BERLIN Zmtag IL April 1930 4 « 10 Pf. Nr. 172 B 86 47. Jahrgang erscheint tSgltch aaterG»a»t«S«. Zugloch Abrndautgadr de«.VorwSrtt'. Bctugsprri« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, 3,6nM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWöS,Lindenstr.> SficUauigaße xie6 v%tv>tLf4& A oi etg e uprotC Die einspaltige NonpareMezekl« so Vf.. Reklame, eil« 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Voßscheekkont»! Vorwärts-Verlag G. m.b.H� Berlin Nr.»7dZk. Fernsprecher: Dönboff SSL bis 23? Galopp im Reichstag. Anfertige Vorlagen durchgepeitscht.- Oer Zfrßhandel geht weiter. Zu Beginn der heutigen Reichstagsdebatte über die Deckung». vorlogen inachte Abg. Dllimann(Soz.) zur Geschäftsordnung darauf aufmerksam, dah es nicht an- geht, bei der Beratung eines Gesetzes andere Gesetze ab- z n ä n d e r n. Dies wird aber durch die agrarpolitifchen Anträge der Deutfchnationalen zum Benzinzollgesetz angestrebt. In den vergangsnen Iahren haben allerdings die verschiedenen Parteien und Parteigruppen in dieser Weise gegen die Geschäftsordnung ge- sündigt, und dezhalb soll gegen den vorliegenden Fall nicht ein- geschritten werden. Es wäre aber doch höchst bedenklich, wenn es zur Hebung im Hause würde, bei der Beratung irgendeines Gesetzes ein beliebiges anderes Gesetz mitabzuändern. Wenn die Geschäfts- Auch die Bayern kippen... Sie stimmen der Biersteuer zu. Wie die Telegraphen-Union hört, ist heute mittag eine Verständigung zwischen den Regierungsparteieu und der Bayerischen Volkspartei über die B.iersteuer» erhöhung zustande gekommen, so das, nunmehr die Bayerische Volks Partei der Biersteuervorlage zustimmen wird. Wie verlautet, ist die«teuerstaffel in einer Weise geändert worden, die den besonderen baye- rischen Verhältnissen Rechnung trägt. Die durchschnitt- liche Erhöhung der Biersteuer soll nach der neuen Ver- einbarung etwas unter S0 Prozent bleiben. ordnung ausdrücklich bestimmt, daß Aendemngsonträge keiner Unterstützung bedürfen, so wollte sie damit sicher nicht schwerwiegende Aenderungen anderer als der zur Derhandlung stehenden Gesetze zulassen. Die Bestimmung, daß ein Ausschuß auch nur auf den ihm überwiesenen Gegenstand sich zu beschränken hat, ist in gleichem Siime gedacht. Der Gcschästsordniingsausschuß sollte derartigen Miß- brauch für die Zukunft verhindern. Präsident Lobe: Diese Frage ist gestern im Aeltestenrat be- sprachen worden, und auch dort wurde hervorgehoben, daß wegen der verschiedenen früheren Verfehlungen nach dieser Richtung augenblicklich keine Beanstandung erfolgen soll. Aber für die Zukunft fallen Vorkehrungen, etwa durch Auslegung der Geschäftsordnung, gegen tatsächlichen Mißbrauch getroffen werdein In der darauf fortgesetzten ollgemeinen Besprechung gibt Abg. Aöhr-Boden(Z.) im Ramen des Zentrums, der Valtspartei, der Demokraten, der Wirtschaftspartei und der Christlichnationalen Arbeitspartei die Erklärung ab, daß sie für die Deckungs- vorlagen stimmen, die sie für unbedingt erforderlich halten, nm die Kassen- und Finanzverhältnisse von Reich, Ländern und Ke- meinden zu sonieveu und die Voraussetzung für eine Wiederbelebung der Wirtschaft zu schaffe». Die gleichen Parteien sind enlschiossen. die Zinanzresorm durch. zuführen, und erklären, daß sie im Fall einer Ablehnung des Finanzprogramm» sich an ihre Zlnlerjchnsl des Agrarprogramm» nicht gebunden halten. Der noch auf der Rednerliste stehend« volksparteiliche Abg. Hoff verzichtet aufs Wort. Die allgemeine Besprechung ist beendet. Es folgt die Einzelberotung der Steuergesetz«. Als Be- richterftatter des Ausschusses für die Mineralwässer st euer berichtet Abg. Sovmann(Soz), daß sich UN Ausschuß die Sozialdemokratie, die Kommunisten und die Chnstttchsozialen unbedingt gegen die Mineralwasser st euer ausgesprochen haben. Aber auch olle anderen Parteien hoben schwerste Bedenken geäußert. Die von der Reichsregierung geschätzte Einnahme von 40 Millionen Mark, die den Gemeinden zusließe» soll, sei von den verschiedensten Seiten, auch von Regie- rungsparteien, in dieser Höhe bezweifelt worden. Die Mineral-- wassersteuer haüe man im?lusschuß als Verärgerüngssteuer bezeichnet, die eine Steuer ans die ärmsten Bevölkerungsschichten. auf Frauen, aus Kinder und auf Kranke sei. Der Ausschuß empfiehlt in dieser Mehrheit die Ablehnung der Steuer. Roch dem Ausschußbericht Sollmonns kommt es zu einer stürmischen Geschäftsordnungsdebatte. Der Kommunist Torgler betont, daß die Agrarzollanträge unmöglich Aenderungsan träge zum Bcnzinzoll sein könne«. Das durchaus jelbstäudi ge Aaträg«. die mir Schiele überschielet. Brüning-Zölle noch höher als Hilgenbergs Wünsche. Die Deutschnationalen hatten, wie erinnerlich, beschlossen, auf die Regierung einen besonderen Druck zur Durchführung des Agrarprogramms dadurch auszuüben, daß ssz zu dem in den Rahmen der Finanzresorm hineingehörenden, von der Regierung vorgeschiage- nen Benzolzollgesetz die agrarischen Zolländerungsantröge der Regierungsparteien, soweit sie ihnen bekannt geworden waren, einbrachten. Dieses Vorgehen hat die Regierungsparteien ver- anlaßt, nun ihrerseits auch zum Benzolzollgesetz das Agrarprogramm Schleies als Antrag einzubringen. Das Interessanteste an den beiden vorliegenden Anträgen ist, daß die Agrarreformvorschläge der Regwruiig Schiele-Nrüning noch über das hinausgehen, was die veuischnationalen jedenfalls bei den Zolländetungen erwarlel haben. In dem Antrag der Regierungsparteien sind einige Zölle enthalten, die in dem deutschnationalen Antrag nicht vorkommen und die auch bis jetzt in der Oessentlichkeit noch nicht bekannt gewesen sind. Zu.n Beispiel verlangen die Megierungsparteien noch die Erhöhung des Zulls für geschlachtetes Federvieh von 30 aus 4ä Mark, des Zolls auf Geslügelsleisch von 35 auf 60 Mark und von Gestikfelsleisch zu feinerem Tafelgenuß von 4S auf 120 Mark. Auch die Belegung der bis jetzt zollfreien frischen Futter- rllben Möhren usw. mit einem Zoll von einer Mark ist eine Neuheit de» Schiele-Brüningschcn Agrarprogramnwntrages., Im folgenden geben wir eine kurze Gegenüberstellung der deutschnationalen Zollwünsch« und des im Antrag der bürgerlichen Parteien zum Ausdruck kommenden Programms der Regierung Schiele-Brüning. Deutschnationaler Regierung- Zollantrag antrag Milch, entkeimt, sterilisiert usw. f 5.— M. 8.50 M. Eier........... 40,—, 30.—» Stärke, grün oder trocken, auch ge- mahlen, in Ausmachung für den Kleinverkauf....... 24.—, 29.—, Stärke in anderen Aufmachungen 24.—* 24.—„ Pfeilwurzelmehl, Sago und Sago- mehl, Graupen und Grieß aus Kartoffeln........ 40.—, 45.—, Außerdem ist in dem Antrag der Regierungsparteien die Er- höhung des Mindestzolls für Schweinefleisch von 32 auf 45 Mark vorgesehen. f selbständig eingebracht werden können und die deshalb von der Heu- tigen Tagesordnung abgesetzt werden müssen.(Unruhe rechts.) Abg. Dr. Dessauer(Z.) beantragt, das Agrarprogramm dem Ausschuß zu überweisen. Dieser Antrag wird von der Rechten als Beweis sür Unaufrichtigkeit der Regierungsparteien, besonders des Zentrums, angesehen, was von dem Abg. Berndl (Dnat.) stark unterstrichen wird. Ueber den Antrag Torgler auf Absetzung von der Tagesord- nung wird im Hammelsprung entschieden. Der Antrag wird mit 210 gegen 146 Stimmen abgelehnt. Präsident Löbe schlägt vor, die Punkte mit den um- fangreichen Aenderungsonträgen an die letzte Stelle der Tagesordnung zu setzen. Abg. Torgier(Komm.) beantragt, die Sitzung jetzt zu beenden und morgen die Agrarvorlage zu beraten. Abg. Berndt(Dnat.) widerspricht dem Vorschlag des Präsidenten, Der Antrag Torgler wird abgelehnt, der Vorschlag des Prä- sidenten gegen die Stimmen der Deutschnationalen angenommen. Zur Einzelberatung kommt zunächst die Aenderung der Tabak, und Zuckersteuer. Zur T o b a k st« u« r spricht Abg. Bergholz(Soz.): Man begründet diese Vorlage mit der Sanierung der Reichssinanzen Wenn der Kommunist Ende die Sanierung der Reichssinanzen als gleichgültig sür die Arbeiter bezeichnet, so sind wir allerdings anderer Meinung. uick» deshalb haben wir an der Tabaksteuervorlag« sachlich mit- gearbeitet, während aber die Regierungsvorlage die Interessen der Arbeiter und der Verbraucher berücksichtigie, tut das der Jnitialiv- antrag der Regierungsparteien nicht. Sie ermächtigt den Reichs» jauirzmiwster zur gewaltigst«» Belastung des Feinschnitts» des Tabaks des armen Mannes. Das 20.PfennIg-Paket wird auf 40 Pf. kommen. 2 Millionen Kilogramm Feinschnitt, ein Drittel der gesamten Menge, sollen von 6 auf 8 Mark Steuer erhöht werden. Von dem 25-Millionen-Ertrag erhält der Staat nur 8 Millionen. Da« übrig« ist Subvention für die Unternehmer. Mit Hilfe dieser Steuerpolitik-wollen die großen Tabakfabriken das Beispiel Reemlsma-Reuerburg nachmachen iini» die kleinen Fabrikanten vernichten. Der Ring hat längst be- schlössen, 50 Gramm nicht mehr unter 40 Pf. zu verkaufen, d. h. die Verbraucher mit 25 Millionen zu belasten. Eine Anzahl Fa- briken haben Wrotzdem mit 30 Pf. weiterverkauft und tabei noch gut verdient. Der Zentrumsantrag will diese Konkurrenz erschlagen, das ist Ihre„Kapitalbildung* und Ihr« Wirtschaftspolitik! Ueber diese unsoziale Politik werden wir das Bolk aufklären. Zum B i e rst eu,e r g e se tz berichtet Abg. Dr. Horlacher (Bayer. Bp.) über die Ausschuhberatungen. Abg. puchta(Soz.): Vorgestern lag diese Vorlage vom Steuer- ausschuß zerrissen im Papierkorb, gestern haben die Parteien dieser nuancenreichen Regierung die Fetzen herausgesucht und morgen werden sie mit einigen Schönheitsreparaturen Gesetz werden, wir werden un» an der Rettung dieses Kleinodes der Moldenhauerfchen Sammlung nicht beleillgen. Die 0 Prozent der Reichsbevölkerung, die in Bayern wohnen, bringen 25 bis 30 Prozent der ganzen Biersteuer auf. Di« Preis- erhöhung wird in Bayern 20 Prozent ausmachen. Das Bier gehör: in Bayern zum täglichen Bedapf: man kann das bedauern, es ist aber so. Also wird die Bicroerteuerung den Verbrauch sür andere Bedürfnisse einschränken und Lohnkäinpfe anregen. Neuer Zwischenfall. Präsident Löbe verlos einen neuen Antrag des Regierung»- blocks, der die Biersteuererhöhung noch weiter herabsetzt, indem er Begünstigungen für die kleinen Brauereien vorschlägt. Wg. Dr. Hertz(Soz.) stellt diesen neuesten Umfall der Reichsregierung und Molden- Hauers fest und spricht darauf über die vorgeschlagen« Erhöhung der Umsatzsteuer für Unternehmungen mit einem Jahresumsatz von über 1 Million Mark aus 1,35 Proz. gegenüber 0,75 Proz. jetzt und 0,85 Proz. in Zukunft sür die anderen Unternehmungen. Es werden dadurch zwar auch die Warenhäuser, aber daneben noch viele andere Geschäfte getroffen. Besonders am Herzen liegt uns aber die Frage, wie di« Wirkung der Warenhaussteuer auf die Konsumgenossenschaften sein wird. Diese Steuer stellt sich dar als ein Ausnahme- gesetz auf die organisierten Verbraucher. Herr Lücke nickt zustimmend. Damit ist offen zugegeben,»eiche Wirkung damit beabsichtigt ist. Für uns handelt es sich also bei dem Kampf gegen dieses Ausnahmegesetz um den Schutz der großen Zahl der Verbraucher und damit der gesamten Bolksavinlschaft. Ilm welche Beträge handelt es sich dabei? Der Zentralverfxmd der deutschen Konsumvereine zählt rund 1000 Bereine. Im Jahre 1928 hatten sie einen Gesamtumsatz von 1240 000 U00 M. Das Gesetz soll alle Unternehmungen mit einem Umsatz von über 1 Million Mark im Jahr« treffen. Von den Vereinen des Zentroloerbandes hatten aber etwa 200 einen Umsatz von über 1 Million, insgesamt betrug ihr Umsatz 1070000 000 M., also rund 90 Proz. des Um- satzes aller Konsumvereine.(Hört, hört! bei den Soz.) Das be- deutet, daß fast der ganze Umsatz der konsumgenossenschastlich orga- nisierlcn Verbraucher mit einer wesentlich höheren Umsatzsteuer de- lastet wird als alle übrigen Unternehmungen. (Der Redner spricht bei Schluß des Blattes weiter.) Schwerer Motorradunfall bei Glindow Führer und Mitfohrerin gelötet. Glindow(Reg.-Bez. Potsdam). 11. April. Der Chemiker Dr. Wilhelm T i i i u s und feine in Berfln lebende Schwester find heute vormittag gegen 9 Uhr auf einer Motorradsahr» tödlich uerunglückl. Dr. Titiu» fuhr von der Kolonie Elisabeth. höhe durch die Kloislower Straße. An der Eck« der Hauptstraße geriet das Rad unter einen Berliner eosttraftwagen, der In die klaistower Straß« einbog. Dr. Tittus und feine Schwester, die ein Stück mitgejchleist wurden, waren fo- fori toi. „Kalke", das„absolute Handelsschiff". Aber Ziel und Zweck der Reise waren unklar. Hamburg, 11. April. vor Eintritt in die Verhandlung im Prozeh um den Dampfer„Falke" leist Slaalsanwall Rose mii. dah die Ober- posldireklion ein Telegramm für prenzlau angc- ballen hat und bitlet um dessen Beschlagnahme. Diesem Antrage wird stallgegeben. Aach�än Z i p p l i t t gibt noch nachträglich ErtlürunHen ab über Cwä?fttbort0e�men der Maschinengewehre. Die Eintragung über die Aufstellung �ll erst am 21. August durch Solling, int) zwar unbercchtigierweis� gemacht worden sein. Dann wird der Schiffs- maklcr Ludwig Dt Her aufgerufen und vereidigt. Müller betreibt in der Firma Lech u. Co. den An- und lßerkauf von Schiffen. Mit ihm habe sich Prenzlchu seinerzeit wegen Beschaffung sines Fahrzeuges in Verbindung geatzt. Einer Charterung stand im Wege, daß die Eigentümer genall.wissen wollten, wozu das Schiff gebraucht würde. Müller bot deshalb den ihm gehörenden von der Berliner Handelsbank für ö4 500 M gekauften Dampfer„Falte" an. Prenzlau genügte zwar anfangs diese» Schiff nicht, da es ihm zu klein und auch nicht schnell genug war, wiel er jedoch nichts anderes fand, kaufte er den„Falke" schließlich doch für 4720 Pfund Sterling. Der Dampfer wurde übergeben und Müller will sich um das weitere nicht gekümmert haben. Vereinbart wurde noch, daß Müller den Dampfer zunächst eventuell für 3500 Pfund Sterling zurückkaufen konnte. Mülles nennt den„Falke" ein„absolutes Handelsschiff für Schnellfrachten", dos, wie übrigen» fast jedes Schiff, auch als Hilfskreuzer dienen könne, unter keinen Umständen aber al» Kriegsschiff.> Eine Beantwortung seiner Fragen über Zweck und Ziel der Fahrt habe Prenzlau kurz abgelehnt. Nur gelegentlich einmal habe er von Südamerika und auch von China gesprochen, jedoch stets nur in dunklen Andeutungen. Nach der Abfahrt von Edingen wollte Prenzlau von Müller wissei� wie er den Dampfer furtkentelegraphifch erreichen könnte, worauf der Zeuge die Station Norddeich zur Vermittlung empfahl. Es wird dann ein Deckplan des„Falke" vorgelegt. Aufnahme von zwonzig Passagieren hält Müller für ausgeschlossen. Von einer Per- Wendung zu einer Filmexpedition hat er nie etwas- gehört. Prenzlau hält ihm vor, er hätte von dem Waffentransport gewußt, worauf der Zeuge zugibt,«r habe es sich sehr stark denken können. Müller soll anf dringenden Wunsch Prenzlaus bestZtlgen, daß er das Schiff nur deshalb gekauft habe, weil er keines im Charter bekommen konnte. Verchartern wollte aber auch Müller den„Falke" näht, weil das Ziel und der Zweck der Reife dunkel und unklar war. Die Schaffung einer Passagiereinrichlung hält der Zeuge für zulässig. Er will aber Prenzlau gesagt haben, für zwanzig Passa- giere müsse er eine besondere behördliche Genehmigung einholen. Der Dreimächtepakt fertig. Konferenz wird vertagt.— England spart zwei Milliarden London. 11. April. Gestern abend gegen BVi Uhr gab INacdonald Im Unterhaus eine Erklärung über die Floltcnkanferen; ab. Er jagte:„Zch wünsche eine sehr kurze Erklärung■ sie muh unter den obwaltenden Um- ständen kurz sein— darüber abzugeben, was auf der Flotten- konserenz geschehen ist. Zch freue mich, sogen zu können, daß heule vormittag ein endgültiges Abkommen zwischen den v er- einigten Staaten, Japan und Großbritannien über ein Marineprogramm erreicht worden ist, das alle Schiffskalegorien umsaßt. Die Bestimmungen des Abkommens werden zur Zeil paraphicrk. Sie hatten sich sehr eng an die Zahlen, die im September und Oktober vorigen Jahres während der Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten angekündigt worden sind, und sie weisen be- trächtliche Verminderungen der Rüstungen auf.(Veifall)». Die Unterschiede in den Marinebedürsnissen Frankreichs und Italiens haben sich als zu verwickelt erwiesen und sind bisher nicht gelöst worden. Auf einer heute nachmittag zwischen dem französischen, italienischen und britischen Delegierten abgehaltenen Zusammenkunst wurde feslgestelll, dah es angesichts der Tatsache, daß so wenige Vereinbarungen erreicht worden sind, ebenso zwecklos wie uner- wünscht wäre, die Sitzungen der Gesamtheit der Delegierten in London fortdauern zu lassen, bis die Schwierigkeilen, die in erster Linie nur diese drei Delegationen angehen, geregelt sind, wir werden daher auf einer In der nächsten Woche abzuhaltenden Voll- sihung vorschlagen, dah die seht erreichten Vereinbarungen unter- zeichnet werden und dah die Konferenz vertag« wird unter der voraussehung. dah Frankreich, Italien und wir selbst unsere Bemühungen fortsehen werden, um zu einer Vereinbarung. die zwischen den Vereinigten Staaten, Japan und uns selbst erreicht worden Ist." Keine Gchlachtfchiffbauten mehr. Wie die„Times" meldet, wird der erste Teil de» verlrage« die Vereinbarung betreffen, den Ersah von Großkampf. schiffen bis nach 1936 aufzuschieben und den Prozeß der Verschrottung zu beschleunigen. Es Ist vorgeschlagen worden, daß Groftbriiannien die Verschrottung von fünf Großkampfschlsfen be- schleunigen soll. Amerika die von drei und Japan die von einem. Der zweite Teil des Vertrages wird die neuen Regeln umfassen, die sich auf die H u m a n i s-i e r u n g des U-Boot-Krieges und auf die Stellung der Kauffahrtschiffe im Falle eines Angriffes beziehen. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Herald" be- rechnet, dah England eine Ersparnis von 70 Millionen Pfund Sterling erzielen werde, wozu noch die Ersparnisse durch Ein- jchränkimg des Kreuzerbauprogramms mit mindestens 30 Millionen Pfund kommen, so daß die GefamlersparnI» ungefähr 100 Willionen Pfund betragen werde. Der Korrespondent fügt hinzu, man hoff«, daß die Unter- Zeichnung des Vertrages zeitig genug erfolgen könne, um Staats- sekrc är Stimson die Abfahrt nach Amerika im Osterdienstag zu er- möglichen. Gelbstmord ln einer französischen Kirche. Paris, 11. April. In einer Kirche von Orleans beging ein unbekanmcr Mann Selbstmord. Der in der Sakristei weilende Pfarrer vernahm plötzlich einen Revolverschuß und entdeckte im Kirchenschiff die Leiche eines Mannes, der kurz vorher zu ihm zur Beichte gekommen war. Der Selbstmörder trug keine Papiere be! sich. Vor etwa zwei Wochen hat sich«n einer Pariser Kirche ein ganz ähnlicher Vorfall zugetragen. Schmiergelder für Stadtrat Busch? Sein früherer Vertrauter belastet ihn schwer. Bei Beginn der heutigen Sitzung des Untersuchungsausschusses zur Prüfung der Mißstände in der Berliner Stadtverwaltung teilte der Vorsitzende Schwenk mit, daß es noch immer nicht gelungen sei, den jetzigen Aufenthalt des Zeugen Felix Günther festzustellen. Die Bemühungen sollen aber fortgesetzt werden.(Heiterkeit.) Im weiteren Verlauf« der Sitzung meldet sich dieser Zeuge s ch r i f t- l i ch unter Angabe seiner Telephonnummer. Er soll in der Nach- Düppel. „Wann war der Krieg gegen Dänemark?' »Im Jahre 1S64.' „Und wer verlor gegen wen bei Düppel?' „Die Stadt Berlin gegen den Stadtrat Dusch!" mittagssitzung vernommen werden. Weiter teilt der Vorsitzende mit, daß der Zeuge Gutspächter Bernau nicht erscheinen kann, weil er seit einigen Wochen krank zu Bett liegt. Von Interesse war die Bernehmung eines Zeugen Architekt Schneider, der sich selbst gemeldet hat und der berundet, daß er mit Bernau verschiedentlich über«in Geschäft gesprochen hat, das er mit der Stadt machen wollte. Es handelt sich um den Kauf eines Grundstück s Ilsenburger Straße durch die Stadt, den er ursprünglich vermitteln wollte. Als das Geschäft nicht perfekt wurde, habe ihm Bernau gesagt, daß er sich,' um Einfluß aus Skadtral Busch zu gewinnen, hülle hinler einen Mittelsmann stecken müssen. So habe er. Dernau, seinerzeit den Verkauf von Düppel mit vusch„geschaukelt". Diesen Ausdruck habe Bernau verschiedentlich gebraucht. Als er wissen wollte, was Bernau an Busch gezahlt habe, wenn auch in- direkt, habe Bernau aueweichend geantwortet. Er glaubt ober, von Bernau selbst gehört zu haben, daß dieser cm Busch 30 000 Mark gezahlt hat. Bei dem Verkauf des Grundstücks Ilsenburger Straße sei er durch den Vermittler Pollak ausgeschaltet worden. Als ihm vor- gehalten wird, daß pollak der Schwager von Stadtrot vusch Ist, erklärt der Zeuge erstaunt, daß er stch nunmehr vieles erklären könne. Man Hab« ihn für den Fall, daß das Geschäft zum Abschluß kcmimt, aufgefordert, 5000 Mark für einen Fonds des Oberbürger- mejsters zu zahlen. Obwohl er sich dazu bereit erklärt habe, sei aus dem Geschäft nichts geworden. Merkwürdigerweise habe ihm nämlich Pollak einige Stunden vor der entscheidenden Magistratsausschußsitzung gesagt, daß er dafür sorgen wolle, daß der Ankauf mit Stimmengleichheit ab- gelehnt wird. Tatsächlich sei es auch so gekommen. Hinterher habe dann die Stadt durch Vermittlung von Pollak das Grundstück zu einem erheblich höheren Preise getaust, und Pollak habe dafür ein« Provision von 10000 Mark bekommen. Siadtsyndikus Lange bekundet, daß eines Tages dem Magistrat durch den Rechts- anmalt Fuhrmann im Auftrage«ines„Mandanten" folgendes Angebot gemacht worden ist: Gegen Zahlung von 10 000 Warf sollte die Stadt eine eidesstattliche Versicherung bekommen, daß sie bei dem Ankauf von Düppel-Dreilinden um 2 Willionen Mark übervorteilt worden ist. Gleichzeitig sollte die Stadt die Verpflichtung übernehmen, daß dieser „Mandant" mit 10 Proz. an dem Betrag beteiligt wird, den die Stadt zurück bekommt. Dieser Mandant ist kein anderer als Felix Günther, der sich inzwischen mit seinem Freund Stadt- rat Busch verkracht hat. Auf ein solches„Gaschäst" wollt« die Stadt nicht eingehen. Günther wollte in dieser eidesstattlichen Der- sicherung auch bezeugen, daß in seiner Gegenwart 100 000 Mark von hiller an Busch gezahlt worden find. Dies« Behauptung hält der Stadtsyndikus deshalb für denkbar unglaubwürdig, weil er sich nicht denken könne, daß eine solche Zahlung in Gegenwart eines Dritten vorgenommen ist. Um die Angelegenheit aufzuklären, Habs man sich schließlich bereit erklärt, die 10000 Mark.zu zahlen. Dazu sei es aber nicht gekommen, da inzwischen bei dem Stadtsyndikus der Leiter des Korrespondenzbüros Wolter erschienen ist und mitgeteilt hat, daß Günther diesem über die ganzen Vor- gänge ein umfangreiches Aktenstück angeboten hat. Wolter ist darüber protokollarisch vernommen worden, und das ganze Material wurde dem Staatsanwalt Weißenberg zugeleitet. Man je! heilfroh gewesen, auf dies« Weis« aus der 10 000-Mark-Angelegen- heit mit Günther herauszukommen. Es werden dann noch Stadtkämmerer Dr. Lange und Oberbürgermeister Dr. Böß über den Antauf von Düppel-Dreilinden vernommen. Böß sagt aus, daß«r Interesse für den Gutskauf Düppel gehabt Hab« und dafür gewesen sei, daß dieser Ankauf unter A u s s ch a l- tung von Vermittlern vorgenommen wird. Er war der Auffassung, daß Busch mit dem Vertreter des Friedrich Leopold. Prinzen von Preußen, Lubschinski, in Verbindung stand. Offen- sichtlich ist er darin von Busch getäuscht worden. Da sich in der Aussage von Böß Widersprüche zu den Bekundungen des Iustizrats Lubschinski ergeben, wird die Sitzung unterbrochen, um noch einmal Lubschinski heranzuholen. Verkehrsstrasrichter auf derAnklagebank Weil er bewußt die Verkehrsvorschristen verletzte. Vor dem Verkehrsrichler des Amtsgerichts Berlin- Wikte, Amlsgerichlsral Dr. Bernhard, hatte sich der Landrichler Dr. Werner klefsel wegen Der- geHeus gegen die Verkehrsordnung zu ver- antworten. Landrichter Dr. Klefsel ist Beisitzer der Sonderkammer des Landgerichts I, die die B e r k« h r s st r a f s a ch e n abzuurteilen hat. Ihm wird vorgeworfen, daß er trotz pvliziilicher Verwarnung ständig auf der Charlottenburger Chaussee rechts überholt habe und auf den Straßenbahnschienen ge° fahren sei. Dr. Kleffel hatte einen polizeilichen Strasbefehl in Höhe von 5 M. erhalten! dagegen Einspruch erhoben und richterliche Ent- scheidung beantragt. Der Angeklagte gab zu, daß er mit vorbedacht so gefahren sei, erklärte aber gllschzeitig, daß sein Fahren durch- aus richtig und zweckentsprechend gewesen sei, während alle anderen Fahrzeuge falsch fahren, wenn sie auf der Charlottenburger Chaussee die Straßenbahngleise meiden und links überholen. Ihm fei auch bekannt, daß selbst hohe Beamte der preußischen P o Ii z e i v er w a l t u n g auf der Charlottenburger Chaussee mit ihren Kraftwagen ständig auf den Schienen der Straßenbahn am rechten Rande der Straße gefahren seien. Rechtsanwalt Dr. Fuchs erklärt« die vom Polizeipräsidenten am 19. März vorigen Jahres erlassene Verfügung gegen das Rechtsüberholen aus der Charlotten- burger Chaussee rechtlich für unbegründet und verkehrstechenisch für oerfehlt. Es fei einem Kraftfahrer nicht zuzumuten, sich durch unsachgemäßes, rücksichtsloses Verhalten anderer Derkehrsteil» nehmer aufhalten zu lassen.' Das Gericht verurteilt« den An- geklagten zu fünf Mark Geldstrafe, weil er sich einer fortgesetzten Uebcrtretung der Berkehrsvorschriften schuldig gemacht hatte. Nach Z 36 Absatz 3 der Berliner Straßenordnung ist es verboten, ständig die Schienen zu benutzen. Gegen dieses Urteil hat Dr. Kleffel sofort Revision beim Kammergericht angemeldet, um eine grundsätzliche Entscheidung der höchsten Instanz durchzufechten. Möbelschau am Funkturm. Wohnräume verschiedener Zeitepochen in den Meffehalten. Möbelmessen in jeder Auswahl hat es in Berlin im Laufe der letzten Jahre zahlreich genug gegeben. Es waren interne Ber- anstaltungen der Fachverbände, die streng gegen das kaufende Publikum obgefchlojsen waren und in erster Linie dem Zweck dienten, Wechselwirkungen zwischen Produktion und Einzelhandel auszulösen. Die große Möbelschau, die heute in den Messe- hallen am Funkturm eröffnet wird, ist in weitestem Maße dem Publikum zugänglich! sie ist vor allem für die Einzel- kiiuser geschaffen und bietet sehr viel Unterhaltendes und Instruk- tiv«. Veranstalter sind der Deuffche Möbelfachverband, Gruppe Groß- Berlin und Mark Brandenburg e. V., und das Auestellungs-, Messe- und Fremdenvcrkehrsamt der Stadt Berlin. Auf rynd 20 000 Quadratmeter Gesamthallenfläche zeigen maßgebliche Firmen in einer Leistungs- und Verkaufsschau das bunte und vielgliedrigs Bild aller Notwendigkeiten, die mst dem modernen Wohnen zusammenhängen. Jeder Bedarf für das neue Heim, für jeden Geschmack, für Eheleute und für alle, die es werben wollen, wird, vom Sroßmöbelstnck angefangen bis zur kleinsten Schöpfung des Kunstgewerbes, in einem in Lurien und Farben hervorragend hergerichteten Ausstellungsraum aufgezeigt. In einer Zeit, in der Dreiviertel aller Gedanken um das Wvhnungethema kreisen, erfüllt eine solche Schau der Praxis eine wicistig« Mission, denn ein Rundgang orientiert schneller und besser als hundert Besuche in Einzelgeschäften aller Stadtgegmden. Die Schau gibt aber nicht nur praktische Ratschläge, sie bietet auch Belehrung und Unterhaltung. Die erste Ueberrafchung empfindet der Besucher beim Betreten der Eingangshalle Im Funkeck. Hier hat die Sonderschau„Möbel und Mode i�n Wandel der Zeiten", die unter ber kunst- historischen Beratung von Dr. Wolfgang Bruhn(von der Lipper- heideschen Kostüm-Bibllothek), von dem Kunstmaler und Bühnen- bildner Edward Suhr künstlerisch gestaltet wurde, ihre Stätte. In sich getrennt finden stch in chronologischer Reihenfolge Wohn- räume der verschiedenen Zeitepochen, beginnend 2000 v. Chr. In wechselnden Zeitabständen bis zum Jugendstil der letzten Jahrhundertwende. Jede einzelne Epoche zeigt die enge Beziehung zwischen Raum. Möbel und Kleidung. Hier die Vergangenheit— wenige Schritte später eröffne: sich die lebendige Gegenwart mit der großen Leistungs- und Verkaufsschau der Möbel- und Einrichtungsbranche, die die Hallen 8, 7 und 6 bis auf den letzten Quadratmeter besetzt. Eine zweite Sehenswürdigkeit ist in der Halle 5 der Funkturm- anlagen untergebracht: Die Sonderkunstschau der Deutschen Kunst- gemeinschaft„Heim im Bild und Bild Im Hei m". 2lus einer Ansprache des künstlerischen Beirats der Ausstellung, des Architekten Ernst Friedmann, ist zu erwähnen: Unsere Zeit hat nach den Kriegs- und Revolutionsumwälzungen d«e Recht, ja sogar die Pflicht, einem ihr eigenen Ausdruck auch auf dem Gebiet der Möbel und Einrichtungen zu suchen, denn eine neue Zeit ver- langt auch einen neuen Ausdruck der Wohnkultur,«inen eigenen Stil in der Entwicklung. Trotz oder gerade wegen der Zwangswirtschaft. Not war schon immer und ist auch heute ein starker Gestalter. Es sei auf eine Parallele verwiesen: Vor 100 Jahren, in der Zeit der tiefsten Bedrückung Preußens, da war es Schinkel, der die Schlicht- heit zu propagieren wagt« und der ideale Zweckmäßigkeit so berte. Beides Bestrebungen, die wir auch heute zur Durchführung b ingen wollen. Die Schau soll ein lebendiges Bild des Ringens nach neuer Form geben. Einfachheit, Sparsamtelt, Sachlichkeit seien die drei Grundtendenzen, die eine gewisse Anlehnung verraten an>das B-ld der modernen Hallen, in denen die Schau Unterkunft gefunden hat. Die Messe ist ab heute bis zum Osterdienstag, 22. April, täglich von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends geöffnet. Großkapitalifien unter sich. Geheimrat Coro klagt gegen Lgnaz petscheck. „wie ist es möglich, dah zwei im Wirtschaftsleben und in der Wissenschast so bedeutende Männer wie Sie zu dem ungewöhnlichen Mittel eines Scheinoertroge» greifen konnten?" Diese Frage stellie gestern der Landgerichtsdirektor Schmidt-Blancke an den Geheimrat Coro und den be. kannten Braunkohlenmagnalen und Kohlengrohhandler Zgnaz Petscheck, die in einer FehdS um l.5 Millionen Mark liegen. Der Kläger Coro macht nämlich noch 19 Jahren Ansprüche geltend, die er auf Grund von rückdatierten Gehet moer- trögen an Petscheck zu haben glaubt. l92l1 waren die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und der Tschecho- slowakei noch sehr unsicher.« Petscheck und Coro beschlossen deshalb, ihr Eigentum vor per„Bolschewisierung" zu schützen. Die beiden Herren fürchteten eine radikale Linksregierung in Prag, die das Eigentum der Industrie und des Handels wesentlich beschneiden könnte. Man gründete also ein Braunkohlensyndikat, in dos Petscheck seine Aktien an deutschen und tschechoslowakischen Braunkohlengruben, Coro seine Erfindungen und seine Erfahrungen auf dem Gebiete der Bergasung von Braunkohle und der Umformung von Kohl« in Heizöl einbringen sollte. Zm Mai lgZll wurden drei Verträge verfahl, die aus allem, vergilbtem Papier geschrieben waren und Daten aus den Jahren lSlZ. ISlZ und l?l6 trugen. Durch diese Dokumente>sollt«, falls in einem der beiden Länder eine großzügige Enteignung durchgeführt worden wäre, dem Zugriff der betreffenden Regierung ein Riegel vorgeschoben werden dadurch, daß Jedesmal«in Ausländer an dem Unternehmen beteiligt war. Di« ganzen Verträge verloren ihren Sinn, als die Befürchtungen der beiden Kontrahenten nicht eintrafen. Das Syndikat selbst ist niemals praktisch ins Leben getreten. Es handelt sich, wie auch der Vorsitzende ausführte, uist einen Vertrag, der durchaus den Charakter eines Scheinvertrages hat. Die sonderbaren Dokumente würden sicher längst zerrissen in einen Papierkorb versenkt oder verbrannt worden sein und die Oeffentlichkeit hätte nie etwas von den eigentümlichen Methoden der beiden Herren erfahren, wenn mcht ein F a m i l i e n st r e i t zwischen den bis dahin verwandten Häusern Cara und Petscheck aus- gebrochen wäre. Geheimrat Coro und Ignaz Petscheck waren näm- lich verwandt: Caros Tochter war die Frau des älteren Sohnes von Petscheck. Unter schwerstem Krach aber ging die Eh« auseinander, und heute sind sich die Familien spinnefeind. Das geht so weit, daß der Kohlenmagnat Petscheck sich weigert«, im Gerichts- saal mit dem früheren Freunde und Verwandten zusammenzutreffen. Petscheck gibt zu, daß dieses Syndikat tatsächlich nur aus dem Papier stand und den Petscheckschen Besitz gegen Zugriffe von außen sichern sollte. Er lehnt die Forderung Caros auf eine Entschädigung aus Nicht- erfüllung der Verträge ab. Der Vorsitzende sagte ihm:„Wenn zwei kleine Krämer ein solches Scheingeschäst uM den Ankauf eines Pferdes oder eines Klaviers gemacht hätten, so könnte man das oerstehen. Hier handelte es sich aber doch um zwei prominent« Persönlichkeiten und um ein Riesenobjekt." Ruy, man sieht, daß äußer«„Prominenz" nicht immer vor der Versuchung schützt, anfecht- bare Scheinverträge zu schließen, wenn es gegen den Staat geht. Zu einem neuen Zusammenstoß kam es um die Vereidigung des Gsheimrats Coro. Das Gericht beschloß, von einer Vereidi- gung abzusehen. Das Urteil soll am 24, April verkündet werden. Wir leben in einer sonderbaren Welt! Wenn ein Arbeitsloser eine Veränderung auf seiner Stempelkarte vornimmt, so ist das eine Urkundenfälschung. Wenn zwei Großindustrielle einen Privatvertrag mit falschen Daten und Angaben mit dem Ziele der Sicherung vor staatlichem Zugriff schließen, so geht das den Vater Staat nichts an: es ist Privatangelegenheit. Gerettete Sittlichkeit. Abtreibvnasvrozeß unter völligem Ausschluß der Oeffentllchkeit. Ein in Moabit seil langem nicht dagewesener Fall: Unter dem Vorsitz de» candgerichtsdirektor» Schneider beschloß das Landgericht ll in einem Ablreibungsprozeß. die gesamte Oefsentlichkeit. die Presse mit einbegriffen. auszuschließen. Es handelt sich um den Todesfall der Wjährigen Helene Jüterzenka Am 2. August vorigen Jahre» erschien im Polize.- revier der Kellner P. und teilte mit, daß in seiner Wohnung e i n Straßenmädchen gestorben sei. Er Hab« das Mädchen in� der Nacht vorher mitgenommen, tagsüber sei er fortgewesen und nach seiner Rückkehr am Abend Hab« er es t o t o u f g e fu n de n. Ihren Namen kenne er nicht. Di« Polizei fand In der Wohnung talsächlich ein wt«s junges Mädchen auf, das bereits Veroxsungs- inertmal« zeigte. Die Obduktion ließ keinen Zwelsel darüber, daß ein unerlaubter Eingriff vorgenommen worden war. Der Kellner P. und s«ine Braut K. waren schließlich geständig. das junge Mädchen zur Behandlung aus Mitleid für einige Tage bei sich aufgenomen zu haben. Einen Eingriff bestritten sie. Di« Anklage lautet auf Abtreibung mit Todeserfolg, Dies in aller Kürze der Sachverhalt. Der Fall des Straßen- Mädchens I., kriminalistisch außerordentlich interessant, ist natürlich auch von öffentlicher Bedeutung. Daß der Staatsanwalt den Antrag stellte, die Oefsentlichkeit auszuschließen, war wei'er nicht verwunder- lich. Ebenso selbstverständlich war es, daß die Verteidiger Rechts- anwalt Dr. Fuchs und Dr. Themat, sich gegen diesen Ausschluß der Oefsentlichkeit wandten. Der Beschluß des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Schneider reizt zum schärfsten Widerspruch. Es ist ein seit Jahren in Moabit b«st«hendeb Vorrecht der Presse, auch dann im Gerichtssaal zu verbleiben, wenn die Oeffentlichkeit aus Gründen der Gesährdung der Sittlichkeit ausgeschlossen werden muß. Bericht- erstatter und Oeffentlichkeit tnteressieren sich nicht für medizinische Einzelheiten. AWreibungsprvzess« aber, die der Oefsentlichkeit den ganzeck Jammer des 8 218 vor Augen führen, verdienen das Interesse der großen Masse. In der heute zur Verhandlung stehenden Sache war« e» immer noch Zeit gewesen, für ein bestimmtes Stadium des Prozesses die Oeffentlichkeit auszuschließen. Die Hinausweisung der Presse aber noch vor Eintritt in die Verhandlung spricht von einer Einstellung des Landgerichtsdirettors. di« für Moabit kaum tragbar erscheint._ Welker für Berlin: Beständiges Wetter mit fortschreitender Erwärmung und schwacher Lustbewegung. Für Deutschland: lieberoll trockenes, vielfach heiteres Wetter mit ansteigenden Tem- peratnren. Kongresse und Die Krankheitsherde im Menschen. 42. Kongreß für innere Medizin. Wiesbaden, 11. April. Das Hauptproblem des dritten Tages„H e r d i n f« l t i o n", das heißt Entzündung von chronischen Ansteckungsherden aus, bringt jedem Arzt so viele Sorgen, daß das Iirteresse heute besonders rege ist. Der erste Referent, Prof. P ä ß l e r- Dresden, hat das Per- dienst, schon 1909 ans die große Bedeutung der Infektionsherde hin- gewiesen zu hoben. Von diesen können krankmachende Keime in den Körper ausgeschieden werden, sie gelangen dann an di« ent- legensten Teile des Körpers und erzeugen dort die mannigfaltigsten Krankhetten. So könnten nicht nur rheumatische Zustände an Muskeln und Gelenken, Herzklappen-, Nieren-, Blinddarm- und Nervenentzündungen zustande kommen, sondern auch Hauterkran- kungen und Magengeschwüre. Im Hinblick auf die Häufigkeit der Erkrankung und die günstigen Heilungsaussichten der hier meist verhältnismäßig harmlosen chirurgischen Entfernung des Infektionsherdes wird klar, wie wichtig die Erkenntnis dieser Krankheitszusammenhäng« für die Gesundheit des einzelnen und der Allgemeinheit, aber auch für die Träger der Kranken-, Jnoattditäts- und Unfallversicherung sein muß. Aus Amerika war Prof. E. C. R o s e n o w von der Mayo- Klinik in Rochester zur Darlegung und Verteidigung seiner in lang- jähriger Forschung erzielten Ergebnisse geladen. Rosenow hat in Die&igur des Oberprieflers ftanofer aus der Zeit mn 2S00 vor Christo. Die Statue ist lebensgroß, besteht aus bemallem Kalkstein und wurde in einem Grabe bei Sattara gefunden. Sie wird nebst einer anderen, die einen Beamten aus dem Reuen Reiche(1400 v. Chr.) darstellt, als Ersatz für di« Nofret-Ete angeboten. ausgedehnten Versuchsreihen das häufige Vorkommen von Ent- zündungserrogern(Strepto- und Pneumokokken) vor allem in den Gaumen- und Rach«innondeln, in entnervten(pulpalosen) Zähnen, in den Nebenhöhlen und in Inneren Organen bei einer großen Reihe von Erkrankungen nachgewiesen. DI« Gntzündungserreger haben oft in so hohem Grade die Neigung, ganz bestimmte Organ« im Körper zu befallen, daß zum Beispiel ein aus den Mandeln eines Kranken mit Herzklappenentzündung gezüchteter und dann einem Tier eingespritzter Streptokokkus vorzüglich wieder«in« Herzklappenentzündung auslöst, daß Erreger von Kranken mit akutem Gelenkrheumatismus wieder Gelenkrheumottsmus, und von Kranken mit Nierenentzündung wieder Nierenentzündung erzeugen. Diese Neigung der gezüchteten Erreger, ganz besondere Organe immer wieder zu befallen, bilden einen Beweis dafür, daß die ge- fundenen Bakterien wirNich die krankheitsstiftenden Ursachen sind, eine wertvolle Ergänzung zu dem wichtigsten schon durch Päßler erbrachten Beweis durch die Heilung nach operativer Entfernung des Krankheitsherdes. Rosenow ist so sehr überzeugt davon, daß die verborgenen Ansteckungsherde eine geradezu beherrschende Rolle bei der Auslösung eines Heeres von Erkrankungen spielen, daß er zu recht radikalen therapeutischen Schlußfolgerungen kommt: es sollen bei allen Patienten, die an einer Erkrankung leiden, der mit Wahrscheinlichkeit eine verborgene Ansteckungsquelle zugrunde liegt, olle entnervten Zähne gezogen und ebenso di« Mandeln ent- fernt werden. Zu den Berichten Päßlers und Rosenows bringt Pros. R. B i e l i n g(Frankfurt a. M. und Höchst) interessante Illustrationen vom Tierexperiment her. Die Aussprache bracht« Einzelbeobachtungen und Ergänzungen zu den Hauptvorträgen, aber auch gewichtig« Einwände gegen di« Untersuchungsergebnisse Rosenows. Wieviel Aerzle gibt es in Deutschland? Nach den jetzt vor- liegenden endgültigen Ziffern•fcer letzten Deriifszähliina betrug die Zahl der in Deutschland tätigen Aerzle 4 5 33 2; das sind 35 Prozent mehr als 1913. 1928 wurden sogar 47 338 Aerzte gezähtt, so daß seitdem ein« Abnahme festzustellen ist. Der Anteil Oer weiblichen Aerzte tritt immer stärker hervor: während« 1913 nur 250 gab, sind es jetzt 2562. Ebenso ist es bei den Zahnärzten und den Dentisten: es gibt jetzt rund 10000 Zahnärzie, darunter 900 weibliche, und 24 000 Dentisten, darunter 400 weibliche. .von Morgenstern bl» Rlnge'nah' ist der Titel eines dem Humor und der Satire gewidmeten RczitaNonSabc idS der Volksbühne, für den Nora Zevier verpflichtet wurde. Der Abend findet Montag, den 14. Aprtl, 8 Uhr, im Gymnasium zum Grauen Kloster, Klostcrllrahe 74, statt. Zm Ihealer In der Slrciemannstraße gibt das Moskauer StaatZtheater am Sonnabend als letzte Meyerhold-Lnszenierung CrommetynckS.Der gewaltige Hahnrei.' J W WQVIr V« V v v» vUH« V 99* Der Arbeiter-Lichtbildbund. Eine öffentliche Kundgebung. Der Arbeitcr-Lichtbild-Bund veranstaltete im Städtischen Saal- bau Neukölln seine erste öfsenttiche Kundgebung. Der Regisseur Eugen S ch ü f f t a n referierte über den Film von heute. Es ist sehr schwer für den Regisseur, einen wahrheitsgetreuen Film zu drehen, di« Filmproduktion stellt sich auf den angeblichen Geschmack des Publikums ein, und an Hand von statistisch nachgewiesenen Kassenerfolgen wird diese Geschmacksrichtung den Filmen immer wieder zugrunde gelegt. Das Risiko ist natürlich dann nur ein geringes. Ganz anders bei Filmen, die auch nur etwas von dem Traditionellen abweichen, noch viel mehr bei solchen, die bewußt eigene Wege gehen und das Leben in seiner Alltäglichkeit zeigen, wie es Schüfftan in seinem Film„Menschen am Sonntag" gestaltete. Die Filmverleihe lehnten es rundweg ab, einen derartigen Film zu verbreiten, da es zwecklos wäre. Trotzdem ist diesem Film aber der verdiente Erfolg beschieden worden. Die Ausführungen Schüft- tans wurden durch die Vorführung einiger Stellen seines Films unterstrichen. Als Gegenbeispiel für den kitschigen Film wurden dann aus Spielfilmen Szenen gezigt, di« die Einstellung der FUmproduktion auf Lachmuskeln oder Sentimentalität bewiesen, vom Geschehen des Alltags, von den Nöten und Sorgen des einzelnen und der All- gemeinhett wiesen diese Filme nichts. Durch das Herausnehmen der reinen Landschaftslulder und nebensächlichen Szenen bleibt dann nur die Idee des Filmproduzenten übrig, und es zeigt sich der Kitsch in seiner ganzen Größe. Gottlieb Reese- Hannover sprach über Film und Photo und ihre Bedeutung für die sozialistische Kulturarbeit. Er wies nach, daß das Publikum sich viel zu kritiklos die FUme ansieht, daß es nur herzlich wenig Fllme in unserem Sinne gibt. Wir müssen das Beste aus den vorhandenen aussuchen, solange an keine eigene Produktion zu denken ist. Es ist genug Material da, das zum Schaffen anreizt, so wäre ein« in unserem Sinne erfolgende Ver- filmung der Zola-Werke eine wahre Kulturarbeit. Beeinflussung der Meinung des Publikums auf der einen Seite muß Hand in Hand gehen mit der Produktion, di« sich einstellt auf di« Erfordernisse der Zeit. Der Weg zu diesem Ziel ist zwar nicht leicht, aber er wird und muß gegangen werden. Anschließend wurden Szenen aus Tendenzsilmen gezeigt, um so den Unterschied zwischen einem Tat- socheiftilm, dem heute üblichen Spielfilm und dem Film als Propa- gandamittel der Arbeiterschaft klar zu zeigen. Die Kundgebung dürft« bewiesen haben, daß der Arbeiter- Lichtbild-Bund eine Lücke in der sozialistischen Kulturbewegung aus- füllt; di« Erreichung der gesteckten Ziele bedarf unermüdlicher Arbeit. X Das Wer? Walter Gropius'. Im Archidektenhause(Wilhelmstraße 92) findet man eine Ueber- ficht über das Schaffen von Walter Gropius, innerhalb der sehr nützlichen„ständigen Bauwelt-Musterschau"; allerdings in einem Saalkomplex, der von Schinkel zwar den Namen, keineswegs «rber den Geist empfangen hat, denn es ist ein Muster hochgradig schauerlicher BanNinkerei! Bei einem vor allem durch seine Schöpfung des Weimar-Dessauer Bauhauses so bekannten Architekten von dem europäischen Rang« Gropius braucht man den bei spiel- hasten Charakter seiner Entwürfe und Bauten kaum zu betonen. DI« Schau ist kehrreich und interessant für jedermann, da die Probleme, die hier angepickt und gelöst werden, im weitesten Sinne die unsrigen sind. Im Vordergrunde seines Schaffens stehen heute Siedlungen großen Stils: mit Töxten bei Dessau begann Gropius 1925, heute beherrschen die großartigen Massensiedlungen Dammer- stock bei Karlsruhe und Haselihorst bei Berlin mtt ihren Problemen von Grundriß und Höhenentwicklung— entweder zwetstöckige Ein- famUlenhausreihen oder zwölfgeschosstge Hochbauten mit weiten Grünflächen— sein Schaffen. New anschaulich fesseln am stärksten die wirtschaftlichen Kollek- tiobauten: Fabriken, wie die Faguswerke, mit denen Gropius 1912 seinen Aufstieg glänzend begonnen hat, wie das lMbkreieförmige Arbeitsamt in Dessau mit lauter Oberlicht, Bürohäuser, das weithin bekanntgewordene Bauhaus in Dessau mit seinen riesigen Glas- fronten, und das geistreiche, in jeder Hinsicht packende Modell eines „Total-Theaters", das zugleich für Tanz, Kino, Variete usw. dient, als eine Art Erneuerung des antiken Amphitheaters in modernem Geiste und für unsere komplizierten Bedürfnisse. Das Werk von Gropius kennenzulernen, bedeutet, das Wesent- liche unserer brennenden Baufragen von heute zu durchdenken. p. k. seh. Jtenc Wellsprachen. Zwei skandinavische Gelehrte, der Kopcn- Hagener Sprachforscher Pros. Iespersen und der Anglist der Univer- sität Upsala, Pros. R. I. Zachrisson, sind jetzt mit zw«, neuen Formen einer Unioersalsprache hervorgetreten. Di« Erfindung Iespersens, das„Novial", versucht eine künstliche M.schung aus germanischen und romanischen Sprachen, wie dies auch bei anderen Westsprachen der Fall ist. Der schwedische Philologe aber will eine leicht erlernbare und allgemein verständliche Sprache durch oiue Vereinfachung des Englischen schaffen. Sein„W e l t e n g l i i ch", das in wenigen Tagen gelernt werden kann, bewegt sich in der- selben Richtung in der schon die Abschleifungen der englftchen Sprache durch die Amerikaner gehen. Fünf englische Sachver- ständig« haben seinen praktischen Wert anerkannt. Ein Rededuell über Dreifuß. In Paris soll ein Rededuell zwischen dem sozialistischen Advokaten Maitre Torrös und dem nicht minder bekanten Politiker und Schriftsteller Lion Daudet, dem ührer der Königspartei, ausgefochten werden. Als Thema ist die reyfuß-Aftäre vorgesehen- Es soll ein hoher Eintrittspreis er- hoben werden, der den Opfern der Ueberfchwemmungskatastroph« in Südfrankreich zugute kommt. Das Publikum soll sich aus einer zahlenmäßig begrenzten Schar von Zuhörern zusammensetzen. Um störende Elemente fernzuhalten, die den ZZerlauf des Zweikompfes mit Worten gefährden könnten, muß jeder der Duellanten persön- lich dafür haften, daß die Hälfte der Billetts an geeignete Personen vergeben wird. Jeder Redner wird eine Stunde sprechen, und dann wird ihm noch eine Viertelstunde zugebilligt, um di« Beweis- gründe des Gegners zu widerlegen. Bier Schiedsrichter sollen br stellt werden. Da» Drama mit DebaN«. Bei der Ausiabrung von g SIS von Carl(£r4d4 der Piieator-Bubne>m Dallner-Tbeater sprechen am streilag Herr Groß- mann von der Sias der Menlchenrechte, am Tonnabend Dr. med. Rosenbaum, am Sonntag Rechtsanwalt Dr. Barbalch und am Montag Dr. med. Levh Lenz. Eine Sch■ uspieler-ltachworsiellllna von.Er' in der Premierenbesetzung findet am 12.. 2i'J. Uhr, in der Tribüne Berliner SIrasie Natt. Der Gesamtertrag flirsil den WobtsahrtSiassen der Bübnengenosienschaft zu. Karten im BezirlSverband Keithstratze 11, Zimmer IS. Da» deulsch-österreichische Urhebrrrechtt-Uebereinkommen wurde durch den österreichischen Bundesrat genehmigt. Wahl bei der Brennstoff-Gesellschast. DM der diesjährigen Vetrie-dsratswahl der Berliner Brenn- stMj-GefeUschaft m. b. H. koimte trotz der wüsten Angriffe bei d«n letzten Stadtverordnetenwahlen gegen die BLG. und ihren früheren Direktor B r o l a t der Glaube an die freien Gewerkschaften nielst erschüttert werden. Wie in allen Jahren wurde auch in diesem Jahre nur die Liste der freien Gewerkschaften für Arbeiter und Angestellte aufgestellt und somit gewählt. Personal nur von außerhalb... Die Gaste aus Verlin. Der Konditoreibesttzer Hugo Kreyser, Berlin-Weiß« n- f e«, Berliner Allee 233. will nur Personal von auswärts be- schäftigen, kein«„Berliner". Er annonciert in den Fachzeiwngen tiach Personal sür seinen Betrieb. Von dem Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter auf seine Verpflichtung aus dem Tarifvertrag, das Personal durch den ö s s e n t l i ch e n Arbeitsnachweis zu beziehen, ausmerk- sam gemacht,— zumal es doch genug Arbeitslose In Berlin gibt—, erklärt er in hochfahrendem Tone, er beschäftige kein personal aus Berlin, sondern nur von außerhalb, höchstwahrscheinlich deshalb, weil in diesem Betrieb auch die sonstigen tariflichen B e st i m- münzen, vor allen Dingen die Arl�itszeit, nicht innegehallen werden. Dazu braucht Herr Kreyser Personal von auswärts. Vielleicht»vcrden ihn seine Gäste darauf aufmerksam machen, daß er doch von den Berlinern leben will oder reslektiert Herr Kreits«? nur auf Gäste von austvärts? Freitag. II. April. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Von Breslau: Opernballett. t »7.30 Heinrich von Kleist(Sprecher: Stefan Lux). 17.« I. Busen!; Sonatina ans ep.— t HaTik:„Jarexl", W.», Heft sf (Maria Proelß am Flügel). 18.05 Das neue Buch. 18.15 Dipl.-Ing. Franz zur NtSden: Weltkraft-Konferens? 18.40 Felix Scherret; Abenteuer und Dichtung. 19 00 Oesungene Tänze. 19.30„Die Hilflosen", Roman von Heinz Liepntaim. Der Antor spricht über sein Buch und gibt Leseproben. 20.00 Konzert. 22.30 Dr. F. Anders; Kartenspiele. 23.00 Von Budapest: Zigeunermusik der Kapelle Imre Magyart, Königs»' Osterhausen. 16.00 Dr. Hans Roeseier, Dr. Egraont Zechlin: Quellenkunde im OeschichtsJ Unterricht. 16.30 Von Leipzig: Nachmiltagskonzert. 17.30 Mersmann: Vergleichende Stiluntersuchaagcn. 17.55 Robert Schmidt: Die Zollfriedenskonferenz. 18.20 Dr. Kurt Eberlein: Räuberfrauen. 18.40 Englisch für Fortgeschrittene. 19.05 Kurt Bäsch» Itz: Kunst der Massenfllhrone. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. 20.00 Von Hamburg: Beethoven-Abend. 21.30 Ludwig von Wohl:„Punks kommt aus Amerika". Serontmotfl.«üt hie Dtebaftion:«ulfgaug Schwarz. SerFm; Sfnaetarrt: th.»lüde. Setiin. Sctlns: Vorwärts Verleg<5. M b. S.. Berlin. Druck: Ssrwurts Buch. bruderei unh Verlagsanstall Soul Sinaet& Co., Berlin SW 68, SinbcuttroSe 3. Sterin 1 Beilage. �reitaij, 11.4 Staats-Oper Unter d. Linden leü-ü. 0. Fr. Ho. 8 Mm-IM. Ho. 97 20 Uhr Sdiwanda, der Dodelsadtpleifer Ende 221. Uhr Staats-Oper km Platz dir Bepabül Vorst. 60 19% Uhr Die ZaMiite Ende n. 22' 2 U. Fucitag, II. 4. staut. Oper Bismarckstr. Turnus I 19>i- Uhr Hasdilnisl HopKlns Ende g. 22V- U Staat). Sdiausph. am Oesdtrmnmarkl St. R. I Fr. Ho. 7 Jahm-lUi.-V. Ho. 87 20 Uhr Peer dpi Ende g 23', b Uhr Staatl.Sdiiller-Tlieatßr.Cliarllbg. 20 Uhr Florian Geyer Ende gegen 22"- Uhr TSgl. S u.S'i, Uhr. B 3 Barn. 6256 Pr. 1-6 M Wochanlg. 5 U. 50 Pf.-3 M. Amerikas I VKw berühmtester Clown und 9 weitere Varieth-Neuhelten PL Aza Tägl. S u. S15 Sonnt. 2. 5 n. 8" Aiex.,E 4. 8066 1 INTERNAT. VARIETE ■Vi Uhr CASINfl THEÄTER»'/-vbr Lolhrlnger Strafe 37. Nor noch wenige Auf führ nngen Der wahre Jakob Dazn das grob« Oster-Programm. Ouibcnein für 1— 4 Personen Fauleuil nur 1.25 Sessel 1.75 M.. Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M BBa Direktion: Dr. Martin Zickoi>»» Komische Oper Fnedrielislr.l 04. Merkur 1401/4330. Täglich S'/i Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. Lustspielhaus Fricdrichstr. 256. Bergmann 2922/23. &ifc Uhr: Geschäft mit Amerika. Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Theater i. d.Behrenstr. 53-34 A 4 Zentrum 926-927 SV* Uhr Direktion Ralph Arihnr Roberts ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr) GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Nur nocti 20 Vorstellungen! 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL. H SonoiBo osdun. angek. halhe Pr. ResideBz-Theatei Künstl. Leitung Gaston Briese Täglich 8l/4 Uhr Sonntag 4 Uhr Elsrfeke RBogionttD. halbe Pr. Tlieater d. Westens Täglich 8V. Uhr: Das Land des Lächelns Sonntag 4 Uhr: Wiener Blnl ueHT GesundEprunnen [asTj[ßoöj U R A U F F OHRUNG Bühnen- und Tonfflmikeidi Besuch umMitternadit Auf der Bühne und im Tonfilm: Mia Pankau s Nora Meindi Carl Walfer Meyer Außerdem ROD LA R O CQUE Im Tonfilm Johnny braudii Geld Vorverkauf täglich von 11—22 Uhr Volksbühne Thtiter am BQlowplalz. 8 Uhr Das Lied von Hoboken Ein NegerstOck v. Gold-Weisenborn Musik; W. Grosz Regle; ütiii DhbidiRntir Staatl. Sdiiilei-Ib. 8 Uhr Florian Geyer PistaHliDe (Wallaer- Tbcaler) 8 Uhr §218 FraoeDinNot Staatsoper Am PI. d. Republik 71/s Uhr Die ZanberflSte 1 2 Wiidendanini 5211 TägL 8Vi Uhr Oer Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhard) Kammerspieie 0 2 Weidendamm 5201 8".'i Uhr Die liebe Feindin Rnmiltfi« no A. P. Aotsii« Regie: Gustaf Gründgens Die Komödie M Bismck. 2414/7516 8'/» Uhr Die Kreainr Sdinsplil«n Firt. tratinr Bcgle: Max Relihami Dir. Hr. Martin 2itkel Komische oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8'/« Uhr Majestät läDl bitten... Musik tod Waltsr Kollo, Lustspieihaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8Vt Uhr Geschaflmll Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfcld Reichshallen-Theater Abends H] sonaina nadmi.(T] der Stettiner Sänger Hadini. halbe Preist I Zentr. 112S3. Oön h pff- Brettl: Variete. Tanz, Falkner-Ordiesfer TB 881. 3. KOIIB.TOI Kottb. Str. 6 Tägl 8 Uhr auchSonm. nachm. 3L. Elitesanger. Das phäaon. Ostennogramm mit d. beliehteo Gastteoor Kart Woneer Direktion Dr. Robert Klein Djeutsebes Hünstier-Thesl Barbarossa 3937 8'/» Uhr Sex Appeal lastsp. r.Fmknk Lncsdali Regie: Fontn lerriuse Alher» Basscrraann, Und? Christians Berliner Mr Dönhoff 170 8 Uhr Ende lOVt Uhr „Eins, iwei, drei" von Franz Moloar mit Mn Palleoberj. Regle: Gosl.Bartang Vortier: Souper Regie: Heinz Hilpert. Iperettenhaus Alte Jakobstr. 20/32 (Zentral- Theater) Dönh. 2047 Täglich m Uhr Hotel Sfadt Lemberg Preise l. 2. 3 M. IrianoD-Theater leitang: Dir. Arn In Georgenstr. 9 Täglich 8Ve Uhr Revue Da» Itbeodt Magazio Preise v.soPf. an. Kleines Thea!. Merkur 1624 Täglich 8V* Uhr madame hat Ausgang Erika von Tellmann Paul Hörblger Hermann SchaufnB Lvovski, Braut Barnowskj- Buhnen Theater In der Siresemannsir. Gastspiel Meyerholds Moskauer Staatstheater 8>/e Uhr: Oer Wald bniVii toi Oitraailr Komödianhaus Täglich Vh Uhr Meioe Schwester ondidi Musik v. Ralph Benatzky Metropol-Tii. Täglich S'le Uhr Der Bettelstndent Pättlera, Aipar, chüizendorLJöken LessiDg-Theaier Weidniemm 2797 1.0846 Täglich »V» Uhr Flamme mit KSie Dorsch Franc Lederer Letzte Woche I | Hur noöi bis Freitag, 11. April 19381 Täglich 8 15 lOie goldne Meisterin j fe Traute Rose im) { Rose-Theater 1 [Große Frankfurter Straße 1321 1 Billettkassc: Alex. 3422 und 34941 | Ab Sonnabend, d. 12. April, 8 15| die Rokoko-Operehe lltire Hoheit die Tanzerinj in 3 Akten v. Walter W. Goetze 1 1 Sonntag, 13 April, nachm. 2.306 | dasentzückendeamerikanischel Lustspiel* Der Mustergatte (Vorverkauf tägl. v. 11—1 vorm und 4—9 abends. illige Gardinen!— illige Tisch- undDiwandecken! U'«U»«Kl»U»K»»Sä»R»»»« Aufsclalasl SSditbchet Gardinen- u. Teppichhaut Richard Hüller, Berlin-Neukölln, HermannslraBe 32 Filiale: Nowawcs, Pricslcrstrabc 57— Eberswalde, Elsen bahiulr&fse 99, neben der Hanptpnei Und iO Dein Urlaub nodi fo klein, im Cal�SdiOncbcrd muht Dn Sevelen lein! 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Hutnans Heinze lim.:«. p• n z s r so 1«, mpenicker Strasse us HOle. motzen. Herron- artikei in gut Qualitäten zu soliden Preisen föelfoge Freitag 11. April 1930 toriUmtö Sfin/cditffTffa tlif l£fu}osA Parteiarbeit in Herlin Der Jahvesbevichl dos'Boxivhsvovsltmdos Dein Berliner Bezirtsporieitog der Sozioldenwkratischen Partei liegt wieder ein gedruckter Jahresbericht des Bezirks� Vorstandes vor, der umfangreicher und in der Ausstattung reich- hattiger denn je ist. In seinem Vorwort zieht Franz Künstler, der Vorsitzende der Berliner Partei, das Fazit der Parteiarbeit im vergangenen Lahr: ..... Die Viermillionenstadt stellt der Partei große und schwere Probleme. In Notjahren wie 1929 und 1939 wurde sie des öfteren vor fast unlösbar erscheinende Fragen gestellt. Und dennoch ging es vorwärts!... Trotzdem unsere politischen Gegner immer wütender gegen die Sozialdemokratie anrennen, trotz schwerer Wirtschaftskrise und großer Erwerbslosigkeit, ist unsere Partei von Jahr zu Jahr erstarkt!' Alljährlich legt die Sozialdemokratische Partei eine freiwillige Prüfung für ihre politische Arbeit in der W e r b e w 0 ch e ob. chier ergibt sich, greifbar in Zahlen, ob die politische und organi- satorische Wirksamkeit richtig war, ob sie von der Bevölkerung er- könnt und anerkannt wird. Die Schwere der Zeit hat der Partei keinen Abbruch tun können. Am Schlußtermin der Werbung, am 27. November, waren 5409 Männer und 1V7S Frauen neu In die Partei eingetreten. 7078 neue Kämpfer1'— und dos trotz ungeheurer Erwerbslosigkeit, trotz niederträchtiger Gegenagitation aller„Freunde' von rechts und von links, trotz wüstester Hetze mit dem Sklarek-Skandal, trotz der Hetze gegen unsere Regierungsbeteiligung, gegen die Tätigkeit der Genossen in der preußischen Regierung! In einem Jahre hat die Partei in Berlin von 84 954 auf volle 78553 Mitglieder wachsen können! Mit peinlichster Genauigkeit hat das Sekretariat diese Zahlen errechnet, der Umsatz der verkauften Beitragsmarken war, wie immer, der Maßstab. Mit der gleichen Gewissenhaftigkeit ist auch das sonstige organisatorische Leben in Zahlen erfaßt worden: 298 öfsenlllche Versammlungen in den Kreisen, dazu 1289 kreis- milglieder Versammlungen, 2299 Zahlabende, fast zweitausend Funk- «ionärsißungen. 1192 Frauenveranstaltungen, 169 lokale Straßen- demonstrationen fanden statt. Der engere und der erweiterte Be- zirksvorstand kam nicht weniger als 4lmal zusammen und hielt in 14 Fällen Konferenzen mit Vertretern der Freidenker, der Klein- gärtner, den Stadtverordneten, dem Ortsausschuß des ADGB. und der Pressekommission ob. Eine große Arbeit ist von der Zentrale geleistet worden, aber auch die Zehntausende Parteimitglieder Helsen kräftig mit. Sie oer« breiteten in selbstloser, freiwilliger Parteiarbeit Flugblätter und JSroschüren in einer Auflage von über Si-b Millionen Exemplaren. — Wahrend sich die Z a h l a b e n d e mit den verschiedensten Fragen des öffentlichen Lebens beschäftigten, nahmen je 29 Kreis- Mitgliederversammlungen zu den jeweils aktuellsten politischen Tagesereignissen Stellung und zwar im Sommer zum Fall des Republikfchutzgesetzes im Reichstag und zu chen Sprengstoffattentaten, später zum Hugenberg-Volksbegehren und zum Vorstoß der bürger- lichcn Parteien gegen die Sozialversicherung. Das ist in großen Umrissen die organisatorische Arbeit in der Berliner Partei. In einem besonderen Kapitel des Berichtes ist der Stadtverordnetenwohlen gedacht, deren Ergebnis der Partei den Boden für die Mitwirkung an der Stadtverwaltung schaffen mußte. Die Form des Wahlkampfes erinnert lebhaft an die Hottentotten- wählen vor dem Kriege: die Partei als Ganzes und einzelne Mit- glieder im besonderen mußten den Ansturm einer Gegnerschaft aushalten, die sich der gemeinsten und ehrenrührigsten Mittel bediente. Die Berliner Sozialdemokratische Partei hat diesen in der Geschichte politischer Parteien einzig dastehenden Kampf bestanden. Sie hat ihr« Wählerschaft sogar gegenüber den Stadtwahlen von 1925 um rund 47999 erhöhen können, wenn sie auch in» folge allgemeiner stärkerer Wohlbeteiligung einige Stadtverordneten- mandat« einbüßte. Aber eine Partei, die einen so gewaltigen, ganz außerordentlichen Ansturm so überstehen kann, muß innerlich gesund und äußerlich gefestigt sein. Die Werbearbeit in den Betrieben. die neuerdings von drei besonders zu diesem Zweck angestellten Betriebssekretären geleistet wird, verfolgt Neben der Gewinnung neuer Parteimitglieder den Zweck. Betriebsangehörige und Funktio- nöre mit dem Wirken der Sozialdemokratie, mit ihren Absichten und ihren Erfolgen vertraut zu machen. Die Taktik, den groß- städtischen Arbeiter an der Stelle seiner Wirksamkeit zu bearbeiten, dort, wo er den größten Teil des Tages verbringt und, zusammen- geballt, am leichtesten zu erfassen ist, hat sich als erfolgreich erwiesen. Die Agitation in den einzelnen Werken und Werkstätten und die Fraktionsarbeit in den Gewerkschaften gegen die kommunistischen Zellenbauer und Gewerkschaftszerstörer war nicht immer leicht. Aber überall hat die Partei festen Fuß gefaßt, überall fühlen sich die einzelnen unterstützt, die Fraktionen wieder stark und abwehr- sähig. In den großen Werken werden Betriebszeitungen herausgegeben, die de» kommunistischen Verleumdungen und Ver- drehungen entgegenarbeiten. Wenn die von beauftragten und dafür be, zahlten Subjekten der Kommunistischen Partei betriebenen Gewerk- schaftssprengungen illusorisch gemocht sind, die Leute aus der Kleinen Alexanderstraße heute überall die Pleite erleben, so ist das nicht zuletzt ein Erfolg der Betriebsagitation. Die Erfolge bei den verschiedenen Beamlengrvppen drücken sich deutlich in der Gewinnung neuer Parteimitglieder aus. Einige Zahlen dürfen auch hier von Interesse sein: Etwa 15 Pro- zent des Feuerwehrpersonals ist in der Partei organisiert und 75 Prozent sind sympathisierende Freunde unserer Sache. Im Werbeausschuß für P 0 st- und Telegraphenbeamte arbeiten über 199 Parteimitglieder, bei der Polizei geht es rüstig vorwärts. Die sozialdemokratische Aibeitsgemeinschost am Preußischen Statistischen Landesamt umfaßt von den 885 Beschäftigten 22 Prozent und selbst bei der Beomtenschost im Statistischen Reichsamt sind 69 Parteimitglieder zu registrieren. Obwohl das Frauenfekretariat ein« Zunahme der Frauen in der Partei von 13 348 auf 18 529, also um 23,8 Prozent verzeichnet, zeugt es doch von einer gefunden und weitgehenden Selbstkritik, wenn fest- gestellt wird, daß noch ein gut Stück Aufklärungsarbeit zu leisten bleib«, bis die breite Masse der Frauen die Sozialdemokratische Partei als ihre Jnteressenvertreterin erkannt habe� Trotzdem haben bei der Stadtverordnetenwahl mehr Frauen als Manner sozioldemo- kratifch gewählt: von unseren 64 Stadtverordneten sind 7 Frauen. Ungeheuer ist die Arbeit, die an die politische und ollgemeine Weiter- bilhung der parteigenössischen Frauen gewandt wurde: in zwei großen Frouenfeierstunden fanden sie Erholung und Erbauung von den Alltagssorgen, ein internationaler Frauentag hatte zum Thema: „Mehr Recht und S.ch utz für Mutter und Kin d." In den Gewerkschaften stellen sich freiwillige Mitarbeiterinnen sür die Gewinnung neuer Parteimitglieder zur Verfügung, und eine Kundgebung für Arbeiterinnenschutz fand UMerstützung in Gewerkschaftskreisen. Schließlich krönte der Bezirksfrauentag im November die Arbeit für die Frau in der Partei. Längst hat die Berliner Partei ihre Wirksamkeit vom rein Politischen aus Gebiete verlegt, die einer sozialen Bewegung nahe liegen und die sich aus der positiven Stellung zu Staat und Wirtschaft ergeben. In dem Kapitel des Jahresberichtes„19 Jahre Berliner Arbeiterwohlfahrt' ist die Wirksamkeit der Arbeilerwohlsahrl als Organ der sozialistischen Arbeiterschaft bei der Durchführung des Hilfswerkes an den durch Krieg und Kriegsfolgen Verarmten ge- schildert. In der Hauptfürsorgestelle in der Lindenstraße 3 hat sich der Hauptverkehr mit den Hilfsbedürftigen der verschiedensten Art abgespielt, die drei Hauptinstitute der Arbeiterwohlfahrt, das „August-Bebel-Heim' in Gohrisch(Sächsische Schweiz), der Kinder- garten Blumenstraße und der Kinderhort Danziger Straße sind stets voll ausgenutzt worden. Das August-Bebel-Heim erfreute sich ganz besonderer Bevorzugung durch die Berliner Bezirksämter und feiner hervorragenden pädagogischen Leitung ist es zu danken, daß nicht wenige schwer«rziehbare Kinder überwiesen wurden, die mit gutem Erfolg gefördert entlassen werden konnten. Die Zusammenfassung aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Kräfte in der Partei, die Be- setzung wichtiger Aemter im Fürsorgewesen und die Schulung aller Funktionäre ist mit ein« der Hauptaufgaben der Arbeiterwohlfahrt. Die kulturellen Bedürfnisse der Parteigenossenschaft fördert« der Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsorbett. der den 29 Kreisausschüssen übergeordnet ist. Ihm untersteht die ArbeiterbUdungsfchule, die in einer großen Zahl von Kursen den Parteigenossen die Weiterbildung verschafft, die für den politischen Tageskampf dringend nötig ist. Die Proletarischen Feierstunden sind zu einer ständigen, stark besuchten Einrichtung sür die werktätige Bevölkerung geworden. Eine Revolutionsfeier, die gleichzeitig dem Gedenken Hugo Haases gewidmet war, eine Kurt-Eisnn-Gedächtnisfeier und Morgenfeiern am 12. Mai und am 29. Dezember waren große Ver- anstaltungen, die Zehntausende der Arbeiterschaft vereinigten. Für 33 Vorstellungen in der Städtischen Oper vermittelte die Bildungs- zentrale 4959 Karten, in den Abteilungen wurden 93 Filmvorsiih- rungen arrangiert, bei Veranstaltungen und Festlichkeiten der Ar- beiterschaft wurde die Mithilf« in Anspruch genommen. Man darf die neuerdings von der I u g e n d w e i h e k 0 m m i f s i 0 n— einer Vereinigung von an den Jugendweihen interessierten Organisationen — veranstalteten Jugendweihen in das Gebiet der Kulturarbeit der Partei stellen. Während im Frühjahr an 19 Weihen 1359 Kinder und 15999 Personen überhaupt teilnahmen, sanken diese Zahlen bei den sechs Herbftweihen auf 923 Kinder und 12900 Besucher— «ine Folg« des stark verminderten Abganges aus den Schulen. Zwei Weihen übertrug der Rundfunk. Was der Jahresbericht über die Arbeil an der Jugend, geleistet in der Sozialistischen Arbeiterjugend, zu sagen Hot, könnte so zusammengefaßt werden: Sehr gute Mitgliederbewegung, zahl'- reiche Veranstaltungen, die den Mitgliedern wertvolles, inniges Er- leben brachten, gute, verständnisvolle Zusommenarbeit mit den erwachsenen Parteimitgliedern, zum Ausdruck gekommen in wechselseitiger Unterstützung. Trotzdem muß hier dem Parteinachwuchs mehr Raum gegeben werden. Di« Hoffnungen, die der im Berichts- jähre zu verzeichnende Mitgliederzuwachs eröffnete, sind erfüllt worden. Von 3195 Mitgliedern Ende 1928 stieg die Zahl der organi- sierten Jugendlichen nach einem Jahr auf 3831 und beträgt noch einem weiteren Quartal 3881. Aus 92 Abteilungen wurden deren 104, 10 538 Veranstaltungen in diesen Abteilungen hatten 234 272 Besucher. Gemeinsame Feiern und Demonstrationen führten die sozialistische, die Gewerkschafts- und die Sportlerjugend zusammen, bei der Parteiarbeit der Erwachsenen fehlten die Jugendlichen nie.- Dreimal war di« Sozialistische Arbeiterjugend vor ganz groß« Auf- gaben gestellt: Beim Aufmarsch zum Parteitag in Magdeburg, beim Internationalen Jugendtag in Wien und in der Festwoche „25 Jahre Arbeiterjugendbewegung' in Berlin. Dem Iugendschutz und dem Iugendrecht, der Biidungsarbeit und den Festtagen galten die besondere Aufmerksamkeit des Sekretariats. Die Bildungsarbeil der Zungsozialisten wurde im engsten Einvernehmen mit dem Bezirksbildungsausschuß geleistet. ,Ln der Partei, mit der Partei, für den Ausstieg der Arbeiterklasse' definiert der Bericht ihre Arbeit. 49 Prozent der Mitglieder sind Funktionäre der Partei! Die Vereinigung S 0 ziai demokratischer Studierender hat ebenfalls ihr« Bewegung erfreulich vorwärtsgebracht. 123 Stu- dierende schloffen sich neu an, 559 sind es im ganzen Bezirk. Die Kindersreunde und ihre Arbeitsgemeinschaft können wir getrost zu unserer Parteijugendarbeit zählen. Helfer und Helfe- rinnen leisten an den Jüngsten Erziehungsarbeit, über 399 arbeiten so an den Kindern. 8899 Cruppenzusommenkünfte, 1999 Wände- rungen, 12 999 kleine Besucher bei den Veranstaltungen und Fibn- Vorführungen, 2399 Eltern in der Elterngemeinschast, das sind so einige Zahlen von den Kinderfreunden. Am Reichszeltlager auf der Rheininsel Namedy nahmen aus Berlin 599 Rote Falken teil, 499 Kinder der Iuiig- und Nestfalkengruppen konnten vier Wochen lang in Heimen an der See und im Gebirge bleiben. Mso 999 Zlrbeiterkiuder aus Hinterhöfen und Großstadtstraßen verlebten so ihre Ferien in Freiheit, in Luft und Licht. Früher wären sie zu Hause geblieben! Die Arbeit, di« von unzähligen Parteimitgliedern in der Mieterbewegung, in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemo« kratischer Lehrer und Lehrerinnen, in der G e n 0 ss e n s cho f t s- bewegung, im bundestreuen Arbeitersport geleistet wurde, soll nicht gering geschätzt sein, obschon sie hier zum Schluß nur fummarisch erwähnt werden kann. Ueberall steht der einzelne seinen Mann zum Vorteil der Gesamtb ewegu�g und damit der Gefamtarbeiterschaft. Das ist das Wesen der Bewegung, dos ist auch das besondere Merkmal sozialdemokratischer Parteiarbeit. Der Bezirksparteitag wird unter die Arbeit des Jahres 1929 den Schlußstrich setzen, er wird für 1939 den Auftakt geben und die Richtung weisen. Al. /. v Vcgelacbulxsiaiien in Lenden Einen interessanten U eberblick über die Vogelwelt in einer modernen Großstadt bietet ein Bericht des Ausschusses für die Vogel- fchutzstätten in den Londoner Parks. Während der sieben Jahre, in denen diese Reservate bestehen, haben sich di« Vögel aus dem Herzen der Großstadt immer mehr nach der Peripherie zurückgezogen. Doch gibt es im Hydepark und im Kensingtongarten immer noch über 89 Arten wilder Vögel, unter ihnen 51, die man in England wäh- r«nd des ganzen Jahres antrifft, 21 Arten, die nur Sommer- und 9, die nur Winterbesucher sind. Die Zahl der brütenden Vogelarten belief sich auf durchschnittlich 17 jährlich. Früher befand sich im Kensingtongarten die größte Saatkrähenkoloni« Londons, aber da dies« Vögel für ihre Ernährung ein ausgedehntes Gebiet brauchen, muß man mit der Abnahme dieser Kolonie rechnen: auch die Dohlen ziehen sich aus dem Kensingtongarten zurück. Andererseits hat die Ringeltaube, die früher selten hier zu sehen war, sich jetzt in dein Garten niedergelassen. Auch die Stockenten und Teichhiihner ver- mehren sich: der Buchsink brütet in ausreichender Zahl, Grünstnk und Wiesenpieper gesellen sich dazu, und die Goldammer ist wahr- scheinlich durch die im Kensingtongarten angepflanzte Kardendistel angelockt worden. FOX vunaC M i/erv Kaufhaus / Moabit Turmstr, hl ."**-0 Max Giesen (3, Fortsetzung.) Ä>ar nicht sein Haus ein Treibhaus, in dem die kühnsten Unternehmen, die ausschweifendsten Begierden, Mord, Raub, Kuppelei in der Sonne einer wollüstig stnnestrunkenen Verworfenheit blühten und zur vollen Reif« gediehen? Kettd ahnte nicht, daß außer ihm noch einer nach diesem Bilde sah. Jeder von ihnen hatte seine Gedanken, denen er nachhing. Kead wurde durch das Borbeihuschen einer Gestalt aufgescheucht. lieber seinen Rücken ging es wie Schauer. Er wogte kaum hervor- zutreten. Kannte er das Gefühl von Angst? Aug in Aug stehen, . das tonnte er. Aber das Unbestimmte, Unsichtbare übte seinen Schrecken auf ihn aus. Wie. wenn es ihn einmal im Schlaf über- siele, erinnerte er sich an die Worte Duvails. Mit ihm verließ auch ein anderer sein Bersteck. Mit gemessenen Schritten setzte er Kead nach. Hotte das Gesicht eines Mongolen- stSmmling». Das Zimmer, in dem sich Mrs. Mabel und ihre Tochter auf- hielten, lag im Halbdunkel. Berhetzt, müde konnten die Frauen lange nicht sprechen. Aber sie waren glücklich. Glücklich, weil sie allein waren. „Mutter, ich will schlafen." Es klang wie ein« helle, ober un- endlich traurige Kinderftimme.„Mutter, ich Hab« Angst, schrecklich Angst." Lillian drückte sich fest an Mabel. Mabel versuchte zu lachen. Aber das Lachen brach sich mi Hals« und blieb stecken. Sie strich mit der Hand über das junge frische Gesicht des Mädchens und liebkoste es. „Mutter, bleib bei mir", flehte die kindliche Stimme. Aber MabÄ hatte kein« Zeit und ging. Und Herr Duval, der wieder , Allrigth" war, lief ihr in den Weg. Nun war es schon sehr schwül und Mrs Mabel betonte, daß es im Haus kühler sei. Und da er un- hvsticherweise dem widersprach, stellte sie ihm den Antrag, sich von der Richtigkeit ihrer Behauptung zu überzeugen. Der ältliche Herr lächelte charmant und ging— sich überzeugen zu lassen. Mrs. Mabel Keads Salon mit angrenzendem Boudoir und Schlafzimmer hatte ebensowenig Stil wie die übrigen Räume des Bungalow, die sich durch ein wahres Mischmasch ehemals künst- lerifcher Auffassungen, also kurz durch Stillosigkelt auszeichneten. Die Appartements der ,�Lady" prunkten in verwaschenem Empir. Mrs. Kead tat noch ein übriges, um die dekorative Wirkung des Raums ui erhöhen. Ihrer verführerischen Stellung hätte sich ein« Beterane t>es guten alten Hetärenstandes nicht zu schämen brauchen. Es ging eben so gut, als«s überhaupt noch ging. Hinter Falten war so mancher Reiz versteckt, den die Frau mit kundigem Geschick gerne hervortreten ließ. Sie kämpfte mit stumpfen, ab- gebrauchten Waffen. Aber sie kämpfte, well niemand gerne fällt, am allerwenigsten unter dieser Sonn«, die den Menschen wie nur irgendwo früh bleich und ausdörrt. Duval entdeckte plötzlich diesen Reiz der Frau, nämlich den des Berfalls. Fühlte sich ihm verwandt, zu ihm hingezogen.--- , Mr. Kead stand inmitten des Raumes, während sich draußen heftige Windstöße erhoben und ganz unvermittelt Regen hernieder- zuprasseln begann. Den leisen Ausschrei Lillians quittierte er mit einem Grinsen. Er wollte etwas sagen, aber die Zunge hing ihm wie ein Stück lahmen Fleisches im Munde. Lillian scheut« sich vor ihm. Schon als ganz junges Kind fühlte sie sich von ihm abgestoßen und hatte jede zärtliche Berührung mit dem Stiefvater vermieden. Oft war es nicht angegangen, daß sie ihm auswich. Und sie hatte die vielen scheußlichen Zärtlichkeiten und Liebkosungen von ihm erdulden müssen. Hatte sie sich gewehrt. war er ungeduldig, grob, wütend geworden und hatte nicht ab- gelassen, sie irgendwo abzufangen und ihr seine väterlich«, eigentlich stiesoäterliche Lieb« aufzudrängen. Jetzt, da sie ihn vor sich stehen sah, kamen ihr alle Einzelheiten in den Sinn und verdichteten sich zu einem wahnsinnigen Schrecken vor ihm. Groß, ungeschlacht wie ein Matrose kam er auf sie zu. Behut- sam nahm er ihre Hand und legte sie in die seine. Die war rot angelaufen, fast schon blau und ekelhast fleischig. Er stand unter Alkobol und seine verglasten Augen tasteten sie ab. Sie versuchte ihn freundlich und scherzend abzuwehren. Er verlangte, daß sie ihn küsse. Noch immer versuchte sie es mit einem Scherz abzutun. Aber heuic schen er nicht darauf einzugehen. Schalt sie ein ungehorsames, liebloses Kind. Beteuerte, wie sehr er ihr als Vater zugetan fei. Versprach Ihr die kostbarsten Edelsteine, die teuersten Toiletten, Pferde, Autos und anderes, wenn sie ihm fürderhin so begegne, wie er es von ihr erwart«. Und sprach mit rührender Stimme, wie wenig Liebe ihm die Menschen entgegen brächten, und wie sehr er danach begehre, oft wie ein Verschmachtender dürste. Und von wem anderen solle er dies« erwarten als von ihr die doch sein Kind, wenn auch nicht sein Fleisch und Blut sei. Dabei rannen ihm Tränen über die aufgequollenen Lacken. Das MäVchen oermochle nicht, eine Rührung zu oerbergen. Sie machte sich stille Vorwürfe, daß sie ihn so behandle. Sie dürfe ihn nickt länger kränken, sagte sie sich uno überwand den Ekel und die Abscheu vor ihm. Küßte ihn herzhaft auf den dicken, wulstigen Mund Aber er wollte nicht von ihren Lippen lassen. Es benahm ihr den Atem, sie glaubte zw ersticken. Cr biß sie. Sie spürte das warme Blut über ihr Kinn rieseln. Cr bog ihren Körper nach rückwärts, griff sie schamlos ab. wollt« si« niederringen. Sie oersetzte ihm einen Stoß vor die Brust, daß er taumelte. War sie auch nicht übermäßig kräftig, so verfügt« sie doch über Gewandtheit und einen sportlich durchgebildeten, sehnigen Körper. Sie hatte sich von ihm losgerungen. Eilte zur Tür. Er stellte sich ihr in den Weg, schäumte, keuchte, gurgelte, würgte an den Worten, die ihm im Halse stachen. Lillian wollte schreien. Dachte an die Mutter. Wußte aber, daß die un- abkömmlich sei. Und nun überkam sie ein furchtbares Grauen vor allem, was sie in den Jahren begriff und miterlebte. Sie hatte viel gesehen und gehört. War für alles sehr empfänglich. Und in ihrem Innern war viel verwüstet und verheert, frühzeitig schon. Sie war von einer steten Angst verfolgt und getrieben. Immer wieder dachte sie an die Mutter, an die Frau des Mannes, der jetzt nach ihr aus war. Er will nun auch sie zerstören. Sie war ja schön, und längst schon hatte sie die Blicke der vielen Männer, die in diesem Hause ein- und ausgingen, begrisfen. Dieser Mensch, dem die Augäpfel blutig aus den Höhlen treten, bereitet allen diesen Männern das Bett, in das er sie, wenn er sich an ihr müde gelebt hat, treiben wird. Er will Macht über ihren Leib gewinnen, sein Eigentum soll er werden. das er verhandeln kann je nach Laune und Berechnung. Und dann wird sie wie die'Mutter sein. Diese Gedanken durchjagten Lillian und griffen Ihr an den Verstand. Kead gebärdet« sich wie ein Besessener, artete schließlich in plumpe Gemeinheit aus:„Ist das der Dank, daß ich euch aus dem Rinnsal gezogen habe?! Verrecken hättet ihr müssen ohne mich Und jetzt, wo ich einmal nehmen will, während ich immer gegeben und ihr genommen habt, jetzt schmeißt du� mich weg. Du gehörst mir! Verstehst du! Ich habe«in Anrecht auf'dich! Dein« Mutter ist alt und häßlich Aber ich gebe sie nicht auf, weil sie mir gehört. Komm!" Lillian fand Gelegenheit, zu entschlüpfen. Floh, floh hinaus in den fallenden Regen, als hielle sie das Tier am Nacken fest. -» Der Polizeichef und die„Lady" hatten sich wieder gesellschafts- fähig gemacht, starrten unbefriedigt und gelongweilt an die Decke, oermieden zs streng, sich mehr als nötig anzusehen. Ihre Augen blickten nicht mehr verschleiert, ihr« Stimmen waren nicht mehr bedeckt. Es ging sehr frostig und moralisch zu. Nur Mrs. Mabel sprach unaufhörlich und ausdauernd:„Glauben Sie mir, daß die Mannssucht einer Frau oft nur einem hilflosen Mitteilungstriebe entspringt. Das vom Leben geschundene Weib sucht immer wieder den Mann, sollte sie auch noch so von ihm zertreten worden sein. Si« findet in ihm, wenn auch nur für Stunden, den Partner ihres Leides. Denn auch er haßt wie sie selbst ihre Ver- gangenheit. Im ersten Sinnesrausch, den Qual. Zerwürfnis und Schmerz der Frau entzünden, ist er auf diese Vergangenheit eifer- süchtig und duldet sie nicht." Sie hielt imre, blickte Duval unverwandt an:„Was bleibt von all dem übrig, von diesem Suchen und Finden?" Ihr Kopf fiel aus die Brust, die Hände griffen in leer« Lust.„Wir Frauen wissen nie, daß, wenn wir suchen, wir immer nur das finden, um dessentwillen wir suchen. Unsere Anschmiegsam- keit, unser Mitteilungsbedürfnis und unsere Hingabe sind das Resultat von Stunden, in denen wir durch unser Leid wirken. Mrken, ja, mein Herr", setzte sie noch mtt Nachdruck hinzu. Mrs. Mabel Kead wußte um sich und das Leben Bescheid. Sie hatte viel erfahren. Und das hatte sie klug und kritisch gemacht. Duval war nicht der Mann, dem solche Vorzüge einer Frau etwas zu sagen gehabt hätten. Er beurteilte sie: Verbraucht. Ein Wrack. Und wandte sich zum Gehen. 4. Morgen brach an. Das Firmament färbte sich vom dunkel ge- tönten Violett zum zartesten Rosa und endlich zur blutigen Röte. um zu glühen wie Scharlach über den Häuptern der Stadt. Um diese Zeit war es, daß sich zwei Menschen, nach einer �e- meinsam verbrachten Nacht, trennen sollten. Der Herr und die Dame kannten sich zwar, wie man sich eben nach einer solchen Nacht kennt, aber sie legten Wert darauf, insbesondere die Frau, anonym zu bleiben. Unentschlossen, verwirrt und benebell standen si- sich gegenseitig im Wege. Sie fanden nicht den richtigen �lbschluß, den würdevollen Abgang. Lagen sich weniger in der Seele als im Magen. Ueberfättigt lehnten sie herum, versuchten es mit der Liebe. zuletzt aber doch nur mit der Liebenswürdigkeit. Mehr war für beide nicht verblieben. Kein« Bindung, nichts sollte zwischen ihnen bestehen. Ws fremde Menschen hatten sie sich unter merkwürdigen Umständen gefunden und nun wollten sie ebenso auseinander gehen. Jeder von rhnen mußte zurück, von wo er gekommen war, und dort weiterleben.(Fortsetzung folgt.) eBuch SSeUräge stur Slaalsbürgerkunde Unser Staatsleben. Von K. E ck a r d t, Regievungs- und Schul- rat, und Dr. Veltman, Oberregierungs- und Schulrat, Koblenz. Heft 1: Wie der deutsch« Voltsstaat errichtet wurde; Heft 2 und 3: Das Werk von Weimar.(Verlag von Julius Beltz, Langen- salza, Leipzig und Berlin.) Der moderne Arbeitsunterricht verlangt, daß der Schüler es lernt, aus dem vorliegenden Geschichtsmaterial sich die eigene An- schauung selbst zu bilden. Diesem Bedürfnis kommen die vor- liegenden Bändchen(Preise von 60 Pf. bis 1,60 M.) mit ihrer gut getroffenen Auswahl aus den Sitzungsberichten der Verfassung- gebenden deutschen Nationalversammlung, deren Umfang sonst eine Verwendung im Schulunterricht unmöglich macht, in begriißens- werter Weise entgegen. Die Schicksalsstunden der Republik in Wei- mar steigen wieder heraus, wenn man die gerade wegen ihrer fach- lichen Ruhe begeisternden Reden eines Friedrich Ebert lieft, und wenn man von neuem erlebt, wie er mit den Gegnern des freien Volksstaates schonungslose Abrechnung hält. Ein Fehler, der sich leicht hätte vermeiden lassen, besteht darin, daß in den Heften, die sich mit der Schaffung der Weimarer Ver- fassung beschäftigen(Heft 2 und 3: Das Werk von Weimar), im In- haltsverzeichms ständig von Sitzungen des Reichstags und nicht von Ätzungen der Nationalversammlung die Rod« ist. Daß Heft 1(Wie der deutsche Volksstaat errichtet wurde) nur Vcrhand- lungsbericht« der Nationalversammlung und nichts über die immer- hin für das Schicksal der deutschen Republik entscheidende unmittel- bare Vorgeschichte der Einberufung der Nationaloersammlung ent- hält, macht diese Zusammenstellung allerdings geeignet, eine der gefährlichsten Illusionen über den. tatsächlichen Geschichtsablauf zu unterstützen, nämlich die Vorstellung, als werde Geschichte ausschlicß- lich in parlamentarischen Verhandlungen gemacht. Auch in der demokratischen Republik(besonders bei ihrer Entstehung) sind V.-r- fassungsfragen ganz reale Macht fragen und auch die Geschichte der demokratischen Republik ist eine Geschichte von Klossenkämpfen, die — nicht durch die Schuld der Arbeiterklasse, deren Kraft die Republik schuf— oft sehr wenig zivilisierte Formen annahmen. Heinrich salrubowkr, WAS DER TAG BRINGT. «MNUMNMMMMMIIMMwlMNMMMMIMIWNMIMIIMUMNMIMlMIM Ein Vorlaufer Zilles, Eigentlich war er von seinem Vater für dos ehrsame Schneider- Handwerk bestimmt, aber er zog es vor, das zu werben, was man damals achselzuckend„Künstler" nannte. Und er wurde es, der alte Schabow. Er ging durch die harte Schul« der Armut, aber er erreichte fein Ziel. Eine» Tages ist der kleine Schneiderssohn aus Sacrow Direktor der Berliner Akademie. Hohe und höchst« Auszeichnung«': werden ihm zuteil, ohne jedc�h größeren Eindruck auf ihn zu machen; er bleibt, wer er ist. Einst fragte er zum größten Entsetzen der anwesenden Pro- fessoren unter völliger Ignorierung seiner hohen akademsschen Würde einen Schüler im Zeichensaal, ob sein« Mutter nicht bald wieder Käsekuchen backe, der letzte sei so vorzüglich gewesen, daß er sich schon sehr auf die nächste Kostprobe freu«. Man solle also gor nicht vergessen, ihm wieder eine zu schicken. Bei einem anderen Schüler sagte er plötzlich, während er mit fester Hand die verfehlt« Zeichnung verbesserte und die Punkte durch sicher gezogene Linien miteinander verband:„Set Sichere Hab' ick von meinem Voter, un det war'n Schneider." Wir sehen daraus, daß der„Alte", wie ihn seine Schüler nannten, sich den Teufel um die vielsagenden Blick« und das spöttische Achselzucken der Professoren und anderer Leute scherte. Gegen Anmaßung und Dünkel kehrte er stets seine gemütliche Berliner Grobheit ohne Ansehen der Person heraus. Zu einem bekannten Professor der Berliner Akademie, der trotz seines Titels nur ein mittelmäßiger Künstler war, sagte er eines Tages:„Der Herr Professor hat sich außer anderen schlechten Eigenschaften leider ooch det Malen angewöhnt."* � Als ein junger Offizier, der fein Schüler werden sollte, einst zu ihm kam und bemerkte, daß er die Malerei nur zum Zeitvertreib ausübe, sagte Schadow trocken:„Na, denn bleiben Si« man l'ever bei Ihre Mechens", und drehte dem erstaunten Gecken den Rückcn. Kompliziertes Feuer, In einer rheinsschen Zeitung finden wir folgenden lustigen Brandbertcht:„Das Feuer entstand durch Irrsinnigkeit de» Josef Nagel oder well Kinder zum Mehfuttcr verwendet wurden. Es laufen verschiedene Gerüchte im Dorfe herum. Pesitzer des Brand- gegenständes konnte keine Versuche machen, weil er kein Wasser' hatte und weil er nicht zu Hause war. Der Hauptplatz war durch zwei Laternen und einen Gendarmen erleuchtet Di, Löscharbeiten, leitete der Gemeindeschreiber, weil es bei dem Kommandanten m I der Oberstube selbst brannte, die Flammen schlugen um das Dach herum. Di« Löschmas chine wurde, weil das Wasser aus den Lei- tungsrohven nicht kommen wollte, anfangs aus der Jauch« des Hofes gespeist, später erhielt sie Wasser durch tragende Mädchen und Einschütten derselben in die Spritzen und durch Saugen der Pflicht- feuerwehr am Hydrophor. Gerettet wurde eine Kommode und ein« Kuh. welch« gestohlen wurde. Di« Dienstmagd rettet« das nackte Leben im blasen Hemde. Ein Feuerwehrmann wurde durch ein« Stichflamme am Ohr verletzt, welches über den Helm herausragte. Der vorgeschrieben Brand hatte gelehrt, daß das Spritzenhaus nicht so weit von der Brandstell« entfernt sein darf." SO Millionen Dollars für Grünanlagen, Di« Stadt New York hat beschlossen, für die Schaffung von 25 neuen Parkanlagen im gesamten Stadtgebiet einen Betrag von 50 Millionen Dollars auszuwerfen. Die neuen Anlagen sollen eine Fläche von über 1000 Hektar bedecken. Die deutsche Kantschintschinga-Expedition, Di« Mitglieder der deutschen Expedition, die versuchen will, de» Kantschintschinga, den zweithöchsten Gipfel des Himalayagebirges, zu besteigen, sind in Dardschiiing eingetroffen. Sie werden sich über Pemoyangtse nach dem letzten festen Rasthaus in den Bergen be- geben. Der Plan der Expedition hat in der letzten Minute noch eine Aenderung insofern erfahren, als viele Transporttieve zurückgelassen und dafür Träger verwendet werden sollen, die vielleicht zuver- v lässiger sind als Pferde oder Maulesel. Eine Aenderung in der Richtung der Besteigung wird ebenfalls für erforderlich gehalten, um so mehr, als nach den Berichten der Sachverständigen der Auf- stieg aus den Kantschintschinga viel leichter von der Nepalseite zu bewerkstelligen sein dürfte. Die Expedition wird sich von dem etwa 5600 Meter hohen Kanglapaß aus durch das Gebiet von Nepal ihrem Ziele nähern, das auf der Grenze zwischen Sikkim und Nepal liegt. Sie durchquert dann in großer Höhe ein gletscherreiches Ge- lände und setzt ihren Weg bis zu dem großen Bergeinschnitt von Nepal fort. Nach Bewältigung dieses Wegabschnittes, dringt sie zum Katrtschintschingagletscher vor, dessen Ueberquerung mir unier den größten Schwierigkeiten möglich sein wird. Die Forscher ge. langen dann in die unmittelbare Nähe des Hauptgipfels. Sie wer- den sich dem Vernehmen nach in drei Gruppen teilen, von denen jede die Besteigunosmöglichkeiten von verschiedenen Bergkämmen aus prüfen wird. Der Weg, dessen Gangbarkeit nunmehr zunächst geprüft wird, geht durch den abgelegensten Winkel von Nepal, eto gänzlich unbewohntes Gebiet. ■ARBam WSSBALL Fußballspiele am 13. April Zum kommenden Sonntag hat die Kreisklasse keine Serien- spiele angesetzt, wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Spieler für das Kiel— Berlin-Spiel am Karfreitag. Dagegen tragen die Bezirke ihre Serienspiele nach wie vor aus. Im Neuköllner Stadion stehen sich der Frei« Fußballverein Neukölln und Union-Tempelhoj gegen- über.— Lichtenberg I erhalt den Besuch von Oberspree aus dem Sportplatz in der Kynaststraße am Bahnhof Stralau-Rummelsburg. Die FTGB.-Neukölln fährt nach Storkow.— Freie Scholle jpi»!! gegen Lychen.— Altranft gegen Borwärts-Wedding, Pankow gegen Wansdorf, Butab gegen Nowawes in Spandau, Seeburger Straße: auf demselben Platz spielt Spandau 23 gegen Wilmersdorf. Sokol- Charlottenburg spielt gegen Nauen, Graetz gegen Nowawes 2., Cladow gegen Chavlottenburg, Ltnoblauch gegen Brandenburg II. Ketzin gegen Spandau II, Kyritz gegen Karow, Pritzwalk gegen Schönow, Neuenhagen II gegen Eintracht-Rcinickendors. 2. Mannschaften: Wacker-Storkow gegen Hoppegarten, Lichtenberg I gegen Oberspree, Neukölln gegen Kagel I.— Jugend- Mannschaften: Ketzin gegen Potsdam, Lichtenberg I gegen Saxonia, Werder 77 gegen Vorwärts 2, Brandenburg gegen Schöneberg, Weißensee gegen Nowawes, Saxonia 2 gegen Nauen, Wansdorf gegen Spandau 23, Vorwärts I gegen Lichtenberg II, Neukölln gegen Eiche-Köpenick. Um die Verbandsmeisiersdiaften Der letzt« Sonntag brachte in den Spielen um die oft- deutsche Verbandsmeisterschaft die Klärung. Coste- brau konnte gegen Vorwärts-Königsberg sicher mit 8:2 gewinnen. Die Costebrauer �hatten jederzeit das'Spiel fest in der Hand und ziehen mit den besten Aussichten in die Endrunde um die Bundes- sußballmeisterschaft. Eine Ueberraschung gab es in den Spielen um die süddeutsche Verbandsmeisterschaft. Neuisenburg konnte gegen Beckingen überraschenderweise mit 2:1 siegreich bleiben. In der ersten Halbzeit waren die Beckinger etwas besser, nach der Pause war Reuisenburg stets überlegen.— Nürnberg-Ost gewann erwartungsgemäß gegen Hagsfeld mit 6: l). Der Sieg der Nürn- berger stand nie in Frage. Die Nürnberger werden jetzt am kam- inenden Sonntag gegen Neuisenburg zum Schluhspiel um die Ver- bandsmeisterschast antreten._ Jugendfeier der FTGB. Die Freie Turnerschast Groh-Berlin veranstaltet Sonntag, 13. April, 13 Uhr, eine Schulentlassungs- und Jugend- fei er im Gewerkschaftshaus. Die bisher vom Jugendausschuß des Vereins getroffenen Vorarbeiten versprechen ein gutes Gelingen der Veranstaltung unter Mitwirkung des Lichtenberger Volkschors. Den Schulentlassenen und Jugendlichen, sowie deren erwachsenen Angehörigen ist der Besuch dieser Feier, zu der der Eintritt kosten- los ist, sehr zu empfehlen. * Frohe Stunden werden jedem bereitet, der Sonntag, 13. April, den Tanzabend der Freien Turnerschaft Groß-Berlin im großen Saal« des Gewerkschaftshauses besucht. Volkstänze, Rheinländer und Walzer, von Vortänzcrpaarcn geleitet, werden die Anwesenden erfreuen. Heitere Geselligkeit wird die so sehr gewünschte Ab- wechslung von immerwährender Pslichtarbeit bieten. Eintritts- karten zum Preis« von 0,60 M. sind in der Geschäftsstelle des Ver- eins und bei den Funktionären zu haben. Beginn 19 Uhr. .ArdeiterscKach? Abi. Mille Berliner Mannsdiailsmcislcr Die Entscheidung im Mannschaftsturnier der Freien Arbeiter- Schachvereinigung Groß-Berlin ist gefallen. Wie zu erwarten, wurde wiederum die Abteilung Mitte der Berliner Mann- schastsmeister 1930, und zwar mit 12Vj Punkten vor Wedding. In der 3. Gruppe lag die Entscheidung zwischen den beiden Favoriten Neukölln und Weißensee. Nach hartem Kampfe konnte Neukölln mit S Punkten vor Weißense« den ersten Platz belegen. Die C-Gruppe stand wieder im Zeichen der Abteilung Mitte. Die zweite Mannschaft gewann überlegen mit 13 Punkten Vorsprung vor Treptow. Die Abteilung Friedrichsfelde landete in der O-Grupp« knapp mit 2K Punkten Vorsprung auf dem ersten Platz. .�-Gruppe: Mitte 43, Wedding 30�, Kreuzberg 29K, Prenzlauer Berg 27K, Treptow 27%, Westend 271/», Friedrichshain 24% Punkte. D-Gruppe: Neukölln 36%, Weißensee 51%, Grünau 39%, Moabit 37, Humboldthain 32%. Lichtenberg 19%, Siemensstadt 12%, Memel 11 Punkte. C-Gruppe: Mitte 45%, Treptow 30%, Westend 18%, Wedding 17% Punkt«. v-Gruppe: Friedrichsfelde 20%, Friedrichshain 17, Neukölln 16%. Weißensee 14, Kreuzberg 12%, Prenzlauer Berg 12%. Pankow 12 Punkte. Am Sonntag, 13. April, 14 Uhr, veranstaltet die Abteilung Kreuzberg einen Werbetag bei Krepp, Planuser 73/76. Es findet ein Wetttampf Treptow-Kreuzberg statt, anschließend Simul- tanspiel des Berliner Meisters Hans Karge an 20 Brettern: ferner ein Gästeturnieri. geselliges Beisammensein. Beginn 14 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Am Sonntag: Mcrccdcs-Neukolln Ein Programm, das Jeder gesehen haben muß Das diesjährig« Programm des B ü h n e n w e t t st r« i t s der bundestreuen Arbeitersportler am 13. April kann mit seinen neunzehn verschiedenen Vorführungen als recht gut bezeichnet wer. den. Nach einleitendem Orgelvortrag eröffnen die Kinder der FTGB. Wedding das Programm. Di« Uebungstlasse der Schwim- merinnen zeigt Ergänzungssport und der Bewegungschor der FTGB. bringt eine seiner vollendeten Tanzgymnastiken. Die Wittenberger sind mit Frauen, Jugendlichen und Männern in zwei guten Ausführungen vertreten, während die Luckenwalder und Bernauer Freunde Ausschnitte aus ihrem Uebungsbetrieb zeigen. Der Kaulsdorfer Bruderverein erfr«ut durch«inen gymna- ftischen Reigen, und die Schöneberger betiteln ihr« Aufführung „Mosaik-. Auch die Uebungsklasse der Turnerinnen ist vertreten. Die Spandauer Männer bnngen zur Abwechslung Hantelschwünge und die Lichtenberger Frauen sowie die Iungmädchen und Frauen vom FTGB.-Bezirk Wedding werden Gymnastik und Tanz, im Kreis zeigen. ASV.-Neukölln nennt seine Programmnummer: „Hallo! ASV.-Neukölln!"' Di« Iungmädchen vom FTGB.-Bezirk Osten werden ebenfalls Proben ihrer Körperschulung ablegen. Di« Iungmädchen von FTGB. Süden wrnen am Barren, die Städte- Mannschaft zum Kun st turnen in Hamburg turnt die Reck- Übungen zum Dreistädtekampf Hamburg-Leipzig-Berlin. Jeder Be- sucher hat hierbei Gelegenheit, diesem letzten öffentlichen Auftreten vor der Abreise nach Hamburg beizuwohnen. Der FTGB.-Bezirk Neukölln-Britz, der die gesamte Veranstaltung durchführt, bringt in zwei Auftührungey seine Iungmädchen und Männer auf die Bühne. Die Bühne selbst ist technisch vollkommen modern ausgestaltet und ermöglicht von jedem Platz des über 2000 Personen fassenden Theaters vollkommen freie und bequeme Sicht. Trotzdem ist jedem Besucher frühzeitiges Erscheinen zu empfehlen. Einlaß 10 Uhr. Das Programm beginnt Punkt 11 Uhr. Di« Wertung wird sofort nach jeder Aufführung angezeigt, damit sich jeder Besucher über den Stand des Wettstreites unterrichten kann. Bei der Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit der Vorführungen kann jedem Freund von Körper- kultyr und Leibesübungen der Besuch nur empfohlen werden. Karten, soweit an der Kasse noch vorrätig: Erwachsene 73 Pf., Jugendliche 60 Pf._ Oxford— Cambridge Der klassische Rudermatch Einen der Höhepunkte des englischen Rudersports bildet der Wettkampf zwischen den Achtermannschasten der Universitäten Oxford und Cambrigd«, der am kommenden Sonnabend aus der klassischen Themsc-Regattastrecke von Putney nach Mortlake zum 82. Mai« zur Entscheidung kommt. Erst im vergangenen Jahr« ist es Cambrigde gelungen, mit Oxford in der Zahl von 40 Siegen gleichzuziehen, einmal, am 24. März 1877, gab es das denkwürdige tote Rennen zwischen den beiden Booten. Die Statistik über den im Jahre 1829 erstmalig ausgetragen«» Wettkampf weist verschieden« mehr oder minder lange Siegesserien der einen oder anderen Universität aus. So konnte Oxford von 1861 bis 1869 und von 1890 bis 1898 je neun Siege in ununter- Tennis Rot ruft alle Arbeiters!»« rtler uit« Partelaenossen su seinem PrOtallnsslest am SennabanA. d. 19. April, Im ParaAlesaartea. Treptow llnn ao Uhr Eintritt 1 AN brochener Reihe feiern. Tatubrigde ist in de? Nachkriegszeit lob 1920) nur einmal(1923) knapp geschlagen worden und hofft jetzt auf den siebenten Erfolg in der Serie. Oxford war während der Vorbereitungszeit, die bereits im Winter begonnen Hot, nicht vom Glück begünstigt. Erst störten Differenzen zwischen den Trainern und dem Präsidenten Graham, die den Rücktritt des Letzteren zur Folge hatten, die Arbeit, dann mußte der Schlagmann Martineau infolge einer Indisposition einige Tag« pausieren. Im Training haben'beide Mannschaften ziemlich gleichwertige Leistungen gezeigt, doch geht auch diesmal Cambrigd« als Favorit an den Start, weil sich die Mannschaft aus vorzüglichen Kräften zusammenfetzt und weil die Ratschläge von Trainer Escomb«, dem die großen Erfolg« in den letzten Jahren zugeschrieben werden, auch wirklich beachtet und befolgt werden. 5portpreise auf Reisen? Bürgerlichs Sportkanonen müssen aus ihren großen Tourneen immer Speditionsfirmen au der Hand haben, die ihnen die schönen Preis« gut verpackt in Kisten in ihre Heimat nachsenden. Es kann nun vorkommen, wie es dem Amerikaner Talon z. B. passierte, daß nachher das nötig« Kleingeld fehlt, um die diversen Kisten einzirlöfen: die Speditionsfirmen sind dann die Leidtragenden. Im Falle Tolan wandt« sich die Speditionsfirma an den Westdeutschen Spielverband und bat, doch sein Möglichstes zu tun, damit die Sendung bei der amerikanischen Zollbehörde eingelöst wird, sonst mühte sie nach Ab- lauf der Lagersrist zur Vermeidung weiterer Unkosten vernichtet werden. Das wäre doch schade um die schönen Preise gewesen, mit denen sich so viel Ehr« antun läßt!_ Kleiner Sport Freie Spork- und Musikvereinigung verlin! Die Musrkver- «inigung ist Mitglied des Arbeiter-Turn- und Spordbundes. Auf- nähme finden Trommler und Psefter, Bläser und Mondolinen- spicler. Bläser- und MandolinenabteAungen werden fetzt einge- richtet. Wer daran mitarbeiten will, melde sich in der Geschäfts- stelle Robert Oehlschlöger, Berlin R. 63, Nazorechkirchstroße 46. Telephon D 6 Wedding 2977.— Der Spielmannszug übt jeden Freitag, ab 20 Uhr, im„Sporthaus", Dircksenftraße 1, direkt an der Iannowitzbrücke. Trommler und Pseiser werden jeden Freitag ausgenommen. Ehemalige Spielleute können hier im Kreise frei- Heltüch gesinnter Freunde unter sachgemäßer Leitung ihren Sport weiter betreiben. Gäste stets willkommen. vühnenweltstreilkarlen abrechnen! Letzter Abrechnungstag für all« Karten heute, Freitag, II. April, 18 bis 22 Uhr, Turnhalle Neulölln, Lessingstraße 39, bei Kart Mierk«. Karten werden dringend gebraucht, alle nicht verkauften Karten sind heute abend unbedingt zurückzugeben. Für dos Anpaddeln der„Freien Faltbootfahrer verlin" am kommenden Sonntag ist die herrlich« Fürstenmalder«Spree in Aus- ficht genommen. Damit auch die an Wildwasser gewöhnten Fahrer auf ihre Kosten kommen, wird das Wehr an der großen Tränke befahren. Abfahrt nach Fürstemvalde morgens 6.39 Uhr ob Bahn- Hof Friedrichstraße oder 6.34 Uhr Bahnhof Strolau-Runnnelslmrg (in Erkner umsteigen). Eine Nochfeier wird alle Teitnohmer in ben Nachmittagsstuuden in der„«Seeterrnss«*, Näh« Bahnhof Hangels- berg, vereinen.____ Berlin tdaler_________ WWWWWR. lalischc Tardietnnaen alter und neuer Wiener Wuiik. Benimt 20 Übt. lofteMeitraa 30 Pf.— SecitoR, IL April. 20 Udr. Abi. adarl»tt-nb»-!> Soreestr. 30. kluaend und Recht.— pnmbnldt lOuRrndaru?»»): Pont- a« Rieleusirake. Wir sind im Bilde. � Faltbaotabtrilnnn: Brlter«Str. N. Bunter Abend.— Abt. Trentoni: alscnftr. S. Unser« schdn« Heimat lSich� bildet).— Abt. Bei!; Cbaulseestr. 18. ftttte«ollmitL San, BalulchU.— Abt. Skdast: Briber Str. Z?. Dinta, Rampf ujn bir Seele dt, Arbeiter»-» Montan. 14. April. 20 Ubr. PbotoRrmeinschakt- Iohonnisstr. J5. Technische slr-Ren. Bild-rlritik.— M-Ilunsiaemeinlchalt: Wranaelstr. 12«. Tusch»eichnen. — S nippe Pren»lanrr Bcrp! EonntaR. lZ. April, zabrt«um Uederlee. Treff. punlt Strttiner Bahnhof. SemitaarUdfahttadr bis Melchm». 3ua fährt&50. Tennis. Slot, Abteiluna Weifienle». Die Spieveit bealnnt am 1. Osterseier- taa. SinMlheiten auf der MonatsversammlunR am Montaa. dem 14.«peil. 20 Uhr, hei Peters. LichtcnberRir Str. 13. RS®!»., ZuaeodonelchusisibunR. Heute. 19!4 Uhr. Zuaendluim ffirofie grank- furter Str. 1«. Rähe floppcnflrofte. BesprechunR der SehuleirtlalTunRsflUL— «brechnuna aller jtafsierer in der Gefchäftsftell« Monta«, 14. April. Weg der Renision der Bsicher und der BnsRabe von Marken und Meldeliften msisien alle Beairle vertreten sein. Der Bereinsiassiere«. Ruder, und itann.«er»In 1»24«. V. Bootsbaus R-hnsdork.MUoaelwerdee. Eonntaa. 13. April 1330. 3 Ubr. Anrudern noch Solen. Restaurant Satfchke. Dilfte herzlich willkommen. «rbeftrrsport.ZlrRrliluh.Vorworts'. Uehunasabend« Irden greitall am 20 Uhr in der.Sportklause'. Schänliinstr.«. Säfte willkommen. zrrie RabrierwremiRUna 1319. Situn« motRcn. Streit««. Kl Ubr, in ..Strandschlvst'. Oderschäneweid». SonntaR. 13. April. Anrudern nach ilarolinee», hol. 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Harry Liedlke Jugendliche haben Zutritt Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Silberkondor über Fenerland (Film von Gunther Plüschow) V weunaim j Primus-Palast w. 7,_ � PrltedrlcftsFoldo � � Kino Busch Alt-Friedrichsfelde> Der WUwenball m. Kämpen, Arno Atbhing. Falxbmönxeri mit H, Larrey Beiprogramm Elysium(piwÄLad) Hasselwerder Straße 17 Der nnsierblidie Lnmp(Tonfilm) mit Gustav Fröhlldi, Liane Haid Tonfilmbeiprogramm Marga-Liditspiclc Schulstraße 29 Die Flndhl vor der Liebe mit Jenny Ingo BanknotcnfaUdier Bübnenscfaan Weinensee Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205— 210 Die Jagd nach der Million mit Lac. Albertini Das Land ohne Recht Jazz-Rev.: Das ist'ne Sache für sUh Norden Gala-Lichtbuhnc Usedomstr. 14 Anf. 6, 8.30. S. 5, 7, 9 U. Die große Zirkussensation Vier Tenfel Der fr: che Hnrar Beiprogramm Noade's Liditspiele Brunnenstraße 16 Wtg. ab 5, Stg. ab 4 U. Die Jagd nadi der Million Mai Der a verlor ann, der da» Gedlditnis Prater-Lichtspicl-Palast Kastanicnallee 7-8 Wochentags 5L0, Sonntags 4 Uhr Pcliinin- Prunk- Ansstattongs- Rtvne Ein Marquis zu verkaufen mit Mcnjon, Skala-Lichtspicle Schönhauser Allee 80 W. 6, Sbd. 5, Stg. ab 4.30 U. Kehre zurück, alle» vergeben mit Dina Gralla Drei Freunde Colosseum U Schönhauser Allee 123 Tonfilm: Dellknfe»»en mit Harry Liedike Jugendliche haben Zutritt W oagundbrunnew «Alhambra" Badstraße 58 Rhapsodie der Liebe Die Gefangene Nr. 7 GnScT Ballsdimieder- Liditsp. Badstraße 16 Die Jagd nadr der Million Die Licbesfalle mit Laura la Plante Große Bühnenschau Humboldt-Theater Badstraße 19 Da» groHe Ooppelprogramm«nd die gnfe BOhnen»a>an_ Kristall-Palast PrinZenÄlf7.9. Stgs. 3, 5, 7, 9 U. Zwei Herren im Dreivierteltakt (Große Toniilmoperette) Bübnensdiaa c PanHow Palast-Theater stgffb'Ju. Breite Straße 21 a U. C. 1, drei Tage auf Leben n. Tod Mein Herz gehört dir m. Cam. Horn Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Beg 7, 9 U, Sbd. u. Stg. ab 5 U. Zwei Herzen Im Dreivierteltakt (Große Tonfilmopereitei Jugendliche haben Zutritt � Hlecterichärhautciljb Film-Palast»AaSltue» Blankenburger Straße-» W. 6�0, 9 U. Stg. 4.30, 6.45, 9 U. O Mädchen, mein Mädchen mit Liedike, Kampers Gefahren der Brautzeit ' mit Marlene Dielrich ä Tegel j Filmpalast Tegel Bahnhofsir. 2 W. 6. 8�. Stg.4l/4.6�.8«4 Sonnt» 2 Uhr Jugendvorstellung Gaukler mit K. v. Nagy, Max Manzen Die Jagd nach der Million mit Luciano Albertini «Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 Da» ansgezeldm. FilmprogramiR und die gute Union-Theater Hauptstraße 3 Keg. �6 Stg. 2 U. Jugendvorst Stg. iVi, öVa, 8N U, Qualen der Schuld (Schäferhund Blitz) Achtung, Falschmünzer q___Hwnnig5aop»_>_