Morgenausgabe Nr. 157_, t A29 47.IchrgM«r ach MUmäßiUMn dari man nicht die Anwendung, de« Artikels 4L aufbauen. Es�g a ls»!«| Mittel, um die fetzig en Sch wleri g keitew zu- de- j feitigen. 6tt brauchten nur die frühere Regie-! r u n g s v o rla g« mi« der herzustellen. Das Zentrum wußte, daß eine Mehrheit In diesem Hause ist. die mit ihm gemein- � sam dieses Finanzprogramm durchführen wollt«. Statt dessen droht Herr Brüning jetzt mit der Auflösung des Reichstags und mit Artikel 48.-: Tie öffentliche Ruhe ist allerdings gestört wordene als Herr Schiele mit dem Aufftaad der dent- scheu Bauern gedroht hat. Hier hat mau aller- dings nicht die verfassungsmSßigen Mittel angeweu- det, sonder« mau gibt den Agrariern»eue Ber- fprechuuge«. Würde« Sie solche Bersprechungen auch geben, wen« statt der schwarzen Fahne des Land- bundes die rote Fahne der Erwerbslosen wehen würde? ' Herr Treviranu» hat schon vor der Regierungserklärung«ine eigene Erklärung abgegeben, die deutlich erkennen ließ, daß« in die Regierung gehe, um den Artikel 48 sobald als möglich anzu- wendem Herr Reichskanzler, ich möchte Ihnen den dringenden Rot geben, sich nicht von einem Mann« beeinflussen zu lassen, der das frische Temperament und den leichten Sinn eine» Seekadetten in das Kabinett bringt! lUnruhe rechts.) Wir fürchten, daß die An- ustNdung des Artikels 48 in diesem Falle nur der Anfang zum Beginn einer Diktatur ist. Ich beschwör« Sie. diesen Weg nicht zu gehen. Unser Mißtrauensvotum gegen dos Kabinett ist be- gründet aus seiner Entstehung, aus feiner Zusaniinensetzung und aus seinem Programm. Wir hatten alle Konsequenzen im Aug«. als wir es einbrachten. Glauben Sie nicht, daß mein Appell an � dsti Reichskanzler, auf den Artikel 48 zu verzichten, etwa seinen Grund w der Angst vor Neuwahlen hätte. » Unsere Wähler sind bereit zum Wahlknmpf. iLcbhafte, Händeklatschen bei den Soz.) Die Sozialdemokratie will ein« ruhig« Fortentwick- lung auf dem Boden der Verfassung, sie will kein« ..weitere Kürst zwischen den Parteien, die zur Erhaltung der Der- fassung berufen sind! Was wir wollen, das ist«in Staat, den wir verteidigen und den wir stützen könnenl(Stürmischer Beifall bei den Soz.)•.......•;! (Schluß des Reichstagsbericht w der 2. Beilage.) Oberbürgermeister mahl in Leipzig. Die Leipziger Stadtoer- ordneten wählten am Mittwoch im zweiten Wahlgang den..Bürger- meister Dr. Goerdeler-Knniqsberg mit 34 gegen 30 Stimmen, die auf den Bürgermeister Pick-Stettin entfielen, zum Oberbürgermeister von Leipzig. Ungültig waren elf Stimmen. Für Pick hatten in "beiden Wahlgängen die Sozialdemokraten und Demokraten gr- stimmt, während die Kommunisten auch in der Stichwahl ihre Stimmen für den früheren Stadtrat Stolt-Berlm abgaben und dadurch die Wahl de» Vertrauensmannes der Hakenkreuzlcr sicherten. Die Schwenkung des Zentrums. Kür die Arbeitslosen— gegen die Arbeitslosen! Der Zentrumsabgeordnete Esser hat am Mittwoch in Erwiderung auf die Rede des Abgeordneten B r« i t f ch e i d im Reichstag die Vorwürfe gegen das Zentrum mit der Be- Häuptling abzuwehren versucht, die Sozialdemokratie habe sich am S. März gegen den Vorschlag der.. Reichsregie- runa ausgesprochen Diese Behauptung ist un- r ich t i g. Ip den Parteiführerbesprechungen, vom 8. und g. März sind von der Deutschen Volk Sparlei die stärk- sten Einwände gegen den Regierungsvorichlag erhaben worden. Die Sanierung der Arbeitslosenversicherung dürfe nicht durch Beitragserhöhung, sie müsse durch Abbau der Leistungen erfolgen, das war und ist der Standpunkt der Deutschen Voltsvartei. Wie falsch die Behauptung des Abgeordneten Esser ist. läßt sich auch durch andere Tatsachen erhärten. In dem Be- richt des„Vorwärts" über die Sitzung der jozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion vom 5. März über das Re- gieru�gsprogramm wurde mitgeteilt: „Ziemlich allgemein war die Genugtuung darüber, daß der Angriff auf die Arbeitslosenversich>rung zu- nächst abgeschlagen ist. Bon diesem«inen Punkt abgesehen. überwog die kritische Stimmung." In einem Artikel des„Sozialdemokratischen Presse- dienstes" vom 5. März heißt es: .„Der erste Eindruck ist. daß die sozialdemokratischen Reichsminister in der Verteidigung der Arbeits. losenverficherung einen beachtlichen Erfolg erzielt haben. Der Leistungs.abb.au, den die Deutsche V o l k s p o rte.i sich zum Ziel. gesetzt hatte, ist vermieden Die Beitragserhöhung, die ebenfalls immer auf ihren heftigsten Widerstand gestoßen ist, wird— wenn auch auf etwas verschlunge- nen Wegen— beschlossen werden.' Schließlich kann auch noch darauf verwiesen werden, daß in den Besprechungen der Weimarer Parteien die Ar- beitslosenversicherung überhaupt nicht erörtert wurde, weil sowohl die Sozialdemokratie als auch das Zentrum, die Bayerische Volkspartei und die Demokraten den Vo r s ch l a g der Reichsregierung billigten. Die Behauptung. die Sozialdemokratie habe wenigstens im ersten Stadium der Berhandlungen den Vorschlag der Reichsregierung zur Ar» beitslosenversicherung abgelehnt, ist also durchaus unrichtig. Um so begründeter aber ist der Vorwurf gegen das Zentrum, daß seine Hallung entscheidend zur Der- schärfung der politischen Situation beigetragen hat. Das er- kennt man am besten, wenn man die Hallung des Zentrums im Jahre 1023 mit der Haltung im Jahre 198 0 oergleicht. Bei ddm großen Kampf um die Arbeitslosenversicherung im Jahre 1929 bestand der große Gegensatz ebenfälls zwischen der Sozialdemokratie und der Deutschen Bolkspartei Dieser Kampf, bei dem die Deutsche Bolkspartei für. den Abbau der Leistungen eintrat, ist schließlich mit einem Ergebnis be» endet worden, das. die Zustimmung der Sozialb-mokrat-'e, aber nicht die der Deutschen Bolkspartei fand. Das wurde erziell, weil das Zentrum an die Seite der So- zialdemokratie trat., Diesmal ober hat das Zentrum- sich an die Ssite der Deutschen Voltspartei- gestellt. Od- wohl Dr. Brüning es. immer als das erste Erfordernis be- zeichnete, daß die Regierung führe und die Parteien ihrer Führung folgen, hat das Zentrum schließlich gerade unter seinem Einfluß die Regierungsvorlage zur Arbeitslohn- Versicherung im Stich gelassen und ein Kompromiß gemacht. das zwar den Wünschen der Deutschen Volkspartei weit ent- gegenkam. aber für die Sozialdemokratie unannehmbar wurde. Diese Schwenkung d e s Z c n t r u m s ist«ine der wesentlichsten Ursachen für die politische Zuspitzung. Reformwerk für Preußen. Die neuen Verwaltungsgesehf. Del einem vom preußischen Innenminister Dr. W a e n t i g oer- anstalleten Presseempfaiig wurde gestern der Referenten- « n t w u r f der zur Durchführung der staatlichen und kommunalen Derma ltungsreform bestsmibten Gesetzentwürfe bekannt- gegeben Es handelt sich dabei um da« Gesetz über die allgemein« La n de s v« r wa l tu n g, die kommunal« Eelbstver- w a k t u n g und das Elnführun g s g es« tz zu den beiden vor- stehend genannten Gesetzen. Diese auf langjähriger Vorarbeit be- ruhende Gesetzesarbeit soll als zusammenfassendes-Selbstverwaltung?. gefetz die, gemeinsam« Regelung für die bisher nur einzel gefaßten BestintNiungen der-' Landeeverwaltung.und.) gemeindlichen Selbst- Verwaltung bieten und an hie Stelle der bisher unübersichtlichen Einzelregelung treten. Den einleitenden Bestimmungen über den Begriff und den Inhalt der Selbstverwaltung stnoi«-grundlegende Vorschriften über Gebietskörperschaften folgen im allgemeine» Teil die f ü r a l l e Gemeinden und Gemeindeverbänd« gemeinsamen Bestimmungen. Hervorzuheben ist ein« Zusammenfassung des Eingemeindungsrecht», ferner die vorgesehene Regelung, daß in-der gemeindlichen Verwaltung bestimmte Obliegenheiten von Beamten wahrgenommen werden wüssen.- Wesentliche Reuerungen enthält der Abschnitt über Selbst. verwältungsangelegenhesten, wobei«iit verbot oer miß- bräuchlichen Ausnutzung gew ei nblicher Monopol« auffällt. Eine völlig gegen die bisherigen Bestimmungen cibweichend« Regelung ist für die Rechtsmittel vorgesehen, bei denen«in- heltlich«in an Fristen g e b u nd e n e r Einspruch vorgesehen. wird. Die Staatsaufsicht in Selbstverwalwngsaligelegenhelten wird auf die' in best neuen Gesetzen enthaltenen Besugmfl« beschränkt und mit diesen Bestimmungen erschöpfend geregell. Als neue Bs. schlußbehörd« erscheint, ein sogenannter Staatsausjchuß, über dessen Zusammensetzung der Reserentenentwurf noch keine näheren Bestimmungen enthält. Bei den. weiteren Lorschriften über die R« f o r m ber S. t ö b t« o r b n u n g gelangen die Grundsätze des E int ö r p e r« schaftssystems zur unbeschränkten Durchführung. Vorsitzsirdsr 'der Stadtverwaltung soll mit vollem Stimmrecht der Bürgermcister wy-be», unier HM hauptamtlkch« Sladträte.die- Geschäft« führen. PefötÄere DötschriftSN�übers örillchc ll'istergroppsn sind, für G'r v-ß> st tb- votxeschen.."Die Dbrfchriften' Über-Ä?-n«u« a-ft-fcß-«- i nt> r ördn üng', deren Bertrefung�körperf�allen diS°"Ge, mein devertretung' bildet, find entsprechend den Bestimmungen für die Städ'eordnung gestaltet! Anschließend an diesen systematischen Ausbau folgen die Be> stlmmungen über die Amtsordnung, Kreisordnung und Prcwinz- Ordnung, die im wesentlichen den bisher gesteichen Sesetzvorjch�sien angepaßt sind. Im Einführungsgesetz, dos die neuen Gcsetzvor- schlüge mit den bisherigen gesetzlichen Vorschriften in Uebereln- stimmung bringen soll, wird die gesetzliche Neuregelung einer Reihe bisher den Polizeibehörden vorbehalten gewesenen Verwaltung?- aufgaben angekündigt, die an die Gemeiichen bzw.' Aemter zur Entlastung der- rein zu verstaatlichenden Polizei übergehen sollen. Besondere Vorschriften für die S'adtgenisinde Berlin bleiben einen, Söndergefetz noch vorbehalten. Die Zuständigkeit- der Provinzen im Umfange ihrer Sclbstverwaitungsangelegenheitcn wird wesentlich erweitert. Treviranus und der Frondeur. Ist das der Seist der Aprii-Reqieruna? Der Reichsminister für die besetzten Gebiet« Treviranus be- abstchtigt, wie der„Soz. Pressedienst" erfährt, den von der Regie- rung Müller mit einigem Nachdruck beurlaubten Staats- sekretär Dr. Schmid— genannt Schweineschmtd— in das Ministerium für die besetzten Gebiet« zurückzuberufen. Schmid wurde, seserzeit gegangen, well er als voltsparteilicher Abgeordneter trotz seiner amtlichen Eigenschaft als Staatssekretär gegen«in für die Regierung Müller ein- gebrachtes Dertrouensvotum stimmte. Wenn der Stahlhelm- mann. Treviranus den Stohlhelmmann Schmid jttzt in sein früheres Amt wieder einsetzen will, so bedeutet das nichts anderes, als»aß der Minister für die besetzten Gebiete die Rebellion eines hohen D e a m t e n gegen seine eigene Regierung als be- rechtigt anerkennt und sich praktisch mit. ihm solidarisiert. Auch das zeigt, wohin.die Regierung..Brüning steuept und welchen Kurs maßgebende Kabinellsmitglieder entgegen den Erklärungen des Reichskanzlers Brüning beabsichtigen. �eich6wir d«N Wandelgängen der Kammer eifrig kommeuliert und hahsy hepte.ab.end� b e st'sm Mi« r e For- in en angenommen. Mu»st«rprDd�'?sprdl«� hat hbt. oon�den Zeitungen chm beigelegten Worte energisch dementiert, wo- nach dos Gepicht sich mit der Affäre bereit» beschäftigt habe. Es iti Nicht seine Absicht, eine. gerichlliche Unterjuchung herbetzu- führen. Gleichzeitig werden in den Wandelgängen der Kammer die Namen von sechs Politikern genannt,, die in die Affäre ver- wickell fem sollen. Darunter, befinden sich zwei sehr bekaunte S e- Notaren, von denen der eine bereits in die ungaxtfche Rentenfäljcheroffäre verwickelt war. Der andere hat'als fro n z äs i scher U n t« r h ä n d l« r bei den Kriegeschuldeyver- Handlungen mit Amerika eine Rolle gespielt. Die in Frage kommenden Abgeordneten sind sämtlich hervorragende Mitglieder des Bergwerksausschusses. Gerüchte wollen ferner wissen, daß diese Personen Gelder von verschiedenen ausländischen P e t r o- leum gefellschaften erhallen haben, um die Ratifizierung. des Abkommens zwischen dem französischen Staat und der. fronzösischen Petroleumgesellschaft hinauszuzögern oder zu verhindern. Der Be- richterstotter des Bergwerksausschusses. C h a r l o t. erklärt« heute abend/ der Ausschuß werde eiligst seinen Bericht fertigstellen. An- dererseits wird nach einer' Meldung� der Ägence Radio von der Regierung verlangt, daß dl« Konventron zwischen' dem sränzösischen Staat und der sronzösifchen Petrolempigejelllchast aus eine der nächsten Tagesoichimn�� der''KäMMär'-tztjetzt niird. Abkomme« Macdonald-Ooyd George. Glatte Verabschiedung der Kohlenvorkoge. condou. 2. April.(Eigenbericht.) Zufolge«lue» Abkommen» zwischen Lloyd Georg« Macdoaald. dessen Zohall der Orsseulllchkeil noch vorenthalte» wird, vollzieht sich dl« drill« parlamentarische Lesung der Sohleugefehgebuag der Regierung ohne jede Verzögerung durch die Opposition. Di« Regierung vermocht« auch am Rlittnwch bei der Abstimmung über einen«oufervalivea Verbesieruugeanlrag eine erhebliche Mehrhell, vnd zwar diesmal von 105 Stimmen, zn erzielen. � Die nächstliegend« Lesart über den Inhast der Vereinbarungen geht dahin, daß Maedonald endlich in die wichtigste Forderung Lloyd Georges eingewilligt hätte, nämlich der Einführung des Der- hältnissystems nicht länger Widerstand leisten würde. Dieses Llngarn will Verirauen! Der Republikaner fliegt in den Kerker. Budapest. Z. April. Die.Königlich« Kurie" hat das Urteil der Vorinstanz, wonach der Führer der Ungarischen Republikanischen Partei, Emmerich Wolter Peer, wegen mehrfacher Verhetzung gegen Institutionen des Königtum« zu zweieinhalb Jahren Kerker verurteilt wurde. bestätigt. Das Urteil Ist rechtskräftig. Die Urteilsbegründung verweist darauf, daß Beer nicht bloß eine theoretisch-agitatorisch« Tätigkeit entfaltete, sondern. bestrebt war, dos Mißtrauen de» Auslandes gegenüber den gegenwärtigen Zuständen in Ungarn zu erwecken und zur Derwirtlichung der Republik die Hisse des Auslandes in Anspruch zu nehmen. Oos Land ohne Arbeitslosenverstcherung. Budapest, 2. April. Im Abgeordnetenhaus brachten die sozialdemokratischen Ab- geordneten die heutige Slrbestslosenkundgebung zur Sprache, die die Polizei unter. Verhaftung von 58 Personen auseinander- getrieben hatte. Als der diensituenb« Polizeibeamt« in der Beamtcnloge de» Abgeordnetensttzungssoales erschien, kam es zu großen Lärmszenen. Das Gesicht de» Beamten hat nämlich infolge einer Kriegsverletzung einen ständig lächelnden Aus» druck. Die Sozialdemokraten- dachten, daß er über st« lach« und brachen in Protestrus« aus. Die Sitzung wurde unterbrochen und in der Pause wurde dann die' Angelegenheit geklärt, worauf die Ruhe wieder hergestellt werden konnte. Gowjei- Kouiinuiiäi. Antisemitismus wie unterm Zarismus. Früher leugnete die Sowjetpress« beharrlich den wachsenden Antisemitismus in der Kommunistischen' Partei Rußlands; feit ei.ii- ger Zeit aber häufen, sich die Prozesse wegen Iudenver- folgüngen derartig, daß selbst die Sowsetpress« über diese ihr so unangenehmen Erscheinungen in der Heimat der Unterdrückten" berichten muß. Die Stützen dieses schr regen kommunistischen Ami. semstismus in der Sowjetunion sind an erster Selle die Jugend- verbände. die blutig« Exzesse gegen jüdische Kinder' veranstalte- ten und, was Moskau besonders unangenehm ist, Sowjet b e a m t« der Pröoinz stird sehr oft in diesen Äntisemitisnius. der pögro- mistisch« Formen annimmt, beteiligt.."• Führende Sommuolsten in Slew verweigerten Zudeu da? ArbÄlsrecht.>' i: In vielen Fabriken mißhandeln Kommunisten unter Führung von Sowjetfunktionären ihre jüdische» Kameraden. Ganz öffentlich beklagen in der Ukraine Sowjetbeamte, daß«» unmöglich lst,„richtige Pogrome" zu veranstalten Die O ts- sowjet» unterstützen in vielen Orten den Arft'semitlsmus Das find alles Tatsachen, die die Sowjetzeitungen beriet im. Nun überlegt man. wieviel Fälle von Judenverfolgungen durch diese Dikioiurpresse unterschlagen werden! Moskau hat jetzt andere Sorgen und so greifen die Herren nur hier und da ein. um im Ausland berichten zu könnent Scht. so bekämpfen wir den Antfemitismusl Meistens läßt man abir in diesen„Bagatellen" den Provinzbeamten frei« Hand und die „bekämpfen" den Antisemitismus genau so, wie es einst die Beamten des Zaren taten. Die Parias gegen Gandhi. Sie beschuldigen ihn, die Bermfleo nicht zv beackssen. New Delhi, 2. Aprll.(Eigenbericht.) Die Gründer einer neuen Indischen Partei, die sich hauptjächstch aus Angehörigen der niederen Klassen, der„Unberührbaren", zusammensetzt, haben ein Manifest erlassen, in dem Gandhi beschul- digt wird, seinen Feldzug für eine" passive Reststenz aufgenommen zu haben, ahn«, zuvor alles'getan zu haben, um den unterdrückten Klassen Indiens das Recht des Besuches der Tempel zu sichern und da» Prinzip der Unberührbarkelt abzuschaffen • In Kalkutta demonstrierten Fuhrleute gegen die T i«r- schütz Verordnung, Zugtieren bei großer Hitze die Arbeit zu erlassen. Polizei schritt gegen dies« Ku>tdgvbung«tu, es kam zum Kampf, bei dem etivo 50 Zivilpersonen und ebensoviel Polizisten verwundet wurden. Di« Polizei verhaftete 20 Personen.uird zerstreut« eine Sympathiekundgebung für die Fuhrleute. Frankreichs kolonial polllik. In, Senat erklärte Kolonialminifler Piötrl/ es wäre besser, wenn die Zwangsarbeit in den Kolonien nicht von der internationalen Arbeitskonferenz— eher von 54 Mächten, von denen 48 gar keine Ko'onien besttzen— erörtert werden würde. Frankreich fürchte keine Auseinandersetzungen über diese Fragen. Es könne beweisen, daß die Arbeitspflicht be, Be° Zahlung eines gerechten Lohnes und bei guter Behandlung die ein zige Methode sei, die die Durchführung von großen Arbeiten Im allgemeinen Interesse der Bevölkerung«rläube.> Frankreich sei bereit, aus alle Anregungen einzugehen, aber es lehne jede Komrolle und jede Emmijchung, die auf eine Erweiterung des Mandats- prinzip, hinausgehen«verde, ab.-'' CiMCrm» Hihfvmah4tke& >50 Herren-Sporthemd Zephir. Bit SvhiUerkreceo, Tuch*- and Klnppmusehetten.............. Weisses Einsatzhemd �50 Bit modernen BinsStzen.......... eö? Popeline-Oberhemd darehgebend, in aebdnen Mattem. Popeline-Oberhemd darohgebend,»parte Matter......... 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April Premiere Flamme mit tL&ic Dorsch �'dsni-lneaiei KOnstl. Leitung Qetlon Briese Täglich SV« Uhi Sonntag 4 Uhr Elsrlebe BBm'Bnki. Kallt pl GROSSEM SCHAUoPlELHAUo • Uhr. Kar noch 28 Vorsteliangen! 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELL 3 sei«tag aaftm. iigtk. halb« Pi. CASINO-THEATEfi•�Uh' Lothrtnüer Strafe 97 Rose-Theater Groae Frankfurter StraBe U.| | Billettkasse; Alex. 3422 und 3494 1 Täglich 8 13, Sonntags 3.15 und 9 Uhr ]Tro'* des groDen Erfolger| onr noch korze Zeit! |Dle goldi» Meisterin| Operette In 3 Akten von Edm Eysler mit 1 Trenie Ro*e n der Titelroll. | Nächst Sonnabend, 11.30 abds| Der Hustergatte [Vorverkauf tägl. v fl— l vorrr I und 4— y abends. Rennen zu Strautbera Donnerstag, den 3. April DaciunittagsaVdUiir riieaterld.Bebrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 92M27 OtrekBoo Ralph Arlhnr Robert» 8-/« Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.i Wieder eis neuer Schlager Oer wahre Jakob atflrmlacher HeUet keUa-Ertolg Oazo da cratU. bonlca Programm Ouiacnem iQr 1—4 Personen Fauteuil nur 1�5 M., Sessel 1.75 Sonstige Preise- Parke« u. Rang«Uin M WM» Oiraktisn: Or. Martin Ziekai Komisch« Oper rnidndisti.IOL Merkur 1401 4330. Nach vollständigem Umbau Täglich 8V, Uhr Hulla di Bulla Sebwank von Arnold und Bach mit Culdo Thialsenar, iehulz. tehroin, tun, H Idebrand, Waller Heue. Flink, Ben m er. Wenek Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. 8** Uhr: Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Operettenhaus [Alte Jakobstr. J0/32 (Zemlral- Thealer) Dönh 2047 Täglich'>.» Uhr Hotel Stadt Lcmberd Preis« i. 2,« M. Dil. Dr. Marfli Zidil Komische Oper Friedrichs«. 104 Merkur 1401(4330. Allabendlich S'kU I Nur noch bis« April 1 BDI mit ünido Thielscher uistsüieihaus Friedrichsir. 236. Bergmann 2922/23 gib Uh> I GescHaitmlt Amerika kleines rtieai. Merkur 1624 räfjlioh 8»« Uhi msdame ha; Ausgang Erika v�n Tcllmam Paul Hörbiaer lermann Scha ifui- Lvorskl, craut HiOSVATERlANn REVUE iSERVUS 1930 BamwilPf-'OhBeii Tfalaf In dar Stieseaiaannr. (Irtlnr Itoinrlhtrrlr.l Castspiel Mejertglils Mnkaiier Slaaidtuatir Si(» Uhr Der Revisor Komddientiaüe Täclich 81/4 Uhr Meine Sdiwster DDil idt MusikLDalphBnaiiky wo speist man sut und Dillig T Nur laross-ßcrlln I Alexanderplal* Berliner JE Ik TriO Na■ k ft II■, wLati-st2/ 14JT6J Direktion Dr. Robert Klein Deutsehes lanstler-Theai Barbarossa 3937 8i/i Uhr Sex Appeal Inbp. I. FnM Itnfih tigic Fonbt UrhDiji Uisrt Basscrmann, UadT thrlstuas Berliiitr Tliealer DSnho» 170 8 Uhr Ende 10';» Uhr hQv. zvei, din" von Franz Molnai mit Mai PalleniCT. Beal«: Gnit.Hartnig VofifT Souper Regie Heinz HMper Metropol-Th. Täglich gi/» Uhr De- Beitelstudent Pattlera, Aipac, cbützendorMökc i Sonnta&r, den O AprIL vormittag» tO Uhr, In den KammpraRlen, Teltower Str. 1—4 Außerordentliche Vereinsversammlung T• g e• e r 4.n n n g: Ktellangnahme zum Streik der ]Maschlnen»etzer der„IPcutschen Tageszeit ang-4 Es ist Pfli cht jedes Kollegen, zu erscheinen! Der Vorstand. Mi d. Westen: Täglich SV» Uhr; Das Land des Lächelns Richard Tauber Margit Sucby Gescnans- grundsiUck in Piau. Mk bg.. tDr 7500 b. 1000 Aar sofort zj beziehen. Näheres I elefon Ludwigsfelde 22. DfMflWÜMil-WMil venuaitungsmitgiieceri Rat(JtrUeg, h«m 4. Rptil(eine Sitzarrg b« SRttlUren Ortaoerwattang. Die Orlave« waüang. MisiRZen! Wem Qesui.dheit und Bleck der Familie am Herze» liegt, bei taufe sich Parielle in allernächster nahe Berlins! (ca. SO Min ab 6d)If|i chen SabnboP, SteblttJnrle, i�ftünbigec»erkehr) peeisaeel Ii Sirefl oom«igenlümee. i. a. ber.Brg ich cenenniig.en SiediBiK GarlenstBdl FretMotf he) Berlin/ Vsrkaut täglich: rep/ rui: Heuar.i:« en es uno 2«c Fpaiautelaliri fiirlnteressgnleB SoDßtagslOiraliSelilesisebeD il lÜmMeMeplatil Oeotsdier Veiallartieiter Veriiaoii Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen. Den Mligiledern tut Nachricht. Sah unser Kollege, der Schierer Wilhelm Weishe geh Ii Dezember 185L am SL Mär am Freitag, i Leiche geftorben Die Beerdigung sind« dem 4. April, 15 Uhr, von der Lerchen- ball» de« 6t Simeons-Arrchgol« m Britz, Teuwechofer Weg. uu» statt. Am 3L März starb unser Kollege. «er Schlosser Georg Pantermöller geb. 20 Zun 1884. Die Einäscherung sind«' am Sonn- abend, dem 3. April. 13 Uhr im Riemalottum ffietidilftrofee ftott Ehr« ihrem Andenke» I Siegt StitUigimg mtzb erwartet. Die OrfeverwaliaBg, DifliUhcr kxtilerüeiier-Vsiüaiiii Vcivaliung Berlin. Uns« en Rolleginnen und Rollegei ur Ziachrlch, daß onser Kollege Amsiilliis Krobsack am 31. Mörz plötzlich veriiorben Ehre seine« Andenke». Die Beerdigung sind« So nadend den Z AvrIL ii Uhr. von der Rapelle de» Auierftebung»» Zrledhoie» in Weitzeniee au» Iran. Nege Beteiligung wird erwartet Die Orl»vor wall»»(-. Nr.» 47. Iahrgang Donnerstag, S. April �920 VvUl, SSI wach f Qewaltfge Kundgebungen des Berliner Reichsbanners/ Bas republikanische Berlin ist auf dem Posten � Für die soziale demokratische Republik! ättnxx Berlins hake« gester« oK<»Z> wieder gezeigt, datz fie zur Stell« find, wen» es heistt, auf die Gefahre«, die der RepwKltt drohe«, hiwzuweife« und die Bevölkerung aufznrüttel«. Zun» erste« Male fett der Aufhebung des Deuu>«strationsv«rln»teS zeigte sich das Neichsda««er Schwarz-Rot-Gold wieder auf de« Dtrasten der Reichshauptftadt. Auf den» Küstriner Platz, auf dem Oranienplatz, auf dem Brwunenplatz und auf dem Rvdolf-Wilde- Platz,— überall der gleiche Anmarsch der Reichs- baunerkoloaue». überall die gleiche freudige Zustimmung der Bevölkerung, die tu groster Zahl die Anmarschwege säumte, überall aber auch der gleiche Kampfwille gegen die Reaktion, von welcher Seite fie auch kommen möge uvd für den Ausbau der Republik u einem wahrhaft demokratischen u«d soziale« Staate. Mit klingendem Spiel nnd wehenden schwarzrotgoldenen Fahnen rückten die Reichsbannerformationen an. Ministerpräsident a. D. Stelling, lzeinrich Löffler.Kothe- Potsdam und Dr. M i s ch l« r sprachen zu den Massen, immer wieder unterbrochen non freudiger Zustimmung und mit erhöhter Begeisterung begrüßt, wenn sie auf die Notwendigkeit des festen Zusammenstehens oller Republikaner gerade in diesen Togen und Wochen hinwiesen. Die Redner sührten aus: Die Heutigen großen Aufmärsche des Reichsbanners sollen e!n Weckruf für alle Berliner sei». Di« Stund« ist«ruft. Dos republikanische Kabinett Hennann Müller mußte zurücktreten, weil in gewnien Kreisen der Koalition die Notwendigkeit einer wahraft sozialen Politik nicht erkannt wurde. t?s fiel auseinander durch den Streit um die Erwerbslosenfürsorge: die Republikaner, dl« es mit der sozialen Ausgestaltung des Staats- wssens wirklich ernst meinen, konnten nicht mehr mitmachen. An die Stelle des Kabinetts Müller. Sever tag trat eine Regle. rang, der dl« Republikaner mit stärkstem Mißtrauen gegenüber- stehe« müssen. Unter dem Reichskanzler Brüning amtieren Minister, die wir Reichsbannerleute nicht als Republikaner ansprechen können. Brcdt, Schiel» und Treviranu? sind kein« Repa« bli koner, sie sind«ine Gefahr für die Republik. Sie haben gegen die Vaung.Gesetze gestimmt, sie haben stch damit gegen die Befreiung der besetzte» Gebiete ausgesprochen. Die; größte Gefahr aber ist für die Republik das gewissenlos« Spielen der Männer in der Regierung mit dem Artikel 48 der Reichsverfosiung. Dieses leichtfertige Spiel ist, das mögen sich gerade die ehrlichen Republi- kaner in, Kabinett Brüning gesagt sein lassen, nach Ansicht des Reichsbanners ein Schritt auf dem Wege zur Diktatur. (*? ist mehr als dos, es ist ein Bersassungsbruch. Die oerfasiungs- mäßigen Voraussetzungen für die Anwendung des Artikels 48 sind nicht gegeben. Hände weg vom Artikel 4S? Wir Reichsbannerleut« sind der festen Ueberzeugung, daß auch Angehörige von republikanischen Parteien, die Vertreter m der Regierung Brünmg haben, daß auch die Reichsbannerkameraben von der Deutschen Demokratstchen und der Zentrumspartei bei einem Mißbrauch des Artikels 48 sich zur einheitlichen republikanischen Abwehrfront bekennen. Wir müssen uns weiter darüber klar sein, daß die Anschläge der Treviranu? und Schiele sich auch gegen die republikanische Regierung im Frelstaat Preußen richien, die sich in den letzten zehn Jahren die größten Verdienste um die Demokratisierung erworben hat. Wir wissen nicht, ob die Regierung Brüning morgen abend noch leben wird. Dielleicht stehen wir am Dorabend eines Wahl» kampfes, vielleicht ist unsere Kundgebung der erste Austakt in der Oeffentlichkeit. Mir Republikaner haben vor einem wohlkamvf keine Furcht. Wir oertrauen darauf, daß im deutschen Dolk« die Erkenntnis über die Leistungen der republikanischen Regierung Hermann Müller labendig ist. Wir weisen mit Stolz auf die B s. freiung des Rheinlandes, auf unsere unermüdüch« Arbeit im Interesse der Erwerbslosen und auf unseren zähen Kamps gegen die innerpolitijche Reaktion, der durch das Dorgehen unseres Freundes S e v o r i n y gegen Hokenkreuzlerminister F r! ck erst in den letzten Wochen wieder offenkundig wurde Gerade in diesem Zusammenhang« aber vertrauen wir fest darauf, daß Joses W i r t h in diesem Punkte kein Nachgeben kennt und auf dem Wege bleibt, den Severing beschritten hat. Wir Republikaner aller Richtungen müssen trotz aller weltanschaulichen Meinungsverschiedenheiten, trotz aller gelegentlichen Difserenzen zusammenholten, wenn nicht der Staat, di« Republik Schaden erleiden soll. Unseren Gegnern links und rechts aber, die gegen die Demo- kratie und gegen dos Bolksrecht mit allen Mitteln des Unrechts und der Gewalt eine Diktatur erstreben, rnfcn wir zu: Ihr K o m- munisten, und wir meinen mcht di« Führer, sondern die Geführte«. überlegt euch, daß ihr. wem, ihr in eurem Bruderkampf fortfahrt, selbst die am meisten Geschlagene» seid. Eure Führer«erHetzen und belüge» euch und jage» euch in de« Komps gegen uns mit Masten, die auf euch selbst zurücksollen. Siegt der Faschismus in Deutschland, dann seid ihr di« am meisten Betroffenen, und ihr seid es durch eigene Schuld. Den National« sozialiste» aber sagen wir: Wir werden nickst eher richen und rosten, bis nicht dieser Schandfleck aus dem Bilde des deutschen öffentlichen Lebens ausgelöscht ist. Woche für Woch« erhalten wir Bericht«, daß Kameraden non uns durch verbrecherische Hakenkreuzler getötet oder verletzt worden sind. Wenn nicht gegen all«, deren politische Wofj« der Revolver, der Schlagring oder Eisenknüppel sind, von der öffentlichen Gewalt mit rücksichtsloser Energie vorgegangen wird, dann müsien wir Republikaner uns als im Zustand der berechtigten Notwehr betrachten. Bor den geistigen Waffen unserer Gegner haben wir noch viel»xmiger Furcht als vor den körperlichen, wir wisse», daß di« Zdoe der Demokratie stärker ist als der Wachtwah» einer Diktatur. Wir sind Republikaner aus üefster innerlicher Ueber« zeugung. Für uns ist der Schwur auf die Republik kein Lippen- betenntnis. kein leeres Wort, sondern ein« Sache des Geistes. des Herzens und der Seele. Weil wir das Gefühl haben. daß für Angehörige der augenblicklichen Regierung, an deren per- fönlicher EhrenlMtigteit und Cidestreu« wir nicht zwerfeln wollen, der Schwur auf die Verfassung keine Sache des Herzens ist, des- halb bekämpfen wir diese Regierung. Kommt es zum Wahlkmnpf, dann vorwärts mit aller Kraft! Wir sind unferes Sieges gewiß. weil wir überzeugt sind, daß die Zukunft der freien demokratischen und sozialen deutschen Einheitsrepublik gehört. Das Hoch auf die Republik ertönte, Reichsbanner- märfche erklangen von neuem. In geschlossenen Zügen rücsten die Kameraden ab. Wiederum von der Straß«, von den Fenstern aus herzlich begrüßt von der republikanischen Berliner Bevölkerung. Die kommvmste» im Lustgarten. Die Kommunssten hatte» zu gestern abend ihre Anhänger nach dem Lustgarten zusammen- gerufen. Die Polizei hatte umfangreich» Dorkehrungen getrosten, um zu verhindern, daß die rückmors chierenden Kommunisten mit den Reichsbannerzügen zusammentreffen. 2ln. und Abmarfch vollzogen sich reibungslos. Bombe im Warenhaus. Umfangreiche Zerstörungen.— Menschen sind nicht verunglückt. Hamburg-?. April.(Eigenbericht.) Au» Mittwoch ttachuuttltg kurz vor sechs Uhr wurde i« einem Deiteutrcppeuhuus des Warcuhauscs Tietz am Jung fernstieg in Hamburg«in Bomben- attentat verübt. Die Bombe war in der Herren- tollette des Erfrischungsraumes im zweite« Stock des Warenhauses niedergelegt und zur Explosion gebracht worden. Die Wirkung war außerordentlich. Sämtliche Glasscheiben im Treppenhaus wurden zertrümmert. Die Türe« zu dem Erfrischungsraum wurden aus den Fugen gerifsen und die Holzstücke mit großer Wucht au die Decke geschleudert. Meufche« kamen nicht zu Schaden. Unter den Säfte» des ErfrischungSrau««es entstand eine Panik. Ueber die Explosion gibt die' �m bürge r PolizeibehörAe einen Bericht heraus, tn dem es. Heißt: Die bisherigen Feststellungen ergaben, daß liier verbrecherische Hand im Spiele war. Der eigentliche Tatort ist der im Zwesten Stockwerk bei ernem Treppenaufgang befindliche Abort für Männer. Dieser Raum war in der Mitte durch«ine Wand mst Tür geteilt. Der Verbrecher hatte den Sprengstoff, vermutlich Schwarzpulvcr, in einen mst Zündschnur versehenen Behälter im Abort niedergelegt und das Türschild auf„Besetzt" gestellt. Er wird wahrscheinlich durch Klettern unter Benutzung des Treppenaufganges den Weg ins Freie gefunden haben. Ws ein großes Glück ist zu betrachten, daß die ganze Sprengwirkung nach oben ging und die zahlreichen Fenster wenig Widerstand boten. Andernfalls hätte namenloses Unglück angerichtet werden können, da dos Kwrkhaus um diese Abendstunde stark besucht wird. ProfaioU aufgenommen mit der Zeugin Beierns Dclius, geb. Brodt, geboren 1$80 in Kopenhagen, enangelisth, nermitroet, ehem. Mitglied der königl Oper, derzeit Gcsan.gslehrerin in Kopenhagen. „Daß der Schriststeller Torben Rist gestern verhaftet wurde, wissen Sie, gnädige Frau. Der Haftbefehl wurde allerdings nur ausgestellt» weil der dringende Berdacht be- steht, der junge Mann hätte bei der Explosion von Aaresund die Hand im Spiel gehabt. Wenn wir Sie nun zu einer Ein- vernähme gebeten haben, so können Sie sich wohl denken, daß es sich nicht um die Aaresimder Angelegenheit allein, sondern vielmehr um einen noch schwerwiegenderen Berdacht handelt, den wir einstweilen nicht aussprechen wollen. Sie wissen, was wir meinen?" „Ja." ..Es fällt mir wahrhaftig nicht leicht, gnädige Frau, Sie in diesen aufgeregten Tagen mit meinen Fragen zu bemühen. Ich will auch kein regelrechtes Derhör anstellen, sondern Sie bitten, mir auf einige wenige Fragen ausführlich und unge- zwungen über die Freundschaft— sagen mit über die Beziehungen Ihrer Richte zu Herrn Torben Rist— zu beruhten. Als Dame von Intelligenz werden Sie sicher selbst am besten wissen, welche Beobachtungen der letzten Zeit für das Gericht von Bedeutung sein müsien. Daß Sie dabei von jeder sonst nur allzu selbswerständlichen Diskretion absehen müssen, wird Ihnen ja klar sein-" „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Herr Unter- suchung srichter. aber ich fürchte, ich werde Ihnen nicht so viel Auskunft geben können, wie Sie von mir erwarten. Ich bin durch die Ereignisse der letzten Woche wie vor den Kopf ge- schlagen Mir ist das alles unbegreiflich. Und dann— ich habe seit dem Verschwinden meiner Richte noch kein Auge zeschlosien. Der Gedanke, daß dem Kinde wirklich etwas ge- fchehen fem könnte--— Darf ich um em Glas Wasser bitte»?" „Erzählen Sie vielleicht zuerst ein bißchen von Fräulein Morislow selbst. Aus dem Charakter der betroffenen Per- sonen ergeben sich oft die wichtigsten Aichaltspunkte. Nack) allem, was die Leute reden, scheint es sich hier um ein auffallend schönes, lcbensfrische? junges Geschöpf zu haicheln." „Auffallend schön war Marfa Ossipowna allerdings ganz und gar nicht. Sie war kaum eigentlich hübsch zu nennen. Und deshalb wollte ich auch von chrer Lioblingsidee, ziun Film zu gehen, nichts wissen, was sie mir, das merkte ich genau, ungeheuer übel nahm. Demi sie war von einer unge- wohnlichen, beinahe schon krankhaften Eitelkeit, ja. man kann sagen, sie war geradezu verliebt in sich und van der unum- stoßlichen Ueberzeugung, daß jeder Mawi auf den ersten Blick bis über die Ohren in sie verliebt fein müßte. Sonst aber war sie ein herzensgutes, kindliches Geschöpf, immer fröhlich und gut aufgelegt." � „Daß es sich— man darf in einem solchen Fall nichts außer acht lassen—, um einen Selbstmord handeln könnte» halten Sie für unwahrscheinlich" „So etwas Halle ich für gänzlich ausgeschlossen. Denn die kleine Ossipowna hing nicht nur mit allen Fasern au ihrem Leben, sondern war auch ganz ungewöhnlich feige. Blut konnte sie überhaupt nimt sehen, und wenn sich mal ein« Fledermaus in unseren Garten verirrt Halle, so war sie im- stände bis ans andere Ende der Insel zu fliehen." „War Fräulein Morislow nicht auch eine ungewöhnlich gute Schwimmerin?" „Ja, aufs Baden war sie förmlich versessen. Sie�ging zweimal am Tag ins Meer, auch bei Regen und Kalle." „Ist Ihnen bekannt, daß sie manchmal nachts zu baden pflegte?" „Rein, aber ich Halle das nicht für unmöglich. „Seit wann war Fräulein Morislow bei Ihnen auf der Insel?" „Seit 3. Mai. Sie ist die Tochter meiner jüngsten Schwester, fest frühester Jugend verwaist, und wurde teils in Paris, teils tn Berlin bei Verwandten aufgezogen, die sich leider nicht allzu viel um sie gekümmert haben dürften Ihr« Erziehung war stark vernachlässigt Ick> machte mir oft die größten Lorwürfe, daß mein Beruf mir nicht gestattete, sie ganz zu mir ins Häus zu nehmen. Sie besuchte mich zwar einigemal in Kopenhagen, aber ich konnte in diesen paar Wochen natürlich nur wenig Einfluß aus sie gewinnen. Es interessierte sie einfach nichts auf der Well als das Ver- gnügen. Keine Arbeit, kein« Ideale, ja. ich, die ich, wie Sie wahrscheürlich wissen werden, Herr Untersuchungsrichter, frei von allen morolifcheit Lorurteilen bin, ich muß leider auch sagen, nicht einmal eme wirkliche Leidenschaft. Alles nur Flirt. Und dabei das beste Herz von der Welt. Mein Haus ist wie verwaist. Jeden Augenolick glaube ich, sie eine Tür zuschlagen zu hören. Ich hälle nie gedacht, daß mir diese kleine Stimme so fehlen könnte. Sie Halle nämlich eine ganz reizende kleine Stimme, und wenn sie nur ein bißchen fleißi- 8 er gewesen wäre, sie hätte es bis zur Operette oder zum labarett gebracht. Doch das gehört wohl nicht hierher." „Sprechen Sie nur ganz unbefangen weiter, gnädige Frau. Für uns ist alles interessant." „Ja, Marfa Ossipowna war mein Sorgenkind, aber wie alle Sorgenkinder nun einmal sind, sie war mein geliebtes Sorgenkind. Wäre sie nicht so grenzenlos leichtsinnig ge- wesen und manchmal erst spät nachts, vielleicht gar nicht mehr nachts nach Haufe gekommen, so hätte ich bei ihrem Verschwinden sicher nicht erst an einen unbedachten Streich oder sonst eine Kinderei gedacht. Der Gedanke, daß nicht vom ersten Tag an olles unternommen wurde, um das Kind zu finden, ist mir unerträglich. Meinen Sie wirklich, daß etwas versäumt wurde? Ick würde mir das Leben nehmen, Herr Untersuchungsrichter!" „Denken Sie nicht weller drüber nach, gnädige Frau." „Ich beschwöre Sie, sagen Sie mir die Wahrheit, oder wissen Sie vielleicht mehr, als Sie sich mir zu sagen ge- traun?" „Rein, nein, was denken Sie, so etwas dürfte ich ja gor nicht, gnädige Frau. Aber wenn Ihnen nicht wohl ist, so können wir natürlich eine kurze Pause einsckialtcit Sammeln Sie sich, Sie werden uns sicher noch einiges zu erzählen habend (Da die Zeugin einem Ohnmachtsanfall nahe ist, wird eine kurze Pause eingeschalt et) „Run zu Herrn Rist. Torben Rist verkehrt« viel in ihrem Hause?" „Verkehr kann man so etwas eigentlich nickt nennen. Der junge Schriftsteller kam ein- oder zweimal die Woche, um mll mir zu musizieren. Er spielt ausgezeichnet Geige." „Wie kam er zu Ihnen?" „Durch Frau Fredriksen. Frau Fredrikseir. die alle treue Seele, kennt mich sell Iahren, wie die meisten Leute auf Lynä und hängt an mir mll rührender Verehrung. Kaum war ich angekommen, so brachte sie mir auch schon ihren neuen ulleressante» Mieter ins Haus."(Fortsetzung folgt.) Ein Schurkenstreich. Junger Bursche überfällt einen 82 jährigen Zentner Ein gemeiner Schurkenstreich wurde gestern nachmittag aus den SZjöhrigcn Renienempsänger Wilhelm Köster verübt, der im Tlorden Berlins, in der Tlckerstr. 4ö, wohnt. Ein junger Bursche drang in die Wohnung des Greises ein und versuchte unter An- drohung brutalster Gewalt ihn seiner wenigen Habseligkeilen zu berauben. Als der Täler auf den: Flur Schrille hörte, sürchtele er seine Entdeckung und flüchtete, ohne etwas geraubt zu haben. Der alte Mann, der völlig allein steht und nur eine kleine Monatsrente bezieht, bewohnt im dritten Stockwerk eine Küche, die ihm zugleich als Schlafstütte dient. Zum Monatsersten hatte er sich seine paar Mark Rente abgehoben. Am Mittwoch nachmitag wurde an seine Tür geklopft und als der Greis öffnete, sah er einen jungen Mann vor sich stehen, der hannlos nach dem Namen eines Mieters tm Haus« fragte. Der alte Mann, dem der Gefragte unbekannt war, verwies den Fremden an den Nachbarn. Als sich Köster nun umwandte, um sein« Tür wieder zu schließen, drängte sich der Bursche mit herein und fiel plöhlich über den schwächlichen Greis, der vor Schreck keinen Laut hervorzubringen vermochte, her. Er packte d«n Wehrlosen am halse und druckte ihn dabei auf das Bett nieder. Dann durchsuchte er seine Taschen nach Geld. Zum grüßen Glück war Köster so auf das Bett gefallen, daß die Hofen* tafche, in der er das Portemonnaie hatte, dem Räuber nicht zugäng- [ich mar. Unter Tränen bat Köster, ihm doch sein bißchen Geld zu lassen. Aus einmal ließ der Frenrde auch von ihm und stürmt« zur Tür hinaus und die Treppe hinunter; er hatte draußen Schritts gehört und eine Ueberraschung befürchtet. Ms stch Köster von dem Ueberfall erHoll hatte, konnte er die Nachbarn benachrichtigen, die Polizeibeamte des 53. Reviers herbeiriefen. Bon dem Burschen war aber keine Spnc mehr zu finden. Neue Bewag-Anleihe? Oillon Read will 15 Millionen Dollar geben. Die Bewag stehk in Verhandlungen mil dem amerikanischen Bankhaus Dillon Read u. To., das den flädlischen ElektrlziiälS' werken ein Darlehen in höhe von lS Willionen Dollar anbietet. Eine Stellungnahme zu dem Angebot kann im Augenblick noch nicht erfolgen, da die Verhandlungen noch völlig in der Schwebe sind und über die Einzelheilen und Bedingungen noch nichts verlautet. Ob es zum endgültigen Abschluß des Krediles kommen wird, kann mil Bestimmtheit gleichfalls noch nichl gesagt werden. Gegen die Gchulstreikhetze! Schützt eure Kinder vor gewissenlosen Demagogen. In zahlreichen Zuschriften an den„Vorwärts" wird gegen die systematische Verhetzung der Schulkinder durch gewissenlose Kommu» nisten protestiert. Es werden Maßnahmen gefordert, die ein gedeih- lichc? Arbeiten im Interesse der Kinder gewährleisten. Der sozial- demokratische Beirat der 3t. und 32. Gemeindeschule Neukölln, Rüilistraße, veranstaltet heule um 13 Uhr eine V e r s a m m l u n g iLehmann, Tellstr. 8), die sich mit dem„Schulstreik" eingehend be- schüft igen-wird..-£■' r-x-. xv.."; D>e Arbeitsgeineinfchast söz i a ld emokro ki sche r Lehrer und Lehre- rinnkil Berlins, die Zentralstelle �dcr svzioldeiyorrotjschen EUcrn- bciräie und der Bund der freien Schulgemcindcn rufen alle sozial- demokratischen Eltern und Lehrer auf, sich nicht von den kommu- nistischen Drahtziehern einsangen zu lasse», sondern den die Schul- kindcr schwer schädigenden Treibereien energisch entgegenzutreten. Enisehlicher Selbstmord. Dynamit verschluckt und dann entzündet. B u d a p e st, 2. April. Der Sljährige Bergmann Josef S z I g e r l entwendete an seinem Arbeitsort in Miskolcz ein Pfund Dynamit. Einen Teil des Spreugslofscs verschluckte er. den Rest stöpsle er sich in den Mund und zündele ihn an. Er wurde völlig in Stücke gerissen. Max Berol-Konorah zum Gedenken! Dem Andenken ihres zu früh verstorbenen Ehrenpräsident.'» Max Berol-Konorah widmete die Internationale A r t i st e n l o g e eine Feier, die gestern im großen Saal des Reichs- Hallentheaters stattfand. Roch einmal wurde in den Trauerreden, die Alfred Fuchs von der Internationalen Artisteistogs, der Borsitzende Stähr von der AfA, Otto W a l l a u e r, der Präsident der Bühuengenossenschaft, und Harry Heinz R e u in a n n, ein Kollege Berol-Konorahs, hicl- ten. Der Tote war nicht nur der erfolgreiche Schöpfer einer inter- nationalen Gewerkschaft, der Organisator und anerkannte Führer in diesem seinen Lebenswerk, er war darüber hinaus ein Herzens« guter, lieber Mensch. Es war rührend, zu hören, wie Wallauer von den zahmen Tauben erzählte, die einein Artisten gehörten und im Kriege aus überspannter Spionagefurcht zurückgehol:en wurden: Berol-Konorah lies vier Tage lang von Amt zu Amt, um seinein Kollegen, dem armen Artisten, seine Tiere und damit seinen Brat- erwerb wieder zu verschaffen. Nur wenig mehr als sechzig Jahr« waren ihm beschert, aber sein Freund Fuchs betonte, daß es im Wesen des Artisten läge, sich aufzuzehren, daß der Artist geradezu berufen sei, nicht oll zu werden. Den gewerkschaftlichen Kämpfer, der immer sachlich blieb, dabei aber nie das letzte große ideale Ziel der gesamten Arbeiterbewegung aus den Augen verlor, führte Stähr in packenden Worten vor Augen. Mit dem Gelöbnis, im Sinne des Toten weiterzuarbellen, das von allen stehend abgegeben wurde, schloß die ergreisende Feier. Ein besonderer Zug: Nach der Rode seines Freundes Fuchs spielte die Musik auf einen letzten Wunsch des Toten die. Lieblings- weis« Max Berol-Konorahs, den Strauh'schen Walzer„An der schönen blauen Donau". Aenderungen bei der Schupo. Bei der Berliner Schutz. polizei sind zum 1. April, wie jetzt bekanntgegeben wird, einige Aenderungen in der Stelle-nbesetzung erfolgt. Polizei- oberst Hellriegel, der bisherige stellvertretende Kommandeur der Berliner Schutzpolizei, ist mit der Führung der Poliz.-igruppe Südost beaufiragt worden. Als stellvertretender Kam. mandeur tritt nunmehr Polizeioberst Gentz. der diesen Posten schon einmal vorübergehend innehatte, in die Leitung der Schupo ein. Die Polizeigruppe Mitt: übernimmt Polizeioberst Nie Hof, während die Leitung der Gruppe Ost PolizeivbersUeutnant Bar- s i k o w übertragen worden ist. Siaatsamalt und Mter als Zeugen. Oramatische Zusammenstöße im Lakubowski-prozeß. Reust relih, 2. April. Die gestrige Verhandlung im Jakubowski-Rogens-Prozeß war voll dramatischer Spannungen. Slaolsminisler a. D. huslädl. der das Todesurteil gegen Zakubowskl b e st ä- t i g l, Landgerichlepräsidenl v. B u ch k a, der die Verhandlungen gegen ihn gesührl. Oberslaalsanwall a. V. Müller, der die Todesstrafe beanlragk halte. Zatubowstis Verleidiger Dr. koch, Minister a. D. Dr. S ch w a b e, die Beisitzer im Jekubowski- Prozeß, Landgerichtsrat kllngenberg, der gegen die Vollstreckung der Todesstrafe war. und Landgerichlsral Horn, der für sie war. lralen als Zeugen auf. Landgerichtspräsident o. V u ch k a ist nach wie vor überzeugt, richtig gehandelt zu hoben und glaubt heute noch, daß Jakubowski ohne Dolmetscher seine Totiesverhairdlung zu folgen imstande gewesen sei. Minister a. D. hustädt, jetzt Rechtsanwall und Notar, hielt eine längerc Rede, in der er sein Verhalten im Falle Jatu- bvwski zu rechtfertigen versuchte, und äußerte sich sehr scharf gegen die Presse und gegen die Liga für Menschenrechte, die seine Ehre in den Schmutz gezogen haben. Rechtsanwalt Brandt: „Stellen Sie etwa Ihre persönliche Ehre höher als das Leben eines Menschen?" Au heftigen Zusammenstößen kommt es bei der Per- nehmung des Oberstaatsanwalts Dr. Müller. Sein Gedächtnis ist auffallend schlecht geworden. Tatsachen, die er noch vor neun Mo- iwten in der ersten Derhandjung zugegeben hat, sind jetzt seiner Erinnerung völlig entfallen. Er muß schließlich doch zugeben, daß cr vor der Hcchtenllassung der vom Regierungsrat Steuding ver- hasteten Blöcker, Krenzfeld und August Rogens eine Besprechung „privater" Natur mit dein Landgerichtspräsiideillen Buchka und mit Hustädt hatte, der damals nicht mehr Staatsminister war. Nach dieser Besprechuerg zerriß er seinen bereits vorher fertiggestellten Antrag auf Einleitung einer Voruntersuchung gegen die drei Bor- hafteten, die er nun auch aus der Hast entließ. Dos letztere tat er, obgleich Stoalsmimster v. Reibnitz ausdrücklich angeordnet hatte, l» dieser Frage keine Emscheidimg ohne ihn zu treffen. Reibnitz war gerade verreist und Müller benützte die Gelegenheit, eigen- mächtig zu handeln. Der Zeuge gibt auch zu. gegen den Re- giernngsrat Steuding, der pflichtgemäß gegen di«»mtnwßlichen Mörder des kleinen Ewald einen Steckbrief erlassen hatte, die Er- össnuug eines Strajverfohrens wegen Freiheitsberaubung beabsichtigt zu haben. Einen starken Eindruck machte es, als Rechtsanwalt Brandt zum Zeugen sagte:„Sie haben in dem Gnade nbcricht an das Ministerium sich gegen die Begnadigung ausgesprochen, well Sie meinten, Jakubowski würde auch sein zweites Kind ermordet haben, wenn er nicht verhaftet worden wäre." Müller:„Das ist meine ileberzeugung." Di« Aussag« des Zeug«, ist in dieser Verhandlung ein« derartig«, daß Oberstaatsanwalt Weber im Gegensatz zu seiner Haltung m der ersten Verhandlung sich dem?lntroge des Nebenklägers Brandt, den Zeugen nicht zu vereidigen, anschließt. Das Aerhalien des Oberstaatsanwalts Müller in Verbin-- dung mst der Enthastung Blöckers, Kreuzfclds und August Rogens' lege tatsächlich den Verdacht der Begünstigung nahe. Das Gericht beschließt jedoch die Vereidigung des Zeugen: Begünstigung liege nicht vor, da der Zeuge nicht gewußt habe, daß die Angeschul» digten sich der Beteiligung am Morde des kleinen Ewald bezichtigt hätten. Zu Worts kommen noch die Zeugen Pastor Buhre, Pfarrer Meyer und der Pfarrer Brackel. Di« beiden letzteren Zeugen waren bei Hustädt wegen Jakubowskis Begnadigung vorstellig geworden. Ihre Fürbitte hat aber auf diesen keinen Eindruck gemacht. Oer Potsdamer Naubmordprozeß. i Kuhbach spielte nach der Tat den großen Mann. Nach zweitägiger Paus« wurde heute der Mordprozeß Kutzbach fortgesetzt. Auf dem Gerichtskorridor sitzen die vielen Freundinnen des Angeklagten. Diese Mädchen hatten gute Zeiten nach den, Raubmord an dem Kassendoten Hammermeister. Während sonit Kutzbach in Potsdamer Lokalen Zechen anschreiben ließ, bezahlte cr nach der Tat große Zechen nur mit Ill-Mark-Scheinen. Kurz nach der Mordtat besucht« Kutzbach, neu eiirgekleidet und mit einem Brillantring geschmückt, ein Potsdamer Frühlings- fest, bei dem er als der groß« Mann austrat. Zur Ernüchterung fuhr man am Morgen per Auto nach Berlin. Zu seinen Kneip- kumpanen und den Mädels sagte der'Angeklagte:„Kinder, reinen Mund halten, ich beziehe Erwerbslosenunterstützung, ich habe das Geld bei Pferderennen gewonnen." Die Autospejen betrugen gewöhnlich 40—60 M. Das Ende der Reise war gewöhnlich Stölpchen- sce oder Wannsee. Einem jungen Mädchen gegenüber ließ sich Kutzbach als Ingenieur von Siemens u. Halske vorstellen. Einmal hotte Kutzbach auch ein Grammophon im Auto mit. Auch der Mit- angeklagt« Hummbeutel lebte in dieser Glanzzeit herrlich und in Freuden. Abendessen für zehn Personen. Koiisekt pfundweise sagen die kleinen Mädchen, die heute als Zeugen vernommen werden. J-r Werder wurde Sekt getrunken und Zlbendbrot gegessen. Bei einem Sektgelogc in Werder gaben sich Hummbeutel und Kutzbach als Brüder und Potsdamer Polizeispitzel aus. Dienstentlassung des Amtsgerichtsrates Hirschberg. In dem Disziplinarverfahren gegen Land- und Amtzgerichtsrot H i r> ch b e r g vom Landgericht II in Berlin kam es zu einer Per- r t e i l u n g des ongesckuldigten Richters. Entsprechend dem An- trage des Ersten Staatsanwalts lautete das Urteil aus Di enst ent- lassung. Für ein Jahr hindurch nnirde Hirjchberg das halb- Gehalt zugebilligt. Der Landgerichtsrot, der während der ganzen Berhandlung seine Unschuld beteuert hotte, w>ll gegen dieses Urteil durch feinen Verteidiger Berufung«„legen. Auftakt zur Feuerschuhwoche. 500 Mittionen jährlichem Feuerschaden in Deutschland. Das Orgonisalionsprogromm der von den Feuerwehr- verbänden Deutschlands in der Zeil vom 27. April bls 4. Mal geplanten Fcuerschutzwoche steht nunmehr endgültig bis in alle Einzelheilen fest. Wie notwendig eine Feuerschutzwoche ist, die in weit größerem Maße als die Reichsunfallwoche(Ruwo) ausgezogen werden soll, zeigte ein Referat des Berliner Oberbranddirettors G e m p p, das er im Rahmen der Vortragsabend«»es Reichsbundes Deutscher Technik hielt. Der Vortragende mächte im Laus« seiner Aussührun- gen die bemerkenswerte Feststellung, daß die Feuerschäden trotz einer ständigen Modernisierung der Bekämpfungsmittel immer noch im Zunehmen begriffen sind. Während vor dem Kriege der jährliche Feuerschaden im ganzen Reich etwa mit 150 bis 250 Mil- lionen Mark beziffert wurde, wird er jetzt trotz der ziemlich erheb- lichen Gebietsverlustc auf 500 Millionen Mark geschäht. Ungefähr 80 Proz. aller Brände sind dabei auf Unoorsichtigk« i t zurück- zuführen. Der Redner gab ein« interessante Darstellung der ge- schichtlichen Entwicklung der Berliner Feuerwehr. In Ihrem bei- nahe hunderjährigen Bestehen hat diese sich zu einer der größten Feucrwehrorganisotionen der Welt entwickelt. Heute besteht das Personal der Berliner Feuerwehr aus 34 Feuerwehringenieure», 48 Oberbrandmeister, 301 Brandmeister und 1S3S Oberseu«rwehr- und Feuerwehrbeamten. Außerdem gibt es, an der Peripl>erie der Hauptstadt noch 66 freiwillige Feuer. wehren mit rund 2200 Mitgliedern. Neb«n den an das Rohrnetz der Städtischen Wasserwerke angeschlossenen 30 000 Hydranten stehen der Feuerwehr für den Notfall noch 910 Feuerlöschbrunnen zur Verfügung._ Höllenmaschinen sind modern. Paris, 2. Apvik.(Eigenbericht.) Auf den französischen Industriellen Gras de Sienne wurde am Mittwoch früh ein Attentat verübt. Der Postbote über- brachte dem Grafen de Sienne am Morgen ein kleines Paket. Als de Sienne das Paket öffnete, erfolgte eine Explosion. Aus dem Paket brach gleichzeitig eine hohe Stichs lamme hervor. Der Industrielle wurde jedoch nicht oerletzt. Vor kurzer Zeit wurde einem anderen französischen Aristokraten, dem Grafen de Boisgelin, eine ähnlich« Höllenmaschine zugesandt. Fragen gestveitt und die si a a t s b e j o h e n d e Einstellung dieser republikanischen Jugend l-etvnt. Die künstlerische Betätigung der:.PfaWinder ist i
st ertres sen das rcpub'l konische Deutschland würdig vertreten. Hundert Menschen ertrunken? In A r u n e in Südjapan kenterte eine Fähre. Von den ZOE Pasiagiercn ertranken hundert. Offenbar war das Fahr- zeug zu stark belastet. Genauere Einzelheiten des furchtboren Unglücks liegen noch nicht'vor. Allgemeine Wetterlage. Bühnenspiel des republikanischen PfadfinderbundeS Die Ortsgruppe Berlin des verfassungstreuen Deutschen Pfadfinderbundes brachte am Sonntag abend Un Schubert- Saal eins Revue zur Aufführung, mit der für dies« junge Organi- sotion eine originelle Werbung verbunden war. In 15 Szenen blldern zeigten die jungen Piadflnder. was sie in ihrer Organisation wollen. Skatklubs und Kegelocreine wurden den Pfadfinderwander- scharen gegenübergestellt. Mit bissigem Hohn wurden die mittel- alterlichen Lehrmethoden der höheren Lehr- an stalten gegeißelt, dl« die frei« Entwicklung des jungen Menschen mehr hemmen als fördern. Die Jungen hatten sich den Text zu ihren Szenen selbst geschrieben, selbst einstudiert und in Regi« gesetzt. Die jugendlich:« Schauspieler zeigten ein natürliches Spiel, das in einzelnen Szenen auch einer krilifchen Beurteilung standhielt. Gut gelungen waren vor allem die Szenen, in denen sie ihr eigenes Lagerleben, ihre Spiele und ihren Sport zeigten. In Sprechszenen wurden auch die sozialen und politischen Das nordöstliche Hochdruckgebiet liegt immer noch mit seinem Kern über Finnland und dem nördlichen Rußland. Trotzdem ist es einer Randstörung der-.tlanfschen Depression gelungen, in West» deutschiand einzudringen. Auf ihrer Vorderseite stiegen dort di« Temperaturen bis auf 23 Grad Celsius. Von Polen dringt aber mit den östlichen Winden ein Wo'kenfeld nach Westen vor. Es ist hervorgerufen durch einen Schwoll kälterer kontinentaler Luftmassen, die am Mittwoch abend die Oder erreicht hatten. In Ostpreußen ist es sogar zu leichten«chneesällen gekommen. Druckfall über Süd- Westeuropa dürste die Kaltluft noch weiter nach Westen ziehen, st daß es wieder nnfreundlich werden wird. * Welleraussichlen für verlin. Meist stärker bcvölkt mit nied- rigen Tagestempcraturen.— Für Deutschland. Oesttich der Oder bedeckt mit einzelnen Schneefällen, katt, im mittleren Teile des. Reiches stark wolkig mit niedrigeren Tagestemperaturen, im Westen ebenfalls wolkig, am Tage mäßig warm. Aus Breslau wird auf Berlin„Fünf Sekunden", das Hörspiel des Romanschriftstellers Walter w Holländer übertragen. Der Intendant Friy Walter Bischofs führt die Regie. Das Spiel bringt einen Mordprozeß. Hollander erklärt einleitend, der Hörer solle sich ein Urteil bilden� über Tat, Täter und Richter und endlich einmal die ungeheure Gefahr des Indizienbeweises einsehen. Der Autor greift hier auf seinen Roman„Gegen Morgen", jedensalls auf das Gerüst, zurück, der in freier Umgestaltung den bekannten Hirschbcrger Mordprozeß behandelt. Aber über das Individuelle hinaus will Hollander hier Allgemeingültiges geben. Der sehr komplizierte Fall wird von allen Seiten beleuchtet; er spiegelt sich in den verschiedenen Menschen, in ihren Kommentaren, die je nach Temperament und Vorbildung ausfallen. Dieses ganze verzweigte Geäst wird von Hollander klar skizizert und mit virtuoser Technik behandelt. Aus kleinen Mosaiken formt sich das Bild der Tat. Rein analvtisch geht der Verfasser vor. In knappen Strichen zeichnet er die Umrisse dieser Menschen und außerdem versteht er es, visuelle Vorgänge durchaus plastisch sprachlich zu gestalten. Die Regie B'schofss ist von bezwingender Klarheit, das Wort wird msisterhast behandelt.— Internationale Verständigung und Wille zum gegen- seitigen Kennenlernen der Völker bezeichnet Helene Lange als die Hauptmotive und den Sinn des Kinderaustausches zwischen den einzelnen Notionen. Die Ausführungen find von echtem, humanem Geist getragen. F. Sch. Voriräge,VereineundVerfammtungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". (Stfiläftsliellf: Scttitt S 14. Lebvliianllr 37—38, fiof 2. 5c Donnnstaq, 3. April.®8,— Mark 2> 3 21�- Mark 2 x 3 28.- Mark S'AXS'i 52,— Mark 2b-X3'z 40.- Mark 3X4 48.— Mark 3X4 52— Mark Aberbaih. Friedrichsiraße 163, 1. Etage Eck« Behrenstraße..Borwärt»".Leser 5 Prozent Rabatt. 8e>«leiäung53iüclle, Wiioctie usw. «etnagene Herrengardersbe iedrr Art. große Auswahl vorhanden, verkauft fpvtlhillia Schnurmacker. Neukölln. Weserstraße 204 k. am Kermannpkaß._ Domenmäntel, Frühiahrsmänlel 6,—, 8.—. Herrcnstosf 10,--. 12.—. Rips- Mäntel 16.—. Modellmäntcl 10,—. 20,—, 30.—. 40,-. Seidenkleioer. Gummi. Mäntel. RieseNouswahl.. Schmechel Gipsstroß« 13. Bahnhof Böes». Wcniq aetengeg««avalieraardeeode non Millionären. Aerztru, Anwälten ffabelhaft billige Preise. Emp-ehl« Taivenmäntel. Paletot,. Fracks.. Smo- king». Debrockanzüae. Kol»». Sport» Gehpelz«. Gelegenheitskäufe in neuer Garderobe. Weitester Weg lohnend. Lothringcrstroße 5«. t Trepp«. 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Gegen dies« starre Zollpolitik bat sich die von der Sozialdemokratie verkrekeae Idee der preissiabilisiervng. des Schutze? der Derbraucher vor einer Ueberhöhung und des Schutze? der Erzeuger vor einer allzu tiefen Senhmz der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise siegreich durchgesetzt. Don der neuen Regierung, in der der Landbmidsuhrer Schiele die Agrarpolitik weitgehend bestimznen wird, können wir eine Fortführung des bisherigen Kurses in der Agrarpolitik nicht erwarten. Wir müssen vielmehr daraus gefaßt sein, daß Schiele alle ihm zur Dersügung stehenden Mittel benutzen wird, um die reaktionären Wunsche des Landbundes und der ostslbischen Groß. agrarier in'der Agrarpolitik zu verwirklichen!, ftn Erwartung solcher Maßnahmen hat auch bereits an allen deutschen Börsen«in« außer- ordentlich stark« Getreidehausse eingesetzt. In erster Linie gehc.n die Pläne Schiefes daraus aus, die Raggenpreise, die noch vor kurzer Zeit bei 1F> Mark pro Tonn« lagen, jetzt aber bereits 160 M. überschritten haben, auf mindestens 230 M hinan fzuf reiben. Rücksichten auf die Ernährung der ftädti- lchen Bevölkerung oder vernünftig« praduktioirsfördernd« ograr- politische Erwägungen sind dabei oon Herrn Schiel«, der uns aus feiner früheren Amisperiode noch gsnügend als Minister zur Er- nährung der Landwirtschast bekannt ist, nicht zu erwarten. Schiele wird wahrschemllch nicht nur nerfuchev, die bereits überaus hohen Zölle für sämtliche Getreidearten nock) weiter zu erhöben, sondern auch die Exportprämien(Einfuhr- scheine) so zu steigern, daß all« bei den hohen Preisen in Deutsch- band nicht abfetzbaren Gmeide Überschüsse ins Ausland abgedrückt werden können, ganz gleich, ob bei dieser Perschleudermig SO oder 100 Millionen Mark Verlust für den deutschen Steuerzahler cnt> stehen und dem ausländischen Diehmäster aus Reichskoston die Füttermittel fast geschenkt werden. Schiel« kündigt zwar m der„Deutschen Tageszeitung-«in« Fortsetzung der Preisstabilisierungspolittk an. Sein Programm ..erstrebt für den Erzeuger ouskönnnlich« Durchschnittspreise und schützt den Derbroucher vor Preisübersteigerungen". Schiele wird mit diesem Lockmittel der Precssiabilisierung, wie er st« meint, feinen Derbroucher fangen, denn fein« Preisfiabilisienung ist eine Stabilisierung aus einen unerhört hohen und die Lebenshalturig der städtischen Massen aufs schwerste bedrohenden Preisstand.<£ t a b i l i- sierung ist bei Schiele gleichbedeutend mit Preis- treiberei. Auch die Derbeugungen. die Schiele in der Oeffent- Kchkest vor der von der Sozialdemokratie vertretenen Idee des Getreidemonopols und der Gleitzölle macht, sind nicht anders auf- Alfassen. Der Lau« wird geopfert. Daß der Landbundministcr Schiele sein großagrorifches Herz gegenüber den deutschen Bauern nicht össeri zeigen darf und des- halb, um den Lauern den Mund zu stopfen, auch Maßnahmen zur Förderung der bäuerlichen Wirtschaft fordern muß, ist selbstoer- stündlich. So plant Schiele Maßnahmen, um di« Schweinepreise auf dem außerordentlich hohen Stand von 75 M. je Zentner Lebendgewicht zu holten, teilweise durch Zollerhöhung, dann aber ebenfalls durch Exportprämien. Selbst wenn dieser Plan durchzuführen ist, mos wir bei der stark steigenden Schweine- Produktion in Deutschland bezweifsln, wird er für di« bäuerlich« Landwirtschast nicht den geringsten"Borteil bringen, nicht einmal den durch die Getreidepreistreiberei entstandenen Schaden wieder gut machen, weil ja noch dem Wunsch der ostelbischen Großagrarier die Getreide- und Futtermittelpreis« wesentlich stärker gesteigert werden sollen als die Schweine preise. Di« Futtermittel kaufend« Landwirtschaft wird daher in Zukunft mit zur Sanierung de« heruntergewirtschafteten ostelbischen Großgrundbesitzes beitrogen müssen. In dieser Richtung liegt der durch Schiele? Personalpolitik bereits eingeleitete Mißbrauch des neu geschaffenen Waismonopols, in das nach Schieles Pläne« nur zuverlässige Lanbfmndführer und Handelsvertreter gesetzt werden sollen, und das praktisch wie ein Maiseinfuhrverbot benutzt werden soll, bis der Roggen- preis 230 M. pro Tonne beträgt. In dieser Richtung liegt ferner, daß zwar der 10-Mark- Zoll für Futtergerste bereits m Kraft ge- treten ist, nicht aber der 2-Mark-Zoll für diejenigen Landwirte, die neben zwei Doppelzentner Futtergerft« ein Doppelzentner deutschen Roggens mitoerfüttern wollen. Die bäuerliche Landwirtschaft wird um so stärker durch dos großagrarischc Programm Schieles getroffen, als selbstoer- ständlich die Kaufkraft der städtischen Derbraucherschaft beschränkt ist; jede Preissteigerung für die notwezsdigsten Nabrnngsmittek wie Brot und Kartofieln mutz daher eine Ein» schränkung des Derbrauchz von Edel.-rzeugrnssen, wie Butter, Eier, Fleisch usw. zur Folge habe»! und die Absatzmöglichfeiten der bauerlichen Landwirtschaft einengen. Die Hauptbelastung aus der Sanierung der ostelbischen Grotzlondwirrschoft nach Schieleschen, Rezept wird allerdings nichi dem Bauern, sondern der städtischen Bevölkerung aufgebürdet, denn sie ist es ja, die in erster Linie unter der Derteuerimg der Lebensmittel und unter der durch diese Verteuerung erzwungene» Verschlechte rung der Ernährung leidet. Daß auch die Kaufkraft der städtischen Be.völlerung für industriell erzeugt« Konsumwaren unter einer solchen Politst leiden nnitz und die städtische Arbeits- losigkeit verschärft wird, braucht nicht weiter gesagt zu werden. Eine für die ärmsten Derbraucherschichten besonders brutale, für die Landwirtschaft obsobtt nutzlose Maßnahme ist die von Schiele geforderte und geplant« Aushebung der zollfrei eu Gefrierfleisch eiufuhr. In Tausenden von nnnderbemittelten Haushalten ist dos Gefrierfleisch dos einzig« Fleisch Wird die Einfuhr dieses billigen „Fleisches der armen Leute" durch Aufhebung des zollfreien Kon» tingents unterhundsn, so ist die ohnehin schlechte Ernährung in den ärmsten Devölkerungskreisen besonders schwer gefährdet. Daß Schiele darüber hinaus die vor dem Zusammenbruch stehenden ostelbischen Betriebe durch neue Unifchuldungs-, Äredii senkungs- und Steuerentloftungsaktionen auf Kosten der Gesamtheit sanieren will, ist ebenfalls bereits angekündigt. Der Snbven- t i o n s u n f u g durfte in den nächsten Monaten auf Kchten der Steuerzahler ganz besondere Bluten treiben. Die Sozialdemokratie hat gezeigt, daß sie bereit ist, an jedem vernünftigen Preisregulien/ngs- und Rationalrfterwigs- Programm mitPrarheiten. Einen Rückfall in die alte Suboerttians- politrk kann sie nicht dulden. Sie wird das Programm Schieles. das eine Gefährdung unserer GesamtoKrtschoft bedeutet, mit allen Mitteln bekämpfen. Hausse an der Getreidebörse. Seit die neue Regierung gebildet ist, hat sich auf den deutschen Produktenbörsen eine plötzliche Getreidchausse bemerk- bor gemacht. In dieser Regierung sitzt Herr Schiele, der außer- ardentlich« Vollmachten«rhosten soll, um jeden Preis den Agrariern höh«« Erlöse zu sichern. Zunächst ist dadurch die Produktenbörse und der Preis für die landwirtschaftlichen Produkt« zum Spielbäll der Spekulation geworden. 1 Tonne kostete tu Verlia svnrchschulkkspretse): am UMör, IKMirz 2S.«Sr,». Mir, ZU Wid, UApril»«pril Roggev.. 161-144 144 148 152 155 165 Weizen... 331 236 247 253 156 Z5S 264 Futtergersk« 145 145 148 155 159 162 170 Hofer.... 12i 123 133 143 149 153 165 In den letzten drei Togen ist die Tonne Roggen um 13 Mark. die Tonn« Weizen um 8 Mark, die Tomie Futtergerst« um 11 Mark und die Tonne Hafer sogar um 16 Mark auf der Berliner Börse im Preise in di« Höhe geschnellt. In der Hauptsache sind das natiir- lich wrr höchst ungesunde Stimmungspreis«, hinter denen Dortelle für die Landwirtschast im Augenblick überhaupt nicht stehen. Beim Weizen ist zu beachten, daß der sogenannte angemessen« Preis von 260 Mark, dem bei viermonatlicher Dauer eine scharfe Zollsenkung folgen soll, bereits überschritten ist. Die Preise steigen allerdings auch aus anderen Grün- den. Einmal sind jetzt di« Landwirte infolge des glänzenden Früh- jahrswetters bei der Lestellungsarbsst und kümmern sich weniger um die Berkäufe der noch vorhandenen Bestände. Dann wird natürlich aus den 400 000 bis 500 000 Tonnen Roggen, die aufgespeichert wor- den sind, jetzt nichts in den Markt gegeben. Endlich verstärken die Mühlen die Nachfrage, nachdem sie früher große Bestände verkauft haben und jetzt Terminoerpflichtungeu nachkommen müssen. Auch die von der früheren Reichsregierung eingeleiteten Stutz ungsmatznahmen, die sich schon vor dem 31. März in einer Preissteigerung ausgewirkt hatten, machen sich natürkich noch bemerkbar. Europäischer Filmblock? Die deutsch-sranzöstsche Berfiändiauag. Zwischen der deutsch-franzosischen llionsilm-Gruppe und einem großen französischen Filmkonzern ist am 31. März in Paris ein Dertrag unterzeichnet worden, der die Entwicklungs- und Absatz- I Möglichkeiten der europäischen Tonsilmindustrie erweitert und der die e u r o p ä i s ch e G r ii p p e in den gegenwärtigen Verhandlungen mit den Amerikanern erheblich st ä r k e n durfte. Beide Vertrags- partner sind bedeutende Gruppen: Der deutsch« Partner: Deutscherseits handelt es sich um die Gesellschaften T o b i s(Tonbild-Syndlkot A..G; Herstellung und Dertrieb von Sprechfilmen) und Älangfilm G. m. b. H.(Er. zeugung von Herstellung?, und Wiedergabeapparaten). Hinter dielen Geselljchasten stehen die Siemens u. Halske A.-G. sowie die AEAz cm ihre europäische Dachgesellschaft ist di« hollandisch« Maatschappij voor Sprekcnde Films(Küchenmeister- Gruppe), die m«derum auch in anderen Ländern(England, Frankreich) Untergesellschaften besitzt oder mit Filmgesellschaften Verträge eingegangen ist. Diese Tobie-Klangfilm-Küchenmeister-Grupp« verfügt über all««ich. tigen europäischen Tonfilmpotente und ist hierdurch wie auch durch die Unterstützung der großen deutschen Eleltrokonzerne der fübrende Tonfilmtrust Europas. Ibr« Leiter sind, wie wir dieser Tage mitteilten, augenblicklich in New Port, um mit einem großen ameritan'schen Fllmkonzern(Warner Brothers) zu einem Dertrag-abschluß zu kommen. Der französische Partner: Als französische Firmen werden genannt: Leon Gaumont, Louis-Aubert-Fronco-Film. Eon- tinsouza, Radio-Einema. Bei all diesen Nomen handelt es sich praktisch um einen einügen Konzern. Mitte 1920 schlössen sich zwei Filmgesellschaften, die Etablissements Aubert und die Societe Franeo- Film, zusammen-,«s entstand die Gesellschaft Aubert-Franco- Film. Anfang 1930 erfolgte weiter die Verschmelzung mrt den Etablissements Gaumont und die Uebernahm« der Etablissements Continsouza. Führend« Gesellschaft dieses Konzerns ist die Gaumont. deren Kapital auf 85 Millionen Franken erhöht wurde. Gemeinsam mit der französischen Gesellschaft für drahtlose Telegraphie(Cotnpagnie Generale de Telcgrapbie sans Fil) wurde ferner vor kurzem die ebenfalls erwähnte Gesellschaft Radio-Einämo i gegründet. Die Gaumont-Gruppe verfügt über zahlreiche Ateliers, Dcrsuchsräume, Dorsührungstheoter usw. und ist neben dem Konzern Paihck-Einömo. dessen Kapital ebenfalls kürzlich erheblich erhöht wurde(von 55 auf 160 Millionen Franken), der größte Filmkonzern Frankreichs. Schon vor«inigen Monaten schloß die Franeo-Film einen Aus- tauschvertrag mit der Tobis, der später auf die Aubert- und Gaumont-Gruppe überging. Der neue Dertrag. über dessen eigentlichen Inhalt nichts verlautet, durfte sich auf weitgehend« Produktions- und Absatzgemeinschaft beziehen. Er erweitert die Anwendungsmöglichkeit der Tobis-KIangfllm- Batente, ebenso den Absatzmarkt für deutsche und französische Ton- sllme. Die Hauptsckwäche der europäischen Tonfilmgrnvpe war bis- her die minimale Absatzmöglichkeit gegenüber der großen amerika. nischen We st ern- Electric- Gruppe, gerner bedeutet er ganz allaemein eine Stärkung der itanzösiscben und überhaupt der«uro- väischen Filmindustrie gegenüber der übermächtigen amerikanischen Konturrenz.— b. Siadtfchafien a s VauKnanziers. Der fetzt vorliegende Jahresbericht der Preußischen Zen- tralstadtschoft, der die Stadtschaften von acht preußischen Provinzen onaeschlossen sind, zeigt, daß auch im vergangenen Jahre die Stadtschaften sich weitgehend in den Dien st der Neu- bausinanzierung gestellt haben. Es wurden 1929 im ganzen Mittel zur Errichtung von 16872 Wohnungen zur Derfügung gestellt. Seit 1924 habe» di« ange- schlossenen Stadtschasten de? Provinzen Hannover, Sachsen und der sechs Ostprooinzsn insgesamt fast 36000 Wohnungen finanziert. Insgesamt wurden im vergangenen Jahre 33 Million«« Pfandbriefe neu ausgegeben. Damit erreichte der Pfandbrief» umlauf Ende Dezember 206,6 Mill. Mark. Unter Berücksichtigung der Tilgungen und Rückzahlungen hat sich also der tatsächlich« Umlauf um 243 Millionen erhöht. Reichsbank und Konjunktur. Weitere Oiskontsenkung nicht ausgeschlossen. Der Reichsbankausweis vom 31. März, dem wichtigsten Quar- tccksende des Jahres, bestätigt oon neuem, die fortdauernd ungünstige Wirtschaftslage und unterstreicht die eben ja fortdauernd« enorme Geldflüssigkeit im Inland und im Ausland. Die Bestände an .Handelswechseln haben sich um 548,0 auf mir 2052,7 Mill. Mark, einem für das Märzend« außergewöhnlich niedri- gen Stand, die Lombarddarlehen um 145,7 auf 20l,3 Mill. Mark erhöht. Reichsschatzwachfel flössen 14,8 Mill. Mark zu. Di« unoer- zinslichen fremden Gelder auf Girokonto habe« um 136,5 auf 456,6 Mill. Mark abgenommen. Das alles sind für das Märzend« außerordentlich niedrige Ziffern; bei der Reichsbank läßt sich noch nicht davon sprechen, daß eine Belebung der Wirtschast bei ihr bemerkbar wäre. Freilich könnte eine Wirtschoftsbelebung auch ahn« stärkere Inanspruchnahme der Reichsbank eintreten, da die Sättigung des deutschen Geldmarktes mit ausländischen Geldern sehr stark ist und da zufließende Ausländsanleihen die Reichsbank nicht belasten. Der Umlauf an Reichsbanknoten ist wn 969,4 auf 4805,6 Mill. Mark gestiegen. Der Notenumlauf ist sehr niedrig. Die Goldbestände haben sich noch um 4,1 auf 2495,9 Will. Mark vermehrt, und wenn auch die Destände an deckungsfähigen Devisen um 64,0 auf 386,6 Mill. Mark zurückgegangen sind, so ist dieser Rückgang einmal als vorübergehend anzusehen, zum anderen sind in den von der Reichsbank neu diskontierten Wechseln ungefähr ebenso- viel ausländische Valuten enthalten. Die Deckung der Noten durch Gold allein blieb mit 51,9 gegen 60,6 Proz. in der Vorwoche außerordcnllich hoch, und die Deckung durch Gold tmi deckungssähig,' Devisen zusammen mit 60,0 gegen 7 IT Proz. bleibt eine für das Ende des Jrühjahrsquartals unerhört starke. Mau kann also nicht davon sprechen, daß Jteu- fimfprozentige Reicbsbankdiskont bisher schon wirksam in dem Sinne war, daß die Inanspruchnahme der Reichsbank für neue Kredite ernstlich zugenommen hätte. Die Frage der Diskont senkung bleibt damit auf der Tagesordnung. Sie bleibt es um so mehr. als international oon einer Dersteifung des Geldmarktes auch noch nicht die Spur vorhanden ist, und als in Berlin der Privatdistont auf 4% Proz weiter heruntergegangen ist. Da leider nicht zu er- warten ist. daß der Preis des Kapitals den Zinssätzen auf dem Geldmarkt sehr schnell folgt, und da auch in den Haupt! andern der Welt die Konjunktur noch nicht wieder aufwärts zeigt, wird man auch für Demschland. abgesehen von der saisonmäßigen Frühjahr--. belebung, nicht mit einer sehr raschen Besserung der Konjunktur rechnen können. Di« Einflüsse vom Geldmarkt können die Reichs- bank also zu einer neuen Diskontsenkung zwingen, und zwar um so schneller und stärker, je langsamer die Weltkonjunktur sich bessert. Opel nach der LtmsteNung. TSgNche Leistungsfähigkeit ZOO Autos und 4000Fohrräder Die nunmehr beendete Umstellung bei den Opelwer.keu in Rüsselsheim hat die Verwaltung veranlaßt, jetzt Einzelheiten über den gegenwärtigen Stand der Leistungsfähigkeit und des technischen Aufbaues dieser größten Autofabrik in Deutschland der Oeffentlich- keit bekanntzugeben. Zur Zeit beschäftigen die Dpelwerk« in Russelsheim insgesamt 8 200 Arbeiter und 1400 Angestellte. Der Maschinenpark stellt sich auf etwa 7000 moderne Maschinen. Di« tägliche Fabrikation beläuft sich augenblicklich auf 200 Automoblle und 700 Fahrräder, während die Leistungsfähigkeit der Betriebe einer Tagesproduktion oon 300 Automobilen und 4000 Fahrrädern entspricht. Diese Ziffern beweisen, wie schwer noch di« in der F a h r- r a d i n b u st r i« herrschende Krise ist. wenn schon Opel als stärkster Vertreter im Fahrradbau die Leistungsfähigkeit seiner Fahrradabteilung noch nicht einmal zu 20 Proz. ausnutzen kann. Dagegen hat die Besserung im Auwmobllabsatz die Verwaltung zu einer Steigerung der Fabrikation veranlaßt, die End« April eine Tagesleistung von 250 Automobilen erreichen soll. In dem ersten Vierteljahr 1930 bat der Der kauf von Automobilen emen kräftigen Aufschwung genommen. Nach den von der Verwaltung angegebenen Zahlen haben die O p e l- H ä n d- l e r im ersten Dierteljabr 1929 3512 Wagen, dagegen in den ersten drei Monaten dieses Jahres 5714 Wagen oder fast 63 Proz. mehr abgesetzt. Außerdem sei noch ein f« st e r Auftrags- bestand von 1800 Wogen vorhanden. An die Handler siefert« der Bstrieb in dem pteichen Ze-traum 1929 7508 Wagen und in der entsprechenden Zeit 1930 etwa 13,7 Proz. mehr, nämlich 8533 Wagen. Die P.r o d u k t i o n selbst stellte sich in diesen beiden Beroleichs- vterteliahren 1929 auf 8456 und 1930 auf 8919 Wagen. In der 4-pS.Klasse batten die Ovetwerke 1929 am Gesnmtabsnh j» Deutsch- land«inen Anteil von 48 Proz., der sich im März 1930 sogar auf 60 Proz. steigerte. IVaagnnsabrik Ehrlssoph u. Ilnmnck wieder dimdendenlos. Di« Ntederlausitzer Waggonfabrik Christoph u. Unmack Aikt.-Ges. in Riesky bleibt, wie in sämtlichen varb«rxeben2sn Iahren. auch für 1929 wi-sder ohne Dividende. Der B-fchäftigungsgrod war nickt urmünfi-g und hielt sich fast aus der Höhe des guten Iobres 1928. Der vorliegende Auftragsbestand, sowie nrt Sccker- b»>.t zu erwartende weitere Befüllungen l-llten di« Auskickten für 1930 günstiger erscheinen. Die Berw'l'-ing wendet sich l iL och gegen das immer mehr einreißend« AbzahlungssnOem, die erdeblicke Zins-misr von den Werken fordert— Der Abschluß vom 31. Okiober 1929 beht im Zeichen der inneren Stärkung ites Unternebmsns. Das gibt der Geickästeberickt auck oiten m. Der Reservchonds. der durck die alliäbrfich eriolgten Sonderrück- st«ll>mg«n wieder bis auf 10 Proz. des A�tienkapibals gick-acht wurde. erhält a"ch diesmal wieder aus dem Gewinn einen Zuwachs von 100 000 Mark. Reue Berliner Faffl stell? der Nrbe'terbant. Die Sparkasse der Arbeiterbant bat in den Ges'äitsräumen des Tv»r'st«roereins„Die Naturfreunde". Berlin N. 24, Johannis st roße 14/1S— im Haus« des Gesamtverbandes der Arbeitnehmer der äfientlicken Betrirb« und des Personen» urd Warenverkehrs. De- zirks. und Ortsverwalwnp Berlin— ein« neue Zahlstelle für Ein- Zahlungen eröffnet. Die Zahlstelle ist geö'inet von 9 bis 19 Uhr. Reue Rontenpavicre. Auch der zweite Ab ich mit von 5 Mite lionen 8 Prozent Goll:--Kamm!inalschu'.dverfchr«ibungen der Lo'a- desbank der Rbeinprovinz wurde bereits völlig uxiter- gebracht. Das Institut stellt daher weiter« 5 Millionen dicher An- leihe zum Kurse von 96 Prozent zum Berkauf. Är. 151* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Vonnerstag, 3. April-1930 Widersprüche im Regierungslager. Die gestrige Reichstagsdebatte. In der Relche-tagssttzung am gestrigen Mittwoch sprach nach unserem Genossen Dr. Breitscheid, besten Rede zum Teil bereits gestern veröffentlicht wurde und deren Schlich im Houpü'latt niederholt ist, Zldg. Esser(Z.f- Er verliest eine Erklärung, wonach die �entrumstraktion das Regierungsprvgramm billigt und die be- a'fichiigten Mastnahmen begrustt. Die Lösung der innerpolitischen Gcgenwartsauigaben erwarten wir in vollem Einverständnis mit dem Herrn Reichskanzler aus den, Wege der parlamentarischen Gesetzgebung. Die Zentrumssraktion wird alles tun,_iim eine solche Lösung zu ermöglichen; sie hat die beschleunigte«anierung der Reichssinanzen als unaufschiebbare Voraussetzung zur Rettung der deutschen Wirtschast im Zusamnreichang mit der Erledigimg der Haager Abkommen gefordert. Wir waren uns darüber klar, dost die gleichzeitige Entscheidung über die lebenswichtigen im«n- und außenpolitischen Fragen die sicherste Bürgschaft für den Fort. bestand der großen Koalition, dieser durch den Ausfall der vorigen Reichstogswahl gegebenen Arbeitsgeineinschast sein würde. Diese posrtioe Zusanunenarbeit weitester Kreise des deutschen Volkes zu erhalten, war unser aufrichtiges und zielbewußtes Bestreben bis zum legten Augenblick, und dazu diente auch das von uns vor- erschlagene Kompronrih in der Arbeitssosenversicherung, das den widerstreitenden Anschauungen der Flügelparteien der damaligen Regierungsmehrheit soweit wie möglich entgegenkam, ohne soziale Rotwendigkeiten zu gefährden. Wir bedauern, daß die polnische Bedeutung unseres Ausgleichsvorschlages nicht allseitig und recht- zeitig erkannt worden ist. Der Rücktritt der letzten Reichsregirnnrg hat für das deutsche Volk, besonders aber für die deutsche Wirt schast eine Lage geschaffen, die ein entschlossenes, das Wohl des Vaterlandes über alle Parteierwägungen stellendes Handeln gebieterisch fordert. Angesichts der drohenden Gefahr hat die e?lrbeitslosenversick>erung zurückgezogen.(Abg. Aushäuser sSoz.s: Stimmt nicht!) Aber Herr Aushäuser, warum haben Sie sah denn cm den Arbeiten der Parteien der letzten Regierung zur Läsung dieser Frage so intensiv beteiligt?(Zlbg. Aushäuser 1 5oz. i: Aus der Grundlage der Regierung!) Bm» dieser Grund- I wä haben Sie in unseren Verhandlungen" kein Wort gesprochen. (llbg. Aufhäuser ssoz.s: Unwahr!) Herr, Aufhäuser nachdem wir so lange zusammengearbeitet haben, bitte ich Sie, doch andere Ausdrücke zu wählen. Sie wsisciH daß die Vertreter der Zentrums- fraktion sich dem Vorschlage, die Arbeitslascnvcrsicheruuz durch Lcistungsabbau zu sanieren, lo stark cMgegengestellt hat, wie irgend eine andere. Wir hoben bei den Vortagen im Oktober 1929 be- kündet, daß mir zu einem Experiment nach dieser Richtung unter leinen Umständen gewillt waren, was aber nicht ausschließt,— das ist auch) in dem Vorschlage Auflsiiuser zum Ausdruck gekmnmen— daß immer noch Möglichkeiten gegeben sind, eine Reform in der Arbeitslosenversicherung zu machen, die Mißstände mrszuräumen, i hn« einen allgemeinen Zentrum.) lbbau henbeizuführen.(Sehr richtig! im Oer kiompcomihvorschiag war keine Ideallösung, aber wir mustlen ihn machen, nachdem all- Versuche, die beiden Flügel- p-rteien zur Verständigung zu bringen, vergeblich gewesen waren und weil das Schicksal des Kabinetts Müller damals an einem Faden hing. (Abg. Aufhäuser: Well die Bolkspartei den Abbau erzwingen nwllle') Ich bleibe dabei, daß wir den Kompromißvorschlag nur in dem Bestreben gemacht haben, die Regierung und die Reglern»p koalition zu erhalten.(Sehr richtig! im Zentrum) Wir wollten es nicht"zum Bruch kommen lassen. Di« Verhandlungen haben immer wieder wertvolle Ersolae im Interesse der Sicherung der Arbeitslosenversicherung gebracht; wenn wir sie aus dem System der ewigen Schuldwirlschaft her-tusbringen und sie aus feste Zu- schüsse gründen wollten, so hätten auch Sie(zu den Soz.) dos an- erkennen sollen. Wir waren der Ueberzeugung, daß, wenn in diesem Augenblick die Lösung nach dem Kompromißoorschlag ver- sucht wurde, es doch die Ausgabe der nächsten Zeit gewesen wäre, die vollständige Samerung der Arbeitslosenversicherung herbeizu- führen auf einem Wege, der keinen Zlbbau der Leistungen be- deuten würde.» Wir werden, wenn die jetzige Regierung am Leben bleibt. nicht bis zum herbst warten, daß diese Dinge, die dringlich sind, wie keine anderen, ausgeräumt werden. Darum hoben wir in die politische Be- (Zwischenruf bei den Soz.: Mit Ihnen 1 unserer Erklärung gesagt, wir badauern, beutung erkannt wor lMseres Ausgle'chsnorschlages nicht allseitn} und nchng oorbep ist. Wir halten auch bei dem setz igen Kabinett die Sicherung dafür als gegeben, baß keine soziale Reaktion eintritt. Wir haben besonders zu dem Führer des Kabinetts das vollste Vertrauen.(Beifall im Zentrum.)— Wenn Dr. Breitscheid uns beschworen hat nor den Gefahren des Artikels 48, so sage ich, daß alle Parteien dieses Hauses, insbesondere die Parteien, die die ersten Hüter der Derfassung stnd, die Pflicht haben, die Aiiwendung des Artikels 48 nicht notwendig zu machen.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Ich hoffe, daß auch Herr Dr. Breitseheid sich dieser demotvotischen imd versastungsnrößigen Forderung nicht verschließt. (Lebhafter Bei'all im Zentrum.) Abg. Dr. Scholz(D. Vp.) versichert, daß die Deutsche Bolkspartei die Liebeserklärung Dr. Breitscheids nicht erwidere und be- grüßt in erster Linie die Erklärung der Regierung, daß die Außen- Politik in den bisherigen bewährten Bahnen sortgeführt werden solle. Dies werde dadurch gewährleistet, daß ihre Führung in den gleichen Händen geblieben ist. Die Deutsche Volkspartei billigt die Vorlegung eines nmfassenden Saitjerungsprogronnns und dos Be- keiintnis zur rücksichtslosen Sparsamkeit, die aus allen Gebieten, auch bei der Arbeitslosenversicherung, angewandt werden müsse. Di« Gesundung der Finanzen und der Wirtschaft w-iiÄ das best« Fundament der Sozialgesetzgebung und ihrer Weiterentwicklung Die Kirchenverhandlungen. Eine Erklärung des Kultusministers. Im Landtag ging Kultusminister Dr. Grimme auf die Vertragsverhandlungen mit den evangelischen K i r ch«n ein. Danach haben bereits zwei Tage nach der Stellung- nähme des Landtages und der Erklärung der Regierung vom 9. Juli 1929 die Verhandlungen mit der altpreußischen Kirche begonnen. zunächst informatorisch. Am 8. Februar sei dann unter seinem, des Ministers Vorsitz erstmalig mit den Vertretern sämtlicher preußischen Landeskirchen zur Sache verhandelt worden, und wahrend der seit- dem verflossenen Wochen hätten weitere Verhandlungen stattgefunden. Da beiderseits Vertraulichkeit zugesagt worden sei. werde der Landtag es verstehen, daß über den Inhalt des Vertrages noch nicht mehr gesagt werden könne.?luch über die voraussichtliche Dauer dieser Vorarbeiten könne bestimmtes nicht gesagt werden, doch werde alles geschehen, um die Angelegenheit so zu fördern, wie es ihrer Wichtigkeit, andersiits aber auch der Schwierigkeit der einschlägigen Fragen' entspreche. Das Volksschulwesen bilden müsse. Die Deutsche Volkspartei wird auch an allen Maß- nahmen zur Förderung der Landwirtschaft bereitwilligst mitwirken. In der Fürsorge für den Osten sehen wir eine der wichtigsten staatspolirischen Aufgaben. Auch die große Aufgabe der Reichs- r e f o r m muß in den Rahmen der«parsamkeüsaktion einbezogen werden. Die Regierung darf bei der Durchführung ihres Gefawt- programms auf die tatkräftige Mitarbeit der Deutschen Volkspartei vertrauen. Abg. Pieck(Komm.): Wie die Regierungserklärung sagt, will Brüning weitermachen, was Müller getrieben hat. Der wahre Beherrscher dieser Regierung ist aber Hugenberg. Das Zentrum dient dem Kapital; in den rheinischen Gemeinden hat es, mit Unter- stützung der Sozialdemokratie, die Sozialetats verkürzt. Breitscheid hat pathetisch zum Kampf gegen die Grüne Front ausgerufen, aber der Regierung den Wünschen der Großagrarier sie den an aß- In der fortgesetzten über den Kultusetat faßte beim Abschnitt„8 olk s i ch u l c" Ab a Frav Zeusen(Soz.) Kritik und Forderungen der Sozialdemokratie in bezug auf die Volks» schulen zusammen. Die Volksschule soll, wie der Name sagt, dein Volke die Bildungsgrundlogen vermitteln. Im Hinblick auf die Ge- staltung der Zukunft unseres Volkes ist sie deshalb eine der wichtigsten Staatseinrichtungen, und es versteht sich von selbst, daß gerade die Arbeitersilzast der Ausgestaltung des Volksschulwesens schon von jeher die größte Beachtung geschenkt hat. Dagegen hat der Staat leider bisher die Volksschule als Stiefkind behandelt, und mit Recht tonnt« die Rednerin in dieser Hinsicht behaupten, daß das volksbildungsinlnlstertum feinem Jlctmcn bislang wenig Ehre gemacht hat. Wenn auch manchem Arbeiterkind der Weg zur höheren Schule geebnet wurde, so sind doch das immer nur Ausnahmen, und man kann mit Fug und'Recht fteute noch genau wie früher von einenk Bildungsprivileg der Besitzenden sprechen. Der neue sogialdemo- kratische Kultusminister Grimme hat sich mutig gegen das Berechli- gungswefen ausgesprochen. Schon darin liegt, daß die Volksschule, Sie kein Berechtigungszeugnis kennt, losgelöst ist von allen anderen Schularten uns völlig isoliert dasteht. Schulreform kann deshalb im eigenllichen Sinne volksschul- reform sein. Die Sozialdemokratie will das erreichen durch eine Verlängerung der Schulzeit, durch Einrichtung der zehnklassigen Schule und durch Hebung des Schulwesens auf dem Lande, wo man vielfach nur die einklasüge Volksschule kennt. Weiter verlangte die Rednerin Ausbau und Vermehrung der Volkshochschulen, die in staatspolitischer und wirtschaftspolitischer Hinsicht die Bildungslücken der Volksschule ausfüllen sollen. Der deutschnatwnale Abg. ftickhcsscl warnte den Minister, etwa seine Volksschulreform nur aus die großstädtische Industrie- bevölkerung einzustellen, und der Zentrumsredner Brock- mann, der sich ebenfalls sür den Ausbau der Volksschule einsetzte, wandte sich gegen das übertrieben« Berechiigungswesen und beschäftigte sich mit dem Junglehrerproblem und den pädagogischen Akademien. Zwischendurch stimmte das Haus über die angefochtenen Titel des Justiz Haushalts ob. Die Titel wurden bewilligt und eine Reihe von Anträgen dem Rechtsausschutz überwiesen. Darunter befanden sich der sozialdemokratisch« Suitraa, her die Todesstrafe abschaffen wül, und ein Antrag der DeiUschnattonalen, der die Alters. grenze der Richter van SS auf 63 Jahre heraussetzen will. Am Donnerstag 11 Uhr setzt der Landtag die.zweite Lesung des Äulturetats fort. die SPD. ist in entgegemjekonmien, ihnen sogar zuvorgekommen, indem Weizcimrmdestpreis auf 2fi0 M. festzusetzen vorschlug. Oer Vernunftrepublikaner Treviranus lst von Ansang stramm im Stahlhelm, er hat ja auch beantragt, die TU nahmen gegen Frick zurückzuziehen. Jetzt macht er den Mittelsmann mit England, vielleicht auch gegen die Sowjetunion.(Zuruf der Kamm.: Vor zwei Jahren hat er in London verlxmdelt!— Minister Triviranus: Haben Sie noch was, Herr Stöcker?) Gegen die Anwendung des Artikels 48 bann die SPD. um so weniger protestieren, als Severing selbst oft genug damit gedroht hat. Die SPD. hat 1924 jenes Ermächtlgnngs- gesetz bewilligt, mit dem der Achtstundentag erdrosselt und alle möglichen Reaktionsziele verwirklicht worden find. Aus der Red« Breitscheids sprach der Ton der gekränkten Leberwurst: er versichert die burgsrlia>«n Parteien seiner Treue und daß dos Mißtrauens- ootum gar nicht so ernst gemeint und man zur Zupmmsnarbeit bereit sei. Aus Angst vor der wachsenden Opposition in den Gewerkschaften hat der ADGB. die Minister zum— vorübergehenden— Rücktritt gezwungen, dessen Notwendigkeit wei einem Viertel Prozem sie nicht einsehen wollten. Allerdings sich die SPD. schon so festgelegt, daß ihre Umkehr kaum möglich ist. Keiner der gewesenen SPD-Minister hat den Mißtrauens- antrag unterschrieben, wohl, um wieder Minister werden zu können Pieck schbeßt mit dem vorschriftsmäßigen Hochruf auf ein„Svwfet" dcutfchland.(Händeklatschen der Komm.) ?lbg. Drewitz(Wirtschnftgp) verliest eine Zustimmungserklärung für Hindenburg und dos.Hindenburg-Kobinett-.©o lange die Regierung den Richtlinien des greisen Heer, und Boltsführers treu bleibt, werden wir sie unterstützen. Einige Punkte der Regierungserklärung erregen, angesichts der Zielsetzung durch den Hern: Reichsvräsidenten, starke Bedenken. Wir fordern privatrechtlich geleitete Staatswirstchast und Anerkennung der Meinung der Uber- wiegenden Mehrhest in den bürgerlichen Parteien, daß Familie, Christentum und Sitte die Grundloge des Staates sind.(Beif. rechts.« 'Abg. Dr. Meyer-Berlin(Dem.) betont, daß es in diesem Reichstag keine andere regierungssähige Mehrheit gibt als die große Koalition, und er unterstreicht den großen Wert der Mitarbeit der Sozialdemorvatie. Die Sorgen und Bedenken der Demokratischen Partei gegen dies« Regierung inst soschen Mitgliedern, die bisher die RepuMk bekämpft haben," stellen wir nur zurück, um nicht eine Staatskrif« heroorzurusen. wir verlangen, daß der Artikel 48 nicht gegen seinen Smn und Znholl angewendet wird, und wir fordern eine cncttsische und gradlinige demokrattsche Polttik auch gegen die Zustände in Thüringen. Wir wollen der Regierung die Ausnahm« ihrer Tätigkeit ermöglichen, halten sie aber nur für ein Uebergangsstadium. Sollte es zu einer Reufestigung der Großen Koalition führen, so wäre es nicht nur notwendig, sondern auch nützlich.(Beisall links.) Abg. hülser(Volkskcms.) begrüßt die neue Regierung als Werk Hindenburas und billigt ihre Erklärung. Der Weg zur inneren Einigung der Nation kann nur durch Ueberwindung des über- wuchernden und zerfetzenden Parteigeiftes freigemacht werden. Die Finanzpolitik muß den Erfordernissen einer von nationalem Gc- meinschajtsbewußtfein und christlicher Nächstenliebe getragenen Sozialpolitik gerecht werden. Das grausame Geschick der Arbeitslosigkeit mutz vom ganzen Volt, besonders von den noch Leistungsfähigen und in ihrer Existenz gesicherten Volkskreisen milgetrogeo«erden. Voraussetzung eines Wiederaufstieges ist, daß sich das deutsche Volk auf die unvergänglichen Lebensquellen des christlichen Glanbens besinnt und die göttlichen Sittengesetze wieder zum Maßstab seines Handelns macht. Die Regierung darf sich deshalb der Sicherung einer christlichen Jugenderziehung nicht oersagen. Sie wird wrr dann Erfolg haben, wenn sie sich anch in der praktischen Arbest frei Höst von Koalstions- und partsipolitischen Verstrickungen, und wenn sie sich immer als Trägerin des großen Gedankens des Reichs- Präsidenten stihst. Abg. L licht(Bayer. Vp.): In lieber einstimmung mit dem Reichskanzler stellen wir fest, daß die Fraktionen in ihrer Stellunz gegenüber der Regierung und ihren Vorlogen nicht gebunden sind. Vir erwarten, datz dir Regierung mit aller Energie für de» Schuh der deutschen Zllinderhellev. und die allgemelne Abrüstung sich einsehe» wird. Wir sind tief empört über den blutigen Terror, mit dem in Ruh> land religiöse Ueberzeugung»erfolgt wird. Wir hoffen, daß die I Rcichsrszierung dii« Äcftwtnmgw bw pSpsMchen Ekchks in dieser Sache unterstützen wird. Die Fürsorge für die Grenzgebiete mich auch dem besonders armen Land an der bayerischen Ostgrenze zuteil werden. Wir sehnen die Mißtrauensanträge ab. Abg. Schlange-Schöningen(Chr.-nat.Bauernp.): Die Rede Dr. Lreitscheids war aus dem Schmerz geboren: Behüt' dich Gott, es war so schön gewesen. Das Kabinett Müller war das Kabinett der verpaßten Gelcgenhsiten. Es kommt nicht auf die Masse der Gesetz- gebung an, sondern aus die Güte und die Wirkung. Das Kabinett Müller ist das Rekordministerium der Arbeitslosenzahl geworden, das Kabinett Brüning soll das Reparationskabinett der Müllerschen Unterlassungen sein. Wer Schiele an der Arbeit für die Landwirt- schaft hindert, muß als Schödling gebrandmarkt werden. Besonders begrüßen wir, daß zum erstenmal der Blick entschieden nach dem Osten gerichtet wird. Wir danken dem Reichspräsidenten, daß er wie er bei Tannenberg den Ofien gereltel hak, auch seht den Blick der Ration aus den hausttgesahrenpunkt der deutschen Zu- tunst gelenkt hat. Millionen Mensche» schöpfen neue Hoffnung aus der Ministerschaft Schieles. Die Parteipolitik hat ihren Kurswert verloren. Wenn der Reichskanzler so handelt, wie er in Aussicht gestellt hat, dann wird das die stärkste Regierung sein, die Deutschland seit dem Krieg besessen hat. Wir begrüßen es, daß diese Regierung zun, erstenmal auf gesetzmäßigem Wege sich über den überspitzten Parlamentarismus hinwegsetzt. Dem Außenminister und seiner Außenpolitik stehen wir mit denselben Gefühlen gegenüber wie bisher.(Lebh. Hört, hört! links.) Wir werden die Regierung unterstützen, solang« sie ihren Worten Taten folgen läßt. Abg. Dr. Fehr(D. Banernp.) begrüßt die Sparsamkeit der neuen Regierung an Worten, denn gerodet ist genug. Di« Erklä- rung über die Außenpolitik billigen wir. oermissen jedoch ein« deut- kiche Kundgebung des Willens, bei Neuabschluß von Handelsver- rügen das System der Meistbegünstigung, das die dcu sche Land- Wirtschaft schädigt, zu verlassen. Das Festhalten an dem Finanzplan der vorigen Regierung können wir nicht billigen, denn so kann den Ländern und Gemeinden nicht dauernd geholfen werden. Die neuen Steuervorschläge belasten die Wirtschaft schwer und(lud eine indlrekte Schädigung der landwirtschaftlichen Produktion und ihres Absatzes. Das galt vor allem für die Erhöhung der Viersteuer, die für uns gänzlich unannehmbar ist. Erhöhung de? Umsatzsteuer wäre einfacher, billiger und erträglicher. Voraussetzung einer dauernden Sanierung ist eine grundlegende Revision der sozialen Gesetzgebung, besonders die Beseitigung der Mißstände in der Arbeit, losenfürsorge, die heute allen Hilfsaktionen die dauernde Wirkung nimmt, Arbeits- willen und Arbeitsmoral besonder» der heranwachsenden Jugend lähmt und zerstört. Bei besserer Arbeitsmarktlage muß die Reu- ordmxng erfolgen. Wir begrüßen die Aufaßen für die Landwirtschaft und werden gegen die Mißtrauensantrag« stimmen. Abg. Alper,(D.-Hann.) spricht im gleichen Sinne und fordert Reichsreform als Voraussetzung der Sanierung. Abg. Dr. Best(Polksrechtsp.)) verlangt schleunige Reform der Aufwertungsgesetzgebung. Donnerstag 11 Uhr Deiterberatung. Schluß 1« Uhr. riusendmige» für diel» Rubrik find Berlin 2« 88, Ltndrnstratze 3. parteinachrichien für Groß-Verlin stet»«n da» Bezirkesetretartai !. Hot.! Treppen recht», j» richten. Achiung' Gtadiverordneienfraktion. Zur heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversamin- lung ist pünktliches und vollzähliges Erscheinen aller Fraktionskottcgen dringende Pflicht. * Zum Notopfer für die Erwerbslose« wurden von der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfrakkion in Berlin 500 M. an die Bezirkskosse abgeführt, worüber hierdurch mit bestem Dank quittiert wird. I. A.: Alex Pagels. ch I. Ätci« Zicraart«». Kildungskommisüm! Alle Miialietrr der Btlduuas- kxntinilTion werden ersucht, sich jw der heute. Donnerst««. 3. April, 20 Uhr, Itsttfindcndeu Stjmnfl Sei Eandow, sslensburger Str. z, ein- -ufinden.?iellun«nahme aum 1. Mai, 3. SUeis Wcdbil!«. Leute. tTonncrslofl, 8. April, lS'/t Uhr, hei Bontk«. Schul- Ecke Shrisiianiastrahc, Kreiskonfereua, Heute. Donnerstag, 3. April. Kursus des Eenosic« Biensiock an bekannter Stelle. Der 3. Teil des Kursus beginnt anschliehenb am Donnerstag, dem lO. April. 4, Kreis P renal«»er Berg. E'hung des erweiterten Krrisvoritandrs am greitaa. dem 4. April, 18 Uhr. bei Klug, Danaigcr Etr. 71. 6. Kreis Krenaberg. grcitaa. 4. April, 19 Uhr. Kr«!svorgandsiisiiing mit allen Abteilungsleitern und Beairisdeleaierten bei»riiger. Srimmstr. 1. 8. Kreis Spar bau. Heute. 20 Uhr, in den Germaniasälen, Streiowplat sam Hauptbähnbosi. Kreismitgliederversammlrrng, Genosse 9). Wisseil. Reichs» arbeitsminificr a. SP., spricht übet:„Die Snaiaipolitik der Gegenwart". �.1. l,, i• 18. Kreis Keblcndorf. 55 tri tag. 4. April. 18 Uhr. erweitert« Bot» p H kianbsssi-ung im Vereinsümmei bc» Linbrnparl. Berliner Str. 8. An» W M ichlicbend Kreisnritelicdervcrtammlnnq ebenbort. Vortraar.Reform i--t ->'i der Berliner Verwaltung". Referent: Mar Fechner. M. b. L. � � � � i I I i I I I I i t> l, i i i 1_LLJ._Cj 11. Kreis Schönebcea. Frei tag, 4. April, 20 llbr.»rcisiunttionärssiiuna bei Will, Martin, Snthcr, Str. 89. Vortrag:.Reoroaniiation der Berliner Verwaltung". Referent: StadtocrorSneter Erich sslatau, Bericht über die politisch« La«. Wir erwarten vollaähtiaes nnd pünktlich« Erscheinen. 20. Kreis Reinickendorf, greitaq. 4. April. ISts Uhr. Sliiung des Krcisvor. ftandes mit den Abteilungsleitern im Bolkshaus, Rcinickcndorf-Wcst. heute. Douuerstag. Z. April: 1Z. Abt. Die erwerSslosen Genossen melden Ilch deute von 18 bis ZO Uhr in der»?orwärts".Sped't:on Wilhelmsbavcner Str. 48. Mitgliedsbuch und Stcmv-lkarte ssnd mitaubringen. 28. Abt. Moimorken und Unser Weg sind vom Sttwffen Walter. Meher Sirafie»7. emgehend abauholen. K.«dt Reukklln. Uwftänd« halber sindrt nnsere isnnkti,n8ril»nng mit dem DorNard erit am Sonnalrnd. dem 8. April,»'4 vbr. dei Vilana. Prina» Kord' ero»Str. 73. iiatt. Jeder Beairl mnk bestimmt ncrtrrten sein. Mater'alan-gob«. 119. Abt. Lichtenberg. Unser Weg ist umgehend vom Genossen Brun» Groppler abauholen. 128. bis 130. Abt. vanko». beu'i. 20 Uhr. bei Klemm. BerNner Str. ll8, Vvrstandssshpng. skreitaa. 4. April, 20 Uhr, bei Klemm, BerNner Str. HZ, wichtig« Kunktipnärsshung. Morgen. Freitag. 4. April: Z. Abt. 191« Uhr Im Saal 8 des Sewerkschakt-hans«, Sngeluker 24—», wichtige ssunktionärssimna. I. Abt. 20 Uhr bei Dobrohlaw, Swinemttnder Etr. u. Sihnng der Ab. icilungsleituns. 33. Abt. 1»'-. Uhr Wekbekeier der Coatalissischen Arbeiters ugend in der Schul- auia Hohenlohkitr. 10..... 74. Abt. Kehl endo rs. Mitte. Alle Mitglieder betelli»«» ss» an der«relsmit. glicdeircriammlnng. Dafür fällt die Bbteilungsversammlnng au». Neukölln. 03. Abt. IS'i Uhr bei Kimmermann. E'uttaarter Str. 41. ffunt» tionärsstuna.— 08. Abt. lilii Ubr bei Lobann. Wipperitr. 18—10. isunk- tionärsshung.— 07. Abt. 10>H Uhr bei Rohr. Siegsrildttr. 28—20. Äunl. «emMtemL s-«. AM. W» Ate W«nafc Satesfct. S. ffwdHnitSm 09. Abt. Brih.Bnckom. 1914 Uhr dei Becker, Shousseektr.»7, i5un!tionärIUrun GW 88.--- | Scrlte i Cfn den Orale 3 Ableiluugsmitgliederversammluagen heute, 1S>- Ahr: vraniendnrger Tor: Eäwl« Elisadrthtirchstr. 19.— isalkplatz l: Schule Sonnendurger Str. 20.— Roidosten U: Heim Danaiger Str. 62, V. 3.— Köpenicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128.— Kottbusscr Tor: Heim Britzer Strasse 27—30.— Südwest: Heim Lindenstr. 4.— T«gel: Heim Bahnhofstr. lZ. * Hallesch«» Tor: 19 Ubr Sprechchorprob«. 20 Uhr ssrilblingskeier hei den Rawrfreunden.— Norden: Heim Lortzing. Ecke Sraunstrasse..Äinderfreundc und EAZ."— steiler dori: Rordschulc Potsdamer Str. 7..Sexuelle stzrageu." — Dahlem: 1. Heimabend in Dahlem. Lansstr. 7—9.— Pankow III OUK1MUNO, Süd- voll 29 j DRESDEN, Neustödier Markt II, OSSELDOEE, Wühelmplalz 13, ERFURl. 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Ein Würfel für 15 Pf- fi'öt. so viel Soße wie 2 Pfund Braten. ßrafensoßt Persueßen Sie audi Knorr' M aMaroni dazu! Donnerstag 3. April 1930 Unterhaltung und �Vilsen Beilage des Vorwärts •michael Sofchtfdtenko: 3)er intelligente Mund Der Privatlicamte Nikolai Briussow drehte den? Kriminal- bcamten eben den zweiten Knops ab mid sah ein bihchcn ängstlich ans den Polizeihund herab, der an seinen Schuhen hermnschrtüf feite. Das arme Tier war so mager, daß ihm die Rippen heran ssranden. Aber vielleicht bewirkte eben die mangelhafte Ernährung sein« geistige Ueberlegcnhert. Für«ncn Hand hatte er ein merkwürdig intelligentes Gesicht. „Genosse", sagte er zu dem kleinen Mann mit dem schnauz- bärtigen Gesicht eines Wachtmeisters in Zivil, ,/mf em paar Rubel soll's mir nicht ankommen. Jedenfalls muß meine goldene Uhr wieder her, med sollten Sie es auch nötig finden, das ganze Haus auf den Kopf zu stellen. Man hat mir die Uhr bestimnit zu Hause geklaut, dorm ich trage sie nie, höchstens bei feierlichen Gelegenheiten. Das letztemal Hab' ich sie bei Lenins Begräbnis getragen. Seither hat sie mein« Schreibtischlade nicht mehr verlassen." Der Krimmalbcamte nickte verständnisvoll mit dem Kopf. »Machen wir," brummte er zuversichtlich. Natürlich halten sich ein: Menge Leute auf dem Treppenabsatz vor der Wohnungstür des Privatbeamten versammelt. Und nun ließ der„Geheime" seinen Hund los. Das edle Tier warf die Schnauze in die Luft, als wollte es sie zuerst von allen anderen darin verfangenen Düften säubern, schnupperte dorm im Zickzack arn Boden herum und sprang auf einmal die alte, triesäugig« Polja an, die Haushälterin der Nachbarwohiui,ng. Sie kreischte auf und ver- suchte, die Leute mit dem Ellbogen beiseite stoßeird, davonzulaufen. ober der Hund hatte sie mit den Zähnen am Rockzipfel und brachte sie auf der Treppe zu Fall. Wimmernd fiel sie vor dem„Geheimen" auf die Knie.„Ja!" schluchzte sie,„verhasten sie mich! Bestrafen Sic mich! Ich brenne Schnaps! In meinem Keller können Sie fünf Kübel finden! Ja, nicht nur, daß ich den Staat betrüg«, schädige ich auch noch meine Käufer, indem ich Brennsprriius zu mrinenr Schnaps mische! Ich gestehe ja alles! Verhaften Sie mich! Nur lassen Sie mich nicht totbeißen von diesem schrecklichen Hund!" „Und die Uhr?" fragte der„Geheime".„Wo haben Sie die goldene Uhr?" „Bon einer Uhr weiß ich nichts." beteirerte die akte Polja, »aber alles andere ist Wort für Wort wahr." Die alt« Polja wurde den unten warterchen Pokizistcn über- geben, und der„Geheime" setzte seme Recherchen fort.„Ks— ks!" machte er zu seinem Hund, so wie man kleine Kinder neckt, und drückt« ihm die Schnauze wieder«ms den Boden. Und der Polizeihund wedelte fröhlich mit dem Schwanz und stieß dann mit der Schnauze ziemlich gleichgültig auf den jungen Genossen aus dem dritten Stock, der offenbar äußerst neurasthcnifch war. Denn auf die gelinde Berührung des Hundes fiel er auch schon um und jammerte wie ein Perurteilter vor seinem Henker: „Beiß mich nicht, Händchen, liebes, gutes, ich gestehe ja alles! Mein: Hausfrau wundert sich, wieso sie soviel elektrischen Strom verbraucht. Höre, ich heiz« heimlich einen Kocher damit, worauf ich jeden Abend, wenn Ihr Töchterchen zu mir hereinhuscht, den Tee bereite! Ich habe dem Töchterchen versprochen, sie dauernd zu meiner Genossin zu machen, und dabei verdanken mir schon drei kleine Bälger auf dem Lande ihr Hungerleben! Ueberhcrupt Ist mein Paß gefälscht! Ich werde schon ein ganzes Jahr wegen eines Bersicherungsschwindels gesucht!" Man übergab ihn, eh? ihn noch seine Quartiersrau und ihr Töchterchen lynchen konnten, der Polizei. D» Hund aber biß den biederen Hausverwalter kräftig ins Bein. „Au!" rief der M:, ,chu tust mir ja weh! Laß mich lieber vechasten! Die Kosteu der letzten Hausreparatur betragen nur die 5iälste dessen, was ich verlangtel Das übrige ist in mein« Taschen geflossen! Ich habe dafür meinen sträflichen Lüsten gcfröhnt!" Gin wcchrcr Hagelschlag von Püffen ging über ihn nieder. Er atmete erst erleichtert auf, als er im grünen Polizeiauto faß. Der Privatbeamt« Nikolai Brjussow trat von einem Fuß auf den anderen. Er nahm heimlich einen Zehnrubelschein aus der Tasche und reichte chn hinter dem Rücken dem Führer des Spür- Hundes hin.„Führen Sie ihn wieder weg", flüsterte er, ich habe�.. Er kam nicht weiter Schon stand der Hund auf den HinOTpfoten und legte chm die vorderen aus die Brust. „Die goldene Uhr—" röchelte er vor Angst,„die hat ja gar nie mir gehört! Mein Bürotollege Aratow hat sie mir zum Kommissionsverkauf gegeben, und ich habe sie einfach versetzt! Brüder, was sollte ich tun?— Ich mußte doch sagen, sie sei mir gestohlen worden!" Nun hätte der Hund, der nur zum Ausspüren des Diebes der goldenen Uhr bestellt war, eigentlich nichts mehr im Hause zu suchen gehabt. Er lieferte aber noch ein paar Fleihausgaben. Ohne mehr lange herumzuschnuppern, packt« er, was ihm gerade vor die Schnauze kam. und fing noch fünf Sünder. Der eine förderte«in falsches Kartenspiel zutage, der andere bekannt« seine gewisse straf- bare Vorliebe für kleine Kinder, der dritte gab zu. daß er an arm« Teufel Speisesoda als Kokain verkaufte, der vierte brachte sein Steuerbekeimtnis. das noch tmtenfeucht war, und stellte es vor den Augen des Geheimen richtig, der fünfte gestand sogar, vor drei Iahren seine Frau in die Newa geworfen zu haben. Alles ergriff vor Entsetzen die Flucht. Als einzige Beute blieben der Kriminalbeamte und ich zurück. Der Hund sah einen Augenblick in die Luft, als denke er nach. Da im machte er einen Satz auf seinen eigenen Herrn zu. Und stehe: Der Geheime knickte zusaminen, fiei vor seinem Hund aus die Knie und stottert«:„Beiß mich nicht tot. du liebes, du herziges Hündchen! Es ist ja wahr, ich nehme Bestechungsgelder und laste den wüstesten Raubmörder frei, wenn er entsprechend blecht! Aber schone mich, und ich werde dich von dem Futtergelde, das mir der. Staat für dich gibt, wieder anständig verpflegen und mir leinen Wuttki mehr dafür kaufen!" Ob sich der Hund seines Herrn erbarmte, das weiß ich nicht. War es nicht möglich, daß dieser tmheünlichc Hund schon roch, woher ich diese und meine anderen Geschichten beziehe? Na, ich hatte gute Gründe, eiligst die Flucht zu ergreifen. kDeutfch von Iwan KoweNnZ 3)er„SEuuherer" von Schenedady Charles Proteus Steinmetz! Nur wenige Eingeweihte der Elektrotechnik keimen bei uns diesen Namen und verehren seinen Träger als einen der großen Erfinder, aber dieser Mann, der in den Vereinigten Staaten neben Edison einen fast legendären Ruhm besitzt und dort als der größte Bahnbrecher der Clektrizitätswirt- schaft verehrt wird, sollte auch bei uns mehr bekannt sein, beim er war ein guter Deutscher, hieß eigentlich Karl August Rudolf Stein- metz und war 18SS als Sohn eines Lithographen in der Tauentzien- straße zu Breslau geboren. Das romanhaste Schicksal dieses genialen Geistes erzählt Jonathan Norton Leonard in semer Biographie„Das Leben des Karl Proteus Steinmetz". das soeben in deutscher Uebersehung bei der Deutschen Verlags- anstatt in Stuttgart erscheint. Als Kind entwickelte sich Steinmetz so schlecht, daß er Zeit seines Lebens ein mißgestalteter Krüppel blieb, klein, hochrückig, mit dünnen Bcinchen. dadurch um so ähn- licher dem antiken Schmiedegott Vulkan, dem er auch sonst in seinem Laboratorium glich, wenn er Wunder der Technik verrichtete und u. a. künstliche Blitz« schmiedete. Als Student der Mathematik und Naturwissenschaften an der Breslauer Universität geriet er in sozialistische Kreise, wurde Herausgeber der sozialisti- schen..Bollsstimme", und da ihm während des Sozialisten- gesetzes die Derhastung drohte, flüchtete er nach der Schweiz, von wo ihn ein dänischer Freund im Zwischendeck nach der Neuen Welt mitnahm. Da er kein Englisch konnte, auch kein Geld und kein: Arbeit vorwies und dazu krank und verkrüppelt war, sollte er nicht hereingelasten werden, und nur der Geschicklichkeit des Dänen gelang es, diesen Mann durchzuschmuggeln, der so Unendliches für die amerikanische Wirtschast leisten sollte. Nachdem er zunächst in New A°rk bei einem allen deutschen Achtendvierziger Eichemneyer für 12- Dollar in der Woche unter- gteonmien war, gelang es ihm dann, eine Anstellung bei der General-Electric-Gesellschast zu finden, an deren gewaltigem Heran- wachsen er bedeutenden Aickeil hatte. Da er sich als zu unpraktisch erwies, machte man ihn schließlich zum beratenden Ingenieur, dem in seinen wistenschaftlichen Forschungen und Versuchen freie Hand gelassen wurde. So leitete er in der neu entstandenen„Stadt der Elektrizität" Schenectady das Dersuchslaboratorium, und von hier gcug sein später sagenhaft gewordener Ruhm als der„Zauberer" und„Hexenmeister" von Schenectady aus. In seinem Werk über den Wechselstrom hatte er der Elektrotechnik eine neue Well eröffnet, und.ihm gebührt ein Teil Ehr« für jede, wenn auch nur indirekt durch" Wechselstrom betriebene Maschine". „S'sinmetz gehörte derselben Klasse an wie Newton, Leibniz, Einstein und die anderen Theoretiker, deren abstraktes Denken Menschen mit weniger durchdringendem Blick die Erfindung prak- tische r Maschinen ermöglicht hat", schreibt der Derfasser.„Seine größten Leistungen waren dte Methoden der Handhabung des Wechselstroms... Wenn Forscher in die Borstellungswelt der Masie dringen, so erscheinen sie gewöhnlich als zwei allzcineine Typen. Da ist einmal der Erfinder, der Schöpfer neuer Bequemlichkeiten. Edison und Marconi sind gute Beispiele dieses Typs. Der andere Typ ist der Zauberer, der Forscher, der mit Dingen hantiert, die weit über den: Verständnis des einfachen Mannes liegen. An der Spitze dieses Typs steht heute Einstein. Steimnetz konMe es seinerzeit mit ihm an Bekanntheit aufnehmen." Das amerikanische Publikum verstand nichts von den Graßtaten, die dieser unscheinbare, gnomenhaft wirkende, sonderling-chaste Mensch vollbracht hatte. Sck.n Name war mit etwas Geheimnisvollem und Uebegreifbarem verknüpft; es bildete sich um ihn zu Lebzeiten eine Legende, die ihn mit dem Glorienschein eines Halbgottes umgab. Hauptsächlich waren es einige überall verbreitete Geschichten, die ihn so populär machten. Bon seiner Gutmütigkeit erzählte man z. B., daß chn eines Tages msttsn im Winter ein Freund in seinem Laboratoriinn besuchte; es brannte kein Feuer im Ofen, und bei der empfindlichen Kalle arbeitete Steinmetz, in mehrere Mäntel gehüllt, an seinem Tisch.„Was ist denn los? Warum heizt du denn nicht?" fragte der Freund. Steinmetz blickte mit verlegenem Lächein von seiner Arbeit aus und zeigte nach dem Ofen, der mit zerknülltem Papier gefüllt war.„Eine Maus hat dort gerade Junge gekriegt", sagte er.>,Ich kann sie erst heraus- nehmen, wenn sie ein bißchen größer geworden sind." Eine andere Erzählung, die durch die ganze Presse immer wieder die Runde machte, bezog sich ans feine leidenschaftlich« Vorliefe« für das Rauchen. Er war nie ohne Zigarrenstummel zu sehen. Als nun die neuen Gebäude in Schenectady eingerichtet wurden, die feuergefährlich waren, wurde auch an Steinmetz' Laboratorium ein Schild angebracht„Rauchen verboten". Als Steinmetz am Morgen an seine Arbeit gehen wollte und dieses Schild erblickte, nahm er seine Zigarre' noch fester zwischen die Lippen und ging spornstreichs wieder nach Haufe. Der Verwaltung schickte er nur eine kurze Bemerkung:„Rauchverbot— Eintritt-Verbot für Steinmetz." So mußte man an seinem Laboratorium das Schild wieder entfernen. Als dann schließlich gegen Ende seines Lebens Steinmetz noch eine Apparatur erfand, mit deren Hilfe er durch einen gewaltigen Kurz- schloß einen künstlichen Blitzschlag hervorrufen konnte, da wurde er vollends zu einer Sagenfigur. die unter die Götter des amcrika- irischen Pantheons aufgenommen war." Zwei neue Stesse, lieber die Eittdeckuug zweier neuer Elemente wird in„Reciams Universum" berichtet. Es handelt sich dabei um zwei sogenannte.Isotopen des Wasserstoffes, d. h. Stoffen, die sich nicht in ihren chemischen Egenschaften, aber Im Atomgewicht von- einander unterscheiden. Während der Sauerstoff das Atomgewicht 16 hat, haben die beiden neuen Elemente die Atomgewichte 17 und IL. Sie wurden in den oberen Luftschichten der Erde ausgefunden, und es ist gelungen, sie durch Atomzertrümmerung mit Hilfe der Alpha- Strahlen künstlich aus St'ckstoff herzustellen. Die Neuentdeckung ist wissenschaftlich von großer Bedeutung, da sich dadurch zum ersten- mal die Möglichkeit eröffnet, ein Clement ans einem anderen künst- lich aufzubauen. Polarlicht und Weltraumecho Ein unerschöpflicher Reichtum an Naturschöuheiten ist dem Süd» ländcr geschenkt; aber eine Naturerscheinung gibt es, die fast aus- schließlich dem in dieser Beziehung weniger verwöhnten Nordländer vorbehalten ist: das Nordlicht. Bis ins 16. Jahrhundert hinein ver- wechselte man es mit Kometen; die wahre Aufklärung serner Natur gelang aber erst in den letzten zwei Iahrzchnteir, dank der unermiid- lichen Forschungsarbeit meist nordischer Gelehrter, namentlich der bahnbrechenden Theorien des Professors Karl S t ö r m« r in O lo. der dieser Tage vor der Deuscheir Physikalischen Gesellschaft zu Berlin einen Vortrag über die Ergebnisse seiner sünfundzwanxg- jährigen Tätigkeit aus diesem Gebiet hielt. All« Erscheinungen, die das Auge des Laien wahllos in sich auf- nimmt, hat der strenge Ordnungssinn des Naturforschers in Bogen, Fäden, Strahlen, Wolken, Bänder, Kronen und Draperien klassu- ziert. Es gibt darunter auch pulsierende Draperien, d h. solche, die ihre Lichtstärke in Perioden von 10 bis 20 Sekunden ändern. Wenn man Nordlichter in sÄteuen Fällen sogar im Süden bis nach Aegyp- ten und Indien gesehen hat, so sind sie doch am häufigsten in d.n Polarländern. Verbindet man die Linien gleicher Häufigkeit, dann kommt man zu nngs um die Pole sich ziehenden, unregelmäß'gcn Kreisfiguren Die Linie größter Häufigkeit zieht sich über das Na d- kap, Alaska, die Hudsonbai, Labrador und den Süden Islands. Dort kann man 100 Erscheinungen jährlich beobachten, in Deutschland nur zwei jährlich, die meisten in Schleswig-Holste.n. Die exakte Beob- achtung geschieht jetzt auf photographischem Weg, der zuerst 1892 von einer deutschen Expedition nach Bossekop mit Belichtungszeiten bis zu sieben Selund«» eingeschlagen wurde. Störmer gelang es dann auf den Expeditionen der Jahre 1910 und 1913 die Zeiten bis auf eine Sekunde herabzudrücken. Er benützt: einen von Pro- fessor Krones konstruierten Pho-otheodoliten, mit dem zugleich Auf- nahmen gemacht und die Höhe der Erscheinung gemessen werden kann. Das Verfahren der Höhenmessung ist ähnlich wie die i» der Landvermcssung übliche», indem von zwei um eine bestimmte Läng« entfernten Beobachtungsstellen das Nordlicht anvisiert, die Neigung des Fernrohrs zur Erde In Winkelgraden gemessen und daraus die Höhe berechnet wird. Bon diesen Beabachtungsposten befand sich meistens der eine in Oslo, der andere in Orten bis zu 100 Kilometern entfernt davon. So wurden Hunderte von Höhenbestimmungen an- gestellt und gefunden, daß zwei Maxima der Häusigkeit in einer Höhe von 100 und 106 Kilometern über der Erde waren. 94 Proz. traten in einer Höhe von 90 bis 128 Kilometern auf; einzelne be- fanden sich aber in Höhen bis zu 300 und 1000 Kilometern. Manche wurden von mehreren Stationen gleichzeitig beobachtet und ihre Spektraliini en aufgenommen, von denen eine grüne, vom Leuchten des Stickstoffs herrührende, besonders charakteristisch ist. Die Ro d- lichter sind am höchsten bei Somienauf- und-Untergang. Man kann hier geradezu von einer Gezeitenbewegung sprechen. Die Be- rcchnung zeigte auch, daß manche Nordlichter noch von der Sonre beleuchtet sind, wenn die Erde längst im Schatten liegt, und daß diese von der Sonne erleuchteten viel schwächere Strahlen aussenden. Die Erklärungen für die seltsamen Polarlichterscheinungen stützten sich von jeher auf die Theorie des Magnetismus. Birkeländ unternahm folgenden Versuch: Er schloß«inen kugelsörniig um- wickellen Magnet in einen Glasschrank, der luftleer gepumpt wurde. bestrich die Kugel mit einer unter Kathodenstrahlen leuch.endei» Masse, und ließ diese Strahlen nun aus die Kugel strömen. Da leuchteten nur gewisse Zonen um die Pole herum auf, andere blieben ganz dunkel. Störmer stellte nun von 1904 bis 1907 in 5000 Stunden dauernden Berechnungen die hiennit in Einklang stehende Theorie auf. Die Sonne sendet dauernd Kakhodenstrahlen sowie Korpuskeln aus, von denen ein Teil der zur Erdnäh« gelangen- den von den Palm wie in einen: Trichter eingefangen wird. Die Kraft, die dies bewirkt, ist der Erdmagnetismus. Berechnungen schwierigster Art zeigten, daß es um die Erde herum einen wulst- förmigen Mantel geben muh, in den die Strahlen nicht eindr'ngen können, der von ihnen immer gemieden wird, wie dies auch Dirke- lands Versuche in Gestalt der dunkeln Flecken der Magnetkugel demonstrierten. Störmer baute auch zur Verdeutlichung Dreht- modelle für die berechneten verwickelten Bahnen der Strahlen. Manche von ihnen ratteren in Spiralform um eine Mittellinie. Durch diese Theorie konnten sehr viele Novdlichterscheimmgen er- klärt werden. Ein« Bestätigung und Ergänzung erhielt sie durch die eigeittümliche Erscheinung des Kurzwellenechos. Sendet man nämlich Radiokurzwellen von etwa 25 Meter Länge in den Raun� dam: kann man ihre Wiederkehr in etwa einen: Drittel der aus- gesendeten Stärk« bis zu fünfzigmal in Abständen von 13 bis 30 Sekunden beobachtete Dieses Weltraumecho wurde an: besten in 2000 Fällen in Jndochina wahrgenommen. Seltsamerweise hört es während einer totalen Sonnenfinstenris völlig auf. Man führt diese Erscheinung daraus zurück, daß sich unter dem Einfluß der Sonnenkathodenstrahleu wohl in einer Entsernung von mehreren Millionen Kilometern um die Erde eine elektrisch geladene Wand oder Hülle gebildet hat, die die Kurzwellen wie ein Echo zurückwirft. Di« Stärk« des Echos hängt vom Stand der Soime in: Verhältn's .zum magnetischen Erdäquator ob. Deshalb hörte das Echo im Herbst vorigen Jahres auf und trat, der Theorie entsprechend. Mite Februar 1930 wieder auf. In Europa kann das Echo nur sehr selten beobachtet werden. £iu tMufeum des Aberglaubens Kopenhagen hat«in neues Museum erhalten, dos wertvolle Sammlungen aus der Geschichte der Medizin enthält. Die aus- gestellten Stücke stammen z. T. aus den ältesten Irrenhäusern Däne» marks. Es ist eine unheimliche Schau von Zwangsjacken, Zwangs- stählen, Lederriemen und anderen Instrumenten, mit denen man früher die Geisteskranken quälte. Ein Saal veranschaulicht den Aberglauben in der Bolksheilkunde. Da et sieht man Wildfchweins- und Fuchszähne, mit denen man früher Cholera und Pest beschwor. Ein Schweiiwkopf in silberner Fassung„hals" gegen Haarausfall. Bärentagen galten als Mittel gegen Rheumatismus, während«in mit geheimnisvollen Inschriften versehenes Kreuz, ein sogenanntes Voltakreuz, seinem Träger Schutz vor allen Krankheiten versprach. Unheimlich mutet die Tracht der Pestärzte an: roter Mantel, rote? Hui. eine Gesichtsmaske mit langem, oogelartcgem Schnabel in blauer Farbe. Sehenswert ist auch eine Ausstellung von alten Mikroskopen. deren Wert nicht in ihren Gläsern, sondern in der schmi'ckoollen Ausstattung der Röhre bestand. Die Kinderjahre der Apotheke werden in einem Laboratorium veranschaulicht. In fahlem Licht schimmern Oese», Retorten, Kolben, die an daz Studierzimmer eines mittelalterlichen Alchemisten erinnern. Es gibt ferner die Giftmasken, die bei der Bereitung von giftigen Medikamenten getragen wurden. Aussperrung der Schneider? Ltnternehmer drohen und rufen Zta'chsarbeitsmimster an. Der Streik Ä«r Ma ß s6) rr e idc r wird auf der ganzen Linie enifprechend deii Anordmingen des Deutschen Bekleidung?- orl>«!tervclbandes planmäßig durchgeführt. Bisher öcfiiidct[tri) erst ein Teil der Herren-- und Damenschneider im Sireik. Die Unternehmer verkünden, daß sie zu schärferen M a ß- «ahmen übergehen wollen. In Frankfurt a. M.. Hannover, Hildcsheim und einigen anderen kleineren Städten l>abei> die Orts- gruppen der Unternehmer mitgeteilt, daß sie, falls die Streikenden die Arbeit nicht sofort aufnehmen, die Aussperrung der noch arbeitenden Schneider durchführen würden. Nachdem der erste Prefsionsverfiich, den Braunschweigcr Schiedsspruch mittels eines Lohndiktats durchzuführen, vollständig miß- langen ist, fahren die Unternehmer das grobe Geschütz der Aussperrung aui. Ob die Kanone auch scharf geladen ist, wissen wir»iiht. Wir haben aber nicht den Eindruck, daß der Arbeitgebcrvcrband seiner Truppen scher ist. Denn außer aus Hamburg, wo die gesamt« Ortsgruppe der Domenschneiderei mit fliegenden Fahnen das Loger des Ärbeitgeberncrbaiidcs verlassen hat, liegen Meldungen aus vielen Orten des Reiches vor. die erkennen lassen, daß die Unternehmer die Imme r- feste-druss-Taktik der Oberleitung nicht billigen. So erklärt sich wohl mich der Antrag a u f V e r b i n d l i ri)- kcitserklärung, den der Arbeitgebcrvcrband jetzt beim Reichs- arbeitsministerinm gestellt hat. Dieser Antrag steht nur in scheinbarem Widerspruch zur Arisspcrrungsdrrhung. Die Unternehmer mollcn das Gesicht wahren. Sie wollen wieder zu Skrhoiidliingen kommen, da sie den Braun- schweizer Schiedsspruch für verloren holten. Um ober ihren Rück- gug zu decken, fahren sie das grobe Geschütz der Aussperrung aus. Sie möchten zu den Verhandlungen eine Stärke vortäuschen, über die sie nicht verfügen. Wenn es zur Aussperrung käme und wenn der Aus- fperrung&bsfehl auf der gangen Linie durchgeführt würde, dann würden überall 000 S ri) n e i d c r teils im Streik stehen, teils ausgesperrt sein. Wenn... Der Reichsa rb c i t smh ri st e r hat die Parteien auf Grund des An- träges der Unternehmer für nächsten Montag zu Verhandlungen geladen. Ois Streiklage in Berlin bat sich auch am Mittwoch niclst geändert. Die Funktionäre der im Deutschen Bekleidungsarbeiterverband organisierten streikenden und der noch in Arbeit stehenden Maßschneider kamen gestern nachmittag zu einer gemeinsamen Konserenz zusammen, um die Organi- sationsleitung über die Situation In den einzelnen Betrieben genau zu informieren Aus den nicht bestreikten Betrieben wurde über- einstimmend berichtet, daß die Belegschaften den Verlauf der Be- Eine glänzende Bilanz. Rückschau der Verkehrs- und der Gemeindearbeiter. Die. beiden seit Jahresanfang im Gesanüverband vereinigten Organisationen der Berliner Gemeinde- und D e r k e h r s- a r b s i t e r hielten am Montag ihre abfließenden Jahres- generoloersammlungen ab. In der Gc neralve rf amml-ung des früheren Gemeinde- und Stzalsarbeilervcrbandes im„Deutschen Hof" erläuterte Genosse Schaum den gedruckten Geschäftsbericht sür das Jahr 1029. der eine rasche Vorwärtssnlwicklung der Filiale sowohl hinsichtliri) der Mitglicderbcwegung als auch in finanzieller Beziehung ausweist. Die Ortsoerwalwng Berlin des Geirieinde- und Staatsarbesterverbondes gewann im vorigen Jahr über 8000 neu« Mitglieder,"so daß sie am Jahresschluß insgesamt 4Ü054 MilgUeder zähste. Der K a f s e n b e st a n d der Lokalkasse erhöhte sich im Lause des Berichtsjahrs um 191713 M. auf 554 678 M. Dos Filialvermögen steigerte sich im Vorjahre von iV53 M. pro Mitglied aus 12,50 M„ wobei das in der Gemeinde- und Staatsarbcilcrhaus G. m. ö. H. investierte Vennögen nicht mitgerechnet ist. Genosse Schaum ging dann nori) kurz auf die Ergebnisse der Frühjahrslohnbewegungen von 1929 ein, deren Durchführung infolg« der ungünstigen Wirtschoitslage und der Etat- schwierigkeitcn des Reichs, der Länder und Gemeinden stark beeinträchtigt wurde. Alles in allem ist die Ortsoerwaltuug Berlin des Gemeinde- und Siaatsarbeiterverbandes als eine organisatorisch und finanziell festgefügte Organisation in den neuen Gesamtverband übergegangen. Di« zehn Mann starke„Opposition" gab die überflüssige Er- klarung ab, daß sie der neuen Ortsvcrwallung des Gesamtverbandes kein Vertrauen entgegenbringe. Die Bezirks- und Ortsverwaltung des Gesamtoerbandes wurde in der am Schluß des Berirists angeführten Zuscmrmeusetzung entsprechend den Borschlägen der Sektionen und Verwastungskörperschaften e i n st i m m i g bei zehn kommunistischen Stimmenthaltungen gewählt. Ebenfalls einstimmig gebilligt wurde das neue O r t s st a t u t des Gesamtverbandes. * In der Generalversammlung des ehemaligen Verkehrsbundes im Gewerkschastshaus gab Getroste Ort mann cm Hand des ge- druckten Eeschästsberichts einen Ueberblick über die Tätigkeit und die Entwicklung dieler Orgairisgtion im Vorjahre. Auch der Ber- lehrsburd bat trotz der Unpunst der wirtschaftlichen Verhältnisse im vorigen Jahre in agitatnnfcher und finanzieller Beziehung gute F o r t s ri) r i t t e gemacht. Die M i tg l i e d er b i lanz schließt mit einem Gewinn von 6000 neuen Mstzlicdern und einem B e st a n d von 75 623 ZNitallederu am Jahresschluß 1929 ab. Der Lotallassen- bestand hat sich fast verdoppelt: er stieg im Beriristsjahr um 203 822 M. auf 470 461 M Neben einer Anzahl von Verbesserungen der Arbeitsbedingungen wurde durch 143 Angriffs- lohnbewegungen für 130 982 Beschäfliate eine durchschnitt. l'.che Lohnerhöhung von 2,63 M. bis 2,95 M. und bei drei Be- wegunaen für 8*8 Beteiligte eine Wirtschaftsbeihilfe von durch- schnsttlich 16 94 M. erzielt. Das letzte Jahr der Sewerkschastsgeschichte der ungelernten Arbeiter des Handels und Verkehrs war also noch ein Jahr er- fprlebl'cher Arbeit. Auch in dieser abschließenden Generalversammlung wurde die erfolgreiche Tätigkeit der alten Ortsverwaltung des Verkehrsbundes o u s n a l, m s l'o s n» erkannt. Von einzelnen Redner wurde der Wunsch geäußert, daß auch die Orteoerwallung in Ankunft alle ihr bekanntwerdenden freien Stellen dem Facharbeitsnachweis melden soll, welchem Verlangen die Orgamsationsleitiing nachzukommen versprach. wegung aufmerksam verfolgen und genau darauf achten, daß in diesen Betrieben keine Streikarbeit verrichtet wird. Die Maßschneider in den nicht bestreikten Betrieben sind jeder- zeit bereit, sich in die Streikfront einzureihen, sobald es die Orga- nisationsleitung für notwendig hält. Aus den bestreikten Betrieben ivnrde ousiialimslos über eine uncrschütterliri)« Kampfentschlossenheit und vorbildliche Disziplin berichtet. Nicht in einem einzigen Betrieb« hat sich ein Maßichneider gefunden, der der Streikparolc der Organisation nicht gefolgt wäre. Aus den Großbetrieben P e c k u. E l o p p e n b u r g und Leineweber wurde berichtet, daß den auf Zliiwcisung der Orga- l isation ebenfalls in den Kampf einbezogenen Konsektionsabände- ruitzsschueidern von den Geschästsleiiungcn folgendes Schrckben zu- gestclll worden ist: „Sie haben unter Veriragsbnich die Arbeit niedcrgclcgt, obwohl sie nicht Maßänderungs-, sondern Lionfektionsänderungssriincider sind. Wir ersuchen Sie, die Arbeit bis morgen, den 2. Zlpril d. I., mittags 12 Uhr, wieder aufzunehmen, widrigenfalls Sie siri) gemäß S 123 der Geweibrordnuttg wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung als fristlos c n t l n f f e n anzusehen halten und wir Ihnen die Vapicrc ztistellcn Gleichzeitig erfolgt die Abmeldung bei der Krankenkasse." Diesem Ersuchen ist keiner der Empfänger dieses Schreibens- nachgckommen. Bon der Filialleitnng wurde hierzu mitgeteist, daß die beiden Firmen auch an die Organisation wegen der Einbcziehuitz der 51onsektionsabänderitngsschneider in den Streik ein Scheiben gerichtet haben, warnt dem Deutschen Bekleidungsarbeiterverbattd ein Verfloß gegen den Reichstarifvertrag für die Hcrrenkonfcltion vorgeworfen und angedroht wird, daß die Firmen die Organi- sation deswegen verantwortlich machen werden. Die Orgcmisatiansvertreter brachten ganz klar zum Ausdruck, daß sie den angekündigten Maßnahmen der Unternehmer mit aller Ruhe entgegensehen und entsclilossen sind, alle Konsequenzen aus ihrem taktischen Vorgehen auf sich zu nehmen. Die Funktionär- konferenz beschloß einstimmig, cm ihrer Kampflattik festzuhalten. Auch die noch in den Konsektionsbetrieben befchastigten Schneider sollen zur Arbeitseinstellung aufgefordert werden, sobald in diesen Betrieben irgendwelche Streitarbeit auftauchen sollte. Morgen. Freilag, um 12 Uhr mistags ist im Gewerkschaftshaus eine Versammlung aller im Kampf stehenden, im Deutschen Beklei- duitgsarbeitcrverband organisierten Herrenmaßschneider und am gleichen Tage um 19% Uhr im Hause der Filialleitung, Sebastian- slraß« 37/38, eine Konferenz oller Funktionäre der Maßschnciderbranihe. Das neue Ortsstatut wurde einmütig gebilligt. Ebenso ein- stimmig wurde die Bezirks- und Ortsverwaltung gewählt, die sich aus folgenden Genossen zusammensetzt: Genosse Ortmann fLer- kehrsbunds und Genosse Schaum(Gemeindearbeiter) alz Bezirks- lciter,(Senosse Böhmer �(Bcrkehrsbund) und Genosse R a ch o w s i i tGcmeindearbeiter) als stellvertretende Bezirksleiter, Genosse Oltersdorf(Bcrkehrsbund) als Sekretär und die Ee- nassen B r e tz k c(Bcrkehrsbund) und Zjetemann(Gemeindc- orbeiter) als Kassierer. praktische Solidarität. Der Vorstand und Beirat des Verbandes der Lithographen und Stcindrucker haben sich in ihrer letzten gemeinsamen Sitzung eingehend mit der Arbeitslosigkeit im Steindruck- gcwcrbe und den verwandten Gewerben beschäftigt und beschlossen, die Solidarität der noch in Arbeit stehenden Derbandsmitglic- der mit den ausgesteuerten arbeitslosen Verbands- k o l l e g e n durch die Gewährung einer E x t r a u n t c r st ü tz u n g zum Ausdruck zu bringen. Die Mittel dafür sollen aufgebracht wer- den durch Zuschüsse aus der Verbandskasse und Extrabei- träge der vollarbeitenden Verbandsmitglieder. Es ist deshalb ein wöchentl'chsr Exkrobcitrag von 50 Pf. für die Zeit vom 30. März bis 27. September ausgeschrieben, der in Form eines direkten Zu- schlage? zum Wochenbcitrag erhoben und durch eine besonders kenntliriie Marke quittiert wird. Währenid der gleichen Zeit erhalien die ausgesteuerten arbeitslosen Berbandsmitglieder eine Ertra- unterstützung von fünf Mark je Woche.. „Die Notlage des Gewerbes." Weshalb 0er Sch ichtungsausschuß versaat. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Musiker-Bcrbondes bemüht sich seit Jahr und Tag, für die in gastronomischen Betrieben beschäftigten Musiker die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu regeln. M't Ach und Krach ist ein im Sommer 1929 gefällter S ch i e d s s p r u ri> für v e r bi n d l i ch erklärt worden, der aber die Regelung der Löhne der Musiker ausdrücklich ausschließt. Das konnten siri) die Musiker selbstverstäudlich nicht gefallen lassen. Nach wiederholtem Antrag« gemäß§ 3 der Schlichtung«. Verordnung gab Gewcrberat Körner den Vorsitz an Amtsgerichts- rat Dr. Riefe ob, weil er schon einmal entschieden hat. daß eine Regelung der Musikerlöhne bei den außerordentlichen ntann'g- saltigen Verhältnissen des Berliner Goftwirtsgewerbes für nicht durchführbar gehalten wird. Nun ist der neue Schiedsspruch da. Aber wie sieht er aus! Selbstverständl'ch müsse einmal ein Lohntarif zustande kommen, gab Dr. Riese in seiner Begründung der Ablehnung bekannt, aber — zurzeit befände sich das Gewerbe in einer unbeschreiblichen Notloge. Und die?iotlage der Musiker? Hat der Schlich- tuttosausschuh nur auf die angebliche Notlage der Unternehmer Rücksicht zu nehmen? Und hat der Schlichtunpsausschuß nicht die Pflicht, beim Abschluß von Vereinbarungen Hilfe zu leisten? Betriebsraiswahlen der Bergarbeiter. Ergebnis im Zlohrgeb et. Auf 194 Schachtanlagen— von acht kleineren fehlt noch das Resultat— bekamen die freien Gswcrtschaslen mit 126 384 5-6. m- men 890 lllavdate. die christlichen Gewerlfchoften 75 905 Stimmen und damit 609 Mandate, die Kommunisten 65 863 Stim- men und 402 Mandate, die HirscH-Duttckcrschen 3433 Stimmen und 7 Mandate. Die Gelben brachten es aus 8855 Stimmen und 23 Mandate, die Syndikalisten aus 4713 Stinrnten und 28 Mandate, die Polen auf 294 Stimmen und 2 Mandate. Außerdem gab es nori) 2641 sonstige Stmmteu mit 7 Mandaten. Im mitteldeutschen Bergbau erhielten die freien Gewerkschaften in 62 Betrieben mit rund 21 000 Mann Belegschaft 305 Mandate, die kommunistische Opposition 1 4, die Christen 5, die Gelben 25 Mandate. Dos Ergebnis zeigt, was von den Siegesmeldungen der kcnitnmnistischen Presse zu halten ist. Den Nutzen aus der kommunistischen Zer- splitterungsarbeit ziehen nur die Gellten. Zm oberfchlesifchen Bergbaugebiet. Dos vorläufige Ergelrnis der Betriebsratswohl im obarschle- sischen Bergbaurevier stellt sich wie folgt: B ergbcailttdustrieurbeiter 12 300 Stimmen gegen 19 376 im Vorjahre, Christ! ich« Gewerl- schaften 8200 gegen 6790, Hirsch- Duncker 974 gegen 347, Kommunisten 14 700 gegen 8877, Polen 1126 gegen 1288. Gelbe 2200 gegen 2468, sonstige 159 gegen 1003 Stimmen im Vorfahr. Die Koinnru- nisten haben demnach einen Stimmengewinn von 75 Proz. zu verzeichnen, während die Christlichen Gewerkschaften nur 20 Proz. gewonnen haben. Der Bergarbeitervcrband hat 35 Proz. eingebüßt. Das ungünstige Resultat für den Bergarbeitervcrband ist auf die ollgemeine Uitzufricdcttheit der Bergarbeiter zurückzuführen, die teilweise bis zu drei Feierschichten iu einer Woche marizeit mußten. Die wirtschaftlich« Krise im obcrschlesischcn Bergbau drückte aus das Lohneinkommen der Bergarbeiter derart, daß es verschiedentlich unter die Salze der Arbeitslosenimlerstühung hcrabsaiik. Der kommunistischen Hetze wurde damit Wasser auf die Mühle geleitet. Der Zuwachs der ri) r i st l i ch e n Bergarb« itcrbewegung ist auf den vom Zentrum und von den cliristlirizen Gewerkschaftsir geführten K a m p f gegen d as P o l« na b k o mm« n und dos damit verbundene Kohlenkontingent zurückzuführen. Die Rolle der K o m m u n i st e n als größter Feind der freien Gewerkschaften tritt bei den Wahlen im Bergbau wieder deutlieh hervor. Die Abbau- und Feierfchichtenivirtsthaft hat ihnen zu vor- übergehenden Erfolgen verhölfen. -1400 Saarbergarbetter vor der Entlassung. proiefi des Bcrgbauindussriearbeiter-Bcrbandes. Saarbrücken. 2- April.(Eigenbericht.) Die französische Bergwerksdirektion des Saorgebictos hat dem Bergarbeiterverbond mitgeteilt, daß sie beabsichtigt, 1400 Berg. arbciter zu caklasten. In Uebereinstimmung mit der Regierungskommission des Saargebietes sollen hauptsäristich Arbeiter aus den Saar-Grenzgebieten entlassen werden, also aus den Gc- bieten, die außerhalb des heutigen politischen Saargebietes liegen, die aber ein starkes Kontittgent der saarländischen Bergarbeiter stellen. Damit wird zugleich versucht, einen Druck auf den Abbau der deutschen Saargänger stlitterstützung auszuüben. Der verband der Bergbauindustriearbeiter l>at gegen die Ab- ficht der französischen Bergwerksdirektion schärfsten Protest erhoben und bezeichnet ihn als Verletzung der?l b in a ch u n- gen. die zwischen dem Verband und der französischen Bergwerks- direktion hinsichtlich der Belegschastsziffer getrosten worden sind. llcbec den Maschinenscherslreik bei der„Deutschen Tages- zeitung" sollte auf Veranlassung der, Geschäfts!« itang rchhandfU werden. Dazu kam es jedoch nicht, weil die Direktion den Pdrsttzen- den des Brcmdsnburgischen Maschinensetzer Vereins als einen dsr von den Streikenden bestellten Unterhändler ablehnte. Die aus Olden bürg, Leipzig und Landsberg a. d. W. gekommene,' ach! Maschinensetzer sind wieder abgereist. Im heutigen Inseratenteil ln�et der Brandenburgifchc Maschinensctzervercin zu einer mißerordentlichen Beremsversammlung zu Sonntag ein. Gesperrte Gaftwirtsbetriebe. Wegen Direrenzem morden hierdurch folgend« Gaftwirtsbetriebe für die Niilxne/er des Zuitral- Verbandes der Hotel-, Restaurant- und Cas�-Ängeslellten gesperrt: Mitte: Marmorkeller. Jnh. Et. Marcindk, Boßstr. 17. Die Be- triebe der Restaura, nt-Autamaten G.m.b.H. 1 Fviedrichftr. 58, 2. Aleranderstr. 39/40, 3. Münzstr. 4.— Norden: Restaurant Sri; t li liest), Jnh. Margarete Straßburger, Schön hcmier Allce 35, Ecke Franseckystr.— Sude it-'Neukölln: Aimmermamis Bier- haus am Tempelhofer Feld, Berliner Straße 20. Klubhaus, Ohm- straßc 2, Jnh. Quarkschließ.— O si e»-Lichtenberg: Palais des Ostens, Jnh. Picilftiftcr, Warschauer Wtraße 35; Bertinet Kindt (früher Bsrufsia-FMäle). Jnh Oehlke. Weißettsee, Berliner Allee 211: Restaurant Mcmeler Krug, Jnh. Eaßier, Große Frank- furtcr Straße 116, Ecke Memeler Straße. t�reie GeMerkschasis-�uaend Berlin karten fUr die nächste Iuqen� Vorstellung am 6. April um 1o Usir Thea er am BiHmvpIa� Tini» in der Iugendzentrule. Limmer 26, Ge- werrschaftshaus, Enaelufer 24—25, 2 Treppen, �iun Preise von SO Pf. *t2 haben. 3uc Ausfühmnn gelangt ,-Pas Gerücht" von G. SL Munro.— Heute. Tanrrrjtaa, 59' 2 Uhr. tagen die Gruppen: Köpenick: �ugeirdheinl Grünauer Gtr. 5. üeimfefptc&vua und Portraa:..�oz'ales Wandern".— Schvneweide: Iuacndheim Niederfchönewelde, Berliner Str. 31. Heiwücsprcchuna. �erbando�uä'.fontrolle.— Gesundbrunnen: Ivaendheim Ä'vte Schule, Goten- burger Str. 2. L>einchcsvrc'ck)una. Berbandebuchton' rolle. Wie rüste-icli mich ?ur grossen ssahrt?— Südkrei?: Ärelsmitalie-dorversamniluna im Geme rkschafts- Haus. Gngeluser 24—25.— Moabit: Iuaendheim Lehrter Str. l8—-1.9. Äeim° bcsprcchung.— Lanb«veraer Platz: Jugendheim Grosse Frankil'rter Str. 10. Zimmer 0. Hcimbesprechunq. Ohne Heimausweis und Verbandsbuch tcin Zutritt. — Lichtenberg«r.d Reu-Lichtenberq: Iuac? dhs'm Haufsftrasse. an der Lesftng- strasse. Unterhalrunasabend.— Krauksurter Allee: Jugendheim ssrandfurtcc Allee SV7(Walter�Rathenau-Zimmcr). Spiclabcnd. �nnenstanivve stes �entra'verk'ankies ver Zlnnestellten Hente. Donnerstae. fiiiSev Zeigende BeT�nstartivvtcr ktotf: Pastow- Ni«h«rtSöi>daAlc»: Auaendheim(JBrirf'ftt, 14(«öü-s Z'mmct). Au». frccdtocdend: �uaeud Unit Beruf".— Treptow: Augendnctm dee Schute Wildeniruchltr. ä3("aafl-tnfl nan der in Tg evow). Bnnfmat „Handel und Anduftr'c in Teutschland und Ö sterreich[Tefctent: ffredetch fficiflilt.—®*iincbcTit: Ivac ndheim SSoupKtt. 15>-,« g�bät-de. STtzitinnci-.. i mmtt). Wir Üben Wanderkarten lesen.— 3lb Ist's Uhr Bdlrslanzkursua im Lestaloesi-Lmeum, Hicktreubera. Prin).?lldert�tr. 44. Beranlrtorilich vir Volitik:?r. Sur« S-u-ri Wirtschait: