Ur. 71. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: viertel- jährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich S8 Pfg. frei In'ä Haus. Einzelne Nummer « Pfg. Sonnlags-Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" ic» Psg. Poft-Abonnement: 3.30 MI. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 M., für da» übrige Aueland s Ml. pr. Monat. Eingetr. in der Post- ZeilungS- Preisliste für 1896 unter Nr. 7877. 13. Jahrg. Ansertions-Sebllhr beträgt fiir dl« fünfgespaltene Pctitzeile oder deren Raum so Pf., für Vereins- und Veriaminlung»- Anzeige» 2» Pfg. Inserate für die nächiie Nummer müssen bis« Uhr nachmittag« in der Expedtiton abgegeben worden. Di- Expedition ist an Wochen- tagen bis? Uhr abendS, an Tonn- und Festtags» bis o Uhr vormittag« geöfsnet. Lernsprecher: Jinit l.fir. 1508 Neleoramm-Adreis«: „Kosialdemokrat Kerlin", Berliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Wedaktion: SW. 19, Wenty-Straße 2. Dienstag, den 24, Marz 1896. ßLpedition: SV. 19, Weuth-Straße 3. Die VeAkkion in Frankreich und dns HNinifierinin Vourgrois. Paris, 20. März 1896. Die Sozialisten nahmen das Ministerium Bourgeois, menn auch nicht mit Sympathie, so doch ohne Feindseligkeit ans, da es nicht den Krieg gegen den Sozialismus zu seinem Programm machte, wie seine Vorgänger es gethan hatten. Indessen einige Sozialisten, zu denen auch ich gehörte, hatten doch mit cinein gewissen Mißtrauen gesehen, wie die Radikalen ans Staatsrnder kamen; denn wir er- innertcn uns, daß die Ministerien um so reak- tionärer waren, je unversöhnlicher sie in der Opposition ge- ivesen. Außerdem st, lg das Ministerium nicht sehr gut än, denn anstatt die Truppen und Polizeispitzel zurückzu- ziehen, die Ribot zur Unterdrückung des Streiks der Glas- arbeiter geschickt hatte, ließ es sie dort. Der Geldprotz Resseguier glaubte sich unterstützt und setzte den Kanipf mit größerer Heftigkeit als zuvor fort. Um einer vollständigen Niederlage zu entgehen, beschlossen die Streike, iden die Gründung der Arbeiter-Glashütte. Bourgeois und seine Kollegen sind vielleicht nicht besser als ihre Vorgänger; doch die Verhältnisse haben sich ge- ändert. Die Konservativen des rcpnblikanischen Zentrums und der Rechten, die es nie verstanden und es nie vermocht hatten, die Ministerien ihrer eigenen Wahl zu vertheidigen, zogen gegen Bourgeois grimniig ins Feld, weil er sich nicht als ein wilder Reaktionär bekannte. Seit dem Panama- skandal beschützten die Ministerien die Chekleute, deren Stimmen ihnen infolge dessen auch sicher waren: Reinach sagte ganz nnverblünit, er bringe dem Ministerium seiner Wahl 80 sichre Stimmen, deren Namen in dem Check- verzeichniß seines Schwiegervaters, des Barons Reinach, ständen. Anstatt nun diesen Schurken, die seinen Sturz beschlossen Hatten, Straflosigkeit zuzusichern, drohte Bourgeois ihnen mit dem Strafrichter, und wie Hunde, gegen die man die Peitsche erhebt, krochen sie zu Kreuze. Die Furcht vor dem Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Furcht vor dem Untersuchungsrichter machte die Checkleute zahm. Allein, wenn auch die Pananiisten und ihre Freunde vom republikanischen Zentrum und der Rechten das Ministerium nicht offen anzugreifen wagen, so führen sie doch einen Geheim- krieg gegen dasselbe und arbeiten an seinem Sturz mit den niederträchtigsten Jntßiguen. Tie alten Perücken des Senats wollten das Ministerlum� mit Zähnen zerreißen, allein sie haben keine Zähne. Diese zahnlosen, gichtbriichigen Greise: sie konnten nur bellen und mußten sich für geschlagen er- klären. Die Reaktionäre beschlossen hieraus, bei Gelegenheit der Budgetbcsprechung Rache zu nehmen. Das Ministerium Bourgeois beantragte die Erhebung einer Einkommensteuer, die schon seit Jahren gefordert wird. Vor den Wahlen ver- sprechen die Kandidaten ihren Wählern, für sie zu stimmen, und sind sie gewählt, so lehnen sie sie ab. Das Ministerium hat diese Reform in sein Budget eingefügt. Seine Feinde glaubten, diese Reform würde ihnen das Mittel zum Slnrze des Ministeriums geben: sie sind ja die Mehr- 87 CloLildv. sNachbrucl verboten.) „Ah! unser Ganymcd— ich erinnere mich, von Ihnen gehört zu haben," rief Blanka von Bergkuhn. Sie haben Clotilde— Frau Doktorin Langenberg," verbesserte sie sich selbst,„gesehen! Das interessirt mich, Sie müssen mir von ihr erzählen." „Das kann ja sogleich geschehen," fiel ihr Mann, terr von Bergkuhn ein, wir fahren gerade zum Diner nach ritisch Hotel, ich lade die sämmtlichen Herrschaften ein, theilzunchmen und mir das Vergnügen zu bereiten, Sie alle als meine Gäste ebenfalls dort zu sehen. Besonders ersuche ich die Herren dafür zu sorgen, daß die Damen nicht erst Toilette machen, sondern so bald als möglich zur Tafel kommen, damit meine Frau nicht zu lange auf Befriedigung ihres Wunsches zu warten braucht und bald erfährt, was ihren Wissens- dürft stillt." „Wir bringen nur unsere Pferde in den Tattersall zurück und werden bald Ihren beiderseitigen Wünschen nachkommen," rief der Italiener Herrn von Bergkuhn zu. Er grüßte, übernahm mit Flora die Führung und nachdem auch Loli und Baron von Bcchler sich verbeugt und sich dem Paare im Wagen empfohlen hatten, eilten die vier Berittenen davon. Bergkuhn verschlang die Gestalten der jungen Mädchen mit wohlgefälligen lüsternen Blicken, was von Frau Delroi sehr gut bemerkt wurde. Sie blieb daher mit ihrem Manne halten und gab dem Kutscher ein Zeichen, er möge weiterfahren. Diese zarte Rücksicht trug ihr von Frau von Bergkuhn einen freundlichen Gruß und Blick und von derem Manne' heit der Kammer. Sie wählten in den Bureaus eine der neuen Steuer feindliche Budgetkommission. Doch weit ge- fehlt, sich von dieser in geheimer Abstimmung gewähllen Kommission einschüchtern zu lassen, hat Doumer, der Finanzminister, sie mit vernichtendem Hohne behandelt und sie schließlich zu einer öffentlichen Debatte über diese Frage herausgefordert. Er weiß ganz genau, daß gerade die, welche den Muth besessen haben, in geheimer Abstimmung gegen das Ministerium zu stimmen, die ersten sein werden, ihm beizupflichten, wenn sie zugleich mit ihrer Stimme ihren Namen abgeben müssen. Bourgeois beherrscht die Kammer mit der Furcht vor dem Untersuchungsrichter. Jetzt eben hat er seinen Feinden den schlimmsten Streich gespielt— einen wahren Meisterstreich. Der Senat sucht sich über seine Niederlage mit der Behauptung zu trösten, das Land billige sein Verhalten. Bourgeois hat sich nun den boshaften Spaß erlaubt, dieses Wahngcbilde zu zerstören; er hat Felix Faure auf dessen Reise nach Lyon, Marseille, Toulon, Nizza u. s. w. begleitet: allent- halben wurde er mit den Rufen:„Nieder mit dem Senat! Hoch Bourgeois!" begrüßt. Dr. Flaissieres, der Bürgermeister von Marseille, den unser Freund Liebknecht 1892, als er Delegirtcr zum Arbcitcrkongreß in Marseille war, kennen lernte, hat alle Bürgermeister der Departements zusammem berufen, die in einer feierlichen Versammlung die Rufe der Menge bestätigt haben, indem sie dem Senat ihren Tadel, dem Ministerium ihre Glückwünsche aussprachen. Die Reaktion ist ans der ganzen Linie geschlagen: im Senat, in der Abgeordnetenkammer und im Lande. Ter demokratische Zug ist entfesselt— ich sage der demokratische das heißt der kleinbürgerliche, nichl der sozialistische. Die Politiker scheinen diese Kraft ganz vergessen zu haben; und doch hätte die außerordentliche und plötzliche Popularität Boulanger's ihnen die Augen öffnen sollen. Seit der Bc- gründung der Republik warten die mittleren Volksschichten, bestehend aus Handwerkern, Krämern, Kleingewerbetrciben- den und Beamten, auf die Verwirklichung der so oft ver- sprochenen Reformen. Niemals ist etwas gekommen. Sie verloren jedes Vertrauen zu den republikanischen Führern und warfen sich dem tapferen„General" in die Arme, in welchem sie einen Heiland erblickten, und der sich durch seine schmäh- liche Flucht nach Brüssel zu gründe richtete. Heute wenden sie sich Bourgeois zu als dem Retter; die Zukunft wird zeigen, ob er seine Popularität verdient. Die Monarchisten, welche sich des populären Generals zu bemächtigen versucht hatten, um ihn als Stnrmbock gegen die Republik zu benutzen, haben sich jetzt mit den Opportunisten und Panamistcn verbündet, um das Ministerium Bourgeois zu bekämpfen. Und das ist ein großes Glück. Die Reaktionäre haben sich stets durch ihr Talent, Dummheiten zu machen, ausgezeichnet und wollen die gute Meinung, die man von ihrer Intelligenz hat, nicht ver- lieren; sie fahren fort, Dummheiten zu machen, trotz der bitteren Lektionen, die sie empfangen haben. Zur Zeit, als Ribot noch Minister war, hatten sie einen Fcldzug gegen den Präsidenten Felix Faure eröffnet, der ihrem Ideal die Worte ein:„Gnädige Frau, auch Sie und Ihren Ge- mahl hoffen wir recht bald an der Seite Ihrer Fräulein Töchter bei uns zu sehen."— Die letzten Worte erklangen fast leise befehlend, da schon rollte der Wagen dahin. Frau Delroi weidete sich noch mit triumphirend erhobenem Haupte an den erstaunten Blicken der Umstehenden, dann bog sie ans den Weg den Töchtern nach, ihr Pferd zur raschen Gangart drängend, daß ihr Mann im Galopp folgen nmßte. Als er ihr zur Seite trabte, rannte sie ihm zu:„Siehst Du nun, was der weibliche Reiz, den das elegante Kostüm zur Geltung bringt, ur Wunder wirkt? Bergkuhn ist ja außer sich vor Entzücken, solche Reitdamen wie unsere Töchter ansehen zu können! Dem will ich sie so verführerisch vorführen, daß er mir keinen Wunsch unerfüllt lassen soll; unser so schimpflich verlorengegangenes Gut nmß wieder in unsere Hände gelangen. Glück muß und wird man haben, wenn man nur zur rechten Zeit zugreift. „Rechne nicht ohne die ahncnstolze Frau v. Bergkuhn zu frühe," sprach Delroi. „O für die Hab' ich schon das Stichwort; über ihre Nichte Clotilde werde ich bald von Pepo alles erfahren haben, was auch mir von Nutzen sein soll." „Du wirst nicht Zeit finden, ihn vorher auszufragen. Dort steht er ja schon mit Flora vor der Manege, sie erwarten uns. Sieh' nur, wie unser Kind mit Stolz und Ueberlegenheit dasteht, wie graziös sie die Schleppe hält und die mit Silber ausgelegte Reitgerte schwingt; die wird durch ihre Unnahbarkeil imponiren. Da kommt auch Baron v. Bcchler und Loli dazu. Sieh nur, wie Loli es versteht, ihren kleinen Fuß zur Geltung zu bringen, wie sie die Schleppe hoch über den Aru» geworfen eines reaktionären Präsidenten nicht ganz entsprach. Die„Libre Parole", das Organ der Jesuiten und Antisemiten, tischte eine alte Familiengeschichte auf, die mehr als dreißig Jahre zurückreicht. Die Gesellschaft, die diesen Torpedo abließ, hoffte, ein Sturm der Entrüstung werde sich erheben und den Präsidenten zum Rückzug zwingen. Allein Faure hatte es verstanden, das Vertrauen der Demokratie zu gewinnen, und der skandalgefüllte Torpedo versagte. Das Jesuiten- Manöver hatte zur Folge, daß Faure noch mehr aus die linke Seite gedrängt ward, wo er Vertheidiger gefunden hatte, und daß er sich von der reaktionären Partei noch weiter entfernte. Die Reaktionäre haben das gleiche Manöver versucht gegen Bourgeois— mit dem gleichen Erfolge. Durch ihre Angriffe auf den Präsidenten und das radikale Ministerium haben sie bewirkt, daß beide sich fester aneinanderschließen. Die Herren Reaktionäre sehen das jetzt auch ein und sie bemühen sich, Mißtrauen in dje Seele Faure's zu säen: sie sprengen aus, Cavaignac ardeite au seinem Sturz und wolle sein Nachfolger werden, und Bourgeois wolle ihm seine Popularität stehlen. Es ist aber zu spät. Die Reaktion besorgt wieder einmal die Geschäfte der Revolution: die Reaktion stützt das radikale Ministerium und nöthigt es, radikale Bahnen zu wandeln. Gallus. politische Aekevllchk. Berlin, 23. März. Der Reichstag trat heute in die dritte Lesung deZ Etats ein, und verband mit der Generaldebatte über den Etat auch die erste Lesung des, gemäß den: Antrage Lieber, von dem Bundesrath ausgearbeiteten„Entwurfs eines Gesetzes ivegen Verwendung überschüssiger Reichscinnahmen zur Schuldentilgung". Ein langer Titel und ein winziger Inhalt— ein Berg, der ein Mäuslein geboren. Das Mänslein der Reichsschuldcntilgung in L ö f f e l n, während die Reichsschulden v ermehrung mit Scheffeln erfolgt. Jndeß, ein Löffel voll ist besser als gar nichts, denkt die Majorität des Reichstags, und der Gesetzentwurf wird glatt angenommen werden.— Ein Versuch des Grafen Posa- dowsky, diesen Entwurf als einen Beweis für die Nützlich- keil der Miquel'schen„Steuerreform" hinzustellen, wird von den Abgg. Bachem(Zentrum) und Richter(Freisinn) spielend zurückgewiesen. Der Deutschfreisinnige(Vereinigung) Barth kann der Versuchung nichl widerstehen, das Fiasko der Bimctallistcn zu verkünden, wodurch er eine herz- und ohrenzerreißende Elegie des Silberlings Kardorff hervorruft, der melancholisch den„betrübenden Verlauf" der englischen Aktion zugicbt. sich jedoch mit zukunftsstaatlichen Hoffnungen"tröstet. Einige nationalökonomische Paradoxe — z. B. daß das Gold am Nothstand der Landwirthschast schuld sei. und ähnliche Geistreichigkeiten veranlassen den Abgeordneten Richter zu einer kleinen Lektion in freisinniger Volkswirthschaft. Die Einzeldebatte verlief im Anfang sehr rasch und sehr ruhig. Etwas Radau machte nur der Muster-Ord- hat, daß die gelben Stulpeuhandschuhe doch zu sehen sind und die hohen Lackleder- Reitstiefel hervorleuchten können. Denke Dir, Baron Bcchler hat ihr silberne Sporen geschenkt, die, ohne gezackte Räder, an den Seiten der Hacken zu tragen sind, weil Loli ihm beim Promeniren immer etwas vorklirren muß. Der Baron von Bcchler kam$rau Delroi entgegen, hielt ihr Pferd, dann seine beiden Hände unter ihren Fuß; dies benutzte Frau Delroi als Stütze und stieg ab. Während der Baron bereitwillig und galant das stolze Roß dem Stallmeister zuführte, näherte sich Frau Delroi dem Italiener und war bald mit ihm in ein lebhaftes Ge- sprach vertieft. Herr Delroi kam ebenfalls bald zu Fuß zur Linken seiner Tochter Flora, und wieder bewegte sich ein eigenthümlicher Zug durch die Straßen des Badeortes nach dem Britisch Hotel, wo in einem besonderen Speisesaale die Tafel bereits gedeckt war und Herr und Frau v. Berg- kühn der Ankommenden harrten. Der Gastgeber hatte die Platzfrage schon so geordnet, daß er neben Flora und Frau Delroi zu sitzen kain, während Loli sein Gegenüber war, neben welcher der Baron von Bcchler saß. Schwelgten die Geladenen in lukullischen Ge- nüssen, so ergötzte sich v. Bergkuhn mehr an der Unterhaltung und dem Anblick der jungen Mädchen. Auch Frau Delroi stininite ihn bald sympathisch, da sie Heiterkeit und frohe Laune zu erwecken wußte und dabei die Vorzüge ihrer Töchter in das hellste Licht rückte. Diese wußten auch angenehm und geläufig als echte Weltdamen viel vom Zirkus, Theater und Rennsport zu sprechen, diesen und jenen launigen Vorfall neckisch zu erzählen, fodaß viel gelacht wurde. Bergkuhn, freudig aufgelegt, vergaß alles um sich her. (Fortsetzung folgt.) nungSmensch Stumm, der sich zu dem großmüthigen Zu- geständniß, daß es auch berechtigte Streiks gebe, nur mit der Verklausulirung verstehen konnte, daß die Führer der Arbeiterorganisationen eben allesammt„Volksverführer" seien. Dies veranlaßte den Genossen Wurm zu der Bemerkung: Freiherr von Stumm, der die„Volks- Verführer" so hasse, wolle wohl nur Volks aus« b e u t e r an der Spitze der Arbeiterorganisationen sehen. Wurm stellte dann noch eine sogenannte Berichtigung einer Angabe, die er früher in bezug auf die Torpedo-Werkstätte in Friedrichsort gemacht, wörtlich richtig. Genosse Metzger nahm nun Gelegenheit, die Mißstände im deutschen Rheder- wesen, namentlich die mangelhafte Bemannung der Lloyd- schiffe und der Hamburg-Amerikanischen Gesellschaft abermals zur Sprache zu bringen. Er brachte heute die Beweise— die Matrosenrollen, welche schwarz auf weiß darthaten, daß die Zahl der Matrosen an den betreffenden Schiffen den Vorschriften des Gesetzes nicht entspricht. Außerdem geißelte Metzger die famose Manier der Herren Schiffs- inspektoren, die Inspektion einen Tag vorher a n z u- zeigen. Der vielgewandte Staatssekretär des Innern, Herr v. Bötticher, brachte es fertig zu beweisen, daß trotzdem alles in Ordnung sei. Herr v. Bötticher scheint der Nachfolger des seligen Gneist werden zu wollen, „der bekanntlich alles beweisen konnte". Das„Haus", das bisher anständig gewesen war, wurde nach Verlaus von dritthalb Stunden unanständig. Nachdem der„Wilde" Herr Nösicke Angaben Stadthagen's und Molkenbuhr's über die Heil- anstalten von Berufs- Genossenschaften„widerlegt", d. h. für falsch erklärt hatte, wurde ein Schluß- antrag gestellt uud angenommen, der unseren Genossen das Wort abschnitt. Die Temperatur ward jetzt etwas heißer. Und als Herr von Massow den Amnestie-Erlaß- „Diebstahl" des„Vorwärts" zur Sprache brachte und der Herr Kriegsminister diesen Vorgang und die angeblich unwahren Darstellungen Bebel's aus der zweiten Lesung, in seiner bekannten Manier behandelte, brach der Sturm los. Genosse Liebknecht brandmarkte nach Gebühr die„sittliche Entrüstung" der Hammerstein- und Peterssippe, und hielt der„Kreuz-Zeittmg" ihre wirk- l i che n Aktendieb st ähle aus den SOer Jahren vor, wo sie sogar die Briefe des Thronfolgers stibitzen ließ— ferner die Veröffentlichung von staatsanwaltlichem Material im Leipziger Hochverrathsprozeß, in dem Prozeß Antoine je.:c. und stellte die künstliche Aufbauschung dieser Lappalicj in Parallele mit der Nicht- Thätigkeit oder langsamen Thätigkeit der Justiz im Falle Peters und Hammer- stein— und schloß damit, daß der„Vorwärts" fortfahren werde, das Unrecht aufzudecken, und die Schurken und Verbrecher an den Schandpsahl zu nageln. Genosse Bebel, der Liebknecht sekundirte, widerlegte darauf des näheren die sogenannten Widerlegungen des Herrn 5kriegsministers. Morgen Fortsetzung des Etats und zweite und dritte Lesung des Reichsschuldcn«Tilgungsgesetzes, so daß der Reichstag morgen in die Ferien gehen kann.— Das preußische Abgeordnetenhaus ist bereits am Montag in die Osterferien gegangen, nicht ohne daß vorher noch den Agrariern eine kleine Freude bereitet wurde. Auf der Tages- ordnung stand die erste Beralhung des bereits im Herrenhause angenommenen Gesetzentwurfs belr. das Anerben recht bei Renten- und Ansiedelungsgütern. Obgeich die Materie eigentlich in das Reffort des Landwirlhschaflsministers gehört, be- gnügte sich Frhr. v. Hammerstein mit einigen wenigen Be- merkungen und überließ die Bertheidigung. wie dies in der letzten Zeit bei allen agrarischen Gesetzen Mode geworden ist, seinem Kollegen vom Finanzministerium. Freilich hatte es Dr. Miguel sehr leicht, da nur die Abg. Ehlers und Richter sich als prinzipielle Gegner der Borlage bekannten. Richter kritisirte die Agrargesetzgebung der letzten Jahre sehr scharf und ersuchte um Ablehnung des Entwurfs, der geeignet sei, die Unzufriedenheitaus dem Lande zu vergrößern und die durch das Anerbenrecht benach- theiligten Abfindlinge der Sozialdemokratie in die Arme zu treiben. Die Regierung erklärte, daß sie diesen Gesichlspuukt ebenfalls geprüft habe, aber zu dem entgegengesetzten Resultat gekommen sei. Uns kann das ziemlich glcichgiltig sein. Mögen unsere Gegner sich ihre Köpfe darüber zerbrechen, ob Gesetzes- vorlagen der Sozialdemokratie frommen oder nicht; wir wissen, daß der endliche Sieg des Sozialismus eine Kunpt und MissenMerfk. Belle-Alliance-Theater. Sonntag Nachmittag: Rothe Zettel. Schwant in 4 Akten nach einem norwegischen Stoffe von Richard Mark.(Volks-Borstellung unter Regie von Jul. Türk.) Wer nach dem Titel dieses Stückes eine Verspottung Polizei- licher Sozialistenriecherei erwartet hatte, der sah sich enttäuscht. Zwar spielt auch die Polizei in dem Schwank eine wichtige Rolle, aber sie richtet ihre gesellschastsretterische Thätigkeit nicht gegen böse Sozialdemokraten, sondern nur gegen ein harmloses Theatervölkchen. Sie wird freilich sammt der kleinen„Gesell- schaft", deren Wohl ihrem Schutze anvertraut ist, von dem Theatervölkchen mit derselben Eleganz hineingelegt, als ob sie es mit den bösesten Sozialdemokraten zu thun hätte; und da das auf eine höchst belustigende Art geschieht, so verwandelte sich auch bei denen, die es anfangs nach einem„politischen Lied" verlangte, die Enttäuschung bald in Vergnügen. Die Geschichte spielt in einem Städtchen Halde im Schles- wigschen. Die Obrigkeit wird hier durch den Bürgermeister und den Polizeidiener repräsentirt. Weil seit 1364 das Auftreten dänischer Schauspieler in dem Grenzgebiete verboten ist. gestattet der vorsichtige Bürgermeister überhaupt kein Theater in Halde. Der Direktor einer reisenden Schauspielertruppe, die nach Halde kommt, sucht den OrtSgcwaltigen umzustimmen, indem er das Theater, unter Hinweis auf die Existenz königlicher Theater in Berlin, als volksbildend und volksveredelnd schildert. Aber sein meist ans klassischen Stucken bestehendes Repertoire findet keine Gnade vor dem Burgermeister, der in jedem Stücke etwas staals- oder sitlengefährliches entdeckt. Die Elite der Gesellschaft von Halde, vertreten durch den Pastor, de» Echulrektor und den Redakteur des in dem Orte erscheinenden Blättchens, stimmt dem Stadtoberhaupt bei: das Thealer ver- dirbt die guten Sitten, darum muß Halde davor bewahrt bleiben. Zwei junge Damen, die fürs Theater schwärmen, die Töchter des Rektors und des Bürgermeisters selber, setzen es durch, daß nach einander die Presse, die Wissenschaft, die Kirche und schließ- lich auch die hohe Obrigkeit ihren Widerstand gegen das gefähr- liche Theater ausgiebt. Der Direktor darf seine Bühne in dem sittsamen Halde aufschlagen, aber er muß den Charakter seiner Stücke vorher bekannt machen, damit sich jeder mit dem Besuch danach richten kann: unschuldige Stücke müssen auf weißen, bedenkliche auf lilafarbenen und die schlimmen auf rothen Zetteln angekündigt werden. Selbstverständlich machen die weißen Zettel leere und die rothen volle Hänser, so daß der Direktor, der es zuerst mit weiß und dann mit lila ver- sucht hat, schließlich nur noch mit rothen Zetteln spielen will. Von dem weiteren Gang der Handlung wollen wir nicht viel verrathcn. Es genüge anzudeuten, daß die Honoratioren von Halde nicht blos vor den Koulissen die Tugeudmasle von dem Naturnothwendigkeit ist. die man weder durch gesetzgeberische Maßnahmen, noch durch Gewalt aufhalten kann. Nach kurzer Debatte, in der sich die Redner der Konservativen. Freikonser- vativen und des Zentrums für den Entwurf erklärten, während die nationalliberale Partei in dieser Frage gespalten ist, wurde die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung, welche am 14. April stattfindet, stehen Initiativanträge.— Pctcrs- Pizarrillo. Wie der„Freisinnigen Zeitung" aus London geschrieben wird, ist der in den Reichstagsverhand- lungen von Bebel zitirte Brief von Dr. Peters nicht an den Bischof Tucker von der Church Missionary Society gerichtet, sondern an den Bischof Smithie von der Universities Mission. Peters benutzte diesen Jrrthmn, um die Leute glauben zu machen, er habe überhaupt nicht an einen Bischof geschrieben.— Offiziere und Unteroffiziere. Aus der Rede des Demo- kraten Haußmann zum Etat des allgemeine» Pensionsfonds leuchtet wieder die unverbesserliche, mit kühnem Schwung sich über die Thatsachen hinwegsetzende Ideologie hervor. die das wesentlichste Merkmal unserer heutigen bürgerlichen Opposition ist. Wenn man die Naivetät dieser Freisinnigen und Demokraten in ihrer ganzen Größe kennt, dann kann man be- greifen— aber beileibe nicht entschuldigen—, daß sich derKom- missar des Kriegsministers, General v. Spitz, über den braven schwäbischen Abgeordneten moquirt. Wer ernsthaft noch an das „Volk in Waffen" glaubt, wer noch in» Irrwahn lebt, als hätten wir ein Heer vornehmlich für das Volk, nun, der mag ja immerhin eine Deinokratisirung des Offizierkorps als wünschens- werthes Ziel hinstellen; wer aber die Verhältnisse in ihrem tieferen Zusammenhange begriffen hat, dem tauchen solche kindlichen Wünsche nicht mehr auf. Mit aller nur wünschens- werthen Deutlichkeit ist von der berufensten Stelle nicht einmal, fondern dutzeudmale als eine der Aufgaben der deutschen Armee klar uud bündig bezeichnet worden: Der Kampf gegen de» inneren Feind. Wenn Herr Haußmann es noch mcht wissen sollte, so wollen wir es ihm hier verrathen, daß in dem sogenannten Fahneneide des deutsche» Soldaten, den er ablegen m u ß, will er sich nicht den empfindlichsten Strafen aussetzen, das Wort„Vaterland",„Deutschland" oder„Volk" überhaupt nicht vorkommt. Das sind Begriffe. die für den Soldaten, wenn überhaupt, so doch erst in zweiter Linie in Frage kommen. Und zur Führung dieser bewaffneten Schaaren, die durch ihren Eid ganz und gar in den Dienst des F ü r st e n gestellt werden, meint Herr Haußmann, seien Kinder des Volkes geeignet, wie die Unteroffiziere es heute in ihrer übergroßen Mehrheit sind? Nein, soviel besser haben die Herrschenden denn doch ihr eigenes Interesse begriffe», daß sie dazu nur die Kinder der an der Er- Haltung des Bestehenden interessirten Klasse zulassen. Tiefer als durch Schärpe und Achselstück sind die Offiziere durch ihren Klasseni»stinkt und ihr K l a s s e n i n t e r e s s e von den Unteroffizieren getrennt, die, wenn sie sich dessen auch in ihrer Unkenntniß nicht bewußt sind, in ihrer erdrückenden Mehrzahl nichts als uniformirle Proletarier sind. Als deutliches äußeres Kennzeichen des Klassengegensatzes zwischen Offizieren und Unteroffiziere» kann man die Satisfaktion oder Tuellfähigkeit der ersteren bezeichnen. Und diese Duellfähigkeit (d. h. die Gepflogenheit, einen persönlichen Gegner auf eine gegen Gesetz und Eilte als„anständig" bezeichnete Art und unter ge- ivissem feierlichen Klimbim vom Leben zum Tode zu bringen) ist eilt„Borrecht" der Klasse, aus der die Offiziere stammen, nicht des Offizier st a n d e s. Hier also, wo die Klassen-Unter- schiede im schärfsten Grade ausgeprägt sind, hier, wo sie geradezu typisch werden, hier wünscht sie Herr Haußmann und mit ihm Zehntausende guter Philtsterschlasmützen zuerst überbrückt zu sehen. O, heilige Einfalt! Ein bimctallisrischcs Sedan war die vorwöchentliche Debatte im englischen Parlament, auf welche unsere Silbernen die überschwänglichsten Hoffnungen gesetzt hatten. Nicht nur wurde der Blödsinn einer Doppelwährung un- barmherzig zerpflückt, sondern auch alle Zukunftshoffnungen wurden mit grausamer Hand zerstört. Und am grausamsten war der vermeintliche Messias Balfour, der kühl erklärte, wenn die anderen Länder ihr Geld verschlechtern wollten, so sei das sehr gut für— England, allein von England könne man doch nicht verlangen, daß es sich zu gründe richte. Und die englische Regierung läßt durch den„Standard" erklären, daß ,s i e nicht daran denke, eine internationaleKonferenz über Bimetallismus zu berufen. Dagegen sei die Regierung bereit, die indischen Prägstätten wieder zu öffnen, wenn der lateinische Münzverein seine seit 1873 geschlossenen Heuchlerantlitz fallen lassen. Sie suchen auch hinter den Koulissen Beziehungen zur Kunst anzuknüpfen, wobei das Stadt- oberhaupt sich besonders hervorthut. Zum Schluß brennt noch die Bürgermeisterstochter mit dem ersten Liebhaber des Theaters durch und gehl selber zur Bühne, während der Bürger- meister den Theaterdirektor nur dadurch wieder aus Halde fortzuschaffen im stände ist, daß er seine ziemlich beträchtlichen Schulde» iezahlt. Der Schwank wurde von dem leider nicht sehr zahlreichen Publikum, das den stärkeren Lockungen des herrlichen Frühlings- welters widerstanden hatte, recht freundlich und beifällig auf- genommen. Nack unserem Empfinden hätte die Wirkung noch größer sein müssen, wenn der Schwankcharakter des Stückes etwas weniger betont wäre. Neben einem sein humoristischen Element tritt ein grob komisches mehr hervor, als es der Stoff verlangt. Im ersten Akt sah es fast aus, als ob das Stück sich zu einer witzigen Komödie entwickeln sollte, aber im zweiten geräth es in das Fahrwasser der derben Posse, aus dem es sich auch in den beiden letzten nicht ganz wieder herauszuarbeiten ver- mag. Dieser Zwiespalt geht bis ins einzelne: im Dialog wechseln blutige Kalauer mit treffenden Ausfällen gegen die Tugendheuchelet bürgerlicher Kreise. Gespielt wurde flott und meist gut. Den Bürgermeister gab Wilhelm Rusf recht gelungen und wirffam. In der Rolle des Theaterdirektors fand Ernst Petersen Gelegenheit, seine drastische Spielweise zu zeigen; er entfesselte manches laute Ge- lächter. Das meiste Lob verdienen die Leistungen von Paul H a n k e l, der in dem Rektor eine sehr charakteristische Gestalt auf die Bühne stellte, und Charles Caßmann, dessen er- götzlicher Polizeidiener Stumpe sich die Sympathien des Publikums rascher und nachhaltiger erwarb, als das sonst bei Polizeidienern der Fall ist. Von den übrigen Darstellern ist besonders Lotte Pippenow hervorzuheben, die sich als Bürgermeisterstochter durch frisches, natürliches Spiel aus- zeichnete. Alcxanderplatz-Thcater. Nachdem die„Kleinen Lämmer" von V a r n e y die stattliche Zahl von 156 Aufführungen erlebt habe», ließ die Direktion sie nach dem Dönhoffsplatz übersiedeln, und verstichte es im alten Hause mit einer Novität.„D i e Musketiere i m D a m e n st i f t" heißt ein Werk desselben Komponisten, das, trotzdem es vor drei Jahren von einer französischen Truppe im Apollo-Theater aufgeführt worden ist, in Berlin wohl als ein neues Werk gelten kann. In diese dreiaktige Operette hat der Komponist ein Bonquet reizender Melodien voll echt französischer Grazie verwoben, Melooien, die den seltenen Vorzug haben, daß sie anheimelnd und leicht faßbar sind, ohne trivial zu werden. Auch die Instrumentation des Werkes ist prächtig; als ein wahres Meisterstück muß ein Quintett im dritte» Akt bezeichnet werden. Bei aller Melvdienschönheit wird die Operette aber kaum den Prägstätten wieder öffnen wolle. Nun, wenn das geschähe, so würde es auf die Goldwährung ganz ohne Einfluß sein. Es wird aber schwerlich geschehen. Kurz, die amerikanischen Silberbergwerks-Besitzer brauchen sich vorläufig in keine weiteren Agitationskosten zu stürzen. Uud im Reichstag werden wir wohl so bald nicht gekardorfft werden— wenn auch Herr v. Kardorff noch so oft seine Kassandrastimme ertönen läßt.— Ter Tongola« Feldzng. In Frankreich hält die Mißstimmung gegen das Vorgehen der englischen Re- fierung fortgesetzt an. So fordert der als angesehenes llundstück der Kapitalisten bekannte„Temps" ein formelles Dementi von dem englischen Minister Balfour bezüglich der an- geblich von ihm im Untcrhause gebrauchten Worte:„Wenn wir in Tongola sind, so giebt es keinen Rückzug mehr, denn die englischen Soldaten bleiben da, wo sie ihre Füße einmal hingesetzt haben!" Das Pariser Blatt meint, Balfour habe durch diese Worte den geheimen Plan der englischen Re- gierung, den Sudan zu erobern und definitiv in englischen Besitz zu bringen, verrathen. Es hat sich serner in Paris das Gerücht verbreitet, daß die türkische Regierung einen euer- gischen Protest gegen die Verwendung der egyptischen Reserve- sonds loslassen werde. Nun hätte bei der Schwäche der Konstantinopeler Regierung ein solcher Protest an sich herzlich wenig zu bedeuten, wenn nicht darin die Hand der russischen Diplomatie zu erkennen wäre, die zeitweilig in Konstantinopel übermüthig ist und bereits ihre Absichl zu erkennen gegeben hat, den französischen Freund in der egyptischen Frage zu unterstützen. Trotzdem spricht indeß das englische Blatt„Times" die Hoffnung aus: Frankreich und Rußland würden sich davon überzeugen können, daß nichts in der Expedition nach Dongola liege. was ihre Interessen verletzen könnte. England gehe nicht darauf ans, den Sudan oder irgend einen Theil desselben zu annektire», es handele vielmehr im Geiste der französischen Bestrebungen. wonach das Nilthal rechtmäßig zu Egypten gehöre. Das gegen- wältige Ziel Englands sei, die egyptische Grenze gegen wirklich vorhandene Gefahr gründlich zu sichern und diese Sicherung da- durch zu einer dauernden zu machen, daß die fruchtbare Provinz Dongola dem egyptischen Gebiet angegliedert werde. Uebcr den Fortgang der Unternehmungen an der egyptisch- sudanesischen Grenze liegen noch folgende Meldungen vor: Eine egyptische Kolonne besetzte am Freitag ohne Widerstand Akascheh. Man sendet Kriegsmaterial und Lebensmittel nach Akascheh. Akascheh wird stark besetzt und befestigt. Die Stärke der Garnison läßt sich noch nicht angeben, da täglich Verstärkungen eintreffen. Die mit dem Transport beauftragt gewesene Kameelkolonne ist gestern Abend aus Akascheh ohne Verluste nach Sarras zurückgekehrt. Der Oberbefehlshaber General Kilchener ist mit Slatin Pascha und anderen Offizieren zu den Truppen abgegangen. Das neunte sudanesische Bataillon kam am 21. März anS Suakin in Kosseir an und marschirt morgen durch die Wüste »ach Keneh, woselbst es voraussichtlich Mittwoch eintreffe» wird. Die Entfernung beträgt 110 Meilen. � Deutsches Reich. — Die neue Gesetzesvorlage über die Assessoren hat im Anwaltsstande große Erregung hervor- gerufen. Der Vorstand der hiesigen Anwaltskammer hat daher auf Anttag der gesetzlichen Zahl von Anwälten zum 9. April eine außerordentliche Generalversammlung berufen, die zu dem Gesetzentwurf Stellung nehmen soll. — Für die Roichstags-Ersatzwahl in Ruppin- T e m p l i n haben die Konservativen mit dem Bund der Land- wirthe und den Antisemiten als ihren Kandidaten einen Junker von Quast-Radensleben auf den Schild erhoben. Bei der Wahl im Jahre 1893 erhielt der konservative Kandidat 9326 Stimmen, der Kandidat der freisinnigen Vollspartei 5520, ein Kandidat, welcher sich der freisinnigen Vereinigung zurechnete, 1497 Stimmen, während auf den Sozialdemokralen 3195 Summen fielen. Bei der Stichwahl siegte alsdann Böhm mit Iv löL Stimmen gegen 9959 konservative.— — Erledigter Reichstagssitz. Der Zentrums- Abgeordnete Kammergerichtsrath Rintelen ist zum Präsidenten des Ober- Landeskullurgerichts ernannt worden. Damit ist der Sitz für Trier erledigt. Rintelen erhielt 1893 von 13157 ab- gegebenen Stimmen 19 838 Stimmen.— — Zum„Militär-Verordnuugsblatt"«Prozesse Auf die in Nr. 79 des„Vorwärts" enthaltene Bemerkung be- Erfolg haben, wie die Kleinen Lämmer. Zunächst hindert ein ebenso aufgebrauchtes wie handlungsarmes Sujet am Genießen. Tie schon aus den Kleinen Lämmern bekannten tapferen Männer, die ihre Liebste aus dem Kloster entführen, plagen sich drei Stunden lang in einer Handlung, die kaum für einen Akt ausreicht. Doppelt unangenehm wurde diese Oede in der Premiöre infolge der vielen Wiederholungen, welche die Direktion durch eine übereifrige Klaque herbeiwünschen ließ. Und dann that weder das Orchester noch das Künstler- personal seine Schuldigkeit; es schien, als ob das Werk recht überhastet eingeübt worden war. Uiigetbeilte Anerkennung ver- dienen nur wenige der zahlreichen Mitwirkenden; die Damen Szilaffy und Millen, sowie die Herren Tarno und Holder hoben sich merklich ab aus der Unsicherheit und Unruhe ihrer Kollegen- schast. Herrn Tarno läßt sich ein Organ und eine Schulung nachrühmen, die ihn unseres Erachtens zu höheren Tingen be- fähigte. DaS ReichShallen-Theater erscheint jetzt in etwa? vor- nehmer Verfassung, als sie diesem stattlichen Hause bislang in seiner Eigenschaft als Varietöbühne eigen war. Die mannig- fachen Stürme des letzten Winters, die bei dein Vorwärts- Malheur anHuben und bei den falschen X-Strahlen endeten, haben gar viel verwüstet, und groß war die Zahl derer wahrlich nicht, die sich am Sonnabend in die weiten Räume hineingetraut hatten. Aber man bemühte sich sichtlich, die Erhebung vom Chanlant zur veritablen Operettenbühne, die unter der neuen Direktion Genee und Paulet vor sich gegangen, möglichst in die Augen fallen zu lassen; das große Plakat am Eingange, wonach das Rauchen an den Operettenabenden nicht gestattet ist, erinnerte schon äußerlich daran, daß es mit Lustsprüngen und Tingeltangelkünsten zu Ende sein solle. Mit dem Künstlerpersonal vom Alexander- platz- Theater wurden die Kleinen Lämmer in herkömm- licher Weise gegeben. Zwei Rollen waren nicht zum Besten neubesetzt; im übrigen zeigte die Aorstellnng das bekannte Bild.— Interessanter als diese Operette war die Auf- äihrung des alten Singspiels„Der Kurmärker und die Picarde". Nicht so sehr um ihres Jnhalls willen. Der anspruchslose Ein- akter des seligen Hofraths Schneider erscheint heule sehr ver- blaßt und läßt uns staunen darüber, daß man sich zu Groß- vaters Zeiten mit so wenigem begnügen konnte. Anziehend wurde der verstaubte Schmöker aber herausgeputzt durch Herrn Swoboda als tapferer Landwehrmann und weit mehr noch durch das wahrhast graziöse Spiel des Fräulein Adeline Genöe. Die Dame tanzte Ethnographie, so lebhaft veranschaulichte sie die französische Grazie im Gegensatz zu der plump-sentimentalen Klobigkeit ihres Landesfeindes. Es war, als wollte die Künstlerin durch ihren Kontretanz alle Hurrahpatriolen von der Kulturwidrigkeit des ganzen lctztjährigen Jubiläumsradaus überzeugen. Möge sie Erfolg haben in ihrem sriedenssrenndlichen Wirken. züglich der in der voraufgegangenen Nummer im Anschlüsse an den Leitartikel veröffentlichte„Zuschrift" sei es dem Verfaffer der letzteren gestattet, folgendes zu erwidern: Nachdem am Anfang jenes Artikels rein objektiv die von dem Herrn Oberstaatsanwalt gegebene Darlegung des Herganges reproduzirt und im Anschlüsse hieran der Gegensatz der von der Straskammer und der von dem Schöffengerichte ver- tretenen Auffassung angedeutet worden war. ging Ver- sasser zu einer Kritik nicht des landgerichtlichen Be- schlusses, dem er ja zustimmt, sondern des schöffen- gerichtlichen U r t h e i l s über. Letzteres bezeichnete er als einen „Fehlspruch", eine Wendung, die schon nach allgemeinem Sprach- gebrauche sich aus einen„Beschluß" gar nicht beziehen kann. Die Erklärung für das häufige Zustandekommen solcher Fehl- spräche in politischen Prozessen wurde dann in den dort an- gedeuteten Thatsachen gesucht und am Schlüsse im allgemeinen demerkt, daß vielfach die Gerichte,„dessen selbst vielleicht unbewußt", sich von gewissen Anschauungen leiten laffen, die sie aus ihrem Jdeenkreise wenigstens in foro verbannen müßten. Der Vorwurf einer vorsätzlichen Beugung des Rechts, wie ihn der Herr Einsender aus jenem Artikel heraus- oder vielleicht hin einliest, ist somit weder gegen die Gerichte im allgemeinen, noch gegen das Schöffen- gericht im besonderen erhoben worden, am allerwenigsten aber gegen die Straskammer, welche das Hauptverfahren er- öffnete; der Verfasser hätte denn das, was er selbst als richtig erkennt und vertritt, als eine unzutreffende Entscheidung hinstellen und angreifen müssen. Ob das Mißverständniß darauf zurückzuführen sei, daß der Herr Einsender den Aufsatz vielleicht nicht ganz unbefangen gelesen dat. oder daraus, daß es der Verfasser an der nölhigen Klarheit in der Wiedergabe seines Gedankenganges hat fehlen lassen, kann hier füglich dahingestellt bleiben. Sollte letzteres der Fall sein, so dürfte die vorstehende Erklärung den vorhandenen Mangel zu beseitigen voll ausreichen.— Dessau, LI. März. Das Herzogthum Anhalt befindet sich in der glücklichen Lage, daß es nach einer dem Anhalter Landtag gemachten Mittheilung am l. April 1897 nicht nur keine Schulden mehr, sondern sogar noch einen Reserve- fonds von mehreren Millionen besitzen wird.— Frankreich. PariS, 21. März. Deputirtenkammer. Unter großein Andrang des Publikums begann die Berathung über den Antrag der Budgetkommission betreffend die Ablehnung des Einkommenste uer-Gesetzentwurses. Jaurös tritt für die Regierungsvorlage ein, welche von demokratischem Geiste erfüllt sei und Handwerk sowie Ackerbau ent- lasten werde. Eine Einkommensteuer habe sich schon seit zwanzig Jahren als unerläßlich gezeigt. Wir verwerfen, schloß Redner, gewaltsame Mittel zur Verwirklichung des sozialen Fortschritts. wir werden aber aus unser Ideal zugehen, indem wir dabei immer den gegenwärtigen und früheren Zustand der Gesellschaft achten. Leon Say bekämpft die Ausführungen Jaurös und billigt den Beschluß der Budget-Kommission. Redner be- hauptet, das Ziel der Soziakisten, trotz ihrer Erklärungen sei, das Eigenthum zu unterdrücken; die Regierungsvorlage würde ihnen dabei Hilfe leisten.— Paris, 23. März. Ministerpräsident Bourgeois wird, wie der„Gaulois" meldet, nicht in die Debatte über die Einkommen- steuer eingreifen, damit er, wenn die Vorlage abgelehnt wird, ein neues Kabinet bilden kann.— — Die sozialistischen Abgeordneten brachten am 21. März eine Vorlage ein, die bestimmt ist, die Arbeits- kommission zur Sammlung und Revision aller die Arbeit betreffenden Gesetze zu ver- anlassen, damit daraus ein Slrbeits-Gesetzbuch gemacht werden könne. Dasselbe soll 5 Abtheilungen enthalten: 1. Arbeitsverhältnisse. 2. Arbeitsschutz. 3. Organisirung der Arbeit Vereine). 4. Rechtsprechung. 5. Strassachen.— Marseille, 22. März. Die S e n a t s w ä h l e r des Departe- ments Bouches du Rhüue, Vaucluse und Var werden in nächster Zeit Hierselbst einen Kongreß abhalten, welcher sich mit der A bschafsung des Senats befassen wird.— — Zum Schiedsrichter in dem französisch- brasilianischen Konflikt wegen des Mapa-Gebietes ist der Bundespräsident der Schweiz gewählt worden. England. London, 23. März. Die„Times" veröffentlichen einen Brief Lord Salisbury's an den früheren Minister Stansfeld, wonach augenblicklich der Regierung der Vereinigten Staaten Vor- schlüge für eine schiedsrichterliche Beilegung der zwischen England undAmerika bestehenden Meinungs- Verschiedenheiten vorliegen. Dänemark. — K a m m e r k o n f l i k t e. Zwischen der ersten und zweiten Kammer des dänischen Parlaments ist über das Budget wieder ein Konflikt ausgebrochen. Es ist erinnerlich, daß das Folkething der Regierung einen Theil der Militärforderungen gestrichen, gegen ihren Widerspruch die Verstaatlichung der Tampferlinie von Ebsjerg nach England und die grundgesetz- widrige Verpflichtung der offiziellen„Berling'schen Zeitung" zu einer Abgabe an den Staat beschlossen hat. Der Budget- ausschuß des Landsthings hat sich in allen Streitpunkten zu gnnsten der Regierung ausgesprochen. Nach einer Version soll das Kabinet kampsmüde sein und zurücktreten, nach einer anderen soll nur der Kriegsminifter Thomsen, der zudem durch Krankheit an der energischen Vertretung seines Postens verhindert ist, und der Minister Hörring geopfert werden.— Schweden. — Die Schntzzöllner haben die Erhöhung der Zölle auf Schweinefleisch durchgesetzt und die Anträge aus Herabsetzung der Gelreidezollsätze abgelehnt.— Italien. Rom, 21. März. Depulirtenkaminer. Die von Sonnino be- antragie einfache Tagesordnung, die von der Regierung abgelehnt wird, wurde in namentlicher Abstimmung mit 219 gegen 119 Stimmen verworfen, bei 72 Stinimenthaltungen. Die Tagesordnung der Sozialisten, welche die Rückberufung der Truppen aus Afrika verlangt, wurde durch Aufstehen und Sitzenbleiben abgelehnt. Sodann wurden die drei Artikel der Lsrlas? über den Kredit für Afrika durch Aufstehen und Sitzenbleiben genehmigt und endlich die gesammte Vorlage in geheimer Abstimmung mit ax* geg«, W Stimmen angenommen. Hierauf vertagte sich die Kammer rn- zum 28. April. Ans der vor der Abstimmung gehaltenen Rede Rudini's heben wir die solgenben Stellen hervor: Ministerpräsident di Rudini erklärte, was die A m n e st i e betrifft, so werden die Gefängnisse niemals an Ferri und seine sozialistischen Freunde ausgeliefert werden. Es werde keine Amnestie bewilligt werden für Individuen, welche wegen gemeiner Verbrechen verurtheilt wurden, auch dann nicht, wenn diese Verbrechen mit politischen Vergehen im Zusammenhang stehen. Wenn Ferri eine Einschüchterung beabsichtige, so weise er(der Ministerpräsident) dies zurück, und wenn Ferri ihm den Fehdehandschuh hinwerfen wollte, so hebe er ihn auf(Beifall). Bezüglich der auswärtigen Politik erklärte Rudini, die traditionelle Freundschaft mit England vervollständige das System der italienischen Alliancen. � Er könne nicht leugnen, daß zwischen ihm und einem Theile der äußersten Linke» eine Meinungsgemeinschaft über gewisse Punkte bestehe, aber dies sei nicht im geheimen, sondern öffent- lieh durch ein feierliches Votum in dieser Kammer kund geworden; er sei eines Sinnes mit der extremen Linken gewesen in dem Willen, die öffentlichen Freiheiten wiederherzu- stellen und in Afrika Frieden zu schließen. Aber weder er, noch Cavallotti wollten jemals auch nur einen Theil ihrer Ideale und Prinzipien opfern. Rom, 22. März. Der„Jtalie" zufolge wäre ein Telegramm des Generals Baldiffera über die Friedensverhandlungen mit Menelik hier eingetroffen; danach lägen bisher keine Beweise vor, daß der Friede nicht unter ehrenvollen Bedingungen abge- schloffen werden könnte; allein es beständen Schwierig- ketten, welche den Abschluß des Friedens weniger wahrscheinlich machen könnten. Die „Jtalie" fügt hinzu, das Ministerium ist. getreu dem Friedens- Programme, entschlossen, den entschiedensten Widerstand gewissen Forderungen des Negus entgegenzusetzen, von denen bisher nie gesprochen worden sei und deren Quelle die Negierung kenne.— — Soziali st en und Republikaner. Während der Verhandlungen des italienischen Parlamentes über den afri- kanischen Krieg und den von der Regierung geforderten Kredit von 130 Millionen Franken(104 Millionen Reichsmark) nahm der sozialistische Abg. Prof. Eurico Ferri das Wort zu einer viel vermerkten Rede, in der er feinen republikanischen Stand- punkl scharf kennzeichnete. Ferri erklärte, daß seine Fraktion im Gegensatze zu den von Cavallotti geführten Republikanern durch den Rücktritt Crispi's sich nicht befriedigt er- klären könne, daß sie im Gegentheile auch zu der gegenwärtigen Regierung in schroffer Opposition verharre. Er warf der Regierung vor, daß sie die Amnestie nicht auf alle auf grund der Ausnahmegesetze und der Haß- und Verachtnngs- Paragraphen und der Bestimmungen betr. Gutheißnng verbotener Handlungen verurtheilten Personen ausgedehnt habe. Zahlreiche Leute, welche ebenfo und aus gleichen Gründen wie De Felice, Dr. Barbato und Bosco von den Militärgerichten verurtheilt wurden, schmachteten noch in den Zuchthäusern. Dann griff Ferri das neue Zirkular des Ministers des Innern an die Präfekten an, wodurch sie beauftragt worden, Arbeiterassoziationen zu beaufsichtigen. Dieses Zirkular widerspricht der Versammlungsfreiheit und stellte sich dar als ein Eingriff der politischen Macht in das Walten der Gerichte. Der Minister möge doch darlegen, was er unter den von ihm als verbrecherisch gekennzeichneten Vereinigungen verstehe?(Starke Unruhe auf den Regierungsbänke».„Wir Sozialisten werden für jede von Ihnen aufgelöste Vereinigung hundert neue gründen."(Lebhafte Bravos aus der äußersten Linken, Unruhe auf den Regierungs- bänken.) „Die afrikanische Politik betrachte ich lediglich unter dem Gesichtspunkte, daß man der Armee Gelegenheit geben wollte, sich durch billige Lorbeeren von der Antipathie zu befreien, sie sich durch die blutige Unterdrückung der Unruhen in Sizilien und Masfa Carrara erworben hat.(Ungeheure Unruhe, zahl- reiche Zwischenrufe, Ordnungsruf des Präsidenten.) Der frühere Kriegsminister Mocenni war es, der es als die Aufgabe der Armee bezeichneie, gegen die inneren wie äußeren Feinde zu dienen.(Neue Unterbrechungen.) Im Namen der sozialdemokratischen Partei fordere ich den Rückzug der Truppen aus Afrika und die Versetzung des früheren Ministeriums in Anklagezustand. Man muß Licht in die afrikanische Angelegen- heit bringen, welche veranlaßt wurde von dem unverantwort- lichen Gewalten(Wüthende Unterbrechungen, die Kammer erhebt sich gegen den Redner, der Präsident droht mit Entziehung des Wortes, wenn er weiter in diesem Tone fortfahre, er erinnert den Redner an seinen Eid.) Ueberlassen Sie unsere Eide unserem Gewissen, welches nichts zu thun hat mit den Schmutzereien der Banca Romana.(Beifall und Unruhe.) Ja, ja. Es giebt leider Machtfaktoren, welche dem Parlamente gegenüber nicht verant- wortlich sind. Man übersehe es nicht, die Stunden der Mon« archie sind gezählt; und wir Sozialdemokraten sind, wenn wir auch auf diese rein formale Frage kein besonderes Gewicht legen, Gegner der Monarchie.(Der Lärm der Gegner übertönt die laute Stimme Ferri's. Der Präsident fordert ihn zur Zurück- nähme seiner Worte auf.) Ich habe keine Silbe zurückzunehmen. Ich konstalire einen Eingriff in die parlamentarische Rede- freiheit. Ich werde nur der Gewalt mich fügend, aufs Wort verzichten.(Neue Unterbrechungen, der Präsident unterbricht die Sitzung. Die Erklärungen Ferri's haben im ganzen Lande großes Aufsehen gemacht. Um die hochpolitische Bedeutung der republi- kanischen Erklärung Ferri's und damit der sozialdemokratischen Fraktion des italienischen Parlamentes zn begreifen, muß man sich die Feigheit vor Augen hallen, welche die republikanische Bourgeoisie Italiens soeben an den Tag gelegt hat. Im ganzen Volke wurde die Verantwortlichkeit für die Niederlagen in Afrika der Krone zugeschoben, die Republikaner haben aber diese für sie so überaus günstige Situation ungenützt vorbeigehen lassen. Der Republikanismus der sogenannten italienischen Republikaner hat sich als leere Phrase, als ein Schattengcbilde erwiesen; die Sozialisten haben nun durch ihre Propaganda für die demokratischen Ideen den Republikanern den einzigen Grund ihrer Existenzberechtigung aus der Hand entwunden. Hierin liegt die außerordentlich große Bedeutung der Erklärungen Ferri's.— — Die Sympathie der Sizilianer für ihre Märtyrer äußert sich in dem begeisterten Empfange, der ihnen bei ihrer Heimkehr wird. Gestern früh traf der freigelassene sozialistische Abgeordnete Bosco in Palermo ein. lieber 6000 Personen warteten, wie die„National- Zeitung" meldet, seit 4 Uhr nachts am Hafen. Zahlreiche geschmückte Barken empfingen ihn mit bengalischem Feuer. Aus ver Spitze des Monte Pelle- grino war ein großes Freudenfeuer angezündet. Der Triumph- zug durch die Stadt war großartig. Bosco erklärte in seiner große Begeisterung erweckenden Rede, daß er die Propaganda dem Abgeordneten-Mandate vorziehe.— — Gegen General Baratieri ist nunmehr vom Staatsanwall des Militär-Gerichtshofes die Anklage erhoben worden. In einem Schreiben an den König Humbert rechtfertigt General Baratieri seine Taktik. Er droht mit"E n l h ü l l u n g e n, wenn die Regierung ihn vor ein Kriegsgericht stellen sollte. Dann will er dem ganzen Lande den Beweis erbringen. daß die Verantwortlichkeit für die Niederlage bei Adua an höherer Stelle zu suchen sei. Mit Rücksicht aus die befürchteten Enthüllungen will die italienische Regierung den Prozeß in Massauah und nicht in einer italienifchen Stadt führen lassen.— Spanien. Madrid, 23. März. Die Regierung hat beschlossen, ein voll- ständiges Memorial betreffs der den Kubanern gewährten administrativen und politischen Freiheiten zu veröffentlichen und dasselbe in großer Anzahl in Amerika vertheilen zu lassen. Sie hofft auf diese Weise der anti-spanischeu Strömung in den Ver- einigten Staaten Einhalt zu thun.— Türkei. Konstantiuopel, 22. März. In der gestrigen Sitzung des gemischten Ruthes theilte der armenische Patriarch mit, da die Bemühungen zur Besserung der gegenwärtigen Beziehungen zur Pforte ergebnißlos geblieben seien, beabsichtige er seine Ent- lassung nachzusuchen. Ter Patriarch wurde gebeten, im Amte zu verbleiben und seine Bemühungen fortzusetzen.— Konstantinopel, 23. März. Die Meldung von dem von Turkhan Pascha auf Kreta veröffentlichten A m n e st i e- E r l a ß bestätigt sich. Die Amnestie erstreckt sich aus alle bis zur An- kunft Turkhan Paschas auf Kreta wegen politischer Vergehen und Verbrechen Bestraften.— — In K i l l i S im Vilajet Aleppo fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen Armeniern und M u h a- medanern statt, wobei ans beiden Seiten mehrere Personen getödtet und verwundet wurden.— Amerika. New-Dork, 22. März. Einer Depesche des„New-Iork Herald" aus Laguayra zufolge ist das venezolanische Kriegsschiff„Mariscal Ayacuche" bei Margarita infolge einer Explosion verbrannt. Acht Mann fanden dabei ihren Tod.— Caracas, 23. März. Die Deputirtenkammer lehnte einen Beschlußantrag ab, wonach die Aufständischen auf Kuba als kriegführende Macht anerkannt werden sollten.— Afrika. Kapstadt, 19. März. Es besteht die Absicht, den ganzen Schriftwechsel betreffend die Reise des Prä- sidenten Krüger nach England dem Volksraad der Südafrikanischen Republik vorzulegen, der am 4. Mai zu- sammentritt.— — Der Kongostaat und die Mahdisten. Ueber die Lage am oberen Nil veröffentlicht der in Brüssel erscheinende„Mouv. geograph." eine Studie. Daraus geht hervor, daß die M a h d i st e n infolge eines Aufstandes der ein- geborenen Dinkas aus dem Bahr-el-Ghazal, wo sie das westlicher als die alte Seriba gelegene Dem-Siber(befestigter Platz von Siber Pascha) besetzt hatten, vertrieben worden sind. Am Nil haben sie Wadelai und Lado aufgegeben. Ihr südlichstes Lager am Flusse ist Bor, nördlich des sechsten Breitegrades. Die Truppen des Kongostaales haben keinen Punkt der Enklave Lado, weder am Nil selbst noch im Innern, in Besitz, nehmen aber starke Stellungen am oberen Helle ein. Dort ist das Fort Dangu der östlichste Punkt ihrer Bertheidigungslinie. Das Fori ist mit Kanonen armirt und mit mehr als 1900 Mann unter Befehl des Kommandanten Chaltin besetzt. Alle diese Bewegungen lassen darauf schließen, daß die Kongo-Truppen gleichfalls gegen das Mahdi-Reich in Bewegung gesetzt werden sollen.— Meirijskng» (Schluß aus der 1. Beilage.) Abg. Lenzman»: Nach der Aeußerung des Kriegsministers sollte man meinen, daß ich den Schöler der Kriegsverwaltung preisgegeben habe. Ich habe ihn in Schutz genommen gegen die Angriffe des Kriegsministers. Generalmajor v. Gemmingen: Ueber die Lieferung von Kohlen(Heiterkeit) sind besondere Vorschriften erlassen; es ist nur darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Kohlen aus Staats- gruben infolge der billigen Tarife billiger zu beziehen sind als die englischen Kohlen. Abg. Bebel(Soz.): Die Verwaltungen, welche geheimeFonds zur Verfügung haben, um Bestechungen zu üben, haben kein Siecht sich zu entrüsten und Moralität zn predigen.(Präsident v. Bnol rügt den Ausdruck Bestechungen.) Diese Fonds dienen doch zu Bestechungen. Das zeigen die Spionenprozesse im Aus- lande. Der Kriegsminister sollte erst ganz lesen, was ich gesagt habe, und nicht alles durcheinander werfen, wenn er mich hier widerlegen will. Er hat festgestellt, daß ein Soldat in Trier eine Ohrfeige erhalten hat.(Große Heiterkeit rechts.) Die Art und Weise, wie der Kriegsminister über die Sache hinweggegangen ist, reizt geradezu die Vorgesetzten draußen im Lande zu Mißhandlungen.(Lärm rechts.) Der Königsberger Fall ist von mir richtig dargestellt worden. Er wird das gute haben, daß, nachdem ei» so durch und durch falsches und verwerfliches Verfahren des Nachexerzirens zur Ermittelung von Diebstählen seitens des Kriegsministers verurtheilt worden ist, solche Fälle künstig wahrscheinlich nicht so häufig vorkommen. Es soll unrichtig sein. daß. nachdem mein Gewährs- mann die Beschwerde eingereicht, die Leute von da ab haben nachexerziren müssen. Mein Gewährsmann ist ein sehr angesehener Königsberger Bürger, den ich dem Kriegsminister namhaft machen könnte.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Man ruft mir zu: Thu' es lieber nicht!(Kriegsminister: anonym!) Die Beschwerde ist also anonym eingelaufen. Ich verwahre mich jedenfalls dagegen, daß der Kriegsminister sich herausnimmt, mir grobe Unwahrheiten vorzuwerfen.(Präst- dent v. B u o l: Der Kriegsminister hat diesen Aus- druck gebraucht mit der Beschränkung: unbewußterweise!) Bezüglich des Falles Schöler hat der Kriegsminister mir nichts unrichtiges nachgewiesen. Wendland hat sich viel früher als an seinen Hauptmann an uns gewendet; wir haben ihn materiell unterstützt, wir haben es aber abgelehnt, ihm eine Stellung in der Partei zn geben, weil wir zu seiner Befähigung kein Ver- trauen hatten. Von allgemeiner Willkür habe ich nicht ge- sprachen, ich habe immer bestimmte Thatsachen angeführt. Stelle» Sie es doch nicht immer so dar, als sei alles in der Armee ideal! Die Beschwerden sind schon vorgetragen, lange che es Sozialdemokraten gab. Ich werde immer meine Schuldigkeil thun, wie ich es bisher gethan habe im Jntereffe des Vaterlandes. Abg. Graf Limburg-Stirnm: Herr Bebel hat es mir zum Vorwurf gemacht, daß ich von seiner Methode gesprochen habe, ohne einen Beweis dafür zu erbringen. Die heutige Debatte hat gezeigt, daß ich recht hatte mit meiner„Methode Bebel". Denn heute haben wir wieder zwei Fälle gehabt, auf die das paßt. Der Trierer Fall: ein Soldat hat von einem Vorgesetzten einen Schlag bekommen und ist taub geworden. Es war aber ein Kamerad.jder ihm den Schlag gab, und der Mann ist taub ge- worden. Ebenso liegt es in Königsberg. In beiden Fällen wurde auf die Armee in ungerechtfertigter Weise ein Tadel geworfen. Wenn Ungerechtigkeiten vorkommen, so wird es der Armee angenehm sei, davon Kenntniß zn erhalten. Wenn Herr Bebel nur wirkliche Thatsachen vorbringen würde, dann würde er es verhüten, daß man von einer„Methode Bebel" spricht. Abg. v. Stumm(Rp.): Herr Liebknecht ist heute soweit gegangen, den Diebstahl zu entjchuldigen und die Diebe als un- schuldige Leute darzustellen.(Widerspruch bei den Sozialdemo. kraten. Zustimmung rechts.) Wer hat geleugnet, daß auf unserer Seile auch manches geschehen ist? Der Unterschied ist nur der: Sie verherrlichen solche Unsitllichkeiten und Ver- brechen.(Zuruf links: Sie haben den Herrn v. Hammer- stein monatelung gehalten.) Wer hat Leist, Wehlan und Hammerstein vertheidigt? Gegen Peters sind Anklagen erhoben, deren Berechtigung erst die Untersnchuug ergeben wird. Ich bin erstaunt über den Mnth des Herrn Bebel, daß er überhaupt noch das Wort ergreift, nachdem, was ihm vom Kriegsminister entgegnet worden ist.(Heiterkeil rechts.) Herr Bebel hat sich in dem Trierer Fall zum Sprachrohr einer offen- baren Lüge gemacht. Ebenso liegt der Königsberger Fall. Andere Parteien haben früher auch Militärmißhandlungen vorgebracht, aber sie haben sich nicht mit Unwahrheiten abgegeben. Herr Bebel wollte seine Pflicht weiter thun anS Liebe zu seinem Vaterlande. Die Mauserung scheint allerdings sehr weit zu gehen in der Sozialdemokratie, denn ich habe oft Zitate an- geführt, die leugnen, daß die Sozialdemokraten ein Vaterland haben. Nach dem Mangel an Vorsicht und an Wahrheitsliebe bezweifle ich, ob Herr Bebel es mit dem Vaterlande ehrlich gemeint hat. Abg. Bebel: Wer im Glnshause sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, besonders Herr v. Stumm, der in der letzten Zeit mit seinen Berichtigungen so oft dementirt worden ist wegen des Ankaufs einer Zeitung im Saarrevier. Es gehört eine sehr freie Stirn dazu, um danach hier so aufzutreten. Ich würde mich schämen, wenn ich auf solchen Dingen ertappt würde, ivie Herr von Stumm.(Große Heiterkeit rechts.) Der König-- Verger Fall hat sich als wahr erwiesen.(Widerspruch rechts.) Ich werde mich nicht beirren lassen in meinem Vorgehen. Denn Erfolge sind dadurch erzielt worden, es sind Mißhandlungen verhütet oder streng geahndet worden, die sonst vielleicht ungestraft geblieben wären. Und da? danken uns Hunderttausende im Solle. Die Erlasse de? Herzog? zu Sachsen. des Feldniarschalls v. Manteuffel und des jetzigen Kaisers beweisen. daß es Mißhandlungen in der Armee giebt/ Herr v. Stumm hat es festgenageli. daß wir den Diebstahl nertheidigt hätten. Warten Sie doch erst das Urtheil der höchsten Instanz ab. Die Juristen sind im Zweifel, ob die Wegnahme eines werthlosen Stuck Papiers ein Diebstahl ist. Ein Urtheil. welches dafür 6 Monate Gefängniß ausspricht, ist nur möglich. wenn es vom politischen Haß eingegeben wird.(Präsident v. Bnol rügt diese Wendung.) Die sittliche Entrüstung seitens der Parteien, welche die Schurkerei des Herrn v. Hammerstein verlheidigt hatten, ist zum Lache».(Präsident v. Buol ruft den viedner zur Ordnung.) Major Gäde kommt darauf zurück, daß der Abg. Bebel lbei der zweiten Lesung des Etats ausgeführt hat. daß die bestraften Reservisten kurz vor dem Amnestie-Erlaß noch zur Ab- büßuug ihrer Strafen ausgefordert wurden, damit ihnen die Gnade vorenthalten würde. Der Bericht über diesen Vorfall lautet, daß am 5. Januar die Strafverfügungen so weit vorbereitet waren, daß die Strafen vom IS. Januar ab verbüßt werden konnten. Die Mehrzahl der Mannschaften hatte von der Amnestie noch Vortheil. Wollte man ihnen diese Gnade ent- ziehen, dann hätte man die Leute erst nach dem Amnestie-Erlaß heranzuziehen brauchen. Ein besonderer Fall war von Herrn Bebel angeführt worden; einem Reservisten soll ein Straf» aufschub nicht gestaltet worden sein, trotzdem seine Frau ihrer Entbindung entgegensah. Es wurde ermittelt, daß die Frau erst lange nachher, am S. Februar, entbunden wurde.(Große Heilerkeit.) Abg. Liebknecht(Soz.): Ich habe nicht den Diebstahl ver» theidigt, sondern nur die drei Leute, welche des Diebstahls be- zichtigt worden, sind, weil sie ein werthloses Stück Papier sich angeeignet haben. Kein Mensch denkt daran, daß so etwas ge- stöhlen werden kann. Verwahrung muß ich dagegen einlegen, als ob diese drei Männer durch Geldversprechungen vom„Vor- wärts" verführt seien. Die Aktenstücke gehen uns zu ohne Aussicht auf Belohnung. Der„Vorwärts" hat sie veröffentlicht in gutem Glauben und im öffentlichen Interesse und im Interesse der öffentlichen Moral(Lachen rechts) und er wird fortfahren, die Namen der Verbrecher an den Schandpfahl zu nageln.(Unruhe rechts.) Der Rest des Etats wird nach unerheblicher Debatte und nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen der Abg. v. Stumm. Bebel, Metzger und Liebermann v. Sonnenberg genehmigt. Gegen 63/4 Uhr wird die weitere Berathung des Etats bis Dienstag 1 Ubr vertagt. Außerdein steht die zweite und dritte Lesung des Gesetzentwurfs berreffend die Verwendung von Ueberschüssen zur Schuldentilgung zur Berathung. VKrlcttnenkÄvisrhvs. Die Vorlage betreffend die überschüssigen Reichs- Einnahmen. Dem Reichstage ist heute folgender Entwurf eines Gesetzes wegen Verwendung überschüssiger Reichs-Einnahmen zur Schuldentilgung zugegangen: „Uebersteigen im Etatsjahre 1836/37 die den Bundesstaaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabaks- steuer, Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag zu derselben, sowie an Reichsstempelabgaben für Werthpapiere zc. die aufzubringenden Matrikularbeiträge, so ist die Hälfte des Ueberschusses zur Verminderung der Reichsschuld zurückzuhalten. Bei Ermittelung des Unterschiedes zwischen dem zu Ueberweisungen versügbaren Be- trage und den Matrikularumlagen werden von den letzteren die von einzelnen Bundesstaaten zur Reichskaffe zu zahlenden Aus- gleichungsbeträge abgesetzt. Die Verminderung der Reichsanleihe erfolgt durch ent- sprechende Absetzung vom Anleihesoll. So weit geeignete An- leihekredite nicht mehr offen stehen, wird über die Art der Schuldentilgung durch den Reichshaushalls-Etat Bestimmung ge- troffen. Außerdem wird die Summe, welche gemäß§ 8 des Zoll- tarif-Gesetzes vom IS. Juli 1873 der Reichskasse von dem Er- trage der Zölle und der Tabakssteuer verbleibt, für das Etats- jähr 183S/36 behufs Verminderung der Reichsschuld von 130 000 000 M. auf 143 000 000 M. erhöht.— Bei der Gewerbegerichtswahl in E r n st t h a l in Sachsen wurden in der Klasse der Arbeitervertreter die Kandidaten unserer Partei einstimmig gewählt. Auch bei der Gewerbegerichiswahl, die in L i ch t e n st e i n i. S. für de» 3. Bezirk des- Gewerbegerichts der Amtshauptmannschaft Glauchau vorzunehmen war, siegten unsere Genossen, und zwar erhielten sie sämmtliche Stimmen bis auf zwei. In Hall in Württemberg, wo das erstemal gewählt wurde, da das Gewerbegericht neu errichtet ist, siegten in der Klasse der Arbeitervertreter die 6 Kandidaten unserer Partei, und auch in der Klasse der Unternehmervertreter gelang es, eine» Sozial- demokraten durchzubringen. Von den übrigen S Sitzen der Uttternehmerklaffe bekamen 3 die Demokraten. Polizeiliches, Gerichtliches zc. — Redakteur Hurlemann in Halber st adt hat kürz- lich das dortige Gefängniß»ach Verbüßung einer zweimonatigen Strafe verlassen. Dagegen vertauschten Redakteur W o l f g a» g in Brandenburg und Buchdruckereibesitzer Vuder in Frankfurt a.D. die preußische„Freiheit" mit einem längeren Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen. Mögen beide Genossen gesund in unsere Reihen zurückkehren! — Das Kommandanturgericht in sThorn hatte einen Offizier, der beim Radfahren die polizeilichen Vorschriften außer acht ließ, deshalb von einem Paffanten zur Rede gestellt wurde und diesen dann beleidigte. der Beleidigung des Zivilisten zwar für schuldig befunden, aber für straffrei erklärt. Diesen Vorfall krilisirte die„Bremer Bürger- Zeitung" in ihrer Nummer vom 16. Oktober. Wegen der Kritik wurde vom Kriegsminister Strafantrag gegen den verantwortliche» Redakteur Rhein gestellt. In der Verhandlung am 20. März, die vor dem Schöffengericht stattfand, wurde zunächst erwiesen, daß das Rommandanturgericht in Thorn deshalb den Offizier für straflos erklärt hatte, weil Kompensation der Beleidigung vorlag. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte, zusätzlich einer gegen Rhein kürzlich ausgesprochenen dreiwöchigen Strafe auf einen Monat Gefängniß zu erkennen. Das Schöffengericht stand aber von einer Gefängnißstrafe ab, weil mildernd ins Gewicht falle, daß das Urtheil des Thorn'schen Kommandanturgerichts „einen sonderbaren Eindruck auf den Beleidigten zuließ und dem Angeklagte» wie den bürgerlichen Blättern Veranlaffnng zur Kritik gebe". Das Urlheil lautete auf 40 M. Geldstrafe und UrtheilSpublikation. — Ein Man st reprozeß steht, wie das„Volksblatt für Heften" mittheilt. gegen Parteigenosse» bevor, die am 9. und 22. Februar im Landkreise Kassel die Broschüre vertheilt haben:„Sedanfeier und Sozialdemokratie" und„Mutter, was läuft denn der Gendarm so?" Ein größerer Theil der Ver- breiter hat Strafmandate über je 10 M. oder 2 Tage Haft er- halten; sie sollen sich gegen die ZZ 10 und 41 des preußischen Gesetzes vom 12. Mai 1851 und gegen§ 30 des Preßgesetzes vergange» haben. Z 10 jenes Gesetzes— des alten preußischen Preßgesetzes— schreibt vor, daß zur Verbreitung von Druck- schristen an öffentlichen Orten polizeiliche Erlanbuiß nöthig ist. Da die Verbreiter wohl nicht außer Zlcht gelassen haben werden, daß die Schriften nur in Wohnungen vertheilt werden dürfen, so steht zu erwarten, daß das Gericht, dessen Entscheid sie anrufen wolle», die Strafmandate kassiren wird. — Wegen„unbefugter Titelführung" wurde vom Schöffen- gericht in Nürnberg Genosse Martin Segitz zu b Mark Geldstrafe verurtheilt. Es handelt sich um das von Segitz ge- leitete Arbeitersekretariat, das er„Arbeitersekretariat der Stadt Nürnberg" genannt hatte. Durch diese Bezeichnung soll der An- schein erweckt worden sein, es handle sich um eine von der Stadtgemeinde geschaffene Institution. Die Venrvigttng in Äev Konfektions�InduPkvie. Zu der Erkläruug des Schneidermeisters Gustav Manthey wird uns von unterrichteter Seite auf grund der vor dem Einigungsamte des Ge werbegerichts ge- machten Feststellungen folgendes mitgetheilt: „Für eine Hose, zu deren Anfertigung mindestens IVe bis 2 Stunden von einer geübten Handnäherin gebraucht werden, zahlte Manthey vor dem Streik 12, 14. 15, auch 16 Pf. Den nach dem Vergleich vom 19. Februar 1836 den Arbeilerinnen zu- stehenden Lohnzuschlag hat er nicht in voller Höhe, sondern nur in Höhe von 2 Pf. bewilligt. Sein Verdienst an Hosen ist vor dem Gewerbegericht, wie folgt festgestellt worden. Er zahlt für diesen Artikel an Durchschnittslohn: für die Stepperin 20 Pf., für die Handnäherin IS Pf., für den Büglcr S Pf., im ganzen 40 Pfennig, und erhält dagegen vv Pfennig, so daß ein B r u t t o v e r d i e n st von 20 Pf., mithin bei Anfertigung von 3S0 Hosen pro Woche ein solcher von 7V M. ihm verbleibt. Von diesem Brutto- gewinn von 70 M. pro Woche gehen an Unkosten ab für Werk- stattmiethe pro Woche 4 M., Gas zum Bügeln 2 M., Beleuchtung 1,20 M., Abnutzung für Maschinen 1 M., Oel und Nadeln 0,15 M., Garn und Seide O.SO M., Lohn für einen Laufburschen 3 M.. Krankenkassen- und Jnvalidenkassen-Beiträge 2.S2 M., in Summa 19,37 M., oder rund 20 M. Es verbleibt mithin nach Deckung aller Unkosten ein Nettoverdienst von mindestens 20 M. pro Woche, also 2600 M. per Jahr. Daß Manthey de» vollen, durch den Vergleich festgestellten Lohn- zuschlag von feinen Arbeitgebern nicht erhält, ist nur theil- weise iv a h r; wie aus Arbeitsbüchern der Firmen festgestellt ist, erhält er die volle Zulage. So weit die Vergleichs- bedingungen aber von einzelnen Arbeitgebern nicht ein- geHallen werden, macht sich Manthey einer Verletzung dieser selben Bedingungen schuldig, wenn er für diesen Arbeitgeber weiter arbeitet. Für diese seine eigene Schuld darf er aber weder seine Arbeiter durch Abzug von Lohn verantwort- lich machen, noch sich beklagen, wenn ihm etwa ein Ausfall am Verdienst erwächst. Jedenfalls ist die Angabe Manthcy's, daß ihm an einer Hose nur ei» Verdienst von 8 Pfennigen verbleibe. ebenso unrichtig, wie seine Behauptung, daß ihm vor dem Einigungsamte das Wort ent- zogen worden sei. Ties zur Steuer der Wahrheit." Vor dem Einissungsamt des Gcwcrbegerichts erschienen gestern eine Anzahl Hosen- und Wcstenarbeiterinneu, von denen eine angab, daß sie als Handnäherin auf Hose», für die sie 60, 75 Pf. bis 1 M. pro Stück bekommt und von denen sie bis vier Stück bei täglich 15— 16stündiger Arbeitszeil fertig stellt, wöchent- lich etwa 16 M. verdient, wovon als Unkosten abgehen: für Miethe 2,25, Licht 0,40, Garn 0,50. Krankenkasse 0,32 M. Die Arbeiterin ist in der Werkstatt des Meisters von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends thätig. Diese Arbeitszeit erfährt keine wesentliche Unterbrechung, da die mitgebrachten Eßwaaren o nebenbei eingenommen werden. Nach Feierabend ar- beitet sie dann noch oft bis 1 Uhr nachts zu Hause, um vier Hosen, die besonders sauber gearbeitet werden müssen, fertig zu bekommen. Eine Westenarbeiterin erhält für das Stück 40 bis 45 Pf. und macht täglich bei elfstündiger Arbeitszeit vier bis ünf Stück, wodurch sie einen Wochsnverdienst von 13—14 M. erreicht. Da sie die durch den Streik sestgefetzte Zulage nicht erhält, würde sich ihr Wochenverdienst durch dieselbe um 2,00 bis 2,50 Mark erhöhe». Auch betreffs der anderen Arbeiterinne» wurde festgestellt, daß sie die Zulage lheils gar nicht, theils ungenügend erhalten. Alle Arbeilerinnen erklärten sich für Einrichtung von Betriebswerkstätteu. Unter anderem war auch ein Zwischenmeifter für Westen, der früher ungelernter Arbeiter war, erschienen und jetzt für mehrere Kon- eklionssirmen arbeitet. Obgleich er von den meisten Firmen den Zuschlag von 12l/s pCt. erhält, sträubt er sich entschieden, seinen Arbeilerinnen eine Lohnzulage zu gewähren, und be- hanptet, er sei dazu nicht im stände, da er sonst lieber seine Werkstatt aufgeben würde. Er wird darauf auf- merksam gemacht, daß, wenn er bei seiner Weigerung beharre, die Konfektionsfirmen veranlaßt würden, ihm keine Arbeit zu geben, was ihm ja, da er sein Geschäft aufgeben wolle, nicht unangenehm sein werde. Zwei andere Zwischenmeister ließen sich in ähnlicher Weise aus. Einer derselben wurde, als ihin vorgerechnet ward, wieviel er den Arbeiterinnen zuzulegen habe, ziemlich erregt und erklärte: er sei ein freier Mann und kein Sklave und ließe sich nicht vor- fchrcibe», was er seinen Arbeiterinnen, die mit ihren Löhnen zufrieden feien, zu zahlen habe. Nach langen Verhandlungen unterwirft er sich den Einigungsbedingungen, zeigt sich aber bei den statistischen Erhebungen sehr unzugänglich und verweigert schließlich die Angaben über seinen Wochenverdienst und dieUnkosten. Herr L ö>v e n st e i n von der Firma Brock u. L ö w e n st e i n deklagte sich darüber, daß in dein Bericht über die Verhandlungen des Einigungsamts in Nr. � des„Vorwärts" über seine Finna unrichtige Angaben enthalten seien. Er habe nicht— wie es in jenem Bericht heißt— gesagt, daß er Arbeiter unter dem Tarif beschäftigt, sondern in der betreffenden Schling nur angefragt, ob er Schneider, die sich ihm unter dem Tarif anboten, beschäftigen dürfe. Als diese Frage verneint wurde, habe er sich dabei beruhigt und erklärt, daß er nunmehr den Artikel, für welchen er den tarismäßigen Lohn nicht zahlen könne, eingehen lasfen werde. Somit sei auch die an die im Bericht irrthümlicherweise angegebene Thatsache geknüpfte Kritik hinfällig. Herr Weigert bestätigt die Angaben des Herrn Löwenstein, ersucht unseren Berichterstalter um Richtigstellung der auf einem Mißverständniß beruhenden Stelle des fraglichen Berichts (was hiermit geschieht) und erklärt, daß bis jetzt noch keine Verstöße gegen den Tarif seitens der Firma Brock u.Löwen- stein zur Kenntniß des Einigungsamtes gekommen seien. Die Angaben der sonst noch vernommenen Arbeiter und Zwischen- meifter boten ei» ähnliches Bild, wie die früheren Erhebungen. Die Redaktion des„Vorwärts" hat keinen Anlaß, die Nichtigkeit des von Herrn Löwenstein kritisirten Berichtes anzuzweifeln. Sollte aber auch ein Hörfehler unseres Bericht- erstatters vorliegen, so hätte Herr Löwenstei» doch keinen An- spruch, eine Berichtigung zu fordern, denn die von ib», selbst zugestandene Thatsache, daß er die Umgehung der Beschlüsse des Einigungsamtes beabsichtigt und dem Einignngsaml zugemuthel habe, ihn in diesem Liechlsbruche zu unterstützen, kennzeichnet sein Vorgehen genugfam. In München legten sämmtliche Stückarbeiterinnen des Damen- konseklionsgeschäfts von I. A m o», Ncuhauser-Slraße, wegen Lohndifferenzen zc. die Arbeit nieder. Sozinlo Tie Gewerbe-Inspektion in Königsberg i. Pr. hat dort zufolge einer Aufforderung der Regierung vor geraumer Zeit Erhebungen über die Arbeits-, Lebens- und Gesundheitsverhält- nisse der in der Schneider- und Schuh macherbranche beschäftigten Arbeiter angestellt. Die„Königeberger Volkstribüne" schreibt darüber: Es sind bei diesen Erhebungen nur die Kassenärzte, Vorsitzenden der Krankenkassen und event. noch die Obermeister der Innungen der betr. Branchen befragt worden. Das Resultat dieser Enquete kann nur ein unzuläng- liches sein. Da es nun der Gewerbe-Jnspektion sicherlich daran gelegen ist, eine auch den wirklich bestehenden Verhältnissen ent» sprechende Schilderung in ihrem Bericht zu geben, so würden wir es rathsam halten, die Arbeiter der Branchen selbst zu befragen und zu diesem Zwecke mit den Vertrauensmännern und Vorständen dieser einzelnen Branchenorganisationen in Verbindung zu treten. Hoffentlich ist noch Zeit dazu. Aus Schlesien berichtet die„Berliner Korrespondenz": In den schlesischen Handweberbezirken ist man seit Jahren bemüht. durch Pflege des Handarbeits-Unterrichtes im An- schlusse an den Schulunterricht die Jugend für andere Be- fchäftigungen als die der Handweberei zu gewinnen und damit die Anfänge lohnender Gewerbe in den schlesischen Dörfern allmälig vorzubereiten. Zu dem Zwecke sind im Kreise Neurode Handarbeitsschulen errichtet, die eine erfreu- liche Entwickelung genommen haben. Diese Schulen veranstalten vom 24. bis 23. d. M. in den vom Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten zur Verfügung ge- stellten Räumen des Kultusministeriums eine Ausstellung der von den Kindern verfertigten Kerbschnitzarbeiten in Holz und Linoleum. GeinevkMnfllithes. An die deutschen Stuckateure, Gipser und verwandten Berufsgenoffen! Am 22. März wurde in einer öffentlichen Versammlung der Stuckateure Kölns einstimmig der Beschluß gefaßt, wegen Ver- Weigerung der Unterzeichnung des seit Jahren bestehenden und stillschweigend bezahlten Lohnlarifs Mann für Mann Montag. den 23. d. die Arbeit niederzulegen. Die Konjunktur ist sehr günstig und wenn kein Zuzug eintrifft, ist in spätestens 3—4 Tagen der Sieg vollständig errungen. Wir geben uus der Hoffnung hin, daß es uns mit Hilfe der auswärtigen Kollegen gelingen wird, in kurzer Zeit die Sache zu einem guten Abschluß zu bringen. Es werden weder Lohnerhöhungen noch Arbeitszeit- Verkürzung gefordert; nur das seit Jahren Bestehende soll schriftlich anerkannt werden. Die Loh nko in Mission der Stuckateure Kölns. I. A.: Chr. O d e u t h e r t. Eintrachtstr. 13. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. An die Zimmerer Berlins! Bei dem Ziinmermeisier Kohlmetz. Alexanderstraße 1, legten Montag sämmtliche Zimmerer— 60 Mann— die Arbeit nieder, der Unternehmer hatte von ihnen ge- fordert. Sonntags zu arbeiten. Dieser Aufforderung kamen nur 3 Mann nach. Am Montag verlangten nun die übrigen die Entlassung der Sonntagsarbeiter. Der Unternehmer weigerte sich, worauf der Streik ausbrach. Unsere Forderungen: Neunstundentag und 55 Pf. Minimal. Stundenlohn, sind weiter anerkannt worden von den Bausirmen: I. Zobel, Rostockerstr. 18; Fröhlich. Schliemannstr. 13; E. Bull. Urbanstr. 103; Nölte, Fichtestr. 27; Edel, Rammlerstr. 17; Schultz. Rammlerstr. 12. Der Vertrauensmann. AuS KottbuS. Die Kommission der streikenden Textil- arbeiter hat an das M i n i st e r i u m des Innern die Bitte gerichtet, die für den Kottbuser Kreis zuständigen Behörden an- weisen zu wollen, in dem Lohnkampfe ein objektives Einigungsverfahren zwischen den beiden Parteien einzuleiten. Auf die auch von der„Vossischen Zeitung' erwähnte Er- klärung der Spinner der Firma Engelmann u. Stephan hat das Komitee der Streikenden sofort eine Gegenerklärung veröffentlicht, worin es unter anderem heißt:„daß betreffende Spinner in der Erklärung unzutreffende Angaben machten. ob aus Veranlassung von irgend welcher Seite, wollen wir dahingestellt sein lassen. Durch glaubwürdige Zeugen können wir nachweisen, daß über Ve Jahr lang von früh 6 Uhr bis abends 9 Uhr mit Abkürzung der üblichen Pausen auch von Frauen und Fadenkindern gearbeitet wurde. Ja, es ist des öfter» von den betr. Frauen und Kindern in betr. Fabrik genächtigt worden.. Auf den Lohn der Spinner zurückzukommen, erklären lwir. daß derselbe sich auf 20 Pf. pro Stunde im Durchschnitt beläust. Wenn jetzt die Spinner die Erklärung loslassen, so muß doch jedem klar sei», daß sie das nicht aus eigener Initiative lhun." Auf diese Gegenerklärung haben sich die Spinner der in Rede stehenden Firma bis jetzt ausgeschwiegen. Am Sonntag wurde in Kottbus wieder eine von Tausenden besuchte Verfammlung abgehalten/ wo der Vorsitzende des Textil- arbeiter- Verbandes, Hübsch aus Berlin, das Referat hielt. Ueber die Stimmung unter den Ausständigen wird uns mit- getheilt: Die Masse beharrt ruhig und entschlossen auf ihren Forderungen und erklärt, lieber Kottbus den Rücken kehren zu wollen, als bedingungslos in die Fabriken zu gehen. Viele Unverheirathete und auch Verheiralhete sind, das herrliche Wetter benutzend, abgereist. Viele andere werden in den nächsten Tagen diesem Beispiel folgen. Wir bitten die Genossen allerorts, den Kottbuser Ab- gereisten in ihrem Bemühen, Arbeit zu finden, behilflich zu sein! Gestern, am Montag, wurde im Konzerthau? eine von Kottbuser Gesckästsleuten einberufene Versammlung abgehalten, wo man über die Frage verhandeln wollte, wie der Streik beizulegen sei. Auf der großen Eiscnsteiugrube bei Gosenbach im Siegerland hat der„Kölnischen Volkszeitung" zufolge am Sonn- abend fast die ganze, mehrere hundert Mann umfassende Beleg- schaft die Arbeit eingestellt. Den Grund der Arbeitseinstellung bilden die Lohnverhältuisse und die Art der Gedingabmachuug. Die Firma Stirnickel n. Giilchcr in Eupen hat 140 ausständige Weberinnen vor das Amtsgericht laden laffen, sie verlangt von jeder 12 M. Entschädigung. Tie Tcxtilwaarenfabrikantcn Mülhausens i. E. haben auf die Forderungen der Arbeiter abschlägig geantwortet, woraus in elf Fabriken über ZOOO Personen die Arbeit e i n st e l l t e n. Die Haltung der Ausständigen ist musterhaft. Ueber die Forderungen der Arbeiter haben wir in der Donnerstag- Nummer ausführlich berichtet. Tie Hauptforderung ist der Zehnstnndentag mit 15 prozentiger Erhöhung des Akkord- und Beibehaltung des bisherigen Tagelohns. Ter Bcrgarbcitcr-Strcik in Karwin-Mährisch-Ostrau ist durch Vergleich beendet. DepvfiLxen und lelzte Machvichken. Paris, 23. März.(W. T. B.) Die Gerichtsverhandlung gegen den ehemaligen Polizei-Agenten Dupas, welcher angeklagt ist, Amtsgeheimnisse verletzt und die Ergreifung Arton's hinter- trieben zu haben, hat heute begonnen. Gegen den Advokaten Royere schwebt wegen Mitschuld dasselbe Verfahren. Dupas hielt bei seinem Verhör die Behauptung ausrecht, er habe niemals den Befehl erhallen, Arton zu verhaften. Rom, 22. März. Heute Vormittag fand das Duell zwischen dem ehemaligen Kriegsminister Mocenni und dem Deputirien Barzilai statt; letzterer wurde an der linken Wange verwundet, Mocenni blieb unversehrt. New-Dork, 22. März.(C. N. of G.) Der Rath der Mdermen hat beschlossen, das H e i n e- D e n k m a l in einem der Vorstadt-Parks aufstellen zu lassen. Verantwortlicher Redakteur: Augnst Jarobey» Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen, .. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 71. Dienstag, den 34. März 1896. 13. Jahrg. Meirszskag. zu 67. Sitzung vom 23. März, I Uhr. Am Tische des Bundesraths: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, von Bötticher. Graf Posado wsky. Eingegangen ist der Gesetzentwurf wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen zur Schulden- t i l g u n g.(Entsprechend dem Antrag Lieber.) Danach werde» ans dem laufenden Etatsjahr 13 Millionen Mark, ans dem nächsten Etatsjahr die Hälfte der Ueberschüsse zur Schulden tilgung verwandt. Der Antrag Lieber wollte aus dem Jahre 1394—93 einen Ueberschuß von 12 633 139 M. zur Schutdcn tilgung verwenden. Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung des Reichshaushalts-Etats für 1896—97. Abg. Gras Limbnrg-Stirum(dk.): Eine Uebersicht über die Finanzverhältnisse findet am besten bei der dritten Lesung statt, weil dann der Etat feststeht. Ich spreche vom Standpunkte eines Mitgliedes des größten Partikularlandtages. Die Reichs- finanze» beeinflussen die Finanzen der Einzelstaaten in erheblichem Maße. Der Gesichtspunkt, daß aus den Reichsfinanzquellen der indirekten Steuern den Einzelstaaten Ueberweisungen zufließen sollen, ist vollständig verlassen worden, die Reichsfinanzreform ist abgelehnt ivorden; es ist sogar abgelehnt der bescheidene Wunsch, daß die Ueberweisungen und die Matrikularbeiträge sich ausgleichen. Man geht mit den Geldern des Reiches nicht so haushälterisch um, wie in den Einzelstaaten. Ein Ver gleich zeigt. wie opulent im Reiche gewirthschaftet wird; das liegt an der ganzen Organisation der Dinge; es fehlt an einer starken Finanzkontrolle und an einem entschiedenen Compelle, sparsam zu sein. Die Reichs-Finanzverwaltung hat keine Machtbefugnisse gegenüber den anderen Ressorts; selbst der mächtigste Reichskanzler, auch wenn er ein jüngerer Mann wäre, würde da nichts ausrichten können. Wie opulent bei der Marine gewirthschaftet wird, wissen Sie alle. Es kommen noch Lieb habereien hinzu. Ebenso geht es bei der Postverwallung, und auch im Reichsamt des Innern scheint der Grundsatz:„Leben und leben lassen" zu herrschen. Es besteht kein Zwang zur Sparsamkeit im Reiche, weil das Reich niemals ein Defizit haben kanu." Um so sthinger muß der Reichstag darauf halten, daß eine Auseinandersetzung zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten stattfindet. Nur dann wird die Finanzverwaltung einen Einfluß auf die einzelnen Ressorts haben. Ich will nicht davon sprechen, daß der Landwirthschaft nicht geholfen worden ist, daß die großen Mittel zurück- gewiesen worden flnd. Auch die kleinen Mittel werden nicht angewendet. Als wir im Abgeordnetenhause über die Ber- seuchung des Viehstandes in Oberschlesien sprachen, da hatten wir das Gefühl, daß dabei Rücksichten aus das Ausland ge- nommen wurden, auf Rußland. Man ist wohl bereit, für die Landwirthschaft etwas zu thun, wo sie allein in Frage kommt, aber nicht, wo das Interesse der Landwirthschaft konkurrirt mit den Interessen der Industrie und des Handels.(Beifall rechts.) Man betrachtet uns, die wir die Interessen der Landwirthschaft vertreten, als unbequeme Männer, als Agitatoren. Man wird vielleicht zu spät einsehen, daß nian unsere Mahnung zu Unrecht in den Wind geschlagen hat.(Beifall rechts.) Präsident v. Buol! Da der Vorredner die neue Vorlage schon in die Debatte gezogen hat, so mache ich den Vorschlag, daß wir die erste Lesung derselben mit dieser Generaldebatte ver- binden. Da sich kein Widerspruch erhebt, steht der Entwurf zur Berathung. Abg. Barth(frs. Vg.) empfiehlt zunächst, den Entwurf nicht an eine Kommission zu verweisen. Bei dem Gehalt des Reichs- kanzlers hat derselbe eine Erklärung über die Währnngsfrage abgegeben, welche uns Monometallisten vollständig befriedigen konnte. Seit den damaligen Verhandlungen hat sich ein Vor gang vollzogen, der zur Beurtheilung dieser Frage von der höchste» Wichtigkeit ist, nämlich die Verhandlungen vom 17. März im englischen Unterhause und die Erklärung der englischen Re- gierung bei dieser Gelegenheit. Durch die Presse ging die Mit- theilung, daß die Bimetallisten eine kombinirte Aktion beabsichtigten in Paris, Berlin und London. Alle Hoffnungen, welche an diese Aktion geknüpft wurden, find am 17. März gründlich zu schänden geworden. Es mußte schon auffallen, daß eine so lauwarme Resolution vorgeschlagen wurde. Als die Resolution als eine bimetallistische gedeutet wurde, erhob sich der englische Schatzkanzler Hick Beachs und gab für das gesammte Kabinet eine Erklärung ab(Zuruf des Abg. v. Kardorff: Kenne» wir!), welche jede Aenderung der Goldwährung verwirft, er schloß sie damit, daß auch keine spätere Regierung von der Goldwährung ablassen könne. Danach ist der Gedanke, daß England zum Bimetallismus übergehen könnte, vollständig aufzugeben. Es ist deshalb erfreulich, daß die verbündeten Regierungen sich nicht dazu verstanden haben, eine i n t c r- nationale Währungskonferenz vorzubereiten, denn sie hätten sich eine blutige Niederlage geholt. Wir haben inzwischen einen Antrag bekommen, der denselben Inhalt hat wie die englische Resolution. Der Antrug hat nur noch 143 Unterschriften, während er früher angenommen wurde. Hätten die Herren eine Ahnung von dem Verhallen der Engländer gehabt, so würden nur ein paar Dutzend Unterschriften übrig geblieben sein. Die Engländer haben in ihrem gesunden Egoismus erklärt, wir denken nicht an die Aenderung der Goldwährung, aber wenn nian auf dem Kontinente zu solchen Experimenten bereit wäre, so könnten das die anderen Staaten unter sich abmachen. (Heiterkeit.) Schatzsekretär Graf Posadowsky: Ich will nicht auf eine Währungsdebatte eingehen. Da der Gesetzentwurf über die Schulden- tilgung zur ersten Berathung gestellt ist, halte ich mich verpflichtet, ihm einige Worte auf den Weg zu geben. Die Motive zu dieser Vorlage ergeben sich aus den Verhandlungen der letzten Tage. Die staatsrechtliche» Bedenken der Regierungen werden ja von der Mehrheit des Hauses berücksichtigt, und es wird die Sache in einem besonderen Gesetze erledigt werden. Ein fach- liches Bedenken besteht darin, daß die Verwendung der Ueber- Weisungen zur Schuldentilgung nicht stattfinden könne, solange die Einzelstaaten nicht gesichert sind vor weiteren Ansprüche» des Reiches. Dieses Bedenken hat der Bundesrath fallen lassen unter der Voraussehung. daß damit der erste Schritt gethan ist für«ine Regelung der Verhältnisse des Reiches zu den Einzelstaaten, daß also der Grundgedanke der Reichssinanzreform zum Durchbruch kommt, daß die Einzel- staaten gesichert sind gegen Ansprüche des Reiches. Selbst»m den Preis eines friedlichen Ausgleichs würden die verbündeten Regierungen den Entwurf nicht vorgelegt haben. Er unterscheidet sich von dem Beschluß des Hauses dadurch, daß der Rückgriff auf das Jahr 1394—95 weggefallen ist, womit ja auch Redner des Zentrums am Sonnabend einverstanden waren. Abg. Bachem(Z.): Die Vorlage der Regierung bedeutet ein Entgegenkommen, aber auch der Reichstag beweist ein Entgegen- kommen, wenn er derselben zustimmt, denn er verzichtet dann auf die Verwendung der Ueberschüsse von 1394—95 für die Schuldentilgung. Die Voraussetzung, welche der Vorredner bei derVorlage machte, hat weder in der Ueberschrift noch im Text des Gesetzes Ausdruck gesunden. Wir können daher nur das Gesetz als solches an- nehmen.(Sehr richtig! links.) Wir legen uns damit nicht fest, wozu wir auch garnicht in der Lage sein würden. Graf Limburg hat die Finanzwirthschaft des Reichstages scharf geladelt. Bei der gegenwärtigen Geschäftslage will ich diese einseitige Auf- fassung nicht vollständig widerlegen. Die Thätigkeit des Reichs- tages auf dem finanziellen Gebiete im vorigen und im vorvorigen Jahre hat lebhaften Beifall im Volke gefunden; denn es ist uns ge- lungen, ohne neue Steuern auszukommen.(Sehr richtig! links.) 1337 und 1890 hatte der Gedanke, daß der Reichstag nicht sparsam sein kann, wohl Verbreitung finden können. Wie die neue Vorlage eine Spielerei mit Zahlen sein soll, verstehe ich nicht; sie vermindert doch die Reichsschulden um 26 Millionen. Diese Meinung hat Graf Limburg wohl blos fassen können, weil er sich mehr mit dem preußischen als mit dem Reichsetat beschäftigt hat. Abg. v. Kardorff(Rp.): Wer der heute eingebrachten Vor- läge zustimmt, der bindet sich allerdings nicht für die Finanz reform. Allein der Vorredner wird uns nicht hindern können, daß wir in dem Antrag Lieber ei» Symptom dafür sehen, daß endlich noch einmal eine Regelung des Verhältnisses des Reiches zu den Einzelstaaten stattfindet. Herrn Barth will ich recht darin geben, daß der Verlauf der Dinge in England uns Bimetallisten eine große Ent täuschung gebracht hat. Wenn die gegenwärtigen land wirthschaftlichen Zustände fortdauern, dann gehen wir einer trüben Zeit entgegen und die Regierung wird sich vielleicht derer erinnern, welche seinerzeit gewarnt haben.(Zustimmung rechts.) Abg. Hammacher(natl.): Es giebt unter den Mono metalliste» auch Männer, welche die Interessen der Landwirthschaft vertreten ebenso wie die des Handels und der Industrie. Der Vor- redner behauptet, daß die Doppelwährung die Preise heben würde. Das ist eine vollständig unerwiesene Behauptung (Zuruf des Abg. v. Kardorff: Das hat Bamberger selbst zu- gestanden.) Dem Bundesralh sind wir dankbar für das heute vorgelegte Gesetz. Darüil sind wir aus einer schwierigen Lage befreit. Daß die Ueberschüsse des Jahres 1834—93 nicht zur Schuldentilgung verwendet werden, ist eine Verbesserung des Antrages Lieber, denn es wäre ein Unrecht gegenüber den Einzel staaten, welche auf diese Ueberschüsse bei Aufstellung ihrer Etats für 1896/97 gerechnet haben, sie für das Reich zu verwenden. Abg. Richter: Der Antrag Lieber war nicht ein Symptom für das Durchdringen des Gedankens der Reichsfinanzreform, sondern ein Widerspruch gegen jede automatische Regelung dieses Verhältnisses. Dte Voraussetzung des Schatzsekretärs bindet den Reichstag nicht. England ist durch den Freihandel nicht geschädigt worden, Der englische Minister sprach nicht von den Bankiers als den Kapitalisten, sondern von den Sachverständigen, welche sich nicht für die Doppelwährung entscheiden können. Balfour's Rede war eine theoretische Entschuldigungsrede. Die Doppelwährung hat so Schiffbruch gelitten, daß man die Hoffnung jetzt nur auf Rußland setzt.(Heiterkeit.) Verschonen Sie uns also mit Währungsdebatten! Abg. v. Kardorff: Die Herren berücksichtigen nicht die eigenthümliche Lage, in welcher sich England befindet. England hat durch Schließung der indischen Münzstätten die Silber- Währung beeinträchtigt. England hat Frankreich gegenüber er- klärt, daß es die indischen Münzstätten wieder eröffnen will. Abg. Richter(frs. Vp.): Was der Minister in England an- führte, sind die Symptome steigender Wohlhabenheit. Damit schließt die Generaldislussion. Es folgt die Spezial- diskussio». Beim Etat der Kolonien beantragen die Abgg. Prinz Urenberg und v. Kardorff, die Stelle des ständigen Ver- lreters des Gouverneurs als künftig wegfallend zu bezeichnen. Direktor Kayfer widerspricht dem Antrage, welchen Abg. Lieber(Z.) dringend empfiehlt. Der Antrag des Prinzen Arenberg wird nach weiterer un- wesentlicher Debatte angenommen. Beim Reichs» ml des Innern verweist Abg. Hüpede»(christlich-sozial) darauf, daß von allen Seiten anerkannt sei, daß die Arbeiterinnen einen stärkeren Schutz haben müßten gegen die Arbeitgeber, welche ihre Stellung zu unsittlichen A n g r i f f e n be- nutzen. In der Umsturzkommission sei dieser Gedanke auch verfolgt worden. Die elende Lage der Konfektions- arbeiter ist eine Folge der m a n g e l h a f t e n O r g a n i s a t i o n. Die Koalitionsfreiheit werde freilich vielfach an- gegriffen, z. B. vom Abgeordneten v. S t u m m. Redner fragt. ob die Regierung Vorlagen nach beiden Richtungen hin machen wolle, ob sie namentlich der Organisation der Berufs- vereine freundlich gegenüberstehe, durch welche die Arbeiter von der Sozialdemokratie befreit werden können. Staatssekretär von Bötticher: Die verbündeten Re- gierungen haben die Absicht, welche sie durch die frühere Vorlegung der lex Heinze bekundet haben, nicht aufgegeben. Bei geeigneter Gelegenheit wird dieser Gesetzentwurf wieder vorgelegt werden. Ueber die Organisation der Berufsvereine hat der Bundesrath noch keine Veranlassung gehabt, zu verhandeln; ich würde also nur meine persönliche Stellung darlegen können. Abg. v. Stumm: Ich will nicht auf eine ausführliche özialpolitische Debatte eingehen. Ich habe mich niemals gegen die Koalitionsfreiheit ausgefpochen. Der Abg. Hüpeden verwechselt Koalitionsfreiheit»nd Verleihung der Korporationsrechte. Den Vereinen, welche lediglich aus den Streik hinauskommen, will ich keine Korporationsrechte geben. Die Partei, welcher der Abg. Hüpede» angehört, ist durchaus nicht bereit, in friedlicher Weise vorzugehen; es giebt Elemente in war. Man thcilt also nach dieser Richtigstellung offenbar dort auch meine Meinung, daß eine Arbeiterausschuß-Sitzung in Gegenwart von Beamten die reine Komödie ist. Möchte dies Beispiel auch in anderen Orten Nachahmung finden! Staatssekretär von Bötticher: Das könnte erst geschehen, wenn ihm eine Vorlage gemacht oder ein Antrag des Reichstages unterbreitet ivorden ist. Das ist bisher nichtsgeschehen. Abg. Hitze(Z.): Meine Interpellation hätte der Regierung wohl Anlaß geben können, sich über die Frage der Berufsvereine, in bezng aus welche»vir eine andere Stellung einnehmen, als Herr v. Stuinin, schlüssig zu machen. Zum Titel der„allgemeinen Fonds" ist von Migliedern der Rechten(S a ch ß e u. G e n.) der Antrag gestellt, die verbündeten Regierungen zu ersuchen: in den Etat für 1397/93 39 999 M. zur Unterstützung für Handwerkerschulen im deutschen Reichsgebiete einzustellen. Abg. Sachste(k.) besürivortet den Antrag. Abg. Fritzen(Z.)»nacht dagegen formale Bedenken geltend, da es sich uin Schulen handle, die von den Einzelstaaten unter- halte»»Verden müßten. Staatssekretär v. Bötticher: Das Reich hat schon bisher solche Handwerkerschulen, bei»velchen es sich nicht aus- schließlich um territoriale Interessen handelte, aus dem dem Reichskanzler zur Verfügung stehende» Dispositionsfonds unter- stützt. Abg. Merbach(Reichsp.): Mit recht hat der Herr Staats- sekretär bereits darauf hingeiviesen, daß bei den Handwerker- schulen keineswegs nur partikuläre oder territoriale Interessen in betracht komme». Abg. Fritzen bemerkt, daß eine Entschließung zu gunsten Sachsens die Forderungen auch der Einzelstaaten nach sich ziehen müsse. Der Antrag wird abgelehnt. Es folgt der Titel: Behörden für die Uittersuchung von Seeunfällen. Abg. Metzger(Soz.): Man hat meine früheren Angaben über die mangelhasle Bemannung der Auswandererschisfe des Norddeutschen Lloyd und der Hamburger Packetfahrt-Aktiengesell- schast»nit bootskundigcn Leuten in Ziveifel gezogen. Ich bin heule in der Lage, Ihnen ineine Angaben auf gru>»d der mir vorliegenden Boolsrollen strikie als durchaus nicht übertrieben, sondern als durchaus zuverlässig»ind richtig nachzuiveison. Nach! dem Handbuch für die Handelsmarine soll das Schiff„Persia" eine Bemannung von 92 Mann haben. Nach der Bootsrolle hat es aber nur 32 Mann. Von der bootsfähigen Mannschaft kommen auf 3 Boote zivei Matrosen, auf sieben Boote ein Matrose. Noch ungünstiger liegt das Verhältniß bei einem neuen Schiff der Hamburger Ge- sellschaft. Redner»veist zahlenmäßig nach, daß auf diesem und anderen Schiffen die Zahl der Boolsführer dlirchaus nicht aus- reicht. Er ist dagegen in der Lage, die Bootsrolle eines Schiffes vorzulegen,»velches kein Ausivandererschiff ist und der Wör»»a»n- Linie gehört, und in dieser Beziehung den beiden genannten Linien zum Muster dienen könnte. Dieses Schiff sollte nach dein Handbuch 31 Mann Besatzung haben, in Wirklichkeit hat es aber nach der Bootsrolle 33 Mann. Jedes der beiden auf dein Schiffe vorhandenen Rettungsbvote wird von 7 Seeleuten bedient. Meine Mittheilungen verdanke ich alten, erfahrenen Seeleuten, die von der Sache mehr verstehen als Laien, mögen diese auch noch so viel Fahrten zur See mitgeinacht haben. Der Laie sieht auf dein Schiffe nur»vas er sehen soll, er kann sich auf seine Augen nicht im»niudesten verlassen. Herr Freese behauptete in der ziveileu Lesung des Etats, Chinesen und Malaven eigneten sich auf dem Tropendampfer bester als Kohlen- zieher und Heizer als Weiße. Meine damaligen Be- Häuptlingen, daß dieser Vorzug lediglich der Profitfrage ent- sprunge», hat sich inzivischen bestätigt. Der, reiße Heizer ver- dient 69, der Kohlenzieher 39—37 M. monatlich, der Chinese 28 M.(Hört! Hört! links.) Das»nacht also bei 12 Heizern und 12 Kohlenzieyern eine Ersparniß von ca. 799 M. monatlich. von 8999 M. jährlich; eine gut bezahlte Humanität der Direktion des Norddeutsche» Lloyd! In bezug auf die I n s p i z i r u n g d e r S ch i f f e hat die jüngste Zeit ein allerliebstes Ereigniß zu tage gefördert. Ei» Spaziergänger fand am Deich bei Breinerhaven ein Telegrani»n an das Schiff„Havel" folgenden Inhalts:„Werde»norgen die „Havel" inspizire» und Boolsmanöver abhalten. Ersuche Boots- rolle bereit zu halten. Der Reichskoinmissar."(Hört! hört! links.) Nach einer solchen 24 Stunden vorher angezeigten Inspektion muß jedem Fabrikanten der Mund wässerig»verde». Die Redaktion der„Weser-Ztg." hat darauf an den Direktor des Norddeutschen Lloyd die Anfrage gerichtet, wie es sich»nit dieser Depesche verhalte. Die Direktion hat eine sehr lange Er- klärung abgegeben, deren kurzer Sinn der ist, ja, der Reichs- kommissar muß seine Ankunft, sein Eintreffen vorher anzeigen, sonst findet er eigentlich den Dampfer niemals in Ordnung. Diese Thatsache empfehle ich dem Staatssekretär zur Beachtung bei der Fertigstellung der Vorlage betreffend die Seemanns- ordnung.(Beifall links.) Staatssekretär v. Bötticher: Die Berichte der Ans- wanderungskommissarien geben doch ein wesentlich anderes Bild von den Zuständen der Auswanderungsschiffe, als die Darstellung des Vorredners. Der iin Handbuch angeführte Mannfchafts- bestand bedeutet nur das Normalmaß, das sich nach den Bedürf- nisten jeder einzelnen Reise modifizirt. Wenn»venig Paffagiere befördert»verde», sind auch weniger Bedienungsmannschaften erforderlich. Auf der„Persia" kommen auf jedes Boot sechs bootskundige Personen. Nach dein Bericht der Reichs- koinmissare leisten nainentlich die neueren Auswanderungs- schiffe in bezug auf die sofortige Bereitstellung der Boote geradezu derselben, die bedenkliche Tendenzen verfolgen. Redner be- 1 Vorzügliches. Was das Telegramm des Reichskommisiars an- dauert, daß der Bundesrath sich über diese Frage noch nicht"' �' chlüssig gemacht hat. Abg. Wurm: Es ist auffallend, daß Herr v. Stumm erst heute sein Herz«»»tdeckl und erklärt hat, es gebe auch berechtigte Streiks. Noch vor kurzem jubelte er und seine Freunde dein Minister zu. der meinte, hinler jede»» Streik lauere die Hydra der Revolution. Die Haltung der Regierung und der Gerichte zu den Streiks zeigt zur Genüge die Stimmung der maßgebenden Kreise. Ich erinnere nur an das famose Verhalten der Regierung beim Bergarbeilerstreik(Sehr richtig! links) und an das gerichtliche Urtheil über den Streik zu Kottbils. Mit platonischen Liebeserklärungen ist den Arbeitern»licht ge- dient. Herr v. Stumin entrüstet sich, daß an der Spitze der Arbeiterkorporationen solche„Volksverführer" stehen. Sollen etwa nur die Volksausbeuter das Regiinent haben? Das geht doch wirklich nicht.(Sehr gut! links.) In der zweite» Lesung kritisirte ich das Statut des Arbeiter- Aus- 'chusses der kaiserlichen Torpedowerkstätte in Friedrichsort. In dem im Reichsbericht der Geiverbe- Inspektoren abgedruckten Statut heißt es»vörtlich:„Der Direktor der Torpedoiverkstätte läßt nach Bedarf einen oder mehrere Vertreter der Torpcdowerkstälte an den Sitzungen und Bcrathungen theilnehmen." Danach lag ür mich kein Zweifel vor, daß, da der Direktor die Beamten theilnehinen läßt, er das Recht hat, darüber zu entscheiden, ob Beamte theilzu>»ehinen haben oder nicht. Der Arbeiter- ausschuß theilt»nir nun zu meiner Freude mit, daß es dem Vorsitzenden freigestanden hat, eine Sitzung anzuberaumen, bei welcher«in Vertreter der Torpedowertstätte nicht zugegen geht)"so ist die Anmeldung durchaus ain Platze geivese». Der Kommissar habe darauf zu sehen, daß ein Schiff nicht eher ab- geht, als bis alle Einrichtungen zun, Schutze der Passagiere ordnungsmüßig getroffen sind. Wenn er sich nicht angemeldet und nicht alles in Ordnung gefunden halte, so hätte er nur an- ordnen können, daß die unvollständige Einrichtung vervollständigt »verde. Die Hauptsache ist, daß bei der Abfahrt alles i» Ori> nnng ist;»van» es in Ordnung gebracht»vird, ist vollständig gleichgiltig. Meldet der Kommiffar sich nicht ai», so riskirt er, daß ein Theil der Mannschaft beurlaubt ist und er die Boots- Manöver nicht vornehmen lassen kann. Wen» Sie also in Zu- kunft der deutschen Rhederei wieder etwas anhängen»volle», so seien Sie vorsichtiger und fallen Sie nicht zum ziveiten Male hinein.(Heiterkeil und Beifall.) Abg. Hahn(wild): Ich bin zwar für den Norddeutschen Lloyd keineswegs voreingenommen, kann aber doch die Dar- stellung des Abg. Metzger nicht als richtig anerkennen. Es ist inir allerdings gesagt wordei», daß ans allzugroßer Sparsamkeit hei den Dainpfern an Osfizieren gespart»verde,»vill aber vor- sichtigeriveise hinzufüge», daß ich nicht genau»veiß, ob sich die Daten auf Bremer oder Hamburger Schiffe beziehen. Ich hoffe. daß das Haus einer Resolution endlich zustimmen werde, die ich»vohl im nächsten Jahre wieder einbringen»verde, in der eine Enquete über Beschäftigung u>»d Gehaltsbezüge der Schiffs- ofsiziere verlangt wird. Abg. Freese(frs. Vg.) führt aus, daß Abg. Hahn nur allgemeine Behauptungen ausgestellt, ohne sie mit Ziffern zu belegen. Beim Titel„Gesundheitsamt" beantragen Mitglieder ver- schiedener Parteien(Abg. Podbielski und Genossen): den Reichs» kanzler zu ersuchen, für die sofortige Einrichtung von Versuchs- anstalten zur gründlichen Erforschung der Maul» und Klauen- seuche>voi> Reichs wegen und bei den einzelnen Bundesstaaten Sorge tragen zu wollen. Abg. Graf v. Bernstorff-Uelzen(Welfe) weist auf die Ge- fährlichkeit der ganz Deutschland durchziehenden Maul- und Klauenseuche hin. Abg. v. Podbielski(f.) bittet im Interesse des heimischen Biehstandes ebenfalls um Annahme der Resolution. Staatssekretär v. Böttichcr erklärt, die verbündeten Re- gierungen seien mit dem Ziele der Resolution im vollstem Maße einverstanden. Es sei ihm aber fraglich, ob die Resolution sich ihrer Form wegen zur Annahme empfehle. Im Reichs-Gesundheits- amte wie in den landwirthschafrtichen Hochschulen beschäftigt man sich unausgesetzt mit der Erforschung der Maul- und Klauen» seuche. Die Abgg. Krause(natl.) und Langerhans(frs. Vp) er- klären sich ebenfalls mit den Zeilen der Resolution einverstanden, äußern aber ähnliche Bedenken wie der Staatssekretär. Abg. Graf v. Kanih(k.) erklärt sich mit der Forderung besonderer Versuchsanstalten nicht einverstanden, obwohl er den Antrag unterstützt habe. Es würde zu lange Zeit verfließen, ehe praktische Resultate zu verzeichnen sein würden. Das richtigste sei, die Grenzen zu schließen, wie es andere Staaten, z. B. neuer» dings Frankreich, auch thäten. Die Resolution wird angenommen. Beim Titel„Reichs-Versicherungsamt" weist Abg. Rösicke(wild) die bei der zweiten Lesung von den Abgg. Molkenbuhr und Stadthagen gegen die Berufsgenossen- schaftcn erhobenen Angriffe zurück, worauf die Diskussion über den Titel unter dem Widerspruch des Abg. Singer geschlossen wird. Beim Etat der Heeresverwaltung bringt Abg. v. Massow die vorzeitige Veröffentlickiung des kaiserlichen Gnadenerlasses durch den„Vorwärts" zur Sprache und fragt an, ob Anordnungen getroffen seien, daß solche unglaublichen Vorgänge sich nicht wiederholen. Kriegsminister Bronsart V. Schellendorff: Niemandem kann die vorzeitige Veröffentlichung des Erlasses unangenehmer sein, als mir selbst. Nachdem seine Majestät den Erlaß unterzeichnet und mir eingehändigt hatte, war ich dafür verantwortlich, daß er nicht vor dem 13. Januar in die Oeffentlichkeit kam. Wenn er trotzdem schon am 17. in einer sozialdemokratischen Zeitung erschienen ist, so muß ich die Schuld auf mich nehmen, und da ich nicht gewohnt bin, unliebsame Vorkommnisse zu vertuschen, so sage ich kein Wort zu meiner Verlheidigung. Ich erkläre nur, daß ich Maßnahmen getroffen habe, daß nach menschlicher Vor- aussieht ein solcher Skandal nicht wieder vorkommen kann. Wenn ich heute ruhig und objektiv auf den Vorgang zurück- komme, so muß ich sagen, ich finde ihn weniger auf- fällig als typisch für unsere Zustände, denn er zeigt, daß auch in diesem Falle die Lehren der Sozial- demokralie äußerst verderblich für gewisse Elemente der Be- völkerung sind. Was Sie(zu den Soziald.) euphemistisch harmlose Verwendung eines werthlosen Blattes nennen, ent- puppt sich bei näherem Zusehen als ganz gemeiner Diebstahl und f">chlerei.(Zustimmung rechts. Ruf bei den Sozialdemokraten: ächerlich!) Wenn es von der Partei als eine wohlgefällige Handlung bezeichnet wird, geheime Erlasse zu stehlen, wie kann man sich dann wundern, wenn der Diebstahl auch zu preßgewerb- lichen Zwecken ausgebeutet wird und man schließlich die Gemeinheit der Gesinnung noch als Kulturfortschritt bezeichnet.(Sehr richtig! Lachen bei den Sozialdem.) Die ersten Versuche, die Thäter zu ermitteln, wurden von den sozialdemokratischen Blättern mit Hohn und Spott begrüßt, und als der erste Versuch mißlang, habe ich im„Vorwärts" die stolze Zuversicht gelesen, daß es nicht gelingen werde, die Diebe zu ermitteln. Thatsächlich hat die Zeitung einen politischen Zweck mit der Veröffentlichung nicht versolgt. Es hat sich nur gehandelt um das Geschäft, um die Reklame, um die Absicht, bei dem einsältigeren Theil der Leser den Glauben zu erwecken, die Zeitung habe Beziehungen zu den höchsten Kreisen, zum Kriegsministerium selbst.(Zu- ftimmung rechts; Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Hat doch der„Vorwärts" geschrieben:«Dem„Vorwärts" gönnt man aber seine bevorzugte Stellung in der deutschen Presse nicht." (Große Heiterkeit.) Ist es wirklich möglich, die Sache zu beschönigen. wie es von vielen Seiten geschehen ist? Es ist festgestellt, daß eine kleine Diebs» und Hehlerbande unter den Arbeitern der Druckerei den„Vorwärts" in diesem Falle bedient hat. Diese drei Leute mögen, bevor sie Sozialdemokraten geworden waren, ganz ehrliche und rechtschaffene Leute gewesen sein. Jetzt sind sie es meiner Ansicht nach nicht mehr und die Verantwortung dafür trägt die Sozialdemokratie.(Zustimmung rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie(zu den Sozialdemokraten) werden sich vielleicht eine Weile schütteln, sie bleiben aber an Ihnen hängen. Ich habe ja auch schon in der Zeitung gelesen. sie haben alle Aussicht, zu Heiligen oder Märtyrern der Partei erklärt zu werden.(Heiterkeit.) Als die Leute überführt waren, haben sie ein reumüthiges Geständniß ab- gelegt und dabei zu erkennen gegeben, daß sie sich ihrer Schuld vollkommen bewußt waren. Inzwischen haben sie Privatunterricht bekommen und haben in der Haupt- Verhandlung sich hingestellt, wie die Lämwlein, weiß wie Schnee, als die Unschuldigen. Das Gericht hat sich in keiner Weise von den Angaben der Leute dupiren lassen und zum Ausdruck ge- bracht, daß selbst der ersolgreiche Besuch der Schule des Ver- brechens noch nicht die Berechtigung zum Stehlen gewährt.(Un- ruhe bei den Sozialdemokraten.) Da ich nun einmal das Wort habe, will ich auf die vom Abg. Bebel in der zweiten Lesung vorgebrachten Fälle von Soldaten»Miß Handlunge» zurückkommen. Der Mann vom 9. Husaren- Regiment erhielt nicht, wie der Abgeordnete Bebel angab, von einem Gefreiten, sondern von einem Kameraden eine Ohrfeige, so daß das Trommel- fell platzte; die Verletzung ist geheilt, trotzdem aber, und obgleich kein Strafantrag gestellt war, erhielt der Mann, der geschlagen hat, von seinem Eskadronchef 5 Tage Arrest, weil auch unter Kameraden eine Ohrfeige nicht egal ist.(Heiterkeit.) Aber wenn man jede Ohrfeige hier erwähne» wollte, die einem Genossen auf dem Arbeitsplatz oder bei sonstigen Gelegenheilen applizirt wird, wohin würde das führen.(Heiterkeit.) In Königsberg, wo wegen eines vorgekommenen Diebstahls eine Abtheilung nach- exerzireu sollte, ist auf die an das Generalkommando erstattete Anzeige nicht die Antwort gekommen, von nun an werde täglich zwei Stunden nachexerzirt werden, sondern der Offizier, der das Nachexerzieren verfügt hatte, wurde streng getadelt, und das Nachexerziren hörte auf. Also diese Fälle beweisen wieder, daß der Abg. Bebel in dem Vertrauen auf unwahre Mittheilungen von Genossen sich hier unwissentlich zum Verbreiter von Lügen macht und sich auch dadurch nicht beirren läßt, daß er den höchstkommandirenden Offizier einer Provinz in den Augen der Bevölkerung herabsetzt. Der vom Abgeordneten Bebel erwähnte Wendlandt wandte sich zuerst, nachdem er aus der Arbeiterabtheilung entlassen, an seinen früheren Hauptmann mit der Bitte, ihm Beschäftigung zu ver- schaffen, und der Offizier entsprach auch dieser Bltte. trotzdem es sich um einen Sozialdemdkraten handelt; das beweift, ivelches Vertrauen die Leute, auch wenn sie wieder in ihre Zivilstellung zurückkehren, zu ihren ehemalige» Vorgesetzten haben, und damit ist erwiesen, daß jene Willkür und Ungerechtigkeit, von der der Abgeordnete Bebel spricht, im Heer und bei den Vorgesetzten nicht bestehen. Der Hauptma»n"Miller, auf den der Abg. Bebel sich berief, theilt mir in einem Brief mit— ich kenne den Hauptmann Miller nicht persönlich— er bedauere seine vor sechs Jahren in einer, wie er jetzt erkannt habe, unbegründeten Er» reguug geschrieben« Broschüre, die noch jetzt den Anlaß zu aus» reizenden Reden bilde, und er übersendet mir zugleich eine Broschüre, in der er im deutschen Heere eine Hauptstütze der deutschen Macht und des Friedens sieht. Die Armee ist— damit schließe ich— erhaben über die Vorwürfe, die der Abg. Bebel gegen sie richtet, und auch gegen die Anwürfe, die von sozial- demokratischer Seite alljährlich gegen sie, zum theil in meiner Person, gerichtet werden.(Beifall.) Abg. Liebknecht(Soz.): Als der Erlaß in unsere Redaktion gebracht wurde, halte ich gedacht, es handle sich um eine ganz unbedeutende Sache; jetzt, da ich sehe, welche Wirkung die Ver- öffentlichung hervorgebracht hat, erkläre ich: der Streich hat doch getroffen.(Lachen rechts.) Die drei jungen Leute haben un- zweifelhaft geglaubt, ihrer Partei einen Dienst zu leisten. Das ist bei allen Parteien so. daß ihre Genossen Neuigkeiten zubringen. Es ist eine ganz harmlose Sache(Lachen)— es ist eine ganz harmlose Sache, und ich beneide diejenigen nicht um ihre Autorität, die hier, nachdem sie über Männer wie Leist, Wehlan, Hammerstein lange Zeil in der nachsichtigsten Weise geurtheilt haben, die Schale ihres Zorns über diese drei unschuldigen Leute ausgießen. Ich hatte die Absicht gehabt, in der Generaldebatte zu reden, aber ich fühlte mich zu unwohl, um das zu lhun; jetzt habe ich wenigstens die Gelegenheit, nicht zu vertheidigen. sondern anzuklagen. Wie der Kriegsminister mit dem Pathos, den er uns gegenüber immer anzuwenden beliebt, so hat auch der Oberstaatsanwalt Drescher, der einen großen Apparat hierzu in Szene gesetzt hatte, mit großem Pathos erklärt, daß der„Vorwärts" dadurch die Tiefe seiner Moralität zu erkenuen gebe. Unsere Moralität besteht einfach darin, daß wir Hallunken packen, wo wir sie kriegen können.(Lachen rechts.) Es wird ein Moment kom- men. wo sie darüber am allerwenigsten lachen werden. Der Kriegsminister hat den Versuch gemacht, es so darzustellen, als ob diese drei unschuldigen Leute(Lachen), ja unschuldig sind sie im Vergleich zu einem Hammerfteiu, ihre erste Aussage widerrufen hätten; sie hätten ein Privatissimum inzwischen gehört. Dieses hat einfach darin bestanden, daß jene Genoffen, so will ich sie hier nennen, den Inhalt eines Protokolls, welches ihnen vorgelegt worden war, nicht als richtig anerkannt haben. Der Polizeikommiffar Schöne hat Dinge gesagt, von denen sie behaupteten, daß sie nicht wahr seien. Der Kriegsminister hat gesagt, daß sie zu Parteimärtyrern geworden seien; nein, aber wir stellen sie doch unendlich höher als diejenigen, welche von Ihnen dadrüben Männer vertheidigt haben, wie einen Peters. der bis zur jüngsten Zeit Ihr Vertrauensmann war, dem Sie Ihre Bewunderung zu erkennen gaben. Gegenüber solchem Halunken sind sie Männer von Ehre, Männer, vor denen wir noch Respekt haben. Man hat an ihnen all den Haß, der sich angesammelt hat im Lause der Zeit gegen den„Vorwärts", aus- lassen wollen. Sie sind in dieser Beziehung Märtyrer gewesen. Was wäre ihnen geschehen, wenn es sich nicht grade darum gehandelt hätte, nach dem Fall Peters einmal ein Exempel zu staturren? Glauben Sie, daß ein Gerichtshof in einer solchen Weise vorgegangen wäre wegen einer Lappalie? Da sehen Sie wieder einmal die Unabhängigkeit der deutschen Gerichte!(Große Unruhe. Glocke des Präsidenten.) Was heißt es denn, ein Akten- stück veröffentlichen? Wo ist denn die Partei, die das nicht von ihren Gegner» gethan hätte? Gerade Sie(nach rechts) haben das gethan; denken Sie an die Zeit, da Kaiser Wilhelm I. noch Kronprinz war. Wie wurde er von Lindenberg, einein Agenten Ihrer Partei überwacht! Wir hatten uns nicht bemüht, das Aktenstück zu bekommen, aber der„Norddeutschen Zeitung", der wurde, als 1870 gegen mich und meinen Freund Bebel ein Hochverrat hsprozeß angestrengt wurde, eine ganze Anzahl von Aktenstücken, die auf unseren Prozeß bezug hatten, von der Staatsanwalt. schaft(Hört! bei den Sozialdemokr.), also von den Kollegen des Oberstaatsanwalts Drescher übergeben. Es vergingen ein Paar Jahre und dann kam der Fall Antoine; jetzt hören wir wieder Klagen über Veröffentlichung von Aktenstücken und Gesetz- entwürfen in offiziösen Blättern und es ist offiziös darüber ge- klagt worden, daß in den verschiedenen Departements der Regierung ein förmlicher Wetteifer zu bestehen scheint, die Akten des anderen Departements zu veröffentlichen. Ist das etwa in- fam gewesen? Hat man das gebrandmarkt? Nein, denn es waren ja I h r e Organe! Sie sprechen von einem Vertrauens- bruch: Wir haben doch einen Welfenfonds gehabt; aus dem sind Hunderttausende ausgegeben, um alles das zu thun, was Sie jetzt brandmarken, um Aktenstücke zu entfernen. Unter dem Soziali st engesetz sind Einbrüche undDiebstähle bei den Sozialdemokraten zu Hunderten vor- gekommen. Tie Sozialdemokratie steht thurmhoch gegenüber derartigen Angriffen. Wenn man der Sozialdemokratie vor- werfen will, daß sie die Moral mit Füßen trete, daß sie gegen das Recht, daS in der Menschenbrust wohnt, verstoße, dann lachen wir. In der französischen Kammer find es unser« Genossen gewesen, welche das Panamadiebesnest auS- gehoben haben und hier im Reichstage hat es, nachdem die Staats- anwälte Jahre lang geschlafen hatten, eines Sozialdemokraten bedurft, der den Reichstag und die Regierung zur Scham rufen mußte. Wenn Sie diesen armen unglücklichen drei Menschen gegenüberstellen einen Leist, Wehlan, Hammerstein, so ist das zum Lachen. Sie hängen uns jene an unsere Rockschöße, Ihnen hängen diese an und Sie werden sie nicht abschütteln können. (Schluß im Hauptblatt.) Eine»» glänzenden Sieg hat die Sozialdemokratie gestern abermals bei den Gemeinderathslvahlen in A d l e r s h o f er- fochten. Unserem Parteigenossen Laube fielen 153 Stimmen zu, während es der freisinnige Gegner auf ganze 72 und der Konservative gar nur aus 49 Stimmen brachte. Acht»»ng, Töpfer! Um Jrrthümer zu vermeiden, machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß die öffentliche Versamm- lung mit der Tagesordmmg:«Die Einigung der Kollegen Berlins" morgen Abend 3 Uhr bei Fey, Brunnenstraße 134, stattfindet. Im Inserat des„Vorwärts" vom Eonnabend ist durch einen Fehler der 24. März angegeben. Im Auftrage der Kommission: F. K a u l i ch. Unter zahlreicher Betheiligung ist am Sonntag unser Parteigenosse, der Former G. Rehdanz beerdigt worden. Der Leichenzug, dem eine Menge Wagen folgten, bewegte sich von der Reichenbergerstraße nach der Pappel-Allee und schwoll, je näher man dem Friedhofe kam, immer mehr an. Eine große Anzahl Kränze gab Zeugniß von der Pietät, welche die sozial- demokratische Arbeiterschaft ihren Tobten entgegenbringt. Eine recht angenehme Temperatur muß auf dem Jubel- 'est geherrscht haben, welches die„staatserhaltenden" Parla- mentarier am Sonnabend im Reichslagshause abhielten. Die «Germania" läßt sich u. a. folgendes berichten: „Die Hochrufe aus den Fürsten Bismarck wurden von den besonderen Freunden und Verehrern desselben mit d e m o n- st r a t i v e r Begeisterung ausgebracht, mit weit stärkerer Betonung als das Hoch auf Kaiser und Reich. Um die Sache b e» anders demonstrativ zu machen, wurden sogar noch einige Hochrufe dem dreimaligen Hoch zugefügt— ein kind- liches Vergnügen, das die gute Stimmung nirgendwo verderben konnte. Einem mittelparteilichen Abgeordneten des Reichstages, welcher dem Zentrumstische sehr nahe saß. passirte dabei»och das Unglück, daß er selbst in das Hoch aus Bismarck einzustimmen vergaß, während er es für noth- wendig erachtete, sich umzudrehen, um anscheinend das Verhalten des Zentrums und einzelner Zentrumsmitglieder bei diesem Toast zu beobachten und zu kontra lliren." Die«Norddeutsche Allgemeine Zeitung" aber bringt in un- heimlichem Eifer bereits den dritten Freudenartikel über dieses Fest. DaS offiziöse Blatt dars jetzt gegenüber den„Reich?- feinden" demonstrativ den alten Bismarck herausstreichen, und dies geschieht in folgender Phrase: „Festruhend auf dem nationalen Grunde und allen Stürmen Trotz bietend, steht der Bau des Reiches. So auch über jede Antastung durch den Haß der Feinde oder durch den Neid der Kleinen und Kleinlichen hoch erhaben steht der Name des Fürsten Bismarck." So die Festbetrachtung, die das offiziöse Blatt zu bringen Befehl erhalten hat. Nach solchen vom Geiste deutscher Einheit getränkten angenehmen Stimmungsbildern kann von uns wohl ohne Uebcrhebung konstatirt»verde», daß die Sozialdemokratie ihre Feste denn doch anheimelnder zu gestalten weih. Selbst darin ist sie den„Staatserhallenden" über. Eine Post-»»nd Tclegrapheiiagentnr»vird am l. April in der Kolonie B a u m s ch u l e n»v e g eröffnet.— Am 27. März, abends nach Dienstschluß»vird das Postamt III in Friedrichsberz bei Berlin von den» Hause Frankfurter Allee 176(Ecke Jung- straße) nach dem Hause Frankfurter Chaussee 39 verlegt. Hausbesitzer-Drcistigkeit. Der Bund der Berliner Haus- besitzer-Bereine hat in seiner letzten Bundesversammlung be- schloffen, an den Magistrat eine Petition zu richten und darin zu fordern, daß der Magistrat die Erlaubniß zum Wohnen städtischer Beamten und Lehrer in den Vororten grund» sätzlich versage und die seither ertheilte Erlaubniß in einer bestimmten Frist»viderrufe. Zur Begründung dieses Verlangens wurde sophistisch darauf hingewiesen, daß nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen der Wohnsitz der Be- amten am Amtssitze sein müsse. Jetzt wohnten aber zahllose Be- amte und Lehrer in den Vororten, genössen alle„Borthcile" Berlins, ohne zu den Lasten herangezogen zu»verden, die Stadt er- leide große Ausfälle an Stenern und die Hausbesitzer würden bei dem Leerstehen von 39 voll Wohnungen am meiste» betroffen. Bei der Macht, welche die Hausagrarier im Berliner Gemein- »vesen einnehmen, sollten sie doch einfach dekretiren, daß die städtische Bevölkerung ihnen den Ausfall an Mielhe für die 30 000 leerstehenden Wohnungen zu ersetzen hat. Flora Gaß als Schriftstellerin. Die vielgenannte «Freundin" des Herrn von Hammerstein, Flora Gaß aus Basel, giebt(wie man der«Frkf. Ztg." aus BaselZschreibt) zwecks Ver- theidigung gegen die>hr gemachten Vorwürfe, von denen sie viele als ungerechtfertigt bezeichnet, eine Broschüre heraus, die sich durchiveg aus Dokumente, in erster Linie auf Briefe v. Hammer- stein's, stützen soll. Das ca. 50 Seilen starke Büchlein, das dein- nächst in einem süddeutschen Verlag erscheinen»vtrd, führt den Titel:„Meine Bertheidigung in Sachen v. Hammerstein's. Von Flora Gaß in Basel." Tic Deutsche Gesellschaft für volksthüinliche Naturkunde veranstaltet an, Dienstag, den 24. März, abends 3 Uhr. im Bürgersaale des Ralhbauses einen öffentliche» Projektion-- Vortrag. Herr Privaldozent Dr. med, Th. Weyl wird über das Thema sprechen:«Wie erhalten»vir unsere Schulkinder gesund?" Besuchszeit der Milseen. Amtlich wird folgendes bekannt gegeben. Das Alte und Neue Museum, das Museum für Völker- künde, das Kunstgewerbe-Museum und die National-Gallerie sind für das laufende Jahr während der Monate April bis September an den Wochentagen, mit Ausnahme der Montage, von 10 bis 4 Uhr, an den Sonntagen von 12 bis 6 Uhr für das Publikum geöffnet. Mit bezug ails den Eintritt in die National-Gallerie an den Montagen zivischen 1 und 3 Uhr gegen Meldung beim Ltastellan behält es bei den bisher geltenden Bestimmungen sein Beivenden.— Nach Beendigung der Umstellungsarbeiten ist die Sammlung der italienischen Original-Bildwerke von Sonntag, den 22. d. M. ab, wieder dem Publikum geöffnet. In dem Disziplinarverfahren wider den Pfarrer Witte von St. Golgatha hat, wie hiesige Blätter melde»,, der Evan- gelische Ober-Kirchenrath die gegen das Urtheil des Breslauer Konsistoriums vom Pfarrer Wille eingelegte Revision zurück- gewiesen. Das Breslauer Urtheil lautet bekanntlich auf Amts« enthebung. Treptow war am Sonntag das Ziel vieler taufender Berliner und Vorortsbewohner, sodaß auf der Hauptstraße zu Zeiten nur schrittweise gefahren werden konnte. Die vor- handenen Verkehrsmittel erwiesen sich als völlig unzureichend und die Lokale waren derart überfüllt, daß viele Tausende halb verschmachtet nach Berlin zurückkehren mußten, weil es nicht möglich war, irgend eine Erfrischung zu erhalten. Die Straßen und Wege auf Treptower Gebiet waren so staubig, daß die Passanten wie die Müller al ssahen. Bis zur Eröffnung der Ausstellung bleibt noch sehr viel zu thun übrig; eine ordnungs- mäßige Befestigung der Wege dürste bis dahin überhaupt nicht mehr möglich sein. Zur Rixdorfer Gcmeindewahl. Da Genosse Frese nicht Hausbesitzer ist, muß für diesen eine Ersatzwahl vorgenommen werden. Dieselbe ist auf Montag, den 30. März d. I. anberaumt worden und wird von vormittags 10 bis nachmittags 6 Uhr im «Deutschen Wirthshaus", Bergstr. 136, stattfinden. Giltig sind nur die Stimmen,»velche aus Hausbesitzer fallen. Tie Gemeinde Britz will ein OrtSstatut erlassen, nach welchem alle männlichen Gemeindemitglieder von und bis zu einem bestimmten Alter verpflichtet sind, der freiwilligen Orts- seuerwehr beizutreten. Befreit hiervon sollen diejenigen sein, welche einen bestimmten Beitrag für Feuerlöschzwecke zu zahlen sich verpflichte». In der am nächsten Freitag staltstndenden Gemeindevertreter- Sitzung soll dieses Statut zur Berathung ge- langen. Modernes Deutschthum. Unter dem Verdacht, eine Majestätsbeleidigung ausgestoßen zu haben, ist am Sonnabend ein Schneidergeselle in Spandau verhastet worden. Derselbe wurde von seinem früheren Meister, wie man annimmt, aus Rache denunzirt. Die That soll schon vor Jahr und Tag ge- schehen sein. Eine Messerstecherei, der ein Menschenleben zun, Opfer fiel, hat sich in der vergangenen Nacht in der Bergmannstraße abgespielt. Der 2öjährige Maurer Gottfried Bauer, der aus dem Kreise Torgau stammt und seit etwa sieben Jahren schon bei der Familie Luckwald in der Bergmannfiraße 96 wohnte, ging vorgestern Abend um 7ffe Uhr aus und besuchte mehrere Schankwirthschaften. Bald nach 2 Uhr früh sah man ihn auf offener Straße mit mehreren Leuten, die vermuthlich auch schon in den Wirthschasten mit ihm zusammen gewesen sind, in Streit, der vor dem Hause Bergmannstraße Nr. 105 einen heftigen Charakter annahm. Bauer erhielt plötzlich»nit einem spitzen Taschenmesser einen Stich in den Hals, der ihm die Schlagader durchschnitt. Man brachte ihn zu dem im Hause Nr. 104»voh- nenden Masseur Lange, der ihm die erste Hilfe bringen sollte. Der Gestochene gab aber schon»ach wenigen Minuten seinen Geist auf. Der Stecher, ein Hausdiener aus der Gneisenaustraße Nr. 81, suchte zu entfliehen, wurde aber festgenomnien und heule morgen der Kriminalpolizei zugeführt. An dem Streite ist der Erstochene nach dem Ergebniß der bisherigen Ermittelungen nicht unschuldig. Eine Radaunacht. Zu tumultuarischen Szenen kam es, wie uns ein Berichterstatter mittheilt, in der Nacht zun, Sonntag in der Gollnowstraße. Gegen VjlO Uhr abends passirten drei Gefährte des in der Brunnenstraße wohnenden Fuhrwerks- besitzers Grundmann den oben erwähnten Straßenzng. An der Ecke der Gollnow- und Landwehrstraße standen mehrere Männer auf dem Fahrdamm, die trotz Zurufs des das erste Gefährt leitenden Herrn G. nicht auS dem Wege gingen. Sie hielten vielmehr das Fuhrwerk an und versuchten Herrn g eine öffentliche Volksversammlung angerechnet, in »velcher Klara Zetkin über die Militär- Vorlage ge- sprochen hatte und in der zum Beitritt in den Verein aufgesordert»vorden war. Das Gericht erklärte für festgestellt, daß diese Versammlung von den Borstandsniilgliedern der Zahl- stelle für die Zahlstelle einberufen»vorden sei. Bezüglich ziveier regelmäßigen Zahlstcllen-Versainmlungen legte das Gericht Werth aus Aussührungei» über den Krieg und über die Rechte der Frauen und die Ausschließung derselben von den politischen Rechten. � Die Angeklagten legten bei»» K a m n» e r g e r i ch t Revision ein. In der Hauptsache»vnrde � dieselbe damit begründet, daß. wären auch vielleicht in den Zahl- stelle»— Bersanunlungen— politische Erörterungen vorgekommen, dies doch noch lange nicht der dauernde Z,veck des Zweigvereins geivesen sei. Weder der Hanpt- noch ein Nebenziveck des Vereins sei es geivesen, politische Gegen» stände zu erörtern. Eine vorübergeheirde Erscheinung könnte aber nicht den Angeklagten„ach§{? 8a und 16 des Vereinsgesehes zur Last gelegr»verden; des ersteren Wortlaut spräche dagegen. Der Strafsenat»vies jedoch gestern die Revision z u r ü ck. Ohne Ziveifel seien Auslassungen über den Militarisnnls, Rechtspflege, Kriegsührnng, Frauenrcchte:c. politischex Natur, und ans ihnen gehe ztvcifellos die Absicht hervor, die Sozialdemokratie, d. h. eine extrem politische Partei zu fördern.§ 8 sei an- »vendbar. Ganz unerheblich»väre es. ob jene Erörterungen politischer Gegenstände dauernde oder zufällige Erscheinungen seien. Die HanpiberkiMtdlnng gegen den Freiherrn v. Hammer« stein»vird sich über den ursprünglich in Aussicht genommenen Termin hinausschieben, da dem Angeklagten eine Nachfrist voi» zehn Tagen zur Erklärung ans die Anklage geivährt»vorden ist. Erst»ach Ablauf dieser Frist»vird die Strafkammer den cnd- gilligen Beschluß über die Eröffnung des Hauptverfahrens zu fassen haben. Da zivischen der Zustellung der Ladung und dem Tage der Hauptverhandlung eine Frist von mindestens einer Woche liegen»nuß, so ist der Termin zur Hauptverhandlung frühestens in der zweiten Hälfte des Monats April zu erwarten. Aus Wunsch des Angeklagten wird neben den, Rechtsanwalt Raetzel l der Rechtsanwalt Dr. Schivindt die Verthei- digung führe»». Weil das Gericht den--- Schädel verloren hatte, mußte Montag die Verhandlung vor den» Schivurgericht an» Landgericht II Berlin vertagt»verde»». Drei Ziegeleiarbeiter sollten einen Kollegen durch Messerstiche in den Kopf getödtet haben,»»nd da sich am Schädel des Verstorbenen ziemlich deutlich zeigte,»vas für Messer zlir Anivendting gekoinmen waren, hatte»nan als Haltptbeiveismaterial den Schädel abgesägt und in Verivahrung genominen. Dieses Beweismittel»var aber gestern absolut nicht zu finden, kopflos»var die Verhandlung nicht möglich llnd es mußte deshalb die Vertagung beschlossen»verden. Hoffentlich gelingt es, den verlorenen Schädel zu ermitteln. Der wissentlich falsche» Anschuldigung war der Xylo- graph Otto R a t h k e angeklagt, der sich gestern vor der siebenten Straskainmer am Landgericht I zu verantivorten hatte. Er arbeilet bei der Firma Büxenstein und stand mit einem Kollegen auf gespanntem Fuße. Vor Jahresfrist, als der große Bismarck- rummel vor sich ging, denunzirle Rathke seinen Kollegen in einer anonymen Zuschrift a» die Polizeibehörde»vcgen angeblicher Majestätsbcleidigung. Der Einsender der Denunziation»vnrde aber entdeckt und da deren Haltlosigkeit zu verniuthen»var, so ersolgte die envähnte Anklage gegen de» Denunzianten. Die Bclveisaufnahino ergab jedoch zu»»»enig Belastungsmaterial, um den Angeklagten verurtheilen zu können, es mußte vielinehr »nangels Beiveises die Freisprechung desselben erfolgen. Mit der Frage, ob Dissidenten verpflichtet»verde» köunen, ihre Kinder an dem Religionsunterricht in der Volksschule theil- nehme»» zu lassen, hatte sich Montag der Slrassenat des Kannner- gerichts in Berlin zu befassen. Der Dissident Gerling in Köln Hatto ein Strafmandat erhalten, iveil er seine Tochter an 30 Mal den Religionsunterricht meiden ließ. Gerling, dessen Frau ebenfalls aus der evangelischen Kirche ausgeschieden ist, beantragte darauf gerichtliche Entscheidung. Er halte de»» Erfolg, i» den beiden ersten Instanzen freigesprochen zu»verde». Die Strafkammer»var der Meinung, es würde mit der dem preußischen Staatsbürger geivährleisteten Geivissensfreiheit in Widerspruch stehen,»venu man Eltern,»velche nicht mehr zur evangelischen oder sonstigen Kirchengemeinschaft gehöre», zivingen»vollie, ihre Kinder an de», Rcligionsllnterricht der einen oder anderen Konfession thcilnehnien zu lassen. Der Strafsenat des Kamniergerichts hob aber dies vernünftige Nrtheil auf und»vies die Sache in die Vorinstanz zurück. Die Kiuder von Dissidenten n» ü ß t e n ebenfalls an dem Religionsunterricht in der Volksschule theil- nehme», wenn nicht erwiesen sei. daß sie nndenveitig einen g l e i ch w e r t h i g e n Religionsunterricht erhalte»».— Das ist Geivissensfreiheit in Preußen! VevsÄmmlunlgen. Der Ortsvcrein der Maschinrnbancr mißbilligte in seiner Sitzung au, 23. d. M. in sehr entschiedener Weise das Verhalte» z»vei seiner Mitglieder, die bei der Finna C. Schulz als Streik- brecher figuriren. In einer Resolution empfahl die Versa»,»ulnng dem Zentralvorstand, den Ausschluß der betreffenden zu be- »virke». Arliiiter-Kildungsschnlr. Tientlaa«bend von 7!j—«S Uhr: Letiüre 8X—»0� Uhr: N o r d s ch u l e, Mülleisnabe I7»a: Bollslhüinliche Medizin (Die Belleidun« des Körpers.) S ü d o st- S ch n I e, Waldemarftr.>«: Nalloiialöronuinto iprallischc). Bei allen»InlerrtchlSfächern»Verden neue Theilnchiner, Tomen und Herren, jeder Zeil aufgenommen. Friedrichvllera. per Arb»iter-Ki»du»govrrri» hält seine am Sonnlag angelündigie Bcrsammlung ain Dienstag, den at. März, bei Müller,„itron- prinzen-Earlen" ab. «Well schuft für«rapliolxgie. Dienstag, den ,4. März, abend«» Uhr, in den„BiNorta-Hallen", Letpzigcrsir.»S4: Stsung. Vortrag des Herr» Dr. Klein. Käste sind ivillloinmen. Vermischtes. Durch zwei große Erdrutschnngen wurden am Soim- abend Nachmittag am Hüggel in Hasbergen bei Osnabrück im Schacht„Hermine" 5 Arbeiter verschüttet. Sie sind bis zum Sonntag noch nicht geborgen wordci», trotzdem vierzig Arbeiter ununterbrocben bei den Rettungsarbeiten thätig sind. In Wien wurden Sonnabend Nachmittag durch den Ein- stürz eines Tunnels bei de» Bauten der Stadlbahn zwei Arbeiter getödtet, einer leicht verletzt. Der Einsturz ersvlgle infolge der Ueberlastung des Tunnels mit Erde. Ans Wiencr-Ncustadt»vird gemeldet: In» städtischen Walde soivie in Gleiten bei der Prem sind große Brände aus- gebrochen. Viele Joch Wald sind bereits vernichtet. Aus Pudapcft berichtet das Bureau Herold von» Montag: Gegen den Miskolizer Personenzug wurde gestern zivischen den Stationen Tiszolcz und Pila ein Attentat verübt, indem von bisher tinermittelt gebliebenen Personen Steine ans die Geleise gelegt»varen, um dadurch den Zug zum Entgleisen zu bringe». Ter Zugführer bemerkte das Hinderniß jedoch»och rechtzeitig und konnte den Zug zum Stehen bringen. Nur die Lokomotive wurde erheblich beschädigt. Der griechische Datlipfer„Tespina" gerieth am Sonntag in Zaule in Brand und versank. Einzelheiten fehlen noch. Briefkasten der Kedaklion. M. M., Nancy. Die Sonder-Ausgabe von Bastiat-Schulze ist in der Biichhandlung Vorwärts zum Preise von 1 M. zu haben.— Puchfinken, Staare 1,50. Singvögel, Vogelbauer billigst. L. Svknvlle, Jnvalidenstraße 7.__ Rohtavak. Grösste Ansvahl! Billigste Preise. Sämmtliche Fabrikations-Utensilien. Heinrich Franck, N». 185, KrnnnrnNraffe|lr. 185. MWl-MWst verkause sofort spottbillig, vollstäudige Wohn- u. Schlafzimmer-Eiiirichtmigeii, darunter 8 Fenster neite Gardinen, Brautleuten geeignet. Frau Büttner, Köpuickerstr. 141, Vorderhaus 1. Etage. Möbel, Spiegel, Polsterivaaren, Plüsch- Gannturen, Paneel- Sophas, Teppiche, Portiören, Gardinen, ganze Wohnungseinrichtungen, auch aufTheil- Zahlung, mit geringen An- u. 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März 1396: Zum 300. Male: Eine tolle liuebt. Anfang Ve8 Uhr. NMonol-Theater. Cj refft Frankfnrterstrahe 133. Direktion: Max Samst. Uolksvorstellnng zu �bedeutend ermästigtr» Dreisen. Gastspiel des Fränl. vlara Leno vom Berliner Theater: L g m o n Tranerspiel in 5 Akten von W. v. Göthe. Regie: Max Samst. Morgen: Jaczo, der Wendenfürst. �lexanckerplktt�ieater. Heute 8 Uhr: Zum 3. Male: Die Nuskeliere im vamenstikt. Operette in 3 Akten von L. Varney. Morgen und die folgenden Tage: Dieselbe Vorstellung. .Ädolpl» Emst-Theater. s Csutfc. Schwank in 3 Akten von V r a n d o n T h om a s. Reperloirstück des Globe- Theaters in London. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Vorher: UieGajaazei. Parodistische Posse mit Gesang u. Tanz in 1 Akt von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musik von F. R o t h. Anfang 7>/s Uhr. Morgen.: Dieselbe Vorstellung. fQC In Vorbereitung: Das flotte Berlin. Gesangsposse in 3 Akten von Leon Treptow und Ed. Jacobson. Kouplets von Gustav G ö r ß. 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Zum letzten Male:-WS Die Jagd nach d. Glück. Außerdem: Dir. Busch mit seinen bestdress. Freiheitspferden. Der russ. Hengst Fetronius, ohne Sattel und Zaum, ger. von Mme. Maria Vors. Gladiateur, schweb. Prämienhengst, ger. v. d. Schulreiter Herrn Kioske. Auf- treten der vorzügl. amerikan. Reit- künstlerinnen Geschw. Fowell. The Rudolfs, die besten Reckturner der Welt. Auftreten der beliebtesten Klowns. Mittwoch: Zscheus, das Waldmädchen. Schlnss der Saison am 3. April. Feen-PaBast Burgstraste Nr. 33. Direktion: Dlinkler � Fröbel. Das brillante März-Programm: Mam|w«Ml>"s|»ae- jos Fol bsh lenko Affenspiele Urlom. Pantomime v. d. Gesellschaft _ Jackley Roston. niraioa hpsjozb Sssglljos) uoiniq •Juox Anfang Sonntags 7 Uhr. Anfang Wochentags Q Uhr. Elitree 30 Pf. Böhmisches Brauhaus Landsberger Allee. Heute, Dienstag, 24. März: Abschieds-Solree der Stettiiitt Sämer (Meysel, Fietro, Briitoa, Steidl. Krone, Böhl und .f. Schräder) zum Besten des National-Dauks. Anfang 5 Uhr. Entree 60 Pf. 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März, mein lieber Mann, unser Bruder und Schwager, der Schriftsetzer Adolf Feistel nach langem schweren Leiden ver- storben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 25. März, nachmittags 4-/2 Uhr, vom Trauerhause Lausitzerstraße 41 aus nach dem Emmaus-Kirchhofe statt. 432b Die Hinterbliebenen. Jt a ch r u f. Am Sonnabend, den 21. März er., ist der Gelbgießer Karl Feidel im Alter von 35 Jahren gestorben. Wir verlieren an ihm einen braven, treuen Kollegen und werden sein An- denken in Ehren halten. 491b Die Arbeiter der Bronzewaaren- fabrik von Goedke u. Behnke. Danksagung. 501b Allen Genossen, Verwandten und Bekannten für die Theilnahme am Be- gräbniß meines lieben Mannes, unseres lieben Vaters, Schwiegervaters, Groß- vaters, Schwagers und Onkels Georg Redanz, insbesondere den Gesang- Vereinen Libert« I und Lorbeerkranz, dem Skat- klub Tourne, dem Lese- und Diskutir- klub Friedrich Engels II, dem Verein zur Wahrung der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins und Um- gegend dem Münchener Brauhause. den ehemaligen Kollegen der Firmen Ernst Dobler und Gebauer, der Knopf- fabrik Lenschow u. Markart, der Perl- mutterwaaren-Fabrik von Schulz, den Kupferschmieden, sowie allen Spendern von Blumen und Kränzen sagen wir hiermit unfern innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebene«. tratzen, Küchensachen sofort billig s59b Reichenbergerstr. 160, v. I, Behring. K e 1 1 e r's Fest-Säle, Koppen-Strasse 29. Heute, Dienstag, 24, März, abends Uhr: 10. Sehluss-lbonnementskonzert ki Freien VereinigW kr Zivil-Berllssmper. Orchester: 50 Rlustker. Dirigent: G. Schonert. ZW" Menes Vrogvnmnt. Gntr»«5 Vf Vrogramm o Pf. Abonnementskarten laufen mit diesem Konzert ab. Nach dem Konzert: NM Kränzchen. NM(Herren 30 Pf. Nachzahlung.) x. x. Am Schluß der Konzerte erachten wir es als Pflicht, allen, welche uns bei diesem Unternehmen ihre Unterstützung zu theil werden ließen, den herzlichsten Dank abzustatten mit der Bitte, uns ein ge- neiates Wohlwollen auch fernerhin bewahren zu wollen. 279/3 Der Verstand. usstelluiig kiir Kochkunst, Volksernührunx, Backerei, Conditorei JSÄÄ'fÄ Reichstag), vom 21.— 24. März Königgrätzerstr. 132(fr. Eisenbahn- Betriebsamt). Eröffnung 21. März, vorm. 11 Uhr. 4630I-* Täglich: Concert deutscher, schwedischer und ungarischer Kapellen. Eintrittspreis am Eröffnungstage 3,—. Sonntag und Montag 1,—. Vereinskarten(30 Pf. Nach Zahlung) sind von den verehrlichen Vereins- _ vorständen im Bureau, Leipzigerstr. 4, unentgeltlich entgegenzunehmen. B. Günzel, LchnngechÄ 52. 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Am Ministertische: F r Hr. v. H a m m e r st e i n, M i q u e I und Kommissarien. A» e r b e n g e s e tz in erster Lesung. Abg. Richter(frs. Vp.) anerkennt, daß die Mehrheit auf Seiten dieses Gesetzes steht, das könne ihm nicht abhalten, diese Borlage ebenso wie das frühere Agrargesetz, Einführung der Höferolle ec. haben sich als verfehlt erwiesen; die Einrichtung, Renten zu konstituiren mit Einwillignng der Hypothekengläubiger ist mißglückt, das Renten-Uinivandelungsgesetz ist ein Laden- Hüter. Fördert man die Rentenumwandelnng mit Staats- kredit, so steigert man den Werth der Rentengüter küust- lich und daraus erklärt sich die Erscheinung, daß viele Inhaber von Rentengütern diese zu theuer bezahlen und nickt bestehen können. Welcher Widersinn liegt darin, daß man erst den Staalskredit verwendet, die polnischen Besitzer auszukaufen, dann soll derselbe Staatskredit benutzt werden, um die Güter zu Rentengntern einzurichten! Man hat erst behauptet, der Bauen, stand habe Sehnsucht nach diesem Gesetz; das hat sich als unzutreffend erwiesen. Dem Bauer und seiner Frau sind alle Kinder gleich lieb; vielleicht genießt das jüngste darin einen gewissen Vorzug. Mit dem Anerbenreckt wirft man Eifersucht und Zwietracht in die Familie und schafft einen protzige» Anerben, der herrisch aus seine Geschwister herabblickt. Man wendet ein, es handle sich hier um das Jntestat-Erbrecht, das durch Testament geändert werden kann; aber ein solches Testament wird dann wieder als eine gegen die gesetzliche Be- stimmung gerichtete Rechtsverletzung von den Anerben empfunden werden. Will man aber nun Renlengüter bilden, waruni soll dann die Größe derselben für alle Zeit festgesetzt werden? Die wirthschnftliche Enlwicketung schreitet unaufhaltsam vorwärts. Auch ei» fiskalisches Interesse waltet für diese Vorlage nicht ob. Für die Anerben hat eine Rente wenig Werth; der Verlust der Mitgift degradirl die Bauerntöchter zu Proletarierinnen und Ammen. Der Reichthum des Herzogthums Altenburg er- klärt sich zur genüge aus dem dortigen Anerbenrecht. Das Gesetz wird der Sozialdemokratie in die Hände arbeiten, besser, als eine Prämie, die darauf gesetzt wird. Will man allen Bauern dieselbe staatliche Begünstigung zuwenden, wie hier de» Rentenguts- besitzern, so würbe sich ein Bedarf von 5—6 Milliarden ergeben, den der Staat wegen der hohe» Belastung mit Eisenbahnen. schulden nicht decken kann. Thun Sie, was Sie nicht lassen können; ich glaube meiner Pflicht zu genügen, wenn ich vor diesem Schritt, der in falscher Richtung unternommen wird, warne. Es hqben sich 10 Redner gegen und 14 für die Vorlage zum Wort gemeldet. Minister v. Hamtnerstei« schildert an ziffernmäßigen Angaben die Wirkungen des Rentengutsgesetzes— am 1. Januar 1896 waren 5660 solcher Güter vorhanden— als durchaus günstig. Die Provinziallandtage habe» sich fast ausnahmelos für die Vorlage und für Lientengiiter ausgesprochen. Ter Einfluß der Sozial- demokratie ist in den Gegenden, wo diese Eirichlungen bereits be- stehe», sehr gering, namentlich in Hannover und Westfalen. (Sehr richtig!) Ebenso hat die Höferolle in Hannover und Westfalen gnten Anklang gesunden, denn in Hannover sind von etwa 166 006 in betrachl kommenden Besitzungen 67 000 in die Höferolle eingetragen. Es wird unmöglich sein, eine Verständi- ,nng mit Herrn Richter herbeiznführe» wegen der prinzipielle» Verschiedenheit der beiderseitigen Slandpuntle.(Bravo!) Abg. Briitt(sk.) billigt" die Vorlage, deren Bestimmungen sich theils als geltendes Recht, theils durch die Macht der Ge- wohnheil in Schleswig-Holstein sich bewährt habe. Er beantragt Vorbei athnng durch eine Kommission. Abg. Ho brecht(natl.) stimmt dem Grundgedanken der Vor- läge zu, hat aber gegen Einzelbestiinmungen derselben Bedenken. Minister Miguel freut sich der Zustimmung des Vorredners und hält namentlich die schablonenhafte Ans- dehnung dieser Vorlage ans alle Verhältnisse für bedenk- lich. Es ist mit glücklichem Erfolge das Prinzip der Nenteiischuld in die Gesetzgebung eingeführt und sie wird sich gut bewähren, denn weder die unbegrenzte Theilbarkeit, noch die Verschuldung mit Hypotheken ist ein Segen für die Land- wirthschast.(Sehr richtig!) Haben wir einmal das Prinzip gesetz- geberisch gebilligt, dann darf der Finanzminister sich nicht scheuen, den Staalskredit in Anspruch zu nehmen, um einen sicheren, ruhigen Bauernstand zu erhalten. Das heute geltende römische Erbrecht ist nichts anderes, als eine Privilegirung der ersten Generation, denn für die zweite ist gewöhnlich nichts mehr zu erben und z» theilen vorhanden. Abg. Willebrand(Z.) ist ebenfalls Im großen und ganzen mit der Vorlage einverstanden. Abg. Dr. Schilling(k.): Wir sind der Meinung, daß die Stellung der Anerben, wie sie in der Vorlage fixirt ist, nichc vcr- schüchtert werden darf. Andere Einzelnheiten bedürfe» allerdings noch der Kommissionsberathung. Als ein Muster agrarischer Gesetzgebung erscheint uns die Vorlage keineswegs. Abg. Ehlers(srs. Vg.) wendet sich gegen Einzelheiten der Vorlage. Es handelt sich hier nicht um Entscheidung über deutsches oder römisches Erbrecht, sondern um Emanzipation des Bauernstandes; in diesem Sinne ist die Vorlage ei» Rückschritt. Die Debatte wird geschlosseu und die Vorlage an eine 21 er Kommission veriviesen. Nächste Sitzung Dienstag, 14. April 12 Uhr: Initiativ- Anträge, belr. dänischen Sprachnnlerricht, Besteuerung des Wandergeiverbes und der Waarenläger. Schluß 2>/2 Uhr. SÄiszMriiev DÄndkÄg. Mit fieberhafter Hast wurden in der letzten Woche die Gc- schäfie des Landtags erledigt; man merkt es, daß zum Schluß des Landtags hingedrängt wird, der das Landtags- Wahlrecht zahlreichen Bürgern entzogen hat. Die Helden des Kartells betrachte» sich als Sieger über die Sozialdemokratie und haben keine Ahnung davon, daß sie sich und ihre Parteien unsterblich blnmirtc». Nun kümmert sie nicht mehr, was noch beschlossen wird an Gesetzen, ihre„große Arbeit" ist gethan, die Nach- lässigkeit und Flüchtigkeit ihrer Gedanke» kommt schärfer zum Ausdruck in der Ueberhastung der Verhandlungen. Und der Präsident Ackermann fördert diese mit großer Dreistigkeit, indem er in offener Sitzung seine Gelreuen aufforderte, ihn mit S ch l u ß a n t r ä g e n zu u n t e r st ü tz e n. Am Dienstag, den 17. März, führte die Ueberhastung zu lebhasten Protesten der sozialdemokratischen Abgeordneten. Bei der Berathung über„allgemeine Ausgaben für G e- werbe und Landwirlhschaft" stellte der Abg. Mehner! im Auftrage der Deputation folgenden Antrag: „Die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu er- mächtigen, landwirthschaftlichen und gewerblichen eingetragenen Genossenschasten zu deren Unterstützung lind Förderung durch Vermittelung der juristische Persönlichleit besitzenden Verbände solcher' Genossenschasten Darlehen zu einem möglichst niedrigen Zinsfuß bis zum Gesammt-Höchstbetrage von 2 Millionen Mark zuzuführen." Abg. Geyer charaklerisirte die Art, solch' wichtige Anträge mitten in der Verhandlung über weniger wichtige Dinge zu stellen und beantragte Absetzung des Antrags Mehnert, der oben- drein von dem Abg. Schill als juristisch unhaltbar bezeichnet wurde. Allein, die Mehrheit entschied mit 45 gegen 26 Stimmen gegen Geyer's Antrag. Nun geißelten die Abgg. Stolle-Gesau und G o I d st e i n die Leichtfertigkeit, mit der durch den Antrag Mehnert's Staatsmittel in Frage g e st e l l t würden, zu Zwecken, die den durch die großkapitalistische Wirthschast be- triebenen Ruin der Kleinbetriebe in Gewerbe und Landwirthschaft nicht aufhalten würde». Die Arbeitergenossenschaften, die Konsum- vereine wolle man durch überinäßige Besteuerung(Antrag Rüder) ruiniren und hier setze man Millionen Mark aufs Spiel, um sich als Retter der Kleinbauern und Handwerker ausspielen zu können. Garantie, daß der Staat die Millionen zurückerhalte, sei nicht gegeben und könne auch nicht gegeben werden. Vorschuß- und Kreditgenossenschaften seien unter Vernichtung zahlreicher Existenzen verkracht i» R o ß w e i n, Meißen, Pirna zc. Für die Arbeiter habe man in den schweren Nothstandsjahren nichts gethan, kurz, die ganze Machenschasl wurde bloßgelegt. Um den Antrag aber durchzudrücken, beeilte sich Mehnert, folgenden Zusatzanlrag einzubringen: , sowie die Staatsregierung zu ermächtigen, vor- bezeichneten Genossenschaften(Anstalten) die juristische Persön- lichkeit zu verleihen." Kaum hatte der Antrag die Unterstützung der Mehnert'sche» Richtung erhalten, wurde von derselben Schluß der Debatte beantragt und beschlossen, so daß kein Wort über diesen Zusatzantrag geredet werden konnte, der der Regierung diskretionäre Gewalt ertheill. Dies unerhörte Verfahren wurde vom Abg. Geyer gerügt, doch es half nichts, die Kartellbrüder stimmten für diese Verschleuderung von Staatsmitteln. Die größte Mißachtung für das Volk zeigte am 18. März die erste Kammer, die ohne Debatte den Wahlentrechtungs-Gesetzentwurf annahm, worüber der„Vorwärts" bereits berichtete. In der zweiten Kammer zogen an demselben Tage die Ab- geordneten Stolle und Geyer gegen die Wirthschast in der „ O r d e n s k a n z l e i" zu Felde. Zur Vertheilung der Orden bewilligte jeder Landtag gegen die Stimmen der Sozialdemo- krate» 20 000 Mark. Diese Summe wurde in den letzten drei Finauzperioden um 30 000, 50 000 und um gar 60 000 Mark überschritten. Die Regierung ließ die Vorwürfe über i n- korrekte E t a t s a u f st e l l u n g schweigend über sich ergehen Am 19. März wurde über das„finanzielle Ver- h ä l t n i ß Sachsens zum Reiche" berathen, wobei Geyer die Cchwarzfärberei der Regierung bei der allgemeinen Berathung deS Etats als eine verfehlte Reklame sür die Miqucl'sche„Reichsfinanzreform" bezeichnete und über die Grün dung eines Spezial-(Schutz-) Fonds spottete, i» den die Ueber- weifungen fließen sollen, damit Mittel bereit stünden bei Forde- rung höherer Matrikularbeilräge. Jetzt, da der Militarismus alles verschlucke, werde nichts in den Fonds fließen. Der Abg. G e o r g i machte den Sozialdemokraten den Vor- wurf, daß sie früher die Ueberschüsse aus den Ueberweisungen zu laufenden Ausgaben gefordert hätten, worauf ihm er- widert wurde, daß die sozialdemokratische Fraktion ganz konsequent verfahren sei; denn sie sei gegen alle mili- I ä r i s ch e n Forderungen aufgetreten, die Ur- fache zur Erhöhung der Matrikularbeilräge seien. Regierung und herrschende Parleien hätten sich selbst durch die Förderung des MilitarisüiuS in die Klemme gebracht, in der sie sich be- fänden, die das Volk mit neuen Steuern lösen solle. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Petition des Vorstandes vom Bund der deutschen Frauenvereine, die, wie der jüngst zurückgestellte sozialdemokratische Antrag, Einsetzung weiblicher Fabrikin spekloren resp. A s s i st e n t e n wünscht. Ter Muster-Arbciigeber Kommerzienratb R o st o s k i, der sich als den natürlichen Führer seinerArbeiter betrachtet, befürwortete Abweisung der Pelition wie des'Antrags. M it Jngrimm wandte er sich gegen die Fabriknispektion überhaupt, besonders aber gegen die Einsetzung weiblicher Jnsvekloren oder Assistenten; ihm sekundirte unter dem Gelächter der Sozialdemokraten der klügste unter den Junungszöpfen, Hof-Buchbiudermeister F r i tz s ch e- Leipzig, ein Prachtexemplar von Sozialistentödtcr. Tie Regierung hatte in der Deputation die unglaubliche Er- klärung abgegeben, weirn Arbeiterinnen ans Schamgefühl dem Fabrikinspektor keine Eröffnung über bestimmte Vorkommnisse »rächen wollten, so könnten sie sich doch an verheirathete Frauen wenden, die dann durch Vermittelung ihrer Männer dem Inspektor Mittheilnng zukommen lassen könnten. Das ist doch eine merkwürdige Auffassung von der Schambaflig- keit des Weibes und der Pflege sittlicher» Verkehrs zwischen Mann und Frau. Die Genossen P i n k a U und G o l d st e i» setzten den» auch denKapitalprotzc», sowie der Regierung und der Deputation gehörig zu. Aus persönlichen Erfahrungen heraus, sowie auf grurrd eingehenden Studiums der Frage empfahlen sie dringend die An- nähme unseres Antrages. Doch, auch hier half alles nichts. Die Gegner waren durch unsere Genossen in Bcdrängniß gebracht rvorden und retteten sich vor weiterer Blamage durch vorzeitigen Schluß der Debatte. Den sozialdeinokralische» Antrag lehnten sie ab und die Petition der Fraucnvereine wurde sodann der Regierung„zur Kenntnißnahme ü b e r>v i e s e n", eine Formel, welche die Regierung zu nichts vervflichtst. Sie Hai es so gewollt und die Mehrheit gehorchte. GemevkMzÄftliches. Die Vanarbeiter Berlins haben einen s p e z i a l i s i r t e» Tarif anfgesrellt, der, nachdem er den Unternehmern unter- breiter ist, am 1. Mai in kraft treten soll. Die Leser finden die näheren Angaben darüber ini Versammlungstheil. Die Tchrauben- und Fayoudrehcr Berlins haben am Sonnlag in einer gut besuchreu Versammlung beschlossen, am Dienstag den Unternehmern folgende Forderungen zu unter- breilen: Einführung der neunstündigen Arbeitszeit, Minimal- lohn von 24 Mark pro Woche und 25 pCt. Zuschlag für Ueber- stunden. Zum Tapczirerstrcik bei den Berliner Firme» I ä ck e l, Markgrafenstr. 20 und Bund er mann, Markgrafenstr. 27a, welche beide Geschäfte Herrn Jäckel gehören, theill die Agitations- kommission der Tapezirer Berlins mit, daß die dort beschäftigten Tapczirer 15—13 M. und häufig noch weniger verdient hätlen; trotz angestrengtester Thätigkeit hätten sie den in Berlin üblichen Minimalverdienst nicht erreichen können. Werg habe sich jeder selbst schütteln und ans dem Keller herbeiholen müsse»; ferner hätten die Gehilfen Näharbeit über die Straße mehrere Häuser»veit zur Näherin schaffen und auch wieder abholen müssen. Die Streikenden fordern 15 pro- zenlige Erhöhung der Alkordlöhne, 3 stündige Arbeitszeit und vor allen Dingen Anstellung eines Arbeitsbursche», der die Werkstätte in Ordnung hält und die sonstigen Nebenarbeiten verrichtet. Herr Jäckel wollte aber nur eine ganz geringe Lohn- erhöhung zugestehen, trotzdem er einen großen Umsatz habe, denn sein Patentmöbelgeschäft sei das bedeutendste in Berlin. Heute, Dienstag Abend, wird die Angelegenheit in einer T a p e z» r e r- Versammlung bei Frey gang, Schützenstr. 13�19, besprochen werden. Die Tapezirer Berlins werden hiermit zu zahl- reichem Besuche dieser Versammlung eingeladen. Ueber den Streik der Berliner Treibriemen-Arbeiter ist mitzutheilen, daß die koalirlen Fabrikanten durch ihren Kollegen, den Fabrikbesitzer und Stadtverordneten Franz P r e tz e l ein Zirkular an die Militäreffekten-Fabrikanten und Sattlermeister Berlins haben richten lassen, worin unter der üblichen unzutreffenden Angabe, daß der Streik„ein frivoler" sei, wofür der unter außergewöhnlichen Umständen erreichte Verdienst eines Arbeiters ins Treffen geführt ist, den Adressaten die Namen von 81 Arbeitern mit dem Ersuchen bekannt gemacht werden, diese nicht zn beschäftigen. Zu diesem Zirkular, dessen Unterzeichner Stadtverordneter Franz Pretzel beiläufig sich längst im Stadtverordneten-Kollegium als der e i n z i g e V e r l r e t e r des Christenthums da selb st gerirt haben soll, wird uns von der Agitationskommission der Sattler initgetheilt: „Frivol ist nicht das Vorgehen der Arbeiter, sondern das Verhalten der Fabrikanten gewesen. Die Arbeiter haben fünf- mal versucht, auf friedliche Art und Weise die An- gelegenheit zu erledigen; seit November des vergangenen Jahres datiren die Unterhandlungen, doch die Fabrikanten ließen sich aus nichts ein, ja die meisten hielten es nicht einmal der Muhe werth, Antwort auf die gestellten Forderungen zu ertheilen. Ferner zahlen die Berliner Firmen keineswegs die höchsten Löhne. Es zahlt z. B. die Firma 31. Heim u. Co. in Hamburg für den Meter Naht, bei einfachen Rlemen, 13 und sür den doppellen 15—18 Pfennige, während die Berliner Fabrikanten nur 9, 10 und 11 Pfennige zahlen." Bemerkt sei noch, daß die Treibriemen- Fabrikanten, wie es im Zirkular heißt. sich entschlossen habe» sollen,„den Streik uuter allen Umständen bis zu einem für dieselben erfolgreichen Ende durchzuführen, und niemand von ihnen stellt einen der streikenden Arbeiter aus einer anderen Werkstätte ein, weder während des Streiks, noch vier Wochen nach demselben". Das ist das„praktische Christenthum" der Unternehmer: Die Schnhinachcr Berlins werden von der Llgitations- kommission darauf aufmerksam gemacht, daß bei P e l k e r, Kochstraße 20, und Unger, Wasserthorstraße 29, Differenzen schweben. Aus Leipzig wird uns geschrieben: Jährlich zu Ostern ver- sammeln sich seit orei Jahren die in s ä ch s i s ch e n K o n s u in- vereinen beschäftigien Lagerhalter, um ihre Lage ge- meinschaftlich zn besprechen und eine Besserung ihrer Lage herbei- zuführen. Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich ein Ver- band konstituirt, der sich über ganz Deutschland erstreckt und am zweite» Osterfeiertage im Saale der Kaiserhallen hier seine erste Generalversammlung abhält, wozu fämmtliche deutsche Kollegen eingeladen sind. Nähere Auskunft ertheilt der Vorsitzende Karl Buhl in Leipzig, Nürnberger- straße 22.— Die 3lrbeiterprcffe wird um Abdruck gebeten. Die Tagesordnung zum deutschen Textilarbeiter- Kougrcst, der am 5. und 6. April in Apolda abgehalten ivirdj lautet: I.Bericht der Preßkommission; 2. Besprechung des Berichts und der Fachpresse; Antrag, den„Textilarbeiter" einen Tag später in Druck zu geben und, um die Zurückstellung von Berichten vermeiden zu können, denselben mit einer Beilage zu versehen; 3.'Antrag, eine fachgewerbliche Beilage zu geben; 4. Neuwahl der Preßkommission; 5. Zlgitation: Bericht der 3lgitalions-Komitees; 6. Unsere Llgitation; 7. Mittel zur Hebung derselben, wie durch Arbeitslosen- Uuter- stützung ec.; 8. Antrag ans Bildung eines Streikfonds; 9. Kon- trollmarke; 10. Ist die Gründung von Konsum- und Produktiv- Genossenschasten sür die Textilarbeiterschaft von Nutzen? 11. Stellungnahme zum allgemeine» Gewerkschaftskongreß und den internationalen Kongressen; 12. Stellungnahme zur all- gemeinen Krauken- und Begräbnißkasse der Wirker, Weber:c.; 13. Die Hausindustrie, beziehungsweise Hausweberei und ihre Zukunft; 14. Forderung des»veiblichen Fabrik« inspektorats; 15. Durchführung eines einheitlichen Lohn- tarifs sür die gesainmte mechanische Weberei in Deutschland; 16. Stellungnahme zur Handhabung der Vereinsgesctze; 17. An- trag, der Kongreß möge beschließen. Alle Vergnügungen und Festlichkeiten, ivie Kommers, Theater-Vorstellung, Ausflüge und dergleichen, haben künftig zu unterbleiben, weil 1. dadurch viel kostbare Zeit verloren geht und die Versammlung oft bedenklich abgekürzt wird, 2. de» Delegirten durch derartige Unterhaltungen Geldausgaben anferlegt werden, 3. den Kollegen des Kongreß- ortes daraus viel Mühe und Zeitaufwand erwächst. De» Zahlstellcu des Verbandes der Zimmerer in der Provinz Brandenburg zur Nachricht, daß der erste Provinzial- Verbandstag Montag, den 6. April(2. Osterfeiertag) von vor- mittags 10 Uhr an in Charlottenburg im Lokale„Bismarckshöhe", Wilmersdorserstr. 39, abgehalten wird. Anträge, sowie die Adressen der Delegirten sind bis spätestens den 29. März an C. Slehr in Berlin öllV., Beusselstr. 25, Quergeb. II. einzusenden. Wir ersuchen sämmtliche Zahlstellen, ,vo es noch nicht geschehen, unverzüglich die Delegirtenwahlen vorzunehmen. I. A.: F. Wellsow, Berlin 80., Waldemarstr. 63. Jntcrnationaler Hntmachcr-Kongrcß. Der internationale Sekretär der Hutmacher, W. D e j e a n r e in Paris, Rue du Plütre 14. theilt mit, gemäß den Beschlüssen des Züricher Kon- gresses sei von den Organisationen der Hutmacher Frankreichs und Großbritanniens angeordnet worden, daß der bevorstehende internationale Hutmachcr-5tongreß in London zn gleicher Zeil mit dem internationalen sozialistffchen und Gewerkschaftskongreß abgehalten werde. Die Hutmacher Oesterreich- Ungarns hätlen dem bereits zugestimmt. Die Steinsetzer stehen in Harburg, Quer.furt und ?ls chersleben im Streik. I» Berlin ist die Tarif- bewegung, wie die„Steinsetzcr-Zeilung" sagt,„durch die Lauheit »nd Unentschiedcnheil der Herren vom Gewerkverein und des Gesellenausschusses im Stadium der Versumpfung angelangt." Der Gesellenausschuß habe sich mit der Innung geeinigt, daß alles hübsch beim alte» bleibe. Tie Geschäftsleitnng der Stcinarbeitcr Deutschlands nahm im vergangenen Jahre einschließlich 6710,76 M. früheren Bestands 21 679,29 M. ein. Die Ausgabe betrug 11941,55 M., der Ueberschuß also 9637,74 M. Die Ausgaben setzen sich, nach Gruppen geordnet, wie folgt zusammen: 6394 M. für Streik- Unterstützung, 2290,45 M. für Drucksachen, 1516,44 M. Ver- waltungskosten, 1352,26 M. für Agitation, 333,40 M. für Rechtsschutz. In Jnstcrbnrg haben die H e r r e n s ch n e i d e r mit den Inhabern einer großen Slnzahl von Geschäften einen Lohntarif vereinbart. Mehrere größere Firmen haben sich bereit erklärt. die Schneider pekuniär zn unterstützen, die in den Geschäften, wo der Tarif nicht anerkannt wird, die 3lrbcil niederlegen. Ju Hameln haben vie Metallarbeiter gekündigt, weil die Innung es ablehnte, den Zehnstundcntag und 26 pCt. höheren Lohn für Ueberstunden und 50 pCt. für Sonntagsarbeit zu bewillige». Die Arbeitszeit war bisher clsstündig. Dagegen haben in dcinselben Ort die Arbeiter der Lohgerberei von W i l k e n i n g de» Zehnstundentag an stelle des bisher elsstündigen ohne Streik bewilligt bekommen. Die Maurer in Hof i. B. stehe» in einer Bewegung um Erhöhung des Lohnes auf 35 Pf. Die Maler Mannheims beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Gefordert werden: der Zehnstundeutag unter Bei- beHaltung des jetzigen Lohnes für die elsstündige Arbeitszeil; Neberstunden sollen um SO. Sonntagsarbeil um 100 pCl. höher bezahlt werden; bei Arbeit in einer Entfernung von 5 Kilometern von der Stadt und darüber ist an ledige Maler 1 M., a» ver- beirathete 1,50 M. Zuschlag zu zahle».— Der Malerstreik in Essen hat an Umfang noch zugenommen. Ueber der Gehilfen- schast seiern. Das Stuttgarter Gewerkschaftshaus, das in eigener Regie der vereimgten Gewerkschaften Stuttgarts geführt wird, hat laut Bericht der Berivaltung im abgelaufenen dritte» Gc- schäftsjahre einen Umsatz von rund 100 000 M. gehabt. Das Schuldenkonto, das im Borjahre 11 000 M. betrug, hat sich um 4000 M. verringert. Die Zahl der zugereisten gewerkschaftlich organisirten Arbeiter betrug 4300. In Schlau in Böhmen streiken seit 14 Tagen 500 Metall- a r b e i t c r der Maschinenfabrik von B o l z a» o u. T e d e s c o. Es ist noch keine Aussicht, daß der Ausstand so bald zu Ende geht. Die Metallarbeiter Deutschlands werden ersucht, das zu beachten. Die Hcrrcuschncidcr in Tcplil? stehen in einer Lohn- bewegung und bitte» deshalb die Fachgenossen anderer Orte um moralische Unterstützung. Die streikende» Gärtner Basels hatten durch den Fach- verein die Kantonsregierung ersuchen lassen, bei den Gärtner- meistern, die noch nicht bewilligt haben, dahin zu vermitteln, daß diese durch Unterschrift die Gehilfenforderunge» anerkennen. Die Kantonsregicrung ist diesem Ersuche» bereitwillig nach- gekommen, hat aber leider auch nichts erreicht. Der Vorsteher des Departements deS Inner» der Kantonsrcgiernng, Herr Philippi, schrieb dem Fachverein:„Die Herren haben inir des entschiedensten erklärt, daß sie sich niemals dazu verstehen würde», ihre Unterschrist zu gebe». Sie seien jederzeit bereit, sich mit ihren Gehilfen über Lohn- und andere Fragen direkt zu verständigen, dagegen ließen sie sich durch einen förmlichen Vertrag niemals zwingen zu einem bestimmten Lohnminimum für alle Gehilfen, noch zu einer bestimmten Regelung des Lehrlings- wesens, noch zur förmlichen Anerkennung des Fachvcreins, welches die zwangsweise Benutzung des Arbeitsnachweises und anderes mehr zur Folge haben würde. Sie betrachten übrigens den Gärtnerstreik als erledigt und lehnen weitere Verhandlungen ab. Ich habe damit alles gelhan, was in meiner Macht stand, und bedauere, kein günstigeres Resultat erzielt zu haben." Inzwischen haben die Gärtnergehilfen eine Genossenschaft zu gründen beschlossen, in deren Dienst fast sämmtliche Streikende bereits Arbeit bei verschiedenen Privaten gefunden haben. Die definitive Errichtung der Genossenschaft erfolgt aber erst noch. In Tonrcoing in Frankreich haben die Weber der mechanischen Weberei von R i t a i« e u. Watteau die Arbeit eingestellt. Sie verlangen die Entlassung eines Werkführers, was die Firma bisher verweigerte. Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahre, daß in der genannten Fabrik aus dem nämlichen Grunde ein Ausstand ausbricht. Grvichks-Svikung. Unter der Ueberschrift:„Fleisch fiir die Gojiui" hatte der Redakteur des antisemitischen„General-Anzeiger" Karl S e d l a tz e et in der Nummer deS genannten Blattes vom 20. November v. I. einen Artikel veröffentlicht, der ihm einen Strasbefehl in Höhe von 30 M. wegen groben Unfugs ein- getragen hatte. Es wurde iu den, Artikel, der der„Hannov. Post" entnommen war, von zwei Vorkommnissen erzählt, wonach jüdische Schlächter Fleisch, welches ziim Verkauf an Christen bc- stimmt war, in böchst unappetitlicher Weise behandelt haben sollten. An diese Mittheilung knüpfle sich die Warnung, Fleisch aus den Judenläden zu genießen. Die Anklage hielt diesen Artikel für groben Unfug, da derselbe nicht nur geeignet sei, die jüdischen Schlächter in ihrem Gewerbebetriebe zu beeinträchtigen, sondern auch dasjenige Publikum, welches bei jüdischen Schlüchtern zu kaufen pflege, zu beunruhigen. Der An- geschuldigte erklärte im Termine, daß er den Beweis der Wahr- hell antreten wolle. Er bitte zu diesem Zwecke vier von ihm »amhaft gemachte Redakteure, darunter den Redakteur der „Hann, Post", Rosenthal zu laden. Der letztere sei kürzlich wegen desselben Artikels srcigesprochen worden, obgleich auch er den Bc- weis der Wahrheit halle antreteii wollen. Ter Angeklagte bat dringend, es nicht bei einer einfachen Freisprechung bewenden zu lassen, sondern ihn, Gelegenheit zu geben, die Wahrheit des in dem Artikel Gesagten zu beweisen. Er bitte zu diesem Zwecke, daß der Gerichtshof sich die Akten gegen den jüdischen Schlächter Jsaac Bonn zu Cleve kommen lasse, welcher im vorigen Jahre wegen grober Besudelung des für Christen bestimmten Fleisches mit 4 Monaten Gefängniß bestrast worden sei. Ter Aintsanivalt vertrat die Ansicht, daß dem Angeklagte» der Wahrheitsbeweis nicht abgeschnitten werden könne. Der Gerichtshof gab dem Antrage des Angeklagte» hisowcil statt, alS beschlossen wurde, zun, nächsten Termin die Strafakte» gegen den Schlächter Jsaac Bonn in Cleve, wie die Akten gegen den Redakteur Erich Rosenthal zu Hannover einzufordern, um daraus zu ermitteln, ob der Angeklagte Sedlatzeck eine lhatsäch- liche Unterlage für die in seinem Artikel aufgestellten Be- hauptungen besaß oder nicht. Die Polizei soll sich nicht in privatrcchtliche Verhält- niffe mischen. Der die Polizeiverwaltung führende Bürger- nieister einer kleinen Stadt hatte eine Ehefrau, die von ihrem Manne getrennt lebte, verhindern wollen, während der Ab- Wesenheit desselben aus der früheren gemeinschaftlichen Wohnung Möbel herauszuschaffen. und deshalb polizeiliche Siegel an den Eingänge» der Wohnung anbringen lassen. Die Frau hatte diese Siegel abgerissen und einige Sache», die»ach ihrer Behauptung ihr persönliches Eigemhnm waren, herausgeschafft. Wegen unbefugter Beseiligcing amtlicher Siegel auf grund des ß 136 des Strafgesetzbuches angeklagt, wurde sie vom Schöffen- gericht freigesprochen, von der Strafkammer des zuständigen Landgerichts aber zu einer Woche Gefängniß verurtheilt. Der tz 136 des Strafgesetzbuches lautet nämlich:„Wer unbefugt ein amtliches Siegel, welches von einer Behörde oder einem Be- aniten angelegt ist, um Sachen zu verschließen, zu bezeichne» oder in Beschlag zu nehmen, vorsätzlich erbricht, ablöst oder beschädigt oder den durch ein solches Siegel bewirkten anitlichen Verschluß aushebt, wird mit Gefängniß bis zu 6 Monaten bestrast." Die Angeklagte erhob»nmnehr Revrsio» beim Kammergericht, das unter Ausbebuna der vorinstnii�lichen Entscheidung auf Freisprechung erkamre. Nach den Entschmdungsgründen war das Eindringen der Angeklagten in die Wohnung ihres Ehe- inannes als eine strafbare Handlung nicht anzusehen; auch war sie,««in die Polizei unter Ueberschveitung ihm amtlichen Befugnisse Siegel an die Wohnung gelegt hatte, zur Beseitigung der Siegel berechiizt. da die Polizei kein Recht habe, sich in privat- rechtliche Verhalwiss« zu mischen. Vevsttmmluttgen. Unsere Rechtspflege und daö Programm der Demokratie lautete das Thema eines Vortrages, den der durch seine Studie über Calignla bekannte Münchener Professor Dr. L. Q n i d d e am Sonnabend in einer gut besuchten, vom demokratischen Verein einberufenen Versammlung hielt. Ter Redner warf zunächst die Frage aus, ob der deutsche Reichstag, der heul das Jubiläum seines Löjährigen Bestehens feiert, in dieser Zeit etwas zur Sicherung des Rechts im Deutschen Reiche gethan habe? Er gedachte der Thronrede vom 13. Januar, worin gesagt wird, daß das Deutsche Reich für die Sicherung einer unparteiischen Iicchtspflege eingetreten sei. Dem steht nicht nur— meint der Redner— meine eigene Anschauung gegenüber, sondern auch die Meinung einsinßreicher Personen. Wenn sogar der Justizminister öffentlich verkündete: wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe, dann dürfen wir uns nicht wundern, daß die Achtung vor unserer Rechtsprechung mehr und niehr schwindet. In unserem tdem demokratischen) Programm fordern wir in erster Linie: ver- stärkle Milwirkimg des Volkes bei der Nechtsprechnng. Dem widersprechen allerdings die Juristen— nicht alle— aber die im Standesdünkel befangenen Fachjuristen, die da meinen, nur sie, die Fachleute, dürften mit der Rechtsprechung betraut werden; nur sie allein wären im stände, zu finden, was Rechtens ist. Die rein technischen Angelegenheiten, den formalen Aufbau der Urtheile mögen immerhin die Juristen besorgen, aber die Rechtsprechung ist Sache der Laien— des Volkes. Unter den Uebelständen einer rein juristischen Rechtspflege tritt uns zunächst der Formalismus unserer lJiichtcr entgegen, durch den die Forderungen deS lebendigen Rechts zurückgedrängt werden. Auch die einseitige Aufsaffnng des Beamten, der sich als ein Theil der regierenden, dem Bürger gegenüberstehenden Siaatsgeivalt fühlt, beeinträchtigt die Urtheile unserer Rickter. Eine rein juristische Rechtspflege ist nicht im stände, den Eni- Wickelungen des Rechts zu folgen; sie bewirkt eine geschästs- mäßige Behandlung, weshalb denn auch die Empfindung für den individuellen Fall beim Berussrichter zurücktritt. Diese Uebel- stände werden noch verschärft durch die Ueberlastiing unserer Gerichte.— Bezüglich des Strafrechts verlangen wir: Ent- schädigniig unschuldig erlittener Uiitersuchungs- und Strasdast. Die Anwendung der Untersuchungshaft führe, wie der Fall Geffken beweist, �n Mißbräuchen verschiedener Art. Weiler fordern wir die Einführung der bedingten Veriirthciluiig. Sie ist ein wirksames Mittel, um jemand, der zum erstenmal die schiefe Bahn betriit, zur Rückkehr zu bewegen und ihn vor iveilerem Abivartsgleiten, was durch Gefängniß- und Zuchthaus- strafen fast unausbleiblich ist, zu bewahre». Als sonstige Forde- rungen der Demokratie»aimte der Redner: Berufung gegen Straskammerurtheile, Abschaffung der Todesstrafe, Aufhebung des Zeugnißzwanges. Er verwies bezüglich des letzteren Punktes ans das Verfahren gegen Redeikieiire, deren journalistische Ehre es erfordert, den Verfasser eines Artikels nicht zu nennen, und die durch Anwendung des Zeugnißzwanges zu Handliingen genöthigt werden, die jeder denkende Mensch verurtheilen muß. Als unhaltbar sei auch der ambnlaiitc Gerichtsstand der Presse zu bezeichnen, der es mit sich brinct. daß man sich für weit verbreitete Preßorgane dasjenige Gericht aussuche» lan», wo man eine Venirtheilliiig crivartet. Ein großer Uebelstand der heutigen Rechtspflege ist die Militär- gerichlsbarkeit. Sie bringt es mit sich, daß Leute, die ihrer ganze» Lebensstellung nach der Zivilbevölkerung angehöre», außerdem aber einen militärischen lltang bekleiden, wegen Straflhaten, die nichts mit militärischen Dingen zu thn» haben, vor das Militärgericht kommen, wie Fürst Bismarck, als ihn Dicst-Daber wegen Beleidigung verklagen wollle. Weit schlimmer aber ist die Handhabung des Militärstrafverfahrens i» bczug auf militärische Vergehen. Warum ist das Versahren ei» schriftliches und geheimes? Können die Mißstände, die beim Militär herrschen, die Ocffentlichkeit nicht vertragen?— Daß die rein juristische Aiiffassuiig häufig mit den Ersordernisse» und Gcbräilchen des praktischen Lebens im Widerspruch steht, erläuterte der Redner an einer Reihe von Beispielen, wobei er unter anderen auch der in letzter Zeit so häufigen Majestäts- beleidiguiigs-Prozesse gedachte, sowie der Anwendung des groben Unfllg-Paragraphcii, die selber z» einem groben Nnfng geworden sei. Die gegenwärtige Rechtsprechung charaktcrisire sich dadurch, daß Verstöße der Bürger gegen die herrschende Ordnung möglichst hart, Uebergrisse der slaatlichen Organe gegen die Bürger nicht selten sehr milde bestrast würde». Solche Urlheils sind nicht die Folge bewußter Ungerechtigkeit, sondern der Ausfluß des Geistes, der unsere Richter beseelt, die sich als Beamte des Staates ver- pflichtet kühlen, das herrschende Shstem zu stützen, und jeden Gegner desselben für straswürdig hallen. Wirklich unparteiische und gerechte Urtheile sind nur möglich unter Milwakuiig des Laienelcments. Soll dieselbe aber erfolgreich sei», so muß eine bessere Volksbildimg platzgreifcii, damit der zur Rechtsprechung berufene Laie ncbeil dem Juristen seinen Mann stehe» kann. Ferner brauchen wir Garantien für eine gerechte Auswahl der Schöffen und Geschworenen. Wenn diese, wie es heute geschieht, fast ausschließlich ans den bürgcr- liche» Klasse» berufe» werden, dann darf mau sich nicht wundern, ivcnn die Meinung verbreitet ist, daß hier Klassen- urtheile entstehen töniieu. Siedner erinnert dabei an de» Essener Meineidsprozeß. Warum werden ans die Geschworenenbank nicht auch Arbeiter berufen, die doch besser i» den öffentlichen Verhältnissen Bescheid wisse», ivie die faule und träge Borgcoisie? Der Redner kritisirte scharf die Verurlheilunge» von Sozialdemolraten ai'.läblich der Sedaii-Jubclfeicr und meinte, ivemi zu jener Zeil von Sozialdemokraten, die sich infolge der damaligen Ereignisse in gereizter Stimmung befindeil mußten, eine Majestätsbeleidigung begangen wurde, so sei das milder zu beurtheilen, als wenn ein Junker infolge der Abiveisnng �des Antrages Kanitz der monarchischen lltegierung die Gefolgschaft versage. Wen» ein sozialdemokratischer Redakteur deshalb schwerer verurlheitt wurde, ivcil er gerade in jener Zeit der pairiolischen Feiern eine Majestätsbeleidignng beging, so ist das keine juristische, sonder» eine mehr politische Erwägung. Weiter besprach der Redner die Vernrtheilungeii wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtniigen und knüpfte daran die Bemerkung: ivir haben das Stecht, unter Umständen auch unsere Rechtspflege durch scharfe Krilik verächtlich zu machen, nrn eine Aenderung zum Bessern herbeizuführen, die wir vor allem durch Mitwirknng des Laienelements in allen Zweigen der ötechlspflege erwarte». Eine Diskussion folgte dem mit großem Beisall aujgenolnnienen zweistündigen Vortrage nicht. Die Kistcumacher nahmen am 10. März in einer öffent- lichen Versainnillliig den Bericht ihres Dclegirten ans der Gewerkschaftskommission entgeaeil. Die Stellungnahme zum 1. Mai. die als zweiter Punkt auf der Tagesordnung siand, wurde vertagt. Zum Schluß gab Tschernig einen Ueberblick über den Verlans res Slreiks. lltedner sprach die Meinung ans, daß unter Umständen bei der Stellung der Fabrikaiileu zu de» errnngelien Vortheilen aufs neue Differcnzeii aiisbrechen können. Er sowohl als die folgenden Liedner empfahlen deshalb ihren Berusskollegen den Anschluß an die Organisation. Die in der chirurgischen Branche Beschäftigte» hörte» am 17. d. M.«inen Vortrag des Dr. C h r i st c l l e r über Hals- krankheiten und die Aliwendung des Heilserliins. Anschließend an den Vortrag fand eine längere Distussto» statt. Unter Ver- schiedenein wurde» den streikenden Tertilarbeitern in Kotlbus 10 M. bewilligt. Henriks«» machte die Bersamiiielten auf die in der nächsten Woche stattfindende öffentliche Bcrsamminng auf- iiierksam, in der die Rngelegenheil mit dem Tcutschen Mrtag, arbeiter-Verband geregelt werden soll. Eine gut besuchte Vtrsamuilung der Kellner und Köche, die am 20. März bei Buske, Grenadierstraß«, tagte, beschäftigte sich eingehend mit dem nächsten in Berlin siattfil.dn.dcn Gewerk- schasislongreß. Nach dem eiiileUenden Referat des Genossen Faber entspann sich eine längere Diskusston über die verschiedenen Anträge, insbesondere über die Zujaffungs- bedingungen, die von den verschiedenen Redner» als ungerecht bezeichnet wurden. Zur Ännahuie gelangte sodann folgende Resolutio»: Die Versammlung erklärt sich inil de», Vorschlag der Agitationskommission der Gastwirthsgehilfen Deutschlands, den Kongreß durch � je einen Delegirlen von Hamburg und Berlin zu beschicken, einverstanden. Als verfehlt erachtet die Versammlung die Art der Einberufung dieses Kon- gresses, durch die ein großer Theil organifirter Arbeiter von den Ver- haiidluiigen ausgeschloffen worden ist. Die Versammlung erwartet, daß der nächste Kongreß den Beschluß des Halbcrstädter Kongresses, die Zulassung betreffend, aufhebt, zumal es sich jetzt schon herausgestellt hat, daß derselbe in seiner ganzen Tragweite nicht durchführbar erscheint. Die Versaiiimliliig kann sich der Meinung der Geiieralkomniission, daß durch die Zulassimg der lokalorga- nisirten Gewerkschaften die Streitsrage über die Organisationsforni unbedingt aufs neue den Kongreß beschäftigen wird, nicht anschließrK. Sollte der Kongreß eine Abänderung der Zulassiiiigsbedingungen nicht beschließen, so erwartet die Versammlung, daß die Einladung der Form nach eine andere ist wie zu diesem Kongreß, durch die die lokalorgamsirte» Arbeiter aiischeinend als Arbeiter zweiter Klaffe betrachtet werden." Als Delegirter wurde Ströhlinger, als Stellvertreter Schröder gewählt. Da der bisherige Dclegirte zur Gewerkschaftskommisfion seinen Posten niedergelegt hatte, wurde an dessen Stelle Zeiske und als Vertreter Ströhlinger bestimmt. Unter Verschiedenem erhielt die Jlgitalioiislommisfioii den Ruftrag, baldigst eine Versammliiiig einzuberufen, die sich mit der Feststellung eines LohntarifS für die kommende Saison besaßt. Zu dieser Versaimiilung will man die Gastwirthe einladen und außerdem sollen die verschiedenen Kellnervereine, die sich mit Arbeitsnachweis beschäftige», veranlaßt werden, vordeni zu dieser Frage Stellung zu nehmen. In ciiier öffentlichen Vebsawmluug der Schmiede, die am Freitag Abend statlsand und von ca. 500 Persone» besucht ivar, erstattete der Altgeselle Langer Bericht über die Ver- handlniigeii des Gesellen-Ausschusses mit den Jnmmgsmelstern. Es handelt sich bekanntlich um eine andere Gestalliii!� des Arbeitsnachlveises. Tie vom Gesellen-Ausschuß aufgestellte Vereinbarung fand in der Versammlung den lebhaftesten Wider- spruch von seitcn der meisten Tiskilssionsredner; Helm, D ö r g e l o w, Kaiser, Kunze, Arndt erklärten sich wiederholt dagegen und bezeichneten es als eine Schmach für die Geselle», wenn sie diese Ver- einbarungen annehmen würden. Nachdem nur Lange, Schmidt und B a s e n e r dafür gesprochen, fand eine Resolulion einstimmige Annahine, wonach die Versammlung de» Beschluß vom 25. Februar d. I. erneiierl, dahingehend, es jedem Gesellen zur Pflicht zu machen, den Arbeitsnachweis der Innung nicht mehr zu bemitzcii. Auf eine Anfrage aus der Versammlung wird mitgetheilt, daß bereits gegen SO— 100 Vertrauensmänner gewählt sind. H e tz o l d gab bekannt, daß bereits wegen des Arbeitsnachweises Maßregelungen erfolgt find, worauf von D ö r g e l o w verlangt wird, daß zur genauen Kontrolle jeder seine Slreikkarte in die Versammlunae» mitzubringen habe. An dem Streik der Zlrbeiter in der Eiseiimöbelfabrik von Schulz sind, wie der Vertrauensmann Helm mittheilt, auch mehrere Schmiede betheiligt. Den Slellmachern wurden 100 M. bewilligt. Einer öffentlichen Bauarbeiter-Versammlung, welche am 22. März bei Scheffer, Jnselstraße, tagte, wurde seitens der kürzlich gewühlten Fünfer-Kommission ein Tarif vorgelegt, den die Anivcsenden mit geringen Aenderungen beziehungsweise Zu- sätzen guthieße». Die darin enthaltenen Forderungen, welche schleunigst den Baufirmen gedruckt zugehen mid a m 1. M a i in irast treten solle», sind folgende:„Für das Tragen von 1000 Steinen und dem dazu gehörige» Mörtel ist zu zahlen: im Keller 2,K0 M., im Parterre 3,50 M., im 1. Stock 4,50 M., im 2. Stock 5.50 M.. im 3. Stock 6.50 M., im 4. Stock 7.50M.. imTrempel inklusive Schornstein 9 M. Für den Quadratmeter Rappntz sind 5 Pf. zu zahlen. Bei Fundamentirungen soll betreffs der Kalksteine der Preis gegenseitiger Vereinbarung vorenlhalten bleiben, weil dieselben oft im Tageloh» oder aus verschiedene Aklordaiiordnniigeii verarbeitet weiden. Ist ei» Stein schiverer wie 3 Kilo(6 Psnnd), so erfolgt ein Zuschlag von 25 Pf. pro 1000 Steine. Stehe» die Steine über 50 Schritt von der Bau» stelle(Leilergang) ciitferns. so criolat pro 1000 eine Zulage von 50 Psennigen. Bei Kasernen- und Schul- dauten ist das Tragen der Kalksteine bis zur Träger- höhe mit 3 M. pro 1000 zu bezahlen; für jede weitere Etage beträgt der Zuschlug 1,25 M. pro 1000, für Bode» und Schornstein dagegen 1,50 M. pro 1000.— Bei Fassaden mit Verbleiidsteiiien soll das Abnehmen von Bollsteme» mit einem Extrazuschlage von 50 Pf. bezahlt werden; dasselbe gilt für Riemchen, halbe und dreiviertel Steine; je zwei Riemchen, ein halber und ein Dreipiertelstei» haben für einen ganzen zu gelten.— Muß der Träger beim Fundament in Loh n tragen, dann hat er 50 Psemiig pro Stnnde, und wird der ganze Bau in Lohn getragen, 60 Piemiig Stundenlohn zu fordern.— Kautionen dürfen vom verdiente» Lohn nicht zurückbehalte» werde».— Die Arbeil darf nicht früher wie eine halbe Stunde vor dem Beginn der Maurerarbeit aufgenommen und nicht über de» Schluß derselbe» hiliaus aus- gedehnt werde», dagegen hat Sonntagsarbeil gänzlich zu unter- bleiben.(Bezieht sich auf Akkord arbeiter. Der Bericht- erstattcr.)— Das Tragen von Putzmaterial z» imviildigeiu Plitz muß bei einer Kolonne von drei Mann pro. Woche mit einem Mindesilohn von 36 M. bezahlt werden, welcher Wocheulohn bei Fassaden putz bei Kolonnen bis zu fünf Man» ebenfalls zu zahlen ist.— L ohn a rb eit e r: Kalkschlägcr, Wasserträger, Arbeiter, die bei de» Rüstungen mit lhätig stirb. welche Sand karren, Zement tragen oder sonstige leichtere Verrichtungen ausführen, sind gleichmäßig mit min- dcstens 45 Pf. pro Stunde zu entlohnen. Ueberstunden und Sonntagarbeit darf mir im nöthigste» Falle, z. B. wenn Menschenleben in Gefahr sind, ausgesührt werden, und ist pro Stunde um 5 Pfennig höher zu bezahlen.— Arbeiter, welche bei Rabltzputzerii spannen und tragen, sollen ebenfalls mindestens pro Stunde 40 Pfennig erhallen, während, weiiii das Spannen i» Akkord vergeben wird, für das Spannen von Wände» ei» Minimalprels von 22�/s Pf. pro Quadratmeter und für das Spannen von Decken ei» solcher von 30 Pf. pro Quadratmeter gezahlt werden soll."——— Di« Lohnkoiulnission hat, um einen Fonds z» sammeln, Marken a 10 und 20 Pf. drucken lassen und die dazu gehörigen KIcbekarten beschafft; sie rechnet auf eine recht rege Abnahme derselbe».— An stelle des krankheitshalber ausscheidenden Genossen Krüger wurde Gulsche in die Kommisston delegirt. Von allen Rednern wurde«ine ei>ergische Agitation zu gunfte» der Einführniig des obigen Tarifes verlangt und ihrerseits versprochen.— Im„Verschiedenen" verlas der Bor- sitzende eine Zuschrift von W. Körsten, worin dieser den in der letzten Versainmlung gegen Kandale gerichtete» Vorwurf, gegen die Arbeileriiiteressen verstoßen zu habe», als aus I r r t h u in beruhend zurücknimmt. Kandale erklärt die Angelegenheit daniit für crledigt. Gerügt wurde noch, daß auf dem Bau Fraiikfurtcr Allee und Samariterstraßen-Ecke bei dem Kolonne»- sührer Priefert bis S Uhr abends bei eleltrischem Licht ge- arbeitet werde. Die Agitatious-Komuirsffon der Schuhmacher Berlins hatte zum 22. d. nach dem Lokale„Königsbanl" eine öffentliche Versammlüng einberufen, die unter mäßiger Betheilianng statt- fand. Zur Besprechung stand der Stand de? Streiks'» den mechanischen Schnhsabnken. Dem gegebenen SitnaiionSberichte jufolge hat die Firma L i p s ch ü tz sich veranlaßt gesehen, am Tage zuvor die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Es bleiben somit nur noch zwei Fabriken, welche sich nicht bequemen wollen, den Wünschen der Arbeiter Rechnung zu tragen. Es sind dies die Firmen E ck st e i n u. P a n i t s ch und Himmelreich u. Co. Die Kommission sprach die Erwartung aus, daß über kurz oder lang auch diese Firmen ihren Widerstand aufgeben und daß demzufolge die streikenden Arbeiter und Arbeiterinnen getrost im Ausstande ausharren würden, bis auch die letzten beiden Fabriken kapitulirt hätten. Konstatirt wurde, daß die Organisation durch die Streikbewegung sehr gewonnen habe und wurde den bisher Indifferenten es ans Herz gelegt, nunmehr auch der Organisation treu zu bleiben und für dieselbe zu wirken. Dieser Appell fand lebhafte Zustimmung bei den Versammelten. Wie Lauge mittheille, hat sich das Gewerbegericht als Einigungsamt zur Vermitteluug in dem Streik bei Himmelreich erboten und stand er auf dem Standpunkte, daß dieses Anerbieten angenommen werden möge, sofern der Streik sich in die Länge ziehen sollte. Von den Ar« beitern der genannten Werkstatt wurde die Erklärung abgegeben, daß sie fest auf ihren Forderungen beharren. Mit der Vermitte- luug des Einigunsanitcs erklärten sich dieselben einverstanden, sofern seitens des Fabrikanten ein dahin gehendes Gesuch gestellt würde. Lange weist darauf hin, daß sich in der Filzschuh- industrie die Verhältnisse immer mehr zuspitzen, so daß auch hier später eine Lohnbewegung zu erwarten sei. Pflicht der Schuh- macher sei es, sich dann auch mit den Filzschuharbeitern solidarisch zu erklären. Eine öffentliche Versammlnng der Lackirer tagte am Sonntag im Englische» Garten, Alexanderstraße, um den Bericht über de» Stand des Streiks entgegen zu nehme». Nach den Ausführungen von S e m i s ch, Mitglied der Lohnrommission, wurden die bekannten Forderunge» in 74 Werkstätten gestellt. Bewilligt haben bisher 47 Geschäfte mit 219 Arbeitern, 2l Firnien lehnten die Forderungen ab, von verschiedenen anderen ist das Resultat nicht bekannt. Streikbrecher haben sich nur sehr wenige gefunden und nur solche, deren Konkurrenz nicht zu fürchte» ist. Bei dem Jnnungsmeister Laßberg, Walde mar st raße, haben die Lackirerinnen, deren Verdienst sich auf 8 bis bt M. wöchentlich belief, die Arbeit ebenfalls niedergelegt. Im allgemeinen konnte konstatirt werden, daß die Situation eine sehr günstige ist und bereits erfreuliche Resultate erzielt wurden. Rauten Haus forderte diejenigen, die bewilligt erhallen und in Arbeit stehen auf, so lange keine Neber- stunden zu arbeite», bis alle anderen Kollegen untergebracht sind. Unter keinen Umständen sollen Arbeiten für andere Geschäfte angefertigt werden, wo sich die Arbeiter im Streik befinden. Die Firma Di ttm ann hat ihre Arbeiten an andere Meister zum Fertigstellen vergeben, doch sind die dort Beschäftigten nicht gewillt, die Arbeit fertig zu macheu. Es wurde behauptet ,Zdaß man im Kriegsmiuisterinm die Lieferungsfrist für die Militär- wagen, die in der Fabrik von D i t t m a n n hergestellt werden, infolge des ausgebrochenen Streiks um ö Wochen verlängert habe. Von einem Redner wurde bedauert, daß sich in der Eisen- möbel- Fabrik von Schulz die Vergolder so unsolidarisch ver« halten und an stelle der Streikenden die Lackirerarbeiten fertig stelle». Leider habe» sich die Lackirer in der Werkstatt der Großen Berliner Omuibus-Gesellschaft, wo trotz der gesundheits- schädlichen Arbeit mit dem Bleiweiß nur ein Wochenverdienst von 21 M. bei täglich 10 stündiger Arbeitszeit erzielt wird, dem Streik nicht angeschlossen. Dasselbe ist der Fall von den Werkstätten der Großen Berliner Perdebahn-Gesellschaft. Hier erhalten die Lackirer mit wenigen Ausnahmen einen Wochenlohn von nur 19,50 M. Fleischer wies in längere» Ausführungen aus die Nothwendigkeit der Organisation hin, besonders betonend, daß versucht werden müsse, die Frauen, die auch in diesem Gewerbe hervorragend lhälig sind, heranzuziehen. Recht eindringlich wur- den die Anwesenden ermahnt, für den Streikfonds tüchtig weiter zu sammeln, und zum Schluß darauf aufmerksam gemacht, alle Verhandlungen in bezug auf die Aufhebung der Streiks mit Hinzuziehung der Lohnkommission zu unternehmen. Die Fago»-»ud Schraubendreher waren am Sonntag, den 22. März, im Louisenstädtischen Konzerthause zur Beschluß- fassung über die aufzustellenden Forderungen bei der beabsichtigten Lohnbewegung ihrer Gewerkschaft versammelt. Nachdem man auch in dieser Versammlung die gesammten Arbeitsverhältnisse in eingehender Weise diskutirt hatte, beschloß die Versammlung, zunächst durch Verlesung einer Präsenzliste die Zahl der von den einzelnen Betrieben erschienenen Arbeiter festzustellen. Es ergab sich, daß von allen Fabriken«ine mehr oder minder große Zahl von Dreher» an der Versammlung theil nahm. Nur wurde von verschiedenen Seiten mißbilligt, daß von den hundert bei der Firma Reichest beschäftigten Drehern nur elf er- schienen waren. Die Forderungen, welche durch Kommissionen, die in allen Fabriken am Montag gewählt werden sollen, den Arbeitgebern vorgelegt werde», fanden in folgender einstimmig angenommenen Resolution ihren Ausdruck:„Die Versammlung beschließt die Einführung des Neunstundentages unter Bei- behaltuug des bisherigen Lohnsatzes. Sie fordert einen Minimal- lohn von 24 M. für Akkordarbeiter, sowie für jede Ueberstunde einen Zuschlag von 25 pCt. In de» Fabriken, welche diese Forderungen bewilligen, wird weiter gearbeitet, während über alle weiteren Schritte, eine spätere Versammlnng beschließt." Das Streikbureau wird sich bei Thate, Tresdenerstr. 110, befinden. In die Streikkommission wurden Thate, Kißuer, Bauschke und Paschke gewählt. Die Stellmacher versammelten sich am Sonntag Vormittag in stalllicher Zahl bei Noack, Brunnenstr. 16, um den weiteren Bericht der Lohnkommission über den Verlauf des Streiks zu hören. Michels gab der Genugthuuug darüber Ausdruck, daß in einer einzigen Woche kaum Erwarteles erreicht worden sei. Obwohl die Innung es abgelehnt habe, mit der Lohukommission zu verhandeln und einen Gesellenausschuß verlange, hätte» in den letzten Tagen eine ganze Reihe Meister sich von den Jnnungsbeschlüssen losgesagt und die Forderungen der Arbeiter bewilligt. Referent kam dann auf diejenigen Kollegen zu sprechen, welche die Arbeit noch nicht niedergelegt haben. Er macht die betreffenden Werkstätten und Arbeitenden namhaft und verurtheilt das Verhalten der letzteren um so mehr, als es sich nicht um unbedeutende Betriebe handele, sondern um große wie Neuß, die Pferdebahn- und Omnibus-Gesellschaften. Auch andere Redner sprachen die Ueberzeugung aus, daß wenigstens die jetzt Slreikendeu die Sache nicht im Stich lassen dürfen, wenn nicht schließlich der so güustig�beaonneue Streik doch noch ins Wasser fallen sollen. Noch sei nichts verloren, man wisse sogar, daß fast alle Meister den Lohntarif annehme» und zum theil auch für den Neunstundentag sein würden, wenn nicht diesen Absichten der Jnnungs-Obermeister in unerhörter Weise entgegenarbeitete. Mehrere Redner brachen für die nicht Ausständige» eine Lanze, ihre Aussührungen wurden bündig widerlegt. Die alsdann einstimmig gefaßte Resolution hat folgenden Wortlaut:„Die Stellmacher verflichtc» sich, mit aller Energie weiter zu kämpfen, und sind gewillt, die Arbeit nicht früher aufzunehmen, bis sämmtliche Forderungen voll und ganz bewilligt sind. Im ferneren verurtheilt die Versammlung auf das entschiedenste die von der Innung durch die„Volks-Zeitnng" sowie den„Lokal- Anzeiger" veröffentlichten Angaben über die Lage unseres Streiks. Sie betrachtet dies als eins der bekannten Manöver, um uns in dem gerechten Kampfe zu schädigen." An die sehr lebhafte Dis- kussion schloß sich ein mit großem Beifall aufgenommener Bortrag des Genossen Behren d über„Ursachen und Entstehung der Gewerkschaftsbewegung". Zu Punkt 3 der Tagesordnung,„Ver- schiedeneö", wurde beschlossen, schon für diese Woche Unter- stützung zu zahlen, soweit Roth herrscht, und die Entschließungen der Kommission zu überlassen. Ein Antrag, den Kommissions- Mitgliedern pro Tag 1,60 M. zu geben, wurde abgelehnt, ebenso der Antrag, daß die nicht Ausständigen 10 pCt. ihres Lohnes als Unterstützung zum Streikfonds zahlen sollen, statt der am vorigen Sonntag beschlossenen Pauschalsumme von 1,60 M. pro Woche. Am Mittwoch, den 26. d. M., nachmittags 3 Uhr, findet in Noack's Festsäle» wiederum eine Versammlung statt. Johaunisthal-Niederschönweide. In einer gut besuchten Versammlung, die am 14. März in Niederschönwcide im„Kurfürsten" tagte, sprach Genosse K e r st e n über die politische Lage. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen und hierauf die Stellung zur Gemeinderaths-Wahl erörtert. John empfiiehlt eine Wahlenlhaltung, da den Parteigenossen unter den Hausbesitzeril kein Kandidat zur Verfügung steht. Ein diesbezüglicher Antrag gelangte hieraus einstimmig zur Annahme. Die eifrige Thätigkeit des Amtsvorstehers v. Oppen, der schon wiederholt seinen Einfluß dahin geltend gemacht hat, die Wirthe abzuhalten, ihre Säle den Sozialdemokraten zur Ver- sügung zu stellen, konnte Genosse John wiederum durch einen neuen Fall bestätigen. I» der Borussia-Brauerei war von unseren Parteigenossen eine Versammlung augemeldet. Der Oekononi dieses Etablissements erhielt bald daraus vom Amts- Vorsteher die Verfügung, daß an diesem Abend seine Restaurations- räume um 10 Uhr geschlossen sein müssen. Die Folge dieser An- ordnung war, daß der betreffende Wirth seinen Saal ver- weigerte. Natürlich bemächtigte sich der Versammlung bei Bekanntgabe dieser Dinge eine allgemeine Ausregung, da man wohl einsah, daß unter diesen Umständen den Arbeitern die Versammlungsfreiheit stark beeinträchtigt wird. Nach kurzer Diskusston stimmte man hierauf folgender Resolution zu:„In anbctracht der jetzt so beliebten Maß- nähme des Amlsvorstehers empfiehlt die Volksversammlung, im besonderen den Berliner Vereinen, bei event. zu veranstaltenden Vergnügungen in der Borussia-Brauerei nur unter der Be- dingung abzuschließen, daß alle Verpflichtungen rückgängig ge- macht werden können, wenn die Brauerei für Rrbeiterversamm- luugen nicht mehr zu haben ist." Schon einige Minuten vor 10 Uhr mußte der Wirth wegen der Polizeistunde Feierabend gebiete» und war dadurch der Vertrauensmann verhiiidert, über die Parteispedition Bericht zu erstatten. >). Brilon, lackescher Markt 4, 1 Ecke Neue Promenade Am Stadtbalmhof „Börse" ttvenwr Ausverkauf! Teppiche! Gardinen! Portieren! Steppdecken! 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M« abends 8 Uhr, im Kinz'sche» Ausschank, Alte Jakobstr. 83, stattfindende aufmerksam. venvnsß» V ersammitiiig am. B8|10 Der Vorstand Ächtung! Metalldrftcker! Mittwoch, 25, März, abends 8 Uhr, im Luisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstr. 37: Grche ffeiitliche Verslimmliliig. Tages-Ordnung: I. Bericht des Vertrauensmanns. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Ver- trauensmanns. 4. Verschiedeues. Es ist Pflicht eines jede» Kollegen, in dieser Versammlung anwesend zu sein. 280j8 Der Vertrauensmann. Paul Litfin. Achtung! Msunvr». Achtung! Die zum Donnerstag, den 26. März, abends 8 Uhr, geplante und auch schon im„Bauhandwerker" annoncirte Versammlung des Vereins zur Vahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend, kann wegen der zu Dottnerftag geplauteu öffentlichen Versammlung an diesem Tage nicht stattfinden. Dirfrlbe findet um honntag, den KS. Miirz, vorm. 10 Uhr, bei WilKa, Andreas»r. 86, statt. 129/17 Tagesordnung: X. Die Deminziation der„Kreuz-Zeitung" gegen den „Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend" und welche Stellung nehmen die Mitglieder dem gegenüber ein. 2. Diskussion. 3. Vereinsailgelegenheilen.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Alle Mitglieder sind zu dieser Versammlnng eingeladen Der Vorstand. I. A.: K a r l K n ö p ch e n. SokünvdSi'g. Mittwoch, SS. März, abends Punkt 7'l- Uhr, Grunewald chr- 110: bei Obst, 204/13 Grosse Moll. Wähler-Yersamniung. Tages-Ordnung: Unsere SteUung zur bevorstehende» Stichwahl. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen aller Wähler ist nothwendig. Das Wahlkomitee, Nordhäuser Liter-Flasche 80 Pf.. 90 Pf.. 1 Mark mit Fl., Kor»(verschied, gemischt) Ltr. 45 Pf. ohne Ft., Liköre, Coguac, Rum, Ungarweine jc. 83b Carl Schindler, Chausseestr. 55. Brochnow's Kallsitte, Jeden Sonntag, Montag und Dienstag: Groeaer Bali.— Mittwoch, Donnerstag und Freitag zn Versammlungen zu vergeben. Einige Sonn- nbeude sind noch frei; ferner empfehle zwei große Uereinsximmcr. 44S7L' Altes Schützenhaus, 5. ___ Sale-MB 560 Personen fassend. Reu eröffnet: Uainrgarte«, Sitzplätze für 300 Personen fassend. Sonnabende im April, Mai, Juni, Juli je. noch frei. 326b SoMtMr. verein..voruilirts" Berlin. Dienstag, de» 24. März, abds. 8 Uhr, im Moabiter Klubhaus, Beuff elfte. 9; 274/2 WtT Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen M i l l a r g über: Fortschritt und Armnth. 2. Diskussien. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreiche» Besuch erwartet Her Uorstand. Gipsbildhaner und Modelleure! Große öffentliche Versammlung SIN HlittiwocK, den 25. März ISSL, abends 8 Uhr, in Cohn» Frftjiilrn, Kcnthstraße 21. Tages-Ordnung: l. Wie sind die Verhältnisse in der Modellbranche zu bessern? 2. Dis- kussio». 3. Verschiedenes. 22/17 Das Erscheinen aller Kollegen ist erforderlich. Die Meister sind ein- geladen. Der Vertrauensmann. Grosse össeMe VerslimlW «»« Duchdnullmitn bksch. Arbkitknuutu am Freitag, 27. März, abends Punkt 8'- Uhr, im Louisenstädtischen Konzcrthans, Alte Jakobftrafte 37. Tagesordnung: 1. Vortrag der Frau E. Ihrer über„Die Arbeiter- schutz-Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung und deren Einhaltung gegenüber den Slrbeiterinnen". 2. Diskussion. 3. Tarifliches. 4. Bericht der Delegirtin aus der Gewerlschastskoininission event. Neuwahl derselben. S. Verschiedenes. Männer haben Zutritt. 48Lb Die Einberuterin. Deutscher Holzarbeiter-Perband. (Zahlstelle Berlin.) Morgen, Mittwoch, den 25. März, abends 8 Uhr, bei Cohn, Benthstr. SOjSI: Vevtruneusmäunev-Versammlung. Jede Merkstatt muß vertreten sein. Mrrkstatt mnß vertreten sein. Mitgliedsbuch und starte legitimirt. Kezirks- Uersamonlungen. MoAbik. Dienstag, den 24. Mär», abend» 8 Zlhr. im Lokale de» Herrn Sohmidtke, Htromstraße 28. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Die gegenwärtigen Streiks. Neferent Kollege Knuhe. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes Um zahlreiches Erscheinen, auch der Nichimitglieder, ersucht 27�3 Die Ortsverwaltung. Zllr Beachtung der Beitragsammler! Die Ausgabe von Marken und Büchern erfolgt durä, den itollegen Kunze jeden Donnerstag, abends von 7 bis 10 Uhr, Ateichenberger- strahc 59, 1 Tr., oder nach vorheriger Bestellung in jeder Borstandssttznng. Mling, ückarbsit«'! In folgeliden Wcrkstellen sind unsere Forderungen bis jetzt nicht bewilligt: Ladeneinrichtnng und ähnliche Arbeit: steutel, Stralauerstr. 3Z. Mühlbanex, Andreasplah 3. Dohse, Grüner Weg 2. Nähmaschinen: Frister n. Roßmanu, Skalitzerstr. 134/135. Goldleistcn: Methlow u. Co.. stöpnickerstr. 109. Luxusmobcl: Bab, Gitschinerslr. 75. Frilsche, Oranienstr. 3L(streike» die Drechsler). Eisenmöbclfabrik von' Schulz, Hasenhaide 9. Miihlcnbanmaschinen-Fabrik: Pätzold n. stomp., Waldstr. 33—35. Telephon� Trumpke, Holzinarklstr. 48. Snzug fernhnlten. Tapezirev. Mittwoch, de» 25. März 1806, abend» S'/e llljr, bei Zubeil, Lindcnstraßr 106: OefTentliche Versammlung aller im Tapezirergewerbe beschäftigten Personen. Tages-Ordnung: I. Neuwahl der Arbeitsnachweis-Komniisston. 2. Die Streiks in unserem Gewerbe. 3. Bericht der Telegirte» der Gewerk- schaftskounnission. 4. Die Maifeier. 177/15 Der Vertranensmann. E. F r i e d m e i e r. KederarbeitersPorttstiilllerj. Große öffentliche Versammlung. am Dienstag, 24. März, abends 3>/» Uhr, Zieuz' Kalo», Naunynstr. 27. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Lohnkommission. 2. Diskussion. 3. Unser ferneres Ver- halten in der Lohnbewegung. 4. Eventuelle Neuwahl der Lohnkonnnission. Pflicht eines jeden Kollegen ist es. in dieser Versammlung zu erscheinen. 495b Die Lahnkommission. mmmmm$attler! SSuiüJS Mittwoch, den 25. März, abends 8 Uhr. bei Drotsbnaw, S-bastianstr. 39: Lesfentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Streik der Trcibriemen-Arbeiter, der Ring der Fabrikanten, die beabsichtigte Aussperrung der Treibriemen-Arbeiter und die schwarze Liste der Fabrikanten. 2. Der Streik in der Eiseuinöbelfabrik von Schulz. 3. Ver- schiedenes. I58sl3 HC Die Treibriemen-Fabrikanten sind hierzu eingeladen worden. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen Die Agitationsbommission. Friedrichsberg. Versammlung des Arbeiter-Bildungsvereins Dienstag, den 24. Marz 1896, bei Hl Ulier, K r o n p r i n» e n- G a r t e n. 146 Tages-Ordnung: Vorirag des Herrn Dr. Ivel über:„Die neuesten Errungenschaften der Astronomie". Der Vorstand. Achtung! Maurer. Achtung! Grosse öffentl. Hanrerversammlong am DonnerMg, den 26. März 1896, abends 8'!, Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstraße Nr. 37. Tages-Ordnung: Bericht der Lohnkonnnission und Entgegennahme praktischer Vorschläge zur Einleitung der Lohnbewegung. 2. Diskussion.. 132/15 Um zahlreichen Besuch ersucht Die Lohnkommission._ gM- MaSer. Atittlvoch. den 25. MlÄvx, nbends 73u Lthv» im großen Saale des Herrn Keller, Koppenstraße 29: Oeffentliche Uersammlnug. 126/18 Tages-Ordnung: 1. Unser Streik und die neuesten Machinationen der Berliner Maler-Jnnunz. 2. Unser weiteres Verhalten. Das Erscheinen sänimtlicher Maler und Bernssgenossen ist dringend nothwendig. Die Tohukommilston der Maler Derlino und der Dororte. I. A.: C. Link. 6 HfnudAlbrecbt's sosf'Ä, Bäckerei, liefert Wrangel-Strasse 8. Langestr. 26, Falkensteinstr. 28 Sonuabettd: Resterverkaiif. M < V\." # läß Brenner& Cie. Alte Jakobstr. 57/59. Jedes Maav ,ni Eagrospreisen, Möbel Kailszeltgeillicit passendste Gelegenheit zum Umzug sür Braut- leute und Hotels. Gneisenaustraße ls parterre, in der Möbel-Fabrik sollen zirta evo lompleic Wohnnngs-Glnrichtungen, verstehen gewesene und neue Möbel zu jedem annehmbaren Preise verlaust werden. 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Deutscher Metallarbeiter- Verband. Dcrtuattnngrn Kertin« und Dmgeaend. Mittwoch, de» 25. März, abends 8V« Uhr, im gr. Taale des Hrn. Gründet, Brttnttenstr.488, am Rosenthaler Thor: Gemeiusctzaftlirhe MiKglieeSen-Vsi'ssmnHlunN. Tages-Ordnung: I. Beschlußfassung über den Organisationsentwurf(Verschmelzungsplan). 2. Wahl der Ortsverivallung und der verschiedenen Kommissionen. 3. Die gegenwärtige Lohnbeivegung der Berliner Metallarbeiter und die Beschlüsse der öffenllichen Versammlung vom 8. März bezüglich des 1. Mai. 4. Ver- bandsangelegenheilen und Verschiedenes. Kollegen! Bei der Wichtigkeit der zur Verhandlung stehenden Tages- ordnung ist es Pflicht jedes einzelnen, zu erscheinen. 121/13 Die Grisverwaiinngen. ICIempner! Donnerstag, 26. März, abends 8'/- Uhr, in Lollu's kestsäleo, Beuth-Straße 20—21: Oeffentl. Uersammlnng. Tages-Ordnnng: Der gegellwärtige Stand der Lohnbewegung der Klempner und unsere weiteren Maßnahmen. Zu dieser Versammlnntz sind besonders die Kollegen derjenigen Werk- stätten eingeladen, welche bisher noch keine Forderungen gestellt haben. Bewilligt haben weiter: Labs, Amalienstr. 17. P. Sachse, Chausseeftr. 2 E. Zimmeralmer, Königsbcrgerstr. 29. A. Krefter, Slraßbnrgerstr. 18, Eülle, Gerichtstr. 7. Jnraschewski, Sickingenstr. 5. Liese, Fennstr. 3. Hüft, Johanniterstr. 11. Weber, Adalbertstr. 9. Schrapplan& Sohn, Französtschestr. 20. F. Stange, Oppelnerltr. 48. Fttrstenberg, Markgrafenstr. 1. Otto Liepe, Chausseeftr. 86. Bosolt& Jaguer, Braudeuburgstr. 19. C. Vogler, Prinzesstunenstraße. W. Kirchner jr., Neinickendorferstr. 43a. Jnsgesammt haben bewilligt 107 Werkstätten mit 1305 Arbeitern. I» nachstehenden Werkstätten sind die Forderungen nicht bewilligt und befinden sich die Kollege» im Ausstand: F. F. A. Schulze, Fehrbellinerstraße. Kerstan Nacht., Simeonstr. 13. Aktiengesellschaft vorm. Bulzke, Ritterstrabe. Vogt& Uerpmann, Tempelhofer Ufer 23. Isidor Schwarz, Lintenstr. 154p. Saeger, Koppenstr. 81. Slmonsen, Neue Steimnetzstr 2. Blau, Linienstr. TT. Schnitz& Kupozyk, Wilhelmstrabe 48. Müller, Münchebergerstr. 33. Müscler. Alexandrinenstr. 103. Schulz, Blumenstraße 74. Harting, Stallschreiberstr. 9. Kosse, Lützoivstr. 44. Alschäisky, Alexandrineustraße 23. Textor, Landsberger-Allee 50. Baer & Stein, Alexandrinenstr. 24. H. Sentz, Gollnowstr. 87. L. Leszinsky, Mittelstr. 35. Jul. Gniremand, Prinzessinnenstr. 21. E. Wandt, Fürstenstr. 7. E. Naujoks, Groß-Lichterielde. Jnsgesammt22Werkstätten mit 176 Kollegen.����� ■Mirflinrl Znzna ist fernsnhattrn. Der- Ver-tr-auensrnann der- Mlempnar-, 280/10 F. Z i m m e r m a n n, Piicklerstr. 55. M«! Metaüarbeiter. Heute. Dienstag, den 24. März 1896, abends 8 Uhr, in„ksde's Sslmi", Kolbergerstraße Nr. 23: Gr. öffentliche Versammlung. Tagesordnung: I. Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit der Firma Scidrl(Reinickendorfer Messingwerke). 2. Diskussion. Zahlreiche Betheiligung erwartet Dia Agitations-Mommiasion des Deutschen tVletallarbeitei--Verbandes. NB. Die zu gestern atlberäninte Bersaminlung konnte wegen verspäteter Anmeldung nicht statlfinden. Metallarbeiter! Mittwoch, 25. März, abends 81-, Uhr, im Kolberger Salon, Kolkrrgrrstr. 23: Große Versammlung sämmtlicher Arbeiter der Maschinenfabrik Aktien-Gesellschaft vormals Kchmartzkopff. Tages-Ordnung: „Ziud die Arbritrr der Firma Schwarkkoptf berechtigt, besser» Arbeits- lind Fohnbedingullgen tu fordern? Referent vito Näiher. Utf Sämmtliche 9lvbeiter, sowie die Meister und Beamten der Fabrik werden eingeladen, recht zahlreich zu erscheinen. Der Dertranruvmann der Krrliner Metallarbeiter. Otts Naelber, M., Anklamerstraße 44. 280 9 Künstl. Zähne 2 M. Schmerzloses Zahnziehen n. Nervtödten 1 M. Plomb.l.öü. ßep. sof. Theilzahlg. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 9-7 Uhr, Verantwortlicher Redakteur: Angust Jacobcy, Berlin. Für den Juseratentheil veranlworllich: Dh. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin.