Morgenausgabe 7lr. 169 A 85 47. Jahrgang «VSchniÄch WM. mextatM) S�OBt us»or-us zahlbar. PsstI>ezugIch zweimal, Eonnlaga und Plonloo» einmal, die Zldendansaaden für Berlli, und im Kandel mit dem Titel»Der tlbeitlr, glluftrirn» Beilaaen.Volt und Zeit" und.«inderfreund-. Ferner .Unterhaltung und Wilsen»..Frauen. stimme»..Technik»,.»iick in die Bücherwelt» und.Sugend-Lorwirte» �-G.» Nsvttues VsWbSM Donnerstag 10. Apnl 1930 Groß-Äerlin IT Pf. Auswärts 45 Pf. Vir eta�palttg« Nonpareill�zeil, SO Pfennig. Reklame'eile 5— Reichs» mark.„Kleitie Anzeiget� da- icttgf druckte Wort 25 Pfennig(zpläfsig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort IS Pfennig, jedes weitere Work 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zühlen für zwei Worte Arbeitstr.mkt Aeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 40 Pfennia. Anzeigenannahme imHaupt« Geschäft Lindenstroße 3. wocheutäglich von SV? bis 17 Uhr. Aentvawvsan der GoziatdemosvaMOe« Partei DeuttOlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Rernfpttdjcr: Dönbosf 292—297 Telegramm-Adr. Eoualdemokrai Berlin. Vonväris-Verlag G.m.b.H. Bostsrbcckkonioi Berlin Z7S3ö.— Vankkoniv: Bank der Arbeiter. Anaesiellken und B-amien. SSallsir SS Dl B u DiSc-Gel Depvlitenkasie Lindcnsir S. Roch mehr Arbeitslose! Michsverband der Industrie gegen das Schieie-Brüning-Pwgramm Wenn auch noch ein Steuerkompromiß von den Parteien des Brüning- Kabinetts gefunden werden wird— freilich sin sehr schwieriges Wenn—, dann wird Herr Schiele das gestern verkündete A g r a r p r o g r a m m, das als„Gesetz MM Schutze der Landwirtschaft" den Reichstag passieren soll. dem Landbund als Zlustraggeber auf den Tisch legen können. Rhch diesem Gesetz, das bis zum 31. März 1931 zunächst befristet ist, erhält die Reichsregierung eine in der Geschichte aller Ermächtigungen, besonders auf dem Gebiete der Agrar- Politik, unerhört westreichende Vollmacht: völlige Frei- h.eit in der Gestaltung der Getrei'dezölle, Freiheit für die Erhöhung aller E i n f u h r s ch e i n e bis zur v'ollen' Zollhöhe, Freiheit für die Neueinführung von Ein- fuhrfcheinen für alle Vieharten und Kartoffelprodukte, Frei- heit für die beliebige Regelung des S ch w e i n e z o l l e s. Durch Gesetz soll ab 1. Juli d. I. die Einfuhr des billigen Gefrierfleisches fallen, Zollerhähungen für Eier, Milch, M e b l, Schmalz, für alle Kartoffelpro- d u k t e. Erhöhungen oer Zölle für Most alle W« i n a r t« n und auch Traubon sollen mit baldiger Wirkung in Kraft treten Der Landbund tut recht daran, wenn er angesicbts dieser. Liste den.in den. Besprechungen der Parteiführer ge- fällenen Beimahlungszwang von Roggen zum Weizen jetzt als überflüfiig erklärt: denn wenn eine solche Ermächtigung zur lückenlosen Preissteigerung für alle landwirtschaftlichen Produkte auch zur Lösung der Roggenfrage noch nicht genügt. dann wäre die Roggenpsychose wirklich eine unheiibare Krankheit. Mst den Parteien der Mitte hatte die Sozialdemo- kr a t i e Maßnahmen zuqunsten der Landwirtschaft de- schloffen, von denen man sagen mußte, daß sie das weitest- gehende Verständnis für wirkliche Nöte der Landwirtschaft beweisen. So hatte man das Recht, anzunehmen, daß die Aktionen zugunsten der Landwirtschaft zunächst damit abge- schloffen sein würden. Denn das Aeußerfte, was agrarpoliti- fche und volkswirtschaftliche Vernunft der Landwirtschaft eben noch zugestehen konnten, ohne die Gesamtwirtfchaft aufs schwerste in Mitleidenschaft zu ziehen, das schien damit der Landwirtschaft gegeben. Jetzt ist ein Wechsel der Situation eingetreten; der Landbund kommandiert, und das neue Kabin-tt der angeblich so starken Männer ist der Gefangene der Grünen Front. Was diese„starke" Regierung in ihrem Gesetz zum Schutze der Landwirtschaft durchführen will, das ist keine Politik einer verantwortlichen Regierung mehr, das ist die Unterordnung aller gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkte unter das eine Ziel, durch taktische Manipulationen am Leben zu bleiben. In diesem sogenannten Agrarprogramm ist wirklich alle agrarpolitische Vernunft zum volkswirtschaftlichen Unstnn. und alle landwirtschaftliche Wohltat zur Plage des ganzen Volkes geworden. Der Reichstag soll einer Regierung des- halb, weil zwei reiche Weltgetreideerntcn die Preise der land- wirtschaftlichen Produkts vorübergehend übermäßig gedrückt haben, eine Vollmacht geben, die nicht nur Deutschland aus den Entwicklungstendenzen der Weltwirtschast herauslöst, sondern auch die ganzen Ernährungsverhältnisse und Er- nährungskosten eines Volkes unter Umständen auf den Kopf stellen kann. EineErmächtigung biszumZI März nächsten Jahres bedeutet eine Vlankovoll- machtauchfürdenFalleinerschlechtenErnts, die an sich die höchsten Getreidepreise bringen w:rd nd damit die Möglichkeit eines ungeheuerlichen Mißbrauchs einer solchen Ermächtigung durch jede Regimmg, in der Großogrg'-ie'-".,d der Landbund vertreten sein würden. Gegen einen solchen Miß- brauch Garantien zu schaffen, würde dem Reichstag verwehrt fein, wenn er der Ermächtigung zustimmen würde. Außerdem ist es keineswegs so, daß nur überreiche Ernten die deutschen Getreidepreise zum Sinken bringen. In der ganzen Weltwirtschaft haben die Getreideprelse sinkende Tendenz, weil die Jndustrievölter �ch vom Getreide- und Brotverbrauch immer mehr abwenden. Gegen diese weltwirtschaftliche Entwicklungstenden' würde auch eine noch viel weitergehende Ermächtigung nichts helfen können. Was aber die agrarpolitische Vernunft längst als einzi- gen Ausweg für die deutsche Getreide- und Agrarkriie er- kannt hat. nämlich die auck von der Sozialdein-'�ralie mit allem Nachdruck gepflegte Förderung der Ver«d?. lungswirtschaft. das wird durch diZes Agrarpro- gram» mit seinem Rückfall in einen sturen Zollerhöhangs- unfug auf das ernsteste bedroht. Eine vervollkommnete Vieh-, Fleisch- und Milchwirtschaft, die freilich den Bauern und nicht den Wünschen der Junker zugute käme, würde in relativ kurzer Zeit alle Agrarnöte in Deutschland beseitigen können. Ein Pfennig höherer Milcherlös, der leicht ans besserer Markt- organifation zu gewinnen sein würde, würde die Jahresbilanz der Landwirstchaft um 200 Millionen Mark oerb�ssern. Die Senkung der Milcherzeugungskosten um S Ps., die nach der Ueberzcugung aller Agrarwissenschaftler allein sthon durch eine schärfere Kontrolle der Viehhaltung und durch eure bessere Organisation des Molkereiwesens erzielbar wäre, würde die Jahresbilanz der deutschen Landwirtschaft um eine weitere Milliarde verbessern. Aber von derartigen Maßnahmen steht in diesem Zollerhöhungsprogramm nichts, weil es allein die Aufgabe hat, zugunsten von knapp 12000 oft- elbischen Großagrariern alle agrarpoliti- schc Vernunft auf den Kopfzu stellen. Dieses sogenannte Agrarprogramm bringt aber auch sehr ernste, allgcmeinwirtfchaftliche Gefahren mit sich. Die geplanten Zollerhöhungen gefährden vielfach be- stehende Handelsverträge. So ist der Eierzoll gegenüber Italien und Jugoslawien gebunden, die Weinzölle sind gegenüber Italien, Spanien und Portugal ge- bunden, eine Erhöhung der Wemzölle werde auch gegenüber Frankreich neue, fehr erhebliche Schwierigkeiten schaffen, und die Durchführung des deutsch-polnifchen Hundelsvertrazes wird durch die geplante Handhabung der Schweinezölle auf das äußerste erschwert. Das gleiche gilt für die unbegrenzte Ermächtigung zur Erhöhung und zur Neueinführung von Ein- fuhrscheinen, und es ist nicht abzusehen, in welchem Maße den geplanten Zollerhöhungen die Kündigung von Handelsver- trägen folgen wird. Diese Gefahr wird in einem Augenblick heraufbeschworen, in dem eine ständig weiter absinkende Welt- konjunktur�das Problem der deutschen Exportsteigerung zur schwersten Sorge der deutschen Wirtschaftspolitik gemacht ha:. Die geplante Erhöhung der Einfuhrscheine bedroht die Rcichssinanzen mit neuen großen Ausgaben in einem Augen- blick, in dem die gesamte Wirtschaft schon die unbedingt not- wendigen Steuererhöhtingen nicht tragen zu können erklärt. Es ist kein Wunder, daß den Interessentenkreisen, die hinter diesem Kabinett Brüning stehen, abgesehen natürlich vom ostelbischen Junkertum, bei diesem Agrarprogramm alles weniger als wohl ist. Der frühere Retchsernährungsminifter, jetzige Wirtschaftsminister des Brüning-Kabinetts, Dr. Dietrich, kann vor den weltwirtschaftlichen Konsequenzen dieses unsinnigen Zlgrarproqramms die Augen nicht ver- schließen. Er sagte auf der Jubiläumstagung des Industrie- und Handelstages: „Wir find in einer starten Abwärtsbewegung aller Preise. vor allem der industriellen und landwlrtschasilichen Rohstoffe be- griffen. DeutMand, hineingestellt in die Weltwinschost, a n g e- wiesen auf einen gewaltigen Export zur Deckung seiner tanfmännischen und politischen Verpflichtungen, kann ohne Teilnahme an emcr solchen allgemeinen Preissenkung seine Kan- kurrenzfähigkcit nicht behaupten. Die Agrarpolitik darf daher nicht so betrieben werden, daß sie uns diese Teilnahme unmöglich macht, und zum ondereo nicht so. daß sie die Voraussetzung der bestehenden Handelsverträge durch den Abschluß neuer Verträge unmöglich macht." Zu dieser Verwahrung ficht sich Dr. Dietrich), der demo» kratische Minister des Brüning-Kabinetts, gezwungen. Der Reichsverband der Industrie hat schon emnml vor acht Tagen gegen die der Handelspolitik drohenden Gefahren protestiert. Er hat sich jetzt an die Rcichsregierung, das Parlament und die Oeffentlichkeit mit einer Entschließung Aufruf zur Maifeier 1930! Arbeiter, Angestellte, Beamte Berlins! Zum 40. Mal« kehrt in diesem Zahre der I. Mai als Welt- feiertag der krbslt wieder. Seit 40 Jahren ehrt das Proletariat der ganzen Welt diesen Tag alz ein hohes Lpmbol der unverbrüchlichen internationalen proletarischen Solidarität. Sni I. Mai perjammeln sich die krbeiter aller Länder unter ihren roten Zahnen einig im Geiste und demonstrieren für den Sufftieg der Srheiterklasfe. Dieser Seicrtag der Srbeiter ist zugleich ein Tag der pölkerverftändieung und des Weltfriedens, vi« Srbeitnehmerfchast der Welt reicht sich über alle Ländergrsnzen hinweg die Hand. Sie fördert alle frledensfreundlichin Bestrebungen und verurteilt aufs schärfste all« blutigen kriegerischen Suseinanderjetzungen. Such in diesem Jahre wird der Maitag«ine Demonstration für den Weltfrieden sein, ver Verlauf der Londoner Slottenkonferenz zeigt, daß die herrschenden«lassen in europäischen«nd amerikanischen Ländern noch immer nicht den weg zu wirklicher friedlicher Verständigung und zu«rnftbaft« S�rüstung gefunden haben, wie im vorigen Jahre demonstriert auch die Berliner Krbeiterschast in den Oer- sammlungen ihrer verbände erneut:, Kür den Völkerfrieden! Für Abrüstung und internationalecl Schiedsgerichtsverfahren ver Maifeiertag ist zugleich aber auch«inTagderSelbst- befinnungder Srbeitnehmerfchast auf die inner« Politik ihres Landes, vi« deutsche Srbei-nehmerschaft hat erst in den letzten Wochen erfahren, wie stark noch die reaktionären Kräfte in veutschland sind, ver Rücktritt der unter sozialdemokratischer Führung stehenden keichsregierung und der Ersatz durch das «abinett Brüning, einer ausgesprochenen Interessenvertretung kapitalistischer Wirtschaftskreis», gibt zu denken, vie Vorgänge in der inneren polstlk beweisen, wie nachteilig ein einflußreich die Macht der großen wirtschaftlichen Unternehmerorganisationen in Deutschland ist. vi« Negierung Kermann Müller stürzte, weil die Vereinigung der veutschen Srbeitgeberoerbände ein« Steuer- und Sozialpolitik bei den ihnen nahestehenden Vertretern in der«eichsregierung durchsetzte, dir der Srbeitnehmerschaft zum verderben gereicht hätte. Insbesondere richten sich die Kngriffe des gut organisierten Unternehmertums gegen die S r b e i t s- losenoersicherung und gegen die Sozialversicherung der SrbeUnehmer überhaupt. Steuersenkungen für die Unternehmer, Verkürzung der Arbeitslosen- Unterstützung, da» ist die Parole unserer Gegger. Arbeiter, Angestellte und Beamte Berlins? pi« innerpolitischen Forderungen der deutschen Krbestaehmer- schaft, dt« fie an diesem t. Mai in den Versammlungen der ver- bände erhebt, lauten: Für die Erhaltung und den Ausbau der deutschen Sozialpolitik! Für die Erhaltung der ArbeitSlofenverstcherung! Für die Schaffung von Arbeit! Für ausreichende Verkürzung der Arbeitszeit! Für die Nurchführung eines ausreichenden Arbeitsschutzes! Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, rufen euch die unterzeichneten Spitzenuerbände auf, zur Ardeiismlik am f. Mai! Jeder Srbeiter, Kngestellte und Beamte folgt am l. Mai dem Kufe feines Verbandes! vie Demonstrationen des 40. weltfeiertages der Srbeit werden in allen Ländern mit besonderer Feierlichkeit vor stch gehen. Such die Berliner Srbeitnehmer werden in großen Massen an den ver- sammlungen ihr«, Gewerkschastsverbände teilnehmen und der Reaktion die Größe und«raft der Srbeitaehmerbewegung vor Kugen führen. Allgemeiner Deutscher Sewerkschasts-Bund, Ortsausschuß Berlin Allgemeiner freier Angestellteu-Bunv, Ortskartell Berlin Allgemeiner Deutscher Beamten'Bnnd, Bezirksausschuß Berlin. gewendet, die die geplante Agrarpolitik unmöglich machen müßte, wenn die Standfestigkeit des Reichsoerbandes der deutschen Industrie höher einzuschätzen wäre, als die des Herrn Hugenberg. Eine Zollvollmacht ohne Bindung nach oben und unten müsse den inneren Markt unerträglich beunruhigen und die Handelsbeziehungen zu den übrigen Ländern stören. Die beliebige Erhöhung der Einfuhrscheine begünstige die landwirtschaftliche Veredelungsproduktion des Auslandes, gefährde damit die deutsche Landwirtschaft selbst und hemme die deutsche Fähigkeit zur Exportkonturrenz durch die Verbilligung des Lebensniveaus und des Lohn- ftandards im Ausland. Die Aufhebung der Gefrierfleisch- einfuhr sei für die deutschen Handelsbeziehungen mit Argentinien von großer Gefahr und die Wsinzoll- erhöhuna drohe die Kündigung wichtigster Handelsverträge herbeizuführen. Allgemeine Preiserhöhung. Verteuerung der industriellen Produktionskosten, neue Lohnforde- r u n g e n und im Ergebnis eine gewaltige Steigerung der Arbeitslosigkeit müssen die Folgen des gegenwär- tigen Agrarprogramms sein, das zudem der Landwirt- schaft keine geeignete Hilfe bringen könne, der in erster Linie durch technische Verbesserungen und durch eine Verbesserung der Absatzorganisation geholfen werden müsse. So nicht der Vorstand des ADGB.» sondern der Reichs- verband der Deutschen Industrie! Es ist eine tragikomische Verflechtung der politischen Schicksale, daß in dem Augenblick des Zerfalls der Großen Koalition auch die sogenannten Wirt- schaftsführer sich entmachtet finden. Der Landbund hält das längere Ende des Hebels in der Hand und gebraucht es mit aller Brutalität, deren er fähig ist. Vor ihm kapituliert die Regierung der starken Männer, die ,, Wirtschaftsführer" stehen händeringend dabei— und die Sozialdemokratie ist bereit und entschlosfien, den Kampf aufzunehmen._ Für einRotopfer derBefltzenden Die Sozialdemokratie wird den Reichstag vor die Ent» fcheidung stellen. Die Sozialdemokratie hat stets verlangt, daß zur Deckung des einmaligen Fehlbetrages im Haushalt des Reiches für das Jahr 1930 neben den Erhöhungen der Verbrauchssteuern auch ein Not» opfer der Besitzenden vorgesehen werde. Ader olle Le- mühungen der sozialdemokratischen Minister, für diesen Vorschlag im Neichskabinett eine Mehrheit zu gewinnen, scheiterten an dem Widerstand der Deutschen Vokkspartei. Noch am letzten Sonntag hat der Reichsfinanzminffter Dr. Moldenhauer in feiner Magdeburger Rede erklärt, daß er unter keinen Umständen einen Zuschlag zur Einkommensteuer mitmachen werde. In den Verhandlungen des Steuerausschusses am Mittwoch kam nun dar sozialdemokratische Antrag zur DerhanÄung, durch den bei Einkommen über 8099 Mark jährlich im Jahre 1939«in Zuschlag von 19 Proz. der bisherigen Einkommensteuer erhoben werden soll. Die Durchführung dieses Antrages sichert einen Mehrertrag der Einkommensteuer von mindesten» 100 Millionen. Debatte und Abstimmung über den Antrag waren überaus interessant. Von den Regierungsparteien äußerte sich nur der Abgeordnete Dr. Horkacher von der' Bayerischen Volkspartei. Er erklärte seine persönliche Zustimmung zu dem Antrag. Da sein« Fraktion aber bisher noch nicht Stellung genommen habe, werde er sich bei der Abstimmung enthalten. Die Abstimmung ergab die Ablehnung des Antrages mit 14 gegen 13 Stimmen. Gegen den Antrag stimmten die Deutschnationalen, das Zentrum, die Deutsche Volkspartei, Demo- traten, Wirtschastspartsi und Christlich-Rationale. Für den Antrag stimmten Sozialdemokraten und Kommunisten und der Abg. Kling von der Bauernpartei. Dies« Abstinimuiig dürft« Herrn Moldenhauer einige Beklemmung verursacht haben. Sie zeigt, daß der Gedairte, notwendige Mehrlasten auf die wirtlich tragfähigen Schultern zu legen, nicht nur von der Soztaldemo- kratie vertreten wird. Auch In den bürgerlichen Parteien, die nicht rein kapitalistisch eingestellt sind, wächst die Einsicht, daß«» nichts Unbilliges sei, die Träger hoher Einkommeir, die über ein« überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit verfügen, auf dem Weg« über die Einkommensteuer vorübergehend stärker zu belasten. Die Sozialdemokratie wird bei der heut« in der Boll- Versammlung des Reichstags beginnenden zweiten Beratung der Steuergesetz« den im Steuerausschuß gestellten Antrag auf Er- Hebung«jnes Notopfers der Leistungsfähigen wieder einbringen. Den bürgerlichen Parteien und der Reichsregierung soll Gelegenheit gegeben werden. vor der ganzen Oeffentlichkeit zu bekimden, ob sie die Berantwortung für die Schonung der leistungsfähigen Schichten und die Usber- belastung der leistungsschwachen übernehmen wollen! Man redet vom Reichsschulgeseh. Vorläufig noch nicht! In der gestrigen Sitzung des Bildungsausschuffes des Reichstages stellt« der deutschnational« Abg. Dr. Spahn die Frage, ob die Reicheregierung bereit sei, in die Beratung des deutschnationalen Antrages auf Vorlegung eines Reichsschulgssetzes einzutreten. Ministerialdirektor P e l l e n g a r beantwortete die Frag« dahin, laß er mit Ermächtigung des Reichsministers des Innen, erklären känn«, daß die gegenwärlige Reichsregierung es für ihre wichtigste Aufgab« betrachte, die zur Sanierung der Reichskasse erforderlichen finanziellen Maßnahmen mit allem Nachdruck durch- zuführen. Bevor nicht die dem Reiche aus dem gegenwärtigen Zustand erwachsenen finanziellen Schwierigkeiten restlos beseitigt seien, seh« sich die Reichsregierung nicht in der Lage, irgend welche gesetzgeberischen Aufgaben in Angriff zu nehmen, die geeignet seien, das Reich oder die Länder mit neuen Ausgaben zu belasten. Wie da» Nachrichtenbüro de» VDZ. weiter dazu hört, war diese Erklärung ganz allgemein gehalten, bezog sich also nicht b« s o n- der« auf da, R ei ch s schu lges e tz. an dessen Beratung allerdings vorläufig aus den in der Erklärung erwähnten Gründen nicht gedacht werden kann. Gn neues Finanzkompromiß. Umsatzsteuererhöhung und Warenhaussteuer.— Oie Bayerische Volkspartei macht nicht mit. Amkllch wird mllgeleüi: Das Reichskabinelt fcc- shZsllgte sich in seiner gestrigen Sitzung erneut mit den Leckungsvorlagen für den haushall des Jahre» 1939. Anschließend fand eine Besprechung stall, an der die Führer des Zeulrums. der Deutschen volksparlei. der Demokralen, der Wirtschaflspartei, der Christlich. Nallonalen Arbcilxgemeinschafl und der Bayerischen Volkspartei teilnahmen. Ja den mehrstündigen Beratungen wurden alle Fragen des Decknngsprograwms eingehend besprochen und geklärt. * Das Nachrichtenbüro des DdZ. erläutert die amtliche Mitteilung wie folgt: Die Verhandlungen der Regierungsparteien mit dem Reichs- kabinett über die Finonzrefovm führten am Mittwoch abend zu einer Verständigung. 7kur die Bayerische volkspartei hat sich dem Kompromiß nicht angeschlossen. Nach dem Kompromißvorschlag wird die Viersteuer nur um 59 Proz. erhöhi unter Freilassung der kleinen Brauereien bis 19 909 Hettotiter. Der Erl vag wird mit 148 Millionen berechnet, wovon 93,2 Millionen auf das Reich und£>4,8 Millionen auf die Länder entfallen sollen. Die allgemeine Umsatzsteuer wird von 9.7S auf 0,85 Proz erhöht. Hier wird mit einem Ertrag« von 110 Millionen gerechnet, der mit 77 Millionen an dos Reich uick» mit 33 Millionen an die Länder verteilt wird. Schließlich soll eine Sondersteuer auf die großen U-msätze der letzten Hand, also eine warenhaussteuer erhoben werden, und zwar in Höhe von 0L Proz, was einen Ertrag von 27 Millionen ergibt, wovon 19 Millionen auf das Reich und 8 Millionen auf die Länder entfallen. Die Steuer beginnt bei Umsätzen von einer Million an. Die übrigen Deckongsvorlage« werden ausrecht erhallen und zwar die Tabaksteuernovelle in der Fassung, die sie vor der Ablehnung im Ausschuß erhalten hat. Insgesamt wird mit einem Ertrog von 532 Millionen gerechnet, wovon das Reich 358,2 Millionen und die Länder 175,8 Millionen erhalten. Auf die Länder entfallen also 5,8 Millionen mehr als nach dem ursprünglichen Deckungsprogramm. Das neue Kompromiß wird am Donnerstag vormittag von den Parteiführern untcrzelchnct und soll um 3 Uhr dem Reichstag vorliegen. •• » ImSteuerausfchuß sind gestern die Eckpfeiler des Decküngsprogramms der Regierung gefallen, die Erhöhung der B i e r st e u e r wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Das Kabinett trat daraufhin zu einer Sitzung zusammen, eine Parteiführerbesprechungi wurde angesetzt.—- In der jetzt beliebten Dlktatorenhalfüng kündigte die ,.G erma n i a an: „Wenn sich in der Parteifülhrerbesprechung herausstellt, daß auch nur ein Bestandteil des Deckungsoorfchlages der Reichsregierung In der bevorstehenden Abstimmung de» Plenums abgelehnt wird, dann wird die Regierung in einer Erklärung vor dem Reichstag verlangen, daß das Steuer, und Agrarprogramm miteinander verbunden und als ein gemeinsames Ganzes entweder vom Reichstag angenommen oder abgelehnt wird." An diese Ankündigung schlössen sich Drohungen an die Adresse des Reichstages an, die allmählich an die Art und Weise erinnern, in der Pilsudski und die Oberstengruppe dem Sejm gegenüberzutreten pflegen. In der Kabinettssitzung und der anschließenden Partei- führerbesprechung ist es allerdings weniger diktatorisch zu- gegangen. Die Regierung Brüning gibt nicht nur einen Bestandteil ihres Deckungsprogramms preis— sie hat es viel- mehr selbst sehr weitgehend verändert. So weit- gehend, daß sie selbst den demagogischen Forderungen der Wirtschaftspartei nach einer Warenhaus st euer nachgegeben hat! Dies Kabinett der starken Männer und der Führung unabhängig von den Parteien ist so schwach, daß es sich seine Mehrheit bei Gruppen und Grüppchen zusammensuchen und die törichtesten Steuerexperimente in Kauf nehmen muß! Dabei ist noch nicht eiiunal eine Verständigung der Regierungsparteien untereinander herbeigeführt. Die B a y e- rische Volkspartei ist nicht von der Partie— sie wird sich erst heute überlegen, ob sie auf den Boden dieses Kompromisses treten will. Je weiter der Kuhhandel geht, und je kläglicher das Er- gebnis wird, das er, zeitigt, um so lächerlicher wird die Kraft- ineierei, mit der die Presse des Herrn Brüning diesen Handel begleitet. Reichstagsauflösung und Artikel 48 für eine Waren- haussteuer? Das reimt sich wirklich schlecht zusammen! Die Regierung rechnet damit, daß sie mit Hilfe der Deutschnationalen eine Mehrheit für ihre veränderte Deckungsvorlage erlangt. Der agrarische Flügel ist dazu be- reit, während die Hugenberggruppe sich abmüht, die V e r- bindung zwischen den Finanzvorlagen und der Agrarvorlage unter allen Umständen zu ver- hindern. Die Absicht der Hugenberggruppe soll die Billigung des deutjchnationalsn Parteivorstandes gefunden haben. Der Parteiausschuß der Deuts ch.n ationalen Par- t e i, der am Mittwoch in Berlin tagte, nahm nach einem Referat des Parteioorfitzenden Hugenberg einstimmig folgende Entschließung an: „Die Parteioertretung billigt die Beschlüsse des Par- t e i v o r st a n d e s. Sie spricht ihrem Führer Dr. Hugenberg und dem Vorsitzenden der Reichstagsfraktion Dr. Obersohren ihr volles Vertrauen aus." Der Hugenbergflügel beruft sich darauf, daß die Zusage des Agrarprogramms an keine Zusage der Deutschnationalen über das Finanzprogramm gebunden fei. Die Regierung hängt also wiederum von den Hugenbergstimmen ab. Unter dem Druck dieser Abhängigkeit werden ihre Deckungsoorfchläge immer reaktionärer, sie rutscht immer weiter nach rechts? Bayerische Volkspariei lehnt ab. Emstimmig gegen das neue Kompromiß. Die Beratungen der Relchskagssraktiou der Bayerischen Volks. parlci am Mittwochabend waren gegen 22 Uhr beendet. Sie endeten mit folgendem Beschluß: Die mehrstündigen Beratungen der Reichslagsfrnktlou der Bayerischen Vollsparlei über das vorgelegte Sieuerkompromlß haben zu dem Ergebnis geführt, daß die Frattion eiastimmigbeschloß, da» Kompromiß abzulehnen. Die Frakkiou hat gleich- zeitig beschlossen, entsprechende Anträge einzureichen, die zeigen, daß eine Deckung des Bedarfs des Reichs unter Lerückflchliguog der Notlage der Länder und Gemeinden auf anderem Wege mög. lich ist. der mehr der steuerlichen Gerechtigkeit und der wirsschafis- tage euispcichl. von der Pariser Sowsethandetsmisslon wurden in der Nacht die Hoheitsabzeichen der Sowjetunion abgerissen. Aeue Außenpolitik. Im Zeichen des Rechtsblocks. Vor einem Jahr hatte eine deutsche Kunstausstellung in Warschau großen Erfolg: sie war mit Zustimmung der Reichs- und der polnischen Regierung veranstaltet und der polnisch« Außen- minister Z a l e s k i hatte mit drei feiner Kollegen— trotz Handelskrieg, Visumzwang und ähnlichen Unfug— das Protektorat dieser Ausstellung übernommen. Jetzt sollte zur Erwiederung eine polnisch« Kunstaus« stellung in Berlin veranstaltet werden. Aber sie wird a u f unbestimmte Zeit verschoben. Die„Frankfurter Zeitung" berichtet über den Grund dieser Verschiebung, die so schlecht zum endlich vereinbarten Handels- vertrag paßt, daß Außenminister Dr. Curtius erklärt habe, er könne das Protektorat nicht übernehmen; dies fei im jetzigen Kabinett für ihn nicht.äcagbar". Daraus stellt« man in Warschau die Lorbereitungen für die polnische Kunstaus- stellung in Berlin ein. Herr Brüning hat in semer Regierungserklärung betont, die Außenpolitik bleibe unverändert, das beweise schon die Beibehaltung der Person des Außemninisters: dieser kann, wie man jetzt sieht, auch anders. Und Herr Brüning, der sonst seine Autorität zu stabilisieren sucht wie einen rocder cle droiue, scheint von seinem Recht, die Richtlinien der Regierungspolttik zu bestimmen, keinen Gebrauch machen zu wollen. Im Zweifel, einen Schiele und Treviranus zu ärgern oder das große Nachbarland gegen uns zu verstimmen und seinen Deutschenhetzern Material zu geben, ist der Herr Reichskanzler für die Gegner der deutschen Bersöhnungspolttik. Es fehlte nur noch, daß der in London und Prag so deutlich ab- gelehnte Herr L i n d e i n e r- W il da u als Gesandter nach Warschau geschickt würde, nachdem Rauscher dort in langjähriger schwerer Arbelt so nützliche Besserung geschassen hat. Thüringer Hoffnungen. Finanzminister Baum reist nach Berlin. Weimar, 9. April. Wie zuverlässig vertäutet, wird Finanznnnister Baum seine Reif« nach Berti» heut« antreten, um a« Donnerstag mit dem Neichsinnemninistcr Dr. Wirth über die Beilegung des Konflikts zwischen Thüringen und dem Reich zu verhandeln. Diese Verhandlungen sind schon seit einiger Zeit im Gange und von dem thüringischen ReichsratSbevollmächtigten. Minister Dr. Munzel, geführt worden. Es ist anzunehmen, daß eine Beilegung des Sonftiktes keinerlei Schwierigkeiten bieten wird * Die Besprechungen zwischen dem Reichsinnenminister und dem thüringischen Stnatsminister Baum über den Konflikt zwi» scheu dem Reich und Thüringen findet am Donnerstag um 11 Uhr vormittags statt. In maßgebenden Berliner Kreisen ist man nicht der aus Thüringen in einer offenbar amtlichen Verlaut» barung geäußerten Auffassung,„daß ein« Beilegung des Konfliktes keinerlei Schwierigkeiten bieten wird". Vielmehr dürste die für Donnerstag anberaumte Besprechung lediglich den Anfang der Auseinandersetzungen bilden. Amnestie in Spanien. Für politische Verbrecher. Madrid. 9. April. Im Kabinettsrat hat der Iustizministcr eine umfassende Amnestie vorgelegt. Die Amnestie soll vor allem solchen gewährt werden, die wegen politischer Vergehen verurteilt worden sind. Beschluß- fassung soll am Dienstag erfolgen. Außerdem wurde die Beratung über die Aufstellung von Wahllisten fortgesetzt. Es ist noch nicht bekannt, ob Abänderungen vorgenommen werden Die Angst des Faschismus. Innsbruck, 9. April. In der letzten Zeit haben die italienischen Behörden wiederHoll in den über den Brenner rollenden Güterzügen zwischen den Transportwagen faschistenfeindliches Propagandamatcrial versteckt gefunden. Seitdem werden die Güterzüge am Brenner genau durch- sucht. Dabei entstehen erhebliche Verzögerungen, auch Stockungen im Durchgangsverkehr auf der Brennerstrecke. Nunmehr hat man Verhandlungen mit der österreichischen Behörde eingeleitet, um den Schmuggel von polüischem Propaganda Material wirksam unterbinden zu können. Offenbar oermutet die italienische Regierung, daß das österreichische Begleitpersonal der Züge die poli, tischen Schriften einschmuggell. Der Rechtskurs gefährdet die Finanzen. Genosse Herh gegen das Finanzprogramm der Brüning-Koalition. Im Nekchstag sprach am Mittwoch nachmittag in der Fortsetzung der ersten Beratung der Finanzreform Abg. Dr. Hertz(Soz): Gestern hat der volkeparteUiche Redner Dr. Pfeffer heftige Angriffe auf den früheren Arbeitsminister Wissell gerichtet. Wir empfinden diese Angriffe trog ihrer oerletzenden Form nicht als Kränkung, sondern als Anerkennung.(Zusdinrmung der Soz.) Sie galten nicht der Person unseres Freundes Wissell, sondern dem Arbeitsminister, der in der schwersten Zeit und unter den schrversten Umständen die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse vcr- teidigt und ausgebaut hat.(Beifall der Soz., Gelächter der Komm.) Man braucht nur die unter Mitwirkung Wissells zustande gekonv- mene Borlage mit ihrer Anerkennung der grasten Bedeutung der menschlichen 2lrbcitskrast und mit ihrem Bekenntnis zur Sozial- Politik zu vergleichen mit dem neuen Entwurf, der die Unterschrift Moldenhauers trägt, und in dem diese Anerkennung und dieses Bekenntnis fehlen. Im Gegensatz zu den Auffassungen Dr. Pfeffers und semer Freunde sehen wir in der Arbeitslosigkeit ein nationales Unglück, aber nickst ein Verschulden der Arbeiter. Die Tatsache, dag die Ar- beitslosigkeit mit unseren allgemeinen Wirtschastsmnständen untrenn- bar verbunden ist, daß sie nicht von dem guten oder bösen Willen des einzelnen Arbeitslosen abhängt, zwingt uns, gegen dieses nationale Unglück Vorsorge zu treffen, und hat uns in der Ber- gangenheit und wird uns in Zukunft stets als Gegner des Abbaus der Leistungen der Arbeitslosenversicherung finden Die Behauptung, die Differenz zwischen der Sozialdcnrokratie und den übrigen Parteien wegen der Arbeitslosenversicherung wäre so klein und un- bedeutend gewesen, dast sie nicht den Anlast zum Zerfall der bis- herigen Koalition hätie bilden dürfen, Hot noch eine andere Seite. Uberlegt sich denn niemand von Ihnen bei diesem Argument, daß es sich eigentlich gegen die ander« Seite richtet?(Sehr wahr! bei den Soz.) Wenn die Differenz zwischen uns und den übrigen Par- teien wirklich so klein ist, wie Sie sagen, ja warum hat es denn dck kein Ueberbrücken des Gegensatzes durch ein kleines Nachgeben von Ihnen gegeben? Wir haben doch die Vorlage der Reichsregie- rung verteidigt, die die Reichsregierung immer für die richtige hielt und die mit uns bis in die letzten Tage des Streites hinein alle Parteien der bisherigen Koalition mit Ausnahme der Volkspartei nicht nur sozialpolitisch, sondern auch finanzpolitisch für die richtige und vorzuziehende gehalten lstibeu Bei dieser Lagatellisierung des Streites um die Arbeitslosenversicherung kommen Sie nicht über den gegenwärtigen Streit hinweg. Ls ist keine so steine Differenz zwischen der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokratie gewesen, denn mit der Verschiebung der Entscheidung über die Arbeitslosen- v-rsicherung bis zur Lösung des gesamten Sanierungsprogramms konnte nichts anderes verbunden sein als die Absicht, eine für die Deutsche Volkspartei günstiger erscheinende Situation abzuwarten und in dieser den Abbau der Leistungen dennoch durchzusetzen� cherr Ester hat neulich gegen Dr. Breitscheid Ausführungen gemacht, von denen sin Teil meiner Freunde den Eindruck hatte, es lieg« darin die Behauptimg, die Sozialdemokratie habe sich erst im letzten Stadium der Verhandlungen auf den Boden der Regierung s- vorläge zur ArbeiiÄasenversidjennHZ gestellt, im ersten Teil der Derhandlünaen aber die-.Zustimmung dazu abgelehnt." Ich glaube nicht, daß tst-rr Esser eine solche Bcl>mpiunq hat aufstellen wollen. Nur um Mistoerständnisten vorzubeugen, stell« ich fest, daß bereits am Tage nach Vorliegen der Regierungsvorlage, am 6. März, der ..Vorwärts" und noch deutlicher der„Sozialdemokratische Presse- dienst" über die Stellung der Sozialdemokratie zu diesem Gesetz berichtet hat:.An der Fraktionssitzung war ziemlich allgemein die Genugtuung darüber, dah die Angriff« auf di« Arbeitslosenversicherung zunächst abgewehrt worden sind." Hierin lag ganz deutlich die Zustimmung zur Regierungsvorlage, die wir' auch in allen Stadien der Verhandlungen aufrechterhalten haben.(Zustimmung der Soz.) Wenn von den drei Teilen der jetzigen Vorlage der erste Teil. nämlich der über di« Arbeitslosenversichcn-n«. die Form hatte, wie die Rcichsregicrung sie seinerzeit beschlossen hat, dann hätten meine Freunde es für möglich gehalten, ihre Bedenken gegen die anderen zwei Teile, aus denen wir niemals ein Hehl gemacht hoben, zurück- zustellen, um di« Zusammenarbeit der Koalitionspartden zu erhalten. Die Steuererhöhungen waren allerdings, wie wir ja stets erklärt haben, nur dann für uns annehmbar, wenn di« Einseitigkeit der jetzigen Vorschläge durch das sogenannt« Notopfer.zur Ein- to-mmensteuer beseitigt worden wäre. Die Ausgabenbeschränkung und die künftig« Steuersenkung wären nur dann für uns arme hin- bar gewesen, ivenn Sicherheit für die sozialen Leistungen und für aleichmähigen Stuierabbau geschaffen worden wären. Durch das Scheitern der Regierungsvorlage zur Arbeitslosenversicherung ist die Situation für uns absolut verändert, und zwar nicht nur aus sozialen Erwägungen, sondern ebenso stark aus allgemeinen finanz- politischen Bedenken. Ich prophezeie nicht gern und weist, welches Wagnis«s ist, bei der heutigen unabsehbaren Wirtschaftslage eine Prognose für die Zukunft zu stellen. Trotzdem glaube ,ch nicht, daß die Gesundung der Finanzen und der Wirtschaft, die das Ziel der jetzigen Regierungsvorlage sein soll, mit Hilf« dieser Vorlage er- reicht wird. Die Arbeitslosenversicherung, dle bisher die wichtigste Quelle des Fehlbetrages im Rclchshaushall darstellt, wird nicht sanlcrt. und von hier aus werden für die Reichsfinonzen dauernd große Ge- fahren besteben.(Sehr währ! bei den Soz.) Die Reichsregierunq verhandelt jetzt, um eine Mehrheit nach rechts hin zur Schaffung neuer Agrarschutzzölle und einer weitreichenden Osthilfe zustande zu bringen. Ich habe bisher noch niemand gefunden, der den Worten der Regierungserklärung ge- glaubt hat, daß diese Dinge ohne tieue Steuerbelastuno ausgeführt werden können, und ich habe einstweilen starke Vefürchtungen. daß von hier aus ein Loch in den Reicktsfinanzen entsteht, das noch manchem derjenigen, her es jetzt schaffen hilft, schwere Sorgen»er- Ursachen wird,(«ehr wahr! bei den Soz) Die Sanierung der Reichskasse, das wichtigste Ziel der letzten Monate, wird durch hj« Regierungsvorlage nicht erreicht. Der jetzige Rcickisflnanzminister hat den Zuschuß zur Avbettslosenvev- sicherung in den Etat eingestellt und sich zu der Auffassung bekehrt, dag die Schuldentilgung nach dem Gesetz vom Dezember 1929 in voller Höhe durchgeführt werden soll. Aber was ist von dieser ursprünglichen Abficht der Reichsrcgeerimg übriggeblieben? In die Schuldeittilgung werden jetzt di« Fehlbeträge von 1928 und 1929 einbezogen, zu deren Deckung wir nach dem Haushaltsgesetz ohne- dies verpflichtet sind. Und da diese Fehlbeträge über 459 Millionen hinausgehen, werden diese nicht einmal reichen, um diese beiden haushattsmäßigen Verpflichtungen zu erfüllen. Das ganze Schulden- tilgungsgesetz wird durch die jetzige Vorloge der Reichsregierung seines ursprünglichen Inhalts beraubt. Wir wissen nach der gestrigen Darlegimg des Reichsfinanzminister», daß die materiellen Schwierig- leiten, die im Mai und im Dezember entstehen werden, nicht sehr groß sinh. Ab«r wir werden am Ende des Etatsjahres 19Z9 nicht mit einem Kassensehlbetraa von 300 Millionen zu rechnen habe», sondern mit einem Kassenfehibetrag von rund 690 Millionen, d. h. wrr werden auf eine Zeit wie in der ersten Hälfte 1928 zurück- geworfen werden. Beim Amtsantritt des Reichsfinanzmiulslers Dr. hllferding war ein Kassenfehlbetrag ron SZg ZNillionen vorhanden, und aus diesem Fehlbetrag sind die ungeheuren Schwierigkeiten des vergangenen Jahres entstanden. Ebensowenig wie an die Kassensanierung glaube ich daran. daß das Versprechen, das die Reichsregierung jetzt öffentlich abgibt, nämlich 1931 volle 699 Millionen zur Stwersentüng zu verwenden, erfüllt werden kann oder wird. Die Berechnungen der Reichs- regieruna darüber entbehren ebenso der rechirenschen Sicherheit wie der tatsächlichen Unterlagen, wie die Berechnungen der früheren Regierung im Dezember 1929. Gewist sollen 1931 eine Reih« ein- maliger Ausgaben fort, aber es fehlen dann auch einmalige Ein- nahmen, und es treten die neuen unausweichlichen Ausgaben hinzu, so daß, selbst wenn Sie das Ostprogramm und die Slgvarzollprämien usw. nicht berücksichtigen, 699 Millionen nicht verfügbar sein werden. Unter dem Druck des Reichsrates hat man sich ja auch schon der Auffassung angeschlossen, dost nicht von 699 Millionen, sondern bestenfalls mir von 199 bis 299 Millionen die Rede fein kann Da» kommt euch in der neuen Formulierung der Artikel 2 und 3 der jetzigen Regierungsvorlage zum Ausdruck. In den letzten Diskussionen hat sich die Reichsregierung auf den Standpunkt gestellt, sie vertrete das Finanzprogramm vom Dezem- ber 1929. Im Steuerausschust hat heute der Reichsstnanznnnister in einer Polemik gegen meinen Freund Keil gesagt, er vertrete ja mir, was unser Freund Hilferding im vergangenen Jahre vorge- schlagen habe. Das ist nicht richtig. Es ist so wenig richtig, dah ich Zweifel Hobe, daß das jemand mit einigem guten Gewissen sagen kann.(Sehr wahr! bei den Soz.) Daß di« Entwicklung vom De- zember 1929 bis jetzt einen anderen Weg gegangen ist, als damals angenonnnen wurde, beweist die jetzige Regierungsvorlage. Aber selbst, wenn man das auerkeimt, da im bleibt doch an dieser Be- hcmptung noch soviel unrichtig, daß ich für die Zukunft möchte, daß man nicht mit falschen Karten spiele und die vorhandenen Unter- schiede offen zugebe.(Sehr wahr! bei den Soz.) Das Programm Moldenhauers ist ein ganz anderes, als jenes, das Hilferding ver- treten hat. 3m Programm hilserdings waren die Steuererhöhungen auch bei den Verbrauchssteuern wesentlich niedriger als in dem jetzigen Programm. Die Bierfleuer sollte nur vm 59 prc>z„ nicht um 75 Proz. erhöht' werden. E» war weder eine Erhöhung der kassee- und Teezölle noch eine Lesteuerung der ÄUneralwässer, des Leuzins und Benzols vorgesehen, es lvaren die Steuersenkungen viel gleichmätziger verteilt al» jetzt; für die erste Etappe war vorgesehen, daß von 759 Millionen Steuer. sentung mehr als die Hälfte auf die Steuern der breitrsteir Schichten kommen soll, 298 Millionen«uff die Lohnsteuer, 189 Millionen auf die Befestigung der Zuckelsteuer, 20 Millionen aus die Erhöhung der Freigrenze für die kleinen Vermögen. Alles dos ist in dem neuen Programm nicht vorgesehen. Die Senkung der Realsteuern soll jetzt oerbunfcen werden mit der gleichzeitigen Einführung einer Kopfaltgabe und mit der Beseitigimg der Lohnsteuererstcttttmgen Mit gutem Gewissen kann man also nicht sogen, daß dieses Pro- grannn mit dem vorigen identisch ist. In dem dritten Teil der Vorlage, den Ausgabensenkungen im Etat 1939, sind Streichungen an wichtigen sozialen Posttionen, die das Zentrum um so mehr interessieren dürften, als sein Arbeiter- betrat dieser Tage sehr weitgehende soziale Forderungen erhoben ha: Die Streichungen aber richten sich gegen die Innalidenversiche- rung, die Wochenhstse, die Ausdehnung der Krisen fürsorge auf alle Brnffe. Zugleich drohen schwere Gekahren von den Sparaktionen gewisser Unternshmerverbände. Die Sparvorschläge des Hansa- bundes st» feiner neuen Denkschrift ülber die Sozialpolitik fordern im Etat 481 Millionen, 1931 aber schon 653 Millionen Ersparnisse. (Hört, hört! bei den Soz.) Sogar der Reichsiparkommsssar hat sich in seinem Gutachten über die Sparmöglichtesten im Reichsetat auf den Standpunkt gestellt, daß die Versicherungssätze sich nicht ändern lassen. Angesichts dessen lza&e ich die allerftörfften Zweifel, ob nicht ein solches Sparprogramm der Reichsregierung nur an den großen Massen sich auswirken wird, für die es eine schwere Einschränkung ihrer Lebenshaltung bedeuten muß. Daß Kapitalbildimg notwendig ist, beftreiiet niemand Nur darüber geht der Streit, wer dieses Kapital bilden soll. Auf der Tagimg der Fricdrich-List-Gesellschaft End« Ottober vorigen Jahres hat" der Vorsitzende Professor Harms das Ergebnis gezogen, daß man durch Steuererleichterungen die Kapitalbildung nicht fördere. Ein zweites Ergebnis war die Erkenntnis, daß für die Ivlrlschaflsenkwlcklnng nicht die Kopttalbildung enffchei- dend ist. sondern die Steigerung des Wirkungsgrades der gesamten produktiven Kräsle der UZirlschafl. Der Präsident des Statistsschen Reichsamtes, Professor Wagemaim, hat eine Statistik vorgelegt, aus der hervorgeht, daß die Einkommen unter 8999 Mark zwar nur 5,7 Proz. der Kapita lbildung gegenüber 17,96 Proz. der nächsthöheren Einkaminensgnippe darstellen, dost aber von den Einkommen unter 8999 Mark insgesamt 2979 Mit- lionen Mark Kapital gebildet werden gegenüber 1179 Millionen Mark der anderen Einkommen. Es wäre unsinnig, wollten wir gegen Käpitalbildung sein, wir sind nur mit aller Kraft dagegen, daß die Kapitalbildung ein Geschenk an die reichen Leute und nicht eine Steigerung der volkswirtschaftlicheu Produktivität sein soll. Mai, behauptet, es fei unmöglich, iraierpolitisch« Ausgaben mit der Sozialdemokratie zu lösen. In kurzer Zeit wird man sehen, daß das unrichtig ist. Denn angesichts der Zugeständnisse, die auf Kosten des ganzen Volkes und der Reichsfinanzen der agrarischen Rechten gemacht werden, werben das deutsche Volk und die Reichs- sinanzen viel schwerer belastet sein als die Sanierung der Arbeitslosenversicherung ausgemacht hatte, über die die vorige Regierung gestürzt ist. Alle», was in den letzten Tagen im Sieuerauslchuß vorgegangen ist, war ein einziger Leweis dafür, daß eine INehrhcil in diesem Haus ohne die Sozialdemokralic nur durch unsachliche Zu- gcsiändnisje erkaust werden kann. Wenn Sie diesen Weg fortschreiten, dann sag« ich Ihnen, damit werde ich genau so rechtbehalten wie bei der Beurteilung der Finanzlage'im Dezember, dann wurden Sie das große Ziel, das wir mst Ihnen erreichen wollten, nämlich durch eine ganze Reih« smanzpolitifcher Maßnahmen die Kassen des Reiches zu sanieren, Sicherheit für den Wiederausbau der Wirtschast zu schassen, das Wirtschaftsleben hochzubringen und die Arbeitslosigkeit zu beseitigen— dieses Ziel werden" Sie nicht erreichen, und zwar deshalb, weil bei Ihnen die wirtschaftlichen Erwägungen zurückgestellt werden hinter den Erwägungen der sozialen Reaktion!(Sturmischer Bei- fall der Soz.— Erregte Gegenrus« der Volkspartei.) Reichsfinanzmimffer Dr. Moldenhauer: lieber die Zuverlässigkeit der Prophezeiungen des Herrn Dr. Hertz kann man stretten. Mein Steuerfenkui�sprogramm ist sehr vorsichtig aufgestellt. Die Kassensanierung werden wir nach meinen Vorschlägen durchführen und dornst auch das Schulden- iiilgungsgefetz ausführen lönnen. Wenn fterlich di« Sozialdemo- traten alle'meine Borlagen ablehnen, dann wird es nicht möglich fein. Auf die Einzelheiten des Hilferding-Programms kommt es nicht an. Aber unbestreitbar hatte es die Tendenz, die überspannten direkten Steuern abzubauen und«ine Umlagerung zugunsten der indirekten Steuern vorzunehmen. Die notwendige Ausgaben- senttmg erfordert Abstriche bei allen Etats. Da können wir nicht am Etat des Reich-arbeitsminssteriums vorbeigehen. Eine antisoziale Tendenz liegt uns dabei vollkommen fern. Das Slusgabenseiitags- gssetz ist in der Rohausführung fertig und wird in allernächster Zeit dem Kabinett vorgelegt werden. Unsere Stcuersenkungsvor- schlä-ze sollen nicht den reichen Leuten ein Geschenk machen� wem» wir die Kapstälbilduug fördern und den schwer ringenden Mittel- stand entlasten, dann schassen wir neue Arbeitsmöglichkeiten, ver- mindern die Arbestslosigkest und wirken damit in durchaus sozialem Goffte. Abg. Freidel(Wirtschaftsp.ft Wir beantragen, daß von der Arboitslosenversicherung 59 Missionen abgezweigt und al» zinslose Zufatzhypocheken gegeben werden Dadurch würoe die Bautätigkeit angeturbelt werden und mittellxir auch hie. Gesamt Wirtschaft. Im -vorigen Jahre waren von den freigewerkschnstlich organisierten Maurern 92 Proz., von den Zimmereiii 95 Proz. arbestsios. Nur die produktive Erwevbslosensürsorge kann Besserung schassen und dl« Wohlfahrtsetats der Gemeinden entlasten. Abg. Schräler-Merseburg(Komm.) begründet unter den üblichen Angriffen auf die Sozialdemokratie Aenderungsanträge zur Arbeitslosenversicherung. Damit sst die erste Beratung beendet, die Arbeitslosenvorlage geht an den Sozialpolstsschen Ausschuß, die anderen Borlagen an den Steueravsschuß. Der Verlehrscmsschuß beantragt durch Abg. Seppel(Soz.), eine Petition gegen die Schließung des Reichsbahnouebesferungswcrkes Dortmund der Reichsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen und gleichzeitig in einer Entschließung Hmausschiebung dieser Werksschließung um 3 Jahre zu verlangen. Die Aittröge des Verkehrsausschusses werden angenommen und ihm der neue Antrag Seppel überwiesen. Gegen 17 Uhr vertagte das Haus sich auf heute, Donnerstag. 15 Uhr: Zweit« Beratung der Deckungsvorlagen. , Zunge, Zunge,- wenn das man gut geht!" Vom Sowjetstern zum Hakenkreuz Niederlage der KPN. im Werner-Werk. Gestern wöhlle bas Werner-W e r t des Siemenskonzcrns, ba» mit einer Belegschaftszahl von runb 20 MO dos größte dieses Mannnutton�rns ist. Das Ergebnis der Betriebsratswahl stand gestern cbend noch nicht fest und wird erst im Laufe des heutigen Tages bekannt sein. Es fehlten noch die Ergebnisse der Nacht- f ch i ch t a rb e i t e r und der Monteure. Besonders letztere in'irften das an sich günstige Ergebnis für die freien Gewerk- fchafien noch weiter zu unseren Gunsten beeinflussen, da es sich hier um eine gut organisierte Gruppe von etwa 800 Mann handelt. Die Belegschaftszahl ist gegenüber dem Borfahre erheblich zurückgegangen. Trotzdem dürften die freien Gewerkschaften die Stnnmenzab! des Borsahres wieder erreichen. Bis gestern abend inuoüen abgegeben: für die freien Gewerkschaften 6MV (im Vorjahr« 8153), für die KPD. 38KS für die Haken- kreuzler 1121(im Vorjahre keine Liste!), für die Gelben 847(10Z51 Stimmen Außerdem gab es im Vorjahre noch eine stindikalistifch- kommunistische Liste, die 352, und eine christliche Liste, die 434 Stimmen erhielt.' Bon den 7143 plus 552 kommunistischen Stimmen des Vor- jahres ist offenbar ein großer Teil zu den Hatsnkrcuzlern a b g e w o n d e r t ein anderer Teil hat aber zu uns zurückgeiunden. Wahrend im Votjahre von den 30 Arbeiterraismitgliedern 15 sozial- Verhandlungen im Gchneiderfireik. Hartnäckiges Ringen. töestetll früh S Uhr begannen vnker dem Vorsitz der drei An- parleiischen. Dr. v r a h n. Schlichter für Rheinland-Vestfalen. Dr. V o b b e r st e I n. Schlichter für Berlin, und Prof. Z o c r g e s. Halle die Verhandlungen Im S ch n e i d e r st r e i k. Die drei Schlichter find berufen, einen neuen Schied». s v r ü ch zu fällen. Die Verhandluugen gestalteteu sich äußerst langwierig, teil» infolge der Kompliziertheit der vlalerie, teils iusolge der Hartnäckigkeit, mit der die entgegengeschlan Aufsassungco vertreten wurden. Sie zogen sich bis in die spülen Nacht- stunden hin. Giebenstundeniag bei den Töpfern. Zur Einrcihung der Arbeitslosen. Di« Berliner Töpfer standen gestern in ihrer Fach- gruppenverfammlung vor einer Entscheidung von größter Bedeutung. Sie hatten zu beschließen, ob sie im Jute reise ihrer o r b e i t s- kosen Berusskollegen der Einführung des Sieben- stui-bentages für neun Monate im Bahr bei einem gleichzeitigen Abbau der Handwerkzeugentschädigung von 1,50 M. aus 75 Pf. pro Woche zuistimmw sollen. Die Fachgruppcnleitung war in der letzten Töpserversawntlung beanstragt worden, sofort mit den Unternehmern in Berhairdlmvgen zu treien, um«in« Verkürzung d e r A r b c i t s zeit zwecks E i n r e i h u n g d« r A r b e i t s l o s e n in den Broduktioirsprozeß beriiei zuführen. Die Verhandlungen sinh wie der Facharuppen- keiier Dreher mitteilte, begreislicherweife mcht sehr einfach ge- wesen. Erschwerend für die Verhandlungen tarn hinzu, daß die Töpfermeister aus ihrem letzten Verbandstag beschlossen haben, gegenüber dem Bailgewerksbund mit allem Nachdruck die Forderung auf Verlängerung der Arbeitszeit während der Konjunktur- mannt« im Spätsommer auf neun Stunden täglich zu er- heben. Von den Unterhändlern der Töpfer wurde vor allem darauf hingewiesen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit auch im Interesse der Erhaltung eines tüchtigen Facharbeiter stamme« notwendig sef. Di« lang« Arbeitslosigkeit ini Töpfergewerbe müsse mit der Aeit dazu führen, daß viele gute Töpfer aus dem Gewerbe abwandern und schließlich in den Zeiten der Hochkonjunktur Nicht genügend Fachkräfte mehr zur Verfügung stehen würden Nach längeren Bern m»gen erklärten sich die Unternehmer endlich zu folgendem Zugeständnis bereit: Die Arbeitszeit für Privatarbeit betröge nach wie vor acht Stunden. Auf Neubauten jedoch wird nur noch sieben Stünden tAMch gearbeitet, mit Ausnähme der Monate August, September und Oktober, für die die achtstündige Arbeitszeit bestehen bleibt. Dafür soll aber die Handwerkzeugentschädigung WM 73 Pf. pro Woche gekürzt werden. Weiter wurde«ine bestimmte wöchentliche Verdien st hoch st grenze festgesetzt. Die Funktionäre der im Baugewcrksbund organisierten Berliner Töpfer halten diesem Zugeständnis einstimmig zugestimmt, die Fächgruppenleitnng jedoch beaustrogt, in den Nachoerhandlungen zu oersuchen, die Handwerkzeugentschädigung wenigstens auf 1 M. pro Wcxste festzusetzen und die Verdienstihöchstgrenze höher seft- zutege». In der Fächgruppenversammlung wurden zwar viele Be- d«sik«n(astt gegen Ske Herabsetzung der schwer erkämpften Hand- liierkzeügenlschädigunz. Auch hegten viele Redner die Befürchtung. däh ein Teil t«r Töpfer versuchen würde, in sieben Stunden genau fo viel zu verdienen wie bisher in acht Stunden: Dem wurde von der � Fachgrüppenleitung entgegengehalten, daß diesen Elementen durch di« Festsetzung einer Vcrdicnsthöchstgrenz««in Riegel vorgeschoben sei. Das Verhandlungsergebiiis wurde schließlich entsprechend dem Vorschlag der Funktionäre gegen acht Stimmen an- genommen. Damit haben sich die Berliner Töpfer, die schon einmal für den Achtstundentag bahnbrecheiid gewesen sind, wieder als die Pioniere der weiteren Verkürzung der Arbeitszeit erwiesen. GinNreh öespommerfihenLandbundes Geq-n deutsche oeganisierte Landarbeiter. Der Deutsch« LändarLeiler-Verbatld ist in den Besitz eines Rund- fchreibcus gelangt, dys die Hauptgeschöstsstellc des P o in m e r s ch e n L.anhbundes am 4. November ISLS unter der Geschäftsnuinmer 15 040 au sämtliche Äreisgruppen gerichtet hat. In dem Rundschreiben wird den landwirtschaftlichen Betriebsinhabern zur Pflicht gemacht, denständigen Arbeiter stamm so zu verringern, daß er das ganze Jahr hindurch betriebsnutzbringend und rentabel be- schäffigt werden könne. Der Saisoncharatter der Landwirtschaft müsse st ä r t e r als bisher betont werden. Würde das Rundschreiben mit dieser Erklärung abschließen, dann kötziue man es als einen der unzähligen Beweise dafür betrachten, daß es bei dem kapitalistischen System stets die Arbeiter find, dir man zuerst unter den'„Betriebsnotwendigkeiten* leiden demokratisch« freie Gewerkschafter, 14 Konmm nisten und 1 Gelber waren, wird diesmal die List« der freien Gewerkschaften eine sichere Mehrheit haben, trotz der Zlbwanderung vom Sowjetstern zum Hakenkreuz. Die Koinmilnisten, die ein« großzügige Agitation emfaltet.m, haben eine schwere Niederlage erlitten. Sie verlieren mindestens 3 Mandate, ganz abgesehen von dem Mandat der Syndikalisten. Disfe Wahl bestätigt zweierlei: 1. daß vom Sowjetstern zu in Hakenkreuz— und umgekehrt— nur ein Schritt ist; 2. daß der Einfluß der KPD. unter den Arbeitermassen zurück- geht. Hier konnte man die Probe aufs Exempel machen, denn hier standen sich— wie z. B. bei der Berkehrs-A.-G.— euch schon im Vorjahre die verschiedenen Listen gegenüber. Politisch interessant ist der auch schon andererseits beobachtete Vorgang, daß die Nationalsozialisten die Gewinnerdes Rück- g a n g S der K o m m u n i st e n sind. Man braucht die national- sozialistische Gefahr gewiß nicht zu überschätzen, aber man darf auch nicht die Augen vor der Tatsache verschließen, daß die Faschisten, die fast mit genau derselben Phraseologie wie die Kam- munisten und mit genau dei�clben Mitteln der Gewalt und des blutigen Terrors arbeiten, auf die jüngeren, unaufgeklärten Elemente der Arbeiterschaft eine gewisse Anziehungskraft ausüben. Hier kann und wird nur ständige Aufklärungsarbeit helfen. läßt. In dem Rundfchroiben steht aber noch mehr. Im Absatz 4 heißt es wörtlich: � „Einer Veryuickung der Schnitterfrage mit der Enllasfung von st a n d i g e n Arbeitern, wie es neuerdings der Landarbeckeroerband bei jeder Gelegenheit tut, ist damit zu be- gegnen, daß die Beschäftigung von a u s l ä n d i s ch c n W a n d e r- arb eitern mit der Entlassung einheimischer stän- diger Arbeitskräfte nicht das geringste zu tun habe. Die S ch n i t- st er seien speziell für die Bearbeitung der Zuckerrüben- und sonstigen H a ck s r ü ch t c für eine bestimmte Saison vom Landes- arbeitsamt gencbmiqt und zurzeit seien sie auch unentbehrlich, weil erfahrungsgemäß die inländischen Arbeiter diese Spezialarbeit nicht so sachgemäß ausführen können und die an sich schwierige inch schmutzige Arbeit auch ablehnen." Der letzteren Behauptung fehlt der Beweis. Bewiesen ist nun- mehr aber, daß die Detriebsinhaber aufgefordert werden, bei dem Abbau der Arbeitskräfte die aus'ändifchen nicht abzubauen. Die Aktion richtet sich zugunsten der ausländischen und der unorganisierten, gegen die organisierten Land- arbeiter. Daß es in der Hauptsache die Mitglieder des Deutschen Landarbeiter-Verbandcs sind, die durch die Aktion ge- trofsen werden sollen, kommt mit besonderer Deutlichkeit zum Schluß des Rundschreibens zum Ausdruck. Es wird hier gesagt: „Bei den i.n Zukunft zu erfolgenden Kündi- gungen ist im Hinblick aus den 8 b4 Abs. 1 Ziffer l Betriebs- rätcgcsctz. der seitens des Landesarbcitsgcrichts in Stettin bekanntlich eine sehr weitgehende Auslcaung erfahren hat. taktisch so vorzugehen, daß nicht nur Mitnliedern des Landarbciterver- bandes gekündigt wird. Auch Unorganisierte sind zweck. mäßigerweis« In die Kündigung zunächst mit einzu- beziehen... Es steht rechtlich. nicht» im Wege,- mit ihnen dann später, soweil eine W e i t e r b c f ch ä f t i q u n g in Frage kommt, neue Arbeitsverträge abzuschließen." ' � Die Unorganisierten sollen nur pro lorma in die Kündigung einbezogen werden. Die ausländischen Arbeiter sollen unter.Betriebstechnischen" Vorwänden geschont werden. Die Aktion geht gegen die deutschen Landarbeiter, die von ihren gesetzlichen Rechten Gebrauch machen. Die Arbeitsgerichte werden dies zu beachten haben. Aber auch die Landorbeiter wissen nunmehr, wen die Unternehmer als unerschrocken« Vertreter der Interessen der Landorbeiter fürchten. Kilmgewer?schast löst sich auf. Ihre Mi'gteder traten zum Gesomtverband über. Aus dem Büro dos Vundesvorftandes des 2lDGL. wind uns geschrieben: Di« deutsche Filmgewerkschaft(Jnduftriev«rbaiiü der Film- und Kinoangehörigcn) gibt mit dem 20.. April 1030 ihre Selbständigkeit auf. Die Mitglieder in Berlin sind in den letzten Togen durch Rundschreiben aufgefordert worden, zur Wahrung ihrer Rechte und unter Anrechnung ihrer bisher m der Filmgewerk- schait geleisteten Beiträge Zum Gesamtverband überzu- treten. Damit scheidel di« Filmgewerkschaft als selbständige Organ!» sation aus dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschastobund aus. Die Filmgewerkschaft ist eine Gründung der nachrevolutionären Zeit, deren höchste Mitgliederzahl im Jahre 1920 6616 betrug: seitdem ist sie fortgesetzt zurückgegangen. Der sonst übliche Zusammen- s ch l u ß mit einer größeren Gewerkschaft kam deshalb nicht in Be- tracht, weil die wenigen noch vorhandenen Ortsgruppen im Reiche seit Monaten trotz Äufsorderung fast keine Verbindung mit ihrer Zentrale in Berlin ausrecht erhielten. Die über- wiegende Zahl der Mitglieder gehört« seit jeher zür Ortsgruppe Berlin, und deshalb blieb nur der E i n z e l ü b e r t r l t t zu einer anderen Gewerkschaft übrig. In Verhandlungen, die zwischen den Vertretern der Filmgewerk- schaft, der Ortsvcrwaltung Berlin des Gesamtverbandes und des Bundesvorstandes des ADGB. geführt wurden, ist eine V« r- st ä n d i g u n g bezuvlich der Uebcrtrittsbcdiu gungen erzielt morden. Der Gesomtverband hat sich bereit erklärt, jedes sich bis zum 30. April d. I. meldende Mitglied der Filmgewerk- g'chaft entsprechend den unten zviedergegebmeu Bedingungen und des 8 9 der Bundcssatzung des ADGB. zu übernehmen. Für nachweislich kranke oder arbeitslose Mitglieder gilt die Frist bis zum 15. M a i 1030. Spätere Uebertritte sind nicht möglich. Die bisher bei der Filmgewerkschaft erworbenen Anrechte bleiben den Mitgliedern erholten. Die Filmgewerkschaft ist materiell außerstande, die statutarischen Anrechte ihrer Mitglieder zu erfülleit. Der Zusainmonslbluß mit einer größeren beruflich verwandten Gewerkschaft des ADGB. horte eigentlich schon im Anschluß und in Verfolg des Kongrcßbeschlusses in Breslau 1925 erfolgen müssen. Seit jener Zelt haben die wiederholt wechselnden Vorstand-mitglie- der der Filmgewerkschaft mit dem Vorstand des ADGB. über den Zusammenschluß verhandelt. Inzwischen war die finanzielle Lage der Filmgewerkschaft immer unhaltbarer geworden. Getragen von dem Verantwortungsbewußtsein gegenüber den Mitgliedern haben die verantwortlichen Vorstandsmitglieder den vom Bundesvorstand des ADGB vorgeschlagenen Weg gewählt. 1. Die Filmgewerkschaft Berlin stellt spä. testen?. April 1380 ihr« gesamte Tätigkeit ein«nd wird von bfeftm Tagt<3 tu be» 8«t4 zeichnis des ADGB. gestrichen. - 2. Die Mitglieder der Filmgewerkschaft treten unter An- und Umrechnung ihrer bisher geleisteten Beiträge zum Gefarntverband über. Das einzelne Mitglied ist. zum Uebertritt nur berechtigt, wenn es bis zum Tage des Uebertritts nicht mehr als 13 Rest bei- träge schuldig ist. Der Uebertritt auch der arbeitslosen und erkrankten Mitglieder muß spätestens bis zum 15. Mai 1330 erfolgt sein, da sonst eine Anrechnung der Beiträge nicht mehr möglich ist. 3. Die übergetretenen Mitglieder treten in die gleichen statuta- rischcn Recht- ein, die ollen übrigen gemäß ß 0 der Bundessatzung des ÄDGL. aus anderen Gewerkschaften Uebertretenden gewährt werden. 4. Ten Facharbeitern(gelenzten Handwerkern) in der Filmindustrie steht es jedoch frei, nach vorheriger schriftlicher Ab. Meldung bei der Filmgewerkschaft bis zum 3 0. April 1930 den Uebertritt zur Gewerkschaft ihres Berufes zu vollziehen. Uebertretende können sich mit ihrem Mitgliedsbuch in den Büros der Filmgewerkschaft, Berlin SW 68, Charlottenstr. 87, oder des Gesamtverbandes in Berlin. Iohannisstr. I4'15, werktäglich von 8 bis 18 Uhr. Sonnabends von 8 bis 13 Uhr melden. Die Herren vom Lunavark. 6ie leben auf dem Monde. Di« Direktion desLunaparks(W«llenbad und Vergnügmtgs- park) hat wegen ihrer Tarlffeindfchaft schon mohrfach von sich reden oemacht. Nach läng«ren Verhandlungen gelang es schließlich 1928, di« Lohn- und Zlrbeitszeiwerhältnisse des gesamten Personals dieses Unternehmens durch einen Zwangsschieds- f p r u ch taristich zu regeln. Aber auch nach Abschluß dieses Zwangstariss versucht« die Direktion, dessen klare Bestimmungen in einem für si« günstigen Sinne auszulegen. Wegen der Bezahlung des Nachtarbeit- Zuschlag«? trieb sie. einen von der Organisation angestrengten Prozeß bis zun, Reichsarbeitsgericht und verlor ihn. was selbst jeder Nichtjurist voraussagen konnte. Dem Vertreter der Organ'sarion, der auf die Aussichtslosigkeit dieser Prozeßführung aufmerksam machte. erklärte ein Direktionsvertreter damals großspurig, daß di« Prozeß- kosten für das Lunaparkunternehmeu gar kein« Rolle spielen. Anscheinend will man aber jetzt aus Kosten der Arbeiter des Betriebes di« nutzlos verpulo«rteit Prozcßgeldcr wieder einl>rir>ge?i. Direktion hat den ihr so lästigen Manteltarifvertrag zum 31. März gekündigt. Mehrmaligem Ersuchen der Sektion Gesundheitsroesen des Gesamtoerbandes, zwecks Abschluß eines neuen Tarifvertrages in Verhandlungen zn treten, Hot die Direktion bis heut« noch nicht entsprochen. Die Organisation sah sich daher oer- aniaht. von sich aus einen neuen Tarifenrmurs einzureichen, der einige Verbesserungen des bisherigen Vertrages vorsieht. Nunmehr hat"die Direktion geantwortet, daß li« sich gar nicht verpflichtet fühlt, einen neuen Tarifvertrag abzuschließen und ihrer Meinung nach dazu auch gar nicht gesetzlich gezwungen werden könne. Dem Gesamtvcrband ist zwar bekannt, daß die leitenden Herren der Lunaparkdirektion vom deutschen Torifrecht wenig Ahnung haben, was ihnen übrigens auch schon vor dem Schlich- tungsausschuß bestätigt worden ist. Die Orgamsatirn ist ober der Auffassung, daß sich deswegen das Lunaparkuuternehmen noch keiri selbstherrliches Sondrrtarisrecht konstruieren kann. Vor allem aber ist die restlos organisiert« Beleg- schalt nicht gewillt, sich die Lohn- und Arbeiksbedinaungen einfach diktieren zu lassen. Mit Hilfe ihrer Organisation werden sich die Arbeiter des Lunaparks einen neuen Tarifvertrag er- zwingen, der nicht schlechter sein wird als der bisherige. Sie werden ihre Forderungen auch gegen den Willen der Direktilm durchzusetzen wissen, selbst wenn dabei schsießlich auch«mmol die Wellen des Lunabades vorübergehend verebben sollten. Oer Butab zur Finanz- und Wirtschafispolltik Der Gesamworstand des Bundes der Technischen An- gestellten und Beamten(Vutabi nahm nach einem Refevat feines Vorsitzenden Schweizer über die Lohn- und Tarif- Politik Stellung zur Frage der Finanzreform und der A r- deitslosennersicherung. In einer Entschließung wendet sich der Gesamtoorstand des Butab gegen die Versuche, die Finanz- lchtvierigkeiten des Reiches zu einem Ahbau der Arbeitslosenver- sichening zu benutzen. Minderung sozialer Ausgaben sei keine Sparsamkeit, sondern Verschleuderung des kostbarsten Gutes, der Volksgesundheit. Steuerliche Mehreinnahmen feien nicht nur durch Erhöhung von M a s s en ftc u« r n, sondern auch durch bcsicre Auvschöpsung der B« s i tz st e u e r n möglich. Der Bundesvorstand befchästigt«.sich ferner mit der Rück- gliederung des Saargebietes und wandte sich gegen die Bildung einer gemischten Gesellschaft zur Ausbeutung der Saar- gruben. fFreieGewerkschasts-IuaendVerttn g!h»t».Amatcu«!' Kcut« cSeni um 20 Ißt im Ceatbull Neukölln. Netalt:. 147,.«univebuna t>e» ArbeUei-LiöiebilS-Buvdrs.—. Heut-, Dvuncratua. t9W U«. öl«. Stupocn: tu»«»»:- Zuoenöteim (Stü.rautr Sit. x.' Kikmöbend: �Xulwrelko— Loziale»— idtixe»'.— Hchrre- ?raenj>k>eim Nie öctte.ite berliner 31. Beiorechuna füt die Oiteflclnrr.:—«tturfttre*»«»: 3ui>trthSe'm Note Schule. Sotenburaer Ltr. 2. Mnliiabend.«Wir bcmU�en unsO— Gidafte«: Stuvvctiit'.vt �-ichenlxra«« SttcRe rfi t.ZeuerZoelNaauel. Leiniveltrecktuna. ZcrllandsSuckikantrplle.— lempelhot: Gruvvenlxlm Lmeum Germanialtr. 4—6. StiMesrrechuna.— S-6?»«br»«: I»aent>:,cim Lauptftr. 13. Seimbeszn-chun». iefcubzni» Altana« Mntara"..~ Moabit: guaenblieim Lehrter Str. 15—19. Reilienrortraa:»Da» Rechl ans Arbeir".— Lard,b«racr 4!lab: Juaendbeim«rof;- grankfurtcr SUuäe>». Simmer 6. Unsere Mödet»»eleu»um«reis-Müdvvnabenb. In k>er Ik ruvo: iindet ein Schochlelirabend statt.—. Lichtenber» und Z!e»-Licht«n. ber«:?u-tnt>he!m bonff. an der beslinastrane. Ztreis-Mädchinaaeniö.— A«a»4- furtrr ml«: gua.'nblieim tzranksurier Alle« Z07 kWalter-Ratbenau-Sunmee). Ztreis-MZdchenabend. .�uvendorappe des?«pverbande6 der Anaesieilfen W/t Seilte, 7onner»iaa. tinbön fblaende Veranltaltuuaen siaf: Pank»»- «leberlckönbauie». giiflnnbbeim Körschstr. 14 karoge» SiSrmerl.?>or. traa:„Etwas Mrr v'vchalsaische isahiakeittuiiifur.oen". illeterenr ffrtebria» Wriaelt.— Zee»ta»>! Iuaen-dbeiin der Schule Bildenbruchitr. öS s.Znaana von de: Kraebstrasie in Trevtauil. Werbeabond in Benlers(»esellschattsbau». Am Treptower Tack 20.— Setiinebera: llnacnddeim HauNftr. lö sSosnebaude. TbllrinnrnLmmerZ. Tortraa:„interessante Einiellieiten au» dem Taeismesen:'. Tescrent iZIilielin D-rkair— Wrebrabrnd in Ber.Iees Desellschastsbaus. Trev- :o-jr, Am« rep't.met Part 20.— Ab 12';, Uiir Sollsicjulurfus im TcftalOMi- Lmtum, lichienber«. Peiiu-AlbertiStr. 44. lleran»wp:tlich 61: Politik: Z>r. Aurt»«wti WirtschaN:®.»liaaelb-Iee: Dcwecklchailibeweoung: Z. Steiner: Feuilleton: tL S. Dölcher: Lokale» und SonNlocs isri»«arNiidt: Aneetoen: Tb ßlotf«: sämtlich in Berti». Berlaa: t?ocwSrIs»KerIafl T. m d. K Berlin Druck: Borwärts-Biichdrinkere« und Terlaasansiait Paul Sinaer u. Co.. Berlin SW 63 Linb-nitrakie» bler,» 2 Beiloarn...Unteibaltuua»ad Wissen�»ad.geaneustimm«' Lei kkiieumatlsmus, Glckt, I&cfalas, Nerven- oder Erk<ungs- schmerzen, tut Sie gut, die leidenden Stellen mit Reichels Elcctri- cum einzureiben, das eine durchgreifende, schnell schmerzbefrefenda Wirkung ausflbf. Flasche M. 1.33. 2.- u. X50. in Apoth. und Orog. erhsltllch. sonst durch Oho Reichel. Berlin 43 SO, EUenbahnsfr. 4. Rr. �69» 47. Jahrgang ts&wtvmißi w w*«.am�jgmi�imMuuiw MV>1W»I u M�JüMUBWBKMBg�aMJi wuji jijhwm.l————————m——— mmimmm— Bim um i»n mr Oonnerskag, 40. April 1930 Die„Spazierfahrt" des Kanonenschiffes. Wie die Matrosen für den venezolanischen Hilfskreuzer gepreßt wurden. fjmnburg, 9. April. Eilte ganze Reihe von Anfcägea versahrcnsrschlllchzr Ritur, die die Verleidiguag im Prozeß des Dampfers„ j alle" ocffcUf halte, wurde abgelehnt und in die Verhandlung eingetrclen. Die Anklage richtet sich gegen 1. Ernst Z l p p l i l k, Lapilän, geboren am 25. Oktober 1875 zu Lübeck, unbestrasl. 2. den Kaufmann Felix P r c u z l o u. geboren am 15. Oktober 1882. ebenfalls in Lübeck, 1920 wegen Verstoßes gegen die damalige» Wucher- usw. Verordnungen mit einer Geldstrafe belegt; Z. Kaufmann Felix K a m a r s k i, geboren am 18. Februar 1891. ebenfalls zu Lübeck, 1921 wegen Verstoßes gegen Wucher- usw. Verordnungen auch mit einer Geldstrafe und mit einem Zahr Gefängnis bestraft, die beschuldigt werden, im Sommer 1929 mit List die Besahung des Dampfers„Falke" in fremde Kriegs- uud Seedienste gebracht zu haben. Der Angeklagte Prenzlau schildert die Art seiner Waffen- geschäfte im Auslande. Er behauptet, daß solche Geschäfte auch von allerersten Firmen betrieben wurden. General del Gada sei mißtrauisch gewesen und Halle das Geschäft an Vedingungen ge- knüpft. Er wünschte 2999 Gewehre und 2 Millionen Schuß Munition, die nach einer kleinen Insel(Blanquilla) geliefert werden sollten. Unter Vermittlung eines Russen wurde dann weiter verhandelt, del Gado bot als Sicherheit Hypotheken auf ihm gehörende Grundstücke in Paris. Der Beftinrmungshasen ist angeblich nie genannt worden, aber im Hasen von Port os Spoin sollt« bei Ablieferung der Waffen die Bezahlung erfolgen. Der Vertrag wurde schnell abzcschlojsen, well Prenziau einen harten Wettkampf mit griechischer und englischer Kon. k u r r e n z hatte. Preixzlau will aus mangelnder Kenntnis des Französischen den Vertrag nicht so genau gekannt haben. Rur seine Verpflichtungen seien ihm klar gewesen. Prcnzlau hatte die Gewehre und die Munition auf ein Schiff zu verfrachten, das in der Nähe von Port of Spain von anderen Schiffen erwartet werden und seine Ladung an dieses übergeben sollte. Daß es sich um eine Revolution handelle, war ihm bekannt. Er will aber nicht geglaubt haben, daß für Schiff und Mantrschast irgendeine Gefahr bestand. Prenzlau wollte lediglich der Waffen- und Wunilionsliefcrank der Putschisten sein, del Gado sollte, da er der Eigentümsr der Ladung war, als Superkargo mit an Bord gehen. Es waren zwei Expeditionen geplant in Zwischenräumen von sechs Wochen. Prenzlau sollte für das richtige Cintreffei; der Waren garantieren und Sorge tragen. baß die Waren mit lolcher Flagge gedeckt würden, daß ihr Transport über den Ozean gesichert sei. Dafür sind ihm dann 1 Z99 999 Dollar zugesichert worden, davon 599999 Dollar zahlbar b« Eintreffen der Waffen am KqtiumuWZsort. Gm Gegensatz zu diesem klaren Wort» laut des Vertrages behauptet aber Prenzlau immer noch, er hob« den Bcsiimmungsort gar nicht gekannt, sondern das Schiff mit Mannschaft und Ladung einfach auf See geschickt, wo dann schon irgendeine Flottille von Fischerbooten alles übernehmen werde. Prenzlau erklärt weiter, die erste Fahrt des„Falke" hatte nur die Möglichkeit eines ungehinderten Transports größerer Mengen von Waffen über See beweisen sollen. Wenn das gelang, sollte das Schiff in den Besitz del Gados übergehen und die Besatzung in die Heimat zurücklehrcn. Die Zusicherung einer Zahlung von 759999 Dollar für den Fall, daß del Gado die Re- gicrung in Venezuela übernehmen würde, bezeichnet Prenzlau als „Was ist denn los, von wem reden Sie eigentlich?" „Ion wem ich rede... Von meiner Tochter, Herr Amiogerichtsrat, von meiner Tochter... und wenn sie auch ein Kind der Schande ist. sie ist meine Tochter..." .cherr Hansen, ich ersuche Sie. sofort das Zimmer zu verlassen. Sie find nicht in einem Zustand, in dem man—" „Das Zimmer verlassen— ah nein, das gchts nicht. Ick) bin bei Gericht. Mein Recht will ich haben. Eine Anzeige erstatten. Wegen Notzucht. Wegen Schändung, wegen wegen..." „Um Himmels willen, was reden Sie da?" „Mein Kind hat er verführt, meine Dyveke... mein armes, uuschuldiges Kind, in der Hoffnung ist sie, das Luder... das Mensch, ins Verderben gebracht hat er sie, der Lump, der Hurenkerl... der Mörder, der Gauner... und daß die Marielouise seinetwegen ins Wasser ist, das weiß auch ein jeder.. Das Protokoll wird abgebrochen, da der Zeuge infolge von Trunkenheit nicht in cinoernehmungsfähigem Zustand ist. Kgl. Amtsgericht Sandrup, 24. Juni 1929. gez. H. E. Jakobfen. ProtekoU aufgenommen mit dem Zeugen Karl Uenrik Manier, geb. bW in Fredericia,. oangelisdi, oerheiratet, Arzl auf Lynö.(Der Zeuge »uchte selbst um seine Einoernahmc an.) „Was haben Sie mir zu sagen, Herr Doktor?" „Ich wollte Sie schon lange aufsuchen, lieber Jakobfen. Sie kennen mich als einen besonnenen Mann, und da dachte ich, meine Aussage über hie Zustände auf unserer Insel konnte für Sie nicht ganz uninteressant werden." «Gewiß. Hzerr Doktor." „Außerdem bin ich nicht umsonst Arzt und zwei Jahre lang Assistent an der Kcpenhagencr Nervenklinik gewesen. Ich fühle mich verpflichtet. Sie darauf aufmerksam zu machen, daß sich aus Lynö langsam eine Art Massenpsychose ent- wickelt. Es wird bald nicht ein normales Frauenzimmer mchr geben. Kommt dazu noch die Zeitungsdame—" ein schönes Versprechen, daß er freilich als ein« Art Lotteriefpiels bewertet haben will. Danach wurde der in französischer Sprache abgefaßt« Vertrag durch einen Dolmetscher in Uebersetzung verlesen. Auffallend ist die innner wiederkehrende Bezeichnung„Expedition�, die jedoch auch der Ueberfetzer alz landläufigen Ausdruck für Abfertigung. Auslieferung usw. gellen lassen müsse. Landgerichtsdirektor Steinicke befragt nun den Angeklagten Prenzlau über die einzelnen Punkte des Vertrages. Dieser Befragung folgte eine ausführliche Ber- deutfchung der Anlage E. Gn dieser war für die zweit« Expe- d i t i o n, welche als Hauplli«ferung zu gelten hat, vorgesehen: Ein Schiff von etwa 1599 Tonnen, seetüchtig, mit Kessel- und Maschinen- garantie, dreizehn bis fünszchn Knoten fahrend, drahtlose Aus- rüstung usw., fähig, siebzig Tage ohne Landung zu fahren, fünfhundert Tonnen Kohlenreserve, Mannschaft zur guten Bedienung, Kapitän, Steuermann, zwei Offiziere, Zahlmeister, Arzt, drei Ingenieure, Telegraphsst und alles sonstige Personal, zwei Manneseldgeschütze von 7,5 Kaliber mit Munition und zwei tech- Nische Marineoffiziere. Im Vertrage heißt es in diesem Zusammen- hang„placer", was unzweifelhaft heißen soll, das Schiff solle mit den Geschützen armiert werden, während Prenzlau darunter nur ein Anbordbrürgen verstanden haben will. Weiter waren zu tiefem: zwei leichte Kampfs lugzeug« mit zwei Ossizierfliegern und fünfzig schweren Bomben, zwanzig leicht« Maschinengewehr« mit Reserve- schlossern und allem Zubehör, eine Fcldbatterie mit Material und mindestens dreihundert Schüssen, fünfhundert Uniformen, Helme, Decken, Patronentaschen usw., einhundert Feldsabel für Offiziere, dreihundert Kavalleriesäbel, 25 Sättel mit Zaumzeug, 12 Feldstecher für den Armeebcdars.— Nach Erörterung dieses Vertrages wird der Angeklagte über sein« Anstellungsverhandlungen mit Kapitän Zipplitt gehört. Der Kapitän habe zwar gewußt, daß er einen Wassentransport führen sollte, ohne ssch jedoch hierbei etwas Arges zu denken. Der eigentliche Vertrauensmann Prenzlaus sei der erste G n g e n i c u r gewesen. Die Musterung fei ordmings- gemäß fiir eine lange Fahrt nach Südamerika erfolgt. Das Schiff wurde in Hamburg im Strandhafcn verhall, wo es del Gado be- Geständnis der 13jdl?rtgett Mörderin. Saarbrücken. S. Aprll. Der Tod der dreieinhalb jährigen Annemarie Schalkes hak nunmehr feine Aufklärung gefunden, vis IZföhrig« Schülerin Satharlna Riefer hat ei» volles Geständnis abgelegt. Danach hak sich die Verumtnüg des Unkerfnchmigsbeamken. daß es sich bei der 12iZhrigen um ein? gemeingefährliche, pervers veranlagte Person handelt, vollkommen bestätigt. Ein unerklärliches, hemmungsloses sexuelles VetSkigungsbedürfnis hak da» Mädchen mich noch in anderen Fällen zu Handlungen gelrieben, die wegen ihrer ungewöhnlich widerlichen Art Entsetzen bei sämtlichen mit der Untersuchung betrauten Personen ansgelöst haben, wie die weiteren Zlach- sorschnngen ergaben, wird die Zahl der von der Rloser mißhandelten und verletzten Kinder bedeutend größer sein, als man zuerst vermutet hatte. Da eine Strasver- solgung nicht in Frage kommt, wird das ZstSdchcn einer Anstalt zugeführt werden. „Ich weiß das alles, Herr Doktor, aber sogen Sie doch bitte, wo Sie hinauswollen?" „Ich kenne die Frauen und Mädchen von Lynö und vor allem, ich kenne auch Herrn Rist. Als ich zum erstenmal von dem albernen Verdacht hörte, mußte ich einfach lachen." „Woher kennen Sie Herrn Rist?" „Ach Gott, der arme Knabe hatte, kaum daß er ange- kommen war, eine kleine Halsentzündung, nicht der Rede wert, aber die alte Fredrlksen schickte natürlich dreimal im Tag nach mir. Frostbeulen hatte er auch. Na, ich konnte dabei übrigens gleich einen kleinen, allerdings unbedeutenden Lungendefekt konstatieren. Der Mann ist nicht viel wert. Ich sage das absichtlich, damit Sie ihn hierin ein bißchen schonen. Nahrhafte Kost, viel Milch..." „Ja ja, Herr Doktor. Aber das kann doch nicht alles sein, was Sic mir sagen wollen. Meine Zeit ist beschränkt." „Gewiß, gewiß, das sehe ich ein. Sie werden wohl schon von all den verführten Jungfrauen überlaufen. Dabei muß ich Ihnen sogen, bester Jakobfen, daß Torben Rist keiner einzigen Frau, geschweige denn der Ossipomna, dieser kleinen Bestie— na, Sie entschuldigen, wir sind ja unter uns— ein Haar gekrümmt hat." „Woher wissen Sie das?" „Weil er ein Schlappschwanz ist. Keine Kraft, keine Muskulatur. Natürlich gefällt er den Weibern: glattes Ge- ficht, traurige Augen, blassen Teint und das übliche Um und Auf. Geradezu geschaffen zu unglücklicher Liebe. Aber zu glücklicher oder gar— ih Gott bewahre!" „Das ist Ihr persönlicher Eindruck von dem jungen Mann?" „Das ist nicht nur mein Emstruck, sondern das weiß ich. So wie ich genau weiß, daß er an dem bewußten Abend nicht mit der Ossipowna im Äaresundcr Badehäuschcn war." „Oho. Herr Doktor, ist das nicht eine etwas kühne Behauptung." „Gar nicht kühn. Mer es gibt auch psychologische Indizien, bester Herr Untersuchungsrichter. Und noch ehe Ihr alle auch nur einen Schatten des Verdachts auf diesen Burschen geworfen hattet, wußte ich, Karl Henrik Manke, daß der Kerl verdächtig ist, wenn auch nicht gerade als Mädchen- fchäirdc'r." „Was meinen Sie damit." „Torben Rist ist der Typus des politischen Fanatikers. Um das zu wissen, muß man nicht erst lange mit ihm reden. Man sieht es ihm an. Man sieht es an fernem schleichenden Gang, man sieht es an seinem ausweichenden Blick. Nehmen Sie dazu, daß der sirnge Mann ein Vermögen für aus- sichtigte. Nach der Besichtigung kaufte del Gado noch eine Anzahk Parabellum p i st o l e n sowie andere Waffen, d-ie an Bord gebracht wurden, ebenso einige Maschinengewehre. Prenzlau erzählt dann weiter, die eigentlichen Waffenankäufe seien von ihm und Kramarski mit dem als Instrukteur und Wasfemneistcr(für die in Belgien gekauften Maschinengewehre) in Berlin engagierten Zucal iir Polen erfolgt und die Waffen seien dann nach Gdingen dirigiert worden, del Gado ging dort als angeblicher Supercargo an Bord. Als solcher galt er als Eigentümer von Schiff und Ladung. Der Kapitän war ihm untergeordnet und hat nach Prenzlaus Angaben nicht einmal gewußt, wohin die Reif« des „Falke" ging. Jedenfalls aber hat Zipplitt del Gado an Bord nut Blumen empfangen und eine Ansprache gehalten, in der er ihm bestes Gelingen seiner Pläne wünschte. Kurz vor der Ausfahrt von Edingen schickte die Mannschaft ein« Abordnung an den Reeder, weil ihr wegen der Munitions- ladung Bedenken gekommen waren. Prenzlau wollte mit der Abordnung nicht verhandeln, sondern erklärte ihr nur. die Ladung sei ordnungsgemäß deklariert und gehe von Regierung zu Regierung, del Gado soll dann in die MeinungsvcrschiedcichcUen zwischen Reeder und Besatzung eingegriffen und der Mannschaft doppelte Heuer und eine Gratifikation versprochen hoben. Daraufhin habe sich nur nach der Koch geweigert, die Reise mitzumachen, weshalb der Kapitän gegen ihn Strafantrag stellte. Nach der Pause beginirt der Vorsitzende mit der Befragung Prenz- laus wegen des mitgeführten Scheinwerfers. Den haben sichr viele Schifte, weicht der Angeklagte aus. Ebenso unbefriedigend sind seine Airgaben über andere auffallende Umstände. Das Schiff sollte 13 bis 14 Knoten laufen, was eine auffällig große Gefchwindig- feit ist, wenn es sich nur um einen gewöhnlichen Transport handeln sollte. Alle Umstände sprechen mehr für die Auffassung, daß der„Falke" eine Ari Hilfskreuzer sein sollte.• Prenzlau behauptet, der Präsident von Venezuela habe seines Wissens in Caracas und Maraeaibo eine persönliche Leibgarde von cfwa 390 Mann zu seinem Schutz, del Gado habe ihm virsicheri, 95 Prozent der Bevölkerung seien für die Reovwtion. Di« Gegner des herrschenden Systems würden mit offenen Armen empfangen werden. Die Reise des„Falke" sei also eine ganz harmlose Spazierfahrt. Da der Angeklagte Prenzlau zugabt von der revolutionären Absicht gewußt zu haben, wünscht Staatsanwalt Stein von ihm Auskunft, wie er sich das Untenrehmen gedacht habe, weiil er doch finanziell sehr stark daran- interessiert gewesen sei, und sich an Bord s eines Schisses die Anführer des Ausstandes befanden. Prenzlau kann keine klare Antwort geben und will Nicht im entferntesten geglaubt, habe», der„Falke" könne etwa Mit„scharfem Salut" empfangen werden. In die Eng« getrieben gibt Prenzlau setzt zu. Kapitän Zipplitt habe von den revolutionären Umtrieben gewußt und er behauptet, auch die Mannschaft ssi völlig im Bilde gewesen. Prenz- lau bestreitet, irgendwie List oder Gewalt angewendet zu haben, um die Schifssnmnnschaft zu einer Revolutionstruppe für del Gado zu machen. Die.Harmlosigkeit" des Unternehme.,� sucht der Angeklagte weiter noch dadurch glaubhaft zu machen, daß del Gado neben seinem eigenen Sohn auch einen Dichter in seiner nächsten Umgebung hatte. Daraus wird die Weiterverhandlung auf Domrerstag vormittag vertagt. lmtdlsche Zeitungen ausgegeben hat— erkundigen Sie sich nur in der Papierhandlung Iespcrsen— und daß er— Sie werden das auf der Post leicht erfragen können— ununterbrochen auf dem Postamt chiffrierte Briefe behob, so werden Sie einschen, daß Sie es nicht mir einem Sexualverbrecher. wohl aber mit einem Umstürzler übelster Sorte zu tun haben." „Sie schließen sehr rasch, Doktor Manke. Aber ich bin Ihnen jedenfalls für Ihre Ausfuhrungen sehr verbunden." „Bitte sehr, mein lieber Jakobfen. Und nichts für ungut, wenn ich Ihre Kreise störe. Ich will nur Ihr Bestes. Kgl. Amtsgericht Sändrup, 24. Juni 1229. gez.: Karl Henrik Manke. H. G. Jakobfen. Sandrups Ämisaois, 27. Juni 1929: Auf behördliches Ersuchen bringen wir heute auf Seite 3 das Bild des rätselhaften Fräulein Maria mit den blonden Zppfen. Wir wollen nicht vorzeitig kritisieren, denn Unter- suchungsrichter H. G. Jakobfen wird, wie wir hoffen, feine guten Gründe haben, wenn er die Presse von halb Europa durch dieses holde Antlitz zu beunruhigen versucht. Dieses Bild wurde— hört und schaudert— unter den Sachen des gefährlichen Torben Rift gefunden. Was für uns sowie für alle besonnenen Elemente nichts anderes bedeuten muß, als daß Herr Rift eben einen kleinen Flirt mit der jungen Doms gehabt hat. Aber es gibt nun einmal Leute, die überoll Blut und Mord wittern müssen, und leider, wir wollen uns das nicht verheimlichen, immer mehr Einfluß auf unsere sonst so ruhige und verständige Bevölkerung gewinnen. Hütet euch! Frauen und Mädchen von Lynö, hütet euch! Klatsch und Neugier umlauern die ganze Insel. Gewissenlose Reporter suchen euch Geheimnisse zu entlocken, die ihr nie gehabt habt. Revolverblätter erzählen spalten- lang von den ungeheuerlichen Erfolgen, die der schöne, junge Schriftsteller bei euch gehabt haben joll. Der ganze Ruf der Insel ist in Gefahr! Hütet euch und bewahrt eure kleinen Geheimnisse lieber für euch, damit euer Bild nicht wie das des schönen jungen Mädchens auf Seite S durch alle Zeitungen wandert, um von lüsternen Blicken verschlun- gen zu werden. Wir bringen dieses Bild nicht nur, um uns Herrn 5?. G. Jakobson, der sich bis jetzt über die Ergebnisse seiner Untersuchung immer noch in rätselhaftes Schweigen hüllt, gefällig zu erweisen, fondern um euch ein für allemal vor allzu großer Vertrauensseligkeit abzuschrecken. (Fortsetzung folgt.) j Muß das Notschreie, die angehört verhallen Ein« unheilbar schwerkranke, alt« prou haust mit ihren beiden Kindern seit Sohren in einer feucht•dumpfen Keller- m o h n u n g. Sie ist Wohlsahrtsewpsängcrin uird als falch« Nutznießeri» der Mogistrats-Kahlenkarte. Für Marz ersuchte die Kranke, die oft wachen- und memateianz das Bett hüten muß. um öemöhrunn einet Kahle ich« i Hilfe, da sie es nar.Kälte nicht aus» hält und dadurch immer lränfer wird. Man schlug ihr die Bitte ab...Konnte in.solch dringlichen Fallen nicht nielieicht doch eine Ulusnahmc gemacht werden? Ltder könnte die Frau vielleicht wenig- strns etwas Dreimholj erhalten? * Sm November stellte ein alter Rentenempfänger beim Wohl.sahrtsamf den Antrag auf Gewährung eines Wintermantels für feine Frau; im Dezember wiederholt er seine Bitte und im April erhält er endlich den abschlägigen Bescheid mit der Begründung, daß seine Frau ja einen Regenmantel und ein wollenes Umschlagetuch besitze, die Bedürstigkeilsfrage also nicht in Betracht käme. Ein Regenmantel schützt aber bekanntlich nicht nor Kälte und das Unifchlagetuch ist nach Aussage des Mannes ein kleines SchuUertuch. * Wir berichteten an dieser Stelle vor einigen Tagen: Eine Frau, die monatelang im Krankeichaus liegt, wird eines Tages mit der Begründung, daß das Zimmer gebraucht würde, in einen winzig kleinen, völlig kahlen Raum gebracht, der sa dürstig ist, daß die Kranke darin nicht einmal Besuch empfangen kann und die Tisr öffiten muß, wenn sie sich ankleiden will. Der Raum heißt unter den Patienten— oh mit oder ahne Berechtigung, mag dahingestellt sein— das Sterbezimmer. Dazu schreibt uns setzt die Krankerchausverwaltung:„Es ist nicht wahr, daß im Elisabeth- Krankenhaus, Lützowftraße, eine kranke Frau ohne ein Wart der Erklärung oder Entschuldigung in das Sterbezimmer gelegt wanden fei. Wahr ist vielmehr, daß die kranke Frau in einem in den Krankensaol sich öffnenden Einzelzimmer untergebracht worden ist, das nur mit Leichtkranlen und Rekanvalescenten belegt wird und in dein zu liegen die Kranken als besonderen Vorzug anzu- sehen pflegen." Die Ansichten über de» Zweck dieses Zimmers scheinen bei Krankenl)ausoerwaltung und Patienten also auseinanderzugehen. tz Die Aktion gegen die Zerseher. Neue Verhafiungen von Kommunisten. Alst Nachdruck geht die Aktion der Abteilung Is des Berliner Polizeipräsidiums gegen die kam- m u n i fti j ch c n fi r ci f e weiter, aus denen die Z e r- sehungsorbeit in Polizei und Reichswehr in der letzten Feit getrieben werden ist. Mit der Festnahme des Schriftstellers Ernst Friedrich und der Beschlagnahme des bei ihm gefundenen umfangreichen Materials hat die Polizei Einblick in eine Zentrale der illegalen kommunistischen Arbeit gewinnen und so die Fäden zu den an dieser(8 eh e i m a r g a n i sa t i a n beteiligten zahlreichen Vertrauensleuten urid Mittelspersonen aufdecke!, können, ja. daß. jetzt Schlag aus Schlag die Aushebung weiterer Druckereien und die Verhaftung der Hersteller von•Zerfetzungsfchrtften erfolgen lonrnc. Auch im Laufe des Mittwochs sind über die Zahl der am Bor- mittag vom Polizeipräsidium bekannt gegebenen Berhastungen hinaus noch weitere F e st n a h in e n in Berlin und Umgebung erfolgt, ohne daß die Aktion damit als beendet angesehen werden kann. Sm Augenblick sind erst die Personen verhaltet, die direkt an dem Betrieb der Geheimdruckerei beteiligt waren. Die Polizei ist aber bemüht, darüber hinaus die ganze weitverzweigte Organisation aufzudecken, mii deren Hilfe die in den verschiedensten Gegenden hergestellten ZcrsetzunHZschristen nach einem bestimmten Plan und durch die Hände. zahlreicher Mittelsmänner an die Stelleil verteilt werden, die mit-der cigenllichen politischen Arbeit in Rcichswehrtruppcnteilen und Polizeiformationen betraut waren. Nicht«e kläir ist bisher auch die Frage nach der Herkunft der recht erheblichen Gelder, die zum Betrieb der zahlreichen Druckereien notwendig waren. Cine neue alkoholfreie Gaststätte. Der Deutsche Arbeiter-Abstinentenbund hat am Dienstag«ine in der Ska litzer Straße 6, in nächster Nähe des Kottbufser Tors, gelegene alkoholfreie Gaststätte er- rtssnet; sie umfaßt neben den geräumigen und freundlichen Gäste- zimmern auch mehrere V e r e i n s z i in m e r. Außer Ersrischun- gen der verschiedensten Art wird es auch einen guten, billigen Mittagstisch— Fleischgerichte und vegetarische Küche— gellen. Trinkzwang besteht nicht, Bedienungsgeld wird nicht erhoben. Zu der schlichten(Eröffnungsfeier am Dienstag waren onch kom- li'.unale Persönlichkeiten und Vertreter befreundeter Verbände erschienen. Nach freundliche» Begrüßungsworlen des Vorsitzenden Rudat von der Berliner Ortsgruppe des Arbeiter-Abstinentcn- bieudes hielt Genosse Katze u st e i i, die Erössiwmgsansprache.„Wir I>abciiF so sagte er,„lange ringe» müssen, ehe wir nicht nur die Auerlcnnimg der Oesfentlichkeit, sonder» auch die unserer eigenen Parteigenassen erreicht haben. Man sah in uns Nörgler und Friedensstörer. Inzwischen hat man, nachdem wir uns aus praktische Arbeit eingestellt hatten, eingesehen, das; wir nur das Beste des Volkes wollen. Praktische Arbeit, das heißt zum Beispiel Fürsorge für die Opfer des Alkohols und für die Alkohalhauken. Aber auch die Schaffung alkoholfreier Gaststätten gehört zu unserem Ausgabenkrcis." Mit besonderem Dank gedachte Genasse Katzenstein am Schluß seiner beifällig aufgenommenen Ansprache der Hilfe der Arbeitsgemeinschaft s a z i a l i st i s ch e r A l k a h o l- g c g ne r. Stadtrat Zachow sprach dem Verein die Anerkennung des Bezirksamts Kreuzberg aus. Genosse Lösche begrüßte itarnens der SAI., Genosse Gärtner für de» Verband für Frei- denkertum und Feuerbestattung das neue Unternehmen. Selbsthilfe der erwerbslosen Schauspieler. Sehr alt ist an dieser Stelle bereits aus die große Erwerbs- lofigkeit uiuer dcn Bühnenküustlern hingewiesen worden. Einige mutige Schauspieler, denen die Arbeit mehr gilt als das Hungern, haben den kühnen Plan gefaßt, auf jeden Fall zu spielen, um nicht einzurosten. Sie veranstalteten jetzt im Gesellschastishous in Berlin- Pankow eine Vocfteliamg. Zur AiMehrung gelangten drei Einalter: „F n Ewigkeit Amen" van Wüdgan?,„Der Bär" und„D e r Heiratsantrag" von Tschechow. Zeder dieser Einakter wurde von den Darstellern mit aller Hingalle und Liebe und beachteirs- nvenetu Können gespielt, ort den. Verhör vor dein Staatsanwalt, von K 0 n k i l wefeustrsu dargestellt, erfehütterten Walter Stein- mag als Srüftniberger und Vurnestex als Gschmeidler durch Vorbeugen beeeer sie bestrafen Erweiterung der Kriminalberatungssteile im Polizeipräsidium. Unter dem Jllotfo:„Vorsicht Ist besser als Jluchsichl!" steht die erweiterte Krim in albcratungs stelle, die gestern vom Potizetpräsidenten Z S r g I e b e l im Ttrrliaet Hauptgebäude der Polizei otn Alexanderplatz der OcsienlÜckp keil übergeben wurde. Ibach einer Ansprache des Polizeipräsidenten und einem kurzen Vortrag des Regierungsdirek- tors Scholl; übernahmen die beiden Leiter der fttinünal- beratungsstcüc, die Kriminalkommissare Geißel und Kachne, die Führung der Gäste. Die Kriminalberatungsstelle blick! auf ein Leben von 0 Fahren zurück. 1921 wurde sie durch den späteren Staatssekretär Dr. Ahegg ins Leben gerufen. Sie nannte sich„Beratungsstelle gegen Einbruch" und hatte die Ausgabe, unparteiisch und kastentos die Bevölkerung darüber zu beraten, wie sie das Eigentum am besten gegen fremden Zugriff schützen kann. Das große Fnlereise des Publikums hat jetzt eine starke Erweiterung der Dienststelle notwendig gemocht. Die neuen Räume liegen unter Zimmer Nummer 26 und ss. im Erdgeschoß an der Stadtbahnseite und sind vom Lichthos aus bequem zu erreichen. Im erste» Raum sehen wir alle Erzeugnilie der Geldschraulinditstrie, von der tleinen Hcimsparbüchse über Cininatierungsichränke bis zu den große» Geldschrättken und den für bestimmte Wirtschastskreise h:r- acrichteie» Spezialschrönke». In einer Vitrine liegen Schnitte, Profile, Schloßteile und aixbere Einzelteile aus der Gcldsäfrank- fabrikatio», und an dein Schivitlmodell einer Trejortür erkennt man neben der Anordnung der Armierung und Aushängimg auch die sinnreiche Konstruktion des Riegelwerkes. Im Zimmer der mechanische» S t ch e r» it g e» ist eine Fülle van Mustern und Madelle» aller Art ausgestellt. Vom einfachste» Vorhangeschlaß bis zu den verzwicktesten Verriegelungen kann hier jeder finden, was er braucht. Auch Gitter in mannigfachen Aueführungen sind vorhanden. Daneben aber fehlen auch solche Schlösier nicht, die sich durch einen leichte» Handgriff mit Hafen oder Nachschlüssel öffnen lassen und den Einbrecher zu einem Versuch geradezu einladen. Es fall dein Rat suchenden Publikum eben auch gezeigt werde», was unbrauchbar und wir- k ii n g s l a s ist. Die Diebstahlssichenmgen für Kraftfahrzeuge und Fahrräder vervallstöndigen diese Abteilung. Das größte Interesse erweckt das Zimmer mit de» elektrischen Sichcrungsanlagen. Uilsichtbar eingeliante Kontakte, Bespannungen, gncr durch de» Raum gehende Diebesfallen melden unter gewaltigem Lärm jedes unbefugte Eindringen. Durch Anschluß einer solchen Anlage an das llebersallkommanda kann sogar als Jdeofzusland erreicht werden, daß der Dieb selbst durch sein Eindringen in die geschützten Räume unbewußt die Polizei zu seiner Festnahme herbeiruft. Die vom Rundfunk bekannte V e r st S.r k e r r ö h r e ist auch bei Sichexungs- anlagcix nutzbringend verwendet worden.(3 mansche in gesicherten Räumen werden von einem Mikrpphon cufgciangcix und nach Verstärkung der Ströme durch einen in der Bewachungszentrale unter- gebrachten Lautsprecher deutlich Hörkar gemacht. Sogar die Lust ist in den Dienst des Raumschutzes gestellt worden. Es ist ge- Hingen eine Anlöge zu bauen, die den Raum unter einen bestimmten Luftdruck setzt. Sobald durch Oesinen einer Tür oder Anbohren einer Wand dieser Druck durch Berührung mit der Slußenlust geändert wird, gibt die Anlage sofort Alarm. In einem besonderen Räume stehen der Kriminalberatungsstelle Werkzeuge und In- strum-mte zu Prüfungen und Unterfuchiungcn zur Vee- Bri der Diebstahls- und Einbruchsverhütung geht der Kampf gegen eine» unbekannten Gegner. In Betrugssachen wendet sich der Ratsuchende an die Polizei mit der Bitte um Ausschluß über eine besti m m i e Person. Da soll zum JBeispiel ein Stellungsuchender sein letztes Geld als„Kaution einem tochmind- [er übergeben, oder das Geld suchende Pulllikum soll„Provisionen an einen betrügerischen Vermittler zahlen,. ohne �nachher jemals einen Pfennig von der gesuchten Summe in die Hand zu bekam. »Kit. Man wendet sich an die Kriminalberatungsstelle und siehe da: Es handelt sich bei dem„Geldgeber", dem„Stellenvermittler" um einen Herrn, der schau lange der Polizei als tuschwindler und-oe> trüger bekannt ist. Auskünfte tönneu natürlich nur im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen erfolgen. Anfragen über Vorstrafen und Führung einer Person werden nicht beantwortet. Auch muß die Beratung in rein ztvilrechilichen und juristischen Fragen anderen Stellen überlassen bleiben, lieber Leistungsfähigkeit und Kredit- Würdigkeit gibt die Polizei keine Auskunft. Ihre Ausgabe ist ledig- lich Beratung.zum Schutze gegen strafbare 5)andlungen. Es muß deshalb auch einigermaßen glaubhaft nachgewiesen werden, daß beim Ratsuchenden ein ehrliches Interesse vorliegt. Sonst wäre unlauteren Elementen Tor und Tür geöffnet. Die Kriminalberatungsstelle ist nicht nur für den Geschäftsmann von Bedeutung. Wich A r b e i t e r. A n g e st e ll t e n n d k l ei» e Beamte haben das größte Interesse, ihre wenige-Habe, ihre bc- scheidcne Wohnung gegen den Zugriff des Verbrechertums zu schützen, und für jeden vom Gesetzesbrecher Heimgesuchten ist V v r- beugen nützlicher als Best rasen. Die Kriminalberatungsstelle ist wochentags von S— 14 Uhr für die Bevölkerung geöffnet. Sozisiistische Arbeiterjugend Qross- Berlin iniiimiiuiiiimimiHmiiiimiwmiuimiuiiraiiHiraiiiuininiMMiiiiiiiiiniiwmiiiiiiimiiimiiiimiiiiimiimiiiiiiiimiiiimnniii Sonntag, den 13. April, 11'/; Uhr in der „Lichtburö"(a Bahnhof Gesundbrunnen) JUGENDFEIER „WELT WERDE FROH!" Musik/ Sprechchor/ Gesang/ Rezitation/ Film zeigen in bunter Folge das Wirken der SAJ.- Einlaß 11 Uhr, Eintritt 40 Pf. starke Charatterisierungskunst, H. H. K l a 1 1 entwickelte als Dr. Zwirn eine bemerkenswerte shunm« Mimik. Die Damen E m m i Sander als verwitwete Dwvvschak und Rene S i g r i st als Natalia wirkten in ihrer Lebendigkeit so. frisch, daß zeitweilig der Mangel an großer Aufmachung, die mau an den Berliner Bühnen gewohnt ist,"vergessen werden konnte. Die Leitung unter dem ebenso rührigen wie kameradschaftlichen Fred Gleie-Dombrowski war vorzüglich. Diesen ersten kleinen Versuchen der Schauspieler- felbsthilie ist bestes Gelingen zu wünschen. Der billige Preis van t>ö Pfennigen ist geeignet, and) größere Massen derer in die Bor- stellunge» zu ziehen, die nicht den iveiien?Veg aus den Vororten in die Volksbühne machen wollen. Die gnispielendcn erwerbslofen Schauspieler werden nicht vergebens an die Berliner Bevölkerung appellieren. Plädoyers imZakubowski-prozeß. Der Nebenkläger hält Zakubowfki für unschuldig. )lcu-Slrdi(;, 9. April. Im Nogens-Jakubomsli-Prozeß begannen die Plaidoyers der Verteidiger, mit den Ausführungen des Nebenklägers, Rechtsanwalt Dr. Brandt, der in seiner Rede u.a. darlegte, schon dieses Gericht müsse zu der Frage Stellung nehmen, ob Jakubowski schuldig war oder nicht. Es bedürfe förgsemer Prüfung, ob die jetzigen Angeklagten Glauben verdienen, soweit sie Jakubowski be- lasten. Es genüge nickst, sestzusiellen, daß Jakubowski in irgendeiner Form an der Tal beteiligt war, sondern es müsse eine konkrete Fest- stellung getroffen werden, in welcher Form dies geschah. Wohl niemand dürfte sich entschließen, allein aus Grund der Angaben der drei jetzigen Angeklagten Jakubowski wegen Mordes zum Te>de zu verurteilen. Schwer belastet als Anstifter erscheine dagegen Paul Kreutzfeldl. Am Schluß seiner Ausführungen richtete der Rechtsanwalt einen Appell an die Richter, Jakubowski wegen eriviesener Unschuld freizusprechen. Sodann kamen die Verteidiger der drei Angeklagten zu Warle. Das Urteil ist erst am Sonnabend zu erwarten. Gaunergastspiel im Geschäslslakal. Zwei bis drei Mann be- suchen kleine Geschäftsleute und vermögen in vielen Fällen ihre Diebereien zu vallbringen. So erhielt u. a. der Optiker Ziem in der Schönhauser Allee 1—2 Besuch van zwei Männern. Wäh- rend einer von ihnen sich die Augen untersuckle» lies; sLie. wie die Untersuchung ergab, ganz gesund waren), st a h! der zweite einen zur Abfc-ndnng bereilliegend n Geldbetrag. Natürlich zu spät, als die Gauner bereits verschivunden waren, bcmertte tcr Opttfor den Diebstahl. Ein letztes Salsa». Sinfoniekanzert veranstalteten gemeinsam die Bezirksämter Friedrichshain, Berlin-Mitte. Prenz. lauer Berg unter der Leitung von Dr. Helmuth Thierfelder im ooQübau Friedrichshain. Die Darbietungen des Orchesters und der Sopranistin Donks Palalova von der Staatsoper Sofia er- rangen reichen nerbtenten Beifall der Zuhörer des vallbesetzlen Saalez. Es bleibt außerordentlich verdienstvoll, daß die Bezirk?. amter Mindorbcmiltelten dt« Möglichkeit geben, durch volkstümliche Preise hohe funftlartfdje Werte, wie ein derartiges Konzert bietet, in sich aufzunehmen. Charlottcnburg bekommt einen neuen Markt. Verkehrspolizeilichs Bestimmungen veranlaßien die Verlegung I des Wochemnarktes von der R e i ch s st r a ß c in Neuwestend nach der Prenßen- und Bayern alle e. Dadurch wurden die Be- wohner am oberen.Kgsserdannn und zin alten; Westen benachteiligt, sie verlangten eine Rückverlegung des Marktes in die Röhe des Reichstanzicrplatzes.. Da inzwischen die Erschließung des.neuen Wohnvtcriels am Straßenbahnhof Westend durchgeführt worden ist. will das Bezirksamt Charlottenburg in der Soorftraße zwischen Fredericis- und 51nobelsdorsfstraße einen neuen Wochenmarkt einrichten. der in vier Reihen etwa 20t) Stände umfassen soll. Als Markttage sind die Mittwoch- und Sonnabendvormittage vorgesehen. Der Polizeipräsident und auch die Verkehrsdeputation haben bereits ihre Z u st t m m u n g erteilt. Die Kosten der neuen Marktanlage werden ohne Neubelastung des ordentlichen Haushalts durch dcn Reservesond der Marktverwaltunz abgedeckt werden. Allgemeine Wetterlage. MMlM' fJp-76S ®$90 =$© A2 rgi Owslkenlos.0 heifer.Obalbbedeckt wolkig,ee,=ttebel,hGewittec(§)Wiivfailte' Im Reiche lag:» die Tagestemperaturen Ziemlich gleichmäßig hoch, meist zwischen l2 und 14 Grad. Das Wetter war dabei größlenleils bewölkt oder trübe, nur der Süden und Westen hatten heiteres Welter. Hier sanken die Temperaturen nachts recht kräftig, ans der Oberbayersschen Ebene sogar ein Grad unter Null. Während bisher eine einheitlich: Luftströmung über Deutschland nicht bestand, kommen jetzt östliche Winde auf.'Wir können erwarten, daß die Neigung zur Aufheiterung in den stärker bewölkten Teilen des Reiches immer größer wird. Eine Störungsliuie. die am Mittwoch über England lag, wird unser Wetter nicht becinslussen. * Illetleraussichten für Berlin. Wolkig bis heiter, sonst wenig Aenderung— Für Deutschland. Im Westen und Süden better. nachts recht last, sonst wolkig bis heiter; Tagestemperaturen überall unveräuderl. BERLIN HAMBURG ALTONA KÖLN HANNOVER DOSSELDOOF DORTMUND ESSEN DUISBURG MAGDEBURG FRANKFURT fahz�ax&Q 19S0 Ciewidixie� allen ITreuxidezi unseres TLaxxses und. dLenen,, die es-werden woOULen. Copyright by Kurt Lisser Reklame 1930_ Nachdruck von Wort und Bild verboten! NWWKXMGÄ' Ä SS»» Lo was gibt's! Ein ganz famoser Witz ist— nicht etwa erfunden oder erzählt — sondern passiert, tatsächlich passiert, im schönen Frankfurt am Mainl Die Frankfurter sind ja von alters her als tüchtige Kaufleute bekannt, aber hier ist ein ganz besonders heller Junge am Werk gewesen. Er kauft sich eine der bei der Geschäfts-Eröffnung von uns angebotenen Hosen für 50 Pf., trägt sie aufs Leihamt. versetzt sie dort, und bekommt dafür—?-? Eine Mark, zwanzig In bar auf den Tisch des Hauses gelegt! Gibt's überhaupt ein besseres Zeugnis für die Güte unserer Ware und für ihre Preiswürdigkeit? Angesichts einer solchen überzeugenden Groteske bleibt auch dem Phantasie begabten, mit allen Wassern der Reklamekunst gewaschenen Fachmann nichts übrig, als sich still und leise seitwärts in die Büsche zu schlagen, Und das tut er hiermit! KW A»z»g au» gacan. fiett reinwollenem Kammgarn. rrstUassig verarbeitet, in den ver- schiedeueo Muster» und Farben:« la- Ziel bei uv» nur 59.- Drr Icil so beliebt«, moderne blaue bardwe-Mautel, mit dem sescheu Rundgurt, ist tiptop verarbeitet »nd kostet nur 5Sr." AOeEIDUNO4! Cin sehr fesche» Kleid au» dem neuartigen punktierten Stoff: Po- peiwe mit Knnstfeide! Da» Kleid wird in der Taille blnfig getragen. der Rock hat die moderne und beliebte Glocken. form. Und der fabel. hafte Prei, 4«*50 ist nur?» Desouder» aparte», drei« teUige» Tricot-Ehar. mrufe�lvwplet. Di« Bluse ist ahne Ärmel und sehr hübsch mit Biesen und einer Kra- matte«rgiee». Rock und ISckchea sind au» der gleichen Farbe. Sein Prei,«« A50 ist nur flO Eine Hose für 50 Pf. zu tragen— so gut sie auch sein mag— ist vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack. Auch die Preis« für die beiden Sachen, die wir Ihnen hier zeigen, für den Herren-Mantel und für den Herren-Anzug, sind im Verhältnis zu ihrem Wert erstaunlich niedrig. Aber hier Handelns sich um durchaus vollwertige Klei- düng, in der sich jeder sehen lassen kann und die ganz sicherlich von oll'Ihrcn Bekonnten und Kollegen weit teurer geschätzt wird, als Sie wirllich dafür bei uns ouszugcdcn brauchen. Hoben Sie übrigens schon einen Wetter- Mantel? Einen dieser aus dem Drencheoat entstandenen herrlichen Mäntel, die für jedes Wetter geeignet sind. Me Sie namentlich vor Wind und Regen schützen. In denen Sie immer fesch und modern aussehen, und die Sie bei uns auch so fabelhast billig bekommen können. Bon Mk. 29�0 angefangen in allen Preis- lagen bis hinauf zu Mk. 85°° Der billigste ist gut— und der allerschönst« Ist billig! «alKs» am/! Habt Erbarmen mit einem armen, abgehetzten Menschen, der sich vor dem Strom der auf ihn herniederprasselnden Beitröge, Kritiken, Rat» schlüge, Rätsel usw. für die C. Le A.-Seite nicht mehr retten kann. Und habt, bitte, etwas Geduld, wenn Eure Einsendungen erst nach und nach Erledigung finden können. Schreiber- Cremieux! die charmante Pariser Frauenrechtlerin, hielt bei ihrem diesmaligen Berliner Aufenthalt einen Vortrag über die Pariserin, wie sie jetzt ist. wie sie sich entwickelt hat. Auch die Pariserin hat unter dem Druck der schweren Zeiten eine Wandlung erfahren; sie studiert und arbeitet jetzt wie olle anderen Frauen und erringt sich ihren Platz im Berufs- leben— doch nie vergißt sie die Sorge für ihr Aussehen, für ihre Toilette. Auch die deutsche Frau hat sich die Sorgfalt für ihre Kleidung längst zum Gesetz gemacht. und viele— namentlich Ausländer— behaupten, nirgendwo sähe man so viel nett und sorgsam gekleidete, modern und hübsch aus- sehende, im Berufsleben stehende Frauen, wie gerade in den Großstädten Deutschlands. Aber Deutschland ist arm, und die deutsche Frau inuß sparen; muß sparen für sich und für die Ihrigen um jede» Preis. Komme» Sie zu uns. gnädige Frau, Sie wer- deu unsere Preise als deu besten Kampfgenossen in Ihre« Sparfamkeits-Priuzip finde». Und Sie werden überrascht sei», wie wenig«« Sie bei uu» kostet, um— der Pariseri» gleich—- Immer modern uud elegant angezogen zu sein. Früh übt sich... Beobachten wir da neulich ein kleines Mädel, das mit seiner Mutter unsere Auslagen für Kinder-Kleidung beguckt. Nach einer Weile sagt da» Mädel etwa» un« geduldig:„Mamml, du sprichst ja kein Wort.� „Na, was soll ich denn sagen. Dorle?' „Na, sag' doch z. B.! Dorle, möchtest du das hübsche Kleid dort hoben?" Ist's nötig, zu erzählen, daß Dorle ihr Kleid bekommen hat, allerdings vielleicht nickst zuletzt .deshalb, weil es ungewöhnlich preiswert war. OlftttlMcb ift und da haben auch Ei« Gelegenheit, für Ihre Kinder aus unseren überraschend niedrigen An- geboten etwas zu wählen. Drei uns besonders nett erscheinende Sachen zeigen wir Ihnen hier: i zweisarbtS" «Blume 65 1 Qii. 60 Original aUt �'ivg mit relS,»««T' nn» für � nur ReiitndrrMnn- .,1 an* stert.« f.0"'. «e PtlctvQ11' Aber es gibt Taufende mehr alle gleich nett— all» gleich billig! Sin sehr madernc» und kleidsame» Frühjahr». kastüm in uni gemuster. tem Stoff. Die Lacke ist ganz mit Kunst- seideo-Duchesie gesät. irrt und hübsch mit Tresse verziert. Bei un» bekommen Sie es für den Preis van nur 27.- Di« Eleganz de, Som- nner» ist der hachmo. derne kunstfeidene Man. fei an» sehr gutem Reversible, ganz aus kuustjeidenem Paillette. Der Mautel ist mit einem öommerpelz-Kra- gen gcschuiücki, und e« ist der m Ihre für't'B Modi lebe der Strohhut! Jahrelang ist er uns versprochen worden, und nie könnte er sich so recht durchsetzen. Aber in diesem Jahr kehrt er endgültig zu uns zurück — in großem Format, mit wippender Krempe. Wie werden wir uns freuen, wenn fein« breite Krempe an warmen Tagen unser Gesicht so angenehm beschattet. Uberhaupt die Krempe! Die Mode hat sie wohl nur deswegen so breit gemacht, um ihre ganze Liebe darauf lonzen- triercn zu können. Was hat sie für entzückende Einfälle gehavt, um all' die duftigen, zarten Gebilde zu schaffen. wie z. B. diese modische Glocke, dl« aus einem feinen FW, riua-Geflecht gearbel- tet ist und ein, Krempe au» zarter Kriuollpitze hat. Sie ist natürlich gefüttert, und eine Erepe-Gear- aette-Earnitur macht sie besonder» reizvoll — mehr aber mahl noch der ganz er, stauullche Preis von V Aber das ist nur eine Kostprobe aus unserer Ricsen-Auswahl, in der auch immer noch Ihr Strohhut auf Sie wartet. Holen Sie ihn recht bald— er ist ja traumhaft schon und soooo billig! Oränienstr.40 An Or.nlenpl.ii Ch8une&tr.113 Königttraße 33 Btlm St.ttlno bahnhof AmBahnhotA�xandtroleu Herren, bnr. Knabcn-KlcidiiBf d» den beiden ftrwhiftcB» Kdniftfe' Theater, Lichtspiele usw. * fc/j» �,1 1 j. Donnerits 10. 4 Statis-Opsr Unter d- Linden Tsil-Iüi. 1 Do. So. 8 Jaiiraj-At-V. Nd 35 i9i/> Uhr Die Maihi Des Sdüdtsajs Ende 22«'. Uhr Slaats-Opsr «a Hitt dir hntlil R.-S. 33 20 Uhr DK verkaufte Braut End« gr 22>.a U Donnerst, 10. 4. staut, opsr Blsmdrckstr. Turnus I IWa Uhr Mignon Ende 22t/. u Staat!. Stopti. aa Gndaraummirlci St. 8. 1 Do. So. 7 Jahra-Ah.-». So. 85 20 Uh' Wen* dem der«UU Ende 22«/. Uhr !W.W!st-HlMWt!U 20 Uhr BauöoiirochB• George Gandln Ende gegen 22«» Uhr 8.13 Ohr Zeotr. 2819 Bmuüsn er aant ono Reuttsr uyw. Tägl. 5 u.S'f, Uhr. B 5 Bart. 8258 Pr I-6 M. Wochentg. B U. SO Pf.-S M. Amerikas I berühmiester Clown und 9 weitere VarieM-Neuheiten {INTERNAT. VARIETfe CASINO-THEATER cothrintfer Strafte 37 Wieder ein neuer Schlager Der wahre Jakob Stürmischer Heiter kelis-Erfolg Dazu ein erstkL buntes Programm Gutschein(Hr 1—4 Personen Fsuteull nur 1.25 M., Sessel 1.75 AU, SonstigePreise: Parkett u. Rang OLO M. WMI OirektlM: Or. Martin Zickel WWWW Komischo Oper FneOrtehstr.m Merkur 1401/4333. Tfiglieh S1/« Uhr Majestät lässt bitten llussi Ton Waltür Sölio. Lustspielhaus fkiadriebttr. 256. Serppaun 2022/25. gib Uhr: Geschäft mit Amerika. Vorvartcguf In ealdeh HSusern ab 10 Uhr ununterbröchon. GROSSES SGHAUäPiELHAUä 8 Uhr Rar noeb 21 Torsteilangen! 3 Musketiere Regie; ERIK GKARELL J Sonsrag aadini. nawk. Oslo« Pr. Reichshallen-Theater Abends Ui sonoiag naduiLlXl DasödeiiasdieiiiieAprii Prssr. j* Stettiner Säoger MA riäto.hjüuPniail Zentr. 11263. X O Ö n l-t o f f- B re 1 1 1: Varisfd. Tanz. PaMsr-Ormsster Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich N/« Uhr Madame hat dusgang Erike von Tellnunn Paul Hörblger Htruiana SchauluB Lvovskl. braut Direktion Or. Robert Klein Deutsches KBustler-Theai. Barbarossa 3907 8i/, Uhr Sex Appeal Lüh», r. Fnhdi ItnuL-t RfSl»: Fonhr U-nn»;« Aibc'ri Easjennanc. aad; tinisUaiu Berliaer Gieaier Dönhoft 170 S Uhr Ende 101/« um „Eim, zwei, äiei" von FranzMoInar mit Mai paüaadmi. Beule: Gasi.flanang Vtrart soupsr Regie Heinz Hilpert, Operettenltans Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral- Theater) Dönh. 2047 Täglich S«. Uhr fiotei§lddl Lemberg Preise 1, 2, 3 M. REVÜE JSEIWÜS 1930* SBss'te-lW;! Künstl. Leitung Gatton Briete Täglich 81/. Uht Sonntag 4 Uhr Eisrieke aaDdlamui. bitte Pr. Voiksbttline Thut« SD Bülosjtati 8 Uhr Bas Lied von Ko&oHen ElnNegerstückv. Ooid-weisenborn Musik: W. Grosz t«9i«: Bei« BietrWK«Bt«r 5taatl.5cliillBr-Th. 8 Uhr Boubonroiiie Georgs Danütn Piscaior-BSlins (VaUnar- TBeaien 8 Uhr 9 218 Frauen in Not WM UM 0 Z Wiidmdaniji 5Z0I TSgl.»>/, Uhr Der Kaiser v.Amefika vön Bftrftard Shaw Rcj?.:Mat Reinhardt Kammerspiele D Z WtWmiamiii 5201 SV. Uhr Die Hebe Feindin RcmSdii vcu A. P. Aotoice Rggfa: Gustaf Grürnfgcns Die Komödie II Bismck. 2414/751« 8i'. Uhr Die ßrealar Sduttplsi km F«rl imkur Bagit: uu Btiabani Lessmg-Theater Stitaihnp 2737 fl. 0845 Täglich bV, Uhr Flamme mit KUe Dorsch Frans Lederer Bir. Br. Martin Zieh! üoRiiscbe Oper Fried rlchstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich SV. Uhr MbJestSt läßt bitten... MM TAI Walter Salta. Lustspteihaus Friedrlchstr. 236 Bergmann 2922/23 Täglich 814 Uhr Qescbfißmll Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld Trianon-Mei Utiiag: Dir. Arnim Georgenstr. 9 Täglich 8V. Uhr Revue Das lebenäe M»;,.ri» Preise v.SO Pf. an Metropol-Tti. Täglich S'lt Uhr Der Bettelstudent Pattiert, Alpac, ichützcndorf.Jöken T&caL n. KoilU.Toi tS Kottb- Str. 6 yf Tägl. 8 Uhr a In auchSÖnnt. Kxft nachm.SU. fäj Elite- Igssnfler. r Däi piiäoM. OsferprojDiora eil d. dsliidtso GKttuor Kurl Wanger üieaüt d. Mm Täglich&Vi Uhr: Das Land des Lächelns Sonntag 4 Uhr: Wiener Blal ianowsky-EBltneR Tbcattr Ii der Stmenangsir. Gaitspiil HejerhaMs Moskaaer Staztstbuter 8'/'. Uhr: Der Wald RaUi« ron Ostnwskr Komödinnhaus Täglich gl/« Uhr ISeine Sdivestar MMv.RalpbBeaztzky Letzte Wosbal j�rüodi bis Freitag, 11 Jprill53ü| Täglich 8 15 Die pidne Meisterinj mit Traut© Kose im Ross-T�eater Große Frankfurter Straße 132 Bjllettkassa: Alex. 3422 und 3494 Ab Sonnabend, d.12 April, 8 13 die Rokoko-Opcietic Ihre Hoheit die Tänzerin in 3 Akten v. Valier W Goetze Sonntag. 13 April, nachm. 2.34 das entzflekendeemerikanisebe Lustspiel Der Mustergatte [Vorverkauf tägl. v. II— l vorm und 4—9 abends. rtieaterl. d. Beürcnstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Olreküon Ralph Arthur Robert, «'/. Uhr ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr) Zwei BusscbIIIbc der Prometheus, die jener WcrKiafigc gesehen haben muOI wo apout man> s« BD« Billig? Nur aross- Berlin Alexanderpiatz 3 esoneSers • Irksim sind die KLEINEN ANZEIGEN im -Vorwärts" und troudem Nblllisv läuft täglich unter dem Beifall der Massen gleichzeitig in zahlreichen großen Volkskinos. MACH MOTBVBM VOM MAXB M QOftJCl der beispiellose Presse- und Publikums- Erfolg In der 5"'riirsJen" i mi i im iw■um i.■ Mi m iiiii in«asnin TB glich 5V 7 und«Uhr. DutMüailttHMi Sounobrcb. bau 12.«pril. ahenbB I Ahr. Im Ortbanbshans. Clnieaflc. 83,8». Slhuusszimrnrr 4,' Paztoi i srsnetisn-nepLsmmtvng nsf Autogen- und EtkKtro- LLtlWSlSSi' eowts solnuoissrtnnsn Tagasorbnung 1. Vsrtrsg:»Die W'rtschsFtzfriS» unter beienberer BezSctstchtigmig des Er- werdslofenproblem«-. Referent: Aollene HediziS Aialzehn. Z Beruf�mgelczeicheitaa uno- Oer- schfedene«. Ohne Mitgiiededuch fein Zutrift, Es ift unbedingt ssievendig, baß Olle Kollegen erscheinen. Achtung t Achtung! Verwaitungsmitgiiedor! Um Freitag. Bern 11. UptU 1S30 aachmiftags 8 Ahr. Sihang Bn atltrletea OrtauarmoltnuB. Ca nticB uaadrllcklich Bornim gebeten« st« Bicfec Sitzung pünktlich zu ericheiaeu. Die Ortsvci uoltnng. Am 7. April entfdUicf noch langem. schwerem Leiden mein lleher Mann, unter guter Eodn, Bruder und Lchwogei, der Tischler Wsiikk DIlcrMl im 37. Lebens achc. Ties zeigt tlcfBetrüht an Im Sauten der Htnterbfledenen Olga ITlerld», geb. Albrecht Ciiaclottcn&srg, Röntgenstr, 11 Die Beerdigung findet Freitag, den Ii April. U'-z Ahr. ouf dem Friedhof Heerstraße fiaiL Offene Füße KrampsadergeschwÄ«: schwerheilende Wunden, schmetzhasfeanlzändungen etc. anetiedgtiche« Iucken hellt nachweiedar laut lausenden Danfsegungen die milde weh!w eudelDrtinda Saide. Oese Tl V73 b, Z-.inOrogh, n.«polh. sonst bei Vit» Reichel. Berlin<5Cy aisendohnstr. 6 üeiitsdiii Metsllarbelter ferhimi! Verwaltungsstelle Berlin Nachruf Den Mitgliedern jut Nachricht, daß unser Kollege, der Schweißer Alfred Golle geb 9 Januar 1900, am 2. April gestorben ist Die Beerdigung hat bereit» statt. gesunden. Ehre seinem Andenken l vi« Ortarerwalhmg. Für d e vielen Beweise innigster Teilnahn'.e. iowie iür die schonen Kranz- und Blumenipenden und zahl. reichen Beileidelchreiden heim Hin. ichkiden unsere, lieben Enischlasenen sagen wir allen vui diesem Wege unseren herzlichsten Dan!. Elsbc'h Rublack und Minder. Friedrichshagen, den 9. April 1930 ftiuistr. 8 Meine Millionen Umsätze l K sind der beste Beweis für die Leistungsfähigkeit meiner Firma! Tafelaquavlt. csht, fuseitrei.......,. W/o>nt>rsr>r«-V»r»ahiil4e,•,* Stern..... echter Weinbrand,*** Stern....... Teerum, Jam. Rum, Verschollt 45»/,.... Pelhete edolllkbre bis 32 o/o......... Feinste echte SUdwelne Fehtor Tarragona,»ÜB........... Echter Malesa. füS. goil.......... Echter Gricchenweln, eOS, golg....... Echter Oouro-Pcrtweln, tiiB........ 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Beilage des Vorwärts Donnerstag, 10 April 1930 Die Schiebung mit Biesdorf. Zeuge von Siemens über die Vorgeschichte des Kaufs. Vor dem Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Mißwirtschaft in der Berliner Stadtverwaltung wurde am Mittwoch als Zeuge cherrvvnSiemens(ein Neffe von Karl Friedrich von Siemens) über den Ankauf des Gutes Biesdorf von feiten der Stadl Berlin vernommen. Dabei drehte es sich hauptfächlich um die Frage, ob der in der Dienstagsitzung erörterte Kaufvertrag mit der Gewerk- schast Hildegard nur ein Scheinvertrag gewesen ist, um einen höheren Kaufpreis von der Stadt Berlin zu erzielen. Zeuge von Siemens erklärte dazu, daß er und seine Schwester das Gut Biesdorf geerbt haben, es aber abstoßen wollten. Es feien deshalb zunächst Verhandlungen mi! der Stadl Berlin geführt worden, die aber gescheitert sind. Später sei er dann durch einen Bekannten seines Schwagers, einen Rittmeister Freiherr von Zobel, mit Waltking bekannt gemacht worden, hinter dem wieder ein m y st i s ch e r A m e r i- k a n c r als Käufer stehen sollte. Dann aber sei als Jnter- essent die S I ad t B e r l i n genannt worden und man habe mit Waltking einen Preis von 3,5 Millionen vereinbart mft der Abmachung, daß er mit dem Ueberpreis machen könne was er wolle. Auf den Hinweis, daß sich frühere Ver- Handlungen mit der Stadt zerschlagen hätten, habe man ihm gegenüber durchblicken lassen, daß er äugen- scheinlich zu dämlich sei. mit der Stadl Berlin ins Geschäft zu kommen. Als sich die Verhandlungen in die Länge zogen,. habe Waltkirg erklärt, daß er jetzt Kapitalisten an der Hand habe, daß die Gewerk» schast Hildegard kaufen wolle und daß das Geld in bar gezahlt wird. Als zahlungskräftiger �siepräsentant der Gewerkschaft Hildegard trat dann der Liaufmann Steidel aus. Dar Verkauf ist dann perfekt geworden, nachdem, wie von Siemens erklärt, irgendeine Stelle, wahrscheinlich die Stadt Berlin, die Genehmigung dajm erteilt hatte. (Im weiteren Verlauf der Sitzung wird durch einen Regierungsver- treter festgestellt, daß beim Verkauf von Grundstücken, die zu'Sied- lungszwecken benützt werden sollen, das Kulturamt Barnim das Bor- kaufsrecht hat.) Auf eine Frage des Abg. Harnisch(Soz.), ob die Gewerkschaft Hildegard ursprüngl'ch habe siedeln wollen, erklärt der Zeuge, dag ihn das nicht interessiert hat. Er habe unter allen Umständen ver- lausen wollen. Als es ans Zahlen ging, hätte Steidel kein Geld gehabt. Zu seinem Erstaunen habe er seslsteveit müssen, daß man mit dem Kaufvertrag herumgelausen sei, um daraus das Geld zu pumpen, mit dem man ihn bezahlen wollte. Dann eines Tages sei er von der Diseontogesellschait angerufen worden, ob er für den Betrag von 4 M'llionen gut stehen wolle. schließlich sind 200 000 Mark angezahst worden. Dann aber seien bei den vereinbarten Zahlungen weitere Stockungen aufgetreten und es mußte immer wieder neu verbandelt werden. Die Behauptungen der Zeugen Steidel und Waltking, daß er bei diesen Verhandlungen den Kaufpreis imme'' höher geschraubt habe, seien falsch. Es habe sich lediglich um Me Zahlung von Reugelli gehandelt, das vorgesehen war für den FglljJdah die Zahlungen nicht püftktlich innegxhclten werden. Dann ft'l'liü eder"esn Jirs�i'zr.a t P.alnn als Bevolstnächstgter-äleff Ge- �'merkschäft H'ildegKd aüfaesrZen, der mit allbn möglichen Stellen verhandelt hat und der schließlich auch mit d e r S t a d t Berlin in V"-bindung kam. Nach dessen Bekundungen wollte Berlin von der G'werkschast �Hildegard kaufen, wenn sie erst in zwei Jahren zu zahle» brauche. Stall dessen würde aber die Soarkasie ein Darlehn von 4 Millionen geben und davon sollte er 3 Millionen erhallen. Danach sei es ihm völlia klar, daß die Sladt Berlin über die Vornan»? genau unterrlchset aewesen ist, und es hätte von der Stadt Verlin nur eines Anstoßes bedurft, um den verkauf zwischen ihm und der Stadt direkt zustande zu bringen. Er lc> in der Lage gewesen, den Vertrag mit der Gewerkschaft Hilde- gard sofort zu lösen, da diese ja mit den Zablungen dauernd im Rückstand war. Er seinerseits habe dazu keine Veranlassung gehabt: einmal wollte er nicht unfair der Gewerkschaft Hildegard gegenüber handeln, dann aber hätte er befürchten müssen, daß ihn diese wegen des entgangenen Verdienstes schadenersatzpflichtig mochte. Herr von Siemens bekundet dann noch, daß er weaen der Best- sordcrung von t.1 Million"» die Gewerkschaft Hildegard habe verklagen müssen. (Davon haben die Zeugen Waltking und Steidel am Dienstag dem Ausschuß keine MUteilung gemacht!) Der endgulsige Kaufvertrag lautet aus 4,65 Millionen. Die bei der Stadt Berlin eingetragene Restso-derung von 1,1 M'U'onen hat er dann an eine Genfer Bank verkauft, und zwar für 1 Million. Als Kuriosum erwähnt der Zeuge. daß er und sein Schwager dafür die selbstschuldnerische Bürgschaft haben übernehmen müssen. D'e Schweizer Bank habe also schon vor dem..SchlamaNel" in Berlin zu der Stadt weniger Zutrauen gehabt als zu zwei Vrivatleuten. welle'cht deshalb, well diese nicht vor- bestraft sind. Er bätte diese Bürgschaft auch geleistet, denn mit ihm sei es sowieso„Matthäi am letzten" und was hinterher komme, sei ihm eaal. Schließlich erklärt der Zeuge noch, daß Waltking auch von ihm eine Provision von 10000 Mark erhalten hat, weil er so„geschwitzt" habe. Daß Waltking aber sein besonderes Der- trauen asnossen habe, bestreitet er aanz entschieden. Nach dieser Aussage fordert Abg. Dr. Deerberg(Dnall.) mit großer Entschiedenheit die Vereidigung auch dieses Zeugen. Er stehe unter dem Eindruck, daß die gestern vereidigten Zeugen Waltking und Steidel in vielen Punkten falsche Aussagen gemacht haben. Es fei Sache der Staalsanwalff Haft, sich nunmehr m'l den ver- sch'edenen unter Eid gemachten Aussagen zu beschäftigen. Hierauf sagt als nächster Zeuge Direktor Maltern von der S'emensschen Vermögen? verwaltuna ans und schildert nach den Akten im einzelnen die Vorgänge. Waltking sei am Ansang der Verhandlungen sehr großsvurig aufoetreten. aber auch er habe zu einem solche n„Tyv" kein Vertrauen gebobt. In nichtöffentlicher Sikung beschl'eßt der Tlueschuß d'e Vereidigung der beiden Zeugen. Zeuge von Siemens lehnt es ab, den Eid in der religiösen Farm zu leisten. Er schwört ebenso wie der Zeug« Mariern in der bürgerlichen Form. Der Ausschutz beginnt hierauf die Erörterung des Ankaufs des N-'�eraukes Bnh. Zeuge Amtsrat Eckelt vom Zentralmaaistrat soll darüber Aus- kunft geben, daß ein Kaufgeld von? 020 000 Mark nach den Akten gezahlt werden sollte, während der Kaufscheck nur über 2 Millionen lautet. Da stch der Zeuge auf diese Dinge nicht mebr besinnen kann, wird er vom Ausschuß beauftragt, bei der Stadthauvtkaise sestzu- stellen, ob die Verkäufer von Britz den Zweimill'onenscheck eingelöst haben, da in diesem Falle unklar bleibt, wo die 20 000 M. geblieben sind., Der Zeuge Mattheus als Pachter von Britz bestätigt, daß es Kgch U«b«rn achte-r" liest. Dort bekennt sich Hitler in einem endlosen Artikel zu Hugenberg und schneidet die wilden Angriffe der nationalsozialistischen Presse gegen Hugenberg mit folgen- der Erklärung ab: „Ich halte es immer für zwsckmäßiger, ni I t Verbündeten als gegen Verbündet« zu kämpfen. Auch im inner- politischen Komps werde ich jede Horch ergreifen, die sich mir zur Durchführung eines notwendigen Kampfes entgegenstreckt. Das galt für die Vergangenheit und gilt auch für die Zukunft." Das bedeutet, daß Hitler Hugenberg Rückendeckung für diesen Umfall und für den nächsten gibt! Oer neue illitz-prozeß. Aerufungsverhandlung gegen den Volksbundiustrer. kattowih, 9. April. Unter großem Slndrang— vertreten sind von ausländischen Wällern der„Manchester Guardian", die„Neue Zürcher Zeftung" und das Journal de Geneve"— begann die Berusungsverhandiumz im Prozeß gegen den Leiter des Deutschen Volksbundes, O!o Ulttz, der am 26. Juli v. I. wegen Beihilfe Zur Entziehung vom Ulililärdienst zu 5 Monaten Gefairgnis mit einer zweijährigen Bewährung;- frist unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt worden war. Richter find Dr. Zehemer als Lorsitzender mit den Beisitzern Lesser und Giywacz. Di« Anklage vertrllt Prokurator Lewan- doroski: der Angeklagte hat Dr. Bai als Rcchtsbe'stand. Der Ber- Handlung wohnt auch der englische Parlamentarier Oberst Mo- l o n e bei. Der vorgeladene preußische Oberregievungsrat Graf Matuschka-Oppcln ist infolg« einer Operation nicht reisesähig und daher nicht erschienen. Es wurde bekanntgegeben, daß das Appellationsgericht die Bc- rufungen des Staatsanwalts wie der Berteid'gung für genügend begründet anerkaimie und den Antrag des Verteidigers aus Z r'ul- Weisung der staa to n wo llscha f tli chen Berufung abgelehnt h»t. Dn' Angeklagte erklärte daß er die Besche'n'gung für Walucha, die den Gegenstand der Anklage bildet, niemals geschrieben habe, sich im übrigen aber ans seine Ausführungen in der ersten Instanz beziehe. Auf Beiragen sagte der Angeklagte, es sei ftintr Ansicht nach nicht ausgeschlossen, daß auch das V a p i e r des Doku- ments in Sachen B'alucha nicht«cht sei. Aus Betragen des Ber- teidigers gab der Ängeklaate noch eine ausführliche Därstell"ng seiner Stellungnahme zur Einführung der allgemeinen Wehrpfächt in Ostoberschleflen und betonte, daß in einem demokratischen Staat die lveknvslicht seiner An'icht nach eine der Hauptansgaben der männlichen Zugend darstelle. und daß er außerdem für die allgemeine Wchrpsticht in Ostober- schlesien deshalb«ingetreten sei, damit die Mir.detheUenstigend von vornherein sich an die allgemeinen Staatspflichten gewöhne.• Die Vernehmung de? ersten Zeugen, des Kapitän? C y ch o n, ergab gegenüber der vorigen llmersuchung einige wesentliche Unterschiede. Der Zeuge hielt im allgemei-en lerne damalige Aussage aufrecht, füg'« aber hinzu, daß der Chaufseur Primus Körre- spondenzen, die an den Volksbund und das deutsche G-yeralftmMat gerschtet waren, der Geheimpolizei verschafft hat und zwar, indem er sie vor Zustelluna an die Adressaten der Abte'lung 2 des Polizeipräsidiums brachte. Hierbei feien auch öfter B'ieft von dieser Abte'lung geöffnet worden, um an d'e Dokumente heran, zu« kommen. Der Zeug« gab zwar zu. daß er einige Male bei der„Be- arbeitung" der Dokumente.zugegen gewesen sei, er äußerte sich aber nicht darüber, wie die Bearbeitung vor sich ging. und alle Versuche des Vorsitzenden, Aufklärung, zu erlangen, schei- te r t e n an den ausweichenden Antworten des Zeugen, der noch erklärte das Originaldokument Bialucha habe er selbst nicht ge- sehen. Bemerkenswert war, daß der Zeuge sein- Aussagen in i'er ersten Instanz betr. den Grenzllb-'rtritt mittels Mliglftderau-wnses des Volksbunde« dahin einschränkte, daß er damit mir die Ue'--r- schreiiung der Absllmmungsgrenze gemeint habe, nachdem die Be» treffenden voriger mit der regulären G r c n z k ä r t e die deglsch- vainücke Grenze überschritten hätten. Auch für die angeblich staa:?- seindi'che Be-mflusiiing der„Kall. Ztg." durch den Angeklog«n verwies der Zeuge leduckM> auf das von ihm in erster Instanz übe» reickcke Tckneib«» des AfA-Bunde s, er konnte Im übrinem ober nichts dafür anführen, daß der Anaeklagte die„Kall Zsa in staatsfeindl'-bem Sinne bc-instußt hä'te Weiterhin erk'äcke der Zellge auf Befragen der Verteidigung, daß er ln erster Inst-nz behauptet Hobe, die Unterschrift des AnseNaoten auf dem inkrimri-r- ten Artikel fei echt, nur damit weil«r Gel-g-nbei» gebobt hätte, die Unterschriften des Angeklagten bnährend der Verh-n�lu'-a zum Vergleich heranzuziehe»: andere Unterschriften des. Awaetlaa'cn Halle«r vorder nicht gekonnt. Der Zoug« könnt- auch nicht zugeben, ob dt« dem Gericht vorragende photographilche Platte, die in erster Instanz nicht vorlag, die Ausnahme des Originaldokuments otr-r nur ein« Photographie dieses Dokuments fei. Die D-D-Äank Gegen den Wertschastspessimismus. Der erste Ckschäftsbcricht der Deutschen Bank und Disconto- gesellschaft, der zweifellos rcprüsentntiostcn Bant Deutschlands, mit ihrem 5 Milliarden Eigen- und Fremd- kapital und ihren auch nach dem Abbau noch 2l 600 Mann zählenden Angestelltcnheere, ist jetzt veröffentlicht. Zur Erinnerung fei bemerkt, daß Ende Septeniber 1029 nebe» der Deutschen Bank und der Diecontvgefellschaft auch die Süddeutsche Discontogesell« fchast, die Rheinische Creditbauk, der Schaaffl�aiescnsche Bankverein, die Norddeutsche Bank(vorher noch die kleine Osnabrückcr Bank) in der Nicsenbank aufgegangen find. Im Jahre 1939 wurden drei weitere Fusionen mit Pfeiffer-Kassel, Franck-Kreseld und Doerten- bach-Stuttgart durchgeführt. Die Schaffung der Deutschen Bank-Dis- contogesellschast war.ein Ereignis erster Ordnung, das die Bildung des Farbentrustcs, des Nohmontantrustes und der Lloyd-chapag I. G. noch weit an Bedeutung übertraf. Wir haben immer betont, daß die Rationalisierung des deutschen Bankwesens erst noch bevorsteht und so war die Bildung der D-D-Bank auch nur als Großekappe für eine Neuorganisation des deutschen Bankwesens anzusehen. Für eine volkswirtschaftliche Erfolgsbeiirtci» l u n g. die bei einer solchen Riesenbant die allein gebotene ist. wäre es nach drei Monaten Fusionsgeschichte noch zu früh. Freilich wäre die Fusion nach der Gegenüberstellung der addierten Bilonzzissern der sechs verschmolzenen Banken für 1928 mit den Schlußzissern der vereinigten Bank für 1929 als Erfolg anzusprechen. End- 1028 Ende l0ZS (b fuiiont-rt!(®(»titfie Bank Bon'rn) und Discanto) Will. 3R. Mill M. Kreditoren 4642,8 4728,6 Akzepte........ 212,9 213,2 Wechsel u. Schatzanw.... 1314,5 1249,9 Reports u. Lombards... 303,5 152,4 Worenvor�chüsfe...,. 673,1 699,9 Wertp u Kons-Btlg.... 166,4 154,2 Dauernde Bllgn...... 67,8 35,0 Debitoren...... 2107,7 2 403,0 Bankiebäude u. Grundb... 109,5 lll.9 Jinseinnahmen..... 100,9 101,7 Provisionen...... 119,1 119,9 chandl-Unt........ 151,9 155,9 Steuern........ 27,1 24,9 Reingewinn......(50,0) 32,1 Dividende.......— 10% AkÜenkapiial...... 361,0 285,0 Reserve»....... 153,0 160,0 Ges. Eigeukapilal.... 514.0 445,0 Die Summe der Kreditoren, die sntsckieidend« Geschäfts- g rund läge, ist von 4643 auf 4729 Mill. gestiegen. Zlus der Aktivseite zeigen sich Verschiebungen, die teils durch kontenmäßig« Um- Buchungen infolge der Fusion, in der Hauptsache aber durch kon- junkturelle Richtungsänderunzen des Bankgeschäfts zu erklären find. Wechsel- und Schatzamveisungen sind von 1314 aus 1250 Mill. zurückgegangen, Börsen- und Lombardkreditc von 303 auf 152 Mill. halbiert, Warenvorschüsse verhältnismäßig gering, aber doch von 663 auf 700 Mill. gestiegen, die laufend gewährten Kredit« am stärksten von 2108 auf 2403 Mill. erhöht. In der Gewinn- und Verlustrechnung ergibt sich bei den hauptsächlichen Einnahmeposten fast völlige Gleichheit: Zins- einnahmen sind mit 101,7 gegen 100,9, Provisionen mit 119,9 gegen 119,1 Mill. kaum verändert. Dennoch ergibt sich ein sehr beträcht- licher Rückgang des Reingewinns, bei einfacher Addition für 1928 von rund 50 auf 32,1 Mill. Mark. Ausionsziel und Ausionswirknl'.g. Schon hier zeigt sich, daß die Beurteilung der Fusionswirkung bei rein additioneller Gegenüberstellung ein« ganz andere ist, als nach dem Gesichtspunkt des Fusionsziels, den Eeschästsertrag unter Verringerung der Kosten zu steigern. Di« Handlungsunkosten sind 155,9 gegen 151,9 Mill. noch etwas höher ausgewiesen: die Steigerung wird durch den Rückgang der Steuern von 27,1 ans 24,9 Mill. auch nicht ausgeglichen. Die Dividende kaim aber mit 10 Proz. unverändert bleiben, weil statt des bisherigen Aktien- kapitale von 361 Mill. nur 285 Mill. mit Dividende auszustatten sind. Man wird in dieser N i« d r i g e r h a l ttu n g des Aktien- kapitals um 7 6 Mill. und in der gleichzeitige» Erhöhung der Reserven von 153 aus 160 Mill. eine der markaittesten Vorsichts. maßnahmen zu erblicken haben, um den Eindruck jedes Mißerfolges der Fusion zu erschweren. Di« Beurteilung der Fusionswirkung ist aber ganz besonders dadurch erschwert, daß man aus den erzielten Buchgewinnen und sonstigen Reserven der fusionierten Banken ein besonderes Fusionsvermögen gebildet Hot zur Deckung der Kosten, Ver- luste und Abschreibungen, über das kein Außen stellender ein Urteil hoben kann. Die wichtigsten Grundlagen zur Beurteilung der Fusion bleiben der O« f f e n t l I ch k et t also verborgen, und man wird die Entwicklung späterer Jahre abwarten müssen, um zu einem einigermaßen sicheren Urteil kommen zu können. In der Bilanz selbst hat man srellich bei einem Posten zur Verbesserung des Bildes stille Reserven aufgelöst, und zwar bei den Posten Gebäude mth Grundstücke. Davon sind 15 Stück verkauft worden, dennoch sind Gebäude und Grundstücke in der lS29cr Bilanz mit 112 gegen 109 Mill. noch höher ausgewiesen als in den Additionsposten von 1928. Der Geschäftsbericht ist über den Fusion-crjolg, weim auch vptimtsttfch, so doch sehr schweigsam, weil offenbar der Ae- neralversammlung noch cinig« Rosinen aufgehoben werden sollen. Ueber den Personalabbau wurdennoch keine Ziffern gegeben, der Personalbestand betrug runh 21 600 Maim Anfang April 1930: nach einer Erklärung des Herrn Wassermann sollen von den abgebauten Beamten 5VA Proz. bereits wieder unter. gebracht worden sein. In dieser Richtung werden die Fragen der Anaestelltenoertreter in der Generalvcrsamrnlung wohl noch einige Aufklärung bringen. Wir hosten auch, daß zahlenmäßig« Mit- teilungen darüber gemacht werden, in welcher Weis« an der Spitz« abgebaut worden ist und was an Abfindungen und dauern- den Leistungen für diesen Abbau zu zahlen sein wird. Was die größle deutsche Bank, d>« 5 Milliarden Mark ständig zu verwalten hat, zu den Problemen der deutschen Wirlschasls-, Aiuanz- und Soziglpolilik zu sagen hat. fordert um so mehr Aufmerksamkeit, als der Geschäsis- beriefst der Deutschen Bank und Discontogesellschast auch im Zlus- land besonder« Beachtung zu finden pflegt. Der Lebenshaltungs- index fei sehr viel weniger stark gesunken als der Index der Agrar- erstattet Bericht. - Die große deutsche Kapitalbildung. Produkte, der Index der Rohstoffe unvergleichlich viel stärker als der Index der Fertigwaren. Als gegen Schiele gerichtet nnrd man die Bern.-rkung auffassen dürfen, daß die Rentabilisierung der Landwirtschaft nicht durch Gelegcnheilzgesehe. sondern in weitgreiscndcr, inethodischcr Arbeit herbeigeführt werden müsse, wobei die landwirtschaftlichen Produktions- und Absaßmclhodeu aus die wcllwirk- schaftliche Entwicklung eingestellt werden müssen. Die zweckmäßige Verwendung der dafür nötigen Gelder sei ebenso wichtig wie ihr« Ausbringung, und wenn die Selbstverwaltungskörper der Land- Wirtschaft auch die wichtigst« Ausgab« hätten, so könne der Staat doch nicht auf eine Ueberwachung verzichten. Die deutsche Industrieaussuhr müßte sich elastischer der Weltmarkt- entwicklung anpassen können, doch drückt sich die Deutsch« Bank hier vor dem Schluß, daß dann auch von einer Erhöhung der I n d u st r i e z ö l l e keine Rede sein darf und daß die Kartell- und Monopolpreise in Deutschland abgebaut werden müssen, ein« Forderung, die die Dankkundschaft aus der verarbeitenden Industrie aus dem Munde der Deutschen Bank sicher sehr gern« gehört haben würde. Di« d r e i Hemmnisse einer Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft seien das deutsche Steuersystem, das holze Lohnniveau und der hohe Kapitalpreis. Ausgabensenkung wird verlangt. Aber: „Schorfe plötzliche Drosselung der Ausgaben schadet mehr als sie nützt", auch die notwendige zweckmäßigere Verteilung der Lasten zwischen Produktion und Konsum könnten aber neues Kapital nicht schaffen. Das ist eine Lehre für alle Weih- nachtsmänner in der Finanzpolitik. Die Lohnerhöhungen der beiden letzten Jahre seien nicht mehr aus steigender Wirtschafts- rente bezahlt worden. Wäre die Nominalhöhe der Löhne und Ge- höster in Deutschland um 10 Proz. niedriger, so wäre die Arbeits- lofigteit geringer und die Wirkung sinkender Preise auf Außen- Handel u»ü> Zahlungsbilanz hätten den Realloh» wahrscheinlich trotz- dem nicht gesenkt. Einen Eisatz für eine Lohnreduktion könne die Verlängerung der Arbeitszeit bieten, die zeillich be- grenzt werden könne. Eine Senkung des überhöhten Zinsfußes könnt« herbeigeführt werden: durch Steuersenkung zu stärkerer Kapitalbildung und Berringming der Kapitalflucht, Lohnsenkung oder Arbeitszeitverlängerung könnte die Nachfrage nach Inoesti- tionskapital für Rationalisierungszwecke verringern, die öffeirtliche Kapitalnachsrage könnte durch Senkung und Konsoliidierung der öffentlichen Schulden verringert werden.— Leider handelt es sich bei der ganzen Auffassung auch wieder nur, ml« es b» den darb- scheu Unternehmern üblich ist, um ein Kurieren an den Symptomen. nicht uni eine Heilung der deutschen Wirischojtskrankheit selbst. Wenn Deutschland durch Reparationen von 2 Milliarden bei einer (angenommenen) Kapitalbildung von 10 Milliarden jährlich nrt 20 Proz. vorbelastet ist, dann ist es selbstverständlich, daß auf Jahre hinaus eine starke Verschuldung dem Ausland gegenüber notwendig ist, um die erforderliche zusätzliche Verbilligung der Produktion um 20 Proz. zu erreichen. Höhere Löhne waren bisher das beste volkswirtschaflliche Mittel, um die entsprechende Rationalisierung ohne Gefährdung der inneren Kaufkraft, von der unsere Konkurrenz- sähigkeit im Ausland abhängt, zu erzwingen. Durch die�D rosse- l u n g der ausländischen Kapitalzufuhr ist die Steigerung der inländischen Kaufkraft und die erjolgreiche Rationalisierung der Industrie vorzeitig gestoppt worden. Das sind u. E. die-wirklichen Ursachen der jetzigen Depression. Werden mechanisch Staatsaus- gaben und Steuern gesenkt, gar Löhne reduziert, die Arbeitsze't verlängert und schließlich aus Steuer- und Tariferhöhungen in der öffentlichen Wirtschaft zwangsweise Anlage»werte geschossen, dann wird die Krankheit verschärst, statt gemildert. Die unterschätzte kapitatblldung. Gegen den Wirtschaftspesstinismus wendet sich der Geschäfts- bericht mit starken Argumenten. Wichtige Zusammenschlüsse im Industrie-, Handels-, Bankwesen und Versicherungsgewerbe, die Bildung von internationalen Berkaufsverbänden hätten auch im vergangenen Jahr die Wirtschaft gestärkt. Die deutsche Kapi- t a> b i t d u n g werde stark unterschätzt, weil sie Infolge der Selbsisinanzierung nur wenig iu Erscheinung trete. Die Auelandsverschuldung Deutschlands betrage insgesamt 15 Milliarden Mark.„Es entspricht dies ziffernmäßig dem Betrag, den wir feit Beginn der Stabilisierung allein im Wohnungsbau investiert haben (14,9 Milliarden), daraus folgt, daß alle anderen Zahlungen und Anlagen, also die Reuausfrischung der privaten Haushaltungen und der Handelslager nach der Inflation, die ganze Rationalisierung mit Fabrikbauten und maschineller Reueinrichtung, Verbesserung im Eisenbahn- und Verkehrswesen, Bau neuer. Instandsetzung alter Straßen, die nicht gerade zu sparsame Einrichtung und Ausstattung ösfentlicher Gebäude seit 1924 und endlich die 6 Milliarden Dawcs-Zahlungcn aus eigener Kraft geleistet worden sind." Dieses Zeugnis der Deutschen Bank uttd Discontogesellschast, daß die gewaltige W i r t s ch a f t s l ei st u n g Deutschlands aus eigener Kraft, an der die Arbeiterschaft ein sehr hohes Verdienst hat, mit einprägsamer Wucht unterstreicht, wird allen finanz- und sozialpolitischen Schwarzmalern und Hetzern immer wieder entgegenzuhalten sein. Debatte im Reichskohlenrat. „Der Bergbau nagt am Hungertuch." In Bertin fand gestern die jährliche Vollversammlung des Reichskohlenrotes statt. Bcrghauptmann B e n n h o l d, der den Jahresbericht über die Lage der Kohlenwirtschaft erstattete. hob hervor, daß die kräftig« Kahlenkonjunktur im vergangenen Jahre eine Erhöhung der Fördermengen um 12,5 aus 163,5 Millionen Tonnen, also um rund 83 Proz. gegenüber 1928 gebracht habe. Sogar das Rskordjahr 1927 wurde mit einer um 6,4 Prpz. höheren Fördcrmenge!m letzten Jahr« weil i n d e n Schatten gestellt, während das letzte Friede nsjahr (berechnet auf das heutige Reichsgebiet) sogar um 223 Millionen Tonnen oder 16 Proz. übcrtrossen wurde. Die Koksproduktion sei durchschnittlich gegenüber 1928 mit 10,9 Proz. noch stärker ge- stiegen und liege um rund 21,7 Proz. über dem Friedensstande. Der seit Jahresbeginn sestzustellende schwere Konsuniklurrückschlag Hobe besonders für die vberschlesischen Reviere schwere Folgen gehabt. Der erfreuliche Ausstieg der obcrschlesischcn B« l e g s ch a f t um rund 4000 auf 60 400 Mann im letzten Jahre sei durch den Rückschlag bereits mehr als ausgehoben. Es sei im Gegenteil durch den inzwischen vollzogenen Abbau von 5500 Bergarbeiiern sogar eine Verminderung gegenüber Anfang 1929 eingetreten. Daher seien auch unter Berücksichttgung höherer volkswirtschaftlicher Gesichtspunkte die schweren Bedenken der deutschen Kohlenwirtschajt gegen die Einsuhr polnischer Kohle durchaus verständlich. Auch das letzte Jahr Hot eine weitere Steigerung der Arbeitsleistungen mit sich gebracht. Der Fördern n teil je Kopf und Schicht der gesamten Grubenbelegschast erhöhte sich auf 1271 Kilo und für die Arbeiter unter Tage aus 1558 Kilo. Damit ist' der durchschnittliche Fövdcronteil je Mann und Schicht gegenüber 1913 um reichlich 34 Proz. gestiegen, während noch 1928 die Steigerung erst 26 Proz. betrogen hatte. Der Bericht muß serner eine Besserung der Erlöse des deutschen Steinkohlen- bergbaues infolge des Mehrabsatzcs und der Besserung aus dem Wellkohienmarkt zugestehen. In der Diskussion trat als Vertreter der Bergarbeiter Genosse M a r t mö llc r für die Siebenflundenschichk im Bergbau ein. Er wies daraus hin, daß Ende 1923 die Arbeitszeit in frei- williger Vereinbarung verlängert worden sei und er- innerte an das Versprechen von Hugo Stinnes, an einen Zlbbau der Arbeitszeit heranzugehen, wenn die Friedensförderung je Mann und Schicht wieder erreicht sei. Jetzt sei nicht nur der Stand der Frtedensleistikngen wieder erreicht, sondern sogar tun 34 Proz. überschrillen. Die vom rheinischen Braunkohlen- syndikat letzthin angewandte Politik, die Preise nicht wegen der Selbstkosten, sondern aus marktspekulalioen Gründen hochzu- schrauben, sei unhaltbar und lasse für die Zukunft jede Möglichkeit offen. Es sei im höchsten Grade bedauerlich, daß sich das Reichs- wirtschafts Ministers um dieser Politik nicht widersetzt habe. Zum Schluß wandte sich Martmöller gegen die Uebersetzung der Produkttonsanlagen des Bergbaues und die zahlreichen Fehl- 1«! t u n g e n von Kapitalinvestitionen, die auf das engste mit dem Ucberhandnehnien der Selbstfinanzierung der Betriebe zusammen- hängen. Als Unternehmervertreter cntgegi�etc der Stahlt rust-Dircktor K n e p p e r, daß die Verzinsung des im Bergbau angelegten Kapitals minimal sei. Käme die von Martmöller gefordert« S! eb en stu ndenschi cht, so sei das Ende des deutschen Berg- b a u e s da. Unter dem Gelächter der Arbeiterverireier verstieg sich Herr Kneppcr, der kurz vorher noch das vergangene Jahr als das beste seit der Inflation bezeichnet hatte, zu der Behauptung, daß der Bergbau heute schon am Hungcrtuchc nage. Dr. B e r g e r- Bochum vom Bergarbetterverband ersuchte die Unternehmer, nicht allzuviel schwarze Schminke auszutragen. Herr Knepper überschätze die Glaubens- kraft der Versammlung doch ganz gewaltig. Man solle den Enquetebericht nachlesen, wo eine objektive Untersuchung die wach- senden Erlöse im Bergbau festgestellt habe. Auch nach Abzug der von Schmalenbach sehr hoch festgesetzten Abschreibungen habe der Stein- kohlenbergbau an der Tonne Kohle 2,50 Mark bar verdient. Wenn der Bergbau am Hungertuch« nag«, sei es ein Rätsel, wie die Zechenkonzerne die riesigen Aufkäufe von Beirieben in den letzten Monaten, mit barem Geld« bezahlt hätten. Die ausgeschütteten Dividenden besagten heute gar nichs mehr, denn sie ständen im schärfsten Kontrast zu den tatsächlich erzielten Erlösen. Kein Unternehmer könne abstreiten, daß der deutsche Bergbau sich mit Hisse seiner Abschreibungen groß gemacht habe, die aus der Arbeitskraft hes Bergmanns herausgeholt wurden. Die von Borger zum Schluß aufgestellte Forderung des Prüfvngsrechtcsder Selbstkosten im Bergbau durch den Reichskohlenrat stieß auf den schärfsten Widerstand der Unter- nehmcr, deren Sprecher Brandt hinter dieser Forderung poli- tisch« Motive vermutete und ein Zugeständnis der Zechen- Unternehmer in dieser Frage als S e lb st m o rd p o l i t i k bc- zeichnete. Tfaiie Goldzusuhr bei der �eichsbank. Oer erste Ausweis des Präsidenten Luther. Der Ausweis der Reichsbank vom 7. April, der zum erstenmal von dem neuen Reichsbankpräsidenten Luther verantwortlich ge- zeichnet ist, weist eine für die erste Moimtswoche sehr kräftige Eni- lastung auf. Die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln, Schecks, Lombards und Wertpapieren ging in der Berichtswoche uni 168,4 auf 2193,6 Millionen Mark zurück. Der Hauptteil der Ent- lastung fällt auf die L o m b o r d b e st ä n d e(Kredite gegen Hinter- legung von Wertpapieren und Waren), die sich um 145 auf 56.3 Millionen Mark senkten. Die Entlastung des Wcchselbestondes, die mit nur 25,7 Millionen Mark angewiesen wird, dürste tatsächlich on- nähernd 60 Millionen Mark betragen haben, da die Einreichung van Auslandswechscln, die nicht unter den deckungssähigen Devisen, sondern„unsichtbar" über Weckseikonto verbucht wurden, sich in der Berichiswoche etwa in dieser Höhe gehalten haben dürste. Die Wirkungslosigkeit der letzten Diskontsenkung trat auch in der Berichtewoche in einem wetteren starken Goldzufluß von 483 Millionen Mark deutlich zutage. Da zugleich ein über das R o r m a l m a ß hinausgehender starker Rückstrom von Reichs- bankiioieii in Höhe von 264,4 Millionen Mark stattfand und der ge- samte Notenumlauf sich auf 4903,5 Millionen Mark ermäßigte, stieg die Deckung der Noten durch Gold allein sehr kräsiig von 51,9 auf 55,7 Proz. Die Deckung durch Gold und deckungssähize Devisen erhöhte sich von 60 aus 63,4 Proz. Ferngas in Hessen. Oer AuisichtSrat der Hetoga wird nicht informiert. Der Lorstand der Hessischen Kommunalen Gasversorgung (Hckoga) hat zu einer Aufsichtsratssitzung für den 10. April eingeladen. Auf der Tagesordnung steht: Beschlußfassung über die gänderten Verträge mit der Ruhrgas-A.G. Bis zur Stund« ist den Aufstchtsraismttglicdern noch In keiner Weise Bericht gegeben worden über die vorgenommenen Aenderungen. Auch sind die neuen Vertrag-eutwürje den Aufsichtsratsmttgliedcrn nicht aus- gehändigt worden. Der Lorstand der Hekoga hat immer die Ueberraschimgspolittk bevorzugt. Sollten hier wieder vollendete Tatsachen vorbereitet wor« den fein? Oonnersiag 10. April 1930 Unterhaltung und �Vissen Vellage des Vorwärts Siurl Studolf Weuberi: Wir find alle fliomödianlen Schluß., Theo mixb uns nie glju&cn. Er wird das Schlimmste annehmen. chören Sic? Das Schlimmste! Aber... ich liebe Sie! Ich werde mit Ihnen verreisen! Wollen Sie? Ich werde... Wollen Sic? Antworten Sie doch, sagen Sie doch etwas, wollen Sic meine Freundin, meine Geliebte, was weih ich noch, meine Frau werden? Es klingelt. Einen Moment. Es war das Telephon. Nein, es war die Türglocke. Wer mag dos denn sein? Ach, beruhigen Sie sich. Es ist gar nicht Theo. Theo war gar nicht am Apparat. Ich habe Sie in Angst versetzt. Es war ein« Idee von mir, eine challuzi- nation. Ich weih nicht, was ich damit bezwecken wollt«, es siel mir vorhin so ein. Vielleicht dachte ich, daß Sic... Aber dieses Klingeln. Ich muß doch nachsehen... Einen Moment nur noch. Sie können dann gleich gehen. Sosort gehen. Seien Sie mir nicht böse. Ich Hab' mich schon wieder in der Gewalt. Ich denk« an unsere Abmachung. Behalten Sie das Vertrauen zu mir, bitte. Dieses Klingeln... Ich oerbiitc mir dieses Klingeln. ... Ich... werde... Theo. Ich... ich kann dich leider nicht empfangen. Ich habe Besuch. Was ich für ein Gesicht mache? Mache ich denn so ein komisches Gesicht? chahaha. Findest du, Theo? Es kann schon sein Theo, ich... Ich kann dich nämlich wirklich nicht«mpsangen, entschuldig«. Ich habe Besuch, sagte ich das schon? Eine Dame, Theo. Na, erlaube mal. Das geht doch nicht. Auch nicht fünf Minuten. Ist es denn so wichtig? Versteh' doch meine SituationI Du wunderst dich über mein komisches Ge> ficht, merkst du denn nicht, daß du mich... daß du mich... im Augenblick... geradezu belästigst? Theo, ich bitte dich, nimm sofort den Fuß von der Schwelle. Was fällt dir«in! Bist du verrückt geworden? childa bei mir? Du bist irrsinnig! Bleiben Sie im Zimmer, Lucie, bleiben Sie doch im Zimmer, Lucie. 5}ier ist ein Bekannter von mir. Bist du denn schon angezogen, Lucie? Kannst du dir nicht schnell etwas überziehen? Theo, merkst du denn nicht, daß du genierst? Sie hat bei mir geschlafen, kam vor zwei Stunden müde aus Hamburg. Eine alte Freundin. Junge, mach doch nicht so ein Gesicht. Was machst du für ein Gesicht, Theo. Hab' ich etwa vorhin so ausgesehen? Also, Theo, nimm sofort den Fuß von der Schwelle. Was weißt du? Was weißt du? Du bist verrückt. Theo, ich boxe dich nieder, wenn du es wagst... Na, endlich. Was hast du denn nur? Wie kommst du auf diese verrückte Idee? Sei doch vernllnstig. Wie ein kleiner Junge bist du. Ich werde Hilda das erzählen. Was würde Hilda dazu sagen. Ich habe übrigens vor einer halben Stunde mit Hilda gesprochen, sie ri«f mich aus dem Cafe 1. an, ob du hier wärest. Fahr doch gleich hin, vielleicht triffst du sie noch. Einen Gruß, bitte. Also nimm mir's nicht übel, aber du weißt ja... Aus wiedersehen, lieber Theo... Halt mal, Theo. Wollen wir abends zusammenkommen? Ich bringe meine Freundin aus Hamburg mit. Was meinst du dazu? So machst du doch noch ihre Bekanntschaft. Abgemacht? Schön. Auf Wiedersehen! ... Er ist fort. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Ganz recht. Nach dieser Komödie können Sic mir nichts mehr glauben. Sie glauben nur, daß Theo vorhin wirklich am Telephon war. Glauben Sie, was Sie wollen und müssen. Ich kann nichts dagegen tun. Aber jetzt müssen wir die Komödie zu End« spielen. Wie, Sie wollen Theo aufklären? Das wollen Sie? Sie ver- derben alles. Eigentlich ist ja kaum etwas aufzuklären. Es ist ja gar nichts vorgefallen. Sie sind die best«, treueste Freundin. Sind Sie das nicht? Ach, jetzt erst merke ich, wie Sie da verstört im Sesiel liegen, verweint, voll Scham, von Ihrem Gewissen gequält.'Warum«igent- lich? Theo hat schuld. Theo mit seiner Bereitschast, Ihren Horm- losen Besuch zu mißdeuten. Es ist Veranlagung bei ihm. Aber wir müssen jetzt die Komödie zu End« spielen. Ich kann Ihnen nicht Helsen. Sie fahren sofort nach Hause und warten auf Theo. Sie waren also im Casö, Sie sind dann gleich nach Hause gefahren. Später rufe ich an und wir treffen uns dann irgendwo. Ich bringe mein« Freundin Lucie aus Hamburg mit. Ich werde sofort Lilo anrufen. Sie wird heute Lucie sein. Es bleibt uns keine andere Möglichkeit. Finden Sie sich damit ab. Trocknen Sie ihre Tränen. Lächeln Sie wieder hübsch und scharmant. Hier sind Ihre Ueberschuhe, Ihr Mantel. Bitte. In einem halben Jahr werden Sie über dieses Erlebnis lachen. Auch Theo wird darüber lachen müssen, wenn Sie es ihm dann sagen. Trösten Sie sich damit. Das Leben ist eine Komödie. Wir sind olle mehr oder weniger Komödianten. Die«inen, zu denen ich mich rechne, aus Ueberzeugung, die anderen: ohne es zu wissen... Johann Jichtner: 3)as Jßeben in Sibirien Bis' zum Jahre 1914 ist es dem deutschen Volke in Rußland gut gegangen, besonders in Südruhland hatte sich der deutsch« Bauer gemütlich eingerichtet. Er bearbeitete in Ruhe. und Frieden sein Feld, pflanzte ällerlei Obstbäume und genoß dessen Frucht. Doch ich will mehr auf das Leben und Treiben der Deutschen nn lallen'irnd traurigen Sibirien eingehen. Es waren ja die meisten Bauern in Sibirien solche, die in Südrußlaitd kein Land mehr zum Besiedeln bekamen m»d um Land zu kaufen, waren sie zu arni. lind so kam es, daß im Jahre 1908 eine große Volksmenge deutscher Bauern, ineistens jüngere, ihr Elternhaus verliehen und nach Sibirien wanderten, wo ein« große Fläche in der Kirgisensteppc frei war. Im Jahre 1908 wurden die ersten deutschen Dörfer angelegt, tind nach wenigen Iahren schon stand«ine große Reihe blühender Siedlungen da aus einem Land, daß vor kurzer Zell noch Wüste war. Die Dörfer beslaudcu meistens aus 33 ins 40 Wirtschaften, eine Wirtschaft hotte 33 Hektar Ackerland und 19 Hektar Viehweide. In jedem Dorfe gab es auch eine Schule. Der Hauptunterricht war deutsch, doch wurde auch russrjch lesen und schreiben gelehrt. Inmitten der neuen Dörfer befand sich das Gebietsanll. Dort war der Vorsitzende,.zwei Schreiber, der Postmeister, ein Brand- ältester und ein Waifenällester. Angrenzend stand das Kranken. haus. Von dam Gebietsanll wurde den deutschen Bauern Hilfe ge- leistet, aber auch die' Ordnung wurde von hier aus oufrechterhalten. Jeder Bauer niußte hinter den Gemüsegärten Pappeln pflanzen. Viel« Bauern hotten auch kloin« Obstgänen, es gab Stachelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren. In letzter Zell wurden auch Kirschen med Aepfel gepflanzt, doch sie gediehen nicht wegen der frühen Nachtfröste. Der Bauer hatte bei uns vier bis sechs Pferde, aber es gab auch Bauern, die hatten zwölf Pferde. Daim hatte jeder drei bis vier Kühe, Milchwirtschaft lohnt« sich nicht, die Preis« waren sehr niedrig. Di« deutschen Dörfer lagen 13 bis 73'Kilo, neter von der Bezirksstadt entfernt. Di« Wege waren gut, weil der Boden ein sandiger war. Das Holz war teuer, weil der nächst« Wald 120 Kilometer entfernt war. Die Häuser waren meistens aus Ziegeln oder aus Rasen errichtet. Ruhig und in oller Still« bearbeitete der Bauer sein Feld und sang sein fröhliches Lied. Da brach plötzlich der große Krieg aus, und da wir als Mennoniten kein Gewehr nahmen, wurden dl« Männer in die Wälder geschickt, wo sie die verschiedenste Arbeit ver- richteten. Di« jung« Mannichast wurde zun, Sanitätsdienst ein- berufen. Und so wurde der Bauer in seiner Arbell gestört. Während des Krieges wurden wir sehr unterdrückt, well wir ja Deutsche waren, doch als der Krieg zu Ende war. kamen die Männer, wenn auch nicht alle, wieder heim, und die Arbeit ging wieder fleißig las. Doch nicht lauge genoß der Laudniann diesen Frieden. Im Jahre 1918 brach der Bürgerkrieg aus. Im Herbst 1918 stand das ganze sibirische Volk unter der zeit- welligen Regierung von Koltschat. Er führte den Kampf gegen die Volichewiken. und so wurden im September 1918 drei Jahrgänge der jungen Mannschaft einberufen. Der Bauer, müde voni langen Kriege, sträubte sich dagegen und gab seine Söhne nicht her. Da schickte der Admiral ein ganzes Regiment Kosaken und Tschecho- flowaken riach uivsercr Stadt. Sie kainen»rlt Kanonen und Maschinengewehren, und dies« Unmenschen plünderten den Bauern so gut«ms, wie sie es nur konnten. Ein großes Russendorf wurde «uerft iu Brand gesetzt. Beel« Männer wurden erschossen,»de Frauen vergewaltigt. Auch der deutsche Landnwnn hatte viel zu leiden, ihm wurde alles Getreide weggenommen, auch Pierde, Wagen und so weiter. Und wo dies« Unmenschen hinkamen, wurde das Land zu einer Wüste. Sie nahmen alles, was ihnen gefiel, Uhren, Betten, Kleider und so weiter, und so zogen sie zwei Atonatc plündernd durch unseren Bezirk. Dann war wieder etwas Frieden. Im November 1919 überschritt das boljchoimstnchc Heer auch unser Land. In jeden. Darf wurden gleich'große Nersainmlungen einberufen, in denen dem Volke erklärt wurde, die neue Regierung wolle dem Volle Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkell geben. Doch die Freiheit genoß das Volk nur etliche Zell, Frühling des nächsten Jahres wurde dem Bauer alles abgenommen, Getreide, Vieh und Futter, was er nach hatte. Im ailderc» Jahre wurde eine Naturalsteuer aufgelegt, und die war so hoch, daß sie der Bauer unmöglich zahlen kannte. Der Bauer wurde gezwungen, un, leben zu bleiben, sein Brotgetreide zu verstecken. Dann kain ge- wohnlich ein Polizist mit einen, geheimen Agenten ins Dorf und suchte nach, das heißt, meist bei den Bauern, die viel gesät hatten. Alle Ecken und Winkel wurden durchsucht, sogar das Stroh und Heu gewendet. Und bei wem Getreide gesunden wurde, ob es nun wenig oder viel war, alles wurde weggcnonrmei, und der Mann wurde eingesteckt. Fanden sie aber nichts, so wurde das Vieh weg- getrieben, und wenn es auch manchmal die letzte Kuh war. Die Hausfuchunge» kamen meistens nachts. Viele von den Ver- hafteten haben ihr« Familie nicht mehr gesehen. Sie bekamen im Gefängnis Typhus und sind daran gestorben. Ja, dem Landmann wurde das letzt« Pud Getreide wcggenoimnen, und in der Stadt, an d«r Eisenbahn, lagen viele 1000 Pud im Schnee und Kot und ver- faulten, während viele Menschen iin Dorf und in der Stadt dem Hungertod« preisgegeben waren. Dann kamen die Seuchen dazu, Typhus, Pocken, Scharlach und so weiter, die wieder viele tausend Opfer kosteten. Di« Naturalsteuer dauerte drei Jahre. Das Gesetz wurde immer wieder geändert, und es wurde auch etwas besser. Und der Land- maim, besonders der deutsche, raffte sich wieder aus, besäte wieder eine größere Fläche Land und bearbeitet« seinen Acker. Dom Volke wurde gesagt, daß all dfes Elend mir Folge sei des großen Krieges und der Reoolution, und daß es von Jahr zu Jahr besser würde. Daim, im Jahre 1924, als das Geld einen gewisse» Wert hall«, wnrde die Besteuerung wieder geändert und die Nadurolsteuer wurde durch eine Geldsteuer abgelöst. Und diese Steuer war in den ersten zwei Iahren erträglich, jeder Bauer konnte st« zahlen und genug Brot für sich b« hallen. Dann aber wurde die Steuer erhöht, besonders der Landmann, der die größte Aussaat gemacht hall« und das meist« Vieh besaß, wurde schwer besteuert, und wenn er nicht zalsten konnte, mußte er das Vieh veräußern. Und so ging es immer weiter abwärts mit dem freien Landniann. 1927 wunde die Steuer besonders erhöht, ober sie wurde auf vier Raten vertcllt. Ein Beispiel soll zeigen, wie schwer es war: ein Mittelbauer hatte 13 Hektar besät und erntete davon 450 Pud Weizen. Wenn seine Familie aus fünf Seelen bestand, so brauchte er im Jahr 73 Pud Weizen, das ergab 40 Pud Mehl, und wenn er noch Fleisch hatte, reichte er das ganze Jahr. Um aber diese 430 Pud Weizen zu ernten, mußte er auch Menschen haben, die bei der Arbeit halse», und dgs kostete ihn etwa 60 Pud Weizen, jür Geld wollte keiner arbollen. Nehmen wir nun den Rest von 313 Pud Weizen, das ergab an Geld 378 Rubel. Das Gold aber wurde von der Regierung nicht auf etnmal aus» gezahlt. Auf dem Markte durfte kein Getreide verkauft werden, wer es dennoch tat, wurde bestraft, sür so einen Mittetbouern, wie wir gesehen hoben, tmude» nun jährlich 200 Rubel Steuern verlangt. Hatte er nun die ersten 20 Proz. bezahlt, glaubte er nun, Ruh« zu haben bis zum nächsten Termin, well gefehlt! Er mußte in der Zwischenzeit Bauernanleihe kaufen. Im Dorf war dann eine Bersannnlung und da wurde crllärt, daß man diese Anleihe nur freiwillig kaufen müsse uird nun war es ja klar, daß freiwillig kein Mensch nur einen Rubel hergegeben hätte. Vorher aber hatte der Agitator mit einem oder zwei armen Bauern gesprochen,»ran versprach ihnen alles, und si« kauften dann für einen oder zwei Rubel Anleihe, und abends hieß es nun: „Diese Armen haben getan, was sie tun konnton, und nun müßt ihr anderen aus Anleihe kaufen." Ja, und so ein Bauer wie der, von dem ich erzählt habe, der mußte nun für 30 Rubel Anleihe nehmen. Ja, manchen Bauern hielt man das Gewehr vor, und sie mußten bis zu 80 Rubel An- leihe kausen. Das war nun freiwillig, wie uns erklärt wurde. Dann wurde noch eine Selbstbesteuerung bis zu 33 Proz. durch- geführt, das heißt, wenn der Bauer 200 Rubel Steuern zahlt«, mußte er dazu extra 75 Rubel Selbstbesteuerimg auflegen. Und das wurde wie folgt gemacht: vom Rayon kam«in Mann und erklärte, daß diese Gelder zu Kulturzwecken im Dorfe blieben, für Reimmte der Schulen, sür Lesehallen und Radio und so wetter benutzt würden. Dann wurde atigestnrnnt, wer dafür wäre. 5) ob keiner die Hand, wurde die Frage anders gestellt:„W«r ist gegen die Sowjetregierunz?" Run, dagegen hob keiner die Hand und dami hieß es:„Antrag auf 33 Proz. Selbstbesteuerung ist einstimmig angenommen!" In der Zeitung wurde daim darüber viel geschrieben, es hieß, die Bauern, besonders die armen, hätten alles mit großer Freude angenommen. Daim wurden die Arbeiter aufgefordert, diesem Bei- spiel zu folgen. Den Arbeitern in der Stadt wurden ähnliche An- leihen aufgelegt. Ja, es habe» holze Beaintc, Mitglieder der Partei. selber gesagt, daß in den Zeitungen höchstens 3 Proz. Wahrheit stünde. Däim kain der Dezember, da niußte» wieder Steuern bezahlt werden. Run, der Bauer hatte ja seinen Weizen verkaust, er konnte zahlen, oder er verkaufte Butter, ein Schaf oder ein Schwein. Auf einmal aber hieß es, die Steuern müßten auf einmal bezahlt werden. Der Bauer bekam aber für den au die Regierung gelieferten Weizen erst im Frühling das Geld. Warum sollte gleich gezahlt werden? Run, der Bauer sollt« mit Zwang in die Koapc- rativc eintreten. Dort mußte dieser Bauer einen Mitgliedsbeitrag von 40 Rubel geben, dos Geld mußt« sofort bezahlt werden, eher bekam er kein« Ware. Wie vorher berechnet, sehen wir, daß ein Bauer, wenn er Brotgetreide und Arbeitslohn abrechnet, noch 378 Rubel hatte. Davon mußte er alles bezahlen. Run nehmen wir 378 minus Steuer 200, dann Obligationen 30 Rubel, Selbstbesteuerung 75 Rubel und Kooperative noch 40 Rubel, dann blieben ihm aus der Ernte ftir das ganze Jahr mir noch 30 Rubel übrig. Und weil er mit den überstürzten Terminen der Zahlung nicht gerechnet hatte— er mußte auch für sich etwas kaufen, Kleider und so weiter—, dann mußte er, um die Steuern auf einmal zu bezahlen, sein Vieh ver. taufen. Im Wnter aber war das Vieh billig, nieniand wollte Vieh haben, es war teuer, es bis zun» Frühling durchzubringen. Und wenn er im Frühling von der Regierung das Geld für fein Getreide bekam, tonnte er sich höchstens ein Pferd kaufen, denn olles war wieder teuer geworden. So kam es, daß ein Bauer, der mit großer Mühe van früh bis späl gearbellct hatte, im Frühling mit einer Kuh und mit einem Pferde dastand. Dann kam die Aussaat, die Saatfläche wurde zwangsweise bestimmt. Weil aber die Arbeitskraft so schwach war, es gab ja kein Futter für die Pferde, sie mußte» von Gras imd Spreu leben, so wurde min das Land schlecht bearbeitet. Das heißt, es wurde immer wieder auf altein und weichem Land(dem früher schon bearbeiteten) gesät. Ja. man hörte oft den Landmann sagen: „Ich muß den Samen streuen, aber es hilft nichts, das Land ist schon ausgesogen!" So trübe sah der Landmann in die Zukunft. Wenn die Saatzeit beendet war, kamen wieder die Quälgeister vom Rayon. Und wie war der Ertrag? Run, der Bauer bekam im vergangenen Jahr 30 Pud Weizen vom Hektar. Die Regierung aber verlangt« 33 Pud. 430 Pud hatte er geerntet, man verlangte aber 523 Pud von ihm. Und die 73 Pud wurden nachträglich ein- gefordert. Wenn sie nicht geliefert werden konnten, wurde der Landmann bestraft. Diese 75 Pud wurden im Sommer 1929 ver- doppelt, verdreifacht, ja. manchmal verfünffacht innerhalb 24 Stunden von dem Vauer eingefordert. Vom Rayon kam man und sagte: „Du mußt noch Getreide haben, wenn nichts da ist, wirst du bestraft. Dein Vieh und dein Hof wird verkauft. Warum gehst du nicht in die Kommune?" Und dann wurde alles aufgeschrieben, das tote und das lebende Inventar, sogar die Möbel und nach«in oder zwei Tagen wurde olles oersteigert. Und wer kaufte diese Sachen? Der einfache Bauer konnte nichts kaufen, es kauften die Kolletttos, die Zigeuner und Kirgisen. Die Kommune kaufte ohne Geld, sie bekam Kredit. Und so verschlang die Kommune des Bauern Hab und Gut. Das als« war die Freiheit, die der deutsche Landmann in Sibirien lzatte. Der ruffische Bauer war etwas besser dran, weil er gewöhnlich die Hälfte der Aussaat verheimlicht hatte. Sein« Felder waren im Gegensatz zu unseren weit verstreut und konnten>6 cht so überblickt werden. Unser Dorf bestand aus 33 Wirtschaften. Die Häufer waren meistens aus Erde. Es gab keine Wälder, mir ab und zu kleine Birkenhaine. Wir wohnten in der Kirgrsensteppe. Im Winter war es manchmal, über 40 Grad kalt. Der Winter dauerte vom Oktober bis Ende April. Ende April begannen wir zu pflügen. Wild gab es auch bei uns. Hasen und manchmal auch Wölfe. Die Kirgisen waren in der Hauptfache Biehzüchtcr. Sie besaßen große Schaf- Herden. Ich bin nach Moskau gegangen, weil ich von einem Freund, einem Kommunisten, gewarnt worden war Von Moskau aus schrieb ich an meine Familie. Es wurde alles verkauft und nach langem Warten bekamen wir auch die Pässe. Mein Bruder war Führer einer Gruppe in Moskau. Er wurde verhaftet. Der Familie sagte man:„Dein Mann ist schon auf der Station, er wartet auf euch" und hat sie dann zurücktransportiert. Mein Bruder kam nach fünf Tagen frei und ist jetzt wieder in Sibirien. _(äRilqrtcilt von M. 9.) Die Speisekarte ist eine Erfindung des Herzogs Heinrich von Braunschwsig und wurde zum erstenmal auf dem Reichstag zu Worms verwendet. parieinachn'chienAM� fürGroß-Verlin ---- n_>, i- cktji stet,«n da» B«ilrk,setretari>» ' Hof, 2 Trexpen rechts, zn richten rillsendmigen für diese Rubrik sind «« r l i u SW 68, Lindenstraße Z. Die neuen Funktionörkarten für daL Jahr 1930 sind im Bezirkssekretariat, Linden- straße 3, Zimmer 5, erhältlich. 21m Sonnlag, dem 13. April, vormittags, findet der diesjährige Vühnenmettstreik unserer btmdöslreuen Arbeilersportlcr im Mercedes- Palast, Neukölln, hermannsirahc 212, statt. Die VorsührunZen werden erstklassig sein. Alle Parteigenossinnen und-genossen sind eingeladen. Einlah von 10 Ahr ab. Beginn 11 Uhr. Alles Nähere im Sportteil der Abendausgabe am.Areitag. 11 April. * 2. Kreis Ticrqarten..Ttcifcfl, 11. Avrik, 10 Uhr. bei Caildom. ltlensburaer Strafte H, Eiduno aller Bezirlstajisdeleoierten der Ablcilunften mit der Gefllftiftslciluna. i'! L i■■ m 1 1■ 1 g- W 4. Kreis Prenzlauer Vera. Uvcitaq, 11. Olpril, Uli llhr, Verlamm- p W luna aller arbeitelosen Senosie» in den Kasino-Isestsälc», Pavvelalle« Ni. t j Vortraa:.Kampf nm die Sozialpolitil'-. Reserent Paul Zippel. Mit. rB W nliedsbuih und Äontrolllarte dienen als Lcaitimation. Krauen dürfen W Cä mitacdracht werden. Die Sezirkssllbrer laden alle arbeitslosen Senosien l"I W dazu ein. 11 M- a W n ED 3. Kreis Urirbrichsliain. Am Krcitaa, 11. April. 14 Uhr. SPS.» 1! Arbcitslofenvcrsammluna in Schmidts Eescllfchaftshans, siruchtstr. zSa,!„! kl mit folqender Taacoordnuna: 1. Portraa des Reichstaasabaeordnetea Sic-- i W uosscu Litkc:„Der Kamps aeaen die Tojtfalrraltion�. Z. Diskussion. W W Das Parteimitalicdsbuch ist mit,ubr>nqrn, ohne Buch kci» Zutritt. 7. Kreis llharlottenbura. Zeitunastominission: Krcitaa, II. April, IO'i Uhr, im sluaendheim Z'ollncustr. 4. Siftuna. Die Spediteure werdr» aebeteu, bestimmt zu erscheinen. tri 14. Kreis Neukölln. Am Kreitaa. 11. April, 14 Uhr. Bersammluaa HZ M der arbeitslosen Mitalicder im Lokal Veralchlohhöhe, Karlsaartensirahe. ki W Vortraa de» Senoiscn Steiner, Ecwcrtschastsrcdakteur de«»Vorwärts", pn W über.Erwcrbslofennot und Sozialdemolratie" Zm Saale kein Aus- Ii W Ichank. Parteibuch dient als Ausweis. ES heule, Donnerstag. 10. April. 87. Abt. Maricnfclde. Die Genossen beteiliacn'ch an der ersten Versammlnrrq der SAI. in Marienfclde. 10. Volksschule, Klasseneaum 1, Dorfstr. 33. Sc- nassen aus dem 13. Kreis sind cinacladcn. . Morgen, Arcitag, 11. April. 83. Abt. Tcmpelhos. Demonstration 19 Uhr ab Ullstein-Kau». am Zeltowkanal. Anschliehcnd um 2» Uhr in der Aula des Ncaianmaasiums. Kaiserin- Anaufta Strasic, arohe Kurdqebnnq. Vortraa:.Die«arionaliftiich« Sc- sahr". Referent Johannes Stcllina, M. d. R. Erscheint in Massen! 124a. Abt. Mahlsdors-Süd. 30 Uhr bei Drabcr, Uhlandstr. 13, Kunkiwnär- sihuna. 130e. Abt. ssreic Scholle. 30 Uhr im Scholleukrua Mitalrsderrersammluua. Dar- tra«:»Die Rcoraanisation drr Berliner Vcrwaltnna und die volitilch« Laar". Referent Büraermcistcr Karl Leid. Aussprach«. Alle Mitalicdcr werden»m bestimmte» und pünktliche» Erscheinen driaaend acbctcn. 14. 18. l«l. W Z n Jraucnveranstallungen. Kreis Ncnkölln. äroitva. 11. April, mit IS'H Uhr. im Rathaus Zieukölln. Saal 1. Kuiitlionärinncnsiftnna. Kommunale Anqclcaenhcitcn. Kre>» Weihcnsee. Krci'aa. II. April, um 19 Uhr. Klldruna durch das Museum sllr sirauenkundc. Ciiarlottenbura. Beniner Str. 137. Treffpunkt l8S Uhr vor dem Museum. Abt. Treptow. Die Eenossiunen werben aebcten, sich die bestellten Karten sllr das Wallnerthcatcr»S 218" in der Borwärts-Spcdition Gracssstraße ab- zuholen. Vezirkzausschuh für Arbeiterwohlfahrk. Achtnna, Kreisleitersinnen) der Arbeiterwohlfabrt! Di« nächste sis Sibuna der kreisleitersinnen) findet Krci'aa, ll. April. 10k Uhr. im M Parteivortraasfaal, Lindcnstr. 3, 2. Löf, 2 Tr. links, statt. Die Taaes- W «rdnuna wird in der Eihuna bckannlaeqebcn. Besondere Sinladunaen -rsolaen nicht mehr. 37. Abt. ssreitaa. 11. April. 20 Uhr, im Lokal Raschke, Matternstr. 14. Sibuna der Keeien Pohlfahrt und der Arbeitcrwohlfahrt". Taabsordnuna: Neuamhl des Vorstandes. Jungsozialisien. Gruppe Kriedrichsbai»! Seutc Mitaliederrerfammluna. Weaen der Wichtia- reit der Toaesordnuna zahlreiches und plluttliches Erscheinen unbedinat er» sorberlich. Bcainn 20 Uhr. Jugendheim sirantfurtcr Wce 307, Serina nn-Löno- Kimm er. Mitte: Scute, Donncrslaa, pünktlich 20 Uhr. im Seim Kehdenicker Ecke Gormannsirasie, spricht Silbe Echleaclmilch über.Arbeitcrdichtnna". Arbeitsgemeinschaft der kinbcrfreunde Groh-Berlin. Achtnna! skreltaa. 11. April. 20 Uhr, Porstandssibuna in der Gefchstistsstelle. Lindcnstr. 3. Toaesordnuna:„Unsere Maiveranstaliuna»nd Werdemochc". Kreis Neutöiln: Donners'oa um 18 Uhr Ärbeitsstunbe des Borstandes, Barocke Ganahofcrstrasie. 20 Uhr Seifcrsiftuna ebenda.— Gruppe Licktkämpscr: ssreitaa froher Elternabend im Iuaendheim Kanner Ecke Böhmische Strafte, 2» llhr. Alle Eltern und ssreunde der Gruppe sind herzlich willkommen.— Gruppe ikalke: Moraen ist Schlusimeldetermin für die Anmeldunaen zur üster» fahrt.- Gruppe Quelle: Die ani Sonntaq, 13. April, verabredete ssabrt in den Grunewald miisi auf Zreitaa, 18. April, verleat werden. Eltern, die Keit baden, sind uns auch an diesem Taa? sehr erwünscht. Wir treffen uns pünkt» sich 8% Uhr am Bahnhof Scrinannstrasie. 30 Pf. sind mitzubrinaen.— Alle Teilnehmer am Svrcchchor finden sich am Zreitaa um 19 Uhr im Saalbau Berastrahc zur Mitwirkuna bei der SAI..Vcrai>staIt»na ein. Kreis Krenzbera. Tcmpelhof, Waunsee, Kossen. Wir treffen»ns heute zum Kursus mit Sans Weinbcraer 2Bi Uhr Iuaendheim Norckltrahe.— Gruppe Berairaanltrahe: Alle Jolle» treffen sich Sonnlaa 0 Uhr zur ffohrt nach Spandau Elte Dvrck- und Belle-Alliance-Strahc. Essen und 00 Bf. sind mit- zubrinaen. Geburtstage. Jubiläen usw. 47. Abt. Uuser treuer Milstreitrr Edmund RSlt«»ab sein« Ehekeau, Walbcwarstr. 03, scicrn heute ba» seltene Je» der aoltxnrn Sack-peit. Senoss« Rölte steht beute noch bei jeder Irlnablattperbreituna iciaen Mau». Wir »ratrlieren ihm und seiner Gattin herzlichst und wüuschcu ihnen noch eine» frohen Lebensabend. � Sterbetafel der Groß- Lerliner Partei- Organisation 38. Abt. Unsere Genossi» Marqarete Gnädiq, Balisadenstr. 37. ist verstorben. Ehre ihrem Andenken! Die Einäscheruna hat bereits stattaefunden. 34. Abt. Eharlottenbura. Unser Genosse Walter Ullrich, Röntacn. strafte II, ist verstorben. Ebre seinem Andenken! Beerdifmna am isreitaa, 11. Avril. Uli Uhr, auf dem Waldfricdhof. Seeristtafte. Wir bitten um reue Beteiliauna. 83. Abt. Lichtrrfeld«. Unser alter Genosse M. Iakubowicz ist in fast vollendetem 37. Lebensjahre verstorben. Einäscheruna Sonnabend, 17 Uhr, Krcmalorium Wilmersdorf. Um rege Bcteiliaur.q wird««beten. SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlm Elnstndun-ien für dies« Kubrtk nur an da« ZuzendsetretorUt Beelin GM 68. cindinsteate i Einen Lich tbildervortraa„Quer dnrch, britische Zvselrclch" veranstalten die„Trennde sllr internalor.alc Kleinarbeit" am Monta«. 14. Avril. 30 Uhr. in der Aula des Köllnischen Evmnastums, Insclstraftc. Interessierte Genossinnen vnd Genossen sind einaeladen. kl Erwcrbeloser.xcrlommlupa moraen. Kreit««, 11. April, pünktlich S kI 14 Uhr, im Portraassaal des P.-B.. Lindcnstr. 3, 2. Las, 2 Tr. links. 1:4 Toaesordnuna:„Erwerbslosiakeit und Iuaend".„Selbsthilfe der Iuaend". S R Alle erwerbsiosen Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. � Abteilnnasleiter! Gebt heute den Evwcrbsloscnmeldcboaen und den Berichts- boqen ob. Alle Amatenrphotoarapbcu besuchen die WerbenceaastaUuna de» Arbelter- Lichibildbundcs beut«, 20 Übe, im Stäbt. Saalba«, Neukölln, K« raste. 47. Vortraa:.äilm und Photo", mit praktischen Erläuternuacn. heuke, Dsnuerslag. 13� llhr. vranienburaer Tor: Seim Tieckstr. 18:„Warum bin ich.dl der SAZ.k"— Norden: He im Lorftina- Ecke G raunstrafte: Werbefeier.— Kolkpla, 1: che im Sonnenbuvae- Str. SO, Schicke: EknfEhrunasochenb.— Rortotkru kl: Lei« Dan» ziaer Str. 02. Baracke Z:„Warum werben wir?"— Schönhans«« Vorstadt: Vortraa:„Das neu« Ruftland". Kottbnsser Tor: Keim Briftrr Str. 27—80: Bortra«:„Wirtschaf'lich- Unternebmunaen der Arbeiterschaft".— Köpenicker Viertel: Leim Wranaelftr. 128:„Taacspolitil".— Kehlendorf-Dahlem: Seim Lansstr. 7—0:„Sexuelle Iraaen".— Teacl: Seim Bahnbosstr. 13: Einführunas- abenb.— Wittenau: Seim Dosenthalcr Str. 13: Vortraa:„Rawr und Won- dem".— Westend. R. R.: Seim Sportvlaft Westend: �Kiele und Aulaaben der SAI. und Bot« Rallen". Reinickendorf-West: Leim Scharnweberstr. 14: EinWrunasabcnt. kD � Varleigenosssn stnd einaeladen. W 2SG. Lichkenbera: Seim Scharnweberstr. 20:„Kiele der SSG. ZSerbcbezirk Weddina: Seim Scestr. 84. Tauibouriapelle. Alls Svielleute müssen erscheinen Lehrbücher mitbrinaen. Wertebezirk vsten: Seim Litauer Str. 18: Runktionärversammluna. Werbebezirk Tcllowkanal: Seim Lvzeum Tempclbof, Rinastrafte: Volks- tanzkurlus. Werbebezirk Reukölln: Sport und Splcl Irden Donnerstaa ab 18 Uhr im Stadion. Platz IT. Berbebezirksvorstandssiftuna Mit den Ahtcilunasleitern und Iuaendbcirätcn im Parteibüro Ruldaftrafte. �* Marieufelbe-Lichtenrade: Morgen.„Kiele der TAI.", Marienfeld«, Dorf- strafte 33. Werbebezirk Prenzlauer Bcra: Tanzkreis. Dolkstauzabend Sonnabend, 12. April, im Alteisheim Danzigcr Str. 02. Voriräge,VereineundVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold", Geschäftsstelle: Berlin S 14. Ecbastianstr 37—33 Sol 2. Tr Donnerstaa, 10. April. Tieraa rteu: 19K Uhr Antreten zum Plaft- konzert im Kleinen Tieraarten. 20 Uhr Lersammluna in den Arminiushallen. Bremer Str. 72—73. Kamerad Stcllina spricht über„Partei und Zieichsbanner". Pflichtveranstaltuna. Bannertlcidun«. Marineabteiluuq! 20 Uhr Turnabend in der Turnhalle Albrcchtstr. 20.— Rreitaq, 11. April. Ticraartcn. Kameradschaft Westen: 20 Uhr Kameradfchaftsversammlunq bei Rickcrt. Ttcinmcftstr. 30o. Iunabanner: 10K Uhr Treffen bei Schlesmacr. Lübecker Strafte. Rahrt nach Schöncbcra. Bunter Abend. Bollzähliaes Erscheinen erforderlich. Nachzllaler Gate Cchönebera. Lauvtstrafte. Schönebera-Rrledcnau: 20 Uhr Bunter Abend des Junabanners im aroften Saal des Cafe Sälöncbcra, Die Jugendbühne sendet Gerhart Hauptmanns Komödie „S ch l u ck u n d I a u". Es ist eine Auswahl, eine lose Berknüpsung der S.senenfolg«. Die die Komik bewm und die anderen Dinge, vor allem die Rahmenhandlung ausscheidet. Dadurch wird der Eharakter des Stücks verfälscht und er wird es noch mehr durch Kasacks Einleitung, da Kasack allein das Augenmerk auf die Rüpel- szenen legt und nicht aus die Verknüpfung mit dem Homlelschen Helden der Rahmenhandlung. Die Regie Max Bings, eingestellt auf diesen Charakter, betont das Komische, die Darsteller sind sehr gut. Am Abend ein Zweites Sendespiel, nämlich Strindbergs .Rausch". Uebrigens ist das Stück, wie alle Programme verkünden, kein« Komödie.„Rausch" hatte vor Jahren einen gan.? grohen Serienersolg aus einer Berliner Bühne, dadurch ist es aber noch nichr als Sendefpiel besonders geeignet. Das Schauspiel„Rausch" ist eins der letzten in der Serie Strindbergfcher naturali st ischer Dramen, und diese Spezies eignet sich bekanntlich wcnig�für eine Auswertung eines erfindungsarmen Rundfunks. Der Regigeur Hilst sich, indem er pathetisch ergeben und immer im Sperrdruck reden läßt. Leider läßt die ganze Angelegenheit, jedenfalls in dieser Interpretation, kalt. Es kommt daraus an, daß« der Rundfunk Dramen findet, die dem modernen Hörer mehr geben als«ine Unterrichtsstunde in allgemeiner Literaturgeschichte. Das geschieht hier nicht. Ueber den sehr interessanten Dialog„S o z i o l i st i s ch e Bildung" zwischen Alexander Stein und Karl Schröder wird noch ausführlich zu berichten fein. F. Seh. Aaupf- Eike Akaztenkkrafte. Alls Kameraben mit Anaehkriaen find tznaHAS ein» «e laben. Tcinpciböf kQrrsvcrrin): Antreten 10 Uhr Ullstcinstrafte zum T:mon» strationsnmzua. Anfckilieftrnd Kundaebun« tu drr Aula Kaiserin-Auaufta-rrtmft« Kamrrad-ckaf-ostttuna in Lickltrnrade fällt aus. Rriedricktshain. Kameraoloiaft Memel: 20 Ubr Äamerab-choftsversampiluna bei S«nbsS>el. Memeler S.r. Z. Oranicnbur«: 20 Uhr Mi'aliederverlammluna bei Sternbrr«.— Soanabend. 12. April. RruIölln.Vriss: Dundesaründunasfeier tu drr Reuen Welt. Lasen» h«ide. Restrcd«: Bundesoornftendcr Kamerad Otto Sörsina. Rezitationen. Tanz, Tambola. Eintritt 1 M. Anfona 10 llhr. Ende 5 Uhr. Marineabteiluna: 20 Uhr Borttoa Kapitän S. im Museum' für Meereskunde, Georaenstr. 34—80. Treffpunkt im Borraum._ Rretl Sckwimmrr Sroft-Bcrk»,«. v. Donnrrs-aa. 10. Avril, 21 Uhr. Gewerkslhaftshaus. Konfrrcnz, immer. Sauplausschuftsiftuna. Erscheinen aller Borstandsfunkt'onäre ist Pflichr. Suter-Bund. Rreitaa. Ii. Avril. 20 Uhr, im Gvmnasium Kochstr. 13, Bor- traa über„Die Phpsioanomik des Rraliiten und des Idealisren". Arbcitsaeweiusckast für Rersts-but, und Raturkurdr.-. D. tlö. Arso. Wände» run«: Sonntaa. 18. April. Treffpunkt 9K Uhr am Bahnhof Rricörtchshaa:». Wandcruna noch Schönciche. Aortraa von Scrrn Rechnunasrat Lücke über .lThcodor Rontane". Bcainn des Lortraas«cacn 11. Uhr ln Sorna Surhau-.. Karstadt versteckt Ostereier. Zum Unterschiede von all de» an- deren Osterhasen, die ihren kleinen Freunden bloß die Herrlickkeiien zeigen, hat der Karstadt-Osterhafe ein suhlend Herz in seiner Hasen. brüst und beschert bunte Eier. Wer ein Frühaufsteher ist und dos nötige Finderglück hat, kann am kommenden Ostersonniag morgens auf folgenden Plätzen und Anlagen Ostereier finden: Reuterplatz. Neukölln. Niktoriapark. Kreuzberg, Tiergarten. Schloßgartsn, Charlottenburg, Goethepark, Bor» lin N, Schill erpart. Berlin N. Schloßpark. Pankow. Humboldthain, Berlin N, F r i e d r i ch s h a i n, Stadlpark Lichtenberg an der Frankfurter Allee, Treptower Park. Plänterwald und Stadtpark Steglitz. Die hier aus- gelegten Eier liegen nicht hinter Büschen versteckt, stmdern grisf- bereit an den Wegen, so daß die Grünflächen unter alle» Um- stünden geschont bleiben können. Die Suche lohnt sich, denn in jedem Ei befindet sich ein wertvoller Gutschein der Firma Karstadt, der bis Ostern an jeder Katze des Warenhauses eingelöst wird. Eine fröhliche Osterwiese mit.Schrammelmusik, lebenden Zwerglein und allerlei sonstigen Ueberraschungen ladet die kleinen Besucher auch zur Besichtigung im Hause selbst ein. Eine neuartige Ballon-Jagd wird am Sonntag, dem 13. April, von den Opel-Werken in ganz Europa veranstaltet. Tausend« von Ballons werden hochgelosten und an diesen Ballons sind wertvolle Gutscheine angebracht: danunter auch einer für einen 4-F8-Opclwagen. Die in Berlin aussteigenden Ballons wer- den am Sonntag, dem 13. April d. J-, mittags 12 Uhr, von de? Nordschleife der Avus aus gestartet. Eine besondere Uebcr- raschung ist für die Kinder, welche in Begleitung Erwachfener et« scheinen, vorgesehen. In Verbindung mit dieser Jnternanonalen Ballon-Jogd wird eine große Ovel-Schau der oerbesserten Personen- und Nutztahrzeuge, Modelle 1930, veranstaltet. Die Kapelle der Nachricbteiiabteili'.ng III, Potsdam, unter per- sönlicher Leitung von Herrn Oberrnusikmeister Walter Harmens, gibt von 12— 1 Uhr mittags ein Platzkonzert. Was macheu. wenn die Soft« nicht reicht? Schniftrl. Leb«:. Zrefürnk. Bratwurst Klopfe usw. arbrn weniq oder aar kein« Softe. Da hieft a bis jcttt: Sellerie, Kw'cbrl. Lauch. Mrhl. Gewürz« m'w. einkaufen— alles einzeln zubereiten— Mchllchwiftc anrühren— ulw. usw.— viel Arbeit und Mühe.— Run ist es. eine ecfccutilie Silf«. welche die Rirma Knorr mit ihrer Bratenfoft« in Würfeln brlnat. Mit der Kuorr-Bratensofte hat man ohne jede Kutaten in 5 Minuten eine ausaiebiae und wohlschmeckende Tunke tifchberrit. die auch ohne Rleifch vorzüalieo schmeckt. Ein Würfel zu 13 Pf.«ibt so vi:l Softe wie 2 Pfund Braten. Am 12. April kan» die Rirma A. Damit!. Roscuthalee Str. 48— 47, und Müllerür. 182—183, die eines der führenden Tcilzahlunasuntern-hmen ist. auf ihr SOjähriaes Bestellen zurückblicken. 30 Jahre sind eine lonae Keit. oder doppelt lan« im Sinblick auf die besonders schwieria« Wirtschaf-slaac,»ich: ciln der Irtttzeit. fondern seit dem Jahr« 1014. Ku de.0 vielen Glückwünschen, die in diesen Taaen Sern Schen und der Streu A. Damitt zuachcn. aes.'llt sick> der Dank der vieler, tausend Kunden der Riem«, deren feines Verständnis stlr die wirtschaftlichen Berbältnisse und Erfordernisse ihrer Kundschaft, ihnen die MöaUchkeU acacben hat. schwere Keitcn zu überstehen. fein Fleisch und doch Bratensoße An den Tagen, an denen die Hansfrau kein Fleisch auf den Tisch bringt, ist sie immer etwas in Sorge, weil Ka toffeln, Makkaroni, Nudeln, Klöße usw. trocken gereicht nicht gut schmecken.— Hier hilft Knorr- Bratensoßc. Ein Würfel gibt in wenigen Minuten so viel Soße wie 2 Pfund Braten und schmeckt auch ohne Fleisch vorzüglich.— Ein AV'ürfcI für 15 Pst gibt so t viel Soße wie 2 Pfund Braten. Bratensoße Selbstverständlich hilft Ihnen Knorr-Bratensoße auch dann, wenn die natürliche Soße nicht ausreicht, wie bei Beelsteak, Schnitzel, Leber beispielsweise, die sehr wenig Soße geben- Und— in der K n o r r- Bratensoße Ist alles, was zu einer pikanten Tunke gehört, enthalten, von der Mehlschwitze bis zum feinsten Gewürz. Versueßt» Sie aueß Knorr» Makkaroni dazu/