BERLIN Montag 2. April 1930 10 Pf. Nr. 164 B 82 42. Jahrgang erschetattSglich außer Sonntag«. Augleich Zlbtabausgade de«.Vorwärts'. Betugspreit beide Ausgabe» SS Pf. ,r« Woche. pro Monat. vledaktioa und Cxredition; Berlin SW 68. LindenKr.S SficUcu&cfaße Job t V Berlin Nr.»7SZ� F, i Die elnfvaltiae Nonvareilleieil« 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Dorwärts-Verlag G. m.b.H., Berlin Nr. 87&3& Fernsortcher- Dönbvff sss bi« A? Brüning verteidigt sich. Sozialdemokratie, Zentrum und die Arbeitslosensrage. 5m Plenarsaal des Reichstags tagt« am Sonntag der Reichsaus- schuh des Zentrums. Der stellvertretende Vorsitzende 5 o o s ver. sicherte, dem Zentrum Hab« viel daran gelegen, die große Koalition oufrechtzuerhalten. Diesem Ziel habe auch das Arbeitslosen- kompromiß dienen sollen. Aber die Sozialdemokratie habe es nicht angenommen. Die Zentrumspartei stehe auf der Höhe ihrer poli- tischen Aktion und sei einig und geschlossen. Nach ähnlich gerichteten Ausführungen des Abgeordneten Esser und des Ministers Dr. Wirth sprach Reichsarbeitsminister S t e g e r w a l d über die nächsten Ausgaben der Sozialpolitik. Wenn er nicht die Ueberzeugung hätte, daß es möglich sei, die Sozialpolitik in den bisherigen Bahnen sottzuführen, hätte er nie sein Amt übernommen. Reichskanzler Dr. Brüning. von Beifall begrüßt, begann mit der Erklärung, das Zentrum habe alles getan, um die letzt« Krise zu vermeiden. Die Lösung in der Arbeitslosensrage sei zwar keine einwandfrei« gewesen� doch eine solche, daß man annehmen könnte, die Sozialdemokratie würde ihr zustimmen. Das Zentrum hat die Rettung der alten Regierung bis zum letzten Augenblick gewollt. Darum sind die Vorwürfe der Sozialdemokratie verwunderlich. Es klingt, als ob man durch ein großes Agitqtionsgeschrei sein eigenes Gewissen übettönen will. Als im Frühjahr vorigen Jahres das Zentrum gar nicht in der Regierung war, wurde ich von Sozialdemokraten ge- beten, zu den interfraktionellen Verhandlungen zu kommen, sonst hätten diese überhaupt keinen Zweck. So ist es weiter gegangen, und nur mit Hilfe der Zentrumspartei konnte die Arbeitslosentrise gelöst werden. Hilferding» treueste Stütze war das Zentrum und nicht die Sozialdemokratie. Sein Sturz war ein schwerer Fehler. Die große Koalition wollte ich für die nächsten Jahre ausrecht er- halten. Aber bei der entscheidenden Abstimmung zur Rettung der Regierung vor Weihnachten sind 2 2 Sozialdemokraten aus dem Saal gegangen. Bei einer anderen Abstimmung hat ein großer Teil der Volkspartei gegen die Regierung gestimmt. Nur Nachtflugzeug abgefiürzt. Flugzeugführer und Funker getötet. ' heule früh gegen 1 Uhr ist das vom Londoner Flughafen ge- flarleke deutsche Rachkpostslugzeug V 1649 aus bisher unbekannten Gründen bei Limpssield abgestürzt. Die Besahung. der Flugzeugführer Sarl Wessel und der Funker Gustav So». n c r t. kamen hierbei um» Leben. Da» Flugzeng. das keine Fahr- gaste mitführle, verbraunte. Das Junkers- Flugzeug war heute Nacht gegen �3 Uhr m Eroyden bei London aufgestiegen, um die Post, zirka 400 Kilo» xramm Briefe und andere Sendungen nach Berlin zu bringen, wo die Maschin« gegen Mit Uhr hätte landen sollen. Das Postslug- zeug pafsiett« das erste Leuchtfeuer, das zu der Strecke London- Paris gehört, ordnungsmäßig, geriet aber dann in unsichtige Wetter, so daß der Führer kaum 3 bis 4 Kilometer weit sehen kennte. Zu allem Unglück versagte auch die Funkeinrichtung an Bord der D 1649, denn Eroyden konnte schon nach etwa 20 Mi- miten Fahrt keine Nachrichten mehr empfangen. Wessel ist dann in der Nähe der Unfallstelle, bei der Stadt Orted-, in schwieriges Ge- lande geraten, besten Hügel sich bis zu 300 Meter Höhe erheben. Da die Wolkendecke 600 Meter über dem Boden war, ist der Führer sehr tief gegangen, um sich zu orientieren. Offenbar hatte Wessel Bedenken, unter diesen Umständen die Fahrt fottzusetzen. Er um- kreiste mehrmals die Ortschaft Limpssield und wurde dabei von einem Polizisten beobachtet, der die Lichter des Flugzeuges genau erkennen konnte. Der Führer der Maschine wollte nach Eroyden zurückkehren, wie von den Augenzeugen bestätigt wird, und wie auch aus der Lage des abgestürzten Flugzeuges, dessen Spitze nach Osten weist, hervorgeht. Dabei muß der Ptlot. in dem Bestreben, sich zu orientieren, allzu tief herabgegangen sein.. Das Flugzeug ist mit Vollgas auf eine wiese ausgestoßen, auf der unter normalen Um- ständen eine Rotlandung ohne weiteres möglich gewesen wäre. Bei dem furchtbaren Aufprall explodierte der Benzintank und dos Flugzeug brannte vollständig aus. Destel und Kon- nett wurden in hohem Bogen aus ihren Sitzen herausgeschleudett. Man fand den Führer etwa 20 Meter von den Trümmern des Metallslugzeuges entfernt auf. Die beiden Insasten hatten so schwere Verletzungen davongetragen, daß der Tod auf der Stelle eingetreten sein muß. Einwohner der Ortschaft Limpssield, die durch die Ex- plosion des Benzintanks geweckt worden waren, eilten sofort zur Unftcklstelle. konnten jedoch nicht mehr Helsen. Zentrum und Demokraten hielten fest. Wenn die Sozialdemokratie ein Interesse daran hat, die Brücken zur Zentrumspartei nicht ab- zubrechen, würde sie gut tun, gegenüber der Zentrumspartei eine andere Methode anzuwenden.(Sehr richtigl und Händeklatschen.) Der Reichspräsident hält sich streng an die Ver- fastung. Aber dies« gibt ihm die Mittel, wenn das Parlament ver- sagt, das Parlament und die Demokratie zu sanieren. Und das ist der Sinn dieses Kabinetts. Als wir das Junktim zwischen Boung- Plan und Finanzdemokratie forderten, hat ein bekannter Parla- mentarier im„Vorwärts' daran Kritik geübt. Ein großer Teil der sozialdemokratischen Fraktion hat den Ernst der politischen Lag« überhaupt nicht erkannt.(Sehr richtig!) Es waren schließlich ver- hältnismäßig nur Kleinigkeiten, über die man sich nicht einigen konnte. Seit 1926 konnten wir voraussehen, daß 1929 oder 1930 der Höhe- punkt der finanzpolitischen Schwierigkeiten kommen würde. Wir richten unsere Politik darauf, das Parlament nicht arbeitsunfähig werden zu lasten, sondern es zu zwingen, sich aufzuraffen. Eine Lösung mit dem alten Kabinett stellte sich als unmöglich heraus. Keine Fraktion hat so die Dinge durchdacht in wirtschaftlicher, sozialer und a g r a rp o l i t i sch e r Beziehung wie unsere Fraktion. Wir wollen den Grundsatz der Zentrumspartei durchführen: Mäßigung in allen Mitteln und Methoden. Ich habe wahrlich keine Lust zu Abenteuern: aber wenn entweder die ganze Wirtschaft oder der Parlamentarismus versumpft, dann muß man den Mut haben, in die Bresche zu treten und den Kampf für die Rettung der Demokratie zu wagen. (Lebhafter Beifall.) Gegenüber dem Gerede in der s o z i a l d« m o- kratischen Presse betone ich: Ich habe noch am Tage vor der Demission des Kabinetts Mitgliedern des Reichstags erklärt, daß ich die Hoffnung noch nicht verloren hätte und bis zum letzten dafür kämpfen würde, daß die Koalition möglichst bis zum Schluß des Reichstags zusammenbleibe. Ich wünscht«, daß die jungen Kräfte auf der Rechten, die sich auf den Boden des heutigen Staates stellen und an dem Wiederaufbau mitarbeiten wollen, Zeit hätten, ein oder zwei Jahr« ihre Wurzeln im Lande zu schlagen, damit sie eines Tages kräftig würden. Danach habe ich gehandelt. Wenn bei der Sozialdemokratie Fehler gemacht worden sind so ist es eigentümlich, daß man sie mit dem Vorwurf der Illoyalität vertuscht. Di« Dinge, tue notwendig sind zur Lebenserhaltung des deutschen Volkes, werden durchgeführt. Hinter diesem Kabinett steht die ganze Autorität des Reichspräsidenten und nach meiner Ueberzeugung auch die Mehrheit des Volkes. Ich komme mir in Ihrem kreise nicht ol» Angeklagter vor. (Heiterkeit.) Sie bedauern vielleicht, daß die Führung an uns ge- kommen ist. Aber wir konnten uns nicht feige der Verantwottung entziehen. Es ist notwendig, das geflüchtete deutsch« Kapital wieder hereinzubekommen, stabile Preise für die Landwirtschaft zu schaffen und Arbeit zu schassen. Wenn im Parlament die Aufgaben nicht Brünings«ultima ratio". L�wTr vT Reg/ert/ngs- KodL't'0 Oer Reichskatnler:.Muß ick? immer erst mit dem Stock oaMischenfabreu?!' zu erfüllen sind, so muß da» Volk selbst in einem Wahlkampf dl« Entscheidung treffen. Ich bin nicht romantisch veranlagt, wie die sozialdemokratische Presse mir vorwirft, sondern sehe die Sache klar und nüchtern. Mit dem Reichskabinett müsten wir, so schloß Dr. Brüning unter lebhaftem Beifall, ohne Rücksicht auf Parteiorganisation und Parteitaktik zu helfen suchen, um eine glückliche und wirkliche Freiheit für Deutschland zu schassen. Reichsverkehrsminister v. Guörard sprach über Fragen der Verkehrspolitik und erklätt«, daß nach seiner Ansicht«ine Erhöhung der Reichsbahntarife zur Zeit nicht erträglich sei. Die Rede des Herrn Reichskanzlers Dr. Brüning war, wie man sieht, so gut wie ausschließlich eine Polemik gegen die Sozialdemokratie, die, wenn der„Sozialdemokratische Presiedienst" richtig unterrichtet ist, noch schärfer war als man es dem hier auszugsweise wiedergegebenen offiziellen Bericht entnehmen kann. Leider spricht aus der Rede auch eine starke persönliche Gereiztheit, so an den Stellen, an denen Herr Dr. Brüning erklärt, Abenteuern ab- geneigt und kein Romantiker zu sein und sich nicht als An- geklagter zu fühlen. Nach seiner Darstellung liegt alle Schuld an der Entwicklung der letzten Zeit bei der Sozialdemokratie. während das von ihm geführte Zentrum alles richtig voraus- Eisenbahnunglück in Japan. Bis seht 17 Tote geborgen. Tokio, 7. April. Bei einem Eisenbahnunglück in Oita sKin- schiu) wurden 17 Personen getötet und 7 schwer verletzt. Einzelheiten über die neue furchtbare Eisen- bahnkatastPophe fehlen noch. gesehen, richtig eingeschätzt und richtig gemacht hat. Aber diese selbstgerechten Behauptungen des Herrn Reichskanzlers finden ihre schlagende Widerlegung an der soeben dem Reichstag zugegangenen Regierungsvorlage zur Vorbereitung einer Reichsfinanzreform, die eine von der Sozialdemokratie durchaus gebilligte Lösung der Arbeitslosenfrage mit enthält. Diese Vorlage, die von der alten Regierung be- schlössen ist, wird von der neuen nicht mehr vertreten, weil sie von den Parteien der bürgerlichen Mitte längst im Stich gelassen worden ist. HätteHerr Dr. Brüningseine Energie darauf konzentriert, die ihm nahe- stehenden bürgerlichen Mittelparteien für diese Regierungsvorlage zu gewinnen, so bestünde die Große Koalition heute noch, das Problem der Reichsfinanzreform wäre rechtzeitig und auf normalem Wege gelöst worden, und es wäre nicht notwendig geworden, die Bahn des Abenteuers zu beschreiten, auf der man sich, trotz des Widerspruchs des Herrn Reichskanzlers, in Wirklichkeit heute befindet. Bemerkenswert ist, daß die Kanzlerrede, die sich so scharf gegen die Sozialdemokratie wendet, kein einziges Wort gegen Herrn Hugenberg und die Deutschnationale Partei enthält. Zenirumsarbeiier/ Vrüning-Kabineii. Sine Liste von Forderungen. Der Reichsarbeiterbeirat der Deutschen Zentrumspartei»er- össentlicht eine längere Entschließung, in der zunächst die Erklärung de» Reichskabinetts zu der Frage der Ueberwindung der deutschen Finanz- und Wirtschastsnot begrüßt wird. Zur Reform der Arbeitslosenversicherung wird gefordert, daß die finan- ziell« Sicherstellung der Versicherung in beschleunigter Weise erfolgt, kein Leistungsabbau mit der Sanierung verbunden wird, für die Zeit übergroßer Arbeitslosigkeit die Allgemeinheit in an- gemessener Weise an den Aufwendungen für die Arbeitslose«»«:- sicherung beteiligt wird, der Notlage der Kurzarbeiter mehr als bisher Rechnung getrogen wird, und die unter anderen Verhältnissen geschaffene Krisenunterstützung im Sinne oerstärkten Tragödie eines Gescheiterten. Ehemaliger Guisbesitzer erschießt sich und sein Kind im Grunewald. Am Sonntag früh hat sich im Grnnewald in der Nähe des Schlachtensees eine erschütternde T r a- g ö d i e abgespielt. Der 38jährige frühere Gutsbesitzer Gustav LiUde suchte im Schlachtensee, nachdem er kurz zuvor sein sebeujähriges Söhnchen an anderer Stelle durch einen Kopfschutz getötet hatte, den Tod im Wasser. Di« Tragödie spiegelt die oerzweiselten Verhältnisse einer zer- riitteten Familie wider. Lind« besah früher einmal zwei Güter? durch die Ungunst der Verhältnisse wurde er um sein Vermögen gebracht. Als er in Berlin mit dem Rest seines Geldes oersuchte, sich eine neue Existenz auszubauen, s ch e i t e r t e er. Zu den ge- schästlichc» Nöten kam hinzu, daß seine Ehe nicht glücklich war. Linde ließ sich scheiden, trug aber die Kosten sür den Lebens- unterhalt der Frau und des Kindes. Der siebenjährige Rolf blieb bei der Mutter, die in Untermiete bei einer Frau V. in der Nürn- berger Straße 18 wohnt«, während der Mann selbst eine Stube am Stuttgarter Platz 3 hatte. In der letzten Zeit war es zwischen Linde und seiner früheren Frau zu einem Streit gekoinmen, der sich um die Einschulung des Knaben drehte. Der Mann hatte eine Ver- wandte in Frankfurt an der Oder und wollte, daß sein Sohn dort zur Schul« gehen und bei der Tante wohnen sollte. Di« geschieden« Frau aber hatte den kleinen Rolf schon in einer Schule in der Joachimsthaler Strohe angemeldet und ihm bereits einen kleinen Rucksock und eine Frühstückstasche gekauft. Als Linde sich davon überzeugt hatte, daß die Trennung von dem Jungen der Frau allzu schwer fallen würde, willigte er endlich ein, doh dieser eine Berliner Schule besuche. Bei einer Ausannnenkunft am letzten Donnerstag inuh sich das Paar über die Streitfrage geeinigt haben. Von dieser Zeit an ist aber Frau Marie Linde spurlos verschwunden. Am Sonnabend erschien Linde bei den Wirtsleutcn seiner Frau. Vater und Sohn gingen dann fort und kamen nicht wieder. Allem An- schein nach hat Linde mit dem Jungen eine Fahrt in den Grüne- wald gemacht und dort imih sein Entschluß gereift sein, seinem und des Kindes Leben ein Ende zu machen. Ueber den Berbleib der Frau weih man noch nichts. Zu der furchtbaren Tat werden noch folgende Einzelheiten bekannt. Am Sonntag gegen 8 Uhr früh fanden zwei junge Leute im Jagen 88 des Grunewaldforftes die Leiche eines Kindes. Der Kopf war mit einem gestreiften Taschentuch bedeckt. Da man gleich ein Verbrechen vermuteiv, wurde der Landjäger alarmiert. Gleichzeitig rief man die Mordkovunifsion aus dem Polizeipräschinin herbei. In den Händen der kleinen Leiche wurde eine Photographie gesunden, die ein Bildnis des toten Jungen darstellte und die Unter- schrift trug: „Rolf Linde. Nürnberger Straße IS.— Ich liege am Wasserweg. Gustav Linde." Bei der gerichtsärztlichen Untersuchung ergab sich, daß der Junge berells mehrere Stunden vor Entdeckung der Tat den Tod durch die Hand des Baters gefunden haben muhte. Inzwischen war auch die Leiche des Daters gefunden worden. Im seichten Wasser des Schlachtensees entdeckten Fischer die Leiche des Mannes. Linde hatte sich eine Kugel in den Kopf geschossen und war dann in der Nähe des Ufers zusammengebrochen. Dicht an der Fundstelle ent- deckte man den Mantel, Hut und Aktentasche des Täters. In der Tasche fand man einen Zettel,«auf dem folgendes stand:„An den Staat. Mein letzter Wunsch, kein Aufsehen, keine Belästigung meiner Angehörigen. Bitte mich irgendwo einzugraben, wenn es sein muh auch ohne Sarg. Auf keinen Fall meine Angehörigen in Anspruch nehm« n, denn ich habe für den Staat genug getan. Grund zur Tat völliger Nerven- und Seelenzusammenbruch, völlige wirtschaftlich« Katastrophe." Unterschrieben war der Zettel mit„Gnstav Linde". Er trug das Datum des S. April, 3 Uhr morgens. Selbstmord zweier Berliner in Mecklenburg. Wie aus Fürstenberg in Mecklenburg gemeldet wird. wurden dort am Sonntag aus dem Röbkinfee die Leichen eines jungen Mädchens und eines Mannes gelandet, die, nachdem sie ein Stück ins Wasser hineingegangen waren, sich erschossen hatten. Die Toten wurden festgestellt als eine 21 Jahr« alle Charlotte G. und ein 47 Jahre aller Otto B a h l k e, die beide in Berlin- Köpenick wohnten. Am Sonntag traf auch bei den Ellern des Mädchens ein Schreiben aus Mecklenburg ein. in dem die Tochter ihren Entschluß, aus dem Leben zu scheiden, mitteilt«. B a h l k e, der S t a d t v o r m u n d ist, unterhielt mit seiner Nichte bereits längere Zeit ein enges Liebesverhältnis, von dem die Eltern des Mädchens nichts wußten. Famfflenißhttße»«wer Äertbmtng unterzogen und grvntffätzklch auf alle Berufsgruppen ausgedehnt wird. Zur Jnoalidenverficherung wird die alsbaldige An- flletchung der Leistungen an die der Angestelltenversicherung. Er- Weiterung der Selbstverwaltung und anderes mehr gefordert. Weitere Wünsch« sind die baldige Schaffung eines Tarif» oertragsgefatzes, Verbesserung des Schlichtu ngs» wefens, Schaffung eines Arbeitsoertragsgefetzes mit verbessertem Schutz für ältere Arbeitskräfte, baldige Der- abschiedung des Arbeitsschutz- und Bergarbeitsgesetzes. Verbesserung des Schutzes für Arbeiterinnen, Mütter und Jugendliche, NcViregelung des Mietrechtes, umfassende Verwattungsreforin,.Behebung der Grenzlandnvt, unveränderte Fortführung der Saarg�ingerunterstützung usw. Jlcücr Gozialvstensieg in Krankreich. SinSitz penBadilalen abgenommen.— BadikaleGewinne Paris,?. April.(Eigenbericht.) Am Sonnlag fanden in F.Ulnkreich vier Ersatzwahlen zur Kammer statt. Wieder hatte lsie Sozialistische Partei einen starken Zuwachs zu verzeichnen. 3n Sele im Departement h e r a u l t wurde der sozialistische Kandidat S a l e t l e mit über 7500 Stimmen Vorsprung gegenüber dem radikalen Kandidaten gewählt. Der Wahl- kreis befand sich bisher im Besitz der Radikalen. Zn den übrigen Wahlkreisen, so in zwei bisher reaktionär ein- gestellten Kreisen in der Bretagne, liegen die Radikalen weitaus an der Spitze, doch war ihr vorfprung nichi groß genug, um gleich im ersten wahlgang eine Enlstheidung herbeizuführea. Es finden daher am nächsten Sonntag Stichwahlen statt. 3m Wahlkreis von St. Girons liegt der Republikaner gegenüber dem sozialistischen Kandidaten mit einem vorspruug von 2000 Stimmen in Front. Bei einer Generalraiswahl in Oran(Algerien) hat der sozialistische Kandidat Ardilouse in einem bisher ausgespltochen faschistischen Wahlkreis den Sieg errungen. Er hat den ersten Bei- geordneten von Oran mit einem Vorsprung von 400 Ssimmen glatt geschlagen. Wie lange noch„Gchulsireik"? Oer Unfug muß endlich ein Sude haben? Die kommunistischen Drahtzieher möchten ihr verderb- liches Spiel mit den 3nteressen der Schulkinder noch immer forischen. Durch energische Maßnahmen der Schulverwallung dürste dem Unfug aber bald endgültig du Ende gemacht werden. Die meisten Väter derjenigen Jungen und Mädchen, die seit nunmehr einer Woche vom Unterricht ferngehalten werden, haben jetzt Polizeistrafen in Höhe von 23 Mark erhalten, an deren Stell« auch Haft treten kann. Dies« Haft wird ohne jede Rück- ficht dort vollstreckt werden, wo auch in den nächsten Tagen die Eltern bei ihrer Resistenz verbleiben. Sollt« die Bewegung noch länger durchgeführt werden, so besteht sogar die Möglichkeit, den Erziehern, die ihre Kinder bewußt durch Fernhaltung von der Schule schädigen und die damit dokumentieren, daß sie zur Cr- ziehung der Kinder nicht geeignet sind, im Zwangsverfahren die Sorg« für ihre Kinder und die Erziehung aus der Hand zu nehmen. Auch von diesem Mittel wird man Gebrauch machen, wenn nicht endlich der ebenso lächerliche wie wirkungslose„Streik" der Kinder von den Erwachsenen liquidiert wird. Sollte bei Schulanfang nach Ostern wiederum versucht werden, den Unfug des Schülerstreiks aufleben zu lassen, werden der Magistrat und auch die Polizei zu den schärfsten Maßnahmen gezwungen sein. Tardieue„Bemerkung". Die Verbalnote wegen der Befestigungen im Rheinland. Paris, 7. April.(Eigenbericht.) Ministerpräsident Tardieu hat am Sonnabend in seiner Senats- rede die Absend» ng etner Note an die Reichsregierung über die Zer- ftörung der beanstandeten Festungswerke im Rheinland angekündigt Nach dem amtlichen Text seiner Rede im„Journal Osstzicl" handelt es sich dabei nur um eine Verbalnote. Tardieu erklärte nach diesem Text wörtlich:„Ich werde in wenige» Tagender Reichs- regierung noch eine Bemerkung(„Observation") niachen. Be- vor die Räumung des Rheinlandes ganz durchgeführt sein wird, müssen gewisse Werke in der entmilitarisierten Zone zerstört sein. Ich bin informiert worden, daß in einigen dieser Werk« nur sieben oder acht Arbeiter beschäftigt sind, und daß sie nur sehr gemüt- l i ch arbeiten. Ich werde der Reichsregierung den fveundschaftlichen Rat geben, daß, wenn man ein Fort zerstört, man es ohne Zögern tun muh, und daß, wenn derartige Forts nur scheinbar zerstört würden, eine wesentlich« Bedingung für die Räumung nicht erfüllt wäre. Ich bin aber sicher, daß diese Bedingung erfüllt werden wird." Stadtverwaltung aus Krauen. fZn Amerika— ohne Opposition gewählt. New Port, 7. April.(Eigenbericht.) Die am Sonntag gewähtte neu« Stadtverwaltung von Pellville in Arkansas, an einem Nebenfluß des Mississippi, besteht nur aus Frauen. Di« Frauenwohlliste wurde oppositionslos gewählt: alle Verwaltungsposten werden gleichfalls mit Frauen be- setzt. Stahlwerk Decker. Oer Regierungopräsident sucht Verhandlungen. Bochum, 7. Apritz(Eigenbericht.) Im Falle des D t a h l w o r k s Becker hat der Düsseldorfer Regierungspräsident Bergemann am Sonntag einen letzten Vermittlungsversuch gemacht. Bei den Verhandlungen, an denen Vertreter aller interessierten Parteien teilnahmen, erklärt« ein Mitglied des Haupivorftandes des Deutschen Metallarbeiterverbandes, das Stahlwerk Becker war« durch den Aufkauf durch die große Werks- gri-ppe zur Stillegung verurteilt gewcfen. Daran hätte auch ein Eingehen der Belegschaft aus das Angebot der Werkslietung auf die Dauer nichts geändert. Die Vertreter der Arbeitgeber erwiderten, sie lönntea diesen Standpunkt nicht oerstehen. Das Angebot fei durchaus«ruft gewesen. Näher kamen sich die Parteien nicht. Darauf fetzt« der Regierungspräsident als Demobilisierungsbehörde die Stillegungsverhandlungen auf den 12 April an. Frau Hanau wird nach sechzehnmonatiger Hast in Freiheit gcfetzc. Die vcrn: Gericht verlangte Kaution van 800 000 Franken ist durch frrZtviÄgc Sammlungen der Gläubiger ausgebracht worden. Der Befreiungskanzler. Bürgerliche Anerkennung der Leistung Hermann Müllers. Nach den neuerlichen Angriffen auf das Kabinett Müller, die besonders nach seinem Sturz noch sich in der bürgerlichen Presse häuften, wirkt es geradezu erfrischend, wenn in einem bürgerlichen Blatte auch die großen Verdienste dieses Ka- binetts, besonders seines Leiters, hervorgehoben werden. In der demokratischen„Berliner Volkszeitung" würdigt der Landtagsabgeordnete Nuschke ausführlich die staatsmännische Leistung Hermann Müllers und kommt dabei zu dem Schluß: ... Weder in der Frage der endgültigen Reparation»- regelung noch in Hinsicht auf dl« Durchsetzung einer früheren Rhein landräumung war von der Rechtsregierung irgendein Schritt unternommen worden. Man begnügt« sich damit. in der Außenpolitik mehr schlecht als recht sortznwursteln. Selbst der aktiven Natur Strese manns gelang es unter der Rechtsregierung nicht, einen Bewegungskampf für die von ihm sonst gewiß zäh verfochtenen Ziele zu entfesseln. � Das wurde mit einem Schlage anders als das Kabinett Hermann Müller ans Ruder kam. Der neu« Kanzler erkannte die große geschichtliche Aufgabe, Deutschland die äußere Freiheit zurückzugewinnen und durch eine Endregelung der Reparationsfrage den Weg für unseren wirtschaftlichen Wiederauf- bau frei zu machen. Unerhörte Schwierigkeiten türmten sich auf diesem Wege auf. Das Ausland, das heißt, unsere einstigen Kriegs- gegner, waren noch himmelweit entfernt vbn der Einsicht In die weltwirtschaftliche Verbundenheit der einzelnen Länder. Finan- zieller Egoismus und blinder Nationalismus stießen von außen her immer erneut vor. Im I n n er n konnte sich das Kabinett Müller lange Zeit nicht so konsolidieren, wie es der Kanzler wollt«. Es ist vielleicht an der Zeit/ daran zu erinnern, daß es gerade damals da» Zentrum war, das zunächst nur mit einem Horchposten im Kabinett ein« abwartende Stellung bezog. Erst nach langen Mühen gelang es dem Kanzler, das Zentrum vollwertig an feinem Kabinett zu beteiligen. Alle äußeren und inneren Schwierigkellen — zu den letzteren trat dann noch das Auftreten des Herrn Schacht — konnlea jedoch den Kanzler Müller nicht von seinem weit ge- steckten Ziele abbringen. Mit der Verabschiedung der P o u n g- Gesetze wurde dann endlich das Schluhsiegel unter die B e- freiungspolitik Hermann Müllers gedrückt. Der Sozialdemokrat Hermann Müller ist der Lefreiungs- kanzler Deutschlands geworden. 3n anderen Ländern würde diese geschichtliche Talsache bis in die Schullesebücher übergehen. 3n Deutschland wird man wahrscheinlich nicht einmal bei den offiziellen Besreiuugsfeiern im Sommer dieses 3ahres Hermann Müllers gedenken. Andere ernten, wo er g e s S k hat. Wenn stch das Kabinett Brüning bis dahin hält, wird der Neinsager bei den Pouug-Abstimmungen, Herr Treviranns. die Festreden hallen! Angesichts der hundertfachen Verurteilungen, die der Regierung Müller von den Neunmalweisen in der Zentrums- und der Rechtspresse zuteil wurden, ist dieses objektive Urteil über das geschichtliche Verdienst des sozialdemokratischen Kanzlers wert, besonders registriert zu werden. Warnung vorVerfaffungsbruch Scheidemann und Grzesinski über die politische Lage. Kassel, 7. April.(Eigenbericht.) Auf dem Bezirksparteitag des Bezirks Hessen-Kassel sprachen am Sonntag die Genossen Scheidemann und Grzesinski über die Lag« im Reiche und dl- Machtverhältnisse in Preußen. Scheidemann jührte u. a. aus: Die neu« Regierung ist auf die Dauer eine Unmöglichkeit. Die Sozialdemokratie, di« rich» tunggebend für di« ganze Auhenpolitk gewesen ist, steht jetzt außer- halb und die Splitterparteien, die gegen den Poung- Plan und damit gegen die Befreiung der Rheinland« gestimmt hob?«, sollen sitzt, ohne eine Mo ich hei! zu haben, die Politik machen, die wir und mit uns Strbsemann konsequent verfolgt haben. Das ist ein parlamentarischer Unsinn, dem im Interesse der Republik sobald als möglich ein Ende bereitet werden mutz, fei es durch Neu- wohl des Reichstags, fei es durch eine NeubiLmng der Großen Koalition. Albert Grzesinski, der feit seinem Rücktritt zum ersten Mate ein politisches Referat hielt, behandelte di« politsche Entwicklung in Preußen. Die faktische Macht, die Verwaltmrg, die Exekuttve liegt bei den Ländern, so daß Herr Hugenberg verständ- licherweise viel lieber die preußische Regierung bevormunden möchte. a,ls Minister in di« Reichsregierung zu dirigieren. Eingehend be- handelt« Grzesinski einig« wichtig« Verwaltung»- und Resormfragen. Eine Anwendung des Artikels 48, um die Gesetz« des unerfreulichen Blocks durchzudrücken, wäre Verfassungsbruch! Fast eben- so gefährlich und energisch zu bekämpfen wären die Pläne Schiele», di« auf eine ganz üble Subvernions- und Liebesgaben- polltik für den östlichen Großgrundbesitz hinausliefen. Wettere dunkle Absichten muß man durch vorsichtige planmäßig« Kontrolle ausschalten. Nach den beiden Referaten wurde einer Entschließung zuge- stimmt, in der die Genossen aufgefordert werden, sich stärker zu- sammenzufchließen:„Der Bezirksparteitag begrüßt di« offenbar bald zu erwartende Neuwahl zum Reichstag. Sie wird der Sozialdemokrtiti« die erwünschte Gelegenheit zum erneu. en Kampf für die Erhaltung der sozialpolitischen Errungenschaften, für Demokratie und Sozialismus geben. Bereit sein, ist sitzt alles!" Aus dem Geschäftsbericht an den Bezirksparteitag geht hervor, daß seit Oktober vorigen Jahres im Bezirk Hessen-Kassel 51 neue Ortsgruppen gegründet werden tonnten. Der sehr gut verlaufene Bezirksparteitag wählte den bisherigen Bezirksvorstand einstimmig wieder.-_ Hessen und Preußen. Die Demokraten für den Anschluß. Franksurl a.M.. 7. April. Ein cmherordentticher Parteitag der hessischen demo- kratifchen Partei befaßte sich am Sonntag mtt der Frage des Anschlusses des Landes Hessen an Preußen. Zum Schluß der Tagung wurde folgende Entschließung an- genommen: „Der Partettag der Demokratischen Partei Hessens bekennt sich nach wie vor zur Idee des dezentralisierten deutschen Einheitsstaates und wird auch weiterhin jeden Schritt fördern, der ge- eignet ist, dieses Ziel zu verwirklichen. Er muß deshalb mit Be- dauern feststellen, daß die Lönderkonserenz zu einem brauch- baren Ergebnis nicht gelangt ist und der Weg der Länder- Vereinbarungen sich zur Schaffung des dezentralisierten Emhetts- staatcs als untauglich erwiesen hat. Angesichts dieser Tatsache glaubt di« Demokratisch« Partei in Hessen, zur Verwirklichung de« Ein- hettsgedankens die staatliche Gemeinschaft mitPreußen airstreben zu müssen, zumal die Verhältnisse im Rhein-Main-Gebiet diesen Weg aus wirtschaftlichen Gründen vorzeichnen. Sie er- wartet deshalb von der demokratischen Landtogsfraktion des Hessischen Landtages, daß sie zu gegebener Zeit im Landtag einen A n- trag einbringt, der die Regierung ersucht, zwecks Herstellung einer staatlichen Gemeinschaft mit Preußen VerHand- lungen mit der preußischen Regierung aufzunehmen. Sie setzt da- bei voraus, daß die kulturellen, wirtschaftlichen und polnischen Belange Hessens bei einer Zusammenlegung Hessens mit der Provinz Hessen- Nassau durch«rwetterte Selbftoerwättungsrecht« gewahrt werden." GelbstmorS eines Vierzehnjährigen. Am Sonntagabend hat sich in der Wohnung seiner Eitern in Rummelsburg. Markgrafendamm 13, der 14jÄhng« Franz D o m a n s k i erhängt. Nach den pollzeilichen Ermittelungen sind Familien st reitigkeiten der Grund zn dem Berzroeis- lungsschritt des Kindes. Vor zehn Lahre«. Oer sibirische Friedhof. Ts sind im April gerade zehn Jahr« her, daß di« endgültigen Bescijlüsie zur �>eimschaffung der in Sibirien zurückgebliebenen Kriegsgefangeieen gefaßt worden sind. Zehn Jahre sind erst oer- gangen, seit dies« letzten Fünfhunderttaus end aus Ihrer furchtbaren Lage erlöst werden konnten, in der sie, abseits vom großen Kampfe, das Grauenvollste erlebten, was im Krieg zu erleben war. Was sie erlitten haben, das soll nicht vergessen sein. Daran muß erinnert werden, so lange der Kriegsgedanke noch umgeht. so lang« der Kriegsverherrlichung noch mit Erinnerungen begegnet werden kann. Sibirien ist, um damit zu beginnen, der Friedhof von fünf- hunderttausend deutschen, österreichischen, bulgarischen, türkischen Männern, die einen ruhmlosen Heldentod starben. Typhus, Wahn- sinn, Hunger und Kälte hat sie hingerafft. Wir wissen es noch. Die Knute des Zaren hat dazu das ihre getan, korrupt« Lagerbehörden, schneidlg-sadistifche Wachtoffiziere, stur mißleitete Muschiks. Aber selbst, wenn man alle Anklagen. die mit Recht von Gefangenen gegen die Wächter(auf allen Seiten!) erhoben wurden, wenn man all diese Anklagen außer acht lassen will, dann bleibt noch genug! Dann bleiben noch vier, fünf, sechs Gefangenfchaztsjahr«, Jahre ohne Betten und Bad, ohne Wäsche, in ungelüfteten verlausten, verwanzten Holzboracken, in Zwangsgemeinschaft mit überreizten, »eroösen, streitsüchtigen Kameraden. Dann bleibt der.Lager- fimmer, die Stacheldrahtkrankheit, die zu zahllosen Selbstmord- versuchen, zu seelischen Störungen, ja zu offenen Wahnsinns- ausbrüchen führte. Bleibt die unoerhüllte Geschlechtsnot der Eng- aneinandergepserchten, Ausschweifung, Onanie und schließlich die offen zutage getretene Männerliebe, Epidemien homosexueller Exzesse. Das alles entsprach im ganzen der Vorstellung nicht, die der Krieger sich, als er begeistert hinauszog, gemacht hat. Es war so wenig einbeschlossen in die Idee voin Heldenkampf aus dem Felde der Ehre wie etwa Etappenbovdelle und Syphllislozarelte. Man hatte daran nicht gedacht. Im Leben der Kriegsgefangenen stellte sich nun die ungelöst« Geschlechtssrage als die lebensbeherrschende Frage heraus. Der Zweifel der Gatten, das wache Triebleben der heranwachsenden jungen Burschen, die ganze Atmosphäre von Zoten, Zweideutigkeiten und obszönen Erinnerungen erhitzt« jahrelang die Phantasie weibhunyriger Männer, die an pikanten Bildern und Erzählungen, allenfalls noch an den Reizen der Frendenknaben und Damendarsteller kargen Ersatz suchen mußten. Dwingers„Armee hinter Stacheldraht", auch Radion Markovits Gefangenlagerroman enthalten Schildsrungen von gelegentlich ms- geheim etablierten Lagerbordellen. Sie spotten jeder Beschreibung. Wie hier durch die eingeschimiggesten Frauen der ganze Bienenschwarm der Gefangenen in wilde Erregung gerät,— drei Frauen auf einige tausend Mann!— wie die Gier alle Reste von Kamerad- schast und Selbstzucht zerstört, wie sie sich drängen, zanken und blutig schlagen, schließlich sogar verraten,— das kennz»!ch!«t deutlich das wahre Klima der Lager. Das müßt ihr lesen, deutsche Mütter und Frauen, die ihr voll Stolz eure Männer und Söhne zum Kampf himmsgeschickt habt! Wie viele haben sich dort in dunklen, versteckten Barackcnwinkeln von ungewaschenen, über- anspruchten Mädchen für teures Geld die asiatische Syphilis mit- gebracht? Es waren Gatten, Familienväter, Bräutigame und Knaben, es waren Postsekretäre, Bankdirektoren, Kanalavbeiter. Da galt keine Rangordnung mehr, einer kam nach dem anderen. Da standen Borgesetzte und Untergebene Schlang«. Man hatte das nicht gedacht. Man hatte auch nicht gedacht, daß sie alle, unterschiedslos, einmal Schuhwichse fabrizieren müßten oder Streichhölzer, Knöpfe, türkische Zigaretten, lauter Artikel, an denen es in Sibirien fehlte, mit denen nach der bolschewistischen Revolution sich die Kriegsgefangenen,„freie Bürger", den Unter- hast selber verdienen mußten. Aus diesem Leben kamen, vor nunmehr zehn Jahren, als letzte von allen Gefangenen, hunderttausend Männer nach Deutschland zurück. Sie kamen mst leeren Händen. Aber sie brachten aus Sibirien eine Erfahrung mit: die vom unermeßlichen Wahnsinn der Kriege. Länder-Kutturfilme. Die wirksamste, die schönste und gleichzeitig am meisten aus- klärende Propaganda für ein Land, aus das man die Aufmerksam- keit lenken, in das man den Strom der Reisenden zu ziehen beab- sichtigt, vermag der Film zu leisten. Am Sonntag sollte dieser Segen in zwei Sonderausführungen gleich zwei Ländern zuteil werden: im Tapitol wurde Spanien entdeckt und im Ufa-Palast am Zoo Ungarn. Man braucht beide Länder nicht bloß vom male- rischen und romantischen Standpunkt aus sehenswert zu finden, man möchte auch don modernen Rhythmus der Arbeit in ihnen oer- nehmen. Spanien hat H. Knöröst Photographie«, sehr stimmungs- voll(das Akzent liegt auf dem starken Kontrast des blendenden Lichts und der tiefen Schatten). Das volle Mittelalter dieses Landes wird einem in Toledo klar, die herrlichste maurische Oase leuchtet in der Alhambra auf: daneben Charakterbilder einer wüsten öden Landschaft, mit der schneebedeckten Sierra Nevada im Hintergründe. Madrid kommt sehr kurz weg mit ein paar Holzhäusern. Glanz des Südens und Volksleben bietet Sevilla: aber den Puls des modernen Spanien spürt man erst in Barcelona, der Stobt der Arbeit und des Verkehrs. Ein paar Bilder von der Weltausstellung und ein grandios und lebendig photographierter Stierkampf machen den Bc- schluß. Leider werden die Bilder viel zu rasch vorgeführt. Der ungarische Film, den die Ufa präsentierte, will offen- bar nicht nur Land und Leute in Ungarn zeigen— was auch schon ebensogut und besser geschehen ist—, sondern auch noch für das er- wachende Ungarn Propaganda machen. r. „Majestät läßt bitten.." Komische Oper. Der angenehmst« Operettenabend seit Jahren. Tin« Operette, frei von Peinlichkeiten. Keine zudringlich« Sentimentalität, keine gespreizte Dramatik, kein falsches Pathos. Eine Operette, die' sich nicht wichtig macht. Eine Operette ohne öde Sekffröhllchkeit und erotischen Kitsch. Eine Operette mit Takt und Geschmack. Der Titel läßt etwas Politisch-Satirffches erwarten. Wer damit fft's nicht weit her. In einem Quartett„Das europäische Kon- zert" gibt es ein bißchen über den Völkerbund zu lachen, zum Aus- gleich werden militärische Symbole sonst verulkt. Das ist alles. Die Autoren sind vorsichtig, und sie wissen warum Die Gesell- schast, vor der hier Operette gespiest wird, ist politisch gespalten Man will keinem Teil zu nahe treten. Aber der ironisch-witzige Geist des Tondichters R i d« a m u s ist toirner zu spüren, er nimmt, um durchzudringen, jede Gelegenhest wahr, die ihm die zugrunde liegende Komödie„Die Herzogin von Elba" bietet. Man hat das Stück von Rudolph Lothar und Ritter-Winter- stein vor ein paar Iahren in Berlin gesehen. Napoleons nächtlich« Flucht aus Elba bildet den geschichtlichen Hintergrund für einen amüsanten Einsall von Handlung. Es gilt, den Kommandanten der Bürgergarde von Porto Ferrajo, Pompeo Napokdi, und seine Frau Maddalena für ein paar Stunden abzulenken: durch eine Atrappe von erotischem Abenteuer werden sie unschädlich gemacht. Das spielt sich in drei Lustspielakten ab, die von leichter Hand ge- schickt und sicher geführt sind. Leicht und dezent, so ist auch Walter Kollos Musik: auch sie hat den in der neueren Operette sclstenen Borzug, keinen Augenblick unangenehm aufzufallen. Kleines Orchester, kleine Formen, der Sttl mehr miisikalische Konversation als Schlageroperette: auch die Nummern, die den Erfolg Machen sollen, haben nicht die belästigende Ausgrabungen in Kiesiphon. Im Erdgeschoß des Kais e r. F r iedri ch- M u s« u m s ist die Ausbeute der deutschen Expedition nach Ktesiphon ausgestellt, die 1928/29 im Auftrag der Deutschen Orient gefellschaft und der Rot- penrcinschast der Deutschen Wissenschast dort Grabungen veranstaltet hat. Ktesiphon liegt am Tigris und war Mittelpunkt des parthischen und sassanidifchen Reiches, das sich im Osten des Römerftaates von Babylonien aus weit nach Persien und darüber hinaus erstreckte: es war, gleich Germanien im Norden, sein nie bezwungener Feind und hatte in fpätrömifcher Zeit unter den Sassantden eine eigene Kultur ent wickelt, freiÄch ganz unter dem Einfluß des Hellenismus(dein da» angrenzend« Gandara im Westen Indiens ja noch auffälliger unter- legen war). Die Ausgrabungen in Ktesiphon hoben dos Bild dieser fernen und wenig bekannten Kunst deutlicher hervortreten lassen. Man sieht Stuckornamente aus Palästen und christlichen Kirchen und eine Heiligenfigur aus dem 6. bis 7. Jahrhundert n. Chr., die die Auflösung des antiken Fonnenkanons ins Flächig« und Ab- strotte klar veranschaulichen, in einer Art, die über die gleichzeitige und verwandte byzantinische Wandlung noch hinausgreist und schon an romantische Skulpturen Mitteleuropa« im 12. Jahrhundert ermne«. Eine andere Gruppe von Stuckornamenten, aus dem 8. bis 9. Jahr, Hunde« n. Chr., ist schon zu mohammedanischer Zeit entstanden, zeigt das Fortschreiten der flächenhaften Dekoration zum islamischen geometrischen Teppichstil hin, mit lebhasten unier- schnitt enen Omamenten. Kurz, man hat hier ein Verbindungsglied zwischen Spätantike und arabischer Kunst gefunden, das in der Ent- wickluNg seiner Ornamentik und deren Verwandtschaft mit europäisch- romanischer Abstraktion sehr interessant und aufschlußreich ist. Kleinere Stuck sign ren und schöne glaste«« Gefäße in Seebimi und Grün vervollständigen dieses Bild einer Randstoatenkultur, die Wesentliches zur Vorbereitung islamischer und vielleicht auch romanischer Form beigetragen hat. p. f. sch. Lustmord eines Greises. (Sitte 57jährige Frau im Nett umgebracht. Paris, 7. April. Ei« furchtbares verbrechen eines allen Invaliden wurde am Sonntag in Kalmar entdeckt. Die porlicrfrau eines Hanfes wunderte sich, daß einer ihrer Mieter, der 71jShrige Karl B e n H. das Haus noch nicht verlassen Halle, obgleich er sich jeden Sonnlag in das Museum begab, wo er als W ä ch k e r angestellt war. Sie verschasste sich deshalb Eingang in die Wohnung und entdeckte beim Betreken des Schlafzimmers den Leichnam ihres Mieters. Der Misker haike sich an einem Beitpfosten ausgehängt. In einer großen Bluklache lag quer über dem Bett der Leichnam einer unbekaunlen Frau, der der Kopf fast vom Rumpf getrennt war. Die Polizei stellte fest, daß zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein Kampf stattgesunden haben muß. Es handelt sich zweifellos um einen L u st m o r d. Wenige Stunden nach der Tat erschien ein A r b e i t e r auf der Polizei und meldete seine Frau als vermißt. Es stellte sich heraus, daß die Ermordete die S7jährige Frau des Arbeiters war. Ob sie sich aus freien Stücken in die Woh- nung des Mörders begeben oder in einen Hinterhalt gelockt worden ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Feuer in der Mieikaserne. Mutter mit zwei Töchtern verbrannt. New park. 7. April. In ekner Mieikaserne in Brooklyn brach vermutlich ivsolge Brandstiskung ein Feuer aus. hierbei kamen drei Personen, eine Mukker mii ihren zwei löchern, ums Leben, der Vater und zwei andere Sinder erlitten schwere Verletzungen. Di- Polizei fahndet nach dem mutmaßlichen Brandstifter, der. wie man glaubt, noch vierzehn andere Brände in den letzten Wochen in der gleichen Gegend angelegt hak. Wellington(Australien), 7. April. Sonnabend abend stieß in der Nähe von Whangarei an einem Bahnübergang ein Eisenbahn zu g mit einem Autobus zu- iamnien. Sechs Insassen des Kraitwagens wurden getötet und fünf verletzt, von denen einer hoffnungslos daniederliegt. In Tretjakows Schauspiel„Brülle. China i". wie es uns Meyerhold soeben in seinem Gastspiel zeigte, wird der leidende, erwachende und um seine Befreiung ringende Kuli in den Dienst der uns nun schon reichlich bekannten bolschewistischen Propaganda gestellt. Anders der österreichische Dichter Friedrich£ichlneker dessen Dramen auch in Deutschland nicht mehr unbekannt sind (sein Schauspiel„Die Gezeichneten" wird voraussichtlich im kommenden Winter in Berlin urausgesührt werden), in seinem Roman Jaoe iaoü t&aifun über Schanghai! mit dessen Abdruck wir am Dienetag beginnen. Im Mittelpunkt dieses Romans, der wie eine Kriminalgeschichte beginnt und mit einer Tragödie abschließt, steht der Suliaussland in Schanghai, in dem so viele Chinesen für Sowjetrußland verbluteten, ohne damit China sowie ihren Rajjen. und Klassengenossen irgendwie zu Helsen. Lichlneker ist vm so eher auloriflert, diesen Ausstand zum Mittelpunkt eines Romau» zu machen, als er die verworfene Atmosphäre Schanghais und die Ansänge der Bewegung in einjährigem Aufenthalt selbst erlebt hak. was, auf europäische Verhältnisse übertragen, phantastisch wirken würde— in den, hexenkesset der Rassen und der internationalen kolonialpolitisch-kapitalistischen Ambitionen Schanghai ist es gespenstische Realität. Und so mag denn manche« Beiwerk in dem Roman das Produkt dichterischer Erfindung sein: seine Personen haben gelebt und ihr Schicksal er- fällte sich kaum anders, als es hier aufgezeigt wird. Bankkrach in Breslau. Verlust von 750000 M.- Zahlungen eingestellt Breslau, 7. April. Nach Zeltungsmeldungen wird die Breslauer Bant e. G. m. b. H. am Montag ihre Schalter s ch l i e ße n, da sich ein Fehlbetrag von 750 009 Mark herausgestellt hat. Dieser Fehlbetrag soll, wie das Blatt wissen will, auf leichtsinnige KreditgewäH- ru ng zurückzuführen sein. Der Vorstand der Genosienschaft habe Mitte Februar dieses Jahres die Beobachtung gemacht, daß Kredite an Personen gewährt worden seien, dl« offenbar nicht die genügende Sicherheit boten. Um darüber Klarheit zu schassen, sei ein« gründlich- Nachprüfung der Kreditgewährung beschlossen war- den. Die Nachprüfung habe das Ergebnis, daß der für die Kredit- gewähnmg verantwortlich« Direktor tatsächlich sehr hohe Kre. dite gewährt habe, ohne im Besitze der notwendigen Unterlagen zu sein: er werde vorläufig beurlaubt. Warschauer Bankier ermordet. Warschau. 7. April. Der Inhaber eines kleinen Bankgeschäfts wurde gestern am bellen Tag in seinem Büro von zwei unbekannten Männern überfallen und ermordet. Die Bank, die in einer der Haupt- straßen chre Räume hat, wurde vollständig ausgeraubt. Die Täter sind entkommen. Das Verbrechen erregt umso größeres Auffehe-n, als dieselbe Bank schon einmal vor wenigen Iahren von Banditen überfallen wurde, die die Töchter des Bankiers schwer verletzten. Damals wurde der Haupttäter festgenommen: er oer- büßt zur Zeit eine Zuchthausstrafe. heule Neuköllner Sreismitgttederversammlung. 14. Kreis Neukölln. Montag. 7. April, 1914 Uhr, bei Kliem. großer Saal, Hasenheld«, Kreismitgliederversammlung. Bortrag:„Dos Ausscheiden der Sozialdemokratie aus der Neichsregierung." Referent Franz Künstler. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Wetter für Berlin: Wolkiges Wetter ohne wesenilich« Tempe- raturänderung, keme nenne nstverien Niederschläge, schwach« Wind« aus östlichen Richtungen.— Für Deutschland: Im Westen und Süden ziemlich heiter, im übrigen Reiche wolkig, aber nur noch im äußersten Osten Regenneiguitg,. nirgends wesentliche Temperatur- änderung, Art, sich in Szene zu setzen. Und so ist auch die Aufführung in der Komischen Oper auf einen Grundton von Liebenswürdigkeit und anmutiger Leichtigkeit gestimmt. Hauptdarsteller: Camilla Spiro, Fritz Schulz, Otto Wa Iburg, Hella Kürty. Benno v. Arents Bühnenausstattung, der besten Sache würdig, macht dies« zu einer besseren, als sonstwo die Berliner Operettenbühne zu bieten hat I>' Der Rückgang d�r Einwanderung nach Amerika. Trotz der großen Zahl von Arbeitslosen, die es heute in den europaischen Ländern gibt, ist die Wswanderung nach den Vereinigten Staaten im vergangenen �Iahr bedeutend zurückgegangen. Nach den Zahlen, die das amerikanische Einwanderungsaint veröffentlicht, sind in verschiedenen Ländern die ihnen zustehenden Quoten nicht ausgenutzt worden. Bon der deutschen Quote, die 2S 000 Einwanderer um- faßt, sind 5500 Bisa nicht ausgenutzt worden. Aus Groß-Brltannien, das 65 000 Einwanderer noch Amerika entsenden darf, sind gegen 28 000 Bisa versallen, und von den 17 500 Einwanderern, die der irische Freistaat nach den Bereinigten Staaten schicken durfte, sind mir 12 000 ausgewandert. Obwohl die Gesamtquot« Jatliens weniger als 6000 betrug, sind doch säst 1500 Visa unbenutzt geblieben. In der GeieUschost läc Ostastolilch» Sonst ipricht beule, 8 Ubr, in der Staail. KunillnbUoI&et Pros C. Hcntzc.Ai'twerpcn über:„Probleme der slhlbo-libiriichen und chineiilcken Kunst". Borher bäll Pros Bociichmann einen Nachrul aus Richard Wilhelm Pros. Wilhelm Vinvald spricht aus Einladung der G-ielllchast für cm- (milche Philosophie über Ueberheibirg, ein biologilibes Urphänomen, DienSlag, 20 Nhr, im Hörsaal der 2. Medizinischen Klinik, Schumannftr. 2t. Als nächste Sludloanfstihrung der Volksbühn? gebt unter der Regle von lvünlber Zlart das Schauspiel, R v st" von Kirchen und OuspenMi am Sonntag, den 27. April vmmtltagS II1/, Uhr in Seen«. Oer Paria als Abgeordneter. Husseini Rauth war ein mst 20 Rupien Monats lohn angestellter „Mehtor" im europäischem Kwb von Midnapur. Em„Mehtar" gilt allgemein als«in Siroßenkehrer, den die Ausübung dieser von den höheren Kasten gemiedenen untergeordneten Tätigkeit degradiert. Cr gilt dem Hindu zumeist als so unrein und unberührbar, wie es nur ein Mensch in Indien sein kann. Alles das hat nicht gehindert, daß Hussein! Rauch jetzt täglich Diäten von 10 Rupien erhält und Anspruch auf freie Eisenbahnfah« in der ersten Klasse der indischen Bahnen hat, da er Mitglied der gesetzgebenden Versammlung der bengalischen Staaten geworden ist. Husseini schlug seinen Gegen- kandidaien, einen Schuhflicker: seine Wahl wurde in der Stadt mit Heller Begeisterung begrüßt. Der Präsident des bengalishen Prä- sidentschaftsrats, ein Hindu aus hoher Kaste, war aufs tiefste«in- pö« über den unerhörten Verlauf der Dinge, was aber Husseini nickst hinderte, in Kalkutta den Eid auf die Verfassung abzulegest. Da er in keiner Sprache lesen und schreiben kann, so wurde ihm der Eid in bengalischer Sprach« vorgelesen, und er drück e seine Zu- stimmung durch ein unter das Schriftstück gesetztes Ze chen au«. All« Augen waren auf ihn gerichtet, als er beim Zusammenir ten des Parlaments von dem Präsidenten durch den üblichen Hand- schlag begrüßt wurde. Allerdings wischte sich der Präsident nach erfolgier Zeremonie sein« Hände sorgfältig an den Hofen ab, was aber der Begeisterung der Anwesenden keinen Abbruch tat. Nach der Zeremonie erklärte Husseini, der jetzt Babu Hnssein! Rauch heißt, in kurzen Worten, daß er sein« Energie und seinen Eiser zum Besten seines Landes und seiner Verfassung verwenden wolle. Unschuldig verurteilt! Gin Kriminalbeamter erpreßt Aussagen.— Volk" entlarvt Justizirrtum. Das Gewissen der Justiz wird empfindlicher. Die ver- schärfte Kontrolle der Oessenllichkeit tut ihre Wirkung. Die Zahl der wiederausnahmeversahcen sieigt von Jahr zu Zahr. Die Richter gewöhnen sich an den Gedanken, auch nur Menschen zu sein. Aus ihren Irrtümern lernen sie mit Frei- hei« und Leben ihrer Mitbürger vorsichtiger umzugehen. Einen großen Teil des Verdienstes daran hat die Presse: ihr wachsames Auge leuchtet In die dunkelsten Winkel der Rechts- pflege, den Spürnasen ihrer Reporter entgeht nichts. Aber nur selten geschieht es, daß«in Blatt direkt einem Justizirrtum auf den Grund kommt und durch unermüdliche Energie eine Wiederaufnahme des Aerfahr«ns«rzwingt. Dem Amsterdamer sozialistischen Blatt ,�et Volk"' ist das in mustergültiger Weise ge- lungen. Allein schon di«s« Tatsache sprengt den nationalen RoHmen dieses Justizsalles. Für Deutschland hat er aber ganz b«- sonderes Interesse:«r klingt on den berühmten Magdeburger Fall Schröd«r-Haas an. Ein Kriminalbeamter hatte hier wie dort seine chände im Spiel. In Magdeburg sollte ein Unschuldiger an den Galgen geliefert werden durch falsche Aussagen des Schul» digen. In Holland wurden Unschuldige in den Kerker geworfen auf Grund von Zeugen erpreßter falscher Aussagen. Das Dordrechter Landgericht verurteilte am 2. Oktober 1925 die Arbeiter T« u n i ss e n und K l u n d e r wegen Diebstahls zur Nachtzeit, bei dem der Tod einer Person verursacht worden war, zu je fünfzehn Iahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte lebenslängliche Kerkerstraf« beantragt. Bier Jahre später, am 1. Oktober 1929, sprach das Amsterdamer Oberlandesgericht die beiden frei. Der Fall dieser beiden hat in Holland ungeheures Aussehen erregt. Man erinnerte an die Affäre Dreyfus, man forderte Neugestaltung der Kriminalpolizei. In der Nacht vom 3. zum 4. August findet man in der Nähe der Station Gießen-Nieuwkerk den Bahnwärter Jakob de Iong tot ous. Das Mordinstrument, ein schwerer Hammer, in seiner Nähe. In der Kasse fehlen 9,39 M. Ein gewisser Mijnster lenkt den Ver- dacht auf einen Landstreicher; der weist sein Alibi nach. Derselbe Misnster glaubt den Hammer als Eigentum einer Familie Kroon zu erkennen. Mann und Frau Kroon werden verhaftet, auch die Arbeiter Tcunissen und Klundcr, die in der Todesnacht bei ihnen zu Besuch waren. Alle vier leugnen jede Schuld. Sie werden ent- lassen. Ende 1924 erhält der Kriminalbeamte de Iong den Auftrag, sich des unaufgeklärten Mordes anzunehmen. Am 25. Februar 1923 werden die Eheleute Kroon zum zweitenmal in Haft genommen. Sie geben zu, daß der Hammer ihnen gehöre, daß Teunissen und Klunder in der Todesnacht sich etwa für zwei Stunden unter Mit- nähme des Hammers entfernt und nach ihrer Rückkehr erklärt hätten, es sei von ihnen in Gießen-Nieuwkcrk jemang erschlagen; den Hammer hätten sie liegen lassenzauch hätte Klunders Hose einen roten Fleck gehabt:— sie war am Tage nach dem Morde von seiner Wirtin gewaschen worden.— Es findet sich ein Zeuge, der die beiden zur fraglichen Zeit auf der Landstraße nach Gießen-Nieuwkerk ge» sehen haben will. Kroons Kostgänger Hendrik Vermeer bestreitet dagegen, daß Klunder und Teunissen etwas von einem Morde erzählt hätten, auch seien sie nur ganz kurze Zeit weggewesen— später sagte er„geraume Zeit". Die beiden werden festgenommen, die Eheleute Kroon aus der Haft entlassen. Woher aber die Wendung in den Aussogen? Das erfährt man erst in der Verhandlung vor dem Amsterdamer Oberlandesgericht. D« Iong ist nämlich ein tüchtiger Kriminalbeamter, er versteht seine Sache. Nachdem er die Eheleute Kroon durch vierziglägige llntersuchungshask zermürbi hat, zwingt er sie zu Aussagen, deren er bedarf. Er droht ihnen mit Verfolgung wegen Meineides, wegen Abtreibung, ja, wegen Beihilfe zum Mord, sagt ihnen, daß andere Zeugen bereits die Schuld der beiden Arbeiter erwiesen hätten, steckt ihnen Zettel zu, in denen er die Aussagen, die sie machen sollen, niedergeschrieben hat, läßt Frau Kroon einen von ihm verfaßten Kassiber unterschreiben, in dem sie den Mann den Rat gibt, über den Hammer und die Abwesenheit der Angeklagten nicht anders aus- zusagen, als sie es getan hat. Und als Frau Kroon eines Tages vor dem Staatsanwalt ihre Aussagen widerruft, gelingt es de Iong. sie erneut zum Widerruf ihres Widerrufs zu veranlassen. Der erste Widerruf wird aber nicht zu Protokoll genommen. Der Untersuchungsrichter befragt den Zeugen in Gegenwart de Jongs. Diesem war es zu verdanken, daß Meintjes die Angeschuldigten in der Mordnacht getroffen haben will, und daß Vermeer von einer geraumen Abwesenheit der Angeschuldigten sprach. Dieses ganze gesetzwidrige Treiben des Kriminalbeamten sindet seinen Niederschlag in geheimen Berichten. Sie werden aber der Verteidigung vorenthalten. Der Staatsanwalt kennt sie, beantragt aber trotzdem Verurteilung. Auch das Gericht kennt sie, es gelangt ungeachtet dessen zu einer Verurteilung. Der Versuch, ein« Revision einzusetzen, bleibt erfolglos, ebenso eine Anzeige wegen Meineides gegen Kroons. Ergebnislos ist auch der Versuch, eine neu« Unter- suchung einleiten zu lassen. Die beiden Arbeiter beteuern nach wie vor ihre Unschuld; sie«rflären, nur 15 Minute� weggewesen zu sein. Wozu hätten sie auch die Kasse berauben sollen, da sie an dem Tage 849 Mark bei sich gehabt und eine auskömmliche Stellung hatten. Wozu hätten sie, wenn sie den Mord begangen, sich eines fremden Hammers bedient, da sie ihr eigenes Beil bei sich hatten. In der neuen Verhandlung schilderten die Ebeleute Kroon, wie der Kriminalbeamte de Iong sie zu ihren falschen Aussagen ge- zwungen hatte. Die Aussagen stimmten vollkommen mit den Auf. Zeichnungen überein, die sie dem Mitarbeiter des sozio- li st ischen„HetVolk" Überreichtbatten De Iong wurde vom Dienst suspendiert, seine meineidige Behauptung vor dem Ober« landesgericht, daß er die Zeugen nicht beeinflußt habe, hatte für ihn jedoch keine Folgen. Auch dem Untersuchungsrichter und Staats- anmalt, die die Gesetzwidrigkeiten des Kriminalbeamten gedeckt hatten, geschah nichts. Der Justizirrtum, der so viel Aufsehen erregt hat, liefet aber einen Beweis mehr dafür, wie notwendig es ist, die Interessen der Angeschuldigten in der Voruntersuchung durch Z u- lassung der Verteidigung zu schützen und die Tätigkeit der Kriminalpolizei unter ständiger Kontrolle zu halten. Seine Auf- deckung zeigt, welche große Bedeutung das energische Eingreifen der Presse für die Rechtspflege haben kann.'■ Leo Rosenthal. Die Abhängigkeit vom Wetter. Der frühere Leiker de» Planetariums Dr. wegaer sprach in der vücherstub« des Deutschen Zngenieurhause» über das Wissen vom Wetter. Seit alten Zeiten spielt das Wetter eine bedeutsam« Roll« im Leben des Menschen; seine Abhängigkeit von, Wetter brachte ihn frühzeitig auf das Gebiet der Wettervorhersage, die sich, oft mit Aderglauben verquickt, in erster Linie in den primitiven bäuerlichen Wetterregeln äußerte. Am Ende des Mittelalters tauchen die ersten meteorologischen Instrumente auf. Die eigentliche wissenschaftliche Wettervorhersage aber existiert erst seit Mitte de« vorigen Jahr» Hunderts. Zur Zeit des Krimkrieges verursachte«in Sturm auf dem Schwarzen Meer große Verluste an Menschen und Material. Ein franzosischer Gelehrter, Lavallier, erklärte damals, daß man diesen Sturm hätte voraussehen können, da er erst die Orte westlich des Schwarzen Meeres heimgesucht und im allgemeinen die Richtung von NW. nach SO. eingeschlagen hätte. Di« ersten Wetterkarten wurden auf der Weltausstellung in London im Jahre 1851 Tag für Tag ausgegeben. 1876 wurde Deutschlands Wetterzentrale,„die Deutsche Seewarte" in Hamburg, gegründet, aber erst im Jahre 1996 der öffentliche Wetterdienst eingeführt. Heute werden die Wetter- beobachtungen funtentelegraphisch von den zahlreichen Beobachtungs- stellen nach Hamburg gesandt, wo sie zusammengestellt werden und von dort als chiffrierte Telegramms(täglich 399) zu den Wetter- stationen gehen. An Hand von zahlreichen Lichtbildern erläuterte dann Dr. Wegner das„Lesen" der Wetterkorten mit chren Hoch- und Tierfdruckgebieten, dem Liniennetz der Isobaren(die die Orte gleichen Luftdrucks verbinden). Wenn auch die Wettervorhersage noch nicht mit absoluter Sicherheit erfolgen kann, so hat es sich doch gezeigt, daß 89—85 Proz. der Wettervorhersagen unserer Zeit ihre Richtigkeit haben. Montag. 7. ApriL Berlin. 16.0! Dr. Adolf Liebedt: Nene Kultur des Abendlaode». 16.30 I. Moeart: Rondo D-Dur(Ivan Engel am Flügel).— i. Windel: Sonate D-Dur(Eleonore Kaplan, Violine, und Edgar Weiakairf, Flügel). 3. Schubert: Sonate As-Dur(Ivan Engel) a. a. 17 30 Was ich als Schiffsjunge erlebte(Sprecher: Oeorg Dibbern). 18.00 Hans W. Priwin: Kuriwelien-Tcleplionie. ■ 18.15 Dr. C. H. F. Qaertitcr; Die Maffia in der Conca d'oro. 18.3! Ministerialrat Hans Goslar: Wer soll Schriftsteller, wer Journalist werden? 19.00 Aktuelle Abteilung. 19-30"Schlager und Chansons von Ernst Steffan(vorgetragen von dem Koitipos nisten) 20.00 Hanns Henny Jahn enählt sein Leben. 20.30 Internationaler Programmaustausch. Orchesterkonzert. Dfrdgent: Bruno Seidler-Winkler. 1. Reger: Lustspielouvertflre op. 120.— 2. Jacobi: Suite für Kammerorchester.— 3. Gesprich mit dem Tod(Rud. Q. Binding) (Paul v. Klenau). Sechs Lieder für eine Altstimme und Orchester(Maria Basca).— d. Bartök: Erste Suite, op. 3(Berliner Funk-Orchester). 22.20'Dr. J. Räuscher: Politische Zeitungsschau. Nach den Abendnicldungen bis 0.30: Rundtänze- Königswusterhansen. 16.00 Ob.-Studiendir. Dr. Fritz Karsea: Schulban und Pädagogik. 17.30 Dr. Hans Lebede: Oper und Drama. 17.55 Dr. Franz Mayer; Die Chemie der Baustoffe. 18.30' Prof. Kurt Kraus«: Zum Gipfel des Ararath, IS.dO Englisch für Anfänger. 19.05 Paul Ernst liest eigene Dichtungen. 19.30 Camillo Schneider: Wie nutze ich Garten und Park im landwirtschafU liehen Betrieb. 20.00 Unterhaltungsmusik. 20.30 Von Breslau:„Liebe", HOrfolge. 21 30 Von Breslau: Kleine Flötenmusik. 21.45 Programm der Aktuellen Abteilung. Serantoortl.'Hz bie Rrbattiun: Salfgans Schwär,, Stulln: tlngeiaen: Th. Siede, Berlin. Bering: Vorwürfe Verlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Verwdrte«ulh. brücke ruf unh Berlageanstalt Soul Singet& Co.. Berlin TW 68. Buticnftrafee 3. Hierzu 1 Beilage. Winter ★ Garren* 8.15 atr zenfr. 2819 Bamteg triaatl J ono Reutter«w. tsnnabmd u. Sonntag]e 2 VorstaninigeB 4 und 8>s Uhr. 4 Uhr kleine Preise Tägl. 6 U S1;, Uhr. 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Rang 0.80 M Reichshallen-Theater Aöends CD senniao nadun.[El Sleldncr Sänger Zum Schluß. Noile'sWodienende FrüMingspreistl tatram tl263. GROSSES SCKAUaPiELHAUd » Uhr Nor noeli 27 Vorstellungen! 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELL 3 oantau DamruTonoek. neue vi.| DerUaSr RIAA? NcukOlln. wLahDstr. 74/75.1 loöni-ioff. Brett' Das beliebte Fraliiea-karietl mit Tain Staatsoper Am PI. ck Republik 8 Uhr lloi' fliegende Honender DBOtJdlBJ TÜBalBt t! WeMemta 5211 Tägl. 8'/. Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Rege Max Reinhardt Leiste Woche I | Her ndi bis Freitag, tt. ipril 1930$ TSgUch 8 15 IDIe goldne Melsterinl mit Kammerspiele l> 2 Weideniamm 52SI 8Vi Uhr Die liebe Feindin RamNIi m*. P. Ailain Itgii: Sntif OrBnijni Die Komödie II Bismck.24l4/7Sin S>/« Uhr Die Hreafnr idunfitl no Firt. Bintur »«81g: Max»«lahardl Traute Rose im IRose-Theaterl [Große Frankfurter Straße 1321 1 Billettkasse; Alex. 3422 und 3491 1 | Ab Sonnabend, d. 12. April, 8 l!) die Rokoko-Operette I Ihre Hoheit die Tänzerin) in 3 Akten v. Waller W. Goetzel 1 Sonntag, 13 April, nachm. 2.30 1 f das entzückende amerikanische! Lustspiel Der Mustergatte 1 Vorverkauf tägl. v. U— 1 vorm und 4—9 abends. äUSVATERIAND KU W FORST /«♦oa REVUE tSERVUS 1930' BanravikHotiiieii TDtaMr In der Slresemannstr. (frihtr Kieiggrttzintr.) Gäitsiiiel Mezertmlds Mostaov StulsMer Täglich 8t/, uhi Brülle China Sduütiiläi v.Tretjaiow. Komödlonhaua Täglich 8'/, Uhr Meine Schwester onil ich Müsikv. Ralph eeaalzkj Dir. Dr. Martin Ikkal Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8V, Uhr Majestät läßt bitten... Husik von Walter Rallo. Lustspteinaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 8V> Uhr GcschailinU Amerilia urdspiel von Frank und Hirschfeld Trianon-TtiBalBi UHiüb: Dir. Arnim Qeorgenstr. 9 Täglich 8V, Uhr Revue Das leheade ÜMii Preise v.50 Pf. an. Kleines Tiieat. Merkur 1624 Täglich 8V« Uhr Madame hat Ausgang Erika von Tellmann Paul BOrblger Hermann Schauiuä Lvovski, Braut Lessing-Theater Wiidnäamn 1791 o. M16 Täglich 8'/, Uhr Haus Danieli Montag, 7. April Premiere Flamme mit KSie Dorsch [tieaier n. WeslBtts Täglich 8'/, Uhr: Das Land des Lächelns Richard Tanber Margit Sochy Waid mffrähjahrskur@n~ Herz, Rheuma, Nerven, Luftwege, Frauenleiden Konzerhe.Theater-Prospekfe frei Direktion Dr. Robert Klein Oeutsehes KSnstler-Thetl Barbarossa 3937 8Vj Uhr Sex Appeal Lushj. v. Fndiril Lgnidalt Regit: Fontir Larrieagi AlDen Bassennann, Mady Chrlsllons üerllDBr UtealBt Dönhoff 170 8 Uhr Ende 101/, Uhr „Eins, zwei, drei" von Franz Molnar mit Mis Palienbirg. Regle; East.Hannng Vorher: Souper Regle: Heinz Hilpert. Metropol-Tli. Täglich 8'/, Uhr Der Bettelstudent Palllera, Alptc, Schütze ndorUäken Operettenhaas Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral- Theater) Dönh. 2047 Täglich 8'/, Uhr Höfel§fadf Lemberg Preise 1, 2, 8 M. KQnstl. Leitung Gaaton Briete Täglich 8-:, Uhr Sonntag 4 Uhr EfsrleKc BaDdiaDim. Haide Pr. ideal, a. Kom.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. S Uhr auchSonnt. nachm. 311.: Elitesanger. Das Mam. Oslerprogramm mit d. belisbtea Casttesor Kurt WanRer ROferen. nitei. Ersau teile Prsialiata nrillt KamaokiCo. Pumpenfabrik BERUH I 85, RilaiikeEderftr Str. 95 L-Juergens Alexanderplatz Neue Könlgslr rhealerl. d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Arthur Roberia 8>/« Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr) vmmi Bskleidungssfucke,.Wäsche usw. vetroarnr S«rrrnaarder«be icbrt Urt. arohs Auswahl vorhanden, verlauft fvottbillia Schnurmacher, SJuilüHn. Aeferstraßr 2041,«et Kermannpla».• sM- 18 RvbeNäufer werfe Kredit »ad dar «öbelbiuar. »rot« Auawadl. «eine«reife! Beifpielsweife: ..' Speifeziu 517.—, Lerren, immer 380,-, Spiegel. schränke 118.—. 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Ist ihr Inhalt auch an sich nicht sehr bedeutend, so fügen sie doch wieder ein neues Stück zu unserer Kenntnis der Beziehungen, die zu Ansang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zwischen den revolutionären rodi- kalen Politikern der beiden um die Vollendung ihrer nationalen Einigung ringenden Kulturvölker bestanden. Der Arzt Dr. Agostino Bertani(1812 bis 1886), an den diese Briese gerichtet sind, gehört« schon 1848 der revolutionären Bewegung gegen die habsburgische Zwangsherrschast cm und stand auch in der vorderen Reihe jener, die in den traurigen fünfziger Jahren den Widerstand gegen Oesterreich schürten. Als Arzt und Freund Garibaldishateran den meisten der verwegenen Zü�e des Freischorenführers teilgenommen und sogar die Hauptrolle ge- spielt bei der Borbereitung des berühmten Zuges der„Tausend" nach Sizilien. Von früh an besaß Berta« sehr stark« Interessen: mit den Augen des Arztes erkannte er die furchtbare Lag« des itatientschen Proletariats, er veranlaßte die erste staatliche Eirquete über die Loge der Landarbeiter und kämpfte als Parlamentarier topfer gegen Schäden der Heimarbeit und die Ausnutzung der Kinderarbeit. Lossoll« lernt« Vertan durch R ü st o w s Bennittlung auf seiner italienischen Reise 1861 kennen. Da diesem und der italienischen republi kanisch-demo kratis chen Partei, zu deren Führern er gehört«, viel daran lag, über die Einheitsbewegung in Deutsch- lond gründlich aus dem laufenden zu bleiben, so wandte er sich November 186) brieflich an Lassall« mit der Bitte, ihm Korre- spondenten für die in Turin, Mailand, Florenz und Neapel er- scheinenden Blätter serner Partei zu besorgen. Lassall« bestimmte den späteren Berliner Großindustriellen und fortschrittlichen Abge- ordneten Ludwig Loewe, der ihm damals mit schwärmerischer Verehrung anhing, diese Ausgabe zu übernehmen. Prvsessor Dr. Gustav Mayer. Florenz, 30. Novembor 18S1. Hotel de la Dille. Mein lieber Herr Bertmrf! Mr sind hier gestern abend angekommen und haben im Hotel de la Dill« Quartier genommen, wovon ich Sie hiermit benachrichtige. Das Hotel scheint ganz annehmbar zu sein und di« Preise sind nicht übermäßig hoch: Mittagessen 3 Fr. SO. das Zimmer zwischen 4 und 6 Fr. usw., im allgemeinen also annehmbar« Preise Bei dieser Gelegenheit möchte ich mir gestatten, einen kleinen Irrtum aufzuklären, der sich in unser« letzte Unterhaltung«mge- schlichen hat. Ich meint« die„Deutsche Allgemein« Zeitung" von Brockhaus in Leipzig, als ich von den Zeitungen sprach, in die ich Nachrichten lancieren könnte, die unserer Partei nützlich sind und die von unserer cavouristischen Presse unterdrückt werdeck. Sie antworteten mir:„Ach diese Zeitung ist sicherlich alle» ander« als liberal, sie steht uns sehr feindlich gegenüber." Da tatsächlich die„Deutsche Allgemein« Zeitung" von Brockhaus Di« großen Mätressen sind Französinnen. Männer aus allen Nationen kommen nach Paris, einzig und allem, um die Frauen zu sehen. Sie verschmähen ihr« Frauen, di« darüber natürlich wütend sind. Ausgeplündert kommen ste zu ihren Gattinnen zurück, die mit den Pariserinnen nicht konkurrieren können, weil sie sich nicht so anzuziehen verstehen. Das Verbrechen Fransreichs besteht m der Schönheit seiner Frauen. Nächst den Französinnen verstehen die Südameritanerinnen und die Spanierinnen am besten sich anzu- ziehen. Nationen wie Deutschland oder Amerika haben vergeblich versucht, mtt dem Pariser Schick zu konkurrieren und ohne die Schneider der Rue de la Paix auszukommen. Berlin und New Port haben sich Direktricen kommen lassen, Zeichner, Mannequins, Schnei- derinnen. Aber trotzdem das Personal den Kontakt mit Paris zu halten versuchte, wurden die Leistungen schon nach zw«! Iahren minderwertiger. Mit der Mode ist co wie mit der Weinrebe. Wenn man eine Rebe aus Bordelais nach Australien verpflanzt, bekommt man doch keinen Bordeauxwein. Ebenso ist es mit den Schneide- rinnen, die aus Paris verpflanzt werben. Nack zwei Jahren Ab- Wesenheit schaffen sie keine Pariser Mode mehr. Bei graziösen Rasten ist der Schneider überflüssig. Eine Spanierin, nur mit einem Schal bekleidet, gebt ihm den nötigen Schick durch die Anmut ihrer Be- wegungen. Es ist nur«in übergeworfenes Tuch, aber das Vibrieren des Frauenkörpers bringt in«in solches Gewebe das gleiche Leben wie ein Vogel in seine Flugfedern." Herr Etsans machte dem Schneider ein Kompliment: „Es ist immer ein außerordentliches Vergnügen, einem Mann zuzuhören, der sein Handwerk wirklich versteht." Si« gingen vorbei an zwei Polizeibeamten in Kupferhelmen mit rotem Fcderbusch. „Morgen", sagte Herr Etsans,„kriege ich andere hübsche Mi- litärs zu sehen: die Schweizer in der Kirche Saint-Honorö d'Cylau. Die Tochter meines Chefs verheiratet sich. Haben Sie auch ein BrautNcid gemacht, daß Ihrer Firma Ehr« macht?" Der Schneider antwortete:„Hier ist heute nichts mit dem zu vergleichen, was die Braut tragen wird:«in reines Leinenkleid mit Spitzenübermurf vom Gürtel bis zum Knöchel. Ein Dom aus bl«n- dendem Leinen." � Di« reiche französische Textilindustrie füllte die Kirche Saint- Honoiö d'Ey.lau. Vertreten war Wolle aus der Narmandie und aus dem Norden; Baumwolle aus den Aogestn und Ronen und Leinen aus Flandern: Spinnerei, Appretur, Bleicherei, Färb«rei: alles war da In großer Aufmachung: Die Damen mit Diamanten in den Osjren, die Herren mit Perlen i» den Krawatten. Die Fabrikbesitzer selbst saßen vor dem Altar: die Angestellten in den Seitenflügeln und nach dem Weihwasserbecken zu. Herr Stevens und Herr Debokker waren aus Courtrai zu Ehren der großen Leinc-nftrma gekommen. Schon ziemlich angeregt vom Portwein, würdig und mit ge> röteten Gesichtern, bereiteten sie sich auf ihren Glückwunsch vor. Der Engländer auf einen stillschweigenden Händedruck: der Belgier auf eine offene Herzlichkeit:„Es ist für uns alle eine große Freude." Jfc Die Büros der Firma Wooelet und Deprieux hatten geschlosten. Die Angestellten, Männer und Mädchen, die Buch führten über Garn und Leinwind, über Verdienst und Zins, waren bei dieser Trauung anwesend: aber keine Spinnerin und kein Weber. Die Web- und Spinnstühle in Lille und Cambrai hörten nicht auf, sich zu drehen und zu krachen. Es lagen zahlreiche Aufträge vor. Die Unter- nehmer vor den Betstühlen überlegten, wie sie mit ihren Geschäften zufrieden wären: Wolle zog wieder gut an: in Baumwolle war Hausse: nur die Leinenfabrikanten hatten knapp Ware: aber gute Preise. Der üppige Goldschmuck und die zahlreichen Altarkerzen ver- breiteten Ströme von Licht unter dem Christus im Heiligenschein, der die Arme den reichon Getreuen dieser begüterten Kirche entgegen- streckte. Orgelspiel, Geigen und Chorgesang klang der sanften Braut«nt- gegen, die am Ann Rcnä Deprieux' eintrat, der rot, ausrecht, Ritter der Ehrenlegion, all die Würde entfaltete, di« sich für einen Mann gehörte, der die feinsten Garnam.imcrn In der bedeutendsten Flachs- spinnerei Frankreichs herstellte. Ieanue Wavelet betrachtete den vergoldeten Christus mit den ausgestreckten Händen. Bor ihr stießen die Schweizer im Federhnt ihre vernickelten eisernen Hellebarden kräftig aus den Fußboden. Der Brautmantel verbarg vollständig die Lehne des rotsamtenen Sessels, auf dem Ieanne saß. Sie bildete in der Kirche einen großen weißen Fleck, der wiederkehrte in einer Reihe barmherziger Schwestern, deren weiße Hauben sich leicht bewegten, während sie den Kopf.zum Gebet neigten. Der Priester legte die Hand auf die Altardecke, die Schwester Claire gestickt hatte. Zwei prachtvolle Gewebe begegneten sich: di« geweihte Decke und das Brautkleid mcs handgesponnenem Leinen mit Pariser Spitzen. Der Weihrauch, der zwischen beiden zu dem hellerleuchteten Christus aufstieg, glich den Schwaden in der Spinnerei. Schwester Elaires Hände waren gefaltet. An Stelle des Jesus in Gold und hellem Licht sah sie«inen armen Menschen, dessen bleiches Gesicht dem des alten Webers in Cambrai ähnelle. Das Meßgewand des Priesters war so dicht bestickt, daß es aus- sah, als stecke er in einer Metallrüstung mit einem roten Kreuz darauf. Vom Altar bis zu den reichen Gästen leuchtete die gleiche Pracht schönen Stoffes: das Schönste aber in dieser Schatzkammer lostbarer Arbeit war das Tiefgold der Stickerei auf dem Priester- gswond und die Zartheit des Leinens der Altardeck« und des Braut- lleides. Bei diesem Triumphzug des Gottes„Flachs" vor Jesus sah die Nonne das Bild der Spinnerinnen, di« seit so vielen Iahren Augen und Hände mißbrauchten, um den feinsten Faden der Welt zu gewinnen. Mitten unter ihnen spann die Jungfrau Maria mn Spinn- rocken. D'e alten Weber warfen das Schiffchen. Während Schwester Claire Gott um Erbarmen anflehte für die gequälte Menschheit, erschienen ihr in dieser Vision oll die Arbeite- rinnen der Nadel. Wie eine Offenbarung überfiel es ihre Seele: Jesus war nicht Helfer Im Elend: In ihm und seiner Passion ver- lö.rperte sich das Leiden selbst. Sie sah ihn und seine Mutter in- mitten der hart arbeitenden Menschheit. Christus hob nicht das Leid der Welt auf: er lehrte nur, es ertragen und lieben. » De? Geistliche iu der Mitra verkündete dem jungen Paar die hohe Ehre, die ihm widerfahren war: „Seine Heiligkeit Pius IX. nimmt teil an Eurem Glück und hat Euch telegraphisch seinen apostolischen Segen erteilt." WAS DER T «imiminiiimiinummnHiimmmmimumiimimimmiHiraiiiniiHiutiiiiRimninituiimi Eine Inspektionsreise und ihre Folgen. Man schrieb das Jahr 18471 Aufrührerische Parolen kursierten im Lande des heiligen Stephan und veranlaßten den ungarischen Iustizmiiüstcr Balhaser Horvath, eine Inspektionsroise zu unter- nchmm Dabei kam er unter anderem auch in ein südungarisches Dorf. Sein Wagen war defett geworden und mußte gusgebessert werden. Als Horvath nun, um sich inzwischen die Zeit zu vertreiben, einen Rundgang durch das Dorf machen wollte, wurde er plötzlich von dem Dorfpolizisten verhastet, seiner schön duftenden, mit türkischen Kräutern gefüllten Tabakspfeife beraubt und dcni Dorf» richter vorgeführt. Da er zu seinem Pech keinen Pah bei sich hotte, befahl der Dorfrichter kurz, ihn an die Prügelbank zu führen und ihm dort fünfundzwanzig Hiebe zu verabfolgen. „Warum verurteilst du mich?" fragt« Horvath den Richter erstaunt. „Weil du Hundesohn es gewagt hast, in einem ungarischen Herrendorf aus deiner Pfeife zu rauchen, weil du keinen Paß hast und weil du dich außerdem noch in unverschämter Art und Weise für einen ungarischen Edelmann ausgibst, während du doch in Wirklichkeit nur ein nichtsnutziger Landstreicher und Vagat>u>»d bist", antwortete der Richter. Horvath kochte vor Wut, knirschte mit den Zähnen und versetzte, als er durch das höhnisch« Lachen des Richters auf das äußerste gereizt war, diesem Vertreter dörflicher Polizeigewalt rechts und links zwei schallende Ohrfeigen. Wacker« Panduren stürmten herbei, um ihren Vorgesetzten zu schützen. Aber der Richter brüllt« sie an:„Laßt ihn los; er ist wirk- lich«in ungarischer Edelmann; denn wenn er das nicht wärc, so würde er es nie gewagt haben, einen ungarischen Dorfrichter zu ohrfeigen". Horvath wurde nun, nachdem man ihm seine teure Tabakspfeife unter tausend Entschuldigungen zurückgegeben hatte, mit ßllen Ehren, die einem ungarischen Justizminister zutommcn, zu seinem inzwischen fertig gewordenen Wagen zurückgelcitet und tonnt« seine Reise un- behindert fortsetzen. Als er aber später wieder in Budapest war und die Iustizreform einleitete, setzte er sich zum größten Erstaunen des ungarischen Dies war eine Auszeichnung, die man den reichen Textilsabrl« kanten, die sich zur katholischen Kirch« bekannten und der Kirche Schenkungen machten, schuldig war. Orgelspiel ertönte, Harfe und Violinen. Bei elektrischem Licht und Opernchor ging diese reiche Heirot, wie es sich gehört, oonstatten. Wenn der Geistliche sein« Mitra hob, sah man das rote Käppchen. Einige Gattinnen von Seidenfabrikanten bemängelten, daß� die Braut in Leinen gekleidet war. Aber die Spitzen und der Stoff waren so auserlesener Natur, daß alle übrigen es bewunderten, wenn sie es auch kühn fanden. Die Leinenfabritanten waren sehr stolz: sie erwarteten von dieser Schau«ine neue Konjunktur für Leinenkleider in Flandern. Schwester Claire hörte in ihrer Vision, wie Jesus leise sprach: „Sehet die Lilien auf dem Felde; sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht, und doch sage ich euch, daß Salonw in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet war wie cm« von chnen." Sie dachte:„Wird das Leiden ewig bleiben? Wird es immer armselig« Kreaturen aus Gottes Erdboden geben, die von Hunger und Krankheit gepeinigt, von der Arbeit verelendet werden? Dachten die Reichen hier in der Kirche nicht an die Leiden, die in das Pracht- gewand gewebt waren? Jesus selbst würde die schmutzigen Füße der Spinnerinnen gewaschen haben." Si« betet« vor sich hin:„Herr, wie können wir di« Welt vom Elend erlösen und Barmherzigkeit in die Herzen der Reichen säen? Si« ziehen chren Nutzen aus der Arbeit und genießen ihn: auf dieser Arbeit beruht ihr Wohlleben und ihr Ruhm: aber ste sehen nicht. daß ihre Freude auf Leid und järnncerlichem Tod beruht. Sie sind nicht schuldig, sie wissen nicht, was sie tun, aber erleuchte sie, das menschliche Elend zu begreifen!" Unter den acht gleichgekleideten Nonnen beugte sich ein« so tief und in solcher Selbstvergesienheit herunter, daß es aussah, als wolle sie die Erde berühren und sich ausstrecken wie«ine Tote, so wie es die Karmeliterin in Revers getan hatte. Ihr Antlitz überströmten Tränen; sie hob es zu Christus empor. Schwester Claire weinte in verzückter Ekstase. * Neben dem Weihwasserbecken stand der Buchhalter der Firma Wavelet, Herr Serre. Er roch stark nach Alkohol. Er war ein treuer, im Dienst stets nüchtemer Angestellter. Im übrigen ent- sprach seine pedantische Ordentlichkeit in der Buchführung einer ebenso pedantischen Regelmäßigkeit in seinen Ausschweifungen. Er trank jeden Sonntag die gleichen Liköre zur selben Zeit und im selben Cafä. Heute war für ihn Sonntag, deshalb war er etwas angetrunken und geschwätzig. Er äußerte sich beifällig über diese Heirat: „Garn und Leinen, das paßt gut zusammen. Die Deprieux sind eine solide Firma. Während eines ganzen Jahres habe ich nur einen einzigen Irrtum in ihren Rechnungen entdecken können. Aber schließlich kann sich jeder einmal irren. Meine Kasse ist i jour. Ich habe mit dem Chef och bis elf Uhr gearbeitet. Er war schon im Frack, als er die letzte Unterschrift machte, damit nichts liegen blieb. Er ist oft noch da, wenn schon alle nach Hause gegangen sind, und hält mich dann auch noch fest. Ein Buchhalter ist Sklave seiner Firma." Herr Ssrre klagt« nicht über seine Abhängigkeit: er war stolz darauf, als Diener mit dem Vertrauen seines Herrn beehrt zu werden.+ Herr Desiard erging sich in Lobsprüchen über die Braul: „Sie hat Haltung. Ich liebe Kundinnen, dl« ihre Vorzüge zu.- Gellung zu bringen wissen. Wir sind nur darum als Schneider be- rühmt, weil die Französinnen unsere Kleider zu tragen verstehen." Herr Etsans erwiderte: „Wir müssen unserer Kundschaft dankbar sein. Sie gibt uns ihr Geld und inspiriert uns." Er wandte sich an Herrn Tresse: „Ich erwarte Ihre Aufträge in Leinen. Es kommt wieder in Mode. Heute kann ich nicht verkaufen. Ich bin zu glücklich. Mein ganzes Streben war stets: War« verkaufen und meine Frau glücklich machen. Aber diese Heirat geht über alles. Immerhin will ich nicht Ihren Schaden: wenn Sie Neigung haben zu kaufen: ich notiere. Beruf geht doch über alles. Wieviel Stück?" Begleitet von den Tönen der herrlichen Musik, verließen Braut und Bräutigam die Kirche. Hoheitsvoll und tief bewegt, lächelte Ieanne Wavelet und suchte mit den Blicken in der Schar der Nonnen dos geliebt« Antlitz Schwester Claires. Sie fand es nicht. Eine der Schwestern von Saint Vincent de Paul war noch vertieft in ihr Gebet. AG BRINGT. miiiraimmmRntiiimnininiunimiMiiimimimiiiiuiumamHimmimmuiinimimif Adels für die Abschaffung der Prügelstrafe in Ungarn ein. Und wenn es ihm auch nicht gelang, sie schon damals völlig zu beseitigen, so erreichte er doch, daß sie wesentlich eingeschränkt wurde. Di« Gründe, die ihn dazu veranlaßten, kann man leicht erraten. Hätte doch der Herr Minister beinahe am eigenen Leib« gespürt, wie „peinlich" die Prügelstrafe ist. Kleine Ursachen, große Wirkungen! ISO Jahre Parlamentsberichterstattung. In diesen Tagen darf man daran erinnern, daß di« parlamen. tarische Berichterstattung, so wie wir sie auch heute noch hoben, jetzt rund 15l) Jahr« alt ist. Ihre Wiege stand selbstverständlich in der 5)eimat des Parlamentarismus, in England, und h'er war es, wo sich ein Abgeordneter im Jahre 1779 darüber beklagt«, daß er in einem Morgenblatt bei Wedergabe seiner Rede etwas ganz anderes gelesen habe als von Ihm gesagt worden sei. Es sing dies damit zu- sammen, daß bis 1720 eine parlamentarische Berichterstattung in England überhaupt verboten und seitdem nur eine kurze auszugs- weise Wiedergabe der Reden gestattet war. Der erwähnt« Abgeord- net« erinnerte nun in seiner Beschwerde daran, daß Fremde, also auch Zeitungsbenchterstatter, sich auf den Tribünen beider Häuser des Parlaments nicht aushalten durften und bat den Sprecher des Unterhause», dafür Sorge zu tragen, daß diese heilsame Vorschrift streng innegehalten werde. Ihm erwiderte darauf der beruh urte englisch« Staatsmann James Fox, daß es kein besseres Mittel gebe, um einer irrigen Wiedergabe von Parlamentsreden vorzubei'gen, als die volle Oeffentlichkett oller Verhandlungen. Dann wären solche Vorkommnisse, wie si« der Vorredner beklage, ausgcsch.ossen. Denn gerade dadurch, daß jedermann zugelassen werde, sei es viel le chter. Fälschungen nachzuweisen, als wenn solch« Berichte im Geheimen hergestellt und, in mißverständlicher Weise gekürzt, verbreitet wür- den. Außerdem habe aber auch das englische Volk«in Recht, zu wissen, was in seinem Parlament vorgehe. Dieser Antrag von Fox wiirde zum Beschluß erhoben und von der nächsten Par.ameirle- session an, im Jahre 1789, wurde die Tribüne des Unter- wie Ober- Hauses den Berichterstattern aller Blätter ohne jede weitere Be- schränkung geöffnet. / Fortschritt im Arbeitersport Kreistag einstimmig für Bundesbeschlüsse— Geschäftsstelle für I.Kreis in Berlin Der l. kreis des Arbeiter-Turn- und Sporl- b und es kagle gestern im Metallarbeiter- Verbandshaus. Ein erfreuliches Bild bot die Solidarität und die Sachllchleit der Vortragenden. Zm Vordergrund stand die Kleinarbeit, denn überall sind die Moskauer Spaltpilze noch als Minenleger tätig. Dann galt es. die Zusammenarbeit mit den befreundeten Organisationen, Partei, Gewerkschaften, Arbeiterjugend und Reichsbanner aus eine gesunde Grundlage zu stellen. Alle Probleme konnten grobzügig und in Kürze erledigt werden. EinleitenÄ begrüßten der Sozialdemokrat Richard Schmidt und Max F e ch n e r als Vertreter des Reichsbanners die Arbeiter- sportler und gaben durch praktische Wink« für die notwendige Zu- sammenarbeit ihr großes Interesse an der Tagung zu erkennen. Der KreisvorsitzenS« Reichert berichtete sodann ausführlich über die Aufbauarbeit. 1329 brachte eine Zunahmevonö 2 Vereinen gegenüber 37 ausgeschlossenen. Die Mitgliederzahl ist beim Wasser- spart fast ganz aufgeholt, bei der Turnsparte und insbesondere den Fußballern gibt's noch reichlich Arbeit. In der sogenannten„In- teressengemeinschast" der Opposition kriselt es, die Vereine kommen zurück zum Bund. Der Spaltbazillus und die Negation haben vor- übergehend„Erfolg" gebracht, jetzt fressen sie die Opposi.ion selber auf. Wir bauen aus unser« Geschlossenheit, sie ist unsere Zukunft. Bunde»r�>akt«ur Kreuzburg referierte über den Bundes- tag. Die Vahn ist jetzt frei. In Köln wird uns vor allem die Mitwirkung bei amllichen Veranstaltungen beschäf.igen. Unter Auf- rechterhaltung unserer prinzipiellen Einstellung soll gemeinsam mit den übrigen Arbeiterorganisationen die Verfassungsfeier, ebenso die Einweihung von Sportplätzen durch die Kommunen in unseren Aufgabenkreis einbezogen werden. Der Zukunft sehen wir mit großer Hoffnung entgegen. In der Bundesschule wurden 1929 rund 2Z00 Kursisten ausgebildet. Ein- neue Sporthalle auf dem Bundes- platz in Leipzig ist geplant. Di« Sportplätze und sonstigen Anlagen innerhalb des Bundes repräsentieren einen Wert von vielen Millio- nen Mark. Für Fußball wird ein neucs Bundesorgan geschaffen, die übrige Press- ausgebaut. International sehen wir dem Fori- schritt nicht nur in der technischen Gemeinschaftsarbeit, es wurde auch ein internationales Erziehungsprogramm geschaffen. Wir hoben einen nur aus weiblichen Mitgliedern gebildeten Frauen- ausfchuß, der Helfer sein soll bei den Erziehungsfragcn von Jugend- lichen und Kindern. Die pädagogische Seite drängt in den Vorder- grund, dazu soll uns das Referat auf dem Dundestag:„Durch freie Erziehung zum»freien Volk" den Weg weisen. Die Press es rag- im 1. Kreis gab reichlichen Distusstons- stoff Ein Antrag, die„Arbeitcrsport-Wochenschau" durch Mit- teilungsblätter der Sparten zu ersetzen, wurde bis nach dem Bundes- tag zurückgestellt und dem Kreisvorstand zur Erledigung überwiesen. Das Thema K r e i s f ch u l e führte zu dem Beschluß, im Spätherbst 1939 eine Veranstaltung in Groh-Berlin stattfinden zu lassen, deren Ertrag der Schule zufließt. Ferner sollen gemeinsam mit dem Kar- tell Gelder beschafft werden, die die Abhaltung großer Lehrgänge ermöglichen. Der Einrichtung v-reinseigener Sport- platze ist größte Beachtung zu schenken. Wir werden aber auch in verstärktem Maße die Forderung an Staat und Kommunen richten müssen, Sportplätze zu schassen. Vorbeugen ist billiger als die spätere Heilung von Krankheiten. Der technische Bericht lag gedruckt vor. Die Kreisschule hat sechs ständig übende Lehrklassen. Die Schwimmer haben flotten Sportbetrieb. Die Ruderer und Kanufahrer berichteten von 236 Ruderbooten, 421 Kamibootcn, 144 Faltbooten, 14 Segelbooten und 19 Motorbooten. Der zunächst schwer betroffene Fußballsport hat bereits wieder 915 Männer-, 28 Jugend- und 2 Kindermannschaften. Die Leichtathletik startet mit voller Kraft ins neue Geschäftsjahr. Handball ist von 78 Mannschaften nach der Spaltung auf 238 Mannschaften gestiegen, 18 Kindermannschafien tragen Börsenfpiele aus. Tennis zählt bereits 599 Sportler, Hockey- fpieler 329. Einstimmig angenommen wurde ein Antrag, für den 1. Kreis in Berlin«ine Geschäftsstelle einzurichten. Diese Zentrale soll die ganze Kreisarbeit zusammenfassen und das Symbol des Bundes in der Reichshauptstadt werden. Dem Bundesvorstind wurde einstimmig das Vertrauen durch eine Entschließung aus- gesprochen, di- sich mit allen Maßnahmen gegenüber der Opposition einverstanden erklärt und die Dereine zu tatkräftiger Weiterarbeit ! im Sinne des Bundes verpflichtet. Der gesamt« Kreisvorstand wurde en blac wiedergewählt. Ein kräftiges Frei Heil! schloß die trotz vieler Kleinarbsit harmonisch verlaufene Tagung. 'Fodesstura beim Motorradrennen Ein schwarzer Sonntag in Ruhleben ADAC, und DMV. brachten gestern gemeinsam auf der Trab- reirnbohn Ruhleben Motorradrennen zum Austrag. Leider ereignete sich im Verlauf des Rennens ein schwerer tödlicher Unglücksfall, dem der Dresdener Beiwogenfahrer Joachim von Bof« im Beiwagenrennen der Maschinen bis 699 ccm zum Opfer fiel. Di« Rennen verliefen interessant. U. a. konnte der Münchener Rudi Klein auf Sunbeam mit 199,6 Stundenkilometern die beste Zeit des Tages herausholen und für Ruhleben einen neuen Re k o r d aufstellen. Im nachfolgenden geben wir die Sieger der einzelnen Wettbewerbe: «-lem-schw-n vi, zs» ro»,«u«wei-f»I>ler.«4 ftilomrttt: L«Itnxfc Berlin flWO 6:«,I(85,3 Stunden. Nilomctrr). ei,r»,fa»re». 8,6«ilonrrtcr: 1. ffl.«lcin.Mllnchen(Sunbrcm) 6:02(96,2 Rilomctcr).«is 5flO rem.. Bus- w»i»la>>«r, 18 Rilonnttt: 1. Mairr-Brrlin(BMW.) I1:<5.1(95,3 Rilomctcr). RiMnifabut. 16 Rilomctcr: 1. R. Rliin.Mllnchcn(Sunbeam) 11:46,4<106,6 Rilomctcr). Seiten waacu bi» 69« um.,«nowei-fabrer. 12 Rilomctcr: 1.(tc. iinsfi.Bcrlin(Norton) 8:17,4(84,4 Rilomctcr). 8i»cnsfob»ct: 1. LSbncr-MUnchcn (Nu dar) 7:36(901) Rilomctcr). Bi» 330 ccm, Lizcn»fobrcr, 8,6 Rilomctcr: l. liocl.Bcrlin(Norton) 6:33(88.8 Rilomctcr). BI» 129» ccm..«»»n>ci»sal»rrr, 12 Rilomctcr: 1. LSchcr.Bcrlin(Bronab Suvrriar) 8:00/4(995 Rilomctcr). Lii�n, fairer, 12 Rilomctrr: 1. Loincr-Minchcn(Rudac) 7:56(91,8 Rilomttcr). '• Zu dem Unglück wird uns ergänzend gemeldet: Im vierten Rennen, an dem elf Fahrer mit Beiwagenmaschinen beteiligt waren, stürzt« die Maschine von Bose und überschlug sich. Da der Unfall boi einer Geschwindigkeit von etwa 89 bis 199 Kilometer erfolgte, erlitt Bose außerordentlich schwere Verletzungen. Sein Mitfahrer Johannes Barth wurde aus dem Beiwagen herausgeschleudert, glücklicher. weise kam er mit einem Schlüsselbeinbruch davon. Bose wurde in das Krankenhaus gebracht, wo er wenige Minuten nach der Ein- lieferung starb. Der Verunglückte ist erst kürzlich 24 Jahre alt ge- worden, und er beabsichtigte, in diesem Jahre an mehreren Wettfahrten und Bahnrennen teilzunehmen. „Länderkampf" auf der Hütt' Arena Auch der zweit« Renntag Rütte wies nur schwachen Besuch auf: knapp 2999 Personen hielten die Tribünen befetzt. In vier Läufen über je 29 Kilometer trafen die deutschen Nachwuchsfahrer Schäfer, Dederichs und Schindler auf die Franzosen Urago und Blanc Garin. Um es vorwegzunehmen: bester Mann war, recht gut geführt von Gedanckc, Urago, der zwei von den vier Läufen ge- wann und dannt im Endklassement den ersten Platz besetzte;«in Lauf fiel an Blanc G a r i n, während den letzten sich D e d e» richs sicherte. Von den Deutschen wußte auch nur Dederichs zu gefallen. Schäfer kam dank einer reichlich ungeschickten Führung Saldows überhaupt nicht vom Platze. Ueber den sogenannten „L ä n d e r k a m p s" Deutschland-Italien(Knappe, Ehmer, Bcr- gamini und Moretti) nur wenige Worte. V e r g a m i n i war der einzige in Form befindliche Fahrer, der für seinen Partner Moretti noch viel Arbeit mitoerrichten mußte und trotzdem seine Farben zum Siege verhelfen konnte. Bon Knapp« und Ehmer hatte man mehr erwartet. Im übrigen schienen die Fahrer— ohne Ausnahm«— das Ganze als ihr eigenes Dergnügen zu betrachten. Dos zahlende Publikum„durfte" zusehen...-tz. Gitnclcrqcbniisc. Sänbtrtamvf. a) RlieoctiocfPcn. 1. Lauf: Rnavvc, Moretti,(ämet flcftiirjt; 2. Lauf: Scrwunim, Moretti. Rnoope; S. Lauf: Moretti, Bccaamini.ntcr: 4. Lauf: dftmee, Beraamiui 1 Runde suriltf, Rnopsc; 5. Lauf: Bccaamini, Moretti. Sbmer. Rnavue. Endergebnis: 1. Beraamiui, 6 Bunktc: 2. Moretti. 3 Punkte: 3. Ebmer. 2 Punkt«! 4. Rnoope, 1 Punli. d) Run den. Zeit fahren: 1. Ebmer 15,8; 2. Moretti und Bccaamini ic 15,9: 4. Rnaovc 16. c) Punkteiadren: 1. Bccaamini, 17 Punkt«: 2. Ebmer, 15 Punkte: 3. Rnaovc. 14 Punkte: 4. Moretti, 9 Punkte. Eciamt: 1. Italien, 5 Punkt«: 2. Deutschland. 4 Punkt«.— Tauerrennen. 4 mal 20 Rilomctcr. l. Lauf: Ueoflo 18:35, Dederichs 200 Meter, Schindler 325 Meter. Schäfer 375 Meter, Alane (darin 640 Meter iturtlck. 2. Lauf: Blanc(Karin 18:272, Uraao 450 Meter, Schäfer 490 Meter. Dederichs 540 Meter. Schindler 640 Meter turllck. 3. Lauf: Uraao 18:38,4, Blane Earin 180 Meter. Schindler 240 Meter. Dederichs 370 Meter, Schäfer 640 Meter Auriitf. 4. Lauf: Dederichs 19:19,8, Schäfer 5 Meter, Uro an 90 Meter, Schindler 140 Meter, Blanc Karin 7)0 Meter Aurück.»eamt: 1. Uraao, 15 Punkte! 2. Dederichs, 10 Punkte:. I. Blanc Garin. 8 Punkte: 4. Schäfer. 6 Punkte: 5. Schindler, 5 Punkte. Prag spielt unentschieden Ein« Enttäuschung noch der angenehmen Seite hin bereitete di« Berliner Fu ß b a l l- S t ä d t e m a n n s ch a f t, di« der BBB. den Berufespi«lern von P'ag entgegenstellte. Die sogenannte Bcrlegenheits-Elf zog sich über Erwarten gut aus der Affäre und erzielte das verdiente Unentschieden von 1:1(9:9). Bei herrlichem Wetter hatten sich im Poststadion 25 999 Zuschauer ein- gefunden. Bis zur Pause war di« Berliner Elf etwas in Vorteil, da es die' ausgezeichnete Hiniermannfchost, in der Brunke eine Klasse für sich war, oerstand, den gefährlichsten Prager Stürmer Swoboda gut abzudecken. Im Berliner Sturm Nappte es insofern nicht recht, als der Innenangriff taktisch falsch spielt«. Auf und ab wogte der Kampf, ohne daß bis zum Wechsel der Seiten einer Partei«in Treffer vergönnt war. Vier Minuten nach Wiederbeginn erzielte Prag durch Soltys ein Tor, das aber wegen Abseits nicht gegeben wurde. Bei Berlin gefiel die Hintennannschaft am besten, Brunke überragte alle anderen Spieler auf dem Platze. In der Läuferreihe spielte Kau er etwas schwach, gegen die alten Routinier« von Prag hatte er aber auch keinen leichten Stand. In der Angriffsreihe zeichneten sich vor allem Brink und Appel aus. 31: 0 geschlagen Deutschlands Niederlage im Rugby-Landerkatnpl Vor etwa 6000 Zuschauern trat am Sonntag aus dein Platz des Sportlub Charlottenburg die französische Nationalmann- schast der deutschen Auswahl-Fünfzehn zum fünftenmal iin Rugby-Länderkampf gegenüber. Di« Franzosen, die mit einer hervorragend besetzten Mannschaft anrückten, gaben jederzeit den Ton an und siegten mit nicht weniger als 31: 0(19: 0) Punkten, eine Niederlage, wie sie in dieser Höhe bei den bisherigen Begeg- mmgen noch nicht zu oerzeichnen war. Don der deutschen Mann- schast fielen bis auf den Dreiviertelspieler Botzong(Heselberg) und den Stürmer Berg I(Frankfurt) alle anderen fast völlig aus. Die Mannschaft konnte sich gegen den spielstarken Gegner absolut nicht entwickeln, kam zwar einige Male zu schönen Angriffen, die jedoch glänzend abgewehrt wurden. Besonders der französische Schluß- spieler Piquemal und der Stürmer Paillauttou zeigten hervor- ragende Leistungen. Nach der Pause wurde das Zufammenspiel der Deutschen etwas besser; aber die technische und taktische Ueberlegen- heit der Franzosen war trotz ollen Eifers nicht zu überwinden. Noch dreimal konnten di« Franzosen einen Versuch legen und schließlich noch einen Straftritt verwandeln, durch welchen das Schluhrefultat von 31: 0 erreicht wurde. Der englische Schiedsrichter Hellewell war in jeder Beziehung einwandfrei, er leitete bis Spiel vorbildlich. * Als die Franzosen unter Vorantragen ihrer Nationalflagge, jeder Hand in Hand mit einem Deutschen, das Fell) betraten, spielte die' Musik unter lebhaftem Beifall der entblößten Menge die „Marseillaise" und„Deutschland über alles". Was trugen die Deutschen für ein« Fahne? Natürlich n i cht schwarzrotgold, fondern irgendeine blau-lila Verbau dsfahne. In diesem Falle ist es auch besser so, denn bei den Leistungen, die sie dann aufwiesen, machte sie ihrem Lande wirtlich keine Ehre. Verlin-- Koitbus— Berlin Siegel in Front Daß die klassische Fahrt von Berlin nach dem Spreewald und zurück nichts von ihrer Popularität eingebüßt, bewiesen die Zu- schauennassen, die das Rennen auf der ganzen Fahrt verfolgten. Besonders groß war der Andrang der Massen am Wendepunkt in Ströbitz bei Kottbus und am Ziel im Wannfee-Siadion, wo sich prachtvoll« Endkämpfe abspielten. Bei den Berussfahrern setzte sich in dem Breslauer Alsred Siegel ein wenig beachteter Fahrer durch. Siegel sertigte im Endspurt den Süddeutschen Geyer sowie Manthey, Wrzeciono und den Dresdener Thierbach ab, und erst dann traf der Favorit, der Leipziger Herbert Neb«, allein ein. Sehr kampfveich gestaltete sich auch die Fahrt der Amateur«. Etwa 19 Fahver erreichten geschlossen das Ziel und dabei ging es nicht ohne Rempeleien ab. Der Berliner Merlan hatte, den Dresdener Maidorn so offensichtlich behindert, daß einem Protest stattgegeben werden mußte. Dadurch kam der Berliner Walter H o s s m a n n, der die gleiche Fahrt schon im Vorjahre gewonnen, zu einem neuerlichen Erfolge. EinA«lcrqcbuIsse. Bernfosobrer: 1. Alflcd Sieflcl-Srcslött 8:66,18: S. Luä- rni« Gcncr�Sälmcinfutt: 3. ss. Mantlio-Berlin: 4. K. WrAeciouv-Berlin: 5. Thier boch-Dresden.— Amoieure(Klosse A)t 1. Welt. Soffmann(Sport 88) 8:23,31: 2. Moiäorn(Dresien): 3. Risäl(Arminin»): 4. Sachse(ffirün.J1')( 5. O. Michael(Germ. 83).— Amateure(RIoffc B— D): 1. Stoff tDerbn l) 8:1753; 2. Rutschbach(Mijwe) 8:18,22: 8. Jockel(Tempo 08): 4. vändel(Poft): 6. SptcIScro«Sriin-Weiß).—«lteresohrer(136 Kilometer): 1. Gustav Richter (Wanderer Spandau) 4:83:12: 2. Täkweiler(Post) 4:38:12,1: 3. EAirson(Ein-el- fabrer): 4. M. Such»: 5. M. Au« 4:40:27. MiricLbaiV „Tegel" hatte FTGB.-Nordost(1. Mannschaft) zum Gegner. nutzte den Anwurs aus und vollführte«inen schnellen und über- rafchende-n Durchbruch, der zum 1. Tor führt«. Nordost kombinierte zuviel und Tegel gelang es nickst!, den Torwächter zu überwinden. 10 Minuten nach Beginn der 2. Halbzeit konnte Tegel das 2. Tor schießen, dem 5 Minuten später das 1. Tor von Nordost folgte. Hier versuchte der Torhüter die Fußabwchr und verpaßte dadurch den Ball. Auch der Ausgleich, der gleich nachdem erfolgte, war nur ein Glückstor. 7 Minuten später sollte Nordost aber das Sieges- tor erringen. Nordost war im Feldspiel überlegener und hielt sich auch den größten Teil des Spieles vor dem Tegeler Tor aus, aoer die große Kombination und das Mittelfeldspiel waren zum Nach- teil. Die Verteidigung beging den Fehler, zu weit aufzurücken, so daß Tegel oft unbehindert durchgehen konnte. Der Tegeler Sturm hatte eine schnell« und durchschlagend« Angrifsskrast. FTGB.-Pankow(1. Männer) konnte FTGB.-Reinickendorf-West (1. Männer) mit 3: 1(2: 0) schlagen. FTGB.-Rofenthat(1. Männer) gelang es im Gesellschaftsspiel FTGB.-Osten(1. Männer) mit 5: Z nach Hause zu schicken, trotzdem es zur Pause 3: 2 für Osten stand. Frauenmannschaft von Osten verlor gegen FTGB.-Wcdding 1 mit 3:9(9:9). Das Tempo der Großstadt stellt höchste Anforderungen an die Bereifung jedes Fahrzeuges. Die sicherste Ausrüstung für Botenräder, Eilwagen und Dreiräder sind (ontliieitial Fahrrad- und Kraftradreifen Statt Steuern Geschafisgewinne! Go werden jeht die Dinge gewandelt. Der S t e» erau s( ch u h des Reichstages begann heute die Beratung der Vorlage über den Benzin- und Benzolzoll. chierzu liegt ein Antrag der Regierungsparteien vor, eine Aus- gleich? st euer für die Jnlandserzeugung«intreten zu lassen. Die Beratungen liefern wieder den Beweis, daß auch' bei dieser Frage, die bisher nach rein sachlichen Erniägungen erledigt wer- den sollte, üble Inleressenlenwünsche Aussicht auf Verwirklichung haben. Die schlende Mehrheit der Regierung soll durch Zu- geständnisse erkauft werden, die entweder den inländischen Produzenten außerordentlich hohe Gewinne verschaffen oder zu einer ebenso starken Belastung der Verbraucher führen werden. Die innere Ausgleichssteuer soll nämlich nicht, wie die Regierung es bisher beabsichtigte, aus 4,80 M., sondern auf 3,80 M. festgesetzt' werden- Außerdem ist auf Wunsch der Deutschnationalen von den Regierungsparteien der Antrag gestellt worden, einen Zwang zur Beimischung von Spiritus zum Benzi» einzuführen. Da bisher bereits der Spiriws für motorisch« Zwecke von der Monopolverwaltung zu Preisen abgegeben wird, die einen Verlust von SO bis 60 M. für den Hektoliter verursachen, so dürfte die Reichskasse bei Abgabe von Spiritus zu den bisherigen Preisen Verluste erleiden, die ähnlich hoch sein werden, wie der Gc- s a m t« r t r a g der Benzinsteuer! Würde die Reichsregicrung aber. um sich vor solchen Verlusten zu bewahren, den Abgabepreis für Spiritus erhöhen, so würden die Verbraucher die Mehr» lasten zu tragen haben. Gegen diese Absichten der Regie- rungsparteien haben sich deshalb'die Sozialdemokraten, vor allem Abg. P u ch t a sehr entschieden gewandt. Abg. H ü n l i ch (Soz.) wandte sich gegen die zu geringe Festsetzung der inneren Ausgleichssteuer und forderte Befreiung des Leucht- Petroleums, sowie Erleichterungen für den Persouenomnibus- verkehr. ■ARBEflEH TüSSmLL Resultate vom 6. April Das gestrige schöne Frühlingswetter scheint auch auf die Spieler belebend gewirkt zu haben. So konnten die die Tabelle beschließen- den Trebbincr gegen Luckenwalde II ein unentschiedenes 2: 2- Resultat herausholen. Die Luckcnwalder verlieren damit den ersten Punkt.— Luckemvokde III mußte mit 0:3 geschlagen von Wcißensee scheiden.— Rur knapp mit 1:0 gewann Oberspree gegen Tempelhos.— Hertha II konnte erst nach der Pause(4:3) gegen Woltersdorf den Sieg mit 6:3 sicherstellen.— Neukölln holte sich »nit 7:2(2:0) von Hoppcgartcn die Punkte.— Schönow nahm seinen Gegner Freie Scholle zu leicht. Durch ein unentschiedenes 2:2- Resultat verloren die Schönower einen weiteren Punkt, während die Karowcr durch«inen 4:2- Sieg gegen Pankow die Spitze der Tabelle behaupten konnten. Weitere Resultate: Nauen gegen Nowawes 1:0. Nowawes 2 gegen Charlottenburg 1: 3. Herzfelde gegen Storkow 4: 1. Kagel gegen Lichtenberg 12 1:l4. Borussia gegen FTGB.- Neukölln g: 0. Luckenwalde V gegen Ruhlsdorf 1: 0. Jüterbog gegen Luckenwalde-Vereinsmannschaft 2: 5. Wilmersdorf gegen Kladow S: 1. Sokol-Charlottenburg gegen Rathenow 1: 5. Sotol- Mitte gegen Rathenow 2 2:2. Potsdam 2 gegen Grebs 0: 3. Eiche-Köpenick gegen Lichtenberg II 8:1. Potsdam Jugend gegen Lichtenberg 11:3. Ardeiter-tZockey Anläßlich seiner Zehnjahrfeier hotte der Sportverein Moabit sich«ine Leipziger Vereins Mannschaft aus Leipzig- Paunsdorf zu einem Freundschaftsspiel geladen, das die Gäste mit 3:2 Toren gewinnen tonnten. Das Spiel war von Beginn an sehr slott und zeigte im ersten Teil gering« Ueberlegenheit der Paunsdorfer, deren Spiel rein zweckmäßig und auf Erfolg eingestellt war. Beide Mannschaften zeigten sicheres Stockspiel: bei den Gästen gefiel besonders der Mittelläufer, bei den Moabitern der Mittelstürmer. In einigen weiteren Gesellschaftsspielen gewann die FTGB. Nordring mit 3: 1 gegen den Athletik Sportklub und der Bezirk Neukölln mit 13: 1 gegen Pankow. In einem Frauenwerbcspiel gewannen die Pan- tower 1: 0 gegen Neukölln. Das„Collegia"~ Jubiläum 35 Jahre Arbeiterrudern auf der Havel Fünfunddreißig Jahr« lang hat der Ruderverein„C o l l e g i a' nunmehr das Banner an der Haoe! vorangetragen,„aber das heutige Fest soll uns ein neuer Ansporn sein zum verstärkten Wirken für die Kulwridee des Sozialismus", wie Adolf B u ck in seiner Festrede im Charlottenburger Logenhaus sagte. Schwer ge- nug hat es„Collegia" auch gehabt, Pionier für das Arbeiterrudern auf der Havel zu fein. Es war den Schwarzweißroten unfaßbar, als sich vor fünsunddreißig Jahren gerade an der Havel die rote Fahne des klassenbewußten Proletariats entrollte. Und dann begann der mühselige, aber auch stolze Aufstieg. Welche Freude war es, als„Collegia" den ersten Doppelvierer sein eigen nennen konnte, als die Verschmelzung mit dem Ruderverein„Falk" durchgeführt wurde, als mehr und mehr Privatbootsbesitzer gewonnen wurden, so /daß man auch langsam mit dein Sportrudern beginnen konnte. Heute genügt das alte Bootshaus in Tiofwerdcr den Anforderungen des Vereinsbetriebs nicht mehr, ein neues Heim wird sich der Verein schaffen müssen. Auch sportlich ist„Collegia" erste Klasse geworden. Der schönste Triumph des Vereins waren wohl die beiden ersten Preise, die er von der Olympiade in Frankfurt mit nach Hause nehmen konnte. Ueberall unter Sportsgenosien hat der Name„Collegia" einen be- sonders guten Klang. Deshalb waren es wirklich herzliche Grüße, die Genosse Buck am Sonnabend im Namen des Bundesvorstandes und der Zcntralkommission dem Jubilar überbrachte. Ein guter Gedanke war es, das Fest mit einer kleinen, aber gediegenen Ausstellung zu verbinden. Vom vorsintflutlichen Geburtsort des Vereins über jene grotesken Aufnahmen von Frauengriippen anno 1900 und den ersten Booten, wovon der „Eiserne Gustav" ein Selbstbau aus Mech(!) war, bis zu den letzten Regattaaufnahmen war alles mit Liebe und Sorgfalt herbeigeschafft und ausgestellt. BSC. Brandenburgs Eishockcymcistcr Mit dem Eishockeyspiel um die Brandenburgische Meisterschaft fand die Saison im Berliner Sportpalast und gleichzeitig für Berlin ihr Ende. Der Besuch war nur schwach. Innnerhin bekam man ein recht interessantes Spiel zu sehen. Der Berliner Schlittschuh-Club hatte im ersten Drittel zu tun, um di« fortwährenden Angriffe der Brandenburger abzuwehren. Man gewann den Eindruck, daß der BSC. zu Anfang des Spieles niemals ganz aus sich herausging. Das erste Spicldrittel endet« mit 0: 0. Im folgenden Drittel brachte Rudi Ball den Berliner Schlittschuh- Club mit 1: 0 in Führung. Endlich, im letzten Spieldrittcl, besann sich der Berliner Schlittschuh- (flul) seines Europarneistertitels und Angriff auf Angriff rollte gegen dos Brandenburger Tor. Was die BSEer in den beiden ersten Spicldritteln versäumt hatten, Holren sie jetzt in reichem!Maße inuh. Noch viermal mußte der Torwächter der Brandenburger die Scheibe passieren lassen. 5: 0 für den BSC. hieß letzten Endes das Resultat. StcislDotimtinman« Teael 18«9 t. V. Dienslaa. 8. April, nach dem Turncn Versammluna bei Tornorp, Tcael, Cchlicvcrstr. VI. Toaristcimmi».Di««aiarftcunbc". Bcuttalc Wien. Dienslaa. 8. Upril. 50 Uhr. Abi. Lumb»ll>:baii-.! ßtibflt. 10. Drupv-nfraaen.—«bt. Krirdrtths- Hain: ssrankkurter Allee 307. Tatirilzer Abend.— Abt. Ritte:?ohannis» firaftc 15.(Eine Alpenwanderuna(Ciditbilicr).— Abt. 3?mb»n: Sannenburaer Stcafie 20. Bllrqerliihe und proletarische Sittlichkeit.- Abt. Sleuköll»(Iuoend. «nuppel: llluahafenstr. Ii«. SächlisSres, Allaisiichlllcheg.— Abt. Wcddina: Durincr Ecke Cceftrahe. EelchäMiches.— Abt. isriebenau: Oksendacher Str. 5-. (heschäitliches.— Abt. Li-fteneod-: 1914 Uhr bei Deh.'am. Bahnhof. Ecke Eolh. ftcoßc. Äeschästliches.— Mittwoch. 9. April, 20 Uhr. ßften(Iuaendarnppe): Sohlerstr. 61. Zwei Stunden mit neuen Btichenr. Sfubtrrtttin.Torwort-'. Montan, 7, April. 20', i Uhr. Schwimmen im Stadtbad Baerwaldstrake. Solt euer lsreilchwimmen nach! Diens'aa. 8. April. 19 Uhr, Rudern der Anfänoerabteiluna I, um 20 Uhr Rudern der Zrauen- abtciluna. Mittwoch. 9. Aprll. 18'/- Uhr. Rudern der Iuaendadteiluna. Don- nerstaa. 10. Aprll, 19 Uhr. Rndern der älteren Mannschaften, fsreltaa, 11. April. 19 Uhr. Rudern der Anfänaerableiluna 11, um 20 Uhr Rudern der ffraueuabteiluna. Der lebte Anfänaerkurlus beginnt ieht: Anmeldunaen iinb sofort an Otto Paul, Berlin-Lichtenidera, Rupprechtstr. 20, au richten. Di« neuen Statuten sind aedruckt und werden unseren Mitaliedern acaen Quittuna ausaehäudiat. N-rtell Aeisiensee. Leute. 20 Uhr. partelloerlammlunn bei Ariers. Lichten' deroer Slr.'2. Erscheinen aller Deleoicrten unlndinnt notwendia. l-'e Ep-rt-Lereiiilouni,»Schweissier. e«. Dien», an. 8. April. 20'/- Uhr, R.laUed'rnersammluna in der.5!dcal ll-oi-se". c-Nor-siMt". 14. Rortelloeairk 16(fleiKnick), Heule. Montan, Sit nun des Äartellö einschliesi. lich ZVxeinsteäntiker um ZV Uhr in Nöpruick, Schlosisir. 27. l. gndballadteilnna lZT�l Ehariattr»»»«. DinnMaa. ZV Udn. SiH»na b«i Tab».«aiserur-AnouNo-M«» iL. Oer Maschinensetzerfireit. Bei der„Deutschen Tageszeitung". Mit dem Ausstand der Maschinensetzer bei der„Deutschen Tageszeitung" beschäftigte sich am Sonntag eine überfüllte Der- sammlung der Berliner Maschinensetzer in den Kammersälen. Der Borsitzende des Brandenburger Maschinensetzervereins Mahlo schilderte chronologisch den Verlaus des Konfliktes, wobei er be- sonders hervorhob, daß die Maschinensetzer der„Deutschen Tages- zeitung" die 4östündige Arbeitszeit bis 1923 gehabt hätten und nun feit 2—3 Jahren den Versuch machen, ihre Der- hällnisse zu verbessern. Die Geschästsleitung habe Verhondlungen stets abgelehnt, so daß die Maschinensetzer am 2. Februar beschlossen hätten, ihre Forderungen nochmals spezialisiert zu erheben. Nur im Interesse der Manteltarifverhandlungen sei dieser Wunsch zunächst zurückgestellt worden. Nachdem die Tarifverhand- lungen keine Verkürzung der Arbeitszeit gebracht hätten, habe man In einer neuen Berfammlung