Morgenausgabe Nr. 167 A 84 47.Ichrgang WöchknMch WPt, m»»»UIch i,«M. tni oorauzzaliUxir. Pojweziiz M. einschließlich«>Psg.Poftz»itwlz«. uxi 72 Psg. Postdesiellzebühren. tüiitnab*. «bonnement 6.— M. pro Mannt. Sa.Sannirts* erscheint«achentöp. sich zweimal. Eonntapz und Montag» einmal, die Zld«ndau,gab«n skr Beriu, und im Handel mit dem Titel„Der ildend". Sllustriert» Seilaaea.Dal» und 3«lt* und.A>ndersr«und-. Zern» „llnterhaltung und Wissen-.Frauen. stimme'..Technik'..Blich in di, Büchern! elt' und, Jugend- Aarwärtt.' r* AerUner Volksvlatt Mittwoch 9. April 1SZ0 Groß-Äerlin 10 Z)f. Auswärts i5 pf. DI« e t n t P a( 1 1 g• Nonparetllexel?, 80 Pfennig. Reklame�etle 5.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen� das»eUge- druckte Wort 25 Pfennig(zufäsfig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche dys erste Wort IS Pfennig, jedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben ühlen für zwei Worte. Arbeitsmartt ieile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.l« »Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- gejchäjt Lindenstraße 3. wochentägUch von SV, bis 17 Uhr. Äentealovsan der GozialdemoSratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Verlin SW 68. Lindenstraße 3 sternsprecher: Dönhof» 2Ö2—297 Telegrawm.Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Berlag G.m.b.H. Poltlcheckkonio: Berlin 37526.— Bankkonlo: Bank der Arbeiter. Anaeslellicn und Beamte«. Wallstr. 65 Dt B u DiSc-Gel � Depoiitenkali« Liildenftr. S. Wiffell rechnet ab! Oer frühere �eichsarbeitsminister führt die Opposition. Der Deutsche Reichstag hat gestern ein Schauspiel erlebt. das im englischen Parlament selbstverständlich, hierzulande ober noch ziemlich ungewohnt ist. Wenige Tage nach dem Sturz der Regierung Müller hat ihr Arbeitsministcr, Ge- noge Rudolf Wissell, als Wortführer der Oppo- fition gegen die neue Regierung einen temperamentvollen Vorstoß unternommen. Das englische System freilich macht die Wendung von der Regierung zur Opposition leichter als das deutsche, denn drüben wechselt je nach Ausfall der Wahlen die ganze Re- gferung, während wir hier auch diesmal wieder, wie schon so oft, eine nur teilweise Auswechselung erlebt haben. So wird bei uns die Opposition zu einem Kampf gegen die Koalitionsgenossen von gestern, und so richtete sich auch die Angriffsrede Wissells gegen den ReichsfinanMinister, mit dem er selber noch vor kurzem in demselben Kabinett zu- sammengesessen hatte. Das war fedoch für Wissell kein Grund, dem Herrn Moldenhauer und der Deutschen Dolkspartci etwas zu schenken/ Er hat rücksichtslos ausgepackt, die gegebenen Gegensätze offen und klar dargelegt und damit den stürmt- sehen Beifall der Fraktion geerntet. Wissells Nachfolger im Amt, Herr S t e g e r w a l d, hat neulich int Reichsausschuß des Zentrums einen Ausspruch getan, der tiefer in den Grund des Konfliktes hineinleuchtet als das meist sehr oberflächliche und ungerechte Gerede der Zentrumspresse.„Die wahrste und tiefste Ursache des Koalitionszerfalls", sagte der gegenwärtige Reichsarbeits- minister,„ist die große Gegensätzlichkeit zwischen Sozialdemokratie und Deutscher B o l k s p a r t« i in der Beurteilung der Aufgaben und Möglichkeiten der Wirtschafts- und Sozial- Politik." Diese große Gegensätzlichkeit ist in der Rede Wissells und der ihr folgenden Antwort des Volkspartellers Pfeffer ganz klar zum Ausdruck gekommen. Es standen nicht nur der Sozialdemokrat und der Bolkspartciler einander gegenüber, sondern auch der Vertreter der Arbcitnehmerorganisationen und der Wortführer der Arbeitgeberverbände: Rudolf Wissell, der Metallarbeiter, der den größten Teil seines Lebens im Dienste der Gewerkschaften verbracht hat, und Dr. Friedrich Pfeffer, Geschäftsführer des Verbandes der Mitteldeutschen Industrie in Weimar. Wir nehmen an, daß die offene Aussprache auf beide Telle befreiend gewirkt hat: bei der sozialdemokratischen Fraktion war das zweifellos der Fall. Jenen Volksparteilern aber, die gestern noch empört schienen üoer die Rücksichts» losigkeit Wissells, sei in Erinnerung gebracht, daß Wissell in seiner Beurteilung der Bolkspartei lange noch nicht so well gegangen ist, wie Steg erwald. der vor noch gar nicht langer Zeit rund und nett erklärte:„Die Volkspartet istdiereaktionärstePartei.dieesüberhaupt gibt." Das Zentrum hat bei der gestrigen Auseinandersetzung geschwiegen. Ganz klar und scharf war der Gegensatz Wissell- Pfeffer. Das Zentrum schien gestern bei diesem Kampf nur unbeteiligter Zuschauer zu sein. Aber ist das Zentrum nicht, als die Wege sich schieden, mit Pfeffcrgege n Wissell gegangen? Sein Schweigen bestätigte die Tatsache, daß die Regierungsvorlage, die den Namen Moldenhauer trägt, nicht nur von Moldenhayer preisgegeben ist. Die.Kompromißlösung", die den Regierungsentwurf er- setzen soll, wird sie eine Mehrheit finden? Auch die D e u t s ch- nationalen haben gestern geschwiegen: ihre Antwort hängt von den A g r a r m a ß n a h m e n ab, die die Regie- rung vorbereitet. Einstwellen sieht es im Reiche Brünings trüb« aus. Sein Finanzminister kriegt vom Reichstag kein Geld- Schielss Agrarprogramm wird von Volkspartei und Zentrum uiit leisem Stöhnen, von den Demokraten mit Protest aufgenom- men. Die Bayerische Volkspartei ist in Rebellion. Man hat sich gestern gewundert, wo der Kompromißantrag der„Regierungsparteien" blieb, den Herr Molden- Hauer als Ersatz für die preisgegebene Regierungsvorlage angekündigt hat. Jetzt erfährt man, daß der Antrag unter- wegs steckengeblieben ist— d i e Bayerische Volks- parte! hat sich geweigert, ihn zu unter- zeichnen. „Das war eine Wahlrede!" rief man von der Rechten, als Wissell zu Ende war. Wahlrede hin, Wahlrede her— jedenfalls war es eine aufklärende Rede und eine mutige Rede. Sie sagt den Millionen der Arbeitnehmer, wo- hin sie gehören, wenn es zum Kampf kommt. Wissells Anariffsrede. de- Der Reichstag begann gestern abend nach der Verabschiedung Gaststättengesetzes(Bericht siehe Beilage) di« erste Beratung des Gesehentwurfes zur Vor- bereilung der Fmanzreform mit einstündigcr Redezeit für jede Fraktion. Reichsfinanzmimster Dr. Aloldenhaucr- Es war nicht möglich, die damaligen Rcgicrungsparleien auf das Kompromiß zu einigen, infolgedessen trat die frühere Regierung zurück. Da die Zeit drängt, Mußten wir" die' oöin Rcichsrat genehmigle Vorlage einreichen, ob- wohl-das-Kampromiß, auf dos sich die Regierung geeinigt hat, sich davon in wesentlichen Punkten unterscheidet.(Lcbh- Hört, hört! der Zoz.) Es wird ein Antrag vorbereitet, das Kompromiß an die Stelle der Borlage zu setzen. Gewiß ist dos ein ungewöhnliches Borgehen-(Lebh. Zustimmung der Soz.) Wir bitten um schnelle Verabschiedung. Abg. Wissell(Soz): Diese Rede des Reichsfinarizministcrs ist ein interessanter Beitrag zu dem Kapitel„Politik und Charakter"! auch sie beweist, daß die Politik den Charakter verdirbt.(Entriistungsrufe der Regierungsparteien— Justinrmung der 003.) Der Reichs- finanznnnister hat im Austrag des vorigen Kabinetts eine Vorlage ausgearbeitet, von der er überzeugt war, daß sie besser ist, als alle anderen Vorschläge. Diese soviel bessere Vorlage, die doch der Reichstag zur Annahme vorgelegt erhielt, die will der Reichs- finanzminister gar nicht angenommen haben, und auch der Reichs- kanzler will es nicht. Es ist notwendig, das, was mir darüber bekannt ist, auch denen, die es vielleicht nicht wissen, deutlich und klar zu sagen. Der Reichsfman.zminister und der Reichskanzler sind ent- schiedene lllertreier der Ueberzeuaung, daß die Reichsregicrung fuhren müsse, daß sie eine» eiuschicoenen geschlossenen Willen zeigen müsse.(Sehr richtigl rechts.) Manche Rede des Reichssinanzministers in der lchlim Zell konnte sogar die Annahme hervorrufen, daß ihm gewisse diktatorische Gelüste nicht so ganz sremd zu sein schienen. (Huhu! rechts.— Ein Ruf rechts! Genau so wie in Preußen!) Aber schon die erste Aktion dieser Regierung zeigt alles andere, als ent- scheidenden Führerwillen. Die Vorlage wird damit empfohlen, daß sie nur den Weg schnell erschließen soll, um eine ganz andere Regelung zu erreichen. Damit wird ihr aber der Stempel der inneren Unwahrhaitigkeit autgedrückt.(Oho! rechts, Zustimmung links.) Der selbe Fmanzminister, der es im früheren Kabinett ab- gelehnt hat, diese Vorlage dem Reichstag zu unterbreiten, und der, wenn sie unterbreitet worden wäre, aus den' Kabinett aus- geschieden wäre, er bringt diese Vorlage nun doch hier ein. Derselbe.?inanzmlnistcr, der davon überzeugt ist. daß die In der Vorlage vorgesehene Regelung das Beste von allen zur Zeit aufgetauchten Vorschlägen ist, derselbe Finanzminister kündigt etncn Antrag der in der Regierung vertretenen Parteien an, um seine Vorlage zunichte zu machen. Das ist Führerwillen— zweifellos. Das ist die klare einheitliche Linie, das ist der dem Volk erkennbare Wille zur Klarheit und Wahrheit-— Unzweifelhast! Ich glaube, das Volk wird mit Stolz auf diese, im eigenen Willen so starke und entschlossene Regierung blicken können.(Sehr wahr! rechts.) Man tonn von einer Regierung nicht eine ganz einheitliche Meinung verlangen, aber sie müßte doch ein von der früheren Re- gierung geaebenss Versprechen einhalten. Von diesem dem Reich?- tag gegebenen Perspreche» hätte sie nicht abweichen dürfen.(Rufe rechts: Steuersenkung!) Fest und klar hat die vorig« Regierung (Zuruf rechts! Steuersenkung versprochen!) erklärt, was über 1,375 Millionen an Lohnsteuer einkommen würde, solle die Invalidenversicherung erhalten. Sogar auf süns Jahre hat man das festgelegt. In der ursprünglichen Regierungsvorlage waren 75 Mil- lionen tür diesen Zweck eingesetzt. Das entsprach dem wahrsckzein- lichen Mehrertrag der Lohnsteuer- Aber aus Drängen des Reichs- rotes hat die Regierung sich gesügt, zum zweiten Male, und sie ändert ihre Vorlage und läßt im Stich, was sie dem Reichstag ver- sprachen hat.(Zurufe rechts.) Ich habe allerhand gelernt, aber das nicht, ein einmal gegebenes Versprechen abzuleugnen.(Sehr gut! bei den Soz.) Wir erleben hier Talsachen, deren Sprache zweifelsfrei ist, und die gesetzlich gesichert« Rechte angreisen. Im Z 2 der Regierung?- vorläge wird sogar das genommen, was gesetzlich der Invalidenversicherung zugewiesen ist. Ja, hier ist die Treue nur ein leerer Wahn! Wir sind, in der merkwürdigen Lage, uns zu Verteidigern de, Regierungsvorlage mache» zu müssen. Wir haben uns auf iljtcn Boden deswegen stellen können, weil sie die Darlehenspflicht des Reiches nicht angetastet hat. Wir konnten nicht billige» und nicht zustimmen, daß diese Darlehenspflicht des Reiches von irgendwelchen Voraussetzungen oder Maßnahmen abhängig gemacht wird. In den Kerhandjungen der legten Wachen hat Dr. Brüning mir einmal gesagt, daß ich viel zu viel Pessimismus zeige, daß das Arbeits- Ministerium die Dinge zu pessimistisch betrachte. Man Hot sogar davon gesprochen, daß wir die Arbeitslosenzahlen je nach der tok- tischen Lage anwendeten und gebrauchten. Diese Beliauptimg ent- hält den Vorwurs der Pflichtverletzung gegen die Beamten, die dem Minister die Zahlen liefern, oder den Vorwurf, daß der Minister diese Zahlen umfälscht und umdeutet, daß er also einen Zweck- Pessimismus betreibe. Richtig ist, daß die bisher für die Arbeits- losenversicherung in Betracht genommenen Zahlen den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht geworden sind, aber da? log daran, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse alle Voraussicht über den Hausen gerannt hatten. Die 790000 Arbeitslosen, die man bei der Be- gründung dos Zlrbcitsloseiivcrsichcriingsgesetzcs angenommen Ixik. waren viel zu wenig. Im vorigen Jahr hatten wir l,t Million Unterstützte im Durchschnitt. Aber auch diese Zahl aus den Jahren 1926, lS27 und lS2Z ist für das vorige Jahr zu niedrig gewesen, da wir Im Durchschnitt 1,275 Millionen zu unterstützen gehabt haben und die Schätzung der Reicheanstalt mit 1,2 Millionen wahrscheinlich auch falsch und irrig ist. In den ersten drei Monaten dieses Jahres war die Arbeits- losigkeit noch größer, als im vorigen Jahr der Vereisung und der sibirischen Kälte.(Geschrei rechts, andauernde Zwischenrufe der .Kommunisten.) Wir haben am l.Zlpril d.J. 279 000 Unterstützte mehr gehabt, als vor einem Jahr Krisen- und Arbeitslosenunker- stützte zusammen. Und in diesem Jahr, wo die Möglichkeit der Beschäftigung besser ist. war die Arbeitslosigkeit an jedem neuen Zahltag wieder gestiegen. In einem solchen Augenblick läßt die Sozialdemokratie auch nicht mittelbar an der Darlehenspflicht des Reiches rütteln, denn das würde die Unterstützung derer, die nichts zu beißen und nichts zu leben haben, auf das ärgste gefährden. (Höhnische Gegenruse rechts, lebhafte Zustimmung der Soz.) Das neueste Vierteljahrsheft für Konjunkturforschung rechnet für das nächste Zahr mil einer Arbeilslosigkeil von 1,5 bis 1,7 Millionen Im Monolsdurchschnitl. Angesichts dieser Zahl die Gewährung der Reichsdorlehen an Vor- aussetzungen knüpfen, ist unmöglich. Sie wollen 150 Millionen in den Etat einsetzen. Das haben Sie auch voriges Jahr getan, aber ehe der Sommer kam, war der größte Teil davon schon verbraucht. Wenn wir heute soviel mehr Arbeitslose haben, dann werden die 150 Millionen noch schneller verbraucht sein. Sic wollen zwar die Darlehenspflicht bestehen lassen, aber an die Vorschrift der Bei- tragserhöhung knüpfen, die eine Rückzahlung der Darlehen ermög- licht. Wer die Schätzung des Instituts für Konjunkturforschung beachtet, der wird erkennen, daß selbst mit einer Beitragserhöhung auf 5 oder 6 Proz. der nächstjälirige Bedarf nicht gedeckt werden kann. Die Vertröstung auf di- Beitragserhöhung oerbirgt nur die Feindschaft gegen die Arbeitslosenversicherung. Die zweite Möglich- kcit wäre d>e Deckung durch Steuern/ Sie(nach rechts) schreien nach Sleversenkung. wollen aber im nächsten Herbst dafür wieder Steuern erhöhen. In Wahrheit stellen Sie die Weiche in der Richtung des Leistung?- abbaues. Neu« Stcuerforderungen im Herbst würden eine der- artige Mißstimmung gegen die Arbeitslosenversicherung hervorrufen. Verknüpfung mit dem Finanzprozramm. daß schon der Versuch scheitern würde. Der volksparteiliche Führer ' Dr. Scholz hat am 2. ZlprU deutlich die Einschränkung der Leistungen als Ziel ausgestellt.(Geschrei der Volkspartei.) Gespart werden soll also an jenen, die nichts zu beißen haben, bei denen die Not so groß ist.(Lärm der Volkspartei.) Was bekommen denn Mann. Frau und Kinder schon zusammen!(Zurus rechts: Das wissen wir selber.) Dann müssen Sie aber auch wissen, daß die Leistungen nicht abgebaut werden können. (Andauernder großer Lärm rechts und bei den Kommunisten, die den Sozialdemokraten zllrufeN, im nächsten Monat würden sie dem Leistungsabbau zustimmen.) Sie werden also Ihr Komvromiß ändern müssen. Herr Ester, ich bin überzeugt, daß Sie sich die gehässigen Vemsrkungen von der Rechten nicht zu eigen machen, und daß Sie auch die Bestrebungen aus Leistilngsabbau nicht mitmachen. Es wird aber nicht nur das Kompromiß gewaltig geändert weiden müssen, es wird auch die i�rage des Rotopsers der Desitzenden so laut durch die Lande schreien(Gelächter rechts), daß auch größte Schwerhörigkeit es nicht überhören kann. Aus der Erkenntnis, daß das Volk in Not ist. wird dar Ge- danke des Notspfers ueue Kraft ziehen und Sie werden sich damit vertraut machen müsten, daß heute an einen Leistuugsabbau nicht zu denken ist. Was Schiele für die Landwirtschast in Anspruch genommen at, daß man dem unter die Räder gekommenen Kameraden Hilfe ringen muß, beziehe ich auf die Arbeiter. Bei dieser ungeheuren Arbeitslosigkett bleibt nichts anderes übrig, als den Arbeitslosen die Sicherung ihrer Unterstützung von Reichs wegen ungeschmälert zü erhalten. Furchtbarstes Elend und schlimniste Not würde es bedeuten, wenn aus dem von Ihnen geplanten Weg die Sanierung der Reichsfinanzen angestrebt würde. Beharren Sie daraus, dann zeigen Sie nur, daß Sic für die Not der Arbeitslosen kein Ber- sländnis haben'(Lebh. Beifall der Soz.— Pfui-Rufe rechts, andauerndes Geschrei der 5lommunstten.) Abg. Dr. Neubauer(Komm.): Die Regierung Hindenimrgs und de; Stahlhelms, des Trustkapitals und der Großagrarier ist eingesetzt, um den Generalangriff gegen das arbeitend« Volk durch- zuführen. Schieles Agrarprogramm bedeutet ein« Hungerblockade gegen das Proletariat.(Zuruf der Soz.: Di« alte Regierung wär halt doch viel bester!) Wir Kommunisten kämpfen gegen die Front der Arbeiterfeinde von Stampfer bis Hugenberg, (Beifall der Kommunisten und Hitlerleute.) Abg. Dr. Vfesser(DVp.): An der Hartnäckigkeit Wissells sind die interfraktionellen Besprechungen gescheitert. Angesichts der Tatsache, daß wir 10 Proz. der gesamten Steuereinkünfte für die Arbeitslosen und für sozial« Ausgaben hergegeben haben, wagt man uns zu beschuldigen, daß wir kein Herz für die Arbeitslosen hätten. Unsere Steuereinnahmen reichen nicht aus, um die stetig wachsenden Anforderungen der Ardcitslosenoersicherung zu befriedigen. An die armen Gewerbetreibenden, die unter dem Steuerdruck zugrunde gehen, denkt man nicht.(Lebh. Zustimmung rechts.) Die vom Abg. Wistell bekämpfte Kompromißregelung hat die Zustimmung der sozialdemokratischen Mitglieder des früheren Kabinetts gefunden. Nur Wijsell war starrtöpftg dagegen.(Hört! Hört! rechts.) Es ist nicht wahr, daß wir den oll gemeinen Leistungsabbau wollen. Mein Zwischenvorschlag schloß den allgemeinen Leistungsabbau ausdrücklich aus. Wir wollen die Arbeitslosenoersicherung nur dahin ändern, daß sie nicht weiter ausgenutzt wird von Leuten, die küm't- lich arbeitslos wenden. Trotz des milden Winters hat sich die Zahl der Unterstützten kaum vermindert. Immer mehr steigk die Zahl derjenige«, besonders der weib- licheu Arbeitslosen, die nach kurzfristiger Beschäftigung wieder in die Arbeitslosigkeit zurückkehren. Warum soll gerade die Arbeitslosenversicherung vor jeder Aende- rung bewahrt werden, die doch auch von vielen Sozialdemokraten als notwendig onerkannt wird.(Beifall recht?.).. Gegen 19 Uhr wird die Weiterberatung auf heute,' Mittwoch, 1Z Uhr/ oertagt... Auflösung ln Eicht. D!e Strafrechtsieform in Gefabr.— Kahl fordert Lleberleitungsgeseh. Im Strafrechtsausschuß das Reichstags brachte gestern der Vorsitzende, Abg. K a h l, die Möglichkeit zur Sprache, daß der Reichstag aufgelöst und dadurch das ganze Reformwerk am Strafgesetzbuch wieder auf lange Zeit zerstört werden. lönnie. Cr hält es für notwendig, daß für die ordentliche Weiter. beratung ein dauerndes Ueberleitungsgesep geschaffen wird, nm nicht einen zukünftigen Reichstag die Arbeit noch eimnal von vorn beginnen zu lasten. Er wisse wohl, daß kein« Partei rest- los zu friede« mit dem Ergebnis der ersten Lesung sei, aber er hasse. daß alle den Willen zum Abschluß des Werkes hätten. Abg. Landsberg(Soz.) erklärt«, es sei unzweifekhast, daß das Strafgesetzbuch dringend der Erneuerung bedürfe. Man könne wieder ein U eberl ei tungsgefe tz machen, wie es das letzte Mol gc- fchehen sei, man könne aber auch den vom Borsitzenden ai»gedeuteten Weg betreten. Im vorigen Reichstag fiel die Zustimmung zu dem Ueberleitungsgesetz der Sozialdemokratie leicht, weil sie wußte, daß im nächsten Reichstag eine Stärkung ihres Einflusies zu erwarten sci. Dies« Erwartung ist auch tatsächlich eingetreten. Redner müsse sich aber dagegen wenden, das Strasgefetzresormwerk lediglich vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu betrachten. In Wahr- Holl sei es ein in l�ochem Maße politisches Gesetzgebunzs- wert. Es könne deshalb niemand einer großer Partei verargen, wenn sie sich zu keinen Bindungen hergeben wolle, nament« lich dann nicht, wenn sie nicht wissen kann, unter welchen politischen Verhältmsien diese Bindungen einmal- wirksam werden können. Redner müsse deshalb seiner Fraktion die Entscheidung vorbehalten. Es fei zweifellos, daß der vom Vorsitzenden gsinachte Vorschlag «in verfassungsänderndes Gesetz bilden würde. Nach rveiteren Bemerkungen der Abgg. Bell(Z.), Alexander (Komm.) und Ehlermann(Dem.) erklärte Abg. Warum(Soz.). er glaube nicht, daß sich die Sozialdemokratie für ein dauerndes Ueberleitungsgesetz entscheiden würde. Diskutabel sei höchstens die Frag«, ob man ein Ueberleitungsgesetz für den Fall der Auflösung des jetzigen Reichstages schafft. Die Zustimmung zu einem Ueberleitungsgesetz würde der Sozialdcmokraii« erleichtert werden. wenn dieser Reicheiag noch in einigen wichtigenPunkten der Strafrechtsreform Beschlüsse fassen könnte. Redner erwähnte die Paragraphen 73 und 74 des allgemeinen Teils, wonach bei allen Delikten mildernde Umstände eintreten sollen. Weller verlangt« er die Zustimmung des Reichstages zu den Paragraphen 183a bis 186», wonach die S t r a f b a r k e it d e s fahrlässigen F als ch e i d e s a u f g e h o b e m wird. Roch der Aussprach« zog Abg. Kahl seinen Borschlag aus ein dauerndes Ueberleitungsgesetz zurück und begnügte sich mit einem einfachen Ueberltllungegesetz an den nächsten Reichstag. Die Ab- st'immung vzurde vertagt, bis die Fraktionen Stellung genommen haben. Hugenberg» Txfreunde. Wie der Gau Groß-Berlin der NSDAP. mitteilt, spricht Goebbels am Freitag über das Thema„Mampe halb und halb— ein« Abrechnung mit den Umfallpatrioten". Der belgische Senat hat mll 199 Stimmen gegen eine bei einer Stimmenthallimg das Haager Abkommen ratifiziert. Das Nachrichtenbüro des Dsreins deutscher Zeitungsverteger teilt mll:>. Das Reichskabinell hielt am vienslagnachmltlag lm Reichstag eine Sitzung ab. ln der di« Beratung des Agrarpr». gramms abgeschlossen wurde. Die Verhandlungen haben zu elaer völligen Einigung geführt. Im Anschluß au die Sabtoellssihuug wurden dl« Vertreter der hinler der Regierung stehenden Partele« empfangen, um über die Beschlüfie de» Sabinells iaformlerk zu werden. Die Agrarvorlagen sollen als ZalltvaulrSze der Reglerungsparketen im Reichs läge erledigt werde«. Mau rechnet damit, daß die Reichstagstagung bi» Dienstag nächster Mache ausgedehnt wird. * Heber den In halt des Agrarprogramms de? Re» gierung ist.bisher folgendes bekamit geworden: Es werden E i n f u h r s ch e i n e für Rindvieh und Rind» fleisch. Schafe. Schaffleisch und Kartoffeterzeug- nisse eingeführt.. Die Reichsregierung echält die Ermächtigung, die Zölle für Weizen, Roggen, Gerste und Hafer nach der Marktlage herauf- oder herunterzusetzen, ebenso die Errnächtigung, den Wert der Ein- fuhrscheine für Getreide und Hülsenfrücht«, sowie für Schweine und Schweinefleisch und für die neugeschaffenen Einfuhrscheine zu be- stimmen. Die Ermächtigung wird serner ausgedehnt auf die Schweinezölke. Die Einfuhr von Gefrierfleisch soll vollständig beseitigt werden. Dafür soll angeblich das gleiche Quantum zollfreies Frischfleisch aus den Staaten eingeführt werden, die Deutschland nnt lebendem Vieh beliefern. Die Zollsätze fürSpeck sollen von 14 auf 29 Mark und für Schmalz von 6 aus 19 Mark erhöht werden. Ferner sind Zollerhöhungen vorgesehen für M! l ch, Ta l g, S t ä r k e und D e x t r i n. Ct* wird verhandett. Die Führer der Restkoalition und das Agrarprogramm. Die Beratungen der Parteiführer dauerten bis in die späten Nachtstunden. Nach der offiziösen Mitteilung handglte es sich nur darum, den Fraktionsführern das Programm der Regierung mitzuteilen. Das entspricht der offiziellen Legende, daß die Regierung Brüning keine Äoalitions- regierung fei, sondern unabhängig von den Parteien und den Fraktionen führe. Die Wahrheit ist etwas anders als die schöne Geste der starken Männer. Die„informatorische Besprechung" war eine sie h r e r n ste und sehr s ch ch i e r i g e B e r a t u n g des Agrarprogrammsntwurfs der Regierung. Die starke Regierung, die angeblich in voller Unabhängigkeit führt, darf es nicht wagen, ihr Agrarprogramm bekannt zu geben, ehe es nicht die Billigung der Frattionsführer der Restkoalition erhalten hat. Sie darf es um so weniger, als die Mehrheit für die» Agrarprogramm ebenso problematisch ist. wie die Mehrheit für ihr F i n a n z p r o g r a m m. Die Beschlüfie des Steuerausschusses von gestern bedeuten bereits einen Ausfall von insgesamt 6 6 Millionen Mark — ob die Regierung heute für die Erhöhung der Bier» st e u e r eine Mehrheit finden wird, ist mehr als zweifelhaft. Die Regierung Brüning bemüht sich nun. für die Entscheidung im Plenum die deutschnationalen Stimmen durch Zugeständnifie an die agrarischen Ford«. rungen zu erkaufen. Das Geschäft an sich stößt bereits auf lebhaften Widerspruch in der demokratischen Presse— das Ausmaß des Kaufpreises ist erst recht umstritten. Ein solches politisches Geschäft läßt sich natürlich nicht mit der Geste des starken Mannes unter Dach und Fach bringen, und so wird — verhandelt. Trotz der offiziellen Legende, daß das Kabinett Brüning führe, aber nicht verhandle. Wir sehen voraus, daß im geeigneten Zeitpunkt dann wieder Herr Schiele, der Reichsernährungsmimster. den Weg zu Herrn Oberfohren, dem Vorsitzenden der deutschnationalen Reichstagsfraktion finden wird! Das neue Zunktim. llebereinstimmung der Restkoalition. Gegen Mitternacht wurde Wer das Ergebnis der Parteiführer. besprechungen folgendes mitgeteilt: Im Anschluß an die Kabinettssttzung fand unter dem Vorsitz Reichswehr und Hakenkreuz. Ein merkwürdiger Irrtom. Der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, hat vor kurzem in Dresden vor einer Anzahl höherer Reichswehr. Offizier« eine Ret* gehalten, in der er. darauf hinwies, daß für Offiziere, die sich mnerlich nicht zu der republikanischen Staatsform bekennen, kein Platz in der Reich»- wehr sei.' Daß Generaloberst Hey« sich at» Ott für diese Ansprach« gerade Dresden ausgesucht hat, hat«ine. besondere Aswandtnis. Da« Organ der NatlonalsozwLstischen Arbeiterpartei, der ,.L 5 l tische Be o b- achter", teitt nämllch mit, daß Generalmajor a. D. v. Fakten« hausen, der bis vor kurzem Kommandeur-ditr Inf an- terieschule in Dresden war, in di« Nationalsoziali» stische Partei eingetreten fit. Di« deutschnationcrlen„Dresdner Nachrichten" wollen mm„v o n zuständiger Stelle"— afio wohl von General v. Falken- hausen selbst, erfahren haben, daß die Mitteilung, de»„.Völkischen Beobachters" auf einem Irrtum beruhe. Das ist em merkwürdiger Irrtum! War der„völkische Beob- achter" vorlaut oder rndiskret? des Reichskanzlers Dr.• Brüning eine Fraktionsführer« besprechung stall, an der Vertreter des Zentrums, der Deutschen Dolkspartsi, der Demokraten, der Wirtschaftspartei, der Christlich. nationalen Arbeitsgemeinschaft und der Bayerischen Volk spart ri teilnahmen. In dieser Besprechung, dl« bis in die späten Abend» stunden währte, wurde der Gesetzentwurf zum Schutze der Laichwirt- schast eingehend durchgesprochen, wobei llebereinstimmung erzielt wurde. Aber mit Vorbehalt? Zu der amkllchea vlitleilung über die Parleiführerbesprechung hört das Nachrichlcvbüro des Vereins Deutscher Zeihingsverteger aus parlameularfichen Kreisen, daß über das Agrarprogramm ciae Einigung erzielt worden ist. Damit ist aber das Schicksal dieses Agrarprogramms noch nicht eulschlcden. vielmehr hängt dl« definitive Entscheidung über das Agrarprogramm ab von der Zustimmung der hinter der Regierung fiehendm Parteien zu der Deckungsvorlage dcr Reichs- regierung, iusbesoudere zu dem Arbeitslosenversiche« rang»-Kompromiß und der Bier st e u c r. Die in der Rc- gierung vcrtrelcnea Parteien werden sich erst dann entscheiden. für da, Agrarprogramm einzutreten, wenn eine Entscheidung über da, Finonzprogramm herbeigeführt worden ist. * Die Parteiführer haben also ein n e u e s„I u n k t i m", eine Verknüpfung von Finan�programm und Agrarprogramm hergestellt. Keine Finanzgesetze— keine Agrarreform! Diese Ankündigung läßt erkennen, wie groß die Schwierigkeiten des Kabinetts Brüning sind. Das neue Junktim soll die Deutschnationalen hinter das Finanzprogramm der Re- gierung zwingen. Ltm die Niersteuererhöhung. Die Bayerische Volkspartei rebelliert. Am Dienstag ist im Lager der Regierungsparteien eine weitere Schwierigkeit aufgetaucht. Die Bayerische Bolkspartei hat es abgelchnt, den Kompromißantrag zur Arbeitslosenversicherung, der seinerzeit von der SoziaDemotrati« abgelehnt worden fit, mitzuünterzeichnen. Die Haltung der Bayerischen Volkspartei ist auf die beabsichtigte BiersteuersrHöHuNg zurückzuführen, und wurde durch den am Dienstg in Berlin«ingetroffenen Vorsitzenden der Bayerischen Volkspartei, den bayerischen Londtagsabgeorimeten Schaf fer, veranlaßt. Wie verlautet, soll Schüsfer am Mittwoch vom Reichs- Präsidenten empfangen werden, der ihm auf Wunsch von Brüning eine Lektion über die Notwendigkeit der Biersteuer« erhöhung halten soll,.. ; Zum Thema Offhilse. Bayern meldet Ansprüche an! Müucheu. 8. April. Im Bayerischen Landtag gab am Dienstaznachmlttag Minfiter, Präsident Dr. Held zu mehreren Eingaben um Bewilligung von Reichsmitteln und Einleitung von Hilfsmaßnahmen für di« Pfalz und für de« bayerischen Osten ein« längere Erklärung ab, worin er betonte, die Reichsregierung habe wieder» Holl versichert, daß sie auch die Interessen der b a y e r i sch e n O st- grenze im Aug« behalten werde. Es scheine aber, daß auch für 1930 keine finanzielle Hilf« gewährt werden solle. Man könne, sich des Eindrucks nicht erwehren, daß man in Berlin die wahren Per» hällnisie an der bayerischen Ostgrenz« nicht kenne oder nicht zu würdigen vermöge. Die bayerische Regierung werde olles tun. um im Kampf für V!« bayerisch« Ostgrenze gegenüber der Reichs» regierung und dem Reichstag nicht zu erlahmen. Hugenberg und die Geinen. Vertrauen für ihn. lieber die Tagung des Parteivorstandes der DNVP. wird fol- gende Mitteilung ausgegeben: „Der Vorstand der Dentschnationalen Volkspartei tagte am Dienstag m Berlin. Nach einem ausführlichen Bericht des Partei- Vorsitzenden Dr. Hugenberg und. noch einer eingehenden Aussprache, in der auch der Borsitzende der Reichstagsfraktion, Dr. Oberfohren. da» Wort ergriff, billigt« der Vorstand die Ausführungen und sprach der Führung einstimig sein u n beb i n gt e s. V e r.t r a u e n aus." Frag«: Vertrauen i la Hugenberg? Thüringen verhandlungsreif. Etaatsminifier Vaum g-ht»u Wirth. WTB. tritt Mit: Di« thüringisch« Regierung hat in dem Wunsch«. daß der Streit zwischen dem Reich und Thüringen beigelegt werde, sich mll dem Reichskan.zler und dem Rcichsminister des Innern in Verbindung gesetzt. Der Vorsitzende des thüringischen Staats- Ministeriums, H t a at» m i n i st« r Baum, wird in den nächsten Tagen persönlich die Aussprache mit dem Reichsminister des Innern beginnen... Die neuen Regierungspräsidenien. Reubeiehung in potsvam. Breslau und Erfurt. Das preußische Staatsministerium hat folgende Ernennungen in Aussicht genommen: zum Regierungspräsidenten in Potsdam den Regierungspräsidenten Dr. Ja en icke in Breslau mit seinem Einverständnis: zum Regierung-präfidenten in Breslau den Präsidenten de» Ruhrsiedlungsverbandes Hopp: zum Regierungspräsidenten rn Erfurt den Vizepräsidenten des Oberpräsidiums in Magdeburg F r e y s« n g.. Da» Staatsministerium hat den Minister des Innern beauf». tragt, das nach der Derfofiung notwendige Einoernehmen dar Pro- oinziolausschüsse herbeizuführe». Warnung vor Artikel 45. Soli die österreichische ß 44-Wirtfchafi kopiert werden? Als der Habsburgische Absolutismus nach der schweren Niederlage von 1859, die die vereinigten Italiener und Fran- Svsen dem österreichischen Heer beigebracht hatten, eine Ver- fassung„gab", da behielt man sich in ihr ein N o t v e r o r d- nungsrecht vor. Der Z 13 dieser Verfasiung besagte, wenn zu einer Zeit, wo der Reichsrat nicht versammelt ist, sich die dringende Notwendigkeit gesetzgeberischen Eingreifens herausstellt, die Regierung das Erforderliche durch kaiserliche Verordnung regeln könne, vorbehaltlich der nachträglichen Genehmigung durch den Neichsrat. Der Wortlaut dieser Je- stimmung schien sich nur auf den Fall großer Katastrophen zu beziehen, bei denen man mit der staatlichen Hilfe nicht erst warten konnte, bis das Parlament einberufen sei und be- schlössen haben würde. Aber 1865 benutzte das Kabinett des Grafen B e l c r e d i diesen Berfasiungsparagraphen, um durch kaiserliche Verordnung— die ganze Verfassung zu„sistieren". Es mußte erst der Doppelkrieg von 1866 gegen Preußen und Italien und der Zusammenbruch von Königgrätz kommen, bevor man sich entschloß, den Völkern ihre Rechte wiederzugeben. Ungarn bekam seine Selbständig- keit wieder, die es 1849 verloren hatte, als russische Heere die 5)errschaft Habsburgs wieder aufrichteten, und Oesterreich erhielt wieder eine Verfassung. Aber auch diese Verfassung enthielt das so schnöde mißbrauchte Notverordnungsrecht, nur die Nummer war verändert: es war in dem berühmt gewordenen§ 14 enthalten. Als in den neunziger Iahren der Kampf der Nationen um den Staat, wie Karl Renner so treffend den inner- politischen Zustand Altösterreichs gekennzeichnet hat, im Reichsrat abwechselnd die Obstruktion der Deutschen und der Tschechen, später auch der Ukrainer, aufeinanderfolgen ließ und die Regierung die„Staatsnotwendigkeiten" nicht be- willigt bekam, da erinnerte man sich des§ 14. Man schickte das Parlament nach Hause» indem man es vertagte oder Noch lieber schloß, was den Nebenoorteil hatte, daß die Abgeordneten ihre Immunität verloren und sich daher in der Agitation zurückhatten muhten. Da aber der Reichsrat nicht versammelt war, erklärte man Steuererhöhungen. bald sogar den Staatshaushaltsplan und schließlich selbst das Rekrutenkontingent als unaufschiebbare Bedürfnisse und bewilligte sie sich selbst mit dem gefügigen 14. Das war natürlich glatter Verfassungs- bruch, denn es hatte sich ja nicht plötzlich die Notwendigkeit dieser Gesetze herausgestellt, man hatte sie vielmehr längst vorausgesehen, und es wäre Zeit genug gewesen, sie vom Parlament bewilligen zu lassen. Dazu wäre allerdings der Friedensschluß unter den Nationen erforderlich gewesen, und den Weg dazu hat schon 1909 die österreichische Sozialdemo- kratie aller Zungen gewiesen, indem st« die Umbildung des Staates in einen Nationalitäten-Bundesstaat forderte. Die Machthaber waren jedoch dazu ebensowenig geneigt wie die feudalen, klerikalen und bürgerlichen Nutznießer des Natio- nalitätenstreites, und so ging fast ohne Unterbrechung die Serie der Obstruktionskämpfe weiter. Immerhin erzeugte die Einführung des gleichen Wahlrechtes 1906 eine starke Besserung, jedoch folgte der Unterlassung der Staats- Umbildung in der Richtung der nationalen Selbstverwaltung bald. der. Rückfall. ."' Seinen Höhepunkt erreichte der chronische Verfassungs- bruch mit dem Kriege. Da man fürchtete» die Wiedereröffnung einer Tribüne der freien Rede würde der Kriegführung schaden, da man auch der Bewilligung der Kriegskreolle nicht sicher war, fo wurde derReichsratüberhauptnicht einberufen und die ganze Kriegsgesetzgebung mit dem§ 14 verordnet: Abschaffung der Preßfrciheit und der Geschworenengerichte, Unterstellung auch der Zivi- listen unter MUitärgerichtsbarkeit. kriegswirtschaftliche Maß- nahmen, Hinaufsetzung der Dienstpflichtgrenze— a l l e s m i t einem Federstrich auf Grund des§ 141 Mit Habsburg, mit der Monarchie ist auch das Werkzeug ihrer Gesetzgebung vermodert. Als nach wenigen Kriegsmonaten die Ernährung immer schwieriger wurde, hielt man dem k. k. Ministerpräsidenten vor, daß im verbündeten Deutschen Reich bereits wellgehende Rationierungsmaßnahmen getroffen, feien.„Wir k o p i e- r e n nicht!" war die hochnäsige Antwort. Erst viel später sah man sich dazu gezwungen, zu spät, um zu verhindern, daß der Hunger in Oesterreich noch viel schlimmer wütete als bei uns. Damals wollte Wien nicht Berlin kopieren. Und fünfzehn Jahre später sollte man in der Deutschen Republik die schwarzgelbe Unwirtschaft von damals kopieren wollen? Die Kluchi aus den Kollekiivwirtfchasten. Die Sowjetregierung verspricht den Zurückbleibenden goldene Berge. Stalins Angst vor der eigenen Courage hat unerwartete Folgen gezeitigt: seine Kampfansage an die Kollettwwirsschaftfmwtikcr, die Verordnung des Zentralkomitees der Russischen Kommunistischen Partei, die das gewaltsame Eingliedern in die Kollektivwirtschaften verbot, hat zur Massenflucht der Bauern aus der Kollektwwirtschaft geführt. Noch mehr: sie verlangen dieRückgabeihresJnven- tarsund desArbeitsviehs. So verwickelt sich die Lage von Tag zu Tag, die Soeojetregierung sieht sich vor der Vernichtung ihres mit so großen Opfern, ausgebauten Kollektivierungswerks. Das entstehende Chaos in den landwirtschaftlichen Vechöltnissen stellt die Saatkampagne endgültig in Frage. Um diefer Massenflucht Einhalt zu tun. hat dos Zentralkomitee der Russischen Kommunistischen Partei eineneueVerordnung erlassen, di« den in den Kolleltiowirtschaften zurückbleibenden Bauern die verschiedenartigsten V e rg ü nstu n g e n zu- sagt: Das Vieh soll auf zwei Jahr« von den Steuern bafre.it werden, auch die Gemüsegärten lösten Steuer- Vergünstigungen unterliegen, zwecks Hebung der materiellen Lage der Kollektivwirtschaften sollen die kollattivierten Bauern von einer Reih« von Abgaben befreit und rückständige Abgaben nicht«ingetrieben werden, die Kollektivwirt- schosten sollen für die Zahlungen für da» konfiszierte Kulaken- eigentum nichts zu entrichten haben, die Mitglieder der Kollektiv- wirtschaften sollen das Recht echalten, während der von den landwirtschaftlichen Arbesten freien Zeit anderen Beschästi- gngen nachzugehen und schließlich wird den Kollektivwirt. ichosten«in Kredit von 506 Millionen Rubel=' I Milliarde Mark, gewährt. Das letztere Ht besonders bedeutsam. Es zeigt, daß die Kollektivierung an den schon an«nd für sich ousgepooerten Staat neu« finanzielle Ansprüche stellt. Der Schützer semer Vorlage. stalr übrig, als die Ilnmtzg« keit eines F ü n f mächtepaktcs festzustellen. Dagegen hohen die Verhandlungen über den Dreimächtepakt weiter« Fortschritte gemacht Die beteiligten Mächt« haben nunmehr ihre Zustimmung dazu gegeben, daß dein japanischen Wunsch« nach einer Beschleunigung seiner Ersatzbautcn stattgegeben wird, wodurch ein wesentliches Hindernis für den Dreimächtepakt aus dem Weg« geräumt wurde. Der einzige Punkt, in dem noch ernste Meinungs- verfchiedeichetten herrschen, bezieht sich auf das beschränk!« Tran ss errecht von Tonnage zwischen den Zerstörern mtS Unterseebooten. Diese Schwierigkeit wird jedoch von nimiaich als unüherwindbar betrachtet Oer Aufschwung des„Oaily Herald�. Lieber eine Million täglich. London. 7. April.(Eigenbericht) Wie aus einer amtlich geprüften Ausstellung hervorgeht, hat der »Daily Herald", der bis zum 15 Märzj ein« Gesamtauflage von rund 500 000 Exemplaren besah, seit seiner Reorganisation«ine dauernde Auflage von über einer Million Cxem- plaren«rrncht. Dos Blatt der Arbeiterpartei ist damit inner- hoch ii Tagen zur d ki 1 1 g r ö.ß ten englischen Tageszeitung auf- gestiegen, eiy Vorgang, der in der Geschichte des englischen Zeitungs- wesens keinen. Präzendenzfall. besitzt.. � Thealet, Lichtspiele usw. j »"« uiir CÄSINÖ-THEATEH lothringer Strafe 3» 7_ Wieder ein nener Sdilagcr Der wahre Jakob StflrmUdier Heiter keil«-Ertolg Dun ein cntkL bunte« Programm Gutaenein für 1—4 Peisonen Fauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M« Sonsiiae Preise: Parkett u. Rana 0.5U M W>W Direktion; Dr. Hirtin 2lckn1 WWW Komische Oper tnetfrtdHrtr.m Herkar 1401/4330. Täglich 8V« ühr Majestät lässt bitten Muliik Von WalfcoT Eollö. 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Bergmann 2422/23 Täglich 8-6 Uhr fiesctiailmU Amerika -ustsptel von FVank und Hirgchfeld Residenz-Tbeatei Künstl. Leitung Gostoo Bticze Täglich 8-/- Uhr Sonntag 4 Uhr, Eisrieüe BanttaakB. Ulka Pr. TBaat. a. Raim.Tai 0% Kottb. Str. 6 < Tägl. S Uhr < Im«uchSonnr. QKSnactim.äU. fb Elite- In SSnger. r las sMasgi. Dilaigragraai» ml) 1 telUWea Quttnor Korl Wang er 00 «o�r-r--�4 ftl g1°° IIS HTB Sa™1"9*---- eooySQjL 5,--------—, 1)0°° �5 260�9. 302�495. cm 00 00 aBOorg® 300��59 ein 00 00 vTe O-hd, r-J H DAS —;— [ WWW ★ Garren* ».»«v Zantr. ttis kaaa«! tr.tall| Otto Reutier u-». iheaterL(I.Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 925-927 OtrekKoB Ralph Artbor Roberts 8-;. Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonn tag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr) GROSSES SCHAUePlELHAUS S Uhr: Rur noch 22 Torstellungen! 3 Musketier« Regie: ERIK CHARELL 3 Saaatag URB. ugak. Bant*r. Kleines Theat. 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Ein Freund der Kinder, überall dabei, überall im Wege und dodi ein mirhtigcr Bestandteil der Zirkusmanege. Er ist Artist und Komiker in einer Person und dies oft in hödister Vollendung, denn fast all die Größen komischer Artistik sind aus der Manege hcroor gegangen. Francois, oon dem hier die Rede sein soll, ist ein Altmeister zirzensisdicn Uumors, einer, der die halbe Welt bereiste, im Londoner Hippodrom und im Pariser Souoeau eirque, im ehemaligen Zirkus Busch, im Wiener Wurstclprater, bei Hagenbeck in Hamburg und auf Reisen, in Glasgow und in München, in Deutsdiland und in Italien, in Holland und in Spanien, das Publikum erheiterte und ergötzte. TOoreftcur Francois. mit fcinem bürgerlichen Namen Francesco Loparati, gastierte im vorigen Monat mit einem großen Rcisezir&is In Berlin. Am großen Wagenpark am Tempechoser Feld hotte auch Frangois sein Zelt ans geschlagen. In einem Wohnevogen hairste der kleine Wann, der ganze 1,l0 Meter mißt, mit Frau und Sohn.„Mein Mann ist niä)t zu Hause", empsängr mich Frau Francois- Leporati, die Gattin des kleinen Mannes, die diesen aber um einig« Kopflängen überragt; sie ist gerade mit Teppichklopsen beschäftigt und läßt mich gern einen Blick in ihr Miniaturheim tun. „Es ist zwar noch nicht ausgeräumt", sagt sie nach vormittäglicher Housfrauenort,„aber bitte!" Die hälft« eincs Wohnwagens dient den drei Menschen als wohn-. Schlaf- und Speiseraum: ein richtiges Puppenstübchen, in dem trotzdem alles Notweichige vorhanden ist. Zwei schlafmagenartig übereinander geschachtelt« Betten— wenn auch nicht ganz so komfortabel wie dies«—, Tisch, Stühle, Kochherd und Kleiderrechen. Auf dem Kochherd schmort schon etwas Mittag. liches— sogar ganz was Feines, ein Roastbeof—, am Fußboden steht ein großer Topf mit gewaschener Wäsche. Einen richtigen Hauz. hast führt die tüchtige Hausfrau, die bis vor mShrcbsn Jähren sechst Tänzerin im Zirkus war.- Mit mütterlichem Stolz zeigt mir die Frau die Photographien ihrer Heiden-Kinder� Der Junge ist 18 Jahre, dem Bater mie aus dem Gesicht geschnitten, auch so ein Liliputmann und wich Spaßmacher der Manege; die Tochter, 22 Jahr« oft, gerät wieder ganz nach der Mutter und ist Schneiderin in Hamburg. Francois sitzt in seiner Garderobe und liest Zeitung. Ein munterer, liebenswürdiger, kleiner Herr, keiner von den tod» ernsten Philosophen; er weiß viel und Interessantes ans seinem rerchbewegten Leben zu erzählen: 34 Lahre Spaßmacher. A4 Iahve ist er in seinem Beruf, den er als IZjähriger Ausreißer, ausgestattet mit Reisetasche und 2H0 Fronken Vermögen, ergriff. Bevor man sich noch die Gcfamtsmnm« seiner Lebensjahre errechnen kann, fällt er einem schon ins Wort: ,Aa. ja, ich bin 46 Jahre alt. ober dos sieht man mir doch nicht an, was?" Und wirNich, er sieht weit jünger aus Francois ist im italienischen Städtchen Pon- testura als Sohn ewes— Schusters geboren; er hat eben- falls das väterliche Handwerk geleritt. Ader die Schusterei hatte es ihm nicht angetan; da ichmerzte der Rücken und da brannte die Langeweile, draußen schien die schöne Sonne und man saß da festgenagelt vor seinem Bock. U:st> als eines schönen Tages wieder einmal «ine fahrende Jahrmarkts- truppe im Städtchen ihre Zelte aufschlug, da gesellt« sich der klein« Francois dazu. Zuerst hieß es ein paar Lehrjahre ab- salvieren, bei freier Station. und ohne Gage; höchstens gab es dann und wann, wenn man einmal besonders brav ge- arbeitet hatte, ein Taschengeld■ von einem oder zwei Franken. � Als ct dann so gewissermaßen dos Reifezeugnis in der Tasche hatte, sah«r sich nach einer besseren Arbeitsstätte um und kam zu «mein spanischen Zirkus. So führte ihn sein Weg im Laufe der llahrc durch gauz Europa. Francois beherrscht sieben Sprachen und kann sich mit seiner ganzen internottonalen Kollegenschaft ver- ständigen. Sogar«in paar indische Brocken hat er aufgeschnappt. Eben kommt ein Tscherkesse zur Türe herein und schon hat Francois ein Witzmart in dessen Sprache auf der Zunge. Francois ist mit Leib und Seele bei seinem Berus. Immer lustig, immer zu Spaßen aufgelegt, nicht nur draußen für's Geld, sondern auch hinter den Kulissen für sich und seine Kollegen. Das dankbarste Publikum sind die Spanier und Zlaliener, erzählt er; da wird die Clownerie noch richtig geschätzt, da hat man Verständnis für die Spaßmacher, während der Clown beispielsweise in Deutschland mehr als not- wendiges Hebel, als Füllsel des Programms, angesehen würde. Ucberhoupt ist er gerne in warmen Ländern, wo die Sonne heiß und kräftig scheint. Umd er kann es schon kaum er- warten, daß es Frühling wird. und daß es wieder auf Reisen.geht: schöne Wälder, blühende Wiesen, hübsch« Städte und viel, viel Sonne. Ganz schwärmerisch werden feine Augen, wenn er den Blick durch das winzig« Gorderobenfensterchcn noch dem Zipselchen Himmel sendet. Die Landstraße ist sein Element, er ist ein richtiger, ein echter Vagant aus der Sehnsucht seines Her.zens heraus, noch Freiheit, Natur, buntem Leben... Acht große und ein kleiner. „Ich bin überhaupt ganz aus der Art geschlagen", erzählt er weiter. Ach habe flcben Brüder und zwei Schwestern, olles groß«. starke Menschen, die alle irgendein ehrsames Handmerk erlernten. Schuster, Schneider, Bäcker. Aber trotzdem: gelernt ist gelernt und auch Francois besohlt heute noch für sich und seine Familie die Stiefel. In der Kriegs- und Inflationszeit war er ob dieses Talentes ein gar begehrter Mann. Francois hat natürlich auch einmal bessere Zeiten gesellen, er hott« in Paris eine Wohnung, er verlor in der Inflation seine mühsam ersparten 12 000 Mark, ober er ist des- wegen weder verbittert noch unzufrieden, immer zukunftsfroh und guter Dinge. Er liebt einen guten Bissen, bevorzugt dabei die heimatliche Küche, verschmäht aber deswegen keineswegs Pellkartoffsln mit Zhering. Von den Wiener Backhändln spricht er sogar mit einer stillen Verehrung. Im Sommer, draußen im Freien, ist er ein leidenschaftlicher Angler. Und so ist sein ganzer Mensch; von einer leichtbeschwingten Ausgeglichcnheit und einer ungebrochenen Lebens- lust. Jeder mag ihn gerne, er ist ein lieber, netter Kollege, der mit seinen Spähen sich und den anderen über manches Schwere hinweghilst. Neben ihm in der Garderobe sitzt ein junger, blonder Bayer, der auch ab und zu ein Wort in die Unterhaltung wirst und nobenbei einen Topf heißen Wassers in eine Blechflafch« füllt; donck klappt er einen Kistendeckel auf, unter dem ein Schlänglein haust und legt ihr die Wärmflasche fürsorglich an den scheckigen Schuppen- leib.„Arbeiten Sie mn Schlangen?" frage ich.„Ich nicht, aber meine Frau ist Schlcmgentänzerin."„Und was machen Sie?"„Ich bin Fakir, Feuersresser und Degenschlucker." Bei dem ebenso er staunten wie ungläubigen Blick des Fragestellers meint er lachend: „Ja, am Abend bin ich natürlich kohlschwarz!" Dann zieht er aus dem Koffer eine feingegerbtc Schlangenhaut hervor und fängt eben- falls an, zu schustern.„Das�ckälmeu�toir alle", belehrt er mich. Dann erzählt Francois von seiner Arbeit: wie immer wieder neue Trickse ausgedacht, geübt und ausprobiert werden, müssen, ob sie auch gesollen.„Ja, so eine gute Sache, wie der Ritt auf-de� Dackelpserd, die hat man nicht olle Tage. Da war ich bei Dusch berühmt damit geworden und olle Zeitungen schrieben über mich. Aber ich Hobe auch jetzt wieder eine gute Parodie am Pferd und dann den Spaß, wenn ich mich u Itter die große Mary, unsere Elefantendame, lege und sie über mich hinwogsteigt. Den ersten Abend war's mir darunter schon auch ein bißchen murmlig", meint er auf meine Frage, ob diese Position nicht reichlich unbehaglich war«,„ober solch Elefant ist ja so kolossal klug, der scharrt immer erst ganz vorsichtig mit den Hufen und sondiert, wo ich denn nun eigeittlich überhaupt bin". Francois liebt die Tiere und sie mögen Protokoll aufgenommen mit dem Unter suchungs gefangenen Torben Rist. „Sie haben sich selbst vorführen lassen, Herr Rist; was haben Sie mir mitzuteilen?" „Ich war ain 11. abends und nachts doch zu Hause. Frau Fredriksen hat die Wahrheit gesagt." ..Das heißt also, daß Sie gelogen haben." „Ja. „In Ihrer Lage ist das gefährlich. Ich warnte Sie schon leßtesmal Herr Rtst, und es freut mich, daß Sie«in Cm- sehen zeigen. Das wird wohl nicht Ihr« einzig« Lüge ge- wesen sein... Nun... „Na, denn nicht. Sagen Sie mal, Sie haben damals bei Frau Mette Fredriksen zu Abend gegessen, nicht wahr?" „Ja." „Was gabs denn da?" „Das weiß ich nicht mehr.." „So. das wissen Sie nicht mehr. Nach Ihrer heutigen Aussage hat also Frau Fredriksen die Wahrheit gesprochen. Fährmann Hansen hingegen gänzlich unmotinierterweise die Unwahrheit. Sie sichren zwar nicht mit dem Boot nach Sandrup, um einen Brief aufzugeben, dessen Adressaten Si« nicht nennen wollen, aber Sie wurden, wenn man Ihnen ' glauben soll, auch nicht im schwarzen Mantel von Hansen ubergesetzt. Da leugnen Sie wohl auch weiterhin, daß Fähr- mann Hansen Sie einmal mit der Ossipowna ungefähr um acht Uhr nach dem Festland übergesetzt hat?" „Nein, das leugne ich nicht mehr." „Interessant. Was wollten Sie denn mit der Ossipowna? Sic erinnern sich doch, daß das Mädchen einen Bademantel mithatte?" „Wir waren im Badehaus der Gräsin Aaresund." „Und wozu, zu welchem Zweck?" „Nur so zum Spaß. Fräulein Morislov schwamm ein« Viertelstunde. Mir war es zu kalt." „Sagen Sie mal, wo hatten Sie denn denn Schlüssel her?" „Den hatte Fräulein Morislov." „Und wo hatte sie ihn her?" „Das weiß ich nicht." „Jetzt passen Sie einmal gut auf, Herr Rist. Es gibt, wie die Polizei sofort noch der Explosion festgestellt bat."nur zwei Schlüssel zu dem komplizierten Tofcsche Schloß dieses kostbaren Badehauses. Den einen hat bis heute noch der Verwalter, der andere ist der Gräfin auf bisher ungeklärte Weise abhanden gekonimen. Wollen Sie behaupten, daß die Ossipowna sich in den Besitz dieses Schlüssels gesetzt hat?" „Nein, ganz gewiß nicht." .Fennen Sie vielleicht jemanden von der gräflichen Familie?" „Die Gräfin." „Woher?" „Ich traf sie bei einem Te« bei Frau Desius." „Und sonst nie?" „Doch. Ich ging einmal im Wald von Aaresund spa« zieren und da kam die Gräfin und nahm mich in ihrem Auto bis zur Fähre mit." „Haben Sie ihr vielleicht damals den Schlüssel ge- nommen?" „Nun. so reden Sie doch!" „Ich ertrage es nicht, daß man mich behandelt wie einen Dieb." „Eist Dieb ist nicht das ärgste, Torben Rist! Sehen Sie, ich bin ja nicht Ihr Büttel, ich bin ja nur ein Unterfuchungs- richter, dessen Aufgabe es ist. die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wieviel einfacher wäre es, wenn Sie sich aus- lprecben wollten. Aber Sie sagen ja. soweit Sie überhaupt C Reden zu bringen sind, jedesmal etwas andere». Warum neten Sie denn, mit der Ossipowna nach Aaaresund ge- fahren zu sein?" „Wenn man mich erst fragt, ob eine junge Dame mir nachgelaufen ist und in mich verliebt war, so spreche ich natürlich nicht gern davon, daß ich sie abends zum Baden begleitet habe." „Ach so, Sie wollten sie schonen?" „Die Ossipowna hat mir nie etwas zuleide getan, und ich habe keinen Grund, mich unritterlich gegen sie zu be- nehmen. Aber hier wird man ja zu allem, auch zum ärgsten gezwungen." „Nehmen Sie sich zusammen, Torben Rist. Sie sind zu keiner einzigen Aussage gezwungen worden. Oder hat Sie vielleicht jemand gezwungen, falsche Daten anzugeben? In Troinsö weiß man nichts von einem 18�7 geborenen Torben Rift. Was haben Sie dazu zu sagen?" Natürlick) nichts, das kannte ich mir ja denken, lieber das Blld mit der Unterschrift Maria haben Sie auch nichts zu erzählen?" „Nun, und was sagen Sie zu diesem Zettel? Ein Stück aus einem Brief der Ossipowna?" „Dann möchte ich Ihnen nur noch mitteilen, daß Fron Helen« Delius das blaue Band, das in Ihrem Schrank, ja- wohl in ihrem Schrank, Herr Rist, gefunden wurde, als di« Krawatte ihrer Nichte agnosziert hat. „Lachen Sie nicht! Dazu hoben Sie weiß Gott keine Ursache. Kgl. Amtsgericht Sändrup, 23. Juni 1929. gez. Torben Rist. H. G. Iakobsen.. Protokoll aufgenommen mit Fährmann Christian Hansen..(Der Zeuge suchte seihst um eine Einoernahme an.) „Gut, daß Sie kommen,.Herr Hansen, ich wallte Sie eben vorladen lassen—" .„Herr Richter, meine grauen Haare, ich bin unbe- schölten, nie Hab ich mir was zuschulden kommen lassen und jetzt diese Schande, auf meine grauen Haare—" , Mensch, wie reden Sie denn! Sie stinken ja schon auf «ine Meile nach Schnaps. Kommt man so zu Gericht? Ich werde Sie hinauswerfen lassen." „Herr Richter, verzeihen Sie, verzeihen Sie mir aller- untertänigst, aber ineine grauen Haare... diese Schande, das Mensch, das Luder, mein Kind... mein armes Kind; Sic müssen doch einsehen, Herr Richter, das Unglück... da trinkt einer leicht«ins über den Durst, das Kind, das Mädel—"(Fortsetzung folgt.) ihn und wenn er mit seinem Esel„Rigolo" in die Manege kommt, dann gidt's bei den Kindern stets«in Mordshallo. Und was wird später sein?„Später 1' fragt er ganz er» staunt. Darüber hat er scheinbar noch gar nicht nochgedacht.„Später lebt Francois von seinem Gelde", meint der Fakir vom Isarstrand! da huscht wohl zum ersten Male so ein ganz kleines wehmütiges Lächeln über das Gesicht des Kleinen: vielleicht denkt er an die 12000 Mark. Zill er er läßt sich nicht etwa von solcher Stinnnung unterkriegen, sondern spricht gleich von ganz was anderem. Arbeit hat er, auch für den kommenden Sommer, er ist jetzt schon vier Jahre bei Sarrasani, Direktion und Publikum mögen ihn gerne, was kann ihm schon passieren? Und wenn es erst Frühling wird und Sommer, dann wird es auch wieder wann, dann scheint die Sonne, dann blühen die Bäume und dann geht's heidi, wieder hinaus aus die weite, schöne, ewig neue Mutter Landstrahe... Kein billiges Fleisch mehr? Sozialdemokratische Rathausfraktion gegen Schieles Agrarprogramm. Die sozialdemokratische Stadtverordnetensraktion Hot solgenden Dringlich keiteantrag nn©iodtparfoinent eingebracht: 3n dem sehr reichhaltigen und weltgehenden Agrarprogramm des neuen RelchsernShrnngsmimsters Schiele wird u. a. die Forderung ausgestellt, den 8 t2 des Fleischbeschougesehes uneingeschränkt wiederherzustellen und die Verordnung über die zoll- freie Einfuhr von Gesriersleisch vom 30. März 192S außer Kraft zu sehen. Durch diese Maßnahmen wird der werktätigen De- völkerung Verlin»— vor allem der großen Masse der Erwerbslosen die Möglichkeit genommen, sich mit gulem und billigem Fleisch zu versorgen. Die S t a d t v e r. ordnetenversammlung beschließt daher: Der Magistrat wird ersuch», in geeigneter Weise gegen diese Maßnahmen ganz energisch Protest zu erheben und dafür zu sorgen, daß da» Kontingent de, zollsrelen Gefrier. fleische» der Bevölkerung erhallen bleibt. Einschränkung der Wohifahrts- Sparmaßnahmen. Dom Haushaltsausschuß der Stadtverordnetenver- jammluifg wurden heute folgend« sozialdemokratischen Antrag« zu den Sparmaßnahmen aus dem Gebiete der Wohlfahrtspflege angenommen: 1. In der Säuglingssürsorge kann der Satz von Liter Milch überschritten werden, wenn der leitende Arzt aus gejnndheitlichen und sozialen Gründen die Notwendigkeit anerkennt. Das Jugendamt ist von solchen Fällen in Kenntnis zu setzen. 2. In der Wöchnerinnen sürsorge sind Ziffer 8 und Ziffer 43 der Grundsätze der Stadt Berlin für die Wochensürsorge vom 17. Februar 1028 wieder herzustellen, d. h., a) das Be- zirtsjugendamt kann in besvnderen Fällen noch dem Grade der Hilfsbedürstigkeit Wochenfürsorge, insbesondere durch«inmatige Unterstützung, Wäsche usw. gewähren, wenn die Leistungen der Krankenkasse bei der Wochen- oder Familienhilfe wesentlich geringer sind als die Leistungen der Wochenfürsorge! b) bei Hilfe- bedürftigen Schwangeren, die Anspruch aus Familien- wochcnHilf« haben,„ruh in der fünften und sechsten Woche vor der Entbindung die Wochenfürsorge cintrrien, wenn die sonstigen Bor- oussetzungen gegeben sind. Zu den weiter vorliegenden Fragen saßt« der Ausschuß heute noch keine endgüliigen Beschlüsse. Die Borlagen über die Bürgschaft für den Vaterländischen Frauenoerein Bertin-Wilmersdors sowie für das Sanatorium Birkenwerder wurden vertagt, weil der Haushatisausschuß erst durch eine U n t e r k o m m i s s i o n das Sanatorium besichtigen lassen will. Ebenso wurde ein Unterausschuß eingeletzt, der die Frage der Errichtung eines Kindergartens und Hortgebäudes in Obcrfchönc weide prüfen soll. Verbrechen oder LtnfoN? Seltsamer Tod eines Neunzehnjährigen in Moabit. Gestern nachmittag wurde der lSjähnge Praktikant Günter Zunkuhn. der tm Hause Unionstrahe 3 in Moabit zur Untermiete wohnte, in seinem Zimmer erschossen aufgefunden. Da man mit einem verbrechen rechnen mußte, wurde die Mordkommission alarmiert. Die Beamten fanden den Toten langousgestreckt auf dem Fußboden. Durch einen Schuß in die Unke Brustfeite, der das Herz eetroften hatte, war der Tod eingetreten. Da Junkuhn ein lebens- lustiger junger Mann war, hielt man einen Selbstmord zunächst für ausgeschlossen. Hinzu kam das Fehlen der Wosf«, aus der die tödliche Kugel abgefeuert worden war. Die Pistole wurde später jedoch gesunden, sie lag miter dem Körper des Toten. Wie die Vernehmung der Wirtin ergeben hat, entdeckte sie die Tot kurz vor 15 Uhr, als sie von einem Ausgang heimkehrt« und das Zimmer ihres Mieters betreten wollte, um Ordnung zu schaffen. Nach dem Untersuchungsergebnis bleibt nur die Möglichkeit, daß Junkuhn aus noch völlig unbekannten Gründen selbst Hand an sich gelegt oder durch unvorsichtiges Hantieren mit dem Revolver den Tod gefunden hat. Ein Verbrechen scheint noch dem Befund nicht in Frage zu kommen. Di« Leiche wurde zur Obduktion ins Schauhaus gebracht. Schulstreik-Th�ater am Ende. Die konunuinstisch«» Schu Ist r ei kb eweg> m g, die in den letzte,: Tagen nur noch von einigen bis zur Blindheit oerhetzten, gänzlich einsichtslosen Eltern unterstützt wurde, ist nun völlig zusammen» gebrochen. Bei einer gestern von den Kommunisten einberufenen Versammlung rückten selbst die radikalsten Ellern von den Draht- ziehern ab und erklärten die ganze„Aktton" für sinnlos.— Es wird nunmehr auch in der 3 1. u n d 3 2. G e m e i n d e s ch u l e in der Rütliftraße wieder der geordnete Schillbetrieb auf- g«nom:>i«n werden. In der nächsten Stadtverordnetenver- s a m m l u n g am Donneretag wird voraussichtlich Stadtschulrat Ge- nosse N y d a h l ein« eingehende Darstellung des„Schulstreik»" geben und dabei die Hintergründe des kommunistischen Unfugs be- leuchten. Des Menschenr« Die abenteuerlichen Zährten vior dem Landgericht Hamburg erscheinen heute unter der Anklage de» TU e» s ch e n r a u b c» die Reeder p r e n z- l a u und Sramarski und der Kapitän Z i p p l i t. Es wird ihnen zur Lost gelegt, daß sie sich der Ossiziere und der Mannschaft des Dampfer»„Falke" mit List bemächtigt und sie in venezolanischen Krieg», und Schlsssdienst gebracht haben. Die Folge davon war die Verwundung eine» Deutschen, die Lebensgesährdung eines anderen. Die Anwendung des Menschenraubparagraphen <234 StGB.) steht in den Annalen der deutschen Rechtspflege vielleicht einzig da. Einzig ist auch der Fall des deutsch-venezolanischen Rebellen schisse»„Falke". Am IS. Kuli v. 3. stach vom polnischen Hafen Edingen der Dampfer„Falke" in See— mit einer Mannschaft, die von dem Ziel der Fahrt, von der Art der Schifseladung und dem Charakter der Passagiere keine Ahnung hatte. Saum befand man sich außerhalb europäischer Gewässer, als die Passagiere Uniformen anlegten, einer von ihnen. General del Gada, übernahm das Kommando über das Schiff, befehle die Funkstation, ließ die venezolanische Flagge hissen, richtete regelrechten Wachtdienst ein. nahm militärische Uebungen vor und hielt Paraden ab. Die Mannschaft forderte Aus- klärung. verlangte, daß man einen Hafen anfahre. Del Gada versprach doppelte Löhnung, eine Prämie und lohnende Anstellung in seinem Valerlande— nach erfolgreich durchgeführtem putsch gegen die bestehende Regierung. Am 7. August erreichte das Schiff die Insel B l a n q u I l l a vor der Küste Bsnezuela». Jetzt führten bereits beide Masten die venezo- ionische Flagge, dazu der Bug eine rote, das Heck eine deutsche Flagge. Das Schiff hielt bald an dein einen, bald an dem anderen Hasen. Venezolaner bestiege» den Dampfer, wurden verpflegt und bewaffnet, blieben teilweise da. Am lt. August wurde ein Teil der Mnlrosei, gezwungen, die Rebellen zum Hasen von Cumana zu rudern: es kam zum Gesucht mit den Regier»ngs- tr u p p cn, del Gada fiel! der deutsche Zvasfenmeistcr Zucol wurde verwundet,«in Matrose konnte nicht auss Schiff zurück und irrte monatelang unter Lebensgefahr im Lande herum. Die „Falke" lief unter Kommando des Kapitäns Zipplit enen eng. lischen Hofen an unld wurde hier beschlagnahmt. Hatten Prenzlaitz Kramarski und Zipplit gewußt, was der venezolanische General del Godo mit dem Dampfer„Falke" vorhatte? Fallen ihre Handlungen unter'den§ 234 StGB.? Das zu entscheiden, wird Ausgabe des Gerichts sein. Auf Menschenraub steht Zuchthaus! Prenztau und Kramarski sind Inhaber des Wassengeschäfts Prenzlou u. Co. Der erstere trat in Paris mit dem venezolanischen Staatsangehörigen R. del Gada Chalband in Verbindung, der an der Spitze einer Gruppe venezolanischer Revolutionär« durch ge- waltsamen Umsturz der Regierungsgewolt in seinem Voterlonde zu Vsm Torpedo zerrissen. Fünf englische Matrosen gelötet. Hongkong, 8. April. Auf dem englischen Zerstörer„Spay" ereignete sich ein schwere» Unglück, Indem bei Geschühübungen durch eine Frühzündung fünf Mann der Besatzung getötet und drei schwer verletzt wurden. Das Schiff selbst erlitt leichtere Beschädigungen. Di« Explosion ereignet« sich bei Marineübungen, als eine mit 400 Pfund hochgradigem Explosion? st off geladene Zylinder- artige Tromm«» unter Wasser abgeschossen wurde. Die Trommel explodierte vorzeitig. Zwei Mann der Bsdiemcrng wurden durch die Gewott der Explosion über Bord geworfen. Die verhältusmäßiz geringe Wirkung auf d«n Torpedobootszerslürer ist noch unaus- geklärt, da die Gewalt der Explosionsstoffe an sich ausgereicht hätte. um da» ganze Schiff In die Luft zu sprengen. Di«„Spoy" ist ein Zerstörer von 1075 Tonnen, der mit 53 Schwesterfchisfen der �-Klasse im Jahr« 1917 konstruiert wurde, 3<5 Knoten laust und ein« Bemannung von 08 Perjonen hat. Großfeuer in Leipzig. Dachstublbrand im Kühlhaus des Güterbahnhofes. Leipzig. S. April.(Eigenbericht.) Am Dienstag brach in Leipzig in dem der Reichsbahn gehörigen und vom Bankhaus kroch verwalielen k ü h l h a u», da» in der Röhe de» hauptbahnhose» liegt, ein Großseuer au». Do» in Eisenbeton hergestellte Gebäude war mit Fleisch, Eiern und anderen Rahrungsmitteln, sowie mit pelzen und Fellen gestillt. Die Feuerwehr arbeitete an der Brandstelle mit drei Löschzügen. Betriebs- arbeiter der Reichsbahn unterstlitzlea die Wehrleute. E» wurden auch anliegende Rachba.gebäude, Güterschuppen, Gctreideläger und Oeltemks bespritzt, um ein U e b e r g r e i f e n der Flammen zn verhindern. Der Dachsluhl de« Kühlhauses wurde zerstört, von den Vorräten ist aber nichts verbrann!. Zwei Feuerwehrleute erlitten durch Stichslamnien schwere Verletzungen. Die E n t st c h u n g s u r s a ch e de» Feuer» Ist noch nicht geklärt, hängt aber möglicherweise mit den Schweiß. arbeiten zusammen, die augenblicklich im Innern des Kühlgebäudes vorgenommen werden. Massenvergistung von Kindern. Genuß von'Zuckerwrrt die Ursache? Groschwitz(Kreis Freystadt), 8. April. Unter Symptomen schwerer Vergiftungen ist hier eine Anzahl von Kindern erkrankt. Zwei Kinder sind bereit» ge» st o r b e n, weiter« 20 bef inden sich in äußerst bsdenklichem Zu- stände. Die Stoatsanwaltfchost hat zusammen mit den Landjägern und dem Kreisarzt«ine Untersuchung der Angelegenheit ein- geleitet, wobei sich herausgestellt hat, daß die Bergifwngen höchstwahrscheinlich auf Blausäure oder Arsenik zurückzuführen sind. Die amtsärztliche Obduktion der Leiche eine» der oerstorbeneir »ubes angeklagt! des Rebetlenschiffes„Falke". gelangen beabsichtigte. Er schloß mit der Firma Prenztau u. Co. einen Vertrag, nach dem diese gegen Zahlung von l 500 000 Dollar zwei Expeditionen mit Waffen und Munition nach Venezuela ausrüsten sollke. Di« zweile und größer« Expedition hatte der ersten nachzufolgen. Die Firma charterte den Dampfer„Falke", während des Krieges ein Vermessungsschiff der Marine, von 1118 Bnttto-Register-Tonnen, mit 2200-l'L-Maschinen und 16 Knoten Schnelligkeit. Durch den Verband deutscher Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine saird sie den Kapitän Zipplit, auch die nötigen Offizier« und Mann- schasten wurden geheuert: der frühere Waffenmeister der Ham- burger Schutzpolizei. Franz Zu-al, wurde als Instrukteur ver- pfl/ichtet. Als Zweck der Fahrt wurde eine Filmexpedition an- gegeben, als Ziel Slidamenka. In Hamburg oerstaut« man in unauffälliger Weise 6 Kisten Kriegsmaterial. Am S.Iuli verließ der Dampfer Hamburg. Er lief den pol» irischen Hafen Edingen an, nahm hier eine Ladung von 50 Kisten mit 2000 Gewehren und 1000 Kisten mit Munition an Bord. Die Kisten trugen di« Aufschrift„Kriegsmunition" in französischer und polnischer Sprache: sie waren in vier Waggons Unter militärischer Begleitung eingetroffen. Ein Teil der Matrosen wurde unruhig, der Maschinist Koch verlies; das Schiff: der Kapitän erstattete gegen ihn bei der Homburger Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Desertion. Der Mannschaft wurde gesagt, die Ladung sei einwandfrei dekta- ricrt, der Besatzung könne nichts passieren. Vor der Abfahrt be- stiegen 20 Passagiere das Schiss, ließen sich in fröhlichster Stimmung photographieren, erweckten bei den Matrosen nickst den geringsten Verdacht. Diese wußten nicht, daß der Kapitän von seinem Reeder Order hatte, 12 Stunden nach Verlassen des Hafens einem der Passagiere, nämlich del Gada, sich selbst, Schiff und Mann- schoft als alleinigen Ä o m m o n d e u r zu unterstellen. Um der deutschen Kontrolle zu entgehen, vermied die„Falke" den Weg durch den Wilhelm-Kanal. Sie steuerte auf direktem Weg« nach Venezuela zu. Was weiter geschah, ist bereit? geschildert. Kapitän Zipplit tat alles, um die Mannschaft den, General dtll Gada ge- fügig zu machen. Cr ließ sich aus die venezolanische Flagge ver- eidigen. Die bewaffneten Venezolaner hieltel» sich bereit, nötigen- falls Gewalt anzuwenden. Als im August vorigen Jahres ameri- konische Blätter mcldet.m, daß Rebellen in Venezuela durch einen deutschen Dampfer unterstützt worden seien, glaubte man, es mit einer Ente zu tun zu haben. Di« Nachricht sollte sich aber bald bestätigen. Dies der Sachverhalt. Als Zeugen sind zur Verhandlung Osti» ziere und Mannschaft der„Falke" geladen.— Im ganzen 26 Per- fönen. Der Prozeß dürfte mindestens eine Woche dauern. Kinder hat auf diese Spur hingelenkt.— Aus welche Weise die Kinder zu dem Gift gekommen sind, ist indessen rätselhaft. Die Untersuchungsbehörden vermuten, daß die Kinder O st« r c i e r oder anderes Zuckerwerk genosien haben, �das gischaltiz war. Doch Hai die Untersuchung nach dieser Richtung hin nöch kein Ergebnis ge- zeitigt. Der Bevölkerung hat sich eine stark? Aufregung berncichtsgU die Schule wurde auf drei Wochen geschlossen. Aeuester Börsenkniff. Wie sich ein pariser Matter helfen wollte. Pari», 8. April.(Eigenbericht.) Ein verwegener R a ub ii b c r f a l l, der vor einigen Tagen mitten während der Börsensitzung auf einen Pariser Börsenmakler verübe worden war, hat sich jetzt als Schwindel herausgestellt. Der UeberfaHem, der bei B ölf enf p e kulati an« n große Smnmen verloren hatte, hatte den Ueber- fall fingiert, um sich au« seinen Verlusten herauszuhelfen. Er legte am Dienstag vor der Polizei ein umsossendcs Geständnis ab und brachte die angeblich geraubte Geldsumme von 75 000 Franken aus einem Versteck hinter der Zenkralheizungsanlagc in seinem Büro wieder zun, Vorschein._ Viel Geschrei und wenig Demonstranten. Mit riesengroßen Artikeln hatte die Kommunistische Partei für Dienstag abend zu einer Straßenkundgebung aus dem B ü l o w p l a tz ausgerufen. Der Besuch dieser Leran- staltung war kläglich. Am Bülowplatz sammelten sich aus ganz Berlin höchstens 1300 Demonstranten. Die Mehrzahl davon waren Kinder, die wohl nach ihren letzten„erfolgreichen" Aktionen die neue Linie der Partei mitbestimmen. Zu einem Zuge formiert marschierten die Kommunisten bis zum Wörther Platz und lösten dort den Zug auf. Bor der Städtischen Berufsschule in der Franken- straße in S ch ö n e b e r g inszenierten einig« kommunistische Rowdys einen U ebersall aus vermutlich nationaisozialistische Berufsschüler. Als das alarmierte Ueberfollkoimnando herbeieilte, waren die Helden bereits verschwunden. vordertlircn der Straßenbahnwagen noch geschlossen. Mit uns hat der größte Teil der Bettiner Presse kürzlich mitgeteilt, daß die Bordertiiren der Straßenbahnwagen ab 10. April geöffnet wer- den sollten. Jetzt teilt die BVG. plötzlich mit, daß die Auisichts- behörde erst einen späteren Tennin in Aussicht genoininen hat. Die„Sozialistische Bildung" im Berliner Rundfunk. Im Rahmvn.'er Vo:t?aae'.e che Das Gesicht der Zeflschrfft"»p.. am heutigen Mittwoch die Genossen Alexander Stein»nd Kort Schröder im Berliner Rundfunk um 18.20 Uhr über die „S o z t a l i st i s ch e Bildung". Sprechchor für Proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 10. April, abends 7H Uhr, im Gesangssaal der Sophienfchule, Wein- meisterstr. 16/ 17, Uebungsstunde. Bei nervösen Störungen, Erregungsiujt&aden. unruhigem Schlaf, Schlaflosigkeit hilft Ihnen ßaldrament Reichel, die natürliche NervenmedUin. Fl. M. 1.50 u. 2.50. tn Drogerlen und Apotheken, »ontt durch Otto Reichel, Berlin 43 SO, Eisenhahnstrafee 4. Weiße Zähne machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahnpasta erzielen Sie einen wundervollen Elfenbeinglanz der Zähne, auch an den Seitenflächen, bei gleichzeiiiger Benutzung der dafür eigens konstruierten Chlorodont• Zahnbürste mit gezahntem Borstenedihltt. 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Di« Kläger behaupten nun, daß unter diesen Umständen es nicht mog- lich gewesen sei, an den Safe heranzukoinmen. Demgegenüber wurde von Oppenheimer und Frau Blaustein, dem Arzt Dr. Menger uitd auch von Rechtsanwalt Dr. Schwersinz bekundet, daß sich der Safe so weit Hobe öffnen lassen, daß man hineinfassen und das Testament herausnehmen konnte. Auf Antrag der Reichsbeistände der Beklagten hat heute das Landgericht I beschlossen, in Kürze einen neuen Lokaltermin im Sterbehaus anzuberaumen, um nachmals die Berhältnisse nachzuprüfen, nachdem die beklagten Erben den Schrank wieder so hatten aufstellen lassen, wie er nach den Abdrücken auf dem Fußboden gestanden hat. Es find der Haus- Verwalter Loeskes sowie die Aufwärterin, die 10 Jahre bei Loeske tätig war, als Zeugen geladen worden, die bekunden sollen, daß der Schrank immer so gestanden hat, wie das Gericht es fest- gestellt hat. Auch der Tischler, der seinerzeit den Schrank im Sterbe- zimmcr vor mchr als ll> Jahren aufgestellt hatte, ist von den An- tragstcllcrn als Zeuge geladen worden. OerwichtigsteZeuge imKutzbach-prozeß Er hat Kuhbach mit Hammermeistkr gesehen. Nachdem bereits l?0 Zeugen Im Prozeß gegen den Ar- bciter Walter Kuhbach, der wegen Raubmordes vor dem polsdamrr Schwurgericht angeklagt ist, vernommen werden sind, ist gestern der wichtigst« Zeuge vernommen. E, ist der Sojährigc Transportarbeiter Bruno Einecker au» Potsdam, der zur Zeit der Tot. als der Kassenbotc hommermeister ermordet wurde, auf dem Feuer- wchrdepot in Potsdam beschäftigt war. Als dieser Zeug« vernommen wird, ist der Andrang so groß. daß der Borschende den Zuhörerraum räumen läßt. Einecker ist der eiiyige Mensch, der Kußbach und Hammermeister am Mordtag« zufammengesehen bot. Am 27. Februar 1927, kurz vor 10 Uhr, kam der Angeklagte Kutzbach mit einem jungen Manne aus der Richtung Französische Straße am Feuerwehrdepot vorbei. Beide trugen Aktentaschen, Hammermeister jedoch keine Dienstmütze. An- scheinend hatte Kutzbach dem Hammermeister verboten, in der Stadt und auf dem Weg noch dem Tatort die Dienstmütze auszusetzen. Diese Mütze, die am Tatort gefunden wurde, ist wohl beim Ringen dem Hammermeister ans der Aktentasche gefallen, in der er die Mütze versteckt datte. Die beiden jungen Leu c gingen in der Rich. tung zur Nauener Straße. Bisher hatte Kutzbach immer behauptet, das�/Ununermeistrr:ihii an. der Lowenoilla bes. Sanssouci an- gesxiBchdn habe. Nun stellt sich chrraus, daß auch diese Angaben Äützbachs Lügen sind.■< Daraus begab sich das Potsdamer Schwurgericht in die P>.ih- nung des Zeugen Einecker, um dessen schwerkranke Frau zu ver- nehmen. Sie hat den Kutzbach bereits kurz nach 11 Uhr aus der Richtung Sanssouci-Derg heruirierkoir.men sehen. Da war die Tat schon geschehen. Aus Furcht vor der Brutalität Kutzbachs haben sowohl Frau Einecker als auch ihr Mann bisher geschwiegen. Der Kriniinalbezirksselretär Smcttons aus Berlin hat das Verdienst, diese Zeugen crinittelt zu haben. Die vierte Geheimdruckerei. Erfolgreicher Kampf gegen kommunistische Zersehong. Im Zusammenhang mit der Polizeiaktion gegen die k o m m u- nistische Zersetzungsarbeit in der Polizei und Reichswehr ist e» der Abteilung l A des Berliner Polizeipräsidiums im Anschluß an die Berhastung des Schriftstellers E r n st Friedrich am gestrigen Dienstag gelungen, ln Berlin eine weitere kommunistische Geheimdruckerei auszuheben und ihren Leiter festzunehmen. Es handelt sich dabei nun schon um die vierte Druckerei linksradikalor Zersetzungsschritten, die in der letzten Zeit entdeckt worden ist. Die überraschend in den Betrieb eindringenden Kriminal- beamten fanden, soweit bis jetzt feststeht, ein außerordentlich um- fangrciches Material verbotener Schriften und sonstiger Schriftstücke. deren Sichtung noch nicht beendet ist. Da die ganze Angelegenheit weitere Kreise zieht, wird im Interesse der ilntcrsuchung über den Ort der Haussuchung und die Person des Verhafteten noch nichts Näheres mitgeteilt. Gleichzeitig sind Beamte der Abteilung I A auch ins Reich entsandt worden, damit dort aus Grund der durch die Berliner Ermittlungen festgestellten Verbindungen zu anderen kommunistischenGeheimdruckereien außerhalb Berlins weitere Aktionen duxchgssührt werden können. Im Laufe des heutigen Mittwochs dürften über den Erfolg der polizeilichen Maßnahmen gegen die kommunistische Zersetzungsarbeit nähere Einzelheiten bekannt werden. Die Ferlen-KinderfonSerzüge Das Landcsjugendamt macht darauf aufmerksam, daß es auch in diesem Jahre wieder möglich ist, erholungs- und hilfs- bedürftigen Kindern, die während der Sommerferien zur Erholung reisen sollen. Fahrpreisermäßigung zu gewähren. Die Ferien-Kindersonderzüge verkehren von Berlin aus nach fast allen Gegenden Deutschlands. Da die noch den gleichen Richtungen fahrenden Kinder zu Sammeltransporten zu- sammengcschlossen werden müssen, ist es notwendig, bereits jetzt— spätestens aber bis zum 20. Mai d. I.— die A n m e l d u n g bei dem für die Wohnung der Eltern bzw. Angehörigen zuständigen Bezirksjugendamt, Abt. Crholungspslege. zu bewirken. Dort werden auch olle werteren Auskünfte über Voraussetzungen sür Erholungs» und Hilfebedürftigkeit, schulärztliche Untersuchung, ermäßigten Fahr» preis. Reisewig. Zielstation, Hin- und Rückreisetag usw. bereitwilligst erteilt._____ Da» Dolk»bildung»aml Prenzlauer Berg veranstaltet am Freitag, dem 11 April, abends 8 Uhr, in der Aula der Köntgstädtifchen Ober- realschule. Pasteurftr. 44/46, einen Liederabend. Mitwirkend« sind die Konzertsäisgerin Charlotte Jäckel und die Pianlstin Helene Dorne r. Empfindliche Leute. Wenn ein Kommunist eine Schramme bekommt, klagt er. Der sozialdemokratische Sladtrot hehschold, Gauleiter des Rahnmgsmiltel- und Gelränkearbeiterverbandes, hatte sich am Dienstag vor dem Schöfscngerichk Berlin-Tempelhos wegen angeblicher gemeinschaftlicher gefährlicher Körper- Verletzung, begangen vermittels gefährlicher Werkzeuge, zu verantworten. Um es gleich vorwegzunehmen: die gegenstandslose Anklage, vertreten vom Kommunisten Koch als Verlehlen und Nebenkläger, wurde vom Gericht mit einer glatten Freisprechung qulllierl. Die Beschuldigung war nichts mehr als ein Racheakt gegen den bei den Kommunisten so ver- haßten Genossen hehschold. Genosse Hehschold schilderte als Angeklagter in objektiver Weife den Verlauf der Dinge.— Der Freidenkerbund hatte im September eine Reih« Werbcoerfammiimgen veranstaltet. Das war für die kommuniftifchen Spalter natürlich Grund genug, eine großangelegte Sprengaktion zu inszenieren. Die Versammlung in Moabit am 17. September komtte tatsächlich nicht zu End« geführt wenden. In der Aersamm- lung am 10. September in den Kannnersälen waren deshalb um- fangreiche Vorkehrnugen getroffen, um den ruhigen Verlauf zu sichern. Der Dorfitzeirde erklärte von vornherein, daß jeder Sprengungsversuch im Keim erstickt werden würde. Mit seiner Warnung hatte er allzu recht. Unter dem Schutze der Dunkelheit— die Beleuchtung war während der einleitenden Revue gelöscht—, hatte sich eine Gruppe j» n g c r K o m m u n i st e n in nicht miß- zuvcrstehenden Absichten eingefunden. Als der Redner bei wieder erhelltem Saal u. o. den Umstand geißelte, daß der Staat den Reli- gionsgemeinfchastcn noch immer 80 M i l l i o n c n M a r k zukommen lasse, rief der al» Radaubruder gut bekannte Kommunist Lange„Mit Hilfe der SPD.". Die Ordner, die darin die Einleitung zur Sprcngungsaktion erblickten, beförderten ihn geräuschlos an die Luft. Als man ihm dann gestattete, den Saal noch einmal hu betreten. damit ep feine Mütze hol«, flüsterte er seinen Gesinnungsgenossen etwas zu und schrie am Ausgang„Rot Front läßt sich nicht ver- Nichten". Das war das Signal zum Tumult. Ein junges Mädchen leistete darin Besonderes. Don dem Genossen Hetzschold, der die Oberaufsicht im Saale hotte, zur Rede gestellt, beschimpfte sie diesen. Als er sie am Aennel berührte, hob der am gleichen Tisch sitzende Kommunist Koch, der vor einem Jahr aus dem Freidenkevbund ausgeschlossen worden war, sein Bierglas gegen Genossen Hetzschold. Man fiel Koch in den Arm, es entstand ein Knäuel, Koch wurde mit Gewalt aus dem Saal gebracht:«r blutete im Gesicht. Von einem der Ordner befragt:„Wer hat Dich ge- schlagen?" sagte er: „Wie soll ich wissen, wer mich geschlagen hol." Trotzdem erstattet« er Anzeige gegen den Genossen Hetzschold als den, der ihn geschlagen haben sollte! Die kommunistischen Zeugen, darunter der oben er- wähnt« Lange, der während dieses Vorfalles überhaupt nicht im Saale war, glaubten bestätigen zu können, daß Hetzschold der Schläger gewesen sei. Sämtliche übrigen Zeugen bekundeten jedoch einmütig unter ihrem Cid, daß hehschold während diese» Tumult» von dem jungen Kommunisten an die Wand gedrängt, mit den Händen aus dem Rücken dagestanden habe. Der Staatsanwalt beantragte Frei- s p r u ch, das Gericht— wie eingangs bereits erwähnt— entschied gemäß diesem Antrage. Eigentümlich, wie empfindlich unter Umständen die Kommu- nisten sein können. Sie selbst scheuen nicht, bei Auseinander- sctzungcn mit ihren politischen Gegnern, vor schlimmsten Gewalt- aktcn zurück. Erhält ober von den Ihren bei einer Gelegenheit wie dieser eine Abreibung, so laufen sie sofort zum Kadi. Hätte man sie nicht auf den Weg der P ri v a t k l a g e verweisen sollen? Tvas öer Bär? // VIDI' TOACK AUF DER mi/ff/ili/A. OLVMPIA8AHN WMGK & ickjSÄ Z. S5 •;*y, ■rfS,- "JfJ 0 fwä» Im Brennpunkl desMeresses dller Motorrad freunde steht Jetzi ctas.IDiri Track", Dieser neue Sp ort, der A usserord entlich es an Mut und Gewand heil verlangt, muß aber erst jene Begeisterung gewinnen, deren sich schon lange erfreut: «foselfi cf leao Berlins meist gerauchte 4$ Cigare/ie Verschärftes Gtickstoffmonopol. Linier der Oikiatur des Karbenirusts. Die seit«urigen Wochen gcfichrten Bsr'xuMmigcn Wer!>>e Vcr- Srrgerung innb Erweiterung des Stickstoffs qnditats HWe» zu einein Ergebnis geführt. n«t dem die I. G. Farbenindustrie als machtigste Gruppe zweifellos zu frieden fein wind: erstens wird der Pakt so erweitert, daß die gesamte deutsche Stickstoffproduktion zu 97 bis 98 Proz. erfaßt wird: zweitens erhält die S. G. Forben- induftrie eine Quote von rund drei Vierteln der(Svsanrtmeng«. Das erste deutsche Stickstoffsyndilot entstand 1919 und hotte drei Beteiligt«: 1. 2- G. Farbenindustrie(damals Bodifche Ainlin« und Soda- fadrik), 2. Bayerische Stickstosfwcrk«(Kaltstickswsfgnippe), 3. Deutsche Amenoniatverkaussvereinigung(Zechenonunonial). Dieses Syndikat lief Ende 1929 ob, wurde ober unter Hinzu- nähme neuer Stickstoffgruppen(Zeche nun ternehmungen) provisorisch verlängert. Diese neuen Gruppen sind bis auf zwei Unter- nehmen Mitglieder des neuen Syndikats. Die Stickstoffindustri« hat in den letzten beiden Jahrzehnten ein« gewaltige Zlufsckiwvllgsperiode hinter sich. Die deutsch« Produktion betrug 1913 etwa 121 990 Ton« nen. 1928 etwa 799 999 und 1929 899 999 bis 999 999 Tonnen. Die gegenwärtige Prod-Mionsenöglichkeit in deutschen Anlagen liegt auf über 1 Million Tonnen. Hauptobnehmer des Stickstoffs ist die Landwirtschaft, die ihren Berbrauch seit 1914 von 18.Z999 aus 423 999 Toimen steigerte. Insgesamt setzte das Stickstoffsyndikat »n Düngesahr 1928/29 663 000 Tonnen Reinstickstoff ab, die eurem Wert von 699 bis 639 Millionen Mark entsprechen. Hierzu kommen noch die Weferungen für technische Zweck«(in Form von Salrmokgcist, Salpetersäure, Annnonitrat usw.), die bisher vom Syndikat nicht ersaßt worden sind. Auch dies« Erzeugnisse werden künftig ausschließlich durch das Syndikat verkauft werden: die Quoten hierfür sind nicht bekannt, wohl aber diejenigen für die Stickstosslieserung zu Dllngezwecken. die ja den bei weitem größten Teil der Gesamtverkäufe ausmachen. Das neue Syndikot sieht für 1939/31 folgendermaßen ans: Grupve» bzw. Sesellschastm gShrNch« Su«t« m I. 3.® Farbenkonzexn: R°wstickst-ff 1. I.® Farbenindustrie selbst...». 7S9 999 2. Norsk Hydra(norweg. Beteüiaung)... 99 999 3. A. G. f. Etickstoff-Dünger A-G. in Knop- sack(Kalkstickstosf)-......... 22500 II. Deutsche Ammoniakverkaufsvereinigung(Zechen- gruppe): 1. Synthetische Stickstoffgruppe...... 110 090 2 Ammoniaterzeugung der deutschen Kokereien 99 999 III Bayerische Stickstoffwerke A-G....... 90 000 IV. Kokswerke und chemisch« Fabriken A.-G... 6999 V. Wirtschastk. Bereinigung deutscher Gaswerk«. 6 999 Zusammen 1164 599 Da der A-usdau der synthetischen Gruppen im Ruhrrevier noch nicht vollendet ist. wird sich ihr Anteil und damit auch die Gesamtmenge bis 1933 mn weitere 50 999 auf insgesamt 1214509 Tonnen erhöhen. Es ist nach der bisherigen Entwickle w; klar, daß diese großen Mengen nicht abgesetzt werden könueiu Die Quoten werden somit vorläufig nicht I99proz«ntig ausgenutzt werden können, sondern nur zu einem Teil. Em Teil der Anlogen wird somit stillstehen, ober di« Preise werde« stabil bleiben. Alle Hoffnungen der Landwirtschaft auf einen schärferen Preisrückgong infolge de? Konkurrenz der Ruhrzechen und des verstärkten internationalen Wettbewerbs sind nunmehr endgültig zerschlagen. Bemerkenswert ist die Eiitbezielmng der norwegischen Gesell- schast Norf? Hydro, die van der I. G. Farben kontrolliert wird, in das deutsche Syndikot: dies ist ein Austakt für ein« Verengung des internationalen Stickstvffölocks, dem bisher dos deutsche Stickstoffsyndikot, die Norsk Hydro, der englische Che.nietruft (Imperial Chemical Industries) und die chilenische Salpeterindustric angehörte: es ist anzunehmen, daß die bisherigen Abinochungen. die die Preisfestsetzung und di« Produktionshöhe betreffen, erweitert »erden und daß sich die belgischen und französischen Stickstoffgesellschaften ihnen achchiießen. Die übrigen Länder unter Einfluß Amerikas, die etwa nur 25 Proz. der Weltproduktiim ton- trollieren, kommen fast ausschließlich nur zur Belieferung ihrer eigenen Märkte in Frag«. So ist denn in jeder Hinsicht ein weitreichendes nationale» und internationales Monopol eratswnden, dos kaum noch durchbrochen werden wird. Di« kleinen deutschen Außen- s e i t e r, die 2 bis 3 Proz. der deutschen Produktion ausmachen (Kläckner-Wüttersholl und Zeche Ewald), werden keinen Kampf gegen dos Syndikat aufnehmen, sondern sich ihrerseits stillschweigend an di« Syndikotsobinachungen halten. Schweigsames Reichskuraion'um. Am Mittwoch fand eine ordentlich« Mitgliederoer« sammlung des Reichskurato riums für Wirt- fchaftlichkeit swtt, in der der neue Leiter Schoeser«inen Bericht über die Arbeiten der dun Reichskurotornan angeschlossenen Ausschüsse einschließlich der Gruppe �lauswirtschoft und die Bildung des Ausschusses für international« Ratwnolisieruingssvag«! bevn Raichskurotorüm» gab. Roch einem vom Reichsturotorimn verbreiteten ÄNenmuniquä stellte Schaefer fest,«daß neben der Ge° meinschaftsarbeit auf dem Gebiete der technischen Ratio nolistemng die Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet« der wirtschaftlichen Ber- ivaLung an Bedeutung gewonnen habe. Das Reichskuratormin werd« vor ollem auch die branchemnäßigen Letriebsunternehmungen fördern und bestrebt sein, im Bereiche des Faktors Mensch in der Rationalisier ungSbewegung als objektive Stelle zur Lösung kmt- kreier Ausgaben zu gelangen". Es ist bedauerlich, daß das Rachsdrrotorunn kein« Weg gesunden hat, die Presse zu den Erörterungen hinzuzuziehen. Wahr- scheinlich will man unter der neuen Leitung noch schweigsamer werden als bisher, was das Reichskuratvrmm wohl kaum vcr- tragen kann. Hannoversche Nodenkredit-Nank. Ergänzungen des Avfsichtsrats- Weiterer Aufstieg. Die am 7. April in Hildesheim abgehaltene ordentlich« General- Versammlung der Hannoverschen Bodenkreditbank, in der 3 548 199 Mark Aktien mit 5914 Stimmen vertreten waren, genehmigte di« vorgelegt« Bilanz nebst Gewinn- und Dcrliistrechwmg für 1929 und beschloß, entsprechend den Borschlägen der Derwoltung wie in den Porjahren die Bertoilung einer Dividende von 12 Proz. Im ob- gelaufenen Geschäftsjahr wandte sich die der Arbeiterbank>w bestehen de Bank weiter in verstärktem Umfange der Förderung des Kleinwohnungsbaues durch Hergab« von Koinmunaldar- lohen an Kommunalnerbände zu Wohnungsbauzwecken und Her- gäbe von ersten Hypotheken für Neubauton zu. Der prozentuale Zu- wachs des Umlaufs an Pfandbriefen und kommunalen Schuldverschreibungen beträgt 16,7 Proz., d. i. wie im Vorjahre der größte prozentuale Zuwachs bei sämtlichen Hypo- thekenbanten. Die wrnusgemäß ausscheidenden Ausstchtsrotsmitglieder Herren Bofntter Willy Tüeyfus-Berlin und Reichstaqsobgeordneter Siegfried Au fh äu ser- Berlin wurden wiedergewählt. Nengewählt wur- den Präsident' Otto Klepper von der Preußischen Zentralgcnossen- schastskasse, Dr. Härtung vom Bankhaus Hardy u. Co. G. m. b. H-, Dr. Fritz D a vid s o n« Sch m i e d e r- Berlin, Bank der Arbeiter, AngestMen und Beamten A.-G., und Friedrich Husemann, Reichstagsabgeordneter, Bochuin. Nach Mitteilung des Vorstandes hat sich das Geschäft im neuen Jahre recht zufriedenstellend entwickelt. Der Psandbriefabsotz ist besonders im Monat März sehr lebhaft ge- wesen._ Verliner Konsum im März. Vle SSV. hat mehr als 200000 Mitglieder und versorgt '/« Millionen Menschen. Zm Monat März überschritt die Aovjumgenosseaschast Berlin »U 29319» Mitgliedern als erster deutscher Konsumverein da» zweite hunderttausend der Mitgliedschaft. Da fast ausnahmslos hinter jedem Mitglied ein« Familie steht, verkörpern die 200 000 Mitglieder sicher ein« Zahl von% Millionen Verbrauchenden. Zur Ausnahme gelangten 2799 Haushaltungen: weiter wurden in die Mitgliederliste«ingerecht 493 Mitglieder des Konsumvereins für Werneuchen, der am 1. Januar 1939 in der Konsumgenossenschaft Berlin ausging. Innerhalb der drei ersten Vierteljahre des laufenden Geschäftsjahres(Juli 1929 bis März 1939) wurden 32123 Auf- nahmen vollzogen. Der Fortschritt der Umsätze wurde von den tristen wrrt. ichastlichen Verhältnissen stark beeinflußt. Der Märzmnsotz betrug 7 984 267 Mark: dein gteichcn Monat des Vorjahres gegenüber ergibt sich eine Steigerimg um 157 291 Mark= 2,2 Proz. Zu berücksichtigen ist bei Beurteiw.ng der mäßigen U-msatzerhöhung der Umstand, daß das Osterfest mit seinem erhöhten Waren« bedarf nicht wie im Vorsohr«, in den Monat März, sondern in die zweit«.Hälft« des April fällt: außerdem macht sich der Preisfall einer Reih« wichtiger Lebensmittel bemerkbar. Di« Gruppe der Fleischabgab« stellen konnte chren Umsatz um 4 8 Proz. erhöhen, ein« Folge der starken Vermehrung der Zahl der Fleischabgabestellen. Di« Eittwicklung der konsumgenosicns cha ch ichen Sparkasse zeigt kein« Beeinträchttgimg durch die Wirffäxfftskrise: die Ein- zahtungen überstiegen die Auszahlungen um 1 963 244 Mark, wodurch ein Einlogebestand von 44 666 914 Mark erreicht wurde. Durch Gutschrift der Rückvergütung für das Geschäftsjahr 1928/29 auf die Geschäftsanteilkonten jener Mitglieder, die den Betrog des Geschäft so nteils von 60 Mark noch nicht voll eingezahlt oder angesammelt haben, erfuhr dos durch die Geschäfts- guthaben gebildete Eigenkapital eine wesentlich« Stärkung. Die Summe von 4 922594 Mark, die in der Bilanz vom 39. Juni 1929 als Geschäftsgirthabenkonto erscheint, stieg um mehr als 1 Mil- lion Mark auf 5 294 523 Mark. Indien bestellt rollendes Material in Deutschland. Indien, dos vor dem Krieg« und auch noch in den ersten fünf Iahren nach dem Kriege durch den Druck der englischen Regierung gezwungen war, das"Absatzmonopol Großbritanniens anzuerkennen, geht jetzt zusehends dazu übe?, seinen Maschinen» und Stahlbedarf in freier Konkurrenz zu kaufen Unter diesen neuen Verbältnissen ist«s der deutschen Industrie in letzter Zeit mehrfach gelungen, größere Aufträge für rollendes Material aus Britisch-Jn- dien zu erhalten. So hoben Schwor tzkopsf und die Hano- mag erst kürzlich zwei größere Lokomotivaufträge für die indischen Staatsbahnen erhallen, und jetzt wird bekannt, daß der Krupp- Konzern in Essen eine größer« Vestellung auf Achsen und Rad- satze und Henschel u. Sohn in Kassel einen Auftrag über 17 Lokomotwkessel erhallen haben. 19 Proz. Dividend« bei Gesfürel.Coeive. Die jetzt fusionierten Ludwig Loewe A.-G. und Gesellschaft für elektrische Unternehnrungen Berlin wollen ihrer Generaloerfammlüng für das dividendenberech- tigte Kapital von 76,5 Millionen Mark erne Dividende von 19 Proz. vorschlagen. Der Stahlirufi-Berichi. Eiseokonjunkiur in den Wintermonaten abgeflaut. Di« Bereinigte Stahlwert« AG. in Düsseldorf, auch Rheinisch-Westfälischer Stahllrirst genannt, veröffentlicht jetzt ihren üblichen Quartalsbcricht für das erste Vierteljahr 1939. Bei dem scharfe» Rückgang der Kohlenförderung infolge der milden Witterung und des nachlassenden Industriabsdarfs sowie der allgemeinen wirtschaftlichen Depression war auch bei den größten deutschen Montarrnnternehmen ein dementsprechcnder Konjunkturruck- fchlag bei den Zechen wie bei den Eijenbetriebcn vorauszusehen. Im allgemeinen ist die P r o d u k t i o n um« t w a 1 9 P r o z. gegenüber dem letzten Quartal des Vorjahres zurückgegangen.. Die Kohlen fürderung stellte sich auf rund 6,8 gegen 7,55 Mill. Tonnen, die Koks Produktion auf 2,43 gegen 2,65 Mill. Tonnen, die Roheisen Produktion der Hochöfen sank von 1,65 auf 1,47 und die Leistungen der Stahlwerke non 1.79 auf 1,56 Mill. Tonnen. Auch der Umsatz des Stahltrusts ging entsprechend der rückgängigen Produktion um annähernd 19 Proz. von 356,3 Mill. im September bis Dezember 1929 aiff 326,5 Mill. von Januar bis März 1939 zurück. Hierbei trttt der starke Rückschlag der Well- konjunktnr besonders deutlich in Erschemung, denn mährend der Jnlandabsatz nur um 6 Proz. aus 295 Mill. zurückgegangen ist, schrumpfte der Auslandsabsatz fast um das Doppelle, nämlich um 12 Proz. auf 121,5 Mill. ziffammen. Daß das abgelaufene Vierteljahr nicht nur im Vergleich mit dem vorhergehenden Quartal ein« starke Verschlechterung aufweist, sondern auch mit den entsprechenden Vergleichsguartalen der letzten Jahr«, zeigt di« folgend« Umfatzentwicklüng: Ilm sähe davon Ausland in Millionen Mark 1. Quartal 1928. 1. Quartal 1929. 1. Quartal 1939. 369,4 358,9 326,5 114.9 130,0 121,5 Der Konjunkturrückgang hat sich auch auf die Belegschaft so- fort ausgewirkt. So ist die Gesamtzahl der Arbeiter beim Stahlttust von 173 852 Ende Dezember auf 169 336 Mann Ende März zurückgegangen. Der Abbau traf allerdings fast aus- schließlich die Bergarbeiter, deren Delegschaftsstand sich von 86 986 auf 82514 Mann verringerte. Bei den Angestellten ist mtt 15 431 Köpfen ein« ganz leichte Steigerung festzustellen. Bemerkenswert ist, daß die Höhe des- Auftrags- bestandes Ende März sich gegenüber dem Stand vom Ende Dezember nur unwesentlich verringert hat. Sie stellte sich aus 68,7 Proz. gegen 70,5 Proz. des entsprechenden Auftrags- bestandes im Monatsdurchschnitt des letzten Geschäftsjahres 1928/29. Da der Austragseingang demnach gegenüber der Ilmsatz- eittwicklung in den letzten Monaten nerholtnismäßig stabil geblieben ist, ist zu erwarten, daß schon im Zusammenhang mit dem saisomnäßigeii Frühjahrsausschwung das zweite Quartal bis zum Juni ein besseres Ergebms bringen wird. Blühender Maschinenkonzern. Die Miag zahlt bei erhöhtea Umsähen wieder(lv Prozent. Die Mühlenbau- und Industrie AG. in Frank. fort a. M, die 1925 durch Verschmelzung von fünf Maschinen- Unternehmungen in die Reihe der führenden deutschen Maschinen- konzerve rückte, hat auch im abgelaufenen Betriebsjahr 1929 ihn« stetige Amwäittscütwickbtng föttgeseßt....... v~ Der R o h g c w i n Ii erhöhte sich von 12,9 ans 13,7 ML. DL. während die Handelsnnkosten und Soziolabgaben nur'ganz unwesentlich stiegen und die Steuern sogar einen leichten Rückgang erfuhren. Aus dem Reingcwimi von 1,87 gegen 1,81 Mill. M. wird wieder di« schon in den vorhergehenden Jahren gezohtt« Divi- dende von lOProz. ausgeschüttet. Der Konzern, der im Gegensatz zu seinem Firmennamen nicht etwa nur den Mühlentmu betreibt, sondern ein sehr v ielseiti- ges Fabrikationsprogromni wie den Speicherbau, Er- richtung von Zemenffabriksn und Zerkleinerungsmaschinen, Bau von Brauereien und Sudhäusern nnterhält, Hai trotz der nach und nach einsetzenden Depression seinen Umsatz im letzten Be- triebsjahr beträchtlich ausdehnen können. Ziffern über die erzielten Umsätze werden nicht angegeben, dach dürsten sie schätzungsweise z w i f ch e n 4 5 und 4 8 M i ll. M. l i« g e n, so daß das Kapital der Miag mindestens dreimal umgeschlagen werden konnte. Interessant ist der Hinweis im Geschästsberichi, daß im Auslände eine groß« Daulust auf den verschiedensten Gebieten besteht, die Kapitalnot jedoch wie in Deutschland auch dort kein« unbekannte Erscheinung ist. Die Anspannung auf dem Welt- und Kapttallnarkt im letzten Jahr hatte zur Folg«, daß die Bau. vorhaben sich Überraschend lange hinziehen, ehe sie sich zu Autträgen verwirklichen. Die gegenwärtig« Lage bei dem Konzern ist ver- hältnismäßig günstig. Zwar hoben die bisherigen Zluftrag?» eingangs im laufenden Geschäftsjahr 1930 noch nicht ganz di« Bor- jahrshöhe erreicht, doch war der Auftragsbestand zu Beginn dieses Jahres höher als im Januar 1929. tiochbetricd bei den Berliner Melollhütlcn. Die vor enva einem Jahr« zu einem Unternehmen verschmolzen an Huttenwerke Wilhelm Kayser in Oranienburg und Hüttenwerk Niederschöneweide A.-G. sind von dem Äonjunkturrückgang bisher noch nicht im geringsten betrosfen worden. So konnte die Derwoltung auf der Generalversammlung, die den Abschluß mtt der weunprozentigen Dividende ohne Debatte oe- nebmigie, erklären, daß die drei ersten Monat« des lausenden B.'- triebsjahres«inen sehr günstigen Verlauf genommen hatten. Die Produtt ion tonnte gegenüber dem ersten Quartal des vorhergehenden Jahres sogar gesteigert we.rden. Auch gege iwä tig liegen Aufträge in solcher Menge vor, daß das Unternehmen a u f M o n a t e h i n a u s g u t b e f ch ä s t i g t ist. Die A issichten für das laufende Jahr lassen sich daher durchaus op.imistifch beurteilen. Günstiger Saatenstand. Das Preußische Statistische Landesomt gibt wie alljährlich um dies« Zeit seinen ersten Saaten st ands- b« r i ch t heraus, in dem der Stand der Winterung als durchaus befriedigend bezeichnet wird. 'fordern Sie ausdriichlich MAGGI5 Fleischbrühwürfel Jlchten Sie auf den Namen MAG Gl und die roi-gelbe Packung- ??r. 167- 47. Jahrgang � Miitwsch, 9. Stpnl �930 > der Generakbevollmächtkgti! der Gewerk- i e l, verncmrmen, der erklärt, daß diese DieGrundstückskäufe derGtadt Wie das Gut Biesdorf au Berlin kam. Der Untersuchun�-eonsscfyiß des Preußischen Landtags„zur Prüjung dar Mißwirtschaft in der Berliner tstadtnerwaltung" be- garm am Dienstag mir der Zeugenvernehmung über die Gutsankäufe der Stadt Berlin, und zwar zunächst über>d«n Ankauf des Rittergutes Biesdnrs. Biesdorf war im Besitz der von Siemensscheii Bermägensverivaltung, die zunächst dos Gut an die Gewerkschaft chiidegqrd für 5 Millionen verkauft«. Die Gewerkschaft Hildegard I>at dann später das Gut Biesdorf an die Stadt Berlin für 6,5 Millionen Mark weiterverkauft. Als erster Zeuge wird s-Haft.Hildegard, S t eid (Gewerkschaft kein Unternehmen im Sinne einer bergwerklichen Betätigung gewesen sei. Es lzabe sich nur um den„Mantel" der ftirma gehandeft, den er für.'W) M. gekmrft habe. Außer ihm sind noch die früheren Mitbesitzer dieser Gewerkschaft W o l t k i n g und Iustizrat Palm Bevollmächtigte gewesen. Die �Gewerkschaft habe nicht den ganzen Betrag zur Auszahlung an Siemens zur Verfügung gehabt und deshalb habe er, der Zeuge, als Hauptanteil- Haber der Gewerkschaft eine Anzahlung von zunächst 200 000 M. gemacht. Für die Vemnitlung dieses Kaufs habe Waltking von ihm eine Provision von 200 000 M. bekomnien. Der Zeuge be- sireftet, daß die ganze Transaktion für ihn ein Geschäft gepzesen sei. Er sei dabei gerupft worden. Auch beim Verkauf an die Stadt seien wieder an Waltking Provisionen gezahlt worden. An die Einzelheiten über die Provisionszahlungen und den Beginn der Verhandlungen mft der Stadt könne er keine Auskunft geben, da er sich daran nicht mehr genau erinnere. Den der Stadt ge- stundeten Kaufbetrag habe er durch ein Darlehn bei der Stadt und durch eine Hypothek realisieren müssen, damit er den Derpflichwngcn gegemiber Siemens nachkommen konnte. Für die Hypotheken habe er der Sparkasse, der Deutschen Bank und anderen Bankm eine Damno von 800 000 bis 1 Million M. zahlen müssen. Der Zeuge bestreitet, daß er anch noch an andere Leute als an Waltking Provisionen bezahl! hat. Nach seinen Angaben verliert er bei dem Geschäft mehrere liunderttausend Mark. Er habe auch nichts davon gewußt, da ß die Stadt Berlin schon vorher di« Absicht hatte, dieses Gut zu kaufen. Waltking sei der Urheber des Kaufplanes gewesen und er selbst habe eigentlich parzellieren sollen. Es feien auch Parzellierungsplän« ausgearbeitet worden, und auch dafür habe er etwa 30 000 M. zahlen müssen. Der Zeug« wird für die Nachmfttagssitzung wieder vorgeladen und ihm corfgeg Ickten, die näheren Unterlagen für seine Behauptun- gen beizubringen. Zeuge Sladkrat Skimmiog vom Bezirksonft Lichtenberg be. kündet als zuständiger Dezernent, daß 1925 Waltking als Vermittler für die SIemensschen Erben das Gut angeboten habe, dos Lichtenberg auch kaufen wollte. Der Ietlkralmagistrak habe aber den Ankauf zweimal als zu keuer abgelehnt, weil man nicht eine Mark pro Quadratmeter anlegen wollte. lg27 hat dann Busch aber das Gut für 1.75 M. pro Quadratmeter erworben. Er hält es für möglich, daß die Gewerkschaft Hildegard beim Ankauf von Biesdorf gewußt hat, daß die Stadt Berlin, sich für Bies- darf interessiert.?lußerdem hat er die Gewerkschaft darauf auf- ntertsam gemwhi, daß sie für den Fall der Parzellierung die hohen Anliegerkosten zu tragen hafte. Wäre das geschehen, wäre sie sicher klamm geworden. Sladtbankdirektor Lehmann bekunde� über die Realisierung der Forderungen der Gewerkschaft an die Stadt, daß die Gewerkschaft 1027 gegen Verpfändung ihrer Hypothek auf Bies- darf ein Darlehn von-T Millionen beantragt hat. Nach dem Kauf von Biesdorf durch die Stadt wurde auch ein Dar- lehn von 3 Millionen gegeben, das mft 10 Proz. ,zu ver- .zinse.n war. während sie für den Hypolhekenkauf Biesdorf 6 Proz. Zinsen erhielt. Am 1. April 1030 betrug der Saldo 1,98 Millionen Mark, der aber gedeckt war durch di«'Hypothek mit über 2 Millionen. Rein formal habe es sich um ei» zulässige» Bankgeschäft gehaudelt, das er aber nichl ohne Empfehlung des Stadlrats Busch gemacht hätte. Stadtkämmerer Dr. Lange erklärte als Zeug«, daß er sich immer gegen die Grundstücksankäufe der Stadt gewendet habe. Angesichts der gespannten Finanzlage der Stadt sei er ein Gegner der Boden- vorratspoliiik van Busch gewesen.— Die Vernehmung des Ober- maqistrotsrats Dr. Clemens als juristischer Sachbearbefter er- gibt nichts Wesentliches. Stadtrat Busch habe immer sehr eigen. mächtig gehandelt und ihn bei vielen Dingen nicht herangezogen. Hieraus wird Oberbürgermeister Böh vernommen, der aussagt. daß das erste günstigere Angebot von Siemens feinet Erinnerung nach nicht deshalb abgelehnt wurde, weil es zu hoch war. sondern. weil die Stadt damals nicht die Absicht hatte. Biesdorf zu kaufen. Erst ili Jahre später habe der Bezirk Lichtenberg auf den Kauf gedrängt, weil im Osten Berlins viel zu wenig Siedlungsmöglichkeiten bestehen. Inzwischen seien natürlich die Grunitstückspreiss erheblich gestiegen. E r kann darüber nichts sagen, wie die Einschaltung der Gewerk- schaft Hildegard zustandegekommen ist. Immerhin müsse man sagen, daß angesichts der großen Preissteigcrunzen noch Das Gaststättengesetz. Ln dritter Lesung verabschiedet. Der Reichstag stimmte am Dienstag über das Gast» st ä t t e n g e f e tz ab. Es wurde unter Ablehnung der meisten Aenderimgsoifträgc in zweiter Lesung angenommen. Abgelehnt wird zunächst der Antrag der Bayerischen Bolls- partei, wonach die Feststellung von Richtlinien für die Bedürfnis- Prüfung bei der Erteilung von Schankkonzessionen den Ländern libcrldsscn bleiben soll. Die Wiederhcrstelbrng der Rclationsbestim- nurng für Konzessionen wird gleichfalls mft großer Mchrl>eit abgc- lehnt.— Abgelehnt wird auch der Antrag Dr. Kohl fD. Dp.) auf Streichung der Bestimnnrvg, daß die Konzession nicht erteilt werden soll, wenn zu erwarten ist, daß der Antragsteller die Arbeiterschutz- bestimmungen nicht befolgen werde. Angenommen wind mft den Stimmen der Linken und der Deutschnaftonalen ein Antrag Dr. Slrathmann(Dnat.), wonach bei Schul, und Iugcndfesten sowie bei Sportfesten, an denen über» wisgend Jugendliche beteiligt sind, ein vorübergehendes Bedürfnis für den Ausschank geifftger Getränke nicht anzuerkennen ist.(Die Ausschußfassung sagt, daß ein solches Bedürfnis„in der Regel" nicht �anzuerkennen sei.) Im.Hammelsprung wird mit 186 gegen lö6«tinnnen ein Antrag Haag(Dnat.), dem zufolge der Ausschank vo-ii sewsterzeugtem Wein oder Apfelwein über die Höchstzeft von 4 Monaten hinaus bis höchstens 6 Monate geftaftet werden soll, wo dies bisher Landesbrauch war.(Abg. Haag vertnift einen würltcm- bergsschen Weinbauernbund.)— Zum§ 14— einheitliche Polizeistunde 1 Uhr— wird sowohl ein Strcichungsantrag der Wirts«hasts- Partei wie auch ein sozialdemokratischer Antrag abgelehnt, der beim Vorliegen besonderer Verhältnisse Ausnahmen durch die oberste Lcmdesbehörde.zulassen wollte. Zum§ IS— Zulässigkeft des Schnapsverbots durh die Landes- behörde an Lohn- und Wohltaoen— wird ein Antrag Lickes(D.Bp.) angenommen, wonach der KleinhandÄ fest verschlossene Schnaps- flafchen von mindestens*/» Liter Inhalt auch unter einem solchen Verbot verkaufen darf.— Bei§ 26, wonach durch Lairdesgesetz das Gaftstättengesetz auch auf den Kleinhandel angewandt werden kann, wird ein Antrag Hampe(Dnat.) angenommen, der den.Kleinhandel mft Wein davon ausnmnnt. Auf Antrag Petzold(Wirtschoftsp.) wird die Bestimmung gestrichen, daß dos Gesetz nicht Anwendung finden soll auf Heilalkohol. In der anschließenden driften Beratung spricht Abg. D. Mumm(Chrisft.-Soz.) gegen den Alkohoftsoms, der nun auch auf der Berliner Untergrundbahn widerliche Reklame treibe. Abg. Gollmann(Goz.) hält dem Haufe vor, daß soeben in der zweiten Beraarng eine Reihe Lerschlechtermigen des Gesetzes vorgenommen worden sind und verweist besonders auf die Abschwächung des 5 IS. Danach werden die Wirt« an Lohnzahlungstagen keinen Schnaps ausschenken dürfen, aber der Kleinhändler daneben soviel Schnaps vefkatjsen könne, wie er will. Das kann der Reichstag nicht wollen, und wir appellieren an ihn, diesen Beschluß in der dritten Lesung wieder auszuheben. Es wäre ja auch eine schwer Benachteiligung des Winigewerdes. Und das Verbot würde dadurch imwirksam und lächerlich gemacht werden.(Lebh. Zustimmung.) In der zweiten Lesung hat Abg. Bickes, der sich ja mckst gerade als der gute Geist der Gesetzgebung hervorgetan hat, meine Angabe bestritten, daß im Deutschen Reich 300 000 Trunksüchtige vorhanden sind. Anftliche Zahlen liegen allerdings nicht vor. Wenn aber in Deutjchland 63 790 Gemeinden varhaitben sind, in den kleinen Ge- melnden mindestens ein Trunksüchtiger, in den Stödten«ine größere Anzahl, und in jeder S-todt 1000 Trunksüchtige, so muß man auf mehrere hunderttausende Trunksüchtige im Reiche kommen. Die Zahl der in Irrenanstalten und Krankenanstalten mtemierten Trunksüchtigen ist von 1923 bis 1927 von 7930 auf 19 013 gestiegen. Setbstoerständlich ist das nur ein Bruchteil der Trunksüchtigen übe» Haupt, ebenso, wie bei Ltnigenkronken und Nervenkranken nur der kleinste Teil in Anstalten sich befinden, ist es mich bei Alkohol- kranken. Die soeben in der zweften Lesimg beschlossene Ausnahme für den Kleinhandel mit'/»-Liter-Flafchen Schnaps muß in der dritten Lesung wieder beseitigt werden, da sonst das Schnapsverbot an-diesen Tagen geradezu lwherlich wird. So sehr wir auch weltanschaulich und politisch«mseinande» gehen, in der Bekämpfung des Alkoholismus, schließe ich mich den» Abg. Mumm vollkonnnen an. Ich weiß, welch mrgeheures Elend die Trunksüchtigen in ihren Familien verbreiten. Ein ungeheures Material ist darüber aufgerollt. Wenn der Deutsche Reichstag sin- mal im vollen Maße dieses Elend erkennt, wird er sicher noch z» anderen Gesetzen sich entsässießen als zu den vorliegenden.(Lebh. Beifall.) Di« Abgeordneten Köster(Wirtschoftsp.). Sparver(Dem.), Bicke» (D. Bp.) und Hampe(Dnat.) sprachen für möglichste Milderung des Gesetzes und gegen jeden Arbeiterschutzparagraphen. Abg. Schvmavn(Komm.) beschuldigt Sollmann,. die Ford» einigen der Alkoholgegner nicht in das Gesetz hineingebracht und zu seiner Verschlechterung beigetragen zu haben. 'Abg. Haag(Dnat.) vertritt die Interessen der Winzer. In der Abstdnnntng wird«in Streichungsantrog gegen dm Arb efters chutz Paragraphen mft 173 gegen 132 Stimmen abgelehnt. Auf fazialdemokratischen Airtrag wich§ IS in der Ausschußfassung wiederhergestellt. Schließlich wich da» Gesetz verabschiedet: zur Wehrheft gehören auch Teil« der Rechten, zur ablehnenden Minder- Heft die Kommunisten. Ein« Anzahl Auslieferungssachen werden gemäß dem Ausschuß antrag erledigt. der Preis von 1,73 M. pro Quadratmeter günstig sein konnte. Seiner Erinnerung nach habe er allechings die Bedenken des Stadt- kämmerers gegen den Ankauf geteilt. Hierauf gibt Bürgermeister SIggel des Bezirks Lichtenberg«ine Darstellung k*r Verhandlungen, die zum Kauf führten, und die sich im wesentlichen mit den Ausführungen des Zeugen Stiinming decken. In kurzer nichtöffentlicher Sitzung beschließt hieraus der Ausschuß, den wicderevschiencnen Zeugen Steide! und auch den Zeugen Waltking zu vereidigen. Zeuge Steide! leistet den Eid in der religiösen Form, der ihm vom kommunistischen Vorsitzenden Schwenk vorgesprochen wird. Er überreicht dem Ausschuß den Kaufvertrag zwischen der Gewerkschaft Hildegard und den Siemensschen Erben und weist darauf hin, daß aus dem Vertrag hervorgehe, daß das Gut zum Zwecke der Par- zellierung gekauft sei. Für die Parzellierungspläne habe er 30000 Mark bezahlen müssen. Er sei erst hinzugezogen, als der Dertraas- ciftwurs mit Siemens schon vorlag. Ueber alle Einzelheiten darüber könne Waltking am besten Auskunft geben. Die weitere Vernehmung ergibt, daß waltking für den am 1. Zull 1927 perfekt gewordenen Verkauf 200 000 VI. Provision bekommen hat. Auch Zustizral Palm habe 75 000 VI. Provision erhalten. Für feine Zahlungen an Siemens habe er, der Zeuge, die Mehrzahl der Kuxen der Gewerkschaft bekommen. Bis Ende 1927 habe er selbst an Siemens in Teilbeträgen mindestens öOOOOO M. gezahlt und außerdem noch Bürgschaft für eine Million gegenüber Siemens Übernammen. Fast olle Verhandlungen hätte hauptsächlich Waltking geführt. Ob BufchdenTipp gegeben hat. von der Stadtbank ein Darlehn zu nehmen, kann er n i ch t s a g e n. Dadurch, daß er bei Siemens mft feinen Zahlungen Vorgänge, die zum Ankauf von Biesdorf geführt hoben. Er hob« l92.Z von Herrn von Siemens, der zu ihm als Makler Vertrauen hatte, den Auftrag erhallen, Biesdorf für 4 Millionen zu verwerten, gleichgültig ab an Berlin oder an andere Interesseuten. M it erl i n habe Siemens wegen schlechter Ersah run- en nicht persönlich verhandeln wollen. Daraufhin kina, mft Stadtrat Busch verhandelt, der aber abgelehnt haue. Lichtenberg habe dann erklärt, daß man es de er, in Verzug gekommen fei, habe er Siemens stricht 4,3, sondern 5 Mil- lonen Mark zahlen müssen. Er habe an Siemens in Teilbeträgen eiwa 500 000 M. aus eigenen Mitteln bezahll. weil an einen Vertrag mit der Stadt noch nicht zu denken war. Als letzter Zeuge wind hierauf waltking vernommen. Auch er leistet den Eid in religiöser Farm. Cr gibt eine Darstellung der dann später noch einmal versuchen müsse. Steidel sei ihm als seriöser Mann bekannt gewesen und er habe ihn für das Geschäft nfteressiert. Inzwischen Hab« er mit der Land- und Baugesellschaft Verhandlungen angeknüpft und 1926 sei ein Bebauungsplan ent- warfen. Das Geschäft sei aber nicht zustande gekommen. Hierauf habe er Sleidel, der nervös wurde, gesagt, mau müsse da» Geschäft der Stadl schmackhaft machen. Diese habe dann später erklärt, daß der Ankauf zustande kommen könne, wenn der Kaufpreis bis Januar 1930 gestundet wird. Dann sei es zu dem Ankauf durch die Sladt gekommen und zu den Transaktionen mit der Stadtbank. Steidel habe an dem Geschäft wenig Freude gehabt. Aus der weikeren Aussage des Zeugeu Waltking gehl hervor, daß er an verschiedenen Prooisioneu sowohl beim kauf von Biesdorf als auch am verkauf des Gutes an die Stadt, für vermlltlungen usw. insgesamt 360 000 211. verdient hat Auf eine Frage des Abg. Drügemüller(Soz.) bekundet Walking ganz offen, daß die Gewerkschaft Hildegard eigentlich nur bei diesem Geschäft dazwischen geschoben ser, weil weder Herr van Siemens noch Steidel in der Oefsentlichkeit ge- nannt werden wollten. Die Gewerkschaft sei ein„wunder- voller Mantel" gewesen. Ueber alle Verhandlungen mft der Stadt sei die van Siemenssche Vermögensverwaltung uifterrichtet gewesen. Die Siemensschen Erben hätten sich vorbeballen. bei günstigerem verkaussabschluß selbstverständlich mit am Gewinn zu partizipieren.(Große Bewegungl) Hierauf wird die Wefterverhandlung auf Mittwoch, 2 Uhr, vertagt. Zeuge: Herr von Siemens. 5 ei I ei rri cm eI s n bring! wieder ZUM FRÜHJAHR eine Auslese der schöns+en Damen- und Herren schuhe in vielsei+iger Aus-führung in den bekann+ guten Qualitäten und Preislagen /11ä)' .'III'( V � X ßrzoi SALAMANDER 1� unseren Verkaiifsstellgn fuhren, er$.ty.oj5Sjqg. rnodfqrbffn Oer Hansabund spart. Nei den Ausgaben für die Invaliden. Die Proleten sollen blvten: das ist der ganze Sinn des von der neuen Regierung dem Reichstag vvvzelegten Gesetzentwurfs zur Vorbereitung der Finanzreform. Sein Ziel ist Abbau der Sozialaufwendungen des Reichs: Ber- fchlechterung der Finanzierung der ZTr beitslosenversiche» rung. Kürzung der aus Zollmitteln der Invalidenver- s i ch e r u n g vom Reiche zur Verfügung gestellten Detröge von 40 auf 20 Millionen und Vorbereitung der Steuersenkung. Wohin die Reise des Sparkommissars und des Reichsfinanz- Ministers gehen soll, hat der Hansabund bereits mit brutaler Qsfcnherzigkctt ausgeplaudert. Mit geradezu frivoler Oberflächlich- keik macht der Hanfabund Berechnungen auf, die in der Wirklichkeit kein« Stütze sinden, so daß sich auch das Reichsarbeitsblatt in seiner soeben erschienenen Nummer 10 vom S. April genötigt steht, den gefährlichen Irrtümern entgegenzutreten. Der Hansabund erwartet für 1930 einen Beitragszu wach s von 48 Millionen. Dazu bemerkt das Reichsarbeitsblatt:«Das be- deutet, wenn seve Beitragswoche durchschnittlich 1,42 M. einbringt, fast 34 Millionen Veitragswochen. und wem seder Versicherte im Jahre durchschnittlich 43 Beitragswochen zurücklegt, einen Zuwachs von fast 790000 Arbeitsplätze« mit je 43 Arbeitswochen. Glaubt di« Schrift i m C r n st. daß das Jahr 1930 so viel neue ergiebige Arbeitsplätze auftreiben kann? Für 1935 sagt die Schrift die Beitragseinnahme von 1270 Mil- lioncn Mark voraus: das gibt gegen 1929«inen Beitrags- zu wach» von 178 Millionen Mark. Ein solcher Zuwachs setzt «ine Verwehrung der Lohnsumm« um mindestens 3,5 Mil. l i a rd« n Mark— der Beitrag ist rund 5 Pro;, des Lohns voraus, und zwar ohne Erhöhimg des Lohns, nur infolg« der Vermehrung der Lohnempfänger. Für die Ilmrechnung in Ar- beitsplätze sei der unwahrscheinlich hohe durchschnittliche Wochen- beiirag von 1,50 M. angenommen. Das gäbe gegen 1929 einen A u w a ch» von mehr als 2,7 Millionen Arbeitsplätzen mit fe 43 Arbeitswochen im Jahr«... Die Schrift prophezeit für dos Jahr 1938 di« Beitragseinnahme von 1320 Mil- l Ionen Mark. Dem Deitragszmvach» von 228 MMtm-rn Mark < gegen 1929) entspräche die Schaffung von mehr al.s 3,5 Mit- lionen Arbeitsplätzen: aus dem Papier ist hiernach das Arbeitslosenproblem gelöst, die Sanierung der Reichs- anstatt für Arbeltsloferwersicherung vollzieht sich von selbst. Reformen sind entbehrlich. Deutschland hat das Glück, m wenigen Jahren aus den, Zustand des Arbeitsmangels in den des Arbeiter- mangels zu geraten! Die Gewinn- und Verlust rechnung 1930 sieht nach der Darstellung des Reichsarbeitsblotts fo aus: Einnahmen au» Beiträgen 1002 Millionen Mark, aus Zinsen 78 Millionen Mark,, sonstige Eirmohmen SS Millionen Mark,.zusammen 122S Mil- lionen Marck. Ausgaben an Renten 880 Millionen Mark, frei- willige Leistungen 100 Millionen Mark, Vcrwaltungskosten 55 Mil- lionen Mark« zusarnmen 1035 Millionen Mark: Ueberfchuß 190 Mit- lionen Mark. Für di« folgenden Jahre ist bei den sonstigen Ein« nahmen nur mit 20 Millionen aus Zollmitteln zu rechnen. Dazu tritt 1931 der Rest von 9 Millionen aus dem Lohnsteueraufkommen (1930) und 1935 der Rest von 22.5 Mllionen aus dem Lohnsteuer- aufkommen(1929). Bei den Zinsen ist mit einer kleinen Steigerung, bei den Renten mit einem jährlichen Zuwachs von mindestens 70 Millionen Mark zu rechnen. Die Jnvalidenversill)«. rung gerät als aus abnehmenden Ueberschüssen in zunehmende Fehlbeträge: der Wendepunkt llogt beim Jahre 1933. Würde dar Reichsbeitrag von 178 Millionen von 1930 an wegfallen, dann würden die Fehlbeträge schon 1931 einsetzen. Die Folge wäre Sperrung des Marktes für Wohnung». baumittel und Steigerung der Arbeitslosigkeit sowie Kündigung der Darlehen, die die Versicherungsanstalten den Ländern und Gemeinden gegeben haben. Ein« Abwälzung des ReichsbeÄrages von der Gesamtheit der Steuerzahler auf die Gruppen der Versicherten und ihrer Arbeitgeber käme einem u n- sozialen Notopfer gleich. Die Zollinittcl. deren Wegfall der Hansabund ebenfalls für möglich hält, stammen nach der gesetzlichen Bestimmung aus den Zöllen für Schlachtvieh und Brotgetreide, die gerade die arbeitende Bevölkerung in den Stödten imd in der Industrie treffen. Die Dorschläge des Hansabundes bedeuten, so schließt der Alarmruf des Reichsarbeitsblattes, eine Abwälzung der Lasten von den starten und breiten Schultern auf die schwachen und schmalen: denn, sollen die Leistungen für di« Invaliden, Witwen und Waisen nicht gekürzt werden, dann müssen die Lasten für di« Derstcherten vermehrt werden. Auch eine Einheitsfront. Mktolliudustn'elle übernehmen Forderungen der KPD. Der Schwindel mit dem Stahlwert Becker, das zum Zweck der Stillegung und der Erhöhung der Quote verlauft worden ist. geht unentwegt weiter. Der Verein der Mctallindustriellen am linken Niedervhein schreibt der«Kölnischen Zeitung" einen langen Brief. in dem er die bewußt erlogene Behauptung, das Stahlwerk Becker werde wegen der«hohen Löhne" stillgelegt, wiederholt und da im fortfährt: V,„Deumach trägt der Deutsche Ntetallarbeiterverband die voll« ' Verarrtwortung für die Arbeitslosigkeit von 2500 Arbeitnehmern. ! Man hat das staatliche Schlichtungswesen mit gutein Grund oft genug als zu sarmal und zu starr bezeichnet, als cin« Funktion, die leider allzu häufig gegenüber klaren Wirtschaft- lichen Notwendigkeiten versagte. Man würde dem Schlichtnngs» \ wesen aber vielleicht eine größer« Berechtigung zu- , sprechen können, wenn es auch in Fällen wie den: der Becker- ! Werke in Tätigkeit träte. Di« gesetzlichen Bestimmungen mögen gegenwärtig hierzu keine Möglichkeit geben.'Aber es läge im Interesse der gesamten deutschen Oeffentlichkeit, wenn das staatliche Schlichtungswesen in der Lage wäre, durch eine inton- fechtbare Entscheidung derartig engstirnig« Entfchließimgen einer Organisation aufzuheben' und zu ersetzen." 'An dem Schreiben ist interessant, daß die Unternehmer hier voll und ganz auf den Boden der Forderungen der Kommunisten treten. Die Kommunisten verlangen bekanntlich, daß auch während der Lauszeit eines Tanfoert-rages dieser durch sogenannte zwifchentarifliche Abmachungen abgeändert, bzw. außer Kraft gesetzt werden könne. Die rheinischen Metall- industriellen verlangen hier dasselbe. Di« Unternehmer sind im allgemeinen keine großen Freunde des„Schiiehtiuigsschwindels", um im Jargon der Komnnrnistcn zu sprechen. Auch die Unternehmer stich der Meinung, daß die Schlich- mngsoerordimng den Klassenkainpfcharakter verwische. Auch di« Unternehmer wollen nichts von Zwangsfchiedsfp rächen wie überhaupt von einem Eingreifen des Staates in die Arbeits- konflikte wissen. 'Aus diesem Geist heraus ist der Vorschlag der chemischen We tällind" striell e n geboren. Wir beglückwünschen sowohl die rheinischen Metallstchustriellen wie auch die KPD. zu dieser Einheit?- front, die nur naiv« Gemüter überraschen dürfte. Oer Kampf der Schneider. Solidarität der Konsektionsbranche. Die Mitglieder der Herrenkonfektionsbranche im Deutschen Bekleidungsarbciterverband beschäftigten stch gestern abend in Haverlands Festsälen mit dem Streik der Maßschneider. Der Filiolleiter Genosse Lehmann informierte die Versammelten zunächst eingehend über die Ursachen dieses Kampfes und seine Ziele, um dann zu schildern, mit welchen Maßnahmen die Unternehmer die Kampstatik der Organisation zu durchkreuzen vorsuchen. Dazu gehört in erster Linie die Verschiebung der von den Maßschneidern unfertig liegengelassenen Arbeiten in die Betriebe der Berliner Herrenkon- feltion. Infolge der Wachsamkeit der Berliner Herrenmaß- und Kon- fektioneschneidcr, ihrer Funktionäre und dek Organifationslcitung ist es bisher fast restlos gelungen, diese Versuche zum Scheitern zu bringen. Bor allem muß den Strcikkontrollen der Herren- Maßschneider bereitwillig Auskunft gegeben werden. Die Herren- konsettiansschneider müssen sich darüber klar fein, daß der Ausganz des Kampfes der Maßschneider auch für die zukünstrge Regelung ihrer Lahn- und Arbeitsbedingungen richtunggebend fein wird. In der Diskussion wurde von allen Rümern die volle Sympathie mit den Maßschneidern zum Ausdruck gebracht. Ein- stimmig angenommen wurde, zum Schluß eine Entfchlie» ß u n g, in der es nach einer Sympathicerklärung für die Stpeikenden heißt: „Da dl« Unternehmer der Herrenmaßschneiderei aus den Orten Hamburg, Leipzig, Stuttgart, Nürnberg. Dessau, Köln. Dresden usw. den Versuch unternehmen, Streikarbeit von den Konfettions- schneidern anfertigen zu lassen, erklären dl« versammelten, daß st« jegliche Zumutung von Streikarbeit auf das entschiedenste a b• lehnen. Den Kontrollen der Streikenden wird jede Unterstützung geleistet. Die Versammelten bringen ihre Sskidorität mit den kämpfenden Herr�nmaßschneidern dadurch zum Ausdruck, daß sie sich ver- pflichten, während der Dauer des Kampfes keinerlei Stück« mit Proben anzufertigen und auch bereits gefertigte Proben nicht zu ver- vallständigen. In den Geschäften, die ihrer ganzen Ansertigungsari der einzelnen Stücke nach der Herrenmaßschneiderei ebenbürtig sind, ist bei Anfertigung von Streikarbeit und nach deren Festftellung in jedem einzelnen Falle im Einverständnis mit der Organisation zu entscheiden, ob die Arbeit niederzulegen ist." Gelbe Entgleisung im Vtockwerk. Ein vielsagendes Geständnis. Unser« Annagell mg des gelben Listenführers Rießler im Siemens-Blockwerk beantwortet der Detreffende in einem Flugblatt. Darin wird ein Brief des R. an den Bundes- Häuptling Wie bemann veröffentlicht. Der Brief«röffnot einen blitzartigen Einblick in den moralischen Abgrund der Gelben. Und man versteht, warum dieses Gesindel gegen die Gewerkfchafts- sichrer und s o zialdcmakrat ifche n Vertrauensmänner mit den ge- nieinften Verleinndungen kämpfte Man schließt von sich ans andere. Aus dem Brief erfährt man also, daß der gelbe Oberhonze Medemann den Rietzler trotz der großen Arheitslosigkeit nach Berlin unter der Versicherung lockte, ihn hier(mit HiKe„völkischer" Direktoren) unterzubringen. Dos geschah schließlich, allerdings nach einer Wartezeit von zwei Wochen. Aber zu welchem L-ohn werden diese gelben Schaf« untergebracht? 33 bis 34 Mark Lohn bezieht der Mo im wöchentlich, während sein« direktorialen„'Volksgenossen" täglich mindestens viermal mehr beziehen. Bei diesem Hungerlohn agitiert der Mann auch noch für die vollen Geldsäcke! Aber etwas hat er von diesen gelernt. Er pumpt sich Geld und zahlt«s einfach nicht zurück. Das müsse er sich ors „Entschädigung" für feine propagandistische Tätigkeit anrechnen. Früh übt sich der Zweig, der ein richtiger Dusch werden will... Warum, fragt der Rießler, soll ich die 55 Mark auch zurück- zolilen?„Die geiwimte Schuldstuiirne setzt sich aus zwei Darlehen zusammen, di« Herr Wedeinann bestimmt nicht aus feiner eigenen Tasche bezahlt hat, da er ber letzte ist, stch Beschrän- klingen aufzuerlegen, um anderen zu Helsen."— Jeder nimmt, was er kriegen kann. Gelbe„Moral". Wahlerfolg bei der Vicioria. Ejn freigewertschastlicher Sieg. Bei ger Betriebsratswahl vor einigen Tagen bei der«Bic- ioria" Allgemeine Bersicherungs A.-G. zu Berlin erhielt die Liste des Zenlralverbaades der Angestellten mit 492 Stimmen die über- wiegende Mehrheit. Auf den ZdA.«ntffelen danach 5 Betriebsrats- Mitglieder und 1 Ergänzungemitglied für den Angestelltenrat. Das Ergebnis ist um so höher zu bewerten, als die.Radi- kalen" von links und rechts tein Mittel gescheut hatten, mn gegen die freigewerkschaftliche Liste vorzugehen. Der Ausgang der Wahl boweift, daß das Vertrauen des größten Teiles der An- gcstellte»s6)aft bei den freien Gewerkschaften liegt. Kür die freigewerkschastliche Liste. KPD. im Kabelwerk Oberspree ab�ewirischastet. Di« Belegschaft des Kabelwerke» Ober spree nahm am Freitag in einer von etwa 800 Arbeitern und Arbeiterinnen besuchten Betriebsverfammlung zu der B« t r i« b s r a t S;w n h l am 10. und 11. April Stellung. Der Betriebsratsvorsitzende Genosse Dobberte hob in seinem Jahresbericht hervor, daß für den Betriebsrat nur «ine wirksame Interessenvertretung der Belegschaft im Rahmen des Tarifvertrages, des Betriebsrätegesetzes und in Zusammen- arbeit mit der O r g a n i-s ati»n möglich sei. Di« Versammlung war gespannt, was der„sppsfikwnelle' vor- sitzende des aus 11 Kommunisten und 7 Sozialdemokraten bestehen- den Arbeiterrats, Mellenthin, zu berichten hatte. Er konnte aber im wesentlichen nur das von dem„reformistischen" Betrieb?- ratsvorsitzenden Vorgetragene bestätigen. Der„oppositionelle" Arbeiterrat hatte im oorigen Jahr angesichts der realen Tatsachen auch kein«„revolutionäre" Tätigkeit entfalten können, was der kom- munistische Arbeiterratsvorsitzende durch eine lange Rede gegen den ADGB. und die Sozialdemokratie zu vertuschen suchte. In der Diskussion stellte u. a. der Angestelltenratsvorsitzend« Genosse Bosse fest, daß von einer besonderen Aktwität der Kom- munisten im Betriebsrat nichts zu merken gewesen sei, sondern daß im Gegenteil stets die verwünschten„Sozialsafchisten" die treibenden Kräfte gewesen seien. Die Versammellen fällten ihr Urteil über die kommunistischen Worthelden in einer E n t s ch l i e ß u n g, in der sie sich verpflichten, für den Sieg der freigewerksch östlichen Liste Sorge zu tragen. Diese Entschließung wurde gegen etwa 20 Stimmen der „Opposition" angenommen._ Im Birchow-Krankenhaus. Die bevorstehende' Detriebsrätewahl. In einigen Wochen Hot die Belegschaft des Birchow- Kranken- Hauses ihre Betriebsvertretung neu zu wählen. Die Wahl ist inso- fern von großer Bedeutung, als es gilt, einen als t o m m u» nistifche Hochburg geltenden Betrieb für die ftcien Gcwerk- schaften zu erobern. Wenn irgendeine Belegschaft das Objekt kammunisti- scher Agitationspolitik gewesen ist. fo war es die des Birchow- Krankenhaufes. Herr R obst als der Exponent der KPD. hat feine Stellung in brutaler Weife gegen olle andersdenkenden Kollegen ausgenutzt und mit Hilfe des in«inigen Zeitabständen auftauchenden Schiniitzblällchens„Virchow-Echo" Proben des Kulturniveaus der Kommunisten gegeben. Nachdem nun durch die tüchtig« Werbearbeit unserer Genossen die KPD.-Herrsichkcit erschüttert ist und Herr Robst sich selbst durch sein Verhallen den Stuhl vor die Tür gesetzt hat. versucht man, durch Zkbhaltunz von Betriebsversammlungen außerhalb des Krankenhauses das ramponierte Firmenschild der KPD. neu auf- zupolicren. Auch in die vom Betriebsrat einberufenen Betriedsverfamm- lungcn versucht Herr Robst mit Betriebsftemden einzudringen. So erschien er mit der KPD.-Stadtverordneten Sandtner in der letzten Betriebsversammlung, mn sein Volk zu beglücken: doch muß!« er sehr bald von bannen ziehen. Unsere Genossen werden mit anderen Mitteln wie den bei der KPD. üblichen dafür zu sorgen wissen, daß die Tage der kommu- nlstischen Herrlichkeit im virchaw-kraukenhau» gezählt und ein Siez der freigewerkschafllichen Liste die Bahn frei macht für posiklvc Arbeit im Sinne der Belegschaft. Achimig! Kollegen der AEG. Di« Betriebsrätewahl findet von Mittwoch bis Freitag dieser Woche statt. Alle aussetzenden und kranken Kollegen können ihr Wahlrecht von 9 bis 15 Ahr ausüben. Zeder Kollege muß zur Stelle sein, um die freigewerkschastliche Liste zum Siege zu führen._ Ein« Brotesluersammlung der Angestellten der Arbeitsämter be- ruft der Zentralverband der'Angestellten für Donnerstag. 1911 Uhr. nach den Sophienfälcn, Sophicnstr. 17/18,«in, in der Stellung zu nehmen ist gegen tue skandalösen räumlichen Zustände der'Arbeitsämter und die durch die Massenentlassung und Umorgani- sationsv ersuche herbeigosührte Arbeitsüberlastung der An- gestellten. Die gesamt« freigewerkschaftlich organisierte Kollegenschast muß erscheinen. Das Mitgliedsbuch ist als Ausweis mitzubringen. ®B®.,«boaa Tr«pt»w. SauvtweSsiatt.«Ql»«»nb Daarnba». pf in mctl.I SVD..ffrarrion«>krsamnUuna T-nnerstaa, W/t Übt. ta t 1 & kodil, S f-j nniiti«; ohnr Parteibuch lein Antritt. ,iBoru>6rW--Quifhinfl mitbrina-n. tZ g Der StcTHonsMCihjitb. gl Kh�reie GMertschafts-Jugend Aerlin fMBjBBBBWBWI Vbot»'?«at«ore! Am Sonncrotaa. 10. Avni. mn 20 Übt. finbet im Soalbau Reuliill». Dotallr. 147. eine Ännboebim# be-j Ärbaitet-Lich:- bilbbundrs statt. To mcrdcn sprechen: Rralsseur Genosse Schimon über»Der ffilm von beute", mit gilmdcmonssrationen: Genosse GotNieb Breese über..gilm und Pboio und Ibre Bcdeutuna fite die so,ial!ssisch« Arbeiter. schekt".— Leute. Mittevoch. llbr. tauen die Gruppen: Baumschulenweo: guaendbeim Eriistssr. IS. Bortraacfvrtscdung:»Die Arbeiter» und Iiigcno. beweauna in Stumanien".— Rordrina: Juacndbcim Schule Eonnenbliraer Siranc 20. Lustiae» ÄlelnbolH von Gutbeit.— Tchznbause? Tor: giiaendbeim gibdenicker Str. gllmabend:..Kulturelle::-— Soziales— Scitercs".— Weiße»!»: Eruppenbcim Weißens», Varkssr. 00. Leiter» Abend.— Reu. toll» I: Gruppenbeim Berastr. 20. Los. Vortra»:»Dar, find die Ursachen der Arbeiiaiasialeit 7"— Süden. Südireftr»: Stadt. Iuaendbcim Vorchstr. II tKabrissirbaudc). Iabreo-Lewibcsprechima. Ohne Verbandobuch imd Leimaue- N'ei, kerir gutritt.— gluadafc»: Iuaendheim glultbafcnstt. 00. Dortrasst.Dir iranderit wir?" ®.1uaendaruvpe i>e6?eniralverVandcs der Angestellten Leute. Mittwoch, finden sollende Vcrunstaltunaen slalt: Gejiiafc. i br«««««: guaendbeim Ortbstr. 10, pari. Nurzrcferote.— Rptdost: IuaeudbetM Taniiacr Str. 02 sDarocke 3)...April. April." Vortraaend-r Tdeo Marek.— Osten: Iuaendbeim der Schule Litauer Str. IS. Arbeit»» aemelssschost»Soiiallsnius. Leiter Wilbelni Lervlntti.— Schönbauset L'orstabt: guaendbeim der Schule Kasianicnallee 81. Vortraa:«Der Sprech, und De- rueaunaschor al, AusdruSsinittel der Masse". Reserent Otto Voleinann.— Stralau: guaendbeim der Schule Goßlerstr. 61. Wir lösen Siiuationaauf. Naben.— ssteulölln: Iuaendbeim ASbmische Str. l— i. Eck« flann» Straße Brett, und Gesellschartsspielc.— Südost: guaendbcim Wranaelstr. 120. Bor- traq:«Di, Bedcutuna der Gowerlschaften für die Arbciternebmer". Referent Otto Lamm.— Spandau: Iuaendbeim Ltndenuscr I. Auospracheadcnd: »Burschen und MSbel in der Iuaendbewsquna". � Botsdam-Ziowawes: Jugend- berderae in Ziowawes. Driesterftraßc. Äurörefcrate. Dtt! Metallarbeiter-ys�Dd Vervaliumstelle Uerlin Tedeaenxelge Den Mitgliedern Sur Nachricht, daß unser Kollege, der Alempnet Lrast LvKler g-d. IZ. Ionl 1000. eessotben ist om 6. April Die Beerdigung ssndc! am Donner». tag. dem 10. April. IZ Uhr, von der Leichenhalle her Aufersr. hunz»�Z>e» meinde Weißens«« au» statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 30. Witz statd unser Kollege der Former Franz Duntke g«I> U Januar 1983. Die Beerdigung hat bereit» statt. gesunden. Ehre ihrem Andenke»! vi» Ort»Tcr»«!dB«ig. Danksagung. FUr die vielen Beweise aufrichtiger! Teilnalune beim Hinfcheidon meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Schwiegervaters Amaodus Krabsack lagen mit ans diesem Wege allen Freunden, Nallegimieu und Kollegen unseren herzlichslcu Dank. krau Krobscdc nad Kinder. MUfsltrS'Miii'ei gibt vaMuuu»dut«l-Fubrlk auch einz ab. f Der gnle ifapllfiii' S HaiUabaK�An�S | C. Ktfeker. Berlin S uanmtergtr Stnt« 12. KBnlgst. 3881 � Mittwoch 9. April �930 Unterhaltung und A�jssen Vellage des Vorwärts 3ttirl Ludolf Tieuber l: Wir find alle Jlomödianlen Wie schön, daß Sie gekommen sind. Ich danke Ihnen. Ich hatte schon gefürchtet, daß Sie es sich im letzten Augenblick doch anders überlegen könnten. Sehen Sie, hier habe ich ani Fenster gestanden und Sie kommen sehen. Aber legen Sie doch den Mantel ab, bitte. Sie sehen, wie»er- wirrt ich bin vor Freude, daß Sie gekommen sind. Wo legen wir den Mantel hin? Ach. hier über den Stuhl, ganz sorfältig, oder über das Bett, so. Ich möchte den Mantel nämlich nicht in der Flurgarderobe lassen. Verstehen Sie? Aber wie ich mich freue, daß Sie gekommen sind! Ehrlich ge. sagt: ich hatte es eigentlich nicht erwartet. Obwohl... Wenn ich auch... Sie dürfen natürlich nicht glauben, daß ich etwas Bedenk- liches darin sehe, wir haben uns doch darüber unterhalten, wir haben doch«ine Abmachung getroffen, nicht wahr? Wie Sic unten vor der Haustür standen, dachte ich: Jetzt kehrt sie um! Ich zählte die Stufen der Treppe, über die ihre kleinen Ausienstiescl schritten, und ich dachte: jetzt müßte es eigentlich schon klingeln! Es dauerte etwas lange. Zu lange für mich. Ich sah Ihr Zögern, spürte Ihre letzten Bedenken vor meiner Wohnungs- tür, da klingelte es. Und Sie sind da! Schönen, schönen Dank für Il)r vertrauen. Wollen Sie sich nicht in diesen Sessel setzen, Sie sitzen darin bs- quemer als dort. Aber Sie haben ja noch immer die Ueberschuhe an. o bitte, darf ich Ihnen helfen? Nein? Natürlich, ich bin sehr ungeschickt. Ich bin... Also, wo stellen wir... Ja, dort an die Zentralheizung, nicht so ganz dicht heran. Wie gefällt«s Ihnen in meinem Zimmer?(Banz natt, wie? Für einen Junggesellen? Die Oelbilder an den Wänden habe ich nicht verbrochen, sehen Sie mitleidig darüber hinweg. Warum lachen Sie? Ach ja, dieses Bild! Alle lachen darüber, die mich besuchen. Aber sagen Sie: was kann mein« Wirtin dafür, daß ich mehr von Kunst verstehe als sie? Sie liebt dieses Bild. Ich würde sie furchtbar kränken, wenn ich es entfernen wollte.' Und sonst ist«z doch sehr hübsch hier, ja? Ich freue mich, daß es Ihnen gefSllt. Diese seidenen Kissen habe ich von Freunden und Bekannten bekommen. Sie wissen: zum Geburtstag, zu Weihnachten, wie das so ist. Es liegt sich schön weich darin, wollen Sie versuchen? New? Sie bleiben lieber im Sessel.? Schön. Eine Zigarette? Ritte. Ich freue mich, daß Sie gekommen sind. Habe ich das schon oft gesagt? Verzeihen Sie! Lassen Sie mich Ihr Händchen küssen. Aber... warum lassen Sie mir Ihr Händchen nicht? Ist das ew verbrechen,«in Verstoß gegen unsere Abmachung? Ich bitte Sie, bleiben Sie doch ruhig im Sessel sitzen, ich setze mich sofort dort den anderen, der Tisch ist zwischen uns, genügt Ihnen das? Die zaghaft Sie nicken! Ich glaube, Sie machen sich doch vor- «lirfc, daß Sie gekommen sind. Sie sehen mich kaum an. Sie haben eine Falte aus der Stirn. Auf dieser samtenen Stirn... Blicken Sie doch nicht so böse! Hab' ich zuviel gesagt? Aeht has auch nicht in unserer Abmachung? Also verzeihen Sie... Es ist doch seltsam, daß Sie nun da im Sessel sitzen und ich hier vnd der Täsch ist zwischen uns. Sie meinen, es darf nicht seltsam sein? Es ist im Gegenteil ganz gewöhnlich? Natürlich ist es in diesem Sinne ganz gewöhn« lich. Ein« guie Bekannte hat mich besucht, die Freundin meines Freundes. Ich könnte ebensogut im Krankenhaus liegen noch einer Magenoperation und Sie besuchen mich und bringen mir«in paar Blumen, es wäre nicht anders. Ja, ich weiß, was Sie sogen wollen. Ich kenn« unsere Abmachung. Sogar Theo dürft« von diesem Besuch erfahren, Sie würden es ihm am liebsten sagen, es ist Ihnen schreck- lich, ihm das verschweigen zu müssen. Aber Sie verschwelgen ihm das nur, weil Theo gleich an ganz andere Dinge denken würde, an Dinge, die gor nicht, nicht im geringsten zwischen uns sind. Theo ist nun mal so... Sie sind ja Lbcchaupt erst gekommen, nachdem ich Ihnen hoch und heilig versprochen Hab«, mich so zu benehmen wie in Theos Gegenwart. Es sind nun schon drei Monat« her, daß>6) Sie zum erstenmal bot, mich zu besuchen. �Damals fragten Sie erstaunt: Warum denn? Inzwischen haben Sie mich doch besser kennen ge- lernt, wir haben zusammen Ausflüge gemacht, waren im Theater, haben getanzt, natürlich immer mit Theo. Sie haben mich als Freund«rpobt. Bielleicht haben Sie sich auch etwas an mich ge- wohnt, ja? Ich hosf« es... Wirtlich, die Abende, die ich bei Ihnen mit Theo verleben darf, sind für mich unvergeßlich. An manchen Abenden brauch« ich wie ein Kranker Ihre Stimme, Ihr Parfüm, Ihre Blicke. Und Theo fitzt immer doneben. Er Ist auch jetzt zwischen uns. wie dieser Tisch. Er sitzt hier in einem Sessel, hat die Beine übereinandergeschlagen, sagt etwas, etwas Spöttssches, Dunkelsinniges und blickt dem Rauch seiner Zigarette nach... So sehe ich ihn dasitzen... Sehen Sie ihn auch? Warum blicken Sie mich so vorwurfsvoll an? Warum soll ich dieses Bild nicht weiter ausmalen? Ich find« es interessant. Es ist aber durchaus nicht interessanter als etwa dieses Bild: S!« und Theo und ich in der Nische einer Tanzbar. Das Milieu ist eben mal anders. Sie sind in ineiner Wohnung. Sie und Theo, natürlich. Theos Geist gewissermaßen... Eine Zigarette? Einen Likör? Sie sind so nervös. 5)abc>i Sie ihre Bedenken immer noch nicht über. wunden? Sehe» Sie nicht, daß ick) mich streng on unsere Ab- machung halte? Sie brauchen mich ja nur an uns«?« Abmachung erinnern, wenn Sie glauben, daß ich abweiche... Ich möchte den Sessel jetzt etwas näher zu Ihnen rück«::, finden Sie es als sin« Abweichung von unserer Abmachung, wenn ich da» tue? Sie lächeln, Sie wissen nicht recht... Sie haben eigentlich nichts dagegen... So, nun kann ich Ihnen etwas tiefer in die Augen sehen, das ist doch nicht verboten? Oder doch? Uebrigcns sitzt ja der Theo dort am Tisch, sein Geist weilt bei uns. Ah, was ich sagen wollte, glauben Sic, daß Theo auf mich eifersüchtig ist? Cr hat doch gor keinen Grund, sagen Sie empört. Natürlich hat er gar keinen Grund. Aber Sie kennen ja Theo. Wepn Sie mich mal länger ansehen, mit mir tanzen.. Innerlich ist er von Ihrer Treue felsenfest überzeugt, er kokettiert nur mit dieser Eifer- sucht, er kleidet sich damit, cr glaubt, darin gut auszulehen. wie in einem rosafarbenen Pyjama. Sie meinen, daß Sie von Eifersucht nichts bemerkt haben? Sie sind aber so sicher in Ihrem felsenfesten Gefühl für Theo, daß Sic es nicht bemerken, weil Sie sich gar keiner Schuld bewußt sind. Auch jetzt nicht. Sie sind ja nur zu mir gekommen, um zu sehen, wie ich eigentlich wohne, ob ich es bequem Hab«, ob alles in Ordnung ist. Eme harmlos« Neugier— verzeihen Sie— hat Sie hergeführt. Sic sind übrigen- nicht da» erstemal bei mtr. In Gedanken waren Sie schon ein paarmal hier, nicht wahr? Ich behaupte das. Aber warum erheben Sie sich so unwillig? Warum gehen Sie im Zimmer hin und her? Warum blicken Sie nach Ihrem Mantel? Bitte setzen Sie sich wieder. Wenn Sie verlangen, rück« ich meinen Sessel sofort wieder aus den ölten Platz. Ach, und sehen Sie doch den Theo da am Tisch sitzen, wie er lächelt, wie er uns zunickt: Aber Kinder! so ungefähr... Jetzt rauchen Sie die brüte Zigarette. Es ist erst der zweite Likör, wenn ich nicht irre. Essen Sie Konfekt? ... Das war eben das Telephon. Ich weiß im ersten Moment nie, ob es das Telephon ist oder die Türglocke. Es ist dos Telephon. Ach. bitte, einen Moment. Ich komme sofort zurück. Ich lasse die Tür auf, wenn Sie wollen. Das Telephon steht nämlich im Flur. Aber nun muß ich schnell, es klingelt ja wie toll.— ... So. Hat es lange gedauert? Ein alter Bekannter war om Apparat. Ob ich abends mit ins Theater käme? Nein, ich habe nicht zugesagt. Ich will heute zu Haus« bleiben. Wenn Sie nicht mehs hier sind, werde ich mich in den Sessel setzen, wo Sie jetzt sitzen, und ich werde mich mit Ihnen unterhalten, anders als jetzt. Theo wird gar nicht da sein. Wir werden gar nicht an Theo denken. Wenn Sie dann nicht mehr da sind, wenn ich also kein« Abmachung mehr einzuhalten hob«, werde ich Ihnen gestehen, daß ich Sie lieh«. Was ist Ihnen? Sie haben gar keinen Grund, mich an unsere Abmachung zu erinnern! Sag« ich Ihnen denn jetzt schon, daß ich Sie liebe? Ich glaube nicht. Ich meine doch später. Später, ver- stehen Sie. Theo sitzt ja noch da, und ich habe Ihnen mein Wort gegeben, seien Sie ruhig, bleiben Sic im Sessel, der Tisch ist zwischen uns. Aber entschuldigen Sie, ich kann nicht mehr sitzen, ich muß etwas hin und her gehen: mir ist etwas heiß. Ich weih nicht, wie mir ist... War das nicht wieder das Telephon? Nein, ich habe mich geirrt. Sie wollen jetzt gel)«:?? Sie müssen jetzt gehen, sagen Sie? Warum müssen Sie jetzt gehen? Passen Sie auf, was ich Ihnen jetzt zu sagen Hab«, aber er- schrecken Sie nicht: Sie können jetzt gar nicht gehen. Warum nicht? Worum nicht? Hahaha! Warum nicht! Wie böse Sie blicken! Warum nicht? Theo wird nämlich gleich hier sein! Jawohl, Theo! Ihr Theo! Mein Freund Theo! Ich habe Sie vorhin belogen. Theo war am Apparat. Er sprach von einem Cafe aus, da? Eafä ist kaum zehn Minuten von hier entfernt. Er fragte, ab ich Zeit hätte... Ob er heraufkommen könnte... Und ich, wissen Sie, ich... Bleiben Sie doch um Gotteswillcn sstzcn. Sie habe» eben das Likörglas umgeworfen. Essen Sie noch Konfekt? Tlieo muß mindestens schon vor dem Haus« sein. Wollen Sic noch eine Zigarette? Es muß jeden Moment klingeln. (Schluß folgt.) Die moderne QroMtodt Der acbfdmitt tft»em.Duck» vom B o u« n* von A. Eiorift eirtniMmnen. tat h-rnnätfift im.3 ü ift e r! t e i a*»rfrficint. Sn fcirfem Buch mir»»er Lerfuch«nvacht,»05 Bauvrobl-m orunSsotzlich ioiialiitisch w fotaichtln. Was ist eine Stadt? Der Arbeiter erlebt eine Stobt als«ine Häufung von Wohn- Häusern, mit allerhand Arbeitsstätten dazwischen. Büro» und kleine Buden überall zerstreut, groß« Fabriken mehr draußen am Räude. Jngei�wo m der Mitte die lebhaftesten Derkchrsstraßen. Rachaus und andere Zlnüsgebäud«, zwischen den Fabriken mn Rairde ein- gestreut Schrebergärten, Handelsgärtnercien, Wiesenstücks. Zäune, Eisenbahradämm«, darüber die schwarzg« teerten Brandmauern großer Häuser, dort wo ein« angefangen« Straße vorläufig einmal nicht wettcr gebaut worden ist. Nach einer Himmelsrichtung, in Deutsch- land meist noch dem Westen hin, liegen die Straßen, in denen An- gelpdqe der besitzenden Klassen in Bissen wohnen, von Gärten und Parks umgeben. So ungefähr sieht eine Stadt aus.� Man hat in einer Stadt, in irgendeinem Betrieb«, gelernt, hat die meist« Zeit des Lebens mitten in der Stadt oder in«wer der Fabriken am Rande»«arbeitet, ist ans den Arbeitsnachmeis stempeln gegangen. Die meisten Wege, die man geht, führen über Pflaster oder Asphalt. Ein Stück Eisen- bahn zu einem Vorart, Straßenbahn oder Autobus durch die Stadt verstehen sich von selbst. Wer vom Lande in die Stadt gezogen ist, wer.Kindheit und Jugend noch im Dorf, auf dem Glüshose oder in Keinen von Land- Wirtschaft umgebenen Industriesiedlungen verbracht hat, sühlt noch den Gegensatz der Lebensweise hier und dort. Viele aus der Ar- beitersugend, die so oft wie möglich für einen oder zwei Erholungs- tag« nicht nur aus der Arbeitsfrmi, sondern auch aus der städtischen Umgebung sich hiiwusrettcn in den Wald und ans Wasser, werden such den Gegensatz noch«mpsinden. wenn sie auch nicht mehr wissen, wie es ist, wenn man dauernd» auf dem Lande lebt. Heute aber besteht wohl schon die Mehrheit der Arbeiterklasse aus Menschen, die von Kind on in der Stadt groß geworden sind und die ander« als städtische Lebensgewcchr.heitn sich kaum vor- stellen können: und der ge-mohntiche Soiuttogsousflug gehört ja eben auch ganz zu den Leb c nsgewohnhoite n eines Städters. Was ist ein« Stadt? Funktionäre der Ardeiterbewegung gelangen noch zu anderer Kenntnis vom Wesen einer Stadt. Sie hoben unter Umständen die Möglichkeit,«ine Stadt von im«n zu sehen, d. h. eine Stadt- vermoltung okrw kennen zu lernen. Sie werden Stadtverordnet«, Schössen, Mitglieder von allerhand städtischen Verwaltungskom- miffionen, Bürgermeister. Sie erfahren so, was kommunale Selbstverwaltung ist, sie erfahren, daß und auf welche Weise ein« Stadt Ge-'d und wirtschaftliche Werte zu verwalten hat, daß sie bestimmte Mengen von Nahrungsmitteln regelmäßig braucht, daß sie einen Teil jener Wohlsahrtspslege ausübt, die die bürgerliche Gesellschaft zu ihrem Schutz um sich herumgebaut hat: si« stellen fest, daß eine Slodr das Bedürfnis hat, Grund und Boden zu kaufen, ihre Ber- waltungsgrenzen auszudehnen, daß sie dabei mit staatlichen Ver- woltungsl'ehörden, mit benachbarten Gemeinden, mit Grundstücks- eigentümern und Grundstücksspekulanten in Konflikte kommt. Sie erleben, wie der MechanUmiis des Finanzkapitals auch die Stadt ergreift, wie die Bonken aus Anleihen, die sie geben, enonne Profit« herausschlagen, wie die Stadt gezwungen ist, in ihren eigenen Be- trieben— Elekttizitätswerken, Gaswerken, Straßenbahnen— zu wirtschaiten wie jeder kapitalistische Privatunternehmer. Von alle dem erlebt der einzeln« Arbeiter auch sonst ein Stück: der Straßenbahner fühll die Hand des städtische» Arbeitgebers, die Arbeiterfrau muß die Gasrechnung bezahlen, der Besitzer des Schrebergartens wird In Kämpf« um Grundstücke und Eingemein- düngen hineingezogen, wer der Wohlsahrtspslege aacheimsällt, erfährt chr« Unzulänglichkeit am eigenen Leib«. Sie all« erleben auch die Stadt von innen, aber immer mir stückweise. Die heutige Orga» nisatipnsfvrm der Ardeiterbewegung behält die inner« Kenntnis der Gesamtheit städtischer Selbstoerwal dmg«wer verhältnismäßig kleinen Zahl«m»g«wählter Funktionäre vor. Das ist«in« Stadt? Dt« moderne Stadt ist entstand«», als die Zusanvnensasstmg industrieller Produktiv»!» kraft«, leitender MiMpunkte der Warenverteilung und zentraler Spitzen der allgemeinen Benvaltung. Sie ist das Ergebnis schärfster Spezialisierung und Konzenttation, wie sie dem vom Kapitalismus ausgestalteten Produktionsprozeß ent- spricht. Weitaus der größte Teil der industriellen Produktion im engeren Sinn« entsteht heute in großen und Seinen Städten. Eni- iprechend sind heute auch die»ettow größten Mass« der indu« striellen Arbeiterschafr in Städte zusammengeballt. Die Städte und insbesondere die Großstädte erzeugen heute nur noch einen ver- schwinde ni> geringeil Teil der Nahrungsmittel, die sie varb rauche». Das flache Land, Dorf und Gut, erzeugt heut« nur noch einen ver- schwindend geringen Teil der industriellen Güter, ine es verbraucht. Die Stadt»st für ihre Ernährung auf das Land angewiesen. Dos Land, Dorf und Gut, ist für sein«' Bekleidung, sür sein« Bauten, für seine Geräte, für Li-G, Wärme, mechanische Kraft, aus die Stadt angewiesen. Dies« völlig« Treimung der Produktionsgebicte, die durchaus eine Aesondsrhett des 1?. und 20. Jahrhunderts ist, erzeugt nun nicht etwa ein« Solidarität zwischen Stadt und Land: sie erzeugt vielmehr, entsprechen«) dem allgemeinen Charakter der kapitalistischen Warcrrprvduktion. einen Gegensatz, der sich ständig Zuspitzt und sich gelegentlich zu politischen Auseinandersetzungen schärfster Art ent- wickelt. Dieser Gegensatz zwischen Siadt uist» Land ist einer der chpischen Gegensätze des Kapitalismus überhaupt: wie auf anderen Gebieten, so führt auch hier seder Versuch eines Ausgleichs der Interessen nur dazu, den Zwiespalt aus, neuer errveüertcr Swse wiederholt zum Ausbruch zu treiben. sma uuifhig: Tiranke ÄLnsn Der Eisbär, von vielen Forschern und ebenso von hervorrage»- den Ticrkennern für das gefährlichste aller Ranbckere gehalten, ge- hört zu den verhältnismäßig wenigen Tieren, denen in der Ge- fangenschaft, trotz liebevolle» Ehelebens, keine Fortpflanzung vc- schieden ist. Wenn die Tier« nun auch in der Gefangenschaft nicht züchte!», so bedeutet das noch lange nicht, daß sie in der Gesangen- schaft besandcrs leicht Krankheiten ausgesetzt sind. Im Gegenteil, man hält sie in den Tiergärten Jahre hindurch bei bestem Wölfl- befinden. Hin und wieder ist mal ein altes Tier gefährlich bösartig geworden, aber solche Anzeichen von einer Art Verrücktheit kommen bei vielen alten Tieren, uni> zwar nicht nur in der Gcsangenschai», sondern ebenso in der Freiheit vor. Heutzutage, wo man weiß, daß der Eisbär ein leidenschaftlicher und ausdauernder Schwimmer ist. gibt man ihnen in den modernen Freilondanlagen, wie z. B. in den Tiergrotten in Bremerhaven, reich« Gelegenheit zum Schwstn- men. Dadurch hojft man, die Bedingungen für ein fruchtbares Familienleben geschaffen zu haben, In den großen Zirtusunternehmen, die nachweisbar jahrelang mit ihren Tieren reisen, bekommen die weißen Herren Petze Miich, Brot. Reis, Pferdefleisch und Brühssippe aus Pferdeknochen, D»e Eisbären schlappen mit ihrer blauschwarzen Zunge eine solche Bouillon wirklich gern. Wie kommt aber der Eisbär bei einer der« artigen Ernährung zu Trichinose? Wo doch Trichinen hauptjächl:ch durch Ratten und Schweine weiterverbreitet werden? Und daß ein Eisbär an Trichinose erkranken kann, beweisen ja d>« Tvdessäll« in Stuttgart. Dazu sei bemerkt: Im Berliner Zoologischen Garten ist n«ch nie ein Eisbär von Trichinose befallen worden. Von einem katastrophalen Eisbärcnsterben wurde einmal der Zirkus Wilhelm Hagenbeck betroffen, al» er hundert Eisbären hatte. Der alte Hagenbeck war mit diesen Tieren im Eirqne d'Hiver in Paris aufgetreten. Da man auf die Unterbringung eines solchen Tierbestandes im Zirkusstall selbst nicht«ingerichlet war, hatte man die Eisbären in Keller gestellt. In Paris, dieser stark rattenverscuch- tan Stadt, aber ging man gerade den lästigen Nagern energisch zu Leibe und hatte Rattengist gelegt. Di« Eisbären jedoch müssen ver- giftete Ratten gefressen haben. Ein Bär nach dem anderen starb, obwohl die berühmtesten Tierärzte Europas durch Telegramm zu den kranken Tieren gerufen wurden. Damals war ein einzelnes Exemfflar viele Taufende wert: denn der Eisbären-Expari war noch recht sollen. Ganz unerwartet und unerklärlich erkrankten im Zirkus Karl Hagenbeck l.927 bei einem Gastspiel in Beritt» vier junge Eisbären aus einer dressierten gemischten Raubtiergruppe. Diese Gruppe führte der alle Schilling vor. der jetzt bereits ein Greis sich teil» ganzes Laban hindurch mll Raubtieren beschäftigt hat. Auck für ihn war die Enkrankung der Tiere unverständlich. Sie lagen'foltert in ihrem Käfig, hatten«ine erhöht« Acemtätigkeit und litten offen- dar Schmerzen. Man blieb Tag und Nacht bei ihnen veriuckt« o�es mögliche und doch starben die Tiere. Sie wurden seziert und das Ergebnis war— Trichinose. All« waren verblüfft und jeder sagte: „Hat man so etwas schon von Eisbären g-hört?" Nun nach Iahren hört man abermals von einem Bären, den sich Trichinen zum Wirt erkoren hatten, der als scheinbar gesundes T>cr getötet wurde und dessen Bärenschinken zu schrecklichen Er» kraokungen und schwerem Sterben vieler Menschen führten. Der betrogene Menschenfreund. „A>sl sei toer Mensch, hitsreich und gut!'. Wer tarnt nicht dieses reunderbore Wort, das keineswegs wie mancher vermutet, aus der Bibel stammt, sondern von Goeche.?imner wieder kann man beglückt festellen, daß es Die Irschen gibt, die diesen Aufruf zur hiti- reichen Tat imchzukomnren suchen. So«in liebenswürdiger, hilfs- bereiter Mensch muß auch jener Kaufmann aus Tewpelhof gewesen sein, der vor einigen Togen auf dem.Heimweg über das Tempelhot er Feld von zwei Zigeunerinnen um Zigaretten angebettelt wurde. Leider hatte er keine Zigaretten bei sich und unbefchenkt wollte er die Zigeunerinnen nicht gehen lassen. S o gab er jedem Mädchen 20 P s. Der Gute ahnte nicht, konnte nicht ahnen, welch Mißgeschick ihm aus seiner helfenden Menschlichkeit erwachsen sollte. Kaum hatte er den Mädchen das Geld gereicht, fielen die beiden den freundlichen Mann in stürmischer Freude um den.hals. Der Spender, über so viel Dankbarkeit ge- rührt, wollte sich sonst aus der Umklammerung befreien. Es gelang ihm nur schlecht. Endlich ober mar er frei und trat, gehobenen Sinnes über das kleine hübsche Erlebnis, den Heimweg an. Zu Haufe angekommen berichtete er den Seinen, was er erlebte. Als man sich gemeinsam an der naiven Dankbarkeit der braunen Natur- kinder erfreut Hot, siel es dein Kaufmann ein, seiner Brieftasche einen Geldschein zu enwehinen. Er wußte, er hatte 700 Mark in Noten bei sich. Aber so viel er auch zählte, es wollten durchaus nicht niehr als 200 Mark werden. Wie ging das zi�? Sollten die Zigeunerinnen...? Sollten sie Freude und Dankbarkeit gespielt, raisiniert vorgetäuscht haben? Der Menschcirfreund ging zur Kriminalpolizei, die sich der Sache annahm und in kurzer Zeit eine der beiden Aigeunerinnen erinittelt«: ihre Freundin, sagte sie, habe dem Kaufmann während der Umarmung die Tasche aus dem Rock geholt, einen Teil des Geldes herausgenonrmeii und sie dann wieder bineingesteckt, olles, ohne daß der Kaufmann dos Geringste gemerkt hatte: sie behauptet, nur 10 Mark von der Beute abbekommen zu haben. Nach der. zweiten Zigeunerin wird noch geforscht. Allgemeine Welierlage. a.ApriU93aabds. q—* � �wolkwIatO hartr.,/»! fMnrdswaser{ IKilUrtidies Heber dem nördlichen Europa lodert jetzt ein mnchncreiches Hochdruckgebiet, das sich sehr langsam nach Süden verschiebt. Ein Tief befindet sich aber über dem Ozean. Es nähert sich ebenfalls den europäischen Küsten und dürfte sich nach Nordosten verlagern. Die Lustdruckunterschiede sind über Mitteleuropa nur gering und einem stärkeren Lustaustausch hinderlich. Unter dem Einfluß des Hochdruckgebietes ist für Mittwoch etwas Wetterbesserung zu er- warten. Späterhin dürfte sich jedoch die nordwestliche Depression bemerkbar machen. Infolge der vermehrten Sonnenstrahlung sind besonders tagsüber höhere Temperaturen zu erwarten. * weiter für Berlin: Teils wolkig, teils heiter mit wenig vor. änderten Tagest emperaluren, schwache Luftbewewmg. Keine »enizenswerten Niederschläge.— Für Deutschland: In Ostdeutsch- land teils heiter, teils wolkig, tagsüber mäßig warm. Auch im übrigen Reiche allmähliche Wetterbesserung mit langsamem Tem- peratu ranstieg. Zur Gesundhaltung! FaeUager Tersandsteile, Berlin SV 1) ScUtnsbergerStr. Ma. Tel. UHrowSMMt Aus der Partei. Genosse 21L üakubowicz. der bis vor kurzem Letter des„Buche» kr eis es' und vordem Geschättsführer der sozialdemokratischen Verlags- onstalt I. h. W. Dietz Nachf. war, ist am Dienstag plöylich verstorben. Er war'bereits längere Zeit leidend, so daß er vor einigen Wochen die Leitung des„Bücherkreises' niederlegen mußte, um Heilung außerhalb: des Betriebes zu suchen. Er lxtt sie nicht mehr gefundcir. Genosse Iakubowicz, der mehr als drei Jahrzehnte der Partei an- gehörte, hat schon als junger BuchhandlungsgehUfe sich sehr rege in der Arlreiierbewegung betätigt, besonders in Breslau, wo er in einer sehr bekannten bürgerlichen Buchhandlung angestellt war. Nach dem Kriege übernahm er die Leitung der Verlagsbuchhandlung Vorwärts, die später mit dem Sttittgarter Verlag des Genossen Dietz ver- schmolzen wurde. Seit einigen Jahren war ihm der„Bücherlreis" anvertraut, den er lettete, bis ihn zunehmende Krankheit zum Rück- tritt nötigte. Das?lndenkeii des stets hiffsbereiien Freundes der Arbeiterklasse wird in Ehren bestehen. Sport Kennen zu Strausberg am Dienstag, dem 3. April. I. Rennen. 1. Spala(Kresenbittig), 2. Ehsri, 3. Boglar. Toto; 108:10. Platz: 24, 48, 61: 10. Ferner liefen: Eastcr 2ün, Legende, Florian. Sontra. 2. Rennen, t. Negan(Kreienbring), 2. Sonate. 3. LinZka. Toto: 32:10. Platz: 13, 15, 13:10. Ferner liefen; Prima, Mein Julius, Miriky. Ordensregel. 3. R e n n e n. 1. Marketenderin(Hittter), 2. Soravia, 3. Tiefenfurt. Toto: tg: 10. Drei Uesen. 4. Rennen, t. Eiche(Häuser). 2. Horeb. 3. Paradenia. Toto: 20:10. Platz: 12,13:10 Ferner lies:.Heldentochter. S. Ren ii e n. 1. Kladiaior(KukillieS), 2. Richtlinie, 3. EfikoZ. Toto: 16:10. Platz: 14, 14:10. Ferner lief: Ardorlttn. 6. Renne n. 1. Habakut(Hugneniti), 2. Black Bridqe. 3. Floreilan. Toto: 55: 10. Platz: 19, 17. 20:10. Ferner liefen; Odaig, Trianan, Ping Pong, La Piave, Eovkist. Gerald, Windspiel. Eleovatta. 7. Rennen. 1. Vivida(Ludwig), 2. EiiaS, 3. MithridateS. Toto: 22: l0. Platz: 13.23,16:10. Ferner liefen: Lilienfee, Talie,.Lieferer, PerlaudabiliS, Mossitt, Oda, Otis, Indra. Odtfendmioe- wr dieke Nnbrit find Berti» SS SS. Lindemiratze 3. parteinachrichten fürGroß-Berlin stet, tn da»®ejirf»fetwtoritto Mobmnonit. »3. Abt. lä'-i Uhr Zabkakende. Sesit?« U4— 116: Vobst, Lnchrnrr 61t. 103. Sckc Staraqr der Strafte. Beaitle 1X7— 120; Seifert. Pavve lalle» 45. B«- srrk 124: Sckolidt. Paooelallee 80. Bezirke 126. 126: Scffntann. Loche ner Strafte 8. SejitM 145, 148, 148— ISO; Maiinkovs. Carmen-Soloa-Str, 123. Bt.grfe 147, 151— 154; Lokal Btten. Carme N-Solna-Str. 21. Be,irk 155; ShthoA. Seile ritt. 47. Be.cirfe 156, 157 und 139: Eaarri, Vichertstr, 59. Beeirte 138, 160. ich: Riebe raall, Carmen. Sntoo-Stt. 22. 38.«bt. Die Bk4irk»f!lkrrr. welche das Material noch nicht eorvionaen bade», lvle» die, beute ad 19 Ilbr nou Battusch. Friedeitflt. SS, ab, 44. Abt. 79. StadtbeKrt: 19'a Übt gablobend bei Möblet. Bdurltalslt. 20. 78. Abt. Sd-önebetfl. 1915 Übt Falilabend bei Rasentbal, Sbetssir, 66, 83.«bt. Lichtetselde-Vst. 20 Übt im Lolal SilbelmsbSbe. Am»tanaldvlaft. Rrietent Genosse Sreusck>, 87. Abt. Marieaselde. Zo Ulir Fablabend bei Schuster. Sirchstr. 68. 96. Abt. Renlöllu. 1S'5 Übt Miialiedetoersaormluna be: Zillmet. Raaatftt. 36. Bortraa:„Aendetuna des Gesetzes Groft-Betlin. Referent G'abtrat Her- n-ann Radtke. DiÄufsson. Abieilunasanaeleaenbeiten. 196. Abt. Zabarnristbal. Achtuna, anderes Latal! 194? Ubr Mrtaliebemetsanu»- j Inn» nicht Im Laaenba»«. fanbetit im Lolal Botda. Stabe»rauchstraftc 12. Bartraa:»Balitische Zaaesstaac»". Referent Herbert stnicdemon». 103. Abi.■Rtirtrichsbflnc». Abteilunasaersammluna findet nmstSndebalbet erst am 16, April statt. 11#. Abt. Lichtcnbera. 19'? Übe Mitaliedem-ersanrmluna im Lokal Schade, Normanne». Sckc«nschestrafte. ZZartraq:.Die»alrtisch« Scoc'. Referent Dr. Richard«ischl-t. tO. Wtt taaftm SeaMt«tz»- Jw JMer.. .Stadtrmlk ht Rott. Referent Otfn Most.— S. S-nspe; 1»t-> Uta abend im Lnkol Streuer, stisfinaenstr. 4 fnicht Berti» f* Strafte 1. Beerra« .AThjele Taaesttoamri. Referent Otto Zisla. Morgen, Donnerstag. 10. April. 198. Abt. Ztipenich. 1»'-) Uhr Fab labende: Daumworstabt bei Echuta. Bahnbofstr. 34. Referentin(SenaiTm Marie Zankaiotki Uber»Arbeitet- mablfabnri. ublendatsi. Mlaaelbeide. Siedluna ufm. bei Klose. Mable-. darf er Str. 1. Reserentin Marie Kunert, M. b. R.. über„Die politisch« Laar". 117. Abt. Lichten ber». Beurkertdrsseber und-pflearr: IS Ilbr bei Klose Sitz»»«, Adressen nan neuen Pfleasm sind mibuebrinaen. 139. Abt. Teaei. SSmUendarf. Heiliaensce. Siedlnno am Babnbot Hriliaensee.. 29 Ilbr Mital lederne riani Minna im Lokal Beck, am Alnavlatz. Rml-Sriliaen. see. Sislnsftansabenb. Zrauenveranfialluna. Z. Kreis Zkriedrichsbnin. Donnerstaa, 19. April, um 1944 Übt. bei HenLchel. Metnelet ölt. 13. ffunItioniirinnenlanfertnA. Dichii« Taaemndnuna. _ Asse Abfeilunaen mllfien vertreten sei». Dezirksausschuh sür Arbeikerwohlfahrt. Zürsomee, Zsstsaraemnnenl D« 3. Knesnmbenb be« Genossen Dr. Stauet findet am Dannerata«. 19. April. 1844 Ilde»nnbtiich. im B-rteinaatrmmsaal. »erlin. Lindenftr. 3. 2. Kos, 2 St. link«, statt. 7. Kreis Tbartottenbuta. ftzreitaa. 11. April. 20 Ubr. findet int Ratbau, Gbarlattenbura,.ginrinrr 3, eine Sitzuna der Drbeüerwvblfabrt statt. Referat der Genofssn De. Kiara Kenriatres über„Grundlaqen unb Aufaaben der Arbriierwoblsabr�'. Alle interessierten Genossen und Genvsftnnen werde»«e- beten,»a erscheinen. S 19. ftmi Seblenbats and 12. Ätct« Stealitz. Donnerstoa. 19. April, p fei 20 Übt, findet im Ratbaus Stealitz..nimm et 5, die Tortsetzuna und fess Schluft des Kursus der Genossin Dr. Maonn» über dets„aeitrnd? Mr. e.i g fotuttedN" statt- Wir bitrin alle Kursusteilnebmer und interessierten p Genossen, recht table eich und pünktlich öu erscheinen. Arbeilsgemeinschasl der Sinderfreunde. Kreis Brddina: Am Dannerstaa. 10, April. 20 Übt, findet im Fuaendbeim Utrechter Str. 31. ein« Kre-sbelferversammluna statt. Gruppe Schilletpark: Alle Trilnebmer an der Olierfobrt ko muten aur Damierswa um 18 Ilbr ins Fuaerdbeim lltrcchtcr Str. M»ur itzabrten» besprechuna. Litern können daran teilnebmen. Gruppe Lande beracr Blad: Ack tnna, ssadrti Bon Dannerstaa. 19. Aptnl, bis Sonnabend. 12. April, noch Briefelana. Köllen Mr Dabrael». Schlafen, Mittaa- essen und Deriänke 2 M. Steffen DonnerMao 141» Ilbr itzalkenecke, Ende Sonnabend 18 Ubr..— vltetfadrten! Dannerstaa. 17. April: Helferlabrt nach der Dnbrrnn..Kasden etrna 2 M. Sonnabend. 19. April: Gruppeirsabri noch den Gosener Beraen. Kosten eitva 5V Pf. Montaa, 21. April: Gruvpenfabrt na» Rüdersdorf. Kosten 50 Ps. Dien-üaa. 32. April: Röhrt na» Grane. wald. Kosten ebwa 25 Pf.— Acht»»«. Litern! Mr bitten de» Gruppen. fubrern die Mitaliedskarten ausrubändiaeu. Die Anrnelbuna kür die Oiter- iabrten rnuft bis Mantaa. 14. April, erfolat fein, beiU-t Str. 6»-«1, nt» seiner Sattin*ttt Silbe rhoiferit die bmlichsten Glückwünsche. 92. Abt. Neniölln. Unfern« alten Genossen«eor,»rRckebera. KaiIer.istiedrich.Stt. 83, UI seinem 69. Gebnrtstnae die bertlichsten Glück. wünsche. Wir wünschen ihm nach weiterbin Seinndbeit nntd Wabieraebr». �«Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| 18. Abt. Unser Genosse Kermann Zanke. Sastiaustr. 21. ist starben. Lbr« seinem An denken I LwZfcheruno am Mttrpa». 9. April, 14V. Ubr. im Krematorium Gerichtstrafte. Wir bitten um reae Be'eisseuna. 29. Abt. Unser alt« Genosse Robert«oitel rst am st April na» lanaem schweren Leiden im 79. Lebenrnobr« n erstorben. Gert seinem Andenken! LinZscheeuna ssreitaa. 11. April. lO'i Übt, im Krematorium Gr richtstrafte. Wir bitt-n um rea« Seteiliauna. Eine interessante Neuerung im Berliner Rundfunk: Aus dem Köllnlschcn Gymnasium wind est« deutsche llnterrichtsstunde über- tragen. Es Handelt sich dabei, wie der Veranstalter, Edles K ö p p e n, mitteilt, um einen Beitrag zu dem Zyklus„Die deutsche Sprache'. Selbstverständlich spielt das Mikrophon hier nicht die Rolle des unbeobachteten Reporters, sondern der Unterricht ist in großen Umrissen festgelegt. Was Lehrer und Schüler erzählen, soll gewissermaßen von progranimatrscher Bedeutung sein, indem es den Geist des modernen Deutschunterrichts auf einer höheren Lehranstalt illustriert. Zur Diskussion stehen die Klassiker. Meinungen platzen aufeinander, allerdings in ruhiger parlomentarischer Form. Zum Slu sdruck kommt, daß der Deutschunterricht, verglichen mit früheren Zetten, aktuell beleibt worden ist. Di« Gegenwart mit chren Problemen steht im Mittelpunkt der Diskussion, und auf die Gegenwart bezieht man auch die Klassiker. Jedenfalls ist das Muffige verschwunden, der Lehrer hat seine Professor-Unrath-Blick« verlor««. Allerdinas wird es kaum überoll so tolerant und sortfchrtttlich zugehen, wie in dieser Klasse. Der Pariser Dramatiker Louis V e r n e u i l sprichl anläßlich seines Berliner Aufenthaltes in der Funkstunde. Zuerst kommt der Wunsch, daß es bald zwischen Deutschland und Frank- reich zu einem intimen künstterischen Austausch kommen möchte. Dann spricht Verneuil, von seiner Persönlichkeit ausgehend, über die Arbeitsweise des französischen Dramatikers, der meistens im 3)inblick auf die Bühnenwirkung und das vorhanden« Schauspiclermaterial schreibt. Seiner Meinung nach wird dadurch der Kunstwert eines otuckes nicht herabgemindert, und außerdem erscheint der Erfolg gc- sich«!. Verneuil spricht nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern betreibt eine unterhaltende und liebenswürdige Konversation. Ueber die Osfenbachlsche Operette„M adame L'Archiduc' ist hier bereits berichtet worden. F. Sch. Voriräge, Vereine undVerfammtlmgen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold'. Geschäft, stell': Berlin 6 14. Eebagianstr 37—88. dof 2. Re. Dannerstaa, 10. April. Di etaarten: 19 Vi Ubr Antreten»um Platz- fatuert im«leinen Dierocrten. 20 Ubr Bcttamnlniw, Ammnin» ballen. Bremer Str. 72-73.«am. Stellina spricht wer.Pari» � unb Ret,*». bannet". Pflichtperanlialiuna. Bannertleidnra. Per», lauer Per,: Kamerad- schattewersannnlnnaen um 20 ilbr. Kam Kaniastar bei Rasnet..aorman ueutr ch- ssrafte 23.«am. zaike bei 3enae. Milastr. 3.«rombetg; Sitznna sämtlicher Kameradschafts-. 3ua- unb Grurpenfübrer 20 Ilbr Gwalb, Vereinabau,. Skal'tzen Strafte 12«.«teal'tz iAamerabs»a?t>: 20 Ufte Barstandssiftima im Restaurant Schul», Birkbiischstn. 90. Reuielln-Bri». 1. Kameradschaft: 20 Ubr Kamerad- sckiaftopersammluna in der Kattbusser Klause. Kattbusser Damm tzti. Aartraa Kam. L«v!nM:.MeSerner SirafvalOu-ri. Köpenick: Abfahrt von Säveuick Erkner 18 V, Übt, vam Baftnbos ffriebrichebanen 18.40 Ilbr. ahne itzabne». Mari nta bteilnna: 20 Ilbr Durnabend 2 urnballe Alorechtsir. 20.— Unettaa. 11 April. Kreu«bera. Kamerad'-basr I stzüae 1. 2 und 33: Beriammluna in «lein- ssestftilen lebemai, Bl«6>eri?re3, Blstchersir. 61 Bericht ron fter.«i> Ubr Antreten em ftri-hrzWoX suc Deilnaftme o» der Srtanereinmiallperiannnluna. Barte aq. Besuch»er An. aeböriaen erwünscht.—«enkelln-Zri»: Sannobend. 1.2. April. Bunde,. arstndunaesseier in der Reiten Welt. Lasenbeide. geftrebe Sunbesaarfttzenden Äomcrob HörNno. Notationen. 5anZ unt» Tombola. Eintritt 1 M. Ant«»« 10 UZ»?.