Morgenausgabe Nr. 149 A 75 47.Iahrgang Dächen tNch SSPf� monatlich S.SV M. tm voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich äOPfg.Poltzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Ausland»» abonnement 6,— M. pro Monat. De? �Lonvärt»� erscheint wochentög» ltch zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Bern» und im Handel mit dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit- und.Äinderfreund-. Ferner �Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme-.Technik-.Blick in die Bücherwelt- und.Iugend-vorwärt»- |P>G.* Nerttner v-ttsvla« Sonnabend 29. März 1930 Groß-Äerlin 10 Vf. Auswärts 15 pf. Die einspaltig« Nonporeillezetle Sl) Pfennig. Reklame'.eile ü.— Reichs« mark.„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Wort 2ö Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmal tt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» Geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 6�/, bis 17 Uhr. Äentvalovgan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbof» LS2— W7 Telegramm-Adr.: Soualdemokra» Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Poslscheckkomo: Berlin 37636.— Bankkonto: Bank der Ardeiter. Anaeslilllcn und Beamten. Wallltr Kö Dt B u Tiic-Ges. Devoüicnkasie Lindenlir 3. An das werktätige Volk! Die Reichsregierung Hermauu Müller ist am 27. März 193» zorückgekreken. Der Kampf um die Arbeitslosenversicherung, seit Iahren das Ziel der stärksten Angriffe der gesamten Reaktion, hat zur offenen Krise geführt. Sicherung der Unterstützung für die Riesenarmee unverschuldet arbeitslos Gewordener ist und bleibt das Ziel der Sozialdemokratie, Abbau der Leistungen ist das Ziel der Deutschen Volkspartei. Dieser Gegensatz führte zum Bruch. Schon im Vorjahre erfolgte ein schwerer Angriff auf die Arbeitslosenversicherung. Sozialdemokratie und Gewerkschaften wiesen ihn in einmütiger Geschlofienheit zurück. Es gelang, die Leistungen der Arbeitslosenversicherung aufrechtzuerhalten. Die Sozialreaktion gab sich damit nicht zufrieden. Die Sozialreaktion will die Arbeitslosenversiche- rung abbauen, damit die Not die Arbeiter zwingt, Lohnherabsetzungen widerstandslos hinzunehmen. Die Sozialdemokratie verlangle rechtzeitig die Sanierung der Arbeitslosenversicherung durch Erhöhung der Beiträge unter Aufrechterhaltung der Darlehnspflichl des Reiches. Aber sowohl die Erhöhung der Beiträge als auch die Beihilfen des Reiches wurden von der Deutschen Volksparlei heftig bekämpft. Sie wollte durch Drosielung der Einnahmen die Senkung der Unterstützungen erzwingen. In den Ber- Handlungen zwischen den Regierungsparteien am 25. März hat der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, erklärt: „Es müsse jetzt endlich ein Haltesignal für die Ausgaben aufgerichtet werden, und es sei dringend notwendig, die Arbeitslosenversicherung unter den stärksten finanziellen Druck zu stellen, damit die Reformen zum A b- bau der Leistungen erzwungen werden." Darum lehnte die Deutsche Volksparlei die Borlage der Reichsregierong vom 5. März ab. In ihr war eine Erhöhung der Beiträge bis zu 4 Proz. vorgesehen. Zuschüsse von 200 Millionen sollten in den Haushalt des Reiches für das Jahr l930 eingestellt werden. Die Darlehnspflichl des Reiches sollte aufrechterhalten bleiben. Dieser Vorlage, die von den volksparlellichen Ministern mit beschloflen war» stimmte die Sozialdemokratie zu. In diesem Kampf mit der Deutschen Volkspartei stand die Sozialdemokratie allein. Zentrum, Demokraten und Bayerische Volks- parte! suchten zu vermitteln. Sie machten der Deutschen Volkspartei weitgehende Zugeständnisse. obwohl dadurch beträchtliche Fehlbeträge entstehen mutzten, über deren Deckung nicht jetzt, sondern im Spätsommer entschieden werden sollte. Dann sollten entweder die Beiträge erhöht oder neue Mittel durch Verbrauchssteuern beschafft oder die Leistungen abgebaut werden. Wenn im Spätsommer wieder keine Einigung über die Beitragserhöhung zu erzielen war, was btieb dann übrig? RurderAbbauderLeistungen! Denn in dem Schrei nach Steuersenkungen wären neue Steuern, besonders zu diesem Zweck, nicht bewilligt worden. Am das hohe Gut der Arbeilslosenverstcherong, das für Arbeitslose wie für Arbeitende gleich wichtig ist, unversehrt durch die jetzige Wirtschaftskrise zu bringen, war die Sozial- demokratie zu grotzen Zugeständnissen auf anderen Gebieten bereit. Sie hatte ihre Bedenken gegen die Erhöhung von Verbrauchssteuern und gegen die geplante Senkung von direkten Steuern zurückgestellt. Sie war bereit, auch mit Opfern der Arbeiterklaffe die öffentlichen Finanzen zu sanieren, dem Wirtschaftsleben neuen Antrieb zu geben und die gewaltige Krise auf dem Arbeilsmarkt zu über- winden. Diese Zugeständnifle konnte sie aber nur dann verantworten, wenn durch siedlesozialenErruugenschafkengeslchert wurden, die für das Lebens- schlcksal der erwerbstätigen Bevölkerung von höchster Bedeutung sind. D i e Kompromitzvorschläge der bürgerlichen Parteien trugen diesem Erfordernis nicht Rechnung. Sie brachten keine Sicherheit für die Finanzgesundung, sie bürdeten breiten Waffen den grötzlen Teil der Mehrlasten auf, ohne die sozialen Ausgaben, insbesondere die Leistungen der Arbeitslosenversicherung. zu garantieren. Hier hat die Sozialdemokratie ein Haltesignal aufgerichtet. Ihre Bereitschaft zu gemeinsamer verantwortlicher Arbeit hat dort eine Grenze, wo die Interessen der werktätigen Volksschichten bedroht sind. Der Borstotz der Deutschen Volkspartei richtet sich nicht allein gegen die Arbeitslosenversicherung. Er trifft die gesamte soziale Tätigkeit von Reich, Ländern und Gemeinden und damit die Existenzgrundlagen der Arbeiterklasse. Die Sozialdemokratische Partei hat ihren Einfluh iu der Koalitionsregierung benutzt, um die sozialreaktionären Pläne der Unternehmerverbände abzuwehren. Sie hat damit in voller Einmütigkeit mit den Gewerkschaften wahr gemacht, was sie auf ihrem ParteitaginMagdeborg feierlich versprochen hat: „An der Arbeitslosenversicherung läßt die Sozialdemokratie nicht rütteln!" Den Kampf, den die Sozialdemokratie in der Regierung geführt hat, wird sie autzerhalb der Regierung fortsetzen. Wir gehen ungewissen Ereignissen entgegen. Schwerste Konflikte drohen. Festes Zusammenstehen der werktätigen Massen zur Verteidigung und zum Angriff ist notwendiger denn je. Seid wachsam imd bereit! Stärkt die Reihen ber Sozialdemokratischen Partei«nb ber freien Grwerkschasten! Berlin, den 2S März 1930. Oer Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Oeutschlands. Das Kabinett Brüning. Eine sehr gemischte Ministergeselischast. In Zie'chstngskreisen kursiert« gestern abenb folgende Minister- listet. Neichokanzler: Brüning. Aeusteres:<5 n r t i n A, Inneres: TrevtraanS. Finanzen: Dietrich oder Molden Hauer. Wirtschaft: Moldenhauer oder Dietrich. Ernährung: T ch i e l e, Justiz: Bredt. Arbeit: Stegerwald. Reichswehr: Groeaer. Berkehr: Guerard. Post: Schätzel. Besetzt« Gebiete: Wtrth. Don d«n genannten Politikern gehören vier zum Zentrum: Brüning. Stegerwald, Guörarh und Wirth, zwei zur Dokksportei: Gurthis und Moldenhauer; einer zu den Demokraten: Dietrich: einer (bisher) zu den Deutschnationalen: Schiele; einer zu den Volks» konservatioen: Treviranus-, Bredt zur Wirtschastspartei, Schätzel zur Bayerischen Dolkspartei. Der Beichsnristister Groener gehört keiner Partei an. Ueber die Entstehungsgeschichte dieser sehr interessanten Minister- liste wird berichtet: Ursprünglich habe Brüning Herrn Dreuiranus, der gegen den Poung-Plan ge» stimmt hat. zum Außenminister machen wollen, doch scheiterte dies an dem Widerstand der Deutschen Boltspartei, die Dr. Curlius nicht preis- geben wollte. Darauf entschloß sich Brüning, Herrn Treviranus, der gegen da» Repnblitschntzgesetz gestimmt hat, das Reichsministeritim des Innern anzubieten. Herr Treviranus ist aber auch fönst ein höchst bemerkenswerter Kandidat für das Verfassungsministcriüm der deutschen Republik. Am 24. März hat er nämlich noch einen Antrag seiner Fraktion mit unterzeichnet, der wortlich lautet: „Der Reichstag wolle beschließen: Die Reichsregierung zu ersuchen, die Durchführung der vom Reichsinninminister Scverii'g ohne jede haltbar« Begründung ' und in u n a n gebrachter F o r m gegen den Staat T h ü- �ringen angekündigten Maßnahmen zu verhindern und, 'soweit sie durchgeführt sein sollten, r ü g ö n g i g zu machen."' Ursprünglich war im Reichstag ziemlich allgemein der Reichs- kauzler a D. Dr. Loses' W i ri ti als künftig«? Retchsmtirister des Ännern genonnt wachen."Es scheint aber nun. daß diese Kandidatur zugunsten jener des Herrn Treviranus erledigt ifch- Bon den übrigen neun Männern haben auch Herr Schiele und Herr Bredt gegen den Voung-Plan uns gegen das RepiMikschutz- aescß gestimmt. Herr Schiele war bis gestern noch Mitglied der. deutschnatioimlen Hngenberg-Fraktion, von der«r, wi« es heißt, die angesuchte Erlaubnis zum Eintritt in dos KablneU nicht erhalten hat. Nach einem Besuch beim Reichspräsidenten hat er sich trotzdem entschlossen, anzunehmen. Man sagt jetzt, daß er sein Mandat niederlegen will. Zahlenmäßig würd« sich die neue Regierung aus folgende parla- mentarischsn Kruppen stützen können: Zentrum............«1 Mitglieder Deutsche Dolkspartei........ 4.*)„ Demokratische Partei........ 25 Wirtschastspartei......... 23 Ehristlich-Natiouale........ 22 Bayerische Bolkepartei J7 1!)3 Außerhalb der Regierung bzw. gegen sie würden stehen: Sozialdemokraten......... 152 Mitglieder Deutschnationale............. Kommunisten.......... 55„ NaKonalso.zialisten........... Kleinere Gruppen......... 14„ Die Opposition links von den Demokraten wäre mit 2l>7 Mann ollein schon bedeutend stärker als dw Gesamtheit der ssiegierungs- Parteien. Ohne die Unterstützung der Deiitschnationalen wird also die neue Regierung nicht leben können. Mit den Deutschnationakrn zusammen würde st: über 25« Stimmen verfügen, das sind 12 mehr als die absolute Mehrheit Bisher scheint sedoch die Deutschnatio- nale Partei gänzlich aligeneigt. Fraglich ist auch, ob die drittstärkste der Regierungsparteien, nämlich die Demokratisch« Partei. mit chven 25 Mitgliedern bei der S ränge bleiben konnte, wenn die .Deutschnationalen osfiziest mitnwchten, Die Gesellschaft, de sich da zusantmensindet, ist sowieso schon gemischt gemtg. denn zu den Christ- lich-Nationaien der Gruppe Treviranus gehören auch ganz wild« Männer wie Dr. Wendhausen, die sich in nichts von den Rational- sozialisten unterscheiden. Kein Wunder also, daß man gestern abend im Reichstag zu dieser Ministerliste ziemlich allgemein den Kopf schüttelt« und daß man allgemein annahm, sie niüsi? noch ganz erheblich geändert werden, wenn «iy« r n st zu nehmendes Kabinet» zustande kommen solle. Zumal euch noch völlig dunkel ist, wie Herr Brüning mit seinen lü? Mann. Zu denen auch.. die 17 alles stramm ablehnenden Bayerischen Volks- partciler gehören, di« F i N a N z r e s 0 r m machen will.. In späterer Stunde wird gemeldet, daß Herr Schiele auf der Beseitigung des Dr Curtius ous dem Außen omt besteht, weil«r nur dann In die Regierung ein- treten zu können glaub', wenn eine Aenderung de» Kurse« der aus- wäuigen Politik, namentlich gegenüber Polen, gesichert ist. Herr Schiele ist als Führer des Landbuadc« ei» fanatischer Bekämpfer des deutsch-polnischea Handels- Vertrags. den Dr. Curtius mit Hilfe des Warschauer Gesandten Rauscher nach unendlicher Müh« zustand« gebracht hat und zu verteidigen int- schlössen ist. Herr Brüning hat dem Führer der Volkspart« Scholz die Dizekanzlerschait angeboten und Herr Scholz hat zugesagt, ober nur unter der Bedingung, daß neben Moldenhauer auch Curtius im Kabinett bleibt. Der Führer der Wirtschaftsparlei. Dr. Brsbt, soll seinen Eintri t in die Regierung von dem des Herrn Schiele abhängig gemacht habrn. Schließlich wird behauptet, daß Herr Stegerwald die Ueber- nähme des Reichsarbeitsministeriums ablehne. Es gibt also noch Schwierigkeiten genug! Reichstag vertagt. Der Aoltestentrat des Reichstags ermächtigt« den Reichstagspräsidenten, den Tag der nächsten Sitzung des Reichstags festzusetzen, de» Präsident wird die Sitzung berusen, sobald die neue Regierung in der Lag« ist, sich dem Reichstag vorzustellen. und die Regierungserklärung abzugeben. Es wird damit vom Dienstag ab ge- rechnet, so daß der. Sonnabend und Montag von Plenarsitzungen frei bleiben. Der Parteiausschuß. ~ Ailligung der Haltung der Reichstagsfraktion. Der Parte iausschuß beschäftigte sich in seiner Sitzung am Freitag mit der poetischen Lage, die durch den-Rücktritt des Kabinetts Hermann Müller entstanden ist. Er billigte die Haltung der Reichstagsfraktion. Einmütig wurde zum Aus- druck gebracht, daß die Partei den kommenden politischen Kämpfen einig und geschlosien entgegensieht. Der Partetausschuß nahm ferner den Vorschlag des Parteioorstandes zur Kenntnis, den i n t e r n a t i 0 n al e n Frauentag in diesem Zahre als elne Frauenwerbewocho in der Zeit vom 18. Mai bis 1. Juni zu veranstalten. Zm Gedenken an Bebels vor 50 Jahren erschienenes Buch sollen mit dem Motto:„Die Frau und der Sozialismus" Ver- anstaltungen getroffen werden, für die der Parteiopparat zur Werbung weiblicher Mitglieder vollständig eingespannt werden soll. Einige organisatorische, nicht sehr dringliche Fragen wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Ueber den Verlauf der Sitzung des Parteiausschusies sind von verschiedener Seite in der Presse Einzelheiten behauptet worden, die völlig falsch, sind. Es wird behauptet, daß eine Mehrheit des Parteiaue schnsf es den Beschluß der sozialdemokratische» Reichstags- fraklion mißbilligt habe. Wie der obenstehende Bericht zeigt, sind diese Behauptungen erfunden. Es geht schon los! Die Oeuifchnaiionalen fordern eine Mittiarde und ein Zahwngsmorawrium für den Osten. Noll) befindet sich Herr Brüning in den«rsten Wehen feinet Regierungsbildung mit Schieles Hilfe, und schon sehen die Agrarier den Zeitpunkt gekommen für neue sinnlos übertriebene und absolut nicht zu erfüllende Forderungen. Ob- wohl die bisherige Reichsregierung ein. zehnjährig«» Ost- Programm bereits vorgesehen hat und bereits viele hundert Millionen insgesamt dem Osten an verlorencn Zuschüssen und Gä- rantien zur Verfügung gestellt worden sind, wird unter Hinweis auf den Preisrückgang bei den landwirtschaftlichen Produkten alles, was. bisher geschehen ist, für nicht» erklärt, und e» werden. Forde- rungen ausgestellt, vor deren Bedenkenlostgkett man erschrickt. Di« deutschnationale Fryktipn.hat nrft: den, Unterschriften. Schi« I e s, Hu ge n bc'rgs und O be rf ö hr« n s. im Reichstag«ine In te r- peklatton eingebracht.'in der von der Rsichsvsientnq.-.folgendes gefordert wird-. „Die Vorlage eines besonderen Rotgesetzes für d e n O st e n, das ganz allgemein einen Zahtungsaüsschub sicherstellt. Ein besonderes Gesetz, das. im Falle von Zahlung»- st 0 lt u v g e n vor Einleitung von Z wa n g s v« r st e t g« r u n- gen und ähnlichen Maßnahmen ein außergerichtliches oder gerichtliche» Dcrgleichsvcrs a hre n vorschreibt. Die Bereitstellung vom jährlich m i n d« st'e n s 200 M i l« l i on« n Mark für den Osten auf die Dauer von funs Jahtt» zur Seilkung der Zinsen auf Reichsbankdiskont,'zur Schaffung eines Betriebserhaitungsfonds, zur Fortsetzung der llmschuldung und zur Regulierung der KredttoerMtnisie.., Endlich die Durchführung aller Hilssmaßnoh:n«n a u e- schließlich durch die P r ö v 1 n z i a l 0 e r w a lt u n g und die la.n d wi r t schä f tli ch c B er u fs v« r t r e i u ng" Was hier gefordert wird, ist ungeheuerlich. Wegen der.vor- Übergehenden Derkyufsschwiengkeiten aus zwei auch im Osten überreichen Ernten nicht weniger als eine M i l'l i 0 r de M a r k-ams Steuermitteln, die offenbar als reine Subvention gedacht istl Der Gedanke der landwirtschaftlichen Selbschilfe ist überhaupt erlehigt. Di«., gesamte.Krodi.twirtschajt sin Ost«n�.,jeda MägsMkeih.awer sinan.ziellan Sanierung uqtey eigener.- Derantwar. wng der Landwirte wckd.zerstört. Dcr Sma: soll mit öfsenllichen Mitteln die Besitzerhaltung, d. h d> e g r 0 b.a g r a.r! s ch e H e r r, scho st, sicherstellen. Schließlich soll der Staat auch jede Kontrolle, der von ihm zu gewährenden Mittel materieller und rechtlicher Art zugunsten der Landbundarganisatwn und ihrer Dftner ausgehen, d. h. sich falbst entmachten. Wir weigern uns. solche Forderungen ernst zu nehmen Wird irgendein Versuch gemacht, sie durchzuführen, dann hat schon setzt d«r Zusammenbrtrch der noch nicht' geborenen neuen Regierung de- gönnen. Di« Forderungen geben ein« Ahnung yon den Schwierig- keitesi, mit denen Herr Brüning zu rechnen haben wird! Entlastung des Arbeitsmarkts. Aber noch immer 3 275 000 Arbeitsuchend«. Wie die Rcichsanstalt für Arbeitsderu:itUu«s und Arbeitslosenversicherung mitteilt, hat sich die Zahl der H a u p t u n t e r st ü h u u g s c m p fä n g« r in der Arbeitslosenversicherung in der ersten Märzhälfte lsi.M um Über 120 000 Personen auf den Stand von 2 2S8 000 am IB. März verringert. Diese Verringe- rung ia der Inanspruchnahme der Arbeitslosenversich«- rung beweist den P e g i n n der üblichen Frühjahrs- entspannung auf dem Arbeitsmartt der äußeren Berufe. Dagegen hat die Zahl der Hauptunterftützuugs- empfäager in der Krisenunter st ühung noch um etwa 0000 auf 2�0 000 Personen ai» 15. März 1930 zugenommen. Die Zahl der Not st and sar bei t er konnte um 0500 auf 25 000 Personen am 15. März 1930 erhöht werden. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen bei den Arbeitsämtern, dir bekanntlich höher ist als die der Unterstützungsempfänger, betrug am 15. März rund 3 278 000 Personen. Diese Ziffer hat gegenüber dem Höchststand am 28. Februar 1930 u m rund 88000 abgenommen. Kn'cks ErmachtiqlMFSgeseh. VolkSpärtei hofft auf„k uge und moHvofle* Handbobvng Weimar. 25. März. In der RachmittagKsitziing de« Thüringer Landtages stan«> da? E r m ä cht 1 g u n g e g e fe tz zur Debatte. Die Sozioldemskratte ließ durch ihren Redner erklären, daß. sie da« Gesetz äl« ver- f a ff u n g s ä n d« r n d und � v e rf a s s u n g e w i i>..t, i g bezeichne. Dieser..Austastung schloß sich heut« auch der demokratisch« Der- treter an. der erklärte, daß..er das Gesetz ablehnen werde. Die Deutsche Volkspartei ließ erklären, daß sie nach Ueberwindung gewisser Bedenken zu der Ueberzeugung gekommen sei, der Erlaß des Ermächtignsigsgefetzes fei notwendig: und sie hoffe auf feine k l u g c u n d maßvolle Handhabung. Die' Abstimmling über das Gesetz wird am Sonnabend vormittag erfolgen. Anfrage wegen Hitler. .' Der Abg. Kallenbach(Demokrat) brachte, heut«, im Landtag von Thüringen eme kleine Anfrage ein, in der gesragt wird, od es zutreffe, daß man Ä d 0 l s H> t l e r die Erwerbung der lhürftigischen Staatsangehärigkett ermöglichen wolle dadurch, daß ihn dt« Re- giervng prolorm a a k s t h ü r i n g i j che n St 0 at» bea mt e n «IN stell«., und ob die Regierutig glaub«, es mit ihren Amts- pilichten vereinbaren zu können, das©taatsbeomtengesetz zu einer scheinbaren Anstellung Hitlers als Staatsbeamter' zu dem Zwecke benutzen zu können, die sonst der Einbürgerung Hitlers entgegen- stehenden Hemmnisse zu umgehen und Hitler dadurch einen persön- lichen Gefallen zu erweisen. preußisch« Reaifieuergesehe. Für das Jahr l9Z0 veradschledet. In der Freüogssitzung hat der Preußisch« Laichtag die drei preußischen R c a l st» u e r g c s e tz e, Grundvermögenesteuer, Hauszinssteuer und Gewerbesteuer, für dos Jahr. 19Z0 angenommen. Es gab einen kurzen aber hitzigen Endkampf. In allen vergangenen Jahren, hatten Rechtsparteien und K 0 m- in« nisten die Verabschiedung der Steuergesetze im Parlament durch O b st r ü t t I 0 n verhindert und die Regierung auf den Weg der Notverordnungen gezwungen� Jetzt zum.ersten Mgle ver» z i ch t> t e n- f i e 0 u s Obstruktion, und die W i r t s ch a s t s- pärf ei stimmte- sogar für die Kewerbesteuerl Di« Lehr, de» vergangenen Jahre! hat gewirkt. Schon im vergangenen Jahre hatte der Landtag die Einbeziehung der s re i e,n Be rufe in die Gewer best euer beschlossen. Aber schließlich war., die Erledigung der ganzen Steuergesetze durch Ob- strüktiön unniogl'ch geworden, und durch Notverordnung lies, sich natürlich«ine Aenherung des Gesetze» nicht einführen. Jnsolgedestcn trugen Wirtschastspartei und Deutschnationale die Verantwortung daiijr, daß im Jahre lN2v die Gewerbetreibenden allein die Ge- werstesttüer zählen mußten'. Für«in- zweites Jahr die gleiche-Ver- äntwoftüng auf sich zu laden, hatten' sie begreifl'chcrwftse keine Lust, und-so wären sie heute eifrig besorgt, die parlamentärisch« Ver- ab? Liedling der Steuerges-tze sicherzustellen. Die Regierungs- mährheit stieg infolgedesten auegerechnet- bei den Steuersortägen b i» ä u.f ü de r 1 90 St i m w m e n an. An..die. Abstimmungen über die Steuern schlasten sich noch ein- mal zwei.Stunden lang namentliche Abstimmungen über Straf- verfos�ungssachrn: zwei nationastozialistische und fünf kom- munisiische Abgeordnete wurden zur Strafverfolgung freigegeben. .!*■ Am Sonnabend steht der zweit« Teil der allgemeinen.Justiz- debatte, der Strafvollzug, aus der Tagesordnung. Frankreich und die Sanktionen Kammerausfchuß stellt fest: Nur Wirtschastsmaßnadmen. Herriot gegen Tarvieu. pari». 28. März.(Eigenbericht.) Der zweite Tag der Doung. Diskussion in der Kammer ging ohne besonderen Zwischenfall vor sich. Als erster Redner der Regierunge Parteien erläuterte der Deputierte Jean F'abry die Gründe, weshalb er und seine G-stnnungrgmossen für die Ratifikation stimmen werden Der Doung-Plan selbst biete un- leugbar mehr pvfitive als negative Sicherheiten. Was die poli ifchen Ko.rfeguenzen des Planes betreffe, die Rhemlandräumung vor ollem, so sei das mit ihr verbundene Risiko zwar mcht zu übersehen, doch müsse Frankreich dies im Interesse der europäischen Friedens- Politik auf sich»«hrnen. Der ehemalige Vorsitzende der Reparationskommission, D u bo i s. steht dem Doung-Plan mit ebenso schroffer Ab- lehnung gegenüber, wie seinerzeit dem Domes- Plan Er geißelt« die seit 1921 eingeschlagene„Verzichtspotitrk" Frankreichs und brachte das mathematische Kunststück zustande, der Kommer vorzu- rechnen, daß di« ursprünglich festgesetzt« Reparations schuld Deutsch» lands im Aoung-Plan auf ein Zehntel, reduziert W. Schließlich warnte Dubais die Kammer vor den Konsequenzen des neuen Planes, Als letzter Redner der VorMitiagssitzUNg ergriff chcrriot das Wort, dessen Ausführungen im Zeichen einer persönlichen P o» lemik gegen Tordieu standen. Der Ministerpräsident hatte vor einigen Monaten behauptet, cherrtvt hätte seinerzeit in London auf wesentliche Artikel des Friedensvertrages, so auf den Sanktlons- anikel 430 verzichtet und dadurch die Position Frankreichs bei allen Repamtionsoerhandlungen derart erschüttert, daß Tardieu und seine Kollegen im Haag gezwungen waren, In der Sanktionsfrag« nachzugeben. Hernot hat dem Mimsterpräsidentcn diesen Ausfall, nie verziehen und verteidigte sich auch am Freitag leidenschaftlich gegen Tärhieus Vorwürfe, wobei er sich soweit hinreißen ließ, sein Vedauern über die Aufgabe des Rechte» auf die Wieder- besegung deutschen Territoriums laut Artikel 430 /rnszudriickcn, Aus dem Bericht de» auswärtigen kammcrausfchusse» über die Sanktionssrage ergibt sich, daß auch nach einer Zerreißung de» Zoung. Plans Frankreich nicht das Recht auf militärische. sondern im Rahmen der Bölterbundsahung und des Kellogg.paktes n u r auf f i n a n z ie l l e und wlrtschasiliche Maßnahmen Hai. Gesuch nach Moskau. Nrandler will wieder in die Komintern. Die rechtskommunistische Brandler-Gruppe, hat an die Exekutive der III. Internationale ein Wieder- ausnahmegesuch gerichtet. In dem Gesuch wird zunächst aus die in den Moskauer Parteisektionen grassierend« Schwindsucht hingewiesen. So heißt es von England, daß dort die Kommunistische Part« nur noch wenige tausend Mitglieder besitze, in Frankreich gebe es höchstens noch 13 000/ nachdem«bensooiele die Partei»er- lassen hätten. In der Tscheche! sei ein ähnliches Bild, während' es in Deutschland folgendermaßen aussehe: „In Deutschland ist der Mitgliederbestand der Partei zurück- gegangen. Die Z e llen o ersa m m lu n g« n werden durch- iizür Umwandlung einer ganzen Reche bisher selbständiger Zeitun : gen in Kopsblatter führte und die auch eine der Ursachen ist für d-e Versuche des ZK., die mLhfdm aufgebauten Partei- betriebezu verschleudern. Dei den letzten Parlaments-� liJsmeinde-. Betriebsräte, und Gewerk schaftswahlen hat die Partei fast durchweg Stimmen eingebüßt. Die Partei hat in de n Gewerkschaften so gut wie alle ihre Pösi- tionen verloren. In Verlin z. V. hat sie kein« sinziqe � Ortsoerwaltung eines freigewerkschastlichen Verbandes wehr. , Die von ihr geschaffenen neuen Splitterorganisationen sind aktionsmifähige Zwsrggebilde. Die Wahlen„ra'er Betriebsräte- Haben-entscheidend beigetragen zur Schwächung der Position der Partei in den(bewerkschasten. Da wo„rote Betriebsräte" tätig waren, haben Neuwahlen fast regelmäßig zu Niederlagen der Partei geführt. In den Übrigelt proletarischen Massenorgani- sätiönen har die Partei ebenfalls gewaltig an Eiirfluß verloren. (F r e i d e n k e r, A r b« i t e r- Sportorganisationen). Die Rote Hilf«, ist durch den, fraktionellen Mißbrauch durch das gegen- wartige Zentralkomitee geschwächt und finanziell zerrüttet worden." Weiter heißt es in dem Gesuch, daß die von der Exekutive angesetzten.Kampftage" statt zu Erfolgen zu Niederlagen geführt hatten. Di« Ursache sei in dein Versuch zu sehen, Me'hoden der russischen Kommunistischen Partei mechanisch auf Deutschland zu übertragen. Auch, seien die kommunistischen Parteien an„prin- zipienlose und korrupte Elemente" ausgeliefert. Die neuerdings' befohlene bürokratische Wendung von oben verwirre nur die Mitgliedschaft und sei völlig oerlogen. Die KPD. wolle den Kurs auf rote Betriebsräte und Gewerkschastsspaltung weiterverfolgen. S'ott dessen müsse dieser ultralinkc Kurs liquidiert und durch die Einheits- fronttaktik ersetzt werden. Zum Schluß ihres Wsderausnahmegesuchs stellt die Brandler- Gruppe diese Forderungen: — 1. Sofortige- Zu r u ck n a h m e aller Ausschlüsse und Maßregelungen gegen die. Segner des falschen ullralinken Kurfes. 2, Soforsige internationale Diskussion aus der Grundlage des demokratischen Zentralismus zur Herausarbeitung , der politischen Linie der Kommunistischen Internationale. 8. Neuwahl der Parteileitung und Partei- funktionäre bis, einschließlich der Exekutive der KI. als Ergebnis einer- solchen Diskussion. 4. Einsetzung eines S chiedsaerichts zur Untersuchung der Korruptionssälle� und Säuberung der Parteien von ' korruptZN Elemen'eni".,. / 5. Durchführung des Grundsatzes, daß die Sektionen der KI. vcrpslicht-i sind, die arsorderlichen Mittel sür ibre reguläre Arbeit in legalen�Zeiten aus Beiträgen der Mitglieder auf. zubringen," Ueber die Erfolgsmägllichkeiten ihres Gesuchs geben sich die aus- zeschlossenen,.Kr>mmlUN>sten keiner Illusion hin:„Moskau wird es als verfrüht ablehnen." Verfassungsänderung in Hessen. Ver'.Sngrnin, der Legislaturperiode. ' V Darmsladk. 28. März.(Eigenbericht.) Der Hessisch« Landtag beschloß am Freitag gegen Kam- munisten und Deutsche Dolkspartei. seine Legislaturperiode von drei auf vier Jahre zu verlängern. Außerdem hat der Landtag nach her Aendxrung das Recht, sich mit qualifizierter Mehr- heit selbst aufzulösen. �... Schwieriges Problem. ,Was nützt es schon, wenn ich all' die kleinen Haufen zusammen- schippe? Ohne den großen Berg wird es doch keine Mehrheit!� Das„Berliner Gesetz". Entscheidung im Plenum des preußischen Staatsrats erfolgt. j-- Seit dem 21. März haben der Gemeinde» und der Berfossungs- »usschuß des Preußischen Staatsrates gemeinsam den vorliegenden Entwurf des in den letzten Wochen eingehend und lebhaft erörterten „S elb st v e rw a l tu ng sgef etze« für die Hauptstadt Berlin" vorberaten. Slm 28. März hat das Plenum des Staats- rates zu den Ergebnissen der Ausschußberatungen Stellung ge- nommen. Dies« Stellungnahme gleicht nach den geltenden Per- sassungsbestimmungen nicht den Entscheidungen der anderen Par- lamente(Reichstag, Landtag), sie schließt vielmehr nur eine gut- achtliche Aeußerung in sich, über di« der Preußische La Mag durch seine endgültig« Beschlußfasiung mit zu entscheiden hat. Der Berliner Stadtverardnetenvorsteher Haß, der Redner der sozialdemokratischen Fraktion nn Plenum des Staatsrates, gab im Ausschuß in zusammenhängender, sehr treffender Darstellimg die Begründung für folgenden grundsätzlichen sozialdemoiratrschen Antrag: . Die Erledigung des Gesetzes Groß-Berttn wird au« Gründen der Zweckmäßigkeit und aus grundsätzlichen. gesetzgeberischen Er- wägüiigen. chis zur Beratung des.Gesetzes über Sie allgemeine Selbstverwaltung zurückgestellt. Der Inhalt dieses sozialdemokratischen Antrages hat feinen Niederschlag gefunden in der Einleitung zu dem vom Plenum angenommenen schriftlichen Gutachten. Dort heißt es: ,„.. Der Staatsrat hält es für dringend geboten, die Per- abschiedung des Berliner Gesetzes nicht vor dem allgemeinen Gesetz über die kommunale Selbswenvaltung vorzunehmen. So wird für Berlin die Bürgermeistcrversastung festgelezt, während doch die Möglichkeit besteht, daß das allgemeine Gesetz die Wahl zwischen beiden Verfassungen entsprechend dem früheren Entwürfe der Städteordnung zuläßt." Trotz der in dem sozialdemokratischen Antrag« zum Ausdruck kammenden Tendenz der vorlönfigen Vertagung konnte natürlich nicht, wie die Kommunisten es wollten, aus die Einzel» beratung völlig verzichtet werden. Hätte man diese« getan, wäre unter Umständen«ine Verabschiedung dieses Entwurf» im Plenum des Staatsrates durch«ine Zufallsmehrheit eventuell möglich ge- worden in einer Form, die die Berliner Kommunolarbeit zum Teil hemmend« Gestaltung des Regierungscntwurfs, völlig unver- ändert gelösten hätte. Für die sozialdemokratischen Mitglieder des Preußischen Staats- rates war die Richtschnur ihres grundsätzlichen Vorgehens gegeben in den ParteiprogrammfesUegungen. in Sonderheit auch in den Kommunal-politischen Richtlinien, di« neulich schon«ingehend im „Vorwärts" erörtert wurden. Für die Gestaltung einer neuen Gemeindeverfastung ist dort das„E i n k ö r p« r s y st c m" als zwingendes Parteigesetz verankert. Der Gesetzentwurf zeigte nicht nur die in ihren Wirkungen hier- mit nicht in Einklang zu bringend« rheinisch« Bürgermeister- verfastung, sondern überspitzte diese noch zum Schoden wichtiger Selbstverwaltung. Es ist trotz der intensiven Arbeit der sozialdemokratischen Staats- ratsmitglicder, nicht zuletzt auch der Berliner Vertreter, leider nur zum Teil gelungen, Schärfen zu beseitigen. Durch Umfall der bürgerlichen Fraktionen im Plenum ist ein« wichtig« Verbesserung wieder' gehindert worden. Der Oberbürgermeister sollte nach der Entscheidung des Aus- schusses nicht mehr die StMvertretung(Stadtverordnetenverfamn!- lung) leiten. Diese sollte wie bisher ihren Vorsitzenden selbst wählen können. ß 41, Abs. 1 des Entwurfs enthielt die Bestimmung: Nach dem Besch'uß der Mehrheit des Plenums ist. der Ober- bnrg? in keinem Verhältnis zu dem für die Verwaltung kaum nennenswerten Nutzen stehen. Die Der- sammelten sind vielmehr der Auffassung, daß eine V e r n a ch- lässigung des Wagenmaterials eine unausbleibliche Folg« fein dürft«, die fürdie Fahrgäste und Verwaltung Gefahren und wirrfchaftliche Schäden in sich birgt. Aus vor- stehenden Gründen erwarten deshalb die DerfammeUen. daß die Verwaltung von den geplanten Maßnahmen Abstand nimmt und die Forderung des Personals, den Turnusdienst nicht einzu- führen, entsprechende Würdigung findet." WisseN für Ankurbelung desBaumarkis Konferenz im Reicksarbeitsministerivm. Der Reichsarbeitsminister hat im Hinblick auf die ungeheure Zunahme der Arbeitslosigkeit im Baugewerbe Donnerstag die Vertreter der kommunalen Spitzenver» bände: des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages und des Reichsstädtebundes, ferner des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und Vertreter des Reichswirtschafts- Ministeriums zu sich gebeten, um sie auf die bedrohlichen Zustände aufmerksam zu machen, die sich auf dem Arbeitsmarkt durch die V« r k na p p u n g der für den Baumarkt zur Verfügung stehenden Mittel entwickeln. Zu den verschiedensten Schwierigkeiten auf dem Baugeldmarkt seien nun noch die Schwierigkeiten bei den Gemeinden gekommen, die im Wegfall des größten Teil/ der Anleihemittel und der Inanspruchnahme der Sparkassen für die U m s ch u l d u n g s a k t i o n bestehen. Der Minist« betonte, daß die Lage auf dem Arbeitsmarkt des Baugewerbes weit über die faifonmäßige Arbeitslosigkeit hinaus zu einer starken konjunkturellen Arbeitslosigkeit geführt hat. Während im Februar 1928 nur 33 Proz. der gewerkschaftlich organisierten Bauarbeiter arbeitslos gewesen sind, waren es deren im Februar 1930 63 Proz. bei gleichen Witterungsverhöltnissen. Der Minister erklärte, bei aller Würdigung der wirtschaftlichen Be- drängnis der Kommunen fei es doch unerläßlich, gerade letzt die Bautätigkeit im allgemeinen, im besonderen den Wohnungs- bau auch durch Maßnahmen der Kommunen zu steigern. Der Präsident des Deutschen Stätdetages, Dr. M u l e r t, klagte eindringlich über die wirtschaftliche Rot der Kommunen. Er erklärte sich aber schlicßlich doch bereit, den durchaus als b«» r e ch t i g t anzuerkennenden Wünschen des Reichsarbeilsmtnisters, soweit es den Kommunen nur irgendmöglich sei, Rechnung tragen zu wollen. Die übrigen Vertreter der kommunalen Spitzenverbände schlössen sich diesen Ausführungen an. Der Vertreter des Deutschen Landkreistages Frhr. von Stempel, berichtete, daß in den Land- kreisen die Sparkassenmütel für den Wohnungsbau durch die kommunale Umschuldung n i cht gekürzt würden. Alle Vertreter wiesen jedoch auj den erheblichen Rückgang tn den Sparkassen- anlagen im allgemeinen hin. AdüiiDg, Parfeiveferanen! Alle Genossinnen und Genossen, die vor und während des Sozial stengesetzes für die Partei tätig waren, sind mit ihren Angehörigen zu der am Sonnabend, dem 29. Mörz, 19 llhr im Saat I des Gewerkschalt-.hauses. Engelufer 24/�5, stattfindenden Zusammenkunft freundlichst eingeladen. I. A: Wilhelm Gründel. Die Rohrleger in Bewegung. Gestützt auf den Metallarbeiterverdand. Die Versammlung der im PtetallarbeitMvcrband organisierten Rohrleger und Helfer am Dvnncrsrtg im Gewerlschasts- Haus, die mindestens ebenso stark besucht war wie die Parade- Versammlung vor der Spaltung durch Niederkirchner, verlief wieder in trefflicher Kamerydschastlichkeit. Der Branchenleiter Genosse Friedrich gab einleitend be- tannt, daß bisher über den Neuabschluß des zum 31. März ge- kündigten Lohn- und Manteltarifes Verhandlungen noch nicht stattgefunden haben. Die Rohrleger und Helfer fordern außer einer zehnprozentigen Lohnzulage die Erhöhung des Urlaubs um einen Tag. Wie Genosse Friedrich an einigen Ver> öfjentlichungen der kommunistischen Rohrlegeroereinigung zeigte, hat diFe Splitterorganisation im Augenblick nichts Lcsseiernzu tun, als den Metallarbeiterverdand und seine führenden Funktionäre in ver- stärktem Maß« zu begeifern. Unter einmü.iger Zustimmung der Ver- sammlung erklärte Genosse Friedrich, daß die Organisations- und Branchenleitung unbekümmert um das Gekläff der kommunistischen Gewerkschast�palter bei dieser Bewegung stets den Weg gehen wird, den ihr die jeweilige Situation und der Wille der Mitglieder vor- schreibt. Sobald irgendein positives Verhandlungsergebnis vorliegt, werden umgehend erst die Funktionäre und dann die Branchen- angehörigen zujammenberusen wenden� um zu beschließen, was weiter geschehen soll. Hinsichtlich der Sejlrtstonf er eng der Rohrleger und Helfer am Sonntag in Berlin, wo zu der eventuellen Eingliederung der Berliner Heizungsrohrleger in den Reichsakkordtarif der Heizungsindustri« Stellung genommen werden soll, erklärte Genosse Friedrich, daß sich die gesamte Branchenleitung gegen dies« Ein- gliederung aussprechen wird. Durch diese Eingliederung würde die Branche zerrissen werden, die jetzt einen einheitlichen Tarifvertrag sowohl für Heizungs- als auch für Wasserrohrleger hat. Die Versammlung bekundet« ihr Lsrtrauen zur Branchen- leitung nochmals durch lebhafte Zustimmung zu den Ausführungen des Branchenleiters und durch den Verzicht auf jede Diskussion. Es geht vorwärts! 4Z00 neue Miialieder bei den Vertehrsarbeitern. Am Mittwoch fand in dem großen Saale des Gewerkschafts- Hauses die Mitgliederjahresversammlung der ehemaligen Sektion III, Straßen- und Kleinbahner, im DVB. statt. Die Versammlung war außerordentlich stark besucht und war getragen von dem Gedanken, in der Zukunft nur positive Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Der Sektionsleiter H i l l e r gab einen ausführlichen Jahres- bericht, aus dem zu entnehmen war, daß 608 Veranstaltungen durch die Angestellten der Sektion vorgenommen wurden. Ein erfreuliches Zeichen ist der Aufstieg der Sektion. Im letzten Jahre sind allein 429S Neuaufnahmen sowie Uebertritte für die Sektion zu buchen gewesen. Alle Betriebsteile sind wesentlich daran beteiligt. Durch den Zusammenschluß der Verbände zum Gesamwerband mustert die Sektion weit über 10000 Streiter. Hiller gab dem Wunsche Ausdruck, daß durch die überaus rege und inten- sive Mitarbeit, die bisher von den Kollegen Funktionären geleistet worden ist, am Schlüsse des nächsten Jahres 13 000 Streiter unter der Fahne der Organisation vereinigt sein müssen. Die letzten Jahre standen im steten Ausbau und mit reger Tatkraft haben alle Kollegen ihre Schuldigkeit vollauf getan. Und wenn Hiller ausführte, daß die große Zahl der Neugewonnenen lediglich auf das Konto der Funktionäre zu buchen sei, und denen der Dank der Organisation gebühr«, so hat er damit das Richtige getroffen. Die W i e d e r w a h l des SektionsleUers Hiller erfolgte gegen 2 bis 3 Stimmen. Die Wahlen für die erweiterte Verwaltung, Sektionsleitung und der Delegierten zur örtlichen Generalversamm- lung erfolgten gegen die schön obenerwähnten unentwegten Stimmen, nur aus den Kollegen der Amsterdamer Richtung. Em„Sieg" der KPO. Der Arbeiterrat von Sarvtti ist wiedergewählt. Die Liste der „revolutionären Opposition" erhielt 907(im Vorjahr 1230) Stimmen gegen 397(939) der Liste der freien Gewerkschaften und 186 Stimmen auf di« neu aufgetauchte christliche Liste. 26? haben nichi gewählt. 29 Stimmen waren ungültig. Ob die KPD. Grund hat, «in Triumphgeschrei anzustimmen, darüber wird man vielleicht anderer Meinung sein als die„Führer", die auf den„revolutio- nären Kampfwillen" der unorganisierten Frauen rechnen. Ltnd noch ein„Sieg". Das Organ der KPD. in Hall« a. S., der.Klassenkampi". brachte am Mittwoch in großer Aufmachung folgende Meldung: Voller Sieg der roken Veiriebsratsliste Baustelle Hochbach. Schkeuditz. Eine Velegschaftsversammlung der Baustelle(hoch- bach. Schkeuditz) wählte eiostimmtg die rote Be- tri�bsratsliste. Aus Feigheit und A n g st vor der Abrechnung reichten die Renegaten und Sozial- fafchisten keine eigene Liste ein. Di«„revolutionäre" Belegfchast besteht aus dem„Renegaten" Ortlepp, dessen Ausschluß aus der KPD. in derselben Rummer des„Klassenkampf" mitgeteilt wird, einem Linientreuen und, als Bauherrn, einem zweiten Stalinisten. Die drei setzen gemeinsam dem„Bauherrn" ein Dach auf sein Häuschen. Man sieht: die Massen sind für di« KPD._ Betriebsraiswahlen im Ruhrbergbau. Lochum. 28. März.(Eigenbericht.) Die Detriebsratswahlen im Ruhrbergbar hatten auf 124 Schochtanlagen folgendes Ergebnis: Dergbauindustrie- arbeiterverband 79 343 Stimmen(590 Mandate), Christen 46 156 (316), Hirsch« Dundter 2400(7), Polen 241(2), Kommunisten 33 892 (204), Syndikalisten 2763(17). Gelbe 4813(16), Sonstige 2001(4). Es handelt sich hier nur um ein vorläufiges Teilergebnis. Immerhin fällt das Verschwinden der Gelben und der S y n- d i k a l i st e n und die gleichzeitig« Zunahme der Kam- munisten auf. Oder vielmehr: sie fällt nicht auf. «Atinut, eitcnbobner bc« eifenb<>iB-®B«b»ffeninfl»iDtth« Te«»«rdofl El Am Montaa, 31. 3RärA, 16 Übe, findet im Loka! Podtius. Eochfcndamm,! j ein« Lürnna aller im lEinbcitsretbanb der Eisenbobncr Deutschlands i t oraanilicrten VartelaenosseB de« Werkes statt. Alle Senollen Und»er. y nflichtet,»u dieser michtiaen Sidung au erscheinen. Der fttaltioBfmtfUaft.\■ .�reieGewerkschasts-Iuaend Berlin Deut« Zusammenkunft aller Sruppenleituniien im Sau, der Technik, Berlin R.. griedrichstr. 110— 1 11 ssilmvorira«:.Die Iuaendarbeit der " Stadt Berlin". Beferentin Stadtratin Genossin Klara Wenl. Emlafc 134 Ubt. Beqin» 19 Übe. Einlab nur«eaen BorAeiguufl der Einladungskarte.— Karten, stir b:e Iuaendoarftcllunq am Eonntaa, 6. April, um 1Z Übt, im JVo'tt am BiUowplati. Aum Preis« von 30 Pf. sind in der IuaendAentralc. Gewerkschaftsbaus. En«elufer 24— 2S. Zimmer 26. 2 Zt.. au beben Zur Auf» fübtunn aelanat.Das Eerllcht" von E. K. Munro. .�„nen�s-ruvve Oes�enfra verdandes ver Anoeste'lten *5?? Seuie. Sonnabend, ab 20 Ubr BolksianAkurlue im Zuaendbeim Lcbrter Strafte 13-19 und ab 20 Ubr Bunter Ab?nd b,w. Bo'ksiaiiAadcnd im Iunendb« m Wranaclltr. 12«.— Bon 13-20 Ubr Uel>unftsab?nd der San««- (iemdnfchaft und von 20—22 Ubr Arb-itsaemcinschoil.SoAialtsmus" im Jugend- beim der Schule»astanicnallee 81. Beronkwortllch kvr Politik! Dr. Evrl»eper: Wirilchalt-». Klinqelböser! Gererkschasisdewegung. Z. Steine»: iseuillcton: Dr Z-bn Litilkowski: Lokale» und Sonflioco Stift flotllübt; ArAoiocr: Tb Gl»««: titintli» in Berlio. Perlaa: Borwarts-Berlaa S. m d. S Berlin Druck: Porwäris-Buchdruckeret und Berlaasanstalt Pa»! Sinaer u. To. Berlin SW 68 L!nd-"ftra«- 6 tSierzu 2 Beilagen,.llntetbaltung und Willen" und �big->>d>B»rwärt,-.) G Herren A nzüge- Ulsfer- Pofef-oh Damen Kostüme-Mänfel-Kleider Gross f es SpesJol-Haus moderner Pich fung Ttr. i.49* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend 29. März �9Z0 Presse und städtische Grundstiicksgeschäfte Wie der Kredit Berlins zum Schaden der BeJ'kerung untergraben wird _ Gerüchte über Unreyelmähigleiten bei ben von der Stadl im Zusammenbang mit den Uutergrundbahnbauten durchgeführten Gruudstücksgeschüften sind einem Teil der berliner presse Auloh, wieder die Stadt Verlin und ihre Verwaltung zu diskredi' tieren. Es muh sehr bedauert werden, daß auch Vlätter. die sonst als verantwortuugsvoll bezeichnet werden konnten, sich an dieser Hetze beteiligen. Zumal die Angclsse zu einer Zeit erfolgen, wo genaueres Material überhaupt noch nicht vorliegt. Veinahe scheint es. dah in der llntergrabuug des Berliner Kredit, System liegt und man fragt sich, ob die bürgerliche Presse vielleicht ein Zulcresse daran hat. besäbiglen und tüchtigen Persönlichkeiten da» Arbeiten In der öffentlichen Wirtschaft allmählich völlig zu verleiden.?n einer gestern abgehaltenen kommunal- politischen Konferenz äußerten sich nunmehr Vertreter des Vcrliner Magistrats zu den erhobenen vorwürfen und gaben eine eingehende Darstellung der obgefchloisene« Geschäft«. Stodtsyndikus Dr. Lang« schilderte noch einmal die Derchand- bmgen zwischen dem Magistrat und jenem Anwalt, der angeblich balastendes Material über den Ankauf des Gutes Düppel für ein Honorar von 15Q00 Marl an den Magistrot verkaufen wollte. Be- kanMich sind diese Akten von der Staatsanwaltschaft b«> schlagnahmt morden und werden einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Dann verteidigte Stadtrat Reuter in einem groß angelegten Referat und an Hand zahlreicher Flucht- limenplöne die großzügige Berkehrspolitik der Stadt. Er wies ein, leitend darauf hin. daß völlig falsche. Ausstreuungen der Presse den Kredit Berlins untergraben und fo das Interesse der gesamten Bürgerfchaft schwer schädigen vmßten. Die ersten Antcurfe am Weyanderplotz seien 1926 erfolgt. Sie seien in den Dohren 1927/28 fortgesetzt worden. Es fei felbstoerständlich ge- wesen. daß die stadtifchen Körz'erschasten ihre Fluchtlinienplone nicht eher veröffentlichten, als bis ine notwendigen Ankäufe von Grund- stücken und.Häusern freihändig durchgeführt waren. Ein anderes Verfahren hätte automatisch ein katastrophales An- steig«» der Grundfnickspreiie noch sich gezogen. Man bade sich bei der Durchführung der Geschäfte Makler und in zwei Fällen eigens für die Abwicklung der Geschäfte gegründeten Gesellschaften ..Semper i de m" und der B« r o l i n a Aktiengesellschaft be- dienen müssen, um nwglichst niedrige Preis« zu«rzielett. In Fällen, in denen es nicht möglich war, die Tatsache zu verbergen, dah die Stadt die Käuferin war, hob« mau im Enteignwlgsoersahre». dos dringend einer Revision bedürfe, im Dvrchscholtt 50 Proz. mehr zählen müsse« - als im freihändigen kauf. Dies« Feststellung wurde anschließend durch den Stadtrat Zange- maister an praktischen Beispielen treffend bewiesen. Reuter stellte dann fest, daß für die gesamten Käui« eine Summe von rund löv Mill. M. aufgewandt worden ist. hiervon sei«n lö Mill. M. an Steuern aufzuwenden gewesen, so daß insgesamt, wenn man die Gewinwnöglichkeiten und die Abzüge für tieugewonnenes Straßen- land abfetzte, die Stadt etwa SO Mill. M. Hobe aufbringen müssen. Bon den©nnüsstütf»werten werden voraussichtlich rund 2» Mill. M. im Besitz der Städtischen Verkehrs- A.-C. bleiben. Der Rest sei transitorischer Natur. Sobald die technischen Arbeiten durchgeführt seien, könne man die Grund- stück« wieder abstoßen. Allerdings feien die Meinungen darüber geteilt, ob der gegenwärtige Zeitpunkt hierfür besonders günstig sei. Der Redner betonte, die Notwendigkeit einer schnellen Wieder- ousführung abgerissener Gebäude, um eine Wertminderung dsr Grundstücke zu verhindern. Es fei jedem Einsichtigen klar, daß eine so gewaltig« völlige Umgestaltung der Eity, wie sie Berlin durch seil« großen Verkehrsbauten durchführe, nicht ahne Opfer erfolgen könnz. Die Entwicklung aber werde zeigen, daß die auf lange Sicht betriebene großzügige Bcrkchrspalitik richtig mar. Nach Verlauf einiger Jahre werde auch die Oeifentlichkeit diese Politik ganz anders beurteilen, als es in dieser Zeit der Depression möglich sei. Am Schluß seiner Ausführungen kam Stadtrat Reuter noch auf die persönlichen?lngrisf« der Press« aus Funktionäre der Stadt Berlin zu sprechen. Gegen Verleumdungen und unberechtigt« An- griffe sei nwn heute beinahe machtlos,«r lehne es für seinen Teil ab, aus jeden Anwurs mit einem Dementi zu antworten. Er sei der sesken Ucber zeugung, daß kein städtischer Veamter sich pcrsön- lichc vorkeile bei den Grundstücksgeschästen geschafft habe. Sollten die Untersuchungen belastende Tatsachen ergeben, so sei es felbstversländ- l'ch. dah die Vetressevden rücksichtslos zur Verantwortung gezogen würden. Die Grundstückskäufe im Gklarek-AuSschuß. Der Sklarek-Untersuchungsairsfchuß des Preußischen Landtages beschäftigt« sich am Freitagähend mit der Tätigkeit des Abgeordneten h e i l m o n n als Schlichter in Enteigwmas- fachen. Als Zeuge hierüber wurde der Syndikus der Nord-Südbahn A.-G.(Berliner Derkehrs-Gesellschasi), Rechtsanwalt und Notar L a ck n e r, Bezirksverorimeter der Deutschen Bolkspartei im Bezirk Steglitz, vernommen. Lackncr gab an. daß Heitmann in etwa 130 Enteignungsiällen als Schlichter mitgewirkt und in mindestens 100 Fällen eine Einigung der Parteien herbeigeführt hätte. Di« Gebühren feien nach i einem Vorschlag so berechnet worden, daß sine einfache Anwaltsgebühr zweiter Dnstanz nicht von dem ge- forderten Bekrag, sondern von der wirklichen Entschädigimgssumme zugrundegelegt worden sei. Danach habe heilmarm insgesamt 10000 Mark im Jahre 1927, 21 625 M im Jahre 1928 und 15 000 M im Jahre 19Z9 erhallen. Vor ihm sei Abgeordneter S i e r i n g und gleichzeitig in einem Falle Abgeordneier challensleben als Schlichter tätig gewesen. Außerdem habe Hellmomr an rmei Schiedsgerichten mitgewirlt. Auf Befragen des 2lb geordneten Heilmamr gab Lackner weiter an, daß als Schiedsrichter auch Stadtverordneter E a f p a r i tätig gawesen fei, und zwar auf Vorschlag der Verkehrs- Gesellschaft, ferner aus Vorschlag der Enteigneten�Reichs'agsabgeard- neter Otto Strauß(Wirtschaftspartei) und Stadtrat Neuen- dnrf(Dolkspgrtei). Stadtrat Kolbes(Deuts.chnational) habe in einem der Verfahren ouf Ersuchen der Enteigneten ein Gutachten ein- gereicht, das zu sehr viel höheren Emschädigungssummen gekonrmen iei als dos Schiedsgericht. Eine Entscheidung darüber, ob. ein Grund- stück erworben werden sollte oder nicht, habe der �schlichter niemals gehabt: an den Schlichter hätte man sich stets gewendet, wenn die Enteignung als solche bereits jestgestanden hätte. Auch ein« Eni- scheidung über die Höhe der Entschädigung habe der Schlichter niemals fallen können: er habe vielmehr in jedem einzigen Falle hetont. daß er den Parteien nur einen Einigungsvorschlag machen könne und daß die Parteien selbst entscheiden müßten, ob sie ihn on- nehmen oder ablehnen molltei». Im letzteren Falle sei dos formelle Enteignungsversahren durchgeführt worden. Der Ausschuß vertagte sich dann auf den 7. April. In der Woche vom 7. April on sollen die Güterkäuse der Stadl Berlin erörtert werden. Straflose Befiimmungsmensur Schöffengericht in Gegensatz zum!Reich0gcricht. Das Fechten als Sport ist gleich jedem anderen Spork gestattet. Die studentischen Vestimmungsmcnsnr hingegen. d. h. das Gegenüberstellen zweier TNilglieder von schlagenden studentischen Verbindungen aus Vereinbarung der Fechtwarle zur Austragung e'nes Kampfes mit Rapieren, ist verbot«»,. Dos Reichsgericht erklärt die Vestimmungsmensvr für einen strafbaren Zweikampf, die Schläger für tödliche Basten; tatsächlich hat die Mensur bereits mehr als einmal jungen Menschen das Leben gekostet. Die Studenten der schlagend?» Verbindungen scheren sich ober nicht um dos Gesetz. Zluf Grund eines anonymen Schreibens hatten sich jetzt zehn Studenten vor dem Schöffe ngericht Berlin- Mist« wegen unerlaubten Zweikampfes zu oerantworten. Alle zehn erklärten, tatfächllch Bestimmungsmenfur gefochten zu haben, bestritten ober, dah die Waffen als tödlich zu bezeichnen feien und ihnen überhaupt die Strafbarkeit ihres Handelns bekannt gewesen. Der Staatsanwalt beantragte auf Grund einer Reichsgerichts- entscheidung, die die BejtmmiungSlnenfuren in eindeutiger Weile als verbotenen Ziveikampf betrachtet, eine F c st u n g S st r a' e van je drei Monaten für jeden Angeklagten. Die Der- teidigung widersprach diesem Antrag und plädierte auf Freispruch. Der Kamps gegen die Studentenmensuren sei nur eine Teilei scheinung des Kampfes gegen die Korporationen überhaupt. Die Bltrfchen- ichafter, che sich ja als erst« im Jahre 1848.zur Republik bekannt haben, würden eine derartige Behandlung nie verstehe!«. Es liege auch eine groß« Unwohrhaftigkeit darin. Richter und Stoatso.nivälic, die selbst.zu taufenden Schmisse trügen, zu veranlassen, nun über Stttdemen wegen ousgetrogener Studentenmensuren zu Gricht zu sitzen. Das Gericht kam totsächlich zu einem Freispruch sämilicher Angeklagten. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Burkcrt, u. o. aus, daß das Gericht sich ganz bewußt in Gegensatz zu dem Reichsgericht gestellt habe. Die Bestimmungsmenfur sei nichts anderes ols ein« sportliche Betätigung. Die jungen Studenten sollen von früh au lernen, mit Mut und Unerfchrockenheit sich der Wafse gegenüberzustellen und in einen, solchen Wettstreit gut zu bestehen. Zur Frage, ob Schläger als tödliche Wai'en zu betraclsten sei«!,, stiüsse ge'agt werden, daß, während Schläger an sich tödlich wirken können, müsse man die Möglichkeit einer ernsteren Verletzung bei dem konkreten Fall einer Vestimmungsnrensur verneinen, so daß auch iir diesen Fällen die Schläger selbst nicht den Charakter einer tödlichen Waffe airi weisen. Das Urteil wurde von den mehreren Hundeist Studenten,>1« den Zuhärerrourn füllten, mit lebhastcn Bcifallskundgcb.kngcn bc- grüßt. In Wirklichkeit gibt es aber zu ernstesten Bedenken Anloßi «s steht nicht nur in Widerspruch zu der Rei chsge ri chtent ichei d ung, sondern auch zum neuen Ätrasgeietzhuchentwurs und. zum Geist des demokratischen Staates. Die Ertüchtigung der Jugend kann auch auf ander« Weif« vor sich gehen, und es ist nicht einzufehen, weshalb die jungen Studenten es lernen sollen,„mit Wut und Unerschrocken- heit sich der Waffe gegenüberzusehey". Im bürgerlichen Leben steht man anderen Dingen gegenüber als Waffen. Eine Vorbereitung für neues Völkerschlachten ist gleichfalls nicht im Sinne der Demokratie. Die Staatsanwaltschaft wird zweifelsahne V. rusung einlegen, die zweite Instanz schwerlich dem Vorderrichter recht geben, und das Reichsgericht sich nicht mit seiner eigenen Entscheidung in Widerspruch fetzen. Die Darmstädter und Ratio nälbonk veröffentlicht in der heutigen Ausgabe den Geschäftsbericht für 1929, worauf wir hiermit hinweisen. Sandrups'Afienhladei, 15. Juni 1929: Sonderbare Zusammenhänge. Nun sind volle vier Tage verflossen, seit ein junges Mäd- chen, das hier mitten im friedlichen Dänemark auf einer kleinen Insel lebte, spurlos verschwunden ist. Wir wollen nieman- dem einen Äorwurf mache», ober einig« Fragen drängen sich jedem klar denkenden Menschen bei den Ereignissen dieser Woche doch nun einmal unwillkürlich auf. Vor ollem: ist es wirklich nur Zufall, der zwei so auffällige Tatsachen wie eine Explosion und das Verschwinden eines Menschen an ein und demselben Abend, ja. man kann be'"ohe sagen, zu ein und derselben Stund« zusammenfallen läßt? Denn die Ossipomna wurde seit dem Vrond»on nie- mondem inehr gesehen, und. was noch ausfälliger ist, sie wurde auch, als die Leute von weit und breit bei dem Bode-' baus zusammenströmten, unter den Zuschauern nicht bemerkt. Nun war die Dssipowna, wie d>« ganze Insel einem bestätigen kann,«in ungeheuer neugieriges kleines Ding, das einmal immer und überall dabei sein mußte. Der gewaltige Brand sollte sie. selbst wenn sie einen übermütigen Streich vorhatte, nicht angelockt hoben? Gibt das nicht zu denken? Und außerdem: was weiß man von der Ossi- p o tr" a? Daß sie hübsch war und noch sehr kindlich und ein klein wenia kokett, daß sie bei ihrer Tonte lebte, daß sie recht r.ett geigte"und sehr viel rauchte. Weiß man sonst noch etwas? Junge Mädchen in ihrem Alter pflegen doch auch andere Ge- beinmiflc zu haben. Weiß man. mit wem sie befreundet war. mst wem sie verkehrte, wem sie vielleicht gar ihr cherz geschenkt hatte? Weiß man. warum die Ossipowna sich an dem Kala- strophenobend von dem Fährmann Hansen übersetzen lteß? Nein, man weih nichts, gor nichts weiß man von dem armen jungen Kind. Wie gesagt, wir wollen niemand beschuldigen. Vielleicht arbeiten die Behörden schon in oller Stille, vielleicht sind sie gar schon einem duolleu Schemmis auf der Spur. Dagc.ns Nyheder, Kopenhagen, 16. Juni 1929: Die verschollene Russin.— Unerhörte Lässigkeit der Provinzpolizei.— Was geht vor auf L y n ö? Die Gleichgültigkeit, mit der nicht nur die Behörden, sondern die gesamte Oesfeiltlichkeit über die Tatsache, daß ein Mensch, ein junges Mädchen, ein halbes Kind noch von einem Tag zum andern spurlos verschwindet, während gleichzeitig ein ganzes Haus in die Luft fliegt, hinweggehen, schreit wirklich und wahrhaftig schon zum Himmel. Wo bleibt die be- rühmte, die vielgepriesene Ordnung in unserem kleinen Boter- land, wenn derartiges ungesühm bleiben darf? Hier kann und muß man ja schon von einem wahren Vertuschungssiistem sprechen. Gibt es in Dänemark keine Verbrechen? Optimisten möchten das manchmal gerne behaupten. Aber man denke nur an die Fraueilleiche non Ristingge. Heut« weiß man noch nicht, wer die Unglückliche in den Sack eingenäht hat, in dem sie dann von den Fischern am Strand gefunden wurde. Wie lange ist das her? Noch nicht drei Jahre. Aber man spricht nicht gerne van unangenehmen Dingen, da geht man lieber zur Tagesordnung über und unterhält sich über das fabelhaft« Tennismatch bei Großkaufmann Hansen oder die letzte Premiere im Betty Nansen-Thcater. Wer kümmert sich weiter um ein verschwundenes junges Mädchen? In Sandrup scheust man jedenfalls entschlossen zu sein, der Angelegenheit kein Gewicht beizulegen. Die guten Leut- chen fürchten wohl siir die Saison ihrer paar winzigen Bade- Hotels. Nun, mit besonderem Behagen wird man Heuer wohl kaum an den Gestaden von Lynö und Umgebung Horum- spazieren. Eine Höllenmaschine— man weiß nicht, wer sie eingeschmuggelt hat... Und die Erinnerung an die fröhliche kleine Russin, die plötzlich mit einemmol vom Erdboden ver- schluckt morden ist... Was aber das an: meisten Empörende ist: die Sandruper Blätter entblöden sich nicht, aus lauter Angst, einer der braven Spießbürger könnte mal eine schlecht« Nacht boben, das An- denken der armen Verschollenen auch noch zu verunglimpfen, sie sprechen von ihrer Koketterie, ihren übermütigen Streichen. sie witzeln und spölleln und fordern dos„kleine Fräulein" auf. dock wieder zu der Tante, die gewiß nicht lange bös« sein wird, zurückzukehren. Dos ist nicht wehr Leichtsinn, das ist schon Zynismus. So kann das nicht weitergehen. Das ist ein« Schande für ganz Dänemark. Und wenn das Lo.nd schon In so'uem faulen, satten Behagen zu verwesten fest entschlossen ist, so werden eben wir von der Hauptstadt aus uicht ruhen noch rasten, bis wir den mysteriösen Vorgängen auf Lynö auf die Spur gekommen sind. Auch auf die Gefahr hin, die ganze Bade- saison samt ihrer zahlreichen Wettsegeln zu stören. Wir wer- den so lange schreien, bis wir das Gewissen von ganz Sandrup und Umgebung wachgerüttelt haben: wo i st M a r s a Ossi- powna Morislov? Wer trägt die Schuld an ihremVerschwinden? Werhatdas Badehaus von Aaresund in die Luft gesprengt? B- H. Sandrups Jflenbladet, 17. Juni 1929) Sandrups R u f in Gefahr! Nicht mit Unrecht wirft die ganze Presse der Hauptstadt in einer allerdings manchmal verletzenden Weife der Stadt «ändrnp vor, daß hier mit einer wahrhaft provinziellen Äs- mächlichkeit Dinge behandelt werden, die anderswo die Leute zur Raserei bringen müßten. Daß man in Dänemark gewohnt ist. alles auf die leichte Schulter zu nehmen, weiß man; das bedeutet aber doch noch nicht, daß man völlig herzlos und gleichgültig gegen das Schicksal seiner Nächsten ist. Wir waren die ersten, die das Verschwinden der Ossipowna nicht nur nicht leicht genommen, sondern die auch sofort aus das Zusammenfallen mit der Explosion von Aare- sund hingewiesen haben. Man Hot uns nicht hören wollen. Nun sind es volle sechs Tage her. daß das junge Mäd- chen verschwunden ist. Was haben die Behörden inzwischen geleistet. Wir warten auf«ine Antwort. Wir warten. Dos heißt aber nicht, daß wir uns länger gedulden wolleit. Wir in Sandrup und auch die Leute von der Insel Lynö dürfen den Anwurs, den ein Kopenhagen«! Blatt gegen uns erhebt, daß uns nänllich unsere Badesaison wichtiger ist als ein Menscheilleben, nicht auf uns sitzen lassen. Sandrups Amisaols, 8. Juni 1929: DieOssipomnanielloichtinPari?. lieber den Verbleib der Ossipowna ist noch immer nichts Näheres bekannt. Frau Delius depeschierte heute an ihre 'Schwägerin in Paris, bei der sie chre Nichte jetzt vermutet. Unverantwortliche Elemente gefallen sich darin, das Ver- schwinden der jungen Dame aus die willkürlichst« Weise mit dem Brand des Aaresunder Badehäuschens in Verbindung zu bringen und dabei natürlich weidlich auf die zuständigen Behörden und die Gottseidank vernünftige und ruhige Bevölkerung loszuziehen. Frau Delius hatte gleich am ersten kritischen Tag die Liebenswürdigkeit, einen unserer Mit- arbeiter zu empfangen und äußerte sich sofort nicht im ge- rinaste» besorgt über ihre junge Nichte, deren Charakter sie wohl besser kennt als gewisse Leute, die einmal immer und überall ihre Sensation suchen muffen.(Forts- folzt.) Lleberraschung im ZakuSowfti-prozeß. Zeuge Arbeiter Meier belastet Latabowsli. Schönberg. 28. März. Die Fortsetzung der Zeugenvernehmung im Intuboivsti-Prozetz ergab keine Klärung der Frage, ob August Rogens hinsichtlich des Zeitpunktes für den Mord in Betracht kommt. Der Arbeiter Kreutzfeldt, ein Bruder dos früheren An- gcllc�iten, der znächst unvereidigt vernommen wurde, behauptet«, dag er mit August Rogens zu einer Zeit zusammengewesen sei, nach der es ausgeschlossen erscheine, daß dieser als Mörder in Frage komme. Der Zeuge wurde nachträglich vereidigt. Zu einein Ar- beitcr aus Schlutup hat Frau Kähler gesagt, Jakubowski sei unschuldig getopft worden. Bestimmte Namen wegen der Täter nannte sie nicht, Jieß jedoch durchblicken, daß ihre beiden Söhne Aug» st und Friß als Schuldige in Betrocht kämen. Wichtig ist die Aussage eines Arbeiters, der August Rogens aus dem Ge- söngnis her kennt. Dieser fall ihm gegenüber geäußert haben, daß der Russe unschuldig sei. Er meinte weiter, daß„der Teufel dos Aas(feine Mutter) holen und vor das Beil bringen möchte, wohin sie gehöre". August Rogens gab zu, vielleicht eine solche Aeuherung getan ,zu haben. Ais einziger Belastungszeuge für Jakubowski trat der Arbeiter Meier aus Selmsdorf auf, der zusammen mit ?akubowski im Strelitzer Gefängnis war. Damals Hab« der Russe ihm gestanden, A n st i f t« r des Mordes zu sein. Cr habe Paul Kreutzfeldt ersucht, den Mord an Ewald auszuführen und Jakubowski hol'« ihm dafür 20 M. Belohnung gegeben. Die Aussagen des Meier wurden im Gerichtssaal stark angezweifelt: der Zeuge wurde aber trotzdem vereidigt. Die Mutter des Zeugen, der als einziger den Jakubowski belastet hatte, bestätigte die Erkiänmgen ihres Sohnes über Jakubowskis Aeußerungen im Strelitzer Gefängnis. Von den 2v M. Belohnung, die Jakubowski angeblich dem Kreutzfeldt für Zlussührung der Tat versprochen haben will, will ihr Sohn ihr nichts gesagt haben. Damit war die Zeugenvernehmung In Schönberg beendet. Die Sitzung wird voraussichtlich am Montag in Reustrelitz im Gelben Saal des Schlosses fortgesetzt werden. Verhaftung im Gerichtssaal. Eine Sensation im Potsdamer Mordprozeß. Der wegen Begünstigung milangeklagte Schlosser Ewald hummbeulel au» Poledam, der mit dem wegen Raub- mordcs angeklagten Waller Kuhbach nach der Ermor- dung des Sasienbolen hammermeisler größere Autofahrten und Bierreisen unkernommen Halle, wurde am Freitag so schwer belastet, daß eventuell eine IN i l l ä l e r s ch o s t in Frage kommt. Ein Zeuge bekundet unter Eid, daß chummbeutel mehrere Stun- den noch dem Mord auf dem Ruinenderg in ein Potsdamer Lokal ge- kommen fei und dem Zeugen folgende Worte gesagt habe:„Der Dicke (Kutzbach) hat ihn totgeschlagen, ober was wollen si« den, anhaben." Ein Arbeiter aus Neukölln, früher in Potsdam, betunoet unter Eid, daß chuinn, beute! am Nachmittag des Mordtages zu ihm gesagt hob«: „Jetzt hoben wir einen totgeschlagen." Auch noch andere Zeugen belasten i>uinmbeut�l. der bisher auf sreiem Fuß war/ gegen den aber ch a ftbe�f� hl'ttlüsk�äuf�vas�schwerste. Nunmehr beantragte Staatsanwaltichaftsrat Stargard dis sofortig« Verhaftung des chummbeutel. Das Schwurgericht zog sich zur Beschlußfassung zurück und bald daraus verkündet« der Vorsitzende, Landgerichtsrat K a u s s m a» n, die Verhaftung H u m m b e u t e l s. Den Justizwachtmeistern wurde besonders aufgetragen, chummbeutel zu verwahren, damit er in keinerlei Beziehung weder auf Transport noch im Gefängnis mit Kutzbach in Verbindung kommen kann. Man glaubt, daß die nächsten Tage große Ueberraschungen in diesem Prozeß bringen werden. Die Vorwürfe gegen Stadtrat Busch. Der frühere Stadtrat V u s ck, gegen den in der letzten Zeit vielfache Angriffe erhoben worden sind, ist jetzt van seinem Er- holungsaufenthalt in der Schweiz nach Deutschland zurückgekehrt und hält sich zur Zeit auf den, Land« bei seinem Sohne auf. Er hat von hier ous erklären lassen, daß alle Vorwürfe gegen ihn u n b e- rechtigt seien, und daß er sie sämtlich entkräften werde. Insbesondere bestreitet er, daß die unter Mitwirkung seines Sohnes erfolgte Gründung der Deutschen Benzolabscheidergesellschaft(Bebags irgendetwas mit dem einige Monate später erfolgten Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, Benzolabscheider gerade dieses Systems in allen Garagen einbauen zu lassen, zu tun gehabt habe. Nationalistischer Straßenterror. Ein äußerst bedenklicher Dorfall, verschärft durch eine voll- kommen falsche Pressedarstellung hat sich Donnerstag abend in der Großsiedlung am Fischtal in Zehlendors zugetragen. Gegen �22 Uhr kam in der Riemeisterstraße eine s) o rd e von etwa 40 bis 50 jungen Menschen,»ach ihrem Ab- zeichen Nationalsozialisten, entlang, die alsbald in die Nebenstraßen und Gartenwege der Siedlung abbogen und hier mit größter Frechheit Entgegenkommende belästigten und sie auf Waffen und Abzeichen— in Wahrheit wahrscheinlich auf Porte- monnaies und Wertsachen— untersuchten. Als ein derart Attakierter vis Polizei benachrichtigte, dauerte es zwanzig Minuten, ehe ein Beamter kam. Zum größten Erstaunen und zur Entrüstung aller derer, die von den frechen völkischen Lümmels belästigt worden waren, fand man am Freitag abend in dem„Zehlendorfer Anzeiger" unt�r der Ueberschrist„Reichsbannerleute überfallen Nationalsoziali st e n in der Siedlung Fischtal" ein den wahren Sachverhalt geradezu auf den Kopf stellenden Bericht. Mit der falschen Darst-ülung haben die Nationalsozialisten den Redakteur des amtlichen Zehlendorfer Verkündungs- blattcs offenbar hereingelegt. Man darf ober hoffen, daß die Polizei in Zehlendors dem Treiben der Nationalsozialisten ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet und daß das amtliche Organ nationali- stifche Meldungen etwas kritischer ansieht. Morgenfeier de» Reichsbanners. Das Reichsbanner Schwarz- Rvt-Goid, Kreis Norden, Ortsoerein Prenzlauer Berg, veranstaltet am Sonntag, dem 30. Mörz, vormittags 11 Uhr, im Saalbau Friedrichshoin, ein« Morgenfeier zum Gedenken der Opferder Revolutionen. Mitwirkende sind: die vereinigten Musik- und Tombourchöre des Kreises Norden, Sprechchor der Reichsdannerjuqend, Schutzsportabteilung u. a. Reichstagsabgeordneter Siegfried Aushäuser spricht über,„Revolutionen und ihre Menschen". Eintritt 50 Ps. Aeber die Regierungskrise spricht im Programm der Aktuellen Abteilung des Rundwnks beute Sonnabend, den!kS. März, abend» 7.40 Uhr, Chef- redalteur Dr. Jos. Räuscher. I ugendwelhen der SeziaBislen und Freidenker morgen Sonntag, den 30. MSra 1930. Im Berlin: Volksbühne(Theater am Bülowpiatz), vormittags ch/s Uhr und mittags 12 Uhr Neukölln: Mercedes- Palast, Hermannstraße, vormittags 11 Uhr Lichtenberg: Aula des Gymnasiutns, Parkaue, vormittags 10 Uhr und nadirnittags 1 Uhr Petershagen: Restaurant.Zum alten Dessauer". vormittags 10 Uhr Spandau: Festsaal der Oberrealschule. Friedridi-, Ecke Moltkestraße, vormittags 10 Uhr. Tempolhof: Mali- Lichtspiele. Mariendorf, Chausseestraße 305, vormittags 10 Uhr Sprech-, Bewegungs- und Tanzchöre Gesang/ Musik s Weihereden ElnSr3Msl» �karlottenburg,: Berliner Slr. 115, gegenüber dem Ehorlolt-nb>,rq�r Rathaus, eröffnet worden. Born Verkaufsraum aus gelangt man in eine Stätte vornehmer Behaglichkeit, dir recht dazu anqctan ist. den Geist alter Kaffee. Gemütlichkeit mit der Raumknnst moderner Innenarchitektur zu verbinden. Es bleibt nur zu wünschen, dass dieser ersten Kaffeestubr bald recht viele Nach- kolgerinnen erstehen mögen! Sonnabend 29. Marz 1930 Unterhaltung und ÄNiffen Beilage des Vorwärts Jlndreas Jßateko:*ߣ€$nt Bodo von Priitzenstein war eiirzizer Sohn und Erbe des berühmten Bankhaus«? 6. Prinzenstein, dos Eisenbahnen, Berg- merk«, Mühlen und zahllose große Jndustrieunternehmungen masorisierte, und jede Existenzberechtigung verloren hätte, wäre der Knabe, für den sämtliche Räder des ungeheuren Konzerns sich drehten, aus dem Leben geschieden. Ganze Berge von Banknoten waren an Wohltätigkeitsonstalten und Wahlkassen abgeführt worden, nur um zwischen Bor- und Familiennamen des zukünstigen Uni- oersalerben das kurze Wörtchen„von" einschieben zu können, und es geHörle nicht zu den Geschöftsusancen der Firma Prinzenstein, so hohe Investitionen ä fonds pertju zu machen. Dieserhalb wurde unser Freund Bodo bei jedem leisesten Wind- zuge oder drohendem Regenwetter in der geschlossenen Equipage zur Schule gebracht, was ihn um all« Kurzweil des üblichen Kriegs- psodcs brachte. Als Ersatz und weil ihm die einsame Fahrt im Wagen zu langweilig war. setzte er sich an einem besonders stürmischen Tage auf den Bock, neben den alten Kutscher, und reagierte viel schlnnmcr aus- diese erst« Einwirkung der Elemente, als wir anderen, gewöhnlichen Fußgänger«s getan hätten. Di« Folge war ein„Konsilium" von ruhmreichen Spezial- ärzten, und ein sogenaimter„kleiner Eingriff" in die Kehle des atmen Bado, zwecks Entfernung jener„Mandeln" genannten Schwellungen, die etwa die Rolle des Blinddarmes im Halse spielen. Jhrein Träger sind sie angeblich van keinerlei Nutzen, was durch ihr« Entbehrlichkeit bewiesen wird, hingegen bedeutet ihre Extirpotion erhöhten Schutz gegen ferner« Erkrankungen des Kehlkopfes,— und jedenfalls ein ansehnliches Operationshonorar für die Chirurgen, die ohne Mandeln und Blinddärme— anderer Leute nicht leben könnten. Die kleine Operation wirkte im Hause Prinzenstein wie der erste protestierte Wechsel eines großen Schuldners. All« erreichbaren Autoritäten wurden herangezogen, um gegen den Verlust eines ja wertvollen und unersetzlichen Akt i Wims die geeigneten Maßnahmen anzuraten. Da nun.bie Gefahr, die der Kehle droht«, bereits be- seitigt war. rutschte die Sovgsalt tiefer herunter, bis m die Lunge, die reichlich Material- für Bedenken und Borkehrunzen liefert«,— denn wann wäre der Schöpfung jemals«in« Lunge von solcher Poll- kominenheit gelungen, daß ein Speziolorzt für Atmungsorgane bei einigem guten Willen keinerlei„Indikationen" in ihr entdecken könnte, die Borsicht zumindest ratsam erscheine» lassen? So kam unser Freund Bodo in Begleitung eines Hofunifters noch Danas, und ich verlor ihn aus den?lugen. Man beklopfte ihn fleißig, horcht« in ihn hinein, verbot ihm olles, was sein« Alters- genollen sich erlauben dursten,— was Wunder, daß er mit einem Anfluge von melancholischer Entsagung van„notwendigen Be- jchrönkungen" sprach, da wir uns als Jüngling« wiedersahen. Natürlich wäre«s Berleumdung, seine Aerzte der Gewinnsucht zu verdächtigen! Sie hätten dieselben Anlagen und Möglichkeiten in dem Organismus eines anderen Knaben allerdings keiner Beachtung gewürdigt,— aber wird nicht auch etn Diamant viel vorsichtiger verpackt als ein Kieselstein? Aus die Lunge des armen Bodo war das Haus Prinzenstein mit seinem ganzen Riefen vermögen intobuliert, war«s nicht Pflicht der Professoren, ihrer erhöhten Verantwortung bewußt zu sein? Leider zeigte es sich, daß mit der leiblichen Sicherstellung allein noch lange nicht alle Gefahr abgewehrt war, denn ein so breit- jchultriges. spvrtgestähltes, in allen Fmrktionen wie ein Uhrwerk reguliertes Physikum auch die Sachverständigen dem jungen Prin.ze»stein angedreht hatten, seine S«el« war in der Isolierung wirklichkeitsfremd, weich und träumerisch geworden. Umkreist von Trabanten, die ihn keinen Augenblick der Sorge um sein eigenes Ich entschlüpfen ließen, hati« er Auge und Ohr nach innen gewandt, und so einen Melodienreichtum in sich entdeckt, den es ihn mit- zuteilen trieb. Der jung« Herr von Priuzenstein— Komponist?!... Man denke! Was bedeuteten denn die Gesahren. die empfindlichen Mandeln von Wetterstürzen drohten, gegenüber der zahllosen Cut- täuschungen, Anfeindungen, Erregungen und Entmutigungen einer künstlerischen Laufbahn? Schöpferische Leistungen, die sich nicht nach Gewicht oder nach Karaten verläßlich werten ließen, einem Richard Wagner jahrzehntelang, einem Beethoven lebenslänglich nur zehrende Kämpf« und bitleres Verianntwerden«ingetragen haUen— dies« zu seelischen Eiterungsprozessen herausfordernden Mandeln muhten erst recht unbedingt elimentiert werden! Aber sie saßen überraschenderweise viel fester als jene im Hals«: drei Ein- griffe waren nötig, dreimal mußten die Kompositionen des jungen Prinzenftein von bezahlten Zuhörern ausgepftssen, mußten gewissenhaften Kritikern die Zeitungen unter der Feder weggetauft werden, ehe �es gelang, das eminente Talent des Patienten definitiv zu entmutigen. Aber die schlimmste Gefahr kam erst nach. Gewöhnt, körperlich nicht für vollwertig, als Begadung überhaupt nicht an- erkannt zu werden, barst der Himmel auseinander über Bodo von Prinzenstein, als bi« Tochter feines armen Köntrapu�nktprosessors fein Interesse so innig erwiderte, als wäre er der erstbeste gut- gewachsene junge Maim, mit Mandeln, Lungen und Lebens- ausfichten wie jeder andere. Ein« Liebesheirat? Mit einem annen Mädchen?... Und wenn der Betörte hinterher entdecken sollte, daß er nur für seinen Reichtum erwählt worden war?— Zeigte ein junges Mädchen solches Talent zum Verlieben, so war die Garantie, daß ,hr Herz wie«in« Agave sich bescheiden, und nicht auch«in zweites, drittes, viertes Mal blühen werde? Zum erstenmal setzte sich bei dieser einschneidenden Operation Bodo energisch zur Wehr, als ahnte er, daß diese letzt« Extirpation die Wurzeln feines Seins gefährdete. Der Ernst des Falles bewog den Chef der Firma Prinzenstein, persönlich einzugreifen, ohne Rücksicht aus die schweren materiellen Opfer die auf Prioatgespräche rergeudetc Stunden seinem Sohn und Erben verursach«» konnten. Umsonst suchte Bodo zu beweisen. daß sei» Leben an dem Mädchen häng«, und all d!« eingebildeten Gefahre» die der Doter auszählte,, jeder anderen, von väterlicher Vorsicht geknüpften Eh« gleichfalls drohten. Heirateten nicht auch steinreiche Mädchen, um. noch reicher zu werd«u, iveil sie an ein schrankenloses Wohlleben gewöhn, waren, das für die einfache Proiessorstochter nicht den geringsten Reiz hatte? Und gab es nicht in dem eigenen Familienkreis«, unter den besten math-matischen Auspizien abgeschlossen« Ehen, die dennoch nicht gehalten hotten? Allein was konnte dos systematisch untergraben« Selbst- vertrauci, des jungen Prinzeivst«» gegen die an Millionenresultaten gemästet« Ueb-rredungskraft des erfolgreichen Voters? Eine Ver- nunfleh« konnte nie ganz unglücklich werden, argumentierte der Alte, weil man in ein« Vernunftehs gar nicht mit der Erwartung rauschender Glücksgefühle eintrat, während eine Gemeinschaft, von der sich beide Teile die seligsten Erfüllungen versprochen halten, nur mit Enttäuschungen enden konnte. Durste ein gefühlvoller, und vor allem gewissenhafter Mann ein wirklich geliebtes Wesen der grausamen Entdeckung aussetzen, das Hindernis, der Hemmschuh, das Unglück in dem Leben gerade jenes einen Menschen geworden zu sein, den glücklich zu machen, es sich zur Aufgabe gestellt hatte?— Was blieb solch einem Weibe noch übrig, als der Selbstmord?— Und konnte irgendein Mann,— war es überhaupt möglich, mit sechsundzwanzig Iahren die Verpflichtung einzugehen, niemals anderen Sinnes zu werden? Kein Weib begehrenswerter zu finden unter den zahllosen, denen man noch begegnen würde? Sicher hätte ein anderer, geeicht Gefahren zu bestellen, seine Mandeln in der Kehle zu behalten, aus die Gefahr hin, daß sie sich entzünden könnten, den Argumenten von Prinzenstein Senior sich besser gewachsen gezeigt, seine düsteren Befürchtungen ladieird abgeschüttelt. Aber der arme Bodo war darauf trainiert worden, in allem Prophylaxe zu üben, vor jedem Risiko zurückzuscheuen, wie ein Spieler, den nur mehr ein allerletzier, einziger Einsatz von dem Ruine trennt! Und so konnte ich ihn bald nach diesem seinem letzten Emanzipationsversuch auf dem feudalen, gräslichen Gute besuche», das ihm sein« Frau in die Ehe gebracht, und sein Vater aus den Hypothekenlasten gan.zer Generationen freigewickelt halte. Die Ernten waren auf Jahre hinaus gegen Hagel, alle Bau- liästeiten gegen Feuer und ileberschwemmling versichert, in vierzig- jähriger Dienstzeit aus ihre Treue, Ehrlichkeit und ihr Können er- probte Verwalter, Kassierer und Buchhalter der Firma S. Prinzen- stein besorgten die Leitung,— kurz: das Ziel war endlich erreicht. es hätte dem jungen Herrn von Prinzenstein überhaupt nichts mehr passieren können, wäre er nicht eines Morgens tot im Bette ge- funden worden, mit einer Kugel, die er sich selbst in den Kopf gejagt hatte. Seine Familie ließ ihm für alle Fälle den Herzstich machen, und da zu jener Zeit die 5lrematorien noch dünn gesät waren, seine Leiche nach Gotha bringen und dort einäschern. Aus Angst, er könnte scheintot begraben werden! Carl OUo Itiudecker: lleri'en... UlerveH ••• Söle StegiUeure des Cßahnhofs Auf einem Bahnhof. Der Zug hält. Oben, aus dem Fenster des Stellmerkhaiifes schaut der Beamte heraus. Mit einem bezeichnenden Blick noch oben»isiint einer der Mitreisenden:„Kein Wunder, wenn so viele Eisenbahnunglücke vorkommen, wenn die Stellwerker zum Fenster hinaussehen."— Oder: Bahnsteig eines Großbahnhofs. Der Zug steht in der Halle, abfahrbereit. Schon längst ist der Zeiger der Bahnhossuhr über die Abfahrzeit hinaus, noch immer macht der Perronbeamte leine Anstalten, das Absahr-. zeichen zu geben.„Ewige Bumrnelsi. Daß der Betrieb auch nie klappen kann." Entrüstung, Zorn in beiden Fällen— und in beiden Fällen ist die Anschauung durch keinerlei Sachkenntnis getrübt. Ein Blick auf das Schienei�gewirr vor einem Großbahnhof mag die Frage immer wieder auswerfen: wie ist es möglich, diesen ungeheuren Verkehr zu bewältigen, ohne daß täglich Züge und Lokomotiven karambolieren? Wie ist es denkbar, daß stets die vielen hundert Weichen und Signale immer so liegen, so stehen, wie es der Fahrplan vorschreibt? Das Geleisechaos wird klarer, wenn man wsiß, daß es in sogenannte Betviebsgruppen nach den einzelnen Richtungen eingeteilt ist. Diesen entsprechen auch die Bezeichmingen und mystischen Abkürzungen an den Stellwerkshäusern, die im Bereich des Bahnhofs liegen. Aber selbst ein ausführlicher, instruk- tiver Bortrog an Ort und Stelle reicht nicht aus, einem armen Laien einen Begrisj von dem Mirakel„Fahrdienst" zu geben. Benommen verläßt man das Stellwerkhous—» allerdings mit einer gehörigen Portion Achtung vor jenen Leuten da oben, die, voll vevantwortlich für ihren schweren Dienst, immer gew ssermaßen mit einem Fuß im Gefängnis stehen. Jedes einzelne Stellwerk verlangt seine eigene, spezielle Aus- bildung. Die Beamten müssen die Geleis«, Weichen, Signale kennen. die Verbindungen zu den anderen Betriebsgruppen, die einzelnen Züge, die Rangierlokomotiven, die planlos und unregelmäßig, nur durch Zuruf dirigiert, ihre Arbeit verrichten. Meist zwei, drei Beamte machen gemeinsam Dienst in einem Stellwerk. Sie müssen einander vertrauen, sich einer auf den anderen verlassen können. Es ist ein schwerer, verantwortungsvoller Dienst. Wenn auch die Durcharbeitung der technischen Päzision der modernen Stellwerke regulär einen groben Mißgiff unmöglich madzt— nur durch das Zusammentreffen einer Reihe von unglücklichen Umständen kann heute noch ein Unfall passieren— so verringert das nicht die Schwer« dieses Berufs. In vielen deuischen Großbahnhöfen sind die älteren, Hand- betriebenen Hebelstellwerke schon einige Zeit durch elektrisdze Werke ersetzt. Ein interessanter Apparat, wie eine lange Bank anzusehen. mit unzähligen Drehknöpsen, Schaltern, Tafeln. Es ist unmöglich, die technischen Einzelheiten dieser Präzisionsmaschine hier aud) nur annähernd zu beschreiben. Der Betrieb? Nun— die vorgelagerte Blockstelle meldet den einfahrenden Zug. Telephonisch, vielfach auch gleichzeitig tele- graphisch. Das Stellwer? g.bt sein Einverständnis zurück unb stellt die Fahrstraße ein. Das heißt: die Weichen werden eingestellt, fremde und„feindliche" Weichen verriegelt, erst dann, erst wenn die Fahrstraßen vollkommen frei und gesichert sind, erlaubt die. Apparatur des Stellwerks das Hochziehen des. Signals. Von diesem Augenblick an ist jede Beeinflussung der Fahrstrecke unmöglich, das Umlegen des Fahrstreckenhebels legt sie absolut fest. Erst das Schließen des Signals gestattet rein technisch wieder das Oeffnen der einzelnen Weichen. Das klingt sehr einfach. Aber da sind noch Kreuzungen, unblockierte Weichen, da sind die Rangierlokomotiven — da meldet der Bahnsteig die Ausfahrt eines Fern-V-Zuges, der koine Minute Verspätung erleiden darf—, da rasselt das Telephon, der Telegraph tickt, mit leisem Klappen fällt, durch das Ueberfahren eine» Kontakts, eine klein« Scheibe im Stellwcrkkasten und zeige dies oder jenes an- Fast gesüchlsmäßig. selbst zur Maschinen ge- j worden, greift der Beamte in die geheimnisvolle Klaviatur des Stellwerks— fein Gehilfe reißt das Fenster aus, dirigiert die Rangier- lokomotioe. die ungeduldig vor dem Fenster hält und wartet, daß man ihr die Fahrt freigibt—, und wieder rasselt das Telephon, der i Telegraph tickt—, der FFD. hat sünf Minuten Verspätung— und dennoch darf der ganze Apparat, dieser komplizierte, auf halbe Minuten ausgerechnete Betrieb deswegen keine Störung erfahren, i denn fünf Minuten Verspätung hier, gibt zehn Minuten Verspätung im Anschlußbahnhos— der Anschlußzug ist fort—, das Resultat? Stehe oben.' Man begreift dies olles nicht, selbst wenn man eine Viertel- stunde lang dabsi steht, die Züge oorüberbrausen sieht, vor sich die Tausende von bunten Lichtern der Signale und W-ichen— staunend, schweigend, stellt man vor dem Beamten, dessen Hände in ununter- brochener Tätigkeit sind, und der doch die Zeit sindet, dem Besucher ruhig und mit einer bewunderungswürdigen Gelassenheit ein wenig aus seinem schweren Beruf zu erzählen. '' Ein paar Zahlen noch: fast 18lXX> Stellwerke verselzen den Dienst auf den 54 318 Kilometern Gesamtstkeckenlöng« der Deutschen Reichsbahn. S13 von ihnen sind bereits mit modernem elektrischem Antrieb verschen, 72 arbeiten mittels Druckluft, die übrigen haben noch den bekannten mechanischen Antrieb der Hebelwerke. Reben vielen taufend Weichen, werden 55 840 Signal«, 25 889 Vorsignale und 12 769 andere Signale von ihnen bedient. Insgesamt 23 590 Kilometer von der Gesamtstreckenlänge der Reichsbahn sind bereits mit moderner, elektrischer Streckenblocknng ausgestaltet. Allmählich wird die Modernisierung des gesamten Betriebes vor- genommen. * Vielleicht ist es gut, manchmal an diese Dinge zu denken, wenn man in einem Zug sitzt, der fünf, sieben oder sogar acht Minuten Verspätung hat Und daran, daß jene anonymen Regisseure des ganzen Betriebes doch auch Mensche» sind, die in. den langen Stunden ihres aufreibenden Dienstes ihre Nervenlraft zusammen- halten müssen, die in dieser Zeit kein« Migräne hoben dürfe», nicht daran denken dürfen, wenn viellejcht zu Hause ihre Frau, ihr Kind, ihre Mutter erkrankt ist. bßauniarsl mil dem föiinlgenapparal Heue IVege der tforfltrlrtfchafl Zur Entdeckung von verborgenen Baumschäden, denen man mit anderen Methoden nicht auf die Föhrle kommt, sind jetzt die Röntgenstrahlen herangezogen worden. Zwei amerikanische Forscher, Mollpy und Wilsly, die sich zu diesem Zweck eines besonders konstruierten, tragbaren Apparates bedienten, konnten bei ihren Versuchen fest- stellen, daß die Durchleuchlung von Baumpatleuten möglich ist und wertvolle Resultate ergibt, ohne l�ß die Bäum«, mieses be! den früheren Untersuchungsmethoden durch Airbohren der Stämme nur zu oft geschah, irgendwelche Beschädigungen erleiden. „Vor drei Jahren," berichteten die beiden Gelehrten in einer amerikanischen Forstzeitschrift,„machte in Rochester ein Motorrad- fahre r, der einem heraufziehenden Sturm ausweichen wollte, vor einem Baum halt und lehnte sein Fahrzeug an den Stamm. Wenige Minuten später wurde er von einem dicken Ast erschlagen, den der Sturm herabgerissen und auf das Motorrad e'chieudert hatte. In- folge dieses Unfalls mußte die Stadt den Erben des Getöteten eine beträchtliche Summe als Schadenersatz zahlen, obwohl man sich der G-sundheit des Stammes in der üblich«» Weise versichert hatte. Knapp drei Monat« vor dem Unfall war nämlich der Baum mit einer Anzahl anderer von vier Sachverständigen sorgsältig untersucht worden. Von der Gruppe von etwa dreißig Bäumen waren dreizehn als krank zur AbHolzung bestimmt worden, während gerade dieser Baum als so kerngesund befunden wund«, daß man von dein üblichen Anbohren des Stammes absehen zu dürfen glaubt«. Solche Bohrungen sind ja auch immer nur«in Notbehelf da sie nur ein« Feststellung über die Gesundheit des Holzes an der angebohrten Stelle, aber keinen sicheren Rückschluß auf die Gesundheir des Gc- samtorganismus des Baumes gestatten. Es ergab sich für uns die Notwendigkeit, nach einem zuverlässigen Verfahren zur Untersuchung der innerlichen Baumschäden Ausschau zu halten, und als«in solches Verfahren schien uns die Verwendung der Röntgenstrahlen besonders angezeigt. Holz ist für die Strahlen verhältnismäßig durchlässig, und man hat durch Experiment« das Vorhandensein von innerlichen Schäden, wie Knoten, Höhlungen, Wurmgängen und metallischen Einsprengungen feststellen können. In England hatten sich während des Weltkrieges die Röntgen- strahlen bei der Untersuchung der Holztcile von Flugzeugen auf Fehler im Material und in der Verarbeitung bereits als nützlich erwiesen, aber soweit uns bekanntgeworden ist, hat bisher»och niemand versucht, diese Untersuchungsinethode auch auf lebende Bäume auszudehnen. Man hat für unsere Zweckenden Röntgen- apparat mit der elektrischen Kraftquelle an Ort und Stelle gebracht. Die ganze Ausrüstung kann bequem auf einem kleine» Handtarren iransporliert werdend Wir haben uns bei unseren Experimente», die im Röntgenbild viel präzisere Einzelheiten offenbaren, als sie dem bloßen Äuge wahrnehmbar sind, aber nickst auf die Aufnahme des ganzen Baumes beschränkt, sondern auch dem Stamm Proben entnommen die dann im Laboratorium geröntgent wurden. Viele dieser Röntgenbilder zeigten lebendig« Bohrwllrmer bei der Arbeit. und die Festsetzung ihres Standortes erlaubte uns, die Schädlinge zu vernichten. Solche Laboratoriumsversud)« scheinen ganz dazu angetan, uns über die Krankheiten und das Eingehen der Bäum« wertvolle Aufschlüsse zu geben. Was die Arbeit im Freien betrifft, so k�m, bei angemessener Ausrüstung ein Mann mit seinem leichten Karren von Baum zu Baum fahren und in wenigen Minuten eine Röntgenaufnahme des Stannnes machen." Die Zahl der Erdbewohner. Die neuest« Statistik des inter- nationalen statistische» Instituts schätzt die Bewohner des Erdballs auf über zwei Milliarden. Im Jahre 1910 betrug sie 1600 Mil- lionen. Auf Europa entfallen von den zrvei Milliarden Erd- bewohnern nach der genannten Statistik 530 Millionen. Der Sperling kann nur zwei Tage ohne Nahrung leben, während die Kröte zwei bis drei Jahre ohne Nohrungeemsnahme leben kann. Eine Biene besucht an einem Tage etwa 6) Blumen und sammelt In 14 Tagen ein Gramm Honig: demnach sammeln 24 000 Bienen in einem Monat einen Zentner Honig. Die Berliner Funkstmide sendet am Nachni'ttog ein Orchester- kontert, das Kompositinnen jenseits des„Marktes der Eitelkeit" bringt. Und gerade ans diesen' Gebiet, nämüch ans dem des großen Orchesters, das airf kannnermujikallschc Wirkunaen abgetönt mird, zeigt das Aunkorchekter unter Seidler. Wintlcr seine hervorragende Leistungssähigkeit. Seidler-Winkler erweist sich aus diesem Gebiet als Dirigent von großem Format.— Liebenswürdig, mit außer. berusluhcr Galanterie, kreuzen Ankläger und Rechtsanwalt m der Unterhaltung„Richter und Verteidiger" die Klingen. Armsgerichtsrat Unger plänkelt mit seinem gefährlichen Gegner Alsberg. Dieser'Dialog wirkt trotz seiner großen dialektischen Werte sonderbar, da er doch im Grunds immer das Wohl und Wehe, das«ein oder Richtsein menschlicher Existenzen zum Objekt hat. Die bloße Erörterung der technischen Maschmeric verstimmt. Aber über den gesellschairüchen.Kovolterston h'naus merkt der Hörer das Bemühen der Kontrahenten, objektwc Erkenntnifle und moralische Grundlagen zu gewinnen. ZUsberg erössnet in seinen Ausführungen erfreuUche Perspektiven. Isdensalls sprechen beide Herren mit virtuoser Geschicklichkeit, ein gut inszeniertes Theater und der geglückte Versuch, hinter den Formalitäten allgemein- menschliches und neue Wege in die Zukunft zu entdecken.— Und nun noch ein Wort zu den Reportagen. Schon wieder eimnal ein« Schilderung von Vorgängen, die in' Rundtunk nicht übertragen werden kormen. Daß es sich diesmal um eine Brauerei handelt, bleibt gleichgültig. Betont muß werden, daß die Funkftunde endlich einmal einsieht, welche Ding« sich zu einer Aus- Wertung für eine rein akustische Reportage eignen. Bisher scheint hierüber noch nicht die geringste Klarheit zu herrschen. F. Srh. Freie SozfaBisti§€he Hechschuie Heute, 29. März, 191,-, Uhr, im Plevarsaat des ehem. Herrenhauses, Leipziger Str. 3, Vortrag des Genossen W.'adkinlr V,'oyUu»ky: „Europa und die Weil" Karten rum Preise von 50 Pt �einschl. Garderohe) sind an folgenden Stcllan zu haben: Büro des Bezirksbildungsausschusses, Ltndensrr 3, Z Hof links, 2Trep-en; Arbeiterjugend Groß-Berlin. Lindenstr 3, Z Hof links, 2 Treppen; Buchhandlung J, H. W. Dietz Kachf-, Lindenstr. 2; Bank der Arbeiter, Angestellte.!! und Beamten, Wallstr. 65; Deutscher Holzarbeiter-Verband, Am K5llmschen Park 2 u- Rungestr 30; Verbard der graphischen Hilfsarbeiter. Ritterstraße Ecke Luisenufer; Zigarren- geschäft Horsch, Engelufer 24.25; Verlag des Bildungsverbandes der deutschen Buchdrucker. Dreibundstr 5: Zentral verband der An gesteiften, Hedemannstraße 12; Verlagsgesellschaft des ADGB-, Abteilung Sortiment, Inselstr. 6a; Fraucnsekretariat der SPD-, Lindenstr. 3. 2. Hof links, 2 Treppen; Bezirksausschuß für Arbeltcnvohlfahrt. Lindenstr. 3. 2. Hof links, 2 Trepp.; Geschäftsstelle d. Touristen Vereins„Naturfreunde", Johannisstr. 15 und an der Abendkasse. Vorirage, Vereine undVersammlungen Reichsbanner„Schwarz- Rot Gold". «eküSkt-Nell»! Derlio E«. e-b-kttanstr 37-S8. Set 2. ziutxrri««!: zs. Mär�. 2t Ubr, letz'.» Na'Ue. rudern in. den Ruh n-ntt legen d?r Berliner Turnerschaft. TunnrL ftrof.« 5—4.— Arev�derq, Lportlrr: Sonntag.?0. Mätt, Antreten .''OOi�Mi'tkr.Velvleuf.— Weißrrsee lOrtsver-in): Sonntag. 50. Mer� 10 Uhr. Antreten iün�onplok. Spielleute und.Tahn'n,- A% Uhr Antreten im Bcrfchrülrföl Teilnahme an bcr. Mär�feier.— Äxr»* Vera. Jugend II; Monloa, 51. Mar�. 20 Uhr. Versammlung im Jugendheim Wassertoritr. 9. Äugend III: 20 Uhr Versammlung im Augenddrim Grangel strafte 128.— Spandau: Sonnabend. 20. SÄar*, �rühlingsfest bei Soch. Vts� marck- Testsäle. Eintritt 1 M. Rameraden anderer Ortsvereine mit AnaeySri. gen find herzlich eingeladen.— Orauienbnrg: Sonnabend. 29. Mar�, 20 Übt. Heiterer Abend im Vatscaf�._ Reichsbuub htt Kriegobeschabigte». Är»w4*iroeh»»t und Ariegerbister, bliebeuen. Ortsgruppe Obüipree: Versammlung gm Then�tgg. 1. Avril. 20 Ubr. im Restaurant Arstqcr. Derlin.NiedcrschoncVeide, Berliner Str. 110. Eete �r�religiöse Hemeiode. Sonntag. U Ubr. Vappelastee 15, Borirag des Herrn S. Alfter.: �Einfilbrung in die ssreudfdie Psnchoanalnfe". Harmonium: 1. Tstiegenli-'b. 2. Sandmännchen«Brabms). Gäste wlMommen. Derriu der Tbnrivger m Berlin. Ameigvorein de» Tdilr Inger.-Wald'Berein?. Sonnabend, 29. Mär�. IStH Ubr, im Mar morsaal der Bismarcf'Säle. Neue Grünstr. 28. 30. Stiftungsfest. Umfgngreid>es Festprogramm. Landsleute will- kommen AcvuMiiaiulrfx aetmeraerf tntBnna. Monte». 20 Ubr.„Alter Askonier", Anbalrer Str. It. Gs wriSü(Seroftt ffiiwti libcc 3ftatifdK Probleme". Diskussion. Säst! miMommen. sonnsdenä,?? Z. Sissis-iZiiKi' Unier d. Linden M-tt. I k-«o.« Jasires-AlL-y, Ho. 65 19 Uhr Aida Ende 22°n Uhr stsats-oper tm fish in RtiuMik P. S. 27 19' j Uhr Die End: Uhr Sonnabend, 29J Stadt. Oper BismarckstT. Turnus III !9U- Uhr Othello Enden. 22', i Uhr Staatl. Sdiauspli. am Endirmümarkt St. 6. 4 So. Ho. 6 JaHtts-AlL-y. Ho. 76 Naman der weise Ende 22va Uhr itaatüdiiller-TlieatEr.lliarltlig. 20 Uhr Florian Geyer e.19 Ubr Zen'r. 2fli0 muaeo«r aabt Goldin mit neuen Qlaslonen Oefflnsl&Sdinlauül. a bellBlnoTaiuiiaaT Mnry® Erik, Srort u. Grarie auf geräuschlosen Rollschuhen usw. Sonnabend n. Sonntag)« 2 Vorstellungen t und S" Uhr. 4 Uhr kleine Preise Ende 22"a Uhr Tfigl. 5 u.S1;, Uhr. B 9 borst 0298 Pr. I s M. Woohnntg 5 U M Pf.-8 M. lietzte 3 Tatsc1 ♦ Gastspiel Brich Carow mm weitere 9 internatlon. Atirakt snen Tigl. S u. SIS Sunot. 2, 5 0. ß16 Alex. E 4, 8066 INTERNAT. VARIETE BV* Uhr CASWO-TBEÄTEB 6':,VhI Lothringer Strafte 57. Wieder ein oencr Schlager Der wahre Jakob StflrmUcber Helte/ kcils-Erfolg Dazu ein erstkl. buntes Programm Ouiscncin für 1—4 Personen Fautcuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 Sonstige Preise- Parkett u. Rana OJV) M GROSSES SGHAUÖPIELHAUS 8 Uhr; Rur r.och 88 Torsteliungen! 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL A SonRiag naffim. gogek. tum« Pr. ilieaieri.fl.ßeiirenslr. 53-54 A 4 Zentrutn 926-927 Direktion Ralph Arthur Roberb SVt Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr fhalhe Pr.) oggs Direktion; Ut. Martin Zickel WWWW Komische Oper Fnodrlcbstr.KM Merkur 1401'4320. Nach vollstjndieeiv Umbau Täglich«>/» Uhr Hulla di Bulla Selrwank von Arnold und Bacb mit G'ildo Thlelncner, SchuU, Schrolh. Burg, Hildebrand.Wnlinr stau». Flink. Bahmer. Wanak Sonntag auib uadmittagi 4(halb Orrs) Hüllt) Ol Bulla mit C Hilst ThMer Lustspielhaus rriedrichstr. 236. Bergmann 2921C3. S'-'u Uhr: Geschalt mit Amerika, Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Reichshallen-Theater Abends CD sonniao nadira. CD Oao h orr liehe Programm der „Stettiner" Fnüiliogsi) reise; Parkett t- UO. log.! H. Naeramiigs naiDe Preise. Zentrum 112�3 OÖnhoff-Brotli: TiiiftL Tanz, tote Hrtteltc. 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Leo Scfaäfxendori Lldbteiuleiii, Carola äanovskj- Söhnen Theater in der KSniggrdtzer Straße Täglich Si'i Uhr Prciessor* Bernhardi von Arthur Sdailrl&r Regle: Vitter Biniwily Komödienhaus Täglich SV« Uhr Heins Sdiwester usdiiti HusikY.lelnli!effllik<| Operettenhaus! Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral- Thealer) Täglich av. Uhr oie Fledermaus mit Gustav Matzner Preise 1. 2. S M Lesslno-Tlteater Weitaiduin 2797 1.0816 Täg7ich 8'/, Uhr Maus Daniefi ResidnEZ-Tlicatei KfinstJ. Leitung Qasion Briese Täglich 81/« Uhr Sonntag 4 Uhr Etsriehe HnnOiiinkh. hol»« Pr Metropol- in. 8-.« Uhr Das Land des Lächelns Vera Schwarz, Musik von Franr Lehär Tneai. a. Koitb.Toi Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr authSoant. oachtn.äL'.: Elite- Sdnger. 6 Trfijnptst nldiii. onsihieieoo Mart-Prooromiif Die Komödie JI Bisntck.2414/7510| t>k Uhr Die Kreatur Schjupiel von f sri Bmckntr! B«0tc: Mm RdcDardi| Direktion Dr. Robert Klein Deotsebes Illnstler-Theat Barbarossa 3937 8'4 Uhr Sex Appeal Uithp. t. Frahrit Untdale 8«}ic: Forsstt luriMäJ Mbert BasssmaiiD. Uady Cbrtsilans Berlioer Ibealer Dönhoff 170 8 Uhr Ende lOV« Uhr „Eins. zwei, drei" von FranrMoInar mit Mai PalleobHg. s«gle;6i»t.HanaRg Vodar: Souper Segie. Hclnz Hilpert. fieines ineai. Merkur 1424 Täglich 8.10 Uhr Heute njm 25. Mala madame dal Ausgang Erika vou Tellraann Paul Hörblger Hermann SchaufuO LTUTtkl, Braut HAÜSVÄTERUND KUHFÜBJT 7460 TÄGÜiCH IM ROM ENS AAL tVKPftM« tt UHR NE REVUE BERUNS MM. 1930!' jDie goidne Meisterin j t Kraute Jto**) | täglich 813(jeden Sonntag urn| iI5 und um 9 Uhrj im {Rose-Theaterl ( Große Frankfurter Straße l.tjl | Billetlkasse: Alex. 3422 und 34941 Heute, Sonnabend Z Uhr| und Sonntags 2 30 SdiaoewelOdiEi) ond Roseoiat | Heute, Sonnabend, 11-30 abds| „Der Miutergaiüe-. [Vorverkauf täglich von ll~l| und 4—9 abends- Pfaneiarlmn — am Zoo«ww 1 sitlZ»z.7«Mm!ld4!rt Htzle | B. 5. Barbarossa 5,178 ! iö1« Uhr Dar Prilti- la&rslilmiiiel IS'.Uht MerkieUrifige Starne(Riean uimrgc 20'. Uhr Unser Meuf Eintriu 1 ßiark. Kinder SO Pf. Oanksa 311119. Für die nieten Scmeife berjlldier Teilnahme anlastlich des Hinscheidens unseres lieben Sohnes unb Binders Gustav Balzer sagen wir allen Verwandten. Fraun. den und Befannten. sowie der Lehrer» schalt der 8(bemeindeichule auf diesem Wege unseren wnigsten Daul Goalov Balrer and Frau neb», Gc»cfc»i«tcni. Die SfecbefaFe de» Ceatfdjcn werf- meiflev-Setbonbe« O.a.0. ja Düffel. botf zahlt 17«» Aufwerfung auf alle For derungen. die auf Grund des Aufwerimtas gesekes an ste zu stellen find. Die Beträge werden In bar itir Auszahlung gebracht Soweit dl» Berficherten noch lebcn und Mitglied des Deutschen Werrmeister-Ver bände« sind, war etne Anmeldung der 'Anwrüche nicht rrsorderlich; he find ir zwiichen sämtlich erledigt worden Dagegen müssen diejenigen früher Berstcherten her Sterbefasse, die nach dem lb Juni 1322 ihre Mitgliedschaft In der cteroefasse sowohl als auch im Deutschen Wecbneister Verband ausgegeben Huben, ihre Forderung bei der Seschättsstrllo her oterbefaffe in Dussel dors anmelden Soweit dies bisher nicht gefdirhen. wird noch einmal dazu aufgefordert Dasselbe trifft zu für die Hinterbliebenen von Bersicherten, dte na.h odigem Datum('''■ 6 1922) gestorben stnd. Auch hier muh der Anspruch aus Au• Wertung schriftlich eingereicht werden. Die Frist zur Entgegennahme der Aumeldur.. gen wird unwidetruslich die»um öl. De. zember lstZO festgeiestt. Nach diesem Datum werden Auswertungs-Fordoiunqon gegen die Sterdetasse des Deutschen Derfmeister. Verbandes nicht mebr anerfannr llOlllllllgß'RßiZllll D.Ie�I»mem»ptev gegen Nachahmung gesetrl. geseb. isrtigt seit 48 dal,, als Spezlalitfit. Conrad Möller Lclori• Scbkcndltz Molkerei- Tafelbutter feinste, tägl. frisch 3 Mk. 1.60 Molk. E. Heim Wangen I. Allg. Berliner nikTriO N• B k 0 1 1 B. w Labnsir. 74/75,1 ster-Wein Verkäufe Bettetu»e?ksps! Reue! Wegen Geld- nmngel svottbMg! 12�0! 13,—! Bracht nrCfe 19, Vi! 23�-1 Dauernbette» 29,—! S3.— 1 Leihhaus. Brunnenstrgfte 47. kekfeirlunllßßsüolle, Wäsctie usw. tbetroaenr Serrrugordrrob« iebrr Art. aroste 7Iuswabl nnrbo.nden. oerfoutt spottbillia Schnur wacher, Neukölln. Wes'rstroste 304 I. qm Kermannvlali.__" kenig getragene«analiergardcrode von Zkillionaren. Aerztrn. Anwälten Fabrlbäit bMiae Preise. Emvichle Taillenmäntel. Paletot». Fracks. Smo. lings. Eebrockänzüge. Losen. Sport. Kebprlze. Teleger.heitskSuke tn neu« Karderobe. Weitester Weg tobneub. Lotbringrrstraße 56, l Treppe. Rosen. ibaler Plast.' 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Ihr Umsatz ist von 220 Milliarden ans 245 Milliarden gestiegen, ihre Kreditoren haben sich— wahrscheinlich gegen Schluß des Geschäitsjahrrs durch öffentliche .Kreditgeschäfte am stärksten— von 2083 Millionen aus 2384 Millionen Mark vermehrt, und-ßcrr Jakob Goldschmidt, der mit Stolz auf sein seit 1924 unverändert gebliebenes'Aktienkapital von nur 60 Millionen bei 100 Proz. offenen Reserven verweist, Hot von diesem niedrigen Aktienkapital im vergangenen Jahr« insofern profitiert, als er sich um die Aufrechterhaltung seiner hohen IZprozentigen Dividende im Gegensatz zu anderen Großbankkollegen wahrscheinlich weniger Sorgen zu machen brauchte. Um so weniger Sorgen, als er die Danat-Verluste an dem Faoag-Krach auf einen Bruchteil von 3 Millionen bezifferte und über die Gesamt- Verluste des vergangenen Jahres leicht hinwegdeuten zu können alaubtc. Die Danakbilanz hat auch diesmal wieder einige über- raschende Punkte. Im Börsen-, und L o m b a r d g c s ch ä f t, das bei der Dresdner Bank bekanntlich halbiert wurde, zeigt die Danat eine Steigerung gegenüber dem Borjahr von 139 Millionen auf 161 Millionen Mark. Bei dem neuerdings beliebtesten Geschäft der Großbanken, den mit dem Außenhandel eng verbundenen Bor- schüssen auf lagernde und schwimmende Waren, hat die Danat den bisher bei den Großbanken größten Zuwachs von 266 Millionen auf 378 Millionen Mark zu verzeichnen. Der Bestand an Wechseln und unverzinslichen Schatzanwei- sungcn ist von 557 Millionen auf 605 Millionen, die in laufender Rechnung gewährten Kredite sind von 889 Millionen aus 1017 Mil- lionen Mark gestiegen. Man weiß incht, ob dabei auch stille Reser- ven aufgelöst worden sind— in der Hauptsache wird man ober die Steigerung des Bestandes an eigenen Wertpapieren von 25 Mil- lionen aus 38 Millionen und des Portefeuilles an Konfortialbetei- ligungen von 25 Millionen auf 37 Millionen auf das schlechte Börsengeschäft des vergangenen Jahres zurückführen müssen, das den Banken ja nicht nur beträchtliche Einncchineausfälle, son- dem auch erhebliche Stützungssorgen gebracht hat. Einen Einblick in die Bav.ksorgen des letzten Jahres— bei der Danat wie gesagt wegen des niedrigen Aktienkapitals weniger fühlbar— gibt die Gewinn- und Verlustrechnung, bei der trotz der Umsatz- urch Kreditorenfteigerung sich bei Provisions- und Zinseivvahmea ein Rückgang von 75,34 Millionen auf 72,74 Millionen Mark ergibt, bei der in diesem Jahre überhaupt kein« Effekten- und Konsortialgewinn« aus- gewiesen werden und die einen Reingewinn von nur 11,80 Mil- lionen Mark ausweist, der mit haarkünstlerischcr Genauigkeit gegen- über dem Vorjahr exakt uro jene 5 Millionen verringert ist, die den Ausfall im Börsen- und Effektengeschäft ausmachen. Die V e r- waltungskosten sind bei mit 7300 Mann genau gleichgeblie- bencm Personal von 56,18 auf 56,71 Mark gestiegen, die Steuern sind— behauptet wird infolge größerer Vorauszahlungen im Vor- jähr— von 10,04 Millionen auf 7,27 Millionen Mark gesunken. Es bleibt aber für die Donata ktionäre bei der Dividend« von 12 Proz.: der Vortrag wird sogar von 3,03 Millionen auf 3,12 Mil- lionen Mark erhöht. Wir respektieren sehr, daß Herr Jakob Goldschmidt den Text seiner Geschäftsberichte selbst schreibt; wir hoffen, daß ihm deshalb auch Kritik wlllkommen ist. Auch diesmal ist der Be-- richt dieses geschäftsfrohen Romantikers unter den Grohbankführern wieder eine geistvolle und elegante Plauderei, bei der es freilich scheinbar mehr auf den Eindruck bei Literawrempfänglichen als auf Exaktheit und Zuverlässigkeit ankommt. Für 1929 stellt Herr Goldschmidt eine weit um sich greisende Vertrauenskrise im Lande fest, für die er— mehr forsch als originell— die verfehlte Wirtschofts- und Finanzpolitik von Reich und Kommunen verantwortlich macht. Ein wenn auch nur leichter Hinweis auf die verwüstenden Folgen der Favag-Katastrophe im In- und Ausland und der hundert privaten Bankzusammenbrüche hätte der historischen Exaktheit der Berichterstattung hier gute Dienste geleistet. Aber wir sind, wenn wir auch über die Ursachen der jetzigen Ver- traucnstrise mit Herrn Goldschmidt verschiedener Meinung sind, doch mit ihm darin einverstmiden, daß er die Intensität der jetzigen Krise begrüßt als wertvolle Grundlage zu einer neuen Zlufwärtsemwicklung, von der er insbesondere durch die«norme internationale Geldverflüssigung mrd Kapilalmorktcrleichtcrung tief überzeugt ist. Hinsichtlich des Doung-Plancs und seiner Bedeutung hält es Jakob Goldschmidt nach einer— vorsichtig— bis zur Halste gediehenen Verbeugung vor Hugcnberg mit H i n d e n- b u r g s Proklamation, die den airgenoimnencn Poung-Plan als „Grundlage unserer bestehenden Verhältnisse" hinzunehmen gebietet, und gegen Schacht wird nur ein ganz leichter und vorsichtiger Floretchieb gewagt. Es wird empfohlen,„unsere Pflicht bis zu den letzten Möglichkeiten" zu erfüllen, und dem Volle als Ganzes rät Herr Goldschmidt zur Tugend und„Politik des Wartens" in der Rcparationsfragc,. ein Rat, der von dem draufgängerischen Danatfiihrer freilich nicht ohne weiteres erwartet werden mußte. Nachdem nun durch die Aufdeckung des krisenhaften Zustandes in Deutschland die Erkenntnis geklärt ist, so meint Herr Gold- schmidt, muß eine gesunde Finanzwirtschast zum Aufbau der zuküiiftigen Entwicklung geschaffen werden, wobei— wieder nicht sehr originell, aber doch— als erstes die Einschränkung der öffentlichen Ausgaben nach der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft gefordert wird. Da Herr Goldschmidt rn einer Volkswirtschaft das Kapital individueller Schaffenskraft am höchsten stellt, kommt es ihm nicht darauf an, auch vor einem Abbau der Arbeitslosenversicherung eventuell mcht.zurückzuschrecken, der ja doch nur, das ergänzen wir, das Schicksal der individnalitätenarmen breiten Masse trifft! Daß Herr Goldschmidt deu böse« Traum der Stahlwerke-Becker-Velegschaft. durch Lohn- und Gehaltskürzungen Stillegungen verhindern zu können, zitiert, ninnnt tn einem Gedankenkreis nicht wunder, der Kapitalbildung durch Massenbelastung für richtig hall und in dem als Perle ein Zitat aus den„Sozialistischen Monatsheften" auf- marschiert, nach dem ein armes Volk feinen Verbrauch überhaupt nicht steigern dürfe. Freilich hat Herr Goldschmidt zu sagen vergessen, was die deutsche Industrie mit ihrer heutigen ll« b e r k a p a zi tä t anfangen soll, wenn nicht der Jnlandsabsatz kräftiger gesteigert wird, als das bisher möglich war. Man möchte Herrn Goldschmidt solche Äürzsichtigkeiten um so weniger zutrauen, als er für die Möglichkeit neuer Exportsteige- rung sehr wohl zu betonen weiß, daß die großen Produktions- statten in unserer Industrie eines sicheren Rückgriffes auf einen eigenen großen Absatzmarkt im Jnlande bedürfen! Natürlich■ hat Herr Goldschmidt auch ein mitfühlendes Herz und entsprechende Wort«für die mittleren und kleineren Betriebe übrig, die nach seiner Meinung durch die zu großen direkten Steuerlasten erdrückt werden. Wir glauben freilich aus dem Herzen gerade der arbeitsintensiven mittleren und kleineren Industrie zu sprechen, wenn mir sagen, dieser Industrie wäre leicht zu helfen, wenn Herr Goldschmidt und seine Kollegen ihr Kreditbedingungen gewahren würden, wie sie Großunternehmungen erhalten, wenn die Banken ihr die solange versprochenen langfristigen Anleihen wirklich besorgen würden und weirn die deutschen Großbankführer sich gegen- über den Kartellindustrien dafür stark machen würden, daß die Be° lieferung mit deutschen Rohstoffen nicht zu unange- messen hohen Kartellpreisen erfolgen würde, während die eigenen Produkte dieser Industrie zu ständig sinkenden Preisen verkauft werden müssen. Auch in diesen Dingen referiert Herr Goldschmidt„nicht ganz exakt". Aber Herr Goldschmidt hat recht. Er hat dreimal recht mit der Aufforderung, daß mit dem jetzigen„lähmenden Pessimis- mus" und der jetzigen„hoffnungslosen Rcjiffbation" Schluß gemacht werden muß und auch Schluß gemacht werden kann. Schön wäre aber ein ehrliches Wort aus Goldschmidts Mund oder Feder ge- wesen, das den teil weisen Zweckcharakter dieses Pessimismus betont hätte. Recht hat Herr Goldschmidt auch mit der Verurteilung der gerade 1929 so stark gewachsenen Kapitalflucht. Aber wenn der Staat auch für eine steuerliche Erleichterung der Kapital- bildung und der Kapitalzufuhr sorgen würde, so bliebe doch der Makel staatsfremder Gewissenlosigkeit aus jenen Kapitalisten sitzen, die sich der Last eines verlorenen Krieges durch die masienbelastendc Ausfuhr ihrer von deutschem Schweiß erarbeiteten Kapitalien ent- ziehen. Reichsplan für Krastwirtfchafi. Er ist da.— Wer führt>hn aus? In dem einen Jahre 1929 stieg die deutsche Elektrizüätserzeu- gung von 28 auf 32 bis 33 Milliarden KUowotrswnden. Man kann damit rechnen, daß vn Durchschnitt JahrsürJahrder Bedarf an Elektrizität um diese 12 Prozent zunimmt: in Deutschland ebenso wie in fast allen anderen Ländern. Run hat die hinter diesem Wachstum stehende ummlerbrochen sqrtgchenb« Umstellung der Wirtschaft auf Elektrizttät für die Gesamtwirtschast dadurch eine einschneidende Be- deutung. daß alle Betriebe, 5>aushaltungen, Bahnen usw. in immer größerem Umfange von der r c g e l m ä ß i g e n u n d st« i g e n d e n Licht- und Krastbelieferung abhängig sind und daß die Frage des planmäßigen und rationellen Ausbaus der Kraftwirtschast auch aus finanziellen Gründen immer bedeutsamer wird. Bor einigen Icchren Hot deshalb das Reichswirtschaftsministe- rium" einen Reichsplan für die künftig« deutsche Elektrizitätsversorgung in Auftrog gegeben, der von dem bekannten Fachmann Dr. O. von Miller ausgeführt wurde und nunmehr der Oeff-nttichkeit vorliegt. Dieser Plan betrifft lediglich denjenigen Test der Stromversorgung, der durch di« eigentlichen Ele t t rlzit ät s g e s ellschafte n erfolgt, nicht aber die eigen« Krasterzcugung der Industrie Bon 32 bis 33 Milliarden Kilowattstunden des Jahres 1929 entfällt etwa die Hglft« auf die die Allgemeinheit versorgenden Elektrizitätsgesell- schaften, also etwa 16 bis 17 Milliarden Kilowattstunden. O. von' Miller rechnet in seinem Gutachten damit, daß in einigen Jahren allein von diesen Gesellschaften 34 Milliarden Kilo. mottstunden erzeugt werden müssen, um den dann vorhandenen Bedarf zu befriedigen. Die gegenwärtigen Anlagen müßten durch Neubauten und Erweiterungen um 5,5 Millionen Kilowatt vergrößert werden. Die Kosten hierfür sowie für die erforderlichen Transformatorenstationen und Leitungsnetze gibt das Gutachten mtt etwa 3,7 Milliarden Mark an. Der Plan sieht die Schaffung eines fast 2500 Kilometer großen Netzes von 220 OOO-Voll-Leitungen vor, das alle großen Elektrizitätswerke Deutschlands(Dampf und Wasser) miteinander oerbindet. Der Plan fußt in der Hauptsache auf den Betriebs- z ä h l u n g s e r g e b n i s s e n des Jahres 1925: inzwischen sind schon einige von den in dem Gutachten angeregten Plänen hier oder dort durchgeführt worden. Trotzdem ist der Gesamtplan noch keineswegs überhott und gibt, wenn er auch keinen konkreten Bau plan darstellt, doch einen höchst wichtigen Ueberblick darüber, was im Interesse der gesamten Wirtschaft in kurzer Zeit hinsichtlich des allgemeinen Aus- bans zu geschehen hat. Was aber wird aus dem Plan werden? Wie soll er sich verwirklichen? O. von Miller ist der Meinung, daß viele seiner Dorschlöge, so- weil sie über die privaten Interessen der einzelnen Elektrizitäts- gesellschaften hinausreichen, vom Reich oder von den Län- der« finanziell unterstützt werden sollten: auch empfiehlt er, an den Ausbau besonders günstiger Energiequellen oder den Bau besonders wichtiger Fernleitungen Bedingungen zu knüpfen, „welche eine allgemein« Lerforgung des gesamten Reichsgebietes zu angemessenen Preisen sicherstellen". Im übrigen glaubt er, daß die Verwirklichung durch weitere organisatorisch« Per- schmelzungen bestehender Großvers orger erreicht werden kann. Erinnert man sich aber der vielen Machtkämpfe, die gerade!n den letzten Jahren zwischen den größeren Elcktrizitätsgesellschaften ausgekämpft worden sind, insbesondere an die bisherige Talen- l o s i g k e i t der vor zwei Iahren gegriiiideten„21.- G. für deutsche E l e k t r i z i t ä! s w i> t ch a i t", einer alle großen jZlettrizitätsgesellschoften Deutschlands umfassenden Dachgesclljäjüst, so ist es recht z w c i s e l h a f l, ob wirklich ohne äußeren Zwang«ine planmäßige 2lusbauarbcit im Reichsmaßstab mög- lich ist. Da es sich aber um eine sehn dringliche Lebensfrage der deutschen Volkswirtschaft handelt, ist von allen verantwortlichen Stellen, vom Rcichswirtschoftsnnnistennm und van den Parincrn der A.-G. für deutsche Elektrizitätswirtschoft zu s ordern, daß sie so schnell als möglich ihr« Stellungnahme z» dem Plan bekanntgeben und mitteilen, was nun geschehen soll.— b. Waldenburger Zechenirust. Auch in Schlesien steigende Leistungen der Belegschasten. Die Nieder schle fische Bergbau A.-G., die vor zwei Iahren durch Zusammenschluß der gesamten niederschlesischcn Zechen mit Ausnahme der Pleßffchcn Gruben gegründet wurde, veröffcitt- licht jetzt ihren Abschluß für dos zweite Geschäftsjahr 1928/29. Die starke Kohlenloniunktur des vergangenen Jahres strahlte auch nach dem so ungünstig gelegenen Waldenburger Revier aus. Die Förder Ziffern erhöhten sich bei den Gruben des Walden- burger Zechentrusts von 3,55 auf 3,63 und die Koksprodultion von 0,71 auf fast 0,77 Millionen Tonnen. Auch die Nebenprodukte, wie Teer, Ammoniak und Benzol, weifen durchweg erhöhte F a b r i- kationsziffern auf. Dieser int Durchschnitt beträchtlichen Produktionssteigerung steht. eine von 16017 auf 15 444 Mann vev- r i n gc r t c Belegschaft und eine gleickffalls etwas zurückgegangene Bearnteuzahl von nind 1000 Köpfen gegenüber. Die Rationalisierung hat also auch in dem nicderschlesischen Revier zu einer wesentlichen Steigerung der Leistungen je Mann und Schicht geführt. Das verhongnisvolle Unglück, das im vergangenen Jahr das Waldenburger Revier heim- suchte und 33 Todesopfer forderte, ist jedenfalls in seinen Ursachen und seinen Auswirkungen ein trauriger Beweis dafür, daß die Sicherheitsmaßnahmen mit dem Tempo der Rationalisierung keineswegs Schritt gehalten haben. Zu der weiteren Umstellung und Modermsierzmg der Betriebe. die etwa 1931 ihr Ende erreicht haben werden, hat djo Gesellschaft von den 11 Millionen Mark Reichs- und Staatskreditc» im vergangenen Jahr 7 Millionen Mark in Anspruch genommen. Die zur Zeit in Bau befindlichen Anlagen geben mit einem Bilanzwert von 8,2 Millionen Mark ein Bild von dem großen Umfang der Rotianalisierungsarbeit. Eine Dividende kommt auch für das Geschäftsjahr 1928/29 nicht zur Verteilung: der Reingewinn, der mit rund 332000 Mark etwas niedriger als im Borjahr erscheint, wirb für Rück- stellungen verwendet und mit seinem Rest auf neue Gewinnrechming vorgetrogen. peischeck-Ailanz Nr. 2. Die gleichen Versteckmethoden werden angewandt. Nach der Grube„Eintracht" kommen jetzt als wertvollste Do« mäne des Braunkohlenmognaten Peiischeck die Niedcrlausitzer Kohlenwerk« mit ihrem Abschluß fiir 1929 heraus: Wie bei der„Eintracht"-Bilanz wurden auch hier alle nur er- denklichen Mittel angewandt, um die S o n d c r g e w i n n« aus der Hochkonjunktur möglichst zu vertuschen. Auch bei. der Nieder- lausitzer Kolstenwerk« A.-G. bleibt es bei einer lOprozentigen Dividende, und der ausgewiesene Reingewinn entspricht mit 2,56 Millionen fast haargenau den Vorjahrsgewinnen. Dabei sind die Rohkohlenförderung von 7,4 auf 7,82 Millioiien Tonnen und die Brikettfabrikation von 2,63 auf 2,74 Mil- lionen Tonnen gestiegen. In dem Rohgewinn von 11,7 gegen 10,5 Millionen Mark kommt die Konjunkturcrnte zwar zum Ausdruck, doch wird angeblich der ganz« Mehrgewinn durch höhere Unkosten und durch die herausgesetzten Abschreibungen aufgezehrt. Die mystische Steigerung der Unkosten und Steuern um eine Million(!!) aus 3,5 Millionen Mark und die genau wie bei der Eintracht-Grube sprunghaft um 4 Millionen hochgeschnellten Schulden deuten darauf hin, daß in diesen beiden Posten ganz beträchtliche Summen als Gewirmrückstellungen verschwunden sind. Die Peftcheck-Betriebe entwickeln einer wie der andere eine Bilanzierungspraxis, in der das Versteckspiel zu üppiger Blüte ge- diehen ist. Hoffentlich geben die S t e u« r re o i s o r c n der Finanzämter bei diesem Spiel nicht die„Blindekuh" ab. Fortschritt landwirtfchastlicherpublizität Die preußenfasse veröffentlicht Monatsbilanzen. Die Preußische Zentralgenossenschastskasse hat sich entschlossen, allmonatlich eine Bilanz zu veröffentlichen. Wir begrüßen diesen Schritt, weil er zur Klärung der Kreditcntwicklung in der Landroirtschaft sehr beitragen wird. In der erstmalig ver- öftentlichten Bilanz für Ende Februar sind die Kunden- guthaben und Einlagen gegenüber Ende Dezember von 119,1 auf 141,7 Millionen gestiegen und die insgesamt Ende Dezember mit 274,9 Millionen ausgewiesenen Verpflichtungen bei Banken und Bankiers sowie bei der Reichsbank sind auf 117,8 Millionen bei Banken und Bankiers und auf 99,0 Millionen bei der Reichsbank zurückgegangen. Bei den Aktiven ist die Summe der Forde- rungen und Wechsel von 66l,1 auf 664,8 Millionen gestiegen. Hqpothekeabauken zur Renlenhausse. 2lus der Gencraloersanun- lung der Preußischen E e n t r a l- B o d e n k r e d i l A.-G. Berlin, die den Fusionsvertrag mit der Preußischen Pfandbriesbaiik gernchmigtc. nahm di« Verwaltung auch zu der starten Kurssteigr rung der festverzinslichen Renieuwerte Stellung. In de» ersten drei Monaten des neuen Gefchästsiahres seien nuid 30 Millionen Mark Pfandbriefe und Kommunalobligationen verkauft worden Di« gewaltige R-ntenhausse in der ganzen Welt habe im März zn eü«r stürmischen Nachtrage nach Pfand- b riefen geführt, die aber nicht spekulativ« Ursachen habe, fondern durch einen ganz außerordentlich starken Anlagebedarf hervor- gerufen sei. Neue Renteupapicrc. Die L a n d e s b o n l der R h e i n p r o- vinz bietet in dieser Nummer weiter« 5 Millionen Mark reiche- mündelsicher« Goldkommunalschuldverschreibungen zum Kurse von 9V Prozent zur Zeichnung an. Alkoholdebatte im Reichstag. Ltnwürdige Rede eines Wirischastsparteilers. In der Freitagfitzung des Reichstags gab vor Eintritt in die Tagesordnung Abg. Diez(Z.) eine ErtfÜmtng ab, in der er sich gegen die Darstellung roendet. die die.�Deutsche Tageszeitung' von der Hol» wng des Zentrums bei der Ausschußberatung des Gaststätten- gesetzes gegeben hat. Als der Präsident dann die aus der Tagesordnung stehend« zweite Beratung des Notetats ausrust, rufen die Kommunisten: „Wo bleibt der' Nachruf für di« Regierung?" Abg. Torgler(Komm): Der sogenannte Notetat ermächtigt die Negierung zu Ausgaben. Wir haben ab«r jetzt keine Regierung. Einer nur gefchäftsführerrden Regierung kann man doch eine solche Ermächtigung nicht geben. Nachdem die Sozialdemokratie den ver- 'dienten Fußtritt bekomm«» lzat, biedert Jie sich heute im„Vorwärts" wieder in elender und würdeloser Weh« bei den bürgerlichen Par- tcicn an. Der sozialdemokratische Mg. Keil veröffentlicht«in Finanzprogramm, das er einen Tag nach dem Hmauswurs der Sozialdemokraten aus der Regierung als eine Einigungsgrundlage mit den bürgerlichen Parteien bezeichnet. Weitere'Wornne-dungen liegen nicht vor. Nach Ablehnung aller Aenderungsanträge wird der Notetot in zweiter und dritter' Beratung angenommen. Die zweite Beratung des Gaststättengesetzes wird dann fortgesetzt. Abg. Söster(Wirtschaftsp.): Gegen den Versuch, den Bedürfnis- Nachweis für die Schon» cm Zessionen einzuführen, hat sich schon der frühere Reichspräsident Ebert, der damals Gastwirt und Mitglied der Bremer Bürgerschaft war, gewendet. Ebert, der bis zu feinem Tode Mitglied des Deutschen Gaftwirteverbandes war, hat damals in der Bürgerschaft eine sehr kluge Rede gegen die Einführung des Bedürfnisnachweises gehalten. Wie soll denn jeder Gastwirt altoholfreie Getränke führen? Sicher nicht durch Selterwasser, und Brauselimonadetrinken ist Herr Sollmann«in so tüchtiger Mann geworden, und seine Freunde Wels, Scheidemann und Simon de- Werfen dnch, daß Nichtabstinentcn auch patente Kerle sein kömrcn. (Große Heiterkeit.) Aus meine Fraktion will ich gar nicht zurück- greifen.(Stürmische Heiterkeit.) Manche Wissenschaftler beweisen, daß Sllkohol dem Menschen nützlich ist— Probieren geht über Studieren!(Anhaltendes Gelächter links.— Präsident L öb e ersucht um Mäßigkeit auch im Lachen.) Die Kaffee-, Tee- und Schoko- ladetrinker sollten bedenken, daß Bier aus deutscher Gerste gemacht und von deutschen Arbeitern hergestellt wird.(Abg. Dr. Breitscheid: Wollen Sie nicht Ernährungsminister werden?) Sie, Herr Breitscherd, würde ich für dieses Amt nicht vorschlagen, Ihr Aeußered gäbe nicht die beste Reklame(Heiterkeit), Sie haben nicht genug Hamburger Fassung.(Gelächter.) Heute kann einer Abgeordneter, hoher Beamter, sogar Schutzmann werden, ohne be- sonderen Befähigungsnachweis, aber Gastwirt nicht! Bei der Er- teilung und Entziehung von Konzessionen müßten auch die berufs- ständischen Organisationen mitwirken. Der Wirt ist bei seinen Gästen eine hochangesehene Persönlichkeit, kann großen Einfluß ausüben und tut es auch. Aber bei den Behörden ist er nicht genug geachtet. Gute Führung eines Gasthauses kann nur die einwand- freie Persönlichkeit des Wirtes verbürgen.(Abg. Torgler: Und die gute Qualität der Ware!) Ich weih, Herr Torgler. daß Sie ein besonderer Kenner sind(Stürmische Heiterkeit.), ich bedcrare nur, daß es Ihnen nicht bester anschlägt. Der Redner wendet sich dann gegen die Arbeiterschuhbestimmungen, der Wirt habe gar nicht die Zeit, alle diese Gesetze zu studieren. Die ausgesprochenen Trinkertypen früherer Zeit gibt es gar nicht mehr, dazu haben gewiß die Gewerkschaften beigetragen, aber auch die Gastwirte selbst. Unter schallender Heiterkeit ergeht sich der Redner dann in Untersuchungen über die Möglichkeit, zu erkennen, ob jemand schon betrunkeu ist; er appelliert dabei an die Ersah- r u ng e n der Zuhörer. Bis z. B. der Schutzmann, der sich doch bei seinem schweren Nachtdienst auch mehrfach„erfrischt", mit einem Gast darüber ins Reine kommt— hat sich der Zustand verändert!(Stürmische Heiterkeit.) Am schlimmsten ist das bei den Akademikern.(Gelächter.) Gewiß, wenn man in später Stunde Leute sieht, die stumpfsinnig immer noch ein Bier trinken, da möchte man ein Instrument haben, um sie ins Bett zu jagen. Ich habe Gemäß§ 2? Zlbsatz 2 de» Dezirksstaluk» beruft der Bezirks- aussthuß des Bezirksverbandes Brandenburg-Grenzmark den diesjährigen ordentlichen Bezirtsparteitag zu Sonntag, den 27. April, vormittags 9.30 Ahr. noch Verlin, Prinz-Albrechl- S troße 5(Landtag). Tagesordnung: l. Die politische Lage(Referent: Genosse Otto Wels, W. d. R.). 2. Geschäftsbericht(Berichterstatter: Wilhelm Krüger). Z. Wahl von zwei Genossinnen zum Bezirksvorstand. 4. Anträge, soweit sie durch vorstehende Tagesordnung nicht erledigt sind. Die Wahl der Delegierten erfolgt entsprechend den Bestimmun- gen des 8 Zl Absah 2«ms den Konferenzen der Unterbezirke. Es sind zu wählen: in llulerbezirkm bis zu 1000 Mitgliedern 3 Delegierte. von über 1000 bis 2000 wilgliederu 4 Delegierte. für jedes weitere angefangene Tausend ist ein weiterer Delegierter zu wählen, wenn die Zahl der Mitglieder im angefangenen Tausend 250 überschreitet. Mehr als S Delegierte dürfen von einem llnterbezlrk nicht entsandt werden. Bei der Wahl der Delegierten sind die weiblichen Parteimitglieder im Verhältnis ihrer Zahl zu berücksichllgen. Wir fordern die Orlsvereiue auf, zu vorstehender Tagesordnung des Bezirksparteitages Stellung zu nehmen. Anträge für den Bezirksparleilag find bis spätestens eine Woche vor seinem Statt- finden bei dem Bezirksvorstand einzureichen. Delegierte, die vom 26. zum 27. April Nachtquartier wünschen. werden gebeten, rechtzeitig ihre Meldungen dem Bezirkssekretariat zugehen zu lassen. Der Bezirksvorstand. Z. A.: Wilhelm Krüger. volles Verständnis für den Standpunkt der Frau(große Heiter- teit), das schönste ist ihr mütterliches Gefühl, nur wird es oft am falschen Objekt angewendet. Der Staat ist keine Gouvernante, deshalb fort mit der Polizefttunde! Nicht die Wirte, sondern die Gäste verlangen längeres Offenhalten.(Widerspruch von den Demokraten.) Sie wissen es, Herr Külz!(Große Heiterkeit.) Es find nicht wenige in diesem Haus, mit denen ich darüber gemeinsame Crfahnmgen habe(lebh. Heiterkeit), wie hochgestellte Männer hinter verhängten Fenstern sitzen und. wenn der Schuhmann klopft, das Heil in der Flucht suchen. Frühe Sperrstunde für Tanzunterhaltungen ist ganz verfehlt, der in den einzelnen deutschen Ländern verschieden. Am Rhein, wo der Kollege Sollmann wohnt, da ist man schon in einer halben Stunde fröhlich, bei uns an der Wasserkante dauert das zwei Stimden.(Große Heiterkeit.) Machen Sie es doch so, wie wir. als wir jung waren, da tanzten wir bis 5 und 6 Uhr. Dam, aber ging jeder nach Haufe. Um diese Zeit sehen die jungen Mädchen auch nicht mehr so verführerisch aus.(Stürmische langanhaltende Heiterkeit.) Abg. Sparrcr(Dem.): Di« Relation von Gaststätten zur Einwohnerzahl läßt sich ohne große Ungerechtigkeiten nicht durchführen. Bedenklich sind auch dle Bestimmungen über die Polizeistunde und über das vollständige Schnapsoerkaussverbot an Lahntagen. Di« demokratische Fraktion wünscht ein solches Verbot nur für Stunden, nicht für den ganzen Tag. Abg. Sickes(D. Vp.): Von einem Anwachsen der Kriminaliiät infolge alkoholischer Exzesse kann nicht gesprochen werden. Di« Todesfälle infolge von übermäßigem Alkoholverbrauch sind zurück- gegangen. In Nordamerika ist die Zahl trotz der Trockenlegung mehr als dreimal so hoch. Zu begrüßen ist das Schnapsverbot für Turn», Spiel- und Spanplage. Mit der Relatianszahl und dem Rcklameoerbot kann die Trunksucht nicht bekämpft werden. Wir bitten um eine Regierungserklärung, wonach die für die süddeutschen Realrechte vorgesehene Frist erst drei Jahre nach dem Jnkrast- treten des Gesetzes ablaufen soll. Abg. Dr. kahl(D. Vp.): Der Zusammenhang zwischen Alkoho- lismus und Verbrechen ist viel stärker, als die Statistik feststellen kann. Zum Glück wird Trunkenheit nicht mehr als mildernder Umstand angerechnet. Mit vollem Recht sind die Bestunniungen über Trunkeichcitsverbrcchcn im neuen Strafgefetzentwurs stark verschärst. Der Wirt täte mir leid, der nicht zu erkennen vermöchte, ob ein Gast betrunken ist, in welchem Fall er ihm nach dem Gesetz nicht mehr Aöahol geben darf. Wir sind mit der Absicht des Gesetzes ein- verstanden, beantragen aber Streichung der Bestimmung, wonach die Konzession bei Nicht- befolgung der Arbeiterschuhoorschrislen entzogen wird. Diese Bestimmung widerspricht der Reichsverfassung insofern, als sie«in« schwere Beeinträchtigung des gewerblichen Mittelstandes be- deutet. Mit den, Zweck des Gesetzes, den Schutz vor Alkoholisnms, hat diese Bestimmung nichts zu tun. Di« Arbeitszeitbestimmui�cn lassen sich nach der Natur des Gnstwirtsgewerbes nicht schein n tisch durchführen. Die Beratung wird abgebrochen. Abg. Haak(Dnat.) bekämpft in einer Erklärung die Darstellung des'Abg. Diez(Z.) vom Beginn der heutigen Sitzung. Präsident Löbe: Für Sonnabend und Montag hoben wir Sitzungen nicht vorgesehen. Sollt« der neue zu ernenneude Reichskanzler darum bitten, so würden wir am Montag zusammentreten. — Da» Haus ermächtigt den Präsidenten. Zeitpunkt und Tages- ordnung der nächsten Sitzung zu bestimmen.— Schluß 17% Uhr. Darmstädter und Nationalbank Glcidisam dem Zu�c der Zeit aadi Kottzftntration folgend, hat das Jahr 193 für Deutsdiland alle Kriscamöglichkcitcn. die für ein Land und deine Wirtsdiaft bestehen, in seine karre Zeitspanne zusaromcngcdranaL Es brachte uns die Aufrollung bedeutsamer innen- und außenpolitischer Probleme, die unsere politische und wirtschaftliche Entwicklung wiederholt in große Gefahren und Schwierigkeiten führte. Die Zuspitzung der Verhältnisse auf den internationalen Geld- und Kapitalmärkten erzwang ferner einen unaiifbaltsamen Niedergang, ja teilweise einen hemmungslosen Zu- samincnbruch an den großen Wcltbörsen, und schließlich lösten die durch die verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik von Reich und Kommunen cr- cine verhängnisvolle Verschärfung erfuhr.-----■___ Der Zustand tiefgehender Depression hält auch im Augenblick der Niederschrift diese» Berichtes an, Denken und Handeln im Wirtschafts- und öffentlichen Leben beherrschend, trotzdem in der Zwischenzeit gewichtige Ursachen der Krise beseitigt oder ihre allmähliche Entfernung durch die seither beschrlttenen Weec der Gesundung erkennbar sind. Dieser seelische Znstand eines großen Volkes ist eine der bedenk liebsten Folgen des Krisen- jahres 1929, und man muß sich mit ihm vielleicht noch mehr beschäftigen, als mit den materiellen Verschiebungen, die dieses Jahr zur Folge gehabt hat. Das deutsche Volk kann sein hartes Schicksal nicht meistern, wenn die starken, in ihm ruhenden Kräfte mit ihrem Reichtum an schöpferischen und konstruktiven Ideen von einem lähmenden Pessimismus, von einer hoffnungslosen Resignation zerstört werden. Es darf zu den großen materiellen Verlusten, die der Verlauf des alten Jahres wieder so deutlich erkennbar gemacht hat, nidit auch noch das Ilauptaktivum einbüßen, das ihm bisher den Wiederaufbau aus den vernichtenden Wirkungen des verlorenen Krieges ermöglicht hat, nämlich den zukunftsfrohen Willen zur Arbeit. Dieser Arbeitswille wird auch über die Enttäuschungen des Jahres 1929 hinweg wieder zum lebenerweckenden Faktor unserer Entwicklung werden, wenn wir den Glauben an uns selbst, an die gesunde Struktur unseres Volks- und Wirtsd:aftskörpers nidit verlieren. Aus diesem Glauben müssen wir die Energien sdiöpfcn, die wir jetzt mehr als ie gebraudien. nachdem das vergangene Jahr in außenpolitischer Ilinsidit ole große Hoffnung begraben hat, die wir an die JtJebcrlcitung des Dawcs-Plancs zu einer neuen, grundlegenden vertraglichen. Regelung der Beziehungen Deutschlands zu den Partnern dieses Planes ____________ W__________— anknüpft_______ Der in diesem Augenblick zum Bestandteil unserer zukünftigen Lebens- grundlag« n werdende Yonng-PIan ist der Gegenstand heftigsten innen- und auficnpolitisdicn Streites gewesen. Auch bei der Schaffung dieses Plaues hat man zu wenig die einem derartigen Vertragswerk notwendigen menschliche» und seelischen Voraussetzungen berücksichtigt und hat sieh im Kampf zwischen Erwünschtem und Erreichbarem zu stark in rciu materielle Forderungen verloren, die nidit das letzte Ziel in der Welt- und Menschheits- oulwioklnng. in dem internationalen Zusammenhang und Zusammenklang der Wohlfahrt eines Landes mit derjenigen der übrigen Länder darstellen können und dürfen. Vielleicht blt dieser zähe Kampf um das Materielle direkt und indirekt dyr Welt viel größere Verluste gebracht, als bei einer rücksichtsvolleren Einstellung zu den Lcistangsmöglidikciten eines mit großen Schwierigkeiten ringenden Volkes rechnerisch für die Weltwirtschaft sonst jemals� eingetreten wären. Audi bei dem Aufbau des Young-Plancs ist. wie häufig bei den Problemen der Gegenwart, die Lösung durch politisdic Kräfte kompliziert worden. Die Pariser Verhandlungen haben sogar zeitweilig währungs- technischc Befürchtungen ausgelöst, die uns seit langem als Schreckgespenst unter dem Begriff Trausfer-Krisis des Dawes-PIenes vorschwebten und die die Ursache waren, daß wir uns zu früh an den Verhandlungstisch gesetzt haben. Gerade diese außerhalb der eigentlichen wirtschaftlichen oder finanziellen Entwicklung stehenden Einflüsse haben die Krisis des Jahres 1929 teils eingeleitet, teils in empfindlicher Weise verschärft. Niemand in Deittschland kann mit der schließlich gefundenen Lösung znfrjcdep sein. Dennoch wird sich das deutsche Volk nncingeschriinkt zu döq Worten seines Rejehfioräsidenten bekennen und den angenommenen Toung-FUn als eine Grundlage unserer bestehenden Verhältnisse hinnehmen müssen. Wir dürfen uns jetzt nicht in einen uferlosen innernolitischen Kampf, der vielfach in parteipolitische Zerrissenheit ausgeartet ist. verlieren, sondern müssen mit entschlossener Energie eine elnheiflicbo Zielsetzung für die Ausgestaltung unseres nationalen Lebens anstreben. Mehr und mehr wächst die Einsicht, daß wir die* privatwirtschaftlichen Grundlagen unseres Landes völlig zerstören, wenn wir(ortfahren, parteipolitisch bedingten staatlichen und sozialen Wünschen, unbekümmert um die Kräfte und Einnahmemöglichkeiten der Wirtsdiaft, ein williges Ohr zu leilren. Man darf die Ausbreitung dieser Erkenntnis, die auch die arbeitenden Massen zu erfüllen beginnt, als ein günstiges Vorzeichen für das Gelingen kommender Reformen auffassen. In diesem Zusammenhang verdient die Tatsache Hervorhebung, daß vor kurzem die gesamte Arbeiterschaft des Stahlwerkes Becker von sich aus an die Wcrksleitung mit dem Angebot herangetreten ist, mit einer 10— 15%igen Lohnsenkung einverstanden zu sein, um so da» große Werk vor der Stillegung zu bc- atten. Kommanditgesellschaft auf Aktien Bericht der persönlich haftenden Gesellschafter wahren, und es muß als ein erfreuliches Symptom verbucht werden, wenn z. B. im Novcmberhcft 1939 der..Sozialistisdien Monatshefte" in einem Artikel„Kapitalbildung" folgende Sätze veröffentlicht wurden;„Wer arm ist, kann nur durch Sparen und Arbeiten wieder zu Wohlstand gelangen. nicht aber durch gesteigerten Güterverbrauch, Diese Binsen wall rneit muß man leider gegenüber manchen Volkswirtschaftslehrern in unseren eigenen Reihen heute ausdrücklich betonen.... Diese Vermehrung des Kapitals muß keine Vermehrung des Privatkapitals sein. Diese ganze Betrachtung ist überhaupt unabhängig von der Wirtschaftsform, sie gilt für ciuc sozia- listische Wirtschaft so gut wie für die kapitalistische. Auch die sozialistische Gesellschaft muß ja„Kapital bilden", d. h. genügende Rücklagen zur Fortführung und Erwcite%ng der Produktion machen. Auch iu ihr gibt es einen Widerstreit zwischen den Menschen der Gegenwart, die möglichst viel verbrauchen, und den Menschen der Zukunft, die sparen und die Produktion verbessern und erhöben wollen. Das ist auch heute die große Frage. Der Sozialist hat alle Veranlassung, die Lage zu sehen, wie sie ist und sich auf die Seite der Arbeit für die Zukunft zu stellen." Wenn sich auf der Grundlage solcher Erkenntnis eine Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erreichen ließe, würden wir die Basis gewinnen, die den menschlichen Ausgleich in dem Gegensatz von Arbeit und Kapital herbeizuführen vermöchte, an dem jeder einzelne von uns das gleiche Interesse hat. Wenn auch der deutsche Kapitalmarkt bisher noch nicht genügend erstarkt ist, so enthalten dio bisher betrachteten Tatsachen doch auch für ihn eine günstige Prognose für die nächste Zukunft. Gerade in letzter Zeit ist auch eine kursmäßige Aufbesserung aller deutschen Rentenwerte im In- und Auslände erfolgt, und die unnatürliche und unberechtigte Spanne zwischen unseren im Auslande notierten festverzinslichen Werten gegenüber ausländischem gleichrangigen Werten beginnt sich zu vermindern. Die notwendige Entwicklung des inländischen Rentenmarktes würde wesentlich gefördert werden, wenn es, was uadi den Ankündigungen des FxnLnz- minlstors zu erwarten ist. zur endlichen Beseitigung der Kapitalertrags- stener käme. Man wird bei der Aufgabe dieser Steuer ebensowenig einen Unterschied zwischen neuen und alten Emissionen machen dürfen, wie man auf die Dauer auch nicht darauf wird verzichten können, die Dividendenwerte in die Befreiung von der Kapitalertragssteuer cinzu- beziehen. Es ist für uns von ganz besonderer Wichtigkeit, daß bei. Beteiligungen des Auslandes an deutschen Werten eine möglichst hohe Kapita- lisicrnng der Rente cintriti, um die Gefahr eines zu billigen Verkaufes von Substanz, die infolge der niedrigen Bewertung unserer Aktieuwertc naheliegt, nicht noch ohne Not zu vergrößern. Wenn man es unternimmt, die Ursachen und vor allem die Wirkungen der starken Depression des Jahres 1929 objektiv zu würdigen, muß man auch diese vorläufig unaufhaltsame Verbesserung des internationalen Geld- und Kapitalmarktes in ihrer Rückwirkung auf die Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft in Betracht ziehen. Ein derartiger Uebcrblick über den Ablauf des alten Jahres in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht läßt erkennen, daß Deutsdiland iu der politischen Uebcrgangszcit zum Young-Plan und der damit verbundenen, in währungstechnischer und finanzieller Hinsicht sehr kritischen Situation außerordentliche Leistungen vollbracht hat. indem es sich ohne Rückgriffsmöglidikeitcn auf den inländischen oder ausländischen Kapitalmarkt durch eine schwere Krisis durchgerungen hat. Diese Tatsache bietet Veranlassung genug, wenn man auch auf Grund der Erlebnisse des Jahres 1929 für die Atmosphäre allgemeinen Mißtrauens und starker Mutlosigkeit Verständnis haben kann, ihr dennoch heute überzeugt entgegen- zutreten. Die produktionstechnischen und betriebstechnischen Grundlagen der deutschen Industrie sind gesund. In diesem Zusammenhang verdient auch die günstige Entwicklung der Zahlen der Handelsbilanz Erwähnung. Deutschland wurde in diesem Jahr zum zweitgrößten Exporteur der Welt, Das muß man um so höher bewerten, als es sich dabei nicht um eine Verschleuderung vorhandener Vorräte, sondern rum allergrößten Teil um Ausfuhr der Fertigwaren- Industrie handelt, die dqmit ihre Konkurrcuzfähigkcit auf dem Weltmarkt trotz aller Zollschranken bewiesen heb Der Exportüberschuß dieses Jahwes ist freilich za einem Teil auch dadurch hervorgerufen, daß der Kaoi'alimoort und damit die Warenefafuhr zurückgegangen ist. Immerhin zeigen die Handels- MIanzen der letzten Jahre dio stetire Fortentwicklung unserer Ausfuhr, die vom Jahre 1926 bis zum Jahre t929 annähernd um> Milliarden Reichem»?' gestiegen Ist. Es ist anrh bemerkenswert, daß der Anteil an �«r Weltausfuhr seit dem Jahre 1924 gleichmäßig gestiegen ist. nämbch von 6,*M;,I?arden»» 6.1� im Tahre 1924 anf 6.5 Milliarden 11.2% im ersten Halbjahr 1929 und 3.5 Milliarden•= 12.0% im dritten Vierteljahr 1929. Der Anteil der deutschen Ausfuhr an der Weltausfuhr betrug demgegenüber im Jahre 1915 15,6%. Es ist notwendig, daß wir auf diesem Wege unsere Leistungsfähigkeit und unsere eigene Kapitalbildung stärken. Wir werden damit auch den Beweis erbringen, daß unsere erhebliche Auslandsverschuldung, im ganzen gesehen, in der richtigen Weise für produktive Zwecke zur Verbesserung unserer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt verwendet wurde. Die Forcierung des Exportes darf freilich auf die Daner nicht unter dem Druck eines nicht entwicklungsfähigen Inlandsmarktes erfolgen, denn die großen Pioduktionsitättcn unserer Industrie bedürfen eines sicheren Rückgriffes auf einen eigenen, großen Absatzmarkt im Inland. Eine freie Entwicklung des Baumarktes ist hierfür eine der unerläßlichen Voraussetzungen. Die noch Immer bestehende Zwangswirtsdia ft im Wohnungsbou sollte jetzt endlich beseitigt werden, um dir privatwirtschaftlichen Kräfte für die auf diesem Gebiet liegenden großen Aufgaben und Möglichkeiten zur freien Entwicklung gelangen zu lassen. Die immer wieder betonte Befürchtung, daß diese Beseitigung noch nidit möglich sei, können wir nicht teilen. Die Erfahrung lehrt, daß die Aufhebung staatlicher Zwangsmaßnahmen die privatw�rtBchafi- Hdic Initiative belebt und damit die wirtschaftliche Entwicklung in gesunder Weise fördert. Die bestehende Besserung auf dem Kapitalmarkt dürfte diu Möglichkeit bieten, die Aufhebung der Wobnungszwongswirtschaft herbeizuführen. Dio weitere Versdiärfung der Krisis unserer Landwirtschaft im Jahre 1921 /v I.» 4..•: ,J- T.......1.,.- ivilfinrliv y.,,«i n!.•«.- j �., n n« V,.. hing der einzelnen Aufgaben dieses gesamten Fragenkomplexes in einer langen Zeitspanne erfolgen kann, wobei der Schwerpunkt bei der intensive,» Behandlung einer agrarischen Vercdlungswirtsdiaft liegen muß. Wir werden auf diese Weise auch zu der notwendigen� Senkung des Importe- an Agrar- des Jahres hervorgetreten, als seine Belebung nidit einmal durdi die Tatsache bewirkt werden konnte, daß die großen Verbände iu der Eisenindustrie für 10 Jahre in besonders festgefügten Formen zustandegekommen waren. Das kann aber die große Bedeutung und Tragweite dieses t'rcigDisfcs nicht herabmindern, das die Gewährleistung für eine ruhige und stetige Entwicklung dieser ausschlaggebenden Industrie in sich birgt. Es ist eine Konsequenz ihrer natürlichen Aufgaben, daß die Banken in Zeiten wie den gegenwärtigen mehr als andere Unternehmungen den Rück- Wirkungen aller Krisenerscheinungen und ungünstigen Ereignisse ausgesetzt sind. So hat auch die Entwicklung an den Börsenmärkten ihr Eingreifen in besonderer Weise notwendig gemacht. Die Banken waren zwar außerstande den kursmafiigen Enfw-crtungspozeU aufzuhalten, haben aber doch in der schwierigen Periode, in der die Effekten vom In- und Auslände gleichzeitig in verstärktem Maße angeboten wurden, durch eine intensive einzelne und allgemeine Iiitenentionstäiiffkclt eine hemmend wirkende Kursrcgulioruug vornehmen können. Trotzdem blieb die Börse nuter dem Einfluß der Vertrauens- kriso und der Atmosphäre vou Depression und Nervosität, und es bat sich allmählich ein Kursnncau sowohl in den festverzinslichen Werten als fn den Aktien gut fundierter Unternehmungen herausgebildet das seihst nnt�p Berücksichtigung der vielen koniunkturollcn Schwierigkeiten eine objektive und sachliche Begründung nicht mehr finden kann. Die veränderten Geld- und KapitalmarkJverhiÜtmsse des In- und Auslandes können auf die Dauer nicht v ,l u<,r-r_1vor�'cJ'Ü3". Bewertung aller AUncn ergibt sieb laut Ccuinu- unJ Z crlnstfconto unter binrcrbnun; des Gcwinnvortrages per ItrtS in Illihe vuii RM. 3 050 540.20 C,NaBrfcnnV0U'*'*......,«.....««39«,«: der"SeÄ1'0"'0 �*........»T06 0.8.60 verbleibt ein Reingewinn von dessen VcrteiluBS wir wie folgt votstbiagew'' DMdende........ Tantieme da« Antildjtsrets., �' Zuwendung an dco Peniionsfond« für Beamte. so dafl als Vortrag anf neuo Rechnnnc 7�68 731.25 insgesamjj 69 97. 769.-3 .....» 79, 172,>7 EM. 7 200 000.— «oeeo,— 1 000 000.— iasgesunt; 8 680 000.-, rxrbleibcn. RM. 3 119172.17 Berlin, im Märe 1930. Die persönlich haftenden Gesellschafter Dr. Behelm-Sdrwertbech Bodenbeimer Goldichmidf Dr. Rolls Dr. Strube