au«, alle Jugendlichen mtlfscn den Iugendwerbeabend in der Echulaula Erün haler Str. d besuchen. Beginn ISU Uhr. Unloitcnbeitrag 20 Vf. Nach ediluft Brkannigabe der Spiele am Sonntag. Zugendsihun» Donnerstag. 20. März, ist- Uhr. im Jugendheim Se«. Ecke Turnier Elrahe. Jugendliche werden noch aufgenommen. . Kartell für Ardriterlport und llörperollegc. Bezirk Wcodiug. Jugend. werbladend Donnerstag. 13. März, 19Vi Uhr, in der Schulaula Grünthaler Straße d. All» miwirkenden Vereine Müllen eine Vierelllunde vorher an- wrfend fein, desgleichen auch das Propaganda- und Ausftellungsmatcrial. Vereine oder Abteilungen rechnen ihre Biller» an der Nasse ab. gTEB., grauerausfchub. Leute, Mittwoch, 1914 Uhr, Sihun« in der Schule Weinmeiflerssralle. Frei« Rudercrve' e.uioung 1013. Freitag. 14. März, 20 Uhr, Sitzung im ..ffalisnfteiner". ssalkenfteinfir. 40. Bafllnrudern icdcn Montag von 10 bis 22 Uhr in der Budcranlog« de» Sicalgmnnastume Treplmv, Neue Nrug- alle« 14— IS. Tadeabend jeden Dienstag um 18>-> Uhr im Stadtoad Ganghgicr- strafte. In der Zrauen.. Jugend- und Männeradtcilung werden Mitglicder aufgenommen. Anschrif': Kran. Madsack. Berlin 91. 81, Swinemünder Slr 90. Zreie Sport- und Musiioereinigung Berlin. Freitag, 14., 21., 23. März. 20 Uhr, stets Uobungsfi-indc mit Instrumente. Di« grc.e Sport, und Mussl- rcrelnigung ist brauttragt, zum otädtcweltkampf„Wien— Berlin" dcim Auf- marich zu svielen. Sa ist daher di« Pflicht jedes Mitgliedes, pünktlich in der Uebungsstuiid« zu erscheinen. Säst« sind willkommen. hebeln als Sport Bei den Arbeiterkeglern wird auf firengste Sporizuchf ge« halten. Die Bahnen werden wie Turnhallen behandelt. Alkoholmittbrauch bt ausgeschlossen % Der Streit um den Finanzausgleich Preußen wahrt das Interesse des Reichs.— Gegen ungerechte Begünstigung kleiner Länder. Das Preußische Staatsministerium hat im Reichsrat zu- gleich mit der Wiederholung des Antrages auf Aufhebung des§ 3 5 des Finanzausgleichsgesetzes eine ausführ- liche Begründung dieser Forderung gegeben. Wegen der innerpolitischen Bedeutung dieses Fragenkomplexes wird diese Begründung veröffentlicht. Sie lautet: „Die SonberüfrerincisungeH des Reiches an einzelne Länder be- trugen im Jahre 1926 zusammen 22,7 Millionen: sie sind im Noch- tragsetat 1929 auf rund10l)Millionen Mark gestiegen und Hoden die Tendenz zu weiterer Steigerung. Die Sonder- Überweisungen fegen sich zusammen, einmal aus Ueberweisungen auf Grund des§ 35 des Finanzairsgleichsgefetzes(zur Z«> t rund 40 Millionen Mar f), sodann auf Grund oon Sonden'iber- meisungen als Abgeltung für frühere Lierstenerrcservat- rechte(zur Zeit rund 60 Millionen Mark). Diese unter- scheiden sich von den zuerst genannte» Ueberweisungen dadurch, daß sie auf vertraglicher Abmachung beruhen und daher unter ollen Umständen zu zahlen sind. Die endgültige Regelung der Auf- wertung der vertragsmäßigen Ansprüche steht noch aus, sie kommt hier nicht weiter in Frage. Anders liegen die Hdinge dagegen hinsichtlich des§ 35 des FKianzausgleichsgesttzes. Die überaus schwierige Finanzloge des Reiches macht es zur Rokwendigkeit, diese aus der Inflationszeit stammende nur unter den damaligen Verhältnissen berechtigte Bestimmung nunmehr zn beseitigen, zumal dieser Paragraph bei der ersten Regelung des Finanz aus- gleich.? nach Ablauf der Inflationszeit notorisch lediglich durch ein Per sehen in die heutige Geseszgebung hinüber- gelangte. Der in dem§ 35 zum Ausdruck kommende Gedanke eines' Ausgleichs zwischen steuerschwächeren und steuerstärkeren Gebiets- teilen ist ein grundsätzlich n n i t a r i s ch e r. Er ist sogar als einer der wesentlichen Lorzüge eines unitarijch aufgebauten Staats- wesens zu betrachten. Dagegen steht er mit dem Wesen eines f ö d e r a l i st i s ch aufgebauten Staatswesens in Widerspruch. Denn zu dessen Wesen gehört schon logisch, daß jedes Glied des Bundes zum mindesten für sich lebensfähig und zu den gemeinsamen Kosten entsprechend beizu- tragen in der Lage ist. Dagegen ist ein Bund, wo fast die eine chälkte der Mitglieder von der anderen oder oon dem Bunde selbst subventioniert werden muß, um selbständig leben zu können, ein logischer Widerspruch. Der 8 35 bedeutet auch eine Unbilligkeit gegenüber den nicht- bevorrechtigten Ländern. Denn, wenn es dem Namen nach auch das Reich ist, das die An- teste ergänzt, so ist es in Wirklichkeit doch die Steuer kraft der übrigen Länder, zur Aest 10 zugunsten von 7, die diese Leistung aufzubringen hat und die Unbilligkeit wird um so größer, wenn bei einen» Teile der mit chrer Steuerkraft herangezogenen Länder(wie z. B. bei Preußen, Sachsen und den ch a n s e- städten) es nach Lage der Dinge überhaupt ausgeschlossen ist, jemals an dem Vorteil des Z 35 betestigt zu werdei». Die Unbilligkeit wird weiter gesteigert, wenn es den bevor- rechtiglen Ländern dank dieser Sonderüberweisungen möglich ist. ihre eigenen Steuern niedriger zu halten, als dies in den . uichtdevorrechtigten Ländern der Fall ist, ja, sogar ihre eigenen Steuern, wie es in den lehlen Tagen noch bei einem Lande geschehen ist. herabzusehen. Laravs»rüsten sich für die zahlenden Länder unerträgliche Kons» quenzen ergeben. Die jetzig« Fastung des§ 35 hat endlich zur Folg«, daß das Reich bei einer Reihe oon Ländern seinen ge» samten Anteil von 25 Proz. an der Einkommen» und Körperschaftssteuer zur Verfügung zu stellen hat. (Zu diesen Ländern gehört Bayern nicht. D. Red.) Dies bc, deutet, daß diese Länder aus den beiden wichtigsten und ent- wicklungsfähigsten, auf der Leistungsfähigkeit beruhenden Steuern zu der Reparationslast des Reiches überhaupt nichts mehr beitragen. Es ist aber zu fordern, daß jedes Land als Glied des Reiches einen, wenn auch geringen Detrag, nach Maßgabe seiner steuerlichen Leistungsfähigkeit zu den Reparation�« lasten des Reiches beizutragen hat, und dies»rm so mehr in dem Augenblick, wo das Reich im Begrisf ist, ein« endgültige Lösung für seine Reparationsverpslichtungen einzugehen, die bis an die äußerste Grenze des für das Reich Tragbaren geht. Zttcht einmal die eigenen verwalluugs-, Veranlagungs- und Er- hebungskosten werden dem Reiche bei einer Anzahl von Ländern erseht. bei denen das Reich vielmehr völlig umsonst die Steuern einzieht und den ganzen Betrag ohne Abzug der Unkosten dem Lande aus- zahlt.(Hierzu gehört Bayern nicht. D. Red.) Daß der§ 35 bei dieser Sachlage nicht bestehen bleiben kann. kann ernsthast nicht bezweisell werden. Es erschein» daher aus sinanz- und staatspolllischen Gründen geboten, den doch unaus- bleiblichen Schritt alsbald zu tun." Hierzu schreibt der Amtliche Preußische Prestedienst: Der preußische Antrag, bei der bevorstehenden Verlängerung des Finanzausgleichsgesetzes den§ 35 aufzuheben, charakterisiert sich lediglich als Fortsetzung des Abbaues dieses Para- graphen, der bereits im Jahre 1927 gelegentlich der letzten Verhandlungen des Finanzausgleichs durch eine Initiative des Reichstags eingeleitet worden ist. Daß der§ 35 unter diesen Umständen auf die Dauer nicht be- stehen bleiben konnte, galt bisher als allgememe Ansicht ob- sektio denkender Polstiker. �(Befchäfts-Jinseiger* (Qezitk füden-lVefien. 3AUHDTTE BERLIN Q M B H Sebrilder Bllx klusanoeuladNU nuö Bepara nr-Werlutatteii »Nr prudiereunasdilnen Buoriraate der Setmellpressenfaürlk König 4 Bauer l.-G. für«oniagen und Reparaturen Berlin SW. 61, Belle- Alllance'Strafte 92 Tel. t F. S, Bergmann 4091— Nachtmf Bflrwald 0656 ECB ER blutfördernd— n» macht gesund und froh— Hermann HussacH TapetengroBhandiung. Neuhöiin, Berliner Str. 27 Neue Muster 1 930 von 25 Pfennig an II 97 BERUN SW 48/ WILHELMSTRASSE 106 TELEFON: ZENTRUM 3205-3207/3284 lohannW.Albers Q. m. b. H. in- und ausländische Fruchte Engros— Import »'! Berlin C25, Panoramasfr. 2 tl I'T-: Tel. 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