Nr. 68. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertels jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. mago du me 13. Jahrg. Vorwärts 1111508 Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagent bis 7 Uhr abends, an Sonn e und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. 205 Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. 9 Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Eine internationale Komödie! Freitag, den 20. März 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Wenn Schinderhannes auf„ Geschäfte" ausging, sette| 100 Mart gilt, obgleich er an sich keinen Pfennig werth er stets eine sehr fromme Miene auf und vermied es sorg ist. Für den Hundertmarkschein bekomme ich aber jederzeit fältig, seinen Zweck zu verrathen. 5 goldene Zwanzigmarkstücke, und für 10 Zweimarkstücke Nicht eine Komödie der Jrrungen" ist es, denn Genau so haben es unsere Bimetallisten gemacht, die ein goldenes Zwanzigmarkstück. Unser Silbergeld ist blos die Komödianten und Akteure find troy aller donquixotischen wir indeß sonst nicht mit Schinderhannes vergleichen wollen. Werthzeichen, und sein Werth schwankt trotz Alluren, und obgleich sie in Wirklichkeit Ritter von der Bei Leibe nicht. des Schwankens der Silberpreise ebenso wenig, wie der traurigen Gestalt sind, doch ganz vorzügliche Rechner für Preis des Papiergeldes infolge des Schwankens der die eigene Tasche, mit einem scharfen, wenn auch nach Papierpreise. Allein die Sache gestaltet sich anders bei der Tasche des Nachbars schielenden Auge aufs Geder sogenannten freien Gilberprägung. schäft. An eye on business" nennen das die Engländer, die sich aufs Geschäft verstehen. Mit einer, ihrem ausgebildeten Geschäftssinn zur Ehre gereichenden Geschicklichkeit vermieden sie es zu sagen, was fie eigentlich wollen. Sie sprachen von einer internationalen Regelung des Werthverhältnisses von Gold und Seit zwanzig Jahren ist hauptsächlich infolge der. Silber, und daß diese Regelung wünschenswerth sei. leichteren Gewinnung des Silbers aus den Erzender Also nicht Komödie der Jrrungen", menn Und bei der Aufführung in der Heimath wird es die Silberpreis beständig im Sinken, und voraussichtlich wird auch der Wirrungen sondern Komödie der selbe Litanei sein. das Silber bald gar nicht mehr als Edelmetall gelten. Das Täuschungen und der Reklame. Ja der Je nun, warum soll die Regelung des Verhältnisses hat entschiedene Nachtheile für die Besitzer der SilberReklame. Denn diese ganze internationale Komödie, von Silber und Gold nicht wünschenswerth sein? Es minen, die schon um die Hälfte entwerthet sind und mit welche die Komödianten der filbernen Internationale soeben wäre jedenfalls auch sehr wünschenswerth", wenn das jedem Tag mehr entwerthet werden; und es bereitet auch in verschiedenen Parlamenten aufgeführt haben, und die sie gegenseitige Verhältniß der Fleisch- und der Brotpreise gewisse Schwierigkeiten im Verkehr zwischen den Ländern auch in Deutschland noch post festum aufführen wollen international geregelt würde. mit Silber- und denen mit Goldwährung. Diese Schwierigist nur eine riesige Geschäftsreflame. keiten sind jedoch höchst untergeordneter Natur. Dagegen Gut ward aber in London und in Paris die Komödie ist es den Besigern der amerikanischen Silberminen äußerst gespielt. Allerdings ziemlich plump; allein zu der Bauern unangenehm, daß sie statt 10 000 Millionen Dollar zu haben schlauheit, welche gottesfürchtig und dreift den Nachbar be- Das komischste ist, daß es auch unseren Silbernen wie vor 20 Jahren, jezt nur noch 5000 Millionen haben, mogelt und ihm dabei noch vorredet, ihn zu bereichern, ganz schnuppe" ist. Was ist ihnen Hetuba? Was liegt die obendrein stetig an Werth verlieren. Von diesen Silbergehört diese biedermännische Plumpheit und polizeiwidrige den Kardorff und Konsorten an Sen Schwierigkeiten, minenbesitzern geht auch die Agitation für die DoppelUnwissenheit, die unsere Komödianten so erfolgreich zur Schau welche die indischen und chinesischen Kaufleute mit währung aus; sie wollen durch diese den Silberpreis und gestellt haben. der Umrechnung des nationalen Silbergeldes den Werth ihres Eigenthums in die Höhe treiben. in internationales Goldgeld haben? Nicht mehr, als wie Doch welches Interesse haben unsere Junker, die an einem Loch in den Strohdächern ihrer Leibeigenen. teine Silberminen besitzen? Es ist pure Komödie. Und was für Komödianten! Der Kontrast zwischen ihrem wirklichen Wesen und der von ihnen gespielten Rolle ist allein schon von packender Komik. Man denke sich Stöcker, der die fromme Miene abgelegt hat und unter ehrlichen Scherzen über sein praktisches Christenthum auf einem Grisettenball mit leichten Bersonen Kantan tanzt. Es wäre zum fugeln. Schade nur, daß es in dieser besten der bürgerlichen Welten nicht geht. Und in einer anderen Welt wird man sich um solche Kindereien nicht kümmern. Was liegt ihnen überhaupt an der gegenseitigen Regelung des Silber- und Goldpreises? Nichts, und noch einmal nichts. Es ist Komödie alles Komödie. " D, ein sehr lebhaftes und substantielles. Während die Spekulation der amerikanischen Silber minenbefizer darauf abzielt, den Silberpreis durch internationale Verträge zu heben und sich und ihren Freunden so etliche tausend Millionen zu verdienen"-spekuliren die Und nun diese Kardorff, diese Mirbach, diese Méline, Wenn heute durch internationalen Vertrag festgesetzt europäischen Agrarier auf das Fallen des Silberpreises. diese Balfour, deren ganzes Dichten und Trachten dahin wird, daß das Verhältniß von Gold und Silber bei der Würde das Verhältniß zwischen Gold und Silber intergeht, durch Zollschranken die Völker von einander ab- internationalen Münzausprägung 1 zu 16 oder 1 zu 18 national geregelt, was eine künstliche Preissteigerung des zusperren, um sie besser ausplündern zu können jetzt auf sein soll, so ist das angenommen, es sei möglich, Silbers bedingen würde, so hätte die Ausprägung auf einmal die Fahne der Internationalität aufpflanzend und was nicht der Fall- so ist das für die Kardorff grund dieses Verhältnisses stattzufinden. Allein auf dem die Solidarität der nothleidenden Mast- und Sektproletarier und Konsorten vollkommen gleichgiltig; sie verdienen" Weltmarkt köme bald wieder der natürliche Silberpreis zur aller Länder proklamirend es ist zum fugeln. dabei keinen Pfennig. Und ums" Verdienen" handelt es Geltung. Bald wäre das Zweimarkstück nur 1 Mart National international rechter Hand, linker sich doch. Verdienen" würden blos die amerikanischen Silber werth. Und wenn dann die die freie SilberHand, alles vertauscht das 8iel aber bleibt unverrückt, Silberminenbesitzer, deren Produkt im Werth stiege. prägung" besteht, braucht der Silbermann sich blos gerade wie die Häuser, die vor dem Wein- oder Bierseligen Unsere Junker hätten außer insoweit sie etwa mit den Rohsilber zum Weltmarktpreis zu kaufen und es sich vertauschen, fest und unverrückt stehen. amerikanischen Minenbesitzern Kompagniegeschäfte machen prägen zu lassen er bekommt dann für je 1 Mark Rohabsolut keinen Vortheil. silber 2 Marf geprägtes Silber. Und wenn der Nationaler Schutzzoll Geschäft. Internationale Aber warum in aller Welt sind sie so erpicht auf die Silbermann eine Million Mark Schulden hat, kauft er sich Doppelwährung- Geschäft. Nationales Geschäft, inter- Doppelwährung? Ja, das sagen sie nicht. für eine halbe Million Silber, läßt es prägen und bezahlt nationales Geschäft. Wenn nur das Geld in den Junker- Worauf es ihnen ankommt, was sie aber wohlweislich seine Million Schulden. Die halbe Million tasten springt! Und was liegt an der Prägung, ob national in Dunkel zu hüllen beslissen sind, das ist die sogenannte ist verdient". ob international, wenn es nur Geld ist Geld für Hunde, freie Silberprägung. Und sintemalen unsere Nothleidenden etwa für fünfGeld für Mädchen, Geld für Pferde, Geld für Austern und Hat der Staat allein das Recht der Prägung, dann zehntausend Millionen Mark Schulden haben, so würden Champagner, Geld für die Seisach theia, die große bleibt bei der Goldwährung das Verhältniß zwischen Silber sie beim Bimetallismus siebeneinhalbtausend Schuldenabwälzung von den Junkerschultern auf und Gold, mag es auf dem Weltmarkt für das Roh Millionen verdienen". die Schultern der gemeinen Plebejer. metall noch so sehr sich änderu, im Lande ganz unberührt. Wir berichteten gestern schon von der ausländischen Heute ist das Zweimarkstück in Wirklichkeit, d. h. au SilberAufführung der internationalen Parlamentskomödie der gehalt, blos eine Mark werth, trotzdem gilt es im Verkehr Herren Bimetallisten. allgemein zwei Mark gerade wie der Hundertmarkschein 84 Geschäft! Clotilde. ( Nachdruck verboten.) 1 Und das ist schon des Schweißes der Edelſten" werth. Ach, sie sind verteufelt schlaue Geschäftsleute, unsere internationalen Silberkomödianten. Schade nur, daß in Geldsachen die Gemüthlichkeit aufwirthschaft wenig oder garnicht verstände, beanspruchte von dem bewährten tüchtigen Dekonomen Delroa, daß derselbe alljährlich einige Zeit auf das ihm früher gehörige, jetzt eine Betrogene und Verlassene und dazu käme noch das tiefste Elend im eigenen Hause, in dem sich zwei heiraths fähige Töchter befänden, die sie an den Mann bringen Noch an demselben Tage stellte sich mir ein Herr müsse. Daß dieses Elend ein selbst verschuldetes war, heruntergewirthschaftete Gut komme und dort wohne, um Delroas, der Mann jener Dame, als theoretisch und wußte ich nur zu gut, denn die Frau Pächterin kleidete die Anordnungen zu treffen, die den Ertrag des Gutes praktisch gebildeter Landwirth vor und bat, nachdem ich nicht nur sich und ihre Töchter aufs kostbarste, wieder heben sollten, da Delroa es nicht über sich gemit ihm den Pachtkontrakt abgeschlossen, um ein Darlehn sie besuchte auch allerhand theure Vergnügungen winnen könne und es tief beklage, daß sein ihm so liebes gegen die Scheine seines verpfändeten Hausraths. Da der und ruinirte dadurch ihren Mann, der schwach genug war, früheres Eigenthum in Verfall gerathe, so dränge Mann einen gewinnenden Eindruck und durch seine offene sie um des häuslichen Friedens willen gewähren zu lassen. es ihn, dorthin zu eilen, er entsage auf meinem Darlegung, wie unverschuldet das Unglück über ihn ge- Der Mann dauerte mich, ich gestundete ihm den Pachtschilling Gute die Pächterstelle mit der Ueberzeugung: daß er die kommen, mein Mitleid rege machte, so gab ich und ließ auch durch meinen Anwalt nochmals bei Bergkuhn um Liegenschaften meines Besizes in der besten Ordnung zurückihm zu dem Darlehn auch die Scheine zurück und die Nachzahlung bitten. Vor kurzem erhalte ich nun die Nach- lasse. Außerdem theile er mir noch unter dem Siegel der Familie zog ins Pächterhaus ein. Als ich nach einer richt, daß Bergkuhu die Summe von drei tausend Gulden Verschwiegenheit mit, daß er erfahren hätte, seine Frau Woche auf das Gut tam, sagte mir der alte Haus- bedingungsweise nachgezahlt habe. Frau Delroa hat nun haben dem erklärten Verlobten seiner Tochter das Bergvoigt, daß sich noch keine Möbel außer den Inventar- das Geld bis auf hundert Gulden an sich genommen, ist in fuhn'sche Geld eingehändigt, dieser habe sich dafür ein stücken im Pächterhause befänden, die Frau Pächterin habe ein Bad gereist und ihr Mann, als er sie dort abholen Rennpferd gekauft, womit er bei dem nächsten interihm Geld gegeben, um damit einige dem Verfall nahe will, wartet vergebens, die Frau und das Geld ist ver- nationalen Rennen in Baden- Baden beim Handicap um den Schmuckgegenstände einzulösen. Heute Morgen habe er schwunden." ersten Preis konkurriren wolle. Delroa verspricht auch Frau Delroa und ihre beiden Töchter nach der Stadt Eine schöne Wirthschaft, eine solche Frau als Päch- mir alljährlich seine auf meinem Gute angeordneten neuen fahren müssen und solle sie heute Abend aus dem Theater terin," sagte der Major. Einrichtungen zu kontrolliren und scheidet von mir jetzt wieder abholen. Der Herr Pächter habe indeß sofort sehr mit den Gefühlen tiefster Dankbarkeit. Ich konnte tüchtig in die Bewirthschaftung des Gutes eingegriffen, er die Handlungsweise dieses ehrenwerthen, gutmüthigen arbeite selbst kräftig mit und sehe nach allem. Dies genügte Mannes, der schwach genug war, die leichtsinnigen Streiche mir und ich reiste ab. seiner Frau zu vertuschen und wieder gut zu machen, nicht verwerflich finden und schrieb ihm, daß ich ihn seines Bachtkontraktes enthebe mit der Hoffnung, ihn zuweilen auf meinem Gut als thatkräftig eingreifender Anordner wiederzusehen." Theodor!" rief die Oberförsterin, so ist das Gut Nur der alte Voigt ist da und die Dir seit Jahren bekannten Mägde und Knechte sind geblieben." ( Fortsetzung folgt.) " Sei doch froh, daß sie verschwunden ist, dann brauchst Du sie nicht fortzujagen," setzte der Oberförster hinzu. " Aber Mann!" rief die Oberförsterin, wo feine Frau im Hause ist, geht Alles rückwärts, drunter und drüber. Erzähle weiter Theodor." Nach einiger Zeit der Ernte erhielt ich von Frau Delroa ein Schreiben, worin sie für ihren Mann um Ge- Ihr Bruder fuhr fort:" Der Pächter Delroa stundung des Pachtzinses bat, sie befände sich in der schrieb an mich, die gute Ernte dieses Jahres er höchsten Noth. Ein reicher Herr, der ihre älteste Tochter seze mir reichlich die Pachtzinsschulden, ich möge mich daheirathen habe wollen, hätte fie großen mit begnügen und ihn aus der Pacht entlassen. Er müsse Ausgaben veranlaßt, jetzt habe sich herausgestellt, die Verirrung seiner Frau dadurch gutzumachen suchen, daß daß dieser angeblich vornehme und begüterte Sports er die Bedingungen, welche der Herr v. Bergkuhn an die mann der Herr v. B. ein waghalsiger Spieler Geldsendung geknüpft habe, sofort erfülle. Diese Bedinfei, ihre Tochter wäre bis zur Raserei erkrantt, als gungen bestanden darin: Herr v. Bergkuhn, der die Landzu jetzt ohne Pächter?" hört, und daß den französischen und englischen Geldleuten. von denen unsere Kardorffe und Mirbach« das Heil er- warten, zwar sehr gern einen Fischzug mitmachen, aber um keinen Preis ihr gutes Goldgeld sich verderben wollen Gestern klatschten sie Beifall zur gutgespielten Komödie. und heute erklären sie kühl: es war nur eine Komödie Und der„Standard", das Organ des bimetallistischen Heb lands Balfour, flötet von der Höhe seiner soliden Gold Währung herab: „Der BimetallismuS ist ein schöner Traum, er paß aber nicht für die Werktagswelt." Armer Kardorff! Und darum internationaler Komödiant? poliiifche M-b-rNchk. Berlin, lS. März. Der Reichstag erledigte heute nach einer längeren und sehr wirksamen Rede des Abg. Richter sehr rasch und ruhig den Rest des Marine-Etats, und gelangte bei der weiteren Etatsberathung bis zu dem Kapitel der Zölle und Ver brauchssteuern. Erwähnenswerth sind die Auslastungen des schwäbischen Volksparteilers Haußmann, der das riesige Anschwellen des Pensionsfonds zur Sprache brachte und unter Bezugnahme auf zahlreiche von Offizieren ausgehende Beschwerden die Anklage erhob, daß tüchtige und dienstkräftige Offiziere um der nichtigsten Gründe willen pensionirt würden. General v. Spitz, der Vertreter des Kriegsministers, war zwar sehr„schneidig", jedoch sehr wenig überzeugend; jedenfalls konnte er nicht widerlegen, was Haust- mann gesagt. Bei dem Kapitel„Reichsschuld" brachte Genosse Singer die Konvertirungsfrage wieder auf das Tapet. Bei den heutigen Geldverhältnissen sei es durchaus angebracht, die und 4 prozentigen Papiere in 3prozentige zu ver- wandeln. Der Staatssekretär der Reichsfiuanzen, Herr von Posadowsky, konnte dem auch nicht widersprechen— er meinte, das Hinderniß der Konvertirung liege mehr bei den Einzelstaaten als beim Bundesrath. Es ist dies die alte Geschichte. Wenn die Einzelstaaten nicht wollen, stecken fle sich hinter das Reich, und wenn das Reich nicht will, steckt es sich hinter die Einzelstaaten. Morgen Fortsetzung— und voraussichtlich Schluß— der Etatsberathung. DaS preußische Abgeordnetenhaus erledigte amDonnerstag zunächst in dritter Lesung ohne Debatte den Gesetzentwurf betr. Abänderung des Pensionsgesetzes vom 27. März 1872 und trat sodann in die erste Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Regelung der Richtergehälter und die Ernennung der Gerichtsassessoren. Da dieBe setzung des Hauses gewöhnlich im umgekehrten Verhältniß zu der Wichtigkeit einer Vorlage steht, so wiesen auch heute die Bänke aller Parteien erhebliche Lücken auf. Am wichtigsten ist§ 8 des Gesetzes, welcher bestimmt, daß in Zukunft au? dem Kreise der Referendare, welche die große Staatsprüfung bestanden haben, nur die zum Richteramt geeignetsten Kräfte zu Gerichtsassessoren ernannt werden. Was man in Preußen unter „geeigneten Kräften" versteht, braucht nicht weiter erläutert zu werden; es ist klar, daß die Regierung durch diese Bestimmung ihr unbequeme Personen, in erster Linie natürlich die bösen Sozialdemokraten, aus dem Justizdienst nach Möglichkeit entfernen will, um so im Laufe der Zeit einen ihr genehmen Richterftand heranzubilden. Soll etwa der Glaube an die Unabhängigkeit des Nichterstandes noch mehr schwinden, als es heute schon der Fall ist? Die ganze Vorlage charakterisirt sich als ein Meisterstück reaktionärer Gesetzgebung des Justizministers Schönstedt. Die Re- gierungen machen es wie die Agrarier. Wie diese, nachdem ihre beiden„großen Mittel" versagt haben, init den„kleinen Mitteln" fürlieb nehmen, so suchen auch die Regierungen, nach- dem sie mit ihrem großen Mittel, der Umsturzvorlage, im vorigen Jahre ein so jämnierliches Fiasko erlebt haben, jetzt mit kleinen Mitteln aus indirektem Wege ihr Ziel zu erreichen. In Sachsen das bekannte Wahlrechts-Attentat, in Preußen der in Aussicht gestellte Entwurf über die Regelung der rechtlichen Stellung der Privatdozenten und das jetzt vorliegende Gesetz— mit allen diesen Mitteln hoffen die Regierungen in ihrer Kurzsichtigkeit der Sozialdemokratie den Kops abzuschlagen, ohne zu bedenken, daß ihr, wie der Hydra, für jedes abgeschlagene Haupt zwei neue erwachsen. In seiner einstündigen Begründung versuchte der Justizminister die in der Presse erhobenen Bedenken gegen das Gesetz zu zer» streuen, aber mit recht wenig Erfolg, denn fast sämmtliche Redner wandten sich mehr oder weniger scharf gegen den tz 8 der Vorlage. Abg. Fritzen(Z.) gab der Meinung Ausdruck, daß hierdurch die Unabhängigkeit der Richter in Frage gestellt und ein geistiges Proletariat großgezogen würde. Ihm schlössen sich die Nationalliberalen Beleites, Dr. Krause und Eckels, der Pole M i s e r s k i und Abgeordneter Munckel von der freisinnigen Volkspartei au, der in sarkastischer Weise ausführte, daß die Vorlage zur völligen Un- obhängigkeit von der eigenen Ueberzeugung führen müßte. f ür den Entwurf sprachen außer dem Justizminister nur die onservativen K l a s i n g und Schettler. Letzterer ging in seinen Lobpreisungen sogar so weit, daß er behauptete, nur Ab- stammung und Erziehung gäben dem Richter die nöthigen autoritativen Eigenschafte». Der Entwurf wurde schließlich einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Am Freitag stehen nur kleine Vorlagen aus der Tagesordnung.— Das sächsische Wahlrechtsattentat hat jetzt auch die Sanktion der Ersten Kammer erhalten. Und die Privilegirten und die„Edelsten" haben sich die Sache so leicht gemacht, wie das bei ihren Vätern und Vorfahren allezeit Sitte gewesen. Die„Sächsische„Arbeiter-Zeitung" schreibt unter dem gestrigen Tage: Das Wahlrecht des Volkes vor der Ersten Kammer. Der Entwurf der Wahlrechtsverschlechterung, wie er von der Zweiten Kammer acceptirr war, steht zur Berathung. Minister v. Metzsch verweist auf die in der Zweiten Kammer gegebene Begründung und bittet um Annahme der Vorlage, die zum Wohle des Vaterlandes diene. Präsident von Könneritz versichert der Regierung die Sym- pathien des Hauses und dessen Zustimmung zur Vorlage. Kammerherr von Burgk beantragt Abstimmung en Kloo. Dieser Antrag wird angenommen. Da sich niemand weiter zum Wort meldet. wird die Vorlage einstimmig angenommen. Der ganze Vorgang dauerte ca. 40 Minuten! Sächsisches Volk! In 40 Minuten entwindet man dir dein heiligstes Recht. Merke dir das! Das sächsische Volk wird es sich merken. Es ist ja ein guter Merktag der 1 8. M ä r z. Von den Iben des Cäsar an ist der März den Volks- feinden verderblich gewesen. Und der 18. März ist ein Tag der Volkssiegc. Wir nehmen das Onien an— und überlassen die Sühne dem sächsischen Volke!— Herr Ober-Staatsanwalt Drescher hat heute als Moralprediger ebenso großen Eifer an den Tag gelegt, wie er Unkenntniß über das Wesen des Nachrichtendienstes der Presse gezeigt hat. Er sprach von dem schimpflichen Ge werbe der sozialdemokratischen Presse, sich Nachrichten durch „Diebstahl" zu verschaffen. Das Landgericht Berlin hat vor kurzem endlich eingesehen, daß die Bestellung von Sach verständigen in Preßsachen nothwendig sei. Herrn Drescher sollte von diesen Sachverständigen ein besonderes Priva- tissimum gelesen werden, er würde dann erfahren, daß die bei dem Herrn Ober-Staatsanwalt angesehensten Blätter ganze Gesetzentwürfe, ja Mittheilungen aus den Verhandlungen des Staatsministeriums gegen den Willen deS Bundes rathes und der Ministerien publizirt haben. Wir möchten Herrn Ober-Staatsanwalt Drescher fragen� ob die Beschaffung von Nachrichten, wenn der«Hann. Courier", die„Post" und die„Vossische Zeitung" betheiligt sind, berechtigt ist, dagegen, wenn es sich um sozial- demokratische Zeitungen handelt, gemeiner Diebstahl Und wie steht die Staatsanwaltschaft zu dem Nachrichten dienst der politischen Polizei, wenn die Nachrichten nur durch Vertrauensbruch erlangt werden konnten. Im Falle Antoine ist es vorgekommen, daß aus Straff Prozeßakten der königlichen Staatsanwaltschaft vor der öffentlichen Verhandlung Briefe von Privatpersonen in der nicht sozialdemokratischen„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" abgedruckt wurden, von einer staatsanwaltlichen Entrüstung haben wir aber damals nichtd gemerkt. Es gilt also, scheint es, auch da der Satz: wenn zwei daffelbe thun K. JC. Ter Dongola-Feldzug. In England thut sich asi gemeine Befriedigung darüber kund, daß Deutschland im Einvernehmen mit den anderen Dreibundmächten gegen die Verwendung des egyptischen Reservefonds für den Sudan Feldzug nichts einzuwenden hat. Wollen die Engländer mit sammt ihren egyptischen Schützlingen durchaus sich in inner- afrikanische Abenteuer hineinstürzen, so kann man allerdings diesen neuen Anfall von Afrika-Sucht beklagen, aber für Deutsch- land liegt sicher kein Anlaß vor, den Engländern dabei in oie Arme zu fallen oder gar den ostasiatischen Fehler zu wiederholen Anders wird dieSache in Frankreich aufgefaßt. Die französische Bourgeoisie betrachtet die englischen Unternehmungen inEgypten unter dem Gesichtspunkte der Konkurrenz. Die Franzosen gönnen den Engländern die egyptische Beute nicht. Von Erwägungen hat sich auch augenscheinlich die französische Regierung bei ihrer Erklärung leiten lassen. Jndeß wird in Paris etwas eingelenkt. Wenigstens sol einer aus englischen Quellen stammenden Pariser Depesche zufolge im Auswärtigen Amte zu Paris erklärt worden sein, die vorgestrige Havas-Note habe keinerlei offiziellen oder drohenden Charakter, welcher ihr irrthümlich beigelegt werde, gehabt. Die französische Regierung habe nur genau klarstellen wollen, daß sie nicht gewillt sei, auf ihr Interesse an der egyptischen Frage zu verzichten, und sie ver- lange Aufklärung darüber, wie weit die Sicherheit Egyptens gefährdet sei. Die Haltung Frankreichs in dieser Frage gegenülwx England sei keineswegs eine feindliche; die poli- tischen Beziehungen Englands zu Frankreich seien nach wie vor die freundschaftlichsten. Der„Standard" hört, das Kriegsamt habe gestern er- wogen, ob es angezeigt sei, indische Truppen nach S u a k i n zu schaffen.— Deutsches Reich. — Der B u n d e s r a t h hat i» seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf über die Zwangsversteigerung und die Zwangs Verwaltung sowie den zugehörigen Entwurf eines Einführuugs gesetzes dem zuständigen Ausschusse überwiesen. Dem mündlichen Ausschußberichte über den Gesetzentwurf betreffend den Abgaben- taris sür den Nordostsee-Kanal wurde die Zustimmung erlheilt. Ferner wurde der mündliche Ausschnßdericht über den Reichstags- deschluß zu Petitionen betreffend das Verbot der Vivisektion dem Reichskanzler überwiesen. — Ein neuer Postzeitungstarif ist auf Anregung des Reichsschatzamts aufgestellt worden. Derselbe soll eine Mehr einnähme von jährlich ca. Vs Million Mark einbringen. Danach würde in Zukunft die Postprovisio» sich zusammensetzen aus: a) einer Grundtaxe von 40 Pf. jährlich(10 Pf. viertel jährlich) für jedes Exeniplar, b) einer Jahresgebühr von 20 Pf. für jede Nummer der Woche, o) einem Gewichtporto von 10 Pfg. für jedes Kilogramm beförderter Zeitungen' Die in dem früheren Tarifentwurf(der 4 Millionen Ueber- chuß bringen soliie) bereits vorgesehenen Gebühren zu b und c ind also von 2S bezw. 20 Pf. auf 20 bezw. 10 Pf. ermäßigt, die Provision von 10 pCt. des Einkaufspreises durch eine bei allen Zeitungen gleiche Gruudtaxe(a) von 40 Pf. ersetzt, also verringert worden. Zeitungen, die seltener als einmal wöchentlich erscheinen, sollen ebenso taxirt werden, wie Wochenblätter. Zur Handwerks-Gesetzgebung. Der Gesetz- entwurs des Freiherrn v. Berlepsch betreffend die Organisation der Handwerker-Jnnuugen ist nunmehr festgestellt und dem Staats- Ministerium zur Beschlußfassung vorgelegt worden.— — Ein hiesiges Antisemitenblatt ist wüthend, daß unser llalkis sich den Antisemiten gegenüber als Verlheidiger des Christenthnms aufspielt. Das ist zurückgehaltener Aerger über die Entlarvung des antisemitischen Musterchriften Peters durch die Sozialdemokratie. Auch den christlichen Stöcker haben wir zur Strecke gebracht. Und ihm wie dem Peters hielten wir den Spiegel des Christenthums vor. Unser Gallus hat Recht. Sie hassen das Christenthum, diese Antisemiten. Und sie haben ihren guten Grund.— — Aus den Kreisen reisender Optiker werden wir um Veröffentlichung des folgenden Stoßseufzers gebeten: „Die zweite Lesung der Gewerbeordnungs-Novelle ist beendet und von dem jetzigen Reichstage erwarten wir auch bei der dritten Lesung nichts besseres. Die reisenden Optiker werden durch den betreffenden Paragraphen brotlos gemacht. Wenn wir zu 'chivach sind, Handlangerdienste zu verrichten, oder kein Kapital haben. 0 bleibt uns gar nicdts übrig, als Landarmenhaus oder Tod. Ein« zroßartige Auswahl, bei welcher wir noch begeistert ausrufen ollen:„rnorituri te salutant". Uns fehlt die Begeisterung für einen Reichstag, der wohl Liebesgaben für Millionäre, für die Brenner und Agrarier bewilligt, aber für einen Paragraphen, der tausende Mitbürger unglücklich macht, für einen Para- graphe», den die Regierung selbst nicht begründen konnte, keine Zeit zur Berathung hat. Das ist so die richtige Stimmung, mit welcher wir die Jubelfeier am 21. März feiern, und den Dank ernten sür das in den Kriegsjahren eingesetzte Leben."— — Mit de in Unglück auf Kleophas grübe be- chästigte sich, wie wir aus der„Breslauer Morgen-Zeitung" er- ehe», dieser Tage der Obcrschlesische berg- und hüttenmännische Verein. Ueber die Einrichtung der Kleophasgrube wurde nicht ein Wort des Tadels ausgesprochen: dagegen wurde von der zahl- reich besuchten Versammlung eine Resolution gefaßt: 1. daß die «stehenden gesetzlichen Vorschriften für den Bergbau nicht mehr ausreichend sind, und 2. daß dahin gewirkt werden müsse, eine Einrichtung in den Gruben zu treffen, die es ermöglicht, sich nach Außen hin zu ver- ständigen.— Diese Resolution ist so ziemlich gleichbedeutend mit einer Anklage auf Fahrlässigke.it gegen das gesammte Grubenwesen. Denn was jetzt gefordert wird, nachdem das Unglück geschehen, wäre längst vorgesehen worden, wenn die Gesetzgebung und Verwaltung auf der Höhe der Zeit und Ihrer Pflicht gestanden hätten.— —- Zur Naturgeschichte der industriellen Kartelle liefert eine gestern in Berlin stattgefundene Gerichts- Verhandlung sehr werthvolles Material: Wegen Betruges und Beihilfe dazu hatten sich der Kauf- mann Karl H. und der Spediteur Julius K. zu verantworten. Sechs deutsche Glasfabriken haben ein Kartell gebildet und eine gemeinsame Geschäftsstelle in Köln a. Rh. eingerichtet, wo alle für daSJnlandbe- stimmtenAufträge erledigt werden. Es soll dadurch ein einheitlicher Preis erzielt und dem außerdeutschen Weltmarkt die Spitze geboten werden. Schließt eine der sechs Fabriken zu einem billigeren Preise ab, als zwischen den Ringbildenden vereinbart worden ist, so soll der betreffende Inhaber in eine bedeutende Konventionalstrafe versallen. Diese Preise gelten indessen nur sür inländische Geschäfte, b e i Lieserungen nach dem Ausland ist keine der Fabriken an bestimmte Preise gebunden. Da nun die Preise für da? Ausland etwa 30 v. H. niedriger sind, als für das Inland, weil die Empfänger Zoll zu entrichten haben, so versuchen in ländisch eHändler häufig auf Uni wegen Glas zu den billigeren Auslandspreisen zu erlangen. Im März v. I. erhielt der Angeklagte K. von dem Agenten Head in London die Anzeige, daß ihm demnächst zwei Eisenbahnwagen Spiegelglas zur Weiterbeförderung mach Ostasien zugehen würden. Erwürbe dem Spediteur noch anzeigen, mit welchem Dampfer das Gut befördert werden solle. Wenige Tage nachdem die Waare ein- getroffen war, erhielt K. von seinem englischen Auftraggeber die Anweisung, die Glasladung an die Adresse des Mitaugeklagieu H. nach Berlin zu spediren. K. führte den Auftrag aus. Der Angeklagte H. kam auf diese Weise in den Besitz eines Postens Glases sür einen um etwa 4000 M. niedrigeren Preis, als wenn er direkt bei dem Bureau der „Vereinigten Glasfabriken" in Köln die Be- st e ll u n g gemacht hätte. Die Anklage nimmt nun an, daß H. mit dem Engländer Head gemeinsame Sache gemacht, um die Glasfabriken zu hintergehen. Head habe die Bestellung angeblich für die Ausfuhr machen und dem Spediteur überweisen lassen müssen, der dann die Waare nach Berlin anstatt überseeisch spediren mußte. ES wird ferner angenomnien, daß der Spediteur von der gegen die Glasfabriken begangenen Täuschung unierrichtet war, zumal ihm von der Geschäftsstelle in Köln, wo man Verdacht geschöpft hatte, der bestimmte Auftrag ertheilt worden war, das Gut nur überseeisch zu spediren. Beide Angeklagten bestritten ihre Schuld. Sie wollten sich lediglich in den gesetzmäßigen Bahnen des kaufmännischen Verkehrs bewegt haben. Der Angeklagte H. behauptete, daß der Engländer ihm ohne sein Zuthun»inen Besuch gemacht und ihm Spiegelglas zu einem Preise an- geboten habe, der allerdings niedriger sei als der der Rheinischen Glasfabriken, er habe aber zuerst geglaubt, daß es sich um belgisches Glas handle. Erst durch die Nachricht von dem Spediteur habe er erfahren, daß er deutsches Erzeugniß erhielt. Die Preise des Kartells seien übrigens übertrieben hoch und man könne es doch einem Kaufmanne nicht verdenken, wenn er auf reellem Wege so günstig wie möglich einkaufe. Die Vereinigung der sechs Fabriken„niogeln" übrigens selb st. keine der Fabriken halte die vorgeschriebenen Preise fest, sondern diese wurden nur auf dem Papier innegehalten. Wenn alles erledigt sei, schicke die Fabrik ihrem Kunden einen Theil seiner Zahlung zurück. Von diesen „geheimen" Abmachungen könne er viele Beispiele anführen. Aus der Verlesung derAussagen der kommiffarisch vernommenenZeugen ging hervor, daß die letzte Behauptung des Angeklagten von dem Aufsichtsrath der„Bereinigten Glasfabriken" bestätigt wurde. Der Mitangeklagte K. erklärte, daß er gar kein Jntereffe daran gehabt habe, irgend eine unredliche Hand- lung des H. zu unterstützen. Der Engländer Head sei sein Auftraggeber gewesen und er hätte einfach dessen Anordnung befolgen müssen, die Waare nach Berlin anstatt nach anderswo zu schicken. Staatsanwalt Oppermann meinte, daß die Verhandlung eine lehrreiche Illustration zum Kapitel deS unlauteren Wettbewerbes gegeben habe. Der Verdacht, daß die Angeklagten in Gemeinschaft mit dem Engländer Head ein Manöver ausgeführt hatten, das zweifellos als Betrug auszufassen sei. obgleich man die Geschädigten nicht bedauern könne, besiehe fort, ohne den Engländer sei aber ein Beweis nicht zu erbringen und er müffe deshalb wegen nicht genügender Aufklärung die Freisprechung beantragen. In diesem Sinne erkannte der Gerichtshof. Der Segen der so gerühinten Politik zum Schutze der „nationalen Arbeit" ist so recht deutlich aus dieser Gerichts- Verhandlung zu ersehen. Der Landmann wird bei seinen Ein- käufen übervortheilt, dem ausländischen Kunden liefert man die Waaren um öOpCt. billiger wie dem heimischen Kunden. — Zur Charakteristik des Herrn Wehlan wird unS folgendes mitgetheilt:„Es mag im Jahre 1886 gewesen ein, als Herr Wehlan in Koltbus, wo er vor Jahren das Gymnasium besucht hatte, als Referendar wieder auftauchte. Seme früheren Schulfreunde erkannten ihn natürlich wieder und wollten ihn freundlich begrüßen und mit ihm Erinnerungen aus- tauschen. Er aber wies sie kühl ab, er kenne sie nicht, sei nie in Kotlbus gewesen, das müsse ein anderer Wehlan sein:c. ic. Am liebsten verkehrte er, gemäß seinem schneidigen Wesen, mit Lieutenants. Später hat er denn doch zugeben müssen, daß er dieser andere Wehlan sei, aber er entschuldigte sein Verhalten damit, daß er nicht anders handeln könne, seine einfache Herkunft, seine Ar- niuth, seine ungebildeten Ellern, das alles würde ihn doch zu sehr in einem Fortkommen stören. Freilich sind oder waren seine Eltern einfache Bauern, die mühsam von dem Erttage ihrer kleinen Wirthschast lebten und sich's haben sauer genug werden lassen, ihren Herrn Sohn studiren zu lassen. Seine Mutter saß oft genug auf dem Wochenmarkt und hielt ihr Gemüse feil. Zum Dank dafür verleugnete der liebevolle Sohn re und schämte sich feiner Eltern. Wer solche Gesinnungen gegen seine Eltern hegt, wer es über sich gewinnt und ihnen die Schmach bereitet, sie zu verleugnen, der wird freilich auch mit armen wehrlosen Negern kein Erbarmen haben, eben weil er kein Herz hat, der wird kein Bedenken tragen, sie blutig zu schlagen. ihnen die Hälse abschneiden zu lassen und ihnen„eins aus den Kopp" zu geben." Prcnzlan, 19. März. Bei der heutigen Landtags- Ersatzwahl im Wahlkreise Prenzlau-Augermünde an stelle des verstorbenen Abgeordneten Laudgerichtsrath Alisch wurde Hauptritterschafts-Direklor Kammerherr v. Arnim-Züsedom(k.) einstimmig gewählt. — In Gnesen vcrurtheilte ein Kriegsgericht den U n t e r- f f i z i e r und Regimentsschreiber B a r g e l vom Ins.- Reg. Nr. 49, der nach Unterschlagung amtlicher Gelder flüchtig ge- worden war, in Kiel sich jedoch der Militärbehörde freiwillig gestellt halte, zu e i n e m I a h r F e st u n g, Degradation und Versetzung in die zweite Klasse des Soldalenstandes. Bargel wurde sosorl zur Verbüßuug seiner Strafe nach Spandau ab- geführt.— Köln. Ueber einen kaum glaublichen Vorgang im Stadt- verordnelen-Kollegium Kölns berichtet die„Rheinische Zeitung": „Es war von der Verwaltung der Borschlag gemacht worden, 100 000 Mark aus den Ueberschüsfen der Sparkasse für Volks- ch u l b a u t e n zu verwenden. Bei der Abstimmung wurde die Summe jedoch, ohne daß die Herren Stadtväter es merkten, anstatt für die Volksschulen für die m i t t l e r e Kn a b e n sch u l e bewilligt. Erst nach der Abstimmung kam dem Herrn Kyll langsam das Bewußtsein, daß die Geschichte wohl nicht ganz richtig sein möge. Auf eine Anfrage an den Oberbürgermeister erhielt er den kurzen Bescheid, die Angelegenheit sei jetzt erledigt. Mit diesem Bescheide begnügte er sich sowie auch die anderen Stadtväter." Gemüthlicher kann's in Schildburg und Schöppenstedt auch nicht hergehen, als in der Ralhsversammlung der Großstadt Köln. Es wäre aber doch recht interessant festzustellen, wer denn eigentlich die Mittelschulen für die Volksschulen ein« geschoben hat in die Vorlage. Unzufrieden scheint mit der Unter schiebung niemand gewesen zu sein, weder Magistrat noch Stadt verordneten-Kollegium. Da wird's Zeit, daß da einige sozial demokratische Hechte in diesen Kölnischen Karpfenteich kommen. Braunschweig, 19. März. Ter Landtag genehmigt» nach zweitägiger Berathung einstimmig die grundlegenden Para- graphen des neuen Einkon, men st euergesetzes, nachdem Slaatsminister Dr. Otto eine den Landtag befriedigende Er- klärung über die Weiterführung der Steuerreform abgegeben hatte — Die Frage der weiblichen Fabrikinspektion beschäftigte in diesen Tagen auch die bayerische Kammer der Reichsrälhe. Die Majorität dieser Vereinigung von Feudal- Herren, Kirchenfürsten und Bureaukraten hatte nicht das nöthige Verständniß für diese Forderung. Es verdient aber doch Er- wähnung, daß sich unter den sieben Reichsräthen, welche für den Antrag stimmten, auch der Erzbischof von Bamberg, der Bischof von Würzburg, der katholische Professor der Philosophie an der Münchener Universität, Frhr. v. Hertling. und der protestantische Ober-Konsistorialpräsideut sich befanden.— Strasburg i. Elf., 18. März. Der Landesausschnß berieth in seiner heutlgen Sitzung die Gesetzentwürfe betreffend die Gewerbe- und Wandergew erbe-Steuer. Unter- staalsselretär von Schrant begründete eingehend die Reform vorlagen, welche einerseits eine gleichmäßigere Vertheilung der Steuerlast durch«ine erhebliche Entlastung des Kleingewerbes erstreben, andererseits bestimmt sind, das seßhafte Gewerbe gegen das in Elsaß-Loth- ringen überwuchernde Hausirgewerbe zu schützen. Sämmlliche Redner stimmten dem Reformplane bei. Darauf vertagte sich der Landesausschuß auf un» bestimmte Zeit.— Schweiz. Bern, 19. März. Bei der heutigen Weiterberathung des l. e ch n un g s g esetz es hat der Nationalrath mit Lg gegen 47 Stimmen dem Antrage der Kommissionsmehrheit ent- sprechend durch Annahme des Artikels 21, die Ersetzung des in den Konzessionen vorgesehenen Schiedsgerichts durch das Bundesgericht beschloffen. Mit großer Mehrheit wurde ein Antrag abgelehnt, nach welchem die im laufenden Jahre vorgenommenen Lohnerhöhungen bei der Er- Mittelung der Rückkaufssumme so zu berücksichtigen sein sollen. als ob sie vom Jahre 1891 bis 1898 successive eingeführt worden wären. Der Nationalrath nahm in der Schlußabstimmung mit 79 gegen 20 Stimmen das ganze Gesetz über das Rechnungswesen der Eisenbahnen an.— Frankreich. Toulouse» 19. März. Der Gerichtshof wie? den Direktor der Glasfabriken in Carmaux, Resseguier, mit seinem Antrage ab, den Deputirten Jaurös und diejenigen Blätter zur Zahlung eines Schaden- ersatzeS nebst Zinsen zu verurtheilen, welche die Streikenden unterstützt hatten.— England. London, 18. März. Das Unterhaus nahm die zweite Lesung der Gesetzvorlage an, nach welcher Fleisch und Käse, die aus dem Auslande und den Kolonien ein- geführt werden, von den Verkäufern entsprechend gekennzeichnet werden müßte». Der Präsident der Handelskammer, Ritchie, trat im Prinzip für die Vorlage ein und bemängelte nur die Einzel- heilen derselben.— Italien. — Die Deputirten kammer beschloß eine Dankes- kundgebung für die Sympathiebeweise des englischen und rmnänischen Parlaments. Um Criöpi spinnt das Netz sich dichter und dichter zu- sammen. Die Absicht, Baratieri zum Sündenbock zu mache», ist bereits als vereitelt zu betrachten. Der Abgeordnete M a c o l a. der auf dem Kriegsschauplatze war. läßt den allen Sünder nicht entwischen: er hat selber die Depesche CriSpi's gelesen, in der Baratieri zum Angriff gedrängt wird mit dem höhnenden Nach- say:„Das ist nicht Krieg, sondern m i I i t ä r i s ch e S ch w i n d- sucht"— tisi rnilitave. Erst leugnete Crispi; als er aber festgenagelt wurde, erklärte er, es sei ein Mißversiändniß, oder ein telegraphischer Druckfehler— er habe telegraphirt: das ist nicht Krieg, sondern t»si militaro, militärische Thesen, ein militärisches Problem. Also bloß ein e für ein i— oder ein x für ein u. Da aber das„militärische Problem" der absolute Unsinn ist, so wird natürlich niemand durch diese Lüge des ertappten Verbrechers getäuscht. Rom, 18. März. Ein« Depesche des„Popolo Romano" aus Massauah meldet, daß die Derwische sich Kassala bis auf eine Entfernung von zwei Stunden genähert haben. Wie es scheine, warten sie nur die Ankunft Osman Digmas ab, um den Angriff zu unternehmen. Die Armee des Negns befinde sich immer noch in Farasmai. Die italienischen Gefangenen wurden nicht, wie es hieß. nach Schoa gebracht, sondern sind in Dembien internirt. Die ge- sauge»«» italienischen Offiziere befinden sich im-Lager des Negus. General Baldissera sei bemüht, die vom Feinde unter- brochene Verbindung mit Adigrad wieder herzustellen. Major Salsa, welcher sich mit neuen aus Rom eingetroffenen In- struktionen zum Negns begeben hatte, befindet sich noch immer bei demselben. Die in Kassala eingetroffene italienische Karawane führte 499 Kameele mit.— Amerika. Washington, 19. März. Die Unterkommisston des Repräfeu- tanlenhause einigle sich über die Vorlage bezüglich des Nica- r a g u a- K a» a l s, welche morgen im Repräsentantenhause ein« gebracht werden wird. Die Obligationen sollen nicht die Summe von 199 Millionen Dollars übersteige» und drei Prozent Zinsen tragen; die Garantie für die Zinsen übernehmen die Vereinigten Staate». New-Jork, 19. März. Der hiesigen kubanischen Junta ist ein außerordentlicher Handstreich gelungen. Garcia, der bekannte Jnsurgentenführer, ging gestern Abend mit 62 seiner Gefährten an Bord des Dampfers„Berniuda", welcher außerhalb der so- genannten„Drei-Meilen-Grenze" bei Atlantic City an der Küste von New-Jersey vor Anker lag, um sofort mit einer un- geheuren Menge von Kriegsmaterial nach Kuba abzudampfen. Heute ist die Drahtnachricht hier eingetroffen, daß die vor einigen Wochen an Bord des Flibuftierschiffes„Mallory" auf Veranlassung des spanischen Gesandten beschlagnahmten Waffen, darunter 759 999 Stück Patronen. 1299 Gewehre, 2199 Machetes und 499 Revolver, mittels des Dampfers„Three Friends" von Key-West, der auch General Collazo, Major Hermandez und den Herzog von Estrada. sowie 54 Kubaner an Bord hatte, glücklich in Kuba gelandet find. — Vom kubanischen Kriegsschauplatze. Nach der neuesten spanischen Siegesdepesche aus Havannah hat Oberst Fernandez in der Nähe von Candelaria, Provinz Pinar del Rio. 4999 Insurgenten unter Maceo geschlagen; die Insurgenten ver- loren 399 Mann an Tobten und Verwundeten. Aus Seite der Spanier sind 1 Hauptmann und b Mann gefallen. 1 Lieutenant und 56 Mann verwundet.— Ostasien. — Das chinesische Heer macht gegen die moha- medanischen Aufständischen keine Fortschritte, die Soldaten plündern vielmehr aus dem Lande.— — DaS Flottenprogramm der japanischen Regierung umfaßt den Bau von sieben Kriegsschiffe».— Nommunsles. Stadtverordneten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, 19. März Stadtverordneten« Vorsteher Langerhans eröffnet die Sitzung um 5�/2 Uhr mit ehrenden Worten des Andenkens für den verstorbenen Stadtv. Hütt, welche die Versammlung stehend anhörte. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Berichterstattung des Etatsausschusses über eine Reihe von Spezialetat s. Es werden folgende Etats festgestellt: Wasserwerke, Taub- stummenschule, Blindenanstalt nebst Betrieb der Beschäftigungs anstatt, Bolksbibliotheken, Fortbildungs-Unterrichtswesen, gewerb liches Unterrichtswesen, Armenwescn, Friedrich Wilhelms-Hospital und Siechenanstalten, Waisenpflege im engeren Sinne sowie Für- sorge für konfirmirte Waisen, Unterbringung verwahrloster Kinder, Arbeitshaus in Rummelsburg, Städtisches Obdach nebst Des» infektionsanstalt, nicht zumPersonalbesoldungsetat gehörigeStellen. zum Personal- Besoldungsetat gehörige Stellen, Geschäfts- bedürfniffe und Prozeßkosten, Dienstpensionen, Wittwenpensionen und Waisengelder sowie außerordentlich bewilligte Pensionen, Unterstützungen und Erziehungsgelder, Polizeikoste» im all- gemeinen(Ortspolizei), Feuerlösch- und Telegraphenwesen, Straßenbeleuchtung,-Reinigung und-Besprengung, Gemeinde- Friedhöfe und Zivilstandsämter. Beim Etat der nicht zum Miliär-Besoldungs- Etat gehörigen Stellen beantragt der Ausschuß, dem Stadt-Schnlralh Dr. B e r t r a in eine persönliche penstonsfähige Zulage von 3999 M. jährlich zu bewilligen und dadurch sei» »iensteinkommen von 12 999 auf 15 999 M. zu erhöhen, sowie dem aus Bromberg hierher berufenen Stadtrath Wilde eint Umzugskosten- Entschädigung von 1999 M. zu gewähren. Der Ausschußantrag wird ohne Debatte angenommen. Ueber den Etat der zum Person al-Besoldungs- Etat gehörigen Stellen hat im Ausschuß eine längere Debatte über die große Anzahl der Beamten und Hilfsarbeiter in allen städtische» Verwaltungen, die beträchtliche Summen der Gehälter und Diäten, die Beschäftigung mit Nebenarbeiten außer den Dienststunden, das Biertrinke» der Beamten während der Dienstslunden ec. stattgesunde». Der Ausschuß hat bestimmte Vorschläge nicht gemacht und beantragt nur, den Magistrat zu ersuchen, in gemischter Deputation über diese Fragen zu berathen. Der Ausschußantrag wird angenommen.'f Der Etat der Wasserwerke beläuft sich in Einnahme und Ausgabe aus 19 511459 M. und ergiebt einen Ueberschuß von 1 352 398 M. Die Versaminlung erklärt sich damit ein- verstanden, daß der jetzt giltige Tarif für Wasser und Wasser- Messer auch für das Jahr vom 1. April 1896/97 in kraft bleibt. Stadtv. Esmann bemerkt, daß die gebräuchlichen Wasser- meffer nicht geeignet seien und die verbrauchte Wassermenge nicht richtig anzeigten. Namentlich zur Messung kleinerer Wasser- mengen mühte» andere Apparate«ingestellt werden. Beim Etat des gewerblichen Unterrichtswesens wird beschloffen: Schüler der Fachschule für Mechaniker, die nach Absolvirung des Jahreslursus an dem Unterrichte in der Tages- klaffe für Elektrotechnik an der 1. Handwerkerschule thetlnehmen, zahlen— gleich den die Tagesklasse im 2. Halbjahr besuchenden Schüler»— 69 M. Schulgeld. Beim Etat der Polizeiverwaltung hatte die Ver- sammlung im vorigen Jahre den Magistrat ersucht, mit dem Polizeipräsidium in Verbindung zu treten, um minder strenge Maßregeln bei Strahenabsperrungen zu erwirken. Der Magistrat ersucht nun die Versammlung, in der Er- wägnng, daß der inzwischen stattgehabte Personenwechsel an der Spitze deS Polizeipräsidiums eine allseilig anerkannte Milderung der Absperrmaßregel» herbeigeführt habe und daher von einer Verfolgung der gegebenen Anregung für jetzt abzusehen sein möchte, die Resolution für erledigt zu erklären. Die Versammlung beschließt diesem Ersuchen des Magistrats stattzugeben. Zum Etat der Straßen rein igung beantragt Stadtv. I a c 0 b i: de» Magistrat zu ersuchen, den Lohn der Hilssarbeiter bei der Straßenreinigung von 2 M. auf 2,25 M. pro Tag zu erhöhen. Der Antragsteller meint, daß man hierbei den Lohn nicht nach Angebot und Nachsrage festsetzen dürfe, denn schließ- lich könnte man auch Arbeiter für 1,59 M. bekommen. Für die Gesamintsumme des Etats komme die Lohnerhöhung nicht i» betracht. Der Antrag wird angenommen. Es folgt der Bericht des Ausschusses zur Vorberathung des Antrages des Stadtv. Dr. P e n ß u. Gen., betreffend die neuer- ding's von den Staatsbehörden in bezug aus das kommunale Schulwesen erlassenen A n- ordnungen. Die Verhandlungen des Ausschusses bezogen sich auf l. das Stimmrecht der S t a d t s ch u l- I n s p e k t 0 r e n in der städtischen Schuldeputation; II. die Beförderung von Elementar- lehrern zu Oberlehrern an den städtische» höheren Mädchen- schulen; III. die B e f ch ä f t i g u ng undAnstellung von ü d i s ch e n Lehrkräften an den hiesigen Gemeinde- schulen; IV. den Religionsunterricht von Dissidentenkindern; V. Die Anstellung von Lehrern in dem Gemeindeschuldienst, welche diesAltersgrenze bereits über- schritten haben. Ueber den Punkt I ist der Ausschuß vorläufig hinweg- gegangen, um die Magistratsvorlage darüber abzuwarten. Die Differenzen über Punkt II und V sind durch die Verhandlungen des Magistrats mit den Staatsbehörden erledigt. Bezüglich der Punkte III und IV beantragt der Ausschuß: a) Die Versammlung erhebt gegen de» Erlaß des Kultus- Ministers vom 27. Dezember 1895 und die Verfügung des königl. Provinzial- Schulkollegiums vom 29. Januar 1896 Protest und ersucht den Magistrat, an den bisher von der Berliner Schulverwaltung befolgten und dem Geiste der � Gesetz- zebung durchaus entsprechenden Grundsätzen, betreffend An» lellnng und Beschäftigung jüdischer Lehrkräfte, auch fernerhin estzu halten. b) Die Versammlung erachtet die Aufrechterhaltung des Erlasses des früheren Kultusministers von Zedlitz vom 16. Januar 1892, durch welchen die Kinder von Disst- denten wider den Willen ihrer Eltern zum Besuche des Religionsunterrichts einer Konfession, der sie nicht angehören, gezwungen werden, als eine unberechtigte Beschränkung der verfassungsmäßig gewährleisteten Religious- und Gewissens- freiheit und ersucht den Magistrat. in geeigneter Weise den von ihm bisher schon vertretenen Standpunkt der Behandlung der Dissidentenkinder nach den Grundsätze» des Falk'schcn Reskripts vom 14. Juni 1877 auch in Zukunft zu wahren. Zur Kenntnißnahme theilt der Magistrat der Versammlung die auf die Frage der Etadtschulinspektoren bezüglichen Schrift- tücke und die in der Angelegenheit der Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den Kultusminister gerichtete Vorstellung des Magistrats vom 6. März d. I. mit. Stadtv. Neumann: Wenn wir auch unseren Willen gegen die Aufsichtsbehörde nicht überall durchsetzen können, werden wir uns doch nicht darin beirre» lassen, weiter für die Schule zu thun was nöthig ist. Bei den Erfolgen unserer Schul- Verwaltung muß es doppelt schmerzlich berühren, wenn die Aufsichtsbehörde die Aufsicht in dieser Weise handhabt, wie es bei der Frage des Stimnirechts der Etadtschulinspektoren ge- schehen soll; die Stellung, die unseren beiden Stadtschulräthen von dem Provinzial-Schulkollegium angewiesen werden soll, wäre eine ganz unnatürliche. Die Stadtschulräthe sollen »usere Stellung der Aufsichtsbehörde gegenüber wahr« nehmen, damit unsere kommunale Selbständigkeit nicht gefährdet werde. In der Frage des Religionsunterrichts der Dissidentenkinder müssen wir unsere im Ausschuß- antrag dargelegte Gesinnung aussprechen, gleichviel, ob wir damit Erfolg haben oder nicht. In das Selbst- bestimniungsrecht der Eltern darf nicht eingegriffen werden. In der Frage der jüdischen Lehrkräfte habe ich im Ausschuß gegen die Resolution gestimmt, weil ich erst die Antwort oes Provinzial- Schulkollegiums auf die neueste Eingabe des Magistrats abwarten will. Diese Angelegenheit, die soviel Erregung hervorgerufen hat, ist ein Ausfluß des behördlichen Antisemitismus. Wenn ich auch bedauere, daß einige jüdische Lehrkräfte demselben zum Opfer fallen werden, so hat es doch noch � schlimmere Dinge gegeben. Das Provinzial-Schulkollegium hält den jüdischen Religions- Unterricht nur für ein»othwendiges Uebel, und hat sich deshalb zu seiner Verfügung veranlaßt gesehen, der Magistrat hat die humane Gesinnung der Achtung aller Konfessionen in dieser Angelegenheit gezeigt, die wir von ihm gewohnt sind, aber seine Sprache in seiner Eingabe an den Minister ist nicht ohne Unklarheit und entbehrt theilweise auch nicht der Komik, wenn er sagte, daß„die jüdischen Lehrkräfte, obschon mit dein jüdischen Religionsunterricht vertraut, doch nicht nach dem Typus Shylock geformt sind und den mit den christlichen Anschauungen im Wider- spruch stehenden Lehre» des Schulchan Aruck nicht unter- liegen.".(Heiterkeit.) Die von Inden und Christen gleich- mäßig bewunderte Bergpredigt findet sich wörllich auch im Schulcha» Aruch. Meint der Magistrat, daß solche Au- führuuge» beim Minister Bosse empfehlend wirken?(Heiterkeit.) Der Magistrat weiß nicht, wie er die Befähigung jüdischer Lehrer für den Religionsunterricht feststellen soll; dafür haben wir doch ein Radbinat. Redner tadelt»och in � einer ganze» Reihe von Punkten die Eingabe des Magistrats vom 6. d. M., die nur untergeordnete bureaukratische Gründe anführe, anstatt mit großen Gesichtspunkten gegen den Antisemitismus zu kämpfen. Stadtv. Prenß: Wenn ich auch manches an der Eingabe des Magistrats zu tadeln habe, so sind wir doch im ganzen in dieser Sache einig. Den Kernpunkt der ganzen Sache bildet die konfessionelle Seite. Beim Kultusetat sagte Minister Bosse, die höhereu Lehrauslatten müßten interkonfessionell sein, weil Steuerzahler aller Konfessionen zu den Kosten beitragen. Trage» denn zu den Volksschulen nicht auch alle Konfessionen bei's Die Behandlung der Juden ist stets das feinste Barometer für die geltende Strömung gewesen. Man schlägt die Juden und meint das liberale Bürger- thuni. Die jüdischenLehrer sollen gewissermaßen zu Religionslehrern degradirt werden und keinen anderen Unterricht erlheilen und vor allem kein Ordinariat übernehmen. Die Erlasse des Ministers und des Provinzial- Schulkollegiums lähmen die ganze Lehrthäligkeit der jüdischen Lehrkräfte. Zu irgend welchem Tadel haben die vorhandenen jüdischen Lehrer und Lehrerinnen keinen Anlaß gegeben, aber gleich viel, es heißt: der Jude wird verbrannt. Ich vermisse in der Remonstranz des Magistrats vom 6. d. M. eine schärfere Ver- lretuug des Rechtsstaudpunkts. Das Schulamt ist ein öffentliches und steht als solches»ach der Verfassung allen Konsessionen offen. Unsere Volksschulen sinduichtkoufessionell, daher dürsen die jüdischen Lehrer derselben nicht in entwürdigender Weise degradirt werden. Die Resolution des Ausschusses enthält eigentlich noch zuviel Milch der frommen Denkungsart, aber aus die Fassung kommt es nicht an, wir dokumenliren doch damit, daß wir an den alten liberalen Grundsätzen festhalten. Stadtv. P r e tz e l: Die Mehrheit der Versammlung vertritt den antichristlichen, ich den christlichen Standpunkt(Gelächter). Noch mancher in der Versammlung denkt genau so wie ich, ohne es zu sagen(Gelächter), denn viele betrachten den wechselnden Einfluß des Judenthums mit Besorgniß. (Ah!) Redner tritt in längerer Ausführung für die Wahrung des christlichen Charakters der Volksschule«in und wird dabei von wiederholte»! Gelächter und höhnischen Zwischen- ruien unterbrochen; einer dieser lautet:„Er vertheill Preß- kohlen!" worauf der Redner bemerkt: Wenn Sie diese wichtige Sache mit Ernst behandeln wollten, würden Sie solche dummen Zwischenrufe unterlassen. Vorsteher Langerhans: Unterlassen Sie solche Kritiken, sie kommen Ihnen nicht z». Stadtv. P r e tz e l schließt mit der Bemerkung, daß er im Interesse des Ansehens, der Stadt Berlin gegen die Stellung- nähme des Ausschusses protestire.(Großes Gelächter.) Bürgermeister Kirchner führt«US, daß die Frage der Stadl- Schulinspeklion noch nicht erledigt ist und der Versamm- lung deshalb die Akten nur zur Kenntnißnahme mitgetheilt seien. Die bisherige Zwitterstellung der Stadt-Schulinspektoren als städtischer Beamte» und staatlicher Aussichtsorgane trage den Keim von Differenzen in sich. Wenn die staatliche Schulaufsicht auf die beiden Stadtschulräthe übergehe, geschehe der Selbst- Verwaltung kein Schade; diese seien noch besser für die Aufsicht geeignet als die Stadl- Schulinspekloren. Dem Vorredner gegenüber nehme er auch die Eigenschast eines Christen in Anspruch; das Christenthum kenne nur die Liebe zum Nächsten, auch zum Andersgläubigen, fern sei dem Christeulhum der Haß gegen Andersgläubige; nicht um den Gegensatz zwischen christlich und nntichristlich handele es sich, sondern um den Gegensatz der Toleranz zur Intoleranz.(Beifall.) Ein Gewissenszwang werde nicht geübt, noch nie sei von Eltern ein Widerspruch gegen die Theil- »ahme jüdischer Kinder am Unterricht in der Volksschule erhoben worden. Herr Ncuniann habe unnöthigerweise Streitpunkte hinein- geworfen, die mit der Sache nichts zu thun haben. Der Magistrat schließe sich der Resolution des Ausschusses an.(Beifall.) Stadtschulralh Bertram vertheidigt die Eingabe des Magistrats gegen die Vorwürfe des Stadtv. Neumann. Auf dem Gebiete der Volksschule seien in bezug auf die toleranten Anschauungen der Eltern und Kinder ganz erhebliche Fortschritte gemacht. Stadtv. Cassel betont hauptsächlich, daß es sich in dieser Frage um einen Eingriff des Kultus- Ministers in die Selbstverwallung handle. Infolge der wiederholten Eingaben werde das Ministerium hoffent- lich die Sache nochmals prüfen. Der Minister stehe sicherlich nicht �auf dem Standpunkte des Herrn Pretzel. Preußen sei nur durch die Toleranz groß geworden. I» manche» Kreisen habe man die Befürchtung, daß gar nicht vom Ministerium diese Sache ausgehe, sondern daß innerhalb des bösen Magistrats Antisemitismus getrieben werde. Das sei eine ganz iiuheilvolle Ansicht, die nicht zutreffe. Liedner bestreitet dem Stadtv. Pretzel, daß unter den Juden antichristliche Gesinnung herrsche. Dies« Behauptung entstamme der- selben politischen Brunnenvergislung, die die Blutmärcheu erfunden habe. Jeder Jude achte die Konfesfion eines anderen. Herr Pretzel habe früher eine ganze Lieihe vvn Freunde» neben sich in der Versammlung gehabt, sie seien alle bei den Wahlen verschwunden, und das ließe auf die Anschauung der Bevölkerung schließen. Vielleicht falle auch diese eine Säule noch entschwundener Pracht. der Magistrat habe sich in der ganzen Frage ein hohes Verdienst erworben. Stadtv. Vogt Herr(Sozialdem.): Ueber die wichtige -O " unter die Macht des Geldjacks. Das ist's, was die Kottbuser Fabrikanten fordern. Männer und Frauen des werkthätigen Boltes! Wollen und dürfen wir solches dulden? Nein und tausendmal nein! Der Geist unter den Streifenden ist nicht nur gut, sondern vorzüglich. Insbesondere die Frauen und Mädchen, die am meisten unter der Behandlung der Beamten zu leiden hatten, find von einem guten Geiste beseelt. " Darum auf, Brüder und Arbeitsgenossen allerorts! Schafft Munition, damit die Streifenden den Sieg erringen. Denn was Die Bewegung die Absicht der Unternehmer ist, haben sie offen ausgesprochen: in der Konfektions- Industrie. Entgiltige Ruhe für immer", sowie eine Doppeldezimirung Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts. Zu der gestrigen Sigung waren wieder mehrere Zwischenmeister der Herrenkonfektion vorgeladen. Ein Zwischenmeister der Westenbranche ist gelernter Konditor. Vor 5 Jahren hat er bei einem unter den Arbeitern vorzunehmen. Arbeiter Deutschlands! Schafft schnelle und that. kräftige Hilfe! Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck bezw. Aufforderung gebeten." Frage der Stadt Schulinspektoren ist die Debatte ziemlich Polizeiliches, Gerichtliches c. In einer von 4000 Berfonen besuchten Boltsversammlung furz hinweggegangen. Es soll hier eine einschneidende Auch in Hannover wurde nach dem Gedenkblatt zur am 15. d. M. erbot sich ein Färbereibefizer Koppe freiivillig, bei Aenderung der seit Jahren mit unserer Buftimmung Märzfeier eine Haussuchung und zwar bei dem Genossen den Fabrikanten anzufragen, unter welchen Bedingungen die bestehenden Organisation der Verwaltung eingeführt werden. Bohrberg und mehreren Kolporteuren vorgenommen. Die selben unterhandeln wollen. Die Antwort lautet: Durch die Theilnahme der Stadt- Schulinspektoren an der Thätig: Suche war erfolglos. Rottbus, den 16. März. keit der Schuldeputation war dem technischen Element maßgebender Vom Schöffengericht in 2uckenwalde wurden der Herrn Franz Koppe. Einfluß in der Schulverwaltung gesichert. Noch andere Bedenken Bertrauensmann A. Trantsch, und die Genossen Scheller Die unterzeichnete Rommission spricht Ihnen zunächst ihren sprechen gegen die Neuerung. Wenn die Stadt- Schulräthe Königliche und Schulze, sowie der Redakteur Nemih von der Lucken- Dant dafür aus, daß Sie sich ohne irgend eine Anregung unferer Kreisschul- Inspektoren werden, werden sie in ihrer gesammten walder Zeitung," welche Strafmandate über 30 resp. 3 M. wegen seits um die Beilegung des Streits in uneigennütziger Weise bes Thätigkeit den viel zu großen Einflüssen seitens der Re- unerlaubter Sammlung, resp. Bekanntmachung einer Kollekte er mühen. In der Sache selbst bedauern wir aber, Ihnen nichts gierung unterstellt werden.( Sehr richtig!) Sie werden zwar von halten hatten, sämmtlich freigefarochen, da der Begriff anderes mittheilen zu können, als daß wir nach wie vor auf der Stadtverordneten- Bersammlung gewählt, aber die Wahlperiode Rollekte bei der Tellersammlung, um die es sich handelte, aus dem Standpunkt stehen, welcher durch die Veröffentlichung des dauert 12 Jahr, und wenn sich erst Konnexionen mit den vor- gefchloffen fei. Der Amtsanwalt hatte gegen jeden 5 M. oder Herrn königlichen Gewerbe- Inspektors Ermlich vom 4. März d. J. gesezten Behörden herausgebildet haben, tann die Stadt- 1 Tag Haft beantragt. gekennzeichnet worden ist. Wir sind nach wie vor bereit, einen verordneten- Bersammlung bereuen, daß sie sich einen solchen Redakteur Neukirch von der" Wolkswacht" in neuen einheitlichen Termin zur Wiedereröffnung fämmtlicher BeHerrn 12 Jahre lang gefallen lassen muß. Die Ver: Breslau hat am 16. März in Wohlau die zweimonatige triebe zu bestimmen, sobald die Arbeiter oder eine aus deren sammlung darf nicht leichten Herzens über diese wichtige Gefängnißftrafe angetreten, die ihm wegen Majestätsbeleidigung Mitte neugewählte Kommission uns die Gewähr geben, daß vorFrage hinweggehen. Der Magistrat, der uns die Sache auferlegt ift. behaltlich unseres Rechts der Auswahl, mindestens 3/4 der Arbeiter nur schlank zur Kenntnißnahme vorlegt, sollte sich die In Striegau hat der Parteigenoffe Baudach in in sämmtlichen Betrieben die Arbeit wieder aufnehmen werden. Sache wiederholt überlegen. Bedenklich ist in der Vor- einem Grundstück zwei Räume gemiethet, worin früher von einem Die Kommiffion des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen Lage die Mittheilung, daß staatlicherseits Abneigung frommen Herrn Bibelstunden veranstaltet worden find. Als Interessen der Zuchfabrikanten zu Rottbus. g gegen eine Regelung dieser Sache durch Ortsstatut Baudach das Lokal gemiethet hatte, wurde es von der Polizei Also Unterwerfung! Keinen Frieden! Nein, Unterwerfung weil die Abänderung eines Ortsstatuts mitunter zunächst ausgemessen, um festzustellen, wieviel Personen drinnen mit großen Schwierigkeiten; verknüpft sei. Man schlägt anwesend sein dürfen. Zweitens mußte für beffere Ventilation dafür das Regulativ vor. Das ist der Pferdefuß, den das gesorgt werden, und drittens entdeckte die Polizei, daß der Holz Kultusminifterium zeigt; man haßt und fürchtet den Einfluß der schwamm im Hause ist und die Räume deshalb zum Aufenthalt Stadtverordneten- Bersammlung und will ihn auf dem für Menschen nicht geeignet sind. Man sieht hieraus, schreibt Wege des Regulativs beseitigen. Die Maßregel wegen der Striegauer Rorrespondent der Breslauer Boltswacht", daß der Anstellung jüdischer Lehrer ist ein direkter Verstoß die hiesige Polizei um unser leibliches Wohl weit mehr besorgt gegen den Artikel 4 der Verfassung, und der Kultusminister selbst ist, als um das der Bibelstundenbesucher. ist es, der zwar mit schönen Worten, die aber beim Provinzialschulkollegium sehr schnell in den Unteroffizierton umgesetzt werden, aber unentschuldbarer Weise sich über den Art. 4 hinwegfeßt, also dieselbe Ministerialbehörde, welche verpflichtet ist, die Innehaltung der Gesetze zu überwachen, anstatt zu ihrer Umgehung die Hand zu bieten.( Beifall.) Dann sollte man die jüdischen Kandidaten und Kandidatinnen nicht erst zur Lehrthätigkeit zulassen, ihnen nicht erst den Glauben er wecken, daß sie eine gleichberechtigte Anstellung bekämen. So werden sie am Ende ihres Studiums um ihren Lohn Kleinmeister für 20 Marf das Zuschneiden gelernt und ist Gelder nimmt entgegen die Berliner Gewerkgeprellt. Man will damit blos Proselyten machen und dann Bügler und später zwischenmeister geworden. Jetzt arschaft 3 kommission( Adresse: N. Millarg in Berlin S., den paritätischen Charakter der Schule durchbrechen und nicht beitet er für 3 Engrosgeschäfte Westen im Preise von 60 bis Aunenſtr. 16.) nur die katholischen, sondern auch sondern auch noch die jüdischen 80 Pf. Dieser Zwischenmeister beschäftigt 14 Arbeiterinnen absondern. Dazu können wir nicht die Hand bieten. außer dem Hause und liefert wöchentlich 200 bis 250 Westen. Die Tabakarbeiter von Hessen und Hessen Nassau So weit ist es mit dem Christenthum schon gekommen, daß Sein Wochenverdienst beträgt nach seiner Angabe 45 bis 50 m. haben ihre Organisation in folgende Bezirke eingetheilt: 1. Offens Herr Prezel es vertheidigen muß, gegen die paar jüdischen Beim Abliefern der Arbeiten gehen ihm täglich 5 Stunden bach, 2. Frankfurt, 3. Hanau, 4. Höchst a. M., 5. Wieset, Lehrer. Den antichristlichen Standpunkt akzeptire ich für verloren. 6. Biebrich, 7. Pfungstadt, 8. Orb. Zu den angeführten Orten meine Person ganz und gar, und das ist kein Vor Ein Zwischenmeister der Hosenbranche beschäftigt im Hause gehören die betr. Nachbardörfer resp.-Städte. wurf, ich mache mir daraus kein Gewissen. Bei solchen Ver- einen Bügler und eine Ausfertigerin; außer dem Hause werden Auch eine Blüthe des Submissionswefens. Aus handlungen sollten die konfeffionellen Gegenfäße überhaupt nicht von ihm 5 Stepperinnen und 8 Handnäherinnen beschäftigt. Für Worms wird berichtet:„ Auf die sämmtlichen Verpuzarbeiten hervorgefehrt werden. Wir sind hier kein Konzil, das über die 2 Engrosgeschäfte arbeitet er Hosen im Preise von 65 bis 90 Pf. an den Neubauten der hiesigen Kaserne wurde die billigſte Bedeutung religiöser Konfessionen zu entscheiden hat.( Sehr richtig!) Der Nettoverdienst wird von diesem Zwischenmeister auf wöchentlich Offerte abgegeben von der Firma Grüder in Frankfurt a. M. Gewissenszwang haben in der Frage der Dissidenten immer Herr 35 M. angegeben. mit 58 111 M. die höchste Offerte von einer Mainzer Firma Prezel und seine Freunde geübt. Das Christenthum hat Die Arbeiterinnen diefer beiden 3ischenmeister sollen später mit 129 172 m. Dazwischen liegen die beiden Offerten der es noch nicht fertig gebracht in tausenden von Jahren vernommen werden. Da sich allgemein herausstellt, daß fast Rafernenbau- Unternehmer Paul Schmidt Sohn in Worms mit die Aermften und Elendesten aus ihrem Elend zu erretten. fämmtliche Zwischenmeister den Lohnzuschlag nicht voll ihren 75 325 M. und Jäger u. Rumpf in Hanau mit 84 190 m." Ich überlasse Herrn Prezel seiner eigenen Bedeutungslosig- Arbeitern zahlen, so sollen die Zwischenmeister vom Einigungs- Also ein Unterschied von 71061 M. zwischen dem höchsten feit mit Vergnügen. Wir wollen mit einer Resolution amt aufgefordert werden, innerhalb drei Tagen nachzuweisen, tein Ministerium ftürzen, aber ohne Seitenblick auf hohe daß nunmehr der jegt giltige Tarif in der Werkstatt an sichtbarer und höchste Kreise sagen, was wahr ist, mag es anderen Stelle aushängt. Die dazu nöthigen Schemas tönnen beim Der Londoner Gewerkschaftsrath versandte an sämmtgefallen oder nicht.( Beifall.) Die einzige Lösung der Gewerbegericht abgeholt werden. liche Trades Unions, die ihren Siz in London haben, einen Frage ist die, daß wir die Religion überhaupt aus der Von der Engros- Firma Hugo Hermann, Rurstraße, Aufruf, schleunigst für die Ostrau Karwiner BergVolksschule entfernen.( Sehr gut! auf allen Geiten.) die den Vereinbarungen vor dem Einigungsamt zugestimmt hat, arbeiter ausgiebige Geldunterstützung einzusenden. Dieser Dadurch wird der Volksschulunterricht nicht minderwerthig sind eine Anzahl Arbeiter erschienen. Aus den Lohnbüchern Streit fei nicht eine Sache der Bergarbeiter allein, nicht der In der Diffidentenfrage hat sich, wie ich mit Be- dieser Arbeiter ist ersichtlich, daß sie den vereinbarten Lohn- Desterreicher allein, sondern das gesammte Proletariat in allen friedigung fage, feit 6 bis 8 Jahren hier eine Wandlung zuschlag theils gar nicht, theils nur für eine oder mehrere Ländern habe die Verpflichtung, den Ostrau- Karwinern beivollzogen, damals war es noch schwierig, unseren Standpunkt dazu zu Wochen bekommen haben. Sieben verschiedene Arbeiter zuspringen, die den Kampf gegen eine der mächtigsten und vertreten, heute gönnt man uns wenigstens doch das Leben und sind dadurch um 5,20 m., 1,65 M., 16,15 M., 7,80 m., frechsten Ausbeutersippen der Welt führen. erfennt die Berechtigung des Standpunttes der Diffidenten an. 3,30 m., 21,60 m. und 3,47 M. geschädigt. Von dem Die Lage der Dissidentenkinder war bis 1892 durch den Fall Fabrikanten Weigert wird den Arbeitern empfohlen, schen Erlaß richtig geregelt. Da hob der Kultusminister von sich die Differenz nachzahlen zu lassen und sie im WeigerungsZedlitz diesen Erlaß auf und regelte die Diffidentenfrage neu. salle vor dem Gewerbegericht einzuklagen. Sie wären dazu verDie Vorstellung des Magistrats hat bis heute noch pflichtet, weil ihnen sonst nach den bekannten Vereinbarungen Der grobe Unfugsparagraph und die Koalitionsfreiheit. nicht den Erfolg einer Antwort gehabt, weil feine Arbeit zu geben sei. In dem Organ des Porzellanarbeiter Verbandes„ Die Ameise" geblich nicht nur die Berliner Verhältnisse in betracht kämen. Welch gewiffenlose Elemente es unter den Berliner wurden im Oktober vorigen Jahres in drei aufeinanderfolgenden Wir sollen also wohl überhaupt nicht das Recht Zwischenmeistern giebt, zeigte sich in der Versammlung des Nummern Ankündigungen des Verbandsvorstandes erlassen, daß haben, uns damit zu beschäftigen. Das System werden Vereins Berliner Schneidermeister der Damenmäntel- Konfettion", sich die und die Personale in bestimmt bezeichneten Orten im wir ja nicht beseitigen können, daß alles unterdrückt wird, die am Montag abgehalten wurde. Bürgerliche Blätter berichten Streit bezw. in der Aussperrung befänden und es Pflicht der was nicht nach gewiffer Seite waschecht ist. Auch diese darüber: Außer zwei Rednern, welche der Einundzwanziger Verbandsgenoffen sei, die in betracht kommenden Kollegen zu Frage wird am besten gelöst, wenn wir die Religion Kommission angehörten, waren faft alle anderen gegen den Preis- unterstüßen. Wer seiner Pflicht zuwider mit den bezeichneten von der Schule lösen und nach französischem Muster einen tarif und seine Aushängung. Ein Meister erklärte, er wolle die Fabriken in Verbindung trete, um dort Arbeit zu erhalten, werde Schultag für den Unterricht der Religionsgemeinschaften freiließen. Kommissionsbeschlüsse zwar aushängen, aber mit der gedruckten aus dem Verbande ausgeschlossen. Dieser Zusatz veranlaßte eine Ich bedaure, daß dieser Standpunkt nicht in der Resolution des Seite gegen die Wand; ein anderer meinte, den Tarif in den der bezeichneten Firmen, den Staatsanwalt anzurufen, dieser fand Ausschusses enthalten ist. In Ermangelung eines Besseren Händen haltend: dieser Tarif ist so viel werth! und zerriß mit in dem Passus eine Beunruhigung des Publikums und damit den stimmen wir für die Ausschußanträge.( Beifall.) diesen Worten das Plakat. Es wurde eine Resolution an- Begriff des groben Unfugs erfüllt. Der Redakteur der„ Ameife" Darauf wird ein Schlußantrag angenommen. Die Anträge genommen, in welcher der Verein den Cohn- und Preistarif ab- und Sekretär des Verbandes Richard Jahn wurde unter Andes Ausschusses werden angenommen. lehnt und wonach innerhalb acht Tagen eine öffentliche Ber- flage gestellt und vom Charlottenburger Schöffengerichte zu Schluß gegen 10 Uhr. sammlung einberufen werden soll, welche die alte 21er- Kommiffion 14 Tagen Haft verurtheilt. Gegen dieses Urtheil wurde Berufung aufzulösen und eine neue zu wählen habe. Für die nächste Winter- eingelegt. Am 12. d. M. stand in der zweiten Instanz der Saison wird seitens der Meister ein Minimaltarif verlangt, auf erste Termin an. Der Angeklagte bestritt zunächst, daß eine deffen Basis mit den Arbeiterinnen ein fester Lohntarif geschaffen Beunruhigung des Publikums stattgefunden habe. Die Ameife" werden soll. werde nur an die Verbandsgenossen versendet und diese würden Partei- Nachrichten. an Bei der Gemeinderathswahl in 3üllchow bei Stettin wurde in der dritten Klasse der von unseren Parteigenoffen auf gestellte Eigenthümer Neumann mit 87 Stimmen gewählt. Seine beiden Gegner bekamen nur je 27 Stimmen. und dem niedrigsten Gebot! Gerichts- Beitung. Geboten Das Verhalten dieser Zwischenmeister spottet den einfachsten feinsfalls beunruhigt, da sie laut Statut beanspruchen dürfen, der Gerechtigkeit. Die abgeschlossenen Verein durch ihre Organe von den Lohnbewegungen der Branche barungen zwischen Konfektionären, Zwischenmeistern und Kenntniß zu erhalten. Nur an Interessenten, welche besonders Arbeitern bedeuten nur eine minimale Hebung der darum nachsuchen, würden einzelne Exemplare abgegeben, aber anerkannten Zustände namentlich auch diese tönnten nicht beunruhigt werden, da sie das Blatt In Kalk bei Köln haben, nach bürgerlicher Meldung, bei allseitig als schauderhaft den Gewerbegerichts. Wahlen die Kandidaten der unter den Arbeiterinnen. Schon das reine Menschlichkeitsgefühl nur erwerben, um von seinem Inhalte Kenntniß zu erhalten. Der " Christlich- Sozialen" über die Kandidaten unserer Partei gestegt. müßte jeden der Betheiligten veranlassen, nunmehr stritte die ge- Zusatz zu der Vekanntmachung sei nur gegeben worden, " Chriftlich- Sozialen" über die Kandidaten unserer Partei gefiegt. troffenen Bedingungen zu halten; um so frevelhafter ist es, um die Verbandsgenoffen auf ihre statutarischen Pflichten Zur Frage der Maudateniederlegung in Sachsen liegen daß jene Zwischenmeister den kaum geschlossenen aufmerksam zu machen und sie zu warnen, durch Vers weitere Kundgebungen vor aus Chemnitz und Mittweida. In Frieden brechen. Eine solche Handlungsweise wird auch lekung ihrer Pflicht ihr Anrecht an die Einrichtungen des Chemnig äußerte sich eine außerordentlich stark besuchte Partei- in denjenigen Kreisen verurtheilt werden, die sonst der Arbeiter- Verbandes auf das Spiel zu setzen. Der Staatsanwalt beanversammlung dieses Reichstags- Wahlkreises, nachdem der frühere bewegung feindlich gegenüberstehen. 6: tragte Verwerfung der Berufung, der Angeklagte dagegen FreiLandtags Abgeordnete Otto referirt hatte, in einer Reſo- Aus Braunschweig berichtet der„ Volksfreund", daß in sprechung. Der Gerichtshof setzte die Urtheilsverkündung his lution wie folgt: einer öffentlichen Schneiderversammlung Die anwesenden auf gestern aus und erkannte, daß der Gerichtshof in diesem Die heutige Versammlung der Genossen des 16. Wahlkreises Garderobehändler sich durch Annahme einer Resolution ver. Punkte an frühere Entscheidungen des Kammergerichts und spricht ihr Bedauern aus über die Artikel der Leipziger Volts- pflichteten, von Stettin so lange teine Waaren zu Reichsgerichts gebunden sei, Danach müsse ein grober Unfug zeitung", welche die Einheitlichkeit der Wahlrechtsbewegung störten. beziehen, bis die dortigen Konfektionäre die Arbeiter als vorliegend erachtet und der Angeklagte verurtheilt werden, Der Frage der Mandatsniederlegung muß voraufgeben die Frage forderungen bewilligt haben. Diese Resolution wird doch sei die Strafe auf 50 M. Geldbuße herabgesetzt worden. Der weiteren Wahlbetheiligung unter dem Breitlassen Wahlsystem. allen Garderobehändlern Braunschweigs zur Unterschrift vor- Unter der Anklage der Körperverlegung mit tödtlichem Diese Frage ist aber heute noch nicht spruchreif, sondern bedarf gelegt werden. Es giebt dort, wie die Agitationskommission der der eingehendsten Erörterung auf der Landeskonferenz. Die Schneider bis jetzt ermittelte, 24 Geschäfte, welche auswärtige Genossen des 16. sächs. Wahlkreises find für fernere Wahl- Konfektions- Waaren führen. betheiligung und für Ausnutzung des Agitationsmittels der öffent lichen Wahlen auch unter dem Dreiklassenwahlsystem. Im Falle aber die Partei sich ferner an den Wahlen betheiligt, dar die Mandatsniederlegung nicht stattfinden. In Erwägung, daß die Arbeiter aller Kulturstaaten nach Erringung des allgemeinen Wahlrechts streben, wolle die Landeskonferenz beschließen, auch unter dent verschlechterten Wahlsystem mit erneuter Energie in die kommende Wahlbewegung einzutreten, um das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu erringen." " Gewerkschaftliches. Ausgange hatte sich gestern der Möbelhändler Seibel vor dem Schwurgericht am Landgericht II zu verantworten. Er hatte am 5. November v. J. seinen Prinzipal, den Möbelfabrikanten Friedrich Brodowski in Weißensee, in der Abwehr eines Ans griffes, den diefer als sehr jähzornig bekannte Mann auf ihn richtete, mit einem Stechbeutel derartig am Halse verlegt, daß Leiche war. Nach längerer Gerichtsverhandlung erkannten die Geschworenen auf Nichtschuldig, worauf die Freisprechung erfolgte. Die ftreifenden Textilarbeiter und Arbeiterinnen in die Schlagader sprang und der Meister in fünf Minuten eine Kottbus veröffentlichen folgenden Aufruf: Arbeiter! Parteigenossen! Nochmals sehen wir uns veranlaßt, uns an Euch zu wenden, mit der Aufforderung, für die streifenden Arbeiter und Arbeiterinnen in Rottbus einzutreten. Rosenthal( St. Cère) ist, wie aus Paris gemeldet wird, gegen Bürgschaft von 5000 Franks vorläufig freigelassen worden und hat das Gefängniß gestern Abend verlassen. Das Urtheil im Prozeß Lebaudy foll am Montag verkündet werden. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Vier Wochen dauert schon der Kampf und noch weitere vier Ueber die Kundgebung in Mittweida berichtet die Burg Wochen kann er dauern. Die Fabrikanten- Bereinigung läßt sich städter Volksstimme": In einer außergewöhnlich gut besuchten auf keine Verhandlungen ein, d. h. sie würde unterhandeln, Versammlung des Vereins zur Aufklärung über Volkswirthschaft aber unter Bedingungen, die eine Schmach für die Arbeiter bewurde einstimmig der Beschluß gefaßt, Protest zu erheben gegen deuten und in anbetracht der berechtigten Forderungen der Depelchen und lehte Nachrichten. die Mandatsniederlegung der Landtags- Abgeordneten. Die Arbeiter wäre es eine Feigheit ohnegleichen, auf eine so schimpfEchoenlant'sche Agitation wurde als nicht ersprießlich für unsere liche Zumuthung einzugehen. Leipzig, 19. März.( W. T. B.) Die beiden in der AnPartei erachtet. Trotzdem wird von Kottbus in die bürgerliche Presse hinein gelegenheit des Zeiger Raubmordes verhafteten Personen haben lanzirt, die Hartnäckigkeit der Arbeiter trage schuld. Wie elend ihr Alibi nachgewiesen und sind wieder auf freien Fuß gesetzt In Netzschkan i. V. haben die Gastwirthe, die unserer gelogen dies ist, zeigt folgendes: Die Arbeiter wandten sich worden. Partei die Säle sperrten, die unangenehme Erfahrung zwecks der Unterhandlung an das Gewerbegericht, an den Ge- Rom, 19. März.( W. T. B.) Wie in parlamentarischen gemacht, daß seit dieser Zeit auch ihre Tanzvergnügen werbe Inspektor, an die Fabrikantenvereinigung selbst. Stets Kreifen verlautet, hat die Wahlprüfungskommission beschlossen, Sonntags so viel wie gar nicht mehr besucht wurde ihnen als Antwort die weiter unten stehende Zumuthung der Kammer die Annullirung der Wahlen De Felice's, Bosco's zu theil. und Barbato's vorzuschlagen. werden. Verantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 68. Nvichlsk«g. 64. Sitzung vom 19. März 1836, 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: v. Bötticher, v. Mar- schall. H o Ilm an». Die Berathung der einmaligen Ausgaben des Marine. Etats wird fortgesetzt. Abg. Richter(frs. Vp.): Der Staatssekretär v. Marschall hat gestern beiläufig zu begründen versucht die Intervention in Ostasien, bei der sich die deutsche Regierung der französischen und russischen an- geschlossen bat. Diese Erklärung war mehr geeignet, Fragen aufzuwerfen, als die Angelegenheit abzuschließen. Das deutsche Interesse sollte bedingen, daß nicht Japan einseitig die Ober- Herrschaft über China erlangt. Es konkurrirt aber in Ostasien auch Rußland, und gerade die Stellung Rußlands er- sähet eine Stärkung durch die Eröffnung der sibirischen Eisen- bahn, welche die Führung russischer Truppen nach Sibirien gestattet. Eine weitere Stärkung ist die Einräumung eines eis- freien Hafens. Die Stärkung Rußlands ist für die Gleich- berechtigung anderer europäischer Interessen gefährlicher als die Alleinberechtigung Japans. Wir haben keine anderen Interessen als England und Nordamerika. Diese beiden Länder haben es aber nicht als ihren Interessen ent- sprechend erachtet, sich an der Intervention zu belheiligen. Von dem Vortheil der Intervention ist bisher nichts zu tage ge- treten. Ich will mich eines abschließenden Urtheiles enthalten, denn wir wissen immer noch viel zu wenig von den dortigen Verhältnissen. lieber die Stellung des Marinekabinets hat der Staatssekretär seine Erklärung aus der Bndgetkommission etwas ausführlicher wiederholt, daß sich nämlich derChef des Marinekabinets seinerKon- trolle entziehe, da er der Bnreauchef des Monarchen für die Marine- Angelegenheiten sei. Dieser Vergleich mit einer mehr subalternen Stellung ist doch nicht zutreffend. Der Chef des Marinekabinets hat Borträge zu halten nicht blos in Kommando», sondern auch in Verwallungsangelegenheiten. Es ist doch bedenklich, daß eine Persönlichkeit, die selb st nicht verant- iv o r t l i ch i st und einer verantwortlichen Stellung nichtuntergeordnet i st. Vorträgehält über Reichs» ngelege n heiten. Das verträgt sich doch mit konstitutionellen Verhältnissen nicht.(Ziistimninng im Zentrum.) Dieses Marinekabinet besteht erst einige Jahre, es hat sein Seitenstück im Militär- und Zivilkabinet. Das preußische Zivilkabinet ist dem preußischen Staatsminislerium untergeordnet. Wenn ich Gefahren erblicke in dieser Stellung des Marine- kabinets, so sind das keine Gespenster. Denn die Stellung des Mckitärkabinels hat schon sehr verhängnißvoll auf die Regierung in Preußen eingewirkt. Es liegt in dieser Stellung die Möglich- keit, sich zu emauzipiren von der Leitung des Ressortchess. Nach- tdeilige Folgen sind in den sechziger Jahren hervorgetreten. Der Mililärkonstikt würde sich nicht so zugespitzt haben, wenn der damalige Chef des Militärkabinets, v. Mantenffel, sich nicht in einer solchen unabhängigen Stellung befunden hätte. Deshalb haben wir alle Ursache, die Verhältnisse scharf im Auge zu behalten. Die gestrige Rede des Herrn v. Bennigsen bewegte sich in Allgemeinheiten, die wenig zur Begründung des Etats beitrugen. Man konnte auf den Gedanken kommen, als ob wir am Bor- abend einer neuen Flottenaultion ständen, als ob wir unter- kriechen müßten unter den Schutz anderer Mächte, als ob Dänemark wieder unsere Küste blockiren könnte. Wenn auch Bebel die Nothwendigkeit einer Flotte leugnen wollte, wir haben niemals einen Zweifel darüber gelassen, daß wir eine ausreichende Flotte neben einer starken Landarmee für nothwendig hallen. Es fragt sich nur, in welchem Umfange die Flotte einzurichten ist, um ihre Zwecke zu erfüllen unbeschadet der anderen Aufgaben des Reichs. Unter den Minister» v. Stosch und v. Caprivi haben die Marinesordernngen niemals zu aufregenden Debatten Anlaß gegeben. Als von der Marine als von einer„heißgeliebten Flotte" ge- sprachen wurde, da mußte man darauf achten, daß die heiße Liebe nicht erkaltete für alle anderen Zweige der Reichsver- waltung. Herr v. Marschall sprach vom Stillstand, der den Rückschritt bedeutet; als ob wir stille gestanden hätten! Sind doch niemals so große Aufwendungen für die Marine gemacht worden als in den letzten sieben Jahren. Es sind im Exlraordinarium über 300 Millionen Mark aufgewendet. (Hört, hört! im Zentrum.) Die Zahl der Schiffe ist von 79 auf 91 gestiegen, wobei die Torpedoflotte nicht gerechnet ist. Die einzelnen Schiffe sind durchschnittlich weit stärker als die früheren Schiffe. Die Zahl der Pferdekräsle ist um 69 pCl., die Stärke der Mannschaften um mehr als«in Drittel gestiegen. Die Ersatzbauten sind größtentheils größer und stärker ausgefallen, als man ursprünglich beabsichtigte. Die Ersatzbauten sollen nicht eingestellt, aber es muß Maß und Ziel gehalten werden. Die ersten Raten sind gering, aber die großen Summen kommen erst später nach; die Etats nach 1397 werden jetzt schon mit 84 Millionen Mark belastet für weitere Raten, und was wird dazu kommen an neuen ersten Raten! Herr Fritzen will von neuen Steuern und Anleihen nichts wissen. Wie sollen denn aber solche Ausgaben gedeckt werden? Selbst diejenigen, welche für die neue Militärvorlage gestimmt haben, sagten, sie dürfe sich nicht wiederholen. Die Deckung solcher Ausgaben müsse erst geschafft sein, ehe man die Ausgaben bewillige. Diese Gefahr der Bewilligung der Ausgaben ohne Deckung liegt hier nahe. 299 Millionen sind demnächst noch erforderlich sür die Kasernirung des Heeres; ganz abgesehen von den großen Kosten der Uebnngsplätze und der Lazareth- und sonstigen Ein- richtungen. Dazu kommen die Ausgaben sür die warme Abend- kost der Soldaten. Diese Finanzlage gestaltet nicht ein Engagement in dem Umfange. wie es die ersten Raten verlangen. Dazu kommen aber noch die weiteren Pläne. Ich spreche nicht von den Chauvinisten, sondern von dem, was Herr Marschall angedeutet bat. Seine allgemeinen Erklärungen sind nicht befriedigend, sie können alles decken. Es handelt sich um Pläne, die in absehbarer Zeil in Erfüllung gehen sollen. Ob die Agitationen hier schon eine Wirkung gehabt haben, ist schwer festzustellen; aber darüber läßt sich nicht streiten: Je leichter der Reichstag die Bewilligung vornimmt, desto mehr wird der Glauben erweckt, daß man ans dem Wege des Chauvinisnius schon weiter kommt. Von einer melancholischen Auffassung hat auch 1833 Herr v. Caprivi in bezng aus einen Artikel der„Köl- nischen Zeitung" gesprochen und wenige Monate später hatte sich der Artikel zur Militärvorlage verdichtet. So etwas macht vor- sichtig. In breiten Völkskreiscn ist der Chauvinismus nicht vor- handen, aber wohl in den kleinen, aber mächtigen Kreisen — Vor 19 Jahren hatten wir 27 Kreuzer, jetzt nur 29; aber Kreuzer und Kreuzer ist doch ein Unterschied; die Zahl der Pferdekräsle hat sich von 52 auf 83 000 gehoben.(Hört! links.) Wenn die auswärtigen Stationen nicht besetzt werden können, so liegt das daran, daß man die großen Panzer in den heimischen Gewässern zu lange fest hält und daß wir die Kräfte auf Kolonien verzetteln, die nichts werth sind Und welche Ansprüche stellt der H o f d i e n st an die Marine!(Sehr richtig links.) Nach Konstantinopel konnte kein Schiff geschickt werden, aber jetzt wird die„Kaiserin Freitag, den 20. Marz 1896. Augnsta" im Hosdienst nach dem Mittelmeer geschickt. Die wirthschaftlichen Interessen in Südamerika sind so groß, daß dafür Schiffe vorhanden sein müssen. Wenn trotzdem in jedem Jahre die Vakatanzeige kommt, so will man dadurch nur den horror vacui hervorrufen; erst wenn der letzte Kreuzer be- willigt sein wird, wird man diese Station wieder besetzen. Die Beunruhigung des Handels und der Industrie datirt nicht vom Fehlen der Kreuzer her, sondern von den Agrariern im Jnlande. Man bestreitet sogar, daß der Handel zu den produktiven Ständen gehört und möchte doch ungeheure Gelder für maritime Zwecke bewilligen. Man lockert Handelsverträge und stellt es so dar, als wenn der Handel leidet durch das Fehlen von Kriegs- schiffen. Wir wollen Vorsorge treffen, daß wir nicht durch die Berufung hieraus gezwungen werden zu neuen Steuern, welche Handel und Wandel mehr stören, als der Umstand, ob wir einen Kreuzer mehr oder weniger haben.(Beifall links.) Abg. v. Leipziger(k.): Die Schiffsliste enthält eine ganze Reihe von Schiffe», aber darunter sind viele, die den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechen und ersetzt werden müssen. Die neuere Technik ersordert größere und daher auch kostspieligere Schiffe. Wir müssen daher durch Qualität ersetzen, was uns an Quantität abgeht. Wenn Herr Richter die Besetzung der südamerikanischen Station sür noihwendig hält, dann wird er hoffentlich einen Kreuzer bewilligen für diesen Zweck. Eine Beunruhigung des Handels und der Industrie durch die Landwirthschaft liegt nicht vor; die Landwirthschast leidet Roth, während Handel und Industrie blüht und florirt. Daß die Gerüchte über die uferlosen Pläne gerade in die Zeit der Budgetberathung fallen, bedauere auch ich. Die Stellung der Regierung ist dadurch er- schwert worden. Mit den uferlosen Plänen beschäftigen wir uns nicht, solange sie nicht Körper bekommen haben in Gestalt einer Vorlage. Namens der Mehrzahl meiner Freunde kann ich aber schon heute erklären, daß ein weites Hinausgehen über das jetzige- forderte Maß bei uns wohl keine Gegenliebe sin den wird.(Sehr richtig! rechts.) Einer Denkschrift, einem Flotlenplan stehen wir skeptisch gegenüber, denn b i s- her ist noch keine Denkschrist ganz ausgeführt worden; denn die technischen Fortschritte wechseln und ebenso die Bedürfnisse des politischen Dienstes.(Sehr richtig! rechts.) Ich. hoffe, daß der Reichstag die Forderungen bewilligen wird und dadurch sein Einverständniß erklärt mit der friedlichen Politik des Kanzlers und damit, daß das Schwert des Reiches geschärft gehalten wird in der Scheide.(Beifall rechts.) Abg. Förster(Resorm-P.): Ich persönlich meine, daß wir über das Maß dessen, was jetzt gefordert wird, noch etwas hinausgehen könnten. Wenn eine Vermehrung der Flotte sich als noihwendig herausstellt, so beweist das, daß unser Einfluß über die ganze Welt sich ausdehnt, daß unsere Handels- beziehungen sich vermehren. Aber ein Borbehalt muß gemacht werden, daß die Leistungen nicht über die Finanzkräfte des Reiches hinausgehen. Die Auslassung des Staatssekretärs über die oft- asiatischen Verhältnisse hat auch mich nicht befriedigt. Es ist mir nicht klar geworden, weshalb Deutschland sich auf die Seite Chinas stellen soll. Abg. v. Kardorff(Rp.): Die Marincforderungen haben wir nicht übertrieben gesunden. Die Stenern sind es nicht, welche das Land drücken und Roth und Elend hervorrufen. Das liegt an einer schlechten Wirthschastspolitik. Wir können es sehr gut verantworten, für die Ehre des Vaterlandes diese Summen zu bewilligen, trotz der Roth der Landwirthschaft, weil diese Steuersummen nicht in betracht kommen gegenüber den großen Fragen. Ich hoffe, daß der Reichstag die Forderung bewilligen wird. Es ist so hart geurtheilt worden über den Flottenenlhiisiasmus. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß in jener Zeit, als diese Versammlungen abgehalten wurden, jene grenzenlosen Beschimpfungen des Reiches durch die englische Presse vorlagen, welche der englischen Regierung nahe legten, die.ganzen deutschen Kriegsschisse vom Meere fortblasen zu lassen. Ich würde mich geschämt haben, wenn darauf in Deutschland nicht irgend eine Antwort erfolgt wäre.(Beifall rechts.) Damit schließt die Diskussion. Die ersten sechs Titel, welche weitere Raten für bereits früher bewilligte Schiffsbauten ent- halten, werden bewilligt; ebenso die ersten Raten für Ersatz „Friedlich der Große", für drei Kreuzer und sür die sonstigen Bauten. Bei den Kosten für den Umbau einer Anlegebrücke in Wilhelmshaven empfiehlt Abg. Hahn im Interesse der Handelsschifffahrt die Verbesserung der Schleusenverhält- nisse und die Beschaffung einer Dampspinasse, um die Schiffe bei starkem Winde in den Hafen zu schleppen. Staatssekretär Hollmann verspricht, sich bemühen zu wolle» für die Erfüllung dieses Wunsches. Die Budgetkommission beantragt, die Ausgabe für Strand- anschüttungen im Kieler Hasen in Höhe von 19 899 M. zu streichen. Der Berichterstatter Lieber begründet diesen Beschluß. Staatssekretär p. Bötticher: Für dieses Jahr will ich dem Antrage der Budgelkommijsion nicht widersprechen. Die Position wird abgelehnt. Gestrichen werden soll nach dem Antrage der Budget- kommission die erste Baurate für ein Trockendock in Kiel in Höhe von 1 Million Mark. Berichterstatter Lieber erklärt, daß die Kommission die Noth- wendigkeit eines Trockendocks anerkenne, aber die jetzige große Ausgabe sür die Marineverwaltung verhindere es, daß die Be- willigung jetzt eintritt. Staatssekretär Hollmann spricht seine Befriedigung darüber aus, daß das Bedürsniß anerkannt werde. Abg. Hasse(natl.) erklärt sich gegen die Streichung der Ausgabe. Der Titel wird gegen die Stimme des Abg. Hasse unter großer Heiterkeit des Hauses abgelehnt. Damit ist der Marine-Etat erledigt. Es folgt der Etat des allgemeinen P e n s i o n s- f o n d s. wozu ein Antrag Äugst u. Gen.(süddeutsche Volks- Partei) vorliegt: an die Reichsregierung das Ersuchen zu stellen. aus eine Abminderung der Zahl der Offizierspensionirungen hin- zuwirken und insbesondere Pensionirungen von Offizieren nicht aus dem Grunde eintreten zu lassen, daß ein Offizier, welcher sich für seine bisherige Dienststellung als genügend befähigt er- weist, sür die nächst höhere Dienststellung nicht geeignet erscheint. Abg. Haiisiman»(südd. Volksp.): Der Pensionsfonds wächst mit rapider Schnelligkeit an! Er ist in wenigen Jahren von 48 auf 84 Millionen M. gestiegen und die Zahl der pensiouirten Offiziere hat sich nahezu um 199 pCt. vermehrt. Die Vermehrung der Pensionirungen ist eine Folge der Vermehrung der Offizier« stellen infolge der Hceresvermehrung, ferner eine Folge der Besserstellung der Pensionäre, weil bei der Anstellung der Pen- sionäre im Kommunal- und Privatdienst«ine Kürzung der Pen- sion nicht mehr eintritt. Es verletzt das Rechtsgefuhl des Volkes, wenn die Pensionäre neben ihrer Pension ein auskömmliches Gehalt beziehen. Es besteht auch Klage darüber, daß die Pensionirung der Militärpersonen aus unzureichenden Gründen erfolge, während die Offiziere noch vollkommen dienstfähig sind. Ein aktiver Offizier hat mir mit- getheilt, daß auch in der Armee der große Umfang der Pensio- 13. Jahrg. nirungen Unwillen erregt hat; in der bayerischen Abgeordneten- kammer ist auch festgestellt worden, daß den Offizieren vielfach eröffnet wurde, sie würden in die nächst höhere Stelle nicht mehr aufrücken, was ein Rath zur Einreichung des Pensionsgesnches bedeute. Es sind sogar Offiziere für den Felddienst unfähig er- klärt worden, die nicht nur nichts davon wußten, sondern sogar schon für ihr erivartetes Avancement eine Gesellschaft zur Feier eingeladen hatten. Die Offiziere werden dadurch veranlaßt, geschmeidig nach oben zu sein und die charaktervollen Offiziere verschwinden immer mehr. Das Beschwerderecht der Offiziere ist schlechter gestellt als das des gemeinen Soldaten. Sie sind vollständig rechtlos ihren Vorgesetzten preisgegeben in bezug auf ihre Qua- lifikation. Woran liegt es, daß die Offiziere sich in immer jüngeren Jahren pensioniren lassen müssen? Man will Platz schaffen für ein besseres Avancement für die viel zu große Zahl der Ossiziere der anderen Klassen. Man sollte an die Stelle der Lieutenants mehr die Unteroffiziere stellen, welche doch im Kriege vielfach Offiziersdienste verrichten; warum läßt man nicht die Unteroffiziere ihre Karriere mit der Lieutenants- stellung abschließen? Ferner müßten zur Entlastung des Pensionsfonds die jungen Offiziere, welche sich offenkundig nicht eignen für die militärische Karriere, ohne Pensionirung abgeschoben werden, damit sie sich beizeiten einem anderen Berufe zuwenden können. Die jetzige Abschließung des Osfizierkorps nicht nur von der bürgerlichen Bevölkerung, sondern auch von den Unteroffizieren würde dann aushören. Diese Abschließung ist ein Widerspruch mit der Vorstellung, daß unsere Armee ein Volk in Waffen ist. Die Kriegs-Verwaltung freilich wird sich mit einem solchen Ge- danken ebenso wenig befreunden wollen, wie sie sich mit der zwei- jährigen Dienstzeit befreunden konnte. Aber eine solche Reform würde gleichzeitig den Interessen der Armee und des Volkes ent- sprechen. Abg. p. Schöning(k.): Ich bin immer unter dem Beifall des Hauses dafür eingetreten, daß den Pensionären ihre Pension nicht gekürzt, werden möge, und Herr Haußmann verlangt das Gegentheil. Dafür fehlt mir das rechte Verständniß. Die Ab- schiebung junger Offiziere empfiehlt der Vorredner. Ziethen wurde zweimal entlassen und ist später ein großer Reitergeneral geworden. Generallieutenant v. Spitz: Herr Haußmann hat sich als ein so tiefer Kenner dessen, was sür die Armee nöthig ist, dar- gethan(Heiterkeit), daß ich ihm nicht folgen kann. Er tadelt die Wiedereinberusung invalider und haldinvalider Offiziere im Kriegsfall, wo doch schließlich alles heran muß. Er verlangt die Einsührung des Troupicr- Systems, um welches wir andere Armeen nicht beneiden. Der Vorredner wird für seine Ideen keine Anhänger finden bei denen, die Kenner dessen sind, was für eine schlagfertige Armee nöthig ist. Der Vorredner wirst die Offiziere und Militärbeamten zusammen; die Statistik ergiebt aber, daß die Vermehrung der Pensionirung bei den Beamten der Zivilverwaltung sowohl wie bei de» Ossizieren sehr viel stärker ist, als bei den Offizieren. Bei der Post namentlich war die Steigerung zu erklären daraus, daß die Unterbeamten schon meist ältere Leute, Militär- anwärter sind. Aber bei den anderen Zivilverwaltungen sind die Beamten meist höhere Beamten und trotzdem sind die Pensioui- rungen größer als bei den Offizieren. Daß sogar Lieutenants ent- lassen werden, um sür die Avantageure Platz zu schaffen, wird in der Armee großes Staunen erregen. Man vergißt ganz, daß von Mannschasten zahlreiche junge Leute entlassen werden müssen, weil sie nicht dienstfähig sind. Bei den Lieutenants stellt sich oft heraus, daß sie nicht ganz dienstfähig sind. Namentlich treten vielfach Herzleiden, Brüche, Kehlkopfleiden u. s. w. hervor bei Leuten, die sonst ganz gesund erscheinen. Die Einführung des Troupiersystems würde ein Nachtheil sür die Schlagfertigkeit der Armee sein, sie würde aber den Pensionsfonds nicht ent- lasten. Abg. Haiisimaiiii: Herr v. Schöning hat mich absolut miß- verstanden; ich wollte keinem Invaliden die Pension verkürzen. Herr v. Spitz hat die Hauptfrage umgangen und sich von oben herunter über mich armen unerfahrenen Laien ausgesprochen. Ich bin das gewohnt; ich war schon einmal in der Lage, mich über seine spitzen Bemerkungen zu beschweren.(Heiterkeit.) Ich bin kein Kenner, denn das, was ich vorgetragen, habe ich von aktiven Offizieren, die es ernst mit dem Wohl der Armee meinen. Die Hauptsache ist die: Nimmt in der Regel der Offizier seinen Abschied dann, wenn er sich sür eine höhere Stellung nicht qualifizirt? Man sollte das Prinzip offen einführen, aber nicht einen Umweg machen, indem man die Offiziere durch ärztliche Atteste für felddienstuufähig erklärt. Für die Armee von 1879 galt noch nicht das System der Verjüngung, welches gegenwärtig durchgeführt wird. Der Hinweis auf die Zivilverwaltung paßt nicht, weil man nicht die Altersverhältnisse der Beaniten bei der Peiisionirung berücksichtigt bat. Es giebt viele Unteroffiziere, die intellegenter sind als die Offiziere, die man jetzt abstoßen muß. Generallieutenant v. Spitz: Ich habe auch jetzt meiner Antwort von vorhin nichts hinzuzufügen. In der ganzen preußischen Armee ist es bekannt, daß 1866 das preußische Offizierkorps sehr verjüngt worden war; deshalb hat sich die Armee so gut geschlagen und 1879 war dasselbe der Fall. Gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten wird der Antrag Angst abgelehnt; der Etat des Pensionsfonds wird genehmigt: ebenso der Etat des Reichsschatzamts. Beim Etat der Reichsschuld weist Abg. Singer darauf hin, daß im vorigen Jahre die Kon- vertirung angeregt sei; die verbündeten Regierungen haben sich damals freie Hand vorbehalten, aber bis jetzt die günstige Lage des Geldmarktes nicht benutzt, trotzdem es sich um eine Zinsen- ersparniß von 3Vs Millionen Mark handelt. Man führt die armen Wittwen und Waisen, die Stiftungen, ja überhaupt den ganzen Mittelstand an, der durch die Kouvertirung geschädigt würbe. Der Mittelstand hat wohl andere Sorgen, als die An- läge von Kapitalien in Sraatspapieren. Die Zinsen werden gezahlt aus den Steuern der breiten Massen des Volkes, die Armen bezahlen die Zinsen für die Reichen. Wenn die Einzelstaaten die Konverlirung ebenfalls vornehnien, so werden keine erheb- lichen Ersparnisse erzielt werden. Ich will hoffen, daß die Re- gierung sich nach dieser Anregung nicht mehr ablehnend ver- halten wird. Abg. Mcycr-Danzig(Rp.): Nachdem die Regierung gegen den Antrag Kanitz hauptsächlich geltend gemacht hat. daß die Ursache der Nothlage der Landwirthschaft die Verschuldung sei. hoffe ich, daß sie der Kouvertirung geneigt sein wird. Ich werde nach Ostern die Kouvertirung der Reichsanleihe auf 3 pCt. beantragen. Staatssekretär Graf PosadowSkt): Da ich nach Ostern Gelegenheit haben werde, mich zu äußern, will ich heule nur be- merken: Zur 5?onvertirung ist ein Reichsgesetz nothwendig. wozu die Zustimmung des Bundesralhes erforderlich ist. Diejenigen Regierungen, die sich»och nicht haben entschließen können, ihrer- seit» mit der Konverlirung vorzugehen, werden natürlich gegen diesen Entwurf stimmen. Der Schwerpunkt der Frage liegt also mehr in den Einzelstaaten, weil diese noch viel größere Schiilden haben als das Reich. Wir haben eine Zeil gehabt, wo ein Theil unserer Schuldlilek aus England zurückströmte; man sah darin eine Gefahr für das Reich. Die Betheiligung des Auslandes an unseren Anleihe» wird zum theil überschätzt; ich glaube auch, wir sind reich genug, um unsere Schulden im Lande unterzubringen. Es ist besser wenn unsere Anleihen im Inlands ihren hauptsächlichsten Markt finden. Um 6 Uhr wird darauf die weitere Berathung bis Freitag I Uhr vertagt._ NsvIolmenkÄVlfllhes- Aus der Kommission für das bürgerliche Gesetzbuch. In der Sitzung am Donnerstag wurden zum Mäklervertrag drei Zusätze beschlossen, deren letzter insbesondere von erheblicher Tragweite für weite Kreise auch der arbeitenden Bevölkerung sein kann. Zunächst wurde beschlossen, ausdrücklich zu bestimmen, daß eine Vergütung des Mäklers dann nicht einzutreten habe, wenn der Mäkler der erklärten oder aus den Umständen zu entnehmenden Absicht desjenigen, der den Mäklerlohn versprochen hat, zuwider auch für den anderen Theil thätig gewesen ist. Ferner wurde folgender An- trag des Abg. L e t o ch a berathcn:„Durch dasVersprechen eines Bermögensvortheils für die Nach- Weisung einer heirathssähigen Person oder für die Bermittelung einer Ehe wird eine Verbindlichkeit nicht begründet. Das auf grund solchen Versprechens Geleistete kann aber nicht deshalb zurück- gefordert werden, ivcil eine Verbindlichkeit nicht bestanden hat." Zur Begründung des Antrages wurde von den Abgeordneten Letocha, Stadthagen und Bachem etwa ausgeführt: Der Heiligkeit einer Ehe und der Würde der Frau entspricht es nicht, daß Frau oder Mann wie Waaren ausgeboten und als Ehegut verschachert werden. Die aus solchem Menschenschacher entstehenden Prozesse förderten wunderbare Einzelheiten zu tage, die von einer besonderen Niedrigkeit der Gesinnung Wohlhabender Zcugniß ablegten. Einen widerlichen Eindruck machen die Annoncen, wie sie in dem„Lokal-Anzeiger", der„Kreuzzeitung", der„Heirathszeitung" und dergleichen sich vorfinden; in ihnen werden von Juden und Christen, von Be- amren, Offizieren, Industriellen, Gutsbefitzern u. s. w. Ehe- Hälften beiderlei Geschlechts mit den verschiedensten angeblichen Eigenschaften empfohlen und gesucht. Dieselben Annoncen dien- ten, wie männiglich bekannt, zur Beförderung des außerehelichen Geschlechtsverkehrs. Anständige Zeitungen, vor allem Arbeiterzeitungen, nähmen solche Sorte An- noncen nicht auf. Daß man in der Aufnahme sehr be- rechtigter Zeitungsnotizen zur Wahrung der Rechte der Arbeiter „groben Unfug" gefunden habe, in dem Fleischmarkt gewisser Blätter aber nichts die Anstandsinteressen verletzendes erblicke, müsse überraschen.>Das Ausbieten von Menschenfleisch zu ehelichem oder außerehelichem Genuß sei verwerflich, desgleichen die Zahlung für Zuführung desselben. Einen gleichen Stand- Punkt nehme das sächsische Gesetzbuch ein, das im tz 1259 Heirathsvermittlungs-Vergütungen für nichtig erklärt. Ein ähn- liches Resultat habe im rheinischen, badischen und rheinhessischen Gebiet Artikel 1133 des coAe civil, beziehentlich des badischen Landrechts gezeitigt. Dieser Artikel bestimmt, daß Verträge gegen die„guten Sitten" oder gegen die„öffentliche Ordnuno" nichtig seien. Demgemäß hat in sehr vielen Fällen das Oberlandesgericht zu Köln und das Oberlandesgericht zu Karlsruhe Forderungen, für Heiralhsvermittlungen für unklagbar erachtet. Allerdings das Reichsgericht hat anders entschieden. Das Reichsgericht nahm an: die Bermittelung der Ehe ist als Herbeiführung eines durchaus erlaubten Vertrages an sich nichts nioralisch Ver- wirkliches und der Ehemaklerlohn klagbar, wenn sich auch der Vermittler zur Herbeiführung seines Zwecks unerlaubter Mittel(doloser Vorspiegelungen über die Vermögensverhält- nisse, über körperliche Vorzüge und dergl.) bedient habe! Diese Auffassung dürfe der Gesetzgeber nicht adoptiren. Allerdings würde der Nebenvortheil, die unsittlichen Anerbieten aus den Zeitungen zum Verschwinden zu bringen, durch den gestellten An- trag nicht ganz erreicht, aber doch eine größere Möglichkeit ge- geben werden, solchen Schmutzfinken aus die Finger zu klopfen. Das Bürgerliche Gesetzbuch solle seine Hand nicht dazu bieten, daß Weiber und Männer wie Kühe und Ochsen ansgeboteu werden. Die Vertreter der Regierung äußerten ihre Sympathie mit dem Antrage, aber hatten insofern Bedenken, als weite Volkskreise, insbesondere Thcile der bäuerischen Bevölkerung, Ehevermittler gegen Entgelt in Anspruch nehmen. Doch die Abgeordneten Vielhaben und Enneccerns stimmten dem Antrage zu. Der Antrag wurde dann e i n st i m m i g angenommen. Ferner beantragte Abg. von Dziembowski-Pomien(Pole) folgende Bestimmung auf- zunehmen:„Ein u»verhält nißmä'ß ig hoherMäkler- lohn kann aufA n tra g desSchuldnersdurchUrtheil auf den angemessenen Betrag herabgesetzt werden. Die Rückforderung des Gezahlten ist unzulässig." Antrag- fteller und Abg. Bachem exemplifizirten zur Begründung wesenl- lich auf eine Reihe Fälle im Grundstücksverkehr. Die Abgg. Letocha und Stadthagen legten dar, daß insbesondere kür das Gebiet der Stellenvermittlung die Annahme »es Antrages wünschenswerth und nothwendig sei. Es sei ja leider fast die Regel geworden, daß auf dem Gebiete des Arbeits- Marktes, mag es sich um Gesindeverhältnisse, mag es sich um ge- werbliche oder kaufmännische Angestellte handeln, die Vermittler, Agenten u. dgl. unverschämt hohe Preise nähmen. Insbesondere ländliche Arbeiter, städtisches Gesinde, Kellner. Kellnerinnen, Artisten, Schauspieler. Schauspielerinnen, Handlungsgehilsen und Seeleute werden oft für die ganze Dauer des Arbeits-Ver- hältnisses tributpflichtig gemacht, hätten oft 2, ö, 10 pCt. des Gehalts oder Lohnes, za noch mehr für die gesammte Dauer des Arbeits-Verhältnisses zu zahlen. Der Trost der Regierungsvertreter, daß dann strafbarer Wucher vorliege, nütze nichts; in der Wirk- lichkeit müssen diese Opfer bluten und werde der blutgierige Vampyr in seiner Ausbeutungsmöglichkeit durch Urtheil geschützt. Ebenso wie bei der Konventionalstrafe müsse auch hier dem Richter daS Recht der Ermäßigung gegeben werden, das ja übri- gens in der Rechtsanwaltsordnung Anwälten gegenüber bereits anerkannt sei. Auch dieser Antrag gelangte zur ein st immigen Annahme. Ohne erhebliche Debatte ge» langen sodann die§§ 644—688 des Entwurfs(Auslobung, Auf- trag, Geschäftsführung ohne Auftrag und Hinterlegungsantrag) zur Annahme. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt. Gerichts Die aus der vorzeitigen Veröffentlichung des kaiser- lichen Gnadenerlasses durch den„Vorwärts" entstandene Diebstahls-Anklage wurde Donnerstag vor der 132. Abtheilung des Amtsgerichts Berlin I verhandelt. Die Anklage lautete auf Diebstahl bezw. Anstiftung zum Diebstahl, Begünstigung, Beihilfe und Hehlerei; sie richtet sich gegen den 30 Jahre alten Buch- binder Wilhelm H i l l e r t, den 22jährigen Hausdiener Ernst Tscheunert und den 37jährigen Buchbinder Bruno Z e t s ch e. Zur Erinnerung an die vor LS Jahren erfolgte Neubegründung des Deutsche» Reiches war seitens des Kaisers ein Gnadenerlaß ergangen, durch welchen bestimmte im Bereiche der preußischen Militärverwaltung gegen Militärpersonen verhängte Strafen erlassen sein sollten. Diese Kundgebung sollte am 13. Januar durch das„Armee-Verordnungsblatt" zur öffent» lichen Kenntniß gebracht werden. Dieses Blatt wird in der königl. Hofbuchdruckerei von E. S. Mittler u. Sohn Hierselbst gedruckt. Um die Veröffentlichung rechtzeitig zu bewirken, wurde am Abend des IS. Januar ein hektographischer Abzug des Gnadenerlasses in der Mittler'schen Druckerei abgegeben. Am 16. Januar Nachmittags wurde mit dem Druck des Er« lasseS bez. der Nr. 3 des„Armee-Verordnungsblattes" begonnen. Es mußte überraschen, daß der kaiserl. Gnadenerlaß schon einen Tag vor seiner Veröffentlichung im„Armee-Verordnungsblatt" in der Nr. 14 des.Vorwärts" vom 47. Januar wörtlich abge« druckt werden konnte. Tas räthselhafte Vorkommniß veranlaßte die Polizei zu eingehenden Ermittelungen, durch welche nach der Anklageschrift schließlich folgendes festgestellt wurde: Der Angc- klagte Hillert, welcher in der Mittler'schen Hofbuchdrnckerei als Buchbinder angestellt war, erhielt am 16. Januar nachmittags den Austrag. in den Papiersaal zu gehen und dort unter Aussicht des Papiermeisters Teichman n das soeben aus dem Druck gelangte„Armee- Verordnungsblatt" zu salzen. Als der Angeklagte Zetsche dies hörte, soll er den Hillert gebeten haben, ihm ein Exemplar des „Armee-Verordnungsblattes" zu besorgen. Zetsche soll dann mit tillert weiter verabredet haben, er werde ihm den Angeklagte» scheunert mit dem Auftrage schicken,„eine Liste" zu holen. Tscheunert soll dann ausdrücklich beaustragt worden sein, sich von Hillert ein Exemplar der Nr. 3 des„Armee-Verordnungs- blattes" geben zu lassen und es dem Zetsche zu bringen. Er er- mahnte ihn gleichzeitig zur größten Vorsicht, damit der Papier- meister Teichmann nichts merke; zu diesem Zwecke sollte er eben sagen, daß er„eine Liste" haben wolle. Der Auf- trag wurde denn auch in der so verabredeten Weise aus- geführt. Hillert soll ein Exemplar des„Armee-Verordnungsblattes" unbemerkt zerknittert und dem Tscheunert übergeben haben. Letzterer überbrachte es dem Zetsche. Dieser soll, wie die An- klage behauptet, sofort in die Redaktion des„Vorwärts" ge- lausen sein und dort das Blatt dem Redakteur Dr. Braun über- geben haben. Soweit der Thatbcstand. zu dessen Erweise 14 Zeugen geladen worden sind. Den Vorsitz im Gerichtshöfe führte Amtsrichter Wienskowsky, die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Drescher, die Vertheidigung führte Rechts- anwalt Freudenthal. Vom Kriegsministerium war Oberftlieutenant Gäbe, von der politische» Polizei Kommissarius v. Tausch anwesend. Die Angeklagten sind, wie der Vorsitzende feststellte, infolge des Vorfalls aus ihren Stellungen entlassen worden, wo die beiden ersten 7—3 Jahre thätig waren. Sie behaupteten, daß sie nicht bei Mittler u. Sohn, sondern in der Buchbinderei von Kämmerer, die ganz selbständig arbeite, beschäftigt gewesen seien. Die Angeklagten gaben den Thatbestand zu, Tscheunert erklärte, durchaus nicht gewußt zu haben, zu welchem Zweck das Blatt, welches er dem Zetsche übermittelte, von letzterem verwandt werden sollte. Der Angeklagte Hillert gab an, daß es in der Mittler'schen Druckerei Sitte sei, daß sich Arbeiter gelegentlich ein einzelnes Exemplar der dort angefertigten Blätter nehmen, ohne daß irgend jemand in solcher Aneignung etwas Un- erlaubtes gefunden hätte. Nach, Angabe des Angeklagten Zetsche haben die Buchbinder ein besonderes Interesse daran, gerade das„Armee-Verordnungsblatt" recht zeitig zu lesen, weil darin oft Deckblätter verlangt würden—«ine für die Buchbinder recht lohnende Arbeit— und nur aus diesem Grunde habe er den Angeklagten Hillert ersucht, ihm ein Exemplar dieser Nummer zukommen zu lassen. Erst als er nach dem Empfang der fraglichen Nummer dieselbe durchgesehen und darin den Gnadenerlaß gefunden habe, sei ihm der Gedanke gekommen, daß dieser zur Veröffentlichung im„Vorwärts" geeignet sein könne, worauf er am andern Tage das Blatt in der Redaktion des„Vorwärts" abgegeben und sich gleich darauf entfernt habe. Als er später sah, daß der Erlaß im„Vorwärts" wörtlich abgedruckt war, habe er sich bei der Redaktion deswegen beschwert, und bei dieser Gelegenheit sei ihm gesagt worden, er solle künftig derartige Sachen nicht auf der Redaktion abgeben, sondern dieselben in den Briefkasten stecken. Im übrigen habe er nicht das Bewußtsein gehabt, hierdurch etwas Unerlaubtes zu thun, da das fragliche Blatt ein Ausschußexemplar war und derartige Exemplare acht- los herumgeworfen würden und niemand etwas dagegen habe, wenn sich ein Arbeiter solche Makulaturbogen aneigne. Selbst solche Drucksachen, die ausdrücklich als geheime bezeichnet worden wären, hätten oft wochenlang in den Arbeitsräumen herumgelegen und seien jedermann zugänglich gewesen. Das „Armee-Verordnungsblatt" sei übrigens nie als geheim behandelt worden. Daß er sich durch die Aneignung des Blattes eines Diebstahls schuldig gemacht habe, sei ihm nicht zum Bewußtsein gekommen. Der Zeuge Kanzlei-Direktor S i e b m a n n giebt an, dem Obersakior der Mittler'schen Druckerei Stahl das hekto- graphirte Manuskript des Gnaden-Erlasses übergeben zu haben mit der Bemerkung, daß dasselbe als geheim zu behandeln sei. Die Zeugen Oberfaktor Stahl, Prokurist Z i k a tz k i, Faktor Fritze bekunden, von der Geheimhaltung des Gnadenerlasses gewußt, und denselben auch als sekrel behandelt zu haben. Die Fortnahme einzelner Exemplare durch die Arbeiter sei weder üblich, noch statthaft. Papiermeister Teich- mann giebt an, für den Druck des„Armee-Verordnungsblattes" die Bogen ausgezählt und auch die richtige Anzahl bedruckter Boge» zurückerhalten zu haben. In der Weise würde die Kontrolle immer geübt und könne daher auch eine beliebige Ver- weudung selbst von unbrauchbaren Exemplaren seitens der Arbeiter nicht vorkommen. Das„Armee-Verordnungsblatt" würde sonst nicht als geheim behandelt, nur bei der Nr. 3, welche den Gnadenerlaß enthielt, sei eine Ausnahme gemacht worden. Den mit dem Falzen betrauten Buch- bindern sei allerdings von der Geheimhaltung dieser Nummer nichts gesagt worden. In keinem alle dürften von einer bei Mittler hergestellten Druckschrist vor usgabe derselben Exemplare von Arbeitern verwendet werden. Nach der Ausgabe habe er selber schon die Erlaubniß dazu ge- geben. Drei als Zeugen vernommene Buchbinder der Kämmerer- schen Buchbinderei, welche die Arbeiten für Mittler anfertigt. und wo auch die Angeklagten beschäftigt waren, sagen aus, sie hätten gehört, daß Zetsche de» Hillert beauftragte, ihm ein Exemplar des„Armee-Verordnungsblattes" zuzustellen. Jedoch sei dieser Austrag nicht in einer Weise erfolgt, die als Heimlich- lhuerei angesehen werden könne. Im Gegentheil habe Zetsche so laut gesprochen, daß die umstehenden Kollegen diesen Auftrag gleichfalls gehört hätten. Makulaturblätter wurden sonst öfter von Arbeitern mitgenommen, ohne daß jemand etwas dagegen hatte.— Kriminalkommissarius Schöne sagte aus, daß er die Ermittelungen in dieser Sache erhoben habe. Er legte gerade dieser Angelegenheit eine besondere Bedeutung bei, weil er der Ansicht ist, daß der„Vorwärts" nur durch verbreche» rische Handlung in den Besitz der in verschiedenen Fällen von ihm veröffentlichten geheimen Erlasse aus sekreten Akten- stücken gekommen sein könne. Hier in diesem Falle habe er erst die Schriftsetzer in Verdacht gehabt, er sei aber dann doch zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Thäter in der Buchbinderei sitzen müßten und habe Herr Dr. Töche, den Besitzer der Mittler- schen Druckerei, ersucht, auch nach dieser Richtung hin seine Aufmerksamkeit zu wenden. Das müsse wohl in der Buchbinderei gemerkt worden sein, denn bald darauf seien die Mittheilungen seitens des Zeugen Mök gekommen. Der Zeuge bekundet weiter, daß, nachdem er die drei Angeklagten festgenommen, diese bei ihren Vernehmungen auch bald den Thatbestand zugegeben haben. Speziell habe Zetsche gesagt, er habe schon vorher unter der Hand erfahren, daß in jener Nummer des Armeeblattes der kaiserliche Erlaß erscheinen werde und da zu solchen Handlungen schon wiederholt direkt oder indirekt auf- gefordert worden sei, habe er geglaubt, als Leser des„Vorwärts" dem Blatte einen Gefallen zu thun. wenn er ihm den Erlaß brächte. Die Angeklagten haben auch ohne weiteres zugegeben, daß sie etwas Strafbares begangen hätte». Der Angeklagte Zetsche bestritt dies und behauptete, daß er erst durch das Lesen des„Armeeblattes" ersehen habe, daß der Gnadenerlaß darin stehe.— Rechtsanwalt Freudenthal ließ schließlich aus den Akten feststellen, daß in dem Protokoll, welches Kriminal- kommissarius Schöne über die Vernehmung des Zetsche auf- genommen, kein Wort davon stehe, daß dieser gesagt habe,„er habe schon vorher unter der Hand erfahren, daß das Armeeblatt den Gnadenerlaß bringe» würde.— Staatsanwalt Drescher stellte seinerseits fest, daß heute zum ersten Male die Angeklagten die Behauptung ausgestellt haben, daß es sich um ein Malulaturexemplar handelte.— Nach Schluß der Beweis« aufnähme ergriff Oberstaatsanwalt Drescher das Wort und führte etwa folgendes aus: Ehe ich auf die Sache selbst eingebe, sei es mir gestattet, einen Punkt hier zu erörtern, der sich auf das Verfahren der Behörden in dieser Angelegenheit und die darauf bezüglichen Publikationen in der Presse bezieht. Vor einigen Tagen erschien in der„ P o st" ein Artikel, der auf die juristisch interessanten Seiten dieses Strafprozesses hinwies und ein Reichsgerichts-Erkcnntniß anzog, dessen Bedeutung vollständig verkannt worden ist. In jenem Artikel wurde allerdings noch nicht einer Behörde ein Vorwurf gemacht. Tas„Berliner Tageblatt" bemächtigte sich dann dieses Gegenstandes und erhob Vorwürfe gegen die Behörden, denen geradezu eine tendenziöse Behandlung der Sache nachgesagt und behauptet wurde, daß man die Verhandlung nur deshalb dem Schöffen- gerichte überwiesen habe, weil man das Kammer- gericht als oberste Instanz haben wollte, da man des Reichsgerichts nicht ganz sicher sei. Dieser Vorwurf ist ganz leichtfertig und grundlos erhoben, er wurde aber ohne Prüfung auch von der„Staatsbürger-Zeitung" nachgedruckt. Darin liegt doch der schwere Vorwurf, daß man die Sache tendenziös be- handle. Was mich betrifft, so bin ich stets geneigt, für alle Akte der Staatsanwaltschast mich der Kritik der Presse zu unterstellen, die Presse sollte doch aber nicht dazu die Hand bieten. so unerhört leichtfertige Vorwürfe zu erheben, denn das ist nicht dazu angelha», die Achtung vor der Presse zu erhöhen. Ist mit diesem Vorwurf die Staatsanwaltschast gemeint, so ergeben die Akten gerade das Gegentheil, denn gerade die Staatsanwaltschaft hat den Antrag gestellt, die Sache zur Ver- Handlung an die Strafkammer zu überweisen. Sie ging dabei von der Ansicht aus, daß es sich hier um ein Objekt handele, welches der Zuständigkeit des Schöffengerichts um deshalb enl- zogen sei, weil es sich hier nicht um den bloßen minimalen Werth des Stück Papieres handele, sondern um den unschätz- baren Werth des Inhalts. Von der Staatsanwaltschaft prallen die Vorwürfe also ab und auch die Strafkammer, die die Ueberweisung an das Schöffengericht beschlossen, ist frei von jedem berechtigten Vorwurf. Was die Sache selbst betrifft, so handelt es sich um eine Angelegenheit von großer politischer Bedeutung. Straf- rechtlich sind für die hier zu erörternde That allerdings nur die auf der Anklagebank sitzenden Angeklagten verantwortlich. Es kommt aber noch ein anderer Gesichtspunkt in betracht: der Gesichtspunkt der Moral. Von diesem Gesichtspunkte aus sind noch Mitschuldige vorhanden, das sind die Personen, die in gewissenloser Weise andere zu solchen Strafthaten, gemeinen Diebstählen und Vertrauensbrüchen anreizen und verleite». Diese Personen verstehen es allerdings, sich in sicherem Versteck zn halten. Dies ändert aber an ihrer moralischen Mitschuld nichts. Es ist nun allgemein zu bedauern, daß die sozialdemokraiische Parteipresse, und hier besonders der„Vorwärts", ein schimpfliches Gewerbe daraus macht, derartige durch gemeinen Diebstahl er- langte Aktenstücke zu veröffentlichen oder vorzeitig zu veröffent- lichen. Das geschieht in der Absicht, der großen Menge zu zeige». welche Macht die Sozialdemokratie besitzt. Dabei brüstet sich diese Partei in großthuerischer und praleriscker Weise noch damit, daß sie keinen Finger rühre, um in den Besitz solcher Aktenstücks zu kommen. Mag dem sein, wie ihm wolle, moralisch veriverflich muß es immer gelten, sich mit Dieben einzulassen und von Dieben etwas in Empfang zu nehmen. Tie sozialdemo- kratische Presse hat darüber andere Ansichten, sie nimmt von Dieben ohne jeden Skrupel Gegenstände in Empfang, sie em- pfängt die Diebe mit offenen Armen, der Herr Redakteur sagt wiederholt„Danke schön!" und giebt dem betreffende» noch guten Rath, wie er es in Zukunft machen muß und daß er solche Dinge doch nicht selbst überbringen, sondern in den Briefkasten stecken muß. Ist das nicht eine Anreizung in bester Form? Die sozialdemokratische Presse kann sagen was sie will: die Diebe von Aktenstücken bleiben ihr an den Rockschößen hängen! Was den gegenwärtigen Fall de- trifft, so kann die Anklage wegen Hehlerei gegen Zetsche nicht ausrecht erhalten werden, weil das Moment des Vermögens- vortheils wegfällt. Im übrigen erscheint es ganz unzweifelhaft. daß die Angeklagten nach einem vorher gefaßten Plane gehandelt haben. Thatsächlich handelt es sich auch nicht um ein verdrucktes und beiseite gelegtes Exemplar, sondern um ein solches, welches Hillert aus dem Stoß fertiger Exemplare genommen und dann zerknittert hat, wahrscheinlich um es nicht auffällig zu machen. daß überhaupt ein solches Exemplar gegeben wird. Nach den Er- gebnissen der Beweisaufnahme gtebt es nur zwei rechtliche Gesichts- punkte, die hier in Frage kommen können: Entweder haben Hillert und Tscheunert zusammen den Diebstahl verübt und Zetsche ist der Anstifter oder die Sache ist so zu konstruiren: Zelsche ist allein der Dieb und die beiden anderen sind seine ftrasbaren Beihelser. Die eine dieser Ausfassungen ist so be- rechtigt, wie die anderen, es kommt nur darauf an, wie man annimmt, zu welchem Zeitpunkte das gestohlene Exemplar aus dem Gewahrsam von Mittlee und Sohn oder Kämmerer ge- kommen ist. Ein Diebstahl liegt aber jedenfalls vor. Ein solches bedrucktes Blatt Papier hat immerhin einen. wenn auch noch so minimalen Werth; hier aber handelt es sich nicht blos um diesen materiellen Werth. sondern der aus den Motiven deS Zetsche ersichtliche ungemein große ideelle Werth. Die Angeklagten, die schon vor- her unter der Hand von dem Gnadenerlaß gehört hatten, haben bei der Wegnahme das Bewußtsein gehabt, daß es sich um ein sehr werthvolles Stück Papier handele. Die gegentheiligen Be- hanptungen der Angeklagten sind ihnen zwetfellos von außen nahe gelegt worden, uni sich herauszulügen. Wenn die Weg- nähme des Blattes Papier wirklich etwas so alltägliches wäre. dann hätten die Angeklagten der Geheimthuerei gar nicht be- dürft. Und dann: sie haben ja auch sämmtlich ein Ge» stäudniß abgelegt und wenn sie davon heute abgegangen sind, so ist das auf Einflüsterungen von außen zurückzuführen. Hier handele es sich nicht um die Wegnahme eines an sich ziemlich werthlosen Blattes zum Zwecke der Vernichtung, sondern um die Wegnahme eines Gegenstandes behufs Uebertragung des Eigenthums auf einen dritte». Der Thatbestand des Diebstahls und der Beihilfe liegt vor. Was das Strafmaß betrifft, so muß man vor allem Rücksicht nehme» auf das Motiv der Angeklagten. Aus ihrer Stellung als Sozialdemokraten heraus haben sie ihre Gesinnung bethätigen wollen. Das ist ein erschwerender Gesichtspunkt. Dazu kommt das planmäßige Vorgehen, die Raffiuirtheil des ganzen Planes und die große Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Daß durch die schon wiederholt durch den „Vorwärts" erfolgte unbefugte Veröffentlichung solcher Akten- stücke die öffentliche Ordnung auf das Allerenlschiedenste gefährdet wird, läßt sich nicht bestreiten und ist den Angeklagten auch be- kannt gewesen. Dazu kommt ferner der von den Angeklagten begangene grobe Vertrauensbruch, der auch bestehen bleibt, selbst wenn man zugeben will, daß bei Mittler u. Sohn oder Kämmerer diese Ding« nicht einer sehr sorgfältigen Kontrolle unterworfen gewesen zu sein scheinen. Schließlich kommt der Inhalt des Blattes Papier selbst in Frage. Es handelte sich hier nicht um die Verfügung einer untergeordneten Behörde, sondern um«inen persönlichen Willensakt des Kaisers, um«inen hochherzigen Akt, der gerade von den Sozialdemokraten hoch geschätzt iverden ollte. Und wenn die Angeklagten in ihrer Verblendung sich dazu habe» entschließen können, ein solches Dokument zum Gegenstand des Diebstahls zu machen, so ist das ehrlos! Ich beantrage gegen Zetsche und Hillert neun Monate bezw. sechs Monate Gesängnib und je ein Jahr Ehrverlust. gegen Tscheuert vier Monate Gefängniß.— Rechtsauwalt Ereudenthal beantragte die Freisprechung der Angeklagren. r werde es vermeiden, die Person des Kaisers hier in die Ver- Handlung zu ziehen, denn in dem Gerichtssaale solle im Namen des Königs Recht gesprochen werden. Nach seiner Ansicht habe die Straslamtner durchaus richtig gehandelt, als sie diese Sache» bei welcher eS sich um ein yanz minimales Objekt handele, dem Schöffengericht überwies. Er denke also gar nicht daran, der Strafkammer einen Vorwurf zu machen, er sei auch ferner der Meinung, daß man im Gerichtssaale nicht nach etwaigen morali- schen, sondern nur nach strafrechtlichen Gesichtspunkten fragen solle. Daß solche Briefe oder Aktenstücke entwendet werden, sei doch nichts gar so Ungewöhnliches, feien doch auch dem alten Kaiser Wilhelm, als er noch Kronprinz war, Briefe gestohlen worden, freilich damals nicht von Sozialdemokraten, sondern von ganz anderen Leuten. Auf diese Dinge wolle er nicht eingehen, denn im Gerichtssaale solle nicht Geschichte geschrieben und Moralpredigten gehalten werden, sondern untersucht werden, ob eine strasbare Handlung vorliege. DaS sei nun hier nicht der Fall. Der Vertheidiger ist über das Ergebniß der Beweisaufnahme in einzelnen Punkten anderer Meinung wie der Staatsanwalt und bestreitet, daß die Angeklagten den geheimen Charakter des Aktenstückes gekannt oder gar gewußt haben, daß das Armeeblatt einen derartigen Gnadenerlaß bringen werde. Gegenüber polizeilichen Pro» tokollen müsse man immer sehr vorsichtig sein. Es sei unglaublich, daß dieselben unter der Hand erfahren hätten, das„Armee-Verordnungsblatt" enthalte einen Gnaden- erlaß. Nicht einmal der Ches der Angeklagten habe irgend etwas davon gewußt. Jedem ihrer Mitarbeiter sei dieses vollständig unbekannt gewesen. Ganz plötzlich sei die Arbeit des FalzenS dem Hillert übertragen worden. Oeffentlich vor seinen Mitgescllen hatte der Angeklagte Zelsche dem Hillert gesagt, er solle ihm»in Blatt de- sorgen und als ihm der Angeklagte Tscheunert in den Wurf kam, habe er diesem öffentlich gesagt, er soll die Liste holen. Von einem planvollen geheimen Agiren kann hierbei gar nicht die Rede sein. Deswegen erscheine es auch ganz unglaubwürdig, daß der Angeklagte Zetsche dem Kriminalkommissar Schöne gesagt haben soll, er habe unter der Hand er- fahren, das Blatt würde einen Staatserlaß enthalten und daS sei was für den„Vorwärts". Von dieser Äleußerung des Zetsche enthalte seine polizei- licke Aussage nicht ein Wort. Plötzlich trete der Polizei- kommissar Schöne in der Verhandlung mit dieser Behauptung hervor, eine Behauptung, die angesichts der Sachlage unwahr- scheinlich sei. Eine derartige höchst gravirende Auslassung hätte der in politischen Prozessen so bewanderte Kriminalkommissar sicherlich zu Papier gebracht und diese nicht außer acht gelassen. Der Vertheidiger erörterte des weiteren die rechtliche Seite der Frage und b e st r i t t. unter Hinweis auf vorliegende Reichsgerichts- Entscheidungen das Borliegen eines Diebstahls. Wenn ich jemand einen Tausendmarlschein nehme, um ihn zu zerreißen, so ist das kein Diebstahl. Bei einem Diebstahl handelt es sich nicht darum, daß ich etwas an mich bringe, sondern daß ich es in mein Vermögen bringe. Daß diese Absicht bei den Angeklagten vorgewaltet, sei ausgeschlossen. Der Vertheidiger verwies in dieser Beziehung namentlich auf eine Reichsgerichtß-Entscheidung im Bd. Xl Seite 210. Hier handle es sich um einen sogenannten Gebrauchsdiebstahl, und der sei nicht strafbar. Aus dem Umstände, daß die Angeklagten von dem kaiserlichen Erlaß durch Veröffentlichung Gebrauch machen wollten, könne ihnen ein Strick nicht gedreht werden, denn kraft des Nachdruckgesetzes könne man jeden öffentlichen Erlaß nachdrucken.— Nachdem noch Oberstaatsanwalt Drescher den Krimi nalkommissarius Schön« gegen die Angr.isfe des Vertheidigers in Schutz genommen, zog sich der Gerichtshof zur Berathung zurück. Diese dauerte nur kurze Zeit. Wie der Vorsitzende publizirte, ist der Gerichtshof zu der Ueberzeupung gekommen, daß die Angeklagten unter der Hand schon vorher gehört hatten, daß daS Armeeblatt den Erlaß bringen werde und nun, um dem„Vorwärts" gefällig zu sein, da- nach gestrebt hätten, in den Besitz eines Exemplars zu gelangen. Was die rechtliche Seite betrifft, so hält der Gerichtshof dafür ," daß alle Thatbestandsmerkmale des Diebstahls gegeben seien, die Ange- klagten auch das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit ihres Handelns gehabt haben. Ihr ganzes Verhalten zeige, daß sie wohl wußten, daß derjenige, der die Verwahrung halte, mit der Wegnahme nicht einverstanden war. Nach Ansicht des Gerichtshofes sei Zetsche als der eigentliche Dieb. Hillert und Tscheunert aber als seine Werkzeuge— allerdings dolos«— zu betrachten. Strafmildernd liege nur die Unbescholtenheit der Angeklagten vor, sonst aber nur strafschärfende Momente. Aus den materiellen Werth des Papiers komme es nicht an, wohl aber ailf den sehr hohen ideellen Werth, ferner auf den sehr groben Vertrauensbruch und auf das Motiv der Angeklagten, die lediglich in der Absicht ge- handelt haben, in ihrer Partei als große Leute dazustehen. Das Urtheil lautete gegen Zetsche aus 6 Monate. Hillert 3 Monate, Tscheunert 1 Monat Gesängniß. Schluß 4 Uhr. Uokktles. Achtung, RummelSburg! Die Ersatzwahlen zur G e- meindevertretung im hiesigen ersten und zweiten Bezirk finden heute, Freitag, den SO. März, von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 2 Uhr statt. Im ersten Bezirk ist sozial- demokratischerseits von der Ausstellung eines Kandidaten Abstand genommen worden und es wird daher hier Wahlenthaltung empfohlen. Dagegen ist im zweiten Bezirk, wo die Wahl eines Unangessenen in Frage kommt, unser Partei- genösse, der Zigarren- Händler Alfred Alschner. Rummelsburg, Kantstraße 6, als Kandidat aufgestellt worden. Es ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, heute mit ganzer Kraft für die Wahl unseres Kandidaten zu wirken; thue ein jeder seine Schuldigkeit, dann ist der Sieg unser I Der zweite Kommunal-Wahlbezirk umfaßt folgende Straßen: Hauptstraße. Prinz Albertstraße, Portlandstraße, Liebigstraße, Neue Prinz Albertstraße, Fischerstraße, Wilhelmstraße und Friedrichstraße. Gegen die Errichtung einer Milllvcrladestelle am Süd» ufer war von den Anwohnern wiederholt aber erfolglos bei dem Polizeipräsidium petitionirt worden. Den Unternehmern war zur Pflicht gemacht worden, nach drei Seiten hin um den Platz eine steinerne Mauer zu errichten und außerdem Vorkehrungen zu treffen, um Verunreinigung des Wassers beim Verladen des Mülls zu verhüten; zu weitergehenden Einschränkungen, nament- lich zur Ueberdeckung der Ausladestelle, um den Anblick des Mülls von der Straße her zu verhindern, lag nach Auffassung der Polizeibehörde ein Anlaß nicht vor, da die Um- gebnng des Platze? in weiterer Entfernung unbebaut war. Jetzt sind nun die Anwohner von der un- liebsamcn Abladestelle durch einen eigenthümlichen Un,- stand befreit worden. Es stellte sich nämlich heraus, daß sämmtliche zur Müllbeförderung benutzten Kähne an der nahe- gelegenen Schleuse bei Plötzensee hätten durchgeschleust werden müssen und daß für jede Durchschleusung eine Gebühr von 6 M. erHobe» wird. Es würde nach einem ungefähren Ueberschlage den Unteruehmern, welche 25 Schiffsfahrzeuge im ununterbrochenem Betriebe zu erhallen beabsichtigen, eine jährliche Ausgabe an Schleusengeldern von SO— 100 000 M. erwachsen. Unter diesen Umständen haben die Unternehmer auf die Errichtung der Ab- labestelle an dem zuerst in Aussicht genommenen Platze verzichtet und werden ein anderes Terrain jenseits der Schleuse erwerben, das außerdem den Vorzug hat, in völlig unbebauter Gegend zu liege». Wie werden Fürsten zu Meuschenverächtcrn gemacht? Der ehemalige Dramaturg und artistische Sekretär de? Wallncr- theateis v. Saville veröffentlicht im„Berliner Fremdenblatt" unter dem Titel:„Wie ich ein alter ungehorsamer Ostpreuße wurde" eine Erinnerung an Kaiser Friedrich. Der Verfasser tbeilt mit. er sei mit dem Amt betraut gewesen, die fürstlichen Gäste bei ihrem Besuch des Theaters zu empfangen, und nun berichtet er über eine Begegnung mit dem damaligen Krön- prinzen Friedrich Wilhelm in jder Hauptsache, wie' folgt:„Es war im Anfang des Monats März 18S3. An dem in Rede stehenden Abend herrschte ein schauderhaftes Wetter, dichter, leichter Schnee fiel herab, der sich, noch ehe er die Erde berührte, in Wasser auflöste, und ein eisiger Wind fegte über den Hof, als ich mich wie gewöhnlich im Frack zum Empfange des Kronprinzen dahin begab. Der Wagen des Kronprinzc» fuhr in den Hof, und eben wollte ich, den Hut in der Hand, an den Wagen treten, als mir. dem das Schnee wasser vom Gesicht herablief, vom Kronprinzen aus dem Magen zu- gerufen wurde:„Wollen Sie wohl den Hut aufsetzen!" Ich that es pich t. Ausgestiegen aus dem Wagen, wiederholte der hohe Herr:„Sitzen Sie den Hut aus. Sie werden sich erkälten!" „Die Ehrfurcht verbietet mir. vor Eurer kaiser- lichen Hoheit mit dem Hut auf dem Kopf zu stehen!" erwiderte ich.„Ach was. Sie werden sich in dem Zug erkälten!" war seine Antwort.„Kaiserliche Hoheit sind zu gnädig, um meine Gesundheit besorgt zu sein, ich bin ein O st p r e u ß e und an rauhe Witterung gewähnt!" erlaubte ich mir zu antworten.„Ostpreuße oder Südpreuße, das ist gleich. Sie werden sich erkälten, und das will ich nicht, setzen Sie gleich den Hut auf," erwiderte der Kronprinz, und da er im b e- fehlenden Ton gesprochen hatte, bedeckte ich mich nun. „Nach Schluß der Vorstellung wünsche ich Sie hier im Ueber- zieher zu sehen, hören Sie!" Ich verbeugte mich, und der Kronprinz ging nach der Loge hinauf. Am Schluß der Vorstellung geleitete ich die Frau Kronprinzessin, welche dieser Vorstellung auch beigewohnt und die Loge zuerst verlassen hatte, nach dem Wagen, ihr hoher Gemahl folgte. Als er nun sah, daß die Frau Kronprinzessin mit mir sprach, rief er lachend:„Sprich nicht mit dem alten Ostpreußen, er ist mir immer u»- gehorsam! Ich hatte keinen Ueberzicher an und hatte den Hut wie natürlich in der H a n d. So wurde ich ei» alter, ungehorsamer Ostpreuße und wurde so auch immer bei spätere» Empfängen von dem so gnädigen hohen Herrn an- geredet!" Schon 1371 hat der Verfasser des bekannten„Neuen Wintermärchens" daraus hingewiesen, wie nothwendig das neue Geschlecht der Musterdeutsche» eines Schwanzes zum Wedeln be- dürfe. Leider hat die sonst so grundgütige Mutter Natur die entsprechende Bitte des Dichters immer noch nicht erhört. Von der Heiligkeit der Ehe in gewissen bürgerlichen Kreisen giebt das solgende G e s ch n f t s z i r k u l a r der„Ans- kunftei Salo Richter" ein liebliches Bild:„Infolge der Aus- dehnung meines Instituts ist die Verlegung der Geschäftsräume nöthig geworden, und befinden sich dieselben vom heutigen Tage an(folgt Adresse). Ich bin nunmehr in der Lage, auch der Abtheilung für HeirathS- und Privatauskünfte gleich derjenigen für K r e d i t auskünfte, die sich durch ihre P r o m p t h e i t und Zuverlässigkeit die Anerkennung erster Firmen und Banken erworben haben, meine ganze Aus- merksamkeit und Fürsorge zutheil werden zu lassen. Die zahl- reichen Beziehungen, die ich in den besseren jüdischen Kreisen Berlins und der Provinz be- sitze, befähigen mich, Auskünste zu crtheilen, die nicht nur die in betracht kommende Situation, die ja dem Aufbau eines Haushalts als Grundlage dienen soll, aufs Eingehendste untersuchen, sondern auch den sozialen Werth der interessirende» Persönlichkeiten in bezug auf Herzens-(!) und Geistesbildung, aus Zukunft und Lebens- stellung in klarster Weist beleuchten. Es ist nicht meine Absicht, ür diese Heiraths- Auskünfte die bisher meistens ge- orderten abnorm hohen Preise in Ansatz zu bringen, vielmehr dürfen Sie der l o y a I st e n Berechnung versichert sein. Ich empfehle mich Ihrem geneigten Wohlwollen und bitte Sie, mich mit Ihrem Vertrauen zu beehren,"— Heißt ein Geschäft, eine solche unter der Aegide der„Auskunftei" zu stände gekommene Ehe! Vom weiteren Wirken der Polizei am Gedenktage meldet ei» Lokalberichterstatter: Der Schluß des Friedhofes der Märzgefallenen erfolgte gestern Abend bereits um•V-iti Uhr, zu welcher Zeit die Massengräber durch Polizeiniann- s ch a f t e n geräumt wurden. Hierbei gingen die Mann- schaften der Straßenexekution überaus scharf vor; sie wiesen sämmtliche Paffanten des Friedrichshains in der Gegend des Krankenhauses hinaus und die Promenaden- und Fahrwege zwischen Landsberger Allee, dem Krankenhause Friedrichshain und Landsberger Thor wurden völlig gesperrt, so daß von der Arbeit kommende Personen, die sich auf dem Nach- hausewege befanden und dabei den Friedrichshain passtren mußten, gezwungen waren, große Umwege zu machen. Diese Sperrung dauerte bis Uhr abends. Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne— ihr. In der stattgehabten Generalversammlung der Großen Berliner Pferde- Eisenbahn- Aktiengesellschaft erinnerte der Vorsitzende daran, daß die Gesellschaft nunmehr auf eine 2djährige sehr befriedigende Thäligkcit zurückblicke und gab er der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck, daß das Unternehmen sich in den bisherige» glucklichen Bahnen weiter bewegen werde. Die anwesenden 51 Aktionäre, die ein Aktien- kapital von 12 389 100 M. repräsentirten und wiederum eine Dividende von l2l/s pCl. beziehe», halten gegen diesen Wunsch nichts einzuwenden. Friedrich der Große und seine ZnchthanSkandidatcn. Mit einem nette» Diebesgesindel muß sich der augeblich größte der tobten Hohenzollern in seinen letzten Lebensjahren umgebe» haben, wen» das Schriftstück echt ist, das ein hiesiges Blatt veröffentlicht. Es ist eine Küchenrechnung, und sie lautet:„Die Exlra-Konsumtion bei der Königl. Hoj-Kuche vom 9. November 1784 beträgt Summa 25 Rthlr. 10 gr. IVe denar." Darunter hat der König mit eigener Hand, aber in großen Haken und nn- leserlicher Schrift geschrieben:„Da vorgestern 100 auster Sindt gestollcn auf den Tich geweßen kosten 4 Tallcr. Die Kuchen 2 rtl., quapen Leber 1 rtl., der Fichsch 2 rtl., die Kuchen auf Rusich 2 rtl. macht 11 rtl. Das übrige gestollen. Da«in Eßen mehr heute ist geweßen Hering u. Erpssen Kan 1 rtl. kosten also was über 12 rtl. ist impertinent gestollen." Deutsche Bildnngsriipel. Ein Pistolenduell mit un- blutigem Ausgange hat vor kurzem im Grunewald zwischen zwei Velerinärstudenten stattgefunden. Veranlassung dazu waren Beleidigungen am Biertische, die auch zu Thätlichkeiteu geführt hatten. Der eine Duellant war erst kürzlich von Ehrenbreiten- stein zurückgekehrt, wo er wegen Zweikampfs eine Festungsstrafe verbüßt hatte. Kein Wunder bei dem wehenden Wind, daß sich die„Blüthe der deutschen Nation" immer mehr zu solchen Rohheitsverbrechen angestachelt fühlt. Von Anna Merten meldet ein Berichterstatter: Bezüglich Anna Merten's, der Geliebten Fritz Friedmann's, hieß eS, daß ein Verbot des Polizeipräsidiums sie verhindert habe, in Berlin aufzutreten. Wie verlautet, lag jedoch der Hinderungsgrund darin, daß Anna Merten einem„Familienereigniß" entgegensieht. Im ZirkuS Busch findet am 2. April die letzte Vorstellung tatt, der Zirkus siedelt dann nach Wien über. Inzwischen ollen in de» Vorstellungen noch verschiedene interessante Ab- wechslungen geboten werden. Von einem Mitgliedc der Kommission für den Austritt aus der Landeskirche wird uns geschrieben, daß die auch von uns wiedergcgebene Nachricht der„Volks-Zeitung", wonach die Kommission wegen unerlaubten Verbreitens von Druckschriften ein Strasmandat erhalten habe, wohl nicht richtig sei. In der Müllerstraße habe ein Polizeilieutenant zwar einige Austritts- sormulare konfiszirt. von einer Bestrafung in diesem Falle wisse man jedoch in der Kommission nichts. Zu dem Unglück bei Eyck und Strasser, worüber wir am Mittwoch berichteten, wird uns noch weiter mitgetheilt, daß der verunglückte Emil Straßburger mit noch anderen Arbeitern in dem Raum, wo die Transmission sich befindet, sich umzukleiden pflegte. Dies geschah deshalb, weil der zum Zweck des U>n- kleidens vorhandene Raum sich als zn klein erwies. Als nun am Dienstag Mittag Straßburger beim Anziehen seines Jockels der unbekleideten Transmission zu nahe kam, wurde er von der letzteren erfaßt und ihm, wie bereits geschildert, der rechte Arm abgerissen. Es ist anzunehmen, daß der Raum, in welchem das Unglück passirte, nur zur Beherbergung der Transmission vorhanden ist, da erst am Montag eine Revision der Fabrikanlagen durch den Fabrikinspektor vor- genommen wurde. Die Arbeiter sollten sich doch endlich daran gewöhnen, bei etwaigen mangelhaften Zuständen in den Fabriken sich sofort energisch an die Fabrikleitung zu wenden, und wenn das nicht hilft, an die zuständigen Behörden. Es würde alsdann manches Unglück zur rechten Zeit verhütet werden. Erschossen hat sich der 32jährige Viehhändler Wessel, der im Geschäft seines Vaters in der Friedeustraße angestellt war. Familienzwistigkeiten sollen die Ursache der That gewesen sein. Ein entscblichcö Unglück ist am Mittwoch Abend dein 17jährigcn Dienstmädchen Karolinc Kirchner zugestoßen, das bei einem Kaufmann in der Schlegelstraße in Stellung ist. Das Mädchen wollte etwas vom Hängeboden hervorholen und fiel dabei so unglücklich auf einen Stuhl, daß es sich de» Unterleib aufriß. Nachdem ein Arzt ihr einen Nothverband angelegt hatte, mußte die Schwerverletzte in ein Krankenhaus gebracht werde». Wegen Krankheit suchte sich Donnerstag Morgen der Zimmermann Sch. in seiner Wohnung in der Ruppinerstraße durch Erhängen das Leben zu nehmen. Er wurde jedoch ab- geschnitten und noch lebend in ein Krankenhaus gebracht. Unbekannt gestorben ist im Krankenhause am Friedrichs- Hai» ein Mann, der am vergangenen Sonntag durch einen Schutzmann dorthin gebracht worden war. Der Mann sprach um die Mittagszeit bei einer Wittwe P. in der Magazin» straße um eine Tasse Kaffee an, die ihm auch gewährt wurde. Als aber das Dienstmädchen mit den: Getränke die Küche ver- ließ, um es ihm zu überreichen, war der Mann unterdessen auf dem Treppenabsätze zusammengebrochen und hatte das Bewußt- sein verloren. � Ohne dieses wiedererlangt zu haben, ist er im Krankenhause gestorben. Der Unbekannte, bei dem auch keine Ausweispapiere gesunden wurde», hat weißes Haar und einen spitz zugeschnittenen Vollbart. Wetter-Prognose für Freitag, de» 20. März IKK«. Kühleres, theils helteres, theilS wolliges Wetter mit etwas Regen und schwachen westlichen Winden. Berliner Wctterbureau. Gemovkpisznftlirfzvs. Sitnationöbericht der streikenden Lackircr Berlins und Umgegend. Bewilligt haben 45 Werkstellen mit 200 Kollegen. Im Streik befinde» sich in 18 Werkstellen 67 Manu, die 54 Kinder zu ernähren habe». Zwecks genauer Kontrolle haben sich die streikenden Kollegen unbedingt zweimal täglich, und zwar vormittags von 9 bis 11 Uhr und nachmittags von 3— 5 Uhr im Streiklokal bei Sieges- in und, Alexanderstraße 11, einzufinden. Ebendaselbst ist während des Streiks der Arbeitsnachweis. Die Kollegen werden ersucht, sich recht zahlreich dort einzu- finden, da die Nachfrage nach Arbeit groß ist. Von den Werkstellen, wo noch nicht bewilligt ist. sind besonders zu nennen: I. Neu ß, Friedrichstraße, Wagenfabrik. D i t t- m a n n, Markusstraße Lange und G u t z e i t, Frankfurter Allee, Schulz, Eisen-Möbelfabrik, Hasenhaide Nr. 9. Die In« Haber dieser Firmen haben noch keine Erklärung abgegeben. Ferner werden die Kollegen, welche den Tarif abgeholt habe» oder denen die Forderungen noch nicht bewilligt worden sind, gebeten, unverzüglich der Lohnkommission Bericht zukommen zu lassen. Auch werden die in Arbeit stehenden Kollegen auf den Beschluß der öffentlichen Versammlung am 13. März aufmerksam gemacht, wonach sich sämmtliche arbeitende Kollegen moralisch für verpflichtet halte», 1 M. des Sonnabends an die Streikkasse abzuliefern. Endlich werden die Kollegen noch auf die öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht, die am Sonn- tag, den 22. März, vormillags 9 Uhr, im Englischen Garten abgehalten wird. Die L o h n k o in m i s s i o n der L a ck i r e r Berlins und Umgegend. I. V.: B. S eh ni is ch. Der Vorstand der orgauisirtcu Brauer Berlins macht bekannt, daß die Differenzen zwischen den ausgesperrten Brauerei- arbeitern des M ü n ch e n e r B r a u h a u s e s, Berlin, Johannis- straße 18/19, und dessen Direktion noch nicht geregell sind. Aus Fürth ging uns ein„Ausruf an a l l e A r b e i t e r Deutschlands" zu, den wir hiermit aufs allerdriugendste der Beachtung der gesammten Arbeiterschaft empfehlen. Er lautet: Nachdem wir bei den Kommissionsverhandlungen unsere Forderungen bedeutend reduzirt hatten, eine Einigung aber trotz- dem nicht erzielt werden konnte, haben die v e r e i n i g t e nF a b r i- kanten alle Arbeiter, die sich nicht auf Gnade und Ungnade unter- schreiben wollten, r ü ck s i ch t s l o s a u s g e s p e r r t. DieZahl derselben beträgt zirka L0V0 und vertheilt sich aus die Holz- und Glas- industrie und ans die Bildhauer. Die ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen appelliren nun an das SolidaritälsgefühlZder deutschen Arbeiter, ihnen die moralische und finanzielle Unter- stützuug nicht fehlen zu lassen. Briefe und Sendungen sind zu richten an S. K u n t e r m o n n in F ü r t h in Bayern, Gasthaus zum grünen Baum. D i e K o m m i s s i o n z u r Er z i e l u n g der l'/sst ü n d i g e n Mittagspause. Die Schuhmacher Leipzigs fordern eine Erhöhung der Stück- und Akkordlöhne um 10 pCt., sowie einen Zuschlag von 20 pCt. für Ueberstuuden, ferner eine Erhöhung von 10 pCt. für Hausarbeiten und einen Stundenlohn von 30 Pf. für Tage- arbeiter sowie von 40 Pf. bei Ueberstunden. Gclbgicßer», Schlossern und Drehern zur Beachtung- daß in der Fabrik von Brandt u. B a r a n s ky in Markran' st ä d t bei Leipzig Differenzen ausgebrochen sind. AuS Lüttich wird der„Köln. Ztg." geschrieben: Der neue Bergarbeiteraus st and ist nicht auf eine Lohnbewegung, sondern auf den Umstand zurückzuführen, daß die Leitung der Cockcrill'schen Grube» 15 Kohlen hanern, die durch schwere Fehler beini Abbau den Betrieb gefährdet hatten, gekündigt hatte. Die Entlassenen brachten die Sache vor den Arbeits- und Gewerberath. und dieser entschied am Sonnabend einmüthig zu gunsten der Cockerill-Gesellschaft, was unter den Bergleuten eine solche Unzufriedenheit erregte, daß sie den Ausstand begannen. Der Spruch des Arbeits- und Gewerberaths ist, vorausgesetzt daß die„Köln. Ztg." die Thatsachen überhaupt richtig schildert. schwerlich gerecht, denn sonst würde der Ausstand kaum einen so großen Umfang gewonnen haben. Die„Voss. Ztg." berichtet nämlich: Alle Zechen des rechten Maasusers im Becken Seraing feiern. Dreitausend Bergarbeiter sind ausständig. Ein Ausstand der linksufrigen Zechen wird befürchtet. Und„Herald's Bureau" meldet: Der Streik im Knhlenrevier nimmt immer größere Dimensionen an. Auf sieben großen Gruben ruht der Betrieb. In der Stadt Seraing begab sich eine große Menge Streikender nach dem Rathhaus, um zu demonstriren und Unterstützung zu fordern. Vermischtes. Aus Dortmund berichtet man dem Berl. Tagebl.": Beim Sprengen von Steinmassen auf der Berghalde des Schachtes Kaiserstuhl löste sich ein Schuß zu früh. Durch umherfliegende Steine wurden 3 Mann schwer verlegt, von denen der Steiger Wirz bereits seinen Verlegungen erlegen ist. I hielt letterer einen schweren Stirnhieb. Josita wurde unbedeutend Ian der Hand verletzt. Ans Hongkong wird berichtet, daß die Pe ft noch immer wüthe trotz der durchgreifenden sanitären Maßregeln der Regierung. Goldfunde in Australien. Nach einer Meldung des Reuter'schen Bureaus" aus Perth( West- Australien) vom 18. d. M. Ordnungskampf in Ungarn. Aus Budapest wird vom follen in den Bergen von Darling, vierzig Meilen von Perth, Donnerstag berichtet: Bei dem heutigen Säbelduell zwischen dem reiche Goldfunde gemacht worden sein. Minister Baron Josika und dem Grafen Zdenko Klebelsberg er. I Adolph Ernst- Theater. Urania Für den Inhalt der Juferate über. Charley's Tanke. Anstalt für volksthümliche gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 20. März. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Schauspielhaus. Hadasa. Deutsches Theater. König Richard III. Lessing- Theater. Die Erste. Berliner Theater. König Heinrich. Neues Theater. Winterschlaf. Vorher: Ihre erste Liebe. Residenz- Theater. Hotel zum Freihafen. Theater Unter den Linden. Die Fledermaus. Hierauf: Divertissement. Schiller- Theater. Romeo und Julia. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Hungerleider. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Adolph Ernst- Theater. Charley's Zante. Vorher: Die Bajazzi. Schwank in 3 Akten von Brandon Thom a 3. Repertoirstück des GlobeTheaters in London. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Poffe mit Gesang u. Zanz in 1 Att von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musit von F. Roth. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. ☐ National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Volksvorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Die Geyer- Wally.. Schauspiel in 5 Akten von Wilhelmine von Hillern. Regie: Max Samst. Morgen: Zimmermann's Lene. Nachmittags 4 Uhr: Kinder- Vor#tellung. Belle- Alliance- Theater. Die Reise Der Rattenfänger v. Hameln. um die Erde in 80 Tagen. Alexanderplatz Theater. geschlossen. Heute Morgen: Die Musketiere im Damenstift. National- Theater. Generally American Theater. SpezialitätenVorstellung. Apollo- Theater. Spezialitäten- Borstellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Reichshallen- Theater. SpezialitätenVorstellung. Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Romeo und Julia. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Alexanderplatz- Theater. Wegen Vorbereitung von: Die Musketiere im Damenstifte bleibt heute, Freitag, das Theater gefchloffen. Sonnabend: Zum 1. Male: Die Musketiere im Damenstift. Operette in 3 Atten von 2. Varney. Central- Theater. Alte Jakobftr. 30. Freitag, den 20. März 1896: Emil Thomas als Gast. Zum 197. Male: Eine tolle Nacht. Große Posse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Jul. Freund und Wilh. Mannstädt. Mufit von Jnl. Einödshofer. Anfang 1/28 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Gegründet 1845. Gegründet 1845. Circus Renz Karlstrasse. Freitag, den 20. März 1896, Anfang präzise abends 7/2 Uhr: Kolossaler Erfolg! E Zum 25. Male: Novität! Novität! Lustige Blätter! Eigens vom Direktor Franz Renz und dem Großherzoglich Darmstädtischen Hofballetmeister August Siems für Berlin komponirt, mit gänzlich neuen technischen Apparaten und Beleuchtungs- Einrichtung. inszenirte Original- Vorstellung in 2 Abtheilungen mit den AusstattungsDivertissements Weltstadtbilder! Aus dem equestrischen Theil des Programms find hervorzuheben: 6 trakehner Rapphengste( Orig. Dressur), vorgeführt vom Direktor Pr. Renz. Die vier Jahreszeiten, Hohe Schule geritten v. 4 Damen. Auftr. d. Herrn Ritter v. Renroff, mit seinem Schulpferde Skobeleff. Zum Schluß der Schule: Der phänomen. Baguettesprung. Morgen, Sonnabend u. folgende Tage: Novität! Lustige Blätter. Sonntag, den 22. März: 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr ( ermäßigte Preise und 1 Kind unter 10 Jahren frei): 1870-71. Abends 712 Uhr: Lustige Blätter. Fr. Renz, Direktor, Königl. Kommissionsrath. 1. Rennen in Carlshorst Jeden Abend das urkomische Purzelbaum- Jockey- Rennen Kaufmann's Variété- Theater Königstraße, Colonnaden. Das neue Programm hat gelacht. Der singende Hahn C. C. XX- Strahlen von Stephanie& Behrens. Hokus, Pokus von Joc Marro. Charley's Tante v. Max Menzel. Das Unikum Schindler. 1000 Köpfe hat Räuschle. Apollo- Theater Friedrich str. 218. Dir. J. Glück. Neu! Sensationell! Neu! Servais Le Roy die räthselhafte JIlusion. Eugenie Fougère die unerreichte franz. Excentrique. Fritzi Ferry die pikante Wiener Soubrette. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Neuer Circus. Circus Busch( Bahnhof Börse). Schluß der Saison am 2. april. Freitag, den 20. März, abends 71/2 Uhr: Grosse humoristische Vorstellung. Die Jagd nach d. Glück. Außerdem: Die amerikan. Freunde, höchst tom. Episode. Austr. d. exzentr.. atrob. Clowns Gebr. Cavallini. Der Clown in tausend Aengsten, Entree d. Naturkunde. Am Landes- Ausstellungspark ( Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 7-10 Uhr. 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Tourbillions Trio. 912 Uhr: Jex Tanisan. 101 Uhr: Jackley's. Affenspiele. Und das Riesen 20 Nummern. Sen fations Progr. Anfang Wochentags 7/2 Uhr. Anfang Sonntags 612 Uhr. Entree 30 Pf. Eden- Theater. Welt- Restaurant 97. Dresdenerstr. 97. Jm vorderen Saal täglich: HF Weltberühmte Tyroler Sänger- Gesellschaft Almenrausch u. Edelweiss. Direktion: Alois Ebner. Entree vollständig frei! Jm Theater- Saal: Sensationelles März- Programm! Bestes Ensemble Berlins! Auftreten sämmtlicher nen engagirter Spezialitäten. Nur hochkomische Nummern! Anfang 71/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Hardinen Reste Ga 34/5 von 2 bis 4 Fenstern, crême und weiß, spottbillig, empfiehlt NophastoffS Reste in Rips, Damast, Crêpe, Phantasie, Gobelin und Plüsch spottbillig! Proben franko! in allen Qualitäten zu Fabrikpreisen. Läuferstoffe S., Emil Lefèvre, oranienfrage 158. Vollständige Geschäftsan flösung. Elegante Herrenstoffe weit unter Preis. Theodor Lehmann, Kochstr. 49. Die weltbekannte Bettfedern- Fabrik Gustav Lustig. 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Bur Sozialistischen Bewegung in Polen. " " Die Partei des Proletariat" wurde 1882 gegründet, die erften fozialistischen Vereine in Polen dagegen batiren aus dem Jahre 1877 und schon 1889 hatten ziemlich zahlreiche sozialistische Flüchtlinge in Genf eine Zeitschrift, Die Gleichheit" gegründet, die bald von einem Bulletin in französischer Sprache begleitet ward, ein Gedanke, den wir wieder aufgenommen haben. Von 1878 an füllten sich bald durch einzelne, bald durch in Masse vorgenommene Verhaftungen die Gefängnisse von Warschau und zugleich auch von Petersburg, wo eine große Anzahl Polen studirten. Dieser Bewegung fehlte aber eine feste Organisation, sowie ein Programm und eine klare Taktik, die von den wirklichen und Die Orga augenblicklichen Bedürfnissen der Arbeiter ausging. nisation, die endlich der Arbeiterbewegung eine wirkliche Macht geben sollte, war„ Das Proletariat". Es einem Manne gegründet worden, dem unstreitig das größte Verdienst Geschichte der polnisch- sozialistischen Arbeiterbewegung gebührt, der ihr wahrer, begeisterter Vertreter war: von Louis Warynski, der inzwischen in den Gefängnißzellen der St. Peter Paul- Festung gestorben ist. in der Freitag, den 20. März 1896. aufzwang( es handelte sich um Vertheilung von Land an die Bauern, nach dem Aufstand von 1863), bemühte sie sich, ihnen die Ueberzeugung einzuprägen, daß sich die Regierung mit der Verbesserung ihres Schicksals ernstsie hat auf diese Weise das haft beschäftige; und Erwachen des Klassenbewußtseins zurückgehalten. Dieser Zustand fann aber nicht mehr lange dauern und die Befreiung des polnischen Proletariats von dem seinen Interessen schädlichen Ueberlieferungen, muß nothwendigerweise jeder Bewegung vorEinfluß der privilegirten Klassen, der Regierung und der nationalen ausgehen, die zu den modernen Volksbewegungen zählen will. III. Ju Erwägung, daß die Interessen der Ausgebeuteten mit denen der Ausbeuter nicht übereinstimmen, und daß sie unmöglich im Namen der nationalen Einheit ein und denselben Weg verfolgen können; in Erwägung ferner, daß die Interessen der Stadtarbeiter und die der Landarbeiter die gleichen sind: 13. Jahrg. Abgeordnetenhaus. 46. Sigung vom 19. März. 11 Uhr. Am Ministertische Justizminister Schönstedt und Koms miffarien. Die Novelle zum Pensionsgesetz( Pensionen der Boltsschullehrer betr.) wird debattelos angenommen in dritter Lesung. Es folgt die erste Berathung der Vorlage betr. die Richter gehälter und die Ernennung der Gerichtsassessoren. Justizminister Schönstedt: Die Vorlage bringt die Dienstalterszulagen auch für die höheren Justizbeamten zur Einführung. Die gesetzliche Regelung der Assessoren- Ernennung wurde nöthig, da die Richteranstellung durch die Verfassung geregelt ist und deshalb Neuerungen nur gefeßlich geordnet werden können. Man hatte gehofft, daß die Verhältnisse in den einzelnen Oberlandes trennt sich das polnische Proletariat vollständig von den gerichts- Bezirken sich von selbst regeln würden, indem die privilegirten Klassen und tritt als selbständige Klasse, die be- weniger günstigen Bezirke sich durch gute Gehälter auszeichnen stimmte ökonomische, politische und moralische Ziele hat, in den würden. Vielfach hat sich das Gegentheil ergeben, so daß nichts anderes übrig blieb, als die Verhältnisse für den ganzen Kampf gegen die privilegirten Klaffen ein. In Erwägung ferner, daß das Loos des polnischen Arbeiters Staat gleichmäßig zu regeln. Vorzüge enthält der Entwurf für von der Lage der Arbeiter in den anderen Ländern abhängt, da die älteren Richter in bezug auf die Gehaltsverhältnisse. Das die Auswanderer, durch das Elend aus der Heimath getrieben, Gehaltsmaximum wird durchschnittlich in 27/2 Jahren von dem Warynski war zur Zeit seiner Verurtheilung 29 Jahre alt, durch ihre Konkurrenz überall die Löhne herabdrücken; in Er- Richter erreicht werden. In seinem finanziellen Theile beruht er verband mit der Kühnheit und vollständigen Hingabe an die wägung, daß der Kampf der Arbeiterklasse eines Landes in allen der Entwurf auf der Voraussetzung, daß in Zukunft keine höheren Eache eine geistige Kraft, wie sie selten mit so großer anderen Ländern sein Echo findet, und daß der Sieg der Ar- Aufwendungen für die Richter nöthig werden als bisher. An beiter eines Landes die Lage der Arbeiter in allen übrigen dem bisherigen System, das Dienstalter von dem AssessorEnergie verbunden ist. Gleichzeitig besaß er die Eigenschaften Ländern verdessert, und daß jede Niederlage des Proletariats Gramen an zu berechnen, konnte nicht festgehalten werden, wenn eines Organisators, eines Agitators und Verschwörers. Er fannte die Lehren des wissenschaftlichen Sozialismus für die Arbeiter aller Länder eine Niederlage ist erklärt das nicht bedeutende Mehrausgaben nöthig werden sollten. polnische Proletariat als ausgebeutete Klasse und auf dem Boden Die Auswahl der Richter, wie sie die Vorlage verlangt, und die Praxis der sozialistischen Parteien in Europa auf bes klaffenkampfes gegen die Ausbeuter sich solidarisch mit hat sich als nöthig herausgestellt; bisher ging das gute das gründlichste. Vom theoretischen Standpunkt aus er jedem Vertheidiger der bestehenden Verhältnisse ohne Unter- den Ausgebeuteten aller Länder ohne Unter- Richtermaterial fast ausnahmslos zur Ber= waltung über, für die Justiz verblieb nur das schied die Spitze bieten können. In seinen früheren Prozessen schied der Nationalität. IV. Das polnische Proletariat erklärt als seine Ziele: minder gute Material. Ich habe früher geglaubt, es sei 3. B. in Krakau, hatte er die Anklagebank in einen Lehrstuhl der 1. Vom wirthschaftlichen Standpunkt aus, entsprechend beffer, gleich im Anfange der juristischen Laufbahn die nöthige BeRevolution verwandelt und in Warschau sehen wir ihn dasselbe den Prinzipien des Sozialismus, die auf den internationalen schränkung der Aufnahme eintreten zu lassen. Ich habe mich überließ er sich in Warschau nieder und bildete mit den fähigsten, Kongressen von Proletariern aller Länder angenommen worden sind: zeugt, daß dieser Weg nicht gangbar ist; denn es fehlt ja noch an jeder a) daß die Erde und die Arbeitsinstrumente nicht das Unterlage für die Beurtheilung der Fähigkeit des jungen Mannes. durch die Propaganda vorher gewonnenen Arbeitern das erste Arbeiter- Komitee", welches der Anfangspunkt der Partei:„ Das Eigenthum von Individuen sein dürfen, sondern gemein- Andererseits hat niemand ein Recht auf Uebertragung eines sames Eigenthum der Arbeiter, Eigenthum Staatsamtes, wenn er die erforderliche Befähigung dazu er Proletariat" wurde. des sozialistischen Staates werden müssen, worben hat. In der entgegengesetzten Auffassung würde Am 1. September 1882 veröffentlichte das Komitee sein b) daß die Lohnarbeit durch die von industriellen und länd- eine Verlegung der Prärogative der Krone liegen; dem Manifest, welches das erste wirklich sozialistische Programm allein steht die Ernennung der Beamten 11. in Polen) war. Wir geben es hier wörtlich und fast voll- lichen Vereinigungen( Assoziationen) organisirte Kollektivarbeit Könige Nach der Ernennung eines Richters ist ist dieser uns ständig wieder, damit es dem Leser möglich ist, sich von den ersetzt werden muß, und c) daß jedes Individuum das Recht hat, den Ertrag absehbar. Will man also eine Sichtung des Personals vorIdeen der Proletarier genaue Kenntniß zu verschaffen. Der Kollektivarbeit zu genießen, entsprechend der von ihm nehmen, so muß man es vor der Anstellung thun. Ich glaube, geleisteten Arbeit, seinen Bedürfnissen und dem Gesammtreichthum es wird kein Minister, er sei wer er wolle, vermeiden können, des Staats. früher oder später den jungen Referendaren zu sagen, # = Manifest des Arbeiter Komitee's der sozialistisch revolutionären Partei 2. Auf politischem Gebiet fämpfen wir um Erlangung daß sie mit ihrem Eintritt in die Justiz keinen Anspruch " Das Proletariat." der größtmöglichen Freiheiten; wir fämpfen gegen jede Regierung, erwerben, zu Gerichtsassessoren ernannt zu werden und daß 1. September 1882. welcher Nationalität sie auch sei, bis wir die vollständige Frei- die Gerichtsassessoren keinen Anspruch haben, als Richter an In dem ersten Theil dieses Schriftstücks wird die Geschichte heit errungen haben. Wir verlangen kategorisch unbeschränkte gestellt zu werden. Die Zahl der Assessoren läßt uns hoffen, daß der Umgestaltung der Form, in welcher die andauernde Ausbeutung Gewissensfreiheit, Freiheit der Sprache, freies Vereins- und Ver- wir in absehbarer Zeit diese Herren untergebracht haben werden. des Menschen durch den Menschen, des Arbeiters durch den Be- sammlungsrecht, Freiheit des Wortes und der Presse. Denn aus Bedenklich gestaltet sich die Sache beim Ausblick auf die Zahl sigenden, sich vollzieht, auseinandergesetzt. Die Verfasser beweisen, dem Mangel dieser Freiheit hin entstehen ebenso viel Feffeln für der Studirenden; es ist unmöglich alle diese Leute unterzubringen. daß der jetzige Lohn nicht allein weit davon entfernt ist, den Arbeitern die Entwicklung des Klassenbewußtseins der Arbeiter; und natio- Auch ist der Staat doch keine Versorgungsanstalt für junge Leute, die ihnen durch die Bourgeois- Revolution versprochene Freiheit naler und religiöser Haß und Fanatismus werden erregt, wodurch die sich nicht entschließen können, einen anderen Beruf zu wählen. zu sichern, daß er ihnen vielmehr dasselbe Glend, diefelbe Knechtschaft die Propaganda und die Organisation der Massen( die allein Es hilft nichts anderes, wir müssen oie Hand in die Wunde auferlegt, wie zu Zeiten der Stlaverei im Alterthum und der die Grundlage für die zukünftige Gesellschaft vorbereiten können) legen und einschränken. Leibeigenschaft im Mittelalter. Das erwachte Klassenbewußtsein unmöglich gemacht ist. Der ausgebeuteten Arbeiter treibt diese in den Kampf für ihre ökonomische, politische und moralische Befreiung durch Abschaffung des Privateigenthums an der Erde und an den Arbeitswerkzeugen. Nach dieser Einleitung sagt das Manifest weiter: II. Vom Standpunkt der allgemeinen Entwicklung der europäischen Gesellschaft aus macht unser Land keine Ausnahme. Seine frühere und jetzige Organisation, die auf die Ausbeutung und Unterdrückung gegründet ist, bringt unseren Arbeitern nur Elend und Herabwürdigung. Unsere heutige Gesellschaft stellt in Polen alle Haupteigenschaften des kapitalistischen Bourgeois- Regiments dar, obgleich ihr der Mangel aller politischen Freiheiten ein verkümmertes und frankhaftes Aussehen giebt. Unsere politischen Forderungen sind: a) Vollständige Autonomie der sozialistischen Gruppen. b) Gefeßgebung durch das gesammte Volt. c) Wählbarkeit aller Beamten. Es ist unbegründet, daß mit der Vorlage ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz zu machen versucht wird. Nichts liegt mir ferner, als ein persönliches Eingreifen; das wäre das undankbarste Amt für einen Justizminister; ich bin bereit, das Verfahren bei der Aussonderung mit allen Garantien zu umd) Vollständige Freiheit des Wortes, der Presse, der Vereine geben und will gern alle Vorschläge prüfen. Der Minister und Versammlungen. zitirt die Kölnische Zeitung" und die„ Kölnische Volkszeitung". e) Vollständige Rechtsgleichheit beider Geschlechter. Diese haben sich für Maßregeln ausgesprochen, wie sie in der f) Vollständige Rechtsgleichheit aller Konfessionen uud Natio: Vorlage geboten werden. Man kann das Bertrauen zum nalitäten. König haben, daß er keinen Mann zum Justizminister g) Internationale Solidarität, als einzige Garantie für den ernennen wird, der diese Bestimmung anders Weltfrieden. als unparteiisch ausführen wird. Ich nehme dies 3. Auf dem Gebiet des moralischen Lebens muß das Recht nicht für mich, sondern für das Ministerium in Anspruch. Dies ändert aber das Wesen der Dinge nicht. Wir haben polnische Proletariat den Aberglauben und die Unwissenheit Die Parteileidenschaft wird in der Justizprivilegirte Ausbeuter der Arbeit Anderer, eine für ihre Inter- sowie alles, was den moralischen Druck charakterisirt, ausrotten; verwaltung nie eine Stätte haben.( Bravo rechts.) effen ertaufte Wissenschaft und Presse, großes Elend der Arbeiter es wird demnach alle diejenigen bekämpfen, welche das Volt, um Abg. Fritzen( 3.): In der Konfliktszeit sind klasse, die Prostitution, eine erniedrigende Stellung der sich die Herrschaft zu sichern, geistig im Zustand der unmündigen doch Dinge in der Justiz vorgekommen, die von Parteileidenschaft diftirt waren. Der Minister, Frau u. f. w. Noch mehr: das Gefühl der Menschenwürde Kindheit zu erhalten suchen. fehlt sowohl bei den unterdrückten Massen, wie auch bei Die moralischen Beziehungen der Menschen untereinander der aus einem hohen Richteramt in seine Stellung gelangt den Ausbeutern. Während jene, an das Joch gewöhnt, müssen sich auf die Gewissensfreiheit und auf die Freiheit der ist, mag an diese Möglichkeit nicht denken; aber vorhanden ist ertragen, find diese den Gefühle, des Denkens und der Wissenschaft gründen. fie. Die Vorlage zu verabschieden ist möglich auch ohne den geduldig die Demüthigungen ertragen, Regierungen und Despoten gegenüber kriechende Hunde und V. Die Befreiung der Arbeiterklasse von§ 8( Assessoren- Ernenuung und Verabschiedung.) Die Uebelstände gleichzeitig von Verachtung für ihre Untergebenen erfüllt. Gold dem wirthschaftlichen, politisch sozialen und sind nicht von heute auf morgen entstanden. Was soll denn den stigmatisirten Juristen II. Klaffe und die gemeinsten sinnlichen Genüsse das ist jetzt das einzige moralischen Druck muß das Werk der Arbeiter aus werden? Sie werden das Proletariat vermehren, zur Presse Ziel der befizenden Klassen- Elend, Unterdrückung und Un- selbst sein. wissenheit das Loos der polnischen Arbeiter. Das polnische Proletariat wird diese große Aufgabe der gehen und dort ihr Gift ausspritzen gegen die Justiz.( Sehr Von einer heruntergekommenen, stumpfsinnigen Schmaroker- sozialen Umgestaltung zu erfüllen wissen, sobald es für die richtig!) Die Vorlage muß auch im Volte das Ver Klasse unterdrückt, des Rechts beraubt, an den Landesangelegen- Rolle, welche ihm die Geschichte anweist, genügend vorbereitet trauen zur Justiz erschüttern.( Sehr richtig und Oho!) heiten theilzunehmen, von der Regierung und den Ausbeutern sein wird. Die Arbeit der Vorbereitung muß darin bestehen, Hervorragende Juristen haben früher diesem Hause angehört. unterjocht, hat das polnische Volt länger als in anderen Ländern daß wir alle Arbeiter unseres Landes zu vereinigen und aus ihnen Lebten sie heute noch, sie würden ein einstimmiges Ver= geschlafen. Von der allgemeinen politischen und ökonomischen eine Körperschaft zu bilden suchen, die sich ihrer Interessen bewußt dam mungsurtheil aussprechen über dies Gesetz.( LebLage abgesehen, hat das Einbrechen der Fremden in unser Land und von dem Wunsche beseelt ist, dieses unser Programm zu ver- hafter Beifall! links.) Abg. Schettler( f.): Die Vorlage ist nöthig, um in Zukunft sehr viel hierzu beigetragen. Die nationalen Bewegungen und wirklichen. Diese Arbeit, die vor allem unserer Arbeiterbewegung obdie nationalen Aufstände tödteten, indem sie alle Voltstlaffen liegt, wird von der sozialistisch- revolutionären Organisation, die die Elemente vom Richterstande fern zu halten, die heute zum Kampfe gegen den von den Fremden ausgeübten von dem Arbeiterfomitee geleitet wird, übernommen. da hineingelangen und nicht hineingehören.( Sehr richtig! rechts.) Das Druckvereinigten, das Klaffenbewußtsein im Herzen unferer Unter den jezigen Zuständen der Barenherrschaft wird unsere Ansehen des Richterstandes kann durch die Vorlage nur gewinnen. Gesellschaft und ganz besonders in dem unserer Arbeiterklaffe. einzige Tattit auf allen drei Gebieten: dem ökonomischen, Gin Erkenntniß gesprochen von einem unabhängigen Richter, das Unsere Arbeiter wurden verhindert, den Gegenfaß, welcher politischen und moralischen, ein fyftematischer Kampf fein gegen den Respekt seiner Bevölkerung besitzt, wirft ganz anders, als von einem Richter, dem dieser Respekt nicht entgegengebracht zwischen den Interessen und dem Streben der Ausbeuter und der alles, was die proletarische Revolution aufhält. Aber in der Erkenntniß, daß die ökonomischen Verhältnisse wird. Es sind eben in letzter Linie persönliche Eigenschaften, die Ausgebeuteten vorhanden ist, zu verstehen. Man hat sich sogar bei uns zu der Behauptung verstiegen,**) daß der Gegensat nur fünft- die Grundlagen der sozialen Beziehungen bilden, und daß alle die Autorität der Justiz erhalten, das honeste vivere des lich durch die Fremden hervorgerufen fei, und daß er anderen Manifestationen des sozialen Lebens ihnen untergeordnet Richters, das die Vorlage fordert. In diesem Sinne wird die verschwinden werde, sobald die nationale Unabhängigkeit sind; und in der weiteren Erkenntniß, daß der ausgesprochene Charakter Vorlage dazu beitragen, die Rechtssicherheit zu erhöhen.( Beifall zurüderobert fei. Der Gedanke der Unabhängigkeit" wurde als der Interessen des Proletariats als der ausgebeuteten Klaffe, und Zischen.) Heilmittel für alle Uebel, unter denen die Gesellschaft zu leiden hat, gerade auf ökonomischem Gebiet mit der größten Deutlichkeit so tämpfen wir vor allem auf ökonohingestellt und indem er die Eintracht und Vereinigung aller hervortritt Klaffen verlangte, lenkte er die Aufmerksamkeit der Arbeiter von mischem Gebiet. ihren wirklichen Leiden und ihrer Klassenbedrückung ab. Und Unser Kampf gegen die politische Unterdrückung wird ein während die Anhänger der Unabhängigkeit auf diese Weise das Kampf des Angriffs und der Abwehr sein. Im ersteren er darauf gerichtet sein, teine Umgestaltungen ganze Volt zu einer eingebildeten Eintracht aufforderten und Fall wird fo allen Klaffenkampf das einzig Normale in der modernen sich vollziehen zu lassen, die unser Elend zu vermehren geeignet Gesellschaft erstickten, zog der Feind aus dieser Lage Nutzen, find; und im zweiten Fall wird er den Zweck haben, die gegenin einer Art, welche der Arbeiterklasse ebenfalls den größten wärtigen Lebensbedingungen des Proletariats unter der ruffischen Nachtheil brachte. Im Augenblick, wo die Arbeiter der Städte, Herrschaft zu verbessern. durch nationalen und religiösen Geist blind gemacht, unter der Fahne der Privilegirten marschirten, ohne auch nur daran zu Denken, ihre eigenen Interessen zit wahren, ließ sich die zu ländliche Bevölkerung durch die Regierung, die hinterliftig ihren Interessen zu schmeicheln verstanden hatte, bethören. Indem diese den Bauern, in liebenswürdiger Weise, Brocken von Rechten *) Vorher gab es, 1870, das Programm der„ Gleichheit", genannt das Brüsseler Programm" und redigirt von dem ersten sozialistischen Klub. Dies war aber mehr utopisch, beschäftigte fich nur mit der zukünftigen Gesellschaft, enthielt teine politischen Forderungen und bedingte teine zu befolgende Tattit. Tonnte demnach nicht zum Programm einer handelnden Partei **) Auch anderswo ist das geschehen. A. d. Ueberf. werden. Es = Abg. Beleites( natl.): Die Regelung der Gehaltsfrage wäre wohl möglich gewesen, auch ohne die Regelung der Assessoren Ernennung. Die Ziele, welche der§ 8 anstrebt, billigen wir; die Mittel erscheinen uns ungeeignet. Redner ers örtert eingehend die Bestimmung des§ 8 in allen Einzelheiten und kommt zu dem Schluß, daß dieser Paragraph in der vors liegenden Fassung un annehmbar ist. Abg. Kraufe- Waldenburg( ft.): In den Gehaltsbestimmungen der Vorlage werden wir uns bemühen müssen, die Bevor. zugung der Staatsanwaltschaft zu beseitigen, Unsere politischen Verhältnisse zwingen uns zu geheimem damit nicht die kürzlich in der Presse laut gewordenen Klagen Handeln, welches sich zu gelegener Zeit in gemeinsamen Kund- über diese Bevorzugung einen Schein von Berechtigung erhalten. gebungen äußern wird, deren Programm sich den Bedürfnissen Wie bei Ausbildung der Referendare sich unter den jungen Leuten ein Streberthum entwickeln kann, ist mir nicht ver des Augenblicks und des Orts anzupassen haben wird. Diese ungeheure Arbeit wird das Arbeiterkomitee nur unter ständlich, wohl aber ist es denkbar, daß solche Streberei ( Sehr wahr! der Bedingung erfüllen können, daß sich alle Kräfte, über welche unter dem heutigen System möglich ist. Wer beibehalten den heutigen Zustand die proletarische Sache in unserem Lande verfügt, zu einer starten rechts.) fördert plutokratische Interessen.( Sehr richtig!) Organisation vereinigen. Durch die politischen Verhältnisse zu geheimen Handeln ge- schwere und undankbare Arbeit werde dem Minister durch zwungen, werden wir, sobald die revolutionäre Bewegung be-$ 8 aufgelegt. Auf den Anwaltstand kann§ 8 sehr nachtheilig ginnt, öffentlich als Vertreter und Vertheidiger des Proletariats wirken; weiß Herr Beleites bessere Vorschläge, so wollen wir fie hervortreten. prüfen. Gut wäre es, wenn der Minister sich einmal persönlich Wir fordern alle Arbeiter der Städte und von dem Stande der Justiz in den Provinzen überzeugen wollte, des Landes auf, sich an unserer Arbeit zu be- Hoffentlich kommt in der Kommission ein Gesez zu stande, das theiligen. den Bedürfnissen der Regierung entspricht.( Beifall.) will, Eine Abg. Munckcl(fr. Vp.): Mit dem finanziellen Theil der Vorlage würden ivir sehr leicht fertig werden. Der Assessoren-Theil ist für mich unannehmbar. Wir bekommen jetzt drei Klassen von Assessoren: den Regierungs-Assessor. den Gerichls-Assessor und den Assessor. Man sucht nach Charakteren! Vielleicht sucht man die Unabhängigkeit in jenem Zustande, den Bamberger die vollste Unabhängigkeit von der eigenen Ueber zeugung nannte! Heute sollen wir uns auf die Justizminister für alle Zukunft verlassen; ist nicht Ihr(zur Rechten) Urtheil über frühere Justizminister auch allsällig gewesen? Sie werden einen unterwerthigen Assessorenstand züchten, denn der simple Assessor ist unterwerthig> gegenüber� dem ausgewählten. Die unterwerthigen Assessoren drängen Sie in den Anwalt- stand. der dadurch heruntergedrückt wird. Der Richter- stand aber bedarf dieses Mittels nicht, um sein Ansehen zu wahren. Wir sind gern bereit, daran mitzuarbeiten, daß die Vorlage in einer Form zu stände kommt, welche das Ansehen unseres Richterstandes für alle Zukunft sichert.(Beifall und Zischen.) Abg. v. Richthofen- Mertschütz(k.): Es handelt sich nicht blas um eine zahlenmäßige Ueberfüllung, sondern um Elemente, die nicht in den Richterstand hineingehören. Durch Verschärfung des Examens kann man diese Aenderung nicht erreichen. Auf die Familienverhältnisse des Kandidaten muß ebenfalls Rücksicht genommen werden. Heute ist es auch nöthig, die Unabhängigkeit nach unten hin zu wahren.(Sehr wahr.) Der Justizminister wird wenig in die Lage kommen, von seiner Auswahl Gebrauch zu machen; ungeeignete Elemente werden sich zeitig zurückziehen. Beifall rechts.) Abg. Dr. Krause(natl.): Bei dieser Diskussion ist „rechter Hand, linker Hand, alles vertauscht!" Alle vertreten die Grundsätze, unter denen der preußische Richterstand zu seinem Ansehen gelangt ist; die Konservativen dagegen verlangen die grundstürzenden Aenderungen der Vor- läge."Mängel in der Rechtspflege, bedenkliche Entscheidungen und dergl. rühren oft von Leuten her, denen es an gesellschaft- lichem Takt gewöhnlich nicht fehlt.(Sehr richtig!) Daß die Vorlage das Streberthum fördert, ist garnicht zu bezweifeln. Wenn man die hohe Ausgabe bedenkt, die der Rechlsanwaltschaft obliegt, und wenn man sich vergegenwärtigt, welche Wirkungen dies Gesetz aus die Rechtsanwaltschaft üben wird, dann kann man nur sein Haupt verhüllen. Das Vertrauen zu der Unparteilichkeit der Richter wird durch die Vorla.ge erschüttert werden.(Beifall links.) Abg. Klasing(k.): Die Vorlage enthält nichts, was nach meiner und meiner Freunde Ansicht, nicht heute schon geltendes Rocht ist und wenn der Vorredner von grundstürzenden Neuerunge» spricht, so fürchte ich, ist eine Verständigung über die Vorlage unniöglich. Wir beanspruchen es heute schon als ein Recht der Krone, die Referendare, Assessoren und Richter zu ernennen und in der Handhabung dieses Rechtes werden wir die Regierung stets stützen. Von besonderer Be- deutung erscheint uns die prophylaktische Wirkung der Vorlage. Wir wünschen in der Komnüsston eine Fassung des§ 8 zu finden, in welcher wir die von allen Parteien gewünschten Aenderungen des bisherigen Zustandes zum Ausdruck bringen. Abg. Mizerski(Pole) schließt sich dem ab- lehnenden Votum des Vorredners namens seiner Fraktion an. Abg. Dr. Eckels(natl.) bedauert, daß die Vorlage keine Mittheilung über die in anderen deutschen Staaten giltigen Vor- schriften über diese Materie enthält. Die geltend gemachten all- gemeinen Bedenken theilt Redner. Justizminister Schönstedt: Die Debatte hat mir bewiesen, daß eine Sache, über welche alle Berufsgenossen einig sind, sofort ein anderes Gesicht erhält in der parlamentarischen Diskussion. Ich hoffe, daß eine Einigung in der Kommisston möglich sein wird auf grund der gegebenen Anregungen. Daß unsere Justiz Streber erziehen könnte, halte ich für aus- geschloffen. Wenn ich von der Anwaltschaft als von einem freien Gewerbe sprach, so war das wohl unzutreffend; ich hätte von einer freien Kunst sprechen sollen.(Heiterkeit.) Die Debatte wird geschlossen.— Die Vorlage geht an eine Ller-Kommission. Morgen 12 Uhr: Kleine Vorlagen und Antrag Wall- brecht(natl.) betreffend Ortsstatuten zum Schutze der Bauhand Werkerforderungen. Schluß S>/, Uhr._ Die Vedettkung ves 18. MlÄe;. Mit dieser Tagesordnung hatten die Parteigenossen Berlins in allen Wahlkreisen gestern Abend eine Anzahl imposanter Ver- sammlungen arrangirt. Die Versammlung in C o h n' s Festsälen, die von den Parteigenossen des 1. Wahlkreises besucht war, erfreute sich einer regen Betheiligung. In seinem beifällig, aufgenommenen Referat gab der Genosse Dr. Pinn eine interessante Schilderung der vormärzlichen Zeit und schloß mit einer treffenden Skizzirung der gegenwärtigen politischen Zustände. I m 2. Wahlkreis wurde in zwei Lokalen das Andenken an die Märzgefallenen in würdevoller Weise gefeiert. In Schnegelsberg's Salon führte der Reichstags- Ab- geordnete Fischer in einem IVestündigen fesselnden Vortrage der Versammlung die Bedeutung des Tages vor Augen. Seine Ausführungen, welche den geschichtlichen Entwickelungsgang der Märzrevolution schilderten und manche Legende der höfischen Geschichtsschreibung zerstörten, gipfelten in einem warmen Appell an das klassenbewußte Proletariat, sich des Erbes der März gefallenen würdig zu erweisen. Reicher Beifall wurde seinen Darlegungen gezollt. In Goßmann's Salon, Kreuzbergstraße 48, hielt der Genosse Curt Vaake das Referat. Auch diese Versammlung zeigte einen der Bedeutung des Tages entsprechenden Charakter. In beiden Lokalen wurde von einer Diskussion Abstand ge nommen, so daß der Schluß der Versammlung um Kü/a Uhr erfolgen konnte. Die Genossen des dritten Wahlkreises hatten sich in der Ressource, Kommandantenstraße, versammelt. Der Gesangverein Liedeslust leitete die Feier durch den Vortrag des Liedes„Auf zum Kampfe" ein und hielt sodann der Reichstags- Abgeordnete Vogtherr einen oft von lebhaftem Beifall unter- brachen en Vortrag. Zum Schluß trug der Gesangverein Liedes lust noch einige der Bedeutung des Tages entsprechende Lieder vor, worauf die Versammlung mit einem Hoch aus die Sozial- demokratie auseinanderging. Die Parteigenossen des vierten Wahlkreises hatten sich sehr zahlreich in Sanssouci versammelt. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Genosse Böhm in warmen Worten der verstorbenen Freiheitskämpfer, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Plätzen ehrte. Hierauf referirte Reichstags- Abgeordneter Singer über die politischen Zustände des Jahres 1848. Der Redner ließ in seinen Ausführungen, nachdem er die Ursachen und Folgen der Revolutionsjahre beleuchtete, alle wichtigen Ereignisse, sowohl in politischer als auch in wirthschaft- licher Beziehung Revue passiren und schilderte gleichzeitig in seinen interessanten Darlegungen die Entwickelung der Sozial- demokratie bis zur gegenwärtigen Zeil. Einen imposanten Verlauf nahm die gleichfalls gut besuchte Versammlung, die für den Osten bei K e l l e r, Koppen- st r a ß e, tagte. Das Referat hatte Genosse H o f f m a n n übernommen. der den Anwesenden, hänfig von lebhaftem Beifall unterbrochen, die Bedeutung des 13. März für das Proletariat klarlegte. Der Redner zeigte, wie die bürgerliche Gesellschaft, die längst ihre Ideale vergessen, nur noch die krasseste Interessen- polilik betreibt und alle Mittel versucht, die vorwärtsftürmende Sozialdemokratie, die trotz alledem das Erbe antreten wird, hintanzuhalten. Mit der Aufforderung, den Sozialismus in immer weitere Kreise zu verbreiten, um die Ideen bald verwirk lichen zu können, schloß der Redner seine Ausführungen. Für den S.Wahlkreis war die Versammlung im Schützenhaus, Linienstraße, anberaumt. Der Besuch war ein recht guter und zeigte auch eine starke Betheiligung von feiten der Frauen. Nachdem der Gesangverein„Freie Liedertafel" durch den Vortrag eines Liedes die Feier eingeleitet hatte, gab der Reichstags-Abgeordnete R. S ch m i d t in seinem Vortrag einen geschichtlichen Rückblick der politischen Vorgänge vor und nach der Märzrevolution. Mit einem stimmungsvollen Gesangs vortrug erfolgte ein würdevoller Schluß der Versammlung. In einem kleinen Belagerungszustand befand sich Rabe's Salon in der Kolbergerstraße, woselbst L i e b k n e ch das Referat hielt. Der Zudrang war hier ein ganz gewaltiger und das Lokal schon zu früher Stunde gefüllt. Die Polizei nahm Veranlassung, dasselbe zu sperren und zwar in einer Weise. welche allgemeines Aufsehen erregte. Sämmtliche Zugänge zum Lokal, zum Garten, dieser selbst waren mit polizeilichen Doppek Posten besetzt und waren auch solche in kurzen Zwischenräumen die ganze Straße entlang aufgestellt, während die beiden Straßen Mündungen von berittenen Schutzleuten bewacht wurden. Für die Sicherheit der Versammelten war somit in ausgiebigster Wei' Sorge getragen. In Ahrens' Brauerei(Moabit) hatten sich gegen 700 bis 800 Personen zusammengefunden und nahm die Veranstaltung einen würdigen Verlauf. Eingeleitet wurde die Feier durch Gesangs-Vorträge der Vereinigten Sangesbrüder Moabits. Ferdinand Ewald hielt hierauf den Vortrag des Abends, an den sich wiederum Gesangs-Vorträge schloffen. In der gleichen Weise verliefen die Versammlungen im Berliner P rater und Sivinemünder Gesell schaftshaus. Für die erstere hatte der Reichstags-Abgeord nete Wurm das Referat übernommen, in der letzteren sprach Genosse Glocke. In Charlottcnbura waren im Saale der„Bismarckshöhe etwa 000 Männer und Frauen vereinigt, den 13. März feierlich zu begehen. Das Referat Hatto Genosse P ö tz s ch übernommen Nach beendigtem Vortrag sangen die Versammelten stehend einige Verse der„Marsellaise". Mit einem Hoch auf die Sozialdemo kratie fand die Feier ihren Abschluß. I» Weißcusce fand eine gut besuchte Volksversammlung statt, in der Genosse Jahn über Der 13. März und seine Be deutung für das Proletariat sprach. Um den Eindruck des Re ferats nicht zu verwischen, wurde von einer Diskussion Abstand genommen, und hierauf von den Arbeitergesangvereinen einige stimmungsvolle Lieder vorgetragen, die von der Versammlung mit lebhaftem Beifall belohnt wurden. MommunÄles. Ter Etatsansschnß der Stadtvcrordnctcn-Versammluug erledigte in seiner Sitzung am Mittwoch Abend unter Vorsitz des Stadlverordneten-Vorstehers Dr. Langerhans und in Anwesen- heit der Magistrats-Kommiffare Kämmerer Maaß, Stadtsyndikus Meubrink, Stadtbanrath Geh. Baurath Dr. Hobrecht, der Stadt- räthe Mugdan und Hirsekor» zunächst den Etat der Straßen- und Brücke nbau-Verw alt ung in er st er Lesung, da die definitive Feststellung des Etats erst erfolgen kann, nachdem die Stadtverordneten-Versammlung sich über die ihr vorliegende» Projekte wegen des Neubaues der Alsenbrücke, der Potsdamcrbrücke, der Brücken im Zuge der Schöneberger straße und der Kölhenerstraße, sowie über den Ankauf des Jnsek speichergrundstücks schlüssig gemacht haben wird. Gestrichen wurden die für die Herstellung einer Ufermauer auf dem linken Spree-Ufer im Anschluß an die Waisenbrücke bis zur Straße Neu-Kölln a. W. geforderten 63 000 M. mit Rücksicht darauf, daß der Fiskus zur Anlegung solcher Ufermauern verpflichtet ei und mindestens einen Theil der entstandenen Kosten tragen müsse. Dagegen wurden die Kosten von 60 000 M. zur Herstellung eines provisorischen Zugangsteges zu dem von der Eisenbahnverwaltung auf dem früheren Bahnhof Moabit neu zu errichtenden Stationsgebäudes bewilligt. Bezüglich der Weiterführnng der Kaiser Wilhelmstraße, für welche Mittel im Etat nicht vorgesehen sind, wurde auf Anfrage mitgetheilt. daß Berechnungen über die verschiedenen Projekte der Fortführung der Straße in letzter Zeit gefertigt seien und die städtischen Be- Hörden sich nunmehr über das zur Ausführung zu bringende Projekt schlüssig zü machen hätten. Eine bezügliche Vorlage würde in nächster Zeit bei der Versammlung eingehen. Von den Etats der Steuerverwaltung wurde diejenigen für die Betriebssteuer, die Hundesteuer, die Braumalzsteuer und die Umsatzsteuer unverändert nach den Vorschlägen des Magistrats genehmigt. Die Bauplatz-Steuer ist dagegen von 1 000 000 M. auf S00 000 M. herabgesetzt worden. Die Fest- stellung der Etats der Eemeinde-Grundsteuer, der Gewerbesteuer und der Gemeinde-Einkommensteuer muß bis zum Abschluß der Elatsberathung ausgesetzt bleiben, weil diese Steuern, die nach der Vorschrift des Kommunalsteuer-Gesetzes in einem Verhältnisse von 3:2 zu halten sind, den Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben im Stadthaushalts-Etat herzustellen habe». Das den Etatsansätzen und den zn erhebenden Prozentsätzen zu gründe zu legende Normalsteuersoll wurde in erster Lesung nach den Vorschlägen des Magistrats genehmigt uud für die Gewerbesteuer auf 3 960 000 M.. für die Gemeinde-Einkommen- steuer auf 22 600 000 M. festgestellt. Bei der Gemeinde-Grund- steuer wurde dagegen das Normalsoll statt auf 10 750 000 M. nur auf 10 600 000 M. festgesetzt, da nach dem vorläufigen Er- gebniß der Steuer-Einschätzung der erstere Betrag nicht erreicht werden wird. Tlimfl und NNflensichnfk. Schiller-Theater. Ein Lieutenantsstück von etwas ernsterer Art als der seit den siebzigjähriger Jahren im Schwange gewesenen, wurde am Mittwoch Abend im Schiller-Theater aufgeführt. In den Mittelpunkt von Wolzogen uud Schumann's Lustspiel„Die Kinder der Exzellenz" ist ein junger Osfizrer gestellt, der flott darauslos lebt, während Mutter und Geschwister darben und angestrengt das Geld zusammen rackern, das der fchneidige Lieb- ling der Familie zum Verjubeln braucht. Ihm gegenüber steht der Sprößling eines adeligen Deutsch-Amerikauers als solk niaäs man. Er ist gekommen, um in Rache die Unbill zu sühnen, durch welche der Leichtsinn der verstorbenen Exzellenz den Vater nach Amerika vertrieben; er geht aber heim als glücklicher Bräutigam einer Exzellenzentochter, während Bruder Lieutenant am Schlüsse seinen Abschied einreicht und als Abhub des Ossizierstandes folgerichtig deutscher Kolonisator in Ostafrika zu werden be- schließt. Das Stück hat im Deutschen Theater vor etwa sechs Jahren das Publikum weidlich erbaut und auch vorgestern war des Beifalls kein Ende. Wir nehmen an, daß der Jubel mehr dem Stück als der Darstellung galt, die sich ganz auf der Höhe des „Veilchenfressers" und ähnlicher Dichterblüthen bewegle. Alles derb und drastisch und selten ein Zug feinerer Lebensbeobachtung. Auch war dem Spiel eine Unruhe eigen, die den Zuschauer nur schwer zum behaglichen Genießen kommen ließ. Am besten gab sich noch Herr Laurence als Amerikaner, während Herr Pahlau mit unangebrachter Komik den jungen Lieutenant geradezu un- angenehm verkörperte. Gutes läßt sich auch von den Damen Illing und Detschy insoweit sagen, als diese wenigstens so zurück- haltend spielten, wie es angebracht war. Professor Dr. Stockbauer, der Kustos an dem bayerischen Gewerbemuseum, ist. wie aus Nürnberg gemeldet wird, i» der Nacht zum 19. d. M. gestorben. Otto Noquette, der in der Nacht zum 13. d. M., wie wir bereits kurz berichtet haben, starb, hat ein Alter von 72 Jahren erreicht. Längst schon war er ein stiller Mann geworden; und im ruhigen Darmstadt lebte er in melancholicher Rückerinnerung an seine Jugendtage, die ihm plötzlichen und so bald verwehten Dichter- rühm brachten. Er war der Gegenwart fremd geworden undso haben ihn die heute Lebenden vergessen. Daran ändern die zahlreichen Auflagen der Dichtung Waldmeisters Brautsahrt nichts, da das Gedicht in gewissem Sinne zur Geschenkliteratur für die heran- wachsende Jugend zählt: und daran ändert auch die schön- klingende Phrase in den Nekrolgen nichts, Roquetten's Andenken werde in der Literaturgeschichte ewig leben. Denn in nichts hat er der Sehnsucht seiner Zeit innerlichen Ausdruck gegeben; und was ihm eine rasch dahingeschwundene Volksthüm- lichkeit verschaffte, das war gerade ein rückwärtstreibendes Mo- ment. Das lyrische Märchen Waldnieister's Brautfahrt war in der Mitte der fünfziger Jahre erschienen. Die Märzenstürme in der Literatur waren vorübergegangen, erschlafft war das Bürger- thum und seiner Müdigkeit that es wohl, sich an der verträumten, weichlichen Romantik von Waldmeister's Brautfahrt zu laben. Roquette ist in Krotoschin im Posen'schen geboren, in einer Welt also, die für den Süd- oder Westdeutschen graue Nüchternheit bedeutet. Als Student war er nach dem Neckar und dem Rhein gekommen und seine sehnsüchtige Schwärmerei schilderte die neue Welt, in die der Jüngling ge- rieth, in zärtlicher Verklärung. Das war der Grund seines Erfolges bei einem kampfesmatten Geschlecht. Roquette's studentische Poesie war inzwischen lange durch die kräftigeren Akzente des Gaudeamus-Sängers Scheffel verdrängt; und im übrigen wollte Roquette kein Wurf mehr gelingen; nicht in der Novelle, die er fleißig pflegte; und nicht im Drama, wo er blasses Epigonenthum bekundete. Wenn dem Vereinsamten, der in Darm- stadt an der technischen Hochschule Literaturgeschichte lehrte, Freunde besuchten, so klagte er mitunter bitter über das Geschick, das ihm zu Anfang seiner Laufbahn einen großen Sieg schuf. Er meinte, daß dieser erste Sieg ihm verhängniß- voll geworden war, weil man von ihm nichts anderes hören wollte, als zart- romantische Lyrik. Das war ein begreiflicher, menschlicher Jrrthum. Die Energie seines poetischen Talents war zu schwächlich, seine Leuchtkraft zu gering. Wanderung des Nordpols. Es ist noch nicht sicher gestellt, ob Nansen wirklich den Nordpol erreicht hat; aber selbst wenn dies der Fall sein sollte, so wird es auch späteren Menschen noch vergönnt sein, als erste den Nordpol aufzusuchen. Der Nordpol unserer Erde ist nämlich nicht ei» bestimmter Punkt der Erdoberfläche, sondern er wandert hin und her. Es hat sich bei genaueren Prüfungen der geographischen Breite europäischer und amerikanischer Orte herausgestellt, daß in Amerika die Breite beständig zu-, in Europa beständig abnimmt. Das ist nur dadurch zu erklären, daß der Nordpol sich regelmäßig von Europa entfernt und Amerika nähert. Nun unternahm man systematische Messungen und fand, daß der Pol in der That, ungefähr der Richtung der Westküste Grönlands folgend, wandert, und zwar ist der Betrag dieser Südwest-Wandcrung gar nicht so unbedeutend: Er beläuft äch auf 4 Fuß im Jahre. Neben der astronomischen hat diese Entdeckung aber noch eine andere Bedeutung. Man hat im hohen Norden, im ewigen Eis, vielfach Ueberbleibsel von Pflanzen und von Thieren gesunden, die nach ihrer ganzen Organisation nur im tropischen Klima existiren können, und deren heut lebende Verwandte in der That nur in der Nähe des Äequators vorkommen. Diese alten Funde hatte man nun ge- wöhnlich durch die Annahme erklärt, daß zn der Zeit, in welcher jene Thiere und Pflanzen lebten, die Abkühlung der Erde noch nicht so weit fortgeschritten war, wie heut, so daß es damals in Grönland und Spitzbergen so heiß war. wie heut am Kongo. Nach der Entdeckung der Wanderung des Nordpols aber braucht man, wie geschrieben wird, diese Erklärung nicht mehr heranziehen, sondern es ist wohl möglich, daß die im hohen Norden gefundene» Thiere und Pflanzen in einer Zeil lebten, in der die Abkühlung der Erde im wesentlichen denselben Grad erreicht hatte, wie heut, und daß auch jene Thiere und Pflanzen in der Nähe des Äequators lebten, nur ging damals der Aequator nicht dort entlang, wo er sich heut befindet, sondern er ging durch Sibirien und Grönland. Dieser Hypothese gegenüber ver- dient doch Erwähnung, daß nach den hier aufgestellten Berech- nungen immerhin runde sieben Millionen Jahre vergehen mußten. bevor der Aequator vom nördlichen Sibirien nach seiner jetzigen Stelle vorrücken konnte. Ttkersvistfies. Märzliteratur. In Paris erscheint seit einiger Zeit ein Werk: Paris sous la Commune(Paris unter der Kommune), das wir als ebenso interessant wie zeitgemäß be- zeichnen können. Es erscheint u Lieferungen ä 30 Pf. und bringt in Folio-Format sauber ausgeführte Moment-Photo- graphien aus jener Zeit: Barrikadenbilder, Gefangenentransporte. Kriegsszenen, Gefangenenerschießungen, Autogramme, Mauer- anschlüge, Porträts. Die vier ersten Hefte sind in der Buch- Handlung Vorwärts bereits eingetroffen. Gemevksltzcrftlirszes. Achtung, Stuckateure! Auf dem Terrain der G e w e r b e- Ausstellung in Treptow haben neben den in„Kairo" ausständigen Kollegen auch die von der Firma Zeyer u. Drechsler beschäftigten Stuckateure, und zwar mit den- elben Forderungen wie jene, die Arbeit eingestellt. Im ganzen treiken nun 70 Stuckateure. Wir ersuchen alle Kollege», sich gegen die Ausständigen solidarisch zu zeigen. Freitag, den 20., abends 8 Uhr, wird in Cohn's Festsälen, Beuthstr. LI, eine öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung abgehalten: Die Arbeitseinstellung der Stuckateure in der Gewerbe-Ans» lellung. 2. Wie stellen sich die Kollegen zu derselben? Die Vertrauensleute. In Brandenburg dauert der Ausstand der G e r b e r in der Spitt«' schen Fabrik fort. Die Bemühungen des Ge- werberaths, Regierungsraths Dr. v. Rüdiger, Herrn Spitta zur Anerkennung der Organisation und Wiedereinstellnng der Ausgesperrten zu veranlassen, schlugen fehl. In Magdebnrg haben die auf dem Boden des Klassen- kampses stehenden Handlungsgehilfen eine Freie Ver- inigung der Kaufleu le gegründet. Die Maler Bremens haben ihre Forderungen in 31 Ge- chäften, wo zusammen etwa 120 Gehilfen beschäftigt worden. durchgesetzt. Etwa 100 Gehilfen stehen im Streik. Die Unter- tützung beträgt für Ledige 3 M.. Verheirathete iL M. bis zum Höchstbetrage von 1ö M., je nach der Zahl der Kinder. Die Pianofortearbeiter der T h e i n' schen Fabrik in Bremen haben durch die Einnmthigkeit ihres Vorgehens nicht nur die Lohnreduktion vereitelt, die die Ursache ihres Ausstandes war, sondern auch noch eine Verkürzung der Arbeitszeit errungen. Der Streik hat nur zwei Tage gedauert. In der Korkcnfabrik von Nährig in Hamburg- Hammerbrook haben 11 Korkarbeiter und eine Arbeiterin die ! lrbeit eingestellt. Die Maurer Kassels beschlossen, den Unternehmern einen Lohntarif vorlegen zu lassen, worin 40 Pf. Stundenlohn und Abschaffung verschiedener Uebelstände gefordert wird. Die Weißgerber der beiden Handschuhfabriken in Karls- u h e haben die Arbeit niedergelegt. In Fenerbach in Württemberg sind die Arbeiter der i e f e r' s ch e n Maschinenfabrik in den Streik getreten. Der Lohn daselbst betrug für erwachsene Arbeiter 22—27 Pf. pro Stunde, und in der Fabrikordnung war für jede Bagatelle «in unverhältnißmäßig hoher Strafabzug ftstgesetzt. V " P wond Versammlungen. Aus Mülhaufen t. E. wird uns geschrieben: Die In- 1 der Straffammer mit seiner Auffassung durchzubringen, daß die Herrn getrunken. Reiner der beiden Becher habe bezahlt, vielmehr dustrielle Gesellschaft hat am 16. d. Mts. auf das fragliche Verordnung ungefeylich und deshalb ungiltig hätte Betlagter, der eigentliche Besteller, ihm zugemuthet, den Betrag Schreiben der Lohnkommission der Zextilarbeiter ge- sei. Er wurde infolge dessen freigesprochen. Die Staats- von dem Herrn einzufassiren, der den Wein nicht bestellt hatte. Da antwortet. Die Gesellschaft beruft sich darauf, daß sie eine anwaltschaft legte gegen das landgerichtliche Urtheil die Revision er dies nicht übers Herz zu bringen vermocht habe, hätte er am wissenschaftlich- technische Körperschaft sei, die sich mit der Re- ein. Die Verordnung verstoße nicht gegen§ 1 der Gerwerbe- Buffet die verlangten 10 M. Vorschuß aus eigenen Mitteln deponirt, gelung von Arbeitszeit und Lohnverhältnissen in Fabrikbetrieben Ordnung und lasse sich durch das Gesetz vom 20. September aber nur, um sich nicht hinauswerfen zu lassen. Und der vornehme nicht zu befassen habe; der Präsident der Gesellschaft verweist 1867, welches das Polizei Verwaltungs Gesetz vom Herr? Das war ein frommkatholischer Prinz Radziwill, die Arbeiter daher auf den direkten Weg der Verhandlung mit 11. März 1850 auf die 1866 neu zu Preußen hinzugekommenen der den Freuden des Erdenlebens bei Vöros Mista seinen Tribut den Fabrikanten. Auf diesen Wint haben die Arbeiter nicht ge- Gebietstheile ausdehne, rechtfertigen. Zu den Aufgaben der gezollt hatte. Sein Name prangt jegt in dem Vergleich, worin wartet, sondern gleichzeitig mit dem Schreiben an die Indu- Polizei gehöre auch, die Neigung der Arbeiter zum Miska dem Kellner die 10 M. zusichert und denselben der Verstrielle Gesellschaft ihre Forderungen auch den einzelnen Fabrik- Trunke zu bekämpfen. Der Vertreter des Angefchuldigten pflichtung entbindet, sie von Seiner Durchlaucht ein besitzern persönlich vorgelegt. Wie verlautet, hätten sich die Fa- hob folgendes hervor: Der Angeflagte könnte ja gar utafsiren. Dieser Verpflichtung will Miska allein genügen. brifanten geeinigt, gegen die Forderungen der Arbeiter in der nicht wissen, wer im Kirchspiele wohne und wer nicht. Hauptsache eine ablehnende Haltung einzunehmen; es soll ein Dann sei die Verordnung, ganz abgesehen von ihrer rechtGarantiefonds gegründet worden sein, um die von einem Streit lichen Unzulässigkeit, auch praktisch verfehlt, denn das Verbot betroffenen Betriebe finanziell zu unterstützen. treffe alle fremden" Arbeiter, ob sie Trunkenbolde seien oder Eine gut besuchte Volksversammlung tagte am SonnAm Montag brach in der Färberei der Attiengesell nicht. Alle Arbeiter ließen sich unmöglich als Trunkenbolde tag abend in Raabe's Salon, Kolbergerstraße. Auf der Tagesfchaft für Textil Industrie vorm. Dollfus ansehen und seien darum auch nicht als solche zu behandeln. Der Ordnung stand ein Referat des Genossen Ad. Hoffmann über Miegu. Cie. ein partieller Streit aus, weil die Arbeiter Senat hob aber die Vorentscheidungen auf und verdas Thema: Glaube und Vernunft. Nach dem Vortrag ließen mit der Bestimmung nicht einverstanden waren, wonach infolge urtheilte R. Die Auffassung des Vorderrichters wäre rechts- fich mehrere der Anwesenden in die Listen zum Austritt aus der der Einführung des Zehnstundentages das Frühstück von 8 bis irrthümlich. Die Verordnung sei wohl giltig und zwar Landeskirche einzeichnen. 8 Uhr 10 Minuten eingenommen werden soll, ohne daß die stehe sie im Einklang mit den§§ 6e und f des Gesetzes über die Friedrichsfelde. Im hiesigen Arbeiter Bildungsverein Maschinen stillstehen. Ein junger Mann, welcher einem Neben- Polizeiverwaltung. Derartige polizeiliche Beschränkungen feien sprach am 8. März Genosse Trompler über Bimetallismus. arbeiter die Maschinen gewaltsam abstellte, wurde verhaftet, nach zulässig. Nach den zitirten§§ 6e und f gehört zu den Gegen- Dem interessanten Vortrage folgte eine Diskussion, an der sich vorgenommenem Berhör jedoch wieder freigelassen. Inzwischen ständen der ortspolizeilichen Vorschriften: das öffentliche Inter- mehrere Mitglieder des Vereins betheiligten. Unter Verschiedenem hat die Fabrikdirektion eingesehen, daß es den Färbern, beren eſſe in bezug auf die Aufnahme und Beherbergung von wurde von Pretky der Antrag geſtellt, zur nächſten Versammlung Hände während der Arbeit über und über mit Farbe befleckt Fremden; in bezug auf die Wein, Bier- und Kaffee- einen Vortrag über das Vereinsgesetz auf die Tagesordnung zu find, ohne Arbeitsunterbrechung nicht möglich ist, ihr Stück Brot wirthschaften und sonstigen Einrichtungen zur Verabreichung von stellen. zu essen. Sie hat daher für die Färberei die geforderte Aus- Speisen und Getränken; ferner die Sorge für Leben und Pankow. Am 15. d. M. fand im Lokale Zum Thürmchen" nahme zugelassen. Gesundheit. eine Versammlung des hiesigen Arbeitervereins statt, in der Genosse Th. Wegner über Karl Mary referirte. Der fehr lehrreiche Vortrag wurde von der gut besuchten Versammlung zum Schluß durch reichen Beifall belohnt. In der Diskussion forderte Freiwald die Anwesenden auf, die Lefe- Abende, welche am Dienstag nach dem 1. und 15. eines jeden Monats in Störr's Lokal abgehalten werden, recht fleißig zu besuchen. Gerichts- Beitung. Für Agenten ist eine Entscheidung von großer Bedeutung, welche der 3. Senat des Oberverwaltungsgerichts fällte. Der Hiernach können sämmtliche Wirthe in dem in Frage kommenden Kirchspiel nur ihre Bude schließen, wenn sie nicht fortwährend mit den Behörden der Polizei in Konflikts kommen wollen. Schöneberg. In einer regelmäßigen Mitgliederversammlung des Arbeiter- Bildungsvereins, welche am 16. b. Mts. stattfand, referirte Genosse F. Hansen über das Thema:„ Die März stürme". Da von einer Diskussion Abstand genommen wurde, tamen nur noch interne Vereinsangelegenheiten zur Sprache. Die Versammlung der Konditoren in Nr. 64 des„ Vorwärts" ist irrthümlich als eine Vereinsversammlung bezeichnet. Es handelte sich, wie uns mitgetheilt wird, um eine öffentliche Bersammlung. Arbeiter- Bildungsschule. Unterricht am Freitag. Süd oft- Schule, Nord Schule, Müllerstr. 179 a: GeWaldemarfir. 14: Rede- Uebung. 8 Uhr an geöffnet. fchichte. Beginn 9 Uhr, Schluß 10% Uhr. Die Schulräume sind zur Beaugung der Bibliothek und des reichhaltigen Zeitschriftenmaterials schon von Freie Vereinigung der Händler und Händlerinnen Berlins und umgegend. Freitag, abends 8 Uhr, Koppenstraße 47 bei Lorenz. Sizung. vier Jahreszeiten", Prinz Albrechtstraße 9( verlängerte Zimmerstraße): BorDeutsche Friedensgesellschaft. Heute Abend 8 Uhr im Hotel Bu den München. trag über Krieg und Frieden". Referent: Herr Profeffor Dr. 2. QuiddeBülowstraße 37. Tagesordnung:„ Die Zukunft des Botanischen Gartens". Große Volksversammlung. Freitag, den 20. März, abends 8% Uhr, Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete haben ihr Erscheinen zugesagt. nete und ihr Vermischkes. Aus Vöros Miskas' Klub Royal. Gegen die Klage des Kaufmann Karl Th. Nagel, welcher in Frankfurt a. M. ein Kellner3 Sch. auf eine dreitägige Lohnentschädigung wandte ständiges Geschäftslotal befitt, Inhaber einer eingeschriebenen Firma ist und Gewerbesteuern bezahlt, ernährt sich durch die Vöros zweierlei ein. Erstlich, daß dem Kläger ein Revers, selbständige Vermittelung von Waarenverkäufen. Er schließt im worin eine dreitägige Kündigungsfrist festgesetzt wurde, irrthümeigenen Namen die Raufgeschäfte mit Grossisten und Detailiften licherweise zur Unterschrift vorgelegt und daß ihm davon am in der Provinz ab. Die Manufakturwaaren, um die es sich anderen Tage gleich Mittheilung gemacht worden sei; und handelt, liefert dann aber nicht er, sondern verschiedene zweitens wurde von ihm geltend gemacht, daß Kläger einen berechtigten Grund zur Entlassung gegeben habe. In Firmen, die ihn mit Provisionen dafür entschädigen. berechtigten Grund zur Im Abhängigkeitsverhältniß eines Angestellten steht er letzterer Beziehung fügte sich Beklagter auf einen ihm zu diesen Firmen nicht. N. suchte beim Polizeipräsidium zu gewordenen Bericht, nach welchem der Kläger eine Buffet Frankfurt die Ausstellung einer Legitimationstarte auf grund mamfell aus dem Klub Royal dadurch beinahe in den Tod gedes§ 44a der Gewerbe- Ordnung nach. Die Behörde verweigerte 3 M. bezeugte, dasselbe habe auch ihn erhört. Die Herbeitrieben haben soll, daß er dem Liebhaber des Mädchens für ihm diefelbe, indem sie ihn für einen Reisenden anderer Firmen erklärte, welche bei der Behörde ihres Domizils schaffung des Zeugen soll einem anderen Mädchen 10 M. einfür die Ausstellung der Karten Sorge zu tragen hätten. N. erhob gebracht haben. Der Kläger behauptete dem gegenüber, er habe nur gestanden, daß er früher hierauf die Klage. Er begründete feinen bezüglichen Antrag einmal mit der Mamsell ein intimes Verhältniß hatte, damit, daß er zu Frankfurt eine selbständige gewerbliche Nieder- und der Mann hätte ihm darauf 3 M. in die Hand laffung im Sinne des Paragraphen 42 der Gewerbe- Ordnung besize, in deren Interesse er persönlich auch außerhalb des Ge Hinsichtlich des ersten Einwandes sind die Parteien einig, daß gedrückt mit dem Bemerken, er sei ihm sehr dankbar. meindebezirks derselben Waarenbestellungen aufsuche(§44G.- D.), und vor jener erwähnten Unterschriftleistung die Kündigung zwischen daß§ 44a der Gewerbe- Ordnung ihn nicht nur berechtige, sondern ihnen ausgeschloffen war. Ein Zeuge des Beklagten sagt aus, auch verpflichte, bei der für seinen Niederlassungsort maßgebenden Verwaltungsbehörde sich die Legitimationskarte aus- er habe den Kläger am anderen Tage gleich davon unterrichtet, fiellen zu lassen. Bezirksausschuß und Ober- Verwaltungsgericht daß er nicht hätte unterschreiben brauchen, weil nach einer Ererkannten jedoch zu ungunsten des Klägers. Das letztere flärung der Frau Direktorin ihm ja gar teine Kündigungsführte aus: Wer das Gewerbe eines Agenten, des Vermittlers frist zustehe; der Zeuge weiß aber nicht mehr genau, ob er Ein Raubmord ist am Mittwoch in Zeit vollführt von Raufgeschäften betreibe, könne nicht als eine der in den drei diesem wie auch den anderen Kellnern mitgetheilt hat, daß Frau worden. Wie der Leipziger„ General- Anz." meldet, wurde gestern erwähnten Paragraphen gemeinten Personen angesehen werden, Böros die Unterschriften durchstrichen habe. Nach er gegen Abend in Zeitz der Bankier Wilhelm Schneider erd. h. nicht als jemand, der für die 3wede feines folgter Berathung machte der Gerichtsvorsitzende folgende mordet in seinem Komptoir aufgefunden; große Geldbeträge Gewerbebetriebes" oder Be Rechtsausführungen: Auf grund der Bestimmungen des fehlen. Hier wurden heute früh zwei der That Verdächtige Waaren aufzutrete. Der§ 44 Landrechts über die Form der Verträge sei der Gerichtshof verhaftet. stellungen auf Waaren aufzusuchen sich bestrebe. der Gewerbe- Ordnung wolle eben gerade denen eine Vergünsti- und für sich die dreitägige Kündigungsfrist zustand. Nach§ 127 berichtet: Mittwoch Abend stieß in der Nähe des hiesigen BahnAus Antwerpen wird über ein Eisenbahn- Unglüc gung bieten, welche für die Zwecke ihres Waarengeschäfts Waarenbestellungen aufsuchen. Von jemandem, der für andere Theil I Titel 5 des Landrechts müsse, wenn ein Vertrag schriftlich hofes ein von Gladbach kommender Zug mit einem Zuge zuWaarenbestellungen aufsucht, ließe sich aber nicht sagen, daß er geschlossen sei, alles, was auf das Vertragsverhältniß bezug habe, fammen, in welchem sich feine Reisenden befanden; 11 Bersonen dies für seine Zwecke, gewiffermaßen in Ausübung einer Hilfs- nach diefeni schriftlichen Vertrage beurtheilt werden. Der schrift- wurden leicht verletzt. Die Rebellion in der Heilsarmee. Aus London, den funktion für sein Geschäft thue. Der Kläger sei thatsächlich nur liche Vertrag nun, welcher, wenn auch infolge eines Irrthums, ein Agent und nicht Inhaber eines Waarengeschäfts, auch nicht durch die Unterschrift des Klägers zustande gekommen war, hätte 13. b. M., fchreibt man den M. M. N.:" General" Booth hat etwa eines Kommissionsgeschäftes. Solche Personen, die, wie er, werden können, nicht aber dadurch, daß Frank Böros einfach die gefordert, herüberzukommen, um mit ihm zusammen zu beten, nur mit beiderseitiger Willensübereinkunft der Parteien aufgelöst feinen rebellischen Sohn, Mr. Ballington Booth, dringend aufin gewiffem Grade selbständig sind, würden genöthigt sein, sich unterschriften durchstrich, ohne den Kläger um feine Meinung und daß Gott sein verstocktes Herz auf den rechten Weg zurüc einen Wandergewerbeschein zu beschaffen. seine Absicht befragt zu haben. Unter den obwaltenden Um- führe." Mr. Ballington Booth hat den Bitten feines Vom Verordnungsrecht der Polizei. Eine äußerst wich- ständen sei die vom Zeugen des Beklagten bekundete münd- Baters kein Gehör geschenkt, sondern mit einer Energie, tige Entscheidung von allgemeinster Bedeutung hat gestern der liche Mittheilung an den Kläger nach dem angeführten Para- die seines Vaters würdig wäre, an der Gründung der Straffenat des Kammergerichts gefällt. Die Polizeiverwaltung graphen belanglos. Aber auch einer der gefeßlichen Entlassungs neuen amerikanischen Heilsarmee Heilsarmee weitergearbeitet. Die eines Bezirks( Kirchspiels) in Schleswig Holstein hat eine Ver- gründe habe nicht vorgelegen, so sehr auch das Betragen des Rebellion hat so um sich gegriffen, daß die Einnahmen der alten ordnung erlassen, welche bestimmt: Bor 9 Uhr morgens und Klägers moralich bedenklich und charakteristisch sei. Der Gerichts- Heilsarmee in Amerika bereits auf die Hälfte gefallen find. Im nach 7 Uhr abends dürfen Branntwein und sonstige Spirituosen hof hält den Kläger mit 12 M. angemessen entschädigt. Es tam hiesigen Hauptquartier herrscht daher große Bestürzung. Die an im Amtsbezirk sich aufhaltende fremde, darin nicht an- schließlich ein Vergleich auf 22 M. zu stande, durch den einige neue Heilsarmee wird die Organisation der regulären Armee in sässige Arbeiter nicht verschänkt oder verkauft werden." andere Forderungen des Klägers gleich mit" todt gemacht" den Bereinigten Staaten treu fopiren; in nächster Woche find Der Gastwirth R., welcher wegen Verstoßes gegen die Verordnung wurden. Die eine derselben hat eine höchst interessante Vor- ihre Uniformen fertig, in 14 Tagen erscheint die erste Nummer eine Buße zahlen sollte, beantragte gerichtliche Verhandlung und geschichte. Der Kläger schildert sie wie folgt. Vöros habe ihn ihres Organs und inzwischen schließen sich ihr Tag für Tag hatte auch die Genugthuung, sowohl beim Schöffengericht als bei eine Flasche Sekt bringen lassen und dieselbe mit einem vornehmen etwa 500 neue Rekruten an. zu Achtung! 6.Wahlkreis. Achtung! Rosenthaler Vorstadt u. Gesundbrunnen. Sonnabend, 21. März, im Marienbad, Badstr. 21: Grosses Concert Concert veranstaltet von den Sozialdemokratischen Parteigenossen des Gesundbrunnens. Unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„ Nord"( Mitgl. des A.-B.-S.) und des Volkshumoristen Otto Koch. Nach dem Concert: Grosser Ball in beiden Sälen. Anfang 8 Uhr. Um zahlreichen Besuch bittet 219/20 Billet 20 Pf. Go Das Komitee. Seifen-, Licht- u. Sodafabrik Gr. Frank18 Detail M. Reich& Co., furterstr. 43. Geschäfte. vertreten fast in allen Passagen der Berliner Markthallen, sowie Alte Jakobstr. 45, Gr. Frankfurterstr. 43, Krautstr. 48, Badstr. 12. Spezialitäten eigener Fabrikation zu sehr billigen Preisen: 45092* 2 Pfd. 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Schöcke, Prinzenstr. 34; Fahrenbruch, Dresdenerstraße 103; P. Thom, Yorkstraße 44; B. Heinrich, Rübowstraße 6; F. Schmidt, Barnimftr. 23; J. C. Dressler, Lichtenbergerstr. 5; Schülke& Brandholt, Dresdnerstr. 97; C. Scheidler, Bellealliancestr. 85; P. Hahn, Riefholzftr. 4; Pietschmann& Schulz, Tilsiterstr. 83; Kadow& Riesse, GlifabethUfer 49; Peter, Ritterstraße 43; Grabe& Lindemann, Kaftannien- Allee 86; Michalski, Havelbergerstr. 86; Heber, Ritterstraße; Hofflempnermeister Thielemann, Ritterstr. 46; Baumgart& Sobn, Münchebergerstr. 21; Staud, WilmersDorf; Kleinschefsky; Puppel& Schulz, Münzstraße; Pohl& Helbig, Ritterstraße 73; Dietrich, Mariannenstr. 20; Praller, Brückenstr. 13: Moosdorf& Hochhäusler; Pottlitzer& Schwabach, Neue Königstr. 60, insgesammt haben 55 Werkstätten mit 862 Arbeitern bewilligt. In folgenden Werkstätten sind die Forderungeu nicht bewilligt und befinden sich die Kollegen im Ausstand: F. F. A. Schulze, Fehrbellinerstraße. Lautenschläger, OranienburgerStraße 54. Kersten Nachf., Simeonstr. 13. O. Vogel, Andreasstr. 32. Vogt& Uerpmann, Tempelhofer Ufer 23. Isidor Schwarz, Linienftr. 154a. Heise, Kl. Rosenthalerstr. 10. Saeger, Koppenſtr. 81. Simonsen, Neue Steinmezstraße 2. C. Vogler, Prinzessinnenstr. 5. Blau, Linienftr. 177. Schultz & Kupczyk, Wilhelmstr. 48. Müller, Münchebergerstr. 33. Labs, Amalienstraße 17. E. Heinicke, Röpenickerstr. 98a. Müseler, Alexandrinenstr. 103. Schulz, Blumenstr. 74. Harting, Stallschreiberstr. 9. Clemens, Gleimstr. 18. Sohn, Rixdorf, Richard- Platz 11. Schäfer Nachf., Dresdenerstr. 97. Kunitz, Mariannen- Platz 12. Bock, Kastanien- Allee 36. Gustav Schwarz, Linienstraße 154a. Schulz, Ackerstr. 114. Wendt, Thurmstr. 84. Ingesammt 26 Werkstätten mit 280 Arbeitern. Bei Kiesow& Cie., Georgenfirchstraße, haben 7 Klempner wegen Maßregelung eines Kollegen die Arbeit eingestellt. Buzug ist fernzuhalten. Das Streikbureau befindet stdj Annenstr. 16 und ist geöffnet von früh 9 Uhr bis nachmittags 5 Uhr. Die Kollegen haben sich in allen Streitangelegenheiten dorthin zu wenden. Der Vertrauensmann der Berliner Metallarbeiter. Otto Naether, N., Anflamerstraße 44. Posamentiere. 28013 Sachverständige Urtheile sprechen sich einstimmig dahin aus, daß es fein bequemeres, billigeres und besseres Mittel giebt, als Opal- Fleckenwaffer. Opal- Fleckenwasser nimmt jeden Fleck und schädigt selbst die zartesten Gewebe in feiner Weise; es ist weder giftig noch feuer gefährlich und nach einstimmigem Urtheil aller Konsumenten das beste und billigste Fleckenreini gungsmittel der Welt. Benzin dagegen hinterläßt Ränder, riecht unangenehm und ist feuergefährlich. Preis 30, 50 und 90 Bf. Erhältlich in Droguenhandlungen. In folgenden Werkstellen sind unsere Forderungen jetzt nicht bewilligt: Kastenmöbel und Büffets: Kretschmar, Mustauerstr. 27. Ladeneinrichtung und ähnliche Arbeit: Keutel, Stralauerstr. 35. Mühlbauer, Andreasplay 3. Dohse, Grüner Weg 2. Neimann, Feilnerstr. 5. Nähmaschinen: Frister u. Roßmann, Staligerstr. 134/135. Goldleisten: Methlow it. Co., Röpnickerstr. 109. Luxusmöbel: Bab, Gitschinerstr. 75. Fritsche, Oranienftr. 36( streiten die Drechsler). Eisenmöbelfabrik von Schulz, Hasenhaide 9( 11 Tischler). Mühlenbaumaschinen- Fabrik: Pähold u. Komp.( 31 Tischler), Mald straße 33-35. Telephon: Trumpfe, Holzmarktstr. 48. Buzug fernhalten. Tischler- Verein. SUP Sonnabend, 21, März, abends 9 Uhr, Melchiorftr. 15: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn P. Jahn über: Der Kreislauf des Geldes und die Währungsfrage. 2. Vereinsangelegenheiten. Damen und Gäste haben Zutritt. Zimmerer! 199/2 Sonntag, 22. März, vorm. punkt 10%, Uhr, bei Boltz, Alte Jakobstr. 75: Große Versammlung des Zentralverb. der Zimmerer Deutschl. ( Bahlstelle Berlin.) Tages Ordnung: 1. Der Provinzialverbandstag und Anträge zu demselben. 2. Wahl der Delegirten, 3. Neuwahl des Bezirkskassirers in der Zahlstelle 3. 4. VerMöbel- Ansverkauf, fchiedenes. = 254/18 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. Achtung! Bimmerer. paffendste Gelegenheit für Brautleute, Hotels, Speicher, Neue König- Straße 59, sollen zirka Wiederverkäufer. In meinem größten Möbel200 Wohnungs Einrichtungen, verliehen ge= wesene und neue Möbel zu jedem annehmbaren Preise schleunigst verkauft werden. Besonders zu empfehlen ist der große Vorrath verliehen gewesener Möbel, welche fast neu sind und zum halben Preise abgegeben werden. Durch sehr große, billige Gelegenheitseinkäufe ist es am Sonntag, 22. März, vorm. 10 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 21 22. Sonntag, den 22. März, vorm. 10 Uhr, bei Büsching( Englischer Hof), mir möglich, schon ganze Wirthschaften für 90, Neue Roßstr. 3: Große öffentliche Versammlung der Posamenten- Arbeiter u. Arbeiterinnen. B. Gewerkschaftliches. Tages Ordnung: = 153/2 1. Die Arbeitsniederlegung bei der Firma E. Gusted t. 2. Diskussion. NB. Der Inhaber, Werkführer sowie die während des Streiks ein getretenen Kollegen der betr. Firma sind hierzu brieflich eingeladen. Der Vertrauensmann. Achtung! Stuckateure. Freitag, 20. März, abends 8 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 21: 1 Oeffentl. Versammlung sämmtlicher Stuckateure. V Tages Ordnung: 1. Die Arbeitseinstellung der Stuckateure in der Gewerbeausstellung. 2. Wie stellen sich die Kollegen zu derselben. 171/14 Es ist Pflicht jedes einzelnen Kollegen zu erscheinen. Die betheiligten Bildhauer sind auch dazu eingeladen. Die Vertrauenslente. Achtung! Putzer. Achtung! Montag, den 23. März 1896, nachm. 4 Uhr, im Lokale des Herrn Joël, Andreasstraße 21: Gr. öffentl. Versammlung der Puker Berlins und Umgegend. Zagesordnung: 1. Bericht der am 16. März gewählten Kommission zur Aufnahme der Lohn- und Arbeitsbedingungen in unserem Gewerbe. 2. Bestimmung des Zages, an welchem über die Geschäfte, wo die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht innegehalten werden, die Sperre verhängt werden soll. 132 14 Kollegen, es ist Eure heiligste Pflicht, in der Versammlung zu erscheinen, dadurch beweist Ihr dem Unternehmerthum, daß Ihr gesonnen seid, Eure Forderungen durchzuführen. Der Vertrauensmann: A. Vogel. Achtung! Former. Achtung! Oeffentliche Versammlung am Sonntag, den 22. d. Mts., vormittags 10 Uhr, im ,, Köslinerhof", Köslinerstraße Nr. 8. Tages Ordnung: 61/61 1. Vortrag des Genossen Jahn. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Alle in den Eisengießereien beschäftigten Arbeiter sind hierzu eingeladen. Der Einberufer. Köpenick. Dienstag, 24. März, abends punkt 8 Uhr, im Lokal des Genossen A. Schulz, Schönerlinderstraße: Oeffentliche Versammlung des Tozialdemokratischen Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen P. Jahn( Berlin) über: Die Entwickelung der Volkswirthschaft. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten, u. a. Beschluß fassung über die geplante Dampferpartie. Tempelhof. Um regen Besuch, sowie Zahlung der rückständigen Beiträge ersucht Der Vorstand. Mariendorf. Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins. Sonntag, 22. März, nachm. 31/2 Uhr, bei Teutschbein- Marienfelde. Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent: Stadtv. Bruns. 2. Diskussion. 3. Fragelaften. Aufnahme_neuer Mitglieder. Gäste willkommen. [ 12/2] Der Vorstand. 714 Marienfelde. 100, 300 Mt. abzugeben. Ebenfalls hochfeine, herrschaftliche Einrichtungen von 500 bis 5000 m. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung, Kleiderspind 12 Mr., Komoden, Küchenspind 12, Stühle 2 Mr., Nußbaum- Kleiderspinde, Verein der Zimmerer Berlins u. Umg. Mitglieder- Versammlung Zages Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Vortrag über: Der Einfluß der Naturs wissenschaften auf die moralischen Anschauungen. Referent Dr. Joël. 3. Distussion. 257/18 Die Mitglieder werden dringend ersucht, pünktlich und zahlreich zu Der Vorstand. Bertitoms 30 Mt., Muschelspinden 35, Bett- erscheinen. Jeder Zimmerer hat Zutritt. stellen mit Matratzen 18 Mt., Sophas 18, Trumeaux mit Säulen und Krystallglas 60, Säulenspind, Kleiderspind, hochelegant 56, Cylinderbureaur, Herrenschreibtische, Damenschreibtische, Schreibsekretär 30, Plüschgarnituren 60 Mt., Pianinos, Paneelsophas 75 Mt. Bücherſpinden, Friſirtoiletten, Chaiselongues, Salon Garnituren, Portièren, Steppdecken, Tischdecken, Gardinen, Fenster 5 Mr. Mt. Boll ständig ausgestattete und beforirte Salons, Speiſezimmer und englische Schlafzimmer stets zur Ansicht. Empfehle allen Herrschaften, vor Ginkauf von Möbeln mein entschieden größtes und billigstes Möbellager zu besichtigen und von den staunend billigen, aber festen Tarpreisen zu überzeugen. Gekaufte Möbel tönnen 3 Monate tostenfrei auf meinem Aufbewahrungsspetcher lagern, werden durch eigene Gespanne transportirt auch nach außerhalb. [ 4581L pfelsinen -Wypler Alte Jakobftr.52 neben der Luisentirche. 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M., mein neues Schanklokal in der Krumme- und PestalozzistraßenEdte eröffne. Eduard Hohmuth. Achtung! Zimmerer! Folgende Baufirmen haben unsere Forderung: Neunstundentag und 55 Pf. Minimallohn noch nicht anerkannt: Gerichtstr. 56. Dittner, Frankfurter Chaussee 47. Dittner, Frankfurter Allee 10. Attien- Gesellschaft, Genthinerstr. 3. Bielice, Bernauerstr. 15. Buchholz, Exner, Bankow, Barkstraße. Fichel, Fliederſtr. 2. Freiſe, Uferstr. 16. Friß, Brandenburgstr. 72. Gutschow, Stettinerstr. 42. Gülsdorf, Prinzenftr. 19. Heckert, Andreassir. 36. Hetsch, Pallisadenstr. 98. Heinze, Grimmstr. 8. ölzel u. Trenner, Schillingstr. 8. Junge u. Dabelstein, Brunnenstr. 43. Rieh, Zwinglistr. 9. Köhler, Rügenerstr. 1. Lenz, Dorfstr. 40. Lent, Kablerstraße 11. Miraurer, Marienburgerstr. 38/39. Müller, Hochstraße. Meging, Kleiftstr. 37. Mölte, Königin Augusta- Allee 35. Otto, Orangenstr. 6. Pafice, Frankfurter Allee 11. Peuckert, Frankfurter Allee 145. Reuter u. Hartmann, Haidestr. 52. Ruwold, Prenzlauer Allee 218. Runge, Speenerstr. 32. Södel, Köthenerstr. 27. Stiebig u. Köppchen, Thurmstr. 70. Strache, Bernburgerstraße 22. Tetzlaff, Mödernstraße. Tiede, Beusselstr. 16. Weise, Zwingliftr. 14. Ottenroth, Brunnenstr. 70. Schmidt, Gebr., Albrechtstr. 119, Schöneberg. Schrobsdorf, Charlottenburg. M. Steeger, Pankow, Wollantstraße 132. E. Steeger, Pantow, Kreuzstr. 6. Rückert, Lindenstr. 5, Schönhausen. Von obigen Geschäften ist der Zuzug fernzuhalten. 258 17 Die Lohnkommission der Berl. Zimmerleute. Große öffentliche Versammlung mit Frauen aller Bau- Anschläger Berlins u. Umg. am Sonntag, den 22. März, abends 6 Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 38, Tages- Ordnung: 1. Form und Nußen einer einheitlichen Organisation unserer Gewerks schaft. Referent Herr Paul Jahn. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Anschläger zur diesjährigen Lohnbewegung? 33| 20 Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein und Tanz. Der Einberufer: Alb. Bergau, Friedenstr. 81. IF Achtung! Bauarbeiter Berlins und Umgegend. Grosse öffentliche Versammlung am Sonntag, den 22. März cr., vormittags 10% Uhr, in Scheffer's Salon, Inselstr. 10. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Fünfer Kommission. 2. Bericht der GewerbegerichtsBeifizer. 3. Diskussion und Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Achtung! Der Einberufer. Achtung! 305 Rohrleger und Gehilfen. Sonntag, den 22. März 1896, vormittags 10 Uhr, bei Bergner, Anneustraße 16: Große öffentliche Versammlung. • Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Millarg über: Die Sicherstellung des Arbeitslohnes und der Bauschwindel. 2. Disfuffion. 3. Berichterstattung des Vertrauensmannes und Neuwahl desselben. 4. Verschiedenes. V Die Heizungs-, Gas- und Wasser Rohrleger von Schäffer& Walker werden hierdurch ganz besonders cingeladen. Da die Versammlung pünktlich eröffnet wird, ersuche alle Kollegen pünktlich zu erscheinen. Diejenigen Kollegen, welche im Befih von Fragebüchern und Fragebogen sind, ersuche ich dieselben in der Versammlung abzugeben. Der Vertrauensmann. NB. Gleichzeitig mache ich den Mitgliedern der Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer bekannt, daß sich die Zahlstelle daselbst befindet. Vereinszimmer für jeden Verein zu verg. Renk, Naunynftr. 8.[ 356b 28012 Verantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.