Morgenausgabe Nr. 123 A 62 4?. Jahrgang «Sche-tNch«Pf, monatlich WO». im oorau» zaklbai. Postbezug 4L2 TL ehtfchHe%Iid» eOPfg.Poftjeltungs« mtU 72 Pfg. Poftbestellgebü hren. Ausland»« abonnemem 6.— Lt. pro Monat. Der„DonvSrts� erscheint wvchentSg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Adendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und„Kindersreuno". Ferner »Unterhaltung und Wissen".„Frauen- stimme".„Technik".„Blick in die Vücherwelt"und„Iugend-Vorwärts" Berliner Solksblati Freiiag 14. März 1930 Groß-Serl!n 10 Pf. Auswärts 15 pf, Di»: t n« p o m g e Nonparetliezer!« 80 Pfermig. Reklame" eile 5.-* Reichsmark.„Äiflnc Anzeigen' das ettae- druckte Wort 25 Pfennig(zu'assig zwei fettgedruckte Warte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erst« Wort 1ö Pfennig, jedes wettere Wirt 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben thlen für zwei Worte Arbeitsmaikt eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ztil« ' Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- »tichäft Lindenftrahe 3. wochentäglich von tt»/, bis 17 Uhr. Jentealorgan der GozialdemokraMchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenftrahe 3 Kernsprecher: Dönbol» SvS— 2S7 Telefframm-Adr: Soz'.aldemokrai Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Posischeltkomo? Berlin 37536.— Bankkoniv. Bant der Arbeiter. Anaeliellien und Beamten. Wallslr SS' Di B n TiZr-Gel Tcvolilenkalie Lindensrr 8. Reue Verhandlungen. Die Deuische Volkspartei wieder beteiligt. Da nach der Amiahme der Domig-Gsfetze die Erledigung der Finanzsragen in den Vordergrund tritt und für die Verob- schiedung der gegenioärtig dem Reichsrat vorliegenden Gefetzent- würfe nur kurze Zeit zur Verfügung stehen wird, sind am Donners- tag die interfraktionellen Verhandlungen der Re- gierungs Parteien wieder ausgenoinnren worden. Für die Deutsche Volkspartoi, die sich jetzt wieder an den Verhandlungen beteiligt, war der Abg. Dr. C r e m e r erschienen. In der Besprechung wurden nochmals die Vorschläge erörtert, die die Weimarer Par- teien in den letzten Tagen der Regierung gemacht, haben. Gegen die Ilmwandlung der Biersteuer in eine Landersteuer wurden vom Abg., Dr. Cremer oerfassungsrechtliche und fachliche Bedenken geäußert. Er äußerte ferner' Bedenken gegen die Erhöhung der Umsatzsteuer und die Besteuerung der Einfuhr. Die Verhandlungen sollen am Freitag nachmittag fortgesetzt werden. Das bayerische Heldenstück. peinliche tleberraschung in München. München, IS. März.(Eigenbericht.) Das Rein der Mehrheit der Fraktion der Bayerischen Volkspartei itnj' Reichstag zum Boung-Plan hat m den führende« Kreisen dftser Partei in München große Ueberraschung hervorgerufen. Das Er- ftäunen wuchs- noch, als bekannt wurde, daß der Minister- Präsident Dr. Held allein der Urheber dieser Haltuüg war und daß der Parteivorsitzende S ch ö f f e r und der Fraktionsführer Leicht ihre heftigen Gegner gewesen sind. Die chälwng Dr. chelds wird auf den Einfluß seiner deutsch» ationalen Regierungs- freunde zurückgesühn, die offen mit einer Regierungskrise gedroht hatten für den Fall, daß sich die Bayerische Dolkspartei im Reichstag positiv zum Doung-Plan stellen würde. Dr. Held fürchtet aber nichts so. sehr, als die Krise mit den Deutschnationalen; er weiß, daß sie seinen Sturz als Ministerpräsident unmittelbar im Gefolge hätte. Nach der Rückkehr Helds und Slkäsfers aus Berlin wurde sofort eine Sitzung der Lanbtogsfraklion zusammenberufen, in der über die Vorgänge in Berlin Bericht erstattet wurde. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, dagegen wurde mit großem Bedauern davon Kenntnis ge- „ommen, daß die„Gesundheit" des Prälaten Leicht durch den Ablauf der letzten Creignisie in Berlin stark er- s ch ü t t e r t sei. Die offiziöse„Bayerische Volkspartei-Korrespen- denz" beeilt sich, die Haltung der Mehrheit der Reichstagssraktion zu verteidigen. Dementsprechend stellt sie auch jede Krise innerhalb der Partei und jeden Gegensatz zwischen Held und Leicht entschieden in Abrede. Es herrsche im Gegenteil volle Einmütigkeit, und Leicht, als der bewährte Führer, besitze das uneingeschränkte Dertrauen der Gesamtpartei. Diese Einigtest und das Vertrauen zu Leicht werden aber ganz offensichtlich nur deswegen so sehr in den Vordergrund gestellt, weil die Bayerische Dolkspartei beides braucht, um. bei der Finanzresorm doch noch einige Dutzend Millionen herauszu- schlagen, damit der Staat Bayern das B a n k r o t t st a d i u m endlich überwindet und seist seit fünf Monaten fälliger Haushaftsplan endlich aufgestellt werden kann. Sein Finanzminister hat nur noch Kassenbestände für weyig« Wochen und außerdem drückende kurzfristige Schulden von 120 Millionen Mark. Abschied von Hindenburg. ANdeuische Ltnverschämtheiten mit Trauerrand. Die Erklärung des Reichspräsidenten von Hin den- bürg, die wir gczstern noch in dem größten Teil unserer Abendausgabe veröffentlichen konnten, predigt in der Sprache, die die rechtsstehenden Kreise des Volkes verstehen u ad zu hören gewohnt sind, einen gesunden politischen Gedanken. Die Fortführung des Kampfes um den Voung- Plan nach seiner endgültigen Annahme kann außenpolitisch keine Wirkung mehr üben, sie kann jetzt höchstens aus inner- politischen Gründen unternommen werden. Mit anderen Worten hieße das, eins erledigte außenpolitische Frage zu Zwecken innerer Verhetzung und Zersetzung mißbrauchen. Dos ist es, wovor der Reichspräsident warnt. In die Reihen der nationalistischen Hetzer hat die Unter- zr-ichnung der'Zoung-Gesetze durch den Reichspräsidenten und die Begründung dieses Aktes wie eine schwere Mine einge- schlagen. Die alldeutsche„Deutsche Zeitung" ist gestern m i t Trauerrand erschienen und einem Leitartikel„Abschied". Der mit diesem Abschied verabschiedet wird, ist kein anderer als der Reichspräsident von Hindenburg. Ihm wird jetzt folgendes ins Stammbuch geschrieben: Roch dein, was der Reichspräsident jetzt über sich gebracht hat zu tun, wird er sich nicht wundern, daß, wie er sich von denjenigen geschieden hat. deren Dertrauen ihn vor fast fünf Iahren zu seinem hohen Amte berief, nun diese von ihm scheiden, da er ztm» Vollstrecker marxistischer Ersüllungspolstik geworden ist. Wie dieses selbstmörderisch« Verhallen eines ver- blendeten Teils unseres Volkes in der Geschichte ohne Beispiel da- fleht, so auch das Verhallen des Reichspräsidenten.... Dem Sieger von'Tonnenberg wurde es von der Mais« der nationalen Deutschen in überschwenglichem Maße entgegengebracht, und durch diese Kreis« ging ein Aufatmen, ja jubelnde Hoffnung, als Fcldmarscholl v Hindenburg sich bereit erklärte, im zweire» Wahlgange für die Reich-nräsidentschaft als Bewerber aufzutreten. Die Bedenken derer wurden überhört, die durch die Erfahrungen in allen Fällen, wo der Feldmarschall politisch hatte handeln müssen, erkannt haben, daß dem großen Soldaten und Kriegsmeisler da» Geschenk des staaksmännifchen Genius nicht in die wieg« gelegt worden war, daß er in diesen Fällen Klarhzit des Urteils, Raichhest und Eindeutigkeit der Entschlüsse haste fehlen lasten. Wir wollen in dieser bitter schweren Stund« nicht auszählen. Mi« m eigentlich allen Emzelhesten der zum Zteichspräsöxnta, ge- wordene Feldmarschall versagt hat. Es genügt die Feststellung — die geschichtlich nicht zu widerlegende Feststellung—. daß dieses Relcheoberhaupl im großen und im einzelnen versagt hat, daß sein« Präsidentschaft ein einziges, sich immer mehr ver- schlinnnerndes Martyrium für seine ollen Getreuen und Verehrer wurde. Der zweste Reichspräsident det Republik kann sich— wenn er überhaupt eines Trostes bedarf— damit trösten, daß nicht nur seinem unmittelbaren Lorgänger, sondern auch den ehemaligen kaiserlichen Regierungen und dem Kaiser selbst von den Aposteln des nationalistischen Irrsinns noch ganz anders mitgespielt worden ist. Hatte sie doch dem annen V e t h m a n n während des Krieges nachgesagt, daß er auf feiten Englands stehe! Vor dem Krieg, während der Marokko- krise, mußte ein alldeutscher Redakteur schleunigst verschwin- den, well er sonst einem Prozeß wegen Majestätsbeleidigung nicht hätte entgehen können. Ohne das Treiben dieser Leute wäre Deutschland niemals in den Krieg hineingeschlittert, hätte der Krieg nicht so lange gedauert und wären dem deut- schen Volke niemals die Lasten entstanden, über die sie jetzt heulen. Ein Volk, das in wesentlichen Teilen dieser nationalisti- schen Hirnvest verfällt, schwebt in Lebensgefahr. Der Reichs- Präsident hat das erkannt und warnt. Dafür kriegt er jetzt den schlichten Abschied. Prozeß um Heimwehrwaffen. AngeNagte Sozialdemokraten freigesprochen. Wien. 13. März(Eigenbericht.) Im Dezember hatte die bürgerliche Presse sich darüber enttetzi, daß in dem Jndustricort Fohnsdorf(Steiermark) zehn Schutzbündler und zwei Gemeinde Wachleute nerhistei werden konnten, weil sie versucht hätten. Waffen der Heim wehr zu stehlen. Tatsächlich erhob die Staalsanwaltschaft auch gegen dies« 12 Leute Anklage wegen Diebstahls. Das Schöffengericht Loeben sprach nun am Donnerstag alle Angeklagten mit der Be- gründung frei, daß auf Aussagen de» Spitzels der Gendarmerie, aus besten Angaben hm die 12 verhaftet wurden, ein Schuldspruch nicht aufgebaut werden könne. Es sei den Angeklagten also kein Dlebstahl nach. gewiesen, wphi aber s« ihr« Verantwortung nicht widerlegt, daß sie«n« Schsebung der Heimwehr mit Waffen ver- hindern und die Gendarmerie v'rstä tidigen wollten. Zweikampf Moskau- Rom. Bucharins gefährliche Vergleiche. Von Dotor Oarwy. Am 19. März findet der„Weltsühnetatz" statt, den der Papst in seinem Protestbrief gegen die Religtonsoerfolgungen m Sowjetrußland angeordnet hat:„Wir werden das hellige Herz um Verzeihung und Barmherzigkeit für die Opfer und auch für ihre Henker bitten.. Dieser Gebetskreuzzug, wie ihn der Papst selbst nennt/ ruft Im Kreml einen Entrü st ungs stürm ohne- gleichen hervor, der beweist, daß der Papstbrief den wunden Punkt der Sowjetpolitik getroffen hat. Die Bolschewisten rüsten.sich gleichfalls zum„Kulturkampf" im internationalen Maßstabe: Stalin gegen Pius XI'., Moskau gegen Rom. die kommunistische Internationale gegen die katholische Welt- tirche. Der Papstbrief wurde formell an den Eeneralvikar.in Rom, Kardinal Basilio Pompily, gerichtet. Stalins Antwort darauf ist von seinem Generalvikar, dem reu- mutigen und dienstfertigen B u ch a r i n verfaßt. Sie ist so- eben in der„Prawda" vom 7. März in der Form eines feurigen- Pamphlets erschienen» das den Titel:„Das Finanzkapital unter dem Papstmantel" trägt und mit dem Ruf endet:„Nieder mit dem Kapitalismus! Nieder mit dem Papst und seinen Erzbischöfen!" Bucharins Pamphlet gegen den Papst gehört zu jener Art Literatur, die von Karl Marx als„grobianische" bezeich- net wurde. Die unaufrichtige und übertriebene Leidenschaft des Tons verrät nur das schlechte Gewissen der Bol- schewisten, die die Neligionsverfolgungen auf die Spitze treiben, aber sie vor �er ganzen Welt glatt verneinen. Der unerträglich falsche Pathos des Bucharinichen Pamphlets wirkt gerade deshalb abstoßend. Um was handelt es sich in diesem seltsamen Zweikampf zwischen Rom und Moskau? Die steigende Welle des Glaubensterrors in Sowjetrußland veranlaßte den Papst, die Initiative der Protestbewegung in der annzen Welt an sich zu reißen und sich an die Spitze des moralischen Kreuz- zuges zu stellen. Man kann mit Raul Schaeffer. dem früheren Moskauer Berichterstatter des„Berliner Tageblatt", die letzten Gründe der päpstlichen Initiative in der römischen Kirchen- volitik suchen, die auf die Vereinigung mit der. um mit dem Papst zu sprechen,„unglücklicherweise von der katholischen Einheit getrennten" russischen Kirche hinzieht. Man kann, wie es die Kommunisten machen, den päpstlichen„Gebets- kreuzzug" mit der finmizkavitalistischen Politk der..Umkrei- sung Sowjetrußlands" in Verbindung brinaen. Man kann schließlich dem Heiligen Stuhl überhaupt das Recht absprechen. sich in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion einzu- mischen. Aber man kann und darf nicht versuchen, die päpstliche Protestoffensive gegen die Religionsverfolgungen mit Argumenten zu entkräften, die das Wesen des Streites entstellen und an Heuchelei alles überbieten, was sogar die klerikalen Pharisäer selbst auf diesem Gebiete bisher geleistet haben. Und in der Tat: Gegen die Gegenwart der Glaubensverfolgungen in Sowjeirußland wird im Bucharin- schen Pamphlet die grausame Geschichte der Jnqui- s i t i o n ins Feld geführt. Wegen der blutigen Verbrechen vieler Päpste im Mittelalter soll jetzt dem Papst Pius XI. das Recht abgesprochen werden, sich gegen die Greuel des Gewissensterrors im heutigen Rußland zu wenden. Die Beschlüsse der Airchenkonzilien vom XL bis XV. Jahrhundert, die Aussnrüche des Tbomas von Aauino, die grausamen Ketzergesetze Ludwigs des Heiligen und Fried- richs II., die Scheiterhaufen der„heiligsten Inquisition", die Giftmorde und Sittenoerderben von Casare Borgia.— alles wird ins Feld gezogen, um den moralischen Protest des Papstes Pius XI. gegen den bolschewistischen Gewissensterror zu entkräften! Was sollen aber diese geschichtlichen Exkursionen Bucharins im Mittelalterbe- weisen? Sind denn die mittelalterlichen Greuel des Ka- tholizismus eine Entschuldigung für den Glaubens- terror des Bolschewismus im XX. Jahrhundert? Diese seit- same Beweisführung Bucharins führt unerwartet zum ent- aegengcsetzten Rcwltat. Die haarsträubenden Schilderungen des katholischen Mittelalierz bringen vielmehr die Greuel des russischen Bolschewismus in Erinnerung, d-r sich anschickte. den lichistrahlenden Zukunftsstaai auf der Erde zu errichten. in der Tat aber da- s i n st e r st c Mittelalter in Ruß- l and wieder hergestellt hat. Die Heilige Inquisition, die übrigens der fernen Ver- gangenheft angehört, bat wirtlich ein verfeinertes System der moralischen und physischen Folterungen ausgearbeitet. Sieht aber Bucharin nicht, daß auch die neueste„r o t e" Inqu'silion ein„verfeinertes System der moralischen und physischen Fol- terungen" ausgearbeitet hat: Bucharin hat recht: Die katho- lische Kirche hat im Mittelalter das Pflaster der Städte West- europas mit dem Blut der Ketzer durchtränkt. Was wird aber dadurch geändert, daß heut« das Blut der Gegner des Bolschewismus in den Kellern der Tscheka und nicht — wie in dem naiven Mittelalter— auf den Marktplätzen fließt? Bucharin verneint das moralische Recht des Papstes,„die Kultur und Zivilisation zu verteidigen", da seine Vorgänger einst Giordano Bruno verbrannt und Galilei ein- gesperrt hätten. Wie steht es aber mit der F o r s ch u n g s» und Lehrfreiheit in Sowjetrußland? Sind denn nicht Wissenschaft und Philosophie, Kunst und Literatur, Wort und Geist in Sowjetrußland einer neuen Inquisition ausgesetzt? Haben denn nicht die Bolschewisten selbst den lebendigen Marxismus zu einem erstarrten Staatsdogma herabgewür- digt und zum Werkzeug der Geistesknechtung blasphemifch gemacht? Bucharin beruft sich bei der Bekämpfung desr Papst- schreibens auf die von Päpsten beschützte Theorie und Pxaxis der Jesuiten:„Sie haben eine Organisation aufgebtuit, deren Mitglieder die Lossagung von eigenen Ueberzeugungen für ihre höchste Tugend und Pflicht halten." Bucharin zitiert dabei Loyolas berühmte Ausführun- gen über„die drei Stufen der Kadaoerdisziplin" im Jesuiten- orden. Welche Heuchelei! Als ob nicht Bucharin selbst vor kurzem als Ketzerhaupt zum Opfer der bolschewisti» scheu Kadaoerdisziplin gefallen ist! GeradedieKPdSU. sowie die gesamt« Komintern gleicht am meisten dem Jesuitenorden. Duldet die KPdSU. irgendwelche Meinungsverschiedenheiten unter den eigenen Mitgliedern? Rein. Duldet sie überhaupt„eigene Uebsrzeu, gungen" außerhalb ihrer Reihen? Rein! Bucharin führt gegen den Papst den berühmten Grund- satz der Jesuiten ins Feld:„ivas Ziel heiligt die Mittel." Er erinnert daran, daß bei den Jesuiten alles erlaubt war:„Betrug, Hinterlist. Dolch, Gift, Treulosigkeit, raffiniertestes Lügensystem, das sich Kosuistit nennt, sadistische Folterungen beim Verhör" usw. Ist es aber anders bei dem Bolschewistenorden? Hat denn der große Magister und Gründer dieses Ordens, L e n i n, Lüge und Treulosigkeit als Grundsätze der Politik nicht heilig verkündet? Ist die jüngste Geschichte mit der erpreßten Erklärung des Hauptes der russi- schen Kirche, des Metropolit Sergius, daß„es in Sowjet- rußland keine Religionsverfolgungen gab und gibt" und daß der Papst„ins Lager der englischen Großgrundbesitzer und der französlsch-italienischen Geldsäcke geraten ist", nicht ein Meisterstück des bolschewistischen Iesuitismus? Bucharin macht sich lustig über das bereits im 19. Jahr- hundert von Rom aufgestellte Dogma über die„v u f e h l- b a r t e i t des Papstes". In der Zeit von Marx und Darwin klang freilich dieses Dogma einigermaßen seltsam. Hat aber der Papst der bolschewistischen Weltkirche, der ponti- fex Maximus der Komintern, S t al i n nicht das Dogma der Unfehlbarkeit d e s Z e n t r a l k o m i t e« s der KPdSU, d. h. ihres Generalsekretärs aufgestellt? Werden nicht auch die kommunistischen Links- und Rechtsabweichler als Ketzer, als Feinde der Arbeiterklasse, als Gegenrevolutio- näre gebrandmarkt und behandelt? Rein, der Bolschewismus hat kein moralisches Recht, den päpstlichen Protest gegen den Glaubensterror in Rußland mit dem Hinweis auf die mittelalterliche Theorie und Praxis des Katholizismus einfach von der Hand zu weisen. Denn die bolschewistischen Methoden des Kultur- kampfes sind an sich ein Rückfall ins Mittelalter. Richtig ist nur, daß die Initiativ« der Protestbewegung gegen das neue Mittelalter im Osten eher dem international� Sozialismus als dem Katholizism-> gehören sollte. Rur der demokratische Sozialismus ist mit einer geistesseind- lichen Vergangenheit nicht belastet. Rur der Sozialismus kann und muß gegen alle Formen und M'wden de» Ge- wissens- und Geistesterrors folgerichtig und rücksichtslos auf- treten. Rur der Sozialismus verfolgt in seinem wuchtigen Protest gegen das bolschewistische Terrorregiment keine oer- kappten Eigennutzziele. Der sinnlose und wilde Glaubensterror in Rußland wird im Namen des Proletariats und des Sozialismus ausgeübt. Die antirelig'öse Offensive Stalins ist nicht nur die Auswir- kung der allgemeinen bolschewistischen Politik der Geistes- knechtung. sondern ein Bestandteil seines Linkskurses, seiner bauernfeindlichen Hasardpolitik Es gilt daher, den Arbeitern und insbesondere den Bauern in Rußland wie allerorts zu zeigen, daß der Sozialismus— sowie das sozialistische Freidenkertum— nichts gemein hat mit dem Glaubensterror, mit den Religionsverfol- gungen, mit der Verletzung der religiösen Gefühle der Massen. Wir Sozialisten brauchen natürlich keine„Weltsühne- tage" zu veranstalten, um„für die Opfer und auch für die Henker zu beten". Die kämpfende Sozialdemokratie wird freilich andere Wege und Mittel finden, um die breitesten Arbeitermassen unter ihren eigenen Fahnen zum Protest gegen das bolschewistische Terrorregiment zu mobilisieren. Sie wird vor allem ihre sozialistische Aufklärungs arbeit verstärken, um den Bolschewismus als Pseudo-Marxismus und Pseudo-Sozialismus zu entlarven und ihn in der inter- nationalen Arbeiterschaft geistig, moralisch und polt- tisch zu isolieren._ Oer Stand der Reichsfinanzen. Die Entwicklung im Januar 1930. Nach dem jetzt verössentlichten Bericht des Reichsfinanz- Ministeriums betrugen im ordentlichen Haushalt die Ein- »ahmen im Monat Januar 11ZS Millionen und di« Ausgaben 1023 Millionen Mark, so daß sich eine Mehreinnahme von 133 Millionen ergibt. Der Fehlbetrag aus dem laufenden Steuer- jähr 1929/30 wird damit auf 62,2 Millionen vermindert. Da sedoch aus dem Vorjahre ein Fehlbetrag von 154, i Millionen übernommen ist, ergibt sich im ordentlichen Haushalt bis Ende Januar ein Fehlbetrag von insgesamt 216.6 Millionen Mark. Im außerordentlichen Haushalt stehen den Einnahmen von 5,4 Millionen Ausgaben in Höhe von 26,3 Millionen gegenüber, so daß sich die M e h r a v- g a b c auf 21 Millionen beläust. Der Fehlbetrag im laufenden Rechnungsjahr beläust sich im außer- ordentlichen Haushalt aus 17,6 Millionen, wozu noch ein Fehlbetrag aus dem Vorjahr in Höhe von 901,5 Millionen tritt,[» daß sich das Defizit im Cxtraordinarium auf insgesamt 922,1 Millionen er- höht. Der g e s a m k e F e h l b e t r a g im ordentlichen und außer-' ordentlicheii Haushalt erreicht damit Ende Januar fast 1139 Mil-! lionen Mark......*• i.*] Der Stand der schwebenden Schuld belief sich Ende Januar auf 1727,6 gegen 1691,1 Millionen Ende Dezember. Kurz-! sristige Darlehen haben sich erheblich um 75 auf 251 Millionen' verringert. In den Reichskassen waren Im Januar 1731 Millionen vorhanden, von denen 1577 Millionen oerausgabt wurden. Es verblieb somit ein Bestand'von/ 157 Millionen Ende Januar' gegenüber 31 Millionen Ende Dezember. Kanonen und Spaßen. Oas Republikschuhgesetz im Reichstag. Der Reichstag erlebt« gestern bei der zweiten Lesung des Se» setzes zum Schutz der Republik Moment« der stärksten Spannung, aber auch der größten Heiterkeit. Dem Kommunisten Miller ge- lang es. durch einen Zwischenruf Beifall und Händeklatschen aller „Sozialfaschisten" zu gewinnen, da er dem Minister Seoering zurief:„Sie wollen mit Kanonen nach Spatzen schie- ß e n." Mit den Spatzen konnten nur die kommunistischen Rohr- spaßen gemeint s«n, die so ausgezeichnet schimpfen können. Ein Moment stärkster Spannung aber war es, als Severing über die nationalsozialistische Zersetzungsarbeit in der Reichswehr einige Mitteilungen machte. Die Dinge sind womöglich noch stWmmer. als der Minister sie darstellte, und werden voraussichtlich die Oeffentlichkeit noch stark beschästigen. Nach der Rede Sev« rings gab es ein Stürnuhen. Der Minister, der den ganzen Bonrnttag im Haushaltsausschuß zugebracht hatte, war bei der Rede de» Deutschnationalen Everling au» dem Saal gegangen in der Absicht, baldigst wieder zurückzukehren. Flugs bs. antiagte die Rechte— mitten während der Rede Eoerlings— die Heibeirufung des Ministers. Darüber Hammelsprung, turbulente Geschäftsordnungsdebatte. Ausschlüsse rechts und vnks. bis der Minister wieder wie es seiner ursprünglichen Absicht entsprach, nach einer knappen Mertelskmde auf seinem Platz faß. Dem Deutschnationalen Everling folgte der Kommunist Münzend erg. der tm Gegensatz zu feinen Fraktionskollegen. die nur Schlagwort« brüllen können, zu reden versteht. Die Ge- schicklichkeit dies« Manne» ist unbestritten, was man von seinem Ehovakter keineswegs sagen kann. Immerhin verdiente er sich die Ehre einer Erwiderung durch den sozialdemokratischen Redner, Genossen Landsberg, und war es auch eine ziemlich graukam« Abfertigung, die er erfuhr, so blieb es doch eine Ehre, da kommunistische Reden sonst fast stets wegen ihrer Unbeachtlichkeit und«- antwortet bleiben. Landsberg war noch einem kurzen Zwischenspiel, bei dem Lob« dem Nationalsozialisten Goebbels wegen seiner krankhaften Schimpfsucht das Wort entziehen mußte, zu Wort gekommen. Mit einer Polemik in leichtem Plauderton beginnend, scden Zuruf schlagfertig erwidernd, ging er noch und nach zu immer schwereren Ka- libern über, bis seine Beweisführung gegen rechts und links— wenn man das Wort für geistige Kämpfe gebrauchen darf— gv- radezu vernichtend wurde. Em Sturm des Beifalls dankte ihm. Bei dieser Gelegenheit erwiesen sich die Kommunisten wirklich als Leute mir Spatzengehirnen. Als Landsberg nachwies, daß alle Strafbestimmungen des Republikschutzgesetzes auch im russischen Strafgesetz stehen, nur daß dort Todesstrafe angedroht wird, wo es hier kleinere Gefängnisstrafen gibt— da brachten di« Kommunisten es fertig, bei jedem Zitat aus der bolschewistischen Halsgerichtsordnung in johlenden Beifall auszubrechen Nach weiteren Reden des Zentrmnsmannes Bell und des Demokraten Ehlermann gelang es der Opposition, das Haus künstlich beschlußunfähig zu machen. Eine Verzögerung in der Berabschiedung des Gesetzes wird aber dadurch nicht eintreten. Immerhin hätten die Angehörigen der Mehrheit, die vorzeitig dos Hans verlassen hatten, den Schluß abwarten können, nicht nur des politischen Zweck« wegen, sondern auch, well die gestrige Sitzung des Reichstags, was man bekanntlich nicht von allen sagen kann, vom Anfang bis zum Ende interessant gewesen ist. Gotibergs„Kuhdreck". Kostet nur 60V Mark. Leipzig, 13. März.(Eigenbericht.) Am 28. Februar 1929 veranstaltet« der„Werwolf" in Dornau eine Gesallenengodeickseier, in deren Aerlauf der Landwirt Hernrich von Gottberg auf dem Marktplatz ein« Ansprache hielt. Er führte u. a. aus, er wolle die Republik nicht mit einem Haufen Kuhdreck, der oben schon verkrustet ist, aber innen noch brodele, oergleichen. Die republikanischen Farben hätten für ihn die Bedeutung: Gold war die Vergangenheit, rot sei die Gegenwart und schioarz die Zukunft. Wegen dieser An- spräche wurde von Gottberg vom Schöffengericht Wavtenstein wegen Vergehens gegen das Republitschutzgesetz zu 50 Tagen Gesang ms oder 1000 M. Geldstrafe verurteilt. Am 22. Oktober 1923 wurde von der Stra.srammer des Landgerichts Wartenstein die Straf« auf 30 Tag« Gefängnis oder 600 Mark Geld- strafe herabgesetzt. Dagegen hatte der Angeklagte Revision beim Reichsgericht eingelegt, die am Donnerstag vom zweiten Straffenat des Reichsgerichts verworfen wurde. Bismarck und die Steuergelder. Die Hugenberger greifen ins Wespennest. Auch in der Donnerstagsttzrmg d« Ausschusses für den Reichs- Haushalt, in der der Nachtragsetat des Re ichsinnemnim ster iums behandelt wurde, spielte wie im Plenum die Frag« des Schutzes der Republik die Hauptrolle. Es sind im Nachtragsetat zu perfön- lich und sächlichen Kosten für Maßnahmen zum Schutze der Republik 350000 M, nachgefordert. Do» den Rednern dek' veutschnatidnalen Schultz(BröntbeW und Schmidt (Stettin) wurde genaue Spezifikation'der für den genannte» Zweck blitzer verausgabten Gelder verlangt Und die Behauptung auf- gestellt, daß von Bismarck In Preußen unter dem Kaiserreich nie- mals Mittel, die von der Gesamtheit der Steuerzahler aufgebracht werden mußten, zur Bekämpfung einzelner Parteien verwandt worden wären. Reichsinnenmlnister Severing erwiderte, baß von den 350 000 M. für Flugblätter und Broschüren 267 000 M.. der Rest für die Verbreitung dieser Schriften verwendet worden seien. Bismarck, der Heros der Deutschnationalen, dessen Staatskunst von dieser Partei stets als schlechthin ideal bezeichnet werde, habe niemals Skrupel empfunden, öffentliche Mittel zu verwenden, um die schärfste Propaganda gegen alle Parteien zu entfallen, die sich ihm nicht willfährig erweisen wallten. Er beHalle sich vor, bei den Plenarverhandlungen interessantes Material hierfür bekanntzugeben. Bismarck Hab« sich nicht gescheut, nicht nur mit den Mitteln des Welfenfonds, sondern auch mit preußischen Steuergeldern die Zentrumspartei, die Sozialdemokratie und auch die Nationalliberale Partei zu bekämpfen. Die Behauptung, daß die Regierung nichts weller als ein Parteiorgan sei, müsse er auf das Entschiedenste zurückweisen. In der sich anschließenden Debatte wurden die Ausführungen des Ministers auch von den Vertretern der Deutschen Dolkspartei und d« Zentrum» dick unterstrichen. Abg. Bernhard(Dem.) erinnerte an das Sozialistengesetz, an die scharf« Bekämpfung der Zentrumspartei und nicht zuletzt an die von Bismarck mit staat» lichen Geldern im größten Umfang« unternommene Aktion gegen di«Kreuz- Zeitung. Man dürfe auch bei dieser gangen Frage nicht vergessen, daß niemal» im Kaiserreich dl« Opposttion stch eine so mäßlbs.« und beschimpfende Sprache erlaubt habe, wie Lies jetzt in der Republik der Fall sei. Der Redner fragte, ob die bewilligten Mittel auch benutzt würden, um der maß- losen Hetz« der Nationalsozialisten in den Schulen entgegenzutreten. Das sei dringend notwendig. Bei der Abstimmung wurden die 350 000 M. Mehrkosten gegen die Kommunisten, die Deutschnationalen und die Christlich- Nationalen bewilligt. Zum Schluß entspann stch noch ein« Debatte über die zur Durchführung von Hilfsmaßnahmen zugunsten der aus Rußland abwandernden Lauern. Die für diesen Zweck in den Nachtragsetat eingestellten 6 Millionen wurden bereits vor einigen Wochen auf Grund einer Sondervorlage vom Ausschuß bewilligt. Reichskommissar S t ü ck l e n, der über die Deutsch- Russen-Hilfe dem Ausschuß eine Denkschrift unterbreitet hatte, gab auf Wunsch noch eingehend Auskunft über den Gesundheits- zustand in den verschiedensten Lagern und über die zum Ab- transport der Flüchtlinge getroffenen Maßnahmen. Den Kommu- nisten, die oerlangten, daß die Beköstigung statt den Flüchtlingen hungernden Arbeitslosen zukommen sollte, erwiderte Stücklen, daß er Reichekommissar für die Russenhilfe sei und amtlich mit der Arbeitslosenfrage nichts zu tun habe. Er fragte, wie wohl gerade von den Kommunisten gegen ihn losgegangen werden würde, wenn er nicht für gute Ernährung der Flüchtlinge sorgen würde. Die Emelka und das Reich. Oas famose Kaufangebot des Herrn Wolff. In den letzten Tagen sind immer wieder Nachrichten über V e r- kauf der Münchener Lichtipielkunst A.-G.(Emelka) aufgetaucht. Die Emelka wurde im vorigen Jahr vom Reich er- worden. Bei dem Aufkauf haben zweifellos politische Gründe mit- gespielt. Das Reich benutzt die letzten Abschlüsse im Emellakonzern, um größere, bisher vernachlässigte Abschreibungen vorzunehmen. Die Emelka schloß deshalb für das mit dem 30. Juni 19Ä zu Ende ge- gangsne Zwischengeschäftsjahr mit einem größeren Verlust ab. Das gilt auch für die Emelka-Theater A.-G., die frühere Phoebus. Mit Hilfe der erwähnten Abschreibungen und sonstigen Maßnahmen ist der Emellakonzern auf eine gesunde Grundlage gestellt worden. Don den Gerüchten über einen Verkauf der Emelka trifft zu, daß man an das Reich von verschiedenen Seiten mit Verkaufsopr- schlügen herangetreten ist. Unter anderem interessiert sich ein Mit- glied des Aussichtsrats der Emelka, der Berliner Rechts- anmalt W o l f f, für das Objekt. Das Angebot Wolffs verdient, daß es in der breiten Oeffentlichkeit bekannt wird: Wolff will die Emelka übernehmen. Das Objekt aber, das einschlich- lich der Phoebus Nach dem letzten Abschluß eine Bilanzsumme von 16 Millionen Mark repräsentiert, will Wölfs, aus Reingewinnen des Unternehmens bezahlen. Arbeitet also die Emelka mit Verlust, dann kann das Reich auf den Kaufpreis warten. Stellen sich Gewinne ein, dann wird Wolff die Freundlichkeit haben, das Reich aus einem Test dieses Gewinnes zu bezahle».. Was Wolff dem Reich mit diesem Angebot zumutet, ist schon ei» ziemlich starkes Stück. Aber man darf nicht vergessen, daß Wolff ln Berlin ein einflußreicher Mann ist. Hoffentlich. wird das R e ich s f i n a n z m i n i st e r i u m, das wirklich nichts zu verschleu- der» hat, darauf achten, daß das Reich nicht über den Lössel barbiert wird. Oer Gewährsmann. So fleht ein kommunistischer Kronzeuge aus. Das kommunistische M ü nz e n b e r g- D la t t bringt m seiner Donnerstog-Morgenausgabe folgende Notiz: Der Schneidermeister Wilhelm Mätzig, der die Gerichte schon wiederHoll wegen Hochstapeleien und Sittlich- keitsverbrechen beschäftigt hatte, mußte sich gestern wioderum wegen eines tollen Streichs vor dem Schöffen- g-richt Verlin-Mitte oerantworten. Mätzig war nämlich bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht als sein eigener Bruder aufgetreten. Als damals einige Zeugen erklärten, daß doch nicht Walter, sondern Wilhelm Mätzig vor ihnen stehe, hatte Mätzig di« Dreistigkeit, sich s e l b st"e n e r g i sch zu ver- leugnen. Wegen des von ihm vorgenommenen Betrugs- Manövers, das mit dem Konkurs der von ihm früher be- triebenen Schneiderwerkstatt zusammenhing, wurde M ätz ig gestern zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Es ist noch gar nicht lange her, da wurde dieser selbe INähig von der„Raten Jahne" und der Rlünzenberg-Presse als„Gewahr»- mann" gegen Genossen Minister Severing vorgeschoben, um Seoering in den Sklarek-Skandal hineinzuziehen. Mätzig war damals von einem kommunistischen Reichstagsabgcordneten in der Irrenanstalt Buch(I) besucht worden und' hall« ihm tolle Erfindungen zu Protokoll gegeben. Als wir daraus hinwiesen, daß der kommunistische Gewährsmann ein verbrecherischer Psychopath sei, wurde Mätzig von der„Roten Fahne" und von- Wilhelm Pieck persönlich gegen unsere„Verleumdungen" Im Schutz genommen. Jetzt muß die Kommunisienpresse selber gestehen, welcher Art ihre Gewährsmänner sind, die sie gegen Ehrenmänner vorschickt. Das Gesindel, das verleumdet und das sich solcher Verleinnder de- dient, ist.'«inander wert.' Unter Stalins Knute. Aushebung der Schiedsgenchtsfiaosel in den Konzessions« vortragen. Moskau. lZ. März.(Ost-Expreß.) Oer Hauplkouzesstousausschuß hat d« Sowjet- regienwg eine» Geseheulwors vorgelegt, her eine neue starke Erschwerung für die XäligteU ausländischer Sonzessto. näre in Rußland bedeutet, künftig sollen alle Streitigkeiten zwischen Konzessionären und Sowjetbehördeu und-vrganen aus- schließlich der Sowjetgerichlsbarkeit unterliegen. hierdurch würde die Einsetzung von Schiedsgerichten unmöglich gemacht werden, weiter bestimmt der Gesetzentwurf. daß alle ausländischen Konzessionen in Rußland den Nachweis dar- über führen müssen, daß sie über ausreichende Kapitalien verfügen und daher Kredite der Russischen Staatsbank nicht zu beanspruchen branchen. Die Beschränkungen de» Transfers der Kon. Zessionsgewinne nach dem Auslände sollen v e r s ch ä r s t werden. Weitere Oruckmaßnahmen aegen die Bauer« in der Llkrane. Charkow, 13. März.(Ost�kxpreß.) Da die Mittet für die Einrichtung von Traktoren- und Mo- schinenstationen in der Sorvfetuikraine nicht ausreichend sind, so sind die Sowjetdehörden seit einiger Zett dazu übergegangen, die fehlen- den Mittel durch zwangsweise Umlagen unter den Dauern einzutreiben. Dabei wird den Bauern Versteigerung ihrer gesamten Hab« im Nichlzahiungsfalle ongcdricht. Don«ingel- neu Bauern werden Zahlungen in Höhe von 76 bis 200 Rubeln cingetri«b«n. Oer Siebenstundentag in der Praxis. Charkow. 13. März.(Ost-Expreß.) Auf der Elektrotechnischen Fabrik„Gel"(vorm. AEG.) in Ehar- kam werden di« Arbeiter in letzter Zeit gezwungen, statt 7 Stunden 9 Stunden täglich zu arbeiten, um den Rückstand bei der bisherigen Ausführung d«s Produktionsprogramms einzuholen. Di« Fabrikleitung hatte den Arbeitern zunächst vorgeschlagen, diese zwei Stunden unentgeltlich zu arbeiten, was von den Arbeitern jedoch abgelehnt wurde. Das technische Personal der Fabrik arbeitet schon seit langer Zell ohne genau sestgesetzte Arbeitszeit und muß sogar auf Ruhetage verzichten. I passive Resistenz in Bombay. Gandhis Marsch zum Salzlager. London. 13. März.(Eigenbericht.) Wie aus Bombay gemeldet wird, haben Arbeiter der von Bombay südlich führeirden Eisenbahnlinie als Zeichen der Sympathie für Gandhi die passive Resistenz .ruf genommen. 60 Mann umlagerten am Donnerstag den Eingang zum Hauptbüro de» Stationsvorstandes in Bombay und mußten gewaltsam entfernt werden. Hierbei kam es zu einem Zusammenstoß, bei dem zahlreiche Polizisten und Streikende ver- letzt wurden. Auch in anderen Teilen Bombays kam es zu kleineren Zwischenfällen, in deren Berkauf vier führende Gewerkschaftler. ver- haftet wurden. f-,• Gandhi selbst hat am Donnerstag beim Morgengrauen feine» Marsch wieder aufgenommen. Die englischen Agenturen, di« sich jichllich bemühen, den Zug Gandhis zu verkleinern und lächerlich zu machen, melden, daß der heutige Aufbruch Gandhis unter völliger Teilnahmslosigkeit der Bevölkerung erfolgt ist. Gandhi und seine Anhänger beabsichtigten nach Erreichung der Salzlager von Iakalpur sewst Salz zu fördern und unter Um- gehung der britischen Salzsteuer an di« Bevölkerung abzugeben. Di« Regierung ist entschlossen, jedes derartige un- autorisierte Salz zu konfiszieren, falls es, wie es in einer halboffiziösen britischen Meldung vielsagend heißt, Gandhi und seilten Anhängern tatsächlich gelingen sollte, di« Salzlager zu erreichen. Die letzte Hoffnung. Hugenberg:„Herr Präsident, Sie sind unsere letzte Hoffnung!" Hindenburgs Aufruf. Nach der ltnierzeichnung der Houng-Gesehe. Kodifizierung des Völkerrechts. Im Haag eröffnet. Amsterdam. 13. März.(EigeNberlH.) Die Haager Konserenz zur Kodifizierung des Internationalen Rechtes wurde am Donnerstag von dem niederländischen Minister des Auswärtigen, Beelaerts van BloNand, mit einer Begrüßungsansprache eröffnet. Das Präsidium übernahm sodann der frühere niederländisch« Minister Heemsterk, der in einer längeren Rede eine historische Uebersicht über die Kodifizierung des internationalen Rechts gab. Auch der Generalsekretär des Böller- bundes, Drummond, richtete einige kurz« Worte an die Kon- ferenz. Anwesend waren die Vertreter von 44 Staaten, von denen 7 nicht dem Völkerbund angehören. In den Nachmittagsstunden trat die Konferenz zu einer konstiluierenden Plenarsitzung zusam- men, während die Ausschüsse mit ihrer Arbeit erst am Montag be- ginnen werden. England für Selbständigkeit der verheirateten Krau Amsterdam, 13. März.(Eig. Drahtb.) Der britische Ministerpräsident Henderson beauftragte die englische Delegation zur Haager Kodisizieruilgskonserenj, in der Frage der Rationalität der verheirateten Frau den Standpunkt zu vertreten, den Macdonald bereits in einer program- matischen Rode an eine Deputation englischer Frauenvereimgungcn im April vorigen Jahres eingenommen habe, daß nämlich cwe verheiratet,?ran in dieser Arage nicht länger den Minderjährigen und Geistesschwachen gkeschgesteUl werten dürfe. D-r Schalmeien-Verein. Das Schöffengericht Köln verurteilte von lecks Mitgliedern eines Arbeiter-Tambour- und Schalmeien- Vereins„F«!? in Köln den Führer und ein älteres Mitglied zu je zwei Monaten Gefängnis. Die Übrigen vier Angeklagten er- hielten je einen Monat Gesangnis. Das Gertttst nahm an. daß die Verurteilten in ihrem»1 g e n r g an,. jation des„Rot- Front- Kampfer- Bund es gebildet hatten. Der pvnkllose StN. Herr Dr. Brüning teikt uns mit. daß er iür die Resolution der Reqieruna-varteien. deren surck-tbares Deutsch gestern hier von �ribunus' kritisiert wurde, kein« stilistische Verantwortung trägt. Im Airschluß an die Unterzeichnung der Doung-Gesetze hat der Reichspräsident von Hindenburg.wie wir schon im größten Teil der Abend-Ausgabe berichteten, die folgende Erklärung der Oeffentlichkeit übergeben: Während des Kampfes um Annohme oder Ablehnung des Voung-Planes sind mir von Verbänden, Bereinen uno Einzel- Personen viele Hunderte von Zuschriften zugegangen, die. von Sorgen für die Zukunft unseres Vaterlandes erfüllt, mich m dringenden Worten baten, das Zustandekommen des Poung-Planes durch die Verweigerung meiner Unterschrift unter die Ge- setze und Ratifikationsurkunden zu verhindern. Da ich mich mit ollen denen, di« stch teils mit kurzen Protesten, teils mit langen Ausführungen an mich gewandt haben, nicht einzeln aus- cinandersetzen kann, gebe ich nachstehend meine Antwort aus diesem Wege: Schweren, aber feste» herzen» habe ich nach reiflicher, gewlflen. hofter Prüfung die Zouug-Gesehe mit meinem Namen unter. schrieben. Nach Anhörung von Befürwortern und Gegnern des Planes, nach sorgfältiger Abwägung des Für und Wider bin ich zur Ueberzeugung gelangt, daß trotz der schweren Belastung, dr« der neue Plan dem deutschen Volke aus lange Jahr« hinaus auferlegt, und trotz der großen Bedenken, die gegen manche seiner Be- stimmungen erhoben werden können, der Doung-Plon Im vergleich zum Dawes-Plan eine Besserung und Enklastung darstellt und wirk. schasllich und politisch einen Fortschrilt aus dem schweren Wege der Befreiung und des wiederaufbaue» Deutschland« bedeutet. Zu einer Ablehnung tonnte ich mich im Gefühl meiner Berank- wortung für Deutschland und seine Zukunft nicht entschließen� da in« Folgen einer solchen für die deutsche Wirtschast und die beut- schen Finanzen unabsehbar seien und schwere Krisen mit allen ihren Gefahren für unser Vaterland bringen würden Ich d'.n mir durchaus bewußt, daß auch die Annahme des Young-Pians uns nicht von allen Sorgen für die Zukunft befreit: aber ich glaube trotzdem zuverstchtlich, daß der nunmehr eingeschlagene Weg. der dem besetzten deutschen Gebiet die langersehnte Freiheit und uns ollen die Erwartung weiterer Fortschritte gibt, sich als der richtige erweisen wird, Viele der Zuschristen haben in wohlmeinender Absicht an mich persönlich die Bitle gerichtet, meinen, des früheren Heerführers Namen nicht dadurch vor der Geschichte zu verdunteln. daß ich mit ihm diese Gesetze decke. Hieraus erwidere ich: Ich habe mein Leben in der großen Schule der Pflichterfüllung, in der alten Armee, verbracht und hier gelernt, stet? ohne Rücksicht aus die eigene Person meine Pflicht gegenüber dem Vaterland zu tun. Deshalb hatte bei meiner Entscheidung jader Gedanke an niich selbst vollständig zurückzutreten. So tonnte auch der Gedanke, durch einen Volksentscheid oder meinen Rück- tritt die Verantwortung von mir abzuschieben, bei mir nicht Boden fassen. Der parlamentarische Kamps um die Poung- Gesetze ist mit deren Verkündung im Reichsgesetzblatt zu Ende: damit muß min auch im deutschen Volke der Streit um diese Frage beendet sein, der so viel neue Gegensätze hervorgerufen und die von mir von jeher so schmerzlich empfundene Zerrissenheit in unserem schwer geprüften Vaterland« stark erweitert hat. Ich richte daher an alle deutschen Männer und Frauen die ernste Mahnung, sich ihrer Pflichten gegenüber dem vaterlande und der Zukunft der Nation bewußt zu selu und sich nun end- lich unter lleberwlndung des Trennenden und Gegensätzlichen zusammenzufinden in gemeinsamem Wirken für unsere Zukunft, in der es wieder ein freies, gesundes und starkes deutsches Volk geben soll. Die pokitischen AusekNandekseßungen und Kämpfe der letzten Monate müssen nunmehr einer« n ts.ch l o.s.I« nen praktischen Arbeit Platz machen, welche die Gesundung unserer Finanzen, die Belebung unserer gesamten Wirtschaft und damit die Beseitigung der ungeheuren Arbeits- l o s i g k e i t und nicht zuletzt der Linderung der schweren Lage der deutschen Landwirtschast und die Wiederherstellung ihrer Rentabilität zum Ziele haben muß. Ich habe derRcichsregierung die Erledigung dieser Arbeit in einem Schreiben an den Herrn Reichskanzler vom heu- tigen Tage zur Aufgab« gestellt und forder« hiermit gleich- zeitig alle Deutschen aus, sich über die Grenze der Parteien hinaus zur gemeinsamen Mitarbeit die Hände zu reichen Vor bald 60 Jahren habe ich bei der Reichsgründung den Iichel miterlebt, dar das gesamt« deutsche Volt über sein« endlich erreichte Einigung beseelte: ich kann mir nicht denken, daß dieser Geist dahin- geschwunden ist und dauernder innerpolitischer Zwietracht Platz ge- macht hat. wir müssen uns trotz und wegen der Not der Zeit aus un» selbst besinnen und wieder eins werden in dem Gedanken: Deutschlaad über allest gez. von Hindenburg. Toter Punkt in London. Zuspitzung des französisch-italienifchen Gegensatzes. London, 13. März.(Eigenbericht.) Die Schwierigkeiten der Flotten konferenz haben sich in den letzten 24 Stunden zur offenen Krise entwickelt. Wenn die gesamte» Arbeiten der Konferenz nicht zum Stillstand gekommen sind, so ist das in erster Linie Macdonald persönlich zu danken. der trotz der schwierigen parlmnentarlschsn Situation und trotz deut- licher Zeichen physischer Erschöpfung alles eingesetzt hat, um die Konserenz über den toten Punkt himvegzubnngen, den sie in der Miltwochnacht erreicht hat. Da die geplant« Aussprache samt- licher Delegationsführer völlig nutzlos gewesen wäre, hat Macdonald im Laufe de? Donnerstag längere Einzelbesprechungen mit dem japanischen Delegationsführer W a t a t s u k i, dem Führer der italienischen Delegation Grand! und«in««ineinhalbstündige Bs- sprechung mit B r i a n d gehabt. In den späten Abendstunden kam hierzu noch eine Aussprach« zwischen Macdonald und S t i m s o n. Sämtliche Gerüchte über eine bevorstehende Abreise Briand« sind falsch. Briand wird, wie er am Donnerstag ausdrücklich betont hat. bis zum Ende der Konferenz auf seinem Posten bleiben. T a r d i e u wird am Freitag abend oder Sonnabend früh in London erwartet. Die Schwierigkeit liegt nach wie vor in dem bekannten italienisch-französischen Gegensah. der nach dem Zusammenbruch der Hoffnungen auf ew politisches Abkommen zwischen den fünf Mächten wieder mit voller Schärfe zutage getreten ist. Im gegenwärtigen Augenblick werden fieberhafte Anstrengungen gemacht, um eine italienisch. französische Teilverständigung herbeizuführen. Die Versuch« be- wegen sich in der Richtung aus den Abschluß«ine« S ch i e d s- gerichts- und Dersöhnungsvertrages zwischen Frank- «ich und Italien. Ein solcher Vertrag könnt«, so hofft man. Italien veranlassen, seinen Anspruch auf Parität mit Frankreich aufzugeben. was den französischen Ministern ermöglich«, Konzessionen hinsichtlich der französischen Tonnageziffet zu machen, die der augenblicklichen Krise im eigentlichen Sinne zugrunde liegen. Die Stimmung in Konferenzkreisen ist auegesprochen pessimistisch, wenn auch die Lag« im Augenblick nicht so hoffnungslos beurteilt wird, wie in der Mittwochnacht. Hierzu hat insbesondere die Tatsache bei- getragen, daß es Macdonald überhaupt am Donnerstag noch gelungen ist, die Besprechungen wieder in Gang zu bringen. Macdonald selbst soll das Resultat des Donnerstag als„ermutigend" bezeichnet haben. Baldwins Mßirauensantrag. Weil die Labour'JUairunq zu freihandlerifch ist. London. 13. Rlärz.(Elgeuberichl.) Der konservative Führer B a l d w i u brachte am Donnerstag im Unlerhaus das konservative Rkißtrauensvolum gegen die Regierung ein. Dieses Mißtrauensvotum ist jedoch nlcht gegen die Gefamtpolilik der Regierung, sondern nur gegen ihre Haltung in der Frage der Schutzzölle und der Industrlesicherung gerichtet. Es kann daher wegen seines schuhzöllnerischen Eharakters von den freihändlertschen Liberalen nicht unterstützt werden. Baldwin gnss in seiner die Debatte crössnenden Rede die sreihänd- lerische Basis der Politik der Arbeiterpartei an. Die Welt. w i r i s ch o s t bewege sich in der Richtung aus Hochschuhzölle. Seiner Meinung nach wären hohe Zollschranken schlecht und die Nationen Europas hätten erkannt, daß'/t schlecht seien. Aber sie dächten nicht daran, die bestehenden Schranken tatsächlich o'-ru- bauen.-'. i Mnanzdebatie im Landtag. Die Steuerpläne der Rechten. Im Preußischen Landtag standen am Donnerstag die Gesetzentwürfe betr. die Verlängerung der Geltungsdauer der Grundvermögens-, der Hauszins- und Gewerbesteuer bis ZI. März tklZt auf der Tagesartmung. Ebenfalls zur Beratung stand ein deutschnationoler Gesetzentwurf über Erhebung eines Berwaltungs- tastenbeitrags, ein Antrag der Deutschen Bolkspartei, der sich gegen die Ankündiqungssteuern wendet und ein An rag der Wirtschafts- Partei, an Stelle der Gewerbesteuer eine allgemeine Berufssteuer eirizusührsn. Abg. Szillai-Rathenow(Soz.): Es ist leider eine unangenehme Tatsache, daß in den letzten Iahren die wichtigsten Steuergesetze infolge der Obstruktion der Oppasitionsparteien nur durch Nawerordnungen oerabschiedet wer» den kannten. Dos Recht der Obstruktion kann natürlich keiner Partei bestritten werden. Aber in diesen Fällen sind es gerade die„slaals- erhaltenden" Parteien gewesen, die hier versucht haben, dem Staat die größten Schwierigkeiten zu bereiten,«ie haben es sich aller- dings leicht gemocht, nach außen hin die starken Männer zu spielen, weil sie schon vorher wußten, daß auch ohne sie die Steuergesetze oerabschiedet werden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Klagen über die höhe der Gewerbesteuer sind meistens übertrieben. Nameirtlich die Wirtschaftspar ei hat die allergeringste Ursache dazu, da sich ja ihre Anhänger meist aus den Kleingewerbetreibenden zusammensetzen, aon denen nach den uns vorliegenden Unterlagen 4(5 Proz. gewerb eertragssteuerfrei sind. Aon dem Rest sind wiederum S1 Proz. in der niedrigsten Stufe eingruppiert,(hört, hört! bei den Soz.) Auch bei der Gewerbekapitalsteuer sind 74 Proz. steuerfrei und von dein Rest sind wiederum 67 Proz. in der niedrigsten Stufe. Aehnlich liegen die Dinge bei der Gewerbe- lohnsummcn steuer:.Hier sind 68 Proz. der Gewerbe- treibenden steuerfrei und von den, Rest sind wiederum 73 Proz. in der niedrigsten Stufe. Dazu kommt nach, daß im vergangenen Jahr sowohl Gewerbö- als auch Lohnsummensteusr verbessert worden sind. Was soll da das Gerede aan einer unerträglichen Belastung? Unter diesen Umständen sollten doch endlich die Ver- tretcr der kleinen Betrieb« einsehen, daß sie eigentlich nur dem zahlungssähigen Großkapital Hilsstellung leisten.(Sehr wahr! bei den Soz.) In dem Augenblick, in dem die Wünsche der Gewerbe- treibenden und des Großkapitals in Erfüllung gehen sollten, würden die Kommunen außerstande sein, ihre sozialen Aufgaben zu erfüllen. Der vorliegende Regierungsen wurf über die Derlängerung der Gewerbesteuer entl)äst außerdem noch weitere Verbesserungen. Die sozialdemokratische Fraktion wird, wie auch in den Vorjahren, den Verlängerungen der Steuergesege zustimmen. Die Bemühungen der Rechtsparteien gehen ganz ojienfich lich darauf hinaus, aus der Gewerbesteuer als Objetlfteuer eine Pcrsonalsteuer zu machen. damit sie gegen tue Gz werbe steuer als sogenannte zweite Ein- kommenstcuer kämpfen können. Ganz entschieden lehnen wir auch die geforderte Anhörung der Berussverbänd« ab. weil wir darin «in« Beeinträchtigung der Selbstverwaltung der Gemeinden sehen. (Sehr wahr! ba: den Soz.) Ebenso lehnen wir den deutschnationalen Antrag auf Er- Hebung eines Verwaltungstostenbeitrages ab. Wir sehen in diesem Antrag einen Angriff auf die Auswirkungen des allgemeinen Wahlrechts. Er ist unsozial, weil er die rohest« Form der Kopf- besteuerung darstellt. Er ist«in Angriff aus diejenigen, die wegen zu niedrigen Einkommens von der Lohnsteuer befreit sind. Insgesamt wären es 10,3 Millionen Menschen, die damit zu den Lasten der Kommunen herangezogen werden sollen. Obwohl in dem Antrag die Klein- und Sozialrentner von dieier Steuer aus- genommen sein sollen, soll das bezüglich der Erwerbslosen nicht der Fall sein, denn sie sind überhaupt nicht erwähnt. Außerdem haben wir auch verfassungsrechtliche Bedenken, weil gerade diese Steuer eine zweit« Einkommensteuer sein würde.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Rechte fordert sonst immer die Vereinfachung der Der- waltuirg. Hier hat man offenbar ganz übersehen, daß die Zu- stelking des Beranlagunqsbsfcheides. die Bearbeitung der Einsprüche, die Eintreibung dieser Steuer in solchem Maße erschweren würde. daß die Gemenideii um diese Mehrarbeit nicht zu beneiden sind. Di« Mehrkosten würden das Aufkommen bei weitem übertreffen. Im übrigen sollten die Amragsteller auch daran denken, daß die Summen, die man aus diese Weise den Arbeitenden abnimmt, am Aonsitm fehlen und damit auch den Geschäfts- und Gewerbetreiben- den verloren gehen. Deshalb lehnt de sozialdemokratische Fraktion ein« solche Steuer als in höchstem Maße unsozial mit aller Ent- schiedenheit ab.(Lebhafter Beifall bei den Svz.) Abg. Hecken(Dnat.) wendet sich gegen die Verlängerung der Realfteuern um ein ganzes Jahr. Ein« solche Steuerpolitik nähme keine Rücksicht auf die Erfordernisse der Wirtschaft. Der Reichs- Haushalt für 1329 sei sine grob« Irreführung gewesen. Man könne im Reich mit einem Defizit von 214 Milliarden rechnen. Mit der Lohnsteuersenkung des Fiuanzminffters Hilserding 1928 sei man nur.einem Wahlversprechen nachgekommen. Das Reformprogramm Müller-Hilserding sei ein jämmerliches Deckungsprogramm geworden. Die Realsteuern müßten gesenkt werden, die Erhebung eines Berwallungskoftenbeitrages sei berechstgt und gerecht. Der Aenderungsantrag Preußens zu sj 35 des Finanzausgleichsgesetzes bedeute eine Schädigung der leistungsschwachen Länder und fordere zu schärffter Kritik heraus. FlnatiMlnist« Dr. Höpker-Ajchoff weist die Angriste des Vorredners gegen die Haltung Preußens in der Frage des Finanzausgleichs.zurück. Dos Hilserdingsche Finanzprogramm habe zweifellos die Einnahmen überschätzt, das Defizit der Arbeitslosenversicherung nicht eingestellt, die schwebenden Schul- den Nlcht berücksichtigt. Es habe auch zu wenig Rücksicht auf Länder und Gemeinden genommen. Inzwischen liegen zwei Deckung«- Vorschläge vor: einer von der Reichsregierung, an dem diese festhält und einer der Parteien, der ein bayerisches Progronnn ist. Dcr Borschlag des Reiches sieht für Länder und Gemeinden einen Ameil an den neuen Steuern vor, der für Preußen erträglich ist. Das bayensche Programm will es den Ländern überlassen, Zuschläge zur Biersteuer zu erheben. Danach müßte Bayern 30 Proz., Preußen aber 70 Proz. erheben. Dahimer steht die Bayerische Bolkspartei. Ihre gestrige Haltung bei der Abstimmung ist daraus zurückzuführen, daß diese Wunsche nicht in Erfüllung gegangen sind. Im übrigen bestände sehr wohl die Möglichkeit, daß sich Preußen und Bayern an einen Tisch setzten und sich über den strittigen 8 3S des Finanzausgleichs einigen. Wenn man sich auf den Standpunkt stellt, daß der Staatshaushalt ausgeglichen sein müsse, könne man nicht die Realfteuern senken. 3m übrigen ist man keinem Steide steuerlich so weit eukgegevgekomme» wie der Laadwlrtschasl. Das sei nicht zu bedauern, sondern müsse begrüßt werden, aber man sollte diesen Fortschritt auch anerkennen. Abg. Schmelzer(Z.) setzt sich für die Derlängerung der Steuer� gesetze ein. Dabei erlaube es die jetzige Situation nicht, die unsoziale Lohnsteuer abzubauen. Abg. Oberdörster(Komm.) bezeichnet die Steuerpolitik der Reiches und von Preußen als ein« Räuberpokitik, die an Scham- losigkeit nicht mehr übertroffen werden könne. Daran feien Rational- und Sozialfaschisten gleichermaßen schuld. Abg. Dr. Reumann CD. Dp.) ist nicht so pesssmistisch hinsichtlich der Finanzlage des Reiches wie der deutschnational« Redner. Die Grundsteuer sei im Ausschuß genau zu prüfen. Od nach dem Vorschlag der Wirtschastspanei an Stelle der Gewerbesteuer eine allgemeine Berusssteuer treten kann, sei sehr zu bezweifeln. Abg. Riedel(Dem.) erklärt, daß bei der unzulängluhen Reichs- steuerrege lung die preußischen Realsteuern wieder für das nächste Jahr verlängert werden müßten. Nach einigen weiteren Rednern erklärt Abg. Meyer-Solingen(Soz.): Die Aussprach« hat sich zu einer großen Finmzzdebarre aus- gewachsen, die sich in der Hauptsache mit dem Reich beschäftigt. Gegenüber den Vorwürfen, daß die Regierung Müller-Hilserding an dem Finanzelend schuld sei, muß aber daraus hingewiesen werden, daß die mißliche Finanzlage schon durch die vorhergehenden Reichsregierungen verschuldet wurde, für die die Rechtsparteien die Lerantwortung tragen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Di« vor- liegenden Steuergesetze müssen unbedingt verlängert werden, wenn ab 1. April Staat und Gemeinden nicht in Schwierigkeiten kommen sollen. Di« Gegner waren nicht in der Lage, brauchbare andere Borschläge zu machen. Der Berwaltungskostenbeitrag, der von den Deutschnationalen gefordert wird, ist die unsozialste Steuer, dt« m der Hauptsache die große Mass« der Minderbemittelten treffen würde.(Sehr wahr! bei den Soz.) Daneben hat sie den Zweck, die notwendigen sozialen Aufwendungen der Gemeinden unmöglich zu machen. Heute schon tragen die Minderbemittellen in der Hauptsache die Gemeindelasten. Alle Erhöhungen der Grundsteuer und der Tarife werden von den Minderbemittelten aufgebracht. Hier ist der bewegliche Faktor in den Gemeindesinanzen im stärk- sten Ausmaß vorhanden. Gewiß ist die jetzige Höhe der Realsteuern drückend, aber man darf nicht vergessen, daß die Lage der Werk- tätigen seit Iahren weck ungünstiger ist. als die derjenigen, die jetzt über die Höhe der Realsteuern klagen.(Sehr wahr! bei den Soz) An einen Abbau der Hauszinssteuer, wie ibn die Wirtschafts- parte: fordert, ist überhaupt nicht zu denken. Diese Kreise denken auch nicht im entferntesten an eine Mietherabsegung, sondern sind nur auf die Erhöhung der Mietrenfe bedacht. Angesichts der katastrophalen Lage aus dem Baumarkt ist der Staat zur Förderung des Wohnungsbaues aus die Erträgnisse der Hauszinssteuer an- gewiesen.(Beifall bei den Soz.) Nach weiteren Ausführungen der Abzg. Menh(Wp.). Pohl (Dt. Frakt.) und kölges(Z) werden die Vorlagen und die Anträge dem Hauptausschuß überwiesen. Nächste Sitzung Freitag, 12 Uhr: Weiterberatung des Etats für Handel und Gewerbe. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Lcrantwortlich»Ur Politik' Dr. Guti Geyer: WirtsGott-®.«lyyelhöler: S»«rkschattsbewegung: Z. Steiner: ZZeuilleton: Dr. Zotz» Sckikow,?!: Lokale« und Sonsiiaeo Rti* KarRäbt; An«ciacn: Tb Glocke: sämtlich in Berlin. Be?,»«: i>»:wSri,.Berlaa S. m d. i> Berlin Druck: Bor wärt z.Duchdri,cker«Z und B-rlaasenftalt Paul Sinaer a. To., Berlin£® 68 Lind-nlirake I. Bierz» 3 Beilage».„Siadtbeilage' und ,Uui«rhaltu»g und Wissen". WERTHEIM Leipziper Str.(Versand-Abt) Königstraße Rosentbaler Str. Moritzplatz Preise für Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat, Mengenabgabe vorbehalten, Fleisch, Fische. Geflügel, Obst und Gemüse werden nicht zugesandt {RiUige Hehetismiitel Obst u. Gemüse EIßSpfel.,. eiund 0.20 Kochäpfel. Wund 0.20 Krimäpfel..Piuna 0.38 Kailf. Aepfel Piuna 0.45 Apfelsinen... ni'Ue a. HulbbU vir. 0.55 O.OO Bananen 3 pfuna 0.95 Zitronen du. ton 0.35 m Weißkohl lUnlrch.\ Wune W Öhren gewascher I f* Zwiebeln.... ViTm Rote Rüben..)«w W* Rot u. Wirsingkohl 0.12 Sellerie.-iunä 0 09 0.18 Schwarzwurzeln 0.22 Blumenkohl"voaO.OO»» Kolonialwaren Olympiamehl Beufei 0.58 0.62 BeutJ 1.30(.38 1.45 Rauhreilmshl............» pfnnd Eeuui 1.45 Kartof(eimehlpt i»»d vo» 0.28 s» Grüne Heringe 3 pm-to» 0.25 a» Zander gefröre» Pfand von 0.58 s» Leb. Spiegelkarpfen von 1.15*0 Nor Lelpxtder Strebe: Holl. Austern 10 stade 1.85 Leb. Hummern iwd 5.90 Kalbsschnitzel....Pfand 2.10 Kafjlcr mild gesslse».... Ptand 1.24 Sdiwcinei fickcn muBB�iige 1.08 Schwcincschinkena.Koaai.,. mit Beilage»>»und l*lo Hammelvorderflcisch ptd. 1.04 Pa. Nicrcnlalg«»ageissse», ptd 0.50 Prima Oefrlarflalach Rinderkamm u. Brust pid. 0.86 Geflügel Gänse... Pu'Cn....... Pfund von Wolgahühner.Pfad tu» Suppenhühner irisch geschlachtet, Phmd*n Enten..... Pfand 70! rt •B 0.98 s» 1.05 an Schneehühner. stock wo Hasen e— Olfen. von 10 Eier........ 10 Eier frlsdie. to» 1.10» 1.25» 1.65 a 0.88 a 582 78!i Wein Preise für V, Flasche, ohne Glas Preiswerte Restsorten 1927 Nitteler Gipfel 1.10 1922 Chät. Raba�JÄ ,.40 1926 Niersteiner Berg ,.50 1926 Rüdesheimer...... 1.80 1928 Bergzaberner Letten_.. Tiscbwcin O.öü 1928 Dürkh. Portugleser � oe Roiv,-eln U.S5 1927 Traisener Rotenfels saitiger Nahe wem»•UU Johannisbearwain��1�; o.83 Roter Malvasler saa.. 0.95 Tarragona Rot 1.00 Gold-Maiaga......... 1.30 Wein vom Fan zu billigen Preisen Monrlamln sumHadieou Kochen, vorztl.'l(\ Oy«SO n yr\ UiOnaamm I. Kuchkn, Suppen. 22-Qr.-�dk. l Gr � Mondamin-Vaniile-Soßenpulver p-k« 0,05 Mondamin-Backpulver m« versagend. s«u,e> 0,08 Mondamin-Puddingpulver puckchen 0.10 0.15 Mondamin„Rote Grütze".. sdwch.et 0.15 Mondamin-Peinkost-Pudding s«h«cht« 0.25 Jlr. 123* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 14. März 1930 Rollwagenbahn vor 200 Jahren Das Reisen vor 250 und mehr Iahren im Rollwagen gestaitete sich bei kurzen Strecken zu einer ver- gnüglichen Fahrt, während bei längeren Strecken auf der„Ochsen- p o st*, mi« die damaligen„Reihe- fahrten" scherz- und spottwen« genannt wurden, n«n durch witzige Erzählungen oder„Itirz Wickrans Rollwagenbüchlein" die Aeit tot. schlagen oder sich behäbig langweilen mußte. Zwar stand der Personen- rccseoerfriw, das private„Institut der Reihefahrten" unter staatlicher und zünftiger Aussicht, was aber der Unordnung und Willkür der heran- gezogenen, in einer Aunft zusanrmengeschlosienen Fuhrleute nicht steuert«. Auch fehlten den Postämtern die Mitel und die Autorität, um unter den Reisenden und Fuhrleuten Ordnung und Disziplin aufrechtzuerhalten. Aus Klageliedern der damaligen Zeit ist er- sichtlich, daß die Fuhrleute schlecht« Pferde, schlechtes Zaum- zeug, aber hohe Preise nahmen und die Reisen meist nicht ohne unfreiwillige Ausen-thalte, Uirglückssälle und Schabernack abliefen. Deshalb hob ein Edikt von 1712 die„Reihefahrten" von Verlin nach dem Osten aus und führte die„Fahrende Post"«in. Dies trug Zwar zur Hebung des Reiseverkehrs bei, da den Pofimeistcrn es zur Pflicht gemacht wurde, für die regelmäßige Fortschaffung der Possan- ten zu sorgen. Wer trotz der Festsetzung der Fahrtgeschwindigkeit (Edikt von 1723 und 1732) aus ein« Stunde pro Meile hielt m e i st die Post mit den Fußgängern Schritt. Trotzdein gab es Leute, die die fahrende Post benutzten. Hierauf ist die Alt-Berliner Redensart zurückzuführen:„Schlecht gefahren ist bester, als stolz gegangen." Das PassagiergeS» wurde in der Weis« geregelt, daß eine reisend« Person,„»es Standes sie auch ist, für fsd« Meile sowohl im Winter als im Sommer auf allen Postkursen inkl. des bisherigen sogenannten Stationsgeldes 6 Groschen(75 Pf.) bezahlet, dergestall, daß kein Postillon weiter etwas bekommt". Als besondere Vergünstigung galt,.haß den Pasiagier hfl Pfund an Bagage, den Kaufleuten aber, wenn sie nach den Messen reisen oder von solchen zurückkommen, 60 Piund auf der Postkalesche frei passieret, was aber darüber ist, wird nach dem Gewicht und der Beschaffenheit der Sache bezahlet".— Bor etwa 150 Iahren(1777) war der Berliner Personenpostoerkehr bereits so ausgebaut, daß wöchentlich je zwei Postkuvf« nach 18 verschiedenen preußischen Städten gingen. Unter Generalpostmeister Hogler um 1840 erreichte der Postreiseverkehr seinen Höhepunkt und wurde dann durch die Eisenbahn verdrängt. Max Sklarek hastenilaffen. Willi und Leo Sllaret bleiven in Gewahrsam. Zn dem hafiprüsungslermin, der gestern vor der 11. Slroskmnmer des Landgerichts l unier Vorsitz von Loudgericht-direktor Dr. Sicraheün fiallfand, wurde der\ Hofibefehl gegen Leo und Willi Sklarck auf-� rechierhollen. Anch bei vlax Sklarck wurde der hast.' besehl zwar ausrechierhalken. jedoch entschieden, daß er mit Rückjichl aus seinen Gesuudhettszustand von der weiteren llokersochungshaft verschont werden soll unier der voraussehung. daß er sich dreimal wöchentlich bei dem zuständigen Polizeirevier melde. Lediglich der bisher noch bestehende Grund der Berdunk- l U n g s g e f o h r ist jetzt fortgefallen, nachdem die Voruntersuchung in dem Komplex Berliner Siadtbank geschlossen und auch in den anderen Straftaten Klarheit geschaffen worden ist. Theoretisch besteht also die Möglichkeit, daß mimnehr von der Verteidigung der Gebrüder Sllarek der Antrag gestellt wird, gegen eine Kaution Willi und Leo von der weiteren Untersuckungshaft zu verVe.nen. Mar Sklarek ist bereits gestern gegen 16 Uhr aus dem Unter- fnchungsgcfängnis entlassen unü van seiner Familie in Empfang genommen worden, denn vier eidlich gehörte Sachverständige haben die Aufhebung der Untersuchungshaft dringend befürwortet, da sonst n«t der Geiabr einer erheblichen, fortschreitenden Verschlim- rnerung der schweren Erkrankung sowie mit der Möglichkeit«inez plötzlichen Todes zu rechnen sei. Max Sklarck l eiset näinlich an einer schweren Herzkrankheit. Artcrienverkalkuna, Nierenentzündung und hohem Blutdruck. Tlls medizinische Sachverständige wurden Professor Dr. Rctzlaff gehört, der sich sür Haft- Unfähigkeit aussprach, während die drei übrigen Mediziner, Mödizinalrat Dr. Woker, Medizinolrat Dr. Twers und Universitöts- profeffor van den Velden zwar übereinstimmend die Haftfähigkeit erklärten, aber doch mit Rücksicht auf den schlechten Gesundheits- zustand die Derschorrung von der weiteren Untersuchungshaft be- fürwörteten. Zu einer Erörterung d«r Straftaten selbst kam«s nicht, da die Verteidiger der Gebrüder Sklare? dagegen mit der Begründung Einspruch erhoben, daß im Rahmen eines kurzen Haftprüfungs- termins Klarheit darüber doch nicht geschaffen werden könne. Die Kammer stimmte dem zu und verzichtete auf die Dernehmung der geladenen Tatzeugen, des Duchhastcrs Lehmann, der Stadtbonk- direktorcn und einiger Angestellter der KDG. Post begünstigt Hakenkreuzler. Wir brachten in unserer Abendonsgab« vom I. März die Abbildung eines Kranzes, den nationalsozialistische Angestellte und Deomtc beim Postamt C h a rl o tt e n b u rg 1 für den er- mordeten Nationalsozialisten Wessel gestiftet hatten. Die Speise deg Kranzes trug in doppelter Ausführung das Hakenkreuz, das Wahrzeichen der rechtsradikalen Stoatsfeind«. Es besteht, wie wir zuverlässig erfahren, in der Tat b«i diesem Postamt eine „n a t i o n a l s o z i a l i st i s che Z e ll e". Für Hitler wirbt vor allem ein gewisser Herr Sommer. Als die Demokratische Partei am 27. Januar eine Reihe öffentlicher Versammlungen in Berlin veranstaltete, versucht« im Schillersaal in Eharlottenburg ein Reichs- Postbeamter in Uniform an der Spitze eines nationalsozialistischen Sturmtrupp- die Versammlung zu sprengen. Der Saalschutz, der sür die Demokraten durch das Reichsbanner gestellt war, be- förderte die Radaubrüder mit polizeilicher Hisse aus dem Saal. Bei dem Getümmel blieb die Mütze des Postichassners in den Händen der Reichsbannerleute, sie wurde gegen Quittung bei der Republikonisckzen Beschwerdestelle abgeliefert. Die Republikoniiche Beschwerdestelle erstattete über den Vorfall einen Be- richt an k ie 0 b c r p o st d i r c k t i o n Berlin. Sie erhielt diese Amwort: „Nach dem Ergebnis der postdienstlichen Untersuchung liegt zu Maßnahmen gegen den Postschoniwr Sommer kein Anlaß vor. Es wird gebeten, die Dienstmütze des Beamten dem Post- omt Berlin-Charlottenburg i.zu Überweisen, gez. S e n g e r." E? ist schwer, anzunehmen, daß es vom Reichspost- Ministerium gebilligt wird, wenn Beamte in Dienstkleidung Propaganda für eine staatsfeindliche Partei machen. Völlig unfaßbar ober wäre es, wenn das Reichspostministerium der Republik dulden würde, daß Beamte oder Angestellte in Dienst- kleidung Versammlungen republikanischer Parteien zu sprengen versuchen. Wir sind überzeugt, daß der Reichspostminister den Bescheid der Oberpostdirektion Berlin korrigieren wird. Polarlust über Berlin. Temperaturrückgang.— Nachtfröste zu erwarten. Das Aprlstvctter hak in diesem Zahre schon im März seinen Einzug gehalkcv und schon seil Beginn der Woche wechselte Sonnenschein mit Regen und Graupelschauern. Eine typische Frühjahrs- erscheimmg ist dabei der plötzliche Einbruch polarer Lust- Massen, der auch gestern nachmittag die hauptursachc zu dem tangoohaltenden und hesiigen Schneetreiben gewesen ist. So dicht wie gestern nachmittag sind in diesem ganzen Winter die Schneeflocken noch nicht gefallen. Etwa gegen!--2 Uhr setzte das Schneetreiben bei einer Temperatur von 5 Grad Wärme ein. Dos Thermometer sank In kurzer Zeit ans 1 Grad Wanne und Plätze sowie Parkanlagen waren bald mit einer starken Sckzneedecke Überzogen. Ganz besonders in den Außenbezirken bot sich sine prächtige Winterlandschoft, wohl endgültig die letzte dieses Winters. Während in der Innenstadt die Temperaturen gegen 21 Uhr um den Nullpunkt schwankten, wurden in den Außenbezirken l Grad und stellenweise sogar 2 Grad Kälte gemessen. In der Nacht ging die Quecksilbersäule noch weiter erheblich zurück. Wie der Amtliche Wetterdienst mitteilt, steht unser Gebiet bereits feit Montag in dem Bereich dieser polaren Lustzone, die gestenO durch erneut« Zufuhren ans dem hohen Norden noch verstärkt wurde. Iltmrhalb des polaren Luftkorpers ist gestern eine größere, aus- gedehnte Störungslmic über uns hinweggegangen. Die Störung, die am Mittwoch nur klein und lokal begre:rzt war, reichte am Donnerstag bis nach Frankreich und nördlich hinauf bis nach Dänemark. Es sind aber schon Anzeichen für eine allge- meine Beruhigung der Wetterloge vorhanden, med zum Wochenende ist wahrscheinlich wieder mit besserem und be- ständigem Wetter zu rechnen. Tod am Ankerspitl. Schwerer tlafali auf Motorschiff./ Ein Toter, zwei Verletzte. Stolpmünde, den 13. März. Das Motorschiff.Hedwig" aus Hamburg war, aus Kolberg kommend, vor Stolpmünde cingetroifen und blieb die Nacht über vor Anker. Domrerstag gegen 7 Uhr, als der Lotse schon o« Bord gegangen war, wollte man den Anter einholen. Beim Hoch- heben des Ankers brach die Sperrklinke des Ankerspills. Der Anker fauste mit noller Kraft in die Tiefe und setzte die Kurbeln der Ankerwind« in rasende Umdrehungen, von den kurbeln wurden vier Mann der Besatzung getrosscn und verletzt. Dem Matrosen Garzke aus Stettin wurde der Schädel gespalten. Er war auf der Stelle tot. Der Steuermann Klemmer aus Stolp erlitt ebenfalls eine schwere Kopfverletzung, während der Matrose Sibelkont aus Ueckermünde einen Oberarmbruch davontrug. Trotz Ieromzmos Benehmen kam es Piedade nie in den Sinn, daß er seine Baterrechte verwirkt hatte, und sie hatte daher immer«inZchlschles Gewissen, weil sie seine Wünsche außer acht ließ und dem Kind gestattete, ins Haus zu kommen. Aber was war eigentlich schon dabei? Sie be- ruhigte sich damit, daß sie ein Recht aus diesen einzigen Trost hätte, da ihr Leben doch sonst alles Inhalts und aller Stutze beraubt war. Pombinha hatte in der Siedlung gewohnt, war rein und unverdorben aufgewachsen und hatte zur rechten Zeit einen anständigen Mann geheiratet. So kam Senhorina ünmer weiter nach Sao Romao: erst kam sie Sonntags morgens und kehrte nachmittags m ihre Schule zurück, und später kam sie Sonnabend nachmittags und blieb bis Montag morgen. Als Ieronymo das von der Schulvorsteherin erfuhr, ärgerte er sich sehr, aber nach einigem Ueberlegen kam er zu der Ueberzeugung. daß Piedade ein Anrecht auf diesen Trost besaß und wandte nichts dagegen ein, obgleich er selbst sein Kind nur zu sehen bekam, wenn er es an Werktagen besuchte. Gewöhnlich brachte er chr Obst und Süßigkeiten mit und fragte immer besorgt, ob sie auch nichts zum Anziehen brauche. Aber eines schönen Tages kam er in einem so betrunkenen Zustande hin. daß er nicht hineingelassen wurde, und von da an schämte er sich so sehr, daß er sie nur noch selten suchte. Nach einiger Zeit brachte Senhorina chrer Mutter eines Sonntags eine Rechnung für vier Monate Pension und Unterricht und gleichzeitig einen Brief, m dem mitgeteilt wurde daß man das Kind nicht länger in der Schule be- halten' könne, wenn die Rechnungen n cht pünktlich beglichen würden. Piedade rang die Hände und fing an zu weinen. Wenn ihr Mann so weit gekommen war. daß er sein Kind nicht mehr unterhasten wollte, wo sollte sie das Geld her- nehmen, um das Mädel zu erziehen. Äl'o ging sie zu Ieronymo, um ihn um Hilfe zu lütten. denn sie wußte schon, wo er wohnte; aber er war beleidigt Aber ihr KomMen und ließ ihr sagen, er sei nicht zu Hause. Sie aber bestand darauf, daß sie warteu wolle, bis sie chu sprechen könne und erklärte mst erhobener Stimme, daß sie nicht ihretwegen hier sei, sondern des Kindes wegen, das man aus der Schule zu jagen drohte. Äeronynw ließ sich endlich sehen und kam mit dem zer- knirschten Ausdruck eines Opferlamms, das nicht Kraft genug hat, sich von den Banden der Sünde loszureißen. Als sie ihn sah— es war das erstemal, seit er aus dem Krankenhaus entlassen worden war—, verlor die arme Frau alle Selbst- beherrschung und brach in einen Strom non Tränen aus. Der schuldige Gatte senkte die Augen, war verlegen vor diesem Gesühlsausbruch und tief gerührt über die Verände- rung, die er an seiner verlassenen Frau bemerkte. Boller Reue über den Kummer, den er ihr angetan hatte, behandelle er sie freundlich und bat sie mit heiserer Stimme und zu- geschnürter Kehle beinahe um Berzeihung. „Mein armes Weib!" stammest« er und legt« seine Hand auf ihren Kopf. Und so standen die beiden da und starrten einander an. Piedade sehnte sich danach, sich in seine Arme zu werfen und ihn zu bstten, wieder nach Hause zukommen und wieder ihr Mann zu sein. Einen Augenblick schimmerte ein Hoffnungs- strahl in ihrem Herzen, und sie glaubte, mit dem Gatten ihrer Jugend noch einmal glücklich sein zu können. Sie war auf harte Worte und bittere Vorwürfe gefaßt gewesen, weil sie in das Paradies des Liebespaares eingedrungen war. Sie hatte sogar halb und halb erwartet, Beleidigungen zu hören und vielleicht non Jeronymos und Ritas neuen Freun- den lächerlich gemacht zu werden. Als sie ihn also traurig und mitleidig sah schmolz ihr das Herz in der Brust, und ihre Liebe war stärker als ihre Empörung und ihr Groll. Als ihr daher Ieronymo mit tränenfeuchten Augen die Hand erst auf die Schuster und dann um die Taille legte, schwankte sie ihm entgegen, vergrub ihren Kopf an seiner Brost und schluchzte hemmungslos. So weinten sie einige Augenblicke einer in den Armen des anderen. „Laß dir's nicht so zu Herzen gehen", murmelte er. „Wir sind eben vom Schicksal verfolgt, weiter nichts", fügte er hinzu und wischte sich die Augen mst dem Handrücken ab. ,Es ist, als wäre ich gestorben, und du solltest auch an mich denken wie an einen Toten. Sei überzeugt, ich werde dir nie etwas Böses wünschen. Jetzt geh aber nach Hause und gräm dich nicht, ich werde die Schulrechnung für das Kind bezahlen und zusehen, daß ich auch dir helfen kann, lind wenn du betest, so bitte nur unsern Herrn, mir zu verg-ben, daß ich dir so viel Kummer bereuet habe." Er brachte sie an die Haustür, wo sie ihn mit tief ge- senktem Kopf verließ. Ihre Zunge brachte kein Wort her- vor, und Tränen fielen auf den alten Wollschal, den sie um die Schultern trug. Aber Ieronymo zahlte die überfällige Rechnung weder an dem, noch am folgenden, noch am übernächsten Tag. Der Monat verging, und noch immer war sie nicht bezahlt. Es tat ihm leid, daß er sein Versprechen nicht einhiest, aber er wußte nicht, woher er das Geld nehmen sollte. Was er ver- diente, genügte kaum, um seine und Ritas Ausgaben zu decken. Er hatte schon Vorschuh genommen und hatte bei den meisten Kaufleuten in der Naäzbarschaft Schulden. Rita war extravagant und lud gern Freunde zu Tisch ein. und sie hatte eine ausgesprochene Schwäche dafür, an Geburts- und Feier- tagen und auch ohne besondere Veranlassung Geschenke zu machen. Er wollte diese großzügige Ader bei ihr nicht unter- binden, denn er fürchtete sich vor allem, was seinen Glücks- träum zerstören könnte. So tief stand er in dem Bann der Mulattin, daß er schwieg, wenn sie rücksichtslos Geld ausgab und ihr Gebaren sogar durchaus anzuerkennen schien, obgleich er im Innersten verstört und unglücklich war und siäz fragte, wie lange das so westergehen könnte. Der ständige Gedanke an seine Frau und sein Kind und an seinen Wortbruch ihnen gegenüber rief seine Reue wach. die nun der zur Schau getragenen Zufriedenheit mit Ritas Haushaltsführung das Gleichgewicht hielt. Er war sich durchaus klar darüber, wie gemein er sich zu Piedade und seinem kleinen Mädchen benahm, aber der bloße Gedanke. einen Sturm heraufzubeschwören, der eine Trennung von Rsta Bahiana mst sich führen könnte, versetzte ihn in ralend« Angst. Er beteuerte sich immer wieder, daß er lieber alles dulden, als seine neue Geliebte verlieren wolle. Und um die Stimme seines Gewissens zu betäuben, die ihn mahnte fest dem jtage, an dem er sein Versprechen ge» geben und es nie erfüllt hatte, fing er an. stärker denn je zu trinken; Ieronymo kam jetzt fast taglich total betrunken nach Hause. Als also Piedada am Ende des Monats ihren Be- such diesmal mst ihrer kleinen Tochter eines Sonntags wiederhoste, fand sie ihn trinkend inmitten eines KriKes von Freunden. Ieronymo begrüßte sie mst Hallo und bestand darauf, daß sie nähertraten. Er küßte das Kind stürmisch, hob es in die Luft und freute sich immer wieder über sein gutes Aussehen. Er bat ihnen Erfrischungen an und rief die Mulattin Die beiden Frauen sollten sich versöhnen und Freundinnen werden-- das war fein Wille.(gortf- folgt.) Gewinne ans der Hauszinssteuer. Oie Hausbesitzer bereichern sich auf Kosieu der Mieter. Auf Einladung des Reich�bundes deutscher Meter sprach vor den Meterbeisihern der Mieteinigung süluler und der Mietaufhebungsabtellungen der Amtsgerichte Rechtsanwalt Venossc Dr. Strautz über die Mietzins si euer. In Preußen beträgt die �auszinssteuer gegenwärtig das Awöiffach« der Grundoermögenestcuer. Sic ist mit 48 Proz. der Friedensmiete in die gesetzliche Miete eingerechnet und wird so aus die Mieter umgelegt. Durch diese verschiedene Berechnung fließt häufig ein beträchtlicher Gewin« in die Tasche des chaus- eigcntümers. Obwohl in den Parlamenten bereits häufig Sturm gegen diesen Zustand gelaufen wurde, war es bisher nicht möglich. ein« Aenderung herbeizuführen.— Die chauszinssieuer kann von den Steucrkassen bei nachzuweisender Bedürftigkeit des Mieters g e- st u n d e t oder niedergeschlagen werden. Ms bedürftig gelten solche Familien, deren Einkommen be! 2 Personen 1200 M. im Jahre nicht übersteigt.(3 Personen 1300 M., 4 Personen 1400 M., 5 Personen 1500 2)1.�0 Personen 1700 M. und 200 M. für jede weitere Person.) In Anrechnung gestellt wird aber das T e- famttin kommen sämtlicher Famllienangehörigcr. Bei W o hl- fahrtsünterstützten ist dazu eine Bescheinigung des Wohlfahrtsamtes zu beschaffen, bei in Arbeit stelzenden Per- soncn eine solche des Arbeitgebers. D'e A» t r a g s f o r m w lar« sind bei den Steuer, und Finanzkassen erhältlich. Sie sind genau auszufüllen und durch den D e r m i« t e r der Steuerkass« zu- zuleiten. Der Vermieter darf d!« Anträge nicht aus irgendwelchen Gründen zurückhakten! Sobald ein Entscheid über Stundung oder Niederschlagung vorliegt, kann der Mieter die Miete um den im Entscheid genannten Betrag kürzen. Der Entscheid wird dem Vermieter zugestellt, der Mieter sollte sich jedoch das Original vorlegen lassen. Wenn der Antrag abgelehnt wird, trotzdem die Grundlagen für Stundung oder Niederschlagung gegeben sind, ist die Aufsichtsbeschwerde beim Ziatasteramt anzuraten. Zuchthaus für den Bauwächter. Das Verbrechen an der Tochter.— Ltnd Hilde Zepernick? Freibad mit Komfort. Bier neue ma sive Hallen auf dem Wannstt-Badestrand. Der weitere Ausbau des Freibades Wannse« gehört zu den Arbeiten, die auch im Rohmen des Sparprogramms aus» geführt werden. An Stelle der mit Stroh gedeckten fjolzbauien, deren baupolizeiliche Genehmigung jetzt abgelaufen ist, werden an einer etwa 460 Slleter langen Boschungsfuttermauer vier groß« massive Umkleidehallcn und ein Strandrestaurant errichtet. Jede Halle enthält nn Erdgeschoß die Garderobenaufbe- wahrung, im obersten Stockwerk Einzel und Wechfelzellen und auf dem flachen Dach Brausebäder und Einrichtungen für Sonnen- bäder. Untereinander werden die Hallen, die jede einen Black für sich bilden, durch einen gedeckten Wandelgang verbunden werden. In einer sogenannten Ladenhalle werden Lebens- mittelg eschäfte,«in Friseur und«in« Wäscherei mit Kleiderreinigungs» und Bügelbetrleb eingenchtet werden. Das Restaurant und alle anderen Einrichtungen des Frei- bades werden mit Maschinen und Apparaten der modernsten Technik ausgestattet, um auch bei stärkstem Masienbetrieb, wie er an heißen Sommertagen häusig herrscht, allen Anforderungen des Publikums gerecht zu werden und den Betrieb wirtschaflüch zu gestalten. Die vier Hallen und das Restaurant werden bi» zum Be- ginn. der Badesaison fertiggestellt werden.' Da» Schöffengericht Lichtenberg verurteilte den Bau- wächter Schultz wegen Blutschande und Sittlich- keilsverbrccheus an feiner eigenen Tochter zu 3 Zahreu Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Es war vielleicht eine der erschütterndsten Verlzandlungcn, die inan m der letzten Zeit in Berliner Gerichtsfälen erlobt hat. Ange- sichts soviel sittlichen Elends trat die Tat dieses Vaters, der sich an seiner Tochter»erging, zeitweilig vollkonnnen in den 5>!nter- grirnd. Eins von sechzehn Kindern eines trunksüchtigen Vaters, der in Gegenwart der Kleinen deren Mutter prügelte, war der Jungs in elendster Umgebung herangewachsen. Dreizehnjährig, oergriff er sich an seiner Schwester. Dann kam die Heirat mit einem fünf Jahre älteren Mädchen gegen den Willen der Eltern; der Kopfschuß. Krankheit und Trunksuckit konnten ein zufriedenes Eheleben nicht aufkommen lassen. Die Frau verlor für den Mann bald den Reiz, auf der Suche nach anderen Reizen geriet er an sein« Tochter— er wiedeicholt«, was er als Junge mit seiner kleinen Schwester betrieben hatte. Man sah diese Tochter;«in beklomnienez Schweigen herrscht« im Gerichtssaal. als die Vierzehnjährige mit sich den von Dramatik erfüllten inneren Kampf auszutragen hatte: aussagen oder nicht?„Dein Vater ist hier angeklagt,' sagte der Vorsitzende m väterlicher Weise,„als Tochter brauchst du nicht auszusagen. Du irnißt ganz allein darüber entscheiden, ob du aussagen willst.' Schweigen. ,.Na?' Schweigen „Was willst du?' Wieder sekundenlange» Schweigen. �Du brauchst nur«in Wort zu sagen, das kann ja oder nein lauten.'„Nein.' Di« Kleine kann sich entsarren. Der zehnjährige Sohn des Ange- klagten wird von: Vorsitzenden selbst aus einem Nebenraum herbei- geführt.„Dein Vater ist wegen unzüchtiger Handlungen angeklagt, wegen©ittlichteitsverbrechen. Du hast das Reckst, zu erklären, daß du nicht aussagen willst. Kein Mensch hier im Saale darf dir sagen. was du tun sollst.' Der 5ll«in« schweigt. Auch die Frau des Angeklagten mit einem altmodischen Hut auf zerzauster Frisur, mit einem Gesicht voll Runzeln und von eigentümlicher Färbung, äußerst dürftig gekleidet, oerweigert ihre Aussage. Ebenso die Schwägerin des Angeklagten. Nur der Schwiegervater sagt aus. Er ist nicht gut auf seinen Schwiegersohn zu sprechen. „Jckj muß weit zurückgreifen,' sagt er.„Er ist«in Lügner.' Der Dorsitzend« mahnt den Zeugen zur Vorsicht. Dieser weiß manche- Schlechte über den Angeklagten zu erzählen, im großen und ganzen ist es aber nicht so viel, wie man annehmen konnte. Man erfährt auch, wie es zur Anzeige gekommen ist. Schon im Jahre 1927 will der Zeuge gegen den Schwiegersohn Verdacht geschöpft haben: die Deine habe verschiedene Andeutungen gemacht und geweint. al» der Dater sie von den Großeltern wieder aufs Land nehmen wollte. Als der Vater im Zusammenhang mit der Ermordung der Hilde Zepernick verhaftet wurde, soll die Dein« gesagt hoben:„Gott sei Dank, wenn er nur nidft wieder herauskommt.' Als er sie dann nach der Haftentlasiung am 11. November wieder zu sich nehmen wollte, da sagte sie:„Ich gehe nicht mehr«it', und eo» zählt«, was der Vater mit ihr machte.„Weshalb haben Sie nicht schon früher etwas unternommen, wenn Sie Verdacht geschöpft haben?'„Ich wußte doch nichts Genaues.' antwortet« der Zeuge. Alle drei Sachverständigen. SanitSisrat Dr. Magnus Hirsch- seid, Medizinalrat Dr. Sepp mann und der Psychoanalytiker Rechtsanwalt Dr. Staub waren darüber sich einig, daß es sich in diesem Falle um einen erblich schwer belasteten infantilen Menschen handele, auf dessen blerven- wie Geisteszustand sowohl die Kriegsverletzung als auch der Alkoholgenuß nicht ohne Wirkung geblieben waren. Psychopathisch schwer minder- wertig. verwickelte er sich in T r i« b v« r i r r u n g« n auf infantiler Grundlage. Die Anwendung des§ 51 komme für ihn nicht in Be° tracht, da eine freie Willensbestimmung nicht unbedingt ausge- schlössen erscheine. • Das Kapitel der Blutschande des Bauwächters Schultz ist mit dieser Berhandlung abgeschlossen. Als der Dorsitzend« den Ange» klagten fragte, od er. wmn man ihn freiließe, sich wieder der Tochter nähern würde,. erwiderte er unter Tränen:„Rem. um Gotteswillen nicht.' Hat Schultz aber das Sitllichkeitsverbrecheu an der kleinen Hilde Zepernick begangen? Hat er dieses Kind getötet? Darüber brach« die Verhandlung kein« neuen Anhaltspunkte._ Die Tragödie im Grunewald. Tötung auf Verlangen?-- Die Angeklagte freigesprochen. In dem Prozeß wegen des im Grunewald erjchvsjcneu Chauffeurs sprach dos Gerich die Avgeklagle auf Kosten der Slaalskassc frei. Bei ihrer weiteren Vernehmung äußerte sich die Angeklagte aussührüch über di« Tat selbst. Darüber hat sie verschiedene Darstellungen gegeben und weich heut« wieder von ihren früheren Angaben völlig ab.— Der Vorsitzende hielt de? Angeklagten vor, daß sie über die Tat sieben verschcdene Darstellungen gegeben habe. Zwei Monate nach dem Borsall habe sie vor der Polizei weinend ein glattes Geständnis abgelegt. Räch dieser Darstellung hätte Udo ihr die Pistole in die Hand gegeben und fie heb« diese aus 2V Meter Entssrwing auf seine Schläfe gerichtet und abgefeuert Die Polizei habe sich bemüht, die Vorgänge zu rekonstruieren, und drei Beamte seien mit ihr hinausgefahren und hier hätte sie gezeigt, wo sie gestanden und wie sie die Pistole gehalten hat»«. Es seien darüber auch photographische Ausnahmen gemach worden. Diese Darstellung tonrnc dem Otchuktionsfund auch am»ächten. Di« Angeklagte erklärt« daraus immer wieder:„Ich bleibe dabei, daß mei:w heutig« Darstellung die richtig« ist' Nach der Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen Mb: das Gericht den bereits oben mitgeteilten Freispruch. Werbewoche der Schneider. Das Schneidergewerbe rührt die Werbetrommel; es möchte, wie man es bei einer Pressebesprechung aus dem Munde des Borsitzenden Theodor Kesting vom Reichsverband des deutschen Schheidergewerbes hörte, gern die Menschen überzeugen, daß in der Maßschneiderei ein Teil Eigengut des Volkes begründet liegt, das gefördert werden muß. Aber wie soll dies be! den heutigen Preisen geschehen? Die Schneider versichcrn, der hohe Preis für Maßarbeit liegt in der Qualitätsarbeit begründet Gute Stoffe sind auch nicht billig� und der strenge Reichstarif im Gewerbe sichert in zirka 480 Positionen jede Art der Ausführung. Wenn sich die Airfertigungspreise so verschieden gestalten, zwischen 60 und 160 Mark, so liegt diese Dis° ferenziertheit in der Dersckstedenartigkeit der Ausführung begründet Eine kleine Ausstellung, die im Rheingold gezeigt wurde, hatte die feinsten Stücke der ersten Schneider in Deutschland zum Aer. gleich gestellt, wobei der Begriff„Schneider mache» Leute' wirklich zu erkennen war. Hier war das Handwerk zum Kunstherudwerk er- hoben, was es be! einem individuellen Kleiderkünstler ja auch ist; ober wie wenig Glückliche können auf solche Bediertuiag Anspruch erheben? Man erfuhr auch, daß nur 75 Prozent im Gewerbe wöh. renk» der Konjunktur beschöstigt sind und nur 40 Prozent gar m der stillen Zeit. Ein Ueberströmen der Arbeiter aus der ebenfalls still- liegenden Konfektion zurück zur Maßschneiderei bracht««in Heber- maß von kleinen selbständigen Existenzen, die nicht lebensfähig sind. Man möchte, um gerecht zu sein, nicht nur dem Schneidergewerbe bei seiner Werbung de» besten Erfolg wünschen, sondern noch vielmehr der Kundschaft. Wenn breite Volksschichten einmal wieder in die Lage versetzt sein werden, einen anständigen Anzug bei einem anständigen Schneide? bestellen zu können, so wird sich auch die' fühlbare Not dieses hochqualifizierten Handwerks wieder beheben. Mutige Tat eines Vierzehnjährige». In Staaken befindet sich ein größerer, etwa drei Meter tiefer Teich, in den die Abwässer der Kläranlage fließen. Am Ufer spielten vor kurzem mehrere Kinder, unter denen sich der dreijährige Gerhard Schultz aus Staaken befand. Der kleine Sch. rutschte von der schlüpfrigen.Böschung ab und stürzte ins Wasser. Di« Spielkameraden des verunglückten Kindes liefen nun schreiend da- van. Als der vierzehnjährige Herbert Hcwerer, der gerade des Weges kam, von dem Borgefallenen erfuhr, eilt« er herbei, warf nur seinen Oberrock ab und sprang kurzentschlossen ins Wasser. Es gelang dem mutigen Jungen, den Verunglückten, der bereits unter. gegangen war, zu fassen und sicher an Land zu bringen. Es wurde:: folort Wiederbelebungsversuch« vorgenommen, die nach einiger Ze-i. auch von Erfolg waren. Direktor Vrolal schwer verunglückt. Gestern er«anete sich in den spaten Kachmittagsstunden in der Möllendorlstraß« ein Auto- Zusammenstoß, bei dem der Direktor der BVG., der Genosse Fritz> B r o l a t. schwer verunglückte. Genosse Bralat befand sich aus der j Rückfahrt von den: Bahnhof der BVG. in Lichtenberg als sein Wagen mit einem Lastauto zusammenstieß. Er erlitt einen rnsfcr- fachen Unterarmbruch, sein Begleuer, Dr. Lad«Mann, kam mit einer leichteren Kops Verletzung davon. Z-j-brie»» BettthmbUS»«. Der Akt-rdbvibdinder&n«ickxrrS Zaiies) (Herf«ni 17. M-ir, bei der lllrma TsUfraß II.'Auel sein Ai-idriee» Äcrnss. fudilimm Wildwest in Oberschlesien. Wieder ein Postauto überfallet». Zu der Gegend von Sreuzburg iu Oberschlesen zwistheu den Orten Saßschieu und Simack, wurde gestern abend wieder et» schwerer Raubüberfall aus ein Po st- anla verübt. Der Wogen transportiert Gepäck und Passagiere. Zwischen den beiden genannten Orten sah der Ehauffeur plötzlich im Licht sein«? Scheinwerfer einen Baumstamm quer über den Weg liegen. Er glaubt« zunächst, daß er vom Winde umgeworfen wäre und stieg ab, um das Hindernis zu beseitigen. Dabei ent- deckte er, daß der Baum von Menschenhand umgeschlagen war. Nichts Gutes ahnend, wollte er schleunigst zu seinem Wagen zurückkehren. Da trat aus Walde ein Mann heraus, der ein Gewehr in Anschlag hielt und dem Fahrer zurief:.Lände hoch!' Ein zweiter, de? aus der Dunkelheit hervorkam, nahm der Postchauffeur die Schlüsse! zum Wagen ab. Er öffnet« die Fächer und hall« fünf Po st beute! heraus. Außer den Brieffendungen«nihielten sie 1 425 Mark in barem Geld. Der einzige Fahrgast des Wagens war«ine Krankenschwester, die von den Wegelagerern durch Drohungen in Schach gehalten wurde. Mit ihrer Beute verschwanden sie im Walde und entkamen. Der Chauffeur kehrt« mit dem Wagen zurück und erstattete Anzeige bei der Polizei. Eine genau« Beschreibung kann er nicht geben,'denn die beiden Räuber blendeten ihn absichtlich mit ihrer Lampe, und er meint auch, daß sie ihr« Gesichter mit Ruß geschwärzt hatten. Bei Nachforschungen wurde in einem halben Kilometer Entfernung vom Tatort die zerrissene Post und die leeren Postbeutel gesunden. Ein Jahr Gefängnis für rücksichtslosen Autofahrer. Am Totensonntag um 4 Uhr nachmittags fuhr der Ehauffeur Arthur Dietrich durch die Potsdamer Strafe in der Richtung Schöneberq mit sehr großer Geschwindigkeit. Bor ihm fuhr ein Privatauto, das er überholen wollt«. Er bog links vorbei. Obwohl an der Hallest« der Straßenbahn an der Ecke der Bnlenv- siraße 10 bis 12 Personen im Begriff waren, in die gerade dort haltende Straßenbahn einzusteigen, fuhr er mit unverminderter Geschwindigkeit dicht neben der Straßenbahn rücksichtslos in di« Menschenmenge hinein. Die Folge davon war. daß ein Kaufmann Langer totgefahren und 5 weitere Personen. darunter«in Pater mit seinem Sohn und eine Mutter mit ihrer Tochter verletzt wurden. Das Gericht verurteilte unter ausdrücklicher Versagung mildernder Umstände den Zlnzetlagten zu einem Jahr Gefängnis. 2 Milliarden Reisende bei der Reichsbahn 1929. Nach den nunmehr veirli elenden Detriebsergebnsssen wurden von der Deutschen R-uchsbahng«! eil schalt im Jahre 1S29 insgesamt 681 Millionen Zugkilometer<1028 64.4 Millionen) ge- fahren, non denen 418 Mllwnan auf den Personen, und 263 Mil- livnen auf den Güter, und Dianstverkehr entfallen. Die Zahl der Wage nach» kilorn-ter Heß es sich aus 30,03 Milliarden(1928 29,50 Milliardöt). Mit diesen Zahlen wurde also das Ergebnis des Bo» sahres um 37 Millionen bzw 1.13 Millierrden übertroffen. Die Zechl der beförderten Personen liegt bis her erst mit vorläufigen Ergebnissen vor: demnach wurden 1020 insgesamt 2,054 Milliarden Penonen befördert gegen 2 052 Milliarden im Jahr« 1028. Es ist also«ine geringe Zunahme von 2 Millionen zu verzeichnen. Im Personenverkehr wurden die höchsten Verkehrsleistungen im September und M a i mit 186,6 bzw. 185 Millionen beförderten Personen erzielt, während der sonst stärkst« Derkehrsmonnt Juli im vergangenen Iah« mit 181,3 Millisn« beförderten Petfonen hinter diesen Zahle» zurückbüeb. Di« mittler« Reifeweite, auf ein« Person berechnet, erreichte jedoch infolge des Einflusses der Fetten- reisen im Juli mit 27.23 Kilometern ihren höchsten Stsnd; sie blieb damit um 0,08 Kilometer gegenüber dem Juli 1928 zurück. Den schwächsten Verkehr wie», wie üblich, der Monat Februar mit 732 Millionen Wagenachskilometern und 143,3 Millionen beförderten Personen«ms. AuskandSfahrien von Schülern. Di« nach dem Ende der Inflation«insetzende» Fahrte» von Schülergruppen ins Ausland haben damals und bisher auch gelegentlich zu MißHelligkeiten geführt, die darauf zurückzu- führen waren, daß die einzelnen Reisen nicht genügend vor- bereitet waren, sachkundige Führung fehlte und die Reisen sich in den: kurzen Zeitraum der Svmmerferien in einzelnen Länden, zu sehr häuften. In den Jahren 1024/25 hatte daher das preußische Mnisterium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung stark ein- schränkende Bestimmungen erlassen und insbesondere die Genehnü- gung des Regierungspräsidenten jür jede Resse vorgeschrieben. W'c der Amtliche Preußisch« Pressedienst mitte! it, werden durch«inen neuen Erlaß des preußischen Ministers für Wissenschaft. Kunst und BglksbÜdwig diele Einschränkungen nunmehr, da«in« gewisse Be- nihigung auf diesem Gebiete eingetreten ist aufgehoben, gleichzeitig aber verfügt, daß der Schulleiter selbst für gründliche� Vorbereitung. sorgfältige Auswahl der Schüler utib der Führung. Beschränkung auf einen kleinen Kreis usw. verantwortlich sst und Beratung durch das Auswärtige Amt und Auslands- Vertretung sichergestellt wird.__ Berühmte Gemälde in London gestohlen. Ein dreister Diebstahl kostbarer Gemälde wurde gestern in der Eartton-House Gallery entdeckt. Die Dieb« hoben achtzehn Bilder gestohlen, unter denen stch vier Rembrandts,«in Rubens und mehrere G a i n« b o ro u g h s befanden. Der Wert der gestohlenen Gemälde wird auf 30 000 bis 40 000 Pfund geschätzt Glückwunsch an Staatssekretär Meißner. Bürge rnv'ester Schelfe und Stadtverordnete uvorsteher Haß höben dem Staotssetretär im Büro des Reiehspräsidente» Dr. Meißner namens der städtischen Körperschaitan herzlich« Glückwünsche zum fünfzigsten Gädurtotage ausgesprochen. Elltesänger im Theater am Sottbusser Tar. Dos Märzprogramm bringt als Einleitung«ine vergnügte Szene von Max Ncumann „Der Strobwitwerklich'. Emil Stein gefiel in seinen„Lieben, der Liebe". Max S t e fdl. Alfons Bornemann bringen eine originelle Groteslfzene„Rendezvous au, Hermannplotz'. Schorsch- Nufslli hat, wie immer, neue Eimälle und mußte mehrmals vok dem Vorhang erscheinen. Em Genrebild von Lau!» Schneider .ihirmacher und Pirord-'. spielte im Jahre 1815 in Frankreich, wurde von Hans Ren« und Emil Stein flott und mit guiem Humor dargestellt_ Recht nett das LebensbiO nern Max Neuwarm.Die Wttsemvirt!»'. Den Schluß bildete eine sehr gut zissarnmengesetz,« Burleske ,Fu-KlurHilan' non He Reumawi. Langanhaltender Beifall danlte allen Mitwirkei�cn. Allazar tu der Behren strafet Ein Rissenaufgebot artrstischa Lenlungen. in dem das tänzerische Element dommiert Da sst Maja Ma i in ihren Phautasietäizzen. Andrä U. Harry,— Beiitieder ohne Worte— nennt stch dos bestroutiniert« Tanz paar mit kostbare,, Kostümen und guten Tanzleisiungen, Geschwister R« n l o w bringen Ilnganänzz. Ltlüh Garden und Harry Wilden kreieren den alten, schönen Wiener Walzer und einen modernen Tamga. A Ilona bringt einen gut durchgeleiteten Äopfbailanreäkt, die vier Mkllons zeigen gymnastisch« Rauheiten in verblüffender Art. tomische Radfahrer, Kontorsionisten, Humstibumstt, kurz alle Gebiete der Artsstik sind hier oertraten. Und durch's Megaphon bläst eül Stimmung»irio den Anwesenden die neuesten Schlager ins Gamiit, Nochmals„Berliner Festspiele 1930 Warum die Sozialdemokraten sich gegen die Veranstaltung wenden 2)it Berliner sozialdemokratische Etadtoerordnetcn- fcaltion Hot am 6. März einen Antrag eingebracht, durch den sie erreichen wollte, daß Aufführungen der Städtischen Oper und Dar- btetungen des Philharmonischen Orchesters, die im Frühjahr und Sommer dieses Jahres stattfinden, nicht in Verbindung gebracht werden mit einer sogenannten„F e st s p i e lw o ch e*, die trotz der teilweise unangenehmen Erfahrungen des Vorjahres in diesem Jahre in Berlin wiederholt werden soll. Dieser sozialdemokratisch« Antrag ist im Plenum der Berliner Stadtoerordnetenversamnrlung am 11. März angenommen worden, und zwar nicht nur. wie falsch unterrichtete Blätter schreiben, von einer Linksmehrhcit. son- dcrn nach der Derkündung des Stadtverordnctenvorstehers beinahe einstimmig, also auch von Fraktionen und Parteien, deren Blätter merkwürdigerweis« gegen dieses Vorgehen der Sozialdemo- traten im Berliner Stadtparlament aufgetreten waren. Es verdient hierbei hervorgehoben zu werden, daß ein sonst zieinlich maßgebender Stadtverordneter der sogenannten„bürgerlichen Mitte", der in Berliner Wirtschaftskrcisen sehr bekannt ist und einer Fraktion angehört, der wenigsten» zeitweilig die Illlstein- und Mossc-Presse nahe- zustehen scheint, in einer Körperschaft, die über die Festspielwoche sprach, erklärt hat:„Es muß alles getan werden, um diese Festspielwoche kaputt zu machen." Niemand— am allerwenigsten die Berliner sozialdemokratische Stadtoerordnetenfraktion— will verhindern, daß in der Zeit, in der Berlin vielleicht mit einem erhöhten Fremdenverkehr rechnen kunn. besonders hervorragende Opernvorstellungen stattfinden. Fast alle Vertreter der Fraktion der Berliner Stadtverordnetenversammlung haben im Aufsichtsrat der Städtischen Oper den Ausführungen des Intendanten T t e t j e u zugestimmt, die dahin gingen, am Ende der sogenannten Hauptsaison die erfolgreichsten und künstlerisch hoch- rr. artigsten Opernaufführungeu der vergangenen Spielzeit nochmals Zu wiederholen und hierbei auch die ständig vorgesehenen Volks- Vorstellungen, die zum Einheitscintrittspreis von 2 M. geboten werden, nicht ausfallen zu lasten. Da der städtische Intendant Dietjen zugleich Generalintendant der staatlichen Opern ist, wird er die gleiche Idee ohne weiteres auch in den staatlichen Instituten durchführen können. Hieran könnten ihn übrigens Entscheidungen städtischer Sörperschasten nicht hindern. Diese wollen auch keines- weg» das Philharmonische Orchester, an dem jetzt die Stadt maß- gebend beteiligt ist, veranlassen, etwa von diesem für die gleiche Zeit geplant« Konzerte nicht stattfinden zu lassen. Die ,Kunstabsichien� privater persönlichfeiten. Nur dagegen muß nachdrücklichst Emspruch erhoben werden, wie er auch eindeutig in dem jetzt angenommenen Antrag niedergelegt mondän ist, daß solche Ausführungen, die teils zu dm normalen Kaiienpreisen, teils, wie oben vermerkt, zu volkstümlichen Preisen stattfinden sollen, hineingepreßt werden in den Rohmen einer sagenannten F e st s p i« l w o ch e, die getragen werden soll von einem Komitee privater Perfönlichkoiten. deren besondere„Kunstab sichten" durch die städtischen Körperschaften nicht beeinflußt werden können. Welter ist es unerträglich, in der gegenwärtige:, Zeit der wirtschaftlichen und politischen Not aus- gerechnet eine Festspiel woche veranstalten zu wollen. Diejenigen. die diep möchten, zeigen«in so geringes Verständnis für psycho- logische Wirkungen mrd für soziale Zusammenhänge, daß schon aus diesem Grunde die verantwortlichen Vertreter der Stadt jede Per- bindung mit ihnen ablehnen müssen. Ferner ist zu-sagen, daß die Berliner städtische Aunstpflege nicht direkt oder indirekt becinslußt werden darf von solchen unkontrollierbare u Komitees. Der konununistische Redner hat mit bewußter Gehässigkeit gegen die Sozialdemokratte ausgeführt, daß die Sozialdemokraten jetzt zu der „Erkenntnis" gekommen wären, die ihr Antrag zeigt, naehdem sie bei der vorjährigen Veranstaltung der Festspielwochc In deren Arrange- >uent„eiu Haar gefunden hätte n". Die Sozialdemokraten haben im Aufstchtsrat der Städtischen Oper wie auch in der städtischen Kunstdeputatbon schon im vorigen Jahre mit Vertretern anderer Fraktionen Bedenken erhoben gegen diele Art der Sonderausführungen, vor allem, soweit die unangenehme Form der Propaganda und die ganz ungewöhnliche Festsetzung der Eintrittspreise in Betracht kamen. Es wurden damals für einzeln« Aufführungen Eintrittspreise von 100 oder 150 ivl. erhoben. Man hatte also von vornherein solche Aufführungen für einen kleine» Kreis Besucher bestimmt und wollte— unter Ausschaltung kunstbegeisterter Pro- letorier— möglichst„unter sich bleiben". Hierbei soll nichts gegen den Kunstwert dieser Aufführungen im allgemeinen gesagt werden, obwohl im einzelnen auch ernst« Kritiker Einwendungen erhoben haben. In der städtischen Kunstdeputation ist diese Frage im vorigen Lahre bedauerlicherweise mehr nebenbei behandelt worden, und man hat sich(bei einer ungenügenden Besetzung dieser Kunstdcputation) leider damals dabei beruhigt, daß die Stadt Berlin finanziell durch diese Festspielwoche nicht belastet würde. Die Stadt Berlin darf e- nicht mehr zugeben, daß öffentliche Veranstaltungen, die mit ihrem Namen und indirekt auch mit ihrer Verantwortlichkeit gedeckt werden müssen, getragen werden von privaten Komitee� Mit aller Deutlichkeit kann hier ohne jede Rücksichtnahme darauf vec- wieseu werden, daß zu den Garantiezeichnern der vorjährigen Fest- fpielwochc auch die Gebrüder Sllarek gehörten. Wenn auch gesagt werden kann, daß man zur damaligen Zeit nicht das jetzt sestzu- stellende Ende der Finna Sklarck voraussehen konnte, so ist doch allein schon die Tatsache k«m, zeichnend genug, daß diesen, Komitee der Festspiekwoche Liefaronten der Stadt Berlin on- gehören konnten, die wahrlich nicht allein aus künstlerischen Absichten heraus Geld für solch« Sm«<,ervor, daß es überall vorwärts geht, sowohl mit der Anzahl der Mitglieder als auch mit der Intensität der Arbeit. Durck) das hinlänglich de- kannte Verhalten der Demokraten, die auch in Tiergarten sich in «ine Frtmi mit den Nazis stellten, ging der Partei ein Stadtrots- postest verloren. Der Bericht des Kassierorz Alwin Bauer wurde genehmigt. Für die Pvesjekonunission sprach dann Landtags- abgeordneter Genosse Otto Meier. Er schilderte die rechtliche Stellung der Bertiner Presstkvmmission, die ja im Gegensatz zu den Kommissionen aller anderen Städte eine Reichsinstanz der Pa�i ist. Für die Entwicklung de».Vorwärts" zeigte«r das vollste Verständnis sowohl für die wachsenden Ausgaben des B«r- lages durch moderne Propagandaforinen als auch für die Redaktion, die In d« unangenehmen Lage ist den Reichs- und Lokalinteressen gleichzeitig dienen zu muffen. Dieser Dualismus könne eine Lösung nur durch die Schaffung eines Berliner Lokalblattes finden. Bei den darauffolgenden Wahlen wurde.der Kreisvorständ in seiner bisherigen Zufaimnensetzung wiedergewählt. Vorsitzende: G-n. Hennig und Deiner; Schriftführer: Ka r pa und W i« tz« r: .Kassierer: Dauer und Wollny. Frauanlerterinnen: Genossinnen Jordan und Matthias. Mitglied der Preffakommission: Gen. Otto Meier. Anträge, die sich mit Gehaltssragen und mit der Einstellung allerer Arbeiter und Angestellten beschäftigen, gingen dem Kreisvorstand zur Weiterleitung zu. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Kreisvertreterverfannnlung. parte» und Berlins Neugestaltung. Retchstagsabgeorbneter Gen. Dr. Kurt LS weitste in sprach vor den Neuköllner Parteifunktionären Über die beabsichtigte Acn- derung des Gesetzes Groß-Beclin. Die Frage einer Umänderung des Gesetzes fei von größter politischer Bedeutung. Ge- miß müsse der Iirstanzewveg, der heute ungeheuer lang sei. geändert wenden. Der Redner führte eine Reihe von Beispielen an, wie oft die einzelnen Deputationen, Bezirk sversaiinnlungen, Bezirksämter und dann die zentralen Verwaltungen zu Anträgen usw. Stellung nehmen müssen. Diesen Instanger�ug zu beseitigen, dazu gemtgt heute schon das bestehende Gesetz. Hier sollte die Stadt- verordnetenversammlung und der zentrale Magistrot ansetzen und den Bezirken die verwaltiingsmähige Erledigung besonderer Auf- gaben übertragen. Di« Steuer- und Finanzhoheit muß natürlich die Zentrale behallcii. Rte.hr bestimmte Etatsrechte für die Be- .zirfe, dann werden auch die Bczirksvevsammllmtgen verantwortungsvolle Arbeit leisten. Nochstehende Resolution wurde ein- stimmig angenvnnnen. „Die FunktionävoevsanMtlung des 14. Kreises boschließt,-den Bezirksvorstand zu ersuchen, dem Bezlrksparkeikog folgenden Be- schluß vorzulegen: 1. Der Bezirksparteitog erhebt Einspruch dagegen, daß die Preußische Stoatsregierung nach den bisherigen Meldungen be- obsichtigt, dam Staatsrat und dem Landtag einen Gesetzentwurf zur Abänderung des Gesetzes der Stadtgemeindo Berlin vorzulegen, ohne ausreichende Fühlungnahme mit den in Frage komnrendcil städtischen und politischen Instanzen. 2. Der Dezirksparte itaz verlangt, daß eine gesetzliche Aeude- rung der Verwaltungsorgainsation der Stadt Berlin nicht durch ein Sondergesetz, sondern nur«m Rahmen der gesamten großen Vcrwallungsreform vorgenommen wird. 3. Der Bezirlspartoitag erwartet besonders von den Partei- genossen in Magistrat und Stadtverordneteiwersammlung, daß sie mit aller Beschleuirigung darauf dringen, daß alle im Rahmen des Gesetzes der Stodtgemeinde Berlin möglichen Verwalkmgsrefovmeti im Emn« der Vereinfachung, der Sparsamkeit umi) der Ent» bürotratisierung in Angriff genommen wenden." Veschwerdekommisfionen ohne Aechie. Ihre Auflösung bringt Ersparnisse und Vereinfachung. Bisher unterhielten die Bezirksämter sogenannte Wo Ii- NU ngsbeschwerdekom Missionen, die jedoch kein Recht zu irgendeiner Entscheidung hallen. Bereits im Dezember 192S hatte nämlich das OberocrwaUungsgericlst ltargestelll, daß die Angelegen- heiten der Wahnungszwangswirtschaft leine Gemeinde-, jaisdent ftaertlich: Austrogsangelegenheitcn sind, zu deren Erledigung es keiner Kominissiönsbaschlüsse von Bezirksorganen bedarf. Der Ober Präsident hotte daraushin im Jahre 1927 eine Auflösung dieser Wohnungsbcfchwerdekommissionen, die mit den verschieNrnste», oft völlig bedeutungslosen Aufgaben betraut wurden, gefordert. Nachdem sich auch die AohnungSaitistdezernenien In einer Sitzung mit überwiegend« Mehrheit gegen die weitere Veibehaltuiig der Kommissionen mll Rücksicht auf die V e ra I n f a ch u n g s- und Verbikligungsbe strebungen erklärt hatten,«suchl Jetzl der Bagistral die Vezlrtsämker. die Angelegenheiten der wohnnngs- zwangswirlfchoft von jetzt ob ausschließlich im Dezemalswege zu erledigen. Die Beschwerdekommissianen werden also aufgelöst, Abstellung von Mängeln wird künftighin direkt be! den Dezer- ii e n 4 c n zu beantragen sein. Das Bezirksamt W e> ß e n f e c Hai als erste Verwallungsstelle bereits die Auflösung der dortigen Beschwerdekammiision durchgeführt. Aus der Arft« 'f Mit Kroch aufgeflogen. 3. Bezirk— Wedding. Auch die diesmalige Bezirksversainmlung verfiel, wieder der Mflösung, ohne daß die Tagesordnung.pr End« geführt werden konnte. Die Kommunisten benutzten die der Verfamntzung zur Kenntnisnahme zugegangene Vorlag« des zentralen Magistrats wegen der S p a r m a tz n a h m e n auf dem Gebiets der Wohl- fahrt und des Gesundheitswesens zu üblen Agitations- reden. J5!« Kommunistische Partei, so betonte der Redner, bringe andere Sparoorschlage, und er schlug in vollem Ernst die Beseitigung der Baupolizei und Einschränkung der Ausgaben für die Städtisch« Oper und damit die Abschaffung der billigen V o l k s v o r � stellungen vor. In verhältnismäßiger Ruhe wurde dann die übrige Tagesordnung erledigt, bis«in Dringlichkeitsantraa der.KPD., der sich in den blutrünstigsten Worten gegen die Polizei wandte, den Moskaujüngern die sehnlichst erwartete Gelegenheit bot, die Ber- sammlung im Radau zu ersticken. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Kommunisten immer wieder die Ncberflüsstgkeit der Bezirksversammlungen beweisen wollen. Ein hilfloser Vorsitzender. 13. Bezirk— Tempelhof. Bei den Wahlen der unbesoldeten Stadträte wurden wieder- gewählt unsere Genossen Küter und Thiele. Dos Bezirksamt fetzt sich nunmehr zusammen aus zwei Deutschnationalen, drei Volks- parterlern, einen Demokraten, drei Sozialdemokraten, einen ehemaligen Kommunisten und einen Kommunisten. Der mit Hilse der Witte gewählte deutschnationale Borsitzende der ZZersamnilung hatte schon bei den Wahlen zu den Depiuationen eine rührende Hils- Josigkeit gezeigt. Bei den eigentlichen Beratungen wurde seine Unfähigkeit für diesen Posten noch assensichllicher.— Nazis und Kommunisten betätigten sich in geistlosen Zwischenrufen, bei jedem Punkte lange GeschästsnrdmingsdcbatLcn. Von einer„Wahrung der Würde der Versaniniliing", die er bei seinem Antritt versprach, war nichts zu merken. Merkt die Mitte, welchen lapidaren Fehler sie machte, als sie gegen unseren bewährten Genossen Bürge- in e i st e r stimmte? Die kommunistische Fraktion hatte„n u r".zehn Anträge eingebracht. Sic besteht aus lauter neuen Leuten, die wohl ihre Tüchtigkeit zeigen wollten.— cg« wurden üdertroffen von den Deutschnationale», die mit U Anträgen ausvxirtetcn. Bon den Sozialdemokraten war beantragt worden, die notwendigen Maßnahmen gegen die�bevorstehende Schulraumnot zu t�'N, für die Linie st? eine Schleis« Aiillastraße— Ringstraße anzustreben, vom Rathausplatz Marieirdorf die vcrkebrshiudernde Bepslan- zu na zu entfernen, die Verlängerung der Lim« 6b bis Berlinickeplatz zu beantragen, die Einziehung der Anschaffungskosten für Bekleidungsstücke durch das Wohlfahrtsamt solange auszusetzen, als der Notftandserwcrbslosc ohne Zlrbeitsocrdienst ist, das geplant« Land- fchulheim auf Rügen nicht nur für Schülerinnen höherer Schulen, sondern auch für Volksschülerinnen bereitzustellen, ferner umgehend Verhandlungen zwecks Ankaufs eines Schulgrundstücks im Osten Timpelhoss aufzunehmen. Alle sozialdemokratischen Anträge wurden angenommen. Das war auch das einzige posuivc Ergebnis zweier langer Sitzungen. it der Bezirke. Zuflucht zum Wasserglas. 15. Bezirk— Treptow. Die kommunistische Antragsmaschine hatte di« Bezirksversamm- lung wieder mit 20 Anträgen bzw. Anfragen beglückt. Die BeHand- lnng eines Antrag ss würde auf Protest des Sozialdemokraten Strieder abgesetzt, da der Antrag nicht vervielfältigt vorlag._ In einem Antrag verlangten die Kommunisten den Ausbau eines Kinderheims, das überhaupt nicht vorhanden ist. Bei der Begrün- dung dieses sonderbaren Antrages leistete sich eine kommunistische Sprecherin Beleidigungen gegen die Reichsfahne. Der deutschnationale Vorsteher konnte sich nur zu einem lahmen Ordnungsruf auf- raffen, den er allerdings dann, auf Grund eines Protestes unserer Genossin Todenhagsn verstärkte. Bei der Behandlung von Er- werbslosenanträgen kam es zu Tumulkszenen Eine komntutiistifche Stadtverorbnete warf mit einem Wasserglas nach dem sozialdemokratischen Bez'rksverordnetcn L c h n e r, nachdem dieser festgestellt hatte, daß die Kommunisten ibre eigenen Anträge nicht ernst nehmen. Die Sitzung wurde auf fünf Minuten vertagt. Ein Antrag der Kam- ntunisten betreffend Ersparnismaßnahmen auf dem Gebiete des Schulwesens gab unseren Genossen Strieder und L e in p e r t Gelegenheit, unsere grundsätzlich« Meinung darzulegen. Die Ber- sammlung stimmte der Neubenennunq von Straßen in Treptow, Oberschöneweide, Johannisthal und Altglienicke zu. Mit dem Aus. tausch von Uferparzellen am Plantenvald mit der Reichswosser- straßenvcrwaltung erklärte sich die Versammlung einverstanden. Desgleichen wurde dem Fluchtlinienplan über die Verlegung der Straße 169 zugestimmt. Ein Antrag der Arbeitsaemeinfchast der Milte betreffend den Bez'rksiuhrpark wurde zurückgezogen. Der sozialdemokratische Stadtrat Peters schilderte die wirtliche Lage des Fuhrparks und wies die falschen Bebaupwngen der Fraktion der Miste zurück. Der deutschnationale Vorsteher erteilte einem KPD.-Mann nicht das Wort. Wüste kommunistische Schimpfereien über den Vorsteher setzten nun ein Die Sozialdemokraten aber stellten fest, daß der deutschnationale Vorsteher ja seinerzeit nur mit Hilfe der Kommunisten gewählt werden konnir In einem Abände- rungsantrag verlangte die sozialdemokratische Fraktion, daß die An- lieaer von verschiedenen Straßen in Baumschulenweg von der Ver- pflichtimg zur Anlage des Reaenwaiieranschlusses noch entbunden werben möchten. Die Versammlung stimmte dem Antrage zu. Tische im(Straßenbahnwagen. Die Leipziger Straßenbahn wird w den nächsten Wochen 50 neue Motorwagen m Dienst stellen, die eine Anzahl beachtlicher Neuerungen und Verbesierungcn aufweisen. Die neuen Wagen besitzen Mitteleinstieg und abgeschlossene Führerstände und weisen im Gegensatz zu allen bisher in Leipzig betriebenen Modellen vier vollwertige Achsen mit viepfochem Motorenantrieb auf. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit haben sie elektrische Schiensnbrcmsen, Luftstgnalpssifen für Bahnübergänge und Nebel sowie durch Lustoentil betätigte Fußglocken. Erstmalig sind im Wageninncrn zwischen den Sitzbänken kleine Tischchen angebracht worden. Außerdem wurden Gepäcknetze eingebaut: damit ist einem seit Iahren geäußerten Wunsch der Straßenbahn- fohrgäste entsprochen worden. Berlins Gasvervrauch. Dreiviertel Milliarde Kubilmeter pro Lahr!— Vorbildliche Gemeinwirtschast. Der sechste Abend der Vortrag» reihe de» Reichstend«» Deutscher Technik„Berlin arbeilef galt der Bett» llnet Gasversorgnag". Wiederum war der große Vortragssaal im hau» der Technik überfüllt. Besonders interessant von den Ausführungen Direktor Fried» r i ch s(Städtische Gaswerk«) war die Schilderurig jener Maß- nahmen, die d!« Wirtschaftlichkeit der Gaswerke in jüngster Zeit erheblich gesteigert haben. So verlief naturgemäß mitsprechend der vergrößerten Gasproduttion auch die Kurve des Aufwandes an Kohlen in steigender Richtung. Aber einer Vermehrung der Gas- Produktion von etwa 38 Proz. in den letzten Iahren steht wir ein Mehraufwand an Kohlen von 15 Proz. gegenüber. Dieses günstig« Ergebnis ist auf die Zusammenlegung urti» den Ausbau der Werke, Verbesserung der Ocfen und Bezug geeigneter Kohlen zurückzuführen. Hinzu kommt, daß durch die Verwendung dieser geeigneteren Kohl« sich die Qualitätdes Kokses bedeutend gehoben hat. Früh» mußt« der Gaskoks zum Teil außerhalb Berlins zu ungünstigen Bedingungen verkauft werden, heut« findet er restlos in Berlin seine» 'Absatz. Durch rentablen Verkauf der Nebenprodukte, Teer, Ammo» niak. Leicht- und Schweröle, ist es außerdem gelungen, di« Kohlen- kosten in einem höheren Maß« durch den Rebeuprodukten erlös gu decken. Daß sich die Gaswerk« trotz scharfen Wettbewerbs der Elek- trizüät bedeutende neue Absatzgebiete erobert haben, ist bekannt. Die gesamte Gaserzeugung beträgt heule für Berlin nicht viel weniger als eine drei viertel Milliarde Kubikmeter pro Zahr. 92 Proz. fäintlichsr Haushaltungen in Berlin beziehen Gas: in den Straßen brennen heute 70000 Gaslampen mit 230000 Flainmen. lieber die Berteilung des Gases referiert« Dr. Ber-- t e l s m a n n, Direktor der Zentral« für Gasverwertung. Die Leistungen des Rohrnetzes sowohl w!« der Steigeleitungen in den .Häusern konnten durch technische Berbesseningen gesteigert werden. Bisher sind 260 000 solcher modernen Druckregier an den Gas- ntessern eingebaut woyden, 740 000 Regler sollen noch folgen. Die Kosten dieser Einrichtung sind zwar hoch, sie betragen aber nur einen bescheidenen Bruchteil derjemgen, die man auszvenden n rußte um das Rohrnetz nach veraltetem Verfahren auf die gewünscht« Leistung zu bringen. Der neue Weg hat den Beifall der gesamte« Gas- sachwelt des In- und Auslandes gesunden und ist von vielen aus- wärtigen Gaswerken übernommen worden. Sozialdemokratie Hilst den Blinden. Der Stadboerardnetenausschuß zur Prüfung der BerhSLnksse der Blindenanstalt nahm den sozialdemokratischen Antrag der Stadtverordneten Flatau u. Gen. an, wonach der Magistrat ersucht wird, erneut allen städtischen Dknststellen sowie den stLdtischen Gesellschaften die dringende Anweisung zu geben. dciz Gesaintbedars an Bürsten und Korbwaran sowie Decken, und Stuhlflechtarbeiten restlos von-der Städt-ischen Blinden-- anstatt zu beziehen. Gleichzeitig soll eine Kontrolle zur Ueben- wachung der Durchführung dies« Zlnordnung eingerichtet werde». Mataanabeab» DOCbeluH«» Dein. Butte?....... Pfd. 4.68 SülZe Hausmadur Art... Pfd. Q.60 Schweine-KUinfUiiA.Pfd. 0.38 Eies?............ 10 stA. an 0.58 Rnchovis............ gl O.SO Feiiheeinge t Tom..v- 0.30 Räucherlachs. �Pfd. 0.33 Lebende Maie an Pfd. 4.90 Wild u. Geflügel BESSER ESSEN• WENIGER DAFÜR AUSGEBEN DURCH: KAR STADT LEBENSMITTEL Delikatessen Suppenhühner.•Pidom 0.98 Sup)enhüKn.Mo p 0.48 Haushalt- Kakao. 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Retwtm Johannisbeeren Ut. 0.48 niScJrankenweiler. n O.SS Ur 0.93 naamSt. Martiner 0.90 Ur. 4.40 fmiEdenkobener•• n. 4.20 t* 4.30 HAtUcrziger Rieslg.n 4.80 Ur. 4.80 w27«OleungeT...... n 4.89 �La. 4.00 iftcmLiebfraumüch.n 2.40 | lj» 4.40 niemKallstädter Rrt» n. 4.00 - Ltr 4.40 r'-rV-L/tid R-rtTJ.rn..,, TL 4.40 iLfr 4.20 Macon........... PL 2.00 Lc 4.30 wzTrBeaujdais..... rr 2.40 u- 2.00 Wermuth Acossato n 4.83 Lh 0.90 iwvSautemes...... n 2.28 Lt. 4.00 Beiner Weinhr. iLh Fi 4.60 ib 0.83 Weinbr.-VcrscK ix.trPi 4.40 Im V e v U a u f s k e 1 1 e r: „Mgga- Travis- iSussieüsifsg" Im Veevaum 11. Stock 44 u.42, 4 und 3 Ukv: Vovivdge iibev Mgfia Tvavis und die Mode et ßdmtg. Karotten fxhatu*'!,!*. 0.32 Grünkohl—— v. v» 0.30 Apfelmus------ Vi o* 0.50 Pflaumen«astem v.Di 0.50 Mirabellen---- Vi 4JH) Erbsen vauoru.~...pi± 0.48 Rohnen u*if~.~....Pfd. 0.80 Mehl Kaiurauiaugß S-Pfi-BÜ. 4.48 Fitchm m. MUucltortoaren Schellfisch b«l.. pw 0.24 Schellfisch<**• ph 0.38 Sedachs a*...Pfd. 0.22 Kabeljau f�tf..Vfd 0.24 Kabeljau-Filet...Pfd, O.SS Goldbars......... Pfd. 0.32 Bratscholle....... Pfd. O.SO Grüne Heringe•.3 Pfd 0.48 Bücklinge im...... Pfd 0.24 Bücklinge..• j-PW-k«. 0.80 Fleckheringe...... Pfd- 0.48 Sedachs..........Pfd- 0.80 Flundern r«*.... PW. 0.83 Schdlßsch �rtaAmt Ptd O.SO Obst u. Gemüse Apfelsinen...... Pfd. 0.83 Blutapfdsmen..< Pfd. 0.83 Mandarinen... 3 Pfd. 4.00 Krimapfd........ FW* 0.88 Bananen......... Pfd 0.40 Ess-u. Kochäpfel» pw 0.33 Blumenkohl•. 0.30 Rot-u. Wirsingkohl Pfd 0.42 Rhabarber axzPfd&mj 0.38 Kartoff dnimiv.tH.te Pfd 0.45 N«ssina Blutapfelsinen 8.23 Kolonialwaren Kartojfdmehl..... Ffd 0.48 Reis-Burma....... Pfd. 0.20 Reis-Moulmein...Pfd 0.26 Erbsen n»........ Pfd 0.48 Erbsen fü*. tmAm..Pfd 038 Linsen........ Ptd om 0.26 Hartweizengrieß. pw. 0 28 Hajer flocken..... Pfd. O.SS Pflaumen«• st*....Pid O.SS Aprikosen Standard.Ffd 0.88 Prünellen........ PH 4-00 Ringäpfd........ Pfd. 0,90 Mischobst........ Pfd O.SO Sultaninen....-» Pfd 0.48 Korinthen........ Ptd 0.68 Auslese-Kaffee...Pfd. 4.90 Kaffee- Konsum..- Pia 2.40 Wursiwaren Frische Blut-viamvx ph 0.82 Bresl Dampfw. Pfd*-n 034 Hausm Leberw.PfdtAt 030 Sülzwurst....... Pfd 038 Speckwurst...... Ptd 038 Berl.Mettumrst...Ptd 4.00 Fleischwurst..... PW- 4.08 W/iener Würstchen Pid 4.48 lagdwurst........ PW- 4.48 Gutsleberwurst.. PW- 4.40 teineLeberw.i-f.nd Ptd 4.88 Streichmettwurst Pid 4 88 Bierwurst........ Pfd- 4-50 Schinfcenstolnische Ptd 4.48 Filetwurst........ P"- 433 Braitnsch Plockw. Pfd- 4.68 Grobe Teewurst•• Pfd- 4.68 GROSSER TEXT ILWM REN � 9* Ml A Mi M& MJ&&S M9 Ml 4� Et A» JC%»a ä Beginn Moniag9 den 12. Märs., üb Sonnabend fvüh VovvevUauf g »rm-H.MtSng 2, SOrWOrt« Srdf«#,l«.®Urj(MO Die neuen Agrarpläne. Die Attacke der„Grünen Krönt".— Vielfach undiskutable Absichten. Der Rcichsernährungsministsr verfolgt, teils wohl aus eigenem Entschluß angesichts der ungünstigen Roggenprelse, teils unter dem Druck der„Grünen Front', ein neues Programm von Agrarzöllen und anderen Mahnahmen zur Berbesierung der Roggenpreise. Seit im Dezember 1929 die neuen Agrarzölle eingeführt worden sind, haben sich die Preise s ü r Weizen nicht wesentlich ge- ändert; sie liegen heute einige Mark pro Tonne unter den Preisen vor der Zollerhohung. Die starke Preissenkung auf dem Weizen- Weltmarkt hat sich nicht aus den deutschen Weizenpreis ausgewirkt. Die Roggenpreije konnten durch die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen, in erster Linie durch die starke Jnter- venlionstätigkeit der Getreidehandelsgesellschaft, bis vor acht Tagen aus rund 169 Mark pro Tonne, das heißt 19 Mark unter dem Dezemberpreis gehalten werden. In der legten Woche hat die Ge- treidehandelsgesellschaft ihre Stützungskäufe«ingestellt, der Preis ist infolgedessen um 29 Mark pro Tonne gesunken Der Futterger st enpreis stand im Dezember vorigen Jahres auf rund 179 Mark, trog Zollerhöhung von 29 Mark auf 59 Mark beträgt die gegenwärtige Notiz für Futtergerste nur 115 Mark. Daß diese Entwicklung der Preise maßlosen neuen Zoll- forderungen der„Grünen Front' Anlaß gegeben hat. ist kein Wunder. Ausgabe der Sozialdemokratie wird es sein, diesen über- spannten Forderungen entgegenzuireten und durch planvolle Maßnahmen, wie das auch bisher das Bemühen der Sozialdemo- kratie war, gegen einen übermäßigen Sturz der Getreidepreis« anzu- kämpfen, gleichzeitig aber auch Sicherungen gegen jede zukünftig« Preisüberhöhung zu erreichen. Erhöhung de» Weizenzolls und Perbrauchsabgabe. Als völlig undiskutabel muß die Forderung auf Er- höhung des Weizenzolles bezeichnet werden. Bereits der bis- herige Zoll von 93 Mark pro Tonne ist sehr hoch, die„Grüne Front' will aber 209 Mark(das heißt, einen mehr als 109prozentigen Wertzoll!) haben. In bestimmten Kreisen wurde auch erwogen, mit der Weizenzollerhöhung eine inländische Weizenverbrauchs- abgäbe zu erheben. Die Erhöhung des Weizenzolles sollte also nicht der Landwirtschaft in Form höherer Inlandserzeugerpreise. sondern der Reichskasie zugute kommen. Die durch diese Weizen- brotsteuer erzielten Mehreinnahmen sollten zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung Verwendung finden. Bon der so bewirkten Weizenverteuerung wurde ein Anreiz zu verstärktem Roggeubrotkonsum erwartet. Wenn auch durch den Gc- danken einer inländischen Wetzenau-gleich-steuer zugestanden wurde, daß der deutsche Weizenpreis nicht ungünstig ist(was auch unsere Meinung ist), so bedarf eine so unsoziale Idee, ausgerechnet durch ein« Brotsteuer das deutsche Getreideproblem zu lösen und die Reichskasien zu füllen, keiner weiteren Kritik. Der Reichsernährungs- minister hat dies tvohl._auch...emgesehcn,. denn, er.hat diese. F.or- derung der„Grünen Front" nicht mit in sein Programm ausgejührt. Beimahlungszwang für Roggen. Dagegen hat der Ernährungsminister leider einen alten Ladenhüter der Getrekdepolitik, nämlich den bereits vor Monaten von den verschiedensten Seiten aufs schärfste abgelehnten Beimahlungszwang von Roggen zu Weizen als wesenlliches Hilfsmittel für die Roggenpreis« in sein Programm auf- genommen. Er schlägt«ine 29prozentig« Beimohlung von Roggen- zu Weizenmehl und«ine entsprechende Behandlung des eingeführten reinen Weizenmehls vor und erhofft sich von dieser Maßnahm« ein« Hebung des menschlichen Roggenverzehrs. Wir sind der Meinung, daß der Reichsernährungsminister durch«in« solch« Maßnahm« das erst kürzlich von ihm vorgelegt« Brot- gesetz, das in erster Linie Berbesserungen der Brotqualität mit einem Kernrzcichnungszwang für die verschiedenen Standardbrote anstrebte und dem wir weitgehend zustimmen, z e r st ö r« n würde. Nicht Steigerung des Brotkonsums, sondern Rückgang des Brot- Verbrauchs wäre die Folge einer solchen Zwangsmaßnahme, gegen die wir übrigens bereits vor einigen Tagen, als der Beimahlungs- zwang von neuem durch Ricodem Eon» ausgegraben wurde, Stellung genommen haben. 3m Bereich veraüufligerer Diskussion. Ein« Möglichkeit vernünftiger Preis b««in- f l u s s u n g scheint uns jedoch vielleicht auf dem Gebiet des Gersten- zolles und des Maiszolles zu liegen. Entgegen der Forderung der Sozialdemokratie, den Gerstcnzoll auf seiner früheren Höhe von 20 Mark für diejenigen Gerstenbezieher zu belassen,. die gleichzeitig mit der Gerste 39 Proz Fulterroggen kaufen und versllttern, ist durch die Quertreibereien der Bayerischen Volkspartei im Dezember letzten Jahres der F u t te r g e r st e n zo ll schcmotisch auf 59 Mark erhöht worden. Dies« Maßnahme hat sich als ein Fehlschlag erwiesen, weil dadurch die Roggenverfüticrung er- schwert wurde. Es wird notwendig sein, diesen Fehler wieder gut- zumachen und die damals geplante Differenzierung im Futtergersten- zoll einzuführen. Auf keinen Fall darf allerdings diese Differenzierung so erfolgen, wie sie angeblich vom Ernährungsminister vorgeschlagen wurde, daß nämlich ein beweglicher Zoll in den Gren.zen von 59 bis 129 Mark pro Tonne geschaffen wird. Bielmehr sollte für die auch Roggen verfütternden Landwirte der alte Zoll von 29 Mark pro Tonne wiederhergestellt werden, für diejenigen Landwirte, die keinen Roggen verfüttern wollen, konnte allerdings«ine Erhöhung des Futtergerstenzolles über 59 Mark, aber nicht auf die phantastische Höhe von 129 Mark zugestanden werden. Bon der Maiseiufuhr, die in diesem Jahr« nach einer überreichen Balkonernte und einer sehr großen in Argentinien er- warteten Ernte unter starkem Preisbruck steht ist ebenfalls, wenn der Maispreis ins Bodenlose abzustürzen droht, eine Gefahr für den Roggenpreis zu erwarten. Ein« Erhöhung des Maiszolles ist jedoch nicht nur handelspolitisch infolge vertrag- licher Bindung dieses Zolles unmöglich, sondern sie müßte, besonders wenn sie in starrer Form vorgenommen würde, von der Sozialdemokratie als planlos abgelehnt werden. Durch die Einführung eine» Rtaiseinfuhrmonopols lassen sich dies« Schwierigkeiten umgehen. Handelspolitisch war« sie nicht so bedenklich wie eine Zollerhöhung. Durch planmäßig« Be- «influssung des Gersten, und Maispreises läßt sich also vielleicht manches zur Besserung der deutschen Getreidepreisbildung farn. Das Getreidevroblen, ist nicht„das" deutsche Agrarproblem. Diel zu wenig wird heut« bedacht, daß das Getreideproblem zwar ein wichtiges, aber keineswegs das deutsche Agrarproblem ist, nachdem von dem gesamten Verkaufserlös der deutschen Landwirt- schaft nur 19 bis 15 Proz. auf Getreide entsallen. Lediglich in ostelbischen Großbetrieben erreicht der Prozentsatz des verkauften Getreides teilweise 23 bis 39 Proz.- Es besteht auch heut«"noch keine BeränläMng,' eine' Tleberteuerüng der Eetreibc- preis« herbeizusühren, nur um eine klein« Zahl ostclbischer Groß- betriebe vor Schwierigkeiten zu bewahren. Die Sorg« um die Roggenprers« ist auf dem Wege, eine politische Psychose zu werden. Verhältnismäßig niedrigen Roggenpreisen wird sich die landwirtschafUiche Produktion anpassen müssen, wenn äugen- blicklich in vernünftigem Rahmen auch noch manches geschehen mag. Noch aus einem anderen Grunde muß man sich scharf gegen olle Bestrebungen wehren, die Getreidepreise allzu stark zu steigern. Die Begünstigung der Getreide verkaufenden Großlandwirtschaft muß eine entscheidend« Benachteiligung der bäuer- richen Deredlungswirtschaft nach sich ziehen. Jeder Bestrebung, die Getreidepreise stark zu steigern, müßten neu« Forderungen nach Zollerhöhung für Eier und andere Edelprodukte zur Folge haben. Die Sozialdemokratie ist bereit, wie sie das bisher bereits getan hat, aktiv daran mitzuarbeiten, wenn es gilt, die Landwirtschaft vor Erschütterungen durch ausgesprochene Kala- strophenpreise zu schützen, nicht aber notwendige Betriebsvcr- besserungen und Umstellungen durch überhöht« Preisgarantien oder Zölle, wie sie die„Grüne Front' wünscht, aufzuhalten. Kavitalstärkung derKonsumvereine Die Entwicklung im Lahre-1929. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine gibt einen Ueberblick über die Entwicklung während des Jahres 1929, dem wir folgendes entnehmen: 1914 1924 1928 1929 Zahl der angeschlossenen Genossenschaften.. 1109 1275 1924 991 -Yakl der Mitglieder.. 1717 519 3 414 218 2 896 756 2 992 278 Umsah in Trillionen M. 4öS.41 548,74 1124.49 1242.40 �MüMd�Mar�'! 283,27 159,32 388.19 415.17 S gfffÖo' � TOU' IS." 4.35 18,32 20.42 bfIahren9iSf,aClen 6-83 2,73 4.72 4,92 Spar-inlag inMill Mt. 79.10 49,48 297.49 374,91 Spar-ml°g«njeM.tglled � � �.79 124,99 Die am Jahresschluß ausgewiesenen eigenen Betriebsmittel in der Höbe von 123 Millionen Mark g e n ll g« n dem jetzigen großen Ilmsana der konsumgenossenjchaftlichen Güterversorgung nicht. ?ur Er,-elung«in-- Umsatzes von 1.25 Milliarden Mark soll nach den leit lanaem geltenden, bewährten Grundsätzen der deutschen ��enossenschKen.in erheblich häh-rer B-trag an eia.nen Betriebsmitteln verfügbar fem. In der Bor- krieasieit war das Verhältnis zwischen den eigenen Betriebsmitteln und dem Umiak der Konsumgenossenschaften wesentlich günstiger als im Jahre 1929 Der konsumgenossenschaftliche Umsatz des Jahres 1914 in Höbe von 486 Millionen Mark wurde mit einem konsum- genossensZIichen Cigenkapital von � Millwnen Mark erzielt. 'Während die eicenen Betriebsmittel im �hre 1914 n.� 11.96 Proz. des Sahresumfätzes darstellten, betrug der Derhaltnissatz für das Jahr 1929 nur 9,87 Pro»... �.... Der weiteren Verschlechterung»mm vorgebeugt werden durch eine oermehrt« Zuweisung an die offenen Rück- lagen(für die sich in den letzten Jahren gut« Ansätze gezeigt Haiben) und durch die in der Nachkriegszeit vielfach vernachlässigte Erhöhung des Geschäftsanteils. Di« grundlegend« Ursache der in den meisten Konsumgenossen- schaften betriebenen Hinauszögerung der längst notwendig gewor- denen Geschäftsontellerhöhung ist in dem Umstand zu suchen, daß in den letzten Jahren in den Berbrauchergenossenschaften trotz der immer größer werdenden Anforderungen an die tonsumgenossen- schaftlich« Eüierversorgung ein Mangel an Betriebsmitteln nicht vorhanden war. Der unaufhörlich stießende Strom der konsum- genossenschaftlichen Spareinlagen sorgte stets für ein« gewisse G e l d f ü l l«. 2)as ist so geblieben bis auf den heutigen Tag. Doch da»„Schwimmen im Gelde', das den.Konsumgenossenschaften von ihren mittelständlersschen„Freunden" nicht ganz ohne Recht„be- scheinigt wird", darf nicht dazu führen, daß die seit jeher von den Berbrauchergenossenschaften anerkannten grundsätzlichen Notwendig- keiteu unbeachtet bleiben. Zu diese» tonsumgenossenschasUichen Not- wendigkeiten gehört die Schaffung eines gesunden Verhältnisses zwischen den eigenen und den fremden Betriebsmitteln. Den vor- antwortlichen Körperschaften des größten Teiles der im Zentral- oerband oereinigten Konsumvereine erwächst in der kommenden Zeit die Pflicht, dasür zu sorgen, daß die seit mehreren Zahre» ein wenig in den Hintergrund getretene Stärkung der eigenen Betriebsmittel nunmehr mit dem erforderlichen Verantwortung», und Pflicht- bewußtsein in Angriff genommen und durchgeführt wird. 2>er Umsatz der G r o ß e i n k a u f»- G e s el l s ch a f t Deutscher Coniumoerein«(GEG.) hat sich von 157,5 Millionen Mark im Jahre 1914 und 444,4 Millionen Mark im Jahre 1928 auf 591,4 Millionen Mark im Jahr« 1929 erhöht. Im Jahr« 1914 machte der Umsatz Her GEG. 31,95 Proz. des Gesamtumsatzes der Konsumgenossenschaften aus. im Jahr« 1928— 39,52 Proz. Der Prozentsatz ist im Jahre 1929 auf 40,36 Proz. gestiegen. Der Umsatz der GEG.- Produktivbetriebe erhöhte sich von 19,44 Millionen Mark im Jahre 1914 und 194,72 Millionen Mark im Jahr« 1928 auf 123 Millionen Mark im Jahre 1929. Im Jahre 1914 machte dieser Umsatz 2,12 Proz. des genossenschaftlichen Um- satzes aus. im Jahre 1928= 9,31 Proz. und im Jahre 4929=- 9,97 Proz. Die Gparkrast sinkt. 3ra letzten Zabr 500 Millionen weniger Eparüberfchusse. Die Spartätigkeit der Bevölkerung hat im letzten Jahr«Inen scharfen Rückschlag erfahren. Die Ueberschüsse der Ein- Zahlungen über die Zluszahllmgen, also das W a ch s e n d e r S p a r- c i n l a g e n, ist seil Anfang 1929 bedenklich zurückgegangen. Im ganzen Jahr 1929 sind die Spareinlagen bei den deutschen Spar- lassen nur um 1/, Milliarden gegenüber 2 MWärden im Jahr« 1928 gestiegen. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres war der Rückgang der Spartätigkeit überwiegend eine FoigederhartenFrost- Periode, die die Bevölkerung zu erhöhten Ausgaben zwang. Einen ganz besonders schweren Schlag aber erlitt die Spartätigkeit durch die Währungshetze der Hugenberger, die auf dem Höhepunkt der Pariser Reparationskrise im April vorigen Jahres das Gespenst der Inflation an die Wand malten. Welche Folgen dies« politische Hetze für die Spartätigkeit gehabt hat, geht daraus hervor, daß der Einzahlungsüberschuß im zweiten Biertsljahr 1929 auf 210,7 Millionen, also weniger als die Hälfte der entsprechenden Zeit von 1928 zurückging. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres könnt« dieser Rückschlag nicht mehr aufgeholt werden. Er hat sich im Gegenteil durch die rasch zunehmende Verschärfung auf dem Arbeitsmarkt noch verstärkt, so daß insgesamt ein Ausfall des Sparzuwachses von 500 Millionen gegenüber dem Vorjahre eingetreten ist. Zu Anfang dieses Jahres waren bereits 61 Prozent der Spar- «inlagen als städtische und landwirtschastkiche Hypotheken ober als Kommunaldarlehen langfristig fe st gelegt. Mit Rücksicht auf die Flüssighaltung dürfte eine wesentlickz« Steigerung dieses langfristigen Kredites bei den Sparkassen nicht mehr möglich fein. Im laufenden Jahr werden sich daher die für die Kom- munen uns die Bauwirtschaft so wichtigen langfristigen Sparkasscnkredite im Rahmen des Wachstums der Spareinlage» halten müssen. Hier zeigt sich mit aller Deutlichkeit, welche große Bedeutung dje Kapitalbildung von unten, also die Spartätigkeit der breiten Massen der Bevölkerung, für die gesamte Bolks- Wirtschaft hat. Während seit Monaten von den Unternehmern ein intensiver Feldzug im Interesse einer forcierten industriellen Kapital- bildung geführt und aller Segen für die Wirtschaft nur von auf- gespeicherten Unternehmergewinnen erwartet wird, beweist die Entwicklung bei den deutschen Sparkassen, daß es höchste Zeit ist, das Realeinkommen der Massen und damit die Kaxitalbildung von unten zu h e b e m �................... Warum wird Harttnaun stMgelegt? Ein schwerer Schlag für den sächsischen Arbeitsmarkt. Di« Sächsische Maschinenfabrik vormals Richard Hart- mann A.-G., früher das bedeutendste Mafchlnenbauunternehmen in Sachsen, das auf eine fast hundertjährige Vergangenheit zurückblickt, soll, völlig überraschend für die Belegschaft, stillgelegt werden. Die Gründe zu dieser folgenschweren Maßnahme liegen nach der Mtteilung des Aussichtsrats in der anhaltenden schweren L o k o- m o t i v k r i s« und in den Mitzersolgen, welche die Betriebs- Umstellung bei Hartmann gezeitigt hat. So sei durch die Absatz- frif« in der Textilindustrie der Bau von Spezial-Textilmaschinen nicht zur Entwicklung gekommen. Der Auftragsbestand sei daher trotz aller Bemühungen aus einen Rekordtiefstand gesunken. Es sei somit unausbleiblich, daß bei Weiterführung des Betriebes die Ba n k s ch u l d der Gesellschaft wieder ins Ungemessene steigen würde, so daß die Gefahr einesZusammenbruches des Unternehmens dadurch in greifbare Nähe rücken müßt«. Soweit der Bericht der Hartmann-Berwalwng. Die Hartmann A.-G. ist seit dem Ende der Inflation aus den Schwierig- keilen nicht herausgekommen. Dividenden wurden seit 1924 nicht mehr oerteilt. Es hat sich bei diesem Unternohmen bitter gerächt, daß die frühere Verwaltung viel zu lange mit einer durchgreifen» den finanziellen Sanierung, die natürlich mit Opfern der Aktionär« verknüpft war. gezögert hat Bon den früheren Glanzzeiten, In denen mehr als 6999 Arbeiter bei Hartmann beschäftigt waren, ist also nicht mehr viel übrigge- blieben. Von der beabsichtigten Stillegung werden jedoch auch jetzt noch 1999 Arbeiter und 599 Angestellte, also cmschfteßlich der Familienmitglieder etwa 19990 Personen, betroffen, wodurch die schon schwer« Belastung des Chemnitzer Arbeitsmarktes für die Stadt eine katastrophale Zuspitzung erfährt. Deutsche Elektrowirtschast. Der Dritte Unterausschuß der deutschen Wirtschaft», « n q u e t e veröffenUicht jetzt das Ergebnis seiner Untersuchungen über diedeutscheElektrizitätswirtschaft. Mit dem vor- liegenden Bericht erhalten wir die erste einheitliche und zusammen- fassende Darstellung über die Eleltrizitätswirtschaft eines Landes überhaupt. Die statistischen Angaben sind bei allen technisch-wirtschast- lichen Dingen bis Ende 1928 ergänzt und reichen bei den finanziellen weit in das Jahr 1929 hinein. Bon besonderer Wichtigkeit ist die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit bei kommunalen Unternehmungen in Gemeinden von über 19 999 Einwohnern, die ebenfalls neu ist. Hinsichtlich der großen Zersplitterung, besonders bei den Elektrizitätsgenossenschasten. wird die Konzentration in der Verteilung enipfohlen. Die Publizität der öffentlichen Untern« hmun- gen wird als noch sehr unzulänglich und unzureichend hingestellt. Vorgeschlagen wird ein Cinheitsschema für die Bilanzen und die Gewinn- und Verluslrechnung. Zu der hochpolitischen Frage der gerade jetzt wieder zutage getretenen Bestrebungen, öffentliche Betriebe zu privatisieren, äußert sich der Bericht sehr vorsichtig. Immerhin wird festgestellt, daß man nicht die besten Werke privatisieren, die schlechten dagegen der össenllichen Hand über- lassen darf, daß die össentliche Elektrizitätswirlschajl� vielfach eine wirtschaftliche Fürsorgeangelegenheit ist und daß die stärkste Privat!- sierung nichts hinsichtlich des Kapitaloerforgungsproblems bcjagt. Wieder Berufslehre. Wie lange noch soll die heutige Mchwirtschast so weiter gehen? Wieder wird ein Jahrgang von Knaben und Madchen aus der Tchule entlassen, wiederum stehen Eltern vor der Schicksalsfrage. mcs aus ihren Kindern werden soll. Einem nicht geringen Teil von ihnen macht die Frage der Berufswahl kein Kopfzerbrechen, weil das mit der Erlernung eines Berufs für sse verbundene Opfer viel zu schwer ist, als daß sie es bringen könnten. Ihre Kinder werden in das Heer der„Ungelernten" eingereiht. Dos mag in vielen Fällen beiden Teilen, Eltern wie Kindern, recht schmerzlich erscheinen. Doch wenn es ein Trost für sie fein kann, darf ihnen gesagt werden, daß nach wenigen Jahren ein großer Teil der Kinder, die jetzt „einen Berus ergreifen", auf dem Ilmwege über die Bcrufslehre zu dem he« der„Ungeletakeu" stoßen müssen, ohne ihre Schuld, well man sie in dem Beruf, in dem man sie ausgelernt hat, nicht mehr beschäftigen tonn. Es gibt ein« ganze Reihe von„Berufen", in denen zwar stets große Nachfrag« nach junge» billigen Händen, nach Lehrlingen herrscht, die jedoch ihre Angelernten sofort nach beendeter Lehrzeit laufen lassen und sich nicht im geringsten darum kümmern, was aus ihnen wird. Falls dl« Lehrherren es überhaupt für notwendig halten, chr Verhalten zu rechtfertigen, so mit dem Hinweis darauf, daß sie den Platz für neue Lehrlinge gebrauchen. Eltern, die der- artige Erfahrungen machten, mußten, nachdem sie das Opfer einer inchrjährigen Lehrzeit gebracht haben, kommen schließlich zu der Auffassung, daß es unter diesen Umständen besser ist, den Umweg über die Berufslehre zu ersparen. Gemessen an dem Schicksal der vielen„Gelernten", die dann als„Ungelernte" ihr Brot ver- dienen müssen, hat der Verzicht auf die Berufslehre, die Laufbahn als Ungelernter, feine Schrecken verloren. In Wirklichkeit gibt es heute überhaupt keine Ungelernten mehr. Die Hilfsarbeiter jedes Berufes müssen lernen, müssen sich ein- arbeiten, sich die zur Ausübung ihrer Tätigkeit notwendige Kenntnis und Gewandtheit aneignen. Aus der Betrachtung einer ganzen Reil)« von Tariflöhnen ergibt sich überdies, daß der Lohnunterschied zwäjchen Gelernten und Ungelernten häufig nicht allzu groß ist. Das Unternehmertum hat sich darüber schon oft recht mißbilligend ge> äußert. Es hätte es ohne weiteres in der Hand, durch bessere Bezahlung her gelernten Arbeiter den Unterschied zwischen den Löhnen, beider Gruppen stärker hervorzuheben. Allein die Unternehmer versuchen es umgekehrt, die Löhn« der Masse der Ungelernten herunterzudrücken, um dann selbst nach„Senkung" der Löhne auch der Gelernten den Unterschied noch deutlich zu mar. kieren. Die Gelernten haben allerdings durch das Verhalten ihrer Gewerkschaften dem Unternehmertum gezeigt, daß ein« derart pfiffig« Spekulation auf ihren Berufsstolz verfehlt ist. jtur.Zum, es ist kein Unglück.„Ungelernter" z« feto; Auch der Gelernte ist vor Arbeitslosigkeit nicht sicher und ein Ungelernter in Arbeit ist besser daran, als ein arbeitsloser Gelernt«. Damit soll nichts gegen das Lernen gesagt sein, noch gegen die Berufslehre an sich. Soll jedoch die Derufslehr« nicht jeden Kredit verlieren, dann müssen zunächst alle lokal aussichlslofe« Lehrbernfe rückflthlslos ausgemerzt werden. Solche können sich heute nur noch erhalten, well der Andrang Lehrstellen zu stark ist. der Ab«v> glaube, daß irgendein LehrverhSktnis unter allen Umständen' ein- gegangen werden müsse, um die Zukunft des Jugendlichen sicher- zustellen, noch well perbreitet ist. Die Eltern, die heute auf der Suche nach ein« Lehrstelle sind, haben es nicht leicht. Sie sollen die Berufsberatung in Anspruch nehmen und sollen sich bei der gewerkschaftlichen Organisation des betreffenden Benifes über die Berufsaussichten und wenn möglich über die angebotene Lehrstelle erkundigen. Wir haben eine ganze Reihe von Berufen mit oolorlscher Lehrlingszüchlereft Beruf«, die nicht genug Lehrlinge bekommen können und nicht einmal für den zehnten Teil der Ausgelernten Arbeit haben. Und selbst Berufe, für die Verordnungen zur Einschränki'ng des Lehrling shalUns bestehen. sind nicht vor Lehrlingszüchterei gesichert. Die Berbäill>« der Bäcker, der Schneider, der Sattler, der Friseurgehilfen, der Schorn- steinfegergesellen— um mir einige zu nennen— klagen nicht aus egoistischer Sorge um die Konkurrenz des Nachwuchses auf dem Arbeitsmarkt, sie führen den ziffernmäßigen Nachweis der Lehrlingszüchterei in ihren Berufen. Sind die Eltern einsichtig genug, den Warnungen der Eewerk- fchaften zu folgen, dann stehen sie vor der Frage, welcher Berus denn nun eigentlich einigermaßen aussichtsooll fei Die Zahl dieser Berufe sst nicht groß und die ihrer Lehrstellen beschränkt. Wir haben in Berlin ein« Reihe pon Großbetvieben in der Metallindustrie mll eigenen Lehrwerkstätten. Verhältnismäßig bilden sie die emp- schlenswertesten Lehrstellen. Allein solche Lehrstellen werden nicht öffentlich ausgeboten und sind in der Regel nur durch besondere Bs- Ziehungen zu bekommen. So sehr die Einrichtungen der Berufsberatung und der Eignungsprüfung zu begrüßen sind, so nützlich sie auch sein mögen, so sind sie doch an die wirtschaftlichen Verhältnisse gebunden. Gute Lehrstellen gibt es zo wenig und die massenhaft an- gebotenen schlechten sind nicht» wert. Nach dem Kriege konnte man damit rechnen, daß der G e- burteoausfall während der Kriegsjahre sich für die Berufs- lehre in den Jahren 1S2S bis 1932 günstig auswirken würde. Das Handwerk jammerte schon, daß dann ein furchtbarer Mangel an Lehrlingen eintreten werde, der den Fortbestand des Handwerks gefährde. Allein trotz des Gedurtenausfalls ist heute noch kein Mangel an Lehrlingen, im Gegenteil. Ein verminderter Andrang an Lehrlingen würde sich einer Reform des Lehr- lingswesens recht günstig erwiesen haben. Alsbald nach dem Kriege wurde eine solche Reform angebahnt, bisher jedoch verschleppt, bi, endlich einer der Entwürfe heraus- gebracht werden konnte, der jetzt vorliegende Entwurf«ine» Berufsausbildungsgefetzes. von dem die Gewerkschaften keineswegs entzückt sind. Dennoch verlangt der Reichsbund des Handwerks, der durch das Sonderrecht der Zwangsorgani- fation erst lebensfähig wurde, daß dieser in der Durchberawng begriffene Entwurf wied« zurückgezogen, eine neugesetzliche Re- gelung des Lehrlingswejens auf unbestimmte Zeit vertagt werden und schließlich so gestaltet werden soll, wie sie den einseitigen Forderungen der Interessenten cm der BeschSsligung billig« und willig« Arbeikskräfle entspricht. Dieses skandalöse Verhatten des Reichsbundes des Hand- werks ist nur möglich bei dem starken Angebot an jungen Händen. Im Lame der Zeit haben sich die Lehrverhöltnisse hinsichtlich der Arbeitszeit zwar verbessert, in wirtschaftlich« Beziehung jedoch wesentlich verschlechtert. Früher bekam der Lehrling Kost und Logis beim Meister. Heute bekommt er statt dessen ein sogenanntes „Kostgeld". Wie steht es denn damit? Ein Äterer Lehrling z. B., der wöchentlich S Mark Kostgeld bekommt, muß davon 3 Mark für Fahrgeld zahlen. Die Dauer der Lehrzeit wurde nach Lockerung der Zunftverhäünisse vorübergehend verkürzt auf zweieinhalb bis drei Jahr«. Die Eltern hatten eine bestimmte Summe als Lehr- geld zu zahlen, die jedoch wesentlich geringer war als die Auf- Wendungen des Lehrherrn für die Verpflegung des Lehrlings während der Lehrzeit. Rur in den Fällen, in denen die Ettern kein Lehrgeld zahlen konnten oder wenn das Waisenhaus einen Zögling in die Lehre gab., währte die Lehrzeit vier Jahre. Heute bildet dieses vierjährige Maximum der Lehrdauer die durchschnittliche Dauer der Lehrzeit. �■■ Mit aller Rabulistik verficht„das Handwerk" seinen Profitstand' punkt, das Lehrverhällnis sei kein Arbeitsverhältnis, sondern ein Erziehungsverhältni». Damit versucht es die gewerkschaftlichen Ein- flüss« auszuschalten, vor ollem bei der Bemessung des„Kostgelds" und der Festsetzung von Ferien. Früher bot das Handwerk seinen Lehrlingen«ine gewisse Ge- währ für ihre künftige Existenz. Heute übernimmt«s nicht die geringste verpstichtung für die Befchäflizuag fein« Ausgelerrüea. noch nicht einmal für die gehörig« Ausbildung in jedem Falle. Es prüft die Ausgelernten und gibt ihnen einen Lehrbrief auf den Weg zum überfüllten Arbeitsnachweis. Sie mögen dann zusehen wo sie bleiben. Das Handwerk bekommt neue Lehrling«. Ein« Der- schwendung und Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräfte wie sie heut« im Handwert geübt wird, mag für die Lehrherren erträglich fein, für die Eltern der Lehrling«, die vielfach selber vor Arbeitslosigkeit nicht sicher sind, ist sie ebenso wie für eine vernünftig« Wirtschaft auf die Dauer unerträglich. F. E. Heute wählt Dynamowert. Freigewertschastliche Liste L Von einem Freigewerkschaster wird uns geschrieen: Das Organ der russischen Botschaft beschäftigt sich nochmals mit den Entlassungen im Dynamvwert der Eiemens�Schuckertwerk« A.-G. Durch die Wiederholung d« Behauptung, daß„rode" Be- triebsratskandidaten vom„sozialsaschistischen" Wahlausschuß de nun. ziert und von d« Werksleitung gemaßrogell worden seien, wird der Schwindel noch nicht Wahrheit. Kunze, der jetzige Spitzenkandidat der KPD., beschwerte sich vor drei Wochen beim Arbeiterrat, daß in feiner Abteilung(Mate- rialverwaltung) alle 14 Tage ein Tag ausgesetzt werde, und ver- langte. Abstellung. Die Firmeizleitung erklärt«, daß sie sonst ge- zwunzen sei, Entlassungen in dieser Abteilung vorzunehmen. Diese Entlassung hat aber der Arbeiterrat verhindert: andern- falls würde der jetzige Spitzenkandidat d«„Roten Lifte" wahr- scheinlich das Straßenpflaster zieren. Wird ein Kommunist entlassen, so ist er ,�e maßregelt", auch wenn kein Mensch weiß, daß er bei der KPD. organisiert ist. Di« Firma hat wahrlich keine Veranlassung, sogenannte„Revolutionäre" zu«ndlasien, denn sie besorgen die Geschäft« der Kapita- listen besser, als es früher die Gelben taten. Sie geben sich alle Mühe, die Gewerlschasten im Betrieb« zu zerschlagen und stärken dadurch die Unternehmer. Jan«tz ki ist von'der'KPD. ge maßregelt, denn er ist auf Befehl der KPD. von der freigewerkschoftlichen Betriedsrols- liste, aus der er bei der letzten Nachmahl gewählt war, zurück- getreten. Nur dadurch ist doch erst die angebliche..Maßrege-! lustg" überhaupt möglich, gewesen. Die KPD. hetzt ihr« Mitglieder 1 ins Unglück und will denn andere dafür verantwnrttich machen. Freigewerkschafter, die früher Mitglieder der KPD waren, sagen heute offen, die KPD. sei elne Partei des Verbrechens. Daß sich die Arbeiter von solch einer Partei abwenden, ist nicht verwunderlich. In den Betrieben kommt dies auch ganz deut- lich zum Ausdruck. Ganz« sechs Kandidaten bringt die KPD. in einem Betriebe von 3000 Mann zur Betriebratswahl auf. Di« KPD. ist bei der Arbeiterschaft im Dynamowerk der Siemens- Schuck«tw«ke A.-G. so gut wie erledigt, darüb« täuschen Ge- schrei, Lügen und Verleumdungen der„Roten Fahne" nicht hinweg. Die Wahl heut« wird e« beweisen: Liste l wird von der Arbeil«. schaff des Dynamowerkes gewählt. Wie Klagen abgewiesen werden. Arbeitsgericht dingt Tariflohn ab! Dom Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, wird uns geschrieben: Wir sind es schon gewöhnt, daß bei den Baukammern des Ärbsitsgevichts Berlin die unglaublichsten Urteile gegen klagende Bauarbeit« gefällt werden. Ein juristisches Gianzstück hat sich setzt d« schon dafür bekannte Vorsitzende der SS. Kammer. Dr. R e s ch t e, am 8. Mörz IViW geleistet. Zur Verhandlung stand die Klage de« Maur«s Kaiser gegen ein Baugeschäft Voigt wogen Bezahlung des tariflichen Putzer st undenlohnes von 1,96 Mark an. Di« Klag« tonnte dem Grunde nach nicht strittig fem. Denn daß ber Tariflohn nach einem als allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrag u n a b d i n g- b a r ist und gezahlt werden muß, dürfte doch wohl jedem Arbeits- richter geläufig fein. Der Streit drehte sich auch nur um die Höh« d« Forderung. Beklagte bestritt, daß d« Klag« 113 Stunden geputzt hatte, ohne beweisen zu können, daß es weniger Stunden warm. Der einzige Zeuge der Beklagten, ein Arbeitskollege des Klägers, nahm zwar Partei gegm den Kläger, schimpfte in de? ge- meinsten Werse auf ihn, doch wieviel Stunden der Kläger geputzt od« nicht geputzt hatte, tonnte er dem Gericht nicht verraten. Dem Kläg« blieb als Beweismittel nur dt« Eideszufchiebung an dm Be- klagten. D« eventuell zurückgeschobene Eid wurde vom Klag« an- genommen. Herr Reschke ab«, d« sonst im Vertagen dm Rekord schlägt, wies die Klage kurzerhand ab. Damit unterband d« Richt« die Beweisführung und dingte den Tariflohn ab. D« klagende Arbeiter ist an statt zu seinem Recht um seinen wohlverdienten, ihm reichlich zustehenden Lohn gekommen. Daß es auf die Dauer so nicht weitergehm kann, dürfte auch die Arbettsgerichtsbehörde einsehen. Aufmarsch bei der BVG. Imposante Kundgebung unserer Genossen. Di« Genosien der BVG. hatten sich am Dimstog im großen Saal der Kammevsäle zu einer imposanten Kundgebung vereinigt. Di« Versammlung war von über 1000 Genossen besucht. di« mit großem Interesse und starkmi Bestall die Ausführungen des Genossen Stadtrat Reuter entgegennahmen. Reuter verstand es, in fesselnder und anschaulich« Weis« das Werden d« BVG. zu schildern. Eingehend legte er di« Finanz- s ch w i e r i g k«> t e n der Stadt Berlin mtd ihre Rückwirkungen auf die Verkehrsbetriebe dar. Der Sturm des Privat- kapital» auf di« Betried« der Stadt Berlin sei durch die sozial- demokratischen Kommunalpolitik« abgewehrt worden Die Partes wird auch in Zukunft alles tun, um die össentiichen Betriebe zu schützen. Dazu bedarf es aber auch der Unterstützung der Belegschaft, die durch die Wohl f r« ig e w« r l s ch a s t- licher Betriebsräte am IS. März zu beweisen hat., daß sie ihre eigenen Interessen zu wahren versteht. Nachdem noch Genosse D re ss e l die Versammelten ausgefordert hatte, alle Kraft«mgusetzen um einen überwältigenden Sieg der sreigewcrkschaftlichen Liste herbeizuführen, schloß die V«- sammln»g mit einem begeisterten Hoch aus bi« Sozialdemokratische Partei._ :Kem sreigewerkschastlicher Veiriebsrai. Im Giemens-p aniawerk. Aus dem Slemens-Planlawerk Lichtenb«g wird uns berichtet: Die Kommunisten riefen zu einer öfienRichen Betriebs- oevsainmlung des Betriebes auf zwecks Stellungnahm« zur Betriebs- ratswahl und Aufstellung«in« roten Kandidatenliste. Der A r- beiterrat wurde aufgefordert, in di« Versammlung zu kommen inch über sein« Tätigkeit B«icht zu«statten. Wer beschreibt das Erstaunen der Kommunisten, als vom ganzen Betrieb, der 1200 Mann Belegschaft hat. nur vi« Betriebsangehörige anwesend waren. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Beut- l i n g als Referent erklärte, daß bereits acht Mann auf der Kondi- datenliste seien, er brauche aber noch weitere Kandidaten und bitte di« Betreffenden, sich in der Expedition der„Roten Fahne" zu melden, damit sie nicht vorher der Finna bekannt würden. Am Montag war die Frist zur Einreichung der Listen ab- gelausen. Von den Arbeitern ist nur eine freigewerk- schastliche List« eingereicht worden und bei den Angestell- ten ebenfalls. Die„Opposition" trotz der acht Kandidaten, die angeblich schon vorhanden waren, keine Liste eingereicht, ebenso wenig di« Gelben, die sonst zur Betricbsratswcchl kandidierten. Somit war eine Wahl überflüssig. Beide sreigewerkschastlichen Listen gelten nach dem BRG. als g e w ä h l t. Es zeigt sich also auch hier. daß die Siemensbelegschaft von d« KPD. und von den Gelben nichts wissen will._ Werkeverwaliung begünsiigi die KPO. Bei der preußag in Hindenborg. Aus Oberschlesien wird uns geschrieben: Di« Kommunistische Partei Oberschlesiens entfaltet zur Zeit«in« starke Wühlarbeit gegen die Gewerkschaften. Sie findet hierbei die wohlwollende Unterstützung vieler Werfsverwaltungen. Einzelne Werksoerwallungen gehen sogar soweit, den Kommunisten für ihre Versammlungen Zechenhäuser oder Werkssäle zu überlassen. So haben seil Monaten die Kommunisten olle paar Tage Der- sammlungen in Zechenhäusern der Preußag-Der- w a l t u n g. Kommunistische Parteisekretäre, Reichs- und Land- tagsabgeordnste haben als Referenten ungehindert Zutritt, werks- fremde kommunistische Elemente werden in der Regel von der lommunistlschen Versommlungsleiwng ebenfalls zur Versammlung beordert. Im Gegensatz zu d« wohlwollenden Duldung der kom- munistischen Versammlungen hat die Preußag-Verwaltung im Monat Januar auf der Guido-Schachtanlage die Abhaltung einer von den Gewerkschaften einberufenen Belegschastsversamn'- lung im dortigen Zechenhaus unterbunden. Woraus man schließen muh. daß der Preußog.Berwaltung die kommunistische Zerstörungsavbeit in den Gewerkschaften genehm ist. Zurückgewiesene Verdächtigung. Entschließung der Werkstatt der Wasserwerke. Mit 84 gegen drei Stimmen wund« beschlossen: „2>i« Del egs chastsv erf a mmlung der Werkstatt der Wasserwerk« stellt fest, daß für die Behauptung der.Moten Fahne", die Kollogen Wahlhelfer hätten anläßlich der Betriebsratswahl in der Abteilung Rohrnetz.das Wahlergebnis umgetauft", nichtdie gering st en Unterlagen erbracht wenden konnten. Die Kollegen weisen solche Verleumdungen ganz energisch zurück." .�reieGewerkschafis-IuaenK Berlin I«onnabcnt, 15. März. Wecheneirdkursue dr« SOSfretsi» in dcr Juarnd» __ dtrb-r-ie Rowaw-S. Sfcemn:.grtigciv-rtsibaOllch« 3uqfnt>otb»it*. � Rcf. Srick Pickert. Trrkftm um 18 und 20 Übt Echl-s. BI>s.«BlastupptO. — S-ut-, Streit««. ISZZ Uhr. ta«en die©nippen:«otbein«: Suflendtjeim Schule Sonncnbuiflct Str. 20.. ltEI. in Wort und Bild".— Keeui.impla»:©rupp n- de m Ennderstr. U. Ecke f obtPCltftr«fic. Vortra«:..Alkohol und Njkotin".— Silben, Südwesten! Gruppenheim W«ss-rlorstr. 9, vorn par'crre. Lichtbllderportro«: .©fi» sch»ne Deutschland" sMtlnchen und das baocrilche Sochland).— Shae. lotteubur«: Zupendheim Spree str. 30. Lescabenb:..Da« Brennala« oon©laB- brennet".— ZeppelinplaB- SuscnWicim Turiner Scke«eefttofte(S'.noan» Suilnet Strakel. Sortron:..Da,©cfcB übet Arbeitsvermittlun» und Arbeit«. lolenveriicheruna".— Weddinp:©tuppcr.heim Schule'tanl. Ecke Wielnistrake. Vortra«:..Das Atdeitspericht".— SchSnhauler Tor: Zugendheim Zehdenicker StraBe 21—20. Bunter Abend. Inaendorupve deSZenfraiverbande«! der Anaesiellten Sr2*> Heute, itreitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Oberspeeee . Jugendheim Laufener Str. 2. Brettspielabend.— Köpenick! Zugend. heim Tahlw der Str 15 lDasanstalt am Bahnhof Köpenick)..Wie bin ich in den ZdA. gekommen?"— Süd-eeft: ZagenfcheiM Borckstr. 11(2. Hof. Quergeb. 1 Treppe. Srnrnet 5). Bunter Abend.—«b 20 Uhr Berufskundliche Arbeit«. gemeinschaft der Zugendbeiirie Neukölln und Urban im Jugendheim Neukölln,. Bcbmische Str. 1—1,»nd der Zugendbe.sirke Osten und Lichtenberg im Zugend. heim Scharnwederstr. 29. Zimmer 1. Wem» Schm c'rzc»....... Tognl-Tabletten! Togal-Tabletten sind«i» bervorraqenbeS Mittel bei flicht, Ischias. Grippe, Nerven- u. Kopfschmen, Er- källungsKrenhheiten. Lt. noiar. vellätig. anerlennen über 5000 Ärzte, darum« viele bedeutende Professoren die gute Wirkung deS Togall Keine unliebsamen Nachwirkungen! Entfernt die Harn« iäure! Ein Perstich überzeugtl Fragen Sie Jbren Arzt. Fn allen «pothelrn Jt 1.40, Mschin iwutb. 74jAcM.«c«bMLa4. im Am* Zur Strafvollzugsreform. Vor ver Verwirllichung des Stufenflrafchilems. Im Rahmen einer Derm, staltung der Liga für Menschenrechte sprach der durch dos Schauspiel„Sltr.neftic" so schnell populär gewordene frühere Strafvollzugspräsidcnt Finkeln- bürg. Sein Vortrag brachte eine leichte Enttäuschung. Ter Referent versprach, über die Ergebnisse der DerwirNichung der neuen preuß schen Verordnung über den Vollzug der Strafen in Stufen innerhalb der Provinz Brandenburg zu berichten, über- ging aber diese wichtigen Dinge. Was er über die Verordnung selbst und die beabsichtigte Ausgestaltung des Strafvollzug» in» all- gemeinen erzählte, war für Uneingeweiht« von Interesse. Der „Vorwärts" hat bereits kurz liach Erschoinen der Verordnung ihven InHoll mitgeteill. Der Referent ging einleitend von der bekannten Tatsache aus, daß die Abschreckungscheori« vollkommen versagt habe und daß aus der Krim-nalstotistik zu ersehen sei, in wie geringem Grade die Rechtsverletzungen von dem strafenden Arm des Gesetzgebers betroffen lverden. Die Härten des Strafvollzugs waren nicht imstande, den Rückfallverbrechen Einhall zu tun, das alte Strafgesetzbuch hatte, ebenso wie der Strafvollzug versagt, die allen Strafrechtstheorien müßten dem modernen Gedanken der Erziehung und der Refozioli- sierung des Rechtsbrechers Platz machen. Die neue Verordnung icher den Vollzug der Strafen in Swfen verleiht diesen letzten Ge- danken ihren höchsten Ausdruck. N»en den Sonderanstalten für schwer Erziehbare, für geistig schwer Minderwertige, für junge Menschen bis zum 2ö. Lebensjahr und für Kurzfristige— auch hier wird man sich mit dem Referenten in seiner Gciselung des Unfugs der Kurzstrafcn eins wissen—, schilderte er in aller Ausführlichkeit die Gestaltung des Strafvollzugs in den einzelnen Stufen- a n st a l t e n, die an Stelle der Stufen innerhalb einzelner Anstalten treten sollen. Neben voneinander getrennten Eingangs- anstalten und Gefördertcn-Anstalten für Gefängnis- und Zuchthaus- bestraft«, Ausgangsanftallen, gemeinsam für beide Gruppen von Gefangenen. Die Ansätze zur Selbswenvaltung in den Geförderten- Anstalten gelangen in den Ausgangsanstalten zum vollkommenen Ausbau. Zivilkleidung, Urlaub bis vierzehn Tage im Jahre, ge- ineiniame Spaziergänge, Arbeit außerhalb der Anstalt mit Rück- kehr nur für die Nacht— das alles soll ein Uebergang zum Leben in der Freiheit dienen. Der Referent hatte recht, als er auf die orohen Schwierigkeiten hinwies, die»er Verwirklichung dieser Strasvvllzugsreforin entgegenstehen, und zum Schluß fragte:„Wo soll das außet ordentliche Maß von Fähigkellen herkommen, die diese Reform bei den Strafanstaltsbeamten voraussetzt?" Mit Recht fordert« er die Mitwirkung der Oeffentlichkeit bei der Ausführung der Strafe. Man hätte voni früheren Präsidenten des Strafvollzugsamts der Provinz Brandenburg, der trotz seines leidenden Zuftandes fein Amt weitergeführt hat, um das erst« Stadium der Verwirk- l-chung des neuen Strafvollzugs in der Provinz Brandenburg in die Weg« zn leiten, gern etwas Näheres über die Aussichten dieser Verwirklichung gehört. Man hätte gern etwas darüber erfahren, was beabsichtigt fei, damit das Iugendgefängnis Plötzensee sich neben den Jugendgeföngnissen in Neumünster, Breslau und Wittlich sehen lassen kann. Und mich wann der neue Gefängnisbau in Brandenburg so weit gediehe?, sein wird, daß er bezogen werden kann. «Senkralverfammwng der Arbeiterwohlfahrt. In der Generalversammlung der Arbellerwohlfahrt im Bürger-' faol de» Rathaufes gab zunächst die Sekretärin Paula Kurgaß den Geschäftsbericht. Sie schilderte die outopsernde Tätig- kell der Helfer der Arbellerwohlfahrt auf ollen Gebieten der Für- sorge. Gleichgültig, ob in der Jugendfürsorge oder der Straf- cnAassenensürsorge, handelt es sich immer um die Betreuung der Hilfsbedürftigen. Im letzten Jahr ssnd zahlreiche Fälle der Sozialen Gerichtshilfe z. B. durch die Arbeiterwohlfahrt erledigt worden. Wie in vergangenen Iahren hat man auch im letzten Jahr viel Sorgfalt auf die Schulung unserer Helfer gelegt. Die Arbeiter- Wohlfahrt halle aber nicht diesen Aufschwung nehmen können, wenn sie sich nicht stets als ein Glied der Gefamtdewegung des foMifll- scheu Proletariats gefühlt hätte. Den Kassenbericht erstattet dann Pagets. Auf Antrag des Kreises Wedding fand der Z 14 des Statuts eine neue Fassung, die die Mitarbeit der Helfer der Arbeiterwohlfahrt in den Bezirksämtern noch Gesichtspunkte» regeln soll. Die neue Fassung lautet: Sie setzen sich zu diesem Zweck mit den parteigenössischen Dezernenten und Mitgliedern der verschiede- ton Deputationen in Verbindung(Vermittlung über die Bezirks- verordnetenfraktion). Es wird jedem Parteigenossen der Arbeiter- wohlfahrt zur Pflicht gemacht, feine fürsorgerischen Aufgaben den örtlichen Ve-rhällirissen entsprechend durchzuführen. Dieser Antrag sowohl und ein anderer, der die Beziehung zwischen politischen und Arbeiterwohlfahrts-Funktionären festlegt, wurden einstimmig an- genommen. Dieser Antrag hatte folgenden Wortlaut:.Die General- Versammlung der Arbellerwohlfahrt vom 10. März 1930 erwartet von der sozialdemokratischen Parteiorganisation eine weitgehend« Berücksichtigung der Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt. Di« Abteilung»- und Kreisleiter werden ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß die vielseitig« und schwer« Arbeit der Vertrauensleute der Ar- beitrrwohlfahrt auch innerhalb der Partei die notwendige Berü.k- sichttgung findet." Genau so einstimmig wie bei der Abstimmung dieser beiden Anträge verlief auch die Wahl des neuen Aorstaitdes. Es wurden tn dloc gewählt als Vorsitzend«: Künstler und Wachenheim: Kassierer: Pagels; Schriftführer: Walter Fried- länder: Beisitzer: die Genossinnen Doelz. Frankenthal, Harnisch, Jankowskt, Schmitz, Stock und der Genosse Blaschke; ferner die Ge- nosstn Kern als Vertreterin des Frauensekretariats und dl« Genossin Kurgaß al» Sekretärin der Geschäflsstelle der Arbellerwohlfahrt. Es folgten noch zwei interessante Referate über.Resonn der Für- sorgeerziehung" von Friedländer und über die.Internattonalc Tagung der Arbellerwohlfahrt" von der Genosssn Wochenheim. Wahrhafter„Dienst am Kunden". In anerkennenswerter, seriöser Form handhabt die Städti- s ch e Gaswerke- A.-G. ihr« Publitumsberatung. Wer sich über den Kauf irgendeines ihrer Artikel in hezug auf dessen Rentabilität nicht recht sicher ist. dem schickt sie völlig kostenlos einen Berater ins Hans, der wiederum ganz gewissenhaft, ohne Rücksicht auf die praktische Seite der Unterhandlung, dem Kunden das Für und Wider des gewünschten Gegenstandes auseinandersetzt. Begeistert schreibt un» darüber ein„Vorwärts"-L«f«r. Unser Gewährsmann wollt« sich in einen Ateiierraum«inen Gasofen setzen lassen. Er hotte vorher den fachmännischen Rat der Werke ein. Der Berater kam, setzte dem Betreffenden genau auseinander, wi« groß dar Ofen sein müsse und mit wieviel Gasoerbrauch er zu rechnen habe, um den Raum warm zu bekommen. Die Anschaffung des Ofens, für die sich unser Leser beinahe schon entschlossen hatte, wäre danach für sein Portemonnaie zu einer recht starken Belastung geworden. Jetzt wurde die Ausstellung des Gasofens unterlassen, auf Grund dieser wahrhaft objektiven Beratung des städtischen Beamten. Das ist „Dienst am Kunden", wie ihn nur ein dem Gemeinwohl dienendes Unternehmen leistet. ntirtntait; 9 Ißt glnamklauft, HUUItnfltclf. eteaM, fC)tt«oest?n); vi» Mr S-ÜCBtlvIoS m.t ffahnen. Seieil. auna Pflicht. RevtiÜIn-Brtt» 10 Uhr.Sttc ■Beif. Kolenheide. PMÄianire«!:. Lichtenbero kOrtsvereini: 19Vä Ugr»Neue Welt-', Kefinhtidc. Bui-.iicsklclSiniq. gllhuen müssen um 10 Mir*ur Stelle fein. Brifienfeti 9 Mr nut Ei-ielmannizu« und Fahnen AnloimlM in Nundeitleidung. Mnsittapelle l99i Mr.Neue Welt". Safenihtid«. Pflicht»»■ anftoitunfl. Stetnillrndors(Otteotuln): Treffpunkt der Nameradfchafle» 9-z Mr an Ihren Sammelstellen, kermidorf lKameradfchakti: SRI Mr Abfahrt van Krnnedari. Kannerkletdun«.— Tcpeniil Illameradschoftti Eon». tan, 1-1 üBät?,. 9 Uhr. Nranzitiedrrlceuna an den Griibern der Lpfcr dea ilenp-Vullche?. JliidJwf Rudomer Streift". Retchekartell Siepubltl..«Spentck lSrtaocretn): Sanntaa, lt. Wärt, Uebunasschieften ab 19 Uhr dlrschaartenffr. 1.. .Sturm«aoel", Fluaverbond der WerktS'iaen, t. B.. Oriearupve RinrWn. l 19. Mar?. 29 Uhr, Lichtbilderaortraa:.Au» den Nindcrta!».-n der Flieaerei bia rur Ieftvieit". Aula Alirecht-DUrcr.OdcrrealsckiuI?, Emser Str. 12Z. Unioftev» detlraa A Pf. Gtist« mllliommen. vnr.d entschiedener Tchnlrcwrmer. Ocffentliche Persammluna am Dien»- ta». 19. M«r?. 19-� Uhr, in dcr Aula d-s Wcrncr.Siem?ns.?iraIenmnosivme.. Kabenftaufenftr, 17— IS. Es sprich: Nilolaus Srnninasen-idamhura Uber„Sraft- stadir'ndcr und Eefchlechtslebc»". Icdcrinann»tMommen. Freie Auasplachr. Untosttndeitraa erbeten. Arbeitsaemele.schaft für Forstschnft und Naturkreiuide, e. B. 119. Arfe. Wanderuna Sonniaa. 1«. Mar?. Treffpunlt V>-> Uhr am Tunneleinaana In Rcrlin-FrirdrichÄiaaen. Ltildltscher Park, Waldv-wftrafte. Wandcrnna nacki den- Mllaaelturai. Denen 11 Ubr Portraa de» 1. Varüftenden Senn Erich Driebe:: Hermann Löns. das Schicksal eine» deutschen Tichters". Unkostcnbcitraa: Mit- Kliedcr 25 Pf., Düste 49 Pf. Typaaraphifche» Orchester. Diriaent Erich Duf�eii. Uebunasstunden jeden Freitoa, Mr, im Zdeallailno. Zleulölln, Wcichselltr. 8. Bläser und Streicher rv'llkammen. Soilaltrilfenschaftlich« üm-iniunna. Montaa. 17. Mar?, 19-4 Mr, im Kackeschen Lok, Bascnthalcr Str. 40—11. Bereinsiimmer 1, spricht Genoss- öeinrich Strddel, M. d, 9k., Uber»Die Finanzlrise und die s>na»?politisch" Laar". Anschlieftend Denerolversaimniunii. Mi'alikdsdllcher mitbrinaen. Zum Vortraa baden Diist« gutritt. EIperanto-E-eselllchalt Sharlottenbnrq. Moniaa, 17. Mär?. 29 Uhr Non- ditorei Wolter, Eharlottenbur«. Bismarckstr. 114(Slnle), jtlut?immrr, Nonver lationsatxnd. Dältc willkommen! '�WSozialistischeArbeiterjugendGr.-Verlm Dinsendunaen für diese Nxdrtk aur«» da« Zatendsekretiei«« I Derlin EjgtS. Eindenltrat« i »btcilnnasleiter! Mvraen. Sonnabenb, bi« 18 Mr müssen olle nichtver- kausten Filinkartcn abaercchnet werden. heute. Freitag. 19% Uhr. Ael-naploti: Schul« Elisabetbkirchstr. 19:»Auftenvolitilche Fraoan".— Nöl- »>!ch«r Park: Keim Waisenchr. 18:.Warum sind wir in der SAZ.?— zentrnm: Keim Landsberaer Str. öi): Uebunaeabend.— Kansa: Keim Dochumer Str. 8ki »Desahren de» Fatchismu»".— Moabit l: Schule Waldentersir. 29:.Der?e- weaunaschor".— Moabit II: Seim Lehrter Str. 18—19:.Sexuelle Fraacn".— Aenimpl«ti! Schule Sonnenburaer Str. 20. Zimmer 17:.Moderner Strafvoll- ?ua".— Arn»w«lder Plah t: Keim Rasienburacr Strafte:»Was>aat dl« Presse?u den neuen Steuern?"— Arnswalder Blab ll: Schule Poftnirltr. 44-44,: »Das Ruftland drr Geaenwart".— Falkplatt II: Schule Sonnenburaer Str. 20, Zimmer 3:„Der Kurs in Enaland".— Kelmholftplah! Keim Danaiaer Slr. 62, Baracke 2:„Fllraerliche und proletarische Iuacndb-wrauna".— SohinschS»- Hansen: Keim Freienwalder Str.«6: Lichtbilder:.Quer durch Sowietruftland". — Kamannplah: Schule Sichere n-beraltr. 7:..Tanespolitik".— Nordosten 1: Keim Dalumer Str. 82, Baracke 3:„Auaust Bebel".— Wärth«» Plad: schule siastanienallre 82: N«?ita>ionsab«nd.— Anbreasplaft: Keim Brommnstr. 1: Arbeiisaemeinschaft:..Historischer Maieraiismus".— valtenplach: Heim Slilsiter Str. 4—.5:„Die lammende Arbeit".— Uriechrichshair: Diestclmeper- strafte 4—3, Aula:..Semeinschaftsfeier mit den Ninderfreunden". Bunte, Pro- pramm.— Stralaucr Bicvtrl! Keim Doftlcrstr. 81:»Der Aufbau unserer Oraanisatlon".— Warschauer Viertel: BeteiNauna an der sseier drr Drupp« Stralauer Viertel.— Süd«»: Krim Vorckstr. 11:.Wa» weiß jedes M-talied von unserer Oraanitation".— Schiir.ebrr« l: Krim Lauvtsir. 13:»Kunst und Proletariat".— Sckibnrbrra II; Leim Kauptstr. 15: Ucbnnasabrnd.— Schöne- dera IV: Keim Kauptstr. 13:»ssreundschatt in der Zuaend".— ckharlottenburq: Krim Ziosinrnftr. 4:»Bursche und Madel".— Wilmersdors(-Heitere); Keim Wilbelm-au» ISS:„Der Z!ationalso,!ali»mu»".— Rariendrri I: Alle Schule. Dorlstr. 7: Kamera bsibaf» sehr".— Marirnfeldr-Lichteniabe: Erster Krimabrnd in Marienfelde.— Bri» I und ll: Lichttnlber:»Durch dir Litneburaer Kride". — Ncnlörln Ist: Krim Treptowrr Str. 98:„Die Entwickluna des Zeltuns»- welen»".»»- Nenkell» VN: Schnl» Kaiser-Driedrich-Strafte:»Iuaenchnot".— gried-ich»tast-n: Keim g-riedrichstr. 87:«rbeit-aemcinschaft:.Einsitbruna iu die so»ialtstische Gedankenwelt".— Banmscki-lenwca: Keim Eraststr. 18:»Ber. tritt dl« SPD. die Zn'ercffrn der Arbciterbcwrauna".— Zohaaulstchal: Skal. faur:.Die Entwickluna drr So?laltrm»kra!i«".— Nleberschöneweld«: Schule Berliner Str. Sl: Kolemann-Abrnt,.— Trrpww: Keim Elsenstr. S:»ssllns. lahresplan".— Kaulsdorl: Schule Adolfftr. 23:„Alkohol und Nikotin".— Ne». l'ichrenbeia, R. Keim Kausfstrafte: Uebunasabend.— Borsiqwald«: Keim Sommerfelder Strafte:„Unsere Deaner".— Skeinickendors-Ost: Krim Lindauer Strafte:„Karl Rarr".—«ieberschönhausen(Aeltere): Schule Blankcnburger Strafte 79:.Berussausbilduna". Wertet«?irl Wrddinft: Aelterrnaruppe fällt umständehalber au». Beteill- ann« am Zünaevenkursu» �iuaend und Militarismus" oder«undsiebung rm Kcrrenhaus. Wcrbeberiik Trltowkanal: Wichtia« Sißuna de« W.-B.-Vorstandes, der Ab- teilmtasleiter und Zuaendbeiräte im Keim T-mpelhoi. Dermaniastr. 4—8. A«b«br?irk Mitte: 20 Uhr im""""~ füren». Keim Elisabetchkirchstr. 19: Wanderleiter- Vorträge, Vereine und Versammlungen. G Reich»bann?r„Schwarz-Rok-Gold". Delchästlstellr: Berlin S 14. Scbaftianstr Z7— Z8 Kok 2.'Tr grrltaa- 14. Mär,. Schönebera-Zrledenau, Kameradschaft Insel, Adielliina Llndenhok: 20 Ubr im Lokal Achienhaaen Diskusstons- abend. Erscheinen aller aktiven und passiven Kameraden Pflicht. Lichteubrra (Ottoverein). Kameradschaft Dusiav Tempel: 29 Uhr Sißlmfl bei Sönvw, Frank. furtrr Allrc 283. Erscheinen Pflicht.— Krru»b«ra: Sonnabend, 13. Mär,. Znornd I, II und Iis, Treffpunkt 17?L Uhr. Lindenstr. 3,?ur Bovwärlo. Desichtigun». »e Zier Trllnahme an drr Soanian, 1«. Mär?, um II Uhr in der»Reuen Welt". Kaseudcidr. stattsindenden Kundarbuna traten die Ortsverriu« wie sola» au: Ritte: Ib Uhr..Neue Welt", Kascnhclde. Bundeskleiduni?. Wedbinn: 9 Uhr In drm Blocktokal. Bundcsklrlduna. Krru?bcr-,: 19 Uhr»Neue Welt', Kafenheide. Bunheekleiduna mit ssahncn ohne Tambourkorvs. Ebarlotten- bnr«: SV, Uhr Bahnsteia U.BHf. Wittenberoplati. Zührer Kam. Mllller. Witten- Hera.«ilmrradars: Sll Uhr Berliner Ecke Uhlandstraft«. Schäurber«. Allgemeine Wetterlage. �T20?2d6s.��> Owolkenio«,® hsikw.Oh«!bbedeckr aveolkig,©bedeck(.«RejeoAtjrsuprln Sehnet 5N8tel,"yGcZüBr@Wm(ta ille' Innerhalb des Polarftromes. in dessen Bereich wir am Airfgng dieser Woche gelangt waren, ist«ine Störungssront nach Süden gewandert. Sie hat im größten Teil Mittel» und Ostdeutschlands Schneefall gebracht. Di« Deniperafuren sind fast überall aus 1 Grad Wärme gesunken. Bor dem Eintreffen der Front wurden 4 bis 7 Grad erreicht. Vorerst hält die Zufuhr polarer Luft nach Deutsche land an. Mit einer durchgreifenden Aendcrung haben wir noch nicht zu rechnen. •k wetterausstchten für Berlin: Wechselnd wolkig mit einzelnen Schauern, verbreitete Nachtfröste.— Für Deutschland: Allgemein unbeständiges, besonders in Nord» und Ostdeutschland recht kühles Wetter, verbreitete Nachtfröste. Ein Fachereignis von außerordentlicher allgemeiner Bedeutung stellt die zum achten Mal« in der größten Ausstellungshalle am Kaiserdamm stattfindende Reichsga st wirtsmesse Berlin 1 0 3 0 dar. Di« dem Fachmann und allen interessierten Kreisen des Publikums zugängliche Schau nimmt die Alle Auto-Halle wiederum bis auf den letzten Quadratmeter in Anspruch und wird in den Tagen vom 23. bis 28. März sicherlich wieder zur Belebung de» Geschäftes auf einem der wichtigst«,, Wirtschaftsgebiete beitragen. Rat noch 1«?««« Sarvasanl-Sastspiel! Am Sonniaa. 23. Mär?, wirb der aewalttne Märchenban aus dem Tempelhofer geld seine Pforten schlieften. Da eine Verlänacruna ausae schlössen ist. muß man nun die leßten Taqe ,ui» Besuch auonußen. Täaiich 195h Uhr finden Porftellunaen statt. Am Soinwbeud, 13. Mär?, ist auch nachmstians in der Ilamilicnvorslrlluna Geleacnhcit aeaehrn, das vollwertig« Adendvrooramm?u tchc». Kinder zahlen?u dieser Lorftelluii» nur halbe Preise, und zwar auf allen Plätze» in dcr Preislage von 2,29 M. aukwäria. Sonnal'cnd ,9-4 Uhr Porstelluno. Ab 1. Miir? sind im Programm verschieden« neu« Nummern ausgenommen worden, so daß sich auch dcr»weile Besuch bei Sarrasani lohnt. BAER SOHN Berlin N 4, Chausseestr. 29-30 Hühner i0J I gefroren..... FIefuiis.m 1,24 SchweinekotetettFtd.Ton 1.28-° Telephonische Bestellunsen werden bereits ab 830 Uhr entsegensenommenl Fleisch Hühnerei Hosen 85 destreilt.. Pfd. von Eier 58 10 Stflct Ton a KaSSler mild gepökelt, PM.V»» 1,24 ob ßUCkCnfetttralTgrlig. c. Sdmrte, PM. 88 PI Ifcitbein m. SpitzbeU, gepäk.P(d.68pf. Pöke rippen........... PM 1,16 Schmorfleisch ebne Knoelmi. 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Algier-Kartoffeln..... 5 pm. 58pt »I, Do» Stansensparsel extn«urk. 3,10 Siansensparsel eeur stark.. 3,00 Stansensparsel stark...... 2,95 Stansensparsel mittel...... 2,75 Zunge Erbsen mitteiieiB.... 95 pi. Zunge Erbsen............... 65°,. Gsmüseetbsen............. 55pi. Erbsen fein, mit Earottea...... 1,25 Erbsen mittel, geeek». Karotten 78pf Gemischtes GemQse f-i».. 1,45 Konserven i. Berliner Allerlei............. 85?!. Karotten geaolmltte» 33?!. Seilerle 1° SekelkeB............. 1,10 Span. Aprikosen% Fracht. 1,2. Birnen Fracht................ 1,10 Heidelbeeren................ 1.00 Rote Hüben................ 60pt Pflaumen oh°e stet«.......... 76pi. Kalif. Pfirsiche i, Pracht.... 1,45 Hawai-Ananas«scheit, Toog 1,25 Wurstwaren Sülzwurst................. Pfd. 98pt Spedcwursf.................... m 1,10 Hausmadierleberwursf...pfd. 1,10 Knoblauchwurst............ Pfd. 1,15 Feller Speck................ pm. 1,15 Jagdwurst..................... tu. 1,20 Metlwursl nach Bnaeehv. Art, Pfd. 1,35 Feine Leberwurst........... ptd. 1,45 Schinkenpolnische.......... ptd. 1,45 Zervelat oder Salami.... pu. 1,68 Zervelatwurst ta Fcttdam..Ptd. 1,88 Sdiinkenspedc............... Pia. 1,88 | Gekochter Schinken......................... �M tÖTl Fische und Räucherwaren •Schellfisch Im.............. Pfd. ISpt "Seelachs Im ganzem..........Pfd. 1 6 Pf. "Kabeljau im gaases.........Pfd. 15pt "Rolbars.............. �.....Pfd. 35pt "Zander gefröre»........ tu. 32. 65pt "Kabe jaufilel............... ptd. 26pf. E Sprollen.................. Pfd. 28. 40pt Seelachs gcrSachert...........Pfd. 40Pt Seeaal......................... Pfd. 72pi Slückenflundern geriBehert, Pfd. 50tl Makrelenbücklinge,.pfd.24.35pt Spanische Sprals tu vetsv««» 85p(. *Grllne Heringe > PM, ir Uipriger Str. Aleunfsrn. frafikfoilar Kl», K-Ühuwr Dann, Seilt-JUiMM-Slr., Wilmaradorfer Str. Cliuueealriam Angebote unserer Weinabteilung: Spezlal-Ratur-Äpfelw«!« fflr IQ 5-Ltr.. 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Der Reichstag begann am Donnerstag nachmittag die zweite Lesung des Gesetzes zum Schutz« der Republik und zur Befriedung des politischen Lebens. Es wirkte wie eine Einleitung dieser Ve- ratung. als nach Cröffmmg der Sitzung mitgeteilt wurde, daß der Oberstaatsanwalt in Essen die Genehmigung zur Strafverfolgung des nationalsozialistischen Abg. Wogner wegen Z 166 StGB, und der Oberstaatsanwalt Berlin die gleiche Genehmigung gegen den Abg. Dr. Goebbels(Nat.-Soz.) wegen Beleidigung durch die Presse in zwei Fällen verlangt. Zkichsinnenminister Severins leitet die Beratung ein: Am Iii. März 16Z0 sind Hakenkreuz- (icfchmücfle Soldaten am frühen Diorgo» in die Wilhelmstraßc zu Berlin eingerückt und haben die Ministerialgebäude besetzt. Der Zweck dieser, militärischen Unternehmung war die Einsetzung einer Regierung Kapp�Züttwitz. Die Arbeiterischait aller Richtungen antwortete mit dem Generalstreik, und noch am selben Tag hotte diese Regierung nur Aussicht auf kurze Dauer. Wer nicht nur der Generalstreik der Arbeiterschaft, sondern anch die Dslichterfüllung der Veamteuschaft hat der Regierung kapp- Lütlwitz ein rasches End« bereitet. Am 14 März 1920 beschlossen die Staatssekretäre der Reichs- Ministerien einstimirig, Weisungen nur von den versassnwgsmätzigcn Ministern entgegenzunehmen und die laufenden Geschäft« nur im Rahmen des verfalsungsmästiq beschlossenen Haushalt» zu kühren. Dieser Beschluß würde allen Beairuen bekanntgegeben Er war nicht nur platonisch Als vom Reichsfinanzininisterimn ein großer Betrag zur Finanzierung des Putsches abgeholt werden sollt«, hat Staats- sekretär Schröder den Leuten klar gemacht, daß Gelder nur aus Anordnung der oerfassungsinäßigen Regierung abgegeben werden. An der einmütigen Abwehr der deutschen Arbeiterschaft und der Beamten ist der Kapp-Putsch zusammengebrochen.(Rufe der Kam- mimisten: lind dieses Gesetz ist der Dank dafür! Warum sprechen Sie nicht von den damals ermordeten Arbeftern?) Staatliche Macht- mittel waren damals so gilt wie gar nicht vorhanden. Das Militär ist gegen die von Döberitz heromnarschi-reNden Putschtruppen nicht eingeschritten, der Einsatz von Sicherheuspolizei war so gering und schwach, daß sie mit einiger Aussicht auf Erfolg nicht Trotz bieten kannte. Rur die Arbeiter und die Beamten haben diesen Anschlag der Kapp und Lüttwitz.zuschanden gemacht.(Zurufe der Nationalsozialisten: Und die Minister sind ausaerissen!) Meine verehrten Damen und Herren!(Abg. Stöhr(Rat.-So.z.): Wir wollen gar nicht verehrt sein!) Die Dinge haben sich geändert. Wir baden«in verfossungstreues Heer von ansgezeichneter Ausbildung(Rufe der Kommunisten: Daher die vielen Selbstmorde in der Reichswehr!), und wir hahen eine vorzügliche Polizei Mit diesen Machtmitteln kann im Ernstsalle jedem Anschlag auf die verfassungsmäßigen Eiurichtungen schon im Seim begegnet werden. t Riste der Nationalsozialisten: Da brauchen Sie sa kein Republik- schutzgesesz!) Das hat gestern schon Herr Wallras gesagt. Es kommt aber nicht wtr daraus an, Airschläge auf die Republik im Keim zu ersticken, sondern darauf, jenen im Volke, die Neigung zu solchen Unternehmungen hätten, prophylaktisch die Lust dazu auszutreiben. (Zurufe der Nationalsozialisten: Feuerwehr!) Ohne den Kapp- Putsch keine Bowegung im Ruhrreoicr, und ohne den Ruhraufstand keine Zen'törung von volkswirtschaftlichen Werten, keine Verschlechterung der deutschen Valuta(Stürmischer Widerspruch rechts), kein« weite'-e Berelendung des deutschen Volkes. Heute ist die Situation Deusschlands nicht so. daß wir es uns leisten könnten, ähnliche Eichebungen au uns herankommen zu lassen. (Zuruse rechts: Sie haben Angst!) Rein, aber wenn nicht alle Kräfte des Volkes für den Wiederaufbau.zusammengefaßt werden, wenn die Arbeit nicht geschützt wird, dann(Zuruf der Nationalsozialisten: Können wir den Joung-Plan nicht erfüllen!) könnten die heroischsten Anstrengungen der nächsten Zeit vergebens sein. Wir sind oerpfllchtel. dafür zu sorgen, daß die Machtmittel des Reiches nicht vorzeitig abgenützt werden. (Ruf der Rationasfozialisien: Di« Gummiknüppel sind schon ad- genützt!) Den Deuischnationalen halle ich vor, daß ihr Führer Graf Westarp im Jahre 1927 nicht nur den Antrag aus Verlange- rung des Republikschutzgesetzes als erster unterschrieben, sondern auch in der.Kreuz-Zeitung' die Notwendigkell dieser Verlängerung wegen kamnrüissstischer Umswrzqelüste begründet hat. Bis.zum In- trofllreten des neuen Strafgesetzes ist nun das Republikschutzgesetz nicht zu entbehren. 1927 war ein Jahr wenn nicht gerade der Hochkonjunktur, so doch«ine- normalen Geschäftsganges. Die Zahl der Arbeftslosen war verhältnismäßig gering. Die Arbeitslojen sind aber da« Rekrutierungsgebiet der Radikalen rechts und linke. Heute haben wir 3 Millionen Arbeitslose.(Lärmende Zuruse äußerst rechts und links) und heute wollen Sie(.zu den Deutsch- nationalen) in der Zeit eines Z-Millionen-Arbellslosen-Heeres der Republik den Schutz versagen.(Andauernde lärmend« Zuruse der radikalen Opposition.— Die Kommunisten rufen: Sie müssen nicht so offen ihr« Karten ausdecken!— Zuruf rechts: Schäften Sie doch Arbeit für die Leute!— Präsident Lobe ersucht wiederholt, den Minffter reden zu lassen.) Es ist gar keine Rede davon, daß die Vereins-, Bersammlungs- und Press esreihell durch das Gesetz unmöglich gemacht werde. tRus der Äommunisteur Versammlungen werden auseinandergetrieben!) Das Versammlungsrecht Ist durch das Treiben der Extremen recht» und links ein Versammlungsnnrecht geworden, und die VressefreiheU ist— gestatten Sie mir den Ausdruck, ich bin mir seiner Tragweite bewußt— vielfach zur Pressesrcchheit geworden. (Zustimmung in der Mitte.— Rufe der Ztationalsozialisten: Wie haben Sie früher geschrieben! In Ihrer Partei wurde doch einem Blatt Sauherdenwn nasskgesagt!) Man führt zur Entschuldigung an. daß viele Kreise des deutschen Volkes sich in einer Art psychischer Krankheit befinden. Ich bestreite das nichts Wer man unterscheidet doch zwischen harmlosen und gemeingesährllchen Geisteskranken. Gegen die harmlosen, die in einer Zell politischer Festigkeit und «fciinffli Wohlstandes unüberlegte Aeußerungen mach-m, braucht man kein Sondergesetz- Wenn ober in einer Zell der-rußen- und innenpolitischen Spannung die Demagogen landaus landab die Re- gierunq unausgesetzt verleumden und den Staat aus das schwerst« cngreifen, dann haben die zu» Schutz der Republik berufenen Männer dafür zu sorgen, daß die notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen werden. Allein m Preußen sind im oergangenen Jahr bei politisch«« Zusammenstößen 300 Polizeibeamte verletzt und 14 aetotet worden.(Lärmende Zuruse der Kommunisten und Naiionälsozialiften: Das ist Ihre Politik!.Folgen des D-mon- ftrationsverbots' Wieniel Arbeiter haben«!« erschießen loss-n?> Die Lönderregieninqen wellen und köimen die Vera ntwori-tng nickst übernehmen, wenn dioi« Dllige noch länger anbauet n. Wir brauchen das Gesetz, um die Verhetzung einzudämmen und um den Eindruck zu zerstören, als ob es aus der äußersten Rechten und Linken nur noch eines Drucks bedürfe, um diesen Slaal zu überrennen. Diesen Eindruck zu.zerstören, ist der Hauptzweck des Gesetzes. Di« Kommunisten behaupten immerzu, daß das Gesetz gemacht werde, um die Kommunistische Partei oerbieten zu können und den Länderregierungen die Hondl>abe dafür zu geben.(Zuruf der Kam- miimsten: Das haben Sie ja selber gesagt.) Der Wortlaut und die Absichten des Gesetzes sind Ihnen(zu den Kommunisten) aus dem Ausschuß bekannt. Der Reichsinnenminister kann nur eingreifen, wenn eine Länderreaienung nicht will, er kann nicht die KPD. verbieten.(Rufe der Kommunisten: Aber er kann die Länderregie- iWBiljlÜ!- mw PllMmlÜf! Die Berliner Sozialdemokratie ruft zu einer großen Kundgebung am Sonntag, dem 16. MSrz 1930, vormittags 11 Uhr, nach der„Neuen Welt", Hasenheide. Redner; C&Vl SSVVNNg, ONO V/S>S Vor zehn Jahren het die' deutsche Arbeiterschaft durch einen in der Welt beispiellos dastehenden Generalstreik die Kapp-Putschlsten niedergerungen. Von neuem erhebt aber Jetzt der nationalsozialistische Putschismus, der in Thüringen mit dem bayerischen Putschisten Frick als Minister regierungsfähig wurde, sein Haupt. Hugen- berg und Stahlhelm hoffen auf den Staatsstreich und lauern auf eine günstige Gelegenheit zum Losschlagen. Zum Protest gegen diese Feinde der Republik und der Arbeiter gilt es, die werktätige Bevölkerung zu mobilisieren. Parteigenossen, Arbeiter Berlins, erscheint in IVEaSSen! Oer Bezirksvorstand. rungen darum ersuchen.) Ich würde es für einen großen politischen Fehler hallen, wenn eine Länderregierung im gegenwärtigen Wgen- blick die KPD. verbieten würde.(Präsident Qöb« erteill einem der andauernd schreienden Konummisten einen Ordnungsruf und droht fchäriere Maßnahmen an, wenn sein« Mahnungen.zur Ruhe nicht befolest wiltden.— Ein Kommunist wiederholt die Worte des Ministers: Im gegenwärtigen Wgeitelick!) Ja. ich kann nicht für Ihr weiteres Verhalten die Garantie übernehmen.(Große Heiter- kell.) Eine— geistige Bewecr-mg kann man doch nicht verbieten. (Hellerkeit.) Wf Zurufe der Kommunisten wegen des Verbots des Rotfrontkämpfer-Bundes erwidert der Minister, daß die Kommu- nisten doch selbst die bewaffnete Organisation der Faschisten nicht dulden wollen, da könne eine iniparteiische Regierung nicht das gleiche auf der anderen Seite dulden. Der Minister weist darauf hin. daß tue kommunistische Presse gefälschte Erlasse von Ministern verösfeillliche. Er zitiert dann die Artikel der deutschen und russischen Sowjeipressen. in denen die Berliner Mallage als Auftakt des Endkampfes hmqestellt werden.(Ein Kommunist ruft: Sie wollen doch nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.— Große Heiterkell und Händeklatschen der Sozialdemokraten.) Aus dem Bericht über den Moskauer Gewerkschaftskongreß führt der Minister den Nachweis, daß die Kommunisten nicht die ideelle und materielle Hebung der Arbeitslosen beabsichtigen, sondern die Gewerkschaften für Vorübungen zum späteren Generalaugrifs miß. brauchen wollen. tionalsozialistische Partei hat ein schönes Lied, das lautet: In München war die erste Schlacht, mll unserem braunen Heer. ?Venn uns die.zweite Schlacht ruit wieder in? Gewehr uns, wcim die Handgranate kracht,. das Herz im Leibe lacht. (Stürmische anhaltende Hellerkeit.) Ick) nehme diese Tiraden nicht allzu ernst. Aber wenn erst nach vielen Monaten die Gerichtsverhandlung ist und vielleicht nur mit einer Geldstrafe endet, so entsteht der Eindruck, als ob man nur iiril den Nationalsozialisten marschieren brauchte, um die Schuldlüge los zu sein, den Bersailler Frieden.zu zerreißen und einen frischfröhlichen Krieg zu machen. (Die Nationalsozialisten beschuldigen den Minister einer unwahr- hastigen Rundfunkrede und- fragen nach dem angeblichen Putsch- plan.) Als Roßbach im Herbst 1923 Zeven in der Reichswehr bilden wollte, wurde Ihm sehr bald aus die Finger geklopft, und es blleb beim aussichtslosen versuch. Die gleichen Versuche werden von den Ratlonalsozialisken unternommen. (Rufe de? Nationalsozialisten: Um den richtigen Geist hineinzu- bringen-) Jemand, der für diese Bestrebungen gewonnen werden soWe,, hat folgendes ausgesagt:(Rufe der Nationalsozialisten: Namen nennen.— Severing: Das würde Ihnen so passen!— Heiterkeit.) Der Mg«sandte der Nattonalsoziallsten fragte, wie sich die Reichs- wehr bei einem gewaltsamen Umsturz durch die Nationalsozialisten verhallen würde.(Ruf der Kommumsten: Darüber ist doch gar kein Zweifel, das haben wir doch schon gehabt!) Der Abgesandte hat gemeint, die Reichswehr werde doch nicht auf nationale Deutsche schießen, und ob ich(der Zeuge) berell sei, in diesem Sinne auf meine Kameraden einzuwirken. Demgegenüber mochte ich aus unsere strengen Befehl« aufmerksam, worauf der Wgesandte er- widerte, das Ziel sei, die jetzige überhaupt nicht nationale Regierung durch eine andere zu ersetzen, den Bersailler Vertrag und die Kriegs- schulhlüge zu beseitigen und überhaupt Ordnung zu schaffen.(Heller- kell.) Bessere Zustände könnten überhaupt nur eintreten durch einen gewaltsamen Sturz der Regierung. Hinter der Bewegung ständen ordentliche Leute,.zum Teil auch Großkapital.(Hört, hört! und Heiterkeit links.) Ich sollte als Vertrauensmann oder Funktionär in meinem Standort wirken, und durch positive Tätigkeit entstehende Unkosten würden ersetzt. Nachdem Präsident Löhe dm Wg. Graf Reventlom (Nat.-So.z.), der unausgesetzt Zwischenbemerkungen macht, zur Mäßigung wiederholl ermahnt hat, fährt der Minister fort: Der Reichswehrminister hat in den letzten Tagen einen Erlaß gegen die Zerfetzungsbestrebungen in der Reichswehr herausgegeben. Diese Bestrebungen sind die Hintergründe, die ich noch weller ausmalen könnte. Sie werden oerstehcn, daß ich das, nicht tue.(Zustimmung der Regierungsparteien.) Bei dieser Situation muß die Regierung das Mittel haben, das in dem Republikschutzgesetz liegt. Ich bin überzeugk. daß der Reichstag sich der verpslichkunq nicht entziehen wird, dafür zu sorgen, daß die Machtmittel des Staates nicht vorzeitig abgenutzt werden. Ein Staat, der seinen Schutz abgibt, gibt sich selbst aus. Zu den Bolksvertreteni des Deutschen Reiches habe ich das Vertrauen, daß sie'diese Unterlassungssünde nicht begehen.(Lebhafter anhaltender Beifall der Regierungsparteien, großer Länn und Psuiruse der radikalen Opposition.— Der Hakenkrouzler Straßer wird noch mehreren Ordnungsrufen und Warnllngen wegen Weiterfchimpfens aus dem Saal gewiesen.) Die Redezeit für die Debatte wird aus 1 Stunde pro Fraktion festgesetzt. Anträge der Kommunisten aus zwei Stunden und der Deutschnationalen auf 1% Stunden werden unter dem Geschrei der radikalen Opposition abgelehnt. Abg. Dr. Eoerlmg(Dncrt.): Der Nersassungsmin ister lehnt es nach seiner prot», zierenden Rede ab, die Gegengründe der Opposition zu Horm. Das ist nicht nur eine grobe und ungehörige Mißachtung der Opposition, sondern auch das Zeichen einer schlechten Sache. Ich halte es nicht für angebrächt und unserer nicht würdig, zu sprechen. solange der Minister nicht hier ist und beantrage, ihn herbeizurnsen. (Lebhafter Beifall rechts. Lärm der Kommunisten.— Der Abg. R e m m e l«(Kom.) wird wegen hartnäckiger Ordnungsstöruntz auf 8 Tage ausgewiesen.) Im Hammelsprung wird der Herbeirufungsantrag abgelehnt. Inzwischen ist von der Rednertafel der Name Münzenberq ver- tchwunden, was die Kommunisten zu erregtem Protest veranlaßt. Abg. Thälmann wird schließlich wegen beleidigender Rufe gegen dm Präsidenten aus dem Saal gewiesen. Der Präsident teilt, als wieder Ruhe eingetreten ist, mit, daß Münzenberg und Dr. Goebbels nicht auf das Wort, sondern nur auf ihre Plätze aus der Redner- liste verzichtet liabm. Wg. Slöcker(Komm.): Nach dieser Wfklärunq eines Mißver- ständnisses dürfen wir wohl die Zurücknahme der Ausweisung Rem- meles erwarten.(Heiterkeit.) Präsident Lobe lehnt das ab. Inzwischen hat Minister Severing unter lautem Hallo der Rechten seinen Platz wieder eingenommen. Jetzt kann also Abg. Dr. EoerUng(Dnat.) loslegen: Im Schatten der gestrigen Aoung-Abstdmnung will man heute den Rest der inneren Freiheit zerschlagen. Die letzte Säule des Rechtsstaates, die Justiz, ist in Gefahr. Das Gesetz ist«in Angriff auf die Opposition. Di« ober- flöchliche Denkschrift des Irmmministers ist die Bankrotterklärung des Systems Severing. Das Gesetz ist unklar und vieldeutig, es ist auch verfassungswidrig.(Ruf von den Sozialdemokraten; Und 1927?) Wir waren damals Koalllionspartei, und Sie wissen selbst aus dm' letzten Wochen, daß eine Koalllionspartei manchmal unter Druck steht. Wg. Münzenberg(Komm.): Das Republikschutzgesetz ist immer mir gegen uns angewendet worden. 7000 Arbeiter find unter diesem Gesetz zu insgesamt 3000 Jahren Freiheitsstrafen verurteilt worden. Nationalsozialisten und Stahlhelmer haben Proletarier massenhaft überfallen und gemordet, aber sie sind nicht verboten, wie der Rot- fronttämpfer-Bund. Hitler hol seinen Frieden mit dem Großkapital gemacht nnd eine Drogrammänderung veranlaßt, nach der die Hikter-Dartei nur noch dos jüdische Großkapital bekämpft. Zinn Schujze des Großkapitals wird dieses Gesetz.zur Niedcrhaltung der Arbeiterklasse aemocht. Wir kämpfen mll allen Mitteln für die Legalllät unserer Partei. Verbietet man uns, so wird unsere Partei weuerlebcn. Unsere Kampsmetboden werden sich, wie Wilhelm Liebknecht im Leipziger Hochverratsprozeß 1871 aesagt hat. nach den Methoden unserer Gegner und unterer Bekämpfung richten. (Zurufe der Sozialdemokraten: Moskau!) Markau ist Diktatur, aber Deutschland nennt ihr eine Demokratie, in der jeder tun könne, was er will. Di« einst verlachte bolschewistische Partei beherrscht heute ein Sechstel der Erdoberfläche.(Händeklatschen der Kommunisten.) Das Gesetz ist ein Zeichen der Schwäche und wird uns anspornen, unsere Anstrengungen zu verdoppeln für das Ziel, von dem ihr(.zu den Sozialdemokraten) abgerückt seid,.zum Sturz der bürgerlichen Gesellschaft.(Hqydekliatschen der. Kommunistep). Reichsjisstizminister v. Guerard beanllvortet die Frage Ever- Btifls, was der Ausdruck im Geseli bedeute,„verfassungsmäßig festgelegte republikanische Stnnfsform"— natürlich die verfassungsmäßige Republik, und macht darüber staatsrechtliche Ausführungen. Abg. 2r.Goebbelsest austrat, ist er nicht einmal rot geworden. Ich diskutiere mit sedem politischen Gegner gern, ober die koinmunisten. dir sich als Verkörperung der Prinzipte«- sesligkeil bezeichnen, verlangen stets, daß man sich nach ihren Worten rickke und nicht nach ihren Talen Der verstorbene Abg. Höllein hat erklärt, sie seien Gegner der Todesstrafe im kapitalistischen Staat.(Zustimmung de* Komm.) Im russischen Strafgesetz sind nicht weniger als 36 Delikte mit Todesstrafe bedroht. Sie fordern absolute Freizügigkeit und weiteste- politisches Asylrecht, aber Sowjetrnßloiö» läßt keinen hinein, der ihnen nicht paßt, und keinen heraus, den man festhasten will. Würden die Leute herausgelassen, so würde das«owjetparadies bald leer fein.(Zustimmung der Mehrheit, andauernder großer Lärm der Kamm.— Einem der Schreier ruft Landsbcrg zu: Wenn Sie sächsisch sprechen, dann kommen Sie bitte wenigstens etwas näher. — Heiterkeit.— Abg. Goebbels(Rat.-Soz.): Es kann ja nicht jeder 5(KtoH8ti8cfts Arbeiter- Jugend firefi- Berlin Sonntag, den IS. März, vormittags lll'.j Uhr, im Phöbos-Palast, Siresemanostrahe(„Europa-Haas" am Anhalter Bahnhof) eil U.l�A'rillEB URAUFFÜHRUNG: • Ob B*»(«%| 8 3«E CE„Ohne Anio durch Afrika." Ein Uxpeditionsfilm, der in anschaulicher Weise die prlml'iven Lebens- und Arbcilerverhälmis-e der Einwohner zeigt Ferner wird gespielt:„In» Sdaattea der Maidilne", ein Elim der Technik.— Saalöffnung II llhr. Eintritt 40 Pf. Karten sind erhältlich; Im Jufcndsc-kre'ariat, Berlin SW, LindenstraBe z, 2. Hof, 2 Treppen links(Telephon: Dönhoff 508WH); in der Dietz-Buch- haiidlung, Lindenstraße 2, und In s 1 1 en Arbeiter• Jugend- Abteilungen. fn mauscheln wie Landsberg.— Landsbcrg: Aber Herr Goebbels kann es gang anständig.— Stürmische Heitertest.) Die Kommu- nisten nehmen in Rußland das Recht in Anspruch, ihre politischen Gegner, selbst wenn sie sich die größten Verdienste mn den Sowjet- slaot erworben haben, ins Anslattd zu verbannen. Sie lassen bei sich nichts schreiben und nichts sagen, was nicht abgestempelt ist van der obersten Zensurbehörde.(Stürmischer Widerspruch der Komm.) Und Pressefreiheit?(Rufe der Komm.: Nur für die Arbeiter, nicht für die Satten!) Die Kommunisten erklären sich für die Diktatur und verlangen von uns. weil wir Demokraten sind, daß wir unseren Staat anzutasten ihnen erlauben. Nein, weil wir Demokraten sind, haben wir das Recht, uns dagegen zu wehren, gegen Menschen, die in ihrer Einschätzung viel be- deutender sind, als in Wirklichkeit. (Sehr gut? bei der Mehrheit.) Die Kommunisten können sich aus dem russischen Strasgesetzbuch überzeugen, daß alle Bestimmungen des Republik! chupgeftzes im sowjetstrafgesetz enthalten sind, aber dort zinn Teil mit Todesstrafe, zum Test mit Freiheitsstrafe über sechs Monate bestraft werden.(Der Redner verliest diese Vesttmntungeu des Sowietstrafgesetzbuchs unter 5)ört-hört?-Ruf seraeri» der Zupendsmte«. wirb mit sc« eine Liren, ueb Arbeit», belpllchnnn»»rnrholen. Tie Vbteilnnqslelterinn-» be« A.-A. miissen nnbebinat ersch«i»en. lt. Krei» RcnWn. Di- Essialistifdi« Azbeiterinpcnb ReickiAn nernn stellet cm Lonntaa. IS. Mörz, einen stllmobend im Saeldeu Berzstr. Ii? m 18 und 20 Mr. tSi mir 8 der Jfilm„Wunder■l.'nens" eis Crf;cii?{ilhr::ns in Neukölln ocseiflt, da.,» ein»nie» Nelprnpremri und Rnstf. lTiniriit-.- preis kür die erste 8>prstellllna istr Sinder'.0 Vf. und für Crmedircn« 50 Vf. in beide» Varstelunacn. Die Vcr!el»eiiast«n werd-n»cbei-n. diete Beeanflclwiia durch recht reseu DeZuch je unterMZen. C',nlcfi IT') M- unfr 19%; Mr. I«. Soei« Siipenick. SiTbuuaccLsrcfluS; Lennebend. 15. Marz. 18 I'br. öiguna der Slpcnickcr Ausfchnstrniealieder in de» Viblistdet>3ch'p?!lr»öe. ke- kchluätcstim» über die Maifeier. Z». strei» Neinlckenderi. BUinul»»c»eId!»5: S'.tmna bellte, ivrcitea. IL Marz, um 20 Ilbr im Vattebau«, Nelnlcke»bprf-B«st. Scharnmeberkfr. 114. Er. scheinen aller Abteilllnasbildunasallsschllssc bringend eeiarb.'rlich. heute, Ireikag, 14, März. öS. Abt. Die Vezirksfllbrer miissen bis 24. Mar» beim Abteilunzstasstere» Lebnuin» abaereä'net beben. 139». Abt. Urri« Scholle. PS»ktlich 2» llbe im Sckurllertrua zgitnlieberneriamm. lu»a. Bort«»: ,s»zial« Wsdmivasmrriichalt-. Aeseeen« Ridarb Linneae. Alle kenasstnue» unh Seil» Isen ui ästen weaen der michtiqe» Tnnerardnun,, bestlwmi anmesend sei».— Achtpnql Um 19 Ubr im gleichen Z»?«l Sitz»»» sämtlicher?n»fti»»äre. Morgen. Souuabeud, 13. März. S8. Abt. Kelenie-, 2« Ut« Zrüdlippsfest im aroße» Sacl Z-banr.st-esra, Strepc. Senssstnne»«ab Eennsten euch«nbcrer'llbieilnii«-» ürb ireurb lidist eiaaiilaben. 25. Abt. Wannsee. VÄnlitich 20 Übt Mitizliebernc-sammlura im iinlel Üeich«. «Wer. aoninittofie. Bort-aa:.Die Partei idnoermiraenben stntschei' biinae»-'. Neserent Dr. SbtH Lömenstei», 35. i>. 3L 23rtji.1ll«c3 Se. scheinen wirb«rmartet. «z 91. Abt. Rezilöün. Sonnabend, 1Z. Mär,.!s»Sblina«fcst im Crösten k-.i Saal der Reuen Welt,?>» sende! de. Mitmirlenbe: Zreic Tv-nerschast !?! Srost.PerNn, Reutöllner Sännerchor. Deutscher M»st!ero«rban.b. üest. PI rede: stezmaan Saenisck, M. b.?. Prifesto» Rendelsodn: Dell». 8>e. »aste Mervlmrbi: Am ZllLael. Uesteeraichuaae», T»mboli!. Eintritt«, peei« 1•Hl., cirkchliestlich Steuer. Alle Dcnoistanea und Se-»isea und mit Angelliriae».?reu»be»»nb Beta»nie» frenadlichsl eZrgeteden. Si IM m HTggi i-n m Vctersbasen. 20 übt ill! Lokal„Zun: dien Desto per", oberer Saal. Mona:«, p«r''a:ni!:Iuna. TaaeoordnllN!:: zzpriroa dez Eenosten Hendemean:«Die palitisdie Laae". 112. Abt. z>ad»»bors. 20 Übe Mitar!«b«rrersa»nnl»na im Lalat Witte, Aabn«, ben'-Mstdle. ZäestenweUdre Straste,»caenäber dem IZrieddos. Vartrop: „Da« Srbe!t«l»senpr,blew< Reierrrt»urt Niel>»'a»n. Allel»b 121. Abt. Srupp« stlinaenbcrft: lS'.Z Ilde im Lokal be» Stäbtisch«, stlustbade».Zahloberb. Vorära«:.Arlane»nd Vererlni-«'. SIeferent Dr. Heiraa. Aratteaveranstaltung am Sonnlag, 16. Marz. lll. Ätt. Bohnsdorf. Bonck'�suna des Mufttwi» Vir Kranen knn.de. dhtirlntkn- btitfu Berliner Sic. IST, Treffpunkt Uhr Uhr cm Bahnhof Grünau. Zungsoziattsten. Sr»pp« Schänebre«: Henie, lkreita«. IS'1 Uhr. im Kl!l»-ndh-!m Hellptstr. 13, Schmabeniandzimmcr. Arbeiterlitrrohir. JBetbtbezlrl Weiten: äiiieecn. Ssnnabcnb. 20. Uhr, findet in M st.l Spandar,. Linbennfer l kKuqenddeiml. eine Mirzgerallenenfeier ftali. Pü g Silm:.Votim-'in". Muiik.«esitotipn. ftebcaftedt; Sensst« Resevield. S g; � � �'r-TTT'___ «tappe Silben: Hein». 20 Übt, im?u»endb«!m Vcrfftr. 11. spricht(Bf- nosstn lorhorft llb-r.Arbeite rsdiast uoö WelNpirtschatck. iSöste hc»i!ch will. Weddino-Eelllildbrnane»: Heute, ssreiiea. WA Übe. im Inqendsteim Vank- Ecke Wieseastraste, Zimmer 44:'.Die allsteapplitikche Lage". Referent Senosse Ppttlister. Urbeitsgemeiuschast der kindersreunde Grotz-BerNn. Hent«, Umitaa. A Udr.«orst-nbejrstaaq. Gnschüftsiteille. Linden«-. Z.— Dir machen aafmerlsam auf die isilmveranstaiilln« der GAZ. im Pbdbup- Vaiast am Lanntaa und bitte» unsere Helfe-, recht»chlreich daran tailzu- ncjntf.it. Ontppc Lanbaberaer Blast! Mpniap Ji» ssreitaa. IS— CO Ustr. Allstendbeim Dieftelmeverfl-. Zrei'aa. 14. Map,: Wir ttrfien uns IS Uhr im ,Zugenb- beim. Cenniaa. Ist. Mär»: IZabrt und Teilnahme an der stein in ttrikdrich-. hauen. Treffpuntt« rpie fokat: E-upp« I Landsberger Plast: Gruppe u ssatt.'n» ecke: Gruppe III ffrudit- Ecke str rdensiraste: Gruppen IV und V Landsderqer Allee Eck« Ewinaer Gtrast«. ViditUid, 8 Uhr.«asten SO Bf. End« zg'4 Uhr. — Di« Srupv« Landsbcrqe: Blast pera-sialtet mit der GAg. am streita», 14. Mär, in der Gchulaulo Ti'stelmenerstr. 5-««in« Semeinschaftsfiimu B«. ainn ISZz Uhr. Au» dem Vrsaraum:: Muiik. Gprechchpr. stjeatlrillick, stahnen. weihe» Ansprache. Ststl'atum usw. Eintritt frei. Vrsaram« 10 Vf. Sie schlafen besser und erwothen neu gestärkt naAlfolgendem Rezept: Eine Floiche Baldrament Reidiel, 3 mal täglich's 1 eelöffel zu nehmen- Die nafürlidie Medizin»ur Beruhigung und Stärkung der Nervenkreft. FL M 1.50 und 2.50. In Drogerien und Apotheken erhältlich, sonst durch Otto Reldiel, Berlin 43 SO, Elsenbshsstr. 4. „ä» Unterhaltung unö Wissen« Alexander r. Hacherlllajoch: tPJ Ich llopste dreimal an die gewohnt« Stelle des Zamws in der Hinteren Ecke unseres Hofes. Gleichzeitig stieß ich einen schrillen, durchdringenden Pfiff aus. Mit diesem Zeichen nerständigte ich meinen Freund Ionel Murguj. daß es Zeit sei, baden zu gehen. Ich hatte mein« Schwimmhosc natürlich schon am Morgen, als ich mich für die Schule fertig inachte, unter den Beinkleidern angezogen, «s maren daher keine weiteren Vorbereitungen nötig. Ich konnte gehen, wie ich war. Ich sah mich um. Große Schläfrigkeit lag über dem viereckigen Hof. Die paar Hühner und unser zerzauster, stets lmnpfbereiter Hahn hockten drüben im Schatten auf den Sprossen der Leiter, die über den Mist- Haufen hinweg an die Mauer gelehnt war. Sie schliefen mit«in- gezogenen Köpfen. Dom alten Birnbaum fielen von Zeit zu Zeit Käfer und Raupen in das Gros, lind so groß rvai die Stille des Sommernachmittags, daß man das dumpf« Aufschlagen ihrer Körperchen im Grase hören konnte. Die große Tanne und die vier Seinen Fichten in den vier Ecken des Hofes standen unbeweglich, nichts regt« sich, an den Stemstiesen der Küchentreppe lehnte«in Besen. Diesen Besen streift« ich mit einem schuldbewußten Blick, denn mit der gewohnten Ueberschwenglichkeit der Jugend hatte ich heute morgen meiner Großmutter versprochen, ich würde am Nachmittage die Wege rein fegen,— so blitzblank wie noch nie! Das hatte ich schon zum hundertsten Male versprochen, aber immer verhinderten mich unaufschiebbare Geschäfte an der Ausführung dieses Planes. Und obwohl ich sie jedesmal betrog, schenkte mir Großmutter doch immer wieder Vertrauen. Diele Jahre meiner Kindheit habe ich in den Ecken und Winkeln jenes Hofes gespielt, aber niemals fegte ich fem« Wege rem. Denn ich war immer in Eile. Unaufschiebbar und dringlich sind die Ge- schäste der Jugend. Aber dieser Hof und das Haus leben noch in meinem Herzen. --- Das grüngestrichene Holztor öffnete sich leise, und Murgujs ungekämmter, grinsender Schädel erschien in der Spalte. Ceme flinken, kugelrunden Aeuglein durchforschten erstaunlich schnell alle Wickel des Hofes, und erst als er sah, daß die Lust rem,— nur ich allein war da—, atmete er auf. Er hatte einen heillosen Respekt vor meiner Großmutter, die klein und flink war wie ein Wieselchen and immer gerade dann irgendwo auftauchte, wenn sich die Hand «eines Freundes nach langem Zögern nach einem Apfel oder einer Haselnuß ausstreckte. „Ich habe Pech mit der alten Dame, da ist nichts zu machen!" jagte er wie entschuldigend und fuhr fort, die verschiedenen Türen zu beobachten: immer bereit, die Flucht zu ergreifen. Wir traten aus dem Tor, Murguj und ich, auf die Straße hinaus. Unserem Hause gegenüber leuchtete das Wirtshaus„Zum Later Radetzky" in der Sonnenglul gelb, obgleich es braun ge- strichen war. Ein Blechschild mit einem wunderbar schönen, farbigen Bild des großen Heerführers(natürlich hoch zu Roß) hing über dem Tor. Dieses Schild hing dort, feit ich mich erinnern konnte, und war schon etwas ausgeblichen. Durch das breiie Tor des Wirts- Hauses trieben die Märktler an den Sonntagen ihre Leiterwaaen, die von kleinen, struppigen Wallachenpserdchen gezogen wurden. Hier war das Hauptlager der Märktler. Ihr grölender Gesang weckte mich in den Nächten oft aus dem Schlafe. Sie fangen wilde Ziäuberlieder und hatten die Gewohnheit, die gleiche Strophe un- «ndlich oft zu wiederholen. Aber das war ein Glück, denn dadurch wurde mir die Sache langweilig, und so konnte ich wieder ein- schlafen. Wir gingen die Straße eicklairg, Murguj und ich. Die Straß« lag am westlichen Ende der kleinen Stadt und mündete auf einem großen Platz. Hier endete die Ortschaft. Die«in« Seite des Platzes lief der Hochwafjerüamw entlang, hinter diesem Damm rauschte die Temes. Die andere Seite des Platzes umzingelten die letzten Häuser des Städtchens. Dieser Ort war auch sonst bcrühnck. Hier schlüge» die Wanderzirkusse ihre Zelt« auf und die fahrenden Rummelplätze. Wir überquerten den Piatz. Ein leicbtcr Wind war anvesprungcn, und der Staub flog meterhoch von unseren Tritten. Mitten auf eler, der Hlarke diesem Platze, auf den die Sonne unerbittlich niederbrannte, blieb Murguj stehen. Ich sah gleich, daß er etwas Besonders zu sogen hatte» demi er schielte mehr als gewöhnlich Ich hatte recht. „Hör mal", sagte Murguj, und er hüstelte leicht vom Staub. „Große Dinge werden geschehen. Diese Woche noch" Natürlich brannte ich vor Neugierde und hätte gerne gleich alles ersahren, aber ich fragte nicht. Denn obwohl wir Knaben waren, wollten wir es stets den großen Helden der Bücher gleichtun, die wir lasen. Winnetou, Old-Shatterhand und die mutigen, aber schweig- samen Revolverhelden des fernen Westens waren unsere Vorbilder. Keiner von ihnen hätte vorzcttige Neugier verraten. 2U!o schwieg ich Aber Murguj juckte die Neuigkeit gewaltig, das wußte ich. Und so war ich voll Erwartung. Wir kamen verstaubt und erhitzt an unserem Vadeplatz. der südlich vor dem Städtchen unter den großen Speckst« inmaueni lag, an. Hier machte die Temes ein« Biegung, das eine Ufer war von dichtem Weidengestrüpp bestanden, das andere Ufer war steil und felfig- Murgnj schwamm in elegantem Bogen um einen gesunkenen Baumstamm und landet« aus dem kleinen Sandinselchen in der Mitte des Fluffes. Ich war dicht hinter ihm. Wir ließen uns von der Sonne braten und pafften aus kleinen Tonpfeifen grob geschnittenen Soldatenknaster. Meine Neugierde wurde allmählich unerträglich. als Murguj plötzlich loslegte: „Peter kommt heute hierher. Herrgott, hat der Kerl Dusel. Die ganz« Stadt wird starr sein." „Wieso?" fragte ich dunnn. '„Bernhardis Zirkus kommt wieder zu uns. Ich traf den Zettel- ankleher vor etwa drei Stunden. Herr und Frau Direktor sind bereits eingetroffen. Sie wohnen wieder im„Alten Radetzky". Und Ignatz ist auch wieder dabei. Na, Peter wird es ihm schon geben." „Aha", sagte ich, denn jetzt begriff ich den Zusammenhang. Dieser Wanderzirkus war in den vergangenen Iahren bereits zweimal in unserem Städtchen aufgetaucht. Akrobaten, Kunstreiter, dressierle Pferd«, die sprechende Puppe, der«cht« indische Feuer- schlucke? usw. Dann Ignatz Vlaschek. der stärkste Mann der Welt, und um diesen drehte sich die Sache, von der Murguj berichtete. Wir hatten nämlich in unserer Klasse einen Schüler Peter Papp. Es war ein hochaufgeschossener, hübscher Junge, und er zählte schon achtzehn Jahre, während wir anderen erst fünfzehn Lenze erlebt hatten. Genannter Papp war der Sohn eines Tischlermeisters und arbeitete isebcn der Schule nach aushilfsweise in der Werlstatt seines Alten. Das nur nebenbei. Die Bedeutung unseres Schulkameraden lag auf anderem Gebiete. Er genoß nämlich den Ruf, nicht nur der Stärkste in unserer Klage zu sein, sondern auch der kräftigste Junge des Gymnasiums. Dieser Ruf, der— ich weiß nickst wie— im Laufe der Zeit entstanden war, umstrahlte seine Person mit der Glorie eines Helden. Nichts gab es— daran glaubten wir felfen- fest—, was Peter nicht vermochte hätte. Niemand von uns wagte es, sich ihm entgegenzustellen. Beweis« dieser gigantisch«» Stärke Peters hatten wir allerdings wenig. Aber unsere Phantasie machte ihn zum Helden unzähliger gefahrvoller Abenteuer, und ehrfurchtsvoll lauschten die kleinen Pennäler der unteren Klasse den Erzählun- gen der älteren Knaben,— Peters habe dies oder jenes vollbracht. er fei in der Dämmerung mit dem Trunkenbold des Ortes, Mirko Parvlowitich, zusammengetroffen und habe den Kerl krumm und labm gcfchlaaen, obwohl Mirko, wie olle wußten, stets«in scharfes Mesier im Gürtel unter dem Hemde trug. Zwar hatte dieses Mesier „och nie jemand gesehen, aber wir zweifelten nicht an seinem Vor- hondensein. Oder es hieß im Kreise der Knaben, wenn einer von unangenehmen Ersahrungen mit älteren Personen erzählte:„Ja, nur schade, daß Peter nicht dabei war. dann wäre es freilich a Ickers verlaufen." Ebrfurchtsvoll lauschten wir sein«» Worten, wenn er uns besondere Kniffe des Ringkampfes oder Jiu-Jitsu auseinander- setzte. Aber nie grisf er persönlich in unsere Streitigkeiten ein. Das erwarteten wir auch nicht, weil es keinen Sinn gehabt hätte, Kämpfe zu führen, deren Ausgang(Peters Sieg natürlich) schon vorher bekannt war.(Schluß folgt.) tCaUer Siehmet: 6�11| dljfl*! dlllOf Eine Wegstuick« entfernt von der Stadt Celle, in der Röhe de- Landerholungsizeimes Scheuen, gleich hinter der Bahnlinie, liegt ei» dürftiges Kiesernwaldchen— nicht groß— etwa 300 bis 400 Meter im Quadrat. In der Mitte dieses kleinen Wäldchens. von emsin einsgchen Drchtzaun eingefaßt, ragen einig« hundert schmucklose Holzkreuze über zerfallenen Erdhügeln auf, mit ver- waschenen, unbeholfenen Iiischriften zur Hälfte in deutscher, zur andern in russischer Sprach«:— ein vergessener Friedhof des Krieges liegt hicp-- ein Russenfriedhof. So fern sind uns durch anderthalb Jahrzehnte unruhigen Lebens die Zusammenhänge jener Zeit des vierjährigen Mordens schon entrückl, daß wir beim Zlnblick dieser mahnenden Holzkreuze. dieser stummen zerfallene» Gräber in der stillen Lüneburger Heide erstaunt auffahren— uns erst besinnen müssen... Hier in der Näh« Celles befand sich während des Krieges ein großes Interniertenlager, mehrere Tausend internierter und später auch kriegsgefangene Russen beherbergend. Ein riesiges Baracken- meer zog sich über die Heide hin, eine klein« Stadt für sich, mit niedrigen Behausungen und viel, viel Stacheldraht. Noch heute trifft man lleberreste dieses Lagers, zerfallene Müllkästen, lleberblccksel von Entwässerungsanlagen und ähnliche Dinge an. Taufende waren hier vom rauhen Besen des Krieges zusammen- gekehrt, Mmmer und Frauen, die in Deutschland Brot und Woh- nung gestnckeii, Landarbeiter und Bessergestellte, Junge und Alle, Verheiratete und Unverheiratete, wie's gerade traf—, die Furcht vor Spionage stöberte sie in ihren Berufen, in ihren Wohnungen aus und trieb sie hier zusammen in eine große Varackenstcckt. um die sich ein Stacheldrahtgürtel zog. Monatelang, jahrelang kam- picrten diese Tausende hier, Sommer und Winter lösten sich ab,— sie blieben hier in ewiggleichem Alltag nick in qualvoller Ungewißheit über thr eigenes Schicksal und das ihrer Angehörigen. Da war cs kein Wunder, wenn hier und da einer, zermürbt und entmutigt, nicht mehr Widerstand genug aufbrachie gegen Krankhrü mck Tod. Song- und klanglos wurden die Toten unter den Rasen gebracht.—«in schlichtes Holzkreuz mit Namen, Geburts- und Todestag ist alles, was als Erinnerung an sie blieb. Etwas über vierhundert siick auf diese Weise umgekommen, ihr« Gräl>er liegen still und versteckt im Wald.— Gewiß, es ist nur ein verschwiickcnd kleiner Brucksteil der vielen, vielen Opfer d«s Krieges, es gibt gewiß draußen auf den Schlachtfeldern viele, viele Massengräber, aus denen die Zahl der Holzkreuze größer ist, die in ihrer eicklosen monotonen Reiheirsolge gewaltiger wirken-- ttick dennoch, es packt dich etwas ans Herz.— Hier, inmitten der weiten, stillen.Hecke im Herzen Deutschlands, hundert Meter vom Wege ab. stehst du vor diesem kleinen vergessenen Friedhof und liest fremde Namen, fremde Erinnerungszeichen nick denkst darüber nach, was an vernichteten Glückshoffnungen, an Leid>md Schmerz sich hinter diesen vierhundert Gräbern. Kreuzen und Namen verbirgt. Wehmut faßt dich-- sind es auch. srencke Namen, fremde Zeichen,—«s waren arme geplagte Menschen wie du, Menschen- brüder, die der Irrsinn des großen Krieges hier zermalmte,— nicht im Getöse der Schlacht.— nein mit der nagenden Waste der Ungewißheit, der Enge quälender Gesangenschast. Irgeickwo in der iinermeßlicheii Wette Rußlands leben vielleicht noch Angehörig« dieser Toten, hofft vielleicht noch manche Mutter, manche Frau— ach, das Meufchenherz klammert sich ja an die letzte unwahrscheinlichste Hossimng— immer noch im stillen auf die Wiederkehr des verschollenen Sohnes oder Mannes,— der Wind trägt fchwennütige Trauerlieder Wer die Felder-- Vielleicht aber sind sie auch schon all« vergessen, deren Ueber» teste hier modern.— das Leben ist grausam und hält sich nicht lange mtt Erinnerungen auf. Fröhlich singend kommen die Kinder vom Erholungsheim, das drüben von einem Hügel mit ueuerrichteten Häusern auf die übrig- geblieben an grauen Baracken herabsieht,— fröhlich marschieren sie täglich an diesem Wäldchen vorüber, sie wissen wenig mehr von den Schrecknissen des Krieges— Gräber sind Vergangenheit und Ab- schluß. Kinder sind neuer Anfang und neue Zukunft. Und wie dennoch alles Leben in Spiralen verläuft und sich immer wieder mtt der Derganoenhctt berührt, so auch hier Hinten am Horizont liegt«in großer Truppenübiuigsplatzz viel zu oft enden hier die Spaziergänge der 5t>lckcr und mit sonderbar nervöser Aus- daucr suchen sie dann in den ausgeworfenen Schützcngräixu nach ncrgessenen militärischen Utensilien, noch weggeworfenen Patronen- hülsen, verlorenen Platzpatronen.— Und drin in der Stadt lausen junge verhetzte Menschen in nachgeahmter milttärischer Kleidung uick billigen Orden herum, singen Haß- und Kriegslieder: junge Mädchen blicken bewundenck auf den bunten Rock und auf die Abzeichen— mck in den Schaufenstern einiger Läden hängen Plakat«, schwarz- wcihrot umrandet, die einen Vortrag des Generals a. D. Ludendorff und feiner Frau Mathllde:„Das Ringen um die deutsche Seele" ankündigen(Diskussion sindet nicht statt)--- Rein, nein, diese ganze fluHbeladerie Vergangenhett ist nicht tot— das Leben ist grau- sam in der Wiederholung aller Irrtümer--- Das ist die tiefste Tragik jener Gräber in der Hecke— aller Kriegergräber in der Well—, daß ihre Anklage von vielen Menschen nicht verstanden wird und daß die Spätergeborenen achtlos an ihnen vorüberaehcn. ema stufing: Xöivenpferde „Der Mensch ist«in Gewohlcheitstter", wie oft tut man diesen Ausspruch, ohne im entferntesten daran zu denken, daß tatsächlich viele Tiere ein fast unglaubliches Anpassungsvermögen haben. Wilhelm Hageickeck, der große Tierkenner, war der erste, der diesen Ausspruch einmal ernstlich nachprüft«. Ihm gelang es, auf Grund des Gewohnheltsprinzips, fast unmöglich erscheinende Tierfreund- schaftcn zu fördern. Es kam so weit, daß natürliche Feindschafleir � zu Eelegenheitsfreundschoften wurden. Zu ihnen gehören die reitenden Löwen zu Pferde. Der erste reitend« Löwe war selbst- redend die denkbar größte Sensation und Prof. H«ck vom Berliner Zoolszischen Garten, damals noch«in junger Mann, wollte durch- aus diesen Löwen für die Berliner Zoo-Schau engagieren. Aber der jugeickliche Draufgänger wurde herzlichst ausgelacht. Wie konnte man sich überhaupt nur für solchen hoffnungslosen Fall interessieren! Während man hier in Berlin in Engagemeittsverhandlungen stand, war dos Pferd in Hamburg ja schon lange aufgefresscnl So oder ähnlich sprachen oll« Ticrkenner. Dennoch wurde das Pferd nichr aufgefressen und der Löwe zog von Stadt zu Stadt und von Land zu Land. Schnell hatte man sich an ihn gewöhnt und dem einen reitenden Löwen folgten mehrere. Bald reiste auch der bekannt« Raubtierdompreur Willi Peters mtt reitenden Löwen und in dieser Angelegenhett erlebte er in Schweden ein eigenartiges Vorkommnis. Er hatte einen Löwen, der, gleich einer Stehendreiterin, durch einen Reifen aufs galopp- pievende Pferd sprang. Bewußter Löwe wuchs und wuchs, das Pferd aber war bereits sang« ausgeiuachsen. Darum knickte es eines Tages in die Knie, ocks der Löwe aufsprang. Der König der Tiere war ihm also zu schwer geworden. Nun, Psters erkundigte sich, wo der nächste Pserdeniarkt war, um sofort dorthin zu fahren. Di« Reise war wett und die Eitt- täuschung groß. Standen doch auf diesem Pferdemarkt, sag« und schreibe acht wenig vertrauenerweckende Tier«. Auf den entrüsteten Ausruf:„Aber hier soll doch ein Pferdemarkt sein", wurde ihm mit- geteilt:„Ja, das stimmt, Pferdcmarkt ist, aber die Geschäfte spielen sich hier immer an den Tagen vorher in den Wirtschaften ab". 300 Pferde hätte nach eigener Ansicht Peters mindestens mustern müssen, damtt er ein passendes Löwenpferd fände: nun aber blieb ihm nichts andere» übrig, als sich acht stehengeblieben» Klepper an- zuselzen. Unter denen war«in Hengst, der den Teufel im Lecke hatte. Der Gaul schnappte, sobald nur ein Mensch in seine Nähe kam. Und neben diesem Verbrecher stand ein alter Malin, der ihn wehmütig zum Kauf anpries. Na, der Hengst wurde mitgenommen. Falls er sich durchaus picht zum Löwenpferd eignen sollte, konnte «r immerhin für die Löwen geschlachtet werden. Der alle Mann weinte herzzerbrechend, als er von dem bitterbösen Pferde Abschied nehmen mußte. Er oersichert«:„Zu mir war er gut, zu mir war er � gut und wenn Sie Rairbtierdomptcur sind, werden Sic auch wohl mit ihm fertig". Zwei Stunden dauert« die Fahrt und die war-qualvoll, denn der Hengst kannte nur das eine Bestreben, seinen neuen Herrn zu beißen. Der ober hatte Mohrrüben gekauft, steckte sie auf die Spitze seiires Spazierstocks und reichte sie dem Tobenden. Erst dachte der Hengst, er soll« mtt dem Stock Prügel kriegen: doch als er schließlich einsah, daß der vorgehaltene Stock nur eine neue, vorsichttge Art der Fütterung sei, willigte er eicklich «in. Nachdem er die Mohrrüben gnädigst angenommen hatte, war er freilich durchaus nicht besserer Laune. Doch wurde er auf diese Weife, ohne gegenseitige Beschädigungen, unter Dach und Fach gebracht. Peters nahm ihn dann in Dressur und tat das in diesem Fall einzig richtig«, er beachtet« sein Wüten nicht. Er hiell sich weit genug entfernt, um nicht gebissen zu werden, Und der Hengst begann mit der Arbeit. Angst kannte er überhaupt nicht und schon nach drei Wochen ging dieses mutige Tier als Löwenpferd in die Manege. Das ist der Hengst Jahre hindurch, ohne jeden Unfall, bis an sein natürliches Ende geblieben, doch lzat er sich mtt nie- mandem außer Peters angefreundet. Dieses Löwenpferd nahm dos Recht für sich in Anspruch, nur vom Raubtierdompteur geputzt und gesattelt zu werden. Äein anderer durfte es anfassen. Wenn ober trotz des Verbotes der eine oder der andere Kutscher an dos Pferd ging, bekam er einen empfindlichen Denkzettel. Ein anderes berühmtes, jetzt noch lebendes Löwenpferd ist der Schimmel Negro. Er hat schon den vierten Löwen auf sich. Negro beherrscht jede Situation und namentlich mit Löwen wird er vor- zügtich fertig. Als er mtt seinem letzten Reiter bekannt gemacht werden sollte und Peters, nach dem Gewöhnungsprinzip, Löwe und Pferd gemeinsam im Rundkäfig spazieren führte, schnappt« auf einmal der sonst lammfromme Negro nach dem Löwen und biß ihn ganz gehörig. Und der Löwe duckte sich und war baß erstaunt über den kräftigen Pferdcbiß, der ihm auf einmal plötzlich und un- erwartet im Nacken saß. Der Dompteur aber klopfte Negro auf den Hals und sagt«:„Alter Zirtuszigeuner. du bist doch klüger als wir, also auf diese Art und Weis« verschaffst du dir Respekt." Nachgerade weist man, daß man bei richtiger Velzondttiny fast alle Tiere an den Menschen gewöhnen kann. Dieses Wissen ist ober noch gar nicht so lange AllgemeinAit. Schrieb doch noch 1800 ein schwedischer Redakteur, als er den Löwen zu Pferde und her- nach ein drefsisrt«« Zebra sah, das Pferd f« eckst und der Löwe sei auch eckst, darum� wäre es ein grober Unfug, der nur die eigenen Leistungen herabwürdige wenn nach dieser großen Nummer ein angestrichener Esel, und noch dazu einer in den preußischen Färben, in die Manege geschickt würde. Die deutsche Zündhol-ioduskric stellt fährsich rund WO Milli- firden Streichhöl-er der. 2H einer Streichholllänqe von.8 Zenti- ineter ergebe» diese«lreichhälzer aneinandergereiht«ine Länge von 1-i Millionen Kilometer. Jedes fünfl« Auko in Deutschland ist ein ausländisches. In Berlin ist sogar jeder dritte Personenkraftwagen eine auslioststsche Marke. » 1 � 7 Iteaiet, Lichtspiele usw. j Freitag. 14 3. Staats-Oper Unter d- Linden T8D-IULD.fr«0.1 toes-Ab.-*. Da. 11 Id», Uhr Madame Butterlly Ende n. 22 Uhr staats-oper An Mi der(tepabiik Vorst 44 M Uhr Salome Enden 21�a Uhr Freitag, 14. 3. Stadl Oper Bismarck str. fumus I l?Wi Uhr luzfM Weiber von Winiisflr Enden. ZZ's Uhr StaatL Sdiausph. an Gepdarmenmarkl StILZ Fr. Do.6 Mm-Ad.-V. Ha. 63 20 Uhr Sudpol-'xpeiiit'aD des Kapitäns Scott Ende n. 21vi Uhr �aatl.SdiiIler'Tiieater.[liafltl]3. 20 Uhr Bootadis- George OaDiiiD Ende 220- Uhr Tägl.Su.S'l, Uhr. H 5 Bald. 0256 Fr. 1-6 M Wochentg. 5 U. SO Pf.-3 M. QasispSel Erich Carow und weilar« 9 tntemaUan. Mira kl uncn LICHT GESUNDBRUNNEN «4.- SO. MÄRZ Oasgrand i eTonfilmwerk OER WEIiSE TEUFEl mit ItVA nOSJ'MM UL DAfiOvIA BETTY AHANN, OON-XO' AKEN-CMOR Außerdem DAS SROSSfc VARIETtP�OGRAIV Junendllche haben Zutritt Ta9..i330|[6�l830K s�ohr EASINO-TBEATER uothrineer SiraAe 37 ' Wieder ein nener Schlager Der wahre Jakob StflrmlMiier Heiter kelto-ErfoIS Dazu ein enlkl. bunte* Programm Guiscnein lüt 1—4 Petsonen Fauteuil nur 1.25 AL, Sessel 1.75 M., Sonstide Preise: Parkett u. RaneOJOM. Reichshalten-Theater Abends dl soamas nadun. Q] Slelltner-saiiger zum SanaloriDm schiuE soonensitdi ladiDimaos muhe Preiset Zentrum 11263 Oönrioft. Brettl; Tinste. Tans. Konzert. 4nJ. 8. Somit. S'i Volksbühne Tlieato am Bölowplatz. 8 Uhr Amnestie Schauspiel v.Carl Mar. Fmketnbuig Reale; GBnBi. Star- StaatLSdiillet-Ih. 8 Ulli Boubonrodie Georoe Danoin Staatsoper AmPI. d Republil- 8 Uhr Salome WM Tlteam D 2 WeuMmn 520t rägl.8>/4Uht Heute cum 150, Mal! Oer Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg; Max Reinhardt Kammerspieie D 2 Weidenämm 5201 «>>. Uhr Die liebe Feindin RomSdi- m 1. P. Aotoim ü-jit: Bwltl ütmApn Die äomödie 8*4 Uhr Raule: usx Relobanu Direktion Dr. Robert Klein Deaisehes Kanstler-The«t Barbarossa 3937 81/3 Uhr Sex Appeal Lnihij. f.fratkrik IrtniklB RiSl«: fontsr UrriM-i Mhert Basscrtnann. Baöv ChrlsUans Berliner Theater Dönhofl 170 8 Uhr Ende lO'/« Uhr jDs.zwBi.diei" von Franz Molnai mit Mai Patetem. Regle; GnsLHomiog HortlBr- Souper Regie Heinz Hilpert Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8>/ GROSSES) SCHAUoPlELHAUo 8 Uhr: 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL A Sonoiag aafflm. angelt, eauw Pi. WWW Direktion: Dr. Martin Zicke Komische Oper fnai)ru;hsti.104 Merkur 1401 4330. Nach voliständieem Umbau Täglich 8><4 Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guido Thielscher. Schulz, Schroth, turg. Hildebrand, Walter Ran«. Flink. Behmer. Wenak Lustspielhaus L'- Friedrichstr. 236. Bergmann 2922'23. Liebe auf deo zweitea W. Riemonn- Haack. Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. kraule Xose täglich 8.15(Sonntag 5.15 und abernte 9 Uhr, als Die goldne Meisterin □ rolle Aussta tungs- Operette mit der Musik von Edmund Eysler im Rose-Thealer Qxoße Frankfurter Straße 13, Billettkasse; Alex. 3422 und 3494 Jeden Sonnabend 11.30 Nach t- vorsteliun?: Oer nstereetie. Nächsten Sonnabend 5 Uhr u. Sonntag 230 Uhr Sdmaavelliti«- und Rosen rot (vnrluol ab Montag fäglith ns tl-t Dbr und tos 4-9 Udr abmils. Die letzten. s � Metropoi-Iti. 8';, Uhr Das Land des Lächelns Vera Scfavarz, Richard Tauber Musik von Franz Lehä» üamowsHj-üi!» Thsater m der KSmggrdtzer Straße Täglich Uhr Professor Bernhardi von Krthnr SüniWnt Rngii: lirttr Binnnky Komödienhau* Täglich 8«ii Uhr oor LDgnor und die Könne von COTI 6012 Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8 05 Uht madame hat Ausgang Erika von Telimant Paul H&rblcer Hermann Scha tfuß ovOTSki, braut Lessing-Thealer WBidbndana 2797 o. D846 täglich x Uh» Leute 8 VflislellB. Alfäre Dreytus von Rehlisch und Herzo: Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral-Theater J Täglich SV, Uh, Die Fledermaus| mit Gustav Matznei Preise 1, 2, 3 M Sosidem-Tlioatei KOnstl. Leitung Gasion Briese Ab Sonnabd. tSgL 0 nnfl.nnoiag 4 Uhr:| ElsrieKe RuodloiiklL halbe Pr.| TbeaL o. RoiUlToi Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr , auchSonnt. ,nachm.3U. Elite- 'Singer. 1 6 TiOmgle nimtz.BheiblalsBd. vgrz-PTograram1 Pianetanuni > am Zoo— | f;rf5flo iudiiinOilii hnh B. 5 Barbarossa 5571 i6>/, Uhr ner Früh- laiirsDImmcl I-VsUhi HerkwOrdlge S.erna ilien g Jaitgs 20'', Uhr uoser Mosa Eintritt t Mark. Kinder 50 Pf. GENOSSENSCHAFT BERLIN U. UMGEGEND E.G. M.B.H. Konsum-Brot ist reines Roggenhrot PreisSTPfate kg Speziell» Brotfe: Banernbrot..... stuck 65 pi. Bio-Brot...... stück 60 pi Schrot-Brot....stück 60 pi Angeschobenes Brot stück 60 pi Weizenbrote..,. stück 40 pi Kuchenbrote.... stück 22 pi. Rosinenbrote....stück 30 pi. Grahambrot....stück 30 pi Schwarzbrot.... stück 45 pi. 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