Morgenausgabe �r. 131 J,, "Xce" �-�ahrgang «»chmMch U$U RiomIII� ISO St. tm uorcus äaf)U)Qr, P-stb-zllg<�ZM. r>nschl!«tzlich SOPsg-Poftzeitung»- v»d SkA. Postbestellgebühren. Duslonb»» obounemeru L.— St. pro Stsnot. * f rr»aormirt»* erscheint wachentäo. ich zweimal, Sonntag» und Slontog» einmal, die«bendau-oabea für Perlm und im Handel mit dem Titel„Per Lbeitd�. Illustrierte Beilogen«Solf nnb Zeit* unb�nberfreunb*. Ferner ..Unterholliinfl mth Sr«...«- " W V• bi« IPV VerUner VoUsblatt Mittwoch 19. März 1930 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 15 pf. Öle e t n Z p alttge Nonparellle?-'!» 10 Pfennig. Reklame eile 5.— Reichs» mort.„Kleine Anzeiyen� dos ettge- druckte Wort 2S Pfennig izutäsfig zwei fettaebruckte Worte), jedes weitere Wort U Pfennig. HUBengeiuche dos erst« Wort IS Pfennig, jedes weitere Wart 10 Pfennig Worte über 1ö Buchstaden idlfn für zwei Worte Arbeitsmq:Ö eile SV Pfennig. Familienanzetgen Zeile gefchöft Ündeustraße 3. wochentäglich von bis 17 Uhr. Äentvalovgan der SozialdemoLratifchen Vavtei DeMOlands Redaktion und Verlag: Berlin SW lZS. Lindenstraße 3 fterusprech«: DSoboit 292—837 Tetegrawm.Adi.: Sozialdemokrat Berlut. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Vollscheckkomo: Berlin 37 536.— Bankkonlo: Bank der Lrbeiier, Anüeslellteu und Beamten. WaMtr 65. Dt B n. DiSc-Sel. Deposttenkasie Lindenftr S. Frick sucht Hochverräter. Nur Rechisputschisten als Polizeibeamte gewünscht. Der Minister des Innern von Thüringen, k R e ch t s p u t f ch i st F r i ck. hat wiederholt betont, daß seine Aufgabe darin erblicke. Thüringen zu einem. Zenii Thürinx der er Zentrum des„nationalen Widerstandes" im Sinne seiner Partei zu machen. Was darunter zu verstehen ist, weiß ein jeder. Die Partei des Herrn Frick hat versucht, in die Reichswehr einzudringen und Reichswehroffizicre zur Verletzung ihres Treueides und zum Hochverrat zu bewegen. Sie rühmt sich öffentlich dieses Versuches und brüstet sich, daß er in weitem Maße Erfolg gehabt habe. Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß ein Vertreter dieser Partei, die offen den Hochverrat proklamiert und» sich hoch- verräterischer Handlungen rühmt. Polizei miHi st er in einem deutschen Landeist. Wir sind in. der Lage, Beweise dafür anzuführen, daß Herr Frick seine Aufgabe in Thüringen in diesem Punkte ganz im Sinne seiner Partei führt. Er will die Polizei zu einem MachtinstrAiment des Rechtsputschismus gegen die Verfassung machen. Wir veröffentlichten nachfolgend eine Unterredung zwischen dem Oberbürgermeister von Eisenach Dr. Ianson und dem PolizeikommissaranwärterM. M. nimmt zur Zeit an dem Lehrgang für Polizeikommissar- anwärter der Gemeindepolizet auf der preußischen Polizei- schule Ciche teil. Er ist im Dezember 1920 aus der Schutz Polizei Berlin ausgeschieden, um einen Referentenposten in der Außenhandelskontrolle zu übernehmen. Nach ver- Ichiedenen. Fehlschlagen versuchte er wieder, in eine Beamtenstelle zu gelartgen. Dvm thüringischen M i o i st e r i u m des Innern wurde er am 4. Juli 1929 der Polizei- verwaltUAg der Stadt Jena zur informatorischen Beschäfti- qung überwiesen mit der Aussicht, später als PoEzeitommissar der Stadt Eisenach angestellt zu werden, und dann zur Teil- nähme an dem Lehrgang für Polizeikommissaranwärter der Zeugnis über M. Darauf erfolgte berufung M. als Polizetkommissar a. P. zum 1. April 1930 nach Cisenach. Am 16. März wurde M.. der jetzt auf der Polizeischule Eiche ist— zum Oberbürgermeister Dr Ianson- Eisenach nach dqm Hotel Ercelsior in Berlin bestellt. Diese Unterredung zwischen Dr. Ianson und M. hat folgen- den Verlauf genommen: „Dr. 3- Ich hob« Sie hierher gebeten, um einige Dinge mit Ihnen zu besprechen, über di« ich jetzt ganz klar sehen muß. W i« stehen Sie politisch? IN.(ausweichend): Ich hqbe bereits seinerzeit zum Ausdruck gebracht, daß ich nicht Mitglied einer besonderen Partei oder Or- ganisation bin. Dr. 3.: Das ist gor nichts, das sind allgemeine Redensarten. Sie muffen sich doch in einer ganz bestimmt«» Richtung eingestellt haben. IN.(zögert). Dr. 3.: Also ich frag« Sie jetzt: Wag würden Sie tun wenn di« Nl-tionalsoziallsten jetzt losschlagen würden und Sie diesen und dem Stahlhelm der ja eng mit den Nationalsozialisten verbunden ist. als Polizeikommiffar gegenüber- stünden? M.(ausweichend): Ich würd« mich an die Befehle halten, die ich bekomme. Dr. 3.: Da weichen Si« mit Ihrer Antwort wieder aus. Ich stehe nun nicht immer hinter Ihnen und möchte wiffen. was Si« au»«igener Entschließung tun würden. At.(ausweichend): Dann würde ich gemäß meiner Verpflich- titng als Beamter nach den mir allgemein vorgezeichneten Nicht» linien, also nach meinem Beamteneid handeln. Dr 3.: Sie geben mir immer noch nicht die Antwort, die ich haben will. Würden Sie gegen die Rational- i o z i a li st« n vorg«h«n? Ja oder nein? M.(zögernd). Dr 3- Können Sie mir Persönlichkeiten namhaft machen, dl- bekunden können, daß Sie ein absolut rechtsstehender nationaler Mann sind?,...... Ul.(ausweichend): Ich kann jederzeit Pollzetofliziere angeben, die sich für mich einsetzen werden. Dr. 3.: Preußische Polizeioffiziere? SL: Jawohl. Dr. 3� Preußisch- Polizeioffiziere sind für Thüringen keine Kronzeugen. Die sind fast all« verseucht. Haben Sie niemand in den Kreisen der Nationalsozialisten Und de» Stahlhelms. JB.(ausweichend): Das kann ich im Augenblick nicht sagen. Dr. 3u Es ist aber unbedingt nötig, daß Sie Nationalsozialisten oder Stahlhelmleute finden, die voll und ganz für Sie bürgey und sich insbesondere beim Minister Frick persönlich für Sie verwenden. Selbstvcr- ständlich müssen es Leute von Nomen jein, wie z. B. Abgeordnete, Stohlhslmführer und dergleichen. Minister Frick hat erNärt. daß er sehr ungünstige Nachrichten über Sie crlMcn habe. Sie seien in den Kreisen früherer Offiziere sehr unbeliebt und die Ofsiziersvcreinigung Ihres früheren Regiments habe Sie auch aus- geschlossen. Auch glaube man. daß Sie sich im Felde eine Ihrer Verwundungen selbst beigebracht hätten. Sie müssen unbedingt Zeugen vom Stahlhelm, möglichst Männer mit dem?our le merite oder sonstige als besonders tapfere Front- soldaren bekannt« Persönlichkeiten bnngen, die Ihnen das Zeugnis ausstellen, daß Sie im Kriege nicht nur Ihr« Pflicht getan haben, sondern darüber hinaus«in ganz besonders hervorragender Held und Draufgänger gewesen sind. Haben Sie Kriegsauszeichnungen? JB.: Ich besitze das E. K. I und II und das silberne Vcrwun- dctenabzeichen für dreimalige Verwundung. Dr. 3.: Und nun noch etwas anderes! Ich habe in Erfahrung gebracht, daß IhrBruder, der als Polizeihauptniann in Magde- bürg steht, Mitglied des Reichsbanners ist und in einem be- sonderen Vertrauensverhältnis zu dem Ober» Präsidenten Härsing steht. Obwohl er infolge Erreichung der Altersgrenze jetzt pensioniert werden müßte, loll er wegen seiner besonderen politischen Zuverlässigkeit auf einem besonderen Posten Verwendung finden. Wie stehen Sie mit Ihrem Bruder? JB.(ausweichend): Familiär stehe ich mit meinem Bruder sehr gut. Seine politisch« Haltung dürft« wohl seine Privatangelegen. heit sein. Dr. 3.: Sie haben noch«ine verheiratete Schwester in Jena. Welche politisch« Einstellung hat Ihr Schwager: JB.(ausweichend): Da» weiß ich nicht. Dr. 3.: Unter diesen Umständen kann ich natürlich die vorgesehen« Einberufung nicht aufrechterhalten und Sie den Dienst in Eisenach nicht antreten lassen. Sie würden dort sofort auf stärksten Widerstand der Nationalsozialisten und des Stahlhelms stoßen. versuchen Sie zu erreichen, daß Tlaflonalsozialiflen und Stahlhelm stch für Si« in dem gewünschten Sinn« beim Minister Frick einsetzen, dann will ich Ihnen die Polizeikommissarstelle geben." Der Oberbürgermeister von Eisenach sucht demnach Polizeioffiziere. die bei einem Putsch der Hakenkreuzler oder des Stahlhelms sich auf die Seite der Putschisten gegen die Verfassung stellen. Sein Tun ist zweifellos V o r b e r e i- tung zum Hochverrat. Wir fragen: Wird der Oberreichsanwalt unverzüglich Schritte gegen den Oberbürgermeister Dr. Ianson von Eisenach ergreifen? Wird er ihn verhaften lassen? Wird der Oberreichsanwalt ferner in gleicher Weise gegen den Mini st er des Innern von Thüringen Dr. Frick einschreiten, der unzweifelhaft die Handlungsweise des Herrn Ianson be- einflußt hat? Darüber hinaus fragen wir: Wird der Reichs- mini st er des Innern aus diesem Vorfall K o ns e» q u e n z e n gegenüber dem thüringischen Innenminister n? Was gedenkt er gegenüber der Tatsache zu tun, daß hürintzen von Amtsstellen ganz offenkundig Vorbereitun zum Hochverrat gegen die Reichsverfassung getroffen wird Aushebung des Vemonstraiionsverbots Nach Äerkündung des Republikfchuhgesehes.' Der preußische Jnnenminister wird— wie der„Soz. P r e s s e d i e n st" ersährt— unmittelbar nach der Verkündung des am Dienstag vom Reichstag verabschiedeten Republikschutz- gesetzes das im Dezember erlassen« Verbot der Demon» strattoneu und Versammlungen unter freiem Himmel aufheben. Die Suche nach den Vombenmännern. Altona, 18. März.(Eigenbericht.) Die Oberstaatsanwälte von Altona und Kiel erlassen einen Auf- ruf. m dem st« zur Mitteilung zweckdienlicher Angaden zur Aul- deckungder Bombenattentate in Oldesloe und Nenmünstcr ausfordern. Die OberstaatsanwaUschaft nimmt an, daß die Spreng- lodungen in Oldesloe und Neumünster von ein und denselben Tätern untergebracht worden sind. Für die Ergreifung der Täter sind setzt auch von der Staatsanwaltschaft 5000 M. Belohnung aus» gesetzt worden. Die Koalition nebenan. Arbeiten und Erfolge der Sozialdemokraten in der Tschechoslowakei. J. II. Prag. 18. März. ,�u sehr ungünstiger Zeit ist die sudetendeutsche Sozial- dcmokratie in die Regierung gegangen: auch die Tschecho- slowakei hat ihre Wirtschaftskrise; die Zahl der Ar- beitslosen und der Kurzarbeiter schwillt rasch an.— Leicht bringen die Arbeiter, die Opfer der Krise werden, in solcher Situation ihre Leiden in Verbindung mit der Tätigkeit der sozialdemokratischen Regierungsmitgliedcr, zninal die Kom- munisten nicht müde werden, den Kampf gegen die Krise auf ihre Art zu führen: als Kampf gegen die Sozialdemokratie. Aber diese Situation bot auch den Sozialdemokraten, und be- sonders dem Fürsorgeministcr Dr. Ludwig Czech Gelegenheit zu wertvoller Arbeit. Schon das war eine Frucht der sozialdemokratischen Ar- sieit, daß demokratischer regiert wird als in den Zeiten des Bürgerblocks und auch schon in den Zeiten der allnationalen Koal tion. Der Achterausschuß der Regierungsparteien, der eine Regierung neben der Regierung geworden war, ist ver- schwunden. Nur die Regierung regiert, die großen politi- schcn Auseinandersetzungen erfolgen im Ministerrat, nicht mehr im Kreise der verfaflungsmäßig nicht verantwortlichen Parteiführer. Schwer nur finden sich die Bürgerparteien in der Koa- lition, die sich in der Zeit des Bürgerblocks an schrankenloses Herrschen gewöhnt hatten, damit ab. Aber allen Versuchen, die„Osmitschka", die Nebenregierung des Parieia�s- schusies, wieder aufzurichten, stelltü sich der Linksblock sehr entschieden entgegen. Nun ist aber auch der Linksblock durchaus nichts Einheitliches— nicht nur zwischen deutschen und tschechischen Sozialdemokraten gibt es mancherlei Meinungsverschieden- heiten, sondern erst recht zwischen Sozialdemokraten und tschechischen Nationalsozialisten, der Partei des Außen- Ministers Dr. B e n e s ch. die ein seltsames Gemisch klein- bürgerlicher und proletarischer Elemente ist und deren So- zialismus etwas durchaus Gefühlsmäßiges und stark natio- nalistisch Gefärbtes ist. Aber in den bisher ayein entschei- denden Fragen, in den sozialpolitischen und Wirtschafts- fragen, gab es doch keine tiefgehenden Gegensätze, und das ermöglichte es, den Bürgerparteien eine sozialistisch« Front entgegenzusetzen. Das Bürgertum will nicht gern bekennen, daß in den dreieinhalb Jahren der Herrschaft des Bürgerblocks über- Haupt keine sozialpolitische Arbeit geleistet wurde. Es wagt nicht recht, die Arbeit der Sozialdemokraten zu sabotieren. Aber es stellt gleichzeitig seine wirtschaftlichen Forderungen auf. Die Agrarier verlangen neue Zoll- erhöhungen.sie und die anderen Bürgerparteicn fordern den raschen Abbau des in der Tschechoslowakei noch in ziemlich weitem Umfange bestehenden Mieterschutzes. So muß es im Schöße der Koalition immer wieder zu sehr heftigen Auseinandersetzungen kommen, deren Ergebnis natürlich nichts anderes sein kann als ein Kompromiß. Die Frage ist nun. ob es ein für die Arbeiter tragbares, für sie vorteilhaftes Kompromiß ist. Lassen wir vor allem die Taten des von Dr. Czech geleite- ten Fürsorgeministeriums sprechen! In der Tschechoslowakei gibt es noch keine Arbeitslosenversicherung. sondern die Arbeitslosenunterstützung erfolgt nach dem Genter System, also in der Form staatlicher Zuschüsse zu den Unter- stützungen. welche die Gewerkschaften auszahlen. Bisher be- trug die Unterstützungsdauer dreizehn Wochen; sie wird nun auf sechsnndzwanzig Wochen verlängert. Außerdem wird die Unterstützung der Kurzarbeiter vorgesehen und ein be- sonderer Krisenfonds geschaffen werden. Der Mehraufwand für die Arbeitslosen beträgt 4S Millionen. Außerdem wurde auch eine Kommission zur Vorbereitung der Arbeitslosenver- sicherung eingesetzt.— Nachdem dreieinhalb Jahre lang gar nichts geschehen, ist das, nach einem Vierteljahr sozialdemo- kratischer Mitarbeit, immerhin eine beträchtliche Leistung! Die kommunistischen Gewerkschaften waren bisher in das Genter System nicht einbezogen. Dr. Czech hat dafür gesorgt, daß nun auch diese Gewerkschaften die staatlichen Zu- schösse bekomm in, worauf di«„Roten Gewerkschaften" be- schloffen-- dl« Auszahlung von Arbeitslosenunterstützungen überhaupt einzustellen. Wenn sie die staatlichen Beiträge bekommen wollen, müssen sie natürlich regelmäßig, nicht bloß gelegentlich, ihre arbeits- losen Mitglieder unterstützen. Und dazu fehlt den kleinen. zersplitterten und zerrissenen Auchgewerkschaften der Kom- munisten das Geld. Die Altpensionisten, deren Bezüge durch die In» flation entwertet wurden, werden eine Aufwertung ihrer Renten in vier Etappen bekommen. Die Renten der Schwcrinvaliden werden erhöht werden. Die Staatsbeamten werden eine Gehaltserhöhung in Form der Auszahlung eines dreizehnten Monatsgehalts oder doch wenigstens von 7V Proz. des dreizehnten Gehalts be- Republikschutzgesetz beschlossen. Ministergeseh gleichfalls verabschiedet. kommen.— Auch an die Arbeiterjugend hat Genosse Czech gedacht. Er hat die Errichtung eines Jugend inspekto- rates beim Zentralgewerbeinspektorat durchgeführt. Es soll im Einvernehmen mit den Organisationen der Arbeiter- jugend wirken. Auf allen diesen Gebieten ist in der Zeit des Bürger- blocks nichts geschehen. Auch nichts zur Lösung der W o h- nungsfrage. Die Bürgerparteien haben nur ein Rezept: Aufhebung des Mieterschutzes und Wiederherstellung des freien Wohnungsmarktes. Ihr Angriff dürfte im großen und ganzen abgewehrt fein. Das Mieterschutzgesetz, dessen Gellung Ende März abläuft, dürfte mit geringfügigen Aen- derungen bis November verlängert werden. In der Zwischen- zeit sollen Verhandlungen über ein langfristiges Wohnbau- förderungsgefetz und in diesem Zusammenhange auch über das Mieterschutzgesetz geführt werden. Borläufig ist es dem sozialdemokratischen Fürsorgeminister gelungen, einen Kredit von 15 Millionen zur Erbauung von 12 000 Kleinwohnungen zu erlangen. Naturgemäß kann sich nicht ebenso rasch die Wirkung der Arbeit der anderen sozialdemokratischen Minister zeigen. Bemerkenswert ist, daß der Iuftizminister Dr. Meißner die Zulassung der Frauen zum Richterberufe an- geordnet hat und daß der Ernährungsminister B e ch y n« zunächst einen aus Vertretern der Konsumenten bestehenden Ernährungsbeirat geschaffen hat, der seine Arbeiten bereits aufgenommen hat, und daß er energisch und erfolgreich die Milchverfälschung bekämpft. Aber die agrarischen Forderungen? Die Agrarier sind infosern in einer günstigen Situation, als es ihrer unermüdlichen Agllation gelang, die Oeffentlichkell von einer allgemeinen Landwirtschaftskrise zu überzeugen. Tat- sächlich geht es einem Test der Bauernschaft infolge des Sinkens der Getreidepreise schlechter. Ein wenig ch i l f e fürdieRoggenbauern verspricht man sich davon, daß eine stärkere Beimischung von Roggenmehl für die Brot- crzeugung angeordnet wird, und davon, daß die staatlichen Anstalten(vor allem die Armee) angehalten werden vor allem einheimische Erzeugnisse zu kaufen. Aber das Sehnen der Agrarier find neue höhere Zölle. Zwar haben die festen Zölle bisher der Landwirtschaft nicht geholfen, aber die Agrarier sind eingeschworen auf dieses Rezept. Der sozialdemokratische Widerstand zwang sie, ihre Forderungen wesentlich zu mildern. Wahrscheinlich dürfte es zur Ein- führung von Zusatzzöllen kommen, die der jewelligen Wettmarkllage angepaßt sein werden. Es ist klar, daß eine rein« Bürgerregierung sich weder bei der Beseitigung des Mieterschutzes noch bei der Durch- setzung der agrarischen Zollpläne selber Schranken gezogen hätte. Wenn die Bürgerparteien nun doch zu einer ge- wissen Rücksichtnahme auf die Konsumenten gezwungen wer- den, so nur durch die sozialdemokratischen Koalitionspartner. Welche Wirkungen die Zusatzzölle haben werden, läßt sich noch nicht sagen. Sichtbar aber werden jetzt schon die Wir- kungen der sozialpolllischen Arbest der Sozialdemokratie. Sie wirkt sich gerade fetzt, in der Zell der starken Arbeitslosig- keit, segensreich aus— sie wird aber, da es sich um plan- mäßige gesetzgeberische Arbeit handelt, über diele Zeit hinaus Früchte tragen. Sie wird dauern! Und wird deshalb be- stehen vor dem Urtell der Arbeiter. Nächste wichtige Aufgaben sind die Sanierung der Finanzen der Selbstverwaltungskörper und die Verkürzung der militärischen Dienstzeit, auf welche erfreulicherweise auch die tschechischen Genossen be- sonders drängen. Die andere große Aufgabe— die Besserstellung der nationalen Minderheit en— scheint noch in der Ferne zu liegen. Zunächst brennen die wirtscbnftllchen Probleme— und dann: außer dein Präsidenten Mosa- r y k, der immer wieder auf die Wichtigkell der Aufgabe oerweist, scheint auf tschechischer Selle niemand die Beoeu- tung�des Problems ganz zu erkennen. Und doch wird gerade diese Frage es sein, an der sich die Tragfähigkeit der Koa- lition zu erweisen haben wird! Oie Negierunqsfrage in Sachsen. Immer noch Vürgerblockhoffnungen. Dresden. 18. März(Eigenbericht). Die bisherigen Regierungsparteien des Sächsischen Landtages hielten am Dienstag eine Besprechung ab über die Neuwahl des Ministerpräsidenten, die am nächsten Dienstag endgültig versucht werden soll. Man rechnet« aus, daß ein« Mehrheit für den von der Wirtschaftspartei vorgeschlagenen volksparteilichen Kandidaten S ch i e ck. dem Präsidenten des Staatsrechnungshoses, Zustandekommen würde, wenn die Demo- fraten sich der Stimme enthielten und von den Altsozialisten wenigstens einer für Schieck stimmen würde. Man will deshalb in den nächsten Tagen mit den Demokraten und den Altsozialisten Fühlung nehmen. Am kommenden Montag soll dann eine neue Besprechung stattfinden. Die Hoffnung der Rechtsparteien auf die Demokraten ist— wie wir erfahren— unbegründet Die Demokraten werden sich keinesfalls der Stimme enthalten, sondern für einen eigenen Kandi- baten stimmen. Damit muß die Kandidatur Schiecks als gescheitert betrachtet werden. Aach der Räumung. Roch zehn Jahre Reichshilfe für den Wessen. Än Reichstagsausschuh für die besetzten Gebiete fand am Dienstag eine Aussprach« über das Westprogramm stall. Reichs- minister Dr. Wirth betonte, daß der Räumuig der besetzten Gebiete auf Jahre hinaus eine systematische und or- gonisch« Betreuung durch Reich und Länder folgen müsse. Ein Aufriß über dos GesanUhilfswerk. das im Laufe der nächsten zehn Jahre durchgeführt werden soll, könne noch nicht gegeben werden, da niemand die Finanzoerhällnisse des Reiches pnd auch die weitere Entwicklung der besetzten Gebiete überblicken körmc. Neben den Maßnahmen zur wirtschasllichen Hebung durch Bereitstellung von besonderen Mitteln werde größte Aufmerksam- kell auf die bevorzugt« Beteiligung bei der Vergebung von Aus- trägen gelegt werden müssen. Im Nachtragshaushalt und im Haupt- Haushalt für 1930 sollen insgesamt 20 Millionen für den Westen bewilligt werden. Ein Viertel diese« Betrages soll zur För- derung des landwirtschaftlichen Produktions» und Abfatzwese,« ver- wendet werden. Die vromberger.Deutsche Rundschau" nunmt auf Grund ge. i tau« Kenntnisnahme der Red« des Außenministers Dr. Eurtius ihren Angrtss gegen den Maister zurück. Der Reichetag lehnte am Dienstag nachmittag all« zur drillen Beratung des Republtkschutzgefetzes gestellten Strekchungs- und Aenderungsanträge ab ß 6— Bestrafung von Beschimpfungen der Republik, der Verfassung, eines verstorbenen Reichspräsidenten oder verstorbenen Reichs- oder Landesminister«, sowie der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, Verherrlichung eines Hochverrats an der Republik usw.— wird mit 265 Stimmen der Regierungsparteien gegen 151 Stimmen der Rechten, der Wirtschaftspartei, der Bayerischen Bolkspartei und der Kommunisten angenommen.§ 10— Auflösung von Vereinen— wird mit 366 gegen 148 Stimmen angenommen. Die Gesamlabstimmung ergibt die Annahme des neuen Republikschutzgesetzes mit 266 gegen 150 Stimmen. (Pfuirufe der Komm.) Für die Anträge der Kommunisten und der Deutschnationalen auf Hinausschiebung der Verkündung des Gesetzes stimmon 120, dagegen 255 Mitglieder. Die Aussetzung ist somit nicht beschlossen, da nicht ein Drittel der Anwesenden erreicht ist. Das Gesetz über die Rechtsverhältnisse des Reichs- tanzlers uud der Reichsminlster nnrd mll 341 Sllmmeu der Regierungsparteien, der Wirtschaftspartei, der Bayerischen Volk spartet.und der Deillfchnationalen gegen 70 Stimmen der Konr- munistsn und der kleinen Rechtsgruppen bei 5 Enthaltungen angenommen. Damit ist das Erfordernis erfüllt, daß zwei Drittel der gesetzlichen Mugliederzahl des Reichstags an der Abstimmung teil- genommen und zwei Drittel davon für die Vorlage gestimmt haben. Der Präsident fragt nun, ob der Antrag der Regierungs- Parteien, die Proklamation des Retchspräsldenten, mtt der er die Unterzeichnung der Voung-Tefetze öffentlich begründet hat, öffentlich anzuschlagen, noch heute erledigt werden könnte. Lebhafter Widerspruch der Rechten verellett diese Absicht. Die Beschlußfassung über diesen Antrag steht als erster Punkt auf der Tagesordnung der Atzung am heutigen Mttwoch, 11 Uhr; außerdem erst« Lesung der Zoll- und Steuervorlagen.— Schluß 16% Uhr. Ein Antrag der Kommunisten, den Plakatierungsontrag von der Tagesordnung abzusetzen, wurde nur von den Hakenkreuz- lern unterstützt Die Deutschnationalen trauten sich nicht und blieben sitzen. Hindenburgs polenverirag unierzeichnei.- Der Reichspräsident hat gestern das das deutsch- polnische Liquidationsabkomme» enthaltend« „Gesetz über die Abkommen zur Regelung von Frage« des Teiles X des Vertrages von Versailles" unter» schrieben. Er hat bei dieser Gelegenheit an de» Herr» Reichs- kanzler das nachstehende Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Aus dem gestrigen Dortrag des Herrn Reichsjustizministers und der mll ihm bei mir erschienenen Herren habe Ich die Ueberzeugung gewonnen, daß gegen das vom Reichstag verabschiedete Zusttm- mungsgesetz zum deutsch. polnischen Liquidationsabkommen ver- fassungsrechtliche Bedenken nicht bestehen. Ich habe gelegentlich des mir erstatteten Berichts auch Kenntnis davon genommen, daß Rechtsgutachter, welch« die Regierungsvorlage als verfassungsändernd ansahen, jetzt Ihre Bedenken als b e- hoben erachten, nachdem der Reichstag in der E n t f ch ä d i- gungsfrage eine von der ursprünglichen Borloge abweichende Regelung beschlossen hat. Demgemäß habe ich nunmehr da« Gesetz über die Abkommen zur Regelung von Fragen des Teiles X des Vertrages von Versailles ausgefertigt und zur Berkün- dung an das Reichsgesetzblatt weitergeleitet. Bei meiner Entscheidung habe ich den von einer starken' Minder- hell des Reichstages gegen das deutsch-polnische Liquidationsabkommen erhobenen Widerspruch durchaus gewürdigt, besonders ver- stehe ich die im notleidenden Osten unseres Vaterlandes gegen dieses Gesetz und das bevorstehende deutsch-polnische Wirt- schaftsab kommen vorhaichenen Widerstände. Das Liquidallo»»abkommen hak in erster Linie zum Ziele, die deutschen Stommeegeuosseu jeuseil» der Grenze auf ihrer Scholle und in ihrer Existenz zu erhallen. Ich will hofsen, daß dieses Ziel durch den neuen Vertrag voll er- reicht wird. Aber in Berbinduug hiermit erwächst uns die Pflicht, unsern O st preußen und den irnderen Brüdern im deutschen Osten in ihrer Rot. die aufs höchste gestiegen ist, zu Helsen und auch ihnen den Acker, von den« sie leben, zu bewahren. Daß auch hier rasch und tatkräftig gehandelt wird, muß ich in dieser Stunde, in der ich trotz mancher Bedenken auch dieses Gesetz ausfertige, von der Reichsregierung nachdrücklich verlangen. In meiner Kundgebung vom 13. März habe ich mich dahin ausgesprochen, daß der polltische Kampf der letzten Monat« nun einer entschlossenen praktischen Arbeit Platz machen muß. Für diese praktisch« Arbeit eröffnet sich hier ein ganz besonders bedeuffames Gebiet. Zunächst ist erforderlich, daß die zur Zeit zur Beratung stehenden Agrarmaßnahmeu, die der gesamten Landwirtschaft zugute kommen sollen, aber für den Osten besonders lebensnokweodlg find, mit aller Beschleunigung und lu einem Umfange durch» geführt werden, der der deutscheu Laudwirtschast lu allen ihren Betrieben, den großen wie den bäuerlichen, für die Dauer die Lebeusfähigkelt widergibt. Diese allgemeinen Maßnahmen zum Schutze der Landwirtschaft werden aber für den verzweisell um seine Existenz ringenden Osten allem nicht ausreichen. Für den Osten muß, beginnend mll den besonders gefährdeten Gebieten, noch«ine wirksame finanzielle Hilfsattion hinzutreten. Viel« landwirtschaftliche Betriebe, Güter wie Bauernhöfe, sind in einem Grad« üderschul- d e t und mll so hohen Zinsleistungen belastet, daß es ihnen unmöglich ist, aus den Erträgnissen auch nur die Zinsen auf- zubringen und aus eigener Kraft die Ueberschuldung und damit den Versust der Scholle abzuwehren. Hier müssen groß« Mittel bereitgestellt werden, um den Eigentümern Zuschüsse zu den übermäßig hohen Zinssätzen zu geben, ihnen die Umschul- dung zu ermöglichen und chnen den Besitz zu erhallen, der die Grundlage für die Existenz fast der gesamten Bevölkerung de» Ostens ist Geschieht dies nicht, dann ist der Zusammenbruch vieler Landwirte und die Abwanderung zahlreicher Mensch aus dem Osten unaufhaltbar. Ich weiß wohl, daß es bei der schlechten Finanzlag« des Reiches schwer ist, die hierfür erforderlichen erheblichen Mittel aufzubringen! ober die unmittelbare Not, die den deutschen Osten m seiner Gesamt- hell bedroht, zwingt dazu, diese Summen zu beschaffen. Ein Test derselben wird— so nehm« ich an— aus den gefieiger» »en Erträgnissen, welch« die«höhlen Zölle einbringen, verfüg» bar gemacht werden können. Soweit dies nicht ausreicht, erscheint es mir ein gerechter Ausgleich, wenn weitere Mittel aus der Industriebelastung, deren schrittweiser Abbau im Finanzprogrmnm der Reichsregierung vorgesehen ist, dadurch entnommen werden, daß der Abbau der VfW t V V« V v»»VV 999* Hilfe für den Osten verlangt! Jndustrieabgab« im Tempo verlangsamt und im Ausmaß gemindert wird. Di« in den letzten Iahren abgeschlossenen Handelsverträge und das gestern zwischen Deutschland und Polen paraphiert« neue Wirtschaftsabkommen haben, um der deutschen Industrie neue Absatzmögllchkellen zu verschaffen, derLandwirt- s ch a f t durch Zulassung der Einfuhr von Agrarerzeugnissen große Opfer auferlegt und in weiten Kreisen gerade im Osten die Meinung einer absichtlichen Vernachlässigung der landwirtschaftlichen Lebensinteressen aufkommen lassen. Es erscheint mir billig und recht und auch zur Beseitigung dieser Mißstimmung geeignet wenn nun In diesen Notjahren der Landwirtschaft von der Industrie ein gewisser Ausgleich gewährt wird, und dies in der Weise geschieht. daß alljährlich, etwa auf die Dauer der nächsten fünf Zahre, au» der Zndustrlebelasluug Beträge für landwlrtschaslliche Zwecke zur Bersügung gestellt werden. Es ist in der letzten Zell viel über die Verbundenhell der landwirt- schastllchen und der industriellen Produktion gesprochen und ge- schrieben worden: hier ist«in Gebiet, wo sich diese Verbundenhell praktisch betätigen und nicht nur zur Sanierung der produktiven landwirtschaftlichen Betriebe, sondern auch zu allgemeinwirtschaft- lichen Zwecken, nämlich zur Stärkung des Binnenmarktes und zur Besserung unserer Handelsbilanz beitragen kann. Aus Besprechun- gen, die ich in der letzten Zell mll einzelnen Führern der deutschen Industrie hatte, habe ich den Eindruck gewonnen, daß dieser Ge- danke der Derbundenheit und des Ausgleichs auch tu der Industrie — trotz eigener Sorg« und trotz der Klagen über die hohen, die Produktion bedrückenden Lasten— Verständnis findet Im Hinblick auf die Stellung, welch« die Reichsverfassung dem Reichspräsidenten einräumt, will und kann ich hier nicht ein genau umrissenes Programm und einen bestimmten Weg festlegen. Aber es ist mir ein« Gewissens pfllcht die Reichsregierung ein- dringlich aufzufordern, mll aller Besch! ennianng auf solcher Grundlage«in Ostprogramm auszustellen und es nach feiner Verabschiedung durch die gesetzgebenden Körperschaften gemeinsam mll Preußen durchzuführen. Bei der Durchführung der Hilfsmaßnahmen im einzelnen halle ich es für geboten, die Mitarbeit der landwirtschaftlichen Vertretungen und Vertrauensfiellen der Ost» Provinzen selbst mtt einzuschallen. Nachdem die sell langem schwebenden außenpolitischen Fragen nunmehr ihr« gesetzliche Regelung gefunden haben, muß—- neben der Sanierung unserer Finanzen— nun entschlossen an die Gesundung unserer Landwirtschaft und an die Wiederaufrichtung des zusammen- brechenden Ostens herangegangen werden. Nur in der bestimmten Erwartung, daß dies geschieht, habe ich meine eigenen Bedenken gegen das deutsch-polnische Liquidationsabkommen und das gestern paraphierte deutsch-polnische Handelsabkommen zurückzustellen ver- macht und dem Gesetz meine Unterschrift geben können. Mll dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung und mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr sehr ergebener gez. v. Hindenburg. Es ist selbstverständlich, daß die Ratschläge, die in diesem Schreiben erteilt werden, wegen der Stelle, von der sie kommen, besondere Beachtung verdienen. Nicht minder selbswerständtich ist, daß durch sie die Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber dem Reichstag und die des Reichstags gegenüber den Wählern nicht berührt wird. Aus dem Wort- laut des Schreibens ergibt sich wich, daß sein Verfasser nicht daran denkt, die Entschlußfreiheit der gesetz- gebenden Körperschaft irgendwie einschränken zu � wollen. Was die Sozialdemokratische Partei betrifft, so braucht nicht erst betont werden, daß sie bereit ist. gegen alle Notstünde der arbeitenden Bevölkerung, in der In- dustrie wie in der Landwirtschaft, das menschenmögliche zu tun. Kampf gegen soziale Not ist ja ihre Lebensaufgabe. Darum kämpft sie für die Erhallung der Arbeitslosen» Versicherung und gegen zweifelhafte Spar- und Steuer- senkungsprogramme. die dem Reich die Mittel nehmen wollen, das sozial Notwendige zu tum Die Frage der Wege und Mittel ist aber heftig umstritten, und nur aus diesem Streit der Meinungen, der durch keine Autorität endgültig ent- schieden werden kann, wird sich die verfassungsmäßige und hoffentlich auch wirksame Lösung ergeben. Die Siel'ungnahme der Negie�ung. Wie Wolfs» Telezrapheubüro erfährt, begrüßt die Reichs. regierung das Schreiben des Reichspräsidenten mit besonderer Genugtuung Man sieht in amtlichen Kreisen in dem Schreiben eine wertvolle Unterstützung der Schritt« zur Behebung der Notlage der Landwirtschast besonders km östlichen Deutschland, die die Reichsregierung in letzter Zeit unternommen Hot und die gerade gestern abend zu einer weitgehenden Berständigung der Regierungsparteien über die sofort zu ergreifenden gesetzgeberischen Maßnahmen geführt haben. Einigung über die Agrarfragen Die interfraktionellen Verhandlongen abgeschlossen. Die interfraktionellen Verhandlungen der Re- gierungsparteien über die schwebenden Fragen der Agrarzölle haben am Dienstag abend, abgesehen von geringfügigen Disierenzen in der Zuckerpreisfrage, zu einer Verständigung geführt. Die Frattionsoertreter wollen am Mittwoch vormittag die endgültig« Formulierung der Anträge vornehmen. Slls Ergebnis der Beratungen sollen von den verschiedenen Re> gierungsparteien Gesetzentwürfe eingereicht werden, für die die Parteien allerdings nicht einheitlich stimmen werden, Mehrheitsbeschlüsse aber stchergestellt sind. Der Weizenzoll soll um 2,50 TO, Qufl2 9R.proDoppeN zentner erhöht werden. Beim Roggen bleiben die bisherigen Zollbestimmungen bestehen. Der G e r st e n z o l l soll auf 10 TO. heraufgesetzt werden, mit der Möglichkeit einer Zollermäßigung auf 2 M., wenn der Nachweis erbracht wird, daß der Käufer ein bestimmtes Quantum Roggen zur Verfütterung erworben hat Wer einen Zentner Roggen zu Futterzwecken kauft, hat demnach die Bs- rechtigung, zwei Zentner Gerste zum verbilligten Zollsatz von 2 M. einzuführen. Hafer, der bisher«neu festen Zoll von 6 M. je Tonn« hatte. wird nunmehr auch variabel gestaltet und zwar soll di« Zollspanne 4 bis 12 TO. betrogen. Der Mehlzoll soll auf das Anderthalbfache des entsprechen- den Getreidezolls gesetzt werden zuzüglich einer Preisschutzspanne von 5,28 M. pro Doppelzentner. Kleie soll mit einem Zoll belegt werden von jeweils der Hälfte des in Geltung befindlichen Getreidezolls, ausgenommen Weizenkleie. Die Zollfestsetzung soll in Zukunft errechnet werden auf der Grirnblage des Durchschnittspreises von vier Monaten, wah- rend bisher drei Monate die Grundlage bildeten. Beim Weizen ist eine sogenannte Katastrophen- k lauset eingefügt worden, die besagt, daß Regierung. Reichsrat und ein Reichstagsausschuß ermächtigt sind, den Zoll weiter heraufzusetzen, wenn der Weltmarktpreis bis 40 Proz. unter den am 18. März gellenden Preis herabsinkt. Der Kartoffelzoll soll vom 15. Februar bis 31. März statt 4 M. 20 M. betragen. Diese Maßnahm« richtet sich gegen die Ein- fuhr der als Luxusgenußmittel betrachteten jogenannten Malla- lartoffeln. Das M a i s m o n o p o l soll in der Weise zur Durchführung kommen, daß voneinemErmächtigungsgesetz Abstand genommen wird. Es werden vielmehr Sozialdemokratie. Zentrum und BayerifcheDolksparteidos Malsmonopol als Initiativantrag einbringen. Von der Deutschen Volks- parte! und den Demokraten wurden der den Verhandlungen noch Bedenken dagegen geäußert, doch wird an der Annahm« des Mais- Monopols nicht gezweifelt. Vrotgesetz vor dem Ausschuß. W rkung zweiseltiaft. Der Volkswirtschaftliche Aueschuß des Reichstags begann die all- gemeine Ausspräche über den Entwurf eines Brotgsfstzes. Dabei' wurde von den Vertretern fast aller Parteien zum Ausdruck gebracht, man habe wenig Hoffnung, daß durch dieses Gesetz das Z el erreicht werde, das die Regierung in der Begründung zu dem Gesetzentwurf andeute. Trotzdem erklärten sich die Vertreter der meisten, nament- lich der Regieru ngs parte ien. bereit, das Gesetz anzunehmen, well sie der Meinung waren, man solle kein Mittel unverfucht lasten. um den Roggenverbrauch im eigenen Land« zu heben. Regierungsbildung in po'en. Oer Senatspräsident deauftragt. Warschau, 18. März.(Eigenbericht.) Staatspräsident Moseiski hat dem Senatspräsidenten Profestor Szymanfki die Kabinettsbildung übertragen. Szymanski. von Berus Augenarzt in Wllna und Nichtpolitiker, hat seinerzeit unliebsames Aufsehen erregt, als er— der Präsident der einen Parlamentskammer— den PUsudski-Offlz'iersn Stühle herantrug, damit sie nach ihrem rechtswidrigen Eindringen in die Vorhall« des Parlaments nicht stehen wüßtem Danael) wird er dem Sejm kaum als der richtige Schützer der Parlamentsrecht« erscheinen! Sabotage des RegierunasbtockS. Warschau. 18. März.(Eigenbericht.) In einer Resolution droht der Regierungsblock, daß er auch vor den schärfsten Mitteln nicht zurückschrecken werde, um. das Zustande- kommen von Sejmsttzungen wärend der Regierungskrise zu ver- hindern. Da der Sejm sein« Budgetarbellen, deren Termin mit dem 51. März abläuft, noch nicht beendet hat. scheint dies« Drohung lediglich den Zweck zu haben, das Parlament an seine verfassungs- mäßigen Aufgaben zu hindern und so seine„Arbeitsunfähigkeit' zu bewest cn.__ Der Marsch zum Salz. Kalkuttas Oberbürg-rmeisier vor Gericht. Jim Delhi. 18. März.(Eigenbericht.) Gandhi luch seine Jünger haben die siebente Etappe ihres Marsches von Achmedabad nach Jalalpur zurückgelegt. Das ?iel mar Borsad. Während bisher einig« Anhänger Gandhis Taschengeld mitführten und sich selbst verpflegte», hat Gandhi jetzt angeordnet, daß alles Geld an di« gemeinsame Kasse abgeführt wird- Im Lager Gandhis rechnet man täglich mit der Verhaf- t u n q des Führers. Wie verlautet, ist für diesen Fall beabsichtigt, unter den weiblichen Anhängern des lnfrischen Frsiheitssührers ei» Freiwilligenkorps auszuheben, das sich sofort nach der Verhaftung Gandhis dem Kreuzzug zum Salzlager von Jalalpur anschließen soll. �..,„ In R a n g u n begann der Prozeg gegen den Oberburgermelster von Kalkutta Gupta wegen Aufruhr. Gupka, ein Anhänger Gandhi- weigert« sich, dem Gerichtshof irgendwelche Antwort zu geben: er hat auch auf die Frellastung gegen Stellung einer»autton aus Gründen der Demonstration gegen die britische Iustizverwollung protestiert._ Das bayerische Heldenstück. Der bayerisch« Ministerpräfldmt Dr. Held hat auf Anfrag« der Reichsregierung mll Entrüstung van sich gewiesen, di« Schimpfwort- gebraucht zu haben, die ihm die Hugenberg-Press« zugeschrieben hat. Der staaisrechtliche Naturschutzpark. Beil er das Ländchen Mecklenburg-Strelih als staatsrechtlichen Naiurschutzpark bezeichnet hatte, mußte der Landtagspräsident Dr. Fo th demissionieren... Aber Recht hatte er doch! Skandalöse„Besiherhaltung". Wie Agrarier die Ostpreußennot mißbrauchen- unter Mithilfe von Landschastsvanken. Ostpreußen hat neben einem besonderen Staatskommissar vom Reich und von Preußen noch einen mll vielen Millionen notierten U m s chu l d u n g s f o n ds erhallen. Zu welchen tollen Mißbrauchen und zu welcher Sabotage der Regierungsarbell die dortigen Agrarier zusammen mit den Landlchoftsbanten sich berechtigt fühlen, zeigt«in Fall, über den jetzt in der Preste berichtet wird und der nur ein einzewer Fall aus einem ganzen Miß- brauch- und Sabotagesystem zu sein scheint. Der Besitzer des Rillergutes Cortmedien im Kreise Wehlau sicherte sich aus dem Unstchuldungsfonds, nachdem„Freunde' in der Kreiskommission für«ine entsprechend wohlwollende Taxe gesorgt hatten, mehrere zehntausend Mark als Umschul- dungohypothek, die hinter der ersten Hypothek der Ost- preußischen Landschaft eingetragen wurde. Der Umschuldungstredll nützte nichts, und die Landschaft veranlaßt« die Z w a n g s v e r- st e i g e r u n g. VI« Zwangsversteigerung wurde durchgeführt, obwohl der Staalsgläubiger der zwelt'telligen Ilmschuldungshypolhek, damit das Slaatsgeld nlchk verloren ging, das 1400 Morgen große Gut für Siedlungszwecke erwerben wollte. Run aber kommt das Merkwürdige. Das Gut wurde versteigert zum werte der ersten Hypothek und zusätzlicher 30 000 Mark für bevorrechtigte Zorderua- gen, und der Erwerber war, man höre und staune, der sieben. jährige Sohn des bisherige« Besitzers; Die erforderlichen 30 000 Mark Halle aber— wieder muß mau stauueu— der Spar- und Vorschußvereiu Alleaburg GmbH, zur Verfügung gestellt, der selbst wieder vor ganz kurzer Zeit, weil er nicht mehr weiter konnte, von der Ostpreußenhllse. also vom Staat. Sanlerungskredite in Anspruch nehmen mußte! Auf diese Weise treibt man in Ostpreußen'Mit staatlichen Geldern ..Besitzerhallung' zugunsten der Agrarier: man prellt den Staat um seine Rechte und sein Geld, man sabotiert mll Hilfe von halböffentlichen. staatlich subventionierten Banken die mühselige und tosten- reiche Regierungsarbeit zusamt der für Ostpreußen so notwendigen Siedlung. * lieber die Hintergründe des skandalösen Systems erhalten wir aus Königsberg folgenden Bericht: Die Einsetzung des Reichs, und Staatskommissars Rönneburg hat auch eine Betriebskontroll« für ostpreußische Güter ge- bracht, durch die geprüft werden soll, ob die Verwendung von Staatsgeldern in Ostpreußen zweckmäßig erfolgt. Das wird sehr unangenehm empfunden, denn früher konnte der Landwirt mll den verbilligten Staatskredllen tun, was er wollte: nicht sellen nützte man einfach die Zinsdifserenz aus oder man spielte sogar mll diesem billigen Staatsgekd auf der Börse, wenn man das Geld nicht einfach oerbrauchte. Durch das Staatskommissariat sind diese Btanipulat tonen heute so gut wie ausg eschlosten. Alles wäre damit in Butter, wenn sich die agrarischen Kreditnehmer mit dem selbstverständlichen Gedanken einer Kredlltontrolle befreunden wollten Aber der Besitzer ist autonom, und es ist für ihn unerträglich, wenn er sich Borschristen über die Art seiner Betriebsführung machen lasten soll, und zwar noch von einem„Richtostpreuhen' So geht die allgemein« Tendenz dahin, diese Kontrolleinrichtung illusorisch zu machen. Hier hat nun Herr von Hippel das Ei des Kolumbus gefunden. Herr von Hippel ist der mächtigste Mann im ostpreußischen Agrarkredit- wesen. Er ist Generallandschaftsdirektor und hat als solcher einen fabelhaften Plan entwickelt, der wohl schon ge- eignet ist, die lästige Kontrolle zu sabotieren. Der Plan funktioniert wie folgt: Die ostpreußische Land- schast, der Herr von Hippel vorsteht, hat die meisten ostpreußischen Güter erststellig beliefert. Bleiben di« Schuldner mit den Zinsen im Rückstand, dann betreibt Herr von Hippel di« Zwangsver- st« i g« r u n g. Bei der Zwangsversteigerung erwirbt der bankrott« Landwirt im Namen eines seiner Kinder das unter den Hammer gekommene Gut zum Preise der ersten Hypothek. So bleibt die „Liebes Leid und Lust." Staatliches Schavspiekßaus. Jürgen Fehling erweckte Shakespeares Lüstspiel zu neuem Leben. Die Celüsthell der Pochet II des alten Dramas wirkte befreiend und unmittelbar. Biete leuchteten Unter ihnen Granach. Wäscher, Rennte Müller und Clfriede Borodin. Brausender Beifall. S. M. Scholle erhallen. Kunststück! Aus diese Weis« schütteln die oft- preußischen Landwirte wieder einmal ihr« Schulden bis aus die erst« Hypothek ab— zugleich die„fremde' Betv.ebikontrolle. Dieses El des Columbus verbirgt Herr von Hippel nicht etwa geheimnisvoll in seinem Busen, sondern er stellt seinen phäno- menalen Plan im Kreise der Geschäftsleute zur Diskussion. Er argumentiert, daß die ostpreußische Landwirtschaft ja kein Jnter- esse daran Hab«, bankrotte Güter zu erwerben, weil deren Bemirt- schaswng durch einen Verwalter viel zu teuer werden würde. Es sei das klügste, den seitherigen Besitzer nach der neuen „Umschuldung' weiter wirtschaften zu lasten. Auch die Ge- schäftsleute sollen bei diesem Spiel aus ihr« Forderungen verzichten. Sie sagen allerdings,„dos Ding geht nicht los'. Denn die anderen, z. B die Kommissionär«, die den Landwirten Borschüst« gegeben haben, lasten sich durch solche Tricks nicht um ihr Geld bringen. Das Ding geht aber doch los! Roch vor einigen Tagen wurde bei einer Bersleigemng in Allenburg(das ist das Gut Cortmedien. D. R.) das von Hippel gefunden« Ei des Columbus wieder mal auf die Spitze gestellt. Man wird jagen, das stt ein Einzelfall, das ist kein Einzel- fall! Diese Einzelfälle haben sich bereits zu Dutzenden ereignet, und sie werden sich bei den früher umgeschuldeten Bettieben in der nächsten Zeit noch recht oft wiederholen. Sie kennen sich hier, und sie helfen sich, und eine Hand wäscht di« andere: die Landschaft die Nachbarn, di« kleinen Kreditinstitute. in« Kreditkammissionen, unter Parole für Heim und Scholl« — und gegen die Republik! Was jagt die Reichsregierung, was sagt die preußisch« Staats- regierung zu so unerhörten Vorgängen? Wir hallen e» für not- iSendig. daß sich der Preußische Landtag und der Reichstag um diese Ding« kümmern und daß festgestellt wird, wie der General. landschaftedirektor v. Hippel in die Lage kommt, solch unerhörten Vorgängen Borschub zu leisten. Die Dollmachten des Staatskom- mistars Rönneberg müsten, wenn sie unzureichend sind, entsprechend erweitert werden. Der neue„Daily Herald". Am Montag, dem 17. März ist der„Daily Herald' zum ersten Mal« in neuer 2lusinachung erschienen. Diese Ausgabe liegt nun in Berlin vor und läßt die vom zeitungsiechnischen Standpunkt g««dezu imponierend« L e i st u n g erkennen, die unser« eng- lischen Freunde vollbracht haben. Das neue Blatt ist um eine volle Spalte breiter als das alte und fein Umfang hat sich mehr als ver- doppell: das Blatt zähll letzt, ebenso wie die größten englischen Massenorgane, 2 0 Seiten, und bietet an Lesestoff. Bildern, Neuigkeiten Inseraten usw. mindestens ebenso viel wie jene Zeitungen, die bisher in England das Feld beherrschten. Schon an der äußeren Aufmachung erkennt man, daß der neue„Dolly Herald' mit den modernsten Mitteln der Zettungstechnik hergestellt wird. Berta g, Redaktion und Druckerei haben übrigens ein ganz neu hergerichtetes fünfstöckiges Riesengebäud« bezogen, das im Herzen von London liegt und mit dem Zeitungsverlagehaus Odhams Brothers durch einen mächtigen Schwibbogen verbunden ist. Der neue„Daily Herald' erscheint für ganz England in einer Auflage von über einer Million. Dies« Leserzohl ist auf Grund einer monatelangen Propaganda durch die englischen Gewerkschaften bereits erreicht worden. Im Sommer wird in Manchester eine sür Rordengland und Schottland bestimmte Ausgabe, die bis auf die mehr lokalen Rachrichten mll der Londoner identisch sein wird, regelmäßig erscheinen, während zur Zeit noch ganz Großbritannien durch drei verschieden« in London hergestellt« Ausgaben versehen wird. Entsprechend den Ankündigungen trägt der neue Gerald' in noch stärkerem Maß« als bisher den Charakter eines„Boulevard- Mattes", wie es di« englischen Masten bevorzugen. Der politische Teil ist zurückgedrängt, doch ist und bleibt auch der neu«„Dolly Herald" das Organ der Labour Party und der Gewertschasten, denen er zur Hälft« gehört und von denen er politisch ausschließlich kontrolliert wird. In ihren Glückauf-Artikeln.haben Macdonald Lansbury und ander« Führer der britische« Arbeiterbewegung diese Rolle des neuen„Daily Herald' als Sprachrohr und Interessenvertreter der sazialisttschen und gewerks chastNchen Masten ausdrücklich unterstrichen. Am erstaunlichsten ist freilich, daß auch da» neue Blatt in seinem Rlesenformot nach w!« vor nur 1 Penny(etwa 8 Pf.) kostet! Noch immer toier Punkt in London Wird Mussolini einlenken? London, 18. März.(Eigenbericht.) .a« tote Punkt der Flotten Konferenz ist noch nich: überschritten. Die Situation ist u n v e r ä n d« rt. Die Franzosen iveigern sich nach wie vor, wie der dipio- matrsche Berichterstatter des„Daily Herald' seststrllt. unter irgendein Dokument chre Unterschrift zu setzen, in dem die italienische Forderung nach Parität anerkannt wird: auf der anderen Seite bestehen die Italiener auf der grundsätzlichen Anerkennung dieses Prinzips, wozu sie völkerrechtlich vollauf berechtigt sind. Theoretisch scheinen also hie Schwierigkeiten unüber- w i n d b a r. In Wirklichkeit existiert die große französische Flotte. wie sie in den Ziffern des bekannten Memorandums tn Erscheinung tritt, nur auf dem Papier und dürfte in der Praxis niemals gebaut werden. Auf der anderen Seite fordert auch Italien die Parität nur auf dem Papier,«st aber praktisch bereit, aus den Bau eines Großteils der chr unter der geforderten Parität zustehe«�>cn Tonnage zu verzichten. Wie der„Daily Herald' feststellt, ist also Papiertonnage gegen Papiertonnage. Als Ausweg aus dieser Situotion ist am Dienstag etnc neu« Formel in die Diskussion geworfen worden, die zumindest als ingeniös bezeichnet werden muß. Als Ei des Kolumbus wird nun der Abschluß von zwei parallel laufenden Biermächt«-Pakten vorgeschlagen, ein anrerikanlsch-britisch- französtsch-sapaiNscher und ein zloeiker amerikantsch-britisch-japamsch- italienischer Vertrag. In diesem Falle würde man um die fatale Notwendigkeit der französischen Anerkennung der italienischen Parität oder u,n einen italienischen Verzicht herumkommen. Als zweiter Auslveg wird ein einziger amerikonisch-britisch-fran-- zösisch-japanischer Viermächte-Pakt vorgeschlagen, der durch eine italienische Erklärung über Italiens Schisfsbouprogramm für die nächsten sechs Jahre ergänzt werden sollte. Irgendein« wirk- l i ch c Lösung stellen beide Gedankengänge nicht dar. Man hat im Konferenzgebäud« melmehr den Eindruck, als ob man doch noch auf ein Wunder, nämlich den Verzicht Mussolinis auf Parität wartete. Ein gewisier Druck scheint von London aus am Dienstag persönlich auf Mussolini telephonisch ausgeübt worden zu sein. Es ist nicht uninteressant, daß die australische Delegation zur Flottenkonferenz ihre Rückreisekabinen für den 12. April be- stellt hat. Englische Krisengefahr beseitigt. London, 18. März. Die liberale Parka mentsfrattion hat heut« abend einstimmig beschlossen, bei der Unterhausdebott« über die konservativen Abänderungsvorschläge zu dem Gesetzentwurf über den Kohlenbergbau am 20. März nicht gegen die Regierung zu stimmen. Sie begründen diesen Entschluß mit der gegenwärtigen Lag« der Flottenkonferenz und der Erwögung daß es nicht im nationalen Interesse liegen würde, in Augenblick»ine kritische Lage im Parlament hervorzurufen. Vor diesem Beschluß hatte eine Niederlage der Regierung im Unterhaus im Bereich des Möglichen gelegen. Moskaus Geständnis. Ms» doch gewaltsame Kirchenschließungen? Der aufsehenerregende neue Beschluß des ruffisch-bolschewisti- schen Zentralkomitees, der den panikartigen Rückzug Stölln» von der Zwangskollektivisierung besiegelt, erstreckt sich auch auf die religiösen Dersolgungen.- es dürfen fortan keine Kirchen mehr geschlossen werden, es sei denn mit Zu- stiinmung der Popen. Dieser Beschluß ist um so interessanter, als sich die Sowjet- regienmg am 15. Februar in einer von den führenden Geist- l i ch e n der russisch-orthodoxen Kirche als Antwort auf den Aufruf des Papstes hatte bescheinigen lassen, daß es kein« religiösen Ber- solgungen in der Sowjetunion gebe. Auf die Frag«, ob Kirchen prschlossen würden, sollten die Geistlichen geantwortet haben: „Manche Kirchen werden tatsächlich gelchlosien. dort erfolgt ihre Schließung nicht auf die Initiative der Behörde, sondern a u f Wunsch der Bevölkerung unb oftmals sogar aus Be- schluß der Gläubigen.' Der neue Beschluß Stöllns beweist, daß diese Ant- wart der russischen Geistlichkeit mindestens ein« Unwahrheit ent- hielt. Daß die unterzeichnenden Geistlichen diese Kundgebung nicht sretwillig, sondern nur unter stärkstem Druck unterzeichnet haben, liegt auf der Hand. Offenbar hat man ihnen noch schärfer« Verfolgungen für den Fall angedroht, daß sie ihre Unterschrist ver- weigerten. Hartmannsdorf vor Gericht. Neon Angeklagte— Opfer kommunistischer Wahnflnnstakti Ehemnih, 18. März(Eigenbericht). Am Dienstag begann hier unter großem Andrang und starker pollzellicher Sicherung der Prozeß wegen der Hart- moxnnsdorfer Unruhen. Am 13. Januar dieses Jahres unternahmen Kommunisten eine Demonstration nach der Hartmann»- dorfer Textilsabrik„Recenio'. Es kam zu blutigen Zusammen- stoßen, fünf Arbeiter wurden getötet, über 20 verletzt. Diese Vorgänge hoben zur Strafverfolgung gegen neun Per- jenen geführt, die sich wegen Aufruhrs und Land- friedensbruchs zu verantworten hSSsn7 Die Angeklagten sind vorwiegend jung« Arbeiter und die Chemnitzer kommunistisch« Stadtverordnete Anoth, die sich als einzige von den Angeklagtes in Unters llchungshatt befindet. Insgesamt sind 45 Zeugen geladen, davon 59 auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft und sechs auf Veranlastung der Verteidigung. Es sind vorläufig drei Tage für die Verhandlungen in Aus- steht genommen. Strafaniröge im Woehrdener Landftiedensbruch- Prozeß. Meldars(Südcrdithmarfchen), 16. März. In dem sogenannten Woehrdener Landfriedensbruch- Prozeß. über den roicöcrhoU berichtet wurde, stellte Stoatsaiiwol.tschaftsrot Dr. Junker heute, am 24. Verhandlungstage, folgende Gesamtstraf- anträge: gegen H e u ck. der als vcrantwortllcher Führer anzu- sehen sei, fünf Jahre Zuchthaus und?ll>erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die gleiche Dauer, gegen die übrig», kommunistischen Angeklagten Gefängnisstrafen, und zwar gegen Andreas und Flindt je ein Jahr neun Monats, gegen Hamann 2 Jahre 3 Monate, gegen Heß 1 Icchr 5 Monate, gegen.Kluender 1 Jahr 6 Monate, gegen Krowczak 2 Jahre 2 Monate, gegen Krsukus 2 Jahre 6 Monate, gegen Kluge l Jahr 5 Monate, gegen Landau 1 Jahr 6 Monate, gegen Albert Lenz 1 Jahr 3 Dto:rate. gegen Otto Lenz 1 Jahr 5 Monate, gegen Schulz 3 Jahre, gegen Wittmaack 1 Jahr 3 Moyate und gegen den einzigen national» sozialistischen Angeklagten Greoe 3 Monate Gefängnis. Reinhardt und die Gtaaistheaier. Zu den verschiedenen Meldungen über Verhandlungen zwischen Professor Max Reinhordt und dem Generalintendanten der Staatstheater. Tietjen, erfährt der Amtliche Preußisch« Presiedienst folgendes: Es ist richtig, daß im gegenwärtigen Augenblick Verhandlunge» über eine Abonnementsgemeinjchaft zwischen den für gemeinnützig erklärten Reinhardtbühnen und den Staatstheatern schweben. Außerdem wird zurzeit über die Frage verhandelt, ob und in welchem Umfange Prof. Max Reinhardt gewisse Inszenierungen a» den staatlichen Bühnen übernehmen wird. Oberbürgermeister Franz bestätigl. Das Staatsministerium Hot die Wahl des bisherigen zweiten Bürgermeisters Franz zum Ober- bürgermetfter der Stadt Hindenburg bestätigt. Damit hat der Kampf um den Oberbürgcnneisterposten, der weit über Oberschlesien hinaus Aufsehen erregte, sein Ende gefunden. keine„Affäre vreyfus" im befehle«- Äebie». Die Rheinlandkommisston Hot die Aufführung des Schauspiels„Affäre Dreyfus' von Hans Rehfifch und Wilhelm Herzog im befetzten Gebiet ver- boten.— Französischer Militarismus will seine Verbrechen immer noch nicht eingestehen. Bayern hat seiaen Ludwig wieder. Der vom Staate Bayern bei der Oberprüfstelle erhoben« Antrag auf Aufhebung der Zu- lassung des Films„Ludwig der Zweit«. König von Bayern' ist am 15. März 1930 von der Filmoberprüfftelle ver, wollen worden._ (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Lerantwortlie!«üt Politik: De. Satt Sa-ec: WIrtschaN-®. Rli»»elhSfre; See.rkschaftsbtweguaa. 5. ettiact; fftuiUtiDit: Dr. Zod» Lchitowrti: Lvkalea imd Eonftiae» ikri» ÄatiiäM:«nir.arn: Tb. sämtlich in Berlin. BtrWg; BTinpärtr-BerlaB®. m l>.$. Berlin Druck: Barmärts-Buchdruckerek und■Setlcasanflalt Paul Singer n. Ca.. Berlin£23«S Lindenkraft»& Bier«,! 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Briefe aus neun Jahr- 4m hunderten. 32 Seit Ganz- jß Qfl leinen statt 7.56... nur> MAB Erfolgreiche(tDeriee ttt neuen Bonseis, Waldemar, Aus den Notizen eines Vagabunden. (Menschenwege y Bios und die Evangelien--Narren und Helden) 3 Bände m einem Band. Feuchtwanger, Uon. Die häbiidie Herzogin Margarete Maultasdl. Roman. Gräbeln, p., Die Herren der Erde. Roman. Grabein, Du mein Jena! Roman. Leutz, i.. Sdilob Ohnesorge. Historischer Roman. Jeder Band Ganzleinen hSIKfen umgaben SeeHger, Ewald Gerb, Bark Fortuna. Roman. Wilde, Werke In 2 Bänden. Zola, E., Lourdes. Roman. Zola, E., Rom. Roman. 2 Zola, E., Paris. Roman. Zola, e., Fruchtbarkeit. Roman. Q r Zola, E. Arbeit Roman. Zola, E.. Wahrheit Roman. Zweig, a.. Die Novellen um Claudia. Roman. Nietzsche, f., Also sprach| Bonseis, Waid, Indienfahrt. 55 Wohlfeile Ausgabe. Ganzleinen v 80 Dreyfus, Alfred, Fünf Jahre meines Lebens. Zarathustra. Ganzleinen 22 50 (Cinq annd.s de ma vie.) Mit 8 Zeichnun en und Faksimiles. Ganzlemen 4 80 Bürgerliches Gesetzbuch für das Deutsche tteich, nebst Erg&DZQDgj'eseixfn bis 1050. Textaus}?abe m. ausführlichem Sachregister. Hrsg. von Dr. Georg Kemnitz, Rechtsanwalt am Kammergericht Lexikonformat Der fand eoihllt ün Anhang teils ausnigswelsc, teils rvN, Sndig, folgende Gesetze; Ganzleinen f. Erbbaarecht II. Haaptm&ngr«! a. GewKbr- fri$tmn beim Viebbasd«! III. Eiafflkruncsge«. s- BGB. IV. h-i iatarsehuUseaet« V. WoanaasaiajiB«ei«eaets VL Relebsmlatenzesets VIL Fristen für die KGodb- ■uaz von AaccsteUtea VHL Betri ebsr itezesata IX. BeseKafklrcnz Scbvar- bssck&diztor X. Beachiftigunc vor und nach der Niederlranft XL Wertbestind, Kjrpotk. X2L Anszeb««rertbesteadiz. Scboldverachreibuaseo auf deo Inhaber 285 Neuerscheinung: Waither von in£t§uSera§ed&, � Roman. Ball jirleiren mit S Iberfolie. In m lischcr Kartonage 50 Craze, Beredetto Rrlosl/ Siiahespßsro ✓ Lprr.CillE. 3 Bildnisse. 396 Seilen, j 00 nur Haiclemcn statt j.so trace, b., Oanlas niiiitung. 3145. Gebunden statt 4.50.... nur 1.90 El!DClIS]iaBit. Cun. BinMli BillZiÄni. dsr rainaniiSLio Rauiieri&rsL Das wahr: G sieht des cbeimnisvoT-'n Räuber« „Don-Juan". Mit vielen unveröffeniiiehlen Biidem und Faksimiles. l98S�it 4 qi-v Halbleinen statt 4.»o.... nur Pfhler, k.. Die mifialalterlUifi Kudimolerd dH nbEIuUandeS. Mit 40, teils mehrfarb. Tafeln 40 Seiten Text. HaJblein. f_*7 K statt 10.—......... nur � IleiN. Professor Dr. W., Die ENieillMg dES KbldCS. Neuausgabe. 34 Abbild. O< 357 Seit Ganzlein, statt 7.— nur«'•O j ParMnson. r. Dreißig Jaiire in der SBdsee. Land u. Leute, Sitten u. Gebräuche im Bis- marckarchioei u. auf d. deutsch. Saiomon- insein. 158 Abb. a. Taf. u. i. Text a»»a? 366 Seit. Oanzlem. statt 16— nur Ostiid, Fritz v., Oer Maler Edward CueueL Mit 89, darunter 8 mehrfarb. Abb. X*7£ 82 Seit Halbleinen statt 16.— nur 3 Ebers, Georg, Oer Kaiser. Roman.»«- 3 Bände. 758 S. Ganzlein, st».— 3*93 nordenshifild, Eriand, forsdiungen und nbenieuer in Mflamerilia. stTat. 34 Abo. im Text sowie 6 Pläne u. Karten. Ate. 350 S. GroBokt Ganzlein. s'. 11.— 9 Sandrarf, Joachim v.. steademie der Ban-, Bild' und Istalilerag-Künste Don I&7ä Leben derberünm en Maler, Bndnauerund Baume ster. 150 Bilderponr. u. a. a q a Abb. 446 S. Ganzlein, stau 18.—««O V ProbszE Günther. Eriedriiii n. stmeriing. der Altmeister der Wiener Porträtn.alerei. 8 vielfarb. u. 91 einfarb. Bildtafeln..4,&< 181 Seit Ganzlein. statt 25— nur Baiinder. Dr. Gustav, Die Indianer der tropisoien IdineegeiHrge. Forschungen im nördlichsten S damertxa. Mit 266 Abbildung. auf Tafeln. 286 Seit Groß- C A 4, oktav. Ganzleinen statt 16.— nur Raussnstein, wiiheim, Bemürandi. Mit 19 ganzseitigen Tafe n. 553 weiten. Format 21X28. üanzieinen s�att io.— � Julius Zeltler, Deutsche UeheslleJer. Auser c-sene Liebespoesie aus allen Zeiten vom 12. bis 19. Jahrltund. 331 Seit Ganzleinen 5. alt TJO stur lio Nr. 131 ♦ 47. Jahrgang l. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 19. März 19Z9 Oer Kampf um das neue Berlin. Stadtparlameni einmütig gegen den Geseizeniwurt. Zn her StoMoetorhurtenuerfammlunq fanb sich gestern eine überwältigende Mehrheit gegen den von der preußischen Regierung vorgelegten Gesehentwurs zur Umgestaltung der Verwaltung Verlins. Von den Sozialdemokraten bis zu deu Veutschnationalen war man sich einig, daß dieser Entwurf abzulehnen sei. weil er die Selbstverwaltung fast aushebt.— Einmütig war die Versammlung auch in dem Bedauern über die Vor. gäuge im Erziehungsheim Scheuen. Die Kommunisten sehten sich beide Male durch Krach und Unflötigkeiteu ins Unrecht. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde der jefct bestätigte unbesoldete Stadlrat Dr. Kollwih(Dnat.) durch Stammt wuhki (Soz.) in Vertretung des Vürgermeisters eingeführt. Di« Sozialdemokraten, die Volkspartei, die Demokraten, dos Zentrum, die Wirtschaftler und Splitterparteien haben einen Dringlich teitsantrag als Protest gegen den Gesehentwurf Groß-Verlin des preußischen Kabinetts eingebracht, der sich unoesohr mit dem in der Deputation zur Vorbereitung von OrganisationsentWurfen angenommenen und im„Vorwärts" vom Dienstag früh vor- ösfentlichten Protestantrag deckt. Don den Deutschnotionalen und den Kommunisten liegen ähnlich« Dringlichkeit-antröa« vor. Ein Antrag der Kommunisten, vor Togen bereits etngereicht, gab Ver« an lassung zu der nun folgenden Debatte über den neuen Gesest- «ntmurs zur Abönherung des Gesetzes Groß- Berlin. Um eine möglichst wirtmmsvoll« Aktion gegen den Entwurf zustand« zu bringen, ist die Redezeit für st-de Fraktion aus eine halbe Stund« beschränkt. Für die sozialdemokratische Fraktion hob Stadtv. Robinson die Grundsätze im kommunalpolitischen Pro- gramm der Partei hervor und lohnte den vorliegenden Cnt- murs ab, weil Aerfin nicht als Verstttlzskamnchen für eine korw mende allgemeine Aenderung der preußischen Selbstverwaltung dienen dürfe. Der Entwurf läßt den Verdacht zu. daß man ein verschleiertes vräfekkursyflem einführen will, bei dem die Selbstverwallung sehr leiden, dagegen aber dem Aufsichtsrecht der vorgesetzten Behörden weitester Spielraum gelassen würde. Robinson kritisierte dann im einzelnen die Paragraphen de« Entwurfes, wob« er das Schwergewicht des Protestes auf das beabsichtigte Einkammersystem legte, unter dem die aktive Teilnahme der Bürger an der Stadtverwallnng sehr beschränkt sei. Die ditlalorische Stellung de» Stodtoberbauple» erklärte der Redner für untragbar. Mit dem% 41 5e» Gesehentwurse» könne ein Oberbürgermeister alles von sich aus erledigen und die Stadt« Verwaltung völlig ausschalten,(hört! hört! bei den Soz.) Was besonders abzul-yaen sei, ist hos seltene Zusammentreten der Stadwenudaetenversammlung und die Erledigung laufender Arbeiten i« einem unter Ausschluß der Oeffentlichteit tagenden Stodtausschuß. Wenn man dazu nimmt, daß der Ober- bürgeruletster Dienstvorgesetzter der städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter ist, sie einstellt und entläßt, so darf füg» lich behauptet werden, daß der Entwurf für die Sozialdemokraten »nmmehmbar ist. Gegenüber wiederholten Zurufen va» den Rom- nernisten her erklärte Robinson, daß allerdings auch ftir Gesetzes- arbett sozialdemokratischer Minister m der Partei volle Diskutierfreiheit bestehe(Lärm bei den Komm.) im Gegensatz zu den Gepstogercheiten in der Kommunistischen Partei.(Erneuter Lärm bei den Komin.— Sehr richtig! bei den Soz.) Die sogial- demokratisch« Fraktion hielte es für selbstverständlich, daß vor Einbringung eines so wichtigen Gesetzentwurfes die städtischen Körperschaften gehört werden, nützten, daß ferner kein Sonderrecht für Grotz-verlm geschaffen werde. Die Sozialdemokraten wollen Aorfchlage für die Abstellung zutage getretener Mängel in der Orgonisalion und der Verwaltung Groß-Perlins machen, sie lehnen aber den vorliegenden Entwurf ad.(Bravo bei den Soz.) Nicht durch ein der Stadt aufoktroyiertes Verwastirngssystem könne man Berlin helfen, sondern durch einen vernünftigen Finanzausgleich, der Berlins unnatur- liches Wachstum durch Zuwanderung Reäinung trägt, die finan-- ziellen Zuwendungen erhöht und so der Stadt die Möglichkeit einer gefunden Verwaltung auf dem Boden der Selbstverwaltung gibt. (Lebhafter Beifall bei den Soz. und in der Mitte.) Stadtv. Pieck(Komm.) bezeichnete vor fast leerem Hause den Gesetzentwurf der preußischen Koalitionsregierung als ein„sozial- faschistisches Diktaturgesetz gegen die Arbeiterschaft Berlins" nach dem Muster der privatkapitalistischen Finanz- und Verwaltungs- diktatirr. Berlin habe überhaupt nach nie«n« wirkliche Selbst- Verwaltung gehabt. Der Redner lehnte den Gemeinschalisantmg für den Fall ob, daß der kommunistische Antrag kein« Aicchrhcir finden sollte I Stadtv. tüdick«(Dnat.) nannte den Gesetzentwurf«in Gesetz gegen die Selbstverwaltung Berlins. Di« Parteien, die in der Stadtverordnetenversammlung das Gesetz ablehnen, müßten das auch im Landtag tun. In der Verwaltung Berlins müsse das Prin« zip der Dezentralisation angewandt werden. Der Redner lehnte den Gesetzentwurf ab. Stadto. Caspar!(D. Vp) meinte, daß das Staatsmmisterium den Entwurf sicher anders gestaltet haben würde, hätte es vorher die einmütig« Ablehnung gekannt. Berlin fei wieder der Paria der Gesetzgebung gewesen. Easpari lehnt« ebenfalls den Gesetzentwurf ab, wie auch der Wirtschaftsporteiler Beins vnd der Vertreter der Zentrumsfraktion Lange. Bei der A b st i m m u n g wurde der G-meinschaftsantrog«in- st i m m i g(gegen die Stimmen der Kommunfften, die nur für die Ablehnung stimmten!) angenommen.— Zu den Vorgängen im Erziehungsheim Scheuen lag folgender Drlnglichkeitsantrag der sozialdema- k r a t i s ch« n Fraktion vor: Der Magistrat wird ersucht, über die durch die Zeitungen bekanntgewordenen Vorgänge im Erziehungsheim Scheuen auf Grund der von ihm durchgeführten Unter- suchungen unverzüglich Auskunft zu geben, ferner alles zu tun, um eine Wiederholung solcher Vorgänge unmöglich zu machen und die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Stadtverordneter woywod(Soz.) begründete den Antrag. Die Vorgänge(unseren Lesern durch die Mitteilungen im„V o r w ö r t s" bekannt) seien geradezu erschütternd gewesen, sie seien durch nichts zu entfchuLngen. Insbesondere sei da» verhalten der Erzieher von jedem Standpunkt au» zu verurteilen. Helfen kSnne allerdings nur eine Reform der Erziehungs- grundsätze. Krankhaft veranlagte Zöglinge müßten in solchen Anstalten eszogen werden, wo Spezialisten das Erziehungswerk ge- stalten. Bedauerlich sei, daß entsprechende Anträge nach ihrer An- nähme im Stadtparlament noch nicht in die Tat umgesetzt seien. Eine andere Frage sei die Auswahl der Erzieher, die in- sofern zu beanstanden fei, als in solchen Anstalten höchstens ein pädagogisch vorgebildeter Erzieher tätig ist. der Unterstützung bei Gärtnern, Stellmachern und anderen Handv, erlern suchen muß. Allerdings ist auch die bereits vorhandene polttlsche Einstellung und Verhetzung(Großer Lärm bei den Kommunisten.) bei den Zog- lingeu mir schuld an Vorgängen, wie sie in Scheuen vorkamen. Personen, Literaten und gewisse polnisch« Parteien machten diese Jugend- lichen zu Märtyrern. Helden, zu„Führern" und Akteuren, die im öffentlichen Leben schon etwas zu sagen hätten. So wird dos Er- ziehungswerk von Anfang an gestört und unmöglich gemacht.(Bravo bei«den Soz.) Rohmen Sie— der Redner wendet sich zu den Kommunisten— diese von ihnen politisch beeinflußten Jugendliche in ihre eigenen politischen Organisationen hinein und sie werden erleben, wie sie gegen Sie selbst vorgehen«erden. Rehmen Hie unseren Antrag an. Slodträlin Wcyl(Soz.) betonte, daß 8 9 Pro- z« n t der der Stadt überwiesenen Zöglinge krankhast ver- anlogt« Jugendliche sind, die meist bereits strasffällig waren, und zwar wegen Delikten wie Körperverletzung. Angriffe gegen die eigenen Eltern und ähnlichem. Die Gesetze schreiben heut« noch vor, daß erst hoffnungslos verwahrloste Zugendliche in Fürsorgeerziehung gegeben nxrden dürsten. Eine Anstalt für psychopachisch« Zögling« fehlt noch immer, sie sind mit harmlosen Iugedlichen gemeinsam untergebracht. In Scheuen haben am?. Februar eine Anzahl Zugendlicke an der ver- liner kommunistischen Demonstratio» teilnehmen wollen.(Sehr gut bei den Kommunisten.— Empörung bei den anderen Fraktionen.) Als chnen das selbstverständlich verweigert wurde, drangen sie auf einen Erzieher ein, der sie mtt einem ungeladenen Gewehr er- schreckte. Di« Revoltierenden schlugen daraufhin nicht weniger als Z50 Fensterscheiben ein, insultierten den Anstaltsleiter, zogen unter Absingen revolutionärer Lieder vor die Quartiere der Mädchen, um sie„au, der Knochtschaft zu befreien" und gerieten schließlich unter sich aneinander. Bedauerlich Ist dabei der Aus» gang des Streites, der, ehe die Erzieher dazu kommen konnten, den tödlichen Erfolg bei einem Zögling hatte. Die Malter des Verstorbenen war bei der StadlrStin weyl. wo sie aufs tiefste bedauerte, daß er den Kommunisten in die Hände gefallen war. (Lebhaftes hört! hört! bei den Soz.) Stadträtin Weyl konnte sich gegen den fortgesetzten Lärm der Kommunisten oft nicht durchsetzen, sie blieb dann auf der Tribüne unverständlich. Die Rodnertn forderte mehr und besser« Erzieher, die öfter abgelöst rverden müßten. Die Debatte wurde darauf vertagt. Im November des vergangenen Jahres brachte der„Vor- wärts" aufsehenerregend« Mitteilungen über die Mißwirkschasl bei der Vorgängerin der jeßigen städtischen Müll- obsvhrgesellschafl durch deukschnasionale Skadträte und ihre Parteigänger. Insbesondere der frühere deutschnationale Stadtrot Wege wurde aufs schwerste belastet; er hatte umfangreichste Privatgeschäfte gemacht, so daß die Müllabfuhr nur saniert werden konnte, indem sie in eine rein städtische Gefellschaft jnrme« wandelt wurhe. Gestern wurde der Wirtfchastsplan der Ge- fellschaft und die Festsetzung der M ü l l g e b ü h r e n für 1930 beroten. Die Deutschnationalen steckten den Kopf in den Sand, nannten sich Hase und— lehnten die Erhöhung der Müllabfuhr- gebühren von 4,60 Mark auf 5,10 Marl pro 2M-Liter-Faß ab. Zu bemerken ist dabei, daß der Satz schon aus 5,35 Mark stund, daß er aber von der städtischen Gesellschaft gesenkt, jetzt aber wieder auf 5.10 Mark erhöht wurde. Die deutschnatianal« Mißwirt- s ch a f t wird in einem Sonderau»sck?uß untersucht werden. Antröge auf Auslösung der Gesellschaft wurden abgelehnt, die Erhöhung und der Wirtschastsplan wurden genehmigt— Ein Dringlichkeit»- ontrag der sozialdemokratischen Fraktion fordert ,n seinem entscheidenden Absatz: Der Magistrat soll durch Verhandlungen zu erveichen suchen, daß die Arzneilieferung für Wohlfahrt«, und Unterstnizungsempfänger zu den gleichen billigen Pretzen wie für die Kronkenkasien erfolgt. „Stvrmvogel.Frühlinzsfest." Unter diesem Titel veranstaltet der„Sturmvogel", Flugoerband der Werttätigen e. B., am Sonnabend, dem 22. März 1930, abend» 8 Uhr, in den Gesamträum«» des„Ulap", Alt-Moabtt, Am Lehrter Bahnhof, ein Fest für seine MügReder und Gäste. Vier Kapellen. Kabarett, Tanz, künstlerische Darbietungen usw. versprechen, die Veranstaltung ju einem Volksfest zu machen. Ganz besonderes Interesse dürste die Tombola«r- wecken, für die eine Zeppelinfahrt. Flugreisen nach dem In- und Ausland, Freiflüge usw. zur Verfügung stehen. sJUaixio SIs er feine Mieter schlafen geschickt hatte, stieg Äoao Romao in feine Wohnung hinauf, fand aber keine Ruhe. In Pyjama und Hausschuhen lief er in seinem neuen Schlaf- gemach auf und ab; es war ein ziemlich großes, luxuriös ein- gerichtetes Zimmer, weiß und blau gehalten und mit golde- nen Blumen bemalt. Ein orientalischer Teppich bedeckte den Boden fast vollständig, und eine Nickelweckeruhr ersetzte jetzt Bertolezas Grunzen und Schnarchen. Das Bett war zwei- schläfrig, und das übrige Mobiliar war offensichtlich für ein Paar und nicht für einen Junggesellen bestimmt, denn der Budiker hatte doch genügend Sparsamkeitssinn, um sich nicht eine kostbare Schlafzimmereinrichtimg zu taufen, die er später würde in die Ecke stellen müssen. Der Gegenstand seiner Sorge war Bertoleza, ein Pro- blem, das ihn keine Sekunde ruhen ließ. Jetzt schlief sie unten in einem winzigen, schlecht oertilierten Kämmerchen neben der Toilette. „Was zum Teufel soll ich mit dieser schwarzen Bestie anfangen?* fragte er sich ein dutzendmal und kratzte sich Denn heute abend hatte der Baron den Stier bei den Hörnern gepackt und über die Heirat gesprochen. Er teilt« Ioao Romao mit. Botelho hätte schon für den Budiker um die Hand seiner Tochter angehalten und er wäre durchaus geneigt sie ihm zu vermählen. Den Rubikon hatte er also uberschritten. Zulmira hatte ihr Jawort gegeben, und Dona Estella sollte das Datum der Hochzett festsetzen. Wa« also sollte mtt Bertoleza geschehen. Der Budiker stapfte hw und her. ohne einen Ausweg zu finden. Wie dumm war es von ihm gewesen, so lange mit der Negerin zusammenzuleben. Warum hatte er sich nicht schon langst von ihr gerrennt, als sein Ausstieg begann? Und wie konnte er si« jetzt im letzten Augenblick loswerden, ohne überall peinliches Gerede heraufzubeschwören, besonders jetzt, wo »eine Verlobung bald össsntlich bekanntwerden würde? Sein««eplst-mp"''».{ich fötf die Hilflosigkeit, m der er sich vor einem so geringfügigen Hindernis befand. Aber es hockte still und unbeweglich auf seinem Weg wie ein böser Fluch und drohte, ihm die glänzende Karriere zu zerstören, die er mtt soviel Mühe und Entbehrungen aufgebaut hatte. Was für eine Ungerechtigkeit, daß sein Glück und sein Erfolg in diesem kritischen Augenblick durch ein Geschöpft bedroht werden soMe, das er aufgenommen und beschützt, dem er all die Jahre hindurch ein Heim geboten hatte. Und Ioao Romao tat sich selbst so leid, daß er drauf und dran war, in Tränen auszubrechen. Ad und zu erholte er sich von diesem schmerzlichen Ge- danken und malle sich die Borteile aus, die ihm aus der geplanten Verbindung mit diesem zarten und aristokratischen Brasilianermädchen entstehen würden, und die Aussicht auf einen rosigen Pfad zu Ruhm und Reichtum eröffnete sich ihm. Erstens würde er Mitglied einer stolzen allen Familie werden, wie die Dona Estellas war. Außerdem würde sich sein Besitz durch die recht bedeutende Mitgift seiner Braut beträchtlich vermehren. Endlich würden wahrscheinlich Mirandas Reichtümer alle einmal ihm zufallen, da Zulmira das einzig« Kind war; und so konnte sich sein Traum von Größe vollauf verwirklichen, der Traum, der ihn befallen hatte, als er zmn erstenmal seinen Nachbar um dessen Tttel beneidete. Mit diesen neuen Reichtümern und der hohen sozialen Stellung, die er als Schwiegersohn des Barons de Freixal einnehmen würde, sah er sich Schritt für Schritt vorwärts- kommen und andere beisstteschieben. bis er das anerkannte Oberhaupt der mächtigen portugiesischen Kolonie von Rio de Janeiro wäre. Dann würde sein Schiff mit vollen Segeln schwimmen und er brächte eine Fracht heim, um die es sich gelohnt hätte— Kleinigkeit, ein Paket Danknoten hin- zuHallen und zu sagen:„den Titel Viscount, wann ich bitten darf!" Ja gewiß— mtt» weshalb auch nicht? Erst Wscount und dann Graf. Er würde ihnen schon zeigen, wie ein gescheiter und entschlußfähiger Mann so etwas anfängt. Und fest den letzten paar Iahren, seit der Samen de? Neide? in seinem Herzen Wurzel geschlagen hatte, nährte er nur eine einzige fixe Idee, von der er niemals abgewichen war. Irgendwie, irgendwann, irgendwo würde er sich einen Titel verschassen, der höher war als der des Barons de Freixal. Dann würds er eine Triumphreise durch Europa machen. deren Echo w dem Portugal seine? Kindheit and dem Vre. stlien seiner Mannesjahre widerhallen würde: und Leute, die ihn lange ignoriert hatten, würden stolz darauf sein, sich seine Freunde zu nennen. Und Bertoleza— willst du immer mitschleppen? flüsterte eine Stimme in seinem Innern. Ach ja, Bertoleza, erwiderte er und ging weiter im Zimmer auf und ab. Herr des Himmels! Würde er denn niemals über oder durch oder um den dunklen Schatten in seinem Wege herum- kommen? Wie schändlich für einen vielversprechenden Mann, an eine greuliche schwarze Kreatur gebunden zu sein. Nicht durch gesetzliche Bande, sondern durch ein schamlose» Kon- kubinat, das ihm einmal als das Natürlichste von der Welt erschienen war, das ihn aber jetzt mit Ekel erfüllte. Er konnte den Gedanken an sie nicht laswerden. Da lag sie wie eine riesenarvhe, rabenschwarze Wolke, die ihn zu ersticken drohte. Und sie erinnerte ihn an alles, was er von Herzen gern vergessen hätte. Wirklich. Bertoleza mußte aus dem Wege geräumt werden. Sie war das lebende Zeugnis alles dessen, was w seiner Vergangenheit schlecht und schänd- lich war. Weg dessen, das ihn als gewöhnlichen Empor- kömmling stempelte und was er die Welt vergessen machen wollte. Es wäre geradezu ein Verbrechen, sie bei sich zu behalten. Das sicherste Bollwerk der Gesellschaft ist die Familie, und e? ist jedes Mannes Pflicht, sich zum Haupt eines Haushalls zu machen, in dem Ordnung und Würve herrschen. Konkubinat ist eine Einrichtung, die ehrsame Bürger verachten müssen, und als ausstrebender Kapitalist und zukünftiger Führer der Gemeinde geziemte es ihm. ein Beispiel aufzustellen und der Well zu zeigen, welchen Stand- punkt er in dieser Beziehung einnahm. Aber diese tugendsamen Gedanken wurden beiseite gedrängt durch seine wahren Gefühle in diesem Fall. Bertoleza erinnerte ihn an einen schmutzigen, barfüßigen jungen Ein- wanderer, der sich für einen halben Milreis täglich Essen kauft; sie bedeutet« für ihn: mit einem Fischkorb«ruf den Markt einholen gehen; sie bedeutete: jahrelanges enges Zusammenleben mit einer Negerin auf einer schmutzigen Matratze, wo das Ungeziefer herumkroch: sie bedeutete eine Periode fruchtbarer Arbeit und kleinlicher Betrügereien, die sich mit ehrbaren Geschäftsmethoden unmöglich verirugen, sie war eine Krankhett, ein Geschwür, das sortgeschnttten werden mußte, wollte er Gesundhett. Freiheit. Kraft und Ehre genießen.(Fortsetzung folgt-) Lebenshaltung der Arbeiterschast. Eine Konserenz der sozialdemokratischen Kunktionärinnen. I« den Residenzfestsälea in der Land«. berger Straße fand eine außerordentlich stark besuchte Kon- fercnz der politischen FonklionSriaoen der Berliner Sozialdemokratie statt. In den Frauenausschuß wurden die Parteigenossinnen Böhm» S ch u ch mit 378, Scheibenhub er mit 281, Kresse mit 208, als Bertreterinnen Wengels mit 244, K la dosch mit 233 und B o r ma n n mit 208 Stimmen gewählt. Das Referat des Abends hielt der Leiter der Wirts chcitspolitischen Abteilung des AfA- Bundes, Dr. Otto S u h r, über..Die Lebenshaltung der Arbeiterschaft"'. Im Jahre 1927, in einer Zeit also von ver- hältnismäßig günstiger wirtschaftlicher Konjunktur, sind bei einer Reihe von besser situierten Arbeitern vom Statistischen Reichsomt und vom Afa»Bund an Hand eines täglich geführten Wrischafts- buches Erhebungen über die Lebenshaltung der Arbeiterschaft an- gestellt worden. Der Arbeiterhaushalt unterscheidet sich vom An- gestelltenhaushalt im ollgemeinen durch eins größer« Kinderzohl. Während bei den Angestellten das Zweiklndersystem vorherrscht, sind bei den Arbeitern zumeist mehr Kinder vorhanden. Fast alle Kinder sind noch Möglichkeit nach Verlasien der Schule erwerbs« tätig. Fast die Hälfte des Gesamtertrages der Einnahmen wird für Nahrungsmittel aufgewandt. 10 Proz. entfallen auf die Miete, 8 Proz. auf die Einrichtung und etwa 12 Proz. auf die Kleidung. Ein großer Teil der verbleibenden rund 25 Proz. wird durch Steuern und Versicherung beansprucht. Alle Ausgaben sind längst nicht so gestiegen wie diese. Dafür muß ober anerkannt werden, daß sich die sozialen Einrichtungen gebessert haben. In der Nahrung ist eine starke Vorliebe für Fleischgenuß festzustellen. Eine schwer« Belastung verursachen die Zölle. Bei einem Jahreseinkommen von 3300 Mark sind rund 200 Mark für Verteuerung durch die Zölle und für indirekte Steuern zu«irt- richten. Di« Durchführung der neuen indirekten Steuern nach dem vorliegenden Plan würde eine Mehrbelastung des Arbeiter- Haushalts von sährlich 15 bis 16 Mark bedeuten. Um die Ver- teuerung der Lebenshaltung durch den Zwischenhandel auszuschalten. täten alle Arbeiter gut, sich in weiterem Maße als bisher ge- nossenschoftlich zusammenzuschließen und ihren Bedarf beim Konsum einzudecken. Von rund 20 Millionen Arbeitern, Angestellten und Beamten sind aber bisher erst 5 Millionen gcnosienschaftlich organisiert. Volkswirtschaftlich gesehen, ist die Großcinköuferin auf dem Markt die Arbeitnehmerfrou. Ihre Einkäufe erzielen insgesamt in einem Jahre eine Ziffer von 25 Milliarden Mark. Ihre Pflicht muß es sein, sich durch politischen, gewert- schaftlichen und genossenschaftlichen Zusammen- s ch l u ß vor Verteuerungen ihrer Lebenshaltung zu schützen. Ein« reg« Diskussion, in der die Parteigenossinnen Kaehler, Pohl und Frankenthal sprachen, schoß sich an. Die Frauensekretärin der Berliner Sozialdemokratie, Hilde Kern. schloß die Konserenz mit der Mahnung, für die internatkonaki f?rau«nw«rbung, die vom 18. Mai bis 1. Juni in der ganze» Welt für die Sozialdemokratie vor sich geht, alle Kräfte anzu- spannen, um der Partei und damit der internationalen Arbeiterschaft neue Kämpferinnen zu gewinnen. Schuß dem Arbeiterkind. Schule in Not. Berlin muß sparen, und verständlich ist es, daß man auch auf dem Gebiete des Schulwesens spart. Aber man muß sich wehren gegen Sparrezepte, die außer acht lassen, daß es sich in der Schule nicht um tot« Dinge, sondern um kleine, lebendige Menschen handelt. Eine Uebertragung falsch verstandener Rationalisierung von der Wirtschaft her auf die Schule ist ein Unding. Das Kind leidet nicht weniger als der Erwachsene unter der allgemeinen Not. E» leidet aber stumm und kann sich nicht wehren. Ist die Familie von Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit bedrängt, leiden die Kinder auch die materielle Not der Erwachsenen, darüber hinaus aber durch die von der Not verbitterten Erwachsenen häufig genug auch seelische Pein. Wer an der Schule spart, belastet das Kind doppelt — schränkt man doch seine Lebensbedingungen nicht nur in der Fa- mili«, sondern auch an der Stätte ein, die einen Teil seines kleinen Lebens ausmacht. Gerade zu Notzeiten muß dem Arbeiterkind wenig. stens in der Schule eine Stätte bereitet sein, die ihm über die Misere der Zeit hinweghilft. Daher muß sich der wahre Freund der Kinder gegen alles wenden, was die Lebensbedingungen des Kindes in der Schule einschränkt. Daher keine Herauf� setzung der Klassenfrequenz, keine Beschneidung der Lie» ferung freier Lernmittel! Alles, was der gesundheittichen Förderung des Großstadtkindes dient: Verschickungen, Wanderungen, Schul- speisung, Brausebäder, muß gesichert bleiben. Die geplante» Sparmaßnahmen des Magistrats gefährden die zum Schutz des Ar- beiterkindes unter sozialdemokratischer Führung geleistete Arbeit des Schulaufbaues. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratisch«? Lehrer und Lehrerinnen Berlins, die Zentral» stelle der sozialdemokratischen Elternbeiräte Berlins, der Bezirksverband Berlin des Bunde» der freien Schulgesellschaften haben in diesem Sinne bei der Schulverwaltung Vorstellungen erhoben. Der Stadtverord» nctenausschuß hat in Uebereinstimmung mit der öffentlichen Meinung den Sparmaßnahmen nicht zugestimmt. Der Magistrat wird sich unter diesen Umständen hoffentlich dazu verstehen, von seinen weitgehenden Sparmaßnahmen auf dem Gebiete der Schule Ab« st a n d zu nehmen. Ein„Schandfleck" der Familie. Gefängnis statt Zuchthaus für einen Postbeamten. Em Poftbeonnker unterschlägt 6 Geldbriefe, entnimmt ihnen etwa 150 Mark und wirft die Briefumschläge weg. Da si« Poststcmpel und Adresse tragen, sind sie Urkunden. Ver Beamte hat sich also nicht nur der Unterschlagung der Gelder, sondern auch der Vernichtung von Urkunden schuldig gemacht. Auf letzteres steht Zuchthausstrafe. Das Gericht«rster Instanz hatte den Beamten zu einem Jahr einem Monat Zuchthaus verurteilt. Der Verteidiger legte Berufung ein und bestritt den Tatbestand der Urtundenvernichtung. Die Absicht der Urkunderwernichtung sei nicht auf dies« gerichtet ge- wefen: er habe di« Briefumschlag« w«ggeworf«n, weil er mit ihnen nichts anzufangen wüßt«. Es sei ihm einzig und allein aus das Geld angekommen. Der Zuchthausparagroph durfte nicht ange- wendet werden. Dies die juristische Seite der Sache. In der Be- rufungsvsrhcmdlung erwies sich der Fall des Postb«amt«n D. als hochinteressantes psychologisches Problem. D. war eines von fünf Kindern eines wohlhabenden Bürgers. Schon als Fünfjähriger entw«nd«te er der Großmutter verschiedene Kleinigkeit«», damals schon zeigt« sich das ungesunde Triebhaste seines. Wesens. Seine Umgebung tat ober nichts, um durch Er- ziehung kranke Strebungen durch gesunde niederzuhalten. Der Knabe fühlte sich benachteiligt. Es entwickelt« sich in ihm ein« Trotzeinstellung. Man nannte ihn„Schandfleck" der Familie. Als „Schandfleck" empfand er sein Dasein. Als Geselle mit ausreichen- dem Verdienst entwendete er bei seiner Schwester eine Pelzboa— aus Rache, sagt er, und der Mutter silberne Lössel. Dreieinhalb Monate long fuhr er nun als Steward auf einem Schiff. Als«r zurückkam, war der Vater tot, der Bruder Halle das gesamte Ver- mögen für sich in Anspruch genommen. Nach dem Krieg« heiratete er ein« Arbeiterin. Das war unter dem sozialen Niveau seiner Familie. Seine Frau wurde schlecht ausgenommen. Di« Trotz- «instellung bei dem bereits erwachsenen Menschen nahm an In- densität zu. Er arbeitete als Straßenbahner, versuchte sich dann als Hausdiener, als Metalldreher, als Theaterdiener und entwendete seiner Schwiegermutter Wäsche und seiner Frau zwei goldene Ringe. Schließlich wurde er Postaushclfer und seit 1927 fest angestellter Beamter. Zwei Jahre später eignete er sich den Inhalt der sechs Briefe an. Der Psychoanalytiker Dr. Alexander versuchte die Tat des Angeklagten psychologisch zu ergründen. Er sprach von trieb- haften.Handlungen, einer infantilen Natur, die mit sexuellem Schuld- bewußtsein im Zusammenhang stehen. Von einem Zustand«, der seine Wurzel im Unterbewußten hat. Das Gericht war der An- ficht, daß der Angeklagte für seine Taten verantwortlich ist, folgt« aber den Ausführungen der Verteidigung, daß kein« Urkundenv'er- nichtung vorlieg«: feine Absicht sei nicht aus die Vernichtung der Briefumschläge gerichtet gewesen. So erkannte das Gericht nicht auf Zuchthaus, sondern, unter Derwerfung des erstinstanzlichen Urteils, auf sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte befindet sich in psychoanalytischer Behandlung und soll von seinen triebhaften Diebstählen geheilt werden. Hoffentlich gelingt es. Das Gericht erwies sich aber als einsichtig und menschenfreundlich. Einen schmerzlichen Verlust hat die Berliner Arbesterbewegung, vor allem die konsumgenosienschafttiche Organisation, zu beklagen: GertrudLodahl wurde am 17. März im Alter von 52 Jahren.- durch den Tod abberufen. Die Verstorbene hat sich in ihrem arbeitsreichen Leben in auf- opfernster Weif« für den Aufstieg der arbeitenden Schichten der Bevölkerung eingesetzt: sie gehörte zu denjenigen Frauen, die nach der Revolution als erste Berttetevinnen. ihres Ge- ichlechts in das Parlament, in die verfassunggebend« Nationaloer- smnmlung, einzogen. Dos Hauptfeld ihrer Betätigung war die Konsumgenossenschaftsbewegung. Bereits 1906 wurde sie ehrenamtliches Vorstandsinitgliod des Berliner Consumvercins: sie gehörte von 1S08 bis 1914, weiterhin von 1922 ab dem Aussichtsrat der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend an. Als unermüdliche, befähigte, in Wort und Schrift sich eifrig betätigende Werberin hat Gertrud Lodahl viel zum Aufblühen der Berliner Verbraucherorganisation beigetragen. Allzu früh hat ein tückisches Leiden die tapfere Mitstresterin dahingerafft. In tiefer Dankbarkeit werden die organisierten Verbraucher, vor allem die genossenschaftlich zusammengeschlossenen Frauen, der treuen Ge- nossin stets gedenken. Ltm Loeskes Millionen. Dom Gericht Beweisaufnahme beschlossen. Der Kampf um den Millionennachlaß des verstorbenen In- Habers der Firma Marggraf, Albert Loeske, geht weiter. Gestern war Derkündungstermin. Der Zuhörerraum wieder von Verwandten überfüllt. Männlein und Weiblein, alt und jung, in gieriger Hoffnung auf die Millionen ihres Vetters, den sie bei Lebzeiten gar nicht gekannt. Das Gericht beschloß Beweisaufnahme. Es soll festgestellt werden, ob Albert Loeske bei Niederschrift seines �staments im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen und wie die Auffindung des Testaments vor sich gegangen ist. Also werden im nächsten Termin am 27. März eine große Airzahl Zeugen auf- marschieren, Aerzte, die Albert Loeske behandell haben, fein Rechts- beistand Dr. Schwersens, seine Wirtschafterin, eine Reihe von Be- kannten usw. Für die Verhandlung ist der ganze Tag angesetzt. Die Ausgrabung der Leiche hat das Gericht abgelehnt. Es ist der Ansicht, daß eine Obduktion doch kein« bestimmten An- holtspunkte für die Feststellung einer Geisteskrankheit ergeben würde. Dagegen sollen die graphologischen Sachverständigen zu Worte kommen, die schriftlichen Gutachton liegen bereits vor. Die Anwälte der Erben haben vier solche Gutachten erbracht, die übereinstimmend das Testament für echt erklären. Das von den Verwandten vorgelegte Sachverständigengutachten ist da- gegen der Ansicht, daß die Handsthrrst des Testaments nicht mit der- lenigen des Verstorbenen übereinstimmt. Ja, ja, wie sollte«in Testament echt sein, das ausdrücklich besagt: „Es soll keine Erbschaft an meine Verwandtschaft fallen." Solch ein Erblasser tonnte doch nicht normal sein. So behcmptnr die Verwandten. Da» Programm der Plaza ist auch in der zveiten Hälfte des März sehr gut. Gleich zu Anfang finden die singenden Brothers. die Erstaunliches leisten, wohlverdicMe Anerkennung. Die zwei Brownings mit dem Flirt auf Fahrrädern und die S isters S ch m e t t a n sind gern gesehene Gäste und finden ein donkbares Publikum. Der Komiker"Lasch sollt« sich im ersten Teil ottras neutraler halten und lieber nicht davon reden, daß schworzweißrot und schwarzrotgelb egal seien. Di« vier Lyons als stark« Leute ballen die Zuichauer in Atem. Si« und die Ioncfleurkunststuck« und Spähe der P« r ezo s f- C o m p a gn i e ernteten reichen. Äeffall. Auch Z i b r a l, der Mann mit den urkomischen Musikinstrumenten und der unglaublichen Visage ist eine Nummer, die sich sehen lassen kann. Tschechisches Kabelwert durch Feuer zerstört. 40090000 Kronen Schaden. Prag. IL. März. Im Kabelprüfraum der Krizik-Werke, der früheren Vergmann-Wert«, in Bodenbach, brach am Montag abend gegen 11 tthr ein Feuer aus, das rasch um sich griff und sich auch aus die angrenzenden Räume ausdehnte. Schon inner- halb einer halben Stund« standen außer dem Kabelprüfraum das Kabelwerk und der Expedttionsroum in hellen Flammen. Um Mitter- nacht bildete die gesamte umfangreiche Fabrikanlag« ein einziges Flammenmeer. Das Kabelwerk wurde vollständig zerstört. Dem Brand sind auch zahlreiche Ma- schinen zum Opfer gefallen, die zum Teil erst im Vorjahre neu ein- gestellt worden waren. Der Gesamtschaden wird auf40Milionen Kronen geschätzt. Durch die Zerstörung der Fabrikanlagen werden 400 Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos. Kollodium-Explofion in Potsdam. In der Potsdamer pharmazeutischen Fabrik von Nemver, Io- Hannstraße 40, ereignete sich anr Dienstag mittag eine schwere Explosioir. Kollodium war in Brand geraten und in kurzer Zeit stand der ganze Fabrikraum in Flammen. ZweiArbeiter konnten sich im letzten Augenblick nur durch Am Nachmittag eine Uebertragung aus Leipzig. Der Offen- bachsche Einakter„Der Ehemann vor der Tür" wird gesendet. Die Handlung, die übrigens im Radio so gut wie gar nicht verständlich ist, bleibt gleichgültig. Das kleine Lustspielchen, das zu den Akten gelegt werden kann, ist aber von einer Musik eingerahmt und durchdrungen, die heute noch dank ihrer täiue- rischen Leichtigkeit und ihrer Musikalität entzückt. Vielleicht eine Ge- legenheitsarbett, lange nicht vom Rang« des„Orpheus" und doch wegen ihre? großen künstlerischen Eigenschaften überzeugend.— Der Abend bringt einen Programmaustausch zwischen Berlin, Brüssel und London. Jeder Sender beliefert den Hörer mit 20 Minuten. Aber hier erhebt sich die Frage: Ist das, was gesendet wird, repräsentativ und interessant? Jedenfalls nicht sehr. Im„L r n d b e r g h- F l u g" von Brecht, W e i l l und Hindemith sind bestimmt dichterische und musikalische Qualitäten vorhanden, aber es gelingt nicht, ein einmaliges Ereig- nis. auch wenn es neben geschäftlichen heroische Seiten zeigt, über die enge Grenze des einmaligen zu erheben. Ebenso scheinen die Kompositionen, die Brüssel und London senden, nicht von großem künstlerischen Format zu sein. Die an sich gute Uebertragung zeigt jedoch etwas anderes: Daß heute imm«r mehr die Gegensätze zwischen den V ö l t e rn überbrückt werden und daß es keine Entjernung auf der Erde mehr gibt. F. Seh. Hinausspring«n aus dem Fabrikgebäude in Sicherheit bringen. Di« Potsdamer Feuerwehr hatte ein« schwer« Arbeit zu verrichten. Für etwa 30 000 Mark Vorräte sind verbrannt. Explosion in Sieglitz. Einern Knaben die rechte Hand abgerissen. Am Dienstagabend gegen%11 Uhr erfolgte an der Ecke der Holsteinischen und der Fregestraße in Steglitz eine Explosion. Der IZjöhrige Schüler wolsgang Hübsch aus der Holflelnl- scheu Straße 30 fand aus der Straße eine k l e i ne Blech- büchse, die, wi« sich dann herausstellte, offenbar mit Pulse? gefüllt war. Denn als er versuchte, die Büchse aus den Bürge»- steig aufzuschlagen, erfolgte eine heftige Explosion, durch die de« bedauernswerten Knaben die rechte Hand weggerlsse» wurde. Die Detonation war so statt, daß die Bewohner der um- liegenden Häuser erschreckt aus die Straße stürzten i« dem Glauben, daß eine Gasexplosion stallgesundcn Hab«. Der Zunge wurde zunächst zur Bettungsstelle und von dott ins Kranken- Haus geschafft. Die Polizei hat bereits festgestellt, daß es sich u« eine sogenannte Eisenbahn-Knallkapses handelt. 400000 Dollar verspielt. Wien. 18. März. Der Großkndustriclle Friedrich Po-llak-Parnegg, der Ge» sellschafter der Texttlffrma Hermann Pollak Söhn«, der sich an» Montag in seinem Büro«ine Revokvertugel durch die Stirn jagte. ist am Dienstag früh im Sanatorium Löw seinen Bevletzungen er» legen. Als Ursache für den Selbstmord rvird nach wie vor der durch di« Spielleidenschaft zerrüttete Nervenzustand de» Verstorbenen angeführt. Die Spielverluste, di« er im Lauf« der letzten Jahr« erlitten hatte, sollen den Betrag von 400 000 Dol» lar ausmachen. Di« Firma Hermann Pollak Söhne befchäfttgt i» Oesterreich und den Nachfolgestaaten über 6000 Arbeiter und 480 Beamte: sie scheint durch den Selbstmord ihres Gesell- schosters nicht berührt zu sein._ Kindesleiche auf dem Friedhof. Einen grausigen Fund-machte ein Friedhofsinspektor auf dem Georgen-Friedhof am Königstor. Er sah an einem Gebüsch eine alt« braune Aktentasche liegen. Als er sie öffnete, fand er darin die Leiche eines neugeborenen Mädchens, das erdrosselt worden ist. Die Tasche war nickst vom Regen durch» näßt, kann also erst kurz vorher dort hingelegt worden sein. Di« kleine Leiche wuibe noch dem Schauhairse gebracht, die Fahndung nach der Mutter ist eingeleitet. Liebe siegt über Dollars. Dieser Tage heiratete in New York die Wittv« des frühere» Millionärs John Coward, der chr ein Drittel seines Dier-Millionen- Dollar-Bermögens auf so lange hinterließ, wie sie sich nicht ver- heirate. Da Miß Cowavd nun aber im der Person des durchaus nicht vermögenden Mr. Wingate Caroll den Mann ihrer Liebc ge» funden Hot unterschrieb sie die B e r z i ch t e r t l ä r u» g auf chr Millionenoermögen, um nun, arm wie ein« Kirchenmaus, i« die Arme ihres neuen Bräutigams zu eilen. [ifmßjmmmltMke, UknJcftmmkmSa�bü Einbruch in der �berrechnuugskammer. Am Dienstag mittag kannte man in der Oberrechnungskammer m Potsdam die Wahrnehmung machen, daß sich in der letzten ?iacht ein« bisher unöekonm« Persoir in den Räumen der Obs-- rechnungskammer hat einschließen lassen. Sämtliche Schieb- laden waren durchwühlt Im ganKen sind etwa 40» Mark, darunter auch Amtsgelder, gestohlen worden. Allgemeine Wetterlage. 43.März4930.abds. Orttf O hsifar.® halb bedeckt .Obstfeckt'RejenAGmipeln Auf der Vorderseite einer Depression, deren Kern am Dienstag abend über Dänemark lag, waren sehr milde ozeanisch« Luftmassen nach Deutschland geströmt. Im größten Teil des Reiches stieg das Thermometer über 10 Grad. In Schlesien wurden sogar 18 Grad im Schalten erreicht. Bereits in den Rachmittagstuirden drang je- doch wieder Kaltlust in das warme Gebiet vor und brachte in W.'st- dsucschland einen Temperaturrückgang bis auf S bis 6 Grad. Die Kaltlust gehört einem kräftigen und ausgedehnten Luftstrom an, der vom nördlichen Eismeer bis nach England reicht. Unser Wetter wird in den nächsten Togen durch das Vordringen der Polarlust be- stimmt werden. •k Wetteraussichten für Verlin: Unbeständig und kühl mit Schauern, westliche bis nordwestliche Winde.— Jiir Deutschland: Allgemein veränderliches Wetter mit Schauern, sinkende Temperatur Stafcalutaaea füt_ B«t Un s« SS, t ZlodrU päd idesftrohc 3. Partemachn'chien�M fürGroß-Aerlin tet, an da» B-zirtssekretart« . Hos, 2 Treppen recht», ja richten. Zur Nachahmung empfohlen. Für das Notopfer für Erwerbslose wurden»an de« Genossen des Arbeitsamts Südost 100 Mark gesammelt und als 1- Vale an die Lezlrkskasie abgeliefert, worüber hierdurch mit bestem Dank öffentlich quittiert wird. 3, 2L: Alex Vogels. Fürsorger(innen). Der zweite Sursusabend über Arbeitstosenversicherung und Reichsversicherungsordnung findet am Donnerstag, dem 20. März. nicht in der Wohlfahrtsschule, sondern um ISMI IlHt im Sitzungszimmer de» Bezirks Brandenburg, Lindenstr 3, 2 Tr� 1. Hof recht», statt. Remneldungen können noch berücksichttgt werden. k *«wia SKtgariea.«chtun«.«BltilunftskaiTutet und SZuntttonöre! Di». icntfltn(Scnoffcn, nxiche für ihr- Abt-iluna-n dir Eintritt-Iortrn zu unserem itommermusliabend Kr den 23. Mar, p-rtresben. müssen bis spätestens D-nnrrsta». ZV. Mär,, bei ibrem«afsserer brachten. Die Abteilunaskassserer müssen beim Kreiskassserer Bauer die Karten ab» gerechnet haben. «.««i» Prenzlauer Sera. Donnerst«,. 2«. Man, Üb»,»eranftaltet nnler«-llsbildunasamr im«aalbau ssrlcdrichsb-i» einen vper». und Sparettrnabeod. nnter Mitwirluna de» Berliner Swsanirorrdrster». dcsse» Besuch allen ivarteimitalirdrrn d rinnend rmpsoblen werd-n lann.«arte» »n 5» Ps. find bei allen Abtrilnnnslalfierern und Bezietslübrern ,u baben. isoeitaa. Zl. MSr� ,s Uhr,«itzunn de»«narren«reisoorstande» mit den Abtrilunasleit«» in Gemeinschalt mit dem Srei-rorslaud gsriedrichshain In Schmidts Grsellschastsbaus. nruchtstr. U*. 5.«reis Ur,«driid,bai». Donnerstag. 20. Mär,. ZV 1IHr. Areisalterirv-r. sommlun« der Kinderfreundc im Iuaendbeim Litauer Strasse. Bortraa: .iZreirörperlultur". Reserent: Landaerichtsrat Dr. Wal». Disluffion. B-r. schied-n-s. Wir bitten in Anbetracht»es interessanten Vortrages um «blreiche» Erscheinen. «.«reis Kren, bera. Mittwoch. 19. Mär, Achtuna,««,irr»o«»rd»ete-lraltm»! Wir erwarten beute um 19 Uhr pünktliches und volbtäbliaes Erscheinen aller sZraktionsmitalirder.— iZreitaa. Zl. Mär,, l» Uhr. Sissuna des er. weitertrn Keeisnorftandes bei Krüaer. Srinrmstr. l.— Kommaaale Kom- Million nnd«rtritrrwoblsabrt. Donnerstag. 20. Mär,. 19 Ufr. im SiftunaeToal der Bezirksverordnetensroftion SSeriammlun« aller Partei- oenösssschen Dobtfahrtskonimisssonsvorstrber. Genosse Stadtrat lZachsw und Mnaistrotseat Dr. Schloß sprechen über:..Sparmoßnobinen der Stadt , Berlin". Dir ffunktwnäre der BiÄriirrwohsfahrt werden gebeten, ebenfalls ,u erscheinen. Heule. Mittwoch. 19. März: 12. mt Alle«beiislosrn Genossen, die ibre Adresse noch nicht gemeldet baben. geben diese sofort bei Wenzel. Wielesstr. 29. ab. 27. Abt. Kur IZrüdlingsfeier am Sonntag, dem 23. Mär,, find Karten bei den Besirkssüheern»u baben. Ersckieinen oller wird erwartet. 2». Abt. Di- Be�rksillbrer rechnen ihre Markende stände bestimmt bis»NM 23 Mär, beim Kassierer ab. 23. Abt. l9ld Ubr Kusammeniunft lunger Parteimitglieder bei Grunewald, Kameruner Str. 19. Vortrag de» Genossen Alexander Stein. 22. Abt. 19 Ubr Befichtigung der Ausstellung»Deutscher Lebenswille" im Se- sundbeitsbaus. Am Urban. Tresspunkt por der Ausstellung. 2». Abt. Der lür deute angeseßte Drskussionsabend muß umständehalber z«. Ab» �harlottenburg. Arbeitslose Genosssynen und Genossen melden sich beim Genossen Hinrichsen. Banreuther Str. 25s. 220«. Abt. Bittenou. Biltungsausschuß. 20 Uhr bei Schul,. Am Nordbahnhof, Bernau und Uma-el>«nd. 20 Uhr im Juaendheim Wandlißer Ehaussee Gruppen- konferen». Ado Ii Wuschick spricht über: �tavp und unsere Keit". Morgen. Donnerstag. 20. März: ». Abt Gi» fsertksfüdter, die noch nicht die arbeitslosen Genossen gemeldet Im�n nrllssta die Meldung unbedingt bis spätestens Donnerstagabend Wt- lungsleiter-der bei Ri-k-rt abgeben. Dia«ort» für den «teSm�pkabtn» iiod am Donnerstag um 20 Uhr bei Richert ab. Die Hauszinssteuer. Debatte über die Verlängerung im Landtag. In der am Dienstag im Preußischen Landtag fortgesetzten Aus- spräche über die Verlängerung der Grundvermögens- mid Haus- zinssteuer, über deren Beginn wir bereits im gestrigen„Abend" berichteten, erklärte Abg. Bleutz(Wp.) beide Steuern für ungerecht und drückend, nnd daß sie auf einer ganz falschen Bewcrtungsgrundlag« aufge- baut seien. Abg. Bierdes(D. Frokt.) lehnt die Verlängerung der Steuern ab, well sie untragbar sind. Abg. Sausmann-Elberfeld(Nat.-Soz.) hält die Aufrechterhal- tun« öer Wohnungszwangswirtschost für notwendig, solange der Staat noch mit solchen Steucrgesetzan arbeitet. Di« Rückflüsse aus der Hauszinssteusr würden ungerechterweise nicht zum Wohnung?- bau oerwendet, sondern zu Reparationsleistungen. Sein« Fraktion werde gegen die Steuergesetze stimmen. Abg. Howe(Dnot.) bedauert die Ablehnung der deutschnatio. nalen Abänderungsonträge im Ausschuß durch die Reaiernngs- Parteien. Abg. Meyer-Solingen(Soz.) Wir können Uns als Regierungsparteien nicht den Luxus erlauben, gegen die Verlängerung der Stenergesetze zu sOnmen. Auch die Deutschnationalen haben früher, alh sie in der Reichsregierung saßen, dos Reichshouszins- steuergesetz angenommen.(Hört! hört! bei den Soz.) Die ae forderten Abstriche der Volkspartei kömren wir nicht mitmachen, da sie einen Aux'all von rund 200 Millionen bedeuten würden. Es zeugt nicht gerade von Verantwortlichkeitsgefühl, wenn die Volts- Partei für dielen Ausfall keine Deckungsvorschläge macht.(Sehr wahr! bei den Soz.) Gegenüber der kommunistischen Kritik ist zu sagen, daß an der jetzigen Erhebungsgrvndloge der hauszinssteuer die Kommunisten selbst schuld sind. Sie hoben früher gegen das Gebäudeentschuldungssteuergesetz ge- stimmt, das«in erhebliches Mehr an Einnah»>en bringen lallte, ohne dabei die Lasten der M>eter zu erhöhen. Die frühere Gene- ratio» der Kommunisten hat schließlich auch eingesehen, daß sie da- mit einen e n t s ch e ide n de n Fehler gemächt Heck. Die nach der Wahl hier«nge, zogen« neue Garnitur von Kommunisten weiß davon allerdings nichts. Da diese Garnituren nach den Wahlen immer wieder erneuert werden, werden wir wohl nie mit dem Ein- üben fertig werden(Heiterkeit.) Die Behauptung, daß die Rc- girnrngsparteien die Rückflüsse aus der Hauszinssteuer für den all- gemeinen Finanzbedarf verwerten wollen, sind unwahr. Zm Reichstag ist der sozialdemokratische Antrag, daß diese Rück- slüsse nur für den Wohnungsbau dienen sollen, angenommen und damii Ist auch für den preußischen Finanzminister die Richf- linle gegeben. Der komunistische Redner muß auch als Mitglied des Beirats wissen, daß die Mittel des Ausgleichsfonds nur für den Wohnungsbau»er- wendet werden und nickst zur Herstellung des Gleichgewichts im Haushalt hemngezogen werden dürsen. Die Ausführungen des Nationalsozialisten Kaufmann waren ein Ausflug in unbekannte Gefilde. Don der Wohnungswirischast versteht er offenbar nichts, sonst hätte«r nicht behaupten könne», daß die Rückflüsse aus der: HauszinHsst:uer für Reparationen verwertet werden: es kommen da rupd l2' Millionen in Frage. Zum Glück ist die Aufrechterhaltung: der Wohnungszwangswirtschäft nicht von den Nationalsozialisten ab- hänqig- Die Sozialdemokratie hat die Interessen der Arbeiterschaft wahrgenommen, ehe an die Nationalsozialisten zu denken war, und sie wird dies« Interessen weiter vertreten, wenn die Nationalsozia- listen längst vergessen sein werden.(Beifall bei den Soz.) Damit ist die Aussprache beendet. Die Abstimmungen finden am Mittwoch statt. Es folgt bis zweite Lesung der Aenderung der Bestim- mungen über die Auflösung der Familiengüter und Hausvermögen(Fideikommisse). Als Berichterstatter hebt Abg. Dr. Rosenfeld(So».. hervor, daß nach der Regierungsvorlage als Stichtag für die Auf- lösung der Fideitommisiion der 1. April 1985 vorgefehen war. Der Rechtsausschuß hat den Zeitpunkt auf den 1. Juli 1940 hinaus- geschoben. Inzwischen ist von den Regierungsparteien ein neuer Antrag eingegangen, als Sttckstog den 1. Juli 1938 festzusetzen. Die sreuvlllige und beschleunigte Auslösung soll durch Herabsetzung der Gebühren gefördert werden. Die Bestimmungen des Entwurfs sollen zunächst den Gläubigern des Fideikoinmißbesitzers zugute kommen. öaitn aber sollen Familienstrcitigkeiten und Ungerechtigkeiten, die die Folge des jetzigen Fideikommlßsystems sind, durch anderweitig« Re- gelung der Rachfolgc geregelt werden. Ebenso soll der Kreis der AbfindungÄierechtigren eingeschränkt werden. Iustizminister Dr. Schmidt betont, daß die Fülle eine Vorlage wirtschaftlicher und rechtlicher itragen enthalte. Di« Auslösimg der Familiengüter solle durch Er» leichteruna der freiwilligen Auflösung und durch Einführung«nzs Stichtages belcksteunigt werden. Während des Avflösunaestadimns werde die Vorzugsstellung des nächsten Folgers gegenüber den übrigen Angehörigen wesentlich gemildert und ein Ausgleich mit dem allgemeinen Erbrecht geschaffen. Weiter werde die Rechtstel- Iimg der Fideikommißqläubioer erheblich verbessert Erfteulicher- weise Hove der Ausschuß die Verfassungswidrigkeit des Entwurfs verneint. Dagegen geh« der Beschluß des RschteaUsschuffes, als Stichtag den 1. Juli 1940 festzusetzen, zu weit. Die Oeffenttichkest könne nicht verstehen, daß der kulegorischen Anordnung der Reichsversassung, die Fideikommisse aufzulösen. bis heule nicht entsprochen sei. Er bitte dringend, sich aus die mitflere Linie, d. h. auf 1923, festzu» legen. Die Aenderung des Absinirnngsrcchts sei besonders notwendig, um unbillige und unzeitgemäße Auswirkungen des Fidei- kommiß rechts zu mildern. Die Lebensfähigkeit der Fideikommiß- güter werde dadurch nicht in Frage gestellt. Das im Entwurf kodifizierte Waldschützrecht fei überraschenderweise von der Seite angegriffen, die sich bis jetzt für den Waldsckzutz eingesetzt habe. Er hoffe zuversichtlich, daß nach der gründlichen' Vorarbeit des Aus- schufles der Landtag zu einer befriedigenden Lösung gelangt. Abg. Dr. Deerberg(Dnat.) erklärt, daß die Vorlage nicht not- wendig gewesen sei, da sich Mißstände in bezug auf die Gläubiger und Absindlmgsberechtigtcn bisher nicht ergeben hätten. Man wolle den Gläubigern das Recht des Eingriffs in das Stammvermögen nehmen. Er glaube nicht, daß die Vorlage verfassungsmäßig ist. Eine in dieser Hinsicht wegen des Bergrechts ergangene Entfch-eidimg des Staat sgerichtehofes stehe im Gegensatz zur Judikatur des Reichsgericksts. Für die Erhaltung des Rechtsstaates spiele es keine Rolle, ob Fideikommisse populär oder unpopulär sind. Abg. Schmelzer(Z.) stellt sich für sein« Fraktion auf den Boden der Vorlage. . Abg. �Schulz-Neukölln(Komm.) erklärt, daß die Kommunisten mit den Fideikömmissen als rechtliche und ökonomische Erscheinung längst ausgeräumt chatten, wären sie zur Macht gekommen. Die Vorlage sich durch die Schuld der Sozialdemokraten völlig unzu- reichend. Seine Fraktion verlange entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes. Hieraus wird die Aussprache abgebrochen.— Das Haus vertagt sich auf Mittwoch, den 19. März, vormittags 10 Uhr. Tagesordnung: Abstimmung über das kommunistische Miß- trauensvotum gegen den Wohlsahrtsminister, Abstimmung über die Verlängerung der Hauszins- und Grund- Vermögenssteuer und über den Handelsetat. Forsetzung der Aussprache über die Auflösung der Fideikommisse, kleinere Vorlagen. jarrichn-n. Karten, die bis dahin nicht zuvückk«g»b»n find, müssen b». «rftlt merden. 33. Abt. Verein ianna für Schul- und Sr»i«bui>asfraa«n. 19Z4 Uhr Bcrlamm- Inn« im geicheniaal fcft Schule Ehrentrrsftr. 24. Bor trag:„Vom Elternbaus zur Schuldant". Aeserentin: Eharloste Dehncke. * 101. Abt. rr-ptam. Acht»»«! Gl» irrtümlich für Mittwach. 19. März, bekannt. Urarben« Mitaliederoerlammluna findet erst am grritan, b-m 21. Mär», um liV> Uhr, im Lokal„Sur Zlenubab»- lZ»bab«r G-argr). Elseaftrahe, statt. Bortraa:.Di» Sparulatznahmru her Stobt Sellin'. R-terent: Dt. Richard Lohma um. Die Besirlsstissrer lab«» doin ein. Arauenveranfialtungeu. 3.«reis zriebrichsbain. Seuie. 19>z, Uhr..Gaskochlehrvorirag" im Böhmischen Braubaus. Londslxraer Allee._ 58. Abt. Edarlottenbur». Leute. 2V Ubr. Ranlcstr. 2, 0. 2. Gunter Abend'. Vezirksausschuh für Arbeiierwohisahrt. 9.«eri, Wilmersdorf, greitaa, 21. Mär», pünktlich 20 Uhr. im Viktoria- »arten. Wilhelmsaue. Bortraasaiend der Genossen Nossn und Deimia:..»Zime. aelvrach eines Wobnun-ssuchenden mit dem De»-rnenlkN eine» Wohnunqsamtes'. Wir bitten um»ahlreiches Erscheinen aller Genossinnen und Genossen. 13. Kreis Tempeldof. Narirudorf, Marieufeld«. Lichtenrade Am Freitag, dem 2l. Mär». 20 Uhr. im Sissungszimmer I. Rothaus Tempelbof, Dort- strasse 22. Arbeitsqemeinlchaft über:»Einführun« in die praktische Arbeit der Woblfabrtspfle»e". Referent: Vormund Decker. Wir bitten um recht»ahl» reichen Besuch. 19. Kreis Pank»», greila». 21. Mär», pünktlich 19 Uhr. Besschtimiizg des Bolkekundemufeum» für lZrancntunde. Charlottenbur». Berliner Str. 137: Das Erscheinen aller Barteiaenoffen und»aenosssnnen ist erforderlich. runn findet statt unter Leitun« eines Arztes. Die lZÜH. M 17.«reis Lichtende rq. lkreitoa. ZI. Mar». 10 Uhr. im Rathaus Z S Lichtender«. Möllendorfstr.«, Kimme- 25, findet die Zahre so»rsamm. WZ W lun« der Arbeiterxpohlfohrt statt. Tagesordnun«: Jahresbericht und fa Ei Reumahl der Kreisleitun«. Erscheinen aller in der Dahlfahrts» und Et K Iu«endMrsor«e tätiam Genossen ist erforderlich. Besondere Einladungen Z W ergehen nicht. S. Zvngsoziallstea. Prenzlaner Ben». Die Merbchezirksveranstaltun« der EAZ. fällt aus. Wir treffen uns um 2V Uhr in der Schul« Dan»i«er Str. 23 roie immer. Br» fprechun« organisawrischer grauen. Erscheinen ist Pflicht. W P«n»lou-r Bern und Mitte. Drrbeahend am 22. Mär» um 2V Uhr lA El im Bezirksverordnetmsaal. Dan»!«er Str. 02. Genosse Alexander Stein Et Ei spricht über:..Selbsterziehun« der Jugend", lkran, Rothenfelder re,i, � iä tiert. Mitmirkun» der Mufitaruppe der SAI. Prenzlauer Berg. Un- kZ kostenbritrag 2b Pf. Dir jüngeren Parteigenossen hnh vor allem W eingeladen. Gruppe Baumschule»»»««. Heute, Mittwoch. 12V1 Uhr, im Heim Ernststr. 16, DiÄusfion über:.Entwicklung des Sozialismus". Arbeltsgemeluschasl der kinderfreunde. Kreis Prenzlauer Berg. Die Gruppen geben bis grciwgnachmlltag bei Erick» Er»moah. Earmen-Snlpa-Sir. 20. an, wieviele Mittagessen wünschen. Geburtstage, ZabilSea usw. 5. Abt. Unserem Genosse» Markewie» und seiner ssrnu zur Silberhochzeit dir herzlichsten Gluckuniniche. 19. Abt. Unser Genosse will Müller, Grünthaler Str. 22, kann am 21. Mir» aus eine Wjibrig« Parteizugehörigkeit»urückblickr». Wir gratulieren ihm recht dcezlich und hasse», dnh er leine jehige Funktion noch recht lange zum«nge» der Partei ausfülle» mcae. 78. Abt. Schöneberg. Unier lieber Senafir Adolf Klose, Dbersftr. 32, ist am 5. Mär» 7« Jahre alt geworde». Wir gratulieren dem wackeren Partei- ix fe raren aus» herzlichste und wünscheu Ihm»och viel« Jahr« eines heitere» Lebensabends. Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation � 11. Kr«, Schineberg. 77. Abt. Am Conniag. dem 16. Mär», verstarb unser Genossi, der Gastwirt Alfred Will. Mariin-Luther-Etr. 60. Wir verlieren in dem Genossen Will«inen treuen Mitkämpfer, der über ein Vieteliabrhundrrt in der Bewegung stand. Ehr« seinem Andenkrn. Einäscherung am Donnerstag. dem 29. Mar,. 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bittin»m rege Brtriligung. �WSozialistischeMetterjugendGr.'Verl!» M W ainsendnnaen Ar diese Bntrts»re an»02 Zugendsestelariae D-rti» SD 68, äindenstrete 5 »er Rote Schüler. Ar. 2, tfl von ollen SSG..«rupp«n abzuholen. Bolkstübneuoorstrlluug für Zugendliche im Altrr von 14 bis 18 Jahren am 5. April..Das Gevücht". Komödie. Eintritt SO Pf. Die Eintrittstarten können foivrt von den Gruppen abg-h-It werden: auch dir Beitragsmarken für dir Mitglieder der Volksbühne find erhältlich. Heute, Mittwoch. IS. März, lS>- Uhr: Moabit 7N: Heim Lehrter Str. 18—19.„Die Arbeit der ITunftionäre in her SAI."— Gesurdbrunue» II: Schule Ehristianiastrahe.„Dr: Lehrling im Arbeitsrecht."— Norden: Heim Lorgi,:«. Ecke Grauustrah«.„Die März- gefallenen."— Weddina: Heim Turiuer Ecke Scestrahe.„SAI. und Lrbens- rcform."— Hoheuschänhaulen: Heim Dingelstrdtrr Strohe. Heiterer Abend.- Andreasplag: Heim Broinrnnftr. 1. Iv-Minuten-Refecot».— grauisurier Viertel: Heim ssranksurter Allee 301.„Rechtswegen."— Petersburger Viertel: Heim Tilfitcr Str. 4..Feierstunde für die Mtirzgefallenrn."— Warschauer viertel: Heim Litauer Str. 18.»Das Mädel als Kameradin in der DAZ."— Warschauer üieitel(S.,ST.i: Heim Litauer Str. 18.»In Gedanken durch Berlin" sBcrliner Denkmäler).— Reicheuherger Viertel: Lichtbilder:.Einführung m Jcflen jeckes Antlitz ansprechend und schön. Oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpaste erzielen Sie einen wundervollen Elfenbeinglanz der Zähne, auch an den Seitenflächen, bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont- Zahnbürste ___ mit gezahntem Borstenschnitt. 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Pren, lauer Vera: Der Tanzabend iiitdet um 30 llbr im Sei« Weblauer Straße statt. Hallenschude nicht nettessen. Die anqesazt« Werde. bizirksmitoliederuersammluna fallt beute au«. Warbebezirk Ren««»» Sprechchoritbuu, i» Seim Retbeniir. W. M-«e. nassen, die w den Listen einaetraaen sind, müssen erscheinen. We anteren «Serwslen�beteiliaan sich an der Werbekundaebuug der Iungsoeialisien in.Stabe« SBexMtatd wetdlna. twdeiudtodtet Storoe» Leben tot Sei» SeeSraße. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbonner„Schwarz-Rot-Gold". SeschZktssielle: BerN» 6. 14. Sebastiansir. gl—3S, Sos 2. It. Mittwach. 16. WS au Zsriedrichebai». Aameradschast Warschau. 30 Ubr Aameradschastsversommluna bei Sab». Simon.Dach�Straße.— Dannetttaa. 3». Mbt». Weddina(Orisoetcia). 20 Ubr samtliche St» eilet Tuto. ballt Wtticher Str. 4 Frirdrichshaw. 16V» lAr Mitssi-derneesammlun- des Ortsvereins, bei Schmidt. s?ruchtstr. Ke» lirrieag, 21. Wäez, dbarlstte». beng. S> ikßr Iuqendabend tot Keim Sprersir. 30. Borirag des Aanierodeu Schubasr:„Die Geschichte der Ardeitcriuitend". Lichtruberg. Versammlungen um 20 Ubr: llautcradschaft Borbagen bei Stöber, Jung- Ecke Oderstrasic. Lame- radschaft Gustav Tempel b«i Hönow, frankfurter Allee 203. Erscheinen aller aktiven und pasfivon Zlameraden Pflicht. Rainicke adors-West. ISVb Uhr im Bcikebrslokal iur Vollversammlung im Sootsltouo Tegel mit Damen. Vortrag. _______ a, VatliioSnde». Donnerstag. nlunz bei fttflset, Srimmftr. L Säfte 20. März. berzlich wil «rb»it« r.Sab>o-«NAb Teutschland««. B.. Srupv« friedrichsbain. Donners- i»a. 20. MS«. 20 Ubr. Mitgliederversammlung im Lokal Eadiner Str. 10. «eichabuvd dar Ntiegataschädigden, ltrirgrtrilnebmer nud ltriegerhintcr. tliebenen, Gau Berlin, Ortsgruvve Norden 14. Donnerstag, 20. War,. 30 Uhr, in den Eassno-feftkälen. Pappelalle« 16. Mitgliedernersanimluna. filmvprtrag: „Der Mensch als Induftriepalaft". Vortragender: Herr L. Bartrl. eandamanaschaft der Schleswiq'Solsldeiieer<13621. Donnerstag. 20. Mär,. 20 Ubr. im Dresdener Garten, Dresdener Str. 4S. geschäftliche Sitzung. Als- dann Wilbelm-Stesfen.Abend. Plattdeutsche Vor-ritge von Wilbelm Steffen und Theodor Siedler. Landsleute, plattdeutsch« Damen und Serren sind sehr willkommen. Modenschau bei Tietz. Die Finna Tietz zeigt in sämtlichen Filialen die geschaffene Flamengo. einem weichen, bräunlich getönten Wollstoff. Die l)üte sind größer geward«», meist knhngeschwmtgsne Schutenform« w Braun, Bleu oder rötlichen Farbtönen. Di« Rockläwge hat sich nach unten zu ausgewachsen, Kniefreiheit ist dies« Saison ganz verpönt, Für den litachmi-lag und Abend steht man«ine Unmenge leichter. lustig gemusterter Seidenmusselinstoffe, Crepe Marocain, auch Spitzenkleider, oder Spitzen mit Seid« kombiniert, alle« mtt Säckchen, Cape, oder zumindest einem kleinen, koketten Pelertnchen gearbeitet: dadurch wirkt dos Kleid natürlich viel vollständiger und eleganter. Je später die Tageszeit, desto züchtiger bedeckt die Modebeflissen« ihren Körper, und während die Nachmittagskleider sich schon fast dem Fußboden nähern, schleppen die Abendkleider, mindestens mit irgendeinem Aipselchen, am Boden nach. Neben den buntgemusterten Stoffen ist aber auch Schwarz und ein dunkles Marineblau lehr begehrt, dann das neugefchafsene Rosa opalin, die Färb« der Sanon. Di« Verarbeitung der Kleider ist reiz» oll, raffiniert, voll Capricen in bezug auf Raffung, Dekollete und Garnierung. Wer sich da als« etwas abgucken will, de? muß schon über recht gute Auge«. m«l Phantasie und geschickte Finger verfügen. »et letzt« Mittwech bei«hmafant! Nock 5 Tos« weilt Scwafnm tn.de« R»ick»b«-»tidldt. Mitrwock. nnchmltiaffz Z Uhr. lZnmilienvorli-llu-a. In dieser Dorsielluna wird da» vollwertig« Äbendpregra-mvl asteigt. Siicker«ckle« aus ollen Plätzen in der Preislaa- von 2.20 M. aufwärts nur halbe Preise. Abend, TA Uhr Borltellunq. Da Sarrafani wvbl kaum wieder in der ietzizen Grotze nach Berlin komnien dürste, besuche man in diesen letzt«» Lasen da» aewaltis« Unternehmen. � Tltea-iet, Lidtispiele usw.| Mltiwoch, 19 Z Staats-Dper Unter d. Linden Teil-U. I«. sie.« lzdkii-id.-f. Iis. 76 190» Uhr Die ZaieA Ende geg.ZXUhr Staats-Oper In Plih to Uteublii Vorst 47 20 Uhr üoiländer Ende o 22V» Uhr Mittwoch, 19 3. staut opar Bismarckstr. Turnus tl 20 Uhr Simone Bocesnegra Ende 224t Uhr Staat!. Sdiaaspb. in CailenMgEartt St. IL 3 KL Xo. 8 iatois-Ali-V. Ii«. 67 20 Uhr Vallanstfites Ton Ende 22'/» Uhr MI.Wet-HiMWtlU 20 Uhr Boo�opriiöie- Oecrge BsnJin Ende gegen 221.e Uhr Tägl. 6>1.8-/. Uhr. D I Mit. 6398 Pr. 1 4 M. Woehentg. 5 U. CO Pf.-S M. Oastsplel Brich Carow acil vellei» 8 Inlwaaiteg. AtlratliOBM Tägl.» u.«12 50661.2 ,9«. 8" Alex. E 4. 8064 j INTERNAT. VARIETfi Reichshalien-Theater Abends CS sanniaa nndun. CS Slemaer- Sänger zum Sanoloriam schiuB Sonncnstidi Rockmirtaw tatoe Preis«) Zentrum 1)263 Oönhokf-B ra 1 1 1: VarlBig. Tmi. KohmO. int 8. Sonnt, i'k VoüMbtlluie TbsitvniHBnpiita: 8 Uhr Das GerfiAt Komödie in 14 Bildern v. C. K. Munro Bogls. R. H. Maitla Staafl-Sdiüler-Th. 8 Uhr Boobovroibe George Dandln Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Der tuegwide Holländer ßjsidüiz-Theater Kflnstl. Leitung Gaston Briete Täglich 8Vt Uhr Sonntag 4 Uhr Efsrieke BiuuUnnkB. tan« Pr. Winter ★ Garren* 8.19 Otr l«,ii. 3816 Bniktn cnanti Geldln CBÜ neuen Nlorionen Dtmisl&saaiatDt!. ä.btlltliTaTnipntr{ -TO 8 0" der rechnende Hund usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Sur noch 4t Torfitellangen! 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELL H Saulag nem. tuek. um« Pr. sva üM CASINO-THEATER Lothringer i trage ST. Wieder ein neuer Schlager Oer wahre Jakob U&rmUcher HeiierkcUs-Erfolg Das««in crrikL b aal es Programm autsehein für t— 4 Personen Fauteuil nur 1.23 Sessel 1.73 Ms Sonstige Preis« Parkett u. Rang 0V0 M. Direktion Dr. Roberl Klein Denlsches KOBStier-Tkeat. Barbarossa 3037 8V- Uhr Sex Appeal v.FnMklmWa ; FnstirUntugi Ilten BasureuniB. Megynrumn Ssrliner Ttualer Dönhoff 170 8 Uhr End« lO'it Uhr Jm. zwei, drei" von FranzMolnar mit Hu Palltubiq. BaglKtasLaaitng Souper Regie: Heinz Rilperi- Berliner Handels- Geselisehalt Bilanz vom 91. Dezember 1929. PaneilfißlßnRes Gehunilene Bümerssar Adolph„HoOmaiins Erzählonden" 200 Seiten stark auf hofzfreiem Papier/ Gesammelte Erinnerungen aus sozialistengesetzlicher Zeit Preis 3 Mark. Porto, Verpackung 40 Pfennig Karl Kautsky schreibt u.a.:... Die Schrift ist ebenso ergötzlich wie nützlich zu lesen, für Junge und Alte. Eine gute Einführung in die Parteigesenichte. Der Leser wird von dem verlangen erfaüt, mehr davon zu erfahren Hottentlieh /... Ich freue mich über Ihre Arbeit findet sie den verdienten Erfolg... * SBDääiila«rl»stfl»liitfen gereimte und ungereimte Lebensbilder von Adolph Hoffmaitn/ Mit 6 Vollbildern und Titel- vignette von W. 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Vernunft und Veram- wortungsgefühi....... interessanten, versandlichen und überzeugenden Art... Alle 3 Bficber frei-" Letztere eodh kerteia'eri�M�eric Zu bcriebeD durch die Deteufrene» und Ausgebe» steDen' de«„VorwCri*" sovrte direkt vom Verleg Adolph Hoftmann perlte C IS, Prenzlauer Strebe 16«, Aufgang II Tel.: E 2, Kupfergraben 2670 Postscheckk: Berlin 130461 Mi Oirektlon: Dr. Mariin Oekal»WW Komisch« Oper fritdridistr.KM. Morkur 1401/4330. Nach vollständigem Umbau Täglich 8>/. Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bncb mit Quid* THIalseher, leknte, tskrrih, Bure HiWnbrand.Wsltn» Rntn, Flink, sSunnr. Wnnnk Lastsplelhaus u. Frindricfaniz. 276. Bergmann 2632/33. Rlemann- Haack. Vorverkauf In bald»» Häusern ab 10 Uhr ununterbreshen. 1 2 ViUnABn S261 Tägl. S1/« Uhr Dar Kaisar v.Amerlka von Bemard Shaw RegzMax Reinhardt 1 2 Weidnita 520t 8'/. 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Sorten, Kupons und Guthaben Noten- und Abrechnungsbanken•... 8 3« 021 I 90 Nostroguthaben bei Banken und Bankiers 39 694 216' 33 Schecks, Wechsel n. unverzinsliche Schatz- anweisungen............ 79071 326 Reports und Lombards gegen börsengängige Wertpapiere............ 32 478 442 Vorschüsse auf Waren und Warenverschiff- fnngen............ 114 434 006 (davon gedeckt RM 82903 034,30) thuidner in laufender Rechnung.... 172340017 (davon gedeckt RM 134325982,14) Eigen« Wertpapiere r- tialbeteilli Konsortialbeteiligungen Dauernde Beteiligungan bei anderen Banken und Bankfirraen*). Bankgebäude... Sonstiger Grundbesitz.-., Bürgschaften RM 13 931 266,28 3 319 898 3(100000 2302 473 KeiehsmarkfPt Heute |0ie goldne Meisterin j (brautet ytnsp) 1 Große Wiener Ausstattungs- 1 Operette in 3 Akten mit der! Musik von Edmund Eysler I I täglich 8.15(Jeden Sonntag um I I 3.13 und um 9 Uhr) Im I »sss.TbvstSi'i I Qroße Frankfurter Straße 132 j | Billettkassc: Alex. 3422 und 3494 1 Sonnabend 3 Uhr SfflotevsltHüon noO Bososrot | Nächsten Sonnabd. 11.30 abendsl »Der Mtuterdaite". Varoibsl ib Ksntjs tfclidi res II I Obr ari m f-S Ubr ibmk. Komische Oper Friedrlchstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich S'/iU. I M ! divnk m DrcsU md?«t uistspieihaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich gV> Uhr Liebe anf den xveiten Blick Melropol-TIi. SV» Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwerz, Richerd Tauber Musik von Franz Lehär. Knabenia�! Die Preise werden Sie freudig überraschen. EMI SOHN i Benin N 4, Chausseestr. 29/30 . Bot und billig T fiross"Berlin Alaxaoilerplaez Nuf Mittwoch noen 3 Uhr SFarnmen-Vorsteilniiii Kinder auf allen Tage! Täglich SV» Uhr Preise 1, 2, 3 M. Plätzen v. 2.20 M. aufwärts halbe Preise. 7'/, Uhr Vorstellung SARRASANI TeL Baerwald 4335-36. 0800. 0930 TbeiLa.liata.Ttr Kottb. 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Verteilung des Reingewinns: 4«/» Gewinnanteil auf das ge- di t-Kapi S'v'&m's 000 MO,— RM 1 120 000,- Gewlnnanteil des Vetwal- tungsrats......-, 233 758�0 8° oweiterer Gewinnanteil auf aas Kommandit-Kapital., 2 240 000,— Vortrag auf neue Rechnung.. 324 479,10 RM3 91S2j7,90 Heben. Vortrag aus 1928........ Zinsen, Wechsel und Devisen... PfOvUion««.».. Reichsmark 5 779 647 348762 1 814637 3 9)8 237 *) Der Bilanzposten.Danerade Beteiligungen usw.* enthält Beteiligungen an der internationalen Bank te Amsterdam in Amsterdam. der Niederösterreiehischen Escompte-Gesellschaft in Wien. derj. F. Schröder Bank Kommanditgesellschaft auf Aktien in Bremen. eeriin, den IS. März 1930 Berliner Handel»- Gesciltcfaaft. H. HMeebevg. Hedwig, Fritz and Anna LodahL Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 22, März, nachmittags 5 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. Nachruf! Am 17. März 1930 verstarb unser Mitarbeiter, Herr or. iur. Alexander schonnerg nech langem schweren Krankenlager. Als juristischer Berater hat der Verstorbene unserer Verwaltung seit langen Jahren infolge seines umfassenden rechtlichen Wissens, verbunden mit einer tiefen Kenntnis der Sozialversicherung im allgemeinen und der Krankenversicherung im besonderen, die vorzüg liebsten Dienst» geleistet. Er sah in dar Arbeit für die Sozialversicherung seine Lebensaufgabe. Als Mensch war ar wegen seines lauteren Lharaktsrs und seiner steten Silfsbereitechait besonders geschätzt Ein dauerndes Gedenken bleibt fbm gesichert. «ranken' nnd Sterkeü&sse TUr das DenlsAekehb („Liohterfelder Ersetzkass«"1) Berlin 24, Oranianburger Straße 67. Der BBophwrianil— Die BesOäüsleltuao— Die tegeileüieasüiali. OMer �lallartieiter-lferliaoit Verwaltuncssteite Berlin Todesanielg« Den Mitgliedern tue Nachricht daß untre Kollege der Rohrleger Hennaim Lehrmann geb. 2L Ottober 1873, a» 10. März geltorben ist � Thre seinem Andenken Di« ssinäscherung findet am treiwg. dem 2t. März. 17 Uhr. Im«rem. totttnn Wilmersdorf statt. Rege Vetelltgmtg erwartet Die OrteverweUerag, 44. Abt SPD- Krcnsberg. Nachruf. erm Sonnteg, bete 6. Maes, vez. starb an Herzschlag der»ellofie Moritz Haase Ädmtralstratz« 18. im«»er von 61 Jahren elfte seine»«»denken. Mwchtzp Nr. 131» 47. Jahrgang 2» Mittwoch, �9. März 1930 Nrestige-Oividende einerGroßbank Waren die Fusionen der Commerz- und Privatbank ein Erfolg? Daß die IohresabsiMsse der Großbanken für 1929 der OefsenUichkeit einige Rätsel aufgeben würden, war zu erwarten. ?lber die Commerz- und Privatbank A.-G., die als erste der großen Depositenbanken ihren Bericht veröffentlicht und die im vergangenen ?ahre die sehr bedeutende Mitteldeutsche Creditbank(Käpttä! 22 Mill.), ferner die Braunschweigische Bank- und Kreditanstalt w«i zischen Bank und Kreditanstalt zuin Ausdruck kommt, zeigt die günstige Entwicklung unseres laufenden Geschäfts.' Wie steht es mit dieser günstigen Entwicklung? Damit steht es nun ziemlich merkwürdig. Da für die Mittel- deutsche und die Braunschweigisch« Bank nur Ziffern für 1927 vor- liegen— wir vernachlässigen ganz di« kleine Aachmer Fusion— müssen zum Vergleich die Abschlußziffern der Coinmerzbank von 192« und di« der Mitteldeutschen und der Braunschweiger für 1927 addiert werden. Dabei zeigt sich, daß di« Commerz- und Privatbank 1929 nur 1585,6 Mill. Kreditoren ausweist gegenüber 1542 Mill., di« sich aus den Fusionen ergibt, so daß der Kreditorenzu- gang außerordentlich gering sein muh, da die Zifsern der Fnsionsbanken ja für 1.927 gelten. Beim Umsatz dürste sich, da die Mitteldeutsche für 1927 schon 15 Milliarden ausgewiesen hat, unter Einrechnung der Braunschweiger Bank überhaupt keine Steigerung ergebm, obwohl man nominell mit einer Umsatz- steigerung von 120 auf 139 Milliarden aufwarten kann. Sicht man sich die Aktiuseite an. so zeigt sich bei den heraus- gelegten laufenden Krediten sogar ein Rückgang von rund 800 auf 783,7 Mill. Mark, und mich diese Ziffer tonnte nur dadurch erreicht werden, daß man den amerikanischen 2Y-Mill.- Dollar-Krebit von 1925 auf der Aktivseite tellweise— im Gegensatz zu früher— den Debitoren zugerechnet hat. Im Wechselgeschäst ergibt sich unter Berücksichtigung der Fusionen— immer ohne die Aachener Bank— eine Steigerung von 343 auf 390. bei den Vor- schüssen auf schwimmende und lagernde Waren eine Steigerung von 209 aus 253 Mill.. während die Börsen- und Lombardgclder von 146 auf 124,8 Mill. zurückgegangen sind. Auch hier, bei den Gegen- geschäften für di« fremden Gelder, läßt sich im ganzen also kaum von einer günstigen Entwicklung sprechen. Die Konsequenz zeigt sich auch in der Gewinn- und Ver» lustrechnung, auch' wenn man die Fusions- und Abkehrkosten für abgebautes Personal noch so hoch einsetzt. Früheren Gesamt- einnahmen von 76,9 Mill. steht nach den Fusionen nur dieselbe Summe von 76,9 Mill. gegenüber. Di« Handlungsunkosten sind von 54,0 auf 55,9 Mill., die Steuern von 9,3 auf 10,2 Mill. g e st i e g e n, und der Gewinn ist von 13,8 auf 10,9 Mill. zurückgegangen. Aus diesem erheblich gesenkten Gewinn werden ober wie im Vor- jähr 11 Proz. Dividende verteilt, und zwar auf ein Kapital von nicht 60, sondern jetzt von 75 MUl.! Bei bestenfalls gleichgebliebenem Umsatz, kaum vermehrten fremden Geldern ist also das Kapital um 25 Proz. erhöht, und dieses erhöhte Kapital erhält die gleiche Dividend« wie in dem vorher- gehenden Jahr«, das noch«inen Rekordauffchwung gebracht hatte! Die Reserven der Bank sind zwar um 2,38 Mill. gestärkt worden, aber nicht aus dem eigenen Reingewinn, sondern aus den Reserven der übernommenen Banken. Man wird annehmen können, daß die Dwidende aus den voll ausgeschöpften Einnahmen gezahlt worden ist. Aber man hat es ganz osfenbar angesichts des Stillstandes der Geschäfte mit einer Prestigedividend« zu tun, die nicht un- erhebliche Zweifel in dem geschäsllichen Erfolg der durchgeführten Fusionen entstehen lassen. Es wird gesagt, daß die o f f e n e n V e r- luste aus dem vorigen Jahr— man sitzt auch bei dem Fävag- Skandal zieinlich in der Tinte— bereits abgeschrieben oder durch entsprechende Reserven gedeckt sind. Sicher hat man aber zu dieser Deckung sehr erhebliche Beträge aus dem Verkauf freigewordener Bankgebäude heranziehen müssen. Daß der Druck zum Abbau der Unkosten unter diesen Umständen stark empfunden wurde, ist weiter kein Wunder. Diesen Druck haben die Ange st eilten in erster Linie empfun- den. Durch die Fusionen hatte sich die Angestelltenzahl auf 9378 erhöht, sie wurde aber schleunigst durch entsprechenden Abbau wieder auf 8525 gesenkt, obwohl das Filial- und Kasiennetz sich nicht unerheblich erweitert hat. Dieselbe Sparsamkeit hat man freilich bei den Aufsichtsräten nicht angewandt, deren Zahl im ganzen bei den Fusionen einfach addiert sein dürft«. Obwohl di« Gewinnrechnung keineswegs erfreulich ist, erhalten die Aufsichtsräte— soweit das offen erkennbar ist— statt 588000 jetzt 768000 Mark ausgezahlt. Das ist der I-Punkt«lf diesem Prestigeabschluß einer Großbank, der zwar In- folge der Unklarheit und Zftfernverschiebung der Bilanz— für die Bant- und Wirtschaftsentwicklung im vorigen Jahre nichts beweift, aber einige Kopfschmerzen darüber hervorruft, wie weit unser« Bankensührer zur Rationalisierung des Bank» gewerbes fähig sind, wo Fusionen den Ausgangs- p u n k t z u g« b e n f ch« i n e n. hoben, die Boamtengeldwlrtfchast an das Hochkapital auszu- liefern. Die Bcamteitbanle« wollen auch fernerhin geschlossen zur Reichszentralkasi« der Deutschen Beamtenbanten stehen und zur Preußischen Zentralgenossenschaftskässe, da nur im Zusammenhang mit diesen Stellen eine gesunde Entwicklung der Beamtengeldwirtschast aus der Grundlag« der Selbsthilfe, Selbst- Verwaltung und Sclbstoerantwortung gewährleistet sei. Die zweite Linoleumverteuerung. Eine verfehlte Rationalisierung. Zu diesem von uns am 6. März behandelten Thema er« holten wir folgend« sehr beachtliche Zuschrift. Wir sind in der Lage, das vom„Vorwärts' am 6. März gezei-ch nete Bild zu ergänzen, woraus hervorgeht, daß die Erhöhung dsr Linoleumpreise unberechtigt ist und die Schröpfung der Bevbraucher als Zweck der Vertrustung augenscheinlich wird. Die Zusammenlegung der Betriebe hat nachweislich zur Typ:- fierung unter Verringerung der Sortenzahl geführt und die einzelnen Anlagen zu höherer Leistung gebracht, well nur noch bestimmte Sorten in den einzelnen Fabriken hergestellt werden Daß von der Linoleum-A.-G. wesentliche Neuerungen in der Maschinentech- n i k herbeigeführt sind, ist n i ch t bekanntgeworden. Dagegen ist die menschliche Arbeilskraft in den Betrieben des Linoleum- krufis tn fask empörend erfolgreicher weise„ralionali- siert' worden. Man hat das sogenannte Bedaux-System dort eingeführt. Von diesem Bedaux-System sagt Profesior Dr. A tz l e r, Direktor des Kaifer-Wilhelm-Instituts für Arbeitsphysiologie in seiner An- spräche bei der Einweihung des Neubaues des Kaifer-Wllhelm- Instituts in Dortmund am 23. Oktober 1929, daß die Erfahrungen mit dem Bedaux-System den Arbeitswissenschastler»«ine ernste Warnung sein müsien. Das Bedaux-System fetzt sich über die wissen-| fchastlichen Forschungsarbeiten glatt hinweg, behauptet wissemchaft- lich die Leiftungsmöglichkeit der Arbeiter erforscht zu hoben, während es den Unternehmern mir vorübergehend unter Außerachtlassung der Gesundheit der Arbeiter höhere Leistungen sichert. An Hand feststehenden Materials tonn nachgewiesen werden, daß nach der Einführung des Bedaux-Systems bei gleichbleibender Arbeitszeit 18 Arbeiter ein« Leistung von 2400 Meter pro Tag erzielen, wo vor Einführung des Bedaux-Systems 22 Arbeiter nur 1300 Meter lieferten. In diesem Falle beträgt die Leistungs» steigerung 130 Proz.. wShrend der Lohnauswand auf das Produkt bezogen nur 25 Proz. gesenkt wurde. In einem anderen Fall« ist wiederum bei gleichbleibender Arbeitszeit die Arbeitsleistung von 12 auf 14 Einheiten gestiegen, wahrend die Arbellerzahl von 14aufgv«rringert wurde. Das ergibt eine Leistungssteigerung von 59 Proz. In einem anderen Falle wurden bei gleicher Arbeitszeit von 6 Arbeitern 15 Arbeit? einheften erreicht, während vor Einführung d-s Bedaux-Systems 12 Arbeiter nur 12 Einheiten herstellten. In diesem Fall beträgt die Leistungssteigerung 150 Proz. Diese Leistungssteigerungen nach dem Bedaux-System, deren Aufzählung beliebig erweitert werden kann, sind ohne technische Aenderungen im wesentlichen nur durch größere Antreibereien er- reicht worden. Es wird zugegeben, daß die Arbeiter zum Teil mehr als früher verdienen: aber ganz allgemein sind durch diese vngeheure Leiftungssteigerua«, die Lohnkostea im Ver- HAluis ganz erheblich gesunken. Aus dieser Tatsach« ergibt fuh ebenfalls, daß die Preissteigerungen für Linoleum unberechtigt sind. Es darf dabei aber nicht unerwähnt bleiben, daß unter den früheren Arbeitsbedingungen, wo gewöhnliche Akkordarbell vor- herrscht«, die Lrbeller befriedigend« Löhne erMteu und die Deutsche Linoleum-A.>G. 13 Proz. Dividend« verteilen konnte. Der durch die Rationalisierung ermöglichte lieberverdienst, der nicht nur aus der Vereinfachung der Produktion, sondern, wie hier nachgewiesen. zum erheblichen Teil auch aas erhöhten Leistungen der Arbeller und damll verbundener Lohnsenkung resulliert, kam niemals den B erb räuchern zugute. Die ungesunde Prsispolllik hat zu einer Absatzstockung geführt. Den letzten Anstoß dazu scheint die neueste Preiserhöhung am 1. Februar gegeben zu haben. In fast allen Betrieben der Linoleum-A-G. sind in den letzten Wochen d i e Lagerb« stände gewachsen und in mehreren Fabriken sind auch Arbelterentlassungen vorgenommen worden. Wir haben es also beim Linoleumtrust in der Tat mit einer voltswirtjchastlichen Fehlrationalisierung durch falsche Preispolstik zu tun und mit einer künstlichen Verschärfung der Wirtschaftskrise, die nicht Privatsache des Linoleumtrusts sein kann. Die Preis- gestaltung müßt« den monopolistischen Trusts und Kartellen«nt- zogen«nd unter staatlich« Kontrolle gebrocht werden. G. H. Die Noi aus dem psandbriesmarki. Gtadtschast der Provinz Brandenburg berichtei. Di« Stadtschaft der Provinz Brandenburg befaßt sich in ihrem jetzt vorliegenden Jahresbericht für 1929 eingehend mll den große:: Schwierigkeiten des Pfandbriefabsatzes im ver- gange neu Jahr. Danach mußte bei der allgemeinen Bersteifirng auf dem Kapitalmarkt für langfristig« Anlagen der Pfandbriefmarkt besonders leiden. Die Absatzmöglichkeiten für Pfandbriefe reichten im Berichtsjahr daher bei weitem nicht aus. un: der immer noch steigenden Nachfrag« nach ersten Hypotheken insbe- sondere zur Finanzierung der Neubautätigkeit nachzukommen. Der Preußischen Zc n tr a l- St a dt s ch a f t selbst ist es trotz dieser allgemeinen Schwierigkeiten gelungen, im Berichtsjahre msgeiamt 33 Millionen Goldpfandbriese abzusetzen, von denen 10,6 Millionen auf die brande:: burgisch« Stodtschaft entfallen. Mst einer Beleihutigsfumme von 9,1 Millionen war Die Stadtschaft an der Finanzierung von 1227 Neubauwohnungen beteiligt. Don dem ausgewiesenen Ueberschuß von 209 000 Mark werden 150 000 Mark dem Sicherheitsfonds zugewiesen, womit sich die ausgewiesenen Reserven der Stadtschaft auf insgesamt 1.1 Millon erhöhen.__ Protest genossenschaftlicher Neamienbanken. Vor einigen Wochen hat sich die Beamtenzentralbank Berlin überraschenderweise derDeutschenBank-undDis- conto-Ges«llschaft angeschlosien. Jetzt hat eine Vertreter- Versammlung der in- der Reichszentralstelle vereinigten Deutschen Beamtenbanken gegen dtases Zusanunengehen einer Beomtenbank mit einer privaten Großbank scharf protestiert. Im Namen von 250 000 in den genossenschaftlichen Beamtenbanken zusammengeschlosienen Beamten wird schärftter Einspruch gegen die in dem Zusammengehen der Beamten- zentralbank Berlin mit einer Großbank erfolgt« Preisgabe des Senoffenschyftsgedaukens und gegen den Versuch er- Reichsbank hat wenig zu tun. Dürste noch eine fünfte Diskontfenkung notwendia werden? Der Reichsbankauswcis vom 15. Mörz zeigt wieder«ine be» tröchtliche Abnahme der Reichsbanktätigkeit. Die Wechselbestande sanken um 278,7 auf 1639,4, die Lombarddarlehen um 27,2 auf 583 Millionen. Di« in der Borwoche noch vorhandenen l5 Mill. Reichsschatzwechsel wurden voll ausverkauft. Banken und Wirtschast haben die Reichsbant zur Monatsmitte, die sonst immer eine Anspannung bringt, also überhaupt nicht in Anspruch zu nehmen brauchen. Auf dem Kemto der fremden unverzinslichen Gelder zeigt sich— wahrscheinlich durch Abzüge öffentlicher Stellen— ein Rück- gang um 61,8 auf 4583 Mill. Demgegenüber hat sich die Währungslage von neuem stark verbessert. Der Notenumlauf sank um 214,2 auf 4266 Mill., aber die Goldbestände hoben un: 183 auf 2480,5, die Devisenbestände um 10,1 aus 411,9 Mill. zugenommen. Di« um- laufenden Noten waren zur Monatsmitte durch Gold und Devisen wieder mit 67,8 Proz. gedeckt gegen 63,9 Proz. in der Vor- woche, so daß in der drillen Märzwoche bei weiterer Erleichterung der Reichsbantlage von neuem mll einer Rekorddeckung zu rechnen fein wird. Ein. so unerfreuliches Zeichen für die Wirtschaftslage die gering» Inanspruchnahme der Reichsbank ist, so ist es doch keineswegs aus- geschloffen, nachdem auch der Mörz-Ultimo wahrscheinlich keine übermäßige Beanspruchung bringen wird, daß die Reichsbank im Laufe des April eine neue Diskontsenkung er- wägen muß. Diese Ueberlegung liegt um so näher, als man in London, wo der. Privatdiskontfotz auf 2,8 gegenüber einen: Bank- satz von 4 Proz. zurückgegangen ist, von der Wahrscheinlichkeit einer weiteren Diskontennäßigung auf 3Jj Proz. bereits ernsthaft spricht. Maschinenfabrik Wolf-Vuckau 10% Dividende Erwerb der Stahlgießerei Gruson. Der Magdeburger Maschinenkonzern Wolf-Vuckau. dessen Werke zu den rentabelsten Betrieben des mitteldeutschen Maschinenbaus gehören, verteilt für dos Geschäftsjahr 1929 wieder die hohe Dividend« von lOProz. Trotz Erhöhung der Betriebsgewinne von 8,78 auf 9,15 Mil- Konen Mark und einsprechender Umsatzsteigerung sind die allgemeinen Unkosten mit 6,7 Millionen Mark fast u nv c r ä nd«rs ge- blieben. Nach Absetzung der beträchtlich erhöhten Abschreibungen von 1,12 MilLonen Mark wird ein Reingewinn von 1,43 Mil- Konen Mark«lsgew-icsen. Der Auftragseingang im letzten Jähr war ungleich. Während sich für Brikett-Anlagen die Konsunktur offensiehllich verschlechterte, blieb die Beschäftigung im Baggerbou gut. Die Gesellschaft hat di« Stahlgießerei Gruson in Magdeburg erworben, die die modernste Anlage dieser Art in Milleldeutschland darstellt. Damit ist die Wolf-Buckau AG., di« einen sehr großen Bedarf an Sdahlformguß Hill, in den Besitz einer bsdeuiertden Stahlbasis gelangt. Der Umsatz des Grusonwerkes bebe: sich im letzten Jahr auf 6 Millionen Mark. Für die Ffitcnzkraft der Maschinenfabrik Wals-Buckau AG. ist es bezeichnend, daß sie die Berschmelzungsaktion ohne Erhöhung des Aktien» kapitals, ab'o mft den vorhandenen Betriebsmitteln durch- führen kann. Der Zemmlabsatz lm Februar. Obwohl der Z« m e n t v e r. fand im Monat Februar mft 294 000 gegen 315 000 Tonnen im Vormonat etnen kleinen Rückgang aufweist, kann ans dieser Absatz- zisfer doch auf ein« leicht« saisan mäßige Belebung:n dieser Baustoffindustrie geschlossen werden, da sich arbeitstög- lich ein höherer Absatz ergibt. Im Februar 1929, in dem die Kältewelle ihren Höhepunkt erreichte, sank der Zementabsotz auf den Rekordtiefstand von 86 000 Tonnen. Dieser Moimt ist also wegen der elementaren Einflüsse nicht vergleichbar. Dagegen zeigt der em- sprechende Monat von 1928, wie schnell in den: betreffenden Jahr die Bau Wirtschaft angekurbelt wurde, denn mit einen: Absatz von 502 000 Tom«» kamen fast 70 Proz. mehr zum Versand als im Februar d. I. Größerer Verlust bei der Haaomag. Die Hannoversche Maschinenbau A.-G.(Hanomag) weist für das Geschillsiahr 1929 einen Verlust von rund 700 000 W. auf. Zu seiner Deckung sollen die offenen Reserven herangezogen werden. Der Verlust entsöllt hauptsächlich auf die Umstellung im Anjomobilw rk und schlechte Beschäftigung im Lokomotivbau. Zur Zeit Et die Lok"n:at'v- 'iabrik der Hammiag durck: einige größere Serienaufträq- auf Monate hinaus voll beschäftigt. Auch der Absatz des neuen Automobiltyps geht nach Mitteilungen der Verwaltung slott von stallen. Loewe-Radio wird umq-laust. Di« bisherig« Loewe-Radia G. m. b. H. in Berlin-Stenlitz ist jetzt unter dem Titst Ra�io A Loewe. Verlin in sine Aktiengesellschaft mit einem fiav'M von ■ 13 Millionen Mark oerwandelt worden. Die Gesellschaft die hnfttz. 1 sächlick, Mehrfachröhren für Rad'o-Emvfang?avpare>te h-rsteflt. ist zu dieser Aenderung durch den Prozeß, den die frühere Lud mg- Loewe-A.-G. gegen sie angestrengt hat, gezwungen worden. Die Gesellschaft verfügt über einen hochwelligen Pa'entbesib und be- * schästigt in der Saison b i s zu 2000 Arbeiter. T'-otz der � unbefriedigenden Wirtschaftslage wird der geqsnwälliae B schäfti- gungsgrad als durchaus zufrieden st eilend gesckiftdert Oskar Skalier wächst— der Jlam« verschwindet. Die Oskar Steifer A.-G Berlin, die bekannte Sanitäts- und Krankenhaus- firma, hält g t worden fei, als Kläger für die entlassenen Arbeiter aufzutreten, oder daß der Arbeiterrot schon früher beschlossen habe, daß er mallen Fällen, in denen er Einsprüche gegen Entlassungen billigte. auch Klag« für die Entlassenen erheben soll«. In dem Termin am gestrigen Dienstag legte Freyer einen erst nach dem vorigen Termin in seinem Protokollbuch eingetrogenen N o ch t r a g zu einer vor dem Termin abgehaltenen Avbeiterrats- sitzung vor, der besagt, daß in jener S-itzung die Klageerhebung beschlossen sei.— Es erscheint zwar sehr zweifelhast, daß ein so wichtiger Veschtuß nicht bei der Abfassung des Protokolls ein- getragen sein sollte: da aber nochtörgiiche Zuisätze zum Protokoll gesetzlich zulässig sind, hielt das Gericht die Formfrvge für er- ledigt und trat in die sachliche Verhandlung ein. Ein nicht unwesentlicher Teil der Kläger ist bereits wieder e i n g e st« l l t» und zwar beim Verkehrsperfonal der U-Balhn. Immerhin blieben etwa hundert Klogen von Entlassenen übrig. Auf Freyers Antrag wurden mehrere der Entlassenen vernommen, um zu beweisen, daß kein Arbeitsmangel bei der Verkehrs-A.-G. vor- liege. Sie konnten natürlich nur angeben, daß ihre Arbeitsplätze wieder besetzt worden seien, aber, wie sich nachher herausstellte, durch Arbeiter, die an Dienst- oder Lebenssahren älter oder sozial schwächer sind als die Entlassenen. Im übrigen meinten diese Zeugen, daß Arbeit genug vorhanden sei, um die Entlassenen zu beschäftigen. Daraus erwiderte der Vertreter der Vertehrs-A.-G.: Gseoiß, es könnten noch manche Arbeitm ausgeführt werden, wenn wir nur Geld hätten: ober das fehlt uns ja. Freyers Hauptzeuge, der kommunistische Stadtverordnete und Mitglied des Aufsichtsrats der Verkehrs-A.-G., Wisnewski, tonnte auch nur die bekannte Tatsache wiederholen, daß die Entlassungen in letzter Lim« nicht aus Arbeits-, sondern aus Geldmangel erfolgt I seien, und daß Sparsamkeit in den Ausgaben besonders des- halb für notwendig gehalten werde, weil die Verkehrs-A.-G. aus ihren Einnahmen monatlich 3,3 Millionen mehr als früher an die Stadt abliefern müsse. Freyer behauptete aber trotzdem, daß die Verkehrs-A.-G. nicht an Geldmangel leid«, sondern Ueberschüsse erziele.— Um diese Behauptung nachzuprüfen, soll die Ve klagte im nächsten Termin die Unterlagen beibringen, aus denen hervorgeht, daß tatsächlich Geld- Mangel bei ihr herrscht.— Freyer aber soll— was ihm schon für den gegenwärtigen Termin aufgegeben war, was er aber unter- lassen hat— eine Liste derjenigen Arbeiter einreichen, die mit Rücksicht aus ihre persönlichen Verhältnisse an Stell« der Eni- lassenen hätten entlassen werden müssen. * Das„Acht-Uhr-Abendblatt" baut auf die Aussage des Wis- newjky, den man aus pathologischen Gründen nicht als Wahrheit?- apostel anführen kann, einen sensatkmellen Bericht auf, wonach u. a. die Direktion in einer Aussichtsratssitzung zugegeben habe, daß die U-Bahn-Brücke am Gleisdreieck bis auf einen halben Zentimeter vom Rost zerfressen sei und eine schwere Gefahr für die Derkohrsstcher- hell bilde. Wir sind in der Lage, dazu zu erklären, daß die Direktion niemals eine derartig« Vebcnivtunc» bestätigt hat. Sie ist an sich auch komplette? Unsinn. Richtig ist nur, daß davon gesprochen wurde, daß ein Teil der Brücke, die 3l) Jahr« alt ist, in absehbarer Zeit erneuert werden müßte. Bestände wirklich eine Gefahr, dami würde die Brücke für den Verkchr gesperrt worden sein. Vom Standpunkt der kommunistischen„Arbestervertreter"' kann man solche sensationellen Schwindelb ehoupwngen verstehen: ernst«, sachlich« Argumente sind diesen Leuten weltenfern. Don einem Blatt — und sei es auch nur das„Acht-Uhr-Abendblatt"— ist es aber eine verantwortungslose Sensationsmach«, solchen schwindelhaften Behauptungen«n sachliches Gepräge zu geben. Achtsiundeniag in Argentinien. Ein iozia'politischer Fortschritt. L. G. Buenos Aires. Ende Februar. In wenigen Tagen wird das vom argentinischen Senat am 30. August 1329 sanktioniert«„Gesetz überden Acht stunden- t a g" im ganzen Bundesgebiet kn Kraft treten. Um diesen sozial- polstischen Fortschrist hat die Arbeiterschaft in Argentinien jahrzehne- lattig erbittert gekämpft und er wurde erst dann gesetzlich anerkannt, als die achtstündig« Arbeitszeit in den meisten Großbetrieben der Industrie und des Handels und in vielen kleinen Unternehmungen aus Grund der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Arbestgebern und Arbeitergewerkschosten nach oft monatelang geführten Streiks bereits eingeführt worden war. An die Stelle dieser privaten Vereinbarungen trist jetzt in Industrie, Handel und Ge- werbe die gesetzliche Regelung. Nach Artikel 1 des Gesetzes darf die Arbeitszeit bei allen Per- sonen, die auf fremde Rechnung in öffentlichen oder privaten Unter- nehnrungen arbeiten, auch wenn sie nicht dem Gelderwerb dienen, acht Stunden täglich oder 48 Stunden ivöcheakllch nicht übersteigen. Ausgenommen sind die l a n d-, v i e h- und hauswirtschaftlichen Arbesten sowie diejenigen Betriebe, in denen nur Familienmitglieder des Chefs, Eigentümers, Unternehmers, Geschäftsführers, Direktors oder des Hauptbuch- hasters tätig sind. Das heißt, die hunderttausende in der Land- und Viehwirtschaft beschäftigten Arbeiter, überwiegend Einwanderer. werden nach wie vor eine unbegrenzte Arbeitszeit haben. also von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang vierzehn bis siebzehn Stunden täglich arbesten müssen. Aber gerade hier wäre eine Regelung der Arbeitszeit dringend nötig, um der großen und stündignr Arbeitslosigkeit wirksam entgegenzutreten. Andererseits verdient hervorgehoben zu werden, daß sich die Ge- setzgeber nicht begnügten, das durch opferreiche Lohnkämpf« Er- rungene gesetzlich anzuerkennen, sondern mtt dem Arbeitszestgesetz vielfach darüber hinausgehen. So zum' Beispiel bei der Regelung der Arbestszeit in den Nachtbetrieben. Artikel 2 des Gesetzes sieht da eine kägllch sieben stündige und eine sechsstündige Arbestszeit vor. Danach darf die Dauer der Nachtarbeit in der Zeit zwischen A und S Uhr sieben Stunden nicht übevschresten, und wenn die Arbestszeit in ungesunden Räumen verrichtet werden muß, wo Verschlechterung oder Kompression der Lust, ständige Ausdünstungen und giftige Staubentwicklung die Gesundhest der Arbester gefährden, darf die Arbeitszest täglich 6 oder wöchentlich 36 Stunden nicht überschreiten. Ausnahmen werden nur für'das D i r e t t i o n s- und Ueberwachungspersonal zugelassen, oder wenn in Schichten gearbeitet wird. In diesen Fällen kann die Arbostegest über 8 Stunden täglich oder 48 Stunden wöchentlich verlängert werden. Allerdings unter der Bedingung, daß die m U t l e r e Arbeitszest während mindestens drei Wochen täglich 8 oder wöchentlich 43 Stunden nicht iiberschrestet. Länger als acht Stunden darf auch»m Falle eines Unfalles gearbeitet werden oder wenn an den Maschinen, Werkzeugen und Installationen unauf- schisbbare Reparaturen vorgenommen werden müssen, oder wenn «n« dringliche Arbest zu o o l l e n d e n ist. In solchen Fällen müssen unverzüglich die nrst der Ueberwachung der strengen Durchführung des Gesetzes beauftragten Stellen davon in Kenntnis gesetzt werden. Um ein« solche Ermächtigung zu erteilen, ist eine vorherige Beratung mit den betreffenden Orgonisarionen der Unternehmer und der Arbeiter nötig, und dabei ist der jeweilige Stand d e r A rbeitslosigkeit zu berücksichtigen. Eine solche >m Gefetz als„Ueberftunden" bezeichnete längere Arbeitsleistung ist cm Wochentagen mst«nem Aufschlag van 50 Proz. und au Feiertagen mit 100 proz. zu entlohnen. Alle Ueberstunde» sind In ein besonderes Register einzutragen. Um die Durchführung des Gesetzes zu erleichtern, sind die Arbeitgeber verpstichtet, die Stunden des Arbeitsbeginnes und des Feierwbends durch Plakat» an leicht sichtbaren Stellen des Betriebes anzuzeigen. Wenn in Schichten gearbeitet wirb, müssen Beginn und Ende der Arbestefchicht so angesetzt werden, daß ein Ueberfchresten der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzen unmöglich ist. Abänderungen sind nur nach vorheriger Anzeige gestattet, und zwar aus Grund emsr von der Regierung festgesetzten Frist. Zur Anzeige von Ge- setzesübertretungen und zur Erhebung der Anklage gegen die Gefetzesübertreter sind sowohl die geschädigten Personen als auch die Bereinigungen der Arbeiter und der Unternehmer durch ihren Bor- stand berechtigt. Unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Verhältnisse Argentiniens als CinwaNderungsland größten Stils ist dieser erst« praktische Versuch, die Arbeitszeit in allen nicht land- und viohwirt- fchastlichen Unternehmungen des Landes mit sechs, sieben und acht Stunden täglich festzulegen, als ein bedeutender sozialpolitischer Fortschritt zu werten. Die Arbeiter kommen zuerst« Bei Entlassungen. Korn Tag ohne Beschwerden über Arbeiter entlassungen im Bereich des Reichswehrministeriums. Bor einigen Tagen ging von ihm ein neuer Erlaß heraus, wonach die Beleg- s ch a f t e n in den Wehrkreis Waffenmeistereien am 1. April um mindestens süns Prozent abgebaut werden müssen. Weitere fünf Prozent sollen automatisch in den nächsten Vierteljahren zum Abbau kommen. Unter dm Arbeitern, die das Reichswehrministerium beschäftigt, steigt zusehends die Erbitterung: denn das Messen m i t z w e i e r- lei Maß in der Beschäftigungsfrage ist zu brutal. Im Reichswehrministerium wimmelt es heute noch von Offizieren a. D. in Angestelltenstellen, die neben ihrer nicht unbeträchtlichen Pension auch noch«in seh? beachtliches Gehalt beziehen. So sind allein bei der Reichsbetriebskrankenkasse in Königsberg 25 Offiziers o. D. auf Privatdienftoertrag angestellt. Dazu kommm bei der Divi- sion 10 weitere Offizier« a. D. und Wartegeldempfänger. Es sind meistens höhere Offizier«, die hier in Frage kommen, z. B. General a. D. Fischer. Oberst a. D. von Weller, Oberstleutnant a. D. Ktaustus, Oberstleutnant a. D. Bock, Major a. D. Seraphim, Major o. D. Hei icke, Major Warneck«, Major a. D. Augat, Major a. D. Dünker, Hauptmann Brandenstein, Rittmeister Augstein. Don bissen bezieht beispielsweise der Gmeral a. D. Fischer eine Pension von 750 M. und dazu ein Gehalt von 6S0 M. Bei der l. Diviston sind vor einiger Zeit 15 Arbeiter entlassen worden. Auch hier hieß es. es seien keine Mittel zur Weiterb efchäftigung vorhanden. Es wurden aber zwei ehemalig« russisch« Offiziere w e t t e r b e s ch ä f t i g t. Der Reichstag hat eine Vorbewilligung von Mitteln zur Weiterbeschäftigung der Arbeiter bei der Reichswehr a b- gelehnt, für die Mittelmeerreisen der deutschm Flott« aber eine D o rb e w i lltgu ng von 250 000 M. im Haushalts- ausschuß beschkossm. Geld für Verynügungsroffen, aber kein Geld für Brot! Der ganze Freyer! Jämmerliche Feigheit vor Gericht. Die Direktion der Vertehrs-AG. hat beim Arbeitsgericht die Amtsenthebung des Arbetterratsvorsitzenden F r e y e r beantragt — der im übrigen durch die Entscheidung der Belegschaft seines Amts enthobm wurde—, weil er in Arbeiterratssitzungen und in Betriebsversammlungen die ihm vom Betriebsrätegesetz auserlegten Pflichten verletzt habe. Es handelt sich um Versammlungen, in denen seinerzeit die in Aussicht stehenden Entlassungen be- sprachen wurden. Es wird Freyer zum Borwurf gemacht, daß er in einer von ihm geleiteten Betriebsversammlung ein« Entschließung bean- tragt hat, die den Siebenstundentag ohne Lohnabzug, außerdem Lohnerhöhung fordert und verlangt, daß diese Forderungen mst den Mitteln des Streiks durchgesetzt und daß ein K a m p f a u s- schu ß gewählt werde. Ferner wird Freyer vorgeworfen, daß er dem Aufsichtsrat eine Entschließung überbracht habe, die außer den vorstehenden Forderungen noch die Herabsetzung der Gehälter der höheren Angestellten und die Entlassung des Direktors Brokat verlangt, der schuld sei an der Mißwirtschaft der Per- kehrs-AG. Freyer, der im Betriebe sich nicht genug tun konnte in kam- munistischen Agitation« tiraden, setzt? jetzt, wo er seine Handlungen verantworten soll, die Unschuldsmiene aus und will« s nicht gewesen sein. Er sagt, in der Dersammlung habe« r keine Entschließung beantragt, solchen, nur v«r- lesen und dem Aufsichtsrat habe er die Enifchlietzung nicht als Arbeiterratsoorfitzender, sondern al» Mitglied de« Auf- sichtsrat? eingereicht.(Daß die Entschließung nicht aus Freyers Mist eewachfen ist, glauben wir. Sie stammt aus dem Karl-Liebknecht- Haus. Wenn man di« koinmunistischeu Helden in ihrer jämmer- lichen Feigheit vor Gericht nach den dümmsten Ausreden suchen sieht. kann man sich eine« Gefühls der Beschämung nicht erwehren: dos nennt sich Arbeitervertreter!)/ Außer dieser Entschließungsangelegenhest wird gegen Freyer gelteich gemocht, daß er bekriebsfremde Personen. Deter, Kaiser und andere, in Betriebsoersammlungen geduldet, einem Vertreter des Metallarbeiteroerbandes aber, der nach dem Betriebs- rätegefstz berechtigt ist. sich an Betriebsversammlungen zu be» teiligen, das Wort verweigert hat. Hier handelt es sich um ein« Betriebsversammlung am 11. Februar, die zu den Entlassungen Stellung nehmen sollte. Die große Mehrheit der Versammlung bestand aus Mitgliedern freier Gewerkschaften. Diese verlangten vor Eintritt in die Tagesordnung, daß K o ch vom Metollarbeiterverband sprechen solle, um den Standpunkt der Gewerkschaften und deren Besprechung mit der Direktion darzulegen. Nur gegen den aus- gesprochenen Willen des Bersammlungsleiters Freyer konnte sich Koch das Wort erzwingen Deter, Kaiser und ein kommunistischer Reichstagsabgeordneter erschienen in der Versammlung. Di« Aus- Weisung dieser betriebsfremden Personen wurde verlangt, aber Freyer weigerte sich, diese berechtigte Forderung zu erfüllen. Er erklärte,„wer hier ist. bleibt hier, das habe ich zu bestimmen". (Vor Gericht klappt er zusammen.) Diese Vorgänge wurden von drei einwandfreien Zeugen be- kündet, aber von Freyer abgestritten! Er will die betriebs- fremden Personen nicht gesehen haben(!), obgleich sie in seiner unmittelbarenRähe standen und von Vevsammlungs. teilnehmen, auf sie hingewiesen wurde. Die Verhandlung wurde vertagt. Im nächsten Termin soll Freyer nachweisen, daß die Ausweisung betriebsfremder Personen von ihm nicht verlangt wurde. Arbeiiswsenversicherung in England. Die Reform in Kraft getreten. Der Gesetzentwurf der britischen Regierung„Gesetz über die Arbeitslosenversicherung von 1930" ist kürzlich in Kraft getreten. Das neue Gesetz bringt eine Erhöhung der Unterstützungen für Personen im Alter von 17 bis 19 Iahren um zwei bis vier Schilling die Woche. Ferner ist der wöchenlliche Unterstützungs- Zuschlag von 7 Schilling für unterhaltsberechtigt« Jugendlich- auf 9 Schilling erhöht worden. Eine Neuregckung ist auch in der Behandlung der Unterstützungsanträge vorgesehen. Jeder von den Dersicherungsbehörden abgewiesene Antrag muß einem Berufs- ausschuß zur Entscheidung vorgelegt werden. Dieser kann Eni- scheid ungen fällen und nicht nur wie bisher Empfehlun- gen erteilen. Außer den jetzt bestehenden Berufungsmöglichkeitsn ist auch eine Berufung an den genannten Ausschuß möglich. Abgesehen von Arbeitsstreitigkeiten wird die Unterstützung gezahlt, wenn dem Antragsteller ein« solche vom Berufungsausschuß zuerkannt wird. Die Uebergangszeit für die Zahlung von Unterstützungen an Personen, die noch nicht die 30 Betträg« geleistet haben, wird ab 18. Aprll 1930 um weitere zwölf Monate verlängert. Be- merkenswert ist im Zusammenhang hiermit, daß der Staat die Kosten für diese Fristverlängerung trägt und n i ch t die Arbeitslosen- versicheningskasse.__ Vuchdruckeriarif in Berlin angenommen An der U r a b st i m m u n g über den vor kurzem abgeschlossenen Manteltarif für das Buchdruckgewerbe beteiligten sich in Berlin etwa 75 Prozent der Mitglieder. Di« gestern im Gewerkschaftshous vorgenommene Auszählung ergab folgendes Resultat: Abgegebene Stimmen 12 033, davon 8149 für und 3762 gegen Annahme des Tarifs. Ungültig waren 122 Stimmer.. Das Resultat aus dem Reiche steht noch aus. Die Erklärungsfrist der Tarifparteien für die endgültige Annahme oder Ablehnung des Mantestarifs läuft am 22. März ab.___ Die geistigen Waffen der Moskowiter. Athen. 17. März.(Eigenbericht.) Eine öffentliche Bersammlung, in welcher der Sekretär der Amsterdamer Gewerkschasts- Internationale, S a s s e n b a ch, sich unter anderem scharf gegen Moskau wandte, versucht«, kommu- nistische Rowdys unter Anwendung von Gewalt zu sprengen. Die Polizei oerhastete die Haupträdelsführer und setzt« sie fest. Ein Teil der kommunistischen Rowdys war im Besitz von Schlagringen. Gesperrte Gastwirtsbekrlebc. Wegen Differenzen werden hier- durch folgend« Gostwirtsbetriebe für die Mitcjiieder des Zentralver- bandes der Hotel.. Restaurant- und Cafvangest Ilten gesperrt: Mitte: Marmorkeller. Inf,. St. Mareiniok, Boßstr. 17: die B-- triebe der Restaurantautomaten G. m. b. H. Friedrichstr. 58, Alex- anderstr. 39/40, Münzstr. 4. Moabit: Nordwesthatel. Nestau- rant und Festsäle, Turmstr. 7/8. Neukölln: Zimmermanns Bierhaus am Tempelhofer Feld. Berliner Str. 20. Lichten- berg: Palais des Ostens, Inh. Pieilstifter. Warschauer Str."5: Berliner Kindt(früher Borufsta-Festsäle). Inh Oehlke. Weißens?«, Berliner Allee 211; Restaurant Memeler Krug, Inh. Cußler, Große Frankfurter Str. 146. Ecke Memeler Str. k? � VHtnn,«ÖM. vbd«», ffttite«, 20 Uhr. hei Bura, rf S Staumetftwifie Sdt Prenzlauer Alle«, wichtia«??raktiousuersiuirmluna lZ M der EPD.�cnoffen. Genosse Sennann Schulz kGecamtuerbandZ lorichl f J W Wer!.Abk-aum-iwalrmen di» Maailtrats und Betr-eb-räteunidl-n". lü @®» wird vollzäbliae, Erscheinen erwartet. Der graltlonsxorstand. t-i ssss Pergwana Rolenthal.«ersammluna aller SPD.-Gcnossrn ssreltaa, i-i � 15 Uhr. bei Sanken. LindenNrafi«. Bichtiae Taae-ardnuna. All-'s || Genossen mttffcn erschein-,,. Der ffra!tion»,organd.• Seute, Mittwoch. ISth Uhr. taaen lolaend« Gruppen: vlitrei»! Schule Scharnwebcrstr. 10. Zuaendi'irsu»!. ssreiaowerk'chastlich» Nuoendar'-e't'. Peferent: 8. PIckert— Banwichnl-aw«,: Iuaendheiu, Ernstitr. IS. Unt-rbaltuna-abend.—»ort ring: Iuqendbeim. Schul« Sonmnhvrair Str. 20. Portraa:»Die Ursachen der Arh«it«lossat-it"—«»Indanfer Dor: Zua-nd- heim?shdeni«ker Str. 24—25. Lichtbild-rnortran:»D-e SRa-reetwlut'on. — ffleifieniec; Gruppenheim zg-ihense-, Parkssr. R. Märzfsier.— R-uvssln l: Grrpp-nh-in, Derassr. 20 ifof). issortraa: ,.?*'«?rau im S>rod'lkt!»n»vro,c0.— Süleu, SLdw«st-.a: Etiidt.?uaendh-im Dorikstr. XI lssabr kaedäude). LichtbUder- vortraq!»Die Kirche in der Karkatur".— Zieulöll» III: gugendhem, mua- hafenstr. 68. Lichtbildcrabend Adamson:.Jlldcr ohne Worte". Juaendarvpve desi'Zeptralverbandes der Anoeffellten Heute, Mittwock. finden folgend« Beranstalwnaen ffatt: 6�smldbr»»ue«: ISaenddeiw Ortbftr. 10, vt. Vortrag:.Der arbeitende Mensch m der erftSblenden Litsrawr�. Referent: �rik Weigelt.— Nordost: �uaendhenn Daiu Ma« Str. sBaracke 3). Vortrag:.Tbomas Mann und fein« Werfe. Aeferent: Wildelm Lcwinski.— Osten: Jugendheim der S«bulc Litauer otr. 18. Wir unterhalten uns iider die Dkru-Vchul«.— Strolan:?vaendhew, der Schule Gohlersir.«I.«ortraq:.SrnShruna und L«>sNm<,»tah,fl«ir- R«'«r-nt: Dr. m«d. Weaener.— Neukölla: Jugendheim Böhmisch« S�r. 1— Z- Kanner Sirahe. Zlspuel Bilder. Bild«...- SWa«: gua-ndb-'w Wranaelslr. 128. «erufalundlich, Arbeit-aemeinschakt:.Ich aeb«»mn Georg Seilbrunn.— Soandau: Zuaendheim Lindenuser 1- M a rzssurme. Bat»dam» Bowawe,: Juaendherher« in Nowawe». BriesKrstraße. w»ruf«und?iche Ar- b-it»armelnschast:.Moderne Pcklame". Deferent: S-inZ Mann.—«choabauser Dorsladt: Iunrndheiin d-r Schule Kastanienall«» Kl.«challvlattenpvrtrag: .Amiteid'chiutta"._ K»�reieGewerkschafis.�uaendÄerlin Trockener, stechender husten, rauher, schmerzender Hals, die olgen katarrhal if che? Erkällungen, werden alsbald mtt Reichels usten tropfen, die auch bei Kindern sehr gut wirken, behoben. In Apoth. u. Drogerien erhältl.,«er echt nur mit Mark« Medico. f Mittwoch 19. März 1930 Unterhaltung und ÄNissen Beilage des Vorwärts Siegfried auf diomodo dm diampf mH dem UrweHriefen Die Ausgeburt der Hölle, des Schrsckensgespenst der Träume, die Spukgesialt des Märchens: der Drache lebt! Der Amerikaner W. Douglas Bürden hat auf der kleinen, zu Niederländisch- Indien gehörenden Insel Komodo die letzten Nachkommen der vorsintflutlichen Saurier gefunden. Es find echte Drachen, drei Meter lang, doppelzüngig wie jeder richtige Lindwurm, und ihr zahn- bewehrter Rachen faßt das Viertel eines wilden Schweins mit einem einzigen Bih. In seinem demnächst bei Brockhaus erscheinenden. Buch ,�)rachenechsen, eine Forscherfahrt zu den Waranen aus Komodo" entwirft Bürden ein anschauliches Bild von einem Kampf mit einem dieser Urweltriesen:„Die Ein- geborenen hatten im„Urwald" eine Eidechse festgestellt, die nach ihren Erzählungen das größte„boeja darat", das furchtbarste Land- krokodil, sein sollte, das sie je gesehen. Es war ein sehr vorsichtiger Bursche. Um ihn lebend in unser« Gewalt zu bekommen, bauten wir am Rande des Dickichts eine Falle und beköderten sie sorgfältig. Wir wollten uns in der Nähe hinter einem Beobachtunsschirm setzen, um sofort zur Hand zu sein und den Gefangenen fesseln zu können. Defosse schoß einen alten Bock, und die Farbigen errichteten die Falle. Rings um das tote Tier wurden starke Pfähle so in den Boden gerammt, daß nur die eine Seite offen blieb. Die einzelnen Pfähle wurden dann fest durch Stricke verbunden und das Ganze sorgfältig mit Zwergen und Blättern verblendet. Ein kräftiges Bäumchen sollte den Drachen hochreißen- Wir hieben Zweige ab und banden ein Tau an die Spitze. Fünfzehn Träger mußten den Stamm niederbiegen, dann wurde die Schlinge vor dem Fallen» eingang angebracht. Kleinere Eidechsen hatten wir genug gefangen, aus sie legten wir keinen Wert mehr und wollten daher verhüten, daß sie etwa die mühsam zurechtgebastelte Auslösung in Tätigkeit setzten. Kam es dazu, so wurde der Alte ziemlich sicher vergrämt, denn wahrscheinlich lungerte er in nächster Nähe herum, um zu sehen, ob die Lust rein war. Daher befestigten wir an der Springfalle einen Strick, der über den Boden in den Schirm lief. Der Baum konnte nicht aus- schnellen, ohne daß man an der Schnur zog. So hatten wir es ganz in der Hand, den Drachen im richtigen Augenblick in die Luft fliegen zu lasten. Natürlich war der Strick sorgfältig mit Blättern zugedeckt und auch der Schirm hinter Laubwerk gut verborgen. Um sicher zu gehen, probte ich die Vorrichtung mehrfach aus. Es klappt«: sowie ich an der Lein« riß, schnellte der Baum hoch. Ich sah schon dos Untier in der Höhe schweben und aus Leibeskräften sich wehren und strampeln. Defost« hatte die ganze Anlage ausgedacht und gefccnit: man muß sogen, sie mochte seiner Erfindungsgabe und Geschicklichkeit alle Ehre. Am nächsten Morgen waren wir schr früh zur Stelle. Der Köder verbreitet« weithin einen fürchterlichen Dust, wir konnten also mit baldigem Eidechsenbesuch rechnen. Wir saßen in unserer „boma" und schwatzten gemütlich. Das durften wir ruhig wagen, wie ich schon früher sagt«, die Drachen sind stocktaub. Allmählich ober fühlten wir uns in dem engen menfchenerjüllten Loch recht un» behaglich. Di« Sonne stand schon ziemlich hoch, die Drachen mußten unterwegs sein; so hielten wir sorgsam Ausguck. Eine kleine Eidechse erschien und mach:« sich an der Falle zu schaffen. Bald kam auch eine größere, die sofort in die Umzäunung hineinspaziert« und versuchte, den Bock wegzuschleppen. Ihr Bemühen blieb erfolglos, denn wir hatten so etwas vorausgesehen und den Köder festgebunden. Mitten in ihrer Tätigkeit sah sie plötzlich auf und floh, als wäre der Teufel hinter chr her. in das Dickicht. Ich sagte zu den anderen:„Jetzt wird gleich der große Drache kommen", und wies sie an. sich bereit- zuhalten. Eine halbe Stunde verging jedoch, ohne daß wir etwas hörten oder sahen. Da stieß einer der Leute einen dumpfen Laut aus und schaute unter Zeichen höchster Erregung sich nach seinen Gefährten um. Ich lugte durch die Hinter wand des Schirms. Himmel! Was meine Augen erblickten, war wirklich ein Drache, ein echtes Überbleibsel der furchtbaren Ungeheuer, die vor Iahrmillionen lebten. Sein schwarzes Auge war auf den Schirm gerichtet. Ick) stand wie versteinert. Nun tat er ein paar Schritte vorwärts: gerade auf uns zu nahm er den Weg. Der Eingeborene, der das Scheusal zuerst gesehen heckte, war vom Schrecken völlig überwältigt. Ganz nahe hatte ich das Untier vor mir. Tief in den Höhlen lagen die Augen, unt«r den überhängenden Brauen hervor musterten ste alles miß- tramsch genau Jetzt war das schwere Trappsen des Tieres deutlich zu hören. Dicht am Schirm strich es vorbei, ich hätte es mif der Hand berühren können. Als der Drache vor der Falle angelangt war, stand er«ine geraune Zeck, ohne stch zu rühren- Er schien sehr argwöhnisch zu sein und der Sache gar nicht zu trauen. Dann macht« er einige Schritte auf den Eingang zu, berührte auch mehrfach die Schlinge, ging aber nie weit genug. Er untersucht« alles ganz genau, wobei die lange Zung« immerwährend in Bewegung war. Als wir meinten, jetzt würde er den entscheidenden Schritt tun, machte er kehrt, trottete ein Stückchen zurück, setzte sich hin und starrte minutenlang in die Dschungel. Das wiederholt« sich immer und imm«r wieder. Das Warten wurde mir unerträglich, ich fieberte fast vor Erregung. Plötzlich lief der Drache auf den Eingang zu, trat durch die Schlinge und ergriff den Köder. Ich riß an der Leine, der Baum schnellte hoch, und im nächsten Zlugenblick wurde der Ueberraschte in die Höhe geristen. Wer da ertönte ein lautes Krochen, er fiel zur Erde zurück, das Seck spannt« sich scharf an, und der Baum bog sich bis fast zum Zersplittern. Unsere Beut« war statt in der Luft am Boden, das rasende Tier zerrte und riß an seinen Fesseln. Die Leute liefen hinaus; dies vermehrte die Aufregung des ekelhaften Geschöpfes und«s begann sich.zu erbrechen. Die Farbigen wagten sich nicht näher als auf einige Meter heran: so muhte denn Defosse in Tätigkeit treten. Er halle sich in den letzten Monaten im Lasto- toerfen geübt: jetzt konnte er seine Kunst zeigen. Ein merkwürdiges Paar bei alte Jäger und sein tobender Gegner, dem vor ohn- mächtiger Wut der Seifer in Flocken vom Maul troff. Ein piarmak warf Defoste den Lasso, und bald war der Riese gefestelt und die Gefahr gebannt. Die Leute kamen mutig mit dem Tragbalken an. schoben ihivdew Drachen zwischen die gefestelten Beine und zogen zum Lage'- Dort brachten wir den Gsiangenen in einen beson- der- gebauten großen rechteckigen Käfig rncker und lösten die Taue. Kaum fühlte sich das Unller von den Banden befreck, begann«s wieder fürchterlich zu toben. Wieder erbrach es sich: der Gestank jpax so unerträglich, daß wir flüchteten. Eine wundervolle Nacht folgte diesem aufregenden Tag. Hebe? dem Wald stand freundlich lächelnd der Mond. Alles im Lager schlief, nur der Drache rumort« in seinem Käfig. Am Morgen ent- deckten wir dann zu unserer größten Bestürzung, daß sich das Tier davongemacht hatte. Wahrscheinlich durchstreift es noch heute die düsteren Dschungeln seiner Insel. Für uns war dies die herbste Ent-- täuschung der ganzen Reise. Wir waren unserer Sache so sicher gewesen, daß wir noch nicht einmal ein Bild von ihm gemacht hotten. Der Draht vor dem Luftloch in der Decke des Käfigs war der stärkste, der in Batavia aufzutreiben gewesen war; er war glatt zerrissen. Der leere Kasten gähnte uns an und gab den Beweis einer Stärk«, die wir nie für möglich gehalten hätten. 3)er erffe„darhen�onfilm" Der erste tönend« Farbengroßfckm der Welt, der den Titel „Cilly" führt, wurde soeben in Berlin vorgeführt, und man konnte ein neues Verfahren kennen lernen, das zum erstenmal die Massen- Verwendung der Farbe im Tonfilm ermöglichte. Die Zahl der Färb- filmverfahren ist sehr groß. Unter allen diesen, wie z. B.„Movie- f olorc",„Kodakolore",„Heraudfibme" hat der verbessert«„T e ch n i- color-Farbenfllm" bischer in Amerika den Sieg errungen. obwohl auch«r noch eine Meng« Nachteile auszuweisen hat. Das ..Technicolor�farbftlmo erfahren" ist ein Zweifarben-Filmverfahren, das sich der fogenamckeu„fubtraktiven" Methode bedient. Sein Borzug besteht darin, daß es eine Art von Farbendrucken für Filme herstellt. Wie Bilder in einem farbigen Druckversahren oder als farbige Radierungen von einer«ingefärbten Platte abgezogen wer- den, so kann man mtt diesem Filmdruckoerfahren farbig« Kopie» herstellen, die den Filmtheatern bereits in allen Farbtönen zur Per- jügung gestellt werden, so daß besondere Apparaturen zur Erzeugung eines farbigen Films auf der Leinwand nicht notwendig sind. Da- durch kann jedes Filmtheater mit Hilfe dieser farbigen Kopien farbige Filme vorführen. Bei den anderen Systemen, den so- genannten„additiven", wird ein Schwarzweißfilm benutzt, der die Bilder durch»erschiedenorttge Filter hindurchwirft. Durch Farben- oddition entsteht dann auf der Leinwand der Farbfilm. Es find also hierbei besondere Apparaturen notwendig, um diese Vermischung der einzelnen Farben durch die Farbfilter zu ermöglichen, da der Film selbst nicht farbig ist, sondern schwarzrveiß. Es ist klar, daß die Anfertigung einer farbigen Kopie eine besondere Erleichterung des Geschäfts bedeutet.# Diese Kopie wird mtt Hills« von Matrizen hergestellt,-die durch ein besonderes Verfahren mck Hilfe eines Zweifarbendrucks die Farbe auf«in Gelatinefilmband aufdrucken. Di« Nochteil« des Technicolor- oerfahrens bestehen darin, daß die Farben nicht wandlungsfähig genug sind. Die Feinheiten der natürlichen Farbgebung lassen sich mit diesem System nicht zum Ausdruck bringen, da es nur ein Zwei- farbendruckvorgang ist, der aus rot-gelb und blau-grün besteht. Die Bilder erhatten dadurch den Eindruck des Grellen und Gegensätzlichen, und da sie sich den natürlichen Farbtönen nicht anpassen können, so wirken sie fremdartig und oft auch verschwommen. Die vor- herrsch l-nden Farben sind naturgemäß ein mattes Rot und ein Helles Blaugrün. Dies zeigte sich auch bei der ersten Borsührung des Farbentonfiims, denn auch braune Töne erschienen hellrot. Da- gegen sind alle diejenigen Gegenstände, die in ihrer natürlichen Farbe den Filmjarben entsprechen, wie z. B. Blumen und Blätter, vor- ziiglich getroffen. Zur Erzielung eines natürlichen Eindrucks ist mindestens ein Dreifarbenverfahre» notwendig, und die First National Film Gesell- schast, die bereits die Mängel des Zweifarbenjystems erkannt hat, erklärt, daß ste in der nächsten Zeit ein neues Drerfarbenverfahren benutzen wird, dos die Firma„Technicolor" bereits ausgearbeitet hat. Aus Amerika wurde gemeldet, daß die amerikanischen Färb- film« jetzt bereits die Feinheiten erstklassiger bunter Lithographien haben. Der Augenschein hat bewiesen, daß diese Meldung mindestens verfrüht war. Es war auch nicht zu erwarten, daß derartige Fortschritte erziett wurden, denn die guten Lithographien verwenden 16 bis 18 Farben, um alle die Halbtöne uud feinen Schatten zu erzielen, die allein den Natureindruck machen. Vom Film wird man natürlich nicht derartig« Feirhciien fordern dürfen und brauchen, da die Bilder ja nicht Kunstblätter sind, sondern rasch vor dem Auge vorüber- stitzeiide Eindrücke. Bei dieser schnellen Bewegung kann das Auge nicht die zarten Tönungen erkennen wie bei der Betrachtung einer Lithographie. Es sind also Dreisarbendrucksystem« sicherlich aus- reichend, um die Eindrücke der natürlichen Farben hervorzurufen. Jlunsbim in 24 Stunden In allen Ländern, dt« unter der Wohnungsnot zu leiden hoben, wird man sich für die Erfindung des Amerikaners B. Füller interessieren, der ein Einfamilienhaus in wenigen Stunden ausstellen will, so daß man nach Kauf eines Bauplatzes nur das Nötige zu veranlassen braucht, um dos Haus am nächsten Tag beziehen zu können. Dieses„Dymaxion" genannte Haus hat fünf Zimmer, die 2,7 Meter über dem Boden liegen, und sieht aus wie ein Glas- pavillon. Di« Zimmer find wie an den Aesten eines Baumes an einem in der Mille stehenden starken Stahlmast durch Drähte auf- gehängt, so daß der Raum darunter für Auto- und Flugzeuggaragen freibleibt. Der Mast aus hohlem Duvalu-minium ist ringsum mit Drähten gegen den Baden versteift. Ueber den Zimmern befindet sich noch ein flacher, der Erholung gewidmeter Bodenraum. Dos Haus hat die Gestalt eines Vielecks, bestehend aus fünf gleichseitige» Dreiecken, den Zimmern. Ein Dieselmotor im Innern erzeugt die im Haushalt nötige Kraft tür Beleuchtung, Wasserversorgung und namentlich für den Betrieb des Lifts. Zwecke raschen Ausbaues sind die Einzelteile des Hauses sertig gegossen auf Lager. Es ist sicher gegen Fluten, Sturm, Feuer, Diebe, wird 6000 Pfund wiegen und 3006 Dollar kosten; seine Erhaltung erfordert nur 5 Dollar monatlich. 3)ie diand/ Man schrieb 1917. Seit langem war der Krieg erstarrt, ge- rannen. Di« Schützengräben drüben und herüben tote Marskanäle. Nur die Technik drinnen lebte, nagte, fraß und sine Verderben. Wir im Graben gähnten. Gähnten, daß die Kieferknochen cmszu- springen drohten. Halt, das Gähnen stockt«, offen blieb der Mund, der Zeigefinger hob stch warnend:„Kannst du's hören— bscht, jetzt wieder."— „Was denn?"—„Sie graben unterirdisch einen Sprenggang— hörst du's klopfen?"—„Unsinn, in dir selber klopft es, es ist biologische nachgewiesen, daß beim Gähnen hinterm Vorhof des Gehörgangs ein Geräusch enffteht, das—" Sein Bortrag stockte. Sein Ohr war angepreßt am Graben, seine Augen wurden groß, seine Lippen wurden plötzlich rissig, wie verbranntes Ackerland:„Wahrhaftig," flüsterte er heiser,„wahr- hastig— sie glauben unseren Graben leer— gut, daß ich einen Erdschallmesser habe." Er legte das Instrument ans locker« Gestein. Ein Nodelzeiger spielt« über einem Kreis von Ziffern, hielt jetzt starr auf einer Zahl- „Est— 2 Meter 50." „Teufel, so nah!" „Nah in Metern, eine hübsche Strecke aber nach der Zeit ge- messen— vier, fünf Stunden, schätz' ich." Wir schwiegen, starrten aus die Zifferblätter unserer Uhren... „Eine Stunde— noch zwei Meter..." Eine lang« Welle.„Zwei Stunden— ein Meter fünfzig noch." „Bscht, hör mal, ob wir's nicht nach rückwärts melden sollten?" „Können, meinst du? Meld« einmal bei gerissenen Drähten— sechs Uhr soll repariert werden." „Fünf Uhr stoßen sie hier durch." „Sie? Es ist nur einer. Zwei Hacken klingen anders." Wieder lange, lange Zeit. „Wenn sie unter unseren Füßen weitergrüben und ihr Ziel verfehlten?" Das Instrument lügt nicht. Haarscharf hier stößt ihre Hacke durch." Er zeigte brusthvch an der Wand des Grabens. „Sst, drei Stunden sind verflossen— einen Meter noch." Mich fröstette:„Wenn sie uns hier fänden—" „Haft du schon vergessen: einer sst es." „Wenn sie unseren Graben sprengten?" „Sprengten ste sich mit. Wenn wir uns nicht mucksen, bleiben wir die Herren." Wir mucksten uns nicht. „Bscht, vier Stunden— einen halben Meter." Di« fünfte Stund« war die längste meines Lebens. Zäh« rann st«. Nah und näher klang es dumpf. Jetzt heller. Noch heller jetzt. Jetzt wie Silberton. Jetzt löste sich Gertesel von der Graben wand. Mein Kamerad fing's auf mit hohler Hand, wie man an der Quell« trinkt. Da— ein Stahkblitz. Die Franzosenhacke war ans Tageslicht gebrochen. Wi« im Schrecken hielt sie still und sich uns beiden. links und rechts von ihr, in msser« Augen. Sine diriegserinnerung Wir vermochten es, ihr zuzunicken. Mein Kamerad sogar, zu lächeln. Nur sein Zeigefinger zitt«rte. Er wies auf Zeichen in dem Stahl der Hacke. Großer Gott: Solingen— ein« deutsche Friedenshacke in der Hand des Maulwurfs! Die Hackenhälfte ging zurück. Nein, sie verriet uns nicht, die deutsche Ihacke. Da war sie wieder, knirschte, dreht« sich, erweitert« das Loch. Jetzt war es groß genug, daß ein« Hand hindurchgreifsn hätte tonnen. Mir schlug das Herz zum Halse: Eines Feindes Handl Da war sie, diese Hand. Da griff sie durch. Da hing sie, arglos tastend, halbhoch in unserem Graben. Sicher für Sekunden nur. Ohne Ahnung, kttß in de n Sekunden unserer Menschenseelen Zeiger über Ewigkeiten strichen... Eine Hand wie mein« Hand. Ein« Hand wie meines Kanu raden Hand. Berwettert und verbrannt, verschrundet und zer- schunden durch den Krieg, wie unsere. Ein Geäder, blutduribspült vom roten Leben. Um den«inen Finger schimmerte ein Goldreif matt und halb erblindet. Waren wir nicht alle matt vom Elend dieses Krieges und halb erblindet? Wi« dnrch Zauber inußten wir dasselbe denken: Eines Bru- de rs Hattt». Die Hand war weg. Dennoch sahen wir sie weiter. Wir würden sie in aller Ewigkeit so sehen müssen. Da— da stieß sie wieder durch— ins Leere, die«infame Hand. Furchtbar bitter stieg's in uns herauf. Stießen nicht in diesen, Kriege all« Hände— hiGien, drüben— in die grauenvolle Leere? Die ganz« Sinnlosigkeit der Zeit war über uns gekommen. In meines Kameraden Augen sah ich etwas stammen. Herr im Himmel, wenn er diese Hand jetzt mtt dem Messer abschnitte— wenn ein Armstumpf m den Graben ragte— wenn aus diesem Armstumpf sich ein Quell ergösse, unseren Graben füllte, füllte, füllte, bis wir drin ertränken— ertränken, ohne den Menschen gesehen zu haben, der zu dieser Hand gehörte... Ach was, der Mensch— die Hand war dieser Mensch! Die Hand, die jetzt mein Kamerad— überwältigt von der Flut zurückgedrängter Menschlichkeit— recht herzhaft faßte, drückte und— Ein Schrei,«in grauenhafter Schrei. Die Hand hing schlaff im rechten Winkel in den Graben. Wir. zwei Rasende, wir bissen uns mtt allem, was zur Hand war, tn das Loch, Steine brachen, Erde rutschte, wettauf riß das Loch, durch das wir einen Körper zogen, einen Toten, den der Schreck getötet hatte. Frankreich, Nachbar, wo sst deine Hand, die wir, überwältigt von der Flut zurückgedrängter Menschlichkeit, jetzt fassen sollen. ehrlich fassen? Faß es endlich selber, Frankreich, Nachbar, daß du es in eben dieser Hand hältst, die wir drücken wollen, ob aus ewig Friede sein wird zwischen uns. Frankreich, Nachbar, laß den Argwohn fahren— du und wir, wir wollen nicht an Händedrücken sterben— du und wir, wir wolle« leben! Lnte MuUer.Partenkirchen. SdiriftL BttUlhuigen werden prompt erledigt. Bei Aufträgen nach auswärts N vergüten wir für je 20 M. 80 Pf., die nur für Porto bzw. Verpackung in Anrechnung gebracht werden. 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Friedrich.(Verlag Lichtenstein, IVeimar) Vier broschierte Bände mit zusamraen FD 33 laTO Seiten. Früher 20, OO...... jetzt£ MflX UebErmann, Zeichnungen. Herans- gegeben von Hans Woiff. 19*�2. Mit �85 "OÖTaf. Halbleinenhd. Früh. 12,00, jetzt O Bergfahrten InSüdamerlka.vonTh eodor Herzog. 212 Seiten. Reich illustriert. ABS Bieg. Leinenbd. 1925. Früher 7,50, Jetzt mm Chemie für Jungen. Ein Experimentier- und Lesebuch, nach Fabre bearbeitet von Hanns Günther. 2 Halblei nenbändo mit zusammen 515 Seiten und 71 Tcxtbildern. dOO Früher 10,40..................... Jetzt I Thienemanns Ein Jahrbuch der Unterhaltung, Belehrung nnd Beschäftigung für 10 bis 15 jährige. Band 29. 285 Seiten, reich illustriert. Stattlicher Loincaband. Früher 7,50........................... Jetzt Mädchen- 85 2 Sienkiewkz. Historische Erzählung für die Jagend. Herausgegeben von Gertrud Bauer. Mit 16 farbigen Bildern von Karl Mühlnjeisler. S5:i Seiten starker eleganter Leinenband. 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Hamsun, Das letzte Kapitel Mann, Th., Die Buddenbrook» Memoiren der Markgräün von Bayreuth Schnlfzler, Der Weg In* Freie Sinclair, Wallstreet Wilde, Oscar, Werke. 2 Bände Karl May � Reiseerzählunsen Volksausgabe, grün gebunden nach Stambul,— Schluchten des Balkxn.— Land der Skipetaren.— Der Sehnt- Winnetou, 3 Bde.— Old Surehand, 2 Bd«.— Kapitän Kaiman.— Aul fremden Pfaden.- Am Jenseits.— friede auf Erden.- Unter Geiern.— Sklaven- kaxawane.- Alte Deesauer.- Ans dunklem Tann.- Der Schatz im Sllbersee.- Der Oelprins.- Der Waldschwarze.- Himmelsgedankcn(Gedichte).- Am stillen Ozean.- Am Bio de la PI ata.— In den Kordilleren.- Halbblut— Vermächtnis desInka.- Der blaurote Methusalem— ßchloss Eodxig&nda.— Vom Rhein zur Mapimi.— Benito Joarez..:..... Jeder Band, soweit Vorrat an,— Yon 2 95 Qeors Hermann Qasamm.lta Work«. Inhält! Jettchen Gebert-Henriette Jzoohy- Spielkinder- Knblnke— Nhchber Ameise- Dr. Herzfeld— Novellen nnd Esesy*. S«leg. Leinen bände. 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