BERLIN Mittwoch 2. April 1930 Der Abend erfoeist täglich anger Sonntag Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 8 10 Pf. Nr. 156 B 78 47. Jahrgang 66 anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezetle Spätausgabe des„ Vorwärts" 80 M., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Boffchedkonto: Vorwärts- Berlag G. m. b. H., Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Donboff 292 bis 297 Breitscheid greift an! Begründung des sozialdemokratischen Mißtrauensantrages. Die Aussprache über die Erklärung des Kabinetts Brüning ist im Gang. Die Hoffnungen des Kabinetts beruhen auf den Deutschnationalen die Deutschnatio. nalen wieder machen ihre Entscheidungen abhängig von bestimmten Erklärungen der Reichsregierung, die sie noch heute erwarten. Entweder Sturz, oder scharfe Hervorkehrung des Bürgerblod charakters- ein Drittes gibt es für das Kabinett Brüning nicht! Bei unvermindertem Interesse und Andrang begann heute mittag bie Debatte über die Programmerklärung des Rabinetts Brüning Ms erster Redner sprac Abg. Dr. Breitscheid( Soz.): Dem Dant an das scheidende Kabinett Hermann Müller, den der neue Reichstanzler gestern ausgesprochen hat, schließen wir uns aus vollem Herzen und in vollem Wortlaut an. Jeder weiß, wie groß die Schwierigkeiten sind, die gerade der Leiter cines Rabinetts der Großen Koalition zu überwinden hat. Reichs fanzler Müller hat diese Aufgabe übernommen im vollen Bewußt sein des steinigen Weges, den er damit betrat. Hier mußte eine Regierung zusammengehalten werden, deren einzelne Bestandteile in mehr als einer Beziehung nach ihrem Programm, nach ihrer ge Rudolf Breitscheid schichtlichen Entwidlung, nach den Schichten und Intereffen, die sie in erster Linie vertreten, auseinanderstreben. Meinungsverschieden heiten und Gegensätze bestanden vor allem ganz naturgemäß zwischen den beiden großen Flügelparteien dieser Koalition, der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei. Und immer wieder mußten der Reichstanzler wie die beteiligten Gruppen den Weg suchen, den diese beiden großen Flügelparteien gemeinsam betreten fonnten. Das war eine dornenvolle Aufgabe und trotzdem ist uns ihre Lösung durch eindreiviertel Jahre gelungen, bis schließlich das Kabinett Müller an einer Frage gescheitert ist, in der die Kluft namentlich zwischen den beiden Flügelparteien unüberbrückbar geworden war. Diese Zeit der gemeinsamen Arbeit in der Großen Koalition hat Opfer von uns gefordert. Ohne solche Opfer ist ja überhaupt eine Roalitionsregierung nicht denkbar. Niemand wird bestreiten können, daß die Sozialdemokratie große Opfer während dieser Zeit gebracht hat( andauernde Gegenrufe der Kommunisten). Wir haben auf manche Forderungen verzichtet und uns auf manchem Gebiet beschränken müssen. Bir leugnen nicht im allergeringsten, daß auch andere beteiligte Gruppen Wünsche und Forderungen zurückgestellt haben. Wir sind diesen Weg gegangen nicht mit Begeisterung und nicht aus Sentimentalität, sondern weil es keine andere regierungsfähige Mehrheit im Hause gibt, und weil wir das Staatsschiff nicht Gefahren aussehen wollten, die bei einem Abweichen von der parlamentarischen Linie für unvermeidlich gehalten werden mußten und heute für unvermeidlich gehalten werden müssen.( Bustimmung der Soz.) Reichsbanner heraus! Das Berliner Reichsbanner veranstaltet heute, um 20 Uhr, auf nachstehenden Plätzen vier große Kundgebungen: Rudolf- Wilde- Platz vor dem Schöneberger Rathaus( Kreis Westen). Brunnenplatz( Kreis Norden). Oranienplatz( Kreis Sülden). Küstriner Platz( Kreis Often). An die Kundgebungen schließen sich ausgedehnte Ummärsche durch den entSprechenden Stadtteil an. Alle Republikaner werden aufgefordert, an diesen Kundgebungen, für die das Thema der Mahnruf. Volk hab' acht!" gilt, teilzunehmen. eine einzelne Bartei, die nicht start genug ist, allein zu regieren, fich nicht auf eine Opposition beschränken will, die ganz auf Agitation abgestimmt ist, so lange find wir im Reichstag auf Roalitionen angewiefen. Die Bartei, die die größte in diesem Reichs. tag ist und die die größte im nächsten Reichstag fein Umständen immer auch der Reichstag sein Ende finden wirdwird( Geschrei äußerst fints und äußerst rechts), unter welchen diese Partei wird auch in der Zukunft stets bereit sein, die Mitverantwortung zu übernehmen, die sie mit den von ihr verfochtenen Jdeen und mit den Interessen der durch sie vertretenen Schichten für vereinbar halten kann. Es ist überflüssig zu sagen, daß uns die Notwendigkeit, in die Opposition zu gehen, nicht im allergeringsten schreckt.. Parteipolitisch ist uns die Opposition zu jeder Zeit aus. gezeichnet betommen; sie wird es auch jezt. Aber unter allgemeinen, unter staatspolitischen Gesichtspunkten gilt das Wort, das der Führer der Deutschen Volkspartei vor zehn Tagen in Mannheim gesprochen hat: Auf die Dauer läßt sich nicht ohne und gegen die Sozialdemokratie regieren."( Sehr wahr!) Dr. Scholz hat damit vollständig recht gehabt, und es ist nur schade, daß seine politi schen Freunde die Wahrheit sobald vergessen und in den Wind ge schlagen haben. Woran ist die Große Koalition in dem Augen blid gescheitert? Es war bekannt, daß es in Fragen der fozialpolitischen Gefeßgebung, namentlich in der Frage der Arbeitslosenversicherung, Grenzen gibt, die von der Sozialdemokratie nicht überschritten werden. Nichts ist verfehlter als die Behauptung, daß der Streit sich entzündet habe an einer Bagatelle von 70 Millionen, die zur Ausbalancierung des Etats der Arbeitslosenversicherung für den Augenblick fehlten. Uns allen, die wir in der Großen Koalition zusammenarbeiteten, war der Ausgangspunkt, daß die Finanzen des Reichs saniert werben, auf eine feste und sichere Basis ge= stellt werden müssen. Wir Sozialdemokraten waren bei Dieser Sanierung, das heißt bei der Schaffung neuer Steuern, auch solcher, die auf den Konsum fielen, bereit mitzu wir en, da uns die Sicherung des Etats und die Beseitigung der Gefahren immer wiederkehrender Rassenschwierigkeiten volltom men bekannt waren und wir sie auch im Interesse der Arbeiterschaft( lärmende Rufe der Komm) zu beseitigen für notwendig hiel. ten. Die Sozialdemokraten waren auch bereit, die Möglich feiten der von den bürgerlichen Parteien geforderten Steuer. lentung, vor allem bei den Realsteuern und der Ausgabensen. fung, zu prüfen, obwohl wir uns hier die letzte Entscheidung vorbehielten und sie von dem Stand der öffentlichen Finanzen im nächsten Jahre abhängig gemacht sehen wollten. Wir beurteilen diese Finanzen skeptischer und kritischer, als es die bürgerlichen Parteien getan haben. Wir hatten weiter mitgewirkt, immer unter dem erwähnten Vorbehalt, daß die geplanten Ausgabenfenfungen von uns mitgetragen und mitverantwortet werden können. Betriebs- und Gewerkschaftsfunktionäre! Montag, den 7. April, abends 71% Uhr, in den Musikersälen, Kaiser- Wilhelm- Str 31 Funktionärkonferenz Die Große Koalition hat ihr Ende gefunden, aber die kom. binationen im parlamentarischen Leben sterben nie einen endgültigen Tod.( Hört, hört und Gelächter der Kommunisten.) Ich kann mir sehr wohl denken, daß eine Zeit kommt, in der dieselben Erwägungen, die für uns eindreiviertel Jahr Tagesordnung: 1. Die politische Situation im Reich". hindurch maßgebend gewesen sind, wieder bestimmend werden tömen.( Sehr wahr, bei den S03, Geschrei der Komm.) So lange Man tann uns also wahrhaftig nicht den Vorwurf einer demo. gogischen Politik machen.( Zustimmung der Kommunisten.) Ich freue mich, dabei Ihren Beifall zu finden.( Sehr gut.) Die Bedingungen, die wir stellten, waren, daß gleichzeitig die Deckung des Bedarfs der Arbeitslosenversicherung gewährleistet sei, ohne daß ihre Leistungen gefährdet werden dürften. Unter diesen Bedingungen waren wir bereit, die Regierungsvorlage Dom 5. März anzunehmen, die u. a. die Erhöhung der Beiträge auf 4 Proz festsette. Aber diese Regierungsvorschläge waren sehr bald in Frage gestellt und aufs neue diskutiert worden, mit der Absicht, fie abzuändern. Ich kann hierbei der Zentrumsfraktion den Borwurf nicht ersparen, daß fie von dem Grundfah abgewichen ist, den sie mit großem Nachdrud vertreten hat, daß die Regierung führend fein müsse. Noch vor kurzem hat Dr. Brüning por seinen Parteifunktionären in Köln erklärt, daß es das Ende der Demokratie sei, wenn eine Partei das Finanzprogramm ihres eigenen Ministers im Stiche läßt und auf Agitations politit ausgeht. Das waren harte Worte an die Deutsche Volkspartei von einem Manne, der in den letzten Monaten immer wieder gefordert hat, die Regierung müsse führen und ihre Vorlagen vor dem Parlament zur Entscheidung bringen! Im vorigen Herbst ist es uns gelungen, mit dem Zentrum zusammen eine Reform der Arbeitslosen. versicherung durchzuführen, während die Deutsche Volkspartei sich bei der entscheidenden Abstimmung der Stimme enthielt. Das Zentrum sah mit uns die ungeheuer große Gefahr, die darin liegen würde, wenn ein Abbau der Leistungen der Arbeitslosenbersicherung erfolgte. Den Fehlbetrag der Arbeitslosenversicherung hat die damalige Regierung mit 410 Millionen angesetzt. Davon würden 140 Millionen gedeckt worden sein, wenn die 3½ prozentige Beitragszahlung auf das ganze Haushaltsjahr ausgedehnt worden wäre. Außerdem sollten durch einen festen Reichszuschuß 150 Millionen aufgebracht werden. Es fehlten also noch 120 Millionen, wovon 50 Millionen aus dem sogenannten Notstock der Arbeitslofenversicherung gedeckt werden sollten. Es blieb also ein ungedeckter Rest von 70 Millionen. Wir haben von vornherein lebhafte Zweifel daran gehabt, ob nicht diese ganze Berechnung angesichts der Wirt. schaftslage und bes Arbeitsmarttes piel zu günstig sei. Es ist dabei eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 1,2 Millionen zugrunde gelegt. Und da wir an Wunder num einmal nicht glauben, war diese Zahl für das nächste Gtatsjahr nach unserer Meinung anzunehmen Nach dem Kompromißantrag sollten die Deckung des Fehlbetrages und die Leistungen erst im Herbst geregelt werden, well die neuen Steuern und die Beitragserhöhung erst im Herbst wirksam geworden wären. Es wäre also in diesem Moment für die Sanierung der Arbeitslosenversicherung praktisch nur die Herab. setzung der Leistungen übriggeblieben. ( Hört, hört bei den Soz.) Man hat uns gesagt, wir sollten warten, bis im Herbst die endgültige Entscheidung erfolge. Aber uns Mang in den Ohren der Ruf, den der sozialpolitische Sachverständige der Ohne Parteibuch und Funktionärkarte kein Zutritt. Deutschen Volkspartei ausgestoßen hatte, daß sie es als unerläßliche Referent: Reichsarbeitsminister a. D. R. Wissell.- 2. Wahl der 3 Vertreter zum erweiterten Bezirksvorstand. Das Betriebssekretariat. Bedingung betrachte, jetzt eine Regelung der Arbeitslosenversicherung vorzunehmen, das heißt, daß der Leistungsabbau im Sommer unbedingt gewährleistet werden müßte.( Lebhaftes Hört, hört bei den Sozialdemokraten.) Diese Gefahr fonnten wir nicht zulassen. Der Finanzminister Moldenhauer nahm den Standpunft ein, daß feine Finangsanierung möglich sei, so lange nicht die Arbeitslosenversicherung tatsächlich saniert ist. Obwohl man nun die Arbeitslosenversicherung nicht saniert, glaubt man an die Finanzsanierung mit großen neuen Steuern herangehen und trotzdem für das nächste Jahr Steuersenkungen versprechen z können! Diesen Weg mitzugehen, find wir nicht in der Lage gewesen. Der Redner zitiert Ausführungen des Deutschen", des Organs der christlichen Gewerkschaften, in denen den Unternehmern zum Borwurf gemacht wird, sie wollten zuerst an den Arbeitslofen sparen. Noch nach dem Rücktritt des Kabinetts Müller habe dieses Blatt geschrieben, daß jegt die Laften auf die Schultern der Massen gelegt werden sollen, daß man mit dem Sparen bei der Sozialversicherung beginnen wolle. Eine solche Politik müsse mit den schärfsten Mitteln befämpft werden. Keine Regierung dürfe es wagen, die Sozialpolitik abzubauen, insbesondere nicht die Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Die neue Regierung wird sich sehr wohl hüten, ihr Programm des Abbaus der Sozialversicherung vor der Deffentlichkeit zu verkünden. Aber es ist nicht zu bezweifeln, daß es dazu kommen wird, wenn der Weg gegangen wird, den das von uns abgelehnte Kompromiß vorgezeichnet hat und das der Anlaß zum Sturz der Regierung Hermann Müller gewesen ist. Wie ist das neue Kabinett zustande gekommen? Es hat einen Vorzug, den der Schnelligkeit, mit der es sich dem Reichstag vorstellen konnte. Es entsteht aber die Frage, ob nicht diese Firigkeit auf Kosten der Tüchtigkeit geht. Ist diese Schnelligfeit nicht vielleicht eine Folge der Borgänge, die noch zu Lebzeiten des Kabinetts Müller zu beobachten waren? Hat man nicht schon damals für einen Ersag gesorgt? Von dem gegenwärtigen Reichskanzler glaube ich nicht, daß er an einem solchen Intrigenspiel beteiligt war. Er ist ehrlich bemüht gewesen, die Große Koalition beieinander zu halten. Aber es hat andere Leute gegeben, die ungeduldig im Borzimmer der Krankenstube ftanden, um nicht den Moment zu verpassen, wo sie die Erbschaft antreten fonnten. Dann hat eine sehr hohe Stelle eingegriffen und der Verfassung eine Auslegung gegeben, die dem Sinne und dem Wortlaut der Verfassung nicht entsprach. Brüning hat dann dem Wunsche dieser hohen Stelle entsprochen, er hat sich bemüht, Herrn Schiele, bisher Mitglied der deutschnationalen Fraktion und heute noch Mitglied der Deutschnationalen Partei, sowie den Abge ordneten Treviranus von den Volkskonservativen in sein Kabinett aufzunehmen. Herr Schiele ist unter besonders merkwürdigen Umständen in das Kabinett gekommen. Ich will die Absichten, die Herr Brüning mit dieser Berufung gehabt hat, nicht untersuchen, befonders, weil er in der Deffentlichkeit noch nicht darüber gesprochen hat. Herr Schieie ist jetzt zwar aus seiner Frattion, aber nicht aus seiner Partei ausgetreten. Schiele erscheint im Kabinett sozusagen inkognito.( Heiterkeit.) Das kann nichts anderes heißen, daß man nach außen dokumenfieren möchte, als ob man mit der deutschnationalen Fraktion nichts zu tun habe. Das soll heißen, wir grüßen die Leute unter Hugenberg nicht Unter den Linden, aber wir können uns vielleicht vertragen, wenn mir zuhause sind.( Heiterkeit.) Mit vollen Händen werden jetzt agrarische Ver sprechungen gegeben. Was soll das bedeuten? Doch nur so viel: ein rechter Regierungsmann kann keinen Hugenberger leiden, doch seine Stimme nimmt er gern.( Stürmische Seiterkeit.) Das Agrarprogramm des neuen Kabinetts verspricht eine Menge schöner Dinge, die jedoch im einzelnen nicht genannt werden. Bon uns werden Sie nicht verlangen, daß wir diese agrarische Rage im Sad laufen. Aber wenn wir wissen wollen, wie diese Einzelheiten aussehen, so müssen wir uns an den jebigen Ernährungsminister halten, der noch bis in die legte Bergangenheit hinein in Anträgen an den Reichstag die Forderungen der Grünen Front vertreten hat. Die Kölnische Boltszeitung" hat die Neubildung der Regierung mit dem Hymnus begrüßt, daß nunmehr die Frontkämpfergeneration an die Regierung gefommen sei. Wir haben den Eindruck, als ob die grünen Fronttämpfer an die Regierung gekommen sind.( Heiterkeit.) Die Regierungserklärung hat sich in den Agrarfragen in all gemeinen Ausdrücken bewegt. Seit Jahren haben wir amei Gruppen in der Agrarpolitit. Die eine Gruppe, die mit der Wirklichkeit rechnet und die auch von der Sozialdemokratie unterstützt wird und die andere Gruppe, die demagogische Programme aufstellt. Wenn die neue Regierung versuchen wollte, die von Herrn Schiele aufgestellten Programmpunkte in die Wirklichkeit umzusehen, so würde sie die Staatsfinanzen in eine furchtbare Kreise stürzen ( Sehr wahr! links.) Unter dem Kabinett Müller sind mehr als 100 Millionen Mark für die Umschuldung und Lastenerleichterung der Landwirtschaft, besonders in Ostpreußen, gegeben worden. Allerdings ist erst durch die Entfendung eines Staatsfommiffars ein strengerer Maßstab bei der Berteilung der Mittel angelegt worden, vorher wurden Dutzende von Millionen verschleudert. ( Sehr wahr! links.) Von den Chriftlich- Sozialen werden dem Redner lärmende 3urufe gemacht. Breitscheid ruft den Abg. Hepp und Döbrich zu:„ Wenn Sie Ihre Zeit statt im Barlament auf Ihren Gütern zubringen würden, dann würde das für das Parlament und für Ihre Güter von Nugen sein."( 3ustimmung links, Lärm bei den Deutschnationalen.) Borläufig fann es sich also entweder. mur um ein leeres Gerede zur Täuschung der Landwirtschaft handeln; aber wollen Sie doch das Landbundprogramm verwirklichen? Etwa den Antrag, den Herr Schiele noch vor einigen Tagen unterschrieben hat, wonach fünf Jahre lang jährlich 200 millionen Mart, also im ganzen 1 miliarbe, unter Ausschaltung der Kontrolle des Reiches an die Landwirtschaft gegeben werden sollen? Wollen Sie das Programm der bisherigen Regierung verlaffen und zu einer hemungslosen Subventionspolitit übergehen, die die Finanzer des Reichs in eine hoffnungslose Lage bringen müßte? Den Vertretern der städtisch en Boltsschichten in dem neuen Kabinett tann man zu diesen agrarischen Forderungen nur gratulieren. Das Kabinett Müller hat es für seine Aufgabe gehalten, die Interessen der landwirtschaftGeschäftstüchtiger Landgerichtsrat. Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Nicht ganz alltägliche Dienstvergehen eines| haben, desgleichen auch einen Kraftwagen im Preise von Land- und Amtsgerichtsrats stehen heute morgen 9000 Mt., den er drei Tage später für den halben Preis verkaufte. zur Berhandlung vor dem kleinen Disziplinar- Es wurde ihm ferner zur Last gelegt, vordatierte Schecks ohne fenat des kammergerichts. Die Kulissen für diesen Deckung ausgestellt zu haben und einem seiner Bekannten GefälligFall bilden die Kriegsereignisfe. teitswechsel gegeben zu haben, damit dieser den Kraftwagen ausLand- und Amtsgerichtsrat Michael Hirschberg, der sich lösen fönne. Die Voruntersuchung war zwar eröffnet worden, der zu verantworten hat, ist als Reichs deutscher in Odessa geboren. Landgerichtsrat aber außer Berfolgung gesetzt; das mun gegen ihn eingeleitete Disziplinarverfahren erstreckt sich außer Sein Vater war hier Getreideerporteur und Agent und kehrte im Jahre 1915 nach furzer Internierung in Rumänien nach Deutschland auf die eben erwähnten Fälle auf zurüd. Auf Grund der Gewaltschädenverordnung machte er als Auslandsdeutscher dem Reich gegenüber Entschädigungsansprüche geltend. Die Hoffnungen auf die Zahlung dieser Entschädigungen führten zu den eigentümlichen Geschäften des Herrn Landgerichtsrats. Der Angeklagte hat in Berlin Jura studiert und war im Jahre 1925 Landrichter beim Landgericht I geworden. Schon im ersten Jahre seiner richterlichen Tätigkeit erhielt er eine Mahnung wegen Unpünktlichkeit. Diefer folgte im Jahre 1927 vom Landgericht II eine Rüge und eine weitere Mahnung und im Jahre 1928 noch eine Mahnung wegen Bürgschaften, die er den Gläubigern eines Freundes geleistet hatte, obgleich er selbst nichts besaß. Im Jahre 1928/29 beging er die Verfehlungen, die zur Einleitung eines Strafverfahrens und dann auch eines Disziplinarverfahrens führien. Es wird dem Landgerichtsrat zur Last gelegt, daß er sich des Ansehens und des Vertrauens eines Richters unwürdig gezeigt, daß er seine Pflichten als Richter verlegt, Schulden und vier weitere Fälle von Wechselgeschäften. Die Familie des Angeklagten hatte vom Reichsentschädigungsamt im Laufe der Jahre 16 000 m ausbezahlt erhalten. Die Höhe der Schlußentschädigungssumme, die in das Reichsschuldbuch eingetragen murde, aber erst im Jahre 1940 fällig war, machte 32 000 m. aus. Die Schulden des Landgerichtsrats, die am 1. Januar 1928 fich bereits auf 17 500 m. beliefen, betrugen am 1. Januar 1929 31 000 m. Der Angeklagte erklärt, daß er felbft eine äußerst bescheidene Lebenshaltung führte, daß seine großen Ausgaben in der Hauptsache durch die mißlichen Vermögensverhältnisse seiner Familienmitglieder, seiner Schwester und Mutter, verursacht worden seien. Ein großer Teil der Schulden sei bereits durch seinen Schwager beglichen. Zur Erörterung gelangen die einzelnen dem Landgerichtsrat zur Laft gelegten Fälle. Der Vorsitzende erklärt, daß als erster der Fall Rempel besprochen werden soll, der eventuell prozessuale Folgen haben könnte, d. h. daß der Senat sich eventuell gezwungen sehen könnte, das Disziplinarverfahren abzubrechen und ein Strafverfahren zu beantragen. bedenkliche Kauf-, Wechsel- und andere Geschäfte gemacht und den Behörden falsche Auskünfte über seine Bermögensverhältnisse erteilt habe. Ferner wird ihm vorgeworfen, daß er seine In diesen Fall spielen seguelle Dinge hinein, die den StaatsDienstgeschäfte nicht ordentlich geführt habe. Gegen den Land- anwalt veranlassen, wegen Gefährdung der Sittlichkeit Ausschluß gerichtsrat war auch ein Strafverfahren wegen Betruder Deffentlichkeit zu beantragen. Die Deffentlichkeit wird tatsächlich ges und Urkundenfälschung eröffnet worden. Er wurde ausgeschlossen und die Pressevertreter müssen den Gerichtsjaal beschuldigt, gegen Wechsel einen Grammophonapparat erworben zu verlassen. lichen Erzeuger mit denen der Verbraucher in Einklang zu bringen. Die Sozialdemokratie hat attiv an dieser Politik mitgewirkt, meil fie weiß, daß auch den landwirtschaftlichen Erzeugern angemessene Preise für ihre Produkte gewährt werden müssen. Die Sozialdemokratie war auch an der Zollregelung beteiligt, weil sie einen Ausgleich zwischen der Landwirtschaft und den anderen Kreisen der Bevölkerung anstrebt. Sie konnte das um so mehr, weil sie zugleich einen angemessenen Verbraucherschutz sichergestellt hat. Das Kabinett Müller hat das Einfuhrscheinsystem, diese sinnlose Exportprämie und Verschleuderung von Volksvermögen in mäßigen Grenzen gehalten. Will Schiele jetzt etwa wieder erneut durch eine maßlose Steigerung der Breise diese Exportprämie schaffen und Hunderte von Millionen aus Reichsmitteln verschleudern?( Sehr wahr, links.) Wenn das Kabinett die Forderungen der Grünen Front verwirklichen will, dann wird unser Handelsvertragssystem zerschlagen, dann ist auch der Han delsvertrag mit Polen gefährdet, dann müssen die Lasten der Arbeitslosigkeit in unermeßlicher Weise steigen. Der Reichskanzler hat von Sparen gesprochen, aber wenn er das Programm der Grünen Front verwirklichen will, dann wird es dem Reich Hunderte von Millionen fosten.( Sehr wahr! links.) Ich frage diejenigen Regierungsparteien, die nicht unter der Grünen Front stehen:„ Wollen Sie durch die Schielesche Agrarpolitik unsere Handelspolitik zerschlagen lassen? Das muß die Folge fein, wenn Sie dabei helfen, die bisherige Politik zu zertrümmern." Im neuen Kabinett fizt weiter Herr Treviranus, der zuerst erklärt hatte, daß Curtius nicht mehr Außenminister sein dürfe. Vorläufig hat man dann ja Herrn Curtius in feinem Amt gelaffen. Der Reichskanzler hat jetzt davon gesprochen, daß die auswärtige Politit organisch fortent wickelt werden soll. Was bedeutet das? Im Sinne der alten Regierung oder im Sinne der neu hinzugekommenen Minister? In dem jetzigen Kabinett sitzen doch drei Herren, die Gegner der Young- Gesetze waren. Die Boltspartei hat früher immer erklärt, daß die Young- Gesetze das Erbe Stresemanns seien, für das sie sich mit allen Mitteln einfetze. Jetzt ist aber die Boltspartei damit einverstanden, daß drei setze. Jetzt ist aber die Volkspartei damit einverstanden, daß drei Gegner der Young- Gesetze zu deren Durchführung berufen werden. Herr Minister Treviranus, der gegen die Befreiung der befehten Gebiete gestimmt hat, soll jeht dazu ausersehen sein, die befreite Bevölkerung zu begrüßen.( Sehr wahr, lints.) Einer der Gegner der Young- Geseze ist ja auch Herr Schiele, der den§ 4 des Hugenbergschen Boltsbegehrens mit unterschrieben hat. Heute fitzt er mit den männern in der Regierung zufammen, die er damals ins Zuchthaus schicken wollte.( Beifall und Heiterkeit.) Wenn dieses Kabinett einen Namen verdient, so müßte man es das Kabinett der christlichen Nächstenliebe nennen, das alle früheren Sünden seiner Mitglieder zudeckt.( Heiterkeit.) Der Reichskanzler hat erklärt, daß er mit allen vetfassungsmäßigen Mitteln fein Programım durchzuführen gedenke. Er hat deutlich mit dem Artikel 48 der Reichsverfassung gedroht. Dieser Artikel gilt aber nur für den Fall, wenn die öffentliche Ruhe und Sicherheit gefährdet ist. Wenn wir fragen, ob diese Borausfehung vorliegt, fo müssen wir mit einem glatten ein antworten. Das Kabinett rechnet mit Schwierigkeiten in der nächsten Zeit. Aber auf Mutmaßungen darf man nicht die Anwendung des Art. 48 aufbauen. Esgabein Mittel, um die jetzigen Schwierigkeiten zu beseitigen. Sie brauchten nur die frühere Regierungsvorlage wieder herzustellen. Das Zentrum wußte, daß eine Mehrheit in diesem Haufe ist, die mit ihm, gemeinsam dieses Finanzprogramm durchführen wollte. Statt deffen droht Herr Brüning jetzt mit der Auflösung des Reichstags und mit Art. 48. Die öffentliche Ruhe ist allerdings gestört worden, als Herr Schiele mit dem Aufstand der deut schen Bauern gedroht hat. Hier hat man allerdings nicht die verfassungsmäßigen Mitel angewen det, sondern man gibt den Agrariern neue Ver. sprechungen. Würden Sie solche Versprechungen auch geben, wenn statt der schwarzen Fahne des Landbundes die rote Fahne der Erwerbslosen tehen würde? Der Redner erklärt zum Schluß, daß die Sozialdemo kratie sich von dem Art. 48 nicht schrecken lasse. Er warnt den Reichskanzler Brüning, sich auf diesen gefährlichen Weg zu begeben, von dem man wohl den Anfang, aber nicht das Ende wisse. Die Sozialdemokratie will eine ruhige Fortentwicklung auf dem Boden der Verfassung, sie will keine weitere Kluft zwischen den Parteien, die zur Erhaltung der Verfassung berufen sind! Was wir wollen, das ist ein Staat, den wir verteidigen und den wir stützen könmen!( Stürmischer Beifall bei den Soz.) Die Rede, mit der Genosse Breitscheid die heufige Reichstagsdebatte eröffnete, gestaltete fich zu einem großen parlamentarifájen Ereignis. Mit Ausnahme der Deutschnationalen, die in ihrem Frattionszimmer qualvolle Beratungen abhielten, hatte sich das ganze Haus um den Sprecher versammelt und verfolgte seine Ausführungen mit außerordentlicher Spannung. Mit erhobener Stimme und größtem Nachdrud wies er darauf hin, daß eine Verlehung der Verfassung durch unzuläffige Anwendung des Artikels 48 zu den verhängnisvollsten Folgen für Staat und Wirtschaft führen müsse. Er schloß mit einem flammenden Appell zum Kampf. in dem die Sozialdemokratie den heutigen Staat, die Republik, mil allen Kräften verteidigen werde. Nachdem sich der braufende Beifall gelegt hatte, nahm der Zenfrumsabgeordnete Esfer das Wort, um für seine Partei zu erklären, daß sie alle erdenklichen Anstrengungen zu machen bereit sei, um eine Lösung der augenblicklichen Schwierigkeiten auf parlamentarischem Wege herbeizuführen. Schiele an Hugenberg. Die Begründung des Parteiaustrittes. Die Pressestelle des Reichslandbundes verbreitet den Brief des jezigen Reichsministers Schiele an den deutschnationalen Parteführer Geheimrat Hugenberg, in dem Schiele seinen Eintritt in die Regierung Brüning begründet. Schiele weist auf die immer bedrohlicher werdende Notlage der Landwirtschaft, namentlich im Often, hin, sowie auf den persönlichen Wunsch des Reichspräsidenten, daß er, Schiele, als Fachminister die in dem Brief Hindenburgs an den Reichskanzler geforderte Hilfsaktion durchführe. Um diese Aufgaben bei den gegenwärtig gegebenen politischen Verhältnissen erfüllen zu können, bedürfe er der Handlungsfreiheit. Aus diesem Grunde und auch um der Partei und ihrer Reichstagsfraktion die in der Fraktionsgemeinschaft liegenden Bindungen abzunehmen, habe er sich veranlaßt gefehen, sein Mandat aufzu geben und demzufolge auch sein Amt im Parteivorstand niederzulegen. Ich habe," so fährt Schiele fort,„ mich zu diesem Schritt nach 16jähriger Zugehörigkeit zur alten konservativen und seit ihrem Bestehen zur deutschnationalen Reichstagsfraktion nach ernsten Erwägungen entschlossen. Meinen politischen Freunden werde ich innerlich immer verbunden bleiben. In der festen Ueberzeugung, daß der erste Schritt zur nationalen Freiheit und zum wirtschaftlichen Wiederaufbau unseres Vaterlandes sowie zur so zialen Einigung unseres Boltes eine zielbewußte Agrar- und Ostpolitik ist, habe ich das mir angetragene Amt angenommen. Ich bin mir bewußt, daß hierüber Unterschiede in den Auffassungen zwischen Ihnen und mir bestehen. Unserer Vereinbarung gemäß teile ich Ihnen meinen Entschluß und meine Beweggründe auch noch schriftlich mit." An den Frattionsvorsitzenden Oberfohren fandte Schhicle ein Schreiben, in dem er sagt, daß er sich dem an ihn ergangenen Ruf landwirtschaftlicher Berufsorganisationen nicht entziehen konnte. Keine Wohnungsfurussteuer. Der Magiftrat wird, wie das Nachrichtenamt mitteilt, nach einem in seiner heutigen Sihung gefaßten Beschluß der Stadt. verordnetenversammlung feinen Entwurf einer Wohnungslugussteuer vorlegen. Schulkinder an die rote Front! Theater und Kino. Kommunisten wollen mit Kindern Revolution machen. Die Kommunisten hatten in den letzten Tagen vor einigen Neuköllner Schulen Flugblätter verteilt, in denen zum Schulstreit geheht wurde. An einzelnen Schulen wurden sogar Aktionsausschüsse gebildet, die den Schulstreit organisieren follten. Als Gründe für diese neueste kommunistische Hehpropaganda wurden einmal die Sparmaßnahmen der Stadt Berlin und die angebliche Versehung zweier Lehrerinnen von der Rüllischule nach Brig genannt. Heute morgen sollte der Streit beginnen. Bor den Schulen in der Rütli- und Lessingstraße sammelten sich kommunistische Jugendgruppen, die die Schüler veranlassen wollten, die Schulräume nicht zu betreten. Für morgen find alle Vorkehrungen getroffen, um einen regelmäßigen Schulbetrieb zu sichern. = An den Volksschulen Rütlistraße und Lessing straße wird seit geraumer Zeit von den Kommunisten, und zwar hauptsächlich von den Anhängern der Jungspartatus. bewegung" eine heftige Propaganda heftige Propaganda gegen den Magistrat und die Schulverwaltung gemacht. In einem Flugblatt, das den Kindern beim Verlassen der Gebäude in die Hand gedrückt wurde, damit sie es den Eltern mitnehmen sollten, wurde der Stadt Berlin wegen der Ersparnismaßnahmen in den Schulen schärffter Kampf angesagt. Schließlich wünschten die Rommunisten die Rüdberufung zweier Lehrerinnen, die an die weltliche Schule abgegeben worden waren, weil dort Lehrfräfte gebraucht wurden. Zur Durchsetzung dieser Forderungen proflamierten die Kommunisten den Schulstreit, der heute morgen beginnen sollte. In einer Zellenversammlung der kommunistischen Eltern dieser Schulen war die Anweisung gegeben worden, daß die größeren Schüler ohne Mappen um 7% Uhr morgens sich auf der Straße vor den Schulgebäuden zu versammeln und die anderen Schüler am Betreten der Häuser zu verhindern hätten. Außerdem hatte man auch eine Anzahl junger Burschen im Alter von 16 bis 18 Jahren hinbestellt und sich mit der in der Nähe befindlichen Stempelstelle in der Lessingstraße in Verbindung gesetzt, um Don dort Zuzug zu erhalten. Die Schulleitung hatte der Polizei die geplanten Maßnahmen mitgeteilt und um die Entfendung von Beamten zum Schutz der schulwilligen Kinder gebeten. Eine ganze Anzahl von Schülern wollte unter allen Umständen in den Unterricht tommen und viele Mütter waren erschienen, um ihre Kinder ficher bis in die Klassenzimmer zu bringen. Die Kommunisten suchten anfangs durch Ueberredung die Schulwilligen zu hindern, und als das nicht gelang, prügelten fiet auf die Mütter und Kinder los und hinderten sie am Betreten der Schulen. Die Leiter der genannten Volksschulen sahen sich schließlich gezwungen, den Unterricht ausfallen zu lassen. Die Eltern durften ihre Kinder mit nach Hause nehmen. Inzwischen hat auch der Magistrat Schritte unternommen, um eine Wiederholung der kommunistischen Terror maßnahmen vor den Schulen unmöglich zu machen und eine Fortfehung des Unterrichts in gewohnter Weise zu sichern. Gegen die Urheber dieses Schulstreiks und seine Auswirkungen wird außerdem vorgegangen werden. Die Polizei teilt zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen, daß fie nicht rechtzeitig erschienen sei, um die Schüler zu schützen, mit, daß vor diesen Schulen früh um 28 Uhr Polizeibeamte postiert waren, die aber mur in einem Falle eingreifen mußten und vor der Rütlischule einen Mann verhafteten, der sich den Anordnungen widersetzte. England für Sanktionsstärkung. Kompromissuche in London.- Triumphgefchrei in Paris. London, 2. April.( Eigenbericht.) In einer Unterredung zwischen Henderson und Briand wurde am Dienstag abend eine Formel gefunden, die nach englischer Auffaffung den französischen Sicherheitswünschen genügend entgegentommt, um den Abschluß eines Fünfmädtepattes und die Rettung der Flottenfonferenz in den Bereich der Möglichkeit zu rüden. Diese Formel, die am Dienstag abend nach Paris zur Begutachtung übermittelt wurde, bewegt sich in der Richtung der Note, in der die Locarno- Mächte der deutschen Regierung seinerzeit eine Interpretation des Artikels 16 des Bölferbundspattes gaben. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß sich die Italiener auf Grund der neuen Formel bereit finden würden, auf die ausdrüdliche Anerkennung ihres Rechtes auf Parität zu verzichten, falls das Zustandekommen eines Fünfmächtepattes davon abhängen sollte. Paris, 2. April.( Eigenbericht.) will Meyerholds Revisor". Ruffengaftspiel im Theater in der Gtresemannstraße. dem er dient, ein Studio eingerichtet. Er nennt es auch LaboraDer russische Regisseur Meyerhold hat mit Hilfe des Sants, torium für Biomechanit. Trotzdem handelt es sich nicht um eine Versuchsanstalt für Hühner- oder Bienenzucht, sondern um die hohe Schule des russischen Schauspielers. Diesen Künstler will Meyerhold nicht mehr naturalistisch erziehen, wie Stanislawski es tat. Er glaubt auch nicht mehr daran, daß allein mit der Stimme die große Berzauberungskraft des Darstellers verbunden ist. Er und im ästhe.ischen Programm seiner Landsleute Tairoff und Wachangow steht der gleiche Satz aus seinem Schauspieler besondere Rhythmiker alles Körperlichen machen. Sein Schüler lerne Bewegungen der Tiere, Menschen und Dinge zu beobachten und nachzuahmen. Dann wird sich aus Erfahrung des Verstandes und Training der Gliedmaßen jener Komödiantentyp entwickeln, der ohne Zweifel heute von Moskau bis nach Hollywood sehr beliebt ist. Meyerhold und seine Leute wollen eigentlich gar nichts Uner hörtes und Neues. Sie formulieren ihre Sache nur spiziger als die alten Zuchtmeister des Theaters. Sie verliebten sich nur in die naturwissenschaftliche Vokabel. Was Menŋerhold ausflügelt und ausbildet, braucht aber gar nicht solche abstrakten Definitionen. Es ist gefund und vor allem sehr wirffam. Der ganz primitive Unterhaltungstrieb der Masse wird befriedigt. Der Schauspieler braucht eine Seele? Nicht absolut. Es ist ebenso empfehlenswert, daß er seine Beine, das Gesicht, die Hände, sogar den Haarschopf, die Nase und die Ohren, und ist er ein erfreuliches Weib, auch Schultern und Nacken und den hübschen sichtbaren Reft verlockend vorzeigt, und er wird allgemein und alle Zeit verstanden werden. Es ist festzustellen, daß die im Laboratorium biomechanistisch erzogenen Schauspieler als höchstes Ziel diese Bewegungsvirtuosität erstreben. In den Russenfilmen, bei denen viele Außenseiter, sozusagen überraschende Analphabethentalente mitwirften, blieb die besondere Russenseele viel sichtbarer erhalten. Der Zuschauer mußte fich nicht nur mit dem Anblick des Aeußeren begnügen. Meyerhold spielt den Gogolschen Revisor". Das Thema ist in der russischen Literatur ewig. Hier das Gesindel der verkommenen Beamten, dort das Schwindelgenie, das die ganze Bande an der Nase herumführt. Auch im heutigen Rußland hat das Thema durchaus sein moralisches Recht bewahrt. Man lese Rutajems Roman von der Korruption der Sowjetbeamten, ein herrliches und sehr aufklärendes Buch! Das Süd ist für Meyerhold nur Attrappe. In die Hülle stopft er mur hinein, was ihm paßt: also feinen ganzen Grimm auf die Dummheit der Bourgeois. Man tabele ihn deswegen nicht. Rein Kunstwert darf unverändert bleiben, wenn die Jahre darüber weggegangen sind. Sogar die Evangelien wurden stets im Sinne ihrer Zeit ausgedeutet. Meŋer hold zerlegte also die berühmte Posse von der zaristischen Beamten blödheit in zwölf Bilder. Jedes Bild ist also eine Art Kabarett stetsch, in dem ein anderes Laster der Vergangenheit glänzend verulft wird. Die Neigung zu dem, was war, soll dem Zuschauer bersalzen und vergällt werden. Die Stetschs find oft überladen mit Bissigkeiten, mit romantischen Schnörkeln, die satirisch gemeint find. Indem das Zeitfolorit des biedermeiernden Barats genu ausgemalt wird, soll es den Proleten im Parfeit und auf den Rängen verefelt werden. Das ist Tendenz, da sie aber fo phantastisch amüsant vorgebracht wird, ist sie gute Tendenz. Nicht genug tann all diefes so gelungen Spielerische, all dieses so famos Sarfastische der Meyerholdschen Reg'emethode gelobt werden. Der Zuschauer sieht, indem er sich gesund lacht, welch widerwärtiger Schwindel die Bergangenheit war. Das Staniflawsti- Theater wollte noch ausschließlich das Gefühl treffen. Das Meyerhold- Theater will die flaffenfämpferische Pfiffigkeit und den sozialen Scharfblick der Zuschauer fördern. Deshalb wird dem Zufchauer auch nichts erfpart. Die Bühne bleibt ohne Borhang. Das schauer auch nichts erspart. Die Bühne bleibt ohne Borhang. Das Signal zum Beginnen ist stets ein gellender Pfiff und ein grelles Signal zum Beginnen ist stets ein gellender Pfiff und ein grelles Pfeifen. Er sieht, wie die Bühne auf und abgebaut wird. Es ist eine Drehbühne mit wildkarifierten Möbelstücken, irgendein Elefantenbiedermeierstil. Das Mahagoni- und Birkenholz blitt und spiegelt, spüren soll jedoch der klaffenbewuß e Mann außerhalb der Rampe: Je mehr diese Bergangenheit blijgt, desto sicherer wird fie schon vom Holzwurm zerfressen. Nun sind zwei Künstler, Frau Sinaida Reich und Herr Martinjon, für den" Revisor" die Hauptstüßen der Aufführung. Frau tinson, für den„ Revisor" die Hauptstüzen der Aufführung. Frau Reich, geprüft auf Herz und Nieren und die übrigen Fähigkeiten, die Meyerhold biomechanistisch vervollkommnen will, ist zwar eine entzückende Salondame, fie dürfte aber taum ein ausreichendes Schauprodukt sein, um die unumstößliche Wahrheit der Meyerholdschen Theorie zu erweisen. Was sie befigt, find die besten internationalen Schauspielerqualitäten, eine schillernde Anmut, besondere Anlagen für die große Dame". Sie ist eine Lömin, wie der französische Fachausdruck sagt. Herr Martinson, der Bossenreißer in der Korruptionsperfiflage ja, das ist Meyerholds Meisterprodukt, der Mann deckt absolut das Programm, das der Lehrer verwirklichen will. Martinson ist ein prächtiger Tänzer, ein Kehltopftollerer, ein Stimmenimitator, ein Jongleur, ein Springer, Afrobat bis in die Knochen, vielleicht auch bis ins Gemüt hinein, ein blondschopfiger Verführer und im rechten Moment auch so töstrichtige Kerl, um den Massen im Theater die Bergangenheit auf fröhlichste Art zu verefeln. Mit triumphierenden Fanfaren berichtet die Parifer Bresse am Mittwoch von einem prinzipiell bedeulfamen Sieg Briands über Henderson. Der englische Außenminister habe am Dienstag zum erstenmal die alten englischen Vorbehalte gegen die französische Interpretation der Sanktionsbestimmungen im Artikel 16 des Völkerbundspattes aufgegeben. Henderson habe sich zu der Erklärung bereit gefunden, daß die vom Völkerbund gegen einen ,, Angreifer empfohlenen Sanktionen" auch von England auto matisch und ohne weitere Vorbehalte durchgeführt werden würden. Dieser Erklärung glaubt man in Paris insofern eine außergewöhnliche Tragweite zumessen zu dürfen, als damit die wichtigsten Relich blöde, daß man sich vor Lachen schüttelt. Er. ist deshalb der serven Englands gegen den Abschluß eines politischen Sicherheitspattes gefallen seien und England wiederum um einen bedeutsamen Schritt aus seiner ,, Splendid Isolation" herausgetreten fei. Der französische Jubel wird aber einigermaßen gedämpft durch die japanische Zustimmung zum amerikanischen Tonnage fompromiß. Japan habe dabei zugegeben, daß seine U- Bootflotte Don 75 000 auf 52 000 Tonnen vermindert würde. Wenn man Frankreich zu einem gleich großen Opfer zwingen wollte, müßten fich die französischen Tonnageforderungen für die U- Boote, die mit Rücksicht auf die Möglichkeit eines Sicherheitspattes bereits von 120 000 auf 100 000 Tonnen reduziert worden seien, bis auf 70 000 Tonnen vermindern. Kommunisten gebrauchten Revolver. Paris, 2. April.( Eigenbericht.) Die sozialistischen Gewerkschaften haben unabhängig von der Bolizei eine eingehende Untersuchung über die blutigen Busammenstöße am Sonntag in Lens anläßlich der Friedenstund gebung unter dem Borsiz Paul Boncours angestellt. Sie tamen wie die Polizei zu der Ueberzeugung, daß die tommunistischen Rowdys bei ihrem Ueberfall auf die sozialistischen Demonstranten nicht nur Stöcke und Steine als Waffen benußt, sondern auch Revolver gebraucht haben. Bon den Angreifern seien unzweifelhaft mindestens fieben Revolverschüsse abgegeben worden. Trotzdem besaßen die fommunistischen Arbeitermörder den traurigen Mut, ihrerseits für den nächsten Sonntag zu großen Straßenfundgebungen aufzurufen, die jedoch von der Polizei sofort verboten worden sind. Dieser Endeffekt ist immer wieder das wichtigste. Oft wird er so gründlich vorbereitet, daß die Künstler des Guten viel zu viel tun. Tricks und Einfälle kehren immer wieder. Bald ist der Zuschauer dieser Regiemethode auf die Schliche gekommen und er beginnt ungeduldig zu werden. Es mangelt, so scheint es, dieser biomechanistischen Regie eins der wichtigsten und nüglichsten Elebiomechanistischen Regie eins der wichtigsten und nützlichsten Elemente, das Element der Ueberraschung. Der Regisseur wünscht, daß seine Zuschauer ganz Kind werden, es geschieht aber, daß sie sich sträuben. Die Ursprünglichkeit des Eindruds wird gestört, die Kurzweile wird vermindert. Max Hochdorf. ,, Der blaue Engel." Jannings' erffer Zonfi'm im Gloriapalaft. Die Umstellung der amerikanischen Produktion auf den Tonfilm hat uns in Deutschland ein Gutes gebracht: mehrere unserer Prominenten, die uns Hollywood entführt hatte, sind zu uns zurück gefehrt, an erster Stelle Emil Jannings. Er hat zum ersten Male jetzt in einem Tonfilm mitgewirft und zu seinen bisherigen großen Erfolgen auch auf diesem Gebiete einen neuen gesellt. Es hatte sich eine Pressepolemit um Heinrich Manns Roman Bro. fessor Unrat", der den Stoff für die Manuskriptverfaffer Carl feffor Unrat", der den Stoff für die Manuskriptverfaffer Carl 3udmaner und Karl Bollmoeller geliefert hatte, entwickelt, weil der politische Exponent des Hauses Hugenberg Heinrich Mann nachträglich einen Fußtritt gegeben hatte. Das Geschäft hatte man " gern mit ihm gemacht, nun wollte man sein teutsches Schild wieder von ihm reinwaschen. Aber das war ja alles Unfug; immer wieder sind die Vorlagen der Filme verändert und umgestaltet worden, und in diesem Fall war die Bearbeitung sogar im vollsten Einvernehmen mit Heinrich Mann erfolgt. " Der Professor Unrat" ist die Geschichte eines Schultyrannen, der innerlich arm und leer, sich zu einem fanatischen Hasser entwickelt und für seine Zurücksetzung Rache nimmt an seinen Schülern. Das erotische Erlebnis, das ihm dabei widerfährt, bringt ihn von dieser vorgezeichneten Bahn feineswegs ab. Aber dies wäre keine Gestalt für Emil Jannings gewesen, und so bogen die Manuskriptverfasser mit Recht den Charakter des Professors um, um die ganze reine Menschlichkeit unseres größten Filmdarstellers ausschöpfen zu tönnen. Gewiß, auch dieser Rat ist ein strammer Schulmonarch, aber in ihm ist feineswegs alles Menschliche abgestorben, es zwitschert nicht nur ein Böglein in seiner Stube, sondern auch in seinem Herzen. Und als ihm in dem Hafen Tingelbangel, in das ihn die Sorge für seine Jungens führt, das Erlebnis Weib in Gestalt der Lola Lola entgegentritt, blüht ein später Johannistrieb in ihm auf. Er vergißt Amt und Würden und geht ganz in dem neuen Erlebnis auf. Die Schule und seine Schüler sind von da ab vergessen, er verliert seine Stellung und geht den bitteren Weg bis zu Ende. Ans Kreuz der finnlichen Liebe geschlagen, nimmt er alle Erniedrigungen auf sich, bis er zum Schluß feiner Heimatstadt als dummer August präsentiert wird und nun die Bande der Hörigkeit sprengt und in einer grandiosen Schlußszene durch die nächtlichen Gassen den Weg zu seiner Schule findet, über die dunkle Treppe in sein Klassenzimmer, wo ein mitleidiger Tod ihn überrascht. Aus der Satire Heinrich Manns ist ein erschütterndes Menschenschicksal geworden, mit dem wir mitfühlen fönnen. Jannings kann feine joviale Natur entfalten, er ist entzückend, wenn das große Erlebnis seine Starrheit löst und ihn zum Menschen unter Menschen macht. Er wächst zur wahrhaft tragischen Größe heran, und sein Fall erfüllt uns mit Furcht und Mitleid. Der Schauspieler Jannings fann die ganze Ueberlegenheit seiner Sprachbegabung zeigen. Congenial steht ihm Marlene Dietrich als Verförperung weiblicher Verführung und Urbild des Weibchens zur Seite. Im Film bisher weniger erprobt, zeigt sie hier mit einem Male ihre ganz große Begabung. Sie kann bis ans Aeußerste leiblicher und seelischer Entblößung gehen und braucht auch vor dem Kraffen und Ordinären, besonders in ihren Vorträgen, nicht zurückzuschrecken. Eine Fülle interessanter Köpfe find um die zwei geschart. Die Schüler find meniger start in den Bordergrund geschoben, dafür spielen aber Kurt Gerron als Zauberkünstler und andere Typen des Tingeltangels, darunter Rosa Baletti, Hans Albers und Karl Huszar, prägnante Rollen. Für die Regie hatte man Josef von Sternberg aus Amerifa verschrieben, dessen ,, Unterwelt" bei uns unvergessen ist. Er hat dem Rufe und Jannings zugleich Ehre gemacht. Er versteht es, aus feinen Darstellern das Letzte herauszuholen und im Tonfilm, der nur sparsam im Dialog, in Geräuschen und Gesangsvorträgen verwendet wird, alle wertvollen Errungenschaften des stummen Films zur Geltung zu bringen. Die Bude des Professors und vor allem das Milieu des Tingeltangels sind restlos im Bilde erfaßt, und man hat wieder einmal seine reine Freude an der Abfolge des Bildlichen. Der Abglanz des Lebens kommt in dem ganzen Reichtum der Impressionen zu vollkommener Wirkung Der Erfolg war verdientermaßen groß. D. Tagung für Volksmusik und Singschu'en. Das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Straße 120, veranstaltet gemeinsam mit dem Reichsverband deutscher Tonfünstler und Musiklehrer E. V. und den Städten Bochum und Essen die 1. Tagung für Volksmusit und Singschulen vom 10. bis 13. April. An den ersten beiden Tagen finden in Bochum die Referate von Direktor Greiner- Augsburg, Prof. Jöde- Berlin, Prof. v. Walters haufen- München, Prof. MüllerBlattau- Königsberg u. a. statt, während in Essen am 12. und 13. April Ministerialrat Restenberg und Prcf. Schünemann- Berlin, Rektor Haßfeld- Paderborn und Direktor Erpf, H. Schnitzler und W. Woehl- Essen sprechen werden. Bahlreiche praktische Borführungen ergänzen die Vorträge. Die Tagung wird durch den Minister für Volkswohlfahrt eröffnet und von einer Reihe von festlichen Veranstaltungen unterbrochen. Den Schluß bildet die feierliche Einweihung der Essener Städtischen Singschule, bei welcher Gelegenheit eine Cäcilien- Kantate von Hermann Erpf zur Urauf führung gelangt. Cosimas Ende. Aus Bayreuth wird mitgeteilt: Cosima Wagner litt feit einigen Wochen an einer Lungenstauung. Vor fünf Tagen stellte sich Fieber ein, das die Kräfte der Greisin nach und nach aufzehrte. Die letzte Nacht verlief ohne Störungen. Gegen Morgen trat ein quälender Zustand ein, der indeffen bald in einen ruhigen Schlaf überging. Dieser führte schließlich zu einem sanften Hinüberschlummern ohne jeden Todestampf. Der literarische Nachlaß Paul Levis. Von dem so tragisch verunglückten Genossen Paul Levi liegen eine Reihe interessanter juristischer. Arbeiten in zum Teil noch unveröffentlich dem Nachlaß vor, die demnächst in einem Sonderband veröffentlicht werden sollen. Dazu gehört eine Schrift Scipio und Hannibal", die in psychologisch meisterhafter Weise die Problemstellung des besiegten Feldherrn im Gegensatz zum militärischen Sieger, der zugleich Politiker ist, be. handelt. Weiterhin wird auch eine Studie über den historischen Sokrates- Prozeß im Nachlaßband aufgenommen werden Levi polemifiert darin gegen eine Schrift des bekannten Strafverteidigers Alsberg, der den Prozeß gegen Gotrates als einen Justizmord bezeichnet hat. Levi verteidigt die Athener Gerichtsbehörden gegen diesen Vorwurf und zieht darin eine Parallele von diesem Prozeß zu der heutigen Republitschutzgesetzgebung. In einer weiteren Studie ,, Die Verschwörung des Catilina" verteidigt Levi den Volks= tribun, den er als den Begründer der ersten proletarischen Partei feiert. Fachwissenschaftler als Mitwirkende bei einer Theateraufführung. Ab Donnerstag, den 3. April, werden im Wallner Theater Mediziner, Juristen, Politiker und Nationalökonomen in den Diskussionen, die Piscator in die Zwischenafte des Schauspiels von Carl Credé§ 218 Frauen in Not" eingebaut hat, auftreten und ihre Stellung zum Abtreibungsparagraphen präzisieren. Bis jezt haben zugesagt: Dr. Credé, Dr. Dehmel, Dr. Döblin, Dr. Fräntel, Dr. Hodann, Dr. Klauber, Dr. Levy- Lenz In der Hauptversammlung des Schuhverbandes Deutscher Schriftsteller, die am 30. März stattfand, ist folgender Borst and neu gewählt worden: 1. Borsigender Arthur Eloeffer, 2. Vorfigender Walther von Hollander, 1 Schriftführer Paul Gutmann, 2. Schriftführer Adele Schreiber- Krieger, 1. Schatzmeister Leon Beitlin, 2. Schoßmeister Hans Ostwald. Beisiger: Rudolf Olden, Robert Breuer, Anni Jader, Bruno Schönlant, Arnold 3weig, Marimitian Müller- Jabusch, Walther Hasenclever, Paul Bestheim, Alexander Roda- Roda, Erich Kästner, Egon Erwin Nisch, Ludwig Renn. Thomas Mann wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Hakenkreuz über Gewerkschaften. Ein Feldzug der Nationalsozialisten geplant. Die Nationalsozialistische Presseforrespondenz" vom 28. März veröffentlicht einen Artikel, der ausführlich Stellung nimmt zur Ge wertschaftsbewegung. Es heißt da unter anderem: ,, Gäbe es feine Gewerkschaften, dann wären die Arbeitszeiten länger und die Löhne erheblich niedriger, als sie es ohnedies sind... Bertsgemeinschaften und ähnliche gelbe Gebilde find tein Ersatz für die Gewerkschaften. Die Gelben" wollen nicht opfern und tämpfen, sondern sich durch Unterwürfigkeit und Liebedienerei beim Unternehmer wirtschaftliche Zugeständnisse erschleichen... Es liegt in der Natur der Sache, daß es nicht immer die besten Elemente sind, die sich in derartigen Wertsgemeinschaften" zusammenfinden. Auch unter den Unorganisierten gibt es fehr viele, die sich in dieser betont ,, unabhängigen" Rolle gefallen, weil sie die Gewerkschaftsbeiträge sparen" möchten." Das liest sich ganz schön und gut. Man staunt, daß ausgerechnet die Hakenkreuzler, die von den Schwerindustriellen und den größten Scharfmachern unter den Kapitalisten ausgehalten werden, Ansichten verbreiten, die auch innerhalb der freien Gewerkschaften heimisch find. Der 3 med der Uebung wird sofort flar, wenn man an anderer Stelle desselben Artikels liest, daß die Nationalsozialisten, die sich gewerkschaftsfeindlich zeigen, der parteiamtlichen Auffaffung widersprechen und wichtige taftische Erforderniffe in geradezu fahrlässiger Weise außer acht ließen. Diese tattischen Erfordernisse bestehen darin, einzubringen in die Gemert schaften, dort 3ellen zu bilden und die Gewerkschaften im Sinne der Faschisten umzugestalten. Wörtlich heißt es in dem Artitel weiter: Mit dem Hinweis auf den parteipolitischen Charakter und die marristische Färbung mancher Gewerkschaften ist die soeben getroffene Feststellung feineswegs widerlegt. Diese unbestreitbaren Mängel... find lediglich der sichtbare Ausdruck der Tatsache, daß die breiten Massen der in wirtschaftlicher Abhängigkeit lebenden Boltsgenossen noch nicht für unsere Ideen gewonnen sind. Besteht erst einmal ein genügend großer Prozentsaz der Mitglieder aus Nationalsozialisten( wir halten 20 Hundert für mehr als ausreichend), dann ist ihre absolut parteipolitische Neutralität gewährleistet." oon Tatsache ist, daß leider auch weite Schichten der Angestellten und Barteipolitische Neutralität, wie sie die Hakenkreuzler verstehen! Arbeiter zu den Nachläufern Hitlers gehören. Dazu braucht man die Phraseologie, die sehr start antlingt an Gedankengänge und Redewendungen, wie sie innerhalb der Arbeiterbewegung üblich sind. Wozu man aber dann die so geföderten Arbeiter miß. braucht, ist nur zu bekannt. Die Halenkreuzler wollen also jetzt nach dem Borbild ihrer tommunistischen Zwillingsbrüder von innen heraus die Gewerkschaften erobern. Wir glauben nicht, daß sie, zum mindesten soweit die freien Gewertschaften in Betracyt tommen, auch nur die geringsten Chancen haben. Beim Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, dem der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Stöhr angehört, der die Nationalsozialistische Pressekorrespon denz" herausgibt und vermutlich auch den zitierten Artikel geschrieben hat, ist das freilich etwas anderes. geringfügig tassen Zonnen Gew11( 1) belaufen, wurden en Tpapterhänbler verlauft. In die Büroräume der Rom mission zieht in Kürze das neue franzöfifche Ministerium für öffent liche Gesundheit ein. In einigen Tagen wird die Reparationstommission mir noch eine historische Erinnerung darstellen, die Erinnerung an zehn schwere Nachkriegsjahre in der Geschichte Europas, zehn Jahre auf dem Wege zum Bölkerfrieden vom Bersailler Diktat bis zum Young- Plan. Neu- Italiens Wissenschaft. Schwarzhemd als Rettorentoga. Mailand, 1. April.( Eigenbericht) 7 Der faschistische Großrat hat beschlossen, daß in Sutunft zu Ref toren der Universitäten, Defanen der Fakultäten und Leitern der Kliniken mur folche gewählt werden dürfen, die feit mindestens fünf Jahren der Faschistenpartei angehören. Außerdem sollten sämtliche Studenten in Zukunft eine militärische Borbereitung erhalten. Raffenkampf im Donaudelta. Bufareft, 1 April.( Eigenbericht.) In einer Bulgarensiedlung in der Nähe des Donaudelta ham es am Montag zu schweren Zusammenstößen zwischen bubgarischen und mazedonischen Sieblern, in deren Verlauf zwei Bulgaren erfchoffen, sechs Bulgaren und zwei Mazedonier fchwer verwundet wurden. Die bulgarischen Kaufleute schloffen zum Zeichen des Protestes bis auf weiteres ihre Geschäfte. Der Kurfus:„ Der organisatorische Aufbau der Partel, mit Räthe Kern als Rednerin, muß mit Rücksicht auf die heutige Sigung des Bezirksvorstandes ausfallen. Nächster Kursusabend am Mitt Arbeitslosigkeit und Revolution gfügig an und ftellte ihn megen Paragraph 153 auf Koſten der woch, dem 16. April 1930. Amerikanische Gewerkschaftswarnung. Washington, 2. April.( Eigenbericht.) Der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, Green, erklärte am Dienstag vor der Wirtschaftskommission des Bundes. senats, daß die Vereinigten Staaten von der Möglichkeit revolutionärer Umwälzungen bedroht würden, falls nicht endlich die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ernsthaft in Angriff genommen werden sollte. Green schätzt die Arbeitslosengiffer auf mindestens 3,7 Millionen. Er forderte von dem Bundessenat die An. nahme des Gewertschaftsprogramms zur Behebung der Arbeitslosigkeit. In diesem Programm werden vor allem öffentliche Arbeiten gefordert. Die Erklärungen des Gewerkschaftsführers Green fanden in der Wirtschaftskommission des Senats allgemeine Beachtung und werden von einem großen Teil der hiesigen Presse mit Nachdruc unterstrichen. Prima Kaiserschoten. Die Geheimnisse einer Braunschweiger Konservenfabrit. Die beiden konservenfabrikanten Heinrichs und Brade aus Braunschweig hatten sich wegen Bergehens gegen das Lebensmittelgesetz und Betruges vor dem Amtsgericht Lichtenberg zu verantworten. Die Angeklagten hatten u. a. Kaiserschoten fabriziert und in den Handel gebracht. Die Zweipfundbüchse toftebe im Kleinverkauf ungefähr 1,60 M. Trotz dieses nicht geringen Preises waren die Konserven von minderwertiger Beschaffenheit Untersuchungen, die das Nahrungsmittelamt vornahm, förderten unglaubliche Dinge zutage. In den Büchsen wurde viel Unrat gefunden. Außer Schalen zeigten sich Blätter, Steine von nicht geringem Format und Stiele. In einer Büchse war fogar eine Raupe enthalten. Getreideförner fand man in großen Mengen vor. Die Angeklagten, die jede Schuld energisch bestritten, gaben die Möglichkeit zu, daß die Sortiermaschine nicht richtig funktioniert hätte. Die Maschinen, die sie bemußten, sollen übrigens sehr schadhaft gewesen sein. Das Gericht war von einer unverständlichen Milde; es sah den Fall als Theater, Lichtspiele usw. Mittwoch, 24. Staats- Oper Unter d. Linden Teil- Ab. C. Mi. No. 8 Jahres- Ab.- Y. No. 89 19 Uhr Tannhäuser Ende g. 23 Uhr Mittwoch, 2. 4. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr Maschinist Hopkins Ende g. 23 Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik Vorst. 55 1912 Uhr Lebendes Orest Ende g 23 U. am Gendarmenmarkt St. R. V. 4 Mi. No. 6 Jahres- Ab.- V. No. 79 20 Uhr Peer Gynt Ende g. 232 U Staatl. Schiller- Theater, Charitbg. 20 Uhr Florian Geyer Ende gegen 221/2 Uhr Reichshallen-Theater Abends Sonntag nachm. E Das herrliche Programm der ., Stettiner" SCALA Tägl. 5 u. 8, Uhr. B5 Barb. 9256 Pr. 1-6 M. Wochentg. 5 U. 50 Pf.- 3 M. Amerikas Toto berühmtester Clown und 9 weitere Varieté- Neuheiten Tägl. 5 PLAZA Tagi. u. 815 Sonat. 2., 5 u. 88 Alex. E 4, 8066 INTERNAT. VARIETE GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr Nur noch 29 Vorstellungen! Angeklagten ein, so daß die Fabrikanten ohne jebe gericht liche Strafe ausgingen. Die Bertretung ber beutschen Ronserven. industrie legt den größten Wert darauf, das deutsche Käuferpublikum davon zu überzeugen, daß deutsche Fabriten nur tabellose ware liefern. Um so mehr sollten die Gerichte bemüht sein, Fälle, in denen der Konsument getäuscht wird, energisch zu ahnden. Es ist unverzeihlich, wenn ein Gericht Dinge, wie die oben geschilderten, als belanglos ansieht. Geht nun die Industrie nicht selber gegen solche Mißstände vor, soll sie sich nicht wundern, wenn sich das Publikum von derartigen deutschen Edelprodukten™ abwendet. Das Ende der Repfo. Technit, Friedrichstr. 110-112 der Film„ Die Bayerische In der Urania läuft Freitag, 4. April, 2014 Uhr, im Haus ber 3ugspizbahn". Den Begleitvortrag hält Regierungsbaumeister Baschwiz. Wetter für Berlin: Junehmende Bemöffung umb am Tage elas fühler. Für Deutschland: In der östlichen Hälfte des Reiches ziemlich trübe und sehr fühl, vereinzelt etwas Schnee, auch im Wester Abkühlung und Wetterverschlechterung. FUNK UND16.30 Unterhaltungsmusik. AM Mittwoch, 2. April Berlim 18.00 Hermann Kasack: H. Chr. Andersen. 18.30 Dr. Siegfried Mauermann: Bismarck- Anekdotes. 18.45 Dr. Lutz. Weltmann: Emile Zola. 19.05 Unterhaltungsmusik. 20.20 Ernst Bringolf: Die deutsche Sprache. ABEND Das Personal gefündigt.- Berge von Altpapier. Paris, 1. April.( Eigenbericht.) Eine der für Deutschland peinlichsten Hinterlassenschaften des 16.05 Programm der Aktuelles Abteilung. Krieges, die Reparationstommission, hat am Dienstag offiziell zu egiftieren aufgehört, nachdem die Ratifikation des Young Plans ihr das Todesurteil gesprochen hat. Das gesamte Personal hat am Montagabend seine Entlassung bekommen, nur ein kleiner Teil wird noch für einige Wochen im Dienste belassen, um die Liquidierung des riesenhaften Archivs und des sonstigen technischen Apparates durchzuführen. Der feierliche Schlußaft der Reparationskommission und die offizielle Ankündigung ihrer Auflösung wird mitte April erfolgen, im Rahmen einer Sizung, der zum ersten und legten Male ein deutsches Mitglied beiwohnen wird: nämlich der Borsigende der deutschen Kriegslaftentommission Dr. Ruppel. Bei dieser Gelegenheit wird auch die vollzogene Gründung der Internationalen Zahlungs= bant verkündet werden, die bis dahin bereits das im Haager Abtommen bestimmte Schuldverschreibungszertifikat von Deutschland erhalten haben wird. Man hofft, daß bis zu diesem Termin auch die leidige Frage der Ost reparationen endlich eine Lösung gefunden haben wird. 20.35 Maria Basilides singt Schubert und Brahms.( Am Plügel Julias Bürger.) 21.00 Von Breslau: Fünf Sekunden", Hörspiel von Walter von Hollander ( Spielleitung: F. W. Bischoff). 22.30 Dr. F. Anders: Kartenspiele. Das Personal der Reparationsfommission wird teils dem Beamtenstab zur Durchführung des französischen Gesezes über die Sozialversicherungen einverleibt, teils von der Basler 3 ahlungsbanf übernommen werden. Die Archive, die sich auf mehrere Volksbühne Deutsches Theater Theater d. Westens Kleines Theat. Theater am Bülowplatz. D2 Weidendamm 5201 Täglich 8% Uhr: Das Land des 8 Uhr Das Lied von Hoboken Tägl. 8 Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Ein Negerstück v. Reg: Max Reinhardt Gold- Weisenborn Musik: W. Grosz Kammerspiele Regie: Heinz Dietrich Kenter D2 Weidendamm 5201 Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Florian Geyer Staatsoper Am Pl. d. Republik 7% Uhr Leben des Orest Piscator- Bühne ( Wallner Theater) 8 Uhr § 218 Frauen in Not 3 Musketiere Dir. Dr. Martin Zickel Regie: ERIK CHARELL Sonntag nachm. ungek. halbe Pr. 54 Uhr CASINO- THEATER 84 Uhr Lothringer Straße 37 Wieder ein neuer Schlager 8 Uhr Die liebe Feindin Komödie von A. P. Antoine Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie J1 Bismck.2414/ 7516 8 Uhr Die Kreatur Schauspiel von Ferd. Brackner Regie: Max Reinhard! Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 8 Uhr Lächelns Fr. Lehar dirigiert! Richard Tauber Vera Schwarz, Barnowsky- Buhnen Theater In der Stresemannstr. ( früher Königgrätzerstr.) Täglich 8 Uhr Gastspiel Meyerholds Moskauer Staatstheater Merkur 1624 Täglich 8.10 Uhr Madame hat Ausgang Erika von Tellmann Paul Hörbiger Hermann Schaufuß Lvovski, Braut Residenz- Theater Künstl. Leitung Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. 1910 101 Königswesterhausen 16.00 Mrs. Birdeena, L. Gowan, San Francisco: Trades and Professions for American Girls. 16.30 Von Hamburg: Nachmittagskonzert 17.30 April. 17.55 Dr. Joachim Tiburtius: Berufsaussichten des Volkswirtes, 18.20 Dr. Löser: Auf Urlaub in Brasilien. 18.40 Spanisch für Anfänger. 19.05 Dr. Jahnke: Gutes Deutsch. 19.30 Ob.- Reg.- Rat Tejessy: Die Straflöschung in den Personalakten, 20.00 Von München: Konzert des Schrammeltrios Theo Eitele. 20.30 Bruno Schönlank liest eigene Dichtungen. 21.00 Von Leipzig: Sinfoniekonzert. Berantwortl. für die Redaktion: Bolfgang Schwara, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Buchbruderei und Verlagsanstalt Baul Ginger& Co., Berlin GB 68, Lindenstraße 3. Sierau 1 Beilage. Winter Garten 8.15 Uhr Zentr. 2819 Rauden erlanht Otto Reutter und 10 Varieteneuheiten! Gaston Briere Berliner Ulk- Trio Täglich 84 Uhr Sonntag 4 Uhr Neukölln, Lahnstr. 74/ 75, I Der Revisor Eisrieke Komödienhaus Täglich 8 Uhr Rundfunkh. balbe Pr. Meine Schwester Lessing- Theater und ich Musik v. Ralph Benatzky Operettenhaus Weidendamm 2797.0846 Täglich 8% Uhr Haus Danieli Metropol- Th. Alte Jakobstr. 30/32 ( Zentral- Theater) Dönh. 2047 Täglich 8 Uhr Hotel Stadt Heute 7 Uhr Sex Appeal Lemberg Lustsp. v. Frederik Lonsdale Komische Oper Regie: Forster Larrinaga Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Allabendlich 8 U. Albert Bassermann, Mady Christians Premiere Der Preise 1. 2. 3 M. Bettelstudent Nur noch bis 3 April Berliner Theater HAUS VATERIAND Hulla di Bulla mit Guido Thielscher Lustspielhaus Frühlingspreise: Parkett 1-1.70, Log. 2 M. Nachmittags halbe Preise Der wahre Jakob Friedrichstr. 236. Zentrum 112 63 Stürmischer Heiterkeits- Erfolg Dazu ein erstkl. buntes Programm Bergmann 2922/23. 812 Uhr Dönhoff- Bretti: Gutschein für 1-4 Personen Geschäft mit Varieté, Tanz, Großes Orchester. Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M. Amerika Dönhoff 170 8 Uhr Ende 10% Uhr Eins, zwei, drei" KURFORST 7460 REVUE von Franz Molnar SERVUS mit Max Pallenberg. Regie: Gust.Hartung Vorher: Souper 1930' Pattiera, Alpac, Schützendorf, Jöken Theat. a. Kottb.Tor Kottb. Str. 6 Tägl.& Uhr auchSonnt. nachm.3 U. EliteSänger. Das phänom Osterprogramm mit d. beliebten Gasttenor Heinz Hilpert KEMPINSKI Kurt Wanger Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Billettkasse: Alex. 3422 und 3494 Täglich 8.15, Sonntags 5,15 und 9 Uhr Trotz des großen Erfolges nur noch kurze Zeit! Die goldne Meisterin Operette in 3 Akten von Edm. Eysler mit Traute Rose in der Titelrolle Nächst. Sonnabend, 11.30 abds Der Mustergatte Vorverkauf tägl. v. 11-1 vorm. und 4-9 abends. 30 000 Buschrosen 1 Stck. 0.30, 25 Stck. 7-, Schlingrosen, stark, 3 Stck 2- Stammrosen 2.50 bis 3.30 Obstbäume, noch ganz zurück, Ulmen, Rotdorn, Hydrangen, Tuja oc. Buchsus, Einfassungsbuchsbaum, Efeu, 3 Topfklass., Wildwein, 3/5 u. 5/ 8- Stauden, Knollen, Samen, Pflanzen, Topfgewächse. Handelsgärtnerei Alois Willke Berlin NW 87. Huttenstraße 41-44. Telephon Hansa 6231. Direktion: Dr. Martin Zickel Komische Oper Friedrichstr.104. Merkur 1401/4330. Nach vollständigem Umbau Täglich 8 Uhr Hulla di Bulla Schwank von Arnold und Bach mit Guldo Thielscher, Schulz, Schroth, Burg, Hildebrand, Walter Rabs, Flink, Behmer, Wensk Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. 81 Uhr: Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in belden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Theater 1. d. Behrenstr. 53-54 A4 Zentrum 926-927Direktion Ralph Arthur Roberts 8 Uhr Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr( halbe Pr.) Trianon- Theate Leitung: Dir. Arnim Georgenstr. 9 Täglich 8% Uhr Revue Das lebende Magazin Preise v.50 Pf. an. Pumpen Rühren, Filter, Ersatztelle Preisliste ratis Roblank& Co. Pumpenfabrik BERLIN M 65, Reinickendorfer Str. 95 Beilage Mittwoch, 2. April 1930 Der Abend Shalausgabe des Vorvare Wegweiser ins nichts Notizen aus einer Grenzstadt von Fritz Köhler Ein paar Schritte hinter der letzten deutschen Brüde über die Netze steht ein hoher, granitner Felsblock, in den folgende Inschrift eingemeißelt ist: 1919-1929 baute unfer Kreis diese Straße von Driesen nach Krenz und stellte damit für dieses neue deutsche Grenzland die Verbindung nach Osten wieder her. die Sägewerke wanderte, zu Brettern geschnitten wurde und jährlich über fünfzig Kähne mit Brettern nach Berlin perladen wurden-, dazu das benachbarte Bordamm, das jährlich an die 150 Kahn ladungen Bretter verlub. Das bedeutete Arbeit für Driesen und Umfaß für die Geschäftsleute, denn die Binnenschiffer wollten effen und wollben trinten. Heute ist die Negeschiffahrt dezimiert und die Sägewerte liegen still. Bisweilen geht ein Rahn mit Brettern ab, im ganzen fünf oder sechs pro Jahr. Und selten nur noch kommt ein Schiffer und tauft Waren in Driesen ein. Ein überfülltes Arrest lotal 300 Meter weiter zeigen gelbe Tafeln den Beginn des 3011. grenzftreifens an, hinter den Ortsnamen der nach Osten zeigenden Wegweiser steht eingeflammert Reichsgrenze", noch eine gute Wegstunde, und dann beginnt jener 30 Kilometer lange Halb- fammen angesichts der wieder bevorstehenden Invasion polnischer In Driesen schlägt man heute die Hände über dem Kopf zu freis, der heute die Grenze zwischen der Provinz Branden Banderarbeiter. Deutschland weiß selbst nicht, wohin mit burg und der Republit Polen bildet. Eine Linie, bie fich feinen Arbeitslosen; es hat das Stontingent dieser alljährlich nach wie ein Todesring um das neumärkische Städtchen Driesen ge- Deutschland tommenden Nomaden der Neuzeit erheblich herabgefeßt legt hat. Denn die neue Straße, beren heller, in der Morgenfonne Aber die polnischen Wanderarbeiter fümmert diese Kontingenther fast blendender Schotter wie ein Streidestrich in die Grenzmart weift. absehung nicht sonderlich. Bei Nacht und Nebel fommen sie truppist nur der Notverband für einen fiechen Landstrich. In dem schweigenden Hochwald der Oberförsterei Hammerheide weise über die Grenze. Es heißt nur innerhalb des scharf lichten sich an einer einsamen Wegtreuzung die Riefern, ein ver- überwachten Grengstreifens die Ohren zu spigen und die Augen geffener Wegweiser steht da, auf dem morschen, rissigen Holz ist in offen zu halten und nicht gleich dem ersten deutschen Grenzpoften verwaschener Schrift gerade noch erkennbar:„ Nach Astsorge in die Arme laufen. Einzelnen gelingt der Grenzübertritt, die 2 Kilometer". Aber das war einmal; seit zehn Jahren ist meisten werden gefaßt und wandern nach Driesen ins Arrest 2 Kilometer". Aber das war einmal; seit zehn Jahren ist Alijorge polnisch, man dann den Weg weitergehen, der höchste Ein- lokal. In der letzten Märzwoche saßen nicht weniger als acht solcher jak wäre die Stugel einer polnischen Grenzstreife. Was hat der ungebetenen Gäste in Driesen. Kerl hier herumzufrauchen, werden sich die fagen; denn man muß immer wissen: an dieser Grenze sind die Wunden des Krieges noch nicht einmal vernarbt, geschweige denn geheilt; die sieben Kilometer tiefe Zone, diesseits wie jenseits der Grenze, das ist Ausnahme. gebiet. In diesem Walde treffe ich eine alte Bauersfrau; mir fam die Frage so in den Sinn:„ Haben Sie eigentlich Verwandte in Altforge? Ja, aber ich habe sie seit jener Nacht, in der die Polen tamen, nicht mehr gesehen. Früher ging man teine halbe Stunde nach Altforge, wenn Sie noch etwas weitergehen, dann können Sie die Häuser von Altforge ja schon sehen, aber heute muß ich erst sechs Kilometer bis Neuteich, weil dort die einzige Grenzübergangsstelle ist, und dann muß ich drüben wieder sechs Rilometer zurüd bis Altforge, dazu bin ich zu alt und zu schwach." So geht die Straße nach Altforge tein Mensch mehr, fein Wagen fährt zur Grenze, finnlos und überflüssig führen allein auf diefem 30 Kilometer langen Grenzstreifen Brandenburgs vierzig folcher Straßen ins Nichts, dazu zwei zerrissene Chausseen, die nach dem polnisch gewordenen Birnbaum und die ehemalige nach Kreuz, deren Mittelstück über polnisches Gebiet läuft. JenTeits dieser verstümmelten Wege liegt das verlorene Hinterland, das einstige Absatzgebiet der Stadt Driesen. Eine Stadt, die abstirbt. 255 Driesen hat 6000 Einwohner, davon sind 1000 ohne Arbeit. Also eine Erwerbslosengiffer, die so leicht feine zweite deutsche Stadt aufzuweisen hat. Und der Augenschein lehrt es ja: Schornsteine reden sich in die Luft, einer neben dem anderen, aber feiner raucht, den Fabritgebäuden find in all den toten Jahren die Fensterscheiben blind geworden, fein Motor läuft, fein Feuer wird mehr angeblasen und die Hämmer stehen in der Ede und rosten. Wie die Industrie Driesens zerschlagen wurde, darüber mag eine einfache Liste, die wir zusammengestellt haben, Auskunft geben: 80 Arbeiter stillgelegt Dampfschneidemühle Fladisch& Boltmann Holzbearbeitungsfabrik Ziegler. Bürftenfabrik Klotz& Kühne. Tuchspinnerei Bende 120 60 20 • Bildhauerei Maruti& Baum 20 Ziegelei Stolz 20 Gelbgießerei A. Stiller 80 Buppenfabrit Schöner 20 Zündholzfabrik Bordamm 40 Sandsteinfabrit Lange 50 Eisengießerei Kühl. 100 " Dampfschneidemühle Stolz 250 " Dampischneidemühle Roch 60 360 80 " " Steingutfabrit Belten- Bordamm Baugeschäft Dröse.. heute noch 15 80 20 200 stillgelegt Von den neun Tischlereien der Stadt existieren noch vier, die auch nur mit halber Belegschaft arbeiten, ebenso ist der größte Teil der Tuchhandlungen und Schmieden qus Driesen verschwunden. An dieser Liste kann man es ablesen, was es heißt, perforenes Abfahgebiet. Ich habe mich danach erfundigt, was aus den Unter. nehmern geworden ist, ob sie gestorben sind, ob sie noch leben, wie es ihnen geht. Hier ist der Bericht: Klotz u. Kühne find abgewandert nach Berlin, Bauer nach Frankfurt a. d. Oder und Wende ist nach Thüringen gezogen. Der alte Ziegler, Maruzki und Fladisch sind tot, Bolfmann ist verschollen, Zieglers Sohn liegt im Krankenhaus und, bezieht Armengeld, Schöner hat feinen Pfennig mehr und Stiller, der mal 80 Leute beschäftigt hat, arbeitet, um Frau und Kind durchzubringen, in einer fleinen Werkstatt. Und die Arbeiter? Am besten waren die Bauarbeiter dran, die sind nach Berlin gefahren und verdienen hier während der Konjunktur ihr Geld. Die Arbeiter aus den Schneit emühlen und den Holzfabriken sind nach Schlesien gewandert und versuchen, in den dortigen Holzschlägen ihr Brot zu verdienen, ein anderer Teil ist im Braunkohlenbergbau untergetaucht, einige find ins Ruhr revier übergesiedelt. Die übrigen sigen in Driesen und hoffen. Ja, worauf? Inzwischen ist die Schuldenlast der fleinen Stadt Driesen auf 1300 000 Mart angewachsen. Vielleicht schafft der neue Handelsvertrag eine Atempause. Dezimierte Regeschiffahrt. Unten an der Netze haben zwei Finowmaßfähne vertäut. Fluß abwärts, nach Zantoch zu, liegen drei Holzflöße. Gewissermaßen Der Rest der einst blühenden Negeschiffahrt: wo noch täglich dreißig Holzflöße die Neze herunter durch Driesen kamen oder die rie figen Holztransporte aus Rußland in Drielen blieben, das Holz in Aber es tommt auch anderer unerwünschter Besuch über die Grenze. Neulich tam ein Unteroffizier mit acht Sol. baten der polnischen Armee anmarschiert, Deserteure, die das Duschkotenleben brüben fatt hatten. Oder die Schmuggler, die ihr Handwerf an der neuen Grenze recht raffiniert betreiben. Da ist auf einer Wiese eine erde Kühe, drüben auf polnischer Seite. Was fümmert das Rindvieh die Grenze, in Deutschland schmeckt das Gras auch; die Rühe treiben weiter und weiter und am Abend stehen sie bei einem Deutschen im Stall. Der Anreiz zu diesen dummdreift angelegten Er 0& | perimenten sind die billigen polnischen Biehpreise; da jedoch in dem Bollgrenzgebiet jedes Stüd Vich genau registriert ist wenn der Bauer Bolte aus Hammer an den Bauer Nolte in Hammer ein Schwein verkaufen will, dann muß er sich dazu eine Bescheinigung vom 3ollfommissar in Modderwiese holen- fo erscheint am nächsten Morgen die Polizei in dem Stall, erfundigt sich nach den Ursprungsscheinen der eingewanderten Kühe; die sind aber nie zu finden und so wandern die harmlosen Biehtreiber, die in Wirklichkeit geriebene Schmuggler sind, nach Driesen ins Arreſtlofal Anfänglich fuchte man durch Geldstrafen dem Biehschmuggel bauernden Bevölkerungszuwachs feineswegs erfreut; man hat dieser beizukommen, doch das half sehr wenig; jezt gibt es dafür neun Monate Gefängnis. Doch in Driesen ist man über diesen Tage dem Zollkommiffariat Reuteich, einem unmittelbar an der Grenze gelegenen Drt, dringend nahegelegt, für den Bau eines eigenen Arreftiotals Sorge zu tragen. 3 Der Gerichtsvollzieher an der Arbeit Irgendwo murde es mir gesagt: Bergessen Sie nicht die Band wirtschaft, den Leuten geht es nicht gut." Ich antwortete, ich wäre nicht abgeneigt, aber ich müßte bazu tonfrete Unterlagen haben. Ich habe deswegen nicht weit baufen brauchen. Im Korridor des Amtsgerichts Driesen hängt Anzeige neben Anzeige über die wangsversteigerungen in nächster Zeit. Am 11. April tommt die Wirtschaft des Artur Heiling aus Dagebruch unter den Hammer, am 15. April zwei, die Wirtschaft der Minna Friedrich aus Schulzenwerder und die des Otto Wolfgram aus Borbruch und am 16. Mai find es gleich drei: die Parzellen 6 bis 9 des dritten Flurbuchblattes der Gemeinde Borbruch, ein 35 Morgen großer Ader mit Gebäuden, Hofraum und Garten; die Barzelle 192 bis 195 des zweiten Flurbuchblatts, eine 15 Morgen große Negewisse; und zum Schluß die Barzelle 83 bis 89 des zweiten Flurbuchblattes Don Altfarbe, ein 25 Morgen großer Ader im Schmiedefeld. Alles dicht um Driesen gelegene Orte, ein winziger Ausschnitt der deutschen Landwirtschaft, und sechs 3wangsversteigerungen in einem Monat! James Jeffe Strang Die Geschichte eines Königs Die Gemeinde der Mormonen, der Heiligen der letzten Tage", feiert anfangs Apri in Salt Lake City in Amerita das 100jährige Jubiläum ihres Bestehens. Die Mormonen wollen nun anläßlich dieses Jubiläums in der ganzen Welt mit einer gewaltigen Propaganda be= ginnen, um neue Anhänger für ihre Lehre zu gewinnen. Sie hoffen auch, daß sich durch diese Propaganda die Zahl der Gläubigen" in Deutschland- die gegenwärtig etwa 12 000 beträgt bedeutend erhöhen wird. " Auch die Mormonen, diese eigenartige Sefte, deren höchste Offenbarung die Viel weiberei ist, hatten im vorigen Jahr hundert einen König gehabt, den ersten und letzten Mormonen Herrscher. Die Geschichte dieses Mannes, der Abenteurer mar, dann König wurde, und sich als solcher jahrelang behauptete, hört fich wie ein spannender Abenteurerroman an, zeigt eine Welt des Irr- und Aberglaubens, die uns anmutet wie eine Geschichte aus Tausend und einer Nacht. Beinahe unglaublich, daß es wirklich feit war und daß uns nur wenige Jahrzehnte davon trennen. James Jesse Strang, der Schöpfer dieser bisher unübertroffenen Staatsparodie ist im Jahre 1813 im Dorfe Scipio im Staate New York geboren. Sein unruhiges Blut trieb ihn schon frühzeitig in die Fremde. Er versuchte alles nur Mögliche, mar Zeitungsjunge, Lehrer, Rechtsanwalt, Journalist und schließlich ein Eiferer des Antialtoholismus. Doch nichts behagte ihm. Seine Bruft schwellte grenzenlose Ruhm- und Machtfucht. Diese mußte er befriedigen. Er kam eines Tages in das Dorf Bourlington im Staate Wisconsin. Hier begegnete er einer wandernden Mormonen= mission, schloß sich dieser an und ging mit ihr nach Nauwo, wo der Begründer der Mormonensekte, der Prophet Joe Smith sich mit seiner Gemeinde niedergelassen hatte. Strang lernte dort die Religionsgrundsäge der Mormonen, der„ Latter- Day Scients" Er erfuhr, daß der höchste ( Heiligen der letzten Tage), fennen. Gnadenaft Gottes die Vielweiberei sei, daß es ohne Bielweiberei feine Erlösung gebe. Er hatte aber auch erfahren, auf welche wundersame, mystische, schier unglaubliche Weise Joe Smith diese Offenbarungen erfahren habe. Die Engelerscheinung, die fich Smith im Jahre 1823 zeigte und ihm verkündete, daß er im Hügel Cumora bei Palmira in County New York nach Heiligen goldenen Tafeln" suchen sollte, gab ihm zu denken. Aber auch andere Wunder geschahen um Joe Smith herum. Der des Lesens untundige Prophet, der die vorgefundenen Tafeln laut Befehl des Engels nur vier Jahre später heben durfte, fand in der Kiste auch eine Wunderbrille( Urim und Tumnin) mit durchsichtigen Steinen als Gläser, die ihn befähigten, aus den Offenbarungen, die die vorgefundenen Tafeln angeblich enthielten, das herauszulesen, was er eben für richtig fand. Der Abenteurer erfannte sofort, welch ungeheure Möglichkeiten sich ihm im Kreise dieser einfältigen Menschen böten und beschloß daher, selbst Mormone zu werden. Er gebärdete sich von da ab als ein überzeugter Anhänger des Propheten. Als dann dieser das Zeitliche segnete, war er einer der aussichtsreichen Bewerber auf dem verwaisten Prophetenposten. Um sein Ziel zu erreichen, arbeitete er nach denselben Methoden wie sein einstiger Meister. Gefälschte Briefe, Engelserscheinungen, geheimnisvolle Kupferplatten, die ein Geschenk des Himmels waren, taten auch diesmal ihre Wirkung. Und dennoch wurde er nicht Prophet, denn. Birgham Joung, auch ein Anwärter des Führerpostens, fündigte ihm den Kampf an und erwies fich als der Stärtere, Strang blieb nichts anderes übrig, als mit einer fleinen Schar der ihm Folgenden auszuwandern und inmitten des Michigansees auf einer großen Insel ,, Beawer Island" genannt, ein neues Reich zu gründen. Die auserforene Insel war von einigen Fischerfamilien bewohnt. Des Abenteurers erste Heldentat war es nun, diese armen Menschen zu besiegen und seinem Willen zu unterjodjen. Die Gläubigen glaubten jetzt, er sei ein Sendling Gottes und gehorchten von mun ab blindlings feinen Befehlen. Und der„ Sendling Gottes" nützte diesen Umstand reichlich aus. Allerdings, auch der Zufall fam ihm hierbei zu Hilfe. Im Jahre 1850 versuchten die Fischer des Festlandes, die Mormonen von der Insel zu vertreiben. Eine fleine Insel gegenüber von Beawer Island biente ihnen als Stützpunkt. Am Borabend ihres Nationalfeiertages landeten sie dort mit einem Segelschiff, sprachen dem mitgebrachten Whisfy reichlich zu und legten sich dann sich in vollster Sicherheit wähnend schlafen. Strang, der dies alles genau beobachtete, bestieg mun mit einigen seiner Getreuen eine Barte und fuhr, nachdem er die Wache des Feindes überwältigte, mit dem erbeuteten Segelschiff heim. Der Kampf war gewonnen, noch ehe er ihn begonnen hatte, und die Fischer waren froh und glücklich), als sie nach Erfüllung allerlet harter Bedingungen ihr Segelschiff zurückbekamen und ans Festland zurückkehren durften. Nach dieser Heldentat dünkbe sich Strang gottesähnlich, und benahm sich auch danach. Er ließ verkünden: Die Engelserscheinung habe sich ihm wieder gezeigt und offenbart, daß der Wunsch des Herrn es sei, daß das Volk ihn zum König fröne. lind das naive Bolf tat das auch. So wurde Strang Alleinherrscher, Despot. Es dauerte nicht lange und ein unstillbarer Machtrausch überwältigte den neuen Herrscher. Er dünfte sich ein zweiter Nero zu fein. Tagtäglich erließ er die unsinnigsten Befehle und führte sie mit unbarmherziger Strenge durch. Er defretierte unter anderem: Die vorhandenen Kaffee, Tee- und Tabakbestände sind ein Werk des Teufels und daher ins Meer zu werfen." Bu Eheschließungen ist meine fönigliche Erlaubnis notwendig." 3uwiderhandelnde", hieß es weiter, werden öffentlich ausge peitscht". Und er ließ auch Männer, Frauen und Kinder züch tigen. Mit besonderer Vorliebe tat er dies mit jungen Braut paaren. Er schrieb auch die Kleidung der Braut bei der Trauung vor; bis zu den Knöcheln reichende weite Pluderhosen. Und wehe den Unglücklichen, die diesen Befehl außer acht ließen. Strang als Prophet und Alleinherrscher verurteilte die armen Sünder, sowohl Braut als Bräutigam, die die heiligsten Gebote ihres Glaubens mißachteten, zur Auspeitschung. Er hatte sich natürlich auch Gefiel ihm ein Mädchen oder eine Frau einen Harem angelegt. auf der Insel, so mußte sie es sich gefallen lassen, in seinen Harem verschleppt zu werden. Protestierte dagegen der Vater oder der Gatte, so wurde der Unglückliche zum Tode verurteilt und gehängt. Acht volle Jahre währte diese Schreckensherrschaft, bis endlich Amerika sich veranlaßt jah, ihr ein Ende zu bereiten. Ein Schiff wurde entsandt, mit dem Befehl, Strang lebend nach Amerita zu bringen. Inzwischen ereilte aber den Abenteurerfönig sein Schicksal. 3wei seiner gepeinigten Untertanen, namens Bedford und Wentworth, schworen Rache und erschossen den Tyrannen. Strang war tot und sein Volk zerstreute sich in alle Wind richtungen. Der Königstraum war ausgeträumt. Paul Diner- Dènes. (35. Fortsetzung.) Die Atelierschneiderinnen, die immer auf Form versessen waren, verfielen wieder und wieder in den Fehler, für«ine tote Puppe zu arbeiten. Aber der schön« Gang Fräulein Olgas enthüllte schnell jeden Mißklang zwischen Körperlinie und Kleid. Daher oerlangte man von ihr viele Anproben. Das machte müde Beine, aber dies wurde ausgewogen durch die Eifersucht der anderen Mannequins. Jetzt wurden Kleider in lebhaften Farben vorgeführt. Sie waren für südamerikanischen Geschmack bestimmt. Die Einkäufer erstanden ein Kleid, um es dann nacharbeiten zu lassen. Dafür bezahllen sie kein Modellgeld. Weil die Schöpfungen der Modesalons schnell alltäglich wurden, waren dies« gezwungen, immer Neues herauszubringen. Das war natürlich leichter in bezug auf den Schnitt als auf die Auswahl der Stoffe. * Ungefähr olle fünfundzwanzig Jahre tonnten die gleichen Stoffe gebracht werden: denn ein« Kundin entsann sich nur dessen, was ihre Mutter getragen hatte. Aus ihren Archiven konnten die Stofsabrikanten die periodische Wiederkehr der Moden in Popelin«, Serge, Gabardine und Samt nachweisen. In diesem Jahre wurde wieder Tuch modern: dank der neuen Maschinen, die den Stoff nach dem Weben weiter behandelten: ihn risien, imprägnierten, aufrauhten oder ihm Glanz gaben. Eine Neuheit in der Geschichte der Webkunst war Seidentrepp: ein Stoff, der sich warf wie Brandblasen aus Menschenhaut: sehr beliebt bei der Kundschaft, die der glatten und gemusterten Seide überdrüssig war. Ein« leichte Toilette ging unter dem Namen:„Ein Nichts Neidet mich." Dann wurde ein Pyjama vorgeführt, mit schwarzen Samthosen. Er wurde nur von einer Schnalle seitlich zusammengehalten. Die kleine Blonde, die ihn trug, sah prächtig darin aus. Sie war der kleinst« Mannequin: Größe zweiundvierzig. Das Hemdkleid, das von Achselbändcrn gehalten wurde, Zwang die Mannequins, sie immer wieder hochzuheben. Das war ein« neue* Note: die Frau zog sich immer wieder an. weil das Kleid stets von der Schulter herabglitt. So schuf die Mode eine neue Art der Koketteric. Madam« Römois erklärt« Ieanne Wavelet den Wandel der Mode: ..Bor zwei Jahren hatten wir Serge: heute Crepe Marocain. Die Kundinnen lieben ihn. Sie sagen, er ist so weich, daß man darin schlafen kann. Bon hundert Kleidern sind zwanzig neu: die übrigen waren schon da." Auf die Nachmittagskleider folgten die großen Abendtoiletten, zu denen die Mannequins Diadem« und Kolliers trugen. Es waren unechte Setine, aber die Mannequins sahen darin aus wie Köni- ginnen. Zwei schöne, hochgewachsene Mädchen defilierten in Theater- toiletten: die eine ganz in weißem Voile mit italienischen Spitze«: die andere in rosa Krepp, bestickt mit Goldperlen. Di« Wirkung bestand in dem Kontrast zwischen dem weißen Waschstoff und einem metallbeschwerten Stoff. * Herr Dessard sprach sich zu Renö Deprieux über seine Branche aus: „Dank der Chemie haben wir heute in der Bekleidungsindustrie eine Unzahl Hilfsmittel. Früher hatte der Weber es schwer, immer neue Varianten zu bringen. Das Muster kam durch eine Kompo. sition verschieden gefärbter Fäden zustande: man hatte nur ein paar Farben zur Auswahl, immer dieselben:«in« Skala von rot, gelb, grün, blau: die Regenbogenforben. Heute wird Leinen und Seid« vom Weber weiß verarbeitet. Erst der Färber bringt die Abrrechse» lung. Die Mode hängt von der Farbe ab. Eine so kunstvolle Kombi» Nation von Fäden, wie man sie in den Kaschmirschals zur Zeit des zweiten Kaiserreichs hatte, gibt es heute nicht mehr in der Frauen- kleidung. Die alten Firmen, die früher diese kunstvoll gemusterten Gewebe herausbrachten, fabrizieren heute nur einfarbige, und erst die Färbereien bringen die Nuancen hinein. Heute ist eine Kundin gewonnen, wenn der Chemiker ein Braun, ein« Orange oder ein sanftes Gold, irgendeinen erregenden Farbenseufzer herausbringt. In diesem Jahr trägt man veilchenblau. Der Farbton wird inten- sioer: Scknvarz noch schwärzer, Weiß, weißer. Natürlich, das Gewebe leidet. Man legt keinen Wert auf Haltbarkeit, weil die Mode zu schnell wechselt. In der Regenzeit haben wir dann viel Rekla- mationen, weil die Kleider durch Feuchtigkeit die Fasson verlieren... Fräulein Wavelet, beachten Sie bitte dies Voilekleid, neben dem da aus Silberlamäe. Das Weiß ist ebenso«indringlich wie dos Weiß ihres handgewebten Brautkleides. Wünschen Sie es mit dieser Art Schlepp«, die wie ein Kaisermantcl von den Schultern fließt? Unter dem Diadem aus Orangeblüten und Perlen würde es wundervoll wirken!" * Die blonde Olga kam in einem Kleid aus Seidenvolle, auf dem Glasperlen klirrten. Sie trug alles mit größter Eleganz. Das einzige, was man an ihr auszusetzen hatte, waren ihre blassen Waden. Deshalb schminkte sie sie, und man sah es rosa durch die Seiden- strüinpf« schimmern. Jetzt dreht« sie sich in dem feuerfarbenen Kleid und schob mit einer altgewohnten, trotz der kurzen Kleider nicht verlernten Fuß- bewegung die Schleppe zur Seite Die Straßenkleider blieben noch kurz, aber die Gesellschaftskleider wurden schon wieder länger und liefen hinten in einen Sirenen- schwänz aus. Die blonde Olga ging zurück in den Ankleideraum. Hier zogen sich die Mannequins, von Ankleidefrauen bedient, schnell um. Unter den Kleidern trugen sie nichts als«ine Hemdhose, die den Oberkörper irci ließ. Im Herauegehen half noch eine der anderen beim letz!«« Zurechtzupfen. Reben Joanne Wavelet gab eine Kundin ihre Ansicht über Mannequins zum besten: ..Es sind alles Flittchen. Kennt man eine, kennt man alle: das ist für die Herren von großem Vorteil." * Nach einer kleinen Paus« kamen zwei groß« Mädchen: majestätisch in Weiß: auffallend nach dem Farbenrausch der letzten Vorführung. Sie trugen Diademe. Durch langsames Schreiten ver- hinderten sie das Klirren der Perlen. Ieanne Wavelet war geblendet. Eine Verkäuferin sagte zu ihr: „Wir hätten einen leichten Beruf, wenn alle unsere Kundinnen ihnen glichen." Herr Dessard dirigierte die Mannequins: „Noch einen Schritt! Die Schleppe muß sich ausbreiten! So, jetzt ist es gut! Recht langsam gehen! Zeigen Sie alle Ihre Bor- Züge!" „Sehen Sie", wandte er sich an Ieanne Wavelet,„die Wirkung von der Seite und im Rücken ist wunderbar und sehr schlicht: nichts Ueberladenes. Es hängt alles vom Sitz und Fallenwurf des Stoffes ab." Die Männer achteten jetzt weniger auf die Mannequins als auf die hübsche, befangene Kundin, der Herr Dessard die kostbarsten Toiletten vorführte. Die Schönhell seiner Verlobten erfüllte RcnS Deprieux mit Herrscherstolz. Seit«r das Recht hatte, dies schöne Gesicht zu küssen, kam es ihm vor, als brauche er sich vor niemand zu beugen. Weder die Energie, die er zur Leitung seiner Fabrik und ihrer Arbeiter aufwenden mußte, noch die Befriedigung über sein wachsendes Der. mögen hatten ihn mit so vollkommener Sicherheit erfüllt wie jetzt die Schönheit seiner Braut. Ihm schon unterworfen und doch noch rebellisch, bat Ieanne Wavelet ihren Verlobten, für sie zu wählen: sagte aber gleichzeitig, daß er davon nichts oerstände. * Die Mannequins ruhten sich im Ankleideraum aus. An den Kleiderständen hingen die eben gezeigten Toiletten: jetzt, ohne den Frauenkörper, der ihnen Form und Leben gab, hingen sie da als bloße Lappen: totes Gewebe, aneinandergedrückt wie die Felle geschlachteter Tiere. Vom Schnallenlieferanten an über die unbekannten Nadel- arbeiterinnen bis zum Triumph der Mannequins, denen die Männer zulächelten, steckte soviel Ehrgeiz und horte Arbeit in jedem Kleid, daß die Frau, die es trug, zusammengebrochen wäre unter der Last. wenn jede von denen, die daran gearbeitet lzatten, mir einen Finger auf sie gelegt hätte. Die müden Mannequins lehnten sich mit ihren schönen nackten Schultern an die Wand, oder sie zogen ihre gewohnten weißen Blusen an, die sie außerhalb der Modenschau trugen. Mit deni Ablegen der großen perlenbestickten Toiletten fielen fünf bis sechs l Kilo von ihren Schultern. Ein solches Gewicht konnte man nicht jeder Kundin aufbürden. Diel« hielten eine derartige Last aus Stoff und Perlen auf chvem Körper nicht aus. Die Hauptsorge der schönen Mädchen war es, nicht dicker zu wer- den. Einige hatten reiche Freunde, die der Ansicht waren, daß die Treue ihrer Mätressen in einem solchen Modesalon sicherer behütet war als bei Müßiggang und freiem Hinherspczieren. So ging es Herrn Dellouche. Es war ihm lieber, daß Fräulein Olga sich als Mannequin zur Schau stellte, als daß er sie der Gefahr des Nichts- tuns aussetzte. Nach der Mode, Tänzerinnen auszuhallen— eine Mode, durch die dem Ballettkorps schöne Brillanten zuflössen—> hatte sich die männliche Gier auf das Corps der Schneiderinnen geworfen. Der reiche Flaneur sucht« jetzt nach einer Freundin, die Kleider gut zu tragen verstand. Aber auch dies« Mode war schon wieder im Ab- ebben. Die Männer waren jetzt mit Mädchen aller Berufsstände zufrieden. Kein Gewerbe profitierte ausschließlich von ihren Aus- fchwelfungen. Das wirkte sich auch auf das Metier der Mannequins aus. Es gab schon viel Mittelmäßigkeiten darunter. Sellen noch fand man soviel Schönheit wie bei Dessard, der es verstanden hatte, sich schöne Nassische Typen zu engagieren und festzuhalten, anstatt auch mager« einzustellen, die sich in spitzen Hüften wiegten. (Fortsetzung folgt.) Julius JCaydu„Jehotahs Qeburl" Auf dem ägyptischen Pharaonenihron sitzt ein Romantiker und Philosoph. Befriedung der Welt, Humanität und die Idee eines einzigen, unpersönlichen Gottes, der Güte und Gerechtigkeit ver- tritt, sind seine Ideale. Aber Amenophis IV. Echnaton, der Ketzerkönig, ist um Jahrtausende zu früh geboren. Als er 13Z8 v Chr. stirbt, bricht seine Religion in sich zusammen. Di« Priesterjchaft des ägyptischen Götterpantheons zerstört aus Rache sein Andenken, läßt seinen Namen oerschwinden. Erst die Ausgrabungen in El Amarna in den neunziger Iahren des vorigen Jahrhunderts lenken die Sluf- merkfamkeit von neuem auf Echnaton. Dies« interessante Persönlichkeit wählt Julius Haydu in seinem Roman„Iehovahs Geburt"(Phaidon-Verlag, Wien) zum Gegenstand künstlerischer Gestaltung und verknüpft damit die An- sänge der jüdischen Geschichte, also die Moses-Sag« und den Auszug aus Aegypten. Moses übernimmt die Religion des Echnaton, setzt sie fort und baut sie aus. Eine große Verbindungslinie wird hier gezeichnet, die in Wirklichkeit kaum bestand, da ein ausgeprägter Monotheismus in Judäa erst durch das Deuteronomium 622 v. Chr. amtlich stabilisiert wurde und der spiritualisierte Gottesbegriss kaum vor der Rückkehr aus Babylon allgemein« Geltung erhielt. Haydu geht also sehr frei mit den historischen Tatsachen um, und ihm fehlt die Sprache und auch die große, künstlerische Ge- staltungskraft, um wie etwa Flaubert in der„Salambo" diese ent- sernte Zeit mit ihrer ganzen Atmosphäre zu verlebendigen, den Duft der Ferne zu vermitteln. Andererseits versucht er auch nicht wie Shaw oder France, den historischen Menschen im Dialekt der Gegen- wart sprechen zu lassen. So entsteht eine Fotm, die nicht völlig be- friedigen kann. Trotzdem fesselt das Buch. Gleichgültig, wie Amenophis tat- sächlich war. Haydu zeichnet einen großen Menschen, der sein reines Wollen nicht ideal durchführen kann, der sich am passiven Wider- stand der anderen zerreibt, einen Menschen, der in einer Gedanken- welt lebt und nicht genügend mit den Realitäten rechnet, mit der s epischen Trägheit der anderen. Amenophis ist ver Realist, der die Welt nur gebrochen im Prisma seiner Idee sieht,«in Erkennender» der aber seiner Erkenntnis nicht klug den Weg zu bahnen weiß, ein tragischer Typ. der über die Zeiten Dauer besitzt. Lelix Scherret. Rätsel- Ecke des„Abend". «iimmmiWmmwnmiWMUiuwMimmmmnmnmmmumuxmmiMiiwmvmiiiimimmmimimimmWmiiimmmmimlmMmmmmmWunmmumümiliui» Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Blume; 3. Tier: 8. Waldtier: 9 Gemüse: II. Präposition: 13. Zugabeartikel: 15. Naturerscheinung: 17. Spiel- karte: 18. Vogel: 19. deutsche Stadt: 26. französischer Artikel: 21. Fahrzeug: 22. Menschenrasse: 24. Austragung eines Völkerstreits: 27. mämvlWTer Vorname: 31) Schickfa!: 32. türkischer Rechts iwiehrter: 33. Insekt: 34. günstiger Streitabschluß: 35. Ziegenleder: 37. Tier: 38. Frucht.— Senkrecht: 2. Persönliches Fürwort: 3. Körperorgan: 4. Tatarenfürst: 5. Pflanze: 6. Vorfahre; 7. verhellte Wund«: ö. Partei eines Prozesses: 16. italienischer Fluß: 12. Gegenteil von „alt": 14. Abschlagszahlung: 16. Speerart: 20- deutsche Stadt: 21. Flächenmaß: 23. Ur-Teilchen: 24. boxtechnischer Ausdruck: 25. Märchengestalt: 26. biblisch« Person: 27. weiblicher Vorname: 28. Viehsutter: 29. Straußenart: 31. Singspiel; 32. Tier; 33. An- rede: 36. Titel(Abkürzung). U.S. Homonym. Bringt es der Bräutigam der Braut. Wird Freud« es erwecken, Als Vogel läuft es fern im Süd Auf sandig wüsten Streck««. Als Mensch hat es uns einst geschenkt Gar viele heitre Weisen, Tanzfroh« Menschen ihn allzeit Als ihren Liebling preisen.* Gilbenraisel. a a da dan dar di do c e«« ein el eng fa fan krak ga gen ha Horb hi Hund i! il in lan land ler li list lo lus mei mer mes mo mu na ni ni nin no num re res ri rist so sau sc se see jpi stan te te ti tiv ton tor tron um vid wol za(st-- ein Buchstabe).— Aus vorstehenden 67 Silben sind 27 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten, letztere von unten nach oben, einen bekannten Satz aus der Arbeitermarsellaise ergeben. Di« Wörter bedeuten: 1 Fran- zösischer Revolutionär: 2. Fraucnname: 3. Stadt in Frankreich; 4. Diener: 5. Figur aus Lohengrin; 6. chemisches Element: 7. Zahl: 8. Behälter: 9. biblischer König: 10. Gelehrter unter Karl dem Großen: 11. Salz: 12. Fluß in Rußland: 13. Fußsoldat: 14. Fern- rohr: 15. Pflanze; 16. musikalische Bezeichnung: 17 Siadt in Thüringen; 18. biblische Person: 19. Nebenfluß der Donau: 20. Fahne; 21. europäischer Staat: 22. Anhänger einer Umsturzpartei: 23. west- indische Insel; 24. Kriegsgott: 25. Philosoph; 26. Flossenfüßler; 27. Schwung. lm. Zahlenrätsel. 12343678974 10 10 969 11 12 42 ,itt»t denen einen schweren wirtschaltlichen Notstand eine Blume Siadt in der Schweiz Metall norwegischer Dichter Spinne Handwerker Hülsenfrucht Himmelsrichtung Zahl Lasttier kleine Schlange Teil des Ge:chts Stadt in Oberschlesien Verwandte Sternbild Gewürz Wald weiblicher Vorname Ruhepause (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) AuttSsung der Rätsel aus voriger Nummer. Splralen-Kreuz Worträtsel. Waagerecht: 2. AG: 3. Arm: 5. Bund: 6. Neger: 8. schick: 9. Entente; 11. Sandmann: 12. Normandie: 14. Stoßtrupp.— Senkrecht: 1. Go: 2. Ära: 4. Darm; 5. Besen; 7. keiner; 8. Scheibe: 10. Narbonne: 11. Suder- mann: 13. Paraphrase: 14. Schneemann. Die fehlende Mittelsilbe: Silbe ni. Genitiv, Bosnien, Anita, Ninive, Arnika, Mmimar, Tunika, Tenien, Daniel, Staniol, Trinitat, Hannibal, Unikum, Kraniche. Drei Silben: Haken— Kreuz— Hakenkreuz. Silbenrätsel: 1. Darwin: 2. Adler; 3. Salvioll: 4. Gegen- wart: 5. Raditalismus: 6. ökonomisieren: 7. Shakespeare: 8. Schwab: 9. Tunnel: 10. Energie: 11. Alorus; 12. Anzengruber; 13. Ute: 14. Leinwand: 15. Ufer; 16. Nietzsche; 17. Dissident: 13. Dißmann; 19. Akku: 20. Senat; 21. Konfuzius: 22. Ceoi; 23. Epigone: 24. Znter» reg mim; 25. Newton; 26. Seume: 27. Troven: 28. Cbner-Eschenvacy: 29. Hugo: 30. Interview; 31 Revolution.—„Das größte Maul und das kleinst« Hirn wohnen meist unter derselben Stirn!" Figurenrätsel: 1. Memel: 2. Jller: 3. Irene; 4. Baiel.-. .5. Frank: 6, Niob«: 7. Elise; 8. China: 9. Flach; 10. Tante.— Senkrecht: Liebknecht Arbeiters Feierstunde:„Feierabend". Die nächsten Feste im Arbeitersport Rosenkranz( Alt- Webbing) im ersten Gang ohne Resultat und fonnte in der Schlußrunde seinen Gegner überraschend noch furg vor Schluß des Kampfes entscheidend besiegen. An die Schulentlassenen! Jugend, wo treibst du Sport? Aus Anlaß des 10jährigen Bestehens Arbeiterhodena bteilung in Moabit haben die Spieler des Sportvereins Mo abit die spielstarke Mannschaft von Leipzig- Paunsdorf zu einem Freundschaftsspiel eingeladen, um Zeugnis ablegen zu können von dem augenblicklichen Stand der Berliner Hodenbewegung nach zehn In großer Zahl haben wieder Burschen und Mädel die Schule jähriger Tätigkeit. Daß auch das Hockeyspiel seinen Blaz behauptet verlassen. Auch Max und Frieda, Lotte und Wilhelm. Ein lustiges hat, beweist am besten, daß bei diesem Jubiläumsspiel noch drei Quartett seit der Abc- Schüßenzeit., Gewissermaßen eine Genossen| Spieler aktiv mitwirken, die vor 10 Jahren die erste Moabiter Mannschaft: Murmeln und Triesel waren Gemeineigentum, und natürlich schaft begründeten und die auch heute zu ihrer Stüze gehören.. Leipzig- Paunsdorf geht ein guter Ruf voraus und somit ist die Gewähr geboten, daß guter Sport gezeigt wird. Das Spiel findet am 6. April 15 Uhr auf dem Sportplaz Tiergarten statt; der B such tann nur empfohlen werden. Umrahent wird die Veranstaltung von zwei Handballspielen, und zwar: Moabit I- Fried richstal I und Moabit II- Schwante I. Anschließend findet im Artushof, Perleberger Str. 26, mit den auswärtigen Arbeitersport. lern ein gemütliches Beisammensein mit Tanz statt. M Die Polizei in der Halle Das 5. Berliner Polizeihallensportfest hatte geftern im Sportpalast einen großen Erfolg. Turnvorführungen, Leicht- und Schwerathletikfämpfe boten so große Reichhaltigkeit im Programm, daß fich das Feft bis in die späten Abendstunden hinzog. Beim Sprinterdreifampf fonnte sich Lammers nicht behaupten, vielmehr war Jonath Hanover jedesmal leichter Sieger. Das 1000- Meter- Laufen fiel an Schwerdtfeger- Berlin, während sich die große Staffel über 20 X 2 Runden der SC. Charlottenburg holte. Ergebnisse: # Sprinterbreifampf A, 1.& auf, 60 meter: 1. Jonath- Hannover 7 Gef.; 2. Lammers- Oldenburg 7,3 Get. 2.£ auf: 1. Jonath 7 Get.; 2. Lammers, wurden auch die kleinen Streiche gemeinsam ausgeheckt. Das war 1 Meter Aurid. 3. 2 auf: 1. Jonath 7 Set.; 2. Lammers, ½ Meter zurütd. schön, doch nun kommt etwas Neues. Es geht hinaus ins öffentliche Gesamtergebnis: 1. Jonath 12 Bunfte; 2. Lammers 9 Buntte. Sprinterbreilampf B, Gefamtergebnis: 1. Füllgrabe( Tib.) 11 B.; Leben, in die Werkstatt, ins Büro oder in die Fabrik. Das bis, 2. Bankrag( Brandenburg a. b. 5.) 7 B. Sürdenlaufen, 60 Meter, 1. 2 auf: 1. Edulae( Polizei) 8,6 Set.; 2. Befchehnit( DEC.). 2. Lauf: 1. Schulze herige Spielquartett ist tagsüber in den verschiedensten Himmels8,5 Gef.; 2. Bescheknit. Gesamt: 1. Schulze 12 Punkte: 2. Bescheknik richtungen tätig. Mitten im großen Strudel des Erwerbslebens. 10 Punkte. 3X1 Munbe Staffel für Polizeigruppen: 1. Güb; 2. West. Das ist ungewohnt und anstrengend. Wir sehen: einseitige 4X2 Ranben Staffel: 1. Dresdner Bant 2: 59,9: 2. Schöneberger TGC. 3: 01,4. 1000 Meter: 1. Schwerdtfener( DEC.) 2: 43,8; 2. Müller( Rehlendorf) 2: 44,8. Tätigkeit ermüdet weit mehr als das Herumtollen am ganzen Tage. Große Staffel, 20 × 2 Muxben: 1. GC. Charlo tenburg 15: 10,8; 2. Humboldt; Sandball: Polizei- Siemens 4: 1( 0: 1). Zauziehen: BolizeiDer junge Rörper protestiert gegen diese Einseitigkeit. Er verlangt 3. Polizei. Ringen: Röplin nach Harmonie der Glieder, furz gesagt: nach sportlicher Erhule Brandenburg schlägt Polizei- Sportverein Berlin. ( Polizei) fiegt über Jsmer( BVG.). gänzungsarbeit Unter den Ehrengästen sah man Polizeipräsident Zörgiebel, Oberst Heimannsberg, Minister a. D. Severing. Deshalb ruft der Arbeitersport alle Jugendlichen auf: kommt zu uns! Bringt alle Spielfreunde und freundinnen aus der Schulzeit mit. In den Turnhallen, Schwimmhallen und auf den Sportplätzen erwarten euch die Altersgenoffen. Alle Bereine haben besondere Abteilungen für Jugendliche eingerichtet. Besonders die jungen Mädchen sollten daran denken, daß ein gefunder Körper ihr kostbarstes Gut ist. Bei der Bielseitigkeit des Arbeitersports wird jeder etwas Geeignetes finden. Das Berliner Kartell für Arbeitersport und Körperpflege hatte die Techniker der Sportorganisationen zu einer Borbesprechung für den diesjährigen Reichsarbeitersporttag am 22. Juni geladen. Lehmann und Dehlschläger gaben zunächst einen Situationsbericht über den Stand der Vorbereitungen durch den Kartellvor stand. Die technische Leitung ist wieder F. Leutloff ASC. Berlin übertragen. Die allgemeine Aussprache, in der die Verbände das Wort nahmen, ergab Geschlossenheit und festen Willen an der größten Beranstaltung der Arbeitersportler, möglichst start beteiligt zu In den Turnvereinen gibt es Gymnastit, Turnen, Hand werden. Durch die Aussprache zeichnet sich der Rahmen des Raft ball nud Leichtathletik. Die Sportvereine haben fast alle das gewissermaßen von selbst. Entgegen dem Vorschlage des Kartell- gleiche Programm, die Leichtathletit steht im Vordergrund. Die vorstandes beschlossen die Funktionäre, diesmal von einem Fußball- Schwimmbereine geben Schwimmunterricht und halten wasser. spiel Abstand zu nehmen und ein Handballspiel gegen eine sportliche Wettkämpfe ab. Wer Boren, Ringen, Jiujitsu und Gestarke auswärtige Mannschaft zu zeigen. Das lebhafte Interesse an wichtheben bevorzugt, findet das in den Schwerathletikver. der Ausgestaltung des Raft war sehr erfreulich; die Funktionäre der einen. Dazu kommt der schöne Rudersport, das Rad. Sparten müssen am besten wissen, wofür sich die Anhängerschaft am fahren und die Organisation der Naturfreunde. Die meisten interessiert. Die Radfahrer stellen Sondervorführun. Uebungsmöglichkeiten sind aus den Bekanntmachungen im Abend" gen auf Motorrädern in Aussicht, für Kinder werden Groß zu ersehen, ferner erteilt Auskunft das Arbeiter- Sporttartell, Robert Dorführungen gewünscht. Eintrittspreis 50 Pf., jugendliche Mit Dehlschläger, Berlin N., Nazarethkirchstr. 46. glieder sowie Arbeitslose 30 Pf. Nach Verarbeitung des vorliegen den Materials in den einzelnen technischen Spartenausschüssen mer. den die Funktionäre mit genauen Unterlagen und der Zeiteinteilung am 15. April zur endgültigen Programmgestaltung zusammentreten. Das erste große Sportfest des Jahres im Berliner Arbeitersport wird das vom Athletit Sport Club veranstaltete große bundesoffene Frühjahrssportfest sein. Es findet am 1. Juni im Stadion in Lichtenberg statt. Die Ausschreibung der Wettkämpfe, die wir demnächst veröffentlichen werden, ist unter Berücksichtigung aller Leistungsklassen erfolgt. Besonderer Wert ist auf die Mann fchaftstämpfe, und zwar in den Staffeln gelegt. ,, Alt- Wedding- Sparta" 14:14 Vor dem Ende der Serie Den vorlegten Serienfampf der A- Riesse im Ringen trugen die beiden Arbeiter- Athletenvereine Alt. Wedding" und Sparta- Neukölln" aus. Beide Mannschaften, die allen Ehrgeiz für einen Sieg einsekten, hielten den Ausgang bis in Die letzten Runden offen. Das Kampfglück entschied sich für feinen ber technisch gleichwertigen Vereine. Dem fchweren Spartaner Kretschmar gelang es, mit seinem plößlichen Sieg über Rosentranz Den knappen Punttvorsprung der Alt- Weddinger in ein Unentschieden zu verwandeln( 14:14). Im Fliegengewicht gingen die Punkte fampflos an Tietz ( Alt- Wedding), da Schade( Sp.) mit Uebergewicht antrat. Betrie ( Alt- Wedding) unterlag im ersten Gang gegen Langer( Sp.) nach 3,28 Minuten und verlor auch die zweite Runde in der 3. Minute gegen den stärkeren Gast durch einen Kopfzug. In den flotten Gängen der Federgewichtler Roßmann( Alt- Webbing) gegen Hüffner( Sp.) wechselte in schneller Folge Stand- und Bodenkampf; R. mußte nach 6 Minuten Hüffner den Sieg überlassen. Die zweite Runde bot technisch dasselbe Bild, der Gang endete mit einem Unentschieden. Einen technisch ganz hervorragenden Kampf lieferten Weihe( Alt- Wedding) und P. Wittfamm( Sp.), zwei Gegner, die sich ergänzten und ein Unentschieden lieferten. 2. Wittfamm stieß in dem starten Siegeswillen des Alt- Weddingers Eckert auf ein nicht zu beugendes Hindernis; troß größter Anstrengungen erreichte E. in beiden Gängen ebenfalls nur ein Unentschieden. Dem tampferprobten, Michael( Alt- Wedding) mußte sich Wolter( Sp.) in beiden Begegnungen in 3,11 Minuten bzw. 56 Sekunden beugen. Kretschmar( Sp.) rang mit dem schweren, aber sehr gewandten In furzer Zeit lockt die neuerwachte Natur alles hinaus auf ben grünen Plan. Bei Spiel und Wettkampf soll die Jugend sich gesund erhalten und die Kräfte messen. Deshalb ergeht an alle der Ruf: Jugendliche, treibt Arbeitersport! Werbekundgebung im Bezirk Friedrichshain $ Das Kartell für Arbeitersport und Körperpflege im Bezirt Friedrichshain bringt am Donnerstag, 3. April, 19,30 Uhr, eine große Werbefeter in den Andreas Festsälen, Andreasstr. 21. Neben einem Lichtbildervortrag, in dem gezeigt wird, wie Turnen, Spiel und Sport von den Arbeitersportlern in den Dienst an der Boltsgesundheit gestellt werden. laufen zwei Filme: Der Rindertag beim Bundesfeft in Nürnberg" und Tüchtige Knaben bei Spiel und Sport". Unfoftenbeitrag 30 Bf. Am gleichen Tage, aber um 17 Uhr, menden sich im gleichen Lofal die Arbeitersportler an die schulentlassene, jezt ins Leben tretende Jugend. Die Kinder der Parteimitglieder, der Gewerkschaftsangehörigen und der mit dem bundestreuen Arbeitersport sympathifierenden Bevölkerung sind dabei herzlich willkommen. Der Eintritt foftet nur 10 Pfennig. Friedrichshainim Schwimmunterricht voran! Zu den fortschrittlichsten und fegensreichsten Einrichtungen der Nachfriegszeit gehört ohne Zweifel der Schulschwimmuntera richt. In hohem Maße fann dabei für die Ertüchtigung und Gefunderhaltung der heranwachsenden Jugend gesorgt werden. Zu welchen Erfolgen systematische Arbeit führen kann, zeigt als Beispiel der Bezirt Friedrichshain. In 5% Tharen sind hier rund 24 000 Kinder der Bolts- und höheren Schulen im Schwimmen ausund weitergebildet worden. Mehr als 2500 dieser Kinder erhielten auf Grund ihrer Ausbildung und der gezeigten Schwimmfertigkeit das Rettungsschwimmer 3eugnis und mehr als 10 000 das Fahrten und Freischwimmer- Zeugnis. Für unsere unterernährten und stadtblassen Kinder gibt es fürwahr feine größere Wohltat, als daß sie befähigt werden, nicht nur in Licht und Luft, fondern sich auch im Waffer gefahrlos zu tummeln. # Arbelter- Fußballspieler Weißenfees. Der Freie Ballspiel verein Weißensee" sucht zur Bervollständigung der III. Männer mannschaft Mitglieder. Parteigenoffen und Gewerkschafter, die dem Berein beitreten wollen, sind zu den Sibungen jeden Freitag, 20 Uhr, bei Jang, Weißensee, Lothringer Str. 20, willkommen. Arbeiterschach. Donnerstag, 3. April, gründet bie Freie Arbeiter- Schachvereinigung Groß- Berlin eine neue Abteilung im Lofal Kurtowski, Feldstr. 3. Parteigenossen, Arbeiterschachspieler und solche, die es werden wollen, sind herzlichst eingeladen. Ana fragen in allen Vereinsangelegenheiten an G. Berwinfti, Berlin G. 59, Planujer 91. Bundesreue Vereine teilen mit: .Solidarität“. Motorfahrer. Bersammlungen: Abt. Bantow: 2. April bef Stahl, Bornholmer Str. 88. Tagesordnung: Die Unfall- und Saftpflichtunter Kilkung". Abt. Friebrichshain: 3. April Strausberger Str. 3. Abt. Charlotten burg: 3. April bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Abt. Kreuzberg: 4. April Rindl- Quelle, Reichenberger Ede Fatiborstraße. Ast. Norben: 4. April bet Abt. Oberschöneweibe: Berbeverfammlung am winkelfeffer, Sparritt. 3. 4. April bei Emmerich, Oberschöneweide, Wilhelminenhofftr. 64. Touren Sonntag, 6. April. bt. Sichtenberg: Bergfelde- Oranienburg: 8 Thr Obere de winowstraße. Abt. Friedrichshain: Lehnik- Beelis. 8 Uhr Landsberger Blak. Abt. Kreuzberg: Blumenthal( Seldekrug). 10 Uhr Warschauer Ede Revaler Straße. bt. Neukölln: Wilsnad. Start 7 Uhr Sohenzollernplag. Abt. Oberschönewelbe: Freienwalde- Eberswalde. 9 Uhr Vereinslokal. Abt. Charlottenburg: Luckenwalde. G'art 9 Uhr Wilmersdorfer Str. 21. Abt. Bankow: Riel am Start. 9 Uhr Bornholmer Str. 88. Man sicht nur noch die Trümmer rauchen... Das Chaos im kommunistischen Sport- Neue Vereine im Bund! Die fommunistische Infereffengemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport" geht allmählich in die Brüche. Troß ihrer trampfhaften Bemühungen, stark und machtvoll zu scheinen, beweisen aufs neue die Tatsachen, besonders in Berlin am Sitz der Reichsleitung, daß das kommunistische Sportgetriebe unterwühlt, morsch und zerfressen ift. wiederum tönnen wir melden, daß Hunderte von Mitgliedern, unter denen sich viele befinden, die fast ein Lebensalter der Arbeitersportbewegung angehören, angewiderf von der Unaufrichtigkeit und dem diftatorischen Vorgehen der fommunistischen Sportführung aus den Bereinen der 3G. ausgetreten find. Die Politit der JG. hat dazu geführt, daß in der vorigen Woche Macht die Boote klar! Frühjahrsarbeiten in den Winterquartieren der Freien Segler Längst schon haben die Freien Segler und ihre Boote den Winterschlaf beendet. Schaber, Spachtel, Firnis, Farbe, Lack beherrschen die Bootsplätze, es wird geschliffen und ladiert, gebaut und montiert. Unter der Wasserlinie gibt's einen Anstrich mit wasserfester Farbe, oben am Ded macht ein guter Lack die Boote glänzend. Die Motoren werden überholt und schließlich geht's vom Slip aus wieder ins Wasser zu neuer Fahrt und neuer Erholung. " Die im Freien Segler- Berband" organisatorisch verbundenen Arbeiterfegler und Motorbootbefizer müssen ihren Sport mit den denkbar geringsten Mitteln betreiben; wenn die Kosten höher steigen als etwa der Betrieb eines Laubengrundstücks fostet, dann ist es aus mit der Wasserfahrerei. Deshalb fennt der Freie Segler feinen feudal- teuren Vereinsbetrieb und des halb macht er sich sein Krämchen am Boot auch- soweit es irgend geht- selbst. die Freie Turnerschaft Brig gegen eine Stimme bei drei Stimmenthaltungen beschlossen hat, wieder in den Bund zurückzukehren. Der Aufnahmeantrag ist bereits gestellt, dem Wiedereintritt des Bera eins wird nichts im Wege stehen. Die Freie Turnerschaft Brig hat besonders üble Erfahrungen in ihren Sentralijationsbestrebungen mit Fichte" machen müssen. Wir registrieren weiter, daß auch in der Schwimmbewegung die JB. eine tüchtige Schlappe erlitten hat. Der ehemals so starte und festgefügte Schwimmverein Bor= wärts ist infolge seiner Zugehörigkeit zur IG. so start erschüttert, daß seine Lebensfähigkeit in Frage steht. Aus der Neuköllner Abteilung des Bereins sind annähernd 100 Mitglieder ausgetreten, " die in der vorigen Woche einen bundestreuen Schwimmverein ,, Möwe" ins Leben gerufen haben. Aus dem Protokoll der Gründungsversammlung entnehmen mir, daß dieser neue Berein, zu dessen Borsigende Artur Striegel, Neukölln, Pflügerffr. 13, und Albert Melcher, Berlin N 31, Anflamer Str. 38, gewählt wurden, sich zum Ziel gesetzt hat, alle bundestreuen Mitglieder aus den einzelnen Gruppen des JG.- Vereins Borwärts" zu erfaffen, um sie dem Bund zuzuführen. Da infolge der IG.- Politit im Bor märts" fast alle langjährigen Mitglieder und Techniker schon vor einiger Zeit den Verein verlassen haben, sind auch diese wieder zurüc zugewinnen. Ueber den Eintritt in den Bund gab es teine Meinungsverschiedenheit, restlos waren alle von der Richtigkeit des Wiedereintritts in den Bund überzeugt, die KPD.- Politik der IG. hat dazu beigetragen. Wir werden in den nächsten Tagen die Uebungsstunden des neuen Vereins bekanntgeben. Es ist erfreulich, festzustellen, daß der gesunde Sinn des Arbeitersports sich bei den Mitgliedern durchsetzt, so daß der Wert. der Zentralarbeitersportbewegung von den jungen Arbeitersportlern immer flarer erfannt wird. Noch sind nicht alle zum bundestreuen Sport haltenden Sportler der JG. erfaßt, der Gärungsprozeß geht dort weiter, bald wird noch eine größere Zahl Mitglieder wieder zu den Zentralverbänden zurückkehren. Es scheiden sich die Geister, die IG. fann nicht Sportbewegung sein, fie ist ein Anhängsel der Kommunistischen Partei. Jede Schwankung der KPD.- Politik und die ständig gärende Unruhe dieser Partei muß sich auch in der tommunistischen Sportbewegung auswirten. Bolschewistische Methoden passen nicht zum freien Sportbetrieb, freie Sportler lassen sich nicht zu Sklaven der kommunistischen Barbeidiktatur formen. Daher verliert die JG. in der eigenen Be megung immer mehr an Boden, sie wird einst, wie alle kommunistischen Absplitterungen von den Gewerkschaften, von den Kulturorganisationen usw. sein ein Bund, ohne Sportler, der, von Rotfrontleuten bevölkert, eine Sportbewegung vortäuschen will. Der Wahlspruch der Bundesschule:„ Mach dich frei" sollte jedem Sportler zur Mahnung und zur Richtschnur seines Handelns dienen. Unsere + Befchäfts- Anzeiger Bezirk Süden- Weften. Reformschuhe befreien den Fuß! 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