BERLIN Sonnerstag 13. Marz 1930 10 Pf. Nr. �22 B61 42. Jahrgang Trschetottöglich außer Sonntag«. Zugleich Abeudaukgab« de«.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgaben ssPf. pro Woche. s.snM. rrv Monat. Redaktion und Erpedition i Berlin SW 68. LindenKr.S Snieigenoret«: Die einspaltige Nonpareilleiekl« so Pf.. Reklameieile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m.b.H� Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Oönboff 2SS bis 2g? Hmdenburg hat unterzeichnet und begründet seine Llnterschrist. Reichspräsident von Hindenbura hat heute das den Boung-Plan enthaltende Gesetz über die Haager 5lonfrcnz 1S2S 30 und die damit in Verbindung stehenden Gesetze ausgefertigt und ihre V e r» k ü n d u n g im Rcichsgcsetzblatt veranlaßt. Den Gesetzentwurf zur Regelung von Fragen des Teiles des Vcrsaillcr Vertrages, welcher das dcutsch-polnische Liquidationsabkom- men enthält, hat der Herr Reichspräsident noch nicht vollzogen, sondern in Ausübung der ihm nach Artikel 70 der Rcichsverfassung obliegenden Pflicht zur Prüfung des verfassungsmäßigen Zustande- kommcns der Gesetze einstweilen zurückgestellt. Der Herr Reichspräsident hat sich wegen einer eingehen- den Prüfung der Frage, ob dieses Gesetz verfassungs- ändernden lsharakter hat. mit dem Herrn Reichs- kanzler und den beteiligten Rcichsminiftern in Ber- bindung gesetzt. Die Beschlüsse des Reichsrots. Der Reichsrat nahm am Tonnerstag früh mit 42 gegen die 3 Stimmen von Thüringen, Ostpreußen. Brandenburg und Pommern bei Stimmenthaltung von Bayern. Sachsen und Mecklenburg-Schwerin die �)oung-Gesctze zur llenntnis. ohne Einspruch zu erheben. Beim Polenabkommen geschah dasselbe mit 33 gegen die 10 Stimmen von Thüringen. Mecklenburg- Schwerin. Ostpreußen, Brandenburg. Pommern, Grenz- riark Posen. Westpreußen, Oberschlesien. Schleswig- »Holstein und Rheinprovinz» bei Stimmenthaltung von Bayern, Sachsen, Oldenburg. Bremen und Niederschlesien. Tie Dringlichkeit der Poung-Gesetze wurde mit 42 gegen die 3 Stimmen von Thüringen, Ostpreußen, Bran- denburg und Pommern bei Stimmenthaltung von Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Schwerin beschlossen. Der Preußische Ministerialdirektor Brecht schilderte als Be- richterstatter di« Beschlüsse des Reichstags. Mit 283 gegen 173 Stimmen sei die Dringlichkeit beschlossen. Diese größer« Mehrheit gegenüber den vorangegangenen erkläre sich aus der Erwägung, daß man gegen ein Gesetz sein kann, aber nachdem es beschlossen ist, die sofortige Berkllndung für notwendig hält, um nicht durch ein« Bolksabstimmung neue Unruhen in das Land zu bringen. Der Vertreter Thüringens beantragt« Einspruch gegen die Beschlüsse des Reichstags, aber eine m n e st i« für die„sogenannten" Fememörder. Für die sächsische Regierung erklärt« Dr. Gradnauer, daß sie als nur geschäftsführende Regierung sich an der Abstimmung über den Einspruch nicht beteiligen könne. Nach Ablehnung des Einspruchs gegen den Joung-Plan begründete Freiherr v. Gayl (Ostpreußen) seinen Einspruch gegen das Polenabkommen mit den schon vom Reichstag her bekannten Gründen. Reichsaußemninister Dr. Eurlius antwortete: Die Form des Abkommens mit Polen mag nicht schön sein, sie mag auch für manchen nicht übersichtlich sein, entscheidend aber ist, daß das ge- samte Vertragswert völkerrechtlich bindend ist. Wir haben nicht alles erreicht, was wir wollten, aber der erreichte Schutz für die deutschen Ansiedler ist weitgehend, wie von diesen selbst auch an- erkannt wird. Wir wollen den deutschen Rechtsbesitz so weit wie möglich erhalten. Wir verzichten damit aus keine nationalen An- sprüche. Unverständlich ist mir, wie man das Abkommen als ein« Liquidierung der deutschen Zukunft bezeichnen kann. Gerade ohne das Abkommen wäre die deutsch« Zukunft im Osten unmöglich. Wenn sie die Menschenbrücke zwischen dem Reich und Ostpreußen zerschneiden, ist Ostpreußen isoliert. Würde das Abkommen abgelehnt, so müßten wir damit rechnen, daß der Eni- deutschungsprozeß in Polen weiterginge. Staatssekretär weismann von Preußen beantragte nunmehr, die Gesetze für dringlich»u erklären. Gradnaner- Sachsen bat um zwei Lesungen. Di« nur ge- schäftsführend« sächsisch« Regierung sei nicht in der Lage, sich an der Abstimmung zu beteiligen. Sollte sich aber herausstellen, daß die Stimm« Sachsens ausschlaggebend sei. dann bitte er die zweite Lesung auszusetzen, damit er neue Instruktionen einholen könne. Dann ersolgte die schon gemeldete Abstimmung. Reichspräsident von Hinde:rburg gibt folgendes bekannt: Während des Kampfes um Annahme oder Ablehnung des Poung-Planes sind mir von Verbänden, Vereinen und Einzel- Personen viele Hunderte von Zuschriften zugegangen, die,' von Sorgen sür die Zukunft unseres Vaterlandes erfüllt, mich in dringenden Worten baten, das Zustandekommen des Poung-Planes durch die Verweigerung meiner Unterschrift unter die Ge- setze und Ratifikationsurkunden zu verhindern. Da ich mich mit allen denen, di« sich teils mit kurzen Protesten, teils mit langen Ausführungen an mich gewandt haben, nicht einzeln aus- einanderfetzen kann, gebe ich nachstehend meine Antwort auf diesem Wege: Schweren, aber festen Herzens habe ich nach reiflicher, gewissenhafter Prüfung die Doung-Gesehe mit meinem Hamen unterschrieben. Nach Anhörung von Befürwortern und Gegnern des Planes, nach sorgfältiger Abwägung des Für und Wider bin ich zur Ueberzeugung gelangt, daß trotz der schweren Belastung, di« der neue Plan dem deutschen Volke auf lange Jahre hinaus auferlegt, und trotz der großen Bedenken, die gegen manche seiner Be- stimmungen erhoben werden können, der Joung-Ptan im vergleich zum Dawes-Plan eine Besserung und Entlastung darstellt und wirtschaftlich und politisch einen Fortschritt auf dem schweren Wege der Befreiung und des Wiederaufbaues Deutschlands bedeutet. Zu einer Ablehnung konnte ich mich im Gefühl meiner Verant- wortiung für Deutschland und sein« Zukunft nicht entschließen, da die Folgen einer solchen für die deutsche Wirtschaft und die deut- schen Finanzen unabsehbar seien und schwere Krisen mit allen ihren Gefahren für unser Vaterland bringen würden Ich bin mir durchaus bewußt, daß auch die Annahme des Noung-Plans uns nicht von allen Sorgen für die Zukunft befreit: aber ich glaube trotzdem zuversichtlich, daß der nunmehr eingeschlagene Weg. der dem besehten deutschen Gebiet die langersehnte Freiheit und uns allen die Erwartung weiterer Forlschritte gibt, sich als der richtige erweisen wird. Diele der Zuschriften haben in wohlmeinender Absicht an mich persönlich die Bitte gerichtet, meinen, des früheren Heerführers Namen nicht dadurch vor der Geschichte zu verdunkeln, daß ich mit ihm diese Gesetze decke, hierauf erwidere ich: Ich habe mein Leben in der großen Schule der Pflichterfüllung, in der alten Armee, verbracht und hier gelernt, stets o h n e R ü ck- Fricks Chuzpe. Cr gibt„NegierungserNäruyI" ohne Auftrag ab. Weimar, 13. März. Gegen die ErNärung des Abg. Dr. F r i ck(Nat.-Soz.) als an- geblicher Reichsratsoertreter seiner thüringischen Regierung bei der dritten Lesung des Voung-Plans im Reichstag wendet sich die thüringische Landtagsfraktion der Deutschen Volks- parte! in einer scharfen Gegenerklärung. In ihr wird festgestellt, daß Fricks ErNärung«inen Affront gegen die Reichs- regierung und ihre auswärtige Politik darstelle, und daß Frick die Erklärung im Namen der Thüringer Regierung abgegeben habe, obwohl diese ihm keinen Auftrag dazu erteilt habe. Da die Deutsche Volkspartet im Reiche di« Reichsaußenpolitik vorwiegend stütze, werde die eigenmächtige, in der politische» Ge- schichte unerhörte Handlungsweise des Ministers nicht ohne Folgen für die gegenwärtige Regierungskoalition in Thüringen bleiben können. Zur Zeit befaßt sich das Thüringer Kabinett mit der An- gelegenheit. Börse wieder schwächer. Die Kapitalbesitzer streifen. Die Börse ist heute wieder etwas schwächer. Die Kursgewinne von gestern gingen zum Teil verloren. Deckungskäuse der ficht auf die eigene Person meine Pflicht gegenüber dem Vaterland zu tun. Deshalb hatte bei meiner Entscheidung jeder Gedanke an mich selbst vollständig zurückzutreten. So konnte auch der Gödanke, durch einen Volksentscheid oder meinen Rück- tritt die Verantwortung von mir abzuschieben, bei mir nicht Boden fassen. Der parlamentarische Kampf um die Aoung- Gesetze ist mit deren Verkündung im Reichsgesetzblatt zu Ende: damit muß nun auch im deutschen Volke der Streit um diese Frage beendet sein, der so viel neu« Gegensätze hervorgerufen und die von mir von jeher so schmerzlich empfunden« Zerrissenheit in unserem schwer geprüften Daterlande stark erweitert hat. Ich richte daher an alle deutschen Männer und Frauen die ernste Mahnung, sich ihrer pslichten gegenüber dem Boterlande und der Zukunft der Ration bewußt zu sein und sich nun endlich unter Ueberwindung des Trennenden und Gegensätzlichen zusammenzufinden in gemeinsamem Wirten sür unsere Zukunft, in der es wieder ein freies, gesundes und starkes deutsches Volk geben soll. Di« politischen Auseinandersetzungen und Kämpfe der letzten Monate müssen nunmehr einer entschlossenen praktischen Arbeit Platz machen, welche die Gesundung unserer Finanzen, die Belebung unserer gesamten Wirtschaft und damit die Beseitigung der ungeheuren Arbeits» l o f i g k e i t und nicht zuletzt der Linderung der schweren Lage der deutschen Landwirtschaft und die Wiederherstellung ihrer Rentabilität zum Ziele haben muß. Ich habe der Reichsregierung die Erledigung dieser Arbeit in einem Schreiben an den Herrn Reichskanzler vom Heu- tigen Tage zur Aufgabe gestellt und fordere hiermit gleich- zeitig alle Deutschen auf, sich über die Grenze der Parteiey hinaus zur gemeinsamen Mitarbeit die Hände zu reichen. Vor bald 60 Iahren habe ich bei der Reichsgründung den Jubel miterlebt, der das gesamt« deutsche Volk über seine endlich erreichie Einigung beseelte: ich kann mir nicht denken, daß dieser Geist dahin- geschwunden ist und dauernder innerpolitischer Zwietracht Platz ge- macht hat. Wir müssen uns kroh und wegen der Rot der Zeit auf uns selbst besinnen und wieder eins werden in dem Gedanken: Deutschland über alles! gez. von hindenburg. Ba i s s e p a r t e i, die Schachts plötzlichen Rücktritt zu Spekula- tionen ausgenutzt hatten, scheinen sür die gestrige Besserung doch ausschlaggebend gewesen zu sein. Bei der jetzigen außergewöhn- lichen Billigkeit des Geldes hätte die durch die Annahm« der Doung- gesetze erfolgte innen- und außenpolitische Klärung zur Hausse an- regen müssen. Der Geldmarkt hat sich weiter verflüssigt. Tagesgeld war für 3H bis 3 Prozent zu haben. Die Arbeitslosigkeit des Geldes wächst also noch, wahrend die Atbeitslosigkeit der Menschen bereits abzu- nehmen beginnt, „Kirchensürst" eingelocht. Wegen Betrügereien.- Anzeigen aus aller Welt. - Paris, 13. März.(Eigenbericht.) Am vergangenen Sonnabend ist in Villefranche in der Nähe von Nizza der f y r i s ch e„A r ch i m a n d r i t". der höchste Kirchen- fürst des orthodoxen Glaubens in Damaskus, verhaftet worden. Die brasilianische Regierung hatte gegen ihn einen Steckbrief und ein Austi«s«rungsverfahren erlassen, da er bei einer Missivnsreise in Bahia Schmuckstück« von hohem Wert gekauft, aber nicht bezahlt haben soll. Der syrische Kirchensürst scheint mit diesem Schwindel nicht den ersten seines Lebens begangen zu haben. Kaum war er in Nizza ins Gefängnis eingeliefert worden, als auch v� Damaskus und Beirut mehrere Anzeigen einliefen. Spanienwahlen im nächsten Jahr! Sechs Monate lang werden die Wählerlisten geprüft. Madrid. 13. MSr). Am Mittwoch wurde ein königliche» Dekret veröffentlicht, da» die Nachprüfung der Wählerlisten und der sonstigen Unter- lagen für die kommenden Wahlen anordnet. Da» Wahlrecht der Frauen wird für die Gemeiudewahlen beibehalten, nicht aber für die allgemeinen Wahlen. Die lleberprüsuug beginnt am 20. März und wird frühestens am 23. November beendet sein. so daß in diesem Zahre noch keine Wahlen stattfinden werden. Man rechnet damit, im Februar 1931 die Gemeinde- und proninzialwahlen abzuhalten und im Frühjahr 1931 zu den all- gemeinen Wahlen schreiten zu können. Ausiandsbenchte zensurfrei. Madrid. 13. März. Auf die dringlichen Borstellungen Ker Vertreter der Auslands- presse hin wurde die Zensur für die. a u s l ä nd ische n Bericht- «rstatter aufgehoben. Schulgeldfreiheit in Frankreich. Gegen Tardieu grundsätzlich für höhere Scholen angenommen. Paris, 13. März.(Eigenbericht.) Der große Kampf um die Einheitsschule ist in der Nacht zum Donnerstag mit einer klaren Niederlage für di« Regierung zu Ende gegangen. Allerdings hatte Tardieu vorsichtig aus die Stellung der Vertrauensfrage verzichtet, so daß seine Niederlage nicht direkt zum Sturz führte. Er hatte ober doch so deutlich gegen das Prinzip lder Schulgeldfreiheit Stellung genommen, daß an der Be- deutung Z>er Abstimmung nicht zu zweifeln ist. Tardieu hatte mehr- fach betont, daß er die prinzipiell« Verpflichtung für die K o st e n- losigkest der mittleren Schuien nicht übernehmen könne, da ihm die Unanzlage nicht sicher genug erscheine. Außerdem wäre es von dar Schulgeldfreiheit bis zum staatlichen Schul- Monopol nur noch ein Schritt, da die Privaifchulen dann nicht mehr konkurrieren könnten. Ein derartiges Monopol aber fei ein unerlaubter Eingriff in die Erziehungsfreiheit d»r Familie. H e r r i o t dagegen, der etwa ein dutzendmal das Wort ergriff. verlangte die voll« Schu l g e t d f r e i h« i t da sie allein allen Volksklaffen den Weg zur Bildung öffne. Leon Blum endlich betonte fcharf und deutlich, daß seine Partei ein Votum verlang«, das ein für allemal die künftige Schulpolitik im Sinne der Ein- heitsfchule regele. Mit 292 gegen 286 Stimmen genehmigt« di« Kammer.I>as Prinzip des schulgeldfreien Unterrichts in den mittleren Schulen; als Uebergang zur Einheitsschule". Mit 429 gegen 165 Siimmen| beschloß sie als erste praktische Maßnahme zur Durchführung dieses Beschlusses schon im laufenden Jahr« die Kostenlosigkeit in der unter st en Gymnasialklosse, mit 289 gegen 281 Stimmen lehnte sie einen reaktionären Antrag ab. der zur Sicherung der Kundschaft der privaten konfessionellen Schulen die Vergünstigung der Schulgeldfreiheit nur aus d-e unterste Steuerstufe be- schränken wollte. Zum Schluß der Nachtsitzung, gegen fünf Uhr morgens, nahm Tardieu seine Revanche. Er verlangte unter Stellung der Ver» lrauensfrage, daß ihm die Kammex sofort die Kredite für die neu geschaffenen Minister- und Unterstaatssekretärsposten bewilligte, die ihm die Finanzkommiffion verweigert hatte. Mit 329 gegen 269 Stimmen fand Tardieu seine normale Mehrheit wieder/ Tetzners volles Geständnis. Er hat sein Opfer bei lebendigem Le be verbrannt. Nürnberg. 13. März. Aus dem Geständnis des Mörders T e h n e r au» Leipzig liegen nunmehr Einzelheiten vor, aus denen hervorgeht, daß der Mörder fein bedauernswertes Opfer, einen armen Wanderburschen, mit raffinierter Losheit in eine Falle gelo« hat und ihn hilflos darin hat umkommen lassen. Tetzner trug sich schon seit längerer Zeit mit der Absicht, durch einen Mord an einem Unbekannten sich di« Versicherungs- summe von 149 999 Mark aus sein Leben zu verschaffen. Sein« Gattin weiht« er, wie er bestimmt behauptet, in seine Mord- absicht ein. Schon acht Tage vor dem Mord an dem Wander» burschen bei Regensburg oerübte Tetzner einen Mordversuch an dem stellungslosen Mechaniker Ortner. Tetzncr gibt das heute unumwunden zu. Nach diesem mißglückten Attentat fuhr er nach Sachsen zurück und versuchte dort, durch ein Inserat ein Opfer zu finden, was gleichfalls mißlang. Daraufhin begab sich Tetzner auf die Such« nach einem weiteren Opfer und fuhr erneut nach Bayern. Zwischen Hof und Bayreuth tms«r aus der Land- ftraße einen sungen Wanderburschen im Alter von etwa 22 Jahren. Tetzner knüpfte mit ihm ein« Unterredung an, wobei er erfuhr, daß der junge Mensch auf dem Wege nach München sei. Tetzner gab als Reiseziel ebensall» München an und lud den jungen Mann zur Mitfahrt ein. Diese wurde aber erst nach Einbruch der Dunkelheit angetreten. Tetzner fuhr dann über Nürnberg und kam spät nachts an die Stätte seiner Tat, In das Naabtal bei Regensburg. Er hielt den Wagen an, angeblich» um den Motor nachzusehen und brachte dabei da» Benzin zur Explosion. Es ging eine riesengroß« Stichflamme auf. die den Wagen in Flammen hüllte. Das Opfer mußte bei lebendigem Leibe in dem ge- schlossenen Wagen verbrennen. In aller Gemütsruhe wartete Tetzner ab. bis Auto und Opfer ein« verkohlte Masse waren und ging dann zu Fuß nach Regensburg. Im Regensburger Haupt- bahrchof frühstückte er und fuhr dann über München nach Straßburg. Die Bluttat von Mntgental. 3»el neue Haftbefehle. Die bereits mitgeteilt wurde, ist gm Dienstag gegen zehn Nationalsozialisten, die an dem nächttichen Feuerübersall aus dos Reichsbanner in Röntgcntal beteiligt waren, von der Staats- anwallschoft III Haftbefehl erlassen worden. Gestern wurden' abermals fünf Nationalsozialisten nach Moabit über- geführt. Drei von ihnen wurden wieder srclgelassea. gegen zwei wurde heute vormittag haflbesehl erlassen. Bisher hat noch keiaer von den verhafteten ein Geständnis abgelegt. Nach dem bisherigen Uulersuchungsergcbni» erscheinen die Nationalsozialiste« Koepp- uer.ponkgras und Marquardt am schwersten belastet. Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung. Der Reichsarbeitsminister hat das Vorstauosmitglied des Deutschen Baugewerts- bundes, Herrn Peter Rosen zweig, an S:elle des aus- geschiedenen 5)err!» Drügemüllor zum' stelloertrelenden Mü- glicd des Vorstands der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitsiosenversichrrung bestellt, Qandhig Propaganda- marfch. Gandhi predigt an der Spitze von kndi- scheu Freiwilligen von Almedabad aus auf feinem 159 Meilen langen Weg nach Jalopur in Städten und Dörfern den passiven Widerstand gegen die indisch« Regierung. Unser Bild zeigt Gtmdhi (mit bloßer Brust), gefolgt von seinen Anhängern. Llnter Anklage der Blutschande. Bauwächter Schulz vor Gericht. Der Vanwächter Richard Schulz, seit Ermordung der kleinen Hilde Zepernick Gegenstand öffentlichen Interesses, steht heute zum zweitenmal vor Gericht, angeklagt wegen Llol schände, begangen an seiner Tochter. Die Verhandlung mußte vor etwa drei Wochen oertagt werden, damit der Psychoanalytiker Hugo Straub die Möglichkeit erhalte, den Angeklagten kennenzulernen. Dr. Straub und Dr Magnus H i r s ch f e l d sind heute anwesend, außerdem auch die Aerzte Dr. Le p m o n n und Dr. E w e r s. Neben diesen vieren sitzt Kriminal- kommissar Werneburg. Seine � Mordkommission hat den bis heute noch ungeklärten Tod der kleinen Hilde zu bearbeiten gehabt Schulz, unmittelbar nach der grausigen Tat verhaftet, mußte trotz schwerer Verdachtsmomente entlassen werden. Als dann der Miß- brauch der Tochter und seine traurigen Familienverhältnisse bekannt wurden, schien der Mordverdacht gegen ihn sich wieder zu verstärken. Cr leugnet aber bis heute mit aller Energie, der Täter zu sein. Den Verkehr mit seiner Tochter hat er zugegeben. Der Angeklagte ist 41 Jahre alt, das fehlende Auge— er hat es durch eine Kugel im Kriege verloren— verleiht seinem Gesicht ein eigenartiges Aussehen. Die Fragen nach den Personalien beantwortet er leise. gedrückt und schüchtern. Nach Verlesen des Eröffnungsbeschlusses, der dem Angeklagten nicht nur Blutschande, sondern auch Gewalt- androhung vorwirst, stellt der Staatsanwalt den Antrag aus Ausschluß der Oessenklichkeit. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Reiwald hat nichts dagegen«in- zuwenden. Das Gericht schließt di« Oesfentlichkeit aus, gestattet aber der Presse di« Anwesenheit im Gerichtssaal. Der Angeklaglc Schulz schildert ausführlich sein Leben. Er hat das Malergewerbe erlernt, 1912 geheiratet, verlor bereits im Oktober 1914 fein Auge, wurde 59 Proz. triegsbeschädigt und litt seitdem an Schwindelanfällen, Kopfschmerzen und dergleichen mehr. Seit 1929 lebte er in Stechlin in Pommern. Er bewohnte dort eine Stube und eine Küche, für seine fünf Kinder und die Ehe- frau hatte er zwei Betreu, ein Kinderbett und einen Kinderwagen zur Verfügung. Das Verhältnis innerhalb der Familie hat sich verschlechtert, die Frau war oft eifersüchtig, er verärgert über das Fehlen des Auges, wodurch er bei seiner Arbeit behindert wurde, er trank viel, mißhandelte seine Frau, nicht selten schlief sie tziit den Kindern außerhalb des Hauses. Als dann fern« Rente herabgesetzt wurde, geriet er in einen besonders gereizten Zustand und mußte zeitweise in einer� Anstalt untergebracht werden. Auch der Alkoholgenuh mag h'erbei nicht ohne Einfluß geblieben sein. Im April 1929 zog Schulz nach Berlin: er hoffte als Kriegs- beschädigter hier leichter Arbeit zu finden, seine Frau wollt« ihren Eltern näher sein, sie hat behauptet, geglaubt zu haben, daß ihre Eltern vielleicht«inen guten Einfluß auf ihren Mann ausüben würden. Die Familie bezog eine Laube in der Kolonie Alumen- freunde". Die älteste Tochter, die unterdessen 14 Jahre alt geworden war. lebte zeitweilig bei den Großeltern. Schulz hatte monatlich 99 Mark Rente und erh'ell als Vanwächter einen Wochenlohn.von 49 Mark. Di« unerlaubten Beziehungen mit der Tochter begannen in Stechlin im Iabre 1926. Die Kleine war damals ll Jahre. Schulz bestreitet, je Gewalt angewendet zu haben oder das Kind gar mit einem Messer bedroht zu haben. In Berlin nahm er den Verkehr wieder auf, nachdem er im Zusammenhang mit der Er- mordung der kleinen Zspern'ck aus der Haft entlassen worden war. Er wünschte selbst, daß das Kind aus dem Haufe komme. Vors.: Sie waren in den Verdacht geraten, di« kleine Zepernick ermordet und mit ihr da» gleiche gemacht zu haben, was Sie mit Ihrer Tochter taten. Wie konnten Sie nun, da Sie unter einem soliden Verdacht gestanden haben, nach der Haftentlassung die Sache mit Ihrer Tochter weiter treiben. Der Anoeklagte weiß daraus nichts zu erwidern. Die Verhandluna enthüllt, wie anders nicht zu erwarten war, das übliche traurige Bild des Zusammengevfercdtseins eurer Proletarier- familie in allzu engem Wohnraum. Die Kleine hat die Dinge mit ang?i-hen und belauscht, deren Wissen für sie nicht gut sein konnte, die Mutter kannte die Beziehungen zwischen Vater und Kind und duldete sie aus Angst. Ein Zeileis-Gchwindler. Oer.Assistenzarzt" als Freund des Geldschrankknackers Gestern nachmittag wurde der dreißigjährige„Assistenzarzt" Werner Schubert, der in dem kürzlich am Kurjürstendamm eröffneten Zeileis-Gallspach-Znstitut angestellt war. als Betrüger entlarvt und v e r h a s t e t. Schubert, der mit seinem richtigen Namen Werner Buch heißt, wird von der Staatsanwatt- schaft Leipzig bereits seit November vorigen Jahres wegen Betrugs gesucht. Die Entlarvung des falschen Assistenzarztes durch die Ber- liner Kriminalpolizei ist eigentlich einem Z u s a l l zu verdanken. Im Jahre 1928 beunruhigte«ine inzwischen hinter Schloß und Riegel gebrachte Einbrecherkolonne, deren Haupt ein gewisser K. war, monatelang die Dillenvororte an der Peripherie Berlins. Die Bande benutzte zu ihren Beutezügen stets ein Auto, und außer Silbersachen und Gemälden fielen ihnen im Lauf« der Zeit echte Teppiche im Werte von über einer halben Million Mark in die Hände. Durch einen umfangreichen Fahndungs dien st wurden die Verbrecher nacheinander, zuletzt ihr Anführer K., festgenommen. Während alle Mitglieder der Bande abgeurteilt wurden, ging K. frei aus, da ihm der 8 51 zugebilligt wurde. Neuerdings wurden wieder mehrere Geldschrankeyrbrüche verübt, und bei den Crmitte- lungen der Polizei stießen die Beamten auf Spuren, die ohne Zweifel erkennen ließen, daß K. wieder an der„Arbeit" war. Cr wurde daraufhin überwacht, und es wurde ermittelt, daß der Ein- brecher mit einem Arzt namens Schubert wiederholt Reifen nach Leipzig unternommen hotte. Die Polizei sah sich daraufhin den „Arzt", der nach einigen Mühen im Zeileis-Jnstitut aussindig ge- macht werden konnte, näher an und entlarvte ihn. Der Knacker und sein Freund, der„Arzt", wurden in Gewahrsam gebracht. Ob Buch an den Einbrüchen beteiligt war. kann erst die Untersuchung ergeben. Der Fall Buch erinnert an den falschen Arzt, der vor etwa drei Iahren im städtischen Krankenhaus in Oranienburg entlarvt wurde. Der Mann konnte sein Treiben dort Iii- Jahre fortsetzen, ohne daß jemand nur den geringsten Verdacht schöpfte. Dieser falsche Arzt hatte allerdings von der Medizin weder etwas gesehen noch gelesen. Durch einen Zufall kam der Schwindel heran», und der Mann wurde verhastet. Sogar die Charit« ist vor etwa Is-ii Iahren einem falschen Arzt aufgesessen, der aber bald als Schwindler erkannt und festgenommen wurde. War sie die Mörderin ihres Geliebten? Die Liebestragödie im Grunewald. Der geheimmsrwllc Tod des Kraftdraschkenführers Udo B. be- schäftigte das Große Schöffengericht Charlottenburg unter Vorsitz von Landgenchtsdirektor Rambte. Unter der An« klage, ihren Geliebten vor genau einem Jahre im Grunewald auf dessen ausdrückliches Verlangen erschossen zu haben, hat sich jetzt die noch nicht zwanzigjährig« Verkäuferin Kät« G. zu verantworten Es handelt sich um«inen psychologisch außergewöhnlich interessanten Kriminaliall. Die Angeklagte ist«in großes schlankes, sehr schönes Mädchen und macht einen noch recht kindlichen Eindruck. Am 16. März v. I. wurde B. neben einem Verkaufshäuschen im Grunewald mit einem Kopssteckschuß in der rechten Schläfe tot- aufgesunden. Er hielt die recht« Hand in der Tasche seines Ueberziehers. P. hatte wiederholt Selbstn'ordabsichten geäußert. aber auch Käte hatte davon gesprochen, daß sie au- dem Leben scheiden wolle, und sie hatte auch Abschiedsbriefe geschrieben. Noch in der Nacht hatte sie Bekannten Mitteilung gemacht, daß ihr Geliebter sich in ihrer Gegenwart erschossen habe. Da aber die fechte Hand des Toten in der Tasche steckte, konnte er nach dem Befund unmöglich Selbstmord verübt haben. Die Angeklagte hat im Laufe der Untersuchung wiederholt wechselnde Angaben gemacht und schließlich zugegeben, daß sie gemeinsam in den Tod gehen wollten. Ihr Geliebter sei aber total betrunken ge- wesen und habe ihr daher den Revolver in die Hand gegeben, da- niu sie ihn zuerst erschießen solle, weil sie stärkere Nerven habe. Das habe sie auch getan, nachher aber nicht mehr die Kraft gehab!, die Waffe gegen sich zu richten. In der letzten Zell hat die An- gcllagte diese Angaben widerrufen und ist bei ihrer ersten Dar- slellung geblieben, daß B. sich selbst erschossen habe. Erst im Ja- nuar hatten sich die jungen Leute kennengelernt, da der Vater des Mädchens bei demselben Fuhrunternehmer wie ihr Geliebter tätig war. Der Getötete war dem Trunk sehr ergeben und erlitt Ende Januar einen Autounfall, weil er in der Trunkenheit gegen einen Baum fuhr. Die Ange- klagte sagte nun weiter aus:„Wem, er nüchtern war, war er ganz gut. Ich hatte ihn sehr gern und hoffte, ihn vom Trinken abzubringen. Ich konnte von ihm nicht mehr lassen. Nach dem Unfall war er eine Zeitlang weggebNeben. und ich hatte mich schon abgefunden, daß es vorbei sei. Inzwischen hatte ich eine Stellung als Verkäuferin in einem Zigarrengeschäft in der Steiirmetzstraße an- genommen. Mein Chef hatte hinter dem Laden ein Schlafzimmer, das ich gegen seinen Willen aufräumt«, weil ich die Unordnung nicht sehen konnte." Vors.: Dabei haben Sie unter dem Kops- kissen eine P i st o l e gefunden? A n g e k l.: Ja, sie war in einem Futteral. Bors.: Haben Sie die Waffe herausgenommen? A n- gekl.: Nein. Ich traute mich nicht, sie anzufassen, denn ich: hatte noch nie eine Waffe in der Hand gehabt. Ich legte die Pistole weg und habe sie seitdem nicht mehr gesehen. ♦ Bordeaux von Hochwasser bedroht. Staudammbruch bevorstehend.- Telephon uach Spanien unterbrochen. Aach find dl« Opfer und die Schäden der sftdfrnvzosi- schen Ueberfchwemmungea nicht genau ermittelt,«ad schon treffen Meldnagen von einer aenea Hochwasser- kataflrophe ein. Zu der in der Morgeaanagobe de» »vorwärts" kurz mitgeteilten Tatfache werden fehl fol- gende Einzelhelten bekannt. Im Südwesten Frankreichs sind, wie ans Paris berichtet wird, infolge 48 stündige» Regens und Schneefällen zahl. reiche Flüsse, so die Gave, der Adour und die G a r o n n e über die Ufer getreten. Die Städte Tarbe», Pau, Bayonne und Foix scheinen besonders stark bedroht zu sein. In Foix befürchtet man den Bruch eines großen Staudammes. Das Städtchen Salles de Bearn steht zu dreiviertel unter Wasser. In Bayonne steigt das Wasser stündlich um 10 Zentimeter. Einig« Vorstädte und Ortschaften der Umgebung mußten von den Be- wohnern geräumt werden. Di« Tetephonverbindungen mit Spanien find unterbrochen. Der Eisenbahnverkehr erleidet stark« Verspätungen. Aus Bordeaux wird gleichfalls ein starkes Anschwellen der Garonne und ihrer Nebenflüsse ge- meldet. Der Fluß stieg gestern in 9 Stunden um S,70 Meter. Di« an einem Nebenfluß der Garonne gelegen« Stadt Auch ist eben- falls durch die Ueberschwammung bedroht, da das Wasser bereits , um 4. Meter gestiegen ist. Stimmenschwund der Kommunisten. Wie ihre Siege aussehen. Groß aufgemacht feiert« das Organ der Sowjetboifchaft dieser Tag« da» Ergebnis der Betriebsratslbohl bei der Firma Otis. Nun ist die Belegschaft dort seit vielen Iahren vollständig unter kommunistischem Einfluß. Das Ergebnis der Betriebsratswahl in diesem Iah«, im vergleich zum Vorjahr, ist folgende«: 1929 1930 Kommunisten... 238 232 Stimmen Amsterdamer.... 133 194„ So sehen die Siege der Komnmnisten in diesem Jahr bei den Betriebsrätewahf en aus. Dies«»Siege-, wo die Kommunisten noch eine anfehnliche Sümmenzahl aus sich vereinigen, stich aber sehr spärlich Aber auch da sind sie im unoerkennbaren und unauf- haltsamen Rückgang._____ Verzweifeltes Wahlmanöver. Kommunistischer Arbeiterrat versteckt sich hinter Brokat. Wir haben den Wahlschwind«! aufg«d«ckt, d«n die Kam- munisten in der Berk«hrs-AG. zu lancieren versuchten,, indem sie behaupteten, sechs ihrer Kandidaten seien„gemahregell" worden. In Wirklichkeit sind diese Kandidaten ein« Woche nachdem sie gekündigt waren: erst aufgestellt worden. Es fehlt der Kommu- nistischen Partei an zugkräftigen Kandidaten, und deshalb bemüht fn sich, bei den Derkehrsarbeitern Mitleid zu erwecken, indem sie ihr« Kandidaten mit einem falschen Wärtyrerschein umgibt. Die Feststellung dieses Wahlschwiichels ist von dem Sowfttorgan stillschweigend eingesteckt worden. Jegt wird ein anderes Wahlmanövcr versucht, das aber so ziemlich das kläglichste ist, was man iemals in dieser Beziehung ge- sehen hat. Seit oinem Jahre verharrt der konununistifche Arbeiter- rat in völliger Untätigkeit. Die Gelegenheit, eine Verkürzung der Arbeitszeit ZU ermöglichen, hat dieser Arbeiterrot gründlich verbaut. Nun erzählt das Organ der Sowjet- botschaft, daß der Arbeiterrat der Derkehrs-AG am 28. Februar, also zwei Wochen vor der Wahl, beschlossen habe, die Ver- lürzung der Arbeitszeit des Derkehrspersonals von 8'/Ä auf 8«tun- den bei vollem Lohnausgleich durchzusetzen. Der Arbeiterrat habe seit zwei Wochen„alles aufgeboten", um Brolat diese Forderung zu überreichen.„Brolat drückt sich aber feige davor, zu diesem An- irog auch nur ein Wort zu äußern." Also vierzehn Tage vor d�r Wahl wird wieber mal eine Entschließung angenommen. Und wenn der kommunistische Ar- beiterrat nicht» tut, dann ist natürlich Brolat daran schuld, der nicht sei,« Aufgabe darin steht, kommunistischen Wahlmanövern eine hilfreiche Hand zu leisten. Daß die Verkehrs-AG. mit den G e w« r k s ch a s t« n in einem Tarifvsrhältnis steht, wissen selbfloerständlich die Freyer und Genossen. Wenn die»Revolutionären" des Arbeiter- rats etwas tun wollen, dann müssen sie sich schon s e l b st in Bewegung setzen. Das Gange ist nichts als. ein klägliches WahliAanöoer.« Feme in Mexiko. Wer Basconzelos-Anhänger ausgehängt. ZNexiko-Eily, 13. März. fEigcnbericht.l Auf einer Landstraße in der Näl>e der Hauptstadt wurden vier ui. Bäumen aufgehängt« Leichen bekannter Anhänger des ge- schlagenen PrSsidentschoftskondidaten Vasconzelos aufgesunden. Die geheimnisvolle Hinrichtung hat groß« Aufregung hervor- gerufen, da das Kriegsministerium und die militärischen Orts- konnnandvs jede Kenntnis ableugnen. Unter den Toten befindet sich der Exgeneral Leon Abarra. Berlins Vertreter im Z�eichsrat. Der Magistrat wählte in seiner letzten Sitzung als Vertreter der Stadt Berlin im Reichsrat Bürgermeister Scholtz und als dessen Vertreter den sozialdemokratischen Stadtrat Wutzky, die auch schon bisher dem Relchsrat angehärten. .Gegen den Faschismus". Der Onsoeroin Tiergarten des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gokd veranstaltet am heutigen Donners' ag im Nalionalhof, Bülorostr. 37, eine Kundgebung„Gegen den Faschismus". Es sprechen dt« Kameraden Dr K tag und Polizeiobersekrelär Koch«. Di« �ndgebung nchtet sich gegen das nationalsoztalistifche Rowdytum, das allmählich zu einer ernsten Gefahr kür die Bevölkerung geworben ist. Der Ort-verein Tier- garten beteiligt sich an dieser Kundgebung geschlossen in Uniform. Beginn 20 Uhr. Eintritt frei. Eine Kundgebung der Arbeitsgem�nschast soMiftischer Mkohol- geguer findet»ch Frei tag. dem 14. März. abmtelKühT(pünkt- lich). im ehemaligen Herrenhaus. Le.pz�r Str. Z statt. Es sprechen die Grossen Karl S e» e r in g. Mari. I uch a c z und Wilhelm Sollmann. Thema: Sozmlist.fch« Kultur und Al- koholfrage. Rezitationen. Der„Junge® j ü' 1 karten unentgeltlich durch die GeschailSstell« Engeluser 24/25 (Gewerkjchaftohous). Theater u Nachdenkliche Komödie in der Tribüne. Alfred Savoir:»Gr*. Alfred Savoirs neueste Komödie bildete dank feinem eigen- artigen Motiv in Paris wochenlang Gesprächsstoff des theatec- interesiierten Publikums. Sie lief unter den Titeln:„Herr Gott", „Der Narr von Winterthur" und„Er". In der Tribüne wird das Stück eine ähnlich«, wenn nicht noch größere Erfolgsserie erleben wie in Paris. Der Autor handelt nachdenkliche, letzte Dinge m leichtem Plauderton ab und hält die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Szene in Spannung. In einem Alpenhotel, 2500 Meter hoch, tagt ein Freidenker- kongreß, der in seiner letzten Sitzung die endgültig« Absetzung Gottes beschlossen hak Der interessierteste Teilnehmer des Konqresies ist ein höflicher, bescheidener junger Mann, den die übrigen Mitglieder nicht kennen. Es stellt sich heraus, daß er sich im Gästebuch als „Gott" eingetragen hat. Die Mehrzahl der Anwesenden lacht über ihn, bis merkwürdig« Vorgänge ihn tatsächlich in übernatürlichem Licht erscheinen lasten» Das trostlose Wetter wird plötzlich besser, eine herabstürzende Lawine macht kurz von dem Hotel halt, ein Europa-Boxmeffter unterliegt ihm und wird zahm, ein Luderchen von Weib wird zum Engeld Wer von ihm Aenderung unerwünschter Zustände verlangt, dein erwidert er:„Ich könnte natürlich, aber ich will nicht. Nach den ewigen Naturgesetzen muß ich neutral bleiben." Schließlich zweifelt er selbst an seinem Gottestum, als ein Wunder nicht gelingt, das er vollbringen will. Endlich erscheint der Chef- arzt des Irrenhauses, dem die sonderbar« Persönlichkeit entsvningen ist. um ihn wieder einzufanoen. Er entkommt seinen Häschern. Durch«in Wunder? Wer ist Er? Die Frage läßt der Autor offen. Der Stoff klingt in der Beschreibung ernst und trocken, aber wie ihn Savoir behandelt, wie überraschende Einfälle sich über- stürzen, wie amüsant er seinen„Gott" reden läßt, wie er es als zweifelhaft hinstellt, ob ein Wunder oder der Zufall spielt, das bilde' den Reiz der originellen Komödie. Den„Er" spielt Eonrad V e i d t, liebenswürdig, verbindlich, bescheiden. Zu bes-beiden vielleicht. Die Gestalt wäre glaubhafter, die Wirkunq der Komödie tiefer, wenn er bestimmter aufträte. Dennoch ge'inat es ibm. alle d'-ei Akte hindurch die Unklarheit zwischen Geibe-krankbeit und W"icher aufrechtzuerhalten. Ganz reizend die Anmut der Este Eckersberg, ein entzückendes Plaopermäulch-n mit prachtvoller Wandlung z.'irn ernsten, fast tra- gstchen Tnn. Von den übriaen durch Eugen Robert glänzend geführten Darstellern ragen Ferdinand Hart und Oskar S i m a hervor. � dgr. Tratlerlieöchen und Weltdramatik. Neues Programm der„Katakombe*. Im Keller des Künstlerhauses wird man mit einem neuen Programm empfangen Die„K a t a k o m b«" hat sich erstaunlich schnell und gründlich durchgesetzt! man steht: das Publikum für ein wirklich geistreiches und originelles Ktinstlerkabarett ist reichlich vorhanden, und man kann beiden applaudieren: den Künstlern und ihren enthusiasmierten Zuhörern, was auch der kern- scrierenbe Dichter Werner Fink auf heitere und graziöse Weis« besorgt, als Virtuose der witzig überlegenen Ilnbeholsenheit, ein naives Wunderkind der Ansagekunst. Das literarische Niveau wird von Tucholski und Erich Kästner gehalten(herrlich interpretiert von Käthe Kühl und Ernst Busch, der auch«inen wunderbar teutschen Proscssar am ivlikrophon über das»deutsch« Trällerliedchen" die nötigen Flöten- töne vorbringen läßt), das tänzerische, auf reizende parodistische Weise, von Hilde Schoop. einem Wilhelm Busch des Grotesk- tanzes, und den Geschwistern Witt, das sozusagen allgemein Literarische von Arnulf Schröder, der mit Hilde Schoop einen Schnellkursus im deutschen Liebesgedicht von Wolter von der Vogelweide bis ,zu Kurt Schwitters pantomimisch durch- macht und außerdem die Kosten eines sehr ernsthaften Intcroiewes trägt„Darf das junge Mädchen allein auf den Ball gehen?", in den Masken von Hugenberg bis zu Shaw. Einen Höhepunkt bildet wie immer Hans Deppe in der Serie.„Heroische Frauen": wie die sächsische Mutter Im Eafe sich und den Ihren Platz schofst, wie die auf Würde und Asthma spekulierende ältere Dame am Billettschalter ihre niederschmetternd« Chuzpe entfaltet, das muß man erlebt haben, um die Ueberlegenheit de» weiblichen Geschlechts �voll zu begreifen. Den Beschluß macht eine Szenenfolge über das Thema„Der Weg zum. Bahnhoj", in dem W. Fink und Deppe neben dem gesamten Personal auftreten und die Welldramatik von Sliakespeare bis zur Habima und Earows Lachbühn« parodieren. Der Beschluß, da alle Mitspieler Earows mit ungeheuren Musikinstrumenten �das happy end eintrommeln, ist von überwältigender Komik. scsi. Eine wunderorget. Ein Wunderwerk der Orgeibaukunsr ist jetzt im Saal Pleyel in Paris aufgestellt worden. Die Orgel kann so leicht gespielt werden wie«in gewöhnliches Klavier, denn alle Pedale, Manuale und Blasebälge werden durch 750 elektrische Drähte in Tätioteit gefegt. Jedes der vier Manuale hat 81 Noten. und es gibt 32"Pedale. Auf den leichtesten Druck hin entfaltet das Orgelwerk eine großartige Tongewalr. und der Organist kann durch de» Druck einer einzigen Taste die Note in allen Oktaven und-n fünf Kombinationen anschlagen. Wenn das Eresccndo-Pedal ge- treten wird, dann wird der Umfang des Tones durch ein Licht an- gegeben, das mit der Zunahme des Tones stärker wird. Die Orgel cnchält im ganzen aegen 2m Kilometer elektrischen Draht und Hai 4800 Lufträhre». Der erste Organist, der das Instrument gespielt hat, Marcell Dupr«, erklärte, daß die neue Einrichtung so viel be- deutet, als wenn man dem Organisten noch zehn Finger mehr gegeben habe. Der erste deutsche Farbentonsilm. Der erste deutsch« hundert- prozentige Ton- und Farbenfilm ist soeben von der„Detofa fertig» gestellt worden. Er heißt„Die Nonne von Heiligenwörth". ver iaamilfchc Tänzer Raden Ma» Zodjaaa mit ieinem ncuMöpiigen (Sainelen-Orchikler(laftletl aus Swladung der Lsltöbühne am Sonntaa, vorm. 1t'/» Uhr, im Zbealer am Bülowplad. Eivlanlarten für Mitalieder der SvikSbudn« tPlatzverlosung) l.Zl) Mark, Platzkarten für NichtMitglieder t. S und 2 Mark. vi« Schonspleter-Itachwarstetlnas, die für heut« im SomZdienbanS fest- geietzt war, ift auf TienStag. den tS. März, verlegt worden. Die Karten behalten ihr« Gültigkeit,. � dm ceiflvo.Mu«um rindrt Donnerstag,» Uhr, ein Paul-Hehse-Abend zum 100.«edurlStage de» Dichfer« statt. ver verlwer candqer'chlera« Seora Urooß, ein bekannter Sp«»>alist für wternotionale» Zivilreck». hat am Mittwoch in der«ula der Sarbonne seine Doktor- Di ssertatlan gehalten. Landgerichisrat Kraust Ift der erste deutsch«.Student' fest dem ZSeltkrieg, der d°Z franzSsische Dottorat erwirbt. E.« vnpan» murde ou!»icbmc Jahre aubichliesUich jür die Smclka veipilichlet Dupon». der seit Iahreu im AuSlano tälig war, lehrt im Oktober»ach Deutschland zurück. nd Kunst. Sozialistische Nevtie. llrausfuhrung in Essen. „Werter Genosse! E» ist dem Bezirksvorstand gelungen, als Redner für die bevorstehende Veranstaltung den Genossen Löbe zu gewinnen. Wir dürfen wohl als selbstverständlich erachten, daß auch dein Derband sich aktiv an unserer Feier beteiligen' wird. Wir rechnen bestimmt mit eurem vollzähligen Erscheinen." Wer von den Genossen, die sich in den Arbeiter-Turn- und -Sportvereinen, den Arbeiter-Sprech- und-Gefangschören führend betätigen, kennt nicht bisse freundlichen Anschreiben der Partei- leitimg, die mindestens drei Wochen, vierzehn oder acht Tage vor dem 18. März, dein 1. Mai oder dem 9. November an unser« prole- tarifchen Sport- und Kulturoerbände gerichtet werden? Herrscht doch seit Menschengedenken die stillschweigende Vereinbarung, daß man sich an diesen Tagen der Partei zur Verfügung stellt. Ist nur erst der Saal seitgemacht und der Festredner bestellt, das bißchen Drum und Dran wird rasch besorgt. Gewiß, wir habe» heute bereits Parteifekretariate, die sich be- mühen, nach bestem Wissen und Gewisien unsere proletarischen Fest« würdig zu gestalten, die den 9. November mit einer Aufführung der IX. Sinfonie von Beethoven unter Leitung von Richard Strauß oder einem proletarischen Chor- oder Sprechchorwerk begehen. Ist man doch sogar in Berlin in diesem Jahre erstmalig zusammen- getreten, um zu beraten, wie man die Maiseier in künstlerischer Be-> Ziehung bester ausgestalte, als es die letzten Jahrzehnte hindurch mich hierorts geschehen ist. Gestaltet unsere Feier. Gebt ihr ein eigenes Gesicht, ewe prole- tarische, revolutionäre Note. Pfeift endlich einmal auf alle über- lieferte herkömmliche„Festkultur", laßt unsere Arbeitermasien sich unmittelbar an die Genossinnen und Genossen wenden in einer Sprache, die sie verstehen, die sie packt und aufrüttelt und im Innersten ergreift! In diesen Tagen veranstaltete die SPD. Essen eine März- gedenkfeier, die diese Forderungen voll erfüllte In monate- langer Borarbeit, in die sich die Kinderfreunde, die Arbeiterjugend, proletarische Sprechchöre und Arbeitersängcr teilten, wurden die Vorbedingungen für ein Massenerlebms geschaffen, das sich in seiner Wirkung als so stark und unmittelbar erwies, daß die plötzlich« Abjage des Genosie» Severjng, der als Referent vorgesehen war, die Feier nicktt im rerinasten beeinträchtigen tonnte. Genosse Hans Brockmann, Leiter der Sprechchör« der SAI. Esten und Werden, unterstützt von dem Musiker Ottmar Ger st er. ließ in Form einer Revue die großen revolutionären Ereignisse der Weltgeschichte vor einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft abrollen. Zwei Stunden hielt er die Menge m atemloser Spannung. Mit der Red« des Marc Anton auf Julius Cäsar(Shakespeare) be- ginnend, leitet«r zu der Fabel des Tierparkaments aus Fiesko (Schillert, der großen Szene zwischen Marquis und König aus Don Carlos(Schiller), dem armen Krmrad der Bauernkriege, dem Soldatenvsrkauf der deutschen Fürsten aus„Zwölftaufend"(Bruno Frank), Danton(Büchner), Jedermann(Hugo von Hofmannsthol) und Gedichten der 48er Revolution'über, um in den„Arbeitern von Wien" bis in die jüngste Gegenwart vorzustoßen. Mit dem Auf- marsch der internationalen Arbeiter schließt die Reoil«. Ein An- soger verbindet die einzelnen Szenen. Sprechchör«, die an den Seiten, im Hintergrund und im Mittelgang des Saales miter- gebracht sind, greifen mit Beifall- und Mißfallspenden aktiv in die Handlung der Einzelsprecher aus der Bühne ein. Arbeiterchöre, auf der mittleren Empor« and rechts und links von der Szene auf- gestellt, singen Freiheitschörc und internationale, proletarische Lieder, während Ottmar Gerster in einer kurzen, schlagkräftigen, höchst sachlich gehaltenen Musik die einzelnen Aufmärsche und Szenen der Revue untermalt und das ganze in musikalisch knapper, zwingen- der Form zusammenhält. Mit wenig Mitteln, mit dem Einsatz bedeuiender künstlerischer Kräfte wurde der Revue eine Wiedergab« zuteil, der ein außerordentlicher Erfolg des überfüllten Saales beschieden war. Das Werk wird am 22. März in Hamborn und am 23. März in Duisburg aufgeführt. Ferner ift eine Wiederholung für den 1. Mai vorgesehen. Wir beglückwünschen unsere Essener Parteileitung zu diesem Erfolg, der weit über Esten hinaus sich auswirken dürft«. Walter Hänel. 0er vornan eines Gelehrtenlebens. Der Tod des großen englischen Sprachgelchrten Prof. Josef Wright beschwört die Erinnerung an«in Gelehrtenleben heraus, das in seinem Verlauf einem Roman gleicht. Dieses Kind eines Armenhauses in Dorkshir« verdankte seinen Aufstieg zum größten Teil der deutschen Wissenschaft, deren Bewunderer und Fortsetzer er in ftinem Lebenswerk gewesen ist. Wright wurde am 31. Oktober 1855 in einem Dorf bei Bradsord in der Einzimmerwohnung einer armen Witwe geboren, die weder lesen nach schreiben konnte und ihre vier Kinder durch Waschen ernährte. Der kleine Josef mußte schon mit ö Iahren einen Esel von der nahegelegenen Mühle nach dem Städtchen und wieder zurück treiben, mit 7 Iahren war er bereits als Handlanger in einer Weberei tätig und hatte.es mit. 13 Iahren zum vollbezahlten Arbeiter gebracht, ohne jemals eine Schule besucht zu haben. Während des deutsch-ftauzösischen Krieges, der ihn lebhaft interessierte, lernte er in der Bibel lesen und bildete sich soweit fort, daß er als Zwanzigjähriger eine Wendschule in der Hütte seiner Mutter einrichtete und 18 Schülern nach seiner langen Arbeitszeit in der Spimierct Unterricht gab, wobei jeder 15 Pfennig die Woche flahlte. In diesen Jahren hatte der junge Mann aus eigenen Kräften Deutsch, Französisch, Lateinisch und Griechisch gelernt. Er studiert« die Nächte bis 2 Uhr und mußte dann um 7 Uhr wieder an der Arbeit sein. Mit 21 Iahren hatte er sich 800 Mark erspart und ging nach Heidelberg, um dort zu studieren. Hier gewann er die Liebe zur Germanistik, wurde, nach Eizgland zurückgekehrt, Schullehrer und erspart« stch soviel, um nach Deutschland zurückzukehren, wo er von 1882 bis 1888 jn Heidelberg. Freiburg und Leipzig sich der Germanistik widmete. 1888 wurde er zum Lektor der altgennanischsn Sprachen in Oxford ernannt und begann nun die Arbeit an seinem ersten großen grundlegenden Werk, dem.Lexikon der englischen Dialekte", für das er mit Hilfe seiner Frau und anderer Mitarbeiter mehr als zwei Millionen Zettelaufnahmen zusammenbrachte. Da» Werk, das mit Unterstützung der Regierung 1906 vollendet wurde, enthält über 100 000 Dialettworte. 1901 wurde Wright als Nach- folger von Max Müller Profestor der vergleichenden Philologie in Oxford und hatte diesen Lehrstuhl bi» 1924 Inne. Cr verfaßte eine große Anzahl grammatikalifcher Werke, zeigt« stch als großartiger Organisator wissenschaftlicher Unternehmungen und cts der Man" der sich sters zu Helsen wußte, durch den Bau seines Hauses Oxford, den er mit Arbeitern ganz selbständig durchführte. � akfiMflte-Jbtfdger (Bezirk Jlorden-Csten. Butter-Hcinze G DEUTSCHE BAUHÜTTE Qm III» ba Hb Hoch- und Tiefbau Eisenbeton, Beton Eigenes Arch itektu r- und Ingenieurbüro Berlin C2, Burgstraße 21 Telephon: E 1, Berollna Nr. 5941— Nachtruf nach 5 Uhr: E 1, Berollna 3557— Für Ferngespräche: E 1, Berollna 2929 „Nordsee" WM MlltlllM Bremen-Cuxhaven A.-B. Bmenstr. 62 und Reinickendorfer Str. 47 Moabit, Huttenstralie 3 Charlottenburg, Reichssir. 99 Sdtmorgendort, Berkaer Str. 4 TägIidifri$dieFisilie,billigsteTagespreise Rändiervaren u. Fisöikonserven IndwlgDorner Berlin-Bohnsdorf Zenfralhelznng Sanllfire Anlagen Banklempnerel \ml Grünau 6265 [R. 152 7ür den(Herrn kauft man g u t und preiswert HÜIe# Mützen, Oberhemden, Krawallen, sowie alle mooernen Herren artikei im Spezialgeschäft Paul Itlenssel Küpenick, SdhloHst ake 17« Möbel-Kamerling Kastanienallee 56 (Bett. Spelle].,«leg. Schlaf],, oorn, leeren]., oporf. HQchen, Polster-, Flur-, starb- nnö Ttuftbaummöbel. lieseaousw.Spottpr.. iaqiuniiserleichtrr. Gebrüder Grob Gegründet 1SS2 55 eigene Verkaufsstellen In allen Stadtteilen Grolj-Bcrlln»> R 144 10 eigene Dampfmolkcrcien � Berliner Raisheiler Bierabteiiung• uieinabteiiung Königstr. 15-18 I\E Künstlerkonzert (lorzugliclie KOctie üeinridi FalkeDberg F. Perling Heringsräucherei engros— endetail Berlin 0 17, Lange StraBe 51 Lanzenberger& Co. Berlin-Treptow, Karpfcnlcichstratje 10-12 Größte, älteste und leistungsfähigste Fabrik fOr Leitern aller Art, Plättbretter, AermeJbretter usw. Georg Müller Holzhandlang, Treptow, Kielholzstra�e.960-67 Ständig großes Lager In Klefern-, Stamm-, Mittel- und Zopfbrettern, astfreien Selten- Erlen Telephon: Morilzplaiz 1616 nnd 139[106 Preislist fn(ordern t Lehrereereinshaus Karl Saeger e Hochelegante HochzeitssSI Große und kleine Säle für Festlichke itei] | GroBes Tages- und Abendrestauranl Am Alexanderplatz Pharussäle und Bierhallen N 65. 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BEmL NC.13 KrauseasiraCe41 Paul Binder ÜOCil- und Tieibau 0. SlmpionstraBe 38 Telephon: Andreas 4984 Fritz Muth Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen föelVage Donnerstag, 13. März 1930 IprAbimd Jitt\Lfv»Lrti Ais Luttwitz putschte... Ein Dokument des Verrats zum zehnten Jahrestag des Kapp'Patsches Für das anfängliche Gelingen des Kopp-Putfches hat nicht zum wenigsten die Unzuverläfsigkeit und Verräterei des Äommanidos der Berliner Sicherheitspolizei(Oberst von Schön st adt, Oberst A h r e n s, Major von Oldenburg) beigetragen. Nach dem Scheitern des Putfches reichten diese Herren eine Rechtfertigungsschrist über ihr Verhalten«in, deren Wortlaut(unter Fortiassung einiger unwichtiger Absätze) wir im nachstehenden wiedergeben: Der aufmerksame Leser wird keines weilschweisigen Kommentars bedürfen, um die heuchlerischen Ausflüchte zu durchschauen, hinter denen sich die zu Unschuldslämmern gewordenen ' Schuldigen oerschanzen. Der Polizeipräsident. Berlin, den 23. März 1920. Kommando der Sicherheitspolizei. No. 532/20 Z I a. Bericht über die Stellung der Sicherheitspolizei über den Putsch der Kapp und Genossen am 13. 3. 20. Stellungnahme der Sicherheitspolizei bis zum Augenblick des Einrückens der ZNarinebrigade. Die Sicherheitspolizei ist cm der Vorbereitung des Putschcs in keiner Weise(?) beteiligt. Das Kommando der Sipo erfuhr zum ersten Male oon gewissen Absichten des Generals von Lüttwitz, als der Chef des Stabes der Sipo, Oberst Ahrens, am Dienstag, dem 2. März, zum Reichswehr- gruppenkommando I besohlen wurde. Hier teilte ihm Generalmajor von Oldershausen mit, daß General von Lüttwitz fest entschlossen sei, in den nächsten Tagen mit Teilen der Reichswehr die Regierung gewaltsam zu stürzen. Oldershausen fügte hinzu, er und Major von Hammerstein hätten ihr möglichstes getan, ihn davon abzu- bringen, da sie aber jeden Einfluß auf ihn verloren hätten, sei ihnen dies nicht gelungen. Es sei jetzt jeden Tag zu erwarten, daß General von Lüttwitz mit Teilen der Reichswehr in Berlin einrücken würde. Oldershausen fragte darauf Oberst Ahrens, wie er sich dazu stelle.(!!!) Dieser erwiderte, es fei dies ein heller Wohnsinn, der unter allen Umständen verhindert werden müsse. Man solle den Alten wegjagen. Ueberdies bezweifelt« er, daß die Reichswehr in ihrer Gesamtheit so sicher hinter Lüttwitz steh«. Oldershausen sagte darauf, dies sei doch der Fall und deshalb sei die Entfernung des Generals von Lüttwitz mäzt ohne weiteres möglich.(Nämlich weil weder Oldershausen noch Zlhrens ernsthaft etwas unternehmen wollten. Red. d.„B.") Oberst» Ahrens besprach darauf ine An- gelegenheit mit Major von Oldenburg. Beide waren sich darüber einig, daß unter allen Umständen etwas geschehen(!l) müsse, um den General von Lüttwitz von seinem Vorhaben abzubringen. Größte Eile sei Not. Es erschien zweifelhaft, ob eine Unterredung des Oberst Ahrens mit Lllttwitz allein zu dem gewünschten Erfolge führen würde. Aussichtsreicher erschien es, die Führer der Rechlsparteiea zu einem Schritt bei'Lüttwitz zu gewinnen.(Ausgerechnet! Red. d. „V'.): denn nach menschlichem Ermessen mußt� angenommen werden, daß General von Lüttwih von seiirem Vorhaben ablassen würde, sobald er sah, daß die Rechtsparteien mit seiner Sache nichts gemein haben wollten.(Falls sie schief ging! Red. d.„V.".) Entsprechende Schritte wurden am 3. März getan. Oberst Ahrens begab sich zu Lüttwitz und stellte ihm in eindringlichster Weise die Unsinnigkett seines Vorhabens vor, gewann aber nicht den Eindruck, Lüttwitz überzeugt zu haben. Es schien ihm vielmehr. daß Lüttwitz sofort wieder umfallen würde, wenn im entgegen- gesetzten Sinn« auf ihn eingewirkt würde. Er erreichte aber, daß Lüttwitz bereit war, die Führer der Rechtsparteien zu empfangen. (Und vergaß ganz versehentlich, seinem vorgesetzten Polizeipräsi- denten Eugen Ernst, seinem vorgesetzten Innenminister Wolfgang Heine usw. von dem Lüttwihschen Vorhaben zu informieren. Red. d...VA). Gleichzeitig hatte der Major von Oldenburg eine Besprechung mit dem Führer der Deutschnationalen Dolkspartei,(Exzellenz Herqt. Dieser war ganz entsetzt, als er hörte, worum es sich handle.(Na, na! Red. d.„VA) Er äußerte sofort die Wsicht, den Volks- parteiler Heintze von der Angelegenheit in Kenntnis zu setzen, um mit ihm zusammen die entsprechenden Schritte bei Lüttwitz zu unter- nehmen.(Zu deutsch: die Rechtsparteien wußten um alles, die Linksparteien nichts. Red. d.„VA) Die Unterredung zwischen den Parteiführern und Lüttwitz schien Erfolg gehabt zu haben, denn Oberst von Schönstedt und Oberst Ahrens wurden am 5. März zum Reichswehrgnippenkommando bestellt, wo im Beisein des Gcneralniajors von Oldershausen eine Unterredung mit Lüttwitz stattfand. Beide Herren gewannen den Eindruck, daß die ernsten Vorhaltungen der Parteiführer nicht ohne Wirkung aus Lllttwitz geblieben waren, und daß dieser nunmehr bereit war, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen Dieser Eindruck wurde noch dadurch verstärkt, daß nach Mit- teilungen des Generalmajors von Oldershausen und des Majors von Hammerstein inzwischen auch von anderer Seite ein v e r- mittelnder Schritt unternommen worden war, der geeignet schien, das von Lüttwitz geplante Unternehmen ü b e r s l ü i s i g m zu machen.(Schön gesagt! Red. d.„VA) Offenbar im Auftrage von Lüttwitz war nämlich Geheimrat von Berger(Reichskm umssar für die öffentliche Sicherheit! Red. d.„VA) beim Reichspräsidenten Ebert erschienen und hatte diesem die Forderung überbracht, auf die es Lüttwitz bei seinem Vorhaben hauptsächlich anzukommen schien. (Aber nichts von den Putschabsichten des Lüttwitz gesagt! Red. d. ,.VA) ff? bandelte sich darum, einige Ministerpottcn mit Fach- minister» zn besetzen Ebert hatte sich angeblich(sehr angeblich! Red. d.„VA) diesen Forderungen gegenüber nicht ablehnend ver- halten. � Hiermit schien dem Kommando der Sicherheitspolizei die An- gelegenheit erledigt zu sein.(Eine Weitermeldung des Gehörten und des selbst Getanen an die vorgesetzten Stellen erschien dem Kommando also uberflüssig! Red. d. ,.VA) Sie kam erst wieder ins Rollen, als am Dienstag, dem 9. März, der Antrag der Rechtsparteien auf frühere Anberaumung der Reichstagswahlen in der Nationaloersammlung abgelehnt worden war. Das Kommando der Sicherheitspolizei besürchtete, daß Lüttwitz nunmehr ohne weiteres losschlagen würde, nachdem er gesehen hatte, daß mit parlamentarischen Aktionen doch nicht zum Ziel zu kommen sei. Es wurde deshalb O b e r l e u l- nant von Loebell zum Reichswehrgruppenkommando, Major von H a m m e r st e i n, geschickt, um sich bei diesem über den Stand der Ding« zu informieren! Dieser teilte dem Oberleutnant von Loebell mit, daß im Augenblick nichts zu befürchten sei, denn am Mittwoch, dein 10. März, soll« zwischen dein Reichs- Präsidenten Ebert und Lüttwitz eine Unterredung über dessen Forde- rungen stattfinden, an der auch der Vorgesetzt« des Generals von Lüttwitz, Reichswehrminister N o s k e teilnehmen solle. Diese Unterredung fand tatsächlich am 10. März statt, hatte aber, wie Major von Hammerstein am 11. März dem Oberleutnant von Loebell mitteilte, einen katastrophalen Ausgang(!) genommen.(Das heißt: Ebert und Nosk« hatten Lüttwitz in seine Schranke» gewiesen. Red. d.„VA) Die Lage schien dadurch wieder aufs höchste gefährdet. Des- halb juhr Oberst Ahrens gleich nach der Rückkehr des Oberleutomits oon Loebell zum Reichswehrgruppenkommando, weil das Koin- inando der Sicherheitspolizei eine gewaltsame Aktion unter all»» Umständen vereiteln wollte.(Natürlich nicht mit Gewalt und nicht unter Einsetzung der Person! Red. d.„VA) Major von Hammerstein sah die Lage als nicht mehr gefährdet an, denn er teilte dem Oberst Ahrens und dem miterschienenen Major oon Oldenburg inil, daß General von Lüttwitz beurlaubt sei und die Hauptbeteiligtea, Generallandfchastsdirektor Kapp und Riasor Pabst, in iünf Minuten verhaftet würden. Damit schien alle Gefahr beseitigt. Am anderen Morgen, 12. März, vormittags 10 Uhr, wurde plötzlich die Garnison und die Sicherheitspolizei Berlin aus Befehl des Reichswehrmimsters in Alarm, zustand versetzt: und bald daraus Oberst Ahrens zum Reichswchrgruppenkommando bestellt. Hier wurden, da mit ziemlicher Sicherheit feststand, daß Lüttwitz nunmehr losschlagen würde, die Abwehrmaßnahmen besprachen. Inzwischen war auch bekannt geworden, daß die Verhaftungen mißlungen lelckik (Warnung der zu Verhaftenden— durch wen?! Red. d.„V") Unter dem Befehl des Obersten v. T Hey se i, wurde eine aus Reichswehr und Sicherheitspolizei zusamincngeftellte Abteilung zum Schutze des Regierungsviertels bestimmt. Aus der Art dieser militärischen Abmeh�mafznahmen ging bereits hervor, daß oon der diesen Befehl gebenden Stelle an einen ernsthaften Wider st and gegen die heranziehen- den Truppen nicht gedacht wurde, denn man begnügte sich lediglich mit dem örtlichen Schutz des Regierungsviertels, unlerlieh aber jede ZNahnahme, den von Döberih heranrückenden Truppen außerhalb der Sladt Widerstand zu leisten, was allein Erfolg hotte haben können. Vor solchen Maßnahmen scheute offenbar die Befehlsstelle zurück, da sie anscheinend Blutvergießen ver meiden wallte. (Welch rührender Pazifismus preußischer Generäle! Red. d.„VA) Oberst Ahrens hielt unter diesen Umständen eine Klärung der Frage, ob geschossen werden sollte öder nicht, für unbedingt notwendig, um das Schauspiel eines etwaigen Zwiespalts in dem Verholten der Reichswehr und der Sicherheits- Polizei zu vermeiden.(Was zweifellos das Wichtigste war! Red. d.„VA) Es wurde daraufhin Generalmajor Brauer zu Oven geschickt, um die Frage des gemeinsamen Verhaltens zu klären.(Von Oven war Führer des Wehrkreiskommandos III. (Nach dem Zeugnis des Obersten Vauer hat er in den fünf Tagen der Kapp-Herrlichkeit nur dreimal seine Stellung gewechselt. Red. d.„VA) General v. Oven äußert« sich dahin, daß Reichswehr und Sicherheitspolizei unbedingt nach einheitlichem Befehl handeln müssen, daß wenn also geschossen werden sollte, auch beic« Formationen schießen müßten.(Das heißt: Möglichst keine von beiden! R«d. d.„VA)... Nach dieser Auskunft blieb die Fraa« der Waffengebrauchs nach wie vor offen. Darum sichren Oberst Ahrens und Major Bruer abermals um 9 Uhr abends zu Generalmajor v. Oven, um einen klaren Befehl zu erwirken. Während dieser Be- sprechung im Hause des Generals v. Ocen erschien der Chef der Heeresleitung, Generalmajor Reinhardt. Das Ergebnis der Unterredung war, daß General von Oven zu Oberst TlzeylleN nach der Reichskanzlei fuhr, un) den Befehl zum Schießen zu geben. Da sich das Kommando der Sicherheitspolizei des Eindrucks aber nicht erwehren konnte, daß die Reichswehr trotz dieses Befehls doch nicht schießen würde (Der Wunsch als Vater des Gedankens! Red. d.„V."). fuhren der Oberst Ahrens und der Oberst von Schönstadt zum Reichswehr- gruppenkominando. Der Eindnick, daß die Reichswehr nicht schießen würde, war inzwischen durch Tatsachen(?!) ver- stärkt Der Chef des Eeneralstabs des Wehrkreiskommando» III, Oberstleutnant Wetzel, war ebenfalls anwesend. In der folgenden Besprechung kamen alle Stellen überein. daß die Truppen tatsächlich nicht schießen würden, auch wenn der Befehl dazu gegeben sei.(So wünsckten es die Herren Generäle, die M'irns Hostel, hätten zum größten Teil geschossen, wie ja tatsächlich z. B. das Pionierbataillon sein« Offiziere abletzte, als es sich von diesen oerraten sah. Red. d.„VA) Major von Hammerstein teilte dies den, Generalmajor v. Seeckt mit, der seinerseits erklärte, daß es nicht angängig iei, eine„Felddi.-'nstü''»ng mit scharfen Patronen* abzuhalten. Am Morgen des 13. März kam dann der Befehl des Reichswehrgruppenkommandos, daß Reichs- wehr und Sicherheitspolizei in die Kasernen einrücken sollten. Ii. Stellungnahme der Sicherheitspolizei nach dem Einrücken der Marinebrigade. Nachdem nunmehr feststand, daß Lüttwitz mit der Mari,«- briaade, an der Siegcsallee stehend, nach Ablehnung des Ultimattims zur Besetzung des Regierungsviertels einrücken würde, wurde der Führer der Marinebrigode(Ehrhardt. Red. d.„V.*) vom Kommando der Sicherheitspolizei dahin orientiert, daß die Sicherheits- wachen besetzt seien, Reichs dank und Reichsdruckerei ebenfalls be» schützt seien, und daß beabsichtigt sei, zur Verhinderung von Plünde- rungen die notwendigen Maßnahmen zu treffen... Inzwischen war aus der Reichskanzlei mitgeteilt worden, daß die Mitglieder der alten Regierung einschließlich des Reichsxräsi- denten Berlin verlassen hätten und den neuen Machthabern das Feld überlassen hätten. Um ein Auseinanderfallen der Sicherheits» polizei in diesem kritischen Augenblick zu verhindern und um die Reichshauptstadt dadurch nicht jeden polizeilichen Schutzes zu be» rauben(Schutzes? Gegen die Hochverräter schützte die Polizei ja nicht! Red. d.„V."), erschien es dringend notwendig, die Beamten durch ein kurzes Rundtelegramm auf die plötzlich eingetreten« Ver- änderuinz der Sachlage hinzuweisen und sie zu veranlassen, auf den Boden der gegebenen Tatsachen(Hurra,«in Boden der Tatsachen war wieder einmal dal Red. d-„V."> sich stellend, vorläufig(!!! Red. d.„VA) hinter die augenblicklich alleinigen Machthaber in Berlin zu treten und zwar in d e in alleinigen Bestreben(!!), dadurch die öffentliche Ruhe und Ordnung in Berlin aufrecht zu er, halten(die lediglich durch den Ehrhardt-Lüttwitz-Putsch bedroht war. Red. d.„V*1. Jede andere Stellungnahme hätte einen blutigen Kamos zwischu, Sicherheitspolizei und Reichswehr unh dadurch das Chaos in Berlin zur Folge gehabt.(Wiederum edelster Pazifismus! Red. d.„VA) Eine Neutralitätserklärung oder ein« passive Resistenz war ebenfalls ausgeschlossen(?!), da sie Berlin ohne polizeilichen Schutz gelassen und den Lauf der Dinge doch nicht hätte ändern können.(Ausrede aller, die ihn nicht ändern wollen. Red. d.„VA) Das Kommando der Sicherheitspolizei sah sich zu dieser Stellungnahme um so mehr gezwungen, als die alt« Negierung Berlin verlassen und damit wenigstens für den Augenblick der Auffassung Raum aewährt hatte als ob sie abgedankt habe, zumal von ihr keineriei Weisung zurückgelassen war, auch von den vorgesetzten preußischen Dienststellen(die man absichtlich nicht orientiert hatte! Red. d„V."), keinerlei Befehle an das Kommando gelangten. Da die' Lage raschestes Handeln forderte, wiu'de einzig und allein aus den dar» gelegten Gründen(Wer fühlt den schweren inneren Kampf nicht mit?! Red. d.„A."> naä stehendes Rundtelegrgmm an die nachgeordnete» Dienststellen abgesandt: An a!le S cherheiiSVachen, Truppen und felbständ'gsn Formationen. Die Negierung ist gekürzt. SicherheiiS- polizei und Neichswe�r stehen hinter der neuen Negierung. Alles versieht den Oienst in der bisherigen Form weiter. von Schönstadt. (Dies ist das klare Dokument des Verrats. Alle verlogenen ' Ausflüchte im Borangegangene» und Folgenden schaffen es nicht aus der Welt. Sein Wortlaut zeigt deutlich, mit welcher Borbchalt- losigkeit die damalige Leitung der Sicherheitspolizei sich den Kappisten anschloß. Red. d.„Dorwärt:".) Nachdem sich die Sachlage in den nächsten Tagen geklärt hatte (der Generalstreik wirkte! Red. d.„V*), nachdem insbesondere seststand, daß die verfassungsmäßige Regierung noch bestand u,ü> keineswegs gesonnen war, abzudanken, hat das Kommando der Sicherheitspolizei alles getan, um durch Vorstellungen nachdrück- lichster Art(!!!) die neuen Machthaber zu einer Verständigung(!) mit der verfassungsmäßigen Regierung zu bewegen, um einen Aus« weg aus der verworrenen Lage zu suchen. Insbesondere Hai der Kommandeur der Sicherheitspolizei Oberst von Schönstadt den neuen Machthabern keinen Zweifel darüber gelassen, daß die Sicherheits» Polizei nicht für die Persönlichkeiten Kapp und Iagew zu haben sei(ül, falls an diesen Personen eine Einigung scheitern würde. Diese Ausfassung hat der Kommandeur in unzweideutiger Weis« in zwei Besprechungen am 15. und 16. März den, Polizeipräsidenten Eugen Ernst gegenüber vertreten. Für den bedingungslosen Rücktritt von Kapp war ausschlag» gebend die.von Oberst Zlhrens am 17. März(als der Sturz Kapps bereits feststand! Red. d.„V.*) in der Reichskanzlei abgegebenen Erklärung folgende» Inhalts: Mannschaften voll in der Hand der Osfl'iere. Alle» bereit, gegen den Bolschewirmu» zu kämpfen. Für neue Re- gierung kämpft kein Mensch. Von neuer Regierung darf überhaupt niemand sprechen. (Mik dieser Parole machte das Kommando der Sipo das letzte Verzweiflungemanöver der Kappisten mit, die nach ihrem Mißerfolg auf die„bolschewistische Gefahr" abzulenken suchten. Red. d.„VA) Als am Nachmittag des 17. März das Verbleiben des Generals von Lüttwitz eine glückliche Lösung der Krise zu vereiteln drohte, gab Oberst von Schönstadt im Namen der Sicherheitspolizei die Erklärung ab, daß stch diese für die Person des Generals von Lüttwitz unter keinen Umständen einsetzen werde. Aus diesen Darlegungen geht unzweideutig(!!) hervor, daß die Sicherheitspolizei und vor allem auch das Kommando auch in den kritischen Tagen durchaus loyal(!!!) oerfahren ist und daß ihr ein« spätere Zeit dafür einmal Dank wissen wird. * Mit diesem stinkenden Selbstlob schließt der Bericht, Die später« Zeit urteilt anders über die Schänstodt, Ahrens und Oldenburg. als di�se es ihr vorschreiben möchten. Sie sieht in dieser Denlschrift nur«in Dokument des völligen Versagens, der Treulosigkeit und d? verräterischen Feigheit. L. K— r £ Buch (18. Fortsetzung.) Biete meiner Spinnerinnen sind sechzig Jahr« alt- Die in der Jugend gesponnen haben, holen das Spinnrad wieder hervor, wenn sie alt werdend asserfoprtlerinnen des I.Kreises, Reigenschwimmen. Reigen- probe für Wie»- Berlin: Freitag. 14. März, 20)4 Uhr, im Luna- bad. Treffpunkt: 20'A Uhr am Eingang vom Wellenbad. Ersatz- leute müsten auch erscheinen. Eintritt: 35 Pf., Mitgliedsbuch mit- bringen. Die Phologemelnschaft des Touristenvereins„Die Ralurfreunde" ladet alle Interessierten zum Montag, 17. März, 20 Uhr, zu einem Vortrag über„Herstellung von Diapositiven" ein. Dabei Anmeldungen zu den unentgeltlichen Photokursen. Oesterrcichischer Bundestag. Der Arbeiterbund für Sport und Körperkultur Oesterreichs(Askö) hat seinen 4. Bundestag für die Zeit vom 10. bis 12. Mai nach Wien einberufen. Der „Askö".ist die Dachorganisation aller österreichischen sozialistischen Sportorganisationen. Die umfangreiche Tagesordnung enthält unter anderem die Behandlung des 2. Arbeiter- Olympias, das 1931 in Wien stattfinden soll, und die Behandlung der Stellungnahme von Staat, Land und Gemeinden zum Arbeitersport. 75. Kampstag im„Ständigen Ring". Franz Nekolny-Tschecho- flowakei wird mit dem Königsberger Helmut Schulz m den Ring gehen, und im zweiten Hauptkampf hat es der hervorragend« Breslauer Mittelgewichtler Erich Tobeck mit dem ring erfahrenen Saarbrücker Otto Lauer zu tun. Nicht minder lebhaft und ab- wechslungsreich wird es im Treffen zwischen Rudolf Boguhn-Berlin und Paul Richter-Dresden zugehen. Im Federgewicht stehen sich Bartneck-Breslau und Zicho-Hamm gegenüber, und für den Ein- leiwngskampf sind Kracht-Hamburg und Kiihn-Hirschberg verpflichtet worden._ Arbeiter. R-d-«nb Ätattfrtw-Sitnb.Solidarität�, Ort«ru»t>e«roß. Berlin. Touren für Eonntaa, lS. Mär». Radfahrer. 1. und 2. Abt.! grei für die Kundaebunq anläklick, der»chnjähriaen Wied ert ehr der Abwehr des i>aw>- putsche--.— 5. Abt.: Durch den Nremer. Start: 8 Uhr Landsberger Platt.»■- 6. Abt.: Anfahrt nach Stolpe-Sohenneuendorf, Waldschante, Inh. Stelter. Start: 12ZH Uhr Bornhalmcr Straße Ecke Schönhauser Allee. �>. Abt.: Ziel am Start. Start: 18 Uhr.— Abte-iluna Cbarlottenbura: Anfahrt nach der Nauener Waldsckmnke. Start: 8 Uhr Wilmersdorfer Eck« Nanalltrake.— Abt. Rentölln: Lehnihfee über Summt nach Wensickendorf. Start: s Uhr Hohen. .tollernploh.— Abt. Treptow. Baumläulenwea: Anfahrt nach Wildau. Altes Schüheulmus. Start: 13 Uhr Bahnhof Vaumschulrnwea.— Abt. Lichtenberg: Nadvolollbung. Start:» Uhr Rusche. Ecke Bornihstrahe.— Abt. Oberschöne- weide: grllhlinasanfahrt, anschließend äemiitlichcs Deisommrnsern im Ber. "tart: 13 Uhr.— Abt. Weißensee-Leinersdorf: Anfahrt nach Stolpe. Elart: 1t) Uhr Heincrsdorfer Kirche.— Motorradfahrer. Abt. grenz berg: 15. März E-sbcineffen in der Kindl-Öuelle, Reichcnbergcr Str. 91. 16. März noch Biesenthal, Restaurant Schulz, am Markt. Start: 13 Uhr Baltcnplaß.— Abt. Oberschöucweidc: grllhlinasansahrt, anschließend gemütliches Beisammen- sein in: Vereinslokal. Start: 13 Uhr.— Versammlungen. 1. Abt.: ZL Mär, bei Rickert, Steinmeßstraße 36. Jugend am 13. März im Jugendheim Wasser. torstroße 9.— 2. Abt.: 19. Mär, bei Lock, Schönleinstr. 6.— 8.«bt: 19. März in der' Strausderger Str. 3. Jugend am IS. März im Jugendheim grankfurter Allee 130.— 6. Abt.: 21. März bei Hofmann, Schwedt«» Str. A. — Abt. Eharlottenburg: 19. März gestversammluna anläßlich des 30iährige» Beftebens bei Reimer, Wilmersdorfcr Str. 2l.— Abt. Lichtenberg: 19. März bei Wegncr, grantfurter Allee 236. 20 Uhr.— Abt. Weißensee-Heinersborf: Außerordentliche Generalversammlung am 11. März in Weißensee, Lothringen- straße 3Z. bei Nagel, 20 Uhr. Gäste sind zu allen Veranstaltungen herzlichst willkommen. Am 16. März kein Schauturnen der KTEB..l>arl«h»rst. Wegen der Partei- peraustaltung am kommenden Sonntag wird das Sckiauturnen des Bezirkes auf einen anderen Tag verlegt. Die Mitglieder beteiligen sich au der Parteifeier. vonnerstss, 13. Ma«. Berlin. 16.05 Dr. Hellmut Falkenfeld: Die geistige Not des Schriftstellers. 16.30 1. Haydn: Sonate Cis-Moll(Friedrich Wahrer, Klavier).— 2.N Schubert! Lieder(Max Gordon, Tenor; am Flügel: Julius- Bürger).— 3. Brahras: Variationen über ein eigenes Thema, op. 21(Friedrich Wührcr).— 4. Wolf: Ueder(Max Gordon).— 5. Feinberg, Mjaskowsky.: Klsrier-l stücke(Frdr. W0hr£r). 17.30 Kreisläufe in der Najnr(E. Bulowa). 18.00 Prof. Dr. Adolf Marcus«: Die Bewegungen der Erde. 18.30 Brotversorgung und Brofvprbrauch. Ausspachc zwischen Cnanotte Muoj sam- Werther. M. d. RWR-, Prof. Neumann und Prof. Reyher. 19.00 Unterhaltungsmusik._.__,. 20.00..Tannhäuser und die Jockels'�(Thcatcrskandal In Paris), Hörspiel-vom Hanns Q. Lustig. Regie: Alfred Braun. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: R�spdtänzc. Königswustcr u s e n. 16.00 Ob-SUd.-Dir. Dr. Johannes Reiske: Laufbalm eines Studienrats. 17.30 Dr. Heinrich Spiero: Zum 100. Geburtstage Paul Heyscs. 17.55 Min.-Dir. v. Krosigk: Ausgabensenkungen im Reichshaushalt. 18.20 Erich Landsberg: Die Frau heute nnd gestern. 18.40 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.05 Louis von Kohl: Die nordischen Völker. 19.30 Prof. Dr. Schöttler: Seuchenhaftes Verkalben. 20-00 Programm der Aktuellen Abteilung. 20.30 Unterhaltungsmusik. 21.00 Qewerbehaus in Dresden;„Die Qeistcrbraut" Anton DvoTaÄ Ballade in drei Teilen von K. J. Erben. 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Lindcnstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Einheltsverliand d. Eisenbahner Deulsdilands, Ortsoruppe Berlin Der Kollegenlchaft zur Nachricht, daß der Beamtenpeustonär, Kollege Eduard Stenzel am 6. März verstorben ist. Ehr« feinem Andenken! Die Beerdigung finde« am Freitag. dem l« März, I6><. Uhr. aus dem Sophien-Kirchhof, Fre:enwalder Etr„ statt. Um zahlreiche Veletltgung er- sucht Ute OrbycrvaUimt Absfehende Ohren vcrleitien dem__ oiwJl Gesicht einen xjjBW If 7 unedlen, oftsm- AjSK�g. piden Ausdruck. Sie sind oft die leF�y f Ursache zu TÄA f ' Spötteleien. verleihen dem Gesicht einen unedlen, ofts'u- l piden Ausdruck. 1 Sie sind oft die Ursache zu Spöttelelen. Wenden Sie V.. Uhi iiieFiederoiaus mit Gustav Matzner Preise U A 3 M. GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 Sonntag gudin. nnoek. Haide Pr. MMR Direktion: ur. Martin Zickei>MW Komische Oper Fntarichstr.fOA Herkur 1401.4330. Nach vollständigem Umbau Täglich 8V. 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