Morgenausgabe Nr. 127 A 64 4?. Jahrgang VScheowch 85 monatlich 9,809t tnr voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg-Postzeitun.-»« und 72Pfg. Poftbestellgcbühren. Ausland»- abonnement K.— M. pro Monat. Der.vorwSrts* erscheint wochentSg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaden für Verlrn und im chandel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen„DolF und Zeit- und.Kinderfreund-. Ferner .Unterhaltung und Dissen-,.Frauen- stimme"..Technik-.Blick in die Bücherwell-und.Iugend-Lorwärts* NerUner Volksblatt Sonntag 16. März 1930 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 pf. SM,>» I»»Illg«?Ionpar«ill«z«N« (0 Pfennig. Keflame eile 4.=- Reich»- piart„»leine Anzeizca' da» enge» druckte Won 24 Pfennig(zulolfig»wei setlaedruckte Wort»>. lede» weitere Won l» Pfennig. Siellengesuche Ca»«rfi« Won 14 Pfennig, fede» weitere Won lll Pfennig. Wone ilde, 14 Suchttaben läClen für zwei Worte Ardeitemaikt Leite«0 Pfennig. Famtlienanzeigen A» 1» itiPiennig. Pnzeigenannadme imHauot- geichall Lindenitrabe 4. wocheniöglich von Vi, bi» 17 Uhr. Äentvawvsan der Gozialdemokratischen HSavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstrahe 3 irernlprecheri Tönboft 292—251 Telegramm-Adr: Sozialdemokral Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Pofillbeikkonioi Berlin 87536.— Bankkonio: Bank der Arbeiter. Angeliellicn «nd Beamten. Wallstr 65 Di B u Tito-®cj. Depoliienkasie Lindenltr 3. Lehren des Kapp-putfches. Reichskanzler Genosse Hermann Müller spricht in Stuttgart. Stuttgart. 15. März.(Eigenbericht.) Zur Erinnerung an die Niederringung des Kapp- Putsches von 1920 und an die denkwürdige Stuttgarter Tagung der Deutschen Nationalversammlung veranstaltete die Sozialdemokratische Partei von Groß-Stuttgart heute abend im Festsaal der Liederhalle eine große Kund- gebuna, bei der Reichskanzler Genosse Hermann Müller über die Ereignisse vor- zehn Jahren und den Sieg der Republik sprach. Mehr als 5000 Menschen füllten den Festsaal der Liederhalle bis auf den letzten Platz. Reichskanzler Müller, der stürmisch begrüßt wurde, ergriff das Wort zu folgenden Ausführungen: ,F>i« Eeivaltpolitik der Entente und die bolschewistisch« Flut kioferten damals den llMergrund für den Kapp-Pulsch. Wenn er nicht prompt abgewehrt worden wäre, wäre der Währungszerfall und die Kapitalflucht noch mehr gesteigert worden. Tor Verlust an Nationalvermögen durch den Kapv- Putsch wurde auf 1 Milliarde geschäht. Kapp gab vor. eine neu« Regierung der Ordnung und Frei. hell zu bilden. Staat und Wirtschast lassen sich aber nicht komman- Vieren. Zu dem wahnwitzigen Unternehmen wäre es nie gekommen. wenn fest zugegriffen worden wäre, als L ü t t w I tz das Unter- nehmen einlelletc und dem Reichspräsidenten Ebert seine Forde. rungen vortrug. Aber nicht einmal das Kabinett war zutreffend uuterrichtet, als einig« Berliner Zeitungen über da, drohende Unternehmen berells Mitteilungen gebracht hatte. Man wollte keine Beunruhigungen schaffen und glaubte so am besten Blutverpietzen vermeiden zu können. Kapp und Lüttwitz forderten die Auslösung der Rationaloersammlung. Reichstagswahlea und Fachmimster. In- Wirtlichrest wollten sie aber dü t St o a t s.t rt s e, aus die heute Hugenberg noch war tet und weiter Warten will, wenn auch die Industrie inzwischen Rot leidet und die Landwirtschaft zugrunde geht.-'' r Kapp wollte damals Fachmlnister einsetzen. Seine Mitarbeiter waren aber politische Dilettanten wie L ü t t w i tz. I a g o w. Ehrhardt. Pab st. Lincoln.Trebitsch und S ch n! tz l e r. Die anderen kamen nicht rechtzeitig heran. Später haben Kappe Verteidiger erklärt, daß es zur Kappzeit in der Reichskanzlei wie in einer..Iudenschul«" hergegangen sei. Statt der„Retter' waren nur Postenjäger zu sehen. Kapp selbst war ein. un- fähiger Kraftmeier. Tie Kupp-Regieruug lieh sofort die englische Mission wisse«, daß sie deu Verla iller Vertrag anerkenuen würde. So haben Deutschnational« den Bersailler Vertrag freiwillig anerkannt, den ich aus Beschluß der Nationaloersammlung nur unter Zwang unterschrieben habe. Denn der ganze Spuk so schnell ver- flog, so ist das der einmütigen Abwehr der Arbeiter. Angestellten und Beamten iu danken; deren unbestrittener Führer damals Karl Legien war. Freilich mußten die Kommunisten in die Einheitsfront erst hineingezwungen werden, nach- dem sie vorher proklamiert hatten, daß sie für die„Regierung der Mörder Liebknechts und Luxemburgs' keinen Finger rühren würden. Iagow sommert heute noch über den ungerechten General- streik, der doch nur ein legales Mittel gegen die illegale Gewalt von Meuterern und Verbrechern war. Kapp hat Standgerichte eingesetzt und Streikposten mll Todesstrafe bsdroht. Aber dieser Terror stört« die Einigkeit der Masten nicht, die nach dem verlorenen Krieg picht auch noch den Frieden verlieren wollten. Die Beamten haben Kapp den Dienst verweigert, die Staatssekretär« der Reichsämter haben das besblußmäßig festgelegt. Bon dem baldigen Zusammen- bruch dieses Unternehmens waren übrigens auch Handel unb Industrie überzeugt. Auf dt« Staatstreue der Beamten muff sich der demokratische Staat auf alle Fälle verlassen können. Hierzu einig« Feststellungen au» neuester Zeit, die mir Severing mitteille: An der Propaganda für das Hugenbergjch« Volksbegehren haben sich im Bereich des Finanzministeriums 25 Be- amte, in dem des Reichsorbeiteministermms l, in dem des Reichs- wehrmlnisteriums 1, bei der Reichswehr 16 Beamte beteiligt, von denen IL nach der aufklärenden Mitteilung der Reichsregierung die Propaganda eingestellt haben. Von den dem Außen-, Innen-, Wirtschosts-, Ernährungs- und Rhein-Ministerium unterstehenden Beamten hat sich keiner beteiligt. Das sind im ganzen 4 3 Fälle unter 333 622 Retchsbeamten. Ein ausgezeichnetes Resultat! Trotzdem wollen wir wachsam sein. Wir dürfen den Staat den Feinden der Republik nicht überantworten. Wir müsien stet, den Willen haben, im republikanischen Staat mitzuarbeiten. Man Hai damals viel gehöhnt über die..Flucht' der Reichs- »egierung nach Stuttgart, obwohl wir nicht mit der blauen Brille gereift sind wie nach Ludendorsss Vorbild auch Kapp, als er dann nach Schweden fuhr. Im Kabinett schwankte die Waage bis zum Morgen, ob in Berlin Widerstand geleistet werten sollte. Für die R»is« über Dresden nach Stuttgart gab deu Ausschlag, daß die legale Regierung unter keinen Umständen Handlung s- unfähig gemacht werden dürfte. Von Dresden wurden berelts die Aufrufe erlassen, die der Welt zeigten, daß die Regierung den Widerstand gegen den Putsch organisierte. In Stuttgart begrüßte dann der württembergische Staatspräsident Bios die Reichsregierung an historischer Stelle. In Stuttgart wurde im Rumpfparlament die Pavlskirchen-Dersammlung zu Grabe getragen, die Nationalver- sammlunz 1920 aber lebt«. Kapp mußte zu der Lüge greifen, daß Verhandlungen mit der allen Regierung im Gange seien und gut« Fortschritte zeigten. Als dann General Marler als Vermittler nach Stuttgart kam, haben Ebert, Bauer, Bell, Fehrenbach und ich ihm auseinandergesetzt, daß es ein Paktieren nicht gäbe. Nach 5 Tagen war die Herrschaft der Lüge zu Ende. Die Nachwehen äußerten sich allerdings noch lang« im Ruhrgebiet in erbitterten Kämpfen, was dann unmittelbar zur Besetzung von Frankfurt a. M. führte. Eberl stellte in seinem Ausruf an das HKirre II UHR! Karl SevariRi Neue Neil Ollü Wels deutsche Voll fest, daß die Demotratte in der deutschen Republik kein Schein' und; keine Täuschung sei. Groß war die Wirtuirg der Äbipehr aus die Well, die null gesehen hatte, daß Deutschland keine Republik ohne Republikaner war! Das deutsche Volk braucht auch heute eine ruhig«. stetige Entwicklung, wen« sein Wiederaufbau gelingen soll. DaS setzt aber voraus, das, wir fetzt und allezeit zur Verteidigung der Demokratie bereit sind. I« Er» innerung an den Kapp-Putsch sei daS unser Gelöbnis." Nach den mit langandauernden starken Beifallskund- gedungen aufgenommenen Ausführungen des Reichskanzlers brachten Arbeitersänger einen Freiheitschor zum Vortrag. Sieger Frick. Triumph der Hakenkreuzler.— Eine neue Obrfeige für die Vostspartei Der„Nationalsozialist', das Organ des Herrn Straß er in Berlin, triumphiert über die Unterwerfung der Deutschen Volks- Partei in Thüringen unter die Selbftherrlichkeit des Herrn Frick: „Di« Dolkspartei in Thüringen kuscht! Damit hat die Volks- parte« die schallend« Ohrfeige Fr.icks für Reichsregie- rung und Reichstagsmehrheit eingesteckt, ein Zeichen für die Angst der allen Parteien vor Neuwahlen, in d-enen die Stimme des Volkes uns Nationalsozialisten recht gäbe!' Herr Frick hat der Deutschen Dolkspartei sofort«ine zweit« schallende Ohrfeige versetzt. Die rechtsradikalen Iugendverbänd« planen für Sonntag auf üem Marktplatz von Weimar eine„Protestaktion gegen den Doung-Plan'. Hinter dieser Aktion stehen der Nationali st ische Deutsche Studenten- b u n d und di« Hitlersugend, deren Aufruf mit den Worten schließt:„Deutsche Jugend, man zwingt uns auf die Straße, so folgt uns denn und kämpft!— kämpft!' Pflichtgemäß haben sämtliche Direktor en der Weimarer höheren Lehr- an st alten bekanntgegeben, daß die geplant« Kundgebung einen parteipolitischen Charakter trog« und deshalb aus Grund der Schulordnung den Schülern verboten sei. Kaum erfuhr bavon Dr. Frick. als er das Verbot für aufgehoben erklärte. Als Begründung gab er an, daß die Protestaktion keine parteipolitische Sache sei, son.ern daß es sich um eine„staatspolitische Kundgebung' handele. Frick häll die Dolkspartei mll einem Hagel von Ohrfeigen unter seiner Bottnäßigkell. Llmschwunq in der BVG. G'eg der FreiqeVerkschaster- Riederlaae derKpO. Bei der Wahl zum Arbeiterrat der BVG. erhielt die freigewertschaftliche Liste 10140(im Vorjahr 5034). die kommunistische„Opposition" «317(10 747) Stimmen. Damit ist ein völliger Umschwung eingetreten, der in der 3. Beilage d. Bl. ausführlich gewürdigt wird. Zentrumstaktik. Sin Beispiel, das keine Nachahmung verdient. Seit Windthor st s Zeiten ist man in Deutschland, ganz besonders auch in sozialdemokratischen Kreisen, der Meinung. daß das Zentrum eine sehr klug geführte Partei sei. Nicht festen erlebt man es. daß die Taktik, die das Zentrum in Ver- folgung seiner Ziele einschlägt, als geradezu vorbildlich hin- gestellt wird. Gerade darum erscheint es uns wichtig, ein» mal offen auszusprechen, daß die Taktik des Zentrums in den letzten Wochen keineswegs geeignet war. als Vorbild zu dienen. Viel eher müßte man über dieses ganze Kapitel die Worte schreiben:„Vor Nachahmung wird gewarnt." Das Zentrum hatte geglaubt, die an sich höchst dringende Reichsfinanzreform dadurch fördern zu können, daß es erklärte, ohne Regelung dieser Angelegenheit werde es auch die A o u n g- G e s e tz e nicht annehmen. Zum Schein wurde versucht, eine logische Verbindung zwischen beiden Materien herzustellen, indem gesagt wurde, ohne vorherige Lösung der i n n e r n Finanzfrage könne man sich wegen der Uebernahme der äußern Finanzbelastung nicht ent- scheiden. Run sollen die Boung-Gesetze 58 Jahre gelten, und ein Steuergesetzwerk mit gleicher Laufzeit zu schaffen, dürfte einigermaßen schwierig sein. Abgesehen davon rutscht auch die Logik dieser Verbindungspolitik in die Sophismen der Krstiker ab. Bei den Doung-Geseyen hat es sich doch nicht darum gehandelt, ob überhaupt Lasten übernommen werden sollen oder nicht, sondern vielmehr darum, ob man schwerere Lasten mit leichteren vertauschen vollte. Diese Frage mußte aber, ganz unabhängig von der künftigen Gestaltung de» deutschen Steuerwesens, mit einem klaren Ja beantwortet werden. - t..* Indes war, wie jedermann weiß, hie logische Derbin- dung zwischen. Doung-Plan und Steuergeietzen nur zu takti» schen Zwecken konstruiert. Man glaubte, auf die anderen Rc- gierungsparteien einen Druck ausüben zu können, indem man drohte, man werde durch Verschleppung oder gar Ab» lehnung der neuen Reparationsregelung der deutschen Außenpolitik und damit der deutschen Wirtschaft und dem deutschen Volke«inen unberechenbar großen Schaden zu- fügen. Dieser Schaden hätte aber die Anhänger des Zen- trums ebenso gut getroffen wie die der anderen Parteien. ja, die Anhänger des Zentrums, die zum großen Teil in dem besetzten Gebiet sitzen, noch schwerer. Darum wollte auch niemand die Drohung des Zentrums recht ernst nehmen, man sah in ihr nichts weiter als einen Bluff. Das Zentrum hat auch schließlich die Doung-Gesetze annehmen müssen, ohne daß die von ihm erstrebte endgültige Einigung über die neuen Steuern erreicht war. Es hat also sein taktisches Ziel nicht erreicht, und von dem ganzen Manöver bleibt nichts übrig als einige Verstimmungen, die sich wahrscheinlich bis ins Lager des Zentrums selbst hinein- erstrecken werden. * Oder eigentlich, es ist doch etwas anderes übrig ge- blieben. Denn die Bayerische V o l k s p a r t e i hat die Drohung des Zentrums wahrgemacht und gegen die Doung- Gesetze gestimmt. Nach ihrer eigenen Darstellung ist sie nur geradeswegs auf der Linie weitermarschiert, auf der ihr d'e größere Schwesterpartei vorangegangen ist. Die„Bayerisch« Volkspartei-Korrespondenz' schreibt: Von entscheidender Bedeutung für die endgültige Haltung der Fraktion ist die vollkommen« Einmütigkeit in der Auffassung, daß die Verhandlungen über die Schaffung der Garontieu für«ine deutsch« Finanzreform, d!« setvstverständiich auch den Bedürfnissen des Staates Bayern gerecht werden muß, nickst das Ergebnis zeitigten, daß nunmehr di« Bayerische Lalks- partei die von ihr all die Zeit her ge st eilten Be- dingungen für ein« Austinnmmg zum'Avung-Plan als einiger» maßen erfüllt bettachten konnte. Das ist das Ungeheuerliche an der Sache. Es geht um eine Schicksals frage des ganzen Volkes und man schafft„Junktims", man stellt Bedingungen! 2lls die Wirtschaftspartei dem alten verfasfungsändern- den Gesetz zum Schutz der Republik die Zweidrittelmehrheit verweigerte, weil ihre Wünsche zum Schutz der Haus» besitzet unerfüllt geblieben waren, brach eine Welle des Zorns und des Hohns über diese Partei herein Nun aber zeigt sich, daß die Wirtschastspartei Schule gemacht und daß ihr Beispiel bei einer noch viel wichtigeren Angelegenheit Nachahmung gefunden hat. i' Daß eine Partei des Reichstags für die Foung-Gesetz« 1 gestimmt haben würde, wen« man ihr das Freibleiben d�s Bieres von SteuererhShungen fest zngcfaKt HStte. dah sie aber gegen die Boung Gesetze gestimmt Hot, weil diese Zusage ausgeblieben ist— das ist eine Vorstellung, so grotesk, so verblüffend, daß man wirklich nicht weiß, wie man sie, ahne verletzend zu werden, näher bezeichnen soll Auf alle Fälle aber zeigt dieser Vorgang astfs' deutlichste: Sollte es üblich werden, daß politische Machtgrupf�rr ihr Verhalten in Lebensfragen der Nation von der Erfüstung ihrer besonderen Herzenswünsche abhängig machen, so märe das nicht nur das Ende des parlamentarischen Systems, fondern das Ende jeder Möglichkeit überhaupt, ein geordnetes Waats- wesen zusammenzuhalten. « Es geht hier um letzte Fragen der politischen Moral. Es geht um die Entscheidung, ob die Parteien sich in ihren Ä»t- schlüssen sachlich oder nur taktisch orientieren sollen. Hören sie auf, die Vorschläge, die ihnen gemacht werden, sachlich zw werten, so muß ein allgemeiner Niedergang der politischen Sitten die Folge sein. Das Parlament würde aus einer, Stätte, an der die Abgeordneten im Interesse de» Volks» ganzen nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, zum Schauplatz aller möglichen Handelsgeschäfte und Erpressungs- Manöver. Das Durcheinander müßte um so größer werden, je größer die Zahl der Parteien ist. die zur Bildung einer Mehr- heit notwendig sind. Die Bayerische Volkspartei zählt 17 Mitglieder. Bestünde die Regierungsmehrheit aus lauter Einheiten gleicher Größe, so würde sie rund 20 Fraktionen zählen, die dann bei jeder wichtigen Entscheidung zwanzigerlei Bedingungen stellen könnten. Hier heißt es: Wehre den Anfängen! * Das Zentrum ist von dem Wege der.L unkt ine» t a k t i t gerade noch rechtzeitig zurückgewichen, um aller- schwersten Schaden zu vermeiden. Die Bayerische Lolkspartei ist auf ihm ein Stück weitergetapert und ist dabei schwer in die Nesteln gefallen. Ein Schaden fürs Dolksganze ist glück- licherweise vermieden worden, da auch ohne und gegen die Bayerische Volkspartei eine Mehrheit vorhanden war. So ist die Sache diesmal noch einigermaßen glimpflich abgelaufen. Da jedoch keinerlei Garantie dafür gegeben ist, daß es immer so gehen wird, war es notwendig, einmal ganz klar auf die ernsten Konsequenzen jener verfehlten Taktik hinzuweifen, die keiner Partei nützt, aber das Ganze mit schlimmstem Unheil bedroht. Diesmal ist es noch gelungen, die logische Reihenfolge der Dinge wiederherzustellen: Man hat die große außen- politische Entscheidung rechtzeitig getroffen und geht jetzt dazu über, im Innern die notwendige finanzielle Ordnung zu schaffen. Dabei wird sich zeigen, daß der künstliche Druck, den das Zentrum mit seiner Lerbindungstaktit schaffen wollte, ganz überflüssig war. Der natürliche Druck, der sich aus der ganzen Situation ergibt, ist stark genug! Wir schreiben den 16. März, und wenn nicht die neuzu schaffenden Steuern ab 1. April zum Fließen gebracht werden, ist der| schlimmste Finanzwirrwarr unvermeidlich. Eine neue Steuer- � Mhrheit*— das heißt eine Neste Regierungsmehrheit— ist in den paar Tagen nicht zu schaffen. Also ergibt sich für die Mittelparteien die Notwendigkeit, mit der S ozi äl d e mb- k r a t i e gemeinsam— und für die Sozialdemokratie, mit den Mittelparteien gemeinsam— das Gleichgewicht im Reichshaushalt herzustellen. Wir wünschen den Verhandlungen, die zu diesem Zweck noch zu führen sind, einen raschen Erfolg. Cr wird um so leichter zu erzielen sein, je eher man darauf verzichtet, der Sozialdemokratie unmögliche Zumutungen zu stellen. Die Taktik aber, die das Zentrum in den letzten Wochen ver- folgt hat, hat zur Erzielung dieses Erfolges nicht beigetragen. Zu ihrer Empfehlung kann man nichts sagen, zu ihrer Eni- schuldigung nur. daß es diesmal noch so gerade am Abgrund vorbeigegangen ist._ Hindenburg an die Giudeniey. Würdige'Zarückveisung nationaler Oemagog'e. Namens einer Reihe akademischer Verbände und Jugend- Vereinigungen hatte unlängst der Kyffhäuserverband der VereineDeutscher Studenten an den R e i ch s p r ä si- d e n t e n ein Schreiben gerichtet, in dem diese Jugendorganisoiionen namens der Toten von Langemarck an den Reichspräsidenten die Mite richteten, dem Poung-Plan und dem Polenoertvag die Unter- schrift zu verweigern. Auf dieses Schreiben hat der Reichspräsident nunmehr die solgende Antwort erteilt: „Sehr geehne Herren! Von Ihrem, zugleich im Namen anderer studentischer und Jugendverbände an mich gerichteten Schreiben vom 18. Februar dieses Jahres habe ich mit Interesse Kenntnis genommen. Ich hoffe, daß die inzwischen von der Reichs- regierung im Reichstag gegebenen Ausklärungen über den Young- Plan und seine einzelnen Bestimmungen bei Ihnen eine sachliche Würdigung gesunden und manch« Irrigen Voraussetzungen in Ihrem Schreiben vom 18. Februar dieses Jahres leseittgt hoben. Im übrigen verweise ich auf meine öffentliche Kundgebung, in der ich die Gründe für meine Stellungnahme kurz angegeben habe. Ihnen aber, die Sie als Vertreter einer Anzahl deutscher Iuzcndverbänbe sich in Ihrem Schreiben auf die Toten von Langemarck berufen, glaube ich in Ergänzung dieser meiner Verlautbarung noch besonders sagen zu müssen, daß gerade die Erinnerung an die opfermutig für das Vaterland gefallenen jungen Freiwilligen der neuen Generation die Pflicht auferlegt, auch selbst Opser dafür zu bringen, daß deutsches Gebiet frei wird und daß Deutschland durch pflichttreu« Arbeit und einigenden Zusammenhalt seiner Bürger wieder hochkommt. Darm sehe ich für meine Person die Mahnung, die die Toten von Langemarck für die deutsche Jugend bedeuten. Ich darf Sie bit en. den anderen Berbänden, die die Eingabe mitunterzeichnet haben, dieses Schreiben zur Kenntnis zu bringen. Mit freundlichen Grüßen! gez. von H ndenburg.' Vi« polnische Realerunq ist zurückgclrelen. Der Staatspräsident hat zuerst— Pilsudflis Meinungsäußerung eingeholt. Die Revaler Vollzei hat eine Anzahl Kommunisten wegen angeb. licher Putschvorbereitung verhaftet. Zwei Abgeordnete sind fett acht Tagen verschwunden. Hakenkreuz und Reichswehr. Haussuchung bei Hitler.— Bekenntnis zur Zerfehungsarbeii. München, IS. März.(Eigenbericht.) Im Zusammenheng mit der von den Nationalsozialisten betriebenen Zellenbildong in der Reichswehr wurde« am Sonnabend durch Kriminalbeamte der Münchcner Polizel- direkllon eingehende Haussuchungen in den Vllroräumeu Hitlers, also der Reichslcilung der Noklsnolsozlalifleu abgehalten, die sich auch aus die übrigen lu München befindlichen Ge- schästssiellen der hakenkreuzler und aus die privatwohuungen elulger Redakteure de».Völkischen Beobachters" erstreckten. Bemerkenswert ist da, Eingeständnis des hitler-vrgan», daß „in einem Teil der Reichswehr sich zunehmende» ver. standni» für die Ziele de» nalionolsozlallstlschen Irelheitskompses bemerkbar macht, und daß eine Reihe von Rzsichswehravgehorigen bereits im herzen Nationalsozialisten sind". Noch den Mitteilungen desselben Blatte» wurde der l« Kastel vergiftete Stohtruppsührer Mendt, der erst vor kurzem als Ober- leutnant au» der Reichswehr In Ulm ausgeschieden Ist. bereits nach Stuttgart übergeführt. Die beiden in Ulm verhostete« Reichswehr. offiziere wurden ebenfalls nach Stuttgart gebrocht. Die zur Ausdeckung der nailonalsozlalislischen Zellenbildung eingesetzte Untersuchoogskommissioo. der unter Leitung de» Senatspräsidentea Braune au» Leipzig erschienene Staatsanwälte und richterliche Untcrsuchungsbeamie angehören, hat ihre Tätigkeit in Stuttgart beim Wehrkreiskommando V bereits aufgenommen. Boykoitdrolmng gegen verfassungstreue Offiziere Es ist sehr bezeichnend, wie die Rechtspresse aus die Enthüllung der nalionalsozialistischen Wühlereien in der Reichswehr reagiert. Früher war„EntPolitisierung der Reichswehr" ihr ständiges Schlag- wart, so lange es sich darum handelte, republiktreu« Offiziere zu beseitigen, die— weit von jedem Hochverrat entfernt— die staatstreue Gesinnung der Reichswehr zu festigen suchten. Aber Derjührung der Reichswehr zur Duldung hochverräterischer Unter- nehmungen, zur Unterstützung nationalsozialistischer Putsche—, das ist für die Rechtspresie keineswegs etwas Bedenkliches, sondern etwas sehr Erfreuliches und Unterstützenswertes. Die„Deutsche Zeitung" beklagt sich über„Spitzel- und Intrigantentum" im Offizierskorps und fährt mit deutlicher Drohung fort: Es ist beschämend und außerordentlich bedauerlich, daß „zuverlässige" Offizier« ihr« Kameraden bei einem sozioldemo» demokratischen Minister wegen■ ihrer nationalsozialistischen Gesinnung denunzieren. Wir wollen trotzdem hoffen, daß dies n u x ein Einzelfall ist der aus die geschlossene Kamerodschoftlichteit des übrigen Offizierskorps keinen weiteren Einfluß Hab Es wird von dem olldeutschen Blatt den Offizieren, die hoch. verräterisch« Wühlereien zur Anzeige bringen, die ehren- haste Gesinnung abgesprochen I Ihr Handeln wird als Denunzianientum. als Verstoß gegen die Kameradschofi bezeichnet. Im Namen der„Kamerodschast" wird den Offizieren angesonnen. Hochverrat innerhalb der Reichswehr zu dulden, womöglich noch zu fördern. Aus dieser ganzen Einstellung spricht die deutliche Drohung de» gesellschaftlichen Boykotts gegen Offiziere, die ihrem Eid auf die Republik gemäß handeln.' Ausdrücklicher kann der Hochverrat nicht unterstützt werden, zumal im weiteren die verhafteten Hochverräter als „junge, ausrechte Ofklziere" gepriesen werden. Wir kennen diese Tonart von der Verherrlichung der Erzberger-. und Rathenaumörder her. Damals gab es für die gleiche Rechtspresse auch keine Mörder, sondern nur„sunge, idealgesinnt« Menschen". Man wird sehr genau aus die g e i st i g e n Hintermänner des Hochverrats zu achten haben. Kommunistische Zersetzunasversuche. Ztisterburg. 15. März(Eigenbericht.) In Insterburg wurden Kommunisten überrascht, als sie über die Mauer der Reichswehrkasern« klettern wollten. Der Anführer wurde verhaftet. In seinem Besitz fand man außer kommunistische Flugblätter eine Pistole mit scharser Munition. Bombenzeit beginnt wieber. Neuer Bombenfund in Neumünster. Neumünster, 15. März. Sonnabend nachmittag zwischen Z und 4 Uhr wurde in einem Kellerloch an der Südselle de» Zinanzaml« an der Soeben. straße von einem Schüler eine Höllenmaschine gefn«treu. Die pösizei wurde sofort benachrichtigk. beschlagnahmte die Maschine und machte sie unschädlich. Es handelt sich um eine in einem H o l z k o s s e r. von einem halben Meter Länge und Z4 Zentimeter Brette eingebaute höllenmaschlue. die durch eine Weckeruhr l« Tätigkeit geseht werden sollte Da» Werk war beim Aufsiu- den im Betrieb. Der Stundenzeiger' war aüs ZX Uhr gestellt, so daß anzunehmen ist, daß entweder die Zündung Sonnabend nachmittag versagt hat. oder daß die Ladung in der Nacht zu Sonn- tag um ZX Uhr explodieren sollte. Die Oettanne. die mit elek- irischen Drähten mit der Weckeruhr verbunden war, war mit einer großen Menge Sprengsioss gefüllt. Die Ermittlungen sind Im (Sange. Die Spuren von Oldesloe. Di« Untersuchung des Bombenottentat» in Bad Oldesloe ist im Lause des gestrigen Sonnabends von Fachleuten durchgesührt worden, die auch die bei den übrigen Attentaten in Oldenburg und Hannooer sowie bei dem Attentat auf das Reichs- tagsgeböude benutzten Höllenmaschinen geprüft haben Dabei hat sich mit Sicherheit ergeben daß auch diesmal wieder ein Spreng. körper benutzt worden ist, der au» der zentralen Werkstatt jeuer Kreise stammt«, die sich in drei Monaten wegen ihrer Taten vor dem Ge. richt in Altona zu veran.worten haben. Wetter hat man ge wisse Spuren gefunden, die daraus hindeuten, daß der Täter wahr» scheinlich die Mitglieder der Platz. Gruppe sind. die ansang» unter dem Verdacht der Teilnahme an dem Reichstagsattental oerhaftet, dann aber wieder freigelassen worden waren. Ein« Berliner Korrespondenz meldet hierzu noch solgende Einzel- heiten: Wie«rmnerKch, hatte die Berliner Postzei ein« Nachricht«v, halten, daß als Täter de» Reichslagsattentats.«ine Anzahl eh.«- maliger Eh rchardtf Leute in Frag» kam«, deren Führ« Platz..Muthmayn und. Kapphengst waren. Alle drei wurden damals veichafter. nach einigen Wochen aber gegen ein» Kaution auf freien Fuß gesetzt. Wenig« Tage später waren die drei Verdächtigen verschwunden und die Polizei erhielt kurz dar. auf Mitteilungen, daß die Geflüchteton sich bei Kapitänleumant v. Dötting aufgehalten hä.ten und dann nach Kopenhagen gegangen seien, wo sie unter falschem Namen Aufenthalt genommen hätten. Sowett sich bisher hat feststellen lassen, stammt die Bombe. die man m Oldesloe verwendet hat, aus der zentralen Werkstatt. in dar alle Sprengkörper angefertigt worden sind. Die Unter- fuchungsbe Hörden. Pölitz« und Staatsanwaltschaft, haben im Laufe ihrer Ermittlungen genau feststellen können, wieviel Spreng- Material in den Händen der Londvoltanhänger war, und dabei stellte man fest, daß mindestens noch ein« Bombe vorhanden gewesen sein mußte, über deren Schicksal man allerdings nicht ganz im klaren war. Festgestellt tonnte werden, daß die Kapphengst-Gruppe ln Berlin zwei Bomben in ihrem Besitz ge- habt hat. Mnanzvorlagen im Neichsrat. Sämtlich angenommen. Der R e i ch s r a t nahm gestern den Bericht der Ausschüsse über dl« Zolländerungen, die Aenderungen des Tabak- und Zuckersteuer- gesetzes und des Krastsahrsteuergejetzes entgegen. Bei der Er- höhung des Benzinzolls hat die Regierung erklärt, sie werde die durch den höheren Benzinzoll entstehende Mehrbelastung des Flugwesens im Etat berücksichtigen. Bei der Aenderung der Tabak st euer wurde beschlossen, daß die Tobaksteuerlager erst am 1. Oktober 1931 aufgehoben werden sollen. Eine Anfrage nach der Besteuerung der ausländischen Mineralwässer und des ausländischen Bieres wurden dahingehend beantwortet, daß dies« ausländischen Produkte ebenso behandelt werden sollen wie inländische, mit der Maßgabe, daß ausländische Bier« in die höchste Steuerstaffel fallen. Im übrigen wurde das Mineralwasser. steuergesetz nach der Dorlage der'Reichsregierung angenommen, während im Biersteuergesetz ein« Aenderung der Staffelung nach den Wünschen der Branindustrle vorgenommen worden ist. Ein Antrag der bayerischen Regierung, von der Biersteuererhöhung ab- zusehen und dafür die Umsatzsteuer von Proz. auf 1 Proz zu er- höhen, wurde abgelehnt. Die Regierungsvorlage zur Kraftfahrzeug st euer sah eine Erhöhung des Zuschlags um 19 Proz. vor. Auf bayerischen Antrag wurde der Zuschlag mit 33 gegen 32 Stimmen, also mit einer Stimm« Mehrheit, um 15 Proz. erhöht. Die Reichsregierung hat sich die Einbringung einer Doppelvorlage vorbehalten. Damit sind die Steuervorlagen angenommen. politische Akrobatik. Die Volkskonservatioe Bereinigung hat dem Reichspräsidenten in einem Schreiben ihre unveränderte Treue versichert. Die„Bolkskonservativen Stimmen" veröffentlichen diesen Brief unter der Ueberschrist:„M il Hindenburg gegen den Aoung-P la n". Mit Hindenburg: das wollen sie. Gegen den Poung-Plan: dos waren sie im Reichstag und wollen sie heute noch fein. Aber mtt Hindenburg gegen den Poung-Plan— das ist ein politisches Akrv- batenstück, bei dem sie notwendig stolpern müssen. Denn Hindenburg ist s ü r den Doung-Plan._ Mit Schnaps und Gummiknüppel. Vom Geisteskampf in der kommunistischen Partei. Wir lesen in der rechtskommunistischen„Arbetterpolitik": „Am Freitag, dem 7. März sollte der Genosse Paul Frölich in Königsberg in einer Opposittonsoersammlung sprechen. Ob- wohl es sich um eine geschlossen« Versammlung handelte, was auf den Einladungen ausdrücklich vermerkt war, versuchte die Bezirks- leitung der KPD. unter Führung von Rofenbaum, Behlow, Schmidt und Korn mit Hilfe eines starken Rollkommandos in den Versammlungsraum einzudringen. Die Partei- und Jugendgenoss n waren vorher in ein anderes Lokal bestellt worden, wo Ihnen Vch- low erst den Grund de» Alarms eröffnete. Behlow gab die Anweisung heraus, unsere Genossen Fensk«, Barteck und Frölich ganz besonders zu verprügeln. Es kam aber anders, als die wohlbestellten Gehalleempsänger es sich geträumt hatten. Die opvosi ionellen Genossen hatten rechtzeitig den Saalcingang ln.» setzt und ließen nur die Eingeladenen hindurch. All« Bersuch« des Rollkommando», gewaltsam einzudringen, schei- teilen an dem Widarstand unserer Genossen. In ohnmächtiger Wut begannen- sie darauf«ine wüste Schlägerei mit Messern, Schlagringen und Gummiknüppeln. Drol unserer Genossen trugen M« ss e r st i ch v e r letz u n ge n davon. Selbstverständlich setzten wir un» gegen den Uederfall zur Wehr und schlugen den Angriff der Messerhelden mtt den ihnen abgenom- menen Gummiknüppeln zurück Obwohi der Stoßtrupp zoh'enmäß'g bedeuiend stärker war. gelangte keiner in den Saal. Als zwei Polizeibeamte herannahten, war kein Linientreuer mehr zu seh n; der durch Alkohol erzeugt« Mut zu dem f�gen Uebersall war bereit» o« r g a n g e n." Selbsiwiderlegung eines Oemeniis. Wilhelmstraße und<�owjetbots»afi Vor einer Woche teilt« der„Sozialdemokratische Pressedienst� mit. daß Reichsoußenmimster Dr. Curtius in einer Aussprache dem Sowjet-Dotschaster K r e st i n s t i auf die bolschewistische Propaganda in Deutschland hingewiesen und keinen Zweifel darüber gelassen hatte, daß Deutschland künftig für Aeuherungen und Handlungen der Kommunistischen I n t« r- nationale die russische Regierung verantwortlich machen würde. Diese Meldung entsprach der Wahrheit. Offenbar war oder dl« Bekanntgab« dieser Taffache Herrn Kreslinfti zu peinlich. Man de' eilte sich also, die Meldung des„Sozialdemokratischen Presiedienstes' durch W T D. dahin berichtigen zu lassen, daß sie„in der von dieser Korrespondenz wiedergegebenen Form nicht zutreffe" und daß in der Unterredung lediglich„samtliche Punkte" besprochen worden sei sn,.chi« zu Schwierigkeiten zwischen der deuffchen und der Sowjetregierung geführt haben." Gestützt auf dieses Dementi wurde den Mostauer Lesern der„Jswestija" in einem BerSner Telegramm vorgeschwindelt, daß es sich bei dieser Aussprache nur um ein«„Fortsetzung des lausenden Meinungsaustausches" ge- handelt hätte und daß dob« vorwiegech russische Beschwerden zur Sprach« gekommen wären! Inzwischen haben die„Iswestisa" ht einem außenpokiti- schen Artikel wieder einn� unterstellt, daß veuffchland sich in die „antisowsetistffche Front" einreihe. Gegen diese bewußte Irreführung wendet sich nun die vssiziSse„Deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz", die übrigens im Verlag des MTB. erscheint und bekanntlich das direkt« Sprachrohr der Wil- helmstraß« ist. Diese Korrespondei� schreibt u. a. über die Per- drehungskünste der Sowjet-Presse: „Und schließlich steckt man. wo e» nicht mehr ander» geht, den Kops in den Sand und tut so, ol» habe e» nie einen von ZNoskau au, inszenierten und dirigierten„kveltkampstag" gegeben. als sei die krampfhast verstärkte bolschewistische Propaganda gegen den Staat eine- Angelegenheit, die die Moskauer Zentrale oder gar die Sowjetregiernng nicht, angeh«. Als sei deshalb die pflichtgemäße Erhebung von Vorstellungen, wie sie Reich»- autzenmillifier Dr. Eurtiu, kürzlich durch de« Sowjelboffchafier Srestiuski gemacht hat, nicht etwa der natürliche Ausfluß einer berechtigte» und notwendige« Verteidigung der Staatsgrundiagea gegen eine subversiv» Propaganda, sondern da» Ergebnis einer politischen Umstellung gegenüber der Sowjetunion." Inzwischen hat aber der Reichsaußenminister Dr. Eurtiu» auf die Anfrage der Demokraten wegen der rufstfchen Einmischung in innerdeutsche Verhältnisse folgende Antwort gegeben: „Ueber den Beschluß des Exekutivkomitees der fomrrm- nistischcn Internationale m Moskau,„Me kommunistisch« Bewegung in Deutschland mit allen Mitteln zu unterstützen und die revolutw- r.öre Bewegung in Deuffchland in jeder Weis« zu fördern", liegen bicher keinerlei authentische Nachrichten vor. Bekannt ist aus der russischen Presse, daß die Reichstagsabgeordneten Hecken und Thalmann an den Moskauer Besprechungen teilgenommen haben, und daß der Abgeordnet« Thälmaim dem Exekutiv-Komftee «inen„Rechenschaftsbericht" der KPD. erstattet hat. Sollten Nachrichten im Sinne dex Anfrage eingehen, so wird die Reichs- reglenmg sie bei chr� Diplomatischen Vgxhqnbtyugen mit Rußlarch verwerten."...., Diese Antwort wird in Mozkau f« verstanden werden, als wäre der Vorsatz der deuffchen Regierung, sich nicht olles gefallen zß lallen, schon wieder aufgegeben. Die stärkere Waffe. Zwischenfall in Genf. Schwierigkeiten des Zol friedens. Genf, 15. März.(Eigenbericht.) Der vom Redaktionsausschuß abgeänderte sranzösifche Entwurf über eine VerlängerungderloufendenHandelsver. trägebisl. April1931 wurde im ersten Ausschuß behandelt. Auf die Frage, welche Staaten bereit seien, daraus einzugehen. erklärten sich 17 Länder dafür, darunter sämtliche wirtschaftlich wichtigen Länder Europas: fieben waren abwesend oder enthielten sich der Stimme. Diese, günstige Ergebnis wurde getrübt durch eine österreichische Erklärung, daß Oesterreich das Abkommen a b- lehnen müsse, weil es im Begriffe fei, seine Handelsvertragspolitik zu revidieren. Der französische Handelsminister machte daraus aufmerksam, daß Oesterreichs Absage nach den Erklärungen der be» treffenden Länder, die der Schweiz, der Tschechoslowakei und Iugo- slawiens nach sich ziehen und damit das Abkommen unmöglich machen würde. Vertreter Deuffchjlands, Englands, Frankreichs wollen unter Teilnahme des Präsidenten der Konserenz in Privatoerhand» lungen versuchen. Oesterreich zum Einlenken zu bewegen. Man gelangte bis zum Artikel tz, der eine Ausnahmen st e . Vorsicht. Diesen Ausnahmen ist sedoch«in Teil ihrer zerstörenden Wirkung dadurch genommen, daß jeder Teilnehmer des Abkommens beim Eintritt einer Zollerhghung für«ine ausgenommene Ware das Recht hat. das Abkommen mit einmonatiger Frist zu kündigen, so daß in der praxi» sich s«der Staat sehr überlegen wü'de, ob er von dem Recht der Zollcrhöhung Gebrauch machen will. Frankreich wies auf sein Gesetz hin, das die Regierung ermächtigt, für Agrarprodukt« in Fällen der Not Zollerhöhungen vorzunehmen, es also die Agrarprodukte auf die Auenahmeliste setzen müsse. Deutschland hat daraufhin dieselben Produkte wie Frankreich als Auenahmen angemeldet. Die Auenahmeliste wird nächster Tags ferti aarstellt. Die Stimmung der Konferenz ist optimistisch. Man hofft. den österreichischen Zwischenfall zu überwinden und ist allgemein der Meinung, daß die Konierenz trotz mancher kauffchukartiger Bestim- mungen wirklich dazu führen wird, daß bis zum 1. April 1931 eine Ruhepause in der Zoll- und Handelsvertragspolitit besteht. Oer indische Salzkrieg. Delhi, 15. März. Die Regierung hat. um der Bewegung Gandhi» entgegen- zutreten, erneu Erlaß über dl« Durchführung de, Salzmonopols veröffentlicht, der allen Offizieren de» Polizeideportements einen höheren Rang verleiht und den«infachen Polizei- agenten in der Präsidenffchaf, Bombay die Vollmachten der Salz- steuermonopolbeamten überträgt. Die» geschieht, um diesen Beamten die Beschlagnahm« von Salz und anderen Amtshand- luugeu zu ermöglichen. »Wir haben Gewehre!� »Wir haben Goildaritäti" ■rtn ,>>!' 1. rm» „u.-llTTTTrTnnrri. mnitimii M fl M rrt# m»1"'•» i»"•• n" nnnnnnn ü »Wenn ich nur wüßte, wie man auf Generalstreik schitßt?� »So siegt der Wille über Gewalt!' Was witt Molbenhauer? Neuer Angriff auf die Arbeitslosenversicherung im nächsten Jahr? Hamburg, 15. März.(Eigenbericht. Im Ostasiatischen Derein Hamburg-Lremen hielt Reichsfinanz- minister Dr. Moldenhauer am Sonnabend ein« Red« über das F i na n z p r og ra m m der Regierung. Dr. Moldenhauer erklärt«, das Finanzprogramm habe zwei groß« Aufgaben zu er- füllen: die Sanierung der Finanzen und die Entlastung der Wirt- schaft. Die vordringlichste F r a ge sei die Sanierung der Finanzen, nicht nur des Reiches, sondern. auch der L ä n< der und Gemeinden. Ein« Entlastung der Wirtschaft setze «in« Einschränkung der Ausgaben voraus. Aber der Weg von dieser Diusenwahrhett zur Tai sei sehr > schwer. �'' Wer einmal ernst an die Frag« der AusgobeNsentung und der Auf. stellung eines Sparprogramms herangehe, werde sich überzeugen, daß nicht eine schematische Kürzung der Auegaben vorgenommen werden könne. Er bereit« im Auftrage, der Reichsregierung e i n Ausgabensenkungsgesetz vor, das auf allen Gebieten, wo Ersparnisse möglich erschienen, solch« porfshen solle. Aber ein Der- such, die Ausgaben zu senken, könne sich nichl allein auf da» Reich beschränken. Es sei ausgeschlossen, daß jetzt nach Annahm« des Boung-Planes jede Gemeinde für sich an den Geldmarkt des In- und Auslandes herangehe. Er habe deshalb einen Gesetz- «ntwurs über die Kreditgewährung vorbereitet. In da» Gemeindefinanzsystem müsse«in beweglicher Faktor eingebaut werden, und eine Relation dieses Faktors zu den Real- steuern sestgefetzt werden. Moldenhauer fuhr dann fort: „Unter den Ausgaben des Reiches spielen die für die A r b e i t s- lofenoersicherung eine außerordentliche Rolle. Die Der- sicherung kann nur aus den N o r m a l f a l l zugefchniten sein. In Zeilen von Wirffchastskrisen mutz die Allgemeinheit einen Teil der Lasten übernehmen. Man wird hier einwenden: Wollen wir denn die Zu-stände, wie sie heut« bestehen, ohne weiteres hin- nehmen? Hier handelt es sich um verschiedene Fragen. E, findet zur Zeit eine Prüfung der Reichsanflalt für Arbeits. losenversicherung durch den Reichssparkommissar stall, um festzustellen. in welchem Umfang in der Verwaltung Cr» sparnisse gemacht und Mißbrauchen der Einrichtung enl- gegengelretea werden kann. Es ist dem Vorstand der Reichs- anstatt aufgegeben, auch Vorschläge über eine ander- wellige Je st sehung der Leistungen zu machen. Es wird ernstlich zu prüfen sein, in welchem Umfang dies mög- lich ist. Ich selbst bin der Ueberzeugung, daß die heutige Orga- nisation der Reichsanstalt für AldeitÄosenversicherung nicht un- wesentlich« Fahler, hak Ich glaube, daß wir war der N o t w« nd i g- keit eines o r g a n i j a t o r i f.ch e n Umbaues stehen, und habe nach dleser Richtung positive Vorschläge gemacht. Dieser Umbau läßt sich nicht in wenigen Monaten voll» ziehen. Aber ich habe keinen Zweifel, daß wir an dieser Frage nicht vorbeigehen können. Nicht denen, die unoerschuldst arbeitslos geworden sind, die Hilfe zu oersagen, kann Aufgabe der Reforin sein, sondern die Arbeitslosenversicherung so zu gestalten, daß sie mit weniger großem Aufwand«ine möglichst gute Wirkung erzielt." Di« wichtigsten Aufgaben liegen erst in der Zukunft. Größer« Ersparnisse können nicht durch plötzliche Maßnahmen gemacht werden, sondern nur durch«in« auf mehrere Jahre sich er- streckende planmäßig« Gesetzgebung. Eine solche Gesetzgebung läßt sich nicht von heute aus morgen schaffen, zumal sie auf schwere widerstände bei den verschiedenen Gruppen stoßen wird. Was bringt dies Programm der Wirischaft? Die Sanierung der Kasse wird schon eine Entlasinng für die WIrffchast bedeuten. Die Notwendigkeit der Kassensanierung macht eine Sieuer. fcakung in diesem 3ahr unmöglich. Aber sie gibt den weg frei für eine solche im nächsten Zahr. Man hat behauptet, es sei der Regie- rung damit nicht Ernst. 3ch kann nur im Namen der Reichsregierung erklären, daß sie diese Maßnahmen als unbedingt not- w e u d i g erachtet." Enihüllungen über Ooumergue. Hrfiiger Zwischenfall mit Briand.— Gegen Nachgiebigkeit in London. pari», 15. März.'(Eigenbericht.) Die sozialistische Wochenschrist„Lu miere", die schon wiederholt offen und unverhüllk den Präsidenten der srau- zösischen Republik wegen dessen Haltung während der letzten Ministerkrlse angegriffen hatte.— Doumergue halt« e» für richtig befunden, trotz des Rates der Präsidenten von Kammer und Senat Irland zu übergehen und Tardieu mit der Neubildung de» Kabinetts zu beaustragen— veröffentlicht am Sonnabend eine aufsehenerregende Schilderung der Vorgänge des einzigen Ministerrates, den das Kabinelt Ehaulemps abgehalten hatte. Nach dleser Schilderung, die au» der Jeder des radikalsozialen Abgeordneten Jrancois Aglberl stammt, soll sich während dieses Ministerrates folgende Szene abge- spielt haben: „Brian d hielt sein Referat über die Verhandlungen bei der Londoner Seeabrüstungckonserenz. Der Außenminister erwähnt« dabei nebenher, daß die Ziffern des französischen Memorandums die absoluten Ledürsnisfe Jrankreichs enthalten, und daß diese Ziffern Im Jalle eines Abkommens selbstverständlich eine relative Abänderung erfahren könnten. Au dleser Stelle unterbracht der Präsident der Republik plötzlich die Ausführungen Briand», um diesen in unfreundlichem Ton« zu fragen, was dieser Sah zu bedeuten habe. Briand erwiderte. Sinn jeder diplomatischen Unterhandlung sei, eine Einigung zu erzielen und eine gegen. fettige Angleichung der Elnzelforderungeu zu ermöglichen. Der Präsident der Republik gab sich jedoch mit dieser Erklärung nicht zufrieden und erklärte, daß die französische Jorderung ein Mini- , m u m darstelle, unter das unter keinen Umständen heruntergegangen I«erden dürfe. Dovmargu« kritisierte mit immer heftigeren Worten Briand» angebliche Verzichts. Politik. Briand beaniwortele die ungehörige Einmischung Doumergue» in seine Geschöste mit entschiedener Ablehnung, woraus Doumergue ihm zurief:„Ich kenne ihre diplomatischen Methoden: sie bestehen aus ununterbrochenem Kapitulieren." vi«„Lumiere" schließt ihren Aussehen erregenden Bericht mit den Worten, Herr Doumergue stelle eine Bedrohung der polttikdesIriedens dar: es sei an der Zeit, daß alle Repn- blikaner sich dieser Gefahr bewußt würden. Die erfchöpsten Gehe-'mkonds. Paris, 15. März.(Eigenbericht.) Tardieu läßt am Sonabend durch oas Havas-Büro das von der reaktionären Press« ausgestreut« Gerücht dementieren. daß sein Vorgänger Chautemp» seine kurze Amtszeit dazu benutzt habe, um 699 999 Franken aus dein Eeheimsonds an die Linkspresse zu verteilen. Eine derartige Freigebigkeit wäre für Ehautemps sehr schwierig gewesen, da nach dem„Populaire" Tardieu seinem Nachfolger nur noch ganze 33 9 9 Franken in 0er Kasse der Geheimfonds zurückgelassen hat. Memelländer— liiauische Sowaien. Die zehnjährige Schonzeit beendet. Heydekrug, 15. März. Der Militärausschutz hat«ine Aenderung des Militärdienstpfllcht- gesetzee vorgenommen, das u. a. auch die Dienstpflicht Im Memel- gebiet regelt. Wie jetzt bekannt wird, wird für das ganze Memel- gebiet bei der Kommandantur in Memel eine A'.ishebungskommission gebildet, deren Vorsitzender entweder der Kommandant des Memel- gebiete» oder ein Offizier sein wird. Bresche in das Berechiigungswesen Die Reform der Gewerbelehrer-Ausbildung. Der Preußische Landtag nahm gestern nach der Beratung des Kommunistischen Mißtrauensantrages gegen Minister chirtsiefer die zweite Lesung i«s Etats der Handels- und Gerrerde Verwaltung, Abteilung Gewerbliches Schulwesen vor. Handelsminister Dr. Schreiber: Die Diplom. Handelslehrer sind schon immer an der llnioersität ausgebildet worden. Die Ausbildung der Gewerbe- lehrerinnen ist bisher aus 13 Seminaren erfolgt, die Aus- bildung der Gewerbelehrer ans drei Pädagogischen Instituten. Die Reform war längst fällig. Wir haben uns nunmehr entschlossen, vier B e ru f s p äda g o g! sch e � Institut« in Berlin, Köln, Frankfurt am Main und Königsberg zu er- richten. Die Zahl entspricht dem künftigen Bedarf. wlr haben darauf verzichte», als Voraussehung für den Besuch dieser Institute das Abilurienlenexamen zu verlangen. Wir wollen bei der Vorbildung und Ausbildung der Gewerbelehrer lediglich von dem Bedürfnis der Berufsschule ausgehen Die Berufs- schule war früher als Fortbildungsschule einfach eine Fortsetzung der Volksschule, die Lehrkräfte waren Volksfchullehrer. Heute ist dos anders geworden. Die Berufsschule soll heute nicht Lücken der Allgemeinbildung ausfüllen, sondern leben s- und berussnahe sein, und durch diese Verbindung mit dem Bertis die Berussschüler von yorrcherein. für sich interessieren. Darum müssen wir die Lehrkräste der Berussschule aus der Praxis holen. sLebhaster Beifall links.) In die Verufspädagogrschen Institute gehören Absolventen der höheren Faschuien und Praktiker, die sich selbst irgendwie weitergebildet haben. Diesen Kreisen mit Volksschulbildung wollen wir im Beruf»- lehrerstand einen breiten weg zum Ausstieg geben. (Bravo! links.) Lebenserfahrung und fachliches Können sollen für den Besuch der Institute die maßgebende Voraussetzung sein. Daneben wird eine Allgemeinbildung verlangt, die anders als die des Abiturienten ist, aber deshalb nicht geringwertiger. Di« Zu- sammenarbeit der Berusspädagogischen Institut« mit den Hochschulen ist bereits überliefert; sie soll gewahrt bleiben, schon weil durch diese Institut« das Bildungsmonopol durch- brachen und Volksschülern ein Zugang zur Universität auch ohne Abiturium geöffnet wird.(Erneute lebhaste Zustimmung links.) Uin die Laufbahn des Berufsschullehrers auch den völlig Besitzlosen freizumachen, haben wir für sie all- gemeine Schulgeldfreiheit und 15l> M. Stipen- dien pro Kopf und Jahr des Studierenden im preußischen Kabinett beschlossen. Wir sind überzeugt, daß unser Vorgehen von allen geistig freien Gementen als ein Fortschritt begrüßt werden wird.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Frau Hanna(Soz.): Die Reform der Gewerbelehrerausbildung,- deren Grundzüge der Minister soeben vorgetragen hat, ist von der Mehrheit des Hauptousschuss«; freudig begrüßt worden. Sie schlägt ein« Bresche in das bisherige Berechtigungswesen und gibt tüchtigen Menschen aus der Arbeiterschaft mit VolksschuEbildung die, Möglichkeit, ihre Kräfte und Fähigkeiten zu entwickeln und in die sogenannten höheren Beruf« aufzusteigen. Die Aagliederung der verusspädagogischen Instilule an die Universitäten schasst einen neuen weg, aus dem Menschen ohne Abitur als vollwertige Studenten zur Universität gelangen können. Auch wer nicht die höheren Fachschulen besucht hat, kann sich durch ein« Sonderprüfung, die mit der Relseprüfung der höheren S ..._____ ichulen Berufspädagogischen Institut er- die Arbeiterschaft nichts gemein hat, den Zugana zum kämpfen. FürdieseResormhat. seit vielen Iahren gekämpft, an ihrer Spitze der All -mein« Deutsche Gewerkschastsbund, der dabei sowoh' d'e Interessen Berufsschule selbst wie die Aufstiegs möglichkei' befähigter Ar beiter im Äug« gehabt hat. Bisher waren dies« Wege den Ärbeitern durch das Berechtigungswesen verschlossen. Bisher bildeten die Männer und Frauen aus der praktischen Arbeit unter den Berufs- schuilehrern eine verschwindende Minderheit; in Zukunft sollen sie die große Masse der Berufsschullehrericha!: hervorbringen. D l e größten Widerstände hat dieser Reform das Kul» i nisterlvm entgegengesetzt.(Hört, hörti b«t de» Sozialdemokraten.) Glücklicherweise hat es in jüngster Zeit seinen alten Standpunkt ausgegsben. Wir sind überzeugt, daß die strebsamen und tüchtige« Menschen aus der Volksschule, die den schwierigen Weg der Berufsausbildung zum Gewerb eschu'lehrer gehen, dasRiveau der Universität nicht senken werden.(Sehr wahr? bei den Soz.) Soweit man, wie z. B. srüher in Thüringen Wege «ingeschlagen Hai, die in der Richtung unferer jetzigen Reform liegen, hat man nach dem Urteil des Fachreferenten und Fachzeitungen die denkbar besten Erfahrungen gemacht. Die in die Verusspädagogischen Seminare ausgenommenen Studierenden haben sich als innerlich viel reicher und reis« erwiesen, als der studentische Durchschnitt und haben sich den Kreisen, aus denen sie entstammen, nicht er»-- fremdet. Auch die Prioatindustrie, voran Zeitz in Jena, hat sich diese tüchtigen Menschen dienstbar gemacht. Immer mehr Frauen werden in das Berufsleben gezwungen, nicht nur vorübergehend für kurze Zeit, sondern vielfach für ihr ganzes Leben. Um so mehr brauchen auch die weiblichen Arbeits» kräft« fachliches und allgemein wirtschaftliches Wissen, und die Ausbildung der Gewerbelehrerinnen muß deshalb grund- sätzlich die gleiche sein, wie der Gewerbelehrer. Deshalb darf die nicht halt machen. Reform vor den Gewerbelehrerinnenseminaren Wir sind llberZeugt. daß die Reformabsichten des Ministerium« nicht reibungslos durchgesetzt werden; aber ich darf iür die Snzial- demokratische Partei und die Gewerkschaiten die Erklärung abgeben. daß wir das Ministerium in seinen Resormabsichten mit ollen Kräften unterstützen werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Dolezych(Dnt. und Abg Frau Dr. Cauer(Z.) treten unter einigen Vorbehalten der Regierungsvorlage der. Die westere Debatte wird auf Montag mittag 12 Uhr vertagt. sGewerkschaftlichcs siehe 3. Beilage.) «kranlwortlich für Politik: St. ffnrt Geyer: Wirtschaft'®.«tllyaelhSfet: Der«rtschastsdewcgung. 3. Bteiaet; geuilleton: St. Jod» Lchikowoki: Lokale» und Sonltiacs gti»«arltädt: Än»laen: Tb Glocke: sämtlich in Berlin. Lerlag: Bormärts-Berlait D. m d. ö Berlin Druck: Borwärts-Buckdruckerei und Lerlaoeonltalt Paul Lixger u. Go. Berlin S® 68 Linb'nfttafte t. flictia 5 Beilagen und..Auterdalt»»» und Wille»' �2?. 4?. Lahrgans Sonntag, 46. März 1930 Jahrgang 1916 Ungehemmte Lehriingsxüehterei Berufe üherfälit In dUsm Tagen, stehen, in Berlin Taut ende funger Mentdien, die tu Ostern die. Sdiule verlassen, vor der hangen Frage, für mcldien Beruf sie sidi endgültig enfsdieiden. mollen. Von der richtigen. Beanboortung dieser Frage hängt für absehbare Zeit das Wohl und Wehe dieser heraKtoadxsenden. ilensdien ab. Oeffenilidie Berater, die Anzeigen der Zeitungen, und Beispiele und Erfahrungen aus dem Bekannlenkreis werden herangezogen, um die Berufsmahl für den Sdmlenilassenen zu erlciditem. Trotzdem verbleibt der Entsdieidung ihre ganze Schwere. Denn der hcstgemeuite und gewissenhafteste Rat kann die zerfahrenen Verhältnisse nicht ändern, kann die ungehemmte Lehrlingszüchtcrei der letzten Jahrzehnte, die keiner Sorge der Unternehmerschaft um den. Nachmuchs entsprang vielmehr dem Verlangen nach billiger, miliiger Arbeitskraft, nicht ungesdiehen machen, modurdi, heute. fast jeder Beruf überfüllt ist. Nicht zu vergessen die besonderen Sdiroicrigkeiten der gegenwärtigen Wirtschafisdepression mit ihrem riesigen Ermerbilosenhecr, KcckLdofloportig wschssla groteske Bilder: zu dem großen An- gestelltennochwei» in der Kais er-Wilhelm- Straße fluten leden Bor- mittag zehntausende brotloser Hatihtotgsgehilsen, stellen sich in langen Reihen vor den Schaltern auf und warten auf die Zlbstempe- lung ihrer Kontrollkarten. Alles Menschen im besten Mannesalter, die niau in Minuten, wo das Gefühl mit dem Berstend durchgeht, anschreien möchte, was kommt ihr denn immer noch hierher, merkt ihr denn nicht, daß euch die Rationalisierung der Büroarbeit über- flüssig gemacht hat? Ja. der Stempel für die Unterstützung, würden st« antworten. Ein« Treppe höher onuieren Gewerbeärzt« und Be- rufsarbeiter. Da warten auf dem Flur Mütter und Bäter mit ihren Iungens, die zur Berufswahl untersucht und beraten werden sollen. Unbekümmert und sorglos stolziert dieser Jahrgang 1316 vor den Zünmertüren auf und ab und betrachtet interessiert die Bilder zur Unfallverhütung. Ob wohl eins der Kinder an das Schicksal der im Erdgeschoß Wartenden denkt? Die unten sehen das und fragen kopfschüttelnd, wozu immer neue tsände ausbilden, wo nicht e mn ml für die vorhandenen Arbeit da ist. Ein anderes Bild: auf den Gewerkschaftsbüros türmen sich ganze Bündel von Aufrufen an die Lehrer und Eltern derjenigen Schüler, die zu Ostern die Schule verlassm und warnen nochmals eindringlichst vor der Ergreifung dieses oder jenes Berufs. Aber schlagen wir die Inserate der Tageszeitungen oder der Fachpvesie auf, da werden alle Warnungen achtlos in den Wind geschlagen und Lehrlinge sonder Zahl gejuckt. Für Berufe, in denen der Ausgeienite kein« Aussicht hat. jemals als Geselle Arbeit zu finden. Ein Verbrechen ist das. erklärten uns Berliner Gewerkschaftsführer Überein- stimmend. Bäckereien ohne Bäcker. .Handwerk hat goldener Boden", sagt mancher Dater. und die Mutter erklärt stimmend:„Brot wird stets gebacken und etwas auf dem Leibe müssen die Leute auch immer haben!" Beide sehen rnchi. daß da? chandwerk seine einstige herrschende Stellung.völlig verloren hat. daß es sich wir noch einen bescheidenen Platz»eben der Industrie im heirbgen Wirtschoftsloben bewahren konnte. Wie liegen denn die Dinge gerade im Bäckergewerbe? Wir wollen gar nicht einmal jene modernen Riesenbrotfabriken herausstellen, die 'Bäckereien ohne Bäcker sind, wo Mehl und Teig fast nicht mehr durch Menschenhand berührt werden, wo Sieb-, Knet., Teigteil- und Wirkmaschinen automatisch arbeiten, wo lauienve Bänder den ge- formten Teig zum Backofen und dos fertige Brot zu den Maschinen bringen, die es selbsttätig verpacken. Aber selbst der Llelumeislcr macht sich den lechmschcn AorlschriU zunutze wo er nur kann und macht dornst meuschlichc Arbeitskraft in feinem Betrieb mehr und mehr überflüssig. Dar dem Krieg arbeiteten erst 20000 Bäckereien mit Mafchinenkraft, heute jedoch sckzon 60 000! Trotzdem eine vcr- antwortungslofe Lchrlingszüchterei im Bäckergewerbe. Von 1926 bis 1929 stieg die Zahl der Bäckerlehrlinge von 42 000 auf 59000 (bei 72000 Gesellen!), also in jedem Jahr beenden 18000 Bäcker- lchrlinge chr« Lehrzeit, von denen nur ein verschwindender Bruch- stell die Möglichkeit besitzt, irgeudwog als Geselle unterzukommen. Das Ergebnis find 62000 arbeitslose Bäcker im Monatsdurchschnitt des vergangenen Jahres(in Berlin sind gegenwärtig über 50 Proz. von den vorhandenen 6000 Bäckern arbeitslos), wenn die arbests- tos gewordenen Junggesellen es nicht inzwischen vorgezogen lzaben, als chllfsarbeiter in der Industrie oder im Verkehrsgewerbe unter- zutauchen. Vorübergehende, konjunkturelle Erscheiitirngen, mag jemand einwenden. Nein, das Bäckergewerbe hak keinerlei Aus- dehnuogsmögiichkeitco. wer heute jede Woche ein Brot ist, kann durch keine Reklame dazu angeregt werden, morgen zwei Brote zu essen: biswellen wechseln wohl die Käufer die Eoi�e, aber kaum jemals die Menge des verzehrten Brotes.„Es sollte aber auch von den Ellern stets bedacht werden, daß zur Erwerbmig einer Existenz im Bäckergewerbe heut« ein großes Kapital gehört, das der Mehrheit der Bevölkerung aufzubringen nicht möglich sein kann. Ein heraufarbeiten aus kleinen und kleinsten Anfängen, wie man das früher kannte, ist heute nicht mehr denkbar." Und wer sagt dos? Das offiziell« Organ des Zentralverbandes Deutscher Bäckerinnungen, die„Bäcker- und Zlondlloren-Togeszeiiung". Wir haben dem nichts hinzufügen. Fleifcherlehrlinge ohne Arbeit Wer als Fleischer findet der Junge sicher noch fem Aus- kommen, hört man mehr als einen Vater sagen. Der Leiter der Gewerkschaftsarbeit unter den Berliner Fleischergesellen schüttelt nur den Kopf darüber. Bei 4090 Ladeufleischcreten in Berlin ar- bellen 6000 Gesellen, davon liegen 1400 Manu auf dem Nachweis. Ein« Erwerbslosenziffer, die halb so groß ist wie die der Bäcker, zu der man jedoch die jedes Jahr in Berlin auslernenden 900 Fleifchergefellen getrost hinzurechnen kann. Denn ob Bäcker oder Fleischer, hier wie dort ist der Ansgclernte ein Geselle ohne Arbeit. -Die drei Jahre Lehrzeit, wo er in Kost und Logis bei einem wöchentlichen Taschengeld von einer Mark für den Meister arbeitete, sind nutzlos vertan. Andere Momente machen die Lage im Berliner Fleifchsrgewerb« noch besonders trostlos. In den Lehrlingszucht- gebieleu Ostelb iens. von Schlefleu über die Grenzmark hinaus noch Ostpreußen, lernen alljährlich Tanseude von jungen Fleischern ans. die Berlin wie ein Magnet anzieht. Wo sie jedoch günftigstensfolls die Möglichkeit haben, den für das Berliner Floischergewerbc immer noch existierenden Seelenverkäufern, den beiden gewerbs- mäßigen Stellenvermittlern in die Hände zu fallen, die di« Jungens zu jedem Lohn vernritteln. weil diese, mittellos wie sie dastehen, zufrieden find, endlich wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Ergebnis eines derartigen Ueberangebots gewerkschaftlich vollkommen ungeschulter Menschen ist eine tägliche Arbeitszeit von durchschnittlich elf Stunden im Berliner Ladenfleischergewerbe, ob- wohl ein Tarifvertrag besteht, der die 54stündig« Arbeitswoche vorsieht. und ein Barlohn von 21,91 M. im ersten Beschästigimgsjahr nach Abzug von Kost, Logis und Soziallasten. Im zweite u und dritten Jahr werden 27,15 M. gezahlt, wir sind beinahe geneigt, zu sagen, wen es nach solchen Berufsaussichten gelüstet, möge Fleischer werden, aber wie gesagt, nur die allerwenigsten Lehrlinge haben jemals Aussicht, irgendwo als Geselle Arbeit zu findest. Die �Berliner Wurstfabrllen bilden jssine.. Lehrling« aus. Nutzlose Schneiderlehre. Kommen die Anzüge an die Reih«, von denen ja auch der ärmste Mann einen besitzt. Aber von den 4500 in Berlin vor- handenen Hcrrenmaßschneidern liegen fast 4000 auf dem Nachweis. Zu den Zeilen der Hochkonjunktur, ungefähr die Tage, vor Pflugsteu. blieben im vorigen Jahr immer noch 1000 arbeitslose Gesellen übrig, in diesem Jahr werden es wol>l 2000 sein. Die jeweils in Arbeit stelzenden vermögen den Bedarf vollkommen zu decken, wobei einer gesunden Regelung der Arbeitsbedingungen die enorm vcr- Keine Tavitsiaffeltmgl Der UV fg. tat von Verhandluns/en nichts bekannt. 3n verschiedenen Abendblättern wurde gestern eine Tarif- erhöhung bei den städtischen Verkehrsmitteln prophezeit. Man spricht von Verhandlungen, die angeblich bei der BVG. statt- gefunden haben sollen, mit dem Endziel, den bestehenden Ein- Heils laris abzuschaffen, wie wir von maßgebender Seite erfahren, sind derartige Verhandlungen nicht ge- pslvgeu worden. Auch der bevorstehende Abschluß des Kredites von 80 Millionen Mark, den bekanntlich ein unter Führung der Danatbank stehende» Konsortium gewähren will, hat aus die Tarlsgestaltung keinerlei Einfluß. Die besonders in der demo- krakischcn presse ausgesteltteu Behauptungen von einer geplanten Tarifflasselnng bei den städtischen Verkehrsmitteln erscheinen dem- nach völlig aus der Luft gegriffen. breitete Heimarbeit im Wege steht, wo die Nacht zu einem wetteren Tag gemacht wirb. Natürlich auch im Schneibergewerbe eine maß- löse Lchrlingszüchterei. Ergebnis: bei der letzten Gesellenprüfung in Berlin wurden 125 Lehrlinge freigesprochen, wovon sich sofort 104 beim Arbeitsamt erwerbslos melden muhten! Um das zu erreichen, haben die Iungcns vier wertvolle Jahre bei einem Meister, der selbst nicht leben und sterben kann, für eine wöchentliche Entschädigung von drei, vier und fünf Mark vertrödelt. Bon den in der Iugenidsektion organisierten Lehrlingen kommen dann die Derbandsbücher zurück mtt dein Vermerk„Uebertritt zum Verkehrsbund" oder in andere Verbände ungelernter Berufe, und einer. der seine vier Jahre Lehrzett hinter sich hatte, fing neulich mtt neunzehn Jahren noch einmal von vorne an, diesmal begann er Maurer zu lernen! Nun, wenn es wahr sst, daß die Konfektion die Maßschneiderei auffrißt, warum ist es nicht möglich, die brot- losen Maßschneider in der Konfektion überzuführen. Well sich die Herren der Konfektion für gelernte Kräfte bestens bedanken. Di« Einführung amerikanischer Maschinen hat die Konfektion in mono tone Teilfunktionen aufgelöst, an die sich ungelernte männliche Kräfte oder Frauen viel besser anpassen als gelernte Maßschneider. die viel zu sehr dos Ganze sehen. Also Hände weg vom Schneider- beruf! Und die anderen? Wir sind dann zu den Vertretern eines Zweiges der Nahrung?- nnttelinduftrie gegangen, deren Beherrscher geradezu märchenhafte Dividendenausschüttungen aufzuweisen haben, eines Industriezweigs, der nahezu jenseits von Konjunktur und Krise zu stehen scheint, d«n Braugewerbe. Auf unsere Frage, ob man einen Jungen empfehlen kann. Brauer zu werden, erhielten wir auch ein„Nein" zur Ante wort, aber kein so bestimmtes wie bei den Schneidern, den Bäckern aber Fleischern. Ein etwas zögerndes Nein war das. Und zwar aus folgenden reiflichen Erwögungen heraus: Die Zahl der Ar- beitslofen im Berliner Braugewerbe ist keine übermäßig drückende, und um der Lchrlingszüchterei die Spitze abzubrechen, vereinbarten kurz nach der Inflation die Gewerkschastelr mtt den Unternehmern, alljährlich in Berlin nur 150 Lehrlinge auszubilden. Gegenwärtig mied dieses Kontingent von keiner Sott« ausgenützt, Berlin hat lediglich� Brauerlehrlinge. Die aber erst in der Berliner Groß- industrie leriren sollen, ein gutes Bier zu brauen! Die Brauereien sind rationalisiert und technisiert wie jeder Metall, oder Chemie- betrieb auch: wo vor dem Kriege 100 Brauer arbettetcn, sind heute nur noch 50 nötig. Wenn der Junge nun im Sudhaus stecken bleibt, dann bleibt ihm die Kenntnis des Gärungsprozcßes zott- lcbens verschlossen, oder was gibt es in der Mälzerei an den modernen Moschinen noch groß zu lernen? Ein angelernter Arbeiter ist solch einem einseitig ausgebildeten Lehrling vielfach durch- aus gleichwertig, und wenn es schon auf Nachwuchs an gelernten Brauern ankommen soll, dann bilden die Kleinbetviebe Schlesiens und Bayerns hierfür ein fast unerschöpfliches Reservoir. Die 94 Berliner Brauerlehrllugc dagegen haben zum größten Test die Obersekuudareise. sie sind die Söhne von den Direktoren herunter bis zum Braumeister, und ihre Väter haben mit ihnen wahrhaftig nicht vor, daß sie ihr Leben einmal als Geselle beschließen sollen, diese Iungens sollen einmal Betriebsleiter oder so etwas Werden und mehr als 62 M. die Woche verdienen. Wenn also Dolksschüter hier eine Zukunft sehen, die Hitze, Kälte und Nässe vertragen können, dann beständen hier vielleicht geringe Möglichkeiten. Aber die Fachleute der Gewerkschaft haben„Nein" gesogt. * Das sst das Handwerk mit dem„goldenen" Boden. Trostlos sind die Verhältnisse. Der Ausweg? Er liegt in der Richtung einer durchgreifenden Verkürzung der Arbcttszeit, vor allem in der restlosen Beseitigung jeglicher Uebcrstundcn. »il!t?iigk«ö«rm>tritr,. 33 mm cjeschl. Stahlrohr, mit llassingfOSen, waiB, 80X185 16 .90 birkenartig, nuBbaum oder einfarbig lackiert IS 1 c— mehr Mit Zugfedermatrefze. 83 mm gesehl. Stahlrohr, mit Mssslngstangen und Kugoln reich verziert, waiB ed. schwarz, 90X190 21. hlrkentrtig, nuBbaum oder einfarbig lackiert M 1.— mehr Bankbeifstelle zusammenklappbar, mit. grauem, festem .Leinenbezug 11 .25 Polsierbettstelle zusammenklappbat, grauen fester Bezug .75 Reform- Unterbett •liw Salti Orgll, «in« S«lt« Trl- Icot ctark g« taut, so 40 1 86■ V .75 Auflege- Matratzen la Jeder Ausführung •ehr preiswert I Armsen-Str. f i Eine harmlose Doppelehe. Zwei Frauen: eine deuische und eine französische. Hin Schachtmeister, Elsässer von Geburt, heiratete im Jahr: 1tU8 eine Französin. Das junge Ehegluck ist ungetrübt, bis dein hmtschorientierten Mann eines Tages Unannehmlichkeiten entstehen. Er wirb schikaniert und schließlich interniert. Also be, schließt er, Frankreich zu verlassen. Sein« Frau will ober nicht» davon hören, Eltern und Verwandte zu verlassen. Da läßt er seine französische Frau im Stich und siedelt ohne sie nach Deutschland über. Das war im Jahre 1321. Der 35jährig« Mann, an Familien, leben gewöhnt, hat es als Strohwitwer nicht leicht. Er schickt an seine Frau einen eingeschriebenen Brief noch dem anderen, fordert sie auf, zu ihm zu kommen, sie will nichts davon wisssn. Da kreuzt seinen Weg eine Witwe. Er trägt sich mit cheiratsgedanken. Wie wird es aber mit der Frau im Elsaß? Er berät sich mit seinen Freunden am Stammtisch.„Ach," sagen die,„wat geht dich det an? Die is doch in Frankreich, und du bist in Deutschland. Natür- lich kannste heiraten." Und so heiratete er von neuem. Nun hat er zwei Frauen, eine deutsche und eine französische,«in« in Berlin und eine im Elsaß. Auf welche Weise die Frau ini Elsaß von der Frau in Berlin Kenntnis erhalten hat, ist nicht bekannt geworden. Jedenfalls regte sich in ihrem Herzen mächtig die Eifer- sucht und eines Tages flog auf den Schreibtisch des Staatsanwalts eine Anzeige wegen Bigami«. So stand nun der brave Schachtmoister vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte und hatte sich zu oerantworten. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monat« Qk- fängnis, der Verteidiger plädierte für fahrlässige Bigamie. Es liege eigentlich«in Zivilirrtum vor, memt« er, der Angeklagt« habe es unterlassen, im Bürgerlichen Gesetzbuch nachzuschlagen und sich zu überzeugen, daß ein« Heirat bei nicht geschiedener Ehe unzu» lässig sei. Das Gericht konnte sich mit dieser vom Gesetz nicht vorgesehenen fahrlässigen Bigamie nicht befreunden und verurteilt« den Schachtmeister dem Antrage des Staatsanwalts gemäß zu sechs Monaten Gefängnis. Die Frau in, Elsaß wird nun zufrieden fein. Di« Frau in Berlin hat aufgehört, Frau des Schachtmeisters zu sein. Wäre sie nur seine Freundin geblieben, die Frau im Elsaß hätte ihren Mann nur wegen Ehebruchs belangen können. Erst die standesamtlich« Legalisierung des Zusammenlebens macht die Ehe strafbar.. Die Ehe wird jetzt wieder zum Konkubinat. Mißfällt der gesetzmäßigen Frau auch dieses Verhältnis, so wird sie Anzeig« wegen Ehebruch» erstatten. Der HousSieS beim Regierungspräsidenten. Oer Potsdamer Oberstaatsanwalt soll ihn nennen. Die Beamten der Potsdamer Regierung, die im Regierungszebäude wohnen, wollen den Verdacht nicht länger auf sich sitzen lassen, daß irgendeiner von ihnen mit den Diebstählen bevm Regierungsprösidenden zu hin gehabt hätte. Da» Ehepaar Dr. M o m m hat zu den Kriminalbeamten immer nur davon gesprochen, daß es sich um einen„H a u s d i e b" handeln könne und das Wort Hausdieb ist auch in den öffentlichen Bekannt- machungen, die Polizei und Staatsanwalt herausgegeben haben, gebraucht worden. Auch die anderen Angestellten im Präsidium wollen, wie dl« Beamten, die Forderung aufstellen, daß der Oberstaatsanwalt, der den Hausdieb..zu kennen scheint, jetzt endtich den Namen preisgibt. Dem Oberstaatsanwalt Pfaffe � wird im Potsdamer Amtsblatt ch reiche Geheimniskrämerei vorgeworfen. Durch diese' Geheimniskritperei fei ein G es ellschaftssk a ndal ersten Ranges hervorgebracht worden. Bei dem vorherigen Di�istahl ist ein ganzes Tafelbesteck aus Silber, für 18 Personen, gestohlen worden. Auch verschiedenen Damenpelzmäntel sind entwendet. Kriminalbeamte sind jetzt damit beschäftigt, dieses Silber wieder aufzufinden. Eigenartig berührt es, wenn Potsdamer Geschäftsleute öffent- lich erklären, daß die. Frau Regierungspräsident trotz mehrfacher Mahnungen kleine und größere Rechnungen nicht bezahlt hat. Die Geschäftsleute wurden mit den Worten vertröstet:„Ich Hobe kein Geld, mein Mann gibt mir keinen Scheck." Fahrlässige Fußgänger? Wegen Verschulden eines Autounfalls angeklagt und verurteilt. vor der verkehrsableilung des Schöffengericht» Berlin- Mitte unter Vorsitz von Amlsgerichtsral Marggras gelangte der in der Kriminolgeschichle der Verkehr»unsälle bisher noch nicht dagewesene Fall zur Aburteilung, daß Fußgänger zur Verantwortung gezogen werden, weil st« durch ihr Ver- halten, und zwar durch liichlausweichen, ein Verkehrs» Unglück verursacht haben. Auf der Anklagebank erschienen die drai Brüder Simon, im Alter von 22, 23 und 25 Jahren. Ein vierter Angeklagter, der Kutscher Fritz Sternbeck, war nicht anwesend. Bon den vier Angeklagten sind die Kutscher Otto und Hennann Simon wegen fahrlässiger Tötung, der Arbeiter Paul Simon und Sternbeck der Ucbertretung beschuldigt. Es handelt sich um vier Fußgänger, die einen Radfahrweg benutzt haben. Die beiden wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Brüder Simon werden beschuldigt, nicht ausgewichen zu fein, so daß sie einen ihnen entgegen- kommenden Radfahrer zwangen, auf de« Fahrdamm hinunterzufahren, wo dieser von einem hinter ihm in der- selben Richtung fahrenden Lastkraftwagen in demselben Augenblick ersaßt und so schwer verletzt wuvd«, daß er nach kurzer Zeit v e r st a r b. Der Vorfall ereignete sich am IE September v. I. gegen 17 K Uhr, Auf dem Radfahrweg in der Storkau«? Straße kam zu dieser Zeit»on der Kniprodestrahe m der Richtung nach der Greifswalder Straß« der Ehauffeur Hugo Witteck aus seinem Fahrrade in schneller Fahrt. Witteck war nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, den Radsahrweg zu benutzen. Die vier Angeklagten kamen ihm entgegen und zwar gingen sie zu weit hintereinander. Paul Simon und Sternbeck, die das vorder« Paar bildeten, sprangen, als der Radfahrer dicht vor ihnen war, noch zur Seite. Dagegen wichen die hinter ihnen gehenden beiden Fußgänger nicht aus. Hermann Simon beschimpft« den Radfahrer wegen zu schnellen Fahrens und soll auch eine bedrohliche Haltung eingenommen haben. Der Radfahrer wurde dadurch gezwungen, plötzlich auf den Fahvdomm auszuweichen und in diesem Augenblick geschah das Unglück. Die Anklage nimmt an, daß die Fuß- gänger durch ihr Nichtausweichen voraussehen mußten, daß dem Radfahrer, wenn er gezwungen wurde, auf den Fahrdomm abzubiegen. bei seiner schnellen Fahrt ein Unglück zustoßen mußte. Die Angeklagten verteidigten sich dmnit, daß sie nicht gewußt hätten, daß sie sich auf einem Radsahrweg befanden. Denn es sei dort kein Bürgerstoig gewesen. Sie hätten seit 3% Jahren auf dem Gang nach ihrer Arbeitsstätte diesen Weg benutzt. Es fei immer gesagt worden, daß später ein Radfahrweg gemocht werden sollte. Damals sei aber nirgends eine Tafel gewesen, die den Radfahrerweg kennzeichnete. Staatsanwalt Brinkmann betont«, daß die Fuß- gänger durch die Derkehrsordmmg in chren Rechten geschützt würden. Auf der anderen Seite aber hätten sie auch Pflichten zu beobachten. Ein Verschulden der Angeklagten könne nur festgestellt werden, wenn feststehe, daß es sich um einen Radfahrerweg handele und da» müßte bejaht werden. Da» Schöffengericht verurteilte Otto Simon wegen fahr- lässiger Tötung und unbefugten Begehens eines Radfahrerweges zu sechs Monaten Gefängnis. Hermann und Paul S. wegen Uebertrettmg zu öv M. bzw. 20 M. Geldstrafe. „Tiefstes Bedauern!" ¥Jiote Fahne" wieder wegen Beleidigung verurteill. DU ständigen Beleidigungen namentlich sozialdemokratischer. In der Oefsentlichkeil flehender Personen durch die kommunistische..Rot« Fahne" führten gestern zu einer neuen Verurteilung de» verantwortlichen Redakteur» Firl. Am S. Oktober 1923 bracht« da» kommunistisch« Organ«ine List« der Personen, die von den Sklareks wertvoll« Anzüge bezogen haben sollen. In dieser Liste war auch der sozialdemo» tratisch« Stadtrat Schlichting verzeichnet. Seine Zu- gehörigkett zu unserer Partei war besonders hervorgehoben. Er ließ durch seinen Anwalt, den Genossen Rechtsanwalt Dr. Hans Schlesinger, ein« Berichtigung an die„Rote Fahne" gelangen, der das Verleumderblatt die Worte anfügt«:.Hochkonjunktur für billige Dementis, die auf die Fälschung der Kleiderliste spekulieren. Niemand glaubt es ihnen." Darauf erfolgte Anzeige wegen B«- 1 e i d i g u n g, und durch die Staatsanwaltschaft wurde auf Antrag des Berliner Magistrats öffentliche Anklage erhoben. Ge- nosse Schlichting sagt« unter Eid aus, daß er mit den Sklareks in keinerlei Beziehungen gestanden hob« und sie nicht einmal kenn«. Nach bewährtem Muster glaubte der Redakteur der„Roten Fahne" durch eine Bekundung seines tiefsten B«° daue rn» über den ihm unterlaufenen Irrtum davon zu kommen. Di« Gegenpartei ging auf die Ausflucht.nicht«in. Firl wurde zu 4 33 /Mark Gelöst r ä'f e verurteilt. Der Pörfißend«' betonte in seiner Urteilsbegründung, daß einem im öffentlichen Leben stelzenden Manns von unbestrittenen Berdiensten«in schwerwiegender Vorwurf gemacht sei und daß sich wohl bald niemand mehr dazu hergeben werd«, ein öffentliches Amt zu bekleiden, wenn er derartigen frivolen Angriffen ausgesetzt sei. Hier darf hinzugesetzt werden, daß die frivolen unberechtigten Angriffe der„Roten Fahne" seit langem auf den größten Teil der Berliner Bevölkerung keinen Eindruck mehr machen. Gleich- wohl ist es notwendig, daß die Vertrauensmänner der Sozialdemo- krati« den kommunistischen Beleidigern zu der Anprangerung verhelfen, die sie verdienen. Ltm die Welikrastkonferenz. Der Vorsitzende der zweiten Wellkraftkonferenz in Berlin. Generaldirektor Dr.-Zng. b. c. köttgen, machte im Zngenieurhaus RUlteilungen über die im Zum d. Z. in ver- lin stattfindende zweite weltkrastkonferenz. Der Ehrenpräsident Dr. von Miller wie» auf die ungeheure Wandlung hin, die sich in den letzten Jahrzehnten auf dem Gebiet der Energieausnutzung in der ganzen Well vollzogen hat und«u/s die Bedeutung, die die Erzeugung und der Verbrauch von Energie in der internationalen Zusammenarbeit der Völker habe. Wer hätte sich noch vor 40 Iahren träumen lasten, daß bw Wasserkraft, d« an irgendeinem Berge weit außerhalb der Großstädte in einem Wasterkraftwerk gesammell wird, oder in irgendeinem Bräunt ohle»- vorkommen erzeugt wurde, an irgendeiner Hobelmaschine in Mün- chen oder Berlin wieder verbraucht werden würde. Die Bedeutung der Konserenz Kege nicht nur darin, daß dort 430 hochwertige fachwissenschastliche Vorträge gehalten würden, son- dern daß man bei solchen Gelegenheiten andere Männer der Technik kennenlerne und Anregungen zur Aussprache erhalle. Um gerade dies« Dinge besonders w erleichtern, habe man mit allem nur möglichen Raffinement ein internationales Adreßbuch ge> schaffen, in dem die an der Kopferenz teilnehmenden Zweig- der Technik, di« Nationen, die Namen der Teilnehmer nach den verschiedensten Gesichtspunkten einregistrtert säien. so baß fever leicht da» herausfinden körn«, was er suche/ beispielsweise, wem»' jemand Herrn Hinterhuber gern sprechen wolle, so brauche er mir' seinen Namen in dieses Adreßbuch hinter Hinterhuber zu schreiben und alle» weiter« entwickele sich spielend von selber. Di« zweit« Wellkraftkonferenz wird vom 15. bis 25. Junl d. I. in den Krollschen Sälen in Berlin abgehalten werden. Man erwartet etwa 2300 bis 3333 Teilnehmer, davon etwa die Hälfte aus dem Auslande. Die nächste Stadtverordnetenversammlung findet bereits am Dienstag, dem 18. März 1333, statt. Beginn der Beratungen um 18 Uhr. Der kommende Donnerstag bleibt sigungsfrei. Jlbwu# 64] Um neun Uhr kamen sie zu Hause an: Piedade war zu zerknirscht gewesen, um unterwegs zu sprechen. Sobald das Kind zu Bett gegangen war, suchte die Mutter bei ihren Tränen Zuflucht und oersicherte sich unter Schluchzen wieder und wieder„Jetzt ist es aus: endgültig aus." Sie erinnerte sich an ihre Flasche Paraty und trank einen Schluck. Darauf fühlte sie sich wohler und trank ein bißchen mehr. Und nach dem dritten Glase beschloß sie, m den Hof hinauszugehen und etwas von der guten Laune und der glücklichen Stimmung zu stehlen, mit der die Hausbewohner ihren Feiertag abschlössen. Das Dores hatte ein Diner gegeben. Man hörte ihr schrilles Lachen in seltsamem Gegensatz zu der tiefen heiseren Stimme ihres Freundes, die beide ab und zu von Machona übertönt wurden, wenn sie ihren Sohn Augusto, der ewig zu Vorwürfen Anlaß gab, zurechtwies. Von verschiedenen Teilen des Hauses erklang Gitarrenmusik und Gesang Aber nach dem Neubau hatte sich manches vqrändei't. Joao Romaos Wunsch gemäß war der Hof schmäler geworden, und der Raum zwischen den beiden Häuserreihen war jetzt nicht breiter als eine gewöhnliche, glattgepflasterte und von drei großen, in regelmäßigen Abständen aufgestellten Laternen beleuchtete Straße. Es gab jetzt auch sechs Latrinen, sechs Wasserröhren und vier Bäder. Raum für die winzigen Gärtchen hinten und für die kleinen Blumenbeetchen vor jeder Tür blieb nicht mehr , übrig. Der neue Block links versperrte die Aussicht auf Mi- randas Haus ganz und gar, und durch den zweiten Stock mit der Veranda um den ganzen Hof herum waren im ganzen für vierhundert Zimmer oder winzig kleine Wohnungen Raum geschaffen. Die Mauern waren weiß getüncht, Türen und Fenster grün, und die Dachrinnen rot. Wie gewöhnlich fehlte es nicht an Mietern, und keine einzige Wohnung stand lange leer. Vor vielen Fenstern waren Blumenbretter statt der früheren Beete angebracht, und eine Slnzahl der Sao Romao-Bswohner hatten ihr neues Heim mir übertriebener Sorgfalt geschmückt. In der Be- ziehung übertraf Albino alle anderen. Seine Wohnung lag im-Parterre, und vom Hof aus tonnte man die rote Tapete sehen, die er sich für sein Wohnzimmer ausgesucht hatte. Die Möbel waren glänzend poliert, auf der Kommode standen Blumenvasen, der Spiegel über seinem Schreibtisch war mit künstlichen Rosen umkränzt, und sein Betschemel war mit ver- silberten und vergoldeten Palmblättern dekoriert. Und der bleiche Jüngling, immer in weißen Hosen und mit einem parfümierten Taschentuch um den Hals, wusch, polierte, wischte und klopfte alles in seiner Behausung, als erwart« er abends«inen hohen Gast. Die Nachbarn fanden nicht Schmeichelworte genug für solche Ordnung und Sauberkeit und bedauerten es außerordentlich, daß Albino in seinem Bett immer von Ameisen geplagt wurde Er führt« beständig Krieg gegen sie, aber sie vermehrten sich immer nur und ließen von ihrem offenbaren Liebling nicht ab. Gerade gegenüber lebten Bruno und seine Frau, deren Haus vollständig neu eingerichtet war. Eine der Hoflampen stand direkt vor ihren Fenstern, die den Lichtstrahl reflektier- ten und damit alle draußen vorübergehenden mißtrauisch zu beleuchten schienen. Jetzt aber lebte das Paar friedlich und froh, und Leocadia benahm sich höchst anständig. Alexandre schwor, daß er sie niemals, wann immer er auch am Tage oder des Nachts vorübergekommen sei, in irgendeiner kom- promittierenden Situation ertappt hätte. Was Augusta und Alexandre betraf, so meinten die Nach- barn einstimmig, Joao Romao hätte gut daran getan, den zweiten Stock zu bauen, denn sonst wäre niemals Platz ge- wesen für die Familie des Schutzmannes, die sich Jahr für Jahr vergrößerte. Auch Pataca und Ze Carlos. Jeronymos Komplicen, wohnten in Sao Romao. Ihnen gegenüber hauste ein ruhiges Individuum, ein Postbeamter, der morgens pünktlich das Haus verließ und regelmäßig um zehn Uhr abends heim- kehrte. An Sonn- und Feiertagen ging er nur zu den Mahl- zeiten aus und blieb den Rest des Tages in seinem Zimmer, ohne je mit einem der Nachbarn zu sprechen. Der ganze Charakter der Siedlung hatte sich verändert. Die meisten neuen Bewohner standen sozial auf einem höheren Niveau als die allen. Es waren allerhand Studenten und Schreiber darunter, und andere, deren Benehmen und Kleider darauf hinwiesen, daß sie eine bessere Kinderstube hatten als der alte Kreis, auf den Joao Romao seinen Wohlstand gegründet hatte. Im Obergeschoß wohnten viele Italiener, und sowohl der Wirt als auch die Nachbarn führten beständig gegen sie Krieg, well sie mit Vorliebe Abfälle auf den Hof hinunter- warfen. Machona war im Erdgeschoß wohnen geblieben, und Neuem stellte die Fenster immer voll Blumen. Mirandas Haus schien ein paar Fuß zusammeu- geschrumpft zu sein, aus Angst, mit seinem hochaufgeschossenen Nachbarn in zu nahe Berührung zu kommen, und sah aus, als blicke es flehend auf die noch vornehmere Besitzung von Joao Romao, die jetzt ein imposantes Gebäude war und deren seidene Fenstervorhänge auf die reiche Einrichtung im Innern schließen ließen. Das Portal der Siedlung ging Mckn mehr auf die Straße, sondern lag ein paar Meter weiter zu- rück. Der Raum zwischen Straße und Tor war in einen kleinen Garten verwandelt worden oder vielmehr der stein- gepflasterte Weg war von«in paar blühenden Büschen und «in paar Gartenbänken umsäumt— damit man von den Fenstern des reichen Wirtes aus eine schönere Aussicht ge- nösse. Kein Schild verkündete mehr den Borübergehenden, daß sich hier die Mietskaserne von Sao Romao befand. Rein, wahrlich nicht. Auf einem soliden Granitblock stand jetzt in deutlichen Buchstaben gemeißelt: „Aoenida Sao Romao." Die Katzenkopfgemeinde ließ beschämt den Kopf hängen und fühlte sich besiegt nnd erdrückt. Ihre eingestandene Nie- drigkeit gab ihr nicht den Mut. mit diesem aus der Asche auferstandenen Phönix zu konkurrieren. Da das Wohnhaus von Joa Romao immer populärer wurde und an Achtung zunahm, sank der frühere Konkurrent nur noch tiefer und kam in schlechten Ruf. Es verging kaum eine Woche, in der die Polizei nicht die einst so stolze Festung der Katzenköpfe heimsuchte, und viele der besten Mieter wurden so zum Ab- fall getrieben und suchten Unterkunft in dem imposanten Bau der Stockfische, wo man in Frieden leben und sein Da- sein genießen tonnte, ohne von den verkappten Verbrechern bedroht zu werden. Aber seit Rita Bahiana ausgezogen war, gab es keine nächtlichen Chorados und Sambas mehr. Keiner tonnte tanzen wie Rita und wenige oersuchten es. Die neue Raum- Verteilung rief die Leute ins Haus, wo Tee serviert wurde und die Gäste Strümpfe und gestärkte Hemden trugen. Wenn der Raum einigermaßen groß war, wurde unaufhörlich Polka und Quadrille getanzt, und manche andere moderne Idee sickerte aus der Welt der Kapitalisten durch. Als daher Piedade an diesem Sonntag von ihrem vergeblichen Besuch bei Jeronymo heimkehrte, war es im Haufe ruhig und still. Hier und dort standen kleine Gruppen vor einer Tür und lauschten einem Sänger, den ein« Gitarre begleitete. Am angeregtesten ging es offenbar bei Das Dores zu: also lenkte Piedade traurig und deprimiert ihre Schritte dorthin. _(Fortsetzung folgt.) Berlin wächst. Nicht durch Geburten— nur durch Zuzug! Au« dem Zahr« 1929 liegen jetzt für Berlin einst- wellige Ergebnisse der Bevölterungssialistit vor. die durch nachträgliche Meldungen nicht nennenswert geändert werde« können. Die Zahl der Lebendgeborenen ist in 1929 mit 43148 nur ganz wenig hinter dem Vorjahr 1928 zurüikgeblieben. da, 43 309 Lebendgeborene gebracht hatte. Zugenommen hat aber die Zahl der Gestorbenen. Im letzten Jahr wurden söhne Totgeborenen) 53 794 gemeldet, um 4227 mehr als im vorletzten Jahr mit 49 567. Das Jahr 1S2S hat also wieder nicht mit einem Geburtenüberschuß abgeschlossen, sondern mit einem Ueberschuß von 10646 Gestorbenen. Der Sterbe. Überschuß war noch um 4288 hoher als im Jahre 1928, dos schon einen Ueberschuß von 6358 Gestorbenen ergeben hatte. Die Bevölkerungszahl Berlins hätte hiernach in beiden Jahren abgenommen, wenn nicht der Verlust durch einen beträchtlichen Zuzugsüberschuh ausgeglichen und noch übertroffen worden wäre. Ws nach Berlin Zugezogene wurden in 1929 345 054 Per. fönen gemeldet, nahezu ebensoviel wie in 1928 mit 345 494, Diesem Zuzug stand gegenüber snach den Meldungen) ein Fortzug von 285 131 Personen, um 25 346 mehr als im vorhergehenden Jahr mit 259 285 Fortgezogenen- Trotz Mehrung de« Fortzuge« gegenüber dem Vorjahr blieb in 1929 immer noch ein Ueber« schuß von 59 923 Zugezogenen. Das Jahr 1928 hatte aus Zuzügen sogar 86 209 Personen Ueberschuß gebracht, 26 286 mehr als jetzt da» Vahr 1929. hiernach hat Berlins Bevölkerungszuwachs(der Zuzugsüberschuh vermindert um den Sterbeijberschuß) sich in 1929 auf 49277 Personen gestellt, das ist um 30 574 weniger als in 1928 mit 79 851 Personen Bevölkerungszuwachs. Die B«» völkerungszahi Berlins ist somit von Ende 1928, wo sie mit 4 297 100 errechnet wuche, bis End« 1929 auf 43464 37 Personen gestiegen. � Angebliche Papageienkrankheit in Potsdam. Auch in Potsdam soll es Papageienkrankheit geben, so melden c, wenigsten» einige ZeiMngen. Zwei Personen sollen bereit» an dieser merkwürdigen Seuche gestochen sein. Nach den näheren Fest- stellungen war ein Arzt Dr. Steinhofs an Grippe erkrankt. Ein« hinzutretend« Lungenentzündung hat dann seinen Tod herbeigeführt. Im Krankenhaus, in dem Dr. Steinhoff kurz vor seinem Tod« übergeführt wurde, pflegt, ihn die Krankeirschwester Wally von Schumacher, die durch einen unglücklichen Zufall einige Tag« nach dem Tode Dr. Steinhofss an Grippe erkrankte und st o r b. Obwohl sich keinerlei Anzeichen dafür ergaben, daß «s sich bei den beiden Krankheitsfällen wirklich um Pfitakosis handelt, haben der Kreisarzt und der Regierungspräsident vor- beugende Schritte unternommen. In der„Urania- findet der nächste Vortrag Mittwoch. 19. März, 2014 Uhr, im Haus der Technik statt. Es spricht der Leiter der Ufa-Kulturabteilung, Dr. Kaufmann, über das Thema„Film- reife durch den M e n s ch e n k p r p e r". Die Arbeit der menichlichen Organe dargestellt durch modernste kinotechnische Methoden: Zeitlupe, Zeitraffer, Mikro- und Trickfilm. Der Kampf gegen ein Volksgist. Di« Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Alko- Holgegner(Asag) hielt am Freitag ihre Generalversammlung ab, die von dem zweiten Vorsitzenden, Reichstagsabgeordneten Tempel, für den verhinderten ersten Vorsitzenden. Reichsminister Sovering, geleitet wurde. Die Arbeitsgemeinschaft, so sagte er, seh« ihre erste Pflicht darin, den Organisationen und Einzelpersonen, die di» Arbeit der Asag fördern, soweit wie möglich tdeel und auch materiell zu unterstützen. Die P r es se k or resp o n de n z der Asag wird in 3000 Exemplaren verbreitet. Davmif erstattete der Geschäftsführer Stadtorzt Dr. Drucker den Jahresbericht. Nach dem der programmatischen Arbeit gewid- nieten ersten Jahr der Asag war das zweite ein Jahr der p ra k t i« scheu Arbeit. Die vornehmste und wichtigste Zlufgabe der Asag ist und bleibt die Ausklärung der Arbeiterschaft über die ihr aus dem Alkohol drohenden Gefahren, 19 Arbeiter- Kukturorganisationen gehören der Asag an, Auf diese Weise werden mehrere tausend Funktionäre aufgeklärt. Die sozio- listtsche Presse könnt« diese Arbeit noch mehr als bisher unterstutzen. Für das Schont st ättengesetz ui»d das kommende neue Strafgesetz hat die Asag ihren Einfluß geltend gemacht. In Berlin sind mit ihrer Forderung zwei alkoholfreie Gaststätten geschossen worden. Auch im Reich hat sie die alkoholfreie Bewirtschaftung von Jugend- und Naturfreundeheimen gefördert. Kurse örtlicher Arbeitsgemeinschaften und Ausstellungen haben gute Dienst» gewn und Erfolge gebracht. An den Jahresbericht schloß sich eine rege Aussprache, an der sich die Genossen Katzenstein, Dittmer, Frau Wunn und Frau Dr. Stegmann beteiligten. In der dann folgenden Wahl wurde der alte Borsband wiedergewählt, und zwar Severing zum ersten, Tempel zun» zweiten Vorsitzenden und Dr. Drucker zum Geschäftsführer, die Genossen Grotjahn, Husemann, Juchaez, Kretzsch- mar, Löwenstein, Pfülf, Wurm und Sollinann als Beisitzer. Neu hinzugewählt wurde der Kultusininister Grimme. Ihren Höhe» Punkt fand jedoch die Tagung in einer Kundgebung im ehe- mollgen Herrenhaus, die nicht, wie der erste kurze„Vorwärts"« Bericht mitteilte, vom Arbeiter-AbstineMenbund veranstaltet war. Die Ansprachen der Minister Severing und Grimme, der Reichstagsabgeordneten Zuchacz und Sollmann überzeugten besonders durch ihre reine Sachlichkeit. I» einer einstimmig angenommenen Entschließung fordert di« 2l r b e i t» g e m e i» s ch o s t s o z i a l i st i s ch c r A l k o h o l g e g, nex«ur Eindämmung des ständig wachsenden Alkoholkonsums vom Staat erzieherische und gcletzgeb-rtsche Maß« nahmen, von der Gemeinde praktische Arbeit durch Schassung alkoholfreier Sportplätze, Versammlungsräume und Volkshäuser. serner den Ausbau der Alkohalkrankensürsorge. Von den Vertretern der sozialistischen Arbeiterschaft im Reichstag erwartet sie, daß sie mit größter Entschiedenheit für eine Verbesserung des unzureichenden Schankstätten-Gesetzentwurses ein-- treten und insbesondere einen wirksamen Schutz der Jugend vor de» Alkohoigefahren zu erreichen bestrebt sein werden. Texiilousstetlung. Vierzig Jahre Berliner Webeschule. Die Berlin«: höhere Fachschule für Textil« und Bekleidungsindustrie, früher„Webeschule" genannt. besteht al« Unternehmen der Stadt letzt vierzig Jahre. Ei« ist hervorgegangen aus der bescheidenen Jnnungswsbeschule, die im Jahr» 1874 eingerichtet worden war. Einen Einblick in die Arbeit dieser von der Stadt zu einer höheren Fachschule weiterentwickelten Lehrstätte gibt eine A u» st e I l u n g, die am 16. März in ihrem Schulhause am Warschauer Platz eröffnet wird und bi, zum 23. Marz san Wochentagen 10— 2l Uhr, an Sonntagen 10— 17 Uhr) unentgeltlich besucht werden kann. Weberei, Wirkerei, Strickerei, Stickerei, Posamemtierarbeit, Konfektion usw. werden in Entwürfen der Schülerinnen und Schüler und in fertigen Arbeits- erzeugnissen gezeigt. Die Besucher der Ausstellung erhalten auch Gelegenheit, die Werkstätten zu besichtigen und si« im Be° trieb zu sehen. Besonders Frauen und Mädchen seien aus diese Ausstellung aufmerksam gemacht, deren Besuch ihnen sehr zu empfehlen ist� Die Schule hat zur Zeit etwa 1000 Schülerinnen u,4d Schüler, die zum geringeren Teil in Tageskursen, zum größeren Teil in Abendkursen unterrichtet werden. Sie berücksichtigt in ihrem Lehrplan die gesamten Bedürfnisse der Textilindustrie und der Kon- sektion. Achtung. Männerchor Fichte- Georginla! Alle Sangesbrüder treffen sich henke. Sonnlag. IS. März, pünktlich vormittag» 1014 Uhr. in der„Neuen Hielt", Hasenheide. Die Borfälle in Scheuen. Der Dezernent des Jugendamtes, Obermagistratsrot Knaut, Hot am Sonnabend den Jugendlichen H. aus dem Erziehungsheim Scheuen eingehend vernommen. Diese Vernehmung hat ergeben, daß die Angaben über seine Mißhandlung zutreffen. Obermogistratsrot Knaut hat sich unmittelbar im Anschluß an die Vernehmung nach Scheuen begeben, um dort ein- r« st lose Aufklärung d e r V o r g ä n g e, die sich in dem Erziehungsheim abgespielt haben, vorzunehmen. Umgestaltung deS Markthandels? In der Deputation für das Markthallen- und Markt« wefen besprach man gestern.die Stellungnahme der Markt, Hallenverwaltung zu dem Entwurf eines Gesetze» zur Aenderung der Gewerbeordnung. Die Novell«, deren Bs, ratung am Freitag im Reichstag begonnen wurde, würde eine U m, ge staltung des Markthandels bewirken. Kernpunkt der Denkschrift der Markthallenverwaltung ist das Bestreben, dem H 64 der Gewerbeordnung«inen Zusatz beizufügen, wonach„die von den Städten und Gemeinden errichteten und betriebenen Markthallen, die dem allgemeinen Verkehr zugänglich sind", nicht unter di« Bor, schrrften des Gesetzes fallen sollen. Der Entwurf des Reichswirt- schoftsministers stellt nach der Ansicht der Deputation einen Eingriff in die S« l b st v e r w a l t u n g der Geuieinden dar. Das Antragsrecht der Gemeinden— Z§ 64 und 66 der RGO.—- soll b es e i t i gt werden. Dl« Denkschrift gibt der Befürchtung Ausdruck, daß bei Lw» nähme des Gesetzentwurfs etwa 30 000 selbständige Händler in ihrer Existenz aufs schwerste gefährdet werden würden. j- j"■ "7- denn nur durch Qualität wurde cßlser das grässte Schuhhaus Berlins Berliner Tageblatt berichtet über«ßlsca«: ... Wichtigste Eigenschaft...„Qualität", an zweiter Stelle Preis,... an dritter Stelle Auswahl, an vierter Stelle Passform und Verkautspersonal. 8 Uhr« Abendblatt schreibt über<&iscr: Leiser auf das Prinzip des modernen Kundendienstes hervorragend eingestellt... dem Käufer alle Vorfeile und Annehmlichkeiten einräumt, die ein modernes Spezlal- haus überhaupt zu bieten vermag. D«r rieh HS« Schab für des Uchcriut, zvetisrblS, mit krSftl- gaiSohUn. Dcwnder» prtüwcrt! Fescher TroHear «u* kuhafftrbenem Kalbleder mit RosenboU versiert „BelU." Molitre- Pump» sind Trumpf, aus marron Chevreau. mit noisette Chevreau kombiniert „Günther", mittelbraun DoxcaU. beste Rahmenarbe tt Unsere bewährten Q u a I i t ä t e n durch Großeinkauf und Ei g e n f q b r i k a t i o n s q b i I I i g! Hemdhosen für Damen, echt Mako, 1x1 geitr., W» mit Bein............... Mk, 1.45 Windelform mit Bandtrfiger... 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In unserem Kampf für den Neuen Plan haben wir nie versucht, etwa die Schwere der Belastung zu ver- schl eiern oder überhaupt die Schattenfeiten der neuen Regelung zu oerschweigen oder aber die Vorzüge der neuen Regelung in über- tmebener Weise zu schildern. Der Vorwurf des Schönfärbens kann gegen uns guten Gewissens nicht erhoben werden. Trotz der Schwere der Belastung ist die neue Regelung ein großer Fortschritt, der Ab- schlutz einer besonders schwierigen Periode deutscher Geschichte, so begrüßen wir die Annahm« des Neuen Plans nnt Genugtuung als «ine historische Wendung der Dinge. Es wird jetzt die Aufgabe auch der sozialistischen Arbeiterbewegung- sein, da- für zu sorgen, daß die erreichte materielle und außenpolitische Eni- lostung so bald und so stark wie möglich für unser« Wirtschast und namentlich für die Lage der in dieser Wirtschast arbeitenden Men- schen wirksam wird. Die neue Reparatioasregelung ist der Ausgangspunkt eioer ueuen Eutwicklung. Di« Auswirkung des Neuen Plans wird in starkem Maße davon abhängig sein, welchen Gebrauch man von der inneren Entlastung machen wird', in starkem Maß«, aber nicht ausschließlich: weil die Verminderung der Zahlungen nach außen auf jeden Fall, unabhängig von irgendwelchen innenpolitischen Mohnahmen, eine wesentlich« wirtschaftliche Entlastung bedeutet. 700 Millionen wenigerzu zahlen, istunterollen Umständengut, besonder« dl einer Zeit, in der«in starker Kapitalbedarf— auch aus dem Ausland«— besteht. Al» Kreditnehmer wild Deutschland schon wegen dieser Herabsetzung der Uebertragungen besser dastehen als bis jetzt. Es kommt noch hinzu, daß stch infolge der neuen Regelung die Ge- fahr einer Uebertrogungskrise vermindert, ja praktisch ausgeschailet wird, nicht bloß deshalb, weil die zu übertragenden Summen ge- ringer sind und sich damit der Ledorf an misländ'schen Zahlungs- Mitteln(Devisen) vermindert, sondern noch aus zwei anderen Grün- den: Elstens, weil die Einschaltung der neuen Bank für den inter- nationalen Zahlungsausgleich die Uebert ragung erleichtern wird, und zweitens, weil die Gefahr einer aus politischen Grüirden herbei- geführten Reparationskris« gebannt wird. Der Rücktritt des Herrn Schacht ist in dieser Hinsicht eine durchaus logisch« Schlußfolg«- .nmg aus der Tatsach«, daß setzt die Spekulation aus ein« Reparatisitskris«. dieses frivole Spiel mit den Lebens- intereffen des deutschen Volkes ihr End« finden muß. Sicherheit der AMierfeu heißt billigeres Kapital für Deutschland. Kür bie(früheren) Alliierten war dl« pohnschc und fcnanziell« Sicherheit das Ziel der neuen Regelung. Für Deutschland bedeutet dies« Sicherheit eine Erleichterung des Kredits. Sicherheit ist Verminderung de« Risiko«, und in Kreditgeschäften bedeutet da» ein« Perbilligung der Zinsen. Di« Bedingungen, zu welchen ein Land da» Geld, sagen wir in New Yark. bekommen kann, hängt nicht zuletzt von der Beurteilung der Sicherheit der Anleihe, d. h. von dem Maße des Vertrauens zu diesem Land« ob. Di« Tatsach« der endgültigen Reparation-. regelupg muß an sich ein« Stärkung des Bertrauens zu Deutschland bewirken; die Snnäßigung der Zahlungen und die damit, sowie mit der Gründung der Internationalen Bank verbundene Sicher- ftellung der Uebertragungen werben die Bedingungen für deutsche Anleihen im Austonbe verbessern. Da« Vertrauen mancher deutschen Kreise zu Deutschland blieb in den. letzten Jahren hinter dem Vertrauen des Auslandes zu Deutschland weit zurück. Vor einem Jahre flohen deutsch« Kapita- liste» vor de» Mark, während die ganze Welt von der Festigkeit der deutsche» Währung völlig überzeugt war. Dielleicht 4 Mil- liarden beträgt bisher der Saldo der Kapitalflucht. Die Annahm« de» Reuen Plans muß auch dies« Einstellung kapital", sti- scher Kreise in Deutschland zum Besseren wenden. Es muß auf jeden Fall eine Wendung zum Vertrauen angestrebt werden. Die erst« Voraussetzung für die günstig« Auswirkung der neuen Regelung ist die endgültige vrdmmg der öffenllichen Flaanzea. Lekder steht schon heut« fest, daß nicht einmal im Reichs «in« vollkommen« Sanierung der Finanzen im nächsten Etatsahr erreicht«erden kann, obwohl jede Steuersenkung ausgeblieben ist und' eine erheblich« Steuererhöhung kommen muß. Nachdem ein guter Teil der deutschen veffentöchkeit wochenlang in Herrn Schacht einen Retter der deutschen Finanzen geschen hat, wird setzt all- mählich eingesehen, daß er den einzigen geraden Weg zur Bs- reinigung der Finanzen dem Reiche sowie den Kommunen versperrt hat. Gewlß wae die Politik, die zum Anschwellen der schweben- den Schulden führte— wohlgenrorkt. im Reiche die Politik der Bürgerblockregienmg!—, falsch. Nachdem aber die Reichs kost« durch die Fehlbeträge in den vergangenen Iahren so stark belastet war, gab e« kein« andere MSgüchkeit, das Reich von dieser Last zu befreien, al» durch die Aufnahm« von langfristigen Auslandsanleihen. Vor dem Zustandekommen der neuen Reparationsregelung war zwar Deutschland m dieser Hinsicht stark gebunden. Es ist aber gelungen, die sonst sehr unangenehm« Kreuger-Anle-ihe abzuschließen. Mit der IOO-Millionen-Anleihe vom vorigen Sommer ist die Bor- bereitmrg für die künftig« Konsolidierung der schwebenden Schuld Angeleitet worden. Der nächste Schritt sollte die Dollaranleihe im Dezember sein. Da erschien aber.der Retter� auf dem Plan. Man darf erwarten, daß. nachdem die im Haag verabreöet« Sperrfrist abgelaufen fein wird, die Frage der Auslanbsanleihen für da» Reich wieder aktuell wird. Sonst kann man fast mit Sichecheit voraussehen, daß eine einigermaßen beträchtliche Steuersenkung auch im Jahre 1931/32 nicht zustandekommen wird. Soziale Gerechtigkeit ist wirtschaftliche Notwendigkeit. Es ist natürlich denkbor und sogar zu erwarten, daß die bürger- lichen Parteien versuchen werden, den Raum für die Steuer- senkung durch die Drosselung der Ausgaben, d. h. der sozialen Ausgaben, zu schaffen. Nun darf darüber kein Zweifel bestehen, daß diese Art einer Finanzresorm der Sicherheit der deutschen Wirtschaft nicht dienen, sondern vielmehr erbittert« Kämpfe und dauernde Unruhe auslösen wird. Dies« Kämpfe sind ohne Erschütterung der Grundlagen des Staats nicht mehr mög- lich, weil dieser Staat nur als ein sozialer Staat sich weiter entwickeln kann. Die Erhallung und der Ausbau der sozialen Auf- gaben des Staats sind jetzt nicht nur politische, sondern auch wirt- schaftljche Notwendigkeiten. Die rationalisierte und sich weiter rationalisierende deutsche Wirtschost mit ihrer gewaltigen Produktionskapazität kam, nur dann ausreichende Beschäftigung haben, wenn sie eine ständige Zunahme der Massen- kauf kraft zu ihrer Grundlog« hat. Wir verschließen uns wirtschaftlichen Notwendig- leiten nicht, fordern aber dasselbe von den anderen. Wir de- strellen nicht, daß trotz ganz erheblicher innerer Kapitalbildung die Bersorgung der deutschen Wirtschast mit Kapital keine ausreichende ist. Deshalb unterstreichen wir nicht nur die Notwendigkeit der Auslandsanleihen, sondern machen auch kein« Einwände gegen ge- wisse steuerliche Entlastungen der Besitzenden. Da die Erfüllung der großen staatlichen Aufgaben heut« nicht mehr ohne beträchtliche Massenbelastung möglich ist, sind wir sogar berell, bestimmten Formen größerer Massenbelastung unser« Zustimmung zu geben. Nicht aber nur aus politischen und sozialpolitischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen wenden wir uns da- gegen, daß jetzt der Massenverbrauch einseitig belastet und dann der Besitz ebenso einseitig entlastet wird. Die Parität aus diesem Gebiet« ist keine rein politische Forderung, sondern eine not- wendig« Voraussetzung für den von uns nicht weniger als von den Unternehmern angestrebten wirtschaftlichen Aufstieg. Eine besser« Kapitalversorgung der deutschen Wirtschaft ist nötig. Die neuen Kapitalanlagen werden aber keine bessere Beschäftigung zur Folge haben, wenn nicht auch durch die Steigerung der Massen- kauftraft besser« Absatzmöglichkeiten geschossen werden, erst recht nicht, wenn durch übermäßige Anspannung der Verbranchkbesteue- ning die Massen zur Einschränkung Ihres Verbrauchs gezwungen werden. Die Finonzfrogen werden jetzt mit Recht in den Vordergrund gestellt. Man darf aber nicht übersehen, daß in der Tat alles momentan durch die Arbelkslosigkeit, da» größte Problem unserer Tage. beherrscht wind. Wenn wir vom anzustrebenden wirtschaftlichen Ausstieg sprechen, so meinen wir damit keinen abstrakten Vorgang, sondern vor allem eine brennende Frage des Schicksals unzähliger, Beschäftigung suchender Menschen. Der Begriff einer„strukturellen"' Arbeitslosigkeit ist zu oft mißbraucht worden. Eine Mrlschasl, in der Millionen vorhandene Arbeitskräfte keine Deschästigung finden, ist keine gesunde, normal sunkllonierende Wirtschaft. Ist dieser Zustand„strukturell"', so ist eben dies«„Struktur" verfchll und untragbar. So klar wir sehen. daß in der kapilalistffchen Wirtschaft völlig« Sicherstellung der Beschäftigung für alle Arbellssähigen unerreichbar ist, dürfen wir uns auch in der kapitalistischen Gesellschaft nicht mit einer dauernden mossenhaften Arbcitslossgkeit abfinden. Unser war der Sieg nn Kampf gegen die Katastrophcnpolitik, die uns mit furchtbarer Verschärfung der wirtschaftlichen Röte droht«.„Nun erst recht," sagt« Hugenberg nach der Annahm« des Neuen Planes. Swn erst recht!— das sagen wir auch. Erst recht zum Kampf um die Sicherung der Beschäftigung, der Existenz und des Wohlstandes des arbeitenden Volles. Schwere Erholung. Berlins ArbeitSmarkt noch nicht erleichtert. Während in der Berichtswoche vom 3. zum 8. März die Eni- lastung des Arbeitsmarktes in verschiedenen Bezirken bereit» fühl- barer geworden ist, hat aus dem Berliner und Branden» burger Arbeitsmarkt die vorübergehende Besserung in der vergangenen Woche bereit» wieder einer neuen Belastung Platz machen müssen. Nach dem Bericht des Landesarbeltsamte« Brandenburg(Berlin-BrandeuburgüLrenzmark) war in der Lerichtswoche«in Zugang von 1220 auf insgesamt 406585 Arbeitsuchende zu verzeichnen. Die Abnahme in bez Dorwoche belies sich auf 6002 Personen Hiervon entfallen auf Berlin 341 419, aus die Provinz Brandenburg 142001 und auf die Grenzmark 13165 Personen. Di« Zahl der Hauptunter st ützungeempsänger belies sich auf 321 771 gegen 323 118 Perkonen, die der Srssenunterstütztsn auf 42877 gegen 42038 in der iBonvoche. Di« Gesamtzahl der unterstützten Erwerbslosen stellt« sich also in der Betriebswoche auf 364 648 gegen 367 146 Personen. Die schlechte Lage in der Berliner Metallindustrie hat in der Berichtswoch« in erster Linie zu der erneuten Verschlechte- rung des Arbeitsmarktes beigetragen. Hierzu kam. daß die Früh- jahrsbelebung in der Landwirtschaft noch nicht die erwartete Neueinstellung von Arbeitskräften mit sich bracht«. Auch der De- schäftigungsgrad im Braunkohlenbergbau litt noch unter den Absatzschwierigkeiten und hatte ein weiteres Auwachsen von Arbeitsuchenden zur Folg«. Der gleichfalls schlecht« Stand de» Be- schäftigungsgrades in der Textilindustrie zeigt deutlich die Auswirkungen der katastrophalen Arbeitslosigkeit der letzten Monate, die zu einer scharfen Drosselung der M assen taufkrast geführt hat.____ 9 proz. Bergmann-Dividende. von den drei großen Berliner Elektrokonzernen«röfsenwchl fehl die Bergmaoa EleklrizitSlsmerke A..G. in Reinickendorf als letzte» llnleruehmcn ihren Abschluß für 1329. Der Reingewinn wird mit 11,8 gegen 12,2 AUMovea an»- gewiesen, während sich Steuern von 4.8 auf rnnd 4,4 und die Sozial. abgaben von 1.74 ans 1,70 Millionen ermäßigte«. Aach Abzug der fast unverändert gebliebenen Abschreibungen auf die Werksanlagen in HSHx von ILO Millionen, wird Än gleichsall» vnveränderter Reingewinn von 4,48 Millionen ausgewiesen, an» dem eine Dividende von S Proz. wie im Vorfahr ovsgezahlt wird. Dl« fast haargenaue Uebsrciustimmunz der Gaolnazissern mil dem Vorjahr läßt darauf schließen, daß die Bilanz„von hinken" avfgemachk ist und alle übrigen Posten der Dividende und dem Reingewinn angepaßt worden sind. Große GewinnebeiGtock-Gpiralbohrer Wieder 7 Prozent Dividende. Der kräftig« Ausschwung der Berliner Wertzeug, und Maschinenfabrik R. Stock«. Co. in Marienfeide hat«ich in dem jetzt abgeschlossenen Geschäftsjahr 1928/29 ang«hallen. Die im vergangenen Jahr von 1,6 auf 2,2 Million«» gestiegenen B«» tri«b sg«winn« sind im Berichtoftchr weiterhin auf 2,4 Millionen angewochf«n. Trotz erheblich heraufgesetzter Ab- schr«ibung«n von 0,28 Millionen und beträchtlich gestiegener Zins- kosten liegt der ausgewiesene Reingewinn von 625 000 Mark doch noch über den Ergebnissen des s«hr guten Vorjahres. Di« Dividend« bleibt mit 7 Pro», unverändert. Nach dem Geschäftsbericht konnte das Unternehmen den ver- ringerten Inlandsabjatz durch verstärkten Export lm wesent. lichen ausgleichen. Durch die fortgeschrittene Jndustrienormung wäre die Logechaltung und die damit verbundene Festlegung von flüssigen Miltein bedeutend erleichtert worden. Daher ist auch der Posten Halb-und Fertigfabrikate. der in der Mlauz mit 4V Millionen «rjchemt, als stark« Flüssigkeitsreserve anzusehen, weil die genormten Fabrikat« jederzeit vertauft werden können. Die Gesellschaft hat jedenfalls, das beweist auch der vorliegend« Abschluß wieder, von der Rationalisierung kräftig profitiert. Ob die Belegschaft von der Rationalisierung außer erhöhter Arbeitsleistungen auch etwa« gehabt hat. ist«ine ander« Frag«. Aktive Hattdelsbilanz. Größerer Avssahrüberfchuß im Februar. Der deutsche Außenhandel im Monat Februar, dessen Ergebnisse jetzt vom Statistischen Reichsamt veröffentlicht werben, weist einen Ausfuhrwert von 1026,3 Millionen auf. dem eine Einfuhr von nur 981.6 Millionen Mark gegenübersteht. Es ergibt sich demnach für den Februar«in Ausfuhrüber« fchu ß von 44,7 Millionen, dessen tatsächliche Höhe aber sogar auf annähernd 100 Millionen steigt, wenn man die im Berichts» mvnat nachträglich durchgeführten Zollabrechnungen für 1929 berücksichtigt. Ausfuhr und Einfuhr sind im Februar gegenüber dem Vor« monat zurückgegangen, die Einfuhr jedoch in weitaus größerem Umfange. Die Verringerung der Ausfuhr von 1,09 auf 1,02 Milliarden, also um rund 66 Millionen, ist hauptsächlich auf die geringer« Zahl von Tagen im Benchtsmonat zurückzuführen, denn auf den Arbeitstag umgerechnet ergibt stch für den F�>ruar gegenüber dem Januar sogar eine erhöhte Ausfuhr. Varengrupp»» Slnfubr Au««ul>r Febr. im San 19S0 ftobr 1980 Jan. 1890 in 1000 M. guratantn; 1144 485 1 329 612 1 030 092 1 085040 Dem rein ztssermnäßigen Rückgang der Einfuhr im Fe- bruar gegenüber dem Bormonat von 323,2 Millionen entspricht unter Berücksichtigung der im Jamiar vorgenommene» Hall'jahves- abvechnungen nur ein tatsächlicher Einfuhrrückgang von 201,3 Millionen. Trotzdem ist die Senkung der Einfuhr bedeutend. Sie entfällt in erster Linie auf die Gruppe Lebensmittel und Getränke, die um 202,5 Millionen, sowie die Gruppe Rohstoffe und Halb- fabritat«, die um HOL Millionen Mark geringer ausgewiesen sind al» im Januar. In beiden Gruppen hängt die Abnehme der Einfuhr mit Voreindeckungen im Januar zusammen. Unter den Rohstoffen weisen einen stärkeren Rückgang Mineralöle (minus 27,8 Mlllwnen). Wolle(minus 22,9 Millionen), Baumwolle(minus 22,3 Millionen), sowie Bau- und Nutzholz, Oel- früchte und Oessaaten auf. An dem Rückgang der Gesamtausfuhr sind Fertig» f a b r i k a t« mit 39,4, Rohstoffe und Halbfabrikate mit 25,1 Mit- lionen Mark Minderaussuhr beteiligt. Von den Fertigwaren sind m erster Linie Walzwerkserzeugnisse und sonstige Eisenwaren und auch chemische Produkte betroffen worden. Berücksichtigt man, daß der Februar drei Arbeitstage weniger dieser jski-en Wocfie auk all« Ware n der öbriaen Abf-eilunqen (HerrertJüiiqiings-Xneben-, Spoit-, Hode-ArHkel) ermä- ötqung VS als d?e öeiden vorherzcheiÄen Monate aufwies, so läßt sich aus den Ausfuhrergebnisien des Bsrichtsmonots noch nicht auf eine verringert« Aufnah Niefähigkeit der ausländischen Märkte für deutsche Waren schließen. Auch die Einfuhrziffern, die für die Beurteilung der inländischen Konjunkwr wahgevend- sind, b«cten wagen ihrer Beeinflusiung durä) die Voreindeckunzen im Januar keinen näheren Anhaltspunkt für die wirtschaftliche Entwick- lung der nfichsien Monate. Diese wird sich von der Autzenhairdels» feite erst nach Veröffentlichung der Ergebnisse des laufenden Monats deutlicher abzeichnen. Nie Verschuldung der Großstädte. Sie ist bis zum Zil. Dezember noch weiter angewachsen. Nach einer Deröffeirtlichung in„Wirtschaft und Statistik" haben sich die Schulden der Großstädte im letzten Kalender- qua rtal 1923 noch bedeutend erhöht. Sie stiegen von 4,21 auf 4,45 Dtilliöncn Mark, also um 235,2 Million en. Auf den Kopf der Bevölkerung kommt Ende 1929«in Schuldbetrag von 252,53 M. In den neun Monaten seit April ist eine Er- höhung von 764,2 Millionen Mark eingetreten, von denen allerdings 156,9 Millionen auf das Konto der Umgcmcindungen im Ruhrgebiet zu fetzen sind. Die Steigerung im letzten Quartal entfällt nahezu zur Hälfte auf die wenigen Städte über 5991)96 Einwohner. Immsrhin ist festzustellen, dah im dritten Quartal das Tempo der Verschuldung sich etwas verringert hat.'Rur 56L Millionen des Zuganges im dritten Quartal von 235,2 Mil- lionen Mark sind als langfristige Kredite zu bezeichnen: der Großteil der ReuoerfchuDunq ist also kurzfristig und Mittelfristig erfolgt. Man wird mit einiger Spannung der Entwicklung des ersten Kalender- quartals 1939 entgegensehen dürfen, in dem bekanntlich die Um- schul dung der Städte begonnen hat und eine weitere Steigerung besonders der kurzfristigen Aerschuldimg demnach nicht mehr zu erwarten fein sollte. Oesterreichischer Stromexpori. Gründung einer staatlich-privaten Dachgesellschaft. In Oesterreich wird in diesen Tagen ein«„A.- G. für ö st e r- reichisch« Elektrizitätswirtschast" mit«inom ver- HAtrtismähig kleinen Kapital von 599 999 Schilling(399999 M.) gegründet werden: die Gesellschaft' soll«in« Dachgesellschaft zur Durch. führung gemqiniamer Arbeiten durch die großen österreichischen Elektrizitätsgescllfchoften werden etwa nach dem Muster der ,L.- G. für deutsche E l e k t r i z i t ä t s w i r t s ch a s t". die im Mai 1928 in Berlin gegründet wunde. An der deutschen Dachgesellschaft sind all« großen stromerzeugen- den Gesellschaften und Konzerne zu(Zieichen Teilen beteiligt: da- gegen sollen in Oesterreich 51 Proz. des Kapitals bei der Dunides- regierung liegen. Der in Oesterreich zu gründenden Gesellschaft ist von ooricherein ein wichtiges Arbeitsgebiet' vorgezeichnet: die gemeinsame Bewirtschaftung des Stromexports. Gegenwärtig sind in Oesterreich eine Reihe großer Projekt« in Vonbereitung oder Durchnihmmg, bei denen der gewonnen« Strom zum größeren oder kleineren Teil ausgeführt werden soll, und zwar fast ausschließlich nach Deutschland. Di« österreichisch« Dach- gasellschaft will einerseits die Stromausfuhr in gewissen Grenzen halten, damit der Strombedarf der österreichischen Wirtschaft' mcht geschmälert wird: andererseits� sollen Doppel, und Mehrfach- investierungen vermieden werden. Es liegt auf der Hand, daß«ine Zu s amxn« nnr b ei t wib'deutschen Gesellschäften gteichfollz von vornherein:«) den Progran-nrpunkten der neupn Doch- gesellschäst gehört. Vielleicht: wird hierdurch die A.-G) für de uts ch« Tätigkest ver- anlaßt. Eine großzügige und umfasfeude Organistcrung des öfter- reichfckhen Wasierkraftausbaus und des österreichischon Stromexports nach Deutschland liegt angesichts der fähr reichen Wasserkrafworrät« Oesterreichs und des uminterbrochen wachsenden Strombedarss Deutschlands im Interesse beider Länder. Unanzstärkung Rockefellers. Eine Riesenwsion amerikanischer Danken. Die New-Borker Ehase National Bank verhandelt mit der Equitable Trust Co. über«inen Zusammenschluß. Die Zentralisierung im amerikanischen Bantwesen würde durch die Fusion einen Riesenschritt vorwärts gebracht werden. Die Ehase National Bant, die früher als zur Morgan-Gruppe gehörig angesehen wurde, aber sich in den letzten Jahren ziemlich selbständig entwickelt hat, ist zur Zeit die drittgrößte amerikanische Bank. Sie fusionierte 1929 mit der Earfield National Bank, der American Expreß Co. und National Park Bank, so daß sich ihr Kapital von 1928 bis 1929 von 69 auf 195 Millionen Dollar erhöhte. Reserven und unoerteilte Gewinne wuchsen von 77,5 aus 136,36 Millionen Dollar an, anderer- seits die gesamten Aktiven von 1439 auf 1715 Millionen Dollar. Der Reingewinn des Jahres 1929 betrug nach Abzug aller Steuern und Abschreibungen 18,3 Millionen Dollar oder 76 Millionen Marl. Die Equitable Trust Co. erhöhte. Ende vorigen Jahres thr- Aktienkapital auf 59 Millionen Dollar: die Gesamtsumme der Aktiven betrug rund 1 Milliarde Dollar. Diese Bank befindet sich m. engen Geschästsbeziehungen zur Rockefsller-Gruppe. Ihrem Treuhänderausschuß gehört als Vertreter von John D. Rocke- feller Bertram Cutler an: als Vertreter der von Rockefeller lon- trollierten Ständard Oil Co. of New Jork, Howard E. Code. Ihr Präsident ist seit einigen Monaten W. A. Aldrich, der seinerseits die Rocksfeller-Grupp« in ihrem Kampf um die Standard OU Co. of Indiana mit aller Energie unterstützte. Das Jahr 1929 hatte der Bank die Verschmelzung mit der Seaboard National Bank gebracht. Reue Goldpsandhriese. Die Deutsche Hypothekenbant :n Meiningen macht im. heutigen Inseratenteil belamit, daß sie ihre 8prozeMigen Goldpsandbriese, die sie in letzter Zeit nur gegen bar abfegte, in Fortsetzung ihres früheren Umschuldungsangcbots auch wieder gegen Hereinnähme ihrer 4)lprozen:igcn Liquidations- Goldpsandbriese bis zu 3 099 009 Goldmark abgibt. ÜIuU'GamgiiNKstaiiS' Auch möchte Ich noch mltttilen, daS Ihr Kniet*» IJnlversal-Tce«roha-«« bd BlutreiBjaon-«ewlrkt hat Frau M. HevdnUz. 3». 7. 37. Kwiet s Pflaiter durfte In meiner und meiner Eltern Hausapotheke niemals fehlen und ist stets, also Ober 50 Jahre, rnlt bestem Eriolil angewendet worden,' ebenso KwlcF« Uclrcr»al-Tee... Er kann daher allen meinen Mitmenschen warm empfohlen werden; es ist nur bedauerlich, daß er in den Apotheken der leidenden Menschheit nicht noch viel häutiger empfohlen wird. Frau Rentier« A. K.. Sdiiacliiewee. 6.12,37. Seit 80 Jahren käuflich In fast allen norddeufseheo Apotheken ä M 150. Karpack. 10 Kart M 18---- Aeritl. Gutachten, Büchlein u- Krankheitsbdder gratis Hans 8w!ef sPIiaslertabr� Berün SW#8V, AlexanariaeDsir.2ö Die Berliner Sozialdemokratie ruft zu einer großen Kundgebung heute, Sonntag, den 16. März, vormittags 11 Uhr, nach der„Neuen Welt", Hasenheide. Redner: Carl Seversng, Otto Wels Programm; I Zwei Märsche; a) Sozialistenmarsch (Vereinigte Reichsbanner-Musikkapellen Wedding und WeiBensee) b) Drum, junger Tambour, schlage drein I (Vereinigte Reichsbanner-Musikkapellen Wedding und WeiBensee und die Spieimannszüge des Kreises Norden) 2 Zwei Kampflieder(Männergesangverein„FiChte-Georginia') 3. Ansprache. !. Kampf ied(Männergesangverein..Fichte-Qeorginia") S. SchiuBmarsca;.Brüder zur Sonne, zur Freihdt" (Bläserchor des Reichsbanners) Parteigenossen, Arbeiter Berlins, erscheint in Massen! Oer Bezirksvorstand. Auszahlung des Parteinoiopfers. Keine Redensarten, sondern praktische Hilfe. Die große Massenarbeitslosigkeit hat auch die fozialdemo- tra tische Arbeiterschaft zu einer erfreulichen sozialen Tat angespornt. In der Berliner Organisation der Sozialdemokratischen Partei haben dt« Parteimitglieder für die Arbeits- losen ein Parteinotopf er gesammelt. In bewährter Solidarität haben all« Mitglieder zu diesem Notopfer beigesteuert. Der Kreis Mitte konnte am Freitag an feine arbeitslosen Parteimitglieder die ersten Unterstützungen auszahlen. Im„Nofenchaler Hof" wurde eine Versammlung abgehalten, in der das Borstandsmitglied Bernau cor den Arbeitslosen referierte. Eingehend zeichnete er die Wirt- schastslaze auf. Partei und Gewerkschaften haben alle Kräfte an- gespannt, um durch geeignete Borschlöge die Wirtschaft wieder an, zu- kurbeln. Vor allem dos Baugewerbe muß wieder Bc- schüft igung finden. Beschaffung von Arbeit» Möglichkeiten kann allein die Arbeitslosen aus ihrer Not befreien. Darüber hinaus will die Partei aber beweisen, daß sie ihren arbeitslosen MitgÜedcrn auch in der Not die Treu« hält. Darum die Sammlung des Partei- noiopfers. Nach dem Referat wurden an etwa 299 Erwerbs- lose die ersten Unterstützungen in Höhe von je 19 M. ausbezahli. �iSozialUischeArbetterjugendGr.-Verl!» SinfoibmiMn fär Wtf« Jtabril nur en bc« Znzendsehrlerlel Striin 6® 68. ftnSenflrofe S Film-Matinec. Senfe, 11% Übt, Im Phöbire-Pelast, Strtstwennstrnh« kOnapn-Snnn nm VnbslU« e«8ni»s>, Urcufiiilirnnn.Ohn« Aule tmnfi Ttfrila". Denech latt't bei MI» ,3» Schatten btc Malchin«*, eintritt 40 PI. Säe»Offen erscheinen. * ffffe Mennbc her internationalen«Icinatbtlt oetenslalirr.«n Mittzpoch. 19. MSra. 20 Uhr, elncu Porttd« in«nanmer unf beulläict Sprade'.iit bet SuIaBes«ollnischen«rnnritslum a,•ShfcIltraSc.- Es Ipelcht K-norfln IZa» Ioklvn. Lsnänn itbcr„ScbetterbUbunn In........ Heute. Sonntag. IS. Zstärz. Seoerlschnltohan»: Treffpunkt Jlut Mlrn-Natine« 10 lUt.sTaÜcnedt".— Srnnvalbtt Sind: Seim Siafteniiirnet eicaRe: SKätjfeler.— Schönlmnler Kor. ftabt: UPi AI»; Tresfpuntt zur izitm.Metince.Co.aaliftenAlcke". IS Übe Leint. obeub. Ediänflicfitt Ott, 7.— Roebosten Vi: Keim Ammaniielkirchstr. 24. pari.: S-Imabenb.— Sübmeki: Sei» Linbenkiz. 4: Seimobend ab 19 Übe.— fitiimee«. borfs SUerbefeiet für die weltliche üchule.— Trael: Seim Bohnbofstr. IZ: Seimabenb.— Schönebeen U: Beieiliannq an der Veranstaltung des W.-B. ReukÄIn. Treffpunkt 17 V, Übe v.Padn«erastra�e, Sussang Eoechestraffe.— Pankow III. R. ff.; Trelwunkt 10 Ubr Markrpldlt zum Boluch der gilm-Matinee und lOVi Ul>r Mühlen- Ecke Berliner Straße. 18 si, Uhr Treffpunkt Markt zum TantüQbeuid. Werbebezirk Tiergarten(nnb Lpanban): Reichstas-bkstchtigung fallt aus. 19(4 Uhr im Seim Lehrter Str. 18—19: Märzfeier. Werliebeurk Westen: Die bereit» verkauften Karten kstr die Werbeperan» staltunq müssen heute unbedingt im Lelm irostnenstraß« abgerechnet werden. Weihe bezirk Osten: Besuch der MIm.Matinee lEurppa>Kausl. Strnsemaun. straf». 14>4 Uhr L'.Bhf. Muabalen. Bistchtigun» des Mustbalen« und Mieze;' mit dr».Siurmpozel. 20 Mir Seimabend Litauer Str. 18. Montau Uebtn der Tanrbpurkapellc im Leim iSoßlcrstr. 01. Dienstag Turnen Schule(Subener � Werbebezirk Teltowknnalr Bunter W..B..Seimakenb 18 Uhr I» Seim Llchtrrkelde, Albrochtstr. 14a. Morqen, 20 Uhr. Keitunstsableutesißuns beim Genossen ftronz, Lankwiß. Mener-Waldeck-Str. 1. «erbebezirk Lichtenberg: Selm Gunterftc. 44, 1914 Uhr: MZrzfeier mit buntem Prozraann. ?!«erbebezirk Neukölln! Saalban Berqstr. 147: Mimabend 18 und ss? H. 30 Uhr..SSmii:r Astens" als Erstaufrührunq für Neukijlln. Gutes � W Beiprogramm. Erste Borstelluna für(linder 20 Bf. Erwachsene in S W beiden Millen 50 Bf. Einlaß ITVi und 19% Uhr/ Morgen, Montag. 19k/z Uhr. ga�ilnß I und II: Lichtbilderportraa:»Da» Gtunnjahr 1848".— Bemann. Plast: Schule Echrrenberastr. 7:»Marz-Revolution�— Sm am« Iber Plast N: Leint 9!cftenbursce Ecke Wehlauer Straße: Liederabend.— Nordost-u II: Laim Danziz-r Str. 02. Baracke t:»Marz 1848".— Schchi hanser Dorstadt: Seim Sonnenburaer Str. 39:.Im Dialekt".— Andreaoplost: Heim BrrMmnstr. 1: llebunqeabend.— Lalleiche, Ton: Seim Borckiir. 11:.?!« Bedeutung des 13. Marz 1846".— Treptow: Selm Wildendruchstr. 02:»Diktatur oder Demo. lratiei"—.Nordosten I und II. LUmnroIbe« Plast I und II, SeI»d»I!iplast! Wichtig.« Zeilunasobleuieststung»�'rtre Pionier". Jede Gruppe schickt zwei Ber. tceier. Siehe Werbebezirk Tellowldnal.— Steglist: Beieiliauna an der aeitunaspdleuleststima des S.,Bezirks.— Briest I und 11: Werbeausichustststuna psn Sun In den ersten Abcndslimd«» wird aus Köniasderg ein großes Orchesievkonzert mit Ouvertüren unter Leitung Hermann Scher- chens übertragen. Das Orchester ist in Slang und Drsziplimerung von hohem Rang und Scherpen ein großer Dinigent jenseits jeder Schablone. Ein in jeder Beziehung vorbildliches Konzert. Daun liest Fritz Lyon aus seinem Buch»Dämon Morphium". Ein- leitend bemerkt der Verfasser, daß er selbst einmal Diorphinist ge- mcsen ist und daß er sein Werk gewisieriiioßen als Warnung ge- schrieben habe. Wer das Buch scheint mehr zu sein, als nur Selbst- oorechnüng, Anklage und Warnung, es zeigt«ine gestaltende und Iprarblünsrlerische Krast.„Karussellfahrt" heißt ein Tanzspiel, das Htmsjürgcn Wille verfaßt hat und zu dem Friedrich Wilckens die Musik schrieb. Die?d««, die sich tänzerisch aus der Bühne aus- drücken soll, und die der Verfaffcr kurz skizziert, versteht der Hörer b«i der Sendung nicht. Das Resultat ist nicht beso.chars befriedigend. Es folgt Kabarett unter dem Titel.Ä,i Zickzack durch die Siede" Wwia«». Bbmblümchenhaftes und Ironisches bilden«in schmack- ':s Ragout.: Sch- le! Sams ffunffmann, önTeT.Stallff.Str.• IIS.— Pankow m, 9.{f.: Wich» abert» mit äcn Suitafo.v.alift-'n im Seim Äisstngenstr. 48, Znktrumente Mck» brinq-sn.' Werbebezirk Wcdbina: W..B..Bo»llanbsststuna Im Seim Utrecht« Stneßo. Werbe bezirk Kitte:.Seim Zehdenicker Str. 34-25:«..«..Borstgubssistunq. «erbeb-, Irl Bcinickerbor!: Bl-B-lBorstaudsfißung Mit öen Bbteckunq-lelter» und Zusendbelriitcn im Leim in Teeel.-.Bahnhoiltr. lä.-Erscklsuten ist Mlfchl» Voriräge,VereineundVersammlungen, Reichsbonner„S chwarz- Rot-Gold". «, k ch I k t» st e:! 4: Berlin s 14. E-bastranstr 37-38 So!?. TN. Dienstag. 18. MS«. Webding.«Fobfolieee. und Nachrichten. Abt.: 20 lliir Qufterflrö2iitti(fie 6ifeun« bei ionMfc, Schulftr. lauer Ber«: P.amcrciifiiaft&perfamjnlunflcn um 20 lüjt felbctpfali bei LeUes. �reaslancr Wee Ecke ailcftfc Straße. lRlckt.am MNiag. 17. Mcir?). Kaareradsick�aft Äri'.5walder Plad bei Sau.'aNke, A�cnstetni?L-s- Humannpla� bei stobst, Liarc�arder»irch straße. zwanglos» Mrtglrederzn'amm�ukunft. 5hvst?nlose Auskunfterteilunq in Auswertungssragen. �Oäste. w.lltommen. Vereinigung der Fren; de v"» Religion und Vellerfrieden. Bruno 5». Bürgel, der bekannte Schriftsteller und Astronom, spricht a�n kommende Mittwoch. 19. Mar,, pünktlich 20 Mr, im Nabmm eines Li»«ldewortragss in der Aula der 5:a'.ser,s?riedrich>5chnle. EharloLttniburg, Anefeb?cksyatze(am Savignvrlatz). über das Thema.?m Unrndlich2n". Der Eintri'tsprets oetragt SO Vf. Arbeitslose.»ablev gegen Tvrzsigung' des Ausweises A Pf. E'N« Bs» stchtiaung der Städtischen Wasserwarke Wuhlbeide findet am Sonntag- 16. aRHw, statt. Drcffpunft 9H Ubr am Bahnhof©ichlfjcide. Die Rundfunk. rede, die Pfarrcr Bleier ar.n 53. ssebruar gehalten hat. ist.noch gegen Ein» sendung von W Bf. von W. SchLnlzerr, Berlin�StcgUtz- Schönhauser 14 (Telephon: Steglitz 8173), zu haben. Allgemeine Wetterlage. tSM&rz 493asbds.�� O iwlksnlosO beifep.O hilbbedoA »vwydg,Obede<Ü*�m&Gfi'jpe'i ......~ewvm-(§>vi-te"r Unser Bezirk liegt immer noch im Grenzgebiet zwischen kästen polaren uich milden südwestlichen Lüftmassen. Die Bewölkung ptär daher meist stark. In der s tidlichen Hälft« Mitteleuropas, wo heu» die mistere Luft das Wetter beherrschte, stiegen die Temperaturen ziemlich hoch an. Ilm Nachmittag traten aber dort wieder etwa» kühlere westliche Luftwaffen ein. Dabei kam es in Oslsrankrcich. der Schineiz und Südwestdeutschland zur Bildung zahlreicher Gewstter. Die herrschende Luftdruckverteilung spricht dafür, daß unser Gebiet voriibcrgeliend mit etwas Milderung zu. rechnen hat. * Wetteraussichten für Berlin. Wollig mst Neigung zu«Inzest»« leichten Niederschlägen. Temperaluren im ganzen etwas höher.—> Für Deutschland. Im Norden noch kühl, im Süden ziemlich mild. Än größten Tell des Reichs vielfach Niederschläge. Der ellae meinen schlechten Wirtfibastslage Rechnung tragznb, hat Istl EkiGEISS IdiSIl-NIlE, die fjchrende enzNfche Sprachichul« Berlins, ß'h ev.'. (Slassen. neue billige Äurle eirrzurilbten. um. allen. ÄreileN den Besuch ihre» gnlritijls z» emioalichen. Die neuen llurke. die in dielem Monat ldx>n»b-- äinnen. kosten nur Z M. hn Monat, so daß nunnrher die weitefleii ftteif« den Porteil dieses Snllrluts genießen können, fln biefeu schlechten?eitin. in welchen die©elbimippiieit herrscht, wo aber allst, die vorwärts lommnr. wollen. die«'.'glrfche Sprache lernen mtissen. ist dieser Schritt de» enaüscheu gnfti'ul» »u bezrllßcn. THE ENGLISH INSTITUTE besitzt zwei schulen in B-rli», in der Leipziger Str. 1(17 und In der Bllldwllr. 93.. Sehe nichtig ISe?hr Ansleben ist eine einlache durchführbare Bfleae Abres Eesidsts, um immer Irisch und schön auszusehen. Leicht erreichen Sie dies durch Anwendung von Marnlan-Errme, dir auch Istalten lernbätt und por'reiben kann. 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Am vorletzten Sonntag seines Berliner Egstiuiels bat Earralani folgende Borltellungen vorgesehen: Vormittags von S'/j— 1 Uhr findet große Tier- und Intckncrsckau, rerbuuden mit Blassen- kontert, Natt.(irwacKea, 1 R.. Kinder 50 Bf. Eintritt. Kcrtenperkauf nur bis 131- Ubr. Aacknnitlag» 3 Mir große Kamiliennorstellung mit vollwertigem Abendprogramm. Kinder zahlen auf allen Blößen von 2,20 M. aufwärts Halde Pre'lr. Adends 7 ist Uhr Vorstellung. Sartafani schließt nächsten Sonn. lag. 33. Mörz. l ßll««?»«4»« AM BKTSN NUR VOM_ gebildeten, befählq'en urd erfahrenen Engi' ndern und AmerlkÄnern Verlanoan Sie koetan Ionen Prornakt„O" THE ENSLISH INSTITUTE I»lortger StrnBa 107 und BOlows raS« 9' ÜnmMmQ�eäsßMmJdmuäuu�bd Aul wünsch ErJeichterte Mte" BERLIN HAMBURB ALTONA KÖLN HANNOVER. OOSSELOORF DORTMUND ESSEN DUISSURXä MASDESURÄ FRANKFURT Vn JäSszqams 19S0 aHexi �eisjaLden. rmseses Haxises ixxid. dbenen., die es"weidexi."woLlen. Copyright b» Kurt Lisser Reklame 1930 Nachdruck von Wort und Bild verboten! Mwoa&ss&esc 3 Mit den vielen anerkennenden und zustimmenden Briefen, die unsere erste C.& A.-Seite gebracht hat, kam auch ein Schreiben von einem„unzufriedenen Kunden". Es ist ein interessanter Brief, weil er ein Thema behandelt das heute die meisten Menschen beschäftigt, und deshalb möchten wir ihn unserem Publikum nicht vorenthalten.- Hier ist er: „Bei einem letzten staitgefandenen Kaaf in Höhe von angeföhr iOO Hark bei einer anderen Firma wollten wir bei Ihnen kenfen, aber' leider unmöglich, weil Sie kein Cred&sysiem haben, tdi aber nidd in der Lage wo* die Kauf- lamme wwi tierk 98,7 S sofort auf ein Breit zu legen) da aber eine andere Firma diese Summe in drei Teile legte, war es mir möglich, den Kauf dort vorzunehmen. Sie werden jetzt fragen, warum ich dabei unzufrieden bin? Nun. wir sind bis 1929 Ihr Kunde gewesen, ihr zufriedener, denn z. B. hoben wij einen Damen- ü/tnier-hfantel gekauft, des war 192S. Diesen Mantel trögt meine Frau heute noch, man kann Ihm dabei das Alter nicht ansehen. auch nicht, wie er getragen ist Hingegen waren wir mit einigen Sachen bei einer anderen Firma nicht zufrieden. Also möchte ich fragen, aa- rum Sie nicht das CredU- System einrichten können. Natärlich gilt Ihr Bbtecand- sSamlge Zahler- eher es muß doch möglich seit, sich solche Kunden vom Leibe tu halten/. usw. iMeln, Herr P— r, es Ist nicht ffiOglich. sich solche Kunden vom teibe zu halten(wenn man sie als säumig erkannt hat,, ist es ja bereits zu spät), aber man sichert sich gegen sie durch einen Aufschlag auf den Preis(den sogen. Risiko-Aufschlag), und den haben auch Sie bezahlt als Sie auf Abzahlung kauften, zusammen mit dem ebenso selbstverständlichen Aufschlag für Zinsen. Unser Verkaufs-System, das Unsere immer wieder bestaunten niedrigen Preise ermöglicht verträgt sich nicht mit dem Abzahlungs-System. Aber wir möchten Ihnen einen Vorschlag machen, Herr P— rl Einige Zeit bevor Sie wieder einen Mantel för Ihre Gattin oder einen Anzug für sich kaufen wollen, sparen Sie etwa Va der Summe, die Sie anzulegen bereit sind. Dann— wenn's soweit ist— kommen Sie zu uns, treffen Ihre Wahl, zahlen uns das gesparte Drittel und ein weiteres Drittel (das Sie ja auch im Abzahlungs- Geschäft als Anzahlung zahlen müßten), und was immer Sie gekauft haben, ist das Ihre. Das dritte Drittel brauchen Sie überhaupt nicht zu zahlen, das haben Sie glatt gespart! Denn ein Mantel oder ein Anzug, der nach Ihrer Schilderung Ihren Ansprüchen genügt, kostet bei uns nicht 100 Mk. sondern nur 60 Mk., aber höchstens 70 Mk. Ist das ein vernunftiger Vorschlag, Herr P— r? «U.EIDUHÖ« TwccJ..,« Das Wort ist aufge.' sprangen, und schon tönt'» tu aller Ohren. lockt in allen Auslage» .... Tweed. Das Wort klingt weich und sympathisch, genau so, wie der Stoff ist. weich,, voller Güte und schmiegsam. Tweed... Tweed... fast wie Schwalbenzwit- schern klingt's und edel wie eine Frühlingswiese voll Krokus. Tweed ist die große Frühjahrsmode, ist die leicht erreichbare Sehn» sucht aller schicken Frauen, ist haltbar im Tragen und zu jeder Tageszeit richtig. Und so schön zn ein» fachen Etraßenkleidern passend, zu glatten Män> teln mit kecker Pelerine. ja sogar zum Hut und zur feschen Blusenlra» watte. Tweed muß es feta! Sas kNugt direkt psetisch. nicht wahr? Aber für dieje ent zückend».Kleidung ist e» wirklich nicht zuviel. Welches von de» drei Siel. duvgsftücken, die wir Zh»e» hier zeigt», kommt wohl Ahm» Geschmack und Ahrem Duusch am uöch. ße»? Vielleicht der flotte Mantel, der die jn. oendliche Linie so sehr betont? Sie habe» hier die neue gemustert« Karr, ei», durchaus «oderntPer- rbeituug, gouz auf Sunstseideu, Duchesse und dazu de» (chicken, aparten, zwei» irdigen Lebergurtel. Und mit all diesen Reizen kostet diese: Mantel bei uns doch nr Mk. 35.- Oder wie wZr'o mit diese» schicke». hochmodernen Tweed. Aleid? Seine Weste ist ans Kunstseide». Rip,. et«»w-ifarb». rter Ledergllrtel nud gebe» diesem«legau teu- Kleid»och ein« besonder» ge füllige Note. Und dazu dieser geradezu berückend niedrige Preis von "l 16.501 Aber vielleicht zie» » Sie die» sesche Frühjahr». Cvmplet vor? Sin entzücken. de» Kleid, da» sehr apart mit Viesen und »iyech kleine» Pike- Einsatz-erziert ist, g- HSrt dazu. Sein Mau. tel ist in der wo» derssten Form ganz auf Futter gearbeitet. Und der Preis für da» ganze Gowplet ist bei uns mu-Mt. 59.— OHE SCHÖNHEITS< zu spielen, ist nicht jedermanns Sache, aber jede Frau hat die Verpflichtung, schön, jung und modern auszusehen. Wohin aber schaut man zuerst? Natürlich ins Gesicht! Und das wird unter allen Um» ständen und immer gefallen, wenn es den passende» Rahmen hat— den richtigen Hut. Aber Sie dürfen nicht glauben, meine Damen. daß uns die Mode tu dieser Saison mit der Glocke den„Ginheitshut" beschert hat. und daß Hie sich nun einen{-beliebigen Hut kaufen rönnen, um modern zu sein. O nein! Für jedes Gesicht gibt es de» Hut. Auch für das Ihrige Aber den zu finden, dazu gehört eine enorme Auswahl(wie bei uns) und eine Verkäuferin, die mit Geschmack au» der Fülle de» Hut herausfindet, der für Sie. der richtige ist Und die Preise?— Finde» Sie diese fesche klein««locke«» Spitzenstoff i» ent- zückende» Tweedfar- de», elegant i» Af\ gefüttert.fürsZ.�V »lchteinfach fabelhaft? Und so find ste alle! Entzückend fesch! Beglückend billig! Kommen Sie bald—«Ha Hut wartet auf Sie! MittrvO-oh Di« Inhaber unserer Geschäfte— nvr die 'mit de« Räme» Breuuintmeyer— haben iuszesamt SS Kinder: SV Buben, 2K Mädchen! Verstehen Sie nun. warum wir mit ganz de» sonderer Liebe unser« Kindertage und die Kin» derkleidung überhaupt pflegen? Und warum wir an unseren Kindertagen immer etwa» ganz Besondere», ganz Außer» gewöhnliches an Preisen tun. damit auch die Mütter, die sparen wollen und sparen müssen. ihre Kinder nett und modern anziehe» können? Komme» Sie mit Ihren Kindern zu«n», einerlei, od Bude» oder Mädchen— Sie werden überrascht sein, wie leicht stch hier Ihr« Dünsche erfüllen lassen»nd wle leicht e» ist. da» deglückende Lache» auf» Gesicht Ihrer Kinder zu zaubern. Also vergesse» Sie»«cht: Mittwoch! K.eimeii Sie«lea? In einer Gesellschaft klagte ein junges Mäd. chen über Erkältungssymptome! Wie meistens war auch in dieser Gesellschaft jemand, der sich angeblich ganz genau auf diese Dinge verstand, und er erbot sich, der jungen Dame den Puls zu fühlen. ..Aber. Gnädigste�, sagte er. freudig lächelnd, ..Ihr Puls ist doch denkbar gut und regelmäßig!" «Kein Wunder", flötete die junge Maid süß zurück.„Sie haben ja Ihren Finger auf meiner Armbanduhr!" w. Z-ivischen und Paofer<7uasi-e Haben Sie schon gehört, daß Paris jetzt auch für das Tageskleid den Rock weit übers Km« bringt?— Daß aber Amerika diese neue Modo unbedingt ablehnt? Was halten Sie davon— wirb Ämerikck sich durchsetzen oder Paris?——— Apropos Lippenstift! Wissen Sie, daß fa» Deutschland olljährlich Lippenstifte im Gewicht von 11 200 Zentnern und im Werte von 7 Millionen Mark eingeführt werden? Weim der Väter mit dem SoKne zu uns kommt, so finden beide den Anzug, den sie suchen. Der Voter z. B. nimmt den oben. abgebildeten Anzug aus ganz besonder» schwt- reyi„teilten Kammgarns zu dem evckv£/% ungewöhnlichen Preis von OSr.iJVI Dabei ist der Anzug vorzüglich ausgestattet und entsprechend verarbeitet. Für den jungen Mann"darf der Anzug natürlich nicht soviel kosten. Aber auch er findet da» Richtige. Do er besonders Wert darauf legt, modern gekleidet zu sein, wählt er diesen blaue» Anzug au» sehr gutem, reinwollene« Kammgarn. Er ist sehr flott, so oi« ihn die Jugend liebt— und 37 fi"/\ et kostet für Größe 38—43 nur»»W Oranlenstr.40 *■ O'**!«*»:»!« Chaüneettr.113 KönlgttraBe 33 »«» steitiiu,— 6wt>»—«uMöemee bsw- 8MbdB"IßcIdBQ$ Sa des OaMbäfls&e AUSSTELLUNG An 14 Orlglnalmaschlnen wird im Ver- kaufskcllar die Herstellung und Vorar- beitung der felnfödigen Agfa'Tra vis gezeigt. Fachleute erklären dazu, wie die Agfa-Travis gesponnen, gezwirnt, gehaspelt und auf Web- und Wirk- stählen, sowie auf Strumpf- und Sockenmaschinen zu Ferttgfabrikafen verarbeitet wird. Also eine richtige Kunst- seidenherstellung Im kleinen Mit dleserSonderschau verbunden, in den Vorführungsräumen, Im groß. Lichthof und in den Abteilungen, gewaltiger SONDERVERKAUF in allen modischen Abteilungen STOFFE, WÄSCHE STRUMPFE, HANDSCHUHE, DECKEN GARDINENSTOFFE und anderes VortrSge im Teeraum, II. Stock 11 und 12 Uhr sowie 4 und 5 Uhr Agfa-Travis und die Mode Agfa TravIs ist eine Qualttäts�Cunstseide von besonders feinen EinzeKasem. 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Z Ruewrache übet Srbeits- und Tue- bUduugsverMlnMe ixt den Betrieb:n OankMgnaid. die Beweise herzlicher Teil. beim Heimgange unsere« raniggelUbten Sohnes und Bruders Otto res mit hierdurch Irr Ol Sbl der SSO. Beelin. faate b« Kamerad. schaff bea Reiche bannet» Schwarz. Rat-Sold Berlin. Webewnbere auch dem Rebner der Kalmerabschalt tür die her»Uchen Vörie ow Srabe unteren ttelgetühlte» Dan!. r.mUte O. PohL lung der B..____ guten Besuch unb bringt alle.lugend- collegen. die unserer Srgantiotion noch nicht ongehbirn. wtt. vi« IngendkanenUeeta«. Spleiplsn . unserer KuUnrabteUnag. Z» dar«Sache vom»7. bis a Mär» 1. Die Wunder Asien» � i oi»i)eitnni»octU Medlzw i Blnftcat. jüm. 3»»er«-che oa» U-bt. 30. Mar,: 1. Spuren im Schnee(od« die chefahren der Berntba) i»lonbi»«tauft Honigkuchen. i artHUer-SRotocm. 3» der Woche vor» 31. März bl» S.Äpml l Vererbte Triebe 2. Bonbon. i öuumaimiilerti Zu der Woche oorn 7. bi» 18. April l. Sari t Liebe und Srotik Im buntf-n «btbteflV 2 D« luftige Kobold. 3 Herstellung oon Büchern. Antrogen wegen Uebttialjung und Be- uch d« Adteilona sind>eleohon:|ch ober Ichriff>ich an die KulwradtaUnug(Büro- Llnirnft». 88/», g immer 28) ,» eichten. We OrteverwnUmig. Uenksegung. Für die Beweise aufrichtig« Teil- nehme denn Hinscheiben uns«« liebe» Bater« NsÄmUlW Llnod lagen wir hiermit unteren ber»Itcken Dank, tnsbtlonbere ber 47 SPD unb dem Verband der graphen und Steinbruck«. Zw Rawen der Htnlerbvebenen Alfred wreef». FtotatioMmriHlfSItlger SS Mk. iMtrKIhlar&BimUoh, Frii liger 24 MR. »drlshstr.48. Dlommpendeo tefett Art itesertpreisrner, Pnal Wellets omnl Roben Meyer MarUnnenetrsSe» Ecke Rannynffrahe !l»tt Moribot tSAZ Alazandar platz ff.»« KOaigffr.Oa Ingerieurschu'e Bad SalzajThär. Höhere Techn. Lehren«alt. Metchlrtenbeu. Elewtro- tKknik, Automobil- und Flaeecbirik. Ce*- Weeeerteannlk, Chemie Wai' Gefährlich Ufe, den Leu zu wecken, Verderblich tot der Alkohol, Jedoch der schreck! 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B. 10 747), für die Liste 2 der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner (Christlich) 1944(1493), für die Liste 3(deutschnatio- nal) 1642(1811), für die Liste 4(Christlich) 800 (373), für die Rationalsozialisten 1344. Zum An- gestelltenrat wurden abgegeben für die Frei- gewerkschaften 1225 Stimmen, für die Liste der Deutschuationalen 379. Insgesamt wurden 22 512 Stim- men abgegeben gegenüber 20 504 im Vorjahre, während die Gesamtbelegschaft 24 922 beträgt gegenüber 24166 im Vorjahre. Auf Befehl von Moskau führt bekanntlich die deutsche Sektion der Komintern einen erbitterten Kampf gegen die Ge- werkschaften, der sich bei den Detriebsrätewahlen besonders steigert. Arbeiter werden gegen Arbeiter gehetzt und die Unorganisierten gegen die Gewerkschaft ausgespielt. Dieser Kampf ist mit einer nicht zu überbietenden Schärf« bei der Berliner Verkehrs A.-G. geführt worden und zwar besonders gegen einen der Direktoren, unseren Genossen B r o l a t. Was an persönlichen Beschimpfungen und Verleumdungen gegen unseren Genossen Brolat in deu letzten Wochen von der KPD. geleistet worden ist, dürste wohl einzig dastehen. Es ist bekannt, daß die Berliner Verkehr« A�G. durch die Auflag« de« Oberpräsidenten und die Finanzmiser« der Stadt Berlin gezwungen wurde, monatlich Z.3 Mill. mehr als früher an die Stadt abzuliefern. Dadurch und gleichzeitig durch die katastrophal« Arbeitslosigkeit, die eine starke Einnahme- Verminderung zur Folg« hatte, mußten Betriebsein. schräntuagen in großem Ilmfange vorgenommen werden. Diese Betriebsainschränkungen haben zu Feierschichten und Entlassungen geführt. Die KPD. operierte mit Hilfe des kommunistischen Arbeiterrats, um di« Belegschaft gegen die Direk« tion bzw. gegen unseren Genossen Brolat aufzubringen und damit gegen di« Gewerkschaften überhaupt. Die niederträchtigste und verlogenste Stimmungsmache wurd« mit Hochdruck betrieben. Für die KPD. galt es, ihre Hochburg, den kommunistischen Arbeiterrat um jeden Preis zu halten. Das Abstimmungsergebnis beweist aber, daß trotz der Ungunst der Umstände die Masse der Arbeiterschaft sich von der verlogenen Demagogie der Kommunisten abwendet und in demselben Maße Vertrauen faßt zu den freien Gewerkschaften und zur Sozialdemokratischen Partei. Die schamlose persönliche Hetze hat wahrscheinlich die gegenteilige von der beabsichtigten Wirkung gehabt. Rühmend muß auch hervorgehoben werden, daß unser« Ge- nassen auf den Bahnhöfen und In den Betrieben der Berliner Der- kehrs A.-G. schneidig und tatkräftig für unsere Ideen geworben haben. Der Erfolg oerpflichtet zur W e i t e r a r b e i t. Heiu« ist das Verhältnis zwischen der sogenannten kommunistischen Opposition und den Freigewerkschaftern ein umgekehrtes als es noch vor einem Jahre gewesen ist. Die übrigen Splittergruppm zählen kaum. Es ist jetzt klar und unbestreitbar, daß die K o m m u- nisten überall im starken Rückgange sind. Wenn mit dem gleichen Eifer und der gleichen Entschlossenheit von unseren Genossen in den Betrieben weitergearbeitet wird, dann wird auch der Aei'punkt nicht mehr fern sein, wo der Albdruck der Arbeiter. Zersplitterung überwunden ist. Die Mandaisvertellung. Die Mandate verteNen sich folgendermaßen: Zm Arbeit er- rai, der au» 30 Mitgliedern besteht, erhalten die freien Ge- werkschaften lS sim Vorjahr g). die Kommunisten g(17). der christliche Fachverband 2(2), die Veulschnatlonalev 2(2), die Gewerk- schast deutscher Eiseubahuer(christlich) k(0). di- 7! Nationalsozialisten 1(0) Vertreter. Zm vetr ieb-rat erhallen von 30 Mitgliedern die freien Gewerkschaften 16(12), die Kommunisten 7(11). der christliche Fachverbond 2(2). die Deulfchnationaleu 2(2). die christliche Gewerk- fchaft deutscher Eisenbahner 1(0), die Rakionalsoziallslen 1(0). die deutschnationalen Angestellten 1(0). Zm Angestelltenrat erhalten die freien Gewerkschaften tO. die Deukschnalionalen 3 Vertreter. 3ra Vorjahre gab es nur eine freigewerkschafMche Liste, die sämtliche 12(damals 12) Mandate erhielt. Oer Haushalt der Reichsanstalt. Man rechuei mit-1200 000 Ltnierffühteu im Jahresdurchschnitt. Da» Plenum des Berwavungsrates der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist gestern in die Beratung des Hauehalts für das Rechnungsjahr 1330, um- fassend die Zeit vom 1. April 1330 bis 31. März 1931 eingetreten. Die sehr umfangreiche Aussprache wurde eingeleitet mit einem vor- zügllchen Ueberblick des Präsidenten Dr. S y r u p. End« 1927 tonnt« ein R o t st o ck in Höhe von rund 160 Mil- lionen Mark angesammelt werden, er wurde im Winter 1927/28 fast restlos verbraucht, tonnte dann jedoch in den Sommermonaten des Jahres 1928 bis zum November wieder auf 110 Millionen auf- gefüllt wvrden. Dann setzte die höchst anormale Entwick- lung des Arbeitsmarktes ei» di« dazu führte, daß vom Januar 1929 ab Darlehen des Reiches in Anspruch ge- nommen werden mutzten. Die Darlehen erreichten die Höhe von 266 Millionen bis Ende Juni 1929. Die Ueberschüsse im Sommer 1929 erreichten nur die Höhe von 30 Millionen, so daß auch in dieser Zeit die übliche starke Entlastung ausblieb. Es mutzten bis jetzt weitere 322 Millionen Mark Dar- l e h e n in Anspruch genommen werden, so datz die Gesamtverschuldung zurzeit 677 Millionen erreicht hotte, di« bis zum Ende des laufenden Rechnungsjahre», also bis zum 31. März d. I., voraussichtlich 010 Millionen Mark be- tragen wird. Die Dorloge des Vorstandes an den Verwaltungsrat für das Rechnungsjahr 1330 steht ein weiteres Darlehen von 332 Millionen Mark vor. Dieser Betrag errechnet sich auf Grund einer Iahresdurchschnittszahl von 1,2 Mit» (tonen Unterstützungsempfängern. Die Zahl ist mit allem Vorbehalt zugrunde gelegt worden; ob sie richtig gewählt ist, vermag niemand zu sagen. Angesichts der ungünstigen Entwicklung des Baumarltes ist zu befürchten, daß die tatsächliche Entwick- lung noch ungünstiger verlausen wird. In diesem Zusammenhange ging Präsident Syrup auch auf di« Finanzierungspläne der Reichsregierung ein, die zurzeit den Reichsrat beschäftigen. Die Darlegungen Syrups wurden ergänzt durch«inen Ueberblick über die Aufbauarbeit der Reichsanstalt, insbesondere aus dem Gebiete der Arbeits- Vermittlung im allgemeinen, der landwirtschaftlichen und An- gestelltenoermitUung und der Berussberatung im besonderen. Durch den Ausbau der Angestelltenvermittlung ist der Nachweis er- bracht worden, datz auch in einer einheillichen R«ichsan,talt den be- 'anderen Bedürfnissen der Angestellten Rechnung getragen werden kann. Präsident Syrup ging dann noch aus die höchst unbefrte- digende Entwicklung in der wertschaffenden Arbeits- l o s e n s ü r s o r g» ein. Die Aussprache eröffnete Genosse Dr. B r ö ck« r vom All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund. Er forderte Ehrlichkeit bei der Aufstellung des Haushalts, indem man von den praktischen Bedürfnissen auszugehen habe, damit nicht wieder, wie im lausenden Haushaltjahr, ein Zwang zur lleberschreitung besteht. Die Durchschnittszahl von 1,2 Millionen fei wahrscheinlich zu gering. Wenn man sie dennoch zugrunde lege, dann nur mit allen notwendigen Vorbehalten. Schars wandte sich Genosse Bröcker gegen das olle berechtigten Grenzen weit überschreitende Heber- stundenunwesen. Für die Haushaltsberatungen im Ver- waltungsrat müsse der Ausgangspunkt die Vorschläge der Landesarbeitsämter fein. Wenn von diesen Vorschlägen abgewichen werden soll, dann müsse der Nachweis für die Möglichkeit er- bracht werden. In diesem Zusammenhange kritisierte Genosse Bröcker scharf die Drosselung des Selbstverwaltungs- rechts der Arbeitsämter und Landcsarbeitsämter, sowohl bei der Festsetzung des Haushalts wie bei den Personalfragen. Durch kommissarische Beschäftigungen und Einstellung von(Volontären und Praktikanten würde das Vorschlagsrecht der Verwaltungsausschüss« in unzulässiger Weise eingeschränkt. Eine zu starke zentralistische Regelung führe zu einer Ueberbürokratislerung. Das Beitrogseinzugsverfahren verdiene gründliche Beachtung und Heber- Prüfung, weil gegenwärtig der Reichsonstalt durch Stundungen grotze Mittel vorenck halten werden. Auch müsse man sich ein- mal sehr eingehend mit dem Mißbrauch der Arbeits- lysenversicherung durch die Hnternehmer beschäj. tigen, die in wachsendem Hmfange ein Teil des Betriebsrisikos auf die Reichsanstalt abwälzen. Ganz unzulänglich sind auch die Mittel, die für die K r i s« n u n t« r st ü tz u n g und für die Not- standsarbeiten vorgesehen sind. In der weiteren Aussprach« wurden diese Darlegungen wirksam ergänzt durch den Genosien Dr. C r o n e r vom AiA-Bund, der an Hand einer Erhebung des AfA-Bundes bei seinen Vertretern in den Lerwaltungsausschüssen ded Arbeitsämter an Beispielen zeigte, in welch unerträglichem Hmsang« noch heute durch einen zu kaapp«a Personalbestand lleberstundeu geleistet werden. Den Arbeitsämtern müsse mehr Bewegungs- f r« t h e i t bei der Einstellung von Zeitangestellten gegeben werden, vor allen Dingen aber mutzt« der Haushalt die Gewähr dafür bieten, datz ein« ausreichend« Zahl von Dauerpersonal und Zeitangestellten beschäftigt werden kann. Genosse Croner beschäftigte sich dann noch eingehend mit dem Stand der Angestelltenoermittlung. Von mehreren Diskussionsrednern wurden auch die Fragen der Berufsberatung, der landwirtschafllichen Arbeitsvermittlungen und der Arbeitsmarktpolitlk erörtert. Wiederholt scharfe Kritik fand die P e r s ö n a l p o l i t i k der Reichsanstalt. Ver- treter der öffentlichen Körperschaften warnten vor einer falschen Sparsamkeit. Von besonderer Bedeutung waren die Ausführungen von Dr. Nehmelsdorf vom Deutschen Städtetag über das starke Anwachsen der Wohlsahrtserwerbelosea. Die ungenügende Berücksichtigung dieser Tatsache erzeuge In der Oefsentlichkeit ein ganz falsches Bild über den tatsächliche» Hmsang der Arbeitslosigkeit und die Zahl der Hnter- stützungsempfänger. Nach den Erhebungen des Deutschen Städte- tages bei den Gemeinden über 50 000 Einwohnern, die eine Ein« wohnerzahl von 21,5 Millionen umfassen, ist die Zahl der Wohl- fahriserwerbslosen von 216 000 am 31. Dezember 1329 auf 270 000 am 28. Februar d. I. gestiegen. Dagegen beträgt dort die Zahl der Krisenunter st ützungsempsänger am 28. Februar nur 176 000. Dieser. Zustand sei sowohl für die Gemeinden wie ins- besondere für die Arbeitelosen ganz untragbar. Bei den Wohlfahrt»- erwerbslosen handele es sich um a r b e il s f ä h i g e und o r b e i t s. willige Menschen, die genau betreut werden müßten wie die übrigen Arbeitslosen. Die vielfach aufgetauchte Behauptung, daß es sich bei den Wohlfahrtserwerbslosen um ä l t« r e und daher um minder leistungsfähige Kräfte Handel«, sei f a l s ch, denn nach den Feststellungen des. Städtetages befinden sich 80 Pro.z. aller Wohlfahrtserwerbslosen in einem Lebensalter unter 40 Jahren. Der Verlauf der Beratungen zeigte, datz der Haushalt de? Reichsanstalt wesentlicher Ergänzungen bedarf. Gehaliebewegung im Einzelhandel. Verhandlungen gesche tert. Am Freitag wurde zwischen dem Zentralverband der Angestellten und dem Arbeitgeberoerband des Berliner Einzelhandels über den Reuabschlutzdss Gehaltstarifes für die Angestellten dieser Branche verhandelt. Die Verhandlungen sind ergebnislos ver. laufen. Der ZdA. hatte den Gehaltstarif zum 31. März gekündigt und eine Aufbesserungder Gehälterum l0Proz..den Fortfall der M i n d e r b e z o h l u n g der weiblichen Angestellten und die Richtanrechnung von tariflichen Gehaltserhöhungen auf autzertarifliche Zulagen gefordert. Für die Tarifkündigung war vor allein ausschlaggebend, datz das Gehaltsnlveau der Einzel- Handelsangestellten, insbesondere das der jünger e n autzerordent. lich niedrig ist und datz etwa 90 P r o z. aller Angestellten noch der niedrigsten Tarifgruppe I teilweise sogar noch darunter bö, zahlt werden. Di« weiblichen Angestellten werden trotz gleicher Leistung bis zu 18 Proz. geringer enllohnt. als ihre männlichen Berufskollegen. Hinzu kommt noch, datz die im vorigen Jahr erwirkte öprozentig« Gehaltserhöhung zum größten Teil auf.die übertariflichen Zulagen angerechnet wurd«, so� daß viele Angestellten gor keine Zulage erhielten. Nicht zuletzt war für die Tariftündi« gung di« Erhöhung der Werks, und Berkehrstarife und die damit verbundene Verteuerung der Lebenshaltung ausschlaggebend. Die Hnternehmer erklärten, datz sie von einer Tarifkündigung nur deshalb Abstand genommen hätten, um den Gewerkschaften nicht das Argument zu liefern, daß die Einzelhändler als erste in der Krisenzeit ihr Hnternghmerrisiko auf die Angestellten abwälzen wollen. Von den Gewerkschaftsvertretern wurde dem entgegen- gehalten, datz diese Risikoabwälzung läng st erfolgt sei. und zwar durch Gehaltskürzungen, Eingruppierüng in niedere Gehaltsgruppen, Streichung autzertariflichsr Zulagen, Entlassungen älterer Angestellten usw. Obwohl die Hnternehmer die Argumente der Organssationsver. treter nicht entkräften konnten, verblieben sie bei ihrer ablehnenden Haltung, worauf die Verhandlungen ergebnislos abge» brachen werden mutzten. Diese Tarifverhandlunpen haben sedenfalls wieder einmal gezeigt, daß die Berliner Einzelhändler den Scharsmachern im Lager der übrigen linternebmer nicht nachstehen. Mit dem Abbruch de.- direkten SSerhandlungen ist freilich noch nicht das letzte Wort gesprochen. Wie sich Vereins�pielerei rächi. probe und Geqenprobe bei den Lade� optikern Ein Teil der Berliner L a d e n o p t i k e r Ist noch b«r Aus» fassung. mit der Zugehörigkeit zur„Vereinigung optischer Fach- angestellter", einem reinen Geselligkeitsverein, alle Pflichten zur Sicherung und Verbesserung ihrer Existenz erfüllt zu haben. Wie bitter sich diese Dereinsfpielerel und da« „Sparen" der Verbandsbeiträg« rächt, müßten dies« Sondev- bündler eigentlich längst gemerkt haben, zumal ihnen die Arbe't«? und Angestellten der Firma R u h n k e als ein Beispiel dafür vor Augen stehen, was durch gewerkschaftliche Geschlossen» helt zu erreichen ist. Dank oem säst hundertprozentigen Organisationsverhältnis des Personals der Firma Ruhnke werden in diesem Betriebe Löhne gezahlt, die ohne Uebertreibung als auskömmlich bezeichnet werben können. Ebenso vorbildlich sind auch die übrigen Ar» beitsbedingungen wie Hrlaub, Bezalstung bei Krankheit, Entlohnung der Lehrlinge usw. geregelt. Die meisten Gehilsen in den übrigen optischen Geschäften geben sich dagegen mit dem zufrieden, was ihnen ihre„Herren Chefs" frei- willig zugestehen. Einer 0er größten Scharfmacher im Berliner Arbcügeberverband der Berliner Optiker, Herr G. L e w« ck, be- kommt es z. B. fertig, einen 21jährigen Gehilsen in seinem Ge- schäft In der Müllerstrahe 176 mit einem Stundenlohn von 80 Pf. BETTHBERN Diane Füllfedern 0.60. bessere 0.90, 150, 1.90 WClOß....... UP. 3 80 6 00, 6/0 ........ SM 7 00. 8.40 NeypllecZllii 31 WNSNÜM 36" IANNIMANN Kissen, ge eilt.... 2.45, 3.80, 4 55, 6.10\__ UBtPlbßl.gef.195cm l?n? 5.55,9.15, 10 76 1525 b., p,„. OOerDen.&ef.. 2 m.ang 6L5, 9.90, 1335, 1655 t. uu Ab— f�r eisen stud gratu KoUbuserOamm88,Tu.mslr.71,Rosen)halerstr.9 abzuspeisen Dab«i honbeN?» sich in diesem Falle gen nichi rttno um cmcn|Dßei.«r auch in den übrigen Geschäften nicht aus. Das Gros i«r Berliner Lndenoptiker hat«inen Druitowochen- lohn von 4Ü bis 50 ffl. Und da kommt nun der Gehilfenverein herbe!' und'schtießt mii den Unternehmern einen..Tai ifverirag" ab, dxr Vocheniöhne., wischen ZZ und 55 M. voisiM�. für. Fach.. arbeiter. die vier Jahre gelernt haben, stets sauber ge- kleidet gehen und Über gute Umgangsformen mit der Kundschast verfügen sollen, zum Teil auch noch Sprachenkenntnisse haben Müssen. Was bei der Firma Ruhnke fast jeder Lehrling im letzten Khrischr erhalt, soll nach diesem famosen Tarifostrog ein junger Gchi'le bekommen.....', Diesem ganzen„Tarifvertrag* sieht man auf den ersten Blick an, daß er an einem Verhandlungstisch adgeschlossM wurde, an dem die Gewerkschaft.nicht saß. Dseser Tarisabschwh.wird hoffent- lich den unorganisierten Ladenoptikern die Schädlichkeit ihrer Der- einsspieierei zum Bewußtsein bringen. Krankenpfleger gegen KPD.-Plan. In der Betriebsversammlung der Heil- und Pflegen nstolt Buch am.14. März referierte Kollegs Hermann Schulz vom Gesamt- verband über die Abbaumaßnahmen in den städtischen Anstalten. Dabei wurde auch ans den Antrag der KPD. Bezug genommen, die Zahl der Krankenpflegeschlller um 500 zu erhöhen, Di« Beleg- schaft faßte einstimmig folgende Resolution: „Die Belegschaft der Heil- und Pflegeanstalt Buch erhebt schärfsten Pro.tesi gegen den Antrag der KPD im Stadt- Parlament, die Krankenpflegeschülerinnen und-schüler um 500 zu erhöhen. Sie erblickt ln diesem Antrag eine Berfchärsung der Arbeitslosigkeit im Kvankenpslegeberuf und beauftragt die zuständige Organisation, den Gesamtverband, alles Erdenkliche zu tun, um diesen unverständlichen Antrag nicht Wirklichkeit werden zu lasten.* Die Fleischer rücken ab von der KPD. Die Sektion III(Fleischer) des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiler, Ortsgruppe Berlin, nahm in diesem Monat die Neuwahlen der Seltions- und Gruppenoorftandsmitglieder und die Aufstellung der Kandidaten zur Dslegiertenversamm- lung vor. ' In sämtlichen Verussgruppen gaben die Funktionäre und auch die Mitgkiader den unter dem Namen.Opposition* segelnden Ein- heitsfrontaposteln der KPD. die einzig richtige Antwort, indem sie die Kandidaten der Amsterdamer Richtung mil großer INajoriläl wählten. Selbst eingeschrieben« Mitglieder der KPD. mußten, in die Enge getrieben, erklären, daß sie die blöden Parolen dieser „einzigen* Arbeiterpartei in ihrer Auswirkung für die Arbeiterschaft für katastrophal halten und gar nicht daran denken, sie blindlings zu befolgen. Forifchrliie bei Haus- und Wachangesiellien. Gute Arbeit als Gewerkschaft. Am Dienstag fand in den Sophiensälen die Jahres- ge n er a f 0 e r( ara ml u n g der'Haus- und Wachongestelllen, Sektion im• G.c f amtv erbänd, statt. Sekü.onsleiter Genösse L e u d e erstattete den Tätigkeitsbericht..... Durch die äußerst rührige.agitatorisch« Tätigkeit hatte die Sektion 2669 Ne u.au f na h m« n und 71 Uebertritte zu ver- zeichnen. Durch, die Mgecheiye..- wurden auch, die Hchis»,- und Wai�ngesteltten m� Mitleidenschaft.gezogen. Bon 646 Erwerbslosen am Jahresanfang stieg die Zahl.-der. Crwerbslchen dchä zuiu"Jahresschluh auf.-847. Lohnde w-e g u n g e n wurden 14 geführt mit 7712 Beteiligten. Insgesamt wurde ein Mehr- wochenlohn von 16 960,77 M. erzielt. Des wetteren wurden 4 neue Manteltarifoerträge zum Slbfchluß gebracht. Am Jahresschluß bestanden für die Sektion ,22 Tarifverträge, von denen aligemeinveerbindlich erklärt sind. Sowett die Hausgehilfinnen in Frage kommen, steht Sie Schaffung von H a u s a n g e st« l l t e n h« i m e n im Vorder- grund. In öffentlichen Bersamnllungen sowie in der Presse kst diese Frage wiederholt behandelt worden. Außerdem ist die Schaffung eines'Tarkfb e'r't ra g e s silr'die Hckiksängestdllken von größter Bedeutung. Für die Gruppe der. Reinemachefrauen bestehen 11 Tarifverträge. Trotzdem ist gerade bei den Reinemachesrauen noch ein großes Agitätionsfeld vorhanden. Bei den Haus- reinigerinnen und Wohnhausportler» spiette im iegien Geschäft-. jähr der l0-llhr..i)auslür>chlub«ine große Roll«. Für die in Siedlungen beschäftigten Portiers und Reinigungs- frauen machte sich die Gründung einer besonderen Branche not- wendig. Nach längeren BerhandlungFn ist es dann gelungen, für diese Gruppe mit den in Frage kommenden drei ffausbesitzerorgani-' fationen einen T a r i j v e r t r a g. abzuschließen, oer allgemeinver- Kindlich erklärt ist. In der Industrie- und Geschäftshausbronche sind im letzten Geschäftsjahr neu«Löhne vereinbart worden, Des weiteren ist ein neuer Maneeltarifvertrag abgeschlossen worden. Manteltarifoertrag sowie Lohnregelung sind a l l g e m e i n o e r-' Kindlich erklärt..... Für die Gruppe der Privatpächter besteht noch ein großes Agitattonsfeld. Bei den Wach- unb Schließangestellten ist es nunmehr gelungen, an Stelle der bisher bestehenden Betriebs- Vereinbarungen einen Tarifvertrag mit ber maßgebendsten Arbettgeberorganisation abzuschließen, der ebenfalls allgemein- verbindlich erklärt ist. Leube ivurbe einstimmig zum Sektionsleiter wieder- gewählt. In die Verwaltung wurde Genosse D i« k e rt gewählt. Zu Sektionsleitungsmitgliedern und Generaloersannnlungs- delegierten wurden nur Mitglieder der Amsterdamer Richtung gewähtt. ««Mm Sek»ßliWöi FanMionärimn! Am M o n 1 0 a, dem 17. Mflrz 1930, IS'/, Uhr, In den„Rosldenz- Festeäfen*'. Berlin NO. 18, Landsberger Straße 31. Tagesordnunc � Neuwähl des Frauenausscbusee«.— 2. Ifeferat des Gerteasen Dr. OttoSuhr, Leiter der.wirtschaft�politischen. Abteilung' des AfA-Bundes: „Die Lebenshaltung der Arbeiterschaft11.— 3 Verschiedenes. Die Ausführungen des Genossen Suhr werden durch Lichtbilder veranschaulicht Zutritt zu dieser Konferenz haben nur gegen Vorzeigung des Funktlonärausweisea, Mitgliedsbuches und Mandates: 1 die Kreisleiter'nnen fUr Agitation, 3. d'e Abtei- lungsieiterinnen fUr Agitation, 3. Je eine Delegierte aus Jeder Abteilung, 4. die weiblichen Mitglieder der Abteilung«, und Kreisvorstände(darunter sind zu verstehen bei den Abteilungsvorständen die weiblichen Schriftführer und Kassierer und bei den Kreisvorständen die weiblichen Beisitzer), 6. die weiblichen Bezirks- und Stadtverordneten, Land- und fteichstagsabgeordneten Berlins. TOrkontrollei 8. Kreis« Das Frauensekretariat. poiemkm bei Tieh. Kandidaten Moskaus. . Die KPD- hat die größten Anstre-ngungen gemacht, um auch in dem großen Warenhauskönzern Pi etz sogenannte„rote* Listen für die Betriebsrat-wahlen'am 26. März zustandezubringen. Nach- dem ihr/der Versuch vor einigen Tagen in einer Belr'icbsversamm- lung fehlgeschlagen war, berief die KPD. zu' Mittwoch nach den Mustkeisälen eine öfs entliche Betriebsvorsamimlung ein. Zu dieser Versammlung waren etwa 6.0. Personen, davunter 15'bis. 20 betriebsfremde, erschienen und. nicht„mehr als 100*. wie die i,Rote Fahne* gestern schrieb.',,.. Trotz aller Uebetredüngskünste der Abgesandten aus dem Liebknechchaus fand stch niemand, der, für eine„rote" Arbeiter- ratsliste karchidieren wollte.. Man'bekam'noch nicht«lmnal die drei Listenführer für«ine solche äntigewerkschasstiche Liste zuisammen. Mit Mühe und Not fanden stch schließlich d r e'i Angestellte, darunter ein gekündigter, bereit, aus einer„toten* A n g e sie l l t e n rä t s- liste" zu kandidieren. Ihre Namen wurden ab er.'.'nicht bekannt- gegeben. So sieht die„Kampssttnipumg* der„oppositionellen* An- gestellten und Arbeiter bei Tietz aus, von, der die„Rote Fahne" ihren Lesern etwas vorgauselt.- Wle„roie" Kanöiöaien aufgesiellt werden. Der Gpaitungsversuch m der)tAG. In der Automobllfabrik NAG. hatte die KPD. das Pech, daß ihre eigenen Betriebsräte nicht Möhr, den Parolen folgen'wollten und es ablehnten, sich iti.Gegensatz zur Gewertfchast zu stellen. Mit Ausnahme weniger Querköpfe ist auch die Gesamtbelegschaft mit dieser Haltung einverstanden.--. .Das paßt aber der KPD. nicht in ihren Spallungskram. Eine von den Kommunisten einberufen« Versammlung hatte dem„Massen- besuch" von 12 Mann sBriegfchastsftärk« 1100) aufzuweisep. Dies« „Betriebsversammlung" siistte eine'„revolutionäre* Liste auf-' jetzt kann wieder bei der Wahlpropaganda über„Renegoten* und „Sozialfaschisten" getobt werden. Hoffentlich gibt die Belegschaft die einzige richtige Antwort, indem sie einmütig die freigewerkjchastliche Liste wählt. Abonniert den„Vortvärts"> das Blatt der Kopf- und Handarbeiter! Es gibt in Berlin nur e i n Blatt, das die Interessen de? Arbefferschaft.rückhaltlos und zielklar vertritt, das ist-der „Vorwärts". Treue um Treue. Wer noch nicht Abonnent des„Vorwärts" ist, der holt diese Versäumnis jetzt nach. Ich abonniere den.Vorwärts* kund- die Abend- ausgab? für Berlin.Der Abend") mit den illustrierten Bei- lagen„Volt und Zeit" und-„Kinderfreund", sowie den Bei-" laaen„Unterhaltung und Wissen*..Frauenstimme"„Technik". .Bück in die Bücherwelt* und.Iugend-Borwärts* in Groß- Berlin täglich frei ins Haus (Monatlich 3,60 Mt., wöchenttich 85 Pf.) .Nachet Wohnung: .Straße Nr. vorn__ Hof— Ouergeb.— Seitenfl-- Tr. links— rechts bei_!______ Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„vorwärts". Berlin SW öS. Lindenstratze 3. Zirkus Sarrasani. Die bestehenden Differenzen mit dein Päch- ter der Restauration, Herrn Seel, sind beigelegt. Herr Seel hat mit dem Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Easäängestell- ten einen Tarif abgeschlossen Arbeitsamt Mitte! Dienstag, 1614 Ulir, im Ziosenthaler Sof, SRofcn. Pi fe chaler Etr, 11—12. Versammlung aller SPD..Genossen, Gen. lt. ltieft. t i W mann lvricht über.„Poung-Vlan und Nnanükompromiß". Um zahl- gf W reichen Vetuch wird gebeten. Der!sraltion»»orsta«d. Arbeitea-Nt West! Mittwach. 191� Uhr. lsrattionsversammlung in S der Giinaerklause, l!aiserin»Augus!a.Al!ce M. Genosse Ernst Reuinann Z spricht Uber.Die roliiilche Situation". Es wird zahlreicher Besuch-i erwartet. Der graMonsoorstaud. Arbeiter,«nb Angestcllien. Betriebsräte! Am Diens'äg. IS Übe, Ist im Saal S des Gewcrtschaftsdaules, Engelufer 21— 26, der nächste Arbeitsrechtlich« Informationsabend der Derlincr Gewcrischaftslchnl« für Betriebsräte. Be- sonders den neugewiiblten Betricdseä-en wird der Desuch dieser-Abende dringend empsolilen. In völlig freier Ausspräche werden für die Betriebsräte wichti, arbeltsrechtlich- ssragen bedandelt und durchgesprochen. Zutritt haben alle, freigewerkschaftlich organisierte» Arbei-rrl und Anqestellten-Detriebsräte, Bor- herige Anmeldnng ist nicht nötig. Die Teilnahme ist kostenlos. Die nächsten Aussppachrabende.ssnd am 1.. 15. und 2S. April. �acharuppc der Töpier, Bangcnrrts-laft Berlin. Mittwoch. 16. Mari, 17�4 Uhr, in den Ziessdenii.fsestsälcn. Landsberger- vir. ZI. Jahresversammlung. Jahresbericht der gachgruppenleitung, und der Seistechnifchen Kommission. Neuwahl det Funktionäre. Die Fachgruppenleitnaq.- G. Dreher. Untcrausichusi Wilmersdorf. Dienstaa in der Gewerlschafisklaufe, Gasteiner Sirasie 6. Dollsitiung des llnteraueschusse». Beginn 20 Uhr. Betriebsräte-aus den Wilmerrdorfcr Betrieben sind freundlichst eingeladen. Unorganisierte haben k-ttfen stutritti �röle Gewerkschafts-Jugend Berlin Leute, Sonntag, finden folgend« Beranstaltiingen. statt! Brei, vbtr. ivree: Krcisfahrt nach dem Westen.— Ro-dkrei»! tzugendheim Spandau. Lindenuser 1. Lichldildervortrag:„Der Wald und seine Bewohner".— vstkreis: Um 11 Uhr Bcsickitigung de» Instituts illr Serualwlssenschäft, In den Jetten 10. Eingang Bcc-kioocnsir. Z. Um- IS Uhr Jugendheim Dvslcstr. 22. Elternobend.— Wanderleitcrlursu»! Montag. 17. Mär,. 20 Uhr, Gewerkschtzfts- Haus, Gngelufer 21- 2i, Saal Z. Lichtdilderoortrag:„Das Sternberget Land. Ncserent. Serr Stephan.—' «. Avril ttn"STicat-r a"""' ndn» Mun.roo». starten Leute, Sonntag, finden folgend«-Veranstaltungen Bunter Abend im IuflOrdheiM des Ostens, Große ssrankfurter Str. 16, Beginn 16 Uhr. .Berlin, wie es weint und lacht", fsricdcl Lall spricht aus den Werken von Glasiörenner und anderen Berliner Lokaldichtern im Jugendheim Spandau. Lindenufer 1, Beginn is Uhr.— Morgen. Montag, finden folgende Beran- staltungen statt: Wrddingt Jugendheim Durinet Eck««cestrgsie. Lalloi Hier Gruppe Wedding, heut wird aelachtl— Ueban:. Jugendheim Lobrecht. Eck» Sandeistraß«. Lortrag:„Die Iugc::d im sidA." Referent- Hein» Mann.— Tempelhos: Jugendheim der Schule Gcrmaniastri 4—5, Eingang Gößsiraße. EchaUplattenpor raq:.Mar, stürme".— Eharlotteubnrg: Jugendheim Rosinen» ftraße.4.»Der jugendliche Angestellte i» der tnternatwnalen Gewerlschafts. bcweaung". Referent Werner Decker.— Schänhanscr Borstadt! Jugendheim der Schule stastanienalle« 61. Uedungoabend in Einheitsstenogrophie. Machen Sie doch Ihre Liköre selbst, es ist doch so einfach und brin-gr Ihnen hohe Ersparnis, wenn Sie die echten Reichel- Essenzen dazu verwenben Unter den 135 So. ten werten S'e vieles für Sie Neues finden. Versuchen Sie einmal. In Dreg. und Apoth. erhälll., daselbst auch umsonst Dr. Reichels Rezeptbächlei». Eme Vorstellung von der unerhörten Auswahl unserer Läger kann sich nur die Dame machen, die uns einmal besucht hat. 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März vorliegt, enthält den„Entwurf eines Seldstoer- waltungsgesetzes für die Hauptstadt Berlin' in der vom preußischen Kabinett«instimmig verabschiedeten Form. Die Befürchtungen, di« ernst wägende sozialdemokratische Kommunal- Politiker hegen mußten, nachdem schon die-Hauptgedanken und einige Einzelheiten des ursprünglichen Referentenentwuries bekannt ge- worden waren, haben sich jetzt noch der Kenntnisnahme von der endgültigen Gestaltung verstärkt. In eingeweihten Kreisen erzählt man sich, daß das bei der Aus« orbeitung anderer Gesetzentwürfe von nicht minderer Bedeutung eigentlich selten zu beobachtende ganz ungewöhnliche„I e m po' an maßgebender Stelle erklärt würde mit der dringenden Notwendigkeit der Zlenderung defsen, was man.chic Berliner Zustände" nennt. Es muß doch nun auch hier«mmol inst oller Deutlichkeit gefragt werden:„Welche„Zustände" sind d«nn dies eigentlich?" Berlin hat„seinen" Sklarak-Skondal erlebt. Er ist von Prcsjepiraten sowie politischen und wirtschaftlichen Gegnern lies neuen Berlin unter Ausnutzung der Wahlpsychosc weislich zum Schaden Berlins ausgeschlachtet worden. „Skandale" haben auch andere Städte crlrogeu müssen. Betrügereien schlimmster?lrt sollen auch schon in anerkannten Musterbetrieben aufgedeckt worden sein! Dem Sklarek-Skandal folgten in Berlin schwerste s i n a n. ziell« Notzeiten. Unter gleichen Miseren litten und leiden ander« große deutsche Städte, auch solche des deutschen Rheinlondes, dessen Städteverfossung man nun im Nahmen der beabsichtigten Berliner„Ne t t u n g? a kti o n" der Neichshauptstadr als Heil- mittel aufoktroyieren möchte. Im Sklarek-llntersuchungsausschuh des Landtags sollen führend« Berliner Kommunalpolitiker auf Befragen erklärt haben, daß sie bei der Dielgestaltigkest der Berliner Derwaltung nicht über alle Dezer- natseinzelheiten Auskunft geben können. Könnt« sich der Leiter «ines komplizierten privaten Großbetriebes anders verhasten? Fast muß angenommen werden, daß Sklarek-Skandal, Finanz- m i f e r« und die eben erwähnt« nicht genügende. Aus- kunftscrteilung die„Berliner Zustände" kennzeichnen, di« dos neu« Gesetz nun gewastiam befestigen soll. Dos Heidelberger Parteiprogramm spricht in seinem grundsätz- lichen Teil beim Abschnitt„Verwaltung" davon, daß das„Ein- k g m m e r s y st e m" für all« Selbstverwoltungskörper durchzuführen fei: Ei n k ö rp e t.(nicht Cinkammer-s System ist d«r für die D«r. .waltung der Gemeinden bisher von der Partei einmütig ver- treten- Begriff. Er findet sich auch in den parteioffiziellen kommunal- polstischen Richtlinien. Im Kommentar von Paul Hirsch(Verlag Dietz, 1SZ7. S. T) heißt es bei den Richtlinien für„Verfassung undDerwaltung" unter l>):. „Estckörpersystem mst der Gemeindevertretung als leitender Berwastungsinstanz. Die Verwaltung wird kraft Auftrogs der Gemeindevertretung geführt." Was wollten diese Festlegungen gegenüber der sogenannten ..M o g ist ra t s ve r s afsu ng", dem Z w e i lörpersystem er- reiche»? Eine Stärkung des Verantwortungsbewußtseins der in der gemeindlichen Selbstverwaltung Tätigen— ein« Vermeidung der Abschiebung dieser Verantwortung von der einen aus di« andere Körperschaft(von der Stadtverordnetenversammlung aus den Magistrot— oder umgekehrt). Paul Hirsch kommentiert (S. 33 sf.) wie folgt: „Die G« m e i ndeb ü r a« r v e rtr« tu n g wird Beschluß. und Ausführungsbehörd« zu gleich Ihre Beschlüsse führt sie selbst aus durch Berwolwngsausschüss«.... die sie für olle Zweige ihres Tätigkestsbereiches«infetzt.... Alle Gemeindebeamten werden oon der Dürgervertretung angestellt und entlasten und unterstehen ihr... direkt. Der Bürgermeister würde dos besoldete Organ der Bürgervcrtretung... sein. D i e gesamt« Bürokratie... ist direktder Bürgerver- tretung unterstellt." Dies« Hauptgedanke» kann jeder erfahren« sozialdemokratisch« Kommunalpolitiker, auch der, dem vielleicht die Magistratsverfassung lieb geworden ist, akzeptieren. Nicht akzeptieren kann man aber die Grundgedanken dc» neuen Entwurfs. der vom �vnimunalpolitischen Programm der Sozialdemokratie vor ollem dadurch sichtbar abweicht, daß er dem ersten Bürgermeister (Oberbürgermeister) die fast allein bestimmende Stellung einräumt, die er in der von ernsthaften rheinischen Sozioldemo traten energisch bekämpften rheinischen Städteordnung hat. Der Oberbürgermeister ist Vorsitzender der Stadtoer- tretung und des aus dieser Stadtvertretung(Stadtverordnetenver- sommlung) gewählten Stadtgemeindeaußschusses mst vollem Sttmin- recht(§ 6 des neuen Entwurfs). Man befestigt in völliger Der- tennung psychologischer Wirkungen den ehrenamtlichen Stadtverordnetenvorsteher, der— gerade in Berlin— mehr als«ine rein repräsentotiv« Tätigkeit auszuüben hatte. Obgleich man hier rheinisch« Städteverfossung mst preußischer Provinzialver- fossung vermengt und die neue Gliederung der zentralen Berliner Gemerndekörperschafien(Stadtvertretung(Z 4]— Stadt- g« m« in d« au s s chu ß[§ 141) derjenigen der Provinzkörper. schasten(Provinziallandtog— Provinzialausschuß) anpaßt, nimmt man der neuen Berliner Stadtvertretung das Recht der Wahl des Leiters, das der Provinziallandtag hat, und läßt den Oberbürger. melster den„geborenen" Bor sitzenden sein. Man gibt ihm aber auch— entgegen dem einheitlich gebilligten sozialdemokratischen Äommunalprvgramm— wette st gehende Rechte. Hierüber sagt § 41 des neuen Entwurfs folgendes: „1. Der Oberbürgermeister ist befugt, au Stelle der Stadtvertretung öder des Stadt gemeindeauss chusses drin- gende Maßnahmen zu treffen, die sofort ausgeführt werden müssen. 2. Er bereitet di« Beschlüsse der Stadtvertretung vor und führt sie aus. 3. Cr leitet und verteilt di« Geschäft« und beaufsichtigt die Ge- schäftssührung. Insbesondere verwaLet er die Anstalten. Einrich- tungen und Betrieb« sowie das gesamt« Vermögen der Stadt, ent» wirst den.Haushaltplan, führt den Haushalt nach dem Haushalt- plan, sorgt für dt« Ausstellung der Iahresrechnung und legt sie mst seinen Bemerkungen der Stadtvertretung zur Prüfung, Feststellung und Entlastung vor. 4. E r stellt die städtischen Angestellten und Ar- b e I t e r a n. Er ist Dienstvorgesctztcr der städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter. 5. Cr hat für die Einheitlichkeit der Berroaltnng zu sorgen. Au diesen Zweck kann er im Rahmen der von der Stadtvertretung ausgestellten Grundsätze Anordnungen treffen, die für die Statzt- gemeinde- und BHirksverwaltung verbindlich stnd." Obgleich man also mst einen Grund für die beschleunigte Zlus- arbestung des Entwurf in der Tasäx oder besser in der A n- nahm« sah, der bisherige Magistratsdirigent habe vielleicht eine völlige Aussicht aller Dezernate vernnsfen lasten, gibt man jetzt dem kommenden llniverialgenie von Berliner Ob erbürg er- meister kraft Gesetz oll« Dezernat« und überdies zugleich eine Art von kommunalem„Artikel 4S". falls die ehrenamtliche Stadtvertretung mal nicht so will wie der „leitende U ebermensch"! Die Bezirksbürgermoister werden kommunale Miniatur-Mussolinis. Dagegen werden sie gewiß nicht opponieren! Die Stadtoertrewng(bisher Stadtvervrdneteimcrsammlung) .zählt in Zukunft löst Mitglieder. Sie soll nach den bisher bekannt gewordenen Absichten vielleicht vier- bis fünfmal im Jahre tagen. Die Hauptarbeit leistet der aus 29 Mitglied cm bestehende Stadtgemeindcausschuß, der eine klein« Stadtoerordneien- Versammlung und ein unbesoldetes Magistratskollegium sozusagen in sich vereiist. Besoldet« Magistraismitgliedcr, die kollegial mitzubestimmen hallen, gibt es nicht mehr, nur 2 bis 3 besoldete Bürgermeister als Vertreter des Oberbürgermeisters und ferner bc- soldet«„F ach"- Stadträte, die allgemein cmsschließlich den Weisungen des„Chefs" zu folgen haben. Neben dem Stadtgemeindeausschuß gibt es Verwoltungs- a u s s ch ü s s e(bisher Derwaltungsdeputationen). Es ist denkbar. daß ein„ehrenamtlicher Bürger"(Vürgerdeputierter) der durch indirekte Wohl iv einen solchen Verwaltungsausschuß hinein- gekommen ist, mehr und verantwortlichere Arbeit zu leisten hat als der„Stadt»er tretet*(Stadtverordnete), der nicht im Stadt- gemelndeausschuß tätig ist inriJ daher nur vielleicht viermal im Jahr offiziell in Funkst on tritt. Weitestgehend ist die Staatsaufsicht verankert. Beschlüsse über Aufnahm« einer Anleih«, Uebernahm« einer Bürgschaft(ohne sede Begrenzung!), Errichtung oder Satzung einer Äonununolbank, Einbringung von städtischem Eigentum an Versorgungsbetrieben und Derkehrsanstalten in Gesellschaften privat- rechtlicher Forin, Einführung neuer und Aenderung vorhandener Wappen und Dienstsiegel bedürfen noch§ 74 der Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde(des Oberpräjidenten—§ 80). Hat man die neunzig Paragraphen des Elntwurfs zur Kennt» ni« genommen mst, Wägt dami sehr deprimiert di« Drucksache zu, dann entdeckt man wieder in der ersten Spalte die Kemizeichwmg dieses Entwurfes als den eines„Selbstverwaltungs- ge setz es". In allen maßgebenden Körperschaften— Staatsrat, Landtag— muß jetzt die Arbest so geleistet werden, daß die Heber- schrift des Gesetzes nach feiner endgültigen Gestaltung den Inhalt nicht mehr ironisiert. Es muß aber auch gefragt werden: Soll wieder einmal«ine Lex Berlin geschaffen werden, ohne daß die Verabschiedung der neuen Städteordming, des allgemeinen preußischen Selbstoerwaltungsgesetzez abgewartet wird? 8% Ige Gold-Pfandbriefe Em. XXII Tilgung nur Im Wega der Auslosung zu 100% In den Jahren 1936/1959. Börsenkurs z. Zt. 96'/,% fn Portsetzung unseres Umschuldungsangebots erklären wir uns bereit, bei CrtaJUing von Kauf» auftragen für obige Emission bis zur Höhe des gleichen Nominalbetrages unsere 4%% igen üquldatlons- Gold»Pfandbriefe Emission X zum Verrechnungskurs von 86% bis zum Betrage von GM 3000000 in Zahlung zu nehmen. 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März: >3.30: Wettermeldungen Ihr den Landwirt 14: Schallplattenkonzert 18.20: Dienst an der Hausfrau tu Amerika und bat uns. 18.40: CSe kulturelle Bedeutung der Bohhroe. 16.08: Dollar, Bananen und Quirnni. 16.30: Au Königsberg: Konzert>8: Jugendstunde. 18.28: Da« Gesicht der Zeitschrift. 18.80; Schallplattenkonzert.>9.10: Rechtsfregen des Tages. 19.38: Konzert. 30: Wovon man spricht. 30.30: Zeitberichle. 31.10: Arien und Duette. 33.30: Kartenspiele. Danach; Tanzmusik. Donnerstag, 20. März: 9: Schulfunk. 13.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 13.30: Soll die moderne Frau noch Handarbeiter raachen? 18 40: Spiele und Tänze der Tiere. 16.05: Worüber die Stenographen sich den Kopf zerbrechen. 16.30: Konzert. 17.30: Was hat der Staat mit Musik zu tun? IS: Die Schwankungen der geographischen Erdpole. 18.30; Jugendstunde. 19: Franz Herwig zum 50. Geburtslage- 19.30: Chorgesängc. 30: Programm der Aktuellen Abteilung. 30.30: Weltreis« durch einen Arbeitstag. Eine Hörmomage von Gerhard Pohl. Danach; Tantmusik. Freitag, 21. März: 12.30: WettermeldunseB für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 15.20: Wie stehen Sic zu Liebe und Ehe? 15.40: Die Stammesgeschlchte des Menschen. 16-05: Im Faltboot über den Gelgensee. 16.30: Deutsche Frühlingslicder ira Laufe von 500 Jahren. 17.30: Jugendstunde. 18: Das neue Buch. 18.10: Programm der Aktuellen Abteilung. 18.30: Boulevardkultur. 19: Unterhaltungsmusik. 20; frühling der Großstadt. 21; Gcgcnwartskoipponistcn. 22.30: Kartenspiele. Danach: Ahcnduntcrhaltung. Sonnabend, 22. März: 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15.45; Die allgemeine Bedeutung der Diätküchen in Krankenhäusern. 16.05: Eishockey. 16.30: Aus Königsberg: Konzert. 18; Felix Seherret liest aus seinen Werken. 18-20: Ein Vagabund erzählt 18.40: Französisch für Anfänger. 19.10: Moderne Unterhaltung. 20.30; Aus Breslau: Zu Goethes Todestag. 21: Heiterer Wochenschlnß, Danach: Tanzmusik. Königswusterhausen. Sonntag, 16. März: Ab t: Uebertragmug aus Berlin. 18.30: Arzt und Seelsorger. 18.58: Stande des Landes.>9.30: Oartenldyll und Weltborizost, Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Montag. 17. März: >6: Englisch(kulturkundlich-literarische Stunde). 16.30: Ans Berlin: Nach- ner Violinen-Quintetts.>7.88: Imperialistische Methoden der groBeo Politik. der Haus- und Küchengeräte. 18.30: Das Theater des lapanisehen Volkes. 18.40: Englteh fßr Anfänger.>9 0?: Dtchtcrstunde.>9.30: Obstbaumpllege im Frühjahr. 30: Massenarbeitslosigkeit und Wirtschaft. Deutschlaudsender: 20-30: DchaJt: plattenkouiert. 21: Kammermusik. Anschließend: Uebertragung aas Berlin. Dienstag, 18. März: 16.30: Aus Leipzig; Naehmittagskonzert. 17.30: Darbietungen des MüncheU ner Violinen-Quintetts. 17.85: Imperialistische Methoden der großen Politik. 18 30: Die Papageienkrankheit. 18.40: Französisch für Fortgeschrittene. 19.03: Schöpferisches Musikerkennen. 19.30: Ueber die Rechtsverhältnisse hn Baugewerbe. Deutschlaudsender: 20: Das deutsche Lied. 20.40: Schallplattenkonzert. AnschlleBend: Uebertragung aus Berlin. Mittwocb, 19. März: 16: Bilder aus der Arbeit einer pädagogischen Akademie. 16.30: Aus Hamburg: Naehmittagskonzert. 17.30: Das Wesen des Porträts.>7 88: Das Spai- programm der Kommunen und die deutsche Volkswirtschaft. 18.30: Rhythmus der Arbeit— Tempo der Zeit. 18.40: Spanisch für Anfänger. 19.05: Gutes Deutsch für ledermann. 19.30: Der Beamte als Zeitangsleser. 20: Deutsch- landsender: Uebertragung aas Berlin. 20.30: Aus Breslau:„So oder nicht so?" Eine Kabarcttfolge. Anschließend Uebertragung ans Berlin. Donnerstag, 20. März: 16: Die Laufbahn des Studienrates. 16.30: Aus Berlin: Naehmittagskonzert. 17.30: Märkische Zwiegespräche. 17.88: Elsaß-Lothringer im Reich. 18.20; Die Frau heute und gestern. 18.40: Spanisch für Fortgeschrittene 19.08: Soziale Wandlungen hn Eigcnlurasbegrifl. 19.30: Lehrgang für bäuerliche Wirtschaftsberatung. 30; Deutschlandseuder: Aus Stuttgart;„Vom Main zur Donau." Anschließend Uebertragung aus Berlin. Freitag, 21. März: 16: Grundsätzliches zur Lehrerbücherei. 16.30: Aus Leipzig: Naehmittagskonzert. 17.30: Gespräche über Musik. 17.88: Die Möglichkeit der Kapitalbeschaffung für Industrielle Unternehmungen. 18.20: Besinnliche Viertelstunde. 18.40: Englisch für Fortgeschrittene. 19.05: Die Frau in ihren Altersstufen. 19.30: Wissenschaftücher Vortrag für Aerzte. 20: Deutschlandseuder: Aus Leipzig: Reichskundgebung zum Tag des Buche«. 20.80: Ans Stettin: Chorkonzert. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 22. März: t6J0; Au« Hamburg: Naehmittagskonzert.>740: Gesellschaftliche Lebensformen. 1745: Wandern tls Naturfreunde. 1840: Guter ud schlechter Emp- lang Im Rundfunk. 18.40: Französisch für Anfänger. 19.08: Goethe Ohe� Freiheit und Gebundenheit. 19.30: Mit dem Fingzeug ins Wochenend 20: Deutschlandseuder: Aus Köln: Lustiger Abend. Anschließend Uebertragung ans Berlin. ftehri«s»» Klopflreie Ciag-Benzfln erhaltlich an den Etag-Säulen und fast allen grdßeren Garagen. Berlin W8 Behrenstr.14-16 Antli M alten OeMeineo-v Galleablasenenlzün- , dung, Gelbsucht, Leber-, Magen-, Nieren- krankbelU-n empfehl wir den seit 30 Jahren bestens bewahrten Stern-En&Mee Nur In Apotheken erhält!, bestimmt in der Siemens- und Engel-Apotheke. Notariell beglaubigt. Beweismaterial gratis durch Vegetabilische Heilmittelfabrik, Bad Schandau/ Zibc J MM -Sslkitnmild. enrösl. seaij fein. Erflad. b. ksitl. Aaikantl|. RtdiJ. rat-jas. J. m. siumsnn Brrfifl SV II. Miiisir!::-r Jh. 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So niedrig, daß die Der- terdiger, hoffnungslos geworden durch den trostlosen, ungleichen .liampf uni Leben und Freiheit, n manchmal das Gefühl hatten, als ab die Zimmerdecke zusaimnenfturzen könnte, sie erdrücken und unter ihren Trümmern begraben, mitsamt den besten, heute vergessenen Helhen der Revolution.\ Abends warfen die plumpen, schäbigen Kronleuchter merk- würdige Schatten um sich, die wie kriechend« Zangen von Ungeheuern oussahem, in der Richtung der„Grotte" langsam schlichen— dies war der Platz für die Angeklagten— um sich geheimnisvoll über ihre Köpfe zu neigen. Es gab dort viele Fenster. All« starr und stumm auf ,Lvans> Tore" gerichtet. Dahinter die in ihrer Gier nimmensatt« Todeswief«, immer wieder neue und nie ermüdende Ankömmlinge erwartend. Die Fenster hatten keine Gitter. Dieser unbedeutende Umstand, ein Zeugnis der Unachtsamkeit der Militärbehörden, gab oft Anlaß zu Scherzen über den Leichtsinn der Russen, manchmal aber stimmte er die Angeklagten wehmütig und machte sie nervös.„Der Tod ist so nahe, ich fühle deutlich seinen ersten und letzten Hauch, doch ist mein Gesteht m das verdammt« Gitter nicht eingezwängt"— sagte, melancholisch lächelnd, der Freiheitskämpfer aus Lublin, an dem einige Tage nachher das Todesurteil vollstreckt wurde.„Meine .Herren, meine Herren," flüsterte unaufhörlich hinter der Verteidiger- hank der Revolutionär aus Ezcnstochowa, ,�ebt mir einen Mauser und ich gehe durch dieses Fenster, e» hat ja kein« Gitter." � Und während der Sommerabend zur Neige ging, erregten diese .Fenster, die zur Bequemlichkeit des Gerichtshofes offen blieben, schlummernde Gefühle im Vewutztsein der Gefangenen. Da» Rollen 'der dahmbraufenden Züge über die Brücke. Töne irgendeiner Haiid- Harmonika, Militärmustk, Stimmengeflüster, Lachen und Lärm der Kinder, all dies weit entrückt und vielen vielleicht nie mehr zugänglich. dies leise Echo des Stadtlebens drang durch diese Fenster in den schwach erleuchteten Saal, rief einen Schwann von Erinne- rungen. brachte Ze Streuung, zwang sogar zu einem slüchtlgen Lächeln, stimmte es aber meistenteils traurig und wirkte nieder- drückend.— Es geschah einmal, während der Rede eines blutgierigen Anklägers, daß unter dein Fenster ein Haufen freudig schreiender Kinder sich wmmelte. Der Gegensatz war so groß, daß der Staats- anwalt feine Red« für«inen Augenblick unterbrach und all«r Blicke und Gedanken, auch die Astontwill's"). bei den spielenden Kindern verweilten. Schweigen entstand. Jeder dacht« auf eigene Art an dieses Symbol des gesunden Lebens. Der Borsitzende faßte sich jedoch rasch, befahl den Soldaten mit vor Nervosität zitternder .Stimme, die Fenster zu schließen. Der Angeklagt« saß regungslos— der Ankläger verlangte seinen Tod..« Manchmal ereignete es sich, daß die gerichtliche Nachtsitzung mit -der Bollstreckung emes'Äodesiyteili-Äaql,�bt der Kampf um ein Menschenleben« draußen— um Straßenbeeite entfernt— knarrt da» Tor, der einzige Weg, durch welchen der verdammte Zug der Häscher mit ihrem Opfer hindurchgehen muß. Die Sendarmen haben nicht den Mut, bi« Mordtat zu vollbringen. Es stört sie die Gegenwart der Rechtsanwälte im Saal«, die wie Schatten umherschleichen und jede Bewegimg und jeden Blick der Schinder beobachten. Die Gendarmen gehen unter dem Fenster auf und ab, schauen gierig in den Saal, um zu erfassen, wie lange ihre Oual noch dauern wird und wann sie sich auf den Denirtellten stürzen.können. Mit kleinen Laternen. beleuchten sie das Gäßchsn, um zu sehen, was um sie herum geschieht. Di« Blicke der Der- teidiger, ins Fenster gebohrt, kreuzen die sie fliehenden Blicke der Gendarmen. Die Toren verteidigend, möchten sie das Leben der zum Nichtsein verurteilten heldenhaften Jugend noch um Augen- blick« verlängern. Möge sie noch einmal frei aufitmen, noch einmal mit einem Mick ihr opferfreudiges Leben und ihre Kämpfe<— um- Jossen! Möge dieser Jugend noch ein Hofsnungsstrahl erglänzen! Ein einziges Mal siegten die Verteidiger. Sie zogen die Verhandlung bis zu einer so späten Stunde hin, daß die Hinrichtung bis zum nächsten Morgen vertagt werden mußt?. Hatte doch das dem Tode gewechte„Offizierchen"**) die tragische Täuschung, welche am nächsten Tage zersplitterte, daß e» dem Tod« durch die Hand der Feinde— entrtimen würde. Könnte er verzeihen, wüßte er. daß seine Oual länger gedauert durch die Schuld derjenigen, die ihm damals am nächsten standen?— Im Winter verfolgten unheimliche Gesichte die Angeklagten. Die Verhandlungen dauerten fort als dos Dienstpersonal de» Kasinos, die Pause benutzend, im Saale erschien und tajch Porbereitungen traf für den am Abmd angesagten Ball. Stühle und Sosas nmirden herbeigeschafft, Tische aufgestellt, Lichter an den Wandleuchtern— versuchsweise angezündet. Während die Richter sich zur Beratung zurückzogen, erblickte man auf den schwarzen Spiegeltischen Blumen, Konfetti und sogar Damenhaarnadeln. Diese kleinen unbedeutenden Gegenständ« veränderten vollständig da» traurige Aussehen des Saales und verwischten die banalen Konturen des Gerichtsraumes. Der Saal des Todes verwandelte sich langsam in einen Ballsaal. Die Angeklagten beobachteten diese Veränfceningen mit geradezu kindlicher Reugter. Einige lächelten nachsichtig, andere wurden nachdenklich— vielleicht erblickten sie sich selber an irgendeinem Abend. Ein alter Arbeiter, der diesen Veränderungen verständnislos zusah, meint« allen Ernstes, daß diese„a gionw" Beleuchtung von guter Voraussag« für die Angeklagten war«. Die Verteidig«! fluchten, Ostecki, d«r«Ute Wachtmeister, den das Los der Angeklagten mitleidig stimmt», murmelt« vor sich:„Dies geht nicht an— dieser Ball— und möge es Gott verhüten— dann der Tod...* Und als dl» Bert«idig«r ni«t>«rgedrückt vom gefällten Urteil den Saal verließen, kam ihnen schon Im Vorsaal das fröhlich« Ballpublikum entgegen. Tanzend« Paare schwebten auf demselben Parket» oben, auf den manche blutige Träne wrn Mutter und«eib geflossen und wo Frauen oftmals zusammenbrachen. Musik ertönt«. Lieb« und Glück«rwachten. Könnten diese Menschen nur einen Augenblick die in diesem Ballsoale innner wieder ertönenden Laute der schreck- *) Einer der geseiertsten Helden der. Revolution, dessen Sterben das ganz« Proletariat aufrüttelte. u**) Pseudonym.•:„,r'' lichen Voraussagungen in sich ausnehmen, sie würden im Tanzen ersterben und totenblaß und entsetzt daoonfliehen. Denn hier im Todessaal ries der junge Gärber—„Baron Smukky" genannt, mit glühenden, hellen Augen, der Jnstruktor in der Kampsorganisation war, der unvergessene Ritter der Freiheit, zu den Richtern, zu allen im Todessaal Jubelirden und zu allen denen, deren Sein der Uebermacht und der Gewalt uatekworsen waren:„Wir hassen euch wegen eures Druckes und eurer Grausam- keit. Ihr habt den Arbeiter erdrosselt, ihr werdet noch viele von uns morden, aber unsere Idee wird alles überdauern— das Volk und der Arbeiter werden siegen, euch aber wird die Strafe erreichen! In einigen Jahren wird es keinen Zaren mehr geben. Dys Boll wird euch richten. Man wird euch anspucken. Für uns ist der Tod ein Spiel. Wir töten euch im Namen der herannahenden Erlösung!" Als am nächsten Tage die Teilnehmer eines Prozesses im Sqale erschienen, traten sie auf welke Blumen und vergessene Taschen- tücher und atmeten den sterbenden Duft von Puder und Parfüm. Das Geklirr der Ketten und Waffen, die trocken« Stimme des Bor- sitzenden ließen all«? vergessen. Der Saal de« Tanzes und der Freude verwandelte sich plötzlich wieder in den kalten, steifen, grau- samen Saal des Todes... tUrbcrtraiu» aos dem zlotnikchen bin Sien« ffU«.) JensXornfen: Mit Schmetterlingsfang hatte Benvenuto angefangen, damals, als er zum erstenmal beim Bahnbau entlausen war, mit den großen blauen Schmetterlingen, die dem schwarzen Mann das Pricheln in den Handflächen bringen und die die Gnngos so teuer aufkaufen. Alz die blauen Schmetterlinge seltener wurden, hat er es mit Papa- geien und kleinen Pfeisassen versucht, die die Fahrgäste der großen Schiffe von der brasilianischen Küste gern nach Europa mitnehmen, obschon die Mehrzahl der Tier« doch unterwegs ihren Tod findet. Eine ganze Weile hat es' sich gelohnt. Dann baute die Regierung dl« neue Bahn ins Innere. Benvenuto, dem man schon die ersten grauen Haare im Kinnbart über der schwarzen Haut nachsagte, dachte an sein Alter und verdang sich beim Schwellenlegen. Aber es war«ine verfehlt« Geschichte. Ein alter Jäger wjrd nicht plötzlich zwölf Swnden in glühender 5>itze an den Schweden . hämmern und schüttern können, ein alter Jäger horcht auf den Jagd- schrei im Wald, er träumt von jungen Waschbären, hie die Tierhändler unten an der Küste so hoch bezahlen, daß man drei Monate keine Hanä> mehr zu rühren braucht, er horcht auf j«den Papageienschrei, auch wenn ihn der gelbe Borarbeiter eine faule Schildkröte nennt. Er wird nachts nicht zur Ruh« kommen, wenn rundum der Urwald schreit und von jagbarem Getier voll Ist, Es geht Benvenuto nicht allein so, es sind mehr Jäger unter den Bahnarbeitern, gute Jäger und schlechte Jäger, Freunde und Neider, solche, die vor dem armen alten Benvenuto ausstehen und die Pakkas aus den Schlingen holen, mit denen er sich den ganzen Abend gemüht hat, und, nach ärger, beim Schnaps vom Puma und Sicherlöwen prahlen uni> von den Märchenpreifen, die die Aufkäufer an der Küste dafür bieten. Wahrhaftig, sein ganzes Leben brauchte Benvenuto nicht mehr. zu arbeiten, könnte er einer Löwin die Jungen aus dem Lager holen. Was ist dabei? Sie wird im nächsten Sommer neue Kinder haben, Benvenuto aber kann mit einem Sack voll. Geld crn.der.Mste bleibe», er kann den ganzen Tag über des, Kai«ntlqng lungern und die Leute anflesschen. wenn sie chn fragen, ob er nicht arbeiten will. Er kann sich ein neues Hemd kaufen, zw«!, drei Hemden und ein rotes Kleid für ein« Liebste und Tabak" so viel er will, ein ganze« Lehen lang! Aber der Silberlöwe ist Sage geworden, seit die Menschen in dem Urwald vordrangen. Und der Puma, den man, wenn man zur Nacht weit streift, wohl einmal locken hört, Ist so fern hinter den Lianenwänden verborgen, niemals wird er einem alten Nger» der in Not ist, verraten, wo er sein Lager hat, noch wann er auf diesem, noch wann«r auf jenem Berge jagen wird. Oftmals schon hat Benvenuto die Arbeit Im Stich gelassen, hat eine Woche lang das Dickicht durchstreift, hat mit einem Freunde, mit dem er alles zu teilen schwor, Papageien gesangen, hat wilde Schweine geschossen und oben in den Bergen ein Feuer angezündet, tageweit von der Bahn entfernt, nur um den Pumas zu folgen, den Pumas, die er mitunter von ferne hört. Er hat sogar die schwere Hermann Nreytag: Von meiner �Mansarde aus Seh ich nur Dächer. 3Xnd ich hätte fo gern im Grünen ein Hau». Ich will ja gax keine Prunkgemächer. Jlur eine Bude. Einen Raum. Ganz klein. Lfflitten guf einer Hallig im weiten Ä?leer. Xltid nur einen einzigen Tag möchte ich glürklich sein. Restlos glücklich, ohne Beschwer. Ja, und da mochte ich meine Psetse schmauchen Tl.nd dl« Sonne aufsteigen sehn. Tlnd sonst brauchen Gar keine Menschen aus der Insel zu geh«. 5LISwen. ja! Die sollten dort stiegen! Tl.od die Brandvng sollte brumme»! Das höre ich gern. Und der Wind sollte nur leicht den Strandhafer biegen. Ttnd nachts sollte prangen Stern au Stern. Der Mond könnte ruhig im Wasser bleibe«. Das macht mich nur traurig Tl.«d verführt mich nur. dummes Leng aufzuschreiben R-in, und keine Tran oder Braut. Lieber einen.Sater, der mich wohlig umschnurrt l Gder einen Hund, der beim kleinsten Laut Mal so richtig von Herzen bellt oder knurrt. ZJlvd dann möchte ich fröhlich schlafe» gehe» Und mich langsam hinüberträumen» Um nie wieder aufzustehen. Tbnd dann—___...______..... Daun mag das 5LIeer über die Hallig hinfchäumeu. eisern« Falle im Schweiße seines Angesichts durch Grosland und alt.« Wildevege geschleppt, von Feuer zu Feuer. Aber niemals ist«s gelungen, der Deute nahe zu kommen, fern bleibt der Traum von Glück und Seligkeit' des Nichtstuns, lange Tag«, lange Jahre, am Hosenkail- Aber Benvenuto rastet nicht, er ist kein reiner Neger, er hat auch weißes Blut, wie er seinen langen Namen stolz von einem Itali«. nischen Schankwirt trägt. Er ist zäh und kann alles hingeben für den großen Traum,«in Gehege von jungen Pumas heimzubringen. Ein Jahr arbeitet er an der Bahn, zwei Jahre sind sie dabei: sie müssen wohl dabei bleiben, die Regierung Ist verpflichtet, viel Geld auszuzahlen, alles rückständige Geld, wenn die Bahn erst fertig ist. Bis dahin muß man sehen, wie man weiter kommt, warten und träumen und durch die Felder streifen. Und eines Abends ist es doch so welt. Benvenuto täuscht Filippo, mit dem er bisher alle Jagd geteilt hat, er sagt ihm, er würde zum Mend«inen Zuckerrohrschnaps trinken. Aber als Filippo vorangeht, schlägt der Jäger den Weg in die Wildnis ein, den Weg, den st« vor Wochen schon die große Falle geschleppt haben. Am anderen Morgen fehlt er, als die Arbeiter aufgerufen werden— nun das kommt vor. Weit dmußen im Urwald streift Benvenuto, den ganzen Tag über liegt er auf der Lauer, stellt di« Falle auf» bindet den kläglich quiekenden Frischling— sie verwahrten sich seit langem Ferkel als Lockspeis«— auf Armfänge hinein und erwartet auf seinem Baumnest, was geschehen wird, wartet, die alte Flinte über der Schulter, zitternd und außer sich vor Spannung, was das Glück bringen wird. Das Glück kommt. Am Abend streift der Pumaherr, der der Katze mit den Jungen schon ein wenig überdrüssig ist, allein vom Lager auf. Er wandert weit, sehr weit, er wandert über die Berge. Cr hört nicht den quiekenden Frischling, nur ungern jagt er nahe beim Lager. Dafür ist die Katze da, die die beiden Jungen ausgehen lehrt und der jede kleine Beute �echt. kolllMt...Weiter ob hört man den Ruf des Männchens, näher zum Jäger kommt die Pumaolt«. sie knurrt hinterm Riedgras, das den Fel»zapf«n säumt, sie schmiegt sich langsam über niedergebrochene Bäume und faucht di« spielend folgenden Jungen an. Sie hat das Quieken des schwarzen Schweines in den Ohren, das vergeblich versucht, sich aus der Schling« zu lösen. Mit einem schmeichelnden Laut lockt sie die Jungen zu sich, duckt sich, um sie horchen zu lehren alles sieht Benvenuto von seinem Baum- nest. Einmal wittert sie unnchig, pbschot, der Wmd Kgen den Menschen steht, dann führt sie die kleinen Pumakätzchen nahe �«ran, läßt sie noch einmal lauschen, spielt geduckt mit den Lichtern. Und jäh ein geschmeidiger, lautloser Satz, di« Falle schlägt krachend zu. Die Kotz« stößt einen furchtbaren klagenden Laut aus, verwundert kommen die Iunßen näher, balgen sich um das geschlagen« Ferkel. erschrecken, als die Muster ihren Klageschrei In die Wälder sendet, erschrecken über ihr verzweifeltes Schlagen und Wühlen. Langsam hat Benvenuto die alte Maulevflinte gehoben, lange Zielt er. zu sehr zittern sein» Hände vor Glück, dann prallt der Schuß los, dl« Katze tut einen Sprung über die geseflesten Vordersüße, bleibt unbeweglich liegen. Ungeheuer ist das jetzt, mit fliegenden Knien klettert Benvenuto, ver Neger, am Stamm nieder, lädt vorsichtig noch einmal, wagt sich näher, Schritt für Schritt. Aber di« Katze ist tot, snrchtbar streckt sich der Leib von der Fall« ins Gras. Schnüffelnd sind die Jungen bei ihr, miauen leise, schmiegen sich an und wollen Milch haben. Mit drei Sprüngen ist Benvenuto bei ihnen, den ersten gelingt es ihm gleich zu packen. Blitzschnell schnürt er ihm die kratzenden Pfoten zusammen, schnürt den Sack über ihm zu, daß man nur hüpfende, wimmernde Jute bemerkt. Das zweite Junge ist klüger,«s merkt die Gefahr oder es will mit ihm spielen. Benvenuto muß atemlos eine lange Weile durch da» hohe Gras hinterdrein tappen. Er verliert es einige Male, aber immer wieder findet es sich zur Mutter. Mit einem langen Stock betäubt er es endlich und versucht,«s zu dem anderen in den Sack zu stopfen. Er muß dabei«inen Jauchzer ausstoßen: alles hat er jetzt, was er je erträumt, ein Pumofell. zwei lebendige Junge. Cr fühlt, der Leib zittert ihm, so außer sich vor Freude ist der Alt«. Zwanzig Jahre hat er davon geträumt, zwanzig Jahre hat er Papageien und Pfeif- äffen für die Gnngos gefangen, hat Schwellen gelegt und Kaffeesäcke geschleppt, jetzt hat er zwei lebendige Pumas Im Sack, Glück, großes Glück, kaum tragbare» Glück! Wägend tritt er zu der großen Katze. Er ist vorsichtig. Ehe er sie löst, eh« er zu tasten wagt, ob der Leib erkaltet«, schiebt er die Flinte nach einmal vor— springt plötzlich aus. schlägt di« Flinte qn gegen ein zweites Knurren, hebt sie gegen«inen fliegenden Schotten. Mitten in den Sprung des zwesten Puma trifft«r. fühlt sich straucheln, fühlt wie die Schläfen heiß zu rinnen beginnen, wie. die Brust ihm zerreißt. Dos Glück— er denkt nicht mehr zu End«, die Freude und«in rasender Schmerz von der Stirn bis zur Prüft ist da» letzt« vorm großen Dunkel, has über ihn kommt. Jlndenn Tags in der Frühe kommt Filippo: er Hot zwei Schüsse gehört, er war den ganzen Tag über rasend vor Eisersucht. Cr weiß ungefähr, wo die Falle stand, er flpdet die Spur des Lagers, treibt sich Harum, findet plötzlich dl« Katze im Essen und den männlichen Puma tot über dem alten Benvenuto. Sin Fangschuß, »pahrhastig,«In prachtvoller Fangschuh! Aber es sst der letzt« des alten sthwarzen Jägers gewesen. Der Sack Ist zerkratzt, ist leer, ober zwei Felle erbt Filippo, zwei Felle und die Pflicht, einig« Rasenstück« auszuheben' für Benvenukv, einige Rasenstücke und einige Zweige, so„ gut es im Urwald geht. max&oriu. Marie und Pranst auf Mhaka Dft Äatte aus München. Der Franzi aus Wien. War die sind, ihr ja: chutmacher auf Odyssee, Hutmacher auf Entdeckungs- reisen. Hast dm keine Arbeit, dann entdecke du die Welt: die schöne bunte Welt, du wirst nicht dümmer davon— und weirn du alt und arm bist: dannl kannst du von den Erlebnissen deines jugendlichen Reichtums zehr-n. Das ist gemistlich mohr! Albanien. Die gelbe Hafenstadt Valona an der grünen See- Di« See: Straße von Otranto— drüben liegt Land Ätolia, die flache Weinprovmz Apulie». Um Balona her stehen starr die Berge, grün und grau. Und im Hasen von Bcckoi« siehst du eine gsscher� flott ille, an ine 30 Hochseeboote. Thiozgiatenftschsr— aus der See von Venedig, die ein halibes Lahr von der Heimat fern bleiben— und die Küstenländer des ganzen östlichen Mitteln»« er es mit Fsschen versorgen. Chioggio, die Fischerstadt in der See von Venedig, hat 2Ö0G Fischerboote. 30 davon liegen h«ute in der Bucht von Valona, der.Hafenstadt Südalbaniens. Der Himmel ist fliederblau, die Möwen segeln mit silbernen Schwingen. Der Wind geht hart von Nord,«ine frische Bora. Der Wind weht weiße Fächer in das Grün der Hafenbucht. Und dann das Bunt der 30 Segel, die Ehioggiotenfsscher: die Segel rot, braun, gelb und orangefarben, Sonnen sind auf bis Segel gemalt. oerfchlungsne Fremdschaftshände und rote Freiheitsfackeln. Am Vordermast trc»cknen die Fischer ihre Netze und zwifchwi Mast und Mast haben sie ihre Wäsche au fgehöngt: Hemden, Hosen, Strümpfe und große rote Taschentücher. Wie Fveiheitssahnen flattern die flammenroten Taschentücher im Wiobe. Die Fsscherslottille— eine Freiheitsflott«: ovviva dos unabhängige Leben auf See! Karle und Franz? an Bord eines Ehioggiotenfischers, als Passa- giere. Ei, ihr beiden abenteuerlichen Hutmacher: mir gratulieren — wohin geht denn bis Reise? Nach Süden, ins Ionische Meer. Nun sagt mal, ihr, Hutmocher, was bezahlt ihr denn als Passagier- vrers? Wir zahlen- mit Nadelspitz und Langzwirn, mit'nem bißchen Kopigrütze und mit'ner kleinen Dosis Menschenfreundlichkeit. Wir haben freie Passoge, weil wir den Fischern neue Mützen machen, schöne neue Flanellmützen— aus alten verbrauchten Hosen. Airs nichts etwas mcichen, das ist die Kunst— und das wissen die Fischer zu schätzen. Wir fahren �os. Land Albaiüa, lebe du wohl! Kreuzfahrt nach Süden— hm.gl den Ionischen Inseln. Nachts haben.wir gefischt— das heißt: die Fischer haben gefischt, unsere beiden Hutwocher haben geschlafen: sie haben von her Heimat getrimmt, von ihren lieben Schätzen: flotte Hutmacher- mädels, tüchtige Tänzerinnen— und Sängerinnen wie persische Nachtigallen! Kirschrot geht die Morgensonwe auf: hüitcr den violetten Gebirgen des Epiru«, der Epirus sst schon griechisch« Pro- Binz. Di» Fischerboote tanzen auf der blausilbernen Ionischen See. Auf dem Deck der Boote werden die Fisch« sortiert: schuppen- blanke Scombri: Makrelen, breitmäulige Seeteufel, molett» Gcun. beri— Tiefseekrebse, s der molligen Andreas-Hofer-Perta(die schenkt«inen gute» Tiraner aus), um die Sachlage zu überdeirken. Aschermittwoch, 5. März. Heut« wurde ich durch eine» großen Klamauk aus dem Schfaf* geschreckt. Die Tür öffnertd: was sah ich? Die Witwe stand. während der jüngerr Dcickftsch heulte, mit«inem frisch geschntttonen. wrsscheligen Bubikopf auf dem Klopfbakkon und versucht« lne Inhaberin des gegenüberliegenden Balkons, eine hämische Bubikopf. gegnerin, mit dem Besenstiel zu bearbeiten. Ich fühlte: die. Katastrophe naht. Um die Sachlage zu überdenken, ging ich zur schlanken Annemirl vorn„Schlechten Sepp' in Dorf Tirol und trinke einen roten Spezifal). Donnerstag. 6. März. Heute abend war ich wegen der Unsicherheit der Landstraße früh vom Kuenserhof zurückgekehrt: da stand Frau Pflanz gerade im Vegriff, auf den Ball zu gehen. Als zwanzigjähriges Mädchen gekleider, wollte sie jetzt plötzlich und ohne Berinitttung ihre Wahl treffen. Da läutete es zweimal gehsinnnsvoll. Ich fühlte: der Käfer. Die Witwe fühlte ebenfalls: der Käser. Hochrot stürzte sie zur Tür, riß sie auf, und sank erlöst dem Mann in die Arme. Ich zog ins ,ss)otel Sonne'— und trinke jetzt einen Slibomtz. im die Sachlage zu überdenken. Freitag, 7. März. Soeben erfuhren ich und Frau Pflanz, daß es der Leberwurst- fabrikant war, mit dem sie sich verlobt hat. In nun: viel Glück. Ich sitze jetzt im Dahnhossrestaurant und trinke einen Kaffee, um die Sache zu überdenken. Die Skromerzcnguvg in Denlschland beträgt gegenwärtig etwa 30 Milliarden Kilowasstunden. 25 Milliarden hiervon könnten allein durch Wasser erzeugt werden, wenn die vorhandenen Wasserkräfte voll ausgenutzt werden würden. Qua täte-TeppIChe 3x4mqroß Öoucte �PPiChe�ÄÄgl v�ommenfehlerheie unckqesundeiVa re. Auffeteilk mi-�rienso�stUirrat no All�rbesre Fernftor-QualitässHuslerdi« mcW meh-VJW_. weiter oeführt werden) zum Aussuchen s/V» laToumay- Velour, allerbeste Haarqualsta!«IäQ,, zum Aussuchen IVich Smyma, schwere- mech. Qua Ii Wh moderne u.<�<« c_ PerserMuster.iumAussuchen AllerbesteTournay-uSmyrna-Qualfhjtenf.wrienrtnrQ Pastel Ifarben, ol ler letzte Neuheiten, zum Ausaxter�T' j. GuallMte-Teppiche WxZ'AAoü voll kommer. fehlerfreie, rein wollene Ware. 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