BERLIN Montag 17. Mrz 1930 10 Pf. Nr. 1 25 B 64 47. Jahrgang ersch etvt tigNch aaSer Sonntag«. a /% i%f /// �>n»eisen»rei«: DietlnspaltlgeNonvareilltjtik, Lugl-'ch Abelldauegab« de«.V°r«irt«� Betugs-rei«\."J- fj J Vf." 80 � R-klam-j-.l- ö M. Ermüßigungm...ch Tarif. b-.d« Ausgaben 8SPf. pro Woche. 3.mM. pro Monat. AaJ&O ff ¥%SrsA/tX4vö D-K. checkkonto- Vorn-ärts-Derlag G. m. b.H.. Kedaktion undErpedltlon;BerllnSW63..lndcnstr.2/ i»» v// Berlin Nr. S?SZü. Fernsprecher: Dönhoff 292 bissv? ZehnLahre nach Kapps Uucht. Gewaltige Kundgebungen der sozialdemokratischen Arbeiterfchast. Die Beek«« Lozialdemokratie veranstaltetc gester« eine jener große« bedentnugsvolle» ttundgeb«»- gen. die in der Geschichte der Berliner Partei fortleben werden. Die Arbeiter Berlins waren zur Erinnerung an den Tag. au den» vor zehn Iahreu der verbreche- rische Kapp-Putsch unter der Faust der Arbeiterschaft zusammenbrach, herbeigeströmt. um ei« neues Gelöbnis für die soziale Re» publik für Bölkerfrieden und TozialkSmuS abzulegen. Kampf allen Feinden der Republik und der Arbeiterbewegung war die Parole, die die Zehntausend in der„Reuen Welt" gestern beherrschte. Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung war der riesig« Saal, der sich als viel zu klein erwies, bereits so überfüllt, daß die Tribünen teilweise potizeüich geräumt werden«rußten. Parallel- Versammlungen in anderen Sälen und bei Kliems vermochten gleichfalls nur einen Teil der Erschienenen aufzunehmen Die chauplkundgebung stand unter dem Zeichen der roten Fahne«. Stuf der � von Lorbecrhämnen und Fahnen der Berliner Part« und des Reichsbanners umrahmten Bühne hatten neben dem Vorsitzen- den des Berliner Bezirksoerbändcs. Reichstagsabgeordneten Franz Künstler, die von der Versanunlung stürmisch begrüßten Redner des Tages. Reichsinnenminister Carl Severins und der 25of> sitzende der Sozialdemokratie, Reichstagsabgeordneter Otto Wels, Platz genommen. Feierliche Stille trat ein, als nach einleitenden Worten Franz Künstlers Wusik und Gesang der vereinigten Reichsbanner-Musitkapellen Wedding und Weißense«, der Spiel- Mannschaft des Kreises Norden und des unter der bewährten Leitung Wilhelm Knöchels stehenden Mämrerchors �„Fichte- Georginia" ertönten. Dann spricht Severins kurz und zündend. Kein„politisches Erntedankfest" wollen wir feiern. Noch immer bedarf die Republik unseres Schutzes, noch immer müssen wir wachsam sein. Er schließt unter nicht cndenwollendem Beifall mit dem Dichterwart:„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben. dsr täglich sie erobern muß." Theo M a r e t spricht Verse von Tucholsky, die in den Ruf„Nie wieder Krieg" ausklingen. Dann folgt die große Rede Otto Wels, der an: frühen Morgen des 13. März 1920, als Herr Kapp wahrscheinlich noch schlief, die ersten Vorbereitungen für die große Gegenaktion der So- zialdemokratie traf. Immer wieder werden seine Aus- fühniugen durch Auftimmungskundgebungen und Händeklatschen der gespannt lauschenden Menge unterbrochen. Der Redner umreißt noch einmal kurz die Ereignisie in den bedeutsamen Märztagen des Jahres 1929, in denen um das Leben der Republik gekämpft und der Sieg der Arbeiterschaft erfochten wurde. Er schließt:„Die Arbeit von Jahrzehnten hat uns auf die Bergeshöhen geführt, von denen wir das Sonnenlicht der Freiheit erglänzen sehen. Wir sehen das Licht und wir kennen die Mittel und die Wege, die zu ihn, führen. Baut Straßen, erobert die Menschen! Pflügt den Acker! Laßt uns weiter gemeinsam kämpfen für die soziale Republik, für die demokratische Freiheit!" Die letzten Worte des Redners werden von dem begeisterten Beifallssturm der Riesenmenge begleitet. Noch einmal hören wir die Sänger, dos alte Trutzlied von Tord Foleson erfüllt den Raum. Das von dem Bläserchor des Reichsbanners vorgetragene med von der Versammlung stehend mftgesungene..Brüder zur Sonne, zur Freiheit" schließt sich der Rede an. Nach Verlesung eines Treue- gelöbnisses der zur gleichen Zeit im ehemaligen Herrenhaus tagenden Generalversammlung des- Gaues Berlin des Reichs- banners Schwarz-Rot-Geld, bringt Franz K ü n st l e r das Hoch auf die internationale völkerbefreiende Sozial- d e m o k r a t t e aus, in das die Versammlung dreimal begeistert einstimmt: Der gemeinsame Gesang der Internationale beschließt dann die imposante Kundgebung, die für jeden als neuer Beweis der Solidarität und des Z u s a m m e n h a l t c n s zu einem Erlebni.s geworden war. Als erster Redner sprach �eichsinnenminister Carl Severins Wir feiern heute, so führte er aus, trotzdem bie Arbeiterschaft und die Republik vor zehn Jahren einen Sieg errangen, kein politisches Erntedankfest. Der Tag wird uns viel- mehr zu ein«« Gelöbnis, weiterzukämpfen. Dankbar weilt unser Gedenken bei den Opfern aus der Arbeiterschaft, die der Kapp-Putsch gefordert hat. Sie fielen als mahnend« Streiter für republikanisch« und proletarische Solidarität. Schwere Kämpfe liegen hinter uns. aber noch schwerere Arbeit liegt vor p n s. Denn das Ringen um die Republik hat erst jetzt seinen wahren cJn der.Weuen IteW' Otto Wels fpridri. S)er überfüllte Saal. Anfang genommen. In den letzten 12 Jahren bestand imsere Auf- gäbe darin, den Schutt, den uns die zr'smnmengebrochene Monarchie hinterließ, beiseite zu räumen und die Quadern für das Haus der demokratischen Republik zu legen. Unser zäher Kampf, unsere un- ermüdliche Kleinarbeit gilt dem inneren Ausbau des neuen Staates in sozialem und demokratischem Sinne. Wohl hat sich die Republik im Laufe der Jahre gefestigt. Die Republikaner stehen auf dem Posten, und sie haben vorgebaut. daß die Republik nicht noch einmal durch einen Husaren- rili von Putschisten in Gcsahr gebracht werden kann. Das haben die Reaktionäre rechts und links begriffen, und das allein hindert sie daran, neue Abenteuer zu versuchen. Der Sieg wird im Lager der Freiheit und der Republik sein, wenn wir uns immer das Wort des Dichters vor Augen Hollen:„Nur der ver° dient sich Freiheit wie dos Leben, der täglich sie erobern muß!" Die Rede Otto Wels. Den Ruf„Nie wieder Krieg!" müssen wir immer wieder in die Köpfe und Hirne der Menschen hämmern. Noch fft vieles unerfüllt geblieben, was wir von der deutschen Republik erhofften, und doch hat sich in Deutschland in den zwölf Iahren d e m o- kratischer Verfassung vieles geändert. Nichts geändert hat sich dagegen in dem Rußland eines statin, das scheinbar bemühl ist, in seinem Terror die schlimmsten zaristischen Zeiten zu über- treffen. Es ist die Tragödie der Menschheit, daß sie bei Ausbruch des grausamsten aller Kriege ihre Geschicke noch nicht selbst bestim- men konnte. Und als die politische Freiheit an die Stelle mon- archistischer Willkürherrschas, trat, war das deutsche Volk noch nicht reif genug, um diese mächtige Waffe des Befreiungskampfes richtig gebrauchen zu können. Aber immer stärker wächst die Zahl derer, die vorwärtsdrängen und die Zeichen der Zeit erkennen. Unsere Ausgabe ist es, die Köpfe der Menschen für unsere Ideale und Ziele zu gewinnen. Wir haben in der deutschen Republik Schweres ertragen muffen, und vielleicht steht uns, wie Severing schon sagt«, noch Schwereres bevor. Den Putschisten von rechts und links ober rufen wir zu: Deutschland ist alarmiert! Die deutschen Arbeiter halten die Augen offen! Der Redner kommt dann auf den Erlaß Groeners und auf ine neuesten uationaljozialisiischeu Umtriebe in der Reichswehr zu sprechen. Wenn der Putsch 1920 so.schnell niedergeschlagen werden konnte, so verdankt das deutsche Volk das den hinter der Sozialdemokratie und den freien G e w e r k- schaften stehenden Volksmossen. Der Gedanke der Colidär! t ä t erwies sich stärker als Maschinengewehre und Bajonette. Dies« Ereignisse zeigen uns, daß die Zeit, in der wir leben, trotz aller Schwierigkeiten eine g r o ß e ist, und daß wir aus ihr neuen Mut schöpfen können. Denken wir stets an das Wort, das der greise Präsident der tschechoslowakischen Republik M o s a r y k an seinem 80. Geburtstag aussprach. Er sagt«, man spreche iimner von einer Krise der Demokratie, eine solche gebe es ober nicht, da die wahr« Demokratie noch gar nicht errungen sei. Und Macdonald sagte in seinem Buche„Sozialismus»»d Regie- rung": „Ein Volk, das sich nicht mehr begeistern kann, wenn von der politischen Freiheit gesprochen wird, streckt seine Handfessel» bereits den ketten der Sklaverei entgegen." Die deutsche Sozialdemokratie hat den Schutz der Republik und der Demokratie auf ihre Fahnen geschrieben. Die Hoffnungen derer, die in Deutschland wieder dws.Joch der Knechtschaft errichten wollen, wird man zu Grabe tragen müssen.. Wenn die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie die Arbeiterschaft zu Aktionen ausrufen wird, dann wird das Bil>d anders sein als am 1. Februar und am 10. März, wo die Kommunisten wieder einmal „demonstrierten".,(Lebhafte Zustimmung.) Die Politik, die wir treiben, ist uns zwangsweise vorgeschrieben, weil sie im Jntcr- esse der Arbeiterklasse liegt. Bei den von den Nationalsozialisten irregeleiteten Arbeitern wird recht bald die Dämmerung einsetzen, und sie werden erkennen, daß sie von Scharlatanen geführt werden und einer Partei nachlaufen, die vom Großkapital und vielleicht auch vom faschistischen Ausland subventioniert wird. Unser Kampf geht um ein hohes Gut! Es geht um deir Ausbau der politischen Demokratie. Nach der Erkämpsung der poti- tischen Freiheit soll d!« Wirtschaftsdemokratie den Weg zum Sozialismus ebnen, der uns zwar nicht den Himmel auf Erden bescheren wird, der aber aller Menschheit Brot und ein Dach über dem Kops und kulturellen Aufstieg geben wird. Jahrzehnte schwersten Ringens haben uns auf die Bergeshöhcn geführt, von denen aus wir das Sonnenlicht der Freiheit glänzen sehen. Wir sehen das Licht, wir kennen die Wege, die zu ihm führe:». Baut Straßen und erobert sie! Rüttelt dre Menschen aufj weckt ihr« irn e! Der große Kampf geht um die soziale Freiheit! Vorwärts!(Langanhaltender, stürmi- scher BeiM.) ★ Noch nicht einmal die Hälfte aller derer, die an der Kund- gebung der Berliner Sozialdemokratie zum Gedenken an die Nieder- schlagung des Kapp- Putsche? teilnehmen wollten, konnten im großen Saal der„Neuen Welt" Platz finden. In einem weiteren Saal der „Neuen Welt" und in Kliems Festsälen mußten Paralleloer» sammlungen stattfinden. Es sprachen Robert Breuer und Reichstagsabgeordneter Georg W e n d t, die unter der stürmischen Zustimmung der Versammelten das Verbrechen der Kappisten gegen Volk und Baterland geißelten und zur Sammlung aller Schafsenden im Dienste der Republik, der Demokratie und des Sozialismus allst forderten. Minister S e o e r i n g nahm das Wort zu einem kurzen Appell, die Kapellen des Reichsbanners konzertierten unter der be- währten Leitung des Kameraden Habedank, die Roten Falken brachten Lieder der Jugend zum Vortrag, ein alter Parteigenosse, der schon unter dem Sozialistengesetz für die Partei gestritten und gelitten hat, erfreute die Versminnelten durch den Vortrag einer alten, heute fast vergessenen Kampfwcise. Der prächtige Chor der „T y p og ra p h i a" stellte sich in Kliems Festsälen freudig in den Dienst der guten Sache. Mit dem Hoch auf Republik und Sozial- dcmokrotie und dem geineinsamen Gesang der International« wur» den die Parallelkundgebungen geschlossen. Der glänzende Verlauf der gestrigen Kundgebungen ist ein neuer Beweis dafür, daß trotz aller Demagogie von rechts und links die Berliner Arbeiterschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit treu z>»m Banner der Sozialdemokratie stcht. Erinnerung an August Bebel. Wer mitten unter den Kampfgenossen saß, um den Beginn der Reden abzuwarten, der tonnte in der Zeit des Wartens viel sehen und hören. Erinne.rungen an kampferfüllte Zellen wurden in den schon lange vor 11 Uhr überfüllten Sälen ausgetauscht, Freud und Leid wurden ins Gedächtnis zurückgerufen. An unserem Tasche saß eine ältere Frau, der man ansah, daß sie«in schweres Arbellerleben hinter sich hat. Jetzt steht sie schon über dem Leben. Abgeklärt und erfüllt von der sicheren Ruhe des Alters betrachtet sie das Treiben. Trotz ihres Alters aber ist sie gekommen und erfüllt von den Idealen des Sozialismus. Ihre Erzählungen, die wir mit anhören dursten, waren gleichsam ein ungewolltes Interview, das der Mitwelt nicht vorenthalten sein soll. Hören wir die alte Ge- nossin:„Vor bald 2 5 Jahren war dieser Saal auch so überfüllt." Di« Frau dachte daran, daß damals ( August Bebel vor den Massen gesprochen halte. Sie sprach davon, wie er zur Gesetzlichkeit unseres Kampfes mahnte und immer wieder auffordert«, sich nicht mit der damals noch töniglich-preußifchen Polizei einzulassen. �„Aber die Versammlung war im Sommer. Trotz der glühenden ihitze standen die Menschen Kopf an Kopf. Es konnte kein Apfel zur Erde fallen. Die Menschen hingen an den Fensterkreuzen, um Bebel sehen und hören zu können. Die Versammlung verlief ohne jede Störung." Man sah dieser Frau an, daß sie seit jener Versammlung eine Kämpferin für den Sozialismus geworden war. Ja, und der Beifall, den Ge- nosse Bebel während und nach seiner Rede erhielt, der wollte kein Ende nehmen. Die könglich-preußische Polizei stand zwar draußen vor dem Saal, aber sie erhielt keinerlei Anlaß, einzuschreiten. Die Gesetzlichkeit unseres Kampfes war und ist die Ohnmacht unserer politischen Gegner. Auch von einer W a h l r e cht s d em o n st ra- tion vnr 20 Jahren erzählte die alte Genossin.„Wenn die Jugend von heute, die sich radikal nennt, oder unpolitisch ist, wüßte, wie wir Alten damals kämpfen mußten." Vor 20 Jahren noch mußten unsere Genossen und Genossinnen um das gleiche, geheime und direkte Wahlrecht kämpfen. In mächtigen Demonstrationen marschierten die Berliner Arbeiter aus— aber an Gewalt oder Putsch dacht« niemand. Die sozialdemokratischen Führer lehnten die Gewalt immer ab. Sie hatten sie ja auch nicht nötig, denn das Recht war auf ihrer Seit« und auf der Seite der Arbeitermasien.„Die Polizei wollte damals zwar den blutigen Kampf, die blutige Auseinandersetzung, aber wir haben ihr eben keine Veranlassung gegeben, daß sie einschreiten konnte." Sie erzählte davon, daß zwar die Polizei mit ihren Pferden von den humorvollen Berlinern apf die verschiedenste Art gefoppt wurde— das ging soweit, daß man die Polizeipferde an den Schwänzen zog—, aber zu ernsten Ausschreitungen ließen es die Arbeiter selbst nicht kommen.„Im Lustgarten marschierten wir auf," so hörten wir die Alte voller Freude an die Erinnerung. Oft hallte in den Straßen der Stadt der wuchtige Schritt der Arbeiterbataillone wider. In snedlichcn Demonstrationen für ein friedliches Ziel. Die Sozial- demokratic märschierte und wird marschieren.„Wenn doch die Jugend wüßte, wie wir kämpften und kämpfen mußten, sie würde das Erreichte besser würdigen und in gleicher Weise kämpfen." Toiengedenkfeier im Reichstag. Bekenntnis zu Locarno. Im würdig geschmückten Plenarsitzungssaal des Reichstags ver- anstaltet« gestern der..Volksbund Deutsch« Kriegs- gräberfürsorge" eine Gedenkfeier für die Toten des Welt- krieges. Von den schwarz verhängten Wänden des.Saales hoben sich wirksam zwei von innen erleuchtete, gläserne Obelisken ab, vor der Rednertribüne ein riesiges Blumenarrangement mit großen schwarzrotgoldenen Schleifen. Dazwischen die Uni- formen der Reichswehr, der Chargierten der studentischen Korpo- rationen, Fahnen über Fahnen neben dem schlichten Schwarz der übrigen Trauergäste. In seiner Loge der Reichspräsident von Hindenburg, ihm zur Seite Reichsinnenminister S e o e» ring und andere prominente Politiker und Militärs. Nach ergreisenden Mustkvorträgcn hielt Prof. Kahl«in« längere Gedenkrede, in der er der Arbeit des Völkerbundes gedachte, der die in 38 Ländern verstreut liegenden Kriegsgräber deutscher Soldaten zu betreuen hat. Zum Schluß legte er ein bemerkenswertes Be- kenntnis zur Politik von Locarno ab. die schließlich zum Kriegsächtungspakt führte, den Deutschland als erste Macht unterzeichnet hat. Nach der Feier nahm Reichspräsident von Hinden- bürg die Parade der Ehrenkompagnie ab, während in den Lüften Flugzeuge da» Reichstagsgebäude umsurrten. Leiche Prof. Orexels aus dem Main gelandet Aranksurt a. M. 17. März. Am Sonntag nachmittag wurde der seit Anfang Februar dieses Jahres vermißte Direktor des Deutschen Archä» alogischen Instituts, Prof. Dr. Friedrich Drexel. bei Höchst aus dem Main gelandet. Irgendwelche Anzeichen, daß ein Verbrechen vorliegt, wurden nicht wahrgenommen. primo de Rivers gestorben. Zuckerkrankheit- Grippe— Herzschlag. Paris, 17. März.(Eigenbericht.) General Primo de Ribera. Exdiltator von«panien, der sich seit einigen Wochen mit seiner Familie in Paris aufhielt, ist am«onntagvormittag in einem Pariser Hotel plötzlich gestorben. Ter Tod trat infolge Herzschlag ein. Primo de Rioera und seine Familie bewohnten im Hotel Du Pont Royal mehrere Apartements. Der General war schwer zuckerkrank. Sein« Krankheit ist nach Angabe der Aerzte aus die jahrelange Ueberanstrengung zurückzuführen, die seine politische Tätigkeit ihm auferlegte. Um sich von seiner Zuckerkrankheit hellen zu lassen, hatte Primo eine Kur in Frankfurt a. M. geplant. Eine schwere Grippe, dl« ihn 14 Tage lang ans Bett fesselte, zwang l ihn, seine Reise nach Frankfurt aufzuschieben. Indes schien er am Sonntag früh nach einer ausgezeichnet verbrachten Nacht soweit wiederhergestellt, daß die Abreise bereits für einen der nächsten Tage in Aussicht genommen war. Für Sonntag nachmittag war daher ein Abschiedsempfang geplant. Um 9 Uhr früh empfing Primo noch im Bette liegend feine Familie. Er erklärte, sich aus- gezeichnet zu fühlen, so daß seine beiden Töchter und sein Sohn zur s Messe gingen und ihn allein ließen. Als sie von der Messe zurück» kehrten, war der General tot. Im ersten Augenblick glaubte man, daß Primo de Rioera. der srisdlich zur Wand gekehrt im Bett lag, nur ohnmächtig geworden sei: der herbeigerufene Arzt konstatierte dann, daß der Exdiktator einem Herzschlag erlegen war. primos letzte Putschpläne. Paris, 17. März.(Eigenbericht.) Der am Sonntag plötzlich gestorbene spanische Diktator Primo de Rioera soll, wie das„Oeuvre" berichtet, nach seinem Sturz noch keineswegs seine politische Tätigkeit aufgegeben haben. Er habe vor allem die Absicht gehabt, sich für seine Demission am König zu rächen. Auf der Fahrt nach Paris habe er in Barcelona eine Unterredung mit dem Militärgouverneur von Katalonien, General B a r r e r a gehabt, und diesen zu einer gemeinsamen Revolution gegen den König aufgefordert. Es sollte ein gemeinsames M a n i f e st erlassen werden, um das Heer gegen den König aufzuputschen. Barrera Hobe den Vorschlag nicht nur rundweg abgelehnt, sondern habe auch den gefallenen Diktator ausgefordert, sofort den spanischen Boden zu oerlassen. Otto Braun über den Kapp-Putsch. Feier in Magdeburg. Magdeburg, 17. März. In der Magdeburger Stadthalle, in der sich etwa 4000 Per- sonen eingefunden hatten, fand am Sonntag eine von den freien Gewerkschaften, der Sozialdemokratischen Partei, dem Arbeller- Sportkartell und dem Reichsbanner ocranstallet« Feier zur Erinne- rung an- die erfolgreiche Bekämpfung des Kapp-Putsches statt. Zu der Feier hatten sich eingefunden der frühere Oberpräfident der Provinz Sachsen und jetzige preußische Innenminister Prof. Dr. W ä n t i g, der Regierungspräsident von Magdeburg, Pohl- mann, der Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg. B e i m s. sowie Vertreter der einladenden Organisationen. Die Erinnerungs- rede hielt Ministerpräsident Braun. der gleich eingangs auf die deutschnationole Anfrage im Preußischen Landtag über seine Tellnahm« an der Magdeburger Demonstration zu sprechen kam. Er erklärte, er könne die Erregung nicht begreifen, die seine Teilnahme verursache. Wenn in der Anfrage von einem Volkstrauertag die Rede sei, so müsse er betonen, daß dieser Ge- denkdag von einem rein privaten Verein festgelegt worden fei. Bon keiner Behörde, von der preußischen Regierung ebensowenig wie von der bayerischen und der württembergischen, sei er anerkannt. Er persönlich lasse sich nicht Tag und Stund« vorschreiben, an denen er um die Toten im Weltkrieg trauere. Er lasse sich den Tag um so mehr nicht vorschreiben, als man bei den Beranftaltungen dieses privaten Vereins sich nicht des Berdachtes erwehren könne, daß hier da» Gedächtnis unserer Toten mißbraucht werde, um einen gewissen verderblichen Revanchegedanken zu wecken und wachzuhalten. Es sei eine große Irresichrung der Oeffentlichkeit, wenn be- hauptet werde, diese Veranstaltung in Magdeburg richte sich gegen einen großen Teil des preußischen Volkes. Sie richte sich nur gegen diejenigen, die vor zehn Iahren den ver- brecherischen Kapp-Putsch begrüßt und gefördert hätten und sich heute noch mit den gleichen verbrecherischen Ge- danken trügen. Slber gerade bei der heutigen Veranstaltung und am heutigen Tage gedenken auch wir, so erklärte der Minister mit erhobener Stimme, der Toten des Weltkrieges, deren Andenken wir nicht würdiger ehren können, als daß wir gerade unsere ganze Kraft einsetzen, damit die Kreise, die vor dem Kriege die Geschicke des deutschen Volkes lenkten und deren Politik uns nicht vor de.n furchtbaren Unglück des Weltkrieges bewahren tonnte, nie wieder in Deutschland zur Herrschaft gelangen. Aber wir gedenken auch der Toten, die in Abwehr des verderblichen Putsches ihr Leben hingegeben haben und dadurch zur Festigung der Republik beigetragen und dem Wiederaufstieg Deutschlands den Weg geebnet haben. In längeren Ausführungen behandelt« der Minister dann den Kapp-Putsch selbst, seinen Verlauf und den Mwehrkampf der Ar- beiter. der dazu geführt Hobe, daß der Putsch nach kurzer Zeit gescheitert sei. Während die Beamtenschast. von wenigen Aus- nahmen abgesehen, sich richtig oerhalten habe, könne man leider dasselbe für die Reichswehr nicht sagen. Man müsie konstatieren, daß ein großer Teil der Reichswehr- kommandeure sich damals„auf den Loden der Tatsachen gestellt" und zum Teil mit kapp und Lüllwih gemeinsame Sache gemacht haben. Wir können konstatieren, fuhr der Minister fort, daß die Deutsch- nationale Partei sich auch sehr schnell aus den Boden der gegebenen Tatsachen gestellt hat, und unter der Phrase, man müsse für Ordnung und Ruhe sorgen, hat man sich einfach eingegliedert in das neue Regime. Auch die Deutsche Volkspartei hat es nicht für notwendig gehalten, einen flammenden Protest gegen das Derbrechen hinauszugeben, sondern auch sie stand auf deni Standpunkt: Ruhe, Ruh«, kein Geräusch gemacht. Man fügte sich auch ein und wollte auch all« Kräfte einsetzen, damit alles sich ruhig und sittsam abspielte. Eine der ersten Taten der Kopp-Regierung sei übrigens gewesen, zu erklären, daß man den Friedensvertrag erfüllen wolle. soweit das möglich sei. Mehr habe auch vor den Kapp-Leuten wie nach den Kapp-Leuten keine Regierung erklärt. Dieselben Leute hätten um einiger Ministerposten wollen auch beim Dawes-Plon ja gesagt. Jetzt beim Young-Plan gebärden sie sich wie wild. Sie hätten aber jedes moralische Recht verloren, überhaupt als Sach- vermalter deutscher Belange aufzutreten. Das polenabkommen. Roch keine Entscheidung des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident nahm heule den Bortrag de» Reichskanzlers Hermann Müller und des Reichsjnstlzminister» v. Guärard über die mit dem deutsch- pol nischen Llquidatlonsabkonnnen im Zusammenhang stehenden Rechtsfragen entgegen. An der Besprechung nahmen serner teil: die Staatssekretäre Joel, Z w e i g e r l und Dr. Meißner sowie der Direktor der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. G a u ß. Eine Entscheidung über die verkündung de» Gesetzes hat der Reichspräsident noch nicht getroffen. Gefährlicher Kinobrand. Feuer in einem!lfa»Theater.— Großer Sachschaden. Zn der vergangenen Rächt brach in den Ufa-Lichtspielen am Alcxanderplatz ein gefährliches Feuer aus, das schweren Schaden anrichtete. Die Feuerwehr war über drei Stunden mit den Lösch- und Aufräumungsarbeilen an der Brandstelle beschäftigt. Gegen Mitternacht hatten die letzten Angestellten das Lichtspiel- theater oerlassen: knapp eine halbe Stunde später wurde das Feuer entdeckt. Der Ausgangspunkt des Brandes lag in den Garderoben- räumen, die beim Erscheinen der Löschzüge lichterloh brannten. Die Flammen hatten bereits auf den Zuschauerraum übergegriffen. Es wurden sogleich drei Schlauchleitungen in Tätigkeit gesetzt. Nach längerem Wasiergeben konnten die Flammen e r st i ck t werden. Die Entstehungsursache tonnte noch nicht einwandfrei ermittelt werden, es wird Fahrlässigkeit vermutet. Maffenvergistung durch Oxydgas. 40 Festtcilnehmer erkrankt. Altona. 17. März. Bei einer Festlichkeit in einem Gasthos in Großslottbek, zu der sich etwa 150 Personen versammelt halten, kam es gestern abend zu einem bedauerlichen Anfall: Etwa 40Festteilnehmer erkrankten an Vergiftung durch kohlenoxydgas. kurz nacheinander wurden zunächst 24 Personen von starker llebelkeit Atem- not und Herzklopfen befallen und dann bewußtlos. Polizei und Feuerwehr»rasen alle erforderlichen Rettungsmaßaahmeu. Die erkrankten und bewußtlosen Personen wurden in Rachbarhäusern untergebracht, wo sich mehrere Aerzte erfolgreich um sie bemühten. kaum halten sich die zuerst Erkrankten erholt, als weitere 1ö Fe st teil nehmer unter den gleichen Erscheinungen ,u leiden begannen. Acht Männer und zehn Frauen mußten dem städtischen Krankenhaus zugeführt werden, aus dem sie aber bi» heule mittag alle entlassen werden konnten. Man darf hoffen, daß das Unglück keine nachieiligen gesundheitlichen Folgen haben wird. Die Ver- giswngen sind aus einen schadhasten Ofen, der vier Wochen lang nicht benutzt worden war. zurückzuführen, die Gase waren aus den Kellerräumen durch undichte Stellen der Decke in den Saal gedrungen. Die erforderlichen Anordnungen zur Verhütung weiterer Vergiftungen sind getroffen worden._ Dr. Momm zurückgetreten Aufklärung der Potsdamer Diebstähle.— Die Frau die Täterin. Der geheimnisvolle Diebstahl im Potsdamer Re- gierungsgebäude hat die Aufklärung gefunden, die man feit langem erwartete. Der Dieb des Tafelstlbers und des Bargeldes ist die eigene Frau des Re- gierungsprasidenten, die den Einbruch fingiert hat, um, wie man annimmt, mit Hilfe der Versicherungs- summe dringende Schulden bezahlen zu können. Der Mann ist nach dieser Aufklärung von seinem Posten zurückgetreten. Seit Anfang voriger Woche schwebt gegen Frau Dr. Momm ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls, das noch nicht abgeschlossen ist. Die Familienmitglieder, der Präsident an der Spitz«, haben den Ermittlungebeamten gegenüber kein Hehl daraus gemocht, daß nur Frau Momm als Diebin in Frage kommen könne. Auch an der Wegnahme der 2000 M Wohltätigkeitsgelder soll Frau Dr. Momm beteiligt sein. Sie hat di« Tür zu ihrem Schlafzimmer selbst angebohrt. Von einer Verhaftung wird vorläufig abgesehen, aber Frau Regierungspräsi- dent Dr. Momm muß sich einem Gutachten mehrerer Psychiater und einem Obergutachten unterziehen. Zum Teil ist das Silber bereits wiedergefunden. Die Hakenkreuz-Pest. Lleberialt aus eine sozialdemokraiische Versammlung. Chemnitz, 17. März.(Eigenberichk.) Di« Ortsgruppe Glauchau der Sozialdemokratischen Partei hielt am Sonntag eine öffentliche Versammlung gegen den Faschismus ab. in der Reichstagsabgeordneter Sühnt über den Faschismus und seine Gefahren für die Arbeiterschaft sprach. Seine Ausführungen fanden den stürmischen Beifall aller anwesenden Arbeiter. 3n der Diskussion nahm der Führer der Glauchauer Rationalsoziali st en Göpsert das Wort. Er forderte seine Anhänger aus das Deutschlandlied zu singen, um so die Kundgebung der Arbeiterschaft zu stören. Als die Stören- friede zur Ruhe ermahnt wurden, gingen sie zum Sturmangriff aus die Versammlungsteilnehmer über. Mit Viergläsern. Gummiknüppeln und Stühlen drangen sie auf die Besucher ein. Zwei Mitglieder der Sozialdemokra- tischen Partei wurden verletzt ins Glauchauer Krankenhaus eingeliefert.- Der Reichsbanner- Saalschuh beförderte schließlich die saschiflischen Rowdys an die frische Luft. Die Rationalsozialisten ließen bei ihrem Rückzug Dolche. Schlagringe und Gummi knüppel liegen oder warfen sie angesichts der heranrückenden pollzei weg. Der Anführer Göpsert war der erste, der feige das weite suchte. Sein Parteifreund. Stadlrat Teichmann, stellte sich zitternd und bebend unter den Schutz der Polizei. Mii krachendem putschheil! Raden MasLodjana. 7. Tanzmatinee der Volksbühne. „Was riskiert man schon?! � Drei Wochen Unter- suchungshast und Entlassung gegen Kaution l* Blutiger Zusammenstoß in Chemnitz. Zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Chemnitz, 17. März. lEigenberichl.) Am Sonntag mittag hielten die Rechtsverbäude in Chemnitz eiue Protestversammlung gegen die Annahme des poung- Plans im Reichstage ab. Die kommunistische Partei hatte durch Handzettel und durch den..Kämpfer" zu Gegendemonstrationen ausgerufen. Sie forderte ote Arbeiterschaft aus. den geplanten Durchmarsch der Rcchlsverbände durch die hainstraße. die in einem Arbeiterviertel gelegen ist. auf jeden Fall zu verhindern. Zm Anschluß an die nationalistische Demonstration kam e» zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei mit dem Gummiknüppel die Kommunisten vertreiben mußte. Ein Trupp Polizeibeamter mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen, um sich von der Wenge freizumachen. Die Polizei hatte einige Leichlverlehte durch Steinwürse und Stockschläge. 3n den spülen Rachmittagsstunden kam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Kommunisten und einem Trupp Ralionalsozialisteu. Acht Mitglieder der Ralionalsozialisten wurden durch Messerstiche verletzt, davon fünf schwer. In den Abend- stunden ist ein Ratiooalsozlalist seinen ver- lehungen erlegen. Die Polizei verhaftete zehn Personen, gegen die Anzeige erstattet wird. Man muß den Willen haben, die etwas kühle Stimmung de? Anfangs zu überwinden und sich für die Tänze, die der Javaner I o d j a n a zeigt, vorzubereiten,■ wie er fühlbar sich selbst vor- bereitet. Denkt man sich ferner die schwarze Stilbühne verschwunden und statt ihrer den freien Himmel und den Schwung ferner Land- schaften,— ist man so glücklich, sich alles dieses vorzutäuschen, dann wird Jodjana mehr als nur ein Tänzer, er wird Priester, Held und Märchenerzähler, Symbol und Ausdruck. Ein vorzüglich eingearbeitetes Gamelan-Orchester spielt hinter der Szene. Einmal singt eine Männerstimme verhalten, guttural eine Art Psalm, einmal singt Jodjana selbst, und es klingt wie das Gurren eines Pfaues. Das aufeinander abgestimmte Läuten heller und dunkler Gongs, begleitet von der javanischen Holztronunel, ist primitiv, einförmig und sehr rein, wie die Tanzart Jodjanas einförmig, rein und befreiend wirkt. Oft kauert in den Falten des Vorhangs der stigendliche Schüler des Meisters und ichlägt mit den Händen die lange Trommel. Derselbe Knabe(das Programm nennt seinen Namen nicht) leitete die Matinee mit dem Tanz des„Schülers eines Einsiedlers" ein. Das Publikum, das Jodjana erwartete, sah einen Knaben von betörender Unschuld ein alles Thema tanzen: Der„Ijantrit". Schüler eines Weisen. widmet sich in der Aurückgezogenheit der Natur' dem geistlichen Leben, ist indessen noch so jung, daß seine Sinne von d«r Schön- hell der Natur gepackt und abgelenkt werden. Dann erinnert er sich mit Ernst seiner Bestimmung und versinkt im Gebet. Dieser Tanz mußte überzeugen, well er aus der Wahrheit geboren war, überstrahlt von dem Lächeln der Jugend, schmellerlingsleicht, voller Hingabe. In„Tani*(Reisernte-Tanz) präsentiert sich zum ersten Male Jodjana. Er ist derb und kraftvoll, gebändigt bis zur äußersten Sparsamkeit der Geste. Seine Versunkenheit wirkt wohl- tuend, sie lenkt nicht ab, und er zeigt uns mit beschämender Einfach- hell, daß auch der Tänzer auf der Bühne stehen darf, ohne daß dieses Stehen, diese immer wieder umstrittene Unterbrechung der fließenden Bewegung, leer oder ermüdend wirkt. Ganz gewiß ist die Tanzart des Javaners im tiefsten Ursprung pantomimische In- dessen ist die Pantomime tänzerisch gelöst und wird Steigerung des Ausdrucks. Die Körperbeherrschung ist vollkommen. Sie beruhigt, da man sich ihr hingeben darf wie dem Rhythmus eines Tierkörpers, der einfach und erregend zugleich ist, keineswegs auf Wirkung bedacht. Wie Jodjana steht, kniet oder schreitet, mit den Füßen seltsame, schnelle Takte stampft, die Arme biegt, die Finger spielen läßt, oder mit einer immer wiederkehrenden, zugleich kühnen und anmutigen Geste den Kopf halbkreisend bewegt— das alles ist von einer großen, monotonen Klarheit, die faszinierend bleibt, weil die Besessenheit des Gefühls dahinter steht. Jodjana tanzt den frommen Ritus des Landmannes, der Reis sät und erntet und die Gottheit dabei um ihren Segen anfleht. Dieser Tanz ist zweifellos der stärkst«, er würzest'm Volksbewußtsein. Jedesmal, wenn der Himmel, das Uebernatllrliche, in Jodjanas Tänze miteinbezogen wird, erschüttern seine nach oben gewandten Hände, die Einfalt des erhobenen Gesichtes. Dabei spielt die Per- sönlichkeit des Tänzers keine geringe Rolle. Er ist niemals weichlich oder weibisch, sein Anruf ist stolz oder ergeben wie es das Tanz- thoma vorschreibt. Im„Ritter und Dämon" sekundiert ihm sein junger Partner als maskentragender Dämon; Märchen aus „Tausend und eine Nacht" steigen aus. manchmal hart an der Grenze des Kindlichen, immer aber rechtzeitig abgebogen. Ich weiß nicht, warum mich die tragische Figur des„E i t l e n K ö n i g s" so ergriff, der sich für eine eingebildete Braut mit eingebildeten Pracht- gewändern schmückt, ihr entgegeneilt, singt und lockt, prahll und protzt, alles mit dem verzweifellen und leeren Ausdruck verlorenen Lebens.— ,.M a y a- M a y a"(Traum): hier rückt der Tanz ins Visionäre, blaßsarbepe Schärpen wehen wie Flügel auf, die Be- wegungen sind kaum betont, von stiller Harmonie; wirkungsvoll der zweimalige Abgang im Schreiten. Eine Zusammenraffung aller pantomimischen und tänzerischen Ausdrucksformen gibt Jodjana noch einmal in seinem Schlußtanz: „Der wahrhafte Streiter", ein Tanz von einer solchen Kühnheit, einer solchen gläubigen, nach innen horchenden Versunken- heit, daß die Fabel vom reuigen und wiederbekehrten Kämpfer zum Erlebnis wird. Merkwürdiges Volk, das diese Sage erfand; wir würdigen sie durch die Kunst seines Tänzers, mit dem traurigen Lächeln unserer europäischen, waffenmüden und bitteren Erkenntnis. Es ist möglich, daß es manchen im Zuschauerraum gab, dem die Tänze des Javaners wenig sagten, der in Ihnen nichts anderes sah als ein Gleichmaß ermüdender Bewegungen, verbunden mit dem einförmigen Geläute des Gamelan-Orchesters. Dennoch sprach der große Beifall am Schluß der Matinee für das Verständnis des Publikums, das Jodjana noch rief, als der eiserne Vorhang längst gefallen war. Möge es nicht die Sensation, der Reiz einer fremden, liebenswürdigen Raffe gewesen sein, die es begeisterten; mögen es die Einfalt und Einfachheit gewesen sein, die es erkannte und die allein die Stempel wirklicher Kunstwerte sind. Wir haben Jodjana und seinen Begleitern zu danken.—mhy— Oeutschnaiionaler Wirrwarr. Graf Westarp protestiert in der„Kreuz-Jeitung" gegen die Kampfansagen der„Deutschen Zeitung" gegen den Reichs- Präsidenten, er erklärt, daß er Einspruch erhebe gegen eine Kritik, die darin gipfelt, die Tannenbergverdiensle Hindenburgs seien durch die Schuld der Unterzeichnung ausgelöscht. Di«..Deutsch« Zeitung" nennt er, und Hugenberg meint er. Im übrigen hält er es mit der Formel der Volkskonservasiven: nick Hmdenburg gegen den Aoung-Plan— mit der Erfüllung gegen die Erfüllung. Eine Kette von Revolten. Die Zöglinge von Kaltenhof wollen ins Gefängnis. Auf dem Kaltenhof in Kattendorf bei Kaltenkirchen, wo etwa 40 Fürsorgezöglinge des Rauhen Hauses untergebracht sind, brach eine Revolte aus. Die Zögling« zerschlugen die Fensterscheiben und Einrichtungsgegenstände. Auch ein Klavier bl:eb nicht verschont. Schließlich wurden Landjägerei und Feuerwehr zu Hilf« gehost. die mit vieler Mühe die Ruh« wieder herstellten. Di« Rädel». f ü h r e r wurden nach Hamburg gebracht. Als Grund gaben sie an, sie wollten lieber ins Gefängnis, weil sie dort bester« Unterkunft und bessere Kinovorstellungen hätten als in Kattendors. Theaternot. Ein Aufruf der freien Gewerkscbasten. Aus den Bcrtretern der Zuständigen Gewerkschaften und unter Lwtunfl des ADGB.. wie auch unter Mitwirtuna dcr Ksmmunalvolt- tischen jZentralstelle sowie dcr vrcukischcn Londtaasfrattion hat»ch ein Tdcateransschuß«-bildet, dcr sich mit dcr Tliea'erkrisc bcschäftiat und dcr sich auch in Tdcaterfraacn beratend Zur Bcrfil«unq stellt. Auf Be» schluft dieses Tbeatcrausschusse» haben die Evidenoraanisationcn der freien Gewerkschaften den fvlaenden Aufruf herausgebracht: Im Theaterwesen wurde die Notwendigkeit der Planwirtschaft schon vor dem Kriege erkannt. Die Städte gingen dazu über, zu- aunsten einer öffentlichen Kunstpflege die bestehenden Privattheater in gemeinnützige ober zumindest in Subventionstheater umzu- gestalten. Es muß verhütet werden, daß als eine Folge der Finanznot der Gemeinden die Gefahr auftaucht, die Theater in irgendeiner Form wieder in die Privatwirtschaft überzuführen. Weite Kreise des deutschen Dalles verfolgen deshalb mit schwerer Besorgnis die sich mehr und mehr verschärfend« Theaterrrise. Es ist irrig, anzunehmen, daß durch den teilweisen Wegfall der Zuschüsse, die von feiten der Kommunen in ver ver- gangenen, Zeit geleistet wurden, allein die jetzige Theaterkalamität entstanden ist. Di« tiefere Ursache der Theaternot liegt zum Teil in einer Uebersteigerung und einseitigen Betätigung des Theater- betriebes und einer Verengung der Theaterbasis. In dieser Vevbin- dung muß auch auf die Wichtigkeit der Auswahl der Bühnenleiter- frage hingewiesen werden. Dt« Theaterrfage fft nicht nur«ine Ange- legenheit der Beschäftigung von Bühnenangestellten, denen Arbeits- losigkeit droht, sondern eine Frage der Gestaltung der öffentlichen Finanzen und darüber hinaus aller an der Kunst interessierten Menschen. Die unterzeichneten Spitzenorganisationen sehnen sich deshalb veranlaßt, auf die gefahrvolle Entwicklung der heutigen Theaterlage hinzuweisen. Höchste Zeit ist es, in Theatersragen neue Wege zu beschreiten und aus den jetzigen Zuschußtheatern Volkstheater zu gestalten, die auf breitester Basis fundiert werden müssen. Bedenklich sind die Bestrebungen, allein durch Stillegung der Oper die Theaterbetriebe zu verbilligen. Die Oper, die«inen wichtigen Bestandteil des Theaters darstellt, muß erhallen und in Einklang zu den übrigen Kunstgattungen des Theaters ge- bracht werden. Durch Ausgestaltung des Konzertwesens und volk«. tümliche Musikdarbietungen dürfen finanzielle Entlastungen des Opernetats zu erreichen sein. Ferner wenden sich die Arbeitnehmer dagegen, daß Steuergelder für Riesengagen ver- schleudert werden, die die Rentabilität des Theaters unter» graben und geeignet sind, den Aufstieg junger Künstler zu erschweren. Weiter dürsten sich durch einen Verzicht auf Großausstattungen und Vereinfachung des Verwaltungsapparatcs erhebliche Ersparnisse erzielen lassen. Dem Theater ist besser gedient mit kleinen Preisen und vollem Haus, als mit hohen Preisen und zum-Teil leeren Häusern. Wir wollen, daß es auch dem Arbeiter. An- gestellten und Beamten möglich Ist. am Kunst- erleben der Zeit Anteil zu nehmen. Das deutscb« Voll uud�inebelonder« die Arbeitnebmer haben das größte Interesse daran, daß die Tbeater bei Berücksichtigung ihrer kulturellen Aufgaben trotz aller Einsparungen, die gemacht werden, doch leistungsfäbig bleiben. Es mülten deshalb alle Einsparungs- möplickikeiten. Abbaubefchlüssc und Zusammenlegungen gewissenhast geprütt werden. Die unterzeichneten Spitzenorganisationen der freien Gewerk- 'chaften riebten dober an alle beteiligten Kreis« den Mahnruf, ernstlich on der Reform der deutschen Theater mitzuwirken, um Wen« Zu linden, das Tbeater zu erballen und für dl« breiten Massen verständlich und zugängig zu machen. Allaemelner Dei-ffchet Gewertsch»ff«bnnd lAvGV). Alkarmelver freier Angesiellkenbvnd(ZlsA Bund). Allgemeiner Deutscher Veamlenbund(ADV.). Dl» Friihjahr».Au»gelluag des Vereins der Künstlerinnen. Schöneberger Ufer 38. wird am Sonntag eröffnet und i« vom 17. Kürz bis 15. April von 10—17 Uhr geöffnet, am Dtenötag bis 23 Uhr. Die Bühne der Verhinderten. Theater in ver Rehrenstraße. Im Theater in der B e h r e n st r a ß e gab die„Bühne der Verhinderten" in einer Matinee Schillers„Kabale und Liebe". Man wurde aufs angenehmste von dieser Künstlerjchar über- wscht, die, von Theaterbegeisterung besessen, nicht satclistisch aus Engagement wartet, sondern sich frisch und frank der Oeffentlichteit präsentiert. Nun ist das überschwengliche Trauerspiel gerade nicht ein geeigneter Maßstab, jungen Nachwuchs für die inodern« Bühne zu prüfen. Soviel aber sieht man doch: hier ruhen Schätze, die zu heben sich lohill. Es ist eine sehr anständige Vorstellung in ge- mäßigtem Hoftheaterstil, der das nicht mehr zeitgemäße Pathos Schillers mildert, aber noch die revolutionär« Flamme des Werks lodern läßt. Die Ausführung wirkt geschlossener als die Inszenierung im Staatlichen Schillertheater, dem mehr Mittet zur Verfü- gung stehen als dieser Gruppe junger, ohne Gage spielender Schau- spieler. Einige von ihnen haben zwar keine eigene Note, der Prä- sident(Bernd Bausch), der herkömmliche Theaterintrigant Wurm (Otto W a l d i s) und die allzu mütterliche Luise(Felizitas Nieder- meyer). Um so mehr überraschen die Darsteller der Lady Milford (Ellen Herz), des Hofmarschalls(H. H a l b a n), des Miller(Fried- rich Kuhn) und des Ferdinand(Herbert W i l k), jeder einzelne eine Prachtleistuug. Ein vielversprechendes Talent scheint beson- ders in Herbert Will zu schlummern. Er verfügt über eine heute selten gewordene glänzende Sprechtechnik, bezwingendes Aeußere, Feuer und Begeisterung und über erstaunliche Sicherheit im Auf- treten. Wenn nicht alles täuscht, ist von ihm für Bühne und Film noch mehr zu erwarten. Ernst Degner. „Eisrieke." Resivenztheater. In der Weltstadt Berlin gibt es, man sollte es nicht für mög- sich halten, Petroleumfimzeln, Höhlenwohnungen. Rummelplätze— und das Residenztheater. Der mit Recht ausgeübt« Däm- merjchlaf dieses Theaters erfährt seit vorgestern eine unliebsame Unterbrechung durch die Ausführung des Allberliner Volksstückes „Eisrieke", das der Schauspieler George Burghardt und der Direktor Gaston Briese, der Himmel verzeihe ihnen, nach einem in der„Morgenpost" vor kurzem veröffentlichten Roman des Alt» Berlin-Schriftstellcrs Erdmann G r u e s e r angefertigt haben. Der Leutnant a. D. Mit die blonde Elsbeth und will sie, donnerwetter, was für ein starker Charakter, heiraten, obwohl sie Portiertochter und daher nicht„ebenbürtig" ist. Fast gibt es ein« Tragödie, denn de? Portier, Ordnung muh sein, verstößt seine Tochter, weil sie sich mit dem feinen Herrn eingelassen hat, und es wäre a'Jm sehr traurig, wenn nicht die Eisrieke die Sache einrenkte, die gute verspottete Eisrieke, bei der es im Oberstübchen nicht ganz richtig ist. die aber das Herz auf dem rechten Fleck und viel Geld auf der Sparkasse hat Diese rührsame Liebesgeschichte haben also die drei Mann, die Kunst dem Volke, dramatisiert. Es ist eine toll« Marke Kunst, die sie da an ein Kleinbürgerpublikum— für Rundfunkhörer halb« Preise— verzapfen. Auch darstellerisch wird den Zuschauern aller- Hand fürs Geld geboten. Da spiell«in Liebhaber mit gräßlich ge- zierter Sprechweise, der den Stolz längst verschollener Schmieren abgeben würde. Wo treibt man solche Schauspieler eigenllich in Berlin auf? Und Herr Direktor Briest selbst macht teils in treu- herziger Komik, teils in rührseliger Wehmut, beides mit Erfolg. Im Parkell rascheln verstohlen die Taschentücher, aber meistens ertönt schallendes Gelächter; man häll Gaston Brieses alberne und geschmacklose Späh« für Berliner Humor. Warum ich so viel« Worte an eine rerfehlte Angelegenheit ver- schwende? Weil«, nicht gloichgül ig fft, daß einer gutgläubigen Zuschauerschaft verlogener Kitsch als Kunst serviert und ihr Ge- schmack um Jahrzehnte zurückgeschraubt wird. Dgr. Willi bchaesfer« veranstaltet am 23., 20 Ubr. im Schmechten- Saal unter dem Titel:„Lachen ist die best« Medizin' einen lustige» Abend. Wallhalla-Theaier. „Schwarzwaldmädel." Unter der Regie Paul C e b l i n ging Sonnabend eine Neuaus- führung der lieben alten Operette in Szene. Di« Parole war: Sparen! Es wurde Heer gespart am Orchester(was nicht unbemerkt blieb) und an der Statistelik. Dennoch war vieles erfreulich. Karl M u t h ist ein guter Dom- kapcllmeister, Käte S ch m i d t- S a m st du rührend fixes Bärbelc. Heinz E o e l t als Richard hinreißend komisch, im Spiel und stimmlich eine Leistung, die in der männlichen Besetzung allein dasteht. In diesen» Theater lohnt es sich zu spielen, stürmischer Beifall aus offener Szene, erhitzte Gesichter, funkelnde Augen. Das Publi- tum ging mit und erlebte etwas viel Schöneres als ich. Denn die Menschen da oben im Norden sind unverdorbener und könn.n sich freuen, daß es eine Freude ist. Ein voller Erfolg!.�lexanäer von Lsclicr-Mesoclr. Krühlingskonzert des 2. Bezirks. Brauerei Kriedrichshain. Man feierte den Frühling in allen Tonarten. Aber trotzdem auch russische, italienische, schweizerische und österreichische Volks- Melodien oder Einzelkomponisten zu Worte kamen, wäre eine Ver- sandung fast mrousbleiblich gewesen, wem» nicht am Schlüsse die gehaltvollen„Stürme" mit tragischem linterton klüglich angebracht wurden. Die Frühlingsbegeistcrung der Dichter und Komponisten wird leicht etrvas banal und brütet auch recht wenig Humor aus. Erste Namen aus der Gegenlvart und der Vergangenheit und spc- zielle Märmerchorkontponiste» reichten sich darin brüderlich die Hand. Doch die zahlreichen Zuhörer waren sehr zufrieden und die Ausführung war auf einer viel stattlicheren Höhe als voriges Jahr. Eine gemischte Chorgruppe uiüe.r O. Eckert laistete sehr Ged'e- genes, � namentlich die Gesangskultur des Soprans und die pracht- volle Tonfülle die Bässe wären zu erwähnen. Heber den.Hungen Ehor" unter Heinz Thießen läßt sich kaum Neues sagen. Ein reich kolorierter Chor von Karl Loewe oder eine tollkühne italienische Virtusiade über das bekannte„Funikuli-Funikula" legen die Säng-r mit der Meisterschaft von Einzelkünstlern hin. Nur in der letzten Schlagkraft und ruhigen Abrundung war etliches zu vermissen(viel- leicht eine Folge des kürzlichen großen Eigenkonzertes). E. Reiche mit einer Männergruppe und noch mehr 0. Rohrbach mit der Sängervereinigung„Berlin Norden" trugen nie! zur Stimmimg des Ganzen bei. Die Palme aber gebührt Josef Schmidt, dem noch wenig bekannten Bezirkschonncister. Ein prachtvoller Musiker und Dirigent. Alles quillt bei ihm von Musik»rnd Poesie. Nach den Vorträgen seines Uthmaim-Ehores brachte der Bezirksmännerchor unter feiner feurigen Leitimg zwei bekannte russische Tendenzweisen, die in ihrer u»m» ittelbaren Aiiseiiranderfolge überraschend tief wir- ken. Aber auch nur so war das stürmisch« Tempo des„Roigardisten- morsches" zu entschuldigen. Sonst wäre ein scharfes Veto am Platze._ H. dl. Felix Nußbaum. Ausstellung bei Wertheim. Die Moderne Galerie des Warenhauses Wertheim stellt Ge- mäld« und Aetchiningcn von Felix Nußbaum aus. urrd man sreut sich, an diesem langsam und sicher reifenden Talent wieder einen' vroßen Schritt vorwärts feststellen zu können.?l»s der ivohltätwen Nachwirkung seines Lehrers Meid stammt die sichere Beherrschung der malerischen Mittel und die Feinheit der Törre, die Nußbaums Bilder zu so angenehmer Augeirweiüe machen. Aber er hat sich doch von Anfang an sehr selbständig entfaltet, man sieht, woraus er hinaus will, seine Welt ist bei aller simpel scheinenden Naivität voll von verstecktem Sarkasmns, und wenn ironische Betrachtungsweise rm Borrecht der Ronmnttk darstellt, so ist Nußbaum ein Romantiker. Anmut der farbig sinnlichen Erscheinung und skeptisch« Hebcrlsgsn- heit der Anschauung halten sich bei ihm die Waage. Sportleute, Liebespaare, Beamtenunifarmen, der Kleintram des Lebens wird mit giitmütigen» Spott behandelt, aber der Reichtum der Wirklichkeit, die Sicherheit des Mißachteten und Beiseitegeschoben«, keuchtet in unvergleichlichen Farbencrfindungen auf: ein nterkwürdiger Mensch, der als Künstler viele Versprechungen zu erfüllen hat. k'aul?. Schmidt, Konzert des Kinderheims Verlin-Gchöneiche Staatliches Schauspielhaus. Die Knaben des Heimez singen und spielen zum Besten ihrer Ferienkasse. Für einen guten Zweck also, und sie können sich hören lassen: im Chorgesang i im Sprechchor-, und— in ihrem vollständig besetzten Blechblasorchester. Alles vielleicht ein bißchen theatralisch ausgemacht: aber sehr gswisienhast studiert, straff diszipliniert, tadel- los funktionierend. Im übrigen nmcht die Veranstaltung eine» etwas wcltsremden oder roenigstens berlinfremden Eindruck. Es produziert sich«in.„Korrzertorchester", daß man sich fragt, wie so etwas möglich ist. Zwischendurch aber rezitiert Wülluer Ballade», von Schiller und Augusto Garovelio, wie man liest, von der Mailänder „Scala", singt italienische Opernarien. Es gibt auch sonst noch allerlei zn hören, und es geht ein bißchen bunt zu in diesem Sonn- tagsvormittagsprogramm, das nicht weniger als 1k Nummern umfaßt. K. P. Kommunistische Demagogie. Wie die Agfa-Arbeiter»rregeführt werden sollen. Heute im£» morgen gehen die Betriebsräteroahlen im Agfa-Werk vor sich. Um Stimmung zu machen für die Wahl„revolutionärer" Gewerkschastsfeinde geht das Moskoublatt fest Wochen mst der unglaublichen dummen Lüge krebsen, die Chemiekapitäne hätten„mit llnterstühung der sozialdemokratischen Verbandsbüro. kralle" Millionengeminn« qus den Knochen der Arbeiterschaft her- ausgepreßt. Der„Vorwärts" wäge nicht zu bestreiten,„daß der Gauleiter des Fabrikarbeitervevbandes in Frankfurt ä. M., B r u h n s. Vertreter der Aktien des Fabrikarbeiter-Verbandes in der Generalversarmnlung des J.-G.-Farbentnists ist", Die kommunistischen VankrottpoUtiker wissen genau so guk wie wir. weshalb der Verband der Fobrikarüester dazu übergegangen ist, Aktien des J.-G.-Farbentrusts zu erwerben. Verschiedene Ver- bände hoben dasselbe getan. Wäre es lediglich zu dem Zweck ge- fchehen, der Verbandskasse einen geringen Anteil an den Profiten zuzuschanzen, dann könnt« selbst dagegen nichts eingewandt werden. Die Profite werden auch ohnedem gemacht. Wenn ein Teil davon gelvonnen wenden könnt«, um die Finanzkrcrft und so die Aktions- kraft der Gewerkschaft zu stärken, wenn das Kapital die Mittel mit zu seiner Bekänrpfurrg liesern müßte, dann wäre dies wirklich renn- lutionär. Liefert doch heute die Arbeiterschaft dem kapitalistischen Unternehmertum die Mittel zur Niederhält, mg ihrer Lebenslage. Allein schon der Versuch, aus �diese Weise, mit den Geldern der Gewerdschasten das Kapital auf seinem eigenen Vöde», zu be- kämpfen, wäre lächerlich. Der Zweck solcher„Aktlonär"-Aktionen der Geivcrkschasten ist lediglich der, zu den Generloersamn-tzungen der Aktionäre Zutritt zu bekommen, das Wort zur Kritik zu er- greisen im Sinne und im Interesse der Arbeiterschaft. Der kommunistischen Opposition ist kein Mittel zu verwerflich, um die Gewerkschaften zu verdächtigen und zu schädigein Deshalb verdreht ste estnn und Zweck der Rolle des Fabrikarbeiterverbatidcs als„Aktionär" des J.-G.-Farbentrusts derart, daß unter den ganz einfältigen Arbeitern und Arbeiterinnen die kindische Austastung entstehen soll, als habe der F ab ri ko r b« i t c r o c r b a n d sich mit dem Unternehmertum verbündet, gegen seine eigenen Mitglieder. So durchsichtig diese konstmmistische Verleumdungsäktion auch ist, so versprechen sich ihre Urheber doch die Wirkung davon, die Arbeilerschast gegen ihre eigene Gewerkschast aufzuhetzen. Es ist bezeichnend sür die gclb-radikale Merkerei, daß sie zu solch blöden Mittelchen gresten muß, um ihre kranthojte Geworkschostsseindschast zu praktieren. Ein amerikanischer Dampfer wurde auf dem Pangtse von chirresischen«oldojen beschossen. Ein amerikanstcher Marineossizier, der die amerikanische Schiitzlvache an Bordbefelstigte, sowie mehrere Passagiere urrd Mitglieder der Besatzung wurden verletzt. Die amerikanischen Soldaten erwiderten das Aus der Feinkeramifchen Industrie. Oer Manteltarifvertrag laust ab. Für die Feinkeramrsche Industrie besteht feit 1919 et», Reichstarisvertrag, der die Lohn- und Arbettsoerhäünisse der Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Iirdustrie regelt. Der Maittelvertrag-st von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern zum 31- März ge- kündigt worden. Das Lohnabkommen läuft bis zum 39. Septeiribex »veiter. Ueber den Abschluß eines neuen Mantelvertroges wird in dieser Woche in Nürnberg verhandelt. Die Arbeiicrschoit, die im Keramischen Bund. Abteilung des Verbandes der Fabrikarbeiter, organisiert ist, fordert Verkürzung der Arbeitszeit, Verbesterungen beim Urlaub und in der Einteilung der Altersklassen beim Vezug von Höchstlohn. Die Unternchmer der Porzellan- und Steingutinduftri« sind dafür bekannt, daß ihnen alles abgcruirgen»werden muß und die Arbeiter haben noch viel aufzuholen, ehe sie ihre Lohn- und Arbeits- Verhältnisse so gestaltet haben, daß man sie als erträglich bezeichnen könnt«. Die Porzellanarbeiter sind gut organisiert und auch gut diszipliniert und sie haben deshalb auch immer bewiesen daß sie gewillt sind, für ihre Forderungen einzustehen: sie sehen daher den Verhandlunge»» mit aller Ruhe entgegen. Vetter für Berlin: Nach vorübergehe», der Aufheiterung wieder ziemlich mildes und stark wolkiges Wetter mst Neigung zu neuen Niederschläge»,.— Sur Deutschland: Im Süden wieder Ueberg mg zu regnerischem, milden, Welter. Auch in Nord- und Mitteldeutsch- land nach vorübergehender Aufheiterung wieder Wetterverschlechte- rung. ölonte?. 17. März. Berlin. 16.05 Inj. Toachim BoeJuncr: Technische Wochcnplauderej- 16 30 Konzert, 17,30 Die Wurfflbonj �Sprecher: feldvehcl Hirschfeld). 16.00 Max Cohen-KeuB. M. d. RWR.: Wirtschaft nnd rinanrreforra. 13.30 Ajthar Holitscher: Der Neger wird„heller". 19.00 Unterbaltungsmusia. 20.30 Ungreil ruckte Literatur.(Gespräch rwischen Oskar Loerke und Heraana Kasack.) 21.00 Von Haraburj: Volkstümliches Blaskonrcrt. Nach den Abcndmeldnngen Tajizmusik. 0.30 Nachtmusik- Königs vu Sierhausen. 16.00 Englisch. 17.30 Das Klaviertrio der Wiener Klassiker. 17.55 Dr. Franz Mayer: Die Chemie der Haus- und Küchengeräte. 13.20 Dr. Eduard Gudenrath: Das Theater Japans. 18.40 Englisch für Aofänger- 19.05 Eduard Stucken liest aus eigenen Werken. 19.30 Dr. Cbert: Obstbaumpflegc im Frühiahr. 20.00 Prof. Dr. M. J. Boon: Massenarbeitslosigkeit und Wirtschaft. 20-30 Marschmusik(Schallplatten). 21.00 1. Tclcmann(1681—1767): Trio O-Moll.—?. Stamitr(1746—1601): Sonate D-Dur für Viola d'Amore und Cembalo.— 3» J. S. Bach ( 1685— 1750: Präludium und Fuge. VMolI; b> lohq�n Lud�rig Krebs (1717—1780);. pur'es c�l.— 4. a) Jcan-Baptisie LOeillet(1653—1728): Largo ed AMegfo für Viola' da Ganiba und Cembalo'; b) Karl Friedrich Abel. .(1725—1787): Sonate für Viola da Oamba und Cembalo.— 5. Dietrich Bjxfchode(1637—1707): Trio-Sonalc. A-Dur(Kammcrtrin: Dr- V. Ernst Wolff. Cembalo; Reinhard Wolf, Viola d'amorc; Eva Heinitz. Viola da Oamba). Berantwortl. füc die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin Lerlaq: Vorwärts Verlag G. m b S.. Berlin. Druck: Vorwärts Bück» druckerei und Derlaasanstalt Paul Singer Co. Berlin SW 63. Lindenftrasts Z. Hierzu 1 Bcilaae. Die legten 7 Tage des Tarrasani-Gastspiels geben donienigen lehte Gelegen� he.if. das Weif unternehmen Larrasani zu henchtiqen. die bisher aus irgend-- einem Grunde Earrasani fernbleiben mußten. Die Äbendvorstellungen de» ginnen täglich um 7% Uhr. Am Lonntaa. dem 23. März. Ut unw derrufltch Schluh. Man s'»ers sich rechtzeitig Karten zu drn letzten Vorstellungen. Telephon: Baemvald 4335'6, Om. OttSO. Montag,»7. 3. Staats-Oper Unter d. Linden TiH-U. i Mt. Ho. I Jahres-Jb.-». Ho. 74 30 Uhr DerBarliiervoD Sevilla Ende Uhr Staats-Oper ha Plitr der BipoUil Vorst. 4S 191/» Uhr Lebendes oresf Ende n. 23 Uhr Montag,»7. 3. staut. Oper Bisrnarckstr. lO Uhr Oeülilotteiie VotitellDDi Ende 23 Uhr Staat). Sdiaosph. m Cntimeniurkt R.-$. 9 20 Uhr Peer Gjnl Ende 23>Ä Uhr Itaati. Idiilier-Tlieater.Cliarltiig. 20 Uhr Das Friedensffest Ende 22 Uhr Reichshailen-Theater Abends® sonn aa nadim. Q] SleKiner-Sfinaer zum SanakoriDm Schluß sonnenstldi NaAminaot halbe Preise I Zentrum 11263 Oönl-ioft-Bretti: Tartsu.Tns,imvt im. 8. sonnt. 5:« Nur noch 7 sV Täglich abends Uhr Vorstellung 773 Winfer * Qarren* 8.15 Uhr zentt. 2818 Baamen erlaab» Goldin mit neuen Illusionen Dennsl&SdiBlatalt. d.beliebieTanipaar Mary 4 Erik, Sport und Qrarie, auf geräuschlosen Rolfschuhen »WM Direktion: Or. Martin Zickel WWMI Komische Oper fnedrlctistr.104. Merkur 1401 4330. Nach vollständieem Umbau Täglich«>,. Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold uod Bacb mit Guido ThlolscftDr, Schulz. Schrot, Gurg, H>Ufehrand, Walter Raot. Flink. Beniner. Wenak Lustspielhaus u. Fnedrichstr. 236. ßergraann 2922 23. lisbs auf im lwniten Riemana— Uaack. Vorverkauf In beiden Häusern ab tö Uhr ununterbrochen. �.vdr CASINO-THEATER • othrln-ler StreK. ,7 Wieder ein neuer Schlager Der wahre Jakob SlUrmUcfaer Kelter keUe-EHoIg 0e*n ein cretlKl. bnntee Programm Quiscnein iür 1—« Personen Fauteuil nur 1�5 M., Sessel 1.75 M„ aonstige Preise: Parkett u.R*ngOÄ)M. [Die goldne Meisterin j (kraule Stote) 1 Große Wiener Ausstaitungs- (Operette in 3 Akten mit derl Musik von Edmund Eysler I (täglich 8.15(jeden Sonntag uml | 5.15 und um 9 Uhr; im 1 Rose-Th eater | Große Frankfurter Straße 13- 1 | Billettkasse: Alex. 3422 und 3494 1 Sonnabend 5 Uhr SdueovolBdK'i und Bnstnroi | Nächsten Sonnabd. 11.30 abendsl „Der Moalergatie". Virwüol ib Kühl Ujlitii vre II I Ohr 1 4-9 Wir a o»d« rtieaterLd.Belirenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Anhur Roberte 8Ve Uhr ... Vater 8e!n. dagegen sebr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) VolKsbütine Theater am Bölirwplatz. 8 Uhr Amnestie Schauspiel v.Carl Mar. Finkelnburg Regle: Bflnih. Star' GROSSES SCHAUoPiELHAU j 8 Uhr Nor noch 45 Torsleltungen 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL A Sonotao nomm. onoek. halbe Pt. Berliner nikTrlO h•« k« 1 1 B, w Lalmstx. 74/45�1 �taatl.Sdiilltr-Tb. 8 Uhr Das Frieden sfesi Staatsoper AmPl. d Republik 7«h Uhr Leben des Orest DeoiiDiei meaipr 0 2 Weideniiaimii 5201 ragt 8>h Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Rege Max Reinhard» Kammerspleie 0 2 Weidudamin 5201 Vit Uhr Die liebe Feindin RonUit tob A. P, Aatoini Hasla: Gehl lriotMi Die Komödie J1 Bismck.2414/75la »k Uhr Die Kreafnr SduasRhi von fori Eradmc Beolo: uu Belobarot Lessing-Theater Üiidnihniii 2797 a.OltC I iglich« Uh> Louie 8 Voitlelig. Atfärs Dreylus von Rehfisch und Herzor Verkäufe Möbel.<„•. ,*n aüähclUufu uicrie Ätehit und bat SRdbclbaaoi. atafec«naw-dl. i»e,»e«tcifcl SJcifpicIamcife: cÄIafaimmct 4.75.—.£ptifc»inunct 317,—. iicrccnttmmor 389,'- Coirnel« fditänio»18.—. Eicltnflctnlfur 38,—, -JlntidjltlUdlc 99—, SRcfRr.abctiftell« 86,— ÄloidkrfchtSnft 48,—. Chaise. lonnuts 28,—. Maiallhcttfitllt»8.—, ilufltaematrak» lz.— Eonftine Mödri «nocmcffen« Preist. Ttitiahlunli aui» fdilaaftci. Wocktntaft». Monnl-rattn. Kossarabatf bis»hn Prettnf. audi auf Antabluhatn Kltint aud, ahnt-ännah. Iimaen. ftttbile bis»wei ftahee üiäft Sins. da'ipiqtfdiäfl: Lltalih. Sdilan» (trafie 107: 2. Sefdiäfh Keufönn, Jöcc mannplak 7; 3.©tfdiöit: Btllt.Älliauct. Sirane 97, Unfcrntunbbafin; 4. ffiefdraf: GdiSnebttn. Saupfftrafte 140, ntu crcff- net, neatnübcc Sanotpoft: 3. Gcfdiäft: Stottbufftc eteafte 23.«eaenübet dlite. fänatc. flafatoa fcanlo.• Musikinstrumente ßoffman« Piano», etammbaus at- qrünbet 1837 Pianos ülüatl bat. moniujuä. 100 ltnftrmntnie äusnjabl. anttldi'nfe 5on.fd)Pii6fU, PrtisrnNrbio- Itif. nOnftioe ZtiUablunaen. Zitut Pianos 900 Mark, acbrau' te 400 29atf an fftfs©tltatnbtitskäufe Site ltn- fltumenft ffitacnrtdmuna Piouoic!e» fabtil Gtoto feo'fmnnn®. m b£>. Setlin Siä. 53. EtiPitiotrNront 57 (So'.rtctmacltl tiatpiauo». uuetauß ottisiorrl Piano. aotif ßint. iJcunntnfttabt 35 Wäscnerelen Stnofftn. die Wäscht nur tur?ampf, wasch-rtj„Mtrkur", BcrUn 0. 112. �ronkiurltr Allra 307. Ändrtos 2320 b.re.s»istt oorlanaan. Krcie Adhoiuna täolich durch Automohilt. Mualiio EPD. und RB' Laibban» gritdrhbNrake 243. ntbtn Lustsp.elhaus. Söchfibeltihuna. Kaufgesuche Rabuflcbinc. Dlaftnabfallt ehUinn, SIci. Qaedrilbtr. SifberfdimelM(fofb. Wmelittei Chriffionat. Röpcnidu» ßxege 29(SaürftÄla Shalbtrtftrabr).• {Beilage Montag, 17. Marz 1930 SivAbimS StuUauA&t&e A0X Schicksale für 70 Mark Hmter den kuliflen öcs Films, Hören Sie, lieber Zuschauer, der Sie am Abend der Film- premiere aus der Strohe stehen und sich vvn d�r gut aufgezogenen, tadellos funktionierenden Parade des Premieren Publikums blenden lassen, glauben Sie mir, der Star ist nicht der Film! Nicht jeder, der mitgeholfen hat und oftmals ausschlaggebend war für den Erfolg einer solchen Uraufführung, hat satt zu essen. geschweige denn, darf über diesen Teppich gehen, auf dem die Aus- erwählten wandeln. Film ist nicht immer gleichbedeutend mit Luxus, Ruhm, Ueber- fluß. Viel öfter ist er ein Synonym für Not und Enttäuschung... I h r.N a ch b a r zum Beispiel. Betrachten Sie ihn ge- nauer. Finden Sie nicht, daß sein Lächeln nicht Ihr Lächeln ist? Sehen Sie die Bitterkeit um seinen Mund, die Traurigkeit in seinen Augen? Erschreckt Sie nicht das seltsame Ausleuchten darin? Während die Leute Beifall klatschen, verkrampft er die Hände in den Taschen seines Mantels, dessen billige Eleganz nicht über die Mgetragenheit und Fadenschcinigkeit hinwegtäuschen kann. Auch der Kragen ist nicht ganz sauber und dos Hutband. Noch ehe die Auffahrt zu Ende ist, drückt er sich brüsk durch die neugierige Menge und verschwindet im Licht, im Dunkel, im Lärm der Weltstadt. Haben Sie sich das Gesicht gemerkt? Sie werden es drinnen auf der Leinwand wiedersehen, eine halbe Sekunde lang... Es ist deroltc Herr, der im Klub der Barone im Fauteuil sitzt, eine dicke Zigarre raucht, Sekt trinkt und einmal lächelt...(im dritten Akt ist er unter den Passanten, die über die Strohe gehen, durch die dos?luto des Hauptdarstellers saust). Haben Sic sich je Gedanken gemocht über diese Unbekannten, Unbcrühmten, Namenlosen, die man nur unter Jhrem Sammelnamen kennt?...„Komparse n"(Und cs klingt wie„Ware", „rechtlos" und„Not".) Zaungäste des Ztahms. Hält das Publikum diese Laute im Frack wahrhaftig für Grafen, Lords und Barone? Die Damen. in den blendenden Kleidern, in der Hall wirklich für Gäste des fasyionablen Hotels ersten Ranges? Sicherlich nicht. Aber weih es auch, daß cs armselige Menschenkinder sind, Zaungäste des Ruhms, Arbeitslose, Arbeitsuchende, Proletarier, vom Schicksal und der Gesellschaft Ausgebeutete. die ihre Gesundheit aufs Spiel setzen für eine Scheinwclt, die ihr Leben riskieren, um ihr Leben fristen zu können? Wissen Sie es? Weih es Ihr Freund? Erzählen Sie es ihm, damit er kjinftig einen- Film mit anderen Augen ansieht, damit er manchnm.l- nicht nur den märchenhaft schönen Mund, die träume- rischcn Augen des Stars beachtet, sondern auch die Züge der Kom- parsen: und er wird hinter dem kontraktlichen Lächeln Elend und Ja m m c r finden... Üfrer mit ihnen an einem Tisch gesessen hat, mit. ihnen ge- plaudert. Rächte lang versucht hat, den Geist dieser vom Schicksal Verstoßenen zu ergründen, weiß, daß es zum geringsten Teil Aben- teurer sind oder Nichtstuer, sondern Stiefkinder des Glücks... Wartende.-..- Hoffende... Resignierends. Ehe- maligc Schauspieler, Ossiziere, Zlrtistcn,.Kauflsute, Studenten. Jedes Alter, alle Berufe sind vertreten: Frauen, Mädchen und Kinder. Wollte einer die Schicksale dieser Menschen erzählen, es gäbe ein Buch von erschütternder, ausrüttelnder Grauenhastigkeit. Aber so verschieden auch jede Erzählung begänne, am Ende kehrte immer dasselbe Wort wieder, ein surchtbarer Refrain:„Stellenlos". Letzte Hoffnung sür jeden— der Film. Hi»r könnt« man vielleicht noch gebraucht werden, und je schöner(oder je häßlicher) man war, desto größer war die Chance.(Auf der Leinwand wirken verbitterte Gesichter, denen das Leben übel mitgespielt hat, äußerst markant und eindrucksvoll... Typen gefragt!).. So verkauften sie ihr Schicksal für lö bis 20 Mark. Hotte einer das Glück, einen Frack zu besitzen, so kokinte er sogar 2S bis 30 Mark am Tag verdienen. Bis auch dieser„Berus" überfüllt war, die Gage kleiner und die Arbeiismöglichkcit Immer geringer wurde. Augenblicklich ist die Lage in Deutschland so, daß jeder Komparse c i n m o l i u zwei Wochen auf einen Aufnahmelag rechnen kann. Die Organisation der Filmkomparscn versucht zu Helsen, wo es nur geht, und es ist ihr endlich gelungen, die„wilden" Filmbörsen, bei denen sich die Hilfsregisseur« ihr« Leute lieber holen, weil sie viel billiger arbeiten, unschädlich zu machen. Aber noch immer ist die Not grenzenlos, und ich möchte olle jene, die jetzt ihren Lieblingen zujubeln, hinwegjühren aus dem licht- erfüllten Saal in«ine kleine Seitenstraße, in das Verbands- lokal der Komparsen, wohin Uraufsührungsklänge kaum mehr dringen. Zm Verbandslokal. Zur selben Zeit, da einige Glückliche mit Blumen überschüttet, gezeichnet, photographiert und interviewt wurden, sitzen die Un- bekannten, Unbedanktcn vor ihrer Tasse Kaffee, rauchen, plaudern, schweigen. Dicker Rauch lagert über dem Raum. Selten dringt ein Frauen- lachen durch, manchmal ein Witz, öfter ein Fluchen. Wenn die Tür aufgeht, sieht alles gespannt hin, um enttäuscht in sich zusammen- zusinken.... nur«in Kollege. Eben jener Mann nüt dem nicht ganz sauberen Kragen, dem fleckigen Hutband und dem bitteren Lächein vor dem Filmpalast. Er setzt sich müde an einen Tisch, wickelt sein Abendbrot aus dem Papier. Der Kellner bringt wortlos ein Glas Bier. Die anderen sehen kaum hin. Bis endlich doch die Tür sich oustut und« i n Aufnahmeleiter hereinkommt. Sofort setzen sich alle in Po- situr, grüßen vertraulich-deoot, mit aufdringlicher Herzlichkeit. (Angstvoll bemüht, die Aufmerksamkeit aus sich zu lenken.) Die Mädchen zeigen ihr« Beine, lachen plötzlich laut und grundlos, sind kokett und charmant— als ob ihr Dasein aus eitel Lust und Sonnen- schein bestünde(und nicht der Anfang einer sozialen Tragödie wäre). Auch die Männer lächeln und die alten Weiber, lind das ist furcht- bar. Sic habe» Hunger, aber sie lächeln... denn sie missen, daß„vermieste Gesichter" nicht gern gesehen sind. Auch nicht vom Herrn Aufnahmeleiter. Wie er zu sprechen beginnt, wird es mäuschenstill.. Und als er geendet hat, läßt er eine Wüst« von Enttäuschung zurück. Da hilft kein Bitten und Betteln— sür morgen werden bloß drei Damen, eine alt« und zwei junge, die sich überdies ähnlich sehen nrüsien, und 13 Frackherrc» verlangt. Di« alte Frau, die das Glück hatte, ausgesucht zu werden, sagt zu den jungen Mädchen:„Na, Jott sei Dank, endlich wieder 15 M.: seit-drei Wochen das erste. Ieid, ick bin noch die-janz« Miete schuldig. Nu kann ick endlich nach Hause gehen." Auch viele-andere Komparsen brechen auf- Am nächsten- Tag werden sie srcilick wiederkommen, am gleichen Tisch sitzen, hassen und warten. Bor allem warten.(Dazwijchen läuft dos Leben.)- Seltsame Schaustellung menschlicher Schicksale. Hübsche Mädchen. denen man zurusen möchte: Es ist schade um euch... wozu das alles?!!(Aber dann passiert es doch, daß eine unter Tausenden vom Glück herausgehoben wird zu Reichtum und Macht, Karriera ist das Phantom, dem sie nachjagen, wofür sie alles opfern.) Alte Schauspieler, die mit lächerlichem Pathos von den Zeiten erzählen, da sie in Zwickau den Carlos oder den Mortimer spielten... Es ist schon lange her. Inzwischen ist unter den dichten Brauen das Feuer ausgebrannt. Aus den glatten, schönen Gesichtern mit den lebendigen Augen wurden„Charakterköpsc", wie man sie ost im Film braucht.(Wenn auch nur als Hintergrund, von dem sich der Augcnausschlag des Stars um so reizvoller abhebt.) Karriere? Ruhm?... Leben, heißt es vor allen Dingen, jür Frau und Kind zu essen schassen. Darum warten sie hier, in dem schlecht erleuchteten Lokal(in dem es stets nach Bier. Zigarcttenstummeln und ranzigem Fett. riecht), dieser Insel des Leidens und der Tränen, um die die Metro- pole braust, in der Schicksale so billig sind. Hanns Leo Reich. Arbeiterkurse/ Abendschule{ Menöumversttat vo« Fritz Surfen I. Wenn auch in der letzten Verhandlung des Hauptansschusses des Preußischen Landtags die Zahl der proletarischen Existenzen auf den Universitäten von dem zuständigen Ministerialdirektor Richter auf 18— 20 Praz. angegeben wurde, so bleibt doch die Tatsache unwidersprachen, die der frühere Minister Becker de- kannt gab, daß kauin 2 Proz. wirklich aus der Arbeiterklasse stammen. Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß im allgemeinen cm öffeistliches Interesse an der Vennehrung des Zugangs zu den Uni- versitäten nicht besteht. Es ist nicht abzusehen, was aus all diesen S-udiercnden später einmal werden soll. Man kann sogar bc- weisen, daß sich auch hinter diesen Zahlen(130 000 Studierende an den deutschen Universitäten!) das Arbeitslosenproblem versteckt. Kommt man nicht unter, nun, so geht man eben mit dem Reifezeugnis zunächst auf die Universität und hofft, wenn man noch ein Zeugnis erworben hat, auf die Möglichkeit, besser eine Stelle zu bekommen. Dennoch besteht die öffentliche Verpflichtung, der Arbeiter- k l a s s e den Zugang zu den höchsten Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. Nicht nur aus allgemeinen Erwägungen, die der demokratischen Verfassung und den in ihr festgetegten Bürgerrechten enl- springen, sondern vor ollem aus der Notwendigkeit, Menschen mit der höchstmägiichen Dorbiidurrg in all« Stellen des öffentkichen Lebens zu bringen, die die Forderimgen der Massen an den Staat aus eigener Erfahrung bejahen und dafür in jade Stellung«inzu- treten gewillt sind. Menschen, die durch ihre schwere Entwicküings- zeit dagegen gefeit sind, später einmal die politischen und sozialen Interessen der reaktionären Schichten des Bürgertums zu oerfccht-.m. Für diese Menschen müssen also öffentliche Mittel auf- gewandt werden. Diese sind im Verhältnis zu den übrigen Aus- gaben des Reiches, der Länder und der Kommunen so gering, daß darüber jede Diskussion unnötig sein sollte. In Deutschland werden binnen kurzem Kurse für jung« Arbeiter nur noch in Neu- kölln bestehen. Aus dem ganzen Reiche kommen hier junge Menschen zusammen, die keine über die Volksschule hinausgehende oll- gemeine Bikdeing haben, dann die Berufsschule besucht hoben, dann Zwischen l8 und 25 Jahren aufgenommen werden könne». In drei Jahren erreichen sie das Ziel der Reifepriisung. Bei der letzten Prüfung am 2?./26. Fcbnior d. I. haben alle 25 Prüflinge dies« bestanden, on» ihnen mehr als die Hälfte, nämlich l3, in>t „gm". Es ist durch diese wie durch die vorhergehenden Prüfungen bewiesen, daß«ine derartige Ausbildung Möglich ist. Da die sechs Kurse mit dem Kaiser-Friedrich-Reoloymnosium verbunden stn-d, betragen die Kosten dieser Einrichtung, abgesehen von den Stipendien, die das Reich, die Länder und die Gemeinden zur Bcr- jugüng stellen, nur das Gehakt von sechs okademischen Lehrkräften Diese öffentlichen Mittel dürfen mir den Allertüchtigstcn von den Hunderten zur Verfügung gestellt werden, die sich jedes Jahr zur Aufnahme melden. Auch dies« Einrichtung kann eben die Ungerechtigkeit, daß nicht ollen deutschen Staatsbürgern entsprechcnd der Dersasiung, ohne Rücksicht auf ihr Bennögcn, das gleich« Reck» aus Bildung gewährleistet wird, mir zu einem kleinen Teil wieder gutmachon. Daher ist l. die Aufnahmeprüfung streng. Sie stellt sveilich nur Anforderungen an die Intelligenz und die ollgemeine Urteilsfähigkeit, nicht an die Barkemitvisse der Prüflinge. Daher ist es 2. nötig, auch im Laufe der drei Jahre immer wieder diejenigen auszuscheiden, die innerhalb der vorgesehenen Frist ihr Ziel nickst erreichen werden. Glücklicherweise braucht das nur in seltenen Fällen zu geschehe». Die große Schwierigkeit solcher Arbeiterkurse liegt darin, daß diese Menschen die nötige Muße und Ruhe für ihre Arbeit gew-mien müssen. Sie verfügen von sich ans über keinerlei Miticl. Sollen sie wirklich geistige Arbeit leisten, so müssen sie schon van vornherein von jeder körperlichen Berussarbeit freigestellt werden. Denn gerade die Eingewöhnung in die geistige Arbeit, die am Ansang steht, setzt eine ungeheure Energie voraus, die von körperlich müden Menschen nicht ausgebracht werden kann. Darum muß in noch höherem Grade, als es bisher geschieht, von dem Reich«, den Ländern und den Gemeinden durch Stipendien sür diese Ar- heiter gesorgt werden. Von Jahr zu Jahr ist diese Forderung von den zuständigen Stellen in höherem Maße anerkannt worden, und im letzten Jahre war es soweit, daß der zweite und dritte Jahrgang bereits völlig, v o n jeder Berufsarbeit befreit, sich nur der geistigen Arbeit in den Kursen widmen konnte. Der Erfolg dieser Arbeit wurde dadurch gegenüber den ersten, unter sehr un- günstigen Umständen arbeitenden Kursen ungeheuer gesteigert.- ll. Nuy wird von einigen die Meinung vertreten, es sei unmög- lich, diese zur Förderung begabter Arbeiter nö.igen Mite! all. gemein auszubringen. Aus diesem Grunde müsse man ein Kom- promiß machen. Man lasse die Menschen ruhig in ihrem Beruf. man gebe ihnen aber die Möglichkeit, des Abends noch zur Schule zu gehen, in der sie sich während der freilich längeren Zell (oon ö Iahren nn Berliner Abendgymnasmm) die Reife für die Universität erwerben können. Jeder wird anerkennen— die Tatsache des Andranges zu dem Abendgymnasium hat es ja bewiesen—, daß es oi-.l« Berufetätig« gibt, die durch irgendwelche äußeren Umstände früher verhindert waren, aus big höhere Schule zu kommen oder sie ganz zu durch. laufen. Es ist sicher, daß auch diesen Menschen die Möglich'eit gegeben werden muß, nach, ihren Krästen weiterzukommen. Di« Frage ist nur, ob on solchen Institutionen in gleichen, Maße ein öffentliches Interesse besteht wie an den Kursen für junge Arbeiter. Denn an Menschen, die der Mittelllasic entstammen, ist auf den Universitäten kein Mangel Gerade die proletarischen Schichten, deren Bedoutung hervor. gehoben wurde, sind es, die fehlen. Für diese Arbeiter oder kommt ein« Abendschule nicht in Frage. Auch in Neukölln wurde mit Abendkursen begönnen. Heute wird der Unterricht morgens von S— 12 Uhr erteilt. Denn cs stellte sich nach kurzer Zeit heraus, daß Menschen, die tagsüber mit Handarbett voll beschäftigt sind, der geistigen Anstrengung am Abend nicht mehr ge- wachsen sind. Außerdem wurde den Lehrern klar, daß die Men- scheu, die unter jolchen Umständen doch aus Grund einer ganz außer- gewöhnlichen körperstchen Krast und geistigen Veranlagung das Rennen machen, nur erschöpft durchs Ziel gehen können. Bor ihnen liegt dann die Universität mit ihren neuen riesenhaften An- sorderungen, vor ihnen der Kamps, sich in dieiem ganz hcretogen-en Milieu gegen das ihnen von vielen Seiten entgegengebrachte Uebcl- wollen durchzusetzen. Die Frage ist berechtigt: sind Menschen, die schon in erschöpf- tem Zustande in diesen neuen Lebensabschnitt eintreten, in der Lage, diese schwere Ausgabe vorbildlich zu erfüllen und auch dort zu zeigen, daß sie nicht nur dem Durchschnitt der anderen gleichwertig sind, sondern mit den f ü h r e n'd e n Elementen aus einer Stuf« stehen? Dazu kommt, daß Menschen, die sich drei oder gar fünf Jahre die ganze Zeit, die neben ihrer Berussarbeit bleibt, obge- schlössen von dem Leben nur ihrer Weiterbildung gewidmet haben, nicht mehr geeignet sind, für die Arbeiterschaft zu kämpfen und sie zu sühren, daß sie im Gegenteil jede Berührung mit ihrer Schicht schon aus Zeitmangel verlieren müssen. III. Nun wurde kürzlich im„Borwärts" die Einrichtung einer Wendirniscrsität propagiert. Es wurde ganz richtig gesagt, daß die theoretischen Einwendungen, die aus einer herkömmlichen Anschau- ung von der Wissenschaft eine mehr praktisch eingestellte Hochschule ablehnen, durchaus abwegig seien. Aber alle die. Einwendungen, die gegen eine Abendschule gemacht werden, gelten sür eine Abend- universi-ät in noch höherem Maße. Die Menschen, die schon fünf Jahre auf einer Abendschute gewesen sind, werden Nun noch Jahre hindurch ihre ganz« benifssrete Zeit abseits vom Leben ihrem Stu- drum widmen Wenn sie noch 10 Jahren nach bestandener Uni- versttätsprüsung wieder in das Leben eintreten, werden sie vielleicht noch weltfremder sein als die meisten von denen, die den regulären Weg durchlaufen haben. Wir haben uns immer gegen «ine Abseitsbildung gewehrt, wir haben aus diesem Grunds gegen die alten Seminare gekämpfl und sind auch heut« gegen die Lehrer- akodemieu, die sich von dem geistigen Leben der Universität ab- splittern. Aber alle dies« Einrichtungen wären ja nichts gegen eine nur bestimmten Schülern geöffnete, sie kkasfernnäßig■ zusammenholt ende und der Berührung mit den anderen Studierenden ent-- ziehende Abenduniversität. Man begründet auch die Forderung dieser Einrichtung wesent- lich mit der Behauptung, daß sie bill g sei, weil ja alle diese Men- scheu sich selbst unterhalten können. Wir kommen nicht darüber hin» weg, daß für geistig« Arbeit ein gewisses Maß von F r e i-- h e i t von materiellen Sorgen notwendig ist. Es ist kein Einwand gegen dies« Forderung, daß unter unsere» f>eiitigen Stu- denten nur ein kleiner Prozentsatz dies.« Freiheit tatsächlich genießt. Sie muß vielmehr um so lauter für all diejenigen erhoben werden. an deren Fortkommen die Oessentlichkeit ein entscheidendes Interesse hat. Und das sind die auf der Universität fehle irden Angehörigen der Arbeiterklasse. Sic müssen unter allen Umständen während. ihrer allgemeinen?kusbttdung in besonderen Arbeiterkursen und während ihrer Fachausbildung auf der Universität Stipendiaten der Oessentlichkeit sein. Ihr an sich schwerer Weg muß ihnen durch Stipendien erleichtert werden, damit sie mit ungischwächter Krast in>. ihren zukünftigen Beruf eiilireten, nicht dem Leben entfremdet durch langes Studium, sondern diesem enger verbunden denn je, weil ihnen die Zeit dazu neben ihrer geistigen Arbeit gewährt wurde. Der beliebte Vergleich mit amerikanischen Abend- schulen hinkt sehr bedenklich. Denn erstens ist das Ziel einer amerikanischen High Schoo! und des durchschnittlichen College weder quantitativ noch qualitativ dem der scheinbar entsprechenden deutschen Bildungsänstalten auch nur ähnlich. Zweitens aber»nd vor allem ist die ungeheure Vewegkichkeit des amerikanischen Systems den Abendschulen ebenso günstig, wie ihnen das starr« deutsche System widerstrebt. Schon die Organisation der Normolschiüe bietet ja dem Schüler nicht selten Gelegenheit, seine Kredite, seine 16 bis 18 Lerneinheiten(Units) nach Bedarf und Neigung in längerer oder kürzerer Zeit In einzelnen T-eilen zu„verdienen". Wie angenehm für den Abertdschüter, sich diese Kredit« oder Hast, ohne nölligen Bruch mit seinem sonstigen Leben nach und nach zu erwerben, während er hier in gleichem Tempo mit seinen Mtt» schüler» tagaus tagein sein Arbei.spensum bis zu dein glcichgerich- tctcn Ziel des festen Schultypus bewältigen muß!- (21. Fortsetzung.) In diesem llutemehmen mußte man großzügig kalkulieren. Sparte man an Säure, so verlängerte man die Gesamtprodezur. Eins widersprach dem andern: ging man zu schnell vor und bleichte zu stark, dann griff man die Haltbarkeit des Gewebes an. An der Mauer hingen noch Papierblumen, die das Bild des heiligen Lorenz, des Schutzheiligen der Wäscher, umkränzt hatten. Man hatte es zu seinem Namenstag, am 10. August, geschmückt. Die nasse Wäsche wurde auf Schubkarren in die Trockenräume qesahren, die von choißlustströmen durchzogen wurden. Die Ar- heiter waren jetzt wenigstens von der Tortur befreit, im Trocken- räum ohne jeden Luftzug bis zur völligen Erschöpfung zu schwitzen. Sie packten den Stoff m den Ventilationskosten, wo er allmählich umlagerte. Ueberall zeichneten Wasserspuren den Weg der Arbeit. Nur die feinsten Gewebe, Linon und Handgesponnenes, trockneten noch in der freien Luft, nachdem sie mit der Hand gewaschen und gespült waren. Der von Choin gewebte Leinenbatist schwamm in einem Holz- kübei, dessen Rand der Waschfrau bis an die Hüften reicht«. Der Seifenschaum im Kübel bildete kleine, weiße Alpenlandschaften. Die alten Frauen, die bei dieser Arbeit tätig waren, verkörperten die älteste Form des Gewerbes. Mit bleichen, von der ewigen Feuchtig. teit runzeligen Händen, wuschen sie das vom Rocken gesponnene Garn. Es war ein heller Raum, in dem sie arbeiteten: aber er- füllt von Waffergeräufchen aller Art, Tropfenrieseln und sprühendem Zischen. Die gewaschenen Stücke wurden mit Räderkarven auf die Wiese gefahren. Früher hielt die Waschanstalt sich ein großes Wiesenterrain. Der Boten mußte mit kurzem, dichtem Gras bewachsen sein. Die Leinwand durste nur das Grüne berühren, nicht die nackte Erde. Heute kommandierte der Aufseher der Bleiche nur zehn Mann. Rings um das Feld standen Schilderhäuschen für die Wächter, die nachts die Bleiche zu bewachen hatten. So sah man hier zwei Bleichverfahren nebeneinander: das künstliche in der Fabrik und das natürliche auf dsr Wiese. Bon letzterem behauptete Herr Guerandell«: „Ein besseres Verfahren gibt es nicht als die natürliche Färb- entziehung durch Sonnenstrahlen. Die Chemiker lieben das Weichen auf der Wiese nicht. Sie haben keine Macht über die Wiese. Die Natur arbeitet nachts mit Tau und Mondlicht. Mondlicht wirkt auf die Farbe fast ebenso wie Sonnenlicht. Unsere Aufgabe besteht einzig und allein darin, die Natur bei ihrer Arbeit zu unterstützen, indem wir jeden Morgen die Wäsche wenden. Unser einziger Feind i ist der Wind: der wirft die Wäsche in Falten. Die Sonne kommt> nicht in die Falten, und wir kriegen gelbe Streifen. Hoffentlich ge- � lingt es, in Zukunft ein Verfahren zu entdecken, das noch stärker wirkt als das Sonneitlicht. Wir wenden heute Säurebäder und Dampftrocknung an. Bei dieser Behandlung kommt der größte Teil unserer Gewebe nicht aus dem Dämmer der Fqhrik heraus. Ich habe eine alte Anleitung— unser Fabrikgeheimnis— für das Bleichverfahren. Hierin wird u. a. empfohlen, die Wäsche nicht zu wringen, wenn man sie von der Wiese abholt. Früher hingen die Frauen die Leinenwäsche naß auf die Leine und ließen das Wasser heraustropfen. Sie vermieden es, das Gewebe durch Auswringen zu schädigen. Heutzutage findet man dies nur noch auf dem Lande: bei Familien, die ihre Wäsche selbst waschen. Bei der Hausbleichc haben sich aber jetzt dieselben Wandlungen vollzogen wie in der Industrie. Niemals ist früher Wäsche so schlecht behandelt worden und so vorzeitig abgenutzt worden wie heute. Wo denkt man über- Haupt daran, sich das richtige Wasser auszusuchen? Wer wählt das Beste vom Besten: ich meine den Regen? Das klarste Flußwosser ist schmutzig, verglichen mit dem Regen. Die Frauen haben Jahr- hunderte vor den Chemikern herausgefunden, daß destilliertes Wasser das Beste für die Wäsche ist. Unter den jetzigen Umständen allerdings müßten wir verrückt sein, wenn wir uns allzuviel Sorgen damit machten, die Wäsche zu schonen. Die kleinste Wäscherin ar- bellet heute mit Eau de Jaoel und mit Soda: sie hat eine Wring- Maschine mll zwellausend Umdrehungen in der Minute und rollt die Wäsche durch Wäschemangeln, die dem Gewebe zwar Glanz geben, aber den Faden zerdrücken und ihn in'den Falten brechen. Das Bleichen schmutziger Wäsche ist heute direkt eine Vernichtungs- Industrie. Die Textilien werden fünfmal schneller abgenutzt als da- mals, als man sie lange der Luft aussetzte. Spinner und Weber l>aben entsprechend mehr zu tun. Dem Tempo der Abnutzung entspricht durchaus das Tempo der Produktion und des Bedarfs. Ich habe keine Lust, ein altmodischer Industrieller zu sein, der gegen seine Zeit wettert. Man. muß mitzukommen versuchen: schnell ar° besten. So arbeite ich schnell und so gut wie möglich* * Eine Vision stieg herauf. Im Dämmer der stsrnbeschicnenen Wiese schwebten die Wäscherinnen von einst. Dämpfe stiegen aus den Stoffen, die auf der ewig fauchten Wiese lagerten. Die Feen des Flachses schritten, keusch und langsam, mll Nebelfüßen über das weiche Leinen. Die Wächter, die in der Nacht die kostbaren Stoffe bewachten, schritten durch die Nebelgebilde hindurch, die die alten Handgriffe der Wäscherinnen nachzuahmen schienen. Die Nebol- gebilde verschwanden, wenn ein Streifen Licht durch die Wolken brach. Licht und Schatten des Himmels spielten aus der Leinwand. Frischer Erdgeruch und zarter Wäscheduft strömten nach oben. Es war süß und traurig zugleich, wie ein altes Gewerbe hinstarb.' In seinem Kontor, in der Sentierstraße in Paris, saßen sich Herr Waoelet und Herr Ferreol aus Saint Etienne an der Loire gegenüber. Herr Ferreol beklagte sich über die letzte Lieferung: „Zwei Stücke haben nicht die in Rechnung gestellte Länge. Es fehlen achtzig Zentimeter. Staat siebzehn Einfchußfäden zähle ich nur fünfzehn und sechzehn auf ein Zentimeter. Meine Kunden sind unzufrieden: der Stoff wäscht sich schlecht: auf ein Meter läuft er zehn Zentimeter ein. Sie liefern mir Stoff, der so stark gespannt ist. daß er kracht und steif ist von Appretur. Dem Ansehen nach scheint es guter Köper zu fein, ober im Wasser verliert sich das. Ich lege aber Wert auf den Ruf meiner Firma. Sie können auf 2luf. träge von mir nicht mehr rechnen." Omer Wavelet hatte schon die Absicht, sich mll dieser Auftrags- entziehung abzufinden: da erschien vor dem erzürnten Kunden Herr Etsans. Er streckte ihm die ringgeschmückte Hand hin. Herr Etstms trug Juwelen mll Rücksicht auf das Renommee seiner Firma. Cr sprach die Kunden nicht kurzweg mit Monsieur an, sondern setzte ihren Namen dazu: „Atonsieur Ferreol," sagt« er,„Sie fallen einem Vorurteil zum Opfer. Ich habe Vertrauen zu Ihnen. Der Auftrag, über dessen Aus- führung Sie sich beschweren, wurde von mir entgegengenommen. Ich will keinesfalls, daß Sie Schererei haben mit dem, was ich Ihnen oerkaufe. Uebrigens: Wie geht es Ihrer Frau Gemahlin? Sie sind mein Kunde, das heißt, mein Freund. Schicken Sie ruhig die Stücke zurückl Und nachdem ich das wieder gutgemacht habe, schuld« ich Ihnen noch ein« Entschädigung. Die erhalten Sie m dem Artikel L. C. 302, einem Leinen, bei dem ein Einlaufen außer Frage steht, wir lassen es selbst dekatieren. Wir schicken den Stoff in die Bleicherei zurück. Sie soll wieder gutmachen, was sie verpatzt hat. Sie weicht den Stoff ein und nimmt ihm die Appretur, damll der Faden wieder feine ursprüngliche Länge hat. Herr Ferreol, Sie haben doch zuviel Erfahrung in unserer Branche, um zu glauben, daß unsere Weber mll Gewalt den Stoff spannen. Wir müssen leider all diese Wäschereiverfahren, die Walzen und Kompressoren, die unsere Leinwand spannen, über uns ergehen lassen. Wir rekla- Mieren, aber zum Schluß müssen wir noch das Dekatieren des vor- her mll Gewalt gespannten Stückes bezahlen. Hoffentlich hat sich Ihre Frau Gemahlin wieder ganz«rholl? Gestatten Sie, daß ich Ihnen unsere dekatiert« Ware zeige!" Sie gingen ins Erdgeschoß und besahen sich die Ware, die hier in Fächern aufgestapelt war: Cambraier Gewebe. Farllasiestoffe, weiß und farbig, Pigue und Molleton, Ioconas und gerauhte Stoffe, Musselin und Zephir, Satin und Satinet, glänzende und motte Stoffe, Batist und Linon: leichte Stoffe, die um Holztafeln gewickell waren und kräftige, um sich selbst geschlagene. Herr Ferreol. kam zurück uno machte Omer Wavelet Borwürse: „Hätten Sie mir die Ware angeboten, die mir soeben Herr Etfan? offeriert hat, wäre mir großer A erger erspart geblieben. Ich gebe Ihnen fünfzig Stück in Auftrag." Herr Etsans verabschiedete sich von Herrn Ferreol mll den Worten:„Adieu, Herr Ferreol!" Er sprach zu den Kunden durchaus individuell, je nachdem, aus welcher Gegend sie kamen. Er sagte„Wien" zu den Leuten aus dem Süden, zu den Nordfranzosen„Beehren Sie uns bald wieder einmal" und„Auf Wiedersehen" zu den Parisern. Zum Chef sogte� er: „Ich bin kein Landschaftsmaler, ich seh« lieber das Gesicht eines zufriedenen Kunden als einen Sonnenuntergang. Uebrigens: die Stücke, die ich eben Herrn Ferreol verkauft habe, sind von derselben Partie als die, über die er sich so aufgeregt beschwert. Der Unter- schied beträgt einen Franken mehr pro Meter. Ich habe ihn wie irm einen persönlichen Dienst gebeten, mir mllzuteilen, wenn der Stoff einlaufen sollte, damll ich die Wäscherei oerfluche." * Herr Etsans bekam drei Prozent vom Nettopreis der verkauften Waren. Aber er sagte:„Ich würde noch zuzahlen, nur um ver- kaufen zu können." Etsans war ern passionierter Kaufmann. Er nahm nie Urlaub. Das Land konnte er nickst ausstehen. Er liebte nur die Stadt und die Läden: „Wollen wir nur nicht vom Veilchensuchen sprechen," sagte er, „Schaufenster-betrachten ist mir wesentlich lieber." Herrn Wavelet gab er eine geschäftliche Lehre zum besten: „Beim Geschäft muß man gefühlvoll sein. Herrn Ferreol s Frau ist oft krank. Da fragt man: Wie geht's Frau Ferreol? und nimmt einen Auftrag entgegen. Gute Verkäufer find sanft und hrtter. Mürrische Männer bringen es in Frankreich zu nichts. Ich kann natürlich auch grob vorgehen. Einige Aufträge habe ich direkt durch Rücksichtswstgkell bekommen. Rücksichtslosigkett war angebracht zur Zell der Hausse, als die Ware knapp war. Heute sind die Käufer sehr wählerisch. Mit Herrn Lattens aus dem Weißwarenhaus wird man leicht einig. Das ist ein höflicher Mensch: nicht so einer wie Herr Tresse aus den„Galenes de France". Der sagt zu mir, ich muß jedes Jahr einen Gimpel fangen. Und es findet sich auch jedes Jahr ein Fabrikant, der den Weg zu den„Galeries de France" macht. Herr Tresse macht sich rein zum Affen: er redet und redet und lächelt, damll ich ihm seine Ware abkaufe. Die„Galeries oe France" suchen sich immer den Fabrikanten, der aus Geldmangel seine Bestände losschlagen muß. Der zu jedem Preis den Auftrag hereinbringen will, nur um zu verhüten, daß seine Fabrik stillsteht. Kein Kunde kann daraus rechnen, zwei Jahre hintereinander an diese Firma zu liefern, denn im nächsten Jahr kann einer kommen. der noch tiefer in der Patsche sitzt oder noch naiver ist und noch mehr opfert.(Fortsetzung folgt.) eMtidk Deutschkunde. Der Reichtum und die Melselligkell eines Sachwörterbuches, das in Anlageplan und Umfangbestlmmung von dem Begriff der Deuffchkunde ausgeht, leuchtet von vornherein ein. Das Hauptmlltel, durch welches das vorliegende Werk(Sachwörter- buch der Deutschkunde. Herausgegeben von Waller Hof- st a e t t e r und Ulrich Peters, 1. Band: A bis I. Leipzig, B. G. Teubner, 2 Bände, jeder Band zirka 1200 Spalten Lexikon- format, in Subskription je 27 M. oder je 6 Monatsraten zu ö M.) ein« dem Studium und der Vertiefung abttägliche Zersplitterung vermeidet, sind große, zusammenfassende Artikel aus allen Sach- gebieten, als Beispiele seien genannt: Agrarverfassung, Arbell und Arbellsr, Finanz-, Geld- und Bankwesen, Frauen- und Jugend- bewegung, Handwerk; Amerika, England, Frankreich, Germanen, Grenz- und Auslandsdeutschtum: Antike. Aufklärung. Geistes- und Geschichtsphilosophie, Idealismus: Baukunst, Handwerk; Ablaut, Be- deutungs- und Formenlehre, Brauch, Drama, Gedankendichwng. Es ist eine ganze Bücherei des Wissens in kondensierter Form, die man so auf engem Raum beisammen hat, die Darstellung geht unter Einhaltung neuester Forschungsergebnisse auf unmittelbare praktisch« Verwendbarkeit und leichte Faßlichkeit, auch Streben nach Objektivität ist sichtbar vorhanden. Die Artikel„Arbeller",„Frau", „Gefchichtsphilosophie",„Jugendbewegung" und andere beispiels- weise würdigen Voraussetzungen und Entwicklung des Sozialismus mll sympathischer Anteilnahm«: beanstanden ließe sich nur, daß der katholischen Arbeiterbewegung mehr Raum zugebilligt fft als der klassenkämpferischen(vier gegen zwei Spalten), daß den Gewerk- schaften, die im deutschen Gesellschaftsbau heute einen so wichttgen Platz einnehmen, oder der proletarischen Jugendbewegung kein eigener Aufsatz gewidmet wurde und daß überhaupt die sozialen und soziologischen Artikel weniger inneres Gewicht besitzen als manche geisteswissenschafttichen. Auch die exakten Wissenschaften („Biologie".„Chemie"..Heilkunde") kommen etwas zu kurz. Aber aus jedem Aufsatz läßt sich das Wesentliche des betreffenden Gegenstandes rasch und oerläßlich lernen, die(bisweilen allzu tnappen) Literaturangaben führen den Interessierten immerhin weller. Ein besonderer, zugleich mll dem zweiten Teil des Werkes um Ostern fälliger Registerband soll deren Auffindung ermöglichen. Die Aufnahme von Persönlichkeiten freilich, die man in einem Sach- Wörterbuch nicht ohne weiteres erwartet, weckt sofort den Zweifel. warum nicht andere, ebenso bedeutsame gleichfalls berücksichtigt wurden: warum Freytag und Busch, nicht aber Anzengruber und Arno Holz? Warum Künstler und Philosophen, nicht aber Staats- männer vom Rang« eines Bebel und Hardenberg, nicht Natur- forscher wie Darwin und Haeckel? Jensells solcher Grenzbeschwer- den, die jedem umfassenden Werk gegenüber erhoben werden können, repräsentiert j>as Werk eine kaum je versagende Enzyklopädie deut- scher Natur, Geschichte und Kultur, wie wir sie bisher noch nicht besaßen. A, KI. WAS DER TAQ BRINGT. oiiinnnmiiRinaiiiiumiiuniimmiiuiniiiuumunnuiiiituuinnaiiiiiiiiiimiiiiuninuno sich um eine Lotterie, um ein amerikanisches Duell oder um ein ähnliches friedliches Abkommen. Denn unmittelbar danach begab sich der ein« Affe ungestört zu einem zärtlichen tete-ä-tete mit der Angebeteten, während der andere von Stund an jegliche Nahrungsaufnahme verweigert« und tatsächlich durch einen förmlichen Hunger- streik seinem Dasein ein Ende bereitete. Verhängnisvolle Aehnlichkeit. In Bukarest schüttete die als Schönheit allgemein bekannte 22jährige Tänzerin Ileana Marcu ihrer Zwillingsschwester Vitriol ins Gesicht und verunstaltete sie auf diese Weise. Bei ihrer Ver- hastung gab sie an, ihre Schwester habe ihr einen vielfachen Mil- lionär, den sie, Ileana, sich eben geangell hatte, vor der Nase weggefischt, indem sie ihre unglaubliche Aehnlichkeit mit ihr aus- genützt habe. Jetzt bestehe jedensalls keine Gefahr einer Ver- wechslung mehr. Die größten Apfelsinenesser. Nach einer soeben im Haag veröffentlichten Statistik haben die' Holländer den größten Verbrauch an Apfelsinen in der ganzen Welt. Im vergangenen Jahr haben sie allein 68 Millionen Kilo Apfelsinen verbraucht, das bedeutet soviel als 61 Apfelsinn pro Kopf. Nach den Holländern kommen im Apfelsinencssen die Spanier mit 43 Früchten pro Kopf und dann die Engländer mit 41. Es ist aber bei dieser großen Vorliebe für Apfelsinen zu bedenken, daß Holland auch das Land des Curacao ist, bei dessen Herstellung diese Früchte eine große Rolle spielen. Das Land der Wolkenkratzer. Man macht sich in Europa übertriebene Borstellungen von der Zahl der Wollenkratzer in USA. Von den 173 Städten mit einer Bevölkerung von über 50 000 Menschen haben nur 36 Bauten mit mehr als zwanzig Stockwerken. In 42 Städten gibt es überhaupt keine mehr als zehnstöckigen Häuser. Was die Gesamtzahl der Wollenkratzer bettisft, steht New Jork mll 188 an der Spitze, Chikvgv folgt in weitem Abstand mst 65. Man findet in Phila- delphia 22, Detroit 19, Pittburgh 15. Zehn Gebäude sowie fünf noch im Bau befindliche sind über 150 Meter hoch. Seit 16 Jahren hiell den Rekord das Woolworth-Gebäudc mit etwa 240 Meter, das neue Chrysler-Gebäude wird dieses aber um etwa fünf Meter Höhe übertreffen, das der Maichattanbank wird 255 Meter erreichen. Die Glühlichtlampe ohne Betriebskosten. Die Taschenlampen sind ein klein wenig außer Mode gekommen, wenigstens in den Großstädten. Unsere Beleuchtungsoerhältnisse haben sich inzwischen so verbessert, daß wir nur in allerjeltensten Fällen noch Taschenlampen brauchen. Deshalb hat auch auf diesem Gebiet die technische Entwicklung einen gewissen Stillstand zu ver- zeichnen. Für das platte Land dagegen und für manche Spezial- zwecke sind solche Lampen noch immer von gewisser Bedeutung, vor- ausgesetzt, daß ihr« Lebensfähigkeit größer ist, als das mll den bisherigen Apparaten der Fall war. In Amerika hat man eine interessante kleine transportable Lichtmaschine erfunden, die etwa 20 Zentimeter lang ist und ein Gesamtgewicht von etwa 2)4 Pfund besitzt. Diese Lampe wird nicht durch die üblichen Batterien oder Akkumulatoren gespeist, sondern sie besitzt Elektromagnete, die durch ein Uhrwerk in Bewegung gesetzt werden. Das Uhrwerk kann von außen her aufgezogen werden und die Lampe spendet bei Ein- schaltung ein Licht in Stärke vor, 2)4 Volt. Der Vorzug dieser Lampe liegt vor allen Dingen darin, daß sie ständig leuchtbereit ist, keine Ersagbatterien oder ähnlicher Kraftquellen bedarf. Sie kann also nicht plötzlich versagen, weil die Betterie verbraucht ist und fordert außerdem auch keine Betriebs- und Umerhaltskosten. Da das rein mechanische Uhrwerk beim Stande der heutigen Technik eine ziemlich große Sicherheit und Zuverlässigkeit besitzt, so ist ein Versagen der kleinen Lichtmaschine fast ausgeschlossen. Grenzbeziehunqen. Ein« Dame, die von Paris nach Rom fuhr, machte einen Umweg über Lyon und kauft« dort einen großen Seidenoorrat ein, den sie in einen umfangreichen Koffer packte. Zu oberst aber legte sie Mussolinis Photo mit einer persönlichen Widmung des Duce. Als an der ttylienischen Grenze der Zollbeamte die Koffer öffnete und das Bild des Diktators erblickte, erhob er die Hand zum faschistischen Gruß und ließ die Ware abgabefrei passieren. Duell zwischen Affen. Im Tierpark von San Franziska beobachtete ein Wärter schon sell-längerer Zeit, daß sich zwei Affen um dasselbe Weibchen be- mühten. Di« Dame schien keinem den Vorzug zu geben.. Eines Morgens nun zogen sich die beiden Männchen zu einem erregten Palaver in ein« Ecke des Käfigs zurück. Was sie dort miteinander „besprachen", war leider nicht festzustellen— jedensalls handelt« es Und weiter Schwimmfeste Seltsamer Sport in Neukölln Die Gruppe Neuköllu der Freien Schwimmer Groß- Berlin wagte gestern nachmittag im Stadlbad ein interessantes Experiment: neben den sportlichen Konkurrenzen wurde im verlaus des Programms viel Neuartiges gezeigt. � Da wäre zuerst das Schattenschwimmen zu nennen. bei dem zwei Schwimmer eine„Mannschaft'" bilden. Die Ausgabe bestand darin, daß der eine Schwimmer in normaler Schwimm- läge, der andere in Rückenschwimmlage unier Wasser 25 Rteter zurückzulegen hatte. Der Zuschauer gewann dabei den Eindruck, daß nur ein Schwimmer, dessen Schatten sich im Wasser wider- spiegelte, das Bassin durchschwamm. Becker-Klein benötigten für die Bahnlänge yur 22 Sek. Viel Heiterkeit rief das„Meister- schaftsspringen von Sarau", eine humoristische Einlage, hervor. In phantastischen Kostümen longlierten die„Sorauer" am Sprungbrett, und ihre ausgefallenen Späße ließen das Haus von Sachjolvc.i widerhallen. Ein« sehr ernste und überaus schvnerige Angelegen- heit war das rückläufige Brust schwimmen. Dieselben Bewegungen wie beim gewöhnlichen Brustschwimmen mußten in der Rückenlage ausgeführt werden. Reben der Zeit wurde die Ausführung gewertet. Eberlein, der 1:03 Min. benötigte, wurde der erste Platz zuerkannt. Zweiter wurde Frohn mit 46 Sek., er hatte zwar eine weit bessere Zeit als der Sieger erreicht, aber in der Ausführung war ihm Eberlein weit überlegen. Außerdem wäre noch das.�zandstandschwiimnen" zu nennen. In senk- rechter Haltung mit dem Kopf im Wasser war eine Bassin- breite zu durchschwimmen. Eine ungeheuer schwierige Hebung, die auch nur von zwei Schwimmern richtig ausgeführt wurde. Den Beschluß bildete em Männerwasserballspiel, bei dem alles Verbotene(laut Regelheft) g e st a t t e t war. So u. a. Tauchen, Sprechen usw. Die Wasserballer nutzten die Gelegenheit auch aus und' machten davon regen Gebrauch Mitunter war Spieler und Ball eine Welle überhaupt von der Oberfläche verschwunden. Ge- brüllt wurde reichlich viel, und„Atze" von der 1. Mannschaft konnte nicht immer den Ball so schnell abgeben, wie seine Mit- spielcr es wünschten. Der Schiedsrichter hatte keine Ahnung von den falschem Regeln. Bei einem Streitball war er so aufgeregt, daß er selber ins Wasser fiel. Zunächst hatten alle Spieler die Pflicht, den„Verunglückten" zu bergen. Mit einem Rettungsring versehen, lellete er dann das Spiel vom Wasser aus weller. Die Neuköllner haben unstrittig einmal ein« neue Note in die Schwimmseste gebracht, wenn sie auch nicht immer nach der spart- lichen Selle hin zu werten ist. ErMchwirnnxB. Mädcke», 25 Meter: 1-(Ttenlel 32% Set: 2. Sendock 32% Sei.; 3. De-l,s-A« E9 Set RnttSen: 1. R Salin 28% Sei.: 2. Weif 26% Sei.; S. W. Schul« 28% Sei.— Männlich« Znaend, 50 Meter: 1. Rn>p:n klagen 45% Sek.: 2. Benncmann 52% Sek.: 3. Äluge und SttTich 52% Sek. ctotcs Rennen).— grauen, 50 Meter: 1. Benasch 1:25.— Männer, 50 Reter: l Lubert<7% Sek.: 2. Mulack t8% Sek.— Männlich« Iugend-Lagenstasette, 4X50 Meter: 1. UI. Mannschaft 2:50,3; 2. VT. Mannschaft 2:5«: 3. n. Mann. schott 2:56,2.— Schattenschwimmen, 25 Meter: X. Becker.KIcin 22 Sek.; 2. Weber-Zwsche 26 Sek.-»inder.Brnstswfette. l0X50 Meter(5 Mädchen, 5 Ztnaben abwechselnd): 1. V. Mannschaft 8:472; 2. ID. Mannschaft 9:02,4; 3. T. Mannschaft 9:57,1.— Zliickläufigrs Brustschwimmen, 1. Bastnlänge: 1. Eberirin 1:03; 2, ssrohn 4« Sek— Weibliche Zugend-Bruftstasfel, 6x50 Meter: I. III. Mannschaft 5:28.1: 2. I. Mannschaft 2:302: 3. II. Mannschaft 5:332.— Springe», Mädchen: 1. Mrnner 17% Punkte: 2. Rodewald 17% Punkte. Ztnaben: 1. Dinier 17 Punkte: 2. Wilqus 14 Punlte: Z. Greusuig 13% Punkte.— Meisterschaft von Sarau, Männer shumoristische» Springen): 1. Zaeckel.. Plach- siffct 4%, 27% Punkte: 2.«rabel, Watuifker 4%. 27 Punkte.— Ziuaben. Erawlschwimmen, 50 Meter: 1. Seebach 41% Sek.: 2. E. Schul« 45% Sek.: 3. Dinier 53% Sek.— Tellertauchen: 1. Lebmann, 18 Teller in 45 Sekunden: 2. Ztlamann. 15 Teller in 242 Eckund'N.— Schwimmen gefesielter Personen: a) an de» Künden gefesselt: 1. SchSttke 2« Sekunden; d) an den Beinen ge> fesselt: 1. granke 2S Sekunden: c) an Länden und Beinen gefesselt: 1. Ztobelt 28% Sekunden.— Sandstandschwimmeu. 1 Babubreite: l. lsrobn 15 Sek.: 2. Klein 25 Sek.— Jugend. Erawlssasette, 6X50 Meter: 1. II. Mannschaft 4:21: 2. L Mannschaft 4:34,4; 3. IT. Mannschaft 4:37. Die Wasserkallserie Neptun Wcifjensce— Lichtenberg 10:3 Lichtenberg und Neptun waren die Gegner im letzten Serien- wasserballspiel der Arbeiterschwimmer. Vorweg sei gesagt: das Rcsultckl von 10:3 für Neptun entspricht nicht dem wahren Spiel- oerlauf. Lichtenberg war nicht so unierlegen wie es das Tor- Verhältnis sagt. Vermöge seiner schnellen Leute konnten die Lichten- berger das Spiel von Anfang an offen hallen. Erst nach drei Minuten kann der Mittelstürmer Neptuns das erste Tor erzielen, und kurz darauf ist es derselbe Spieler, der mtt dem Ball oors Lichtenberger Tor kommt und den Ball zum rechten Stürmer ab- gibt, der dann einsendet. Lichtenberg läßt sich dadurch nicht be- irren, stellt die Mannschaft um und kommt nun mächtig auf. Immer-wieder bringt der schnelle Lichtenberger Verbindungsmann den Ball nach vorn, und bald kann der linke Stürmer Lichtenbergs ein Tor aufholen. Der rechte Stürmer Neptuns läßt eine schöne Gelegenhell aus und wirft freistehend den Ball— neben das Tor. Wieder liegt Lichtenberg oor Neptuns Tor, ein Schiedsrichterball folgt, den Lichtenberg zuerst erreicht. Der Ball wird vors Tor ge- geben und Lichtenberg erreicht das zweite Tor. Es steht 2: 2. Nun läßt Lichtenberg etwas nach und jeder Stürmer Neptuns kann noch einmal erfolgreich sein. Mit 5:2-Toren für Neptun werden die Seiten gewechselt. Ohne Pause geht es weller. Lichtenberg fängt den Angriff Neptuns ab, der linke Verteidiger bricht durch, er kommt mtt dem Ball bis vor dos Neptuntor und schießt aus kurzer Entfernung das dritte Tor. Lichtenberg läßt immer mehr nach. Der rechte Verteidiger und der Mittelstürmer Neptuns schaffen zwei wettere Tore. Lichtenberg verläßt sich jetzt auf gelegentliche Durchbrüche, die aber von der aufmerksamen Verteidigung Neptuns abgeschlagen werden. Diese Taktik wird Lichtenberg selbst zum Verhängnis, da ein Stürmer Neptuns freisteht, fallen noch zwei Tore. Lichten- berg gibt sich jetzt geschlagen und kurz oor Schluß fällt das zehnte Tor für Neptun.— Wenn auch das Resultat hoch ausfiel, so muß doch festgestellt werden, daß Lichtenberg sich seit Anfang der Serie stark verbessert hat. Neptun Weißen see»zeigte nicht das gewohnt« Spiel. .Arkeiter-Hockex Spielplätze im Schnee Bei einer Schneelage von zehn Zensimekern mußten gestern alle aagesetzleu Spiele aussallen. Im Monat Februar hat sich die Reihenfolge im Tabellen- st a n d wemg geändert. Der Bezirk R o rd r i n g der Freien Turncrschaft Groß-Berlin hält sich noch immer an Oer Spitze. Er gewann sicher gegen den Sportverein Moabtt 5: 1. Den stark vor- angekommenen Athletik-Sport-Club besiegten sie 3: 2, mußten sich ober von dem gleichstarken Bezirk Ostring 3: 1 schlagen lassen. Seme größten Erfolge hatte Rordring jedoch mit seinen beiden Spielen gegen Kottbus und Amoteure-Leipzig. Das Spiel gegen Kottbus gewannen sie 3:0 und gegen die in Leipzig an der Spitze marschierenden Leipziger Amateure 2: 0. In diesen beiden aus- ivärtjgen Spielen.zeigte sich schließlich die bessere Technik in der Ballbehandlung dem großen Eifer des Gegners überlegeii. FTGB.- O st r i n g konnte sich in gleichem Maße weiter sieg- reich behaupten. Sie gewannen gegen den Sportverein Moabtt 0: 1, gegen Mariendorf knapp 2: 1 und gegen Nordring 3: 1. Von dem Athlettk-Sport-Club aber mußten sie eine eindrucksvolle 3: 1- Niederlag« hinnehmen. Der Athletik-Sport-Club be- Haupt-te sich weiter an dritter Stelle. Neben dem berells oben ge- nannten Sieg gegen Ostring von 5: 1, spielten sie gegen Marien- üorf 3: 1 und haben nur das eine Spiel gegen den Gruppenersten, Nordring. 2: 3 verloren. Der Sportverein Moabit hat sich nun klar aus dem Gruppenende herausgearbeitet. Er mußte sich Zwar von dein Bezirk Nordring 5: 1 und dem nächst stärksten, Ostring, so- gar 6: 1 schlagen lassen, gewann aber gegen Tennis-Rot 2: 1 und gegen Mariendorf 5:1. M a r i e n d o r f konnte sich mit Aus- itohme des einen Sieges gegen Tennis-Rot von 6: 1 nicht weller behaupten und verlor all« anderen Spiel«: Gegen Ostring 2:1, gegen Rordring 5:1 und gegen Moabtt ebenfalls 5:1. Man muß es dieser jungen, erst kurze Zell bestehenden Mannschaft aber hoch anrechnen, daß sie es stets verstand, durch gute Ballbehandlung für jede Mannschaft einen sehr ernst genommenen Gegner ab- gegeben zu haben. Die am Ende stehende Mannschaft von Tennis-Rot ist mit reichlichem Unglück gesegnet. Dieser große und starke Verein, der ein auserlesenes Mannschaftsmaterial und einen sehr guten Techniker in seinen Reihen Hot, muhte sich stets mit einer veränderten Mannschaft durchkämpfen. Sie gaben den- noch immer einen achtbaren Gegner ab und werden bestimmt bei günstigerer Beständigkeit im Mannschaftsgefüge weiterhin voran- kommen. In der G r u p p e V hat sich Ostring 2 durch seine Siege über Pankow 6: 1, gegen Nordring 2 sogar 7: 1 gut nach vorn gekämpft. Gegen den Athlettk-Sport-Club aber verloren sie 2:1.. An nächster Stell« folgt der Athletik-Sport-Club 2 mtt zwei Siegen über Pankow 2: 1 und Ostring 2: 1, einem Unentschieden gegen Neukölln 1(4:4) und einer Niederlage von 0: 2 gegen Nordring. Di« Mittelplätze halten Neukölln 1 und Nordring 2, wobei man den Neuköllner einen kleinen Vorzug geben muß. Sie siegten gegen Nordring 2: 1 und spielten ein gutes Unentschieden von 4:4 gegen den ASE. Zum ersten Male wurde der Versuch gemacht, durch Pflicht- spiele die Mannschaften der Gruppe A gegen Gruppe B spielen zu lassen. Dabei gab es die interessantesten Aufgaben zu lösen. So mußte sich Moriendorf 1 von Ostring 2 durch ein 6:1 und Tennis-Rot 1 von Neukölln 1 durch 5:4 Toren besiegen lassen Neukölln erlaubte sich weiter ein kraftvolles, zwar etwas glückliches Unentschieden gegen den Athletik-Sport-Club von 1:1. In den übrigen Spielen zeigte sich stets eine Ueberlegen der Gruppe A. Artisten und Athleten Die Sporlvorstellung in der Neuen Welt der Kraftturnoereine Artistisch« Darbietungen, bunter Folge mit Ring- Eine seine Leistung die Wenn die bundestreuen Arbeiterathleten rufen, reicht der Platz in der„Neuen Welt" gerade noch aus. Wie gestern wieder bei den Sportvorführungen „Hoffnung 88" und„Sparta 96". Iiu-Iitsu-Demonstrationen wechselten in kämpfen: sehr schnell verging der Abend. vier Albertos als waghalsige Turner am dreifachen Reck, erakt und sauber arbettend die zwei Rouoels, das Exzentriktrw Luri-Luri, das Stürme der Heiterkeit erregte, die vier Munkanas, ein wirNicher Triumph weiblicher Kraft und dann war Vogini wieder da mit seinen bunten Bällen, für die kein Gesetz der Schwerkraft zu bestehen scheint. Als wir Vogini Weihnachten das letztemal sahen, war er einig« Nuancen besser. Beliebt wie in jedem Programm die Jiu-Iiifu-Deinonstraiionen. gestern ausgeführt von den Sportgenossen Bürder und Borchert („Sportliche Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsselde"). Ein kleines Kolleg dieser Selbstoerteidigungsart, von den einfachen Fallübungen bis zur sicheren Abwehr eines Messerstiches und bekannt« Polizei- griffe als Zugab«. Folgen die Ringkämpfe: Bantamgewicht Steruberg(„Einigkeit") gegen Kniestößer(„Alt-Wedding"). Uneni- schieden gegeben nach einem beidersells sehr vorsichtig und aus- schließlich im Stand geführten Kampf. Im Federgewicht traten an Melcher-„Tegel" gegen Höffner-„Sparta", Ende ebenfalls unent- schieden. Den technisch hochwertigsten Kamps boten die Leichtgewichte Mehnert-.Luckenwalde" gegen Wey«r-„Alt-Wedding". Sehr statt durchgeführt, kamen beide Ringer mehrmals in Bedrängnis, ober die Brücken hielten und so endet« auch dieses Treffen unentschieden. Da war es denn beinahe nicht mehr als recht, daß sich die Mittelgewichte Höhner-„Tegel" gegen Eckert-„Mt-Wedding" gleichfalls unentschieden trennten, so sehr sich beide Gegner auch bemühten,«ine Entscheidung herbeizuführen. Wenn auch dem breiten Publikum unentschiedene Begegnungen nicht sonderlich zusagen, so hoffen wir doch, daß auch diese Schaukämpse dem Ringkampfsport neue Freunde geworben haben. Kaum war der Vorhang gefallen, wurden Tische und Stüh!« beiseite geräumt und zum wievielten Mal« mag dann wohl das Lied vom„Schönen Gigolo" erklungen fein? Die Eismeisterschaften im Sportpalast Der erste Teil der großen Eissportoeranstaltung im Sportpalast war den Hauptlaufen der seinerzeit in Krumm- hübel verregneten Deutschen Kampfspiele vorbehalten. Vor leidlich besuchtem Hause trugen am Sonnabend zunächst die Herren ihre Kür vor. Fast einstimmig ivurde Härtel vom Berliner Schlittschuh-Club der Sieg zugesprochen. Der Wiener Bern- Haus er lief sehr sicher, dagegen waren die Figuren seines Lands- mannes Ludwig Wrede» nicht immer flüssig, so daß er trotz besserer Punkt- und Plotzzifser hinter Bernhauser mit dem vierten Platz oorlieb nehmen mußte. Wrede hatte zudem bcls Pech, einmal zu stürzen. Bei den Damen wurde der Europameisterin Fritzi B u r g e r- Wien einstimmig der Sieg zuerkannt. Die deutsche Meisterin Else F leb b e wurde den Leistungen entsprechend hinter Melllta Brunner und Ilse Hornung auf den vierten Platz gesetzt. Das Paarlaufen entschieden erwartungsgemäß Melitta Brunner-Ludwig Wrede zu ihren Gunsten. Im Ausbau und in der Schwierigkell ihres Vortrags standen sie auf einsamer Höhe. Bei der Bewertung der übrigen Paare schnllt das deutsche Meisterpaar Frl. Kißhauer-Gaste am besten ab.— Im Eishockey- wettspiel England-Berlin wurden die Vertreter des Schlittschuh-Cwbs, die in ihrem Gesamtkönnen ganz erheblich nach- gelassen haben, von der britischen Nationalmannschaft glatt mit 5:2(2:1, 1:0, 2:1) geschlagen. Die Engländer gaben stets den Ton an, Berlin dagegen mußte sich fast nur auf Einzel- attionen beschränken, da die aufmerksamen Gäste jede Kombination zerstörten. Oer internationale Sonntag Der Haupttag begann am frühen Bormittog mit dem Pflicht- laufen zur Europameisterschaft der Herren, zu dem sich zehn Bewerber den Preisrichtern stellten. Zur allgemeinen Ueberraschpng zog sich der Tscheche Joses S l i v a nach der zweiten Figur vom Wettbewerb zurück, da angeblich eine alte Sehnen- zerrung sich wieder unangenehm bemerkbar gemacht hatte. Damit war Weltmeister Karl Schäfer seinen gefährlichsten Gegner los. Bor fast ousverkauftem Haufe erledigten am Abend zunächst die Bewerberinnen des internationalen Damen-Kunstlaufens ihre Kür und dann erschienen die Kandidaten der Europameisterschaft auf dem Plan. Der Vortrag des.Weltmeisters Karl Schäfer stand nicht ganz auf sonst gewohnter Höhe, da der Wiener wegen einer Er- lältung seine Kür etwas hastig erledigte. Immerhin war sein Pro- gramm sehr schwierig und vielgestaltig. Ganz prächtig waren wie immer seine hohen und exakten Sprünge, die ihm den ungeteilten Beifall des Hauses eintrugen. Sein Sieg war einstimmig, zumal er schon in der Pflicht klar in Vorteil lag. Sehr wirkungsvoll war auch der Vortrag des jungen Pragers Otto Gold, dagegen hat der Finift Nikaanen seinen dritten Platz hauptsächlich seinem ausgezeich- neten Pflichtvortrag zu verdanken. Die beiden Bertiner Herbert Härtel und Ernst Bayer liefen recht ansprechend, hatten aber das Pech, be! einer schwierigen Uebung unliebsame Bekanntschast mtt dem Eise zu machen. Eine rein ausländische Angelegenheit war das internationale Damen laufen, das abermals mtt dem«in- stimmigen Siege Europameisterin Fritzi Burger schloß. Die Schwedin Anne Hutten wurde vor Ilse Hornung auf den zweiten Platz rangiert. Eine Ueberraschung brachte das Paarlaufen insofern, als Melitta Brunner-Wrede, die Zweiten der Weltmeister- schaft, hinter dein ungarischen Paar Frl. Rotter-Szollas mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen mußten. Das abschließende Eishockeyspiel England— Verlin brachte dem Schlittschuh-Club nach drei Niederlagen endlich einen Erfolg mit 4:2(1:2, 2:0, 1:0) Toren. Herbert Brück und Jänecke teilten sich in die Toverfolge. Die„Dirl-Track"-Rennen. die uns am Sonntag zum ersten Male in Berlin auf der Olympiabahn durch deutsche und aus- ländische Fahrer demonstriert werden sollten, mußten infolge der schlechten Witterung abgesagt werden. Die Beranstaltung soll nunmehr am kommenden Sonntag vor sich gehen. Für den ersten Renntag waren von deutscher Seite Heck, Tennigkeit, Riß, Niemeck und Plambeck verpflichtet, während von den Ausländer» Key und Platts(England), Stratton(Australien) und Bitsch(Däne- mark) an den Start gehen sollten. »Prole»", Derein für Körperlultur. Eoschäftsstelle: Herl Kienbaum, EO. 3«, Raunnnftr.« CAIexander 2533). Der Uedunnsabend Mr Männer in der IZriedentlr. 31(am Landsberqer PlatO ist besonderer Verhältnisse wegen in dieser Wache nachmals am Mittwoch. 19. März. Ab 25. März dann immer Dienstags, 21) Uhr. Voritandssshun« Dienstag. 18. März, bei Eeidlitz, Romin. teuer Str. 7. JÜr Vereinspartie Sonntag, 23. März,„Streif, itge durch den Grunewald* ist Treffpunlt 8% Uhr Hochbahn Warschauer Brücke.!?adrl bis Station«rnonne Lanke. Gäste, auch Rich'sporbler, lederzeit willkommen. „Droles-Mitteilungen", Seft 3, und alle Auskünste gibt die Geschäftssteve. Kartelb«, irl Köpenick. Vorfihender: fftifc isallenberg. Berlm-Käpemck, Kirtcc Str. 211. Telephon: Kijpenick 2313. Waldlauf im Schnee "Der Jiczirk Ostring der (freien VurnerfchaH Groß (Berlin tief geflern trola Schnee und hühler'Cempe ruiur feinen Waldlauf. Neuer Sturm ums Gefrierfleisch. Worum der Wahnsinn der Einfuhrsperre verhindert werden muß. Die Zollechöhung vom Dezember für Tchlachtuieh genügt den Agrariern nicht. Die„Grüne Front" läuft auch wieder gegen die an sich schon auf SOlXKI Tonnen gedrosselte Gefrier- fleischeinsuhr Sturm. Das Volk muh sich mehren. D e Gefrierfleifcheinfuhr kann scheinbar nicht zur Ruhe kommen. Obwohl seit dein 1. Mai 1928 die Einfuhrmenge auf 59 999 Tonnen pro Jahr festgesetzt ist und obwohl durch die Reichsregierung im Jahre 1928 die erleichterte Einfuhr bis zum Jahre 1938 gesetzlich zugesichert wurde, sind bereits wieder sehr maßgebende und einflußreiche Kräfte am Werk, auch diese noch verbleibenden 59 999 Tonnen Gefrierfleisch dem deutschen Verbraucher zu entziehen. Ohne Rücksicht auf die Verbraucherinteressen soll die erleichterte Gefrierfleisch- cinfichr noch vor dem Jahre 19 33 restlos unter- b u n d c n werden.» Selbstverständlich ficht Gefrierfleifcheinfuhr vom Standpunkte der Landwirtschaft anders aus als vom Verbrauchcrstandpuntt. Die von prwatwirtschaftlichen Gesichtspunkten diktierte Einstellung darf nicht verwechselt werden mit dein volkswirtschaftlichen Interesse. Solange in einem Staat die einzelnen Wirtschastsgruppen gezwungen sind, zusammenzuleben, solairge müssen sie versuchen, ihre Sonderinteressen mit denen der anderen Gruppen in llebercinftim- mung zu bringen. Die Vertreter der Landwirtschaft behaupten, infolge der Äefrierflerscheinfuhr sei die Landwirtschaft nicht in der Lage, die Flcischcrzcugung so zu steigern, wie dieses zur restlosen Bedarfs- deckung erforderlich sei, weil die Gefrierfleifcheinfuhr die Rinder- preise so niedrig halte, daß die Viehhalter keine Rentabilität finden. chier wird offen zugegeben, daß es sich für die Landwirtschaft nicht um ein M c n g c n p r.o b l e m, sondern um ein P r e i s p r o b l e m Handelt. Die Verbraucher sollen gezwungen werden, deutsches Rindfleisch um jeden preis zu essen. deshalb soll die Gesrierfleifchcrnfuhr verboten werden. Die Landwirtschaft will auf Kosten der Verbraucher ihre wirtschaftliche Lage verbessern. Der Fleischverbrauch ist in Deutschland im 3ahre 19 2 8 aus 54,5 Kilogramm pro Kops g e st i e g e n. Er ist also noch weit hinter jenen 72 Kilogramm zurückgeblieben, die wissenschasklich für den arbeitenden Menschen gefordert werden. Trotzdem ist nach den vorliegenden Statistiken der Freischverbrauch im Jahre 1929 wieder, und zwar aus 52,5 Kilogramm, zurückgegangen. Aus den gewerblichen Schlachtungen und dem Ein- fnhrübcrfchuß standen im Jahre 1929 nur 47,968 gegen 48,418 Kilogramm in der gleichen Zeit des Vorjahres pro Kopf zur Verfügung. Der Fleischverbrauch ist also 1929 weiter zurückgegangen. und zwar um 2,8 Proz. Wird die Gesriersleischeinsuhr verboten, dann wird der Fleischverbrauch noch weiter zurückgehen, weil ein großer Teil unserer industriellen und großstädtischen Bevölkerung den hohen preis für Frischfleisch nicht bezahlen kann. Wie die Verbraucher vom teuren Schweinefleisch zu billigem Rindfleisch abwandern, so nehmen heule die geringbcsoldetcn und minderbemittelten Kreise ihre Zuflucht zum Gefrierfleisch. Sperrt man die Gcsrierstcisch- einsuhr, dann schließt man diese Kreise vom Fleischgenuß überhaupt aus, ohne indessen den Abnehmerkreis für den l- s ch e s Riudjleisch vergrößern zu können. Man vergrößert zwar die Rot der Minderbemittelten, schafft aber der Lsudwirlschast keine Erleichterung. Trotz wioderholter Erhöhung der Vieh- und Fleischzölle in den letzten Jahren und trotz sehr starker Einschränkung der Gefrier- steischcinfuhr sind die Magen der deutschen Landwirtschaft nicht geringer geworden. Aber die R r i ch s r« g i c r u n g hat neben der Förderung der landwirtschaftlichen Interessen a» ch n o ch« i n klein wenig aus die Interessen der großen Verbraucher- ni o s s« Rücksicht zu nehmen, die besonders bei schlechter Wirtschafts- läge nicht in der Lage ist, die sortgesetzten Erhöhungen der Lebens- mittelzölle und der Verbraucherabgaben abwälzen zu können. Die Einfuhrsperre bringt sicher eine erhebliche Schädigung der groß- städtischen Verbraucher, wogegen der Nutzen für die Vieherzeuger gleich null ist. Reichsernährungsminifker Dietrich hat selbst in seiner Broschüre„Ein Jahr Agrarpolitik" folgendes gesagt: „Auf die Beseitigung des zollfreien Gefrierfleischkontinaent- wird m. E. von landwirtschaftlichen Kreisen«ine A n st r e n- g u n g gerichtet, die diese Angelegenheit nicht wert ist. iian. delt es sich dabei doch nur um 1 b's 2 Proz. der gesamten in Deutschland verbrauchten Fleischmer.ge, wovon der KauvE-'l nicht in den freien Verkehr komnit, sondern an Kommunen und Konsumvereine abgegeben wird. D«r Preisdruck von dieser Seite kann also nur unbedeutend sein. Mit Rücksicht auf die mind«r- bemittelte Bevölkerung kann vorläufig noch nicht auf die Einsuhr von billigem Gefrierfleisch verzichtet werden. Es ist auch fraglich, ob den Interessen der Landwirtschaft mit einer Aufhebung des zollfreien Kontingents gedient wäre." In der Tat betrug die Gefrierfleischeinfichr in den besten Jei- ten, als die Einfuhr noch vollständig frei erfolgen konnte, nicht mehr als 2 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Sie ist inzwischen auf 1 Kilogramm pro Kopf und Jahr zurück- gegangen. was dem Bauern nicht schadet, heißt hungern für die �lermsten. Wie hat nun die Gefrierfleischcinfuhr auf die deutschen Viehbestände gewirkt? Di« best« Aufklärung darüber gibt die Gegenüberstellung der Viehbestände in den Jahren 1913 bis 1928. Der Rmdoi.'hbcstand betrug: 1913..,» 18 474377 Stück 1928.... 18414136„ 1929.... 18 998 429„ Danach ist der Rindviehbestand gegenwärtig wieder annähernd so hoch wie im Jahr« 1913. Di« Viehhaltung ist also durch die Gesriersleischeinsuhr durchaus nicht geschädigt worden. Dagegen Hot die Gesriersleischeinsuhr den deutschen Viehbestand geschont und überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen, ihn wiederum auf diese Höhe zu bringen. Gleichzeitig konnte durch die Gesriersleischeinsuhr in den verslosscnen zehn Jahren die Fleisch- Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Auch heute noch wäre die Gesriersleischeinsuhr im Umfange von mindestens 129999 Tonnen jährlich notwendig, um die Be- völkerung mit Fleisch z» angemessenen Preisen ausreichend ver- sorgen zu können. Nicht ein«.Herabsetzung, sondern eine Erhöhung der billigeren Gesrierfleischgjnsuhr wäre zu einer ordnungsmäßigen Ernährung der Bevölkerung notwendig, nachdem der Fleischvcr- brauch wieder rückgängig ist und erst 52,5 Kilogramm pro Kops gegen die notwendigen 72 Kilagranmi beträgt. Soll die Leistungsfähigkeit der deutschen Industriearbeiter er- halten bleiben, dann ist eine Steigerung des Fleischverbrauchs gerade bei den arbeitenden Schichten notwendig. Der Fleischbedars des Arbeiters ist durch die stärkere Industrialisierung und Ratiosioli- sierimg heute erheblich größer. Gesrierflcisch wird im Kleinhandel rund 39 proz. billiger als Frischfleisch verkauft. Diese» Fleisch den großstädtischen Verbrauchern zu eatziehen. bedeutet nichts anderes, als ihnen einen Teil ihres Einkommens wegnehmen. Die minderbemittelte großstädtische Bevölkerung ist heute mindestens ebenso schuhbedürstig wie die deutsche Laadwirt- schaf». Sie kann verlangen, daß die Reichsregicrung und der Reichstag auch für sie da sind. Die Konsequenzen ziehen! Aus der kommunistischen Schlappe bei der BVG. Das Moskanblqtt gibt im Anschluß an das„Wahlergebnis der Verkshrs-A.-G." die Parole aus, mit aller R ü ck s! ch t s l o s i g- feit, mit bolschewistischer Entschiedenheit die Konse- quenzen zu ziehen. „Es besteht kein Zweifel daran: Der Mißerfolg ist bis zu einem gewissen Grad ans Mängel und Fehler i» der Arbeit des roten Arbciterrats, der Gewirkjchastsoppasition und der Kommunistischen Partei in der Ncrkehrs-A.-G. zurückzuführen. In der Hauptsache handelt es sich hier um opportunistische Fehler, daneben um Set- ticrertum und ungenügend« revolutionäre Massenarbeit." Besonders im Fordern glaubt man zu wenig revolutionär ge- wescn zu sein. „Wir haben auch bei Aufstellung von Forderungen nicht immer und nicht in allen Fällen das ausgesprochen, was die große Masse der Belegschaft für richtig und notwendig hielt." Alles das, was das Blatt vorder Wahl als einzig richtig ausgegeben und' verfochten hat, ist also hinterher weil die ganze •unglaubliche Hetzkampagne gegen die BBG. den gezentciligen Erfolg hatte, salsch gewesen. Wenn jetzt aus dem Wahlergebnis mit aller Rücksichtslosigkeit die Konsequenzen gezogen werden sollen, werden auch unsere Gewerkschastsgenossen es nicht versäumen dürfen» die Kansequenzen für die gkwerkschasltichc Organisation zu ziehen, selbst aus die nicht zu fürchtende Gefahr hin, deswegen in der„Raten Fahne" beschimpft zu werden. Wir haben unsere sreigcwcrkschastlichcn Organisationen nicht in jahrzehntelanger Arbeit ausgebaut, um sie jetzt von den Moskauer Mameincken im Bunde mit den„revolutionären" Unorganisierten zerschlagen zu lassen. Zlus dieser Entschlossenheit ergeben sich ohne weiteres die Konsequenzen für die auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtunß stehenden Arbeiter der Berliner Berkehrs-A.-G. Wasser-, Boden- und Lusthygiene. Em Gang durch«ine wiffenschastl.che Landesanstalt. Die Mitglieder und die Gäste der Arbeitsgemeinschaft für Forst- schütz und Naturkunde(Arso) hatten durch einen Besuch der P r e u- ßischcn Land es an st alt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene in Berlin-Dahlem anregend« und in höchstem Maße belehrende Stunden. Abteiluiigsdirektor Prof. Dr. W i l h e l m i erörterte zunächst die Ausgaben der Lande ran st alt, die vor 28 Jahren, als Abwasierbiseitiqnnq und Trintwosservcrsorgung neu« Formen an- nahmen, ans Wunich der Städte und der Industrie als wissenfckfofl. liches Institut entstand. Städte und Industrien haben die Anstalt auch reichlichst unterstützt. Jetzt jedoch unterhält sie sich zum größten Teil selbst, durcb Abgabe gebührenpflichtiger Gutachten. Wenn nämlich bei irgendeiner Stadt mit den Kläranlagen, den neuen Wasserwerken usw. etwas nicht stimmt, wird van der Anstalt ein Gutachten eingefordert. Auf diese Weise wird praktische Arbeit geleistet. Darüber hinaus pflegt man die wisienschaftliche Forschung und übt auch noch eine Lehrtätigkeit für Kreisärzte, Meliorations- beamte, Sanitätspersonal aus. Die Ausgab« chcr'Anstalt ist also nicht nnr eine hygienische, sondern auch eine wirtschaftliche und, soweit Naturschutz in Frage kommt, auch eine ethische. Abteilungsieiter Pros. Dr. Helfer besprach in seinem Referat über Wasseroer u nreinigung und Naturschutz beson- ders die Maßnahmen, durch die man bei der Anlage von Klär- anlogen zugleich dem Natur- und Vogelschutz dienen kann. Durch Bilder zeigte er, wie man Kläranlagen zweckmäßig und unzweckmäßig in das Landschaftsbild bringt. Die Kläranlage ioll dem Aug« möglichst unstchtbor sein. Am besten ist es, wenn man sie im Wald verstecken kann. Wenn das nicht anqängiq ist, soll man sie weniastens mit Zlnpslanzungen umgeben. Diese Anlagen, wie sie der R u h r v e r b a n d, der sehr viel zur Reinhaltung der Ruhr tut, angelegt hat, können ideale Vvgelschutzgehölze werden. Interessante Ausführungen machte Dr. Pens über Natur- schütz und die Bekämpfung der Wald- und Wiesen- mückcn. Die Hausniücken überwintern im Keller: man �konn sie leicht bekämpfen. Anders aber verhält et> sich mit der Sommer- bekämpfung der Stechmücken. Man bekämpft sie mirkungcnoll, wenn man ihren Larven die Möglichkeit der Atmens unterbindet. indem man dos Wasser mit einer dünnen Oelschicht überzieht. Die Larven fallen hierdurch in menigen Stunden dem» Erstickungstod und der Dergiftunq onheim. Mitunter aber ist die Stechmückenplage «ine derartige Last, daß sich eine radikal« Geländeumgestoltung empfiehlt. Grober Unsiig ist es natürlich, wenn städtische Verwaltungen alle Teiche einfach mit Oel übergießen lassen. Sie schädigen dadurch alles mögliche andere Leben und vernichten die Stechmücken nicht, die nur in kleinsten Tümpeln zu Haufe sind. An der Ostler ist mancher Badeort durch die Stechmückenplags Wirtschaft- lich geschädigt, und dort gilr es, einen vernünftigen Zlusgleich zu finden, bei dem man Notwendigkeit»nd Folge genau miteinander abwägt. Aus die Unterstützuna durch die Bogel kann man sich nicht allein oerlasicn, denn die Bügel siessen nur wenig Stechmücken und verringern sie daher nicht wesentlich. lieber Jndnstrieabaase und Forst schütz sprachen Prot. Dr Tiegs und Dr. L i e s e g a n g. Durch Verunreinigung der Lust kann man theoretisch viele Sclfädiguiigcn der Vegetation nachweisen, praktisch kommen oder nur geringe Schädigungen vor. Die schweflige Säure, die den Wasserbaushalt der Pflanzen stört, führt praktisch zu einer Bertrocknung. Di« gleiche Erscheinung tritt auch ein, falls der Gnindwasierstand sich senkt. Man muß daher mit den Behauptungen über die verheerenden Wirbmigen von Rauchschäden sehr vorsichtig sein. Au? wirtschaftlichen Maßnahmen rnerdeif sie schon von den Fabriken selbst bekämpft, und manche Gas- und Säureentwicklung, mit der man früher nichts ansangen konnte. wird heute wiederum ausgenutzt und dem Produktionsprozeß bis zum allerletzten Rest dienstbar gemacht. An die volkstümlich gehaltenen Vorträge schloß sich ein Rund- gang durch die Anstalt, die durch ihr reiches Anschauungsmaterial neue Belehrungsmöqiichkeitea bot. 1 Funke, der Völker verbindet. Arbeiterfunk-Zeierflunde in der Krottoper. Fast allzu bescheiden nannte sich eine Veranstaltung des letzten Sonntags„A r b e i t e r f u n k t a g 19 39", die in ihrer Gesamtheit zu den schönsten Veranstaltungen der Arbeiterkulturbewegung dieses Winters zu rechnen ist. In erster Linie ist das dem Reichsinnen- minister S c v c r i n g und jenen hervorragenden Berliner Künstlern zu danken, die sich in uneigennütziger Weise in den Dienst der guten Sache gestellt hatten. Die ganze Veranstaltung wurde durch Rund- sunk übertragen. Reichsminister Severins begann seinen Vortrag mit der humorvollen Feststellung, daß aus einer Veranstaltung, die dem Rund- funk gewidmet ist, diesmal nicht wie üblich ein Vertreter der technischen Wisienschast, sondern er als Zeusurminister spreche. Auch der Rund- sunk ist noch einer Zensur unterworfen, die in Deutschland notwendig sein wird, so lange nicht Lefsiugs hohes Toleranzideal verwirklicht ist. Die Rundfunkhörer müssen zu gegenseitiger Duldsamkeit erzogen werden. So lange dieses Ziel nicht erreicht ist. sind die Rundfunk- Überwachungsausschüsse unentbehrlich. Der Rundfunk soll doch gerade der Verständigung der einzelnen Teile unseres Volkes und weiter der Vötkeroerjöhnung dienen. Nur dürse man Bölkerversöhnupg nicht mit geistiger Kirchhofsruhe gleich stellen. Der Ministsr wsist mit eindringlichen Worten auf den guten Zweck der Veranstaltung. Arbeitslosen Rundfunkgeräte zu beschaffen, hin und sagt: Unsere Gegner haben die Veranstaltung als Freidenker- lundgcbung bezeichnet. Wie aber auch die persönliche Einstellung der Zuhörer sein mag, der Zweck ist einem Stück praktischen Christen- tums gleichzustellen. Oder ist es nicht wertvoller, christlich zu handeln als vom Christentum zu reden. �Starker Beifall.) Man hat uns ferner vorgcwarsen, wir störten den Bolkstraucrtag. Das erscheint uns allen als unmöglich. Auch wir sind heule bei unseren Toten, aber die beste Gefallenenehrung besteht doch wohl darin, daß wir, wie hier die Lebenden bitten und ermahnen, es nicht zu neuen Kriegen kommen zu lasten, damit nicht spätere Geschlechter über die in einem neuen Weltkrieg Fallenden trauern müssen. Gerade der Rundfunk ist berufen, diese hohe sittliche Mission zu erfüllen. Brücken zu allen anderen Nationen zu schlagen und mit ihnen gemeinsam im Dienst der Brüderlichkeit, der Mensch- lichkeit, der Völkcrversöhnung und des Völkerbundes zu arbeiten. Unter den künstlerischen Darbietungen stellte die Verlesung eines Briefes von Rasa Luxemburg aus dem Gefängnis durch Agnes Straub den Höhepunkt des Gebotenen dar. GertrudEysoldt brachte Wall Whitmans herrlichen Hymnus des internationalen.Gc- dankens:„Gruß an d!« Völker" zum vollen Tönen. Nicht minder stark und eindrucksvoll brachte Theodor Laos Berhaerens „Arbeit" zum Ausdruck. Mit der suggestiven Kraft, die ihm gegeben. sprach Alfred Bsierle Freiligraths Apotheoje des geistigen Arbeiters:„Rcquicscot", und weiter die von Beranger dichlerisch geformte Völkerbundsidc«:„Die heilige Allianz der Völker", Franziska Kinz unterstrich Rilke-„Oelbaumgarten" wirkungs- voll durch dramatisch« Geste und Heinrich George lieh Zerfaß„Sieg der Freude" seine starke Männlichkeit. Besten Lobes wert war das Sinfonieorchester des Deutschen Musikerver band«? unter der Leitung von Alexander Szenkor. Die tänzerische Leichtigkeit des dritten Satzes der 6. Sinfonie von Tschaikowjki gelang ihm ebenso gut wie der heroisch- dramatische Ernst der Bccthovenschen„Egmoni"-Ouocrtürc. „Ohne Auto durch Afrika." Das Auto, dieser moderne Siebenmeilenstiesel, führt den cle- ganten Reisenden auf das bequemste rund um die Welt. Wenn man aber zu Fuß geht, hat man gar mannigfache Strapazen zu ertragen. doch ist man der Landschaft näher, und mit den Menschen wird man wirklich bekannt. Dos zeigt der neu« Zlsnkafilin recht deutlich, der bei einer Matinee der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berti n im nollbesetzicn P hä b u s- Pa l a st vorgeführt wurde. Ja m Borgstädt drehte diesen Film, der uns von Dschibuti nach Dir« Daua und von dort über Harrar nach Addis- Abeba führt. Lernt man erst die vollgepfcrchten Wogen der äthio- pischen Eisenbahn kennen, wird man später Zeuge der beschwer- lichen Wanderungen in die Negcrländcr am Matsigebirg« und im Bako-Hochland. lieber Wolamo, Kambala und Ost-Guragi geht es dann zurück nach Addis-2lbcba. Dabei kommt die Expedition durch Urland, das vorher wohl kaum von eines Europäers Fuß betreten wurde. Wir lernen die Lebensweise der Mossi- und Tin-tin-gei- Neger kennen und sehen ferner, wie fleißig überall der Neger ist. Wir gewahren, wie die Abessinier, die so stolz auf ihr Urchristentum sind, frei und ossen als Sklovenl>olter auftreten. Unterschiedlich sind sie in ihren Kulturen, die Abessinier, die Galla und die verschiedenen Negerstämme, aber ihre Arbeitzrnethoden sind olle so primitiv, daß sie ihnen nur eine ganz anspruchslose Lebenshaltung gestatten. Die Verkehrsmittel sind mitunter derartig unzulänglich, daß sie Mcn- schenlcben gefährden, wie die aufgeblasene Ziegcnhaut, die als „Fähre" über den reißenden Senti-Strom dient. Das alles wird uns in schönen, klaren, stets eindrucksvollen Bildern geschildert. Wir bewundern die romantische Lands chast am Hawaschfluß. wir be- trachten die Hausarbeit im einsanrsten Negerdorf, und wir tauchen unter in dem Geroiinmel von Addis-Abcba, dieser Großstadt, die kein System in ihren Fußgängerverkehr brachte, in dem sich der einzelne fortbewegt mit einer kindlichen Freude am Gedränge und Geschiebe. Dieser Film ist ein Geschenk an alle die Menschen, die nicht nur sehen, sondern auch lernen wollen. Der zweite Film„Im Schatten der Maschine" ist eine wundervolle Filmmontage. Sie zeigt die Maschine als Diener, als Helfer, als Herr des Menschen, als ein ungeheures Machtmittel der Arbeitgeber. Sächsische Metalkinduffrielle kündigen. Die Bereinigung der verbände sächsischer INekalllndu- st r i e l l e r in Ehemnilz hat den Manteltaris für die sächsische ZNelall- iodustrie zum 39. Juni 1930 gekündigt. Eisenbahnsireik in Argentinien. Buenos Aires. 1?. Bl�rz. Der Eisenbahnverkehr geriet In ganz Argeuliiüea in- folge der ständigen Streiks und Sabolageakle ins Stocken. Die Lebens millelzufuhr in die Siödke stößt aus Schwierig. keiken, namcolllch das notwendige Mehl kann den Böckereien nicht rechtzeitig zugestellt werden. Teilstreik bei Skoda in Pilsen. In den Skodawerken haben vier Abteilungen die Arbeit eingestellt, well Vertreter der Arbeiterschaft bei den Verhandlungen über verschiedene Angelegenheiten ständig auf eine spätere Zeit verwiesen wurden und nach Meinung der Vertreter der Arbeiterschaft durch diese Verzogerungen wichtige Arbeite rintercssen geschädigt würden.