BERLIN Mittwoch 26. Mrz 1930 10 Pf. Nr. �44 B 72 42. Jahrgang CtfAdat tätlich asftt S»««t«s«. Zugle-ch Abendall'gabe de«.Vorwärts' Dezugsrrei« beide Ausgaben»ro Woche. rro Monat Kedaktlvn und Erredltioni DerliuSWkS.Lindenstr.s g w a*/ V»iet«en,r«tt! l/L~«, Pf.. Reklame, eile 99 I�C/f PoÜ'checkkont» 77 M ww TV Dt« emsr-lrige VciirateilUietl« 6 M. ermäßigungen nach Tarif. VorirärtS-Verlag G. ou b.H» Berlin Nr. Z7üz<;. Zeensrrecher: Dönhoff ZSS bis S?? Der nächtliche Steuerrat. Noch kein Ergebnis.— Heute Fortsetzung. Die Verhandlungen der parielsührer über die 5inaniresorm, die gestern abend um 9� Uhr In der Relchrkanilel «nler dem Vorsih des Reichskanzlers Hermann Müller begannen, dauerten bis gegen l Uhr. Eine Verständigung über dlc drei grohen strittigen Zragen: Arbeilelos-nversicherung. künslige Steuer- srnkung und Steuererhöhung für das Zahr 1930 ist nicht erzielt »rorden. Cs wurde nur vereinball, dah die Araltionen am heutig?» Vormittag zu neucu Beratungen zusamm»treten und dafz über ihr tkrgebnls in einer Partsisührersitzung um 4 Uhr»achmiliazs berichtet norden fall. Um ö Uhr will das Reichskabinett zusammen- treten, um von sich aus zu entscheidea, was für den Jall einer Richt- cinigung der Parteien zu geschehen hat. lieber den Inhalt der Aerhandlunaen kann gesagt nerden. dah die Meinungsverschiedencheiten am größten waren in der z?raa« der Arbeitslosenversicherung. Der gestern von Parteiausschuß einberufen. Der sozlaldemakratischc Partelvorsluud hat de» p a r I e i a u S- f ch v ß zur Besprechung der politischen Lage sür Freitag vor- rn'tla,; nach Berlin berufen. Außerdem wird u. o. auch die rjgrorftage behandelt werden. I r m l�inanzminister Molden Hauer geinachte Borschlag, den wir in der heutigen Morgenauzgab« wiedergegeben haben, wurde sowohl van der Deutschen B o l k s p a r l« i, als auch von der Sozial- l-emokrotie abgelehnt. Der Führer der Deutschen Lolks- partei, Dr. S ch o l z, erklärte ausdrücklich,«s müsse jetzt ein halte- signal für die Ausgaben aufgerichtet werden, und cs sei notwendig, die � Arbeitslosenversicherung unter den stärksten finanziellen Druck 5U stellen, damit die Reformen erzwungen werden. Dem- aegeniider hielten die sozialdemokratischen Vertreter an ter Auffas- si-ng fest, daß keine Regelung der Arbeitslosenversicherung ihre Zu- f.imnmng finden könne, die die D a r l e h n p s l i ch r des Reiches einschrankte und den Abbau der Leistungen er zwingen wolle von den Parteien der Micke wurde ein D e r m i t t l u n g s» Vorschlag gemacht. Er will den Vorschlag von Moldcnhcrner dabin ah ändern, daß ein« Erhöhung der Beiträge sür das Rechnimgs- j-chr 19?>0 bis zu 3% Prozent vorgesehen wird. Außerdem soll aus- d riicklich festgelegt werden, daß eine allgemeine Senkung der Leistungen nur auf gesetzlichem Wege erfolgen kann. Für die A u s g a b c n s c n k u n g des Jahres 1931 soll ein Belrng von WO Millionen festgelegt werden. Für die Steuer- s e n k u n g aber stich weit höhere Betröge in Aussicht genommen. Durch ein besondere» Gesetz soll bereits in diesem Augenblick eine Senkung der Gewerbesteuer um 20 Prozent und eine Senkung der Grimdvennögeiwsteuer für unbebaute Gnnch- stücke von 20 Prozent erfolgen. Der A u s s a ll beträgt 300 Millionen. Durch Vereinbarung der Parteien soll ferner festgelegt werben, daß die Senkung der Einkommensteuer ab i. April 1931 erfolgt, was einen Ausfall von 360 Millionen hervorruft. Dabei ist aber ausdrücklich daran gedacht, daß die Senkung der Lohnsteuer nur erfolgt im Zusammenhang mit der Einsührung des Venvaltungstostenbcitragcs, wobei eine soziale Steuer, die die Leistungssähigkeit berücksichtigt, durch eine unsoziale rohe Kops. besteuenmg ersetzt wird. Ferner soll die Kapitalertrag,- st euer für fejwerzinsliche Wertpapiere aufgehoben werden und ein« Senkung der Kapwalverkehrssteuern erfolgen. Der Aus- fall beträgt SO Millionen. Schließlich ist vorgesehen, daß die Indwtrlgbekastung für 1031 um weitere 50 Millionen gesenkt wird Insgesamt sind okso Steuerermäßigungen von 800 Mil- lioncn in Aussicht genommen. Diese Sleuerer.näßipungn, überschreiten die zur Verfügung stehenden velräge um mindestens ZOO UJUlienen, (Fortsetzung aus der 2. Leite.) Das Nachtgespenst gefaßt. Auf der Flucht brach der Einbrecher ein Bein. Eine ausgedehnte Zagd hinter einem.Rockitzespenst' gab s iu der vergangenen Jtucht von Eharloltenburg bis zum iv cd ding. Als der Einbrecher zu siuckiteu versuchte, brach et sich ein Pein und muhte in das polizeikrankenhaus ringe- liefert werden. In dem chause Pestalozzi st raße 4, unweit des Bahn hos«? Saoignyplajz, wohnt im ersten Stock der Revisor Sebastian mit selver Fami'ie. Wogen Raummangels schläft der erwachsen« Sohn aus dem Korridor, cheute.morgen gegen 4ll Uhr wurde die Frau durch ein Geräusch geweckt. Die oberflächliche Umer- suchung der Wohnung ergab, daß die Tür mit emem Dietrich ge- öffnet worden war. Wie in früheren Fällen auch, hatte der Dich die e'ettrischc Sicherung herausgeschraubt. Er hat:« sich dann zu- nächst in die Küche geschlichen und die Sachen des Sohnes durch- sticht. Aus den Hosentaschen hatte er etwas Geld genommen und Fingerringe von» Küchentifch eingesteckt. Leise hatrc er. sich, jetzt" in das Schlafzimmer eingeschlichen, wo'er von der Früu gehört wurde. Als er sich entdeckt sah,'flüchtete er und schloß die Wolznungsiür von außen ab. Der WöhmingÄichab?r inid lein Sohn'warfen sich schnell in die Kleider lind eilten dem Entkommenen nach. Am Bahnhof Sa vi gny platz sähen sir einen verdächtigen Mann, der gerade ein« Fahrkane lüfte. Es gelang den beiden Verfolgern, noch in das letzte Abteil eines ausfahrenden Nordrinnzuges zu springen. Auf den folgenden Halteftellen suchten sie nach dem Manne und kamen allmählich immer näher an fem Kupec heran. Ganz sicher waren sie ihrer Sache noch nicht. Als sich die Unruhe des Verfolgten aber immer deutlicher zeigte, ließen sie ihn nicht mehr a,us den Augen. Inzwischen war der Zug bis zum Bahn- Hof Wedding gekommen. Als er gerade wieder anfuhr, fpraug der verfolgte im letzten Augenblick heraus und Sebastian und fein Sohn taten es ihm nach. So schnell wie möglich machten sie dir Bohnhossbeamten auf ihren Einbrecher aufmerksam Dadurch wurde es diesem unmöglich gemacht, durch die Sperre zu schlüpfen. Er versuchte jetzt, nach der Sellevstrahe zu über den Bahndamm und die schräge Bölchung zu entkommen. Als er den Sprung wagle, stürzte er so unglückOch, daß er ein Bein brach. Man brachte den Nerletzren auf den Bahnsteig hinaus und von dort nach dem Polizetkrankenhaus. Auf dem Bahnsteig war es schon ausgefallen, daß er eins Taschenlampe weggeworfen hatte. Im Krankenhaus wurden seine Taschen durchsucht und dabei fand man die Ringe des Sohnes, die aus der.Küche gestohlen worden waren. Der Einbrecher ist«in 36 Jahr« alter Irscpi) K o st r o w, dessen Kommunist Änientteu Iwt Alpdrücke?' Wohnung noch nicht feststeht. Außer einem Dietrich hacke er eine Kneifzange bei sich und einige Kleinigkeiten, die wohl aus Ein- brüchen stammen dürften. Ob Kostrew in allen Fällen das durch die Sensationsblälter so berüchtigte„Nechtgespenst" gespielt hat, ist kaum anzunehmen. Einige Einbrüche dieser?lrt in Ehanlottcnburg dürften aber auf sein Konto zu buchen sein. Wenn es jcin Zustand erlaubt, wird er noch im Laufe des Tages vernommen wenden. „Bist du für Spaltung 7"~.Ja*—.Bist du für E n- hriksironi?'-„Ja'— Bist du für Sini eitsiront p uS c�palrunq?"-„Gnade, Gnade,»ch bin für att««!, was statin verlangt!" Katastrophen in Amerika. Schneestürme in Chikaao.— Bruch eines Wasserreservoir?. h i k a g o, 26. März.(Eigenbericht.) Ter gesamte»Verkehr ist durch gewaltige, von Rebrastar bis Pennst, lvania rasend« Schneestürme st i k l g e l e g t. Riesige Schneemassen machen die Straßen unpassierbar. T r c i Personen wurden gelötet und zahlreiche durch Verlehrsunfälle verlebt. Alle Aufräumungsarbeiten werden durch neue Schnee- fälle unmöglich gemacht. Tie Landstraßen sind durch steckengebliebene Automobile blockiert. Ter(Eisenbahn Verkehr weist stundenlange Verspätungen auf; die Licht- Versorgung zahlreicher Vorstädte ist unterbrochen. Tie Stürme halten mit unverminderter Wucht an. M c x i k o.?S. Mätzl Durch den Bruch eines Wasserreservoir» kamen In einer vor- st ad» von Mexlso 10 Personen um» Leben. Mehrere andere wurden verletz«. Nähere Einzelheilen über da» Unglück fehlen noch. New Port, 26. März. Nach einer nel»en Meldung aus Rio de Janeiro find bei der bereits gemeldeten Kesselexplosion an Bord des Kreu- z c r»»M Inas Gerne s" lZ Mann der Besatzung getötei und 12 lebensgefährlich verletzt worden. Die„Minas Gcracs" ist eiu Kreuzer von 10 000 Tonnen und hol S50 Mann Besatzung. Kinder massenweise verheiraiet, Wki! da? Berbotsgeseh in Kraft tritt— Gandhi mied Mohammedanerdörfer. Braach.?b. März.(Reuters OZandhi ist auf seinem Marsch zum Meere im Brooch-Bezickt , ingrtrossen. Beim Passieren der Ortschaft Traisa hielt er dort ein« Versammlung ab, die indessen verhältnismäßig schwach besucht war. Dies wird darauf zurückgeführt, daß die Bewohner im ganzen Proach- Bezirk augenblicklich stark mit Kinder Hochzeiten beschüf» l i g t sind, weil das neue sogenannt« S a r d a- Gesetz, das die Heirat von Mädchen vor dem 14. und von Knaben vor dem 18. Lebensjahre verbietet, am 1. April in Kraft tritt. Gandhi, der die Hindu-Sitte der Kinderheiraten stets bekämpft hat. sagt« in seiner Anspracht„Ihr v c r st c h t nicht, was mit dem Sarda-Gesetz beabsichtigt wird. Trotzdem aber fürchtet ihr euch vor ihm und seid eifrig dabei, eure kleinen Kinder zu verheiraten. All diese Unwisseiihc't ist die Ursache eurer Sklaverei." Auf die Anfrage einiger Mohammedaner, warum er nicht durch ihre Dörfer ziehe, antwortele Gandhi, wenn er da?« nnfgcstir!'-"'' würde, täte er es bestimijii. Dez- Lustmord an der 81jährigen. Acht Lahrs Zuchthaus für den Täter. , Detmold, 26. März. Der 24jährige Technilurnsschüler Fritz D e h n e r t, der in der Nacht vom ZI. August zum 1. September in das Altersheim in Lage eingedrungen war und dort an einer 87jähr!gen Witwe einen Lutt- >»ord verübt hatte, wurde zu acht Jahren ni d drei Monctea Z i-ht Haus oerurlsilt. > Steuerkampf im Reichstag. (Fortsetzung von der t. Seite.) iükun i>:c Ent-vicNung im Jahre 1930 aber auch nur etivas un- günstiger ist als das Reichsfinanzministerium annimmt, so wird ixr Ausfall viel größer und die Finanzen abermals mii dos schärfste zerrüttet werden. Auch bei den S t e u e r e r h ö h u n g e u für das Jahr 1930 konnte eine Einigung unter den Parteien ebensowenig erzielt werden wie über die Steuersenkungen. Die Sitzung des S l e u e r a u s s ch u s s es, die für heule an- gesetzt war, ist abgesagt morden. In den Vormittagsstunden «raten alle Fraktionen zusammen. Der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion tagte um 10 Ahr, die Fraktion begann ihre■Beratungen»m HH Uhr. Das Brotgesetz angenommen. Zunächst im Ausschuß. Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages beendete heute die erste Lesung des Brotgefetzes, das mit einigen erheblichen Aenderungen angenommen wurde. Dagegen stimmten die Deutschnationalcn und die Wirtschasts partei. Es darf ohne lieberkreibung gesagt wer- den. daß dieses Roggenbrotgssetz im Interesse der roggen- bauenden Landwirtschast gemacht wird. Den Deutsch- nationalen ist es aber nicht um eine chilfe für die Landwirbschast zu tun, sondern einzig und allein um die Betonung ihrer oppositio- nellen Stellung zur Reichsregierung. Die Haltung der Wirtschafts- parte! wurde dagegen von dem Einfluß der Bäckermeister bestimmt. Haushaltsberaiung vertagt. Hktfe für die Grenzgebiete. Irr der Mittwochsitzung des Ausschusses für den Reichshaushai: wurde die Beratung des Haushalts für die Kriegslasten ausgenommen und u. ein Fonds von 10 Millionen zum W i e d e r a u f b a n des wirtstftafllichen und kulturellen Lebens In den besetzten und übrigen»»estlichen Grenzgebieten onge- uommen, nachdem Reichsmtnister Dr. Wirrt) in längeren Aus- mhrimgen die Absichten der Regierung für die Unterstützung der Grenzgebiete dargelegt hatte. Wegen der Anberaumung van Sitzungen verschiedener Frok- lionen mußte die Beratung um 11'/» Uhr abgebrochen werden. Auch die zurückgestellte Abstimmung über die allgemeinen Be willi- gun gen zur Sozialversicherung im Rachtragsctat für das Reichsarbeitsministerium konnte nicht erledigt werden. Hierzu lagen von der sozialdemokratischen Fraktion Anträge vor, die dahin gingen, den ursprünglich vorgesehenen Sonderzuschuß für die Invalidenversicherung in Höhe von S0 Mil- lipnen wieder herzustellen. Um der Regierung die Zahlung zu er- ieichtern. ohne den Etat zu belasten, war vom Genossen Heinitz namens der sozialdemokratischen Fraktion ein Antrag eingebracht worden, der vorsah, die Zahlung in langfristigen Schatz- an Weisungen zu leisten. Gegen die Abstimmung über diesen Antrag, der in der Diskussion nicht vorgelegen hatte, wurde Ein- spruch erhoben, so daß die ganzen Abstimmungen wiederum zurückgestellt werden mußten. ' i.« V. Polenhetze in Ostpreußen. Skandalöse Entschließung des provinziallandtags.- Das Zentrum enthält sich? Songsberg, 26. März. Dem oslpreußischen Prooinziallandtag lag heute«ine gemeinsame Entschließung der Fraktionen der Deutschnatio- nalen Bolkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und des C h r i st l i ch s o z i a l e n Volks dionstes vor, weiche lautet: „Angesichts der gefährdeten augenpolit scheu Lage der Provinz und der immer wieder osscn zutage tretenden Gelüste Polens auf O st preußcn werden die Reichs- und Stoalsregte- rung ersucht, alle geeigneten und zulässigen Maßnahmen zur Verteidigung der Provinz zu treffen. Insbesondere sind der so- iartige Neubau des Panzerkreuzers B und der wettere Ausbau der Flotte sowie die Einrichtung des paf- fiaen Gas- und Luftschutzes für die wehrlose Bevölkerung sofort in Angriff zu nehmen." Bon der demokratischen Fraktion wurde der Antrag ge- slellr. den folgenden Satz hinzuzufügen:„Die hierfür erford« lichen Mittel sind zur Vermeidung weiterer Steuererhöh- u n g c n aus den im Rahinen der Ost preußenhilf« bereckge- stellten Geldern zu entnehmen." Die sozialdemokratische Fraktion beantragt« kog.'gm folgende Entschließung, die init den beiden obigen Anträgen zur Beratung verbunden wurde: „von interessierter Seite werden immer wieder Gerüchte verbreitet. wonach Polens Gelüste auf Ostpreußen täglich deutlicher in die Erscheinung treten. Der Zweck ist. Rüslnngen für Heer und Flotte durchzusetzen. Im Hinblick auf Ostpreußens trostlose Wirtschaftslage muß jeder Verantwortungsbewußte die Verbreitung solcher Gerüchte tief bedanern, weil sie geeignet sind, das oftpreußisch? Wirtichastrleben noch mebr zn ,mütten. Der Praoiuzialausscimß bedauert die Verbreitung solcher Genicht« lies und sprich: der Reichs- und Staatsregierung seinen Dank dafür aus, daß es durch Berhandiungen und Verträge ge- bmgen ist. zwischen Deutschland und Polen ein gutes Einvernehmen herzustellen." Auf soziald'mokralischen Antrag nzurde namentliche Ab�im- inung beschlössest. Das Zentrum erklärte, sich der Stimme enthalten zu wollen! Die Anträge der demo'ra- tischen und sozialdemokratischen Fraktion wurden abgelehnt, der An- irag der vereinigten Rechissrattionen dagegen angenommen, und zwar in namentlicher Abstimmung mit 42 gegen 31 St'mmen. Schon aus diesen Zahlen ergibt sich, daß der skandalös« Beschluß ein reines Produkt der reaktionären Parteien ist. Die Bolkspartei stellt zwar den Außenminister, der Verträge mit Polen schließ', iardert aber gleichzeitig neue Kriegsmaßnahmcn. Maschinenfetzerstreik. Die in Berlin erscheinende'deutschnationale„Deutsche Tageszeitung" konnte heute nicht e, scheinen. In dem Betrieb des Blattes stehen die Maschinensetzer seit Dienstag abend im Streik. Die Setzer fordern Herabsetzung der Arbeitszeit von 4� an? 43 Stunden und ein« wesentliche Lohnerhöhung. Die unnatür Dreijähriges Kind Eine auch für Moobiter Gerichtssälc unsagbar scheußliche -ündesmißhandlung stand heute morgen zur Aburteilung vor dem Landgericht III. Das dreijährige Töchter- ch e n v o r a des Ehepaares Sch. starb ganz plötzlich in der Nachl vom 4. bis 5. Dezember vorigen Jahres. Der Arzt jand den Körper der Kleinen, Rücken, Gesäß und die Gliedmaßen übersät mit einer Unzahl Striemen, auch Folgen scharfer Verletzungen, an der Bauchdecke Spuren von Fuß- trillen, die Ohrläppchen eingerissen, im Gesicht viele blaue Flecken, zwischen den Hirnhäuten einen Bluterguß. Der Vater, ein Landarbeiter, lernt.im Jahre 1926 ein« 17jährig« Landarbeiterin keimen, ein lebhaftes, aber beschränktes Wesen. Im Oktober kommt ein Töchtcrlein zur Welt. Es wird in Pflege gegeben, später in eine andere. Bei den Pslegenmttern geht es dem Kinde gut, eine will das Kind sogar für«igen an- nehmen. Die natürlichen Eltern kümmern sich nicht um das Kind, besuchen es kaum, bringen nie was mit, kommen auch nicht für seinen Unterhalt ans. Als das Gericht sie zu Alimenten von 30 Mark monatlich verurteilt, sind sie nicht zu erreichen: sie arbeiten bald hier bald dort. Die Mutter wird schließlich wegen Entziehung der Unterhaltspsticht zu vier Wochen Gefängnis ver- urteilt. In, Jahre 1929 kommt aber das zweite Kind. Vater und Mutter beschließen nun zu heiraten und nehmen aus Drängen des Jugendamtes auch das dreijährige Dorchsn zu sick». Das war am 16. November. Am 4. Dezember war das Kind tot. Di« Eheleute Sch. bewohnten damals«ine Laube in der Urbachstraße zu Blankenburg. Das ganze Mobiliar bestand aus einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl, einer Bank und dem Kinderwagen. Das unglückliche Kind wollte die Pflegemutter nicht verlosten: sie war seine„Mutti": die wirkliche Mutter so zu nennen weigerte sie sich: worüber sich jene sehr ausregte. Die Kleine, früher stets sauber, begann sich nun zu beschmutzen— vielleicht aus Trotz gegen die lieblose Behandlung, die ihr zuteil wurde. Sie schlugen das Kind abwechselnd, selbst auf die noch offenen Striemen. Eines Sonntags sperrten sie es in ei» Kartoffelloch, 82 Zentimeter tief. 1 Meier breit, und deckten es mit der Klapp« zu. Am 4. Dezember hatte sich das Ehepaar bereits zu Bett gelegt, als die Mutter merkte, daß die kleine Doro, die am Bettende lag, sich wieder beschmutzt Blamage des Sozialismus? llniernehmerfreude über die KpO.-politik. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt zu den neuesten Richtlinien der Äommumstischen Partei Deutschlands, es sei ihr trotz heißen Bemühens nicht gelungen, ihren Sinn zu erjasien: selbst die Liebevollen Erläuterungen" des„Vorwärts" könnten ihr keine Klarheit geben. Immerhin ist dem Unternehmerorgon folgendes klar geworden: „Der deutsch« Kommunismus wird j« langer, je mehr nur noch«ine Angelegenheit der Irrenärzte und der Polizei. Einstweilen erfüllt er jedenfalls seine historische Funktion, die Idee des Sozialismus zu blamieren, weiter mit ersreullcher Folgerichtigkeit." Dieses Urteil dürste selbst bei Kommunisten nicht den Eindruck machen, daß das Unternehmertum große Angst vor ihrem neuesten Umfall Hai. Es spricht nicht Angst, sondern gründliche Verachtung aus dieser Aeuherung. Die„Rote Fahne" übrigens nimmt unsere Erläuterungen zum Anlaß, um ihre„Linie" noch einmal herauszuarbeiten. Sie gibt dos„Geheimnis" ihrer Taktik noch einmal mit folgenden Worten preis: „Die KPD. kämpft in der Tat für die Einheitsfrom mir den sozialdemokratischen Arbeitern und für die Zerstörung aller Post- tionen her sozialfaschistischen Gewcrkschastsbürokratic unter der Arbeiterschaft. „Die KPD. mobilisiert in der Tat die soziakdemokratischen Arbeiter gegen die sozialdemokratischen Führer. Und sie wird diese ihre Arbeit aus Grund der Beschlüsie des Zentralkomi.e-s in Zukunft noch gründlicher, noch ziolbswußler durchführen" Das rote„Kampsblatt" mit der„Massenauslage" von noch nicht 20 000 Abonnenten fügt hinzu, daß die kommunistischen„Taten" sehr bald die Frage eindeutig klären werden, wer«inen Rückzug antreten muß.... Wir teilen diese Hoffming! Gleiche Brüder... Ein intereffanter AngleichungSprozeß. Ein Berliner Blatt ist sehr empört, daß wir uns über den„sehr bemerkenswerten Dcmonstrationsversuch kommunistischer Jugend um Struveshof", wie es den Vorfall nennt, einige Satire erlaubt haben. Seinem Zorne gibt dies Blatt in folgenden Wendungen Ausdruck: Es ist bezeichnend für die innerliche Verfettung und Verlump ung dieser sozialdemokratischen Kapitals- und Tributschützer daß sie es wagen, die begreiflich« Empörung junger unterdrückter Proletarier gegen die M o r d h ö l l e Struveshof derartig zu beschimpfen. Wer schreibt das?— Sicher die.Rote Fahne".— Nein, es ist das nationalsozialistische Blatt des Herrn Gregor Straß er.„Schlagt sie, wo Ihr sie trefft" brüllen Nazis und Kommunisten wechselseitig. Derweil wird das politische Rowdytum rechts und links einander so ähnlich, daß es nicht mehr zu unter- Icheiden ist. Zwei mutige Lebsnsreiter. Heute mittag spielte sich im Tiergarten an der Lichten- st e i n b r ü ck e ein ausregender Lorfall ab. Eine Frau, die später als die 33jährig« Antonie B. aus der Pariser Straße festgestellt wurde, kletterte über das Brückengeländer und stürzte sich in den Landwehrkanal. Ein General der Reichswehr, der zufällig vorüberritt und den Vorfall beobachtet hatte, sprang der Lebensmüden in voller Uniform nach. Auch ein Kraft- Wagenführer Willi Hahn aus der Keichstraße 10. der mit seinem Auto in unmittelbarer Nähe der Brücke hiel, beteiligte sich an der Rettungswerk und sprang gleichfalls kurz entschlossen ins Wossa Es gelang den boden mutigen Männern, die Lebensmüde, du bereits das Bewußtsein verloren hotte und untergegangen'war, zu fassen und glücklich ans Ufer zu bringen. Die Frau wurde durch einen Wagen des Städtischen Rettungsamtes in das Schöneberger Krankenhaus gebracht. lichen Estern. m Tode mißhandelt. habe. Sie halt« das Kind aus dem Bett, der Vater wurde wach, ergriff den Riemen, der auf dem Bettpfosten hing, rief die Kleine zu sich und versetzte ihr fünf bis sechs Schläge: das Kind wimmerte, riß sich los und lief zur Tür. Jetzt veitsetzte ihm die Mutter Fußtritte gegen den Bauch, faßte es an den Ohren, hob es hoch und warf es zu Boden, so daß es mit dem Hinterkopf aufschlug. Sie hob die Kleine ein zweites Mal an den Ohren hoch und warf sie in gleicher Weise zum zweitenmal zu Boden. Die Kleine blieb reglos liegen. Die Mutter legte sie nun aufs Bett, versuchte ihr Kaffee einzuflößen. Das Kind stöhnte noch einige Male auf und starb. Am nächsten Morgen holte die Mutter eine Nachbarin, zeigte ihr das tote Kind, das mit zerzausten Haaren und angeschwollenen Schläfen mit Lumpen be- deckt auf Lumpen dalag und sagte ihr, es habe immer noch ihrer Pflegemutter gerufen und sei aus Gram gestorben. Die Polizei war gezwungen, die Eheleute in Schutzhaft zu nehmen, weil die empörten Nachbarn an den unnatürlichen Ellern Selbstjustiz üben wollten. Die Zeugen entrollen ein erschürterndes Bild vom Martyrium der kleinen Doro. Die beiden Pfleg« mütrer schilderten sie a s etwas bockiges, aber einschmeichelndes Wesen. Die Nachbarn hallen öfter gesehen, wie die Eltern das Kind mißhandelt haben. S c haben sie auch mehr als einmal zur Rede gestellt, ihnen ger t:n, sich an einen Arzt zu wenden. Die Kleine hat mehr als rnmal erzählt, daß Papa und Mama sie mit dem Riemen ge fragen hät sn und auch auf den Riemen gezeigt. Niemand von all den Leuten hat aber daran gedacht, das Jugendamt zu benachrichtigen. D c Kleine war von den Eltern so eingeschüchtert, aber zu den Nachbarn sehr zutraulich. Die Mutter immer lieblos. Sic hiell die be ben Kinder schmutzig. Die Kleinen waren voll Ungeziefer. Die An- geklagte hat übrigens fast in gleicher Weis« wie ihr Kind auch eine Katze ums Leben gebracht, weil sie schmutzig und naschh-ft war. Sie band dem Tier einen Strick um den Hals, hängte es an den Baum und schlug mit einem Besenstiel solange auf das un- glückliche Geschöpf ein, bis es tot war. Medizinalrat Dr. Dyrenfurth hat an der Angeklagten nur eine starke geistige Minderwertigkeit feststellen kömten. D. r § 51, meinte er, komme für sie nicht in Beiracht. Der Staatsanwalt beantragte 4 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlost für jeden Angeklagten. Die BÄG.-Grundfiückskäufe. Die Arbeiten deeLlntersuchungSoasschusseS vordem Abschluß Bereits im herbst vorigen Jahres nwrde In der Ocsseotlichkcit viel von den anläßlich des Baues der Untergrundbahn im Znncru Berlins durckNeführlen Grund st ückskäusen gesprochen. Der Aufsichlsral der BBS. hatte seinerzeit einen Ausschuß cingeseht, der diese Käufe eingehend nachgeprüft hat. Die sozialdemokratische Stadtverordnctensraktion halte außerdem durch ihre Vertreter lm haushaltsaosschutz den Magistrat ersucht. der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage mit einem Uebcr- bltck über die gesamten Käufe zu unterbreiten und glelchzeiltg vor- schlage- für den eventuellen Wiederverkauf entbehrlicher Grundstücke zu machen. Der Magistrat hat daraufhin einen Ausschußunter dem Vorsitz des Bürgermeisters eingesetzt, der demnächst seine Zlnlersuchuogsarbeilen abschließen wird. Man wird also das Er- g e b n i s der Untersuchungen abwarten müssen, ehe man über die Grundstückckäuse und alle damit zusammenhängenden Fragen wird u r l e i l e n können. Sollte sich herausstellen. daß einzelne Personen sich unrechtmäßige persönliche Vorteile dabei verschasst haben, so ist es selbstverständlich. daß in rücksichtslosester Strenge gegen die Betreffenden vorgegangen wird. Ein Teil der Berliner sensattonstüsterneu presse aber schreit schon jetzt wieder in den höchsten Tönen von eiaem aeuen Korruption s- s k a n d a l, obwohl jedermann bekannt ist, daß es sich um eine alle Angelegenheit handelt, von der man Im Interesse der S'odt Berlin nur hossco kann, daß ihre Untersuchung eine vössig einwand- freie Haltung aller Beteiligten ergibt. Während der Beratungen sind mich die gegen den Geschäfts- führer der„B e r o l i n o". Herrn Golde, erhobenen Vorwürfe zur Sprache gekommen. Sic beziehen sich daraus, daß angeblich Herr Golde von dem amerikanischen Konsortium, das die Bebauung einiger Grundstücke ans dem Aiexonderplatz vornehmen will, eine Entschädigung für seine Bemühungen erhalten haben soll Es wurde festgestellt, daß dieses Konsortium gewünscht hatte, Herrn Golde als Bau- und Sachberater bei dieser Bebauung zu beschäftigen Da aber Herr Golde sich zu dieser Zell im Vertragsverhällnis zur„Bero- lina" als Gcsck-ästsführer befand, wurde eine Vereinbarung hier- über von»er Zustimmung des Stadtrats Zangemeister bzw. Stadtrat Reuter abhängig gemacht. Diese' Z u st i m m u n g wurde nicht erteilt. An Herrn Geld« sind infolgsdcssen keine Entschädigungen durch das Konsortium gezahlt worden. Versuche, eine K e g e n ü b e r st e l l u n g des Herrn Golde mit den Gewährs- Männern der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu erreichen, blieben zum lebhaften Bedauern des Magistrats bisher ohne Erselg. Di« Grnndstücksg«schäfte beschäftigen aber zum Teil auch die Staatsanwaltschaft� denn bekanntlich schwebt gegen den Stadtrat Busch, den bisherigen langjährigen Gnindstücksde'er- nenllen der Stadt Berlin, bei der Staotsanwallschast ein Ermiii- lnngsverfahren. das nicht weiter kommt, da Busch infolge seiner Krankheit zunächst nicht vernommen werken konnte und dann vor Wo-ben ei"? Schweizer Reise antrat, von der er noch nicht zurück- geke�-ll ist. In den letzten Tagen haben nun. um die schweren Vorwürfe nachzuprüfen, die gegen B'isch schweben, an verschiedenen Stellen, darunter auch im Büro Busch, Haussuchungen statt- gestinden Das beschlagnahmt« Material wiro von der Staatsan- tvaltschast gegenwärtig noch gesichtet. Neues Todesopfer in Eiuiigari. Ein Berliner Sem«'ich nösen BarenfleM erleaea Der trichinös« Bär«nschink«n hat am Dienstag gegen .id das achte Todesopfer gefordert. Der aus Berlin iirtige 35jähriz« Kaufmann D e h n e ck e der seit Anfang März . hiesigen Dtakonisienhaus lag, ist an den Folgen des Genussee von arenschinken gestorben Seine Frnu die vor Wochen ebenfalls an Trichinose erkrankte, befindet sich zur Zell in Berlin in Behandlung. Bon den an Trichinose erkrankten Penonen liegen zur Zeit noch 45 schwer danieder. 4 Beethoven- und Konzerirundschau./ Man muhte einmal untersuche»: mornn liegt es, bah im Konzertleben der Gegenwart die Musik alter Zeiten so breiten Raum einnimmt? So viel breiteren als die Musik der Lebenden? Es ist nicht ausreichend damit erklärt, dah früher bessere Musik produziert worden sei und im Lause von Jahrhunderlen jedenfalls viel mehr gute Musik als in dem engen Zeitraum, den etwa wir unter„Gegen- wart" verstehen. Auch mit der fragwürdigen Behauptung nicht, dah der schaffende Künstler immer seiner Zeit voraus fei, womit den Lebenden ein für allemal empfohlen wird, sich der Zukunft und ihrem angeblich gerechleren Urteil anzuvertrauen. Unabhängig von solchen Erwägungen bleibt die Tatsache bestehen, das insgesanit unsere Ein- stellung zur Kunst 001 allem zur Musik, in bedenklichem Uebermah historisch orientiert und historisch belaste: ist, und das ist wcjenllich eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts mit feinem klasfischeu Bildungsideal! es besteht die Tatsache, daß das gewohnte Verhältnis zur Musik, bar jeder umniitelbaren und realen Beziehung, fast «usfchliehUch wertender Art ist, wertend nach dem Mahstab, den die Vergangenheit liefert. Die Gefahren einer so zeitabgewandten. rückwärts gerichteten Haltung werden heute fühlbar. Unser Musikleben wäre lebendiger— nicht nur, daß es weniger absterbend wäre—, wenn es lebhafteren Kontakt mit dem Leben unterhielte: wenn es mehr von den Lebenden und weniger von den Toten ausging«. Denn endlich: Leben ist wichtiger als Musik, und wichtiger als ihre Wirkung das Wirken des lebenden Musikers: wie soll er wirken— ewig im Schatten der Toten? Aber das Leben ist auch stärker als die Musik: es geht über sie hinweg, wenn sie sich nicht seinem Gesetz unterwirfk. Soll «s dahin kommen? Der Konzertsaal als kunst-offizieller Ort der Musik, der sich der Musik der Lebenden hochmütig verfchlieht, er« starrt zum Museum: und die Lebenden suchen andere Wege, finden andere Mittel, das Ohr der Gegenwart zu erreichen. ZVeima! Missa Solemnis. Auch jenseits so allgemeiner Erwägungen ist es gewiß zuviel, wenn ein Werk wie Beethovens„Missa Solenmis" im Zeitraum von knapp zwei Wochen in der Philharmonie zweimal— oder, die öffentlichen Voraufführungen mitgerechnet, viermal— gegeben wird. Zuviel gerade angesichts der Tatfache, daß diese, so dicht einander folgenden Aufführungen die einzigen des Konzertjahres bleiben: es ist gut und hat obendrein auch, seine praktischen Gründe, daß Auf- jührungen des Ausnahmewerts in Berlin nicht etwas Alltägliches sind. Erst also unter Furtwängler im Konzert des Philharmonischen Orchesters zum Besten seiner Wohlsahrts- einrichtungen, dann unter Klemperer im zweiten Abonnement- tonzert des Philharmonischen Chors. Zwei verschieden« Veranstaltungen also, konnte solches Zusammentreffen nicht»er- mieden werden? Schon im Sommer des vorigen Jahres hat der Philharmonische Chor seine Ausführung angekündigt, man wußte seitdem, daß er das Werk von Grund ans neu studiert. Es wäre für Furtwängler, dem der Kittelsche Chor mit einem größeren Repertoire an studierten Chorwerken zu Gebote stand, Zeu gewesen, ein anderes Programm für dielen Abend vorzubereiten. Wir lehnen den Vergleich ab: Furtwänglers oder Klemperers„Missa Solemms". zu dem man sich ein wenig herausgefordert fühlt: es geht um Mozartabende. Von Klaus pringsheim. Beethovens„Missa Svlenmis". und wir dürfen summarisch fest- stellen, daß beide Dirigenten, jeder der großen Musiker auf feine Art, sich tief in das innere Geheimnis dieses Im Letzten nnergründ- iichen Werkes versenkt haben. Aber ein Vergleich der beiden Auf- sührungcn entscheidet nicht z» Furtwänglers Gunsten. In der Wiedergabe durch den Philharmonischen Chor war auf einzigartige Weife zu spüren, daß sie das Ergebnis monatelanger, iillensivster Arbeit und Zusammenarbeit geworden: es war ein Gesamtbild von wahrhaft unerhörter Klarheit, vollendet in der Bestimmtheit, mit der, bei vollkommener Ueberwmdung aller techmschei» Schwierigkeiten des Chorfatzcs, der künstlerische Wille des Führers sich durchgesetzt hat. Furtwängler, fast immer imr Gast in Berlin auch seit der Stabliisterung feines Berliner Amtes, hatte sich wähl mit einen- Minimum an Proben beschieden. Zweierlei Moza» t. Mit einem Mozartabend beschließt Bruno Walter für diesmal di« Reihe feiner Konzerte mit dem Philharmonische» Orchester.?,-Dur- Divertimento,.g-Dur-Klovierkon zert. Kleine Nachtmusik, t!-Moll- Sinfonie, Walter als Mozartdirigent und. im Klavierkonzert, als Mozarrspieler— wir wissen und erfahren co» neuem, wie er hrer fein Bestes und Höchstes gibt, wie er in Mozart lebt und Mozart durch ihn lebendig wird: in abgeklärter Heiterkeit. rein, frei, beglückend, ein Erlebnis jedesmal, dessenglcichen heute kein anderer uns zu geben hat. Auch das zweite Orchesterkonzert des B o I k s b i I d u n g s a m t s E h a r l o t t e n b ii r g. als„Festkonzert" angekündigt, ist ein Mo.zartabend. Das Berlinei Sinfonieorchester. Dirigent Jafcha Hören st ein, Solist Prof. Carl Flesch, der das .X-Dur-Biolinkonzert spielt. Hauptnuminer, die Jupiter-Sinfonie. Es ist ein guter Vorsatz, das Publikum dieser Konzerte mit Mozart be- kannt zu machen. Leider ist zu bemerken, daß das Publikum sich im Konzertsaal der Hochschule nicht allzu zahlreich eingefunden hat. Und der künstlerische Eindruck ist nicht von durchaus(estlicher Art. Das Orchester, an die robuste Stabführung seines ständigen Dirigenten Kunwald gewohnt, spielt unter der Leitung des ihm fremden Kapellmeisters ungenau, der Klang ist unausgeglichen. Und Hören- stein, mir äußerlich roickiniert erscheinend, ist geblieben, wie wir ihn von früher kennen, verkrampft und erfüllt von leerlausender Inten- silöt. Es läßt sich nichts Unmozortifchcres denken. Auch im Programm des 8. Phill�rmonifchen Konzertes Mo.zoris Name: Furtwängler eröffnet cs mit Max Rogers„Variationen und Fuge für Orchester über ein Thema von Mozart". Am Schluß steht Mendelssohns„Schottrsche Sinfonie". Der Dirigent ist auf feiner Höhe hier wie dort. Dazwischen zwei Solisten: Mafalda Salvatini, die gefeierte Opernsängerin, weiß auch auf dem Koipzertpodium, sie singt Beethovens„Ah perliäo">Arie, ihre Hörer zu erfreuen: und Nicolai Graudan, Saloccllist des Orchesters. bewährt sich in E. Blochs Hebräischer Rhapsodie„Schelomo", man hört sie ungern, als Meister seines Instruments. Da» ganze Pro- gramni, ein bißchen physiognomielos, icheint von einer Verlegenheit zu zeugen, aus der es zusammengestellt ist; co fehlt ihm— an innerer Lebendigkeit. Hundert Lahre freies Hellas.! Eine Zestveranstaltung der Seutsch-Griechifchen Gesellschaft 1 In Kasserhof versammelte gestern in Anwescicheii des Gesandten der Republik Griechenland in Berlin, Herrn Eanellopouios, die Deutsch-Griechische Gesellschaft Deutsche und Griechen zum Ge- denken an das vor hundert Jahren wiedererstandene freie Hellas, f Den Festvortrag hielt Profesior Dr. Heisenberg- München. Ueber dreihundert Jahre lang stand Griechenland unter der Fremdherrschaft der Osmanen. Der Fried«, der lä03 zwischen der Pkorte und der Republik Venedig geschlossen wurde, entschied den Kamps: Griechenland wurde dem Großsultan Untertan. Aber in den schweren JaHrHimderten, die folgten, erhielt sich im griechischen Volke vor allem die Sprache. Doch auch die Kultur dieser Notion, die im Altertum Wegweiser der Menschheit Vlax tßerol Jlonorah, der J�rMfldrnl der SnlemMonalen JlrlWenlope, ist nmch längerem Xelrirn im Aller von a? Jahren eerHorben. war, konnte durch die türkische Herrschaft nicht unterdrückt und aus- gelöscht werden. Der Glaube an die Wiederkehr des alten Hellas blieb m den Herzen aller Griechen lebendig. Das Zeitalter Ng- paleons I. brachte das erste Ausflackern zum offenen Widerstand gegen die türkische Herrschaft. Männer, wie Maurotordatos, Hyp- silantis und andere, faßten den großen Gedanken der Freiheit in begeisternde Worte. Die Blicke richteten sich nach Serbien, der anderen türkischen Provinz, in der bechits der Befreiungskrieg gegen den Sultan begonnen hatte. Die Heilige Zlllianz begünstigte sreilich die Freiheitsbestrebungen der umerworsenen Böller in keiner Weise. Aber als sich lS21 die Griechen zum offenen Kampfe erhaben, wurde die große Bewegung Gemeingut oller freiheiklich Gesinnten in ganz Europa. Der englische Dichter Lord Byron zog hinaus, um für Griechen- lands Freiheit zu sterben, und für die Männer des Geistes in Deutschland wurde di« griechische Freiheitsbewegung zu einer Herzens- jache, was um so begrcislicher ist, als die deutsche Demokratie selbst unter dem Joch der Reaktion nach den verheißungsvoll begonnenen sogenannten Freiheitskriegen gegen Napoleon stand. Die Verse des deutschen Dichters Wilhelm Müller, des„Griechenmüller". dem später vom befreiten Griechenland in seiner Heimatstadt Dessau ein Denkmal errichtet wurde, sind Zeugnis für du Begeisterung, die damals alle Gebildeten, alle Fortschrittlichen in Europa beseelte. (Segen den Willen vieler Staatslenker in den Kabinetten Europas wurde nach schweren Blutopsern, und nicht zum wenigsten unter dem geistigen Druck des Philhellenismus, die Unabhängigkeit Griechenlands im Londoner Protokoll von 1830 erreicht. Dieses historischen Ereignisses gedenken heute neben den Griechen selbst alle Freunde des erneuerten Hellas in der ganzen Welt. Prag und der Chauvinismus. Die ganze presse gegen das Hetzblatt. Prag, 25. März. Das Aufsehen, das der Sprachenstreit um Beethovens IX. Sinfonie im Auslande hervorgerufen hat und die Entlassungsdrohung gegen Zcmlinsky und Jarmlla Novotna aus dem Verband der Ber- liner Staatsoper haben in Prag«in unerwartetes Echo gefunden, Die gesamte tschechoslowakische Presse nimmt gegen den Feld- zug der„Narodni Listi" Stellung, die vollkommen iso« liert ist und jetzt vergeblich oersuchl, sich aus der Affäre zu ziehen. EHaraktersstisch sind die Aussührungen der„Lidove Novini"(Volks- zeitung), die betont, welche Verwirrung angerichtet werde, wenn man Polttik in den Bereich der Kunst bringe. Eine loyale und würdige Huldigung der Deutschen für Präsident Masaryk sei da- durch in eine ausregende Angelegenheit verwandelt worden und her- vorragende Künstler. kämen vielleicht um th-e Engagements. Der traurige Ruf P r o g s als der Stadt der Deutschenfrejser ziehe wieder durch die ganze Presse Deutschland», von wo auch die Nationalisten, die dies angerichtet haben, einen Zustrom an Fremden et warteten. Die gesamte tschechosiowakische Presse bringt die Er- Wartung zum Ausdruck, daß die Berliner Staatstheaterintendanz die beiden Künstler nicht entlassen werde Auch die Intendanz des Tschechoslowakischen Nationaltheaters will mit der Angelegenheit nichts zu tun haben und erklärt, sie Hab« weder privat noch amtlich der zweiten Solistin des Kvn'erts den Auftrag erteilt, ihr« Partie in tschechischer Sprache zu singen._ Lm fahrenden Auto verbrannt. Zehdcolck, 26. Marz. Der Kaushausbesitzer Heinrich Wettig aus Zehdenick hat am Dienstag abend auf schreckliche Weise den Tod gesunden. Aus einer Geschästssahn in die Umgebung Ze�üen'cks geriet der Mowr seines«portzweisitzers in Brand. Eh« Wettig den in schneller Fahrt befindlichen Wagen zum Stehen bringen konnte, hatte er durch Stichflammen lebensgefährliche Brandwunden erlitten. Er verstarb kurz nach der Einlieserung im Krankenhaut__ Der ehemalige Aba. Dr. Tnka von der Slowakischen Volkspartei ist am ö Oktober v I. wegen Spionage und Landesverrats zu- --unsten Ungarns zu lö Jahren Zuchthaus. Mandatsvcrlusi usw. venirreili worden. Am heutigen Donnerstag beginnt die Bc- rufungs Verhandlung in Preßburg(Bratislava). Moderne politische Plakate. „Vollsabstimmung" über den besten Eniworf. Die Plakotpropagando der politischen Partelen hat in den letzten Jahren immer wieder Anlaß ,zur Kritik gegeben. Es muß zugegeben werden, daß die politilche Propaganda in bezug aus künstlerische Gestaltung und Werbewirkung noch nicht mit der Werbung für die Privatindustrie konkurrieren kann. Die Schärfe des politischen Kampfes, die Schwierigkeit der Versinnbildlichung polnischer Losungen Mangel an Mitteln und Zeit baben diesen Abstand oer- schuldet Di« Sozialdemokratie will nun den Versuch machen, für ihre Propaganda neuzsitlich« Plakate zn erlangen. Sie hat vor kurzem unter zirka 60 bekannten Gebrauchsgraphikern ein internes Preisausschreiben veranstaltet. Die Aufgabe war, einen für die allgemeine Werbung der Partei geeigneten Entwurf zu finden. Der Entwurf soll möglichst alle Beoölkerungskreise, besonder» aber die Werktätigen in Stadt und Land interessieren und sie zum Eintritt in die Organisation veranlassen. Die eingegangenen zirka l00 Einwürfe sollen von einer k ü n st- lerischen Jury(bestehend aus den Herren Baluschek, Frenze!, Ludwig und Pechsteini und von einer Volks-Iury geprüft und ausgewählt werden. Im Anschluß an die Prüfung durch die künst- lerische Jury wird eine?luz stellung sämtlicher Eni- würfe im Buchgewerbesaal des Buchdruckeroerbands- Hauses, Dreibund st raße 5(U-Bahn Kreuzberg) statt- finden. Die Eröffnung dieser täglich von 10 bis 13 und 16 bis 20 Uhr geöffneten Ausstellung ist am 27. März. Der Besuch ist kastenlos. Jeder Besucher dieser Ausstellung— das ist das neuartige an diesem Versuch, eine breitere Oeffentlichkeit für di« Auswahl dieser Plakate zu interessieren— wird gebeten, das beste Plakat zu le- zeichnen. Der Entwurf, der auf diese Weise die meisten Stimmen erhält, wird dann von der Veranstalterin des Wettbewerbes mit einer besonderen Prämie ausgezeichnet. Wir werden über die Ver- anstaltunz noch berichten lliussoliais Fiasko am Zlemssee. Das weitere Auspumpen des Remtlees ist aus Befehl Mussvlims eingestellt worden. Es wurde auf die vollständige Trockenlegung des zweiten Schiffes Ealigulas verzichtet, da es nach Ansicht der Altertumsforscher mit dem ersten übereinstimmt. Taucher werden künstlerisch wertvoll« Teile des Schiffes heben. Das erste bereits trockengelegte Schiff wird sorgfältig in«inen Flugzeugschuppen oberhalb des Sees transportiert und dort ausgestellt werden.— Das vielgepriesene und kostspielige Unter- nehmen, aus den Prunkschiffen des oerrückten Kaisers Caligula Kapital für Mussolini, als den Erben und Erneuerer der Römerzelt, wird damit vorzeitig eingestellt. Herausgekommen ist wenig genug dabei. England will feine Rechtschreibung rejormielen. Im englischen Unterricht emtniktermm sind Bestrebungen im Gong«, die«nglis-b� Schreibweise zu vereinfachen. Bor allem will man da» meist- gebraucht« Wort der englsschen Sp aße„the" verkürzet und dnrh ein einziges Schriftzedchen ersetzen. Hierfür ist der griechische Dip- thong„theu" vorgeschlagen worden. Irna di Corenzo ge o-den I» Mailand silllb heute nuchi die bekannte Nabenische Echaitllneleiin Tina di llorenzo. Zm Somöbtenboli» sindot die Erdanssübrung von Verneuils mnfitalislhem Sviel„Merne Schwelte, und ich", heule MMIiroch. 7'/, Mr.»att. Die für gestern getölte» Kartell belialten ihre Gültig teil. Die für Aiititooch gelösten Karlen werden an der Kasse umgetauscht. Licht in Sidney- eingeschattet in Genna. Guglielmo Marconi wird heute van Genua aus einen Schwach ström durch die Luft senden, der bestimmt ist, alle elektrischen Lampen der Beleuchtungsanlage der Ausstellung in Sidney zum Aufflammen zu bringen. Einem Mitarbeiter der„Stampa" macht« Marconi über das bedeutsame Experiment folgende näheren Angaben:„Nächsten Mittwoch wird man in Sidney in Australien einer große und sehr wichtige elektrotechnische Ausstellung feierlich eröffnen, die der elektrischen Beleuchtung, dem Rundfunk und verwandten Dingen gewidmet ist. Der Präsident der Ausstellung in Sidney hatte mich ersucht, am Eröfsnungstag eine kurze Botschaft hinüberzusenden. Ich habe dieser Bitte freudig zugestimmt und deshalb gestern vee- mittels meines neuen Apparates über eine Entfernung von rund 18 000 Kilometern direkt mit Sidney gesprochen. Mit dem Ver- sprechen, die Botschaft zu übermitteln, benachrichtigte ich gleichzeitig di« Behörden von Sidney, daß ich bei dieser Gelegenheit zum ersten- mal den Versuch machen würde, durch die Uebermitllung von Energ.e die Beleuchtungskörper einer elektrischen Anlage zum Ansflammen zu bringen. Ich werde deshalb zu einer festgesetzten Stunde, wahr- scheinlich um 1t Uhr vormittags, was in Sidney der Zeit von 8 Uhr abends entspricht, einen Schwachstrom hinüberichickc.n, der den Stromschluß des Beleuchtungsnetzes bewirken und dadurch gleich- zeitig die vielen tausend Lampen der Ausstellung zum Aufflammen bringen wird. Der Vorgang wird sich in folgender Weise abspielen: An dem angegebenen Tag wird der Ausschuß der Ausstellung in Sidney die ..Elektro" hier in Genua anrufen und durch eine durch gerichtete Wellen übertragene Mitteilung an mich die Aufforderung richten, im Augenblick der Eröffnung der Auestellung ein paar Worte z» sprechen. Ich werde dann vermittels einfacher Weilen meine besten Wünsche für den Erfolg der Ausstellung senden und dann, wenn ich mich oersichert habe, daß alles bereit ist, die Energiewelle hinüber- senden, um die Beleuchtung der Ausstellung zu bewirken. Zur Richtigstellung gewisser ungenauer Pressemeldungen möchte ich von vornherein feststellen, daß meine Erfindung Hauptsächtich in der Ilebe'-mittlung einer genügend starten Energie besteht, die fähig ist. das Relais in Tätigkeit zu setzen, dos seinerseits den Stromschluh der Beleuchtungsanlage der Ausstellung bewirkt. Genau gesoat, werde ich deshalb n-cht«ine große Energie hinübersenden,»m die Beleuchtung in Funktion au setzen, sondern nur eine kleine M?nae Energie, die aber ausreicht, den Stromschiuß des Beleuchtunas- systems zu bewirken." Marconi hat für seinen Versuch gerade Sidney gewählt, weil es Europas Antipode ist und das Gelingen dieses Erperimenis deshalb die Gewähr bietet, daß ein gleicher Versuch mit Nord- und Südamerika viel leichte? sein wird. VI« poM'd)' Ä»nl» der»eeeoivark lieber b'e'eö Tßem-, Uli«>,'<#%• adnva der Deutsch ev cheletlichall zum �tud'um O�emoda« am 9* nbevM 8 ll'-r. Dr.«tl'reb.Cfi'frn einen Lichtßildervt» trta im �-n' de' V-,, ein« Deullcher Jngenieme. NT 7. Fried' ich.Sk>e>'.?«r 97>T-ut"i''■r1 ©eftsplefreii« Moskaver figpffier. ikinr Tiuppe der Motkinier a- nun erspiele ilt zu eiuer Tournee noch Deutschland abaereil»?lni saM.'u, firdtt in Leip,Ia das erst' Gastiluel statt, dem GnstiDiel« in Berlin, Hambiir» und Mönchen folgen. Weiter lüdet die Tamnee durch andere europölschc Länder und schließlich nach Südamerika. Else Adomi lanzt am SO,'/.IT Uhr mittag». Im Deulichen Volke theater am Zoo. Die Matinee wird von der.Pocza" orremstaltet. Europa gewinnt eine Provinz. Friedliche Landeroberung an der Nordsee. Wie hie Franzcs«n und �'■gicr sind auch di« Holland«? unser« , estlichen Nochbarn"; sie sind sogar durch Bande des Blutes, der L iroche und der Kultur mit uns verbunden. Der größte künslle- i; che Erfolg dieser Saison in Berlin gilt einem Holländer Di« embrandt-Ausstcllung übertrifft an Besuch alles bisher rgewesen«. Uisd m«r d!« niederdeutsche Stammessprache, das V l a t t d e u t I ch c beherrscht, das nicht nur im Land« Fritz Reuters ! sprachen wird, sondern auch in Ostpreußen, Pommern. Branden- l irg, Hannooer, Schleswig-Holstein und Oldenburg, der wird sich i ehr oder minder gut mit den Holländern verständigen und hollän- sä/S Zeitungen ziemlich gut lesen können. Oldenburger Land- 'wohner können sich mit Holländern besser verständigen als ctaw i it einem Boyern oder einem Schwaben. Zwei große holländische Landeskulturwerke sind r-., die in den letzten Jahren auch in Deutschland Aufmerksamkeit i;id Beachtung gefunden haben. Das ein« Ist die geradezu phäno- ■«na!« T r o ck« n l« g n n g des Zuid ersces. und das ander« i t ständig zunehmende Frühgemüsekultur unter Glas, Eine theoretisch sehr aufschlußreich« Beronstaltung war der in -lerlin stattgehabte Vortragsabend der Deutschen Gesell- ! ch a f t für B o u i n g e n i« u r w e s e n, aus die Regierungsbau- � leistcr Lorenzen- Berlin über die gegenwärtig im Vordergrund -le» Interesses stehenden Landgewinnungsarbeiten in der Zuider-See berichtete. Der Vortragend« schilderte die Bildung der Zuider-See und den durch die Jahrhunderte dauernden Kampf der holländischen und sriesiichen Anwohner um ihre Scholle. Dipl.-Jng Baer gab ivi demselben Vortrogsabend Gelegenheit, über die Eindrücke ei ncr Studienreise, welche der Verein Deutscher Ingenieure ini Somuier vorigen Lahres nach Holland macht«, zu berichten. Besonderen Eindruck macht in Holland der hohe Slaud der Slaädtebaukunst Er. zeigt sich in erster Linie in der Stadterweiterung in Süd- A m st e r d a m. Dort ist es gelungen, nach dem Haupt- ontwurf des Architekt«« Berlage und unter ständiger Mitwirkung des Stadtbauaimes einen Stadtteil von seltener städtebaulicher Ein- heit und Gesch'ossenheit in kurzer Zeit zu schassen, ohne jede gekünstelt« Liniensührung des Straßennetzes, jedoch mit erheblichem Sinn für die Möglichkeiten, auch aus«inem geometrischen Schema eindrucksvolle Virtungen herauszuholen. Durch die harmonische Gestallung der Fastaden des Strahcnraumes und der Strotzenbeiestigung sind unter Mitwirkung der neueren holländischen Architekturschule ge- rodezu bewunderungswürdige Großstadlbllder entstanden. Den deutschen Ingenieuren und Architekten fällt be- sonders die Teilnahme auf, welche von allen Seilen den Fragen der Ingenieur-. und Stcdtabaukunst entgegengebracht wird. Wie in früheren Zellen sollten mir auch wiederum manches von den Hollän- dern lernen, ohne danach zu fragen, ob die wirtschaftlichen Voraus- sctzungen, die auch in früheren Lahrhunderten nicht die Aeichen wie in Deutsch'and waren, die'etben sind. Das Holland von einst ist nicht mehr. So ist z. B. die viel- fach als Wahrzeichen der holländischen Landschaft hingestellte Wind- m ü h l«im A u s st e r be n b e g r i s s e n. die Errungenschaft«» der modernen Technik treten an ihre Stelle.— Die Reise führte durch samt l ich eelf Provinzen des Landes. Mehrere Städte r�Molleteji in ihren Rgthäusern. ciiieti amtlichen. Empfang durch die Vu i gcrmcistc'r. Besonders eind rucke voll war der in dem Städtchen Bergen op Zoom an der Oosterschelde. Die Stadt hatte es sich etwas kosten losten, gall es doch, die erst« deutsch« Reisegesellschait nach dem Krieg« In ihren Mauern zu begrüßen., Reben der blau weißroten niederländischen wehte eine neu« schwarzrotgoldene Fahne vom Turm des Rathauses, und ..Schwarzrotgold" wehte vom Top des TNotorsegelschifses. Uelxroll auf Bürgerstelgen, an Häusern, Zäunen und Kanal- usern sah man noch die Plakat« und Wahlaufrufe. Spuren eines heftigen W a h l k a m p f« s, in dem unsere holländische Bruderpartei 24 von 100 Eigen der 2. Kammer erobern und somit zur z w e i t st ä r k st e n Partei aufrücken könnt«. Auch in diesem Wahlergebnis kam zum Ausdruck, daß in Holland die Ln- dustrie das Uebergewicht über die Landwirtschaft erworben hat. Die Zählung von 1920 halle ja schon gezeigt, daß 37,8 Proz. der in einem Berufe Tätigen in der Industrie beschäftigt waren. 22,9 Proz. in der Landwirtschost und Dichzucht, 19,S Proz. im Handel und Transportwesen und 19,7 Proz. in anderen Berufs- zweigen. Die Berufszählung des Jahres 1930 dürste den Vor- sprung der Industrie noch erhöhen. Trotzdem hat auch die Land- Wirtschaft ihre Bedeutung behalten, sie hat sich viel- fach in den beiden letzten Jahrzehnten aus Gartenbau umgestellt und arbeitet für di« Aussuhr. Zwei von uns besuchte Gegenden seien besonders genannt: Die zwischen Haag und Hock van Holland (das Westland) und die um Utrecht. Dort sind viele hunderte Hektare mit Glas bedeck!, worunter für Millioaen Guide» Taseltraube» und Tomale» gezogen werden. Daneben li«gen Tausende von Hektaren, auf denen, zeitweise auch unter Glos, Frühgemüse angebaut wird. Die Berliner Partei- genosten wird es sicherlich interessieren zu erfahren, daß di« bis 3 Uhr nachmittags in den Versteigerungshallen des Westlandes von den Exporteuren erworbenen Früchte und Gemüse in besonderen Eilzügen nach Berlttr gebracht und am nächsten Morgen um 2 Uhr in der Berliner Großmarkthalle ausgeladen werden. Nur zwei Ding« sollen noch erwähnt werden, die von der stählernen Willens- und Arbeitskraft der Niederländer und der Um- Wandlung der Landschaft Zeugnis ablegen: der holländische Kohlenbergbau und die Zuidcrseewerk«. Eine.graße Umwälzung hat in den letzten drei Jahrzehnten in Südlimburg stallgefunden. Wohl wußte man seit der Mitte des 19. Jahrhun- derts durch Bohrungen von dem Borhandensein von Steinkohlenlagern, wohl hatte man Konzestionen vergeben, aber an die Aus- beutung-ging man erst im Jahre 1899, und zwar von privater Seite. Da geschah im Jahre 1901 etwas, was niemand erwartet hatte. Die nämlich sonst ganz dem Freihandel huldigende niederläa- dische Regierung erklärte zum allgemeinen Erstaunen plötzlich das Siaalsreserval aus Steinkohlen für das ganze Gebiet von Südlimburg. Nur einige ivenig« Prioatkonzestionen(3) ließ sie bestehen Seit 1903 nahm sie die Ausbeute selbst in die Hand und wußte sie von Jahr zu Jahr zu steigern. Heute ist ihre„M a u r i tz"-Zeche die größte Europas. Südlimburg macht die gleiche Entwick- lung durch wie unser Ruhrgebiet. Aus einem rein landwirtschaftlichen wurd« ein Industriegebiet. So stieg z. B. die Einwohnerzahl des Landstädtchens He«rl«n von 4000 vor dem Kriege aus 80 000 heute. Zum Schluß sei noch das Z u i d e r s e e w« r k erwähnt, durch das am gewaltigsten die holländische Lankschaft umgestaltet werden wird. Holland ist dabei, einen großen Teil des im 13. Jahrhundert vom Meere geraubten Landes, nämlich den Juiderseebusen zurückzuerobern. E i n 30 Kilometer longer Deich wird von der Küste der Provinz Nordholland üb«r die Insel Wieringen nach der Provinz Friesland gebaut. Er soll das Eindringen des Nordsee- wasters in den gesperrten Teil der Zmdersee verhindern. Man hat an der friesischen und holländischen Küste schon mft dem Deichbau begonnen; auf beiden Seiten zusammen stehen bereits? Kiko- m e t e r D e i ch: Wieringen ist heut« schon keine Insel mehr! Innere halb dieses Zlbschlußdeiches wird man vier Teile eindeichen und trockenlegen, wobei eine 113 000 Hektar große Wasserfläche, der Mel- \ee, offen bleiben wird, um das Wasser der Mel, der Decht und anderer kleiner Flüste sowie das dem trockengelegten Poldern ent- zogene Wasser auszunehmen. Jährlich sollen etwa 200 Quadrakkilomeker neue», guten Boden» verfügbar sein. Aus diese weise hosst man eioea Landgewian von iasgesauil 225 000 Hektar zu erreichen. Das wären 2250 Ouadrakkilomeler oder ei» Ouadrai von je 47 Silomeker Länge und enlspräche dem Umfange des deuische« Freislaakc» Anholt. Es wären aber auch 7 Proz. der Gesamtfläche und gut 10 Proz. des pflugbaren Bodens der Niederlande. Die Soften dieses Wertes sind auf 450 Millionen Gulden veranschlagt, dürften aber beträchtlich dar- über hinausgehen. Man hofft das ganze Werk 19 5 2 voll- en d et zu haben-,«s wird die Krone alles besten darstellen, was die Holländer in dem feit so vielen Jahrhunderten teils freiwillig, teils aufgenötigten Kampfe mit dem Wasser geleistet haben. Der Rordmesideulsche hat es leicht, nach Holland zu kommen; er kann, wenn er will, dort sein Wochenend« verleben, zumal auch verwandtschaftliche Beziehungen hinüber und herüber gehen Aber auch der Mittel- und Ostdeutsche sollte sich überlegen, ob er nicht seinen Urlau-b oder einen Teil desselben bei den nordwestlichen Nachbarn verbringen kann, die auch«ine prächtige Meeresküste haben und den Fremden einen schönen Strand und behagliches Badeleben bieten.— 6— Mittwoch, 26. März. B e r n n. 16.00..König Nicolo" von•Frank Wedekind. 17.00 Teemusik.' 18.00 Ernst Jünger: Die totale Mobilmachung.... 18.30 Frei. ll. Dr. Richter: Die Verteünng wisseasduftlicher Aufgaben twischeo Reich und PreuBun. 19.00 Programm der Aktueüen Abteilung. 19.30 Orchesterkonzert. Dirigent: Rudolf Hindemith. 21.00„StraDenmann". Hötspicl von Hermann Kesser.(UrankfBlirting) Reglet Alfred Braun. 22.30 Dr. F. Ande s; Kartenspiele. Anscblicßend bis 0.30: Tanzmusik. KSnigswustetfiaosea. 16.00 Regierungsrat Dr. WeiBmann: DU Lage der Miaderbeitsschulen in Polen. 16JO> Nachraittagskonzert von Hamborg. 17.30 Dr. Rudolf Senger: Die Entwickluneagesehichie des Walrera. 17.-8 Dr. Joseph Winschub: Das neue Oestcbt des Ruhrgabietw. 1.8.20 Dr. Artascbea-Abeghian: Volkswirten und Bräuche der Armenier. 18.40 Spanisch für Anflnger. 19 OS Mersmann: Schöplerlsches Moslkeriennen. 19.30 Dr. Völler. Dr. Rohr; NMprum Berufsbeamte?, 20.00 Chernlavsky-Trio. 1. Beethoven: Trio, D-Dnr. op. 70, Nr. 1. 7. Arenskr: Trio, D Moll. 21.00 Von Königsberg: Unterbaltnngs. und Tanzmusik. „Oceana" auf der Sandbank Der Hamburger Dergnügungs- dampfer„Oceana"(früher„Peer Gynt") lief auf seiner Orientfahrl bei der Insel Tenedos im Aegä- ischen Meer auf eine Sandban-S Der Dampser hatte zur Zeit 200 Fahrgäste, die auf türkischen Schiffen nach Konstantinopel befördert werden. Am Dienstag ist die„Oceana" endlich ans ihrer peinlichen Lage befreit worden. | Theater, Lichtspiele usw. UTdiiller-Tluater.niariilis 20 Uhr G*wi senswurm Ende 22"« Uhr CÄSINO-THEATER 8'*Uhi othriB�er Strafe 97 Wieder ein nerier Seil ager D«i wahre Jakob !>*n. er Hel'et(eiis-Grzolg Dazu ein ersikl. bnot.-s Programm Ou.■» c n e i n ür 14 Peisoftn FauteuiJ nur 1.35 M., Sessel 1.75 M., Soiwiigc Prei»*; Parkeu u. Rang c».80 M. 8.15 aht«.«im. UBlu LaoiKcn«rlaDbi| Goldln toII neaen Illusionen Dopiosl&Sfliu aio.!.ö.Dßll85leTai»paai{ 3 KUwrin s Seisation am Luft> irapez usw. iheateri. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Oirektion Ralph Arlhor Roberts B1/« Uhr ... Vater sein, dagegen Mr äonnlst! auch nachm. 4 Uhr(halbe Pro GROSoEd SCHAILP.ELHAUj a Uhr Sur noch 86 Torstellungen 3 Musketiere Regie: ERIK CKARELL A sonoiag oadim. unask. ubIB« Pi. Reichshallen-Theater Abends DD sonn ai nadim.[ZI Dasbirridie MSü-Prograibin da �Slettiner" KafliT.iiiaqj Ballig Prglgg Zentrum 11263 JönHoM. Brett varlgit, Oesang, Tain Romeri. Direktion Dr. Robert K'cId Cealsches Klinstler-Theat Barbarossa 3937 8% Uhr Sex Uppeäl Uibp. v. Futthl Iznsdilj Rüjlt: fsrsftr Urriia� iiadri ffasscnnaiii. Medy CBrlslIaus Serlinsr Mi\ OOnhofi I7u 8 Uhr Ende I01/« Uhr Jr. zw?'. l!ei" von Franz Btolnai mit Max Falhiibtr". Regle: Gusl.warigng Vortr- Soupor . Renic Heinz Hilper. Tägl. S u Sft, Uhr. H 5 Bali). 9236 Pr. 1-6 M. Wochentg. S U. SO Pf.-S H. Gastspiel Brich Carow und weiierj 9 iniernollop. ifiraöl onen Mfi in Donnerstag, den 27. März rw-fm.$ Uhr Tägi. Ii u. ein conni. 2., 5 b 8" __._ A ex. E 4. 8066 llNTERNAT. VARIETE IfeSS HUBEOBtl 740C TAGUCH 91 rujmensaal ANPSI« 1 1 rrg> DIE REVUE Mixms ISERVUS mol' JXRFViw I'Ianeiarlani — am Zoo—« farllBg.Jeadilm'Jliiiu tut B. S. Barbarossa 5578 16". Uhr Oer Früfi- iBhrsnlmir.el I V. Üb* UemwOrdlgc S arna Rir": ü-JwEni 20". Ohr Unser Mond Eintritt i Mark. Kinder 50 Pf. Hr d. Weitens Täglich 8'H Uhr: Botel Stadl Lemberg Musik von Cilben Leo SchQixendor Lichtensicin, Carola Kleines! liest. Merkur 1624 Täglich 8.10 Uhr madsme est Ausssny Erika von Teliraanil Paul HfttbDer ilermann Scha Tuff. Lvovski, traut ••••eeeeee iesonders wirksam sind die KLEINEM ANZEIGEN im ..Vorwärts' und trotzdem _ II Billig!! jOle goldiie Melsterlnj (Traute Xoae) I täglich 8.15(Jeden Sonntag um( 5.15 und um 9 Uhr, im {Ros�-Theateil rQroße Frankfurter Straß« 13. 1 1 BiüettkasSe Alex. 3422 und 349J| Nächs'en'onnabe d 5 Uhr und Sonntags 2 30 ntmeivelfitfis md Rosenio |.Vachs1. Sonnabend, 1 1 30 afcd „Der Mniler-at'e". j Vorverkauf täglich von II— 1| und 4— 7 abends. Jwf» I<»z4: 1.* 1/._---•• V,.-b,».-WÄAP Oirektion: Dr. Mart.n Zicke gszg Komische Oper -rednehstr.ldi Merkur 1401 433t Nach vollständieem Umbau Täglich 8". Uhr Hulia di Baalüa Schwank von Arnold und Bach mit Guido Thlelac'««. icluHz.Sehro n, urg. H Idebrand.Waltei Raoa. Flink. Badmer. Wonsk Lusispielhaus b riednchatz. 236. Bergmann 2922 23 7"i Uhr: Piemlere Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in bofden Häusorn ar 10 Uhr unuftVrb'OChen fßelflt&e Mittwoch, 26. März 1930 SivÄbimd flcrfiuer VcvtpiihliMtg Zib&VXl&U&TD XU Hause/ Von Ueinvicb Uemmw Slcif im ffjpttncn Wenn man so als G�urtoäüler noch einem zwar nicht strengen aber miesen Berliner Winter im Sonnenschein des ersten Früh-- lingstages den etwas schütteren Grunewald bei Pichels- berg betritt, bietet sich einem(Deutschaustralier) ein sellsam heimatliches Bl'd dar: dieselben dünnen Baumkronen, monotone sehatteniose Stamme ohne Unterholz, dieselbe sonnige Melancholie, dasselbe Nüchterne, Unfertige... „Haben Sie Geld?" sagte ein Mann unter einer Gast- garlentür, die einen Neuankömmling sozusagen gleich nach den ersten Schritten verschluckt, und trotz Äopfschüttelns bugsierte mich der„gemütliche Onkel Ernst", den ich hier rm Grünen wiederfand, in die Stube und flüsterte ein paar Worte seiner umfang-- reich blühenden Schwiegertochter zu. die hierauf in de» Küchen- topfen hermn-schabte und-kratzte und ein sabelhast garniertes, gänzlich unentgeltliches Rippespeerchen produzierte— Beweis genug, daß man in Berlin ein ebenso„goldenes" Herz finden kann, wie sich es der Wiener gerne nachrühmen läßt.„U nd wenn Sie Stoff brauchen," fügte Onkel Ernst, ein Glas Bier abzapsend, hinzu,„ich mein« Stoff zum Schreiben, den gibt es hier in Hülle und Fülle..." und darauf oerfiel er, oerfielen fie alle in unpro- duktioes Nachgrübeln. „Sonntag nacht haben hier ein paar Ganoven eine Studentin überfallen," fagte ein jugendlicher Anstreicher am Nebentlsch,„die hat sich aber feste zur Wehr gesetzt... können Sie daraus etwas machen?" „Und ich habe gestern, einem Liebespaar nachichteichend, ein« tote Henn« auf faulen Eiern sitzend vorgefunden," sagte ein biederer Pichelsdorfer,„geht das nieht: Opfer der Mutterliebe?" Mein Interesse konzentrierte sich auf die Person des Ai»- ftreichers: ein Student der Hochschule für Leibes- u b u n g« n.. der in den Ferien Bretterbuden anstreicht und, wie ich erfuhr, im Kadewe als Mourergehllfe tätig gewesen ist— alle Achtung! Da lebte ich nun Jahr« in Australien, in der festen An, nähme, daß es das»orurteilfreieste Land der Erde sei, und finde darin tn meiner neuerweckten alten Heimat Werkstudenten, sein. gebildete Kellner, akademische Zeitungsausträger, und sogar wäh- rend ich das niederschreibe, bringt mir ein hochgolahrter Herr Doktor Briefträger eine Postkarte, leider mit einer Mahnung darauf. Arbeit schändet nicht: sie betätigen jetzt alle ihr« Muskeln in der stärkenden FrOhlingssonne des Gastgartens, Onkel Ernst kittet Backsteine zusammen, auf welch« ein Abstellbrett für die vielen Kasieegeschirrc picknickender Snrmuerbeiüner angebracht wird, sein Sohn pmsclt an Wippe und Schaukel herum, die(sowie Moibaum und Sandgrube) sich in vorläufig noch unbestrittenem Besitz der zarteren Pichslsdoner Jugend befinden, und dos Servierfräickeiu hiipst�mit einen, frischen Mund, der allen zulächell und Gott weiß wem gehört, zw'fchen den lischrechen herum, an denen sich zwischen der noch tote» Begetation vereinzelte Kaffecgäste in der Sonne aus- breiten. Die Hintertür hinaus kam ich direkt In den Urwald, wo es(wie mein alter Freund Peter Zlltenberg zu sägen pflegte, der keinen Frühling mehr sieht) nach Blumen roch die noch gar nicht da sind. Wenn überhaupt in diesem Grün in der SoinrneisoniK;e etwas anderes leuchtei, wird als S t u l l e n p a p i e r e. „Ach," sagte das eine von zwei bunten Frühlingskindern, die hitzter Stämmen auftauchten,„wenn ich jetzt Willy nochmal a» seine neue Adresse schreibe und man ha: ihm den ersten Brief nachgeschickt, so glaubt er, ich lause ihm nach— und das will ich nicht. Und wenn ich ihm nicht schreibe und er hat de» ersten Brief nicht erhalten, so glaubt er, er sei mir schnuppe, und das will ich auch Nicht..." „Aber du hast doch auch an Erwin geschrieben," tröstete der zweite Backfisch,„und der kriegt Göll sei Donk deinen Brief de- stimmt..." Als ich nach mancherlei Begegnungen mit Natur und natur- bedürftigen Menschen von der Straße her in den Garten zurückkam, schien der sinkende Sonnenball— in„echt" tropischer Glut (würde man zu diesem Schauspiel in Australien sagen, und hier war es ebenso echt grunewaldmäßig) durch die Baume her und rötete die Gesichter der Zlrbeitsniänner, die jetzt befriedigt und angenehm ermüdet aber auch zugleich seltsam farbenbekleckert umherstanden..Letzt Hab' ich mal für S i e zum Schrei- b e n ," rief Onkel Ernst,»nd führte mich erhobenen Hauptes zur Stätte des nachmittägigen Schasfens, die etwas abseits gelegen war. Da prangte es in grellem Frühlingsschmuck überzogen, rot und gelb und grün und blau: Bretter und Türen und Sitze— Lokalitäten allerdings, die man sonst den Gästen nur auf spezielles Per- langen zeigt und die ich(das will ich zugeben) auf der ganzen Welt noch nie mit solcher Farbenpracht ausgestattet sah... Di« Knospe Dast ich am selben Abend»och«ne(menschliche) Knospe sozu- sagen aufplatzen sehen würde, halte ich nicht erwartet. Meinem Mielszinmierschreibtisch zusteuernd, sah ich in dem Restaurant, wo ich meine Mahlzeiten einnehme(so ich sie nur nicht in meiner im- prooisicrten Großstadtkampküche auf Spiritus selbst bereite),«in ungiwühnliches Getriebe Der neu«Wirt und Nachfolger des farbenliebenden Onkel Ernst, wi« ein Großes-Los Gewinner in pom. pöfen Smoking gekleidet, wehrte meine Gratulationen mit einem „Wer nichts wird, wird Wirt" ab und erklärt«, daß mir die Einsegnung seiner Tochter gefeiert würde. Die Tochter, der ich tags zuvor als einem schulaufgabenschrei- beuden kleinen Mädchen unachtsam meinen Rücke» kehrte, als ich mich zur Suppe setzte, stand jetzt in einer modern verlängerten stwarzen Abendtoilette wie eine Lady da, umringt von jungen Weiblichkeiten, die alle Farben, so Oickel Ernst aus Holz gemall, «ms zarterem Material an sich trugen. Ein Herr Ober in Weih brachte eine erste Lage Portwein und Kognak in ein prinThatl weiß gedecktes, förmlich nach Festgäste» schreiendes Zimmer, in dem ein Pianist präludierte, während mich Stammgäste vom Wirts- zimmer draußen an ihren Tisch riefen. Ii,, das war die Schwierigkeit dieses Frühlingsabends:«in Wirt will eimnal nur Familienvater sein, und wie kann «r das in feinem eigenen Gasthaus: dir Gäst« wollen all« «itjeier». Der Abend verstrich tn mehr oder weniger srucht-- losen Bemühungen eines Gastes in vorgerücktem Stadium, für das Festzimmer bestimmte Delikatessen, Torten, Zigaretten und Lagen zu kapern und an unseren Tisch zu bringen, dam, kam mit der Zeit dos Ende, der Abschied. Durch die Türössmmg siel mein Blick ine Nebenzimmep wo noch einer beim Abschied von der Eingesegneten zögernd weilt«, ein junger Mann, der mit einem Mädchen sprach. die eben in diesem Moment ihr weibliches Sslbftbe wußtsein erlanol .zu haben schien. Die Szene hätte sich in London oder in einem hinterindischen Klub ebenso abgespiell, so gleichbleibend ist das Leben— und so wundervoll ist das Leben, so voller Wunder Ich. der in so vielen Ländern weill«, starrte hilflos wie auf ein Mirakel auf diese Transformation, dieses plötzliche Sich- öffnen einer Menschenknospe. Das eingesegnete Mädchen dachte sich wohl: ich bin jetzt privat, was starren die Gäste. Und ich hatte für einen Augenblick gedacht: schau, schau, auf was sich diese Kleine schon alles versteht, als ob es nicht ausgemocht wäre, daß sie mehr von der Well versteht als ich mit meiner angelesenen und-gereisten Weisheit, so ein Bock- fisch für einen Augenblick. Da ist man frei, und sieht die Well frei ohne Belastung, bis man in das Leben eintaucht, untertaucht, bis mit dem Genuß auch die Röte und Unzulänglichkeiten der Well erscheinen, dann trübt sich für immer der Blick, der so klar ist— im Vorfrühling. fHe Wellensittiche „Sie fornnwn doch noch ein« Tasse Kaffee bei uns trinken und meine Wellensittich« ansehen?" fagte die jünger« Part- ner-in eines Liebespaares zu mir— und ich stieg zu guter Letzt noch Treppen hinauf, wo es gar nicht nach Darfrühling roch. Sondern, im Parterre noch Schwamm, im ersten Stock noch Stank und Moder, im zweiten nach Küchenresten, und im dritten, wo wir eintraten, nach einem undefinierbaren Kompositum. Die Wellensittiche, die in Australien wie Spatzen hmimtoU saßen, von aller Natur ausgesperrt, in einem komfortabel seil. sollenden Käfig, dem. der Jahreszeit gemäß,«tn Rest käsig beigefügt war, wo hinein sie sich begeben sollten und nicht wollten— das Zimmer war grün wie die Böget, und auch eine grüne Sosudccke war in Harmonie mit den Undankbaren gekooft worden. Dos Liebes-leben der Menschen, die in diesem Mietzirnmer gewiß nicht aller Lebensfreuden teilhaftig und aller Natursreuden entbehrend waren, sollte ergänzt werden durch das Famittenleben eines zweiten eingesperrten Tierliebespoares, das in feiner Gesangenschast Begeisterung zu nichts mehr hat— oder doch? Das mausernd« Weibchen fraß gierig, während das Männchen mit aufgerichtetem Kopf seltsame australifch-papageienhaste Laute ausstoßend daneben saß, dann schnäbelten sie auf des Weib- ehens Veranlassung. „S i e fängt immer an," sagte das Menschenweibckzen.„und schmiegt sich dickst an ihn, während er, ein alter Herr, der er ist, immer weiter gegen die Gitterstanoc rückt. Aber glauben Sie mir, wenn sie nun sterben würde— ginge auch er in ein paar Tagen ein: das ist so bei Wellensittichen— darum habe ich sie gekauft." Wer. enttäuschend langweilig waren die Vögel doch Man konnte die Türe offen stehen lassen, ohne daß die Tiere(das Fliegen haben sie verlernt) nach Freiheit strebten, und die Frage wurde erörtert, ob nickst eine.Kotz«, eine putzige Muschi etwas Leben in die naturausgesperrte Bude bringen würde. Dos menschliche Männchen hatte das Nest gekauft und wird wohl auch bald ein Menschennest kaufen, das ober auch von der Natur abgeschlosien fein wird und, ach. in der quirlenden Stadt so künstlich. Und wo man auch, aus allerlei recht triftigen Gründen, ebenso ungern in den Brutkäsig schlüpfen wird wie die Wellen- silliche— trotz des Borfrühlings... JEöweu im �Ubenf eeeez» Izx Utpiha/ Von'Rene Geuxy Die Eisenbahnstation, von der wir sprechen wollen, hieß dereinst Kimoa. Heute führt sie zum Gedächtnis des grauenvollen Er. eignisies, dessen Schauplag sie war, den tzt-rrnen S i m bo, was in der Suaheli sprach« Löwe bedeutet. Bor etwa 30 Iahren hatte ein Löwe in unmittelbarer Nachbarschaft der Station Kimaa, die damals noch einen einfachen Barocken- bau mitten in der Steppe darstellte, seinen Aufenthall genommen. In einer Nackst brach er zweimal in den durch eure Oeckeimmuer geschützten Kraal ein, wo die Bahnarbeiter schliefen, und zweimal gelang es ihm, menschlicher Beute habhaft zu werden. In einer der folgenden Nächte erklomm der Löwe aus der Such« nach frischem Fleisch geradewegs das Dach des primitiven Stationsgebäudes und oersuchte ins Innere zu gelangen, indem er- die Ziegelsteine beiseite schob. Man kann sich die Furcht des imgiück- seligen Babu(Stationschef), eines Hindu, vorstellen. In seiner Per- zweislung wußte er nichts Besseres als sich zum Telegropheuapparat zu stürzen und der Verkehrsleitung wörtlich folgendes zu drahten: „Cöwc greift Station an Schicket dringend Hilfe!" Glücklicherweise letzte sich der„Angrtss" des Löwen auf d!« Station nicht durch. Bei seinem Versuche, die Ziegelsteine des Daches zu cntserncn, verwundete er seine Tatze aufs schwerst«, was am nächsten Morgen ausgedehnte Blutlachen bewiesen- Aber der..Menschenfresser" wurde durch seine» Mißerfolg durchaus nicht entmutigt, sondern setzte seine mörderischen lieber- fälle fort und raubte nicht weniger als sieben Opfer. Eines Abends nun hatte ein weißer Bahnbedienfteter einen glänzenden Einfall. Diesmal, so erklärte er, würde dem Menfchenräuber die Lust zu weiteren Taten genommen werden Der Erfindungsreiche kroch in eine groß« Waffertonne lind er- wartete, fein Gewehr zur Hand, die gelbe Bestie. Gegen 1 Uhr nachts trat auch richtig der Löwe feinen gewohnten Rundgang an. Bald witlert« er den Jäger, stürzte die Tonne um und versuchte mit mächtigen Tatzenschiägen den Bahnbediensteten zu fasten. Glücklicher- weis« war die Oejfnung, durch die sich der kühne Jäger i» die Tonne begeben hatte, für den König der Tiere viel zu eng. Der fchtaue Löwenjäger, vor Furcht erstarrt und zusammengekauert, oer- mochte sich mir mit Mühe den Krallen seines Verfolgers zu entziehen. Nach halbstündiger Anstrengung verlor der Löwe die Geduld und entfernte sich. Bald darauf verließ auch der Bahnangestellte mehr tot als lebendig fein unglückseliges Versteck. Aber seine wunderbare Erfindung trug ihm für lange Zeit den Spott seiner Kollegen ein, die ihn nicht anders als den„T o n n e n j ä g e r" nannten. Einige Tage später, es war der 6 Juni 1900, traf der Polizeiinspektor R y a l l aus der Durchreis« nach Nairobi In Kimaa ein. Mit zwei Freunden, Huebner und Parenti mit Namen, hatte er sein Sonderkupee inne das er stets für seine Inspektions- fahrten benutzte. Bei der Ankunft teilte ihm der Stationschcf mit, daß der„Menfck-enf'-ester" erst vor wenigen Minute»:n der Nähe der Station peficktet worden fei Im Einoernehmen mit seinen Begleitern beschloß Inspektor Ryall allsogleich die Nacht in Kimaa zu verbringen, um die Gegend von ihrer furchtbaren Geißel zu de- freien. So wurde sein Waggon abgekoppelt und aus ein Gleis in unmittelbarer Nähe des Stationsgebäudes verschoben. Am Nachmittag unternahmen die drei Männer wvhlbewaffnet einen Spaziergang in die Umgebung der Station, ohne sine Spur des Löwen zu bemerken. Sie kamen erst zum Abendesten zurück. rauchten noch gemüt'ich Ihre Zigarren und warteten auf das Auf. rauchen des Löwen. Der aber kam nicht. So schien es ihnen wenigstens. Sie konnten nichts Bemerkenswertes entdecken es fei denn zwei Lichter, die sie für große Glül-mürmer hielten und dl« in der-Finsternis hin- und herschwankren. Diese Lichter aber waren, wie die folgenden Erelgniste beweisen sollten, nichts anderes als die Auge» des Menjchensressers der die drei Männer, deren De- wegung«,«r keinen Augenblick außer Acht gelassen hatte, belauert«. Es wurde immer später. Di« Jäger bekamen es satt, vergeblich zu warten. So schlug Ryall vor. schlafen zu gehen. Er würde als erster die Wache übernehmen. Und so geschah«s. Huebner streckte sich auf der Schlasbank aus, die etwa in halber Höhe des Kupees angebracht war. während Parenti, der Ryall die andere Schlofbonk überlojfeir wollte/ sich atlf dem Baden iiieZEj?e�.i wo er bald, müde wie er war, in ticken Schlaf verfiel.- ,'c, Was sich nun abspielte, wird man nie mit Sicherheit erfahren. Wir find auf Mutmaßungen angewiesen, denn Ryall, der allein einen genauen Bericht hätte geben können, überlebte die Nacht nicht. Folgender Verlauf der Ereigniste dürfte die größte Wahr- scheinlichkoit für sich haben. Inspektor Ryall, tn der Annahm«, daß die Bestie in dieser Nacht nicht mehr auftauchen werk«, streckte sich auf der sreigebliebenen Schlafbank aus und schlief ein, ohne es für nötig zu erachten, Huebner rider Parenti aufzuwecken, um an seiner Stelle die Wache zu übernehmen. Kaum war dies dem Löwen, der sich zweifellos in unmittelbarer Nähe des Waggons auf- gehalten hatte, zum Bewußtsoin gekommen, als er o'u f das Trittbrett sprang, mit seinen geivattigen Tatzen die wegen der Hitz« halboffene Tür ausstieß und in das Abteil, in kein die drei Männer sriedllch schliefen, eindrang- Dia Türe siel wieder zu und der Löwe und die drei Männer waren in einem Raum von wenigen Quabratmeter» eingeschlossen. Sogleich sprang die Bestie Inspektor Ryall am Aber, um ihn zu erreichen, mußte er sich aus den Körper P a r e n t i z st c l l e n, der, wie man sich erinnert, auf dem Boden schiies. In diesem Augenblick wurde Huebner durch den Angstschrei des»n- glücklichen Ryall aus dem Schlaf geweckt. Er richtete sich aus und gewahrte schreckerstarrt einen riesigen Löwen, dessen Borderlörper aus Ryall ruht«, während seine rückwärtigen Deine Parenti als Standort gewählt hatten. Wohnfiiinig vor Furcht wollte er sich- durch eine zweite Kupeotüre in das Abteil flüchten, in dem sich die Boys und der Koch Inspektor Ryalls befanden. Um diesen Plan durchzuführen, mußte er buchstäblich aus den Rücken der B e st i e steigen, die dei. ganzen Raum zwischen den beide» Schlasbänken einnahm. Und, so unglaublich es fcheiiu, ließ ihn der Löwe, ganz mit Ryall beschäftigt, völlig ungeschoren und Huebner kannte die gegenüberliegende Türy gewinnen. Aber es war unmöglich, sie zu össnen. Die geängstigt«» Boys— sie wußten wohl, was im Nachbarabteil vorging— stemmten sich mit aller Macht gegen die Türe, da sie glaubten daß der Löwe eindringen wolle. Aber die Berzweiflung gab Huebner die Kraft, die Türe dennoch auszustoßen � und totenbleich fiel er im Nachbarabteil zu Boden. Er war gerettet! Einige Augenblicke später war«in Klirren und K rachen zu vernehmen, der Waggon erzitlerie und neigte sich last zur Seile. Di« Bestie war, Ryalls Körper im Maule haltend, durch das Ki-peesenster gesprungen, dessen Rabmen in Trümmer ging. Parenti, ganz befleckt vom Blute des unglücklichen Inspektors, sprang durch dos andere Fenster und fand endlich eine Z"stucht im Stationegebäude Am näcksten Morgen wurden die Ueder'-est« Ryalls kaum fünf Meter von der Station entfernt gesunden. Sie ruhen heute aus dem Friedhofe von Nairobi wo ein« in ihrer Kürze tragische Grab- inschrift an dos grauenvoll« Ereignis erinnert. Was Parenti be- trifft, so haben die Gesäzehnisse einer Nacht genügt, um aus einem lebensfroben und durch seine Unerschrockenhcit allgemein bekannten trästioen Mann ein Menscbenwrack zu machen. Ry-Ü war das letzt« Opfer des Menschenfrellers von Kimaa. Einig« Tage später schon wurde die furchtbar-- Bestie( n e i n» r Falle gefangen Man ließ sie noch eine Woche om Leben und ous weitem Umkreis eilten die Eingeborenen herbei, um de» gei'-en Mörder anz-'staunen und mtt Versl'>ch"naen z" übei-bäuseir Ein« Gewehrkugel mackle seinem Leben ein Ende E n F-'e-'"»' Ry ll- erwarb das Fell der Bestie, das er noch heute besitzt- Ein Amerikaner bor eine phantastische Summe für die unheilvolle Trophä«. Ryalls Freund lehnte ab und er hat wohl Recht gehabt. kckimia bmärtistt Liberlewr««u**«■> RraruöftkA»« sn Lc, tUtten.) ,ntar h" l;:n Z'.Äit'"eti:r ein cy'rrf i! 7kSk� folf«*. Die Äin£er liften tiicljtiuiel und haben ewig nur fcic:i:.Sc( in der Hand: sie müßten sich austoben und schwatzen formen." Schwester Marie wagte es, dem Ketzer recht zu geben. Sic hatte ein mildes Gesicht and weniger geschickt« Hönde als die anderen. Si« war glücklich, wenn die Kleinen mit ihren groben Holzfchichen um sie herumtobten. Ihr war es gleich, ob sie den Hof kehrte oder ihre Choräle sang. Sie tat alles mit derselben Biederkeit und übereilte sich nie. Am liebsten wusch sie die Kleinen. Im Gegensatz zu den Ekstasen Schwester Claires war ihr« Frömmig- feit gelassener Natur.(Fortsetzung solgt.) (29. Fortsetzung.) Die Bauern, die einstmals den Zehnten hatten zahlen müssen, weigerten sich jetzt, die üblichen zwei Sous in den Klingelbeutel zu werfen. Die größte Schenkung hatte eine Gutsbesitzerin gemacht, die den Schwestern fünfzig Franken gab zum Dank dafür, daß sie ihre Zofe einen ganzen Monat über gepflegt hatten. * Als Schwester Claire Dcprieux in dies Kloster eintrat, hatte Schwester Orneoal noch einmal so recht Gottes Hilfe kennengelernt. Herr Deprieux schrieb, daß das Kloster, in dem seine Nichte wäre, das reichs!« Kloster Frankreichs werden würde, wenn die Flachs- spinnerei wieder zur alten Blüte käme. Schwester Orneoal sagt« dann: „Wir wollen zu Gott darum bitten." Schwester Claire leitete die Arbeit im Arbeii-saal so, wie Schwester Orneoal es noch bei keinem Orden erlebt hatte. Die Oberin machte sich jetzt Vorwürfe, daß si« so wenig Wert aus die beste Ausbildung der Arbeiterinnen gelegt hatte. Schwester Claire bracht« alles mit, was für die Arbeit günstig war: nicht bloß den Willen, sich einer harten Pflicht zu unterziehen, sondern die Begeiste- rung, alles so gut wie möglich zu machen. Schwester Orneoal dachte an jene Orden, bei denen die Arbeit freudlos oerriclstet wurde. Arbeit war hier Strafe; oerschönt nur durch das Gebet. Beim Nähen sang man Lieder zum Lobe Gottes. Die armen Klöster, die von der Näherei ihren Unterhall bestrillen, ließen die jungen Mädckien nichts anderes arbeiten als Säume, Fälichen oder Hohlsaum. Mit zwanzig Jahren verließen die Mädchen das Kloster, ohne wirklich ausgelernt zu haben, und außer- stände, irgendein Stück selbständig fertigzumachen, obwohl sie doch öie ganze Jugendzeit über genäht hatten. Schwester Orneoal lernte von Schwester Claire, daß sich Nächstenliebe nicht darauf beschränken muß, menschliches Elend zu mildern, soirderu daß es auch eine Nächstenliebe zur Arbell gab und daß es hieran m den frommen Orden fehlte. Sie dacht« an all die jungen Mädchen, deren Berufsausbildung oersärxint worden war. Schwester Claire sagte häufig: „Man muß die Arbeit genau so lieben wie seinen Nächsten." Bisher hatte Schwester Ornevol ihr Tagewerk verrichtet und andere dazu angehalten, ohne Freud« dabei zu empfinden. Mll Eintritt Schwester Claires wurde das anders. Für Schwester Claire war Arbell Musik. Sie holte sich aus Paris Feinweißnäherinnen zum Anlernen ihrer Zöglinge. So hall« sie die Zuschneiderin Reine Iacquhr und die Perlenstickerin Louise Guinon geholt. Bierzsg Mädchen im Alter van dreizehn bis zwenrndzwanzig Jahren nähien tu dem großen Saal, der von sechs großen Fenstern erhellt wurde, aus denen man einen Blick auf Bäume und Blumen draußen hatte. Die Mädchen waren in jeder Art Arbeit erfahren; vom Stopfen der Klostergarderobe an bis zur Anfertigung elegantester Wäsche. Schwester Orneoal, die sehr sparsam war, hatte als Ausgaben für die Kleidung der sieben Schwestern jährlich Im ganzen mir ein- hundertliebenurchdreißig Franken gebucht. Wahrscheinlich hatte si« dabei nicht das Garn eingerechnet. Die groben Hemden waren so oft gestopft, daß es aussah, als wären sie Faden für Faden neu gewebt. Die Zögling«, die bis zum süns-ehnten Jahre abwechselnd mit Ausbesserungsarbeiten beschästizt wurden, bekamen immer noch dieselbe Wäsche in die Hand, an der schon die' Generation vor ihnen flicken gelernt hatte. Hier im Kloster sagte man nie: Das ist ein Hemd der Oberin oder eins von Schwester Claire. Di« Schwestern ballen kein persönliches Eigen- tum. Haube, Schleier. Wäsche, alles gehörte allen. Schwester Orneoal versicherte, diese Ordensregel sel milde Im Vergleich mll den Ordensregeln der Karmeliterinnen. Die Kärmeliferinnen durften gar kein« Wäsche tragen. In allem, was die Arbeit anging, war Schwester Claire uner- biillicl». Trotz der Emsachheit der Stoffe oerlangte sie peinlichste Ansfährung. Aus Hemden, die vor Alter ousemanderfielen, schnitt man noch die besten Stücke heraus und machte aus ihnen Unter- rocke für die Afylkindcr. * Reine Jacquirr erklärte Schwester Clcnre die Machart eines rosa Erepe-de-Chine-Hemdes: „Früher war weiß« Wäsche geschätzt wegen des guten Gewebes und der Feinheit der Spitzen. Jetzt, bei der Mode durchsichtiger Kleider, wird mehr Schick und Phantasie verlangt. Wäfchestofs soll sekt verarbeitet werden wie Stoff zum Abendkleid. Die früheren Muster— immer mit denselben Fältchen, Einsatz. Hohlsaum und Zwischensatz— sind setzt viel zu einfach. Sehen Sie einmal, was mau setzt trägt." Sie zeigte Schwester Orneoal eine dunkle Stickerei auf rosa Stoff. „Das ist doch viel zu schade für ein Nachthemd: so etwas müßte man doch irur bei Tag anziehen"� sagte Schwester Orneoal. Si« halte keine Borstellung davon, was für eine Dame das Nachtb-md bedeuten kann. . Dies", sagte Reine Jacqui»,„soll in einein Bett getragen werden, das mit schwarzem Crepe de Ch'ne bezogen und mll kv�ll'-moi-'n Bändern ges-hmückt ist. Das paßt dann gut zu d-m Lackmöbeln, die jetzt so modern find. Heutzutage schminken sich die Damen und tragen bunte Wäsche." * In diesem Arbeitsraum stand keine Nähmaschine. Hier arbei- telen dreißig Näherinneu an Seidenstoffen und zehn an Batist und Leinen, den Herr Etsans geliefert hatte. Reine Jarquin hatte für Ieamre Wevelet Master entworfen. Die lecks beben Näberinnen waren mll soviel Lust und Lieb« dabei, daß die Zuscknei�erin sie lobte. Drei« gut« Arbeit wirkt« sich wohl- ruend auf die Disziplin des Arbcii-saales aus. ★ Die Zöglinge, die jung ins Kloster kamen waren leicht zu leiten: aber die in reiferem Alter aufgenommen wurden, waren schnell mit Beschwerden bei der Hand. Amalie Vaucher war siebzehn Jahre alt. Si« bestand darauf, nicht weniger als zehn Franken pro Tag zu verdienen. Davon behielten die Sä>western zwei Franken für Wohnung und Essen ein. Schwester Orneoal schob nur im äußersten Notfall Wider« I spenstige ab. Mll großer Geduld ertrug sie spitze Redensarten und , schiefe Blicke, Geschrei und sogar offene Wutausbrüch«, eh« sie ein Kind in die Korrektionsonstall des Ordens schickte. Am meisten hatte ihr Anne Taburel zugesetzt. Anne war vier- zehnjährig zu den Schwestern gekommen; gesund und frisch und so vergnügt, daß die übrigen Zöglinge von ihrer Fröhlichkeit angesteckt wurden. Allmählich, unter dem Eindruck der straffen Kkosterdrsziplin, war sie still geworden, und ihr Charakter halle eine gründliche Wandlung durchgemacht. Sie wurde verdrießlich, reagierte aus alles Schelten mit dumpfem Schweigen, und eines Tages halle sie ihre Arbeit an die Erde geworfen und geschrien:„Ich arbeite nicht mehr!"/ Dies Verhalten Annes hatte ebeniso ansteckend auf die übrigen Zöglinge gewirkt wie vorher ihre Fröhlichkeit. Die anderen Mädchen fingen an zu murren und wurden auch bockbeinig. Schwester Orneoal hätte sich für unwürdig ihres Ordens ge- hotten, wenn sie nicht versucht hätte, diesen Kindern gegenüber Gc- duld, Geduld und abermals Geduld.zu üben. Sie setzte das wider« spenstige Mädchen allein zu sich ins Zimmer. Hier mußte sie nähen und beten unter dem Kruzifix aus Ebenholz mit dem silbernen Christus. Auf dem Kaminsims entfaltete ein« Ieann« d'Arc zu Pferde ihre Fahne. Neben einer Photographie der Grotte von Lourdes hing eine Uhr mit eisernen Schlaggewichten. Allmählich fand Anne Tahurel hier ihr alles Lachen wieder. Sie konnte sich hier frei bewegen, anstatt in strenger Disziplin still auf ihrem Nähbänkchen sitzen zu müssen. Aber kaum erwacht, verlor sie ihr« alt« Fröhlichkeit wieder. Die alte Schwester, die ihrersells st« mit Schweigen rmd Güte umgab, flößte ihr Schrecken ein. Die Keine bekam wieder Wutansälle. schleudert« ihr« Arbell aus den Boden und trat mit Füßen daraus. Sie schrie, raufte sich die Haare, und die Wände dieses, christlicher Gottesfurcht geweihten Zimmers hallten wider oon ihrem Toben. Jetzt endlich schickte die verzweifelte Oberin das Mädchen in die Besserungsanstalt des Ordens. Aber auch dort war sie nicht zu hallen und kam in die letzte Abteilung, in den sogenannten„Bon Pasteur". Dieser Fall wurde ungehorsamen und faulen Zöglingen als warnendes Beispiel erzählt. Die Schwestern pflegten zu sagen: Denkt an„Bon Pasteur"; dort könnt ihr den ganzen Tag über Staubtücher und Bettücher säumen." Die grobe Arbell in diesem strengen Kloster bedeutete für Fein- Näherinnen eine schwere Degradierung: und für die Eillen eine Hölle. Man erzählt« sich, daß die Schwestern im..Bon Pasteur" mit den abgeschnittenen Haaren der Zöglinge Handellen. Sie ver- kauften abgeschnitten« Zöpfe und ausgekämmtes Frauenhaar. * Grandcola s kannte auch die Geschichte Arme Tahurels. Cr sagte offen seine Meinung: e Buch fßauer und Städler Viktor Grimm:„Der Kamps des Bauerntums mit der G r o ß st a d t".(Veröffentlichungen aus dem Gebiete der Med'izlnaloerwaltung. 39. Band, Heft 3. 116 Seiten. Berlin, Verlag von Richard Schoetz.) Unter dem Gesichtswinkel des Buchtitels betrachtet, enttäuscht die Arbeit; beim von einem Kampfe des Bauerntums gegen die Groß» stadt ist kaum zwischen den Zellen etwas zu finden. Verfasser be- handelt onderersells so interessante Kapttel, und zwar in klarer, durch statistische Unterlagen gesicherter Werse, daß das Buch durchaus den Leser befriedigt. Di« behandellen Themen lauten: 1. Vorzüge der guten allen Zell. 2. Die alte Zeit war gar nicht gut. 3. Die Vorteile des sozialen und hygienischen Aufstiegs. 4. Di? Kehrseite der zu hohen Zioilisatton. 5. Di« Folgen der Domcstlkaüon. 6. Wie entsteht der Wille zur Unfruchtbarkell? 7. Die seelischen Wirkungen der Großstadt. 8. Der Bauer und fein Hof. 9. Welch: Mängel der Großstadt still» erwiesen? 19. Was ist zu tun? Grimm hat fein in jahrzehntelanger Arbell zusammengettageires Material oeröffenllichl, weil die Volkssttmmung die Tendenz zeigl, der Landwirtschast wieder auf die Bein« zu helfen. Der Verfasser lebte als junger Arzt unter Naturvölkern in Kamerun und hat so den Gegensatz zwischen einem ruhigen, beschaulichen und gesunden Leben einfacher Naturkinder und den entwurzelten, im Steimneer der Großstadt ohne ausreichende Luft und Sanne unter neroenzerrüllender Arbeit vegetierenden.Kulturmenschen" kennen gelernt. Nach Grimm ist der Mensch et»„wunderbares Gehirn geworden, für das die Glieder mir Anhängsel und die Sinne mir Diener sind, unersättlich in seiner Wißbegierde und in seinem Ehr' geiz".(Seite 33.).Leder Schupamaiui und Wehrsoldat ersllckt in theoretischen Kursen und wird bald bis zum Professor ausgebildet, und wir sind schon nicht mehr weit davon entfernt,.daß auch der gehoben« Arbeiter das Zlbituvium machen muß."...„Wir werden erdrückl von Bestrmmungen. Verfügungen, Paragraphen, und die Zahl der öfienllichen und privaten Beamten ist unermeßlich ge wachsen... Wir sind überall überorganisiert."(Selle 35.) Grimm zeigr sodann, wie wir uns durch die niedrigen Sterbe Ziffern täuschen über den durchaus nicht glänzenden Gesund. hellszuswnd des überarbeiteten Volkes. Dauernd ist näirllich dir Zahl der jährlich entschädigten Krankheitstage der städtischen Krankenkassen für je ein Mitglied gestiegen! Insbesondere beklagt Grimm, daß das deutsche Voll in zwei Tell« zerfallen ist. in Slad: und m Land. Cr erkennt an, daß die Sozialdemokratie nicht mehr als eingefleischter Gegner des Bauern betrachtet werden kann: oller- dings ist ihm das Ergebnis in der Siedlungssrage nichr ausreichend. — Das Brrch ist für volkswirtschaftliche wie für soziologisch« Fort- bifdung gut brauchbar und sollte bei Bearbeitung entsprechender Themen zu Rate gezogen werden. vr. Otto Seelins. Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. mm Waagerecht:1. Wasserfahrzeug; 5. Gewürz: 9. geotzrahischer Begriff: 10. Mädchenname: 11. chemisches Zeichen für ein Atom Baryum; 13. Baum: 15. gebräuchliche Firmenabtürzung; 16. Pro- phet: 18. Bedrängnis: 19. Schweizer Kanton; 29. gebräuchliche Ad- kürzung einer Höflichkeitsanschrift: 22. französischer Artikel: 23. Teil eines türkischen Grußes: 24. veraltetes Kleidungsstück: 25. Schrnerzens- ruf: 27. Umlaut; 28. süddeutsche Stadt: 30. Gemeinschaft; 32. Mädchenname; 34. Doppellaut; 35. Stadt am Adriatischen Meer: 37. lateinisch„und": 38. Getränk: 39. abgekürzter Mädchenname: 49. Haustier; 41. Blume.— Senkrecht: 1. Bezeichnung für sreolerische Tat: 2. postalischer Telegrammvermert: 3. Schmutz: 4. Schneid-igkeit; 5. Philosoph: 6. Abschieds ruf: 7. abgekürzter Ellern. name: 8. Düroangestellter: 12. amerikanischer Vorname; 14. sran- zöstsch„nein"; 15. Flächenmaß: 17. Religion: 19. Wort für Unannehmlichkeit: 21. Viehsutter: 22. halbwarm: 26. Eulenart: 29. abgekürzter Mädchenname; 39. Tierprodukt(Mehrzahl): 31. Mädchenname: 33. Doppelvokal: 35. Märcheirgcstalt: 36. gefrorenes Wasser: 38. Doppelkonfonant.* Silbenrätsel. Aus den Sllben a a ag ar bat bei ben böh bro ea cel chen da de de d«� dorn dra«« eil«im«n er fe ge g« ge gel gill hüt i lg in m den la!a l« l« lett lo nun im na naz nes ni ni» miß punkt ral rat rhö ri sat fa st sie(ol stein stro ta t« te te tel ter th« tt tisch tot u u um us zier sollen 31 Wärter gebildet werden,.«ren erster und dritter Buchstab«, von oben nach unten gelesen, ein Zitat von Goeche(„Sprüche in Prosa") ergeben. Die Wörter haben folgende Bedeutung: 1 Fabelwesen: 2. Bettzeug: 3. Frachtstück: 4 Biblischer Name; 5..Heilkraut: 6 Systematische Ausstellung: 7 Berteilungssystem: 8. Graubünden des Altertums; 9. Stadt in der Schweiz: 19. Reitutenfilie: 11. Stadt im alten Griechenland: 12. Alter Perserkönig: 13. Weiblicher Nor- uame; 14 Handwerkzeug: 15. Fluß in Spanien: 16. Weiblicher Vorname: 17. Gebäck; 18. Ausschmückung: 19. Männlicher Vorname; 29. Raubvogel; 21. Bcnchmter Gelehrter der Neuzeit; 22. Teil ter Tschechoslowakei: 23. Russischer Gebirgszug: 24. Stadt in Haunooer: 25. Häuschen: 26. Besprechung; 27 Gewürzpflanze: 28. Hitzegrad; 29. Sternendeuter: 39. Stadt in Pommern; 31. Gegenstand des Aberglaubens.— ab, llmstellworträtsel. Es hat ein jeder Menjch das Wori Heut schlecht und morgen gut: Erfteut das ein« uns das Herz, Bringt's andre uns in Wut. Vertäusch die Selbstlaute darin, So wird daraus sofort Ein deutscher Mann, der hinterließ Manch köstlich Dichterwort.* Viamanträtsel. Di« Buchstaben in der Figur sind so zu ordnen, daß in den waagerechten Reihen Wärter folgenderBedeutung entstehen: l. Konsonant: 2. Gefrorenes; gerät; 5 Schrifttum; 6 Schwei- zer Hochtal: 7 Wollstoft: 8. Kopfbedeckung: 9. Konsonanr. Die miltesste senkrechte Reihe muh ckenso wie die mittelste waagerechte lauten 11. 8. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Da: 3. Wabe; 7. Art: 9. Hai: 19. Saar; 12. in: 13. Kap: 15. che: 16. PS: 18. Mime: 21. Oel: 23. nur: 24. Lear; 25. sz.— Senkrecht: 1. das: 2. Ära: 4. ah; 5. Bai; 6. ein' 8. Takt: 11. Rahm: 14. Pein: 16. Pal: 17. See: 19. Mus; 20. Erz: 22. la. R a g> sch e s Quadrat: 1. Oran; 2. Rune; 3. Anni: 4. Nein. Hygienisches: Frohes Lachen ist ein gutes Heillnlltel. Ergänzungsrätsel: 1. E: 2. Eis; Z. Eisen; 4. Meissen: 5. Messe; 6. See: 7. E. Streichholzaufgabe: Botanisches: t. Tomaten: Z. Reinetten: 3. Erdbeeren: 4. Zohamrisbeercn: 5. Bananen: 6. Hagebutten: 7. Anairas: 8. Urginea; 9. Schatteiuuorelle.— Treibhaus. Was bringt„Wien— Berlin"? Grundsätzliches und Sportliches zum Arbeiterschwimmkampf Der Städkekampf„DJ i c n- B e r I i n". den die Arbeiter. ichwimmer am kommenden Sonntag im Lunabad in Halensee �eravstallen, wird ein schwimmsportliches Ereignis werden. ' is weit über Berlin hinaus im Reich und auch im Ausland die größte Beachtung findet. Da mit dieser Beranstaltung gleichzeitig der Auschlußgedanke Oesterreichs an Deutschland zum Ausdruck kommen soll, werden ihr Jertreler des Reichsminifleriums des Innern, des Aus- wärtizen Amtes und vieler behördlicher Stellen, auch der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften beiwohnen. Der sozialdemokratische Relchstagsobgeordnete Aranz K ü n fl l e r wird in einer Ansprache den Gedanken des Festes zum Ausdruck bringen und dabei die enge Ber- bundenheit der Arbeiterschaft beider Länder betonen. Zpcrtkich oerspricht der Ttädtekampf bei dem Gleichmaß der sportlichen Kräfte einen außerordentlich interessanten und spannen- den Verlauf. Der Arbeiterschwlmmverein Wien ist der größte Schwimmverein der Well! Außer den Zehntausenden von halb- jahresmiigliedern, die dem Verein nur in den Sonnnermonaten an- gehören, hat er 6471 Mitglieder und ist Besitzer des sehr bekannten und mustergültig eingerichteten Wiener Strandbades, das in den Sommermonaten von hunderi taufenden von Badegästen besucht wird. Im Jahre 192g hat der Verain 10 353 Unterrichtsstunden für Nichtschwimmer im Schwimmunterricht erteilt, seit dem Grün- dungsjahre 1909 konnte er 121522 Unterweisungen im Schwimm- untericht für Nichtschwimmer erteilen. Das Wirken der Wiener Arbeiterret'ungsschtnmmer hat viele Familien vor schmerzliche Ver- luste bewahrt und eine große Anzahl wertvoller Menschenleben der Geineinschast erhallen. Wer auch das Sportschwimmen findet, weit- ochendste Förderung, daraus sind die außerordentlich guten spart- lichen Leistungen des Vereins zu erklären. In allen Schwimmlagen, im Kunst- und Turmspringen standen bisher die Wiener Arbeiter- ichwimmer bei internationalen Wettkämpscn an vorderster Stelle. Iin Wasserballspiel überragt Wien um ein Bedeutendes alle Mann- schatten der Arbeitersportler des Kontinents. Dies« enormen Leistungen des Vereins sind das Ergebnis jahrelangen Fleißes, einer unermüdlichen Auf- und Ausbauarbeit durch den tadellos funktio- nierenden Lehr, und Verwaltungskörper. Ein so riesiger Bereiu kann nur durch eine gut ausgebildete Schwlmmwartschast seine Aufgaben erfüllen. Di« Wiener sind außerordentlich gründlich: um Schwimmwart zu werden, muß ein zweijähriger Kursus absolviert werden, an dem nur Mitglieder teilnehmen können, die bereits zwei Jahre dem Verein angehören und die körperliche Eignung zum Schwimmwart haben. Erst nach einer Prüfung, in der beträchtliche tlnforde rangen an de» Kurfisten gestellt werden, erfolgt die Auf- nähme in den Lehrkörper des Vereins. Es gehört sicherlich Be- Harrlichkeft, Ausdauer und Idealismus dazu, zwei Jahre lang einen Kursus zu besuchen, eine schwierige Prüfung zu machen, um dann ein Ehrenamt ausüben zu dürfen. Auf diese Art wurden die guten technischen Funktionäre herangebildet, die den Verein rn jeder .yinsicht leistungsfähig gemacht haben. Oesterreichs beste Sdiwimmcr Der Arbeiterschwimmverein Wien ist gegenwärtig aber auch der größte Sportverein Oesterreichs. Alle Schwimmer betreiben Ldchl- athtekik. Handball und andere Sportarten, es sind durchweg vielseitige Sportler. Beispielsweise ist die handballmannschast des Vereins Bundesmeister des Arbeiter-Handballverbandes Oesterreichs. Alle .ftondballspieler sind auch ausgezeichnete Wasserballspieler, die erste Wasserballmannschaft besteht aus durchweg erstklassigen Handball- spielern. Der Sporlbetrieb des Wiener Vereins ist' Massenbetrieb, die besten sportlichen Kräfte des Vereins sind zugleich Schwimm- warte, die verpflichtet sind, mindestens einmal wöchenllich als Lehrer bei den Zlnfängern im Schwimmen zu wirken. Dos ist ein vorzüz- liches Erziehungsmittel gegen die Anfänge der„Starkrankheit", die in Wien keinen Boden finden kann. Gegenwärtig zählt die Schwimm spart abteilung 119 Schwimmerinnen und 321 Schwim- mcr. Für Mitglieder, die nicht Sportjchwimmer werden wolle», wohl aber Interesse an ihrem weiteren schw mmerischen Fortkommen haben, sind besondere Sportabend« eingerichtet. Der Berein hat fünf Wasserballmannschaften, zwei gehören zur Sonderklasse, die anderen zählen noch immer zur �-Klasse. Das Grandprinzip des Wiener Bereinsbetriebes ist: zuerst Massensport und gute Durch- schnittsleislung des einzelnen: auf dieser Grundlage kommt dann de Höchstleistung von selbst, die richtige Erziehung der Sportler und Sportlerinnen sorgt dafür, daß der Sinn der Arbeitersportbewegung richtig erfaßt wird. Aehnlich dem Wiener Schwinnnbctrieb arbeften die Berliner Schwimmvereine. Während in Wien nur ein Zlrbeiterschwimnwercin besteht, sind in Berlin 10 bundestrcue Arbeiterschwimmvereine vor- Händen, wobei der größte Verein die„Freien Schwimmer Groß- Berlin" 1402 Mitglieder zähll. Grandprinzip der Berliner Ar- beiterschwimmvcreine für den Vereinsbetrieb ist ebenfalls der Massensport, die gute Durchschnittsleistung. Trotzdem der Rekord, die höchstlo.stung, im Arbeitersport nicht das Wichtigste ist, sind außerordentlich gute Leistungen zu oerzeichnen, der Slädlekamps Wien-Berlin wird dafür den Beweis erbringen. Sind doch Leiskun- gen von 1 Minute 05 Sekunden, 1,06 und 07 im Hunde rtmeter- schwimmen im Arbeitersport durchaus kein« Seltenheit mehr. Beim Städtekampf sind mit Ausnahme des Springens nur Mamrschafts- käinpfe vorgesehen. Vier Männer-, zwei Frauenstafetten, ein Männerkunst, und ein Männerturmspringen vom 10-Meter-Brett, ein Wasserballspicl und ein Frauenkunstreigen. Es �eht nicht nur um den Sieg wer wird Sieger werden? Bai der Gleichwertigkeit der Gegner läßt sich schwer ein Urteil im voraus fällen. Interessant ist jedoch die Beurteilung der Chancen durch die Mannschaftsführer beider Städte. Wien rechnet mit einem nach hartem Kampse errungenen Sieg. Berlin bäft den Ausgong des S Ldtekampfes sür offen. Die viermal 200-Weter-Freist:lstafsel, die dreimal 1 00- M eter- Lage nstaff e l werden als offene Kämpfe angesehen, in der zehnmal 6S?ö- Meter» Freistilstaffel glaubt Wien einen knappen Sieg erringen zu können und in dar dreimal 100-Meter-Praftstaffel will Wien mit einer Bestleistung als Erster einkonunen. In den Frauenstaffeln wird Berlin"nicht der Sieg zu nehmen sein. Einen hohen Genuß bieten die Sprmgerwettkämpfe. Gibl es doch kaum etwas ästhekisch Schöneres, als die kühnen Wasserspringer in ihren elegaitten Sprüngen vom 3-Mcter-Brett und lO-Meter-Turai die Lust durch- fliegend zu beobachten. Die Wiener Springer Stadelmayer und Güll waren auf internationalen Veranstaltungen meist Sieger. sie werden auch in Berlin die Besseren sein. Im Wasserballspicl triit Wien mit einer Mannschaft an, die seil dem Jahre 1925 noch nicht geschlagen ist. Die Spielstärke läßt sich durch die Spielresultate «m die Bundessestmeisterschast in Nürnberg erkennen. Wen konnte Mannheim mit 12: 2, Hannover mit 12: 0, Berlin mit 14: 2 und Nürnberg mit 8:0 Toren schlage»: Wen war mn mehr als eine ganze Klaffe besser als die deutschen Städtemannsehaften. Aus diesen Bundessestspielen hat Berlin viel gelerm und die besten Kräfte zusammengestellt, so daß man mit Spannung dem Spiel ent- gegensehen kann. Nach Aeußerangen des Schriftleiters vom Wiener „Abend", F. Kars, gibt es auf der ganzen Welt keinen Gegner, der die Wiener Mannschaft besiegen würde. * Aus dieser llebersicht läßt sich ersehen, daß der Städtetamps tatsächlich e>:n schwimmsportliches Ereignis von größter Bedeutung zu werden verspricht. Es kommt nicht daraus an, wer Sieger wird. es werden nicht überhebliche Sieger über betrübte Besiegte jubeln, der Grundgedanke des Arbeitersports läßt derarkige Unsitten nicht zu. Der Städtekampf wird aber wiederum den Beweis der inter- nationalen Solidarität, der engen Verbundenheit des Arbeitersports mit den Zlrbeitsbriidern aller Länder geben und darüber hinaus zum Ausdruck bringen, daß Oesterreich und Deutschland zusammen- gehören und die Arbeitertlaffe für dieses Ziel der beste Vorkämpfer ist. Am Sanntag lautet also die Parole für Berlins werk ätige Bevölkerung, die zur bundestreuen Arbeitersportbewegung hält: Aus zum Slädlcfchwimmkamps Wien-Berlin ins Lnnabeid. Beginn 15 Uhr, volkstümliche Preise. Jung gegen alt Er5ffnungsradrenncn der Olympiabahn In drei Läusen über insgesamt 75 Kilometer wird am Sonntag bei der Eröffnung auf der O l y m p i a b a h n hoffnungsvollen Nach, wuchsstehcrn Gelegenheit gegeben, ihr Können an zwei erprobten deutschen Dauerfahrern zu messen. Neben dein Wiener O. C a p sind als Vertreter des deutschen Stehernachwuchses noch Hille, Wißbröcker und D a m e r o w verpflichtet worden. Der Leip- ziger Hille, der hinter dem bisherigen Schrittmacher Lewanows, Schadebrodt, fährt, hat in der vorigen Saison selbst Vertretern der Nsaturfreimde? Wanderlustige! heule. Mittwoch, findet aus Anlaß der Raturfreunde- Werbewochc im Orpheum, Hasenheide, eine Beraustalkung der Ortsgruppe Bertin statt. Der Abend ist auf das Thema:.Aus dem Leben der Ardeikerwanderer" gestellt. Bunte Bilder, Musikvortröge. Bolkslänze. Eintritt 50 Pfennig, Jugendliche 30 Pfennig.— Morgen, Donnerslog. bringt der Berliner Sender eioc Rundsuokreportoge über die Werbewoche. Also: Ein- schaltea um 19 Uhr! internationalen Sonderklasse Niederlagen beizubringen vermocht. Wißbröcker hat namentlich in Hannooer und Braünschweig gute Er» folge errungen, geführt wird er von Fritz Hossmann, dem früheren bekannten Treptower Flieger. Damerow startet in dieser Saison hinter Bajorath, der bisher dem Dresdener Rosellen Schratmacher- dienst« geleistet hat. Gegen diese vier ausgezeichneten Nachwuchs- fahrer treten Lewanow und Bauer an. Bauer, der sich die Dienste des wieder zur Rennbahn zurückgekehrten Otto Przrembel gesichert hat, konnte in der vorjährigen Stehermeisterschast beweisen, daß er immer noch mit zu den besten Dauerfahrern Deutschlands zu zählen ist.— Das Training der sechs Teilnehmer an den Er- öffnungsrennen ist bereits in vollem Gange. Jeden Nachmittag kann man die Fahrer bis 16 Uhr bei ihrer Ucbungsarbeit auf der Olympia- bahn sehe». * Das große Jitteresse, mit dem das Publikum den D i r t- T r a ck- Rennen am letzten Sonntag folgte, hat den Veranstalter zu dem Versuch veranlaßt, auch Sonnabends nachmittags Rennen zu veranstafteiu Franz Heck will Sonnabend, 29. März, 16!4 Uhr, auf der Olympia bahn durch ein Match gegen den besten Eng- länder Nobby Key dem Berliner Publikum sein Können, das er am letzten Sonntag nicht«ntifalten konnte, unter Barns stellen. Ein Länderkampf Deutschland-England-Dänemark führt Platts und S t r a t t o n, der zwar in Neuseeland geboren, aber durch seinen langjährigen Aufenthaft in London als Engländer anzusprechen ist. mit den Gebrüdern B i t s ch»nd zwei noch nicht feststehenden dcut sehen Fahrern zusammen. 5. Polizci-Hallensportfest Neben der Leichtathletik ist im reiche» Programm ec.- 5. Polizei-Hallensportfestes am Dienstag, 1. Zlpril, im Sportpalast von dem mit der Durchführung betrauten Polizei- Sportverein den rein gymnastischen und turnerischen Leibesübungen eine besonder« Sorgfalt zugewandt worden. Das Feld der Gym- nastik wurde ausschließlich der Polizei vorbehalten, damit sie dem Berliner Publikum die Ausbildung in körperlicher Geschmeidigkeit in der Rhythmik eines gymnastischen Masfenbildcs vorführe.'2ln der Kugelgymnastik und den Freiübungen sind insgesamt 260 Polizisten des Berliner Kommandos und der Poiizeischule Brandenburg beteiligt. Außerdem bewerben sich die repräsentativen Mannschaften dieser beiden behördlichen Organisationen um den Sieg im Tauziehen. Gleichkalls von der Polizei wird die hauptzabl der Turner gestellt. Donnerstag: Abendschwimmtest bei den freien Schwimmern chsrioiienburß Es ist bei den„Freien Schwimmern EHorlottenburg" Tradition geworden, alljährlich als Abschlußprüfung der Wintersaison ein Abendschwimmsest zu veransialien. In diesem Jahre kommt es morgen, Donnerstag, 2014 Uhr, im Voltsvod Ehar- lcttenburg, Krumm« Straße, zum Austrag. In allen Schwimmlagen treten die Muglieder, von den Kindern bis zu den Erwachsenen, zum fröhlichen Wettkamps an. Kunst- springen der Kinder und Männer wird beweisen, daß die Freien Schwftmner wieder Wert auf die besondere Ausbildung in dieser schönen Sportart legen. Streck entouchen, Paddeln, sowie ein Wasser- baltmehrkampf, bestehend aus Balldribbeln. Ziel- und Weitmurf, tragen zur Abwechselung bei. Dos Rettungsschwimmen, ein besonders wertvolles Gebiet, das von jeher bei den Charlottenburgern als Pflichtfach geübt wurde, tomint in Form eines Wettkampfes zur Darstellung. Die Schwimmer müssen je eine Bahnlänge ohne und mit Rettungsobjekt schwimmen. Zwei Wasserballspiel« vervollständigen das Programm: Es spielen erste Männermannschaft(.�-Klasse) gegen zweite Männermannschaft (L-Klasiej und erste Iugeydrnannsehast gegen die dritte Männer- mannschast(ft»K1asie). Sieben Wasserballmannschaften zählt der Verein. Ein Zeichen, wie beliebt dieser llebungszweig ist. Andere Schwimmvorsührungen ergänzen das Programm und werden den Zuschauern, die nur 25 Ps. Eintriftsgeld bezahlen brauchen, etwas aus dem Uebungsbetricb eines Arbeiterschwimmvereins zeige», das wejenUich von den bürgerlichen Vereinen absticht und mir von Mit- gliedern ausgeführt wird, die in der'Schwimmkunst im Berein aus- gebildet sind.— Wir können unseren Lesern den Besuch des Abend- schwimmfestes nur empfehlen. Die Freien Schwimmer EHorlottenburg sind«in guter Hort des bundestreuen Arbeitersports im Berliner Westen. Freie Sport- und Musikvereinigung! Antreten zu„Wien— Berlin"! Sonntag, 30. März, treffen sich alle Mitglieder um 14 Uhr am Ringbahnhos„Halensee". Instrumente und Bundeskleidiing mi! bringen, da zum Einmarsch gespielt wird. Freitag, 25. Mür.z, 20 Uhr: Uebungsstund« mit Instrumenten im„Sporthaus", Diretscn- straße 1, an der Janno witzbrücke.(Kortenausgabe sür Wien— Berlin in der Uebungsstunde.) Pauken» und Beckenschläger können eintreten. Instrument« vorhanden. Auch unbeschäftigte Trommler und Pfeifer werden aufgenommen. Gäste stets willkommen.— Anfragen und Anschriften Geschäftsstelle: Robert Ochlschlager,. Berlin N. 65, Razarethkirchstr. 46.(Wedding v 6 2977.) ,usyc» -----' tllOTCl 51®®., vckwlMwbeüirk Stcusbcts. Tonncrstaa, 27. Mäei. 20 Uiit, b.\ arilq«, ffitinunfit. 1, Milqlicdcrversammwna. Tennis-Rot, Kockeyadtcilxnq. �onnersta«. 27. Miir�, Ilhr, Iuqondhest» Bionnnnltr. l wichliqe Lockenniuin«. Steic Faltlwottahree Berlin.?onnerstaq. 27. Mit». 20 Uhr, im..Sa-tesch-il Los". Nolenlhaler Str. 41, Lichtvilb.'rvor'r««:„Das Ärhcite» mit der»lein. filmiamern". CSiiste willkommen. Sonnta«. IS. April, Anpaddeln auf der. Slreckc glirNenwaide— Lannelsdera. Abfahrt 0,37 Uhr vom Bah»Hof lrrledri». toaste bis Mrsienwalde.(tzn(Erlnet umsteiaeu l Zsreier«örpcrtnlturirei» Nrcu»brra. Dpnnrrstaa, 27, Märe, 20 Uhr. rni Iuacndhcim Waflerlorto. 9, 5orttestuna der Portraasreihe ItraiU tc-rlem,«: „Pfncholoa'e de.- Arbeiters". .Solidarität", Ortsfliuppc Grost-Berliu, Motorsahr« r. tonniaa, 30. Mär,. Adt.«öpcnilt: Anfahrt nach Liibbrna». Start: d Uhr Vrreinslokal. Teiliiahmr Pflicht— Adt. Oberichöneweide: Besuch des Städtewettschuiimmfampfes Wie» Berlin im Wellenbad b'unapar!. Treffpuntt 13'. Ubr ohne Oder Bahnho- Schönewcide.— Abt. Roldcn: Start 13 Uhr vor dem Berelnsloläl Sparst?. 3. Ziel am Start. Adt. Rrutäll»! Raucnschc Berge. Start: 9 Uhr Hohen- lollernplast.— Adt. 5trc»,berq: Neue Miihle züglich der Stellung der Arbeiter zu den wirtschaftspolitischen Ber» flechiungen der Gegenwart führte Genosse Sinzheim er aus, die Arbeiter müssen die Augen offen halten,«eil sich der Kapitalismus in der Wirtschaft weit stärker als in der Vorkriegszeit durchgesetzt habe. Di« Arbeiterschaft dürfe sich durch die Einträuse- lung des sozialen Oeles in die Wirtschaft nicht irreführen lassen. Es sei zwar ganz unverkennbar, daß durch die fortgesetzte energische Arbeit der Gewerkschaften die Arbeitszeit herabgesetzt sei und daß sich der Reallohn gegen die Vorkriegszeit für groß« Gruppen von Arbeitern erhöht Hab«. Es bestehe also ein gewisser sozialer und wirtschaftlicher Fortschritt gegen früher. Trotz aller Fortschritte, insbesondere auch auf dem Gebiete des Arbeitsrechts, mache sich jedoch ein starker Schatten bemerkbar. Das Arbeitsrecht erfahre zwar keine Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen, demgegenüber aber fühle man sehr deutlich einen sorlgesehtcn Abbau des Arbeitsrechts durch die Recht- sprechung, insbesondere die des Reichsarbeitsgerichts. Das Reichsarbeitsgericht habe sich leider noch nicht zu der Erkenntnis durchringen können, daß das Arbeitsrecht sich auf ganz anderen Loraussetzungen als des allgemeinen bürgerlichen Rechts aufbaue. Wir sehen heute, sagt« Sinzheimer, in d e r Sp r u ch- Praxis des Reichsarbeitsgerichts eine gefährliche Abbautendenz des Arbeitsrechtes. Daber wies er ganz besonders auf die den Arbeitern ungünstigen Urteil« in den Fragen der Abdingbarkeit tarifvertraglicher Be- stimmungen und der Frag« der P a r i t ä t hinsichtlich der tarif- fähigen Parteien hin. Das Reichsarbeitsgericht sei auch auf dem besten Wege, den Lohnschuh durch eine Aufrechnungsklousel vollkommen illusorisch zu machen. In der heutigen, gegen früher ganz anders gearteten Arbeitslosigkeit erblickt er die ganz« Sinnlosigkeit der Heuligen wlrtschaslsweise. Die Arbeitslosen, sagt« er. bilden heute die Gesellschaftsklasse der De- klassierten, die. sobald sie, ganz gleich, ob Arbeiter oder Angestellt«, das vierzigst« Lebensjahr erreicht haben, außerhalb jeder Tätigkeits- Position gestellt sind. Es wäre die Derbügerlichung der in Arbeit stehenden Arbeiterschaft, wenn die Gewerkschaftsbewegung sich nur auf«ine Znteressenvertretung ihrer Mitglieder konzentrieren würde. Jeder Versuch nur des leisesten Abbaues der Arbeitslosenversicherung müsse unter Führung der Sozla'demokratischeii Partei und der Te- werkschasten mit allen Konseguenzen auf das entschiedenste ab- gewehrt werden. Um den wirtschaftlichen Einfluß der Arbeiter gegenüber den Tendenzen des die Staatsführung stark beeinflusienden Kapitalismus zu stärken und damit in Verbindung das Arbeitslosen- Problem einer Lösung entgegenzuführen, stellte er als nächst« Zukunftsforderungen die stärkste Förderung der Relchsreform und des Siedlungswefens als das unbedingt Notwendigst« hin. Besonders die Reichsreform müsie von der Sozialdemokratie und nicht von Herrn Luther geführt werden. Die kapita'iftifchen Kräfte und die Ideen ihrer Wirtschaftsführer beeinflußten heute sehr stark die gesinnt« Slaalspsflttk nnft m-m müfsi« frfir»achs-rm sestt, daß nicht ein großer Teil der Nachkriegserrungsuschaften ohne Gesetze sönderung kurzerhand auf dem Wege eines langsamen„Ge» wohnheitsrechtes" aus dem kalten Wege beseitigt würden. Der Personenpolitik müsse man ganz besonders ein wachsames Aug« schenken. Mit einer Mahnung an den neuen preußischen Kultusminister, Lehrstühle für da» Arbeitsrecht zu schaffen, schloß Genosse Sinzhcimer seine bedeutsamen Ausführungen. Verbandsiag der Polizeibeamten. Am und 16. April in Berlin. Der Wgemem« Preußische Polizeibeamten-Verband beruft seinen 3. ordentlichen Verbandetag zum IS. und IS. April nach den Kammersälen in Berlin. Di« Tagesordnung sieht außer der Erstattung der Geschäftsberichte und den Wahlen zwei Refen.� vor über �Personalakten und Stroflöschungsorlaß", gehalten vom Oberregierungsrat Tejessy vom preußischen M mfterium des Innern, und über„Rationalisierung bei der Polizei", gchaltm vom Oberregierungsrat Prütz, ebenfalls vom Ministerium des Innern. 28. Abteilung. 5)eutk. Uhr, in den Berolina-Festsäle». Schönhauser Allee 28, Mitgliederversammlung. Vortrag: Reorganlsaiion der Berliner Verwaltung. Referent: Gustav HSdicke. Wetter für Berlin. Bewölkt, ohne nennenswert« Niederschläge, wenig verändert« Temperaturen, westliche Winde.— Für Deutschland. Im Nordosten und im Alpenvorland« leichte Regenfälle. Im übrigen Reich« wolkiges Wetter mit wenig Tewperaturänderung. SmnntDOitl.*01 di»-rtbattien: Oolla.nfl s»w«rz. Bkrlin: Snzeigcni Th. suck«. Berlin Bcrlagi BorwöiUs üctlaa©. m b&. Berlin Bruck: Sorodm B�iN» »ruckcre, uni Berlaasanllalt Paul Sinqer 5- Co Berlin 533 68 Cmirmtrofee z. Sier»» l«eilaae. �(Befchäfis'Jlnsäger � (ßexiwü füden-Weften. G Esnossso! ODlerstfltzt Bore einenen QsttrisDe1 Deckt Euren Bedarf a. Urnen u, Grabdenkmälern nur in der Steinm atz h ö tte, a rk1. h! •dmlenve., Klefholz-lr,,«egeafiber d. Kremafor-om. Tel: F 3 Oberspree U88 Lieferuns nach a! en Friedhöfen in OroB-Beriin SM» aal Ui Ftiraa aimen. sann ans osfltiaal. 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