Morgenausgabe Nr. 133 A 67 47.Jahrgang Bochentlich 85 t. monatlich 3,60 2. im soraus zahlbar. Boftbezug 4,32 m einschließlich 60 Big. Boftzeitungs- und 72 Bfg. Poftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6.-M. pro Monat. * Der Borwärts ericheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und„ Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen"," Frauen ftimme". Technit". Blid in bie Bücherwelt und Jugend- Borwärts" Vorwärts Berliner Boltsblatt Donnerstag 20. März 1930 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Dte ett paftige Nonpareillezetle clamed 80 Bfennig. Reflame eile 5.- Reichs. mart. Kleine Anzeigen bas ettge. druckte Wort 25 Bfennig( zulässig zibet fettgebrudte Morte), jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erite Bort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. 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Maschler gehört der thüringischen Regierung als Staatsratsmitglied an. Sein Benehmen in der Mittwochsizung des Landtages war derart, daß sich der Landbundpräsident nicht anders zu helfen wußte, als bas Regierungsmitglied auszuschließen. rend des Krieges bort, wo mich mein bayerischer Rönig hingestellt hat!" Diesem Zwischenruf folgte zum Entfezzen des Herrn Frid minutenlange Heiterkeit im ganzen Hause. Ein Reinfall bei Gericht. Weimar, 19. März.( Eigenbericht.) mit ihrer Landtagsfraktion nach der Wahl der gegenwärtigen thürinAls die Sozialdemokratische Partei Thüringens in Gemeinschaft gischen Landesregierung einen scharfen öffentlichen Brotest gegen die Wahl des Nationalsozialisten Frid als InnenIm weiteren Verlauf der Sitzung fam es anläßlich der Be- und Volksbildungsminister erließ, ließ Frick mit der Beschlag ratung eines fommunistischen Antrages gegen das Republitschußnahme des Platats antworten. Er fühlte sich insbesondere gejeges noch zu einem heiteren 3 wischenfall. Die Kom durch die Feststellung beleidigt, daß er megen Hochverrats zu einer munisten und Nationalsozialisten beschimpften sich gegenseitig als Festungsstrafe von einem Jahr drei Monaten verurteilt worden ist". Mörderparteien. Als dann ein Nationalsozialist einem fozialdemo- Den von der Sozialdemokratischen Partei gegen die Beschlagnahme fratischen Abgeordneten vorwarf, nicht im Kriege gewesen zu sein, der Plakate erhobenen Beschwerden hat die zweite Straftammer fiel von sozialdemokratischer Seite der Zwischenruf, daß der Put beim Thüringischen Landgericht jetzt stattgegeben. Die Beschlagschist Frid während des ganzen Krieges ei mnahme wurde aufgehoben, da die Strafverfolgung innerhalb der Erieg" gespielt habe. Frick erwiderte: Ich war wäh- vorgeschriebenen Frist von zwei Wochen nicht eingehalten worden ist Die„ nationale" Schwerindustrie. Mit Frankreich gegen Deutschland. Paris, 19. März.( Eigenbericht.) Die deutsch französischen Saarverhandlungen, die durch die französische Regierungskrise seit Wochen völlig zum Stillstand gekommen sind, sollen in den nächsten Tagen wieder aufgenommen werden. Die Hauptschwierigkeit bildet nach wie vor die Frage des fünftigen Regimes der Saargruben, die nach den Wünschen der französischen Regierung nicht mehr in Besitz des preußischen Fistus zurückkehren, sondern unter Beteiligung der deutschen und französischen Privatindustrie in einen deutsch französischen Gemeinschaftsbetrieb umgewandelt werden sollen. Nach den letzten Vorschlägen der franumgewandelt werden sollen. Nach den letzten Borschlägen der fran zösischen Delegation soll daran der deutsche und der franzöfifche Staat und die deutsche und die franzöfifche Privat industrie zu je einem Biertel beteiligt werden. Obwohl die deutsche Delegation dieses Projett als völlig undistufierbar ablehnt, hält die französische Regierung mit zäher Hartnäckigkeit daran fest. Ihre Unnachgiebigkeit, die feit Monaten die Verhandlungen völlig zum Stocken brachte, dürfte ihren Grund nicht zuletzt barin haben, daß man in Frankreich sehr genau weiß, daß die Wünsche der deutschen Schwerindustrie, die feit langem alle Hebel in Bewegung setzt, um die Saargruben aus dem Besiz des Staates in ihre Hand zu bringen, mit den franzöfifchen Borschlägen ziemlich parallel gehen und man mit ihrer Hilfe den Widerstand der deutschen Delegation brechen zu können glaubt. Wie der Korrespondent des S03. Pressedienst von gut unterrichteter französischer Seite erfahren hat, soll Arnold Rechberg neuerdings in Paris im Namen der deutschen Industrie einen von den zuständigen französischen Stellen bereits als Diskussionsbasis angenommenen Rompromißvorschlag unterbreitet haben, der die Besitzverhäl'niffe der Spargruben wie folgt regeln soll: von den Anteilen der zu bildenden Gesellschaft sollen ein Drittel die deutsche, ein Drittel die französische Privatwirtschaft, das legte Drittel der preußische Fiskus erhalten. Die deutsche Industrie scheint also auch in der Saarfrage wieder einmal gegen die zuständigen Reichsstellen und unbekümmert um das Intereffe der Saar und der deutschen Volks. gesamtheit für die eigene Tasche zu arbeiten. * Die Stellung der führenden deutschen Köpfe der Wirtschaft" bei den Saar- Besprechungen und überhaupt bet den verschiedenen internationalen Verhandlungen der letzten Beit mächst sich nachgerade zu einem nationalen Skandal ersten Ranges aus: Aus purem Haß gegen die Staatsbetriebe und aus privatkapitalistischem Fanatismus fallen fie den offiziellen Unterhändlern des Reiches in einer an Landesverrat grenzenden Weise in den Rücken. Es sei nur daran erinnert, daß während der Barijer Berhandlungen des Organisationsfomitees für die Reichsbahn Sherr von Siemens entgegen dem aus gesprochenen Wunsch der Reichsregierung nach Paris fuhr, um die Verhandlungen in einem Sinne unmittelbar zu beeinflussen, der den Interessen des Reiches widersprach, nämlich um die Wiederherstellung der Reichssouveränität über die Reichsbahn möglichst zu hintertreiben; ebenso hat die Wirtschaft" die Möglichkeiten durchkreuzt, die sich bei den Baden- Badener und auch bei den Haager Berhandlungen für eine möglichst weitgehende Wiederherstellung der Reichs souveränität über die Reichsbank eröffneten. " Am tollsten freilich ist die Propaganda deutscher Industriellen für die Beteiligung französischen Privat tapitals- oder gar des französischen Staates an den Saargruben, die bis zum Versailler Vertrag ausschließlich Eigentum des preußischen und des bayerischen Staates waren. Schon zu Beginn der Verhandlungen im Herbst hatte ein Ruhrindustrieller, der im Saargebiet Hochöfen be" zt, damit gedroht, diese still zulegen, falls die dortigen Gruben wieder in den Besitz des preußischen Fiskus kämen. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete und schwerindustrielle Syndikus Dr. Reichert hat sich damals Saargebiet begeben und dort in Industriellentreifen Bropa nach unwidersprochen gebliebenen Meldungen nach dem ganda für jene privattapitalistische" Lösung gemacht, die einer Expropriation des preußischen und des bayerischen Staates und einer Entnatio nalisierung deutscher Bodensch äße gleich kommt. Im Gegensatz zu den nationalen" Kreisen, die bei jeder Aufdeckung staatsfeindlicher Umtriebe durch bewaffnete Geheimverbände nach dem Oberreichsanwalt gegen die Enthüller rufen, pflegen wir bei dem Gebrauch des Ausdrucks ,, Landesverrat" sehr vorsichtig zu sein. Hier aber müssen wir doch die Frage aufwerfen: Gibt es für das Verhalten jener deutschen Industriellen einen anderen Ausdruck als an desperrat? Arbeit wächst langsam zu. 65 000 Hauptunterfühte weniger. Ju der Berichtswoche vom 10. bis 15. März ging die 3ahl der Hauptunterstütungsempfänger um rund 50 000 auf 2 313 000 personen zurüd. Damit haben sich die Hauptunterfühungsempfänger in der ersten Hälfte des März um 65 000 perfonen verringert. 3n der gleichen Zeit des vergangenen Jahres vollzog sich die Erleichterung des Arbeitsmarktes in weitaus schnellerem Tempo, denn vom 1. bis 15. März 1929 fanden bereits 120 000 Hauptunterflüßungsempfänger wieder Arbeit. Daß der Saisonauffchwung in diesem Frühjahr durch die Verschlechterung der Konjunttur start behindert wird, bewest die Feststellung der Reichsanftalt, daß sich auch in der letzten Woche die Zahl der krisen unterstüßten noch um etwa 2000 personen erhöht hat. Es werden also noch durchgreifende Maßnahmen erforderlich sein, um die zum Teil willkürlich gedroffelte konjunktur und insbesondere die Bautätigkeit mit Erfolg anzufurbeln. Herr Frid ist Nationalsozialist. Er hat aus seiner Gegrube gemacht. Er ist wegen Beteiligung am Hochverrat nach dem Hitler- Butsch zu 15 Monaten Festung verurteilt morden. Im Disziplinarverfahren wurde er freigesprochen. Die Presse der Bayerischen Volkspartei hat das vor ein paar Monaten ein ,, unbegreifliches Fehlurteil" genannt aber dies unbegreifliche Fehlurteil war die Eselsbrücke, die Herrn Frick zum thüringischen Innenministerium verhalf. Das neue Republitschußgesez wird in den ringen würde in der Hand des Herrn Frid liegen. Herr nächsten Tagen in Kraft treten. Seine Ausführung in Thü www rid hat seine Berufung dazu durch die folgenden Worte dargetan, die er am 27. Januar 1928 im Plenum des Reichstags sprach: Man ,, Bon höheren Gesichtspunkten, vom Schicksal des gesamten deutschen Volkes aus gesehen, wiegt übrigens die Schild der Erzberger- Mörder feberleicht gegenüber dem weltgeschichtlichen Verbrechen der Erzberger, Rathenau und anderen neuen deutschen Staatsmännern. wird zugeben müssen, daß diese sogenannten deutschen Staatsmänner das deutsche Bolt wehrlos gemacht und unseren Feinden und dem internationalen Finanzkapital zum Fraße vorgeworfen haben. Ich darf mir fonstatieren, daß diese sogenannten Staatsmänner Millionen von Deutschen auf dem Gewissen haben, jene aber nur einen." 3m unmittelbaren Anschluß an dies Befenninis erfolgte der Ruf zum Sturz der Weimarer Berfassung. Ein Katalog von Reden des Herrn Frid im Reichstag, in denen er systematisch die Verfassung herabsetzte und beschimpfte, ließe fich anschließen. Dieser Mann follte mit Hilfe des neuen Gesezes die Republik schüßen? Es wäre eine lächerliche Komödie. Wer wahrhaft die Republik schützen will, muß Herrn Frid schleunigst aus der Thüringer Regierung, entfernen. daß er seine ministertätigkeit nach national Herr Frid hat gestern im Thüringer Landtag erklärt, Daß er seine Ministertätigkeit nach national103ialistischen Grundsägen ausüben werde. leber das Wesen dieser Grundsäße ist kein Zweifel. Im Laufe des letzten Halbjahres hat der Führer der Nationalsozialisten, Hitler, prononciert ausgesprochen, daß seine Partei die Berfassung von Weimar nicht als rechtsverbindlich anertenne. Am 12. März 1930 gab der Nationalsozialist Straßer im Reichstag die folgende formulierte Erklärung ab: ,, Wir werden vor dem Staatsgerichtshof des neuen Reichs die Röpfe derjenigen fordern, die die Young- Geseze in vollkommener Mißachtung der deutschen Lebensnotwendigkeiten unterzeichnen werden." Abgeordnete, unter ihnen Herr Frid, mehrfach im ReichsDiese Erklärung wiederholt, was nationalsozialistische tag proflamiert haben. Also: Sturz der Verfassung, Hinrichtung von Reichsministern und Reichspräsident? Herr Frid und seine Freunde haben erklärt, daß sie Thüringen Frick und seine Freunde haben erklärt, daß sie Thüringen zu einem nationalsozialistischen Kraftzentrum zu machen geAlso zu einem Zentrum des Hochdenken. verrats. Den Grundsäzen entsprechen die Taten. Die Partei des Herrn Frid rühmt sich, daß sie die Reichswehr für den Hochverrat zu gewinnen suche. Reichswehroffiziere, die mit ihr tonspirierten, sind verhaftet worden. Herr Frick begünstigt die nationalsozialistischen Organisationen. Die bisherigen Taten des Herrn Frid in Thüringen liegen auf der Linie der nationalsozialistischen Taktik. Das Ziel: Thüringen das nächste Butschzentrum! Aber wozu noch Beweise für das, was jeder in Deutschland weiß und was Herr Frid gar nicht bestreitet! Herr Frid ist Polizeiminister in Thüringen, und das ist so, als wenn man Herrn Hitler zum Minister des Innern in Preußen oder gar Herr Ludendorff zum Reichswehrminister machen wollte. Herr Frid hat folgerecht begonnen, die thüringische Polizei mit seinem Geiste und seinen Leuten zu erfüllen wozu hat man ihm auch diese Chance gegeben! Es ist noch nichts passiert, was eine Parallele zu den Münchener Vorgängen von 1923 wäre aber soll erst etwas passieren? schistenhände geben, die Polizei einem Hochverräter ausDen Schutz der republikanischen Verfassung in Putliefern wer das duldet, der begünstigt den Hochverrat! Im Jahre 1923 faßen die Kommunisten in der fächsischen Regierung. Sie hatten den Posten eines Finanzministers aitb eines Ministerialdirektors in der Staatskanzlei. Ihre putschistische Vorbelastung war nicht stärker yls die der Nationalsozialisten' von heute, ihre Grundsätze.- und Er- klärungen und Taten. nicht wehr und nicht.weniger hochver- räterisch als die der Partei des Herrn Frick. Nur, das Herr Frick gleich an der richtigen Stelle sitzt: er ist Polizei- minister. Gegen die sächsischen Kommunisten führte Herr Stresemänn die Reichsexekutive durch— was dem Linksputschisten Brandler damals recht war, ist heute dem Rechtsputschisten Frick billig. Et braucht keine prinzipielle Frage zu sein, ob Kom- munisten und Nationalsozialisten leitende Posten in der Der- waltung von Ländern einnehmen dürfen oder nicht— warum sollen sie nicht in Verwaltungsfragen Fähigkeit oder Unfähigkeit offenbaren dürfen? Aber hier, wo eine Hoheitsverwaltung, wo die Polizei, das Macht- mittel des Staates, einem offenkundigen Putschisten und Feind der Verfassung in die Hand gespielt worden ist, han- delt es sich nicht um Theorie, sondern um einen höchst prak- tischen Einzelfall. Es handelt sich um Vorbereitung des Hochverrats gegen die republikanische demokra- tische Verfassung von Weimar. Diese Episode des Putschisten als Polizeiminister hat schon zu lange gedauert! In Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler und dem Reichswehrmini st er hat der Reichsminister des Innern einen« r st en n o t w e n- digen Schritt gegen den Putschisten als Minister unter- nommen. Dieser Schritt— schon längst fällig— ist not- wendig geworden, well die Deutsche Voltspartei Herrn Frick immer noch unterstützt, trotz seiner bisherigen Täten und trotz der Brüskierung, die sie von ihm erfahren hat. Die Deutsche Dolkspartei in Thüringen hat vor der Vergangenheit und den putschistischen Qualitäten des Herrn Frick fest beide Augen verschlossen. Sie hat vergessen� daß Herr Frick sich kurze Zeit, bevor er in Thüringen Minister wurde, wie folgt über sie geäußert hat: „Gute gesellschaftliche Rücksichten auf Anhänger der Stresemänn- Partei haben anscheinend«Ine allgemeine verständliche Fassung des § 4 verhindert, während wir Nationalsozialisten auch eine gesell- schaftliche Aechtung der Stresemänner ob Ihres ungeheuerlichen Verhaltens am deutschen Volke für ganz selbstverständlich erachten." Jede? kompromittiert sich mit wem es ihm beliebt! Aber eine Partei, die Wert darauf legt, sich eine V e r f a sf u n g s- partei zu nennen, sollte von sich a us den unmöglichen Zuständen in Thüringen ein Ende machen. In welche Si- tuation gerät sie, wenn in Thüringen und von Thüringen aus ein putschistisches Experiment im Zeichen des Haken- kreuzet versucht werden würde? Ist denn die Rolle, die die Bayerische Volkspartei zur Zeit des Hitler-Putsches gespielt hat, irgendwie verlockend? Das Reich wird gezwungen, weitere undernstere Maßnahmen zu ergreifen, wenn Herr Frick nicht dem- nächst von der Spitze des Thüringer Innenministeriums oer- schwindet. Diese Maßnahmen sind zum Schutze- d er Verfassung, zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung notwendig. Das Land Thüringen, dessen Finanzen in katastrophaler Unordnung sind, bedarf dringend der Ruhe und nicht nationalsozialistischer Kraftmeierei und Putschspielerei— und das Reich nicht minder! Grsie Lesung beendet. Bor 40 Jahren. 20. März 1890: R smarcks Entlassung. Der Tag vor vierzig Iahren. an dem Bismarck von Wilhelm II. verabschiedet wurde, gilt uns noch immer und mit Recht als ein großer Tag in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie. Denn der eiserne Kanzler, der Sieger über Oesterreich und Frankreich, verließ den Schau- plag als Geschlagener, geschlagen von der jungen Arbeiter- bewegung, die er vergebens durch das Sozialistengesetz zu -vernichten versucht hatte. Wilhelm II. brauchte den Sturz Bismarcks, um fein kaiserliches Selbstbewußtsein au befriedigen: in welchem Maße aber sich durch denselben Akt das Selbstbewußtsein der jungen Sozialdemokratischen Partei hob und wie ihr Ansehen in allen Kreisen stieg— davon kann sich nur der eine Borstellung machen, der jenen geschicht- lichen Vorgang denkend miterlebt hat. So sah der 20. März 1800 zwei Siegpr: Wllhelm II. und die deutsche Sozialdemokratie. Welcher von diesen beiden sich als ausdauernder erwies, lehrt die Geschichte. Wilhelm II. sitzt als Abgedankter im Ausland, Nachfolger Bismarcks in der Reichstanzlerfchaft wie der preußischen Ministerpräsident» schaft sind zwei Sozialdemokralen: Hermann Müller und Otto Braun. Heute klingt uns die Geschichte von Bismarcks Entlassung wie ein Märchen aus uralten Zeiten. Manche sehnen sich nach ihnen zurück, doch werden sie ebensowenig zurückkehren wie die Zeiten Barbarossas oder Karls des Großen. Und schließlich: ist die Zeit wirtlich so beneidenswert, in der ein neurasthenifcher Jüngling einen alten Mann von der Be- deutung Bismarcks einfach wegjagen und ihn mit einem Schlage aller politischen Wirkungsmöglichteiten berauben konnte, und in der sich dies alles, obgleich es für die Zukunft des Volkes von höchster Bedeütuna war,- abspielen konnte im Dunkel der Kabinette? Andere wieder bekennen sich zu der geistreichen Theorie: Monarchie und Republik. Bismarck und Müller-Seve- ring, das fei Jacke wie Hofe, und eigsnllich fei alles beim> alten geblieben. Das ist, die Theorie der politischen Klein- kindör, die noch keinen Geschichtsunterricht- genossen, und der s Greise, die. ihr Leben verschlafen haben. Wahrheit ist, daß, kaum jemals in der Geschichte in einem Zeitraum von nur vier Jahrzehnten so ungeheure Veränderungen vor sich gegangen sind wie in der Zeit von Bismarcks Eni- lassung bis heute. Diese Veränderungen bedeuten für die deutsche sozial- demokratische Arbeiterbewegung nicht Abschluß und Voll- endung. wohl aber einen ganz gewaltigen Fortschritt. Von Bismarcks Entlassung bis zur entscheidenden Tellnahme der Sozialdemokratie an der Regierungsmacht geht ein gerader Weg. Er ist noch nicht zu Ende, wir wollen ihn weiter gehen! In der gestrigen Steuer- und Zolldebatt« des Reichstags, deren Beginn schon in der Abendausgabe zu lesen war, sprach weiter Abg. Dr. Reubauer(Komm.) natürlich gegen die Soziatdemv- kratie. Dann sagt er: Der Reichssinanzmimster bezieht als Auf. stchtsrotsmitglied des I. G Farbentrusts ein arbeitsloses Einkommen von 40000 M. im Jahre, mit seinem Ministergehalt, seinen Abge- ordnetendiäten und anderem zusammen 100 000 M. jährlich:«r ist Interessent der deutschen Chemieindustrie. Der vorgeschlagene Benzol- und Venzlnzoll soll dem Reich 60 Millionen bringen, macht aber den deutschen Benzolproduzenlen ein Geschenk von 25 Millionen im Jahr, wovon 10 Millionen auf den Farben- trvst entfallen. Interessenten sind auch die Abgg. Dr. Hummel(Dem.) und Dr. Kalle(D. Vp.). Di« sozialdemokratischen Ministor predigen, die müsse gefordert das Kapital steueriich geschont Die Statistik beweist, daß die Industriekonzerne riesige Kapitalbildung iMMM! Die,". JWWW._____. Kapitalien aufhäufen und Milliarden ins Ausländ gebracht haben. Der Sozialdemokrat Seydewitz gesteht im„Sachsischen Volks- blatt" offen ein, daß die deutsche Bourgeoisie setzt dabei sei, in Deutschland eine Faschistendiktatur einzuführen mit sozialdcmo- kratischer Hilfe. Reichsfinanzminister Or. Moldenhauer: Dem, Reichskabinett liegt,«in Gesetz vor über ein« Abgabe von der inländischen Benzolpro duktion. Selbstverständlich habe ich bei llebernahme meines Minister- amie» sofort meinen Aufsichisraisposten bei 3. G. Farben niedergelegt, und zwischen dieser Gesellschaft und mir bestehen keinerlei finanzielle Beziehungen mehr. Das ist für«inen Minister selbstverständlich, und es ist nur bedauer- iich, daß man bei solchen Anlässen genötigt ist, noch einmal hervor- zuHeben,-daß man als anstänöiger Mensch das Selbstverständliche getan- hat.(Lebhafte Zustimmung.) Abg. Colosser(SBirtschp); Der Mte, Kranke, Siech« muh unterstützt werden, aber wir sind schon in dem Stadium der Sozial- Versicherung, wo Vernunft Unsinn und Wohltat Plage wird.(Zu- stimmung der Wirtschaftspartei.) Der notleidend« Reichshausholt kann da nicht noch Geld hinempumpen. Die Wirtschaft kann die immerfort steigenden Soziallasten nickst tragen; sie haben nur wieder Teuerung und Gehaltsstelgerung im Gefolge. Die fehlenden 300 Millionen könnten auch anders aufgebracht werden, als durch Steuer- «rhöhungen. Der Hansabünd verweist auf das 1700- Millionen- vermögen der 3nvalldenversscherung, die könnte auch beitragen, der Rot de» Reiches abzuhelfen. Sparen ist die Parole, und Reform der Sozialoersicherung.(Beifall der Wirtschastspartei.) Abg. Keil(Soz.): Es ist komisch, wenn onsaerechnel ein Vertroler der Wirtschasts- Partei die Arbeiterklasse und die sozialdemokratisch« Part« an das Verantwortungsgefühl mahnt Wo wäre die Wirtschastspartei und diejenigen, die hinter ihr stehen, wenn die Sozialdemokratisch« Partei nicht in den schwersten Iahren der deutschen Geschichte stet, in die Bresche gesprungen wäre, wo die Not am größten war, und wo die Wirtschastspartei keinerlei Verantwortung übernommen hat.(An- dauerndes Geschrei der Wirtschaftsportei.) Auch die Arbetterfr«und- lichkeit des deutschnationalen Redners war komisch, wenn man erinnert, wie wenig Verständnis für die Arbeiterinteresien sonst dieser Partei anzutreten-siti Grundfalsch ist d!e Behauptung, daß wir den Arbeitern gesagt hätten, si« würden von den Reparatioaslasteu freibleiben. Ich bitte, uns auch nur eine solche Aeußerung vorzulegen! Herr Rademacher hat uns auch llnwahrhaftigkeit vorgeworfen, und dos tut der Redner einer Partei, die ihren Anhängern oerschweicck, daß der Voung-Plan die Belastung Deutschlands in den ersten Jahren um 700 Millionen jährlich verringert, und daß ein Erfolg des Kampfes gegen den Doung-Plan die furchtbarste Krise über unsere ganze Wirtschaft verhängen würde.(Sehr wahr links.) Dann hat er noch gefragt, wo das Dezemberprogramm der Relchsregterung geblieben sei. Ja, weiß er denn nicht, daß seither die Reichssteuer tun, um«ine Wiederholung einer solchen Katastrophe zu oerhindern Wenn das Etotsjahr 1930 trotz der Reparationserleichterung dem deutschen Volk die Enttäuschung bringt, daß statt der in Aussicht gestellten Steuersenkung zunächst ein« steuerliche Mehr- beloslunq eintritt, so ist daß außer den erwähnten Momenten auch auf die falsche Finanzpolitik der letzten Jahre zurückzuführen. Wir haben gegen die Erweckung phantastischer Hoffnungen aus Steuersenkung ichon beim Dezemberprogramm stark« Vorbehalte gemacht. Jlirsere Zweifel haben sich als vollkommen berechtigt, erwiesen. Schon im Januar d. I. hat der Reichsfinanz- minister sich genötigt gesehen, zu erklären, daß das Dezember- Programm nach Tempo und Ausmaß Aenderungen erfahren müsse, und daß die Sanierung der Reichsfinanzen der Steuersenkung vor- angehen müsse. Dieser Erklärung haben wir ohne Einschränkung zugestimmt. Auch wir wünschen eine Steuersenkung, aber bevor sie in Angriff genommen wird, müssen die Voraussetzungen dafür gegeben sein., Die deutsche Steuerbelastung ist gewiß sehr schwer, aber das ist keiu wunder, da wir den größten Krieg der Wellgeschichte verloren uad die größte Kriegsentschädigung aller Zellen zu tragen haben. Steuersenkung auf Kosten der ordnungsmäßigen Etatsgebarung wäre der schwerste Fehler. Die Sanierung der Reichskasi« und die Tilgung der schwebenden Schulden wird den öffentlichen Kapstal- markt erleichtern und die Rachfrage nach Kapital unter günstigeren Bedingungen zu decken ermöglichen. Damit wird den Interessen der Gesamtwirtschast ungleich mehr gegeben, als wenn phantastisch« Hqffnungen aus Steuersenkung erweckt werden.(Lebhafte Zustim« muna der Soz.), Während der Rede des Finanzministers hat Graf Westarp den Zuruf i l f e r d i iz o- P l e i t e" gemacht. Draußen wird mit Behauptungen ähnlicher. Art und von. sozialdemokratischer Mißwirt- � schaft Stimmung gegen unser« Partei zu inachen versucht. Nun, der .'«tzige Fraktionsoorsitzende der Deutschnationalen. Dr. Ober- fahren, hat bei der vorjährigen Etateberatung di« Parote aus- gegeben, mit einem offenen Defizit abzuschlleßen. Was wäre das erst für eine Westaro-Pleite geworden!(Sehr gut! links.) Trotzdem aber ist es im Vorjahre gelumjen, neue Einnahmen von 120 Millionen zu erschließen und echte Streichungen von etwa 100 Millionen vorzunehmen, also die Finanzlag« d«s Reiches um mehr als 200 Millionen zu verbessern Wenn trotzdem Schwierigkeiten entstanden und bestehende Schwierigkeiten größer geworden sind, so hat die deulschnatlonale Fraktion kein Recht. AnNagen zu erheben. Als sie maßgebend« Regierungspartei waren, fest 10Z.Z haben wir Nicht einen einzigen, nach den Vorschriften der Haushaltsordnung in sich, ausgeglichenen Etat verabschiedet. Der einzige Etat, der inner- ltch ausgeglichen war, und, noch einen erheblichen Ueberschuß hatte. w� der Etat von 1024. Finanzminister v. Schlieben war 1925 eifrig besorgt, für di« Ausbringung der Reparattonslasten zu sorgen, damit auch, wenn sie 1920 chr höchstes Maß erreichen würden, Deckung vorhanden sei. Wären seine Nachfolger dabei, geblieben, so würden wir in diese Schwierigkeiten nicht hmeingekommen sein. (Sehr wahr!) Der erste versuch sei« 1924. einen Itinettich balancierten Etat aufzustellen, ist 1929 von hilserding gemacht worden. Daß dieser Versuch nicht vollkommen gelungen ist. liegt an der ab- lehnenden Haltung der Parteien, die sich seinen Steueroorschlägen widersetzten. Dadurch sind die enorm angewachsenen Fehlbeträge entstanden, hinzu kam die Arbeitslosigkeit und die Berpstichtung, 450 Millionen Schulden aus lausenden Mitteln zu dechen. Auch ist das Etatsdesizst von 154 Millionen aus dem Jahre 1028 noch vor- ha»rden. Vermehrung der Steuereinnahmen tst somit unabweiclich. jedoch könnten wir sie uns viel einfacher und sozial gerechter vor- stellen, als die Regierung sie vorschlägt. Unser Vlau. einen einmaligen Zuschlag zur Einkommensteuer eiuzujühren, hätte die Lasten gerecht und g!c>u)mäßig nach der Öeistuagssähigkelt der Sleuerpflichtlgeu verteilt; er trug den Charakter eines vorübergehenden Notopfers und hätte im nächsten Jahr wieder aufgehoben werden können. Di« bretten Dolksmasicn und auch der Reichspräsident haben diesem Plan zu- gestimml. Er hat aber bei den anderen Mehrheitsparteien keinen Anklang gefunden. Auch wir hoffen, daß die notwendig« Steuersenkung. in abseh- barer Zeit kommt. Aber wir raten davon ob. angesichts der wechselnden Verhältnisse, sich heute schon daraus festzulegen. Kapital- bildung ist bei der Kapitalnot und dem Geldverlust infolge von Krieg und Inflation in Höhe von vielleicht 15» Milliarden not- wendig für die Wirtschost. Aber nur keine übertriebene Hoffnungen, daß jeder Pfennig Steuersenkung der Kapitalbildung zugute kam«. Vergessen Sie nicht die gewaltige Rolle, die die Kauskrazt der breiten Massen im Wirtjchastsprozeß ipielt. Es gilt vor allem, zu über- legen, ob zu ergreifenden Maßnohmen nicht�die Kaustraft und damit das ganze Wirychastsleben bedrohen,(«ehr wahr! links.) Nicht mir aus Menschlichkeit und weil es sich um unschuldige Opser des kapitalistischen Wirlschaftssnftems handelt, sondern auch aus allgemein wirtjchastspolitiichen Gründen dürfen di« sozialpolitischen Leistungen nicht verringert werden. Andernfalls würde die Konsum- fähigkeit und Kauskrast der Massen eingeschränkt und die Wirtschasts- not nur noch gesteigert werden. � Wir werden im Ausschuß sorgfältig aus den Schutz der Ver- braucherschast bedacht zu sein haben. Unser Leitstern wird heute und künttig sein, daß ohne tauskrästig« Veobraucherschaft und ohne leistungssähige Arbeiterschaft es keinen Ausstieg der deutschen Witt- schaft geben kann.(Lebhafter Beifall der Soz.) Abg. Dr. Fähr(Z.): Di« Sanierung ist dringend notwendig: um sie parlamentarisch vorzunehmen, ist schnell« Erledigung er- forderlich. Erst danach kann an Steuersenkungen gedacht werden. Abg. Dr. Eremer(D Vp.): Erst wenn durch Beschränkung der Ausgaben und erhebliche Steuersenkung die Wirtschast neu angekurbelt ist, kann di« finanzielle Gesundung von Reich. Ländern und Gemeinden eintreten. Es ist ein« Schwäche der jetzigen Vorlage. daß sie bestimmte Teil« des Hilferdmgscheu Steuersenkungs- Programms nicht enthält.._. Abg. Dr. Reinhold(Dem.): Wr sind bereit, die Sanlerungs. maßnahmen zu beschließen, hasten aber entschieden an. der Steuer- senkung fest. Abg, v. Sybel(ßchr.-rnrf.): Der Minister hat sich persönlich ver- teidigt. Unsere Kritik sst nicht persönlich, wir bekämpfen da» ganz» System. Die Bauern müssen nur deshalb Reichshilfe oerlangen, weil man ihnen das Recht aus Existenz genommen hat. Di« land- wirtschaftlichen Organisationen bemühen sich, die groß« Erregung ihrer Mitglieder zu mäßigen. Bei dem jetzigen Ausmaß der Rot wird es uns nicht möglich sein, dies« Politik lange fortzusetzen. Abg Dr Horlachcr(Sayar.Bp.) betont die Notwendigkeit der Sanierung, bekämpft scharf die Biersteuererhöhung fordert Abschas- sung der Kapitalertragsteuer für festverzinsliche Werte und Umsatzsteuer aus die Einfuhr.- Abg. Gandarfer(Bayer. Bauernb.) protestiert slelchfalls gegen die Biersteuervorlag«. hie die Großbrauer bevorzug« und das Ent- stehen von Konkurrenzbrauereien auch genossenschaftlicher Att ver- biet«. Er schildert die Notlage der Kleinbauern und verlangt Einfuhrsperre für Weizen und Gerste Auch di« Mineralwassersteuer ist unetträalich und trifft sogar di- Kranten, denen der Arzt ander« Getränke(gemeint ist: als Bier) vorschreibt. Der Nahrstand darf nicht zugrunde gehen.(Beifall.).. Dannt schließt die Beratung. Die Vorlagen gehe« an den Steuerausschuß. Nächste Sitzung Montag, den Z4. d. M.. 15 Uhr: Klein« Vorlagen, Zlgrarzolländerungen. Maismonopol, Kaffee- und Teezoll. Noietai�9S0. Ermächtigung bis 80 Inn, 1980. Infolge der Verzögerung der Entscheidung über den neuen Haushaltsplan war es der Reichsregierung nicht möglich, de» Haushaltsentwurf für 1930 rechtzeitig vorzulegen. Der Entwurf ist erst am 8. März dem Reichsrat vorgelegt worden, so daß er dem Reichstag frühestens kurz vor Ostern zugehen wird, Zur Ausrechterhaltung der Reichsverwaltung und zur Erfüllung der Ausgaben des Reiches bedarf die Reichsregierung gewisser Er- mächtigungen. Dies« Ermächtigung wird in dem Entwurf e»nes Nothaushaltsgesetze, für das Rechnungsjahr 1930 angefordert. Der Entwurf sieht vor. daß die Reichsregierung in der Zeit vom 1. Apttl bis 30. Juni 1930 die notwendigen Ausgaben bis zu einem Viettel der für das Rechnungsjahr 1929 bewilligten Deträge leisten kann. Von diesen Bestimmungen' werden nur ganz wenige im Gesetzentwurf aufgezählte Aus- gaben ausgenommen. Abstimmungen im Landtag. Kurze Beratnnoepause. Di« Mittwochsitzung des Preußischen Landtages wurde in ihrer vierstündigen Dauer fast ganz mit Abstimmungen ausgefüllt. Zunächst wurde ein kommunistischer Mißtrauens- antrag gegen den Wohlfahrtsminister Hittsiefer abgelehnt. Hierauf wurden die Abstimmungen zum Handels- etat nachgeholt. Die Mehrheitspatteien setzten mit 40 Stimmen Majorität durch, daß die Ausbildungszeit-der künftigen Handel». lehrer auf sechs Semester Unioersiiätsbesuch festgelegt wurde. Hierauf wurden Grundvermögens- und Hauszins- st e u e r in zweiter Lesung genehmigt, und endlich wurde das neue Fideikommiß. Gesetz in zweiter Lesung oerabschiedet. Der Landtag macht jetzt«ine kurze Pause: er wird vor Ostern noch die drei Real steuern: Hauszinssteuer. Grund- vermögensfteuer und Gewerbesteuer erneuern und den Justiz, und Kullusetot durchberctten. Deutsch russische Gespräche. Litw.noff- Dirtien.„ Prawda"-" Vorwärts". Nach der Abreise des Außenministers Curtius von Ber..n sind, wie der Sozialdemokratische Pressedienst" zu melden weiß, die hier begonnenen Besprechungen zwischen dem deutschen Botschafter in Mostau, v. Dirkien, und dem Außenkommissar Litwin off fortgelegt worden. Dabei soll sich Herr Litwinoff besonders über den Bor. wärts" und den Sozialdemokratischen Pressedienst" beschwert haben. Wir werden uns über die Rußland- Politik des ,, Bor wärts" bei Gelegenheit noch ausführlich äußern und beschränken uns für heute auf drei Feststellungen: 1. Die Rußland- Politik des ,, Borwärts" hat sich bis zum heutigen Tage noch nie mit der Regierungspolitik in voller Übereinstimmung befunden. 2. Der Vorwärts" ist stets für ein gutes Verhältnis zu Rußland eingetreten unter der einzigen Borauslegung, daß sich Rußland nicht in die innere deutsche Politik einmischt. 3. Der Vorwärts" hat stets alle Interventionspläne mit derselben Konsequenz bekämpft wie ihr lächerliches Gegenstück, die nationalbolschewistischen Bündnisphantasien. Friedr Engels Das Zeichen des Verra's. Der Landtagsabg R hbein wurde, as er das Grab' ei es Batus besuchte, von Kommunisten ni dergeschlagen und schwer veriegt. Rebbe u Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren' XIEW X Er ehrt das Andenken seines Vaters. Ein Zeichen feines Berrats, da wir Kommunisten das Andenken unserer Väter besudeln!" Arbeiterpartei/ Fraktionsdisziplin. Nach einer Meldung des Taß", des offiziösen russischen Tele raphenbüros, halten die swestija" die Antwort des Reichsaußenministers Curtius auf die demokratische Anfrage im Reichstage für ungenügend und unklar. Das Blatt bemerkt: Es ist jetzt mehr denn je notwendig, daß die deutsche Regierung sich eindeutig über ihre Haltung äußere, die sie wahren werde." Die Bramba" erflärt angesichts der in der deutschen Presse verbreiteten Gerüchte über angeblich bevorstehende Berhandlungen über die Fragen der Tätigfeit der Komintern und der Anpassung der Wirtschaftsverträge an die gegenwärtige Situation, daß die Sowjetregierung bisher niemals irgendwelche Verhandlungen über die Tätigkeit der Komintern gepflogen habe und auch fernerhin nicht pflegen werde. Ebenso unverständlich sei es, welche politischen und wirtschaftlichen Aenderungen in der Sowjetsituation der deutschen Regierung die Revision der bestehenden Wirtschaftsverträge diftieren. Das Blatt erklärt, falls Deutschland auf dem Boden der Sowjetökonomie gestanden und nicht auf eine tapitalistische Restauration gehofft habe, müsse die gegenwärtige Situation als innere Angelegen deutsche Regierung dem Beispiel Hendersons folgen und von einer Identität der Komintern mit der Sowjetregierung London, 19. Märj.( Eigenbericht.) sprechen wollen, so würde ein derartiger Schritt als Uebergang Deutschlands zur offen feindseligen Haltung mit der Frage der Partel. 63w. Frattionsdifsiplin. Die Fraktion der Arbeiterpartel beschäftigte fich am Mittwoch gegenüber der Sowjetunion gewertet werden. Wer die Identität der Komintern mit der russischen Re- die durch das selbständige Borgehen der unter Führung Martons gierung leugnet, der nimmt eine offen feindselige Haltung" flehenden Clyde- Gruppe in ernste Gefahr geraten ist. gegen die Wahrheit ein. Die„ Pramda" stellt also die deutsche Regierung vor die Wahl, entweder die offenkundige Wahrheit zu verleugnen oder sich zu einer Feindin der Sowjetunion" erklären zu laffen so wie das der englischen Arbeiterregierung passiert ist, obwohl sich diese im Gegensaz zu ihrer fonservativen Vorgängerin um die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen ehrlich bis zur Selbstaufopferung bemüht hat. Nun braucht die deutsche Koalitionsregie rung nicht den Ehrgeiz haben, bolichemiſtenfreundlicher zu ericheinen als die englische Arbeiterregierung. Die Sozialfa demokratische Bartet Deutschlands wenigstens hat sich längst mit den Tatsachen abgefunden: Bannflüche aus Mos fau laffen fie pöllig talt. heit ber Sowjetregierung betrachtet werden. Sollte die Neuer Vorstoß der schottischen Rebellen/ Heftige Debatte in der Unterhausfraktion KPD. Taftif. Kommuniffen verschwinden- Mitläufer erhalten Siebe. Dresden, 19. März.( Eigenbericht.) Die Hälfte der bei den jüngsten Dresdner Unruhen ver hafteten Personen sind nach den Feststellungen der Polizei Leute, die schon wegen gemeiner Berbrechen oder Bergehen Dorbestraft find. Betannte Kommunisten murden auch bei den Dresdener Unruhen von der Polizei nicht gefaßt. Dieses Rätsel findet jeine Lösung durch eine Mitteilung der Dresdener Bolts. zeitung", nach der sich der 28 Jahre alte tommunistische Funktio när Dstar Hennig, der zweimal zu Kursen in Rußland weilte, wie folgt geäußert hat: Bon unseren Beuten gerät teiner in die Hände der Polizei. Durch ein Rundschreiben der Bartet ist allen Mitgliedern der KPD. befohlen, sich bei 3sammenstoßen mit der Polizei sofort aus den Demon ftrationszügen zurüdzuziehen und zu verschwinden." Als Opfer der KPD.- Tattit sind also die unorganisierten Erwerbs. lofen von der kommunistischen Führung ausersehen. Knallfrösche gegen Kirchenprotest. Unmittelbaren Anlaß zu der Auseinandersehung gab die Unterhausdebatte vom Dienstag über den Etat des Luftministe. riums, in deren Verlauf die schottischen Rebellen, unterstützt von einigen anderen Abgeordneten( darunter einem Sohn des ehemaligen fonservativen Ministerpräsidenten Baldwin) einen Antrag einbrachten, der eine fofortige Abschaffung der Luftflotte forderte. Wie der Fraktionsvorsitzende Snell betonte, haben sich die Antragsteller mit diesem Berbesserungsantrag und einem ähnlichen Antrag, der sich auf die Bewaffnung zu Lande bezieht, in Gegen 3um Parteiprogramm gestellt, das die Abrüstung auf Grund elues Internationalen Abtommens fordert. Ju der Diskussion ertlärte der intellektuelle Ucheber der Oppofifionspolitik, Wheatley, daß die englische Gewohnheit der Alleinverantwortlichkeit des Sabinells unvereinbar fel mit der Politit einer Urbeiterpartei, die der Partei oberftes Befflmmungsrecht über die Politik einräumt. Henderson wandte sich mit scharfen Worten gegen die Politit der Opposition. Die Arbeiten der Regierung, so befoute er, würden durch die Obffruffion einer Minderheit erschwert, die fich nicht scheue, ihrer Krifit öffentlich in Zeitungen Ausdruck zu verleihen.& ritit müffe innerhalb der Partei ausSchulleiter gegen Frid. Eine Erklärung der Weimarer Direttoren. Weimar, 19. März( Eigenbericht.) Frid ftößt in allen Schichten der thüringischen Bevölkerung Die ministerielle Tätigkeit des Putschisten mehr und mehr auf Widerstand. An der Spize biefer Widerstandsaktion marschiert zunächst die höhere thüringische Der Presseberichterstatter Paul Kießling ist inzwischen ein Lehrerschaft, die sich fast ausschließlich aus rechts eingestell= Opfer der Dresdener Unruhen geworden. Er erhielt beiten Persönlichkeiten zusammenfeßt. Am Mittwoch sind zu der Ausübung seiner Berichterstattertätigkeit von einem Polizei- nächst die Weimarer Schuldirektoren mit einer Er beamten im Gedränge einen Hieb mit dem Gummifnüppel. Da flärung gegen die Regierungsmethoden des Butschiften Frid vor die Riebling zudertrant war, ist er den Folgen dieser Berlegungen einen außerordentlich starken Eindruck gemacht haben soll. Die Kießling zudertrant war, ist er den Folgen dieser Verlegungen Deffentlichkeit getreten, die auch innerhalb der Regierungsparteien erlegen. Direktoren wenden sich vor allem gegen die Beteiligung von Schülern an rechtsrabitalen Straßenfund. gebungen und beziehen sich in erster Linie auf eine Rundgebung der Hitler- Jugend gegen den Young- Blan am vergangenen Sonntag in Weimar. Börtlich heißt es dann in der Erklärung weiter: Der Aufruf zu der Rundgebung war mit an erster Stelle von der Hitler Jugend und dem. Nationalsozialistischen Studentenbund, also ausgesprochen parteipolitischen Organifationen, unterschrieben. Da§ 26 2bfat I der staatlichen Schulordnung die Teilnahme an Veranstaltungen parteipolitischer Ver einigungen ausbrüdlich nur den wahlberechtigten Schülern geftattet, hatten wir nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, unsere Schüler vor der Verlegung der vom Boltsbildungsministerium erst türzlich wieder als rechtsfräftig anerkannten Bestimmungen des $ 26 2bjazz I zu behüten. 3w schenfälle in einer Versammlung. Prag, 19. März. Die für Dienstagabend von der tschechisch- katholischen Arbeiterorganisation einberufene Bersammlung gegen die Kirchenpolitit der Sowjetunion verlief außerordentlich stürmisch. Troß der Polizeivorbereitungen gelang es zahlreichen Kommunisten einzudringen. Sturz nach dem Erzbischof Dr. Korbatsch das Wort ergriffen hatte, rief ein nahe beim Vortragstisch stehender Mann:„ Es lebe Sowjetrußland!" Sofort wurde er von Ordnern gepackt und hinaus. gedrängt. Von der dichtbesetzten Galerie wurden Stinfbomben und knallfröfche geworfen. Der Wirrwarr murde durch das Erscheinen der Polizei noch vergrößert. Immer wieber Inallten an verschiebenen Stellen Frösche, das beinahe eine Banit hervorrief, da zahlreiche Frauen meinten, es werde geschoffen. Schließlich gelang es bem Erzbischof, feine Rede fortzusetzen. Das Paradies der Komitatfchi. Sofia, 19. März.( Eigenbericht.) Der englische, ber franzöfifche und der italienische Gesandte forderten von der bulgarischen Regierung auf Anordnung ihrer Regierungen strengste Maßnahmen gegen die mazedonischen Unruheftifter. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die von der bulgari fchen Breffe in den letzten Tagen gemeldeten Berhaftungen maze bonischer Komitatschis nicht erfolgt sind und die bulgarische Regle rung bisher feinerlei Maßnahmen gegen die mazebonischen Unruheftifter ergriffen hat. | Ein Schüler der hiesigen höheren Schule hat, nachdem das Direttorium das Berbot pertündet hatte, bem Herrn Boltsbildungs. minifter durch Vermittlung einer 3wischenstelle fofort hiervon Nachricht zukommen laffen, und dieser hat unsere Anordnung daraufhin ohne weiteres aufgehoben. Wir müssen mit größtem Ernst und mit vollem Gefühl unserer Berantwortlichkeit gegen die von uns anvertraute Jugend und deren Eltern aus sprechen, daß eine folche vor pollster Deffentlichkeit geübte Rritit unserer durch Pflicht und Gewissen gebotenen Maßnahmen die 3erstörung ber Auto. rität der Schule bedeutet. Wir sehen im Bunde mit unseren Schulkollegien alle Kraft daran, unsere Schüler zu. natio naler Gesinnung und zu staatsbürgerlichem Pflichtgefühl zu er. ziehen. Die Erfüllung unserer Aufgabe wird uns aber unmöglich gemacht, menn für unsere Amtsführung nicht mehr in erster Linie die Bedingungen der Schule, sondern die Bedürfnisse geübt werden. Die Polifit der Regierung halte sich übrigens an das Parteiprogramm. Die Fraffion beschloß, jedem Abgeordneten als Grundlage für tommende weitere Erörterungen die Parteitagsbeschläffe von 1929 über Parteidisziplin überreichen zu laffen. Unmögliche Kompromißformeln. Um die Parität" zwischen Frankreich und 3talien. London, 19. März.( Eigenbericht.) Die unfruchtbare Suche nach einer erlösenden Formel, durch die die Flottenkonferenz gerettet werben tönn e, dauert un. vermindert an. Die neueste Phase dieser Erörterungen scheint darin zu bestehen, die französisch- italienischen Schwier gleiten durch eine, nur als grotes? zu bezeichnende Auslegung des Grunt fazes der Parität zu überwinden. Nach diesen neuen Gedanken sollen die italienischen und franzöfifchen Schiffsftärten bzw. Programme durch dbition von älteren, teilweise langit unbrauchbar geworbenen Kriegsschiffen folange frisiert" merben wie man in England lagi-, bis man auf dem Papier eine Barität hergestellt hat. Bährend es Frankreich gestaltet sein soll, die alte Tonnage durch neue zu ersetzen, soll sich Italien verpflichten, die alte Schiffs. tonnage nicht zu erneuern. Es gehört feine große Prophetengabe dazu, auch diesem Gebantengang, wie viele ähnliche in den letzten Tagen, ein Begräbnis in den Aktenschränken der Konferenz innerhalb der nächsten 24 Stunden vorauszusagen. Parteipolttit wechselnder maßgebend Jein sollen, und mir sehen uns daher gezwungen, die Verantwortung für den Geist, der fünftig an den uns unterstellten Schulen herrschen wirb, abzulehnen." Groener war es selbst! Die Aufdeckung der Borfälle in der Reichew hr. In der Presse ist eine Nachricht verbreitet worden, daß nicht der Reichswehrminister, sondern der Reichsminister des Innern als erster von den Versuchen der jezt verhafteten jungen Offiziere, sich im nationalsozialistischen Sinne zu betätigen, Tatsächlich ist die Meldung von diesen Vorgängen aus der Kenntnis bekommen habe. Diese Nachricht ist vollkommen unrichtig. Truppe an die zuständigen Borgelegten gegangen und von diesen auf dem schnellsten Wege dem Chef H. L. und dem Reichswehrminifter weitergegeben worden. Nach einer ersten internen Untersuchung hat der Reichswehrminister die Angelegenheit dem Dberreichsanwalt übergeben. Der Oberreichsanwalt hat dann erst dem Reichsminister der Justiz von dem Sachverhalt Kenntnis ge geben. Der Reichsinnenminister hat erst durch diesen Einsicht in die. Atten bekommen. Die Agrarvorlagen im Reichstag. Roch weitergehende Anträge der Grünen Front. Die Intiatipgefeße der Regierungsparteien über die 3plländerungen bei Beizen, Hafer, Gerste, Kartoffeln, Mehl, Kleie, Buder und Mais find im Reichstag entsprechend der gestern er. zielten Verständigung eingebracht worden. Im Wirtschafts. teil geben wir eine eingehende Darstellung und Kritik der neuen Bläne, bei deren Ausarbeitung die Sozialdemokratie den Schuß der Berbraucher besonders in den Vordergund stellte. Die Deutschnationalen und auch bie Bauern gruppen haben erheblich weitergehente Gefegesanträge gestellt. leber fämtliche Gefeßentwürfe wird im Reichstag wohl schon in der nächsten Woche entschieden werden. Während der Gerichtsverhandlungen gegen den Bürgermeister von Kalfutia, Sengupta in Rangoon. wurden vor dem Justiz gebäude allerlet Gegenstände auf die Polizei geworfen; mehr als hundert Bersonen, barunter 30 Bolizeibeamte und eine angesehene indische Persönlichkeit, wurden verlegt. Erst Militärpolizei zer streute die Menge. Die ganze Wirtschaft. er Arbeitgeber berichtet: Gegen das Berufsausbildungsgesetz. Die wirtschaftlichen und sozialen Spigen verbände der chen Induſtrie, die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberperbände, der Reichsverband des Deutschen Handwerks, der Deutsche Handwerfs- und Gewerbekammertag und der Deutsche Industrie- und Handelstag haben eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in welcher sie zu dem gegenwärtig zur Berhandlung stehenden Entwurfe eines Berufsausbildungsgefezes Stellung nehmen und entiprechende Anträge zu den einzelnen Bestimmungen des Entwurfs cutfchen Wirtschaft, nämlich der Reichsverband der Deutftellen. Anlaß zu der Stellungnahme bot, abgesehen von den grund fäglichen Bedenken dagegen, daß im gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt eine derartige auch organisatorisch schwierige Aufgabe in Angriff genommen wird, die Tatsache, daß der Reichsrat und die Reichsregierung den begründeten Abänderungsvorschlägen der Wirtschaft und auch den Vorschlägen des Vorläufigen Reichs wirtschaftsrats in wesentlichen Punkten nicht Rechnung getragen haben. Insbesondere richtet sich die Eingabe gegen die Einbeziehung der Jugendlichen und dagegen, daß der Gejezzentwurf nicht genügend dem Standpunkt, daß die Berufsausbildung ein Erziehungsverhält nis und nicht ein Arbeitsverhältnis ist, Geltung verschafft. Es besteht nach dem Gesezzentwurf die Gefahr, daß das Lehrlingswesen im Bereiche wirtschaftlicher Machtfämpfe verbleibt, modurch ein wesentlicher Teil des mit dem Gesetz verknüpften Zwedes nicht erreicht würde." Also überhaupt und insbesondere. Die schwierige Aufgabe ist bekanntlich nicht erst im gegenwärtigen Zeitpunkt" unternommen, sondern seit Jahren verschleppt und nun allerdings in Angriff genommen worden. Das erscheint den gesamten Interessenten an der Ausnüßzung der jugendlichen, billigsten Arbeitshände noch stark verfrüht. Sie möchten am liebsten das bisherige Ausbeutungsverhältnis verewigt wissen und arbeiten Hand in Hand. Das lehrlingszüchtende Handwerk ist an der Erziehung" der jugendlichen Arbeiter so wenig interessiert wie etwa der Reichs verband der Deutschen Industrie an der Lehrlingszüchterei. Die beiderseitigen Interessen, die der Industriellen an der uneingeschränk. ten Berfügungsfreiheit über die jugendlichen Arbeiter, und die des deutschen Handswerks" an deren Ausnüßung als Lehrlinge führen die ganze Wirtschaft" als Interessengemeinschaft der Sozialreaktion zur weiteren Verschleppung der längst notwendigen Reform der Berufsausbildung zusammen. Die Gefahr besteht, daß es der ganzen Wirtschaft vom Schwerindustriellen bis herab zum Unternehmer mit einem Lehrling und feinem Gesellen gelingt, diese Reform zu hemmen, die sie auf die Dauer nicht verhindern fönnen. Das Vorgehen des Unternehmertums in dieser Frage zeigt deutlicher als alles andere, daß das Lehrlingswesen infolge der Lehrlingsausbeutung längst in den Bereich der Wirtschaftskämpfe mit einbezogen ist und durch die Fittion des Lehrlingshaltens als eines Erziehungsverhältnisses nicht Fittion des Lehrlingshaltens als eines Erziehungsverhältnisses nicht mehr daraus zu verdrängen ist. Selbstverständlich, daß die Gewerkschaften sich gegen diesen Bor. stoß zur Wehr sehen und die parlamentarische Erledigung des Entwurfs zum Berufsausbildungsgesetz fordern. Die Streifschutzkaffe der Unternehmer. gestellt hat, den die SBD. felber vor einigen Jahren als Spiel Der Refervefonds aufgefüllt. Der Deutsche Streifschutz e. B., Berlin W. 62, Burggrafen ftraße 11, die Entschädigungsgesellschaft der Vereinigung der Deutfchen Arbeitgeberverbände für Streitverluste, hielt seine Haupttagung am 18. März unter dem Borsiz des Generaldirektors Dr. Büren ab. Der Geschäftsbericht brachte eine Uebersicht über die Entwicklung der Gesellschaft während der 20 Jahre ihres Bestehens, aus der sich ergibt, daß der Deutsche Streifschutz gerade in den legten drei Jahren einen außergewöhnlich starken Mitgliederzuwachs gehabt hat, so daß sich die Jahresbeitragseinnahme in diesem Zeitraum verdreifacht habe. Der Abschluß für das Jahr 1929 läßt einen starten finan ziellen Aufstieg erkennen, der besonders in der Auffüllung des Reservefonds zum Ausdruck fommt. Freyer muß es wissen. Was längst stadtbekannt und gerichtsnotorisch ist. Arbelferratsvorsigender Freyer:„ Ich bestreite, daß der Landtagsabgeordnete Deter in der Betriebsversammlung der BBG.- Belegschaft am 6. Februar anwesend war." Borsigender des Arbeitsgerichts: In der„ Roten Fahne vom 7. Februar befindet sich ein Bericht über diese Berjammlung, monadh Defer hier referiert und eine Entschließung zur Annahme gebracht hat. Freyer:„ Die Rote Fahne" ist nicht maßgebend, die bringt offer Lügenberichte." Wer die Lüge als Rampfmittel behußt, muß öfter Lügenbe. richte bringen, auch auf die Gefahr hin, selbst von seinen Freunden als nicht maßgebend erklärt zu werden, wenn es um die Feststellung der Wahrheit geht. gebrandmarkt hat, ist den An- die- Wand"-Helden nicht angenehm. Das Mostaublatt weiß kein Wort dazu zu sagen und sucht fich triebsratsmitglieder zu helfen. in seiner Verlegenheit mit der Beschimpfung der organisierten BeDer bisherige Betriebsratsvorsitzende Dähne soll einen Rolle gen bei der Direktion denunziert haben. Das ist nicht wahr! Dem SPD.- Betriebsrat Kinder wird nachgesagt, er habe bei einer Kartoffelfieferung die schlechten Kartoffeln den Arbeitern gegeben, die guten aber höheren Angestellten. Auch das ist gelogen! Den Trumpf aber spielen die Moskauer gegen den Freigemertschafter Nickmann aus, was sie schon in der Ueberschrift ankündigten:„ Baltitumer SPD- Betriebsratsfandidat." Nickmann hat nie= mals irgendwelche Gemeinschaft mit den Baltikumern oder ähnlichen Gesellen gehabt, was jedoch die kommunistischen Herrschaften nicht hindert, ihn als ehemaligen Angehörigen der Baltifumtruppen, als Arbeiterschlächter zu beschimpfen. Wenn die Schultheiß- Bazenhofer- Arbeiter von Nord- West Fich durch die faustdicken tommunistischen Lügen nicht prellen lassen wollen, dann geben sie den Spikelkandidaten der KPD., den Ver leumdern und Gewerkschaftsschädlingen, diesen Elementen", bei der Wahl am Sonnabend wirklich einen Tritt, und zwar recht träffig. Die Reichsbahn spart. Auf Kosten der Arbeiter. Die Reichsbahndirektion verfügte unterm 5. März, daß auf dem Ausgabetitel 3 achthundert„ Tagewertstopfe" eingespart werden müffen. Einem Teil der 800 Mann wurde Arbeit angeboten als Zeitarbeiter in den Bahnmeistereien. Nun ist aber nicht jeder Arbeiter für den Bahnunterhaltungsdienst geeignet. Also wurden die Ungeeigneten entlassen. Dabei ist bei vielen anderen Dienst. stellen Arbeit genug. Sonst wäre es nicht möglich, daß auf Güterabfertigungen, auf denen ebenfalls mit Entlassungen vorgegangen war, die Belegschaft 25 Proz. Ueberverdienst über ihr Leistungsfoll durch Ueberstunden erreicht hat. Vom Achtstundentag ist weder im Ordnung im Hamburger Hafen. Eisenbahnbetrieb noch im Eisenbahnverkehr die Rede. Die„ Opposition" unten durch! Hamburg, 19. März.( Eigenbericht.) Die Kommunisten haben bei den Wahlen zu den Gewerkschaftsfunktionen und zu den Betriebsräten für den Hamburger Hafenbetrieb eine ich were Niederlage erlitten. In einigen Hajenarbeitergruppen, in denen sie bisher einen gewissen Anhang besaßen, haben sie nunmehr völlig aus gespielt. wurden bei den Ewerführern und Schauerleuten, den Schiffsreinigern, den Speicherarbeitern, den Kohlenbunkerleuten, den Qualarbeitern und den Lagerhausarbeitern nur kandidaten der Amsterdamer Richtung gewählt. Es steht nur noch die Wahl kleiner Gruppen, wie der Ladungskontrolleure und der Holzplatzarbeiter, aus. Sie dürften für die freien Gewerkschaffen ebenfalls günffig ausfallen. Der Hamburger Hafenbetrieb, der etwa 18 000 bis 20 000 Arbeitern Beschäftigung bietet, wird also in Zukunft organifaforisch vollkommen von den freien Gewerkschaften erfaßt werden. Kommunistischer Sieg bei der Agfa. Drei Gewerffchaftsmandate anstatt zwei. Der Sieg bei den Betriebsratswahlen in ber Agfa, Berliner Betrieb der J. G. Farbenindustrie, den die Rote Fahne" in großer Aufmachung verfündet, besteht darin, daß auf die Liste des Fabrikarbeiterverbandes im vorigen Jahre zwei Mandate entfielen, jetzt aber drei. Infolge besonderer Umstände schieden die beiden Amsterdamer Betriebsräte vor Ablauf ihrer Wahlzeit aus dem Betriebe aus, so daß der Betriebsrat der„ Gewerkschaftsopposition" das Feld ganz allein beherrschte. So tam es, daß jetzt im Wahlbureau fein Mitglied der freien Gewerkschaften vertreten war und der kommunistischen Wahlmache Tür und Tor offen stand. Die gegen den Fabrit arbeiterverband mit Hochdruck betriebene Hege, bei der insbesondere der Schwindel eine große Rolle spielte, der Verband beteilige sich als Aktionär des 3. G. Farbentrusts an der Ausbeutung der Chemiearbeiter, fonnte nicht mehr überboten werden. Die KPD. hatte den Apparat" in Händen und konnte dennoch die Gewerkschaftsliste nicht ganz beiseite schieben. Den GewerkIchaftsfeinden wird man jezt schärfer auf die Finger sehen müssen. Ichaftsfeinden wird man jetzt schärfer auf die Finger sehen müssen. Der Spitzel als KPD. Kandidat. Die Feststellung in der Dienstagausgabe des Vorwärts", zu ber sich die fre gewerkschaftlichen Kandidaten zur Betriebsratem hi in der Schultheiß Brauerei, Abteilung Stromstraße, ge zmungen sahen, daß die KPD. Opposition einen Kandidaten aufDer Bezirksbetriebsrat hat sich in seiner Bollfizung am 12. März mit der geplanten Personalverminderung befaßt und feine Auffassung in einer Entschließung niedergelegt, die besagt: ,, Der Bezirksbetriebsrat ist der Auffassung, daß die Reichsbahngesellschaft als öffentliches Unternehmen verpflichtet ist, auch in Seiten niedergehender Konjunktur Entlaffungen von Personal zu vermeiden. Wenn auch die Verwaltung versucht, die Entlassenen vermeiden. Wenn auch die Verwaltung versucht, die Entlassenen in den Bahnmeistereien unterzubringen, so besteht die Gefahr, daß diese Kollegen im Herbst zur Entlaffung tommen. Der Bezirksbetriebsrat fordert von der Reichsbahndirektion, daß bei dem in Aussicht stehenden Wiederansteigen des Verkehrs die zu den Bahnmeistereien abgegebenen Kräfte restlos wieder ihren alten Betrieben zugeführt werden. Um ein bestehendes Mißverhältnis zwischen Arbeitsanfall und Arbeitsleistung zu beseitigen, fordert der Bezirksbetriebsrat als berufene Bertretung der Kollegen die sofortige Herabiehung der Arbeitszeit im Werkstattbetrieb und Verkehr auf acht Stunden täglich. Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens darf nicht auf Koffen von Gesundheit und Leben des Personals herbeigeführt werden. Es sind vielmehr alle un produttiven Ausgaben, zum Beispiel für Bahnschuh, Leistungszulagen, Sportvereine sofort einzustellen." Verbrecherischer Spaltungsfurs. Schluß damit' 170000 Mitglieder. 3m Deutschen Landarbeiterverband. Abgefehen von ber Inflationszeit hat die freigemertſchaftliche Organisation des Landproletariats jetzt einen Stand erreicht wie nie zuvor: 170 000 Mitglieder. Vergegenwärtigt man sich den Unterschied zwischen der Gewerkschaftsagitation in den Industriemuß man der Ausbreitung des Deutschen Landarbeiterverbandes orten und der ungleich schwereren Agitation auf dem Lande, dann alle Achtung zollen. Diese Etappe in der freigewerkschaftlichen Organisation der Landarbeiter ist troz scharfer Bekämpfung durch die Grundherren, durch die KPD. und sonstige Gegner erreicht worden. Der Verband steht fest, doch er steht nicht still und wird zunächst die an 200 000 Mitgliedern fehlenden Landarbeiter heranholen. Es wird gefeiert! Und dafür muß gehungert werden. Hamborn, 19. März. 3 Die Arbeitslage auf der August Thyssen Hütte hat sich wieder verschlechtert. Infolge anhaltenden Auftragsmangels wird in dieser Woche in zahlreichen Abteilungen des großen und modernen Werks gefeiert, in einzelnen Abteilungen sogar mehrere Tage bzw. bis auf weiteres. Auch die Zeche Neumühl, die am 15. März wegen Absatzmangel 400 Bergleuten fündigte, hat für heute wieder eine Feierschicht in allen Betrieben über und unter Tage eingelegt. Textilarbeiteraussperrung. Bei der C. G Hoffmann A.-G. in Neugersdorf. Weil sich die Rauher einen ihnen zugemuteten Lohnabzug nicht gefallen ließen, sperrte die Firma C. G. Hoffmann A.-G. in Neugersdorf am Montag aus. Der Lohn für die Rauher ist tariflich geregelt. Er beträgt gegenwärtig 77,8 Pf. für die Arbeit an einer Maschine. Seit Jahren besteht eine Vereinbarung mit der Firma, wonach Rauher, die zwei Maschinen bedienen, einen höheren Lohn erhalten. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber von der Firma nicht mehr anerkannt wird. Sie fündigte vielmehr die Bereinbarung und ab Montag, den 17. März, sollte ein um 7,8 Pf. geringerer Lohn gezahlt werden. Da die Rauher sich mit dem diftierten Lohnabzug unter feinen Umständen einverstanden erklären fonnten, arbeiteten sie nur auf einer Maschine. Daraufhin gab die Firma durch Anschlag b: tannt, daß alle Rauher, die nicht zwei Maschinen zu dem verkürzten Lohn bedienen, bis 11 Uhr den Betrieb zu verlassen haben. Die Arbeiterschaft wird gebeten, Arbeitsangebote der Firma Hoffmann in Neugersdorf unter allen Umständen abzulehnen. In 3n Dänemark streifen 3000 Arbeiterinnen. Damit werden auch 3000 Arbeiter arbeitslos. Kopenhagen, 19. März.( Eigenbericht.) In der Eisenindustrie find 3000 Arbeiterinnen in den Ausftand getreten, nachdem sie den von dem offiziellen Schiedsrichter vorgelegten Bermittlungsvorschlag, der nur geringe Erhöhungen des Minimumlohnes porsieht, abgelehnt hatten. Durch den Streit wir den auch 3000 männliche ungelernte Arbeiter in der Eisenindustrie arbeitslos. Außerdem steht, wie der Berband der ungelern.en Arbeiter dem Arbeitgeberperband mitgeteilt hat, ein Streit von 18 000 Arbeitern vor der Tür. SPD.- Metallarbeiter! Freitag, 19 Uhr, in ben Sophienfälen, Gophienftr. 17-18, Frot tionsfigung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Generalversammlung. Erscheinen notwendig. Ohne Barteiousweis tein Rutritt. Der Fraktionsvorstand. Birdow Krankenhaus. Morgen, Freitag, 15% Uhr, Bersammlung aller SPD.- Genoffinnen und-genossen im Lotal Föhrer Str. 7. Wichtige Tagesordnung. Alle Genoffen müssen erscheinen. Berbanb ber Maler, Ladierer, Anstreicher, Mitgliederversammlung morgen, Freitag, 19% Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Eaal 4. Stellung zu den Lohn- und Tarifverhandlungen. Referent: Bevollmächtigter Otto Schiemann. Jeder Rollene hat die Pflicht, an dieser Bersammlung teilzunehmen. Ohne Mitgliedsbuch fein Rutritt. Freie Gewerffchafts- Jugend Berlin Jugendvolksbühne: Die nächste Jugendvorstellung ist am Sonntag, dem 6. April, 15 Uhr, im Theater am Billowplas. Rur Aufführung gelangt: „ Das Gerücht", von C. R. Munro. Karten zum Preise pon 80 Bř. find in der Jugendzentrale, Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, 8. 26, 11 haben. Seute, Tonnerstag. 19% Uhr, tagen die Gruppen: Rövenid: Jugendheim Grünauer Str. 5. Vortrag:" Aufgaben und Riele des ADGB. und der FG3." Schöneweide: Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Bortrag:„ Der organisatorische Aufbau des ADGB." Gefurbbrunnen: Jugendheim Fote Schule, Gotenburger Str. 2. Kreismitgliederversammlung. Südoften: Gruppenheim Peichenberger Etr. 66( Feuerwehrhaus). Borttaa: Arbeit und Wirken unserer freigewerkschaftlichen Jugendorganisation". Tempelhof: Guppenheim, 2nzeum Germaniaftr. 4-6. Bortrag:„ Der Jugendliche im Atbeitsrecht." Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15. Satirischer Abend. Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18-19. Kreismitgliederversammlung im Jugendheim der Gruppe Gesundbrunnen. Landsberger Blag: Jugendheim Große Frankfurter Str. 16, Rimmer 6. Achtung, Laienspielabend! Listen bera und Reu- Lichterberg: Jugendheim Fauffstraße, an der Leffinastraße. Lichte bildervortrag:" Die Kirche in der Karikatur". Frankfurter Allce: Jugendheim Frankfurter Allee 307( Walter- Rathenau- Rimmer). Spielabend. Incendaruppe des Pertra verkandes der Anaefellten Seute, Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Jugend funktionärverfammlung im großen Saal unseres Berbandshauses, Sed mannftr. 12, 20 Uhr. Tantow- Niederschönhausen: Jugendheim Görschftr. 14 ( großes Rimmer). Edallplattenvortrag: Arbeiterdichtung". Treptow: Jugendheim ber Echule Wildenbrud ftr. 53( Bugang von der Graekstraße in Treptow). Volkstanzabend. Schöneberg: Jugendheim Haup'str. 15( Fofgebäude, bilSeferent: Heinz Mann. Ab 19% Uhr Boltstanzturfus im Pestalozzi- Enzeum, Lichtenberg. Brina- Albert- Str. 44. Mit der sinnlosen Baltenüberschrift: SPD. hat Angst vor AbStimmung über Manteltarif" berichtet die Rote Fahne" über eine Heldentat der„ revolutionären Gewerkschaftsopposition" in der letzten genannten. Portrag: Aufbau und Einrichtungen unferes Verbandes". Mi.gliederversammlung der graphischen Hilfsarbeiter. Der Verband hatte einige Mitglieder ausschließen müssen, die sich an dem Spalter: fongreß der KPD. als Delegierte beteiligten. Die„ Opposition" setzte den Beschluß durch, die Ausgeschlossenen zu der Mitgliederversammlung zuzulaffen, worauf die Ortsverwaltung die Versammlung aufhob „ Der Ortsvorstand hat diese Versammlung gesprengt aus Angst vor der ersichtlichen Schlappe bet der Abstimmung über den Manteltarif." Die Annahme des Manteltarifs hängt nicht von der Ablehnung oder Zustimmung einer Berliner Mitgliederversammlung ab. Das KPD.- Blatt, das tagtäglich den verbrecherischen Spaltungskurs gegen die Gewerkschaften betreibt, bringt es dann fertig, die graph schen Hilfsarbeiter aufzufordern, in den Betrieben sofort Stellung zu nehanen gegen diesen verbrecherischen Spaltungsfurs! Es scheint nach dieser kommunistischen Versammlungssprengung allerdings die Zeit gekommen, daß die freigewerkschaftlich organ fierten graphischen Hilfcarbeiter sich gegen diesen verbrecherischen Spaltungskurs der KPD. wenden. 06: sid.*#* 37 0 1 Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Geyer: Birtfchaft G. Klingelhäfer: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski: totales und Sonstiges rik Raritäbt: Anaciaen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts.Verlag G. m b. S Berlin Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanftalt Vaul Singer u. Co., Berlin GB 68 Lindenstraße 8. Sierau 1 Beilage und Unterhaltung und wiffen" Am 17. März 1930 verstarb mein Lieber Mann, unser guter Bater, Sohn und Bruder Dr. Alexander Schönberg im 38 Lebensjahr Um stilles Beileib bitten im Namen der Hinterbliebenen Berlin- Stegliz, Budapest, Nelly Schönberg, geb. Kellner Judith und Georg. ben 18. März 1930. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 20. März 1930, nachmittags 1 Uhr, aut dem Gemeindefriedhof. Steglig. Bergstraße, statt. Fr. 133 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 20. März 1930 168 in einer ,, Elektrischen" Berlins Kredit unerschüttert. Jahrzehntelang hat das Schienenfahrzeug sich im Verkehr der Großftähte fiegreich behauptet. Es ent wickelte sich von der Pferdebahn zur elektrisch betriebenen Straßenbahn. In dem Maße aber, in dem sich das Straßenpflaster verbesserte und die Gummibereifung und schließlich der Ballonreifen beim Omnibus sich durchsegte, wandte sich die Gunit eines großen Teils der Fahrgäste von der Straßenbahn ob und dem Om= nibus zu. Der Krajimagen, der nicht an Gleise gebunden ist und daher an den Bürgersteig heronjahren kann, hat sicherlich seine großen Borzüge, tenen als Hauptnadteil jebody verhältnismäßig hohe Betriebskosten entgegenstehen. Der Omnibus hat eine ungeheuerlich rasche Bandlung durchgemacht. Er ist imuner mehr verbessert und umgestaltet worden. Die Straßen bahn aber behielt fonservativ ihre althergebrachten Formen. Zum Teil ist baran auch die lange Lebensdauer eines Straßenbahnmagens fchuld, die man auf 20 bis 30 Jahre bemessen kann, während man dem Omnibus nur ein Dasein von etwa fünf bis zehn Jahren gönnt. Erft infolge Des Wettbewerbs des Omnihusses und auch infolge der besonderen Anforderungen, die der Großstadtverkehr an die Verkehrsmittel stellt, ijt man zu neuen Formen übergegangen. Die Berliner Berkehrs- Aktiengesellschaft hat seit einiger Zeit zwei neuartige Straßenbahnzüge eingestellt, sogenannte Gelenk agen, die auch als D- Bug- Wagen" bezeichnet wurden. Einer Dieser Wagen läuft auf der Linie 74 zwischen Kniprodestraße Ecke Elbingerstraße und Lichterfelde, der andere auf der Linie 177 zwischen 300 und Teltom. Jeder Bagen besteht aus drei Teilen. Das Mittelteil ist zwischen den beiden anderen eingehängt. Dadurch erhält man einen langen Wagen, der bequem durch die Kurven Taufen kann. Die Wagen miegen leer 27,5 Tonnen, bejezt rund 39 Tonnen. Die motorische Gesamtleistung beträgt rund 325 Pferdestärken, also etwa 240 Kilomatt. Die motorische Leistung, auf die Tonne Buggewicht bezogen, beträgt 6,9 Kilomatt( rund 8% PS), die Bagenlänge beträgt über die Plattform gemessen 23,15 Meter. Die Bagen kommen bei ihrem großen Fassungsraum vor allem für den Einsatz auf solchen Streden in Betracht, die eine ziemlich gleichmäßige Besehung haben. Berlin ist übrigens nicht die erste deutsche Stadt, die sich rühmen fann, solche Gelentzüge eingestellt zu haben. Dieser Ruhm gebührt vielmehr der Stadt Dresden, die vor etwa einem Jahre zwei Gelentzüge in Betrieb nahm. Der eine dieser Wagen gleicht im Aufbau Ten Berliner Wagen. Der andere ist jedoch wesentlich anders gebaut. Bei ihm bejizt das Mittelteil zwei Achsen. während die beiden raderen Teile uur je eine Adrie haben und sich im übrigen auf den Mittelfeit stützen. So begrüßenswert der Fortschritt im Bau von Straßenbahnen ist, so bedauerlich ist es, daß die Konstrukteure bei den neuen Wagen nicht daran gedacht haben, den Fahrer vernünftig zu setzen. Als Borbild fönnten hier amerikanische Typen dienen, bei denen die Schaltelemente rechts und links vom Fahrer angeordnet sind, so daß dieser die Beine genau so wie der Kraftwagenführer ausstreden und so ohne zu große Ermüdung siyen faun. Hier sollte endlich einmal auch in Deutschland mit der von der Pferdebahn über nommenen Form gebrochen werden. Die Fahrer, die täglich auf dem Wagen arbeiten müssen, werden den Ingenieuren Dant missen. Aleirio Azevedo 67] Ein Grad Mamischer Mietshaus Ja, in der Tat, Bertoleza mußte verschwinden wie ein schwarzer Fleck auf einem jauberen Blatt Papier. Sie mußte Raum machen für ein blasses Mädchen mit zarten Händen und parfümiertem Haar; die lachte und Freude brachte; die das neue Leben vorstellte, das sich vor ihm öffnete, ein Leben unter Blumen, mit Seide und Spitzen, wo der Tee aus feinem Borzellan geschlürft wurde, und wo geschickte Finger über das Klavier hinglitten. Sie repräsentierte das ange nehme Dasein der Reichen, der Glücklichen und Starken, derer, die ohne Arbeit ererbt haben und derer, die über die Schwachen und Furchtsamen hinweg zu dieser stolzen Höhe emporgestiegen find. Joao Romao fühlte noch die Berührung ron Zulmiras Fingern auf seinem Arm, als sie an der Küste Botafogos entlang ipazieren gegangen maren. Und er sah die floren Augen noch vor sich, die von zärtlicher Zuneigung sprachen. Seine dice rote Hand hatte gezittert bei dem Kontalt mit der weichen weißen Haut, die ihm bald ganz zu eigen fein follte. Aber Bertoleza-ja, er mußte sie wegbefördern, sie abschieben, sie loswerden, und zwar unverzüglich! Auf der Nickeluhr war es Mitternacht, als Joao Roman eine Kerze anzündete und in das Zimmer hinunterstieg, wo die Negerin schlief. Wie ein Berbrecher, der auf Mord sinnt. schlich er sich an ihre Tür. Sie lag auf der Seite und hatte das Gesicht in den Armen vergraben. Wie gewöhnlich hatte fie ihre Deden non fich geworfen, und ihr dider schwarzer Rörper log nadt da. Jooo Roman betrachtete sie ein paar Minuten lang schweigend. Und dieje elende Regerin, die dumpf schlief wie ein müdes Tier, sollte das einzige Hindernis in seinem Leben jein? Bar das wirklich möglich? Wenn sie nun stürbe?" Der Gedanke huschte ihm durch den Kof wie ein fühler beruhigender Mind über ausgedörrte fiebrige Haut. Ach ja, menn fie doch bloß sterben molite! Das wäre die befte Lösung für deles fomierige Broblem. Und natürlich bereit te der Gedante den nächsten vor: Benn ich sie nun umbrächte?" Es genügt ja schließlich nicht, den Fahrer überhaupt nur zu feßen, man muß ihm auch eine bequeme Siggelegenheit bieten. die rajches Ermüden unter allen Umständen vermeidet. Die Ge= ent wagen bieten insgesamt 168 Personen Platz, 70 Sigpläge sind vorhanden. Zu den Hauptverkehrsstunden werden 3 mei Schaffner den Dienst versehen, während bei normaler Beanspruchung ein Schaffner, der natürlich mit einem zeitsparenden Fahrscheindruder ausgerüstet ist, die Fahrgäste abfertigt. Jufolge des guten Abjakes der Berliner Schahanweisungen hat das unter Führung der Preußischen Staatsbaut und der Deutschen Bank und Disconto- Gesellschaft stehende Konsortium sich entschlossen, schon vorzeitig die bei dem Geschäft vorgesehene Verpfändung der Deutschen Gasattien auf zuheben. Das Konsortium hat der Stadt Berlin die Freigabe des Lombards mitgeteilt. Der Mordüberfall von Röntgental. Boruntersuchung gegen 18 Nationalsozialisten eröffnet. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht III Berlin hat in der Angelegenheit der Schießerei in Röntgenfal die Boruntersuchung wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung mit Todeserfolg und megen Raufhandels gegen 18 Nationalsozialisten, die sämtlich in Haft sind, eröffnet. Bei den Berhafteten sind zwei Gruppen zu unterscheiden, näm Lich eine Röntgentaler Gruppe, deren Mitglieder vielfach aus Buch stammen, die sich am Abend des 5. März zu einer Ber: jamaniung im Lokal ,, Edelmeiß" in Röntgental zusammengefunden hatte, und einer Berliner Gruppe, die im Laufe des Abends telephonisch von Berlin zur Verstärkung herbeigeholt morten ist. Es handelt sich in allen Fällen um junge Leute zwischen 17 und 24 Jahren. Der neue Präsident der Oberpoftdirektion. Zum Nachfolger des am 5. März verstorbenen Präsidenten der Oberpostdirektion Berlin Genzte ist der Präsident der Oberpostdirektion Leipzig Gerbeth bestimmt worden. Er wird die Leitung der Berliner Oberpostdirektion am 1. April übernehmen. Bor der Uebernahme der Leitung der Oberpostdirektion Leipzig mar Gerbeth fängere Zeit Abteilungsdirigent im Reichspoftministerium. Durch Frau Momm ins Gefängnis. Sie bezichtigte andere des Diebstahls. Die Verschlungen der Frou des Regierungspräsidenten Momm erscheinen nach den letzten Ermittlungen deshalb ganz befouders verwerflich, weil sie, wie sich jetzt erst heraus. ftellt, über ihre Entwendungen und Bersicherungsbetrügereien hinaus dritte Personen des Diebstahls befchuldigt und ins Gefängnis gebracht hat. und dafür eine Entschädigung erhalten. Der seinerzeit unschuldig Verurteilte vill jetzt die Hilfe eines Berliner Rechtsanwaltes in Anspruch nehmen, um Rechtsansprüche gegen den Justizfiskus zu stellen, und gleichzeitig völlige Rehabilitierung verlangen. Außerdem will die Braut, die damals sofort entlassen wurde, gegen Frau Momm Beleidigungsflage erheben. Der Rest der noch fehlenden Sachen, insbesondere das verschwundene Gilber, murde bei der im Laufe des gestrigen Rachmittags vorgenommenen Hausfuchung in der Hauptlasse des Regierungspräsidiums entdect. Frau Momar hatte dort eine größare Holztiste, in der sich der gesamte Inhalt des angeblidy im Dezember vorigen Jahres gestohlenen Silbertastens sowie das Tafelfilber des fingierten Einbruchs vom 10. März befand, in Depot gegeben. Bis auf einige Kleinigkeiten ist alles reftios mieder herbeigeschafft worden. So haben sich auch die Angaben der Frau Momm, die sie vor Justizrat Josephschn gemacht hatte, daß alles Silber durch Helfershelfer verfaust worden sei, als falsch erwiesen. BeIn die Diebstahlsaffäre der Frau Monmn spielt nämlich, mic erst jetzt befannt wird, noch der Fall eines Potsdamer Schlachtergesellen hinein, der auf eine Diebstahlsbezichti gung der Fran Momm vom Potsdamer Gericht zu einer Gefäng nisstrafe verurteilt wurde. Die Braut des jungen Mannes mar bei Frau Dr. Mom als Hausangestellte beschäftigt. Als zu Ende des vorigen Jahres ein größerer Posten Wäsche aus der Wohnung des Regierungspräsidenten verschwand, wurde der Bräutigam Der Hausangestellten, der sie wiederholt in der Dienststelle besucht hatte, dieses Diebstahls bezichtigt. Alle Inschuldebeteuerungen des Berdächtigten halfen nichts; er wurde zu Gefängnis verurteilt und mußte die Strafe auch verzeichnend für den Geisteszustand der Frau ist, daß sie nicht einmal büßen. Im Laufe der kriminalpolizeilichen Untersuchung stellte sich aber heraus, daß auch dieser angeblich gestohlene Posten Wäsche von Frau Dr. Momm beiseite geschafft worden ist. Wie es heißt, hat Frau Momm auch diesen Diebstahl" der Bersicherung angezeigt Aber ein Schauer des Entsezens froch ihm über den Rücken, als er bemerkte, wohin ihn solche Gedankengänge führten." ,, Wenn ich's nun aber doch täte? Welches wäre dann mohl der beste Weg?" Jamohl, er überlegte, wie er sie beiseite schaffen könnte, ohne daß irgendeine Spur auf den Urheber des Berbrechens deutete. Gift ging nicht an, und ein Schuß war noch schlimmer. Bielleicht wäre es möglich, sie einmal auszuführen und sie an einen einsamen Ort zu loden, wo sie mie durch Zufall ins Meer hinabgestoßen werden könnte? Das war fein schlechter Einfall; aber dagegen sprach daß er sie ja niemals ausgeführt hatte, daß er also doch nicht gut plöz lich auf eine solche Idee kommen könnte. Teufel noch mal! Wenn ein Mann eine schändliche Bergangenheit auslöjdhen wollte, um zu Ruhm und Ehre zu gelangen, müßten es ihm die anderen doch eigentlich leichter machen. So stand er da, hielt die Kerze in der Hand und wandte den Blid nicht von Bertoleza, die immer weiter unbeweglich, das Geficht im Arm vergraben, dalag. Aber wäre es denn nicht möglich, es einfach jetzt zu tun? Er machte ein paar Schritte auf das Beft zu. Mit einer plöglichen Bewegung schreckte die Negerin auf und starrte ihn vollmach an. ,, h", rief er aus und schnappte nach Luft. Was wollen Sie denn, Herr Joao?" fragte fie. Richts. Ich habe bloß mal sehen wollen, wie's dir geht bin diese Sekunde hereingekommen. Wie fühlst du dich denn? Ich hoffe, daß die Schmerzen in der Brust aufgehört haben." Sie zuckte die Achseln und erwiderte nichts. Einen Augenblid lang herrschte verlegenes Schweigen zwischen den beiden, und da Joao Roman nichts meiter zu fagen einfiel, machte er fehrt und ging; aber er fühlte den Blick der Schwarzen im Rüden. Hatte sie etwa Berdacht geschöpft, fragte er fich, als er die Treppe hinaufging. Aber weshalb denn? Was gab es denn Berdächtiges? Also troch er ins Bett und beschloß, nicht mehr über die Sache nachzudenken und sofort einzuschlafen. Aber sein Geift rebellierte, und der Schlof wollte nicht tommen; ihm mar. als nb scharfe Nägel fich in fein hirn einfraliten, und er fuhr fort, über Bertoleza rachzudenken. Er mußte fie loswerden. Se cher, desto besser. Und irgendein Weg würde sich schon finden. Sie hatte fein Wort davor zurückschreckte, bewußt völlig unbeteiligte Personen als Helfers. helfer zu bezeichnen. Nach den letzten Ermittlungen fonanen Mittäter der Frau Momm in strafrechtlicher Hinsicht nicht mehr in Frage. über sich und ihre Zukunft gesprochen, aber Dona Estella mar im Begriff, das Datum für die Hochzeit zu bestimmen, und er wollte nicht, daß Bertoleza noch im Haus war, menn aller Augen sich auf den Verlobten der Baronesse richteten. Er stellte sich das Gerede vor, das entstehen würde; das versteckte Lächeln und die Bemerkungen der neuen Freunde und Bekannten. ,, Dent' dir nur, er hat' ne Negerin bei sich im Hause, jahrlang lebt die schon bei ihm, und jeßt will er eins der nettesten Mädchen der Stadt heiraten. Das ist schon' ne Type für sich, der Kerl. Dieser neue Kapitalist ist fabelhaft angezogen, aber es gibt einen sehr dunklen Bunft bei ihm. Montags, Mittwochs und Freitags weiß, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends schwarz; und Sonntags gehts gemischt zu. Hoffentlich werden sie friedlich und einträchtig mie Schwestern zusammen leben." Und der Budiker vergrub seinen Kopf in die Kissen, als er sich das laminenartige Gerede vorstellte, das auf ihn Ins. gelaffen merden würde. Mirandas Familie war zweifellos über Bertoleza orientiert. Davon mar er überzeugt. Izaura und Leonor hatten bestimmt dafür gesorgt, wenn die Mitglieder der Familie nicht von selbst im Bilde gewesen sein follten. Und sie hatten fein Wort gejagt, meil fie fich auf fein Taftgefühl verlaffen und angenommen hatten, er würde Bertoleza vor der Beröffentlichung der Berlobung beiseite: schaffen. Er aber hatte nichts unternommen; er hatte gewartet und gewartet und es wie ein Feigling immer hinausgeschoben. Nun, die Zeit war jetzt vorbei. Jetzt würde er augenblicklich handeln und sie von ihrer Besorgnis befreien. Ein Licht ging ihm auf deshalb also sprach Dona Estella zwar von dem Hochzeitstag, fetzte aber den Termin noch immer nicht feft. Sie martete zartfühlend darauf, daß er dieses letzte Hindernis aus dem Weg räumen sollte, und er war so ein dickfelliger Trottel gewesen, daß er ihre Absicht nicht durchschaut hatte. Wenn er sie vor langer Zeit umgebracht hätte, als er ihrer zuerst überdrüssig wurde, hätte niemand irgend etwas permutet. Kein Mensch wäre darauf gekommen, das ein Mann eine arme Frau ermordete, mit der er jahrelang in Frieden und Harmonie zusammengelebt und die im Geschäft jeine rechte Hand mar. Aber menn Bertoleza jetzt ins Sen seits befördert mürde, mußte sich der Berdacht direkt auf ihn richten. Der Umstand das sie in getrennten Räumen jefen und das Gemuniel non feiner benorstehenden Heirat führte logischerweise dazu, ihn eines solchen Berbredens für fähig zu halten, ( Fortjezung folgt.) Berliner Brunnenwunder. Die Berliner Brunnen bilden ein Stück der Stadtgeschichte. Bis vor 220 Jahren gab es nur 3iehbrunnen, die dann 1709 den Ventilbrunnen weichen mußten. Besonders auffällig oder fünftlerisch wie die Brunnen in Goslar, Danzig, Nürnberg waren deren Brüder in Berlin nicht. Aber vor 75 Jahren verseßten zwei feuerspelende Brunnen die ganze Stadt in Aufregung und waren Anlaß zur Bildung wissenschaftlicher Kommissionen und gelehrter Untersuchungen. Der erste Fall ereignete sich an einem nebligen Herbstabend vor dem Hause Karlstraße 30. Ein Mädchen war im Begriffe, zum Abendessen einen frischen Trunk Wasser zu schöpfen. Dabei fam das Kerzenlicht zu nahe an das Ausflußrohr, aus dem sofort und bei jedem weiteren Kolbenstoß eine helle Flamme von einer Länge von zwölf 3oll und einem Durchmesser von etwa fünf Zoll herauszischte. Natürlich ging beim ersten Schred die Wasserkaraffe in Stücke und die Nachricht von dem feuerfpeienden Brunnen ging wie ein Lauffeuer durch Berlin. Bald darauf wieder. holte sich dasselbe Ereignis am Mundrohr eines Schöpf brunnens in der Behrenstraße. Alle damaligen etwa 800 Brunnen aber machten diese Extratouren nicht mit. Deshalb tamen Klempnerburschen auf den Einfall, aus diesen Erscheinungen einen Berdienst herauszuschlagen. Für einen Silbergroschen führten fie der neugierigen Boltsmenge allabendlich das Naturereignis vor. Es war ein packender Anblick, wenn über dem silbernen Wasserstrahl die bläuliche Fiamme zischte. Raucher machten sich das Bergnügen, ihre Zigarren an den phönomenalen Brunnen anzu stecken. Wissenschaftliche Rätselraten feßten ein. Selbst nach grabungen wurden unternommen und Hofberichte abgefaßt. Diesem zufolge ergab sich, daß der Baugrund beider Gegenden fumpfig ift und überzogen wird von einer lebenden Infusorienschicht. Diese sonderte Kohlenwasserstoffgas ab, das sich im Brunnenfessel und in brüchigen Zuleitungsrohren sammelte. Durch jeden Pumpenstoß murde nun mit dem Wasser auch das brennbare Gas ausgepumpt, das durch Zufall Berlin zeitweise in den Wunderruf versetzte, brennende Brunnen zu besitzen. Zum Krüppel gefahren. Ein Güterzugdieb auf der Anklagebant. Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte sitt ein Mann mit Brothesen an Stelle der Beine. Er hat sie bei einer Diebesfahrt verloren.. Ein Güterzug fuhr am 4. Mai v. J. zwischen Tempelhof und Neukölln. Der Bahnwärter bemerfte plöglich, daß unter der Blandecke, die über ein Auto gespannt war, sich etwas bewegte. Dann sah er einen Mann auf der Lore. Er lief zum nächsten Block haus und telephonierte nach Neukölln: Aufpassen! Er läuft zurück und findet auf dem Geleise einen Mann mit abgefahrenen Beinen. In seinen Taschen findet er abmontierte Autozubehörteile. Das war der Dieb. Er war im Fahren abgesprungen und unter die nachfolgenden Wagen geraten. Der Mann zählt 30 Jahre, ist bereits wegen Diebstahls vorbestraft. Er suchte Arbeit, fand feine, entschloß sich zum Diebstahl auf dem Güterzig. Es war feine letzte Diebesfahrt. Er wird nicht mehr stehlen. Der Staat, der ihm nicht helfen fonnte, folange er Beine hatte, hat ihm jetzt die Prothesen verschafft. Das Urteil lautete auf drei Monate Gefängnis. Harmind ad e Aus dem Raritätenfabinett der Monarchie. Allmählich find sie doch seltener geworden die Leute, die troy Revolution und Republit nicht auf die Reliquien der Monarchie verzichten fönnen, die Geschäftsinhaber, die immer noch nicht den Hoflieferantentitel von ehedem ablegen wollen, die Beamten a. D., die noch ihre Würde durch die schmückenden Zusäze ,, taiserlich" ,,, föniglich" usw. haben möchten. " Aber ganz ausgestorben sind diese tomischen Käuze auch im zwölften Jahr der Republik noch nicht, und gelegentlich fann man davon sogar noch ein ganz besonderes Prachtexemplar antreffen. 211s folches stellt fich einem geehrten Bublifum ein Königlicher Hofingenieur" Bernhard Polen vor, der in Berlin in der Köpenicker Straße ein Geschäft für Heizungsanlagen, Warmwasserversorgung usw. betreibt. Stöniglicher Hofingenieur, Hoflieferant Sr. Majestät des Kaisers und Königs" nennt er sich in einem gedruckten Prospekt, den er an Kunden oder solche, die es werden sollen, noch im März dieses Jahres, 1930, verschickt hat. Bur Empfehlung seines Betriebes zählt er darum eine Reihe angesehener Kunden auf, die er im Laufe der Jahre bedient hat. Wir finden da: Palais weiland Sr. Majestät Kaiser Wilhelms des Großen in Berlin, Königliches Schloß" in Berlin, Palais Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen von Preußen" in Berlin, fieben ,, fönigliche" Schlösser in Posen, Hannover, Königsberg usw., die faiserliche" Besizung Cadinen, fünf tönigliche" Jagdschlösser Rominten, Grunewald usw., noch ein paar„ tönigliche" Palais in Berlin, das ,, fönigliche" Opernhaus, das ,, tönigliche" Schauspielhaus, das königliche" Kulissenmagazin, die ,, tönigliche" Theaterschneiderei, ein ,, fönigliches" Eisenbahnbetriebsamit, das ,, tönigliche" Klinikum in der Ziegelstraße, ein paar ,, tönigliche" Diensthäuser, die königliche" Feuerwehr usw. usw. Diese Liste wird noch im zwölften Jahr der Republit verschickt! Soll man annehmen, daß der Prospekt noch aus den Zeiten der Monarchie übriggeblieben ist. und daß der Herr„ fönig liche Hojingenieur" den Rest nach und nach aufbraucht? Ein ,, Rest", mit dem man zwölf Jahre reicht, ließe allerdings auf ganz ungewöhnlich große Borräte schließen. Aber selbst wenn es wirtlich so ist, wenn tatsächlich hier ein sparsamer Geschäftsmann einen alten Prospett noch verwenden zu sollen meint, so hätte er wenigstens handschriftlich durch Aenderungen und Streichungen die Spuren der entschwundenen Monarchie austilgen tönnenfalls er's gewollt hätte. Uebrigens ist dem gedruckten Prospekt noch ein mit der Maschine geschriebener Nachtrag eingeflebt, der nach der Revolution entstanden ist. Man findet darin auch das ,, Haus Doorn- Holland", deffen jetziger Infasse feinem ,, Hofingenieur" ein treuer Kunde geblieben ist. Zusammen mit diesem Flüchtlingsheim des laiserlichen Deserteurs nennt der Nachtrag auch das„ königliche" Schloß Rheinsberg und zwei herzogliche" Schlösser in Dessau, meiter ein„, fönigliches" Diensthaus in Berlin( Prinz- LouisFerdinand- Straße). Herr Bernhard Polen, weiland föniglicher Hofingenieur", hält also bewußt an der Königlich feit" noch jetzt fest. Es muß auch solche Räuze geben! Bermißt. Der Maschinenschlosser Genoffe alter Draegert aus Bielefeld, Göbenftr. 46 1, ist seit dem 10. März b. 3. von bem Gange zu feiner Arbeitsstelle nicht zurückgekehrt. Der Bermißte ift 31 Jahre alt, Don mittlerer Größe und jaymächtiger Statur. Kleidung: hellbrauner, Hut, brauner Mantel, heller Anzug mit blauen Streifen. Syut und Wäsche ist mit W. D. gezeichnet. Außer feinem Metallarbeiter Verbandsbuch hatte der Bermißte feinerlei Legitimation bei sich. Ebenfalls war er im Besiz nur geringer Geldmittel. Keine Unsicherheit bei der U- Bahn! Vollkommen unbegründete Behauptungen. In den Verhandlungen vor der Verkehrstammer des Arbeitsgerichts, die sich mit klagen von Arbeitern der Berliner Berfehrs- Gesellschaft wegen unberechtigter Entlassung beschäftigen, sind zur Begründung dafür, daß Arbeitsmangel nicht bestände, Ausführungen über den 3ustand der Anlagen der BBG. gemacht worden, die völlig unzutreffend sind. Wir erfahren hierzu von zuständiger Stelle: Es Zur Erhaltung der eisernen Viadukte und der Bauwerfe der Hoch- und Untergrundbahn werden ununterbrochen, wie dies in jedem derartigen Betriebe notwendig und selbstverständlich ist, laufende Erneuerungsarbeiten ausgeführt. ist selbstverständlich, daß man Schäden an teiner Stelle in bem Maße anwachsen läßt, daß sie auch nur die geringste Ge= fährdung des Betriebes verursachen könnten. Die eisernen Biadukte stehen im besonderen unter dauernder Ueberwachung: Sie werden unter gutem Anstrich gehalten und vor jedem Anstrich auf das sorgfältigste entroſtet. Ganz ist das Auftreten non Roftbildungen niemals zu ver= meiden, besonders an denjenigen Stellen nicht, wo die Viadukte über Gleise der Reichsbahn, die mit. Dampf betrieben wird, hinwegführen. Der Auspuff von Lokomotiven fördert, wie allgemein befannt ist, derartige Rostbildungen. Dementsprechend werden diese Stellen in erhöhtem Maße überwacht, Rostbildungen in furzen Beitabſtänden beseitigt und, wenn nötig, Auswechselungen von Konstruktionsteilen vorgenommen. Von einem auch nur zeitweise betriebsgefährlichen Zustand der Konstruktionen fann an feiner Stelle die Rede sein. Mißhandelte Kinder. Material für die Arbeit des Strafrechtsausschusses. Die 3ugscharen", Arbeitskreis für Jugendhilfe, hatte zu einem Ausspracheabend ins Rathaus geladen. Jugend und Mißhandlung war das Thema, und das Fazit des Abends war eine allfeifige, teilweise recht scharfe Wendung gegen einige Lehrer von heute. Die schlimmste Mißhandlung so sagte die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Frau Dr. Wegscheider ist nicht einmal die Prügelstrafe oder immer das Schimpfwort, sondern das schlimmste sind die fleinen Niederträchtigkeiten. Die Prügelstrafe fann man verbieten, aber gegenüber der Niedertracht versagen alle Verbote. Wir müssen langsam dahin kommen, daß zum Lehrer nur Menschen ausgebildet werden, die selbst einmal mehrere Jahre lang im Leben gestanden haben, ganz abgesehen davon, daß die heutige stand, daß der Lehrer, dem frische, muntere Kinder, die nun mal Zahl der Studienjahre zu gering ift. Es ist ein unmöglicher 3u. feine Engel find, anvertraut werden, in seinem Leben nichts anderes als die Schule gesehen hat! Zu welchen Folgen mitunter auch die geringfügigsten, an sich unbeachtet gebliebenen Mißhandlungen führen, vornehmlich, wenn fie ein fenfibles Kind treffen, darüber gab Dr. Beffer bezeichnende Aufschlüsse. Die lebensuntüchtigen Menschen, denen es an jeglicher Initiative mangelt, die mit verschlossener Seele und einem ständigen Angstgefühl herumrennen, diese Menschen kommen zeitlebens nicht mehr von einer im frühen Alber erlittenen Mißhandlung los. Oder mir haben die attive Reaktion: die Empörung gegen den mißhandelnden Feind, von der bloßen Affekthandlung unter Umständen gesteigert bis zum Mord. Deshalb niemals auf den Lehrstuhl ein Mann, der den Kindern gegenüber irgendwelche Rachegefühle für felbft in der Schule erlittene Unbill abreagiert. Der letzte Redner des Abends war der bekannte Moabiter Strafrichter, Landgerichtsdirektor Dr. Siegert. Die Hände des Richters, meinte er, find außerordentlich gebunden durch die lockeren Bestimmungen des Büchtigungsrechts, das nach den hiesigen Beftimmungen doch sogar dem Lehrherrn zusteht. Bei schweren förper lichen Mihhandlungen fann der Richter einschreiten, aber die feelischen Mißhandlungen, die schlimmer sind als die förperlichen, fie fallen alle unter das Züchtigungsrecht, das nach dem Allgemeinen Landrecht und einer Allerhöchsten Kabinettsorder von 1825(!) auch dem Lehrer zusteht. Und dann ist die Voraussetzung einer Bestrafung wegen einfacher oder schwerer Körperverlegung ein Antrag des Verletzten! Unter solchen Umständen werden natürlich mur die wenigsten Kindermishandlungen bestraft. Wir müssen alles daran setzen, daß der Entwurf des neuen Strafgesetzbuches hier endlich Bandel schafft. Großfeuer im„ Markushof". In der bekannten Industrieſtätte Marfus hof" in der marfus straße 18 brach gestern um 15 Uhr im Dachgeschoß des Fabrikgebäudes Feuer aus, das sich schnell zu einem Großfeuer entwickelte. Die Ver qualmung war zeitweise so start, daß die Löschmannschaften kaum die Hand vor Augen sehen konnten. Es bestand größte Gefahr für die angrenzenden Gebäude, in denen fich zum großen Teil Tischlereien und Möbelfabriken befinden. Sechs Schlauchleitungen und mehrere mechanische Leitern wurden zur Bekämpfung des Brandes eingefeßt. Nach etwa zweistündigem Wassergeben war die Hauptgefahr beseitigt. Eine starke Brandwache blieb bis in die späten Abendstunden hinein an der Brandstelle zurück. Bei den Löscharbeiten erlitt der Feuerwehrmann König eine schwere Rauchvergiftung. Nach Behandlung mit Sauerstoff fonnte er in seine Wohnung gebracht werden. Funkwinkel.Z tanischen Farbentonfilm ,, Cilin" fönnte als ein Verfuch angesehen Der Vortrag Dr. Kurt Mühsams über den neuen ameriwerden, neben dem Theaterquerschnitt auch einen wöchentlichen Filmüberblick zu geben. Eine solche Kritik durch Rundfunk bleibt problematisch, tönnte aber einmal versucht werden. Jebenfalls sind Kurt Mühsams Analysen der Technit des Farbentonfilms ausgezeichnet und jedem Laien verständlich. Aber der Vortragende geht noch weiter, indem er auch die großen stilistischen Aenderungen in Betracht zieht, die die Erfindung zur Folge haben wird. AllerDings bleibt es hier nur bei Andeutungen. In dem Dialog über den Scheinwerfer" innerhalb des Zyklus, das Gesicht der Zeitschrift sind die Erörterungen über die augenblicklich geübte Buchfritit bemerkenswert. Abends Hygert Josef Schmidt und Bronsgeeft Opernarien und Duette: Gegen Schmidts blühenden Tenor fällt Bronsgeest entschieden ab. F. Sch. Den in der Verhandlung vorgebrachten Behauptungen, als ob die für eine dauernde Verkehrssicherheit der Hoch- und Untergrundbahn jeweils erforderlichen Unterhaltungs- und Ausbesserungsarbeiten auch nur im geringsten durch die aus anderen Gründen vorgenommenen Entlassungen beeinträchtigt würden, muß auf das allerbestimmtefte entgegentreten werden. Die technischen Arbeiten haben sich in letzter Zeit naturgemäß verringert, nachdem als Folge der Inflation umfassende Erneuerungsarbeiten notwendig waren. Das für die Erhaltung der Bauwerte erforderliche Personal ist felbstverständlich nach wie vor unvermindert vorhanden. Die Ausreise der„ Europa". Bremen, 19. März. Der Schnelldampfer„ Europa" des Norddeutschen Lloyd traf heute um 13 2hr von Bremerhaven seine erste Reise nach Die zweite Klaffe, die dritte Kajüte für TouNew Bort an. risten und die dritte Klaffe des Schiffes sind ausverkauft, die erste Klaffe ist gut befeht. Um 12.50 Uhr wurde der letzte Laufsteg eingezogen. Die„ ,, Eu ropa" ließ ihre Sirene ertönen. Die letzten Trossen wurden losgeworfen, und um Punkt 1 Uhr zogen die achtern und vorn auss gespannten Schlepper das Schiff von der Kaje ab. Nach mehreren Minuten schon ging das Schiff mit eigener Kraft stromabwärts. Ant Bord der„ Europa" befinden sich unter anderen der preußische Ministerpräsident Dr. Braun, der Pressechef der Reichsregierung, Ministerialdirektor Dr. 3echlin und zahlreiche bekannte Induſtrieführer. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Zum Notopfer für die Erwerbslosen wurden auf dem Straßenbahnhof 22( Weißensee) 28 Mart gesammelt und an die Bezirkstasse abgeliefert, worüber hierdurch mit bestem Dant quittiert wird. Weitere Beröffentlichungen dieser Art müssen an dieser Stelle höflichst gebeten, die in Umlauf befindlichen Sammelliften zu zeichnen. aus verschiedenen Gründen unterbleiben. Alle Spender werden 3. 2.: Alex Pagels. Jugendweihe Neukölln. Der Kartenverkauf zu der am 30. März im Mercedes- Palast stattfindenden Jugendweihe findet am Freitag, 21. März, von 17 bis 18 Uhr im Jugendheim, Bergstraße 29, statt. FEFFERTER HE E 2. Kreis Tiergarten. Boranzeige! Mittwoch, 26. März, 19% Uhr, Kreismitgliederversammlung in den Arminiushallen, Bremer Str. 73. Bortrag: 8ur Reform von Groß- Berlin". Referent: Hermana Harnisch, M. b. 2. Die Abteilungsversammlungen der Abteilungen 9 bis 13 fallen an diefem Tage aus. Die Bezirksführer laben zur Kreismitglieder. versammlung ein. Anab 5. Areis Brenzlauer Berg und Friedrichshain, Freitag, 21. März. 19 Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Feuchtstr. 36a, Kreisvorstands fikung mit den Abteilungsleiteru und allen Bildungsausschußmitgliederit. 12. Recis Steglig, Lichterfelde, Lantwik. Morgen, 20 Uhr, beginnt ein neuer interessanter Rurfus des Genossen Dr. Schlesinger im Lesersaal der Stadtbücherei Steglik. Grunewaldstr. 2. Thema:" Die Wirtschaftsformen des modernen Rapitalismus". Der Kurfus umfaßt sechs. Abende. Allen Genossent wird die Beteiligung dringend nahegelegt. 16. Rreis Köpenid. Seute, Donnerstag, 20. März, 18 Uhr, lehte Sigung des Jugendweiheausschusses in der weltlichen Schule, Köpenid, Dorotheenstraße. Alle Ausschußmitalieber müssen erscheinen, Freitag, 21. März, 19% Uhr, Kreisvertreterversammlung im Stadt. theater, fleiner Saal, Friedrichstr. 6. 1. Bortrag des Genoffen Siegfried Aufhäuser, M. b. R., über:„ Koalitionspolitit nnd Reichsfinanдnot". 2. Stellungnahme zum Begirlsparteitag. 3. Berschiedenes. Erscheinen aller Kreisvertreter ist Bflicht. Vorher, um 18 Uhr, im Vereins. zimmer des Stabtheaters wichtige Kreisvorstandssikung. FFEEFEATER THE UTILITIES Heute, Donnerstag, 20. März: 38. Abt. 20% Uhr Funktionärsikung bei Bartusch, Friedenstr. 88. Morgen, Freitag, 21. März: 6. Abt. 20 Uhr bei Dobrohlam, Swinemünder Str. 11, Funktionärsizung. 8. Abt. 20 Uhr bei Ridert, Steinmeßstr. 36a, Sigung des Maikomitees und der Jugendvertreter. 85. Abt. Tempelhof. 20 Uhr bei Bommerening, Berliner Str. 100, Gigung des engeren Kreisvorstandes. 124a. Abt. Mahlsdorf- Süd. 20 Uhr bei Draber, Uhlandftr. 18, Mitgliederver. fammlung. Vortrag: Reorganisation von Groß- Berlin". Referent: Stadtverordneter Franz Käming. 117. Abt. Sichtenberg. Märzfeier im Restaurant bes Städtischen Flußbabes. Rezitationen, Lieber zur Lante, turnerische Vorführungen. Feftrebe: Stadtrat Jünemann. Eintritt und Tanz frei. Anfang 18 Uhr. ECETESH Frauenveranstaltung. 136. Abt. Reinidenborf- Oft. Seute, 20 Uhr, Lindauer Straße, Frauenabend. Friedel Hall von den Wandervatten bringt:„ Ernste und heitere Regi tationen". Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 6. Kreis Kreuzberg. Am Donnerstag, dem 20. März, nehmen die Funt. tionärinnen der Arbeiterwohlfahrt an der Bersammlung aller parteigenöſiſchen Wohlfahrtsvorsteher tell im Bezirksamt Kreuzberg, Gigungsfaal, pünktlich 19 Uhr. Bereinigung sozialdemokratischer Juristen. Konferenz am Donnerstag, den 20. Mär. 20 Uhr, im Ebenholafaal bes Rheingold, Potsdamer Str. 3. Bertrag des Regierungsrats Genoffen Dito Krebs über:" Reuzeitlicher Strafvollzug"( mit Lichtbilbern). Eingeführte Gälle willkommen. Jungfozialistische Vereinigung Groß- Berlin. Gruppe Wedding- Gesundbrunnen. Werbeabend heute, 20 Uhr, in ber Schule Bant. Ede Wiesenstraße Brogramm: Mufit, Realiotionen, Bortrag: Warum Jungfosialisten?" Referent: Franz Levinski. Gruppe Mitte. Heute, Donnerstag, 20. März, 20 Uhr, im Jugendhim Rebben der Str. 24-25, Berfammlung. Thema:" Die Arbeiterbewegung in ben perfchiebenen Ländern". furter lee 307, Löns- Rimmer, Aussprache Abend: Die Comerosolentse Friedrichshain, Seute, Freitag, pünktlich 19% Uhr, im Jugendheim Frank. 1, Abend:" Ihre Entstehung und Wirkung". Colleähliges Erscheinen werben notwendig. Aeltere Genoffen der SAJ. und füngere Parteigenossen hiermit eingeladen, unsere Beranstaltungen au besuchen. 20 Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Uhr Areiselternverfammlung. Bortrag des Genossen Landgerichtsrat Dr. Kreis Friedrichshain. Seute, Donnerstag, im Jugendheim Litauer Straße, Wahl: Freie Rörperkultur". $ Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation O 1. bt. Unfere langiährige Genoffin und stellvertretende Frauenleiterin Dora Schulze ist am Montag früh plöglich und unerwartet an Lungenschlag verstorben. Ehre ihrem Andenten. Cinäfcherung ain 21. März, 20% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 56. st. Charlottenburg. Unfer Genosse Gustav Czerwahln, Gnbelftr. 42, I, 1 ift verstorben. Ehre feinem Andenten. Einäscherung am Donnerstag, deni 20. März, 13% Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. 77. Abt. Schöneberg. Am 15. März verstarb unfer Genoffe Sans Bohlandt. 32 Jahre kämpfte er in unseren Reihen. Ehre feinem Andenken. Einäscherung am Freitag, dem 21. März, 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Am 17. März verstarb unsere Genossin Auguste Ralts. Wir verlieren in ihr eine treue Funktionärin. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung am Freitag, dem 21. Mäs, 13 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. 82. Abt. Steglig. Unfer Genoffe Alexander Schönberg ist am 17. März nach Jangem schwerem Krantenlager verstorben. Ehre seinem Andenten. Beerdigung heute, Donnerstag, 20. März, 13 Uhr, auf dem Gemeindefriedhof Steglig Bergstraße. Wir bitten um recht rege Beteiligung. 104, Abt. Niederschöneweibe. Am Sonnabend, dem 15. März, verstarb plöglich unser alter treuer Genosse Robert Krone im Alter von 71 Jahren. Ehre seinem Andenken. Einäscherung heute, Donnerstag, 20. März, 15 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 108. Abt. Röpenid. Unsere Genoffin Gertrud Lodahl, Unter den Birken 36, ift nach langer schwerer Krankheit im Alter von 52 Jahren verstorben. Ehre ihrem Andenten. Einäfcherung am Sonnabend, dem 22. März, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. Allgemeine Wetterlage. 19.März 1930, abds. 路 一路 AC 770 77607 765 £ 17 760 -0.0 Vorträge, Bereine und Versammlungen. Conn. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianstr. 37-38. Sof 2. Tr. Donnerstag, 20. März. Wedding( Ortsverein). 20 Uhr sämtliche Sportler Turnhalle Lütticher Str. 4.- Freitag, 21. März. Kreuz berg. Sämtliche Sportler 20 Uhr bei Krepp, Planufer 75-76. SchönebergFriedenau. Kameradschaft Nollendorf. Kameradschaftsversammlung bei Jürgens, Barbarossaftr. 5a. Referent: Kamerad Sehr. Neukölln- Brik. 2. Kameradschaft. 1. Aug. 20 Uhr Rugversammlung bei Schabeito, Weichselstr. 5. Reinidendorf ( Ortsverein). 20 Uhr Vorstandssigung bei Riehne, Residenzstr. 8. abend, 22. März. Lichtenberg. Kameradschaft Sarishorst. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Rommel, Treskow- Ecke Waldowallee. Uebergabe der Diplome an die Kameraden Reichelt und Quist. Rein Ramerad darf fehlen. Reiniden. borf( Ortsverein). Vollversammlung am Freitag, dem 21. März, fällt aus. Dafür ant Sonnabend, den 22. März, 19 Uhr, Antreten Freie Scholle" zur Berbeversammlung. Wedding( Ortsverein). Freitag, 21. März, 19½ Uhr, erweiterte Borstandssigung bei Sillmann, Nazarethkirchstr. 41. Spanbau. Freitag, 21. März, 20 Uhr, Ortsvereinsvollversammlung bei Schulz, Tiefwerder, Dorfstraße. Referent: Kamerad Redakteur Jehling. Steglik( Ortsverein). Freitag, 21. März, 20 Uhr, im Restaurant Schmidt, Lichterfelde, Roonstr. 39, Ede Hindenburgdamm, erweiterte Borstandssikung. Tempelhof( Ortsverein). Freitag, 21. März, 20 Uhr, bei Pommerening, Bericht über die Generalverfammlung. Eine Stunde vorher Besprechung des Feftausschuffes zum 28. März. Landesverband Groß- Berlin des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. Reichstagsabgeordneter Ernst Lemmer spricht am Donnerstag, dem 20. März, 20 Uhr, im Schubert- Saal, Billowstr. 104, über: Rechtsradikaler Terror Republitanische Offensive". Deutscher Esperanto- Bund, erfte Ortsgruppe Berlin. Freitag, 20 Uhr, Ron ditorei Dobrin, Hackescher Markt. Suter Bund. Freitag, 21. März, 20 Uhr, im Gymnafium Rochftr. 13, Bortrag über praktische Menschenkenntnis, Bund Deutscher Aerztinnen, Bezirksgruppe Berlin- Brandenburg. Donners tag, 20. März, 20 Uhr, Aeratehaus Genthiner Str. 34, Lichtbildervortrag: Frau Wronsly. Thema: Was leistet die öffentliche und private Wohlfahrtspflege in Berlin?" Stenographenverein für Weißenfee und Sohenschönhausen. Der Stenographenverein hält ab April 1930 wieder Uebungsabende ab. Es finden ferner im Gebäude des Oberingeums Weißenfee, von 19 bis 20% Uhr, neue Unterrichtsturse statt. Meldungen find unter genauer Angabe der Adresse zu richten an den Vorsitzenden S. Thomas, Weißenfee, Lehderstr. 1, v. 3 Treppen. SEJ Sozialistische Arbeiterjugend Gr.- Berlin Einsendungen für diese Rubrit nur an bas Jugendfekretariat Berlin G 68, Lindenstraße 3 Wochenendkursus für Schüler. 22. und 23. März in der Jugendherberge Nowawes, Briefterweg. Treff. punkt 22. März, 17 Uhr, Bahnhof Ausstellung. Rosten 2 M. Montag, 24. März, öffentliche Rundgebung um 19% Uhr in der Aula der Schule Rodyftr. 13. Gegent die politische Berhezung der Jugend!" Referenten: Genossen Dr. Karsen, Dr. Friedländer und Gerd Bothur. Heute, Donnerstag, 20. März, 19% Uhr: Faltplak I: Schule Sonnenburger Str. 20. Das rote Wien." Norbolt II: Heim Danziger Str. 62. Tagespolitik. Schönhauser Borstabt: Schule Sonnenburger Str. 20. Der moderne Strafvollzug." Köpenider Viertel: Schule Wrangelftr. 128. Arbeiterjugend." Rottbuffer Zor: Heim Briger Str. 27/30. Seimabend. Südwest: Seim Lindenstr. 4, v. I. Berliner Verkehrsverhältniffe." Dahlem: Heim Rehlendorf, Bahnhofstr. 3. Rurzreferate. Rehlen. dorf: Nordschule, Potsdamer Straße. Friß- Reuter- Abend. Wittenau: Seim Rofenthaler Str. 15. Gedenten der Märzgefallenen. Bantom III( R.-F.): Heim Kiffingenstr. 48. Brettspiel- und Liederabend. Der Volkstanzkursus fällt morgen aus. SEG. Lichtenberg: Seim Scharnweberstr. 29. Die Bedeutung des legien Parteitages." Werbebezirk Wedding, Tambourkapelle: Ueben im Heim Geeftraße pünktlich um 20 Uhr. Vollzähliges Erscheinen der Sornisten ist erwünscht. Werbebezirk Reukölln: Werbeausschußigung mit den Werbeobleuten im Barteibüro, Fuldaftraße. Alle Gruppen müssen vertreten fein. OR 745 755 O Owolkenlos, harer. halb bedeckt walking. bedeckt Regen. Graupeln Schnee, Nebel, Gewatter Windshie Nach einem recht milden Tage, an dem das Thermometer teilmeile auf 18 Grad im Schatten stieg, herrschte am Mittwoch in Deutschland ziemlich fühles Wetter. Nur vereinzelt wurden mittags 10 Grad Celsius überschritten. Ueber Polen ist dem Vorbringen der Kaltluft ein Ende gefeßt. Dort hat sich eine flache Störung gebildet, die sich mit einer über Ungarn in Bildung befindlichen vereinigen dürfte. Auf der Nordseite der Störung strömen wärmere Luftmassen nach Nordwesten. Sie werden wahrscheinlich bei ihrem Aufgleiten auf die bei uns lagernde Kaltluft Niederschläge hervor= rufen. Der über Westeuropa fließende polare Luftstrom dürfte mehr nach den Mittelmeerländern fließen, also unser Wetter wenig beeinflussen. Wetterausfichten für Berlin: Start moltig mit Niederschlägen, ziemlich fühl. Für Deutschland: Im Often trübe und regnerisch, im Westen veränderlich mit einzelnen Regenfällen, überall ziemlich fühl. Die Frühjahrsmode. Das neue Kleid bei Wertheim. Reich, mannigfaltig, voll witziger Einfälle ist die Mode der fommenden Tage. Schon die Straßenfleidung zeigt verschiedenartigste Gewandung. Das strenge englische Kostüm mit glatter, in den Rod getragener Hemdenbluse und Krawatte aus Tweed oder Flamenga, dann das leichter gearbeitete Kostüm mit losem, offen getragenem Jädchen aus Fantasiestoffen in farbig, dazu eine garnierte seidene Bluse in dazu passender Farbe, oder ganz abftehend und schließlich der Tweed- Mantel über einem leichteren Wollkleid, oder das Tweed- Complet. Dazu Hüte in fühn geschwungener Schutenform aus Fantasiestroh oder auch fesche Wolllappen. Die Nachmittagstleider bevorzugen dunkle Farben; schwarz und marineblau, mit roja, gelb oder bunt irgendwie garniert, sehr hübsch sind andersfarbige, gepuffte Unterärmel mit dazu passender Kragengarnitur. Bei der abendlichen Kleidung dominiert der bunte, großgeblummte Seidenmusseline, Crepe de Chine oder Crepe Marocain, daneben das moderne Rosa opalin und andere helle Farben töne. Die Straßenkleider sind viel länger wie bisher, höchstens 40 Zentimeter vom Boden entfernt, die Nachmittags- und Abendfleider ganz lang, mit reicher Stoffperarbeitung im Rock und durchgehend irgend einer jäckchenartigen Garnierung. Bolero, Jacke oder Belerine, mit Bändern oder angearbeiteten Schalteilen fotett am Kleide befestigt. Die Hüte sind noch größer, noch schwungvoller in der Linie, schwarz oder im Kleiderton gehalten. Das Bild der diesjährigen Mode ist ein ebenso hübsches wie abwechslungsreiches. Verkäufe Rranten- Gelbstfahrer verkauft Malmöerstraße 28. Webfehler- Teppiche. 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Märs, hinaus nicht den Tatsachen entfprechen. Am tommenden Sonntag finden die lekten Vorstellungen statt. Täglich abends 7 Uhr ist Gelegenheit gegeben, das große Festprogramm zu sehen. Nur noch zwei Familienvorstellungen finden statt. Gonnabend, 22, und Gonn tag, 23. März, nachmittags 3 Uhr. Kinder zahlen zu diesen Vorstellungen auf allen Bläken halbe Breife. Die Tezte Tierschau ist ebenfalls am tommenben Sonntag, und amar 9-13 Uhr. Der Winterbau ist stets gut geheiat! Antleidefcrant, 1,50, verlauft Gohlte, Greifenhagenerftraße 28. Musikinstrumente Soffmann Vienos. Stammhaus ae Bar moniums, 100 Instrumente Auswahl gnerkannte Tonfchönheit. Preiswirbig feit. günftige Teilzahlungen. Neue Bianos 900 Mart, gebraute 400 at! an ftets Gelegenheitstäufe Alte In ftrumente Gegenrechnung Bianoforte fabrit Geora Soffmann G. m. b. S., Berlin GB. 53. Leipzigerstraße 57 ( Spittelmarkt) Gegen fleine Raten erhalten Sie gebrauchte fomie neue Pianos. Große Auswahl. Lagerbesuch lohnend. 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Was das Verhältnis von Eigenwerden können, daß es, auch unter Einrechnung der Reserven, bankund geschäftsmäßig recht niedrig erscheint, lich der neuen Zuckerzollregelung nach harten politischen Kämpfen tapital und Einlagen anbelangt, wird ebenfalls taum bestritten eine Rach tagelangen und schwierigen Verhandlungen haben sich die Regierungsparteien auf ein Programm zur Abwehr augenblicklich hesonders drückenber Rotstände in der Landwirtschaft geeinigt. Das Programm liegt dem Reichstag in Initialinanträgen vor und dürfte in der nächsten Woche zur Erledigung kommen. Obwohl erst im Dezember 1929 eine umfassende Regelung der Agrarzölle erfolgte, haben sich die Breise der einzelnen Erzeugnisse, insbesondere für Roggen, aber auch für andere Getreidearten, nicht gehoben, sondern sie sind sogar teilmeise bis auf 80 bis 90 Broz. des Bor- schaft führen muß, entgegengewirkt. triegsstambes gefunfen. Entsprechend der in ihrem Agrarprogramm übernommenen Berpflichtung, die Landwirtschaft nor ausge fprochenen Ratastrophenpreisen ebenso chüßen wie die Berbraucherschaft vor einer Breis. überhöhung wichtiger Lebensmittel, hat sich Herabsehung des Zuderhöchstpreises um 1 Mart pro Doppelzentner durchsetzen tonnte. Für den Zuckerverbrauch bedeutet das eine diese Maßnahme einer Uebersteigerung der Zuderproduktion, die Entlastung von 15 Millionen Mart im Jahr. Außerdem wird durch zu großen Exportverlusten auf Kosten der deutschen Verbraucherdie Sozialdemokratie der Notwendigkeit neuer Hilfsmaßnahmen nicht verschlossen. 8 il Die bürgerlichen Parteien hatten eine umfassende Ermächtigung für die Regierung gefordert, die Agrarzölle zur Einhaltung und Erreichung son, besonders beim Roggen start überhöhten, Richtpreisen nach eigenem Ermessen zu verändern. Es braucht nicht gefagt zu werden, daß eine solche Blankopollmacht an eine Regierung, non der man nicht wissen fann, mie sie in einigen Wochen oder Monaten aussehen wird, größte Ge= fahren in fidh birgt. Das Parlament hätte sich durch eine solche Ermächtigung aus einem seiner wichtigsten Aufgabenfreife, nämlich der Bestimmung der Lebensmittelpreise, selbst ausgeschaltet, und es wäre leicht möglich gemorden, daß die Regierung unter agrarischem Druck zu Maßnahmen gezwungen worden märe, die bei poller Einschaltung des parlamentarischen Einflusses nicht durch Von der Sozialdemokratie wurde daher zusetzen gemesen wären. diesen Bestrebungen stärtster Widerstand entgegengesetzt, der schließlich zum Erfolg führte: Der Ermächtigungsplan ist ge fallen. Auch die Forderung auf Erhöhung des Roggen 3011s ist damit hinfällig geworden. Zur Hebung des meit unter Borkriegshöhe liegenden Roggenpreises find neben dem be reits dem Reichstag vorliegenden Brotgeset, das zum ver stärkten Konsum von Roggenbrot anregen soll, finnvollere Maßnahmen durch verstärkte Roggenverfütterung geplant. Im Dezember vorigen Jahres ist der Plan der So zialdemokratie, große Roggenmengen durch Beibehaltung des bisherigen 3mei- Mart- 3olls für Landwirte, die neben der Gerste Roggen verfüttern, zur Berfütterung zu bringen, abge Iehnt worden. An Stelle der vorgesehenen Differenzierung des Futtergerstenzolls ist schematisch eine Zollerhöhung auf 5 Mart gegen die Sozialdemokratie beschlossen worden. Auch in den bürgerlichen Barteien hat sich jetzt die Erkenntnis durchgesetzt, das has ein Fehler mar, her mummehr wieder gutgemacht werden soll: Der alte 2- Mart- Futtergerstenzol soll für Landwirte, die neben der Gerste Futterroggen Taufen, wieder hergestellt merben, mährend hei reinem Gerstenbezug der Zoll auf 10 Mart pro Doppelzentner erhöht wird. 3mar hätte die: SBD on Stelle des 10- Mort- 3olls gerne einen niedrigeren 3011 durchgelegt. Gegenüber dem allgemeinen 5- Mart 3oll bedeutet aber die Wiederherstellung des 2- Mart- 3olls zweifellos eine wesentliche Berbesserung. Die Zollsentung bringt der bäuerlichen Beredelungswirtschaft( Schweineund Eierproduktion) eine Sentimg ihrer Produktionstoften, bewahrt daher die städtische Bevölkerung vor Berteuerung Don Fleisch und Eiern und bemirft gleichzeitig eine zufätzliche Berfütte rung der großen in Deutschland noch vorhandenen Roggenüberschüsse. Sie wird dadurch zu einer gewiffen Stützung der Roggenpreise beitragen. Das floatliche Maismonopol Eine weitere Maßnahme zur Stüßung der Roggenpreise liegt in der Neuregelung, der Maiseinfuhr. An Stelle des bisher im Deutsch- Jugoslawischen Handelsvertrog festgelegten 2,50- Mart- 3alls für Futtermais soll ein staatliches Maismonopol treten, das ebenso die Möglichkeit bietet, allzu niedrige Maispreise, die sich auch wieder auf den Roggenpreis auswirken müssen, zu verhindern, wie auch bei Menderung der Marktlage die bäuerliche Wirtschaft vor einer Ueberhöhung der Maispreise zu schützen. Außerdem ist die Ein führung eines Maismonopols ein neuer wichtiger Schritt auf dem non der Sozialdemokratie für richtig erkannten Wege zur öffent lichen Bewirtschaftung und Breisregulierung des Getreides. Hiergegen richten sich allerdings noch starte Widerstände in der Deutschen Bolkspartei und bei den Demofraten. Stärferer Berbraucherschutz bei Weizen. Benn auch die Sozialdemokratie den neuen Gesetzentwürfen durchaus nicht in allen Bunkten freudig zustimmt, so fann doch gesagt werden, daß nicht nur ein verstärkter Sdrug der Landwirt schaft vor Ratastrophenpreisen gesichert und dadurch zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Kauftraft für Industrieerzeugnisse bei getragen wird, sondern auch für die Berbraucherschaft und die bäuerliche Beredelungswirtschaft teine neue Belastung, teilweise sogar ausgesprochene Entlastung und Verbilligung der Produkte eintritt. Der übermäßige Sturz, insbesondere der Roggenpreise, hat sich freifich nicht in einer entsprechenden Sentung der Brotpreise für den Berbraucher ausgewirft; eine Preis erhöhung trat bisher überhaupt noch nicht ein. Eine geringe Hebung der Getreidepreise wird sich daher gegenwärtig faum in einer neuen Belastung der Verbraucher auswirken. Antwort des GdA. Die Betriebe der Deutschen Wirtschaftsbank. Zu unserer Glosse Bilanztünstler Gd2. Die Kunst des Schweigens" nom 18. März schickt uns die dem Gewerkschaftsbund der Angestellten neheftehende Deutsche Wirtschaftsbant folgende Feststellungen, die wir gern zur Kenntnis der Deffentlichkeit bringen. In der am Samstag, dem 8. 6. M., stattgefundenen Generalperjammlung der Deutschen Wirtschaftsbant A.-G. ist auf Befragen der Presseberichterstatter von der Leitung der Bank mitgeteilt morten, daß die Beteiligungen bei den Firmen Sieben- Stäbe- Berlagsund Druckerei G. m. b. H., G.- Buchvertriebs- G. m. b. H. und R. Boll, Druderei und Verlagsbuchhandlung com Gd. et. worben worden sind. Daraus geht hernor, daß meder die Absicht Deffentlichkeit vorzuenthalten. Die Deutsche Wirtschafts bestand, noch ein Grund vorhanden war, dicsen Tatbestand der bant 2.-G. hat ständig nur 8 Prozent Dividende verteilt, darüber hinaus aber größere Ueberschüsse erzielt, die sie jährlich den Rüd lagen zuführte, so daß bei einem Aftienkapital von 250 000 Mart bereits 400 000 Mart Rüdlagen vorhanden sind. Das in der Notiz ermähnte Beteiligungstonto betrifft ein Berliner Grundstüd im Werte von einer Viertelmillion Marf, das bereits seit dem Jahre 1925 zmeds Berstärkung der stillen Reserven auf 1 Mark abgeschrieben wurde. Etwa 99 Prozent des Attientapitals besitzt der Gd2, der eine Kapitalerhöhung jederzeit pornehmen tönnte, fofort fie notwendig wäre. Diese Notwendigkeit. log jedoch noch nicht vor. Die Deutsche Wirtschaftsbanf höft fich von allen spekulatinen Geschäften fern; fie gewährt nur Stredite gegen entsprechende Sicher heiten. Für die Sicherheit der Anlagen bei der Deutschen Wirt fchaftsban? 2L- G. bietet der Gd2. die gleiche Gewähr wie die übrigen Gewerkschaften bei den non ihnen gegründeten Banten." Soweit die Antwort des Gd2. Wir haben selbstverständlich die an uns gerichtete Zuschrift nur aus fachlichen Gesichtspunkten veröffentlicht. Es wäre sicher zwed mäßiger gemesen, wenn der GdA. auch schon im Geschäfts. Beffere Anleiheaussichten. Deutsche Anleihen in New York bevorzugt. Aus New York fommt die gute Nachricht, daß die deutschen, in Amerifa aufgelegten Dollaranleihen ihre Kurse start ver. beiiert haben und jetzt in der ausgesprochenen Gunst der ametitanischen Kapitalgever stehen. Der Kursverlust von 4½ Proz. im vergangenen Satastrophenjahr ist durch einen kursgewinn von über 5½ Proz. wieder mehr als weltgemacht. Man rechnet allgemein mit einer baldigen Belebung der deutschen 2inleihetätigteit in New York. Wir hoffen, daß der neve Reichs. bantpräsident Dr. Luther dieser großen Chance sur eutjoeidenden Berbefferung der deutschen Kapitalmartfverhältnisse und der deutschen Wirtschaftslage jede Unterstüßung angedeihen laffen wird. Deutsch- polnische Handelskammer. Errichtung einer Zweigstelle in Berlin. Nachdem jetzt der Handelsvertrag mit Bolen unterzeichnet ist, hat der im Mai 1927 gegründete Deutsch Polnische Wirt schaftsbund in Breslau nad Fühlungnahme der maßgebender Wirtschaftsvertretungen feine Umwandlung in eine deutsch polnische Handelskammer mit einer Zweigstelle in Berlin vollzogen. Dem Borstand des bisherigen Wirtschaftsbundes gehören eine Reihe prominenter Bertreter der schlesischen und der sächsischen Industrie sowie des Großhandels und der Bantwelt an. Borsitzender ist der Präsident der Industrie- und Handelskammer Breslau und Mitglied des Reichswirtschaftsrates Dr. Grund. In der in Kürze einzuberufenden Generalversammlung soll über die Ausdehmmg des Tätigkeitsbereiches der neuen Handelstammer Beschluß gefaßt merden. Der Vorstand wird durch) Bertreter der Spitzenverbände und führende Persönlichkeiten aus dem Reiche erweitert. 3meifellos wird die neue Organisation, die auf mehrjähriger proftischer Erfahrung Bolen und Deutschland beitragen. aufgebaut ist, zur Bertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Weitere Feierschichten auf der Thyffen- Hütte. Die Berich led terung des Befchäftigungsgrades in der Montan industrie hält an. So find jetzt auch in der August ThyssenHütte, einem der Hauptbetriebe des Stahltrusts, eine Anzahl Feierschichten eingelegt worden. Auf der Zeche Renmühl, die bereits zum 15. März 400 Bergarbeiter gekündigt hat, ist gleichfalls in den Unter- Tage" und leber- Tage" Betrieben eine neue Feierschicht angesezt worden. Bereinigte Schuhfabriten Berncis- Wessels stellen Dividenden. zahlung ein. Die große Nürnberger Schuhfabrit Berneis. Weffels, die in ihren Nürnberger und Augsburger Betrieben über 2000 Mann Belegschaft beschäftigt, meist für 1929 einen von 470 000 auf 81 000 art gesunkenen Reingewinnt auf. Die Whschreibungen find aber froh, des verschlechterten Ergebnisses pon 220 000 auf 230 000 Mart heraufgesett morden. Während in den letzten beiden Jahren je 6 Proz. Dividende gezahlt wurden, werden diesmal feine Aftionärsgewinne ausgeschüttet. Stabile Dresdner Bank. Auch bei der 10 prozentigen Dividende.- Schiefliegende Wirtschaftsfritif. das Personal zur Aufbringung der Dividende trop der 23 Milliarden Umsatzsteigerung und der Vermehrung der Konten von 289 000 auf 338 000 wieder Haare lassen müssen; das Bersonal wurde weiter von 8357 auf 8020 Personen abgebaut, so daß wahrlich fein Anlaß besteht, über die leichte Berbesserung der Bezüge im letzten Jahr zu klagen, wie es auch die Im Gegensatz zur Commerz- und Brinatbant fühlt man sich bei| dem die Attionäre 10 Broz. auf das 100- Millionen- Kapital erhalten. Geschäftsbericht und Bilanz der Dresdner Bank für 1929 auf festerem, Auch bei der Dresdner Bank hat faft möchte man sagen gepflegterem Boden. Die Angliederung der Ostbant für Handel und Gewerbe aus Hugenbergs politischem Bereich mit der angenehmen Beigabe preußischer Staats garantie mar teine große Angelegenheit, sonstige starte Ausdehnungen hat die Dresdener Bant nicht vorgenommen, so daß der Borjahrsvergleich möglich ist. Wahrscheinlich kann man von einer Brestigedividende bei der Dresdner Bank weniger sprechen als bei der Commerz- und Prinatbant. Eine Reservenſtärkung war ohne Rüdgriff auf stille Reserven der Borjahre nicht möglich, weshalb sie unterblieb. Man wird annehmen dürfen, daß die laufenden Einnahmen angesichts des völlig stagnierenden Börsengeschäfts auch bei der Dresdner Bank zur Not ausgereicht haben, um neben der Bo: jahrsdividende die laufenden Berluste aus dem ungünstigen letzten Bantjahr gerade zu decken. Ein Glanzjahr war 1929 auch für die Dresdner Bauf nicht. Beim Weizenzoll sieht das Regierungsprogramm eine Erhöhung des 3olls bis auf 12 Mart pro Doppelzentner vor, um den im Dezembergesetz festgelegten Richtpreis von 26 Mart Die Bilanz zeigt noch eine relative starte Entwicklung. Die pro Doppelzentner zu erreichen. Auch hier ist es für die Sozial- fremden Gelder sind noch um 163 auf 2275 Millionen andemokratie non größter Bichtigkeit, daß in das neue Gesetz für den gemachsen. Auf der Attivseite haben sich die Wechselbestände frei Fall einer Benderung der Weltmarktverhältnisse der Verbraucherlich mehr durch Zunahme öffentlicher Schuldwechsel um 55 auf schutz verstärft wurde. Soll der Richtpreis von 26 Mart im Durch schnitt von vier Monaten überschritten werden, so ist die Regierung verpflichtet, den Weizenzoll zu senten, und amar nicht mur, wie nach dem bisherigen Gefeß, auf 3,50 Mart pro Doppelzentner, fondern, falls dies notwendig wird, bis auf 1,50 m. pro Doppelzentner. 563 Millionen erhöht, die Borschüsse auf lagernde und schwimmende Baren fonnten um 18 auf 397 Millionen steigen, und in laufender Rechnung vermehrten sich die Forderungen um 135 auf 1003 Millio nen Mart. Auf beiden Seiten der Bilanz dürfte die redit befchaffung für öffentliche Rörperschaften nicht unerheblich zur Bermehrung der Geschäfte beigetragen haben, für deren äußerliche Steigerung auch die Erhöhung der Bilanzsumme von 2,35 auf 2,51 Milliorden zeugt. Tas miserable Börsen Andere in den Gesezentwürfen vorgesehene Maßnahmen, wie Einführung eines Kleiezolls, Aenderung des Mehl- und Ralzzolls, Crhöhung des Zolls für ohnehin im Arbeiterhausgeschäft fommt in der Halbierung der Börsen- und Bfanddarlehen haft nicht getaufte Frühfartoffeln in der Zeit vom 15. Fe bruar bis 1. April sind im Rahmen der Gesamtpläne von untergeordneter Bedeutung. Erwähnt muß mur noch merden, daß der bisher auf 8 Mar? pro Doppelzentner starr festgesetzte Safer3011 nun auch in einen Gleitzell von 4 bis 12 Mart umgewandelt mer. den soll. zum Ausdrud, die von 114 auf 57 Millionen gesunken find, aber auch in der Zunahme der eigenen Wertpapiere, wo die Kursstügung für nahestehende Unternehmungen den Bestand von 29,0 auf 40,4 millionen erhöht hat. Obwohl fein 3mejfel darüber ist, daß die deutschen Banken nicht nur ihre öffentlichen, sondern auch ihre privaten Schuldner bei Kreditgemährungen immer noch sehr hoch nehmen, zeigt die Dresdner Bant troß einer Umjagsteigerung von 225 auf 248 Milliarden im ganzen rüdgengige Einnahmen. Der Steigerung der Binseinnahmen um 1,3 auf 37,3 Millionen und den um 0,4 Millionen gestiegenen Beteiligungsgewinnen steht ein Rückgang der Brovisions Für ein legtes Produtt, den 3uder, ist eine Erhöhung des Bolls von 25 auf 32 Mart von den Regierungsparteien beschlossen worden, um der ausgesprochenen Dumpingeinfuhr aus der Tichechoslowakei entgegenzutreten. Aarf die Preisgestaltung des Zuders hat diese Maßnahme feinen Einfluß, da der Zuderpreis nicht durch den Zoll, sondern durch den gefeglich festeinnahmen um 2,2 auf 37,7 Millionen gegenüber. Die gesamten gelegten höchft prets testimmt mire. Dieler Höchfinreis, on teffen Geftjekung vor 1% ahren auch die Enzialdemokratic inite erbeitet hat, ift gegen den Millen der SBD. im Sommer festen Jahres non ten bürgerlichen Barteien erhöht worden. Es ist eine besondere Befriedigung für die Sozialdemokratie, daß sie anläß Sondels- und Rerwaltungstoften stiegen von 58.0 auf 598 Millionen: the Greving tomte durch den Rüdgang der Feuerzahlungen, non 7.5 ouf 7,2 Millioner twettgerat werden. So werden statt 13,4 millionen Reingeminn im Vorjahr nur 11,4 millionen ausgewiesen, aus Dresdner Bank tut. Bedauerlich ist, daß auch die bei der Konjunkturanalyje jetzt so fleißige Dresdner Bank nur eine dem Geschmack der Durchschnittsunternehmer Rechnung tragende Kritik der Wirtschaftslage zustande bringt. Die Konjuntturverschlechterung de finiert sie als plögliche Ausbreitung eines bisher mehr oder weniger latenten wirtschaftlichen Krankheitsherdes, für den sie im alten Unternehmerjargon die ,, perfehlte 28irtschafts- und Steuerpolitif" verantwortlich macht, die zur Steuerzahlung aus der Substanz gezwungen habe. Wir halten eine solche Darstellung für unchrlich und auch der Dresdner Bank für unwürdig, und zwar deshalb, weil man nicht daran vorbeigehen darf, daß die feit 1926 durchgeführte Rationalisierung durch die unzulängliche Preissenfung besonders bei Kartellpreisen und agrarwichtigen Produktionsmitteln perjodt ist, und daß das hohe Niveau des deutschen Kapitalzinses sich aus der unsinnigen offiziellen Auslands anleihepolitit mindestens ebenso erklärt wie aus der durch diese tünstlich gesteigerten Höhe der öffentlichen schwebenden Schuld. Beil so wichtige Ursachen der gegenwärtigen Konjunkturverschlechterung verschwiegen merden, läßt sich leider auch mit der Dresdner Sant über die Mitte! zur Berbesserung der gegenwärtigen Lage nicht distutieren, die die Dresdner Bank allein in der einseitigen Konsum. besteuerung zu verstärfter Rapitalbildung crblidt. Ret intereffant und festzuhalten ist eine Bemer tung über die Arbeitslosenversicherung:„ In einer Wirtschaft mit starfer Rapitalbildung und reichlichen Betriebsmitteln wird in einer Arise eine Arbeitslosenunterstügung unter Umständen einen gewiffen Ausgleich für konjunkturschmanfungen bilden, meil durch die finanzielle Alimentierung der Arbeitslosen ein plöglicher gänzlicher Ausfall dieser Kreise auch in der Nachfrage nach Verbrauchsgütern nermieden und die Absatzstockung dadurch gemildert werden fann." In diesen Borten liegt eine Crundsägliche Anerkennung der nolimiti hafilichen Smrdosipfeit der Arbeiletojennerficherung unter tonjunkturrolit fchen Gefichtspuntten, die auch die Arbeiterschoit gerne zur Kenntnis nimmt. Donnerstag 20. März 1930 Unterhaltung unü Missen Beilage des Vorwärts Miienne Jße Zu ihrem 200. �odesiag am 20. Wärm Georg Brandes schreibt über Adrienne Lecouvreur: „Es kommt einem heutzutage vor, als sei die ganze Rechtlosigkeit des vorrevolutionären Frankreichs in Adriennss. Schicksal zusammengedrängt.'(Tecifc Corel, dos hochverehrte Mitglied der ComSdi« ioangoise, verfaßte ein Buch der Rechtfertigung für ihre große Kollegin aus dem 18. Jahrhundert: in ihm heißt es:.Das ganze Leben der Adrienne Lecouvreur war ein Leiden. War ein unge- heurcr, me aufhörender Schmerz. Adrienne Lecouvreur wurde nur die große Künstlerin, da sie so große Schmerzen erleiden mußte." In Sarah Bernhard, in Eleonore Duse, in Cccile Sorel, in Asta Nielsen lebt Adrienne fort als Schauspielerin des Schmerzes.— Gcrib e und Legouv« lassen in ihrem sentimen- talen Krnninalstück.Adrienne Lecouvieur' die große Darstellerin nach einem nicht mehr überbietbaren Erfolge sagen:.Ich habe nicht immer das Glück, so gut zu leiden wie heute." Voltaire wurde beinahe verbannt um der Wort« willen:.Sie hat die Welt de- zaubert, und Ihr straft sie dafür!' Es ist kein billiger Gedenktag. lultus, nach 200 Jahren wieder mit Voltaire bei der Sterbenden zu stehen und zu wissen, daß dieses vergehende Gesicht einer kleinen, ltillsn Frau wie das Antlitz der Menschheit war. In einem verfallenen Winkel wuchs sie auf. Der liederliche lhutmacher Eouvreur, ihr Bater, hockte den ganzen Tag idiotisch N einer Stubenecke und grölte unanstäiüZige Lieder.' Einmal steckt er das ganze Zimmer in Brand. Die Schwester quält die kleine Adrienne mit Bosheit, Jähzorn und Eifersucht. Die Mutter prügelt die beiden Mädchen. Adrienne flüchtet dann und wann in die Nach. barschaft zu einem Spezereienhändlcr und schafft sich dort ihre rgene Welt: Theater mit Kindern. Was weiß Adrienne vom Theater? Sie wollt« ein« andere Wirklichkeit..Polyeucts" wird »on der Troupe Adrienne aufgeführt. Es spricht sich herum. Die Frau Parlamentspräsidentin läßt sich in ihrem Hause vorspielen— wieder und wieder. Immer mehr Menschen kommen und sagen es weiter, bleiben vom Theater weg und hören und sehen der kleinen -ldrienne zu. Die Comedie francass« reicht Klage«in wegen Ge- fchäftsschädigung. Fräulein Theaterdirektorin und Hauptdarstellerin -rhält Spieloerbot. Aber der Polizeipräsident selbst wünscht Adrienne noch einmal zu feilen. Das Verbot wird ausgehoben, der Großprinr von Vendbm« stellt Rämne des Temples zur Verfügung. Adriemie wird elegantes Spielzeug. Sie will künstlerische Arbeit. Ihre Tante wäscht für den Schauspieler Le Grand. Durch ihn bekommt Adriemie cm Engagement nach Lille. Zwischen Theater und trübseligem Logis mit Vater und Schwester: die erste Liebe. Ein Baron G. oder D. Er stirbt. Reue Engagements in Luneville und Straßburg, in Metz und Verdim. Adrienne wird zum erstemml Mutter. Der Liebhaber verläßt !i«. Sie hat jetzt 2000 Franken Gage. Vater, Schwester, Tochter leben von ihr; auch ihr verschuldeter Kollege Gaston. Sie kommt >urch ihn nun selbst in Schulden. Der junge Graf Kllnglin hat Geld, und eine so unbelastete, vergnügte Art, die einen so jungen, w müden Menschen wie Adrienne direkt mitreißt. Zldrienne ist mir iwch mit dieser einen großen Liebe zu dem Vater ihres zweiten Kindes öeschästizt, auch als er sie längst wieder verlassen Hot. .ldrienne verliert in der Zell dieser Erschütterungen ihre Konnexio- n«n und Protektionen. Es trar olles wie heute. Mit der Liebe »md dem Geschäft. Aber am 14. Mai 1717 debütiert das fünsund- zwanzigjährige Fräulein Adrienne Lecouvreur on der Comedie iraniaise! Alle zwei Tage tritt sie auf. Die Diener im Salon Lecouvreur melden:„Der Herzog von Richelieu! Der Marschall von Vegaul! Die Herzogin von Maine!" Man reißt sich um die elegan- teste Frau der Zeit. Madam« verfügt über 300 000 Pfund Vermögen. In ihrer weißen Bibliothek wird ihr Voltaire vorgestellt. Als sie sich begegneten elegant, gewandt, lebhast, halb konven- tionell und halb herzlich—, war es, als sähen Adam und Eva der Legende sich an. Aber Liebe, Liebe gibt es imr mit dem jungen Grafen d'Agental.„Er ist ein Engel", sagt Voltaire, und läßt Madame mit dsm Knaben allein. Damit aus dem Knaben ein Mann wird(wie dos die Karriere so verlangt), mutz Adrienne den kleinen d'Agental von sich lösen. Adrienne ist die erste Schauspielerin Frankreichs, die bewußte Vorkampferm ihres Standes, die krast des von ihr geübten Zaubers Gleichstellung mit den distinguiertesten Damen erreicht hatte. Die Jahr« nach dem Abschied von d'Agental gehören nur der Kunst. Di« Bühne ist für Adrienne nicht mehr das Reich der Illusion. Sie will st« zum Bilderbuch der Geschichte, zum Spiegel de» Zeit, zum Forum der Menschlichkeit gestalten. Der Schauspieler ist ihr der gesammelte Ausdruck oller. Sie will die Sprache des Tages reden, will wie alle lachen und weinen. Sie rezitierte nicht, sie sprach. Adrienne spielt, probt, fährt zur Visite, hat Gäste. Nur der Körper ist«in wenig schwach. Sie lernt, sie berät sich mft Schnei» dein und Friseuren und erzieht einen gewissen Moritz von Sachsen. Alles, was roh an ihm ist, will sie edel machen. Er betrügt sie viel und hat nie Geld. Die Lecouvreur verkauft ihre Wagen, ihren Schmuck. Sie finanziert ihn alz Herzog von Kurland, obwohl das ihren Lebonsinteressen doch gerade zuwiderlief. Moritz kam nach Jahren als armer Abenteurer zu Adrienne zurück. Tie grand« Ainoureuse Lecouvreur hatte still auf ihn geroartet und hielt neues Geld für ihn bereit. Aber erst nach ihrem Tod« wurde ihr Geliebter einer der berühmtesten Feldherrn seines Jahrhunderts. An diesem ihren grauenvollen Tod war er vielleicht ein wenig be- teiligt. In Verbindung mit einer seiner anderen Freundinnen, der Herzogin von Bauillon. Es gab eine romantische Derschwörung nüt maskierten Herren und einem buckligen Abbe, heimlichen Billetts und versteck-en Giftpastillen. Schulmädchcns würdig. Die Herzogin macht sich kein Gewissen daraus, eine Frau, die dem breiten Volk entstammte, aus dem Weg« z» räumen, und hat um so weniger Bedenken, als dieses Kind des Volkes dem von der Kirche verdamm- ten Schauspielerstand angehört. Di«. Herzogin von Bouillon merkt nichts davon, daß Moritz von Sachsen in Wahrheit in den Händen einer kleinen, losen Sängerin ist. Nur Loltaire war bei der sterbenden Adrienne. Am 12. März 1730 hatte sie noch die Jokast« in seinem„Oedipe" gespielt. Nach der Vorstellung zeigten sich die ersten Bcrgiftungserscheinungen. Am 20. März hörte Voltaire ihr« letzten Worte. Der Verstorbenen ver- weigerte man Leichenbegängnis und Grab. Man hatte einen wunderbaren Grund gesunden. Der Pfarrer von St. Sulp!« hatte Zldrienn« vor dem Tode mit größtem Eifer aufgefordert, Reue über ihre Lebensstellung auszusprechen. Sie war zur„Reue über das Aergernis, das ihr Beruf mit sich führte", nicht zu bewegen. Die Leiche wurde nicht einmal auf eine Bahre gelegt, sondern um Mitter- nacht in eine alte Droschke gebrocht, nur von einer Runde Polizei- soldaten begleitet und von zwei Lastträgern auf«inem öden Vau- platz vergraben. Der fassungslose Voltaire hatte die Leiche sezieren lassen. Ilm eine erneute Leichenschau zu vereiteln, wurde der Leich- nam der Adrienne Lecouvreur mit frischem Kalk überschüttet, wie später der tot« Voltaire. Horben Klepper. £. mojerichter: AtTlf Clteil»11561* SräleHetl Singend schaukelt der Lumpensammler im Oelwasser um die Wände der Ozeankästen. Afrika trillert fo sein Morgenlied und in den Luxuskabinen er- machen die Puderquasten. Unterhosen, Büstenholter. Pauchbinden und Florstrümpfe stiegen aus den Bullaugen, und dem schwimmenden Lumpensammler von Port Said werden sie zu silbernen Sternschnuppen, die«r mit Schokoladenhönden aus dem Wasser fischt. Jetzt zieht er ein Berliner Zeitungsblatt in seinen Kahn, wo Inventurausverkäufe, Todesanzeigen, Angorokater zugelaufen und ehrlich gemeint im Sonnenbad Afrikas die letzten Reste ihres Zweckes wie eine Seele ausgeben... Weiß und weich, wie eine ausgedrückte Zahnpasta, schiebt sich der Suezexpreß an den Hafen. In den Warteräumen gibt es statt Stühlen nur Fliegen. Der Saal scheint von Heuschreckenschwärmen bis auf die vier Wände kahl gefressen zu sein. Durchs Coupefenster glitzert der Suezkanol wie die Litze eines Unteroffiziers. Wüst« und Meer schieben sich im Menzalesee in- einander. Der Zug rast sich in fieberndes Tempo hinein und noch immer hängen Feshändler, Zauberer mit allen Fingern voll Giftschlangen an den Waggontüren, gießen Wasservertäufer Limonaden durchs Fenster in die Tropenhelme der Reisenden. Stationen lang rollen Zwiebel... Zwiebel... Zwiebel in GiAer wagen vorbei. Zur Linken ist mit dem Lineal der Suez in übermenschlicher Einförmigkeit am Geleise emlanggezogen. Und das ewig Gradlinige läßt erst dos Wunderwerk dieses Trennungs- llriches zweier Erdteil« ahnen. Hier kann man vom Waggonfenfter aus— leere Konservenbüchsen von Afrika nach Asien schleudern. Und in drei Sekunden sind zwei Welten überwarfen. Aus der Afrikaseit« badet«in Vaggerarbeiter— und drüben in Asten liegt ihm Hemd und Hose... Der Staatenatlas des ganzen Globus zieht, auf die Masten der Schiffe geknüpft, im«anal vorüber. Aus«inem(leinen Fracht- dumpfer hängt die Frau Kapitän Kinderwäsch« in die ägyptische Sonn« und die gleiche Wörme, die einst die königlichen Leiber von dreißig Dynastien austrocknete, strahlt jetzt über dos baumwollene .Mamas Liebling". Von einem englischen Steamer her weht der Geruch von Beessteates. wozu ein Saxophonbläser am Achterdeck sein« Morgenandacht in die Wüste miaut. Auf den arabischen Bahnhösen waaet am Perron die Hitze. Vereinzelnd hocken Fellachendorser im Wültensand herum. Ueber ihr§ lehmige Armseligkeit wedeln die Palmen als Fanfaren höchst königlicher Ueberhsbung. Und kein 2lugs wäre oerwundert, wenn in ihren Gezweig«» Englands Floggen wehen würden. Aus dem Suezschils singen Vögel die Kabarettlieder der Wüst«. Kanäle biegen hart an die Bahn her. Und jetzt glaubt man, die Schiff« im Kanal schwimmen im Sand« hin. Das Wasser Lcsseps ist versunken— beide Erdteil« zu seiner Rechten und Linken liegen als einziges, un zerschnittenes gelbes Tischtuch da, durch das die Schiffe in des Auges Täuschung wie Autos auf staubigen Straßen fahren. Am Horizottt wechseln die Wüsten ihr« Farben. Blendendes Weiß steigt auf, schreiendes Rot flutet dazwischen, Gelb überwältigt alles... Der Südwind schlägt als Brandung die ersten Sandwellen durch die geschlossenen Fenster. Di« Holzjalousien sausen herab. Aber im Abteil wirbelt der Staub. Jeder Biß der Zähne knirscht aus Sand. Und das Erlebnis der Wüste beginnt mft dem Gefühl — jetzt sind dir alle Plomben ausgefallen...! Europäisch« Kindersräulein fühlen unbewußt den Antrieb— ihr« Kleinen mit Kübeln und Schäufelchen zum Buddeln in diesen größten Sandspielplatz der Erde zu schicken. Ein Herr meines Abteils konfrontiert die Wüstenlandschaft mit den bisher gesehenen Abbildungen auf Zigorettenschachteln und nicht befriedigt:„Stimmt"...! Lampenschirmhell schimmert dos giftig« Grün der ersten winzigen Oasen auf. Palmemvälder rauschen. Schatten breiten über Wasserräder die Hände aus. Kamele ziehen die Minutenzeiger im Kreise und schöpfen Fruchtbarkeit in die Felder, die England erntet. Da reitet ein Muselmann mit geschultertem Sonnenschirm und Dattelkern« im Munde am Bahndamm entlang und seine Fersen ziehen Geleise in den Staub der Landstraße. Und bort unter diesem Laubdach rasten Mann und Weib mit ihrem Kind— und wenn wir zweitausend Jahre eher vorübcrgesahren wären, müßten es Maria und Josef mit dem Jesuskind geiveien sein— aus der Flucht nach Aegypten. Weihnachtskrippen bei 22 Grad Cesius...! Wie Telegraphendrähte durchschneiden die bleiige Lust— die Gebete, die von den Minaretts der Dorfmoscheen herab gen Mekka ziehen. In die Furchen der Aecker sind gläubige Leiber geworfen und das Lob Allohs blüht hunderttausendfältig daraus hervor. In den Gängen der Pullmannwaggvns riecht es nach Orangen und Pfefferminz. Unbemerkt stieg der Durst mit ein— und von Station zu Station macht er sich breiter und belostigl sogar die Ladies in I. Klasse. Immer näher scheinen die Abteil« gegen die überhitzt« Lok». inotiv« vorzurücken. Alle Herren sitzen in Hosenträgern. Di« Damen fächeln mft Journale» Achtzig Kilometer fliegen vorüber,, JL Draußen tanzt ein arabischer Jahrmarkt. Vor Cafehäusern aus Lumpen lagern Vollbart«, Kamele. Esel und ägyptische Polizisten durcheinander. Kinder balgen sich um Tabakstummel. Frauen tragen mehr Lasten aus dem Kops— als mancher europäischer Akademiker inwendig. Auf den Dächern liegen die Misthausen, und Hühner scharren durch die Decke den Muslim in den Schlaf. An den Süßwasserkanälen weiden Herden und Barken setzen Karo- wanen über. In Ketten schaufelt eine Sträslingskompagnie zwischen grasenden Büffeln. Und der Aufseher improvisiert mit der Rilpserdpeufche pfeifende Hieb« durch die gestockte Lust. Ein Sachse kaum auf die Idee— im Waschraum Erfrischung zu suchen. Wasser rann— aber es dampfte wie Teeaufguß. Man reibt sich mit Zitronenschale die Stirne, verschwendet die letzten Reste Kölnisches Wasser. Nichts hilft. Der Durst sitzt überlebensgroß in allen CoupHs und verwendet die Reisenden als Dünstobst. Und zum erstenmal im Leben bekommt man Einfühlung in das G-fühlsleben eines Vratkartoffels. Im Süden steigt das Mokkadamgebirg« in die Schinorpfanne des Himmels hinein. Die Straßen werden zu Ladentischen. Die Mäuler der Dromedar« heben sich und ahnen die Ställe. Im Kessel liegt, von zwei Wüsten garniert— Kairo, die Stadt ohne Wetter- bericht. Jacken werden zu Pelzmäntel, Strohhüte wandeln sich auf dem Kopf in Stahlhelme. K'msthoniggelb leuchten die Gesichter der Fahrgäste Port Said — Kairo und spiegeln eine Miniaturwüste. Eilig fahren Damenhände in ihre Handtaschen, um sich«ine kirschrote Oase um den Mund zu streichen. Aber— während der Fahrt waren die Lippenstifte geschmolzen. Und lagen wie zerlaufen« Vierfruchtmarmelade am Boden. Spaziersahren Unter den Linden find ein ander Ding— und einmal ist's auch schön, wenn Rouge statt zwischen Lippen— an Zwei siedenden Erdteilen vorbei zerschmilzt... ITie foll das neueißerliiwrllluieum heilen t W!« sollen die neuen Museumsbauten genannt werden, die sich zwischen dem Kaiser-Friedrich-Wuseum, der Nationalgalerie und dem Reuen Museum aus der Berliner Musenmsinsel erheben und demnächst erösfntt werden sollen'? Diese Frage wirst der General- Direktor der Museen Wilhelm Waetzoldt in einem Aufsatz des„Kunfts Wanderers" auf, in dem er sich zugleich mit dem Wirrwarr der Mu- seumenamen überhaupt beschüstigt. Die Bezeichnung eines Mu- seums gibt ja in den seltensten Fällen das Wichtigste an, nämlich seinen Inhalt. Meist hängt der?tame mft irgendwelchen äußeren Beziehungen zusammen. Freilich hat es noch keinem Museum ernst- lich geschadet, wenn es einen nichtssagenden Namen trug, und auch die schönste Benennung kann keinem Museum zu Ruhm und Besuch verhelfen, wenn es keine innere Bedeutung besitzt. Aber da nun einmal Museen wie Kinder einen Namen kriegen müssen, so steht man jetzt auch bei den Neubauten vor der großen Frage der Namens- wähl. Unter den bestehenden Berliner Museen kann das Alle Mu- scum insofern seinen Namen-echtferligen, weil der Schinkel-Bau nicht nur Preußens ältestes Museinn fft, sondern auch seit drei Jahrzehnten nur Werke aller Kunst birgt. Sehr irreführend aber ist die Bezeichnung Neues Museum, das so als Ergänzungsbau zum Allen Museum genannt wurde, aber mit neuer Kunst laum irgendwelche Beziehungen hat. Noch schlimmer ist es bei dem ehe- maligen„Kunstgewerbemuseum", das überhaupt kein Kunstgewerbe mehr enthält. Die Neubauten auf der Museumsinsel zeigen zwei Flügel und einen verbindenden Querbau. Der Nordflügel, der d e deutschen Werke der Plastik und Malerei von der Völkerwandemmgs- zeit bis zum Rokoko enthält, wird als„Deutsches Museum" einen bezeichnenden und einprägsamen Namen führen. Der Quer« bau, der in der Mitte den gewalligen Pergmnonsaa! und in den benachbarten Sälen das Museum antiker Architektur umfaßt, erhält zwanglos den Titel Pergamonmuseum, und wenn man den Südslügel der Neubauten als Vorderasiatisches Museum ansprechen wollte, so fände das feinen Grund darin, daß im Erb- gsfchoß die Altertümer aus Babyion, Assur usw., km Obergeschoß die islamische Kunstabteilung Unterkunft finden. Läßt sich so dl» Tauf« der einzelnen Teile befriedigend lösen, so ist dies bei dem Gesamtkomplex nicht der Fall. Von der örtlichen Lage ausgehend. kann man an„Jnselmuscum"(auf der Museumsinsel) denken oder an„Forummussum", weil es um den Formn genannten Ehmihof liegt oder an„Cttymujeum" wegen der Lage im Kern der Sa de. Man hat auch an die Nomen �iubiläumemus eum" oder„Jahr, Hundertmuseum" gedacht im Zusammenhang mit dem Jahrhundert- jubiläum der Beniner Museen. Aber kein« dieser Bezeichnungen befriedigt, und so bleibt iv« Frage: Wie soll das neue Mn'enm heißen? i'osn irausncplunijchen tPlanefen Die amerikanischen Zeitungen enthalten weiter spollenlang« Schilderungen von der Auffindung des neuen, des sogenannten transneptunischen Planeten durch das Lowell-Observatorimn i« Flagstaff und erörtern eingehend die Theorien, die sich cm dies« Entdeckung knüpfen. Nach der Alisicht der Leiter des Lowell-Obser- vatoriunts wird es allerdings Monate dauern, bis man sich auf Grund der Beobachtungen, die man jetzt mit den machtigsten Fern- röhren der Well anstellen wird, ein einigermaßen zuverlässiges Bild von dem Planeten machen kann. Denn dieser erscheint dein Auge auch in diesen Fernrohren nur als winziges Sternchen. Nack, Anfichi: der Astronomen muß der Planet von xiefigen Ozeanen, wenn man so sagen darf, bestehend aus flüssiger Luft umgeben sein. Auf jeden Fall glauben sie, daß der neue Planet noch tiefere Temperaturen als der Neptun ausweist, wo nach ihren Schätzungen die Temperatur so niedrig ist, daß dvs Stickstossgas einen festen Körper und der Sauerstoff zumindest eine dichte Wolke lüldei. Infolge der riesigen Eittfernung von der Sonn«, die mit etwa 2 Milliarden Kilometer angenommen wird, dürste auf dem neuen Planeten das Tageslicht, das von der Sonne ausgeht, für unsere Begriff« nur etwa die Stärke unseres Mondlichts haben. Tie Größe des Planeten setzt man der der Erde gleich, seine Ilmlaufsgeschwindigkoll nimmt man mit zwei Mellen In der Sekunde an, gegenüber 19 Meilen bei der Erde. Dem» entsprechend und in Anbetracht der großen Entfernung van der Tonne ergibt sich auch eine sehr lang« Dauer für ein« Umdrehung um die Sonn«— das Jahr auf dem transneptunischen Planeten dauert etwa 230 Erdenjahr«. Die Veränderung des Standorte des Planeten am Hirrmie! macht demnach für das menschlich« Auge während eiues Jahres nicht mehr als etwa zwei Monddrnte» aus. Theater, Lichtspiele usw. Donnerst, 20.3 Staats- Oper Unter d. Linden Tail- Ab. A Da. No. B Jahres- Ab.- V. No. 77 20 Uhr Donnerst, 20. 3. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uhr Der Postillon Bohème v. Lonjumean Ende 221 Uhr Staats- Oper Am Platz der Republik R.-S. 24 20 Uhr Die heimliche Ehe Ende g. 22 Uhr Staatl. Schausph. am Gendarmenmarkt St. R. 3 Do. No. 6 Jahres- Ab.- V. No. 68 20 Uhr Candida Ende g 22 Uhr Ende geg.22 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charithg. 20 Uhr Florian Geyer Ende 22 Uhr SCALA Tägl. 5 u.8%, Uhr. B5 Barb. 9256 Theater i. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Arthur Roberts 8% Uhr Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr( halbe Pr.) Winter Garten 300 8.15 Uhr Zentr. 2810 Rauchen erlaubt Goldin mit neuen Illusionen Demust& Somlatolf, d.bellebteTanzpaar Mary& Erik, Sport u. Grazie auf geräuschlosen Rollschuhen usw. Volksbühne Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Das Gerücht Komödie in 14 Bildern v. C. K. Munro Regle: K. H. Martin Staatl. Schiller- Th. 8. Uhr Florian Geyer Deutsches Theater D2 Weidendamm 5201 Tägl.8% Uhr Barnowsky- Buhnen Theater in der Königgrätzer Straße Täglich 8% Uhr Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler Regie: Victor Barnowsky Komödienhaus Täglich 8th Ubr Der Lügner und die Monne von Curt Getz Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8% U. Pr. 1-6 M. Wochentg. 5 U. 50 Pf.- 3 M. Der Kaiser Holla di Bulla Gastspiel Erich Carow und weitere 9 Internation. Attraktionen PLAZA Tägi. 5 u. 815 Sonat. 2,5 g. 8 Alex. E 4, 8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Nur noch 42 Vorstellungen! 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL Sonntag nachm. ungek. halbe Pr. 8% Uhr CASINO- THEATER 8 Uhr Lothringer Straße 37. Wieder ein neuer Schlager Der wahre Jakob Stürmischer Helterkells- Erfolg v.Amerika von Bernard Shaw Schwank von Arnold and Bach Reg: Max Reinhardi Kammerspiele D2 Weidendamm 5201 8 Uhr Die liebe Feindin Komödie von A. P. Antoine Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8% Uhr Liebe auf den zweiten Bilek Regie: Gustaf Gründgens Trianon- Theater Die Komödie J1 Bismck.2414/ 7516 8 Uhr Die Kreatur Schauspiel van Fard. Bruckner Regie: Max Reinhardt Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Leitung: Dir. Arcim Georgenstr. 9 Heute 8 Uhr Premiere Ab morgen 2 Vorstel ungen 6 und 9 Uhr Revue Bas lebende Magazin Künstler- Theat. Kleines Theat, Barbarossa 3937 8 Uhr Merkur 1624 Täglich 8.10 Uhr Dazu ein erstkl. buntes Programm Sex Appeal madame hat Gutschein für 1-4 Personen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M Direktion: Dr. Martin Zickel Komische Oper Merkur 1401/4330. Friedrichstr.104. Nach vollständigem Umbau Täglich 8% Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guldo Thiolscher, Schulz, Schroth, Burg, Hildebrand, Walter Rabs, Flink, Behmer, Wensk Lustspielhaus 8% U. Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Liebe auf den zweiten Blick. Riemann Haack. Vorverkauf in belden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Operettenhaus Lessing- Theater Alte Jakobstr. 30/32 Weidendamm 2797 0846 ( Zentral- Theater) Täglich 8% Uhr Heate geschlossen. Die Fledermaus Freitag 7 Uhr mit Gustav Matzner Preise 1, 2, 3 M Premiere Haps Daniel. Die goldne Meisterin ( Craule Rose) Große Wiener AusstattungsOperette in 3 Akten mit der Musik von Edmund Eysler täglich 8.15( jeden Sonntag um 5.15 und um 9 Uhr) im Rose Theater Große Frankfurter Straße 132 Billettkasse: Alex. 3422 und 3494 Sonnabend 5 Uhr Someswellchen und Rosenrot Nächsten Sonnabd. 11.30 abends Der Mastergatie". Vorverkauf ab Montag täglich von 11-1 Ubr und von 4-9 Uhr abends. Reichshallen-Theater Abends Sonntag nachm. Das herr.iche März- Programm der , Stettiner" 1131.8113 113 Zentrum 11263 Dönheff- Bretti: Variete, Gesang, Tanz, Ronzert. Losisp. v. Frederik Lonsdale Regie: Forster Larrinage Albert Bassermann, Mady ChrisHans Berliner Theater Dōnhoff 170 8 Uhr Ende 10% Uhr „ Eins, zwei, drei" von Franz Molnar mit Max Pallenberg. Regie: Bust.Hartung Vorher: souper Heinz Hilpert. Regie Residenz- Theater Künstl. Leitung Gaston Briese Taglich 8% Uhr Sonntag 4 Uhr Eisrieke Rundfunkh. babe Pr. Ausgang Erika von Tellmann Paul Hörbiger Hermann Schaufuß Lvovski, Braut Theat. a. Kotth. Tor Kottb. Str. 6 Tagl& Uhr auchSonnt. Millionen RM wandern jährlich für Eier ins Ausland! Deutsche Frisch- Eier tragen den AdlerStempel fordert deutsche friſch Lier! K. G. Richter REICHSAUSSCHUSS FÜR GEFLÜGEL UND EIERVERWERTUNG Metropol- Th. 81 Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwars, Richard Tauber Musik von Franz Lehár Planetarium am Zoo Verläng. Joachimsthaler Straß B. 5. Barbarossa 5578 16% Uhr Der Frühjahrshimmel 18% Uhr Merkwürdige Sterne( Riesen Zwerge 20% Uhr Inser Mond Eintritt 1 Mark, Kinder 50 Pf. Wo speist man gut und billig? Nur Gross- Berlin Alexanderplatz MolkereiTafelbutter Schwerhörige Heus Modelle!! hören sofort wieder mit dem ärztlich empfohlenen ORIGINAL AKUSTIK APPARAT mit neuestem Kleinhörer! Noch Besseres gibt es nicht!-Deutsche Akustik Gesellschaft m. b. R. Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u.Vorführung: Berlin- Wilmersdorf, Motzstr. 43 Bin., Klosterstr. 76, Eing. 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August 1874, am 14. März geftorben ist Die Einäscherung findet Donners. tag, ben 20. März, 17 Uhr, im Arematorium Baumschulenweg, Riefholzstraße, ftatt. Am 18. März starb unser Kollege, ber Uhrmacher Richard Bartels geb. 6. Ottober 1864. Die Beerdigung findet Sonnabend, ben 22. März, 14 Uhr, von ber Beichenhalle bes Reuen Marten Kirchhofes, Prenzlauer Allee, statt. Ehre ihrem Audenten Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Ami 17. März nerftarb plöglich meine liebe Frau, unsere gute Mutter Dora Schulze im Alter von 40 Jahren. Jm Namen der Hinterbliebenen Heinrich Schulze. Dora, Anna, Karl- Heinz Brennecke, als Kinder. Die Einäicherung findet am Frei tag, bem 21. März, abends 84 Uhr. im Krematorium Gerichtstr. ftatt. Hauptschriftleiter Die Volkshaus GmbH.( Gewerkschaftshaus), Königsberg Pr. nach Stettin gesucht. sucht zum baldigen Eintritt einen tüchtigen Geschäftsführer Bewerber müssen mit allen einschlägigen Fragen, die der Betrieb erfordert, befähigt sein. Bedingung mindestens 5 jährige Verbandszugehörigkeit. Der Bewerbung sind ein handschriftlicher Lebenslauf und Angaben über bisherige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung beizufügen, ebenso Gehaltsansprüche. Reflektiert wird auf eine erste Kraft, die kaufmännisch vorgebildet sein muß. Die Bewerbungen sind mit der Aufschrift Bewerbung bis zum 1 April 1930 zu senden an Albert Drews, Königsberg Pr., Vorder- Robgarten 61/62, Zimmer 23. Zum 1. April d. Js.( evtl. später) suchen wir einen ertahrenen und verläßlichen politischen Redakteur, der in der Lage ist, mit einem Redaktionsstab von 7 Kräften eine moderne Tageszeitung herauszubringen. Keine formelle Ausschreibung. Der technische Betrieb ist sehr gut eingerichtet, Redaktionszeichner und eigene Klischeeanstalt vorhanden Bewerbun gen bis einschl. 27. März erbeten an Verlas, Volks- Bote", Stettin, Schillerstraße 10. Commerz- und Privat- Bank Aktiengesellschaft Hamburg Berlin 60. Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1929 Im Verlauf des Jahres 1929 war das deutsche Bankgewerbe wiederholt vor die Lösung überaus schwieriger Aufgaben gestellt. In den ersten Monaten des Jahres verursachte der unübersehbare Gang der Pariser Verhandlungen eine wachsende Unsicherheit. Starke Gold- und Devisenabflüsse aus der Reichsbank, Kapitalabwanderungen ins Ausland und im Zusammenhang damit Krediteinschränkungen des Zentralnoteninstituts nachm.3 U.: waren die Folgen. Dazu kam eine erhebliche Versteifung der Eliteinternationalen Geldsätze. Besonders in New York hatte der Sänger. seit langem ununterbrochen andauernde Konjunkturaufschwung der amerikanischen Wirtschaft eine Börsenhausse und einen Geldbedarf gezeitigt, die nicht ohne Rückwirkung auf die europäischen Geldmärkte bleiben konnten. Erst der Zusammenbruch der New- Yorker Haussebewegung in den Monaten Oktober und November brachte auch in Europa eine Erleichterung der Geldverhältnisse, die seitdem anhielt und der Reichsbank wieder eine fortlaufende Kräftigung ihres Status ermöglichte. 8 Trümpfe nicht z. überbietend März- Programm! Theater d. Westens Täglich 8% Uhr: Hotel Stadi Lemberg Musik von Gilbert Leo Schützendort Lichtenstein, Nur noch 4 Tage! Die deutsche Wirtschaft hatte unter diesen unsicheren Verhältnissen sehr zu leiden. Geldknappheit, hohe Zinssätze, der immer stärker werdende Druck der öffentlichen Lasten und die rückläufige Preisbewegung auf den meisten Rohstoffmärkten stellten auch gesunde Unternehmungen vor große Carole Schwierigkeiten. Die nach wie vor unbefriedigende Lage der deutschen Landwirtschaft wurde durch die internationale Agrarkrise erheblich verschärft. Zahlreiche Zahlungseinstellungen waren deshalb unvermeidlich, wenn auch die deutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit sich in diesen Zeiten als stark und widerstandsfähig erwies. Das gilt insbesondere vom deutschen Bankgewerbe, das in erster Linie die Folgen der allgemeinen Depression auszuhalten hatte. SARRASANI Ein wenig erfreuliches Kapitel bildete im abgelaufenen Jahr der Zustand der öffentlichen Finanzen. Reich, Länder und Donnerstag: Gemeinden trieben seit langem eine Ausgabepolitik, die auf den beschränkten deutschen Kapitalmarkt nicht die geringste 7 Uhr Rücksicht nahm. Dieses System führte im Berichtsjahr wieder Gr. Vorstellung diesen Körperschaften, die nur durch weitgehende Hilfe der holt an kritischen Zahlungsterminen zu Schwierigkeiten bei deutschen Bankwelt behoben werden konnten. Nachdrücklich zu Beginn: ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß eine Glanzvolle Parade genügende Kapitalbildung nur durch eine starke Einschränkung der öffentlichen Ausgaben erreicht werden kann. Selbstverder 37 Nationen! ständlich ist auch das oft besprochene Problem der Arbeitslosenunterstützung durch eine Erhöhung der sozialen Lasten nicht zu lösen. Die neue Regelung der Reparationsverpflichund private Wirtschaft ist vorläufig nicht zu übersehen. Ausfuhr, die mit 13% Milliarden Mark eine Rekordziffer erreichte und sich mit der Einfuhr nahezu ausglich. Angesichts der zollpolitischen Absperrung vieler Länder wird man in der Steigerung der Ausfuhr aber in erster Linie einen zwangsläufigen Ausgleich für die rückgängige Inlandskonjunktur zu sehen haben, der vielfach nur mit Opfern in der Preisgestaltung möglich gewesen sein dürfte. Deutscher Metallarbeiter- Verband tungen Deutschlands in ihren Auswirkungen auf die öffentliche Verwaltungsmitglieder! Befriedigend gestaltete sich im Jahre 1929 die deutsche Am Freitag, dem 21. Särg 1930: Reine Sigung ber Mitleren Drisverwaltung Die Orisverwaltung. 0000 000000000000 0000 Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1929 verlegten Pfänder find versteigert worden. lleber schüsse sind bis zum 19. Dezember 1930 abzuheben. Staatliches Leihamt. Rotationsvervielfältiger 25 Mk. nur Köhler& Buchloh, Friedrichstr. 48. Unter den geschilderten Verhältnissen war eine erfolgreiche Börsen- und Emissionstätigkeit ausgeschlossen. Die Börse stand fast während des ganzen Jahres unter dem Zeichen völliger Interesselosigkeit. Ende 1929 notierten 55% aller an der Ber: liner Börse amtlich gehandelten Aktienwerte unter pari und erreichten damit einen Tiefstand, der nur in der schweren Depression an der Jahreswende 1925/26 eine Parallele findet. Die Vorgänge an der New- Yorker Börse im Spätjahr, auch die Krisen groffer ausländischer Konzerne und die hierdurch geHamburg im März 1930. Berlin, schaffene Beunruhigung aller Märkte ließen bis zum Jahresschluß keine Besserung aufkommen. Der Diskontsatz der Reichsbank war bis zum 11. Januar 1929 7%, vom 12. Januar bis 24. April 6%%, vom 25. April bis 1. November 7% und vom 2. November bis zum Ende des Jahres 7%. Natürlich konnten die geschilderten Verhältnisse nicht ohne Rückwirkung auf die Erträgnisse des Bankgewerbes bleiben. Im Effekten- und Emissionsgeschäft waren Gewinne nicht zu erzielen, auch die Vermittlungsgebühren in all diesen Geschäftszweigen erlitten einen erheblichen Ausfall. Nach wie vor war der Pflege des Kontokorrent- Geschäftes unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wenn auch zeitweise die allgemeine Wirtschaftslage Zurückhaltung auferlegte. Die Erhöhung unserer Ziffern in den Debitoren und Kreditoren, in welchen die im ersten Viertel des Berichtsjahres durchgeführte Vereinigung mit der Mitteldeutschen Creditbank, der Aachener Bank für Handel und Gewerbe und der Braunschweigischen Bank und Kreditanstalt zum Ausdruck kommt, zeigt die günstige Entwicklung unseres laufenden Geschäftes. Die an diese Vereini gungen, besonders an diejenige mit der Mitteldeutschen Creditbank, geknüpften Erwartungen haben sich in vollem Umfang erfüllt. Die in der Bilanz der Mitteldeutschen Creditbank ausgewiesenen offenen Reserven haben wir unserem Reservefonds I zugeführt und die stillen Reserven dieser Bank zur Stärkung unserer eigenen stillen Rücklagen benutzt. Im Zusammenhang mit der erwähnten Erhöhung unserer Ziffern im Debitoren- und Kreditorengeschäft hat sich das Erträgnis des Zinsen- und Wechselkontos sowie des Provisionskontos verbessert. Die Zahl unserer Beamten, die sich infolge der erwähnten Fusionen von 7991 Ende 1928 im Laufe des Jahres 1929 bis auf 9378 erhöht hatte, betrug Ende des Jahres 8525. Unsere Unkosten sind in diesem Zusammenhang im Jahre 1929 erheblich gestiegen, werden aber im laufenden Jahr eine Ermäßigung rung auf. erfahren. Steuern und Abgaben weisen eine erneute SteigeUeber das Geschäft im einzelnen berichten wir noch folgendes: Der Gesamtumsatz ist im Berichtsjahr von RM 120 Milliarden auf RM 139% Milliarden angewachsen. Unsere Filialen und Depositenkassen sowie unsere Kommanditen haben befriedigende Ergebnisse geliefert. Die N. V. Hugo Kaufmann& Co's Bank, Amsterdam, bringt, wie im Vorjahr, 8% Dividende zur Verteilung. Das Bankgebäude- Konto hat sich um RM 4 400 000,- erhöht durch aus den Fusionen übernommene Bankgebäude, die wir als solche weiterbenutzen. Unser Immobilien- Konto hat durch übernommene und durch freigewordene, von uns bisher als Bankgebäude benutzte Grundstücke einen Zuwachs von RM 2 900 000,- erfahren. Im Geschäftsjahr 1929 haben wir an zahlreichen Konsortialgeschäften teilweise führend mitgewirkt. gewinn von RM 10 859 849,55( inkl. RM 1 831 691,45 als Vortrag) Aus dem in der vorliegenden Bilanz ausgewiesenen Reinbeantragen wir, 11% Dividende zu verteilen und demgemäß den Gewinn wie folgt zu verwenden: 4% auf das Aktienkapital von RM 75 000 000,- RM 3 000 000, Gewinnanteil an den Aufsichtsrat 7% weitere Dividende Vortrag 767 768,33 29 37 3 250 000, 1 842 081,20 RM 10 859 849,53 Der Vorstand Berliner Goetz Harter Lincke Neuerbourg Reinhart Schultze Sobernheim