Nr. 72. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preislifte für 1896 unter Nr. 7277. Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Abonnements- Einladung. Mittwoch, den 25. März 1896. ein paar furze Stizzen, darunter eine von Guy de Maupassant, die noch nicht ins deutsche übersetzt war. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, foMit dem 1. April eröffnen wir ein neues Abonne- wie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entment auf den gegen zum monatlichen Preise von „ Vorwärts" mit der illustrirten Sonntags- Beilage " " ,, Die Neue Welt". 1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämmtliche Bostanstalten Abonnements zum Preise von entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungsliste für 1896 unter Nummer 7277.) Redaktion und Expedition des Vorwärts". Der Kommerzienrath auf dem Kriegspfade. Er hat lange in seinen Belten gesessen, schmollend und grollend. Jezt hat er die Friedenspfeife in die Ecke gestellt, den Kriegsschmuck angethan, sammelt um sich die Getreuen zum Echutzverband, um das Kriegsbeil zu schwingen im Vertheidigungskampfe gegen agrarische Ueber griffe. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3: die Handel und Wandel zur Blüthe bringen mußten. War doch auch bereits in der Reaktionszeit der fünfziger Jahre die Stagnation des öffentlichen Lebens von einer kräftigen Entwickelung von Industrie und Handel in Deutschland begleitet gewesen. Zunächst wurde die Bourgeoisie noch in diesem Glauben bestärkt, als nach der bismärdischen Revolution von oben die preußisch- deutsche Regierung eine Wirthschaftspolitik einschlug, durch die sie, zum theil im Kampfe mit ihrer Bethätigung des mobilen Kapitals begünstigte. Die keimende Furcht vor der Sozialdemokratie ließ der Bourgeoisie es um so rathsamer erscheinen, sich für Groschen und Thaler zum treuen Vasallen der Bureaukratie zu ver pflichten. Erst der 78er Weihnachtsbrief des Fürsten Bismarck mit seinen unglaublich unreifen aber als Glaubensbekenntniß eines so mächtigen Mannes gefahrdrohenden Doktrinen rüttelte die Vertreter des mobilen Kapitals aus ihrem Traum von der unbedingt manchesterlichen Zuverlässigkeit der preußischen Bureaukratie unsanft auf. Sie wußten nicht wie ihnen geschah: links die Sozialdemokratie, rechts ein Bund aller reaktionären Elemente im Wirthschaftsleben zur Rückwärtsrevidirung der Wirthschaftspolitik, und die Bureaukratie, auf deren eherner Zuverlässigkeit sie gebaut, knickte zusammen wie ein schwaches Rohr unter dem Drucke von oben; früher manchesterlich, wurde sie fortan schutz Es ist die Pflicht eines jeden Parteigenossen, für die 3,30 M. für die Monate April, Mai, Juni früheren Hauptstüße, dem Junkerthum, die Entfaltung und Weiterverbreitung des Zentralorgans der Partei nach Kräften thätig zu sein. Daß unser Blatt in bezug auf politische Dinge vortrefflich informirt ist und über die wirthschaftliche Lage und die Kämpfe der Arbeiter eingehender, rascher und genauer berichtet, als irgend ein anderes Organ in deutscher Sprache, ist allseitig anerkannt. Auf unsere Reichstagsberichte machen wir noch besonders aufmerksam. Sie werden sorgfältig revidirt und bei wichtigeren Reden, namentlich den von der übrigen Presse meist verstümmelten Reden unserer Genossen wird der stenographische Bericht mitbenutzt. Der Reichstag wird sich aber sofort nach den Osterferien mit Materien von größter Tragweite( Gesetz über unlauteren Wettbewerb, Börsengesetz, Justiznovelle, Gewerbe- Ordnung dritter Lesung) beschäftigen und dann auf längere Zeit der Her Es hat lange gedauert, ehe der deutsche Bourgeois, stellung des Bürgerlichen Gesetzbuchs sich zu dessen feinste Blüthe zum Kommerzienrath auszuwachsen widmen haben. Es steht uns also eine sehr pflegt, zu der Erkenntniß sich durchgerungen hat, daß es bedeutsame und inhaltsreiche, die Interessen aller eine falsche Spekulation sei, würde er der Weisheit der zöllnerisch, doch immer noch stroßend von dem nämlichent Boltsschichten unmittelbar berührende Reichstags- Session Bureaukratie die Sorge für seine Interessen dauernd über- Unfehlbarkeitsbewußtsein. bevor, die sich bis in den Hochsommer hinaus- lassen. Da geschah es, daß die Bourgeoisie, die bisher in der ziehen wird. Auch sonst bietet die innere wie die Und daß es so lange gedauert hat, das liegt in der nationalliberalen Partei ihre politische Vertretung geäußere Politik eine ungewöhnliche Zahl brennender Fragen geschichtlichen Entwickelung Deutschlands begründet. Denn funden hatte, sich spaltete. Viele Industrielle, die unter dar, die im Vorwärts" die ihnen gebührende Beachtung auch der Kommerzienrath ist aus irdischem Thon geknetet, dem wirthschaftlichen Krach zu leiden gehabt hatten, machten und kritische Würdigung finden. ist ein Produkt der Umstände und Verhältnisse. Außer die bismärckische Schwenkung mit, andere und das Gros Ueber dem politischen und wirthschaftlichen seinem engen Milieu der Börse wirkt auch das weitere, in der Kaufmannschaft versuchten sich in der Opposition. Das Theil werden aber die lokalen Vorkommnisse Berlins dem er heranwächst, das gesammte wirthschaftliche und gelang ihnen aber nur herzlich schlecht. Es rächte sich an feineswegs vernachlässigt. Die Besprechungen unsrer tom politische Leben, gestaltend und bestimmend auf ihn ein. ihnen, daß die Bourgeoisie in Deutschland sich nicht selbst munalen Angelegenheiten sowie die ausführlichen Berichte Das hat aber darauf hingewirkt, ihn in politischer eine politische Stellung gleichzeitig mit ihrem wirthschaftüber die Verhandlungen der Stadtverordneten- Versammlung Unmündigkeit zu erhalten, so sehr auch privater Geschäfts- lichen Aufschwung erkämpft, sondern nach dem ersten ver bringen den Leser in die Lage, die Erscheinungen auf diesem sinn und private Geschäftsfähigkeit sich in ihm vervollkommnet unglückten Anlauf sich unter die Fuchtel der Bureauwichtigen Gebiet des öffentlichen Lebens genau zu verfolgen. haben. tratie gebuckt hatte, weil die Bureaukratie ihr ZuckerDer lokale Theil des Vorwärts" verzeichnet alle Be- Zu der Zeit, als in Preußen Bourgeoisie und Bureaus brot nach Belieben verabreichte. Nichts hatte der gebenheiten des Tages und giebt ein getreues Bild des fratie miteinander in Verfassungsstreitigkeiten gerathen waren, Bourgeoisie das Rückgrat gekräftigt; sie konnte sich nicht Vereins und Versammlungslebens, welches stritt man sich nicht um wirthschaftspolitische Fragen. Im lange aufrecht erhalten ohne Stüße. Um die Vertretung in Berlin besonders starke Wellen schlägt. Gegentheil, was die Bourgeoisie auch an der preußischen der politischen Wolfsrechte war es ihr nie ernstlich zu thun. Bureaukratie auszusehen haben mochte, sie hatte einen festen Diese Aufgabe war längst wirksamer, als die Bourgeoisie es Glauben deren manchesterliche Weisheit, an deren hätte thun können, von der Partei des Proletariats überEinsicht, daß die Zeit einer großbürgerlichen Entwickelung nommen worden. Aber auch auf wirthschaftlichem Gebiete gekommen sei für Deutschland. Die Schöpfung des Zoll wurde ihr der Muth gelähmt durch die Erinnerung an Gehorsam und Dann vereins durch die Bureaukratie war der Bourgeoisie eine langjährigen Reichskanzler nicht Bürgschaft für andere wirthschaftspolitische Neuerungen, der die Millionärzüchterei für von ihr so schmählich verlassen, mit Undant belohnt worden Bisher hatte Blanka die Damen der Tischgenossenschaft war, fragte nach ihr und Clotilden? Wollte die Hofdame kaum beachtet, sie feines Wortes gewürdigt, jetzt erwachte Vorwürfe bringen über die Flucht Blanka's aus dem Hof plößlich einiges Interesse für die Mutter der Mode= dienste? Stand Clotilde mit der Gräfin in Korrespondenz? mädchen, welche ihr als leichtlebige Genußmenschen erBlanka brannte darauf, Clotilden zu sehen und zu schienen, die nur den Augenblick genießen und sich dabei sprechen. Eben wollte sie den Italiener nochmals befragen, doch wohl fühlen. Sie erkannte, ihr Mann war so einwie er Clotilden gefunden, da rief ihr Mann demselben zu: genommen von den für ihn so reizend aufgeputzten Damen, Wie ich soeben höre, haben die jungen Damen bei daß ihn nichts von dem Besuche der Hochzeit zurückhalten würde; lebenden Bildern mitgewirkt, welche Sie gestellt haben." Frau Delroi hatte ihn gewonnen durch die Erzählung der lebenden Bilder. Diese Frau verstand es zu singen, jie war klug, durch sie konnte man etwas erreichen. Blanka beschloß sich dieser Frau zu nähern, denn sie hatte ja die Nachricht, daß die Gräfin kommen wollte, schon schriftlich. = Ebenso widmen wir dem Feuilleton die größte Aufmerksamkeit. Wir beginnen in diesen Tagen einen vor trefflichen Original Roman aus der Feder von Hans N. Kraus: Lene", in welchem die Verhältnisse der Landbevölkerung zum ersten Male von einem Sozialisten künstlerisch geschildert werden. Vorher bringen wir noch 88 Clotilde.( Nachdruck verboten.) erklärte Seine Frau Blanka ließ ihn gewähren, fühlte sie sich auch wenig begeistert und entzückt, so doch erhaben über eine Nachbarschaft, die weder Ahnen noch Adel besaß. Die Reitdamen waren für sie Luft, aber sie mußten mit in den Kauf genommen werden, weil Blanka durch die ihnen befreundeten Herren Verschiedenes in Erfahrung brachte, was zur Erreichung des Zieles nothwendig war, auf das ihr Mann in ihrem Interesse jetzt lossteuerte. Von Herrn Delroi hatte sie erfahren: wie und wo Theodor v. Rüydorf lebte, von dem sie wußte, daß er seine Feder sofort in den Dienst einer Angelegenheit stellen würde, bei der Clotilde Könnte man denn diese Bilder nicht einmal sehen?" Brambach, jetzt verw. Dr. Langenberg, betheiligt sei. Von frug Herr v. Bergkuhn weiter. dem Italiener erfuhr Frau v. Bergkuhn nun, 100 Die sind nur bei fröhlichen Festen angebracht", beClotilde sich aufhielt und daß jene Dame, welche merkte Frau Delroi lächelnd, da wir aber in nächster Gräfin abgelauscht. Dem Kellner, der den Nachtisch die Familie des Italieners so hochherzig unterstüßte, Beit eine Hochzeit in Aussicht haben, nicht wahr, Herr mit dieser aus Italien nach Baden- Baden gekommen sei, v. Bechler, so " Zum Entzücken aller Zuschauer," fiel der Italiener ein, die Damen zeigten bei klassischer Ruhe echt plastische Formen von wahrer Schönheit." weil sie Frau Dr. Clotilde Langenberg suche und sich für" Jawohl", fiel dieser ein, ich freue mich sehr, daß die sie interessire. Um Clotilde drehte sich jetzt, wie es schien, Anordnungen dazu bald vollendet sind und da eine alles, fie stand im Mittelpunkte des Gedankenganges der hohe Gönnerin unserer Familie, die Hofdame Gräfin Klari, ahnenstolzen früheren Hofdame Blanka, die sich sonst oft zugesagt hat, an der Hochzeitsfeier theilzunehmen, so dürften luftig gemacht über die ungeschickte findische Clotilde. War wir wohl hoffen, daß auch Herr und Frau v. Bergkuhn uns dieser Umschwung der Sympathien bei Blanka schon kaum die Ehre schenken werden, dem Feste und den Aufführungen erklärlich, so umwebte ein weiteres Ereigniß Clotilden noch dabei anzuwohnen." mit einem geheimnißvollen Schleier. Der Grund, weshalb v. Bergkuhn und seine Frau nach Baden- Baden gekommen, war ein Schreiben gewesen, welches die Hofdame Gräfin Klari, die Schwester der Schwiegermutter v. Bergkuhn's, der letzte weibliche Sproß des gräflich Klari'schen Namens, die Beschüterin Blanka's, die Blanta an den Hof gebracht geschrieben, worin stand, die Hofdame Gräfin Klari werde nächstens nach Baden kommen und würde es gern sehen, dort mit Herrn und Frau v. Bergkuhn, sowie mit Clotilde Langenberg zusammentreffen zu können. Blanka erging sich in allerhand Vermuthungen. Was wollte die Gräfin mit dieser Zusammenstellung? Die Gräfin, der Blanka so vielen Dank schuldete und die Sehr gern!" rief Bergkuhn, und reichte Loli die Hand. Sie kennen die Hofdame Gräfin Klary?" rief erstaunt Blanka ihrem Gegenüber zu. " Persönlich nicht," erwiderte dieser, sie ist eine Jugendgenossin meiner Mutter und mein Vater kannte sie durch den Präsidenten Graf Klari." der Ich habe diesen Namen heute früh im Kurblatt in Fremdenliste gelesen," erzählte wie beiläufig Frau Delroi. So wäre sie hier?" rief Bergkuhn und blickte Blanka scharf an. Das bezweifle ich," entgegnete ihr Herr v. Bechler," fie lebt ja in der Residenz H., was follte sie jetzt hier im Badeorte-" Frau Delroi aber hatte schon die Situation durch schaut, den Bergkuhn'schen Eheleuten das Interesse für die brachte, hatte sie zugeflüstert, er möge ihr das Kurblatt bringen und als die Tafel aufgehoben war, die Gesellschaft sich verabschiedete, wo Herr v. Bergkuhn den beglückten Damen versicherte, daß er zu ihren Hochzeiten als Gast erscheinen würde, trat Frau Delroi mit dem Kurblatte vor Frau v. Bergkuhn hin und zeigte ihr gedruckt die Ankunft, den Namen, sowie die Wohnung der Gräfin. Blanka war damit gewonnen. Mit verbindlichem Danke nahm sie ihr das Blatt aus der Hand und erbat sich, das= selbe auch ihrem Manne zeigen zu dürfen, in Wahrheit wollte sie aber die genaue Adresse auch von Clotilden aus dem Fremdenverzeichnisse erspähen. Delroi und die beiden jungen Männer eilten jetzt ins Rauchzimmer und vom Kaffeetische die Mutter mit ihren Töcht ern ins Toilettenzimmer, denn Herr und Frau v. Bergkuhn studirten beide eifrig das Fremdenblatt und suchten auch Frau Palavi's und Clotilden's Adresse. Wir lassen sie lesen und kehren zu Clotilden selbst zurück in dem Augenblicke, wo sie von dem Italiener Pepo Chiovani einen Brief erhalten hatte. ( Fortsetzung folgt.) die vornehmste Aufgabe in der Wirthschaftspolitik? Wie kann man einem so edeln Mann ernstlich grollen, selbst wenn er sich hin und wieder in der Wahl der Mittel zu jenem schönen Zwecke irrt? So hat denn der Kommerzienrath mit wehmüthiger Nachgiebigkeit gegen eine hohe Obrigkeit sich hindurchgehofft durch die Wirthschaftsreaktion dieser achtzehn Jahre. Bald zauberte ihm der Kronprinzenliberalismus, bald der neue Kurs kapitalistische Luftschlösser vor. Freude gössen die Handelsverträge in sein Herz. Und nebenbei ließen sich immerhin auch so noch Geschäfte machen, die den Geldschrank füllten. Niemals wohl wäre er, so lange es noch so leidlich geht mit den Geschäften wie bisher, aus seinem politischen Quietismus aufgerüttelt worden, wenn nicht sein alter Konkurrent in der Ausbeutung des Klassenstaats, der grund- besitzende Junker, unzufrieden damit, nur halbpart zu machen, den ganzen Profit für sich begehrte. So lange der Junkerchor nur in der Presse und im Zirkus lärmte, war es noch nicht bedenklich. Aber die junkerliche Begehrlichkeit ließ sich nicht stillen durch kleine Mittel, sie will große, sie will altes. Zwar die Leute, die jetzt am Regierungsruder stehen, leisten, wenigstens zum theil, Widerstand gegen die An- sprüche; aber so gewitzigt ist der Kommerzienrath doch schon durch die Erfahrung, daß er sich nicht mehr unbedingt auf die Bureaukratie verläßt. Und dann— wer bürgt dafür, daß seine Gönner morgen nicht schon vom Lucanus geholt sind? Böse Zeichen der Zeit treten hervor. Sogar diese Regierung, in der es Mit- glieder giebt, die das agrarische Treiben gemeingefährlich nennen, hat ein Börsen- Bevormundungsgesetz in die Welt gesetzt. Man tastet die Börse an, das ist die Stelle, wo der Kommerzienrath sterblich ist. Er bäumt sich aus in wildem Grimm, als„Ein ehrbarer Kaufmann" in Ham- bürg, als„Schutzverband gegen agrarische Uebergriffe" in Berlin. Doch selbst jetzt, da ihm der Schreck über den agrari- scheu Ansturm durch Mark und Pfennig gegangen ist, kann sich der Kommerzienrath im Kriegsschmuck nicht völlig der allen Unterwürfigkeit gegen die weise Obrigkeit entschlagen. Er will fechten gegen die Junker, ja, aber er thuts, um der Regierung zu zeigen, daß sie an ihm eine kämpf- und besonders zahlungsfähige Stütze findet, wenn sie selbst den Kampf gegen die rebellische Junkerschaft ernstlich aufzunehmen gedenkt. Was dann geschehen soll, wenn diese oder eine künftige Regierung mit den Junkern gemeinschaftliche Sache machen würde, darüber schweigt er sich vorsichtig aus. Dazu kommt noch ein Bedenken, das ihm den Wage- muth lähmt. Er weiß, daß er nicht einmal der Gefolg- schaft des Kleinbürgerthums mehr sicher ist und daß ihm das Proletariat auf die Hacken treten wird, wenn der Sieg seine Sache krönen sollte. Ihm winkt keine Aussicht, eines möglichen Sieges froh zu werden. Sollte er auch mit Hilfe der Bureaukratie des Junkerthums Herr werden— und das wäre an sich wohl möglich, da die Bourgeoisie noch eine wirthschastlich aus- steigende, das Junkerthum eine im Niedergang begriffene Klasse ist— so müßte er doch froh sein, sofort mit den Resten des Junkerthums Frieden schließen zu können, fast unter jeden Bedingungen, da ihnen beiden dann erst der ernstliche Lebenskamps droht mit dem Proletariat. Alles das muß den kühnen Ausschwung der Kommerzienrathsseele lähmen. Und deshalb, wenn wir ihn nach seiner Vergangenheit beurtheilen und nach den Zeit- umständen, haben wir keine großen Heldenthaten zu erwarten von dem Kommerzienrath auf dem Kriegspsade. Volttifcho Mebevstchk. Berlin, 24. März. Im Reichstage dehnte sich heute die dritte Etats- Lesung mehr als sonst üblich aus Einzelheiten aus. Beim Marine-Etat brachte Genosse Metzger die Trinkwasser- Verhältnisse in Wilhelmshasen, die Maßregelungen von sozialdemokratischen Arbeitern auf der Werst daselbst und den Boykott dortiger Geschäftsleute durch die Marine- Offiziere zur Sprache. Diesen Boykott erklärte der Staatssekretär Hollmann nicht zu billigen. Beim Kapitel„Reichs- eisenbahnen brachte B u e b zahlreiche elsaß-lothringische Be- schwerden zum Ausdruck, die eine längere Diskussion her- vorriefen. Als Redner die von der Mehrheit geübte Strangulations-Taktik mit einer etwas verächtlichen Wendung bezeichnete, ertheilte ihm der Präsident einen Ordnungsruf. Der Antisemit Zimmermann hatte in einer Resolution beantragt, an den Reichskanzler das Ersuchen zu richten, daß er eine Verlegung der Postschalter-Dieuststunden an Sonntag-Nach- mittagen von 5 bis 7 ausj 12 bis 2 Uhr herbeiführe. Genosse Singer bemerkte' zu diesem Antrage, die Sonntagsruhe der Postbeamten werde durch die zweimalige Unterbrechung mit Dienststunden illusorisch. Die sozial- demokratische Partei sei für den Wegfall des Nachmittags- dienstes. Für dringende Fälle lasse sich eine Gelegenheit der Annahme und Beförderung von Bestellungen schaffen, ohne daß durch diese Ausnahme die ganze Schaar der Post- beamten zu leiden brauche. Die Arbeiterklasse werde den Postbeamten den freien Sonntag nicht mißgönnen, trotz ge- legentlich vorkommender Benachtheiligung des Publikums. Agrarische Schmerzen mußten natürlich in der letzten Sitzung vor den Ferien auch noch einmal recht kräftig ge- äußert werden. Herr Holtz und Herr Graf Arnim be- klagten sich, daß die Re,chsbank aus landschaftliche Pfand- briefe nicht genug pumpe. In einem höheren Lombard sah der erstere ein großes, der letztere ein kleines Nüttel, der „Landwirthschaft" zu helfen. Für ihren Vorwurf, daß die Reichsbank Spekulanten begünstige, vermochten beide Redner keine Thatsache anznführen. Bei der Gesammtabstimmung wurde der Etat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des fortschrittlichen Abg. Müller-Glogau angenommen. Das Anleihegesetz fand in dritter Lesung ebenfalls An- nähme, gegen eine etwas größere Minderheit. Der Beginn der„Schuldentilgung"(wie es etwas un- genau und irreführend heißt) wurde fast einstimmig gut geheißen; auch die Sozialdemokraten stimmten dem Be- schlusse zu. Nächste Sitzung: Donnerstag, 16. April. Tagesord' nung: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb(in zweiter Lesung). Zur Veröffentlichung des kaiserlichen Gnaden- erlasses. Schmutzige Blätter, wie die Bismarck- offiziösen „Berliner Neuesten Nachrichten", wie das Organ des Bundes der Landwirthe, die„Deutsche Tageszeitung", und wie die durch Ohm und Gödsche, Nathusius-Ludow und Hammerstein gekennzeichnete„Kreuz- Zeitung" triumphiren über den angeblichen Erfolg des Kriegsministers über Liebknecht und Bebel. Wir bedauern den fierrn Bronsart von Schellendorff, daß keine anständigeren obredner sich seiner annehmen. Hätte der sonst so schneidige Kriegsminister wirklich das Gefühl des Triumphes gehabt, so hätte er sich nach den Reden unserer Abgeordneten sicherlich nicht mäuschenstill verhalten.— Der Silberlinge Roth und die Klage— das wäre ein trefflicher Stoff für ein komisches Epos im Nibelungen-Versmaß. Siegfried-Kardorff, der von dem grimmen Balfour-Hagen heim« tückisch erlegt wird—, welch' herzzerreißender Stoff! Doch wenig- stens als Mensch lebt Siegfried-Kardorff fort, wenn er auch als Silberling maustodt ist. Und vielleicht benutzt der Mensch Kardorff die ihm jetzt verbleibenden Mußestunden dazu, um ein- mal die Frage zu behandeln, ob es überhaupt eine Doppelwährung giebt? Gegeben hat es noch keine. Die Geschichte weiß von keinem Beispiele zu erzählen. Das frühere Frankreich, welches meist als Exempel angeführt wird, hat thatsächlich Gold- Währung gehabt, mit einem Agio auf das Silbergeld— das heißt mit einer Ausgleichung der Preisdifferenz nach der Gold- Währung. Wenn man zwei Metalle gleichzeitig durch ein Gesetz zu Geldmetall erhebt, so erreicht man damit blos, daß eins der beiden Metalle als Geldmetall von dem anderen verdrängt wird. Geschähe es, was die Silberlinge wünschen, so wäre es das Gold, das verdrängt würde. Und davon hätte das Volk im All- gemeinen die größten Nachtheile und unser Welthandel wäre zerstört. Vor theil hätten nur solche Personen, welche den Zwangs- k u r s des Silbers dazu benutzten, in Gold gemachte Schulden in Silber zu bezahlen, d. h. ihre Gläubiger zu betrügen. Wenn Herr von Kardorff einen anderen Vortheil entdeckt und darlegt/ so gelingt es vielleicht, dem nicht süß duftenden Leich- nam des Bimetallismus einiges Leben einzublasen. Ein Miqnel'scher Jnliusthurm. In der„Rh. Wests. Ztg." wird von einem neuen Finanzplane des preußischen Ministers Dr. Miquel berichtet, der darauf ausgehen soll, die Schwankungen der Einnahmen der Preußischen Staats- einnahmen in den einzelnen Jahren durch Bildung sozusagen eines Reservefonds auszugleichen. Es sollen einem solchen Fonds nämlich in guten Jahren die Ueberschüsse der Einnahmen bis zu einer gewissen töhe zugeführt werden, während in schlechten Jahren dieser onds herhalten müsse. Die Höhe dieses Fonds soll auf etwa 50 Millionen Mark gedacht sein.— Eventuell soll der Fonds auch mit zur Eisenbahn-Schuldentilgung verwendet werden. Dr. Miquel soll sich der Zustimmung des Eisenbahuministers schon versichert haben.) Ein solcher neuer Juliusthurm zur Ausgleichung des Budgets würde den Hauptersolg haben, die Regierung jed- weder Kontrolle noch mehr zu entziehen. Ein solcher Plan sieht dem entwicklungsfähigen Herrn Miquel ganz ähnlich.— Den Herren für Ordnung, Religion und Sitte ins Stammbuch. Rechtsanwalt und Notar von Metzsch infLeipzig wurde, wie die„Leipziger Volkszeitung" durch Ver- öffentlichung einiger Aktenstücke mittheilt, wegen Beihilfe zum Wucher und wegen Begünstigung des Wuchers(Vergehen gegen Z§ 302 a und b, 49, 257, 74 Str.G.B.) aus Antrag.der Staatsanwaltschaft von der Straf- kammer des Landgerichts!zn Leipzig unter Anklage gestellt. Den Sachverhalt schildert die Anklage folgender- maßen: 1. Der Barbier Hermann Lübeck ließ sich von der In- haberin eines Fuhrgeschäfts, Karoline Christiane verehel. Weder- mann und deren Ehemann wechselmäßig wucherliche Vermögens- vortheile verspreche», indem er am 19. September 1ö91 gegen Gewährung von 5690 M. baarem Darlehn auf die Zeit von vier Monaten einen am 19. Januar 1892 fälligen Wechsel über 5000 M. von Frau Wedermann akzeptiren, von ihrem Ehemann als Aussteller zeichnen und sich aushändigen ließ(über 36 pCt! da Herr Rechtsanwalt v. M. noch seine Kosten abzog, s. 2). 2. v. Metzsch war der Rechtsbeistand Lübeck's. a) Er gab ihm in dieser Eigenschaft Rathschläge über Form und Bedingungen des obigen Geschäfts, diktirte seinem Expedienten den Wortlaut des Wechsels, nahm von Lübeck die Darlehnssumme in Empfang und händigte sie den Weder- mann'schen Eheleuten nach Abzug seiner Kosten aus. (Beihilfe zu wechselmäßigem Wucher.) b) Er leistete dem Lübeck später noch seines Vortheils wegen Beihilfe, um ihm die Vortheile aus dem Wucher zu sichern, indem er ihm im Januar 1891 zur Zeit der Fälligkeit des Wechsels rieth, den Wechsel bei nicht zu erlangender Zahlung protestiren zu lassen, um Regreß nehmen zu können. Er hat dann für Lübeck als Jndossenten Protest erhoben, die Wedermann'schen Eheleute zur Zahlung aufgefordert, und nachdem diese erfolgt war, die 3600 M. unter Abzug seiner Kosten an Lübeck ausgehändigt." Zur Verhandlung kam es jedoch nicht. Das Verfahren wurde nämlich durch Befehl des Königs von Sachsen, dessen Gnade der Namensvetter des sächsischen Ministers von Metzsch angerufen hatte, gegen ein„Bezcigungsquantum" von etwa 800 M. niedergeschlagen. Das Recht, einen bestehenden Prozeß niederzuschlagen, wird von einigen Rechtslehrern bestritten, da ein solches Recht dem Grundsatz eines„R e ch t s st a a t s" zuwiderlaufe. Andere Juristen sind anderer Ansicht; sie halten das Niederschlagungs- oder Abolitionsrecht als einen noch bestehenden Ausfluß des Begnadigungsrechts. Mit Herrn Rechtsanwalt von Metzsch beschäftigte sich auch das Ehrengericht der Leipziger Auwaltskammer. Und wie erkannte es gegen den der Beihilfe und der Be- günstigung des Wuchers fangeklagten von Metzsch? Aus lediglich 200 M. G e l d st r a s e. Zur Begründung der Verurtheilung wird ausgeführt: „daß der Angeklagte in den bei Leitung und Abschluß eines Darlehnsgeschäftes aus seiner Expedition stattgefundenen Ver- Handlungen der Parteien infolge mangelhafter Prüfung die wucherische Natur desselben übersehen, in der Folge bei der Vollziehung des Darlehnsgeschäftes mitgewirkt und später die Einhebung des Darlehns mit den wucherlichen Vortheilen ver- miltelt, hierdurch aber die ihm obliegende Pflicht zu gewissen- hafter Berufsausübung verletzt habe." Wir gratuliren den Herren Anwälten zu ihrem Kollegen von Metzsch. Wäre Herr von Metzsch vielleicht aus dem Anwaltsstande ausgeschlossen worden, wenn er nichts Unehrenhaftes begangen, aber nicht der politischen Ueber- zeugung der jeweiligen Regierung genehm wäre? Ueber die Lage Italiens spricht der sozialistische Abgeordnete C o st a sich in einem Brief vom 13. März an unser Wiener Bruderorgan also aus: Sobald Crispi unter der Last der öffentlichen Entrüstung ge- fallen war. stellte die sozialistische Partei, die zu seinem Sturz so viel beigetragen hat, in dem„Mauisest an die Italiener" und in den Versammlungen, wo ihre Kammerdeputirten sprachen, der neuen Regierung zwei Bedingungen: l.Die sofortige Beendigung des afrikanischen Abenteuers und die Rückberufung der Truppen. 2. Vollständige und umfassende Amnestie aller politischen Ver- urtheilten. Diese beiden Forderungen sind im Begriff, sich zu erfüllen, trotz des Wuthgeschreies der crispi'schen Bande. Unsere zwei theuren Genossen Bosco und De Felice haben vor drei Tagen die Galeerensträflings-Kleidung abgelegt und sind inmitten einer großen, beifallklatschenden Menge in die Kammer am Monte Citorio eingezogen. Vor drei Tagen war jeder von ihnen eine Nummer, gestern waren sie bereits Gesetzgeber und Richter ihrer Kerkermeister und der Henker ihrer in Sizilien erschossenen Ge- nossen. Nicolo Barbato, ebenfalls aus dem Zuchthaus entlassen und wie De Felice Deputirter von zwei Wahlbezirken, hat nicht die Absicht, ins Parlament einzutreten, aber wir vertrauen auf seine Aufopferung und seine Hingabe an die Partei, die ihn doch dazu zu bewegen versuchen wird. Mit Bosco, De Felice und Barbato sind eine ganze Masse anderer ver- urtheilter Genossen von Sizilien und Lunigiana frei geworden, auf ihrer Heimkehr mit Hochrufen der Bevölkerung begrüßt. Da viele von ihnen, um sich nach Sizilien zu begeben, fast die ganze Halbinsel durchkreuzen mußten, konnten sie sehen, daß das Herz des italienischen Volkes mit ihnen ist.— Auf der anderen Seite ist die Entsendung von Truppen nach Afrika suspendirt, und die Regierung steht in Friedensverhandlungen mit dem Negus— in Verhandlung über den Frieden, den der„Unverantwortliche", der im Quirinal thront, niemals unterzeichnen zu wollen versicherte. Nun, man wird ja sehen... Gewiß, die Amnestie ist noch nicht vollständig, und Friedens- Unterhandlungen sind noch nicht die Rückberufung der Truppen, wie sie von den Sozialisten gefordert wurde. Aber ist es nicht ein sehr interessantes Symptom, daß es gerade die sozialistische Partei ist, die man immer aus lauter Ideologen und Hitzköpfen zusammengesetzt erklärte, die das einzig richtige Wort für die Situation fand, sodaß die Regierung selbst wohl oder übel damit anfangen mußte, wenigstens theilweise die Wünsche der öffent- lichen Meinung zu erfüllen, die klar und deutlich von den Sozia- listen zum Ausdruck gebracht wurden. Natürlich machen wir uns sonst keine Illusionen. Die Re« gierung des Marquis Rudini, ganz abgesehen von den persön- lichen Eigenschaften ihrer Mitglieder, wird nicht viel mehr werth sein als die Regierung Criszis. Wie überall, handelt es sich auch in Italien nicht um Personen, sondern um Einrichtungen. Die sozialistische Partei wird im Parlament und im Lande ohne Unterbrechung ihren Kampf für die Befreiung der Arbeit und für die Freiheil fortsetzen, welches Ministerium immer am Ruder sei. Herr di Rudini hat sich übrigens beeilt, selbst die Möglichkeit zu Illusionen, wenn sie bei irgend jemandem bestanden hätte, durch sein Rundschreiben an die Präfekten zu vernichten. Und der Senator Costa, jetzt Justizminister, erklärte, es wäre schwer, eine„Formel" zu finden(man höre den Advokaten!), um die Amnestie allen Verurtheiltcn zu ertheilen. So zeigte es sich, daß man von diesen Herren nichts zu erwarten hat, die sich Liberale nennen und Konservative sind. Vorwärts also, sozialistische Partei! An sie allein richten sich heute die Wunsche, die Bestrebungen der Volksmassen Italiens!— Heute, am Jahrestage des 18. März 1371, wird die Kommune auch in Rom durch den Genoffen Deputirten Ferri gefeiert werden, der im Klub für soziale Studien sprechen wird.— Wo steckt der Spitzel Ehrenberg? Ein Herr Dr. Witte veröffentlicht zur Zeit in verschiedenen Blättern eine Skizze, aus derIhervorgeht, daß der saubere Herr seine schmutzigen Finger auch in der schmutzigsten Affäre der Gegenwart hat, daß er an dem räuberischen Einfall englischer Flibustier in Transvaal be- theiligt ist. Selbstverständlich hat er— seiner Spitzelnatur ent- sprechend— seine kostbare Haut nicht den Kugeln der Buren ausgesetzt; aber gewühlt hat er und gehetzt und er selbst will den Plan entworfen haben, nach dem der allerdings glänzend zurückgewiesene Einsall erfolgte. Dr. Witte erzählt in seinem Feuilleton, wie er in Brüssel Ende 1894 mit Ehrenberg zusammentraf. Ter„vielgereiste. welterfahrene Mann" log ihn kräftig an; er erzählte ihm, daß er in der Schweiz„offen zur sozialdemokratischen Partei über- gegangen sei", aus deren Reihen er ausgeschlossen ist,„weil man nicht an seine Aufrichtigkeit glaubte". Um in ein m ö g- lichst auslieferungssicheres Land zu kommen, begab er sich nach Süd-Afrika, wo er unter mannigfachen Abenteuern sich ernährte. Dr. Witte fährt dann fort: „Obwohl er eigentlich alle Ursache hätte haben sollen. der Transvaal-Regierung dankbar zu sein, da diese ein von deutscher Seite gestelltes Ersuchen, ihn auszuliefem, abschlägig beschied, so ließ er sich doch— eine echte Landsknechtnatur— durch diese Rücksichten nicht abhalte», auf die Pläne der Engländer einzugehen, die schon damals, das heißt vor drei bis vier Jahren, nichts ander s als eine Erhebung und die Ein- verleibung Transvaals in Britisch-Südasrika bezweckten. In englischem Auftrage fertigte er einen bis in die kleinste Einzelheit durchdachten Plan aus, nach dem der Aufstand und die militärischen Bewegungen der Ausständischen erfolgen sollte. Nach Fertigstellung dieses Planes reiste er nach London, um die dortigen maßgebenden Kreise für den Anschlag zu ge- Winnen, fand jedoch anfänglich, wenigstens in der amtlichen Welt, wahrscheinlich seiner Nationalität wegen, keine Gegen- liebe. Er verzweifelte jedoch nicht, sondern begab sich aus be- stimmten, mir unbekannt gebliebenen Gründen, nach Brüssel, von wo aus er seine Verhandlungen fortsetzte." Endlich im Frühjahr des Jahres 1895 erklärte v. Ehren- berg dann begründete Aussichr zur Verwirklichung seiner Pläne zu haben und kehrte über, England nach Transvaal zurück.— Die dann folgenden Ereignisse sind ja bekannt; nicht aber, welche ehrenhafte Rolle Herr v. E h r e n b e r g in dieser Sache spielce. Herr Dr. Witte führt diese seine sonderbare Dankbarkeit gegen Transvaal zurück auf die— romantische Landsknecht- natur seines Helden; wir kennen ihn besser: es ist die Spitzel- natur, die in ihm steckt und die ihn treibt, seine besten Freunde zu verrathen.— •»# Deutsches Reich. — Zum Präsidenten des Oberlandeskultur- Gerichts ist nicht der Kammergerichtsrath Rintelen, sondern der Reichsgerichtsrath Rintelen ernannt. Letzterer war vor seiner Berufung Mitglied des Obcrlandeskultur-Gerichts und ist, soweit bekannt, niemals parlamentarisch thätig gewesen. Somit ist eine Nachwahl zum Reichstage nicht erforderlich.— — Zum Maximalarbeitst« ge i m Bäcker- gewerbe. Der geschäftsführende Vorstand des Zentral- Verbandes deutscher Bäckerinnungen„Germania" zu Berlin, welcher sich über das ganze deutsche Reich erstreckt und gegen- wärtig 964 Innungen mit etwa 26 000 Meistern zu seinen Mit- gliedern zählt, hat jüngst beschloffen, noch einen letzten Versuch zu mache». um die durch die Anordnung des Maximalarbeitstagcs dem Bäckergewerbe erwachsenden schweren Schädigungen abzu- wenden. Es ist zu diesem Zwecke an die Vorsitzenden sämmtlicher in Deutschland vorhandenen Bäckerinnungen eine Aufforderung dahingehend erlassen worden, in den Osterferien die Reichstags- Abgeordneten in den einzelnen Wahlkreisen aufzusuchen und die- selben zu einer Interpellation im Reichstage in Sachen des Maximalarbeitstages zu guuften des schwer bedrohten Bäcker- gewerbes zu veranlassen. Wir sind die letzten, denen eine solche Interpellation nicht erwünscht ist. Eine Besprechung der Bundesrathsverordnung wird den Vertretern der Arbeiter im Reichstage Gelegenheit bieten, die Zustände im Bäckereigewerbe gründlich zu beleuchten und damit den Nachweis zu erbringen, daß die Nrbeilerschutz- Bestimmungen der Bundesrathsverordnung vollkonimen un- genügend sind. Der deutsche Reichstag wird nicht den Muth haben, eine Verkürzung dieses Minimums von Arbeiterschuß zup fordern. Darmstadt, 24. März. Die erste Rammer ist heute zu einer, Rönig von Rorea befindet sich noch in der russischen Ges breitägigen Sigung zusammengetreten. Zahlreiche zur Berathung fandtschaft in Söul. Diese Meldung läßt neue Verwidelungen in Ostasien unter 3ur Regelung ber Disziplinarverhältstehende Gegenstände wurden entsprechend den Beschlüssen der nisse der Privatbozenten schreiben die offiziösen Berl. aweiten Kammer erledigt; verworfen wurde mit allen gegen Einwirkung des russischen Einflusses befürchten. Betauntlich Pol. Nachr." Bekanntlich sind die Universitäten aufgefordert Stimmen ein von der zweiten Rammer angenommener Beschluß gehen feit längerer Zeit nach Ostasien russische Schiffe und worden, sich an der Hand eines ihnen zur Begutachtung vor- betreffend die Aufhebung des Weinsteuer- Gesezes. Truppen. gelegten Gesezentwurfs zur Sache zu äußern. Diese Gutachten Stuttgart, 23. März. Unter dem Vorsitz des Ministers des Peking, 23. März.( Reuter's Bureau".) Die chines liegen sämmtlich vor. Sie weichen, wie zu erwarten war, viel- Innern fand eine Ronferenz statt, worin über die Frage der fischen Behörden haben, einem überaus ft a rten Druck fach von einander ab und es bedarf an sich sorgsamer Abwägung Aufhebung der Lebenslänglichkeit der Orts- von feiten Frankreichs nachgebend, dem Gouverneur von zahlreicher Gründe und Gegengründe, um dem in ihnen nieder- vorsteher berathen wurde. Eine große Zahl von Orts- Kwang- Si den Befehl zukommen lassen, eine Eisenbahn gelegten Material zur Beurtheilung der Frage gerecht zu werden. vorstehern aus dem Lande nahm daran theil. Ueber die Frage, von Lung- chau an der Grenze von Tontin nach Wenn daher in der laufenden Session feine Borlage der bezeich- welche Amtsbefugnisse den Ortsvorstehern für den Fall der Be- Norden zu zu bauen. Die Franzosen haben die Absicht, neten Art kommen sollte, so darf daraus nicht entfernt auf den feitigung der Lebenslänglichkeit, woran nicht mehr zu zweifeln, auf diese Weise die den Engländern durch die Gröffnung des Verzicht auf den gesetzgeberischen Plan geschlossen werden. Die abgenommen werden sollen, ist eine weitgehende Uebereinstimmung Si- Kiang erwachsenden Vortheile zu nichte zu machen, indem sie Ursache würde vielmehr darin zu suchen sein, daß die Vor- erzielt. den Handel in der Richtung nach Zontin zu abarbeiten nicht rasch genug von statten gehen tönnen, um noch in lenten. Defterreich. der laufenden Tagung eine Vorlage zu machen. Amerika. Das wäre allerdings gefahrdrohend für den Staat, wenn heute in zweiter und dritter Lesung die Borlage beSigung des Senates gelangte der gemeinsame KammerkonferenzWien, 24. März. Das Abgeordnetenhaus nahm Washington, 24. März.( C. N. of G.) In der gestrigen Herr Dr. Boffe sein Disziplinargeſetz für Privatdozenten nicht treffend bie Wiener Verkehrsanlagen an. unter Dach und Fach brächte. Beschluß betreffs der Anerkennung Kuba's wiederum zur Debatte. Schweiz. - Die Geschäfte der 3entral Genossen Es war sofort erkennbar, daß geheime Einflüsse inzwischen fchafts Raffe nehmen stetig zu. Mit der Gründung neuer im Kanton Genf wurde das Initiativbegehren um Abschaffung Senatoren, die sich bisher vollständig neutral verhielten, eine Genf, 22. März. Bei der heutigen Volts abstimmung weitere Profelyten gegen den Beschluß gewonnen hatten, da Genoffenfchaften und ihrer Vereinigung zu Verbänden wächst ber öffentlichen Häuser mit 8700 gegen 4100 Stimmen dem Beschluß feindliche Stellung nahmen. So Blatt, Redas kreditbedürfniß ganz über das anfänglich vorausgesette Maß, aber auch umgekehrt ist der abgelehnt. publikaner von Connecticut, welcher sagte, daß die drei Mitglieder Depositenverkehr der Zentralfaffe im Aufschwunge. Insbesondere England. des Senates in der Konferenz den Beschluß des Hauses ohne haben auch solche größere Genossenschaftsverbände, welche an- London, 23. März. Das Unterhaus nahm nach acht- viele Erwägung akzeptirt hätten; er sei überzeugt, nicht fünf fänglich der Einrichtung fühl oder gar ablehnend gegenüber- stündiger Berathung mit 244 gegen 95 Stimmen die zweite Senatoren stimmten demselben aus innerer Ueberzeugung zu. Er standen, der Kasse Depositen in erheblichem Betrage anvertraut. Lesung der Viehseuchen- Bill an, welche das Schlachten des schlage vor, Sherman solle den Antrag stellen, den Konferenzeine neue Konferenz anzu von Palmer, Demokrat Illinois, fündigte friedigung der berechtigten Kreditbedürfnisse Der Marineminister unterzeichnete die Rontratte zur Liefe- an, werde die allgemeine Zustimmung des Senates nicht hin. Es hat sich daher im Interesse der Kaffe als rung von fünf neuen Kreuzern, welche je 21, Millionen für Ablehnung des Ronferenzberichtes verlangen und eine Der Senat stimmte ausjührbar und zweckmäßig erwiesen, vorläufig die Betriebs- Mart, also insgesammt 12%, Mill. Mark tosten. Rammerkonferenz beantragen. mittel der Genossenschaftstasse dadurch zu verstärken, daß diesem Antrage zu, unter lauten Mißfallensäußerungen der ihr verfügbare Bestände der General Staats. Gallerien. Das Resultat wird hier dem Einflusse der bestechlichen taffe in einem ihren Betriebsfonds weit überParis, 23. März. Deputirtenkammer. Bei der Abgeordneten zugeschrieben, welche vom spanischen Gesandten und schreitenden Maße gegen einen angemessenen Berathung des Gesezentwurfs betr. die Einkommensteuer dessen politischen Agenten mit allen erdenklichen Mitteln bebilligen Binsfuß darlehnsweise zugeführt spricht sich L'hopitean für denselben aus, wünscht jedoch einige arbeitet worden sind. Es sollen über eine halbe Million Dollars worden sind. Abänderungen. Turrel bekämpft den Gesetzentwurf, dessen Un- unter den bekanntesten Geschäftspolitikern vertheilt worden sein, Wir bezweifeln, daß eine derartige Verwendung von Staats- auträglichkeiten er in längerer Rede nachweist; derselbe würde da Delome Instruktionen von seiner Regierung hatte, die Angeldern für Herrn Miquel's Lieblingsfind ohne Zustimmung des die Auswanderung des französischen Kapitals nach sich ziehen.(!) nahme des Beschlusses um jeden Preis zu vereiteln. preußischen Landtages geschehen darf. Die Debatten über die Einkommensteuer werden voraussicht- Washington, 24. März. Der Staatssekretär Olney hat ers Von Anfang an waren wir der Ueberzeugung, daß die ich am Donnerstag beendet werden und zwar wird die Kammer klärt, das vom Hause gegen den Gesandten Bayard in London Bentral- Genossenschaftstasse wie ein Schwamm die Staatsgelder folgende Tagesordnung, die auch die Regierung zu akzeptiren angenommene Tadelsvotum werde demselben offiziell vom Staatsin überreichem Maße aufsaugen wird, daß aber der Staat die bereit ist, annehmen: Die Kammer ist entschlossen, die persönliche departement nicht übermittelt werden; die Resignation Bayard's größten Schwierigkeiten haben wird, Geld zurückzuerhalten. Mobiliarsteuer und die Steuer auf Thüren und Fenster durch ist also dadurch verhindert worden. Unsere Befürchtung, daß die Gesammtheit der Steuerzahler mit eine allgemeine Einkommensteuer zu ersetzen. Havannah, 24. März. Es stellt sich heraus, daß das von diesem kleinen Mittel" für die Landwirthschaft sehr böse Er Paris, 23. März. Prozeß Dupas. Arton bestätigt den Spaniern als großer Sieg gemeldete jüngste Gefecht bei fahrungen machen wird, hat sich schon nach ganz kurzer Zeit als zumeist die Angaben Dupas', entlastet Royère und erklärt, er Candelaria thatsächlich eine empfindliche Niederlage berechtigt erwiesen. wäre durch die Zeitungen hinreichend über die Reifen der Geheim- für sie war. Der Verlust an Todten und Verwundeten der polizisten unterrichtet gewesen. Stibot, der als Zeuge zitirt ist, Spanier bezifferte sich auf mehr als 500, die Insurgenten hatten versichert, er habe, als er Minister des Innern war, den formellen nur die Hälfte. Befehl gegeben, Arton zu verhaften.Troß der Mittel, welche der Raffe im Geschäftsverfehr selbst zu- vom Auslande eingeführten Viehes im Landungshafen dauernd beschluß zu verwerfen und beraumen. geflossen sind, reicht ihr Betriebsfonds zur Be- bestimmt. " - Die obrigkeitliche Bekämpfung der polnischen Sprache in Preußen hat ihre naturgemäße Wirkung, die Polen zu energischem Widerstand anzueifern, nicht verfehlt. Aus Wien wird gemeldet, daß der als polnischer Patriot betannte Karlsbader Kurarzt Dr. Stanislav Hafsewig 10'000 Mart für eine wirksame Bekämpfung der antipolnisch en Propaganda in Preußen gespendet habe.- Auch die preußische Bureaukratie wird die Erfahrung machen, daß ein Bolt, das Werth auf die Erhaltung einer Sprache legt, durch Zwangsmittel fich seine Sprache nicht nehmen läßt. Frankreich. neue er Die Bewegung Im Prozeß Dupas ist Ribot, wie das Berl. Tagebl." meldet, nicht ohne Erfolg bemüht, die Schuld für die Nichtergreifung Arton's auf seinen Vorgänger im Ministerium des in der Konfektions- Induftrie. Innern, den jetzigen Senatspräsidenten 2oubet, abzuwälzen. Die Spekulation der Stettiner Konfektionsunternehmer, Ribot erklärte, daß er sich bei Uebernahme des Ministeriums den Bericht Soinoury's über die Mission Dupas' habe vorlegen ihre Arbeiter mürbe zu machen, bleibt fruchtlos. Eine am letzten zahlreich besuchte Versammlung laffen und daß er überrascht gewesen sei, zu sehen, daß Dupas Donnerstag ftattgehabte Die Unterfeinen Auftrag erhalten habe, Arton zu verhaften. Ribot hat beschloß einstimmig den Streit fortzusetzen. damals auf dem Bericht besonders vermerken lassen, daß die nehmer verlangen noch immer, daß die Arbeit zu den Affäre bereits vor seinem Amtsantritt gespielt habe. Zweifel- Tariffäßen aufzunehmen ist, die vor dem Streik dort verhaft bleibt nur, ob Ribot seinerseits, wie er behauptet, den Be- einbart waren. Dann will man freiwillig" die geforderten fehl ertheilt habe, Arton zu verhaften, oder ob er, wie der Lohnfäße bezahlen. Zur Einigung ftets bereit, verlangen aber Sicherheitschef Soinoury aussagte, nur den Wunsch äußerte, die Arbeiter eine vorherige Sicherstellung der Bedingungen, unter Arton verhaftet zu sehen. denen sie die Arbeit wieder aufnehmen können. Viele der ledigen halb gereift. Bei längerer Dauer des Streits planen auch zahlArbeiter haben schon ihr Bündel geschnürt und sind nach außer reiche Familien, nach Berlin und Breslau überzusiedeln. Eisenach, 23. März. Die Versammlung deutscher Privatrechts- Lehrer hat nachfolgende Resolution einftimmig angenommen: 1. Das juristische Studium beginnt mit einer allgemeinen Rechtslehre, insbesondere Privatrechtslehre. 2. Den Vorlesungen über das geltende Privatrecht haben außer dem Vorlesungen über römische und deutsche Rechtsgeschichte, ferner zwei propädeutische, systematische Vorlesungen über die römisch rechtliche und deutsch- rechtliche Grundlage des Privat- Guyot- Deffaigne berichtete im Ministerrathe über die Arbeiten Paris, 24. März. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, rechts vorauszugehen. 3. Auf Quellen- Gregese ist nach wie vor des internationalen Eisenbahn- Kongresses und erklärte, es würden hervorragendes Gewicht zu legen. 4. Nach dem Inkraft nur wenige Aenderungen an den Beschlüssen der Berner Kontreten Ses Bürgerlichen Gesetzbuches ist das gesammte ferenz von 1893 vorgenommen werden. bürgerliche Recht Deutschlands mit Ausnahme des $ Handels- und Wechselrechts- als systematische Einheit Italien. zu lehren. Von der Verbindung des Rechts des Bürger- Rom, 23. März. Die Italie" sowie andere Blätter er lichen Gesetzbuches mit dem übrigen Reichs- und Landes- flären auf das entschiedenste, es sei bei den Friedens Privatrecht sind nach örtlichem und zeitlichem Bedürfniß verhandlungen mit menelit niemals die Rede der einzelnen Universitäten Ausnahmen zulässig. 5. Nach Auf- von einer Kriegsentschädigung gewesen. Die ständige nahme des Bürgerlichen Gesetzbuches unter die Lehrgegenstände Finanzkommission des Senats hat einstimmig beschlossen, dem bedarf es eines mehr als dreijährigen Rechts- Senat die Bewilligung der Afrika- Kredite vorzuschlagen. studiums. - In christlicher Liebe! Folgendes Schriftstück spricht für sich: An den Rittergutsbesizer Möller auf Boelis b. Schlieffenberg und Genossen. ( Gedruckt) Friedrich Franz von GOTTES Gnaden Großherzog von Mecklenburg u. s. w. ( Geschrieben) ertheilen. Unseren gnädigsten Gruß zuvor! Werthe liebe Getreue! Die Crispiner in Italien und Deutsch: land sind sehr ungehalten darüber, daß Rudini den von Crispi voriges Jahr gemaßregelten Reßmann wieder in den diplomatischen Dienst genommen hat. Reßmann war früher Gesandter in Paris und fonnte den Auftrag Crispi's, die französische Presse dem italienischen Bismarck" freundlich zu stimmen, nicht aus führen. Dafür wurde er abgesetzt. Daß er jetzt, nachdem Crispi geftürzt ist, wieder verwandt wird er gilt für sehr tüchtig versteht sich einfach von selbst. Aber die Crispiner können sich in den Sturz ihres Gößen noch nicht hineinfinden. Rußland. Afrika. " Bei der Firma Oppenheim u. Rappolt in Hamburg, die allein noch nicht nachgegeben hat, befinden sich noch 100 Personen, die 50 Kinder zu ernähren haben, im Ausstand. Die Situation ist günstig und die Streikenden haben den festen willen, auszuhalten, bis ihre minimalen Forderungen bewilligt find. Die geforderten Stücklöhne wurden von der Firma noch vor einigen Jahren bezahlt. rinnen- Verbandes hat, wie uns gefchrieben wird, in den füdDer Vorstand des Deutschen Schneider- und Schneidedeutschen Konfektionsplähen Aschaffenburg, Worms, Speyer, im Taunus und Spessart eine planmäßige Agitation entfalten laffen, die sowohl für die Stärkung der Organisation, als auch für die Aufbefferung der Lohn- und Arbeitsbedingungen von Erfolg gewesen ist. Nothwendig war es. Noch vor 10-12 Jahren war dort die Arbeit leichter und wurde um das Dreifache höher bezahlt als jetzt; dieser Umstand gab die Veranlassung, daß in jenen Gegenden alles Schneider wurde. Selten ist eine Familie anzutreffen, wo der Sohn nicht Schneider ist. ArMit diesem Anwachsen der beitskräfte ging Hand in Hand eine gegenseitige Unterbietung der Löhne. Die Konfektionsschneider auf dem Lande konnten sich noch in den fiebziger Jahren ein fleines Besitzthum erringen. Heute ist es nicht mehr möglich. Die heutige Generation lebt in elenden, feuchten, ungefunden Wohnungen, wo zum theil Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer ein und derselbe Raum ist. Die Schwindsucht graffirt infolge dessen unter den dortigen Ronfettionsschneidern sehr start. Arbeiter Maffauah, 23. März.( Agenzia Stefani.") Die Lage ist im Wir erwidern euch nach erfordertem Bericht auf eure Be- allgemeinen unverändert. Der Negus befindet sich bei Ada- Hagamus. schwerde vom 24. Februar cr. betreffend die Weigerung des Das Fort Adigrat verfügt über Lebensmittel, Wasser und alle Pastors Romberg in Warnkenhagen, dem in Lüningsdorf sonstigen Erfordernisse zu wirksamem Widerstande. Eine beson bedienstet gewesenen Knechte Kuschel das öffentliche Kirchliche dere Karawane hat Kleidungsstücke für die italienischen Gefanges Begräbniß zuzugestehen, daß Wir teine Veranlassung haben, dem nen in das feindliche Lager gebracht. Auf dem Hochplateau Pastor Romberg die von euch beantragte Rüge und Weisung zu macht sich überall Waffermangel fühlbar, so daß man den Regen sehr herbeiwünscht. Der telegraphische Verkehr mit Rassala be- Um diese Zustände etwas aufzubeffern, berieth man sich in Wenn es, auch nach eurem Bericht, feststeht, daß die schwere steht, von einzelnen Unterbrechungen abgesehen, fort. Der neue Aschaffenburg und Umgegend in zahlreichen Versammlungen. Gin Betrunkenheit des p. Kuschel die mittelbare oder unmittelbare Kommandant der Eingeborenen- Truppen, Oberst Stevani, mar- Lohntarif wurde ausgearbeitet und eine gewählte Lohnkommision Ursache seines Todes gewesen ist, und nicht erwiesen ist, daß schirt mit zwei Bataillonen Eingeborener und einer Settion hatte nun die Aufgabe, denselben den Unternehmern zu unterderselbe vor seinem Ende die Nüchternheit wieder erlangt hat, Artillerie nach den von italienischen Truppen besetzten Défilés breiten; die Geschäftsinhaber, die keine Grossisten sind, billigten vielmehr angenommen werden muß,(!) daß den Tarif, dagegen schlugen die sechs großen Engros- und Exporter in von Sabderat. der nicht durch Buße gefühnten Sünde des Rausches firmen die Annahme ab, wie überhaupt jede Unterhandlung mit dahingestorben ist, so war der Paftor Romberg( cfr. Revidirte Petersburg, 23. März. Um der armenischen Agi- der Kommission. Sie verpflichteten sich sogar gegenseitig burch Mecklenburgische Kirchenordnung Fol. 242) berechtigt, die öffent- tation im Kaukasus ein Ende zu machen, werden die Festsetzung einer Konventionalstrafe, nichts zu bewilligen und liche Mitwirkung der Kirche bei der Beerdigung des p. Kuschel Vollmachten des Generalgouverneurs beträcht- jeden zu entlassen, der eine Forderung stellt. zu versagen. Auch hat derfelbe zwar in Lüningsdorf selbst teine lich erweitert werden. Zu demselben Zwecke soll in Batum Dies gab die Veranlassung, daß in der dritten öffentlichen Vernäheren Erkundigungen eingezogen, aber mit dem Vertreter der ein Generalgouvernement errichtet werden. Auch diesem neuen sammlung der Beschluß gefaßt wurde, an den Magistrat das Lüningsdorfer Gutsobrigkeit am Tage vor der Beerdigung(!!) in Generalgouverneur werden ausgedehnte Voll- Ersuchen zu stellen, ebenso wie in anderen Städten auch hier eingehenber Unterredung den Fall besprochen, so daß ihm auch machten übertragen werden, um gegen die armenische Agitation den Vermittler zu machen, um eine friedliche Lösung herbeider Vorwurf mangelhafter Orientirung über den Thatbestand einschreiten zu können. zuführen. Es wurde auch von seiten des Magistrats fofort eine nicht gemacht werden kann. gemeinsame Sigung zwischen der Lohnkommission und den ArKairo, 28. März. Die zweite Abtheilung der Truppen für beitgebern unter der persönlichen Leitung des Bürgermeisters auf den Sudan- Feldzug ist gestern von Sarras nach Atascheh ab- den 12. Februar im Rathhaussaal anberaumt. Erschienen waren gegangen. Bei Balliana ist eine große Dampferflottille ver- jene drei Unternehmer, die den Tarif schon bewilligt hatten, sammelt. die sechs Großkonfektionäre aber schickten eine schriftliche Kamerun, 23. März. Die Schußtruppe unter Hauptmann Erklärung mit der Motivirung, die Aschaffenburger StonRamph ist nach erfolgter Pacifizirung des Gebietes zwischen fettion sei eine junge und schlechte, infolgedessen sie auch Lolodorf und Jaunde in der leßtgenannten Station ein- feine höheren Preise bezahlen könnten. Indem das Material getroffen. Der Weg von dort zur Küfte ist wiederum dem Handel über die Lage der dortigen Arbeiter dem Magistrat übermittelt wurde mit dem Ersuchen, auch die Regierung davon geöffnet. Kimberley( im Rapland), 19. März. In der Untersuchungs. zu verständigen, tam der Fabrikinspektor im Auftrage der fache gegen Gardner Williams, den Geschäftsführer der Regierung am 14. Februar, um die Unternehmer zu veranlaffen, Debeers Compagnie, sagte ein Polizeioffizier aus, er wenigstens in eine Unterhandlung mit der Lohnkommission einbabe in den Werkstätten der Debeers- Compagnie 313 Repetir- zutreten. Trotzdem der Fabrikinspektor von Unternehmer zu gewehre, 536 600 Patronen und 1950 Bajonette vorgefunden. Die Unternehmer ging, war es ihm ebenfalls nicht möglich, dieselben zu veranlassen, sich in eine Unterhandlung einzulassen; er mußte Verhandlung wurde dann auf den 2. April vertagt. unverrichteter Sache wieder abziehen. Wohl hatten die UnterOstasien. nehmer schon bei der ersten Versammlung für Hosen 5 Pf. mehr gezahlt, fowie durchgehends durch die Bewegung höhere Löhne zu verzeichnen sind, aber schriftlich wollten sie es nicht geben. War es dort auch momentan nicht möglich, wesentliche Vortheile zu erreichen, so wurde andererseits doch die Organisation gestärkt, um für die Folge vorgehen zu können. Aehnlich waren die Resultate in Speyer, Mainz, Worms und Umgegend. Das Wir erwarten(!) deshalb von euch, ihr werdet dem Pastor Romberg fein Verfahren nicht als Schroffheit und Willkürlichkeit auslegen, sondern dasselbe als aus seelsorgerlichem Gewiffens ernst hervorgegangen ansehen, und ihm deswegen eure Liebe und Achtung nicht entziehen. Wir verbleiben euch mit Gnaden gewogen. Gegeben Schwerin, den 9. März 1896. Ad mandatum Serenissimi proprium. Der Ober- Kirchenrath ( gez.) Giese. München, 23. März. Die Kammer der Reichsräthe nahm den Gesetzentwurf, betreffend die Viehversicherung an und genehmigte ferner die Vorlage, betreffend den Bau der BodenseeGürtelbahn." Amberg, 23. März. Die traurige Fu ch 3 mühler Angelegenheit hat noch immer nicht ihren Abschluß gefunden. Wie die Amb. Volksztg." meldet, wird Sonnabend vor dem Yokohama, 23. März.( Reuter'sches Bureau".) Die Landgericht Weiden gegen Anna Stock und Barbara Vogl von foreanischen Aufständischen griffen die japa Fuchsmühl wegen der Fuchsmühler Holzgeschichte des vorigen nischen Truppen bei Fusan an, wurden aber nach langem Jahres verhandelt. Die Verhandlung gegen die beiden An- Kampfe zurückgeschlagen. An verschiedenen Orten in geflagten mußte im vorigen Jahre wegen deren Erkrankung Korea wurden Japaner ermordet; es werden daher ausgesetzt werden. japanische Kriegsschiffe nach Korea geschickt. Der Partei- Nachrichten. Berdienst des Deutschen Schneider- und Schneiderinnenverbandes Schweizer- Garten" Bericht erflatten und den Minimal- nieber. Grund ungenügende Bezahlung. Die Direktion wollte ist es, daß überall die Konfektionsschneider aufgerüttelt find. 2ohntarif zur endgiltigen Beschlußfassung unterbreiten. Wir statt der geforderten nur eine ganz geringfügige Lohnerhöhung Mögen fie ihrer mathtvollen Organisation immer größere Be- ersuchen deshalb fämmtliche Zabatarbeiter und Zabat eintreten laffen. Die Zahl der Streifenden beträgt über 900. deutung verschaffen. arbeiterinnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ganz Die Maurer auf der Insel Norderney, die, wie wir besonders ersuchen wir die 3igarrenfortirer und früher mittheilten, in einer Lohnbewegung stehen, hatten zur Sortirerinnen, in dieser Versammlung ihre Stellungnahme Unterhandlung mit den Meistern eine Kommission gewählt. Die zu dieser Lohnbewegung kundzugeben. Die Kommission. Mitglieder dieser Kommission sind, wie das so UnternehmerSituationsbericht über den Streik der Stellmacher brauch ist, gemaßregelt, und darauf legten sämmtliche Berlins. Wir befinden uns jetzt in der zweiten Woche des Aus- Maurer Norderney's die Arbeit nieder. Die standes. Die Arbeitsniederlegung ist nun fast in allen Wert Ledigen find abgereift. Die Verheiratheten bedürfen der Unterftätten erfolgt. Es streiten noch 208 Kollegen. Bewilligt stügung. Sendungen sind zu richten an 2. Jeren auf haben bis jetzt 30 Meister und Fabrikanten, die zusammen Norderney. 196 Gefellen beschäftigen. Unter denen, die bewilligt haben, Der Streit auf der Eisenstein- Grube bei Gosenbach befinden sich auch schon mehrere Innungsmeister. Fast überall im Siegerland ist der„ Kölnischen Boltszeitung" zufolge durch sträuben sich die Meister weniger gegen die gestellten Lohn- Bewilligung der Forderungen der Bergleute beendet worden. forderungen, als gegen die neunstündige Arbeitszeit. Ferner wollen die Meister durchaus nicht mit der von den Gesellen Der Streik der Stuhlrohrarbeiter bei der Firma Anton gewählten Lohnkommission verhandeln; deren Mitglieder werden Pa pendied in Bremen dauert fort. Der Vorsitzende des als Budiler hingestellt, mit denen man nichts zu thun habe; die Gewerbegerichts, Dr. Blendermann, hatte beide Parteien Meister glauben wohl, wenn man über die Kommission Un- ersucht, die Vermittlung des Einigungsamts in Anspruch zu wahrheiten verbreitet, dann sei man mit den Gesellen fertig. nehmen. Die Arbeiter stimmten zu, Herr Papendieck aber mir sehen aber, wie sehr sich die Innung durch solches Auf- weigerte sich. treten selbst schadet, denn ihre Mitglieder bewilligen eines nach dem anderen unsere Forderungen. Zur diesjährigen Feier des 1. Mai beginnt jetzt die beutsche Arbeiterschaft Stellung zu nehmen. Es wird daher am Blaze sein, den Beschluß in Grinnerung zu bringen, den der in Breslau abgehaltene letzte Parteitag der deutschen Sozialdemotratie, über die Art und Weise der Maifeier gefaßt hat. Der Beschluß lautet: " In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der internationalen Arbeiterkongresse zu Paris 1889, Brüssel 1891 und Zürich 1898 feiert die deutsche Sozialdemokratie den 1. Mai als das Weltfest der Arbeit, gewidmet den Klassenforderungen des Proletariats, der Verbrüderung und dem Weltfrieden. Als würdigste Feier des 1. Mai betrachtet die Partei die allgemeine Arbeitsruhe. Daher empfiehlt der Parteitag den jenigen Arbeitern und Arbeiterorganisationen, die ohne Schädigung der Arbeiterinteressen den 1. Mai neben den anderen Rundgebungen auch durch die Arbeitsruhe feiern können, Arbeitsruhe eintreten zu lassen." Ueber den Tertilarbeiter- Streik in Mülhausen i. E. berichtet eine Wolff'sche Depesche vom Dienstag: Der Stand des In der Wagenfabrik von Rudowsky, Rostockerstr. 50, wurde Anzahl Nachtarbeiter der 4 Kammgarn- Spinnereien haben sich Vom Montag haben wir einen besonderen Fall zu berichten. Streits ist im großen und ganzen derselbe wie gestern. Eine vor Ausbruch des Streits unsere Forderung bewilligt; als aber der nächste Lohntag tam, hatte der Werkführer Herr Schumann dem den Ausständigen noch angeschlossen; das Verhalten derselben ist Chef vorgeredet, die Leute verdienten den geforderten Lohn nicht und ruhig. Infolge Ausbruchs eines Streits in Thann hat sich die Arbeitszeit wäre zu kurz. G3 wurde nun den Leuten erklärt, heute früh zur Unterstützung der Ortspolizei eine Kompagnie die Bewilligung würde zurückgezogen; außerdem erhielt ein Infanterie und ein Zug Dragoner dorthin begeben. Nach einer anderen Meldung verbot die Polizei in Mül Stellmacher, und zwar derjenige, der am längsten dort in hausen Umzüge und Ansammlungen. Stellung war, seine Entlassung. Bei der Gemeinderaths- Wahl in Lägerdorf in Holstein wurde in der 3. Klasse der Kandidat der Arbeiterpartei, Wilhelm Startjohaun, mit 93 von 111 abgegebenen Stimmen gewählt.( Stimmberechtigt find 400.) Die Arbeiterschaft hat jetzt alle vier Site der 3. Klasse inne. Bei der Gewerbegerichts- Wahl in demselben Orte errangen unsere Parteigenoffen einen überaus glänzenden Sieg; ihre Kandidaten für Hierauf traten sämmtliche Arbeiter der Fabrit, als Stelldie Klasse der Arbeitervertreter erhielten 222-224, die der macher, Schmiede, Dreher u. f. w., zusammen und forderten die Einstellung des Gegner nur 4-7 Stimmen. entlassenen Stellmachers und die Entlassung des Wertführers Schumann. Die Einftellung des Stellmachers wurde zugebilligt, aber als fie darauf bestanden, daß Herr Schumann entlassen werde, wurden sämmtliche Arbeiter entlassen. Aus Sachsen. Auf dem Parteitag der Sozialdemokratie des 22. Reichstags- Wahlkreises( Kirchberg- Auerbach i. 2.), der kürzlich in Buchwald i. V. abgehalten wurde, und sehr zahlreich besucht war, sprachen 24 Redner für die Niederlegung der Landtagsmandate und 13 dagegen. Beschlossen wurde mit allen gegen 41 Stimmen, die Landesversammlung möge die Niederlegung der Mandate und Nichtbetheiligung an den Landtagswahleu beschließen. Man sieht hier, was ein Werkführer beim Fabrikanten für einen Werth hat, wenn er für billige Arbeiter sorgt. Die Haltung der Streifenden ist musterhaft und so hoffen wir, da das Wetter günstig ist und die Arbeit drängt, daß die In Meißen beschlossen die Parteigenossen einstimmig, daß Entscheidung in ganz kurzer Zeit fallen wird. Wir apelliren hiermit an diejenigen Gewerkschaften, welche unsere Abgeordneten ihre Landtagsmandate beibehalten und die Parteigenossen sich auch an den nächsten Landtagswahlen beim stande sind, uns materiell zu unterstützen, dies baldigst thun Die Lohn Kommission. theiligen sollen, damit dem Volke der Schaden des Dreitlassen zu wollen. Wahlsystems praktisch vor Augen geführt" wird. Alle Anfragen find zu richten an Friedrich Michels, Aus Prag wird uns geschrieben: Am 22. März fand hier Sebastianstr. 1 v. 4 Tr., alle Geldsendungen an Wilhelm die konstituirende Versammlung des Vereins deutscher Schwarz, Rathenowerstr. 46, Quergeb. 4 Tr. Arbeiter" statt, die von deutscher sowie czechischer Seite 35 Rollwagen- Begleiter des Berliner Spediteuräußerst zahlreich besucht war, ein Beweis dafür, daß der inter- pereins haben wegen Nichtbewilligung ihrer Lohnforderungen Sechs von ihnen meist jugendliche nationale Gedanke auch hier immer mehr an Boden gewinnt. Die Arbeit eingestellt. Der junge Verein, der schon eine stattliche Anzahl von Mit Leute wurden verhaftet, weil sie die weiter arbeitenden Kollegen gliedern zählt, stellt es sich zur Aufgabe, den der czechischen bedroht haben sollen. Die Rollwagen- Begleiter haben, wie wir Sprache nicht mächtigen Genossen auch im slavischen Prag Ge- hören, bei außerordentlich langer Arbeitszeit äußerst niedrigen legenheit zu geben, ihre Solidarität zu bekunden, sowie durch Lohn; ihr Arbeitsverhältniß aufzubeffern, wäre daher nur ein Att der einfachsten Gerechtigkeit. Vorträge und Diskussionsabende bildend zu wirken. " Todtenlifte der Partei. In Magdeburg starb Frau Bertha Lantau, die brave Gattin unseres Genoffen Karl Lantau. Sie hat sich besonders unter dem Ausnahmegesetz als muthige Mitkämpferin erwiesen. Ehre ihrem Andenken! Lischka, Redakteur des„ Desterreichischen Metallarbeiters" In Wien starb am 21. März der Parteigenosse Josef und Sekretär des Verbandes der österreichischen Metallarbeiter. Er hat sich sowohl in politischer wie gewerkschaftlicher Beziehung sehr bedeutende Verdienste um die Arbeiterschaft Defter reichs erworben. Polizeiliches, Gerichtliches 2c. Eingestellt ist das Verfahren, das gegen unsern Genossen H. 3appay in Frankfurt a. D. wegen angeblicher Beschimpfung der chriftlichen Kirche eingeleitet war. Das Vergehen follte durch die Veröffentlichung eines Artikels in der„ Märkischen Volksstimme" begangen sein, worin das Weihnachtsfest in sprachlicher und geschichtlicher Hinsicht besprochen worden war. Die polizeiliche Beschlagnahme der Märznummer des Süddeutschen Postillons" in Halle a. S. ist vom Amtsgericht bestätigt worden, da nach dessen Ansicht jedes Bild und jeder Artikel, sowie jedes Lied der Nummer für sich oder wenigstens Zum Streik in Kottbus wird uns geschrieben: Am Montag fand eine von der Bürgerschaft in Rottbus einberufene Versammlung statt. Der Vorsitzende Stadtverordneter und Lagerhalter Raete führte aus, daß dieser Streit die gesammte Beginn des Streiks von beiden Seiten Fehler gemacht worden Bürgerschaft schwer schädigt; wenn er auch annehme, daß bei feien, so sei es doch unverantwortlich und geradezu gemeingefährlich, daß die Fabrikantenvereinigung die Maſſen fündigung vorgenommen habe. Der Redner bedauert, daß von feiten der maßgebenden Behörden ein einseitiger und für die Fabrikanten günstiger Standpunkt in dieser die Stadt schwer schädigenden Angelegenheit eingenommen worden sei, und schlägt vor, eine Kommission aus der Mitte der nicht am welche a 13 unparteiisches Mittelglied die VerStreit betheiligten Bürgerschaft zu wählen, handlungen anbahnen soll. Die österreichischen Eisenbahnangestellten, die bekanntlich eine ausgezeichnete eine ausgezeichnete Fachorganisation haben, halten jest ihren Kongreß ab. Der Beschickung desselben durch Delegirte werden mun von feiten der Direktoren der Staatsbahnen im Gegensatz zu den Privatbahnen- Hindernisse bereitet, indem man den Delegirten den Urlaub verweigert. Eine Deputation ist deshalb beim Eisenbahnminister v. Guttenberg vorstellig geworden. Nach dem Empfang wurde der Reichsraths- Abgeordnete Pernerstorfer vom Ministerpräsidenten Badeni und Eisenbahnminister von Guttenberg ermächtigt, der Abordnung des Einberuferfomitees die Erklärung im Namen der Regierung abzugeben, daß von der Regierung keinerlei Aufträge an die Direktionen und find, daß die ergangen Regierung feine feindfelige Haltung gegenüber dem Kongreß einzunehmen in der Lage sei, zumal noch keine Beschlüsse desselben vorlägen. Der Eisen bahnminister habe wiederholt erklärt, daß er teinerlei Einfluß in der Richtung geltend gemacht hat, Urlaube zu verweigern, wenn die Urlaubsgesuche mit der Delegation zum Kongreß begründet würden. Er stehe auch bei dieser Gelegenheit einzig auf dem Standpunkt des Dienstes. Der Kongreß hat inzwischen begonnen; es ist der erste Verbandstag der Eisenbahnervereine Desterreichs. Troh zahlreicher Urlaubsverweigerungen ist die Betheiligung eine sehr rege. Die Tagesordnung enthält neben geschäftlichen Angelegen heiten( 1-4) folgende Punkte: 5. Verkürzung der Arbeitszeit. 6. Ruhetag. 7. Der 1. Mai und die Eisenbahner. 8. AbAusSonntagen( mit schaffung der Frachtenzüge an 9. Abschaffung der Prämien des Kilometer und Stundengelder, nahme der lebensmittelführenden Züge). und Einführung eines entsprechenden Jahresänderung der Dienfipragmatik und Einführung von Schiedsgerichten, Forderung, daß ein Gefeß geschaffen wird, welches die gehaltes. 10. Abänderung der Avancementsverhältniffe. 11. AbWahl von unabhängigen Inspektoren aus der Mitte der Bediensteten bestimmt, die über die Einhaltung der Gefeße und Instruktionen zum Schutze der Eisenbahnbediensteten zu wachen haben, an ſtelle der t. t. Generalinspektion der österreichischen Eisenbahnen. 12. Sumanitätsinstitute 12. Humanitätsinstitute( Unfallversicherung, Betriebskrankentaffe, Provisions- und Pensionsfaffen.) 18. Berstaatlichung der Eisenbahnen und aller Verkehrsmittel. 14. Wahlrecht. nächste Kongres stattfinden wird. 15. Organisation. 16. Fachpresse. 17. Bestimmung, wann der in Aus den Verhandlungen erwähnen wir für heute, daß einRentier Lier 3 glaubt ebenfalls, daß bei Beginn des Streiks Resolution gefaßt wurde: Fehler gemacht worden seien, und bedauert besonders, daß die Bestimmig auf Antrag des Referenten Dr. Ellenbogen folgende hörden den Rottbuser Fabrikanten den§ 153 " In Erwägung, daß die Interessen der Eisenbahns der Gewerbe- Ordnung nicht nachdrücklich genug bediensteten proletarische Interessen sind, die auf einer Stufe bekannt gemacht haben. Der Wertmeister von der Samson'schen Fabrit, der größten stehen mit denen des Proletariats der ganzen Welt; im Zusammenhang mit den andern Bildern, Liedern oder Ar- in Rottbus, giebt zu, daß durch den Ausstand die Fabrikanten weiterer Erwägung, daß der Kampf, den das Eisenbahnproletariat gegen Ausbeutung und Knechtschaft führt, nur im tifeln als eine Verherrlichung der Kommune und Revolution er scheint und somit die verschiedenen Klassen der Bevölkerung scheint und somit die verschiedenen Klassen der Bevölkerung in schwer geschädigt sind; es werde schwer sein, sämmtliche Ar- Verein mit den übrigen Ausgebeuteten und Unterdrückten siegreich einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Gewalt- beiter sogleich wieder zu beschäftigen, weil durch den Streik viel Kundschaft verloren gegangen sei. thätigkeiten gegen einander öffentlich anreizt.". Soziale Weberlicht. Gegen die von den Bauarbeitern ans Licht gezogenen Mikstände auf Bauten ist in Sachsen das Ministerium durch folgende Verordnung eingeschritten: Darauf wurde von seiten der Arbeiter bemerkt, daß Maß regelungen durchaus nicht vorkommen dürften; die Arbeiter würden, so lange die Arbeit nicht derart geregelt fei, daß fämmtliche Arbeiter beschäftigt werden können, unter Umständen mit halbtägiger Beschäftigung zufrieden sein. Fabrikverpachter Koppe glaubt, daß die Verhandlungen zu feinem Resultat führen werden, worauf Stadtverordneter Kaete " In den Kreiſen des bauenden Publikums herrscht an- erwidert, daß man dann wenigstens bestimmt wisse, daß die scheinend vielfach Unkenntniß darüber, daß die Vorschriften in Fabritanten tein Interesse an dem wohl der § 120b der Gewerbe- Ordnung auch auf Bauten Anwendung Bürgerschaft der Stadt Kottbus haben, sondern finden. Insbesondere sollen Bedürfnißanstalten und vielmehr die fleine Geschäftswelt der Stadt Räume, welche zum Einnehmen von Mahlzeiten, leichtfertig ruiniren. Die Bürgerschaft wäre alsdann zum Umkleiden und beziehentlich Waschen bestimmt sind, verpflichtet, selbst einen Aufruf zu erlassen, damit die Ausentweder überhaupt fehlen oder doch nur in ganz ungenügender ständigen fräftig unterstützt werden. Weise hergestellt sein, so daß auf den Bauplägen, wo auch ArFolgende Anträge wurden von der Versammlung anbeiterinnen beschäftigt werden, die betreffenden Einrichtungen genommen: gemeinschaftlich benutzt werden müssen. Das Ministerium des Innern erachtet es daher für er forderlich, daß die Unternehmer von Bauten bei Ertheilung der Bauerlaubniß auf die ihnen in dieser Hinsicht gefeßlich ob liegenden Verpflichtungen aufmerksam gemacht werden, beziehent lich daß die Baupolizeibehörden in jedem Einzelfalle prüfen, welche Anordnungen etwa nach Lage der Sache zu erlassen sein möchten.(§ 120d der Gewerbe- Ordnung.) I. Die Bersammlung spricht ihre Befriedigung darüber aus, daß die Bürgerschaft gewillt ist, die Vermittelung in einer für beide Theile befriedigenden Weise zu übernehmen. Die Versammlung verwahrt sich entschieden dagegen, daß der Streit von seiten der Arbeiter hervorgerufen sei." " durchgeführt werden kann, erklärt es der Kongreß als Pflicht der Eisenbahnbediensteten, zum sichtbaren Zeichen der Solidarität ihrer Interessen mit denen des gesammten internationalen Proletariats überall, wo es die Dienstverhältnisse nicht ganz unmög lich machen, an der Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe theilzunehmen." Weiter wurde beschlossen, daß zu diesem Zwecke die Werkstättenleitungen um Freigabe des 1. Mai ersucht werden follen, und wo dies ohne Erfolg ist, am Abend des 1. Mai Ver= ſammlungen abzuhalten sind, um den Weltfeiertag der Arbeit dann auf diese Weise zu begehen. Die Bergleute der Cockerillwerke bei Lüttich in Belgien haben den Generalstreit angedroht, falls ihnen nicht der Achtstundentag und eine Lohnerhöhung bewilligt werde. Der Direktor des Werkes hat die Forderungen abgelehnt. In der Grube St. Benoit bei Lüttich wüthet feit Sonntag eine Feuersbrunst in einer Tiefe von 300 Metern. Zweihundert in dem Bergwerfe arbeitende Leute konnten noch rechtzeitig heraufgeschafft werden. Das Feuer dehnt sich noch weiter aus. II. Die Versammlung beauftragt das Bureau, die maß- Depeschen und lehte Nachrichten. gebenden Behörden aufzufordern, den Redakteur A. Heine der Hamburg, 24. März.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) zu veranlassen, den Fabrikanten die§§ 152-153 Da die Ueberwachung der Bauten in bezug auf die Ein- Gewerbe Ordnung zur Kenntniß zut bringen und zu Wegen Unterschlagung von 20 000 M. Amtsgeldern wurde heute haltung der gewerbepolizeilichen Bestimmungen mit Rücksicht auf erklären; die Versammlung glaubt in der Festsetzung von plöglich der Registrator der Aufsichtsbehörde für Standesämter § 154 Abs. 4 der Gewerbe- Ordnung zur Zeit noch nicht zur Konventionalstrafen, wie es bei den Fabrikanten üblich, die Carl Anton Powell verhaftet. Es ist dies derselbe, der vor Zuständigkeit der Gewerbe- Juspektionen gehört, haben, wie Merkmale einer Bedrohung zu sehen." ichließlich noch erwähnt werden mag, die Baupolizeibehörden sich dieser Aufgabe selbst zu unterziehen und zu diesem Behufe ihre bautechnischen Sachverständigen mit entsprechender Anweisung zu versehen." Gegen den streitbaren Schuhfabrikanten Eichbaum in Mainz hat die Staatsanwaltschaft Untersuchung eingeleitet, weil er seit einer Reihe von Jahren einen gegen die Gewerbe Ordnung verstoßenden schwunghaften Handel betrieb, indem er seinen Arbeiterinnen die sogenannten Fournituren, als Maschinennadeln, Garn und Seide zu einem oft 50 pCt. den Einkaufspreis überschreitenden Ansahe verkauft und unter dem Berbot, andere als von ihm gelieferte Fournituren zu verbrauchen, von ihrem Arbeitslohn in Abzug gebracht hat. Die Auflage erfolgte auf Veranlassung des Fabritiuspettors für Rheinhessen. Gewerkschaftliches. Die gewählte Vermittelungskommission besteht aus folgenden drei Jahren feinen Vorgesetzten wegen Majestätsbeleidigung Personen: Bäckermeister Rößler, Schlossermeister Lehmann, denunzirt hatte. Schneidermeister Berger, Strohhülsenfabrikant Liers, Ge- Frankfurt a. M., 24. März.( B. H.) Der„ Frankf. 3tg." schäftsführer Raete, Rentier Neumann, Restaurateur wird aus Paris gemeldet: Die Sozialisten wollen nach dem Urtheilsspruch im Prozesse Dupas eine Interpellation einbringen, nauth. welche Gelegenheit geben soll, gegen das Verhalten Loubets im Falle Dupas zu protestiren. Rouanet äußerte in den Couloirs, man müsse die Versegung Loubets in Anklagezustand beantragen. Unter diesen Personen sind drei Stadtverordnete in Rottbus. Die Differenz der Böttcher in der bei Dresden gelegenen Brauerei Reisewiß mit der Direktion ist durch die Vermittelung des Borstandes des Vereins Zentralkommission( des Dresdner Gewerkschaftskartells) auf eine für beide Theile vollständig befriedigende Weise beigelegt. Zur Malerbewegung. Die Maler Elmshorns haben den Zehnstundentag bewilligt bekommen; den Minimallohn von 40 Pf. pro Stunde lehnten die Meister ab. Wien, 24. März.( B. H.) In hiesigen politischen Kreisen ist man dem Vaterland" zufolge fest überzeugt, daß der drohenden Sprache der russischen Blätter sowohl wie der französischen Presse Rußland und Frankreich schließlich doch der Dongola- Expedition zustimmen und sich höchstens auf einen platonischen Protest be schränken werden Rom, 24. März.( W. Z. B.)( Senat.) Im Verlaufe In Dresden haben 200 Maler, die bei 30 Meistern ar der Sizung sprachen Redner für und gegen die Friedens beiten, die Forderungen bewilligt bekommen; darunter befindet unterhandlungen in Afrika. Der Ministerpräsident di Rudini sich das größte Geschäft in der Neustadt. Im Streik standen bezeichnete das Gerücht, daß der Negus Menelit eine KriegsEnde voriger Woche noch 377 Mann, wovon 211 verheirathet entschädigung von 50 Millionen Franken verlangt habe, als eine An die Tabakarbeiter Berlins und Umgegend. Die Zahl der Ab- Beleidigung Italiens. Ferner erklärte der Ministerpräsident, daß Nachdem die am Sonntag stattgehabte Versammlung der sind und 280 Kinder zu ernähren haben. An der Bewegung überhaupt betheiligt die gegenwärtige Regierung mit Nachdruck die Ordnung und die Zabatarbeiter beschlossen hat, in eine Lohnbewegung eintreten zu gereisten beträgt 50. bestehenden Einrichtungen gegen die Umsturzparteien vertheidigen wollen und gleichzeitig die Kommission mit den vorbereitenden waren 627 Mann. In Bielefeld legten fämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen werde. Schritten beauftragt hat, wird diese Kommission in der Schließlich wurde die Weiterberathung auf morgen Versammlung am Sonntag, den 29. März, is der Mechanischen Weberei, Attiengesellschaft, die Arbeit vertagt. Verantwortlicher Redakteur: Auguft Jacobey, Berlin. Für den Inseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Mag Wading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 72. Mittwoch, drn 25. Mörz 1896. 13. Johrg. Veichskag. 68. Sitzung vom 24. März 1896. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Reichskanzler Fürst Hohen lohe, v. Bötticher, Graf Posadowsky, Hollmann, Nieberding. Bei der zweiten Berathung des Gesetzes betreffend die Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen zur Schuldentilgung macht Abg. Hug(Z.) Bedenken dagegen geltend, daß für das Jahr 1895/96 die dem Reiche vorbehaltene Einnahme aus den Zöllen und Verbrauchssteuern von 1S0 auf 143 Millionen erhöht werden soll in Aenderung der Franckenstein'schen Klausel, ver- zichtet aber bei der Stimmung des Hauses auf einen Antrag. Daraus wird die Vorlage in zweiter Lesung unverändert genehmigt. Es folgt die Fortsetzung der dritten Berathung des Etats und zwar des Spezialetats der Marine- Verwaltung. Abg. Metzger(Soz.) bemängelt die schlechten Wafferverhältniffe in Wilhelmshaven und Umgegend. In Wilhelmshaven sei schon eine Besserung eingetreten, nicht aber in Bant. Das Reich, welches tausende von Arbeitern dorthin gezogen habe, müsse auch für gutes Trinkwasser sorge», da die armen Gemeinden es nicht könnten. Redner verweist ferner auf die Maßregelung eines Arbeiters, der sozialdemokratischer Agitation verdächtig war, und trotzdem er 14 Jahre auf der Werft in Wilhelmshaven arbeitete, entlassen worden sei. Ueberhaupt feien von der Werst in Wilhelms- Häven zahlreiche Arbeiter entlassen worden. Ueber die Schul- Umlagen in Wilhelmshaven beschweren sich die Marine- beamten; sie haben schon deshalb die Bürger bor»- k o t t i r t und gedroht, daß sie ihre Bedürfnisse nicht in Wilhelmshaven kaufen werden, wenn diese Schulumlage nicht abgeschafft würde. Endlich beschwert sich Redner darüber, daß eine Ant Lynchjustiz auf den Schiffen geübt werde. Staatssekretär Hollmann: Die Wasserversorgung von Wilhelmshaven macht allerdings große Schwierigkeiten; wir haben in der Nähe Brunnen angelegt, aus denen wir durch Röhren das Wasser nach Wilhelmshaven befördert haben. Dieser Wasser- beförderuug war verhältnißmäßig sehr gering und reichte für den Bedarf nicht aus; wir haben deshalb einen neuen Brunnen an- gelegt, der jetzt fertig gestellt ist. Im nächsten Etat werden wir eine zweite Rohrleitung dafür beantragen und dann wird sich herausstellen, ob die Gemeinde Bant genügend mit Wasser ver- sehen ist. Die Marineverwaltung hat selbst ein großes Jnter- esse daran, daß ihre Arbeiter mit gutem Wasser versorgt werden und sie wird bemüht sein, es ihnen zu liefern. Der Fall der Entlassung eines Arbeiters wegen sozialdemo- kratischer Agitation ist mir nicht bekannt; ich kann nur allgemein versichern, daß der Ober-Wcrftdirektor nach bestem Wissen und Willen geprüft haben wird, wie es mit dem Arbeiter steht. Ich werde Nachfrage halten und mich über den Fall orientiren. Eine Arbeiterentlassung von mehreren hundert Arbeitern ist nicht vor- gekommen, sie wäre mir unter allen Umständen zur Kenntniß ge- kommen. Soweit ich übersehen kann, liegt dazu keine Ver- anlassung vor, denn Wilhelmshaven ist mit Arbeiten sehr gut versorgt. Ich werde mich auch danach erkundigen, aber Entlassungen in dieser hohen Zahl sind nicht vor- gekommen. Wenn angeblich wegen der Schulumlagen die Deckoffiziere ihre Bedürfnisse anderswoher beziehen, so ist das ihre Privatsache, ich kann ihnen darüber nichts vorschreiben; thale ich es, so würden Sie mich der Willkür anklagen. Daß es nicht schön ist, wenn die Leute das in die Zeitungen schreiben, gebe ich gern zu. Die Bürger sind aber damit doch nicht boykottirt. Was hat das mit den Bürgern zu thun? Gegen die gesetzliche Umlage der Stadt kann man doch nicht Front mache», indem man die Bürger boykottirt. Wenn die Arbeiter länger auf der Werft zurückgehalten werden, so ist dafür nicht der Grund, die Arbeiter zu quälen. Der Ober- Werftdirektor wird sich überlegt haben, ob das für das Wohl und Wehe der Werft nothwendig ist oder nicht. Sollte ein Anlaß zu einer Aenderung sein, so wird abgeholfen werden. Was die Lynchjustiz betrifft, fo hat die Besatzung nicht das Recht, die Strafbefugnisse des Schiffskommandanten selbst in die Hand zu nehmen; die Leute würden damit dem Kommandanten ins Handwerk pfuschen. In jedem Fall, wo das dem Komman- danten bekannt wird, findet eine Uiitersilchung statt, um die Thäter herauszufinden. Ich kann versichern, daß die Lynchjustiz an Bord der Schiffe durchaus gemißbilligt wird. Bei den Ausgaben für die W e r f t a n l a g e n bringt Abg. Nickcrt(frs. Vg.) die Lage der Werflsekretäre zur Sprache, die trotz allem Andrängen des Reichstages noch nicht im Rang und Gehalt den Jntendantursekrelären gleichgestellt feien. Es handle sich um 37 Beamte und eine Mehrausgabe von 2600 M. Geh. Rath Plath erkennt an, daß die Intendantur- und die Werstsekretäre im Gehalt gleichgestellt werden sollten. Das sei auch geschehen in bezug auf das Durchschnittsgehalt, aber für die Jntendantursekretäre sei das Höchstgehalt etwas höher bemessen. Dainit ist der Marine-Etat erledigt. Beim Etat der Reichs-Justizverwaltung erklärt Abg. Lenzmann, daß er sich bei der zweiten Lesung geirrt habe, indem er als Vorsitzenden im Prozeß Heinze Herrn Brausewetter bezeichnet habe; den Vorsitz führte Laudgenchts-Direktor Rieck, welche» Redner nicht verdächtigen wollte. Der Etat des Reichs-Justizamtes wird genehmigt. Beim Etat der Reichspost- lind Telegraphen- Verwaltung bemängelt Abg. Hüpede»(christlich.fozial) die Erklärung der Post- Verwaltung in bezug auf die Sonntagsruhe der Post- U» t e r b e a m t e n. Er bestreitet, daß die Beamten genügende Sonntagsruhe haben. In Kassel seien die Briefträger und Packetträger jeden Sonntag mindestens bis 11 Uhr be- schäftigt. Entweder verstehe Herr v. Stephan unter einem freien Sonntag nur einen halben freien Tag, oder es mache sich ein Widerstreit zwischen den oberen und den unteren Behörden geltend. Dann sollte man aber offen an- erkennen, daß die Verkehrsverhältnisse nicht so liegen, daß den Beamten ein freier Sonntag gegeben werden kann. Unterstaatssekretär Fischer: Ein Widerspruch zwischen dem, was hier erklärt wird und was draußen geschieht, liegt nicht vor. Wenn der Fall in Kassel zu unserer Kenntniß gebracht worden wäre, so hätten wir Erkundigungen einziehen können. Jetzt kann ich keine Erklärung über«inen einzelnen Fall geben. Unsere Norm ist die, daß die Unterbeamten von 3 Sonntagen 1 Sonntag ganz oder 2 halbe frei haben. Dieses Ziel ist schon vor zwei Jahren als vollkommen durchgeführt zu betrachten geivesen. Abg. Zimmermann(Reform-P.) beantragt:»Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß die Postschalter- Dienst st unden an Sonn« und Festtagen auf die Zeit von 7/8 bis 9 Uhr vormittags und 12 bis 2 Uhr nachmittags festgefetzt werden." Der Antragsteller befürwortet den Antrags weil die jetzigen Dienststunvcn von 5—7 Uhr nachmittags äußerst un- günstig gelegt sind. Durch die Verlegung in die Zeit von 12 bis 2 Uhr nachmittags könnten die Postbeamten wenigstens einen freien Sonntag- Nachmittag bekommen. Der Geschäftsverkehr ruht an Sonntagen von 2 Uhr ab. Direktor im Reichspostamt Fritsch: Ueber diese Frage ist eine allgemeine Enquete veranstaltet worden unter Hinzu- ziehung der betheiligten Korporationen des Handels und der Industrie und das Ergebniß war, daß man es beim Alten be- lassen und nicht in die alte Gewohnheit eingreisen möge. Es sei bei den Arbeitern und kleineren Gewerbetreibenden Sitte, ihre Korrespondenz an Sonntagen zu erledigen. Abg. Wenders(Z.) bringt einen Lokalschmerz betreffend das Telephonwesen in Düsseldorf zur Sprache, daß nämlich für die Gemeinde Gerresheim kein Fernsprech-Abonnement besteht, sondern die Einzelgespräche bezahlt werden müssen. Abg. Hitze(Z.) bestreitet, daß die Enquete über die Sonntags- Dienststunden einen besonderen Nutzen haben. Die Interessen der Kaufleute kommen dabei gar nicht in betracht. Direktor im Reichspostamt Schefflcr: Die Gemeinde Gerres- heim hat keine besondere Fernsprechanstalt, deshalb mußten die Einzelgespräche berechnet werde». An stch würde der Telegraphen- Verwaltung das Abonnement angenehmer sein. Abg. Zimmermann bedauert die ablehnende Haltung der Reichspost- Verwaltung, die immer an dem Alte», Gewohnten festhalten und daran nichts ändern wolle; da höre fchließlich jeder Kulturfortschritt auf. Abg. Hammacher(natl.) spricht sich gegen den Antrag Zimmermann aus, weil man diese Frage bei der jetzigen Geschäfts- läge nicht erledigen könne. Redner hält die Klagen des- Abg. Wenders für der Prüfung werth. Abg. Hüpede«: Ich wollte keine lokale Beschwerde vor- bringen, sondern habe auf Kassel nur exemplifizjrt. Die An- schauungen über Sonntagsruhe scheinen allerdings sehr verschieden zu sein. Auf den Zustand, wie er in Kassel besteht, kann ich die Bezeichnung Sonntagsruhe nicht anwenden. Abg. Singer(Soz.): Ich will nicht den Vorwurf erheben, daß der Antrag aus rein agitatorischen Rücksichten yestellt ist. Der Antrag erscheint uns recht unpraktisch. Die Schalteröffnung am Sonntag Nachmittag muß überhaupt wegfallen, die Oefsnung von 12--2 Uhr wäre ganz falsch, gerade mit Rücksicht auf Dienst- boten. Arbeiter und Handwerker, denn von 12—2 Uhr sind diese Leute in ihren Wirthschaften durch die Mittagspause in Anspruch genommen. Herr Zimmermann thut damit den Leiiten keinen Gefallen, und auch für die Postbeamten wäre es nicht gut. Da- durch würde die Sonntagsruhe illusorisch. Was sollen die Leute mit dem zerrissenen Sonntag machen. Wenn Herr Zimmermann den Beamten eine wirklich vernünftige Sonntagsruhe geben will, müssen die Schalter von 7—9 Uhr vormittags geöffnet sein und nachher überhaupt nicht mehr. Für besonders wichtige Telegramme müssen ganz ausnahmsweise Einrichtungen getroffen werden, ohne daß die grobe Zahl aller Beamten darunter zu leiden hat. Es wird soviel Werth darauf gelegt, daß den Arbeitern die Möglichkeit gegeben werde. Sonntag Nach- mittags ihre Korrespondenz zu expediren. Allerdings benutzen jetzt die Arbeiter die Schalterstunden am Sonntag Nachmittag, weil unsere Verhältnisse in der Industrie nicht so eingerichtet sind, daß die Arbeiter zu ihren Privatgeschäften nicht den Sonn- tag benutzen müssen. Würden bei uns wie in England die Geschäfte Sonnabends um 1 Uhr geschlossen, könnten die Leute ihre Ge- schäfte am Sonnabend erledigen. Die Arbeiterklasse wird die letzte sein, die den Postbeamten den freien Sonntag- Nachmittag mißgönnt, denn sie hat am eigene» Leibe erfahren, wie noth- wendig die Sonntagsruhe ist. Wir können nicht für den Antrag stimmen, weil er nicht eine Lösung der Frage bringt, sondern nur eine Verschiebung, die noch schlimmer ist als der jetzige Zu- stand. Ohne einen besonderen Antrag zu stellen, bleiben wir aus unserem oft wiederholten Standpunkt stehen. Der Antrag Zimmermann wird abgelehnt. Bei den Ausgaben für die P o st a s s i st e n t e n kommt Abg. Werner(Antisemit) auf die Maßregelung des Post- assistenten-Verbandes zurück und tadelt namentlich das Verhalten des Ober-Postdirektors in Braunschweig in einem bestimmten Fall und bemängelt es ferner, daß die Versetzungen immer„im Interesse des Dienstess erfolgen, was er doch bezweifeln müsse. Man be- nützt diese billig bezahlten Beamten, um durch sie die Geschäfte der Sekretäre besorgen zu lassen. Der Staatssekretär des Reichs- Postamtes meinte, daß die Postassistenten aus der Dorfschule in den Dienst eintreten, während er früher selbst anerkannte, daß sie eine höhere Vorbildung haben; der Herr Staatssekretär scheint die Verhältnisse seines Ressorts nicht mehr genau zu kennen.(Heiterkeit.) Redner verlangt schließlich die Zulassung der Assistenten zum Sekretärexamen. Abg. Schacdlcr(Z.) empfiehlt seinen schon in zweiter Lesung gestellten Antrag wegen der Postassistenten. Unterstaatssekretär Fischer: Den Postassifteuten sind alle gemachten Versprechungen gehalten worden; wir sind weiter ge- gangen; wir haben weit über die damaligen Aussichten hinaus die Wünsche der Beamten erfüllt. Früher betrug ihr Gehalt 990— 1509 M.; mit 1599 M. fängt das Gehalt jetzt an; sie werden lebenslänglich angestellt; es ist für ihre Beförderung die Stelle der Ober-Assisteuten geschaffen worden. Was der Vorredner von einem Vorgehen des Ober-Postdirektors in Brauuschweig gesagt hat, erscheint mir erstaunlich. Eine Anweisung, so vor- zugehen, ist nicht ergangen. Abg. Werner erklärt, daß er das Original der Verfügung des Ober-Postdirektors in der Hand gehabt habe. Der Etat der Postverwaltung wird genehmigt. Beim Etat der Reichs-Eisenbahne» tadelt es Abg. Bueb(Soz.), daß die Regierung den Reichstag so spät berufen hat, so daß der Etat so durchgepeitscht werden müsse. Man hätte es jetzt der Regierung fühlen lassen sollen, daß der Reichstag diese späte Einberufung nicht billigt, denn sonst wird die Berufung immer so spät erfolgen. Die Regierung kann sich dann das Anhören mancher un- angenehmen Wahrheit ersparen.(Zuruf: Zur Sache!) Wenn Ihnen das zu hören nicht angenehm ist, so ist mir das ganz schnuppe.(Große Unruhe rechts. Präsident v. Buol: Diese Aeußerung gegenüber dem gesammten Reichstage muß ich als eine höchst unzulässige bezeichnen; ich rufe den Abgeordneten zur Ordnung!) Redner bemängelt es dann, daß zwar militärisch- strategische Bahnen gebaut werden, aber nicht solche, welche die Bevölkerung und namentlich die Landwirth- s ch a f t verlangt; er tadelt das S p a r s y st e m der Reichsbahnen, die mangelhaften Personenwagen und die beschränkten Bahnhöfe, z.B. in Mülhausen undKolmar. Redner tadelt die Behandlung der Unterbeamten seitens der höheren Beamten, nanienllich bei den Reichstagswahlen und fordert die Verwaltung auf, die Reichseisenbahn- Beamten zu bewahren vor der Berührung mit gewissen Lockspitzeln, die sich in Frankfurt a.M. an die Eisenbahn beamten gemacht haben, um zu Pflichtwidrigkeiten zu verleiten. Redner tritt schließlich auf grund einer Petition für die Verbesserung der Lage der Telegraphiste» der Reichseisenbahnen ein. Geheimralh Wackerzapp: Die Regierung wird nicht blos von fiskalischen Interessen geleitet. Weder bei der Anlage der Eisenbahnen, noch bei der Behandlung der Beamten. Es handelt sich schließlich nur noch um die Herstellung untergeordneter Eisenbahnlinien, die man in Preußen und anderwärts dem Privatkapital und den Gemeinden überläßt. In Elsaß- Lothringen werden die Eisenbahnen von der Reichsverwaltung gebaut, man verlangt nur Zuschüsse der Gemeinden dazu, damit das von Reichs wegen angelegte Kapital sich einigermaßen verzinst. Dem Mangel an Personenwagen wird abgeholfen durch eine Forderung, welche im laufenden Etat zur Vermehrung derselben bestimmt ist. Der Bahnhos Mülhausen befindet sich bereits im Umbau. Von den einzelnen Fällen, die der Vorredner angeführt hat, ist mir nichts bekannt. Bezüglich der Telegraphiste» unterscheiden wir zwischen denen, welche nur für den inneren Stationsdienst Verwendung finden können, und den mehr befähigten, welche mit dem Privatdepeschen-Berkchr zu thun haben. Der Dienst der ersteren ist ein mehr mechanischer. Die Petition dieser Beamten verdient kaum eine Berücksichtigung. Redner erklärt sich gegen den Antrag Hamniacher, der die Stellen der achtzig Eisenbahn-Sekretäre und der zwei Materialienverwalter künftig wegfallen lassen will. Die Stellen sollen umgewandelt werden; die Bezeichnung„künftig wegfallend" würde der Verwaltung� hinderlich sein. Abg. Bncb(Soz.): Am Bahnhof Mülhausen doktert man immer herum; man sollte aber etwas Durchgreifendes thun zur Verbesserung der Verhältnisse. Abg. Hammacher(natl.): Der Vorredner hätte seine Rede bei der zweiten Lesung halten sollen. Seine Darstellung der Entwickelung der elsaß-lothriugischen Eisenbahn- Verhältnisse giebt ein verzerrtes Bild; denn die Verwaltung der Reichs- Eisenbahnen ist eine durchaus mustergiltige. Redner zieht seinen Antrag wegen der künftig wegfallenden Stellen zurück. Der Etat der Reichs-Eisenbahnen nMrd bewilligt. Beim Kapitel„Bankwesen" koinmt der Präsident der Reichsbank Koch auf die Frage der Lombardirung der Pfand- bliese zurück, die vom Abg. H o l tz in zweiter Lesung angeregt worden ist, und erklärt: Es ist hier gesagt worden, daß die Pfandbriefe deshalb so schlecht untergebracht werde» können, weil die Reichsbank sie bei der Lombardirung nicht in derselben Weise be- handelt wie die Staatspapiere, trotzdem sie dieselbe Sicherheit bieten. (Zuruf rechts: Sehr richtig!) Wenn Sie auch /«sehr richtig" rufen, so ist das doch nicht richtig. Hinter den Slaatspapieren steht die gesammte Steuerkraft des Reiches bezw. der Einzel- stauten, während für die landwirthschaftlichen Pfandbriefe doch höchstens der Bezirk einer Provinz die Bürgschaft leistet. Die Pfand- briese sind außerdem der Gefahr der Konvertirung sehr viel inehr ausgesetzt als die Staatspapiere, welche eine größere Sicherheit bieten. Namentlich in geldschwachen Zeilen würde der Anreiz zum Lombard sehr erheblich wachsen, so daß wir vielleicht den Lombardverkchr überhauvt nicht aufrecht erhalten könnten. Es wird von allen Kennern deS Lombardwesens anerkannt, daß die Lombardanlage nicht so viel werth ist, wie die Geldanlage. Alle großen Staatsbauken haben das zum Ausdruck gebracht. Ich erinnere Sie daran, daß 59 pCt. der sämmtlichen Wechsel- bestände aus der Landwirthschaft herstammen.(Widerspruch rechts.) Wir sind bei der Konvertirung der Pfandbriefe in sehr großem Umfange bereit gewesen, eine Erleichterung der Konver- tirung herbeizuführen, z. B. bei den schlesischen Pfandbriefen. Mit diesem Dienst der Reichsbank sollte die Landwirthschaft zu- frieden sein.(Widerspruch rechts.) Ich will abwarten, ob Sie mich widerlegen könne».(Beifall links.) Abg. Holtz(Rp.) bedauert, vom Präsidenten der Reichsbank eine so wenig aussichtsvolle Auskunft erhalten zu haben. Abg. Graf Arnim(Rp.): Ich stelle die Autorität der Generallandschaften der Autorität des Reichsbank-Präsidenten gegenüber, der mehr technische Rücksichten und mehr die Rück- sichten auf die Bankantheilseigner im Auge hat, als die Rück- sichten auf die Landwirtschast.(Sehr richtig! rechts.) Wem kommt denn der Kredit der Reichsbank zu gute? Von den zwei Milliarden Mark in diskontirten Wechseln ist ein großer Theil zum Privatdiskont seitens der Bankiers dis- kontirt und zur Spekulation verwendet worden, die zu dem sehr bedenklichen Krach im November geführt hat. Die Krisis trat ein, weil der Wiener Krach früher kam und wir nicht zur vollen Entwickelung der Hausseperiode kamen; sie hatte ihren Grund darin, daß die Spekulations-, die Spielpapiere aus einen schwindelhasten Kurs getrieben waren, der zusammen- stürzen mußte, sobald Geldknappheit eintrat, und diese mußte eintreten, denn die Reportsätze konnten nicht weiter so hoch ge- halten werden wie im November. Ein Spekulant hat mit 1999 M. ein Ultimogeschäft von kamen Reportsätze von 6, 8, ja Ist das ein wirklich guter, der Kredit besser, den der 69 999 M. gemacht, es 19 bis 12 pCt. heraus. solider Kredit oder ist Landwirth beansprucht; wenn er 5—6999 M. Pfandbriefe hinlegt, um ein paar Ochsen oder Pferde zu kaufen? Aber hier heißt es: von liquob; die Thüren werden verschlossen, es wird nichts verabreicht. Die Ausgabe der Reichsbank ist es aber. einen gesunde» Kredit zu gewähren. Die Schuldverschreibungen der kommunalen Körper- schaflen müssen ebenso behandelt werden, wie die Staatspapiere; die sind absolut einwandsfrei, und wir haben in der Börsen- kommission für diese ein Einreichen der Prospekte nicht ins Auge gefaßt. Reichsbankpräsident Koch: Meine Hauptbedenken sind vom Vorredner garnicht gestreift worden, es handelt sich nicht um banktechnische Bedenken, sondern um Gründe von der allergrößten materiellen Bedeutung. Zur Zeit des Börsenkrachs im No- vember war von Privatdiskont gar keine Rede, den benutzen nicht die Bankiers, sondern hauptsächlich die Industriellen. Graf Arnim versteht von Baukverhältnisscn außerordentlich wenig. Wenn er glaubte, daß wir Rücksichten nehme» auf die Antheils- eigner, so sind wir gegen diesen Vorwurf seit langen Jahren gedeckt. Wir haben immer das Interesse des Landes im Auge gehabt, nicht die Vermehrung der Dividenden der Antheils- eigner. Abg. t». Kardorff(Rp.): Daß wir von der Seite keine Hilfe zu erwarten haben, wisse» wir längst. Die landschaftlichen Zinse» sind heute zu hoch, die Laudwirthe müssen darauf dringen, ihre Schulden zu konvertiren zu niedrigerem Zinsfuß. Wir bitten die Reichsbank darum, sie solle das erleichtern— nein, bewahre, das geschieht nicht. Ich glaube, wenn noch ein Land- wirth darüber im Zweifel gewesen ist, ob eS nützlich ist, daß die R e i ch s b a n k einmal v e r st a a t l i ch t ivird, der unvd heute außer Zweifel sein, daß es geschehen muß.(Beifall rechts.) Abg. Mcycr-Halle(frs. Vg.): Ich nehme an, daß die- jenigcn Herren, welche den Börsenverkehr von allen Aus- schreitungen reinigen wollen, ein Interesse habe», unsere Reichs- dank in einem soliden Zustand zu erhalten; sie müssen nicht darauf hindrängen Schritte zu thun, welche zu einer Krisis führen müssen.(Widerspruch rechts.) Die Reichs» dank soll nicht jeden Kredit, auch nicht jeden soliden Kredit, sie soll kurzen Kredit geben, wie sie ihn nimmt, weil sie eine große Menge stets fälliger Verbindlichkeiten hat. Sie ist garnicht in der Lage, den Lombardkredit in schranken- loser Weise auszudehnen, weil der Notenverkehr aus den Wechsel- verkehr sich gründet. Wenn die Bank den Wechselkredit zu Spekulationszwecken eröffnen würde, dann würde sie ihre Befug- nisse überschreiten. Ein solcher Vorwurf müßte aber erst durch Thatsachen wahrscheinlich gemacht werden. Daß die Reichsbank Rücksicht auf die Dividenden der Antheilseigner nehmen soll, läßt sich nicht behaupten, wenn man die Dividenden anderer Banken mit denen unserer Bank vergleicht. Bei einer Vcrftaat» üchung der ReichSbank würden dieselben Prinzipien wie jetzt be- obachtet werden müssen. Abg. Graf Arnim(Rp.): Ich möchte darauf hinweisen, daß Berufsgenofsenschafren und andere Ge» ossenschaften nichtPfandbriefe kaufen, sondern Anleihen, weil sie diese leichter bei der Reichsbank lombardiren können. Es ist allerdings wünschenswerth, daß unsere Etatsanleihen möglichst bei uns untergebracht werden aber dazu giebt es andere Mittel; z. B. das, daß die Zins koupons von den Steuererhebern und von der Post in Zahlung genommen werden. Herrn Meyer zu überzeugen gebe ich auf als Vertheidiger der Börse konnte er ja nicht anders als sich au den Standpunkt des Reichsbankpräsidenten zu stellen. Ich möchte aber Herrn Meyer fragen, was er denn unter einem unter allen Umständen soliden Geschäft versteht.(Zurus Rickert's: wo man das Geld wiederkriegt! Heiterkeit.) Reichsbankpräsident Koch: Die Pfandbriefe haben nur einen kleinen Markt; sie können nicht zur Arbitrage verwendet werden; darin liegt die Erklärung dafür, nicht in ihrer Sicherheit. Damit schließt die Diskussion. Im übrigen wird der Etat ohne weitere Debatte genehmigt. Beim Etatgesetz wird ent- sprechend den Beschlüssen des Hauses über die Vorlage wegen der Schuldentilgung der in zweiter Lesung angenommene§ 7 (Antrag Lieber) gestrichen und dem entsprechend auch die Anleihe anderweitig bemessen. Damit ist die dritte Lesung des Etats erledigt; der Eta wird im ganzen gegen die Stimmender Sozial demokraten angenommen. Angenommen werden schließlich noch einijje in der zweiten Lesung bereits berathene Resolutionen: I.Hitze wegen Zusammenstellung der aus grund des§ 120c erlassenen Verordnungen; 2. Gröber wegen der warmen Abendkost für die Mannschaften des Heeres; 3. Schädler wegen Umgestaltung des Postzeitungstanss und 4. Schädler wegen der Posd assistenten. Abgelehnt dagegen wird die Resolution Lingens den Allerheiligen- und Frohnleichnahmstag als Feiertag für die Postverwaltung anzuerkennen. Schließlich wird das Gesetz betr. die Verwendung über schüssiger Reichseinnahmen zur Schulden t i l g u n g in dritter Lesung angenommen. Schluß nach S'/z Uhr. Nächste Sitzung Donner st ag. 16. April 2 Uhr(zweite Berathuug des Gesetzentwurfs betr. die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs). WÄvlÄmenkarifrhes. Aus der Wahlprüfnngs- Kommission. Der Bericht der Wahlprüfungs- Kommission des Reichstages über die Wahl des Mg. Meyer- Halle ist zur Vertheilung gelangt. Die Wahl ist in der Kommission bekanntlich nnt 8 gegen 5 Stimmen für u n g i l t i g erklärt worden. Abgabentarif für den Nordostsee-Kanal. Dem Reichstag ist heute der schon angekündigte Gesetzentwurf über den Abgaben- tarif für den Rdldostsee-Kanal zugegangen, welcher bestimmt, daß die Frist, binnen welcher die Festsetzung des Tarifs für die Kanab abgäbe dem Kaiser im Einvernehmen mit dem Bundesrath über lasten bleibt und welche mit dem ersten Jahr nach der voll ständigen Inbetriebsetzung des Kanals abläuft, sich bis zum 30. September 1393 erstrecken soll. Uokales� Die Abonnenten des„Vorwärts" im Südosten werden für den Fall, daß sie die Wohnung wechseln, gebeten, ihre neue Adresse dem Zeitungsboten oder einer der unterzeichneten Per- sonen frühzeitig mitzutheilen, damit alle Unregelmäßigkeiten in der Besorgung des Blattes vermieden werden. An den nach stehend verzeichneten Stellen werden auch Neubestellungen auf den„Vorwärts", den„Wahren Jakob", den„Süd deutschen Postillon" und die sonstige Arbeiterliteratur entgegen genommen: Erbe, Cuvrystr. 2S. Tolksdorf, Görlitzer- straße öS. G e s ch e, Wrangelstr. 63. Reichert, Köpnicker- ftraße 194. Schilling. Pücklerstr. SS. Streit, Naunyn- straße 86. Gottfried Schulz, Admiralstraße Nr. 40a. Brödenfeld, Manteuffelstr. 68. G o lz, Grünauerstr. 3. Köppen, Reichen bergerstr. 118. Thiel, Skalitzerstr. 85. Seidler, Ratiborstr. 16. In Angelegenheit des Erwerbes des Jnselspeicher-Grund> stückes An der Fischerbrücke 17/18 hat der Ausschuß der Stadt verordneten-Versammlung unter Vorsitz des Stadtverordneten Reiß beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, den diesbezüglichen Antrag abzulehnen, da die Nothwendigkeit und Nützlichkeit des Erwerbes des ganzen Jnselspeicher-Grundstückes nicht nachgewiesen sei und daß im übrigen, selbst wenn dies der Fall wäre, der ge forderte Preis ein so exorbitant hoher sei, daß auf eine Ver- Handlung mit dem Besitzer nicht eingegangen werden könne. Der Ausschuß für Brückenbauten, der in der letzten Stadt verordnetensitzung eingesetzt worden ist, hat den Bau der Brücke im Zuge der Köthenerstraße abzulehnen empfohlen; dagegen er- klärte sich der Ausschuß mit dem Umbau der Potsdamer Brücke, der Schöneberger Brücke und der Alsenbrücke mit einigen Ab- Änderungen einverstanden. Die Gemeiudevertreter- Wahle» in Lichtenberg- Friedrichsberg, welche letzthin in der dritten Abtheilung der „Röder-Partei" zum Siege verhalten, werden vom Wahl vorstand selbst für ungiltig erklärt; diese Körperschaft hat unter Beifügung derWahlakten und des Wahlprotokolls beim Landrath selbst beantragt, die Ungiltigkeit der Wahlen anszusprechen. Nicht nur die Wählerlisten sollen unrichtig aufgestellt und ausgelegt sein, sondern auch der Wahltermin ist ordnungswidrig bekannt gemacht worden Der Hauptberwaltungsbericht des Magistrats für 1893/94 ist jetzt endlich erschienen, erst 24 Monate nach Ablauf des Berichtsjahres. Daß dieser die allgemeine Verwaltung des Magistrats behandelnde Bericht, der den Finalabschluß bringt, erst ziemlich spät veröffentlicht werden kann, liegt in der Natur der Sache. Aber die Frage, ob denn nicht eine etwas frühere Veröffentlichung möglich gewesen wäre,— die Berichte für 1690/91, 91/92 und 92/98 kamen doch wenigstens schon 11 bis 14 Monate nach Ablauf des betreffenden Berichtsjahres heraus— erscheint nicht unberechtigt, wenn man steht, wie die meisten Angaben in dem neuesten Berichte, Vollständigkeit und Verständlichkeit 1894/9S vorweggenommen, bereits Späteres überholt sind. Geradezu wenn erst jetzt mitgetheilt wird, formirung des Berliner Nachtwachtwesens zu werden s ch ein t", oder daß die obwohl darin der wegen manches aus veraltet und durch lächerlich wirkt es, daß mit der Re „ernstlich begonnen elektrische Straßenbahn Gesundbrunnen— Pankow die erste in Berlin„sein w i r d" u. f. w. Dabei trägt der Bericht das Abschlußdatum des 12. März 1896(!). Vom Rothstand. Im jetzt erschienenen Haupt-Verwaltungs» bericht des Magistrats für 1893/94 steht zu lesen:„Fürjdie Mehr- zahl der Handels» und Industriezweige Berlins war das Jahr 1893 ebenso wie seine beiden Vorgänger ein ungünstiges. Die Gründe hierfür mögen vielfach noch in dem fortdauernden Rückschlag der Ueberproduktions-Periode von 1687—90 zu suchen sein; andererseits fehlte eine genügende Kaufkraft in den breiten Massen des Volkes." Bekanntlich beschäftigte sich die Stadt- verordneten- Versammlung auch im Winter 1893/94 mit der Nothstandsfrage. Damals wurde zum Antrag Singer auf Be- fchaffung von Arbeit zur möglichsten Steuerung der immer wachsenden Arbeitslosigkeit vom Magistratstische aus erklärt, daß von einem besonderen Nothstande keine Rede sei» könne. Zum„Humor in der Schule" theilt die„Vollsztg." wieder einmal einige„Proben aus der Praxis" mit, darunter zwei der bekannten, fehlerhaften und ungewollt komischen Entschuldigungszettel, die eine Berliner Lehrerin einem Reporter übergeben hat. An sich sieht ja die Sache sehr Harm- los aus. Man nehme aber mal den Fall an, daß die Schreiber der Zettel die Notiz lesen und sich der Heiterkeit des Publikums preisgegeben sehen! Für empfindliche Leute ist das mindestens nicht angenehm, zumal der Umstand, daß die Vornamen und die Slnfangs- buchstaben der Familiennamen der betreffenden Kinder mit ver- öffenllicht sind, es der lieben Nachbarschaft nicht zu schwer macht, die Zettelschreiber in Person herauszufinden. Die Lehrerschaft klagt über den Mangel an Liebenswürdigkeit, den sie hier und da bei den Eltern ihrer Zöglinge findet. Aber durch die ge- wohnheilsmäßige Veröffentlichung solcher meist durchaus gut- gemeinten Entschuldigungszettel wird das Verhältniß zwischen Schule und Haus doch wahrhaftig nicht gebessert, abgesehen davon, daß auch die Leistungsfähigkeit der Volks- schule selber dadurch keineswegs in ein vortheil- Haftes Licht gerückt wird. Wir halten die Weitergabe solcher Zettel an die Presse, um das Lesepublikum damit zu belustigen, nur für eine alberne Kinderei. Es könnte aber doch mal vorkommen, daß eine Mutter, die sich da- durch beleidigt fühlt, sie als eine Unverschämtheit ansieht und als solche bezeichnet. Sie würde dann selbstverständlich, weil sie„in der Form gefehlt" hat. wegen Lehrerbeleidigung bestrast iverden, und die pädagogische Fachpresse hätte wieder einmal einen Anlaß, über die Rohheit der Berliner Arbeiterfrauen und über ihren Mangel an Respekt vor den Lehrern und Lehrerinnen ihrer Kinder zu jammern. Der Jugend zum Schutz! Zu der Geißelung des von uns an's Licht gezogenen Denunziantenblattes„Jugendschriften- Warte" schreibt uns ein Lehrer: Diese widerliche Denunziation ist ausgegangen von derselben Stelle, die erst vor kurzem in letzter Instanz wegen ehrenkränkender Beleidigung durch die Presse zu einer größeren Geldstrafe verurtheilt worden ist. Habe» schon die Ergebnisse dieser Verhandlungen und noch mehr die dieselben begleitenden Nebenumstände in der Lehrerschaft lebhaftes Mißbehagen verursacht, so empfindet man jetzt geradezu einen Ekel vor solch' einer„That", wie sie in der erwähnten Denunziation vorliegt. DieLehrerschaft bedankt sich bestens vor einer Staats- und Seelenretlerei, wie sie die Jugendschristen-Kommission treibt, und wovon der„Vorwärts" ein paar köstliche Proben her- vorhob. Die beste Zensur an dem verwerflichen Vorgehen hat eigentlich die Polizei selbst geliefert. Sie hat damals die An- geberei unbeachtet gelassen, ivahrscheinlich fand auch sie keinen Gefallen daran. Erst die Nach-Köller'sche Zeit hat sich der Ein- gäbe des fürsorglichen Leiters der Jugendschriften-Warte erinnert und seinem Bangen um das Seelenwohl der Arbeiterkinder ein Ende gemacht. Die verdienstvolle Arbeit der Jugendschriften- Wache hat endlich die Anerkennung erlangt, die ihr trotz allen Eifers in Lehrerkreisen versagt blieb, und die Reihen der Kämpfer gegen den Umsturz sind um einen Neuen reicher. Die Lehrerschaft aber steht beschämt, daß ein solcher Streiter, dessen Waffe Denun- ziation heißt, aus ihrem Kreise hervorgegangen ist. Die christliche Zeitnng„Das Volk" druckt das vor einigen Tagen von uns bekannt gegebene Geschäftszirkular der (Heiraths-) Auskunftei Salo Richter ab und benutzt diese Gelegenheit, uns wie folgt anzuhadern:„Weiß der„Vor- wärls" nichts von dem„Schadchen", der fast bei jeder jüdischen Ehe eine wirksame Rolle spielt? Wir empfehlen ihm die besondere Lektüre des Jnseratentheiles der„Voss. Ztg.", des„Berk. Tagebl." und anderer Blätter, da wird er genug Fingerzeige darüber finden, in welchen Kreisen Ehen durch Vermittler, vorkommendenfalls auch durch eine Auskunftei wie die des Salo Richter vornehmlich geschloffen werden. Christliche sind es eben nicht."— Wer im Glas- Hause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Jeder vorurtheils- freie Mensch weiß, daß das Schachergeschäst in der bürger- lichen Ehe sich nicht den Deut um die Religion kümmert und daß fast jede Nummer einer größeren Zeitung Anzeigen enthält, in denen verkrachte Edelste und Beste christlicher Religion sich jüdischen Bankierstöchtern zur Verkuppelung anbieten. Ueberdies sollte doch wohl auch der Redaktion des„Volk" der Fund einer Photographie in der Wohnung der Flora Gaß bekannt sein, welche die Heiligkeit der christlichen Ehe ganz besonders schön illustrirt. Aus dem Reiche des Herrn Thiele». In bürgerlichen Blättern wird periodisch über die Verantwortlichkeit gewisser Subaltern-Bahnbeamten, z. B. der Stationsassistenten Klage ge- führt und demgegenüber die lange Dienstzeit sowie das geringe Gehalt, welches mit 1S00 M. beginnt und bis 2200 M. steigt, hervorgehoben. Es sei zugegeben, daß bei dieser Beamtenkategorie schwere Mißstände herrschen, namentlich was die Verantwortlich- keit für die Personenbeförderung betrifft. Man vergißt aber regelmäßig, daß es noch untergeordnetere Bahnbeamte giebt, die im großen und ganzen zu den Arbeitern zu rechnen sind, ein wesentlich geringeres Einkommen haben, wie die Stations assistenten und neben weit angreifenderer Dienstzeit mindestens die gleiche Verantwortung. Solche Beamte sind Rangirer und Weichensteller, die letzteren hauptsächlich soweit sie an den Zenlralhebeln stehen. Es sei hier ein besonders krasses Beispiel au den Verhältnissen auf dem Ham burger Güterbahnhofe vorgeführt. Daß es sich um Güterverkehr handelt, ist nebensächlich, da auch hier immerhin Menschenleben auf dem Spiel stehen. Die Stationsassistenten dort leisten nie mehr als 9>/2 Stunden Dienst innerhalb 24 Stunden und zwar noch mit 2— 3 stündiger Unterbrechung; dazu haben sie noch 2 Tages- und 3 Nachtschichten je 24 Stunden frei. Das Rangir- personal hat nach vier Tagesschichten mit je 12 Stunden ununter krochen und vier ebenso langen Nachtschichten gleichfalls 24 Stunden frei, ist also verhältnißmäßig auch noch nicht allzu schlecht daran. Weit ungünstiger steht es mit den Weichenstellern. Sie leisten Dienst die eine Woche 12 Stunden hintereinander bei Tage, die andern 12 Stunden hintereinander bei Nacht; am Montag aber, wenn Auswechselung vor sich geht, ist der Dienst so eingerichtet, daß er innerhalb 36 Stunden mit zwei Unterbrechungen nicht weniger als 28 Stunden währt! Durch Ein stellung einer„fliegenden Kolonne", wie beim Rangirpersonal, könnte diesem Mißstande mit einem Schlage abgeholfen werden. Es ist unnütz, aus solcher Einrichtung des Dienstes die Kon- sequenzen zu ziehen, sie liegen auf der Hand. Doch darauf sei hingewiesen, daß diese Ausnutzung der Arbeitskraft von Bahn- beamten, die sich auf einem äußerst verantwortungsvollen Posten befinden, den maßgebenden Ministerial- Vorschriften nicht ent- 'pricht. Die hiesige Gcwerbe-Jnspcktion veranstaltet, wie ein BerichterstaUer zu melden weiß, jetzt Aufnahmen über das Vor- kommen einzelner Hautkrankheiten. Es handelt sich um die Fest- stellung der Häufigkeit von Hautekzem beb den einzelnen Ge- werben. Zu diesem Zwecke haben aus Veranlassung der Gewerbe- Inspektion die einzelnen Krankenkassen sich mit einem besonderen Ersuchen an die Kassenärzte gewandt. Da auf den Kranken- 'cheinen von den Kassenärzten meistens die Krankheiten nur ganz allgemein z. B. als Lungenleiden, Hautleiden ec. bezeichnet werden, so wünschen die Kassen von jetzt ab eine genaue Be- Zeichnung; namentlich aber soll in allen Fällen, wo es sich um Ekzem handelt, statt der allgemeinen Diagnose die spezielle Krankheitsart genannt werden. Aus diesem Wege hofft die Ge- werbe-Jnspektion über die Häufigkeit des Ekzems in den einzelnen Gewerken annähernden Aufschluß zu gewinnen. Postbureaukratie. Ein kleiner Zopf scheint dem Post- amt 12 nach hinten zu hängen. Einer Firma in der Zimmer- traße, die dort schon seit 5 Jahren besteht und der bis dahin alle Sendungen ohne weiteres ausgehändigt wurden, werden, wie ein Berichterstatter zu melden weiß, von diesem Amte seit einiger Zeit nicht einmal mehr gewöhnliche Briefe verabfolgt, da die Firma gerichtlich nicht eingetragen fei. Die Postverwaltung mag ja dabei der Form nach im ihrem Rechte sein, was aber dabei thatsächlich herauskommr, zeigt sich mitunter an Fällen wie dem folgenden. Die Firma be- antragte vor einigen Tagen schriftlich beim Haupt- Fernsprech- amle die Verlegung ihres Anschlusses. Das Fernsprech- Amt IV schrieb darauf, daß der Antrag vorgemerkt sei und daß die Verlegung 15 Mark koste. Diesen Dienstbrief des Stadt- Fernsprech- Amtes IV händigte jedoch das Postamt 12 nicht an die Firma aus, sondern ließ ihn zurück- gehen. Nun sandte das Fernsprechamt einen eigenen Beamten und ließ durch diesen sein Schreiben unmittelbar zustellen. Merkwürdig aber ist, daß das Postamt 12 durch feine Beamten 5 Jahre lang und auch noch in den allerletzten Tagen von der nicht eingetragenen Firma sowohl die Vierteljahres-Beiträge für den Anschluß als auch die Gebühren für Einzelgespräche nach auswärts regelmäßig eingezogen hat. Von der Erhöhung der Fleisch- und Brotpreise um 10 pCt. war der Tagespresse bekanntlich vor gut einer Woche Mittheiluna gemacht worden, worauf sich die Bäcker- und Schlächter-Jnnungsmeister mit verdächtigem Eifer bemühten, die gebrachte Nachricht zu dementiren. In dieser Angelegenheit schreibt jetzt die„Berliner Ausstellungs-Zeitung": Etwas Wahres ist unseren Informationen zufolge an der Sache; aber die Nach- richt kam zu früh in die Oeffentlichkeit und verdarb den Herren, welche die Ueberrumpelung des Publikums geplant,— zu ihrer Ehre sei es gesagt: nur eine kleine Anzahl von Bäckern und Schlächtern war für die Erhöhung— das Konzept. Jetzt wird natürlich zum Rückzug geblasen und so gethan, als ob die Sache auf purer Erfindung beruhte. lieber daö neue AusstattungS-Theater in der Magazinstraße wird geschrieben: Der Bau des„Olympia-Riesentheaters" auf dem Grundstück Magazinstraße 3—11. Ecke Alexanderstraße. für die Aufführungen des Ausstattungsstückes:„Eine Mission nach dem Orient!", ist bereits so weit gefördert, daß die Eröff- nung für den 1. Mai geplant ist. Der Zuschauerraum, für 4000 Sitzplätze eingerichtet und in der Form eines Amphitheaters hergestellt, hat eine Steigung von 1:8, d. h. die hintersten Reihen steigen bis zu einer Höhe von S Metern an und bietet derselbe daher jedem Zuschauer einen freien und unbehinderten Blick auf die gewaltige Bühne.— Zwischen Bühne und Zuschauerraum befindet sich ein 12>/s Meter breites und 64 Meter langes Wasserbassin mit zwei seitlichen Häfen zur Aufnahme einer Flotte. Dieser Raum wird in Eisen überdeckt und zwar mit zwei 64 Meter breiten eisernen Bindern, deren Mitteljoch 44 Meter freie Breite hat. Zu beiden Seiten führen zwei Treppen zur Bühne behufs Benutzung bei Landung der Mann- schaften.— Die eigentliche Bühne, welche ganz in Eisenfachwerk hergestellt ist. hat eine Größe von 64X20 Meter, die beider- seitigen Kuliffenräume sind je 10 Meter breit, so daß eine lichte Bühnenöffnung von 44 Metern entsteht,— eine Dimension, wie sie noch nicht dagewesen ist; einen Vergleich bietet die Bühne des königlichen Opernhauses mit ca. 18 Metern Oeffnung. Um eine Anschauung von den Räumlichkeiten zu geben, auf welchem sich die Szene entwickelt, sei bemerkt, daß Bühne und Waffer zu- sammen 2100 Quadratmeter enthalten. Ein drolliger Sängerkrieg ist zwischen der„Staatsbürger- Zeitung" und der„Volkszeitung"zentbrannt. Unter der Stich», arke „Juden in der christlichen Kirche" schreibt man dem anti- semitischen Blatt:„Am Freitag, den 27. d. M.. findet in der Garnisonkirche ein großes Kirchenkonzert statt, in welchem der Sologesang„Jesus in Gethsemane" von einem orthodoxen Juden gesungen wird. Es ist himmelschreiend!"— Wir möchten wissen, entgegnet hierauf die„Volkszeitung", ob es„Himmel- schreiend" ist. daß es gerade ein orthodoxer Jude sei, oder ob es nicht auffallend wäre, daß ein freisinniger Jude sich in der Kirche hören ließe. Die Veranstalter der Aufführung sind jedenfalls der Ansicht, daß es hierbei mehr aus die Stimme, als auf die Rechtgläubigkeit ankomme.— Uns soll nicht wundern, wenn der jüdische Sänger wirklich das Feld räumen muß. Hammerstcin's Gefangenschaft. Eine Berichtigung auf grund des Preßgesetzes, die interessant genug ist, um auch ohne Ausforderung nachgedruckt zu werden, geht dem„Saalfelder Volksblatt" aus Berlin zu:„Dem Untersuchungsgefangenen Freiherrn v. Hammerstein ist kein„Zimmer" angeiviesen und kein Sopha gewährt. Vielmehr ist derselbe seit seiner Ein- lieferung in einer gewöhnlichen Zelle internirt. Seine Ver- nehmungen durch den Untersuchungsrichter erfolgten im Ver- handlungszimmcr des Untersuchungsgefängnisses nicht in der Absicht, etwa den Angeschuldigten vor anderen Untersuchungs- gefangenen zu bevorzugen, vielmehr zu dem Zwecke, um jedem Verkehr des Angeschuldigtetz mit dem Publikum und ferner jedem Fluchtversuch vorzubeugen. Berlin, den 12. März 1896. v. Bornstedt, Gefängnißdirektor. Brandt, Land- und Unter- suchungsrichter." Unser Saalfelder Partei-Organ hatte die be- richtigte Mittheilung seinerzeit einem Berliner bürgerlichen Blatte entnommen. Vom bureaukratischen Wirken der Berliner Kriminal- Polizei weiß das„Verl. Tagebl." folgende Geschichte zu erzählen: Der Kriminalkomnnssar Braun, ein alter, äußerst tüchtiger Be- Pnter, bekommt die Mittheilung, daß aus einem Geldspinde in dem Hause, in welchem er wohnt, 300 M. gestohlen worden seien. Die Umstände lagen so, daß angenommen werden mußte. der Diebstahl sei von einem Hausgenossen ausgeführt. Da«in Zögern den Erfolg der Ermittelungen in Frage stellen mußte. griff er sofort ei», ermittelte die Thäterin und rettete das gestohlene Geld. Daraufhin wurde er von einem Vorgesetzten gefragt, wie er dazu käme, diese Sache zu bearbeiten und sich in ein sremdes Ressort zu mischen? Wir bemerken, daß Braun der Inspektion L angehört, bei welcher nur die gewerbsmäßigen Diebstähle, also nicht Gelegenheitsdiebstähle bearbeitet werden. Herr Braun ant- wartete, daß, wenn er nicht sofort eingeschritten wäre, es nicht möglich gewesen sein würde, etwas zu ermitteln. Ihm wurde aber darauf nochmals entgegnet, daß eine derartige Einmischung nicht zulässig sei. In der Freien Literarischen Vereinigung spricht am Freitag, den 27. März, abends Si/4 Uhr, im Bürgersaale des Rathhauses(Eingang von der Königstraße) Herr Geh. Reg.-Rarh Professor Dr. W. Förster über:„Die sittliche Freiheit und Verantwortlichkeit im Gemeinschaftsleben." Ein freier Meinungs- auslausch schließt sich dem Vortrage an. Gäste haben freien Zutritt. Zur Frage der Auölicfernng Dr. Fritz Fricdmanns wird dem„Berliner Tageblatt" aus Paris gemeldet: Die französische Regierung hat nunmehr der deutschen die ersten Mittheilungen über den Stand der Friedman»- Affäre gemacht. In dem Schreiben wird bemerkt, daß Friedmann gegen seine Auslieferung ernsthaste Einwände erhoben habe, und daß die französische Regierung daher weitere Aufklärungen über die genannte Angelegenheit erbitten müsse. In der Anlage des Schreibens werden einzelne Punkte. über welche die französische Regierung Aufklärung wünscht. aufgeführt. Nach alledein scheint Friedman»'? Widerstand gegen seine Auslieferung vorläufig nicht aussichtslos. Der am Montag verhaftete Bankier heißt Paul Berend, er ist Inhaber der Firma Max Berend u. Co., Neue Roßstr. 23. Unter den durch die Unterschlagungen Berend's Geschädigten be- finden sich namentlich Geschäftsleute aus der Nachbarschaft. Die Strafanzeige ist von einem Drogenhändler ausgegangen, der 16 000 M. italienischer Rente zum Ankauf von Börsenpapiere an Berend übergeben hatte. Berend ist, dem„Verl. Tagebl." zu- folge, zur Unterschlagung dieser und anderer Summen durch seine Betheiligung an der Gründung der Echloßbrauerei Hohen- Schönhausen„veranlaßt" worden. Er hatte die Mittel zur Gründung der Brauerei hergegeben, hatte dann aber doch Be- denken gehegt, ob es möglich sein würde, das Geschäft durchzu- führen. So hatte er sich von der Unternehmung zurückgezogen nicht mein Engel, dann meinetwegen auch mein Bengel!" Der zur Verfügung stehenden Gaal des Herrn Settekorn, Bindenund versucht, das eingelegte Rapital zurückzuerhalten. Hierzu Angeklagte, dem die beleidigenden Aeußerungen zugefehrieben straße. Genosse Freiwald hielt einen beifällig aufgenommenen bedurfte es aber eines langwierigen Prozeffes, und noch ehe worden waren, gab in der Verhandlung an, daß nicht er, son- Vortrag über das Thema: Der 18. März, ein Gedenktag des diefer, wie zu erwarten stand, für ihn günstig ausfiel, wurde dern sein 20jähriger Sohn, welcher seit dem 13. Januar zur Proletariats. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen Berend verhaftet. Kur in Barcelona weilt, jenes Gespräch geführt habe. Auf eine und richtete hierauf Genosse Krause an die Anwesenden Eheschließungen. Im Jahre 1895 find also in Berlin, diesbezügliche Anfrage habe derfelbe es in einem Briefe zu- das Ersuchen, sich dem Arbeiterverein für Pantom und wie die Vergleichung mit der jeht berechneten mittleren Bevölke- gestanden. Die Beweisaufnahme ließ es denn auch als un- Umgegend anzuschließen. Mit dem Vortrag des Freiligrath'schen rungszahl von 1895 ergiebt, nicht blos absolut, sondern auch zweifelhaft erscheinen, daß nicht der Vater, sondern der Sohn Gedichtes Die Revolution" erlangte die Feier einen würdigen relativ mehr Ehen geschlossen worden als 1894. Bon 1890-94 Der Thäter sei; der Angeklagte mußte deshalb freigesprochen Abschluß. Zum Schluß wies Genosse Rißmann darauf hin, daß in Nieder Schönhausen der Lindengarten sozial. war die Zahl der Eheschließungen, wie bereits mitgetheilt, sogar werden. absolut zurückgegangen, von 17 810 auf 16 820, aber 1895 stieg Einem gewerbsmäßigen Schlafftellendiebe, dem Maler demokratischen Versammlungen nicht mehr sie wieder auf 17 248. Pro Tausend der mittleren Be Otto Mahmoor, wurde in einer Verhandlung der 3. Straftammer zur Verfügung steht. Außer dem Lofal von Settetorn sind völkerung beiratheten 1890: 23,00, 1894: 20,47, 1895: 20,77 am Landgericht I für lange Zeit fein gemeingefährliches Hand zu empfehlen die Lokale von Müller und Wordelmann, Personen. Groß ist die Besserung der Heirathsziffer freilich wert gelegt. Der Angeklagte ist ein Dieb, der viele schwere Vor- beide Kaiserin Augustastraße, Sievert und Rasch, Kaiser noch nicht. ftrafen erlitten hat und immer gleich nach seiner Entlassung Wilhelmstraße, und Hempel, Buchholzerstraße( demnächst im In Adlershof und Umgegend stehen uns folgende Lokale aus der Strafbaft wieder in neuen Spitzbüberein fein Heil sucht. neuen Lokal, gegenüber dem alten). Ende Oktober vorigen Jahres war er nach Verbüßung einer zur Verfügung: Wöllstein's Lustgarten, Schmauser, BismarckNixdorf. Die Freie Bereinigung der Bau- und gewerb Straße. Der Vorwärts" liegt aus bei Schubert, Grünauer längeren Zuchthausstrafe entlassen worden und hatte so- lichen Hilfsarbeiter hatte am 22. März eine Versammlung aneiner fort mit des Diebstahls Spezialität Chauffee, Ece Oppenstraße; Ackermann, Dietrich, Böhmer, Briz, bie fich als äußerst einträglich begonnen, beraumit. Nachdem die Anwesenden das Andenken der März erwies. In In sämmt Meier, Götzke, sämmtlich Bismarckstraße; Benkert, Poranzte, lichen 14 Fällen, welche zur Anklage standen, hatte er sich eine gefallenen geehrt, hielt der Genosse Börsch einen beifällig aufSoltischack, sämmtlich Hackenbergstraße; Kuhle, Kronprinzenstraße, Schlafstelle gemiethet, und zwar unter Angabe eines falschen Besprechung der Vereinsangelegenheiten wurde von dem Mitglied genommenen Vortrag über den Werth der Organisation. Ret Rohde, Helbigstraße. In Beefen bei Königs- Wusterhausen ist Namens und der Behauptung, daß seine Sachen erst am nächsten Neumann die Frage gestellt, wie sich die Vereinigung zum Andas Lokal des Herrn Schumann für uns zu haben. Tage ankämen. In der Nacht hatte er dann seine Schlafgenossen Neumann die Frage gestellt, wie sich die Vereinigung zum AnIn bewußtloſem Zustande wurde vor einigen Tagen oder seine Birthsleute um ihr Geld und ihre Schmudsachen schluß an den Zentralverband verhält. Die Diskussion hierüber abends das 17jährige Dienstmädchen Martha Granzow, erleichtert und war auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Der gab zu einem sehr lebhaften Für und Wider Anlaß, in der sich das in der Elßholzstraße in Dienst war, auf einer Ruhebant auf Angeklagte war in 13 Fällen geständig, der eine Fall mußte als die Mitglieder Heinemann und Höppner gegen den Uebertritt ausdem Teutoburger Plaze aufgefunden. Im Krankenhause am nicht aufgeklärt ausgeschieden werben.' Dem Antrage des Staats- Sprachen. Dieser Ansicht trat denn auch die Versammlung in Friedrichshain, wohin man die Bewußtlose brachte, ftellte fich anwalts gemäß wurde Mahmoor zu 8 Jahren Buchthaus ihrer Mehrheit bei. Am Charfreitag arrangirt der Verein eine heraus, daß fie Sublimat genommen hatte. Das Mädchen hat und 10 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Fußpartie. Treffpunkt im Vereinslokal, Hermann- und Steinsich anscheinend aus unglücklicher Liebe durch Gift tödten wollen. megstraßen Ecke, früh 7 Uhr, für Nachzügler in Adlershof im Restaurant Wöllstein. Schuld. " sehr zufrieden war. Kundin " W Bernau, 23. März. Am Sonnabend hielt Genosse Lieb in einer fehr zahlreich besuchten Volks. = von den Machthabern verfolgt worden, die ein Interesse an der Daß der sogenannte„ Hantgoût" und ein Fäulnik Die Eltern geben einem Postbeamten, dem sie zugethan war, die geruch" nicht dasselbe sind, wurde in einer Verhandlung der Empfindlich geschädigt wurde gestern durch einen an- Ditto Zeng in der Gräfeſtraße, der wegen Bergehens gegen das necht hier 134. Abtheilung des Schöffengerichts gegen den Wildhändler Lenz scheinend irrfinnigen Gesellen der Schlächtermeister F. im Norden Nahrungsmittelgesetz angeklagt war, tlargelegt. Am 31. Dezember versammlung einen Vortrag über die Hah gegen die Sozialder Stadt. Derselbe hatte erst vor zwei Tagen einen neuen vorigen Jahres hatte in dem Geschäfte des Angeklagten die demokratie". Diejenigen Gesellschaftsglieder, die unter den sozialen Gesellen angenommen, mit dessen Arbeitsleistungen er vorläufig Frau Schornsteinfegermeister Schwantte einen Hasen gekauft, der Verhältnissen leiden und eine Abänderung fordern, find allezeit Gestern Morgen begab sich Herr F. nach zur Feier des neuen Jahres am nächsten Mittag verspeist der Markthalle, von der er gegen 10 Uhr vormittags nach Hause werden sollte. Lenz hatte den Hafen, der mit 3,60 m. bezahlt Erhaltung des Alten haben oder zu haben glauben. Es hat nie zurückkehrte. In der Zwischenzeit hatte der neu engagirte Gefelle wurde, als[ ganz besonders schön geschildert, auf Wunsch der etwas genügt. Allein die Welt wird heute mit derselben nega nicht nur bedeutende Fleischposten fleingehauen, sondern auch die Kundin ließ er ihn durch seine Frau spicken und fandte ihn spät den Christenverfolgungen. tiven Weisheit regiert, wie zur Zeit der römischen Cäsaren bei sämmtlichen im Rauchfang hängenden Schinken und Würste zer- abends der Frau Schwantte, sauber in Pergamentpapier ver- Römerreichs stürzte in Trümmer und die heutige Gesellschaft Die altheidnische Gesellschaft des schnitten, wodurch der Schlächtermeister einen Schaden von ca. 1200 M. erlitt. Der Geselle wurde zunächst nach der Polizei- packt, zu. Dieſe ließ das Papier bis zum nächsten Mittag un des Kapitalismus wird in Trümmer stürzen. Das, näher auswache in der Chriſtinenstraße gebracht und von dort zur Beob- geöffnet, als sie dann aber den Hasen braten wollte, zeigte dieser geführt und mit geschichtlichen Beispielen belegt, war der Grundeine theils schwarze, theils grünliche Färbung und entwickelte gebante des Vortrages, mit dem die Versammlung durch Beifall achtung nach der Neuen Charitee überführt. einen furchtbaren Geruch. In dem Glauben, daß der Bewußtlos aufgefunden wurde Montag Nachmittag gegen Geruch sich durch das Braten verlieren werde, brachte sich einverstanden erklärte. 4 Uhr am Brandenburger Thor ein Knabe, dessen Kleider voll- die das Fleisch doch in den Arbeiter Bildungsschule. Brattiegel, ständig durchnäßt waren. Ein Schuhmann des 3. Reviers brachte ihre Hoffnung wurde aber getäuscht, der efelerregende Geruchstraße 179a: Deutsch. Beginn abends 9 Uhr, Schluß 10% Uhr. Die Schulden Hilflosen in die Charité. Als man ihn hier näher unter- zeigte sich nachher nur um so deutlicher. Frau Schwantke versuchte, stellte sich heraus, daß der Knabe vollständig belangte von dem Kaufmann die Hälfte des bezahlten Geldes als Schadenersatz zurück; als sich dieser aber dazu nicht verstehen wollte, übergab sie das Fleisch der Polizei. Der Polizeithierarzt Teicke, der die Untersuchung vorgenommen hatte, gab in der Verhandlung sein Gutachten dahin ab, daß der Hase unzweifelhaft schon verdorben gewesen sei, als ihn der Angeklagte abgab. Beim Spicken hätte der widerliche Fäulnißgeruch und das verfärbte, schmierige Aussehen des Fleisches unbedingt bemerkt werden müssen. Der Wildgeruch, der sogenannte Hautgoût fei etwas ganz anderes, als dieser Aasgeruch, der den höchsten Grad der Berfetzung angezeigt habe. Medizinalrath Dr. Long bestätigte diese Angabe, daß derartiges Fleisch nicht nur zur menschlichen Nahrung ungeeignet, sondern auch gesundheitsschädlich sei. Da festgestellt wurde, daß der betreffende Hase bereits 14 Tage in dem Geschäfte des Angeklagten gehangen hatte, ehe er zum Vertaufe tam, so erschien die Fahrlässigkeit des Wildhändler erwiesen. Dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend, wurde Lenz zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt. trunken war. Ein zwanzigjähriges Mädchen hat in der Nacht zum Dienstag einen frechen Straßenraub verübt. Gegen 2 Uhr früh trat die Person an den die Landwehrstraße paffirenden Gürtler F. heran, um sich zu erkundigen, wie spät es sei; kaum hatte jedoch F. seine Taschenuhr in die Hand genommen, als das Mädchen die Uhr erfaßte, fie mit einem Rudt von on, als das Kette abriß und die Flucht ergriff. In diesem Augenblick tam aus dem Thorweg eines Hauses ein junger Mensch hervorgestürzt und stellte sich dem Gürtler entgegen, um eine Verfolgung des Mädchens zu verhindern. The jedoch der Bursche selbst entfliehen fonnte, erschien zufällig eine Schußmannspatrouille, die den Strolch festnahm und nach der 19. Polizeiwache in der LiezmannStraße brachte. Der Verhaftete will angeblich die Räuberin nicht fennen; es wird jedoch angenommen, daß er der Beschüßer des betreffenden Frauenzimmers ist. Mit 1200 Mark ist der Kaufmann Schulze aus Char lottenburg, der in einem Agenturgeschäft in der Ritterstraße beschäftigt war, seit Freitag verschwunden. Da der Mann an Nervenschwäche leidet, so vermuthet man, daß er planlos umherirrt. In der Dampfwäscherei von Herbst, Schönhauser Allee 168, ist am Montag Abend 6 Uhr eine Arbeiterin schwer verunglückt. Sie gerieth mit einem Arm in die Dampfrolle und mußte nach der Unfallstation gebracht werden, wo ihr die erste Hilfe zu theil wurde. Aus dem Waffer ist gestern die Leiche des 54jährigen Militärinvaliden August Fetting gezogen worden. Zu dem Tumult in der Gollnowstraße wird noch gemeldet, daß von den 36 fiftirten Personen sieben in Untersuchungshaft genommen worden sind. Witterungsübersicht vom 24. März 1896. Stationen. Barometerstand in mm, reduzirt auf b. Meeressp. Windstärke OPA~~|~||| Stala 1-12) Wetter heiter woltenlos heiter wolkenlos wolfenlos Swinemünde 762 SSW Hamburg 768 Still Berlin 768 Still Wiesbaden 763 Still München 764 GD Wien 764 Still Nebel Haparanda. 758 GO bedeckt Petersburg. 760 DSD Nebel Cort. Aberdeen. Paris. 756 G 4 wolkig 754 761 SW DND 4 0 B = bedeckt wolkenlos Gerichts- Beitung. nach Celsius Unterricht am Mittwoch. Südost= Geschichte. schule, Waldemarstraße 14: Nordschule, Müllerräume sind zur Benuzung der Bibliothet und des reichhaltigen ZeitschriftenLandsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, den 25. März, abends 8% Uhr, im„ Kommandanten- Garten", Kommandantenstraße 10/11, Bersammlung mit Frauen. Ausgabe der Billets zum vierten Stiftungsfest am 1. Osterfeiertag, Sonntag, den 5. April, im„ Neuen materials schon von s uhr an geöffnet. Klubhaus", Rommandantenstraße 72. Musik- Verein Andante. Mittwoch, den 25. März, abends 9 Uhr, bet strüger, Fennstraße 5: Uebungsstunde. Lese- und Diskutirklubs. Mittwoch. Johann Jacoby, bei Frig tegte, Schweb terstraße 33. Gesundbrunnen, abends 8½ Uhr, bei Haferland, Bellermannstr. 87. Gleichheit, abends 8% Ubr bei Stramm, Ritterstraße 123.-Heine, Rirdorf, abends 8½ Uhr, Prinz- Handjernstr. 60, TheaterGinigteit, abends 8 Uhr bei Beige, Triftstr. 1.parterre. und Resetlub Worgenroth, abbs. 9 Uhr, im Restaur. Diete, Lothringerftr. 67, Sozialdemokratischer Agitationstlub Often, abends 8% Uhr, bei Jauer, Fruchtür. 52. Freigeist Artona, abends 8 Uhr, Artonaplag& bei Besener." Friedrich Engels Norden" alle Mittwoch 9 Uhr bei Obigo, Suffitenstr. 26. Vermischtes. Aus Osnabrück wird berichtet: Von den am 20. b. M. Das Kottbuser Schöffengericht gegen die Ausständigen. durch Erdrutschungen im Schacht" Hermine" am Süggel in Im Kottbuser Anzeiger" vom 21. Wiärz steht zu lesen:„ Das Hasbergen bei Osnabrück verschütteten 5 Bergleuten sind 2 Schöffengericht beschäftigte sich heute wieder mit zwei Ausstands- lebend und gesund aufgefunden worden. Ein nationalliberaler Prügelheld. Der„ Frtf. 3tg." wird sachen: Der Weber Oswald Leitert, redete am Abend des " verbreitete. 29. Februar eine Spulerin der S.'schen Fabrit an und fragte sie, aus Karlsruhe geschrieben: Der" Badische Landesbote" meldet warum sie denn noch zur Arbeit gehe, sie würde ja aus der eine Skandalgeschichte, deren Held der Redakteur der„ Badischen Landesztg." und der Nationalliberalen Badischen Korrespondenz" Streiftafse" auch Geld erhalten. Auf ihre Antwort, das scheine namens Flach ist. Derselbe stand in einer von ihm begonnenen ihr nicht sicher, man wisse ja nicht, wie lange die Sache dauern würde, entgegnete Leifert, sie dürfe sich dann auch nicht wundern, Beitungsfehde mit dem Heidelberger Tageblatt", deffen Redakteur wenn ihr beim Vergnügen etwas an den Kopf fliegt." Der Prof. Dr. Koch ist, der an der dortigen Universität gleichzeitig hatbestand des§ 153 Gewerbe- Ordnung wird für vorliegend Geschichte dozirt. Als Koch in seinem Blatte auf die Anerachtet; ferner wird festgestellt, daß Leifert in der Arbeiter zapfungen Flach's antwortete, reiste Flach gestern nach Heidel tommission der betreffenden Fabrit war. Mit Rücksicht darauf, berg und ohrfeigte den Professor Dr. Koch in dessen Wohnung. baß der allgemeine Ausstand damals unmittelbar bevorstand, Es ist dies derselbe Flach, der seinerzeit die Berleumdungen gegen wird 2. zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. den Abgeordneten Dreesbach in der„ Badischen Landeszeitung" Die Weberin Marie Litsche aus der S.'schen Fabrik geſellte sich am Abend des 4. März zu zwei aus der Fabrit newer bort ist der Haupttheil des Geschäftsviertels von Feuersbrunft in Colon. Nach einem Telegramm der kommenden Arbeiterinnen und äußerte nach einigen kräftigen Colon( Mittel- Amerika) durch Feuer zerstört worden. Schimpfworten: Ihr müßt Euch die Augen aus dem Kopfe Die Macht der Preffe. Der Franks. 3tg." wird aus schämen, daß Ihr noch weiter arbeitet; aber wartet, ich will London berichtet: Man hat von dem Journalisten gehört, der, Euch schon zeigen." Auch sie wird zu drei Monaten Gefängniß als er in einem religiösen Meeting vom General Booth von der verurtheilt." Schon gelegentlich der letzten von der Straf tammer ausgesprochenen Verurtheilung haben wir erklärt, daß Heilsarmee gefragt wurde, ob er gerettet" fei, zur Antwort die Getroffenen, die sich der Sympathie aller anständig denkenden gab, er sei ein Reporter und die Sache gehe ihn somit nichts an. Arbeiter und Arbeiterinnen versichert halten können, zwar schwer Der folgende Vorfall soll sich unlängst in Melbourne zugetragen 11 zu büßen haben, daß aber derartige Verurtheilungen an sich haben, als der General dort ein Meeting hielt. Giner der Reporter für eine Abendzeitung erhob sich mit seinem Manuskript für die sozialdemokratische Bewegung von unbezahlbaren und schickte sich an, den Saal zu verlassen. Bruder", rief der 6 Werthe find. General, Sie sind verdammt, wenn Sie jetzt gehen." Redakteur wird mich verdammen, wenn ich nicht gehe", lautete die Antwort. Aber der Herr der Heerschaaren ist größer als der Redakteur!" schrie der General. Der Redakteur ist anderer Meinung", entgegnete der Mann von der Presse und verschwand. Die Wichtigkeit der Nasenathmung hat neuerdings Butterfack wieder nachgewiesen. Die Mehrzahl der kleinen in der Athmungsluft befindlichen Körperchen wird bei der Athmung durch die Nase in deren buchtigen Gängen an den feuchten durch die Nase in deren buchtigen Gängen an den feuchten Wänden festgehalten: der Nasenschleim wimmelt von Mitro10 Temperatur 10010096( 50.4° R.) Versammlungen. Mein Der Geschäftsausschnß der Berliner ärztlichen Standes. vereine hatte am Montag eine Versammlung einberufen, um gegen den Beschluß des Vereins Berliner Kassenärzte, die Familienangehörigen der Kaffenmitglieder gleichfalls ärztlich zu behandeln, Wetter Prognose für Mittwoch, den 25. März 1896. zu protestiren. Nach einem Referat des Herrn Dr. Henius, Warmies, vielfach heiteres, zeitweise woltiges Wetter mit der es als eine Herabwürdigung des ärztlichen Standes be: schwachen südlichen Winden und etwas Neigung zur Gewitter- zeichnete, wenn von der betreffenden Vereinigung 75 Pf. pro organismen aller Art. Ein kleiner Theil und das, was etwa bildung. Berliner Wetterbureau. Konsultation für Familienmitglieder berechnet werden, und nach einer sehr regen Diskussion, die sich im gleichen durch den Mund hineinkommt, bleibt an der Wand des Rachens hängen. Was nicht wieder herausbefördert wird, gelangt, wie Sinne bewegte, gelangte folgende Resolution zur nahme: Die Versammlung verurtheilt auf das Schärffte wir in der Gesundheits- Korrespondenz" lesen, hier in Gewebe, Die Lokomotivputer R. und M. von der Berlin- Anhalter den Beschluß des Vereins Berliner Kassenärzte, weil dieser, aus die unter Umständen die Ansiedelung leicht zulassen und InBahn waren bei der Entwendung einer geringen Quantität egoistischen Motiven hervorgegangen, geeignet ist: 1. Die wirth fektionsteimen zu ihrer schädlichen Thätigkeit Gelegenheit geben. Der Streit um das ,, Salvator"-Bier. Aus München Kohlen, deren Werth auf vierzehn Pfennig geschätzt wird, schaftliche Lage des ärztlichen Standes in unheilvoller Weise zu wird vom 18. b. M. geschrieben: Die Zacherl- Brauerei( Gebr. von dem revidirenden Vorsteher Zimmermann abgefaßt worden. fchädigen. 2. Die soziale Stellung der Aerzte dem Publikum Zimmermann durchsuchte ihre Handtaschen und fand barin gegenüber herabzudrücken und 8. den jüngeren Aerzten das Ein- Schmederer) braut feit unvordentlicher Zeit Salvator und schenkt Der Beschluß ist dieses Bier in den acht Tagen um Josephi unter riesigem Andas entwendete Gut. Das Schöffengericht, vor dem treten in die Praxis unmöglich zu machen. verurtheilte sie zu je einem Tage Gefängniß. Außer dieser Strafe führen, so daß der humane Zweck der gesammten ärztlichen der Lokalverbrauch war stets der Versand, mit dem das Hauptdie beiden Buzer sich gestern zu verantworten hatten, geeignet, eine Verschlechterung der ärztlichen Leistungen herbeizubrang des Publikums aus. Die Salvator- Saison war von jeher eine der höchsten" Bierzeiten Münchens. Bedeutender noch als trifft die Buyer auch die Entlassung aus der Stellung, in der Thätigkeit zum Schaden der Kranken völlig untergraben wird." geschäft gemacht wurde. Seit etwa 3-4 Jahren machen nun fie beide fast zehn Jahre lang beschäftigt waren. Für R. steht Die Posamentiere verhandelten am 22. März in einer die übrigen Bierbrauereien dem Zacherl- Salvator Konkurrenz. die Sache insofern noch besonders schlimm, als er infolge einer zahlreich besuchten Versammlung über die Ursachen der Arbeits- eine begann, im nächsten folgten zwei, nun thun es bereits die rigorosen Bestimmung im Statut ebenfalls noch der Summe von niederlegung bei der Firma E. Gustedt. Wie der Vertrauensmann meisten, selbst die größten. Die Bacherl- Brauerei, die den etwa 150 m. verlustig geht, die er in die Pensionskasse eingezahlt mittheilte, sahen sich die Arbeiter durch die Maßregelung eines Namen Salvator" berühmt machte, hat ihren Salvator" hat. Unseres Erachtens handelt die Eisenbahnbetriebsleitung nur Rollegen gezwungen, die Arbeit niederzulegen. Gleichzeitig beim kaiserlichen Patentamt in Berlin als Waarenzeichen gerecht, wenn sie den entlassenen Arbeitern das Geld wieder proteftirten auch die dort Beschäftigten gegen die Art der Be-( Wortzeichen) für Bier eintragen lassen und verbietet auf herauszahlte, was sich diese am Munde haben abdarben müffen. handlung, die in letzter Beit Plaz gegriffen hatte. Da sich grund der geschehenen Eintragungen den anderen Brauereien, Beleidigung einer Thelephongehilfin wurde in einer bereits einige Streitbrecher gefunden haben, noch dazu wirthen und Flaschenbierverkäufern unter Hinweis auf die in Verhandlung der 184. Abtheilung des Schöffengerichts dem solche, die in anderen Werkstätten Arbeit hatten, wurde die§ 14 des Gesetzes vom 12. Mai 1894 angebrobten Strafen den Kaufmann Ernst Kupfer zur Last gelegt. Am 8. Januar Frage aufgeworfen, ob der Streit für beendet zu betrachten sei. Mißbrauch der Marke„ Salvator". Dieses Verbot ist gegen dieses Jahres wurde auf dem Fernsprechamt, bei welchem die Die Ansichten der meisten Redner gingen jedoch dahin, daß die wärtig deshalb sehr aktuell, weil zur Zeit Salvator- Saison ist Telephongehilfin Else Schellack thätig ist, von der Wohnung des dort Beschäftigten meist ungeübte Arbeiter feien, mit denen der und an allen Ecken und Enden der Stadt Salvatorjubel herrscht. Als das er- Chef auf die Dauer nicht arbeiten könne. Ein Antrag, den Die anderen Brauereien- es sind deren sieben lassen sich Angeklagten aus ein Anschluß verlangt. wähnte Fräulein der Sicherheit verlangte Streit weiter zu führen, sowie die Streitenden mit 15 M. und nicht einschüchtern. Sie schänken ihren Salvator ruhig weiter Nummer nochmals in fragendem Tone wiederholt hatte, für jedes Kind 1 m. pro Woche zu unterstützen, wurde ein- und erklären in einer gemeinsamen Bekanntmachung, daß sie„ das Verfahren zur Wiederaufhebung des auf unrichtigen Grundlagen tönte ihr durch den Apparat ein deutliches: Jawohl, mein stimmig angenommen. Engel!" zurück. Die Dame verbat fich diefes unangebrachte Bei- In Nieder- Schönhansen tagte am Sonntag, den 22. März, beruhenden Beschlusses bei dem Patentamte in Berlin eingeleitet wort und erhielt jest als Antwort die Bemerkung:„ Na, wenn eine öffentliche Boltsversammlung in dem einzigen für die Arbeiter haben, ihr Recht auf den längst Gemeingut gewordenen Namen wegen die Ealrator" zum äußersten vertheidigen und ihre Salvator-| tehr geftanden hat. Die Ausfindung des Kranken ist dem Seibel- I gewinne eine moderne soziale Erscheinung besondere Bedeutung: Kunden vor gegnerischen Drohungen zu schüßen wissen werden." berger Chirurgieprofessor Czerny zu danken. Die Diagnose der die Wanderungen der Landarbeiter von Often nach Westen und Eine Brauerei macht bekannt, daß sie ihr Salvatorbier eben- Lepra ist in dem Falle unzweifelhaft. Sie ist auch durch die der Uebertritt polnisch russischer Arbeiter auf deutsches Gebiet. falls in die Zeichenrolle des faiserlichen Patentamts habe ein- batteriologische Untersuchung gesichert. Es handelt sich um einen Durch diese Wanderzüge tönnen anfteckende Krankheiten über tragen lassen. Nun ist diese Brauerei mit ihrer Salvator 41 Jahre alten Mann. In Helmhof( geboren, arbeitet er seit weite Strecken hin verschleppt werden. Es ist wiederholt darauf Registrirung der Zacherl- Brauerei sogar zuvorgekommen. Wie vielen Jahren als Tagelöhner in Heidelberg. 1870 lag er hingewiesen worden, welche Bedeutung für die Choleraverschlep. man hört, hat die Zacherl- Brauerei bereits Klagen gegen die während des Feldzuges einige Wochen am Typhus im Lazareth pung die Fahrten russischer Flößer auf deutschen Wasserstraßen Ronkurrenzbrauereien geftellt. bei Orleans. Sonst war er nicht außer Land. Das Leiden, haben. Es sei anzunehmen, daß auch für die Verschleppung des Vom Aussat in Deutschland. Die„ Voss. 3tg." schreibt das bis vor kurzem als Lupus gedeutet wurde, läßt sich bis Aussages die Wanderungen der Arbeiter von Bedeutung sind. mit Bezugnahme auf einen Auffah in der Münchener Medizi- 1886 zurück verfolgen. Dieser bis jetzt ganz vereinzelte Lepra- Man werde gut thun, auf dieses Moment bei dem Studium der nischen Wochenschrift": Daß Äussazz in Deutschland vorkommt, fall in Heidelberg hat ein hervorragendes Interesse. Nachdem deutschen Leprafälle mehr als bisher zu achten. Die Agrarier darauf ist mehrfach hingewiesen worden. Bisher war aber nur erwiesen, daß die Lepra auf Eindringen eines Bazillus in den und Zuckerindustriellen werden es, wie auf sonstige durch die ein Herd im Kreise Memel bekannt. Jetzt ist man in Heidelberg Rörper hervorgerufen wird, ist es unstatthaft, eine autochthone russischen und polnischen Arbeiter mitgebrachten Mißstände, auch auf einen einheimischen Leprakranten gestoßen, von dem man Entstehung der Lepra anzunehmen. Jeder einzelne Leprafall ist wohl auf ansteckende Krankheiten ankommen lassen, bevor sie auf nicht erweisen kann, daß er irgendwo mit Leprakranten im Ver- auf Ansteckung zurückzuführen. Von diesem Gefichtspunkte aus das billige Ausbeutungsmaterial verzichten. Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Mittwoch, den 25. März. Opernhaus. Lohengrin. Schauspielhaus. Hadasa. Deutsches Theater. Nora. Lesnug- Theater. Die Erste. Berliner Theater. Der Meineidbauer. Nenes Theater. Franzillon. Residenz- Theater. Hotel zum Frei hafen. Theater Unter den Linden. Pariser Leben. Hierauf: Divertiffement. Schiller Theater. Die Kinder der Exzellenz. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Der Hungerleider. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Central- Theater. Eine tolle Nacht. Adolph Ernst- Theater. Charley's Zante. Vorher: Die Bajazzi. Belle- Alliance- Theater. Die Reife um die Erde in 80 Tagen. Theater. Alexanderplat Musketiere im Damenstift. Die " Schiller- Theater. ( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Urania Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Am Landes- Ausstellungspark Kinder der Exzellenz. ( Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 7-10 Uhr. Alexanderplatz- Theater. Täglich Vorstellung im wissenschaftHeute 8 Uhr: Zum 4. Male: Die Musketiere im Damenstift. Operette in 3 Akten von 2. Varney. Morgen und die folgenden Tage: Dieselbe Vorstellung. Adolph Ernst- Theater. Charley's Tante. Schwant in 3 Akten von Brandon Thom a 3. Repertoirstück des GlobeTheaters in London. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Vorher: Die Bajazzi. Parodistische Posse mit Gesang u. Tanz in 1 Att von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musik von F. Roth. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. In Vorbereitung: Das flotte Berlin. National Theater. Jaczo, der Gesangsposse in 3 Atten von Leon Wendensürst. American- Theater. SpezialitätenVorstellung. Apollo Theater. Spezialitäten- Borstellung. Treptow und Ed. Jacobson. Rouplets von Gustav Gör ß. Mufit von Gustav Steffens.( Novität.) Neuer Circus. lichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage- Panopticum. 2 Echter Harem aus der afrikanischen Stadt Kayrowan. Haremsfrauen und Rinder, Tänzerinnen, Sängerinnen, Eunuchen und Stlaven. Castan's Panopticum. Die Neu!! Neu!! Neu!! getigerten 3 Grazien!! Krankenstühle, Ruhestühle, Lesetische, Klosets, Bidets etc. Verstellbare Keilkissen. TAK Preislisten franco und gratis. R. 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Außerdem: 6 neu dressirte Fuchshengste, vorgeführt vom Dir. Busch. Auftr. der Schulreiterin Mlle. Clariot. Die vorzügl. Reitkünstler Mr. A. Wells und Hubert Cooke. Mme. Maria Doré als unerreichbare Drahtseil- Künstlerin. großartige fom. Akrobaten. Auftreten der Clowns Gebr. Cavallini, Gebr. Dax, Mr. Veldeman und Tom- Tom. Donnerstag: Zscheus, das Waldmädchen. Große Poffe mit Gefang und Tanz in 5 Bildern von Jul. Freund und Zum 1. Male: Gebr. Gargani, Wilh. Mannstädt. Musik von Jul. Einödshofer. Montag, den 23. März 1896: Bum 200. Male: Eine tolle Nacht. Anfang 1/28 Uhr. National- Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direttion: Max Samst. HF Extra- Vorstellung: Jaczo, der Wendenfürst. Historisches Schauspiel in 3 Aufzügen von Victor Lavarrenz. Morgen: Gastspiel des Fräulein Ida Weiss vom Berliner Theater: Die Waise von Lowood. Gegründet 1845. Gegründet 1845. Circus Renz Karlstrasse. Mittwoch, den 25. März 1896, Anfang abends präzise 71/2 Uhr: Novität! Novität! IF Kolossaler Erfolg! E Lustige Blätter! Eigens vom Direktor Franz Renz und dem Großherzoglich Darmstädtischen Hofballetmeister August Siems für Berlin tomponirt, mit gänzlich neuen technischen Apparaten und Beleuchtungs- Einrichtung. inszenirte Original- Vorstellung in 2 Ab. theilungen mit den AusstattungsDivertissements Weltstadtbilder! Aus dem equeftrischen Theil des Programms find hervorzuheben: Donner und Darius, Rapphengst in Freiheit dressirt und vorgef. vom Dir. Fr. Renz. Auftreten des hervorragendsten Schulreiters Herrn Ritter von Renroff mit seinem Schulpferd Skobeleff. Zum Schluß der Schule: Der phänomen. Baguettesprung. Ferner Auftreten d. Amerikanerin Miß Rita del Erido( Herrenfattel) mit ihrem Schulpferd Aegir. Auftreten der anerkannt vorzüg lichsten Clowns und Künstler Spezialitäten. Morgen, Donnerstag u. folgende Lage: Lustige Blätter. Fr. Renz, Direktor, Rönigl. Kommiffionsrath. Sonnabend: Ehrenabend f. Fran Direktor Busch. Schluß der Saison am 2. April. Moabiter Stadttheater Alt- Moabit 48. Hente, Mittwoch, 25. März: Abschieds- Soirée der Stettiner Sänger ( Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schrader) Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.( f. Platate). Großartiges Abschieds- Programm. Morgen, den 26. März: Donnerstags- Abschieds- Soiree im Concerthaus Sanssouci. Eden- Theater. Welt- Restaurant 97. Dresdenerstr. 97. Jm vorderen Saal täglich: Weltberühmte Tyroler Sänger- Gesellschaft Almenrausch u. Edelweiss. Direktion: Alois Ebner. Entree vollständig frei! E Jm Theater- Saal: Sensationelles März- Programm! Bestes Ensemble Berlins! Auftreten sämmtlicher neu engagirter Spezialitäten. Nur hochkomische Nummern! Anfang 71/2 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Nieft's Festsäle, Weberstraße 17. 1. Rennen in Carlshorst Jeden Abend das urkomische Purzelbaum- Jockey- Rennen Kaufmann's Variété- Theater Königstraße, Colonnaden. Das neue Programm hat gelacht. Der singende Hahn C. C. XX- Strahlen von Stephanie& Behrens. 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Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin. 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 72. " Ruhland in Bulgarien. Bon einem Bulgaren. ( Schluß.) Mittwoch, den 25. März 1896. Der Bergarbeiterfreik 13. Jahrg. seine Pferde zu Tode gepeinigt. Arnold hatte am 10. Januar am Holsteiner Ufer Mauersteine aufzuladen und mißhandelte eines seiner in Karwin- Mährisch- Offrau Pferde derart, daß die Bewohner der Nachbarhäuser in ihrer Ruhe gestört wurden. Das Handpferd fiel schließlich vor Schwäche ist, wie schon mitgetheilt, beendet. Die Arbeiter hatten be- hin und wurde solange mit Mauersteinen beworfen und mit In Wirklichkeit ist Prinz Ferdinand dem allgemeinen Zuge schlossen, noch einen letzten Versuch zu machen, einen Ausgleich Peitschenhieben gequält, bis es sich wieder aufrichtete. Als die des Landes gefolgt, denn das russisch- bulgarische Einvernehmen mit den Grubendirektoren herbeizuführen. Sie ersuchten den Thiere in dem abgemarterten Zustande den voll beladenen ist nur eine sehr natürliche Stufe in der wirthschaftlichen Ent- Ober- Bergkommissar, den Direktoren folgenden Bermitte Steinwagen nicht anziehen konnten, begannen die Mißhandlungen wickelung Bulgariens. In der Zeit, in der mir eben leben, ist lungsvorschlag zu unterbreiten. von neuem, bis das eine Pferd unter den Peitschenhieben fiel und die Entwickelung der Industrie die drückendste Sorge der Staats1. Die Arbeiter nehmen zur Kenntniß, daß die Direktionen bald darauf verendete. Acht Tage später ließ er sich ähnliche männer selbst des Landes mit ausgesprochen landwirthschaftlichem vorläufig die vierzehntägige Gedingrevision und das Recht auf Thierquälereien in der Lützowstraße zu schulden kommen. Hier Charakter geworden. Die allgemeine Krise in der Landwirthschaft halbmonatliche Abschlagszahlung anerkennen, und erwarten eine bemerkten Vorübergehende, wie er schimpfend neben dem Gespann hat die finanziellen Hilfsquellen der Staaten versiegen lassen und definitive Regelung von der Durchführung des neuen Gesetzes. lief und versteckte Bewegungen gegen das eine Pferd ausführte. diese richten ihr Augenmerk jetzt auf die Industrie und laufen 2. Weitere Entlassungen, Kündigungen und Wohnungs- Der Schußmann an der Potsdamer Straße wurde davon in einander den Rang ab in der Erschaffung einer neuen Klasse tündigungen unterbleiben. Kenntniß gesetzt und fand bei näherer Untersuchung, daß das von Steuerzahlern der Fabrikarbeiter, denen sie das abnehmen 3. Wegen Zurücknahme der bereits ausgesprochenen Ent- eine Pferd eine 4 Zentimeter lange, haarscharfe Schnittwunde wollen, was sie den Bauern nicht mehr rauben können. So ist lassungen und Kündigungen treten die Gewerke durch die hatte. Der Amtsanwalt sprach sein Bedauern aus, daß keine die Entwickelung der Industrie ein Hauptfaktor für das Be- Direktionen sofort mit der Gesammtheit der Vertrauensmänner Brügelstrafe bestehe, damit ein so roher Patron mit demselben stehen eines Staates. Ich habe Ihnen in einem früheren in aller der Direktion unterstehenden Schächte( für jeden Schacht Maße gemessen werden könne und beantragte für jeden Fall die dem Vorwärts" veröffentlichten Artikel gefagt, wie zwei Vertrauensmänner) in Verhandlung, bei der Herr Ober- höchste Strafe von sechs Wochen Haft. Der Gerichtshof erkannte feit zwei Jahren diese Entwicklung das Ziel unserer Gesetz- Bergkommissar Riel die Güte hat, zu interveniren. demgemäß. gebung und die Sorge unserer Staatsmänner geworden ist. 4. Am 1. April wird den Arbeitern eine entsprechende Man ist hierin jetzt so weit gegangen, den Staatsbeamten zu Abschlagszahlung auf den verdienten Lohn ausbezahlt, auch wurde dem Schankwirth K. zur Last gelegt. Es wurde ihm vorEin Vergehen gegen das Kranken- Versicherungsgeset befehlen, an den Werktagen Anzüge aus bulgarischem Tuche zu dann, wenn die Zahl der verfahrenen Schichten eine geringe geworfen, ein junges Mädchen nicht zur Versicherung bei der tragen. Die Folge war, daß unsere Fabrikanten den Tuchpreis sein sollte. von 8 auf 16 Franks das Meter gesteigert haben, während die zuständigen Kasse angemeldet zu haben. Der Angeklagte wandte 5. Das Streitkomitee erklärt sich hingegen bereit, feinen ein, das Mädchen sei lediglich zur Wartung seiner Kinder anLöhne der Weber und Schneider trotz oder vielleicht gerade Einfluß geltend zu machen, daß die Bergarbeiter jeder Gewerk- genommen worden und habe in dem Schankbetriebe höchstens wegen der Vermehrung der Aufträge um 50 pet. gekürzt schaft nach Abschluß der Verhandlungen( Punkt 3) sofort ord- einmal ganz vorübergehend nebensächliche Arbeiten wurden! Doch die Entwickelung der Industrie stößt auf Schwierig nungsgemäß die Arbeit aufnehmen. feiten und die hauptsächlichste ist die europäische Konkurrenz. verrichtet. Das Schöffengericht sprach R. frei, die Straffammer Und in der gesammten Bourgeoispreffe Bulgariens wird Beter täme nicht darauf an, ob das Mädchen hauptsächlich oder nur jedoch verurtheilte ihn zu einer Geldstrafe von 3 M. Es Mordio geschrien über das, was sie die wirthschaftliche Aus beutung durch den verfaulten Westen" nennen, und hauptsächlich nebensächlich im Schankbetriebe beschäftigt worden sei. K. nahm nunmehr noch die letzte Instanz, das Kammergericht, in über Desterreich, welches zu einem Drittel den Import nach Bulgarien beherrscht. Punkt 2: Weitere Entlassungen, Arbeits- und Wohnungs- Anspruch. In der Beantwortung der Revision betonte der wenn die Arbeit unverweilt aufgenommen wird. Die gerichtlich seyes dahin gehe, den Arbeiterschutz möglichst weit auszudehnen. fündigungen haben zu unterbleiben, wird ebenfalls zugestanden, Oberstaatsanwalt, daß die Tendenz des in Frage stehenden GeBestraften sind jedoch von diesem Zugeständniß ausgeschlossen. Der Straffenat schloß sich dem an und wies die Revision größere Anzahl von Kündigungen beabsichtigt gewesen. Infolge schäftigung des betreffenden Mädchens in dem gewerblichen Be Punkt 3 wird nicht zugestanden; es sei angeblich eine viel zurück. Auch die geringfügige, nebensächliche Bebereits geübter Intervention der Behörden unterbleiben jedoch triebe des Angeklagten habe dasselbe dem Versicherungszwange diese Kündigungen. Eine weitere Nachsicht sei unmöglich und unterworfen. Das Ober- Verwaltungsgericht hat bereits in alle dahin zielenden Unterhandlungen gegenstandslos. 180 Entlassungen bleiben danach 97 aufrecht erhalten, doch ist ( Von demselben Sinne entschieden. werden.) erwarten, daß davon noch manche rückgängig gemacht gefährlich macht. Konferenz, der auch der Landespräsident Desterreich- Schlesiens Darauf beschloffen die Gruben direttoren in einer beiwohnte, folgendes: Zu Punkt 1 und 5 zur Kenntniß zu nehmen. wie folgt: Doch was hat Rußland dabei zu thun? Nun, das ist sehr einfach. Die Industrie in Rußland ist noch nicht entwickelt. Man hat also feine Konkurrenz nicht zu fürchten; im Gegentheil als Austausch für gewisse politische Zugeständnisse ist man seiner moralischen wie materiellen Unterflüßung bei der Abschließung von Handelsverträgen und in anderen wirthschaftlichen Fragen sicher. Jeder Russenfreund, der von sich etwas hält, wird die felbe Sprache führen. Ich will Ihre Geduld nicht dadurch mißbrauchen, daß ich Ihnen russenfreundliche Blätter und Reden Wegen Vergeheus gegen die Gewerbe- Ordnung ist zitire, die den niederen Stand der industriellen Entwickelung vom Landgerichte Halle a. G. am 6. Januar der Fabrikbesizer Rußlands als einen außerordentlich günstigen Umstand betrachten. Franz Herzog zu einer Geldstrafe verurtheilt worden. Die in Dem Punkt 4 soll nach Billigkeit" entsprochen werden. Nur um der Genauigkeit willen will ich Ihnen sagen, daß dieser seiner Fabrik beschäftigten jugendlichen Arbeiterinnen mußten Eat hauptsächlich von Herrn Raraweloff in einem öffentlichen Das Streitkomitee hat diese Bedingungen angenommen morgens schon um 5 Uhr anwesend sein, wenn auch ihre ThätigBrief an feine Wähler, von Herrn Daneff aus der Fraktion und am Sonntag in mehreren Versammlungen den streikenden teit meist erst 30 Minuten später begann. Die Verurtheilung der Zankoffiften in der Sobranje, und in dem Regierungsblatt Bergleuten empfahlen, die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen. des Angeklagten erfolgte, weil die Zeit, welche die Arbeiterinnen Progreß" ausgesprochen worden ist. Wie Sie sehen, ist die Die Bergleute haben dem zugestimmt und sind am Montag fast ohne Pause in der Fabrik zubrachten, d. h. von 5 Uhr an, eine Wiederversöhnung nur ein Interessen Rompromiß in allen Gruben wieder vollzählig angefahren. Nun dürfen nach der Gewerbe- Ordnung übermäßig lange und unerlaubte der bulgarischen Kapitalisten und der russischen auch das Militär und die Gendarmerie heim zu ihren Häusern" war. In seiner Revision suchte der Angeklagte anzuführen, Diplomatie. Deswegen ist dieser Bertrag auch nur fünft- tehren. daß nur die Zeit, während welcher die Mädchen arbeiteten, lich, vergänglich und unbeständig, was ihn jedoch nicht weniger Die Wiener Arbeiter- Beitung" urtheilt über den Ausstand in betracht kommen könne und daß hiernach die zulässige Arbeitsdauer von 10 Stunden nicht als überschritten angesehen werden Diese Unterstützung unserer Bourgeois durch die russische Der gewaltige Lohnkampf bringt zwar nicht die Erfüllung tönne. Das Reichsgericht( 3. Straffenat) verwarf jedoch Regierung kann uns unsere politische Freiheit und die nationale aller Forderungen der Bergarbeiter; es ist manche, und nicht die Revision als unbegründet, da es nur darauf ankomme, von Unabhängigkeit foften, denn bis jetzt fenne ich auf der die unbedeutendste, unerreicht geblieben. Troydem ist sein Er- welcher Zeit an sich die Arbeiterinnen in der Fabrit aufgehalten ganzen Erde keine einzige Bourgeoisie, die nicht ihre gebniß ein ernster Erfolg, dessen sich die Bergarbeiter und mit hatten. politische Freiheit den Dividenden geopfert hätte und opfern ihnen alle Proletarier freuen tönnen. Ist doch das vom Abgeodnetenhause beschlossene Gesetz eine Frucht des Streits, dessen Wenn man die legten Thaten der russischen Diplomatie Wellen start genug waren, um selbst diese marastische Verfammeifrig verfolgt: ihre Hast, sich mit der bulgarischen Regierung zu lung aus ihrer geistigen Trägheit zu reißen, und ist doch das versöhnen, die Rüstungen in Rußland und Bulgarien, so ist man Recht auf vierzehntägige Lohnzahlungen erkämpft worden, das Ein überans roher Prügelpädagoge ist der Lehrer Joh. leicht geneigt, zu denken, daß die russische Regierung die Direktoren noch vor einem Jahre hochmüthig verweigert Wiesen, der am 25. November 1895 vom Landgericht Aachen einen Schlag vorbereitet. Ist das die Besetzung hatten, Aber was gewichtiger ist als selbst das Resultat wegen Bergehens im Amte zu 3 Monaten Gefängniß und wegen Armeniens, wie das schon in der Sobranje gesagt worden des Streiks, und was man aus dem Kampf der Arbeiter als Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von 10 m. verurtheilt ift, oder die endgiltige Befehung Koreas? Vielleicht tröstliche Gewißbeit ihres weiteren Fortschritts mitnimmt, ist der worden. Schon in seinen früheren Stellungen als Lehrer war er Uebrigens hat die russische Diplomatie, außer Verlauf des Streits. Hat sich doch zum erstenmal, seitdem in den Gemeinden durch die grausame förperliche Züchtigung der 311 Zeiten der heiligen Allianz und nach dem die Bergarbeiter aus ihrer Dumpfheit erwacht sind, ihre Kinder verhaßt, und als er 1895 wieder versetzt wurde, machte er deutsch- französischen Kriege, niemals einen günstigeren Augenblick Organisation bewährt. Die organisatorische Bewegung sich auch in seiner neuen Gemeinde bald mißliebig. Eines Tages zur Erreichung ihrer Ziele gehabt als gegenwärtig. unter der Bergarbeiterschaft Desterreichs ist noch jung, und die im Juli 1895 hatte ein 11jähriger Knabe Johann Beuth während Die Niederlage Englands in Amerifa, im Transvaal und in mannigfaltigsten Umstände wirften zusammen, um ihren des Unterrichts geschwatt, leugnete jedoch. Für das Schwagen verKonstantinopel, und die Niederlage der Italiener in Abessynien; träftigen Zusammenschluß zu behindern. Dieser Streit hat urtheilte ihn der Angeklagte zu 9 Stunden Nachfißen, für das Lügen die deutsch- französische Spannung und die Erbitterung über den aber bewiesen, daß es gelungen ist, an stelle jener sprung wurde dagegen die Exekution mit einem fingerstarken Rohrstocke Einfluß Oesterreichs in den Balkanstaaten, das nur aus deren haften, gleichsam mit elementarer Kraft ausbrechenden Erbitte- sofort vollzogen. Die ersten zwei Schläge waren gleich so heftig, unglücklichen Lage Nugen zieht, um ihre Finanzen und ihren rung, die alle früheren Lohnkämpfe charakterisirte und sie leider daß der Junge vor Schmerzen laut schreiend den Arm seines Handel in seine Gewalt zu bekommen mit einem Wort: die erfolglos machte, die planmäßige, geordnete Organisationsarbeit unerbittlichen Beinigers umfaßte; der ließ sich aber dadurch Nebenbuhlerschaft, die Eifersüchteleien und die Profit zu setzen, die, von bestimmten Anschanungen ausgehend, zu be- nicht stören, faßte den Jungen am linken Arm und Bein und wuth der europäischen Bourgeoisie haben die russische stimmten, klar erkannten Zielen strebt. Was diesem Streit den schleuderte ihn heftig zu Boden. Dann prügelte er mit aller Diplomatie zur Schiedsrichterin der europäischen über einen Lohnkampf, und sei er selbst größter Art, hinaus: Kraft auf den am Boden Liegenden drauf los, etwa 26 Hiebe, Angelegenheiten gemacht. reichenden Charakter verleiht, was ihm die kulturelle Bedeutung mindestens aber 15. Der Geschlagene schrie vor Schmerzen laut würde. beides. " " Das Schwurgericht in Wiesbaden verurtheilte am Montag den Profeffor der Kunstgeschichte, Dr. v. Bamberg, zuletzt in Hattenheim wohnhaft, wegen betrügerischen Bankrotts zu vier Monaten Gefängniß. Gewerkschaftliches. Die Wiederversöhnung" hat eine Sinnesveränderung selbst giebt, ist die unverwischbare Thatsache, daß die Bergarbeiter als auf und bald stimmte auch die ganze Klaffe in das Wehder Russenfreunde im Gefolge gehabt. In dem ersten Artikel eine geschlossene Phalanx auftraten, der Streit trot feiner geheul mit ein. Nur mit Mühe konnte sich der Junge gab ich einige Worte aus einer Rede eines alten Russenfreundes, langen Dauer nicht versandete und die Arbeiter bis wieder vom Boden erheben und hinkte auf seinen Play; der seine Ansicht geändert hat, wieder. Die Zeitung Prawo", zum letzten Augenblick so fest und entschlossen blieben, wie sie es in der Pause entfloh er jedoch nach Hause, wo er auf das offiziöse Organ des Mazedonischen Komitees in Bulgarien, am Anfang waren. Das war fein Putsch mehr, den man mit Anordnung eines herbeigerufenen Arztes sofort ins Bett mußte. das bisher die russische Diplomatie vertheidigte, weil auf sie für Gendarmen und Soldaten niederschlägt, sondern ein Die Anlegung eines Streckverbandes machte sich nothwendig, um die mazedonische Angelegenheit alle Hoffnung gegründet war, moderner Lohntampf organisirter Arbeiter. zu verhindern, daß das linke Bein fürzer werde; durch das Hinwendet sich jetzt plöglich in der ersten Nummer des 2. Jahrganges und welche Disziplin, welche Selbstbeherrschung, welche Beschleudern auf den Boden und die furchtbaren Hiebe habe sich gegen die russische Diplomatie. In besagter Nummer begnügt sonnenheit zeigten diese Arbeiter, die früher ob der un- nämlich eine Hüftgelenkentzündung eingestellt. Das Gericht nahm fich Brawo" nicht, zu erklären, daß Rußland die Armenier erträglichen Qual ihres Lebens verzweifelt um sich schlugen an, daß der Angeklagte nicht von dem Willen beherrscht wurde, durch Unterstützung des Sultans und durch Durchkreuzung des wie gehetztes Wild! Die sozialdemokratische Erkenntniß, sein Büchtigungsrecht auszuüben, sondern daß er vielmehr seinem englischen Vorgehens in Konstantinopel vernichtet habe, sondern, das planvolle Abwägen aller Mittel und Nothwendigkeiten, Born blindlings die Zügel schießen lassen wollte.- Des Hausum ihr Auftreten gegen Rußland noch zu verschärfen, bringt das ist eingedrungen unter die Bergarbeiter und zeitigt jenen großen friedensbruches machte er sich in der Wohnung des Zeugen Blatt noch Auszüge der Artikel unserer sozialistischen Zeitungen. fulturellen Fortschritt, von dem der ganze Verlauf dieses langen, Troißheim schuldig, die er nicht eher verließ- troß mehrmaliger Es giebt in Bulgarien noch andere russenfreundliche Gruppen, mühevollen und gefährlichen Lohnkampfes Zeugniß giebt. Wenn Aufforderung bis alle Anstalten getroffen waren, ihn gewaltwie z. B. die des Herren Karaweloff, die, Rußland zu Liebe, den auch nicht alles erreicht wurde, was die Bergarbeiter zu fordern sam hinauszuwerfen. In seiner Revision gegen das Urtheil Fürsten Ferdinand angriffen, weil sie hofften, er würde bald abdanken, hatten, sie wissen und alle Arbeiter wissen es mit ihnen, daß sie behauptete der Angeklagte, der Thatbestand sei nach der subjektiven da Rußland ihn ja doch nicht anerkennen würde, und dann würden nun start genug geworden sind, um trotz der Bedrückung und Macht- Seite hin nicht erschöpft. Das Reichsgericht verwarf die Re die Parteien mit Hilfe Rußlands an die Regierung fommen. mittel der Unternehmer vorwärts zu gehen. Es sind viele Opfer vision. Diese Gruppen waren von diesem Verlauf der Dinge so fest über- gefallen in diesem schweren Streite, Märtyrer in dem Kampfe der zeugt, daß sie, als man das Gegentheil behauptete, pathetisch im Arbeiterklasse um ihre Erlösung, und die abstoßende Brutalität Brustton der Ueberzeugung in dem Blatt„ Mlada Bulgaria" der Unternehmer vermehrt noch ihre 3ahl. Aber auch die vom 3. resp. 15. November ausriesen: Die russischen 3aren Solidarität der arbeitenden Menschen hat sich bewährt und wird haben noch nie ihr Wort zurückgenommen". Doch es geschah, sich angesichts der Nothlage, die der Kampf im Gefolge hat, noch daß zu gleicher Zeit der Zar im Geheimen auch dem Prinzen weiter bewähren. Die Bergarbeiter haben sich als ein Glied des arbeiter- Verbandes in Berlin befindet sich vom 1. April an: Ferdinand sein Wort gab und hielt. Es ist spaßig, den Born Arbeiterbeeres erprobt, muthig, entschlossen und ihres Weges bedr Mlada Bulgaria" über den Verrath des Zaren zu sehen. wußt, und die Arbeiterschaft Desterreichs wird alle Kraft daran Eie befämpfte Ferdinand, denn Rußland wollte es, und jetzt sehen, daß den Bergarbeitern die Erfüllung ihrer gerechten sieht sie sich plötzlich für immer von der Macht aus Forderungen werde. Der Kampf war nicht fruchtlos und nicht geschlossen, denn Rußland denft im Augenblick nicht daran, sich vergebens." das Spiel mit Ferdinand aus Freundschaft für Herrn Raraweloff zu verderben. In ihrer Wuth erklärte die Wilada Bulgaria", daß die Dankbarkeit des Fürsten und die Wiederversöhnung" eine Falle der russischen Diplomatie für das bulgarische Volt sei Die Herren hätten fich 30 M. Geldstrafe oder 10 Tage Gefängniß wurden eher unserem Genossen Jahn vermittelst Strafbefehl auferlegt, vorsehen sollen. Wahrscheinlich wird ihr Zorn verraucht sein und wir werden bald das Echauspiel einer weil er nach Angabe des Polizei- Inspektors Schulz in Schöne Wiederversöhnung" des Herrn Karaweloff berg, nach einer am 13. Januar d. J. aufgelösten Versammlung und feiner Anhänger mit dem Fürsten haben. Die Thatsachen jedoch, die sich nicht schnell genug entfernt haben soll. Von diesem Be gegen die russische Diplomatie sprechen und die in der Wieder- amten wird fast jede Versammlung wegen der Polizeistunde aufversöhnung" ihren Ursprung haben, bleiben bestehen." Niemals gelöst. Jahn hat selbstverständlich richterliche Entscheidung bean= war der Boden für einen Kampf gegen die russische Diplomatie tragt und ersuchte un Angabe von Beugen, welche dem Vorund die russenfreundlichen Bulgaren günstiger als jetzt. ir gang am 13. Januar d. J. in Schöneberg beigewohnt haben. bulgarischen Sozialisten werden es nicht an Ein Thierquäler, der Kutscher Arnold, hat in der Art, wie uns fehlen lassen. unsere bekannten Kolonialhelden zum theil mit Menschen umgehen, " Gerichts- Beifung. An die Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes! Das Zentralbureau des Deutschen MetallC., Fischerstr. 22, part. Die Mitglieder werden ersucht, Differenzen mit den Arbeitgebern unverzüglich dem Bureau zu melden. An- und Abmeldungen von Mitgliedern geschehen beim Kassirer in den üblichen Bureaustunden. Die Reisegeld- Auszahlung geschieht seitens des Bureaus. Alle Adressenveränderungen, insonderheit die der Vertrauensleute, wolle man sofort dem Bureau anzeigen. Die Bureau stunden sind von vormittags 9-1 Uhr und nachmittags 3-7 Uhr. der Ortsverwaltungen ihre Mitgliedsbücher zwecks Aenderung Die Mitglieder werden des weiteren ersucht, bei den Kassirern der Ortsnummern abzuliefern. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes für Berlin und Umgegend. der J. A.: Friedr. Hofmann. Achtung, Puter! Nachdem die öffentliche Versammlung Pußer Berlins und Umgegend am Montag beschlossen hat, in eine Lohnbewegung zur Beseitigung der vorhandenen ebelflände einzutreten, werden die Kollegen aufgefordert, auf jedem Ban einen Deputirten zu ernennen. Dieselben treten au In der Wagenfabrik von Rudowsky in Berlin, Rostockerstr. 50, haben sämmtliche Schmiede die Arbeit niedergelegt, weil der Bertrauensmann der Stellmacher gemaß regelt worden ist. Die Lobntommission der Schmiede. J. A.: F. Helm, Admiralstr. 84. machen. zum tag ein. In der gestrigen Notiz über die Steinfegerbewegung muß es statt Aschersleben heißen: Oschersleben. Beim Streit der Tischler in der Scheffler'schen Fabrit in Brandenburg haben sich zwei Ausständige gegen Streitbrecher zu Beleidigungen 2c. hinreißen lassen. Einer von ihnen wurde deshalb zu 14 Tagen, der andere zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Berner Brauereien = M einer Besprechung am Freitag, den 27. b. m., abends 8 Uhr im gewerbe. Die Tagesordnung ist es auch nicht, woran der er- 1 für den Westen und Schöneberg Gabriel, für Moabit und Lofale des Herrn Bukke, Grenadierstr. 33, zufammen. Die wähnte Beamte Anstoß nimmt; denn der Paragraph, auf den er Charlottenburg Be cf er. Auf Antrag Bitfin's wurde nach Kollegen werben ersucht, die Deputirten mit ihren Entschlüssen sich in seiner Verfügung berufen hat( Artikel 13 des Gesetzes furzer Debatte befchloffen, daß fünftig, nachdem ein Streit für und Bollmachten zu beauftragen. Ferner werden die Kollegen vom 6. Juni 1868) giebt ihm nur die Befugniß, Versammlungen beendet erklärt ist, feine Unterstübungen an unorganisirte oder ersucht, ihre Arbeitgeber Don unferen Forderungen in zu vertagen, welche ihm von Natur die Ordnung zu stören oder nicht vollberechtigte Kollegen aus dem öffentlichen Fonds Kenntniß zu sehen, damit die am Montag, den 30. d. M., die öffentliche Sicherheit zu schaden scheinen." Offenbar ist es gezahlt werden. Ueber die Lohnbewegung der Klempner nachmittags 4 Uhr im Lokale des Herrn Keller, Roppen- die schwebende Lohnbewegung, welche in den Augen der ober- berichtete Näther, daß der Stand derselben außer straße 29 stattfindende Versammlung endgültig Beschluß fassen elsässischen Verwaltungsbehörde diese Gefahr begründet. Wo ordentlich günstig sei. Bis jetzt arbeiten bereits 1276 Arbeiter fann. Das Büreau befindet sich während der Lohnbewegung bleibt da aber der§ 152 der Gewerbe- Ordnung? in 104 Werkstätten zu den geforderten Bedingungen. Größere im Lokal Grenadierstraße 33 von 9 morgens bis 8 Uhr abends Betreffe der Arbeiteraussperrung in Fürth hat Genosse Schwierigkeiten ständen der Bewegung nur in einzelnen Fabriken beispielsweise in der und find sämmtliche Sendungen und Anfragen an A. Vogel zu Segi beim Nürnberger Magiftrat beantragt, der Gemeinde- entgegen Lampen Fabrit von Dort die wären gerade richten. Es ist noch mitzutheilen, daß im Bureau Grenadier- Arbeitsnachweis möge den Fürther Unternehmern für die Dauer F. F. A. Schulze. dem straße 38 Arbeit zu den gestellten Forderungen nachgewiesen der Aussperrung keine Arbeiter zuweisen. Hirsch Duncker'schen Ortsverein angehörenden Kollegen zu werden kann. J. A.: A. Vogel, Vertrauensmann der Die Täschner Wieus haben in allen Groß- und Klein Puzer Berlins und Umgegend. Die Täschner Wiens haben in allen Groß- und Klein Streitbrechern geworden. Unter diesen Umständen würden also betrieben bis auf einen ihre Forderungen fämmtlich bewilligt in jener Fabrik die Forderungen der Klempner nicht bewilligt bekommen. Am Montag ist die Arbeit wieder aufgenommen werden. Der Mißerfolg der Bewegung bei Bar u. Stein sei worden. Der eine Unternehmer, der nicht nachgegeben hat, ist dagegen in erster Linie dem vorzeitigen Vorgehen der dort be der liberale Handelskammer- Rath Thury. Er will sich lieber schäftigten Kollegen zuzuschreiben, die sich durch die Maßeines Kollegen provoziren ließen. Nachdem Arbeiter aus Deutschland kommen lassen, bevor er die Forde regelung mehrere Redner Einzelheiten über den Klempnerstreit rungen bewilligt. Die Sattler Deutschlands werden ihm aber erörtert hatten, befprach Mäther den Streit in der EisenDas Organ der Hutmacher, der„ Correspondent", biefen Plan durchkreuzen, indem sie den Wiener Kollegen treu möbelfabrik von Rarl Schulz. Beranlaßt durch das Vorgehen schreibt in seiner Nummer vom 19. März, nachdem er ausgeführt die Solidarität bewahren. der Maler, Lackirer und Holzarbeiter, hätten auch die bei Schulz hat, daß die gut organisirten Arbeiter der Seiden, Haare Die schweizerische Brauerbewegung, schreibt unser beschäftigten Metallarbeiter sich deren Bewegung angeschloffen. und Dameufilzhut Branche in den letzten sechs Jahren 3üricher Korrespondent, ist der friedlichen Grledi. Die meisten dieser Kollegen seien nicht organisirt, nur einzelne alle Kräfte anzuspannen hatten, um Lohnreduktionen abzuwehren, gung nahe. Es ist eine Arbeitsordnung vereinbart worden, wären erst jetzt der Organisation beigetreten. Obwohl schon vor was ihnen auch wegen ihrer starten Organisation fast immer die für alle Brauereien mit Motorenbetrieb den Zehnstundentag dem Streit darauf hingewiesen, daß fie aus diesem Grunde nicht gelungen sei: Jm großen und ganzen mußten sich die in dieser einführt, und zwar für alle Hilfsarbeiter, ferner 50 pet. Lohn auf Unterstützung zu rechnen hätten, forderten sie jetzt eine solche. Brauche Beschäftigten auf die Erhaltung des Bestehenden be- zuschlag für Sonntagsarbeit, welche mehr als 2 Stunden über- Um auch diesen Kollegen, trotzdem fie bisher der Organisatson schränken. Natürlich soll es und braucht es nicht so zu bleiben, steigt, die mit 25 pCt. Zuschlag bezahlt werden; sie schränkt für fern standen, nach Möglichkeit entgegen zu kommen, beantragt bei fortdauernder günstiger Geschäftslage muß auch an eine die Brauereien mit über 10 000 Hektoliter Bierausstoß die Ar- der Redner, dieselben aus dem öffentlichen Fonds bis zur Höhe Verbefferung der jeßigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse gedacht beiten ein, welche nicht zum technischen Betrieb gerechnet werden; von 1000. zu unterstützen. Nach kurzer Debatte nahm die werden. Unerläßliche Bedingung hierzu ist: weiter ist der fatultative Arbeitsnachweis der Fachvereine Versammlung diesen Antrag an, worauf nach einer Aufforderung Weitere, eifrige Agitation zur Gewinnung der noch Fern- anerkannt, dem auch die event. Ronventionalstrafen für Ver- Mäther's zur thatfräftigen Mitwirkung an der Organisation der stehenden und unermüdliches Arbeiten dahingehend, die Mit- legung der Arbeitsordnung zufallen; das Uebereinkommen gilt Schluß erfolgte. glieder im Verein zu erhalten und zu treuen Kampfgenoffen zu für drei Jahre fest. Die Brauereien haben das Recht, falls sie Der deutsche Metallarbeiter Verband( Filiale Moabit) Geschieht das nicht, so kann der Unter- boykottirt werden, die Arbeitsordnung außer kraft zu nehmer Beispiel zur Der Boykott über die foll beschäftigte fich am 17. März mit dem Gewerkschaftskongreß und Saison wohl überrumpelt fetzen. und zur Bewilligung von Forderungen veranlaßt werden; aufgehoben und die von denselben ausgesperrten Brauer erflärte sich gegen das von der Generaltommission entworfenen aber während der faulen Beit geht alles Er sollen in anderen Verbandsbrauereien eingestellt werden. Die Streikregulativ. Als Delegirter zum Kongreß wurde Kurgas Die Bestimmungen betreffs der Verschmelzung der rungene mit fammt den Mitgliedern wieder Arbeiterunionen in St. Gallen und Winterthur haben dem Ueber- gewählt. verloren. Wollen wir diese Erfahrung nicht machen, so einkommen zugestimmt und die andern werden es wahrscheinlich hiesigen Filialen gelangten zur Annahme. Außerdem beschloß dürfen wir für die innere Agitation und Organisation Mittel auch thun mit Ausnahme der Berner, die auf die Wieder- man, das Verkehrslokal und die Bibliothek aus räumlichen und Kräfte nicht scheuen. Diese Anlage wird sich andererseits gut einstellung der Ausgesperrten beharren und den Boykott in ver- Gründen von Rowe, Beuffelstr. 62, nach dem Lokal von Bierrentiren." schärfter Form fortführen. Die organisirten Brauergehilfen mann, Emdenerstr. 51, zu verlegen. In einer öffentlichen Versammlung der Former, die Diese Ausführungen treffen den Nagel auf den Kopf. Mögen haben sich leider wenig disziplinirt und solidarisch erwiesen und sie nicht nur bei den Arbeitern und Arbeiterinnen des Hut- gegenüber dem Terrorismus der Brauereibefizer wenig Wider- von ca. 400 Personen besucht war, referirte am Sonntag Vorgewerbes, sondern auch bei denen anderer Gewerbe auf frucht- ftandskraft gezeigt. Unter solchen Umständen konnte der ge- mittag im Kösliner Hof Genosse Jahn über„ Arbeitslohn und baren Boden fallen. Ohne Anschluß an die Organisation fintt forderte obligatorische Arbeitsnachweis nicht errungen werden. Arbeitszeit" unter besonderer Bezugnahme auf die gegenwärtige der Arbeiter gar bald wieder in das alte Glend zurück, während Indessen enthält die neue Arbeitsordnung gegenüber den ver- Lohnbewegung, indem er zugleich zum Anschluß an den Zentraler im andern Falle einen Schutz vor Verschlechterung seiner schiedenen bestehenden Arbeitsordnungen in den Brauereien verein deutscher Former 2c." aufforderte. Die Berliner Organi wirthschaftlichen Lage hat, der um so bedeutender ist, je mehr einige Verbefferungen. fation hat in den jüngsten Wochen wieder einen neuen Aufschwung Mitglieder und Geld die gewerkschaftliche Organisation hat, der Die Arbeiter der Holz- und Kohlenhandlungen in genommen durch Aufnahme von über 200 neuen Mitgliedern. er angehört. St. Gallen forderten: Behnstundentag, 40 Gts. Stunden- Der starke Besuch dieser Bersammlung läßt auch für die Zukunft Zur Buchdruckerbewegung. In Straßburg i. G. lohnt, 60 Gts. für Ueberstunden. Die Geschäfte bewilligten: neue Erfolge erwarten, um die mißlichen Verhältnisse feit haben sämmtliche Buchdruckereibefizer ihren Gehilfen den Neun. 10/2 stündige Arbeitszeit, 86-40 Cts. Stundenlohn, Bezahlung 1890 wieder auszumerzen. In der Diskussion äußerten sich stundentag und 5 pCt. Lohnzuschlag bewilligt. der Ueberstunden nach Uebereinkunft. Die Arbeiter sind von sämmtliche Redner im Sinne des Referats. Wenn man auch selbst nicht in eine Lohnbewegung eintreten wolle, so sei es Pflicht, In Lüdenscheid treten die Lithographen 2c. mit diesen Zugeständnissen befriedigt. Genehmigung des Vorstandes ihrer Zentralorganisation zusammen In Winterthur verlangten die Rebleute( Weinberg. Die Metallarbeiter auf jede Weise zu unterstützen, im übrigen mit den Buchdruckern in die Bewegung für den Neunstunden- arbeiter), 45 Frauen und 20 Männer, Erhöhung des Arbeits- aber für den Verband der Former zu agitiren, um felbft für eine lohnes per Rebstock von 5 auf 7 Gts., sowie das abgehende etwaige Lohnbewegung gerüstet zu sein. A18 Delegirter für die Rebholz und die Stecken. Die Rebbefizer bewilligten 6 Gt3., Gewerkschafts- Kommission wurde Hartig gewählt. Der Fachverein der Musikinstrumenten Arbeiter hatte womit die Arbeiterschaft zufrieden ist; die andere Forderung aber wurde abgelehnt, während die Arbeiter darauf bestehen. am 15. März im Restaurant von Hirte, Elisabethstr., eine Ver Wahrscheinlich werden die Rebbesitzer nachgeben. Zu einem sammlung einberufen, die recht zahlreich besucht war. Ein Res Streit tommt es nicht. ferat des Genossen Börsch über die Bedeutung der Gewerks Die Schlosser in Lausanne stehen in einer Lohn- fchaftsbewegung fand in der Versammlung allseitige Zustimmung. bewegung. Drabnik ersucht die Mitglieder in ihren Werkstätten zu recherchiren, in welchem Umfange die Hausindustrie ausgebreitet In der Filzfabrik von Lamprecht in Stettin ist mann August Siegel: Am 9. März trat eine ohn- Ausgenommen wurden 30 Mitglieder. Jm Süden beschäftigte Aus Schottland berichtete der dort lebende bekannte Berg- ist und bittet das gesammelte Material ihn zu übermitteln. ein Streit ausgebrochen. Die Ausständigen bitten die Fach- reduktion von 10 p& t. in ganz Schottland für die Bergfich die Mitgliederversammlung mit der ähnlichen Tagesordnung. genoffen, Solidarität zu üben. Ieute in traft. Einige Zeit vorher haben die Grubenbefizer Die Schuhmacher in Preek in Holstein befchloffen bei einzeln eine Lohnreduktion, welche bis zu 25 pet. betrug, durch- Genosse Wagner sprach hier in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über das Thema: Der achtstündige Arbeitstag und der denjenigen Unternehmern die Arbeit einzustellen, die Aufträge gesetzt. Infolge deffen ist eine starte Gährung unter dem Volke. Vortrag über das Thema: Der achtstündige Arbeitstag und der für die Schuhfabrikanten Elmshorns ausführen, deren Arbeiter In verschiedenen Orten, so auch in Hamilton, haben im Streit stehen. schon große Demonstrationen stattgefunden. Die Leiter Die in Holzbearbeitungs- Fabriken und auf Holzplägen Unions haben beschäftigten Arbeiter( Filiale II) hatten am 17. März Ibun, зи genug einen vortm In Hagenow in Mecklenburg stehen 27 3 immerer ber zeitigen Streit zu verhindern, auf den, wie es scheint, die eine Versammlung einberufen, in der Genosse Kiesel einen recht Grubenbefizer es abgesehen haben. Die Redner betonen in den beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Das Andenken des verDie Zahl der streikenden Steinarbeiter in den Stein- Versammlungen, nur ruhig bis Monat August auszuharren. Am storbenen Mitgliedes Treplinger ehrte die Versammlung in der brüchen der Umgegend von Pirna an der Elbe( o st a 2c.) bebrüchen der Umgegend von Pirna an der Elbe( Post a zc.) be- 1. August ist nämlich der durch Vereinbarung festgesetzte Lohnfah üblichen Weise und gelangten hierauf einige interne Vereinsträgt 270; nur 70-80 Mann arbeiten weiter. Die besten Arber englischen Bergleute abgelaufen. Ganz wahrscheinlich werden angelegenheiten zur Besprechung. Der Arbeitsnachweis und das beiter betheiligen sich am Streit. 50 Mann haben anderweit die englischen, schottischen und die Bergleute von Südwales im Verkehrslokal befinden sich Bergstr. 12 bei Jennrich. Arbeit gefunden; demnach sind noch 220 Mann zu unterstützen. Angust in Streit treten; die Zahl würde sich, wenn sich Dur- Der deutsche Holzarbeiter- Verband( Bezirk West und Die Textilarbeiter Großenhains i. S. hatten Forde bani und Northumberland ausschließen, auf 500 000 belaufen. Südwest) hatte am 22. März eine Versammlung einberufen, in rungen an die Unternehmer gestellt, die von deren Vereinigung Es wird dann heißen, entweder oder; ganz verhungern oder so der Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil über das Thema: Was abgelehnt worden sind. Betreffs der Forderung für die Lohn- viel verdienen, was zum Leben nöthig ist. Dieses Halbleben, lehren uns die letzten Streits sprach. Nach einer recht lebhaften weberei beriefen sich die Fabrikanten darauf, daß es sich dabei Halbhungern, tann nicht lange mehr so weiter gehen. Diskussion über den beifällig aufgenommenen Vortrag wurde die nur um eine aushilfsweise Arbeit( um leer stehende Maschinen Ergänzungswahl der Werkstatt- Kontrollkommission vollzogen. Es zu beschäftigen) handle. Die Forderung für Appretur- und wurden gewählt: Gustav Schmidt, Wardin und Lenzemann für andere Arbeiter wurde mit Hinweis auf die ungünstige Geschäftsden Westen, Petrit, Monin, Zidenroth, Bauer, Strehler und lage" zurückgewiesen. In einer Versammlung der Textilarbeiter be- In der öffentlichen Metallarbeiter Versammlung, die Schneider für den Südwesten. Während der Sommermonate zeichnete man die Gründe der Fabrikanten jedoch als nicht stichhaltig. am Sonntag im Feen- Palast tagte, erstattete der Vertrauensmann sollen die Versammlungen an den Wochentagen abgehalten Die Versammlung erklärte, die Forderung fürdie Lohnweberei zu äther den Rechenschaftsbericht über den öffentlichen Fonds. werden. vertagen und sich erst mit den Berliner Kollegen verständigen zu Danach betrugen die Einnahmen: Bestand am 24. Februar Die in der Kürschnerbranche beschäftigten Arwollen, um dann gemeinsam in dieser Frage vorzugehen. Betreffs 1895 3563,97., durch Markenverkauf 4586,95 M., Mai- beiter und Arbeiterinnen verhandelten in der am der Forderung der Appretur- und anderen Arbeiter wurde die fammlung 1888 M., Listensammlungen gelegentlich der 16. b. M. abgehaltenen öffentlichen Versammlung über die von jetzt bestehende Rommission noch durch Hinzuwählen aus den be- verschiedenen Lohnbewegungen 33 99,05 M., durch Teller der Fünfer Kommission vorgelegten Statuten für die neue Orga treffenden Branchen ergänzt. Eine scharfe Kritik wurde an dem sammlungen 1457,10 M., durch die Gewerkschaftskommission von nisation. Dieselben wurden mit einigen redaktionellen Aendeantisemitischen Anzeiger geübt, da dieser die Forderungen über den Töpfern zurückerhalten 500 m., 500 M., sonstige Einnahmen rungen angenommen. Bei der hierauf erfolgten Vorstandswahl trieben" genannt hat. Den Vertretern der Bresse wurde empfohlen, 260,55 W., zufammen 15 758,82 M. Dem stehen folgende Aus- wurden gewählt: Peters erster, Miden zweiter Vorsitzender; eine Rechnung aufzustellen, wie mit 8-10 Mart pro gaben gegenüber: Für Streifunterstützungen eigenen Michaelis erster, Blaichis zweiter Kassirer; Wittig erster, Weise Woche auszutommen ist. Mit den Rottbuser Aus- Gewerkschaft 3516,20 m., die Gewerkschafts Rom- zweiter Schriftführer; Matthée Beisitzer; Jahn, Ziege und für Streitunterstützungen an ständigen erklärte sich die Versammlung solidarisch; sie sollen in mission 224 M., andere Friedrich Revisoren. Zum Schluß wurden auf Antrag Regge jeder Weise unterstützt werden. Gewerkschaften 2656 M., für Rechtsschutz 185,10 M., für den streifenden Textilarbeitern in Rottbus noch 15 M. zu den Die Tischler in Wilsdruff bei Dresden haben die Arbeit Druckfachen und Inserate 1840 M., Versammlungsunfoften bereits überwiesenen 25 M. bewilligt. Im Allgemeinen Deutschen Tapezirer Verein hielt am niedergelegt, weil ihre Forderungen nicht bewilligt wurden. Die 1203,38 M., sonstige Ausgaben 113 M., in Summa 10 687,68., Der Redner be- 18. März Genosse Bruno Pörsch einen interessanten Vortrag Inhaber der Möbeltischlereien hatten durch den Vorstand der demnach bleibt ein Bestand von 5071,14 m. Innung erklären lassen, auf die Forderungen nach Lohnerhöhung, sprach eine Reihe von Fällen, in denen Kollegen zum über die Beseitigung des Privateigenthume. Unter Bereinstheil schon feit Jahr und Zag mit der Abrech Verkürzung der Arbeitszeit u. s. w. feinesfalls eingehen zu angelegenheiten gab Pönicke bekannt, daß vom 1. April ab ein nung über empfangene Sammellisten und Marten im können, sofern die Forderungen nicht durch allgemeines Borgehen Rückstande sind, und empfahl der Versammlung sich hierüber eigenes Fachorgan erscheint. Ein Tapezirer, der während des Streits bei der Firma Jakob u. Braunfisch, Alexanderder Tischlergesellen aller Konkurrenzquellen maßgebender Gebiete unterstützt werden, da im einzelnen Falle ein Preisaufschlag für äußern. In gleicher Weise, wie sich die Einnahmen gegen firaße 27a, verhaftet wurde, ist dieser Tage vom Amtsgericht freidie Produkte der Wilsbruffer Tischlereien nach bereits geschehener früher gesteigert haben, fei aber auch die Arbeitslaft des Bergesprochen worden. Wie ergänzend hinzugefügt wurde, hat die trauensmannes gewachsen, so daß so daß es nothwendig sei, Verständigung mit der Kundschaft absolut nicht erzielt werden neben dem Hauptvertrauensmann noch 5 weitere Vertrauens: genannte Firma die bewilligten 331/ s pet. Lohnaufschlag schon wieder abgezogen. Dessen ungeachtet haben diese fann und ohne einen Preisaufschlag für unsere Möbel eine Im Leute die Stirn, in ihren Inseraten zu ertlären. Erhöhung der bestehenden Löhne u. s. w. nicht bewilligt werden männer für die einzelnen Stadttheile zu ernennen. Laufe des verflossenen Jahres haben 103 103 öffentliche Bersammlungen stattgefunden. Durch die in letzter Zeit lebhaft daß es ihnen, trop der enormen Lohnerhöhung betriebene Agitation ist die Zahl der organisirten Kollegen von möglich ist, zu den alten Preisen zu verkaufen 10 000 auf 16-17 000 gewachsen. Das sei gewiß ein erfreuliches Die Bauanschläger, gegenwärtig in zwei lokalen Bereinen Zeichen, dürfe die Kollegen aber nicht veranlassen, nunmehr in der Pro organifirt, hatten für Sonntag eine öffentliche Versammlung Die Malergesellen von Mülhansen i. E. find ebenfalls paganda für die Organisation lässig zu werden, sondern müsse viel einberufen, um für die Zukunft die Verschmelzung beider Vereine in den Lohnkampf eingetreten. Sie fordern: Behnstündige Ar- mehr ein Ansporn zu immer lebhafterer Thätigkeit sein. Auf herbeizuführen, worüber Genosse Jahn ein einleitendes Referat beitszeit bei einem Minimallohn von 45 Pf. pro Stunde; für Antrag der Revisoren wurde dem Vertrauensmann Näther ein- hielt. Die hierauf folgende Diskussion war eine äußerst lebhafte, Ueberstunden 20 pCt. Zuschlag und für Nacht- und Sonntags- ftimmig Decharge ertheilt. Bezüglich der Restanten von Marken indem die Zersplitterung der Kräfte nicht nur allgemein arbeit 50 pSt.; für Arbeiten auf Zugleitern und Hängegerüsten und Sammellisten wurde gewünscht, daß die betreffenden bedauert, sondern auch das geradezu unanständige Verhalten wird ein Zuschlag von 10 Pf. pro Stunde verlangt; für aus Kollegen noch nicht der Deffentlichkeit preisgegeben würden, vieler Kollegen betreffs der Ueberarbeit und dem gegennoch fortgesetzt rückständige Beiträge einliefen. feitigen Unterbieten der Löhne auf das schärffte ge= wärtige Arbeit bis zur Entfernung von 3 Kilometern ein Zu da Der vor drei Jahren aufgestellte Lohntarif schlag von 1 M., bei weiteren Entfernungen ein solcher von Nur in einem Falle wurde beschlossen, 2 M., in einem tadelt wurde. anderen Falle 5 M. niederzuschlagen, die nicht einzu- sei ganz in Vergessen beit gerathen, namentlich von den in der 2 M. pro Tag. Eine öffentliche Maler Versammlung, die vorigen Sonntag stattfinden sollte, ist durch Verfügung des treiben sind. Ferner wurde beschlossen: den Vertrauensmännern Umgegend Berlins wohnenden und auch auf der hiesigen Ges Bezirks- Präsidenten des Ober- Elsaß vom 17. b. m. vertagt" ibre im Interesse der Gewerkschaft verfäumte Arbeitszeit mit werbe- Ausstellung arbeitenden Berufsangehörigen, die vielfach worden; ebenso erging es vor wenigen Wochen einer öffentlichen 50 Pf. die Stunde zu vergüten. Sum Haupt Vertrauens- für 45 Pf. die Stunde arbeiten, während die Zimmerer 55 Pf. wurde Nät her wiedergewählt, zu Bezirks- Ver- erreicht haben. Um nun einheitlich in eine Lohnbewegung eins Bauhandwerkerversammlung. In beiden Fällen war mann in Streit. tann". Die Herren haben aber gleich 20 pet. Preiserhöhung von ihren Kunden verlangt, was beträchtlich mehr ist, als durch die Bewilligung der Arbeiterforderungen bedingt wäre. Versammlungen. an der = 1. Mai. die Tagesordnung rein gewerkschaftlich, sie lautete flar und trauensmännern wurden ernannt: für den Norden Stehr, treten zu können, wurde in einer einstimmig angenommenen präzis: Die Arbeits- und Lohnverhältnisse im Bau- bezw. Maler- für den Süden Gunther, für den Dsten einge, Resolution beschlossen, für Auflösung beider Vereine behuss werden. Gründung eines neuen zu agitiren. In einer am 8. Osterfeiertag| ben Meistern einzulassen, da stattfindenden öffentlichen Versammlung soll alsdann ein heiten bei früheren Gelegen- fie bereits von den Arbeitern in den mechanischen Schuhfabriken alsdann ein heiten nicht viel dabei herausgekommen set. Bildhauer durch ihre Einigkeit erzielt worden ist. Mitgetheilt wurde ferner, definitiver Antrag für eine etwaige Lohnbewegung unterbreitet Domscheidt erklärte namens der Modelleure, daß auch daß fämmtliche Gesellen beim Schuhmachermeister diefe in eine Lohnbewegung einzutreten gebenken, jedoch H. Delfer, Rochstraße 20, die Arbeit nieberDie Lederarbeiter( Portefeuiller) hatten am 16. März eine nicht durch einen Streit, sondern im Wege gegenfeitiger gelegt haben. Diefelben fordern die Abschaffung des ZwischenBersammlung anberaumt, in der Heinbte über die Bedeutung Verständigung ihre Forderungen durchseßen wollen. Den Streit meistersystems, das seit neuerer Beit bei Delfer eingeführt wurde, des 18. März referirte. Bei Besprechung der Vereins- Angelegen der Stuckateure würden die Modelleure selbstredend unterstüßen. und die Bezahlung der 2. Lohnklaffe. heiten wies Schulz auf die Fortschritte der Vereinigung hin, Krebs erklärte sich gleichfalls für Einführung der Lohnarbeit, gebeten. 11 bedauerte dagegen, daß die Berufskollegen aus den Werkstätten meinte aber, die von nur 300 Personen besuchte Ver- Die Glasarbeiter( Glasschleifer) hatten am 28. b. M. eine von Urbach u. Comp., Kirchner und Schwertheim so wenig der fammlung sei nicht kompetent, nach dieser Richtung bindende öffentliche Versammlung einberufen, in der die Einführung eines Einladung zur heutigen Versammlung folge geleistet haben. Beschlüſſe zu fassen; dies solle vielmehr einer anderen einheitlichen Lohntarifs berathen wurde. Wie in der Debatte Redner zeigt an einer Reihe von Beispielen, auf welchem niederen beffer besuchten Bersammlung überlassen bleiben. Fri festgestellt wurde, sind die Arbeitslöhne äußerst niedrige, die Niveau die Löhne angelangt sind, dabei finde die Hausindustrie Grünberg hielt dagegen die Versammlung für start genug Werkstätten selbst oft wahre Hundelöcher und den einfachsten Anmit allen ihren Schäden immer mehr Eingang im Beruf. Sollen besucht, um zu den Forderungen Stellung zu nehmen. Wer forderungen der Hygiene hohnsprechend. Ganz besonders geklagt diefe tief eingewurzelten Uebel beseitigt werden, dann sei vor nicht hier set, müsse sich eben den Beschlüssen der Versammlung wurde über die Werkstätte von Alt, nicht minder über die von allen Dingen der Anschluß an die Organisation nöthig. Im fügen. Nach dem noch einige Redner in gleichem Sinne ge- Matthes in der Köpnickerstraße. Alledem gegenüber wurde tief gleichen Sinne sprachen sich die Mitglieder Heindle und sprochen, wurde folgende Resolution angenommen: bedauert, daß die Kollegenschaft, Buchstaben wie Facettenschleifer, Höhe aus. " In Erwägung, daß das heutige Affordsystem in jeder Hin- der Organisation so theilnahmslos gegenüber stehen. Eine starte Die Barbiere hatten am 19. 5. M. eine Versammlung an- durch angestrengteste Thätigkeit in der Lage ist, den zu seinem bedingung betrachtet für die Möglichkeit der Durchführung eines sicht auf die Arbeiter schädigend einwirkt, und der Arbeiter nur Organisation wurde für das erste Erforderniß und als Vors beraumt, in der Starosson über die Bedeutung des 18. März Unterhalt unbedingt nöthigen Lohn zu verdienen, erklärt sich die einheitlichen Lohntarifs. Einen Beschluß konnte die mangelhaft sprach. Unter Vereinsangelegenheiten gab der Vorsitzende be fannt, daß der Delegirte zum Verbandstag verhindert war, sein heutige Bersammlung für Abschaffung der Attordarbeit und be- besuchte Versammlung nicht faffen. Die Frage des einheitlichen noch weitere übertragenes Mandat auszuüben; an ftelle dessen hat der Stellauftragt die Lohnkommission, mit den in betracht tommenden Lohntarifs Bersammlungen beschäf= vertreter am Rongreß theilgenommen. Der Bericht wird in der Prinzipalen in Verbindung zu treten, um die Einführung der tigen. In die Gewerkschaftskommission wurde Höhn delegirt. nächsten Versammlung gegeben werden. Wie mitgetheilt wurde, Lohnarbeit im Stuckateurgewerbe anzubahnen." zur Berathung ftand noch die Frage der Gründung einer Filiale ift die Agitation in der Provinz Brandenburg von gutem Erfolg Raffirers in der Zeit vom 16. Juni 1895 bis 22. März 1896 wird diesbezüglich noch eine Besprechung stattfinden. Zur ferneren Nach dem Bericht der Revisoren betrug die Einnahme des der Hilfskaffe in Meißen. Eine solche wurde beschlossen und gewesen und wurde allgemein um eine rege Unterstützung der 225,36 M., die Ausgabe 163,53 M., so daß ein Ueberschuß von Berathung ftand die Frage der Gründung eines UnterstügungsArbeiterschaft in den Organisationsbestrebungen der Barbiere 61,71 m. bleibt. Dem Kassirer wurde einstimmig Decharge ertheilt. fonds. Dieselbe war bereits beschlossen, wurde jedoch nunmehr für Als Vertrauensmann wurde nach kurzer Debatte Martin undurchführbar erachtet und legte der gewählte Vertrauensmann Die Fensterputzer hielten am Montag Abend eine öffent- Müller wiedergewählt. Die Beschlußfassung über die Mai- fein Amt nieder. Von dem vorhandenen Bestande wurden 50 M. liche Versammlung ab, die von ca. 400 Personen besucht war. feier wurde der vorgerückten Zeit wegen bis zur nächsten öffent- den streifenden Textilarbeitern in Rottbus, das Verbleibende der Auf der Tagesordnung stand die Stellung zur Lohnbewegung. lichen Versammlung vertagt. Unter Verschiedenes" verlas Berliner Gewerkschaftskommission überwiesen. Der Referent schilderte in eingehender Weise die Arbeits- Röseler eine äußerst rigorose Arbeitsordnung der Firma verhältnisse in diesem Beruf, insbesondere beschäftigte er sich mit Ernst Westphal, die auch von anderen Rednern kritisirt wurde, Steglit. Am 17. März tagte hier eine General- Verden beiden Juſtituten Stöhr und Mouffic. In diesen welche den Kollegen als bestes Mittel gegen berartige Unter- sammlung des Arbeiter- Bildungsvereins für Friedenau, Stegliz Instituten wird die Arbeitszeit nicht selten auf 12-14 Stunden nehmermaßregeln den Anschluß an die Organisation empfahlen. und Umgegend, in der Gen. Bachmann in einem beifällig ausgedehnt, und beträgt der Verbienſt 12-15 M. pro Woche. Dabei wird jedem zur Pflicht gemacht, in anständiger und fiche Bersammlungen einberufen. In Nieft's Salon sprach Dr. Die folgendes Resultat ergab: Sudrow erster, Mohr zweiter Die Schuhmacher hatten am Montag zwei große öffent- Nach einer sehr regen Debatte wurde die Vorstandswahl erledigt, aufgenommenen Vortrag über die heutige Jugenderziehung sprach. sauberer Kleidung zu kommen. Agitationstommiffion haben nunmehr für eine Lohnbewegung Bortragende unterzog die einzelnen Bestimmungen dieses Gesez mann erster, Barenfee zweiter Schriftführer; Meißner erster, Die Vertrauensleute und die Bütgenau über das bürgerliche Gesetzbuch und die Arbeiter. Der Vorsitzender; Kentsch erster, Neumann zweiter Kassirer; Bachfolgende Forderungen aufgestellt: 3 M. pro Tag oder 18 M. entwurfs einer eingehenden Kritik und resümirte fich dahin, daß Wochenlohn; zehnstündige Arbeitszeit, 1/2 Stunde Frühstücks-, daß geplante bürgerliche Gesezbuch für die Arbeiter eine Reihe Brettschneider zweiter Bibliothekar. führer; Mei 11/2 Stunden Mittagspause; für jeden Weg nach dem Romptoir fo bedentlicher Bestimmungen enthalte, die es der sozialdemo pro Stunde 45 P.; anständige und menschenwürdige Be- tratischen Fraktion im Reichstage unmöglich machen, dem Ent- hausen hatten sich am 18. März in Jänice's Lokal, Neu- Hohen= Die Parteigenossen von Wilhelmsberg Hohen- Schönhandlung; Sicherheitsmaßregeln gegen Unglücksfälle; Anwurf ihre Zustimmung zu geben; was jedoch die Abgeordneten Schönhausen versammelt, um einen Vortrag des Genossen Paul erkennung eines Arbeitsnachweises der Fensterputzer; Einsetzung nicht von der Pflicht entbinde, zu bessern, wo es irgend möglich Litfin über:„ Der 18. März und seine Bedeutung für das Prowurf ihre Zustimmung zu geben; was jedoch die Abgeordneten haufen hatten sich am 18. März in Jänicke's total, Neu- Hoheneines aus gleichen Theilen bestehenden Schiedsgerichts zwischen ist. Nach einer regen Diskussion, an der sich Weber, König, letariat!" zu hören. Der Referent schilderte die geschichtlichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern; Beseitigung der Strafgelder. Büttner, Frau Schädlich und Niederauer im Sinne des Re- Borgänge vor und während des 18. März, beleuchtete die ZuDie hierauf folgende Diskussion war eine äußerst lebhafte, da ferenten Agent Tobias die Institute in Schuß zu nehmen suchte, Annahme, betheiligten, gelangten zwei Resolutionen zur stände, die zu dieser Ratastrophe geführt haben und stizzirte in die sich im während Direktor Spuhl von der Glaserinnung in ruhiger Zum Schluß wird noch von verschiedenen Rednern die Unfitte stände bis auf den heutigen Tag. Der Redner mußte noch vor Sinne des Referats äußern. eingehender Weise die weitere Entwickelung der politischen Bu und fachlicher Weise die Forderungen der Fensterputzer nicht nur des Anfragens in den Fabriken seitens der Arbeiter verurtheilt. Beendigung seines Vortrages das Referat abbrechen, weil er anerkannte, sondern zur Einigkeit und Ausdauer ermahnte, um Es wurde den Anwesenden zur Pflicht gemacht, für die Beseiti- durch den Beamten an die für das Lokal geltende Polizeistunde, mit der Zeit einen Lohn von 24 M. zu erzielen. Der Meinung, gung dieses Mißstandes Sorge zu tragen. fofort in einen Streit einzutreten, traten Schüler und Jahn die auf 10 Uhr festgesezt ist, erinnert wurde. Durch diesen entgegen. Hierauf wurde einstimmig eine Resolution an- tagte, hörte zunächst einen sehr interessanten Vortrag des Genoffen verschiedenen Machinationen der Wilhelmsberger Hausbesitzer zu Die zweite Versammlung, die im Königshof, Bülowstraße, vorzeitigen Schluß wurden die hiesigen Genoffen verhindert, die genommen, den Institutinhabern die Forderungen vorzulegen Wagner über Reichs- Versicherungs- und Reichs- Gesundheitsamt der am nächsten Tage stattfindenden Kommunalwahl zu besprechen und später in einer öffentlichen Versammlung Bericht zu er an, der mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Zum weiteren und ihr Verhalten zu berselben zu bestimmen. statten. Punkt der Tagesordnung schilderten mehrere Redner die LohnDie Stuckateure waren am Montag Abend sehr zahlreich und Arbeitsverhältnisse der Schuhmacher in der Friedrichstadt. in Cohn's Saal versammelt. Zunächst wurde über die gegen Danach sollen die Söhne, die durch den Streit im Jahre 1890 eine öffentliche Versammlung des Gewerkschaftskartells statt. Der Charlottenburg. Am 19. März fand in Lehder's Lokal wärtige Geschäftslage und was lehrt uns die Arbeitsniederlegung errungen, seither um ungefähr 20 pet. wieder zurück- Vertrauensmann der Gewerkschaften, Zimmerer Kube, gab zuauf der Gewerbe- Ausstellung? verhandelt. Röseler bezeichnete die gegangen sein. Die 1. und 2. Lohnklasse des Tarifs, die für die nächst einen Ueberblick über die Thätigkeit des Kartells im Geschäftslage als eine günftige; er hält den gegenwärtigen besseren Arbeiten festgesetzt sind und von denjenigen angefertigt vorigen Jahre. Zeitpunkt Dem schloß sich ein Bericht des Malers für geeignet, etwas zur Besserung der werden, die außer der dreijährigen Lehrzeit schon längere Zeit in Flemming über Einnahme und Ausgabe bei der GewerbegerichtsArbeitsverhältnisse zu thun, und schlägt namens der Lohn der Branche thätig waren, wird im allgemeinen nicht mehr gezahlt. Wahl an. In der Diskussion über die Taktit des Kartells wurde fommiffion vor, in erster Linie für Abschaffung der Afford- und Mit der Zunahme der Hausindustrie haben sich die Verhältnisse gewünscht, die Versammlungen in fürzeren Zwischenräumen einEinführung der Lohnarbeit, sowie für strikte Innehaltung immer mehr verschlechtert; die Löhne wurden immer weiter zuberufen. An stelle des ausgeschiedenen Vertrauensmannes der neunstündigen Arbeitszeit einzutreten. Die Beseitigung herabgedrückt und die Arbeiter von den Meistern noch abhängiger Rube wurde Maler Flemming, wohnhaft Schlüterstr. 71, gewählt. Der Akkordarbeit sei ein wirksames Mittel zur Be- gemacht. Dies wurde noch begünstigt durch den Zwiespalt in Neu eingetreten ins Kartell sind die Metallarbeiter und Schuhtämpfung der die Arbeiter schädigenden Schmutzkonkurrenz der Organisationsfrage, der eine zeitlang obwaltete. unter den Meistern. Auch die anständigen Unternehmer müssen die Arbeiter sehr häufig bei der Ablieferung ohne VerSo macher. Nicht anwesend war der Delegirte der Glasarbeiter. würden nach dieser Richtung hin die Bewegung der gütigung 2 bis 4 Stunden warten, bis sie neue Arbeit bekommen, Stuckateure mit Genugthuung begrüßen. Liebenow, oftmals tagelang aussehen und täglich vergebens anfragen. Die W. Schulz sowie Friz und Hugo Grünberg traten Arbeitszeit bei den Werkstellenarbeitern beträgt nicht felten 14 gleichfalls für Abschaffung der Akkordarbeit ein. Letzterer bis 16 Stunden und die Sonntagsruhe wird fast niemals innebetonte allem, daß man nicht zu zu große Hoff gehalten. nungen auf ein Hand in Hand gehen mit den Unternehmern sehen solle, und rieth der Lohntommission, sich bei einem Borgehen der Stuckateure nicht zu weit in Unterhandlungen mit vor Briefkasten der Redaktion. Bloemink- Regerau. Vor dem internationalen Arbeiter fongreß von 1889( in Paris) haben schon mehrere Kongresse der Alle Redner wiefen auf den Werth der Organisation hin 1864 gegründeten Internationalen Arbeiter Affo= und forderten die Anwesenden auf, derfelben beizutreten, um in ziation stattgefunden und zwar fünf: 1866 in Genf, 1867 in erster Linie eine Verkürzung der Arbeitszeit herbeizuführen, wie Lausanne, 1868 in Brüffel, 1869 in Basel und 1872 im Haag. 4542* Möbel- Tischlerei G.A. Noack, glermeier. 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Das Streikbureau befindet sich Annenstr. 16 und ist geöffnet von 12-8 Uhr mittags. Der Vertrauensmann der Berliner Klempner. F. Zimmermann, SO., Bücklerstr. 55. Schraubendreher! Mittwoch, den 25. März, abends 8, Uhr, im Konzerthaus Sanssouci, Kuttbuserstr. 4a: Gr. öffentliche Versammlung. Zages Ordnung: 1. Berichterstattung über den Stand des gegenwärtigen Streits. 2. Dis tuffion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht aller in der Branche beschäftigten Kollegen, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. 280/11 Die Streikkommission. J. A.: R. Thate, Dresdenerfir. 110. Hausdiener, Packer und Berufsgenossen. Große öffentliche Versammlung. Achtung! Maurer. Achtung! Grosse öffentl. Maurerversammlung am Donnerstag, den 26. März 1896, abends 8 Uhr, im Louisenstädtischen Konzerthaus, Alte Jakobstraße Nr. 37. Tages Ordnung: 132/15 Bericht der Lohnkommission und Entgegennahme praktischer Vorschläge zur Einleitung der Lohnbewegung. Um zahlreichen Besuch ersucht 2. Diskussion. P ortièren Die Lohnkommission. Oeffentliche Versammlung der 164/20 Restbestände engl. Damenschneider und Schneiderinnen 2 bis 8 Chals, à 2,50, 3, 4, 6 bis 15 Mark. Probe- Chals bei näherer mit Portièren- AbAngabe franco zu Diensten. Pracht- Katalog bildungen gr. u. fr. Teppich Emil Lefèvre, Fabrik in der Rotümbranche am Donnerstag, den 26. März cr., abends 9 Uhr, in Cohn's Festsälen( mittlerer Saal), Beuthstr. 20/21. Tages- Ordnung: 1. Welche Regelungen müssen wir in unserer Branche durchführen? Berlin S., Oranicukraße 158. Referent: Kollege Bares. 2. Diskussion und Beschlußfassung darüber. Herren- Hüte 65 Pf. Confirmanden u. bessere Hüte, enorm billig, verkauft das Fabrik- Komptoir Barnimstr. 45, Müllerstr. 12c. Kastanien- Allee 101. Es ist nothwendig, daß alle Damenschneider und Schneiderinnen er scheinen, weil wichtige Beschlüsse gefaßt werden. Die Agitations- Kommission d. Schneider u. Schneiderinnen Berlins u. Umgeg, J. A.: J. Timm, Vertrauensmann. Achtung! Metallarbeiter! Achtung! Palmsonntag, den 29. März, im Lotale des Herrn Henke, Naunynstraße Nr. 27: Großes Vokal- und Inftrumental- Konzert zum Besten des öffentlichen Unterstützungsfonds der Metallarbeiter, unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins der Metallarbeiter Osten" ( M. d. A.-S.-B.), sowie der Volkshumoristen Gebr. Zmogzin. Möbel- Gelegenheitskauf Nach dem Stonzert: Grosser Ball. Serren, bie daran theilnehmen, zahlen 30 Pfennige nach. Anfang 7 Uhr. Eröffnung 6 Uhr. Billets à 30 Pf. sind bei allen Werkstatt- Vertrauensleuten und in den Bum Umzug Oranien- Straße 73, Hof I., günstigste Gelegenheit für Brautleute, Hotels, Wiederverkäufer. In meinem 6 Etagen großen Bahlstellen zu haben. Möbelspeicher, alles hell und übersichtlich, tein Um zahlreiche Betheiligung ersucht Einrichtungen von 100-1000 darüber rerkauft werden. Speziell empfehle ich die großen Borräthe verliehen gewesener zum Theil sehr am Donnerstag, den 26. März 1896, abends 8½ Uhr, adett, follen fofort ca 200 neue ganze Wohnung: 280/5 bei Bolt, Alte Jakobstraße 75. Tages- Ordnung: 1. Der bevorstehende Gewerkschafts- Kongreß. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 109/6 Um zahlreichen Besuch bittet Achtung! Der Vertrauensmann: Schumann. Achtung! General- Versammlung der Holz- u. Bretterträger, sowie Bretterschneider Berlins und Umgegend wenig benutter Möbel für jeden annehmbaren Preis. Theilzahlung gestattet. Kleiderspind, Sopha 18 Mart, Kommode, Küchenspind, Wasch= Das Komitee. J. A.: Richard Heinrich. Belle- Alliance- Theater. toilette 12 Mart, Stühle 3 Mart, Bettstellen Sonntag, den 29. März, nachmittags 3 Uhr: mit Federmatraße und Keilkissen 18 Mart, elegante Nußbaum- Kleiderspinde und Wäschespinde 30 Mart, Muschelspinde 40 Mart, Säulen Kleiderspinde und Bertikows, hochelegant 46 Mart, Trumeaur mit Stufe 55 Mart, 3um zweiten Male: Rothe Bettel. 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Es ist Pflicht aller Kollegen zu dieser Versammlung pünktlich und zahlreich zu erscheinen, um zu zeigen, daß Ihr gewillt seid voll und anz für Eure Sache einzutreten. 84/15 Der Einberufer. Stellmacher. Mittwoch, den 25. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, im Lokale 159/17 des Herrn Noack, Brunnenstr. 16: Große öffentliche Versammlung. Tages Ordnung: S 1. Berichterstattung über die Situation des Streits. 2. Verschiedenes. Achtung! Putzer. Die Lohnkommission. Achtung! Die Sitzung der Baudeputirten der Buzzer findet Freitag, den 27. d. Mts., abends 8 Uhr, bei Buske, Grenadierstr. 33, statt. Die Kollegen werden ersucht, von jedem Bau einen Deputirten zu entsenden und pünktlich zu erscheinen. 132/16 Siehe dieselbe Nummer unter„ Gewerkschaftliches". Der Vertrauensmann. Achtung! Chirurgische Branche. Donnerstag, 26. März, abends 8 1hr, bei Buske, Grenadierstr. 33: Oeffentliche Versammlung Wahi Fonds. MaiMarken liefert in künstlerischer Ausführung mit Portraits v. 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Kommunal- Wählerversammlung in den ,, Viktoria- Festsälen", Hermannstr. 49/50. Zages Ordnung: 1. Die bevorstehende Nachwahl. Referent: Reichstags- Abgeordneter F. Zubeil. 2. Aufstellung eines Kandidaten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Loh- Tannin- Bäder auch für Kranken- Kassen Ansbacherstr. 19, Wallstr. 70, Neu Kölln a. W. 6-8, und Pankstr. 32, Berlin, Don G. Münsel. Sicherste Heilung bei Rheumatismus, Gicht, Ischias, alle Haut-, Blut- und Frauenkrankheiten, veraltete Geschlechtsl., Folgen d. Queckfilberkur, Magen-, Nerven, Nieren- 11. Blasenleiden. 4549L* Täglich für Damen und Herren bis abends 10 Uhr. Juhaber dieser Annonce das erste Bad 1 Mt. Der Sommergarten ist geöffnet. usstellung für Kochkunst, Volksernährung, Bäckerei, Conditorei und alle verwandten Gewerben von 21.- 29. März Leipzigerstr. 4( alter Reichstag), vom 21.- 24. März Königgrätzerstr. 132( fr. EisenbahnBetriebsamt). Eröffnung 21. 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Carl Schindler, Chausseestr. 55 83b Berantwortlicher Redakteur: August Jacobey, Berlin. Für den Inferatentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin.