Pyrrhussieg Brünings. Die Oeuifchnationalen kuschen/ Knappe Mehrheit für das„Junktim" Hochspannung besteht weiter. veiu.m Sonnabend 12. April 1930 10 Pf. 7lr.174 BS? 47. Jahrgang erfch«i»ttS«!icha« nationale Fraktion ihren Mitgliedern die A b st i m- mung freigegeben habe und daß die Fraktion in der Frage der Haltung zum Kabinett Brüning g e» spalten sei. Hugenberg soll heute früh erklärt haben, wer für das Kabinett Brüning stimme, bekomme kein Mandat mehr. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlangte der Kon»nunist Stöcker unter allerlei Schimpfereien, daß ein Mißtrauensantrag der ÄPD. mit der Beratung verbunden werde. Auf diese großartige Aktion stellte Präsident Löb« kühl und einfach fest, daß dieser selbstverständlichen Verbindung. niemand widerfprichl. Zu den Deckungsvorlagen wurde das Wort zunächst nicht verlangt. Da erhob sich Reichskanzler Dr. Brüning: Zwei Aufgaben sind in unserer Regierungserklärung vom 1. April als noch vor Ostern vordringlich bezeichnet worden: die Sanierung der Finanzen des Reichs, der Länder uild der Gemein- den und die Durchführung der Notmaßnahmen zur Rettung der Landwirtschaft, insbesondere in den schwer bedrängten östlichen Go bieten. Unter Führung der Reichsrcgierung'(Lachen link») haben die hinter ihr stehenden Parteien einen Antrag eingebracht. wonach da» Gesetz zum Schuh der Landwirtschasl nicht In Sraft treten kann, ohne glelchzeitige Bewilligung der Deckungsoor- lagen,(hört, hört!) Die Reichsregierung sieht in diesem Antrag di« notwendig« und ausreichende Voraussetzung, die gestellte» 2lus- gaben zu lösen. Sämtliche Entscheidungen, vor denen da» Haus heut« steht, bilden ein unteilbares Ganzes. Ohne Sanierung der Reichskasse können di« unbedingt gebotenen Rotnwß- nahmen für di« Landwirtschaft nicht durchgeführt werden. Die R«ich«regierung kann die Verantwortung nicht übernehmen, wenn nicht schon In der zweiten Lesung entsprechende Sicher» Helten geschaffen werden. Diesen Gedanken bringt der erwähnte Antrag zum Ausdruck. Wird er abgelehnt ober wird nachher in den einzelnen Abstimmungen das Deckungsprogramm in seinen finanziellen Erträgnissen geschmälert, so wird die Rcichsregierung 1 noch heule die notwendige Entscheidung treffen,(hört, hört!) Versagt dos Parlament, so wird die Reichs- regierung da», was für die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volke» erforderlich ist, auf anderem Wege durchsetzen.(Bei- fall in der Mitte und rechts: Unruhe links.) Abg. Or. Breitscheid(Soz.): Roch unserer Ansicht ist e» einzig zweckentsprechend, sofort über dieseu Autrag abzustimmen, denn olle« andere würde nur eine hinau»schiebung der Entscheidung bedeuten. Aus jeden Fall halten wir c» für richtig schon in diesem Moment, ganz gleich, wie Sie den Antrag geschästsordnungsmähig behandeln, mit ein paar Worten zu diesem Antrag de» Reichskanzler» und der Regierung«. Parteien Stellung zu nehmen. vor 14 Tagen ist da» Kabinett Brüning gebildet worden. heute können wir feststellen, daß es vor seinen moralischen Bankerott steht.(Oho! in der Mitle: Beifall link,.) Welche Absichten auch immer Herrn Brüning veranlaßt haben, dieses Kabinett zusammen- zustellen, unzwelselhast wollte er durch die Hineinnahme von Schiele und Trevlranu» die Dculschnationale Partei sprengen und er- schüttern und die Gruppe um hugenberg isolieren. Diese Absicht ist mit allem andereo at» mit Erfolg gekrönt. Die Spaltung der Deulschnationalen ist nicht herbeigeführt, da» Kabinett vielmehr nach wenigen Tagen unter den Willen der gesamten veulschnotionalen Partei gebeugt worden.(Sehr wahr! link».) Die Folge ist. daß da» Kabinett Brüning genötigt gewesen ist, sehr weitgehende Zugeständnisse an die agrari- scheu Forderungen der Deutschnalionalen Partei und de» Land- Kunde» zu machen. Aber eine Klarheit war auch damit nicht geschaffen, und e» begann In diesem Hause im Plenum, in den Aus- schüssen und in verschiedenen Konferenzzimmern ein wilde» Schachergeschäft(lebhaste Zustimmung link», Lärm rechts). ein Schachergeschäsl, da« danach angetan ivar, den Reichstag zu einer Börse herabzuwürdigen. (Großer Lärm.) Ein Schachergeschäft, bei denen die einzelnen Por- leten, je Neiner sie waren, um so größere Forderangen stellten und da» Kabinett die Parteieu au» allen Ecken zusammenkratzen mußte, damit wenigstens etwas wie eine Basis für die Regierung herauskomme. Wäre die Situation für unser Land und sür unser Volk nicht so ernst, dann wäre man wahrhastig geneigt und berechtigt. eine Satire auf diese Art Regierungspolitik zu schreiben. So weit sind wir heute gekommen und nichts beweist besser al» dieser Antrag, wie weil wir gekommen sind. Da» Kabinelt vertraut den Parteien, mit denen e» zusammenarbeiten will oder zusammenzuarbeiten hofft, nicht mehr, und die Parteien vertrauen ihm nicht mehr. Zeht soll der Antrag die Sicherheil bieten, daß man sich gegenseitig nicht betrügt.(Sehr gut! link«: Lärm rechts.) E» gibt ober nur Zweierlei: entweder hält man die Agrargesetze im Interesse der Landwirtschaft für notweudig. dann muß man sie um jeden Preis durchfuhren und dann kann man sie nicht mit lrgeudwelchen anderen Forderungen de- packen; oder man hält sie nicht sür notwendig oder die Parteien. die noch vor zwei Wochen mit uns einen anderen weg gegangen sind, halten diesen Weg für richtig, dann müssen sie ohne Rücksicht aus andere wünsche sich gegen diese agrarischen Forderungen auflehnen. Entweder der Osten und seine Landwirtschast leiden so schwere Rot. daß unter ollen Umständen alles geschehen muh. um sie daraus zu befreien oder das ist nicht der Fall,»nd dann sehen wir in diesem Agrargesetz nicht, ander«, als den Preis, den das Kabinett Brüning bezahlt, um sich am Leben zu erhalten. (Lebhafte Zustimmung der Soz.. Lärm rechts.)' Die Entscheidung der sozialdemokratischen Fraktion unter diesen Umständen ist klar, wir haben keine Veranlassung, dem Kabinett Brüning an, den Verlegenheiten zu belfen, die es sich selber geschassen hat. vor allen Dingen hat die Sozialdemokratische Partei keine Veranlassung, durch ihre Abstimmung dazu beizutragen, daß den agrarischen Forderungen de» Land- bundes zur Annahme verHolsen wird. Venn wenn Sie jetzt diese» Slammergeseh annehmen, dann sind dadurch die l a n d. bündlerischen wünsche und Begierden restlos ersülll. Unter diesen Umständen lehnen wir den Antrag ob. Mag er. wie bei der entschlossenen hallung der vcutschnationalen doch anzu- nehmen ist(Große Heiterkeit), die Auslösung de» Hause» zur Folge haben, so gehen wir in den Kampf für die Sozialdemokratie, gegen großagrarischen Ucbermut, für die Sanierung der Finanzen. (Stürmisches Händeklatschen der Soz.) wollen Sie etwa bestreiten, daß die Sozialdemokratie stet» die Sanierung der Finanzen in den Vordergrund geschoben hat. wollen Sie bestreiten, daß Sie eine Lösung abgelehnt haben, die Sie 70 Millionen sür die Arbeitslosen- Versicherung gekostet hätte, und daß Sie jetzt agrarischen Gesetzen zustimmen, die hunderte Millionen kosten!(Lärm recht,.) wir gehen schließlich und nicht zulehk in diesen Kamps für die Erhaltung der parlamentarisch regierten demo- kralischen Republik.(Stürmischer Beifall der Soz.) Abg. Esser(Z.) polemisiert gegen die Rede Dr. Breidscheids und beruft sich darauf, daß er schon am 2. April erklärt Hab«, der Reichs- tag selbst müsse vermeiden, daß der Artikel 48 angewendet werd?. Esser schließt mit der Erklärung, auch das Zentrum sei für sofortige Enffcheidung, das Volk werde die richtig« Entscheidung treffen. (Händeklatschen im Zeittrum.) Abg. lorgter(Komm.) fordert Reichstngsauslösung. Abg. Soch-Weser(Dem.) bedauert dos Ausscheide» der Sozial» demokraten aus der Regierung. Abg. Slähr(Nat.-Soz.) beschuldigt die Regierung, im Austrage der internationalen Hochfinanz zu handeln. Aus eine Anfrage des Abg. hergt(Dnat.) erklärt Reichssinanz. ininistcr Dr. Moldenhauer, daß dies« nicht in der Lage sei. dem Zusatzantrag zun, Biersteuergesetz zuzustimmen, wonach die Biersteuererhöhung am 1. August außer Kraft tritt, wenn bis dahin mcht die Hilfsaktion für den Osten sichergestellt ist. Entweder hoi man das Vertrauen zur Regierung, daß sie die ihr gestellten Ausgaben durchführt, dann bedarf es keiner besonderen Sicherung, oder man hat dos Vertrauen nicht, dann kann man das in der Abstimmung zum Ausdruck bringen.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Hierauf erfolgte die namentliche Abstimmung, die wir an der Spitze wiedergebe«. Das Abstimmungsergebnis wird von den Kommunisten und den hakenkreuzlern mit Pfuirufen aufgenommen Das haus ist in andauernder großer Bewegung. Präsident Löbe macht daraus aus- merksam, daß die Arbeiten noch nicht erledigt seien. Er schtägt für di« nun zu absolvierende Beratung der agrarischen An- träge, der Steuern und schließlich der Arbeitslosenversicherung eine Gesamtredszeit von fünf Viertelstunden für jede F r a k t i o n- vor. Da kein Mensch ober zunächst Lust zeigt, sich an dieser Verhandlung zu beteiligen, schlägt der Präsident eine Pau-« von.10 Minuten vor, damit man sich erholen'könne.(Lebhafte Heiterkeit.) 25000 Mark für Wirtschastspartei Die Berliner Grundstücksschiebungen. Heute vormittag vernahm der Untersuchungsausschuß zur Prü- sung der Mißwirtschast der Stadt Berlin den früheren Stadt- kämmerer Dr. Karding über den Gutskauf Dümpel. Der Zeuge gibt an, daß nach soiner Ansicht danmls die Sicherungen zur Hergabe des Kredits an Hiller als ausreichend angesehen wurden. Auf weitere Einzelheiten kann er sich nicht genau entsinnen, und es werden deshalb aus den» stenographischen Protokoll der Stadtoer- rrdnetenversaiwnlung von 1926 die Reden der sozialdemokratischen Sladlverardnelen Dr. Lohmann und Adolph hoffmann verlesen. Beide Redner haben schon damals auf Unregelmäßigkeiten beim Ankauf von Düppel und Teilen de» Städtischen Schlachhofes hingewiesen und behauptet, daß die Stadt hmlers Licht geführt ist. Sie haben in diesem Zusammenhang scharfe Angriffe gegen Stadtrat Busch gerichtet und schließlich gedroht, mit diesem nicht mehr weiter zusammenzuarbeiten, falls nicht restlos Aufklärung geschaffen wird. Adolph Hoffmann schloß damals seine Rede mit den Worten:„Der Busch muß aus- gerodet werden!" Es wird weiter festgestellt, daß schon vor diesem Zeitpunkt ein Disziplinarverfahren gegen Busch schwebte, bei dem aber nichts herausgekommen ist, da der vberpräsident erklärte, daß sich nichts gegen Stadtrat Busch Hab« feststellen lassen. Abg. Adolph Hoffmann(Soz.) erklärt dazu, daß es damals geradezu eine Manie von Busch gewesen ist, als Vorsitzender der Grundstücks- deputation diese mit Ultimaten zu zwingen, innerhalb weniger Tage Grundstücke zu kmrfen. Die Deputation hat dann schließlich erklärt, dem Magistrat so lange jede Vorlage abzulehnen, bis nicht an Stelle von Busch ein anderer Vorsitzender bestellt wird. Leider haben da- mals die bürgerlichen Parteien versagt, als die Sozial- demokraten den Vorstoß gegen Busch unternahmen. Wegen des versteckten Vorwurfs der Bestechung wollte Busch gegen Hofsmann klagen und ein neues' Disziplinarverfahren gegen sich beantragen. Er hat aber beides nicht getan. Hieraus bevichtet Bankier S z a m a t o l s k i als früherer Ver- mögensv er walter des Prinzen Friedrich Leopold über die ersten Verhandlungen mit der Stadt wegen Düppel aus dem Jahre 1924. Damals sei die Firma Israel Schmidt Söhne beaus- tragt worden, mit der Stadt zu verhandeln. Stadtrat Busch habe damals abgelehnt, doch habe sich gleich darauf Hiller dazwischengeschoben und das Geschäft zustande gebracht. Der Zeuge hat von dem Prinzen eine Provision von 125 000 Mark erhallen. Auch Bankier Graetz, der mit Szamatolski zuscminen Mitinhaber der Banksirma Pintus ist, hat aus diesen ersten Ver- Handlungen einen Provisionsanspruch an den Prinzen la höhe von 15 000 Mark hergeleitet. Der Zeuge behauptet allerdings, daß hinterher seine Provision wie die von Szamatolski aus dem Wege des Vergleichs mit dem Prinzen heruntergesetzt worden ist. Der Zeuge Kaufmann Dürr, früher Vertreter der Firma Mutzenbecher, sagt aus, daß er im Austrage dieser Firma mit der Stadtbank wegen Krediten verhandelt hat. Bei dieser Gelegenheit sei er Günther zugeführt worden, der sich seiner guten Beziehungen zur Stadtbank rühmte und als Referenz Stadtrat Busch ausgab. Man hat damals Günther Provision zugesagt, in welcher Höh« vermag der Zeitge nicht mehr anzugeben. Die Berhandlungen hätten in Gegenwart von Stadtrat Busch in der„Petrokia" statt- gefunden. Welches Interesse Busch daran gehabt Hab«, sei chrn damals unklar gewesen. Busch hat dabei allerdings auf seine Milgliedschafi in der wirsschaflspartei hingewiesen. Das Geschäst kam zum- Abschluß: es wurden der Gesellschaft 300 000 Mark Kredite gewährt. Ob Güncher oder ein Mittelsmann Provision bekommen hat, weiß der Zeuge nicht. Es sei aber auch das An- sinnen an die Firma gestellt worden, für die Wirtschafts» parket Gelder zu geben. Ob diese gez«rbeiter, die bereits in ihrem Lohn einen Ausgleich sür die regelmäßig wiederkehrende Saisonovbeitsruhe erhalten, auf Soften der übrigen Arbeitnehmerschast mit vunöligen Zuwendungen bedacht werden". Unter dem Einfluß eines kleinen, aber mächtigen Gewerkschasts- tlüngels halte man die Unterstützung der Saisonarbeiter ausrecht. Ein Sassonarbeiter dürfe nur dann unterstützt werden, wenn er während der Saison keine Arbeit, findet. Was Heists denn heute Saison im Baugewerbe? Unter no r- male»: Verhältnissen wurde der Bauarbeiter nur im Winter während der F,r o st p e r i o de arbeitslos. Die letzte Sasson der Bauarbeiter war jedoch bereits im August des Dorzahres beendet und hat heute noch nicht wieder voll«ingesetzt. Di« M i l chm ä.dche n r« ch n u n g, die über das Einkommen der Bauarbeiter aufgsinacht wird, ist daher total verfehlt, zumal sie die besonderen Dcding.'mgen, unter denen sich die schwere und gefahrvolle Arbeit der Bmiarteiter vollzieht, gänzlich unberücksichtigt läßt. Es ist daher ein grober Unfug, ohne die nötige Kenntnis und Beachtung der besonder«» Arbeitsverhältnisse der Bauarbeiter von einer Bevorzugung der Bauarbeiter zu schreiben und es ist lediglich ein politisches Manöver, übrigens ein recht durchsichtiges, wenn im„B. T." gedruckt wird: „Die von Herrn Wissell und seinen Freunden so.zäh ver- icidigte Allsrechterhaltung dieses Zustandes bedeutet daher nicht e!wa eine vernünftige Soziatpolitik und«ine arbeiterfreundliche Haltung: vielmehr ist sie eine völlig ungerechte, unnütze und ick-were Schädigung von 90 Prozent der Gefamtarbeitnehmerschast, die die Last der ÄrbeitÄosenversicherung in ihrer jetzigen Höhe nur deshalb zahlen muß, well es einer kleinen Gewerkschaftsgruppe nicht beliebt, Ordnung in der Saisonarbeiterfrage zu schassen." Die Bauarbeiter, die augenblicklich von der Lohnseite her durch das IlMeriiehmertum getroffen werden sollen, sollen als Ar- beitslofe zugleich durch die Entziehung der Unterstützung getroffen werden. j Ob das„B. T." sich der Rolle, die es hier spielt, vollauf be- wüßt ist, sei dahingestellt. Seine Venn it Wartung wird dadurch nicht berührt. Will es dazu Helsen, die Dainokratische Partei um den letzten Rest ihres Kredits bei der Arbästnehmerschaft zu bringen, wollen wir das Blatt dabei nicht hindern. Nicht die Arbeiterschaft, das Anternehmertum war es, das ein« rechtzeitige und ausreichend« B e i tz: a g s e r h ö h u n g zur Reichsanstalt verhindert«. Was das„B. T." über Verschwendungspvlitik i» der Verwaltung der Reichsanstall zu berichten weiß, soll hier zunächst unerörtert bleiben. Die Verwaltung der Reichsanstalt wird sich gegen die Unterstellungen, die ihm hier genracht werden, zu rechtfertigen wissen. Die einfach« Ueberlegung aber, daß in Zeiten riesiger Arbeitslosigkeit auch die Berwaltungs- kosten steigen müssen, da sie im Zusammenhang mit dem Grad der Arbeitslosigkeit stehen, hätte das„B. T." abhalten müssen, sich zum Kolporteur solcher Behauptungen zu machen. Der Angriff gegen die Arbeitslosenversicherung auch von dieser Seite ist bezeichnend für das ganze Treiben der Sozialreaktion. Die deutsche Arbeiterschaft, einschließlich der Saisonarbeiter, ver- zichtet auf Arbeitslosenunterstützung, wenn das Unternehmertum für Arbeit sorgt. Solange und insoweit das nicht geschieht und nicht geschehen kann, müssen die Arbeitslosen vor dem verhungern geschützt werden. Reichsgericht gegen Berlin. Um die Freiflächen am Kleinen Wannsee. Bei der vor langer Zeit durchgeführten Achstellu-ng eines groß- zügigen Freiflächenplanes durch den Magistrat wurde mit Zustimmung der städtischen Körperschaften die entschädigungslos« Enteignung eines Grundstückes am Kleinen Wannsee ausgesprochen. Der Besitzer hüte daraufhin gegen die Stadt ge- klagt und seinen Prozeh sowohl vor dem Landgericht wie auch vor dem Kammergericht verloren. Im Gegensatz zu diesen Urteilen hat jetzt das Reichsgericht entschieden, daß der Beschluß des Magistrats der R« i ch s ver s a s s u ng widerspricht. Ein Berliner Miltagsblatt spricht in diesem Zusammenhang von einer enteigneten Fläche von 20 000 Hektar(200 Millionen Quadratmeter!). Die Gesamtfläch« der Reichshauptstadt aber beträgt „nur" 87 845 Hektar I Ebenso maßlos übertrieben wie diese An- gab« dürfte die Feststellung sein, daß der„Schutzverband der Wasser- grundstücksbesitzer" aus Grund des Reichsgerichtsurteil« mit Mil- lionenforderungen an die Stadt herantreten werde. verein der Baufbolde. halle, 12. April.(Eigenbericht.) dm Regierungsbezirk Merseburg führt die Sozialdemokratie augenblicklich eine Auftlärungskampagne gegen d i e Nationalsozialisten durch. Wöhrend in Sangerhausen und Eisletien die Velsammlungen ruhig verliefen, kam es in Freyberg zu einem schweren Zusammenstoß. Der Gauleiter der Nationalsozialisten, Hinkler, ein früherer Lehrer, mußte wegen Störungen aus den, Saal verwiesen werden. Di« Nationalsozialisten übersielen daraufhin die Landjäger mit Stöcken und Biergläsern. Reichsbannerleute, die den Landjägern zu Hilfe eilen wollten, kamen mft den Nationalsozialisten in«ine Schlägerei. Zwei Reichsbanner. leute� wurden schurr verletzt. Der Versuch der Nationalsozialisten. am Freitagabend in Hall« eine gleiche Dersammlungsstörung durch- zuführen, mißlang. Ein Trupp von etwa 150 Nazis wurde hier durch Reichsbanner und Polizei aus dem Saal gewiesen. Di« Versammlung konnte dann in Ruh« durchgeführt werden. Im Anschluß an eine Versammlung in Könnern bei Halle kamär.— Lelstnu-Tbeater: stlamme.— Di« TriiLue?.Er'.— Well nee- Theo irr: 8 218 fstrauen in Noit.— Rose- Theater: stbr« Hoheit die Tämerin. 18. aeschsolsen.— Castno-Theater: Der : nähre Jakob.— Theater In der Klosterstrahc: Bis 17. Bismareks Eirtlalsuna. 18. Veronika. Ab 19. Secks Personen suchen einen Autor.— Gchlohpart- Thcater SteaNH: 18. Schneider Wibbel. Ab 14. Liebe out den«weilen Blick. 18. Beschlossen.— Winde roorten. Plana. Skala: InteMtotionale» Variete.— Reich« hallen- Theater: Stcttincr Sänaer.— Theater am Kottbusscr Tor: Elitc-Sänarr. � �„ Nachmillagsvorstellungea: Bolksillbu«. Theater am PSlomvlat>: 18. Amnestie.— Grobe« Schauspiel- hau»: 18.. 20., 21. S Musketiere.— Theater de, West«»,: 18.. 20. Wiener Blut.— Theater In der Behpcnstrabe 58—64: 13., 20.,.. Bater sein, dageae» sehr!— Ressdenn-Theater: 13.. 20. Eisrieke.— Rose-Theater: 20., 21. 14�4 llhr. Der Musteraaite. UV, Uhr. Ihre Hoheit b!« TSnnerin.— Tbeater ia»er lNosterstrabe: 13.. 3V. 21. 15 Uhr. Der aesticfrlte Kater unh das Oster» Häschen. 17 Uhr. Di« Büchse der Pondora.— Schlobpart-Theate, StraNH: 18.. 20. stliea. rvtir Adler ron Tirol.— Winteraartea: 18.. 19., 20.. 2l. Inter nationales Bariet«.— Pw»a, Skala: Internationales Barieta.— Reich»- dallen.Tlxater: 18.. 20.. 20. Stettiner Sänaer.— Theater am Kottbnsser Tor: 18.. 20.. 21. Elitc�pänaer. Erstaufführungen der Woche: Sountaa. Städtisch« Oper: Don Giovanni.— Moutaa. S ch l 0 b. varktheater Stealih: Liebe auf den»weite» Blick.— streita». Deutsches Volkstheater: BiiraertraaSdie.— Sounabeud. Schauspielhaus: Wird Hill amnestiert?— Theater in der Strese» mannstrabe: Napoleon nreift ein.— Theater in her Kloster- strabe: Sechs Person«» suchen einen Autor. Neues kinderlatsesheim im Vestrk Lichlenbera. Das Jugendamt Lichtenberg hat am 1. April d. I. im Ortsteil Friedrichsfelde. Ärätkcstrak« 18—20. ein neuerrichtetes K i n d e r ta g e s he i m in Betrieb gemmimen. Das Heim, das Kindergarten und Hart vsr- einigt, ist werktätig von 6 bis 18 Uhr geöffnet und bietet 60 Kin> dern Aufenthalt. .Volk und Zeit-, unsere illustrierte Wochenschrist, und »Der kindersreuno" liegen der beutigen Postauflage bei. Sonnabend. 12. April. B e 1 1) o. 16,05 Hoas Hirschslem:„Wjrara Ist der Kaifee wieder teure« sewordcn?" 16.30 Unterhaltunismusik- 18.00 Das Interview der Woche. 18.20 Dr. S. Kohls:„Das deotache Pserd im deutsehe» Sport". 18.40 Dr. Paul Rohrbach, Manchen:„Knlturexoort nnd internationale Wertmnt". 19.10„Verbrecher contra Verbrecher'4(von Shakespeare Ua Bruckner). (Sprecher: Dr. Dr. E. Frey.) 19.30 Uateihaltun8smusik. 20.00 Für oder Wider Mahasonny? Auseewihlte Stücke»ns„Maharonny" Ton Knrt Weill nnd Bert Brecht,(Berliner Fnnk-Orchester. Dirlcent: Theo Mackeben.) 21.00 Heiterer WochenschlnJ. Mit».; Erna Feld, Panl Oraeti».». Nach den Abendmcldunsra bis 0.30 Tanzmusik. KSsissvssterhaasen, 16.40 Von Hambnrc: Nachmittipskonrert 1750 K. W. Qold schmtdt: Friedrich Hebbel. 17.55 Hu 00 Petersdorff und ein Lehrling: Lehrjahre sind keine Herrensahro. 18-20 Schmid: Elstern. 18.40 Französisch für Fortgeschrittene. 19,05 Prof. Dr. Robert Saltschick: Goethe nnd das Christentum. 20.00 Von Köln: Lustiger Abend. Sonntag, 13. April. Berlin. 7.00 Punksri mnastik. Ä 50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Eröffnung der Aussteflnnff«Der Mensch unserer Zeft". 11.45 Aus der Volksbühne: Peter Tschaikowsky. Vir.: Bruno Seidler-Wsnkler. 1. Fantasie-Ouv.„Romeo und Julia".— 2. Klavierkonzert B-Moll, op. 23, Nr. 1.(Elly Ney. Flügel.)— 3. Sechste Sinfonie(PathitiQuc) H-Moll, op. 74.(Berliner Funkorchestcr.) 1-3.30 Letzte Sendung aus„Dr. Dolitfles Abenteuer". 14.30 1. Alessaodro Pojlietti: Deutsche Arie mit Variationen.— 2. Johann Adam Reinken: Fuge G-Moll.— 3. W. Fr. Bach: Polonaise D-Moll.— 4. K. Ph. Bach: Fantasie, C-Dur.— 5. Joh. Chr. Bach: Sonate G-Dur. (Dr. Walter Georgii, Flügel.) 15.30 Das Liebes- und Tanzlied im Leben der Völker. 16.00 Anekdoten. Erzählt von Theodor Loos. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.20 Sportplatz„Hohe Warte", Wien.. Fußballspfe! Wien— Süddeutschland. II. Halbzeit.(Am Mikrophon: Prof, Schmicgcr.) 18.20 Nachmittags-Unterhaltunf. 20.00 Aktuelle Abteilung. 20.30 Palmsonntag. Anschließend: Zeit. Wetter, Nachrichten, Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Köoigswnsterhansen. 7.00 Von Hamburg: Hafenkonzert. 15.00 J. Hain: Eltern und ihre schulentlassenen Kinder. 18.00 Dr. Konrad Eilers liest aus seinem Roman„Siebeneichen". 18.30 Dr. Carl Hagemann: Jerusalem und Damaskus. 19.00 Dr. Fritz Brust: Wagners„Parsifal". 19,30 Dr. Hoffmann-Hamisch: Reden berühmter Männer. 20.00 Von Hamburg: Sonntagskonzert. Aus her Partei. Die fpzioldemokratifche Arbeikerparkei Dcustch-Oefferreüb» hol?« am 31. Dezember 1929 718066 Mitglieder, davon 488 398 Männer und 229 650 Frauen. Auf Wien entfallen 418 056 Mitglieder, da» von 267 125 Männer und 160930 Frauen. Gegenüber dem 31. Dezember 1928 bedeuten disfe Zahlen einen Zuwachs von 4222 Mitgliedern für Oesterreich, von 708 Mit- gliedern für Wien allein. In der Steiermark, wo die Heimwehren die schärfsten Angriffe gegen die sozialdemokratischen Organisationen richten, ist es gelungen, den Mitgliederstand um 1121 auf 63 673 zu erhöhen. Troh der furchtbaren Wirtschaftskrise mit ihrer jahrelangen Massenarbeitslosigkeit, trotz der wütenden Angriffe der Heimwehren, ist die Kraft der Partei noch erhöht! dprjUiPiiil ist die Spälausgabe des„Vorwärts-. Das Blatt ist bei den Straßenhäudleru, an den Zeitungskiosken und ia den Baha» Hofsbuchhandlungen zum preise von 10 pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement des ..Vorwärks". dessen Leseru der„Abend" ohne besondere Der- gütung ins Haus geliefert wird.„Vorwärts" und„Abend", von denen 12 Nummern wöchentlich erscheinen, kosten zu- sammeu nur SS pf. die Woche oder 3.60 2Tt. den Monat. Ich abonniere den.Vorwärts"(und die Abend- ausgäbe für Berlin.Der Abend") mit den illustrierten Bei- lagen„Volk und Zeit" und„Kindersreund", sowie den Bei- lagen.Unterhaltung und Wissen",.Frauenstimme",.Technik", „Blick in die Bücherwelt' und.Iugend-Vorwärtz" in Groß- Berlin täglich frei ins Haus. (Monatlich 3.60 Mk.. wöchentlich 85 Pf.) 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So. 66 1 20 Uhr aotsn morgen Herr FlMher l Ende g 22°.'« Uhr| Slaall.SöiHIsr-Wer.MIbg. 20 Uhr CwSssenswurm Ende 22'/« Uhr Tigl. 5 u.S'f, Uhr. H 3 BaiD. 0258 Pr. t-8 M. WochontB.5U.50PI.-3M. ■y— A— Amerikas I OIO berühmtester Clown und 9 weiiere Varietb-Neuheiten Tägl. 5 u. SU Senat. 2 ,3«. 8" Alex. E 4. 8066 INTERNAT. VARIETt GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Rar noch 10 Vorstellungen! 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 sonetflo aaflno. aagak. halbe Pr. VoiPsPanne Theater an Bülmirplatz. 8 Uhr Das Lied von Ho&oüsn Ein Negerstück v. Oold-Weisenbom Musik: W. Grosz Rwit:fl8i5!Di«tri[hRiRter Staatl. SAiller-Hi- 8 Uhr Der G'ffisseDswDrni pisM-Mae (Wollnw• Thealer) 8 Uhr §218 Fräsen in Not Kammerspiele 8 2 Weidadannii 5101 SV« Uhr Die liebe Feindin Komödie von A. P. Antoioi Regie: Gustaf Cründgens Met Theater B 2 WeMendamm 5201 Tägl. 8'/« Uhr Der Kaiser v.Amerlka von Bernard Shaw RegjMax Reinhardt . jeder ISölle, daß seine Tragödie hier gespielt wird" So urteilen: Der Verwirb': Niemand kann sich der Gewalt dieser Inszenie Tuns enttfehen g,Der AbcBd"! Ein erlebnisreicher Theaterabend „Der Aofwlris": Das Publikum wird mitgerissen über dieAuffütirungen des Kampfstückes §218 Besle: LPiscator PiscaiorBUline 8 Ohr, Sonntag naciwfflai 8 Dur zn bs'Din Fronen im waiiner-Theater. Die Komödie M Bismck. 2414/7516 8". Uhr Die Kreatur Scbarpi«! ra F»ri. Bnukar nt git; Max Belnbardt Lessing-Tbeater «eidnduia 2791 i.CKC Täglich SV. Uhr Flamme mit Kälc Dondi Franz Lederer Metropol-Tlt. Täglich 8'/« Uhr Der Bettelstudent Pattlera. Alpar, ächUtzcndorf.Jöken MW theater i. u. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927&!* Uhi Direktion Ralph Arlhnr Robert« ... Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr) 3fiheffaheä- dmlcmzehitv BBkoRO-Optrtlle.*JSä:WiltiiW.Oi»tie. Heute Premierel Täglich 815 Uhr(Sonn- u. Feiertags 5.15 u. 9 Uhr. Jeden Sonntag (auch an den beiden Osierfeier- tagen)um2-30:„Dtr MnJIeroaMB". neriin o, GroHc F. Kiklnrier in. 1 32. Dir. Dr. Mirtli Zirtel Komiscne Oper Fried richstr. 104. Merkur 1401/433». Täglich VI, Uhr Majestät liBt bitten... Mmfli ns Viltir laDe. Lustspielhaus Fried richstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8% Uhr fieschällinll Amerika Lustspiel von F/ank und Hirschfeld Trlanon-Tlieatet UltugtOlr. inma Georgenstr. 9 Täglich g'h Uhr Revue Du ItDadt Mquii Preise v.SOPf. an. Kleines Theat. Merkur 1624 Heute 8 Uhr Premlere Gastspiel GImI* Wer bezirk in IM sei. Witwe Schwank von Fritz FriedmannFredrlch Rnideaz-TbDatei KOnstl. Leitung Gasion Briete Täglich»'/. Uhr Sonntag 4 Uhr EisrieKe SandtiaU. Ulbt Pr. Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral-Theater) Dönh. 2047 Täglich 8>'. Uhr Hold Stadl lemberd Preise I, 2, 3 M. Frankfurter Allee 313a314 Vom Freüag, dem 11. April biä Montag, den 14. April 1930 Film; MARIA PAUDLER in Ihrem grüseten Fllmerfolg; Ehestreik (Eine lustige Geschichte um fOni Menschen) mit Hannl Weibe, Julias Falkensiein, Llvio Pavanelli, Georg Alexander. Auf der Bühne: Dat wellbemhmteAositattDDgs- o. ScMüheitshaM IVEN ANDERSEN unter persSnlidiem Auftreten von Iven und Karin Andersen Buino: Wodient js. 6 Dhr. Soimüs. 5.30 Uhr. Somtags 3 Ubr BOB Oiraktian: Dr. Hartin Zlckal Komische Oper Fnedridistr.l 04. Merkur 1401/4330. Täglich 8V. Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr, 236k Bergmann 2922�23. 8*f> Uhr. Geschäft mit Amerika. Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. vumr CASINO-THEATEB Lothrinijer Strabe J7. Nor noeb wenige Aoitflhtongcn Der wahre Jakob Dazu das grobe Otter-Programm. Gutschein für 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M-, Sessel 1.75 M., Sonstige Preise: Parkett u. Rang 0.80 M REVUE ISERVUS 1930' BETRIEB/ KEMPINSKI� Direktion Dr. Roberl Kleta Denlsebes Iflnstler-Theal. Barbarossa 3937 »>/, Uhr Sex Appeal Luitsp. Y.frtiknkUMlili Stgii: Förster Urrin ig« Ulbert BastermaaR. Uad? ChrlsUans Beriioer Tbeater Dönhoff 170 8 Uhr Ende 10'/« Uhr JEins. zwei, diei" von Franz Molnar mit M» Pallenbera. Beule: ansi.nanniia locker: Souper Regie Heinz Hilpen. Tneai. a. Kotu.TRi Kottb. Str. 6 Tägl S Uhr auchSonnt. nachm. 3 ü.; 1 Elite- Sänger. Daphäm Osieipragramni mit t delietiu Guttaor Kurt Wanger äamowsky- Söhnen TDesier In der Sireseinaoniir. [frihr Rfiniflgritantr.) 7>/> Uhr: Premiere Der oevaitioe Hahnrei lUmMil ms Crranelyid KomSdienhaua Täglich 8'/« Uhr Meine Sdiwester mdidi MnikT.ailphBtutilj Tteater d. Wetleot Täglich SV« Uhr: Das Land des Läehetns Sonntag 4 Uhr: Wiener Blnf Reichshailen-Theater Abends OD Sonntag naöim. Ul der Stettiner Sänger fcdun. iuldi Preis«! Zuir. tl 2 63. Dönhoff-Brettl; Variete, Tanz, Falkner-Ormester Herrenltlelilerlaiiriii Gegründet 1 895 gibt AbsUko, Ulster, Paletots usw. ab, soweit nicht am Lager Extraanfertigung. ohne Pralsaufschlag. Bitte tlber«cag;en Sie sieb! J.Coger.Kaisermiiheig'Slr.tt KorhmSliel! Sonderangelioi! An Private zu Engrospreisen. Eigene Fabrikate in gediegenen Ausführungen kaufen Sie in groSer Auswahl und billig bei iiiiiheim Schulze IMUMatz 12. Hol Mrt Nähe Hackescher Markt ZahlnngrerlelchteraBg Telephon: Alexander 4112 rfs Genteinschaitsgruppe Qf5 Deutscher Hypolhehenbanlten I Deutsche Hypothekenbank In fflelninffen, II Frankfurter Flundbrlcf-Bank Aktlenfesellschaffc In Frankfurt a. 71, III I.elpcicer Hypothekenbank In l«elpzie, IV Hccklenburgtische Hypotheken- and Wechaet- bank In Schwerin, V Korddentscho Grand-Credit-Bank In Weimar, TI PreuBische Boden-Credit-Actlen-Bank in Berlin, TU Schlcslsche Boden-Credit-Actlen-Bank In Breslau, Till Westdeutsche Bodenkreditanstalt 4n KUln. In den Generalversammlungen wurde beschlossen, für das Oesch&ttsjahr 1980 eine Dividende von 10% tu verteilen, deren Auszahlung gegen Rückgabe der Dividendenscheine, unter Abzu� der 10 igen Kapitalertragssteuer, an den Kassen der Gemeinschaffcsbanken stattfindet. Die Dividendenscheine lauten, soweit sie zu ehemaligen Papiermark-Aktien gehören, im Text auf das Geschäftsjahr 1929; soweit sie zu neuen Reichsmark-Aktien gehören, tragen sie beic.t die Nr. 23. bei II die Nr. 43, bei Nr. III die Nr. 7. bei IV die"Nr. 8, bei V die Nr. 62, bei VI die Nr. 57, bei VII die Nr. 7 nnd bei VIII die Nr. 36. Wir machen bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam, daß jeder Aktionär, der die entsprechende Anzahl von Aktien über RM 20.—. RM 100.—, RM 600.— oder RM 600.— bei einer Gemein=chaftsbank einreicht, verlangen kann, daß ihm diese Aktien gegen größere Stücke bis zu RM 1000.— in gleichem Gesamtnennbetrage umgetauscht werden; Spitzenausgleich bereitwilligst, Die Aktien über KM 60— und RM 120.— und die Aktienanteil- sebeine über RM 3.—. RM 5.— und RM 10.— sind für kraftlos erklärt. Gegen Einroichung dieser Urkunden wird der Verkaufserlös aus den auf diese entfallenden neuen Aktion ausgezahlt. Belnineen, Frankfurt a. M., Leipiig, Schwerin, Weimar, Berlin, Breslau, Kttln, den 11. April 1930. (OeiVage Sonnabend, 12. April 1930 toriHntit StinJntiUnß> Atk i�ADaWk in Aegypten Notizen von einer6 Reise/ Von Franz«loseff FurlwSngler v» Die Silhctfommlun# J5 t B i ä I e 1 1 a t u m" bcrs Wosmilth.Vcr. Tubcs, Berlin, wurde vor luriiem um einen Band bereichert, der de» Beschauer Aeaqvten im Bilde erleben lakt: 272 KunstvIwtoBranbicn aro�en Formats tciiien die Städte des Niltales: Kairo und viseh, Assiut. Tbeben, Lnksor. Anuan. deren Straftenleben. Bauwerke und Kunstschätie: dann das umlieaende Land. Balmenhaine, Oasen, Bolls- leben. Wilstenbilder, Wie die übriaen Werl« der«roken Sannnluna, die bereits die meisten Länder Eurovas, Astens, Amerikas im Bilde daxstellen, ist auch dieses ein« Söchstleistuna vdotoiirapkischer Kunst und rrvrodu»icr«nt>er Technik,— neuartia jedoch dadurch, dast es uns u. a. mit den Wilstenaebieten bekannt macht, die man st6> ebenso allaemcin wie irrtstmlich als trillisclia und bästlich vorstellt. Der beiaekllate ac» schichtlich« und aeoaravbisch« Teit macht das Bildwerk auch SU einem wertvollen erdkundlichen Landbuch*), „W ü st e" ist ein irreführendes Wort im deutschen Sprachschatz. Engländer, Franzosen, Laterner nennen solch Stück Erde„die Der- lassenheit"(desert, desarto usw.). Und verlassen ist es wohl,— arm an Lebewesen und Pslanzsnwuchs, keineswegs aber an Schäm heit und an Stinnnungsreizen. Es gibt einen.Lauber der Wüste". Fahre einer des Morgens in oller 5>errgottssrähe im Auto von Suez nach Kairo. Thomas Cooks Reisebüro(die englische Firma für freinden- industrielle Verwertung von Kutturdenk- inälern, Schlachtfeldern und Sonnenunter- gängen) veranstaltet solche Fahrten für die aus Ostasien Heimkehrenden und bringt sie dann in später Nacht wieder nach Port Said, wohin sich inzwischen der Dampfer durch den Suezkanal geschleppt hat. So kann man ohne Umstände und Zeitverlust dem Hauptgeländc alter Pharaonenherr- Uchkeit und kosmopolitischen Gegomvarts- lebens einen Besuch abstatten. Aber die Wüste? Gewiß ist st« mate- ricll nur«in endloses braungelbes Sand- nwer, auf dessen Wellentämmen nieder« schwärzliche Gestrüppbüschel verloren spielen, wie aus dem Dampfer gegossen« Müllhäuschen auf der See. Eine Gruppe Fellachen, um ein Feuerchen sitzend oder am Bau des Kraftsahrweges arbeitend,«ne kleine Herd« Kamele mit ihren beinah weißen Jungen, die wie große Hund« aussehen, sind die einzigen atmenden Wesen, die in der Morgensrühe auf dem Ozean des Sandes herumtreiben. Wenn dann aver die Sonnenstrahlen dichtes Gewölk erglühen lassen, bald gelb, bald violeit, bald purpurn, und die Sandsläche das Licht in allen Stufungen widerspielt, dann ist es, als wären aus diesem Ge- lande Berge und Wälder nur weggeräumt, um uns den Hinmiel, das Unermeßliche, die Sonne und ihr Farbenspiel näher zu rücken. Ein« Enttäuschung freilich erleben die Neuling« aus einer solchen Fahrt. Ver- führt durch die Vorstellung vom„Glut- hauch der Wüste" tragen sie an dem März- morgen ihre dünnsten- Tropenanzüg«, frieren st eifauf der rasenden Morgensahrt und kommen schlot- ternd und mit blauen Nasen als Trope nreifends gekleidet in das Hotel von Kairo, wo Leute in Mänteln ein- und ausgehen. Anderswo hätten st« zum Schaden noch das Gelächter über ihre Erscheinung. Allein Kairo ist so unglaublich international, daß dort kaum«in« Maske vom Münchener Fasching als etwas Komisches belacht werden würde. Am Nachmittag weicht die Kälte rasch aus wenig« Stunden der Tropenwärme. Doch ist man jetzt nicht mehr in der Wüste, sondern in der ausgedehntesten großartigsten Oase innerhalb der un- fruchtbaren Wüstenfläche, die von Westofrika bis Noidostasien unsere Erdhälfte umgürtet— im N i l l a n d. „Ein Geschenk des Stromes" nannte es der alte Herodot. Und in der Tat: welch anderes Land wäre so gong und gor von einem einzigen Faktor bestimmt und abhängig, wie das eigentliche de- völkerte Aegypten vom„Dater Nil?" Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die Städte, Tempel und Kulturstätten an den bald grün, bald braun oder gelb(chimnwmben Strang dieses Stronres. Fünf- zehn, wohl auch zwanzig Kilometer an feinen Ufern entlang ist fruchtbares Land, ist Nahrung, Wachstum und Leben. Eine Fläche von Belgiens Größe mit üb«? 14 Millionen Be- wohnern stellt in solcher Breite das Anschwemmungsti«stand nebst der Deltaküste dar, 41S Menschen leben dort aus einem Quadratkilometer(in Deutschland 133), der Rest des großen Aegypten aber ist„Wüste", Armut und Einsamkeit. Sieden Jahr- tausende menschlicher Arbeit schufen den fruchtbaren Tieflandstreisen dieses Ufers, in den das Korn ohne Pflügen in den Schwemmboden gesät wird. Werkzeug und Wahrzeichen dieser Landschaft ist das Wasser- s ch ö p f r a d, das allentholden der Flur Feuchtigkeit zuführt, um die die Völker der orientalischen Monsunländer die Gottheit des Regens nur allzuoft vergebens bitten. So entstand dies Kultur- gebiet von unvergleichlicher Einheitlichkeit, diese Fruchtbarkeit, die Uebervölkerung erzeugte und so wiederum Armut schuf in- mitten reicher Natur. Ein Volk aus engstem Raum«, leicht zu verbinden und zu «gieren durch das Derlchrsmittel des«inen Wasserweges, zusammen» gehalten durch gleichartig« Lebensbedingungen und durch die Not- wendigkeit der Flußdämmung und-Zähmung, angewiesen aus innigste wirtschaftlich« Zusammenarbeit, die keinen Raum läßt für Abson- derung und Absckstießung des einzelnen: so gestoltet« sich d!« Grund- läge für das Reich der Pharaonen, den straffsten Despo- tismus der Weltgeschichte, den Meer und Wüste Jahrtausend« lang gegen Zerstörung von außen sicherten, bis endlich doch Mächte und Mittel entstanden, die auch diesem seltsamen Staatsgebilde ein Ende bereiteten. Die heutige Hauptstadt des Landes mit ihnen 800 000 Einwohnern gehört zu den buntesten, seltsamsten Städten der Welt. Ein Kernstück von Kairo ist durchaus modern-europätsch, so daß es an die schönsten Stadtteile deutscher Großstädte erinnert. Ein Ueberblick über die Gesamtstadt gibt allerdings«inen anderen Ein- dnyk. Moscheekuppeln und unzählige dünn und pfeilhast in die Höhe stoßenden Minarett-Türme verkörpern ebenso die Welt des Ostens, wie die niederen weißen flachdöcherigen Häuser der Ein- geborenenstodt, die besonders reizend wirken, wnn sie, wie in den vornehmeren Vierteln, freudig schimmernd aus einem Kisten grüner Bäume und dunkler Palmen strahlen. Und noch mehr orien- WOste beim Koptischen Kloster Ei-Baremus *1 Barcharit. Rlck«, Aeavvtt». Berta« Ernst WaenuUd, A�S.. ecrftuSiett�Ori*. Leina S Sa»leder S N. talisch sind die Behausungen jener Armut, tot hinter der monotonen Steinfront roher Bauten lebt, zwischen denen in engen Straßen«ine farbige Betriebsamkeit wimmelt. Einem zer- schossenen Fortstitattonswerk gleicht«redlich das trostlose Gemäuer der östlichen Totenstadt. »» Ihre Fleischhüll« nur ist eingetrocknet, und der Weseresausdruck der Schädel und Gesichter dadurch noch verschärft. Da liegen sie in ihren Glassärgen und Gewändern wie verwittert« Holzskuipturen, die gc- schrumpften Halsmuskeln sehen wie Rinde eines alten Banm- stamm es aus und ihr Hinterschädel ist mit rotem Wollhaar bedeckt. Diese Haarfarbe galt wohl zu ihren Lebzeiten als Zierde, die man durch Färben erzeugte, wie es heut« noch die Männer in Teilen von Indien tun. Vor allen grandios und unheimlich ist der Kopf Ramses des Zweiten. Wird er je gedacht haben, daß er sich so einmal vor Getreidehänölern und Trikotagensabrikanten zweier Erdteile gegen Eintrittsgeld sehen lassen muß? Draußen stehen jetzt die Pyramiden im wüstenhaften Farben- tanz des scheidenden Sonnenlichtes. Schattenrisse von Palmen und Kamelreitern steigern de» Reiz des magischen Bildes,— bis die Dienstmänner von Thomas Cook u. Sohn einem sagen, daß es nun Zeit ist für den Zug, der nach Port Said fährt. Einzigartig wie sein« Beschaffenheit ist Aegyptens Stellung in Unnvelt und Welt- geschichte. Ein Land, das den Eckstein dreier Erdteil« bildet, muß von dieser Lage seine Schicksalsprägung empfangen. Das ehe- malige Pharaonenlaich hat, nachdem seine «igen« Staatsmacht ihr Ende gefunden. mehr weltgefchichtliche Taten u,ch Bor- gäng« bezeugt und erlitten als irgendeine aichere Landschaft der Welt: wurde zur Beute der A f s y r e r und der Perser, pflasterte für Alexander« Triumpszug einen Weg, der nachher Verbindungsstraße war zwischen Griechenkultur, Hellenen- gelehrsamkeit und Mmerreich. Aegypten wurde die Bühne für das geschichtliche Schauspiel der Kleopatra und des Antonius und die Kornkammern de» Landes waren das wirtschatfliche Funda- ment des zäsarrschen Weltreichbaues, die Volksküche seiner schmarotzenden Hauptstadt. Ehristlich« Kirchenväter hat es hernach geboren und beherbergt, um bald darauf Sa lad! n, dem Streiter des Propheten zu Füßen zu liegen. Und wiederum be- zeugten die Pyramiden die Erstlingstaten Bonapartes und Härten ihn zu seinen Soldaten sprechen:„Bier Jahrtausende schauen auf euch hernieder!" Türkin- h« r r s ch a s t kam und verging. Das Nil- laich wurde und ist(als„Korridor" noch Indien) der ängstlich bewacht« Tragpseiker des britischen Weltreichs, sein „Genick", wie es Bismarck nannte. Auch die Bevölkerung und Kultur des heutigen Aegypten verrät den Einfluß dreier Erdteile: Di« 85 Proz. Fellachen Ans.Aegypten"(Verlag Ernst Wasrnuth A. 0.) sind nordafrikanischer Rast«! ihr« Sprach« aber ist asiatisch(arabisch) und ebenso ihre Religion, der Islam. Di« sieben Prozent Kopten sind Christen, wenig Hundertstel der Bevölkerung und«in luftiger Ueberbau des städtischen Verkehrs-, Wirtschafts- und Handelslebens sind euro- päisch... Jenseits des Nils sind die Pyramiden. Von der Drück« aus erblickt man sie schon. Ich hörte ost, ihr Anblick bereite ein« Enttäuschung. Wie man es aufsäht. Die höchste von ihnen ist 146 Meter hoch. Ihr achtbares Atter von viertausendsechshundert Iahren gab dem sattsam bekannten Zahn der Zeit Gelegenheit, von ihrer Spitze und Oberfläche etwa neun Meter abzunagen. Nicht viel, wenn man die Länge dieser Zeit bedenkt. Aber gerade genug, um dem ungeheuren Bauwerk, das eines Königs Erdenreste birgt, seinen Sinn zunehmen. Hunderttausend Menschen, sagen uns gelehrt« Leute, hätten zwanzig Jahre dabei geschwitzt, gelitten, gestöhnt, die Steinquadern zu diesem Monstrum vom jenseitigen Fluhuser herzuschleppen und das Monument zu errichten. Sein Sinn?— die riesenhaft« Verkörperung einer einzigen geometrischen Idee, eben einer Byra- mide mit vier Seitenslöchcn, vier Seitenkanten und einer Spitze. Die Spitze ist weg, die Kanten sind abgebröckelt, die Umrisse des Kolosses schieben eine gekritzelte Bogenlini« in den gelben Wüsten- Himmel und bieten das Bild eines millionenfach vergrößerten Ameisenhaufens. Dergestalt verkörpern dies« Rekord-Steinhaufen auch jetzt noch den Sinn eines Stücke» Wellgeschichte: außerdem tragen st« er- heblich zur Förderung der ägyptischen Fremdenindustrie bei. Dichte Haufen von Vergnügungsreisenden wälzen sich zu ihren Füßen und die verwitterte S p h y n x, die schon so viel aufregen- der«? sah, lächelt diskret, wenn st« von eingeborenen Reiseführern und Kamelpflegern bemogelt werden. Hübsche Amerikanerinnen reiten auf Wüstenviechern keck— fröhlichen Galopp. Männliches Jungvolk erklettert die Pyramidengipfel. Kürzlich glitt einer oben aus und kam als blutiger Flestchtlumpen zur Erde. Dies soll sich schon des öfteren ereignet haben. Das Mussum von Kairo birgt, was gelehrter Schatz- gräberfleiß von den Ueberbleibseln alter Pharaonenkultur bis heute zutage fördert«. Der letzte Clou dieser Schau sind die pracht- strotzenden Sarghüllen des Tut-An-Kam«n. Stärker und nachhalttger aber ist der Eiizdruck der Mumien. — dieser seltsamen� unoergleichlichen Köpse. die vor drei und vier Jahrtausenden in diesem Lande dachten, sprachen und handelten. Aber heute rst's, als begännen vergangene Jahrtausende z« spuken, als regte stch's mitternächtig unter Pyramidengestein, als hört« der Lauschende im Museum von Kairo die bronzefarbig ver- trocknete Mumie des zweiten und größten Ramses tief und leise unter dem Glassarge atmen, als wolle der harte Mund an dem unheimlichen Dämonenschädel sich' öffnen und sprechen:„Dies Fellacherwolk, ihr guten Europäer, dos ihr nur als den zurück- gelastenen Kehrricht unseren pharaonffchen Denkmalsprotzerei gellen lasten wollt, schlief den langen Stummer des Orientalen, derweil dies Land der Tummelplatz eurer Wellgeschichte war. Aber das Rad dreht sich. Di« Völker des Ostens sind.erwacht. Und Aegypten steht im Freiheitskampfe!" Langsam macht England Zugeständniste. Die Staudämme am oberen Stil, die es In der Hand behält, sollen aber in entscheidenden Zellen dazu dienen, das Stromwasser zu sperren und die Millionen- kockfigen Kostgänger des Dater Nil duvch Aushungern wieder fügsam zu machen. Ob aber die brausende Flut eines Volkes im Auf- rühr sich durch Steinmauern dämmen läßt, wie das nasse Element? *» � Wie überall bei den von Fremdmächten beherrschten Völkern im Osten der Well begann der Aufbruch zum nationalen Freiheitskampf der Aeglzpter im Lager der besitzenden Mittelschicht, der„Bourgeoisie". Der Druck, der auf ihr lastet, kommt gar zu offen- stchllich unmittelbar von der Fremdherrschaft, welche für di« Unter- nehmungen der Europäer Steuerfreiheit erzwingt und die Geschäfte der um so schwerer belasteten Eingeborenen dem Siechtum über. antwortet. Diese Mittelschicht verfügt auch über die im Kamps so wichtige Waffe: die europäische Bildung. Die arbeitenden Massen aber, lange Zeit kaum ahnend, wer der Nutznießer ihrer Fronarbeit ist, kamen jüngst erst zu dem Bewußtsein, daß zwei Ausbeuter schwerer zu sätligen sind, als einer, und daß Ihr« Lage dann nur sich entscheidend bessern kann, wenn sie imstande sind, den rein sozialen Kampf auf dem festen Boden nationaler Freiheit zu führen Seitdem ist der Unabhängigteitskampf eine Masten- bewegung. Und wie in Aegypten, so in Indien, in China, im ganzen Osten der Welt.-Dorthin schaut, mit steinerner Unerbiitlich. kell, die Sphynx. (4. Fortsetzung) -ne junge Frau, das zum Weib gewordene Müdcfcn, sprach davon mit klugen Augen, einer vernichtenden Nüchternheit und doch mit einer Beklemmung, die sie nicht so sicher mochte, als sie erscheinen sollte. Den Mann beschäftigte vieles in seinen Gedanken. Zwischendurch betrachtet« er sie: Sie ist schön und jung, sehr jung. Unberührt vom Mann« war sie. Ich bin ihr Schicksal, dachte er männlich. Welcher Mensch, welches Weib? Es lieh ihn nick# zur Ruhe kommen. „Soll ich dich— pardon Sie," verbesserte er sich—„nach Hause bringen?" Ein entschiedenes Nein war die Antwort. Und wieder die Angst, dieser bebende Mädchenkörper, diese hilflos suchenden Augen, dieser konvulsivisch zuckende Mund. Auf ihn übte dies jetzt geschwächten Reiz aus. Und doch war es ihm nicht leicht, als sie ausbrach, ihm die Hand reichte, seinem Blick auswich und sich flüchtig oerabschiedet«. Sie hatte die Tür hinter sich geschlossen und ging nun in das Dickicht der Stadt, sich zu verlieren und für ihn als ungelöstes Rätsel weiter. zuleben. Der Mann, jetzt allein, brannte vor Interesse und Begierde. Schwor sich, sie wieder zu sehen, zu wissen, wer sie und was ihr Leben sei. Als er auf der Straße stand, war ihm leichter. Nur der Boden schaukelte und schwankte unter seinen Füßen. Er mietete ein Rikscha, fuhr in die Pension, in der er wohnt«. Die Straßen waren schon mit dichten Menschenmasien, Autos und Cars aller Typen übersät. Stimmengewoge. Ein Brausen wie das Meer. Gcbrodel. An der Kreuzung der Nanking- und Tschekiang- road: Rikschas rasen mit den Autos um die Wette. Den Kulis hängen die Zungen wie gehetzten Hunden aus dem Munde. Ihr Umg- gedehnter Ruf„Ja— oe" heult, daß es durch Mark und Bein geht. Schienenlose Trambahnen, vollgepfercht von Menschen jeder Farbe, entwickeln ein schwindelhastes Tempo, nehmen halsbrecherische Kurven. Der ohrenbetäubende Lärm, die brennende Hast, das wahn- sinnige Fieber greift nach dein Menschen. So ist nicht das Leben, so fordert man es: Grell, brutal, gewalttäig. Ein ununterbrochenes Aufeinanderprallen von Gegensätzen: Weiß und gelb, West und Ost. der welterobernde Amerikanismus des Busineßinan und der mauer- imischiossene Traditionssanotismus, dunkelster Ahnenkult der Ehinesen, der hcrrschaftsgewinnende internationale Kapitalismus und ein gelber, halb schlummernder Nationalismus. Jeder will seinen Platz behaupten: Der Gelbe, weil es seine Erde ist, der Fremoe, der vom kosmopolitischen Imperialismus aus ebenfalls die Erde sein Eigen nennt, vor allem ober ihre Werte. Hier wird nicht gelebt, hier wird gegenseitig aufgerieben. Der Franzose, der im Rikscha fuhr, machte sich seine Gedanken darüber. Der Kuli lief ihm zu rasch. Das Gefährt stieß ihn in den Leib. Er wünschte allen Rikschas den Tod. Di« einzige Genug- tuung, die er empfand, war, daß sich ein Mensch unter seiner Lost krümmte und schwitzte. Die Pension, in der er zwei kleine Zimmer bewvhitte, gehörte einem vorbildlich zivilisierten Chinesen, der auf europäische Sitte und Hygiene schwor. Er nannte sich kurz Mr. Wung, dieser Ab- trünnling. Die zwei Stockwerke Zimmer waren ausnahmslos an französische, englisch« und japanisch« Beamte, kleine Kaufleute und was sonst einem ehrenwerten Berufe nachging, vermietet. Daß dieses Domizil nicht an einer lichtprunkenden Straße lag, sicherte ihm seine Billigkeit. Ueberdies war Mr. Wung ein vortrefflicher Ge- schästsmann, der der Diebesmethode seiner Stammesbrüder feierlich Abschwur geleistet hatte, lieber seinem Hause flatterte der„Union- jack". Seine Gesinnung war unantastbar. Die Pension„Panama" hatte ihren guten Rui. Mr. Wuyg verfügte über einig« Sprachkenntnisse. Und so be- grüßt« er den Herrn, der aus dem Rikscha kletterte und ins Vor- haus eintrat, mit einem außergewöhnlich freundlichen„Bon jour, Monsieur Marin". Und drängte sich in auffallender Weise an ihn heran. Mr. Marin aber hatte wenig Zeit und Laune dafür übrig, wollte nach flüchtiger Erwiderung des Grußes die steil« Treppe emporklimmen, als ihn der chinesische Hausvater noch einmal ein- dringlich bat, ihm Gehör zu schenken. Um nicht gerade abweisend oder unhöflich zu sein, bequemte sich Marin halb gezwringen, halb interessiert zu Mr. Wung. Der wies bloß auf einen Herrn, der in knapper Entfernung von ihnen saß und in eine europäische Zeiwng vertieft war. Er wartet« nämlich schon seit einer Stunde auf Marin. Marin kannte ihn und ging ohne Zögern auf ihn zu. Begrüßte ihn kurz. Der hob sein Gesicht aus der Zeitung und bat ihn, sofort ins Polizeipräsidium mitzukommen. Mr. Wung schielte interessiert her- über. Beide verließen die Pension„Panama" und fuhren in die Futschow-Rpad, in das Polizeigebäude. Mr. Wung war manches nicht erklärlich. Hätte er nicht gewußt, Marin sei selbst Polizeiagent, bei Gott, er wäre auf das Up- onoenehinst« gefaßt gewesen. 5. Duvah der Chef der Polizei von Schanghai, hat!« sich nach einer bewegten Nacht schlecht und recht zusammengefunden. Hätten ihn nicht in feinem Büro so merkwürdige Ding« und Begebenheiten «rwartet, er wäre auf stinem pompösen Stuhl vor Ermattung eingeschlafen. So aber mußt« er sich aufrecht halten und seinen Posten ausfüllen Der Polt-«iag«nt Marin, der keine weniger bewegte Nacht als fein Chef hinter sich hatte, war eingetreten und hi«U sich in ge- mesiener Entfernung von Duval Der Chef pflegte seinen Unter- gabenen stets mit jovialer Liebenswürdigkeit entgegenzukommen. JJctäte&e?*- Marin konnte keine Ahnung haben, was hinter der Stirn« dieses Mannes vorging. Auch dann noch nicht, als sie sich bedenklich runzelte. Der Ageitt war unruhig. Ihm kam vieles in den Sinn. Entschlossen fragte er nach dem Begehr feines Chef». Duval entschuldigte sich vorerst, daß er ihn in seiner dienstfreien Zeit hierher bemüht habe, aber Gewisses dulde keinen Aufschub: er befinde sich im unklaren über die Verhaftung eines Russen.' Marin schoß das Blut in ine Wangen. Rasch gesaßt erwiderte er: Nach seinen Erhebungen sei dieser Russe, den er verfolgen und verhaften hätte sollen, nicht unter den Passagieren der„Nagasaki" gewesen. Die mit dem Signalement übereinstimmende Person habe er nicht zu Gesicht bekommen. Uebrigens vermute er, daß der Rusie Wind bekomme» und das Schisf in einem anderen Hafen verlassen habe.« Diese schiefe Erklärung quittierte Duval mit einem leichten Kopfnicken, nur daß er die Brauen sehr hoch zog und wi« gedanken- fern auf einen Knopf drückte. Marin wurde die sonderbare Art fvines Chefs beträchtlich ungemütlich. Es waren wenige Minuten oergangen, als zwei Männer in das Zimmer traten. Bei deren Anblick befiel den Polizeiagenten eine fürchterliche Erregung. Da alle Augen auf ihn gerichtet waren, hatte er mit sich zu tun, kühl und beherrscht der Situation gegenüberzutreten. Erkannte er doch in dem einen den verdächtigen Rüsten. Duval fragt« nun mit süßlicher Miene, ob sich die Herren kennen und wollt« vorstellen. Marin erwiderte, daß er den Russen nach dem Signalement erkenne, der andere Herr aber sei ihm vollständig fremd. Der Agent spielt« den Ueberraschten, den WI«>au»-all«n- Hnnmeln-Gefallenen ausgezeichnet. Forderte Aufklärung. Damit bluffte er den Chef, der jetzt bedenklich die Augen auf den Begleiter des Russen heftete. Der Schisssdetektio erstattete Bericht:„Ich macht« im Auffrage meiner Behörde die Bekanntschaft des Rüsten an Bord der „Nagasaki". Das Ergebnis war, daß er mir im Gespräch das Restaurant„Newa" nannte, in dem er bei seiner Ankunft in Schanghai zu speisen pflege. Mir war dadurch der Beweis geliefert, daß«r des öfteren schon den Seeweg Wladiwostok— Schanghai zu- rückgelegt habe. Im weiteren Berlauf unserer Bekanntschaft bestätigte sich mein Berdocht, daß ich es mit einem der zahlreichen bolsche- wisttschen Agitatoren zu tun habe. Ich wich nicht mehr von der Seit« des Mannes, der mir gegenüber ein sehr offenes Herz zeigte und eine noch offenere Sprache führte. Die Vermuwng. daß der Mann kompromittierendes Material bei sich trage, verdichtet« sich in mir. Vorschriftsmäßig funkte ich an die Kriminalpolizei nach Schanghai das Sigsialement des Mannes und di« Stund« semer, unserer Ankunft. Knapp bevor die„Nagasaki" in Schanghai vor Anker ging, zog ich mtch von«neiiver„Reisebekanntschaft" zurück. Wir verließen getrennt den Bord. Dem Russen folgte ich in im- mittelbarer Entfernung. Dabei traf ich auf Herrn Marin, den fil) sofort als Polizeiagenten erkannte. Ich trachtete in seine Nähe zu gelangen: jedoch vergebens. Sowohl Herr Marin als auch der Rüste hatten beretts ein Rikscha bestiegen und fuhren in knappen Abständen hintereinander fort. Ich selbst begab mich m das Restaurant„Newa"." „Warum begaben Sie sich in das Restaurant.Newa'?" fragte Duval. „Ich hatte das Gefühl, daß es notwendig sei", antwortete der Detektiv.„Ich kam in das Restaurant„Newa": ein obskures Lokal, in dem emigrierte russische Fürsten und Prinzessinnen mit bolsche- wistischen Agitatoren und Spitzeln der Tscheka an einem Tisch bei- sammen sitzen, ihren Wodka trinken und Kaviar schlürfen. Nach längerer Umsicht entdeckte ich sowohl Herrn Marin als auch meinen Reisebegleiter. Sie saßen an verschiedenen Tischen. Ich wartete. Di« Zeit verstrich, ohne daß sich etwas ereignete." „Was hätte sich ereignen sollen?" Duval sprach targswn und gedehnt. „Die Verhaftung des Russen durch Herrn Marin." j Marin rief dazwischen:„Es ist kaum anzunehmen, daß tn einer von dem Herrn Kollegen geschilderten Situation und Oertlich- keit sich ein gewiegter Berufsinann zu dieser Amtshandlung in oller Oeffenllichkett hinreißen läßt. Ueberdies haben wir oll- Austrog, in jedem dieser Fäll« ohne Aufsehen vorzugehen." Duval mußte Marin beipflichten. Hieß den Schiffsdetektiv in feinem Berichte fortfahren. „Unterdessen trank der Russe Unmengen von Schnaps. Ich telephoniert« vom Restaurant aus nach einem Agenten." „Hatten Sie Mißtrauen?" lauerte Duval. Der Schiffsdetektiv wich dieser Frag« aus. Wollte sich allein auf Tatsachenfeststellung beschränken. Fuhr fort:„Bald danach be- gab sich der Russe durch die rückwärtige Tür in den angrenzenden Hof des Hauses. Herr Marin folgte ihm. Ich wartete wieder. Mittlerweile traf der von mir erbeten« Agent«in. Fast gleichzeitig kam Herr Marin allein in das Lokal zurück, bezahlte und ging." (Fortsetzung folgt.) eBuch Rai"! Stliis:„Sludienral Manche" Ein neuer Schulroman, der sich weder auf die üblichen' Schüler- geschichten beschränkt, noch in doktrinärer Form wichtig« Erziehung»- fragen diskutiert. Es ist ein Werk, das mit bestimmten Tendenzen eine sicher« Menschengestaltung verknüpft. Karl Blitz bemüht sich in seinem„Studienrat Hancke"(Gebrüder Enoch, Verlag, Hasiburg), auch von den Gegnern einer modernen Pädagogik ein objektives Bild zu zeichne» und sie aus ihren Voraussetzungen heraus zu erklären. In der Aufbauschule stehen sich di« alte und die neue Pädagogik schroff gegenüber. Der Direktor, ein moderner Schulmann, sucht zu vermitteln. Um Dr. Bolle sammeln sich die Lehrer, di« eine Ge- meinfchastsarbeit mit den Schülern wünschen, den Unfug des Zeugnis, und Prüfungswefens bekämpfen und die Schüler individuell zu freien, modernen Menschen erziehen wollen. Studienrat Hanck« dagegen vertritt den alten Standpunkt Trotz seiner Schwächen und Lächerlichkeiten, trotz seiner üblen Moralschnüfselel bleiben ihm auch sympathische Züge. Er ist eben tn einer anderen Umgebung, im alten Autoritätsglauben der Schule aufgewachsen und erlebt schließ- lich sein Damaskus. Doneben werden Fragen der modernen Pädagogik erörtert und in den Menschen gestaltet. Blitz tritt entschieden für Lösung von jedem einengenden Zwang«in, vor allem für weitgehende, sexuelle Aufklärung und Freiheit. Die Schule hat nicht in erster Linie die Aufgabe, Wissensstoff zu übermitteln, sondern den Willen und die Persönlichkeit des Schülers zu bilden und ihn für den Lebenskampf zu ertüchtige». Alle alten Schablonen stören nur diesen Prozeß. Da» Verdienst des Buches liegt darin, daß diese Dinge klar und prägnant und in leichter, allen verständlicher Form ausgesprochen worden sind. Scherret. Rät seh Ecke des„Abend". «lllMMMtttMMIUNN! Kreuzworträtsel. gekürzter Elternnam«: 9. französischer Artikel: 11. Fluß in Ruß- lond: 12. Artikel: 13. Umlaut: IS. französischer Artikel: 17. mit 13. Wiesenrand: 18. Präposition: 19. Hilfszeitwort: 20. amerikanischer Vorname: 22. hinweisendes Wort: 24. dichterischer Ausdruck für ein Raubtier: 2ö, Lebensende: 27. Eingang: 28. kindlicher Ausdruck für Großmutter.— Senkrecht: 1, Lateinisch„und": 2. Kütten- formation: 3. Währung: 4. Umlaut: 6. Berneinung: 7. Fluß in Italien: 8. Präposition: 9 abgekürzter Mädchenname: 19. Doppel- vokal: 14. Flächenmaß: 16. Präposition: 19s. Vokal: 20. Singstimme: 21. männlicher Borname: 22. Kirchenbau: 23. abgekürzter Mädchen- nani«: 25. sehr alt: 26. englisch„zu".* Scharade. l, 2 gar stolze Vögel sind, Mit buntem Schweif und Schwingen, Mißtönig ihre Stimmen uns Jedoch zu Ohren dringen. 3, 4 an unser, n Körper dir Den edlen Teil benennen, Der uns die schön« bunte Weh Sa recht erst lehret kennen. Das Ganze gaukelt durch die Lust 'Auf färben bunten Schwingen.. Nun luch' die Lösung, sicher wird Gar bald sie dir gelingen.• (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) RSsselsprung. Silbensuchrätsel. Den Wörtern Handwerker, Esmeralda, Willkür, Erlangen, Plejaden, Legend«, Mußteil, Etzel, Trinkwasser. Dezimalwog« und Bogenlampe ist je eine Silbe zu entnehmen. Diese Silben ergeben aneinandergereiht ein schwedisches Sprichwort. hl. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuz-Füllrätsel: 1. Lebertran: 2. Sternibild; 3. Bart- binde. Frühlingsproblem: Der Schlüssel zum Problem liegt in der Zahl aus dem Meilenstein im Bild«. Liest man danach erst von den Buchstabengruppen unten, dann von oben s« den 1., 3., 2. Luchstaben, so erhall man:„Wenn auch der Winter noch so droht. Es muß doch Frühling werden." Pyramidenrätsel: 1. n: 2. Ida; 3. Euhu: 4. Hermin«: 5. Rumaepien. Silbenrätsel: J. posaun«: 2 Rosetten: 3. Ovid: 4. Liane; 5 Esther: 6. Trialav: 7. Aphrodite: 8. Romadour: 9. Zsmene: 10. Entenei: 11. Remington: IL AUai: 13. Limburg: 14. Landral: IS. Endivie: 16. Rousseau: 17. Languedoc; 18. Andernach.— „Proletarier aller Länder vereinig: euch!" Kettenrätsel: Hauswirt, Wirtschaff, Schostholz. Holzstück, Stückwerk, Werkstatt, statthaft, haftbar. Bargeld, Geldschrank, Schranktür, Türschloß, Schloßberg, Berglond. Landhaus. Nr. 174 DD Sonnabend 47. Jahrgang W WL Ml H gm W M M� 11. April 1930 Nene VeMe i Mr haben vor kurzer Zeit dos hundertjährige Jubiläum der Eisenbahn feiern können. Man müßt« annehmen, daß nun alle technischen Möglichkeiten im Eisenbahnwesen erschöpft seien, daß es eigentlich nichts mehr zu erfinden und zu konstruieren gäbe. Aber das ist ein Irrtum. Gerade heut« wird emsiger als je an der Weiterentwicklung der Eisenbahn, vor allem ober an der Bes. besferung der Lokomotive gearbeitet. Unser« Lokomotiven sind Brennstoffverschwender allerschlnnmster Ordnung. Der weitaus größte Teil der in der Kohl« enthaltenen Energie wird nicht in mechanische Arbeit umgefetzt, geht also für die eigentliche Aufgabe, das Ziehen des Zuges, verloren. So ist es denn durchaus in der Ordnung, daß sich die Ingenieure bemühen, aus der Lokomotive einen besseren Wirkungsgrad, d. h. ein« bessere Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Kraftmittei, herauszuholen. Die Versuche der Deutschen Reichsbahn bewegen sich auf diesem Gebiet nach zwei Richtungen: Die Reichsbahn versucht einmal, die gute, alt« Dampflokomotive leistungsfä.hig zu machen. Das soll durch die Verwendung hochgespannten Dampfes bis zu 100 Atmosphären sowie durch Ersetzung der Kolbenmoschine durch die Dampfturbine erreicht werden. Dann aber werden jetzt Versuche mit einer neu- lOO-Atmoaphären-DampflokomotiTe artigen Dieselmaschin« angestellt, bei der der Dieselmotor einen Kompressor treibt. Dieser Kompressor erzeugt Druckluftenergie, die zum Antrieb der Lokomotive benutzt wird. Die chundert-Atmosphären-Dampflokomotive ist nach einer Bau- zeit von vier Iahren von einer Berliner Maschinenfabrik an die Reichsbahn abgeliefert worden. Sie wird jetzt einer«ingehenden Erprobung unterzogen. Wenn man bedenkt, daß normale Dampf- lakomotioen mit Drücken von 14 bis 16 Atmosphären arbeiten, so muß man die Kühnheit der Ingenieure bewundern, die den Sprung van 16 auf hundert Kilogramm Druck auf jeden Ouadratzentimeter des Kessels und der Maschine wagen. Das Ziel wurde durch ein neues Verfahren erreicht, das von dem vor kurzem in Wien ver° ftorbenen Professor Dr.-Jng. Löffler ausgearbeitet wurde. Während nämlich bei ortsfesten Dampfonlagen hochgespannter Dampf schon seit mehreren Iahren angewendet wird, wobei man sich hinsichtlich des Platzbedarfes der Anlagen nicht allzu großen Beschränkungen aufzuerlegen brauchte, sind die Ausmaße der Lokomotive, also ihre chöhe, Länge und Breite, durch die Anlage der Eisenbahnstrecken, durch Spurweite der Gleise, Durchfahrtshöhe von Brücken und Tunnels usw. bestimmt. Bei den, Versahren, das Professor Löffler ausgearbeitet hat, wird der hochgespannte Dampf nicht direkt durch die Einwirkung der Feuergase, sondern durch einen Strom von überhitztem Dampf erzeugt, der ständig zirkuliert. Ein System von Pumpen sorgt für den Umlauf des zur Dampferzeugung nötigen Wassers. Durch diese Anordnung wird auch die so gefürchtet« Bildung von Kesselstein vermieden. Do hochgespaimter Dampf nur sehr klein« Räum« ausfüllt, sind die außenliegenden Hochdruckdampf- Zylinder der Lokomotive sehr klein ausgefallen. Der Dampf leistet erst in diesen Hochdruckzylindern Arbeit. Dabei entspannt er sich und wird nun in den in der Mitte liegenden Riedevdruckzylinder geleitet, der einen Durchmesser von 600 Millimeter hat. Die Mafchinenanlag« lesstet 2500 Pferdestärken. Die Kohlenersparnis soll gegenüber den besten Lokomotiven etwa 40 Prozent betragen. Turdlrisll-Iiokomotlvo Di« von der Deutschen Reichsbahn probeweis« in Betrieb ge- nommen« Turbmenlokomotioe wurde von Krupp in Essen nach den Patenten des Schweizer Ingenieurs Z o e l l y gebaut. An Stelle der Kolbendampfmoschine sitzt vor dem Kessel«ine Dampfturbine, deren Abdampf in einen auf dem Tender montierten Kondensator geleitet wird und von hier wieder in den Kessel gelangt. Auch durch diel« Anlage erhofft man erheblich« Brennstofserjparniss« zu erzielen. Die Dieselmaschine als Antrieb für Lokomotiven hat vor allem der russische Ingenieur Professor Lomonoiofs vorgeschlagen, aber auch andere Konstrukteur« haben gleichzeitig aus diesem Gebiet ge- arbeitet. Die jetzt vollendete deutsche Diesellokomotive besitzt das gleiche Fahrgestell und dieselbe Anordnung der Zylinder, der Treib- und KAppelstangen wie eine Dampflokomotive der gleichen Größe. An die Stell« des Kessels ist jedoch ein System von Druckluftflaschen getreten, deren Druckluftenergie durch den vom Dieselmotor ge- triebenen Kompressor erzeugt wird. Es kam vor allem darauf an, die bei der Verdichtung der Luft austretenden Temperaturen zu beherrschen. Durch Einspritzen von Wasser ist es gelungen, die thermodynamisch günstigste Temperatur von 180 Grad bei einem Enddruck von 7 Atmosphären nicht zu überschreiten. Es entsteht ein Gemisch von Luft und überhitztem Wasserdampf, das dann noch durch die Abgase des Dieselmotors auf dem Wege zum Lokomotio- Zylinder weitererwärmt wird. Di« ersten Versuche sollen eincn sehr guten Wirkungsgrad ergeben hoben. Natürlich muß erst ab- gewartet werden, wie sich die Lokomotive im Dauerbetrieb bewährt. Schema der neuesten Diesel-LokomotlTe Schließlich entscheidet ja nicht der Wirkungsgrad einer Maschin« ollein über ihr« Wirtschaftlichkeit. Ihr Preis und der Preis der Betriebsstoff« sind hierbei ebenfalls in Rechnung zu setzen. Gerade die durch den Krieg verarmten Völker haben ein Interesse daran, auf allen Gebieten mit geringsten Mitteln den größten Nutzen zu erzielen. Hoffen wir, daß diese Bestrebungen aus dem Gebiete des Verkehrswesens von Erfolg gekrönt sind. W. M. Enlwidtelnw der midien Landesvermellnng Es gibt nur wenige Kulturwerke, die so vielfach aus unser praktisches und wissenschaftliches Leben einwirken und dennoch weitesten Kreisen so unbekannt sind wie die Lanüesver- Messung. Aeußerlich tritt sie in der Tat auch kaum in die Er- scheinung. Die hohen trigonometrischen Signalgerüste springen freilich ins Auge, aber die wenigsten wissen recht, was- sie bedeuten, ,md nach wenigen Iahren erliegen die lustigen Holzbauten den Einflüssen der Atmosphäre. Dauernd erhatten bleibt der Festlegungs- pfeiler aus Granit, allein sein unscheinbares Aeußeve fällt selbst dem für alles Neu« geöffneten Blick de« Wanderers kaum auf. Da« g'eiche gilt von den Nioellementsbolzen, die am Rande großer fester Straßen in Abständen von meist zwei Kilometer das Höhennetz der Landesaufnahme vermerken. Auch sie werden leicht übersehen, und vielleicht ist es gut so, denn sie sind dadurch einigermaßen gegen mutwillige Zerstörung geschützt. Während Kleinoermessungen zum Festlegen von Besitzgrenzen und Veranlagen von Steuern bereits vor Jahrtausenden üblich waren die» älteste Urkunde darüber stammt aus Aegypten—, liegen die Ansänge der ganze Länder überziehenden trigo/iometrifchen Arbeiten wenig mehr alz ein Jahrhundert zurück. In Preußen be- gönnen sie nach den Napoleonischen Kriegen zum Zweck der Her- stellung eine» militärisch brauchbaren, einheittichen Kartemoerks. Es sst daher auch ein General Müssling. dessen Namen mit ihnen verknüpft bleibt. Wie das Wort„Trigoitometer" bereits verrät, handelt es sich UM die Ermittlung von Winkeln, aus denen sich Dreiecke bilden lassen. Je nachdem diese Dreiecke handtuchartig an- cinandergereiht«der flächenhaft ausgearbeitet werden, spricht man von„Ketten' oder„Netzen". Selbstverständlich konnte es sich in den ersten Jahrzehnten der beginnenden Landesvermessung nur darum handeln, einzeln« von Berlin ausstrahlend« dünne Ketten auszuführen, um überhaupt ein»al die weit verstreuten Provinzen. » B. das Rheinland und Ostpreußen, zusammenzuschließen. Zeitalter der mächtig ausblühenden Wissen- 1 schasten sehlle es nicht an gelehrten Landmessern, welche die neu- gestellte Ausgab«, mit geringstem Aufwand an Feld- und Rechen- arbeit dankbar genaue Werte zu erzielen, erfolgreich In die Hand nahmen. E» waren gelehrte Praktiker im Bürgerrock(Gauß und Bessel) und in Uniform(Baeyer und Schreiber), denen Preußen die Grundlagen derLondesvermessung verdankt. So genau die Ergebnisse, namentlich der berühmten Besselschen Grad- Messung in Ostpreußen, trotz recht einfacher Mittel schon um die Mitte des 13. Iahrhunders waren, wurde doch nichts Dauerhaftes geschaffen. E» haperte nämlich an der Festlegung der gemessenen Punkte. Da wurden an Stelle der heute eingeführten Granitpseiler in den Acker Hoizpsähl« mit eingeschlagenem Nagel versentt, die schließlich vermoderten. Auf den alten Türmen im norddeutschen Flachland, z. B. auf der Haberberger Kirche in Königsberg i. Pr., unterlieh man es, besondere Marten anzubringen, und die als Ziel- punkt gewählt« Helmstange usw. ging dann nach baulichen Der- änderungen verloren. Man kann jenen ersten Abschnitt der preußischen Landesver- Messung zwischen den Napoleonischen und Einigungs-Kriegen als lückenhaft und uneinheitlich kennzeichnen. Hier und da war ein« Kette fertig, dazwischen klafften leere Räume, genau wie es auch mit der Landkarte des zerrissenen preußischen Staats der Fall war. General Schreiber schuf die Einheitlichkeit der Ver- Messungen. Er bearbeitet« die Westhälste des Staats von Grund auf neu, indem er Dreiecksketten und-netze ohne Zwischenräume eng aneinanderfügte. Sämtliche Kleinmessungen, seien sie für Kortenzwecke, für Kataster, Straßen-, Eisenbahn- und Wasserbau usw., konnten nun stets an„Punkte erster Ordnung' angeschlossen werden, denen eine hohe Genauigkeit zukam, und die über da» ganze Land hinweg in widerspruchsfreiem Zusammenhang standen. Gleichzeitig rationalisierte Schreiber die Technik der Arbeiten. Ihre äußer« Form. z. B. die eingangs erwähnten Festtegungsmittel für die trigonometrischen und HSHen-Punkte, her Signalbau, die Meß- gerate, wurde dermaßen vervollkommnet, daß man sie im wesent- lichen als abgeschlossen bezeichnen muß. Aus zersplitterten Grund- lagen war ein einheitliches, kraftvolles Wesen militärischer Art ent- standen, denn die Landesvermessung war Sache einer Abteilung des Generalstabs. Nachdem mit der 1300 begonnenen Vermessung West- und Ost- Preußens die Schreiberschen Grundsätze sich auch in der Osthälste ' Preußens umfassend ausgewirkt hatten, brach der Krieg das groß- zügige Werk jäh ab. Seit einigen Jahren hat«ine Zivil- deHörde, das Reichsamt für Landesaufnahme, es in stark verkleinertem Umfang wieder aufgenommen. Seine Haupt- sorge bildet« von vornherein da» Erhalten. Sehr viele Punkte waren in der unruhigen Zeit verlorengegangen, im Westen blieben Landstriche jahrelang besetzt und dadurch auch der geregelten In- standhaltung der Vermessungen weiter entzogen, in Schlesien erwies sich eine Neubearbeitung, zunächst des durch die Versailler Grenze zerschnittenen Reviers, dann später der ganzen Provinz als er- forderlich. Vermessungen und Karten spielen heut« im öffentlichen Leben eine viel breitere und vertiefter« Rolle als vor dem Kriege. Da- mals kennzeichnete„die Generalstabskarte im Stieselschast des Musketiers' am treffendsten Zweck und Wesen jener Techniken. Vom Reichsamt für Landesaufnahme kann man sogen, daß es seine farbigen Wander-, Radler- und Autlerkarten vom Schutbuben an- gefangen bis zum bedächtig schreitenden Greis« jedem Natur- freund in die Hand drücken möchte. Das Kartenwert für bürger- liche Zwecke auf seiner Höhe zu erhalten und die Vermessungen in den Dienst der weit genauer als früher arbeitenden Wissenschaft unü der den Boden aufs äußerste ausnutzenden Technik und Wirtschaft zu stellen, das sind die wesentlichen Aufgaben des Neichsamts. Einige Beispiele mögen sie erläutern. Die Einwägearbetten (Nivellements) stehen in innigstem Zusammenhang piit dem vom Geologen beaufsichtigten Untergrund. Ein Höhensestpunkt, auf Zehntelmillimeter eingewogen und aus rieselnden Sand oder weiches Moor gegründet, verkörpert verschwendet« Arbeit. Somit erfährt die Höhenvermessung allergrößten Nutzen aus geologischer Beratung. Umgekehrt liefert sie dein Geologen wertvolle Erkenntnisse. An vielen Stellen sst die Erdkruste unserer Heimat in einer, freilich nur mit allerfeinsten Mitteln meßbaren Bewegung. Indem dorthin haar- scharfe Einwägelinien geführt und nach Zwischenräumen von mehreren Iahren geprüft werden� hofft man, sichere Beweise und Maße zu finden. Um zu erkennen, welche Bedeutung das haben kann, braucht man nur an das versunkene Vineta und die Ver- änderungen anderer Seetüsten seit dem Altertum und Mittelalter zu derefen. Im Heft 4 der„Mitteilungen des Reichsamts für Landes- aufnähme' steht ein Aufsatz über die erdmognetiche Vermessung in Deutschland. Sie hat nicht nur Forscher-, sondern(z. B. im Berg- bau) auch praktischen Wert. Indem das Reichsamt bei seinen Dreiecks- Messungen auch magnetische Deklinationsbestimmungen ausführt, trägt es wesentlich zur Klärung von StLrungsgebieten bei. Ein wett über die Grenzen des Reichs hinauswessendes Vermessungswerk wird gerade jetzt in Vorpommern begonnen. Bei der Erneuerung der ein wenig rückständigen Punktbestimmung erster Ordnung wird gleich- zeitig der Anschluß nach Dänemark hinüber gawonnen und damit der Ring um die Ostsee angefangen, welchen all« battischen Staaten vereinbart haben. Wir sehen dort den Landmesser ohne Rücksicht auf die Politik über die Ländergrenzen hinweg verbindend und aus- gleichend wirken und sich als guten Europäer betätigen. Daß für erhebliche technische Neuerungen innerhalb der preußi- schen Landesvermessung kein Raum nach dem bahnbrechenden Wirken Schreibers mehr ist, wurde erwähnt. Immerhin sst die Verwendung künstlichen Lichts bei der Signalgebung zu bemerken. Di« Winkelmessungen reichen 40 und mehr Kilometer weit. Um den Dunst zu durchschlagen und das Einstellziel sicher zu verdeuüichen, wurde von jeher gespiegeltes Sonnenlicht, ähnlich wie beim mssitärifchen Blinken, verwendet. Da nur bei ruhiger Luft, also an ganz wenigen Stunden täglich, überhaupt gemessen werden kann und die Sonne bisweilen wochenlang gerade dann ausbleibt, be- deutet es erhebliche Zeit- und Kostenersparung, künstliches Licht einzuschalten. Auch den dritten Abschnitt der preußischen Landesvermessung finden wir somit in Uebereinstnnmung mit den Zeisströmungen. Eine bürgerliche Behörde ist an Stelle des Militärs getreten. Sorg- sam werden die Fäden nach allen Zweigen des bürgerlichen Lebens, die in Betracht kommen, hin geknüpft. Bedrohtes zu retten und zu er- halten, im verengten Rahmen die letzten Erfahrungen der Wissen- schasten auszunutzen und so die Grundlagen des wertvollen, dem gesamten Volk dienenden Kartenwerks zu bewahren, dahin zielt da» Streben unserer Zett. �iexlr. Boelclce. Neue Bücher. Automaten. Die Befreiung des Menschen durch di« Maschine. Von Hanns Günther. Preis gebunden L,S0 M., gehestet 1.80 M. Dieck u. Co.(Frankhs Techn. Verlag) Stuttgart. Eine anschaulich geschriebene Entwicklungsgeschichte des Auto- maten vom Altertum bis zur Gegenwart und gleichzeitig eine Ver- teidigungsfchrift der Maschine überhaupt. /Günther führt seinen Leiern in einem historischen lseberblick einen malten ägyptischen Tempelautomat, mittelalterliche Mechanismen, wie die„Sprechenden Köpf«', den„Eisernen Mann' des 13. Jahrhunderts und eine Reihe airderer interessanter Maschinen bis zu dem neuen Typus des Maschinenmenschen Televox von Wensley vor. Bedeutender noch als dies« Nachahmungen sind die wirklichen kleinen und großen Helfer der Menschheit, di« Warenautomaten aller Art, die Fahr« karten-, Postkarten-, Briefmarkenautomaten, serner die Photo- graphiermaschinen, die automatischen Stempelmaschinen, die outo- matische Teleplzoni«, die Auchsührungsmaschinen bis zu dem „Eisernen Buchhalter', der gegenwärtig einen Endpunkt in der Entwicklung des modernen Büros darstellt. Der Verfasser streift dann noch abschließend die pneumatischen Transporwnlagen, die Drehbankautomaten und endlich die Automaten des modernen Haus- hatts und vergleicht mit dieier hochentwickelten Technik die d-- früheren Jahrhunderte Sport am Sonntag Hochbetrieb in allen Lagern Das größte Interesse im Berliner Arbeitersport bean- sprucht der Bühnenwettstreit im Turnen und in der Gym- nasiik, der morgen, Sonntag, um 11 Uhr von der Abteilung Neu- kölln-Britz der Freien Turneaschast Groß-Berlin im Mercedes-Palast Neukölln, iierimmnftr. 212, durchgeführt wird. Neben ersten Ber- liner Vereinen sind auch auswärtig« Bundcsvereinc beteiligt. Der Eintritt beträgt 60 Pf., an der Kasse 75 Pf. Das Konzert wird vom vollbesetzten Orchester, Dirigent Walter, ausgeführt. Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin bringt eben- falls morgen um 15 Uhr eine Feier im Gewerkschaftshaus für die Schulentlassenen und für die Jugend. Di« Werbung für den Arbeitersport ist das Ziel, der Eintritt ist frei.— Im gleichen Lokal hält die FTGB. abends um 19 Uhr«inen Tanzabend ob, auf dem Volkstänze, Rheinländer und Walzer aller Arten, von Vortänzerpaoren geleitet, die Anwesenden erfreuen werden. Un- kofienbeitrag 60 Pf. Nach dem Anpaddeln des größten Arbeiter-FaUbootvereins. der Freien Faltbootfahrer Berlin», das nach der Fürstemvalder Spree, führt, ist eine Nachfeier für all« Teilnehmer und Gäste am Nachmittag in der Seeterrass« am Bahnhof changels- berg geplant. Die Abteilung Kreuzberg der Freien Arbeiter-Schach- Vereinigung führt morgen einen Werbetag bei Krepp, Plan- ufer 75/76, durch Alle Schachfreunde werden auf ihr« Kosten kommen. Beginn 14 Uhr. Die Arbeiter.Schwerathletcn treffen sich morgen zu einem Ningerwettstreit im Alten Krug in Tegel, chauptstroße. Auf die Matte gehen nur Vertreter der Leichtgewichtsklasse. Es soll festgestellt werden, wer der beste Mann dieser Klasse ist: um die Spitze werden Mehncrt-Luckenwalde, Weyhe und Putzke-Alt-Weddtng, Burk- Hordt-Saxonia und Schröder-Tcgel einen schweren Kampf führen. Einige Jugend-Einladungskämpfe zwischen Sparta, Alt-Wedding und Friedrichshogen vervollständigen das Programm. Ansang 10 Uhr vormittags, Schlußkämpfe gegen 13 Uhr. Eintritt 50 Pf, In Karlshorst steht das mit 7990 Mark ausgestattete Treskow-Iagdrenncn an der Spitze.— Auf der Olympiabahn steigt um 16 Uhr das nächste Dirt-Track-Rennen in internationaler Besetzung. Das Straßenrennen Berlin— Wittenberg Berlin bringt am Sonntag die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer- Union mit 299 Fahrern zur Durchführung! Jum erstem mal in einem Berliner Rennen wird bei dieser Fahrt eine Neuord- nrdnung zur Anwendung gebracht, die zur Bereicherung der Kampfesmomente beitragen soll. So erhalten die Fahrer über 35 Jahre als O-Gnippe und die Anfänger und bisher erfolglosen Fahrer als L-Gruppe von den Fahrern der B-Gruppe Vorgabe, während die B-L«ute wiederum mit einer Vorgab« von 29 Minuten der �-Gruppe voraus sind. Start ist um 6,49 Uhr beim Restaurant „Deutsches Haus" in Zehlendorf, Ziel das Wannsee-Stadion, wo um 12 Uhr gut besetzte Flieger- und Mannschaftsrennen zum Austrag kommen. Die ersten Fahrer treffen gegen 11� Uhr am Ziel ein. Die berühmte Universitäts-Rudorregatta Cam» bridge gegen Oxford wird morgen vom englischen Kurz wellensender 5 SW als Reportage weitergeleitet. Die deutsche Kurz- wellenstation Zehlendorf nimmt die englische Sendung auf und wird sie in der Zeit von 13.29 bis 14 Uhr in deutscher Sprache über alle deutschen Sender einschließlich der„Deutschen Welle" weitergeben Die„C h i s w i ck- L a d i« s", eine repräsentative englisch« vamenhockeymannschast, spielen am Sonntag um 16 Uhr auf dem SEE,-Sportplatz am Eingang der Ami» gegen ein« Mannschaft des Sportklubs Chorlottenburg. Anschließend daran spielt die erst« Rugbymannschast des Sportklubs Charlottenburg gegen eine kam- dinierte englische Studentenniannschast. Aufbauarbeit im Arbeiter-Schützenbund Im Gewerkschaftshaus in F r a n k f u r t a. M. fand kürzlich die Gauleiterkonferenz des Arbeiter-Schützenbundcs statt. Aus dem Geschäftsbericht des Vundesvorsitzenden Flegel ging hervor, daß der Arbeiter-Sckstitzenbund wie keine andere Organisation unter der Zersetznngsorbeit der Opposition zu leiden hatte. Sehr viele Ortsgruppen, ja selbst ganze Gau« mußten ausgeschlossen wer- den, uin darnr wieder aufgebaut zu werden. Heute steht der Bund gereinigt und innerlich gefestigt da, mit einem festen Bestand von arbeitsfreudigen bundestreuen Mitgliedern. Der mit den schäbigsten Mitteln geführte Dorstoß der Kommunisten, die selbst vor der allgemeinen Beitragssperre nicht zurückschreckten und die den Bund entweder für stch erobern oder ihn vernichten wollten, ist glänzend abgeschlagen worden, und nun endlich ist der Weg frei genracht für eine gedeihlich« Wiederaufbauarbeit im Sinn« der Arbeitersportbewegung. Aus dem Geschäftsbericht ging noch hervor, daß auch die finanzielle Lage des Bundes nicht so ungünstig ist. wie es die Verleumdungen glauben nrachen wollen. Auch die Zeitung soll wieder mindestens vierseitig herausgegeben werden. Am Schluß semer Ausführungen legte der Bundesvorfitzende fein Amt nieder. Wildung von der Zcntraltommisston sprach die Hoffmmg aus, daß nunmehr der Arbeiter-Schützenbund weiterhin als treues Mit- glied der Zentraltommission an Ausdehnung gewinnen und seinem Ziele zustreben möge. Bei den Wahlen wurde beschlossen, den Bundessttz von Braunschweig nach Karlsruhe zu verlegen, der bisherige Gauleiter des Gaues Baden, M e i s g e i e r, wurde als Bundesoorsitzender gewählt. Ferner wurde beschlossen, sämtlich« Anträge, die in sehr großer Zahl eingelaufen waren, dem Bundes- vorstand als Material zu überweisen. Alle Beschlüsse wurden ein- stimmig gefaßt, ein Zeichen des hormonischen, von dem Willen zu positiver Arbeit getragenen Zusammenarbeitens der Konferenz. Don den technischen Angelegenheiten ist ein sehr instruktives Referat von Mofchte-Berlin über Bogenschießen zu erwähnen: nach den äußerst günstigen Ersahrungen, die die Berliner Ortsgruppe mit dem Bogenschießen genracht hat. soll der Bogensport nunmehr auf das ganze Bundesgebiet ausgedehnt werden. Nach vorbildlichem Verlauf konnte die auf hohem Niveau stehende Konferenz mit einem Hoch auf die Arbeitersportbewcgung geschlossen werden. Der Weg ist nun frei für eine ruhige Weiterentwicklung, und schon rührt sich allenthalben neues Leben. Auch die Berliner Arbeitrrschützen rüsten zu ihrem Svmmerprogramm, und alle mit dem Arbeiterschießsport sympathisierenden Genosien, die gn der Durchführung der Ziele des Arbeiter-Schützenbundes Deutschlands mithelfen wollen, werden ersucht, jetzt einzutreten und ihre Adressen an Stephan Brumirski, Berlin, Kommandantenstr. 77(Merkur 7752), zu senden. Auswärtige werden gebeten, ihre Adressen an Wilhelm Maschke, Berlin-Lichter.bcrg. Friedrichstr. 16, mitzuteilen, wo eben- falls jede gewünschte Auskunft erteilt wird. MuridUocULSL/ Die Spiele am Sonntag Morgen spielen: 2. Bezirk, 2. Klasse: Tegel gegen Moabit um 15 Uhr in Reinickendorf, Schorn webe rstroße: FTGB.-Nordring gegen FTGB.-Rosenthal um 12 Uhr aus dein Platz an der Schön- Häuser Alle«. 3. Klasse: Steinfurth gegen Schwante um 15 Uhr in Steinfurth. 3. Bezirk, 3. Klasse: Nowawes 2 gegen Nauen um 15 Uhr in Nowawes, Priesterstroß«: Potsdam gegen FTGB.-Mitt« um 16 Uhr in Potsdam, Zeppeliichafen. 4. Bezirk, 2. Klasie: FTGB.-Friedenau gegen Schöneberg 2 um 16 Uhr in Friedenau, Offenbacher Straß«: Luckenwalde Sportler gegen Wilmersdorf um 16 Uhr in Luckenwalde. 3. Klasie: Zehlendovf gegen Trebbin mn 17 Uhr in Teltow. Das wichtigst« Gesellschaftsspiel des Tages ist dos Troffen der Bereinsmamrfchaft der Freien Turnerschaft Groß-Ber- lin mit der 1. Männennannlschoft des Arbeitersportvereins Schöne- berg mn 17.19 Uhr auf dem Sportplatz an der Katzbachstraße. Di« FTGB.-Mannschaft spielt in folgender Aufstellung: Pohl(Sltdent «eist(Süden)»räg-ft-In(Webding) Neumann(Wedding) Hoffmann(Wedding) Wenzel(NeukMn) A. Paschte Hopp- S. Paschte Blesche Hoch (Alle Wedding)(Süden) In weiteren Gesellschaftsspielen troffen sich: Eberswald« gegen FTGB.-Baumfchulenweg um 15 Uhr in Ederswalde: Schönow gegen Weißens«« Schwimmer um 16 Uhr in Schönow: Kaulsdorf gegen ASC. um 17.40 Uhr in Kaulsdorf, Köpenicker Chaussee: Teltow gegen FTGB.-Oberfpre« um 15?1 Uhr in Teltow.— Frauen: Schönow gegen Tegel um 14 Uhr in Schönow: FTGB.- Nordring gegen Moabit um 10 Uhr auf dem Platz an der Schön- hauser Allee: FTGB.-Rei nickendorf Mest gegen FTGB.-Wedding 2 um 15 Uhr in Reinickendorf, Scharmvcberstroßc. Dirt�Track bei Beleuchtung Mit einem Mißklang endet« gestern die erste wiederum>mr schwach besucht« Dirt-Track-Abend Veranstaltung auf der Olympiabahn. In einem Herousfordenmgskampf Franz Heck gegen Tennigkeit spielte der deutsche Meister keine große Roll«. Hinzu kam die flau« Startarganisation, die schließlich den ganzen Herausforderungskamps zur Farce mochte und beim Publikum lauten Protest auslöste. Tennigkeit fuhr im Endlauf des ersten Rennens eine bessere Zeit als der stch in den Kurven nicht zurecht- findende Heck, was Heck wiederum zu der Herausforderung ver- anlaßt«. Bon den anderen Rennen fei erwähnt, daß der zur �-Klaffe aufgerückte Z i e m er im erst«n Vorlauf des ersten Reirnens stürzte und an den spätere» Wettbewerben nicht mehr teilnehme» konnte. Wanim man das Vorgaberennen, das von Hans B i t f ch- Däne- mark gewonnen wurde, als„großes internationales" begeichnel«, will uns nicht recht einleuchten. Waren doch die Brüder Bitfch bei der gestrig« Beronftoltung die emzigen Ausländer. Das Rennen der �.-Klaffe über 4 Runden wurde im Endlauf von Tennigkeit in 1 Minute 35?� Sekunden, dos der BiÄlasie, ebenfalls über 4 Runden, von R y ll in 1 Minute 39 Sekunden gewonnen. Das Rennen„Der Goldene Bär von Berlin", das in jeder Woche einmal mit Punktwertung für die reichsdeutfchen Fahrer zum Aus- trag kommt, fiel an O. Heinrich s. Der Fahrer, der am Schlüsse der Saison hier die meisten Punkte errungen hat, erhält einen be- sonderen Ehrenpreis.-tz. Schulz gegen Young-Spcars Im Standigen Ring In dem einleitenden Oualifikationskompf im Mittelgewicht blieb Horst Riege- Berlin über Heinz Kern- Berlin noch vier Runden Punktsieger. Ein etwas unerwartetes Ende nahm das Treffen zwischen Georg P f i tz n« r- Berlin und Hon» L i n k e- Duisburg. In der dritten Runde erlitt der Duisburger«ine stark blutende Augenverletzung, so daß er den Kampf abbrechen mußte. Was vielleicht mancher nicht erwartet hatte, traf in dem folgenden Kampf zwischen Wolter An k l a m- Berlin und Fritz K r a ch t- Homburg ein. Kracht wurde von dem Berliner nach Punkten geschlagen. War das Treffen bis etwa zur fünften Runde ziemlich ausgeglichen, holte Anklam zum Schluß einen Punktvorsprung heraus, der seinen Sieg knapp sicherstellte. Einen schönen Erfolg errang der Berliner Helmut Schulz über den guten Engländer Aoung-Spears. In der zweiten Runde gelang es Schulz, der sich in blendender Berfasiung zeigte, feinen Gegner durch einen Rechten auf die Bretter zu zwingen. Bei„S" war Spears jedoch wieder hoch. Bis zum Schluß der acht Runden gab es auf beiden Seiten noch schön« Momente, Schulz war aber klar der Bessere und erhielt den Sieg zugesprochen. Schließlich trennten sich Rudolf B o g u h n- Berlin und Franz Krüppel- Krefeld nach wechselvollem Kampf unentschieden. Internationale R.ennwoche Für die Internationale Berllner Renmvoche, die aus finan« zicllen Gründen in diesem Jahre nur drei Renntage umfaßt, liegen jetzt die Ausschreibungen vor. An den drei Tagen 13. Juli in Hoppegarten, 17. Juli in Korlshorst und 29. Juli in Grunewald kommen insgesamt acht Flachrennen, drei Jagd- und drei Hürden- rennen zur Entscheidung, au denen auch ousläirdische Pferde teil- nahmeberechtigt sind. Der Hoppegartener Eröffnungstag bietet als Hauptergebnis das mit 27 999 M. ausgestattet« Internationale Fliegerrennen über 1499 Meter der geraden Bahn und als wert- voller Ausgleich das mit 17 999 M. ausgestattete Jsinglaß-Rennen über 2899 Meter. Im Mittelpunkt des Renntages auf der Wühl- Heide steht natürlich das Berliner Internationale Jagdrennen im Werte� von 31 999 M., das über 5599 Meter der Hauptbahn führt. Der Schlußtag auf der Grunewaldbahn bringt den mit 55 999 M. dotierten Großen Preis von Berlin über 2699 Meter, der wegen des diesmal fortfallenden St.-Simon-Rennens international ausgeschrieben wurde. Uebrigen» gelangt für den Großen Preis erstmalig der Passus in Anwendung, nach dem ausländische Vollblüter nicht 3%* sondern mir 2 Kilogramm Mehrgewicht in ZkusnahmesMe« miszu» nehmen Hab«. Neben diesem größten Ereignis der Renn wo ch« kommt an diesem Tage noch das über 3599 Meter führende Inter- nationale Hürdenrennen im Werte von 39 999 M. zur Entscheidung. ver Schhigprüfung entgegen Die Sechstagefahrt der Motdcräder Bei der Sechstageprüfungsfahrt für serienmäßig her- gestellte Motorräder auf dem Nürburgring sind inzwischen ein« ganze Anzahl Moschinen auegefallen. Nachdenr bereits in der zweiten Nacht eine 299 ccm NSU. wegen Getriebeschwierigteiten liegengeblieben war und eine weitere Rtaschiue dieses Fabrikats Schaden an der Lichtleitung hatte, bekam eine der beiden noch im Rennen liegenden Jmperia-Maschinen— eine ist bereits aus- geschieden— Reparatur an einem festgefresienen Bcntil. Mit Ablauf der ersten Hälfte der 144-Stunden-Fahrt waren die Ausfälle sehr gering, denn von 43 gestarteten Maschinen befanden sich noch 38 im Wettbewerb, davon 32 ohne jeden Strafpunkt. Dieäetzten 72 Stunden sind im 49- bzw. 59-Kilometer-Tempo zu erledigen, wobei pro Tag viermal die gefürchtete Steilstrecke zu befahren ist. In der dritten Nacht fiel dann zunächst«ine 590 ccm Horex cm», die, eine unverständliche Angelegenheit, wegen Brennftoffmangel liegen blieb. Di« 599 ccm Viktoria mußte wegen Schaden an der Lichtleitung die Fahrt einstellen und ein« gleich starke Imperia gab wegen Bentilschadens ebenfalls das Rennen auf. Di« O-Rad- Mannjchoft tonnte durch die Geistesgegenwart des Fahrer» Ischinger, der unterwegs«inen gefährlichen Derggferbrond zu löschen hatte, beisammen bleiben. In den letzten 24 Stunden setzte es für einige Maschinen ganz gehörig Strafpunkte, die zum Teil so reichlich bemessen waren, daß die höchstzuläsiige Grenze von 299 überschritten wurde. Und das war gleichbedeutend mit dem Scheiden aus der Konkurrenz. Das Tempo von 49 bzw. 59 Stunden- kilometsr macht sich bei der pausenlosen Beanspruchung der Ma- schinen in schwerer Berg- und Talfahrt sehr bemerkbar, und so gab es nach Beendigung des vierten Fahrtages nur noch 28 strafpunktfreie Maschinen. Auch in der Mannschaftswertung ist weiter aufgeräumt worden, da von den zehn ins Rennen gegangenen Fabrik- teams sich nur noch vier rühmen können, völlig fehlerlos gefahren zu sein: DKW., Zündapp, NSU. und FR. Eine 298 ccm steuer- und mußte«inen zerbrochenen Auspusftopf auswechseln und erheilt zwei Strafpunkte. Bon zwei Ausfällen wurde die 299 ccm steuer- und sührerscheinfreie DKW.-Mannschoft betrofsen. Die Maschinen hatten mit Zkolbenschwierigkeiten zu kämpfen, hervorgerufen durch scheinbar zu ölreiches Gemisch. Die Kolben wurden zwar ausgewechselt, es ging aber dabei fo viel Zeit verloren, daß die Fahrzeuge von der Rennleitung abgewinkt wurden. Ausgeschieden sind nuumehr zwei DKW.(290 ccm). zwei Imperia(492 96 ccm). ein« Viktoria (491,66 ccm),«in« BSA.(493 ccm). eine Horex(699 ccm). und eine NSU.(192,2 ccm)._ Sechzig gegen 47 OOOl Zwei kommunistische Filme Die Leitung der thüringischen Kommunistensportler hatte für den 6. April zu einer Demonstration in Erfurt aufgerufen. Dem in Erfurt zum Kreistag des Kreises Thüringen im Anbeiter-Turn- und Sportbund weilenden Bundesvorsitzenden, dem Kreisvorstand und Delegierten sollte die„Opposition" in ganzer Stärke vorgeführt werden. Daraus wurde eine Blamage sondergleichen. Sechzig Männecken hatte die„Opposition" auf die Beine gebracht und wollte damit beweisen, daß sie den Kreis Thüringen des ATSB., der 47 999 Mitglieder umfaßt, erobert hat. Die Spiele der„Opposition" am 6. April hatten auch nicht mehr Besucher angelockt. Dafür hielten die Erfurter Bundesmitglieder im Rahinen des Kreistages ein« wuchtige Demonstration aus dem Platz der Freien Turnerschaft Erfurt ab, bei der der Bundesvorfitzende Geliert- Leipzig eine zündende Ansprache hielt. * Im Mai wird in Dresden die mternotionale Hygiene- ausstellung eröffnet. Durch die Sächsische KPD.-Presse macht ein Artikel aus dem kommunistischen Sportlager die Runde, in dem die Stellungnahme der sächsischen KPD.-Sportsiliale zur Hygiene- ausstellung klargelegt wird. In dem Artikel heißt es: „Allein die Kommunisten haben die Bewilligung der Millionensummen für Neubau und Ausftellung verweigert. Die Sozialdemokraten forderten gar noch höhere Summen als die bürgerlichen Organisationen dieses Schwindel unter- nehmen?." Etwas weiter steht wörtlich: „Die �ialle der Rationen' wird vor allen Dingen wegen der Ausstellung der Sowjetunion für die Arbeiterschaft von großem Interesse sein." Tatsächlich, dies« Leute hoben weniger Hygiene, als eine Behandlung ihres kranken Geistes nötig. Republikanische Rlotorradfahrert Sonntag, 13. April, veron- staltet die Untergruppe Bewag der Ortsgruppe Berlin des Reichs- oeibandes Republikanischer Motorradfahrer eure Frühling-fahrt an den Rahmersee. Start 8 Uhr Cantianstraße Eck« Danziger Straße, Sportrcftaurant Opalski. Auch die noch nicht organisierten Motor- radfahrer sind herzlichst«ingeladen.— Die Osterfahrt des Deutschen Auto-Club beginnt Dienstag, 15. April. Sie führt über München, Innsbruck, Cortina d'Ampezzo. Benedig, Pa- dua, Dicenza, Verona nach Meran. .Schwimmverein ZNöwe". Wie uns der Bundesvorstand de» Arbeiter-Tur». und Sportbundes mitteilt, ist soeben der aus bun- destreuen Mitgliedern des kommunistischen Schwimmvereins Vor- wärt? gebildete Schwimmverein Möwe-Verlm in den Bund ausgenommen worden. Aus der Industrie .So entsteht ein Auto!" Es ist ein bescheidener Titel, den die Adlerwerte einem Pvachtwcrk geben, das zum 59jäl)rigen Ge- schäftsjubüäum herauskam. Der Versuch, in ganz neuerMufmachung ein Buch zu schaffen, das den modernen Automobilbau in Wort und Bt!d zeigt, ist restlos gelungen. Selbstverständlich ist das Werk auf die Adlerwerk« in Frankfurt o. M. zugeschnitten, was aber an ihm von Anfang an versöhnt, ist sein Charakter als Standard- werk für den Autobau schlechthin. Heber 109 Seiten Photomontagen allererster Qualität geben auch dem Laien ein anschru- liches Bild von der Materialprüfung angefangen bis zur Fertig- montag« und den großen Verkaufsräumen. Fast ist der klare, knappe, unaufdringliche Text auch noch überflüsstg. so wunderbar bringen die Photos bei oller Zusammenfassung alle Einzelheiten. Dos unausgesprochen«, aber an jedem Bi'de merkliche Ziel des Photographen, aus der Schönheit des Einzelteiles, fast jeder Schraube, die wasch-inell« und ästhetische Schönheit des Gelamt- apparates, also des Automobils, entstehen zu lassen, wird voll er- reicht. Man wünscht jedem Freund der Maschine das Buch in feine Bibliothek— schade nur, daß es wahrscheinlich nur wenigen zu- gänzlich sei» wird. Die Adlerwerk« lassen sich leider darüber nicht aas.